Die Waffen hoch! Als vertrauliche Handschrift gedruckt! Arthur Auerssen Die Waffen hoch! Doch welche Waffen? Eine Widerlegung des Völkerfriedensgedankens auf Grund der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, die mit der Verschieden heit der Menschennaturen rechnen muh. — Zugleich eine Be trachtung über die spätere Möglichkeit, durch Beschränkung der neuzeitlichen Kriegsformen und Kriegsmittel künftige Kriege einerseits mehr mit den Forderungen der Menschlichkeit, andererseits mehr mit der Forderung der Höherentwickelung der Menschheit durch rassische Auslese in Einklang zu bringen. Dresden !9!H.Inhalt. Warum jetzt? S Erster Teil: Die Waffen hoch! Die Friedensforderung „ Kann der Krieg, beziehentlich die Forderung des Völkerfriedens mit der Natur der Menschen vereinbart werden? . , . . „ Kann die Natur der Menschen ohne Schaden der Forderung des Völkerfriedens angepaßt werden? „ Können die Völker zum Friedenhalten gezwungen werden? . . „ Wäre ein Völkerfrieden überhaupt erwünscht? „ Ist ein dauernder Frieden wenigstens in engeren Völkergruppe» denkbar? „ Zweiter Teil: Doch welche Waffen? Entsprechen die neuzeitlichen Kriegsformen und Kriegsinittel dem ursprünglichen, natürlichen Zweck des Krieges? „ Führt der neuzeitliche Krieg zur Rassenverschlechterung? , . . „ Wie können die neuzeitlichen Kriegsformen und Kriegsmittel künftig einerseits mit den Forderungen der Höherentwicklung der Menschheit durch rassische Auslese und andererseits mit den Forderungen der Menschlichkeit mehr in Einklang ge bracht werden? „ 7 9 21 29 36 38 43 4? 51Wirkliche und dauernde Lebensmeisterung gelingt nur durch Einordnung in die Natur. Im Sturmschritt geht jetzt unser Leben und die Cntwickelung unseres Volkes einher und — wohin? Wohin? Viele, ja die meisten wissen es nicht und fragen kaum danach. Sie machten sich ja auch vor dem Kriege keine Ge danken über die Zukunft unseres Volkes, mochten sie auch über mancherlei weniger Wichtiges gedacht und gedichtet haben. Jetzt nehmen sie, ohne viel zu prüfen, die Gedanken an, die ihnen von anderen vorgesetzt werden, und das machen sich manche zunutze, manche Volksführer, aber auch manche Volks- ver führer. Wie kleinlaut waren doch die deutschen „Pazifisten" beim Ausbruch dieses Weltkrieges — zumal, als sie allmählich inne wurden, daß ein erschreckend großer Teil ihrer früheren Gesinnungsgenossen im Auslande versagte, ja, die Völkerverhetzung und den Völkerhaß sogar anschürte! Wie mußten sich jene Deutschen schämen, die über die „Cinkreisungssurcht" Deutschlands gespottet und über die „unnützen, volksverzehrenden" Rüstungen gezetert hatten, als wir alle endlich — deutlich und unleugbar — sahen, daß die Einkreisung, der Über fall, die Teilung und Vernichtung Deutschlands trotz der heuchlerischen Frie densversicherungen seiner Feinde längst von ihnen abgekartet gewesen war und daß uns nur die stete Bereitschaft und die glänzende Rüstungsanordnung und -aussührung vor der Überrumpelung gerettet haben. And doch — wie bald haben gerade die Pazifisten wieder Haupt und Stimme erhoben und wie hören wir jetzt — gerade jetzt, wo die Mittelmächte im Vorteil sind — allerorten wieder von ihnen, daß dieser Krieg „der letzte Krieg" sein müsse, daß wir einen billigen Frieden machen und unsere Feinde schonen müßten, um sie später zu Freunden zu gewinnen und damit den „dauernden Frieden" zu sichern und dergleichen mehr. Cs ist ja erklärlich, daß mancher .m Volke sich naa) Frieden sehnt — in Anbetracht des ungeheuren Elends, das dieser Weltkrieg mit sich bringt —, daß auch mancher sonst weitblickende und unbeirrbare Volksführer im Hinblick auf so manche Unsinnigkeit des jetzt üppig wuchernden Völkerhasses sich die Frage vorlegt, ob nicht doch der so bestechende Gedanke des Völkerfrie dens Aber nein! Wir dürfen jetzt nicht nach Wolkenkuckucksheimen ausblicken! Wir Deutsche wenigstens müssen jetzt scharf in die Wirklichkeit um uns blicken und klar in uns denken, damit wir die Schicksalsstunde unseres Volkes nicht verträumen und all die unmeßbaren und unsagbaren Opfer, die die Niedertracht unserer Feinde von uns fordert, nicht umsonst bringen.Diese Gefahr der Volksverwirrung ist es auch, die mich dazu führt, die folgende, schon vor dem Weltkriege in Vorträgen und Aussprachen angewandte naturwissenschaftliche Betrachtung der Friedenssrage trotz meiner früheren Ab ficht, sie erst später niederzuschreiben, schon jetzt, während des Kriegsgetümmels, den Gesinnungsgenossen zugehen zu lassen, um ihnen damit die Bestätigung ihrer Überzeugung und weitere Waffen zu ihrer Verteidigung und Durch- fetzung zu geben. Andererseits hoffe ich aber auch durch die naturwissenschaftliche Betrach. tung der Kriegsfrage denjenigen einige Klärung ihrer Zweifel zu bringen, die zwar die Naturnotwendigkeit des Krieges erkennen, aber die Zweckmäßigkeit der Formen und Wirkungen des neuzeitlichen Krieges nicht anerkennen können und deshalb nicht recht darüber klar werden, wie sie sich zu der Frage stellen sollen. Juli 1916 vi-, med. Arthur Luerssen^ Dresden, Niederwaldstraße 23.7 Erster Teil Die Waffen hoch! Die Friedensforderung. Die Friedensfrage wird keineswegs von allen Freunden des Friedens in gleicher Weise gestellt und beantwortet, uns treten vielmehr in bunter Reihe die verschiedensten Abstufungen vom uferlosen Befürworter des ewigen Aller- weltfriedens bis zum planvoll und mit Zugeständnissen arbeitenden ZZesür- worter der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit entgegen. Die uferlosen Friedensfreunde, die zum Teil der organi sierten „pazifistischen" Bewegung fernstehen, glauben an die Verwirklichung des altbekannten „Goldenen Zeitalters" durch einen Allerwelts- frieden, Sic reden von der „Wefensgleichheit und Gemeinbürgschaft („Solidarität") aller Menschen", vom „Organismus Gesellschaft" und glauben demnach, daß alle Völker der Erde — von den Buschmännern, Australiern, Negern bis zu den Romanen, Slawen, Germanen — alle gleicher Art und gleichen Wesens seien, so das; sie allmählich dazu kommen könnten, auch alle eines Sinnes zu werden und zwar eine gleiche, höhere, empfindsamere, sitt lichere Auffassung des Lebens zu hegen und deswegen alle mitsammen friedlich und freundschaftlich neben- und durcheinander zu wohnen. Manche von diesen Friedensfreunden erhoffen den Anbruch des Friedenszeitalters in Bälde, manche andere erst in einigen Hunderten oder taufenden Iahren, einige schließ lich, die nicht so ganz sicher zu sein wagen, glauben wenigstens, daß wir aus sittlichen Gründen dieses Vorbild anstreben müßten, wenn wir's auch nie erreichen sollten. Die in den Fried ensgesellschaften und -instituten organisierten Friedensfreunde, die sich gewöhnlich „Pazi fisten" (früher Pazifizisten, gleich Friedensmacher) nennen, haben sich in ihren Anschauungen allmählich stark gemausert und ihre Forderungen bedeutend eingeschränkt. Doch sind auch sie nicht alle einer Meinung — wenigstens in ibren Schriften nicht. Die vorsichtigsten, wie zum Beispiel A. H. Fried, der Verfasser des „Handbuches der Friedensbewegung"') und Schriftleiter der „Friedenswarte"'), lassen die unzivilisierten Völker außer Betracht und 1) Leipzig und Berlin 1911, Verl. der Friedenswarte, jetzt wohl wie 2). 2) Im Selbstverlag des Herausgebers -A. Ä. Fried, früher Wien, jetzt Zürich. Äerr Fried ist im Lause des Weltkrieges nach der Schweiz übergesiedelt. Ks wird ihm wegen seiner einseitigen Beurteilung der Kriegführung mit Recht Deutschfeindlichkeit vorgeworfen.8 meinen, daß auch die Kulturvölker minderer Kulturhöhe vorläufig für den Völkerfrieden nicht reif seien. Ja, sie geben sogar zu, daß der herzustellende Frieden zwischen den höchsten Kulturstaaten wahrscheinlich kein dauernder, ewiger sein werde, sondern dah Zwistigkeiten vorkommen könnten. Sie be haupten aber, daß durch internationale Organisation — das heißt zum Beispiel Vermehrung des Weltverkehrs, des Welthandels, des Weltkredits, der Weltzweckverbände und der Weltverträge — die Neigung und die Gründe zum Kriege immer mehr eingeschränkr werden könnten. Wo Zwiste entständen, würden sie durch die weiter befestigte oder infolge der internationalen Organisation entstandene internatio- nale wirtschaftliche Abhängigkeit und durch die dadurch bedingte große Unsicherheit des Kriegsausganges von selbst unterdrückt werden oder sie würden leicht durch eine diplomatische Verständigung oder ein Schiedsgericht beigelegt werden. Das Schiedsgericht könnte den etwa sich nicht fügenden Teil durch Verhängung des W e l t b o y k o t t s, also durch Entziehung von Nachrichten, Zufuhr, Ablauf, Kredit und Hilfe seitens anderer Völker und Beschlagnahme des im Auslande festgelegten Besitzes, mürbe machen oder schließlich eine „internationale militärische Exekution" über ihn verhängen, was jedenfalls etwas ganz anderes sei als Krieg. Daher kommen diese gemäßigten Pazifisten — nebenbei bemerkt — auch nur zur Forderung der „quantitativ beschränkten Rüstung", nicht der völligen Ab- rüstung. Betreffs der Mittel, mit denen dieser Friedensplan zu verwirkliche» sei, beziehentlich ihrer Organisation und Anwendung sind die Aus- sührungen der Pazifisten reichlich mangelhaft und verschwommen, sodaß man trotz regen Studiums ihrer Schriften und selbst bei bestem Willen kein ein deutig klares Bild davon erhält, — ja selbst in diesen Schriften und Reden der gemäßigten Pazifisten (selbst bei Fried z. B.) gucken in den mehr neben sächlichen Ausführungen immer wieder die Allerwelts- und Cwigkeitssriedens- gedanken durch und deswegen sind ihre Lehren trotz der scheinbaren Zugeständ nisse an die Wirklichkeit ebenso verwirrend und irreführend für das Volk, ja noch gefährlicher als der uferlose Friedensglaube. Wir wollen die einzelnen Strömungen und Abzweigungen des Pazifismus bei unserer Untersuchung unberücksichtigt lassen und können es auch, da wir auf unserem eigenen Gedankenwege schneller und sicherer ans Ziel der Er kenntnis gelangen werden. Wenn wir nun die Friedensforderungen darauf prüfen wollen, ob sie ver wirklicht werden können und in diesen» Falle günstig wirken würden, dürfen wir nicht — wie so viele und vor allem so viele Pazifisten — in den Fehler ver fallen, sie oberflächlich spekulativ zu behandeln nnd uns durch irgendwelche Einzelheiten und Nebensächlichkeiten, durch kurzsichtige Vergleiche oder ver schwommene Verallgemeinerung in die Irre sichren zn lassen ). Wir müssen dem W e s e n der Sache auf den Grund gehen: 3) Äier ein Beispiel dafür, mit wie oberflächliche» Gedankengängen nnd sozusagen ans beiden Beinen hinkenden Vergleichen selbst Pazifisten erstklassigen Rufes arbeiten: Der berühmte Pazifist, Physiologieprosessor der Universität Paris und nebenbei Antigermane Charles Richet, der Ende 1914 in Italien9 Bei jeder den Menschen und sein Wohl betreffenden Forderung, Bewegung, Maßnahme, Einrichtung — seien sie körperlichen oder geistigen Belanges — müssen wir uns stets fragen, ob sie mit der Natur der Menschen vereinbar sind oder ob umgekehrt d i e Natur der Menschen ihnen ohne Schade» angepaßt werden kann. Nur wenn dies oder jenes zutrifft, sind sie möglich, dauernd und berechtigt. Wenn wir diese — naturerkennende oder naturwissenschaftliche — Be trachtungsweise nur öfter anwenden würden! Dann würden wir gewabr werden, daß so manches ein ganz anderes Aussehe» hat, als es bei obersläcb- licher, »ur spekulativer Betrachtung schien, daß so manches, was uns als Kultur und Fortschritt gepriesen wird, weiter nichts ist als Überkultur, Aster - kultur und Irrgang. Wir würden dan» vor so manchem Schaden bewabrt bleiben. Kann der Krieg, beziehentlich die Forderung des Völker friedens mit der Natur der Menschen vereinbart werden? In dieser Frage benutzen wir zwei Begriffe: „Krieg" und „M e n - s ch e n n a t u r", die sehr viel angewandt »verde», die aber von vielen gar nicht vorher ergründet und erfaßt worden sind. Daher müssen wir uns auch erst über sie klar werden, ehe wir die Frage entscheiden. Die wissenschaftliche Naturerkenntnis — aber auch schon die tägliche Erfahrung — lehrt uns, daß alle Lebewefe» den unwiderstehlichen Trieb in sich haben, sich am Leben zu erhalten, ihre Eigenart zu betätigen, sich zu vermehren und sich auszubreiten. Das Bestreben, diesem Triebe Folge zu geben, führt bei der unschätzbaren Masse und Verschiedenheit der Lebewesen zu einer Unmenge immer wiederkehrender Spannungen, Reibungen, Zwistigkeiten, Kämpfe und Veruichtungen, die wir „Kampf ums Dasei n" nennen. Reden hielt, die — nicht etwa de» Friede», sondern die Aush»»geru»g des gesainten deutschen Volkes zum Ziele hatte», sagt in seinen» Werke „Die Ver gangenheit des Krieges und die Zukunft des Friedens" (Deutsche Übersetzung von B. v. Suttner, Verlag Minden, Dresden 1912, S. LZ): „Doch wir hoffen, daß diese von Menschen eingesetzte Geißel (der Krieg) eines Tages verschwinden werde Desgleichen dürfen wir voraussetze», daß die nicht von Mensche» geschaffene Geißel, die Krankheit, eines Tages verschwinde» werde, daß die Ärzte kei»e Daseinsberechtigung mehr habe» werde»." — Daß ei» Phy siologieprofessor so etwas schreiben kann! Jeder mit Mutterwitz begabte Laie schon kann sich sagen, daß der Mensch, solange er dem 5ode unterworfen ist, vorher naturnotwendig auch abgenutzt, weniger widerstandsfähig, schwach werden muß und, »venn er schwach ist, allerlei inneren Störungen und äußeren An feindungen, d. h. Krankheiten, nnterliegen kann. Wen» die Beantwortung der Friedensfrage wirklich an diesen» dürstigen Gedankenfaden hinge, dann wäre die Streitfrage schnell erledigt! Run, »vir »vollen Äerrn Nicket nicht beim Wort nehme» und nur ihn» entgegenhalten: Die Krankheiten könne» nur eingeschränkt werden n»d ebenso die — Kriege.10 Freilich, manche erkennen diese» in der gesamten Welt der Lebewesen schonungslos wütenden Kampf nicht, aber er ist vorhanden — selbst draußen in dem so vielgerühmten „Frieden des Gottesackers" — und er fällt uns Menschen nur deshalb nicht auf, weil er nicht mit der theatralischen Pose durchgeführt wird, die mauche voraussetzen. Die Pflanzen — und selbst die zartesten Blumen — ringen stumm verzweifelt miteinander um Platz, Nahrung, Luft und Licht, ja auch wegen unmittelbarer Lebensbedrohung, selbst die fried- lichsten Tiere haben Feinde in großer Zahl und sind selbst Feinde — von Pflanzen sowohl, wie von Tieren. Ein Lebewesen lebt auf Kosten von anderen. — Dieser Kampf ums Dasein wütet und läßt sich nicht unterdrücken oder vermeiden, er ist eine Naturnotwendigkeit. Auch künstlich läßt er sich nicht vermeiden, denn, selbst wenn wir zum Beispiel eine Pflanze in einem Topfe davor schützen wollten, müßten wir sämtliche Lebewesen und ihre Keime in der Topferde — auch die Bazillen — vernichten und ebenso die auf der Pflanze befindlichen und müßten weiter ebenso alle Lebewesen oder Keime, die durch Luft, Wasser, Berührung noch hinzukommen könnten, vernichten, wir würden also einen noch wütenderen Kampf gegen Lebewesen führen müssen, als es die Pflanze in der Freiheit selbst tut, und schließlich — die Pflanze würde eingehen. Allerdings ist es falsch, nach dem Satz ..bsllrun »muiuin oontri,. omnes" (auf Deutsch „Krieg aller gegen alle") mißverstehend anzunehmen, daß jedes Lebewesen der Feind eines jeden anderen sei. Nein, es gibt sehr viele Lebe wesen, die einander gleichgültig sind nnd deshalb in Ruhe lassen, ja es gibt sogar — allerdings selten —solche, die einander im Kampfe ums Dasein unter stützen und auf einander angewiesen sind, in „Symbiose" oder „Vergesell schaftung" leben, — aber wie schon bemerkt: jedes einzige Lebewesen hat Feinde, sogar unzählbar viele Feinde und ist selbst der Feind unzählbarer anderer. Ist der Kampf nms Dasein auch scheinbar blindwütend, so wirkt er doch als der große Ordner auf der Erde: Nur diejenigen Einzelwesen, nur diejenigen Rassen und Arten bleiben erhalten, betätigen sich, vermehren sich und breiten sich aus, die sich infolge ihrer Tüchtigkeit im Kampfe ums Dasein durchsetzen. Die anderen — minderwertigen, minderpassenden — werden zurückgedrängt oder vernichtet. Damit erzeigt sich der Kampf ums Dasein als ein wickitiges Mittel für die Auslese und für die 5?öherentwickelung der Lebewesenwelt, Die Menschen unterliegen nun aber denselben Naturgesetzen wie alle anderen Lebewesen, sie unterliegen deshalb ebenfalls naturnot wendig dem Kampf ums Dasein, der bei ihnen allerdings teilweise andere Formen angenommen hat, als wir sie bei den Tieren beobachten. So ist z. B. der Krieg nichts anderes als eine Form des Kampfes ums Da s e i n und wir müssen annehmen, daß er durch all- mäbliche Wandlnng, schritthaltend mit der Cntwickelnng von Familien, forden, Völkern und Staaten und entsprechend der Entstehung und Ver feinerung der menschlichen Technik aus dem ursprünglichen, rohen, blutigen Kampf »ms Dasein des Urmenschen gegen den Urmenschen entstanden ist. Wenn die Pazifisten behaupten, daß wenigstens nunmehr ein klaffender undII wesentlicher Unterschied zwischen dem Krieg, dem organisierten Massen- und Scharenkampf der Menschen, nnd dem Kampf der Tiere, als einem Cinzel- kamps, bestehe, so irren sie — aus Unkenntnis der Natur. Bei den Tieren äußert sich der Kampf ums Dasein — vor allem der blutige, vernichtende — in der Hauptsache allerdings als Cinzelkamps zwischen Einzelwesen verschiedener Art oder gleicher^) Art, weil eben/die Tiere nur teilweise Horden oder Völker bilde». Wo sie es tu» (z, B. bei den Affen, Wildrindern, Wildpferden, Wölfen, Ratten, Reihern, Kormora»en, Ameisen und anderen), da gibt es auch Scharenkämpfe zwischen Tiervölker» ^ wohl- gemerkt sowohl der gleichen, wie auch verschiedener Art —, ja es gibt sogar sozusage» große Kriege zwische» ganzen Rassen, beziehentlich Arten, man denke nur an die kriegerische Verdrängung der Hausratte durch die Wanderratte, eine typische Völkerwanderung! Daß der Scharenkampf der Tiere nicht so ei»gehe»d organisiert ist wie unser moderner Krieg, tut nichts zur Sache, der „Krieg" zweier Australierhorden oder zweier Zigeunerhorden ist nicht viel organisierter als der Kampf zweier Affe»- oder Wildhundhorden, und wir finde» beim Menschen alle Übergänge. Freilich, die Abänderung, die diese Form des Daseinskampfes der Menschen getroffen hat, ist beträchtlich —, ich will hier vorläufig nur auf zwei Seiten, die für unsere Frage in Betracht kommen, hinweisen. Zunächst: Als Ver- nichtungswerkzeuge im Kriege dienten ursprunglich nur die Körperwerkzeuge: Zähne, Hände, Füße, dann aber allerlei Krastübertragungsmittel wie Stein, Keule, Hammer, Axt, Schwert, Speer, Pfeil u»d Boge». Durch Hinzunahme der chemischen Kraftübertragung, der Explosion, wurde» schließlich die Ver- »ichtungsmittel in ihrer Wirksamkeit gewaltig gesteigert — so sehr, daß die Waffen de» Mensche» sozusagen über den Kopf gewachfe» sind. Man kann hier sozusagen schon von einer Entartung des Kampfes sprechen. Wir wollen aber erst im zweiten Teile der Schrift näher darauf eingehen. Eine a»dere Art der Umwandlung des Kampfes zwischen den Menschen ist die Vermehrung der Kampfesgründe, beziehentlich Kampfeszwecke. Mit gewissen Verirrungen des menfchliche» Geisteslebens hat sich auch der Kriegszweck teilweise verirrt. Ursprünglich — das können wir als sicher annehmen — war der Krieg wirklich nur ein Kampf ums Dasein, das heißt um Leben, Platz, Nahrung, Besitz, Weib, mögen die Veranlassungen in ihrer Schwere oft auch nur geringfügige u»d nebensächliche gewese» fei». Jetzt aber keime» wir »icht nur die ursprüng lichen Beute-, Verdrängungs-, Vernichtungs- und Verteidigungskriege, die geführt werden, um bessere Dafeinsbedingungen zu erkämpfen, wir ken»e» anch noch Religions-, Dynastie-, Prestige-, Finanzspekulations-, politische Ab- lenkungs- und Abenteuerkriege und, wenn man will, noch manche Spielart mehr in mannigfaltigster Vermischung und mit viele» Übergängen — jedenfalls Die Pazifisten (An gell, Novikow ». a.) behaupte» schlankweg: Tiger sressen ihre Artgenofsen nicht und deshalb soll der Mensch sei»e Art- genossen auch nicht töten. — Dagegen ist zu sage«: Raubtiere u. a. töte», ja fressen auch Artgenofsen, es wird nur wenig bekannt. Ääufig erlebt man es bei Ratten, Spitzmäusen, Mäusen, Wölfen, Wildhunden, Schweinen. Nicht- raubtiere kämpfen jedenfalls um Nahrung, Wohnnng und Weibchen mit Art genosse» und töte» sie oft, ja sie kämpfe» manchmal auch aus rein persönlichem Haß miteinander.12 Kriege, für die keine natürliche Notlage vorliegt. Die Schwierigkeit der Verständigung über das Wesen des Krieges und über die Friedensfrage liegt zum Teil mit darin, daß sich die Streitenden nicht vorher darüber klar werden, welche Art des Krieges sie bei ihren Behauptungen meinen. Deshalb möchte ich hier auch gleich betonen, daß ich in dieser Schrist,xwo ich vom Kriege ohne weiteren Zusatz spreche, immer den Kampf meine, der zur Verteidigung des Da seins, der Eigenart, beziehentlich zur Gewinnung von D a s e i n s b e d i n g u n g e n im Hinblick auf die Ver- mehrung geführt wird, also eine Form des Kampfes ums Dasein ist. Kriege zu anderem Zwecke, zum Beispiel zur Religions ausbreitung oder zur Ruhmesvermehrung, halte ich sür unnatürliche Abirrungen, die den natürlichen Bedürfnissen der Menschen nicht ent sprechen, und inbezug auf sie stimme ich den Pazifisten °) ohne weiteres zu, daß sie menschenunwürdig sind und vermieden werden sollten. Ich bin übrigens auch der Überzeugung, daß sie von selbst seltner werden werden. Von der Cntwickelung des Kampfes ums Dasein aus einem Kamps mit körperlichen Vernichtungsmitteln zu einem mit rein geistigen, z. V. zum wirt schaftlichen, finanziellen Kampf, der den Feind durch gewissen Zwang in Rot- lagen bringen, schwächen, ja teilweise oder ganz vernichten kann, will ich hier vorläufig absehen, wir begegnen dieser Kampfesform später noch. Nun fragt es sich, ob die Natur der Menschen wirklich so i st, daß sie den? blutigen Kamps ums Dasein — wie die Tiere — unterliegt und daß sie seiner zum Bestehen und zur Vermehrung nicht e »traten kann. Man braucht nicht An thropologe vom Fach zu sein, sondern nur mit klaren erkennen wollenden Augen um sich zu sehen, um zu merken, daß die Menschen einerseits gegenüber der großen sonstigen Lebewesenwelt eine ziemlich scharf abgegrenzte Gruppe bilden, andererseits unter sich nicht alle gleich und gleichartig sind, in manchem sogar einander entgegengesetzt find. Die Gattung Mensch „llon>c>") ist in verschiedenen Arteu I und Rassen mit verschiedenem inneren uud äußeren Wesen zerfallen. Obwohl das wissenschaftlich anerkannt und vor allem offen ersichtlich ist, wird es doch von manchen übersehen — teilweise aus Oberflächlichkeit, teil- weise aber auch geflissentlich aus verschiedeilen hier nicht näher zu erörternden Zweckmässigkeitsgründen. Deshalb bitte ich, es mir nicht zu verübeln, wenn ich die Tatsache der Ungleichartigkeit und Ungleichheit der Menschenrassen eingehender und ausholender begründe, als es vielen meiner Leser dem Stande ihres Wissens gemäß notwendig erscheinen wird. Ich tue es auch des- wegen schon, weil die Pazifisten gerade einer gründlichen Erörterung dieser ihnen unbequemen und gefährlichen Tatsache auszuweichen pflegen, indem sie immer von der Menschheit als von „d er (!) menschlichen Rasse", von „d er (!) Gesellschaft", von „dem (!) sozialen Organismus" sprechen. Ich möchte aber auch meinen Gesinnungsgenossen die als Waffen notwendigen Kenntnisse übermitteln. 5) Die Pazifisten mache» allerdings nieines Wissens keine solchen Unterschiede.13 Zunächst einmal der zum Schlagwort gewordene Vergleich der Menschheit mit einem Organismus, in dem also die Völker oder Staaten die Organe und die einzelnen Menschen die Zellen darstellen. Cr wird vor allem von den „Soziologen" und im besonderen den sogenannten „Organizisten" zur Begründung ihrer Lehren angewandt. Cr zeigt, daß jene sich im Irrtum darüber befinden, was ein Organismus ist und wie er sich be tätigt. In einem Organismus haben die verschiedenen Organe und Zellarten verschiedene Funktionen und können einander nicht ersetzen: z. B. können Sehzellen nicht schmecken und umgekehrt Schmeckzellen nicht sehen, —weiter sind die einzelnen Organe und Zellen in ihrer Betätigung abhängig von anderen und müssen auf gewisse Reize „reagieren": Muskclzellen z. B. ' können ohne den Reiz der Muskelnerven nicht arbeiten und müssen arbeiten, wenn der Reiz kommt. Weiter find Organe und Zellen an ihren Platz ge bunden, mit Ausnahme der einen Klasse der Wanderzellen, Eiterzellcn u. a. — und schließlich ist der Bestand des Organismus bis zu einem sehr hohen Grade von dem Bestehen und der Gesundheit der einzelnen Organe abhängig, das heißt: gehen gewisse Organe oder Zellen zugrunde oder werden sie krank, so tun es auch andere und schließlich der ganze Organismus. Dagegen die Menschheit: Allen Völkern und Menschen stehen im großen ganzen und im Sinne dieses Vergleiches betrachtet, nahezu gleichartige Funktionen — nur in verschiedenem Ausmaße — zur Verfügung, — weiter sind die einzelnen Völker und Menschen nicht notwendig von einander in ihrer Betätigung und ihrer „Reaktion" abhängig, sie können sich — theoretisch — der Abhängigkeit unterwerfen, aber auch entziehen, — weiter sind die Menschen nicht an den Platz gebunden — und schließlich ist der Bestand der Menschheit als Ganzes nicht abhängig vom Bestehen und der Gesundheit einzelner Völker oder gar Menschen; — sie wäre dann ja schon tausende Male gestorben. Einen solchen zweifelhaften Vergleich zwischen Organismus und Mensch heit oder Volk könnte man wohl gelegentlich mal oberflächlich im Gespräch machen, man darf ihn aber nicht zum Schlagwort machen und weltbewegende Lehren auf einen solchen Trug ausbauen. Wenn die verschiedenen Menschen nun auch im großen ganzen einander ähnlich sehen und viele Übereinstimmungen aufweisen, so zeigen sie doch im Feineren beträchtliche Unterschiede. Die Natur zeigt in der Entwickelung der Lebewesen stets und überall eine Neigung — ich müßte eigentlich sagen: einen Zwang — zur „Divergenz", „Differenzierung", auf deutsch Auseinander entwickeln» g. Aus einer Arform entstehen durch äußere und innere Einflüsse verschiedener Art allmählich neue Formen, die von der alten und voneinander abweichen, aus diesen wieder neue, verschiedene, noch weiter voneinander abweichende nnd so sort. So denken wir uns die außerordentliche Menge und Buntheit der jetzigen Lebewesensormen entstanden, und wenn wir sie uns infolge einer, anderen Weltanschauung (Schöpfungsglauben) auch nicht so entstanden denken wollten, jedenfalls ist sie da. Wir können zwar — und wohlgemerkt verhält nismäßig selten — zwischen verschiedenen Formen eine gewisse Wieder annäherung feststellen, zum Beispiel das Mimikry, oder sonstige Form ann ä h e r u n g e n , zum Beispiel die Fischgestalt der Wale, doch sind diese14 Annäherungen nur scheinbar und oberflächlich. Sie ändern nichts an dem ver schiedenen Wesen der betreffenden Formen: Der blattähnliche Schmetterling bleibt in senem Wesen ein Insekt, der fischähnliche Wal ein Warmblüter, Lungenatmer, Säugetier. Wir haben kein Beispiel dafür, daß sich in der Natur auseinanderentwickelte Formen, bez. Arten oder Rassen — auch wenn sie unter gleichen Bedingungen leben — durch Entwickelung so nähern, daß sie wieder eins werden wie vordem. Wenn sich zwei verschiedene Rassen auch geschlechtlich vermischen, so entsteht doch im günstigsten Falle eine neue dritte Form, eine Bastardform, die übrigens vielfach nicht beständig ist, sondern wieder durch Spaltung der Erbeigenschaften (Mendeln) zerfällt, also nicht zur Ruhe und Befestigung kommt. Auch die Menschenformen — frühere und gegenwärtige — zeigen 11 I in ihrer Entstehung die Auseiiianderentwickelung. Die Cntwickelungskunde lehrt, daß die Menschenformen von — wir können vorläufig annehmen einer — Urform abstammen, die noch nicht mensch liches Wesen hatte, nicht Mensch genannt werden kann. Aus dieser Urform, die ich (nach Klaatfch) „Voraffenmenfchform" uennen will, beziehentlich aus ihren Verzweigungen haben sich einerseits die Vormenschenaffenformen und aus diese» die verschiedenen Arten menschenähnlicher Affen entwickelt, — andererseits die Vormenschenformen und aus ihnen die Menschen. Wir haben durch glückliche Ausgrabungen viele und schöne Zeugnisse von den Vertretern der Menschheit aus den frühesten Zeiten der Menschwerdung, in den ersten Abschnitten des Quartärzeitalters der Erde. Zu jener Zeit schon, mindestens fünfzig Jahrtausende vor uns, lebten — und kämpften — in Mitteleuropa zum mindesten zwei grundverschiedene Menschenarten: Die eine ist der „R e a n d e r t a l e r m e nf ch". Cr hat seinen Ramen nach der ersten Fundstelle Neandertal, wird aber auch nach dem einen Fuudort I^s ^loustisr „Homo inoustsrisnsis ' genannt. Als wissenschaftlicher Name ist auch „Homo aksr kossilis'' (Wilfar) vorgeschlagen, ich will ihn hier der Kürze und Gemeinverständlichkeit wegen „Urafrik a n e r" nenne» und glaube damit wohl de» meisten Fachgelehrte», die sich mit dieser Sache beschäftigen, gerecht zu »'erden. Cr war ein Mensch von etwa 1,6t) m Standhöhe, unter setzt, vierschrötig, muskelstark, mit verhältnismäßig zurücktretendem Hirnschädel und verhältnismäßig hervortretendem Gesichtsschädel. Damals war Europa durch Landbrücken mit Afrika verbunden, hatte afrikanisches Klima, Flora und Fauna. Die Neandertaler- oder Urafrikanerrasse wird als Urbevölkerung des Südens vo» West- und Mitteleuropa angesehen. Europa erlitt' damals aber klimatische Umschwünge uud vo» Osten her drangen Arten ein, die mehr der asiatischen Tierwelt nahestehen, und mit ihnen auch eine andere Menschen art, der „Aurignak m e n s ch". Cr wird nach einem Fundort .^nriZnlxz so genamit, wissenschaftlich auch „Homo ön.ropitsn.s tossilis" (Milser), ich will ihn hier aus den obigen Gründen als „Ureuropäer" bezeichnen. Der Ur- europäer.war meist »icht wesentlich größer als der Urafrikaner, aber schlank, mit einem in vielen Einzelheiten von ihm verschiedenen Knochenbau, nicht minder muskelstark, aber mehr sehnig, von höherer Stirn, größerem Schädel inhalt und verhältnismäßig zurücktretendem Gesichtsschädel. Der Urafrikaner besaß eine sehr ursprüngliche Gebrauchskultur, der Ureuropäer eine fort- geschrittenere Kultur mit Ansätzen zur Kunstbetätigung.15 Jene beiden Unncuschenarten '»> Nord- und Mitteleuropas müssen wir wegen der großen und wesentlichen Unterschiede wenigstens als „gute" Arten im zoologischen Sinne auffassen, wie dies der in seinen Untersuchungen über aus gründliche und in seinen Schlüssen sehr vorsichtige, leider nur allzufrüh gestorbene Anthropologe Hermann Klaatfch (Breslau) feststellte?). Klaatsch fand sogar, daß der Urafrikaner in seinem Knochenbau sehr viel Übereinstimmungen mit dem hente lebenden Gorilla und andererseits der Ar- europäer mit dem Orang-Utan hat. Bei weiteren Untersuchungen fand er, sowie unabhängig davon der Anthropologe F. Melchers, auch ähnliche Zu- fammenhänge heute lebender Menschenarten und -rassen mit den Menschen affenarten, so daß er infolge dieser und auch geologischer und zoologischer Übereinstimmungen der Umwelt der Urmenschen zu dem Schluß kommen mußte, daß Urafrikaner, nebst seinen Nachkommen, und die Gorillas aus einem gemein samen Abzweig der vorhin genannten Voraffenmenschenform entstanden sind, während der Ureuropäer, nebst seinen Nachkommen, und die Orang-Utans aus einem anderen Abzweige hervorgegangen sind, daß diese Menschenformen also ebenso wenigstens als „gute Arten" anzusehen sind wie Gorilla und Orang-Utan. Wir müssen annehmen, daß eine Reihe der jetzigen afrikanischen Völker vom Urafrikaner abstammt, und können durch Knochengerüst- und Kultur befunde nachweisen, daß die arischen Völker, insbesondere die Germanen, von jenem, mit dem Rückgang des nordischen Gletschereises nach Norden und zwar nach Skandinavien abgewanderten Ureuropäer abstammen. Die übrigen jetzt lebenden Menschenformen der Crde können wir teils schon (zum Beispiel die Australier) auf ähnliche Weise in entwickelungsgeschichtlich geordnete Gruppen einteilen und werden es nach weiteren Forschungen wohl noch mehr tun. Jedenfalls zeigen die Menschenformen, so verworren das Bild auch durch Völkerwanderung, Kreuzung, Durcheinandersiedelung, Sprachenaustausch und Staatenbildung ist, so starke äußere und innere, körperliche und geistige Ver schiedenheiten, daß wir nicht nur Rassen, sondern zum mindesten auch Arten unterscheiden können. Cs ist also irrig und irreführend, von „d e r Menschen- raffe" zu reden, wir sehen zum mindesten eine „Gattung Men s ch" (Homo), zerfallen in Arten (zum Beispiel tlowo aksr, IZomo Homo alpimis, Homo mscjiisrransus u. a.), diese wieder in Rassen (der Homo suropg.ous zum Beispiel in Germanen, Kelten, Slawen u. a,), diese wieder in Völker und Volksstämme (die Germanen zum Beispiel in Norweger, Schweden, Dänen, Deutsche u. a., die Deutschen in Friesen, Sachsen, Ale mannen, Bayern, Holländer, Flamen u. a.). Die Verschiedenheit der Menschenrassen erstreckt sich nun nicht, wie so manche glauben oder sich einreden lassen, auf einzelne, für das Wesen mehr nebensächliche Merkmale — etwa im Knochenbau oder in der Hautfarbe —, sie ist überhaupt viel vielseitiger und tiefgehender, als wir bisher glaubten und bisher fachwissenschaftlich festgestellt hatten; die 6) Es sind wahrscheinlich nicht die einzigen. Später macht sich z. B. nock) eine dritte Art bemerkbar, der I^Iomo alpmus, ein untersetzter, dunkler, kurzköpfiger Mensch. 7) Zeitschrist für Ethnologie, I9Il). Heft 3 und 4. Verhandlungen der Anatomischen Gesellschaft, I9IZ und 1914. Verlag G. Fischer, Jena.16 Anthropologen sind bedauerlicherweise erst in den letzten Jahrzehnten dahinter gekommen, wie der Mensch zu betrachten ist. Aber einerlei, es ist genügend vieles bekannt und ich muh — um der Sicherheit und Gründlichkeit willen — wenigstens einiges hier anführen. Die Verschiedenheiten der Völker, be ziehentlich Rassen, bestehen einerseits in Eigenschaften, die sie infolge des Lebens in verschiedener Umwelt und infolge verschiedener Betätigung nur vorübergehend erworben haben: „U m st a n d s e i g e n s ch a s t e n", die sich wenig oder garnicht erwerben und in anderer Umwelt oder bei anderer Be tätigung wieder schwinden. Andererseits bestehen sie in Eigenschaften, die sie durch ihre Abstammung ererbt haben, die von ihrer Umwelt und Betätigung in absehbarer Zeit nicht verändert werden — oft sogar dann nicht, wenn sie nicht recht zur Umwelt und Betätigung passen. Diese „Erbeigen schaft e n" sind zugleich die „R a f f e e i g e n f ch a f t e n". Wir wollen hier nur von ihnen reden. Die Verschiedenheit der Rasseeigenschaften ist schon im feinsten chemischen Aufbau der K ö r p e r z e l l e n, in der Mischung des Zellplasmas, nachweisbar. Wenn man einem Versuchstier, es könnte auch ein Mensch sein, fremdartiges Eiweiß (Zellplasma, Blutserum) einspritzt, so wirkt dieses als Fremdkörper — gewissermaßen als Gift — und der Körper des Versuchstieres bildet Schutzstoffe dagegen, hier zum Beispiel so- genannte „Präzipitine", Fällungsfermente, und andere Schutzstoffe, die nur dieses oder ihm verwandtes Eiweiß angreifen. Durch solche Versuche hat Brucks u. a. nachgewiesen, daß die verschiedenen Menschenrassen ein von ein ander verschiedenes Eiweiß besitzen. Durch den sogenannten Komplement- bindungsversuch von Menschenserum mit Kaninchenserum, das Schutzstoffe gegen Germancnfernm enthielt, konnte er sogar eine Stufenreihe unter den ihm (in Java) zur Verfügung stehenden Rassen feststellen: am höchsten steht der Holländer (also rassisch Homo suropgeus, Germane), es folgt Araber, (Homo 7ns(Iitsri'nnsus). Iavane (Sulu), Chinese, Malaye (Küstenmalaye), Orang- Utan. Das Eiweiß des Makakaffen (Nnv. e^iwmolAus) ging keine Reaktion ein. Leider sind diese so äußerst wichtigen Untersuchungen nicht fortgesetzt worden. Diese Verschiedenheit des chemischen Körperaufbaues offenbart sich unmittelbar durch verschiedenen Geruch der Rassen. Zigeuner zum Beispiel riechen anders als Europäer („sie riechen nach Mäusen", drücken sich manche aus), ebenso ist der eigenartige Rassegeruch besonders bekannt (sowohl uns, als auch ihnen) von den Indianern, Negern, Japanern, Juden, Indern und anderen. Auch im Gewebeaufbau zeigen sich die Rasseverfchieden- heiten in weitgehendem Maße — die Verschiedenheit der Hautfarbe, Haarfarbe, Haarform, Behaarungs weife, Augen färbe, F e t t e n t w i ck e l u n g (zum Beispiel am Steiß), Brustform und B r u st w a r z e n f o r m und manches andere rühren daher. Ja, es sind bei manchen Rassen Gewebeelemente vorhanden, die bei anderen fehlen oder ganz spärlich sind, zum Beispiel die in der Lederhaut liegenden sternförmigen Farb- zellen, die am Kreuz oder Gesäß der Japaner und anderer mongoloider Rassen in der ersten Kindheit einen blauen Fleck, den sogenannten Mongolen - fleck, hervorrufen. Es ist nur natürlich, daß diese Verschiedenheiten im 8) Berliner klinische Wochenschrift >907.Kleinen anch solche im Grossen bewirken, die uus als Verschied e n heit e n der Körpergliederung, beziehentlich des Ebenmaßes ent gegentreten. Sie sind nicht nur, wie man gemeinhin glaubt, für den Schädel nachweisbar, sondern für alle Körperteile: Knochengerüst, Eingeweide, Muskulatur, Sinnesorgane und so weiter, vor allem auch für Größe und Bau des Gehirns. Die Cntwickelung des ganzen Menschen, die „Reife" ist natürlich auch verschieden, in Zeitdauer und Erfolg. Man behauptet, daß das Klima da seinen Einfluß ausübe insofern, als kühles Klima die Reife ver zögert, heißes beschleunigt. Gewiß, dieser Einfluß ist vorhanden, aber nur gering und nebensächlich. Die frühreifen Rassen — zum Beispiel die Neger- raffen — bleiben selbst im Norden verhältnismäßig frühreif, wie es Eskimo und Samojeden trotz wahrscheinlich schon langer Gewöhnung an das nordische Klima geblieben sind, und die spätreifen Germanen bleiben auch in den Tropen verhältnismäßig spätreif, ja selbst die seit langer Zeit unter den nordischen Völkern und genau wie sie lebenden Juden haben ihre Frühreife bewahrt. Die Reifezeit ist bei manchen Rassen lediglich deswegen länger, weil ihre Cnt wickelung weiter geht, also mehr Zeit beansprucht. Mit diesen körperliche» Verschiedenheiten — zumal der der Reifezeit und der G e h i r n e n t w i ck e l u n g — hängt es zusammen, daß die verschiedenen Rassen Verschiedenheiten entwickeln im Fühlen, Denken und Wollen, „in Geist uud Gemüt" und allen ihren Äußerungen - knrz gesagt, in der „Rassen- seel e". So kommt es schließlich, daß wir höherund tiefer stehende, beziehentlich mehr und minde r entwickelte Ra s s e n unter scheiden müssen. Der frühreife, in seiner Gehirnentwickelung, wie überhaupt seiner Körperentwickelung auf etwa gleicher Stufe mit dem oben genannten Ureuropäer stehende Australier ist bis heute ungefähr auf der Geistesstufe und Kulturstufe der Steinzeit, die wir beim Ureuropäer nachgewiesen haben, stehen geblieben, beziehentlich nur bis zu ihr gelangt. Die frühreifen Negerrassen, die mit zehn bis vierzehn Jahren körperlich und geistig erwachsen find, zeigen auch in ihrem ganzen Wesen die Entwickelungsstuse, die unsere Rasse in jenem Lebensalter einnimmt, sie kommen über die „Flegeljahre" nicht hinaus und bilden, wo sie nach jahrhundertelangem Zusammenleben mit den Europäern in seinen Spuren wandeln wollen, jene urkomischen Possenbühnen, die mau „Negersreistaateu" nennt. Bei jeder Rasse finden wir trotz mancherlei Ver mischung »och die alten, in vieljahrtausendelanger Cntwickelung erworbenen und sortgeerbte» Rasseeige»schaste», oft etwas überwuchert oder durch die Erziehung wie mit Tünche übermalt, aber doch beim Durchschnitt mehr oder weniger wirksam und immer wieder hervorbrechend, wo Gelegenheit dazu da ist: beim Arier finden wir die Liebe zum Landbau, bei», Juden das Nomaden- tum, beim Germane» Herrensinn, beim Slawe» K»echtsfinn, — beim Chinesen Fatalismus, beim Japaner Optimismus, - beim Romanen Materialismus, bei», Germauen Idealismus — durch die Jahrtausende herrschend. 5.lnd all diese Rasseverschiedenheiten drücken sich aus in allem, was die Menschen siime» und schaffen: in Sprache, Religion, Wissenschaft, Kunst, Technik, Wirtschaft, Politik - kurz in der Kultur. Aus uoch eiue Rasseeigenschaft muß ich bei der Verschiedenheit der Rasse» hinweise»: aus das Rassegefühl. Das Rassegefühl fiuden wir bei den Tieren sehr ausgesprochen, es ist der Aussluß der körperliche» und 2 1718 geistigen Verschiedenheit und geht bei den meisten Arten und Rassen so weit, daß sie sich freiwillig nicht mit einander kreuzen, auch wenn sie ganz dicht bei einander wohnen und brüten, wie zum Beispiel die Vogelarten der Vogel- berge. Wir wissen ja auch, daß man zur Kreuzung meist Betrug auwenden muß, etwa um eine Pferdestute zu veranlassen, daß sie einen Eselhengst zuläßt. Allerdings gibt es selbst unter den wilden Arten und Rassen solche, die gelegentlich das Rassegefühl unterdrücken und sich mit anderen kreuzen — zumal da, wo das eine Geschlecht einer Art in Minderzahl ist. Zum Beispiel paaren sich manchmal Auerhennen nach zu starkem Abschuß der Auerhähne mit Birkhähnen. Die daraus sich ergebenden Rackelhühner gehen bezeichnender weise wieder unter. Auch bei den Menschen ist das Rassegefühl, die soge nannte Stimme des Blut es, ganz offenkundig vorhanden und führt zur Rassenfreundschaft oder — bei einander fernstehenden Rassen — zum Rassenabscheu und sogar zum Rassenhaß. Neger und Indianer verabscheuen einander beinahe mehr als die Europäer, in vielen Völkern spricht man davon, daß sie das oder jenes Volk „nicht riechen können". Daß das Rassegefühl, zum Beispiel zwischen Europäer und Reger, so oft nicht wirkt oder nicht beachtet wird, kann ohne Zwang als ein gewisses Entartungszeichen der Betreffenden gedeutet werden und es wird auch von den rassigen Vertretern beider Gruppen als „R a s s e n v er p f us chun g" und „R asseuschand e" verabscheut und verurteilt, wird doch auch gemeinhin das Wort „B a st a rd" oder „M isch - ling" in wegwerfendem Sinne angewandt. Übrigens pflegen da, wo große Unterschiede zwischen zwei Rassen bestehen, nur minderwertige Vertreter der Rassen die Gegensähe zu mißachten und sich zu bastardieren. Auf die Minder wertigkeit der Bastarde (trotz ihrer oft „bizarren" und deswegen „pikanten" Schönheit), auf das Wiederauseinandertreten der elterlichen Rasseeigen, schafteu, das „Mendeln", der Bastarde und schließlich ihre mangelhaste, manchmal sogar fehlende Fruchtbarkeit, sobald sich Bastarde einander fern stehender Rassen nicht mit einer der Elterrassen, sondern untereinander paaren, will ich nur beiläufig hinweisen. Sie ist zum Beispiel bei den Mulatten Amerikas beobachtet worden sv. d. Veldenz, H. Fehlinger Man stelle sich doch einmal vor — oder betrachte sich lieber den körper- lichen und geistigen Typus des Germanen auf der einen Seite und den des Buschmann oder Hottentotten auf der anderen Seite. Welch ein gewaltiger Unterschied! And dann betrachte man die bunten Typen (also Germanen) der „Rehobother Bastarde""), eines in Deutschsüdwestafrika angesiedelten Mischlingsvolkes, das aus „verkafferten" Familien von Deutschen und Buren durch Vermischung mit Hottentotten- und Buschmannweibern entstanden ist, und man wird sich nicht des Gedankens der Rassenschande und Rassen- verpfuschung enthalten können. Übrigens find manche als Schönheits fehler bei uns verabscheute Eigenschaften — zum Beispiel breite Backen knochen, breite Hände und Füße bei schlanker Gestalt, zu starke Neigung des Beckens, zu kurze Beine — Folgen der Mischung der arischen mit tiefer- 9) Gruber-Rüdin, Fortpflanzung, Vererbung, Rassenhygiene, I. F' Lehmanns Verlag, München 1311. lv) Politisch-anthropologische Revue I91<>. ll) Bildnisse in Eugen Fischer, die Rehobother Bastards, Verlag G> Fischer, Jena I9IZ.19 stehenden Rasse», Daß so mancher unter uns, selbst der reinen Germanen, sich des Rassegefühls an sich selber nicht recht bewußt ist, ist eine Folge seiner fort gesetzten übertünchung und Betäubung durch den Glaubenssatz der Gleichheit, der ja von so viele» Erzieher» — zum Beispiel einer gewisse» Presse — unduldsam gepredigt wird. Oft geiuig aber kan» mau a» sich selbst erfahren, daß die Tünche abbröckelt, sobald man gelegentlich in einen Rassenkampf gerät und Stellung nehmen nnch. Dann entdeckt man gewöhnlich auch zu seinem Erstaunen, daß man schon früher im Unterbewußtsein rassisch gefühlt hat. Freilich sind die Menschenarten und -raffen — vor allem die in Europa lebenden — heutzutage nicht mehr so rein und scharf umgrenzt wie in der Vorzeit und im Altertum, Infolge der Völkerwanderungen und der unnatür lichen Staakenbildungen sind Teile mancher fremden Raffen miteinander mehr oder weniger verschmolzen oder es gibt nebenher eine Anzahl Mischlinge aller Grade zwischen verschiedenen Rassen, Dennoch muß man sagen, daß selbst die gemischtesten Völker Europas in Teilen noch ziemlich rassenrein, im ganzen jedenfalls raffeuhaft bestimmt sind. Die Skandinavier zum Beispiel haben sich ihr arisches, beziehentlich germanisches Rassentum ziemlich rein bewahrt und von den Deutschen muß man sagen, daß trotz der slawischen und alpinen Beimischungen viel mehr germanisches Blut in ihnen ist als fremdes — ganz abgesehen davon, daß das slawische Blut auch überwiegend arisch und deshalb nahe verwandt mit ihm ist, wie ja auch die im Deutschtum aufgegangenen Slawenstämme mit den Germanen vielleicht näher verwandt sind als mit den Südslawen. Vor allem aber sind die Deutschen schon in ihrem Aussehen, noch mehr aber in ihrem Wesen germanisch und grundverschieden von ihren Rachbar», zum Beispiel de» Franzose» u»d de» Italiener», obwohl doch auch hier ferne Verwandtschaften und Mischungen (bei den Franzosen Franken uud Rormannen, bei den Italienern Langobarden, Goten u. a.) mit spielen, Die Verschiedenheit der Rassenseelen kommt ja bei den jetzigen euro päische» Völker» aller Wege uud aller Augenblicke und ganz besonders im Weltkrieg zutage, haben doch auch schon früher Anthropologen (zum Beispiel der Italiener Sergi) gelehrt, daß der uns so fremd anmutende Geist der „Romanen", insbesondere der Franzosen, — nämlich die Unbeständigkeit, Eitelkeit, wilde Grausamkeit — uoch im Volke schlummerude uud bei Gelegen- heit Hervorbrecheilde Erbeigenschaften des Neandertalers, des Urafrikaners, feien, von dem die Urahnen jener Völker wohl in der Steinzeit Reste auf- genommen haben, , Die so oft von den Pazifisten als Beweis für das Richtmehrvorhanden- fein des Rassegefühls angeführte Tatsache, daß Angehörige derselben Rasse sich in verschiedene Staaten zerspalten haben und oft genug einander be kämpfen, beweist nichts gegen die Rassenlehre, sondern höchstens, daß neben der Rasse eben noch anderes bei der Staatenbildung in Betracht kommen kann. In diesen gespaltenen Völkern ist das Rassegefühl, beziehentlich das Ver- wandtfchafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl leider durch die weltbürger liche Erziehung iu Schule, Kunst und Presse überpinselt worden, teilweise haben sie sich auch tatsächlich in ihrem Wesen auseinanderentwickelt. Wir beobachten übrigens auch Wiederannäherungsversuche, wie zum Beispiel zwischen den germanischen Völkern, Daß in den Kriegen zwischen zwei Staaten — zum Beispiel Rußland und Österreich.Ungarn — einerseits An-20 gehörige verschiedener Rassen zusammenhalten und andererseits Angehörige derselben Rasse in beiden feindlichen Reihen kämpfen, ist auch noch kein Beweis für einen Sieg des Staatsgedankens über den Rasse gedanken, beziehentlich das Rassegefühl, Um beim Beispiel zu bleiben: Die Regierungen beider Staaten kennen und berücksichtigen sehr wohl die Unsicherheit der Fremdvölker, wie wir es tagtäglich zwischen den Zeilen der Verordnungen und Preßnachrichten lesen können, Cs sind ja auch geuug Beispiele für Fahnenflucht und Verrat der Fremdstüminigen auf beiden Seiten bekannt, und daß sie trotz des Panflawismus in Österreich-Ungarn tatsächlich die Mehrzahl der Slawen als treue Untertanen erweist, ist unter anderem einfach dadurch zu erklären, daß sie die ihr Wohl verbürgende österreichische Obrigkeit der russischen Knutenherrschaft vorziehen und demzuliebe ihr Rasse- gefühl unterdrücken. Wie sie sich bei anderer Sachlage verhalten würden, weiß jeder, der die Verhältnisse kennt. Ebenso überwiegen in anderen völkisch gemischten Staaten die Nützlichkeitsgedanken unter Umständen das Rasse- gefühl — wehe aber, wenn dann die Nützlichkeit schwindet oder das Rasse- gefühl durchbricht! Denken wir nur an die im Weltkriege trotz der Neutralität der Schweiz bis zum Platzen angeschwollene Spannung zwischen den germanischen Ost- schweizern und den romanischen, beziehentlich französierten Westschweizern, die den alten und als so sicher gepriesenen Bestand der Eidgenossenschaft ernstlich gefährdet! Denken wir an die Feindschaft zwischen Engländern und Iren! Denken wir an die Spannung zwischen den Volksstämmen der Ver einigten Staaten von Nordamerika und manchen anderen Staaten! Alles in allem: Die jetzigen Völker der Erde sind je nach ihrer Abstammung und Cntwickelung mehr oder weniger geistig und körperlich verschieden, ja in manchem entgegengesetzt und werden sich dessen mehr und mehr bewußt. Wir dürfen uns deshalb nicht irreführend fragen, ob der Krieg mit der (!) Menschennatur vereinbar ist, sondern, ob er zu der Verschiedenheit der M e n f ch e n n a t u r e n stimmt, Cs ist nicht bloß eine alltägliche Erfahrung, sondern es stimmt auch als Ausfluß der verschiedenen Naturen, daß unter den Völkern der Erde in dem Triebe, sich zu erhalten und ihre Eigenart zu betätigen, und vor allem durcb die Notwendigkeit, sich infolge der Vermehrung auszubreiten, gegenseitige Spannungen und Reibungen entstehen, die sich im einzelnen und bei sonstigem Gleichgewicht wohl irgendwie ausgleichen können oder denen das eine Volk ausweicht, die aber bei einem gewissen Anwachsen zu Zwist und Streit und schließlich zum Kriege fuhren. Außerdem kommen dazu noch mancherlei ent gegengesetzte Belange und Bedürfnisse, die sich aus den Besonderheiten der Umwelt und der Betätigung ergeben und die auch zu Spannungen und Reibungen führen müssen. Die Geschichte ist ja voller Beispiele dafür. Gerade das unbewußt pazifistische Bemühen, der Ausbreitungsnotwendigkeit der Völker friedlich dadurch zu genügen, daß Auswanderer sich friedlich, ja oft als herbeigerufene Lehrer, in leerem Lande zwischen anderen Völkern ansiedelten, wie cs bei den deutschen Ansiedelungen in Böhmen, Mäbren, Polen, Ungarn, Rußland der Fall war, ist ja bezeichnenderweise fehlgeschlagen. In den betreffenden Ländern ist es bald zu starken Reibungen, Unterjochung?-21 versuchen und blutigen Zwisten statt zu dankbarer Freundschaft gekommen, und diese Zwiste dauern noch jetzt an. Auch der jetzige Weltkrieg wird ja nicht wegen der offiziell angegebenen, lächerlich nebensächlichen Gründe ge führt, sondern weil schwerwiegende wirtschaftliche und politische Belange (es sei dahingestellt, ob sie natürlich sind) unseren Feinden eine Einkreisung, Schwächung und Vernichtuug des mächtig erstarkenden und wirtschaftlich sich ausbreitenden Deutschtums notwendig machten und weil der Hast gegen die Deutschen, zum nicht geringen Teil ein Rassenhaß, bei einigen mitwirkte. So lange Menschenarten oder Menschenrassen oder Völker da find, so lange sie verschieden sind, so lange sie sich vermehren und deshalb aus- breiten müssen, so lange werden sie auch ost verschiedene, ja entgegen- gesetzte Belange und Bedürfnisse haben und deshalb — im Kampf ums Dasein — aufeinander stoßen und im Kriege die Entscheidung suchen müssen. Mögen sie sich auch noch so oft ausweichen oder einigen, wir müssen damit rechnen, daß sie es unter Umständen nicht mehr können, und dann kann eben nur der Kampf als der letzten Endes am meisten unparteiische und durchgreifende Richter und Vollstrecker entscheiden. Der Völkerfrieden entspricht nicht der Natur der Menschen, Kann die Natur der Menschen ohne Schaden der Forderung des Völkerfriedens angepaßt werden? Wenn wir uns nun auch überzeugt haben, daß der Krieg als eine der Formen des Kampfes ums Dasei» der Natur der Menschen entspricht, ja naturnotwendig ist, so kann uns doch von den Pazifisten der Einwand ent- gegengehalten werden, daß sich die Menschen in Zukunft ändern könnten, sodaß sie nicht mehr entgegengesetzte Anschauungen, Triebe und Belange haben, oder daß sie durch Organisation dazu kommen könnten, ihre Streitigkeiten aus andere, mehr „humane" Weife zu schlichten oder auszukämpfen, In der Tat erheben die Pazifisten diesen Einwand der Änderung der Menschennaturen, obwohl sie die Verschiedenheit der Menschennaturen, beziehentlich die Rassen- lehre, nicht in ihre Betrachtungen hineinziehen. Zunächst stellen sich die Pazifisten vor, daß die Völker der Erde allmählich durch fortschreitende I i v i,l i s i e r u n g und Durchtränkung oder 5l b e r t ü n ch u n g mit europäischer Kultur - also kurz gesagt, durch Erziehung — im pazifistischen Sinne verständig und eines Sinnes werden könnten. Die niedriger stehenden Völker — so meinen sie — müßten von den höher stehenden nur selbstlos gefördert werden, so würden sie bald an ihre Seite treten, ja wenn's sein muß, an ihre Stelle. Die Möglichkeit einer solchen Erziehung wird von einigen Pazifisten unter anderem mit einem schnurrigen Beispiel zu bekräftigen gesucht. Sie nehmen an, man könne einmal versuchsweise alle Neugeborenen Deutschlands mit denen eines anderen Landes — etwa des Negerfreistaates Liberia oder Kameruns — vertauschen, es würde dann mit Ausnahme der Farbänderung alles, auch das gesamte Kulturleben, in beiden Ländern seinen alten Gang gehen, Es gehört die ganze Weltfremdheit, der ganze Kulturdünkel der nur „humanistisch" Gebildeten22 dazu, die Welt allen Naturerfahrungen und Naturgesetzen zum Trotz so ein fach umkehren zu wollen. Schon der angeführte Versuch würde ihnen, durch- geführt, auf recht handgreifliche Weife die Augen öffnen. Was würde nämlich die Folge eines solchen Säuglingsaustausches sein? Das schwarz gewordene Deutschland würde schon in der ersten neuen, frühfertigen und erblich doch einigermaßen anders als wir ausgestatteten Negergeneration verlottern und würde trotz aller Überlieferungen in wenigen weiteren Generationen kulturell verblöden, eine verhältnismäßig noch riesigere Staatenkarikatur werden als Haiti, die Dominikanische Republik oder Liberia, von denen die Pazifisten allerdings sehr wenig zu kennen scheinen. Dagegen in den nach Liberia ver tauschten Germanen würde das vererbte Organisationstalent und so manches andere Germanenerbteil weiter wirken und dort unten würden wir trotz aller Beschränkungen ein neues Deutschland erleben — vorausgesetzt, daß nicht das Tropenklima es tötete. Doch sehen wir von solchen Vergleichsspielereien ab! Die wahre Kultur ist nichts Selbständiges, sie ist Ausdruck und Abbild der sie schaffenden Menschen. Sic läßt sich von Fremden nicht einfach erlernen und nachahmen — wenigstens ist sie dann nicht mehr dasselbe. Die Fähigkeit und die Lust zur Kulturhoherentwickelung und vor allem der hohe Grad von Idealismus, der zur Herstellung und Aufrechterhaltung des geforderten Völkerfriedens vorauszusetzen wäre, ist doch der Tätigkeitsausdruck gewisser Hirnzellen. Können wir diese beim kleinhirnigen Australier und Buschmann, überhaupt bei den Rassen, deren Körper- und Seelenentwickelung viel früher im Leben Halt macht als unsere, voraussetzen? Nein, diese Zellen müßten wir ihnen erst durch chirurgische Überpflanzung aus unseren Gehirnen abgeben oder wir müßten warten, bis sie sich bei ihnen von selbst entwickeln. Das würde wohl selbst den Pazifisten zu lange dauern, denn beispielsweise hat das Ge hirn des oben genannten üreuropäers (Homo suroxasus iossilis sivs anriZna- osvsis), das etwa dem jetzigen Australierhirn entsprechen könnte, ungefähr 50 OVO Jahre gebraucht, um sich zum mehr oder minder großen und fähigen Gehirn des neuzeitlichen Deutschen zu entwickeln. Cs ist übrigens auch noch sehr, sehr fraglich, ob sich alle niederen Menschenarten und -raffen überhaupt noch höher entwickeln können, ganz abgesehen von der Frage, ob sie es auch für gut halten und wollen. In absehbarer Zeit — sagen wir in den nächsten 500—1<M Iahren — können sie es jedenfalls nicht erreichen und ich be zweifle, daß sie unseren Idealismus überhaupt jemals erreichen werden. Außerdem — wir würden uns inzwischen doch wohl auch weiter entwickeln? Oder wollen die Pazifisten, daß wir inzwischen aus Humanität unsere Geistes- entwickelung einstellen? Daß vielleicht in manchen tieferstehenden Rassen sich einzelne Menschen finden, die die notwendige Geistesentwickelung schneller als die anderen Rassegenossen durchmachen, und sich uns bis zu einem gewissen Grade nähern können, ist theoretisch möglich, kämen aber selbst dann nicht sicher zur Wirkung, denn sogar wenn diese Vorausgeschrittenen in ihrem Volke eine dünne Ober schicht bilden würden, so würde diese noch nicht immer die Rassenseele bändigen können^). Man denke an die niedrigen und schlechten Triebe, die manche 12) Übrigens würden sich diese hervorragenderen Menschen am besten vermehren und herrschen können, wenn der blutige Kampf ums Dasein auch in den Völkern herrschen würde.23 Unterschichten mancher europäischen Völker entwickeln und die oft genug zum Krieg führen („Politik der Gasse")! Der nur von einer Oberschicht gewollte Frieden würde in der Luft schweben. Eine Erziehung der verschiedenen Völker zur friedlichen Gemein bürgschaft (Solidarität) oder wenigstens zu einer gleichen Gesinnung scheitert an der verschiedenen körperlichen und geistigen Veranlagung und Entwickelungssähigkeit der verschiedenen Rassen — wenigstens in absehbaren Zeiten. — „Wenn wir die niedrigstehenden Völker nicht erziehen können, gut, dann könnten wir sie ja durch R as s e n m i s ch u n g heben! Der immer größer werdende Weltverkehr wird ja ohnehin allmählich zu einer Mischung aller Rassen in noch viel größerem Umfange als bisher führen." Das könnte uns nnn von den Pazifisten entgegengehalten werden und wird es auch ^). — Ein Rassenmischmasch durch allgemeines massenhaftes Kreuzen, wie ihn sich manche vorstellen, ist praktisch gar nicht möglich, da die Entfernungen und Hindernisse zwischen den einzelnen Völkern trotz des Weltverkehrs viel zu groß sind und bleiben. Selbst die europäischen Völker sind trotz regen Verkehrs und zahlreicher Völkerwanderungen doch noch rassisch klar verschieden und fest bestimmt. Außerdem verhindert ihn das Rassegefühl, das gerade in der Gegen wart bei fast allen Rassen immer bewußter wird und bezeichnenderweise gerade bei denen, die durch Staatenbildung gezwungen sind, örtlich mit und durch ein ander zu leben — wie in Österreich-Angarn, in der Schweiz oder im Balkan —, es also nach der Meinung der Pazifisten und Soziologen besonders leicht hätten, sich zu mischeu. Aber nehmen wir nur einmal an, der Rassenmischmasch wäre möglich, — es ist nicht auszudenken, wieviel Zerrbilder und Mittelmäßigkeiten da ent stehen würden — etwa nach Muster der Rehobother Bastarde. Wenn ein hohes und ein ebenso hohes Volk sich kreuzen, dann kann — wohlgemerkt kann, nicht muß — etwas Höheres daraus entstehen. Kreuzen sich ein hohes und ein niederes Volk, so wird meistens etwas Mittelmäßiges daraus entstehen. Aber es entsteht — wenigstens bei verschieden gearteten Völkern — gar nichts Einheitliches, denn die Bastarde „mendeln" mit vollkommener oder unvollkommener Dominanz (Überwiegen) dieser oder jener Rasseeigenschasten, das heißt, ein Teil der Bastarde schlägt mit dieser oder jener Eigenschaft mehr nach der einen, der andere mehr nach der anderen Elterfeite und, was in der Mitte steht, mendelt bunt weiter. Ein solches Bastardvolk kommt nicht eher rassisch zur Ruhe, als bis ein Typ von den vielen überwiegt und sich allmählich durch Auslese (beziehentlich durch Ausmerzung der anderen) zur ziemlich einheit lichen Rasse befestigt. Zweifelhaft bleibt es immer »och, ob er dann an die höhere Elterrasse heranreicht. Der angenommene Völkermischmasch müßte sich durch Mendeln und vor allem durch Sonderentwickeluug infolge verschiedener innerer und äußerer Einflüsse immer wieder aufspalten und dann hätten wir selbst im besten Falle etwas Ähnliches wie jetzt, aber in 99 unter IVO Fällen würde das 13) Ein bekannter Pazifist Charles W. Eliot, der im Auftrage der Carnegie-Friedensstiftung Asien bereiste, kommt übrigens dazu, die Mischung einigermaßen fernstehender Menschenrassen zu verwerfen. („Some ssoaäs toxvsrcis pesce", XVgskinZton).24 Tochtervolk schlechter sein als das höhere Cltervolk und — in sich verschieden, zusammengewürfelt, zerrissen. Es spricht auch noch manches andere gegen den Rassenmischmasch, so zum Beispiel die mangelhaste Fruchtbarkeit der Bastarde mancher Menschenrassen (nicht aller!), wenn sie nicht nahe verwandt sind und sich unter sich fortpflanzen muffen, statt mit einer der Elterrassen, — doch es Hiesie diesem Unsinn zu viel Ehre antun, wollte man sich mehr mit ihm befassen. Da auf der Erde auch in Zukunft immer noch dieselben Cntwickelungsgefetze walten werden, wird weiter wie bisher Auseinanderentwickelung stattfinde» und selbst, wenn wir nach Vernichtung aller anderen Rassen nur eine einzige auf der Crde leben oder sich aus einem Pärchen entwickeln ließen, so würde diese, sobald sie sich aus breitet, infolge der verschiedenen inneren Cntwickelungsmöglichkeiten und äußeren Einflüsse sich allmählich zu mehreren und vielen Rassen auseinander entwickeln — ähnlich, wie zum Beispiel aus dem Urvolk der Arierrasse sich so viele einander entfremdete Völker entwickelt haben. Fassen wir das Gesagte zusammen, so stimmt auch der Rassenmischungsvorschlag nicht: Die Vermischung fernstehender Rassen widerspricht der Ratur und vor allem dem auch von den Pazifisten so laut gepredigten Kultur- fortfchritt, Fritz Thor sagt im „Hammer" mit Recht: „Das Ziel der Kultur ist nicht die Kunst, nicht die Wissenschaft, nicht die Technik, sondern der Mensch, Den Menschen zu erheben, zu veredeln und zu stärken in seiner Art, das ist das höchste Ziel alles vernünftigen Strebens. Alle Künste und Weistümer des Lebens haben nur insofern Wert, als sie diesem Ziele dienen," Wenn wir dieses Ziel auf dem kürzesten Wege verfolgen wollen, so müssen wir vor allem die Höher- Züchtung der edle n Menschenrassen betreiben. Wie anders können wir das, als durch die allgemeinen, natürlichen Züchtungs/egeln, also da durch, daß wir sie vor der Vermischung mit den niederen Rassen be wahren und sie ihnen vorziehen?! — Zudem könnten wir auch durch Rassenmischung keine Gemeinbürgschaft, keine Friedfertigkeit der Völker erreichen, weil die Ratur wieder für Auseinanderentwickelung sorgen würde. — „Wenn's mit der Mischung auch nichts ist, wie wäre es dann mit der „friedlichen Durchdringung" und allmählichen „friedlichen Verdrängung" oder „friedlichen Aufsaugung" eines etwa minderwertigen und absterbenden Volkes durch ein höherwertiges, in Aus- breitung begriffenes "), — denn Sie nehmen doch an, daß gesunde Völker sich ausbreiten müssen?" Betrachten wir diesen Einwand! — Gewiß, ein ge sundes Volk wird, durch Vermehrung sich ausbreitend, bei der heutigen dichten Besiedelung der Crde schließlich auf andere Völker drücken. Dann braucht es ja noch keinen blutigen Zusammenstoß zu geben, Das sich ausbreitende Volk kann ausweichen — nach anderen, noch nicht besiedelten Landstrichen an seiner Landesgrenze. Ist es aber überall von anderen Völkern umgrenzt, so ist die Cntwickelungsstufe gekommen, wo es, um zusammenzuhalten, mit feinem Land kargen muß, Ivo es den Boden durch stärkere, künstlichere Bebauung überlasten 14) Sonderbar, daß die Pazifisten, die doch den „Imperialismus" ver dammen und zum größten Teil mit Unrecht ihren Gegnern vorwerfen, hier eine Art von verkapptem oder verschämtem Imperialismus predigen.25 muß, und das Kargen ist wohlgemerkt immer eine Lebensgefahr für ei» Volk. And wenn das Knapsen nicht mehr zulangt, dann steht das Volk doch vor der Entscheidung: entweder ein Teil wandert aus »ach fernen, »och unbefiedelten Ländern oder das ganze Volk verdrängt durch Krieg ein Nachbarvolk aus seinen Sitzen oder vernichtet es, oder aber sein Überschuß wandert friedlich in das Nachbarvolk ei» und wohnt fortan unter Fremden. Das Volk wird sich wahrscheinlich ganz nach seiner Eigenart entscheiden: einem Nomadenvolk, wie >um Beispiel de» Jude», behagt ersichtlich das Wohnen unter Fremden, so daß es auch ohne Rot die Heimat verließ, — anderen, einem Volk von Ackerbauern zum Beispiel, gefällt es wieder nicht, die möchten mit Ihresgleichen zusammen- leben, die möchten beim Baue» des Landes und Hauses im Geiste voraus schauend die Gewißheit haben, daß ihre Enkel und Cnkelsenkel auch eben dort wohnen und ebenso schalten und walten werdeil wie sie. Für ein gesuudes und gesunddenkendes Volk dieser Art wird es immer ei» natürlicher Trieb und höchstes Ziel sein, möglichst im Zusammenhang zu bleiben, für ein solches kommt immer wieder eine Zeit, wo Landnahme eine Naturnotwendigkeit wird. Will es ei» anderes, ihm fernstehendes Volk „friedlich durchdringen", so drohen ihm zudem mancherlei Gefahren: es kann dabei zum Beispiel zum Schmarotzervolk hinabsinken — oder es kann wegen ihm nicht zusagender Lebensbedingungen zwischen den Fremden untergehen, ob es min als Ober- schicht (germanische Herrenschicht mancher Völker des Altertums) oder als Unterschicht lebte, — oder es kann von dem minderwertige», absterbende» Wirtsvolke «»gesteckt werde» und siecht dann mit oder »ach ikm dahin — oder es kann im Fremdvolk durch Bastardierung aufgeheu und begnügt sich dann mit dem Rassenmischmasch als Nachfolge — oder es kommt doch noch zun, Zwist zwischen den beiden Völkern, wie bei den herbeigerufene» deutschen Ansiede lungen in slawischen Ländern. Also — die „friedliche Durchdringung" ist bei einander fremden Völkern für die Zukunft beider Teile ein großes Wagnis — ganz abgesehen davon, daß sie für das zu durchdringende Volk eine große Zu- mutung ist. Betrachten wir sie aber auch vom „humanen" Standpunkt aus: wenn es ohne Streit gelingt, daß schließlich das bessere Volk von den beiden durch wirtschaftliches Obsiegen durchschlägt und übrigbleibt, ist dieser Vorgang für das unterliegende „humaner" als Krieg? Muß das absterbende Volk »icht vor dem Absterben und Aussterben alles Elend des Versinkens körperlich und seelisch auskosten? Die „Friedlichkeit und Humanität des Wirtschafts- kampses" beruht überhaupt mehr auf einer Einbildung derer, die das Leben nur oberflächlich betrachten, und sie wird gerade von denen am lautesten ge- priesen, die am meisten darauf ausgehen, auf Koste» anderer zu leben. Es wird wohl wenigstens manchen Völkern — sowohl ausbreitungsbedürftigen, als ihnen angrenzenden — lieber sein, im Falle der gegenseitigen Bedrängung auf der Walstatt ihr Heil zu suchen, als infolge einer friedlichen Durch- dringung oder wirtschaftlichen Unterjochung langsam aber sicher gene- rationcnweife der Bedrückung und den Elendbazillen zu erliegen. „Ja," wird da sofort eingeworfen, „wenn nun das sich ausbreitennde Volk siegt und Land durch Eroberung nimmt, dann bekommt es doch mit dem neuen Lande auch Leute, Unterworfene, und diese find doch kein erfreulicher Zuwachs, wie die vielen Erfahrungen lehren." Der Pseudonyme Pazifist Rorman Angell hat sogar unter den jetzt als Schlagwörter spukenden26 Titeln „Die große Täuschung" und „Die falsche Rechnung"^) umfangreiche Werke geschrieben, in denen er nachzuweisen sucht, daß ein Krieg, beziehentlich eine Eroberung dem Sieger „nichts einbringt" (das heißt, nach seiner Be trachtungsweise „geschäftlich" nichts einbringt), manchmal sogar dem Sieger noch Unkosten und Unglück verursacht und zwar, weil die Bürger des erobernden Staates im eroberten Lande gewöhnlich keine Vorzugsrechte ge- . nössen, ja ost mehr Steuern und sonstige Lasten zu tragen hätten, während außenstehende Völker infolge des Freihandels in dem eroberten Lande nach wie vor dem Eroberer Konkurrenz machten Dazu käme noch, daß die Cr-- oberten unsichere, abstrebende Untertanen seien, und noch manches andere. Kurz, die Eroberung fremden Landes sei „kein Geschäft". — Ganz abgesehen davon, daß eine ganze Reihe der von A n gell in seiner Gegenrechnung auf gestellten Behauptungen nicht stimmt und schon von anderer Seite als falsch widerlegt worden ist, so muß hier doch noch auf den Hauptfehler Angells und der seine Behauptungen urteilslos anführenden Pazifisten hingewiesen werden: Es ist gerade kein Kunststück, eine Rechnung als falsch zu erweisen, wenn man gleich anfangs eine falsche Voraussetzung einsetzt, hier nämlich die, daß man die Fremden, beziehentlich die Besiegten, im eroberten Lande läßt. C s i st allerdings ein Fehler — und zwar ein unsinniger und folgenschwerer, wenn ein Volk, das Land zur Ausbrei- tu ng braucht, sich statt dessen ein fremdes Volk an gliedert, das ihm fernsteht und das ihm nicht bei der etwa folgenden Verschmelzung wertvolle Rafseeigen - fchaften mitbringt, denn dann erreicht es nicht seinen Zweck und kann noch dazu seine Nachkommen durch völkischen Zwiespalt und rassische Ansteckung ins Unglück stürzen — ganz abgesehen von den vielen möglichen wirtschaft lichen Nachteilen, in bezug auf die ich unter diesem Gesichtspunkte Angell zum Teil recht gebe. Die Landnahme zur Gewinnung von Siedelungsland, das heißt also „Landnahme ohne Leute" oder „Landnahme unter Aussiedelung", braucht durchaus nicht so grausam zu geschehen, wie es manchmal früher — im Altertum — geschah und letzthin teilweise in den Balkankriegen versucht wurde — nämlich durch Niedermetzelung der Einwohner. Die Einwohner brauchen, wenn der Sieger human sein will, nicht einmal in eine Ungewisse Zukunft vertrieben zu werden, sie können vielmehr, wie dies schon mehrfach — so früher von Lagarde, Aork von Warten bürg, Moltke und neuerdings von Frymann ^), Adolf Bartels "), HeinrichElaß ^), Marbod^), Wilhelm Kotzde^») und anderen — vorgeschlagen worden ist, in ruhiger Ordnung und unter Anrechnung ihres Besitzes (in Einziehungs- 15) Norman Angell (eigentlich Lane), Die falsche Rechnung oder Was bringt der Krieg ein? Vitaverlag, Berlin, ohne Jahresangabe. IL) Daniel Frymann, „Wenn ich der Kaiser war". Politische Wahr heiten und Notwendigkeiten. Dieterichscher Verlag, Leipzig 1914. Z.- M. 17) Adolf Bartels, Der Siegespreis. (Westrußland deutsch.) Deutsch völkischer Verlag Fr. Roltsch, Weimar 1914. —.60 M. 18) Äeinrick Claß, Denkschrift. Mainz 1915. 19) Johannes Marbod, Eine Frage! Wie erhalten wir der Zukunft die erhebenden Kräfte dieses Krieges ? Verlag Julius Springer, Berlin 1915. —.50 M. 20) Wilhelm Kotz de. Was sollen wir tun? Wünsche für Deutschland nach dem Kriege. Leipzig 1915. Dieterichs Verlag.27 oder Requisitionsscheinen) in das übrige Land ihres Staates ausgesiedelt werden nnd es wird durch diese „Landnahme unter Aussiedelung" beiden Teilen, dem Sieger und dem Besiegten, das Dasein gewährleistet. Wenn zum Beispiel ein sich stark vermehrendes Volk seinem schwächeren Nach bar ein Stück Land nimmt, so können dessen Bewohner — auch wenn es einige Millionen sind — leicht in das Mutterland ausgesiedelt werden. Rußland, dem man so oft mangelhafte Organisationsfähigkeit vorwirft, bringt es doch fertig, jährlich etwa 80» MV Einwohner vom dicht besiedelten Westen nach dem dünnbesiedelten Osten auszusiedeln. Diesem wegen seiner Ausdehnung und geringen inneren Festigkeit beinahe zerfallenden Riesenstaate würde es jeden falls wenig schaden, vielleicht sogar nützen, wenn seine Bewohner beim Verlust von Grenzland etwas zusammenrücken müßten. Absterbende Völker, wie zum Beispiel die Franzosen, haben sogar gewöhnlich Maugel an Einwohnern und deswegen leerstehende Dörfer und brachliegendes Land (die Franzosen zum Beispiel in den Bezirken Bourgogne, Cotentin), für solche ist der Verlust von Einwohnern manchmal schlimmer als Landverlust und deswegen würde ihnen die Aussiedelung des etwa verlorenen Grenzlandes, beziehentlich die Cinsiedelung seiner Bewohner in das Mutterland eher willkommen sein und unter Umständen sogar eine Gesundung der Volksvermehrung herbeiführen. Es können in der Gegenwart und in Europa, wo fast jeder Staat fremde Ansiedler beherbergt — und zwar bekanntermaßen ungern — sogar „Aus- t a u s ch s i'e d e l u n g e n" vorgenommen werden^) und diese werden in Zu kunft mehr und mehr von den Staatenlenkern vorgenommen werden — schon in Anbetracht der Erkenntnis, daß sie nur im N a t i o n a l st a a t, das heißt in der Zusammenfassung eines Volkes in einem Staate, und nicht in der bisher planlos und widernatürlich vorgenommenen und gründlich abgewirt schafteten Zusammenfassung irgendwelcher Menschen verschiedener Rasse unter irgend einer Dynastie oder Regierung („Nationalitätenstaat") eine natürliche und daher dauernde Einrichtung schaffen können. Austauschsiedelungen sind schon wirklich — nach den Balkankriegen von den Balkanvölkern — durch geführt und angestrebt worden. Es ist die Landnahme unter Aussiedelung — ganz abgesehen von ähnlichen Maßnahmen früherer Zeiten — also durchaus kein Vorschlag vom grünen Tisch, sondern eine praktisch durchführbare und schon erprobte Maßnahme. Selbst da, wo die Besiegten kein Land für die Ausgesiedelten des eroberten Grenzlandes haben sollten, wo diese also in die Ferne auswandern müßten, wird es ihnen wohl lieber sein, anderswo ihre Zukunft zu bauen, als als Unterjochte in einem rasse- und wesensfremden Volke dem allmählichen völkischen Tode entgegenzugehen. „Hat ein Volk Recht zur Landnahme unter Aussiede lung?" werden die Pazifisten bezweifeln. Ja, es hat das Recht — schon nach dem Naturgesetz, denn, wie schon der Gallierkönig Bremms gesagt haben soll, ist „das Recht des Stärkeren das älteste der Gesetze". Es waltet in der Natur und ihm verdanken wir, was wir im Lause der Entwickelung im Kampfe ums Dasein geworden sind, — und ihm unterstehen wir weiter. Überall auf der 21) Nach de» Balkankriegen haben die so oft über die Achsel angesehenen Balkanvölker damit angefangen, doch störte das bald der Weltkrieg. Im April IN6 wurden zwischen Bulgarien und Rumänien erneute Verhandlungen über Austauschsiedelung begonnen.28 Erde, zum Beispiel bei der Kolonisierung, herrscht das Recht des Stärkeren trotz aller heuchlerischen Gegenversicherungen sowohl das rohe, durch Anwen dung der unmittelbaren Lebensbedrohung wie auch das scheinbar verfeinerte durch scheinbar rechtliche, durch wirtschaftliche und durch sonstige Übervor- teilung, Welche Art als die menschlichere anzusehen ist, das ist Geschmacks- sache sozusagen. Das Recht des Stärkeren bedroht alle Völker, auch die „neutralen", und es bedroht auch ganz Europa! Schließlich muffen wir uns doch trotz aller Humanitätsanbetung und Allerweltstümelei eingestehen: Die von Pazifisten so oft als Hirngespinst hingestellte „Gelbe Gefahr" wirft ihre Schatten von Beginn des Weltkrieges an mehr denn je nach Europa'"), wurden und werden die Japaner doch von den Feinden Deutschlands sogar nach Europa eingeladen, ja beinahe flehentlich herbeigebettelt. Jetzt hat sich wohl jeder von der Wirklichkeit der Gelben Gefahr überzeugt. Ähnlich wie die gelbe erwächst den Europäern auch eine „Schwarze Gefahr", wenn die ganz Afrika umfassende Ä thiopifche B e w e gung auch noch im ersten Keimen begriffen ist und sich nur unter der Decke verbreitet. Es kann und es maß deshalb — wahrscheinlich schon in nicht allzu ferner Zukunft — zwischen großen Völkergruppen der Erde, zwischen den „weißen" europäischen und den farbigen Rassen zu großen Vernichtungskriegen kommen — selbst dann, wenn sich die farbigen Rassen nicht mehr wie bisher schneller vermehren und ausbreiten sollten als die europäischen. Wenn wir auch nicht wisse», wie diese Kämpfe auslaufen werden, wir müssen vom Entwickelungsstandpunkte aus zugeben, daß bei Übervölkerung der Erde solche Vernichtungskämpfe natürlich sind und im Dienste der Höherentwickelung stehen werden. Die von den Pazifisten den auf Ausbreitung angewiesenen Völkern vorgeschlagene „friedliche Durchdringung" hat nur für nahe verwandte Völker, wo keine Hemmungen für restlose Verschmelzung vorliegen, unter seltenen Umständen Zweck. Die Durchdringung eines fremden Volkes ist ein widernatürliches und gefährliches Wagnis und entspricht zudem nicht dem Friedensziel, da sie erst recht zu Zwist und Krieg und jedenfalls zu inhumaner Unterdrückung und Ausmerzung führt. So unglaublich es klingt, so ist doch im Hinblick auf die Vermehrung und Ausbreitungsnotwendigkeit der gesunden Völker allen Ernstes der Vor schlag gemacht worden, daß diese landhungrigen Völker ihre Vermehrung ja einschränken könnten („Rationalisierung des Geschlechtslebens") und es auch würden. — Freiwilliger Verzicht auf Leben und Nachkommenschaft, oder — wie man es besser nennt — Selbstmord und Familienselbstmord, also Unterdrückung des natürlichen und gesunden Triebes der Selbsterhaltung nnd Vermehrung, ist ja in der Tat möglich. Aber sie werden begangen entweder, um etwas Äöheres (zum Besten des Familien wohls, des Volkswohls) zu erhalten oder zu vermehre» und dann sind sie natür lich und berechtigt, oder aus Schwäche (wirtschaftliche Bedenken, Unfähigkeit Widerwärtigkeiten zu überwinde») oder Entartung (Genußsucht, Unlust, Per versität) oder Krankheit und dann sind sie unnatürlich, krankhaft oder ver- 22) Man denke auch an die immer mehr reifende Gelbe Gefahr für die Vereinigten Staate» von Nordamerika, für Australien und für Niederländisch- Indien.29 werflich. R a s s e n s e l v st m ord, >vie inan die bewußte Verminderung der Geburten mit Recht nennt, ist das Gesamtergebnis der gehäuften Selbstmorde und Familienselbstmorde und bedeutet auf alle Fälle Entartung — selbst da, wo er aus Gram über Unterjochung geschehen sollte. Wenn uuu auch die Befürworter des Volksvermehrungsstillstandes durch Geburteneinschränkung kein Aussterben der Völker im Sinne haben, so würde doch die Befolgung ihres Rates Rassenentartuug und Rassenselbstmord zur Folge habe», denn bekanntermaßen bedeutet Geburtenrückgang gleichzeitig eine Verminderung der Auslesemöglichkeit und, weil die Tüchtigen eines Volkes im neuzeitlichen Kulturleben die schlechteren Fortpflanzuugsbedingungen haben und daher ihre Geburten zuerst und am weitesten gehend einzuschränken pflegen, eine Vermehrung uud Begünstigung der Minderwertigen. Geburten rückgang begünstigt rückschrittliche 'Auslese. Es ist eben immer ein Fehler und erleidet sofort und stets die gerechte Strafe, wenn die Kultnrübermenfchen in ihrem lächerlichen Dünkel von der Überwindung' der Natur dieser in ihr gesetzmäßiges Walten hineinpfuschen wollen, — fie, die sich nicht einmal selbst erkennen uud meisteru köuuen. Es ist auch eine sonderbare Zumutung, von einem gesuudeu Volke zu verlangen, daß es sich wegen der Anzulänglichkeit der anderen Völker Beschränkungen in seiner Vermehrung auferlegen und sich der Wider- Natürlichkeit hingeben, ja sich dem Rassentode, dem Raffenfelbstmord aussetzen solle. Das hieße die Höherentwickelung, beziehentlich das Naturgesetz auf den Kopf stellen wollen. Mögen kranke Völker ihr widernatürliches Verhalten, ihr Absterben wissenschaftlich und organi satorisch umbräinen nur mögen sie nicht gesunderen Völkern, zum Beispiel uns Deutschen, weismacheu wollen, daß es schön und gut und beherzigenswert sei! Im Ganzen führt uns also die naturwissenschaftliche Betrachtung der Frage, ob die Natur der Menschen der Forderung des Völker- friedens ohne Schaden angepaßt werden kann, zu der Beantwortung, daß eine bewußte oder unbewußte Änderung und Übereinstimmung der ?!aturen der verschiedenen Völker zugunsten des Völkerfriedens- gedankens nicht zu erwarten ist und auch nicht möglich ist — und daß sie, wenn sie erzwungen werden könnten, nur schlimme Folgen haben würden Können die Völker zum Friedenhalten gezwungen werden? Aus die Anführung der verschiedenen und ost entgegengesetzten Belange der Völker, die zu Zwistigkeiten führen müssen, pflegen die Pazifisten zu ant worten, daß die Völker der Erde schließlich Frieden halten m üßten, auch wenn sie es nicht wollten, weil das wirtschaftliche Wohl des einen von dem des30 anderen abhängig sei und diese gegenseitige Abhängigkeit mit der Zeit und unter Zuhilfenahme der zwischenstaatlichen Organisation so groß werden würde, daß Kriege von vornherein wirtschaftlich äußerst gefährlich sein würden und deshalb lieber unterlassen werden würden. Was die Annahme anbetrifft, daß das wirtschaftliche Wohl und überhaupt das Bestehen des einen Volkes von dem des anderen Volkes abhä n g t, wovon vor allem der Pazifist Novi- kow, zum Beispiel in seinem ganz darauf zugeschnittenen Buche „Die Ge rechtigkeit und die Entfaltung des Lebens" ^), immer wieder ausgeht, so wird gewöhnlich übersehen, daß sie doch nur für deu Fall stimmt, daß die Völker überhaupt auf einander angewiesen sind. Das ist aber keineswegs immer der Fall, denn selbst wenn wir die Völker aus dem Spiel lassen, die entgegen- gesetzte Belange haben, so gibt es auch sehr viele Völker und hat es bis vor kurzem noch mehr gegeben, die ziemlich oder ganz voneinander abgeschlossen — etwa auf Inseln — nur für sich allein leben und deswegen doch nicht gefährdet oder unglücklich genannt werden können. Unglück könnte man es schon eher nennen, wenn sie mit den „Segnungen europäischer Kultur" und den „Vor- teilen der zwischenstaatlichen Organisation" beschenkt würden. Wenn wir im Stile Novikows durch Vergleiche und Verallgemeinerungen angenommener und „aufs äußerste vereinfachter" Fälle die Frage entscheiden wollten, so können wir sogar zu dem Schlüsse kommen, daß möglichste Absonderung und Unabhängigkeit nützlich ist, zum Beispiel im Hinblick auf elementare Ereignisse. Spekulieren wir mal wie Novikow! „Wenn das Volk ?) sich mit dem Volke Z international organisiert und ?) von Z Feldfrüchte, die es selbst nicht bauen will oder kann, gegen Haus-- und Ackergeräte, die Z wieder nicht herstellen kann oder will, eintauscht, so geht alles scheinbar gut. Wenn aber das Land Z durch eine Sintflut vernichtet wird, so ist es für ?) trotz feiner sicheren Lage so, als ob es selbst die Hochflut erlitten hätte, denn es hat dann keine Feldfrüchte und muß verhungern. Wird aber umgekehrt Z) von einem großen Erdbeben, das die Häuser und Werkstätten vernichtet, heimgesucht, so bekommt Z keine Geräte, kann nicht wirtschaften und das Land bebauen und muß, um das Beispiel „auf's äußerste zu vereinfachen", verhungern und so weiter. „Also" -- müßten wir im Stile Novikows, aber gegen ihn schließen — „ist es das Beste, jedes Volk sieht zu, daß es möglichst wenig und womöglich in keinem Teile seiner wichtigeren Daseinsbedingungen von anderen abhängig lst (Geschlossener Wirtschaftsstaat)." Das ist denn auch — wenigstens für die unmittelbaren Lebensbedürfnisse — wirklich das Beste, wie wir es aus den so oft erfolgenden größeren oder kleineren „internationalen Wirts chaftskris e n" mit allen ihren leider nicht genau festgestellten Folgen eigentlich schon gelernt haben sollten und wie es uns Deutsche der Weltkrieg wieder einmal recht treffend und ziemlich gefährlich ins Ge dächtnis ruft. Sehe» wir uns aber einmal den pazifistischen Vorschlag der „inter nationalen Abhängigkeit durch internationale Organi - sation" etwas näher an! Die verschiedenen Völker sollen durch Ausbau 2Z) Verlag vr. Wedekind L- Co. Verlin IW7.31 der internationalen Beziehungen, vor allem des Weltverkehrs (Post, Kabel, Schiffahrt, Eisenbahn), der Weltbenachrichtigung und beurteilung (durch internationale Presse), des Welthandels (Arbeitsteilung in der Gewinnung und Erzeugung der Güter, Austausch), des Weltkredites (gegenseitige, aller dings wohl mehr einseitige Geldleihung), der Weltzweckverbände (Teilung von Interessengebieten, gemeinsame Gründungen, Ausbeutungen) noch mehr anein ander gekettet werden, als sie es ja bekanntermaßen schon sind. Cs würde dann erfolgen, was die Pazifisten wünschen: der Kampf ums Dasein zwischen den Völkern würde dann von dem Gebiete der Kraftentscheidung durch unmittelbare Zerstörung hinübergespielt werden auf das Gebiet des weniger auffälligen Zwanges durch mittelbare Gefahren, durch Bedrohung, wie zum Beispiel Erschwerung oder völlige Verhinderung der Rahrungsbeschaffung, der Rohstoffbeschaffung für die Industrie, des Absatzes der Überflußerzeugnisse und manches anderen mehr. Dadurch würde manches Volk bewogen werden) von zwei Übeln das kleinere zu wählen, das heißt, lieber ein Unrecht oder eine Schädigung zuzulassen, als sein Wirtschafts- und Kulturleben, ja sein Leben überhaupt aufs Spiel zu setzen — und es wird ja jetzt schon manches Volk auf diese Weise bewogen, peinliche, beengende Entschlüsse zu fassen und be freiende Entschlüsse immer wieder hinauszuschieben. — Cs ist vorauszusehen, daß viele Völker — zumal schwächliche — es deswegen schon von vornherein unterlassen würden, ein anderes zu bedrängen — nämlich, wenn das Wagnis durch die wirtschaftliche Abhängigkeit nahezu ebenso groß oder größer ist als der Grund zur Unzufriedenheit. Aber die „internationale wirtschaftliche Abhängig- k e i t" der Völker wird immer ein höchst unsicheres Friedensunterpfand sein, da sie die Spannungen und Reibungen unter manchen Völkern eher vermehren und verstärken, als vermindern wird, uud es wird so doch »och öfters Krieg geben, wie es ja überhaupt sehr wahrscheinlich iufolge der Verschiedenheit der Menschennaturen Störenfriede unter den Völkern geben wird, die es nicht begreifen werden, daß es für sie besser sein solle, in gegenseitiger Abhängigkeit zu leben. Gegen diese Friedensstörer haben dann aber die Pazifisten ein unfehlbares Mittel, den — Weltboykott. Da im Laufe des erhofften pazifistischen Zeitalters die Völker nicht nur wirtschaftlich voneinander abhängig geworden sein würden, sondern auch einen internationalen Friedensbuud miteinander geschlossen haben würden, so würde von dem Friedensbund über den einzelnen Abtrünnigen, beziehentlich den fremden Störenfried der Boykott verhängt werden: zu ihm fahren keine Schiffe, keine Eisenbahnen, keine Posten mehr, — die Kabel werden durchgeschnitten, — Reisende kommen nicht mehr zu ihm, — die internationale Presse berichtet ihm nicht mehr, was vorgeht, aber sie be- richtet über ihn, was ihr beliebt, und richtet ihn ihrerseits zu Grunde, — er erhält keine Zufuhr mehr und abgenommen wird ihm auch nichts mehr, — er bekommt kein Geld oder keine Zinsen mehr, — sein im Ausland befindliches Hab und Gut wird konfisziert, — seine Anteile an den gemeinsamen Unter- nehmungen mit anderen werden von diesen eingezogen, vielleicht verteilt, — seine im Auslande befindlichen Bürger ja, darüber verlautet bei den Pazifisten nichts, wahrscheinlich aber sollen sie sich von ihm lossagen, — und32 so weiter und so weiter in der Art, die uns jetzt durch die Einkreisungspolitik des Vierverbandes einen gelinden Borgeschmack gibt. Kein Zweifel, daß ein so boykottiertes Volk, wenn es international abhängig ist, binnen kurzem an den Rand des Verderbens getrieben würde und daß es hineinstürzen würde, wenn es nicht vorzöge, im Sinne der Pazifisten „vernünftig" zu sein und ein Wohl' leben in der Zwangsjacke einer so unbequemen und gefährlichen Freiheit vor zuziehen. — And wenn das gedachte Volk doch noch Freiheitssinn genug hätte und unabhängig genug wäre, um dem Weltboykott widerstreben zu können? — Dann würde von dem Völkerfriedensbund eine „i n t e r n a t i o n a l e mili - tärifche Exekution" gegen dasselbe veranlaßt (bei manchen, selbst anti- germanischen Pazifisten würde im „Kulturstaatenbunde" Deutschland diese verdienstliche Rolle des Exekutors zufallen), — aber das ist kein Krieg, sondern nur eine Strafe und hinterläßt nicht das bittere Gefühl des Unrechtes und der Feindschaft! sagen die Pazifisten. Ja, Bauer, — wie man's nimmt! „Aber — die Pflege der Freundschaft zwischen den Völkern, der Austausch auf den Gebieten der Kunst, der Wissen schaft, der Technik u, a, mehr ist doch nicht zu unterschätzen?" wird hier von international Gesinnten eingeworfen werden — Gewiß nickt! Hier und noch anderweitig wird der Austausch selbstverständlich seinen Wert behalten in alle Zeiten. Wo die Völker sich gegenseitig unterstützen können, ohne ihr Dasein und ihre Eigenart zu gefährden, da sollen und werden sie es tun, — sie werden sich aber hüten müssen vor den trügerisch mit dem natürlichen Inter nationalismus in Zusammenhang gebrachten wirtschaftlichen Abhängigkeiten, durch die sie ihr Dasein gefährden. Überhaupt müssen wir stets beachten, daß mit dem Schlagwort Internationalismus viel Unfug und Bauernfängerei ge trieben wird. Internationale, zu deutsch zwischenvölkische Bestrebungen und Einrichtungen, können nicht für alle Völker paffen, sie müssen sich stets nach den jeweils in Betracht kommenden Völkern — ja oft auch nach den besonderen Umständen — richten, sie dürfen vor allem nicht den verschiedenen völkischen Belangen widersprechen. Internationalismus darf nicht zu Anationalismns oder zu Antinationalismus entarten, sonst verfehlt er seinen Zweck und ver nichtet sich selbst. Es ist übrigens auch noch in anderer Hinsicht nicht zu verkennen, daß die von den Pazifisten so viel gepriesene internationale wirtschaftliche Abhängig keit eine große Gefahr bedeutet uicht für gewisse Völker nur, nein, für alle Völker! Schauen wir nämlich einmal schärfer zu, so handelt es sich dabei gar nicht um eine Abhängigkeit der Völker voneinander, sondern vielmehr um eine Abhängigkeit der Völker von einer inter- nationalen Organisation: vom „i n t e r n a t i o n a l e n M a m - monismus", vou der „internationalen Finanzoligarchie" oder der „Gol denen Internationale", oder wie man sie sonst nennen will. Mehr, als viele es ahnen, herrscht diese ja schon jetzt und untergräbt die gesunde Entwickelung der Völker. Hat doch Dr. Walther Rathe n a u, der ihr nahe steht, einmal in einem ihr nahestehenden Blatte->) gesagt: „Dreihnndert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des 24) Reue freie Presse, Wien, 25. 12. I9W.Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung. Die seltsamen Ursachen dieser seltsamen Erscheinung, die in das Dunkel der künftigen sozialen Entwickelung einen Schimmer wirft, stehen hier nicht zur Erwägung." Wird der Pazifismus in Erkenntnis feines Wertes für ihre eigenen Ziele nicht schon von jenen Drahtziehern und ihren Nahestehenden tatkräftig unterstützt^)? Das wäre der richtige Hohn aus all die Bemühungen um die Ver meidung der Kn-:gsnöte und vielleicht auch die gerechte Strafe für die Stumpfheit gegenüber der Gefahr, wenn die Völker dadurch ganz und end gültig in die Knechtschaft des Mammon und der Seinen kämen! Keinem von alle» Völkern der Erde darf es gleichgültig sein, ob unter dem Deckmantel der „internationalen wirtschaftlichen Abhängig- keit" die internationale Finanzoligarchie die Ausbeutungsherrschaft über die Völker an sich reißt und die Belange der Völker als „Speku lationsobjekt" an der Börse verhandelt, wie es in der Tat ja schon jetzt manchmal vorkommen soll. Jedem Volke muß es daran liegen, wenn schon die anderen sich „international" unterjochen lassen wollen, daß es dann selbst wenigstens eine Möglichkeit hat, sich der mammonistischen Erdrosselung zu entziehen: nämlich die Anwendungsmöglichkeit der „rohen", natürlichen Gewalt. Wir — und auch die aufrichtigen Förderer der Freundschaft unter den Völkern — müssen schon im Hinblick auf die Höhereutwickeluug uud auf den Sieg des Guten hoffeu, daß diese Mög- lichkeit bestehen bleibt, denn wenn schon Unterjochung durch einen Stärkeren schlimm ist, so ist die Unterjochung durch die mammonistische Herrschaft uoch viel schlimmer, da diese Herrschast. zum größeren Teile jedenfalls nicht von Edlen und Hochgesinnten ausgeübt wird, sondern von Unedlen, Niedriggesinnten, denen Menschheitswohl und Mensch- heitSentwickelung fremde Begriffe und Belange sind. Die pazifistische Forderung der internationalen wirtschaftlichen Ab hängigkeit der Völker geht Hand in Hand mit der pazifistischen Forderung des internationalen Gerichtshofes. Die Bestellung eines Schiedsgerichtes ?Z) Es bestehen deutliche Beziehungen zwischen den Machern der pazifisti schen Bewegung uud den Vertretern des internationalen Mammonisnius und sie sind auch für den Kundigen trotz des scheinbaren Widerspruchs sehr ver ständlich: Die, welche voni^ Schweiß und Blut und der Not der Menschen leben, suchen stets die Massen oder die Völker in Unruhe und Unklarheit zu erhalten, suchen sie unschädlich zu beschäftigen. Ebenso, wie sie die utopistische Forderung des sozialdemokratischen Zukunftsstaates (der ihnen theoretisch doch das .Handwerk legen inüßtej, beziehentlich die sozialdemokratische Wühlarbeit unterstützen (man denke z. B. an die Finanzierung sozialistischer Zeitungen — etwa der Pariser „Äumanite"), weil sie sicher sind, daß der Zukunftsstaat praktisch eine Unmöglichkeit ist, und weil sie durch die Beschäftigung mit dem verheißungsvollen Gedanken ihre Opfer davon abhalten, ihnen mit den richtigen Mitteln entgegenzuarbeiten, - ebenso begünstigen sie die Arbeit der Pazifisten, weil sie überzeugt sind, daß sich ihnen durch die „internationale" wirtschaftliche Abhängigkeit übergenug Spekulations- und Ausbeutungsmöglichkeiten bieten, selbst wenn die Völker infolge dieses Zwanges wirklich länger als sonst Frieden halten sollten, — ja vielleicht noch mehr und sicherere „Konjunktnren" als jetzt. Für die Leute des internationalen Mammonismus wäre die internationale wirtschaftliche Abhängigkeit das goldene Ney, das ihnen dauernden mühelosen Fischzug verbürgte. Darum die Freundschaft! 3 3334 bei Streitfrage» liegt ja bei Streitfällen sowohl Einzelner, als auch ganzer Völker sehr nahe und sie ist seit altersher von den Völkern in Fällen geringerer Tragweite benutzt worden. So klingt die Forderung, diese gelegentliche, von Fall zu Fall eingesetzte Schiedsgerichtsbarkeit zum Zwecke schnellerer Bereit schaft und Wirksamkeit in eine dauernde und allgemeine — das heißt, eine für größere Völkergruppen und allmählich für alle Völker und für alle Streitfälle geltende — umzuwandeln, recht annehmbar und vielversprechend. Der für diese Zusammenfassung einstweilen bestimmte Haager Gerichtshof wird ja auch gewöhnlich — nicht nur bei den geschworenen Pazifisten — als eine Einrichtung hingestellt, die sich ganz selbstverständlich von selber durchsetzen und ausbauen wird. Und doch — wer sich die ganze Friedensbewegung in ihrem Verhältnis zur Natur der Völker betrachtet, der findet auch hier schwer wiegende Bedenken, Wer soll denn da über Wohl und Wehe der Völker, im Einzelfalle eines, den anderen Anlaß zur Unzufriedenheit gebenden Volkes, entscheiden? fragen wir uns. Wer steht hier über den Völkern wie im Volks innenleben der Richter über den streitenden Volksgenossen? Im Volke, das ja unter natürlichen und gesunden Verhältnissen aus Wesen ziemlich gleicher äußerer und innerer Wesensart besteht, urteilen und vollstrecken das Recht von Staats wegen Volksgenossen mit ziemlich gleicher Denkens- und Willensart, die ihre Stellung dem Vertrauen der Volksgenossen verdanken. Wo es nicht so ist, da hört man bekanntermaßen Vorwürfe wie „Klassenjustiz" und „Rassen- juftiz". Dementsprechend wird ein nichtstaatliches Schiedsgericht im Volke nur da anerkannt und befolgt, wo es über Gleichartige, Gleichgesinnte und Gleich gestellte (Akademiker, Offiziere, Kaufleute) Urteil spricht. Wir haben auf der Erde keine „Instanz", die über den Völkern steht und doch gleich mit ihnen ist. Stellen wir uns doch einmal diesen internationalen Gerichtshof — nicht das schöne Haus im Haag, sondern die darin waltenden Männer — im Geiste lebhaft vor. Es würde, wenn's mit rechten Dingen zugeht, aus den Ab gesandten der Völker zusammengesetzt sein: Deutschen, Schweizern, Öster reichern, Skandinaviern, Engländern, Mnkees, Ungarn, Russen, Franzosen, Spaniern, Portugiesen, Italienern, Griechen, Türken, Egyptern, Marokkanern, Serben, Bulgaren, Montenegrinern, Rumänen, Andorraleuten, Monakoleuten, Japanern, Chinesen, Siamesen, Liberianegern, Haitianern, Brasilianern, Argentiniern, Venezuelen usw. usw. Wenn wir auch annehmen, daß alle diese Abgesandten ehrenhafte, gelehrte, gutgewillte Menschen find, so find es doch im Grunde Vertreter ihres Volkes, ihrer Rasse, mit den bösen und guten Eigenarten, mit der Rassenseele ihres Volkes und oft genug ohne Verständnis der eigenartigen Seele und der besonderen Belange eines anderen, fern- stehenden Volkes. Wie und in welcher Art soll dieser bunt zusammen gewürfelte Gerichtshof wohl entscheiden? Doch durch Abstimmung? ! Wehe dann dem wirtschaftlich eingekreisten Volke, das bei der Mehrzahl der anderen in Ungnade gefallen ist, denn es ist dann auch richterlich eingekreist und es wird abgeurteilt nicht von Unparteiischen, sondern mit von seinen heimlichen und offenen Gegnern und Feinden, soweit sie ihm noch nicht den Krieg erklärt haben! Ein sonderbarer Vorschlag, dieser internationale Gerichtshof, dessen Durchführbarkeit immer durch Vergleich mit dem Gerichtshof eines Volkes bewiesen werden soll! Wenn in einem Lande ein Dorf von Zigeunern oder Mädchenhändlern oder Wucherern oder dergleichen Gesindel geplagt wird.zieht da das Gericht die Genossen der Zigeuner, Mädchenhändler, Wucherer heran, damit sie mit entscheiden, wer recht hat und bestehen soll? Nein! — Warum aber im Großen und im Wichtigsten tun, was man schon im Kleinen und im weniger Wichtigen als widernatürlich erkaunt hat? Auch der Vorschlag der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit > I scheitert an der Verschiedenheit der Menschennaturen, Sollte vielleicht — wie es den Anschein hat — vorgeschlagen werden, daß nicht Abgesandte der Völker, sondern „international bekannte Männer" — etwa die bekannteren Pazifistenführer, Lehrer des Völkerrechtes und andere —, den Gerichtshof bilden sollten, — gemach, auch sie unterliegen letzten Endes der Rasseneigenart und mancher von ihnen ist im innersten Herzen nicht un parteiisch international, sondern — zum Beispiel antigermanisch, wie es die pazifistische Literatur und der Weltkrieg manchmal offenbart '"). "Aber — wir brauchen uns wahrlich nicht den Kopf zu zerbrechen, wer dereinst im inter nationalen Gerichtshof über die Völker richten würde! Die internationale Finanzoligarchie, die ja schon jetzt die Belange der Völker beherrscht und mit über Krieg oder Frieden entscheidet, wird dann kraft ihres durch die internationale wirtschaftliche Abhängigkeit ins Uferlose gewachsenen Einflusses den Völkern auch diese Mühe der internationalen Gerichtsbarkeit abnehmen, Sie wird — unmittelbar oder auf Umwegen — ihre Abgesandten und Vertrauensmänner in den internationalen Gerichtshof wählen lassen und durch sie nach ihren Be- langen richten lassen, Deutscher Michel! Wenn sie volksbeglückende Pläne vor dir auskramen, dann spinne wenigstens du sie in Ge danken und im Hinblick auf deine Zukunft ein wenig weiter! Dann werden dir die verträumten Augen auf- gehen, „Aber," so sagen die Pazifisten, „es wird ja jedem Volke vorher sein status Huo ants (auf deutsch „der vorherige Zustand"), seine nationale Sicher heit bis in alle Ewigkeit „garantiert"!" — Worauf? Auf einem schönen Bogen haltbaren Papieres wohl? Gibt es — im Hinblick auf die Zukunftsentwicklung — etwas Dümmeres, etwas Erbärmlicheres, als die „garantierte Neutralität"? Müssen sich diese neutralen Völker, beziehentlich Staaten, nicht alles gefallen lassen, was irgend einem Stärkeren beliebt? Müssen sie nicht zum Beispiel die Nöte des Weltkrieges — wie auch eines jeden anderen Krieges — mit aus kosten, ja sogar als Prellbock dienen für andere — und das alles in dem erhebenden Bewußtsein, niemandem Freund und niemandem Feind zu sein? Und, wenn später im erhofften Goldenen Zeitalter des Pazifismus auch wirklich sich eine erkleckliche Reihe von Staaten zu eiuem Friedensbunde, der die Neutralen schützen soll, verbinden würde, so würde doch nach all dem, was wir hier besprochen haben, einzig und allein das Papier für die Dauer des 26) Bezeichnend ist, daß nach Angabe der deutschreichischen Pazifisten die Pazifisten Englands, Frankreichs und der Schweiz im Weltkriege versagt haben, weil sie nicht international, sondern antigermanisch fühlten, — was übrigens manche deutschreichischen Pazifisten auch tun. 3* 3536 -Bundes bürgen — genau so, wie es schon jetzt für die Neutralitätsbeachtuug bürgt. So lange das Naturgesetz ans der Erde waltet, so lange werden die Völker der Erde verschiedenen Sinnes sein und verschiedene, oft genug einander znwiderlaufende Belange haben. So lange werden sie unter gewissen Umständen weder Frieden halten können, noch zum Frieden gezwungen werden können. Deshalb wird ein Volk nur so lange gut bestehen können, als es sein Schicksal auf die eigene Kraft stellt, seinen unmittelbaren Lebensbedarf im eigenen Lande selbst gewinnt und über seine Entwictelung selbst wacht und richtet — unabhängig von jedem äußeren, fremden Einfluß. Man mißverstehe mich nicht! Ein Volk braucht sich deswegen nicht gegen jeden äußeren Cinsluß abzuschließen, wie etwa China bisher, — beileibe nicht! Cs soll alles Gute, das ihm geboten wird, prüfen und annehmen, wenn es zu feinem Wesen paßt, es soll Freundschaft halten mit Völkern, die auch ihm Freundschaft entgegenbringen können, aber es soll sich nicht in seinen wich tigsten Belangen abhängig machen von Fremden, wie es von den Pazifisten, und anderen Allerweltstümlern gewünscht wird. Wäre ein Völkerfrieden überhaupt wünschenswert? Moltke hat einmal gesagt: „Der ewige Frieden ist ein Traum und nicht einmal ein schöner !" Man streitet darüber, wie er das gemeint hat, und ich weiß es nicht, aber ich muß sagen: — wahr ist dieser Sah! Wenn wir uns in der Natur umblicken, so erkennen wir eine überall waltende Naturerscheinung: Nur die dauernde Not (im weiteren Sinne) erhält das Einzelwesen, die Rasse, die Art auf der Höhe, bringt sie zur Höherentwickelung. « Betrachten wir eine Tierrasse: Nehmen wir ihr auch nur die Not, Nahrung zu suchen, so daß sie sie nicht mehr suchen und gewinnen muß, geben wir ihr vielmehr reichliche, zubereitete und womöglich schon vorverdaute Speise, so entartet sie in besonderen Eigenschaften — zum Beispiel in bezug auf Spürsinn, Urteilsvermögen, Kraft, Kaufähigkeit, Verdauungsfähigkeit —, aber infolgedessen auch noch allgemein in bezug auf die gesamte Körperkraft, Geisteskraft und Gesundheit. Rehmen wir ihr auch noch die Not, sich gegen dio elementaren Einflüsse — Kälte, Hitze, Licht, Regen, Wind — zu schützen, so entartet sie weiter, im besonderen und im allgemeinen. Rehmen wir ihr die Not, sich zu wehren gegen ihre kleinen und großen Feinde, so entartet sie noch mehr. Rehmen wir ihr die Not, das andere Geschlecht aufsuchen, gewinnen und behaupten zu müssen, — sie entartet. Sie entartet wegen Nichtgebrauch und Unterentwickelt»^ ihrer Anlagen, wegen Ausschaltung der natürlichen Auslese im Kampfe ums Dasein, wegen Ausschaltung der Zuchtwahl uud —37 sie geht unter, als Beute der schließlich doch herandringenden, vielleicht über- scheuen oder unbekannten Feinde oder aus innerer Verkommenheit. Genau so ist es mit den Menschenrassen, den Menschenvölkern. Fällt die Not — im weitesten Sinne genommen — weg, so entarten sie, werden schwach und krank, weil eben nur der Druck der Not — sei es der dumpfe Trieb, ihr auszuweichen oder sei es die Furcht vor ihr oder sei es der bewußte Wille, das Leben zu meistern — Anstrengung und Arbeit als Gegendruck hervorruft — in jeder Beziehung. Wir alle wissen, um nur ein Beispiel heranzuziehen, daß uuser Körper und auch unser Geist unter dem böseu Ciufluß zu weit gehender Arbeitsteilung einseitig, weniger widerstandsfähig und weniger leistungsfähig wird. Wir alle haben auch den elementaren Trieb zur a l l fettigen Betätigung durch Spiele, Turnen uud andere Beschäftigungen — znm wenigsten als Kinder —, aber bei uns Erwachsenen wird er überwuchert. Nur wenige von uns Erwachsenen treiben nuu doch Körperpflege und Leibesübung in dem bewußten, nicht von Furcht begleiteten Gegenstreben, sich die Vollkommenheit zu erringen und zu erhalten. Schon mehr von uus arbeiten an sich aus Furcht vor Gesundheitsschädigung und Not, aber die große Masse des Volkes müssen wir zur Körperpflege und Leibesübuug unaufhörlich anregen und antreiben, ^ja zwingen unter Hinweis auf die nationalen und sonstigen Gefahren ver minderter Volkskraft — und viele von der Volksmasse sind schon zu sehr ent artet, um diesem Rufe folge» zu köuueu, selbst wenn sie es wollten. Ist das nicht bezeichnend genug dafür, daß nur die Not treibt? — Ein Volk, dem die Sorge um sein Bestehen genommen wird, muß faul, zaghaft, feige werden. Erleben wir es uicht, daß Völker, die sich als neutral erklärt haben und deshalb glauben, sich uicht oder nicht so sehr für den Krieg rüsten zu müssen, weil ihnen ihr Dasein „garantiert" wurde, — daß diese Völker später, wenn die Not doch au sie herantritt, mit Grauen sehen, wie sie eiuer gewisse» Ent artung entgegentreiben und manchmal schon nicht mehr die Kraft haben, sich herauszureißen? Die „Versicherung" hat ihr Gutes, aber falsch angewandt, zücktet sie die Unzulänglichkeit und die Kraukheit auf Koste» der Kraft uud der Gefuudheit uud bedeutet sie rückschrittliche („kontraselektorische") Auslese. — 5lnd andererseits verfolgen wir einmal den Werdegang eines starken Volkes, zum Beispiel der Germanen, die doch — das muß selbst der Neid der Anti- germanen zugeben — manches Gute geleistet haben und manches Besondere bedeuten: Im schwersten, viele, viele Jahrtausende dauernden Kampfe ums Dasein während der Eiszeiten und auch später noch durch ihre heldenhafte, kampfesfreudige Lebensauffassung haben sie ihre guten Anlagen gewonnen, ausgelesen und höherentwickelt, die Anlagen, die noch jeht mehr oder weniger in jedem tüchtigen Deutschen schlummern und sich auf so mauckem Gebiete — Kuust. Technik, Wissenschaft, Organisation uud so weiter — auffallend bemerk bar nurchen, vor allen, aber in der Ruhe, Entschlossenheit und Anständigkeit, mit der das deutsche Volk seinen an Mitteln und Zahl ihm überlegenen uud in seiner Betätignngsart nicht wählerischen Feinden entgegentritt. Die vielen Nöte der Eiszeiten uud der so oft und beinahe freudig aufgenommenen Kämpfe aller Art haben den Germane» geformt. Wenn wir auch wirklich Völkerfrieden schaffen köuuten, dann würden nnr die entartenden, absterbenden Völker beschützt werde», die gesunde», aus- strebenden Völker würden an ihrer Weiterentwickelung nnd Ausbreitung ae-38 hindert und von der Entartung ergriffen werden, ja schon vorher von den minderwertigen angesteckt werden. Der dann übrigbleibende Kampf ums Dasein mit „geistigen", das heißt hauptsächlich wirtschaftlichen, Kräften und Mitteln, wie er als „human" von den Pazifisten gepriesen wird, würde unter dem Obwalten des Mammonismus nicht den Edlen, sondern den Niedrig- gesinnten, Abgefeimten zum Siege verhelfen, also auch eine Auslese der Passendsten, aber im Sinne der idealen Menschenentwickelung doch eine rück schrittliche Auslese bewirken. Selbst im besten Falle, das heißt, wenn der Mammonismns und seine internationale Herrschaft schließlich überwunden würde, würde dieser wirtschaftliche Kampf nicht weniger grausam sein, denn wirtschasliche Unterlage und Bedrängung bedeutet auch körperliches Elend, ja er würde eher noch grausamer sein als der Krieg, weil er, rücksichtslos durch geführt, die unterliegenden Völker noch lange Zeit der Qual des Elends, der Entbehrung, des DahinsiechenS überliefern würde, ehe er sie vernichtet. Man wendet gegen die Erkenntnis, daß der gewaltsame Kampf ums Dasein zwischen den Völkern naturnotwendig und gut ist, oft ein, daß doch zu Anfang auch in den Völkern — zwischen den Volksgenossen — der unmittel bare Kampf ums Dasein geherrscht habe und daß es doch möglich gewesen sei, ihn zu unterdrücken; — ebenso könne man auch den Kampf ums Dasein zwischen den Völkern abschaffen. Dem ist u. a. zu erwidern: Es ist wahr, daß der unmittelbare, gewaltsame Kampf ums Dasein innerhalb eines Volkes durch die menschliche Vergesellschaftung, die Zivilisation, in vielen Völkern nahezu ganz unterdrückt ist, wir sind damit auch einverstanden, haben aber erkannt, daß der Ausfall der Kampfauslefe zu der Entartung mancher Völker wesentlich bei getragen hat und daß infolgedessen die bewußte geschlechtliche Zuchtwahl mit besonderem Nachdruck angewandt werden muß, um eine völlige Entartung durch unbeschränkte Vermehrung der Minderwertigen zu verhüten. Zwischen den Völkern ist eine künstliche Auslese unmöglich und deshalb bleibt nur die natürliche durch Kampf aller Art. Diese ist auch um so notwendiger, als — wie allen bekannt ist — manche Völker infolge mangelnder Zuchtwahl und anderer Einflüsse unaufhaltsam entarten und andere anzustecken drohen. Im Sinne der Auslese — nicht bloß der Passendsten, sondern der Tüchtigen und Edlen — ist es zu wünschen, daß der gewaltsame Kampf ums Dasein zwischen den Völkern bestellen bleibt und mit möglichst natürlichen, „roben" Mitteln ausgefochten wird: durch den Krieg. Ist ein dauernder Frieden wenigstens in engeren Völker gruppen denkbar? Verschiedene der pazisistischen Fllhrer schränken di >: Friedensforderung, beziehentlich die Forderung der „internationalen Organisation" ein auf gewisse Völker- oder S t a a t e n g r u p p e n, allerdings wohl nicht, weil sie die allzugroßen Rassengegensähe beachten zu müssen glauben, sondern mehr, weil sie fühlen, daß dem Allerweltsfrieden dochschon rein praktisch zu offensichtlich,: und zu große Hindernisse im Wege stehen. Freilich sind ihre Vorschläge da sehr oberflächlich und verschwommen — schon, was die Auswahl der Völker anbetrifft, — und man findet da eher auf seiten der Völkischgesinnten uud der Nichtpazisisten greifbare Vorschläge. Manche Pazifisten sprechen von einem Fried ensbund der höher zivilisierten Staaten oder K u l t u r st a a t e n, es ist jedoch schwierig, diese Begriffe zu umgrenzen. Cs kommt aber auch — sogar prak tisch — wenig in Betracht, denn dieser Bund sollte ja nach dem Wunsche der Pazifisten allmählich immer mehr Völker aufnehmen. Stellen wir uns einmal vor, daß. um allzugroße Verschiedenheiten der Rasse auszuschließen, nur die Staaten Europas und Nordamerikas sich zusammenschlöffen, so würden einem einigermaßen dauerhaften Frieden zwischen ihnen doch schon zu viele Ver schiedenheiten und Gegensätze entgegenstehen. Nicht nur tiefgehende Rassen- gegensähe, auch Kulturverfchiedenheiten, ja, ganz gewöhnliche Lebensbedürf nisse bedingen zwischen ihnen starke Spannungen und Reibungen, und da auch der Machtwille einzelner Völker, zum Beispiel der Engländer, zwar von seiner übermäßigen Höhe herabgedrückt, aber wohl nie ganz unterdrückt werden könnte — wenigstens solange sie in Weiterentwicklung begriffen sind, würden Zerwürfnissen infolge entgegengesetzter Belange nicht ausbleiben, ganz ab gesehen von dem sichtlich erstarkenden Raffebewußtsein, das schon an der Durcheinanderansiedelung der hier in Betracht kommenden Völker, wie cs in einigen Staaten infolge der weltbürgerlichen Verirrung stattgefunden hat, bekanntermaßen viel Reibungs- und Zündstoff angehäuft hat und in Zukunft noch mehr schassen wird. Zudem ist schon bei einigen der für den Friedens bund in Aussicht genommenen Völker zu viel Entartung vorhanden, als daß sie das Maß von Verständnis, Kraft, gutem Willen und Selbstlosigkeit auf bringen könnten, das zu einem pazifistischen Zusammengehen entgegen den natürlichen Belangen und Anlagen notwendig wäre, haben wir es doch erlebt, daß sogar die Pazifisten dieser Völker im Weltkriege versagen. Rur bei ganz eng begrenzten Gruppen von Völkern kann man gleiche oder wenigstens ziemlich gleiche Bedürfnisse nnd Belange und somit größere Friedensmöglichkeiten finden — und selbst da nur auf bestimmten Gebieten und für beschränkte Zeit. Wenn weitblickende Politiker solche Bündnisse befürworten — wie zum Beispiel in der Gegenwart K. von Wi n t c r st e t t e n ^), Franz Köhler^) und nach ihnen viele andere ein Bündnis mitteleuropäischer Staaten, so sind sie sich wohl darüber klar, daß ein solches Bündnis nur so lange dauert, wie cs Zweck hat, das heißt, wie die dazu sührenden Belange die gleichen oder ähnlichen bleiben, und daß ein auch noch so klarer oder ver klausulierter Vertrag eine längere Dauer, beziehentlich einen längeren Frieden nicht verbürgen kann. Man denkt da ja auch an den Zerfall des Dreibundes. Selbstverständlich sind gewisse Vereinbarungen auch größerer V öl kcrgrup p en durchaus möglich, aber naturgemäß nur auf eng be- grcnztem Gebictc, — sic sind dann auch durchaus natürlich und 27) l)r. K. von Winterstetten, Berlin - Bagdad, neue Ziele mittel- enropäischer Politik. I. F. Lehmanns Verlag, München 1915. . . . M. 28) Franz Köhler, Der neue Dreibund. I. F Lehmanns Verlag, München 1915. 2 Mark.erwünscht. So wäre zum Beispiel sür die europäischen Völker ein Vertrag erwünscht, daß im Hinblick auf die Rassenschande in europäischen Kriegen Hilfsvölker farbiger Rasse nicht verwandt werden dürften. Das würde eine gewisse Gemeinbürgschaft der europäischen Rassen und damit manche segens reiche Folge herbeiführen. (Die Werbung dafür wäre eine schöne Aufgabe für die Pazifisten!) Bestimmte, die Kriegsführung regelnde Vereinbarungen (Genfer Konvention und andere) finden ja bei den meisten zivilisierten Völkern Beachtung und können sicher noch ausgebaut werden, nur dürfen wir deswegen nicht den Denkfehler begehen, daß sie schließlich über sich und ihre ?!atur hinaus wachse» und sich zum Völkersrieden auswachsen könnten. Übrigens müßten selbst die untereinander zum Frieden verpflichteten Völker sich in steter Rüstung erhalten — schon im Hinblick auf die außerhalb stehenden Völker. So müßte ein europäischer Staatenbund die stetig wachsende Gelbe Gefahr und in Bälde vielleicht auch die Schwarze Gefahr im Auge behalten. Ob trotzdem eine bedeutende Ermäßigung der bisherigen Rüstungen möglich wäre, bleibe dahingestellt. Eine natürliche Gemeiubürgschaft und ein dauerhafteres Friedens- vündnis können wir uns nur zwischen nahe verwandten Rassen, beziehentlich Völkern denken, wo die Gleichgerichtetbeit der Rassen eigenart und der Weiterentwickelung eher ein Nebeneinander- und In- einanderströmen der Bedürfnisse, Belange und Wünsche und ein et.va'ges rassisches Verschmelzen möglich und unschädlich erscheinen läßt. In Europa wäre etwa ein Bündnis ger m anischer Völker: Is länder, Norweger, Schweden, Dänen, Deutsche, Niederländer, Flamen, Osler- reicher, Deutschschweizer — denkbar, ja erwünscht. Bei ihm könnte man auf ab sehbare Zeit einen dauerhaften Frieden erwarten, jedoch auch hier müssen wir bedenken, daß Verschiedenheiten in Fülle vorhanden sind. Einen wirklich ewigen Friedensbund können wir auch unter diesen günstigsten Umständen der Rassen- gleichheit nicht annehmen, ja dürfen ihn im Hinblick auf die Höherentwickelung nicht einmal unbedingt wünschen. Wenn zum Beispiel das deutsche Volk körperlich oder geistig entarten würde, sollten es dann die anderen Germanen Völker — bloß um der Rassenverwandtschaft willen — im Bunde mitschleppen, verteidigen, sich von ihm anstecken lassen, also sich selbst gefährden? Das ginge gegen den Geist der Natur! Nein, selbst unter verwandten Rassen kann Frieden und gegenseitige Unterstützung nur so lange herrschen, als sie für die einzelnen Teile förder lich sind. Wen» wir am Schluß unserer Betrachtung unseren Gedankengang »och einmal überblicken, so sehen wir, wie sicher uns die naturwissen schaftliche Betrachtung der Friedensfrage, die die Pazifisten und andere durch Schlagworte wie „Kulturzoologismus" oder „sozialer Darwinis mus" etwas verächtlich oder verdächtig machen möchten, an allen Fähr nissen der Verkennung, der Spekulation und Sentimentalität oder Romantik vorüber zu einem Ergebnis führt, das auch mit der Geschichte und den Erfahrungen des täglichen Lebens nnd nicht zum letzten mit dem jetzigen Weltkrieg und seinem Vorspiel übereinstimmt. Freilich ist 4VI diese« Ergebnis, daß ein dauernder Völkerfrieden selbst bei stärkerer Be grenzung der Völkergruppen unmöglich, ja unerwünscht ist, nichts für gefühlvolle Schwärmer, denn es ist „nüchtern" und „grausam". Ja — wenn wir da« Lebe» meistern und im Weltengetriebe bestehen wollen, dann müssen wir eben nüchtern die Wirklichkeit erfassen. Tann erkennen wir aber auch, daß sie nicht grausam ist — wenigstens nicht für den Starken. Lr findet sich damit ab wie mit Krankbcit und Tod, die auch ihr Gute« haben. Gewiß wird auch der Starke nicht wünschen, ohne Notwendigkeit zu kämpfen, zu bedrängen oder zu vernichten, — nein, eher zu fördern, zu stützen und zu retten, wo etwas dessen wert ist, und da« ist ja gerade das, was wir Menschlichkeit nennen. Aber der Starke wird sich stet« bewußt sein, daß er gerade im Dienste des Guten nur dem Naturgesetz, das in ihm und um ihn lebt, folgen darf, daß er sich und da« Gute durch setzen muß im Kampfe um« Dasein gegenüber dem Schlechten und Minderwertigen. Und darum Die Waffen hoch!42 Zweiter Teil Doch welche Waffen? Wie wir auch die Friedenssrage drehen und wenden, im Lichte der Natur- erkenntnis erhalten wir jedesmal die Antwort, daß der Krieg — als eine Form des Kampfes ums Dasein — zwischen den Völkern — in mancher Hin sicht selbst zwischen näher verwandten Völkern — möglich und unter gewissen Bedingungen naturnotwendig ist. Diese Erkenntnis bleibt bestehen und wir müssen uns mit ihr abfinden, wie wir uns mit Krankheit und Tod abfinden, — auch dann, wenn wir am Kriege und besonders am neuzeitlichen Kriege Neben erscheinungen, zum Beispiel unnötige Grausamkeiten, rassegefährdende Wir kungen, wirtschastgesährdende Rüstungsausgaben — feststellen, die uns unnatürlich und ungesund vorkommen, Es gilt dann nur die Frage zu beant worten, ob diese unerwünschten Nebenerscheinungen naturnotwendig sind oder cb wir sie nicht beseitigen oder einschränken können - ebenso, wie wir mit Recht und Erfolg das Übermaß an den Naturnotwendigkeiten Krankheit und Sterblichkeit eindämmen, Um die Frage, ob der Krieg in den Formen, die er mit fort- schreitender Kulturentwickelung allmählich angenommen hat, auch noch der rassischen Auslese dient, hat man sich bisher sehr wenig bekümmert. Dagegen wird der Wunsch, die unnötigen Neben erscheinungen des Krieges im Sinne der Menschlichkeit („Humanität") einzuschränken oder zu beseitigen, von allen geteilt, denen das Wohl der Menschheit am Herzen liegt, — also nicht etwa nur von den Pazifisten, sondern auch von den „Kricgsfreunden" und von den Völkischen —, er ist ja in der Tat von alters her mehr oder minder berücksichtigt worden und aus ihm heraus sind allmählich die bekannten ritter - lichen Anschauungen der Völker, sowie die bekannten zwischenstaatlichen Abmachungen entstanden, die die bösen Wir kungen des Krieges einzuschräukeu suchen, indem sie zum Bespiel die Ver nichtungsmittel festsetzen und die Vernichtung auf die Personen und Sachen beschränken, die unmittelbar am Kampfe teilnehmen. Demgegenüber kann allerdings darauf hingewiesen werden, daß diese ritterlichen Anschauungen und internationalen Abmachungen durchaus nicht immer und von allen Völkern eingehalten werden — wie zum Beispiel auch im jetzigen Weltkriege selbst von Kulturvölker» — wie Engländern, Franzosen, Russen, die angeben, für die Kultur und das Recht zu kämpfen, — bewußt und vorsätzlich allerlei43 gegen diese Menschlichkeitsregeln gesündigt worden ist und noch wird. Denken wir nur an die Dumdumgeschosse, an die Niedermachung oder Krankmachung von Gefangenen, an die Angriffe auf Kraukcnpflegccinrichtungen, an die Greuel an Richtkämpfern, an die Aushungerungsabsichten gegenüber der deutschen und österreichisch-ungarischen Bevölkerung, an die Wünsche, sie völlig niederzumetzeln oder sie wenigstens wirtschaftlich so zu zermürben, daß sie durch Elend untergehen müßte. — Was ist da das Richtige, Berechtigte? — Mensch- lichkeit oder Ichsucht, die jetzt so schön benamste „Heilige Ichsucht"? Auch in dieser Frage führt uns die Anwendung der naturwissenschaft lichen Betrachtung, die Naturerkeuutnis, schnell und sicher zur Klarheit, denn Menschlichkeit kann nur dann von Dauer und Wirkung sein, wenn sie nicht gekünstelt, sondern natürlich und den natürlichen Belangen der Menschheit und der Völker nicht schädlich ist. Cs ist falsch, die Regeln der Menschlichkeit durch bloße Selbstbespiegelung (Spekulation) finden zu wollen und sie dann zum obersten Gesetz zu erheben — ohne Rücksicht darauf, ob sie mit den Naturgesetzen und Naturnotwendigkeiten übereinstimmen und ob über dem Trachten nach dem Woble des Ganzen, der Menschheit, das Gedeihen seiner Teile, der Völker, beeinträchtigt wird und dadurch der Bestand des Ganzen in der Folge gefährdet wird. Ebenso falsch ist cs, die Verdrängung oder Vernichtung von Völkern unter allen Be dingungen als unsittlich uud verwerflich hinzustellen. Sobald eine natürliche Notwendigkeit unausweichlich dazu zwingt, ist sie naturnotwendig und deshalb sittlich berechtigt, — aber auch nur dann! Entsprechen die neuzeitlichen Kriegsformen nnd Kriegs- mittel dem ursprünglichen, natürlichen Zweck des Krieges? Durch unsere Betrachtungen im ersten Teile dieser Schrift find wir zu der Erkenntnis gekommen, daß der Krieg eine mit fortschreitender Kultur entwickelung ausgebildete Form des allgemeinen natürlichen Kampfes ums Dasein ist, des Kampfes ums Dasein, der geführt wird zur Erhaltung des Lebens, zur Betätigung der Eigenart und zur Ermöglichung der Vermehrung und der durch sie bedingten Ausbreitung. Wenn wir uns nun die neuzeitlichen Kriege daraufhiu eingehend betrachten, so fällt uns in der Tat — wie schon früher erwähnt — auf, daß er manche unnötigen, unnatürlichen, unzweck mäßigen Nebenerscheinungen angenommen hat, daß er in gewisser Hinsicht entartet ist. Das trifft zunächst einmal für die Kriegs grün de und Kriegs- formen zu. Mit fortschreitender Entfaltung der Kultur und der Zivilisation, die ja bekanntlich zu mancher Mißentwickelung geführt hat, hat sich auch der Krieg von einem reinen Daseinskampf zu allerlei Mißformen entwickelt. So haben wir die imperialistischen Kriege zur Ausbreitung der politischen oder wirtschaftlichen Macht ohne Not (Unter-44 jochungskriege), zur Ausbreitung der Religion und vorgeblich auch der Kultur kennen gelernt, Sie sind unnatürlich, denn es fehlt ihnen die innere Notwendigkeit, Weiter gehören dazu die Abenteuer- und R u h m e s k r i e g e, die auch i» der neuesten Zeit noch vorkommen, wie das gewissen Diplomaten und Herrschern vorgeworfene Wort „Mein Krieg" nahelegt. Auch die Dynastiekriege und ebenso die wohlbekannten Ad le n k u n g S k r i e g e , die das Volk von irgendwelchen innerpolitischen Miß- ständen ablenken sollen, sind unnatürlich und unberechtigt, weil innerlich nicht naturnotweudig. Selbstverständlich spielt bei den Kriegen fast stets nicht nur ein Grund, sondern eine Reihe von Gründen mit — oft in der seltsamsten Verquickung und mit den denkbar mannigfaltigste» Übergangsgraden, Wie ich schon am Anfang der Schrift betont habe: Kriege, bei denen es sich nicht um die natürlichen Belange des Daseins handelt, sind verwerflich, und da wohl kein Redlicher für sie eintreten wird, so erübrigt es sich, hier die Gründe zu besprechen. Ebenso ist es ja allgemeine Überzeugung und deshalb unbestritten, das, die unnötigen Grausamkeiten, die von manchen Völkern in manchen Kriegen verübt worden sind nnd werden nur um der Grausamkeit willen, das heißt nur, um ihrer — man kann ruhig sagen krankhaften — Wollust und ihrem ebenso krankhaften Haß zu frönen, schon vom allgemein menschlichen Standpunkt aus verabscheuungswert und verwerflich find, Sie sind bei Kulturmenschen wenigstens Entartungen nnd die Entschuldigung, daß sie bei wenig kultivierten Völkern durch die ursprünglichen rohtierischen Triebe zu erklären seien, ist zwar zutreffend, aber auch gleichzeitig eine Aberkennung der höheren Menschenwürde, Wir können, der Naturerkenntnis folgend, nur die Kriege als natürlich und berechtigt anerkennen, die der Erhaltung des Daseins und der Eigenart, der Ermöglichnng der Vermehrung und der durch sie be dingten Ausbreitung dienen, also etwa Kriege zur Abwehr tätlicher Angriffe und Übergriffe, politischer, wirtschaftlicher und anderer Be drückung, beleidigender Behandlung und Kriege zur Gewinnung von Acker- und Siedelungsland für das eigene Volk, wie ich sie schon im ersten Teile der Schrift (S. II, >2, 27) besprochen habe. Aber auch dann, wenn wir nur die naturnotwendigen, durch die Natur der Menschen und daher auch sittlich berechtigten Kriege gelten lassen, so müssen wir doch zugeben, daß auch die D a s e i n s k r i e g e in ihren neuzeit lichen Formen Wirkungen haben oder haben können, die nicht in i t dem ursprünglichen Zweck des Krieges überein- st i m m e n. So zum Beispiel wird da oft von den Pazifisten ins Treffen geführt, daß der neuzeitliche Krieg gar nicht — wie der ursprüngliche Kampf ums Dasein — eine natürliche Rassenauslese herbeiführe, sondern im Gegen teil wahllos Bessere und Minderwertige vernichte, ja sogar rassenver schlechternd wirke.45 Führt der neuzeitliche Krieg zur Rassenverschlechterung? Wir müssen bei dieser Frage zwischen dem ursprünglichen, noch recht rohen, und dem neuzeitlichen, hoch organisierten Kriege wohl unterscheiden. Der ursprüngliche, nicht oder nur wenig organisierte Kampf ums Dasein ist offensichtlich eine ausgezeichnete fortschrittliche Auslese- einrichtung, ihm ist zum Teil die Höherentwickelung der Lebewesen — auch die der Menschcnarten — zuzuschreiben. Ist es nun auch der Krieg als besondere Form des Kampfes ums Dasein? Offenbar unterstützt der ursprüngliche, weniger organisierte Krieg mit mechanischen Hand- Waffen, wie er im Altertum und Mittelalter geführt wurde und wie wir ^ ihn nock jetzt vielfach bei weniger zivilisierten Böllern finden, sehr wohl ! die Auslese der Tüchtigen, beziehentlich die Ausmerze der Minder- I wertigen. Da im ursprünglichen Krieg e alle oder fast alle Männer, ja oft auch die Weiber, am Kampfe teilnehmen, mehr aus ursprüngliche Weise Mensch gegen Mensch gekämpft wird und der Feind nur durch Überlegenheit an persönlicher Kraft, Gewandtheit, Erfahrung, Mut und Ausdauer über- wunden werden kaiM, so haben die Tüchtigeren mehr Aussicht, am Leben zu bleiben. Das kommt zunächst schon bei der Auslese innerhalb einer Menschen gruppe — sei sie nun die besiegte oder die siegende — in Betracht: Die weniger tüchtigen Krieger sind zum großen Teil getötet uud die tüchtigeren Krieger erhalten wegen ihres Ansehens auch im Frieden ein Übergewicht und mehr Einfluß auf die Vermehrung des Volkes — zumal da, wo ihnen die Weiber der Erschlagenen zufallen —, sie können ihre Eigenschaften häufiger vererben als die Minderwertigen. Für die Auslese zwischen den Völkern, beziehentlich Horden kommt in Betracht, daß das besiegte Volk stark geschwächt oder ver nichtet wird, auch dies dient gewöhnlich der Auslese zwischen den Völkern, da das tüchtigere bei nicht allzu großer Überzahl der Feinde immer bessere Aus sichten hat. Aber auch an Zahl bedeutend geringere Völker können sich unter ursprünglichen Kriegsverhältnissen gegen einen übermächtigen Angreifer gut verteidigen, ihm in schwer zugängliche Orte und Gegenden ausweiche», sich in befestigten Städten halten. Konnten doch die Römer — um ein Beispiel vor Augen zu führen — den anfangs stark überlegenen Truppen Hanmbals im eigenen Lande ein Jahr lang ausweichen, ihnen Abbruch tun und sie schließlich schlagen. Die Opfer der primitiven Kriege sind meistens gering an Zahl und, wo sie zahlreicher sind, handelt es sich um bewußte Vernichtungs kriege. Bei dem neuzeitlichen, h o ch o r g a n i f i e r t e n und durch internationale Abmachungen eingeschränkten Kriege dagegen ist die Sachlage in der Tat eine in vielem veränderte. Vor allem ist die Zerstörungs- und V e r n i ch t u n g s m ö g l i ch k e i t durch die Entwickelung der Technik ins Ungeheure gewachsen, so daß zwar die Tüchtigkeit des Kriegers nicht ausgeschlossen ist, aber doch nicht mehr so ins Gewicht fällt, wie unter den ursprünglichen Kriegs- verhältnissen. Der Krieg ist sozusagen auch ein „Groß betrieb" geworden wie leider so manches andere. Die Schutz- und Vernichtungsmittel — die Waffen im weitesten Sinne — find teuer46 geworden: „beinahe ein Vermögen für einen Mörserschuh". Dadurch ist der Krieg auch ein g r o ß k a p i t a l i st i s ch e s Unternehmen und damit natürlich eine Spekulationseinrichtung geworden. Die Arten der Vernichtung haben sich vermehrt und wenn nicht schon früher internationale Vereinbarungen (Genfer Konvention, Petersburger Dekla- ration. Haager Landkriegsordnung 1899) der Vermehrung ein Halt gemacht hätten, dann würden jetzt vielleicht Gifte, Krankheitskeime, Elektrizität ebenso als Waffen ausgebildet worden sein wie die Cxplosionsumsetzung, Während früher — und bei nicht zivilisierten Völkern noch jetzt — die Kriegstechnik den Menschen diente, ist sie ihnen im neuzeitlichen hochorganisierten Kriegswesen sozusagen über den Kopf gewachsen. Der Krieg ist, obwohl er mehr wie ein Maschinenkampf aussieht, wohlgemerkt immer noch ein Männerkampf, aber er wird im Grunde doch oft genug zu einem Viertel oder der Hälfte oder gar drei Vierteln mit dem Geldsack ausgesochten, denn Geld, viel Geld wird gebraucht, die Vernichtungsmittel herzustellen oder zu kaufen (nebenher auch, um den Neutralen ihre Neutralität abzukaufen) — sei es, daß das Geld erspart ist oder daß es erst noch geliehen werden muß. So stößt uns leicht die Frage auf, ob nicht auch rassisch tüchtige Völker — zumal, wenn sie arm und klein sind, beziehentlich keinen genügenden Kredit bei der internationalen Finanz- oligarchie haben unter den jetzigen Verhältnissen, — in die Gefahr kommen, im Kampfe mit einem rassisch weniger wertigen, aber viel reicheren Volke durch dessen Gelduberlegenheit niedergeworfen zu werden oder an den eigenen Aus gaben wirtschaftlich zu verbluten. Die Frage, ob im Gegensatz zum ursprünglichen Kriege der moderne Krieg oder die Rüstung dazu nicht nur den Auslesewert verloren hat, sondern überhaupt Rasseverschlechterung, beziehentlich Entartung der Völker herbeiführt, kann aber nicht mit einem glatten Ja oder Nein und ein für allemal beantwortet werden, sie muß von Fall zu Fall entf chieden werden. Betrachten wir zunächst die Frage der Auslese innerhalb eines Volkes — gleichviel, ob Sieger oder besiegt —, so kommt es sehr darauf an, ob der Krieg als ein „menschlicher" („humaner") oder als ein Vernichtungskrieg ge- Mrt wird. Bei einem rücksichtslos bis zum Ende durchgeführten Vernich tungskriege, sei es mit ursprünglichen oder neuzeitlichen Mitteln, findet innerhalb eines jeden Volkes sicher eine Ausmerzung guter Rasseuelemente statt — um so sicherer, je länger der Krieg dauert und je mehr auch Frauen und Kinder mit hineingezogen werden. In einem „human" — das heißt unter Schonung der verwundeten und gefangenen Krieger und aller Nichtkrieger — geführten Kriege hängt die rassenhygienische Wirkung von dem Zusammenspiel vieler Umstände ab. Wir wollen hier nur die hauptsächlichen Möglichkeiten besprechen. Es ist schwer zu entscheiden, ob im neuzeitlichen Kriege unter den Kriegern eines Volkes die rassisch tüchtigeren mehr als die rassisch minderwertigen der Vernichtung ausgesetzt sind. Die rassisch Tüchtigeren sind gewöhnlich größer, eifriger, mutiger und sehen sich daher mehr der Gefahr aus, sie werden aber im Handgemenge, das ja trotz allem noch sehr oft vorkommt, wie überhaupt im Cinzelkampfe schwerer niedergemacht, erdulden Strapazen und Verwundung47 besser und widerstehen besser der Ansteckung, Die rassisch Untüchtigen werden sich weniger aussetzen und sich eher gefangen nehmen lassen, dagegen sind sie weniger widerstandsfähig gegen Strapazen, Verwundung und Ansteckung, kommen dadurch allerdings eher ins Lazarett und außer Frontgefahr. Im Vergleich zu den Nichtkriegern sind die Krieger im Durchschnitt rasse- tüchtiger, wenngleich die Kriegsdienstfähigkeit kein sicheres Mast für Rasse tüchtigkeit ist, Rasseschädigungen, wie chronische Geschlechtskrankheiten und verborgene Tuberkulose oder Alkoholismus im Anfang machen gegenwärtig nicht kriegsdienstuntauglich und ein Teil der vererbbare» Leiden, vor allem die Nerven- und Geisteskrankheiten, brechen oft erst im späteren Alter aus. Ebenso sind die Kriegsdienstuntauglichen oft durchaus rassetüchtig, indem sie ein Leiden haben, das zwar den Dienst ausschließt oder erschwert, aber nicht schädlich auf die Nachkommenschaft wirkt, zum Beispiel Beschränkung der Sinne oder Organleiden oder Verstümmelungen infolge von Unfällen oder akuten Ansteckungskrankheiten, Die aus dem Kriege Zurückkehrenden werden im neuzeitlichen Kriege infolge der unverhältnismäßig gesteigerten Nervenspannung manchmal wohl eher an Folgekrankheiten zu leiden haben, als es früher der Fall war, und dadurch wird mancher noch rassisch Leidliche verschlechtert, aber auch mancher schon vorher Anbrüchige offenbar untüchtig werden, Tuberkulose, Geschlechtskrank heiten, Alkoholismus und andere Leiden, die im Felde erworben wurden, werden manchen heimgekehrten tüchtigen Krieger rasseuutüchtig machen, doch wird ja gerade in der Gegenwart tatkräftig gegen die Erkrankung der Krieger gekämpft und die Bekämpfungsweisen find sehr verbessert worden. Freilich lehrt auch so mancher Krieger als Krüppel heim und kann sich im Verhältnis zu den zu Hause Gebliebenen nicht so viel verdienen, daß er daraufhin eine Familie ernähren kann. Dadurch würden gerade viele Rassetüchtige zum großen Schaden der Volksvermehrung außer Wirkung gesetzt werden, aber es kann und wird da ja in gut organisierten Völkern vorgesorgt werden, indem das Volk rassetüchtigen Kriegskrüppeln eine Familienunterstützung gewährt, sie ansiedelt und ihnen geeigneten Erwerb zuweist, wie es bei uns vor bereitet wird. Gewiß werden durch jeden größeren Krieg beim Sieger und beim Be siegten mehr oder minder große Lücken in den Bevölkerungsverband gerissen und dadurch eine Verminderug der Arbeitskraft und Arbeitsleistung — ab- gesehen von der Wehrkraft — verursacht, aber diese Lücke schließt sich, falls sie nicht unverhältnismäßig groß ist, von selber. Die jüngeren, vom Kriege ver schonten Jahrgänge treten nach einer Reihe von Iahren immer mehr in den Vordergrund. Es sind ja zum großen Teile Kinder der Krieger und haben ihre Eigenschaften geerbt. Die rassetüchtigen ledigen Frauen im Alter der Krieger sind ja vollzählig da und heiraten teilweise die zurückkehrenden ledigen Krieger — allerdings auch Nichtkrieger. Die Zahl der Heiraten und Geburten pflegt nach einem Kriege — einerlei, ob mit günstigem oder ungünstigem Aus- gange — zu steigen, wie es zum Beispiel die Statistiken Deutschlands und Frankreichs nach dem Kriege 187V/71 dartun. Es fragt sich nur, ob bei der Auffüllung der Lücken und überhaupt bei der Volksvermehrung nach dem Kriege nicht die Vermehrung der Rasseuntüchtigen unverhältnismäßig groß ist. Da nach dem Kriege ein verhältnismäßig noch48 größerer Männermangel sein wird, als er bei den Kulturvölkern schon so zu. beobachten ist, können wir annehmen, daß die Frauen vielfach noch weniger als früher bei der Gattenwahl wählerisch sein werden. Die vielfach ober flächliche und falsche Gattenwahl des Menschen ist ja überhaupt ein Krebs schaden der Rassenentwickelung, ob Krieg oder Frieden, ihr muß und kann ja auch durch eugenische Aufklärung und eugenische Maßnahmen (ärztliches Heiratszeugnis, Heiratsverbote, Entkeimung und anderes) entgegengearbeitet werden. Überhaupt müssen und können die Verluste infolge eines Krieges durch vermehrte, beziehentlich verbesserte Gesundheitspflege, Eugenik, Volks- fürforge, Siedelungspolitik und anderes wettgemacht werden. Dadurch würden die Friedensverluste au Männern, beziehentlich an männlicher Rasse tüchtigkeit — zum Beispiel durch Alkoholismus und Geschlechtskrankheiten — sowie auch die Verluste an Müttern und Kindern — zum Beispiel durch mangelhafte Pflege und Fürsorge, Richtstillen — vermindert und die Volks vermehrung mittelbar gefördert werden. Die Volksvermehrung wird dadurch, vor allem durch gefuude Siedelungspolitik, aber auch unmittelbar gefördert, weil dann mehr Rassetüchtige zur Gründung einer großen Familie ermutigt werden. Gewisse Bedrohungen eines Volkes mit Rassenverschlechterung sind also beim neuzeitlichen Kriege — auch beim menschlich geführten — vor handen. Sie sind natürlich geringer bei einem gefunden Volk und bei kurzer Kriegsdauer, größer bei schon sinkender Volkskraft — wie zum Beispiel bei den Franzosen —, längerer Dauer und Wiederholung in kürzeren Zeitabschnitten, ehe die Wunden des Volkskörpers vernarbt sind. Sie sind gewöhnlich geringer beim Sieger als beim Besiegten. Betrachten wir nun weiter die Frage der Auslese zwischen den Völkern! Beim ursprünglichen, rücksichtslos geführten Kriege ist zweifellos eine weitgehende natürliche Auslese vorhanden — zumal da, wo die Besiegten vollständig vernichtet werden. Wo dies nicht der Fall ist, wo sie nur im Ganzen verdrängt werden, gewinnt jedenfalls das Siegervolk bessere Daseins- Möglichkeiten. Eine Störung der Auslesewirkung beginnt aber da, wo die Menschen anfangen, die Wirkungen des Krieges zu beschränken, Unterschiede zwischen Kämpfern und Nichtkämpfern zu machen, die besiegten Kämpfer und die Nichtkämpfer zu verschonen, ja sie in ihre Mitte auszunehmen. Diese Be- schränkung ist wohl entstanden aus dem Wunsche, einen Teil der feindlichen Bevölkerung als Arbeiter, Sklaven, zu erbeuten, um sie zu minder beliebten Arbeiten zu verwenden. Später ist diese Schonung weiter ausgebaut worden aus bewußter Menschlichkeit und hat durch die jetzt geltenden internationalen Abmachungen eine Ausdehnung gewonnen, die vielfach dem eigentlichen Zweck des Krieges, also der Besiegung oder Vernichtung des Feindes, hindernd im Wege steht. Die Meinung, daß die gegenwärtig international vorgeschriebene Schonung der Nichtkämpfer zu weit geht, scheint weit verbreitet zu sein und die Engländer — ebenso auch ihre Verbündeten teilweise — haben es ja schließlich offen ausgesprochen, daß der Krieg für sie nur dann gewonnen fei, wenn Deutschland und seine Bundesgenossen nicht nur mit Waffen besiegt fei, sondern so zerschmettert sei, daß es nicht wieder mit England in Wettbewerb treten könne, — ja unsere Feinde haben sich sogar nicht einmal gescheut, dieAushungerung und Niedermetzclung der Deutschen — auch der Frauen und Kinder — anzudrohen und sie versuchen ja auch die Aushungerung mit allen Mitteln — rechten und schlechten — und, daß sie nicht gelingt, ist wahrlich nicht ihre Schuld, Wenn man diesen Widerstreit naturwissenschaftlich betrachtet, kann man zu dein Schlüsse komme», das; hier in der Tat die Menschlichkeit zu weit geht und daß die Schonuug der Richtkämpfer der natürlichen Auslese zwischen den Völkern hinderlich ist. In der Tat hat sich das als richtig bewiesen, denn durch die Verschonung von minderwertigen Besiegten und die Vermischung mit ihnen sind schon viele herrlich veranlagte Völker schmählich unter gegangen Germanenvölker und andere — und der greuliche Rassenmisch- masch mit all seinen wenig erfreulichen, jedenfalls die Völker nur allzu oft in der ruhigen Höherentwickelung hindernden Folgen, der' uns in manchen Staaten entgegentritt, ist eine böse Folge davon. Dennoch wird es in Zukunft vielleicht möglich sein, der Menschlichkeit durch Schonung der Richtkämpfer gerecht zu werden und doch eine rassische Auslese zu ermöglichen. Diese Frage verschieben wir aber besser auf später, denn wir müssen vorher untersuchen, ob und wieweit der neuzeitliche Krieg — ganz abgesehen von der Ausnutzung des Sieges — schon durch seine Form, beziehungsweise seine Vernichtungsmittel und, ihre Beschaffung die Auslese zwischen den Völkern rückschrittlich beeinflußt. Da kann man behaupten, daß im allgemeinen und, sobald die gegenseitig verfügbare Menge an Streitern und Mitteln nicht zu stark auseiuander geht, das tüchtigere Volk von zweien auch in einem neuzeitlichen Kriege als Sieger hervorgeht. ' Der neuzeitliche Krieg ist ja ein Unternehmen, das eine gewaltige strategische, technische uud wirtschaftliche Organisationsgabe voraussetzt. Schon das Durchhalten dieser Organisation im Felde und zu Hause, dann aber auch die gewaltige Anspannung in den Schlachten, die im Gegensatz zu früher in jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter und in jedem Gelände, im Wasser, unter der Crde, in der Luft ausgefochten werden und daher lang dauernder, blutiger, aufreibender uud zerrüttender sind als je zuvor, erfordert zum Siegen eine überwiegende Veranlagung in den allgemeinen körperlichen und geistigen Eigenschaften. Daß die Deutschen in diesem Weltkriege sich gegenüber so mächtigen und reichen Feinden und einer so erdrückend er scheinenden Übermacht halten konnten, das wird ja selbst von Fernstehenden ihrer überragenden kulturellen, also im Grunde rassischen Veranlagung zu geschrieben — mit vollem Recht. Sicher ist der offene Krieg eine bessere Auslese als der von den Pazifisten oft an seine Stelle gewünschte wirtschaftliche und finanzielle Völkerkonkurrenz- lampf, bei dem infolge des mammonistischen Systems und der „humanen" Ve- hemmung seiner Abwehr zu leicht das gesittetere, edlere, treuherzigere und gutmütigere Volk unterliegt, beziehungsweise ausgebeutet wird. Cs ist also auch von diesem Gesichtspunkte aus falsch, den wirtschaftlichen Kampf als guten und genügenden Ersatz für den Krieg zu empfehlen. Nur die eine Erscheinung des modernen Krieges, seine Mam m o ni si eru ng (wie überhaupt die Mammonisierung der 4 49Völkerbelange), kann — aber wohlgemerkt nur unter beson deren Umständen — eine rückschrittliche Auslese, eine -Begünstigung minderwertiger Völker herbeiführen. Wie schon gesagt, trachtet man im modernen Kriegswesen zwar nach tüchtigen Soldateil, aber fast noch mehr nach erstklassigen, überlegenen Waffen: Hat man bei gleiche» Streitkräften weiter reichende Kanonen, so kann man den Feind abfertigen, ehe er überhaupt zum Schiehen kommt, und hat man zudem noch die dreifache Zahl an Kanonen, so kann man ihn einfach mit verpulvertem Geld, mit „silbernen Kugeln" zudecken und erledigen. Kann man noch nebenher bemerkt — genügend viel Schmiergelder verteilen, so hat mau die „internationale Großmacht Presse" und manche anderen Helfer für sich und kann man sich bei der wirtschaftlichen Abhängigkeit so vieler Staaten Helfers- Helfer kaufen, ja mau kann verschuldete Neutrale geradezu zwiugeu, Kriegs- Hilfe zu leisten, die ihnen selbst auf jeden Fall schädlich ist. — Nur durch ge waltig überwiegende Tüchtigkeit auf allen Gebieten, durch körperliches Uber rennen der Feinde kann da das weniger zahlreiche und weniger reiche Volk noch obsiegen. — Dazu kommt auch noch im Friede» das Wettrüsten infolge der gegenseitigen Bedrohuug, das — wohl gemerkt uur unter Um stände» — auch rassisch tüchtigere, aber sehr viel ärmere Volk an den Rand des Verderbens uud ins Clend drängen kann. Allerdings wird diese Rüstuugslast gewöhnlich überschätzt, die meiste» über sie Zeternden übersehen, daß es noch viel größere und sicher weniger notwendige, vor allem aber viel aus- gesprochener rassenverschlechternde Volksausgaben gibt als diese. Denken wir nur a» die leidigen Ausgaben für alkoholische Getränke I Deutschland gav zum Beispiel im Jahre 1913 für die gesainte Kriegsbereitschaft 1861 Millionen Mark aus, für alkoholische Getränke dagegen uugesähr 4000 Millionen Mark — uugerechuet alle Ausgaben infolge der Aikoholschäden, die diese Sumine wahr scheinlich mehr als verdoppeln würde». Diese Alkoholausgabe» si»d »icht »aturnotwendig uud auch nicht nutzbringend angelegt, sie könnten biime» lurzem durch eine» herzhafte» Entschluß beseitigt oder beträchtlich verringert werden, jedenfalls für notwendige Aufgaben freigemacht werden. Zwar be wußt übetreibend uud uur als Gleichnis, aber in richtigem Sinne sagt das Sprichwort: „Für die Milliarden, die wir versauseu, köuuteu wir Deutschen die Welt uns kaufen". Aber immerhin — die Art der neuzeitlichen Kriegsführung und Kriegstechnik begünstigt doch unter besonders ungünstigen Umständen nicht die rassetüchtigeren Völker, sondern mehr die reicheren Völker, auch wenn sie an sich vielleicht rassisch minder wertig sind. Wenn das letzten Endes auch eine natürliche Bestrafung der Völker ist — dafür, daß sie deu Mammonismus so hochkommen ließen, so ist diese Wirkung doch vorhanden, und es bleibt uns nur übrig, zu sehen, ob wir sie für die Zukunft nicht zum Heile der Nassenentwickelung ändern könne». Vielleicht ist es uns dabei auch möglich, die Kriegs- forme» mehr mit de» Forderungen der Menschlichkeit in Ei «klang zu bringen. 5l)Wie können die neuzeitlichen Kriegsformen einerseits mit den Forderungen der Höherentwicklung der Menschheit durch rassische Allslese und andererseits mit den Forderungen der Menschlichkeit mehr in Einklang gebracht werden? Der Krieg ist aus dem ursprünglich zweckmäßigen und die Auslese zum Wohle der Höhereutwickelung begünstigenden Daseinskampfe zu dem weniger zweckmäßigen und weniger natürlichen Kampfe dadurch geworden, daß er von der Knlturnnßentwickelung beeinflußt wurde. Cr würde also wohl von selber wieder natürlicher werden, wenn unsere Kultur ihre ungesunden Aus- artungen überwinden würde. Doch wir wollen hier davon absehen, eine so unsichere und jedenfalls nicht in absehbarer Zeit zu verwirklichende Mög lichkeit zu erwägen, und wollen nur von einer unmittelbaren Be einslussung des Krieges sprechen. Da kommen zwei Wege in Betracht: entweder weitere Entfaltung der einmal in Ent- Wickelung begriffenen Kriegsformen und -mittel oder Bef chränkung. beziehungsweise Zurückführung zu ursprünglicheren Formen. Oberflächlich betrachtet, ist eine Weiterentfaltung — zumal der Kriegsmittel, der Vernichtungsmittel, entsprechend der Weiterentwicklung der Technik und Wirtschaft — das natürlichere, möglichere. In der Tat hört man, wenn man gelegentlich die Frage einer Einschränkung der Vernichtungs mittel anschneidet, gewöhnlich, daß dies unmöglich, unsinnig, unvorteilhaft für die Kulturvölker sei. Eine Weiterentsaltung der Kriegsformen und -mittel müßte übrigens auch im Sinne der Manchesterleute und der Freunde des unbedingten und unaufhaltsamen Fortschrittes (zum Beispiel in bezug auf Verstädterung, Lcbensvcrfeinerung, Industrialismus, Mammonismus, Frauen- emanzipation) das richtige sein, die unentwegten „Fortschrittlichen" sind aber sehr oft gerade für den Pazifismus — aus naheliegenden, oben erwähnten Gründen. Wenn wir die Kriegstechnik wissenschaftlich und im Hinblick auf die Menschennatur betrachten, so erkennen wir folgende Entwickelung: Ursprüng lich sehte der Mensch seine Kraft unmittelbar mit seinen Körperteilen durch Hieb, Stoß, Biß, Griff,-Tritt in Wirkung auf den Feind. Schon in der Vorzeit verstärkte er diese Wirkung durch Übertragung seiner Kraft auf mechanisch betätigte Geräte: Keule, Hammer, Art, Dolch, Schwert, Wurfspeer, Lanze, Schleuder, Pfeil und Bogen und ihre Formabarten — nur nebenher benutzte er das Feuer — und er behielt diese Waffentechnik das ganze Altertum und Mittelalter hindurch bei. Seit Beginn der Neuzeit benutzt er dazu noch die chemische Aufspeicherung und Übertragung der vom Körper gewonnenen Energie auf die Waffe, kurz gesagt: die Erplosionswirkuug. Damit aber hat er nicht nur die Reichweite der Geschosse und die Zerstörungskraft der Waffen bis ins Ungeheuerliche vermehrt, er kann auch ungeheure Mengen von Kraft — in chemischer Bindung als Pulver und so weiter — aufspeichern, ja von anderen kaufen und im gegebenen Zeitpunkt zur Wirkung bringen — durch Explosion. 5l52 Diese Technik hat ja die bekannten fürchterlichen Wirkungen ermöglicht und sie ist wohl noch imstande, sich beträchtlich weiter zu entwickeln. — Eine Vermehrung und Verstärkung der Vernichtungsmittel wäre nach dem Stande unserer Wissenschaft und Technik weiter möglich durch die Anwendung von Elektrizität, Gift und Krankheits- keimen. Man wende nicht ein, daß deren Anwendung unmöglich sei oder nicht lohne! Sie — wenigstens Gift und Krankheitskeime — sollen ja auch bei Zivilisierten schon öfters im Kleinen angewandt worden sein, und als Fachmann kann ich wenigstens von den Krankheitskeimen erklären, daß es auch im Großen möglich ist. Bei gleicher Kapitalisierung und vorbereitender Organisierung wie bei den übrigen Vernichtungsmitteln könnte ein geschultes Bakteriologenregiment wohl die furchtbarsten Schädigungen über ein feindliches Volk bringen, ohne das eigene zu schädigen, — zumal, wenn der Überfall im Frieden geschähe. Mit der Verwendung der Eiste steht es meiner Kenntnis nach ebenso, nur bei der Elektrizität ist es fraglich, denn sie ist ja noch eine junge, also noch nicht daraufhin abfchähbare, immerhin aber doch sehr entwickelungs- fähige Wissenschaft. In der Tat besteht große Neigung, die Kriegstechnik auch auf diese Gebiete auszudehnen (betäubende Gase, Vorschlag betäubender Kugeln, Abschiebung ansteckender Dirnen auf das vom Feinde besetzte Gebiet und anderes mehr), und sie wird nur im Zaum gehalten durch die zwischen staatlichen Abmachungen. Schließlich würde eine Weitcrentfaltung der Kriegssormen noch möglich fein durch Ausdehnung des Krieges und der Ver- nichtung (mittels Waffengewalt, Aushungerung und sonstiger Maß nahmen) auf die Nichtkämpfenden — also auf die verwundeten und gefangenen Krieger, auf die nichtkämpfenden Männer, auf die Frauen und Kinder. Auch hierzu besteht, wie schon oben erwähnt, eine große Neigung selbst bei Kulturvölkern. Die Vernichtung der Nichtkämpfer und Gefangenen ist ja in der Tat schon oft versucht und durchgeführt worden — wenn auch nur teilweise und verhohlen (Konzentrationslager, Mißhandlung). In der Gegen wart versuchen es ja auch die Feinde Deutschlands ausgiebig, wenn sie amtlich auch — wegen der internationalen Meinung — nur den Wunsch einer Aushungerung und einer wirtschaftlichen Vernichtung zugeben, — waS aber bei einiger Hartnäckigkeit des Betroffenen schließlich so ziemlich auf dasselbe hinausläuft wie weitgehende Niedermehelung der Nichtkämpfer bevölkerung. Wenn die bisherige Cntwickelung in der bisherigen Richtung weiterläuft, ist es auch nicht ausgeschlossen, daß Völker, die nicht so im Banne des europäischen Kultur- und Menschlichkcitsgedankens stehen, — etwa die Gelben oder die Schwarzen — einmal ohne Bedenken oder Beschönigung — eine solche Art der Kriegführung annehmen könnten, sobald sie die technische Überlegenheit der Europäer nicht mehr fürchten, — wenn ihnen nicht gar die Europäer darin zuvorkommen. Durch eine solche Weitcrentfaltung der Vernichtungsmittel und eine Ausdehnung der Vernichtung auf die Nichtkämpfer würden die Kriege allerdings furchtbarer denn je werden, sie würden aber auch eine große Auslese unter den Völkern herbeiführen. Ob diese Auslese aber unter den obwaltenden Verhältnissen der Gegenwart eine fortschritt liche sein würde? Das ist schwer zu beantworten, ich fürchte aber, daßsie schon wegen der vorhin besprochenen mammonistifchen Wirtschafts entwickelung — eher eine rückschrittliche Auslese, also eher eine Benach teiligung der zwar rasfisch tüchtigen, aber weniger reichen und weniger „geschäftskundigen" und „smarten" Völker und eine Bevorteilung der zwar vielleicht rassisch minderwertigen, aber durch wirtschaftliche Aus beutuug und Übervorteilung anderer reich gewordener Völker bedeuten würde 2"), Jedenfalls wäre es eine unsichere Auslese. „Fortschritt," wie er gegenwärtig oft als unbedingt notwendiges Weiter- schreiten in der einmal eingeschlagenen Richtung aufgefaßt wird, ist ebeu nicht immer etwas Gutes, sondern er kann auch zur Über- und Mißentwickelung führen. Cs bleibt nun noch zu besprechen, ob eine weitere Einschränkung der Kriegs formen und Kriegs mittel möglich, natürlich und mit den Forderungen der Höherentwickelung einerseits, der Menschlichkeit andererseits in Einklang zu bringen ist. Das kann meiner Überzeugung nach unter gewissen Umständen sehr wohl der Fall sein. Ich will hier an die Ab r ü st u n g s fr a g e, die ja auch eine Be schränkung der bösen, Volks- und daher rassengefährdenden Wirkungen des neuzeitlichen Krieges (durch eine Beschränkung der auf die Wirtschaft der Völker gewaltig drückenden Rüstungsausgaben) behandelt, anknüpfen. Die Pazifisten schlagen da ja eine M e n g e n Verringerung der Schutz und Ver nichtungsmittel im weitesten Sinne: — Soldaten, Festungen, Kriegsschiffe, Kanonen — vor, aber dieser Vorschlag ist bisher gescheitert an der Schwierig keit, ein brauchbares und Vertrauen findendes Maß, eine „Abrüstungs- formel" aufzustellen. Selbst die von Gothein, Umfried, Ouidde und anderen vorgeschlagenen zwischenstaatlichen Abmachungen über die Höhe der Heeresa usgaben sind unbrauchbar, da sich kein Volk vorschreiben lassen kann und will, wieviel es zu seiner Sicherung ausgibt, beziehentlich, daß cs weniger oder ebensoviel ausgeben soll als seine Feinde. Wenn ein Weg zur Verminderung der Rüstungslasten und der raffe verschlechternden Wirkungen der modernen, hochorganisierten Kriegstechnik gangbar ist, so ist cs einer, den ich hier besprechen will, da ich ihn zu meinem Erstaunen in dcn mir zur Verfügung stehenden Pazifistenschriften nirgends gefunden habe — wohl auch nicht finden konnte, weil die Pazifisten dcn Kricg, bcziehcntlich die Kriegsführung und Kriegstechnik, nicht in Beziehung zur Natur der Menschen bringen. Tun wir dies aber, so komme» wir zu der schon oben wiederholt ange führten Erkenntnis, daß die Hauptsache der neuzeitlichen Kriegstechnik — das heißt die Verwendung der Erplosion als Kräfte ntfaltungs mittel - in gewissem Sinne n n natürlich ist, weil sie über die natürliche Angriffs- und Widerstandskraft des Menschen allzuweit hinaus- gewachsen ist, daß sie weiter rassengefährdend wirkt, weil sie nur allzuleicht eiu Ansammeln, ja ein Erhandeln von Spannkraft (in Form von Explosions 29) Von dein schließlichen Untergang solcher Völker infolge von Ent artung, wenn sie zwischen kräftigen, nicht entarteten Völkern sitzen, sei hier abgesehen.54 Mitteln u s, w.) ermöglicht, dadurch die Auslese der rassisch Tüchtigen im Kampfe behindert oder jedenfalls nicht begünstigt und eine mammoniftische Beeinflussung des Krieges zuläßt. Wenn wir also in Erkenntnis dieses Zusammenhanges abrüste» oder — richtiger gesagt — die Rüstung einschränken wollen, dann gilt es nicht - wie die Pazifisten es fordern —, die Menge der Waffen einzuschränken oder quantitative Abrüstung herbeizuführen, es gilt vielmehr qualitative Abrüstung — Ein- schränkung der Waffen arten! Würden wir später einmal wieder zum ausschließlichen Gebrauch rein mechanisch betätigter Waffen zurückkehren, so würde die Reichweite und Zerstörungskraft der Krieger geringer werden und der Rasse- tüchtigere im Kampfe wieder viel mehr Aussicht haben, selbst der Über macht zu widerstehen oder sie im Angriffe zu besiegen, aber nicht der Reichere, Zugleich aber würden — abgesehen von der Übergangszeit eine beträchtliche Verminderung der Rüstungsausgaben stattfinden und eine Beruhigung der Rüstenden, da die mechanisch betätigten Waffen nicht mehr befouders eutwickelungsfähig sind, während (auch weuu wir von der Verwendung von Giften und Krankheitskeimen absehen wollen) Chemie und Elektrizität noch manche unabsehbaren Überraschungen, auf jeden Fall noch beträchtliche Steigerungen, bringen können. Ich bin mir wohl der Schwierigkeiten und Einwände, die meinem Vor schlage begegnen werden, bewußt, und hege auch selbst meinen starken Zweifel darüber, daß er befolgt »Verden kann, denn die Entwickelung einer von starken Belangen gestützten Bewegung von dieser Ausdehnung, wie die Cntwickelung der neuzeitlichen Kriegstechnik es ist, aufzuhalten — noch dabei unter fort gesetzter Bedrohung der willigen Völker durch Übelwollende —, sieht aufs erste verzweifelt unsicher aus. Aber warum sollen die Völker nicht ebensogut übereinkommen, die Feuer waffen oder die Explosivgeschosse wegzulassen, wie sie bisher Gifte, Krankheits- keime uud Elektrizität außer Verwendung ließen? Wenn auch fast in jedem Kriege mehr oder minder grobe Verstöße gegen die allgemeine Ritterlichkeit und gegen die zwischenstaatlichen Abmachungen vorkommen, wenn auch manche Völker, beziehungsweise Rassen dazu neigen. Recht und Abmachung zu brechen, sobald es ihnen von Ruhen ist, wenn es schließlich wie oben be sprochen ^ auch uicht ausgeschlossen ist, daß die Völker oder ein Teil der Völker einmal dazu übergeht, die Kriegstechnik unbekümmert weiter auszubauen und sogar Gifte und Krankheitskeime als Vernichtungsmittel anzuwenden, so ist es doch auf der anderen Seite auch nicht ausgeschlossen, daß die Völker sich aus Zweckmässigkeitsgründen und im Einblick auf die Rassenauslese später einmal dahin verständigen könnten, die Vernichtungs mittel »och mehr einzuschränken, als es bisher in der Tat uud mit ziemlich gutem Erfolg geschehen ist. Es könnte ja ganz allmählich geschehen, indem sie übereinkommen, zunächst die Explosivgeschosse (Dumdum, Grauateu, Schrapnells), sowie die Bomben, Minen und ähnliches abzuschaffen, dann vielleicht die Kanonen überhaupt wegzulassen und schließlich womöglich auch noch die Handfeuerwaffen zu verpönen, — übrigens könnten auch noch andere.55 ähnliche Einschränkungen, die den Wesenskern des Krieges nicht berühren, getroffen werden. Jedenfalls ist eine Aussprache über diese Art der Abrüstung lohnend, den» wenn eine Einschränkung der Rüstungen überhaupt möglich ist, dann ist es diese, die der Natur des Krieges und der Menschen Rechnung trägt. Allerdings wird eine Eröteruug wohl erst nach Beendigung des Weltkrieges und nach genügender Überwindung seiner Folgen Aussichten haben - und kann auch ruhig bis dahin zurückgestellt werdeu. Deswegen will ich hier auch von jeder weiteren Begründung für und wider absehen. Wenn die leidige Rüstungsfrage und Frage der rassengefährdenden Wirkung der neuzeitlichen Kriegstechnik durch eiue mehr oder weniger zurückgreifende Einschränkung oder Vereinfachung der Vernichtungs inittel in künftigen Zeiten gelöst werden könnte, so würde das der Menschheit jedenfalls mehr dienen als der nnfruchtbare Streit über den Völkerfriede», denn es würde damit zwar nicht alles KriegSleid auS der Welt geschafft wie es manche hoffen , wohl aber viel nnnötiges KriegSleid und anch eine Rüstungsüberlastung vermieden werden. Der Krieg würde wieder mehr in den Dienst der fortschrittlichen Rassen auslese und Höherentivickelung der Menschheit gestellt werden wie ursprünglich. Noch einS müßte dazu aber beachtet werden, muß überhaupt und unter alleu Umständen im Hinblick auf die fortschrittliche Rasseuauslese und Höher entwickelung Geltung erhalten! Als wir weiter obe» (S. 48) uns damit beschäftigten, daß eine Schonung der Nichtkämpfer die Auslesewirkung des Krieges vermindern oder unter Umständen ganz hindern könne, sagte ich, daß diese im- Sinne der Menschlichkeit wünschenswerte Schonung doch mit den Forderungen der rassischen Auslese in Einklang gebracht werden könne. Ich zögere uicht — und kein besonnener Völkischer tut dies —, trotz des Rassen- siandpuuktes die allgemein menschlichen Beziehungen und Belange zu berück sichtigen und die Forderungen der Menschlichkeit hochzuhalten, insofern sie nicht in blindkünstelnder Spekulation die Naturgesetze und Ratnrnotwendig keiten übersehen. Natürlicher Edelsinn, der unnötige Bedrängung oder Ver nichtung verwirft, ist sogar sicher nicht nur eine schöne menschliche, sondern auch eine raffen f ö r d e r n d e Eigenschaft und steht nicht im Gegensatz zur Bejahung der Naturnotwendigkeit des Krieges. Es ist also wohl angängig und wünschenswert, daß in den künftigen Kriegen die gefangenen Kämpfer und die Nichtkämpfer wie bisher ver schont nnd mit Achtung behandelt werden, soweit sie sich redlich verhalten haben. Es muß dann aber zum Wohle der tüchtigeren Völker die natürliche und deshalb sittlich berechtigte Forderung aufgestellt werden, daß die Sieger den besiegten Völkern Land zwecks Ansiedelung der e i g e n e n V o l k s g e n o s s e n zur Sicherung des Volksbestandes und der Volksvermehrung abnehmen können und die bisherigen Be wohner der eroberten Landstriche aussiedeln, das heißt unter Aus- händiguug eines Einziehungsscheines (ReqmsitionSscheines) ^n genommenen Besitz dem besiegten Staate zur Aufnahme uud Ent schädigung übergeben können.56 Diese Forderung und ihre Erfüllbarkeit haben wir ja schon im ersten Teile dieser Schrift (S. 25—28) bei der Frage „Eroberung oder Landnahme unter Aussiedelung?" so eingehend besprochen, das; es hier erübrigt, sie nochmals zu behandeln. Wenn wir nun das zur Beantwortung der Frage „Welche Waffen?" Besprochene noch einmal überblicken, so können nur zusammenfassend sagen: Es ist wohl möglich, die neuzeitlichen, unter Umständen rassen gefährdenden Kriegsformen und Kriegsinittel in künftigen Zeiten so umzuformen oder einzuschränken, daß sie einerseits mit der Forderung der Höherentwickelung der Menschheit durch rassische Auslese und andererseits mit der Forderung natürlicher Menschlichkeit in Einklang gebracht werden. Gleichviel aber, ob wir dies künftig tun können oder tun wollen, der Krieg ist und bleibt für alle Zeiten eine Form des naturnotwendigen Kampfes ums Dasein, die den rassetüchtigen Völkern, wenn es darauf ankommt, ebenso gut, oft aber eher und sicherer das Dasein, die Be- tätiguug der Eigenart und die Vermehrung sichert als die andere, nur scheinbar friedlicher aussehende Form des Kampfes ums Dasein: der wirtschaftliche („geistige") Kampf. Daher kann man wohl zweifelnd fragen: „Welche Waffen?" Doch unzweifelhaft naturnotwendig und sittlich berechtigt ist die Forderung: „Die Waffen hoch!"Nls vertrauliche tzandschrift gedruckt! Nrthuv Kuevssen Die Waffen hoch! Ztsstsdidliottiek iv Sellin pi'su^isc^iei' X^ilt^irdesiti Dresden !9!H
