Das Tierreich. Jfür die Jugend liearöeikek von Dr. G. Kode. Mt 10 Aarventafeln nach Griginalzeichnung des Verfassers und vielen Lertissustrationen. Berlin NO. Druck und Verlag von A. Wrichert Neue Konigstrage g. . t,,0 lern’ der Tieres Wesen Ergründen und versteh’», Dann läßt sein Ang' dich lesen Ein stummer, Heister Fleh’n; ES steht darin geschrieben lind faßt dich mahnend an: „Dn hast ein Herz znm Lieben, Sei uns auch kein Tyrann!" I, Sirtjtcnftcin. Uormort. mir von der Verlagsbuchhandlung des Herrn A. Veichert der Auftrag wurde eine Naturgeschichte für die Jugend auszuarbeiten, konnte ich lange mit mir nicht einig werden, in welcher Weife ich diese Aufgabe lösen sollte. Während der Verleger wünschte eine Natur geschichte aller drei Reiche in einem Bande herauszugeben, sagte ich mir ein derartiges Werk hat nur einen sehr geringen Wert; denn durch den knappen Raum war es dann nur möglich eine systematische Auf zählung so und so vieler Arten zu geben, die von der Jugend garnicht beachtet wird. Nach manchem Überlegen kam ich zu dem Entschlüsse, dem auch von der Verlagshandlung beigestimmt wurde, jedes der drei Reiche besonders zu behandeln. Hierdurch wurde der, wenn auch noch knappe Raun: verdreifacht, sodaß ich nun kurze Schilderungen im Terte aufnehmen konnte, die allen anderen Naturgeschichten, die den selben Zweck verfolgen, fehlen. Um nun aber das Lehrbuch nicht ganz aus dem Auge zu lassen, habe ich jeder Familie eine ganz allgemein gehaltene Charakteristik beigefügt. Ein wissenschaftliches Lehrbuch dagegen soll ineine Natur geschichte nicht sein, sie ist nur zur Unterhaltung für die Jugend be stimmt und soll derselben einen Einblick in das manigfach reiche Leben und Weben der Natur gestatten. Sie soll helfen, der Rohheit und Grausamkeit gegen die Tierwelt ein Ziel zu setzen und der Jugend Liebe zur Natur einflösen. In derselben Weise behandelt erscheint später das Manzen- und das Mineralreich. Für das bereitwillige Entgegenkommen des Herrn Verlegers be treffs der Ausstattung des Werkes kann ich nicht umhin, demselben hier noch einmal meinen besten Dank auszusprechen. Der Verfasser.HiirleiLung. ^xlles, was nicht durch deu Aienschen geschaffen vder verändert wurden ist, die Stoffe, ans denen die Welten und ihre Bewohner, organischer oder unorganischer Art, bestehen, die Kräfte, von denen die Gestirne gelenkt werden, nennt man mit einem Worte Natur. Die Natur ist der Inbegriff alles Erschaffenen, der Körper und der Kräfte. Weit eilt der Blick dabei über Formen und Farben jeder Art. Bon der unruhigen Beweglichkeit des höheren Tieres wendet er sich zu den kleinsten Wesen, von ihnen geht er zur sanften grünen Decke des irdischen Pflanzenlebens, von hier steigt er tief in die Erde hinein, er sieht dort die Gänge des funkelnden. Erzes sich durchs Gestein winden, er überschaut die Schiebungen der Schichten, er um spannt die ganze Welt. Und weiter von dieser Welt, die ja nur ein kleines, winziges Pünktchen inmitten anderer Welten ist, eilt der Blick, er geht ins All hinaus, wo Stern an Stern anfflannnt, wo sich keine Schranke findet, wo cs keinen Abschluß gicbt. Auch der Mensch, die Krone der Schöpfung, steht keineswegs außerhalb der Natur, er ist aus denselben Stoffen aufgebaut, und wird von denselben Gesetzen beherrscht wie alle übrigen Körper. Gleich jenen ist er nur eine vorübergehende Erscheinung auf der Erde; gleich bleibt er sich nie; denn rastlos weiter drängen ihn, wie die anderen Natnrkörper, die Urkräfte in ihrer nimmer ruhenden schöpferischen Thätigkcit. Die Natur kennt keinen Bestand außer dem Wechsel. Ewig schafft, bessert und vervollkommnet sie dasjenige, was da ist. Was sie hervorgebracht hat, kommt nie wieder, was sie hervorbringt, war noch nie: alles ist neu, alles seiner Zeit entsprechend. Aber dieser ewige Wechsel, er vollzieht sich nur langsam. Ungeheure Zeiträume vergehen und können vergehen, bevor er bemerkbar ist, aber, daß er vorhanden ist, zeigt uns die Natur selbst. Wie in einem Buche können wir diesem Wechsel folgen; denn die Erde hat uns in ihren Schichten6 manches vorweltliche Lebewesen*) versteinert aufgehoben, desgleichen sie jetzt lebend nicht mehr besitzt. Umwälzungeil der Erdoberfläche bewirken ein Anfhören der Lebensbedingungen und damit notwendig Zusammengehend eilt Untergehen des Lebenden. Weitn auch so die erste organische Welt endigte, so doch nicht ihre Spur. Es bewährte sich so gleichsam von Uranfang an das ewige Gesetz: „Nichts ist ver gänglich in der Schöpfung!" Auf einen derartigen, mehr oder minder allgemeinen Tod folgte ein neues Leben, auf den erstell Untergang eine neue Schöpfung. Weitere Umwälzungen, die unsere Mutter-Erde über sich ergehen lassen mußte, gruben mit den Leichnamen der durch sie vernichteten Geschöpfe weitere Schriftzeichen in die Erde; aber immer lebte ans dem großen Tvtenselde wieder eine ileue Welt auf. Jeder Tod veredelte das Leben, deilii jede Auferstehung gab der Erde vollständigere Gestalten zurück, obwohl auch einige zurückgebliebene wieder mit anftrateii. Alle diese untergegangenen Tiersormen waren Vorgänger jetzt lebender Arten, ohne jedoch die Vollkomliienheiten ihrer Nachkommen zu besitzen. Die Naturgeschichte der Tiere ilennt liian Zoologie. Alles, was Tier heißt, im iveitesteil Umfange, gehört in ihren Bereich. Empfindung und willkürliche Bewegung, beide bilden die charakteristischen Merkmale des Tieres. Ganz bestimmte und scharfe Kennzeichen zur Unterscheidung zwischen Tier und Pflanze zu finden, ist nicht lnöglich, eine Bewegung, wenn auch nur beschränkt, muß auch der Pflanze zngesprochen werden, daher verschmelzen Zoologie und Botanik beide in einander, beide gehen vereint teilweise denselben Weg der zur Mineralogie führt. In der gesammten Organisation zwischen Tier und Pflanze be steht dennoch ein durchgreifender Unterschied. Das Tier besitzt auch bei festsitzender Lebensweise eine Menge von Organen, die bei der Pflanze fehlen. Ersteres weist eine Mundöffnnng auf, durch welche feste und flüssige Nährstoffe ausgenommen werden, es besitzt einen mehr oder weniger komplizirten Darm zur Verdauung derselben, weiter Hai es mancherlei Anhänge, Ivie Leber und Speicheldrüsen, welche bei der Verdauung Mitwirken, ein Gefäßsystem, welches die verdauten Teile aufsangt und mit Hilfe des Herzens in alle Teile des Körpers führt, *) Vorwcltliche Lebewesen sind Geschöpfe, die zu einer Zeit die Erde bewohnten, wo t§ noch keine Menschen gab.Hinweis Fehlende Seite(n) oder AngabenHinweis Fehlende Seite(n) oder AngabenHinweis Fehlende Seite(n) oder AngabenHinweis Fehlende Seite(n) oder Angabenin dunkelgefürbtes und kehrt in den rechten Vorhof des Herzens zurück. Hier wird das zur Erhaltung des Lebens nicht mehr taugliche, dunkler gefärbte Blut umgewandelt, in die rechte Herzkammer getrieben, welche es den Lungen zufnhrt, wo cs mit der Luft in Berührung kommt. Von hier frisch gereinigt strömt es durch den linken Vorhof zur linken Herzkammer und beginnt dort feinen Weg von neuem. In der Bauchhöhle befinden sich die Er- nährungsorgane. Iln- mittelbar unter dem Zwergfell liegt der Blagen. Er besitzt eine Schleimhaut, welche durch die in ihr befind lichen Magenschleimdrü sen den Magensaft ab sondert, der die Nahrung dige Galle absondert, Bauchhöhle. Die Empfindung, des Tieres hat seine Grundla ge in dem Ner- venshstem, wel ches bei den Säugetieren die höchste Voll kommenheit be sitzt. Das Ncr- venshstem glie- 6>g. 4. Stummem bcS Herzend. und mehr dein zersetzt, sie in Speise- saft umwandelt. Dieser Speiscsaft ist eine weiß liche, zähe, schleimige Flüssigkeit, welche von Sangadern anfgesogen und dem Blute zugeführt wird. Die Teile der Nahrung, ivelche nicht aufgesaugt werden, ge hen durch den Dickdarm als Ausscheidung ab. Der Darm ist bei Fleisch fressern meist kurz, bei Pflanzenfressern dage gen sehr lang. lieber dem Mageir befinden sich auch noch die Leber, welche die zur Verdauung notwen- Rücken zu die Nieren in der Wahrnehmung und das ganze geistige Wesen dert sich in die Centralteile: Gehirn, ver längertes Mark und Rückenmark, welche in inni gem Zusam menhänge ste hen, und den, von diesen Teilen ausgehenden, im ganzen Körper verlaufenden Nerven- räden. Der Sitz des Gehirns ist in der Schädelhöhle, der des Markes Fig. 6. Gehirn dctz Menschen.12 in der Wirbelsäule. Vom Gehirn aus gehen die Sirmesnerven nach den Sinnesorganen, von dem Rückenmark die Gefühls- nnd Bewegungs nerven. Die Sinnesorgane sind ungemein hoch entwickelt. Sie heißen Gesicht, Geschmack, Geruch, Gehör und Gefühl. Der Gesichtssinn, dessen Organ das Auge, ist nächst dem Gefühls sinn am meisten im Tierreiche verbreitet. Das Auge ist doppelt vorhanden, beweglich, und besteht ans drei ineinander steckenden Häuten: der Netzhaut, der Gefäßhaut und der harten Angenhant. Die Netz haut ist eine netzförmige Ausbreitung des vom Gehirn kommenden Sehnerves. Sie schließt zwei durchsichtige Körper, den runden Glas körper und den linsenförmigen Krhstallkörper ein. Von der Gefäß- Haut wird die Netzhaut umschlossen. Diese ist vorn, über der Krystall- linsc, von der sie nur durch das Angenwasser getrennt wird, braun, grau oder blau und heißt Regenbogenhaut oder Augenstern. In der Mitte, über der Krystalllinse, befindet sich eine runde Oeffmmg, das Sehloch. Innen auf der Gefäßhaut liegt ein schwarzer Farbstoff, lieber der Gefäßhaut befindet sich die harte Angenhant, welche den ganzen Augapfel umschließt. Der Sitz des Geschmackes ist die mit Nervenwärzchen besetzte Zunge. Das Organ des Geruchssinns ist die vielgestaltene Nase. Sie besteht ans zwei Höhlen, die mit einer nervenreichen Schleimhaut ansgekleidct sind, und mit der Nachenhöhle in Verbindung stehen. Der Sitz des Gehöres ist das Ohr. Gleich dem Auge ist das Gehörsorgan ein sehr zusammengesetztes. Es besteht ans drei Ab teilungen: das äußere, mittlere und innere Ohr. Das äußere Ohr teilt sich in: Ohrmuschel, äußerer Gehörgang und Trommelfell. Die größte Vertiefung der Ohrmuschel führt in den lufthaltigen, von Knorpel und Knochen gebildeten, etwas gekrümmten Gehörgang, welcher durch das Trommelfell vom mittleren Ohr getrennt wird. Das mittlere Ohr wird ans Pauken- oder Trommelhöhle, Gehörknöchelchen und Ohrtrompete gebildet. Die Trommelhöhle ist mit Luft gefüllt und steht mit Mnnd- und Nasenhöhle in Verbindung durch die Ohrtrompete. Nach außen hin wird die Paukenhöhle vom äußeren Gehörgange durch das Trommel fell, nach innen hin durch eine mit zwei Oeffunngcn durchsetzte Wand vom inneren Ohr getrennt. Diese beiden Oeffnungen nennt man das runde und das ovale Fenster, beide sind durch je eine dünne Haut18 abgeschlossen. Die Trommelhöhle hindurch zieht sich vom Trommelfell bis zum ovalen Fenster hin eine Keile kleiner, untereinander zusammen hängender Knöchelchen, die Gehörknöchelchen, nach ihrer Form als: Hammer, Ambos und Steigbügel bezeichnet. Diese Knöchelchen sind untereinander beweglich verbunden. Der wichtigste Teil ist das innere Ohr. Es ist ein Hohlraum und führt den Namen „Labyrinth." Es besteht aus: Vorhof, Schnecke und drei Bogengängen, letztere alle drei mit Hörwasser gefüllt. In der Mitte des Labyrinthes liegt der Vorhof, er hat eine längliche Gestalt; von ihm gehe» nach hinten drei 0 förmig gekrümmte Kanäle, die Bogengänge ans. Im vorderen Teil liegt die Schnecke, ein 2L- Windnngcn beschreibender Kanal, dessen Basis nach unten, und dessen Spitze nach außen gerichtet ist. Die Schnecke teilt sich durch die Spiralplatte in zwei Gänge oder Treppen, deren obere engere aber längere Treppe ihren Eingang im Vorhof hat und demnach Vorhofs- trcppe genannt wird; die untere Treppe führt den Namen Pauken treppe, weil sie an dem runden Fenster der Paukenhöhle ihren Anfang nimmt. Die ganzen Wandungen des Labyrinths sind von zarten Häuten und Säckchen überkleidet, in welchen sich die schallempfindenden Endorgane des vom Gehirn kommenden Gehörnerven verbreiten. Die Wahrnehmung eines Tones, Geräusches ec. geht folgenden Weg: die zur Ohrmuschel gelangenden Töne werden durch den Gehör gang zum Trommelfell geleitet, hierdurch gerät dieses in Schwingungen und überträgt dieselben durch die Gehörknöchelchen und das Labyrinth wasser auf die Gehörnerven. Der Gefühlssinn hat seinen Sitz in der, die ganze Oberfläche des Tieres bedeckenden Haut. In derselben endigen Nerven, die aus dem Gehirn und dem Rückenmark entspringen. Ihre Enden sind mit feinen Bläschen und Anschwellungen versehen. Als Empfindungen unterscheiden wir: Taft-, Orts-, Druck- und Temperatnrempfindungen, daher setzt sich der Gefühlssinn ans diesen zusammen. Eines der wichtigsten Merkmale der Säugetiere ist, daß sie ihre Jungen mit Milch, einer eigenthümlichen, zuckerhaltigen Absonderung, eine gewisse Zeit lang nach der Geburt säugen. Die Nahrung der alten Säugetiere ist eine sehr verschiedene, und begreift fast alle tierischen und pflanzlichen Stoffe in sich. Die Raubtiere, ich verstehe hierunter nur die Fleischfresser, bedürfen zu ihrem\ / — H — Unterhalte des Fleisches anderer Wirbeltiere, welche sie durch Naub- erjagen; anderen Arten sind dagegen zu ihrer Ernährung hauptsächlich Weichtiere, Insekten und Würmer notwendig. Die Pflanzenfresser verzehren teils ganze Pflanzen, teils nur Teile derselben, oder Früchte und Sämereien. Viel Arten dagegen ziehen eine gemischte Nahrung vor. Die meisten Arten bedürfen, um ihre Fähigkeiten vollständig ausüben zu können, einer reichlichen Nahrung, andere Arten können auch für längere Zeit dieselbe vollständig entbehren, verfallen dann, aber in einen Monate dauernden Winterschlaf. Die weit überwiegende Mehrzahl aller Säugetiere bringt ihr Leben ans dem festen Lande zu, einige Arten dagegen halten sich haupt sächlich im Wasser auf, anderen ist auch das Reich der Luft nicht ver schlossen. Nicht wenige wählen die Waldbänme zu ihrem dauernden Aufenthalt. Mit einem großen Geschick klettern sie in den Zweigen und verlassen ihre luftige Wohnung nur gezwungen. Ein anderer Teil wühlt sich unter der Erde lange Gänge und tiefe Höhlen, zeigt sich nur zeitweilig dem Tageslichte, um dann Nährstoffe in seinen unterirdischen Ban zu schaffen. Die größten Formen bewohnen die Weltmeere, sie sind auf einen dauernden Aufenthalt im Wasser ange wiesen, oder betreten das Ufer nur ans kurze Zeit. Ein geselliges Leben ziehen die meisten Säugetiere einem andern vor. Zn oft großen Herden geschart, übernimmt ein besonders kräftiges und schönes Männchen die Leitung und diesem Oberhauptc gehorchen alle zur Herde gehörigen Tiere. Bei der Vermehrung ist besonders die Regel fest zu halten, daß die großen Säugetiere weniger und in längeren Zeiträumen Junge zur Welt bringen, als die kleinen, bei denen die Nachzucht häufig sehr stark ist und in kurzen Zwischenräumen erfolgt. Die Ent wickelung der Jungen steht im Verhältnisse zu ihrer Größe; kleine Säugetiere sind innerhalb weniger Wochen ausgewachsen, bei den großen schreitet die Ausbildung langsamer vor und nimmt oft Jahre in Anspruch. Ebenso verschieden ist die Lebensdauer, welche nur bei wenigen großen Tieren dreißig Jahre überschreitet. Die Zahl der jetzt lebenden Säugetierarten, soweit solche bekannt sind, beträgt wenig über 2000. Vorweltliche Säugetiere, deren ver steinerte Ucberrcste sich in den verschiedenen Gebirgsschichtcn finden, kennt man etwa 800 Arten. Für den menschlichen Haushalt sind viele Säugetiere von großemNutzen. Der Mensch benutzt die Kraft und Geschicklichkeit der größere Säugetiere zu den mannichfachste Verrichtungen. Er nährt sich von ihrem Fleische, bekleidet sich mit ihrem Fell, benutzt ihre Haut, indein er sie zu Leder verarbeitet, ja einige von ihnen geben dem Menschen wirksame Arzneimittel. Ihre tierischen Auswürfe dienen znm Düngen, oder getrocknet zur Feuerung. Andere Arten dagegen sind dem Menschen schädlich, vernichten seine Nahrungsvorräte, lauern ihn selbst ans, nur ihn zu verzehren, gefährden afto sein Leben. Letztere Arten werden auf alle Weise verfolgt, während die nützlichen Tiere möglichst ge schont werden. I. $jani>tim (Primater). 1. Affe» (Simiae). Die zuerst angeführten drei Affen tragen den Namen „Menschcn-Affen" oder „Waldmenschen". In der That, ans den ersten Blick erscheint die Aehnlichkeit zwischen Affe und Mensch bei diesen Tieren so groß, daß wir die Vorstellung der Araber erklärlich finden, welche jene als entartete, ver worfene Menschen mit Abscheu betrachten. Allein es ist dieses mü der erste Blick, welcher einen solchen Vergleich aufkommen läßt; denn durch eine genaue Beobachtung und vergleichende Untersuchung läßt sich der große Abstand zwischen Affe und Mensch hinlänglich darthnn. Nähert sich auch die Leibesgestalt der Menschenaffen am meisten dev nnsrigen, so erscheint sie uns gerade deswegen als eine widerliche Fratze. Der Brustkorb dieser Tiere ist wie beim Menschen von vorn nach hinten flach gedrückt; der gewöhnliche Gang ist halb aufrecht, zwischen dem Gange des Tieres iwib dem des Menschen die Mitte haltend; Gesicht und Schädel sind in der Jugend am menschen ähnlichsten, im späteren Alter jedoch treten die Kiefer stark hervor und drohend, raubtierartig wird das Gebiß dann durch die fürchterlichen Eckzähnc. Am menschenähnlichsten ist von den drei hierher gehörenden Arten der Schimpanse (Troglodytes uiger). Sein Gesichtsausdruck ist ein sanfter; das faltige Gesicht ist gelblich, zwischen den Augen und auf dem Nasenrücken dunkler, die Lippen sind rot, Hände und Füße braun, die übrige Haut ist schwarz wie die Behaarung. (Tafel 1, Fig. 2). Die Neger Westafrikas glauben, daß der Schimpanse einst ein Mitglied ihres eigenen Stammes gewesen, aber wegen seiner schlechten16 Aufführung aus dcr menschlichen Gesellschaft ausgestoßen und dann immer weiter heruntergekommen sei. In seiner Heimat, am Kongo, lebt der Schimpanse in Familien oder Herden, klettert oder springt mit großer Gewandtheit von Zweig zu Zweig in den Urwaldbänmeu, hält sich auch häufig am Boden auf und geht dann hier auf den Hinterhänden umher, wobei er er die Vorder- chände im Nacken zusammcnlegt, um sich im Gleichgewicht zu halten. In den Wipfeln der Bäume baut er sich große Nester und versieht sie mit einem Schntzdache gegen Regen und Wind. Seine Nahrung besteht ans Fruchten, Nüssen, Blatt- und Blütcuschößlingcn. Jung in Gefangenschaft gekommen zeigt sich das Tier klug und wißbegierig, hängt mit einer rührenden Liebe an seinen Herrn, ist stets rege und thätig und zn allerlei neckischen Streichen aufgelegt. Menschlich setzt das Tier sich zn Tische, bedient sich der Gabel, des Messers und des Löffels, ißt ohne Zandern von allem, was auf getragen wird, schenkt sich den Wein ein, stößt mit seinen Tischgenossen an,. trinkt Thec, den er sich mit Zucker versüßt hat, schüttet das Getränk in die Untertasse, wartet aber geduldig bis es erkaltet ist und wischt sich nach beendeter Mahlzeit mit dcr Serviette den Mund ab. Ein gefangenes Männchen wurde auf einem Schiffe krank. Der Schiffsarzt ließ das Tier zur Ader, worauf sich das Befinden des Patienten besserte. So oft sich nun später das Tier unwohl fühlte, ging es zu seinem Wohlthätcr und hielt ihm den Arm hin. Noch weit mehr Geschichten lassen sich über die Klugheit des Tieres erzählen, doch möge dieses genügen. Schimpanse, die zn uns von ihrer Heimat gebracht werden, halten nie lange in unserem Klima aus, die meisten werden schon im ersten Jahre von der Lungenschwind sucht dahingerafft. Aehulich wie der Schimpanse, vollbringt auch der zlveite Menschen affe, der Orang-Utang (Trogloclytes satyrus), sein Leben. Er bewohnt die sumpfigen Waldniederungen der Insel Borneo. Das Tier zeichnet sich vor allen anderen Affen der alten Welt durch sein träges, bedächtiges, tiefernstes Wesen ans. Im ganzen ist es friedlich und unschwer zu zähmen. Der Orang-Utang ist von den Waldmenschen am längsten bekannt Seine Größe erreicht die beträchtliche Höhe von 1,35 in. Sein Kops spitzt sich im Alter kegelförmig zu, der Unterkiefer überragt bedeutend den Oberkiefer und die Schnautze tritt auffallend hervor. Seine17 Behaarung ist auf Nucken und Brust spärlich, dagegen reichlich und lang au den Seiten, im Gesicht bartähnlich. Die Farbe der Haare ist dunkel rostrot. Gesicht und Handflächen sind nackt und schiefergrau. Der Hals ist kurz, vorn faltig, mit großem, aufblasbarem Kehlsack. Der Bauch tritt stark hervor. Seine Nahrung besteht aus: Obst, Blätter und Knospen. (Tafel 1, Fig. 1). Nur die Jungen und Weibchen leben zu kleinen Trupps bei sammen, während die alten Männchen griesgrämig ihre eigenen Wege wandeln. Alle sind rastlos umherschwcifende Tiere, welche von Ort zu Ort wandern. Wenn sie nicht durch hohes Alter zum Klettern unfähig geworden und ans den Boden angewiesen sind, treiben sie sich in den dicht belaubten, mit Farnen und Schmarotzerpflanzen bewachsenen Bäumen umher, auf denen sie zwar nicht den Anblick flüchtiger Kletterer bieten, aber doch bei aller Schwerfälligkeit der Haltung mit der größten Sicherheit ihr Ziel verfolgen. Nebcrfällt den Orang-Utang die Nacht, so baut er sich an einer ihm zusagenden Stelle durch Zusammenbiegung der Zweige, sowie durch Abreißen derselben eine Lagerstätte, die er noch außerdem vor sorglich mit Laub ansfüttert. Aus dieses Nest legt er sich nach Art des Menschen nieder, schützt sich auch, falls cs nötig, durch eine Laub- dcckc vor Kälte. Wird dieser Waldmensch verfolgt, so bricht er Aeste und Zweige ab und wirft dieselben ans seinen Gegner. Das Tier besitzt eine große Kraft und versteht es auch, sich mit seinen langen Armen nnb dem fürchterlichen Gebiß gut zu verteidigen. Alte Tiere zu fangen, ist vollständig unmöglich. Jung dagegen, vom Menschen aufgezogen, wird das Tier sehr- zahm, geht mit Hilfe eines Stabes aufrecht, gewöhnt sich an Rein lichkeit, wäscht sich Hände und Gesicht, geht mit dem Eßgeschirr sehr sorgfältig um, macht sich seine Lagerstatt mit einer großen Umständ lichkeit zurecht und legt ein verständiges, gutmütiges Wesen an beu Tag. Leider hält auch dieser Waldmensch nie lange in unserem Klima aus, er stirbt bald an der Schwindsucht. Der letzte der drei Waldmenschen, der Gorilla, (Troglodytes gorilla) ist der größte und stärkste aller Vierhänder. Er bewohnt die Wälder Westafrikas. Das Gesicht, ein Teil der Brust, die inneren Handflächen und die Fußsohlen sind nackt, alle übrigen Teile braun Das Tierreich.18 ober schwarz behaart. Bedeutend größer und stärker als seine beiden Verwandten, hat ihn die Natur zu einem furchtbaren Tiere gemacht. In den einsamsten und dunkelsten Stellen des dichten afrikanischen Niederwaldes, bewohnt er die tiefen, bewaldeten Thäler. Gleich alten Orallg-Utangs sind die alten Gorillas griesgrämige Einsiedler, die ihres Lieblingsfutters, des Zuckerrohres wegen, oft weit umherschweifen. Der gewöhnliche Gang des Tieres geschieht nicht auf den Hinterbeinen, sondern auf allen Vieren. Bei dieser Stellung werden Haupt und Brust bedeutend erhöht, weil die Arme verhältnismäßig sehr lang sind. Läuft das Tier schnell, so setzt es die Hinterbeine fast bis über den Leib vor, und immer bewegt es beide Glieder einer Seite zu gleicher Zeit, wodurch ein wackelnder Gang entsteht (Paß). Stellt sich dae Tier aufrecht, so biegt es seine Kniee nach auswärts. Schon als junges Geschöpf ist der Gorilla außerordentlich stark. Ein, einem Reisenden gehöriges 2 1 /» Jahre altes Tier, konnten vier starke Männer nicht festhalten. Nur mit der Flinte kann der alte Gorilla erfolgreich angegriffen werden: da, wo die Neger keine solche Waffe haben, durchzieht das Untier unbelästigt als alleiniger Herrscher den Wald. Wird das alte Tier angegriffen, so nähert es sich mit kurzen Schritten dem Jäger, stößt von Zeit zu Zeit sein donnerndes Gebrüll aus, ab und zu mit den Fäusten seine Brust schlagend, daß es weit hin dröhnt. Dabei blickt es wütend mit seinen kleinen, tiefliegenden grauen Augen, die in einem unheimlichen Glanze funkeln, und mit vor Wut verzerrtem Gesichte, seinen Gegner an. Die dünnen scharf ge schnittenen Lippen, welche zurückgezogen werden, lassen die gewaltigen Reißzähne und die furchtbaren Kinnladen erblicken, in denen ein Glied wie nichts zermalmt wird. Ruhig steht der Jäger, das Gewehr angeschlagen in der Hand,, und erwartet den unheimlichen Feind, der furchtlos näher kommt. Endlich ist die Gelegenheit günstig, der Finger berührt den Drücker, der Schuß kracht und vorwärts auf sein Gesicht, die langen Arme vorgestreckt, mit dem letzten Atem ein Todesröcheln, halb Brüllen, halb Stöhnen ausstoßend, fällt das Tier, durch die Brust geschossen, zu Boden. Nicht immer aber laufen derartige Zusammentreffen so glücklich ab. Trifft der Schuß kein edles Organ, besitzt das Tier noch Kraft genug, so stürzt es sich auf den Jäger, ein einziger Schlag mit der.19 vön mächtigen Nägeln bewaffneten Hand, die Brust des unglücklichen Schützen ist zertrümmert, ein anderer und sein Schädel zerschmettert. Dieser furchtbaren Wildheit des Tieres wegen gelingt es nur selten einen jungen Gorilla lebend zn fangen; seine oft rasende Un- bändigkeit legt sich auch in der Gefangenschaft nie ganz; so zutraulich, geweckt und lustig wie seine beiden Verwandten, wird der Gorilla hier nie. Zil der Familie der Affen gehört noch der schwarze Gibbon (LFlopatos lar). Wie schon der Name ansagt, ist sein Körper von einem schwarzen Haarkleide umgeben, während sich um das Gesicht ein weißer Haarkreis zieht. Das Tier lebt in Ostindien. Auch der einzige europäische Affe, der Magot (Inuus ecaudatos), der auf den Felsen von Gibraltar sich aufhält, gehört zu dieser Familie. Das Tier hat einen schmächtigen Körperbau und lange, schlanke Gliedmaßen. Der Leib wird von einem, an der Oberseite gelbgrauen, an der Unterseite helleren Pelz bedeckt. Der Kopf ist rundlich und zeigt ein kahles, runzliches Gesicht mit einer schmalen Schnauze. Im ganzen ist das Tier gestreckt, aber nur schmächtig gebaut. Der Schwanz ist sehr kurz. An: Ende des Körpers befinden sich kleine, unbehaarte, mit einer harten Haut bedeckte, blaßrote Stellen, auf welche das Tier sich setzt, welche daher Gesäßschwielen genannt werden. Die Arme, und Beine sind ziemlich stark und fast gleich lang. Die Hände zeigen eine fleischige Farbe. Die eigentliche Heimat des Magot sind die Länder jenseit des Mittelmeers, Marocco, Algier und Tunis. Er nährt sich von Früchten, Wurzeln, Blättern, Kerbtieren und Würmern. Munter klettern die zn Gesellschaften oder zu kleinen Trupps gescharten Tiere unter Leitung alter, erfahrener Männchen auf den Felsen umher. In ihrem Wesen sind die Tiere gutmütig, aber klug, listig und verschlagen. Gegen Feinde, deren sic besonders in dem Menschen besitzen tvo sie sich in großer Zahl zeigen und die Felder plündern, verteidigen sie sich, in die Enge getrieben, mit ihrem vor trefflichen Gebisse. Der Magot ist leicht zu zähmen und tvird dann zu allerlei Kunststücken abgerichtet. Er ist seit alten Zeiten ein beständiger Be gleiter der Kameelführer gewesen, fehlt noch jetzt keiner Tierbudc und keinem Affentheater und weiß Alt und Jung durch feine verschiedenen20 schnell wechselnden Gcmütserregungcn, welche er durch die manigfachstei! Fratzen Ausdruck verleiht, zu fesseln. Weitere Arten dieser Familie sind: der gemeine Makak, dnuus cynomolgus). Derselbe ist oben grünlich-braun; die Ohren und Hände sind schwärzlich. Das Tier ist sehr häufig im indischen Archipel. Der Mvhraffe (Cercopithecus fuliginosus). Dieser trägt einen schiefer- oder griinlichweisien Pelz, und ist häufig am Kongo. Die grüne Meerkatze (Loreopitlmeus sabaceus). An der Oberseite ist das Tier gelbgrün, unten weißlich. Das Gesicht ist sch^v^^e Spi^^des ^Schwanzes gelblich. ^ Ar^eiii^^^^e ' ckm ^chtci^ '^' Backen- rotbraunen 7 ' ® iannaffc ' Kinnbart. Alle diese letzten, kurz beschriebenen Arten, gehören zu den be weglichsten, schönsten und gutmütigsten Tieren der ganzen Affenfamilie. Alle bewohnen die tropischen Urwälder Afrikas, und alle weisen eine zierliche, schlanke Körperform ans. Der rundliche Kopf, die schlanken Gliedmaßen, die feinen Hände, der lange, als fünfte Hand zu ge brauchende Schwanz und die kurzen, glatten, hübsch gefärbten Pelze verleihen den Tieren ein niedliches Ansehen. Zur Aufsammlung der Früchte besitzen die Tiere Backentaschen, die ihnen bei ihren Nanb- zügen Wohl zu statten kommen. Zigeunerartig Preisen sie in ihrer Heimat umher. Im Klettern sind sie Meister, da ist ihnen kein Wipfel zu hoch, kein Sprung von Ast zu Asi zu weit; nie fällt es den Tieren im Urwalde ein, sich zu verbergen, es scheint, als ob sie ihre Künste21 bewundert wissen wollen. Das stärkste und erfahrenste Männchen ist bei ihren Zügen der Anführer. Dieses zieht stets voraus, giebt acht auf jede Kleinigkeit und zeigt der nachkommenden Schar durch eigen tümliche Töne au, ob sie sich ruhig dem Spiel oder der Plünderung der Felder überlassen, oder ob Gefahr tut Anzuge ist und man sich zum Rückzug bereit halten müsse. Für den Beobachter ist es sehr interessant, eine auf Raub ausziehende Bande zu belauschen. Unter Führung des alten, oft ge prüften nnd viel erfahrenen Männchens zieht die Schar dem Ge treidefelde zu; die Weibchen, welche Junge haben, tragen diese am Bauche. Der Seitaffe geht vorauf, die übrige Herde richtet sich nach ihm Schritt für Schritt, betritt nicht nur dieselben Bäume, sondern sogar dieselben Aeste wie er. Bon einem, dem Felde nahestehenden Baum steigt die Bande ab und in munteren Sprüngen geht es nun dem Frnchtfelde zu. Kaum angekoinmen werden einige Maiskolben oder Durraähren abgerissen, die Körner enthülst und nun mit ihnen die Backentaschen so voll gepfropft, wie nur möglich. Erst nachdem diese vollständig gefüllt sind, wird die Herde wählerischer in der Aus- tvahl der Nahrung. Jede gepflückte Aehre oder jeder Maiskolben wird jetzt erst sorgsam berochen, nnd wenn sie, was sehr häufig ge schieht, diese Probe nicht anshalten, ungefrcssen verächtlich bei Seite geworfen. Aber, ivcun sich die Tiere auch noch so sicher fühlen, beim alle verlassen sich vollständig auf die Wachsamkeit des Führers, der sich auch inmitten der schmackhaftesten Nahrung von Zeit zu Zeit empor richtet nnd Umschau hält, so sind sie doch zu jeder Zeit zur Flucht bereit. Bemerkt der Leitasfe bei seinem Auslugen keine Gefahr, so läßt er beruhigende Gurgeltöne erschallen, kommt ihm dagegen etwas verdächtig vor, so stößt er einen meckernden Ton zur Warnung aus. Augenblicklich sammelt sich jetzt die ganze Schar, jedes Tier sucht in der Eile noch soviel Futter, wie nur möglich aufznraffeu nnd wie es fortbringen kann, nnd in ungehemmter Schnelligkeit geht es dem Walde zu. Hier angekommen, sind die Tiere vollständig geborgen. In den höchsten Wipfeln eines Urwaldriesen lassen sie sich daun nieder, reinigen Fell und Glieder von den, bei der eiligen Flucht anhaftcn gebliebenen Kletten nnd Dornen, nnd begeben sich dann wieder zum Felde zurück, um ihre Spitzbübereien fortzusetzen. Die Eingeborenen, die meistens keine Feuergewehrc besitzen, können22 sich der Affensilage nur durch ein öfteres Verjage» erwehren, de»» alle weitere» Knnstmittel zur Vertreibung dieser losen Geister sind fruchtlos. Obgleich in seiner Körperform abweichend von beit Meerkatzen gebaut, gehört auch der Pavian oder Mandrill (Ozmooopbalim monnon) ZN dieser Familie. Er ist der häßlichste aller Äffen, mit seiner blutroten Nase, den blauen Backen, den lebhaften roten Gesäß schwielen ist er fast abstoßend gu nennen. Sein Haarkleid ist grau- brann, ins grünliche ziehend, die Schnauze ist sehr lang, der Scheitel trägt einen starken Haarwulst. (Tafel 2, Fig. 1). Alle Paviane sind wilde, zornige, unverschämte, tückische Gesellen. Schlau ist ihr Blick, boshaft ihre Seele. Die Felsen der gebirgigen Gegenden Afrikas und Arabiens sind ihre Heimat. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern, Kräutern, Zwiebeln und Knollen, auch verschmähen sic keine Insekten und Weichtiere. Das Tier besitzt eine große Kraft und wird von beu Ein geborenen sehr gefürchtet. Durch den geringsten Anlaß verfällt cs in eine förmliche Raserei, und dann ist es wahrhaft furchtbar. Seine Wildheit ist mit jenen entsetzlichen Stürmen der Wendekrcisländcr ver glichen worden, welche alles vor sich uiederwerfen. Den roten Brüllaffen (Stcntor seniculus) kann ich hier nicht übergehen. Die Färbung seines Pelzes ist rostfarbig, die Glieder und der Schwanz sind kastanienbraun. Er lebt in den Wäldern Guianas, >vo er morgeuds und abends ein lautes, vhrbetänbendes Gebrüll erschallen läßt. Sein Schwanz ist ihm das wichtigste Greifwerkzeug, dessen er sich bei allen Bewegungen als einer unentbehrlichen Stütze bedient. 2. Krallenaffcil (Arctopitheci). Zn den Krallenaffcn gehören kleine südamerikanische Arten von Eichhörnchen-Größe. Die Hinteren Glieder dieser kleinen Tiere endigen in Greiffüßen, die vorderen in Pfoten ohne entgegensetzbare Daumen. Nur die große Hinterzehe trägt einen glatten Nagel, die übrigen Zehen und Finger besitzen Krallen. Es sind scheue und furchtsame Tiere, die sich bei dem geringsten Geräusch scheu verbergen. Als schönsten Vertreter dieser iGattung nenne ich das Löwenäffchen (Hapale rosalia). Das kleine Tierchen besitzt ein goldgelbes Haarkleid und eine um die Schultern wallende Mähne. Es ist äußerst zart und zierlich. Der Pinselaffe (Hapale jacchus) besitzt ein graues Haarkleid23 und lange, Weiße Ohrenbüschel. Sein Schwanz ist braun und weiß geringelt. 3. Halbaffen (Prosimii). Die Halbaffen weichen in ihrer Körperform schon sehr von den eigentlichen Affen ab; sie leben nur in der alten Welt und sind fuchsköpfige, geschickt kletternde Gesellen. Der Katzenmaki (Lemur catta) ist ein hervorragender Ver treter dieser dritten Familie, er trägt einen aschgrauen Pelz und einen langen, lveiß geringelten Schwanz. Am Zeigefinger der Hinterhand besitzt er eine spitze Kralle. Auch der Jndri (Lichanotus Judri) mit seinem schwärzlichen Körper und dem grauen Gesichte gehört hierher. Das Tier ist im Gegensatz zu dem Katzenmaki fast schwanzlos, auch seine sonstige Körperform ist sonderbar; denn die Hintergliedmaßen sind fast doppelt so lang als die vorderen. Der Jndri lebt ans Madagaskar, ist aber auch hier selten. Als letzten Vertreter dieser Familie führe ich beit Galago (Üttolicnus galago) an. Von der Größe unseres Eichhörnchens, lebt dies eigenartige Tier in Mittel-Afrika in den Mimosenwäldern. Die Färbung seines Körperkleides ist grau, unten heller. Die Ohren sind von der Länge des Kopfes und nackt. Am Tage schläft der Galago in zu- sammengerollter Haltung, kommt aber die Dämmerung, so beginnt er sich zu recken und schaut vorsichtig ans seinem Versteck hervor; sobald es aber nun vollends dunkel ist, bclvegt sich das Tier schnell und lautlos und geht der Jnsektenjagd nach. Die Vierhänder sind Säugetiere, bereu Gliedmaßen mit Händen, und deren letzte Fingerglieder mit Nägeln versehen sind. Sie besitzen ein vollständiges Gebiß, haben oft Backentaschen, Gesäßschwielen und Klettcrschwänze. Ihre Heimat sind die Tropenländer; ihre Nahrung besteht aus Früchten und Pflanzen, einige Arten verschmähen audj Insekten und Weichtiere nicht. Die meisten Arten sind muntere, possirliche, scheue und tückische Tiere; alle lassen sich unschwer zähmen und ahmen die Gewohnheiten des Menschen nach.24 II. Handflügler (Chiroptera). 1. Pelzflatterer (Dennoptera). Den Uebergang von heu Affen zu den Handflüglern vermitteln die Pelzflatterer. Ihre Flughaut,, die sich bei allen Handflüglern zwischen Vorder- und Hinterglied- maßcn befindet, ist beiderseits behaart nnd nicht zurückschlagbar gegen den Leib. Sie ist nur als Fallschirm zu gebrauchen, dagegen zum Flattern in der Luft nicht zu verwenden. Hierher gehört der fliegende Maki (Galeopithecus volans). Das Tier besitzt einen rotgrauen Pelz, der unten rostfarbig ist. Seine Nahrung besteht ans Früchten und Insekten. Geschickt klettert das Tier an Bäumen in die Höhe, von denen es in schräger Richtung herabflattern kann. Des Tags über hängt es in den Wäldern an einem bemoosten Baumstamm fest angeklammert und so ruhig, daß es von einem scharfen Auge nur schwer entdeckt werden kann. Des Pelzes und Fleisches wegen wird dem Tiere nachgestellt. Die Heimat des fliegenden Makis sind die Molukken. 2. Fledermäuse (Vespertiliorea). Bei den Fledermäusen ist die Flughaut in der Regel nackt, nnd zurückschlagbar. Die Vorderfüße tragen sehr lange Zehen nnd eine Kralle am Daumen. Die Hinter füße sind kurz und haben freie Zehen. Ausgezeichnet sind die Tiere durch einen feinen Tastsinn soivvhl in den Flughäuten, wie in beit Nascnblättern und an den Ohren. Sie fliegen sehr gut. Der Flug, erreicht jedoch bei weitem nicht die Vollendung des Vogelfluges, er ist nur flatternd, langsam, ohne Kraft und Ausdauer. Einige Ausnahmen jedoch bekunden das Gegenteil hiervon. Mit Hilfe des Daumens vermögen die Tiere an rauhen Stellen zu klettern. Gesellig leben sie in altem Gemäuer, hohlen Baiim- stämmcn nnd halten hier des Winters über einen Winterschlaf. Alle europäischen Arten sind hoch nützliche Tiere, leben nur von Insekten nnd besonders von großen Nachtschmetterlingeu, die sie im Fluge erbeuten; manche außereuropäische Arten dagegen saugen Blut und verzehren kleine Wirbeltiere, andere verzehren saftige Früchte mth ver ursachen hierdurch den Pflanzungen großen Schaden. Der weit verbreitete Irrtum, welcher sagt: die Fledermäuse fressen Speck hat zur Folge, daß sovicle der nützlichen Tiere getötet werden. Von den heimischen Arten nenne ich die gemeine Ohren fledermaus (Vespertilio auritiis). Sie ist eine der größten euro-päischen Arten und zeichnet sich durch die übermäßig verlängerten Ohren, die 22 bis 24 Querfalten besitzen, aus. Bald nach Sonnen untergang fliegt das Tier und ist überall häufig. Die Speckfledermaus (Vosportilio noctula). Der Körper der selben ist rotbraun. Die Ohrdeckel sind halbherzförmig. Das Tier ist in Deutschland sehr gemein. Die gemeine Fledermaus (VespertiHo murinus) besitzt einem schmutzigbraunen Pelz. Der Kopf ist nicht so lang als die Ohren, der Ohrdeckel lanzettlich. Der Kopf ist länglich und dick, die Schnauze stumpf und die Nase glatt. Die Hufeisennase (Vespertiliv hipposiderus) (Figur 8 b.) trägt einen hellgrauwcißen Pelz, der oben ein wenig dunkler als unten ist. Sie lebt von allen Fledermäusen am weitesten im Norden. Ihr Flug ist niedrig. Die Lebensweise aller dieser Tiere ist eine nächtliche; am Tage halten sie sich an dunklen Orten verborgen, wo sie mit dem Kopse nach unten hängen. Nach Eintritt der Dämmerung kommen sie hervor und flattern umher. Da die Flattertiere sehr die Wärme lieben, vermeiden sie die kalten Erdstriche. Deutschland liegt schon an der nördlichen Grenze ihres Verbreitungbezirkes und besitzt nur einige kleine und schwächliche Arten, weiter jedoch nach Süden zu, wird ihre Arten zahl und ihre Körpcrform desto größer. Schon Italien, Griechenland und Spanien weisen bedeu tend größere Arten auf. Wenn dort der Abend sich her absenkt, dann Fig. 8. a. Kops des Pmupir. v. Kopf dor Hufefseniiase. c. Kopf des fliegenden Hundes. kommen die Flattertiere nicht zu Hun derten, sondern zu Tausenden ans ihren Schlupf winkeln. Jedes Haus beher bergt sie, aus jeder Felsen höhle flattern sie heraus, jedes alte Gemäuer läßt sie zum Vorschein kommen. Der ganze Gesichtskreis ist von den Tieren erfüllt; die Schwärme, welche der Abend erweckt, verdunkeln die Luft, llcbcrall sicht man die Tiere sich durch die Luft fortwälzen, überall lebt cs und bewegt es sich zwischen den Bäumen der Gärten, überall schwirrt und flattert es. bald in geringer, bald in bedeutender Höhe dahin. Hunderte kommen.2G . Hunderte verschwinden, ständig ist man von einer schwebenden Schar , umringt. Und weiter erst, in den Tropen, wo in zahllosen Zügen sich die größten Arten zeigen, da ist der fliegende Hund (Vesportili» caninus) (Tafel 2, Fig. 2 und Fig. 8 c.) die größte der frucht- ; fressenden Arten, der in ungeheueren Scharen die Wälder bewohnt. .Seine Flughaut ist zwischen den Schenkeln tief ausgeschnitten. , Während der Tagesstunden hängen die Tiere in ganzen Klumpen , zusammen an den dunkelsten Stellen des Waldes, und mit ihrem rötlich- bräunlichen Haarkleide scheinen sie dann Fruchte des Baumes zu sein. Auch der berüchtigte Vampir (Vespertilio spectrum) (Fig. 8 a.) findet sich in den Tropen. Reichlich mit ihr gesegnet sind die Wal dungen Süd-Amerikas,, besonders Guiana. Das Tier besitzt einen blattähnlichen Ansatz an der Nase und in der Ohrmuschel, einen dicken , 5topf, vorragendcn Unterkiefer, höckrige Unterlippe und eine lange, . wurmförmige, an ihren Enden mit Warzen besetzte Zunge. Obgleich das Tier sich meistens von Insekten nährt, saugt es auch des Nachts . größeren Säugetieren, auch ivohl schlafenden Menschen, das Blut ans. Tie hierdurch verursachten Wunden sind nie gefährlicher Natur. Die , Vampire nähern sich den zu beraubenden Tieren, fächeln ihren Opfern eine höchst angenehme Kühlung zu und senken sich dann voll hernieder. Die Wunde, welche sic dem Geschöpfe beibringen, ohne das dieses einen Schmerz empfindet, ist rund oder länglich und hat nur eine ganz .geringe Tiefe, so daß sic kaum die Haut durchdringt. Man erkennt sie , an den aufgetriebenen Rändern. Mittel zur Heilung brauchen nie an- . gewendet werden, da die Wunde sich selbst bald schließt. Weil die Tiere keine Gefahr bringen, auch blos in jenen Nächten sangen, in denen es ihnen an anderer Nahrung fehlt, fürchten und verwahren sich die Eingeborenen nie vor ihnen. Der Gang aller Flatkerticre ist ein erbärmliches Dahinhnmpeln; doch vermögen auch einige Arten schnell zu laufen. Pflegen sie der Ruhe, so häkeln sie sich mit den Krallen der Hinterbeine an einem , hochliegenden Gegenstand an und lassen den Körper abwärts hängen. .Alle sind ausgesprochene Nachttierc und verbringen den Tag in der Lczeichncten Stellung schlafend. Fattertiere sind Säugetiere mit langen Vordergliedmaßen und langen Zehen, zwischen denen, dem Rumpfe und den Hintcrgliedmaßen, eine Flughaut ausgespannt ist. Ihr Daumen ist kurz und bckrallt.27 Ihr Gebiß ist vollständig. Alle Arten sind Dämmernngs- oder Nacht- , iicrc. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, Pflanzenstoffen und Tier- . bluff Die im Norden lebenden Tiere halten einen Wittterschlaf und , hängen sich dabei mit der Daumenkralle oder den Hinterfüßen fest ntt , rauhe Gegenstände. III. Raubtiere (Carnivora). 1. Insektenfresser (Insectivora). Die insektenfressenden Raub tiere sind kleine, meist nächtlich lebende, den Nagern ähnliche Tiere, die ein unterirdisches Leben führen und sich von Insekten und Würmern, höchstens von kleinen, schädlichen Wirbeltieren nähren. Ihrem unterir dischen Leben angepaßt, ist ihre Schnauze in der Regel rüffelförmig. Im großen und ganzen gehören zu dieser Familie Gestalten, die keinen scharf ausgeprägten Charakter tragen, sondern Züge, welche ihr Wesen zusammensetzen, als aus aller Welt entlehnt. In leiblicher und geistiger Hinsicht zurückgeblieben, konnten sic sich nur dadurch vor einem endlichen Untergänge schützen, daß sie das Tageslicht mieden und sich wie mürrische Einsiedler in die Einsamkeit, so unter die Erde verkrochen. Unter sich leben diese Tiere fast in einer beständigen Fehde, sind ihrer geringen Größe wegen jedoch furchtbare Räuber, die ohne Rücksicht jedes Geschöpf verschlingen, welches sie bewältigen können. Ständig zeigen sie sich hungrig und vertilgeit dadurch eine Menge sehr schädlicher Insekten. Viele von ihnen bringen sich schlafend durch den Winter, : graben sich int Herbst tief ein, polstern ihr Bett weich und warm ans ,imb kommen erst dann zum Vorschein, wenn die Frühlingssonne ein ^neues Leben aus dem Boden zaubert. Ihre große Nützlichkeit erkennt der Mensch nur schlecht an, zit seinem eigenen Schaden verfolgt er die Tiere und beraubt sich so eines nützliches Bundesgenossen in der Vertilgung schädlicher Kerfe. Zn diesen viel verkannten Gesellen gehört auch der Igel (Erinaceus europaeus). (Fig. 9.) Er ist ein drolliger Kauz und dabei ein guter, furchtsamer Kerl, der sich ehrlich und rechtlich unter Mühe und Arbeit durchs Leben schlägt. Ganz Europa ist seine Heimat. Seine Nahrung besteht hauptsächlich in Negenwürmern, Insekten, Nackt schnecken, Mäusen, Eidechsen, Fröschen und Schlangen. Gegen Schlangengift ist das Tier ziemlich unempfiitdlich und daher betreibt es die Jagd auf alles Ottcrgczücht mit großer Leidenschaft. Hörter auf feilten Jagdzügen etwas, was ihm verdächtig erscheint, so bleibt er stehen und lauscht. Kommt nun das Verdächtige näher, so rollt er sich zur Kugel zusammen. Solch eine Jgelkugel hat ein gar merkwürdiges Aussehen. Von der ehemaligen Gestalt des früheren Tieres ist nichts mehr zu merken, der ganze Ge selle bildet fast einen unförmi gen Hansen, welcher an einer Seite eine Ver tiefung zeigt, sonst aberriugs- um ziemlich regelmäßig ge rundet ist. Die se Vertiefung Fig. !). Igel und Hamster. führt nach dem Bauche hin und in ihr Hegen, dicht an diesen gedrückt, die spitzeSchnautze, die vier Beine und der kurze Schwanz. Nach außen zu star ren dem Beob achter dann lauter spitze Stacheln ent gegen, lvelche ein Anrühren des Tieres nicht gestatten. lieber Tags schläft der Igel und kommt nur zur Dämmerstunde aus seiner Höhle zum Vorschein um Nahrung zu suchen. Wenn der Herbst in das Land einzieht, denkt auch der Igel daran, sich für den Winter seine Wohnung warm einzurichten. Er trägt, und zwar auf sehr originelle Weise, Stroh, Heu, Laub und Moos in seinen Ban, indem er sich auf Lanbhaufen herumwälzt und hierdurch eine Ladung ans seine Stacheln spießt, wodurch der kleine Kerl dann ein großartiges Ansehen bekommt. Nachdem genügend Stoffe eingetragen sind, legt er sich hin, verschläft den kalten Winter und erst die Frühlingssonne erweckt ihll zu einem neuen Leben. Auch der Maulwurf (Talpa europaea) gehört zu den ver kannten Größen dieser Gattung. Er ist ein rechter Wühler und daher in Acht und Bann gethan. Weil er auf diese Weise sein Revier von schädlichen Gesellen reinigt, lvird er mit dem Galgen belohnt. Die Menschen thun dem kleinen Kerl, der aussieht, „wie eine kleine mit Plüsch überzogene Schlummerrolle" sehr unrecht, wenn sie ihm nach sagen, er sei es, der die Wurzeln der Pflanzen, unter deren Rasen er seine Baue anlege, abfresse. Nie fällt es einem Maulwurfe ein, Wurzeln oder Pflanzenteile zu verzehren, sondern einzig und allein29 bet Engerlinge und Würmer wegen werden seine weiten unterirdischen Gänge angelegt. Die Bewegungen des Maulwurfes sind schnell; in den Gängen geht er so rasch, als ein trabendes Pferd. Die zum Atmen notwendige Luft erhält das Tier hier von außen, indem durch die lockere Erde der Hansen, dieselbe in die Gänge eindringt. Der Geruch des Maulwurfes ist scharf und befähigt ihn, schon in größerer Entfernung seine Nahrung zu entdecken. In seinem Ban duldet das Tier keinen Mitbewohner, welcher Art er auch sein möge, und kämpft mit jedem, gleich kräftigerem oder schwächeren Tiere, ans Leben und Tod. Der Maulwurf hält keinen Winterschlaf, sondern ist Sommer und Winter in Bewegung. Kurz erwähne ich die hierher gehörende Bisamratte (Myogale moscliata). Der Pelz des Tieres ist rotbraun, ein Ohrenfleck weiß. Sie lebt an den Gewässern Südrnßlands; riecht nach Moschus; der Pelz ist sehr gesucht. Die Wasser spitz maus (8orox kockion8). Der Körper des Tieres ist schwarzbrann, unten weißlich. Die Zehen tragen steife Borstenhaare, die dem Tiere zu schwimmen gestatten. Die gemeine Acker-Spitzmaus (Sorex araneus). Der Körper ist oben bräunlich- grau, unten weißlich. Die Zehen ohne Schwimmborsten. Die Zwcrgspitzmaus (8orox exilis) ist das kleinste Säugetier. Alle Spitzmäuse zeigen eine ungeheuere Gefräßigkeit und suchen ständig nach Beute. Sie fressen täglich mehr Nahrung auf, als sie schwer sind. Die Lebensweise der Tiere ist meist eine nächtliche und während dieser Stunden betreiben sic auch die Jagd auf Kerfe, Weich tiere und auf Feldmäuse, sind daher nützliche Geschöpfe. Insektenfresser sind Säugetiere mit kleinem, nageticrähnlichem Körper, langer, rüsselartig zugespitzer Schnauze, und verkümmerten Augen. Es sind Sohlengänger, d. h. sie treten beim Gehen mit der ganzen Sohle des Fußes auf, und leben unter der Erde von Insekten und Würmern. In anbetracht ihrer geringen Größe sind es äußerst gefährliche Fresser. 2. Bären (Ursinae). Alle Bürenarten sind, !vie die Insekten fresser, Sohlengänger, wodurch ihr Gang schwerfällig, unbeholfen und täppisch erscheint. Die großen Arten bewegen sich langsam und ge messen, entwickeln jedoch in der Aufregung eine bedeutende Schnelligkeit30 nnd ungemeine Ausdauer; zudem verfügen >ic über eine riesige Kraft, welche reichlich die ihnen abgehende Gewandheit ersetzt. Die kleinen Arten, welche in ihrem Wesen und in ihrer Gestalt vft an'Katzen, Dachse, Marder und Affen erinnern, bewegen sich alle geschickt und rasch. Die meisten von ihnen, auch die großen Arten nicht ausge nommen, verstehen sich ans das Klettern sehr gut. Einige Arten gehen in das Wasser und zeigen in diesem Elemente eine große Ge wandheit. Alle Bären sind Allesfresser im vollsten Sinne des Wortes. Alles, ivas genießbar ist: Früchte, Beeren, Körner, Wurzeln, Blätter, Blüten, Knospen, Würmer, Weichtiere, Krebse, Insekten und deren Larven, Fische, Vogel und deren Eier, Säugetiere und Aas, alles ist ihnen begehrenswert. Jedoch halten sich die verschiedenen Arten auch hierin verschieden. Die Bewohner wärmerer Erdstriche leben von Pflanzennahrung, die kalter Zonen von Fleisch. Als ein Bewohner des hohen Nordens, dieses mit ewigem Schnee und Eis bedeckten Erdstriches zeigt der Eis- oder Polarbär (Ursiü maritimus) sich in einem weißen Gewände. Er ist der gewaltigste Vertreter der ganzen Familie; denn sein Gewicht steigt bis ans 16 Zentner an. Nur im höchsten Norden, wo das Wasser des Meeres den größten Teil des Jahres zu Eis erstarrt ist, da kommt er vor. Er ist ein Meister im Schwimmen und oft viele Meilen vom Lande, mitten im Meere, ist er von den Polarfahrern gefunden und soweit als Menschen in diese wüsten Einöden vorgedrungen sind, hat das Tier sich gezeigt. Nie verläßt der Polarbär diese unwirtlichen Gebietes er haust im ewigen Schnee und vermag seinen Lebensunterhalt nur durch nie ruhende Mühe gewinnen; er braucht das gefrorene Wasser als Floß, um über offene Meerstellen zu fahren, damit das ungefrorene ihm seine Beute gebe. Das Tier taucht vortrefflich, macht tauchend Jagd auf Seehunde und Fische und zeigt überhaupt im Wasser eine seltene Geschicklichkeit, die mit seinem, sonst so plumpen Aeußeren in keinem Verhältnisse steht. Sein Gesicht und Geruch sind sehr scharf entwickelt. Eifrig und immer, Ivo der Polarbär sich zeigt, wird er verfolgt. Sein Fell liefert Decken, sein Fleisch und Speck werden gern gegessen, das Fett dient den Eskimos zum Brennen, die Sehnen werden von ihnen zu Zwirn und Bindfaden verarbeitet. Nicht so hoch nach Norden, sondern nur bis zur Grenze des31 Waldes, kommt der gemeine braune Bär (Ursus arctos) (gig. 10.> in den Wäldern der Alpen und Pyrenäen noch vereinzelt vor. Er führt ein einsiedlerisches Leben und hohle Bäume oder Fclscnklüfte dienen ihm als Zufluchtsorte. Das geistige Wesen des Bären wird im Allgemeinen sehr günstig beurteilt. Keines von allen Raubtieren ist so drollig und Falsch- .(i™'.». i^i if, flkradc, Fig. 10. Brauner Bär. ben, das ohne Tücke sucht er mit gerader offener Gewalt zu erreichen. In seiner ganzen Erscheinung hat er etwas Edles, Zutrauliches und Menschenfreundliches. Ge wöhnlich trottet er langsam im Walde dahin; nur, wenn er in Gefahr gerät und hier keinen Ausweg findet, verändert sich sein ganzes Naturell bis zur reißendsten Wut. Eine schöne Erzählung eines glaubwürdigen Beobachters, welche die Gutmütigkeit unseres Tieres treffend kennzeichnet ist folgende: Zwei Kinder von vier und sechs Jahren hatten sich von Hause entfernt, wurden aber nach einiger Zeit vermißt und erst im Dorfe, später im Moore ängstlich gesucht. Zn nicht geringem Schrecken fanden die Eltern hier ihre Kinder im Spiel mit einem großen Bären begriffen. Eines der Kinder fütterte das Raubtier, das andere saß ihm ans dem Rücken — und Meister Petz erwiderte die kindlich unbefangene Zutrau lichkeit in der liebenswürdigsten Weise. Im höchsten Entsetzen stießen beide Eltern einen lauten Schrei ans und scheuchten hierdurch den Spielgefährten ihrer Kinder in die Flucht. Auch die beercnsammelnden Frauen Kamschatkäs lassen sich durch das Erscheinen eines Bären in ihrer Arbeit nicht stark behindern. SieWagen die Schürzen über die Köpfe und gehen mit großem Geschrei dem Untiere entgegen, das in den meisten Fällen höchst verblüfft die Flucht ergreift. Der Bär hat es bei solchen Zusammentreffen nur ans die schmackhaften Beeren abgesehen, die er fast ebenso sehr liebt, wie den Honig; denn für diesen hat er ein ganz besonderes Interesse. Und wenn auch die erbosten Immen, die ihren Schatz mühselig zn- sammcngetragen haben, dem Leckerer Stich ans Stich beibringen, er macht sich nicht viel daraus; sein zottiger Pelz ist der beste Schild und nur dann, wenn die erzürnten Bienen sich in Scharen auf seine Nase setzen und an dieser empfindlichen Stelle den Giftstachel ein bohren, schüttelt er brummend oder ärgerlich das Haupt, wischt auch wohl mit der Pfote die zudringlichen Tiere einfach ab. Ungereizt fällt ein Bär nie den Menschen an, sondern ergreift vor ihm die Flucht; sieht er aber sich und seine Jungen bedroht, oder wohl gar verwundet, so schreitet er kühn zum Angriffe. Hoch anf- gerichtet geht er auf den Gegner zu, der sich dann auf einen Kampf ans Leben und Tod gefaßt machen muß. Mit einem einzigen Tatzen schlag streckt das wütende Tier den unvorsichtigen Angreifer zu Boden oder es umarmt ihn mit einer so ungeheuren Kraft, daß ihm alle Rippen zerbrechen. Noch heute wird die Bärenjagd in manchen Gegenden ohne Hilfe des Gewehres betrieben. Sibirische Jäger halten dem aufrecht ans sie zukommenden Tiere den mit Fellen dick umwundenen Arm entgegen und zerspalten dein Bären mit einem schweren Weid messer den Schädel. In Gegenden, wo Waldbienenzucht betrieben wird, hängen die Besitzer von Bäumen mit Bienenstöcken einen schweren Klotz an einem Stricke ans, svdaß dieser dem Bären den Zugang zum Honig versperrt- Dadurch, daß der Bär den Klotz zur Seite drückt, dieser aber immer wiederkehrt, kommen Klotz und Bär in Streit. Der Bär wird durch die Kühnheit des pendelnden Klotzes, der ihn immer sehr empfindlich trifft, bald heftig, giebt daher diesem einen immer stärkeren Schwung, bis er endlich von dem Holze so heftig getroffen wird, daß er betäubt hinfällt. Früher, zur Zeit des Jahrmarktes, wenn für die Jugend all die verschiedenen Sachen ausgestellt waren, welche für sie schon eine ganze Welt voll des Schönsten bedeuteten, hörte man unter Trompeten- und Paukenschall die schrillen Weisen der Pickelflötc durch, die Straßen derTafel II. 1. Mandrill, 2. Fliegender Hund, 3. Eichhörnchen, 4. Hermelin, im Winterkleide, 5. Hermelin im Sommerkleide, 6. Beutelwolf.Das Tierreich. 33 Stadt tonen. Van einem endlosen Volkshanfen begleitet, umschwärmt von der ganzen Jugend, schreitet ein hohes Trampeltier daher, dessen beide Höcker mit in roten Nöcken steckenden Affen besetzt sind. Aber nur der Kopf des Trampeltieres, seine beiden Höcker und die Bewohner derselben sind sichtbar, alles andere, was unten sich bewegt, wird von der Menge verdeckt. Teilt sich dann plötzlich an einer Stelle das Gedränge, so enthüllt sich dem Knabenange ein unvergeßliches Bild — unser plumper Meister Petz tanzt aufrecht nach dem Takte der Musik auf zwei Beinen. Mit ungeschlachten Sätzen geht es lustig im Kreise herum; wie komisch gegen den lustigen Tanz sticht die sauersüße Miene und das unwillige Gesumme und Gebrumme ab, aber nur dadurch wirkt ja der Tanz erst so recht lustig, sodaß alles jubelt. O schöne Zeit, wo bist Du hin? Selten zieht noch ein Bärenführer von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und nur im Nebel der Erinnerung liegt dein auf die Jugend so mächtig wirkender Zauber! Das Aulerneu dieser Tanzbären war eine arge Grausamkeit von Seiten der Menschen. Der Lehrling, ein junges Tier, wurde zur Erlernung in einen Behälter mit einem eisernen Boden gebracht mrd unter demselben Feuer angezündet. Hierdurch wurde das Eisen für die Tatzen des Lehrlings bald zu warm. Das Tier stellte sich auf die Hinterbeine und suchte durch jenes, später so drollig wirkende Hüpfen, wenigstens auf kurze Zeit, seine Fußsohlen von der heißen Platte zu befreien. Dabei wurde jedesmal die oben genannte Musik aufgespiclt. Kein Wunder ist es nun, daß beim Schalle derselben stets die harte Lehrzeit deiil Bären in den Sinn und das Hüpfen in die Beine kam. Wenn auch nicht näher schildern, so doch wenigstens beschreiben will ich die hauptsächlichsten noch hierher gehörenden Arten. Der Grislibär (Ursus l'erox), ein bösartiges, gefährliches Tier, welches bedeutend größer als der braune Bär ist, bewohnt das westliche Amerika. Er ist mit gewaltigen Tatzen bewaffnet, die er im Kampfe auf schreckliche Art zu gebrauchen versteht. In seinen Bewegungen ist das Tier plumper als der braune Bär, vermag auch nicht wie dieser im Alter Bäume zu ersteigen. Vor dem Menschen zeigt der Grisli nicht die geringste Furcht, und nur eine sicher gezielte Kugel kann vor seiner fürchterlichen Umarmung retten. Daher erregt auch ein Jäger, welcher über eineil Grisli den Sieg davougetrageu hat, die Bewunderung von jung und alt. Der Pelz des Tieres ist grau. Der Baribal(Ursus americanus) ist der verbreitetste »nd bekannteste Bür iic Amerika. Das Haarkleid des Tieres ist fast vo» schlvarzer Fache. Dieser Bär ist eia sehr geschickter Kletterer and sanfter and gutmütiger als die anderen großen Mitglieder seiner Familie. Als letzten Ver treter der Großbären führe ich noch den Lippenbär (Ursus labiatus) an. Er ist ein merkwürdiges Tier mit rüssclartiger Schnauze» sehr langen Haaren und knrzen dicken Beinen. Seine Heimat ist Ostasien,, wo er in Gebirgsgegenden vorkommt und sich fast ausschließlich von Pflanzenkost nährt. Zn den Vertretern der kleineren Bärenarten gehört der Waschbär (Procyon lotor). Sein Haarkleid ist der Hanptfarbe nach schwarzbraun, die Schnauze ist weiß; über den Augen befindet sich ein brauner Streifen. Der Schwanz ist gelblich weiß geringelt. Der Waschbär, auch Schupp genannt, ist ein munterer und schmucker Kerl, welcher stets lebhaft und beweglich ist. Zieht er glcichgiltig dahin, so senkt er dabei seinen Kopf, wölbt den Rücken, läßt den Schwanz hangen und dann ist sein Gang schleichend und lässig. Macht das Tier hierbei eine seine Teilnahme erregende Entdeckung, sa verändert sich sein ganzes Wesen. Das bis jetzt gesträubte Fell glättet sich, die beiden Lauscher werden gespitzt, spähend stellt es sich ans die Hinterbeine und läuft nun leicht und behend weiter, oder erklettert mit einer unvermuteten Geschicklichkeit einen Baum. Stets ist das Tier munter, neugierig, neckisch und zu lustigen Streichen aller Art geneigt; aber auch mutig, wenn es sein muß. Im Beschleichen seiner Beute zeigt der Schupp oft die List eines Fuchses. Den Namen Waschbär führt das Tier daher, daß es die sonder bare Angewohnheit besitzt, fast alle Nahrung, bevor sie verzehrt wird, in Wasser zu tauchen. Der Pelz des Tieres ist sehr beliebt und das Fleisch wird gern gegessen. Als letzter Vertreter der Bärenfamilie führe ich den Rüsselbären, oder Cvati (Nasuasocialis) an. Das Tier hat einen braunen Pelz, einen weißen Kreis um jedes Auge lind einen schwarzbrannen geringelten Schwanz. Eine besondere Gabe von der Natur besitzt dieser Bär in der rüsselartig gestreckten Schnauze, die eine sehr feine Nase trägt. Die Heimat des Rüsselbären ist das öst liche Süd-Amerika. Bären sind plumpe Tiere mit kurzen Beinen, ihre Füße besitzen große, gekrümmte, nicht einziehbare Krallen tragende Zehen. Beim Gehen treten sie mit der ganzen Fußsohle ans. lieber Europa, AsienJyiij. 11. Dcich^ und t'Jiavbcr. Pelztiere, und daher wird allen sehr nachgestellt. Ihr erste Vertreter ist der Dachs (Molos taxus). (Fig. 11.) Er trägt ein gelblich-weißes, unten schwarzes Haarkleid und eine schwarze Winde, in welcher Augen und Ohren liegen. Der Dachs ist der Gnom unserer Wälder. Er ist kein Freund des flutenden Sonnenlichtes, sondern ein rechter Dunkelmann. Wie schon sein Aenßercs einen eigentümliche» Gesellen verrät, so sticht seine Lebensweise noch auffallender ab gegen die der meisten unserer anderen und Amerika verbreitet, bewohnen sie hier alle Länder, sowohl ivarme als kalte Erdstriche. Ihre Wohnung schlagen sie in Höhlen ans, schlafen am Tage und gehen Nachts auf Raub ans. In der Auswahl der Nahrung sind sie nicht wählerisch, sondern fressen alles, was genieß bar ist. Ihre geistige Entwicklung ist ziemlich hoch, viele Arten sind leicht zu zähmen. 3. Marder (Musteliua). „Er hat ein Leben so zäh' wie eilt Marder," — „Er schläft wie ein Dachs" — sind Ausdrücke, die im Munde des Volkes leben, also auch für die betreffenden Tiere be zeichnend sind. Tic Familie der Marder liefert uns vorzüglicheWaldtiere und stempelt den Meister Grimmbart zn einem wahren Sonderlinge. Geboren zn einem Einsiedler, wählt er seinen Aufent halt an einem stillen, abgeschlossenen Waldorte; denn Licht ist ihm zu wider wie einer Katze das Wasser. Hier, in einer jungen Dickung, oder in einem Untcrholze nahe der Wiesen und Felder, welche er der Nahrung wegen absucht, gräbt er sich mit seinen Läufen eine unter irdische Burg, die sich an besonders geeigneten Orten oft zu einem stockwerkticfcn Labyrinthe mit Dutzenden von Ausgängen erweitert. Die Röhren sind meist gewunden und verzweigt angelegt und laufen, wenn es irgend die Lage des Ortes erlaubt, gegen Mittag oder Morgen. Alle Röhren sind äußerst reinlich und sauber gehalten. Der Dachs ist ziemlich unschädlich, da seine Nahrung meist ans Wurzeln, Negen- würmcrn, Schnecken und Insekten besteht. Sein Pelzwerk wird manig- fach verwendet. Zur Herbstzeit ist der Dachs von Fett oft kugelrund. Er rollt sich dann dermaßen zusammen, daß er mit dem Kopfe zwischen die Vorderläufe 'gerät und wie der Igel, teilweise auf der Stirn liegt. So schläft er im Winter bei Schnee oft viele Tage lang ununter brochen, abgeschieden von der Welt und unbekümmert um das Drängen und Treiben, das Jagen und Lärmen der Zeit, ein Bild von sorg losem Eigennütze und klösterlichem Stillstände. Nur bei mildem Winter- Wetter, geht er von Zeit zu Zeit aus, um zn trinken. Gleich dem Dachse lebt auch das Stinktier (Mephitis Chinga), dessen Heimat das kältere Nordamerika ist, in selbst gegrabenen Höhle». Der Pelz des Tieres ist schwarzbrann, der Rücken weiß. Das Tier nährt sich von kleinen Säugetieren und Vögeln. Ist cs in Gefahr, so spritzt cs zu seiner Verteidigung einen Saft von sich, der einen so furchtbaren Gestank verbreitet, daß er Ohnmacht und Gebrechen hervor ruft. Auch der gemeine Vielfraß (Gulo borealis) (Tafel 3, Fig. 2.» gehört zur Familie der Marder. Das Haarkleid des Tieres ist braun, mit einem dunkleren, sattelförmigen.Rückenstreifen. Das Tier bewohnt den Norden Europas und Asiens, und zwar die einsamsten Gegenden, ivelche etwas Gebirge aufwcisen. Seine Nahrung bilden kleinere Tiere, Aas und Beeren, jedoch raubgierig wie es ist, überwältigt es sogar Remi tiere. Die Erzählungen von seiner nie zn sättigenden Gefräßigkeit, welche sich bei älteren Schriftstellern finden, und denen das Tier seinen Namen verdankt sind Fabeln. Das finnländische Wort: Fiäl-frass, welchesUelseubewohner bedeutet, ist von den alten Naturhistorikern einfach als Vielfraß gedeutet worden. Die eigentlichen Marder, durch welche die ganze Familie ihren Namen führt, sind mutige Nachtraubtiere, die besonders dem Haus geflügel gefährlich werden. Ter Edelmarder (Nartos abietum) (giß. 11.) ist eilt schönes Geschöpf mit prächtigem, dunkelbraunen Pelz. Die Stirn und Wangen sind lichtbrann, Kehle und Unterhals dottergelb. Der Schwanz ist lang und buschig. Er wohnt in hohlen Bäumen oder richtet sich das Nest eines Raubvogels zu seiner Wohnung her. In Laub- und Nadelwäldern der ganzen nördlichen Erdhälfte, in Asien wie in Amerika, in Europa, von Italien an bis in's nördliche Schweden hinein, wird das Tier gefunden. Dichte und vereinzelte, mit Dickicht oder altem Gehölze wachsende Wälder, mehr im Gebirge, als in der Ebene, sind seine liebsten Aufenthaltsorte. Hier, in seiner Wohnung, verbringt er die Stunden des Tages, und schläft, auf der natürlichen Unterlage von losgelöstem Mehl oder Gebröckel faulenden Holzes, bis zur Dämmerung. Von der frühsten Jugend an in Luft- und Baum- tänzerei geübt, bringt es der Edelmarder bis zur höchsten Mcisterschast hierin, er übertrifft in diesen Künsten alle Raubtiere. Der Pelz des Edelmarders ist sehr gesucht, und deshalb wird das Tier von den Jägern, deren Freundschaft es sich durch Schädigung der niederen Jagd nie erworben hat, eifrig verfolgt. Hauptsächlich wird der Marder in Marderfallen gefangen, am leichtesten aber getötet, indem man Eier hinlegt, in welche man etwas Strychnin durch ein kleines, in der Mitte der Eischale gebohrtes Loch gesteckt hat. Der Iltis (Putonis vulgaris) ist etwas kleiner als der Edelmarder, gleicht ihm aber in seiner Lebensweise. Er haust gerne in hohlen Bäumen und altem Gemäuer und zieht sich im Winter nach den Dörfern und Städten zurück, wo er dann die Hühner- und Taubcnställe verwüstet. Das kleine Wiesel (Mustela vulgaris) (Tafel 2, Fig. 4 tut Winter kleide, Fig. 5 tut Sommerkleids) ist ein würdiger Vetter seines größeren Verwandten, des Edelmarders, denn es ist trotz seiner ge ringen Größe eines der mutigsten und blutdürstigsten Raubtiere. Es ist über die ganze gemäßigte und kalte Zone der alten Welt ver breitet und ttistet überall in Höhlen. Die rötlichbrannc Farbe des Pelzes verändert sich im Winter in ein mehr oder minder reines Weiß. Als letzter Vertreter der Marderfamilie bringe ich die Fisch- fltlcr,(Lutra vulgaris). Das Tier findet sich noch vereinzelt, wie-— 38 — wohl selten, cm unseren deutschen Gewässern und thnt dann dem Fiscp fange sehr großen Schaden. Der Pelz ist dicht und glänzend und von einer dunkelbraunen Farbe. Das Tier schwimmt vorzüglich seiner mit Schwimmhäuten versehenen Füße wegen und weiß selbst den schnellsten Fisch gu erjagen. Der Laut der Otter ist ein Pfeifen. Sic ist nur schwer zu schießen und zu fangen, weil sie gut und lange unter dem Wasser sich aufhalten kann. Ihr Pelzwerk ist kostbar, ihr Fleisch eine Fastenspeise. Marder sind kleine Raubtiere, mit gestrecktem, schlanken Leib, kurzen, kräftigen Beinen und furchtbarem Gebiß. In ihren Bewe gungcn sind die Tiere rasch, meist sind es vorzügliche Kletterer. Alle sind mit feinen Sinnen begabt. 4. Hlindc (Canes). lieber alle Zonen verbreitet finden sich Vertreter der Hunde. Nicht so wild und mordlnstig wie die Katzen arten, sind einige von ihnen nicht zu unterschätzende Gesellen, besonders dann, wenn sie der Hunger verwegen und dreist macht. Die wilden Mitglieder zeichnen sich durch große List und Schlauheit bei ihren Räubereien ans und besonders ist dieses beim Fuchs (Canes vulpcs) der Fall. Schon seit den ältesten Zeiten gilt dieses Tier als ein Sinnbild der List und Verschlagenheit, der Gewandheit in allen Lebenslagen und der vollendeten Spitzbüberei. Sprüchwort, Märchen, Gedicht und Anekdote beschäftigen sich mit ihm, und in allen vertritt er die Person der Schlauheit. Die Farbe seines Pelzes ist ein Helles rostrot, unten am Bauche weißlich. Der Fuchs bewohnt einen großeil Teil der alten und neuen Welt. Obwohl Jahr für Jahr ans alle mögliche Weise Jagd aus ihn gemacht wird, ist es noch nirgends gelungen, ihn irgendwo aus- zurvtten; selbst in dicht bewohnte Kulturländer versteht er es, sich zu halten, und beweist seinen grimmigen Feinden, dcir Menschen, daß er trotz aller Nachstellung doch leben kann. Mit der größten Vorsicht pflegt er seine Wohnplätze anszu- wählen. Wo er wenig belästigt wird, macht ihm die Wahl keine Schwierigkeiten; ein hohler Baum, eine Spalte im Felsen, eine schwer zugängliche Höhle bieten ihm leidliche Unterkunft. Wo ihn aber der Mensch überall anflanert und Mangel an natürlichen WohnstättenHinweis Fehlende Seite(n) oder AngabenHinweis Fehlende Seite(n) oder AngabenHinweis Fehlende Seite(n) oder AngabenHinweis Fehlende Seite(n) oder Angabenfolgende: der Windhund ist schlank, zierlich, mit dünnen, hohen Beinen, und spitzem Kopfe. Das Tier ist ein gewaltiger Läufer. Der Geruchsinn ist nur schwach entwickelt. Ganz von anderen Hnnden ab weichend zeigt der Windhund nur wenig Treue und Anhänglichkeit an seinen Herrn. Der Bullenbeißer zeigt einen gedrungenen Körper bau und breite Brnst. Die Schnauze ist kurz, die Lippen hängen über. Das Tier besitzt eine große Stärke und gewaltigen Mut, cs ist ein treuer Wächter des Hauses und ein vortrefflicher Schützer seines .Herrn. Der Jagd- oder Vorstehhund ist ein kräftiges und schnelles Tier, welches mit einem sehr feinen Geruch begabt, und daher vorzüg lich zur Jagd befähigt ist. Der Pudel ist das am meisten geistig begabte Tier aller Hunde. Er ist treu, gelehrig, gutmütig und des halb der beliebteste aller Süwenhnnde. Der Affenpinscher ist ein vorzüglicher Jäger ans Natten und Mäuse. In seiner Gestalt ist das Tier nichts weniger als schon, denn es trägt ein struppiges Haar kleid, sonst ist es aber sehr munter und dein Menschen rührend zu- gethan. Der Neufundländer ist der Niese unter den Hunden und eine der schönsten und wertvollsten Nassen. Das Tier ist ausgezeichnet durch seine Treue und Klugheit, wie durch seine Kraft und vielfache Nützlichkeit. Von allen diesen verschiedenen Rassen kommt keine Rasse den Bernhardshundeu gleich und der berühmteste aller Hunde „Vary" gehörte dieser Art an. Dieses Tier hat mehr als 40 Menschen das Leben gerettet, die beim Uebergang über den gefährlichen St. Bern hardspaß verunglückt waren. Seine schönste That aber die er voll brachte war, daß er ein unter einer Lawine begrabenes Knäblein hervor grub, dasselbe ins Bewußtsein zurückrief, sodann nicht ruhte, bis der dem Tode des Erfrierens Entronnene sich ans seinen Rücken setzte, mit dieser Last dem Kloster zutrabtc, die Thürklingel zog und seinen Schützling den Mönchen zur Pflege übergab. Unvergeßlich sind in der Geschichte der Liebe und Barmherzigkeit die Thaten dieses Hundes ver zeichnet, sie sind der Jugend ein mahnendes Beispiel, welches ihr zu- rufet: Gehet hin und thuet desgleichen, spendet Wohlthaten an Hilf lose soviel ihr vermögt. Die Hyänen sind die letzteg Vertreter der großen Hundefamilie. Widerwärtig in ihrer Erscheinung, sind sie doch wesentlich nützliche Tiere, da sie die Gegenden, in denen sic leben, von den Kadavern säubern und dadurch zur Reinhaltung der Luft viel beitragen. Die beiden hierher gehörenden Arten, die gestreifte Hyäne44 (ITyaena striata) und die gefleckte Hyäne (TTyaona crocnta) haben ihre Heimat in Afrika und Asien. Beide sind Nachttiere, äußerst feig und hinterlistig, und nähren sich hauptsächlich van Aas. Eine schonungslose Grausamkeit, wie sie den Tieren von alten Natur forschern angedichtet wurde, besitzen sie nicht; die Hyänen zeigen sich bet einem An griffe auf sie so mutlos, daß die Ein geborenen sie mit bloßen Knüppeln erschlagen. Da beide Ar ten häufig Vorkommen, werden sie oft gefangen und demzu folge sind sie in allen Ticrbuden zu finden, wo sie zu mancherlei Kunststücken abgerichtet werden. Hunde sind Raubtiere niit kleinem Kopse, spitzer Schnauze und von magerer und gestreckter Gestalt. Die Bordcrfüste zeigen fünf, die Hinterfüße vier Zehen mit starken, nicht einziehbaren Krallen be waffnet. Das Gebiß ist kräftig entwickelt. Ihre Wildheit und Mord- lnst ist nicht so bedeutend, als die der Katzcnarten. 5. Vivcrrcn (Viverrae). Die Biverrcn bilden den liebergang zu den Katzen. Wie diese sind es fast ausschließlich Nachttiere von äußerst räuberischer und blutgieriger Natur. Ihre Verbreitung beschränkt sich auf Afrika, Asien und Süd-Enropa. Hier bewohnen sie die ver schiedensten Oertl ich leiten: Wüste, Gebirge oder Wälder. Die große Mehrzahl sind geschickte Kletterer. Die asiatische Zibcthkatze (Vivcrra zibetha) trägt einen asch grauen, schwarz gefleckten und gestreiften Pelz und einen schwarzen, geringelten langen Schwanz. Das Tier lieferte den, in früheren Zeiten als Arzneimittel hochgeschätzten Zibeth, einen stark riechendenStoff, der noch jetzt als Zusatz zu verschiedenen Wohlgerüchen Ver wendung findet. In ihrer Heimat Ostindien wird die Zibethkatze viel fach gezähmt gehalten. Auch die Ginsterkatze (Genctia vulgaris), die ihre eigentliche Heimat in Nord-Afrika hat, auch in Spanien und Frankreich vorkommt, und hier wie dort in Felsspalten oder hohleir Bäumen wohnt, wird oft gezähmt gehalten. Das Tier erreicht die Größe eines Marders. Die Pharavnsratte oder Ichneumon (Lorpostes ichuemnou) ist eilt viel genanntes, in Afrika lebendes kleines Nanbticr, wo es von kleinen Säugetieren, Amphibien und auch von Krokvdileiern lebt. Sehr scheu in der Freiheit, wird das Tier auch als Haustier zum Mäusefangcn gehalten. Bildliche Darstellungen von der Pharavnsratte filiden sich häufig auf den Denkmälern der alten Acghter. Als letzten Vertreter der Viverren nenne ich den Palmcumarder (Paracloxurus Typus). Er ist ein sehr geschickter Kletterer, und in seiner Größe etwas stärker als die Hauskatze. Die Heimat des Tieres sind die Wälder der indischen Halbinsel, wo es sich hauptsächlich voit Früchten nährt. Viverren sind Nanbticrc mit langgestrecktem Leib, kurzen Beinen und langem, häufig schleppenden Schwanz. Am After tragen sie eine Drüsentasche, in welcher sich eine scharf richende Flüssigkeit absondert. Die meisten Arten sind Nachttiere, alle große Räuber. 6. Katzen (Folinae). Die Katzen treten uns nach Bau und An lage als die vollendetsten, und zugleich in ihrer Körperform als die .schönsten Ticrgestalte» entgegen. Alle Teile ihres Körpers sind zier lich und gefällig, doch aber kräftig gebaut. Alles an ihnen ist Eben maß. Eine gleiche Regelmäßigkeit uild Einhelligkeit des Baues, wie bei dieser Familie, findet sich nirgends wieder. Der Körper ist schlank und gestreckt und trägt an einem starken Halse einen rundlichen Kopf. Die Beine sind mäßig hoch unb kräftig entwickelt, und ein langer be weglicher Schwanz vollendet das Charakteristische der ganzen Erschei nung. Das Fell ist weich, mit kurzen Haaren bedeckt und von har monischer Färbung. Das Gebiß ist furchtbar und besonders sind die, alle andere» Zähne weit überragenden Eckzähne, gewaltige Waffen, die eine vernichtende Wirkung äußern können. Die Zunge ist rauh uith trägt feine, hornige Stacheln. Die starken, scharf gekrümmten Krallen, welche zurückziehbar sind, vervollständigen die ganze Aus-40 ri'lstung. Mittel' beit Simieit ist bet beit Katzen das Gehör am vor züglichsten entwickelt nnb spielt bieses bei Anfsindnng bei Beute die wichtigste Rolle. Das Gesicht kommt erst in zweiter Linie, ist jedoch "deswegen bnrchans nicht schwach. Bei den meisten Arten reicht es zwar nicht in bie Ferne, ist aber in der Nähe nnb für die Nacht vor trefflich eingerichtet. Bei Heller Belenchtung erscheint bas Sehloch spaltenförmig, erweitert sich jedoch bei Dunkelheit nnb in ber Erregung so weit, baff es kreisförmig erscheint. Das Leuchten des' Auges bei dieser Familie rührt davon her, bas; ein Teil der aufgefangenen Licht strahlen von der Hinteren Angenwanb wie von einem Sipegel znrück- geworfen tvirb. Geschmack nnb Tastsinn kommen erst nach dem Auge. Letzterer ist besonders fein in den langen Haaren des Bartes (Schnurren) entwickelt. Ein Geruch ist nur mangelhaft vorhanden. Die meisten Katzen sind geschickte Kletterer, alle gewandte Springer; jede ihrer Bewegung wird höchst anmutig ansgeführt. ' Die Arten dieser Familie sind über die ganze Welt verbreitet und bewohnen hier die Wälder, die schilfreichen Ufer der Flüsse, ober Wüsten, oder sandige Ebenen. Der Löwe (Felislco) trägt ein einfarbig braungelbes Haar kleid, welches sich beim Männchen um Schultern und Hals zu einer Mähne verlängert. Der Schwanz besitzt eine Enbqunste. „Der Löwe ist der König der Tiere." Ein einziger Blick aus den Leib des Löwen, auf den Ausdruck seines Gesichtes genügt, um dieser uralten Auffassung aller Völker, die mit dem Löwen in Be rührung kamen, voll beizustimmen. Seine ungeheuere Stärke, die majestätische Gestalt, der durchdringende Blick, die edle Haltung, der stolze Gang und das Ebenmaß seiner Glieder, die schreckliche, donnernde Stimme — alles vereinigt sich, um ihn zum Herrscher des Tier reiches zu stempeln. Die Heimat des Lölven ist fast das gesammte Afrika und das südliche und südwestliche Asien. Hier bewohnt er waldige Thäler an Flnßläufen, Gebirgsabhänge, die breiten Gürtel hochstengliger Schilf gräser an ausgetrockneteu Strömen. Eine flache Vertiefung dient zu seiner Lagerstatt und hier ruht er am Tage und pflegt der Verdauung. Gewöhnlich lebt das Tier einsam, zuweilen jedoch auch paarweise; ja in Trupps von 6—8 Stück sind öfter Löwen angetroffen worden. Der Löwe ist ein Nachttier; mit dounerähulichem Gebrüll erhebt er sich nach Sonnenuntergang und geht auf Raub aus. Schon das47 bloße Brüllen des mächtigen Raubtieres floßt den Tieren so großes Entsetzen ein, daß sie fast die Besinnung verlieren. Tief aus der Brust scheint es hervorzukonnuen und diese zersprengen zu wollen.. Wenn es sich so über den Boden davonwälzt, verstummt selbst die heulende Hyäne, der Leopard hört ans zu grunzen, die Affen steigen laut gurgelnd zu den höchsten Zweigen, in rasender Flucht brecheu die Antilope» aus dem Gebüsche hervor, das beladene Kameel zittert, ge horcht keinem Rufe des Lenkers mehr, wirft seine Lasten und den Reiter ab, und sucht sein Heil in schnellster Flucht, Und auch der Mann, dessen Ohr zum ersten Male die se Stim me in der Nacht des llr- waldes hört, er fragt sich, ob er Kraft ge nug be sitze dem gegen über zu treten, voir dein dieser , Donner herrührt. Aber ' nicht ’ minder wie das Gebrüll bringt der bloße Geruch des wen, ; wenn er gewittert wird ohne gesehen zu werden, eine große Angst hervor. Ist der heiße Tag vorüber, hat sich die kühle Nacht allmählich ans das Gefild herabgcsenkt, eilt alles Getier zum Bache, um die brennende Zunge mit dem frischen Naß zu netzen. Aber alle nahen sich vorsichtig diesem Orte, da alle wissen, daß diejenigen Plätze, die ihnen die meiste Labung versprechen, für sie die gefährlichsten sind. Ohne Unterlaß wittern und lauschen sie; scharf in die dunkle Nacht hinaus äugend schreitet das Leittier vorsichtig weiter. Plötzlich steht es still, es stutzt, es lauscht, es äugt und wittert — noch einen Augenblick — und jetzt wirst es sich herum und jagt in eiliger Flucht dahin. Die übrigen folgen. Aber nicht früh genug hat das Leittier die Witterung bekommen, mit einem gewaltigen Satze von 3 m Länge- Fig. 18. Dcr Löwe.48 Hat der Löwe eines der Tiere erwischt. Ein- Bis; mir den furchtbare» Zähnen genügt die Halswirbelknochen zu zermalmen und den Nerv des Lebens abzuschueiden. Und der Räuber steht nun stolz auf seiner Beute, grollend peitscht er mit dem Schwänze seine Weichen, die Augen funkeln, starr sind sie auf den Körper gerichtet, jede Bewegung des Bcutctieres verfolgend, um durch neue Bisse das letzte Zucken zu beenden. Ist Wild nicht genügend vorhanden, so verlegt sich der Löwe auf den Raub des Hausviehs. Mit einem hohe» Satze überspringt das Raubtier den 3 in hohen, aus Dornen und Mimosen geflochtenen Hürdenzaun, den einzigen Schutzwall des Hirten für seine Herde und steht funkelnden Blickes unter den besinnungslos durcheinander rennenden und blöckenden Schafen, Ziegen und Rindern. Er tvählt sich ein Opfer aus, schlägt mit seinen furchtbaren Pranken ein zweijähriges Rind zu Boden, zerbricht ihm mit dem Gebiß die Wirbclkuocheu des Halses und tritt nun, die schwere Beute im Nachen, den Rückzug an, unbehelligt von den Wächtern der Herde, welche die Furcht gebannt hält. Gefaßt crgicbt sich der Hirte in sein Schicksal: Er weiß, daß er in dem Löwen den König anerkennen und ihm seinen Tribut zahlen muß. Der Löwe zieht größere Tiere den kleinen vor, in der Not ist ihm jedoch alles Lebende recht. Die Beute wird womöglich in ein Versteck geschleppt und erst dort aufg'ezehrt. Ist solches nicht möglich, so sättigt sich das Tier an Ort und Stelle des licbcrfalls und kehrt, falls es nicht alles zu verzehren vermag, in der folgenden Stacht zur Beute zurück. Ten Menschen greift der Löwe selten an, hat er jedoch erst ein mal einen Kampf mit jenem siegreich ausgcfvchten, so wird er ein .„Manncsser" wie die Kaffem sagen. Verwundet ist der Löwe stets im höchsten Grade gefährlich. Im Altertume kam der Löwe noch in Griechenland vor, doch ist er daselbst jetzt längst ausgerottet; auch in Asien, wo er früher bis zum Mittelmeere sich zeigte, ist er weit bis nach Persien zurück gedrängt, und nicht mehr häufig. Selbst Afrika besitzt Löwen im Norden mw Süden nur noch wenige, da hier ihr Vorkommen durch die Feuer waffen sehr vergeringert ist. Der amerikanische Löwe, Puma oder auch Kuguar (Felis concolor) genannt, ist einfarbig rotbraun, undeutlich und verwaschen40 gefleckt. Das Tier trägt keine Mähne, noch einen Schwanzbüschel. Sein Körper ist äußerst schlank und der Kopf sehr klein. Der Puma äst sehr mordlustig und richtet unter den Viehherden große Ver wüstungen an; Blut wird von ihm mehr geliebt als Fleisch und des halb tötet das Tier oft in einer Nacht mehr als 20 Schafe, nur um Blut zu trinken. Sonst ist das Tier sehr feige, greift den Menschen und größere Tiere nicht an. Noch vor wenigen Jahrzehnten zog sich seine Verbreitung von den Vereinigten Staaten bis nach Patagonien. Das Tier paßt sich hier jeder Gegend an, es zeigt sich im dichten Urwald als gewandter Kletterer, es jagt in der baumlosen Steppe und steigt auch im Gebirge bis zn bestimmten Höhen empor. Junge Pumas werden von den Indianern oft und gerne aufgezogen. Die Tiere werden dann sehr zahm und hängen mit großer Liebt, au ihren Herrn. In der Färbung des Felles schöner, aber nicht so edel in der .Haltung lute der Löwe, ist der, nur in Süd- und Mittelasien lebende Tiger (Felis tigris). Die Grundfarbe seines Felles ist ein Notgeld mit schwarzen Querbinden und Schwanzringcln. Löwe und Tiger sind sehr nahe Verwandte. Sic sind einander an Größe und Kraft ziemlich gleich, aber ihr Naturell ist nicht das selbe. Der Löwe verläßt sich mehr auf feine Kraft, als auf die List und zeigt eine gewisse Offenheit bei seinen Räubereien; der Tiger da gegen meidet den offenen Kampf, er sucht sich seinem Opfer heimlich, wie eine Schlange, zu nähern, und dadurch wird er sehr furchtbar. Seine Lieblingsplätze zur Auflanerung der Beute sind die schilf bewachsenen Uferrändcr der Flüsse, die Bambnswälder und andere Dickichte, wo er sich leicht verbergen kann. Hierbei kommt die Fär bung und Zeichnung seines Felles ihm trefflich zu statten, da diese so sehr mit der Färbung der Rohr-, Gras- und Bambuswäldcr im Ein klänge steht, daß das große, prächtige Tier äußerst schwer zu ent decken ist. Hat sich der Tiger einmal als Wegelagerer ausgebildet, so merkt er sich wohl, wo Menschen und Tiere vorbeikommen. Besonders legt er sich an Tränkplätzen, Straßen und Pfaden auf die Lauer. Schlangcu- artig beschleicht er die auserschcne Beute, stürzt dann plötzlich auf sie los und schlägt sie mit seinen Pranken zu Boden. Das Tier scheut sich auch nicht am lichten Tage die Dörfer oder Städte zu besuchen, mm hier ein Kind oder einen erwachsenen Menschen wegzuholcn. Uu- 4 ' Sciä Tierreich.50 erwartet überfällt der Tiger -feilte Beute, und so kommt es, daß, wie ei» Engländer berichtet, ein Tiger in einer Nacht drei bewaffnete Posten wegschleppen konnte. Nachzügler, die vom Heere Zurückbleiben,, sind stets seine Beute. Auch die Postboten leben des Tigers wegen in beständiger Gefahr. In einem Engpässe erwürgte eine Tigerin mehrere Monate hindurch jeden Tag Menschen, und unter diesen etwa, ein Dutzend Briefträger. Obwohl die Regierung einen hohen Preis auf die Erlegung der Bestie setzte, wagte es doch Keiner, dieselbe anzugreifen. Die englische Regierung zahlt für die Erlegung eines Tigers in. Jndien sehr hohe Preise, doch scheint sich die Zahl der Tiere in vielen Gegenden Indiens nicht zu verringern und hindert so geradezu den Verkehr. Die indischen Fürsten betrachteten vielfach in früherer Zeit die Tigerjagd, die sie ans Elefanten ausübten, als ihr besonderes Vorrecht, weshalb dort sonst kein Mensch einen Tiger jagen durfte. Jung eingesangene Tiger werden sehr zahm und bezeigen eine große Anhänglichkeit an ihren Wärter, alt gefangen dagegen lasscir sie sich nie zähmen. Das gefürchtetste und größte Raubtier Amerikas ist der Jaguar (Felis onca) auch noch Unze oder amerikanischer Tiger genannt. (Tafel 3, Fig. 1.) Das Fell des Tieres ist rostgelb, und trägt vier bis fünf Lüngsreihen großer, schwärzlicher Ringslecken um einen Mittel steck. In seiner Größe steht der Jaguar dem Tiger kaum nach. Von Argentinien durch ganz Südamerika bis Mexiko und auch noch in den südwestlichen Teilen der Vereinigten Staaten verbreitet, kommt er am häufigsten längs der Ströme Panama, Paraguay und Uru guay vor. Während der Tagesstunden ruht das Tier im Dickicht des Waldes, im Schilf des Moorlandes, oder im hohen Gras der Pampas. Die Abend- und Morgendämmerung und auch die stern- oder mond helle Nacht benutzt der Jaguar als Jagdstunden. Als furchtbarer Räuber stellt das Tier allen Wirbeltieren nach, die cs bewältigen kann. Pferde, Esel, Maultiere, Rinder, Hunde, Schweine werden leicht seine Beute. Fehlen größere Tiere, so kommen Goldhasen, Stachelschweine, Ottern, Meerschweinchen, Ratten und dcrgl. ans seinen Tisch, um den Hunger zu stillen. Der Jaguar ersteigt Bäume, um Affen zu erhaschen, er überrascht die Sumpfvögel in ihreni Elemente,4 * 51 er fischt im Wasser nach den beschuppten Bewohnern der Flut. Nur dein Menschen weicht das Tier ans, solange es seine Bekanntschaft noch nicht gemacht hat; verliert jedoch später bald die Scheu und dann greift es ihn ohne Besinnen an. Drängt den Jaguar wütender Hunger, so dringt er selbst am lichten Tage in die Dörfer ein. Wird er arg verfolgt, oder geht die Nahrung aus, so wandert er nach einer anderen Gegend und überschwimmt hierbei mit großem Geschick breite Ströme. Selbst im Wasser zeigt sich das Tier noch furchtbar. „Im Jahre 1819, erzählt Nengyer, ivar ich kurz nach meiner Ankunft in Assuncion (Paraguay) Augenzeuge eines zum Glücke blvs lächerlichen Auftritts bei einer solchen Jagd. Es kam ein Jaguar vom jenseitigen Ufer daher geschwommen. Drei Schiffslcute, Ausländer, sprangen trotz der Warnung eines Paraguayers mit einer geladenen Flinte in ihren Nachen und ruderten dem Tiere entgegen. In einer Entfernung von fünf oder sechs Fuß feuerte der Vorderste die Flinte auf den Jaguar ab und verwundete ihn. Dieser aber ergriff, ehe die Schiffer es sich versahen, den Rand des Nachens und stieg trotz aller Ruder- und Kolbenschläge an Bord. Nun blieb den Schiffsleuten nichts übrig, als ins Wasser zu springen und sich ans Land zu retten. Der Jaguar setzte sich im Nachen nieder und ließ sich wohlgemut stromabwärts treiben, bis er, von einigen anderen Jägern verfolgt, seinerseits ins Wasser sprang und das nahe Ufer gewann." Alis dieses Raubtier wird allgemein Jagd gemacht. Der Indianer läßt den Jaguar mit hierzu abgerichteten Hunden aus seinem Ver stecke aufjagcn. Die gewandte Katze flüchtet hierbei gewöhnlich ans einen Baum und von hier wird sie mittelst vergifteter Pfeile, deren furcht bares Gift bald zu wirken anfängt, erlegt. Auch in der alten Welt werden die großen Katzenarten meistens mit vergifteten Waffen erlegt. Ein Bewohner Javas ist der schwarze Panther (Lcopardus melas). Es ist eilt prachtvolles Tier von dunkler Farbe mit schwarzen Flecken. Wegen seiner gefleckten Zeichnung wird der Leopard (Leo- pardus antiquorum) von vielen für das schönste Tier des Katzen- geschlcchtes gehalten. Gewandt und kräftig, listig und kühn, reiht er sich den beschriebenen Arten eng an, und findet sich über fast ganz Afrika verbreitet wo er mitunter in größerer Menge auftritt. Den Menschen fürchtet er, den Tieren gegenüber zeigt er sich als erbar- niungslvser Feind, voll Mordgier und Blutdurst. Von allen Tieren der ganzen Katzenfamilie hat sich nur ein Tierdem Menschen enger angeschlossen und ist zum Haustier geworden, es ist dieses die Hauskatze (Felis domesticus). Schon von den alten Egyptcrn als Haustier gehalten, ist sie jetzt über die ganze Erde ver breitet. Ihre Klugheit, ihre Nützlichkeit im Hanse, sowie die Anhäng lichkeit an den Ort ihrer Geburt, machten sic besonders schätzenswert. Im wahren Sinne des Wortes ist die Katze zum „Haustier" geworden, denn weit mehr als an ihren Herrn hängt sic an das Haus. Sehr rein lich, besitzt sie für den Haushalt vielen Wert, da sie ohne Unterlaß dein Ungeziefer nachstellt. Auf der Jagd hierbei entwickelt sie eine staunenswerte Gewandtheit; selbst größeren Tieren gegenüber zeigt sie bewunderungswürdigen Mut. Stärker und größer als die Hauskatze ist die Ivilde Katze (Felis kerus). In allen waldreichen Gegenden Europas, besonders in den dichtesten Gebirgswäldern kommt sie vor und verursacht unter Vögeln und dem kleinen Wilde vielen Schaden. Gleich der wilden Katze verursacht auch der Luchs (Lynx vulgaris) dem Wildstaude großen Schaden. Er trägt ein rötlich- graues, unregelmäßig rostbraun geflecktes Haarkleid, einen kurzen, bis zur Hälfte schwarzen Schwanz und lange, in einem pinselförmigen Büschel endigende Ohren. Ein starker, herabhängender Bart geben seinem Gesichte ein sonderbares Aussehen. Seines Schadens wegen, der größer als der des Wolfes ist, verfolgt man den Luchs ans alle Weise. In Deutschland dürfte das Tier nur noch sehr vereinzelt auf- tretcn, dagegen kommt es im Norden von Europa noch ziemlich häufig vor. Sein Fell entschädigt den Jäger für die Mühe seiner Jagd reichlich, da das Pelzwerk sehr gut ist. Als letzten Vertreter der Katzenfamilie führe ich den Gepard oder Jagd-Leopard (Felis jubata) an. Er ist ein schlankes, hoch beiniges Tier, das Mittel- und Süd-Afrika bewohnt. Der Gepard läßt sich unschwer zähmen und wird dann sanft und zutraulich wie ein Hund. Die Araber der nördlichen Sahara richten ihn zur Gazellen- Jagd ab. Die Katzen sind über alle Zonen (mit Ausnahme Neuseelands) verbreitete, durch scharfes Gesicht und Gehör ausgezeichnete, von Fleisch lebende Nachtraubtiere mit abgerundeter Schnauze und langen Spür haaren. Alle sind gewandte und kräftige Räuber, schlau, falsch, blut gierig, die Beute im Sprunge erhaschend. Ihre Zehen sind gespaltenlind tragen znrnckziehbare Krallen. Knochen nnd Muskeln sind stark, daher vermögen sie eine große Kraft lind Schnelligkeit zn entfalten. Alle liefern gutes Pclzwerk. IV. Dentcltirre (Marsupialia), 1. Nanbticrähnliche Beuteltiere (Dasyurus). Die Beuteltiere bilden den Uebergang von den Raubtieren zn den Nagern. In der Statur sind die einzelnen Arten meist klein, in der Körperform dagegen sehr verschieden. Das Kennzeichen dieser Tiere besteht in einem Beutel, der teils sackartig ausgebildet, teils nur aus zwei Hautfalten besteht, und zur Aufnahme der, in einem sehr unvollkommenen Zustande ge borenen Jungen, bestimmt ist. Die Lebensweise der Beuteltiere ist ebenso verschiedenartig wie ihre Gestalt. Einzelne Arten leben ans dein Erdboden, andere ans Bäumen, andere wiederum im Wasser. In früheren Erdperioden lvaren die Beuteltiere in zahlreichen Arten über die ganze Welt ver breitet, gegenwärtig sind sie ganz auf Australien nnd Amerika beschränkt. Zn den Raubbeutlern gehört der Beutelwolf (Oasyurus cyno- ceplialus). (Tafel 2, Fig. 0.) Er ist der größte Repräsentant dieser Familie und bewohnt ausschließlich Bandiemensland. Das bösartige, kampflustige und starke Tier wird über einen Meter lang und richtet' unter den Schafherden der Ansiedler argen Schaden an, weshalb cs eifrig verfolgt, und in das Innere der gebirgigen Insel zurückgedrängt wird. Seine Lebensweise ist eine nächtliche. Hierher gehört unter anderen Tieren auch der gefleckte Bentelmarder (Dasyurus-Maugii). Er findet sich nur in Neuholland in der Nähe der Meeresküste in den Wäldern. Es ist ein durchaus nächtliches Tier. Die virginische Bentelratte oder Opossum (Didelphys opossum) trägt eilt kastanienbraunes Haarkleid mit einem weißen Fleck über jedem Auge. Dem Farmer ist das Tier gründlich verhaßt, weil es in die Geflügelstülle eindringt und sich durch das Blut der getöteten Vögel förmlich berauscht, sodaß cs oft vom Schlafe übermannt, mitten unter dem toten Geflügel angetrvffen wird. 2. Frnchtfressende Beuteltiere (Halmaturi). Zn dieser Familie gehört das Kängeruh (Macropus giganteus). (Tafel 3, Fig. 1.) Es trägt eilt rötlich graues Haarkleid, welches an der Unterseite lichter54 gefärbt ist. Es ist ein großes, kräftiges Tier, dessen Oberkörper dem stark entwickelten Hinterteil mit dem mächtigen Schnmnze und den kräftigen Schenkeln gegenüber, verkümmert erscheint. Das Kängeruh ist dumm, furchtsam und scheu, verteidigt sich jedoch in der Not mit dem Mute der Verzweiflung und kann dann sogar gefährlich werden. Bei nahender Gefahr, die hinter jedem geringfügigen Vorgänge gewittert wird, eilt es mit gewaltigen, bis sechs Meter messenden Sätzen davon. Die Schnelligkeit, welche das Tier bei diesen Sprüngen ent wickelt ist so beträchtlich, daß ein Windhund dagegen langsam erscheint. Von den Eingeborenen sowohl, als auch von den Weißen wird das Kängeruh mit großer Leidenschaft gejagt und ist daher bereits in starker Abnahme begriffen. Aus diesem Grunde ist das Tier auch jetzt seltener in der Gefangenschaft auzutreffen, als es früher der Fall war. Mit dem Kängeruh durchaus keine Aehnlichkeit habend, jedoch zu der selben Familie gehörend, nenne ich noch den Wombat (Phascolomyf fossor). Es ist ein glänzendes und schwerfälliges Tier mit einem un förmlich dicken Kopfe; die Füße sind mit großen Sichelkrallen ausge stattet, mit denen cs sich weite Höhlen in den Boden gräbt. Den Tag bringt das Tier schlafend in seiner Höhle zu. Seine Nahrung besteht ans Gras und Wurzeln. Beuteltiere sind Säugetiere, die sich durch einen Beutel am Bauche anszeichnen, der zur Aufnahme der ziemlich nncntwickclt zur Welr kommenden Jungen dient. Einige Arten nähren sich von Fleisch und Blut, andere nehmen pflanzliche Stoffe zu sich. In ihrer Körperform sind alle sehr verschieden. Ihre Heimat bildet Amerika und Australien, welches letztere die meisten Arten beherbergt. Y. Uugetiere (Glires). 1. Eichhörnchen (Sciurinae). Die Eichhörnchen-Arten sind ans dem großen Geschlcchte der Nager die muntersten und lebhaftesten Tiere. Alle haben einen gestreckten Körper, der einen weichen Pelz und einen langbehaarten Schwanz trägt. Ihre Nagezähne sind scharf und spitz. Außer in Australien verbreiten sich Vertreter dieser Familie über die ganze Erde. Fast alle sind Bewohner der Bäume und ihre Nahrung setzt sich vorzugsweise ans Sämereien und hartschaligeu Früchten zusammen.Ein Hauptrepräscntant, der die ganze Familie am besten charak terisiert, ist nnser gemeines Eichhörnchen (Lolurns vulgaris). (Tafel 2, Fig. 3.) Es ist eines der zierlichsten Tiere unserer Wälder und mit Recht als „Aeffchen der nordischen Waldung" bezeichnet worden. Der schlanke Leib trägt einen, im Sommer oben brännlichroten, an der Kopfseite gräulichen, unten Meisten, und im Winter oben rötlich- gran gefärbten Pelz. Ter lange, buschige Schwanz ist zweizeilig behaart. lieber ganz Europa verbreitet, bilden trockne, schattige Hoch wälder die Heimat des Tierchens. Dort, wo Fichten- und Kiefern zapfen reifen, baut es sich an den Stämmen der Bäume nach Art der Vögel, ans dickerem und dünnem Reisig mehrere Nester, welche innen mit zartem Moos ansgepvlstert, oben kegelförmig und regendicht über dacht sind. Als (lind des Waldes zieht cs von Baum zu Baum, von Krone zu Krone, von Zweig zu Zweig. Selten nur besucht es den Boden, und wenn es geschieht, auch nur auf kurze Zeit. Hat es von Feinden, deren Schlimmster der Edelmarder ist, nichts zu fürchten, so sucht es beständig nach Nahrung, und genießt, je nach der Jahres zeit, Früchte oder Sämereien, Knospen, Zweige und Beeren. Auf den .Hinterfüßen sitzend, führt es mit den Borderfüsten die Nahrung zum Munde. Ist das Wetter trübe und schlecht, so zieht sich das Eichhörnchen in sein bestes Nest zurück. Gegen alle Einflüsse der Witterung ist cs sehr empfindlich, verstopft auch dann den Eingang seines Hauses mit Moos und liegt behaglich znsammcngerollt, die Zeit in träger Ruhe verbringend. Vorsorglich hat das Tierchen im Herbste an mehreren Stellen: in Spalten und Höhlungen von Baumstämmen, unter Wurzeln, Steinen oder Gebüschen, in selbstgegrabcnen Löchern oder in einem seiner Nester 'Magazine angelegt. In harten, langen Wintern braucht es indessen seine Vorräte frühzeitig auf und cs gehen dann viele der Tierchen zu Grunde. Nur seiner Niedlich- und Munterkeit wegen, hegt man das Tier mehr als es Schonung verdient; denn der Schaden, den es durch Ab- beisten junger Triebe und Knospen, Benagen der Rinde und Plündern der Früchte unserer Nutzpflanzen und der Nester hochnützlicher Vögel verur sacht, übersteigt den kaum nennenswerten Nutzen den es stiftet, bei weitem. Zur selben Familie gehört das aschgraue Eichhörnchen •(Sciurus cinereus). Der Pelz des Tieres ist lute der Name schon56 sagt, grau. Es lebt in Nordamerika und ist den Maisfeldern dort sehr gefährlich. Auch das Königseichhorn (Timambulus maximus) gehört hier her. Der Oberkörper ist dunkelbraun, der Unterkörper- weiß. Der Schwanz dieses Tieres ist länger als beim gem. Eichhorn, jedoch nicht so buschig. Es trinkt die Milch der Kokosnüsse mit großer Vorliebe und durchnagt zu diesem Zwecke die starke Schale derselben. Seine Heimat ist Ostindien. Das Flughörnchen (Pteromys volans) trägt einen bläulich grauen Pelz und eine Flughaut am Vorderarm mit abgerundeten Laschen. Dieselbe wird von dem Tiere bei weiten Sprüngen als Fallschirm benutzt. Es bewohnt Nordost- Europa und Sibirien. Folgende, noch zu den Eichhörnchen gehörende Tiere, sind feine Bewohner der Bäume, sondern vollbringen die Stunden ihrer Ruhe unter der Erde. Das Alpen-Mnrmeltier (Aritomys marmota)» hat einen gelblich grauen, dichtbehaarten, etwas plumpen Körper mit kurzen dicken Beinen und breitem Kopf. Gesellig bewohnt cs die Höhen der Alpen, Karpaten und Pyrenäen, und zieht sich bei jedem An schein von Gefahr in seinen ausgedehnten unterirdischen Ban zurück. Hier in demselben, verschläft cs auch häufig acht, unter Umständen sogar zehn Monate, sodaß sein eigentliches Leben kaum den sechsten Teil des Jahres währt. Die Winterwohnung, welche meist in der Region der obersten Alpenweiden liegt, und für eine ganze Familie von 5 bis 15 Stück berechnet ist, besteht aus einer sehr geräumigen, mit dürrem Gras ausgepolsterten Höhlung tut Innern des Berges. Ein 8 bis 10 Meter langer Gang, dessen Eingang von innen mit Heu, Erde und Steinen sorgfältig verstopft ist, führt in das Winterlager. Während des Sommers bezieht das Murmeltier einfachere höher gelegene Baue. Oft steigt cs bis hart zur Grenze des ewigen Schnees empor und führt da ein sehr kurzweiliges Leben. So lvie der Tag, dämmert, kommen die Alten ans der Wohnung, erst stecken sie vor sichtig den Kopf heraus, horchen, spähen umher und wagen sich dann langsam hervor. Jetzt laufen sie einige Schritte bergan, setzen sich auf die Hinterbeine und weiden dann mit enormer Schnelligkeit das kurze Gras ab. Bald darauf stecken auch die Jungen ihre Köpfe hervor, huschen aus der Röhre heraus, weiden ein wenig, lassen sich von der Sonne den Pelz bescheinen und spielen mit einander. Alle Augenblicke richten sie sich hoch und bewachen die ganze Gegend mit der größten Aufmerksamkeit. Das erste der Tierchen, welches etwas57 Verdächtiges bemerkt, pfeift tief und laut, die Nebrigm wiederholen dieses wohl teilweise, und im Nu, wie Heinzelmännchen sind die Tiere verschwunden. Junge gefangene Murmeltiere sind leicht zu zähmen. Der Prairie-Hund (Cynomys Ludovicianus) ähnelt in seiner Lebensweise fast ganz dem Murmeltier. Er bildet ausgedehnte An- siedlungen in den grasreichen Ebenen Nordamerikas. Seine Wohnung kennzeichnet sich durch einen kleinen Hügel mit zwei Eingängen. Tausende der Tiere leben hier an einer Stelle vereinigt friedlich neben einander, sich von den Wurzeln der Gräser nährend. Die aufge worfenen Wohnungen werden „Hnndcdörser" genannt. Die Eichhörnchen ähnlichen Nager sind überall dicht behaart, ihr Körper ist schlank und zierlich gebaut. Manche von ihnen halten einen Winterschlaf. Einige Arten leben ans Bäumen und sind ge schickte Kletterer, andere Arten leben auf der Erde und graben sich hier unterirdische Gänge. Alle sind sehr scheu. Nutzen stiftet keines der Tiere. 2. Mäuse (Mures). Die Familie der Mäuse liefert uns die schädlichsten Tiere des Nagergeschlechtes. Da sie alles Eßbare ver zehren, sind sic ungern gesehene Gäste des Hauses. Ihre Nagezähne sind besonders spitz und scharf, deshalb kennen sie keine Schranke außer Eisen, die sie am Vordringen verhindern könnte. Der erste Vertreter der Mäuse ist die Wasserratte (Hypudaeus amphibius). Sie trägt ein graubraunes, zuweilen schwarzes Haar kleid, einen langen Schwanz und mit Deckel verschließbare Ohren. Sie lebt gewöhnlich hi der Nähe des Wassers in ausgedehnten unter irdischen Bauten, kommt aber auch in ganz trockene Orten, z. B. in Gärten vor, und verursacht hier, durch Zerstören von Pflanzen, vielen Schaden. Im Schwimmen ist das Tier Meister. Für ihre Jungen bereitet sie ein weiches, warmes Nest. Die Feldmans (Amcoh. arvalis), hat einen gedrungenen Leib mit kurzen Bcinchen und einen keinen, behaarten Schwanz. Im Ganzen ist ihr Haarkleid gelblich grau, an der Aftergegend weißlich. Sie bewohnt Mittel- und Nord- Europa, sowie einen großen Teil von Asien, wo sie in unterirdischen, doch wenig tiefen Höhlen haust. Vier- bis sechsmal im Jahre hat sie58 Junge, ihre Vermehrung ist daher ctnc außerordentlich starke. Da das Tier sich hauptsächlich dom Getreide nährt, kann es in Jahren, in denen es sich außerordentlich vermehrt, ganze Ernten vernichten und dann zur Landplage werden. In ebenso großer Zahl tritt auch der Lemming (Myodes Lemnus) ans. (Tafel 8, Fig. 3.) Das Tier hat einen rostgelben Körper, der schwarz gefleckt ist. Die Gebirge Schwedens und Norwegens sind die Heimat des Lemmings und hier nährt sich das Tier von Gräsern und mageren Pflanzen. In manchen Jahren treten die Lemminge in großer, ungeheurer Zahl ans, daß sich sozusagen die ganze Raubticrwclt Skandinaviens von ihnen mästet und selbst die Raubtiere sich ihrer erwehren müssen. Bischof Elans Magnus von Upsala berichtet, daß er im Jahre 1518 durch einen Wald ge ritten sei, welcher derart von Hermelinen erfüllt gewesen sei, daß sie mit ihrem Gerüche den ganzen Wald verpestet hatten. Hieran seien die Lemminge schuld gewesen, die ihren Zug hierdurch genommen, und dadurch die Räuber angelockt hätten. Die Wanderungen der Lemminge geschehen meistens des Nachts. In dichtgedrängten Zügen kommen sic vom Gebirge herab, meist eine gerade Richtung verfolgend. Meeresarmc und Flüsse durchschwimmen sie, nur Felsen und Gebäude, welche sie nicht erklettern können, um gehen sie. Obgleich zahllose Tiere ans diesen Wanderungen zu Grunde gehen, so bleibt doch die Schar stets noch so groß, daß sie durch ihre Züge unermeßlichen Schaden anrichtcn und alle Vegetation zerstören können. Für ihre Heimat sind die Tiere eine wahre Geißel. Ganz allgemein als schädliche Tiere, werden Ratten und Haus mäuse verfolgt, weil sie die Wohnungen des Menschen bedrohen und dort zerstörend und vernichtend auftretcn. Die Wanderratte (Mus decumanus) hat einen rötlichgranen Pelz, der zwischen den kurzen Haaren doppelt längere Borstenhaare trägt. Erst gegen 1727 ans Asien in Europa eingewandert, durch schwamm sie in demselben Jahre, nach Pallas*), in großen Zügen die Wolga, erreichten 1770 von Polen kommend Deutschland und ist jetzt über die ganze Erde verbreitet. An allen Orten wohin sie gekommen ist, hat sie die Hausratte (Mus rattus) vertrieben. Auch diese war im Altertume noch unbekannt und ist wahrscheinlich ans Persien eingewandert oder mit den Schiffen nach hierher verschleppt *) Naturforscher gcb. 1741 rjcft. 1811.59 worden. Die Hausmaus (Mus musculus), weit zierlicher als die Ratte, trägt ein graues Haarkleid und einen langen schuppigen Schwanz. Gleich der Ratte führt sie die Lebensweise wie diese, nur ist sie noch naschhafter und vermag sich bei ihrer Kleinheit überall cinzudrängen sodaß Lebensmittel nirgends vor ihr sicher sind. Auch ihre Vermeh rnng ist wie die der Feldmaus sehr stark, da sie fünf bis sechs mal im Jahre Junge wirft. Zu den letzten Vertretern der Mäusefamilie gehört der Hamster oder das Koruferkel (CJricetus frumentarius). (Siehe Fig. 9 Igel und Hamster Seite 28.) Es trägt ein rotgelbes, unten schwarzes Haarkleid, mit drei gelblichen Flecken an den Halsseiten. Das Verbreitungsgebiet des Hamsters erstreckt sich ungefähr vom Unterlauf des Rheines bis zum Ob in Westsibirien. Er ist ein mürrischer, beißlustiger Geselle, der einzeln in selbstgegrabenen unter irdischen Höhlen, die bis 1 k Nieter unter der Erde liegen, lebt. Ein senkrechtes Fallloch dient als Eingang, ein langes schiefliegendes als Bauloch zur Herausschaffnng der Erde. Sobald der Bau beendigt ist, geht das schiefliegende Loch ein, d. h. es wird nicht weiter benutzt. Der Bau wird nur in Erdschichten angelegt, die durchlässig sind. Die Wohnung des Weibchens besitzt mehrere Falllöcher, damit die Jungen bei cveutl. Gefahr schnell verschwinden können, ohne sich gegenseitig beim Entschlüpfen zu behindern. Nur zur Zeit der Paarung vertragen sich beide Geschlechter. Die. Gänge des Baues führen zu mehreren breiten, runden, durch horizontale Gänge verbundenen Höhlen, deren eine mit trockenen Kräutern ansgelegte als Wohnung dient, während die übrigen als Magazine benutzt werden. Diese Magazine sind alle mindestens dreifach so groß als der Wohnranm, und enthalten die Nahrungsvorräte für den Winter. Sie setzen sich ans Getreidekörnern, Leinknoten, Bohnen und Erbsen zusammen. Zum Einsammeln dieser Stoffe kommen dem Tiere die im Innern der Mnndhöhlung gelegenen, bis zu den Schulterblättern reichenden Backentaschen trefflich zu statten. Von der Emsigkeit, mit welcher das Tier sich mit Nahrung versorgt, kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man hört, daß ein einziger Hamster oft bis zu einem Ccntner Körner in seinen Ban einträgt. Mäuse sind kleine Nager mit feinem weichen Fell, spitzer Schnauze und meist langem, teils behaartem, teils unbehaartem Schivanz. .Ihre Nagezähne sind besonders spitz und scharf, lieber die ganze60 Erde verbreitet, vermehren sie sich außerordentlich stark, und werden dmch die Verwüstungen, die sie an Nahrungsmitteln und Gebrauchs- gcgenständcn anrichten, zu einer der schlimmsten Plagen. 3. Manlwnrfsmänse (Onnioularia). Der Blindmaulwurf (Spalax typhlus) besitzt eilt rötlich-aschgraues Haarkleid. Der Vorder kopf trägt drei weißliche Binden. Das Tier lebt unter der Erdc^ nährt sich von den Wurzeln der Pflanzen und wirft, wie der Maul wurf, die Erde auf. Die Heimat des Blindmanlwnrfs ist Südrußland und Ungarn. Auch den Zokor (Aspalax zokor) will ich als hierher gehörend noch kurz anführen. Der Pelz des Tieres ist rotgran. Die Vorderfüße tragen sichelförmige Krallen. Der Zokor lebt in Sibirieir und führt eine ähnliche Lebensweise wie der Blindmaulwurf. Die Manlwnrfsmänse sind Nagetiere ohne ein äußeres Ohr. Der Schwanz ist, falls er vorhanden, kurz; die Augen der Tiere sind klein. Alle führen ein unterirdisches Leben und nähren sich von beit Wurzeln der Pflanzen. 4. Halbhufer (Subungulata). Die Halbhufer liefern uns Tiere von wohlschmeckendem Fleische. Zn ihnen gehört das Flnßschwcin (Hydro chocrus capybara), welches eilt struppiges, gelbgraues Haar kleid trägt. Es ist das größte Nagetier und lebt gesellig an den Flußufern Amerikas. Auf dem Lande bcnimmt sich das Tier ziemlich ungeschickt, schwimmt dagegen vortrefflich. Es ist ein stumpf- sinniges, geistig wenig begabtes Tier, indessen leicht zn zähmen. Das hierher gehörende Meerschweinchen (Cavia cobaya) mag diese Fa milie beschließen. Es stammt aus Südamerika, und weil cs über das Meer geführt wurde, ist cs Meerschweinchen genannt worden. Der Pelz des Tieres ist unregelmäßig weiß, schwarz und rotgelb gefärbt. Halbhufer sind Nagetiere mit kurzen Ohren und Schwanz, deren letzterer auch oft fehlt. Einige Arten tragen an den Hinterfüßen Schwimmhäute, anderen Arten fehlen dieselben. Alles sind plumpe Tiere, die ihre Heimat in Südamerika haben.— 61 — 5. Schwimmfilßer (Palmipedia). Die Nagetiere sind die Bau meister unter den Säugetieren, der Baumeister unter den Nagetieren ist der Biber. Der Biber (Castor fiber) trägt einen braunen, ins rötliche oder gelbliche gehenden Pelz. Sein Leib ist stark und plump, der Kopf dick und abgeplattet, der Schwanz breit und geschuppt. Ehe mals durch ganz Europa, Asien und Nordamerika verbreitet, ist er gegenwärtig bei uns fast ganz ausgcrottct, auch in den beiden anderen Erdteilen hat er in Folge von Nachstellungen bedeutend abgenommen. Nur die Elbe und Donau beherbergt in Deutschland noch einige Exemplare. Unter seinen Artengenossen ist der Biber das größte Tier mit, er erreicht ein Gewicht von 20 bis 25 Kilogramm. Fleisch und Fell, sowie das Bibergeil, eine salbenartige, krampfstillende Substanz, die von zwei Drüsen des Unterleibes abgeschieden wird, stehen hoch im Preise und tragen dazu bei, dem Tiere den Untergang zu bereiten. Die Nahrung des Bibers besteht in Wassernüssen, Seerosen, Baumknospen und Blättern, hauptsächlich aber in der Rinde von Weiden, Pappeln, Eschen, Erlen und Birken. Die von ihnen abge- nagten und entrindeten Stämme, Acste und Zweige finden nur bei den Bauten Verwendung. Diese Bauten werden von allen Tieren (die Biber bilden Kolonien) errichtet. Sie führen 1, 2 ja bis 3 Meter hohe und 3 bis 4 Meter im Durchmesser haltende, kuppelförmige Gebäude mit mehreren Ge mächern, die teils als Wohnungen, teils als Magazine benutzt werden auf. Die Außenwände dieser Gebäude, die man treffend „Burgen" genannt hat, sind oft mehr als fußdick und bestehen ans aufgehäuften Knütteln, welche durch Lehm, Schlamm oder Sand vermauert werden. Der Eingang zur Burg liegt immer unter Wasser, wodurch nicht gut schwimmende und tauchende Feinde erfolgreich abgehaltcn werden. Um nun einen möglichst gleichmäßigen Wasserstand zu erzielen, wird von den Tieren der Bach oder Fluß unterhalb der Burgen durch einen starken, aus Baumstämmen, Aesten und Erde aufgeführtcn Damm, der am Grunde 4 bis 6 Meter, oben 1 bis 2 Meter breit, und je nach Umständen 150 bis 200 Meter lang ist, gestaut. Zum Damme finden oft Stämme von einem Fnß Durchmesser Verwendung, die in beliebig große Stücke zerschnitten werden. Leben Biber dagegen nur paarweise, oder in vereinzelten kleinen Familien, so ist es natürlich ausgeschlossen, daß von den Tieren der artige Kunstwerke aufgeführt werden, dann begnügen sie sich mit ein-62 fachen unterirdischen Röhren und Höhlen, die sie am Ufer der Ge wässer graben. Zur selben Familie gehört der südamerikanische Sumpfbiber (Myopotamus coypus), dessen Pelz unter dem Namen Nutria einen bedeutenden Handelsartikel ansmacht. Das Tier ist etwas- kleiner als der gemeine Biber, und unterscheidet sich überdies durch den dicken rnnden Schwanz. Er bewohnt die gemäßigte Zone Süd- Amerikas, wo er paarweise in Höhlen an den Ufern der Seen und Flüsse lebt. Auch die kanadische Bisamratte (Fiber zibethicus) gehört hier her. Sie hat einen untersetzten Bau mit breiten: rund lichen Kopf. Ihr Fell ist sehr dicht, glatt und glänzend, die Hinter füße sind nur mit halbe,: Schwimmhäuten versehen. An: Unterleibe liegt eine Drüse, in der sich eine nach Zibcth riechende Flüssigkeit ab sondert. Die Bisamratte bewohnt die Ufer von Flüssen und Seen in Nordamerika und führt in: Wasser knppelförmige, aus Schilf nnd- Schlamn: gebildete Bauten auf. Schwimmfüßer sind Nagetiere mit einem dicht behaarten Körper und Schwimmhäute tragenden Hinterfüßen. Es sind wahre Bau meister, die oft kunstvolle Bauten im Wasser anfführen. Meist leben die Tiere zu Kolonien vereinigt. Ihr Fleisch ist nahrhaft, ihr Pelz sehr gesucht. Ihre Nahrung besteht ans Pflanzenstoffen. 6. Hasen (Leporina). Die Familie der Hasen, welche mit Aus schluß Australiens über die ganze Erde verbreitet ist, liefert uns für die Jagd, und somit für den Haushalt nützliche Nager. Obenan steht der gemeine oder Feldhase (Lcpus timidus). Er findet sich in ganz Mittel- und Südenropa und ist allbekannt. Hier bewohnt er so wohl die Ebenen, als auch das niedrige Gebirge und hält sich in Höhlungen am Boden ans, die er zum Teil selbst gräbt. Er nährt sich von krautartigen Pflanzen, Gräsern und Wurzeln. Das Tier ist ungemein furchtsam und flüchtig und mit einem feinen Gehör begabt. Seines äußerst wohlschmeckenden Fleisches wegen wird er stark gejagt, auch von vielen Raubtieren verfolgt, sodaß er trotz seiner Fruchtbar keit nirgends häufig anftritt. In: Winter, wenn der Boden mit Schnee bedeckt ist, kommt für den Hasen die schlechte Zeit, und muß er sich nunmehr nnt der Rinde63 junger Bäume und Sträucher beguügeu. Hierdurch richtet er iir Baumschulen, Gärten und Lärchenwalduugen großen Schaden an. Der Kleinheit seiner Augenlider wegen, schläft der Hase mit offenen Augen, überhaupt ist sein Gesicht nur schlecht entwickelt, desto besser jedoch sein Gehör. Ein sehr naher Verwandter des Hasen ist das Kaninchen (Lepus cuniculus). Wild ist das Tier in ganz Süd- uud Mitteleuropa verbreitet, gezähmt dagegen in vielen Häusern anzu treffen. Die Fruchtbarkeit des Kaninchens ist sehr groß, sodaß ein Paar in einem Jahre gegen 60 Junge zur Welt bringen kann. Diese leichte Zucht, verbunden mit der leichten Ernährung macht die Kaninchen haltung sehr lohnend, da außer dem Fleische auch die Felle vielfach Ver wendung finden. Ein auswärtiger Vertreter der Hasenfamilie ist der Pfeifhase (Lagomys alpinus), der in Sibirien lebt. Das Tier sammelt im Herbste Kräuter ein, deren es während des Winters zur Nahrung be darf, breitet sic an der Sonne aus zum Trocknen, trägt sie zu großen Haufen zusammen und gräbt von seiner Wohnung aus zu jedem Haufen einen unterirdischen Gang. Hasen sind Nagetiere mit gestrecktem Körper, hohen Hinterbeinen und länglichem Kopf mit sehr langen Ohren. Der Schwanz ist nur kurz, fehlt auch einigen Arten ganz. Alle sind äußerst furchtsame Tiere, die mehr eine nächtliche Lebensweise führen. Sie ernähren sich von Gräsern, und geben ein geschätztes Wildpret. 7. Wollhasen (Lagostomi). Zn den Wvllhasen gehört die Chinchilla (Eriomys Chinchilla). Das Tier trügt ein oben schwarz- grau gewolltes, unten einfarbig graues Haarkleid und lebt in Peru und Chile. Sic liefert das feinste aller Pelzwerke. In der Körper form anders gestaltet als die Chinchilla ist die ägyptische Spring- maus, auch Wüstenspriugmaus (Haltomys aegypticus) genannt. (Tafel 3, Fig. 4.) Das Tier hat sehr verlängerte Hinterbeine, mit denen es die gewaltigsten Sprünge mit unglaublicher Schnelligkeit ausführt. Der Schwanz endigt in eine Quaste und ist länger als das ganze Tier. Die Springmaus führt eine nächtige Lebensweise und bewohnt die trockenen Ebenen und Steppen Nordostafrikas und West- asicns. Das Tier nährt sich von Pflanzenstoffen.64 Wollhasen siud Nagetiere mit langen Schwänzen, deren Ende eine Endqnaste trägt. Einige Arten besitzen sehr verlängerte Hinter beine, mit denen sie sich sprnngartig fortschncllen. Alle tragen lange Ohren. Sie führen ein unterirdisches Leben und halten einen Winter schlaf. Pflanzenstoffe bilden ihre Nahrung. 8.-Stachelschweine (^onloat-a). Von dem Laien werden Igel und Stachelschweine oft als zur selben Familie gehörend betrachtet. Deshalb iviederhole ich hier, daß der Igel den insektenfressenden Nanb- tieren, das Stachelschwein den Nagern beigezählt wird. Das gemeine Stachelschwein (Hystrix cristata) hat etwa die Größe eines Dachses, nur erscheint es durch sein Stachelkleid viel größer. Das Tier trägt im Nacken eine Borstenmähne und schwarz und weißgeringelte, sträub bare Stacheln. Die Länder um das Mittelmeer sind die Heimat des Tieres. Es lebt hier in selbstgegrabenen Höhlen, zeigt sich nur in der Nacht und nährt sich von Pflanzenstoffen. Auch die Nahrung des 'Greifstachelschweins (0oroolal>68 prehensilis) besteht aus Vcgc- tabilien. Die Stacheln siud bei diesem Tiere am Hinterrncken länger als am Vorderkörpcr. Der lange Schwanz, den das Tier besitzt, dient beim Klettern zum Greifen. Stachelschweine sind Nagetiere mit gedrungenem Leib und dickem Kopf; der Körper ist mit mehr oder weniger langen Stacheln besetzt. Sie bewohnen die gemäßigte und warme Zone. Ihre Nahrung be steht aus Pflanzenstoffeu. VI. Zahiilüllligo Küngeticrc (Edentata). Diese Tiergruppe bildet eine der merkwürdigsten Klassen der Säugetiere. In Gestalt und Bau sehr von einander abweichend, kenn zeichnen sich alle durch den Mangel der Schneidczähne, bei einigen Arten ist überhaupt keine Spur von Zähnen vorhanden. Die meist nur unvollkommen beweglichen Zehen sind mit Nägeln bedeckt, die häufig starke, sichelförmige Krallen bilden und teils zum Klettern, teils zum Graben dienen. Alle Arten bewohnen die Tropenländer. 1. Faultiere (Bradypus). Schon der Name zeigt es an, daß65 diese Tiere sich durch eine große Trägheit und Langsamkeit anszeichnen, der sich noch ein außerordentlicher Stumpfsinn beifügt. Hierher ge hört das Ai auch drcizchiges Faultier (Bradypus tridactylus) genannt. Unbehilflich wie alle seine Verwandten, besitzt das Tier einen runden, asfenähnlichcn Kopf und einen stark behaarten Pelz. Auf dem Boden ist das Tier vollständig hilflos, zeigt dagegen im Klettern eine staunenswerte Gewandtheit. Aber nur ungern ent schließen sich die Tiere zu Kletterübungen, sie führen in den dichten Kronen des Urwaldes ein langweiliges Stillleben. Ihre Bewegungs art ist eigentümlicher Natur. Mit den großen starken Sichelkralleie ihrer Glieder haken sie sich kopfnutcrst hängend und schieben sich so ganz gemächlich voil Ast zu Ast und schließlich auf die herüberhän genden Zweige einer benachbarten Baumkrone. Oft bringen sie ganze Tage und Nächte in ein und derselben Stellung unbeweglich zu. Dieses eigenartige Leben hat zu mancherlei Fabeln Veranlassung gegeben. So wissen alte Naturgeschichten zu erzählen, daß das Faultier mehrere Tage brauche, bis cs den Gipfel eines Baumes erklommen, daß cs zu faul zum Herabsteigen sei und sich einfach zur Erde fallen lasse, und daß es nur von der Luft lebe. Die Nahrung des Tieres setzt sich aus Blatt- und Blutenknospen, sungen Schößlingen und weichen Früchten zusammen. Die weiter hierher gehörenden Arten übergehe ich und schließe mit der Charak teristik der Faultiere. Faultiere sind Säugetiere mit kurzer Schnauze, ganz in der Haut versteckt liegenden Zehen, starken, zusammengedrückten Krallen und kurzem, oft fehlenden Schwanz. Es sind langsame, fast nur von Blättern lebende Tiere, die ihre Heimat in Südamerika haben. 2. Gürteltiere (Cingülata). Die Gürteltiere sind ebenso plumpe Geschöpfe wie die Faultiere. Ihre kurzen Beine tragen starke Grab klauen, ihr Rücken und die Seiten besitzen einen Panzer. Hierher ge hört unter anderem der borstige Armadill (Euphractus setosus). Er trägt einen, ans sechseckigen Plättchen bestehenden Panzer, welcher ans dem Rücken in sechs bewegliche Gürtel geteilt ist. Das Tier erscheint plump und ist sehr schwerfällig, lebt in Südamerika in Erd- höhlen und nährt sich hauptsächlich von Ameisen. Dns Tierreich. £66 Das Niescngürteltier (I6uphractus giganteus) (Fig. 14.) ber Schild Wurf (Clilamydophorus truneatus) 2C. Alle Gürteltiere sind Bewohner Amerikas und nähren sich von Pftanzenstoffen, Aas, Ameisen und Kerfen. Mit Anbruch der Dunkel heit kommen diese gepanzerten Feiglinge aus ihren tiefen, unterirdischen Bauten hervor und ziehen, langsamen Schrittes sich bewegend, von einem Orte zum anderen. Nur die Erde ist ihr Element. So lang sam und träge sie im Gehen erscheinen, so schnell und behende sind sie,, wenn es gilt, sich in die Erde zu graben. Aufgescheucht vermögen sie nichts anderes zu thnn, als sich der Erde anzuvertrauen. Und sie verstehen das Graben so musterhaft, daß sic sich vor den Augen des Zuschauers in den Boden versenken können. Alles sind friedliche Ge schöpfe, die durchaus harmlos sind. Gürteltiere sind Säugetiere mit kurzen Beinen und starken Grabklauen. Ihr Kopf ist langgestreckt, die Schnauze spitz, die Ohren aufrecht stehend. Ihr Körper ist mit einem knochigen Panzer bedeckt,, der in der Mitte mehrere bewegliche Gürtel aufweist. Die Unterseite des Körpers ist mit borstigem Fell bekleidet. Die Zähne sind schwach entwickelt. 3. Wnrmzünglcr (Vennilingula). Die Familie der Wnrmzüngler vereinigt in sich ganz verschiedene Tiere, die in ihrer äußeren Körper form wenig Aehnlichkcit aufweisen und ganz verschiedene Erdstriche bewohnen. Der große, in Südamerika lebende Am eisenfresserliUyrmooopbaga jubata), ist ein vollständig zahnlojes Geschöpf. Sein Körper ist lang haarig graubraun mit weißen Längs- und Schulterstreifen. Der Schwanz, hat einen Panzer, der dreizehn be wegliche Ringe trägt. Die Border- glieder tra gen gewal tige Grab klauen. Das Fig. 14. Nicsengüriclticr. Namen nach anführe, sind Tier lebt in Brasilien. die Bolita (Lupllrav- tn8 Apar),.lmill und buschig. Der Kopf ist gestreckt, die Mnudösfuuug kaum so groß, daß mau einen Daumen cinführen kann. Die Nahrung des selt samen Tieres, welches mit Schwanz zwei Meter mißt, besteht fast ausschließlich aus Termiten und sonstigen Kerfen. Mit seinen mäch tigen Krallen reißt der Ameisenfresser die Bauten der Termiten oder Ameisen auseinander, streckt dann seine lange, wurmförmige Zunge unter die wütenden Kerbtiere und zieht sie, von denselben ganz bedeckt, schnell in die Mundhöhle zurück. Dies wird so oft wiederholt, bis das Tier gesättigt ist, oder die Ausbeute sich nicht mehr lohnt. Der Ameisenbär, wie das Tier auch noch genannt wird, ist ein äußerst harmloses und friedliches Geschöpf, daß sich nur in der Ver zweiflung zur Wehr stellt, wobei es dann seinen Feind zu umarmen, und ihn die großen Krallen in den Leib zu drücken sucht. Er findet sich nirgends häufig. Das laug schwänz! ge Schuppentier (Manis tctractyla) kommt in Westafrika vor. Auch bei diesem Tiere ist die Zunge lang und klebrig und wird zum Sammeln von Ameisen benutzt. Das kurzschwänzige Schuppentier (Manw xoutackaotyla) hat einen kurzen dicken Schwanz und bewohnt das südliche Asien. „Die geharnischten Ameisenbären" wie man die Schuppentiere auch noch genannt hat, sind nnt großen, sehr harten und scharfkantigen Hornschuppen bedeckt, welche wie die Schuppen eines Tannenzapfens übereinander liegen. Nur die Unterseite des Leibes und die Innenseite der Beine entbehren dieser Platten. Die Zehen tragen starke Grab krallen, die sowohl zum Aufreißen der Termitenbauteu, als zum Graben von Erdhöhlen dienen. Das Fleisch der Tiere wird gegessen und als wohlschmeckend gerühmt. Wurmzüngler sind Säugetiere mit sehr verlängerter Schnauze, ausnehmend kleiner Mundöffnung, langer hervorstreckbarer Zunge und starken Krallen. Einige Arten tragen ein Schuppen-, andere Arten ein borstiges Haarkleid. Ihre Nahrung besteht aus Kerfen. Ihre Heimat sind die Tropeuläuder. 4. Schnabeltiere (Monotremata). Die Schnabeltiere sind die sonderbarsten Geschöpfe der ganzen Säugetiere. Würde es nicht be stimmt bekannt sein, daß sie ihre Jungen säugen, so könnte man sie den Vögeln oder Amphibien zuzählen, mit denen sie teils durch ihre68 schnabelförmige Muiidbildung, teils durch ihren inneren Bau viele Aehnlichkeit anfiveisen. Der Ameisenigel (Echitlna Hystrix) hat einen plumpen, mit Stacheln bedeckten Leib, eine sehr langgestreckte, röhrenförmige Schnauze ohne Zähne. Er nährt sich Hauptsächlich von Ameisen und bewohnt Erdhöhlen im südöstlichen Australien. Das Tier ist sehr furchtsam; wenn cs sich gefährdet glaubt, so gräbt cs sich rasch in den Boden ein, oder rollt sich wie ein Igel zusammen. Die mit gelb lich-weißen Rückenstacheln besetzte Haut, dient den Eingeborenen als Kopfbedeckung. Das Schnabeltier (Ornitliorhynchus paradoxus) (Tafel 3, Fig. 5.), hat ein rötlich braunes, krauses Haarkleid und bewohnt die Flüsse Australiens, an deren Ufern cs seinen langen unter irdischen Ban anlegt. Es ist kleiner als der Ameisenigel und tragt einen breiten Entcnschnabcl, mit denen es auch nach Art dieser Vögel im Schlamme gründelt. Auch trägt das Tier Schwimmfüße. Ob wohl es völlig harmloser Natur ist, haben sich doch mancherlei Fabeln über seine Gefährlichkeit verbreitet, und selbst verhältnismäßig starke Tiere scheinen sich vor ihnen zu fürchten, was wohl in seiner eigen tümlichen Gestalt begründet sein mag. Auf dem Boden dahinlaufende Schnabeltiere erscheinen dein Auge als etwas Uebernatürliches und die seltsame Gestalt erschreckt leicht den Furchtsamen. Die Nahrung des Tieres besteht ans kleinen Wassertieren. Schnabeltiere sind 1 Säugetiere mit verlängerter Schnauze, die breit, platt und bei einigen Arten hornartig ist. Zähne fehlen, dafür befinden sich mehrere Reihen nach Hinten gekrümmter Hornspitzen am Gaumen. Die Zehen sind teils zum Graben eingerichtet und tragen starke Krallen, anderenteils dienen sie zum Schwimmen und sind dann durch Schwimmhäute verbunden. Die Nahrung der Tiere besteht ans Würmern, ihre Heimat ist Australien. VII. Uielhnfer oder Dickhäuter (Multungula). Diese Ordnung vereinigt in sich meist große plumpe Tiere. Da die Zahl der Hufe an den Füßen höher als zwei steigt, haben die Tiere sich obigen Namen verschafft, jedoch trifft diese Bezeichnung nicht immer zu, da auch einige Arten nur mit zwei Hufen auftrcten. Ihre Nahrung entnehmen die Bielhnser fast ausschließlich dem Pflanzenreiche.69 1- Niisselticre (Proboscidca). Die Nüsse liiere, die gewaltigsten aller Landtiere, sind übcrgebliebene Zeugen als alter Zeit. Ihr be< zeichnenstes Merkmal ist die lange, wunderbar bewegliche Nase, welche als Geruchs-, Tust- und Greifswerkzeng dient und etwa 40 000 Mnskel- bänder trägt. Der Hanptllertretcr dieser Art ist der indische Elefant (lOIcplias indicus). (Fig. 15.) Sein Körper ist branngrau und nur spärlich mit borstenähnlichen Haaren bedeckt. Der große Kopf trägt außer zwei großen Hängeohren den langen Rüssel. Mit diesem reißt das Tier den Baum ans der Erde und hebt ein einzelnes Blättchen vom Boden auf, es packt damit den Tiger und schlendert ihn in die Luft, cs Fig. 15. Indischer Elefant. führt damit die Nahrung zum Munde, sangt Wasser auf und schüttet es sich in den Nachen, es füllt ihn mit Staub und bläst denselben über seinen Körper, um lästiges Jnsektengesindel zu vertreiben, cs liebkost damit sein Junges, durch ihn atmet es und läßt seine Trompetenstimme ertönen, wenn es zum Angriff auf den Feind übergeht. Nicht weniger merkwürdig ist auch das Gebiß. Aus der Mitte des Oberkiefers ragen zwei riesige Stoßzähne, welche bis zwei Meter lang und 150 bis 180 Pstind schwer werden können. Außerdem steckt in jeder Kicscrhälftc ein einziger, aber riesiger Backenzahn. Das Auge70 ist sehr klein und schickt einen gutmütigen Ausdruck in die Welt. Die großen, hängenden Ohren haben das Aussehen Non zwei angehängten ledernen Lappen. Im höchsten Grade scheint der Elefant schwerfällig und unbe holfen zu sein, ist jedoch in Wahrheit sehr bcwcgungsfähig und tu allen seinen Bewegungen sehr geschickt. Ruhig und gemächlich geht er seinen Weg, aber er vermag den Gang so zu beschleunigen, daß er einen davonsprcngenden Reiter einholt. Durch den dichtesten Urwald bahnt der Elefant sich spielend seinen Weg, er setzt ohne Mühe über breite Ströme und erklimmt hohe Gebirge. Im Urwalde ist er neben dem Rashorne der eigentliche Straßenbauer. Das Unterholz tritt er unter seinen breiten Fußen zusammen, kleinere Bäume werden hierbei ausgerissen und deren Acste verspeist. In gebirgigen Gegenden sind alle seine Wege mit großer Vorsicht angelegt. Kommt das Tier beim Herabsteigen an einen Abhang, der nicht umgangen werden kann, so kniet es nieder, daß Brust und Bauch ans dem Boden schleppen, schiebt die Vorderbeine vorsichtig und langsam vor sich hin, bis sic an irgend einer Stelle Halt gewonnen haben, zieht dann die Hinterbeine nach, um so gleitend lind rutschend in die Tiefe zu gelangen. Bei aller seiner nngehcnercn Kraft, seinen gefährlichen Waffen, ist der Elefant ein sanftes, fast furchtsames Wesen, das mit jedem Geschöpfe im Friedcit lebt. Gereizt oder verwundet dagegen kann er in die rasenste Wut versetzt, und dann äußerst gefährlich werden. In der Gefangenschaft ivird der Elefant bald außerordentlich zahm. Er lvird hier zur Bearbeitung der Reisfelder und Plantagen, zum Lasttragen, Reiten nnb früher auch zum Kriege benutzt, hält aber selten länger als ein paar Jahrzehnte aus und bringt hier niemals Nachkommen hervor. Während bei uns der Elefant mir ein Prunk- und Schaustück der Tierbnden und Zoologischen Gärten ist, wird er zu den oben be schriebenen Arbeiten in seiner Heimat, Indien, gehalten und ist hier so ein Haustier geworden. Erstaunlich ist es, mit welcher Klugheit sich diese gewaltigen Tiere benehmen, um schwere Lasten z. B. Baum stämme von tausenden Kilo von einem Orte znm anderen zu schaffen, weil sie sich hierbei gegenseitig unterstützen. Der afrikanische Elefant (Elephas africanus) ist größer als sein indischer Vetter und zeichnet sich durch seinen flachen Kopf mit schiefer Stirn und auffallend großen, unbeweglichen Ohren aus. Er ist über ganz Mittel-Afrika verbreitet.Nüsscltiere sind Säugetiere, mit einer langen, zu einem beweg lichen Rüssel ausgebildeten Nase, und langen Stoßzähnen. Alle sind gesellige, furchtsame Tiere, die bis zu Hunderten, in den feuchten Waldungen Asiens und Afrikas, von einem alten Weibchen oder einem der größten Männchen angeführt, leben. Ihre Nahrung entnehmen die Tiere dem Pflanzenreiche. 2. Dickhäuter (Pachydermata). Die Dickhäuter gehören aus schließlich der heißen Zone an: Ostindien und seine Inseln, das süd liche China, Afrika und Amerika bilden ihre Heimat. Als das älteste Geschlecht der hierher gehörenden Arten stelle ich die Tapire oben an. Der indische Tapir (Tapirus indicus) hat einen plumpen Körperbau. Das feinbehaarte Fell ist tiefschwarz gefärbt, Rücken und Seiten indessen wie mit einer weißen Schabracke bedeckt gezeichnet. Seine Heimat ist Ostindien und China. Der amerikanische Tapir (Tapirus ameri- canus) ist einfarbig braun und trägt eine starke Nackenmähne. Bei beiden Arten ist der Kopf lang und schmächtig und trägt einen kurzen .Rüssel, welcher wie beim Elefanten als Greiforgan dient. Das Fleisch beider Tiere ist schmackhaft. Die Tapire lieben wasserreiche Urwälder, wo sie zum Schwimmen und Tauchen Gelegenheit haben. Ihre Nahrung besteht in Blättern, Wurzeln und Früchten. Es sind gutmütige, furchtsame Geschöpfe, die selbst vor dem kleinsten Hunde ansreißcn, das größte Entsetzen aber vor dein Menschen bezeugen, der auch ihr gefährlichster Feind ist. In der Angst bricht der Tapir durch das ärgste Dickicht und zerreißt die starken Schlingpflanzen mit der größten Leichtigkeit. Nur wenn die Tiere Junge haben, die sehr von den Eltern geliebt werden, setzen sie sich wütend zur Wehr und achten auf keine Verwundung. Nicht so gutmütig und furchtsam zeigt sich das Nashorn, deren es mehrere Arten giebt. Ich nenne hier das indische Nashorn (Rhinoceros indicus). Es ist eines der plumpesten Tiere und trägt eine ungemein dicke, fettige, in Falten geteilte Haut, die den ganzen Körper wie mit einem Panzer umgiebt. Der mißgestaltene Kopf trägt in der Nähe der Schnauze ein spitzes, nach rückwärts gekrümmtes Horn. Dieses Horn besitzt keinen Knochenzapfen und ist als ein Obcrhautgebilde, Haaren und Nägeln gleich zu betrachten. Alle Nashörner sind träge, langweiliges geistig beschränkte und72 sehr bösartige Geschöpfe. Hinsichtlich ihrer Nahrung sind sie nicht gerade wählerisch: Schilf- und Steppengräser, Bauinblätter, Disteln und harte Standen, selbst Dornen bilden ihr Futter. Wo sie in be baute Felder cinbrechen, richten sie bedeutenden Schaden an. Ebenso wie Elefanten und Tapire bewohnen sie wasserreiche Gegenden, wo sich ihnen Gelegenheit zum Trinken und Baden bietet. Mit dem größten Wohlbehagen wälzen sie sich täglich int Schlamme, um sich von Insekten zu befreien, denn trotzdem, daß eine Flintenkngel die Haut nicht durchbohren kann, ist sie gegen Insektenstiche sehr empfindlich. Den Tag verbringen die Tiere schlafend oder unbeweglich im Schatten der Urwälder, ihre Thätigkeit beginnt erst bei Anbruch der Nacht, wo sie auf Nahrung ansgehen. Bon einem erlegten Nashorn sind alle Teile verwendbar. Fleisch und Fett werden gegessen, ans der Haut verfertigt man Schilde,. Schüsseln, Peitschen re., aus dem Horn Säbelgriffe und Trinkbecher. Derartigen Bechern schreibt der Orientale, der zum Aberglauben sehr- geneigt ist, die wunderbare Eigenschaft zu, daß giftige Flüssigkeiten durch Aufschüumen sich sogleich in ihnen anzeigcn. Ein gleicher Riese wie Nashorn und Elefant ist auch das Flußpferd (Hippopotamus amphibius). Während beim Nashorn noch eine verlängerte Oberlippe vorhanden ist, fehlt diese dem Flußpferde schon ganz. Am anffallensten bei dein Tiere ist der große, fast viereckige Kopf, mit der sehr breiten und. dicken Schnauze, welche im Unterkiefer ungeheuere Eckzähne trägt. Tie stämmigen Beine ragen nur etwa Vs Meter aus dem Leibe her vor, so daß der Bauch fast den Boden berührt. Erwachsene Fluß pferde habcil ein Gewicht von 60 bis 70 Zentner. Die dicke Haut ist fast gänzlich nackt und durch zahlreiche sich kreuzende Furchen in schuppenartige Felder geteilt. Ihre Färbung ist ein eigentümliches Kupferbraun, von dem sich wieder bläuliche Flecken abhcben. Das Flußpferd ist in seiner Lebensweise durchaus an das Wasser gebunden und findet sich in fast allen größeren Gewässern Afrikas. Während der Tagesstunden verlassen die zu Gesellschaften vereinigt lebenden Tiere nur an ganz menschenleeren Orten das Wasser, um sich in der Nähe des Ufers, teils im seichten Wasser, teils auf dem festen Lande, einem träumerischen Halbschlummcr hinzugeben. Hierbei wühlen sie nach Art der Schweine und erheben von Zeit zu Zeit ein wenig die Köpfe, um zu sichern. Erst gegen Abend kommt in die ganzc Gesellschaft reges Leben. Während die Männchen am Tage73 nur grunz sten, erwächst dieses jetzt zu einem starken Gebrüll und' spielend taucht dann die ganze Herde im Strome auf und nieder. Dort, wo das Gewässer eineil reichen Pflanzenwuchs aufweist, frißt das Tier bei Tag und Nacht. Es taucht hierbei unter, wühlt unter den Pflanzen herum und erscheint dann mit einem großen, dicken Bündel derselben an der Oberfläche, legt dieselben hier nieder und zer kaut sie nun langsam und behaglich. Zu beiden Seiten des breiten Maules hängen dabei die Nanke» herunter und grüner Speichel, mit Pflanzensaft vermischt, läuft beständig über die dicken Lippen. Wo aber keine Wasserpflanzen vorhanden sind, muß das Flußpferd an das Land gehen und hier weiden. Im Urwalde sind überall da die Wege des Tieres ?>u sehen, wo die Pflanzenwelt ihren Reichtum hervorbringt. Lebt das Tier dagegen in der Nahe der Ansiedlungen, so plündert es die Frnchtfclder. Auf seinen Weidegängen ist das Flußpferd sehr ge fährlich, es wird dann zu einem, das Leben des Menschen und der Tiere bedrohenden Geschöpfe; denn mit blinder Wut stürzt es sich auf alle sich bewegenden Gestalten und vernichtet dieselben, sobald es sie erreicht. Ebenso gefährlich wird das Tier, wenn cs Junge hat. Ein Weibchen, welches sein Junges bei sich hat, hemmt die Schiffahrt bei Tag und Nacht, wenn es vermutet, sein Juyges bedroht zu sehen. Fleisch und Fett eines erlegten Flußpferdes werden gern gegessen, die Zähne liefern ent vortreffliches Elfenbein und die Haut wird zu ver schiedenen Zwecken benützt. Der kleinste aller Dickhäuter ist der capische Klippenschliefer (llyrax capensis). Er trägt ein gelblichbraunes Haarkleid, welches mit einzelnen helleren oder dunkleren Haaren durchsetzt ist. Das Tier ist durchaus nicht plump und besitzt einen kurzen, eiförmigen Kopf. Es bewohnt in Gesellschaften die Klüften und Spalten der Felsen am Kap der guten Hoffnung und nährt sich von Pflanzenstoffen. Das Fleisch ist wohlschmeckend. Dickhäuter sind Säugetiere mir meist plumpem Körper, kurzen und dicken Gliedmaßen und einer sehr dicken, bei den meisten Arten wenig behaarten Haut. Sie gehören zu den Riesen der Landtiere und lind Ucbcrblcibsel einer vorwcltlichen Schöpfungsperiode. Ihre Nahrung nehmen sie alle aus dem Pflanzenreiche.— 74 — 3. Schweine (8»8). Diese Familie liefert uns für dcu Haushalt sehr wertvolle Tiere, da alle ein äußerst wohlschmeckendes Fleisch be sitzen. Als ein Abkömmling des Wildschweines anzusehen, ist das Hausschwein (8us scrofa domestica). Es ist in vielen Nassen über die Erde verbreitet und alle Teile desselben werden von dem Mensche» benutzt, daher ist seine Zucht auch äußerst gewinnbringend, umso mehr, da das Tier Alles friß, ums ihm vorkommt und leicht fett wird. Das Fleisch wird, wenn es mit Muskel-Trichinen oder Finnen durchsetzt ist, sehr schädlich und darf dann nicht genossen werden. Das Wildschwein (8ns scrofa) trägt ein schwarzbrauncs, mit mehr oder weniger gelb oder weiß gemischtes borstiges Haarkleid. Es ist ein ge waltigcs Tier der deutschen Waldungen und erreicht ein Gewicht bis 15 » 500 Pfund. Beim Männchen sehr stark entwickelt sind die drei kantigen Eckzähuc, Hauer genannt, mit denen sich das Tier trefflich verteidigen kann. Feuchte, sumpfige Wälder, Dickichte oder mit hohem Gras bedeckte, wasserreiche Niederungen, sind seine Licblingsanfenthalts- orte. In Europa lebt nur diese eine Art im Naturzustände, die auch bald ausgcrottct sein wird, während die südlichen Länder noch nianche Arten beherbergen. Celebes und die Mollnckcn haben den Hirscheber (Porcus Babyrussa), der sich durch die eigentümliche Form seiner Eck- zähnc auszeichnet, welche geweihartig aufgerichtet und nach hinten ge krümmt sind. Mittel-Afrika besitzt das abyssinische Warzenschwein (I J liacohoerus Aeliani), welches auf dem Rücken eine starke Borsten mähne trägt und eine dicke, wenig behaarte Haut besitzt, die durch Falten in viele kleine Felder geteilt ist und dadurch ein warziges An sehen bekommt. Die waldreichen Ebenen Südamerikas beherbergen in großen Nudeln den Pekari (Piec>tylo8 torgnatno) u. f. w. Schweine sind Säugetiere von schwerem, massigem Körperbau, deren Leib von schlanken, dünnen Beinen getragen wird. Ihr Kopf ist kcgelartig und trägt eine rüsselartig verlängerte Schnauze. Die Behaarung der Tiere ist borstig. Ihre Eckzähne sind meist stark ent wickelt, gekrümmt und nach oben gebogen. Die Tiere sind mit Aus schluß Australiens über die ganze Erde verbreitet, wo sie gern feuchte Wälder bewohnen und sich in kleinen Nudeln anfhalten. Ihre Nahrung besteht ans tierischen und pflanzlichen Stoffen.VIII. Einhufer (Solidungnla). Pferde (Equus). Die Ordnung der Einhufer mit ihrer einzigen -Gattung liefert uns Tiere, die sich durch schöne Gestalt mittlerer Größe auszcichnen. Ihr Körper ist mit einem kurzen, weichen Fell bekleidet und wird von schlanken Beinen getragen. In meist gezähmtem Zu stande sind die Einhufer über die ganze Erde verbreitet. Ein für die Menschheit sehr wertvoller Nepräsentant dieser Gattung ist das Pferd (Equus caballus). Wann und wo das Pferd zuerst gezähmt worden ist, wissen wir nicht. Kein Stein giebt uns Kunde hiervon, aus keiner Inschrift ist es zu lesen. Nicht einmal irgend eine Sage deutet auf dieses welthistorisch so wichtige Ereignis hin. Soweit die Nach richten bei den alten Kulturvölkern des Orientes zurückreichen, finden wir das Pferd bereits in den Dienst des Menschen. Jedoch Anzeichen scheinen darauf hinzudeuten, daß die ersten Zühmnngsversuche in Mittelasien erfolgt seien, das heute noch die gewandtesten Ncitervölkcr und große Horden wilder Pferde anfweist. Gegenwärtig ist das zahme Pferd über die ganze Erde verbreitet und genießt bei den Arabern die vorzüglichste Pflege, weshalb sich auch bei diesem Volke die schönste, kräftigste und ausdauernste Nasse entwickeln konnte. Das arabische Pferd ist außerordentlich lebhaft und feurig, besitzt einen schlanken Bau. kleine Füße und kleinen Kopf. Seine Haare sind kurz und glänzend, die Farbe meist hell: weiß, grau oder braun. Nach einem arabischen Spruche muß das Pferd besitzen: Vom Eber den Mut und die Breite der Stirn, die Anmut und Angen der Gazelle, von der Antilope die Munterkeit und den Verstand, die Schnelligkeit und den -Hals vom Strauß. Nächst dem arabischen Pferde ist das englische Vollblutpferd das edelste. Es ist ein Ab kömmling des Arabers und ein Ergebnis der sorgfältigsten, mehrere hundert Jahre fortgesetzten Zucht. Als vorzüglichstes Rennpferd ver mag es eine Meile in einer Viertelstunde znrückznlcgen. Auf die übrigen Rassen kann ich mich nicht näher einlassen, nenne hier nur noch die hauptsächlichsten Arten: Trakehner, Percheron, Dänen rc. Die Ponny oder schottischen Zwergpferde, die kleinste Pferdeform, welche ans den Schottlands-Inseln und in gebirgigen Teilen Schottlands zu Hause sind u. s. w. Lange nicht so edel in seiner Körperform ist der Esel (Equus asiuus). Er erscheint neben dem Pferde gesehen, wie eine .Karrikatur, nicht nur in leiblicher, sondern auch in geistiger Beziehung,Auch seine Abstammung ist zweifelhafter Natur. Sein Kopf ist groß und trägt lauge Ohren. Sein schläfriges Wesen unterscheidet ihn sehr zu seinem Nachteil vom Pferde, wie auch seine Störrigkeit den Fuhr mann oft zur gelinden Verzweiflung bringen kann. Nur int Süden, unter einem wärmeren Klima, zeigt sich der Esel als ein sehr wert volles Haustier. Während er bei uns struppig nmhergeht und ganz verwahrlost erscheint, ist er dort flüchtig und schnell. Im Gebirge ist er nicht zu ersetzen, da er einen sehr sicheren Gang besitzt. Junge zwischen Pferd und der Eselin heißen Maultiere, zwischen Esel und Stute Maulesel. In der Größe mit dem Esel gleichstchcnd zeigt sich das Tigerpferd oder Zebra (Equus zobra). Es ist ein flüchtiges Tier, welches Südafrika bewohnt, ein Haarkleid aus weiß und schwarzen Streifen und eine kurze, hochstehende Mähne trägt. Das Tier lebt ge- Deii ganze» ~ _ ... „ ' gestreift, Hals ent- während die Streifen beim Zebra über den ganzen Körper sich erstrecken. Beide Tiere sind nur sehr schwer zu zähmen. Einhufer sind Säugetiere, deren einzige Zehe des Fußes von einem nngespaltencn Huf umgeben ist. Aus ihrer Gattung gehen für den Menschen sehr nützliche Tiere hervor, die seit langer Zeit gezähmt, als Haustiere gehalten werden. Alle nähren sich von Pflanzen.77 IX. Wiederkäuer (Rwmnatitia). Die große Familie der Wiederkäuer umfaßt eine Fülle der ver- Ichiedenartigsten Gestalten. So wechselvoll wie die Größe der einzelnen Arten, ist auch ihre äußere Erscheinung. Das äußere Kennzeichen der Tiere prägt sich in dem Fuße aus, der stets aus zwei dreiseitigen Hufen gebildet ist. Die meisten Arten besitzen vier, untereinander zu sammenhängende Magen, den Wanst oder Pansen, an dem sich oberhalb rechts der kleine Netzmagen oder Haube mit maschigen Zellen an seiner inneren Fläche, anschlicßt, dahinter der kleine, innen mit blatt förmigen Vorsprüngen besetzte Blättermagen, auch Buch oder Psalter genannt, und am meisten nach hinten der eigentliche oder Labmagen. Die Speiseröhre senkt sich da ein, wo die drei ersten Magen aneinander grenzen, so daß sie sich in ihnen gemeinschaftlich öffnet. Käuen die Tiere wieder, so gelangt das, aus dem Pansen in die Haube getretene Futter, nachdem es hier mehr eingeweicht ist, durch die Speiseröhre in den Mund zurück, wird hier nochmals gekaut und geht dann ans der Speiseröhre zwischen zwei, eine Rinne bildende Falten, gleich vor dem zweiten Magen in den dritten und aus diesem in den Labmagen. Bei fast allen Arten besitzt der Schädel eine eigentümliche Fortsetzung der Stirnbeine, welche teils Hörner, oder verästelte, ans Knochensubstanz bestehende Geweihe tragen. Diese werden alljährlich abgeworfen und erneuert und finden sich nur bei männlichen Tieren, während die Hörner, die beiden Geschlechtern eigen sind, Zucht ge wechselt werden. Mit Ausnahme Australiens bewohnen die Wieder käuer die ganze Erde. 1. Kamele (Tylopoda). Die Kamelarten sind die größten Wieder käuer. Es sind sehr nützliche, aber wegen des langen, oft 8-förmig gebogenen Halses, der gespaltenen Oberlippe und den hervorragenden Augenhöhlen häßliche Geschöpfe. Weiter kennzeichnen sie sich durch den Mangel an Hörnern und Afterklauen und der schwieligen Fußsohlen. Das einhöckerige Kamel oder Dromedar, schlechtweg Kamel (Camelus dromedarius) genannt, ist das unentbehrlichste Packtier für die Bewohner der ungeheueren Sandwüsten Nordafrikas und Border- asiens, das „Wüstenschiff" dieser unwirtlichen Länder. In seinem Aeußercn ist es, wie alle Kamele, ein wenig anziehendes Tier von un schönem, aber sehr praktischem Bau. Es trägt einen Fetthöcker und ein langes gelbbraunes Haarkleid. Schon seit den ältesten Zeiten ge-78 zähmt und als Last- und Reittier bei dem Karawaueuberkehr durch die Wüsten gebraucht, kommt es nirgends wild mehr vor. Das Tier beansprucht nur eine geringe Nahrung und je trockener das Klima ist, desto besser kommt cs fort. Seine unschätzbaren Eigenschaften sind: Schnelligkeit, Ausdauer und Genügsamkeit. Mit seinen breiten Sohlen vermag das Tier gut ans dem Sande zu gehen und kann in der wüsten Einöde 8 bis 14 Tage ohne Wasser leben. Schon int frucht baren Teile Aegyptens verliert das Kamel sein eigentliches Wesen und in dem, mit üppigem Pflanzenwuchse gesegneten Zentralafrika gedeiht es nicht mehr, hier erliegt es ohne erklärliche Ursache bei einem reichlichen Futter. Weit verbreitet ist der Glaube, daß Reisende, die in der Wüste dem Ver schmachten nahe sind, ihre Kamele schlachten, um sich an dem Wasscr- vorrat der selben zu laben. Es ist aber ganz unmöglich, das Wasser zu trinken, welches tagelang mit den im Magen an- gchäuftcn breitet, der geradezu unerträglich ist. Derartige Sachen gehören in das Reich der Fabel, dagegen ist das richtig, daß ermattete Kamele das Wasser aus ziemlicher Entfernung wittern. Das zweihöckerige Kamel oder Trampeltier (6am6>u8 bactrianus) (Fig. 17.) bewohnt Mittelasien und ist noch häßlicher als das Dromedar, von dem es sich durch den doppelten Rückeuhöcker unterscheidet. Es dient vorzugsweise «ls Lasttier, da es sich seines langsamen, schwerfälligen Ganges Flg. 17. Trampeltier. Nahrnngs- stoffen und- dem Magen safte ver- mengt war. Dieser Brei,, denn Wasser ist es nicht, muß selbst einem halb- verdursteten Menschen unüber windlichen Ekel ein- flößen,da er einen so penetranten Geruch ver-79 Wegen zum Notdienste nicht besonders eignet. Den nordischen Winter verträgt das Tier sehr gut und steigt auch ziemlich hoch in die Gebirge hinauf. Der Warenverkehr im Innern Asiens wird noch jetzt ausschließlich durch Trampeltiere vermittelt. Kamelartige Tiere ohne Höcker besitzt Amerika in dem Lama (Auclienia lama) Nicogentier (Auciienia vicuiina). Die Tiere er reichen nur die Größe eines Hirsches und tragen lange, wollige Haare. Auch das Lama wird in den Gebirgen Perus zum Lasttragen gebraucht. Gegen ihresgleichen wehren sich die Tiere durch Schlagen und Beißen, gegen andere Feinde durch Ausspucken des halbverdauten Speichelbreics. .Kamele sind langhalsige Wiederkäuer ohne Hörner und Knochen- zapfen des Stirnbeins. Einige Arten tragen Fetthöcker; alle leben in Steppen oder dürftige Gegenden. Alle haben Schwielen an Brust und Knieen; ihre Füße haben keine Afterzehen. Für den menschlichen Haushalt sind die Tiere sehr nützlich. Ihre Nahrung besteht aus dürftigen Gräsern, hartschaligen und stachlichen Dornengewächsen. 2. Abschüssige Wiederkäuer (Devexa). Die abschüssigen Wieder käuer haben nur eine Gattung mit einer Art, die der Giraffe (Ca- mclopardis Giraffa). (Fig. 18.) Das Tier zeichnet sich in erster Linie durch die erstaunliche Höhe und die verhältnißmäßig geringe Länge seines Körpers aus. Es besitzt einen kurzen, gedrungenen Körper, hohe Beine, sehr langen Hals und einen kleinen Kopf, der ein kurzes Hörnerpaar trägt. Das Fell ist gelblich weiß, rostbraun gefleckt. Die Heimat der Giraffe sind die ebenen Gegenden Mittel- und Sud-Afrikas, wo das Tier zu kleinen Nudeln vereinigt lebt. Die Bewegungen der Giraffe haben etwas sonderbares. Ist der Gang ruhig, so nimmt er sich verhältnismäßig würdevoll und anmutig aus, der Lauf dagegen ist ein unschöner, lahmer und plumper Galopp, der jedoch in Folge der Weite jedes Sprunges, außerordentlich fördert. Ihre Hauptnahrung entnimmt die Giraffe den Baumblätte,.! und Zweigen, Schlingpflanzen und Flechten, die sie mit ihrer langen, wurm- förmigen, ungemein beweglichen Zunge sehr geschickt zu pflücken ver steht. Gegen scharfe Dornen der Mimosen ist ihr Gaumen ebenso unempfindlich, wie der des Kamels.80 In ihrem Wese» ist die Giraffe intelligent, 'weshalb sie gern in Gefangen schaft gehalten wird. Bei sreundlicherVe- handlang wird das Tier sehr zahm. Im Cirkns Renz hatte man vor Jahren in einer Pantvminc zwei große Gi raffen voreinem Prachtwagen gespannt und dadurch einen imposanten An blick hervorgc- bracbt. Abschüssige Wiederkäuer gutmütig und friedlich, sind Säuge tiere, die in beiden Geschlechtern Stirnzapfen, ckbcr nur vonr Felle über zogen, und kein eigentliches Horn tragen. Ihr Hals ist sehr lang, an der Brust be sitzen sic eine Schwiele, an den Füßen sind keine After- zchcn vorhan den. Die Tiere nähren sich von Baumblättern. Fig. 18. Giraffe. 3. Hirsche (Cervina). Alle Hirsche, und daher ihr Hauptkenn zeichen, besitzen ein, aus Knochenmasse bestehendes, verästeltes, paariges Geweih, welches meist nur dem männlichen Tiere znkommt. Der Körperbau dieser Tiere ist schlank und wohlgeformt, die Beine sind hoch, der kräftige Hals trägt einen meist zierlich gebildeten Kopf, der durch schöne Augen belebt wird. Mit Ausnahme Australiens be wohnen Vertreter des Hirschgeschlcchtes die ganze Welt. Das Reh (Capröolüs Vulgaris) (Fig. 19) ist eines der am zierlichsten gebauten Tiere. Die Beine sind hoch und schlank und tragen kleine Hufe. Das Gehörn ist anfrechtstchend und nur wenig verästelt, die Stangen mit Perlen besetzt. Das Tier ist über ganz Europa, mit Ausnahme der nördlichen Gegenden und über einen großen Teil Asiens verbreitet. Uebcrall bewohnt cs die Wälder zu kleineren oder größeren Rudeln. Es ist ein scheues und kluges Tier, mit—■ Tafel IV. 1. Känguruh, 2. Damhirsch, 3. Gazelle.-' l „ • ■ . ..... •• .81 scharfen Summ begabt und in allen seinen Belvegungen behend und anmutig. Seine Nahrung besteht aus zarten Pflanzen und Blättern. Der Edelhirsch (Larvas alaplms) ist schlank und zugleich kräftig gebaut und zeigt eine stolze und edle Haltung. Ein seines Woll- und grobes Grannenhaar legt sich dicht und glatt über den Leib und Ver längert sich am Vorderhalse beträchtlich. Das Wollhaar ist im Winter aschgrau mit bräunlicher Spitze, die Grannen graubraun, tut Sommer mehr rötlich-braun. Der Edelhirsch ist der stattlichste unserer Hirscharten. Der kleine Kops trägt cm bielsprossiges Geweih, das jährlich im Februar oder Fig. 19. Neh. März abgeworfen lvird und bis August, um einen Zacken vermehrt, wieder wächst. Das Tier bewohnt die ausgedehnteren Waldungen Europas und Nordasiens und tritt natürlich in weniger bevölkerten Gegenden stärker ans, während umgekehrt seine Zahl abnimmt. Seine Nahrung besteht ans allerlei Gräsern, Kräutern, Rüben, jungen Saaten ec. Dem Menschen gegenüber zeigt sich das Tier scheu und sehr ängstlich; tveuu es sich geschützt weiß, zutraulich, aber auch leicht reizbar und dann bösartig. Der Dammhirsch (Oorvns daran) (Tafel 4, Fig. 2.) trägt ein schaufelförmiges Geweih. Seine Färbung im Haar- DnS Tierreich. 6kleide ist sehr wechselnd. In Nudeln bewohnt das Dammwild unsere Wälder, ist auch über einen großen Teil Asiens und Nordafrikas ver breitet. Das Nenntier (Cervus tarandus) trägt in beiden Ge schlechtern ein vielästigcs Geweih, dessen Zacken stark zusammengedrückt sind und bei allen Tieren ein schaufelförmiges Ende bilden. Das Remitier ist der wichtigste Repräsentant der ganzen Hirschfamilie. Es bewohnt den Norden der alten und neuen Welt, wo es gezähmt und wild auftritt. Schon seit den ältesten Zeiten wird es als Haustier gehalten und ist das Zug- und Lasttier des hohen Norden. Das wilde Nenntier lebt gesellig; auf seinen Wanderungen vereinigt cs sich zu sehr starken Herden, die oft Tausende von Stück zählen. Mit seinen breiten Hufen schreitet das Tier ebenso sicher über die winter liche Schneedecke seiner Heimat, wie über weite Sümpfe und Moräste, in welche sich die nordischen Gebiete zur Zeit der Schneeschmelze per wandeln. Auch-schwimmt das Tier vortrefflich und setzt ohne Weiteres über Flüsse und Ströme. Das Elentier oder Elch (Alles jubata) ist die größte Art der Familie der Hirsche. Es ist ein Tier von ge waltiger Leibesgröße und trügt ein breites, schanfclförmiges Geweih. Das Elen findet sich in Europa nur noch selten in Ostpreußen, Lief- land, Schweden und Norwegen, ist indessen iit Nordasien noch ziemlich häufig. Der Virginisehe Hirsch (Cervus virginiana)* bewohnt die Wälder eines großen Teils von Nordamerika. Er ist ausgezeichnet durch sein eigentümliches, nach vorn gekrümmtes Geweih. Der kleinste Hirsch ist der Zw erg Hirsch (Cervus pygmaeus). Das Tier ist nicht größer als ein Kaninchen, nur hochbeiniger. Als letzten Vertreter der Hirscharten führe ich das Moschustier (Moschus moschiferus) an. Es ist von der Größe eines halb ausgewachsenen Rehes. Das Männchen trägt im Oberkiefer zwei lang aus dem Maule hervorragende Eck zähne. Das Tier sondert in einem, am Hinterleibe liegenden Beutel einen eigentümlichen, stark riechenden Stoff, den Moschus ab, welcher zu medizinischen und gewerblichen Zwecken vielfach Verwendung findet. Es bewohnt die hinterasiatischen Gebirge vom Amur bis zum Himalaya, Hirschartige Wiederkäuer sind Säugetiere, bei denen nur Stirn- - zapfen beim Männchen vorhanden sind, beim Weibchen dagegen in der Regel fehlen. Das Geweih ist verästelt und besteht aus fester Knochen masse. Es wird alljährlich im Frühjahr abgcworfen und erneuert sich83 SU immer größeren Dimensionen. Alles sind schnelle, furchtsame Tiere, die einen Hanptgegenstand der hohen Jagd ausmachen. 4. Hornticrc (Cavicornia). Die Familie der Horntiere enthält die zahlreichsten Wiederkäuer und die unentbehrlichsten Horntiere, unser Hornvieh. Alle haben hohle Horner, welche scheidenartig den Stirn zapfen umgeben und zuweilen dem Weibchen fehlen. Die Hörner bleiben zeitlebens sitzen, werden also nicht abgeworfcn. Ans der Familie der Antilopen nenne ich: die Gazelle (Gazella dorcas). (Tafel 4, Fig. 3.) Sie ist besonders schlank und zierlich gebaut, die Beine sind sehr zart und mit schön geformten Hufen versehen. Die Hörner stehen aufrecht nach rückwärts gerichtet. Die Gazelle bewohnt die Steppen und Sandcbenen des nordöstlichen Afrikas, wo sie sich in kleineren Nudeln in manchen Gegenden sehr zahlreich zeigt. Sie ist mit einem scharfen Auge und gutem Gehör begabt und ist flüchtig außerordentlich leicht und anmutig. Die ganze artenreiche Familie der Antilopen steht hinsichtlich ihrer äußeren Erscheinung den Hirschen am nächsten. Wie diese sind auch sie schlank gebaute Tiere mit dünnen Beinen, bekleidet mit einem kurzen, dicht behaarten Fell. In ihrer Gestaltung gleichen die ver schiedenen Arten sich einander sehr, doch ergeben sich zahlreiche Unter scheidungszeichen in ihrer Größe und besonders in der Form des Ge hörns, welches bald schraubenartig gewunden, bald leyerförmig ge bogen, bald rund, bald kantig, oder zusanunengcpreßt erscheint. Alle Arten der eigentlichen Antilopen bewohnen Afrika, Süd-Asien und Nord-Amerika. Die größeren Arten leben zu Rudeln, häufig von un- geheuerer Anzahl vereinigt, die kleineren paarweise. Alle nähren sich ausschließlich von Pflanzenstoffen. Die einzige europäische Antilopcn- art ist die Gemse (Capelia rupicapra). (Fig. 20.) In ihrer Gestalt hat das Tier große Aehnlichkeit mit der Ziege, ist indessen gedrungener gebaut. Die gerade nach aufwärts gerichteten Hörner sind gegen das Ende hin hakenförmig nach hinten gekrümmt. Die Gemse bewohnt die Alpenkette Mittel-Europas, findet sich aber auch in den Pyrenäen und Karpaten; sic zeigt sich meist einzeln im Hochgebirge, wo sie als ge schickter Kletterer und Springer nuftritt. Ihre Jagd ist mit den viel fältigsten Gefahren verbunden. Eine andere, für den menschlichen Haushalt sehr wichtige Gruppe der Hohlhörner sind die Rinder. Es sind große, starke, schwerfällige84 Wiederkäuer mit runden, glatten Hörnern, breiter Schnauze und weit nuseinanderstehenden Nasenlöchern. Die Behaarung ihres Körpers ist in der Regel kurz, bei einigen Arten am Halse lang und mähnen artig. Mittel- und Südasien, Afrika, Europa und Nordamerika sind ihre Heimat. Trotz ihres plumpen Baues und ihrer schwerfälligen, unbeholfenen Bewegungen, sind sie doch einer großen Schnelligkeit fähig. Auch schwimmen sic gut, klettern meisterhaft im Gebirge und entwickeln dann eine Kraft, und Ausdauer, die Staunen erregt. Ihre geistigen Fähigkeiten sind indessen nur wenig entwickelt. Europa be herbergt zur Zeit noch zwei wilde Rinder, den Wisent und das Park- Fig. 20. Gemse. rittd in England. Der Wisent oder Anervchs (Bonassus Bison) belebte in alten Zeiten zahlreich die germanischen Wälder und seine Kraft und Wildheit ist in den Hcldengesängen ans jener Zeit oft be sungen worden. Mit der wachsenden Urbarmachung des 'Landes ver- schwand dieses größte europäische Tier fast gänzlich und wird jetzt nur tioch in dem großen Walde von Bialowicza in der russischen Provinz Grodno gehegt, wo 700 bis 800 Stück unter strenger Auf sicht gehalten werden. Während der Sommermonate hält sich das Wisent mit Vorliebe an feuchten, dicht bewachs/ven Stellen ans, im Winter dagegen zieht85 cs trockene Gegendei: vor. In Nudeln von 15 bis 20 Stück streifen die Tiere umher. Alte Stiere leben einsam. Gras, Blätter, Knospen und Baumrinde, besonders die Rinde der Esche, bilden die Haupt nahrung des Wisent. Außer in de»: Walde von Bialowicza kommt der Wisent noch im Kakasusgebirge und in einer Gegend Mittelasiens vor. Dein Wisent Europas entspricht der Bison, Büffel (Bonassus americanus) in Amerika. Er unterscheidet sich vom Wisent durch die kürzeren Beine und den sehr hohen Widrist. Der Kopf ist sehr breit mit kurzen, nach rückwärts gekrümmten Hörnern. Der Bison belebt zu großen Horden geschaart, die ausgedehnten Grasebenen Nord-Amerikas, westlich vom Mississippi. Er wird als ein gutmütiges und furchtsames Tier geschildert, welches gereizt aber mutig und boshaft wird. Ständig durchziehen die Horden die Grasebenen und ändern hier je nach der Jahreszeit ihren Aufenthaltsort. Vom Juni an wandert der Bison in ungeheuren Scharen nach Süden, um im Frühjahr nach Osten zu rückzukehren. Im Sommer hält er sich mit Vorliebe in Fluß- oder Sumpfnicdernngen ans. Um Kühlung und Schutz vor den Stechmücken zu suchen wühlt er mit den Hörnern eine trichterförmige Erdhöhlung ans, und wenn sich in derselben genügend Wasser angesammelt hat, wälzt er sich darin so lange, bis er eher einem Erdklumpen als einem lebenden Wesen gleicht. Seine Stimme ist ein dumpfes Brüllen, ein „Grollen ans tiefster Brust." Das Gebrüll großer Herden gleicht dein Rollen eines fernen Donners. Setzt sich eine ans tausenden Stücken bestehende Herde in Galopp, so erdröhnt meilenweit der Boden unter der stampfenden Masse. Obgleich die Zahl des Bisons zur Zeit noch ziemlich groß ist, schmilzt sie doch bon Jahr zu Jahr mehr zusammen, denn es werden etwa 200 000 Stück jährlich der Felle und Hörner wegen getötet. Der größte und stärkste aller Hohlhörner ist der Kaffernbüffel (Bubalus caffer). Seine großen Hörner sind nach rückwärts gebogen und an ihrer Wurzel wulstig eingedrückt, am Grunde sind sie von ungeheurer Dicke und stoßen in der Mitte der Stirn zusammen. Das Tier durchzieht in Herden Süd- und Mittelafrika und ist lvcgen seiner Bösartigkeit sehr gefürchtet. Besonders gefährlich sind alte, von der Herde ansgestoßene Bullen, die nngcreizt jeden Menschen anfallen. Gegenstände von roter Farbe erregen ihre höchste Wut. Ihrer selbst nicht mehr mächtig, springen sie durch Feuer und Wasser und gefährdenalles, was ihnen vorkommt. Ein junger Mann, der eine rote Jacke trug, wurde einst von einem Büffel verfolgt. Jener konnte sich nicht helfen und sprang in's Meer, ihm nach der Büffel. Der Jüngling konnte aber gut schwimmen und tauchen und der Stier verlor ihn aus dem Gesicht; dennoch schwamm das Tier quer durch den Hafen fort, IV- Stunde weit, bis es von einem Schiffe ans durch einen Kanonen schuß getötet wurde. Fast in allen größeren Dörfern Südafrikas finden sich Leute, die einen ihrer Angehörigen durch Büffel verloren haben. In den hohen Gebirgen der Mongolei, Tibets und Tnrkestans lebt der Jak (Poepliagus grunniens). Derselbe ist ein geschickter Kletterer, dabei sehr scheu und flüchtig. Sein Körper ist mit langem, seidenartigen Haar bedeckt, der Schwanz ist sehr dick und buschig. Als Lasttier ist der Jak in der asiatischen Gebirgsgegend von hohem Werte. Als letzen Vertreter der lvildcn Rinder nenne ich den gemeinen Büffel (Bubalus vulgaris). Er kommt in wildem Zustande in Ostindien vor und hält sich meist in sumpfige Flußniederungen ans. Das Tier schwimmt vorzüglich. Gezähmt ist dieser Büffel nach Nordafrika und Süd-Europa übergeführt. Das gemeine oder das Hausrind (Bus taurus) ist durch den Menschen über die ganze Erde verbreitet worden. Alle Rinder kennzeichnen sich durch die ebene oder vertiefte Stirn, die nahezu wagerechte Nückeulinie und das gleichmäßige Haarkleid. Wann die Zähmung des Rindes ihren Anfang genommen, ist unbekannt, nicht einmal die Sage deutet darauf hin. Die ältesten Kulturvölker trafen das Rind schon im gezähmten Zustande an und hielten es des halb für ein unmittelbares Geschenk der Gottheit. Alle Anfänge der Kultur knüpfen sich an die Pflege dieses nützlichen Haustieres und noch jetzt leben ganze Völker von dem Ertrage ihrer Rinderherden. Durch Züchtung und Kreuzung sind die mannigfachsten Formen ent standen, welche sich auf mehrere Stammarten zurückführen lassen, von denen die hauptsächlichsten: das Alpcnrind, das Thalland-Rind, das Marschland-Rind und das schottische Rind sind. In Europa wird besonders in der Schweiz, in Holland und in England die Rindvieh- zucht in großartigstem Maßstabe betrieben. Der Familie der Rinder reiht sich als vorletzte Familie die der Ziegen an. In ihrer Körpergröße zeigen die Tiere wenig Abweichung; sie sind alle von Mittelgröße, besitzen einen kräftigen Leib und nicht hohe Beine. Ihre gebogenen Hörner sind vierkantig oder zweischneidig. Alle Ziegenarten tragen ein doppeltes Haarkleid, Die untere feinere87 Wolle wird von einem groben Grannenhaar bedeckt. Die meisten Arten besitzen am Kinn einen langen, steifen Bart. Alle sind Be wohner der Gebirge nnd durch den Menschen über die ganze Erde ver breitet. Als wichtigsten nnd nützlichsten Vertreter der ganzen Art ge bührt der Hauszicge der erste Platz. Die Hansziegc (Capra hircus) ist in allerlei Abarten über die ganze Welt verbreitet, überall ist sie eines der nützlichsten Haustiere, die ,Knh des Tagelöhners, dessen Unter halt wenig lostet. Am besten gedeiht das Tier in gebirgigen Gegenden,, dort entwickelt es sich schöner nnd zeigt sich bedeutend lebhafter als in der Ebene. Die Ziege ist ein sehr begabtes Tier, ihre geistigen Fähigkeiten sind sehr entwickelt, sie ist gelehrig und klug. Die haupt sächlichsten Arten sind: Die Angoraziege (Capra angorensis) mit einem langen seidenartigen nnd glänzenden Haarkleide. Ihre Heimat ist Kleinasien, wo besonders in der Umgebung der Stadt Angora ihre Zucht vielfach betrieben wird. Auch die Kaschmirziege (Capra laniger) liefert in ihrer feinen Wolle das Material zu den berühmten Kaschmirshawls, welche nur deswegen so teuer sind, weil nur die aus gekämmten Haare dazu vcrtvcndet werden. Als wilden Vertreter der Ziegen beschränke ich mich auf den Steinbock (Capra Ibox). Er ist ein Bewohner der höchsten Alpen nnd heutzutage schon fast ganz ans gerottet. Nur noch in geringer Zahl findet er sich in den Hochgebirgen am Monte Rosa. Es ist ein schönes Geschöpf, dessen ganze Erscheinung den Eindruck von Kraft und Ausdauer macht. Die thebaische Ziege < Capra thebaicus) weicht in ihrer Körperform am meisten von den Ziegen, ab und bildet den Uebergang zu den Schafen. Am auffallensteu ist bei dein Tiere der Kopf mit dem buckelartig gewölbten Nasen rücken, die Ohren hängen lang herab, die Hörner fehlen in der Regel, sind sie vorhanden, so sind sie klein nnd etwas gerundet. Obwohl die Schafe in ihrem Körperbaue den Ziegen sehr nahe stehen, bilden sie doch für sich eine besondere vollständig abgeschlossene Familie. Die Tiere sind mittelgroß und schlank gebaut und tragen auf der Stirn flache, kantige, meist sch, eckenförmig gewundene Hörner. Ihr Leib ist mit dichter, dicker, wolliger Behaarung bekleidet. Die Schafe sind ursprünglich Gebirgsbewohner gewesen; die gezähmten Arten, die gegenwärtig die ganze Erde bewohnen, sind sanft und friedlich, die wilden dagegen selbständiger und mit höheren geistigen Fähigkeiten begabt. Von den gezähmten Arten nenne ich: das Merino schaf (Ovis aries), welches die feinste Wolle hat; das Zackelschaf88 (Ovis strepsiceros) zeichnet sich durch lange, schraubenförmig gewundene Hörner aus. Die Wolle ist nur grob und findet zu gewöhnlichen Geweben Verwendung, und als letztes das Stummelschwanzschaf (Ovis pachyverca), welches einen kurzen und dünnen Schwanz trägt, der zu beiden Seiten von einer mächtigen Fettmasse eingeschlossen ist. Ein europäisches Wildschaf ist der Mufflon (Ovis Uusimon). Es bewohnt die hohen Gebirge der Inseln Sardiniens, Corsikas und des südlichen Spaniens. Das Tier lebt gesellig in Herden von 60 bis 100 Stück und ist sehr scheu und flüchtig. Hvrntiere sind Wiederkäuer mit knöchernen Hörnern, welche scheidenartig bcn Stirnzapfen einschließen. Die Hörner besitzen eine verschiedenartige Form, werden bald von beiden Geschlechtern getragen, jedoch kommen sie dem Männchen auch allein zu. Dieselben werdeir nicht abgeworfen. Die beiden Hufe sind in der Regel ziemlich plump, rmd breit. X. Robben (Pinnipedia) Von allen übrigen Säugetieren streng abweichend, stellen sich die Seesäuger als ein eigenartiges Geschlecht dar. Meist von bedeutender Größe und massigem Körper sind sie ganz ans das Wasser angewiesen und dementsprechend auch ihre Gliedmaßen gebaut. Sie haben einen spindelförmigen, plumpen, von einer Fettschicht eingehüllten Leib, ver schließbare Ohr- und Nasenöffnnngen, schwimmen und tauchen mit großer Meisterschaft. Ihr ganzer Körper ist dicht behaart, der kugelige Kopf ist im Verhältnisse zum Rumpf nur klein, der Schwanz ist kurz und ohne Ruderflosse; sowohl die vorderen, als die hinteren Glieder endigen in fünf wohl ausgebildete Zehen, die bald mit stumpfen, bald mit scharfen Krallen bewehrt sind. Die Tiere suchen häufig das Land auf, sei cs um zu ruhen oder zu schlafen, sei es um die Jungen zn pflegen. Die Familie umfaßt: 1. Wallrosse (Trichechoidea). In der Tierwelt der jetzigen Erde steht das Wallroß (Trichechus Rosmarus) ganz isolirt da und bildet eine eigene Familie für sich. In der Jugend ist es mit dunkelbraunen Haaren bedeckt, im Alter dagegen fast ganz nackt und dann nur mit einer wulstigen und fettigen Haut umgeben. Der Kopf ist Verhältnis-89 mäßig klein und trügt an der Schnauze Zwölf Querreihen dicker, horniger Borsten und zwei ungeheuere lange, in Hauer verwandelte Eckzähne im Oberkiefer. Mit denselben verteidigt sich das Tier gegen. Feinde und mit ihnen zieht es sich an Klippen und Eisbergen empor. Ein ausgewachsenes Wallroß wird bis zu dreißig Zentner schwer. Seine Stimme erklingt bald wie das Bellen eines Hundes, bald wie das Brüllen einer Kuh, in der Wut dagegen läßt das Tier ein Ge brüll erschallen, welches mit dem Wiehern eines Pferdes große Aehn- lichkeit hat. Haut, Fett und die Stoßzähne, welche ein ausgezeichnetes Elfen bein liefern, sind sehr geschätzt. Das Wallroß ist träge und gutmütig; gereizt oder verwundet verteidigt es sich jedoch mit großem Mute und ist dann ein nicht zu unterschätzender Gegner. Auf das Gebrüll eines Tieres eilen alle Ge nossen aus der Nachbarschaft herbei und stürmen wütend gegen das Boot, von welchem ans der Angriff geschah. Wallrvsse sind Säugetiere mit stumpfem Maul, zwei starken, ab- wärtsgerichteten, weit hervortretenden Eckzähnen im Oberkiefer und ohne äußeres Ohr. Die Nahrung der Tiere besteht aus Muscheln, die vermittelst der langen Eckzähne tief aus dem Meeresgründe heraus gewühlt werden. 2. Robben (Phocina). Ein Hauptvertreter der Robben ist dee Seehund (Phoca vitelina). (Fig. 21.) Sein Körper ist gestreckt, kugelig und mit einem dichten, kurz anliegenden Haarkleide bedeckt, das gelblichgran gefärbt ist und auf der Oberseite mit bräunlichen bis schwarzen, runden und eckigen Flecken durchsetzt ist. Die Seehunde finden sich in allen Meeren. Ihre Bewegungen im Wasser gewähren einen reizenden Anblick. Mit der Behendigkeit eines Fisches schießen sie durch die Flut; bald ist der Bauch oben, bald der Rücken, bald bewegen sie sich vor- bald rückwärts, bald liegen die Vorderglieder am Körper, bald die Hinterglieder. Je^e Drehung und Wendung wird mit der größten Sicherheit und Schnelligkeit ansgeführt. Auf bem Lande und auf dem Eise scheinen ihre Bewegungen unbeholfen. Sie werfen sich hier auf die Brust, krümmen den Leib und ziehen so den Hinterkörper nach, worauf der Vorderkörper wieder nach vorn geschnellt wird. Die Glieder dienen dabei nur als Stützen.90 Die Seehunde sind für die nördlichsten Küstenvölker die wichtigsten aller Tiere, da sie ihnen allein das Leben ermöglichen. Die Grön länder essen ihr Fleisch und Fett, oder verwenden letzteres zum Brennen und zur Beleuchtung. Die Gedärme benutzen sie gereinigt und ge glättet zu Fenstern, Kleidern und Vorhängen. Das Blut gicbt, mit Seewasser gekocht, eine gute Suppe. Die Knochen dienen zu Gerät schaften, Waffen, Gabeln, Nähnadeln, die Rippen zu Nägeln, die Schulterblätter zu Spaten, ans den Sehnen wird Zwirn bereitet und die Felle dienen zur Bekleidung, als lleberzügc der Boote, als Decken für die Hütten ee., kurz jeder Teil des Tieres findet nützliche Verwendung. lim den Seehund und den Seehundfang bewegt sich des Grön länders Leben mit seinen Festen und Gefahren, bewegt sich seine Religion und seine dürftige Poesie. Wie sie selbst kennen auch ihre Götter keine g-ig. 21. Scchund. edlere Lust, als das unschätzbare Seewild auf schnellem Schuhe zu be schleichen und mit der sicher-treffenden Harpune zu töten. Der Seehund findet sich vom Eismeere an fast überall an den westeuropäischen Küsten und ist selbst in der Ostsee zu treffen. Weitere Robbenartcn, die ich nur dem Namen nach nenne, sind: die Bären robbe, der Seelöwe, die Mützenrobbe, die Nüsselrobbe n. s. w. Robben sind Säugetiere, die das Wasser bewohnen. Ihr Körper ist behaart und trägt 4 flossenförmige, fünfzehige Füße, deren Zehen mit Schwimmhäuten verbunden s.nd. Ihr Schwanz ist kurz. Nasen löcher und Ohren sind durch Klappen verschließbar. Ihre Heimat das Meer in der Nähe der Polarkreise, wo sie trnppenweise leben und sich von Seetieren nähren.91 XI. Fis'chsäugetiere (Cetacea). 1. Seekühe (Sirona). Schon bei der ersten Familie der Fisch säugetiere, den Sirenen, nähert sich der Körper der Tiere sehr dem des Fisches. Bei ihnen sind nur noch die beiden vorderen Glied maßen vorhanden, aber auch sie erscheinen nur als bloße Flossenbeine, mährend die Hintcrglieder zu einem fischähnlichcn Schwanz vereinigt sind. Hierher gehört die Seekuh, Seeweibchen oder Lamantin rSireua australis). Das Tier ist von sehr plumper Gestalt. Der kleine Kopf endigt in einer kurzen, beweglichen Schnauze, welche gleich cineiil Rüssel als Tastorgan dient. Es lebt gesellig itt den Tropengegenden des atlantischen Oceans, sowie auch an den Küsten Amerikas, wo das Tier auch die Flußlänfe hinaufgeht und seines Fleisches wegen, welches eßbar ist, eifrig verfolgt wird. Ausgestorben ist die zu dieser Familie gehörende Seekuh (Rhytina Stellen), welche im Jahre 1768 zum letzten Male gesehen wurde. Ein noch lebender Vertreter ist der Dujong (Halicore cetacea). Das Tier besitzt eine dicke Schnäuze und eine stark ansgetriebene Oberlippe. Das Geschöpf ist friedlich und harmlos, es bewohnt den indischen Ocean. Bei allen Sirenen oder Seekühen herrscht die pflanzliche Nahrung vor. Die größten Arten pflegen nur Jagd auf kleine Meerestiere wie: Nacktschnecken, Würmer und dergl. zu machen, da ihr Schlund zu eng ist, um größere Tiere zu verschlingen. Sirenen sind Fischsäugctiere ohne äußere Hintergliedmaßen und mit zu Flossen verwandelten Vordergliedern. Ihr Hals ist kurz und erscheint vom Rumpfe nicht abgesetzt. Ihre Haut ist oft nur wenig behaart. Ein äußeres Ohr fehlt, alle leben im Meere in der Nähe der Küsten und nähren sich von Pflanzen. 2. Delphine (Delphinodea). Während die Sirenen sich noch außerhalb des Wassers anfhalten können, sind die Delphine ganz auf chese» Element angewiesene Tiere, und dementsprechend gebaut. Der Kopf geht ohne Absatz in den Rumpf über und dieser endigt in eine cizontale Schwanzflosse. Die vorderen Glieder sind flossenartig umgebildct. Die Kiefer tragen zahlreiche Zähne. Der Delphin (Delphinus delpbis), auch Tümmler genannt, besitzt schnabelförmige Kiefer. Oben ist das Tier schwärzlich, unten92 schmutzig-weiß. Scharenweise durchzieht dieses Geschöpf den atlantische,r Oceau und wird wegen seines Speckes häufig gefangen. Die Tiere folgen den Schiffen oft lange Strecken, um etwaige weggeworfene Nahrungsabfälle anfznfangen. Der hierzu gehörende große Grund delphin (Globicephalns globiceps) hat einen runden Kopf und bewohnt den nördlichen Teil des atlantischen Oeeans und das Potar- meer. Mit dem Nord Wal (Monodon monoceros) beschließe ich diese Familie. Er ist ein Bewohner des nördlichen Eismeeres und zeichnet sich durch seine seltsame Bezahnung aus. Das Männchen trägt im Oberkiefer einen zwei bis drei Meter langen, schraubenförmig gewun denen, innen hohlen Stoßzahn, dessen Bedeutung vollständig unbekannt ist. Sehr wahrscheinlich dient er als Waffe beim Kampfe um das gänzlich zahnlose Weibchen. Der Nvrdival besitzt einen langgestreckten spindelartigen Leib und erinnert sehr an den Delphin. Die Grönländer machen gern Jagd auf dieses Tier und ver zehren Haut, Speck, Fleisch und Eingeweide von ihm. Geraspelte Spähne von: Zahn des Nordwals lvurden früher als Gegenmittel für alle Gifte sehr geschätzt und hatten einen ungeheuren Wert. Die markgräflich Kulmbacher Schatzkammer auf der Plassen- bnrg besaß vier „Eingehörne", wofür für einen Zahn die Republik Benedig im Jahre 1559 vergeblich 30 000 Dukaten bot. In de:" kurfürstlichen Sammlung zu Dresden hing ein Zahn an einer goldenen Kitte und wurde auf 100 000 Ncichsthaler geschätzt. Delphine sind Fischsängetiere mit fischähnlichem Körper, die ganz auf das Wasser angewiesen sind. In allen europäischen Meeren häufig, sind es kühne, von Seetieren lebende Räuber. Ihre Nasenlöcher sind zu Spritzlöchern nnigestaltet, um das mit der Nahrung eingenommene Wasser ausznstoßen. Ihre Haut ist vollständig haarlos. Einige Artei: besitzen eingekeilte Zähne. Die Lebensweise der Tiere ist noch wenig bekannt. 3. Wallfische (Balaewelea). Die Walisische sind die größten aller Säugetiere und erscheinen in ihrer Körperform vollständig fischähnlich. Ihr Körper ist massig und zeigt keine Gliederung, die vorderen Glied maßen sind z>: Flossen nmgebildet, die hinteren fehlen gänzlich und der sich nach hier verschmälernde Nnmpf trägt eine sogen. Schwanzfinne. Ihr Maul ist weit gespalten, besitzt keine Lippen und enthält statt93 bcr Zähne ctitcit eigentümlichen hornartigen Stoff, Barten genannt, welcher das bekannte Fischbein liefert. Die Hant ist kahl und glatt, nur an wenigen Stellen ist sie mit Borsten beseht. Hierher gehört unter einigen anderen der Wallfisch, Wal oder Grönlandwal (Balanao mysticetüs). (Fig. 22.) Der massige, ungefügige und ungegliederte Leib erreicht eine Länge von 20 m und ein Gewicht voll 150 000 le§. Der Kopf beträgt V 3 bis Vs der ganzen Körperlänge. Der Wallfisch ist ein Bewohner der höchsten Breiten des nörd- lichen Eismeeres und des großen Ocean. Vicist lebt das Tier paar weise oder in größeren Herden, sogen. „Schulen" vereinigt, die von einem alten Tiere geführt werden. Trotz der Plumpheit seines Leibes sind seine Bewegungen rasch und geschickt. Bei seinen gewöhnlichen Zügen, auch oft Wanderungen genannt, durchschwimmt das Tier 4 bis 6 Seemeilen iit der Stunde. Hierbei kommt es alle 10 bis 15 Minuten zur Oberfläche, verweilt hier 1 bis 3 Minuten, um zu atmen, lind setzt dann seinen Weg fort. Zur Fortbewegung dient die ungemein kräftig entwickelte breite Schwanzflosse, während den breiten Brustflossen nur die Aufgabe znkommt, deir Körper im Gleichgewicht zu halten. Da die verschiedenen Teile des Wales nutzbar sind und einen hohen Wert haben, so wird dem Niesen des Meeres stets eifrig nach gestellt, weshalb sich die Zahl der Tiere inimer mehr verringert. Ein zur Wallfischjagd ansziehendes Schiff pflegt in der Regel etwa 50 Mann Besatzung zu haben und geht dann in die Regionen des Eises ab. Einer von den Matrosen hält oben im Mastkorbe Wache und giebt das Signal, sobald er den anssteigenden Dunststrahl eines Wallfischcs bemerkt. Dann werden die stets handbereitcn Boote ge räuschlos in See gelassen, samt den Harpunen und den dazu gehörenden, Leinen, durch welche erstere der Walfisch angegriffen wird. Die Länge der Leine, an welcher die Harpune befestigt ist, beträgt 400. bis 500 Meter und jedes Boot führt zwei solcher Leinen bei sich, um nötigenfalls durch Verknüpfung die doppelte Länge einer Leine her- steilen zu können. Diese Leinen sind, je nach der Ausrüstung des Schiffes, teils auf Rollen aufgewickelt, teils liegen sie sehr sorgfältig aufgcrollt in Kübeln, so daß sie auch beim schnellsten Auslaufen sich nie verwickeln können. Sobald alles vorgerichtet ist, gilt es, eine Wettfahrt zu machen, denn alle die vorhandenen Boote laufen aus, um den Wallfisch anzugreifen, aber nur dem Boote gehört der Sieg,i 94 dessen Harpunier zuerst dem Tiere das Eisen in den Leib stößt. Das Boot gleitet wie ein Fisch durch die Wogen, eine lauge Schaumfurche zurücklassend. Mit einem wuchtigen Ruder versehen leitet es der Steuermann, von dessen Geschicklichkeit das Ende der Jagd und damit verbunden, der Erfolg ab hängt. Im Bug des Bootes steht der Harpunircr, des Augenblicks gewärtig, wo das Tier ihm einen Teil des Körpers zuwendet. Eine atemlose Stille herrscht, jetzt taucht der Wal aus und sausend durch- schneidetdasWurf- eiscn die Lust: ein breiter, roter Streifen, der das Wasser weithin be deckt, zeigt, daß der Wal getroffen steigt atembedürftig der Wal zur Oberfläche, indem er Ströme von Schaum und Blut hcrvorspritzt; aber neue Harpunen zwingen ihn abermals hinabzntanchcn zu jenen Orten, ans denen er hervor kam. Mit jeder Wunde hängt sich ein neuer Feind an seinen Körper und oft schleppt der dahinrasendc Wal drei, vier, fünf Boote nach sich. Erschöpft von Martern und Anstrengungen, unter lautem, schaurigen Stöhnen spritzt das Tier immer neue Blntstrahlcn hervor, bis er sich endlich sterbend ans die Seite legt. In seinem Todeskampfe schlägt der Niese das Wasser des Meeres zu Schaum und wehe dem Boote, welches dann dem Tiere zu nahe kommt, es tvird mit einem einzigen Schlage zertrümmert. Aber immer, immer matter werden die Schläge und verstummen endlich ganz. Der Wal ist tot und seine weiße llntcr- 'Htc kehrt sich dem Licht entgegen. Jetzt wird der Körper zum Schiffe 8iß. 22. Tauchender Wal. ist. Ein jubelndes Hurrah erschallt l lind rauchend von der schnellen Reibung läuft die Leine ab, die das Tier mit der Har pune in die Tiefe zieht. Hoch auf spritzen die Wasser beim Tauchen des Wals, der schmerz- gcpeinigt und mit rasenderEilescineu Weg in Regionen nimmt, wo er seinem Feinde, der in seinem Körper steckt, zu entfliehen glaubt. Eine lange Zeit vergeht. Da— 95 — geschleift, um hier zerlegt zu werden. Der Speck wird von dem Körper gelöst, in Tonnen verpackt oder sogleich an Ort und Stelle ausgekocht, das Fischbein wird aus dem Schlunde genommen, die Schwanzflosse abgetrennt, und wenn dann endlich die Habgier des Menschen alles ausgenützt hat, was an dem Tiere nutzbar ist, so treibt der entblößte gigantische Rumpf hinter dem Schiffe weg, eine Beute der Räuber der Luft und des Wassers. Ein Walfisch liefert rund 600 Zentner Speck, welche circa 500 Zentner Thran geben und mehr als 30 Zentner Fischbein, was zusammen einen Wert von 6000 bis 8000 Mark vor- stcllt. Die schwedischen Völker wissen auch das Fleisch zn schätzen und die Knochen zu allerlei Zwecken zu benutzen. Thran wird von ihnen mit großer Leidenschaft getrunken. Bon den übrigen Walen nenne ich kurz den Finnfisch (Balaenoptera boops). Er hat einen schlankeren Ban als der Wallfisch. Sein Kopf ist sehr groß, das Maul ungeheuer weit gespalten. Sein sicherstes Unterscheidungszeichen ist die hohe, dreikantige Rückenflosse, die dem Wallfisch fehlt. Waltiere sind Säugetiere mit Fischgestalt, die nur im Wasser leben. Ihre Haut ist nackt, unter der Oberhaut tragen sie eine dicke Specklage. Sie besitzen nur giuci- ftvssenühnlichc Vorder- und keine Hintergliedmaßcn. Ihre Nasenlöcher liegen auf der Stirn und sind zu Springröhren umgewandelt. Ihre Schwanzflosse steht wagcrecht. Statt der Zähne besitzen die Tiere Barten. Die Nahrung der Wat tiere besteht aus Pflanzen und kleinen Meertieren.— 9ü — 2. Uögel (Aves). Mit bcnt treffenden Sprichwort: „Den Vogel erkennt man -an den Federn" trennt und schließt man ziemlich genau den Vogel von den übrigen Wirbeltieren ans und vereinigt die Zahl dieser Tiere in eine größere Gruppe. Ein eigenartiges Geschöpf, in mancher Hin sicht das vollkommenste Wesen, welches aus der so mannichfach bildenden Hand des großen Schöpfers hervorgegangen ist, das ist der Vogel. Nicht allein jene herrliche Gabe des fühlenden Gesanges hat Allmutter- Natur über ihn reichlich ansgeschüttet, sondern auch drei Elemente sind ihm dienstbar, drei Elemente hat er zum Teil zu beherrschen: die Luft, das Wasser und das Land. Nur gering sind die Unterschiede, welche das Knochengerüst des. Vogels von dem der Säugetiere scheidet. Wie dieses setzt es sich zusammen aus den drei großen Gruppen: Schädel, Wirbelsäule und Gliedmaßen. Frühzeitig verwachsen die gewölbten Schädelknochen zu einer festen Masse, svdaß man die Nähte später nicht mehr erkennen kann. Ober- und Unterkiefer gestalten sich zu Ober- und Unter schnabel und sind beide beweglich, während bei den Säugetieren der Oberkiefer fest mit dem Schädelknochen verwachsen ist, sodaß der Unterkiefer die Nahrung erfaßt und gegen den Oberkiefer preßt. Die beiden Kiefer sind an dem Quaderbein, einem würfelförmigen Knoche» eingelenkt, und diese durch zwei Erhöhungen mit dem Schläfenbein verbunden. Oeffnet der Vogel den Schnabel, so bewegt sich da» Quaderbein, der Oberschnabel hebt sich, während der Unterschnabel sich senkt. Die Augenhöhlen sind verhältnismäßig groß, und die zwischen den beiden liegende Scheidewand nur sehr dünn. Am Hinter hauptloche befindet sich ein einfacher Gelenkknopf, welcher dem Schädel die größte Beweglichkeit verleiht. Die Wirbelsäule besteht ans Hals-, Rücken-, Becken- und Schwanz wirbel. In verschiedener Zahl sind die sehr beweglichen Halswirbel von 9—23 vertreten, während die 7—11 Runipf- und die 7—20 Kreuzwirbel sehr fest, und oft miteinander verschmolzen sind. Jeder Rückenwirbel trägt eine breite dünne Rippe. Mit Ausnahme der ersten und letzten befinden sich am hinteren Rande Fortsätze, die sich auf dem oberen Rande der folgenden anlegen und so sehr zur Festigung des Brustkorbes beitragen. Durch besondere kleine Knöchelchen sind die Rippen am Brustkörbe eingelenkt. Einem deckenden Schilde zu97 Dergleichen ist das, die inneren edlen Teile beschützende Brustbein, auf welches sich der Kamm setzt. Je nach der Größe des Kammes, welcher Len starken Flngmuskeln als Ansatz dient, kann man auf das mehr oder weniger entwickelte Flngvermögen des Vogels schließen. Ein sonderbarer Knochen im Skelett ist das Gabelbein. Hufeisenförmig in seiner Gestalt, legt er sich hinten und oben an die Schlüsselbeine und am Anfänge des Kammes an, indem er oft mit diesem ganz verwächst. Der Flügel, in dem zum größten Teil die meiste Kraft des Vogels liegt, ist auch am kräftigsten gebaut. Er besteht ans dem Schlüsselbein, dem lnftgcfülltcn Oberarm, der kräftigen Elle, der den Unterarm vertretenden Speiche, der Handwurzel, aus drei Fingern und einem Daumen, welcher letztere bei mehreren Vögeln einen im Federkleide versteckten Nagel trägt. Die Beine sind denen der Säuge tiere ähnlich gebaut. Sie setzen sich zusammen ans Oberschenkel, Unterschenkel und Fuß. Der kurze Oberschenkel liegt mit der Knie scheibe unter Federn verdeckt, während der Unterschenkel mit seinem unteren Teile sichtbar ist. Die beiden Knochen des Unterschenkels, das Schien- und das dünne Wadenbein sind größtenteils zu einem festen Knochen verwachsen. Der Lauf besteht ans einem röhren förmigen Knochen, an dem die Zehen eingelenkt sind. Die inneren Organe sind in die Leibeshöhle gebettet, welcher letzteren das Zwergfell fehlt. Bei der Ernährung sind thätig, der verschieden gestaltete Schnabel, durch den die Nahrung ausgenommen wird und von hier zur Speiseröhre gelangt. Diese bildet oft eine beutelartige Erweiterung, den Kropf, in welchem die Nahrung mit Speichelsast vermengt wird. Von hier geht sie in den kräftigen Magen und wird verbraucht durch den kurzen Darm aüsgeschieden. Der Blutkreislauf ist derselbe wie bei den Säugetieren. Das Herz hat 2 Herz- und zwei Vorkammern und das Blut wird durch Aterien rind Venen geleitet. Die /Luftröhre ist zum größten Teile lang und besitzt einen unteren Kehlkopf. Die sehr kräftigen Lungen sind an Nippen und Wirbelsäule befestigt. Durch das Fehlen des Zwcrgfells hebt und senkt sich das Brustbein. Unter den Sinneswerkzeugen des Vogels steht das Auge obenan. Groß, wie es gebaut ist, schaut und lugt cs scharf nach allen Seiten und ist nach außen durch ein oberes und unteres Augenlid geschützt. Da? Tierreich. 7Außerdem zieht sich von öcut inneren Augenwinkel eine Nickhnnt über diesen edlen Teil. Durch Leu Fächer, einer gefäßreichen, mit dunklem Farbstoff überzogenen Haut, welche am Ende des Auges, also beim Eintritt des Sehnervs liegt, sowie einen Knochenring, welcher ans viereckigen Schuppen besteht, oft aber in Gestalt und Größe wechselt, ist es dem Vogel möglich, sein Auge bald kurz-, bald fernsichtig eiu- zustellen. Ein äußeres Ohr fehlt den Vögeln. Die großen Ohrlöcher,! welche an beiden Seiten des Kopfes liegen, sind mit zerschlissenen Federn bedeckt, wodurch die Schallwellen nicht Zurückgehalten werden. Der Geruch des Vogels ist nicht stark entwickelt, ebenso der Geschmack, da die Zunge mehr zum Tasten und Ergreifen der Nahrung dient. Unter den Muskeln stehen als die kräftigsten die hochroten Brust muskeln obenan, sie erreichen bei dem Vogel eine Größe, wie bei. keinem anderen Wirbeltier. Das Gehirn überwiegt an Blasse das Rückenmark, ist jedoch schon bedeutend einfacher entwickelt, als das der Säugetiere. Es teilt sich in ein großes und in ein kleines Gehirn, ist jedoch ohne Windungen. Das Nervensystem ist dem der Säugetiere fast gleich. Wie die Haut der Säugetiere mit Haaren bedeckt ist, so ist cs die der Vögel mit haarärtigen Verzweigungen, den Federn. Diese sitze» in Einstülpungen der Haut und sind verästelte Horngebilde, welche in Fluren den Körper bedecken. Es werden an den Federn Außenfedern und Dunen oder Flaumfedern unterschieden. Die Federn bestehen ans >Kiel und Fahne. Der in der Haut sitzende Teil der Feder heißt Spule, diese ist rund, hohl und durchsichtig. Der obere Teil des Kieles trägt die Fahne und heißt hier Schaft oder Spindel, ist vierkantig und mit Mark gefüllt. Je nach Alter, Jahreszeit und Geschlecht ist die Farbe des Fedcrkleidcs verschieden, jedoch zur Zeit des Frühlings am schönsten und prächtigsten gefärbt. Teilweise werden die Federn zur Zeit der Mauser, bei wenigen Vögeln im Frühling, bei den meisten Vögeln im Herbst durch neue ersetzt. Dieser Wechsel, geht nnmerklich von statten, so daß die Vollziehung desselben nicht auffält. Die ganze Gestalt des Vogels ist eingerichtet, die Luft zu dnrch- schnciden. Die Leichtigkeit des Körpers*), verbunden mit dem Ver mögen, die inneren Teile der Hauptknochen und verschiedene Säcke *) Ein Kanarienvogel wiegt ca. 18 gr.99 mit Luft zu füllen, gestatten dem Tiere, sich in der Luft ohne große Mühe schwebend zu erhalten. Die aus Dotter und Eiweiß bestehenden Eier der Vögel sind von einer porösen Kalkschale umgeben. Sie werden in mehr oder weniger kuustbolle Nester gelegt und in der Regel vom Weibchen be brütet. Mannigfach verschieden ist die Farbe der Eierschale. Gewöhn lich ist ein Heller Untergrund vorherrschend, auf welchem verschiedene Punkte und Strichelchen stehen. Die Vögel werden nach ihrem jeweiligen Aufenthalt in Stand-, Strich- und Zugvögel eingeteilt. Standvögel sind die, welche das ganze Jahr bei uns bleiben, Strichvögel treibt die Ernährung von einem Gebiete in das andere und Zugvögel unternehmen sogleich nach der Mauser große Wanderungen in südliche Länder. Nach Art der Entwickelung unterscheidet man Nesthocker und Nestflüchter. Nesthocker kommen hilflos aus dem Ei und werden von den Alten geäzt, Nest flüchter folgen der führenden Mutter sogleich nach dem Ansschlüpfen. Das Leben der Vögel ist ein sehr reges. Lang andauernde Ruhe ist ihnen fremd, ihr Schlaf beschränkt sich ans wenige Nacht stunden und kaum graut der Morgen, so sind sie wach und in Be- ivegung. In ihrer Verbreitung sind die Vögel Bewohner der ganzen Erde, sie fehlen weder dem nördlichen Eismeer noch unter der glühenden Sonne des Aeqnators. Der größte Reichtum an Arten und gleich zeitig die farbenprächtigsten Mitglieder der Gattung finden sich in den Tropen, dagegen treten im Norden einzelne Arten von ungeheurer Zahl auf. Stets siedeln sich die Tiere dort an, wo sich ihnen die Möglichkeit zu ihrem eigenartigen Leben bietet, sei ihr Wohngebiet das Meer mit seinen Inseln, die zerklüfteten Küsten oder die steilen Felswände, sei es das Land mit seinem Walde, seinen Gebirgen, seinen bebauten oder unbebauten oder gar seinen unwirtlichen Flächen. In den großen Wäldern gemäßigter Zonen, ganz besonders aber in den dichten Urwäldern der Tropen, wächst mit der Vermehrung der Lebcnsbedingungen auch der Reichtum ihrer Arten. Dort finden sie Wohnung, Schutz für sich und ihre Jungen, reichliche Nahrung an pflanzlichen oder tierischen Stoffen. Im Haushalte dcr Natur und des Menschen ist der Nutzen der Vögel sehr bedeutend. Die Raubvögel vertilgen schädliche Säugetiere und verwesende Körper;, die Singvögel, Kletter- und Schwimmvögel schäd liche Insekten und deren Larven aller Art; die Sumpfvögel Schnecken, 7 *100 Frösche und andere Sumpftierc; durch Erhalten unserer Wälder werden- sie Beschützer unserer Felder. Fleisch, Fett und Eier bilden Nahrnngs- mittel, die Federn dienen gu Betten, ihr angchäuftcr Kot gicbt dein Landmann den sehr geschätzten Guano. Die meisten Vögel sind die Lieblinge des Menschen, unsere Natur- sünger, die gern als Haus- und Stubengcnossen gepflegt werden und deren Schutz im Freien unsere eifrigste Sorge sein soll. I. Raubvögel (Rapaccsj. Der Leib der Raubvögel zeigt bei allen Arten eine so große klebereinstimmnng, daß es nicht schwer fällt, sie als das zu erkennen, was sie sind, als Räuber in des Wortes ganzer Bedeutung, als Tyrannen des Luftreiches. Es fehlt dennoch nicht in der ganzen Ordnung an Abwechselung in Bezug auf Gestalt, Charakter und Lebensweise, aber im Ganzen zeigen sich die hierher gehörenden Tiere vollständig gleich ausgerüstet. Ihr Kops ist groß, der mit einer Wachs haut versehene Schnabel ist sehr kräftig und an der Spitze hakenförmig gekrümmt. Der Fuß ist mit kurzen und starken Nägeln versehen und die Zehen tragen gebogene Krallen. In verschiedenen Arten bewohnen die Raubvögel die ganze Erde, sie finden sich im Gebirge, in Steppen und in der Wüste, sowie in angebauten Gegenden. Sie nähren sich von Wirbeltieren aller Art, zum Teil auch von Gewürm. 1. Geier (Vulturiiuie). Die Familie der Geier enthält die größten aller Raubvögel. Alle sind kräftig und schwerfällig gebaut, mit verhältnismäßig langem Hals, großem Kopf, der einen starken, hakig gebogenen Schnabel trägt. Der größte Vertreter der Art ist der Kondor (Lareorrbamplum gryplms). Das Tier mißt in der Länge einen Meter, mit ausgespannten Flügeln.nahezu deren drei und ist eine der gewaltigsten Gestalten der Vogelwclt. Der Kopf des Tieres ist mit einem roten Fleischkamm und einem Hautlappen an der roten Kehle, die von einer Weißen Krause umgeben ist, geschmückt. Das Ge fieder ist blauschwarz. Dieser Riesengeier der südamerikanischen Riescngebirge steigt in majestätischem Fluge 6000 bis 7000 Meter hoch in die eisige Luft empor. Die dünne Eisluft der Gletschcrregioncn ist sein eigentliches Element, und hier wiegt sich das Tier ans freier Schwinge Hoch101 über dm höchsten Gipfeln der Anden, schwimmt er durch die klare Luft, svdns; er dem kühnen Bergsteiger nur als kleiner, winziger Punkt erscheint. Dabei scheint er niemals die gewaltigen Fittigc zu regen, wenigstens läßt das schärfste Fernrohr nichts davon erkennen. Wie ans glaubwürdigen Ansichten hervorgeht, beschränkt sich der Kondor in betreff seiner Ernährung keineswegs auf Aas, sondern auch lebende Tiere, besonders junge Ziegen, Lämmer und sogar Kälber und kranke Säugetiere der verschiedensten Art bilden stets seine Beute. Ein Bewohner West-Asiens und Nord-Afrikas, der auch hier und dort in Europa sich sehen läßt, ist der weißköpfige Geier, auch Gänsegeier (Vultur fulvus) genannt. (Fig. 23.) Er ist ein Vogel von bedeutender Pröße, mit gestrecktem Leib und schmalen Flügeln. Den Namen „Gänsegeier" trägt der Vogel deshalb, weil er einen langen, nackten, gänseartigen Hals besitzt, der von einer Federkranse eingefaßt ist. Die Nahrung dieses Geiers, der sich am liebsten im Gebirge anfhült, sind tierische Aase aller Art. Als würdiges Seitenstück des Kon dors, der mit diesem an Größe, Ausdauer und Schönheit des Fluges wetteifert, an Adel der Gestalt aber weit übertrifft, kann ich hier den Lämmer gei er (Gypaetus barbatus) nicht über gehen. Der Kopf dieses Vogels ist groß 6>g- Gänsegeier. hakig gebogenen Schnabel und am Kinn mit bartähn lichen Borstenhaaren versehen. Die Heimat des Bartgeiers sind die hohen Gebirge der alten Welt. Wenn die leuch tenden Strahlen der Morgensonne die Ränder der Wolken mit ihrem Gold über- Fenerschein sich spiegeln, Von einem hochliegenden in die zu seinen Füßen mit starkem, scharf gießen und die Firnen der Berge in ihrem dann erwacht auch die Natur der Alpenwelt. Felsblock hernieder blickt der Lämmergeier im Halbdunkel liegenden Thäler, um eine Beute zum Morgenmahle zu suchen. Er dehnt und streckt die starken Glieder, und nachdem die Sonne hochgestiegen ist, verläßt er seinen Standort. In einer Höhe von 20 bis 30 Bietern schwebt das stolze Tier über den Boden dahin, um ein Aas oder in Ermangelung dessen ein kleines Tier zu fangen.— 102 — um seinen Hunger zu stillen. Bei diesen Streifzügen zieht der Lämmer geier ziemlich schnell dahin und ist mit keinem anderen Räuber der Lüfte zn verwechseln. Berghasen, Murmeltiere, junge Gemsen, Ziegen, Lämmer 2c. liebt das Tier besonders. Er tötet seine Beute mit Flügel- schlägen, oder mit Krallen und Schnabel, stürzt sie wohl vom Felsen in die Tiefe, um den zerschellten KörUr dann zu verzehren. Mehr als Fleisch liebt das Tier das Mark der Knochen, welche es aus der Höhe auf einen Felsen fallen läßt, um dann dasselbe begierig zn .fressen. Auch Schildkröten werden von ihm in derselben Weise getötet, da er deren Fleisch gern verzehrt. Verwegene Mordgeschichten, wie sie der Schweizer gern von seinem „Geieradler" zum Besten giebt, gehören in das Reich der Fabel. Kommen Anfälle von Seiten des Vogels auf Menschen vor, so sind es in der Regel Verwechselungen, die mit dem Steinadler vorliegen, denn Lämmergeier und Steinadler werden beide sehr häufig als Gold geier oder Goldadler bezeichnet. Der aus Acsten aufgeschichtete Horst, welcher innen mit Moos und Heidekraut ausgerundet ist, steht stets auf unzugänglichen Felsen und enthält im März zwei weiße, braungefleckte Eier. Geier sind feige, stumpfsinnige, gesellige und gefräßige Tagraub vögel, welche ihre Beute durch den scharfen Gesichtssinn in großer Ferne entdecken. Ihre Nahrung besteht meistens ans Aas, jedoch werden kleine Säugetiere von ihnen nicht verschmäht. Ihr Kopf ist meist nackt, der Schnabel gerade mit gebogener Oberkieferspitze. Die Krallen sind weniger gebogen. Die meisten Arten gehören, der warmen Zone an und haben hier das Amt der Straßenreiniger. 2. Falken (Accipitrinae). Die Falken sind die begabtesten Raubvögel der Gattung. Alle sind schlimme Räuber, aber durch edele Erscheinung, Mut und Gewandtheit und besonders durch ihre geistigen Fähigkeiten auszeichnet. Ihr Flug ist schnell, anhaltend und schwebend, auch vermögen sie bis in unermeßliche Höhen zu steigen. Beim Angriff auf die Beute stürzt sich der Falke mit unglaublicher Raschheit hoch aus der Luft auf sein Opfer. Die größten, mutigsten und kühnsten dieser Familie benennt man sehr passend als „Könige" ihres Geschlechts. Einer der größten und stärksten Repräsentanten der ganzen— 103 — Familie ist der Steinadler (Aquilla fulva). Er ist das Urbild des .Wappenvogels, das Sinnbild der Stärke, der ausdauernden Kraft und der Unermüdlichkeit Das Gefieder dieses majestätischen Vogels ist braun, am Halse rostfarben. Der Schnabel am Grunde gerade, die Spitze, hakig gebogen. Der Steinadler, ist der Schrecken und Würger der Tierwelt, eine Geißel der Länder, in denen er lebt. Vom Hasen bis zum fast er wachsenen Kalbe hinauf fordert er seinen Tribut, und selbst den Menschen nimmt er zum Ziele seines Raubzuges. Mit rauschendem Finge erhebt er sich, und dort, wo sein schriller Schrei ertönt, ver stummen die Stimmen der Tiere. Das Murmeltier verschwindet iit seine schützende Hohle, der balzende Auerhahn verläßt seinen luftigen Sitz und eilt in das dichte Gebüsch zn seinen Hennen, die Gemse sucht ihr Junges an die Felsenwand zn drücken und bietet dann dem König der Vögel mutig das gebogene Gehörn. Hoch in unerreichbarer Ferne schwimmt der Adler in ruhigen Kreisen, bis er zum tötenden Stoß auf die Beute herabschießt. Ein Steinadlcrpaar beherrscht sein weites Gebiet vollständig, es erjag! seine Beute und verzehrt sie in Gemeinschaft. Dieser Adler ist ein durchaus schädlicher Vogel, der keiner Schonung bedarf. Der gewaltige, ein bis zwei Meter im Durchmesser haltende Horst, wird an einer schwer zugänglichen Felswand, oder auch auf einem hohen alten Baume errichtet. Der Unterbau besteht aus starken Aestcn und Knüppeln, der Oberbau ans dünnen Zweigen und das Innere ans zarten Reisern, Moos und Flechten. Bei einigen asiatischen Volksstämmen werden Adler zur Jagd abgerichtet. Nicht weniger kühn und mutig als der Steinadler ist der See adler (Haliaetus albicilla). Das Gefieder des Vogels ist in der Hauptfarbe kaffeebraun; Hals und Kopf des alten Tieres milchweiß. Der Schwanz ganz weiß und gerundet. Ruhig schwebt der Seeadler über Flüsse und Teiche, über Seen und die Ränder des Meeres dahin, um aus beträchtlicher Höhe, durch pfeilschnelles Tauchen in die Flut sich seine Beute zn erjagen. Meis' ist er auf Fische und das Aas des Meeres angewiesen, aber als kühner Räuber, als hoher Baron der Lüfte, liegt er auch der Jagd auf Geflügel und kleineren Säugetieren ob. Sein Horst steht in ..alten Eichen und Fichten, auch wohl, jedoch selten, in Felsklüften.104 Ein Seeadler, welcher aus der Höhe auf einen mächtigen Stör ge stoßen war, wurde mit diesem zusammen gefangen. Der Adler, welcher den Stör nicht heben konnte, dieser aber de» Adler nicht in die Tiefe zu ziehen vermochte und sich so beide Teile das Gleichgewicht hielten, schossen wie ein Schiff mit geblähten Segeln ans dem Wasser dahin. Von kleinerer Gestalt als sein Vorgänger, ist der Fluß- oder Fischadler (Pandion haliaetus) Über ganz Europa verbreitet. Die Oberseite und der Schwanz sind dunkelbraun, dieser schwarz gerändert. Unterseite, Scheitel und Nacken weiß, Wachshaut und Fuße graublau. Zu Ende des Monats März oder auch im Anfänge des April läßt der Fischadler über den fischreichen Gewässern seine gellenden Rufe „Kai, kai" erschallen. In gewandtem, leichten, mannigfach wechselnden Fluge kreist er über dem Wasser. Hier und da rüttelt der Adler flügelschlagend auf einer Stelle und stößt plötzlich schräg hinab, um mit einer Beute beladen empor zu fliegen. Gar oft gelingt der Angriff nicht, oft auch dringen die scharfen Krallen tief in die zu schwere Beute ein und ohne seine Fänge lösen zu können, wird der Räuber von der Beute in das Wasser gezogen und in demselben ertränkt. Der Horst des Flußadlers steht auf den Gipfeln hoher Baume im dichten Walde in der Nähe der Gewässer. Die 2—3 Eier sind grünlich-weiß und meist dicht gefleckt. Ein würdiges Abbild des Steinadlers ist der Hühnerhabicht (Astus palmubarius), dessen getreue Nachahmung im kleinen. Das Männchen trägt ein oben graublaues, unten wcißgewclltes Federkleid, während das des Weibchens oben blanbrann, nuten schmutzigweiß ist. Das Tier ist eine Geißel der Vogelwelt, einer der gefährlichsten Raubvögel, der unter dem Geflügel, namentlich den Tauben, und unter dcm kleineren Wilde großen Schaden anrichtct. Immer auf seine Sicherheit bedacht, stets den richtigen Zeitpunkt abwartend, fährt der Habicht wie ein Blitz aus heiterm Himmel zwischen die ahnungslosen Vögel und mit der Sicherheit eines zielbewußten Schützen trifft er stets das anserwählte Wild. Nicht nur entnimmt er seine Opfer der Vogelwelt, er raubt alles, was sich bewegt. Junge und alte Hasen, Hamster und Eichhörnchen und auch Mänle, wenn es sein muß, bilden seine Nahrung. Nirgends in Europa fehlt dieser Räuber, bald ist er Stand-, bald Strich-, bald Zugvogel. Bei seinen Strcifziigen zeigt er sich blutdürstig wie ein Panther, bentelüstern wie ein Marderwild und mutig iuic der Löwe, scheu und schlau wie der Fuchs. Hätte die Natur ihm einen kräftigeren Körper gegeben, so könnte ihm fein Tier widerstehen. Bei seinen Raub- und Beutezügen folgt er in der Regel den Waldrändern. Den ganzen Tag ist er bei seinem Mordhandwerke thätig, und Orte, wo er einmal Beute machte, sucht er stets wieder ans. Nicht lvie die eigentlichen echten Falken greift der Habicht seine Beute an, sondern stets von unten oder von der Seite. Der Horst steht ans den großen Waldbänmen und wird oft mehrere Jahre benutzt. Jin Mai finden sich in demselben 2—4 grüulich- iveiße Eier mit sparsamen Flecken, welche an Größe die Hühnereier übertreffen. Obgleich noch bedeutend kleiner als der Habicht, übertrifft diesen bald der Sperber (rLstur nmuch an Raubgier und Mordlust. Er trägt ein blänlichgranes, unten weißes, mit schwarzen und rosafarbigen Qucrwellen versehenes Kleid. Dasselbe ist aber in der Färbung sehr verschieden und richtet sich nach dem Alter und Geschlcchtc des Vogels. Wie der Habicht wird auch der Sperber von Krähen, Schwalben und Bachstelzen mit lautem Geschrei verfolgt. Der edelste Vertreter der Falken, nicht in der Größe, sondern in seinem Fluge und dem Mute, ist der Edel- oder Jagdfalke (Falco candicans). In der Färbung ist das Tier sehr verschieden gezeichnet, in der Hauptfarbe aber weiß, dunkel gewellt. Zur Zeit des Mittelalters stand bei den Fürsten eine eigenartige Jagd in hohem Ansehen, welche noch jetzt bei den asiatischen Völkern ausgeführt wird, die Falkenbeize. Schon Karl der Große gab Gesetze, über die Haltung der Jagdfalken, und die alten Chronisten erzählen viel von der Ansübung dieser Jagd und dem dabei herrschenden Pompe. König Franz 4 von Frankreich hatte 300 Falken (1490). Auch Friedrich Barbarossa war ein großer Falkenjäger und richtete selbst den Falken ab. 1195 schrieb Friedrich II ein Werk: „lieber die Kunst mit Vögeln zu jagen", ivie wörtlich übersetzt der Titel lalltet; d. h. über die Falkonicrkunst, welches 1596 in Augsburg gedruckt wurde. Mit der Verbesserung der Schußwaffen ist die Falkonicrkunst verschwunden, nur noch an einzelnen Orten, besonders in England treibt der letzte Zweig dieses so blütenreichen Sports weiter. Hoch im Norden, in den zerrisseneil Klüften Islands, wo ein tausendstimmiges Konzert der Seevögel deil leuchtenden Morgen106 begrüßt, da ist die Heimat des Jagdfalken. Hier ist ihm alles Getier nmerthan, von der Möwe bis zum Alk. Wenn er hoch oben in der Luft dahinzieht und sein Helles „Giak giak" erschallen läßt, schweigt der tosende Lärm der Seevögel, und nur die rollende Woge schlügt gegen die Felsen. Kein lebendes Wesen hat der Falke außer dem Menschen zu furchten, alles ist ihm sonst dienstbar. Mit scharfem Auge überblickt er die Scharen der ängstlichen Vögel und plötzlich schnellt er sich herab ans der Höhe, um sie zuin Aufstiegen zu bewegen, demi nur im Fluge kann er seine Beute ergreifen. Eine ängstliche Möwe -flattert auf und kurze Zeit später verblutet sie in den Fängen des Falken, der sie in aller Ruhe verspeist. Während die vorhergehenden Falken alle als schädliche Vögel betrachtet werden, ist der Bussard (Lutoo vulgaris) ein sehr nütz licher Vogel. Die Hauptfarbe seines Gefieders ist braun. Der Bauch besitzt mehr oder weniger dunkelbraune, herzförmige Flecken oder Wellenlinien, die Schäfte der Schwanzfedern und Schwingen sind weiß, elftere mit 8—14 Querbinden versehen. Die Färbung ist indessen Zehr veränderlich. Wenn des Morgens die weißen Wiesennebel sich tiefer und tiefer senken, und die leuchtende Sonne ihren belebenden Strahl über die thaufrische Landschaft sendet, dann sitzt ans den Grenzsteinen der .Gemarkungen oder ans Steinhaufen und sonstigen Erhöhungen der träge Bussard und lauert hier auf Raub. Wenn er so still und steif ans den Grenzsteinen sitzt, dann schauen die unruhigen Augen -nach allen Seiten, und gleich der Katze, deren Stimme auch der des .Bussards ähnelt, liegt er der Mäufejagd ob. Je mehr diese Nager auf den Feldern überhand nehmen, desto mehr stellen sich die Bussarde zu deren Verfolgung ein. Zn Dutzenden erscheinen sie und mit dem -größten Eifer liegen sie der Jagd ob. Aber trotz dieser Nützlichkeit wird dieses Tier von allen Seiten verfolgt, denn es trägt den Charakter des Raubvogels, und diesem hat er es zu verdanken, daß seine Thaten mit Undank gelohnt werden. Neben den Mäusen sind Schlangen, Hamster, Natten, Ziesel und Frösche seine hauptsächlichste Nahrung, -doch betreibt er, wenn auch nur selten, die „hohe Jagd" auf Neb- .Hühner, junge und alte angeschossene Hasen und Vögel, jedoch haben alle diese Tiere von seiner Verfolgung nur sehr wenig zu leiden. Als .Verbündeter des Landmanns bedarf der Bussard unbedingt der Schonung. Sein Horst steht ans hohen Bäumen und enthält 2—4 grünlich-— 107 — weiße, hellbraun gesteckte Eier, die vom Weibchen in drei Wochen nusgebrütet werden. Als letzten Vertreter der Falken führe ich noch kurz den sehr nützlichen Turmfalken (Falco tinnuculus) an. Er ist an der Ober seite hellrostrot und schwarzgefleckt, unten rötlichweiß und braungefleckt', sein langer, Heller Schwanz trägt eine breite schwarze Querbinde. .In ganz Europa ist dieser Vogel als Zugvogel zn finden, er siedelt sich gern in alten Burgen und ans Türmen an. Seine Nahrung bilden Mäuse und Kerbtiere. Falken sind Nanbvögel von starkem, gedrungenen Bau, breiter Brust, großfederigem Gefieder und starken Flügeln. Hals und Kopf sind befiedert. Ihre Krallen sind kräftig und stark gekrümmt. Ihre Nahrung besteht aus lebenden Tieren, (Säugetieren, Vögeln, Fische», Amphibien und Insekten). Sie sind über die ganze Erde verbreitet und Bewohner von Bäumen oder Felsen. . 8. Eulen (Stringinae). Die Eulen oder Nachtranbvögel bilden von den eigentlichen Raubvögeln eine streng abgcgrenzte Familie. Ihr .Körper erscheint gedrungen und dick, ist in der Wirklichkeit aber'nur schmächtig und schlank, jedoch mit einem sehr reichen und weichen Ge fieder bekleidet. Der Kopf ist breit, die großen Augen stehen in einem Federkranze und sind nach vorn gerichtet. Der Schnabel ist stark ge bogen. Die Beine sind bis zu den Zehen befiedert, diese mit langen und spitzen Krallen versehen. Die Eulen stehen im Allgemeinen nicht in der Gunst des Menschen, ihr sonderbarer Gesichtsausdrnck, ihr nächtliches Wesen und ihre unheimliche Stimme tragen hieran die Hauptschuld. In der Nacht giebt es auch wohl nur wenig schauerlichere Laute, wie das Geheul der Eulen. Meist tief ans der Brust hervorgezogen und immer stärker anschwellend — ein pfeifendes Hu! Hu! — stimmt es sich auch zum zischenden Fauchen oder zum Röcheln herab, das selbst Kundige täuscht. Fast alle Eulen sind Nachttiere und halten sich während der Tagesstunden „als träumerische Einsiedler" in Baumhöhlen, Fels spalten, Mauerlöchern und an anderen Verstecken verborgen. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Mäusen und Spitzmäusen, auch Natten, Maulwürfe, Wiesel, Vögel und Käfer werden verzehrt. Die kleineren Arten leben mehr von Insekten als von Wirbeltieren, während die108 großen jene letzteren bevorzugen. Der von den Eulen gestiftete Nutzen ist weit größer als ihr Schaden. Der Uhu (Bubo maximus) ist der größte aller Eulen. Das dichte, reiche Gefieder ist auf der Oberseite rostbraun und schwarz ge flammt, auf der Unterseite rostgelb mit dunklen, schwarzen Längs streifen. Waldige Gebirgsgegenden und größere Waldungen bilden seine Wohnorte. Er ist ein starker und mutiger Räuber, der selbst vor einem Kampfe mit lvehrhaften Tieren nicht zurückschreckt. Vom Rey- kalb bis zur Maus herab kann sich kein Tier seinen Waffen wider- setzen. Durch die Massenvertilgung der Mäuse und Natten, denen der Uhu mit einem Biß den Schädel eindrückt, lvird er sehr nützend, so wohl dem Landmanne, wie dem Förster. Zur Brutzeit dagegen schädigt er die Jagd sehr, so daß er zu dieser Zeit keine Schonung verdient. Bon sämmtlichen Vögeln lvird der Uhu glühend gehaßt und — wenn er sich bei Tage blicken läßt — verfolgt und wütend umschwärmt, daher ist er als Beizvogel für die Krähenhüttenjagd sehr gesucht. Das Nest des Uhus steht entweder in einer Felsspalte oder auf einem sehr hohen Baume und enthält zwei weiße runde Eier. Die schönste heimische Eulenart ist die Schleiereule (Strix flamea). Sie ist oben rostfarben, aschgrau gewässert mit weißen Tropsenflecken, unten gelblichweiß mit braunen Tropfenflecken. Um das Auge zieht sich ein herzförmig gestaltener, Federschleier. Die Schleiereule bewohnt die gemäßigten und warmen Länder der alten Welt und ist Standvogel. Ihr liebster Aufenthalt sind die Kirchböden, die Türme, altes Maneriverk uiit Höhlungen, Nuineu und Scheunen. In Wäldern und Gebirgen ist sie nicht zu finden. Des Nachts fliegt sie geräuschlos umher und läßt dann ihre heiser kreischende Stimme vernehmen. Sie nährt sich von Käfern, Maulwürfen, Feld mäusen und vertilgt eine zahllose Menge Mäuse und Ratten. In 854 Geröllen*) fand Altum, außer 7 Fledermäusen, 1064 verschiedene Mäuse, 12 Sperlinge und 2 Mauersegler. An den von ihr bewohnten Orten legt diese Eule ans einer Unter- lage von Schutt, Kalkbrocken ec. 3 bis 5 weiße Eier. Der gemeine Kauz oder die Brandeule (ülula aluco) mag als letzte die Euleuarteu beschließen. Ihr Kopf ist groß, der Schnabel '0 Unuerdauliche Teile der Beiitclicre.— 109 blaßgelb; der Oberleib ist mit abgebrochenen Wellenlinien, vielen Punkten und Flecken von dunkler Farbe gezeichnet. Das ganze Feder kleid ist locker und weich. In Europa ist das Tier sehr verbreitet; sein Aufenthalt sind Laubwaldungen mit alten Bäumen und hier geht das Tier der Jagd auf Mäusen, Maulwürfen, Fröschen, größeren Insekten 2c. nach. Während der Strichzcit, tut Spät- und Frühjahr, kommt der Kauz auch in kleinere Feldhölzer, und selbst in großen Baumgärten in der Nähe der Dörfer vor. Das Nest befindet sich in weiten Baumhöhlen oder Felsenritzen, in welche etwas Moos und Federn die Unterlage für die 3—5 weißen, rundlichen Eier bilden. Die Eulen sind ohne Geräusch fliegende Nachtranbvögel. Ihre Augen sind groß und von einem Federkranze (Schleier) umgeben, nach vorn gerichtet. Das Gefieder ist locker und abstehend. Die Füße sind meist bis zu den Krallen befiedert. Ihr Aufenthalt bei Tage sind einsame Orte, Felsenklüfte, verfallene Gebäude, hohle Baum stämme 2c. Die Tiere sind durch Vertilgen schädlicher Tiere sehr nützlich. II. Klettervögel (Scansores). 1. Spechte (Fici). In ihrem ganzen Bane sind die Spechte als vollendete Klettervögel gezeichnet. Ihr Leib ist gestreckt gebaut und ruht auf kräftigen, mit langen Zehen versehenen Füßen; der Schwanz toird von starken, sehr biegsamen Federn gebildet. Der Kopf trägt einen geraden, kegelförmigen Schnabel, in welchem eine wurmförmige, mit feinen Stacheln besetzte, und weit ausstreckbare Zunge liegt. Ihre Nahrung besteht der Hauptsache nach aus Kerbtieren, die sie mit ihrem scharfen Schnabel ans der Rinde der Bäume hervorholen. Die größte in Europa vorkommende Art ist der Schwarzspecht (Pie»?; Martius). Das Tier trägt ein schwarzes Federkleid und einen roten Scheitel. Beim Weibchen ist nur ein roter Genickfleck vorhanden. Alter Hoch- tvald mit großen Bäumen und vielen Waldameisen sagt ihm am besten zu. Leider verschwindet das Tier immer mehr, seitdem die Forst- verwaltnng mit peinlicher Sorgfalt darauf sieht, daß kein morscher oder hohler Baum stehen bleibt. Dort, wo dieser Specht noch vor-110 kommt, macht er sich bald durch seinen eigentümlichen, weit schallenden Lockruf, sowie durch sein energisches Trommeln bemerkbar. Es ist dieses ein schnurrender Ton, der durch blitzschnelles Hacken an einem dürren Ast hervorgebracht, und der im Frühjahr häufig gehört ivird. Sein Nest meißelt das Tier in einem stärkeren Stamm. Zur Anlage derselben sucht es sich meist einen schadhaften und daher leicht zu bearbeitenden Baum, meißelt unter einem Aste, an morscher Stelle das kreisrunde, der Größe des Vogels entsprechende Ein- gangsloch und von diesem zuerst schräg und dann senkrecht abwärts gehend einen längeren oder kürzeren Schacht, dessen unteres Ende zum Brntkessel erweitert, und sehr glatt ansgemeißelt wird. Die weißen 3—4 Eier, ohne eine sonstige Unterlage aus das Holz gelegt, lverden hier von beiden Vögeln ansgebrütet. Ein anderer Vertreter der Spcchtfamilie ist der große Buntspecht (Picus major). Er trägt eilt schwarz-, weiß-, und rotbuntes Federkleid. Ein schwarzer Streif vom Mundwinkel zieht sich am Halse herab. Seine Heimat ist das nördliche und mittlere Europa, wo er sich besonders in Lieferwaldungen häufig findet. Er macht sich durch Vernichtung des Borkenkäfers und seiner Larven sehr nützlich, frißt auch außer Insekten Haselnüsse und .Kiefernsamen. Weitere heimische Spechte sind: der mittlere Bunt specht (Pions woclins), der kleine Buntspecht (Pions minor), die beide ein ähnliches Fcderkleid wie der große Buntspecht tragen, und der Grünspecht (Picus viridis) mit einem grünen Fcderkleide und roter Kopfplatte. Ausländische Arten sind: der Elfenbeinschnabel (Pions albirostris), so genannt wegen seines weißen Schnabels, mit glänzend schwarzem Gefieder und einigen weißen Streifen; das Männchen mit scharlachrotem Schopf mißt über einen halben Meter in der Länge. Die Indianer stellen dem Tiere eifrig nach und verzieren ihre Gürtel mit dessen Kopf. Derselbe soll dem Krieger Mnt verleihen und ihn vvr Verwundung schützen. Der Goldspecht (Pions auratus) über ganz Nordamerika verbreitet, ist ein ganz vorzüglicher Kletterer und auf allen Bäumen heimisch. Aber auch auf dem Erdboden versteht sich das Tier mit Geschick zu bewegen, auch fliegt es schnell null ausdauernd. Spechte sind Klettervögel, die in Banmlöchern nisten und nur auf Bäumen leben. Auf ihren kurzen, steifen Schwanz gestützt, klopfen sie mit ihrem meißelförmigen Schnabel an die Bäume, um111 die dann hervorkriechcnden Insekten und Insektenlarven mit der weit vorstreckbarcn, wurmförinigen, an der Spitze hornigen Zunge anfzu-' spießen und dann zu fressen. .2. Klickukc (Cuculidae). Von der Familie der Kuckuke beherbergt ttnsere Heimat nur einen Vertreter, den gemeinen Kuckuk (Oueulus eanorns). In der Hanptfarbe ist das Gefieder dieses Vogels asch grau. Der Bauch ist weiß, dunkel gewellt; der Schwanz an den Seiten weiß gefleckt. Ein allbekannter und dennoch ein vielfach rätselhafter Vogel ist unser Kuckuk, denn über seine Lebensweise gehen eine Menge wider sprechender und ungenügender Angaben unter allen Leuten umher. Als unruhiger, flüchtiger und scheuer Vogel, der namentlich dem Menschen großes Mißtrauen entgcgenbringt, ist er nur schwer zu beobachten und leichter zu hören als gu sehen. Wer würde nicht schon jene Aus sage des Aristoteles gehört haben, die sich bis heute erhalten hat, daß der Kuckuk sich zur Mauserzeit in einen Sperber verwandle. Schon den Alten war cs bekannt, daß sich das Kucknkspärchen aller Sorge um die Aufsicht seiner Kinder entschlägt und diese anderen Vögeln aufbürdet. Das Weibchen legt die Eier, ihrer ungleichzeitigcn Entwickelung wegen, in die Nester fremder Singvögel, besonders der Bachstelzen, Grasmücken, des Zaunkönigs ec. und dort werden sie von Pflegeeltern ausgebrütct. Die Eier des Kuckuks sind auffallend klein, von sehr wechselnder Färbung und stimmen in diesem Punkte fast immer mit jenen der Pflegeeltern oder Wirte überein. Jedes Knckuks- weibchen legt nur Eier von einer ähnlichen Färbung und sucht sich die Nester der kleinen Sänger aus, deren Eier den ihrigen gleichen. In einer Gegend legt das Kucknksweibchen seine Eier in das Nest eines Rotkehlchens, in einer anderen zur Bachstelze, in noch einer dritten zum Würger ec. Die weiblichen Kuckuke sind untereinander gleich, unterscheiden sich aber in betreff der Färbung ihrer Eier sehr von einander. Im Gegensätze zu seiner sonstigen Scheu kommt das eicr- legende Weibchen oft in unmittelbare Nähe der Wohnungen, ja selbst in das Innere der Gebäude. Erlaubt es der Standort oder die Bau art des Nestes, so setzt sich das legende Weibchen ans das Nest; ist dieses nicht der Fall, so legt es sein Ei auf die Erde, nimmt es in den Schnabel und trägt cs in diesem zum Neste. Das Männchen begleitet das Weibchen ans seiner Nestersnche;verschiedene Beobachtungen haben ergeben, vast letzteres die gelegten Eier, wie die ansgeschlüpften Jungen noch überwache, seine Eier ans durch Menschen gefährdeten Nestern fortträgt, die Eier und Nestjunaen der Pfleger zu Gunsten der ansgeschlnpften eigenen Jungen aus den Nestern letzterer beseitigt. In den meisten Fällen werden die Eier und die viel kleineren Jungen der Pflegeeltern von den meist früher ansschlüpfendeu Knckuks ans dem flieste gedrängt oder erdrückt und dann von den Pflegeeltern selbst beseitigt, svdaß vielfach der junge Kuckuk allein im Besitze des Nestes bleibt. Dieser wird von den Pflegeeltern ans das Eifrigste gefüttert; bekannt sind Fälle, in welchen junge Kncknke im fliest von Höhlenbrütern aufgezogen, durch das zu enge Eingangsloch das fliest nicht verlassen konnten und von den Pflegeeltern noch lange über die Jugendzeit gefüttert wurden. Die Vermehrung des Knckuks ist in Folge der Schwierigkeit für das Weibchen, stets ein passendes fliest zu finden, der Feindseligkeit der Pfleger gegen dasselbe, das Verlassen mancher Nester, in welchen ein Kncknksei abgelegt wurde und auch des Umstandes, daß der Kuckuk toi Süden erlegt und verspeist wird, nur eine geringe. Durch Vertilgen schädlicher Raupen, welche von anderen Insekten fressern nicht berührt werden, z. B. des Prozessionsspinners, der Nonne re., macht sich der Kuckuk zu einem teuren und sehr schätzbaren Waldhüter. Als ausländischer Vertreter der Kuckuksfamilie nenne ich den Königskuckuk (Jndicator nriuor). Derselbe lebt in Afrika und trägt ein olivengrünes, oben gelbliches und unten graues Gefieder. Er sucht mit Vorliebe die Nester wilder Bienen auf, die seine Hauptnahrung bilden und zeigt durch sein Geschrei auch dem Menschen den Fund ort an. Kucknke sind Klettcrvvgel,. deren Schnabel ans der Firste gebogen und mäßig stark ist. Sic besitzen eine Wcndezche und tragen ei» dichtes, nur lose in der Haut sitzendes Gefieder. Ihre Flügel sind lang und spitz. Ihre Nahrung besteht ans Insekten. Sic heiße Zone beherbergt viele Arten. 3. Papapeien (Psittacini). „Die Papageien sind die Assen der Bogelwelt." Dieser Vergleich hat nur Bezug ans das geistige Leben,Das Tierreich. 113 keineswegs auf die Gestalt der Tiere. Es sind die klügsten Vögel. dieZeiten gezähmt, als prächtiges hochrotes Gefieder und blau und graue Flügel. Der Schwanz ist lang und keilförmig und besitzt neben den mittleren roten Federn zwei blaue Endfahnen. Der Arara lebt nt deir sumpfigen Urwäldern Brasiliens in Gesell schaften, die aufge scheucht, einen betäu benden Lärm er schallen lassen. Der klügste aller Papa geiarten ist der Gran- papagci (Psittacus erithacus). Er be sitzt ein ganz asch graues Federkleid und einen roten Schwanz. die wir kennen undschon seit den ältesten Schmuckvögcl im Hanse gehalten werden. Mit einem vortrefflichen Ge dächtnisse begabt und befähigt, Worte der menschlichen Sprache nachzusprechen, be halten sie die ihnen vorgesagten Worte, wissen sich selbst weitere dazu passende anzueignen und sind, richtig behandelt, im höchsten Grade bil dungsfähig. Einer der größten Arten ist der rote Arara (AraMacar) oder auch Makar ge- genannt. (Fig. 24.) ^ 24 3Jotcr tora . Das Tier trägt ei» Ans seinem Vaterlande, Afrika, wird dieses Tier sehr oft nach Europa gebracht und wird hier bald der Liebling der ganzen Familie. Von einem dieser Graupapageien wird berichtet, daß er in drei Sprachen, holländisch, deutsch und französisch geplaudert habe. Hatte er Hunger, so rief er: „Papchen will 'was zu fressen haben!" Erhielt er das Verlangte nicht sofort, so fügte er bei: „Papchen will und muß aber 'was zu fressen haben!" Wurde ihm auch jetzt noch nicht entsprochen, so geriet er in den heftigsten Zorn und warf alles durcheinander. Nicht so gut sprechen lernt der Amazonen-Papagei (Androglosa amazonicus). Es ist ein prächtig buntgefärbter Vogel und in Süd amerika weit verbreitet, wo er in Wäldern in Gesellschaften vereinigt lebt, am Morgen mit lautem Geschrei in Scharen nach den Fntter- plätzcn zieht, und am Abend mit gleichem Lärm seine Schlafstellen aufsucht. Auch sehr beliebt in der Gefangenschaft sind die in Australienlebenden Kakadus, von denen ich den weißgesärbt-en Kakadu '(Gacut.ua eristatus) nenne. Das Federkleid ist ganz weiß, nur unter den Flügeln gelblich gefärbt. Auch die Zwergpapageieu, von denen ich nur kurz den Wellensittich (Llolopsittacus undulatus) ansjihrr, sind beliebte Stubenvögel. Trotz all seiner geistigen Eigenschaften ist der Papagei nicht jedermanns Freund. Der sndamerikanische Farmer haßt das Tier tätlich, weil er ihn als Plünderer seiner Getreidefelder kennt.' In gewaltigen Scharen fallen die Tiere in die Felder ein und richten eine große Verheerung an. Viele Arten sind dabei so vorsichtig, daß sie Wachen ausstellen und auf die ersten Warnnngslantc schleunigst das gefährdete Gebiet verlassen. Außer Früchten und Sämereien dienen den Sittichen auch Baumblüten, Knospen, Blutenhonigs Würmer und Insekten zur Nahrung. Papageien sind Klettervögel mit sehr dickem, kurzen, hakig über- greifcnden Schnabel. Es sind schöngefärbte, meist schlecht fliegende, aber gut kletternde und gelehrige Vögel, die die Tropen- und Wendc- kreisländcr bewohnen. 4. Großschnäblrr (Rhamphastidae). Die Großschnäbler sind auf die Tropen Amerika beschränkte Vögel, die sich durch ihren großen^ kegelförmigen Schnabel, der an der Wurzel die Breite des Kopfes besitzt, auszeichneu. Zu ihnen gehört der Toko (Rhamphastus Toko). Das Gefieder ist tiefschwarz, die Brust weiß mit scharlachrotem Saum eingefaßt. Die Umgebung des Auges ist dottergelb, der Schnabel orange und feuerrot mit schwarzem Fleck an der Spitze und ebenso gefärbtem Hinteren Saum. Der vielbindige Arassari (Ptero- glossus pluricinctus) (Tafel 5, Fig. 1), dessen Fcderkleid die Tafel veranschaulicht, gehört hierher. So schwerfällig die gewaltigen, mit den schönsten Farben geschmückten Schnäbel der Tiere auch erscheinen mögen, so leicht sind sie in Wirklichkeit, da der ganze Schnabel eine zellige Struktur besitzt und die Außcnwandungcn nicht stärker sind als ein Kartenblatt. Vorzugsweise halten sich diese hübschen und intelligenten Vögel in den dichtesten Kronen hochstämmiger Bäume des brasilianischen Urwaldes ans und nähren sich von Samen, Früchten und kleinen115 Wirbeltieren. Das Fleisch der Vögel wird von den Indianern genossen und ihre Federn dienen als Schmuck. Jung gefangen werden die Groszschnäbler oder Pfefferfresser sehr zahm. In ihrer geistigen Begabung gleichen sie im ganzen den Nabcu- arten und in gleicher Weise wie diese, spielen sie sich als Herr im Hanse auf, tyrannisire» alle anderen Tiere und stehlen, was sie erreichen können. Grvßschnäbler sind Klettcrvögcl, deren Schnabel dreimal länger als der Kopf, sehr dick und von zclliger Struktur ist. Ihre Zunge ist hornartig und an den Seiten zerschlissen. Ihr aus großen Federn gebildetes Kleid ist ans schwarzem Grunde meist mit lebhaften Farben geschmückt. Ihre Nahrung besteht ans Samen, Früchten und tierischen Stoffen. Die Heimat ist Amerika. ! Hcftzchcr. 5. Nashornvögel (Buceridae). Die Nashornvogel sind die alt weltlichen Vertreter der Großschnäbler. Sie sind die abenteuerlichsten Gestalten, welche die Vogelwelt aufzuweisen hat. Auf dem schon an inid für sich gewaltigen Schnabel tragen sie noch einen „Zwillings schnabel", d. h. einen hornigen Auswuchs, dessen Spitze aufwärts ge richtet ist, oder einen mützenartigen Aufsatz, der eine pflngschaarähnliche Bildung zeigt. Wie der Schnabel der Großschnäbler, ist auch der Schnabel der Nashornvögel, ans weiten Knochenzellen zusammengesetzt, die mit Luft angefüllt sind. Zu dieser Gruppe gehört der Homray (Buceros bicornis). Das Tier trägt auf seinem langen Schnabel einen hohen, vorn in zwei Spitzen anslaufenden Aufsatz. Der ganze Vogel besitzt etwa die Länge eines Meters und trägt ein weiß und schlvarzes Gefieder. Er bewohnt die Hochwaldungen Indiens und nährt sich von Früchten. Der große Nashornvogel (Buocrros Bliioo- ooroo) ist noch größer als der Homray, stimmt aber im Ganzen in der Färbung des Gefieders mit dem vorigen überein. Sein großer Schnabelaufsatz ist halbmondförmig nach oben gebogen; die Schnabel- rändcr sind gesägt. Er lebt auf den Inseln des indischen Occans ge sellig in dichten Wäldern und nährt sich von pflanzlichen Stoffen und kleinen Tieren.116 Besonders merkwürdig ist die Fortpflanzung bei diesen Vögeln, denn das Weibchen mauert sich während der Brutzeit in eine Baniw- höhle derart ein, daß nur eine kleine Oeffnung verbleibt, durch welche das Männchen dem brütenden Weibchen die Nahrung zuführt. Es sitzt so in einem sicheren Versteck, in das kein Raubtier, kein lüsterner Affe und keine beutegierige Schlange gelangen kann, ohne eines sehr üblen Empfanges gewärtig sein zu müssen. Kommt das Männchen mit Futter, so klopft es ans besondere Art an den Baum, worauf das Weibchen den Schnabel zur Oeffnung heraussteckt und sich vom Männchen füttern läßt. Nashornvögel sind Heftzeher mit sehr großem, leichten, oben mit einem hornförmigen Aufsatz versehenen Schnabel, dessen Ränder in der Regel ungleichmäßig gezähnt sind. Es find tropische, meist Früchte fressende Vögel der alten Welt. 6. Eisvögel (Alcedines). Die Familie der Eisvögel, deren Hanptvertretcr den Tropen angehören, hat bei uns einen Repräsentanten, den gemeinen Eisvogel oder Königsfischer (Alcodo ispida). Es ist, wie fein Name „Königsfischer" schon sagt, ein schöner Vogel, dessen Gefieder stark grün schillert, so daß er im Sonnenschein beim Fliegen wie ein Smaragd glänzt. Sein Schnabel ist gerade und vierkantig zugespitzt. Auf einzelnen, über einen Bach hervorstehenden Aesten oder Wurzeln sitzend, lauert er kleinen Fischen ans, die er plötzlich durch Tauchen erhascht und ganz verschlingt. Das Tier ist ein arger Räuber und muß dort, wo Fischzucht gedeihen soll, möglichst vertilgt werden. Er nistet in Erdlöchern an Bächen und legt in eine backofenförmige Höhlung, zn der ein längerer Gang führt, auf einer Unterlage von Gräten, gegen 8 Eier. Eine andere Art, der große Jäger-Eis vogel oder Riesensischer (Alcedo gigas), bewohnt Nen-Holland. Seine höchst eigentümliche laute Stimme, die wie ein gurgelndes Ge lächter klingt, macht ihn besonders auffallend. III. Singvögel (Passeres) Die Familie der Singvögel ist die größte Gruppe der ganzen Vögel, denn sie umfaßt <twa rund 6000 Arten, oder doppelt so viel117 als alle anderen zusammen. Der Grnppenname „Singvögel" ist nicht bezeichnend für die ganze Zahl, nur etwa die Hälfte davon kann Aiisprnch auf diesen Namen erheben, ganz abgesehen davon, daß anderen Gruppen auch die Gabe des Gesanges zukommt. Die meisten der hier her gehörenden Arten sind von kleiner Gestalt, haben einen kräftigen Leib, kurzen Schwanz und dicken Kopf mit einem Schnabel, der bis zur Wurzel mit einer hornigen Scheide umgeben ist. Vor allen Dingen jedoch besitzen sie einen Singmnskclapparat, der zur Hervorbringung des Gesanges dient, jedoch den Kolibris, Wiedehopfen und vielen aus ländischen Arten fehlt. Dieser Apparat ist im Kehlkopfe gelegen. Der selbe ist doppelt vorhanden, einer liegt am oberen, einer am unteren Ende der Luftröhre. Der obere Kehlkopf entspricht demjenigen der Säugetiere, liegt hinter der Zunge und enthält nur eine Stimmritze jedoch keine Stimmbänder. Der untere Kehlkopf liegt am unteren Ende der Luftröhre, bevor sich dieselbe teilt und in die Lungen mündet. Dieser untere Kehlkopf wird durch den letzten Luftröhrenring gebildet, der vergrößert und innen in der Mitte durch einen Hautsteg in zwei Spalten oder Ritzen geteilt ist, deren Bänder beim Ausströmen der Luft in Schwingungen geraten und dadurch einen Ton erzeugen. An jeder Seite des unteren Kehlkopfes liegen Muskeln, welche den Häuten und Bändern des Stimmorgans eine große Beweglichkeit und eine verschiedene Spannung ermöglichen. Nur wenigen Vögeln fehlen diese Muskeln gänzlich, sie sind meist zu 1 oder 5 bis 6 Muskelpaaren vorhanden. Alle Singvögel sind sehr lebhafte Geschöpfe, die ihren Gesang mit wahrer Lust erschallen lassen. Ihre Nahrung besteht ans Kerb tieren und Körnern. 1. Zahnschnäbler (Dentivostes). a) Würger (Laim). Lanii (Fleischer) nannte Linne diese Vogelordnung, weil die hierzu gehörenden Arten die Gewohnheit haben, ihre Beute, die aus kleinen Wirbeltieren, Käfern, Würmern 2C. besteht, auf Dornen zu spießen. Es sind fast alles Spötter, d. h. sie ahmen den Gesang der vorüberziehenden Vögel nach, schmelzen jedoch in diesem auch andere Töne, z. V. das Knarren einer Thür u. s. w. ein. Zu ihnen gehört der große Würger (Lanius excubitor). Sein Fcder- kleid ist oben aschgrau, unten weiß, die Flügel schwarz mit einem weißen Fleck. Der rotrückige Würger (Lanius rufus) mit grauem118 Kopfe, rotbraunem Nucken und Oberslügelu, schwarzen, weißgeründerten Schwingen und dunkelgrauem Schwanz. Die Würger sind Räuber im kleinen. Schon ihr lauertiLer Blick verrät ihre Grausamkeit und Beutegicr. In der Regel sitzeti sie auf der äußersten und höchsten Spitze eines Baumes und überschauen von hier ans ihr Gebiet, oder sie vagabundieren wie Elster und Häher im Gebüsche, um Rester auszukundschaften, deren Junge dann ihre Tafel im Dornbüsche zieren. Hier spießen sie alle Beute ans. Bald ist es ein Bögelchen, bald eine Eidechse, eine Maus, eine Libelle, ein Käfer, ein Schmetterling, alles bunt durcheinander. Da ihre Mordlusl hauptsächlich kleine Vögel trifft, die sich von Insekten nähren, so sind alle Würger weit schädlicher als nützlich. Würger sind Singvögel von zänkischem Naturell, sehr mutig und mordtüchtig. Sie tragen einen Zahn im Schnabel, der durch eine schwache Einziehung des Schnabelrandes hervortritt. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, kleinen Vögeln und Säugetieren; die Beute wird zwischen Aeste eingeklemmt oder ans Dornen gespießt. b) Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Auch die zu dieser Familie gehörenden Fliegenschnäpper, die mit den Würgern nur sehr wenig Sehnlichkeit in der Lebensweise haben, werden oft hier angereiht und nenne ich den grauen Fliegenschnäpper (Muscicapa grisola). Er trägt ein aschgraues Fedcrkleid mit weißlicher Brust. Der schwarz- rückigc Fliegenschnäpper (Muscicapa atricapilla) mit schwarzem Gefieder und weißer Stirn und Unterseite. Wenn der leuchtende Strahl der Sonne aus den Rasen schon einen längeren Schatten wirft, dann sieht man ans den Stöcken, welche die Rosen halten, den graurückigen Fliegenschnäpper sitzen, als ob kein Leben in ihin sei. Fliegt aber dann eine Biene, ein schwer gepanzerter Käfer oder ein argloser Schmetterling vorbei, so bekommt das Tierchen Leben. Mit blitzartiger Geschwindigkeit wirft sich der Vogel in die Höhe und mit lautem Schnabelklapp erhascht er das Insekt. Nur höchst ungern macht der Vogel in dieser Jagdweise eine Aenderung und muß daher bei Regen oft Not leiden. In derselben Weise vew fahren die übrigen Schnäpper bei der Jagd auf Insekten, die ihre Nahrung bilden.119 . Fliegenschnäpper sind Singvögel, deren Schnabelgrnnd breiter als hoch, und deren Schnabelspitze etwas übergebogen, kaum hakig ist, und jederzeit eine Kerbe trägt. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, die sie fliegend fangen. 2. Pfriemeuschnäbler (Subulirostres). a) Bachstelzen (Motacillidae). Die Bachstelzen sind die Grazien der deutschen Vögel. Zu ihnen gehört die weiße Bachstelze (Motacilla alba) (Tafel 6, Fig. 4), die gelbe Bachstelze (Motacilla flava) und die Gebirgsstelze (Motacilla sulpkura). Dort, wo ein Bach fließt und eine Mühle ihr gleichmäßiges Klappern erschallen läßt, findet sich auch die Bachstelze. Bald läuft das Tierchen durch die seichten Stellen des Wassers, bald hüpft es behende von Stein zu Stein, stets mit dein langen Schwänzchen wippend und mit dem Köpfchen den Takt angebend. Wie ein abge- schosseucr Pfeil schießt sie ans ein sich am Ufer bewegendes Würmchen oder einen schwerfälligen Käfer zu, oder schnellt sich mit großem Geschick von ihrem Standpunkte in die Luft, uni ein vorüberschwirrendes Insekt zu erhaschen. Im Herbste, wenn die Mücken ihre munteren Tänze aufgegeben haben, kommt sie anf die frischgepflügten Aecker und ver zehrt hier die bloßgelegten Larven und Würmer der Käfer. Erblickt sie bei ihrer emsigen Thätigkeit einen Raubvogel, so stößt sie einen schrillen Schrei aus nnb alle anwesenden Stelzen verfolgen den Raub ritter, der ihnen dank ihrer großen Geschicklichkeit im Fluge nichts anhaben kann. Zu Anfang des Winters ziehen die Stelzen nach Mittel- und Süd-Egypten, sobald jedoch die erste Frühlingssonne den Schnee geschmolzen hat, kehren sie zur alten Heimat zurück. Bachstelzen sind Singvögel mit pfricmcuförmigem, vorn etwas zusammengedrückten Schnabel und langem, schmalen, abgestntzteu Schwanz. Sie halten sich gern an seichtem Wasser und an Bächen auf, waten mit ihren langen Beinen hinein, laufen behende und wippeu mit dem Schwänze. b) Drosseln (Rhacnemidae) : 1. Drosseln (Turdi). Die hiesigen Drosseln sind Zugvögel, W' überall in-Europa Vorkommen und deren Fang noch heute ein Hauptgegenstand der Vogelstellerei ist. Ich nenne die hauptsächlichsten120 hierhergehörenden Arten, kurz: Die Singdrossel (Turdus musious) ist am Rücken grünlichbraun, am Bauche weis; und rotbraun gefleckt Sie findet sich im größten Teile Europas in den Waldungen. Ihr Gesang ist abwechselnd und klangvoll und kommt dem der Nachtigall fast gleich. Die Wachholderdrossel (Turdus pilaris) bewohnt vor zugsweise die Birkenwälder des Nordens und erscheint bei uns im Spätherbste in großen Scharen, wo sie dann ihres vorzüglichen Fleisches wegen gefangen wird. Sie unterscheidet sich von der Singdrossel durch die rostgelbe, schwarzgefleckte Brust. Die Spottdrossel (Turdus polyglottes) trägt ein graues, oben dunkleres, unten helleres Ge fieder, und lebt in Nordamerika. Sie nistet hier in lichten Wäldern im Buschwerk. Das Tier ist eines der vielseitigsten Sänger, es gebietet über eine ungeheure Tonfülle und ist daneben wahrhaft musikalisch begabt, da cs fremde Töne mit der größten Leichtigkeit auffaßt und in den Gesang verwebt. Der Pirol (Oriclus galbula), auch Gold amsel genannt, ist hochgelb im Gefieder mit schwarzen Flügeln. Nur während des Sommers ist das Tier in Europa zuhause und bewohnt dann Laubwaldungen und Gärten. Das Nest wird in einer Astgabel flechtend hergestellt. Die Stimme des Pirols ist volltönend und laut. Drosseln sind Sänger mit mäßig langem Schnabel, dessen oberer Teil etwas niedergebogen und an den Seitenrändern etwas ausge schnitten ist. Ihr Gesang ist meistens sehr abwechselnd und klangvoll. Ihre Nahrung besteht aus Insekten und Beeren. o) Sänger (Silviae). Die Familie der Sänger umfaßt die Sanges fürsten, die Könige des freien Gesanges. Zu ihnen gehört die edle, vom grauen Altertume her, in Wort und Lied von den Dichtern ge priesene Sängerin, die Nachtigall (Silvia luscinca). In ihrem Ge fieder ist sie einfach dunkelrostgclb an der Oberseite, an der Unterseite weißgrau, der Schwanz rostfarben. — Wenn es dunkel geworden ist und der Abend sein fahles Licht über die nahen Höhen schickt, daß es aus den Wassern von den Wellen getragen, glänzend und glitzernd dahinzieht, dann schallt klagend und jauchzend, frohlockend und träumend aus dem Gebüsch das so berückende Lied der Nachtigall. Mit aufgeblasener Kehle, nachlässig herabhängendem Schwanz und Flügeln, sitzt sic selbstvergessen in ihrem Perlquell der schmelzenden Töne ans eine»! Zweige. Mit unbeschreiblicher Anmut wechseln dann121 die sauft flötenden Strophen mit schmetternden, klagende mit fröhliches schwelgende mit wirbelnden; während die eine sanft beginnt, nach und nach an Stärke zunimmt und wiederum ersterbend endigt, so werden in der anderen eine Reihe Töne mit geschmackvoller Härte hastig an geschlagen und melancholische, den reinsten Flötentönen vergleichbar, sanft in fröhlichere verschmolzen. Die Pansen zwischen den Strophen erhöhen die Wirkung dieser bezaubernden Melodien. ' Die Nachtigall findet sich über ganz Europa verbreitet, auch m Mittelasien und in Nordlvestafrika tritt sie auf; sie bewohnt aus schließlich Laubwaldnngen und nährt sich von Gewürm. In Deutsch land erscheint sie erst gegen Ende April, wo sie ihre Ankunft sogleich durch den Gesang bekannt macht und unter stetem fleißigen Singen den Ban des Nestes beginnt. Kein anderes Paar wird in dem Revier geduldet. Das Nest steht dicht an der Erde und enthält vier bis sechs graubraune Eier. Gegen Ende August zieht die Familie von Busch zu Busch ihren Winterquartieren zu. — Nicht minder beliebt wie die Nachtigall ist auch das Rotkehlchen (Silvia rubecula). Es ist oben olivenbrauu, unten weißlich. Kehle und Brust gelblich rot. Das Tier ist nur in Europa heimisch, in Deutschland überall häufig. Zum Wohn- platze wählt es gern dichte Waldungen, kommt jedoch auch in Gärten mit Gebüsch vor. Der Gesang des Rotkehlchens ist nur leise, aber angenehm flötend. Das Tier ist immer munter und sehr neugierig, es nährt sich hauptsächlich von Insekten und Würmern. Ueberall in Gärten zn finden ist das Gartenrotschwänzchen (Silvia phöeni- cura). Es trügt an der Oberseite eilt graubraunes Gefieder, während die Kehle schwarz, Brust und Schwanz rot und der Bauch weißlich ist. Im Winter zieht das Tier nach Inner-Afrika. Das Hausrot- schwänzchen (Silvia titbys) ist unten ganz schwarz, nur der Schwanz ist rot. Sänger sind Singvögel mit langen Läufen, sie halten sich vorzugs weise im Gebüsch auf, wo sie auch nisten und suchen ihre Nahrung, die aus Insekten und deren Larven besteht, von der Erde auf. Unter ihnen finden sich die hervorragensten Sänger; alle sind Zugvögel. cl) Grasmücken (Cumicac). Die Grasmückenarteu kommen nach den Sängern als die vortrefflichsten Künstler des Gesanges. Zu ihnen gehört der Mönch oder das Schwarzplättchen (Cum,ca atncapilla):122 Me Oberseite ist dnnkelschwarzbraun, die Unterseite weißlich, die Kopf- Platte schwarz. Das Müllerchen (Curruca garrula). Der Kopf ist grau, der Nucken bräunlich aschgrau, die Unterseite weißlich. Die graue Grasmücke (Curruca cinerea) ist oben grau, unten rötlich- weiß, die Flügclfederu breit, rostfarben gesäumt. Dort, wo die Nachtigall ihr berückendes Lied, ihre Jubelhymne nicht erschallen läßt, da ist der Mönch, der oortrefflichste Sänger der Grasmücken, dem die Bewohner mit gleicher Freude, mit gleichem Entzücken bei seinem Gesänge belauschen. Glück und Heil aber dein Lande, wo Nachtigall und Mönch in reger Eintracht ihre Wettgesängc erschallen lassen. In den Baum-, Laub- und Tannenwäldern der Niederung, wie in den Gebirgen, ist der Mönch heimisch und erfreut Auge und Ohr durch sein bewegliches Wesen und seinen schmelzenden Gesang. Im Sommer nährt er sich von Insekten, im Herbst läßt er sich die Holunderbeeren gut schmecken. Mehr die Gärten als Wohn- Plütze bevorzugt das Müllerchen, ist jedoch auch im lichten Walde zu finden und an seinen schnarrenden, klingenden und klappernden Tönen leicht zu erkennen. Die graue Grasmücke bewohnt die Gebüsche, welche den Lauf des Flusses begleiten. Sic ist ein äußerst lebhafter und gewandter Vogel, ruht fast keinen Augenblick und dnrchflattert und durchstrcicht ohne Unterlaß die Gebüsche. Ihr Gesang steht dem vieler anderen deutschen Sänger nach. Grasmücken sind Sänger mit geradem, schwachen, vorn zu sammcngcdrückten Schnabel, schwachen Läufen und abgerundetem Schwanz. Es sind kleine, zarte Vögel, die sich um die Vertilgung der Insekten sehr verdient machen. e) Lanlivögcl (Phyllopneustc). Von den, zur Familie der Laub- Vögel gehörenden Tieren, findet sich in allen europäischen Laubwaldungen der Weidenlaubsänger (Pliillopneuste Trochilus), der auch in Nordnsien und Nordamerika vorkommt. Sein Gefieder ist oben oliven- grün, an der Unterseite gelblich. Er ist ein munterer Vogel und fleißiger Sänger mit angenehmer, wenn auch etwas einförmiger Stimme. ; . Laubvogel sind kleine Sänger, die sich nur wenig von den Gras- mücken unterscheiden. Ihr Gefieder ist oben grünlich-grau, unten lindm ein Streif über dem Auge gelb. Die Tiere halten sich in dichtbe laubten Bäumen auf und bauen im Gebüsche künstliche Nester. t) Rohrsänger (balamollorpia). Die Familie der Rohrsänger giebt uns sehr nützliche Arten, von denen ich den Rohrsänger (ca- lajnoherpc turdoides) neune. Das Tier ist oben rvstgelb, mit schwarz- braunen Längssleckeu; unten geblich weiß, ungefleckt, lieber der Scheitcl- niitte und den Augen zieht sich eine rostgclbe Längsbinde. Der Vogel findet sich in allen wasserreichen Gegenden Mitteleuropas. Er läßt den ganzen Tag über aus dein Röhricht, welches cs ausschließlich be wohnt, fein lautes, nicht besonders melodisches Lied erschallen. Sein .Nest wird etwas über dem Boden au Pflanzenstcngeln anfgehängt. ■ Rohrsänger sind Singvögel von grasmückenähnlicher Gestalt. Ihre Stirn ist gestreckt, verschmälert, ihr Gefieder olivcnbräunlich- aschgrau an der Oberseite; über dem Auge befindet sich ein lichter Streifen. Die sogenannten Schneidervögel, welche für ihren Nestbau einige Blätter mit Hilfe von Fäden, die sie ans den Baumwollenkapseln oder ans den Gespinnstcn der Raupen entnehmen, an den Rändern ziemlich kunstreich zusammennähen, gehören in diese Familie. Die so ent standene Tasche wird mit Baumwolle und weichen Federn ausgefüllt und dann die Eier hineingelegt. Ich nenne den langschwänzigen Schneidervogel (Orthobanus longioauda). Derselbe trägt an der Oberseite ein grünes Gefieder, an der Unterseite ein weißes. Er' be wohnt Ostindien. -o g) Schlüpfer (Troglodites). Aus der Familie der Schlüpfer haben wir als heimischen Vertreter den Zaunkönig (Troglodytos parvulus). (Tafel 6, Fig. 5). Er ist mit einem schmucklosen rost braunen Nöcklein angcthan und mißt nur ctiva l0 Ccntimctcr von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze. Als kleiner possierlicher Geselle, der überall sehr dreist und keck auftritt, hat sich die Tierfabel und die Volkspoesie oft und gerne mit ihm beschäftigt. Sic erzählt uns auch den Hergang, warum der kleine Kerl den Titel König führt: Unter den Vögeln war einst ein Rang streit ausgebrvchcn, der lange Zeit nicht endigen wollte. Es handelte124 sich Tjicr um den Rang eines Königs; denn wenn die vicrfüßigen Tiere einen König haben, so wollten auch die Vögel hinter diesen nicht znriickbleiben. Endlich kam man überein, das; derjenige, der am höchsten fliegen könnte endgültig König sein sollte. An einem festgesetzten Tage ver sammelten sich alle Teilnehmer, und auf ein Zeichen erhob sich die ganze Gesellschaft mit lautem Flügelschlage in die Luft. Allen voran schwebte der Adler und nur er allein erhob sich immer höher, als wollte er gerade zur Sonne fliegen. Endlich ließen auch seine Kräfte nach, er konnte seine gewaltigen Schwingen nicht mehr bewegen, um sich höher hinaufzuschrauben; da schmetterte einige Meter über dem Gewaltigen ein kleines Vögelchen: „Zickerezick, König bin ich!" Voll Staunen blickte der Adler nach oben und sah sich von dem kleinen Zaunkönig besiegt. Dieser hatte sich auf den Rücken des Adlers gesetzt und sich so von diesem eniportragen lassen. Die Vögel waren aber mit diesem Ausfall nicht zufrieden und zur Strafe für seinen Hoch mut mußte der Zaunkönig vor den Ergrimmten flüchten und in den Zäunen seinen Königspalast aufschlagen. Das ganze Leben und Treiben des kleinen Tierchens ist sehr anziehend. Auf höheren Bäumen sieht man ihn selten, regelmäßig vielmehr nahe dem Boden das Gestrüpp durchkriechend, alle Winkel und Höhlungen durchspähend, meist über dem Boden dahinschlüpfend, oder von einem Busch znm andern fliegend. Wenn er so über den Boden läuft, glaubt man eher eine Maus, als einen Vogel laufen zu sehen. Von Zeit zu Zeit erscheint er auf einem höheren Punkt und scheint sich dann mit Selbstbefriedigung zu zeigen. Seine frohe Laune, seine Munterkeit, überhaupt sein ganzes quecksilberartiges Wesen, verbunden mit einer gewissen Keckheit, machen ihn zu einem allerliebsten Vogel. Aber seine Keckheit ist eigener Art, denn beim geringsten Anschein von Gefahr verschwindet sie und eine grenzenlose Furcht tritt an ihre Stelle, jedoch dauert diese nicht lange und sein erstes Wesen kommt wieder zu Tage. Immer ist er munter und lustig. Selbst wenn der Winter alle Nahrnngsqncllen mit dem Schnee verdeckt hat und alle anderen Vögel, selbst der Sperling, traurig den Kopf hängen lassen, so ist er doch voll Munterkeit und iveit erschallt in den kalten Wintertag sein Jubellicd: „Es muß doch Frühling werden!" Je nach der Jahreszeit besteht die Nahrung des Zaunkönigs ans Insekten, Spinnen und.Beeren.Das sehr künstliche Nest, welches gewöhnlich kugelförmig isst steht sehr versteckt und enthält 6—8 Eier. B. Kegelschnäbler (Conirostres). a) Meisen (Paridae). Die Meisen sind kleine, meist schön ge färbte, gewandte und scharfsinnige Bewohner des Waldes, die sich von Kerbtieren, deren Larven und Eiern nähren. Alle verdienen unsere größte Fürsorge, da sie die Nützlichsten aller Vögel sind. Das größte und bekannteste Mitglied der ganzen Familie ist die Kohlmeise (Parus major). Sie ist an der Oberseite olivengrün, an der Unterseite gelb. Oberkopf, Kehle und ein Band, welches über die Brust läuft, schwarz. Die Haubenmeise (Parus oristatus) trägt ein an der Oberseite düster braunes, an der Unterseite schmutzig iveiß gefärbtes Kleid. Den Kopf ziert eine aufrichtbare Haube. Die Schwanzmeise (Parus candatus) (Tafel 6, Fig. 3) ist in der Haupt farbe des Körpers weiß. Ihr langer Schwanz und der Oberrücken ist schwarz, an den Seiten rötlich angehaucht. Die Bartmeise (Parus biarwious) bewohnt das Röhricht, in dem sie ihr kunstvolles Nest an bringt. Ihr Federkleid ist oben zimmetfarben, unten weiß. Unter dem Schnabel trägt sie einen schwarzen, ans weichen Federchen ge bildeten Knebclbart. Wenn die mutwilligen Herbstwinde die letzten gelben Blätter von den Obstbäumen herabwirbeln, dann machen sich die Meisen ans, um die Bäume nach den Eiern des Ringelspinners, dessen Raupen im Vorjahr die Zweige abgeweidet haben, aufzusnchen. Sie sind so emsig bei der Arbeit, daß sie jedes abgcsprnngene Rindenblättchen nmwendcn, hinter welchen ihnen vielleicht eine Beute winkt. Nicht eine kleine Spinne oder deren Eier im F-ilzgcwebe, nicht ein Insekt, welches sich etwa hier verkrochen hat, nicht eine Spannerranpe lassen sie sitzen, nichts entgeht ihren Augen. Bald hängen sich die kleinen, immer munteren Tierchen mit dem Kopfe nach unten, bald kriechen sie mit einer staunenswerten Fertigkeit hurtig durch die Ritzen und Löcher, alles beguckend und beschnüffelnd. Kaum einen Augenblick gönnen sie sich Ruhe. Ständig sind sic in Bewegung, ihr Leben ist ein ewiger Kampf mit dem Jnsektengesindel. Selten nur belohnt der Mensch diesen Tieren ihr rastloses Jagen dadurch, daß er ihnen Heim stätten bereitet in Gestalt kleiner Nistkästchen; denn die Wohnungsnot ist bei den Tieren sehr groß. Nur drei Arten von den acht, welcheDeutschland bewohnen, bauen ihr Nest, bas ein wahres Kunstwerk isst frei, alle anderen nisten in Höhlungen, aus denen sic nicht selten von Staren und Sperlingen vertrieben werden. Wahrlich, sie haben es reichlich verdient, daß ihnen der Mensch Wohnstätten in Gestalt von Nistkästchen aushängen, die sic in der bösen Jahreszeit, welche die Bäume verschlafen, diese von allem Ungeziefer befreien, daß bei der Einkehr des Frühlings das junge Grün frisch und freudig knospen kamst Meisen sind kegelschnäblige Singvögel von kleinem, aber ge drungenen Körperbau, mit kräftigen Füßen und dichtem, weichen Ge fieder. Sie sind die thätigsten Jnsektenvertilger unserer Wälder und Gärten. Ihr Leben verbringen sie ans Bäumen und im Rohre. Ihr Schutz ist allen Menschen dringend zu empfehlen. b) Lerche» (Alaudae). Die Lerchen sind allbekannte, liebliche Sänger unserer Saatfelder, die Verkünder des Frühlings. Die Hauben lerche (Alauda cristata) ist einfarbig braungran, braun gefleckt. Der Scheitel trägt eine spitze Federholle. Die Feldlcrche (Alauda ar- ; vensis) gleicht in der Färbung der Haubenlerche, trägt jedoch keine Holle. Die Kalanderlerche (Alauda calandra). Sie ist oben bräunlichgrau, unten weißlich; die Brust gelb, braungefleckt. An jeder Seite des Halses steht ein schwarzer Fleck. . Die Lerche ist einer unserer ersten gefiederten Verkünder des Frühlings und überall ihres lieblichen Gesanges wegen beliebt, der selbst in der eintönigen Haide erklingt und dem Wanderer seine Ein samkeit vergessen macht. Wer hätte nicht schon der Feldlerche mit Entzücken gelauscht, wenn sie ans der Scholle des Sturzackers sich aufschwang in das klare Blau des Himmels und ans der Höhe ihre Weisen erklangen? Ist die Nachtigall die Sängerin der Nacht, so ist die Lerche die Tochter des Lichts. Mit dem ersten Sonnenstrahl er hebt sie sich ans der Furche, und wenn der letzte verlöscht, tönt immer noch ihr Schcidcgrnß dem leuchtenden Tagesgestirn nach. Die Lerchenarten bewohnen Wüste und Steppe, das bebaute Land der Ebene, wie das Gebirge. Die im Norden lebenden Arten sind Zugvögel, die im Süden Stand- und Strichvögel. Alle sind Bodenvögel. Hier bauen sie ihr Nest. Es wird dieses in einer Ver^ ticfnng des Bodens angelegt und besteht aus Halmen, dürren Gras-127 blättern u. s. w. Seine Färbung, wie die des Geleges, steht stets irr Ueberetnstimmung mit derjenigen des Bodens. Lerchen sind Singvogel mit kurzem, kegelförmigen Schnabel, der keine Kerbe vor der Oberschnabelspitze besitzt. Ihre Füße sind vom und hinten getäfelt. Sie bewohnen freie Gegenden, Felder und Wiesen,, nisten auf ebener Erde, fressen Insekten und Unkrautsämereicn. Alles sind nützliche Vögel und angenehme Sänger. o) Ammer» (Emberizae). Aus der Familie der Ammern nenne ich die Goldammer (Embcriza citrinella). (Tafel 6, Fig. 1.) Sie ist oben rostbraun, schwarzbraun gefleckt. Die Bürzelfedern sind rost rot, der Bauch goldgelb. Sie bewohnt Mitteleuropa und einen großen Teil Asiens, ist gesellig und hält sich gern im Gebüsch auf. Im Winter kommt sie in die Ortschaften, wo sie mit den Sperlingen zusammen Futter sucht. Die Schneeammer (Embsriza nivalis) trägt ein vorzugsweise weißes Federkleid, die Federn der Oberseite dunkler gerändert. Sie bewohnt den hohen Norden von Europa und Asien und legt ihr Nest unter großen Steinen oder in Felsspalten an. Im Winter wandert sie in Scharen südwärts und kommt dann auch nach Deutschland. Die Nahrung des Tieres besteht int Sommer aus schließlich in Insekten, im Winter ans Sämereien. Ammern sind Singvögel, deren Schnabel verkürzt, spitzig nach vorn zusammcngcdrückt ist. Die Schnabelränder, besonders die des Oberschnabels sind stark einwärts gezogen. Innen am Gaumen be findet sich ein vvrspringcnder länglicher Höcker. Alle Arten sind als Jnsektcnvertilger nützlich und richten durch Verzehren einiger Körner kaum Schaden an. cl) Finken (Fringillidae). Die Familie der Finken umfaßt weitaus die größte Vvgelgrnppe, die sich dem menschlichen Haushalte durch Verzehren von Insekten ec. sehr nützlich erweist. Es sind meistens Vögel in Form und Größe des gemeinen Sperlings, der ihr Urbild ist. Der Haus- oder gemeine Sperling, hier und da auch Spatz (Passer domesticus) genannt, ist allbekannt. Er ist der Straßenjunge unter den Bügeln und über den ganzen Norden der alten Welt ver breitet hält er sich überall zum Menschen, der sein Brotherr ist. Wo128 ?iue Hütte steht, daneben sich ein Kornfeld und ein Kirschbaum befindet, da stellt er sich ei». Die ständige Gesellschaft des Menschen hat aber den Spatz nicht zutraulicher gemacht, Wohl aber noch verschlagener, mißtrauischer und listiger. So zudringlich er sich überall zeigt, so sorgfältig achtet er auf seine Sicherheit. Er kennt alle seine Feinde sehr genau, deshalb ist auch alle Zuneigung, die er zum Menschen zeigt, nur Schein: er traut ihm nie. Keiner von allen Vögeln giebl sich solche Mühe, das Wesen des Menschen zu ergründen, als es der Sperling thnt, und immer weiß er auch bei dem vertraulichsten Um gänge sein Heil zu ivahren. Er fürchtet beständig Tücke und Hinter list und betrachtet das einfachste Ding als eine Falle, bis er sich vom Gegenteil überzeugt hat. Der Sperling lebt am liebsten in großer Gesellschaft, deren Scharen zn gewissen Jahreszeiten ein betäubendes Konzert ansführen. Die Pärchen vermehren sich im Laufe des Sommers mindestens drei mal und bringen fünf bis acht Junge in jeder Brut aus. Das Nest ist ein liederlicher Ban, der kaum Zusammenhalt und je nach Oert- Üchkeit verschieden angelegt wird. Ein naher Verwandter des Sperlings ist der Buchfink (Fringilla coelebs). Der Oberkopf ist graublau, der Rücken bräunlich, die Bürzelfedern grün und der Schwanz grau, Brust und Unterseite rötlichbraun. Wie der Sperling, so ist auch der Buchfink klug, lebhaft und gesellig, aber auch verschlagen, heftig und zänkisch. Der Gesang des Finken wird als „Schlag" bezeichnet und wird vom Frühjahr bis in den Herbst hinein gehört. Das Tier ist ein Wandervogel, in milden Gegenden dagegen Standvogel. In den schönen Tagen des Frühlings, oft schon Ende Februar, kehren die Männchen zurück und harren der Gefährtinnen. Sobald diese ein getroffen sind, wird mit dem Ban des Nestes begonnen, wobei der Brutbezirk streng bewacht wird. Das Nest ist von kugeliger Gestalt, aus Moos, Würzelchen und Hälmchen kunstvoll aufgebaut, im Innern mit Federn, Haaren und Wolle ausgekleidct und außen mit Baum flechten überzogen, svdaß es genau die Farbe des Nistbanmes aufweist. Damit das Weibchen der Nahrung uachgehen kann, wird es vom Männchen beim Brntgeschäft abgelöst. Die Jungen werden ausschließ lich mit Insekten gefüttert. Sobald sic ansgeflogen sind, schreiten die Alten zur zweiten Brut. Die Nahrung der erwachsenen Finken besteht aus Vogelbeeren," Getreidekörnern und sonstigen Sämereien. Auch der Zeisig (Fringftki spinus) (Tafel 6, Fig. 2) gehört zum129 Finkengeschlcchte; sein Nucken ist gelbgrün, seine Brust gelblich. Er ist ein zutraulicher, geselliger Vogel, der in ganz Europa, namentlich in ge birgigen Gegenden vorkonimt. Im Winter erscheint das Tier sehr häufig in Dörfern und Städte». Die Nahrung des erwachsenen Zeisigs besteht aus Insekten, Sämereien, Knospen und jungen Blattern. Die jungen Vögel werden anSschliestlich mit Naupchcn, Blattläusen und anderen weichen Gliedertieren gefuttert. Der farbenprächtigste heimische Fiukeuvegel ist der Stieglitz (Fringilla carduelis). Sein Gefieder ist an der Schuabelwnrzel hochrot; die Schwingen tragen eine goldgelbe Binde und weiße Flecken, Oberkopf und Baclcngcgcnd sind schwarz, Rücken und Brust braun, der Bauch weiß, Schwanz und Schwingen schwarz. Ter Stieglitz ist über ganz Europa, Nordafrika und einen Teil von Asien verbreitet und zieht meist in kleineren Gesellschaften, nach Beendigung der Brutzeit, in Gegenden umher, wo sich Laubwälder finden. Er ist ein gewandter und kluger Vogel, mit wohllautender Stimme begabt, der sich vorzugsweise von Distelsamen nährt. Kurz erwähnen will ich auch den hierher gehörenden, im 1(5. Jahrhundert in Europa eiugcführteu, und hier durch mannigfache Züchtnngswciscn vielfach veränderten Kanarienvogel (Fringilla canaria). Das Tier stammt von den Kanarischen Inseln nordwestlich vom afrikanischen Kontinent, wo es noch heute wild vorkommt. Der Kanarienvogel bewohnt dort die Waldränder, Gebüsche, Garten und Weinberge und ernährt sich von Insekten, Sämereien und Beeren. Die mit großer Sorgfalt erbauten Nester, die fast ganz ans Pflanzenwolle bestehen, befinden sich ans jungen Bäumen, mehrere Meter über der Erde. Von hier läßt das Männchen auch gerne seinen Gesang erschallen. In feinem Gewände ist der wilde Kanarienvogel weit schmuckloser als der zahme; gclbgrnn, hellgelb, grau und schwarzbraun sind die vor- hcrrschendsten Farben seines Gefieders. Die liebenswürdigen Gewohnheiten des Kanarienvogels, die Leichtigkeit seines Unterhalts, sein wohlklingender, äußerst modnlations- fähigcr Gesang, haben das Tier überall znm Hausgenossen gemacht und seine Verbreitung in Europa und Amerika gefördert. Die Hanpt- zuchtstätte für Kauarien ist im Harz und den angrenzenden Gegenden; von hier werden sie zu Tausenden jährlich verschickt und bilden einen nicht unbedeutenden Handelsartikel. Als den letzten Vertreter der heimischen Finkenarten nenne ich den Hänfling (Friii^iUa canabina). Die Hauptfarbe des Tieres ist Da!) Tierreich. »— 130 — zimmtbrann, die Schwanzfedern sind schwarz und die Schwingen weift gerandet. Der Scheitel und die Brust karniinrvt. Das Tier ist über ganz Europa verbreitet und koimnt auch in Nordasien vor. Männchen und Weibchen halten stets zusammen itnb sind zärtlich um ihre Jungen' besorgt. Die Nahrung be§ Tieres besteht aus Sämereien. Die hei mischen Finken möge als letzter der Dompfaff (Pylirrula vulgaris); beschlichen. Ter Nucken seines Gefieders ist schwärzlichgrau; Kopf, Schwingen und Schwanz schwarz. Der Unterkörpers des Männchens rot, der des Weibchens silbergrau. Der Dompfaff ist fast über ganz Europa verbreitet, er bewohnt in Gesellschaften die Wälder und nährt sich von Banin- und Grassamen. Das Tier ist zutraulich, anmutig und besitzt eine sehr bildungsfähige Stimme, die cs ihm ermöglicht, Lieder pfeifen zu lernen. Bon den ausländischen Finken sind besonders die Webervögel, wichtig, welche durch ihre wundervollen Bauten eine gewisse Be rühmtheit erlangt haben. Diese Nester, deren Eingang immer nach unten liegt, werden durch eine kunstreiche Verschlingung von Gras? Halmen, Wurzeln und Reisern hergestellt und besitzen meist eine birnen förmige Gestalt; oft bauen viele Familien ihre N'ester so dicht anein ander, daß ganze Bäume wie von einem Dach bedeckt erscheinen. Zn dieser letzten Art gehört unter anderen der Kolonienweber oder Siedclsperling (Ploceus socius). Ein spcrlingsartiger Vogel, der, das Innere Südafrikas bewohnt. Vierhundert bis fünfhundert Pärchen errichten an einem passenden Baume ein großes Dach aus Gras und unterhalb desselben die einzelnen Nester, eines dicht neben dem anderen. Alle Jahr werden neue Nester angebant, bis endlich der Baum zu schwer wird und zusammenbricht. Der indische Webervögel (Ploceus tex.or) tragt zur Zeit der Brut ein oben gelbgrünes Fcderklcid, jede. Feder dunkler gesäumt. Der Kopf ist schwarz, die Unterseite gelb. Er ist über ganz Ostindien verbreitet, wo er in waldreichen Gegenden häufig vorkommt. Sein Nest ist flaschcnförmig und hängt an einem sehr biegsamen Baumzweig, so daß weder Schlangen noch Affen da hin gelangen können, gewöhnlich hängt es über einem Wasserspiegel. Tie in Amerika lebenden Weber gehören zur Familie der Staare und komme ich bei dieser Gruppe ans dieselben zurück. Weitere ausländische Flnkcnartcn, von denen ich die zwei auf der Tafel 5 abgebildeten Arten näher bespreche, sind der Neisvogcl (Padda oryziroia)131 (Tafel 5, Fig. 4) und der Halsbaudfiuk (Frin^arilla fasciata), (Tafel 5, Fig. 2). Der Rcisvogel, ein Bewohner Hinterasiens, trägt ein aschgraues Gefieder, einen schwarzen Kopf mit weißen Backen und einen weißlichen Unterkörper. Er hält sich nur in angebanten Gegenden auf und sucht besonders die Reisfelder heim, durch deren Plünderung er nicht unbedeutenden Schaden anrichtet. Als Schmuckvogel wird das Tier oft nach Europa gebracht. Der Halsbandfink ist ein Bewohner Wcstasrikas. Der Rücken des Vogels ist dnnkclfahlbraun, die Unter seite lichter, jede Feder schwarz gewellt oder gesäumt. Die Schwingen sind braun, fahl gesäumt, die Schwanzfedern mattschwarz. Das Gesicht ist weiß und wird von einem prächtigen karminroten Halsbandc abgeschlossen. In seiner Heimat lebt der Vogel in Scharen von 10 bis 40 Stück vereinigt, die während der Vormittagstunden eifrig ihre Nahrung, die aus Sämereien besteht, am Boden laufend einnchmcn. Das Tier kommt oft zu uns und schreitet leicht im Käfig zur Brut. Der Kreuzschnabel (Losia curvirostra) und der Seiden schwanz (Bombycilla garrula) mögen die Gruppe der Finken be schließen. Der Kreuzschnabel, dessen Unterkieferspitze über dem Rücken des Oberkiefers hcrvorragt, trägt ein vorwiegend karminrotes Feder- klcid. Er bewohnt die nördlichen Gegenden der alten Welt, zeigt sich indessen nur da, wo Fichten Vorkommen, von deren Samen er sich nährt. Wie ein Papagei klettert er mit großer Schnelligkeit zu den Fichtenzapfen, sprengt die Schuppen ab und holt mit der Zunge das Nüßchen, seine Hauptnahrung, heraus. Sein Gesang ist nicht ohne Wvhlklang. — Der Seidenschwanz trägt ein in der Hanptfarbe rot- graues Gefieder. Die Schwanzspitze und die Schwingen sind nach außen gelb und tragen scharlachrote Anhängsel. Der Kopf trägt einen kleinen Fcderschopf. Das Tier bewohnt den Norden Europas und Amerikas, wo es in Fichten und Birkeuwaldnngen nistet. Sein Ge sang ist unbedeutend, zuweilen mit einem wohlklingenden Pfeifen unter mischt. Die Nahrung besteht ans Beeren und Insekten. Infolge eines Aberglaubens, da das Tier sich nur im strengen Winter bei uns zeigt, glaubt das Volk, er zeige Unglück an und wird daher „Stcrbevogel" genannt. Der Schnabel der Kcgelschnäblcr ist viel dicker, kürzer und härter rils derjenige der Pfriemcnschnäbler. Er ist gerade oder an der Spitze !)*132 mit einem schwachen Haken oder mit einer kleinen Kerbe versehen. Entsprechend dieser Schnabelbildung nähren sich die Tiere hauptsächlich vcn Sämereien, futtern dagegen ihre Jungen mit Insekten. Die Tiere sind in ihrer Körperform sehr verschieden lind überall verbreitet. 4. Naben (Corvinae). Hinsichtlich der geistigen Eigenschaften und der leiblichen Be fähigung, nehmen die Naben eine hervorragende Stelle in dem Reiche der Lögel ein. Sie fliegen ausgezeichnet, bewegen sich ans dem Boden gut, entwickeln eine bedeutende Muskelkraft, sind scharf sinnig und sehr intelligent. Manche Arten nähern sich in ihrem Be tragen und in ihrer Lebensweise den Finken, andere vereinigen die Fähigkeiten der Raubvögel mit den der Papageien in sich. Im Ganzen dürfen die Nabenarten als nützliche Bögel erklärt werden, da sie unter Anderem schädliche Insekten. Schnecken, Würmer und kleine Säuge tiere verzehren; die größeren Arten werden dagegen durch ihre Räubereien lästig. Mit den Finken noch viele Eigentümlichkeiten gemeinsam habend, stelle ich den Star (Ltnrns vulgaris) oben an. Er ist wegen seines heiteren, fröhlichen Wesens, ein von Jedermann gern gesehenes Tier, das ein schwarzes, metallisch glänzendes Fedcrkleid trägt, welches weiß gesprenkelt ist. lieber ganz Europa verbreitet, ist der Star bei uns Zugvogel, der im Spätherbst nach Nordafrika wandert. Das Tier macht sich als Vertilger schädlicher Insekten und Würmer sehr nützlich und belohnt dadurch reichlich die Schonung, die man ihm angedeihen läßt. Auch die schönsten aller Vögel in Betreff des Gefieders, die Paradiesvögel, gehören zu dieser Familie. Die Tiere leben ausschließlich auf Nen-Gninea und den benachbarten Inseln, und zeichnen sich durch Farbenschönheit und eigenartige Federbildnng ans. Die Männchen tragen einen prachtvollen langen Schwanz, einige Arten sind überdies noch durch Büschel zarter, ungewöhnlich verlängerter Federn geschmückt, welche an der Wcichengegcnd hervortreten. Zn dieser Art gehört der, auf Tafel 5 Fig. 5 abgcbildcte Königsparadiesvogcl (Paradisia regius). Die Beschreibung seines Federkleidcs kann ich mir erlassen, da die Tafel dasselbe wiedergiebt. Das Tier lebt im nördlichen Teile von Nen-Gninea, nahe am Strande und ist ständig in Bewegung. Größer ist der gemeine Paradiesvogel (Paradisia apoda), der Fristlose ge nannt, weil den, von den Eingeborenen ertanschten Tieren stets die Füße mangelten, und man daher im Mittelalter annahm, daß der133 Vogel wirklich keine Füße besitze und sein Leben in der Luft schwebend zubringe. Das Tier ist in der Hauptfarbe gelb und braun, die Kehle goldgrün, die langen Federn wcißgelb und zerschlißt. Hieran schließen sich nun die eigentlichen Naben. Sie bewohnen alle Teile der Erde und halten sich weist beständig an ein und demselben Orte ans, nur wenige Arten wandern. Der allbekannte Vertreter der Tiere ist die auf den Türmen gesellig nistende Dohle (Koncclola. turrium), die auch oft von Knaben gefangen gehalten wird. Sie ist über ganz Europa und einen Teil Asiens verbreitet. Ihre Nahrung besteht ans Insekten und Pflanzenstoffen. Im Winter zieht sie nach dem Süden. Ihre Stimme ist sehr biegsam und daher lernt sie leicht menschliche Laute nachsprechen. Weit besser versteht jedoch dieses der Kolkrabe (Corvus corax). Er bewohnt ganz Europa, Nord- und Mittelasien und Nordamerika. Bei uns ist der stattliche Vogel, der mehr als 65 Zentimeter Länge erreicht, ziemlich spärlich geworden und an manchen Stellen schon fast ganz ansgerottet. Nur die Gebirgswaldungen und größere zusammenhängende Wälder bieten dem Tiere noch einen Zu fluchtsort. Das Tier ist ein frecher Räuber und führt mit allen Tieren Krieg, wenn sie ihm auch an Größe weit überlegen sind. Der Kolkrabe nistet paarweise auf hohen Bäumen und ist äußerst vorsichtig und schlau. Er frißt alles Genießbare, am liebsten Aas. Jung gefangen wird das Tier sehr zahm und erfreut durch seinen Verstand, seine Possen und sein Sprachtalent, das ihn befähigt, die verschieden artigsten Töne und Geräusche nnchzuahmen. Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) ist kleiner als der Kolkrabe, aber größer als die Dohle. In großen Gesellschaften, häufig zu Tausenden, nistet sie in Gehölzen und erfüllt die Luft mit ihrem Lärm. In Winter wandert sie in ausgedehnten Zügen nach dem Süden. Für den Landwirt ist sie von großem Nutzen, da sie viele schädliche Insekten und Feldmäuse ver tilgt. Von der Schild- oder Nebelkrähe (Corvus cornix) ist die Saatkrähe leicht zu unterscheiden, denn diese trägt ein aschgraues Brustschild. Ein ausländischer Vertreter der Naben ist der in Australien lebende Flötcuvogel (Coräcias tiliicm). (Tafel 5, Fig. 3). Das Tier bewohnt hauptsächlich Nensüdwals und ist hier eine auffallende Erscheinung. Offene Gegenden, die mit Banmgruppen bewachsen sind, bilden des Flötenvogels bevorzugte Wohnplatze, deshalb ist er mehr im Innern des Landes, als an der Küste zu finde». Seine Nahrung besteht hauptsächlich ans Heuschrecken, die er in großer Menge verzehrt.— 134 — Gelehrig im höchsten Maße, nimmt der Flötenvogel ohne jede Mühe Lieder an, gleichviel, ob mtf der Drehorgel oder anderen Tonwerk- zeugcn oder von einem Vogel hervorgebracht. Jeder einzelne Laut im Vortrage ist volltönend und rein; nur die Endstrophe wird gewöhnlich mehr geschnarrt als geflötet. Entschieden ein sehr schädlicher Vogel der Nabcufamilie ist die Elster (klon candata). In der Hauptfarbe ist ihr Gefieder schwarz, Schultern und Bauch dagegen weiß. An Sinnesschärfe, List und Schlauheit steht das Tier den Naben kaum nach, übertrifft dieselben aber an Mordlust, ohne jedoch auf Klugheit Anspruch zu erheben. Als berüchtigter Eierdicb und Zerstörer der Brut kleiner Sänger ist sie bekannt und wird daher überall, wo sie sich blicken läßt, eifrig verfolgt. Nebenbei vertilgt sie auch viele Insekten, Schnecken und Mäuse, doch steht dieses in keinem Verhält nisse znm Schaden, den sie anrichtet. In derselben Weise ist auch der Eichelhäher (Granula? glandafius) bekannt. Er trägt ein rötlich- graues Federklcid, einen kleinen Schopf, schwarzen Schwanz und ebenso gefärbte Flügel, mit einigen blau und weiß gestreiften Federchen. Das Tier bewohnt die Waldungen Europas und ist besonders häufig in Deutschland. Ueberall, wo der Häher sich zeigt, zerstört er in seiner Nachbarschaft alle Nester. Naben sind Singvögel, deren Schnabel kegelförmig, vorn zu- sammengcdrückt ist. Es sind lebhafte, gesellige, über die ganze Erde verbreitete, laut schreiende, nicht singende Vögel, von denen einige Arten Worte nachsprechen lernen. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, Beeren, kleinen Wirbeltieren und Aas. Ihr Gefieder besteht aus kleinen, derben Federn. Sie sind znm großen Teile Raubvögel und mit Gewandtheit, Mut und List begabt. 5. Düttnschnäbler (Tcmiirostres). Die Familie der Dünnschnäbler vereinigt mannigfache Tiere in sich, deren Schnabel bald gerade, bald krumm, bald sichelförmig gebaut ist. Ihr erster Vertreter ist die Spechtmeise (Sitta europaea). Das Gefieder des Vogels ist an der Oberseite bläulich grau, unten rostrot und ein Angenstreif schwarz. Der Vogel findet sich fast überall in Europa und fehlt nur im höheren Norden. Gemischte Waldungen bilden seinen Lieblingsaufcuthalt. Hier kann man das muntere Tier in seiner Thätigkeit beobachten, wie es unermüdlich hinauf- und hinab-läuft und in der Ninde nach Insekten sucht. Außer Insekten, die nur im Sommer verzehrt werden, frißt der.Kleiber auch nach Sämereien. Sein Nest sieht in hohlen Bäumen, der Eingang zu demselben wird bis ans ein rundes Loch mit Lehm verklebt. Ein anderer Vertreter ist der Mauerläufer oder Alpenspccht (Tichodrmna murarca). Die Oberseite des Tieres ist aschgrau, die Flügcldeckfedcrn karminrot, die Kehle schwarz. Der Mauerläufer bewohnt die Alpen und die höheren Gebirge des südlichen Europas und klettert hier mit der größten Ge schicklichkeit an den steilsten Felswänden empor. Bedeutend kleiner, aber in der Lebensweise gleich reiht sich diesem als dritter der Baumläufer (Ccrthia familiaris) an. Er trägt ein graues, mit weißen, rundlichen Tropfen, unten weißes Federkleid und ist in ganz Europa verbreitet. Er ist ein ausschließlicher Banmbewohner und in einer immerwährenden Thätigkeit begriffen. Mit seinem etwas gebogenen Schnabel untersucht das Tier jede Ritze in der Rinde nach Insekten, und hüpft bald den Stamm hiuanf, bald an den Zweigen entlang. Sein Nest steht in Baumhöhlungen. Der letzte heimische, hierzu gehörende Vogel ist der Wiedehopf (Upupa epops). Er ist einer der auffälligsten deutschen Vögel, dessen Haupt einen aufrichtbaren Federbusch trägt. Sein Gefieder ist roströtlich. Hauben und Schwanzfedern, sowie mehrere Querbinden schwarz. Er ist ein äußerst nützlicher Maden- und Jnsckteuvertilgcr, der in fast ganz Europa, in Mittelasien und in großer Zahl in Rord- asrika vorkommt. Das Tier steht seiner Unsauberkeit wegen in einem ■ üblen Rufe, weil es den Unrat der Jungen und auch seinen eigenen im Reste, welches in hohlen Bäumen steht, ruhig liegen läßt. Dieser Vogel kommt früher zu uns zurück, als der Knckuk und wird deshalb „Kucknksküster" genannt. Die letzte» Vertreter der Dünuschnäbler sind die Kolibris, die mit „Edelsteinen besetzten Schmetterlinge der Vogel" auch Blumen- vögcl genannt. Sie bewohnen ausschließlich Amerika, und besonders reich an Arten ist Brasilien. Diese Tiere stellen sich stets da am zahl reichsten ein, wo sich ihnen eine reiche und möglichst mannigfache Blumen welt darbietet, und verschwin.dcn so, wie ihre Lieblingsblumen verwelken. Wenn die Schlingpflanzen großer Bäume, die jeden Ast bis an die Spitze umranken, plötzlich eines Morgens nach einem warmen Regen über und über in voller Blüte stehen, dann umschwärmen nach nur wenigen Stunden Hunderte der kleinen Wesen die Tausende von jungen Blüten und ihre Zahl scheint von Stunde zu Stunde wachsen.13(5 Manchmal verschwinden die kleinen Tierchen fast ganz in den trichter- förmtflcn Blnmenkronen, nnd kommen erst nach einiger Zeit wieder zum Vorschein, Kopf nnd Hals mit Blütenstanb bepndert. Tie haupt sächlich in den Blüten sich anshaltendcn kleine» Kaser sind es, denen die Kolibris hier nachstellcn nnd welche ihre Nahrung bilden. Die Kolibris siiid die kleinsten aller Wirbeltiere; denn manche erreichen nur die Größe einer Hummel oder eines Maikäfers, Niesen unter ihnen sind diejenigen, deren Größe einer Schwalbe gleichkommt. Sie sind unter allen belebten Wesen die schönsten Gestalten, der Färbung nach. Edelsteine nnd Metalle sind mit ihnen nicht zu ver gleichen, das Meisterstück der schaffenden Natur in dieser Hinsicht ist der Kolibri. Verschwenderisch, wie die Natur sein Gefieder über schüttet hat, hat sie ihn auch reichlich mit den anderen Gaben, der Leichtigkeit, Schnelle, Gewandtheit nnd Anmut ansgestattet. Aber von dieser Schönheit merkt man nichts, wenn die Tiere fliegen. Ihr Fing ist zu schnell, ihre Bewegungen zu reißend, um etwas Bestimmtes von ihnen wahruchmen zu können. Dieser reißenden Schnelligkeit wegen hat der Kolibri nur wenig Feinde zu fürchten nnd daher, denn ihre Vermehrung ist keine große, treten die Tiere in starker Zahl ans. Das Weibchen legt nie mehr als zwei Eier. Tie Nester sind in der Form meist uapsförmig und aus Pflanzenwolle nnd anderen weichen Stoffen hergestellt. Vou den zahlreichen Arten nenne ich den gemeinen Kolibri (Trochilus colubris). Das Gefieder ist goldgrün, die Kehle rubinfeuerrot, und den Fliegenvogel (Troeliilus mininms), dessen Gefieder oben goldgrün, unten graulich ist. Dieser letzte ist der kleinste Vogel; sein Nest hat die Große einer Wallnuß und die Eier sind von Erbsengröße. Dünnschnäblcr sind Singvögel, deren Schnabel fast überall gleich stark, meist sehr dünn und gebogen (selten gerade) scharf zugespitzt ist. Zu dieser Familie gehören die kleinsten Arten. Die Nahrung aller- besteht ans Insekten. F. Sp<iltscl)ttäblcr (Tlirnudines). Tic Spaltschnäblcr bilden die letzte Familie der Singvögel. Die charakteristischen Gestalten dieser Gruppe sind die Schwalben. Die ganze Fähigkeit dieser Tiere, ihr ganzes Leben beruht auf ihren. Fittichen und wunderbar ist es, mit welcher Fertigkeit einige Arten137 flieficit. Eine Ermattung kennen die Tiere hierin nicht, die Muskeln, welche ihre Flügel bewegen, scheinen keiner Erschlaffung unterworfen zu sein, denn einige Arten verbringen den ganzen langen Sonnnertag in hoher Luft, ohne zu ruhen. Erst die vollkommen eingetretene Nacht setzt ihrem Fliegen ein Ende entgegen. Alle Schwalben nähren sich von Insekten, besonders von Fliegen, Mücken, Schnecken, Käfer 2C V die im Fluge erhascht werden. Die Schwalbenarten sind über die ganze Erde verbreitet. Von den hierher gehörenden Arten nenne ich die Nanchschwalbe (Hirundo rustica). Die Oberseite ist dunkelblau, die Kehle rotbraun, die übrige Unterseite weiß. Das Tier ist bekannt durch seine Anhänglichkeit an den Menschen und gilt heute noch bei dem Landmanne als eine Art heiliges Tier, dessen Anwesenheit Glück in's Hans bringt. Im Anfänge des April trifft sie ans der Winter- Herberge ein und sucht dann ihr altes Nest aus, welches mit Vorliebe im Innern des Gebäudes angebracht ist. Es besteht dieses in der Hauptsache aus Erde, welche mit Speichel zusammengeklebt ist und dessen Bindekraft durch feine Haare und Halme erhöht ist. Der Jnncn- raum ist mit Federn, Haaren und anderen weichen Stoffen aus- gekleidet. Zn Ende September, wenn Jnsektenmangel eintritt, vereinigen sich die Schwalben eines Bezirks und halten Uebungsflüge ab, bis sie eines Abends ihre Reise zur Winterherberge antreten. Ter größte Flngkünstler unter den Schwalbenarten ist die Turm schwalbe oder der Mauersegler (Cypselus apus). Das Gefieder ist blangran, nur die Kehle weist. Das Tier zeigt sich vom Mai bis August überall in den Städten und nistet mit großer Vorliebe in Türmen und hohen Gebenden. Im Herbste zieht der Mauersegler nach Südafrika. Bekannt durch die, als Delikatesse hochbezahlten Nester, ist dieSalan- ganc (Co'localca nidifica). Dieselbe trägt an der Oberseite ein braun graues, unten eiil weißes Gefieder. Das Tier lebt ans den Sunda- inseln, wo sie in Felsenhöhlen ihre halbkreisförmige» Nester, die aus Pflanzcnstoffcn, die mit aus ihrem Blagen abgesonderten Speichel ver bunden werden, herstellt. Die letzten Arten der Schwalben sind die Nachtschwalben, deren einer Vertreter die europäische Nachtschwalbe oder der Ziegenmelker (Caprimulgus europacus) ist. Dieser Vogel trägt ein aschgraues, rostgelb und weiß geflecktes und punktiertes, enlenartiges Federkleid. Die Nachtschwalde ist über ganz Europa ver breitet und ihres nächtlichen Wesens halber, ist dem Tiere manches aber gläubisches Zeug angedichtet worden. Schon Aristoteles säbelt von138 dem Tier, daß cs den Ziegen die Milch aussauge. Die ausschließliche Nahrung des nützlichen Tieres besteht indessen ans Insekten, besonders aus großen Nachtschmettcrlingen und Käfern. Die Tropen beherbergen viele eigenartige Nachtschwalbenarten, die meist alle durch sonderbare Federn sich anszeichnen. Die afrikanische Stenernachtschwalbe (Macrodipheryx longipennis), deren Heimat die Stcppcuwalduuge» Afrikas und Asiens sind, trägt im männlichen Geschlechte zwei sehr verlängerte Schmuckfcdcrn, während die in den einsamen Wäldern Süd amerikas lebende Lcicrschwalbe (Hydropsalis forcipata) einen tief gegabelten Schwanz, dessen äußere Federn dreimal so lang als der Körper sind, besitzt. Ten Niesenschwalm (Lodargus humoralis) Australiens führe ich als letzten Vertreter an. Das Tier ist sehr- träge und klettert mehr, als es fliegt. Es erreicht die Größe eitler Krähe und nährt sich von Baumhcnschrecken. Spaltschnäbler sind Singvögel mit breitem, flach an der Spitze zusaminengcdrücktcn Schnabel, langen, zngespitzten Flügeln und meist , gegabeltem Schwanz. Sie sind über die ganze Erde verteilt und be- wohnen die gemäßigten und kälteren Länder nur den Sommer über Allc nähren sich von Insekten. IV. Tauben (Colambae). Die Tauben sind meist mittelgroße Tiere von gedrungenem Körper bau. mit kleinem Kopf und kurzen, vierzehigcn Füßen. Alle sind schön gestaltete, lebhafte und gewandte Vögel mit glatt anliegendem Ge fieder, welches meist mit zarten Farbentonen, oft aber auch durch einen lebhaften Mctallglanz geschmückt ist. Die Nahrung der Tauben be steht fast ohne Ausnahme ans Körnern und Früchten, die erst im Kropfe aufgewcicht werden, bevor sie in den muskulösen Magen ge langen. Alle Taubenarten leben paarweise. Das Weibchen legt in dcr Ncgel nur zwei Eier, brütet dagegen in einem Jahre mehrmals. Das Nest ist ein lüdcrlichcr Ban und besteht aus übereinandergelegte» Reisern und Pflanzenstengeln. Schon von Alters her, gilt die Taube als ein Symbol der Un schuld und Liebe und aller anderen Tugenden. Jedoch lange nicht139 4o günstig urteilt der Forscher über sie. Er sieht sie als etit be schränktes, neidisches und oft treuloses Geschöpf an, das die junge ,.äSntt verläßt, wenn sie geftört worden ist. Von den zahlreichen Arten, .die über die ganze Erde verbreitet sind, nenne ich folgende wichtigsten: Die Ringeltaube (Columba torquatus), mit ihrem glatten, schön glänzendem Gefieder, lebt paarweise in fast allen europäischen Wäldern and. fehlt nur den nördlichen Gegenden. Das Tier ist sehr scheu und im Fliegen gewandt. Ihre liebste Nahrung ist Tannen- und Kiefern samen. Von der Felsentanbe (Columba livea) stammt unsere zahme Haustaube ab. Im Zustande der Wildheit bewohnt sie Sndenropa ^n»d Nordafrika. Den Wald meidet sie und nimmt ihren Aufenthalt ausschließlich ans Felsen oder in Nninen; ihr Flug ist gewandt, ihr Gang gut und von einem eigentümlichen Kopfnicken begleitet. Von den vielerlei Spielarten, welche durch die Kunst des Menschen hervor gebracht sind, giebt es eine so unzählige Menge, daß man davon allein ein Werk schreiben kann. Die zahmen Tauben nützen, da es sehr fruchtbare Tiere sind, die n. U. in einem Jahre 8 bis 10 mal Junge ziehen, sehr durch ihr Fleisch. Einige Arten der Haustaube, die Brieftauben, dienen dem Menschen als Voten, durch welche man über Land und Wasser, besonders ans belagerten Städten Nach- richten geben kann. Beliebt als Stnbenvogel ist die Lachtaube (Co lumba risora). Sie trägt ein gelbliches Gefieder und im Nacken ein schwarzes Band. Ihre Heimat ist der wärmere Süden. Merkwürdig durch ihr massenhaftes Auftreten ist die Wander- tanbe (Columba migratoria). Sie hat einen etwas verlängerten, keilförmigen Schwanz und lcbt in Amerika. Hier kommt sie in so großen, ungeheuren Zügen vor, daß sie im Fluge das Tageslicht ver dunkelt, und die Wälder, in denen sie ihr Nachtlager nimmt, wie -von einem Orkane versehet erscheinen. Zn Millionen durchziehen die Tiere die vereinigten Staaten, verwüsten alle Saaten und werden dann in Menge an ihren N'nheplatzen getötet und znm Verkaufe zu Markt gefahren. Wilson*) schätzt die Anzahl eines Zuges, den er in der Nahe von Indiana gesehen hat, ans 2000 Millionen und Audubon*) erzählt, daß er den Mist an ihren Ruheplätzen wie Schneeflocken herabfallen und den Boden mehrere Zoll hoch damit bedeckt gesehen habe. Als letzten Vertreter der Tauben nenne ich die ') Zwei amerikanische Naturforscher.140 größte und schönste Art, die Kroncntanbe (Columbia cornnatä), Das Tier lebt ans Neuguinea, ihr Kopf trägt einen, aus sein ztr-- 'schlisscncn Federn gebildeten Busch. Die Kroncntanbe findet sich, zu- kleiuen Trupps vereinigt, in großen Mengen im Walde, ans dem Boden laufend. Ihre Nahrung besteht aus Früchten. Tauben sind Vögel, deren Schnabel am Grunde weich und dessen Spitze schwach hakig nmgcbogen ist. Die Nascnklappen sind auf- getrieben und weich. Der Flügel ist mäßig lang, spitzig, der Flug, leicht. Die Beine sind kurz. Die Nahrung der Tauben besteht aus Sämereien. Viele Arten werden als Haustiere gehalten, deren Fleisch sehr geschätzt ist. V. Alihncrvögcl (Gallinae). Tie hühnerartige» Vögel sind Land- oder Erdvögel von mittlerer, zum Teil von beträchtlicher Körpergröße, mit abgerundeten Flügeln und daher schwerfälligem Flug. Ihr Gefieder ist in vielen Fällen sehr reich, schön gefärbt und bei einigen Arten mit prächtig ent wickelten Schmnckfcdcrn geziert. Besonders schön gefärbt sind in der Regel nur die Männchen, während die Weibchen sehr einfach erscheinen. Ans dem Boden entwickeln die Hühnervögel eine ungewöhnliche Schnelligkeit, hier scharren sie mit ihren kräftigen Füßen ihre Nahrung hervor, die ans Gewürm und Sämercien besteht. Es sind zum größten Teil gesellige Tiere, die sich zu Familien vereinigen, die von einem Hahne geführt werden. Ihre Verbreitung erstreckt sich über die ganze Erde. Der erste Vertreter dieser Familie ist der Auerhahn (Tetrao urogallus). Er ist grünschwarz, am Rücken weiß gesprenkelt, an der Kehle mit einem hcrabhängendcn Federbüschel versehen, an den Schultern weiß, der Schwanz gerundet. Das ganze Gefieder schillert in schönen Metallfarben. Das Tier bewohnt die Ge- birgswälder Nord- und Mitteleuropas, sowie die des nördlichen Asiens. Seine Nahrung besteht ans Blattknospen, Waldbecren und Kerbtieren. Im Frühling, wen» die Lanbwaldungcn sich mit frischem Grün beschicken, beginnt der Auerhahn zu balzen. Er wählt sich eine möglichst141 günstige Stelle mif einem ganz bestimmten, sorgfältig ausgesuchten Baum aus, und beginnt hier in den srühesten Morgenstunden sein Konzert, die Balze. Das Tier gicbt hierbei eigentümlich schnalzende Tone von sich, sträubt das Gefieder und tanzt dabei wie toll umher. Gleich beim Anfänge des Balzcns hebt er den Schwanz etwas, breitet ihn fächerförmig ans und hält die etwas gesenkten Flügel vom Leibe abstehend. Das Balzen dauert bis nach Sonnenaufgang und pflegt am lebhaftesten zu sein, wenn der Tag anbricht. Hierbei achtet das Tier ans seine Umgebung fast garnicht, hört W nur selber und sieht die unten versammelten Weibchen an. Jic solchen Augenblicken kann sich der Jäger dem sonst sehr scheuen Tiere nähern und cs schic he». Das Wildpret des Anerhahnes ist mehr geschätzt als das des kleineren Birkhahns (Tetrao tetrix). Dieses Waldhuhn hat mit dem Auerhahn dieselbe Verbreitung, geht jedoch nicht soweit als erstcres nach Süden. Der Birkhahn verlangt vor allem niederes Gestrüpp oder strauchigcs Dickicht und findet sich baljcr auf ebenen, mit Heidekraut bedeckten Moorboden ebenso häufig wie im Hochgebirge, In seiner Lebensweise unterscheidet er sich vom Auer hahn durch seine größere Beweglichkeit und Geselligkeit. Der Schwanz des Männchens ist gegabelt, fast leierförmig. Der Schnabel ist schwarz, ohne Bart, die Flügel mit weißer Dvppelbinde. Häufig ist das Tier in Norwegen und Schweden. Eine kleine, in allen Gegenden Vvrkvmmende Hühnerart, ein ebenso geschätztes Jagdwild, wie die beiden vorhergehenden Arten ist das Rebhuhn oder Feldhuhn (Perdix cinecea). Es bewohnt die Ebenen Mitteleuropas und Asiens und hält sich am liebsten in angebanten Gegenden auf. Als tüchtiger und geschickter Läufer ist das Tier bekannt, im Fliegen dagegen wenig bewandert. Es ist gesellig und friedliebend, dabei aber sehr vorsichtig. Seine Nahrung besteht wie die der ersten Hühncrarten ans Insekten und Pflanzenstoffen. Noch kleiner als das Rebhuhn ist die zur Jagd gehörende Wachtel (Coturnix communis). Während die übrigen Hühnervögel Standvögel sind, zeichnet sich die Wachtel durch einen lebhaften Wandertrieb aus. Sie wandert jedes Jahr im Herbste ans dem mittleren Asien nach dem südlichen, ans Europa nach Afrika und im Frühlinge wieder zurück. Da sie im Fluge nur wenig Geschick besitzt, so gehen bei der Reise über das Mittclmcer bei widrigem Wetter ganze Züge zu Grunde, andere werden an den Küsten des Meeres zu Tausenden erschlagen, sehr viele fallen den Raubtieren zur142 Beute. Der Wachtclrnf ist vielfach gedeutet worden. Ein alter Lehrer setzte ihn den Schülern so auseinander, daß er die Wachtel sprechen liest: „Die cur hie“ (sage, warum Du hier bist), welche Bedeutung er auch wohl für die Jugend hat. — Zu deu farben prächtigsten Vertretern der Hühuerarten gehört der Pfau (Pavo eristatus). Das reiche Farbcnklcid des Männchens brauche ich nicht zu beschreiben, da das Tier allgemein bekannt ist. Von Alexander dem Grostcn ans Indien eingeführt, ist das Tier einer der schönsten, aber auch eitelsten Vögel des Hühncrhofcs geworden. Noch heute lebt das Tier in Indien und den benachbarten Inseln in wildem Zustande und ist stellenweise so häufig, das; am Tage Hunderte gleich zeitig sichtbar sind, und man des Nachts ihres unaufhörlichen, hast-, liehen Geschreies wegen nicht schlafen kann. Mit dichtem Untcrholze versehene Waldungen bilden seinen Lieblingsaufenthalt, indessen findet sich auch der Pfau auf Feldern, welche ihm Schutz gewähren und mit hohen, zur Nachtruhe bestandenen Bäumen bepflanzt sind. Die Nahrung des Tieres besteht ans pflanzlichen und tierischen Stoffen. Ebenso schöne Vertreter hat auch das Fasanengcschlecht in seinen Arten auf- znweiscn. Ich nenne hier nur den gemeinen Fasan (Llmsiauus eolcliicus), der schon seit den ältesten Zeiten von den Küstcnbcwohncrn des Caspischen Meeres in Europa eingeführt wurde, und hier ver breitet und verwildert ist, und deu schönsten Fasan, den Goldfasan (Phasiamjs pictus), der ganz in Gold und Scharlach strahlt. Er stammt aus China und lästt sich in Europa leicht züchten. Nützlicher als diese Schönheiten des Huhngeschlcchtcs ist der Truthahn oder Puter (Meleagris galloparo), der aus Amerika stammt. In den Staaten am Mississippi und am Ohio lebt das Tier noch in groster Zahl wild, dagegen ist es in den dicht bevölkerten Staate» schon aus- gcrottet. In größeren Gesellschaften unternimmt das Tier Streis- züge und Wanderungen, jedoch nur zu Fuß. Nur bei Flustübcrgäugen werden die Flügel gebraucht. Bald nach der Entdeckung Amerikas wurde der Puter zu uns gebracht und ist jetzt als Hansvogcl sehr beliebt. Großartige Züchtereicn finden sich besonders in Frankreich und Spanien. Das Fleisch des Tieres ist sehr geschätzt. Das gemeine Perlhuhn (Nuniida meleagris), welches sich schon sehr deu Haus- hühncru nähert, stammt aus Westafrika, wo es gesellig in deu niedrigen lichten Waldungen lebt. Das Tier ist sehr furchtsam und nährt sich von Insekten, Beeren und Früchten. Schon im Altertume ist es in143 Europa cingeführt worden und bildet einen schönen Schmuck der Hühnerhöfe. Der letzte Vertreter der Hühnervögel ist das Hanshnhn (Gallus domostica).: Noch ist es nicht bekannt, von welcher wilden Huhnart das Hanshnhn abstamint, indes ist cs sehr wahrscheinlich, das; das in Indien lebende Bankivahnhn sein Vorfahr gewesen ist. Von Indien ans hat sich das Tier über die ganze Erde verbreitet, ist nirgends verwildert, sondern hält sich an allen Orten zum Menschen. . Das Huhn koinint in einigen Dutzend Nassen vor, deren Zahl" durch künstliche Züchtung noch ständig vermehrt wird. Je nachdem 1 dieselben mehr der Fleisch- und Eierproduktion oder der Körpcrschön- hcit halber gehalten werden, spricht man von Wirtschasts- oder von Lnxushühncrn, deren Form und Größe bedeutend von einander ab- weichc». Der Hahn ist ein Bild des Stolzes und des Mutes. Mit Eifer ist er um seine Hennen besorgt und führt und schützt sie, lockt sic zum Futter und mit trotzigem Krähen fordert er jeden Feind znm Kampfe heraus. Die Henne dagegen ist das Bild der Mutterliebe. Die kleinen Küchelchen werden von ihr ausgeführt und sorgsam bewacht, ihnen sucht sie Futter und bei drohender Gefahr ruft sie dieselben mit Glucken unter ihre ansgcbrcitcten Flügel und verteidigt sic mit Aufbietung aller ihrer Kraft. Hühnervögel sind Vögel von großem, schweren Körper und von gedrungenem Bau. Die Schneiden des Oberschnabels greifen über den Uutcrschnabel hinaus. Das Gefieder ist derb und straff, oft bei den Männchen schön gezeichnet. Die Flügel sind abgerundet, daher ist der Flug sehr schwerfällig. Die Füße dagegen sind bei allen Arten kräftig. Nackte Stellen am Kopfe sind mit Kämmen und Hautlappen versehe». Alle 'Arten sind Vvdenvögel, sie suchen ihre Nahrung durch Scharren. Dieselbe besteht ans Insekten und Sämereien. Vertreter der Tiere sind über die ganze Erde verbreitet. VI. Kmifviigcl (Cursores). Tie Laufvögel sind die Niesen unter den Vögeln, sie haben sich vollständig dem Landleben angepaßt und die Fähigkeit zum Fliegen verloren. Während bei den übrigen Vögeln die Knochen hohl und mit144 Luft nennt f'nb, enthalten dieselben bei diesen Vögeln Mark. Alle Arten zeichnen sich durch große Fertigkeit im Laufen aus. Die trockenen Ebenen Afrikas, Amerikas und Australiens bilden ihre Heimat. Die Flügel aller Arten sind verkümmert, ihr Gefieder haarartig zerschlissen. Unter diesen Vögeln nimmt der Straus; (Struthio camelus), (Fig. 25) der Niese unter den Laufvögeln, die erste Stelle ein. Er erreicht eine Höhe von 2 bis 2*'» Meter und ein Gewicht von 75 Kilogramm. Der lange Hals ist meist nackt, der Kopf klein und glatt, der Schnabel stumpf und vorn abgerundet. Die sehr kräftigen Beine sind unr an den Fig. 25. Strauß. Schenkeln mit einigen Borsten bekleidet, sonst aber nackt, die Füße haben zwei Zehen, von denen die innere mit einem großen Nagel be wehrt ist. Die Flügel sind zum Fliegen vollkommen untauglich, aber, ebenso wie der Schwanz, mit weichen, hängenden und gekräuselten Federn geschmückt. Tic Heimat des Straußes sind die Wüsten und Steppen Afrikas. Hier lebt er in kleinen Trupps von 4 bis 6 Stück vereinigt itnb führt, so lange ihn nicht die Brut an einer Stelle bindet, ein WanderlebensDas 2icu'cid). 10 145 Ae Orte aussuchend, welche ihm Weide und Nahrung bieten. Pflanzen stoffe bilden seine hauptsächlichste Nahrung, doch verschlingt er daneben auch alle möglichen genießbaren und ungenießbaren Gegenstände. Während der Brutzeit lebt ein Hahn mit drei bis fünf Hennen zusammen. Die letzteren legen die Eier in eine runde Vertiefung am Boden. Die ausschliipfcnden Jungen tragen stachlige Federn und sehen wie Igel aus; sie können wie die Hühner sogleich laufen und werden dann zur Weide geführt und gegen alle Feinde mutig von den Alten verteidigt. Im dritten Jahre sind sie vollständig ausgewachsen. Die Jagd ans Strauße wird in ganz Afrika mit großer Leiden schaft betrieben. Die Federn werden zum Schmuck benutzt und bilden .einen bedeutenden Handelsartikel. Vom Strauß unterscheidet sich der Nandu oder amerikanische Strauß (Rima americana) dadurch, daß bei ihm Hals, Kops und Schenkel befiedert sind und die Füße sich dreizehig spalten. Seine Flügel und Schwanzfedern sind bedeutend kürzer. Die Heimat des Nandu sind die Pampas Südamerikas. .Hier lebt er in Familien, welche gewöhnlich aus einem Hahn und fünf bis sieben Hennen bestehen. Die Tiere sind klüger als der Strauß, stehen demselben an Schnelligkeit nur wenig nach und sollen, nach Darwin, gut schwimmen können. Der Forscher sah, wie ein Trnpp einen reißenden, ziemlich breiten Strom durchschwamm. Nur die Köpfe und Hälse ragten hervor, der schwere Körper war fast ganz untergetancht. Auch Australien hat Straußarten anfzuweisen, und zwar deren drei, die ich nur dem Namen nach aufzähle. Der Emu (OromaiuZ Novae Hollandiae), der Helmkasuar (Casuarius galeatus) und der kleinste aller Stranßenarteu, den Kiwi oder Schnepfenstrauß (Apterys australis). Laufvögel sind Erdvögel mit gänzlich verkümmerten Flügeln, die nicht zum Fliegen verwendet werden können, da ihnen die steifen Schwingen fehlen. Die Beine sind stark, zum Laufen eingerichtet, die Füße besitzen drei bis vier Zehen mit schwieligen Sohlen und platten Nägeln. Die Knochen sind mit Mark gefüllt. Das Gefieder ist dnnen- bis haarartig. Die größeren Arten leben in weiten Ebenen und nähren sich von Pslanzenstosfen.146 VII. Sumpfvögel (Grallae). Das Hauptkennzeichen dieser Vogelgrnppe bilden die hohen, dünnem Beine, deren drei- oder vierzehige Füße feiten mit einer Schwimmhaut versehen sind, und ein langer, dünner Hals. Die Tiere zeige» jedoch im Einzelnen soviel Besonderheiten, daß cs schwer fällt, von ihnen ein passendes Gesammtbild zn entwerfen. Moräste, Sümpfe, die seichten Ufer von Flüssen und Seen bilden ihre Lieblingsplätze, jedoch ziehen auch einige Arten das trockene Land vor, während noch andere Arten den Schwimmvögeln gleich, nur das Wasser bewohnen. Ihre Bewegungsfähigkeit ist nicht sehr bedeutend, doch sind unter ihnen Arten vorhanden, die sich im Laufen äußerst schnell und gewandt zeigen und im Fliegen den Raubvögeln nicht nachstehen. Die Stelzvögel sind in allen Zonen heimisch; meist sind sic an das Wasser gebunden und entnehmen ihm ihre Nahrung, welche meist aus tierischen Stoffen besteht. 1. Hiihiicrstclzen (Aloctorides). Den Ucbcrgang von den Hühner vögeln zu den Sumpfvögeln vermitteln die Trappen, von denen ich Die große Trappe (Otis tarda) näher nenne. Der Kopf und Hals des Tieres ist grau, der Mantel rostfarben und schwarz gewellt. Die Flügel tragen eine weiße Qncrbinde. Sie ist einer der größten Wöget Deutschlands und lebt in ebenen Gegenden, in Kornfeldern und Sand haiden. Der Gang des Vogels ist langsam, sein Flug schwerfällig. Jedoch so unbeholfen das Tier ist, so scheu ist es und ein Jäger ge langt nur unter besonders günstigen Umständen in Schußnähe. Die Nahrung der Trappe besteht hauptsächlich ans Sämereien und Kerb tieren. Größer an Körper, d. h. höher, ist der gemeine .Kranich (Grus cineria). Das Gefieder desselben ist aschgrau; Kops und Nacken beim Männchen rot. Der Kranich bewohnt den Norden der alten Welt, von Skandinavien bis nach Ostsibirien, gelangt aber auf feilten regelmäßigen Wanderungen bis nach Indien und Afrika. Die großen Sümpfe und Moräste der Ebene sind seine bevorzugten Aufenthalts orte, doch betritt er gern das angebaute Land, um sich an Getreide körnern, Erbsen, Grasspitzen und anderen zarten Kulturpflanzen gütlich zn thnn, denn im Gegensätze zn den übrigen Sumpfvögeln, ist er ein Pflanzenfresser, der die tierische Nahrung nur als Leckerei betrachtet. Sehr vorsichtig und äußerst mißtrauisch ist der Kranich. Wo größere Trupps beisammen sind, werden stets Wachen ansgestellt, die beiin geringsten Scheine von Gefahr ihre Stimme erheben und die Uebrigen.147 warnen. Sv scheu nun das Tier in der Freiheit ist, so fing und an hänglich zeigt es sich in der Gefangenschaft. Er sieht in dem Menschen dann nicht nur seinen Gebieter oder Brotherrn, sondern auch den Freund und bemüht sich, dies ihm kundzugeben. Leichter als ein anderer Vogel gewöhnt er sich an das Gehöft, an das Hans seines Pflegers, lernt hier jedes Zimmer, jeden Raum kennen, duldet ans dem Geflügelhofe keinen Streit, hütet, ohne dazu anfgcfordcrt zu werden, das Vieh, gleich dem verständigsten Hunde, mit einem Worte, das Tier sucht sich überall nützlich und angenehm zu machen. Die Kalmücken halten das Tier für heilig und die Japaner be haupten, es bringe Glück und langes Leben. Hühnerstelzen sind Sumpfvögel, deren Zehen mit keinen, oder nur schwachen Bindehäuten versehen sind und deren Kuppe des Schnabels gewölbt und der Oberkiefer übergreifend ist. Sic leben in sumpfigen Gegenden oder auf trockenen Ebenen. 2. Wasserhühner (Rallidae). Die Wasserhühner tragen den Cha rakter der Schwimmvögel schon teilweise an sich. Es sind meist ge schickte Taucher und Schwimmer, die am Rande der Gewässer leben. Sie kennzeichnen sich durch einen kräftigen Leib, wenig langen Hals, kräftigen, mittelhohen Füßen mit langen Zehen, die teilweise lappig gesäumt erscheinen. Ihre Nahrung besteht meist aus Pflanzcnstoffen. Hierher gehört das Bläßhnhn (Fulia atra). Es trügt ein schiefer- graues Gefieder und eine weiße Stirn. Der Fuß des Tieres ist ziemlich hoch und die Zehen sind mit breiten Seitenlappen gesäumt. In Europa zeigt sich das Tier an allen Gewässern. Es frißt alles, >vas im Wasser lebt, aber keine Fische und reinigt die Teiche von Insekten, Wasserlinsen und Wasserfaden. Ebenso nützlich sind: das grünfüßigc Nobrhuhn (Galliuula cliloropus) und die Wasserralle (Kallus aguatieus). Das erstere ist an der Oberseite olivenbraun, die Unterseite, Kopf und Hals grau. Die Stirn rot, die Beine gelblich grün. Das Tier ist in ganz Europa gemein, erscheint in Deutsch land als Zugvogel Ende März und bleibt bis zum Oktober hier. Kleine mit Rohr und Wasserpflanzen bewachsene Teiche bilden sein Lieblingsaufenthalt, hier ist es den ganzen Tag über in Bewegung und läßt seinen Lockruf erschallen. Die Wasserralle ist oben oliven braun, schwarz gefleckt, die Seiten des Unterleibes schwarz und weiß 10 ,*148 gebändert. Der kurze Schwanz nuten weiß; Schnabel und Beine röt lich. Den Aufenthalt nimmt die im März bei uns erscheinende Wasser ratte in bewachsenen, schwer zugänglichen Sümpfen und hier hält sie sich sehr verborgen. Mit außerordentlicher Leichtigkeit eilt sie, schwimmende Wasserpflanzen als Haltepunkte benutzend, über das Wasser dahin. Ihr Fleisch ist sehr wohlschmeckend. Als ausländischen Vertreter nenne ich den, im tropischen Amerika lebenden Sporenflüglcr oder die Jassana (Parra Jacaua). Kopf, Hals und Unterseite des Vogels sind schwarz, der Mantel kastanienbraun, die Schwingen dunkelblau, der Schnabel gelb und die Stirn rot. Das Tier ist einer der ge meinsten Sumpfvögel Südamerikas und von Gniana bis nach Para- guah verbreitet. Der schmächtige Körper des Tieres ruht ans schmächtigen, dünnen, ungemein langzehigen Beinen. Die Flügel sind mit Gelenk mit einem starken Sporn versehen. Er ist ein sehr munterer und be weglicher Vogel, der auf schwimmenden Wasserpflanzen nach Insekten suchend umherläuft. Wasserhühner sind Sumpfvögel mit kurzem, wenig längerem Schnabel als der Kopf, der stark zusammen gedrückt ist. Die Füße haben einen kurzen Lauf, lange, gespaltene oder lappig gesänime Zehen. Das Schienbein ist fast bis zur Fnßbenge befiedert. Alle Arten leben an oder auf den Gewässern, laufen mühelos über die, ans dem Wasserspiegel treibenden Wasserpflanzen hin; schwimmen und tauchen geschickt und nähren sich von Wasserinsekten und Wasserpflanzen. Alles sind nützliche Tiere. 3. Negcilpfeifer(Charadriadae). Zn den Negenpfeiferarten ge hört als erster der Goldregen Pfeifer (Cbaradius auratus) als Ver treter der ganzen Familie. Er trägt oben ein schwärzliches, grüngelb geflecktes, im Sommer unten ganz schwarzes, im Winter gelbliches Fcdcrkleid. In sehr großer Zahl findet sich das Tier in allen Sumpf gegenden, besonders in den Tundren Rußlands, nistet indessen auch in manchen Gegenden Deutschlands. Er ist ein munterer Vogel mit wohlklingender Stimme, dessen Nahrung ans Insektenlarven und Negcn- würmern besteht. Sein Fleisch ist wohlschmeckend. Dem Namen nach ein allbekannter Vogel ist der Kiebitz (Lanolins oristatus). Er trägt ein dunkelgrünes, ins Purpurne schillerndes Federkleid. Hals und Federbusch sind schwarz, der Bauch weiß und der Bürzel rot. Er ist14:9 als Zugvogel fast iu ganz Europa heimisch und sumpfige und wasser reiche Gegenden bilden seine Lieblingsanfentyalte. Ständig ist, das Tser in Bewegung und sucht nach Larven und Würmern, die seine liebste Nahrung bilden. Die Eier des Kiebitz gelten als eine Delika tesse und bekannt ist, daß Fürst Bismarck dieselben von Jever jährlich zu seinem Geburtstage in einer Anzahl bis 101 Stück erhält. Als typischer Vvgel ist der Kiebitz in wasserreichen Gegenden nicht zu über sehen, da er sich schon durch seinen eigentümlichen Nus von selbst be merkbar macht. Als letzten Vertreter der Negenpfeiferarten führe ich den Kampfläufer oder die Streitschnepfe (Tringa pugnax) an. Das Gefieder des Tieres ist sehr veränderlich. Zur Paarungszeit, im Frühling, schmückt sich das Männchen mit einem prächtigen Fedcr- kragen und dann zeigt sich bei dem Vogel die eigentliche Kampflust. Stundenlang kämpfen die Männchen dann ohne ersichtlichen Grund gegeneinander, können sich aber ihrer weichen Schädel wegen nie ernst lich verletzen. Die Heimat des Tieres sind die nördlichen Küsten Eu ropas und Asiens. Regenpfeifer sind kleine Sumpfvögel mit geradem Schnabel, der eine Hornbekleidung trägt und bald rundlich, bald zusammcngedrückt ist. Die Füße sind in der Regel drcizehig, ohne oder mit verkümmerter Hinterzehe. Die Tiere leben an der Meeresküste oder am Ufer der Flüsse, wo sie im Sande und Schlamme ihre Nahrung suchen. 4. Schnepfen (Scolopacidae). Die Schnepfenvögel sind gekenn zeichnet durch einen walzenförmigen Rumpf, mittellangem Hals, langen, nicht selten weichen, biegsamen Schnabel, schwache, schlanke Fuße, spitze Flügel und kurzen Schwan?,. Alle Arten bewohnen feuchte, sumpfige Orte, namentlich feuchte Wälder und sind mehr Nacht- als Tagvögel. Ihre Nahrung besteht ans Würmern, Schnecken, Insekten und deren Larven. Als Wildpret sind die Tiere sehr geschätzt. Die Waldschnepfe (Scolopax rusticola) (Fig. .26) auch einfach Schnepfe genannt, lebt in den waldreichen Gebieten Europas und Asiens. Ihr Federklcid ist der Hanptfarbe nach grau, rostbraun, rostgelb und schwarz gefleckt. Die Anordnung dieser Farben ist eine so vor treffliche, das; selbst das geübte Auge eines Jägers die zwischen dürrem Laub, Holz- und Rindenstückcn liegende Schnepfe übersieht. Morgens und abends streichen die Tiere umher und werden dann von dem auf150 dem Anstand stellenden Jäger geschossen. Die drei übrigen heimischen Schnepfenarten übergehe ich und komme nun zu dem Sä-belschnäbler (Eecuroirostra avocetta). Die Heimat des Tieres ist die ganze alte Welt. In Mitteleuropa erscheint der Säbelschnäbler im April und zieht im September Mieder gegen Süden. Das Gefieder des Tieres ist in der Hanptfarbe weiß, Kopf und Mantel teilweise schwarz. Es bewohnt die seichten Mceresstellcn und zeigt sich fast immer zu größeren Ge sellschaften vereinigt, im Wasser stehend. Als den letzten dieser Familie F!g. 26. Schnepfen. nenne ich den Austern fisch e r (Haematopus ostralegus). Kopf, Hals und Oberkörper tragen ein schwärzliches Gefieder; Bauch, Schwanz wurzel und eine Flügelbinde weiß, Schnabel und Beine rot. Er findet sich an allen europäischen Küsten, häufig indessen nur an den nördlichen Meeren. Das Tier ist klug, beweglich und kampflustig, nährt sich von allerlei Gewürm, frißt jedoch nie Austern. Schnepfen sind Sumpfvögel, deren Schnabel lang, gerade und weich ist, die Spitze des Oberkiefers bildet meist einen stumpfen, haken artigen Absatz, hinter welchem die Spitze des Unterkiefers eingrcift.M sind an Gewässern und in feuchten Wäldern lebende Zugvögel des Nordens, die in sumpfigen Ebenen und in Wäldern abends, und morgens niuherstreichen und von Würmern und Insekten leben. 5. Reiher (Ardeadeae). Die letzte Familie der Sumpfvögel bilden die Reiherarten. Die hierher gehörenden Tiere sind alles große Vögel, die im Wasser waten, aber nicht schwimmen. Sie leben von Fischen, Amphibien und kleinen Wassertieren. Der Repräsentant, welcher der ganzen Familie beit Namen gegeben hat, ist der Fisch reiher (Avdea cineica). Er besitzt einen schmächtigen Leib mit langem Hals, von dessen Unterseite lange Federn herabhängen; auf dem Kopfe trägt das Tier einen Federschopf. Der Schnabel ist lang, stark lind gelb gefärbt. Sein Gefieder ist bläulich aschgrau, unten weiß, der Vorderhals trägt drei Reihen schwarzer Flecken. Der Fischreiher ist fast über die ganze Erde verbreitet und findet sich auch in Deutsch land häufig in großen Ansiedlnugen. Im Erjagen der Beute ist das Tier Meister. Unhörbar durchwatet der Reiher das seichte Wasser, plötzlich hält er iuuc und bleibt wie zn einer Säule erstarrt ange wurzelt stehen. Aber sein Ohr hört auf das geringste Geräusch, sein gelbes, funkelndes Katzenauge nimmt die geringste Bewegung wahr. Ahnungslos nähert sich ihm ein Fisch oder ein Frosch und in dem selben Augenblick ist das Opfer erfaßt. Der Angriff gleicht dem einer Giftschlange und erfolgt mit derselben Schnelligkeit und Sicherheit wie bei dieser. Der nächste Verwandte des Reihers ist der Storch, auch wohl HaUs- und .Klapperstorch (Ciconia alba) genannt. Er wird seit Alters her als willkommener Frühlingsbote betrachtet und gilt .als der Lieblingsvogel der Jugend. Was schallt durch alle Straßend — Horch! — Der Storch! Der Storch! Der Storch! Der Storch! Wohl kaum ein zweiter Vogel spielt in. der Dichtung der Jugend eine so hervorragende Rolle, als der alte Meister Langbein. In Niederdeutschland heißt das Tier Heilebart oder Adebar, d. h. Glücks- trägcr; die Letten, ein Volksstamm in Rußland, nennen ihn Gottes vogel, die Abessinier Scgensvogel, die Araber Pilger Luglug. Der Glaube des Volkes sagt, er bewache das Hans, dessen Dach er be wohnt, vor Blitzgesahr und dessen Bewohner vor Unfrieden, er gilt als Bewahrer des Glücks und Wehrcr des Unglücks.Der Hausstorch bewohnt einen großen Teil der alten Welt. Nur den hohen Norden, gebirgige Gegenden, trockene Steppen und Wüsten meidet er. In Deutschland erscheint er Ende Marz und zieht Anfangs September zu seinem Winteranfcnthalt nach Inner-Afrika. Jahr für Jahr kehrt er zu dem Dache wieder, auf dem er sein gewaltiges Nest getürmt; ein Zug der Heimatsliebe und der Dankbarkeit führt ihn immer von neuem zurück, und so verwächst er mit dem Dorfe, dem Hause des Menschen, den Kindern, wie ein echter Familienvogel. In manchen Gegenden ist der Storch so häufig, daß fast jedes Bauern haus mit einem oder gar mit mehreren Nestern gekrönt ist. Aber seine Jagdplätze werden durch Trockenlegung von Sümpfen mehr und mehr reduzirt, und es erwachsen ihm auch in dem Menschen immer neue Feinde. Bor dem vorurteilslosen Auge des Forschers kann der Storch nicht bestehen. Jäger, Bienenzüchter, Fischzüchter und Vogclfreunde klagen ihn an, daß er durch Wegfangen von Maulwürfen, Eidechsen,, jungen Hasen und jungen Vögeln, von Fischen und Bienen einen nicht zu unterschätzenden Schaden anrichtet, denn er ist ein kecker Räuber und schwächeren Tieren gegenüber sehr gewaltthätig. Ende des Monats Juli versammeln sich die Storchfamilien einer Gegend zur Musterung und bald darauf erhebt sich das ganze Heer, welches oft an 2000 bis 5000 Stück zählt, hoch in die Luft und. zieht dem sonnigen Süden zu. Ein anderer Vertreter der Sumpfvögel ist der Ibis (Ibis,reli- giosa). Kopf, Hals, Schnabel und Beine sind schwarz, der übrige Körper weiß. Seine Heimat ist Inner-Afrika. In Egypten wurde das Tier im Altertume göttlich verehrt. Mit dem Steigen des Nils, der Wiederkehr einer schönen gesegneten Zeit, kehrt auch er aus dem fernen unbekannten Süden zurück. Er wurde hierdurch der Herold des segeu- spendenden Nilgottes und schließlich erschien er als Gott selbst. Starb das Tier, so wurde sein Leichnam von den Priestern kunstvoll ein balsamiert und in Grabmälern bcigesetzt. Heute kommt der Ibis nur noch selten und vereinzelt nach Egypten und tritt erst im südlichen Nubien als Verkünder des steigenden Nils auf. Die Nahrung des Tieres besteht aus Insekten, Würmern und Schlangen. Ein sonderbares Tier der Sumpfvögel ist der Schnhschnabel (Lalacmicmps Itax). Erst vor einigen Jahrzehnten wurde dieses Tier, welches die Sümpfe des weißen Nils und einige seiner Nebenflüsse bewohnt, entdeckt. Seinen Namen trägt das Tier seines sonderbaren.153 Schnabels wegen, der einigermaßen einem plumpen Holzschnh ähnelt- Der H» terkopf trägt einen kurzen Schöpf. Das Tier lebt in zahl reichen Gesellschaften und nährt sich hauptsächlich von Fischen. Als. letzten Vertreter der sehr zahlreichen Familie der Reiher bringe ich die Rohrdommel oder den Riedochsen (ßotauris stellaris). Das Gefieder des Tieres ist ockergelb, schwarzbraun marmoriert, die Schwingen sind schiefcrgran, rostgelb bandicrt. Der Hals trägt seit liche und nach unten abstehende Federn. Die Rohrdommel ist in Holland, Deutschland und den Donautiefländern ziemlich häufig, findet sich indessen auch in anderen Gegenden Europas, sowie in Asien und Nordafrika. Sic bewohnt nur solche stehenden Gewässer, die mit hohem Rohr bewachsen sind und liegt hier der ganzen Nacht der Jagd ans: Fischen, Fröschen, Schlangen, Eidechsen, jungen Vögeln, Mäusen und Ratten ob. Sonst hat sie alle schlimmen Eigenschaften der Reihert und ist ein höchst ungeselliges Tier. Im ganzen ist die Rohrdommel: ein wenig anziehendes Geschöpf, sic ist langsam und träge; ihre laute Stimme gleicht dem Gebrüll eines Ochsen. Reihervögel sind Sumpfvögel mit langem, starken, harten, meist etwas zusammengcdrückten Schnabel. Derselbe ist so hoch und breit als der Schädel, in der Form oft sehr abweichend. Hals und Beine sind dünn und lang. Alle Arten sind gute Flieger, die im Herbste die ge mäßigten Zonen verlassen und nach Süden ziehen. Ihre Nahrung besteht aus Fischen und Fischbrut, Wasserinsekten, kleinen Wirbeltieren re. Nutzen stiftet kein Tier von allen Arten. VI. Schwimmvögel (Natoves). Das Hauptkennzeichen der sehr großen Familie der Schwimm vogel besteht in der Schwimmhaut, welche in der Regel drei Zehen miteinander verbindet, manchmal aber auch noch die Hinterzehe durch einen Hautlappen mit den übrigen vereinigt. Alle Arten besitzen ein dichtes Gefieder mit reicher F-laumbckleidnng. Um dieses vor Ve- nässnng zu wahren, pflegen die Tiere cs mit einer öligen Ausscheidung, einer am Schwänze befindlichen Drüse, der Bürzcldrüse, einzufetten, indem sie die Federn durch den angefetteten Schnabel ziehen. 1. Entenvögcl (Anatidäe). Ein höchst auffälliger Vogel, der.Den Uebcrgang von beit Stelz- zu beit Schwinunvögeln vermittelt, ist bcr Flamingo (i’lioenicopt^ru^ roseus). Er würbe seiner hohen Läuse wegen neben Storche unb Reiher gestellt, gehört aber trotz seiner Stelzcnfüße zu ben Schwimmvögeln. Das Gefieber ist weiß mit zart rosarotem Anflug, bie Flügel zeigen ein prachtvolles Karminrot. Ebenso sinb Schnabel unb Fuß rot. Der Schnabel ist in bcr Mitte stark abwärts gebogen. Der Unterkiefer ist höher, boscnförmig ben Oberkiefer aufnehmenb unb baher zum Anfschöpfen bcr Nahrung trefflich geeignet. Der Flamingo bewohnt in großen Gesellschaften bie Länbcr am Mittelmeere, vorzüglich Egypten, Tunis, Marokko, kommt aber auch in Nüttel- itnb Siibasicn vor. Stranbscen unb flache Stellen bes Meeres, bilben seinen Lieblingsanfenthalt. Zn Tausenben erblicken bie Rcisenben ben Vogel an ben Seen zwischen Mittelmeer unb Rotem Meer, besonbers am Mansalehsee. In Reih' unb Glieb stehen sie hier am Ufer unb bie wunbervoü weiß unb rot gefieberten Tiere gewähren einen entzückcnben Anblick. Ein allbekannter Vertreter bcr Schwimmvögel ist ber Höckerschwan (Cygnus olor). Ruhig nnb majestätisch zieht bieser blenbenb weiße Vogel auf bent Wasserspiegel bah in. Gezähmt belebt bas Tier alle Gewässer, finbet sich aber auch noch in wilbem Znstanbe in Norbeuropa. Neben ben, Höckerschwan existirt in Australien ber schwarze Schwan (Cygnus atratus), unb mit bem erstcren Schwan zusammen finbet sich im kalten unb gemäßigten Teil ber nörblichen Halbkugel ber Singschwan (Cygnus inusious), berühmt burch ben angeblichen Wohllaut seiner Stimme. Die Erzählung, baß er unmittelbar vor seinem Tobe einen rührenbcn Gesang erschalle» lasse, ist eine Fabel. Lange nicht so schön in ber Körperform wie bcr Schwan, boch bebeutenb nützlicher als bieser, ist bie Gans in ihren verschiebenen Arten, von benen ich nur bie Saatgans (Ansei- segetum) unb bic Graugans (Auser cinereus) nenne. Alle Arten wissen sich im Wasser, ans bem Laube unb in ber Luft mit gleicher Fertigkeit zu bewegen, sinb sehr vorsichtig, mißtrauisch unb klug. Ihre Nahrung ist fast ohne Ausnahme pflanz- lichcr Natur, jcbvch werben tierische Stoffe nicht verschmäht. Unsere gezähmte Gans stammt von ber Graugans ab, bie fast ben ganzen Norben ber alten Welt bewohnt unb im Winter bis nach Afrfla unb Zubien streicht. In Deutschlanb erscheint sie Enbe Februar ober Enbe März, zieht aber Enbe Juli, nach vollenbeter Mauser, schon wicber ab. Bon ben jetzt folgcnben, in mehr als hnnbert Artenbefanuten (Sitten, nenne ich als ersten Vertreter die Srvck- oder Wild ente (Anas bosclias). Ihr Flügelspiegel ist grün, iveiß eingefaßt, ebenso der Kopf beim Männchen, während er beim Weibchen grau ist. Das Tier bewohnt den Norden der ganzen Erde, hält sich aber fast ausschließlich an Süßwasser. Ihre Nahrung ist aus pflanzlichen und tierischen Stoffen gemischt. Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft. Von dieser Ente stammt die Hausente ab. Für die Bewohner des hohen Nordens ist die Eiderente oder Eidervogel (Anas mollissima) von hervorragender Bedeutung. Das dichte Federkleid, besonders beim Männchen sehr bunt gefärbt, wird nach der Brutzeit einfacher. Das Tier bewohnt die nördlichen Meeresküsten und findet sich besonders im hohen Norden in großen Scharen. Fleisch und Eier liefern eine nahrhafte und schmackhafte Speise. Der Federbalg liefert warme Kleidung, und die zarten Flaumfedern bilden einen gesuchten und gut bezahlten Handelsartikel. Im vollsten Sinne ist die Eiderente ein Vogel des Meeres. Ihr Gang und Flug ist unbehülflich, dagegen schwimmt sie geschickt und vermag in bedeutende Tiefen hinab,zutauchen. Ihre Nahrung besteht ans Weichtieren und kleinen Fischen. Entenvögel sind Schwimmvögel, deren Schnabel kaum länger als der Kopf, am Ende mit einem stumpfen Nagel versehen ist. Es sind meist Zugvögel, die in allen Zonen leben. Alle tragen ganze Schwimmfüße, deren Hinterzehe nackt oder mit der Haut gesäumt ist. Die meiste» Arten dieser Familie besitzen ein wohlschmeckendes Fleisch und Fett, sodaß sie vielfach gezähmt werden, außerdem liefern sie weiche Federn für die Betten. 2. Ruderfüßer (Pelecanidae). Die Ruderfüßer sind tropische, von Fischen lebende Seevögel, deren bekannteste Art der gemeine Pelekan (Pfelecanus anocrotalus) ist. Dieser Vogel ist besonders durch seinen großen, mit einem häutigen Kehlsack versehenen Schnabel auffallend. Sein Gefieder ist weiß, mit zart rosarotem Auslug und gelber Vorderbrust. Er bewohnt das südliche Europa, Südasien und den größten Teil Afrikas und lebt überall gesellig in großen Scharen. Unseren Vorfahren war das Tier ein Symbol mütterlicher Liebe. Lange nicht so schwer gebaut als der Pelekan sind Tropikovogel (Phaeton neiherens) und Fregatte (Tancliypat'es aquilla) als die schnellsten Flieger, die auch von den Raubvögeln nicht im Fluge übertroffen156 werden, bekannt. Die Fregatte ist ein Vogel von der Körpergröße eines Huhnes mit Flügeln des Adlers. Wen» das Tier in Neusee land sein Morgenmahl einnimmt, so kann es in Amerika zur Abend zeit sein. Für sie ist der Naum verschwindend klein. Brüllt unter ihr der Sturm, wühlt er die Tiefen des Älteres ans, so erhebt sich das Tier über denselben und schaukelt sich dort in dem klaren Elemente. Gilt die Fregatte als der schnellste und ansdauernste aller Segler, so ist der Tropikovogcl der eleganteste. Kein Vogel fliegt mit gleicher Anmut wie er; man könnte sagen, er schwimme und ruhe in der Luft, denn ohne in leicht unterscheidbarer Weise die Flügel zu bewegen intb- ohne den Körper zu wenden, zieht er in gewaltigen Höhen rasch dahin, oder liegt ans den Luftschichten wie auf einer festen Flache. Häufig schwebt das Tier so hoch, daß ein ungeübtes Auge ihn nicht bemerkt, und da rechtfertigt er seinen Namen, welchen die Wissenschaft ihm gegeben hat, Phaöton, „Sohn der Sonne." Ruderfüßer sind Schwimmvögel, an deren Füßen alle vier- Zehen mit einer Schwimmhaut versehen sind. Die Beine sind wenig, nach hinten gerückt. Der Schnabel ist meist länger wie der Kopf und trägt am Ende einen spitzen Nagel. Alle sind Fischervögel, die ihre Nahrung meist tauchend oder stoßend, seltener gründelnd, sich ver schaffen. 8. Sturmvögel (Procellariae). Ein gewaltiger Segler der Lüste,, der mit Tropikovogel und Fregatte um die Wette fliegt, ist der Alba tros (Diomeda exulans), auch das Kapschaf genannt. Der Leib des Tieres ist kräftig, der Schnabel lang, mit einem starken Haken ver sehen. Die Flügelspannung beträgt drei bis vier Meter. Das Ge fieder des Vogels ist weiß, Flügel, Beine und Schnabel schwarz. Es ist ein herrliches Schauspiel, diese prachtvollen Vögel, wie von einer unsichtbaren Kraft geleitet, in den Lüften dahinschwimmen zu sehen. Nirgends bemerkt man eine Bewegung der Flügel, nachdem einmal, der erste Antrieb gegeben und der gewaltige Flieger sich in die Luft erhoben hat; man sieht sein Steigen und Fallen, als ob ein und die selbe Kraft die verschiedenen Bewegungen hervorznbringen vermöge,, als ob er seine Muskelkraft garnicht anwende. Aber die Mnskelan- strcngung ist eine große und erfordert einen großen Stoffvcrbrauch;. der Albatros ist denn auch von einem nnanfhörlichcn Heißhunger ge-Plagt. Er verschlingt alles Genießbare, auch Aas und wird deshalb auch der Geier des Meeres genannt. Die kleineren Arten der eigent lichen Sturmvögel sind, hochbeinig und schwarz im Gefieder. Sie folgen, besonders bei starkem Wogengange, den Schiffen, um die vom Kiele aufgepflügten kleinen Weichtiere in der Schiffsspnr aufzusuchen, wobei sie wechselweise trippelnd und fliegend, mit ansgespannten Flügeln auf der Wasserfläche dahin laufen, daher sie auch St. Petersvögel genannt werden. Ich nenne nur kurz einige hierher gehörende Arten: Die Sturmschwalbe (Procellaria pelagica) und den Eis-Sturm vogel (Procellaria glacialis). Sturmvögel sind Schwimmvögel, deren Nasenlöcher röhrenartig gebaut sind, die Form des Schnabels ist verschieden, immer aber an der Spitze mit einem Haken versehen. Die Füße tragen keine Hinter zehe oder nur einen kurzen, nageltrageuden Stummel derselben. Alle Arten sind Scevögel. 4. Möve» (Laridae). Aus der Familie der Möven bringe ich vre Lachmöve (Larus ridibundus). Schnabel und Beine sind rot, Kopf im Sommer schwarz, im Winter weiß, der Mantel ist grau. Er ist ein lebhafter und geselliger Vogel und bewohnt die gemäßigten Länder. Bei uns erscheint das Tier als Zugvogel im April und brütet an Seen und Teichen. Seine Nahrung besteht ans Gewürm und Insekten; seine Stimme, mißtönend, heiser und kreischend, gleicht aus der Ferne gehört, einem Gelächter. Als letzte Art dieser Familie nenne ich die gemeine Seeschwalbe (Sterna hirundo). Das Tier bewohnt die Küsten Europas, Asiens und Afrikas und die Flüsse und Binnenseen dieser Länder. Ihr Flug ist ungemein schnell und vielseitig. Möven sind Schwimmvögel, deren Füße an den drei Vorder zehen eine Schwimmhant tragen, deren Hinterzehe frei ist. Ihr Schnabel ist mehr oder weniger zusatnmengcdrückt. Die Nasenlöcher stehen seitlich und öffnen sich in freistehenden Nasengruben. Die Flügel aller Arten sind lang und spitz, daher ist ihr Flug schnell und aus dauernd. Die meisten Arten sind Stoßtauchcr, d. h. sie tauchen stoßend auf ihre Beute.5. Taucher (Colymbidae). Unter den Tauchern hat für uns nur der Haubentaucher (Lodieepo erlstatus) Interesse, weshalb ich mich auf diesen beschränke. Er ist ein stattlicher Vogel, dessen Kopf mit einem doppelten Federbusch und mit einem, aus feinen Federn zu- sammengesetztcu Kragen geschmückt ist. Ueberall auf genügenden Ge wässern und Seen in Europa, und nicht selten in Deutschland, be merkt man den Haubentaucher. Im Norden erscheint er im April und- verweilt hier bis Ende November. Schwimmend hebt der Vogel kaum den Rücken ans dem Wasser, sodaß der schmale, gerade aufstchcnde Hals mit dem bebuschten Kopse fast den Anblick einer ans den Wellen treibenden Schilfblüte bietet. Beim Tauchen eilt der Vogel ans dem Grunde des Wassers ganze Strecken fort, um erst nach einigen Minuten in weiterer Entfernung an der Oberfläche zu erscheinen. Das Tier nährt sich von Fischbrut, Wasserinsekten, Wasserpflanzen ec. und ist mehr nützlich als schädlich. Taucher sind Schwimmvögel, deren Füße Schwimmfüße oder gespaltene Schwimmfüße bilden. Ihre Füße sind vierzehig, die Hinter zehe ist häutig gesäumt. Der Schnabel ist gerade und schmal. Die Tiere ruhen und gehen ans ihren kurzen, stark zusammengedrückten, ganz nach hinten gerückten Läufen und erscheinen daher ans dem Lande als langsame Geschöpfe; fliegen indessen trotz ihrer kurzen Flügel hurtig und tauchen mit angelegten Flügeln vortrefflich. Die Tiere leben meist auf Süßgewässern. 0. Alke (Alcidae). Unter den Alken erscheint der Papagei- tancher (A'lca arctica) als einer der sonderbarsten Familienglieder. Seinen Namen verdankt dieser Vogel seinem von der Seite gesehenen dreieckigen, stark zusammengedrückten, mit tiefen Furchen und einer gewölbten Spitze versehenen bunten Schnabel, der entfernt an den der Papageien erinnert. Während des Sommers erscheint der Papagei- tauchcr zu Millionen ans seinen Brntplätzen, den unzugänglichsten Felsen und Klippen des Nordens. Er wird hier eifrig vom Menschen nachgestellt, teils seiner Federn, teils der Eier und Jungen wegen. Zu einer Untergruppe der Alke werden die Lummen gezählt, die sich durch ihr massenhaftes Auftreten bemerkbar machen und. gehören, wie auch der Papageitaucher, dem Gebiete des nördlichen Eismeeres an. Sic sind Meervögel, trotzen den heftigsten Stürmen und suchennur dann das Land aus, wenn cs Brütezeit ist. Alsdann bedecken sie jede Kaute der steilen Küsten und Klippen, sadast die Felswand von ihnen wie besät erscheint. Das Weibchen legt nur ein Ei und zwar auf den nackten Felsbadcn. Das Junge erhält innerhalb Monats frist au Stelle des grauschwarzen Flaumes Federn und wagt nun, begleitet von den ängstlichen Eltern, den Sturz ins Meer, wo es sogleich untertaucht, falls cs nicht vorher beim Herabspringen den Schädel an einem Stein zerschmettert und tot liegen bleibt. Oft aber bereitet ihm der Mensch noch früher ein jähes Ende, denn die Vogel berge werden regelmäßig abgccrntet, da sowohl die Eier, als das Fleisch der Jungen sehr geschätzt sind. Diese Ernte ist aber auch für den Menschen sehr gefahrvoll, und nur wenige der kühnen Vogel fänger sterben eines natürlichen Todes. Diese Männer erklimmen die Felsen von unten her oder lassen sich an langen Seilen zu einem mit brütenden Vögeln bedeckten Absatz, fußen auf Gesimsen, welche kaum für einen Vogel Raum genug bieten und sammeln hier ihre Nahrung, die sie für den Winter brauchen. Als zu den Lummen gehörend, nenne ich die Gryll-Lumme (Uria grilla). In der Hauptfarbe ist ihr Gefieder schwarz, ein Flügelspiegel weiß, die Beine rot. Die letzten der Schwimmvögel und damit die letzten aller Vögel sind die Pinguine oder Flossentaucher. Zu ihnen gehört der Königstaucher (Aptenodites patagonica) und der ausgestorbene BrillcnPinguin (Alca impens). Der Körper der Tiere ist kegelförmig und wird ans dem Festlande in nahezu senkrechter Richtung getragen, da die Füße sehr weit nach hinten eingelenkt sind. Der steife, kurze Schwanz dient beim Ruhen dem Vogel als Stütze. Die Flügel sind zum Fliegen absolut untaug lich, eignen sich aber vortrefflich zum Schwimmen und werden wie Flossen gebraucht. Die Tiere schwimmen und tauchen mit der größten Leichtigkeit während des heftigsten Sturmes, und durchschneiden die Wogen rascher als der schnellste Dampfer. Auf dem Festlandc, welches nur zur Brutzeit betreten wird, sind sie sehr unbeholfen. Werden sie hier von einer Gefahr überrascht, so werfen sie sich auf den Boden, gebrauchen die Flossenflügcl zum Kriechen und eilen so ziemlich rasch dem Meere zu; an der Küste angekonnnen rutschen und rollen sie sich vom Ufcrselsen ins Wasser. Die Stimme der Vögel gleicht fast der des Esels, und das Geschrei von Tausenden und Abertansenden imm den vereinigten Pinguinen ist eine wahrhaft entsetzliche Musik.160 Alke sind Schwimmvögel mit kurzen, flossenähnlichen Flügeln, ganzen Schwimmfüßen ohne Hinterzehe. In der größten Mehrzahl ist der Gang der Tiere schlecht, dagegen schwimmen und tauchen sie vortrefflich. Alle Arten nisten gesellig am Meere auf den Felsen: jedes Paar legt meist nur ein Ei, welches von beiden ausgebrütet wird. Nachdem das Junge ein Federkleid erhalten hat, folgt es Len Alten ins Meer. Tie Tiere sind Bewohner der Polarzonen und nähren sich von Fischen, Mollücken und niedrigen Seetieren. Für die Bewohner der dortigen Gegenden sind sie unentbehrlich. 3. ItCytiltClt (Reptilia) Die Reptilien sind Wirbeltiere mit kaltem, rotem Blute, atmen 'durch Lungen, legen Eier und sind mit Schildern oder Schuppen bedeckt. In der äußeren Form und der inneren Organisation zeigen die Tiere eine große Verschiedenheit. Immer fehlt ihnen ein eigent liches Zwergfell, weshalb Brust und Bauchhöhle nicht von einander geschieden sind, und die Lungen dadurch zuweilen weit in die Bauch höhle hinabrcichen. Die Nackthänter atmen in der Jugend Wasser durch äußerliche Kiemen am Halse, erst später durch Lungen Luft. Bei Fröschen, Kröten u. s. w. findet auch außer der Lungenatmung noch eine starke Respiration durch die Haut statt, weshalb diese Tiere lange unter Wasser aushalten können. Bei doppeltem Kreisläufe ist die Respiration doch nur unvollkommen und vom Kreisläufe meist unabhängig, weil die Lungen nur einen kleinen Pnlsaderast enthalten, daher die Reptilien den Atem auch lange unterbrechen können. Durch das Atmen wird das Blut nur wenig verändert, weil das Herz mit halbgeschiedener Herzkammer und mit 2 Vorhäfen bei jeder Zusammen- zichung nur einen Teil des Blutes in die Lungen entsendet, während das übrige, ohne der Respiration unterworfen zu werden, wieder in die Körperteile getrieben wird und sich daher das venöse Blut mehr oder weniger mit dem arteriellen im Herzen mischt. Von dieser un vollkommenen Atmung hängt die geringe Blntwürme der Reptilien, ihre Trägheit und ihre Fähigkeit, die Atmung lange zu unterbrechen, ab. Wegen der Größe des Rückenmarkes im Verhältnis zum Gehirn, ist auch das vegetative Leben ausgezeichneter und zäher als das tierische; daher äußert auch das weniger entwickelte Gehirn geringeren Einfluß- 1 —:161 Kirf den fonfticjeu Körper aus. Während bei den Säugetieren und Vögeln, den Warmblütern, int Gegensätze zu den jetzt folgenden Kalt- Wtcrn, Reptilien re., alle Verrichtungen der Nerven nninittelbar unter Herrschaft des Gehirns stehen, und daher eine Zerstörung desselben auch sogleich alle Verrichtungen des Körpers stört und den Tod hcr- Leifnhrt, können z. B. Schildkröten noch Monate lang ohne Gehirn leben. Alle Organe sind selbständig bei den Reptilien, vermöge dessen ersetzen sich Schwanz, Beine, ja sogar Augen wieder, wenn sie ver- rrichtet wurden. Die Verdaunngsorgane weichen wenig von denen der Säugetiere und Vögel ab. Fast alle Arten nehmen ihre Nahrung airs dem Tier reiche; daher sind auch die Verdaunngsorgane sehr einfach. Zähne sind bei der größeren Zahl vorhanden, dienen aber nur zum Beißen, Ergreifen und Festhalten, nicht zum Zerkleinern der Nahrung, denn diese wird ohne zu karren, ganz verschlungen. Der Magen ist eine einfache, meist längliche Erweiterung des Speisekanals. Der Darin ist vorn enger, hinten weiter. Die Leber ist groß und wie die Bauch speicheldrüse überall vorhanden. Ebenso fehlen die Nieren nie. Von den Sinnesorganen ist das Ohr schon noch mehr verein facht, als bei den Vögeln. Es ist immer ohne Ohrmuschel und das Pankenfell meist äußerlich in einer Höhle sichtbar. Die Zunge ist meist sehr beweglich und ein vorzügliches Schlingorgan geworden; bei den Schlangen, bei denen die Basis der Zunge in einer Scheide steckt und mit ihren gespaltenen Spitzen weit hervorgestreckt werden kann, dient sie zum Tasten. Fast alle Reptilien besitzen eine Stimme: Kro kodile haben eine laute, Schlangen, Schildkröten und manche Eidechsen eine zischende. Die Reptilien sind meist harmlose, durch Vertilgen lästiger Insekten dagegen hoch nützliche Tiere. Im Verhältnisse zu ihrer großen Anzahl werden nur sehr wenige durch ihren giftigen Biß, andere durch ihre Größe und Gefräßigkeit dem Menschen furchtbar. I. Schildkröten. (Testudinata). Unter den Reptilien nehmen die Schildkröten die erste Stelle ein. Sie sind die Ueberreste einer vorsintflutlichen Tierwelt. Das innere Skelett, welches für die Wirbeltiere so sehr bezeichnend ist, rückt bei ihnen zum größten Teile nach außen rrnd verschmilzt mir 11 Das Tierreich.162 Dem Hautskelett zu einer dickwandigen Kapsel, die oft so fest isst d'aff ein Wagen darüber fahren kann, ohne sie zu beschädigeit. Dieser Panzer besteht ans zwei verschiedenen Stücken, die auch in ihrer Form von einander abweichen, dem Rücken und dem Bauch- oder Brnft- schild. Unter diese Sehntzwaiid können Kopf, Füße und Schwanz bei Gefahr ganz eingezogen werden. Alle Schildkröten sind langsames von Pflanzen oder kleineren Tieren sieh nährende Meer-, Fluß- und Landbewohner der wärmeren Länder. Die Weibchen legen ihre perganientschaligen Eier in selbst gegrabene Löcher in den Sand. Von den vielen Arten nenne ich vier, und als erste die griechische Schildkröte (Testudo graoea). Das Tier wird etwa 30 Centirneter lang und über zwei Kilogramm schwer. Es bewohnt die wald- und buschreichen Gegenden Kleinasiens, die Balkanhalbinsel, Südnngarn,, Dalmatien, Italien und die Inseln im Mittelmeer. In der Nahrung ist das Tier nicht sehr wählerisch, verzehrt allerlei Kräuter, Früchte, Würmer und Insekten. Bei nnfrenndlichem Wetter hält sich diese Schildkröte verborgen, bei gutem dagegen sonnt sie sich behaglich. Kommt der Herbst in das Land, so vergräbt sie sich in die Erde und hält hier einen Winterschlaf, ans dem sie erst im April wieder erwacht. Ihr Fleisch wird gegessen, und die ans demselben hergestellte Suppe ist ein vorzügliches Gericht. Etwas größer als die griechische Schild-, kröte ist die europäische Sumpfschildkröte (Testudo curopa.ea). Sie nährt sich von Fischen, Fröschen, Würmern und Schnecken und bewohnt einen großen Teil von Europa, zumal die südlichen Gebiete unseres Erdteils, kommt aber auch noch in der Mark Brandenburgs häufig vor. Die größte Art der Schildkröten ist die Riesen-Schild kröte (Testudo midas), eine Bewohnerin der warmen Meere. Das Tier wird über zwei Meter lang und erreicht ein Gewicht bis zu lO Centnern. Diese Schildkröte nährt sich von Tangen und anderen Wasserpflanzen, dringt zuweilen in die Mündungen großer Flüsse ein und weidet hier die Ufergräser ab. Gleich den vorher beschriebenen Arten legt auch die Riesenschildkröte ihre Eier abends in den von der Sonne dnrchglühten Sand des Ufers ab und zieht sich hierauf wieder in das Meer zurück. Bei ihrem Rückzüge werden die Tiere häufig von den Küstenbewohnern überfallen, mit Kenlenschlägen betäubt oder mit Hebebänmen ans den Rücken gekehrt und so bis 'zum Morgen liegen gelassen, woraus sie entweder lebend auf Schiffe verladen und versandt oder sofort getötet und ansgeweidet werden. Eier und Fleisch sind-163 genießbar Viel eifriger als alle anderen Arten der Schildkröten wird die Karcttschildkröte (Rostncko imbrioata) ihres Schildpatts oder Schildkrots wegen verfolgt, wie die, den Knochenpanzer überdeckenden hornartigen Platten, aus denen Schmnckgegenstände gefertigt werden, genannt sind. Das Tier bewohnt dieselben Meere wie die Riesen- schildkröte nnd stimmt in ihren Gewohnheiten ganz mit dieser überein. Sie ist aber ein Raubtier in des Wortes vollster Bedentnng, verschmäht die Pflanzennahrung ganz und hält sich ausschließlich an tierische Stoffe. Das Fleisch der Karcttschildkröte wird nur von den Einge borenen gegessen, da es Durchfall oder Erbrechen verursacht. Um nun das Schildpatt von dem Panzer ohne Beschädigung loslösen zu können, mich es bedeutend erwärmt werden; die beklagenswerte Schildkröte wird in kochendes Wasser geworfen, dann das Patt losgelöst und das halbgebratene Tier wieder in Freiheit gesetzt nnd dem Meere zulanfen lassen, da man glaubt, daß cs sich wieder erhole. Die Möglichkeit einer solchen Ergänzung ist zwar nicht ausgeschlossen, denn Schild kröten sind im Stande, Teile ihres knöchernen Hornpanzers, der ent fernt wurde, mit den darüberlicgenden Hornplatten wieder zu erzeugen. Ein Exemplar von zwei Zentner Gewicht liefert höchstens acht Pfund Schildpatt. Es wird dieses besonders in Italien verarbeitet. Schildkröten sind Reptilien mit kurzem, breiten Rumpf, deren Wirbelsäule nnd Rippen mit Hautknochen zu einem unbeweglichen Knochcnpanzcr verwachsen sind, welcher von Hornplatteu oder auch von einer Lederhaut bedeckt ist. Der Rückenpanzer ist mit dem Banch- panzer verbunden. Die Kiefer sind zahnlos, mit Hornscheiden ver sehen. Die Herzkammern sind unvollkommen geschieden. II Gi-echson. (Sauria). Der Riese unter bcu Eidechsen ist das Krokodil (Crocodilus vulgaris) oder Nilkrokodil genannt. (Fig. 27). Es erreicht unter günstigen Bedingungen neun Meter Länge, jedoch kommen solche Riesen nur sehr spärlich vor. Dieses Untier mußte den wehrlosen oder doch schlecht gerüsteten Völkern des Altertums große Furcht einflößen, wie es denn heute noch im. Innern Afrikas Völker giebt, die vor diesem Tiere die schrecklichste Angst bekunden. Ein einziger Blick genügt, um die Furcht alter Völker, die 11*Mit diesem Ungetüm in Berührung kommen, voll zil würdigen; denn die gewaltigen Kiefer tragen zahlreiche eingekeilte Zahne iind die ganze kliere Haut des Tieres ist unverwundbar. — Höchst selten nur entfernt sich das Nilkrokodil weit vom Flußufer, und regelmäßig stürzt es diesem bei anscheinender Gefahr wieder zu. Erscheint ein Mensch, so ergreift, es mit größter Eile die Flucht, an eine Verfolgung landein wärts denkt es nie. Im Wasser dagegen, seinem eigentlichen Elemente, zeigt cs bedeutend mehr Mut. Hier macht es nicht nur auf große Säugetiere Jagd, sondern mit großer Verwegenheit und meist mit großem Erfolge greift es hier den Menschen an. Tiere, die zur Tränke gehen, sind immer von diesen Echsen gefährdet. Deshalb ge brauchen auch die Hirten des Ost-Sudans stets beim Tränken des Viehes die Vorsicht, die Tiere unter großem Geschrei und in Herden auf einmal in den Strom zu treiben, um so die Krokodile durch den Lärm zu verscheuchen. Viel gefährlicher als durch das Töten des Herdenvichcs, wird das Krokodil durch seinen Menschenraub. Im ganzen Sudan ist nicht ein einziges Dorf vorhanden, aus welchem durch Krokodile nicht schon Menschen geraubt wären. Die alten Leute wissen hier ganz genau auzugeben, daß das Raubtier den und den Einwohner und noch außerdem so und soviele Pferde, Kühe, Kamele ec. iir die Fluten ge zogen und gefressen, oder ihnen wenig- Freuden begrüßt, ist leicht zu begreifen. «iß. 27. Nilkrokodil. stens ein Glied abgerissen habe. Daß der Afrikaner das Krokodil grimmig haßt und dessen Verniin- dernng mit Europäer und Mittel-Aegypter betreiben die Jagd ans das Untier mit Pulver und Blei. Eine Kugel prallt selten am Panzer ab, dagegen tötet sie das Krokodil sogleich nur in den wenigsten Füllen. Die beliebtesten Aufenthaltsorte des Krokodils sind ruhig fließende Ströme, Landseeu und Küstengewässcr. In Egypten ist da- Tier jetzt fast ganz ausgerottet. Die übrigen K'rvkodilarten, der Hechtkaiman (Alligator lucius) in Nord-Amerika, der Brilleukaimau (Alligator scalerops) in Süd- Amerika und das Ganges kr oko di l (Ehamphostoma gangeticum)— Ib5 — in Indien sind weniger gefährlich als das Nilkrokodil. Krokodile im Kleinen oder Eidechsen im Großen, wie man will, sind die Warane, denn sie erreichen eine Länge von anderthalb bis zwei Meter. Am bekanntesten ist die Nil-Warncidechse (Monitor nilo- ticus), die im Nil selbst und in den übrigen Flüssen Afrikas lebt. Als Ruheplatz wählt sich das Tier mit Vorliebe den wagerechten Vorsprnng eines steilen Ufers. In seiner Nahrung ist der Waran nicht wählerisch, er verzehrt Alles, was er erhaschen kann: Fische, Schildkröten, junge Krokodile, Eidechsen, Frösche, kleine Säugetiere, Strandvögcl und deren Eier, Insekten n. s. w. In Indien und auf seinen Inseln lebt der ans Tafel 7 Fig. 3 abgebildete Bindenwaran (Vaianus salvator). Während der Tagesstunden sieht man ihn ge wöhnlich im Gczweigc größerer Bäume, die Flüsse und Bäche über- scharten, auf Vögel und kleine Eidechsen lauern oder Nester plündern; hierbei gestört, springt er sogleich in das Wasser. Auch in der Nähe menschlicher Wohnungen siedelt sich das Tier an und wird dann zu einem dreisten Räuber der Hühnerhöfe. Das Fleisch des Vindcn- waran wird von den Eingeborenen gegessen. Diesen großen aus ländischen Arten können wir nur unsere kleinen Eidechsen gegcnüber- stellcn, von denen zu den bekanntesten die Zaun-, graue oder ge meine Eidechse (Lacerta agilis) gehört. (Tafel 8, Fig. 1). An sonnigen Hügeln und Rainen, Mauern und Steinhaufen, in Hecken und Gebüsch des mittleren und nördlichen Europas ist das niedliche Tierchen zu finden. Auf dem Boden bewegt cs sich sehr gewandt, bekundet dagegen im Er klettern von Bäumen keine große Kunstfertigkeit. Begierig suchen alle Zauneidechsen die Wärme auf und liegen daher an sonnigen Tagen gern an sonnigen Plätzen, als ob sie fürchten, ein einziger Strahl des blenden den Gestirns konnte für sie verloren gehen. Sonnen sie sich nicht, so rennen sie geschäftig in der Nähe ihrer Höhle, irgend einer Spalte, umher, stets bereit, sich ihnen darbietende Beute zu erhaschen. Spinnen, Heu schrecken, Schmetterlinge und Küfer sind ihre Lieblingsnahrung. Furchtsam und scheu wie sie sind, verkriechen sie sich beim Herannahen eines Menschen sogleich in ihre Burg. Zahlreiche Feinde stellen dem so sehr nützlichen Tierchen nach: Falken, Eulen, Bussarde, Naben, Snmpf- uud Wasservögel, Schlangen, Wiesel, Marder und andere Räuber verspeisen es mit großem Behagen. — Eine der merkwürdigsten Formen der Eidechsen-Familie ist der fliegende Drache (Draco volans), (Tafel 7 Fig. 2) dessen Färbung und Form die Farbentafel veran-166 schaulicht. Ei' lebt in Ostindiens und ist ctit ausschließlicher Baun>- bewohncr. Das Tier klettert vorzüglich und ist ein großer Jnsektcn- jäger. Vermöge seines Fallschirms, welcher durch eine Anzahl langer, sehr beweglicher Rippen und einer darüber ausgcspaunten Haut gebildet wird, kann der Drache bis neun Bieter weit schief abwärts sich fort- schwiugeu und Jagd ans allerlei fliegende Insekten machen. Die Länge des Tierchens beträgt 20 Zentimeter. Ein, anderes, nicht minder sonderbares Geschöpf ist das Chamäleon (Chamaeleon afri- canus) (Tafel 7, Fig. 1) oder zu deutsch: kleiner Löwe. Das Tier lebt in Südspanien, Nordafrika und beu benachbarten Gebieten Asiens und erreicht eine Länge von 26 bis 32 Zentimeter. Es ist ein harni- loses und stumpfsinniges Geschöpf, das sich nur durch fauchendes Zischen und Aufblähen des Körpers zu verteidigen vermag. Seine Färbung ist einem beständigen Wechsel unterworfen und variirt in allen Schattierungen von weiß, grau, braun, rot durch gelb und grün (siche Farbentafel) bis lila und schwarz. Das Tier gilt daher als Sinnbild der knechtischen Gefälligkeit der Schmeichler und Höflinge. In der Regel sieht man die Tiere n\ kleinen Gesellschaften von drei niederzndrncken und wieder zu erheben, und erst, wenn besondere Umstände eintreten, verändern sie nicht nur ihre Stellung, sondern auch ihre Plätze. Nur die Augen und die Zunge sind in größerer Thätigkeit. Nach allen Seiten schauen die crsteren und sobald sie eine Beute bemerken, wird die lange, vorn kolbenartig gebildete Zunge hervorgeschnellt und an der, an dem Kolben befindlichen klebrigen Masse, die Beute als: Kerbtiere, Fliegen, Spinnen, Asseln, Insekten larven er. angeleimt und dann verschluckt. Als letzten Vertreter der Eidechsen bringe ich den Ge ko (Platy- bis sechs Stück ans eincinBnsche oder einer Baumkrone sitzen, unbe weglich, als wären sie dem Asteent wachsene Holz-ilactylus guttatus.) (Fig. 28.) Wie der Kuckuck stets feilten Namen ruft, so verkündet auch der Gcko dcu seiuigeu aller Welt. Seine Haut -ist mit braunroten Strichen besetzt, die weiße Tupfen tragen. Alle seine Zehen, mit Ausnahme des Daumens, tragen Nagel. Das Tier lebt in Ostindien. Eidechsen sind beschuppte oder bepanzerte Reptilien von gestreckter, runder oder abgeplatteter Körperform und ausgewachsenen oder ein gekeilten Zähnen. Alle Arten leben von kleineren Tieren, Insekten ec. .haben nie Giftzähne oder Giftdrüsen und leben meist ans Bäumen. III. Schlangen. (Serpenfes). Die Schlange gilt bei vielen Völkern als Sinnbild der Falschheit -und Tücke, als die Person des Bösen aber auch als Sinnbild der List und Klugheit. Sie ist „listiger als alle Tiere des Feldes", sagt das Alte Testament, und das Nene Testament rät dem Christen klug wie die Schlangen zu sein. Der Körper der Schlangen ist lang gestreckt und rund. Beine. Augenlider und Brustbeine fehlen ihr. Der Kopf ist mit Schildern besetzt und ihr Leib mit Schuppen. In der äußeren Form sind alle die zahlreichen Arten der Schlangenfamilie sehr übereinstimmend. Ihre Heimat ist die ganze Erde; vorzüglich an steinigen Orten, seltener auf Bäumen und im Wasser sind sie anzntrefsen. Alle sind von lebenden Tieren sich nährende Reptilien. Die kleineren Arten fressen Würmer, Insekten, Mäuse re., die größeren Vögel, Schafe, Ziegen, auch junge Hirsche und Antilopen, welche erst vorher durch Ilmschlingen oder durch Gift getötet werden. Die nicht eingelenkteic Kiefern, die vorn nicht verwachsenen Unterkieferäste, die hakig zurückgcbogenen Zähne und die sehr große Dehnbarkeit aller Rachenteilc erleichtern ihnen das Verschlingen von Tieren, welche viel dicker als sie selbst sind. Das Hinnntcrwürgen nimmt dennoch längere Zeit in Anspruch und ist mit großer Kraftanstrengung verbunden. Schlangen sind dem Menschen nur durch ihre Stärke oder durch die Giftigkeit ihres Bisses gefährlich. Das Gift wird in einer be sonderen Giftdrüse abgesondert, welche an der Zahnwurzel mündet. Beim Bisse läuft das Gift ans der Giftdrüse durch den hohlen oder gefurchten Zahn in die Bißwunde. Schon einige Tropfen können168 töten, aber nur, wenn sie ins Blut van Warmblütern fomir.ert, wo dann sogleich eine Anschwellung des gebissenen Teiles entsteht. Außer fester Nahrung nehmen die Schlangen auch Wasser zu sich; die einen Arten, indem sie cs mit Vollen Zügen trinken, die anderen, indem sie es mit der Zunge lecken. Bei herannahender Kalte oder großer Trockenheit ziehen sie sich in geschützte Schlupfwinkel zurück und verfallen in einen Zustand der Erstarrung. Oft finden sie sich dutzendweise in gemeinschaftlichen Quartieren ein und drängen sich vor Eintritt des Winterschlafes zu einem dichten Knaul zusammen. I. Giftlose Schlangen. Als ersten Vertreter der giftlosen Schlangen nenne ich die Nieseuschlange (klon constrictor), auch Königs- oder Abgottschlange genannt. Seit Meuschengedenken ist dieses Tier ein Gegenstand der Sage gewesen und was Phantasie und Uebertreibung zu bieten vermögen, das ist, sowohl in den alten, als auch in den neuesten Berichten dieser Schlange angedichtct worden. Die Länge und Stärke dieser Tiere nahm in ihnen ungeheure Dimen- sioncu an; die größten Tiere unter den Säugern erlagen machtlos diesen Schlangenriescn; sie waren zum sagenhaften Lindwurm des Waldes geworden. In Wirklichkeit erreicht diese Schlange nur eine Länge von sechs Metern und nur die größten unter ihnen sind im Stande, ein Tier von der Größe des Rehes zu verschlingen. Kämpfe Zwischen Tieger und Riesenschlange, die damit endigen, daß ersterer erwürgt und verschlungen wurde, gehören in das Reich der Fabel. Dein Menschen flieht die Riesenschlange, wenigstens sucht sic sich zu verbergen, sobald er erscheint. Bon ihm wird sie auch eifrig, verfolgt. Ein Schrotschnß genügt, um eine Riesenschlange zu töten. Die Eingeborenen essen das Fleisch, das Fett gilt als besonders heil kräftig und die Haut wird gegerbt. Die trockenen Wälder und Gebüsche des heißen Südamerikas sind die Heimat der Riesenschlange und hier bewohnt sie oft zu mehreren beisammen Erdhöhlen und Felsklüfte. Ihre Nahrung besteht aus Goldhasen, Natten, Mäusen und anderen Nagern, ausnahmsweise dagegen werden größere Säugetiere von ihr gejagt. Derselbe Erdteil,, welcher die Riesenschlange beherbergt, ist auch die Heiniat der Auakoua (Loa scytale). Während die Riesenschlange nie in das Wasser geht, hält letztere sich meist hier auf und treibt sich fischend darin umher. Außer Fischen frißt sie auch noch Kriechtiere, Lurche, Vögel, Wasser-169 sch weine, Goldhasen nnd andere kleinere Sängetiere. Badenden Menschen wird sic bisweilen gefährlich. Die Anakona wird von dm Indianern gejagd, bald mit Pfeil oder Schrot geschossen, bald einfach mit Knüppeln erschlagen. Zn den größten Niesen der östlichen Halb kugel gehören noch die Pythonschlange (Pytlion reticulatus) nnd die Tigerschlange (Python molurus), von beiden gilt dasselbe, was von der Riesenschlange gesagt wurde. Die bekannteste und ver breitetste Art der Schlangen ist die Ringelnatter (Tropidonotus natrix), auch gemeinhin Natter, Viper, Unke und Schnake genannt. Ihre Heimat ist ganz Europa, mit Ausschluß des hohen Nordens: Mit Vorliebe wählt sie feuchte Wälder, die bebuschten Einfassungen von Teichen und Sumpfen, Schilf, Binsendickicht nnd die Ufer langsam fließender Gewässer zu ihrem Aufenthaltsorte. Das Tier erreicht etwa die Länge von 1 Meter, ist oben aschgrau, unten weiß und schwarz gefleckt und besitzt einen länglichen, eiförmigen Kopf. Die Oberseite ihres Körpers ist zudem fast immer mit vielen schwarzen Flecken gezeichnet. Die ganze Färbung ist einem großen Wechsel unterworfen. Die Ringelnatter gehört zu den beweglichsten Arten der ganzen Familie. Sie klettert ziemlich gewandt nnd benimmt sich im Wasser so, als wäre dies ihr eigentliches Element. Bald schwimmt sie nahe der Oberfläche dahin, bald taucht sie ans den Grund nieder, wo sie, ohne Atem zu schöpfen, stundenlang verweilen kann. Sie ist ein ganz- harmloses nützliches Tier, welches sich von Fröschen, Molchen, Kaul quappen nnd Fischen nährt. Kommt der Herbst in das Land, so bezieht die Natter ihr Winterquartier, welches sie an sonnigen Tagen im Monat März verläßt. Außer der Ringelnatter erwähne ich kurz die hierher noch ge hörende, giftlose einheimische Zorn- oder Schlingnatter (Colubcr levis). Dieselbe besitzt eine rötlichgraue, in's grünliche gehende Grund farbe, zwei Reihen brauner Rückenflecken nnd einen fast hufeisenför migen Nackenfleck. Alle giftloseir Schlangen besitzen im Kiefer keine durchbohrten Zähne. II. Giftschlangen. Etlva 150 Arten der Schlangen sind von der Natur mit Giftzähnen ansgestattet, und diese Arten sind, je nach Auf-170 enthalt imb Naturell, für dm Menschen mehr oder weniger gefährlich. Die giftigen Schlangen genau nach ihrem Neustem zu bestimmen, ist nicht möglich, selbst ganz genaue Beschreibungen können hier nicht vor Verwechselung schützen. Das Gift der Schlangen besteht in einer speichelähnlichen, klaren, gelblichen oder auch grünlichen Flüssigkeit, die von besonderen Drüsen abgeschieden wird rmd in geringer Menge dcni Blute mitgcteilt, ge nügt, das Leben zu gefährden. Die Schlange kann die Giftzähne be liebig aufrichteu und znrncklegen. Sie sind sehr hart und spitz und durchdringen weiche Gegenstände fast mit der Leichtigkeit einer Nadel. Je nach Art und Alter der Schlange, Temperatur, Jahreszeit, Art und Konstitution des Gebissenen, äußern sich die Wirkungen des Schlangenbisses verschieden. Kaltblütige Tiere sind im Allgemeinen weniger empfindlich, und Schlangen einer und derselben Art scheinen sich ohne Nachteil beißen zu können. Nach dem Biß wird der Körper sogleich von einem fürchterlichen Schmerz durchzuckt, in anderen Fällen ift nichts davon zu spüren und tritt nur allmählich, Körperschwäche ein. Hieran schließen sich meist Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Blutungen ans Nase, Mund und Ohren, Blindheit oder Taubheit, Ohnmächten, Schläfrigkeit, bleiches Aussehen und Körperkälte an, bis dann schließlich allmählich die Lebensthätigkeit erlöscht. Zersetzt sich das Blut durch den Biß nur langsam,, so schwillt das gebissene Glied und oft auch nachher der ganze Körper zu einer unförmigen Masse an und der Verwundete hat dann einen rasenden Schmerz zu ertragen, von dem ihn nur der Tod erlöst. Wird dieser oder jener Mensch auch geheilt, so machen sich doch oft Jahre hindurch noch qualvolle Nachwehen geltend. Heilmittel gegen Schlangenbisse giebt es zahlreiche, jedoch sind die wenigsten zuverlässig. Sofortiges Aussangcn der Wunde und Ausschneiden oder Ansbrennen des gebissenen Teiles, das Unterbinden der Wunde oberhalb derselben, sowie der Genuß von Spirituosen, sind die zuverlässigsten. Daß es sehr nötig ist, sogleich einen Arzt her- beizuziehcn, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. In der Kreuzotter (Vipern boms), (Fig. 29.) auch Feuer-, Kupfer- oder Höllennatter genannt, besitzt Deutschland eine sehr ge fährliche Giftschlange. Die Verbreitung dieses Reptils ist ganz Europa, nnt Ausnahme des hohen Nordens und des äußersten Südens, ancb zeigt sie sich in einem großen Teile Asiens und steigt im Gebirge bis*250 Meter empor, wo sic volle Dreiviertel des Jahres im Wiuter- schlafe zubriiigcii muß. Von deil übrigen Schlangen unserer Heimat unterscheidet sich die Kreuzotter durch den breiten, stark abgesetzten, dreieckigen Kopf, den dünnen, seitlich etwas zusammengedrücktcn Hals, von dem der Leib sich bis zur Körpermitte allmählich verdickt, nin von hier in den verhältnismäßig kurzen, hu letzten Drittel dünnen Schwanz anszu- lanfcn. Die Länge des Tieres betrügt etwa 00 bis 70 Zentimeter, wovon der Schwanz etwa den 6. bis 8. Teil ausmacht. Die Färbung des Männchens in lichten, die des Weibchens in dunklen Farbentönen schattiert, zeigt bei erstercin weiße, silbergraue, meergrüne, lichtgelbe, bei letzterem branngrane, ölgrüne, rotbraune, . ^igSfh'e^ der Mitte des hier ans ans die Scheitels stehen ^ StcU5Dltcr ' Scheitelmitte zu laufen, dann sich wieder von einander entfernen, nach hinten "ein deut liches Dreieck bildend, dessen Winkel nach vorn sich richtet. Von dieser kreuzartigen Zeichnung erhielt die Otter ihren Namen. Die Kreuzotter tritt am häufigsten ans Haide- und Moorboden, an steinigen, bebuschten Halden und in Waldlichtungen auf, wo sie genügend Jagdwild und Gelegenheit findet, tagsüber in der Sonne zu liegen. Als Zufluchtsort dient ihr irgend eine Höhle im Gestein, im Erdreiche oder unter Baumwnrzeln. Erst wenn die Dunkelheit sich auf die Landschaft hcrabsenkt, wird sie lebhaft und geht auf Beute ans. Diese setzt sich vorzugsweise aus Mäusen, Spitzmäusen jungen Maulwürfen und ans Vögeln zusammen. Am zahlreichsten fallen Erd- oder Ackermäuse diesem Schleicher zum Opfer. - Im süd westlichen Europa, von Kärnten, Südtyrol und der Schweiz an, tritt neben der Kreuzotter die Viper (Vipern ammodytes) auf. Sie unter scheidet sich von der vorigen hauptsächlich durch das Fehlen des Zick zackbandes, welches durch nuzusammenhängende dunkle Flecke ersetzt ist. In der Schweiz hat sie die stärkste Verbreitung, ohne indessen dort häufig zu sein; sie ist ebenso gefährlich, wie die Kreuzotter. Weit172 gefährlicher als diese beiden Arten ist die Brillenschlange (Naja, tripudians) (Tafel 7, Fig. 4) Südasiens nnd der benachbarten Inseln. Ihre Form nnd Körperfarbe giebt die Tafel wieder, so daß ich die Beschreibung übergehen kann. In der Wahl ihres Wohnortes macht sich die Brillenschlange keine große Sorge; denn sie richtet sich ganz nach der Menge der vor handenen Nahrung, die aus Mäusen, Natten, Bogeln, Echsen und Fröschen zu bestehen scheint. Hierbei stellt sie sich auch in den mensch lichen Wohnungen ein, obwohl sie sonst den Menschen eher flieht als anfsucht. Ihre Bewegungen auf dem Boden sind rasch, ihr Schwimmen ist vorzüglich und auch im Klettern besitzt sie einige Gewandtheit. Gerät das Tier in Wnt, so richtet es beit Oberkörper senkrecht empor, hält den Kopf wagerecht nach vorn nnd dehnt den Hals, mit Hilfe der sehr beweglichen Nippen, zu einem breiten Schilde aus. (Siehe Tafel.) Ihr Biß ist sehr gefährlich,nnd deshalb wird die Schlange allgemein gefürchtet, und um so größeres Aufsehen haben seit alter Zeit die Künste erreicht, welche orientalische „Zauberer" mit diesen Tieren ansführen. Ebenso gefährlich wie die Brillenschlange ist die Klapperschlange (Crotalus horridus) Südamerikas. Das Tier ist graubraun, oben mit schwarzbraunen, weißlich gesäumten Rantenflecken gezeichnet und trägt eine, ans hornigen Anhängseln gebildete Klapper am Schwänze, welche bei raschen Bewegungen ein eigentümliches Geräusch hervorbringt. Der Biß der Klapperschlange ist sehr gefährlich,, besonders unmittelbar nach Beendigung des Winterschlafes und im Hochsommer. — Auch das Meer beherbergt einige Arten von Schlangen, von denen ich die bekannteste, die zweifarbige Seeschlange (Pelamys bicolor) kurz nenne. Sie ist oben schwarz nnd unten gelb und findet sich zahlreich im Meere bei Otaheiti. Bei den Giftschlangen ist der Oberkiefer mit hohlen oder ge- surchten Giftzähnen besetzt. Diese Zähne sind sehr hart nnd können beliebig aufgerichtet und znrückgelegt werden. Schlangen sind Reptilien, deren Körper langgestreckt, walzen förmig, beschuppt oder beschildert ist. Brustbein, Schnltergürtel und Gliedmaßen fehlen diesen Tieren. Ihre Augen sind ohne Lider. Sie besitzen verschiebbare Kiefer- und Gaumenknochen, eine gespaltene, vor streckbare, in einer Scheide bewegliche Zunge. Zahlreiche, an Kiefermid Gaumen angewachsene Zähne, teils volle Hakenzähnc, die nur zum Festhalten der Beute dienen, teils hohle oder gefurchte Haken- Zähne, s. g. Giftzähne. Das durch Druck der Schläfenmuskeln aus der Giftdrüse ausgeprcßte Gift fließt durch die Höhlung des Zahnes beim Biß in die Wunde und ruft hier eine Blutvergiftung und damit Lähmung der Atmungsorgane und Herzmuskeln und endlich den Tod hervor. Die Mehrzahl der Schlangen, besonders die Giftschlangen, haben ihre Heimat in den Tropen. Alle Arten nähren sich meist von kleinen Wirbeltieren, die sie ganz verschlingen. IV. Lurche (Ampliibia). Die Amphibien bilden das Bindeglied zwischen den Reptilien und der folgenden Ordnung, beit Fischen; denn die aus dem Ei kommende Larve lebt im Wasser und atmet durch Kiemen wie der Fisch; erst nach und gewöhnt sie sich an das Leben in der Luft und atmet nach beendigter Verwandlung durch Lungen. Die zahlreichen, mit Schleim umgebenen Eier werden in Klumpen (bei den Fröschen) oder an Schnüren (bei den Kröten), oder einzeln (bei den Wassermolchen) meist ins Wasser abgelegt. Nur der Erdmolch und der Olm bringen lebende Junge zur Welt. Die aus den Eiern kriechenden Jungen sind im Anfänge gänzlich an das Wasser gebunden, haben keine Beine, sind fischähnlich und schwimmen mit Hilfe ihres Nuderschwanzcs und atmen durch äußerliche Kiemen an den Seiten des Halses, bis die Lungen allmählich ansgebildet, die äußeren Kiemen verschwunden sind und auch der nicht von Knochen gestützte Schwanz und hornige Schnabel sich verloren und die Beine sich entwickelt haben. Die Ver wandlung der Tiere nimmt gewöhnlich nur wenige Wochen oder Monate in Anspruch, desto länger dauert dagegen das Wachstum des vollkommenen Tieres. Die meisten Lurche sind Nachttiere und verbringen den Tag in träger Ruhe. Ihre Nahrung besteht in der ersten Jugend meist ans Pflanzenstoffen, später ans allerlei kleinen Tieren, besonders Insekten und Würmern, die imzerstückelt verschlungen werden. Mit Anbruch des Winters ziehen sich die Lurche in Erdlöcher, hohle Baumstümpfe, unter Baumwnrzeln oder in den Snmpfschlamnl zurück und verfallen hier in einen todesähnlichcn Schlaf, aus dem f'- der Frühling mit seinem Sonnenschein erweckt.1. Frvschlurchc (Eoaudata) Einer der zierlichsten, gewandtesten und beliebtesten aller Lurche ist der Laubfrosch (Hyla arboreä), (Tafel 8, Fig. 3), der Wetterbestinuner der Landleute. Sein nur vier Centiineter langer Körper zeigt auf dein Rücken eine grüne, mir Bauche eine weißliche oder bräunliche Färbung und von den Nasen löchern bis zu den Hinterbeinen einen schwärzlichen Streifen. Die Spitzen seiner Zehen sind zu kleinen Sangnäpfchen, sogen. Haft scheiben erweitert und die Zehen der Hinterfüße durch halbe Schwimm-, häute verbunden. Jin Frühjahre sehr früh erscheint unser Laubfrosch und seine Stimme übertönt die aller anderen Frösche. Die Farbe seiner Oberseite ist übrigens sehr veränderlich und stellt sich mit der jenigen der Umgebung dermaßen in Einklang, daß das kleine niedliche Tier, selbst wenn es sein goldhelles Quaken ertönen läßt, ungemein schwer zu entdecken ist. Bei schönem Wetter sitzt der Laubfrosch mit Borliebe auf der Oberseite der Blätter, bei nassem an der Unterseite derselben. Hält das Regenwetter lange an, so flüchtet er sich ins Wasser, wo er sich mit derselben Meisterschaft bewegt wie ans dein Trockenen: er springt, klettert und schwimmt gleich gut. Die Nahrung des Tieres besteht aus Fliegen, Käfern, Schmetterlingen, glatten Raupen x. Bedeutend größer als der Laubfrosch, der größte aller heimischen Frösche überhaupt, ist der grüne Wasserfrvsch (Unna, eseulorcka). Tie Oberseite seines eckigen Körpers ist grün mit schwarzen Flecken und drei gelben Längsstreifen versehen; die Unter seite weiß. Das Tier bewohnt fast alle Teiche und Sümpfe und ihm verdanken wir das Hauptkonzert des Frühlings. Meist beginnt bei diesem Cantus ein alter, würdiger Borsänger mit tiefer Stimme das Lied, einer fällt hier, ein anderer dort ein, immer mehr und mehr schließen sich an, und endlich schallt es empor zu den Sternen, ein Lied zum Verzweifeln. Besonders in Holland hängt so ein Lied wie ein Tonschleier meilenweit über das Land und braust mit elementarer Gewalt gen Himmel. Aber so vortreffliches unsere Tcichfrösche auch schon im Gesänge leisten, von ihren amerikanischen Verwandten werden sie doch noch übcrtroffen. Unter diesen steht obenan der Ochsen frösch (Kana catesbyana), dessen „Gebrüll" mit rührender Ansdauer ganze Nächte hindurch erschallt und nervöse Menschen zur Verzweiflung bringen kann. Das Tier bewohnt den Osten der Union und wird mehr als 20 Zentimeter lang. Den Uebergang von den Fröschen zu den Kröten vermittelt die Unke oder Feuerkröte (Kombinator igneus)..(Tafel 8, Fig. 4). Sie ist die kleinste aller unserer Kröten, nur 4 Zentimeter lang, oben dunkelgrau oliveugrüulich, unten orange- gelb blaßblan gefleckt. Sie bewohnt mit Vorliebe kleine Tümpel, Pfützen und Anslaufgräben, ans deren trüben Wasser sie den Kopf hervorstreckt, ruhig auf Beute lauernd. Besonders nach einem warmen Regen findet mau sie im Mai und Juni fast in jedem Bache. Ist sic int Wasser, so ragen nur die Augen und die Naselöcher über dein Spiegel desselben hervor. Ihre Stimme ist ein melancholisches, lang gezogenes „Unk, unk, unk!" Von den eigentlichen Kröten nenne ich nur die,Erdkröte (Lato cinercus). Alle Kröten unterscheiden sich von den Fröschen hauptsächlich durch den Mangel an Zähnen, die gedrungene plumpe Gestalt, die fast gleich langen Beine und die warzige, ungemein drüsenreiche Haut. Seit altersher waren sic als „Geschöpfe des Teufels" verschrieen und galten als äußerst giftig. Wohl kein Geschöpf hat unter dem Abscheu des Menschen mehr zu leiden gehabt und keines ist mit mehr Unrecht verfolgt worden, als die allerdings sehr häßliche, aber harmlose, sehr nützliche Kröte. Die Erdkröte ist die verbreitetste ihrer ganzen Familie. Sie ist lcicbr kenntlich durch die stark warzige Haut, den rotbraunen oder dunkel- schmntziggrüncn Rücken, den schmutzigweißen oder gelben Bauch und die sehr stark hervortretenden Ohrendrüsen. Ueberall findet sie sich in Wäldern und Feldern, Wiesen und Gärten, in Hecken und Gebüschen, Kellern, Mauerspalten, Höhlen und Erdlöchern, unter Steinen, kurz an allen feuchten, schattigen Orten, wo sie nicht den Strahlen der Sonne ausgesetzt ist. Erst mit Anbruch der Dämmerung wagt sie sich ans ihrem Verstecke hervor, um ans Würmer, Fliegen, Wespen, Spinnen, Käfer, besonders ans die in Gärten sehr schädlichen Nackt schnecken Jagd zu machen. Die Drüsen der Oberhaut sondern einen scharfen Saft ab, der , jedoch nicht giftig ist. Gleich anderen Lurchen bringt auch die Erdkröte den Winter über in Erstarrung zu, nachdem sie sich in ein natürliches trockenes Versteck, oder in eine selbstgegrabene Erdhöhle zurückgezogen hat. Die Froschlurche besitzen einen kurzen, breiten, in vollkommen entwickeltem Zustande schwanzlosen Körper mit vier ansgebildeten Beineu. Ihre Zunge ist meist vorn angewachsen. Die Tiere machen eine Verwandlung durch: Ei, Kaulquappe, Frosch. (Siehe Tafel 8. :176 Die Larve (Kaulquappenform) ist geschwänzt, atmet im Anfänge durch äußere Kiemen, dann durch innere Kiemen und Lungen und endlich, wenn sie sich zum Frosch entwickelt, durch letztere allein. Alle Arten 'sind doppellebig: im Wasser und ans dem Lande. 2. Schwanzliirche (Caudata). Die Schwanzlurche, auch einfach Molche genannt, sind in höherem Grade Wasserbewohner als die Frosch- lurche. Von diesen unterscheiden sie sich besonders dadurch, daß bei ihnen bei der Verwandlung die Vorderfüße erst erscheinen und daß sie den langen Schwanz behalten; ihr Körper ist eidechsenähnlich. Die am meisten befabelte Art dieser Familie ist der Feuersalamander (8ala- mandra maculata). Er ist ganz scheußlich auszuschauen, meinte der alte Geßner*) und Plinins**) behauptet von ihm unter anderm, er könne ganze Völker vernichten und sämtliche Früchte eines Baumes verwüsten. In der That könnte der Feuersalamander auch kaum eine auffallendere Färbung und Zeichnung besitzen, wie er sie aufweist. Die dottergelben Flecken auf schwarzem Grunde leuchten förmlich und das Schwarz und Gelb besitzt einen Glanz, als sei das Tierchen frisch lackirt. Der Feuersalamander oder kurz Salamander ist ein nächtliches Tier; er liebt besonders feuchte Waldungen, wo man ihn unter Steinen, in Löchern, im Moose, unter faulem Laube und anderen ähnlichen Orten, im Frühling aber auch in Lachen finden. Während eines warmen Regens findet man ihn im Gebirge zahlreich auf allen Wegen. Die Nahrung des kleinen Tierchens besteht in kleinen Schnecken, Insekten und Würmern. Nicht soviel Landtier wie der Salamander, findet sich der Wassermolch (Triton palustris) hauptsächlich im Wasser. Stehende Gewässer, besonders Sümpfe und Teiche sagen ihm am meisten zu. Hier schwimmt er mit Hilfe seines breiten Nuderschwanzes munter umher und zeigt überhaupt eine viel größere Beweglichkeit als der Salamander. Trocknen im Sommer die Sümpfe und Tümpel aus, so verlassen die Tritouen ihre Heimat, um tiefere Gewässer auf- zusuchen oder unter Steinen und Löchern einen ausgiebigen Regen abzuwarten. Nicht übergehen kann ich hier ein merkwürdiges Tier, welches ausschließlich in den unterirdischen Gewässern Krains (Oesterreich) ins- *) Naturhistorischer Schriftsteller bcö Mittelalters. **) Naturhistoriker im Altertum.Tafel VIII. 1. Sumpfschildkröte, 2. Zauneidechse, 3. Laubfrosch, 4. Feuer kröte, 5. Wasserschwirrfliege, 6. Weinbergschnecke, 7. Moos schnecke, 8. Entwicklung des Frosches.besondere in der berühmten Adelsberger Grotte aufgefunden wird. Es ist dieses der Olm (Proteus anguinus). (Fig. 30.) Das Tier ist bon walzenförmiger, schlanker Gestalt nnd 20 bis 30 Zentimeter lang. Sein Körper ist blcichrot. Die Schnauze abgestutzt, die äußeren Kiemenbüschcl tiefrot. Die weit voneinander abstehenden schwachen Füße tragen an den vorderen drei, an den Hinteren zwei Zehen. Die Augen sind sehr klein, unvollkommen entwickelt und vollständig unter der Kopfhaut verborgen. Nach starken Regengüssen, wenn die Höhlen gewässer des Karstgebirges mächtig anschwellen, wird der Olm nicht selten nach außen geführt nnd kommt dann in diesem oder jenem Tümpel zum Borschein. Er ist die einzig wahre Amphibie Europas, da er Lungen und Kiemen zugleich besitzt, aber ohne Wasser nicht leben kann. Schwanzlurche sind Amphibien mit langgestrecktem, geschwänzten Körper, der äußerlich au die Eidechsen erinnert; die vier kurzen Be:ne, von denen bei der Verwandlung zuerst die Vorderbeine entstehen, sind gleich lang. Die Larven atmen im Wasser zunächst durch Kiemen, dann durch diese und Lnngeit nnd als Landtiere durch letztere allein. Lurche sind Wirbeltiere mit rotem, kalten Blut, welche in der Jugend (im Larvenznstande) durch Kiemen, als entwickelte Tiere durch Lungen atmen nnd deren Haut meist nackt ist. Sie besitzen nur eine einfache Herzkammer; einen unvollständigen doppelten Blutkreislauf nnd pflanzen sich durch weichschalige Eier fort. Die Jungen machen eine Verwandlung durch. V. Zische (Pisces). Die Fische bilden die letzte und niederste Klasse der Wirbeltiere. Ihr Körper ist im Allgemeinen spindelförmig, allein auch an zahl reichen' Ausnahmen und phantastischen Verzerrungen fehlt es nicht. 12 Ta? Tikrreich.Bald ist bei Leib schlangen- ober wnrmähnlich, bald plattet er sich seitlich ab, sobasi er bandförmig erscheint, oder er zieht sich auch in der Längsausdehnnng zusammen und rundet sich hierdurch zur senk- rechtstehenden Scheibe, drückt sich vrn oben nach unten nieder, ver breitet sich in wagerechter Richtung und setzt seitlich noch flügelartige Anhänge an; einzelne Teile werden sehr lang, wandeln sich unförmig um, verdrehen und verzerren sich, andere verschmelzen miteinander, andere verschwinden gänzlich. Keine andere Klasse der Wirbeltiere zeigt so einen verschiedenen Ban, wie die Fische. Wie die äußere Gestalt, so zeigt auch die Färbung des Körpers eine große Ver schiedenheit. Dieselbe übertrifft, oder wenigstens, sic ist den Korallen und Seeanemonen gleich. Manche Fischarten zeigen Silber- oder Goldglanz, andere schimmern wie Edelsteine. Das Skelett der Fische besteht gewöhnlich ans Knochen, welche bei vielen Arten aber fasrigknorplig oder auch ganz knorplig bleiben; nur bei einigen Arten ist das Skelett sehr weich. Das Kops- skclett besteht bei den Knochenfischen ans zahlreichen, lose verbundenen Knochen. In der Hauptsache setzt es sich aus der Schädelhöhle, deni Kiefernapparat und dem Kiemcngcrüst zusammen. Die Kiefer, Obcr- und Unterkiefer, bestehen aus mehreren Teilen und sind mit einander durch das Quadcrbein beweglich verbunden. An der Unterseite des Schädels liegt vorn das Zungenbein, au das sich der Kieinenapparat anschließt. Das innere Kiemengerüst besteht aus Knochenbvgen, welche an der Unterseite des Schädels zwischen den Kiefern und den Deckeln auf- gchängt sind und eine Art Korb bilden, der das Maul seitlich begrenzt, wie die Rippen den Verdauungskanal. In der Gegend des Hinteren Kiemengerüstcs setzt sich der Knvchen- gürtel an, welcher die Brustflossen trägt. Auf den Kiefern, Gaumen- und Schlnndknochen u. s. w. der Fische sitzen zahlreiche Zähne nie in Höhlen wie bei beit Säugetieren, sondern stets angewachsen. Ihre Form ist meist mcißel-, kegel- oder hechelartig, dreieckig. Die längeren, spitzigen nennt man Fangzähne, die kürzeren breiten, Mahlzähne. Die Wirbelsäule wird aus einer großen Zahl (17—200) Rücken- und Schwanzwirbcl gebildet. Jeder Wirbel sendet nach oben einen zweischenkligen Fortsatz, so daß alle zusammen einen oft unterbrochenen Rückenmarkskanal bilden. Von den Wirbelkörpern gehen bogige Rippen179 aus, welche die Bauchhöhlen an beiden Seiten begrenzen, aber nach nuten nicht abschließen. Das Brustbein fehlt stets. An dieses Knochengerüst legt sich jcderscits ein großer, den ganzen Korber cinnclnnender. in einzelne Blätter zerfallender Muskel, mit welchem die Fische die Ortsbewegungen ausführen, ferner noch kleine Muskeln für die Bewegungen der Flossen, Kiefern und Kiemen. Das Muskelfleisch ist bei beit meisten Fischen weiß, kurzfaserig, nicht selten von Fett durchsetzt. Außer den Nippen zeigen die meisten Knochenfische noch kleine gabelige O-förmige Gräten, die zwischen den Muskelbändern liegen und Berknöchcrungen der sehnigen Teile sind. Von den inneren Organen sind zuerst die Atmungsorgane be merkenswert. Die mit vielen Blutgefäßen durchgezogenen, aus kamm- förmig aneinander gereihten Blättern, seltener aus buschigen Fäden, bestehenden Kiemen stellen dieselben vor. Sic liegen am Hinterkopfc nnd sind an bogenförmigen Knochen, Kiemenbögen, befestigt. Die Kiemen sind meist mit einem Deckel bedeckt, dessen dem Augenhöhlen rand zunächst liegender Teil der Vorderdeckel genannt wird oder sic sind an der äußeren Haut festgewachsen, welche dann die Decke bildet nnd äußerlich Spalten zeigt, die in die Kiemenhöhle führen. Der Atmnngsprozcß ist folgender: Der Fisch atmet, indem er das Wasser mit der demselben mechanisch beigemengtcn atmosphärischen Luft verschluckt, den Mund schließt nnd das Wasser, nachdem der Sauerstoff aus der beigemengten atmosphärischen Luft an das Blutgefäßnetz der Kiemen blätter abgegeben ist, wieder bei geöffneten Kiemendeckeln durch die weiten Oeffnungen zwischen den Kiemen hinausgetrieben wird. Manche Fische begnügen sich freilich nicht mit dem im Wasser gelösten Sauer stoff, sondern kommen von Zeit zu Zeit an die Oberfläche, um hier Luft zu schnappen. Der Blutkreislauf des Fisches ist sehr einfach. Das Herz besteht stets nur ans Vorhof und Herzkammer. Das abgenutzte (venöse) Blut wird ans dem Herzen in die Kiemen getrieben, nimmt hier unter Abgabe von Kohlensäure Sauerstoff ans nnd gelangt nun direkt in alle Teile des Körpers, von wo es ivicder in das Herz zurückkehrt. Die Kraft und Schnelligkeit des Blutstromes ist nur gering, da er während eines ganzen Umlaufes nur einmal angetrieben wird, während er bei den übrigen Wirbeltieren zweimal das Herz passiert. Die Temperatur 12*180 des Blutes richtet sich nach der des Wassers, beträgt jedoch immer einige Grade inehr als dieses. Bei dem Nervensystem überwiegt das Rückenmark an Masse das Gehirn bei weitem. Am leistungsfähigsten von den Sinnesorganen ist das Gesicht, weniger gut sind Geschmack und Geruch entwickelt. Das Auge stimmt im Großen und Ganzen mit demjenigen der höheren Wirbeltiere über ein, ist jedoch bei den Bewohnern der Ticfsee sehr groß. Das Ohr besteht ans einigen häutigen, mit Flüssigkeit und mehreren Gehör- steinchcn erfüllten Säcken und halbkreisförmigen Kanälen. Ein äußeres Ohr, Gehörgang, Trommelfell und Gehörknöchelchen fehlen bei den meisten Arten; nur bei Rochen und Haien ist die Lage des inneren Ohres durch eine Vertiefung angedeutet. Die Fische gehören als Nahrungs-, Gewinnnngs- und Handels- gegcnstände zu den wichtigsten Naturprodukten. Sic liefern eine meist gesunde Nahrung und sind daher so allgemein nützlich, daß nicht nur ganze Nationen fast einzig auf Fischnahrung beschränkt sind, sondern daß auch Fang, Zubereitung und Handel mit ihnen für Tausende von Menschen einen bedeutenden Nahrnngszwcig bilden. A. Knochenfische (Telcostei). I. Bruft-Stach»lflosser (Thoracici). 1. Barsche (Percidae). Tie Barsche sind Stachelftosser. Der längliche, stark znsammengedrücktc Körper ist mit Schuppen bedeckt, welche am Rande gezähnt sind; die breiten Kiemcndeckel sind ebenfalls gezähnt oder gedornt. Tie Vauchflosscn stehen an der Brust; Rücken flossen sind zwei vorhanden. Alle Barsche sind gierige Räuber, die sich von Fischen und deren Laich, von Fröschen und anderen Tieren nähren. Der würdigste Vertreter dieser ganzen Familie ist der Fluß barsch (Pci'ca fluviatilis). Die Hanptfarbe desselben ist grünlich. Ter Rücken trägt 6 bis 7 schwärzliche Querbinden; die Schwanzflosse und die paarigen Flossen sind rötlich. Das Tier bewohnt fast alle Flüsse und Seen Deutschlands, mit Ausnahme der Gebirgsgcwässer; die stark fließenden Stellen der Flüsse vermeidet er jedoch. Er schwimmt sehr schnell, aber stoßweise, lebt gewöhnlich gesellig und verschont sogar seinen eigenen Laich nicht. Dieser wird im Frühling in Schnüren an Steinen und anderen harten Gegenständen abgesetzt. Der Zander— 181 oder Sander (Luciopera Sandra) und der Kaulbarsch (Acerina cemua) sind zwei weitere Barsche unserer deutschen Gewässer, nament lich Mittel- und Norddcutschlands. Sie stimmen mit dem vorigen in der Lebensweise überein. 2. Nmbcrfische (Salaenoidei). Zu den Umberfischen gehört der Seeadler (Sciaena aquila) mit seinem silbergraucn Schnppcnklcide und den rötlichen Flossen. Er lebt im Mittelmeer und wird noch jetzt wie ehemals zur Zeit der Römer, sehr geschätzt. Ter Kopf gilt als Leckerbissen. Auch den gestreiften Trommelfisch (Pogonias fas- ciatus), der hierher gehört, will ich noch kurz erwähnen. Er findet sich noch häufig an der Küste des Mittelmeeres und ihm wird das an haltende Trommeln, welches die Schiffer im genannten Gewässer zu weilen unter den Schiffen hören, zugeschrieben. 3. Makrelen (Scomberoidei). Ein Hauptvertreter der Makrelen ist der Thunfisch (Scomber thynnus). lFia. 31). Was für den Norden der Kabeljau, das ist Fleisches wegen ver- er für das Mittel- ^ folgt wird, erreicht meer. Dieser gewal- unter günstigen Um- tige Fisch, der größte, * ständen ein Gewicht welcher seines ai - Thunsffch. px>n mehr als zehn Zentnern und mehrere Bieter Länge. Mit ihm an Größe wetteifert der seit Alters her viel genannte, durch seinen oft über meterlangen, schwertförmigen Oberkieferfortsatz bekannte Schwertfisch (Xiphias gladius). Das Tier wird zwei bis fünf Meter lang und etwa acht Zentner schwer. Das Fleisch, be sonders das der jüngeren Tiere, ist wohlschmeckend und bildet eine beliebte Speise an den Mittelmeerküsten. Allen Schiffern bekannt ist der gemeine Pilot (Naucratcs ductor). Er ist bläulich-weiß und trägt drei breite, dunkelbraune Querbinden. Er verfolgt die Schiffe in Begleitung der Haie, für deren Führer ihn die Schiffer halten und daher Lootscnfisch nennen. 4. Stachclschwänze (Teuthidae). Bon den Stachelschwänzen nenne ich kurz den Schnäppcrfisch (Acanthurus chirurgus). Er ist gelb lich und trägt bräunliche Qnerbindcn an den Seiten. Seine Heimat ist das Antillen-Mecr. Im roten Meere dagegen lebt der hierher ge-hörende Nashornfisch (Naseus fronticornis). Er ist oben bläulich-, unten gelblichgrau. Seine Stirn ist in ein stumpfes Horn verlängert. 5. Schuppenflofscr (Squamipennes). Zu dieser Familie gehörend nenne ich nur den Spritzfisch (Chelmon rostatus). Er ist gelblich- weiß, mit fünf braunen, weißlich gesäumten Querbinden und einem Augenfleck auf der Rückenflosse. Das Tier lebt von Uferinsekten. Die über dem Wasser schwebenden Tiere werden von dem Spritzfisch mit einem Wasserstrahl ans dem schnabelförmigen Maule herabgezogen und dann verzehrt. 6. Landkriecher (Olmrsobatach. Unter ihnen ist der bekannteste der Kletterbarsch (Anabas scandens). Der Fisch ist oben grünlich, unten gelblich und sehr schleimig. Er findet sich in den Süßgcwässern Ostindiens und wandert beim Austrocknen der Gewässer in andere. Findet er nicht genügend Wasser, so gräbt er sich in den eingetrockneten Schlamm ein und wartet geduldig auf Regen. Gefangene Tiere sollen fünf bis sechs Tage lang in trockenen Gefäßen sich lebend erhalten haben. Die Angaben früherer Reisenden, in welchen diese sagen, der Barsch verließe häufig sein nasses Element und klettere auf Palmen, um hier Insekten zu fangen, scheinen nach neuen Beobachtungen nicht glaubwürdig zu sein. 7. Harder (Mugiloidei). Schmackhafte, truppenweise in Flüsse steigende Mcerfische sind die Harder, deren bekannteste Art die breit- köpfige Meeräsche (Rlugil cepbalus) ist. Dieselbe ist bläulichgran, mit mehreren bläulichen oder goldigen Längsstreifcn. An der Süd küste Frankreichs werden die Tiere in solcher Menge gefangen, daß sie eingesalzen die gewöhnliche Fastenspeise liefern. Sehr gemein im Mittelmeer, besonders in den Kanälen.Venedigs häufig, ist der ge meine A ehren fisch (Atherina hepsetus). Seine Hauptfarbe ist gelblich, schwarz punkiert, 8. Lippfische (Labroidei). Einige ZU den Lippfischen gehörende Arten führe ich kurz an und beginne mit dem Meerjunker (Labras Julis). Derselbe ist blaugrün und jederseits mit einer breiten, orange- gelben Zickzackbinde versehen. Er lebt im Mittelmeere. Ein im ost- indischen Meere lebender Vertreter ist das Sechsange (Xyriehthysfjcntadactyla). Dasselbe ist am Nücke,I bräunlich, an den Seiten weiblich, die Nücke»flössen orange eingefaßt. Hinter de» Auge» und am Bauche stehen fünf blaue Augeuflcü'e. Ich komme nun zur letzten Familie der Brnst-Stachclflvsser-Arten, zu-den 9. Meerbrassen (Späroidei). Zu ihnen gehört die Goldbrasse oder Dorade (Chrysoplirys aurata) des Mittelmceres, die schon bei den Alten als sehr schmackhaft bekannt war. Sie ist silberfarben und trägt viele goldige Läugsstrcifcu. lieber dem Auge steht ein halb mondförmiger Goldstreifeu. Als letzten neune ich den Farben- Wechsler (Alaona vulgaris). Derselbe ist grau, die Seiten mit schwärz lichem Spiegelfleck. Im Winter ist das Tier fast weiß. Es lebt wie die Dorade im Mittclmeer. Bruststachelflosser sind Fische mit Nückenflosse, die ganz vder pn, Teil mit einfachen, ungegliederten Stachelstrahlen, welche zuweilen ganz freie Strahlen ohne Hantverbindnng bilden, versehen sind. Die Tiere sind meist Bewohner tropischer Meere. IS. Kchlstachelflosscr (Jugulares). 1. Panzcrwaugcn (Trigloi'dei). Die am meisten bekannte Art der Panzerwangen des Meeres ist- die Seeschwalbe oder der Knnrr- hahn (Ttigia hirundo). Die Hanptfarbe des Tieres ist bräunlich; die Brustflossen schwarzblan. Das Tier läßt beim Ergreifen einen knurrenden Ton höre», schwimmt schnell und macht große Sprünge hierbei. Den Binnenländern besser bekannt ist der hierher gehörende Stichling (Gasterosteus aculoatus). Er hat vor der Nückenflosse nur drei Stacheln, wahrend der etwas kleinere Zwergstichling - Gasterosten» pungitius) deren 9 bis 1k besitzt. Die Farbe beider ändert sich zur Zeit der Fortpflanzung, nnd die beiden Seiten des Körpers, welche beim gemeinen Stichling mit 13 bis 20 Schiemen bedeckt sind, sowie Brust nnd Bauch, schimmern dann im schönsten Not oder Nosa. Tie Männchen der Stichlinge bauen eigentliche Nester von dcr Größe einer Wallnuß und verwenden als Baustoffe Würzelchen, Halme, kleine Neiscr n. dergl., die sie mit einem klebrigen Schleim mit ein ander verbinden. Schon die für den Nestbau ansgewählte Stelle wird von dem leicht erregbaren Männchen mutig verteidigt; mehr noch gilt184 dies aber vom Nest und der Brut. Sind die Jungen nach 12 bis 14 Tagen ausgeschliipft, so werden sie noch solange auf's treuste be wacht und verteidigt, bis sie sich selbst überlassen werden können. 2. Froschfische (Lophioidei). Die hierher gehörenden Arten sind schlecht schmeckende Meerfische, die wegen ihrer kleinen Kiemenspalte zwei bis drei Tage außer Wasser leben können. Der bekannteste Ver treter dieser Art ist der Meerteufel (Lopkius piscatorius). Sein und seiner Gattnngsgenosscn Kopf ist außerordentlich groß, breit, zu- saiiimengcdriickL und stachlig, der Nachen sehr weit gespalten und mit vielen scharfspitzigen, nach innen gebogenen, beweglichen Zähnen be wehrt. An der Oberseite ist der Fisch bräunlich, unten weiß. Der Kopf, die größere Hälfte des Fisches, einem Froschkopf ähnlich. Im Meeresschlamme verborgen, läßt das Tier seine Bartfäden wie Würmer umherspielen, um so kleine Fische zu täuschen und dann zu verschlingen. Kurz nenne ich noch zwei hierher gehörende Arten, die See kröte (Äntennaiius histrio); dieselbe ist gelbbraun, dunkler gefleckt und lebt an der Küste Brasiliens, und den gemeinen Drachenkopf (Scorpaena scrofa), dessen Kopf mit Stacheln bedeckt ist. 3. Mecrgrundale (GobioTdei). Die hierher gehörenden Fische sind alle ohne Schwimmblase und sehr schleimig. Ein würdiger Ver treter dieser Familie ist die Aalmutter (Blennius viviparus). Dieselbe ist bräunlich, oben dunkler, wolkig gefleckt und lebt in der Ostsee. Zu derselben Familie gehört auch noch der Seewolf (Anarrhiehas lupus). In der Färbung ist derselbe bräunlich, schwärzlich gebändert. Er ist ein gefährlicher und häufiger Raubfisch der nordischen Meere, der das stärkste Gebiß aller Fische besitzt. Es wird oft behauptet, daß die Eindrücke seiner Zähne an Schiffsankern wahrznnehmen sind. 4. Blnidfische (Taenividei). Die Bandfische sind kleinschuppige, langgestreckte, dünne Meerfische, von denen ich nur den Degenfisch (Ccpola rubesceus) nenne. Derselbe ist silberfarben, die Rückenflosse gelblich. Im Mittelmeer, >vie auch an den Küsten des Atlantischen Oceans, nach Norden zu bis nach England, wird der Degenfisch zu jeder Jahreszeit und durchaus nicht selten gefangen. Als Nährsisch hat er keinen Wert.185 Kehlflosser sind Fische, deren Bauchflossen vor dm Brustflossew an der Kehle stehen. Der Vorderdeckes der Kiemen ist ungezähnt. III. Pfcifeiiniänler (Fistulati). 1. Niihrcnmäillcr (Aulostomi). Die Familie der Pfcifenmäuter zeigt nur fünf bekannte Arten. Bei allen ist nur eine einzige, weit nach hinten stehende Rückenflosse vorhanden und der Schwanz in einer eigenartigen Weise verlängert. Die Mnndröhre ist sehr lang und der Unterkiefer trägt kleine Zähne. Der bekannteste Vertreter dieser Familie ist die Tabackspfeife (Aulostoma tabacoaria). Das Tier kann eine Länge von einem Meter erreichen, wovon jedoch die Hälfte auf den Schwanz kommt. Die Oberseite ist auf braunem Grunde mit drei Reihen blauer Flecke besetzt, die Unterseite silberweiß. An den Küsten von Brasilien kommt das Tier häufig vor. Ein anderes Mit glied dieser Familie ist das Seepferdchen (Hippocainpus breviros- tris). Es zeichnet sich ans durch einen winklig gegen den Rumpf ge stellten Kopf mit kurzer Schnauze und kleinem Mund. Da der Kopf faden- oder haarartige Auswüchse trägt, so besitzt er in der Thal Aehnlichkeit mit einem Pferdekopfe, und dieser Aehnlichkcit verdanken die Fischchen ihren Namen. Das Fischchen selbst ist von bräunlicher, bläulicher oder grünlicher dunkler Färbung. Das Mittelmcer ist die Heimat des Seepferdchens und von hier verbreitet es sich weit in den Atlantischen Ocean und kommt sogar in der Nordsee vor. Die Pflanzenreichen Stellen des Meeres sind seine bevorzugten Aufenthalts orte. Schwimmen die Tiere, so strecken sie den Körper aufrecht uick rollen den Schwanz ein; sobald sie in oer Nahe einer Pflanze kommen, schlingen sie letzteren geschickt um einen Zweig oder Stengel und spähen nach kleinen Wasserticren, die ihre Nahrung bilden. Pfcifenmäuler sind Meerfische, deren Kops in einen langem, röhrenförmigen Schnabel verlängert ist. IV. Bauchweichflosser (Abdominales). 1. Lachsfischc (Salmonei). Unter den Lachsarten nimmt als erster der Rheinlachs (Salmo salar) (Fig. 32) die erste Stelle ein. Das Tier ist in der Hanptfarbe schwärzlichgrün, die Seiten bräunlich, imlöü Frühjahr unregelmäßig braun gefleckt, nuten weißlich. Das Fleisch des Lachses iibertrifft an Wohlgeschmack und an Zartheit dasjenige der meisten anderen Fische und eignet sich infolge seiner leichten Verdaulichkeit sogar als Krankenspeise. Von besonderer Wichtigkeit sind die Lachse für die Küstenländer des Eismeeres itub des nördlichen stillen Oceans. Zahlreiche Volksstämme, welche jene Gegenden bewohnen, können ohne diesen Fisch nicht existieren. Der Lachs macht das ganze Leben dieser Leute ans. Während des Sommers fängt, trocknet, räuchert, pökelt, speichert man den Reichtum des Meeres ans, welcher zu dieser Zeit durch die Flüsse geboten wird, wendet alle Mittel an, um sich den he» die Lachse für den Winter unumgänglich notwendigen Bedarf an Nah rung zu er werben. Im Mai zic- Elbe, Weser), wobei sie oft über hohe Wehre springen, um hier zu laichen. Die Jungen kehren dahin zurück, woher ihre Eltern ge kommen. Zn den Lachsarten gehört auch noch als sehr nahe Ver wandte die Forelle (Salmo fario), die ich hier mir kurz erwähne. eachs aus den nor dischen Meeren in geordneten Scharen auf wärts in die Flüsse (Rhein, 2 . Weißfische (Cyprinoidei). Die Weißfische, oder karpfenartige Fische, gehören zu den häufigsten und nützlichsten Bewohnern unserer Teiche und Seen. Ihr würdigster Vertreter ist der Teich- oder Flußkarpfen (Cyprinus carpio). Er ist hauptsächlich gekennzeichnet durch vier wurmähnliche Fäden am Munde, sogen. Bärtel, gerade ab geschnittene Rückenflosse, gablig ansgebuchtete Schwanzflosse, grauen Rücke», gelbbraune Seiten und gelblichen Bauch. Das Tier liebt Teiche und Seen mit nur wenig fließendem Wasser, deren Grund ühlammig und von Wasserpflanzen durchsetzt ist. Der Karpfen nährt sich von Pflanzenstoffen und kleinen Wasserticren, Würmern, Insekten und deren Larven, laicht in den ersten Sommermonaten an ruhigen, seichten Stellen im Pflanzengewirr. Der Spiegelkarpfen ist eine Va rietät des gemeinen Karpfens und zeichnet sich durch einzelne, besonders große Schuppen aus. Mit dem Karpfen zusammen eine Bewohnerin der Teiche ist die Karausche (Carassius vulgaris), von welcher eine Abart, der Goldfisch (Carassius auratiisV zum Haustier geworden ist.187 Die Karausche unterscheidet sich vom Karpfen hauptsächlich durch das Fehle» der Bärtel, im licbrigen gleicht sic ganz dem Karpfen Kurz erwähne ich weitere hierher gehörende Arten: die gemeine Barbe (llarbus vulgaris), olivengrün, dunkel punktiert, Seiten grün gelb. Die gemeine Sch lei he (Tinea vulgaris), dunkelgrün, unten gelblich. Der Brassen (Abiamis braraa), hoch gewölbt, oben olivcn- grau, Seiten gelblich. Das No tauge (Louciscus erythrophthalmus), schwarzgrnn, alle Flossen rot. Die Schmerle (Cobitis barbatula), dunkelgrün, braun gewölkt und punktiert. Sechs Bartfäden. 3. Hechte (Esocini). Ein würdiger Vertreter dieser Familie ist unser gemeine Hecht (Esox lucius), der „Hai der Binnengewässer". Seine Färbung und Größe ist sehr verschieden und scheint vom Auf enthaltsorte und der Menge seiner Nahrung abhängig zu sein. Im Allgemeinen ist er olivenbraun, schwärzlich oder gelblich marmoriert, am Bauche weißlich. Die Jungen sind häufig grasgrün und werden dann als Grashechte bezeichnet. Außer den verschiedenartigsten Fischen, wobei er Seinesgleichen nicht verschont, stellt er Wasserratten, Enten, jungen Gänsen, Wasserhühnern und anderen Warmblütern nach und scheut selbst, wie zahlreiche Beispiele beweisen, vor dem Menschen nicht zurück. Hat der Hecht einen Fisch erspäht, so schießt er lvie ein Pfeil auf denselben los, erfaßt ihn, drückt ihm die tötenden Fangzähnc in den Leib, läßt ihn hierauf los, um ihn auf's Nene zu ergreifen und zu verschlingen. Sucht das Opfer in seiner Todesangst durch einen Sprung über das Wasser zu entkommen, so schnellt sich der Hecht nach, wobei er fetten sein Ziel verfehlt. Bcrbreitet ist der Hecht fast über ganz Europa und einen Teil des nördlichen Amcrikas. In der 'Nord- und Ostsee lebt ein Verwandter des Hechtes, der Hornhecht (Beloue vulgaris), derselbe ist oben grün, unten weiß. Weiter be herbergen alle tropischen Meere einen anderen Vertreter der Hechte, den Hoch flieg er oder Flugfisch (Exocoetus volitans). Das Tier ist bläulich, unten weiß. Die Banchflossen vor der Mitte des Bauches kürzer als sie Schwanzflosse. Gelegentlich, wenn die Tiere von Feinden verfolgt werden, vertauschen sie ihr Element mit der Luft und fliegen mit Hülfe ihrer außerordentlich entwickelten Brustflossen beträchtliche Strecken — bisweilen mehr als 100 Meter — über den Wellen da hin, wobei sie ein knarrendes Geräusch hervorbringen. Vom Winde begünstigt, erheben sich einzelne sechs bis zehn Meter hoch über den:188 Wasserspiegel. Aber auch der Flug kann sie nicht immer vom Tode erretten, denn auch in der Luft harren ihrer gefährliche Feinde, nament lich Möven und Albatrosse. 4. Häringe (Clupeacei). Die Häringe sind Meerfische, deren hauptsächlichster Vertreter der Familie der gemeine Häring (Ülupoa harengus) ist. Das Tier ist dunkel blänlichgrau, nuten silberfarben. In den Sommermonaten kommen die Tiere in regelmäßigen, großen Zügen aus der Tiefe des Meeres an die nordeuropäischen Küsten und- Flnßnicderungen, um hier 31t laichen. Diese Zeit ist die eigentliche Erntezeit für die Fischer. Oft schwimmen die Tiere so dicht, daß in den Zug eingesteckte Stangen längere Zeit stehen bleiben und das Meer in wunderbarer Farbenpracht erglänzt. Das Geräusch ihrer Bewegungen gleicht täuschend dem Fallen eines starken Platzregens. Eine große Schar von Feinden: Wale, Delphine, Haie, Dorsche und Raubvögel ec. zieht hinter den Häringszügen her und vermindert diese nicht wenig; all' diese Ränder aber werden vom Menschen weit in den Schatten gestellt. Längs der Küste hat der Telegraph das Kommen der Härings- 'züge gemeldet, damit die Fischer sich zum Fang vorbereiten können und ihre Fanggeräte bereit halten. Alle für den Fang nötigen Sachen werden in die Boote gethan und gegen Abend werden die Netze ein- gescnkt. Mit Tagesgrauen beginnt man die Netze auszulösen und schafft dann die gefangenen Fische so schnell wie möglich an den Strand und in den Arbeitsranm des Snlzers, weil der Häring um so besser wird, je eher er in's Salz kommt. Frisch liefert der Häring eine sehr zarte und wohlschmeckende Kost. Am feinsten sind die ausgewachsenen Tiere, die noch nicht ge laicht haben, die sogen. Matjesharingc. Gute, frische Häringe müssen weißes, mürbes und süßes Fleisch haben, alte Häringe haben ein röt liches Fleisch. Zur Familie der Häringe gehört auch noch die Sprotte sOIupoa sprattus), die in der Nord- und Ostsee lebt und die echte Sardelle (Olupoa Sardina) des Mittelmecrcs. 5 . Welse (Silurini). Welse sind starke, im Schlamm auf kleine Fische lauernde Räuber, deren bekanntester der gemeine Wels (Silu- rus glanis) ist. Er ist dunkelschwarzgrün, trügt sechs Bartfäden und wird ein bis drei Zentner schwer. Sein Fleisch ist sehr schmackhaft189 und zart. Er ist nächst Hansen und Stör der größte Süßwasserfisch Europas. Zur selben Familie gehört auch noch der Zitterwels (Nalaptorurus elooti-ious) und der Panzerwels (Loricaria cata- phracta), welche ich hier nur kurz nenne. Banchweichflosser sind Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust flossen, am Bauche, nicht an den Schulterknochen befestigt sind. Zn ihnen gehören unsere meisten Süßwasserfische. V. Kehlweichflosser (Subtirachiales). 1. Schellfische (Gadini). Zn der Familie der Schellfische gehören die wichtigsten Mcerfische, deren bekannteste Art der gemeine Schell fisch (Gackus aeglefinus) ist. Wichtiger als der Schellfisch ist der hierher gehörende Kabeljau oder Stockfisch (Gadu8 inoi-rlma). Das -Tier bewohnt vorzugsweise das nördliche Eismeer und den nördlichsten Teil des Atlantischen Oceans, Nord- und Ostsee einbegriffen. Er er reicht ein Gewicht bis zu 35 Kilo und wird IV- Nieter lang. Rücken und Seiten sind gewöhnlich olivengrün oder braun mit kleinen dunklen oder gelblichen Flecken; der Bauch ist weißlich und ungeflcckt. Die ergiebigsten Fischcrcigründc finden sich an der Nordküste Skandinaviens, den Lofoten, bei Mand, bei Neufundland (Nordamerika) und ans der sogen. Doggcrbank zwischen England und Jütland. An der norwegischen Küste geschieht der Fang des Kabeljaus mir dem Netz, sonst aber überall mittelst der Angel, die mit irgend einer Lockspeise geködert ist. An starken Leinen von 180 Meter Länge werden einige tausend Angelschnüre befestigt, worauf man das Ganze versenkt und nach sechs bis acht Stunden wieder aufzicht. Ein Boot mit sieben bis acht Mann kann auf diese Weise während der günstigsten Jagdzeit 30000 bis 40000 Fische erbeuten. Außer dieser Viethode, des Fanges mit der Grnndschunr, verwenden die Fischer auch Hand- angcln, von denen je eine an einer langen, starken Schnur befestigt ist. Die Kabeljaufischerci ist eine sehr mühevolle Arbeit und ver langt des rauhen, regnerischen Klimas wegen, überaus widerstands fähige und abgehärtete Naturen. Als letzten Vertreter dieser Familie nenne ich die Quappe (Lota vulgaris). Dieselbe ist gelblich, braun marmoriert und einer der schmackhaftesten deutschen Fische und der einzige Schellfisch des Süßwasscrs.190 2. Schollen (Pleuronectae). Die Schelle» sind wohlschmeckende, auf der Seite schwimmende Meerfische von gesetzmäßig unregelmäßiger Form. Die Augen der Tiere stehen ciuf einer Seite; linke und rechte Seite sind verschieden; es ist eine Korperbildung, wie sie sich im ganzen Tierreiche nicht wieder findet. Ich neune von den hierher gehörende» Arten nur die Steinbutte (Rhombus maximus). Tie Oberseite ist mit einzelnen, runden, kleinen Hantknochen, welche am Kopse Felder bilden, versehen. Die Oberflosse ist sehr lang. Die Nord- und Ost see und das Mittelmcer bilden ihre Heimat. Sie besitzt ein sehr- schmackhaftes Fleisch, so daß der Handel mit diesen Tieren ein ganz bedeutender ist. 3. Schcibcnbänche (Discoboli). Kurz nenne ich den hierher ge hörenden Seehasen (Cyclopterus lumpus). Der Körper desselben ist hoch, dick, rauh und trügt an den Seiten drei Reihen kegliger Knochen platten. Die Nord- und Ostsee beherbergt diesen nnschmackhaften .Raubfisch. 4. Schildfische (Echenödae). Als die bekannteste Art der Gattung der Schildfische ist der Schildfisch (Echeneis remora) anzusehen. Das Tier trägt ans dem Kopfe eine Sangscheibe mit 18 Scheiben- plattcn. Mittelst dieser Scheibe saugt sich das Tier in der Regel an Schiffen oder Haifischen fest. Letztere sicht man selten ohne diese Be gleiter und zuweilen geradezu von ihnen bedeckt. Mit den Schiffen und Haien durchwandern sie weite Strecken des Meeres. Warum die Tiere sich an Schiffen und Haien festsetzen, ist noch nicht genügend erklärt. Kehlweichflvsser sind Fische, deren Bauchflossen unter den Brust flossen, an der Kehlgegend stehen. VI. Kahlbäuche (Apodcs). Ein allbekannter Vertreter der Kahlbäuche ist unser Flußaal (Muraena anguilla). Sein Körper ist schlangenartig, fast schuppenlos und dunkelgrün. Er ist über ganz Europa verbreitet, in Flüssen, Seen und Teichen fast immer zu finden. Des Tagsüber verbirgt er sich im Schlamm; bei Nacht kommt er hervor und zeigt sich dann als echter Räuber, indem er kleine Fische, Kerfe, Kruster, Würmer undSchnecken in Menge verschlingt. Sein Fleisch ist sehr schinackhnft. Bekannt wegen seiner Fähigkeit, elektrische Ströme ansznteilen, ist der Zitteraal (Gymnotus clectricus). Derselbe ist rotbraun und wird häufig in den Binnengewässern Nordamerikas angetroffen. Kurz er wähne ich auch die hierher gehörende Muräne (Gymnothorax Helena) mit sehr schmackhaftem Fleische. Kahlbäuche sind Fiiche, deren Körper keine Bauch flössen besitzen. Oft fehlen den Tieren auch die übrigen Flossen oder sie sind nur sehr klein. Alle Arten sind wohlschmeckende Meer- und Süßwasserfische. Die Knochenfische besitzen ein hartes Skelett. Ihre Schädel- knochen sind durch Nähte verbunden; ihr Körper meist mit Schuppen bedeckt. Die Kiemen sind bei ihnen fast immer kannnförmig, am Hinterrande frei. Die Kiemenöffnnng besitzt einen Kiemendeckel. !>. Knorpelfische (Chondracanthi). VII. Haftkiemer (Plectognatlii). 1. Nacktzähncr (Gymnodontes). Die hierher gehörenden Fische können sich durch Hilfe der in einem großen, häutigen Sack am. Schlunde aufgenommenen Luft ballenförmig anfblähen und werden deshalb auch Kugelfischc genannt. Am bekanntesten ist der Jgelfisch (»iockan dystrix). Er ist braun gefleckt, trügt große Stacheln und ist die gemeinste Art der südlichen Meere. Auch der, einem abge- schnittcnen Kopse ähnliche Klump fisch (Ortlmgoriseus mola), gehört hierher. Die Seiten und der Unterleib des Fisches phosphoresciereu sehr stark. Das Tier wird über drei Zentner schwer und lebt in den. europäischen Meeren. _ 2. Harthäutcr (Sclerodermi) Die Harthäuter zeichnen sich durch wirkliche, kegelförmige, große Zähne und harte Schuppen oder Knochen- schildcr aus. Zn ihnen gehört das Vierhorn ((Mtraeion gnackri- eorno), welches ich kurz nenne. Es ist gelblich braun gefleckt. Vor den Augen und hinter dem Aster besitzt es zwei Stacheln. Die tro pischen Meere sind seine Heimat. Hastkicmer sind Fische mit Kiemen, die am Außenrande frei, be weglich, wie bei den Gräteufischen, nur eine.Kiemenöffnnng mit Kiemcn- deckel besitzen. Die Banchfloffen fehlen. Das Skelett ist in der Jugend192 knorpelig und weich, verknöchert jedoch im Alter. Der Kiemendeckel ist von einer Haut überzogen; vor den Brustflossen steht eine enge Kiemenspalte. Cs sind langsame, durch ihre Körperbildung vor Feinden geschützte Mcerfische. VIII. Vederktkiemer (Branchiostegi). 1. Store (Sturionini). Ein Vertreter der Störfamilie ist der gemeine Stör (Acipenser sturio). Das Tier ist blaugrau, die Schnauze abgerundet. Es erreicht ein Gewicht von 50 bis 200 Kilo. Die Nord- und Ostsee sind die Heimat dieses Fisches. Von hier schwimmt er in langen, schmalen Zügen in die Flüsse, wo für viele Völker sein Fang eine wichtige Ernte bildet. In Rußland fängt man durchschnittlich zwei Millionen Kilo jährlich und liefert davon 400 000 Kilo Caviar. Das Fleisch des Störes wird frisch, mariniert und ge trocknet verkauft und bildete schon bei den Gastmählern der Römer das vornehmste Gericht. Aus der Schwimmblase der Störe wird Fischleim bereitet, das beste Bindemittel, welches zu verschiedenen Zwecken Verwendung findet. Vom Hausen (A.oipon8or huco) sind Fleisch und Leim schlechter als vom Stör. Störe sind Freikicmer mit Bauchflossen. Ihr Skelett ist weich, knorpelig; Schädelknochen völlig verwachsen und daher der Schädel ohne Nähte und ohne eigentliche Kieferknochen und Zähne. Alle sind Fische des Meeres, die nur zur Zeit der Laiche die Flüsse aufsuchen. IX. Quermäuler (Plagiostami). 1. Haie (Squalini). Unter den Ouermäulcrn steht als erste Familie die der Haifische oben an. Ihr Leib ist fast spindelförmig, die Brustflossen sind deutlich vom Kopfe getrennt und das Maul ist mit mehreren Reihen beweglicher Zähne besetzt. Ihr würdigster Vertreter ist der gemeine Hai (Squalus carcharias), die Hyäne des Meeres. In der Tiefe aller Weltmeere lebt der Hai und die riesigen Verheerungen, die dieser Tyrann der Tiefe unter den Bewohnern der Meere anrichtet, sind sehr groß. Obenan stehen hierin die Menschenhaie, in ihnen ver einigt sich in der That Kühnheit, Raublust und Fraßgier in vollendeter Weise. Zn mehreren vereinigt, streichen die Tiere beständig herum und füllen ihren Blagen bis zum Platzen mit Fischen. Harmloser als der Menschenhai ist der Glatthai, eine schlanke Art mit atlasglünzendem Körper cnid stumpfem Gebiß, und treibt sich dieser Geselle nur in größeren193 Tiefen herum, wo er nach Weichtieren oder Krebsen fahndet. Auf Fisch märkten begegnet man sehr häufig den auf der letzten Tafel abgebildeten Katzenhai. Er erreicht nur eine nnbedeilteude Größe und ist ungefährlich. Während der Tagesstunden ist das Tier ungemein phlegmatisch, m der Dämmerung und während der Nacht stellt er dagegen den Fischen eifrig nach. Weit verbreitet, besonders in den wärmeren Meeren, ist der ab sonderlich gestaltete Hammerfisch (Zygaena malleus), welcher bis 2 Vl> Meter lang werden kann und leicht an dem hammerartig ver breiterten Kopf kenntlich ist. Zn der zweiten Familie der Quermäuler, den Rochen, bildet der Sägefisch (Pristis autiquorum), dessen Kopf in einem schwertförmigen Fortsatz anslänft und am Rande desselben beiderseits eine Reihe spitzer, eingekeilter Zähne trägt, den Uebergang. 2. Rochen (Rajacei)) Die Rochen sind flachgedrückte, oft eigent lich blattartige Tiere, deren Banchflvssen ungemein verbreitert und ohne deutliche Grenze in den Kopfabschnitt übergehen. Die Kiemenspalten liegen auf der Bauchseite, die Bezahnung des Maules wird von breiten Pflastcrzähnen gebildet. Hierher gehört die Glattroche (Rasa datis). Dieselbe ist rauh aber ohne Stacheln auf dem Körper, nur der Schwanz trägt eine Reihe Stacheln. Die Keulenrvche (Raja clavata) wird wegen ihres feinen Fleisches sehr geschätzt und in großer Menge auf den Markt gebracht. Die Zitterroche (Rasa torpocio) (Tafel 10, Fig. 13) nenne ich als letzte Art der Nochen. Ihre Körperform und Farbe veranschaulicht besser als eine Beschreibung die Farbentafel. Fast in allen Meeren wird das Tier angetroffen und gern gegessen, nachdem der für ungesund gehaltene elektrische Apparat des Tieres entfernt ist. DasTier teilt willkürliche elektrische Schläge aus, verliert aber diese Eigen schaft, sobald der hintere Hirnlappen mit dessen Nerven abgeschnitten wird. Quermänler sind Fische, deren Mnndöffnung quer unter dem Schnanzcnende liegt. Ihr Körper ist spindel- oder scheibenförmig, mit körnigen Höckerchen und mit Brust- und Bauchfloffen versehen. Es sind den Reptilien sich nähernde Fische. X. Nnndmäuler (Cyclostomi). 1. Sauger (Cyclostomi). Die Familie der Rundmäuler umfaßt die niedrigst stehenden Wirbeltiere. Hierher gehört die große Lam prete (Petromyzon marinus). Dieselbe ist grünlich, gelb und braun 13 Das Tierreich.l'J4 marmoriert und trägt zwei deutlich getrennte Rückenflossen. Das Tier findet sich in allen Meeren Europas und steigt im Frühling in die Flüsse, um zu laichen. Das Fleisch ist sehr schmackhaft. Die Lam prete saugt sich an Fischen fest, verwundet sie mit ihren Zähnen und sangt deren Blut und die übrigen Säfte ans. Auch das Neunauge (Lotromz^on fluviatilis) ist eine Art dieser Familie. Dasselbe ist grünlich, an den Seiten gelblich, die Hintere Rückenflosse ist eckig und läuft in die Schwanzflosse über. Das Tier hat ein sehr wohlschmeckendes Fleisch und wird deshalb mit ihm ein. bedeutender Handel getrieben. Das letzte Wirbeltier, welches am niedrigsten im ganzen Kreise steht, ist das Lanzettfischcheir (Amphioxus lanceolatus). Von seinen ersten Beobachtern wurde es den Nacktschnecken zngeteilt. Es ist ein Bewohner fast aller Meere und erreicht eine Länge von etwa sechs- Zentimetern. Seine Farbe ist weiß oder rötlich, halb durchsichtig, an beiden Enden zngespitzt, seitlich zusammengedrückt und hinten mit einer Flosse versehen. Während alle, bis hierher besprochenen Tiere Wirbel besitzen, fehlen diese dem Lanzettfischchen ganz, denn an Stelle dieser geht ein ungegliederter Achsenstab, eine sogen. Nückenseite durch den Körper. Das Tier besitzt keine Glieder, kein Herz, noch Nieren, weder Augen noch Ohren; es entbehrt sogar des Gehirns und des Schädels. Ueberdies ist sein Blut farblos, wie bei den meisten wirbellosen Tieren. Sauger sind Fische, deren Maul ein runder oder halbrunder Saiigniund mit fleischigen Lippen ist. Mit diesen sangen sie sich fest, indem sie durch Zurückziehung der kolbenförmigen Zunge die Höhle des Sangmundes luftleer machen. Es sind wohlschmeckende Meer- und Süßwasserfische. Die Knorpelfische besitzen ein weiches Skelett. Der Körper der Tiere ist nackt oder mit kleineren oder größeren Knochenschildern ganz oder teilweise bekleidet. Ihr Maul ist ein runder Sangmnnd, oder eine Qncrspalte unterhalb des Schnanzencndes. Fische sind Wirbeltiere mit rotem, kalten Blut. Atmen durch Kiemen, leben im Wasser und ihre Gliedmaßen sind zu Flossen nm- gcwandclt. Sie sind meist mit Schuppen bedeckt. Ihr Herz besteht aus Bor- und Herzkammer, der Blutkreislauf ist einfach. Ihre Ver mehrung geschieht durch Eier.195 IL Gruppe: Olie-rrtiere (Arthrozoa). Die Gliedertierc führen ihren Namen von der Gliederung, die bei ihnen sich iiber den ganzen Körper erstreckt. Während bei den Wirbeltieren die Stütze des Leibes durch das innen liegende Knochen skelett gebildet lvird, tragen die Gliedertiere ihr Skelett außen: sie sind mit einem Skelette bekleidet. Den Stoff, aus welchem dieses Skelett sich aufbaut, nennt man Chitin. Dieses Chitin wird bei den einzelnen Arten verschieden fest. 1. Insekten oder Kerfe (insecta) I. Küfer (Coleoptera). Die Käfer stehen unter den Gliedertieren am höchsten. Sie zeichnen sich in ihrem Bau vor allen anderen Insekten dadurch aus, daß das Bruststück von dem Hinterleibe nicht durch einen tiefen Ein schnitt getrennt, sondern mit letzterem fest verwachsen ist; ein ferneres Kennzeichen besteht in den hornigen, fest aneinanderliegenden Flügel decken, die znm Schutze der häutigen Flügel dienen. Diese letzteren fehlen einigen Arten und dann sind die Flügeldecken meist verivachsen und der Käfer heißt ungeflügelt. Am Kopfe befinden sich zwei große Augen und zwei 6 bis 13- gliedrige, sehr verschieden geformte Fühler. Die Mundteile sind meist deutlich. Die Oberkiefer in der Regel einwärts gebogen, sich berührend oder übergreifend; die Kinnladen und Lippen mit ihren Tastern sehr verschieden gebildet. Die Oberseite des Bruststückes (das Halsstück) heißt Vorderrücken, dessen Unterseite Vorderbrust. Diese ist groß und für sich frei beweglich. Die Mittel- und Hinterbrust hängen unter sich und mit dem Hinterleibe innig zusammen. Die Mittelbrust oder der zweite Brnstring hat oben meist eine dreieckige, zwischen beiden Flügeln tretende Platte, das Schildchen. Die Füße sind mit einigen Aus- 13 *196 nahmen 5 gliedrig, einige Glieder aber oft sehr klein und schwer zu erkennen, das letzte Glied trägt zwei große Krallen. Die Beine dienen meist nur zum Laufen, selten zum Schwimmen, noch seltener zum Springen. Die Käfer haben eine dreifache Verwandlung dnrchznmachcn: ans dem Ei entsteht eine Larve, aus dieser eine Puppe und ans dieser das vollständige Insekt. Die Larven haben meist einen deutlichen Kopf lind keine Sinnesorgane, sind meist nackt und führen eine sehr verborgene Lebensweise. Sie sind teils sechsbeinig oder beinlos. Die im Innern des Holzes lebenden Larven haben keine, die vom Raube oder von Blättern lebenden jederseits drei bis sechs Augen. Die Puppe läßt äußerlich alle Gliedmaßen des künftigen Käfers, dicht an gezogen an den Körper, erkennen. Sie liegen entweder frei in irgend einer Höhlung oder in einem von der Larve verfertigten Gespinnst oder sind mit ihrer Hinterleibsspitze aufgehängt. Die Nahrung der Käfer und Larven ist sehr verschieden: vom Raube anderer Insekten leben die Laufkäfer, Kurzflügler, Schwimm- und Wasserkäfer; von verwesenden Pstanzenstoffen die keulhörnigen Käfer; vom Holzkörper die Holzfresser; von frischen Blättern die Blattkäfer. Die Zahl der bekannten Käferarten beträgt etwa rund 80 000 Arten, von denen etwa 8000 in Europa leben. I. Fünfzehige (Pentamera). 1. Laufkäfer (Carabicina). Der erste Vertreter der Laufkäfer ist der Feldsandkäfer (Cicindela campestris). Das kleine lebhafte Tierchen findet sich im Sommer häufig ans den Wegen zwischen den Feldern. Es ist oben hellgrün, jede Flügeldecke mit fünf weißen Randflecken und einem braun umrandeten Mittelflecke versehen. Das Tierchen läuft und fliegt mit gleicher Geschwindigkeit. Der gemeine Uferkäfer (Elaplirus riparius) ist oben kupferbrann, in's grünliche gehend, überall sein punktiert; jede Flügeldecke trägt vier Reihen kupferfarbener Gruben. Er findet sich an Flußnfern überall häufig. Einer der prächtigsten unserer Käfer ist der Puppenrüüber (Calo- soina sysophanta). Er ist schwarzblau; die Flügeldecken goldgrün, dicht punktiert, gestreift mit je drei Reihen eingedruckter Punkte. Das ganze Tier schillert in den schönsten Regenbogenfarben. Dieser Käfer lebt besonders in unseren Wäldern, wo er und seine Larven, die säst197 ebenso schnell wie der Käfer laufen können, den schädlichen Raupen nachjagt und sich durch deren Vertilgung sehr nützlich macht. Auch der Bombardicrkäfer (Brachinus crepitans), der seinen Namen von der Gewohnheit, zu seiner Verteidigung ans dem Hinterleibe einen übelriechenden Dunst mit Geräusch von sich zu geben hat, gehört zu den Laufkäfern. Er ist rostrot mit schwarzen Flügeldecken und lebt unter Steinen gesellig mit seinesgleichen. Der Getreidelanskäfer oder der gewölbte Rückenkäfer (Zabrus gibbus) möge als letzter die Laufkäfer vertreten. Das Tier ist pechschwarz; das Halsschild viel breiter als lang, hinten punktiert; die Flügeldecken stark punktiert gestreift. Er ist es, dessen Larve sich in die jungen Getreidepflanzen hineinsrißt und manchmal ganze Saaten vernichtet. Die Larve hält sich bei Tage in der Erde vcrborgen. Lanfkäfer sind langbeinige, schnell laufende Käfer, die unter Steinen und Moos sitzen. Die langbeinigen Larven sitzen im Miste. Äside, Tier und Larve, nähren sich von tierischen Stoffen und vom Raube. Sie werden durch Vertilgung vieler Insekten und deren Larven nützlich. 2. Sägchörnigc Käfer (Semcornia). Der Saatschnellkäfer (Agriotes segetis) ist oben dunkel- oder schwarzbraun, dicht grau be haart. Fühler und Beine rot. Er und seine Verwandten sind durch die Fähigkeit ausgezeichnet, ans dem Riicken liegend, sich iit die Luft schnellen zu können, um so wieder auf die Beine zu gelangen. Seine Larve lebt in der Erde und richtet durch Abnagen der Wurzeln der jungen Saat bedeutenden Schaden an. Zn der Familie der süge- hörnigen Käfer gehören auch die Prachtkäfer. Sie vermögen sich nicht in die Höhe zu schnellen und besitzen meist metallische Farben. Ich nenne hier den Riesenprachtkäfer (Buprestis gigantea). Er ist glänzend goldgrün; die Flügeldecken runzlich, an der Spitze zweizähnig. Das Tier kommt in Gniana und Brasilien vor. Eigentümliche Käfer, deren kurzbeinige Larven sich in Holz bohren, sind die Bohrkäfer, von denen ich die Totennhr, gem. Klopfkäfer oder den Trotzkopf (Anobium pertinax) näher nenne. Derselbe ist pechbraun oder schwärzlich, fein behaart und trägt gestreifte Flügeldecken. Das Tier lebt in alten Weiden, auch in hölzernen Hausgeräten, welche von der Larve (Holzwurm) oft ganz in Wnrmmehl verwandelt werden. Das198 Männchen bringt durch starkes Klapsen mit dem Kopfe die bekannten taschenuhrähnlichen Schläge hervor, die vom Weibchen beantwortet werden. Diese Töne hält der Aberglaube für Vorboten eines nahen Todesfalles. Das Tier zieht bei der leisesten Berührung Kopf und Füße dicht an den Leib und stellt sich so hartnäckig tot, daß es sich nicht bewegt, selbst wenn es mit einer Nadel durchbohrt und am Lichte gebraten tvird. Daher rührt sein Name Trotzkopf. Einer anderen Unterfamilie, den Weichkäfern, gehört das bekannte Johannis würmchen (Lampyris splendklula) an. Das Tier ist braun. Das Halsschild trägt zwei glasartig durchsichtige Mondflecken. Nur das Männchen fliegt umher, das Weibchen sitzt im Grase und macht sich vorzüglich an warmen Abenden durch den von ihm ausgehenden grün lichen Lichtschein bemerkbar, der bedeutend heller als beim Männchen ist. Sägehörnige Käser sind Insekten, bereit Larven meist Beine be sitzen und in faulenden Pflanzenstoffen oder im Innern der Gewächse leben. Die Larven sind daher schädlich. Die Käfer leben auf blühenden Gesträuchen und an sandigen Ufern. 8. Blatthörnigc Käfer (Lainellicornia). Diese Familie teilt sich in zwei Untergruppen, zu deren ersten, den Mistkäfern, der bekannte Roßkäser, auch Bnllküfer (Scarabaeus stercorarius) gehört. Das Tier ist allbekannt, ich brauche es daher nicht näher zu beschreiben; denn es findet sich zahlreich im Pferdemiste und ist oft von Käfer milben bedeckt. Ein sehr naher Verwandter des Noßkäfers ist der Pillenkäfer (A,teuckus sacer). Er ist bronzebraun; die Flügeldecken braungelb, schwarz gesprenkelt. Das Tier findet sich in den Mittel meerländern und wurde von den alten Aegyptern als das Symbol der Welt und der Sonne verehrt. Zur Brutstätte für seine Eier formt der Küfer aus Mist Kugeln, in welchen sich die Larven entwickeln. Eine jede solche Kugel ist für ein Ei bestimmt; nachdem dieses Hinein gelegt ist, gräbt der Käfer eine tiefe Röhre in die Erde und rollt die Kugel hinein. Zur zweiten Untergruppe, den Laubkäfern, gehört der Nashornkäfer (Oryctes nasicornis). Derselbe ist kastanienbraun und trägt auf dem Kopfschilde ein gekrümmtes Horn. Er findet sich vorzugsweise in der Gerbcrlohe. Die Larve gebraucht zu ihrer Ent wickelung mehrere Jahre, geht zu ihrer Verpuppung tief in die Erde und spinnt sich hier in einen Kokon ein. Weiter gehört hierzu der199 -gemeine Maikäfer (Melolontha vulgaris). Er ist sowohl im aus gebildeten, wie im Larvcnzustande ein großer Verwüster der Kulturen, weshalb die Landwirte förmliche Vernichtungskriege gegen ihn führen. Besonders von Erfolg sind diese am frühen Morgen gekrönt, wo die Käfer steif, mit angezogenen Beinen lose in den Blättern hängen und leicht abzuschütteln sind. Das Geschlecht der Tiere läßt sich ohne Mühe an den fächerförmigen Fühlern erkennen. Diese sind beim Männchen sieben-, beim Weibchen nur sechsgliedrig und bedeutend kleiner. Hauptsächlich findet sich dieser Käfer ans Eichen, Buchen, Obstbäumcn, Weiden und Nappelu. An warmen Abenden durchschwirren die Käfer die Luft und fallen dann den Fledermäusen zur Beute. Das Weibchen legt seine Eier in lockeres Erdreich und nach einigen Wochen kriechen die Larven, die sogen. Engerlinge aus und nähren sich von den zarten Wurzeln der Pflanzen. Bald häuten sie sich und nehmen stetig an Freßlnst zu, wodurch sie die Pflanzen der Felder arg beschädigen. Nach drei Jahren gewöhnlich verpuppen sie sich und im vierteil Jahre, bei Eintritt der warmen Witterung, arbeitet sich der fertige Käfer aus der Erde hervor. Meist ebenso gezeichnet wie der Maikäfer, von der Jugend auch wohl als „junger Maikäfer" be zeichnet, ist der Brachkäfer (Rhizotrogus solstitialis). Das Tier ist ebenso schädlich wie der Maikäfer. Der größte heimische Käfer ist der Hirschkäfer oder Hirschschröter (kmeanus cervus). Derselbe ist dunkel kastanienbraun, meist schwärzlich. Der Oberkiefer des Männchens ist einem Hirschgeweih ähnlich. Das Weibchen ist ohne die großen Kiefern. Der Hirschkäfer ist der größte Käfer Deutschlands. Jur Juni findet man ihn an ’****«$ Eichen, in deren Stamm auch die Larve lebt, die fünf Jahre zu ihrer Entwicklung Fig. :!3. Hcrku'.Skäfer. gebraucht. VorihrcrVer- puppnng ver fertigt sich letztere einen festen Cocon aus Holz- spähnen oder Erde; nach drei Monaten erscheint der Käfer, welcher kaum vier Wochen lang lebt. Auch unser schönster heimischer Käfer, der schöne Rosen- oder Goldkäfer (Cetonia aurata) mit seinem goldgrün glänzenden Oberkörper, gehört hier her. Sein Kopfschild ist ansge- randet, die Flügeldecken tragen lveiße Querstriche. Er findet sich an200 blühenden Sträuchern, besonders ans Rosenbüschen häufig. Als letzten Vertreter dieser Familie nenne ich den in Fig. 33 abgebildeten Hcrkuleskäfcr (Dünnstes Horonloch, dessen Verbreitung auf die Tropen beschränkt ist. Das Tier bildet eine Zierde jeder Käfersammlung. Blatthörnigc Käfer haben fächerförmige Fühlhörner. Ihre lang beinigen Larven leben von pflanzlichen Stoffen in faulendem Holze oder im Tiermiste. Die Käfer bewohnen Pflanzen, fressen Blätter oder sangen Pflanzenabgänge. 4. Kcnleiihörnigc Käfer (Clavicornia). Von den kenlenhörnigen Käfern ist der bekannteste der Totengräber (dlooroplwrus vespillo). Das Tier ist schwarz mit gelbem Fühlerknopf, gelb behaartem Hals- schild und zwei rotgelbcn Binden auf den Flügeldecken. Dort, wo irgendwo der Kadaver eines Vogels, einer Maus oder eines Maul wurfes liegt, stellen sich flugs die Totengräber ein. Aus allen Gegenden der Windrose durch den Aasgeruch herbeigelockt, untersuchen sie die Bodenverhältnisse mit Sachkunde und treffen darnach ihre Maßnahmen. Ist der Boden nicht sehr hart, so schieben sie sich unter den Leichnam, scharren die Erde mit den Füßen bei Seite und in kurzer Zeit ist der Tote in sein Grab gebettet und mit Erde zngedeckt. Nur ein kleiner Hügel verrät, wo ein kleines Tierherz seinen letzten Schlaf hält. Vom nahen Kirchturm zittern die letzten Klänge der Glocken an das Ohr, die blauen Glockenblumen neigen sich leise, rings im Kreise stehen die Vergißmeinnicht und Thaupcrlen an Stelle der Thränen weinen sie dem kleinen Wesen nach. Dort aber, in jenem Busche singt die Nach tigall ihrem Kameraden ein Abschiedslied. So feiert die Natur ihre Begräbnisse, selten nur belauscht Don den Blicken der Menschen kinder. Zn der Leiche aber hat der Totengräber seine Eier gelegt und sich so Futter für seine Larven gesichert. Aus dem toten Körper des Vogels entsteht, wie der Phönix aus der Asche, ein neues Geschlecht und ein munterer, nützlicher Käfer entsteigt dem Grabe. Keulenhvrnige Käfer haben Larven mit Beinen nnd acht Augen,, sie leben wie der Käfer von tierischen oder pflanzlichen Stoffen. 5. Kurzflügler (Brachelytva). Zn den Kurzflüglern gehört der wolkige Raubkäfer (Staphylinus netmlosus). Derselbe ist schwarz201 mit braunen Filzflecken. Taster und Beine sind gclbrot. Derblanke Mistfrcnnd (Philontlms politus) ist schwarz, oben grünlich, Kopf und Hals spiegelblank. Kurzflügler sind Käfer, deren langbeinige Larven acht Augen besitzen und in faulenden Tier- und Pflanzenstoffen leben. Die Käfer leben unter Moosen, Baumrinden, Steinen, in Schwärmen in Ameisen haufen, an nassen Ufern und auf Blumen. Alle sind durch Vertilgen < schädlicher Insekten nützliche Tiere. 6. Schwimmkäfer (Hydrocantharida). Die Familie der Schwimm käfer besteht ans etwa 600 Arten, die fast ausschließlich in der ge mäßigten Zone zu finden finb. Sie bewohnen stehende Gewässer, in denen sie flink nmherrudern und leben von Raub: Nachts fliegen sie umher. Zn ihnen gehört der Gelbrand oder gesäumte Faden schwimmkäfer (Oytieus marginalis). Er ist eirund, oben schwarz grün, unten gelb. Halsschild ganz, die Flügeldecken nach außen gelb gerundet. Dieser Käfer ist einer der größten seiner Familie, ein ge schickter Schwimmer und ein großer Fresser. Die Larven, von noch fast größerer Gefräßigkeit, häuten sich dreimal und verpuppen sich gegen den Herbst. Schwimmkäfer leben nebst Larven in stehenden Gewässern vom Nanbe anderer Wassertiere, schwimmen sehr geschickt und fliegen des Nachts. Die größeren Arten sind in Fischteichen sehr schädlich, weil sie Laich und kleine Fische verzehren und den größeren Löcher in den Leib fressen. 7. Wasserkäfer (Hydrophilina). Die Familie der Wasserkäfer, die sich von den Schwimmkäfern mehrfach, besonders durch die Bildung der Mundtcile und der Fühler unterscheidet, führt uns der schwarze .Kolbenwasserküfer (Hydropliilus piceus) vor. Er ist länglichei rund, hinten zugcspitzt, sehivach gewölbt, pechschwarz, glänzend. Die Fühler sind rostgelb, die Keule braun. Dieser Käfer hat die Eigen tümlichkeit, für seine Eier einen heutigen Sack zu spinnen, in welchem sie ans dem Wasser schwimmen. Er lebt in stehenden und fließenden Gewässern.202 Wasserkäfer haben einen eiförmigen, plumpen Körper, kenlen- förniige, fünf- bis neungliedrige Fühler und einen zwcilappigcn Unter kiefer. Die Hinterbeine sind Schwimmbeine. Lebensart und Schaden wie bei den Schwimmkäfern. Fünfzehige Käfer tragen an allen Füßen fünf Tarsenglieder. II. Uuqleichzehige Käfer (lllotoromora). 8. Taxikorne» (Taxicornia). Zu dieser Familie gehörend nenne ich nur den Trüffelkäfer (Änisotoma cinnamomea). Er ist länglich eirund, gewölbt, rostbraun. Die Flügeldecken sind punktiert gestreift. Taxikornen sind Käser, deren Fühler sich allmählig verdicken. Ihr Körper ist eiförmig, hochgewölbt, fast halbkuglig; ihr Halsschild doppelt- breiter als lang. Die Tiere leben in Schwämmen oder unter Baum rinden. 9. Engfliiglcr (Stouol^tra). Hierher gehört der gem. Stachel käfer (Mordella fasciata). Er ist schwarz, gedrängt punktiert, seiden artig behaart; die Flügeldecken vorn mit weißgranem gemeinschaft lichen Vogenflecke und hinter der Mitte auf jeder Flügeldecke ein mondförmiger weißer Fleck. Das Tier ist häufig auf Wiesen. Engflügler find Käfer, deren Fühler fadenförmig sind. Sie leben auf Blüten und Blättern oder unter Baumrinden. Die Larve lebt in Schwämmen und im faulenden Holze. 10. Schwarzfliigler (Mclanosomata). Hierher gehört der bekannte Müller (Tenebrio molitor). Derselbe ist pechschwarz, ettvas glänzend, unten rotbraun. Die Flügeldecken schwach punktiert gestreift. Seine glänzend gelbe Larve, der sogen. Mehlwurm, ist ein vortreffliches Futter für insektenfressende Stubenvögel. Die Larve hält sich vor zugsweise in Mehlkästen auf. Schwarzflügler sind meist ungeflügelte, nächtliche, dunkelgefärbtc Käfer, deren glatte, pergamenthäntige, drehrnnde Larven im modernden Holze leben.203 11. Halskäfer (Traclielophora). Zu den Halskäfern gehört als bekanntester die spanische Fliege (Cantharis vosieatoria), auch Pflasterkäser genannt. Dieselbe ist glänzend grün; Kopf- und Hals schild längs-gcfurcht und die Flügeldecken mit erhabenen Längslinien. Sie findet sich meist auf Eschen, wo sie sich durch ihren scharfen Ge ruch verrät; sie liefert das bekannte Zugpflaster. In Spanien, seltener in Deutschland, werden die Tiere für die Apotheken gesammelt, wobei aber Vorsicht nötig ist, weil die lebenden Tiere auf den Händen leicht Blasen verursachen. Die blasenziehende Wirkung hat ihren Grund in einem eigentümlichen Stoff, der von dem Chemiker „Canthandin“ ge nannt wird. Auch der gem. Maiwurm (Meloe proscarabaeus) ge hört in diese Familie. Das Tier ist grauschwarz, grob punktiert, die Flügeldecken gerunzelt. Es findet sich im Frühling im Grase. Der Maiwurm schwitzt einen blasenziehenden Saft aus. Halsküfer sind Pflanzenblätter fressende, oder Blütenhönig saugende Käfer, deren Larven auf Tieren oder unter der Baumrinde schmarotzen. Bei den ungleichzehigen Käfern tragen die vier ersten Füße fünf, die zwei letzten vier große Tarsenglieder. III. Lierzchige Käfer (Tetramera). 12. Rüsselkäfer (Rhynchophora). Das bezeichncnste Merkmal Der Rüsselkäfer ist der in einem langen Rüssel ansgezogene Bvrder- kopf, au dessen Seiten die keulenförmigen Fühler eingelenkt sind. Die etwa über 7000 bekannte Arten nähren sich alle von Pflanzen. Der Erbsenkäfer (IZruehus pisi) ist in der Körperform eiartig, in der Farbe schwarz. Halsschild und Flügeldecken tragen zerstreute, weißliche Haarflccken. Der große braune Kiefern-Rüsselkäfer (Ilylobius pini) ist dunkelbraun, gelb behaart. Das Tier wird den Fichteu- pflanzungen verderblich, indem cs junge Triebe zur Saftzeit anbohrt, um den Saft auszusaugen; die Zlveige sterben dadurch ab und jetzt kommen Borken- und Bastkäfer herbei, die die Zerstörung erst voll ständig machen. Ein, den Obstbäumen vielfach schadender Käfer ist der kleine Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum). Er ist schwarz braun, aschgrau behaart, die Flügeldecken rostrot mit starken Punkt streifen, nach hinten mit schräger, weißer, schwarz eingefaßter Quer-204 binde; das Schildchen klein und weiß. Das Weibchen sticht int Frühling die Tragknospen der Obstbäume an und legt sein Ei hinein. Die Larve entwickelt sich in der Knospe und frißt diese ans, sodaß sie abstirbt und lute verbrannt aussieht. Im Juni erscheint der Käfer, fliegt den Sommer über und überwintert hinter Nindenschnppcn. In Getreidespeichern tritt oft der Kornrüssclkäfer oder Kornwnrm Oalandra granaria) schädigend auf. Er ist braun, Fühler und Beine rostrot. Käfer und Larve nähren sich von beit Körnern. Rüsselkäfer besitzen einen langen, zu einem Rüssel ansgezogenen Vorderkopf, an dessen Seiten keulenförmige Fühler stehen. Die Larven besitzen einen undeutlichen Kopf, haben weder Beine noch Augen und leben in Früchten oder im Holze der Pflanzen. 13. Borkenkäfer (Xylopliaga). Die Borkenkäfer sind von kleiner Gestalt, walzenförmig und dadurch berüchtigt,, daß sie durch ihre Gänge im Holze das Absterben der Waldbäume fördern. Eine der schädlichsten Arten ist der achtzähnige Fichtenborkenkäfer oder Buch drucker (Bostrichus typograpluis). Seine Flügeldecken sind hinten eingedrückt und an jeder Seite mit vier Zähnchen versehen. Das ganze Tier ist etwa nur fünf Millimeter lang. Der halbkuglige Kopf ist fast ganz unter das Halsschild gezogen und von oben nicht sichtbar. Die Weibchen nagen sich in die Rinde ein, erweitern unter derselben eine Stelle und höhlen von hier senkrechte Gänge nach rechts und links aus, wo in kleinen Vertiefungen die Eier abgelegt werden. Die fnß- losen Larven fressen sich weiter, wodurch die Seitcngänge entstehen, welche sich an ihrem hinteren Ende erweitern. Die Käfer kriechen gegen das Ende des Sommers ans und überwintern. Die vom Buch drucker angegriffenen Fichten sterben ab. Borkenkäfer sind Käfer, deren Kopf in das Halsschild mehr oder weniger zurückgezogen ist. Die Fühler sind kurz, keulenförmig, mit 11 oder noch weniger Gliedern, die Keulen geringelt oder derb. Die Larven zerstören die Rinde, den Bast und das Holz der Bäume und machen zierliche, geschlängelte, von einem gemeinsamen Gange aus gehende Gänge, die allmählig breiter werden. 14. Bockkäfer (Longicoraia). Langhörner, wie der zoologische Name „Longieornia“ sagt, sind die Bockkäfer. Zu ihnen gehört derSpieß- oder Elchen bock (Ooiamdys Imros). Er ist schwarzbraun, gewölbt, nach hinteil verschmälert. Die Flügeldecken sind rnnzlich punktiert. Der Spießbock ist einer der größten europäischen Käfer and kommt nicht gerade häufig an der Eiche vor, in deren Holz auch seine Larve lebt. Meist hält sich der Käfer in den Bohrlöchern der Larve auf und fliegt nur gegen Abend. Flachgedrückt, bräunlich, dicht aschgrau behaart ist der Zimmerbock (Lamia aedilis). Er trägt von allen Bockkäfern die längsten Fühlhörner, die den Körper wohl uni das Fünffache übertreffen. Im Frühlinge findet er sich an Kiefern- stumpfen, in denen die Larve lebt. Als letzten Vertreter der Bock täfer nenne ich den Weberbock (Lamia textor). Er ist matt schwarz- braun. Die Flügeldecken sind gekörnt-punktiert oder lederartig. Die Fühler sind dick und kaum von Körperlänge. Bockkäfer sind Küfer mit vvrgcstrecktcm Kopf, langen Fühlern, gestrecktem K'örper, der in der Regel unten höher als oben ist. Die weißen oder gelblichen Larven sind kurzbeinig, beinlos, flachköpfig, be sitzen aber starke Kauwerkzeuge. Sie entwickeln sich meist im Holze. Der Käfer lebt auf Holzpflanzen oder Kräntern. Ist. Blattkäfer (Obrysomelina). Bon der großen Familie der Blattkäferarten nenne ich nur cinjge Repräsentanten und beginne mit dem bekannten Pappelblattkäfer (Lina populi). Das Tier ist rundlich. Die Flügeldecken sind rotbraun, der Kopf blauschwarz. Es findet sich an Pappel- und Weidengebüsch, sobald dasselbe sich mit Blättern bedeckt. Schon im Mai sieht man die mit sechs Beinen versehene Larve, welche viele Löcher in die Blätter nagt; im August erfolgt die Verpuppung und schon nach sechs bis acht Tagen erscheint der Käfer. Sehr schädlich ist der Colorado- oder Kartoffelkäfer (Lorypliora decemlineata). Das Tier ist gelb, braun gestreift und ein gefährlicher Feind der Kartoffelpflanze. Der Käfer vermehrt sich zahllos und bringt mehrere Bruten im Jahre hervor. Beide, Käfer und Larve, besitzen eine unermüdliche Gefräßigkeit und vernichten ein Kartoffelfeld in wenigen Tagen. In der Jugend sind die Larven dunkelrot, werden jedoch im zunehmenden Alter heller. Der nebelige Schildkäfer (Oassida nobulosa) möge diese Familie beschließen. Die Flügeldecken sind braun gestreift. Das Tier kann den Kopf voll ständig unter dem gerundeten Halsschild verbergen.206 Blattkäfer sind Käser, deren Fühler schnurförmig sind. Ihr Halsschild ist am Grunde meist so breit wie der Grund der Flügel decken. Kopf mehr oder weniger verborgen. Der Körper ist meist hochgewölbt und gedrungen gebaut. Die langbeinigen, dunklen oder bunten Larven fressen Blätter und sind dadurch dem Ackerbau und dem Forst schädlich. __ Die vierzehigen Käfer besitzen an allen Füßen vier Tarsenglieder. IV. Dreizehige Käfer (Trimera). 16. Kngclkiifcr (Coccinellina). Bon den Kugelkäfern nenne ich als ersten das Sonnenkälbcheu (Coccinella septem punctata). Kopf und Halsschild schwarz. Flügeldecken rot mit sieben schwarzen Punkten. Das fnufpunktige Sonnenkälbcheu (Coccinella quinque-punctata) ist ebenso gefärbt, nur tragen die Flügeldecken fünf Punkte. Das zweinndzwanzigpnnktigc Sonnenkälbcheu (voooinolla viginti- bi-punctata) ist schwefelgelb, das Halsschild trägt fünf und die Flügel decken zweinndzwanzig Punkte. Kugelkäfer sind kleine ans Pflanzen lebende Käfer, die sich durch Vertilgen von Blattläusen sehr nützlich machen. Ihre Larven sind behaart. 17. Zwergkäfer (Pselaphina). Bon der Familie der Zwergkäser nenne ich nur zwei Vertreter, den gern. Fühl- oder Tastkäfer (Pse- laphns fossulatus). Das Tier ist kastanienbraun, das Halsschild kuglig und mit drei gleichen Grübchen versehen und den langhörnigen Kcnlenkäfer (Claviger longicornis). Derselbe ist ziegelrot und seine Fühler sind länger als der Kopf. Das Tier findet sich in Ameisen haufen. Die blinden Käfer und Larven werden mit großer Sorgfalt von den Ameisen gefüttert. Zwergkäfer sind kleine, in Ameisenhaufen oder unter Pflanzen resten oder Moosen lebende Käfer. Dreizehige Käfer haben an allen Füßen drei oder nur ein deut liches Tarsenglicd.207 II. Immen (Hymenoptora). Die Immen oder Hautflügler, die iu Bienen, Wespen, Ameisen ic zerfallen, bilden in ihren zahlreichen Arten die größte aller Jnsekten- Ordnungen; in ihrer äußeren Erscheinung stimmen alle Arten, abge sehen von Größe und Färbung so ziemlich überein: sie haben alle eine harte, skelettartige Hauthülle, einen aus drei Ringen fest verwachsenen Brustkasten und vier scheinbar nackte, mit wenigen ästig verzweigten Adern durchzogene, nur wenigen Arten fehlende Flügel. Dieselben sind meist wasserhell. Der Hinterleib ans sechs bis neun Ringen be stehend, ist mit einem dünnen Stiel am Brustkasten angewachsen. Der Kopf ist meist quer-länglich und trägt in der Regel drei Nebenaugen, zusammen ist er also mit fünf Augen versehen. Die Fühler sind faden- oder borstenförmig, selten keulenartig. Die Mund- teile sind saugend. Oberlippe und Oberkiefer sind groß und deutlich. Der Unterkiefer zart und bildet eine, Unterlippe und Zunge einhüllende Scheide. Die Zunge ist fadenförmig oder blattartig geteilt, zum Ein- saugen der Vlumcnsäfte eingerichtet. Die Zunge der Wespen ist kurz. Diese Tiere fressen auch harte Pflanzenstoffe, vorzüglich fleischige Früchte. Der Hinterleib trägt eine Legröhre, die oft die Körperlänge über trifft, oder einen im Leibe verborgenen Stachel, der hervorgestreckt werden kann und als gefürchtete Waffe dient. Die Aderflügler mit langer Legröhrc bedienen sich derselben ausschließlich zur Ablegung der Eier, während die mit einem Stachel bewaffneten Tiere sehr empfindlich verwunden können, indem durch diesen ans einem mit diesem in Ver bindung stehenden Bläschen ein ätzender Saft in die Wunde gebracht wird Alle Hautflügler machen eine vollkommene Verwandlung durch. Ihre Larven leben teils frei ans Blättern, teils im Holze; die Larven dieser Arten sind mit Füßen versehen, wogegen die anderer Familien als fußlose Maden im Innern von Pflanzengebilden und noch andere im Leibe von Insekten leben. Besonders diese, die Schlupfwespen, sind von großer Wichtigkeit, da sic eine große Anzahl schädlicher In sekten vernichten. 1. Lcgc-Jmmcu (Ditrocha). Die ersten Vertreter der Lege-Jmmen sind die Blattwespen. Ihre Larven besitzen einen deutlichen Kopf und meist 22 Beine. Sie leben in der Regel frei auf Blättern und sind da her meist grün und ranpenähnlich. Zur Verpuppung spinnen sie sich iit20S eilte papierähuliche Hülle. Hierher gehört die Niesenwespc oder- gelbe Fichtholzwcspe (Kii-ex KiZas). Sie ist schwarz, der 5kopf trägt hinter den Angen einen gelben Fleck. Der Hinterleib ist rot gelb mit schwarzer Spitze. Das Tier zeigt sich in Fichtenwäldern und bohrt mit seinem scharfen Stachel die Stämme an, nm die Eier in dieselben einznführen. Die Larven leben bohrend im Fichtenholze. Die Roscublattwespe (Hylotoma rosarum) ist hochgelb. Kopf, Fühler, Brust und Halsschild, Borderrand der Flügel und Tarscn- glieder schwarz. Die Larve lebt vom August bis Oktober ans Rosen. An den Blattwespen schließen sich die Schlupfwespen an. Es sind dieses hochnützliche Tiere, deren Weibchen durch die Lcgröhre die Eier in Raupen, Fliegeninaden, Spinnen ec. ablegen. Die auskriechcnden dein- und kopflosen Maden leben alsdann einzeln oder gesellig als Schmarotzer, indem sie die inneren Teile des angebohrten Wirtes auf- saugcn. Das mit ihnen behaftete Tier lebt ruhig weiter, bis entweder die kleinen Maden die Haut des Wirtes durchbrechen und sich in kleinen Gespinnstcn verpuppen oder sich ttt dem angebohrten Tiere selbst verpuppen. In beiden Fällen wird der Wirt getötet. Hierzu gehört die Erbsen - Schlnpfwespe (Ichneumon pisorius). Das Schild des Tieres ist gelb, der Hinterleib rotgclb. Sie ist eine der grvßten deutschen Arten. Kurz führe ich auch noch die gelbe Sichelwespe (Opilion luteus) an. Sie ist überall zicgelfarben. Hieran schließen sich die Gallwespen. Die Larven dieser Tiere leben von Pflanzen, meist auf Holzgewächsen. Das Weibchen legt die Eier in die Zellgewebe der Pflanzen, wodurch ein Andrang der Säfte entsteht, welcher Auswüchse, sogen. Gallen er zeugt. Bekannt ist die Eichblatt - Gallwcspe (Cynips querem?). Das Tier ist schwarzbraun und verursacht die runden apfelförmigen Auswüchse auf der Unterseite der Eichblätter. Das Insekt bohrt die unentwickelten Blätterknvspcn an und legt in jedes Bohrloch ein Ei. Beim Wachsen der Blatter entwickelt sich an der Bohrstelle der Gall apfel, welcher im Innern die Larve und später die Puppe birgt, aus der im nächsten Frühjahr das vollkommene Insekt entschlüpft. Auch die hierher gehörende Rvscngallwespe (Rhodites rosae) nenne ich noch kurz. Das Tier ist schwarz, die Beine rot und bringt an der Hundsrose die wie mit Moos bewachsenen Nosenäpfcl hervor.Tafel IX. 1. Tagpfauauge, 2. Pommeranzenfalter, 3. Bläuling, 4. Streupunkt, 5. Aurora. 6. Nonne, 7. Perlemutterfalter, 8. Ringelspinner, 9. Seidenspinner eierlegend.209 Lege-Jmmcn sind Hautflügler, die zwischen Hüfte und Schenkel zwei Glieder besitzen und deren Weibchen eine Legeröhre trägt. 2. Stcch-Jmmen (Monotroclia). Die erste Familie unter den Stech-Jmmcn nehmen die Ameisen ein. Sie bilden wie Bienen und Wespen einen bevölkerten Staat unter den Insekten. Sie unternehmen Beute- und Erobernngszüge, bauen Städte, Straßen und Brücken, halten sich Viehherden (Blattläuse) und treiben sogar Ackerbau (eine amerikanische Art). Durch ihre Geselligkeit und Emsigkeit sind sic den Menschen ein Sinnbild der Eintracht und des Fleißes. Sie leben in großen, bis ein Meter hohen Hügeln, ivclche aus Erde, kleinen Zweigen und Blättern gebaut und besonders in Nadelwäldern häufig anzntrcffcn sind. Ei» Ameiscnstaat läßt drei verschiedene Formen von Waldameisen erkennen. Geflügelte Weibchen und Männchen und nn- gcflügclte Arbeiterinnen oder verkümmerte Weibchen. Bei den Arbeitern ist der Kopf groß, klein dagegen bei den Weibchen. Die Nahrung der Ameisen besteht ans pflanzlichen, teils aus ab gestorbenen tierischen Stoffen, besonders auch ans zuckerhaltigem Safte. Des letzteren wegen stellen sic den Blattläusen nach (Melkkühe), be lecken sie, wobei diese eine süße Flüssigkeit absondern. Die Eier, Larven und Puppen werden von den Arbeitern ernährt und mit großer Sorgfalt gepflegt. Die weißlichen oder lichtgelben Eier legt das Weibchen auf ein Häufchen, die Arbeiter nehmen sie einzeln auf, be lecken sie und bringen sie in die, für die Entwicklung günstigsten Räume des Baues. Dasselbe wiederholt sich mit den ausschlüpfenden Larven und den in seidenartigen Cocons eingeschlossenen Puppen. Der ganze Ameisenstaat ist im Sommer voll von alten und jungen Ameisen im verschiedensten Altersstadium. Die geflügelten Männchen und Weibchen fliegen an warmen, trockenen Sommertagen aus, büßen hierbei ihre Flügel ein und werden entweder von den Arbeitern in das Nest getragen oder von Vögeln gefressen. Von den vielen Arten der Ameisen nenne ich die rote Waldameise (Formica rüfa), die schwarze Ameise (Formica nigra) und die rote Ameise (Myrmica rubra). Die zweite Familie nehmen die Ranbwespen ein. Diese Tiere leben immer einzeln, meist auf Wegen, und die Weibchen rauben für ihre Larven Insekten, welche sie erst durch einen Stich lähmen und 14 Da? Tierreich.dann in die Nester schleppen. Von diesen nenne ich die gemeine Wegewcspe (Pompilus viaticus). Sie ist schwarz, die ersten drei Hinterlcibsabschnittc rotgelb, die Flügel besitzen einen schwärzlichen Außenrand. Das Tier wohnt im Sande, wo es sich mehrere Zoll tief eingräbt. Nach den Nänbwespen folgen die eigentlichen Wespen. Diese Tiere leben meist gesellig nnd Danen knnstvolle Nester aus zer kauten und mit Speichel znsammengeleimtcn Pflanzenfasern. Das fliest wird von einem einzigen Weibchen gegründet. Im Laufe des Sommers gehen ans den inzwischen gelegten Eiern Arbeiter hervor, welche an den verschiedensten Geschäften Anteil nehmen. Die Arbeiter und Männchen sterben im Herbste, die Weibchen überwintern unter Steinen oder Moos und gründen im Frühling neue Kolonien. Die Hornisse (Vespa crabo) ist ein würdiger Vertreter dieser Familie. In der Hauptfarbe ist sie schwarz, Fühler, Schildchen und Kopf ganz braun rot, der Hinterleib gelb und schwarz. Sie baut ihr Nest im Anfänge des Mai mit Vorliebe in einem hohlen Baümstamm. Das Bau material besteht ans der Rinde junger Bäume, besonders der Esche. Sobald einige Zellen fertig sind, beginnt das Eierlegen. Nach etwa vier Wochen nehmen die jungen Hornissen an den Hausgeschäften teil. Im Herbste losen sich die Kolonien auf und nur die Weibchen bleiben am Leben. Die Hornisse ist wild und räuberisch und ihres Stachels wegen sehr gefürchtet. Die gemeine Wespe (Vespa vulgaris) legt gleich mehreren anderen Arten ihr Nest unter der Erde an, wobei be sonders gern ein alter Maulwurfshügel benutzt wird. Die letzte Familie der Immen bilden die Bienen. Diese Tiere leben einzeln oder gesellig in künstlichen Wohnungen vorn Honigsaste der Blüten, mit welchem sie auch ihre Larven füttern. Bei ihnen ist der Kmist- sinn sehr hoch ansgebildet. Obenan steht bei allen Bienenarten die gemeine Honigbiene (Apis mellifera). Das Tier ist schwarz,, bräunlich behaart und lebt in einem ans 10 000 bis 15 000 Mit- glicdern bestehenden Stock. Leicht läßt sich beobachten, daß ein solcher Stock verschiedene Bienenarten in sich schließt, nämlich: eine Anzahl Männchen oder Drohnen, Arbeiter ----- verkümmerte Weibchen — kurz Bienen genannt und ein einziges Weibchen, die Königin. Einen Stachel besitzen nur die Weibchen und die Arbeiter. Dieser bleibt ge wöhnlich beim Stechen in der Wunde zurück oder verwundet durch das Losreißen den Bauch der Biene, svdaß sie sterben muß. Die Zellen der Biene ivcrden stets verdeckt in hohlen Bäumen211 oder Körben it. s. tu. aus Wachs gebaut imd sind sechseckig. Eine Wenge solcher Zellen bildet eine Scheibe oder Wabe, welche senkrecht im Stocke steht und hier befestigt ist. Einige dieser Zellen werden mit Honig, andere mit Eiern belegt, welche von der Königin gelegt sind. Stirbt diese und ist kein Ersatz vorhanden, so zerstreut sich die Gesellschaft. Bei der künstlichen Bienenzucht hat man daher eine neue Königin in den Stock zu legen. Sind mehrere Königinnen vor handen und viele Bewohner im Stock, so zieht ein Teil der Arbeiter, von einer Königin angeführt, aus, nm eine neue Wohnung zu suchen und dieses geschieht drei- bis viermal in einem Sommer. An einem hellen, warmen Tage erhebt sich die Königin, begleitet' von einem Drohnenschwarm in die Luft und kehrt bald wieder in den Stock zurück, um zwei Tage nachher ihre zwei Millimeter langen Eier zu legen. Erst werden Arbeitereier in die kleinsten Zellen gelegt, dann Drohueneier in größeren und höheren, zuletzt königliche Eier in die Weiselwiegen, einzelne große, tonnenförmige und senkrecht herabhängende dickwandige Zellen, die am Rande der Waben liegen. Nach drei Tagen schlüpfen die Larven ans und diese werden von den Arbeitern gefüttert; am sorgfältigsten und reichlichsten die in den Weiselwiegcn. Die Entwicklung der Larve und Puppe dauert bei den Königinnen 16 bis 13, bei den Arbeitsbienen 19 bis 20, bei den Drohnen 24 bis 26 Tage. Will die junge Königin dcil Deckel ihrer Zelle durchbrechen, was sie durch einen eigentümlichen Ton zu erkennen giebt, so wird von der alten Königin versucht, sie zu töten. Wird sie von den Arbeitern hieran verhindert, so sammelt sie einen Teil des Bienenvolkes, 3000 bis 80 000 Stück und verläßt mit diesen dcil Stock und gründet einen neuen Stock — die Bienen schwärmen. Sobald ein Schwarm die neue Wohnung bezogen hat, beginnt sogleich der Ban der Wachszellen von der Decke an. Die Arbeit wird' besonders des Nachts gefördert. Mittlerweile haben auch die Arbeiter die Umgebung des neuen Hauses sich cingeprägt, indem sic im An fänge durch die Fluglöcher ein- und auskriechen, dann kurze Bogen durchfliegen, dann immer größere. Auf diese Weise beherrschen sie mit der Zeit vollständig die Gegend und nun suchen sie Blumen und harzige Stoffe ans, um Wachs und Honig einzutragen zum weiteren Ban ihrer Zellen und als Nahrungsvorrat für die junge Brut. Das Einträgen dauert den ganzen Sommer über, nur durch212 Regentage unterbrochen. Im Winter wird das Flugloch verkleinert. Eier werden zu dieser Zeit von der Königin nicht gelegt, jedoch dauert die Pflege der Brut fort. Die überwinternden Arbeitsbienen leben in der nächsten Flugzeit ungefähr noch sechs Wochen, sodaß ihre Lebens dauer etwa nenn Monate beträgt. Die Bienen sind nebst Seidenraupen und Cochenille-Insekten die einzigen Insekten, welche von den Menschen ihres Nutzens wegen ge halten werden. Die Stech-Jmmen besitzen zwischen Hüfte und Schenkel nur ein Glied. Die Weibchen sind mit einem Stachel bewehrt. Ihre Larven leben von tierischen Stoffen, meist von Insekten und Spinnen, doch nähren die echten Wespen ihre Brut auch mit Pflanzenstoffen, Früchten und mit Honig, den sic den Blnmenwespen rauben. III. Schmetterlinge (Lepidoptera). Die Schmetterlinge, obgleich ihre Artenzahl sehr groß ist, sind verhältnismäßig gut bekannt. Durch ihre großen, meist prächtig ge färbten Flügel zeichnen sich die Tiere vor allen anderen Insekten aus und waren daher schon immer die Lieblinge der Jnsektensammlcr. Was sie von den übrigen Insekten unterscheidet, sind besonders ihre Flügel und die Mundteile. Ersterc sind stets zu vieren vorhanden, voir denen die vorderen die hinteren an Größe übertreffen. Sie sind aus einer zarten, häutigen Masse gebildet, welche von Längsadern oder Rippen durchzogen wird. Bedeckt sind sie mit kleinen, meist schön ge färbten Schuppen, nur bei wenigen in der Mitte durchsichtig oder bei einigen Weibchen ganz fehlend. Die kleinen Schuppen liegen ziegel- artig übereinander und diesen verdankt das Tier seine prachtvolle Färbung. Die Mundteile sind saugend, unvollkommen eingerichtet. Ober lippe und Oberkiefer sind nur noch als Rudimente und die zwei Unter kiefer in einem langen, hohlen Faden vorhanden, der in der Ruhe spiralig, wie eine Uhrfeder aufgerollt ist. Die Augen sind groß, Neben- augen meist nicht vorhanden. Die Fühler sind viclgliedrig und fast nie geknickt, meist faden- oder borstenformig. Obcil sind die Fühler gewöhnlich verdickt und tragen eine Keule.213 Alle Schmetterlinge haben eine vollkommene Verwandlung dnrch- zumachen. Dem Ei entschlüpft die a.n Pflanzenblätter sitzende und von ihnen sich nährende Raupe, die bei einigen Arten auch im Innern der Pflanzen lebt. Sie ist mit bunten Farben oder mit einer langen, glänzenden Behaarung geschmückt. Ist sie erwachsen, so verwandelt sie sich in eine fnßlose Puppe, der nach kürzerer oder längerer Ruhe das vollkommene Insekt entschlüpft. Die Schmetterlinge leben in der größten Zahl nur von Pflanzenstoffen und meist von den Blättern. Einen wirklichen Nutzen, abgesehen vom Seidenspinner, liefern die Schmetterlinge nicht. I. Tagfalter (Diuvnca). 1. Echte Tagfalter (Papilionidae). Die erste Ordnung der Schmetterlinge bilden die Tagfalter. Dieselben sind durch ihren schmächtigen Leib, große und breite Flügel, die beim Sitzen aufrecht zusammengeklappt werden und durch ihre schlanken Fühler leicht kennt lich. Ihre Raupen sind meist unbehaart, viele mit Dornen versehen; die Puppen, von Heller Farbe und eckiger Gestalt, hängen sich am Hinterleibe an Zweigen oder Baumstämmen auf oder befestigen sich mit einem, den Leib umschlingenden, ans seidenen Fäden gebildeten Gürtel. Zu ihnen gehört der Perlmutterfalter (Argynni papliia). i Tafel !), Fig. 7). Derselbe ist rotgclb, schwarz gefleckt. Die Hinter flügel unten ans grünem Grunde mit silbernen Querstreifen, deren mittlerer sich ganz durchzieht. Er fliegt in großen Scharen auf Wald wiesen. Die Raupe lebt an Veilchen, Nesseln und Himbeeren. Sie ist braun, oberhalb gelblich, mit schwärzlichen Längslinien und gelb lichem Dorn. Der Diestelfalter (Vanessa carduelis) ist gelbrot, schwarz und lveiß gefleckt. Die Hinterflügel tragen unten vier Augen. Die Raupe ist schwärzlichgran, mit gelben Streifen und Punkten ver sehen und findet sich auf Disteln, Brennnesseln und Schafgarben. Der Admiral (Vanessa Atalanta) ist sammetschwarz. Die Vorderflügel mit einer zinnoberroten Schrägbinde, an der Spitze weiß gefleckt. Die Hinterflügel mit schwarzpunktierter roter Randbinde. Er sonnt sich gern an Weiden- und Pappclstämmen; seine bunte Dvrnenranpe lebt an der Brennnessel. Das Tagpfauenauge (Vanessa Jo) ist braunrot. (Tafel 9, Fig. 1). Jeder Flügel mit einem großen blauen Angenfleck. Die Raupe ist schwärzlich, weiß punktiert; die Dornen214 schwarz. Der Trauermantel (Vanessa Antiopa) ist samuietbraun, mit schwefelgelbem Saum und mit blauen Flecken vor dem gelben Außenrande. Die Raupe ist schwarz mit roten Rückenflecken und einem kurzen scharfen Dorn. Sie lebt auf Birken, Weiden und Pappeln. Rotgelb in der Hauptfarbe ist der große Fuchs (Vanessa polycldoros) gefärbt. Die Vorderflügel find am Vorderrande mit drei großen, in der Mitte mit vier kleinen Flecken versehen. Die schwärzliche, mit gelben Dornen geschmückte Raupe lebt auf Kirsch- und Birnenbänmen. Der Streupunkt (Lycaena Argiolus) ist oben blau, unten bläulich weiß mit einer Bogenrcihe schwarz gekernter Augen. (Tafel!), Fig. 3.) Der Hcnhcchcl-Blänling (Lycaena Icarus) ist blau, die Flügel schwarz gesäumt. (Tafel 9, Fig. 4). Das Tier fliegt den ganzen Sommer hindurch, häufig in großen Scharen ans blumigen Wiesen. Die Raupe ist blaßgrün. Einer der schönsten Arten ist der Schwalben schwanz (Papilio Macliaon). Er ist schwefelgelb, schwarz gesäumt. Die Hinterflügel tragen einen blauen Rand, zwei rote Punkte an den verlängerten Spitzen der Flügel. Die Raupe lebt auf Dill, Kümmel, Mohrrüben. Der bekannteste aller Tagfalter ist der Kohlweißling (Pieris brassicae). Er ist weiß, nur die Spitze seiner Vorderflügel zur Hälfte des Außenrandes herab schwarz.- Einige schwarze Flecke flehen in der Regel noch auf den Vorderflügeln. Das Tier tritt mitunter in ungeheuren Massen auf. Das Weibchen legt mehrere Hundert gelbe Eier an Kohlpflanzen, Levkoyen rc., ans denen bald die schwärzlichen Raupen schlüpfen, nm ihre Nährpflanzen bis auf die Blattrippeu kahl zu fressen. Die Raupen wandern oft in großen Zügen von Feld zu Feld. Im Jahre 1854 brachte ein solcher Naupenzug einen Eiscn- bahnzng zwischen Prag und Brünn zum Stillstand, da Schienen und Räder durch die zerquetschten Raupen schlüpfrig wurden und keine ge nügende Reibung zwischen beiden vorhanden war. Einer der frühsten Schmetterlinge ist der Citronenvogel (Colias rhamni). Seine Flügel sind zugespitzt, eckig und gelb, ans jedem ein kleiner, vrangc- sarbencr Mittelfleck. Die Raupe ist grün, schwarz punktiert. Ein naher Verwandter dieses ist der Pommeranzenfalter (Colias edusa). (Tafel 9, Fig. 2). Derselbe besitzt einen großen schwarzen Flügelrand, nebst einem schwarzen Flecken davor. Als letzten Vertreter der echten Tagfalter nenne ich den Kressenweißling oder Aurorafalter (Pontia cardamines). (Tafel 9, Fig. 5). Er ist in der Hauptfarbe weiß. Das Männchen trägt an den Vorderflügeln zwei große orange215 Flecke. Das Weibchen ist einfach weist. Die Raupe ist grün, an den Seiten weißlich und lebt sehr häufig auf dein Wiesenschaninkrante. 2. Unechte Tagfalter (Hesperidae). Von den unechten Tagfaltern nenne ich nur den Malvenfaltcr (Hesperia malvarum). Derselbe ist dunkelbraun, schwärzlich schattiert; die Vorderflügel tragen durch sichtige Punkte, die Hinterflügel sind weist punktiert. Die Raupe ist aschgrau und lebt auf Malven, besonders ans Eibisch. Die Tagfalter sind am Tage fliegende Schmetterlinge. Ihre Flügel sind groß, beide lebhaft gefärbt, in der Ruhe halb oder senk recht anfgerichtct. Die Fühler sind dünn und endigen in einem Knopf .oder einer Keule. Ihre Raupen besitzen sechszehn Beine. II. Aberidfalter (Crepusculaiia). 3. Schwärmer (Sphingidae). Die Schwärmer sind dickleibige Schmetterlinge, die sich durch ihren dicken, sehr stark behaarten oder beschuppten Körper auszeichnen und schmale, lange Vorderflügel be sitzen. Alle haben eine lange Rollzunge, die oft ihre gesannntc Körper- lange um das doppelte übertrifft. Die meisten Arten sind Dämmernugs- salter. Hierher gehört als bekanntester der Wolfsmilchschwärmcr (Sphinx, euphorbiae). Seine Vorderflügel find bläst bräunlichgclb, oft rötlich überlaufen, mit olivengrüner breiter Mittelbinde. Die Hinterflügel schwarz, eine Mittelbinde und der Anstenrand rosenrot, der Jnnenraud mit weißem Fleck. Er ist der häufigste aller Schwärmer und findet sich vom Mai an in der Cypressen-Wolfsmilch, auf welcher auch seine schöne schwarze, gelb und rot gefleckte Raupe lebt. Die Puppe ist braun und ruht in der Erde. Der in seiner Färbung sehr veränderliche Lindenschwärmer (Sphinx tiliae) gehört hierher. Die Vorderflügel sind ockergelb oder grau und braun gewölkt, mit drei dunkelgrüneil oder rotbraunen, weist umrandeten Mittelflecken und weißlicher Spitze. Die Hinterflügel sind rot oder gelbbraun und tragen eine schwärzliche Binde. Die hellgrüne, mit gelben Seitenstreifen ge zeichnete und mit einem aufgerichteten Horne auf dem letzten Gliede versehene Raupe, lebt ans der Linde. Ein schöner Schwärmer ist auch das Abendpfauenauge (Smerinthus ocellatus). Die Hinterflügel find rosenrot und tragen ein großes blaues Auge ans der Mitte. Die216 Raupe findet sich auf Weiden und verpuppt sich in der Erde. Der größte heimische Schwärmer ist der Tote »ko Pf (Acherontea Atropos). Er trägt auf seinem dichtbehaarten Nückeuschilde eine gelbe, einem Totenkopfe ähnliche Zeichnung. Die Vorderflügel sind schwarzbranu, gelblich gewölkt. Die Hinterflügel ockergelb, zweimal schwarz gebändert. Er schwärmt im Herbst und giebt, wenn gereizt, einen pfeifenden Ton von sich. Die Raupe ist gelbgrün und blau gestreift. 4. Widderchen (Zygaenidae). Die Widderchen sind wenig zahl reiche, dickleibige, schnellflüglige Arten, zu denen der Blutstropfen oder das. Steinbach Widderchen (Zygaena Lonicerae) gehört. Die Vorderflügel sind beim Männchen dunkelblau, beim Weibchen grünlich und mit sechs blutroten Flecken, die oft znsammengelaufen erscheinen, besetzt. Die Hinterflügel sind rot, schwarz gesäumt. Die Raupen des Widderchens haben die Eigentümlichkeit, daß sie je nach dem Geschlechte verschieden gefärbt sind; die männlichen gelblich mit schwarzen Flecken, die weiblichen olivengrün mit weißen Streifen und schwarzen Punkten. Sie leben ans Kleearten. Eine wenig bekannte, aber beachtenswerte Unterfamilie der Widderchen, sind die Glasschwärmer. Die bezüglichen Arten zeichnen sich durch mehr oder weniger glashelle Flügel ans und besitzen einen immcnähnlichen Körper. Kurz erwähne ich hier den Hornissenschwärmer (Lesia apiformis). ©eine Flügel sind durch sichtig. Vorderrand und Adern rostbraun. Der Hinterleib verhält nismäßig lang, gelb und schwarz gebändert. Die Raupe lebt in den Wurzeln oder im unteren Stammende der Pappeln, ist gelbwciß mit dunkler Rückenlinie und schwärzlichem Kopf. Ans ihr erscheint im zweiten Jahre eine hellbraune, borstige Puppe. Abendfalter sind Schmetterlinge, die in der Dämmerung fliegen. Ihre Flügel sind schmal, die vorderen düster gefärbt, in der Ruhe horizontal auseinander stehend. Auch die Hinterflügel sind schmal. Sie verpuppen sich in leichten Geweben, zwischen Ansammengewickelten Blättern. IU. Nachtfalter (Nocturna,). 5. Spinner (Bombyeidae). Der berühmteste und zugleich der einzig nützliche Schmetterling ist der Seidenspinner (Bombxs inori).(Tafel 9, Fig. 9). Er ist gelblich oder schmutzigweiß; die Vvrder- fliigel mit zwei bis drei dunkleren Querstreifen. Die Raupe ist meist grau, zeigt indessen Abänderungen in's Grüne, Gelbe und Braune. Die Heimat des Tieres ist wahrscheinlich China, wo es schon vor mehr als 5900 Jahren gezüchtet wurde und wo zuerst der Seiden bau betrieben wurde. Bon hier kam das Tier nach Japan, Süd- »nd Westasien und später auch nach Europa. Das Gespinnst der Raupe, in welches sie sich zur Verpuppung einhüllt, besteht aus einem einzigen Seidenfaden von mehr als drei Kilometer Länge. Die rohe Seide ist weißgelb, grünlich oder schwärzlich, durch den anhaftenden Leim rauh und steif und muß daher in Seifen- lösnng gebracht werden. Zu einem gebrauchsfähigen Scidenfaden F!g. 84. Eier, Raupe und Puppe des Kiefcmsplnners. werden mehrere Fäden vereinigt und aufgehaspelt. Sehr schädliche Spinner besitzen wir in dem Kiefern- oder Fichtenspinner (Ga,s- tropcha pini). (Fig. 34). Das Tier ist braun. Die Vorderflügel weis; bestaubt, mit rostbrauner, schwarzbraun gerundeter, zackiger Querbinde und weißem Mondfleck auf der Mitte. Die schöne braun- und weiß grau gefleckte Raupe besitzt eine große Freßlust und dichtet vielfach Schaden an. Tie Verpuppung vollzieht sich in einem dichten Cocon. Der Ringclspinner (Gästropclia neustria) (Tafel 9, Fig. 8) ist ocker-218 gelb bis rotbraun. Die Vorderflügel mit einer dunklem hellgeran- deten Ouerbinde. Die Raupe besitzt rote und gelbe Streifen und bewohnt fast alle Obstbäumc. Auch der Weidenbohrer (Cassus llgnipcrcTa) gehört hierher. Der Schmetterling ist bräunlichgrau, schwarzbraun und weiß gewölkt, mit vielen Querstreifen gestrichelt. Die Raupe ist fleischfarben, glatt und ausgewachsen sehr groß. Sie lebt im Holze der Weide, Pappel, Eiche re. und ist mit sehr kräftigen Freßzangen ausgerüstet. Wegen den Waldverwüstnngen bekannt ist die Nonne (Liparis monacha). (Tafel 9, Fig. 6.) Ihre Vorderflügel sind weiß und vielfach zickzackartig schwarz gezeichnet. Der Hinterleib ist rostbraun. Sie ist der schlimmste Feind unserer Waldungen, der Schrecken des Forstmannes. Die grasgrünen, mit blau und roten Warzen besetzten Raupen halten sich am liebsten auf der Fichte und Kiefer ans, verschonen aber auch Laubwald nicht. Ihr Auftreten ist zu manchen Zeiten so massenhaft, daß die Zweige der Bäume sich unter ihrer Last beugen. Als letzten der Spinner nenne ich den braunen Bär (Arctia caja). Die Vorderflügel sind braun, mit weißen zusammenhängenden Flecken und Streifen versehen. Die Hinter flügel rot mit schwarzbrannen Flecken. Das Tier fliegt in warmen Nächten im Juni und Juli. Die mit langen schwarzen und braunen Haaren besetzte Raupe findet sich fast an allen niedrigen Pflanzen, da sie in der Kost nicht wählerisch ist. Die Puppe ruht in einem Gespinnste unter der Erde. 6. Eulen (Mctuackae). Die Enlcnarten sind in zahlreichen, meist kleinen unansehnlichen Tieren vertreten, von denen ich nur einige näher anführe. Die bekannteste ist die Kvhlenle (Mamestra brassica). Ihre Vorderflügel sind schwarzbraun, rotbraun gewölkt und mit einem weißgelben W versehen. Die Hinterflügel sind hellgrau. Das Gamma, Ipsilvn- oder Pistvlcncnle (Plasia gamma) besitzt aschgraue, bis rotbraune Vorderflügel, derenMitte ein goldfarbiges, griechisches Gamma trägt. Bedeutend größer und schöner gefärbt ist das blaue Ordens band (Catocala fraxini). Die Vordcrflügcl sind hellgrau, mit bräun lichen Zackenlinien und einem weißen Mittelfleck versehen. Die Hinter- slügel sind schwarz mit breiter hellblauer - Mittelbinde. Die ans der Pappel lebende Raupe ist aschgrau, mit einem schwarzbrannen oder gelblichen Wulst auf dem achten Gelenk. Auch das rote Ordens- band oder die Vachweidencule (Catocala nupa) ist ein schönes2.19 Tier. Ihre Vordcrflügcl sind düsterer gezeichnet wie die des blauen Ordensbandes, ihre Hinterflügel rot mit zwei schwarzen Mittelbinden. 7. Spanner (Phalaenidae). Die Rauhen der Spanner haben die. Eigentümlichkeit, sich durch spannende Bewegung, bedingt durch den Mangel der Beine an den mittleren Bauchringen, sortzubewegen. Hierher gehört der Ast- oder Birken spann er (Amphidasis betularia). Derselbe ist grauweiß, schwarz gestäubt, mit schwärzlichen, winkligen Qucrlinien und schwarz und weiß gefleckten Fransen. Das Tier fliegt Der Forst- §‘9- 35- Raupe n. Puppe d. StacholbcerspannerZ. mehreren wellenförmigen, dunklen Querlinien, deren mittelste immer undeutlich ist. Das Weibchen besitzt nur kurze Fliigclstnmmel. Das Tier fliegt erst im November und Dezember. Auch der Harlekin oder Stachcl- beerspanner (Abraxas Zrossulariata) gehört hierher. (Fig. 35.) Das Tier ist weiß, schwarzbraun gefleckt. Es zeigt sich häufig im Juli, und August in unseren Gärten. Nachtfalter sind Schmetterlinge, die erst nach der Dämmerung fliegen und bei Tage versteckt sitzen. Ihr Leib ist kurz und dick. Die Flügel meist düster gefärbt und in der Ruhe dachziegelförmig ansge breitet oder um den Leib gerollt. Raupen und Puppen sind sehr ver schieden, erstcre besitzen 10 bis lß Beine. IV. jrlcin-Schmcttcrliligc (Microlepidoptera). 8. Lichtmottcn (Pyralidae). Lichtinvtten sind kleine, gern dem Licht zufliegende Schmetterlinge mit langen Hinterbeinen Zu ihnen gehört die Saatmotte (Scopula frumentalis). Ihre Vorderflügel 'ind weißlich, mit gelbbraunen, ausgeschweiften Binden. Die Hinter esche und Eiche. den Hinter- flügcln heller. Die Vorder flügel220 flügcl weiß, bräunlich gerundet. Die Nanbe frißt im Frühling die Wurzelkeime des Getreides ab. Der Kohl-Zünsler (JBotis forflca- lis). Die Vorderflügel blaßgelb, mit schiefe», rostbraunen Streifen und einem Mittelfleck darin. Hinterflügel weißlich, mit braungelber undeutlicher Bogenbindc am Außenrande hin. Die Raupe ist häufig auf Kohl, Meerettig ec. zu finden. !). Wickler (Tortricidao). Wie zu den Lichtmotten, gehören auch zu den Wicklern nur kleine Schmetterlinge, von denen ich einige Arten .kurz vorführe. Der kleine Fichtenuadclmarkwickler (Tort,-ix na- nana) ist ans den Obcrflügeln in der Hauptfarbe schwarz, gelb und und blau gezeichnet, die Nuterflügel sind grau. Die Raupe ist dunkel- braunrot und höhlt die Radeln der Fichten ans. Zwischen zusammen- gezogeneu Fichtennadeln, in einem Cocon, findet ihre Verpuppung statt. Bekannter als dieser ist der Apfel Wickler (Carpocapsa pomonaiia). Die Vorderslügel sind bläulichgrau, fein gestrichelt, in der Aiitte eine Querbinde, am Außenrande ein großer sammetschwarzer, innen rostrot geringelter Fleck. Die Raupe lebt in den Früchten der Obstbäume. 10. Motten (Tineadae). Die Motten sind zahlreiche kleine Schmetterlinge, die sich aus den kleinsten aller Raupen entwickeln und zierliche Arten in sich vereinigen. Die Korn motte (Tinea granella) lebt als Raupe mit Vorliebe in Getreidehaufen, die Körner zerfressend und miteinander verspinnend.^ Die Raupe der Kleidermotte (Tinea sarcitella) nährt sich von Wollenstoffen aller Art und richtet in den Klciderschränken oft argen Schaden an. Auch die Wachs schabe (Galleria cerella) ist sehr schädlich, da sie in den Stöcken der Bienen vom Wachse lebt. Sie kann den ganzen Stock verderben, wenn die von ihr beschädigten Waben nicht sogleich entfernt werden. 11. Fedcrmotteil (Ptcrophoridae). Die Federmotte», auch Geistchen genannt, besitzen federartig gespaltene Flügel, lange Beine und scchs- zehnbeinige, nackte Raupen. Zn ihnen gehört die Fünffeder (Ptero- phorus pentadactylus). Das Tier ist schneeweiß. Die Vorderflügel, sind in zwei, die Hinterflügel in drei Teile geteilt. Klein-Schmetterlinge sind teils bei Nacht, teils bei Tage fliegende kleine Schmetterlinge. Ihre Raupen sind meist sechszehnbcinig, nackt.221 oder dünn behaart; leben meist bis zn ihrer.Verpuppung im Innern ihrer NaMnigsstoffc versteckt und spinnen sich später eine Pnppenhülle. IV. Zweiflügler (Diptera). Die Zweiflügler sind von den übrigen Insekten leicht dadurch zu unterscheiden, daß ihre Mitglieder nur zwei Flügel besitzen. Diese sind in der Regel glashcll, nur selten mit bunten Flecken gezeichnet oder behaart. Der Körper der Fliegen teilt sich deutlich in Kopf, Brust und Hinterleib. Der .Kvpf, welcher mit dem Brustkasten nur durch einen dünnen Faden verbunden ist, trägt außer den Fühlern zwei große Augen, häufig auch noch drei Nebenaugen. Brust und Hinterleib sind in verschiedenster Weise mit einander verbunden, meist bängt letzterer dicht an. Die fußlosen Larven der Zweiflügler leben in der Erde, im Wasser, in verwesenden Stoffen oder auch in lebenden Pflanzen, häuten sich nicht und vermögen Nahrung nur flüssig, durch Sangen aufzunehmen. Sie sind in Maden mit deutlich hornigen, Kopf und in solche mit keinem Kopf zn unterscheiden. Die Puppen und meist tonneuförmig, teils ähnlich wie das vollendete Insekt geformt. Das Summen mancher Zweiflügler wird entivcder durch die aus den Luftlöchern des Körpers strömende Luft oder durch die schwingenden und knitternden Bewegungen des Rumpfes hervorgebracht. I. Riifselfliegen (Proboscitlea). 1. Mücken (Nematocera). Bei den Mücken sind die Fühler meist viel länger als der Kopf und 6- bis 24-gliedrig. Die vorhandenen Schwingkölbchen, zurückgebildete Flügel, sind unbedeckt. Die Larven leben im Wässer bei den Stechmücken, in Pflanzenzellen bei den Gall mücken, in dcr Erde bei den Bachmücken. Als eine der gemeinsten heimischen Arten nenne ich die gemeine Stechmücke (Culex pipiens). Dieser leicht beschwingte blutsaugende Quälgeist belebt den ganzen Sommer hindurch in großen Schwärmen die Luft. Ihre Larven, mit dem frei abstehenden Kopf und zangenartigen Kiefern, hängen zn Millionen an dcr Oberfläche stehender Gewässer. Nach mehrmaliger Häutung verwandeln sie sich zur Puppe. Auch diese bewegt sich gleich der Larve im Wasser ans und ab. Nach acht Tagen schlüpft aus222 dieser die Mücke hervor, welche bis zur Erhärtung der Flügel auf der Hülle wie auf einem Kahn heruiufährt. Die Tiere vermehren sich sehr, ein Weibchen legt durchschnittlich 300 Eier, ans denen nach vier bis fünf Wochen das vollendete Insekt entsteht. Unter den Arten, welche der Landwirtschaft Schaden znfügcn, nenne ich die Hessenfliege (Cecidomyia dostructor). Sie ist berüchtigt durch den Schaden, welchen die Made im Getreide anrichtet. Sie beschädigt durch ihr Saugen die junge Getrcidcpflanze so sehr, daß sie abstirbt. 2. Flühe (Pulicina). Obgleich die Flöhe von den Zweiflüglern in mehrfacher Hinsicht abweichcn und eigentlich eine Ordnung für sich bilden, zahlt man diese Tiere doch den Zweiflüglern zu. Im aus- gebildeten Zustande leben sie vom Blut warmblütiger Tiere, als Larvcir von allerlei faulenden Stoffen. Am bekanntesten ist der Menschen floh (Pulox irritnns). Sciir Blutdurst und sein großes Springver mögen sind bekannte Dinge. Das Weibchen legt in einer staubigen Ecke seine Eier, nach etwa sechs Tagen erscheint hieraus die kleine weiße Made, welche sich nach weiteren elf Tagen in eine weiße Puppe verwandelt, aus welcher nach weiteren elf Tagen der Floh hervorgeht. Den hierher gehörigen, sehr gefürchteten Sandfloh (Pulex penetrans) in Amerika nenne ich kurz. 3. Fliege» (Brachycera). Die Fliegen sind alle geflügelt. Ihre Fühler meist kurz und nur dreigliedrig. Die Schwingkölbchen sind mit einer Schuppe bedeckt. Die Larven der Fliegen sind sehr ver schieden in Bildung und Lebensart. Am bekanntesten ist die Stuben fliege (.Vlu8oa domestica), welche dem Menschen mit rührender Treue und Anhänglichkeit überall hin folgt und sich.unter dem Polarkreise ebenso heimisch fühlt, wie unter den Wendekreisen. Im Herbste be obachtet man ein allgemeines Sterben unter den Tieren. Ihr Hinter leib erscheint dann weiß geringel; sic sind einem Pilze zum Opfer ge fallen. Das Weibchen legt 50 bis 120 Eier im Sommer im Pferde mist, die schon nach 24 Stunden die fußlosen, gelblichen Maden geben, welche sich nach 14 Tagen verpuppen und nach weiteren 14 Tagen die herauskriechcnde Fliege liefern. Auf Tafel?, Fig.5 ist die Wasserschwirrfliege (Eristal istenax) dargestellt. Die Schmeiß- oder Brummflicge (Musca vomitora)223 ist schwarzblau. Die Rinderbremse (Tabanus bovinus), die Stech fliege (Stanoxys calcitrans) k. 2 C. gehören hierher. Die Niisselfliegeu besitzen einen Schöpfrüssel mit fleischiger Lippe und mit Tastern. Ihre Brust ist häutig, die Beine in gewöhnlicher Stellung am Grunde dicht nebeneinander. II. Niissellose Fliege» (Eproboscidea). 1. Hausflicge» (Pupipara). Hierher gehört die Pferdelaus- fliege (üippoboscra egnina). Das Nückenschild ist glänzend braun, gelb gefleckt. Die Beine rostgclb, braun geringelt. Das ganze Tier ist stark behaart und lebt auf Pferden und Rindern, besonders an den haararmen Körperteilen und sangt Blut. Jede Fliege legt nur eine, schon entwickelte Puppe. Auch die Schaflans, Zeke oder Teke (Mclopliagus ovinus) gehört hierher. Sie ist rostgclb, der Hinterleib einfarbig braun. Sie findet sich häufig zwischen der Wolle auf Schafen,, oft in großer Zahl. Die riissellosen Fliegen leben als Parasiten. Ein Schöpfrüssel ist nicht vorhanden, sondern nur ein Rüssel, der ans einer zwci- klappigen Scheide besteht, zwischen welchem die Zunge liegt. Lippen und Taster fehlen. Die Brust ist lederartig. Hüftenglieder der Mittel beine weit von einander entfernt. Die Eier kommen schon im Leibe des- Weibchens aus, verwandeln sich hier in Larven und werden als Puppen gelegt. Diese Fliegen laufen sehr schnell. V. Uthfliigler (Neuroptera). Alle hierher gehörenden Arten sind zarte, langgestreckte Insekten mit meist nur schmächtigem Leib und mit vier großen Flügeln ver sehen, welche mit einem mehr oder weniger gegitterten Adernetze durch zogen sind. Die Fühler sind meist borstcnförmig, selten keulenartig. Sie sind mit beißenden Mnndteilen ausgerüstet, die indessen häufig ihrer Weichheit wegen zum. Beißen nicht gebraucht werden können. Die meisten Arten leben vom Raube von Insekten, fliegen gut, springen und graben indessen nie, wie es bei den Gradflüglern der Fall ist.224 Ausgebildet leben sie nur auf dem Lande, ihre sechsbeinigeu Larven dagegen meist int Wasser, jedoch auch auf dein Lande. Wasserjungfer, Eintagsfliegen und Nager haben eine unvollkommene, Frühlingsfliege», Ameisenlöwen und die anderen Arten eine vollständige Verwandlung dnrchznmache». 1. Pfriemcnhörucr (Lubulioorniu). Die erste Familie der Pfrieuieu- hörner bilden die Wasserjungfern, deren bekannteste die gemeine See- jnugfer (Oalopteryx virgo) ist. Sie richtet ihre blauen Flügel in der Frühe auf und findet sich überall in Europa in der Nähe der Gewässer. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen durch die räuchbrannen Flügel. Die Larve lebt int Wasser, wo sie mit großer Freßgier eine Menge anderer Insekten und deren Larven verzehrt. Die gemeine Wasserjungfer (Libellula vulgata) besitzt wasserhelle Flügel und einen rotgelben Körper. Die große Schmaljnugfer (Aeshna grandis). Ihr Körper ist gelb oder rotbraun, wenig gefleckt. Sic tummelt sich in waldigen und bergigen Gegenden im wilden Fluge umher. Wie ein Raubvogel stürzt sic sich im Fluge auf andere In sekten, packt sic mit ihren Grciszangcn und sangt sie aus. Die ge meine Eintagsfliege (Ephemera vulgata) ist braun. Am Hinter leibe trägt sic drei schlanke Borsten. Das vollkommene Tier lebt kaum 24 Stunden und bedarf daher nicht der Nahrung. An stillen Mai oder Juniabcnden fliegt das Tier in der Nahe des Wassers, in dem sic als Larve gelebt hat. Die Larve bohrt sich Gänge in das sandige Ufer der Bäche und lebt vom Raub. Bei den Wasserjungfern finden sich stark entwickelte Mundteile, sie leben als kühne und schnelle Jusektenräuber an Gewässern, in welchen sich auch ihre Larve entwickelt. Bei den Eintagsfliegen sind die Mnndteile verkümmert. Diese Tiere leben als Larve zwei bis drei Fahre im Wasser. Das entwickelte, fliegende Insekt lebt nur wenige Stunden. 2. Langhvrncr (Longicornes). Zn den Laughörncru gehört die Koch erfliege (Phryganea rhombica). Ihre Flügel sind gelbbraun mit zwei weißen Rantenflecken. Sie findet sich in der Nähe des Wassers und fliegt erst gegen Abend. Die im Wasser lebende Larve baut sich a»3 : Hälmchen und Spänen ein Gehäuse, in welchem sie lebt und wo'5 Das Tierreich. 225 ■ite sich verpuppt. Die gemeine Skorpionfliegc (Panorpa eom- iunis) ist gclbbraungrün; die Flügel mit drei schwarzbrauncii Binden. Sie ist ei» sonderbar gebildetes Insekt, dessen Kopf schnabclartig ver längert ist und dessen Leib beim Männchen in einer nach oben ge bogenen Zange endigt. Das Tier ist räuberisch und kühn und scheut üch nicht, größere Insekten anznfattcn, denen sie ihren Schnabel tief in den Leib bohrt. Die Larve lebt unter der Erde und nährt sich von verwesenden Stoffen. Die sonderbare Puppe schiebt sich nach der Erdoberfläche empor und läßt nach vierzehn Tagen die Fliege ent schlüpfen. Bekannter wohl als diese beide Arten ist die gemeine Florfliege (Hemerobius pcrla). Sie ist gelbgrün. Ihre Angen sind groß und wunderbar feurig-golden. Die zarten glashellen Flügel schillern in allen Farben. Die Larve befindet sich stets bei Blattläusen, unter denen sic sehr anfrüümt. Langhörner sind Gitterflügler, deren borsten- oder kolbenähnliche Fühler stets länger sind als der Kopf. 3. Nager (Gorrodentia). Eine in Brasilien lebende Art der Nager ist die Termite (Termes dirus). Sie ist ein äußerst schädliches Tier, welche ivie die Ameise gesellig lebt. Gleich diesen bauen sie kunstreiche Nester und zeigen innerhalb ihrer Staaten eine strenge Ein teilung in Bernfsllassen. An der Spitze ihres Staats steht eine Königin. Mehrere Arten bauen sich ans festem Thon hügelartige Wohnungen, welche eine Höhe von sieben Metern erreichen können. In jedem der Stocke finden sich außer einer Königin die geflügelten Männchen, nngeflügcltc Arbeiter und ebensolche Soldaten, welche mit starken Beißzangen ausgerüstet, für die Verteidigung zu sorgen haben. Kurz nenne ich hier noch die weiße Termite (Termes fatalis) und die zerstörende Termite (Termes destructor). Die HolzlauL (Psocus domesticus) gehört auch hierher. Sie ist schwarz, ihr Kopf rot, Fühler und Beine blaß; die Flügel unbehaart und durchsichtig. Nager sind Gitterflügler, deren Flügel nur wenige oder keine Adern aufweisen. Ihre stark entwickelten Mundteile sind zum Beißen eingerichtet. Sie nähren sich von trockenen, pflanzlichen und tierischen Stoffen.226 VI. Gradsiliglcr (Orthoptera). Tie Ordnung der Gradfliigler umfaßt Insekten mit einer un vollkommenen Verwandlung. Sic sind mit beißenden und kauenden Mnndwerkzeugen ausgerüstet und besitzen zwei ungleichartige Flügel paare. Manche Arten entbehren der Flügel gänzlich und entwickeln sich ans dem Ei ohne Verwandlung. Die Larve hat keine Flügel und erhält diese erst, nachdem sie sich durch mehrere Häutungen zum voll ständigen Insekt entwickelt hat. Bei den ungeflügelten Arten weicht die Larve nur sehr wenig vom entwickelten Insekt ab. I. Geflügelte Gradfliigler (Ortlloptvra). 1. Springer (Saltatoria). Als würdigster Vertreter mag die Mander- oder Znghenschrecke (Oodipoda migiatoria) die Zahl dieser Tiere eröffnen. Das Tier ist grünlich, die Decken braun gefleckt. Sic ist eines der schädlichsten Insekten, hat ihre Heimat in Klcinasieir und in der Tartarei; von dort überflutete sie Europa und hat sich besonders in den Steppen Rußlands festgesetzt, von wo sie zu Zeiten bis nach Norddeutschland vordringt. Ihre Gefräßigkeit, die keinem Halm verschont, ist unglaublich. — Wenn alles ruhig und still im Hanse, das Licht verlöscht ist, erschallen vom Herde die zirpenden Töne des Heimchens (Gryllus domesticus), gleich, als ob ein guter Schntz- gcist im Hause wache, an das Ohr der schlafenden Familie. Das Tier, welches diese Töne hervorbringt, ist gelblichgrün; Kopf- und Halsschild schwarzbrann gefleckt; die Flügel länger als die Decken. Sehr schädlich für die Land- und Forstwirtschaft ist die Maulwurfs grille (Gryllotalpa vulgaris). Das Tier ist braun und besitzt starke Grabbeine. Es lebt in weichem, sandigen Boden, in dem es tiefe Gänge gräbt; nur Nachts kommt es hervor und fliegt dann unge schickt umher. Durch Abfrcssen der Pflanzenwurzeln verursacht es vielen Schaden. Auch der Warzenbeißer (Locusta viridissima), das grüne Heupferd gehört hierher. Das Tier findet sich in Getreide feldern und macht sich hier durch seine walzenden schrillen Töne be merkbar. Dieser Gesang hat seine Ursache in der Bewegung seiner Flügel gegen die rauhen Hinterschenkel. Nicht übergehen will ich die Küchenschabe (Loriplanota oricntalis). Sie ist l cd erb raun und das Weibchen nur mit kurzen Flügelstnmmeln ausgerüstet. Ucbcrall findet227 sich das Tier in Wohnungeil au dunklen Orten, besonders in Küchen und wird hier, da cs sich stark vermehrt, sehr lästig. 2. Ohrwürmer (Forficuliua). Dieses sind nächtliche, gern in Höhlungen sich verkriechende Tiere, gu welchen als bekanntester der gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) gehört. Derselbe ist braun und unbehaart. Seine Fühler sind 14gliedrig. Geflügelte Gradflügler sind meist in großer Zahl erscheinende, von frischen Pflanzenstvffen lebende, sehr gefräßige und daher mehr oder minder schädliche Insekten. I?. Ungeflügelte, unechte Gradflügler (Aptera). 3. Lappciischwiinze (Thysanüra). Hierzu gehört unter anderen Tieren der zottige Springschwanz (Focknra villosa). Derselbe hält sich unter abgcsallenem Laub im Gebüsche auf und besitzt, wie andere seiner Familie, am Hinterleibe einen gabelartigen Anhang, durch den es sich in die Höhe schnellen kann. Auch der Znckergast oder das Fischchen (Lepisma saccliarina) gehört zu dieser Familie. Es ist einfach blaugrau, silberglänzend und lebt in Wohn- und Vorrats- räumen an dunklen Orten. Unechte Gradflügler sind Insekten ohne Flügel. Sic leben ge sellig an dunklen Orten und vermögen sich durch schnelles Ausstrccken ihrer Springgabel lveit fortznschncllcn. Andere Arten leben parasitisch ans Säugetieren und, Vögeln. VII. Halbflügler (llemiptera). Die Ordnung der Halbflügler, auch Schnabelkerfe genannt, ver einigt sehr verschiedene Insekten in sich, die indessen darin übcrein- stimmen, daß sie einen Schnabel zum Saugen besitzen. Eine Anzahl von ihnen ist ganz flügellos, bei anderen tragen nur die Männchen Flügel. Sind überhaupt welche vorhanden, so sind sic zu vieren und entweder dünnhäutig gleichartig oder ungleichartig. Sind sie ungleich artig, so decken die festeren Vorderflügel die Hinterflügel. Der Schnabel, welcher meist gegen die Brust znrückgeschlagen ist, bildet ihren Haüpt- charakter und scheint nur den Schildläusen zu fehlen. Die Larven 15 "228 unterscheiden sich Venn vollständigeil Insekt meist nur durch den Mangel der Flügel; bei den ungeflügelten Arten findet eine merkliche Ver wandlung überhaupt nicht statt. I. Wanze»» oder Nugleichflügler (Heteroptcra). 1. Landwanzen (Geocores). Von diesen widerlichen Kerbtieren nenne ich als erste die Bettwanze (Cimex lectularius). Sie ist der garstigste Plagegeist von allen Jnsektenartcn und überall der Begleiter des Menschen, von dessen Blut sie sich ausschließlich nährt. Ihr brauner flacher Körper ist flügellos und dicht behaart. Während der Tagesstunden hält sich das Tier verborgen, kommt indessen nach dem Dunkelwerden hervor und überfällt den schlafenden Menschen. Das Weibchen legt vier mal im Jahre je 50 Eier in die Ritzen der Wände: nach elf Wochen sind die Jungen ausgewachsen. Ein nützliches Tier ist die rotbcinige Baumwanze (Pcntatoma rufipes). Sie gehört zur Familie der Schildwanzen, welche ihren Namen von dem bis über die Mitte des Hinterleibes verlängerten Nückenschild tragen. Sie lebt meist auf Birken und nährt sich von Insekten, welche sic aus sangt. Sie trügt Flügel. Andere Arten sind die flügellose Fcner- wanze (Pyrrhocoris apterus). Dieselbe ist schwarz und rot, die Sanmwanzc (Syromastes marginatus) braun, rot gesäumt re. re. 2. Wasserwanzen (lllyckroooros). Der Schnabel ist bei den Wasserwanzen kurz gebogen und abstehend. Die Tiere leben im Wasser von tierischer Nahrung und fliehen nachts von einem Gewässer znm andern. Am bekanntesten ist von ihnen der gelbbraune Wasser- . st'orpion (Nepa cineria). Er findet sich in Wasserlachen, träge am Boden kriechend, Von seinem Hintcrleibe geht ein, die halbe Körper länge erreichender Faden aus, der zum Atemholen dient. Auch der Rückenschwimmer (Notonecta glauca) gehört hierher. Sein Körper ist walzig und graugelb. Er verdient seinen Namen mit Recht, denn mit dem Rücken nach unten schnellt sich das Tier im Wasser dahin. Das Weibchen legt seine Eier an Wasserpflanzen ab. Wanzen sind Halbflügler mit vier Flügeln; Oberflügel am Grunde hart, an der Spitze häutig. Schnabel an der Spitze der Stirn entspringend.229 II. Gleichflügler (Homoptora). 3. Zirpen (Oicadiua). Die Zirpen saugen nur Pflanzcnsäftei Ihre reichste Zahl und die größten Arten kommen in den Tropen por. Hier findet sich auch der surinamsche Laternenträger (l?ui§ora latornaria). Die Stirn des Tieres ist blasig aufgetrieben. Die Vorderflügel sind gelblich, schwärzlich gezeichnet, die Hinterflügel tragen einen großen Angenfleck. Die Spitze des Kopfes sollte nach Anssagen älterer Forscher leuchten, indessen glaubt heute kein Naturforscher mehr hieran. Das Tier findet sich im tropischen Südamerika. Die Sch au m- cikade (Aphrophora spumaria) ist gelbgrau, schwarzbraun gefleckt. Die Bordcrflügel tragen förmiger Gestalt wieder zwei schräge weiße Binden. / von sich. Dieser Schaum Das Tier lebt auf der hüllt die Larve vollkom- Weide und auf einigen men ein. Kurz nenne ich Wiesenpflanzeu. Die im Jfef noch die gemeine Sing- Frühjahr dem Ei ent- cikade (Cicada plebeja), schlüpfende Larve sticht V die in Südeuropa ver- die Futterpflanzen an und ' ^ BSllF breitet ist. Das Tier läßt giebt die denselben ent- ^ von Mittag bis Abend zogenen Säfte in schäum- stcbInuS ’ sein Zirpen ertönen. Der trommelartige Musikapparat liegt am Bauch und wird durch Atmung in tönende Bewegung verseht. 4. Pflanzenlänsc (Aphidina). Die Blattläuse leben aus Laubge- wächsen, hauptsächlich ans Holzpflanzen, meist an der Unterseite der Blätter, wo sie durch Aussangen der Säfte schaden. Die Rosen blattlaus (Apliis rosae) ist grün. Das Männchen trägt vier helle Flügel. Das Tier ist eine arge Plage der Rosenstöcke und überfällt diese oft in großen Scharen, verhindert dadurch die Entwicklung der Blüte und macht die Pflanze verkümmert. Auch die berüchtigte Reblaus (Phylloxera vastatis) (Fig. 36) gehört in diese Familie. Das Tier verwüstet die Weinberge. Als letzte Art nenne ich die kleine gemeine Tan neu laus (Chermes viridis). Sie bohrt sich mit ihrem Säugrüssel in die junge Tannenknospe und erzeugt hier dadurch eine zapfenförmige Wucherung, in welcher die Laus lebt.J 230 Gleichflügler sind Schnabelkerfe, deren vier Flügel meist von gleicher Art und häutig, selten pergamentartig sind. Der Schnabel entspringt an der Unterseite des Kopfes, nahe der Brust. III. Flügellose Schmarotzer (Aptcra). 5. Srhildliinse (Coccina). Unter den Schildläuscn ist die einzig nützliche Art die Cochenille (Coccus cacti), die ans den Kaktnsge- wächsen lebt. Das Weibchen ist beerenförmig, ungeflügelt und karmin rot, weiß bestäubt. Das gleichfarbige Männchen ist durch zwei weißliche Flügel, langgestreckten, wohlgegliederten Körper und zwei lange Schwanz borsten ausgezeichnet. Das Weibchen legt seine Eier in die Mutter pflanze, aus der nach acht Tagen junge Brut, welche schon nach sechs Wochen vollständig entwickelt und wieder fortpflanznngsfähig ist, her vorkommt. Die Weibchen werden gesammelt, gedörrt und so in den Handel gebracht, um als rote Farbe verbraucht zu werden. 6. Läuse (Pediculina). Die Läuse sind »»geflügelte Schmarotzer aus Säugetieren, deren Blut sie an stark behaarten Stellen mit ihrem ganz ansstülpbarcn Rüssel saugen. Die Tiere vermehren sich stark, kleben ihre birnenförmigen, harten Eier an Haaren fest. Die Eier öffnen sich durch einen Deckel, wenn die junge Laus hcrvorkriecht. Die Kopflaus (Poclicmln8 capitis) ist weiß und lebt nur auf dem Kopfe unreiner Menschen. Die Jungen sind schon nach achtzehn Tagen »ach dem Ausschlüpfen ans dem Ei erwachsen und fortpflanznngsfähig. Die Kleiderlaus (Packioulus vestimenii) ist gclblichweiß und schmäler und länger als die Kopflaus. Sie stellt sich hauptsächlich dort ein, wo die Unterkleider lange Zeit nicht gewechselt werden. Die Filz laus (Pecliculus pubis) ist wie ihre beiden Verwandten weißlich. Sic legt sich glatt dem Körper auf und bohrt, sich mit ihrem Kopfe lief in die Haut ein, wodurch sie ein sehr empfindliches Jucken ver ursacht. Flügellose Schmarotzer sind Schnabelkerfe, bei denen nur das Männchen zwei Flügel trägt. Die Tiere leben parasitisch auf Tieren oder Pflanzen.. \ 231 2. Hpiuncnliere (Arachnoidae). Bei allen Spinnentieren setzt sich der Körper aus zwei deutlich zu unterscheidenden Teilen zusammen: ans dem Kopfbrustteil, weil Kopf und Brust verwachsen sind, und dem Hintcrlcibe. Der Körper ist mit einer häutigen oder pergamentartigen Haut bedeckt und wird von acht Beinen fortbcwegt. Augen sind zwei bis zwölf, stets jedoch nur ein fach vorhanden, Fühler fehlen und eine Verwandlung findet nicht statt, wohl aber eine mehrmalige Häutung. Die inneren Atmungsorgane endigen am Hinterleibe und bestehen bei den Spinnen und Skorpionen aus zwei gefalteten Lnftsäcken oder bei den Afterspinnen und Milben aus mehreren ästigen Luftröhren, sogen. Tracheen. Die Fortpflanzung der Tiere geschieht durch Eier. I- Skorpione (Arthogastra). Die Skorpione sind lichtscheue Arten und durch ihren Bist oder Stich gefährliche oder lästige Tiere. Sie sind von Alters her ge fürchtete Tiere und nehmen die oberste Stufe bei den Spinnentieren ein. An ihrer Hinterleibsspitze tragen sie einen gekrümmten Gift stachel, der für kleinere Tiere, bei einigen Arten selbst für den Menschen verderblich und von tötlicher Wirkung ist. Die gefähr lichen Arten leben in den heißen Ländern und zu ihnen gehört der afrikanische Skorpion (Scorpio afer). Er ist der größte seines Geschlechts und lebt in Afrika und Indien. Sein Lauf ist schnell und dabei der Schwanz über den Rücken gebogen. Die Beute wird mit den Schccrcn ergriffen und mit dem Giftstachel getötet. In seltenen Fällen ist auch der Stich des Skorpions für Menschen ge fährlich. Ganz unschädlich, eher noch nützlich ist der von Milben sich nährende Bücherskorpion (Chelifer cancroides). Das Tier ist ver kehrt eiförmig und lebt zwischen staubigen Büchern, in Mappen rc. Den Spinnen schon sehr ähnlich ist die gem. Skorpions- spiune (Galcodes araneoides) oder Walzenspinne. Sic ist ocker gelb, ihr Hinterleib graubraun. Sie findet sich in den südrnssischcn Steppen, wo sie in Erdlöchern lebt, ist aber auch in Asien und Aegypten verbreitet. Skorpione sind Spinnentiere, deren Hinterleib geringelt und fitzend ist. Die Kiefcrntaster sind groß und tragen in der Regel232 Scheeren. Einige Arten besitzen einen langen Schwanz und einen Giftstachel, anderen dagegen fehlt beides. II. Spinnen (Araneina). Die Spinnen leben einsiedlerisch vom Rande der Insekten, welche sie niit einem, ans einer feinen Ocffnnng unter der Spitze der Oberkiefer strömenden Safte töten und dann aussaugen. Sie sind sehr gefräßig, schonen selbst ihres Gleichen nicht, können aber auch lange hungern. Die im Freien lebenden Spinnen sterben meist zu Anfang des Winters; größere Arten leben mehrere Jahre. Der eiweiß- artige Spinnstoff ist flüssig und klebrig, erhärtet an der Luft, sobald er aus den vier bis acht Spinnwarzen, deren jede aus 100 bis 400 feiner Röhren be steht, gezogen ist. Diese pielen Fäden lvcrden von der Spinne mit Hülfe der Füße gleich beim Heraus iehen zu einem Faden vereinigt. Diese Fäden dienen zur Herstellung der Wohnung, alsFal- lc fürJnsckten und zum Ueberspinnen der Eier. Die größte aller Spin nen ist die Bvgel- oder Bnsch- spinnc (Mygalo avicularia). Fig. 37! Vogclspinne. (Fig. 37.) .Das Tier erreicht etwa sechs Zentimeter Leibeslänge und ist schwarzbraun,dicht behaart. Die Spitzen der Beine, Taster und die Haare unter dem Munde rostrot. Das Tier lebt in Südamerika und. Afrika meist unter Steinen oder auch in hohlen Baum stämmen, lvo ihr dann auch kleine Vögel zur Beute fallen, die sie ein spinnt und ans- sangt. Ihre hauptsächlichste Nahrung bilden Insekten. Häufig bei uns ist die Kreuzspinne (Epeira diadema). Sie lebt in Gärten und Gebüschen, wo sie ihr radförniiges Fanggewebe ausspannt. Der Ban desselben ist äußerst kunstvoll und regelmäßig. In der Farbe ist die Kreuzspinne braunrot bis schwärzlich; der Hinterleib mit einemweißen oder gelblichen Kreuze verziert. Auch der Schneider (Pha- langium cornutum) ist bei uns häufig. Das Tier besitzt einen kleinen eirunden Leib, der von langen Beinen getragen wird. Es findet sich in dunklen Winkeln der Häuser, wo cs sich bei Tage gern verborgen hält. Die Hausspiune (Tegenaria clomestica) spannt ihr dreieckiges Gewebe in den Zimmerecken ans. Sie trägt auf bcm Hinterleibe einen braunroten Streifen, der von zwei schwarzen Strichen eingerahmt wird. Die merkwürdigste Lebensweise unter den Spinnen führt die Wasserspinne (Argyroneta aquatica). Sie lebt in stehenden oder sanft fließenden Gewässern. Der Hinterleib ist von weißgraucm Sammet haar bedeckt, welches die Luft festhält, sodaß ihm, Wenn die Spinne schwimmt, eine silberglänzende Luftblase umgiebt. Ans kleinen Luft blasen, die sie herabnimmt und an Pflanzenstcngeln befestigt, bildet sie unter Wasser ihr Nest, welches wie eine glänzende Glocke erscheint. Spinnen sind Spinnentiere, deren Hinterleib bald geringelt, bald ungeringelt und kurz gestielt ist. Die Kiefer sind klauenförmig, die Haut weich. Die meisten Arten besitzen Spinnwarzen am Hinterleibe. III. Milben (Acarina). Milben sind meist parasitisch lebende Tiere, die besonders häufig an Insekten sangen. Einige Arten leben von kleinen Tieren im Wasser oder auf Pflanzen auf sie rundlich, der Rücken der Erde, andere schaden höckrig. Sie bohrt sich In ihrer Körperform ist l * 19 ' ' 38, fta,eiml6c ' cus). Sie ist karminrot, schwarz gefleckt. Zn den Pflanzenmilben zählt die Cochenillmilbe (Tr.ombidium holosericeum) Sie ist zinnoberrot und verzehrt auf den Pflanzen allerlei kleine Insekten. nufere Lebensmittel. Zn diesen letzteren gehört die Käsemilbe (Acarus domestieus). (Fig. 38.) Ihr weicher, gewölbter hominis) ist weißlich. in die Haut der Hände, Ellbogen, Knice ein, gräbt hier lange Gänge, er zeugt dadurch den be kannten Hautausschlag und erregt ein unerträg liches Jucken. Zu den Wassermilben gehört die tanzende Wasser milbe (Atax histrioni-234 Milben sind Spinnentiere ohne Spinndrüseii und ohne besonderes Mückenschild. Sie besitzen keine Widerhaken am Säugrüssel. IV. Holzböcke (Ixoclea). Von ihnen nenne ich bcn Hvlzbock oder die Zeke slxaüc^ lieinns). Das Tier ist blaugran und trägt auf dem Leibe ein kleines Hornschild, lieberall häufig ans Gebüschen. Holzbvcke sind träge, auf Gebüschen lebende Spinnentiere, die sich mit ihrem Säugrüssel in die Haut der Säugetiere und Spinnen einbohren. Ihr Rüssel trägt Widerhäkchen. 3. Krustentiere (Crustacea). Die Familie der Krnstentiere bietet so verschiedene Körperformen und Verschiedenheiten im Körperbau, daß es schwer hält, ein allgemeines Bild von ihnen zu entwerfen. Alles sind weißblütige, flügellose Glieder tiere, deren Körperbedecknng kalkig, Horn- oder lederartig, selten häutig ist. Von Fühlern sind zwei bis vier vorhanden. Die Augen sind einfach oder zusammengesetzt, gestielt oder ungestielt, der Leib mit vielen, meist ungleichen Ringen und mit zehn oder mehreren sehr ver schieden gebildeten, in der Jugend nie fehlenden Beinen versehen. I. TanscndsMer (Myriapoda). Die Tausendfüßler sind wurmförmige, aus zahlreichen hart- 'chaligcn Gliedern, deren jedes ein Beinpaar trägt, zusammengesetzte Tiere. Der deutlich abgesetzte Kostf ist mit zwei Fühlhörnern und reißenden Mnndteilen ansgcstattet. Alle Arten sind lichtscheu und halten sich unter Steinen, nassem Laube, in faulendem Holze auf. Ihre Jungen besitzen zuerst drei Paar Beine, erhalten aber durch jede Häutung neue Glieder und dementsprechend mehr Füße. Der braune Steinkriecher (Lithobius forficatus). Das ausgebildete Tier hat siebenzehn Körperglieder mit fünfzehn Paar Gangfüßen und lebt in faulenden Banmstämmen. Sein Körper ist ockergelb. Der gemeineLiclsnß (Julus terrestris) ist rotbraun, dunkel lang gestreift. Das Tier gleitet mit seinem walzenförmigen Körper schlangenartig dahin, von mehr als hundert Beinen fortbcwegt. Die platte Randassel (Polydesmus complanatus) ist auf den Ringen mit pockenartigen Aus wüchsen versehen. Bon den zwanzig Gliedern tragen die ersten drei nur je ein Beinpaar, die Uebrigen mit Ausnahme der beiden letzten je zwei. Das Tier lebt unter Steinen oder hinter Baumrinde. Tausendfüßler sind Kerbtiere mit langgestrecktem Leib, bestehend aus zahlreichen, vollkommen gleichen Ringen, jeder mit ein bis zwei Beinpaarcn. Durch Luftröhren, zwischen den Ringeln atmende, licht scheue Tiere. II. Mein (Jsopoda). Von den verschiedenen Asselarten nenne ich kurz einige Vertreter. Die gemeine Wasserasscl (Asellus aquaticus) ist braun, gelb gefleckt, die Kngelassel (Armadillo- vulgaris) ist ungefleckt, grau; der Keller wurm (Poreellio scaber) ist schwarzgran, ungefleckt oder gelblich marmoriert, gcrandet und grob gekörnt. Asseln oder Gleichfüßer sind Krustentiere, die im Wasser und auf dem Lande leben, hier jedoch nur an feuchten, dunklen Orten .Vorkommen. III. Schalenluctzse (Malacostraca). Die Familie der Krebse nimmt einen scharf abgegrenzten Platz im Reiche der Gliedertiere ein. Alle sind fast ohne Ausnahme Wasser tiere und atmen daher wie die Fische durch Kiemen. Der Hautpanzer, den sämmtlichc Gliedertiere tragen, ist bei den Krebsen zu besonderer Festigkeit und Stärke entwickelt, er wird indessen bei den meisten Arten jährlich abgestreift und erneuert. Die Krebse gehen in der Regel frei aus Raub ans und sind dazu trefflich mit ihren Fang- schcercn, starken Kiefern und kräftigen Gliedmaßen ausgerüstet. 1. Echte Krebse (Decapoda). Zn den echten Krebsest gehört als bekanntester Vertreter der Flußkrebs (Astacus fluviatilis). SeineKörperform ist genügend bekannt, sodaß ich selbe nicht näher beschreiben brauche. Das Tier hält sich am liebste>l in fließenden Gewässern auf, an deren Ufer es sich zwischen Wurzeln von Bäumen oder unter Steinen Löcher gräbt, wo cs sich an: Tage verkriecht. Der Flußkrebs nährt sich hauptsächlich vonAas.Bom Flußkrebs un terscheidet sich der Hummer (Hemmnis Gammarus) nurdurch seine bedeutende Größe. Er findet sich an den europäi schen Küsten, besonders häufig in Nor wegen. Seine liebsten Auf enthaltsorte bilden die felsigen Küsten. Mit dem Hummer an Größe wetteifert die Languste (Palinurus vulgaris), welche keine Scheinen besitzt. Ihre Fühlhörner erreichen eine gewaltige Länge. Die Languste wird am häufigsten im Mittelmeer gefangen, wo man das Tier 6 bis 7V_ Fig. 30. HeufchrcckenkrcM. Kilo schwer, findet. Ein ganz sonderbarer Patron ist der Ein- siedlerkrebs (La- gurus Lornlrnrclus). Er ist von langer Ge stalt und steckt seinen weichen runden Fig. -IO. Flohkrcbs. Schneckenhäuser, die er mit sich hernm- schleppt und nur in der Nacht, wenn keine Gefahrdroht, verläßt. Wird diese Wohnung dem Tiere zu klein, so sucht er sich eine größere Behausung. Hinterleib in leere Der breite Taschenkrebs (Cancer pagurus) wird mehrere Kilo schwer und findet sich besonders in der Ostsee. Die gemeine Krabbe (Portunus maenas) lebt zu Millionen an der europäischen, vorzüglich an der adriatischeu Küste und liefert ein schmackhaftes Fleisch. Der Hen- schreckenkrebs (Squilla mantisj (Fig. 89.) gehört hier her. Das Tier lebt am Mittelmeer und liefert ein sehr wohlschmeckendes Fleisch. Vom Floh krebs (Gammavus pulox) gebe ich nur die Ab bildung. (Fig. 40.) >e sind Krustentierc, deren Kopf nub Leibesringel deutlich abgesetzt sind und deren Körperbcdeckung meist hart, kalkig, seltener hornig ist. Ihr Fleisch ist sehr vorzüglich.2. Muschelkrebs» (Entornostraca). Zu beit Muschelkrebsen ge hören Tiere mit verschiedenen Körperformcn. Die erste Familie nehmen nahe in der Mitte der- F>g. 41. Mülukkcntrcbs. (Oypris kusoa) er. er. Muschelkrebse sind Krebstiere, deren Kopf meist deutlich p sehen ist. Die Körperbedecknng ist in der Regel weich, dünn und bildet ein breites Schild oder eine zwciklappige Muschelschale. Es sind meist kleine Wassertiere, welche sich erst nach der dritten Häutung fort- pflanzen können. 3. Kopflose Krebse (Pscucloceplialti). Zu den kopflosen Krebsen gehörei: in erster Linie die Fischläusc. Sie schmarotzen an Wasser tieren und hauptsächlich an Fischen. Nach der ersten Häutung er scheinen bei den Tieren die Klammerfüße, welche mit Saugnäpfen oder Krallen ausgerüstet sind. Mit diesen klammern sie sich für immer an ihren Wirt an und verlieren dann nicht selten auch ihre Flossenfüße. Auf verschiedenen Süßwasserfischen lebt die Karpfenlans (Ärgulus foliaceus). Das Tierchen ist vlivcugrüm Dichclcstium sturionis lebt saugend an den Kiemen des Störs. Andere zahlreiche Arten be wohnen bald diesen bald jenen Fisch. Die Familie der Nankenfüßler beschließt die Krebstiere. Diese Tiere wurden lange den Muscheln beigezählt. Erst die Beobachtung ihrer Larvenform,welche fast ganz den Spaltfüßlcrn gleicht, offenbarte die Stachelfüßcr ei», zu denen der Molnkken- krebs (Eimulus poly- phemus) gehört. (Fig. 41) Die Oberseite des Körpers ist von zwei Schildern be deckt, deren oberes halb mondförmig, sechseckig und mit starken Seitenstacheln bcsetztist.Jndiescnletzteren ist der scharfe lind lange Stachelschwanz eingefügt. An der Bauchseite befindet sich die Mundöffnung, bei- selben, lind unigcben voll sechs Paar Gliedmaßen, welche Schcercn tragen. Das Tier bewohnt das chinesische Meer und den Golf von Mexiko. Weitere Muschelkrebse, jedoch be denkend kleiner als der Molnkkenkrebs, sind der Wasserfloh (Daphnia pulex), der vicrhörnige Hüpferling (Cyclops quadricoir.is) und der braune Muschelkrebs238 (tn: ie dem Ei entschlüpfende Larve bewegt sich frei im schwimmende Gegenstände. In europäischen Mee ren häufig. ihre Krebsnatur. Meere, erst nach mehrfachen Häu- tnngen setzt sie sich an Steinen oder Holz fest und er hält dann durch Ablagerung von Kalkplatten ihre Muschelgestalt. Hierher gehört die Enten muschel (Lepasanatifera). (Fig. 41). Das Tier heftet sich mit einem biegsamen, muskulösen Stiel ans im Wasser t 1 «- 41. Eni-nmusch-l. meist einen rüsselförmig verlängerten Saugmund lind die nnvollkonnnensten Krustentiere. Kopflose Krebse sind Krebstiere, denen ein eigent licher Kopf fehlt. Der undeutlich oder gar nicht ge ringelte, vorn ab gerundete Körper zeigt keine Sinnes organe und besitzt ans der Unterseite mit Kiefern. Es— 239 III. Gruppe. Müriller (Vermes). Die Würmer erscheinen als langgestreckte Tiere von sehr ver schiedener Größe. Ihr Körper ist bald gegliedert, bald völlig unge gliedert und trägt nie gegliederte Anhänge. Viele Würmer besitzen einfache Angen, fleischige Fäden an den Lippen oder gegliederte Fäden und Fühler. Ihre Saugnäpfe, Haken, Borsten oder mit Borsten be setzte Fleischhöcker, dienen als eigentümliche, ungegliederte Bewegungs organe. Von den im Wasser lebenden Arten besitzen viele ein deutliche» Gefäßsystem, welches oft mit rotem Blute gefüllt ist. Nie ist aber ein Herz vorhanden. Die Eingeweidewürmer sind ohne Atmungs organe, sie atmen durch die ganze Körperhaut und haben weiße Säfte. Fast alle Würmer sind auf tierische Nahrung angewiesen und daher zum größten Teile beständige oder zeitweise Schmarotzer. In feuchter Umgebung lebeir alle Arten. I. Kingel-, Glieder- oder R^twtirmer (Animlata). Unter den Ningclwürmern ist der bekannteste der allgemein ver achtete Negenwnrm (Immbrious terrestris). Der Regenwurm hält sich des Tags über in der Erde auf und kommt gewöhnlich nur bei der Dämmerung oder in der Nacht aus seinem Verstecke hervor, um seiner Nahrung nachzugehen, die aus den verschiedensten organischen Substanzen, hauptsächlich aus halbverwesten Blättern besteht. Er lebt an schattigen Stellen des Gartens, Waldes und Feldes und gräbt seine Röhren am liebsten in fettem, feuchten Boden. Im Winter zieht er sich zwei bis drei Meter unter die Erde zurück und hält hier seinen Winterschlaf. Der Regenwurm gehört zu den Tieren, die den meisten Verfolgungen ansgcsetzt sind und einer großen Zahl Tiere zur Nahrung dienen. Einen Schaden an Pflanzen re. richtet das Tier nicht an. Zur selben Familie gehört auch der medizinische oder deutsche Blutegel (Hirudo medicinalis). (Fig. 42.) Derselbe ist olivengrün, mit sechs240 rostroten, schwarzgefleckten Längsbindcn auf beut Rücken und schwarz gefleckt am Bauche. Die Blutegel sind Schmarotzer, die vom Blute anderer Tiere leben. Als Aufenthaltsort lieben sie stilles, weiches Wasser mit thonigem oder torfigcm Untergrund. Am Tage und bei Hellem Himmel schwimmen sie gewöhnlich mit schlängelnden Bewegungen umher, bei trübem und kalten Wetter liegen sie znsammengcrollt am Boden. Im Winter verkriechen sie sich in den Schlannn. An den beiden Enden des Körpers befinden sich Sangschalen. In der vorderen liegt die Mundöffnung, von drei halbrnndcn, seinge zähnten, nach kreissägenart sich bewegenden Kieferplatten umgeben. Künstlich gezüchtet bildet das Tier einen nicht unbedeutenden Handels artikel. Aehnlich ist der Pferdcegel (Haemopis vorax), den ich kurz nenne. Auch die Rückcnschuppcn Goldraupe von einer werg- ' Sie ist länglich- büschel schillern eirund; die Fig. 42. Medizinischer Bwtcgcl. in den schönsten Regenbogenfarben. An allen europäischen Meeresküsten häufig. Der Pier oder Fischer-Sanowurm (^.ronieoln piseutoruin) besitzt einen langen, walzigen Leib, jeder Ringel mit fünf Oüerfnrchen versehen Das Tier ist fingerdick und lebt zu Millionen im Sande der Nordsee küsten. Von den Fischern wird das Tier als Köder gebraucht. Ringel- oder Gliederwürmer besitzen meist einen deutlich gegliederten Körper. Ihr Mund befindet sich stets am Vorderende und ist oft mit Kauorganen versehen. Alle Arten legen Eier oder bringen lebende Junge zur Welt, einige pflanzen sich durch freiwillige Teilung fort. .Ihr Körper ist entweder rund oder glatt. II. Strudelwürmer (Turbellaria). Von ihnen nenne ich als ersten den Riesenschunrwnrm (vorlama Änsliaeb Sein Leib ist schnnrförmig, nicht sehr dick. Mund und After genau an den Enden. Das Tier kann sich ans seine fünffache1. u. 3. Klippenfische des roten Meeres; 2. Salpe, 4. Kieselschnecke, 5. Schirmqualle, 6. Venusgürtel, 7. Edelkoralle, 8. Katzenhaifisch, 9. Stachelroche, 10. Actinia cari, 11. Heliatis bellis, 12. Ragactis pulchra, 13. Zitterroche, 14. Actinia equina, 15. Seestern.241 Länge ansdehncn. Zwischen Steinen zusammengewundeu, lebt das Tier an den Kästen Englands. Hierher gehört auch der milchweiße Plattcnwurm (lllanaria lactea). Er ist länglich, vorn abgestutzt, fast gallertartig, mit gelblich oder violett durchscheinendem Darm, liebt auf der Unterseite der Blätter von Wasserpflanzen. Sehr gemein in Wassergräben. Strudelwiirmcr sind Würmer, deren Leib flach oder drchrund und nngeringclt ist. Sie bewegen sich durch Wimpern, durch welche sie auch ihre Nahrung an sich heranziehen (strudeln). III. Gingtmridemiirmer (Ilebninilia). Dem Namen nach am bekanntesten von den Eingeweidewürmern ist die Trichine (Trichina spiralis). Sie gehört zu den kleinsten, aber zu den gefährlichsten Eingeweidewürmern. Das Weibchen mißt drei bis vier Millimeter, das Männchen hiervon nur die Hälfte. Lange Zeit war mir die Muskeltrichine, d. h. die spiralig eingerollte Form des Tieres bekannt, bis erst im Jahre 1860 der Nachweis gelang, daß dieses Tier nur eine Art Larve ist, welche ihre völlige Ausbildung erst erhalt, wenn sie in den Magen des Menschen oder eines Tieres gelangt. Im Darm werden die kleinen, eingckapscltcn Würmer nach einigen Tagen geschlechtsrcif und bringen hier lebende Junge zur Welt. Diese kleinen, mit bloßem Auge nicht sichtbaren Tiere, bohren sogleich nach der Ge burt die Wandungen des Darmes durch und erzeugen hierdurch heftige Entzündungen. Nach Durchbohrung des Darmes begeben sich die Tiere zu den Muskeln der verschiedenen Körperteile, besonders in die Zwergfcll-, Brust-, Hals- und Kaumuskeln, die zarten Fasern derselben zerstörend, wobei Lähmungen, Unfähigkeit des Schluckens rc. hervor- gcbracht wird. Infolge Lähmung des Zwergfellcs oder allgemeiner Erschöpfung tritt in den meisten Fällen der Tod ein. Ucbersteht der Patient diese Krankheit, so ist er jeder Gefahr entronnen. Die Trichinen nehmen zwar an Größe zu, bis sie die Länge von einem Millimeter erreicht haben, bleiben jedoch ruhig in ihrem Versteck und rollen sich wie eine Uhrfeder hier zusammen. Mit der Zeit lagert sich um das Tier eine kalkige Kapsel ab und diese ist mit bloßem Auge zu sehen. Die zerstörten Muskelfasern werden durch neue ersetzt und die ciuge- Das Tierreich. 16242 kapselten Trichinen verfallen in einen Scheintot, bleiben jedoch Jahr zehnte lang lebensfähig. Ebenfalls für den Menschen gefährlich ist der Bandwurm (Taenia echinococus). Der vorderste Teil desselben erreicht etwa die Große eines Stecknadelknopfes und trägt die etwas hervortretenden Sangnäpfe. Es sind dieses Haftorgaue, die mit einem Kranze rückwärts gebogener Häkchen umgeben sind. An den Kopf seht sich ein dünner, bis zwei Zentimeter langer, ungegliederter Hals, hinter welchem die Gliederung beginnt. Der bandartige Leib zeigt vorn schmale, nach hinten stets breiter werdende Glieder, deren Zahl bis zu 4000 steigt und die zusammen eine Kette bis zu drei Meter Länge bilden. Jedes Glied ist ein Tier, der ganze Wurin eine Tierkolonie. Die Entwicklung des Bandwurmes ist folgende: die aus den ein zelnen Gliedern entstehenden Eier gelangen z. B. in den Magen eines Schweines, so wird ihre Schale durch die Berdauungsflüssigkeit gelöst,, das eiförmige, mikroskopisch kleine Tier, die Larve, mit seinen sechs Haken wird frei, durchbohrt die Wandungen des Magens und gelangt in den Blutstrom, von dem es sortgetragen wird. In einem der Ent wicklung zusagenden Teile des Körpers, z. B. den Muskeln, Augen, Gehirn, Leber, Knochen, Nieren ec. setzt sich die Larve fest und bildet sich zur Finne oder zum Blasenwnrm ans. Nach und »ach verschwindet das Wasser des Bläschens und das Tier umgicbt sich mit einer Kalk hülle. Wird solches, mit Finnen durchsetztes Fleisch gegessen, so be ginnen diese Tiere ihre neue Entwicklung in dem nencn Wirte, tnbetn die Kaltschale zerfällt. Der neugcbildete, mit dem Hakenkranz um gebene Kopf und die bereits gebildeten Glieder haken sich an den Magenpiänden fest und wachsen nun schnell zum Bandwurm heran, um nach kurzer Zeit wieder reife Eier und Glieder zu liefern. Aus jedem Glied bildet sich ein neues Tier. Ebenso interessant ist der Dreh wurm (Coeiiuius ccrcbralis) bei den Schafen. Bon diesen Würmern hängen mehrere an einer fast hühnereidicken Blase im Gehirn der Schafe und bewirken hier die sogenannte Drehkrankheit, bei welcher sich die Schafe stets nach der, dem Sitze des Wurmes entgegengesetzten Seite drehen. Solche Schafe sterben gewöhnlich an dieser Krankheit. Werden Hunde mit diesen Würmern gefüttert, so entwickeln sich nus ihncn Bandwürmer (Taenca coenurns) und ans den Gliedern, wenn Schafe dieselben gefressen haben, wieder der Drehwurm. Der gemeine Spulwurm (Ascaris lurabricoidcs) gehört auch hierher. Er lebt im Dünndarm des Menschen und ist durch Wurmmittel leicht zu vertreiben243 In trübem Essig leben kleine Würmer, die Essigälchen (Anguillula acetis), sowie in verdorbenem Mehlkleister das Kleisterälchen (Angu illula glutinis). Diese Tiere mögen genügen, ein Bild von den Ein geweidewürmern zu entrollen. Eingeweidewürmer sind Würmer, die entweder ständig oder zeit weise in, selten uns anderen Tieren als Schmarotzer leben und von den Säften ihres Wirtes sich nähren. Sie besitzen eine verschiedene ^ Gestalt und ebenso eine verschiedene innere und äußere Organisation. Ihr Körper ist weich, elastisch und biegsam, schleimig, meist farblos, drehrund oder flach, dann bandförmig, glatt und geringelt. Ihr Mund ist ohne Kauorgane und nur flüssige Nährstoffe anfzünehmen fähig. Sie atmen durch die ganze Haut. IV. M-ertirrchrn (Rotatoria), Zn ihnen gehören mikroskopisch kleine, selten nur einen Milli meter lange, undeutlich geringelte, durchscheinende Wassertiere. Der bald kolben- oder spindelförmige, kopflose, zuweilen geschwänzte Körper besitzt als Hauptcharakter ein einstülpbares Räderorgan ani Vorderende des Kopfes, am Eingänge des, oft mit zwei einander cntgegenstehenden, hornigen, gezähnten Kiefern versehenen Schlundes. Das Näderorgan besteht aus einer einfachen oder doppelten Reihe von Wimpern, sogenannten Flimmerhaaren, deren jede sich um ihren Anheftnngs- punkt dreht und dadurch eine schnelle, radförmige Bewegung hervor bringt, die bewirkt, daß ein kleiner Strudel im Wasser entsteht und dieser dem Munde Nahrung zuführt. Die Tiere pflanzen sich meist durch Eier fort, nur wenige bringen lebende Junge zur Welt. Sie wurden lange den Infusorien zngezählt. Die Geschlechter sind ver schieden gebaut, das Weibchen bedeutend größer als das Männchen. Das gemeine Wirbel- oder Nädertierchen (Rotifer vulgaris) findet sich in stehenden Gewässern, besonders im Negenwaffer häufig, wo es die verschiedenen Pflanzenteile gleich einem Schimmel überzieht. Das Näderorgan ist zweirädrig. Der Hinterleib besteht aus mehreren cylindrischen Teilen, die ineinander geschoben werden können. Ver trocknet das Wasser, so kuppeln sie sich zusammen, vertrocknen ebenfalls 16 *und werden nun zu Millionen vom Winde davongeführt. Fallender .Regen erweckt sie wieder zu neuem Leben. Hierher gehört unter anderen auch noch das gelbliche Wiinper- fifchchen (Ichthydium p 6 dura). Es ist oben gewölbt, unten siach. Das lange Borstentierchen (Cliaetonotus larus). Dasselbe ist ge streckt, stumpf-dreikantig, die Hinteren Nückenborsten länger. Es lebt im Schlamme stehender Gewässer ?c. ec. Nädertiere sind kleine Lebewesen mit fest anliegender, panzer förmig erhärteter oder gallertartiger Haut. Die Tiere sind nackt und besitzeil ein Nädcrorgan, welches einstülpbar ist. Sie leben fast nur in steheliden Süstgewässern.245 IV. Gruppe: Kanch- odcr Schleinttiere (Moxo^oa). Alle hierzu gehörenden Tiere besitzen einen weichen, schlüpfrigen, sehr dehnbaren Körper ohne gegliederte Gliedmaßen. Dieser Körper ist von einem verschieden gestalteten Hantsack umschlossen, dessen Schleim netz meist ein kalkiges, unbiegsames Gehäuse absondert, dessen schichten weise Bildung am ansgebildeten Gehäuse meist noch deutlich zu er kennen ist. Die Tiere besitzen entweder einen deutlichen Kopf mit Sinnesorganen oder sind kopflos. Bei allen jedoch sind die Organe des Kreislaufes, der Verdauung und Atmung sehr ansgebildct, so daß sie wegen ihrer vollkommenen innneren, wie die Glicdertiere wegen ihrer vollkommenen äußeren Organisation, den Wirbeltieren am nächsten stehen. — Die Bauchtiere, auch Weichtiere genannt, mit Gehäuse, heißen Schattiere, die ohne, nackte Weichtiere; Schattiere mit einfchaligcm, gewundenen Gehäuse, Schnecken, mit zlvci Schalen oder Klappen, Muscheln. Als Bewegungsorgane besitzen die Tiere flossenförmige Häute, fleischige Arme, die zugleich zum Greifen dienen oder eine fleischige Sohle am Bauche, den Fuß. Die meisten Arten bewohnen das Meer, wenigere das Land und die wenigsten die Süßgewässer. Einige Tiere besitzen Lungen und Kiemen und vermögen daher im Wasser wie ans dem Lande zu leben. Andere Arten leben sowohl im Süß- wie im Scewasser. Die Be wohner der Gewässer leben meist von Wassertieren, des des Landes von Pflanzen.246 '1. (Ceplialophora), I. Kopffüßer (Cephalopoda). Unter den Weichtieren stehen die Kopffüßer oben an. Ihr Kopf ist deutlich sichtbar nnd mit zwei großen Augen und Gehör organen versehen. Der Mund trägt zwei kalkige Kiefer nnd die Mnndvffnnug wird von vielen, mit Sangnäpfen versehenen Tast oder Fangarinen umstellt. Mit diesen vermögen die Tiere ans festem Boden zu schreiten, sowie sie mit den zwei häutigen Flossen an den Seiten des Körpers rudern. Der Rumpf ist meist mit einem sackförmigen Mantel, der vorn offen ist, umschlossen. Hierher gehört der gemeine Tintenfisch (8epia officinalis). Er besitzt abge rundete Hautlappen nnd eine weißliche, rot und schwarz getüpfelte Haut. Das Tier ist in allen europäischen Meeren häufig. Seine Rückenplatte (Os sepia) dient zu Zahnpulver, zum Polieren und als reiner, kohlensaurer Kalk zu manchen Heilmitteln: der Saft der Tinten blase zu Farbe (8epia). Auch der Achtfuß oder die Meerspinne (Octopus vulgaris) gehört hierher. Seine Haut ist körnig, die Arme sind sechsmal länger als der Körper. Das Tier ist sehr verbreitet und gehört dem Mittelmeerc fast ausschließ lich an. Die Farbe desAcht- fnßcs wechselt von weißgrml bis dunkel braun, je nach dem es sich in ruhigem oder erregten Zu stande befindet. Ans felsigci» Grund, zwischen Stei nen verborgen, lvo cs auf Beute lauert, hält sich das Tier auf. Ein sehr schön und zart gefärbtes Tier ist das Fig. 4L. PaplcrnaulUus. gemeine Schiffboot auch Papiernautilus (Argonauta Argo) ge nannt. Das Tier sticht in einer elastischen, papierdünnen Schale, die mit dem Körper des Tieres in keiner Weise verwachsen ist. Das obere Armpaar des Tieres ist lappig erweitert nnd wird als kräftiges Ruder gebraucht. Wenn Windstille ist, kommt der Nautilus an dieOberfläche des Meeres, wo er dann gewandt und schnell umherschwimmt. Seine Heimat ist das Mittclmecr. Kopffüßer sind Weichtiere, deren Kopf deutlich vom Rumpfe ge schieden-ist. An ersterein steht um die große Mundöffnung ein Kreis von kräftigen Armen, die mit Saugnäpfen versehen sind und zur Er greifung der Beute und zur Fortbewegung dienen. II. Flossenfüßer (Pteropoda). Zu dieser Familie gehört das nordische Walfischaas oder die nördliche Clio (Clio boralis) als die bekannteste Art. Das Tier hat einen spindelförmigen Körper mit deutlich abgesetztem Kopf und ein Flossenpaar am Halse. Sic ist die gewöhnliche Nahrung der Walfische. Flossenfüßer sind Weichtiere, denen entweder der Kopf fehlt oder ist er vorhanden, nur klein ist. Neben denselben befinden sich zwei flügelartigc Mantelklappen zum Schwimmen. III. Kmlchslisrcr oder Schnecken (Gasteropoda). Die Familie der Bauchfüßer umfaßt eine große Zahl von Tieren, von denen ich nur die nötigsten bringe. 1. Laiidschnccken. Sie atmen durch Lungen. Ihr Gehaust ist dünn, gewunden, einigen Arten ganz fehlend. Es sind meist Land tiere. Hierher gehört die große Weg sch necke (Limax empiricorum)i Sic ist schwärzlich und trägt vor der Mitte des gekörnten Schildes ein Atemloch. Das Tier findet sich häufig in Wäldern, ivo es sich von Pflanzen nährt. Die Ackerschnecke (Limax agiestris) ist weiß lichgrau und trägt schwärzliche Fühler. Sic kriecht nur vor Sonnen aufgang und ist sehr schädlich, besonders in den Gärten. Als Fasten- spcise gegessen wird die große Weinbergschnecke (Helix pomatia). (Tafel 8, Fig 6.) Ihr Gehäuse ist kugelig, gelbbräunlich, mit ver loschenen, rotbraunen Qucrbinden. Eirnndwalzig, stumpf, wenig ge streift, fast glatt und dunkelbraun, ist die Moosschraube (Pupa muscorum). (Tafel 8, Fig. 7.) Sie lebt unter dem Moose.2. Snßwasserschncckeu. Zu diesen gehört die große Teller schuecke oder das Posthöriicheu (?Ianorbi3 oorueuo). Das Gehäuse des Tieres ist duiikelbrauu. Ebenso bekaiim wie diese ist die große Sumpf-Schnecke (Linmaeus stagnalis). Ihr Gewinde ist ansge zogen, länglich eiförmig, hornfarbcu. Das Tier bewohnt stehende Ge wässer. Das Gehäuse der Ohrschlammschnecke (Limnaeus auricu- Iarius) ist im Gewinde kurz, eiförmig, fast so hoch als breit und gelb grau. Die Mündung desselben ist ohrförmig. Die »nn folgenden Arten, welche meist ausländische und Meer- bcwohner sind, trenne ich nicht mehr, sondern führe sic der Reihenfolge auf. Hierher gehört als erste die echte Wendeltreppe (Scalaria. preciosa). Das Gehäuse des Tieres ist weiß, es ist turmförmig und mit Querrippen versehen. Das Tier besitzt einen, in eine Schnauze vorgezogcncu Kopf mit langen, schlanken Fühlern und einem kleinen Fuß; es ist fleischfressend und sondert einen Pnrpursaft ab. Sehr schon ist die Leistenmuschel (Murex palmatus). Die Auswüchse au der Schale sind sehr mannichfachcr Art, bald wulstig, faltig oder- stachlig. Das Tier hat zwei nahe Zusammenstehende Fühler und einen kurzen Fuß mit hornigem Deckel. Auch die Haufenschnecke besitzt ein sehr schönes Gehäuse. Es ist eiförmig, mit scharfkantigen Längsrippen versehen und blau, braun und gelb gezeichnet. Der 5kopf des Tieres ist klein, der Fuß dagegen groß. Ein schon gefärbtes, spindelförmiges, in eine lange Spitze ausgezogencs Gehäuse besitzt die Faltenschnecke (llitra papalis). Rot und weiß sind in der Färbung desselben vertreten. Am Abschlüsse der Windungen stehen weiße Knöpfe. Am Kopf trägt das Tier einen langen Rüssel. Als letzten Vertreter der Schneckenarten nenne ich den gemeinen Seehasen oder Gistknttel (Aplysia depilaus). Es ist eine nackte Seeschnecke, deren Kopf vier Fühler trägt, von denen das zweite Paar wie die Ohren eines Hasen aufrecht stehen. Der Körper desselben ist grau gefleckt, seine Hornschale ist nur klein. Das Tier kann nur kriechen, nicht schwimmen und lebt vom Seetange. Die Schnecken sind unter sich sehr verschieden gebildete Weich - ticre, die aber immer am Bauche mit einer breiten, flachen Sohle ver sehen sind. Der Mantel oder das Gehäuse ist dem Rücken anfge- wachseu und unten offen. Der Kopf ist deutlich vom Rumpfe unter scheidbar und tragt zwei bis sechs einziehbare Fühler.2, Kopflose Weichtiere (Acephala). I. Muscheln (Concliifera). Die Muscheln im eigentlichen Sinne sind weiche, kopflose Tiere, deren Körper zwischen zwei Schalen, dem Mantel, liegt. Sie be sitzen zwei Paar Kicinenblätter, sind also Wassertiere und vermögen sich mittelst eines keilförmigen Fußes- welchen das Tier aus der Schale hervorstrecken kann, fortzubewegen. Von allen Muscheltieren spielt die Auster (Ostiea edulis) die höchste Nolle im Leben des Menschen. Dieselbe besitzt eine dicke, unregelmäßige Schale, mit welcher sie sich durch eine, von dem Tiere ansgcschwitzte, klebrige Substanz, fest an verschiedenartige Gegenstände unter Wasser anheftet. Die Vermehrung der Auster ist eine ganz riesige. Mehr als eine Million Junge vermag in einem Jahre eine alte Auster hervorzn- bringen. Seit 2000 Jahren wird das Tier gesammelt und lebend gegessen. (Tote und deshalb klaffende, schmecken schlecht und sind schädlich). Da nach dem Tiere rege Nachfrage ist, so wird es auf so genannten Ansterbünken gezogen. Diese Bänke entstehen dadurch, daß die fnßlosen Austern schon früh, meist in einer Tiefe von 10 bis 15 Klafter ans dem Sande oder an Meeresfelsen festwachsen und die Jungen sich ans den Schalen ihrer Eltern gleich wieder ausiedcln und so zu sc drei bis sechs Stuck untereinander verwachsen. Der Ver brauch an Austern in Europa beträgt mehrere Hundert Millionen. Eine sonderbare Schalcnform zeigt die Hammermuschel (Malleus vulgaris); diese sieht einem Hammer nicht unähnlich. Sie ist blättrig, innen mit Perlmutter überzogen. Das Tier hat eine» kleinen, wurm förmigen Fuß, womit es einen Bart spinnt und kommt selten, be sonders noch an den Küsten Ostindiens vor. Das größte aller Muschcl- tiere ist die Niesenmnschel (Tridacea gigas). Ihre Form ist quer eiförmig, die Nippen stark, mit aufgerichteten, wie Hohlziegel überein ander liegende Blöckchen und 250 Kilo schwer. Das Fleisch des Tieres ist eßbar; die Schalenklappen dienen zu Waschbecken w. In der Er nährung der Küstenvölker nimmt die Miesmuschel (Mvtilus edulis) eine hervorragende Stelle ein. Ihre Schale ist fast keilförmig, nach vorn gerade, zusammengedrückt eckig, nach hinten gekrümmt und meist einfarbig violett. An dem Tier fallt besonders der sogenannte Bart ans, der aus klebrigen Faden gebildet wird, welche dasselbe aus250 einer unter dem Fuße befindlichen Spinndrüsc absondert und mit dem es sich an Steinen, Pfählen w. nnheftet. Ilm sie 31t ziehen, pflanzt man Pfähle in das Wasser, die, nachdem sie drei bis fünf Jahre ge standen haben, sich mit Muscheln bedeckt zeigen. Die größte Auf merksamkeit wird von allen Muscheln der Meer-Perlmuschel (Melc- agrina margaritifera) gezeigt, weil sie die kostbare Perle enthält. Die Form des Tieres ist etwas quadratisch, nach oben abgerundet, grün- braun, weiß gestrahlt, mit schuppigen Lamellen in Längsreihen. Durch Taucher werden die Tiere oft tief ans dem Meere hervorgeholt, um die Perlen, eine Ausscheidung des Mantels, herauszusuchen. Die Schalen liefern das bekannte, zu verschiedenen Schmncksachcn zu ver wendende Perlmutter (Mutter der Perle.) Auch in den Flüssen kommt eine Perlmuschel, die Fluß-Perlmuschel (Unio margaritifera) vor. Ihre Form ist verlängert-eiförmig, schwarzbrann. Die Flüsse Sachsens, Baherns und die Haidebäche Lüneburgs re. beherbergen das Tier. Die Flnßperlen entstehen dadurch, daß die zwischen Klappen und Mantel oder zwischen diesen und Kiemen etwa gefallene Sandkörncheu sich mit der Masse überziehen, aus welcher die Klappen innen bestehen. Bekannter als diese ist die Malermnschel (Unco pictorum). Sie ist länglich eiförmig, hinten allmählig schnabelförmig endend, in der Farbe grüngelb. Alle Flüsse Deutschlands führen das Tier. Die Teichmnschel (Auodonta cygnea) ist stark gewölbt und grün, cvn- centrisch gezeichnet.. Sie lebt in schlammigen, stillstehenden Gewässern und ist über ganz Europa verbreitet. In der Nordsee sehr verbreitet und als leckere Speise gesammelt wird die stachelige Herzmuschel (Cardium echinatum). Das Tier trägt seinen Namen von der Form seines Gehäuses, welches ein herzförmiges Aussehen hat und mit glatten Dornen besetzt ist. Sehr merkwürdig ist die Scheidenmnschel (Solen vagina) geballt. Sie hat eine schmale, scheidcnartig verlängerte Schale. Das Tier ist mit einem dicken, keulenförmigen Fuß ausgerüstet, der ihm als treffliches Grab- und Bohrwerkzeug dient: gleich dem Maul- wurf gräbt cs sich damit tief in den Sand ein. Als letzte Art der Muscheln bringe ich die gemeine Pfahlmnschel oder den Bohr- wurm (Teredo navalis). Die Schale des Tieres ist stark gestreift und am Vorderende zugeschärft. Tie Häfen Europas sind von dem Tiere, welches durch Schiffe voil Indien eingeschleppt wurde, sehr heimgesncht, weil die Tiere Schiffe und Pfähle der Dämme so durch bohren, daß diese das Ansehen eines Schwammes bekommen.251 Muscheln sind kopflose Weichtiere mit einem zweilappigen Mantel, zwischen welchem zwei Paar blättrige Kiemen und der Mund sich be- sindcu. Am Bauche steht ein keilförmiger Fortsatz, der zum Fort kriechen dient. Wachsen die Tiere schon in frühster Jugend fest, so fehlt oder verkümmert dieser Fuß. Der ganze Leid wird von zwei Schalenklappen umschlossen, die an der.Nückcnseite mit Zähnen in ein- andergreifen (Schloß) und durch ein äußeres oder inneres sehniges Band (Schloßband) verbunden sind. II. Mantel!irre (Tunicata). Die Manteltiere sind in Folge ihrer Verwandlung sehr merk würdige Tiere. Die dein Ei entschlüpfenden Tiere schwimmen einige Zeit frei umher, setzen sich jedoch schon nach einigen Stunden mit einem ihrer drei Sangnäpfe an andere Körper fest, verlieren den Schwanz und sind nach drei Tagen vollständig den Eltern ähnlich. Zu ihnen gehört die Eier-Seescheide (Ascidia ovifera). Ihr Leib ist eiförmig, steif behaart. Sic sitzt an Felsen der amerikanischen Küste. Die violette See scheide (Diazona violacea) besitzt einen becherförmigen Körper und lebt im Mittelmcer. Auch die Niescn- Salpe (Salpa maxima), welche auf Tafel 10 Fig. 2 abgcbildet ist, gehört hierher. Es ist ein zartes, durchsichtiges Tier, dessen Organe wie bei den Muscheln, in einen Mantel ciiigcschlossen sind. Durch eine vordere Oeffnung nehmen sie Wasser in eine weite Höhlung ans, ziehen den ganzen Körper zusammen, lassen das Wasser durch eine hintere Oeffnung entweichen und treiben sich so stoßweise fort. Im Dunkeln gicbt das Tier einen leuchtenden Schein von sich. Mantcltiere sind schalenlosc Weichtiere ohne Kopf und Glied-' maßen. Ihr Körper ist von einer lcderartigen, sackförmigen Hülle mit zwei Ocffnnngen »mschlosscn, einer vorderen, dem Munde und einer Hinteren, dem After entsprechend.— 252 V. Gruppe: gtrtlljdljmitrr (Echinodermata). Tic Stachelhäuter, als deren Nepräsentanteu Seeigel und See sterne dienen können, sind ausschließlich Meertiere. Ihre verkalkte Haut ist häufig mit Stacheln besetzt. Ihre Mundöffmmg liegt ent weder unten oder am Vorderrande und ist von feinen, ausdehnbaren Fühlfäden umgeben. Zur Fortbewegung und zum Aufsaugen der Nahrung dienen meist hohle, walzigc Saugnäpfe, die strahlenförmig vom Munde auslaufende Neihen bilden. Organe zur Atmung sind meist nicht vorhanden, sondern die ganze Oberfläche des. Körpers ver? tritt dieselben. Alle sind meist träge Tiere, die sich nur am Boden aushaltcn. I. Seeigel (Echinoidae). Ein würdiger Vertreter dieser Familie ist der gemeine Seeigel (Eebious escileiitus). Das Tier ist fast kugelig, schwach warzig. Tie Stacheln sind kurz und meist düster blau in der Farbe. Wird das den Körper umgebene Stachelklcid entfernt, so zeigt sich ein, das Innere umschließender, vielfach durchbohrter Kalkpanzer, der aus zwanzig Neihen nntercinander fest verbundener Kalkplättchen besteht, welche von einer in der Mitte der Oberseite liegenden Oeffnnng nach der Mitte der Unterseite, wo die Mundöffnung sich befindet, laufen. Der Seeigel ist sehr verbreitet und kommt im Mittelmcer auf felsigen, Goden massenhaft vor. Stumpfstachlig ist der Türkenbund (Echinus mammillatus). Er ist eine merkwürdige Form aus dem Ocean mit keulenförmigen, rot, blau und weiß gezeichneten, großen Stacheln. Seeigel sind Stachelhäuter, die eine aus zwanzig Neihen Täfelchen zusammengesetzte, in der Negel halbkugelige SchalenhüÜe, mit zwei großen Ocffunngen (Mund und After) und mit vielen willkürlich be weglichen Stacheln besitzen. Die Schale besitzt fünf Doppelreihen v«>253 Löchern, aus welchen die weichen Füßchen hervorragen. Die Mnnd- össnung besitzt einen fünfzähingen Kauappamt. (Laterne des Aristoteles). 11. Seesterne (Asterias). Wie der Name „Seestern" schon sagt, besitzen diese Tiere einen sternförmigen Körper, um eine rundliche Mittelscheibe. Manche Arten erscheinen nur als fünfeckige Scheibe, andere mit langen, schlangen- förmig gewundenen Armen und kleinem Mittelflück. Der würdigste Vertreter dieser Familie ist der gemeine Seestern (Asterias rubens.) (Tafel 10, F-ig. 15.) Das Tier ist rötlich und tragt fünf lanzett förmige Strahlen, welche auf dem Rücken kurze, stachelige Warzen haben. Dieser Seestern ist an den europäischen Küsten mit dem pommeranzenfarbigen Seestern (Astems aurantiaca) die häufigste Form. Eine fünfseitige Scheibcnform zeigt der gelblichweiße Aste- riscus verruculatus. Seesterne sind Stachelhäuter mit flachem, scheibenförmigen Leib, der mit vielen Stacheln besetzt ist und in 5 bis 25 einfache oder ver ästelte Arme oder Strahlen geteilt ist. 111. SetMlllM (Holotlraridae). Die über alle Meere verbreiteten Seewalzen besitzen einen schlauchartigen Körper mit mehreren Reihen von Saugfüßen und eine große Mundöffnung, die von einem Kranze gefranster Kiemen umrahmt ist. Hierher gehört die Seegurke (tlolothuna tubulosa). Die Farbe derselben ist dunkel rotbraun. Die Bauchseite besitzt mehrere Hundert einziehbarer Füßchen. Sie lebt int Mittelmeer unter Steinen. Im indischen -Ocean findet sich die eßbare Seewalze (Ilolothuria edulis), welche für die Chinesen gesammelt wird und daher ciu wichtiger Handelsartikel ist. Seewalzen sind Stachelhäuter, deren Leib walzenförmig und mit kurzen Füßen zum Fortschiebcn versehen ist. Die Mnndoffnung steht vorn und ist mit einziehbaren, gefransten Fühlern umgeben.i, 254 IV, Haarsterne (Crinoidca). Die Haarsterne zeichnen sich durch eine außerordentliche Be weglichkeit ihrer langen Arme aus, welche an der Unterseite der rundlichen Mittelscheibe eiugefügt sind. In der jetzigen Fauna sind sie nur in wenigen Arten vertreten, während sie in früheren Erd- cpochen zahlreich anftraten. Zn ihnen gehört Oplüura fragilis mit fünf langen Armen. Das Tier befindet sich im atlantischen Ocean und in der Nordsee, ist äußerst zerbrechlich und gelb gefärbt. Die verlorenen Glieder werden durch neue bald ersetzt. Das Meduscn- hanpt (Pentacrimis caputniedusae) besitzt zehn sich wiederholt gabelig teilende Arme. Es lebt in großen Tiefen im westindischen Fig. 44. Mittelmccr-Aäürstcruc. A. Gruppe junger Tiere mit dein Stiele auf ciucr Seepflanze fest sitzend: n. After: d. Muno; 0 . junges noch nicht entwickeltes Tier. B. Ausgcbildctc Haarsterne: n. Aster; l>. Mniid. Meere auf steinigem Boden, auf welchen es sich ans langem und biegsamen Stiel erhebt. Das obere Ende dieses Stieles trügt den eigentlichen, kelchförmigen Körper, welcher von rankenförmigen und ver zweigten Armen umgeben ist. Dem Mednsenhanpt gleichend, jedoch ohne Stiel, ist der mittelländische Haarstern (Comatula medite- ranea). (Fig. 44.) Er kriecht mit Hülfe seiner zehn rankenartigen Haare auf dem schlammigen Grunde des Meeres. Haarsterne sind Stachelhäuter, deren becherförmiger Körper fast immer an einem langen, gegliederten Stiel festgewachsen ist. Der Be'cher besteht in der Regel aus fünf gegliederten Armen, in deren Mitte der Mund steht. -—- -—-255 VI. Gruppe: Mageil-M'Mtiere (Co eienter ata). Bei den Magendarmtiercn ist der Darm als Darm und Leibes höhle thätig. Er ist Bcrdauungs-, Gefäß- und Atmnngssystcm zu gleich. Ständig führen ans dem Mageninneren bewimperte Wasser kanäle nach außen oder in ein Ringgefäß. Durch diese Organe wird eine Wasserströmung hervorgcbracht und dadurch eine Ernährung, Kreislauf und Atmung bewirkt. Die Vermehrung der Tiere erfolgt durch Eier und zwar in verschiedener Art. Bei manchen Arten ent steht aus dem Ei eine ei- oder kugelförmig bewimperte Larve, welche zuerst frei im Meere umherschwimmt. Nach einiger Zeit entsteht an einer Stelle des Wimperkleides ein kurzer Fortsatz. Die Larve setzt sich fest, verbreitert sich an dem freien Mundende und entwickelt vier und weitere zahlreiche polypenähnliche Seitenstrahlen und Fangarme. Durch Knospung bilden sich weitere Fortsätze und so entsteht eine Kolonie von Polypen mit gemeinsamen Magen. Aus den Knospen des Polypen bilden sich erst Quallen, die sich bei vollendeter Reife abschnüren. Die hierher gehörenden Arten bewohnen alle Meere aller Zonen, schwimmen bald frei umher und treten in großen Zahlen ans, bald bilden sie stehende Bänke. Bei Hellem Wetter und des Nachts kommen manche an die Oberfläche; bei Sturm suchen sie größere Tiefen aus. Biele derselben strömen Licht ans und tragen dazu zum Meeres leuchten bei. I. Uuallen (A'calepha). Die Quallen nehmen die erste Stufe in dem großen Kreise der Magendarmtiere ein. Bei ihrer großen Artenzahl zeigen alle einen bald mehr, bald weniger scheibenförmigen Körperbau von gallertartiger Masse, welcher mit langen Fangfäden ausgerüstet ist. Diese Fang- fädcn sondern einen scharfen Nesselsaft ab. und dienen zur llm- strickung kleiner Tiere, deren als Nahrung die Quallen bedürfen.. Die Färbung des Quallenkörpers ist zart und durchscheinend; hell256 Zn de» Nippenqnallen gehört der auf Tafel 10 Fig. 6 abgebildcte Venusgürtel Vensris). Das Tier erscheint als ei» langes Band, welches an den Rändern zarte Fransen trägt. Auch die Meloncnquallc (Cydippe pileus) gehört hierher. Sie ist fast kugelig und bläulichgrün, ihre Fangfäden weiß und sehr lang. Zn de» Schirmquallen gehört Pelagia »octiluca, die geh auch auf Tafel 10 Fig. 5 befindet. Durch den im Dunkeln von ihr ausströmcnden Glanz trägt sie zu der bekannten Erscheinung des Meerlenchtens bei. Zn den Nöhren- quallen zählt man Physalia atlantica. Sie ist wohl die schönste aller Quallen. Auf der Oberseite ihres Körpers trägt sie eine kaminartige Erhöhung, welche sie scgelformig ausbreitet, um die Fortbewegung da durch zu fördern. Quallen sind Magendarmtiere von gloclen-, scheiben- oder band förmiger Gestalt, die frei im Meere schwimmen. Ihr Körper besteht aus sehr weicher, gallertartiger Gewebemasse und trägt mit Nessel kapseln versehene Fangarme. II. Polypen (Polygn Die Polypen, auch Pflanzen-, Korallen-und Blnmentiere genannt, sind meist festsitzende Tiere von cylindrischcr Form mit einer nach oben gerichteten Mnndöffunng, die von einem reichen Kranz sehr- beweglicher Fühler umgeben ist. Der Magensack ist kurz und die Mvndöffnnng führt direkt in denselben. Unter diesem liegt die in Fächer geteilte Leibeshohle. Tie Vermehrung der Polypen geschieht meist durch Keimung, indem Knospen au verschiedenen Stellen des Muttertieres hcrvorbrcchcn, mit diesem mehr oder weniger festwachsend Ans diese Weise entstehen Tierkolonien oft von großem Umfange, welche, da ihre Körperbedeckungen meist verkalken, förmliche Felsen bilden. Nicht beständig festsitzende Polypen sind die Äktinien oder See rosen. Langsam können sie ihren Wohnort verändern und sich ans ihre Fnßschcibe beliebig festsetzen. Sie bilden nie Kolonien, sondern leben als Einzeltiere in allen Meeren. Ihre Vermehrung geschieht durch Eier. Zn den viclgestaltencn Arten, von denen Tafel 10 einige bringt, gehört die Korallenseerose (Actinia equiria). (Tafel 10, Fig. 14.) Sie findet sich im Mittelmeer und ist durchweg von schöner roter Farbe mit blangesänmtcn zahlreichen Fangfaden. Die dickhörnige See-17 rose (Teaiia crassicornis) ist ebenfalls rot und nach ihren glashellen Fangarinen so genannt. Ihr Körper erhebt sich nur wenig über deni Boden, ist aber dafür sehr breit. Ander atlantischen Küste Europas in Felslöchern findet sich das Tier. Die Orgelkorallc (Rubipora nmsica) ist blutrot und zeichnet sich durch die zierliche Zusammen setzung des Stockes aus. Die einzelnen Röhren verwachsen nicht mit den Scitcnwänden, sondern steigen wie Orgelpfeifen neben einander .ins um- in ni'tnifiiMr Dunkeln berührt, einen ist ein nächtliches Tier Fig. 45. Teil ein«.- sfm-nttc . sind kürzer als der und strahlt, wenn im mit bcr - d°lypc>i. ausgedehnte Leib. Er findet sich häufig an Wasserpflanzen in Teichen und lebt von Wasser flöhen. In einem festgewachsenen Polypenstocke sitzen die Pflanzcn- korallen, zu denen die auf Tafel 10, Fig. 7 und Fig. 45 ab gebildete rote oder Edelkoralle (Corallium rubrum) gehört. Als kleines Bäumchen festgeheftet, wächst sie ans Felsboden, in einer Tiefe von 40 bis 100 Faden und kommt ausschließlich im Mittelmeer, besonders an der Küste von Algerien vor. Die zierlichen, mit einem weißen Fangarmkranz geschmückten Polypen verteilen sich unregelmäßig über den roten Baum. Das Achsenstück des Stammes und seiner Aestc wird zu Schinucksachen verwendet. In den tropischen Meeren entstehen durch die Ansiedlung der Korallen, z. B. durch die gemeine Labyrinth kor alle (Maeandrina labyrinthica), die gemeine Porenkoralle (Pocillopora damicornis) rc. an den Küsten, Jnselrändern und Klippen große zusammenhängende Kalkmassen oder Korallenriffe. — Polypen sind Magendarmtiere, die teils festsitzen, teils sich frei, wenn auch nur beschränkt, bewegen können. Ihre Vermehrung ge schieht meist durch Keimung, indem Knospen an verschiedenen Stellen des Muttertieres Hervorbrechen, teils durch Eier. im Schlamme steckt die rote Seescder (Pon- natula rubra). Sie kurzen Lichtschimmer aus. Von den im süßen Wasser lebenden Po lypen bringe ich den grünen Arm polyp kleine Tierchen ist leb haft grün. Die Fühler (Hydra viridis). DasITT SchMlNIIle (Spongiae). Die Schwämme sind alle Meeresbelvohner. Ihr festgewachsencr, strauch-, becher- oder klumpenförmiger Körper ist von .Kanälen durch setzt, welche ein regelmäßiges Ein- und Ansslrömcn des Wassers und dadurch die Zufuhr von Nahrungsstoffen vermitteln. Bei den Kalk- schwämmcn ist die Oberfläche mit feinen Kalknadeln besetzt, bei den Kiesclschwämincn bildet sich im Innern eine Art Skelett von mannichfach gestalteten Nadeln, Haken und Sternen ans kieseligem Stoff. Zahlreich sind die Schwämme in allen Meeren. Am bekanntesten im Skelett ist der Badeschwamm (Lpongin usitatissima). Er ist. krciselförmig, filzig, sehr porös, oben ansgehöhlt, mit in Reihen stehenden Löchern und seine hornige Masse ist im Wasser unlöslich. Aus diesem Faserskelett und in seinen Kanäle», bereitet sich bei denn im Meere lebenden Schwamme eine eiweißartige, klebrige Substanz, (Sarkode oder Protoplasma genannt) ans, die sich unter dein Mikros kop betrachtet, von vielen kleinen Oeffnungcn durchsetzt zeigt. Diese kleinen Oeffunngen setzen sich nach dem Innern zu in zahlreiche kleine Kanäle und blasenförmige Räume fort, welche von kleinen, beweglichen Zellen ansgekleidet werden, deren jede eine bewegliche Wimper trägt. Oft zeigen sich auch ganze Kanäle mit Wimpern besetzt. In diesem Kanalsystem eirknliert beständig ein Wasserstrom, der Nahrung znfiihrt und nnbranchbare Stoffe abführt. Die, das Innere füllende, bewegliche Masse verbraucht die zugeführte Nahrung teils znm Aufbau des Faser- skelettes, teils zur Vermehrung. Der Schwamm bildet also eine Kolonie einzelner Tiere. Die Vermehrung erfolgt durch Eier oder durch Teilung. Die von Schwammfischern gesammelten Schwämme lverden ge knetet und gewaschen, bis die schwarze Oberhaut und die in den Fasern befindlichen Tiere vernichtet sind, und geben dann den Badeschwamm. Zur Familie der Kicselschwämme gehört noch Axinella po'lypoides.. Das Tier ist walzenförmig und lebt im Adriatischen Meere. Schwämme sind Manteltiere, die festsitzen ans und Zellen zn- sammengcsetzt sind. Jeder Schwamm ist als eine Kolonie sehr einfach gestalteter Einzelwesen zu betrachten. Diese Einzelwesen sind mitein ander verwachsen, erhalten sich gemeinsam und bauen ein gemeinsames. Fnsergernst, in welchem sie leben.VII. Grupp, ilti'tUUl' (Protozoa). Die Urtiere sind meist mir mikroskopisch kleine Wassertierchcn, deren Organe ohne ein bestimmtes System geordnet sind. Besondere Organe für die Lebensberrichtnngen als: Ernährung, Atmung zc. fehlen. Ihr Körper besteht in seiner einfachen Art ans einer form losen, flüssigen, ciweißartigen Substanz (Sarkode oder Protoglasma), in welcher sich Körnchenströmnngcn bemerkbar machen und welcher bei höherer Ausbildung einen oder mehrere Kerne zeigt. Die Körpermasse besitzt nach außen hin keine bestimmte Abgrenzung und verändert be ständig ihre Form. Die Aufnahme der Nahrung geschieht bei den Urtieren durch den ganzen Körper, sie ist endosmotisch. Besondere Bcwegungs- und Empfindungsorgane fehlen, die Ortsbewegung lvird ermöglicht durch stellenweise Ausdehnung, Zusammenziehung und Fvrmeuabüuderung des ganzen Körpers! Eine Empfindung zeigen die Urtiere für äußere Reize, z. B. leise Berührung, Erschütterung, Helle Beleuchtung, wo durch sie zu auffälligen Bewegungen hingerissen werden. Ihre Ver mehrung erfolgt durch Teilung, Knospung und durch Eier. Verbreitet sind die Urtiere überall. Auf die Aufzählung der einzelnen Arten kann ich mich nicht ein lassen, wenn auch gerade ihre Lebensformen zu den interessantesten im Tierreiche gehören. Unterschieden werden die Tiere in Aufgnß- tierchen (lnfusoria) und in Wurzelfüßer (Rhizopoda). Die Bedeutung der Infusorien für den Naturhanshalt ist sehr- groß, da sie einerseits faulige Stoffe der Gewässer verzehren und sortschaffen, andererseits selbst kleinen Tieren (jungen Fischen) zur Nahrung dienen. Von den Wurzelfüßern leben ivenige im Süßwasser, die meisten im Meere, besonders im Meeressande, an Meeresalgen ec. überall sehr häufig. Man zählte in einer Unze Meersand von Nimini an 0000, von den Antillen sogar 37a Million Exemplare. Nicht nur viele Erd schichten in der Tertiarperiode, sondern auch manche Felsarten der Kreideformation enthalten unzählige Schalen dieser kleinen Tierchen, die deshalb auch Kreidetierchen genannt wurden.Druck: A. Wcichcrt, Berlin klv., Nene Sröitiflft«-. 9.1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 A B C D E F G H I J K L IT8.7/2-1993 Printed on Kodak Professional Paper - Made by Wolf Faust (www.coloraid.de) 2012:05 Charge: R120505
