Die Behandlung der deutschen Kolonien im Unterricht der Volksschule Pädagogische Abhandlungen. Heft 110. (Erscheinen in zwangloser Reihenfolge.) 2 Die Behandlung der deutschen Kolonien im Unterricht der Volksschnle Von . K Kieper. Einzelpreis 40 Mg. Wiekefeld. A. Heinrichs Buchhandlung. lc n .A. Helmich'ä Verlag in Bielefeld. Die pädagogischen Avhandlnngen erscheinen in zwangloser Reihenfolge; bei Bestellungen von 6 Heften auf einmal tritt eine Ermäßigung um den vierten Teil des Preises ein. (. Oer Lharakter. Line Untersuchung s. Wesens und des Einflusses, welchen die Schule auf seine Bildung auszuüben hat. 60 pf. — 2. Oie Kinderhorte und deren erziehliche Bedeutung. <*0 Pf. — 3. wie hat sich die Volksschule dem Dialekt gegenüber zu verhalten. 50 Pf. — q. Gedächtnisblatt zum dreihundert jährigen Geburtstage des Amos Lomenius. Pf. — 5. Der Schulgesetzentwurf des Kultusministers Graf v. Zedlitz-Trütschler, vom päd. und sozialpol. Standpunkt, so Pf. — 6. Das vorzeitige Vorrücken von Schülern mehrklassiger Volksschulen. 40 Pf. — 7 . Aufgebot der preuß. Volksschule im Kampfe gegen die Sozial demokratie. 60 Pf. — S. Oie pflege des Ehrgefühls in der Schule. 30 Pf. — 9 . Notwendigkeit von Veranstaltungen für das nach schulpflichtige Alter. 30 Pf. — ( 0 . Oie Konzentration im Oienste des Volksschulunterrichts. Oer Nutzen des mathematischen Schul unterrichts. so Pf. — u- wie ist der Unterricht in der Natur geschichte zu erteilen? 50 Pf. — (2. Oie Körperhaltung und ihre Folgen bei den Schulkindern. 50 Pf. — (3. was hat die Volks schule an ihrem Teile in pädagogischer und sanitärer Hinsicht zu tun, um die Kinder zum Anstande, zur (Ordnung und Reinlichkeit zu bringen? 40 Pf. — (H. Ratgeber bei der Auswahl von Jugend- fchriften 25 Pf. — (5. Friedrich Wilhelm Oörxfeld, ei» Meister unter den Lehrern und wackerer Kämpfer für die Rechte der Volks schule. <*0 Pf. — (6. worauf ist beim volksschulnnterrichte zu achten, damit er seinem Zwecke entspricht: Nicht für die Schule, sondern für's Leben? qo Pf. — (7, Oie Regelung der Lehrerlauf bahn. 30 Pf. — (8. Lehrplan für ev. halbtagsschulen. 40 Pf. — >. 9 - welche Mittel muß der Erzieher anwenden, um den Zweck des geographischen Unterrichts am sichersten zu erreichen? 40 Pf. — 20 . Oie hauptlehrerfrage auf dem 8 . rhein. Lehrerrage. 40 pf. — 2 \. Gestaltung des naturgeschichtlichen Unterrichts auf Grund der neueren Reformbestrebungen. so Pf. — 22 . Unsere Gehalts- regulierung, eine Ehren- und Rechtsfrage. 40 Pf. — 23. Gustav Adolf. 35 Pf. — 24 . Welche Bedeutung h. d. realist. Unterrichts stoffe für die Gemütsbildung des Schülers? so Pf. — 25. Zweck, Umfang und Behandlung der Arbeiterversicherungsgesetze im Rechen unterricht der Volks- und Mittelschulen unter besonderer Berück sichtigung des Unfallversicherungsgesetzes, -fo Pf. — 20 . Allgemeine Volksschule oder StändessHulen so Pf. — 27. Oas Mittelschul examen auf dem Rheinischen Lehrertage in Godesberg. 25 Pf. — 28. Oie Tonkunst, ein hervorragendes Bildungs- und Erziehungs mittel. v> pf. — 29 . Oer (50. Geburtstag Pestalozzis oder warum sind wir Lehrer verpflichtet, den (50. Geburtstag Pestalozzis festlich zu begehen? $0 Pf. — 30. I. Oer Lehrplan für das Bibellesen in Volks-, Mittel- und höheren Mädchenschulen. II. Zur Schulbibel, frage 50 Pf. — 3(. Oie Fibel, e. rechte Gehilfin des Lehrers- <{0 Pf. — 32 . Oie Erziehung zur Wahrheitsliebe und Bekäinpfung der Lüge i. d. Schule. 50 Pf. — 33. Melanchthon und seine Be deutung für die Schule. -(0 Pf. — 3H Stenographie und Lehrer. 50 Pf. — 35. wie kann die Schule die Bestrebungen der Tierschutz-Die Kchnndlnng der dentschen Kolonien im Unterricht der Volksschule. Bon K. Kieper. Wiclefcld. A. L)elmichs Buchhandlung.y • ■ \ • »V.T‘ -Unter allen Fragen, die das deutsche Volk bewegen, ist Wohl keine in der letzten Zeit so eingehend erörtert worden wie die Kolonialfrage. Zeitungsartikel, parlamentarische Verhandlungen, nicht zuletzt bedeutsame Vorgänge innerhalb unserer Kolonien sorgen für eine weitgehende Verbreitung des Kolnialgedankens. Leider steht noch ein großer Teil der deutschen Männer jeder kolonialen Tätigkeit teilnahmlos, ja sogar feindlich gegenüber. Sie erkennen nicht oder wollen nicht erkennen, wie wichtig diese Besitzungen sind, daß sie als Absatz-, Produktions- und Auswanderungsgebiete einen hohen Wert für uns haben. Sie verschließen sich ferner der Tatsache, daß das Deutschland von heute ohne Kolonien nicht existieren kann, daß es in Zukunft in steigendem Maße in vielfacher Beziehung auf diefelben angewiesen sein wird. Da aber eine Kolonialpolik nur dann möglich ist, wenn sie von der Mehrheit des nationalen Willens mit Ueberzeugung und Entschlossenheit getragen wird, so muß ein allgemeines Verständnis für die Bedeutung unserer Kolonien im deut schen Volke angebahnt werden. „Man kann nicht verlangen, daß der Mann des Volkes aus eigenem Antriebe Kolonial atlas und Kolonialgeschichte studiert, das muß ihm von Kindes beinen an mitgegeben werden auf den Lebensweg — die Aufgabe der Schule ist sonach erwiesen".*) Humbold sagt: «Was man im Leben einführen will, muß man zuerst in die Schule einführen". Die Schule schon muß die Jugend weglichst tief in die Eigenart der deutschen Schutzgebiete ein- Wreu, sie muß ihre Zöglinge „in einem Grade mit der Kolonialidee durchtränken, daß spätere persönliche Anforde rungen willig übernommen, weil verstanden werden"**). Die nachstehenden Ausführungen sollen zeigen, in welcher Weise und in welchem Umfange der Unterricht in der Volks- *) Clemens, Kolonialidee und Schule. S. 27. **) Ebenda. S. 28.4 schule die Kolonialberücksichtigungen und somit die Kolonial- bcstrebungen fördern kann. Von allen Unterrichtsfächern ist die Erdkunde in erster Linie berufen, den Kindern ein anschauliches Bild von den Kolonien zu vermitteln. Nach den „Allgemeinen Be« stimmungen" soll sie sich eingehend mit dem Vaterlande be schäftigen. Der Begriff „Deutschland" umfaßt nun heute nicht nur das Land zwischen „Maas und Memel, Etsch und Belt", sondern es schließtauch die durch weite Meere von uns getrennten Schutzgebiete mit ein. Auch dieses „Neu-Deutsch- land", dieses „Vaterland im weiten Sinne", welches unter großen Mühen und Opfern gewonnen wurde, hat demnach Anspruch auf eine eingehende Behandlung. Bedauerlicher weise ist man dieser Forderung, die von der Mehrzahl der Methodiker schon vor einer Reihe von Jahren aufgestellt wurde, bis heute in der Praxis nur in ganz geringem Maße nachgekommen. Werfen wir einen Blick in die Lehrpläne unserer Volks schule, so fällt uns sofort auf, daß die Behandlung der Kolonien einen unverhältnismäßig geringen Raum ein nimmt. Eine höchstens zwei Wochen widmen wir diesem wichtigen Gebiet. Es ist klar, daß in dieser kurzen Zeit unsere Außenbesitzungen in ihrer Wichtigkeit für das Mutter land nicht in der rechten Weise gewürdigt werden können. Sollen die Kinder in die geschichtliche Entwicklung der Kolonialgebiete, in ihre geographischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eingeführt werden, so muß der Behandlung ein breiter Raum zur Verfügung stehen. Zwar ist es bei der Mannigfaltigkeit unserer Schulverhältnisse wohl kaum mög lich, eine Norm festzusetzen, — die ein- und zweiklassige Schule wird sich manche Beschränkung auferlegen müssen, — in reicher gegliederten Schulen muß aber die Behandlung eine eingehende und allseitige sein. Nur bei gründlicher Durchnahme der Schutzgebiete und besonderer Hervorhebung ihrer Bedeutung ist es möglich, Interesse und Verständnis für die Kolonialbestrebungen zu wecken. Laßt uns also Raum schaffen für die Behandlung der Kolonien! Der Unterricht in der Erdkunde, wie er heute noch in den meisten Schulen betrieben wird, leidet gleich manchen anderen Unterrichtsfächern, an Stoffüberfülle, unter der5 Schüler und Lehrer seufzen. Vielfach werden noch Stoffe behandelt, die in ihrem praktischen Werte weit hinter der darauf verwandten Zeit zurückbleiben. Sie füllen die Köpfe der Schüler mit Zahlen und Nameu, die doch bald wieder vergessen werden. Me neueren Methodiker sind sich darüber einig, daß nach dieser Richtung eine Beschränkung unbedingt erforderlich ist. Treffend sagt Pistor: „Etwas weniger Rußland und China und mehr deutsche Kolonien".*) Hier ist also der Ort, wo der Stoff zu gunsten der Kolo nien gekürzt werden kann. Nicht zu empfehlen ist eine Be schneidung der mathematisch-astronomischen Stoffe, weil diese im allgemeinen schon sehr gedrängt behandelt werden. Gehen wir nun zunächst auf die Frage ein: Welche Schuljahre sollen sich mit dem Stoff beschäftigen? Es ist selstverständlich, daß eine tiefer gehende Behandlung der Kolonien nur bei gereisteren Schülern möglich ist. Die für diesen Unterichtsgegenstand erforderliche logische Denkkraft sowie das Verständnis für die kulturellen Aufgaben der Gegenwart bedingen es, daß die unterrichtliche Behandlung unserer Außenbesitzungen dem 7. u. 8. Schuljahre verbleibt. Auch ein anderer Grund macht eine frühere Behandlung un möglich. Ein anschauliches Bild von den Kolonien kann dem Schüler nur dann vermittelt werden, wenn die Kenntnis der fremden Erdteile vorhanden ist. Bekanntlich werden aber die außereuropäischen Gebiete erst in den beiden letzten Schul jahren behandelt, deshalb können nur hier die Schutzgebiete ihre Erledigung finden. Tromnau ist zwar der Ansicht, daß die Kolonien auch schon früher auftreten dürfen. Sofern es sich um eine allgemeine Uebersicht handelt, kann man ihm nur zustimmen, denn ein beträchtlicher Teil unserer Volks schüler erreicht die Oberklasse nicht und würdef also nach dem bisher Gesagten nichts von den Kolonien hören. Um aber auch diesen Schülern einigermaßen gerecht zu werden, ist es wohl angebracht, im Anschlüsse an die Behandlung Deutschlands im 5. oder 6. Schuljahre eine kurze Zusammen stellung unserer Außenbesitzungen, verbunden mit einigen leicht verständlichen Ausführungen über Zweck und Bedeutung, zu *) Pistor, die deutschen Kolonien und ihre Würdigung in der Schule. S. 37.6 geben. Für eine ins einzelne gehende Behandlung fehlen hier sämtliche Grundlagen. Nunmehr würde die Frage zu beantworten fein: An welchen Stoff ist die Behandlung aiizuschließen? Diese Frage ist von pädagogischer unö psycholochischec Bedeutung und bedarf nach meiner Auffassung einer gründ lichen Untersuchung. Es ist für die Aufnahme des neuen Stoffes außerordentlich wichtig, daß kräftige und weitver zweigte Apperzeptionsgebiete zur Verfügung stehen, die eine leichte und sichere Aneignung des Neuen voraussetzen lassen. Fehlen diese Apperzeptionsstützen oder sind sie nur in ge ringer Stärke vorhanden, so ist die Aneignung des neuen Stoffes sehr lückenhaft und unklar. Es ergibt sich für mich die Aufgabe, zu untersuchen, wie die verschiedenen Wege, die bei der Behandlung der Kolonien eingeschlagen werden, diesem psychologischen Gesetz Rechnung tragen. Die eine Richtung will die Kolonien dort behandeln, wo sie ihrer geographischen Lage nach hingehören, also die afrikanischen Gebiete bei der Behandlung Afrikas, die Süd seegebiete bei der Durchnahme Australiens, Kiautfchou im Anschluß an Asien. Unstreitig hat diese Art der Behand lung das für sich, daß die Kolonien in ihrer natürlichen Verbindung mit den betreffenden Erdteilen bleiben. Jedoch leidet nach meinem Dafürhalten die Einheitlichkeit des Stoffes, die Uebersicht wird unklar. Auch das oben erwähnte psycho logische Gesetz wird nicht genügend beachtet, denn ein völli ges Verständnis der wirtschaftlichen Bedeutung unserer Schutzgebiete kann, weil geeignete Apperzeptionshilsen fehlen, nicht zu stände kommen. Infolge dieser Mängel ist von anderer Seite der Vorschlag gemacht worden, die Kolonien als ein geschlossenes Ganzes im Anschluß an Deutschland zu behandeln. Wie bekannt, behandelt ja die Oberstufe im letzten Halbjahre Deutschland in einem zweiten Gange in der Weise, daß der Hauptwert nicht auf die geographischen, sondern auf die kulturellen Verhältnisse gelegt wird. An dieser Stelle nun, wo Deutschland als Weltmacht, Deutsch lands Handel und Verkehr eingehend gewürdigt werden, sollen die Kolonien ihre Erledigung finden. Es leuchtet ein, daß bei dieser Anordnung des Stoffes die wirtschasiliche Seite der Außenbesitzungen in eine viel engere Beziehung7 zum Mutterlande gebracht werden kann, allein es muß in Erwägung gezogen werden, daß eine ausführliche Behandlung der geographischen Verhältnisse unserer Schutzgebiete die Einheitlichkeit sehr beeinträchtigen wird. Der gangbarste Weg dürfte wohl derjenige sein, der eine Teilung des Stoffes vornimmt und die geographischen geologischen und klimatischen Erscheinungen bei der Durch nahme der einzelnen Erdteile berücksichtigt, die wirtschaft lichen Beziehungen aber, die Bedeutung als Absatz-, Produk tions- und Auswanderungsgebiete an die Behandlung Deutsch lands auschließt. Psychologisch betrachtet, nimmt dieser Weg am meisten Rücksicht auf den Apperzeptionsvorgang, denn es kommt jeder Stoff dort zur Behandlung, wo ihm die stärk sten apperzipierenden Massen entgegen streben. Wegen dieser Vorzüge erwirbt sich das letztere Verfahren immer mehr An hänger in den Reihen der Methodiker und Lehrer. Ferner ist es erforderlich, daß, wenn die Schüler vertraut mit dem Stoff werden sollen, derselbe in jedem Jahre zur Behand lung kommen muß. Wo also ein zweijähriger Kursus ein gerichtet ist, muß in einem Jahre eine übersichtliche Zu sammenstellung der Kolonien nach der Durchnahme der fremden Erdteile stattfinden. Nachdem nun dargelegt ist, wo und wann die Außen- besitzungeu im Unterricht auftreten, sehen wir weiter, wie sich die Behandlung zu gestalten hatt. Diese ist zunächst eine reine geographische und erfolgt am zweckmäßigsten in Gestalt einer Beschreibung oder Schilderung. Für den gewandten Lehrer bietet sich hier die Gelegenheit, die Phantasie der Schüler in reichem Maße zu beleben. Auf das bekannte Schema — Lage, Grenzen, Bodengestalt usw. — ist nach Möglichkeit zu verzichten, denn diese „Drillmethode" wird das Ergebnis haben, „daß im Kopfe der Kinder eine Kolonie w ausschaut wie die andere"*). Bei der Behandlung Deutsch Ostafrikas würden die Schüler beispielsweise an der Hand der Karte eine Reise von der Küste bis zum Tanjan- lffa oder zum Viktoria-See machen und auf derselben die d>er natürlichen Gürtel — Küstengebiet, Vorlandstreifen, Ge- ^rgswall, inneres Hochland — mit der einem jeden Gebiete *) Clemens, Kolonialidee und Schule. S. 30.8 eigenen Vegetation samt den klimatischen und wichtigsten geologischen Verhältnissen kennen lernen. Lebensvolle Schil derungen und Beschreibungen, die das Interesse wecken und das Gemüt anregen, müssen dem Schüler gegeben werden- Dabei leisten koloniale Anschauungsbilder, sofern in der Schule welche vorhanden sind, gute Dienste. Besonders be darf das Klima einer anschaulichen Behandlung. „Es ist für den kindlichen Geist nichtssagend, wenn zur Charak terisierung des Klimas nur erwähnt wird, daß die mittlere Jahrestemperatur -s- 26 ° beträgt. Das ist ein anschauungs loser Begriff, der in dem Verständnis keine Wurzeln schlägt, geschweige denn ausdrucksvoll zu wirken imstande ist. Da gegen empfiehlt es sich, die Temperaturschwankungen im Laufe eines Tages kleinmalerisch zu schildern"*). Wie ich im Unterricht dieser Forderung gerecht zu werden suche, möchte ich an dem Beispiele „Ein Reisetag in der Massai- Steppe" zeigen. Mit majestätischer Pracht geht die Sonne auf und er wärmt uns Reisenden die erstarrten Glieder, denn die Nacht war empfindlich kalt. Es ist unmöglich, ohne Decke eine Nacht unter freiem Himmel zu schlafen. Nach kurzen Zu rüstungen geht es weiter in die Steppe hinein. Die Sonne ist mittlerweile höher gestiegen und ihre brennenden Strahlen werden schon recht fühlbar. Schon frühmorgens ist es so warm wie bei uns im Sommer zu Mittag. Die Hitze nimmt stetig zu; das übermannshohe Steppengras läßt keinen kühlenden Luftzug an uns herankommen. Der stellen weise nackte Erdboden wirft die sengenden Strahlen der Sonne zurück und verstärkt dadurch die Glut. Schattenreiche Wälder sucht man vergebens, nur einige dornige, mit langen, schmalen Blättern versehene' Akazien beleben die eintönige Steppe. Nach mehrstündigem Marsche sind Menschen und Tiere so erschöpft, daß eine längere Ruhepause eintreten muß. Am Spätnachmittage ist die größte Hitze vorüber, aber es ist immer noch so heiß, wie bei uns an den heißesten Sommertage. Die Reise wird nun fortgesetzt, bis die Nacht gleich nach Sonnenuntergang hereinbricht. Nun folgt auf die Gluthitze des Tages eine starke Abkühlung in der Nacht, *) Clemens. S. 31.9 die besonders von den Eingeborenen unangenehm empfunden wird. In einer ähnlich anschaulichen Weise kann auch die Er werbungsgeschichte der einzelnen Gebiete den Schülern kurz mitgeteilt werden, denn aus derselben geht deutlich hervor, daß nicht politische sondern vor allem volkswirtschaftiche In teressen bei der Besitznahme maßgebend waren. Am wichtigsten und für das praktische Leben am wert vollsten ist jedoch die Behandlung der wirtschaftlichen Ver hältnisse. Die Frage: Was verbindet uns mit den Kolo nien ? muß recht eingehend erörtert werden. Clemens sagt in seinem Lehrbuch des geographischen Unterrichts: „Es ,ist nicht so sehr wichtig, daß die Schüler die Berge, Flüsse und Orte der Kolonien kennen wie die der Heimat, als daß sie Verständnis für die Bedeutung der Kolonien für das Mutterland bekommen. Dieses Verständnis wird mehr durch die Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse erzeugt. Dar auf ist demnach der Hauptdruck zu legen". Die Antwort auf die Fragen: Was bietet sie uns au Bodenschätzen? muß allen Schülern geläufig sein. Ebenso ist es wichtig, daß ihnen die Eigenart der Bewohner, ihre wirtschaftliche Tätigkeit, der Handel und Verkehr sowie die Anfänge der kulturellen Erschließung anschaulich geschildert werden. Die Würdigung des Wirtschaftslebens muß den breitesten Raum bei der Behandlung der Schutzgebiete einnehmen. Dabei vermeide man alle Schönfärberei und schildere die Verhält nisse wie sie wirklich sind. Auch können an dieser Stelle Bilder, die besonders das wirtschaftliche Leben berücksichtigen, mit Erfolg benutzt werden. Es fei mir gestattet, an dieser Stelle kurz die wirt schaftliche Bedeutung Deutsch-Südwestafrikas darzulegen: Diese Kolonie eignet sich besonders zur Viehzucht, die auch von den Eingebornen durchweg betrieben wird. Der Ackerbau kann erst dann in Frage kommen, wenn für aus reichende künstliche Bewässerung Sorge getragen ist. Zur Ausfuhr kommen Felle, Straußenfedern, Elfenbein und an Bodenschätzen hauptsächlich Kupfer. In letzter Zeit hat man >n der Nähe der Lüderitz-Bucht auch Diamanten gefunden. Da das Land noch wenig nutzbar gemacht ist, so ist die Menge der ausgeführten Waren noch gering. Viel bedeuten-10 der ist die Einfuhr, die in wollenen und baumwollenen Zeugen, in Waffen und landwirtfchaftlichen Maschinen be- steht. Infolge mannigfacher Kämpfe mit den treulosen und hinterlistigen Eingeborenen hat sich die Kolonie nur langsam entwickelt. Erst in letzter Zeit hebt sich das Wirtschafts leben durch die Anlage von Eisenbahnen. Auch wird all mählich die Einwanderung in dieses Gebiet stärker. Ist es auch selbstverständlich, daß der erdkundliche Unterricht die Hauptarbeit bei der Behandlung der Schutz gebiete zu leisten hat, so darf doch nicht außer acht gelassen werden, daß auch andere Lehrfächer in angemessener Weise herangezogen werden können. Soll der Schüler sich ganz in den Stoff hineinleben, so müssen große, vielfach ver knüpfte Gedankenkreise gebildet werden. In erster Linie sind Geschichte, Naturkunde und Deutsch stärker zu ver pflichten als dies bisher geschehen ist. Es wird die Aufgabe des Geschichtsunterrichts sein, die Vorläufer der Kolonialpolitik, die Hansa und den Großen Kurfürsten, auch unter dem Gesichtspunkte der Kolonialtätig keit zu betrachten. Die Pflicht der Dankbarkeit fordert es ferner, daß wir unserer großen Afrikaner, Forschungs reisenden, Soldaten und Kolonisatoren auch in der Schule gedenken. „Ueberall", so führt Clemens aus, „wo diese Pioniere der deutschen Kultur aufgetreten, sind haben sie Spuren deutschen Geistes und deutschen Ringens hinterlassen und das wird die Kolonialsache als Angelegenheit des deut schen Volkes erscheinen lassen. Denn wo wäre ein Volk, das nicht schützen und behalten möchte, was die Besten aus seinen Reihen ideell erobert haben"*). Auch wird es Sache des Geschichtslehrers sein, die hervorragende Befähigung des deutschen Volkes als Kolonisationsvolk an der Hand der Geschichte — Kolonisation Ost- und Westpreußens, Posens usw. — den Schülern plastisch vor Augen zu führen. A. Seidel sagt in seinem Buche von den Kolonien: „Wenn wir uns die Frage vorlegen, welche Eigenschaften die kolo nisatorische Tätigkeit vom Kolonisator fordert, so ergibt sich, daß gerade das deutsche Volk in dieser Beziehung außer- *) Clemens. S. 34.11 ordentlich begabt ist. Mit Neid ist das oft genug selbst bon der Presse fremder Kolonialvölkcr anerkannt worden"**). Bietet so der Geschichtsunterricht manche Gelegenheit, auf die Kolonien einzugeheu, so ist dies bei dem naturge schichtlichen Unterricht in noch weit stärkerem Maße der Fall. Ihm fällt die Aufgabe zu, die Schüler besonders mit den Kulturgewächien unserer überseeischen Gebiete bekannt zu machen. Der Geographieunterricht gibt dem Kinde nur die Namen der Pflanzen und deren Verwendung, der Unter richt in der Naturgeschichte behandelt ihre Formen und eigentümlichen Merkmale. Die Forderung, daß der natur- geschichliche Unterricht berufen sei, die Kenntnis unserer Schutzgebiete nach Möglichkeit zu vertiefen, läßt sich vor züglich mit den „Allgkmeinen Bestimmungen in Einklang bringen. Nach diesen soll sich die Naturbeschreibung ein gehend mit der tropischen Pflanzenwelt beschäftigen. Da nun die Mehrzahl unserer Außeubesitzungen in den Tropen liegt und deshalb auch tropische Vegetation zeigt, ist es leicht möglich, beide Forderungen zu vereinigen. Indem wir also »diejenigen Kulturpflanzen, deren Produkte bei uns in täg lichem Gebrauche sind" (Allgem. Best) betrachten, lernen die Schüler gleichzeitig die Kulturgewächse unserer Kolonien kennen. Es muß allerdings stets darauf hingewiesen werden, daß die besprochene Pflanze in unfern Kolonien gedeiht. Baumwollenstaude, Kaffeebaum, Zuckerrohr, Kakao, Tabak, meis, Mais, Hirse, Kokosnuß, Banane und Erdnuß be kommen als Kolonialprodukle auf diese Weise für den Schüler kine ganz andere Bedeutung. Auch die Gewächse, die der Elektrotechnik und der Seifenfabrikation heute viefach die er- forderlichen Rohprodukte liefern, die Gummiliane, den Kaut schukbaum und die Oelpalme sollte der Schüler kennen lernen. In ähnlicher Weise läßt sich die Tierwelt der Schutz gebiete in das Pensum des naturgeschichtlicheu Stoffes ein reihen. Eine beträchtliche Anzahl der großen „Raubtiere", ose der Unterricht in der Naturgeschichte nach den „Allgem. Best." berücksichtigen soll, ist auch in unseren Kolonien zu flnden. Als Anschauungsmaterial kommen außer Naturalien >ur die Pflanzenwelt die Bilder von Zippel und Bollmann **) A. ©eitel. Unsere Kolonien. S. 23.12 oder Gaering und Schmidt, für die Tierwelt besonders die prächtigen Abbildungen von Wachsmuth in Betracht. Auf diese Weise kann der naturgefchichtliche Unterricht die in der Erdkunde erworbenen Kenntnisse vertiefen und erweitern. Auch der Unterricht im Deutschen — Lesebuch, Aufsatz — kann dem vorliegenden Zweck dienstbar gemacht werden. Das Lesebuch muß dem Schüler lebensvolle und anregende Schilderungen aus den Kolonien bieten. Leider ist unser Lesebuch von Gabriel und Supprian in diesem Punkte noch sehr rückständig. In einem einzigen Lesestück von knapp drei Seiten werden die ganzen Schutzgebiete abgetan. Dabei sind diese Ausführungen von untergeordnetem Werte, denn sie geben in der Hauptsache nur die Grenzen, Größe, Pflanzen- und Tierwell und die Erzeugnisse unserer Be sitzungen an, alles Dinge, die man in jedem geographischen Lehrbuche ebenso gut und ausführlich findet. Anschauliche und interessante Stoffe, wie sie das von dem Kolonialverein herausgegebene „Koloniale Lesebuch" bietet, sucht man in diesem Schulbuche vergebens. Eine Umarbeitung mit be sonderer Berücksichtigung dieses Gesichtspunktes ist deshalb dringend notwendig. Was die Anzahl der aufzunehmenden Stücke betrifft, so wird diese bei den mannigfachen Zwecken des Lesebuchs immer nur eine beschränkte sein können. Die Behandlung dieser Schilderungen, die besonders der Be lebung und Ergänzung dienen, muß, dem Gedanken der Konzentration entsprechend, dann im Deutschunterricht er folgen, wenn sich der Unterricht in der Erdkunde mit den Kolonien beschäftigt. Mehr noch wie das Lesebuch kann der Aufsatz für die Kenntnis der Kolnien furchtbar gemacht werden. Es ist seit Diesterwegs und Kehrs Zeiten anerkannter Grundsatz, daß der Stoff zu den Aufsätzen den gesamten Unterrichts fächern entnommen werden soll. Die Forderung, daß der Aussatzunterricht auch die Schutzgebiete berücksichtigen möge, ist deshalb berechtigt. Außer der Vertiefung des Stoffes, den die schriftliche Bearbeitung zur Folge hat, wird vorzugs weise die Phantasie der Schüler auf das lebhafteste angeregt. Bei der Wahl derartiger Stoffe wird man, um praktisch zu verfahren, denselben möglichst eng begrenzen und nur das Bedeutsame von den Schülern in den Vordergrund rücken13 lassen. Bach nennt als solche Aufsatzthemen: „Besuch eines Negerdorfes. Die Kunstfertigkeit der Bewohner von Togo. Ein Tag in der Schule von Apia. Wie es in einer Fak torei in Kamerun zugeht. Weshalb eignet sich Deutsch- Südwestafrika als Ansiedelungskolonie? Der Nutzen der Kokospalme."*) Es sei mir gestattet, noch einige andere hinzuzufügen, die der eigenen Praxis entsprungen sind, wie: Ein Gang durch die Straßen von Dar es Salaam. Ein Reisetag in der Massaisteppe. Eine Baumwollplantage in Deutsch-Ostafrika. Ein Besuch auf einer Farm. Es lassen sich ohne besondere Mühe noch manche angemessenen Stoffe finden. Hin und wieder kann auch ein kulturgeographisches Bild beschrieben werden. Bilder dieser Art sind in reicher Auswahl vorhanden, und die künstlerische Ausführung der selben läßt nichts zu wünschen übrig. Vermag nun in erster Linie der Unterricht in der Ge schichte, in der Naturgeschichte und im Deutschen die im Geographieunterricht erworbenen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen, so können doch auch noch andere Lehrfächer — z. B. Kirchengeschichte und Rechnen — zweckentsprechend verwertet werden. Es kann sich im kirchengeschichtlichen Unterricht selbstverständlich nur um die äußere Mission handeln. Bekanntlich ist die Tätigkeit der Missionare für die kulturelle Entwicklung der Schutzgebiete von hoher Be deutung. „Die wahrhaft erfolgreiche Kultivierung der Kolonien ist nur möglich, wenn das Christentum die echte und rechte Grundlage des ganzen Lebens bildet."**) Es ist deshalb unsere Pflicht, die mühevolle und aufreibende Arbeit der Missionare dankbar anzuerkennen und ihr Verdienst so wohl um die Ausbreitung des Christentums, als auch um die Erforschung der Sprache und die Gewöhnung an Arbeit und gute Sitte, in rechter Weise zu würdigen. Unter den schwierigsten Verhältnissen halten diese frommen und zugleich tapferen und mutigen Männer aus und bringen den Ein geborenen mit dem Christentum zugleich deutsche Sitte, deutsches Denken und Fühlen. Auch dem Rechenunterricht fällt bei der Behandlung d er Kolonien eine wenn auch bescheidene Rolle zu. Die *) Bach, Unsere Kolonien im Schulunterricht. S. 18. **) Bach, Unsere Kolonien im Schulunterricht. S. 20.14 richtige Würdigung des wirtschaftlichen Lebens drängt geradezu zum Rechnen. In den neueren Rechenbüchern sind durchweg Aufgaben aus dem Gebiete d-r Kolonialkunde angemessen vertreten, das im Reg.-Bez. Düsseldorf eingeführte „Nieder- rheinische Rechenbuch" dagegen läßt derartige Stoffe ganz außer Acht. Mit Rücksicht' darauf ist es erforderlich, daß sich jeder Lehrer selbst Aufgaben zusammenstellt und sie dem Kapitel „Aufgaben aus dem Fachunterricht" einschaltet. Gute Dienste leistet hierbei der von dem Kolonial-Wirtschaftlichen Verein herausgegebene „Wirtschasts-Ailas". Auch bietet das Büchlein don Bach „Unsere Kolonien im Schulunterricht" einige passende dem übrigen Rechenstoff sich leicht anschließende Beispiele, die dem Schwelmer Rechenbuch entnommen sind. Recht anregend für die Schüler sind die Ausgaben über di? Zunahme der Ein- und Ausfuhr in den letzten Jahren, die Vergleichung der Größenverhältnisse und Einwohnerzahlen der Kolonien. Wer sieht, mit welchem Interesse diese Auf gaben gelöst werden, wird ihnen gerne eine feste Stelle im Rechenunterricht einräumeu. Der Vertiefung, Ergänzung und Belebung des kolonialen Stoffes kann auch die Privatlektüre, wenn sie in richtiger Weise geleitet und überwacht wird, gute Dienste leisten. In jeder Schülerbibliothek sollten sich einige Werke über die Kolonien befinden, die natürlich in Inhalt und Form dem geistigen Standpunkte der Schüler angemessen sein müssen. Zur Anschaffung können besonders empfohlen werden: Dowe, Deutsch-Südwestafrika. In Sammlung be lehrender Unterhaltungsschriften für die deutsche Jugend. Verlag von H. Paetel, Berlin. W. Scheel, Deutschlands Seegeltung. Dr. Wohlrabe, Deutschland von heute. Verlag von Dürr, Leipzig. Hassert, Die deutschen Schutzgebiete. Koloniales Lese buch. Verlag von Baedeker, Essen. Es wird Sache des Lehrers sein, die Schüler für die Lektüre dieser Bücher zu interessieren und von Zeit zu Zeit Rechenschaft über das Gelesene zu fordern. Nachdem nun ausgeführt worden ist, wie die meisten lehrplanmäßigen Unterrichtsfächer und auch die Privatlektüre sich mit den Kolonien beschäftigen können, soll nunmehr noch15 gezeigt werden, wie auch bei anderen außerhalb des eigent lichen Schulunterrichts liegenden Gelegenheiten ein Eingehen auf diesen Stoff möglich ist. Der Geburtstag des Kaisers, sowie der Jahrestag der Schlacht von Sedan, werden in allen Schulen unserer Monarchie festlich begangen. Sollen diese Schulfeiern ihre hohe pädagogische Bedeutung nicht einbüßen, so muß den Schülern ein passender und anregender Stoff geboten werden. Die mannigfachen Beziehungen, die uns mit den Schutz gebieten verknüpfen, liefern dem Lehrer dankbares Material zu solchen Festtagen. Durch ein Thema wie „Unser Kaiser als eifriger Förderer der Kolonialtätigkeit" zum Kaiser geburtstage oder „Unsere heldenmütigen Soldaten in Deutsch- Südwestafrika" zum Sedantage „wäre dem praktischen Patrio tismus mehr gedient wie mit manchem schwungvollen aber inhaltlich wirkungslosen Erguß, der ohne Beziehung zum Leben ist*)". Ferner vermag der Besuch von Wanderausstellungen, in denen Kolonialprodukte, sowie Geräte, Kunsterzeugnisse und Waffen der Eingeborenen gezeigt werden, anregend auf die Schüler zu wirken. Es versteht sich von selbst, daß der Lehrer derartige Veranstaltungen mit den Kindern besucht, und sie auf alles, was für den Unterricht wertvoll ist, in der Schule aber nicht gezeigt werden kann, aufmerksam macht. Der große Gewinn dieser Ausstellunglbesuche tritt zwar nicht direkt in die Erscheinung, jedoch gibt der fort schreitende Unterricht häufi; Anlaß, auf das Gesehene zurück zukommen. Die weiter oben aufgestellte Forderung, daß die Be handlung der Kolonien in anschaulicher und interessanter Weise erfolgen soll, kann aber nur dann erfüllt werden, wenn ausreichende Lehrmittel zur Verfügung stehen, denn diese sind für einen fruchtbringenden Unterricht von großer Wichtigkeit. Bis in die letzten Jahre hinein machte sich gerade nach der Seite ein Mangel deutlich fühlbar. Heute, wo das. Interesse wächst, wo alljährlich Expeditionen und Forschungsreisen unternommen werden, wo der Historiker, der Volkswirtschaftler, der Geograph, der Naturforscher die *) Clemens S. 4t.16 Kolonien zum Objekt seiner Untersuchungen macht, läßt sich ohne große Mühe brauchbares Anschauungsmaterial finden- Wie in den anderen Unterrichtsfächern, so sind auch hier Naturgegenstände allem andern vorzuziehen. Bei regem Eifer für die Sache kann sich jeder Lehrer mit geringen Kosten eine bescheidene Naturaliensammlung anlegen. Bananen sind heute schon in den meisten Obstgeschäften zu bekommen, ebenso Erdnüsse; Haus läßt sich auch leicht beschaffen, ein Stückchen Elfenbein, eine Straußenfeder, einige Stückchen Kopra und Guttapercha erfordern ebenfalls keinen großen Kostenaufwand. Versteht es der Lehrer, seine Schüler für die Anlage einer solchen Sammlung zu interessieren, so erhält er auch auf diesem Wege, wie ich aus Erfahrung berichten kann, noch manches wertvolle Stück. Verfügt eine Schule über größere Geldmittel, so kann sie von dem „Natur historischen Institut Linnaea" in Berlin eine Sammlung von Kolonial-Produkten — 70 Nummern zu 100 Mark — beziehen. (Im Hinblick auf die tadellose Beschaffenheit der einzelnen Objekte kann man diese Bezugsquelle sehr empfehlen.) Im Uebrigen sind da, wo keine Naturalien zur Verfügung stehen, Bilder zu benutzen. Die schon oben erwähnten naturgeschichtlichen Bilder von Zippel u. Bollmann, Gaering u. Schmidt und Wachsmuth sind recht brauchbar, auch Landschaftsbilder, kulturgeographische Abbildungen sowie Völkertypen bieten gutes Anschauungsmaterial. Aus der Gruppe der geographischen Charakterbilder möchte ich be sonders die „Deutschen Kolonial-Wandbilder" von Dr. Wünsche hervorheben, die zum größten Teil von dem Orient maler Hellgreve ausgeführt sind und in Auswahl und künst lerischer Ausführung auch den weitgehendsten Ansprüchen genügen. Ebenso sind die im Verlage von Wachsmuth in Leipzig erschienenen Bilder von Eschner, gemalt von Kuhnert, Bucacz und Würbel, im Unterricht gut zu verwerten. Während bei den Bildern von Dr. Wünsche mehr die volkswirtschaftliche Seite hervortritt, betonen die Eschner'schen Darstellungen das geographisch-landwirtschaftliche Moment. Neben den Bildern ist die Karte ein unentbehrliches Anschauungsmittel. In den von unsern Schülern gebrauchten Atlanten ist eine Karte von den deutschen Kolonien vorhanden, eine zweckmäßige, hinreichend große Schulwandkarte fehlte bis17 vor kurzem noch. Die gebräuchlichen Kontinentkarten zeigen Zwar meistens die Schutzgebiete auf einer Nebenkarte, da jedoch der Maßstab ein zu kleiner ist, sind sie für unsere Schulklassen kaum zu gebrauchen. Die letzten Jahre haben uns auch auf diesem Gebiete einen erfreulichen Fortschritt gebracht. Kolonialkarten sind bis jetzt erschienen von: Bamberg, Maßstab 1:3000 000. Preis 20,50 Mk Gaebler - Hehler, verschiedener Maßstab. Preis 18,50 Mk. Kiepert, Maßstab 1-2000000. Preis 8,— Mk. Die genannten Karten entsprechen ohne Ausnahme den Anforderungen, die an eine gute Wandkarte gestellt werden. Für die Einprägung des Stoffes ist es erforderlich, daß die Schüler, besonders in reicher gegliederten Schulen, "n kurzes Lernbuch in Händen haben. Die meisten im Gebrauch befindlichen geographischen Schulbücher behandeln die Kolonien sehr summarisch. Als solche Büchlein für die Hand des Schülers sind empfehlenswert: Harms, Deutschlands Kolonien. Preis Mk. 0,50. Kirchhofs, die Schutzgebiete des deutschen Reiches. Preis Mk. 0.70. Heßler, die deutschen Kolonien. Mit Karte. Preis Mk. 0,75. Wende, Deutschlands Kolonien. Preis Mk. 0,30. Jede neue Aufgabe, die an die Schule herantritt, stellt auch neue Anforderungen an den Lehrer. Meine Aus- Mrungen würden nicht erschöpfend sein, wollte ich diesen Punkt ganz außer Acht lassen. Der Lehrer soll nicht nur m, sondern über dem Stoff stehen, er soll auch aus dem vollen schöpfen. Dazu ist erforderlich, daß er größere Spezialwerke studiert. Es bedeutet zwar kein geringes Dpfer, wenn er seine knapp bemessenen Freistunden noch mit geographischen und volkswirtschaftlichen Studien ausfüllen wll, allein der hohe nationale Wert des Gegenstandes, sowie vas dem Lehrerstande innewohnende Streben nach gründlicher Durchbildung auf jedem Gebiete sind zwei Faktoren, die für irden Lehrer ausschlaggebend sind. Einem eingehenden Studium können folgende Schriften dienen: E. Sieper, Die Behandlung der deutschen Kolonien. 218 Wirtschafts - Atlas der deutschen Kolonien. Heraus gegeben von dem Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee in Berlin. Der Wirtschafts - Atlas bietet außerordentlich reiches Material besonders, wie schon sein Name sagt, über die wirtschaftlichen Verhältnisse. Außerdem enthält er 10 vorzüglich ausgesührte Karten von den Kolonien, sogenannte Wirtschaftskarten. Neben diesem größeren Werk erschien bei Dietrich Reimer in Berlin der „Kleine deutsche Kolonial-Atlas", der bei dem geringen Preise von 60 Pfennig von jedem Lehrer angeschafft werden kann. An anderen wissenschaftlichen Werken seien genannt: Merher, Die Massai. Schmidt, Hermann von Wißmann, Deutschlands größter Afrikaner. Passarge, Die Buschmänner der Kalahari. Schillings, Adamaua. Ribbe, Muschelgeldstudien. Hassert, Deutschlands Kolonien. Seidel, Die deutschen Kolonien und ihr wirtschaft licher Wert. Auch das Buch von G. Frenssen „Peter Moors Fahrt nach Südwest" bringt interessante Darstellungen aus dem Leben und Treiben in Deutsch-Südwestafrika. Einige der oben genannten Bücher werden wohl überall für die Lehrerbibliothek angeschafft werden können. Ich bin am Schluffe meiner Ausführungen. Es war mein Bestreben zu zeigen, wie wir der Jugend im Schul unterricht das Verständnis für die Bedeutung unserer Kolonien erschließen können. Es ist meine feste Ueberzeugung, daß eine Behandlung, wie ich sie hier in kurzen Zügen dar- gclegt habe, freudige Begeisterung für die Kolonialbestrebungen im Herzen des Schülers erwecken wird. Ist dieses Ziel erreicht, dann wird er auch im späteren Leben den An forderungen, die an ihn herantreten, gern und willig Nach kommen, dann wird er auch an seinem bescheidenen Teile Mitarbeiten an der wirtschaftlichen und sozialen Hebung unserer Schutzgebiete. Dem Lehrer aber ist die hohe nationale und kulturelle Aufgabe gestellt, dieses Verständnis anzubahnen. Freudiger Eifer, reges Interesse und ein Herz voll glühen-2 * 19 der Liebe zu unserem herrlichen deutschen Vaterlande werden ihm die Lösung dieser Aufgabe nicht schwer machen. Wnlerrichtsveispiel*). Die wirtschastlichc Bedeutung der Schnhgcliicte für unser Bateelund. Dieses Beispiel schließt an die Behandlung der Wirt- schastsverhältnisse Deutschlands im letzten Halbjahre der Oberstufe an und leitet über zur Schilderung der wirtschaft lichen Erscheinungen in den einzelnen Kolonien. Der Be handlung kann eine kurze Aufzählung der Außenbesitzungen doraufgehen. Ziel: Wir wollen heute hören, welche Bedeutung die Schutzgebiete für unser deutsches Vaterland haben. Vorbereitung: Kurzes Eingehen auf das Wirt schaftsleben in Deutschland. L. Wir haben in den letzten Wochen gehört, in welcher Weise sich das wirtschaftliche Leben in Deutschland äußert. Erzählt, was ihr darüber wißt. Unter Mitwirkung des Lehrers erzählen die Schüler etwa folgendes: Ein großer ^eil der Bevölkerung Deutschlands findet Beschäftigung in der Landwirtschaft, andere verdienen ihren Unterhalt durch Bergbau, Forstwirtschaft, Fischfang, wieder andere treiben ein Handwerk oder ein Gewerbe, die meisten Arbeiter sind ober in der Industrie beschäftigt. (Nennen der wichtigsten Industriezweige.) Die Waren, die in Deutschland hergestellt (produziert) werden, bleiben zum Teil im Lande und werden durch Wagen, Schiffe und Eisenbahnen an ihren Bestimmungs ort befördert. Dadurch entsteht ein lebhafter Handel und Berkehr (Binnenhandel), der vielen Tausenden Arbeit und Brot bringt. Ein bedeutender Teil der Erzeugnisse geht aber 'n fremde Länder und Erdteile. Dieser Handel wird Außen handel (Ausfuhr) genannt. (Die Schüler nennen die wich- Wten Jndustriewaren, die ausgeführt werden.) Weil diese Waren in die ganze Welt geschickt werden, nennt man den Handel auch Welthandel. Deutschland hat großen Anteil hsn Welthandelt und spielt im Weltverkehr eine bedeutende Nolle. *) Dar Beispiel will nur allgemeine Richtlinien angeben.20 Behandlung: 1. L. In welche Erdteile gehen die meister deutschen Waren? (Sch. Amerika, Afrika, Asien). L. Ist es aber nur der deutsche Kaufmann, der seine Waren dort verkauft, oder sind auch noch andere Völker beteiligt? (Sch. Andere Völker, z. B- Engländer, Franzosen, Belgier und Holländer senden auch ihre Erzeugnisse dorthin.) L. In den letzten Jahren ist nun der deutsche Ausfuhrhandel nicht so stark gestiegen wie vorher, das liegt daran, daß zwei große und unternehmende Völker mit in den Wettbewerb eingetreten sind. Welche Völker meine ich wohl? (Sch. Die Amerikaner und Japaner.) L. in dem Maße nun, wie der Handel dieser Völker wächst, muß der Handel der euro päischen Länder und auch der deutsche Außenhandel zurück gehen. Welche Folgen wird dies für die Industrie und die darin beschäftigten Arbeiter haben? (Sch. Die Industrie wird schwer geschädigt und ihre Arbeiter zum Teil brotlos werden.) L. Welches wird die weitere Folge sein? (Sch- Not und Elend werden in vielen Arbeiterfamilien einkehren.) L. Um dies zu verhüten, ist das deutsche Reich gleich an deren Ländern darauf bedacht gewesen, Gebiete zu erwerben, in denen der deutsche Kaufmann ohne den Wettbewerb der fremden Völker seine Waren absetzen kann. Welches sind wohl die Gebiete, die ich meine? (Sch. Es sind die Kolonien.) L. Aus welchem Grunde hat also Deutschland die Kolonien erworben? (Sch. Um die Industrie, den Handel und Ver kehr in ihrer Blüte zu erhalten.) L. Weil der ganze Kolonialbesitz fünfmal so groß ist als Deutschland, können große Mengen deutscher Waren dort abgesetzt werden- Welche Bedeutung haben also die Schutzgebiete für das deutsche Reich? (Sch. Es sind Gebiete, in denen die Jndustrieerzeugnisse abgesetzt werden können.) (Absatz" gebiete.) Zusammenfassung erst durch den Lehrer, dann dural die Schüler: Die meisten deutschen Waren gehen nach Amerika, Afrika und Asien. Aber nicht nur der deutsche Kaufmann setzt seine Waren dort ab, auch Engländer, Franzosen, Belgier und Holländer suchen ihre Erzeugnis^ dort zu verkaufen. In den letzten Jahren hat auch der Handel der Amerikaner und Japaner stark zugenommen- So wird es kommen, daß der deutsche Kaufmann nicht21 mehr alle seine Waren absetzen kann, und die Industrie und viele Arbeiterfamilien werden schwer geschädigt werden. Um dies zu verhüten, hat Deutschland Kolonien erworben, die in erster Linie Absatzgebiete für Jndustrieerzeugnisse sein sollen. 2. L. Die Schiffe nun, welche die deutschen Waren in die fremden Erdteile befördern, kehren mit Güter» be laden wieder heim. Sie bringen hauptsächlich Erzeugnisse fremder Länder, die in der Industrie verarbeitet oder im Haushalt verbraucht werden. (Einfuhr.) Die Industrie muß sogenannte Rohstoffe haben, mit denen sie ihre Waren herstellt, im Haushalt werden die Kolonialwaren gebraucht. Nenne Rohstoffe, die die Industrie verarbeitet. (Sch. Wolle, Baumwolle, Hanf, Felle, Holz, Guttapercha, Kautschuk, Gummi.) L. Nennt Kolonialwaren, die wir aus fremden Ländern beziehen. (Sch. Kaffee, Zucker, Reis, Kakao, Tabak u. a.) L. Diese Waren beziehen wir größtenteils von den Engländern und Amerikanern. Sie setzen die Preise fest, und habsüchtige Zwischenhändler verdienen große Summen. Welche Folge hat dieser Zwischenhandel für den Preis der Rohstoffe und Kolonialwaren? (Sch. Diese Waren sind bei uns teurer als in England oder Amerika.) L. Viele, viele Millionen Mark fließen auf diese Weise in das Ausland. Aber das ist nicht der einzige Nachteil. Denkt einmal, die Baumwollernte würde in Amerika durch Überschwemmungen oder Mißwachs nur gering sein. Was würde die Folge sein? (Sch. Die Amerikaner würden die Baumwolle nicht verkaufen, sondern in ihren Fabriken selbst verarbeiten.) L. Welchen Einfluß würde das auf die deutsche Baumwollindustrie haben? (Sch. Sie würde ihren Betrieb teilweise einstellen müssen, und Arbeitsmangel würde herrschen.) L. Um aber dieser Gefahr zu begegnen und um ferner nicht die großen Geldsummen in das Ausland stießen zu lassen, hat man bereits begonnen, diese Produkte in den Kolonien anzupflanzen. Weite Strecken in unfern Schutzgebieten eignen sich zum Anbau von Baumwolle, Hanf, Kaffee, Reis, Kakao und Tabak. Auch andere Erzeugnisse wie Wolle, Nutzhölzer, Felle, Guttapercha, Kautschuk, Gummi, Palmöl und Palmkerne, Straußenfedern, Kokosnüsse, Bananen und Erdnüsse werden schon in Mengen nach Deutschland/ 22 gebracht. Ebenso werden Bodenschätze wie Kohlen, Erze und Diamanten künftig eine Rolle spielen. Welches ist also der weitere Nutzen, den die Kolonien haben? (Sch. Es sind Gebiete, in denen Rohstoffe für die Industrie sowie Kolonial waren gewonnen werden) Zusammenfassung: Die Industrie muß zur Herstellung ihrer Waren Rohstoffe haben, diese kommen zum Teil aus dem Ausland. Auch die Kolonialwaren, die in jedem Haus halt gebraucht werden, kommen dort her. Für diese Waren fließen alljährlich viele Millionen Mark in die Taschen der Engländer und Amerikaner. Durch den Zwischenhandel werden die Preise höher, und bei schlechten Ernten wird die Industrie große Verluste haben. Um dieser Gefahr zu be gegnen, pflanzt man in den Schutzgebieten die Produkte an, die wir aus dem Auslande beziehen müssen. So stellen unsere Kolonien Gebiete dar, in denen Rohstoffe für die Industrie sowie Kolonialwaren gewonnen werden. 3. L. Wir haben bei der Behandlung Deutschlands gehört, daß viele Familien jährlich answandern. Welches ist das Ziel der meisten dieser Leute? (Sch. Amerika oder die englischen Kolonien.) L. Die Amerikaner und Engländer sehen die deutschen Auswanderer gerne kommen. Weshalb? (Sch. Sie bringen Geld mit und leben als fleißige und rührige Kolonisten in ihrem Lande.) L. Warum müssen wir Deutschs die Auswanderung bedauern? (Sch. Deutsch land verliert dadurch viel Geld und Arbeitskraft.) L. Aber das nicht allein. Die Auswanderer sind zum Teil jüngere, kräftige Leute. Welcher Nachteil entsteht dadurch für Deutschland im Falle eines Krieges? (Sch. Die Wehrkraft unseres Landes wird geschwächt.) L. Es ist deshalb das Bestreben, der deutschen Regierung, dem Lande das Geld, die Arbeitskraft und die Wehrkraft zu erhalten. Auf welche Weise ist das wohl möglich? (Sch. Wenn es gelingt, die Auswanderer in den Schutzgebieten anzusiedeln.) L. Für die Kolonisten hat dies manchen Vorteil, denn sie stehen unter deutschen Schutz, sie erhalten deutsche Schulen und bleiben eng mit dem Heimatland verbunden. Welchen Vor teil wird aber Deutschland haben? (Sch. Geld und Arbeits kraft werden den Kolonien zugute kommen, und bei Auf ständen der Eingeborenen können die Kolonisten als Land-23 wehr unsere Soldaten wirksam unterstützen.) L. Ihr wißt nun aber, daß manche Gebiete zur Auswanderung ungeeignet sind. Aus welchem Grunde? (Sch. Das Klima ist zu ungesund.) L. In anderen Teilen können wohl Deutsche leben, aber nicht als Arbeiter. Warum ist dies nicht mög lich ? (Sch. Die große Hitze macht den Kölper schlaff.) L. In welcher Weise können sie in diesen Gebieten tätig sein? (Sch. Sie können als Benmte, Aufseher, Verwalter und Betriebsleiter Beschäftigung finden.) L. Welches Schutz gebiet ist wegen des gesunden Klimas besonders zur Auf nahme von Kolonisten geeignet? (Sch. Die Kolonie Deutsch- Südwestafrika.) L. Da das Land um die Hälfte größer ist als Deutschland, so können dort tausende von Familien ihren Lebensunterhalt erwerben. In welcher Beziehung haben demnach die Schutzgebiete auch große Bedeutung für unser Land? (Sch. Es sind Gebiete, welche viele deutsche Auswanderer aufnehmen können.) Zusammenfassung: In jedem Jahr? wandern viele deutsche Familien aus. Sie gehen meist nach Amerika oder in englische Besitzungen und werden hier gerne ausgenommen, da sie tüchtige, fleißige und ruhige Arbeiter sind. Unserm Vaterlande geht aber dadurch viel Geld, viel Arbeitskraft und Wehrkraft verloren. Um diese Verluste möglichst zu berringern, hat Deutschland die Schutzgebiete erworben. In iast allen größeren Kolonien können Deutsche als Beamte, Aufseher, Verwalter und Betriebsleiter tätig sein. Deutsch- Südwestafrika eignet sich seines gesunden Klimas wegen.be- sonders zur Ansiedelung. So vermögen unsere Schutzgebiete tausende von Auswanderern aufzunehmen und ihnen Lebens unterhalt zu gewähren. Kurze Zusammenstellung der gewonnenen Resultate: Die Kolonien sind von Bedeutung 1. weil sie Absatzgebiete darstellen, 2. weil in ihnen Rohstoffe und Kolonialwaren ge wonnen werden können. 3. weil ein Teil der deutschen Auswanderer hier Auf nahme finden kann. Themen zur schriftlichen Bearbeitung: 1. Die Kolonien als Absatzgebiete. 2. Welche Bedeutung haben die Kolonien als Rohstoff gebiete.24 3. Die deutschen Auswanderer und die Kolonien. Im weiteren Verlaufe würde nun nachzuweisen sein, in welchem Umfange die einzelnen Kolonien als Absatz', Produktions- und Auswanderungsgebiete für Deutschland in Betracht kommen. Weberstchtliche Zusammenstellung der empfohlenen Lehr- und Lernmittel. A. Wissenschaftliche Werke für die Hand des Kehrers. 1. „Wirtschafts-Atlas der deutschen Kolonien". Heraus- qegeben von dem Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee in Berlin. 2. „Kleiner Kolonial-Atlas". Verlag von Dietrich Reimer, Berlin. 0,60 M. 3. Merker, Die Massai. 4. Schmidt, Hermann von Wißmann, Deutschlands größter Afrikaner. 5. Passarge, Die Buschmänner der Kalafari. 6. Passarge, Adamaun. 7. Schillings, Mit Blitzlicht und Büchse. 8. Ribbe, Muschelgeldstudien. 9. Hassert, Deutschlands Kolonien. 10. Seidel, Die deutschen Schutzgebiete und ihr wirtschaft licher Wert. B. Kücher für die Hand des Schülers. 1. Harms, Deutschlands Kolonien. 0,30 M. 2. Kirchhofs, Die Schutzgebiete des deutschen Reiches. 0,70 M. 3. Heßler, Die deutschen Kolonien. Mit Karte. 0.75 M. 4. Wende, Deutschlands Kolonien. 0,30 M. 0. Kücher für die Schülerliililiothek. 1. Dowe, Deutsch-Südwestafrika. In Sammlung be lehrender Unterhaltuugsschriften für die deutsche Jugend. I. Paetel, Berlin. 2. W. Scheel, Deutschlands Seegeltung. 3. Dr. Wohlrabe, Deutschland' von heute. Dürr, Leipzig. 4. Koloniales Lesebuch.25 D. Karten. 1. Bamberg, Die deutschen Kolonien. Maßstab 1 : 3000000. 20,50 M. 3. Gaebler-Heßler, Die deutschen Kolonien. Verschie dener Maßstab. 18,50 M. 3. Kiepert, Die deutschen Kolonien. Maßstab 1 : 2000000. 8,— M. E. Mer. 1. Dr. Wünsche, Deutsche Kolonial-Wandbilder. 7 Bilder. 80x110 cm. Je 6 M., schulfertig zu je 6,50 M., mit Leinwand und Stäben je 8,50 M. Text je 20 Pf. Leutert und Schneidewind. 2. Eschner, Deutschlands Kolonien. Farbige Stein zeichnungen. 10 Bilder. Jedes Blatt 3 M-, auf gezogen mit Leinwand und Oesen 3.20 M., auf Leinwand mit Stäben 4,25 M. Text, 1. Heft 0,80 M., 2. Heft 1,20 M. Leipziger Schulbilder verlag, Wachsmuth. L. Heinrichs Uerlag in Kielefeld. Uiisrre Kalaiiici! im Mulmiterrillite. Von C. W. Bach. 40 Pf. Die driitschk Kilmie: DeuW-Wafrika. Eine Lehrprobe. Von C. W. Bach. 40 Pf.Zur 1900 Jahresfeier der Hermannsschlacht im Teutoburger Walde: Die Hermannsschlacht. Eine histor. Erzählung für jung und alt. Von Wilhelm Fricke. Mit 1 Abbildung des Hermannsdenkmales. 1 M., gebunden 1,50 M., kart. 1,25 M. „ — und sei es hiermit jedem Deutschen, der sich gern seiner tapferen Vorfahren erinnert, bestens em pfohlen.“ (Volks- und Jugendschriften-Anzeiger.) Festspiel zur 1900 jähr. Wiederkehr der Hermannsschlacht im Teutoburger Walde: Dramatische Bilder aus der westfälischen Geschichte. Mit einer Abbildung vom Hermannsdenkmal. Von Dr. Otto Weddigen. 0,60 M. (50 Exemplare 20 M., 100 Exem plare 30 M.), eleg. geb. 1,25 M. Der Teutoburger Wald und das Wesergebirge. In hocheleganter Mappe. Mit einl. Dichtung von Dr. O. Weddigen. Herrn Prof. Chr. Kröner, Maler in Düsseldorf gewidmet. Ausgabe mit 10 Blatt 15 M,, mit 15 Blatt 20 M. Um die Anschaffung des Prachtwerkes auch nach und nach zu ermöglichen, gebe ich die hochelegante Mappe auch einzeln für 2,60 M. ab, so dass z. B. 1 Mappe mit 2 Bildern 5, mit 3 Bildern 6,25 M. usw. kostet Format der Abbildungen ca. 30/24 cm. Die hochelegante Pressung der künstlerisch entworfenen Decke zeigt das Hermanns denkmal, die Externsteine und die Porta Westfalika in mehrfachem Farben- und Golddruck mit Eichenlaub etc. (Kleine Ausgabe in Mappe m. Goldpr. 10 Blatt 3.50 Mark, 15 Blatt 4 Mark.) KriegszUge des Tiberius in Deutschland. 4 und 5 nach Christi. Von Dr. August Deppe. Mit einer Karte des Lagers bei Oerlinghausen. M. 1,25. Zur 100 jährigen Wiederkehr des Todestages Schills und seiner Tapferen: Schill und seine Tapferen. LUtzow und seine schwarze Schar. Von A. Seepe. 75 Pf., kart. 1 M., geb. 1,50 M. Bielefeld. A. Helmichs Verlag-A. ltzelmich'K Verlag in Vielefeld. vereine fördern. 50 Pf. — 36. Das Gewissen und die Erziehung zur Gewissenhaftigkeit, ho Pf. — 37 . Meine erste Stelle, ho Pf. — 38. Gegen die geistliche Schulaufsicht und ihre Verteidiger. 80 Pf. — 39 . Lehrerbesoldungsgesetz und Ausführungsverfügung. HO Pf. — no. Der Unterricht in der Naturgeschichte. HO Pf. — Hl. Ist das Körperzeichnen in der Volksschule berechtigt? HO Pf. ^ H 2 . Neues und Altes vom Schreibunterricht. 50 Pf. — H3. Das Ziel des Gesangunterrichts in der Volksschule. HO Pf. — HH> Gym nasiallehrer und Volksschullehrer. 60 Pf. — H5. Seminarlehrer und Volksschullehrer. HO Pf. — H 6 . Die Kommunalsteuerfreiheit der preutz. Volksschullehrer. H» Pf- — H?- Die körperliche Züchtigung in der Volksschule. HO Pf. — H 8 . Die körperliche Züchtigung von Sdjulfinbern HO Pf — H9. Zum 50 . Geburtstage Goethes, ho Pf. 50. Erziehung zur Selbsttätigkeit durch anschauliches Erkennen der Hauptgrundsatz Pestalozzis. HO Pf. — 5;. welche Anforde rungen stellt man an ein gutes Lesebuch? HO Pf. — 52. Die gewerb liche und landwirtschaftliche Kinderarbeit in der Rheinprovinz. 75 Pf. — 5 z. xjcht, Liebe, Leben. HO Pf. — 5H- Die Lehrer persönlichkeit in der Erziehung. HO Pf. — 55. Wer soll den Turnunterricht in der Volksschule erteilen, und wer soll ihn beaufsichtigen? HO Pf. — 56. Das niederländische volksschulwesen. Ho Pf. — 57 . Aus dem Leben Dr. Johann Friedrich Wilbergs. So Pf. — 58 Bildende Kunst und Schule. 50 Pf. — 59 . Be deutung des Märchens für Erziehung und Unterricht. HO Pf. — so. Der Rechenuntericht im Lichte des sozialpädagogischen Prinzips und der Konzentration. HO Pf. — 6U Die Stellung der Dezimal brüche im Rechenunterricht. HO Pf. — 62 . Sind uns. Volksschulen uiit gemischt, od. mit nach Geschlechtern getrennten Klassen ein- zurichten? HO Pf. — 65. Der Gesang in der Volksschule, seine Bedeutung und Behandlung. 50 Pf. — 6H Die soziale Stel ung des Lehrers und seine Standcsehre. 50 Pf. — 65. Die Grtsschul- aussicht. t Utk. — 66. welches sind die Ausgaben, die das Gesetz vom 2 . Juli t?oo über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger den kehrern an Volksschulen stellt? HO Pf. — 67. Die Haftpflicht der kehrer. SO Pf. — 68 Prüfungsordnung für Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen. Mit den Ausführungsbestimmungen. HO Pf: — 69. Die Lehrerbildung in Preußen nach den neue» Lehrplänen und Prüfungsordnungen vom tz Juli H 90 V. 50 Pf. — 70. Bilder und Bildung. 50 Pf. — 7l. Das Lehrerprüfungswesen. ho Pf — ?2. Heber Ermüdung durch den Unterricht. Lin Vortrag für und gegen die Fremdwörter unserer Muttersprache. HO Pf. — 73. Ueber Schülerwanderungen. HO Pf. — 7H. Die Standesehre und ihre For derungen. HO Pf. — 75. Die Notwendigkeit einer Revision der Allgemeinen Bestimmungen für Volks- und Mittelschulen vom l5. Dktober \ 812 . warum lernt der Volksschullehrer eine Fremd sprache ? 60 Pf. — 76. Kirche und Schule. HO Pf. — 77. Die zurückgebliebenen Kinder in der Volksschule. 50 Pf. — 78 welchen Fortschritt bedeuten die ininisteriellen Bestimmungen vom 1. Juli \90\ für die Vorbildung der volksschullehrcr. HO Pf. — 79 . Ueber ben Grundlehrplan der Berliner Gemeindeschulen. HO Pf. — 80 . Beiträge zur Schulgcschicbte der Grafschaft Mark. 50 Pf. — 8t- Kinderschutzgesetz und Volksschullehrer. Mit den Ausführungs bestimmungen. HO Pf. — 82 . Zur Erinnerung an den 60 . Geburts tag Schaumbergers. 50 Pf. — 83. Lin Beitrag aus der PraxisA. tzelmich's Verlag in Wielefeld. __ jum Kapitel Kunst und Schule. — Mit welchen Mitteln kann die Schule sich an der Bekämpfung des Alkoholismus beteiligen? qo pf. — 84. Die Macht der Liebe in der poesie. 40 pf. — 85. Pflanzenschutz und Schule. 40 pf. — 86. Der Anschauungs unterricht und die Sprechübungen in den beiden ersten Schuljahren. 40 pf. — 87. Ueber Hausaufgaben. 40 pf. — 88. Das zukünftige Volksschulgesetz in Preußen. 40 pf. — 89. Die nassauische Simul tanschule. Historisch-kritische Betrachtung von einem inaktiven katholischen Schulmanne Nassaus. 50 Pf. — 90. Die Krüppel in der Schule. 50 pf. — 9(. Mißstimmungen im Lehrervereinsleben. Lin Beitrag zum Rektorenstreit, zur Universitätsbildung und gehaltlichen Gleichstellung der Lehrer. 40 pf. — 92. Friedrich Schiller, 40 pf. — 95. wie ich einst zum Lehrerbildner wurde. Lin Zeitbild aus dem Schulleben. — Lin Rettungsversuch. Aus der Praxis der Fürsorgeerziehung. 40 pf. — 94. Die Fürsorge für die aus der Hilfsschule entlassenen Kinder in unterrichtlicher und praktischer Beziehung. 40 Pf. — 95. Die Lehrerinnenfrage, qo pf. — 96. Ueber die Behandlung des Sexuellen in der Schule, -topf. — 97. praktische Minke für Wanderungen von Volksschülern. 40 pf. — 98. Die sozialen Probleme der Gegenwart im Religions unterrichte. 50 pf. — 99. Unsere Kolonien im Schulunterricht. 40 pf — (00. De. Philipp Mirtgen. 40 pf. — (0(. Die Deutsche Kolonie: Deutsch-Dstafrika. Line Lehrprobe. — Welche Bedeutung hat das Lehrerbesoldungsgesetz für den Lehrer? 40 pf — (02. Comenius u pestalozzi L. szenische Dicht, f. Lehrer- und Schulfestlichkeiten. 40 pf. 5 Rollenexempl. ( ITT. — (05. Lehrer u Rektoren. -(0 pf. — (04 Die Fachschulaufsicht in der Volksschule. -(0 pf. — (05. Die Bestimmungen über das höhere Mädchenschul wesen. 25 pf. — (06. Religion und Religionsunterricht. 40 pf. — (07. Hetzer Akt der Apperzeption ist ein Schritt vom Chaos zum Kosmos l -(0 pf — (08 Phantasie und Schule. 40 pf. — (09. lieber Jugendgerichte und Fürsorgeausschüsse. 4(0 pf. — ((0. Die Behandlung der deutschen Kolonien im Unterricht der Volksschule. -(0 pf. Wird fortgesetzt. Mn im dkiilslhcii §ch»lh»jk. Von C. Ziegler. 4.50 M., hocheleg. geb. 5.50 M. Feierstunden. Ein Gedenkbuch für deutsche Lehrer. Herausgegeben von C. Vademacher, Scheine, Backes. 3 M., eleg. geb. 4 M. Hans und Schule. Von Prof. Dr. El'chweiler. 1,25 M., geb. 2 M. Das Kehrer AKC. Gewidmet allen Lehrern, deren freunden und Förderern der Volksbildung. Von A. Treu, 2. Auflage. 50 Pf., in elegantem Gelcbenksbande 1 M> Druck von Jeztorsky & Koch in Bielefeld. ' '; 'L K A U . L j J
