Aus dem Tierleben. Mit vielen Illustrationen. Zweite Auflage. Bremen. Verlag des Tractathaufes A. Rodemeyer. Mit vielen Illustrationen. zweite Auflage. Bremen. Verlag des Tractathauses, A. Rodemeyers Die Ohren der Kaninchen sind gewöhnlich von der Länge des Kopfes; Pelz grauweiß, rötlich gemischt, im Nacken oft ein rotgelber, kurz be haarter Fleck. Gliedmaßen bedeutend kürzer als am Hasen; Schwanz oben von der Farbe des Körpers, unten weiß; Füße gelblich. Körper 15, Schwanz 2 Zoll. Ihr Vaterland ist Spanien, die balearischen Inseln, Sar dinien, Sicilicn, Kleinasien und die Barbarei. Von Spanien aus sollen sie zuerst uach Italien gekommen sein; später haben sic sich nach Frankreich, England und Deutschland verbreitet, wo sie verwildert oft in Höhlen leben. Mau hat vvu diesen niedlichen Tieren eine wilde und eine zahme Abart. Die Farbe der erstern ist oben beschrieben; sie haben schwarze Ohrenspitzen, keine rote, sondern grauliche Augensterne und einen kleinern und schlankeru Körper. Das zahme wird l'/r Fuß und darüber lang, und die Farbe seines Haares hat sich durch die Zähmung sehr verändert; denn es giebt ganz schwarze, schwarz- und weißbunte, rotfahle, hell- und dnnkelaschgrane und ganz weiße. Letztere haben immer rosenfarbene, funkelnde Augen. Das wilde hat sich auch in Südamerika sehr vermehrt. Sie graben tiefe Gänge und Höhlen in die Erde. Jedes Paar hat seine eigene Wohnung, in welcher sich am Ende eine Kammer mit einem so engen Eingang befindet, daß der Fuchs, ihr Erbfeind, nicht eindringen kann. Die Ausgangsröhren ihrer Wohnung verscharren sie, wenn sie ihren Geschäften »achgeheu, gewöhnlich mit Sand, um die Entdeckung derselben zu verhüten. Die Nahrungsmittel haben die Kaninchen ganz mit den Hasen gemein. Allerlei Pflanzen, Getreide, Rüben, Baumrinde u. s. w. sind ihr Futter das ganze Jahr hindurch. Die Jungen sind ganz kahl, 9 Tage blind und tverdeu in einer eigenen Kammer auf einem Neste von Stroh und Heu, das die Mutter mit einer Lage ihrer eige nen Haare bedeckt, sorgfältig verpflegt. In günstigen Gegenden vermehren sich diese Tiere in kurzer Zeit so stark, daß sic meilenweit die Erde unter graben und den nahe liegenden Feldern, Gärten und anderen Pflanzungen unsäglichen Schaden zufügeu. Doch wird ihre Vermehrung da, wo es Füchse, Marder, wilde Katzen und andere Raubtiere giebt, sehr eingeschränkt. Der Fuchs drängt sich nicht selten in ihre Wohnungen ein, erweitert die engen Gänge und verzehrt dann ganze Familien. Der Mensch verfolgt sie auch, kann ihnen aber wegen ihres feinen Geruches und Gehöres und tvegen ihrer Behendigkeit nicht gut beikommen. Sie wissen durch Umwege und Sprünge ihre Verfolger so lauge zu täuschen, bis sie ihre Schlupfwinkel erreicht ha ben. In ihre Höhlen schickt man ihnen kleine Dachshunde nach. Man treibt sie auch wohl durch Rauch von angezündeten Strohbündeln aus dem Ban, die man in einige ihrer Eingangslöcher steckt, nachdem man die meisten zu-5 gestopft Hot; vor die offen gelassenen Locher hält man leere Säcke, in welche sie ans Angst blindlings hineinlaufen. Das süße Fleisch schmeckt wie Hühner- fleisch nnd wird von vielen gern gegessen; bei guter Nahrung ist es fetter als das vom Hasen. Das Fell giebt ein gutes Unterfntter, und das Haar kann zu Hüten nnd Strümpfen verarbeitet werden. — Die zahmen Kanin chen, die man zum Nutzen und Vergnügen aufzieht, hält man gewöhnlich in einem gepflasterten Stalle, weil sie sonst die Gebäude untergraben nnd vielen Schaden anrichten. ^ Dir' Katze. tele Kinder spielen gern mit Katzen; sie wissen aber nicht, daß die selben oft recht falsch sind und unversehends Hände oder Gesicht zer kratzen; aber trotzdem sind sie sehr nützliche Tiere. Wir geben hiemit eine kurze Beschreibung der Katze, aus welcher wir die Nützlichkeit dieses Geschöpfes unseres Gottes recht kennen lernen. %— 6 Die Katze gehl nicht auf den Fußsohlen, sondern auf den Zehen; da her ist ihr Gang auch sehr leise, und ein solch leiser, schleichender Gang ist zu ihrem Geschäfte sehr nötig, denn die Mäuse haben ein sehr feines Gehör/ Gleich den Hunden hat sie Krallen an den Zehen. Aber wie künstlich sind diese Krallen eingerichtet! In jeder Zehe ist eine Scheide, i» welche die Kralle zurückgezogen werden kann. Wenn die Katze schläft, so stecken alle Krallen in den Scheiden. Sobald sie aber eine Maus fangen will, so schiebt sie die Krallen aus der Scheide, wie man einen Säbel auszieht. Auch ihre Zähne und ihre Zunge, welche rauh ist, sind zum Mäusefangen eingerichtet. Weil die Mäuse gewöhnlich des Nachts aus ihren Schlupfwinkeln hervorkommen, so sind die Augen der Katzen so eingerichtet, daß sie auch bei Nacht sehen können. Man braucht ihnen beim Fangen einer Maus nicht zu leuchten. Sic haben ihr Licht in den Angen. Der Schwanz ist oft das Spielzeug ihrer Laune. Die Katze ist für uns ein notwendiges Haustier. Hätten wir keine Katze, so würden die Mäuse und Ratten bei Tag und Nacht alles zernagen und uns so beunruhigen, daß wir weder ruhig essen noch schlafen könnten. In alten Zeiten, als die Katzen noch nicht so häufig waren, als jetzt, hat man sie daher sehr hoch gehalten. Nicht jede Katze ist ein ausgemachter Mänsefänger. Diejenigen, welche in der Jugend am eifrigsten spielen, sollen auch die eifrigsten Mäusevertilger sein. Nun sieht es zwar jedermann gern, wenn sie in ihrem Geschäfte recht eifrig sind, aber das sieht niemand gern, daß sie mit den gefangenen Män sen erst noch lange Zeit spielen, che sie dieselben umbringen und ausfressen. Sie lassen die gefangene Maus laufen, fangen sic wieder und lassen sie wieder laufen, bis sich endlich das arme Mäuslein vor Todesangst nicht mehr rühren kann. Daran sieht man die heimtückische und boshafte Katzen natur recht, deren Mordlust nicht befriedigt ist, wenn sie die gefangene Maus vorher nicht erst märten und quälen kann. Kinder, welche einem Käfer die Beine und die Flügel ausreißen und ihn so allmählich nmbringen, haben auch eine bösartige Katzennatnr. Auch den Vögeln stellen die Katzen nach, doch hat man Beispiele, daß Katzen mit Vögeln, z. B. mit Staaren, in Freundschaft gelebt haben. Die Jungen der Katze sind neun Tage blind und werden von der Mutter in diesem hilflosen Zustande sorgfältig gewartet und gepflegt. Ist der Ort, wo sie ihre Jungen hat, nicht mehr sicher, so trägt sie dieselben im Maule an einen andern und verteidigt sie tapfer gegen Hunde und Raubtiere. In einem Hanse befand sich einmal ein junges Häschen, das man mit7 Milch aus einem Löffel tränkte. Eines Tages war das Häschen nirgends zu finden, und man hielt es für verloren. Nach etwa vierzehn Tagen faß der Hausherr, als es schon dunkel zu werden anfing, in seinem Garten und. sah seine Katze mit aufgerichtetem Schwänze Herkommen. Hinter ihr hüpfte etwas drein, was sie lockte. Und tvas war es? Das Häschen. Denn die Katze hatte es mit ihren Jungen aufgezogen. Eine Knabe hatte einst drei junge Eichhörnchen ausgenommen, und weil er nicht wußte, wie er sie auf- zichen solle, gab er sie einer Katze, der man eben ihre Jungen genommen. hatte. Die Katze zog sie mit derselben Sorgfalt groß, als wären es ihre eigenen Jungen. Eine andere Katze fing ihren Junge» Mäuse und brachte unter andern auch eine junge Ratte. Weil aber die Jungen gerade nicht nach Fleisch begierig waren, so ließen sic dieselbe leben und spielten nach ■ ihrer Gewohnheit damit. Als nun die Alte ihre Jungen säugte, fing das. Rätzchen auch mit zu saugen an. Von diesem Augenblick an hielt die Alte das Rätzchen gleich den Kätzchen. Trug sie die Kätzchen ins Nest, so ver gaß sie das Rätzchen auch nicht. ie werden 81 cm lang und sind oben rostfarbig. Die Waldschnepfe ist ein sehr listiger Vogel, nistet sin Norden und tvird bei uns während der Monate März iitib April gejagt. Sie liebt Nadel-, nament lich Fichten und Laubwaldungen mit lockerem, feuchtem Boden. Ihr Fleisch gilt als Delikatesse. —#— Die Waldschnepfe. —— 8 Aer Aaussperling (Spatz). (sgjwjer hat wohl noch keinen Spatzen gesehen? — Das wäre mir ein merkwürdiger Mensch, so viel er sich auch auf seine Kenntnisse ein bilden dürfte. Der Spatz gehört zu den Gassenbuben unter den Vögeln. Er sieht auch gerade so aus. In seinem dicken Kopfe stecken ein paar rote, freche Augen, denen man sogleich ansieht, daß er sich um keinen Menschen bekümmere, und daß es ihm einerlei sei, was man von ihm denke. Von Zucht und Ehrgefühl hat er gar keinen Begriff. Zn diesem dicken Kopfe paßt ganz sein plumper Schnabel und sein freches Geschrei. Er giebt sich nicht die geringste Mühe, anständig zu sprechen, sondern schreit in den Tag hinein, wie es ihm in die Gurgel kommt. Sein Anzug paßt ganz zu seinem Wesen, und Eitelkeit kann man ihm nicht vorwerfen. Er denkt nicht daran, was er anhat. Gewöhnlich trägt er eine grobe, graue Jacke, auf welcher man nicht leicht Schmutzflecken sehen kann, daher geniert ihn dieselbe auch wenig, und er treibt sich damit auf dem Miste, im Kote, in Lachen und auf den Feldern umher. Händel hat er mit seinen Kameraden alle Augenblicke, und dabei giebt es ein Geschrei, daß man es fast im ganzen Dorfe hört. — Vor den Menschen hat er nicht die geringste Scheu und Achtung. Er drängt sich überall herbei und macht sein Nest, ohne dich lange um Erlaubnis zu fragen, zwischen den Laden und das Fenster deines Zimmers und blickt frech herein, um zu sehen, womit du dich beschäftigest. — Bei seiner Un verschämtheit treibt er die Schwalbe aus ihrem Neste und Pflanzt sich mit seiner Brut hinein, die ebenso unverschämt wird, wie die lieben Eltern sind. Jeder Platz ist ihm zu seinem Neste recht. Ein Palast oder eine Strohhütte, ein herrliches Denkmal von Marmor oder ein alter Topf, - was fragt der Spatz darnach! — das ist ihm einerlei! - Und zu dem Baue kann er alles brauchen: alte Lumpen und seidene alte Läppchen, Papierstreifen, kurze und lange' Hähnchen, Fäden und Federn, alles weiß er zu benutzen. Seine Gefräßigkeit ist bekannt. Wann siehst du den Spatz nicht fressen? — Was würde ein reicher Müßiggänger für einen solchen Magen geben? Schleckerhaft aber ist er nicht; er frißt alles, was ihm vor den Schnabel kommt, und verdaut so herrlich und leicht, daß er von Magendrücken, Magensäuern, Leibschmerzen und ängstlichen Gemütsstimmungen nicht das geringste weiß. — Und sein Schlaf? — Von diesem will ich nichts sagen; er möchte sonst von manchem darum beneidet werden. Ueberall hat er seine Augen, wo es etwas zu fressen oder zu naschen giebt. Hält ein Fuhrmann mit seinen Pferden vor dem Wirtshause, und der Hausknecht bringt den Futtertrog, so9 ist auch mein Spatz schon da und holt sich seinen Teil Haser oder Brot; mag auch der Fuhrmann darüber schimpfen, ivie er will, das stört den Spatzen in seinem Appetite nicht. — Kommt die Köchin mit einem Teller voll Brot, das sie mühsam in zierliche, viereckige Stückchens geschnitten hat, oder mit andern Leckerbissen, um damit ihre lieben Hühner zu füttern, so10 läßt der Spatz gewiß nicht auf sich warten; er kennt die Zeit genau, in welcher sie in das Hühnerhaus geht. Jagt sie ihn weg, so fliegt er kaum einen Schritt bei Seite, und man merkt ihm nicht die geringste Verlegenheit an. — Kaum fangen die Kirschen an sich zu färben, so holt sich der Spatz eine Probe davon, und es füllt ihm nicht ein, zu sagen: „Erlaube» Sie gütigst", o bewahre! Er benimmt sich, als ob die Kirschen für ihn allein gewachsen waren. Sind sie erst reif, so kennt er vom frühen Morgen bis zum späten Abend gar keine andere Beschäftigung als Kirsche» zu fressen. Ebenso unverschämt treibt er es auf de» Feldern, wenn die Frucht reif wird. Fragt nur die Bauern! die können euch Stückchen erzählen, die alle das Zuchthaus verdienten. Selbst auf ihren Kornböden könne» sie ihr Getreide nicht sichern. Vom Reisen ist er kein Freund, er bleibt im Winter da und denkt: Ich kann mir ja mit Stehlen helfen! • —•- Er ist aber doch dabei ein recht nützlicher Vogel, denn er verzehrt im Sommer auch viele Raupen, die sonst die schönen Bäume gänzlich ruiniere» würden. Groß sind die Werke des Herrn! —--H- Gin Hühnerhos. mit ihrem Herrn Hahn zu sein! während die Hennen friedlich mit ihren Küchlein Futter suchen. Daß sie aber auch sich zu verteidigen ver stehen, wenn Gefahr int Anzug ist, geht aus der folgenden Erzählung her vor: Eines Tages ging eine Henne ruhig ihrem Futter nach, während ihre Küchlein vergnügt piepend und scharrend um sie herumsprangen. Plötzlich erblickte die Henne einen dunklen Punkt am Himmel, der immer näher zu kommen schien. Da stieß sie einen Schrei des Entsetzens aus, und rasch schlüpften die kleinen Hühnchen unter ihre ausgebreiteten Flügel. Sv erwar tete die alte, erfahrene Henne stolz und mutig die immer näher kommende Gefahr. Und worin bestand dieselbe? Aus der Ferne hatte sie einen Ha bicht erblickt. Derselbe war warscheiulich auf der Reise, um sich ein Früh stück zu holen nitd hakte dazu eines der kleinen niedlichen Hühncheit erlesen. Als er aber näher kam und sah, daß jedes Küchlein geborgen war unter den Fittigcn der Mutter und daß die alte Henne entschlossen war, lieber zu sterben, als eines ihrer Kleinen dem Feind zur Beute zu überlassen, besann er sich einen kleinen Augenblick und schwebte ruhig über der Henne, dann aber suchte er wieder das Weite. Nun erhob sich die Henne mit einem H^ie vergnügt scheinen diese Hennen Der Hahn steht auf der Wacht,——— 11 Trinmphgeschrei, und heraus kamen, erst zögernd, dann immer dreister, die jungen Kücken, stolz auf ihre heldenmütige Mutter. Erinnert ihr euch, was der Herr Jesus einst zu Jerusalem sprach? Er liebte Jerusalem und wußte, daß die Feinde dasselbe zu zerstören suchten. Deshalb wollte Er es retten. Allein das Volk hörte nicht auf Seine war »ende Stimme, und voll Schmerz und Wehmut rief. Er ans: „Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich dich versammeln wollen, wie eine Henne ver sammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, aber ihr habt nicht gewollt!" Ihr seht, liebe Kinder, daß der Herr Jesus in jeder Gefahr, in jeder Not eine sichere Zuflucht ist, und weil Er so gern die lieben Kleinen pflegen und schützen möchte, ruft Er aus: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Himmelreich." Unter dem Schutz Jesu sind wir sicher vor den Angriffen des Satans und der Sünde, die allezeit bereit stehen, wie gierige Raubvögel ans uns loszustürzen, um uns zu verderben.12 Arr Strindock. i^iejeg Tier gehört zur Ziegenart, ist braun, hat sehr starke, bis zu drei Fuß lange, dreikantige Hörner, vor» breit und mit Querwulsten. Der Steinbock hält sich nur ans den höchsten Felsenspitzen auf und klettert noch weit kühner als die Gemsen. Er wird nur noch ans dem Montblanc und Monte Rosa angetroffen. —H Are Nachtigall. gabt ihr, liebe Kinder, auch schon eine Nachtigall singen hören? Sic ist kein schöner Vogel, etwas größer als ein Sperling und von brauner Farbe, nährt sich im Freien von Insekten und Würmern und wird im Käfig mit magerem Fleische, mit Mehlwürmern und Ameiseneiern gefüttert. Sie hat zwar kein schönes Kleid au: aber an Schönheit des Gesanges übertrifft sie alle Vögel. Kein Vogel hat in seiner Stimme eine solche Kraft und Stärke und in seinem Gesänge so viel anmutigen Wechsel, wie die Nachtigall. Sie kann einen Ton erstaunlich lang aushalten, ihn allmählich anschwellen und zuletzt wieder dahinstcrben lassen. Bald ist ihr Gesang eine rührende Klage, bald ein triumphierendes Geschmetter; bald bringt sie hohe, bald tiefe Töne hervor und erfreut jedes frohe, empfindsame Herz, das ihr zuhört. Sie läßt nicht nur am Tage ihr Lied ertönen; auch bei Nacht singt sie; namentlich bei ihrer Zurückkunft ans wärmeren Ländern läßt sie sich die14 - Nachteil l en. gicbt verschiedene Arten der Enten, und sind mit wenigen Ausnahmen alle Arten dieser Gattung nächtliche Tiere. Die Gattung der Eule hat einen dicken Kopf, große, nach vorn stehende, von einem Federkreis um gebene Augen, eine ähnliche Einfassung von Federn um die große Ohr öffnung. Die Eulen haben das Schicksal, vielfach verfolgt zu werden, selbst von andern Vögeln. Läßt sich eine am Tage sehen, so sind gleich ganze Scharen kleiner Vogel da, die sie necken und nicht zur Ruhe kommen lassen. Raben und Falken gehen oft so ernstlich auf sie los, daß es sicher zu 'einem bluti gen Gefecht kommen wurde, wenn die Eule nicht vermiede, sich zur Wehre zu setzen. In der Nacht ändert sich aber das Verhältnis; die Eule wird zum Angreifer und vergilt namentlich der Spötterschar ihren Uebermut da durch, daß sie so viele vvn ihnen verzehrt, als sie erlangen kann. Ebenfalls vertilgt sie viele Feldmäuse. Junge Eulen lassen sich zähmen und sind durch ihre possierlichen Be wegungen und ihre schnarchende Stimme sehr unterhaltend. HDas Schwein. )«§ zahme Schwein ist fast über die ganze Erde verbreitet und fand C$ r " : sich als das einzige Haustier auf den Südscc-Jnseln, als diese von Europäern entdeckt wurden. Es findet sich, wie die meisten Haustiere, in sehr vielen und verschiedenen Ragen; denn es giebt welche mit stehenden und hängenden Ohren, mit und ohne Halsglöckchen; kurz- und hochbeinige. Das siamesische hat einen hohl ausgeschweiften Rücken und einen fast auf der16 Erde schleifenden Bauch. Auch die Farbe ist sehr verschieden; cs findet sich weiß, schwarz, rotbraun, gefleckt. Die vorzüglichsten Nagen sind: a) das englische Schwein; das größte, mit sehr langgestrecktem Körper, breiten, lan gen, hängenden Ohren; bis 4 Fuß hoch, 2 Fuß breit, an 1200 Pfund schwer, b) Das gewöhnliche deutsche; in vielfachen Unterragen fast aller deutschen Länder, e) Das siideuropäischc Schwein; fast nackt, violettschwarz oder schieferblau, mit dicken Kinnbacken, an deren Glöckchen unvollkommene Warzen hängen; über den Augen Falten; die Ohren kurz und aufrecht. Das Schwein im allgemeinen ist jedermann bekannt, und eine ausführliche Beschreibung daher unnötig, wenigstens hier nicht am Platze. Vor allem ist sein Fett, das in dichten Massen den ganzen Körper umgiebt, bemerkens wert und sehr schätzbar. Wahrscheinlich wurde das Schwein zuerst in Indien oder dessen Nähe zum Haustiere gewöhnt, und von hieraus nahm es der Mensch auf seinen Wanderungen in die entfernten Ansiedelungen mit. Dennoch ist seine Zähmung in den vielen Jahrhunderten nicht so weit fortgeschritten, wie bei anderen Tierarten, z. B. dein Schafe, indem sich noch immer Rückfülle in die ursprüngliche Wildheit zeigen. Obgleich das Schwein in landwirtschaft licher Hinsicht nicht von gleicher Wichtigkeit ist als das Schaf, Rindvieh oder Pferd, so ist cs doch in Betracht seiner bekannten und mannigfachen Be nutzungen aller Beachtung lvert, umsomehr, als keins von den Haustieren mit geringerer Kost fürlieb nimmt und durch keins in gleichem Maße eine Menge sonst wenig oder gar nicht benutzbarer Abfälle verwertet werden kann. Jede kleine Oekonomie, ein nur mäßiger Garten, ja selbst jede nur etwas größere Haushaltung, wo hinlänglich Fleisch und Gemüse verbraucht wird, kann die Abgänge durch Fütterung eines oder mehrerer Schweine nutzen. Das Flußpferd. iMm Buche Hiob (40, 10—19) finden wir die Beschreibung eines Tieres (Ss von außerordentlicher Größe und Stärke, das „Behemoth" genannt wird. Diese Beschreibung paßt auf keines der uns bekannten Tiere so gilt, wie aus das sog. Flußpferd oder das Hippvpotamns, wie es im Griechischen heißt. Damit alle die kleinen Leser wissen, wie dieses Tier, das wohl noch wenige je lebend gesehen haben, anssieht, geben wir hier die Abbildung davon. Das Flußpferd findet sich hauptsächlich an den Ufern des Nils. Sein Leib hat mehr als 4 Meter Länge und 3 1 /s Meter Umfang. Sein Kopf ist auffallend breit, seine Beine kurz und dick, seine Augen verhältnismäßig klein,i? und seine Knochen außerordentlich stark. Einige seiner Zähne haben bis weilen ein Gewicht bis auf 6 Kilogramm und sind gegen 30 Zentimeter lang; sie sind so hart, daß man mit denselben an einem Stahl Feuer schla gen kann. Seine Haut endlich ist so dick und hart, daß sie nicht nur Schwertstreichen, sondern sogar Flintenkugeln zu widerstehen vermag, wes halb sie in früher» Zeiten zu Schilden benutzt wurde. Es lebt meist im Wasser. Wird es verfolgt, so zieht es sich in das selbe zurück und taucht augenblicklich bis auf den Grund unter. Hie und da steigt es, um Luft zu schöpfen, tvieder an die Oberfläche, läßt aber mit großer Vorsicht bloß seine Nase ein wenig hervorblicken. Zum Ansruhen zieht es sich ins dichte Schilf zurück, oder in den Schatten großer Bäume am Ufer der Flüsse, wo es sich behaglich im Schlamme wälzt. So oft es sein großes Maul öffnet, verschluckt es eine große Menge Wasser, das es bisweilen zu seiner eigenen. Belustigung durch seine Nase wieder empor treibt tvie ein Walfisch. Seine Nahrung besteht aus Gras, Reis, Zucker rohr und andern Erzeugnissen des Pflanzenreiches. Es frißt nicht nur sehr viel, sondern zertritt noch viel mehr mit seinen breiten, schweren Füßen, wenn es etwa durch eine Reis- oder Zuckerpflanzung hindurch läuft. Wenn das Flußpferd zum Zorn gereizt wird, so läßt es seine große Kraft erkennen. Oft schon ist ein Boot untergesunken, weil ein solches Tier mit einem Schlag eine Seite desselben in Stücke schlug, oder schnell untertauchte und das ganze Fahrzeug mit seinem Rücken in die Höhe hob und umschlng. #ist unter den Tieren, und nicht vor jemand uiufefjrt". Da König David über den Tod Sauls und Jonathans klagte, sagte er: „Sie waren schneller, denn die Adler, und stärker, denn die Löwen". Wie stark muß Siinsvn ge wesen sein, daß er einen Löwen festhalten und mit seinen Händen in Stücke zerreißen konnte! Habt ihr je das Rätsel im Buch der Richter gelesen? Dies ist es: „Speise ging von dem Fresser, und Süßigkeit von dem Starken." Simson machte es, nachdem er den Honig im Gerippe des Löwen gefunden hatte. Man lese das ganze 14. Kapitel im Buch der Richter. Die Kühnheit des Löwen tvird in einem Vers des Propheten Jesaia erwähnt: „Gleichwie ein Löwe und ein junger Löwe brüllet über seinem Raube, wenn der Hirten Menge ihn anschreiet; so erschrickt er vor ihrem — 18 — Der Löwe. ^Mfir habt vermutlich schon oft Abbildungen von Löwen und vielleicht auch OZ welche lebendig gesehen; würdet ihr aber nicht auch gern tvissen, tvas die Bibel von ihnen sagt? Der Löwe tvird „der König der Tiere" genannt, weil er so stark und kühn ist; er fürchtet sich vor keinem andern Tier und ist stark genug, ein Pferd oder einen Büffel davon zu tragen. Im BO. Vers des BO. Kapitels der Sprüche Salomos lesen wir vom „Löwen, der mächtig— 19 — Geschrei nicht, und ist ihm auch nicht leid vor ihrer Menge." Spr. 28, l heißt es: „sDer Gottlose fliehet, und niemand jagt ihn; der Gerechte aber ist getrost wie ein junger Lowe." Dies ist wahr, liebe Kinder; und wenn ihr Gott lieben und dem freundlichen Heiland vertrauen wollt, so giebt es nichts in der ganzen weiten Welt, vor dem ihr euch zu fürchten brauchtet. Gott kann euch bewahren, wie Er einst Daniel bewahrte, selbst wenn ihr in finsterer Hohle mit blutdürstigen und hungrigen Löwen eingeschlosse» wäret. Der Löwe liegt den Tag über in seiner Höhle und schläft, aber des Nachts geht er aus, seine Speise zu suchen. Seine Augen sind denen der Katzen ähnlich, und er kann in der Nacht besser sehen, als wir. In der Bibel heißt es: „Du machst Finsternis, daß es Nacht wird; da regen sich 2 *26 — Cifle wilden Tiere; die jungen Löwen, die da brüllen nach dem Raube, und ihre Speisen suchen von Gott. Wenn aber die Sonne aufgehet, heben sie sich davon und legen sich in ihre Löcher." Der Löwe hat weiche Pfoten, wie die Katze, so daß er ganz leise schleichen kann, ohne die Tiere, die er töten will, anfzuschrecken, bis er ihnen ganz nahe ist. Zuweilen liegt er ganz still in seiner Höhle, bis irgend ein Tier vorüber kommt; mit einem plötzlichen Sprung erhascht er es dann, gerade wie eine Katze eine Alans fängt. Die Bibel spricht in bezug auf den Gottlosen: „Er lauert im Verborgenen, wie ein Löwe in der Höhle, er lauert, daß er den Elenden erhasche, und erhaschet ihn, wenn er ihn in sein Netz ziehet." Der Löwe hat sehr starke Krallen, die im weichen Kissen seiner Pfoten versteckt sind, und mit denen er, wenn er seinen Raub gefangen hat, ihn zerreißt. Seine Zunge ist wie eine Katzenzunge, nur viel rauher, und er kann damit das Fleisch von den Knochen ablecken. David betet in einem der Psalme, daß Gott ihn von seinen Verfolgern erretten möge, „daß sie nicht," fügt er hinzu, „wie Löwen meine Seele erhaschen, und zerreißen, weil kein Erretter da ist." Das Gebrüll des Löwen ist erschrecklich, besonders des Nachts. Er scheint seine Freude darin zu finden, wenn es finster und stürmisch ist, auf Raub auszugehen; wenn er dann sein Maul nahe an den Boden hält, schallt sein Gebrüll wie der Donner, und Furcht befällt alle Tiere, die es hören. Ihr habt schon vom Satan gelesen, dem gottlosen Wesen, der uns gern alle so gottlos machen möchte, wie er ist. Die Bibel sagt von ihm: „Er gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge." Laßt uns Gott bitten, daß Er uns vor diesem brüllenden Löwen beschützen und bewahren möge. Christus wird zuweilen „der Löwe aus dem Stamme Juda" genannt. Er ist stets sanft und gütig gegen die, die Ihn lieben; aber wenn wir Ihn nicht als unfern Heiland annehmen wollen, so wird einst der Tag kommen, da Er uns als Richter vor sich fordern wird; wo können Seine Feinde sich dann verbergen? # Aas Krokodil. das Krokodil eine großes raublustiges Tier ist, weiß der junge Le- r. Es wird über 30 Fuß lang, und das Weibchen legt gegen 70 Eier in den Sand. In Afrika lebt die gewöhnliche Art der Krokodile; doch haben21 auch Asien und Amerika einige Arten dieses Geschlechtes. Dieses Tier ist den Menschen sehr gefährlich, und wehe dem, den es einmal packt. Wie würdet ihr erschrecken, liebe Kinder, wenn ihr am Wasser spieltet, und auf einmal käme so ein Untier und sperrte seinen gewaltigen Rachen gegen eitel) ans. Doch gerade so erschrocken sind die Leute da nicht, wo das Krokodil zu Hanse ist. Die Neger am Senegal, die gern Krokodilfleisch essen, suchen diese furchtbare Amphibie in den fast ausgetrockneten Sümpfen' aus, wo dieselbe kaum Wasser genug hat, um darin leben zu können. Sie gehen dem Un tier, den linken Arm mit dicken Häuten umwunden, unerschrocken zu Leibe, suchen ihm mit ihren Lanzen vor allem die Augen auszustechen und dann ein scharfes Eisen so zwischen beide Kinnladen zu klemmen, daß es den Rachen nicht wieder schließen kann; dann drücken sie ihm den Kopf so lange unter Wasser, bis es erstickt. Die Egypter graben, um Krokodile zu sangen, eine breite, tiefe Furche, die sie mit Laub bedecken und mit Sand bestreuen; dann hetzen sie das Tier durch Toben und Schreien so lange, bis es diese Fallgrube betritt und in sie hinabstürzt, wonach sie es erschlagen, oder auch mit starken Netzen le bend fangen. Die Wilden in Florida sollen den Krokodilen, die häufig ihre einzeln stehenden Hütten belagern, wenn sie ausgehungert sind, mit zngespitzten Pfählen zu Leibe gehen, die sie ihnen in den Rachen stoßen. Die unerschrockenen Bewohner von Cupang ans der Insel Timor und22 die von Dilhy machen dem Krokodil in einer Weise den Garaus, die, wenn das Leben eines von ihnen bedroht ist, es doch seinen bewaffneten Gefährten gestattet, ihm zn Hilfe zu komme», wenn das Krokodil die Oberhand zn ge winnen im Begriffe steht. Sie bemächtigen sich des Untiers lebendig, indem sie es weit ab von den Fluten auf einen trockenen »nd offenen Platz ziehen. Dort umzingeln die Malaye», die mit Kris und vergifteten Pfeilen bewaffnet sind, das durch nachgeahmtes Kindergeschrei verlockte Ungeheuer, nachdem der Verwegenste von ihnen demselben auf den Nacken gesprungen ist und ihm einen dicke», knotigen Stock in den Rachen gelegt hat, dessen er sich, ihn an beiden Enden festhaltend, als einen Zügel bedient. Wenn das Kro kodil danach in dem klaffenden Rachen, in der Seite und überall, wo ihm beizukommen ist, hinlängliche Wunden bekommen hat, so nimmt sein Reiter den rechten Augenblick wahr, um wieder herabznspringen und sich aus dem Staube zu machen; das Krokodil aber kehrt, sobald es sich frei fühlt, in sein Element zurück, um von dem Gifte, das ihm die scharfen Pfeile beige bracht haben, getötet, bald als Leiche auf dem Wasser zn treibe». Hunde. der ganzen Erde ist der Hund der Gefährte des Menschen; er folgt m in die öden Steppen des heißen Südens und in die Schneefelder is kalten Nordens, in die fruchtbaren Gefilde der Ebenen und auf die kahlen Spitzen hoher Berge. Der Hund ist dem Menschen ein gefügiger Gehilfe geworden, der ihm seine Herden und Häuser bewacht, der ihn bei der Jagd wilder Tiere unterstützt, der Lasten trägt und den Wagen und23 Schlitten ihm fortschafft. Und diesen Gehilfen hat sich der Mensch aus einem gefährlichen Raubtiere gezogen. Man braucht nur fein Gebiß anzn- fehen, um seine ursprüngliche Natur zu erkennen. Die schlimmen Eigen schaften der Raubtiere hat aber der Hund abgelegt; er ist ein kluges, zu trauliches und treues Tier geworden. Wie wendet er Augen und Ohren, wenn er den Befehl seines Herrn erwartet, wie glänzen seine Augen voll Freude, und wie wedelt er wohlgefällig mit dem Schwänze, wenn er ihm folgen darf; wie jämmerlich aber ist sein Gesicht, wenn er zu Hause bleiben24 muß! Wie klug sieht er sich fragend um, wenn er an einen Scheideweg gekommen ist, um zu erfahren, ob er links oder rechts gehen soll! Wie schleicht er auf eingezogenen Füßen hinweg, wenn er Unheil angestiftet hat; wie klug weiß er den Gleichgültigen zu spielen, um jeden Verdacht von sich abzuweisen! Wie oft ist aber schon ein treuer, kluger Hund der Lebens retter eines Menschen geworden! Der Hund genießt alle Speisen, die dem Menschen zur Nahrung die nen; bisweilen scheint ihm auch Gras notwendig zu sein, um die Verdauung zu befördern. Frisches Wasser und frische Luft sind ihm sehr zuträglich; vor zu großer Kälte muß man ihn schützen. Der gelehrigste und gutmiitigste unter den Hunden ist der Pudel mit den breiten, hängenden Ohren und den krausen, fast wolligen Haaren. Auch der Spitz kann zu mancherlei Künsten abgerichtet werden; wegen seiner Wach samkeit und Treue haben ihn oft die Fuhrleute auf ihren Wagen. Der Dachshund oder Teckel mit seinen kurzen, krummen Beineu und langen, hän genden Ohren, geht in den Bau der Füchse und Dachse, um dieselben her auszutreiben. Der magere Windhund mit langer, spitzer Schnauze, kleinen Ohren, schlankem, kurzhaarigem Körper auf dünnen, hohen Beinen, ist eines der schnellsten Tiere. Der Jagd- und der Hühnerhund sind die treuen Be gleiter des Jägers. Der neufundländische Hund ist groß und stark, hat lange, seidenartige, graue oder schwarze Haare und eine kleine Schwimmhaut zwischen den Zehen; durch diese wird er geschickt zur Wasserjagd und zur25 Rettung üoit Menschen, die ins Wasser gefallen sind. Der Schäferhund hat aufrecht stehende Ohren und steife Haare. Er lenkt die Herde nach dem Willen seines Herrn. In einigen Gegenden Südamerikas haben die Schafe und Ziegen keine anderen Hirten, als die Hunde. Diese treiben am Mor gen die Herden vom Hofe, führen sic auf die Weide, begleiten sie den gan zen Tag, verteidigen sie gegen jeden Angriff und bringen sie am Abend wieder nach Hause. ———-#■ Der Feopard. er Leopard, wie der von ihm kaum zu unterscheidende Panther, gehört zu dem Geschlecht der Katzen, und alle Eigenschaften, die bei den an dern Arten sich einzeln finden, sind bei ihm vereinigt; er ist das vollkom menste Raubtier, das man sich denken kann; schön und gewandt, kräftig und behend, kühn und verschlagen zugleich. Die Länge seines Körpers beträgt 4 Fuß und mehr, die Höhe 2'/s Fuß; sein Schwanz ist ebenfalls 2 l U Fuß laug. Der Körper des Leoparden ist sehr schlank, der Kopf klein und ziem lich rund und die Schnauze kurz. Die Füße und Tatzen sind ungemein kräftig. Das Fell des Leoparden ist prachtvoll gezeichnet; seine Grundfarbe ist die einer hellen Orange, nach unten ins Weiße übergehend; auf derselben treten dunklere und ganz schwarze Punkte und Ringflecken hervor. Am Kopf und an den Beinen gehen die Ringflecken nach und nach in reihenförmig stehende Punkte, am Bauch in große, oft doppelte Tupfen über. Im Alter tvird der Leopard oben dunkler, unten heller. Der Leopard ist fast über ganz Afrika verbreitet, ebenso im westlichen— 26 — Asien, und in ausgedehnten Wäldern findet er sich in großer Menge. Er führt ein Wanderleben. Er ist ein furchtbarer Feind aller Tiere, und da er listiger ist als alle andern Raubtiere, so gelingt es ihm, auch das scheueste Wild zu ergreifen; er klettert sogar den Affen nach auf die Bäume; seine Hauptnahrung jedoch sind Antilopen, Ziegen und Schafe. Bricht er in eine Schafherde ein, so reißt er oft 30—40 Stiick nieder, und ist darum mehr gefürchtet als der Lowe, der sich mit einem Stück begnügt. Gereizt fällt er auch den Menschen an; Kinder werden oft von ihm zerrissen. Es wird mit Hunden, in Indien auch mit Elefanten Jagd auf ihn gemacht, aber selbst der Elefant fürchtet seine scharfen Klauen; häufiger wird er daher in Fallen und Gruben gefangen. — Das Fell des Leoparden steht in hohem Wert; seine Zähne und Klauen werden, an Schnüren angereiht, als Schmuck ge tragen; das Fleisch wird von Hottentotten und andern Eingeborenen Afrikas gegessen. Vor etwa 2000 Jahren brachten die Römer Leoparden in Menge zu ihren Kampfspielen; zu diesem Zwecke wurden dieselben besonders ans Kleinasien geholt; ein Feldherr sandte sogar einmal von dorther 410 Stück nach Rom, und später mag mancher treue Zeuge Christi sein Leben ansge haucht haben unter den Zähnen dieses grausamen Tieres. Auch in der Bibel kommt der Leopard als „Pardel" öfters vor; so in Hab. 1, 8, wo er ein schnelles Tier genannt ist, uub in Jer. 5, 0 werden mit diesem schön scheinenden, wilden Tiere grausame, hinterlistige und bos hafte Feinde verglichen. Ja, Gott vergleicht sich selbst damit, wenn Er Seinen Zorn und Seine gerechte Rache nachdrücklich beschreiben will (Hos. 13, 7). In Dan. 7, 6 wird das griechische Reich unter einem Pardel dar gestellt. Zum Zeichen davon, wie im Neuen Bunde die ärgsten Feinde des Volkes Gottes umgewandelt und in Liebe mit den Frommen wohnen werden, sagt der Herr durch den Propheten (Jes. 11, 6): „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen, und die Pardel bei den Böcken." Die Känguruhs. nser nachstehendes Bild zeigt »ns einen australischen Eingeborenen in seinem wilden Zustande. Der Mann hält seinen Speer in der Hand, mit welchem er ans der Jagd die wilden Tiere tötet. Die Frauen haben sich in dem hohlen Stamme eines Baumes, die ihnen gewöhnlich zur Woh nung dienen, heimatlich gemacht. Die Tiere, von denen eine Frau eins ans dem Schoße hält, sind Dingos, eine Art in Australien lebender Hunde, die27 mit unfern Schäferhunden Aehnlichkeit Huben. Sie halten große Stücke auf diese Tiere und haben sie häufig um sich. Die Tiere, welche sich rechts auf dein Bilde befinden, sind Kän guruhs, von denen nur euch nachstehend eine naturgeschichtliche Beschrei bung geben. Die Känguruhs sind die größten Tiere Australiens und nähre» sich bloß von Kräutern. Sie haben außerordentlich lange Hinterfüße und einen sehr starken Schwanz, der ihnen wie ein fünfter Fuß dient, die Vorderfüßedagegen sind klein; auf allen Vieren gehen sie daher nur selten; ihr Gang ist ein Springen auf den hintern Füßen, wobei sie der Schwanz trefflich unterstützt; sie können 18—20 Fuß weit springen, und über Gebüsche, die eine Höhe von 6—8 Fuß haben, setzen sie mit einer solchen Leichtigkeit, daß kein Windhund ihnen zu folgen vermag. In Australien werden sie häufig gejagt, ihr Fleisch ist eßbar und ihr Fell gut; sie wissen sich aber gegen Hunde trefflich zu wehren, indem sie ihnen init ihren scharfen Hinterklauen den Bauch aufschlitzen und sie mit den Zähnen tüchtig beißen; mit dem Schwanz vermögen sie einem ein Glied abzuschlagen. Da das Känguruh, wenigstens die größte Gattung (Halmaturus giganteus), 6 Fuß hoch wird, so flüchtet es sich oft, von Hunden verfolgt, in einen in der Nähe befind lichen Teich so weit hinein, daß es noch aufrecht stehen kann, während die Hunde schwimmen müssen, packt dieselben mit seinen Vordertatzen und ersäuft sie. Jung eingefangen werden sie sehr zahm und pflanzen sich in Europa fort. Sie bekommen 4—5 Junge, die sie auf das zärtlichste hüten und bei Gefahren in den Beutel schlüpfen lassen. # Der Fuchs. er Fuchs hat am meisten Aehnlichkeit mit einem Spitzhunde, er ist aber höher und länger und hat einen langen buschigen Schweif, den er hinausstreckt, wenn er schnell läuft. Hat er eine Beute gemacht, so wedelt er vergnügt mit seinem Schweife. Seine Farbe ist braunrot, am Bauche und an der Schtveifspitze weiß; die Schnauze und die Ohrenspitzen sind schwarz. Er wohnt in Felsenlöchern oder Höhlen, die er selbst gräbt. Man heißt seine Höhle Bau. Während des Tages liegt er auch im dichten Gebüsche. Er geht gewöhnlich nur nachts ans Raub aus, doch auch bei Tage, wenn es ruhig um ihn her ist. Er ist ein arger Dieb und Räuber. Was er bezwingen kann, erwürgt er. Hirschkälber und junge Rehe werden seine Beute, wenn sie allein sind und von der Rehgeiße nicht verteidigt werden. Diese schlagen ihn mit den Vorderfüßen so auf den Kopf, daß ihm der Appetit vergeht. Auf alte Hasen lauert er aus ihren Wegen und packt sie, junge spürt er auf wie ein Jagdhund; Gänse, Enten, Hühner, Rebhühner, Wachteln, Lerchen, alle Vögel, die auf der Erde nisten, haben an ihm einen gefährlichen Feind. Er schleicht auf die Bauernhöfe, nachts auch in die Dörfer, und raubt zahmes Geflügel; kann er eine junge Katze erwischen, so ist sie ihm willkommen. Weintrauben, süße Kirschen und Birnen schmaust— 29 et* ebenfalls gern. Auch Käfer und Heuschrecken schmecken ihm. Gewöhnlich muß er aber von Feld- und Waldmäusen leben. Diese erhascht er durch einen geschickten Sprung oder gräbt sie aus ihren Lochern. Er vertilgt eine unglaubliche Zahl Mäuse; man hat in dem Magen geschossener Füchse schon mehr als zwei Dutzend Mäuse gefunden. Im Herbste wird sein Pelz dichter, und die Haare sind nicht brüchig tvie im Sommer; der Kürschner macht aus dem Winterbalg Handschuhe, Muffe, Mützen, Rockkragen rc. Man fängt den Fuchs in Fallen, Drahtschlingen, gräbt ihn aus seinem Bau oder erstickt ihn mit Schwefel, meistens aber wird er geschossen. Die List des Fuchses ist sprüchwörtlich geworden, wovon wir hier ein Beispiel anführen. Ein Arzt hatte einen Fuchs, der so zahm war, daß mau ihn den ganzen Tag frei umherlaufen ließ; denn er that keinem Tiere etwas zu leide. Er ging sogar in den Wald, kam aber jeden Abend wieder zu rück. Nur des Nachts wurde er an eine Kette gelegt. Als er einst be merkte, daß sein Halsband zu weit sei, streifte er es ab, und ging in die Nachbarschaft, um Hühner zu stehlen. Aber vor Tag kam er wieder zu rück und kroch in sein Halsband. Da man ihn jeden Morgen an der Kette fand, so schöpfte man keinen Verdacht auf ihn. Endlich aber paßte man ihm ans und entdeckte seine List.So - Besondere Eigenschaften der Matten. Scharfsinn der Ratten in der Wahl ihrer Nahrung ist merkwürdig. >ie Ratte ist wirklich so geschickt und verrichtet manche Dinge mit beinahe menschlichem Genie, daß ihre Bemühungen dabei fast fabelhaft zu sein scheinen. Es ist bekannt, daß Ratten oft Eier aus dem Keller bis unter das Dach des Hanfes hinauftrngen. Dabei hoben sie dieselben mit großer Vorsicht von einer Stufe der Treppe zur andern hinauf, indem die eine Ratte das Ei mit den Vorderfüßen zu der andern Ratte hinauf reichte, während die dritte, sorgsam zur Mithilfe bereit, wieder eine Stufe höher dasselbe in Empfang nahm. Alan erzählt, daß Ratten den Kork von einer Flasche mit Florenzer Wein entfernt und mittelst ihrer langen Schwänze den Inhalt der Flasche bis auf den letzten Tropfen ausgeleert haben. Man sah einmal eine Ratte an einem Tisch, auf welchem ein Kästchen mit Feigen stand, aufklimmen. Sie warf das Kästchen um, daß die Feigen vom Tisch herab auf dem Fußboden zerstreut umher rollten und von einigen anderen Ratten, die des Erfolges dieses kühnen Unternehmens sehnsuchtsvoll harrten, erhascht und aufgefressen wurden. Die Thäteriu selbst nahm freilich auch teil an dem Schmause. Ein Reisender in Mecklenburg tvar Augenzeuge eines seltenen Vor falles in einem Posthanse, wo er ans seiner Reise eingekehrt war. Nach dem Mittagsessen stellte der Hauswirt eine große Schüssel mit Suppe auf den Fußboden in der Mitte des Gastzimmers hin und gab dabei ein Zeichen, indem er laut flötete. Sogleich kam ein mächtiger Kettenhund, eine schöne Katze, ein alter Rabe und eine große Ratte, mit einer Glocke am Halse hängend, herein. Alle vier eilten zu der Schüssel, und, ohne sich gegenseitig zu stören, verzehrten sie friedsam die Suppe. Als sie die Schüssel ansgeleert hatten, legte sich der Hund beim Ofen nieder; die Katze ebenfalls, und auch die Ratte streckte sich lang auf dem Fußboden hin, um sich mit ihren zwei seltenen Gesellschaftern auszurnhen, während der Rabe im Zimmer umherhüpfte. Nachdem der Hausherr die Ursachen der wunderbaren Harmonie dieser vier verschiedenen Haustiere erklärt hatte, machte er ferner seinen Gästen die Mitteilung, daß die Ratte das nützlichste Tier von allen sei, denn er sagte, daß durch das Geräusch, welches die Ratte verursache, sein Haus von allen Mäuse» und anderen Ratten gereinigt worden sei. Eine Ratte rettete einst einem Menschen das Leben. Ein junger Lehrer hatte die üble Gewohnheit, abends im Bette zu lesen. Eines Abendsi 32 drehte, sah er die Ratte auf seinem Kopfkissen sitzen, welche ihn vor der Ge fahr, in der fein Leben stand, gewarnt hatte — denn über dem Haupte wurde er zu seinem nicht geringen Schrecken gewahr, wie die Bettgardinen in hellen Flammen standen; somit konnte er nicht allein sein Leben retten, sondern auch das Feuer rechtzeitig löschen. -- H Aer Elefant. iSSuer Elefant, das größte Landtier, gehört zu den Dickhäutern und lebt in Asien und Afrika. Seine Höhe beträgt zehn Fuß, die Länge seines Leibes von der Spitze seines Rüssels bis zum Schwanzende gegen 22 Fuß. Davon kommen 6 auf den Rlissel und 4 auf den Schwanz. Der Rumpf ist kurz und dick, der Hals sehr kurz, der Kopf zeigt ein paar kleiner, fast blöder Augen, hat aber sehr große Ohren. Die hohen Beine gleichen Säu len und haben fünf Zehen mit starken Hufen. Die Sohlen sind flach und33 hornartig. Der Schwanz ist ziemlich rund und endet in einem Büschel von dichten, groben Borsten. Die braungraue Haut ist dick, hart, runzlich und mit Borsten besetzt. Das wichtigste Glied des Elefanten ist der Rüssel, eine weit verlän- längerte Nase. Er ist oben gerundet und verdünnt sich allmählich von der Wurzel zur Spitze. Er dient dem Tiere nicht bloß zum Riechen, sondern auch zum Tasten und Greifen. Denn er kann nach allen Seiten hin bewegt, znsammengezogen und ansgestreckt werden. Ohne den Rüssel konnte der Elefant sich nicht ernähren. Denn der Ban seines Leibes erlaubt dem Niesen tiere nicht, den Kopf bis zur Erde herabzubringen. Es würde also bald alles in gerader Höhe mit seinem Haupte wachsende Laub abgeweidet haben und verhungern müssen, wenn ihm jenes sonderbare Werkzeug nicht als Arm, Hand, Finger und Lippe diente. Mit dem Rüssel ergreift der Elefant seine Nahrung und stopft sie in den darunter liegenden Mund. Durch einen Schlag mit dem Rüssel tötet er einen Menschen oder gar einen Stier; mit ihm bricht er ziemlich starke Bäume um. Die Rüsselspitze ist singerartig ge bildet. Darum kann der Elefant die kleinsten Dinge erfasse», z. B. leichte Silbermünzen oder Papierschnitzel, den Pfropfen von einer Flasche ziehen und diese so an den Wund setzen und austrinken, daß kein Tropfen verloren geht. Will er trinken, so sangt er beide Röhren des Rüssels voll Wasser und spritzt sich dasselbe ins Maul. Auf ähnliche Weise dient der Rüssel A»ö dem TicrleVen. Z34 dazu, den Körper abzuspülen oder durch ausgeschütteten Saud lästige Insek ten vorn Körper zu verscheuchen. Sehr merkwürdig ist das Gebiß. Der Elefant trägt nämlich im Ober kiefer zwei ungeheure Stoßzähne, welche zu beiden Seiten weit ans dem Munde hervorragen und sich nach oben krümmen, und außerdem in jedem Kiefer nur noch einen einzigen gewaltigen Backenzahn zum Kauen, den er in seinem Leben sechsmal wechselt. Die Stoßzähne wachsen immer fort und erreichen ein Gewicht von 150 Pfund. Das Tier benutzt sie als Waffe oder zu mancherlei Arbeiten, hebt mit ihnen Lasten auf, wälzt Steine um und wühlt Löcher in die Erde. Die Elefanten halten sich herdenweise in großen, wasserreichen Wäldern auf und scheue» selbst hohe Berge nicht. Den Tag bringen sie im Dickicht meist ruhend zu, im tiefen Schatten gelagert; einige brechen mit dem Rüssel Blätter oder Zweige von den Bäumen, andere fächeln sich mit Blattfächern, die sie abbrechen, noch andere liegen und schlafen; die Jungen aber laufen lustig umher. Sobald eine Elefanten Herde von Menschen überrascht wird oder sie auch nur wittert, entflieht die ganze Gesellschaft furchtsam ans dem von den Elefanten gebahnten Pfade. Bei der Anlegung ihrer Waldwege wissen die Tiere die günstigsten, bequemsten Stellen aufznfinden, um zum Wasser zu gelangen oder ein Gebirge zu überschreiten. Ist der Berg sehr steil, so klimmen sie im Zickzack empor. Wenn sie eine neue Straße bahnen, treten sie das Unterholz unter ihren breiten Füßen zusammen; die von den Bäumen herabhängenden Zweige dagegen werden einfach abgebrochen und verspeist. Die Tiere sind nicht so plump, wie sie zu sei» scheinen; sie können traben und schleichen, klettern und rutschen, sich mit Leichtigkeit niederlege» und erheben, schwimmen und tauchen. Die Sinne des Elefanten sind scharf und sein, besonders das Gehör, der Geruch, der Geschmack und das Gefühl. Der geringste Laut erregt die Aufmerksamkeit des ruhenden Elefanten. An Klugheit steht er dem Hunde und dem Pferde ungefähr gleich. Er überlegt, bevor er handelt, und zeigt sich gelehriger als jedes andere Tier, so daß er durch den Umgang mit dem Menschen immer verständiger wird. Auch in wildem Zustande liebt er Frie den und greift ungereizt kein Tier an, sowie er selten von einem Raubtiere angegriffen wird. Eine Herde besteht immer aus einer einzigen Familie und zählt dreißig bis hundert Köpfe. Sie wird von dem Klügsten darunter ge leitet; dieser achtet auf alle Gefahre» und untersucht die Gegend. Ihm ver trauen alle und leisten ihm steten Gehorsam. Er führt sie zum Trunk und zum Bade sowie auf die Weide, in den Wald oder auf den Grasplatz; denn35 obwohl Baumzweige das Lieblingsfutter der Elefanten sind, verschmähen sie doch auch Gras nicht. Dabei packen'sie die Grasbüschel mit dem Rüssel, reißen sie samt de» Wurzel» ans dem Boden, schlagen sie gegen einen Baum, um sie von der daranhängenden Erde zn befreien, und stecken einen nach dem andern ins Maul. Bei Nacht wird auch zuweilen ein Maisfeld be-^ sucht und geplündert, wenn es ohne Umzäunung ist. Nie aber verletzten die Tiere die Getreidefelder, wenn sie von den Einwohnern eingefriedigt sind, obgleich ei» einziger Schlag hinreichend sein würde, eine ganze Wand von Rohrstäben niederznwerfen. Dafür wird ihnen aber auch wohl das Stroh der Maisernte überlassen. Der Elefant wächst 20 bis 24 Jahre und wird über 100 Jahre alt. Viele kommen durch die Verfolgung der Menschen um. Man jagt sie nicht wegen des von ihnen verübten Schadens, sondern wegen ihrer kostbaren Zähne, die das Elfenbein liefern. Man tötet sie durch Schüsse in den Schädel. Die Neger treiben sie auch wohl in Umzäunungen und erlegen sie durch zahlreiche Lanzen. Auch fangen sie lebendige Elefanten, indem sie ihnen mit großer Gewandtheit Schlingen ans Büffelhant um den Fuß werfen und an den nächsten Baum knüpfen. Anfangs wird der Gefangene wütend und schlägt nach allen Seiten mit dem Rüssel um sich; aber man bändigt ihn durch 3 *— 36 — eiserne Nuten und zähmt ihn vollends durch Freundlichkeit. Bald läßt er sich zum Lasttragen, z. B. zum Hcrbeischaffen von Balken und Steinen beim Häuserbau, verwenden. Man füttert die zahmen Elefanten mit Heu, Brot, Mohrrüben, Früchten, gekochtem Reis und dergleichen. In alten Zeiten richtete man sie auch zum Kriege ab und schreckte in der Schlacht die Feinde durch den furchtbaren Anblick der riesenhaften Geschöpfe in die Flucht. (Nach A. E. Br eh in.) -H- Das Glentier. ),,ch Elen oder Elch genannt. Ein wiederkäuendes Säugetier der Hirsch- gattung; lebt im nördlichen Europa, Nvrdasien und Nordamerika. Das Geweih ist schanfelförinig. Die Knochen des Tieres werden lvie Elfenbein bearbeitet und haben vor demselben noch voraus, daß sie nicht gelb werden. Heilige Kühe. Mst es nicht ein schönes Tier mit seinen sanften Augen und ruhigem Blick? (jy Und selbst dieser komische Buckel auf seinem Rücken ist nicht häßlich und ist euch nur auffallend, weil ihr gewohnt seid, die Kühe ohne Buckel zu sehen. Würdet ihr die Kuh haben, welche ihr auf dem Bilde seht, so37 würdet ihr sie recht lieb gewinnen, sie gut behandeln und ihr auch wohl, wie man zu thun Pflegt, einen schönen Namen geben. Man behandelt diese Tiere in Indien nicht nur gut, sondern man betet sie sogar an. Das scheint uns ganz erschrecklich, uub wir können uns gar keinen Begriff davon machen, und doch ist es wahr. Die Hindus glauben, daß es auf Erden keinen Gegenstand giebt, der so heilig und wert sei, an gebetet zu werden, wie die Kuh. Biele Brahmiuen (Hindus) sterben so, wie uns nachstehendes Bild zeigt, indem der Sterbende den Schwanz einer sol chen heiligen Kuh festhält.38 alten Herrn erster Blick, sobald er erwacht, ans einen glücklichen Gegenstand fällt. Darum bringen seine Diener vor seinem Erwachen eine Kuh, die mit reich verzierten Decken und Blumen geschmiickt ist, in sein Schlafzimmer, daß er sie sehen und anbeten möge, wenn er erwacht. Wie würde euch das gefallen? Ich fürchte, manche meiner kleinen Leser würden erschrecken, wenn sie beim Erwachen eine Knh erblicken wür den, die ruhig sie anblickt. Der Rajah fvou Mysore, ein eiugeborner Fürst, ist jetzt ein alter Mann nud dennoch ein Götzendiener. Man hält es für wichtig, das; des39 Indessen können wir selbst ans dieser thörichten Gewohnheit eine Lehre ziehen. Es ist sehr gut, jeden Tag auf die rechte Weise anzufangen; und wir können den Tag nicht besser anfangen, als zuerst unsere Gedanken auf Gott und göttliche Dinge zu richten. Vor allein laßt eure Herzen des Mor gens mit Dank erfüllt sein fiir den Schutz, den der liebe Gott euch durch die Nacht hindurch hat widerfahren lassen. Sein Vaterauge hat über euch gewacht, da ihr schliefet, und hat euch vor allein Uebel bewahrt. Und wenn ihr fiir euch betet, daß der teure Heiland euch zii guten und froininen Kindern machen möchte, so gedenket der armen Hindus, die noch eine Kuh anbeten, und Gott nicht kennen. Der Herr erhört das kindliche Gebet. ■# Der braune Aär. .eine Stirne ist gewölbt, seine Haare sind braun oder graubraun; in der Jugend wollig, im Alter schlicht. Die Jungen haben ein tveißes c Halsband. Er wird gegen 4 Fuß hoch und hat bisweilen ein Ge lvicht von 400 Pfund. Er ist das größte Raubtier in Europa und lvohnt in den Hochgebirgen und den weniger bewohnten östlichen Ländern: in Tyrol, in Kärnthen, in Ungarn, Polen und Rußland. Am Tage hält er sich in unzugänglichen, dichtbewachsenen Waldgebirgen ans, wo er gewöhnlich mit der Bärin allein lebt. Sein Gesicht und sein Gehör, sowie sein Geruch sind sehr scharf, seine Stimme ist ein tiefes Brummen; trotz seiner anscheinenden Plumpheit kann er sehr schnell gehe», und ist in Verfolgung seines Raubes unermüdlich; dabei klettert er auch sehr gewandt auf Bäume, ©eine Nah-40 ruttg besteht aus allerlei Früchten, namentlich zieht er die süßen und mehl- reichen, wie Trauben, Kastanien, Erdbeeren, vor; seine größte Liebhaberei ist Honig, welchem er meilenweit nachgeht, unbekümmert um die Biene», die ihn entsetzlich zerstechen. Diese Liebhaberei für Honig benützt man, um ihn zu fangen, in Rußland auf folgende Weise: Man sucht sich einen Baum aus, welcher einen Bienenstock enthält, befestigt dann einen schweren Klotz an ein Seil und richtet den Klotz so, daß er den Eingang zum Bienenstock verwehrt; nun träufelt man von dem Baum bis zu der Stelle, wo man Bären bemerkt, Honig; der Bär geht, sobald er Honig riecht, der Spur nach und kommt zum Baum. Da ihn der Klotz verhindert, zum Honig zu kommen, so giebt er diesem mit der Tatze einen Schlag; nun schwebt der Klotz am Seile hin, aber auch wieder zurück, und trifft den Bären; dieser darüber erzürnt, schlagt den Klotz noch weiter und setzt dies so lange fort, bis er durch die Schläge an den Kopf betäubt zu Boden fällt, und nun durch die lauernden Jäger getötet werden kann. Jung eingefangen, sind die Bären leicht zu zähmen und können zum Tanzen abgerichtet werden. Sie sind aber bei aller Zahmheit immer von grober Natur und verstehen wenig Spaß; Mißhandlung macht sie wütend und setzt den Führer in Gefahr. Musik liebt der Bär außerordentlich. Ungereizt greift er den Menschen nie an; angeschossen aber geht er mit voller Wut auf ihn zu und erdrückt ihn mit einer Umarmung, wobei er sich seines Gebisses nicht bedient; daher ha ben beherzte Jäger es schon mit Glück versucht, ihn dadurch zu töten, daß sie einen mit Dolchen gespickten Panzer anhatten, und ihn,- nachdem sie ihn in Zorn gesetzt, ruhig auf sich zukommen ließen; er drückte sich dann die Dolche selbst in den Leib. Auch sind Beispiele vorgekommen, daß Jäger mit den angeschossenen Bären so lange rangen, bis ihre Kameraden kamen, um sie zu erlösen. Sein Pelz ist bekanntlich sehr gesucht, und das Fleisch der Jungen ist ein Leckerbissen; besonders die Schinken werden vorgezogen, und die Tatzen, stammen sie von alten oder jungen Bären, sind hoch geschätzt. # Aer Orsüär. (2 (Wf r ist der größte von allen Bären, mißt von der Schnauze bis zum P Schwanz 5 bis 8 Fuß, und vom Rücken bis zum Boden 4. bis 4 1 /2 Fuß. Dabei erreicht er ein Gewicht von mehr als 1000 Pfund. Bon den braunen Bären unterscheidet er sich vorzugsweise dadurch, daß sein Hals und sein Kopf viel länger sind. Seine Schnauze ist spitzig, seine Vorder-41 tatzen sind weniger breit, als die des Landbären. Sie bewohnen die nächst dem Eismeer gelegenen Länder: wie Spitzbergen, Nvwaja Semlja, Grön land. Sie leben gesellschaftlich in Truppen und nähren sich bloß von Sec- tieren und Fischen. Seehunde, Delphine, kleine Walfische greifen sie an, und um größere tote Walfische sammeln sie sich in Menge. Sie können vortreff lich schwimmen und verteidigen sich im Wasser ausgezeichnet gut; auch auf den Eisfeldern können sie trotz ihrer anscheinenden Plumpheit mit einer Schnel ligkeit und Gewandheit laufen, die erstaunlich ist. Gegen den härtesten Win ter git verlassen sie das Eismeer und ziehen ettvas südlicher; jedoch nie so südlich, daß sie die Wälder erreichen. Wärme können sie durchaus nicht er tragen und müssen daher, wenn man sie eingesperrt hält, oft mit Wasser begossen werden. Zähmen lassen sie sich nie, sondern bleiben immer grim mig und unbändig. Sie schreien tvie heisere Hunde; ihr Pelz hat lange und linde Haare, ist teurer als der des Landbären und ein ausgezeichnet tvarmes Pelzwerk. Angegriffen verfolgen sie die Jäger mit der äußersten Hartnäckigkeit, suchen um jeden Preis in das Boot zu kommen, und sind nur durch die besonnenste Gegenwehr zu bemeistern. Gegenstände, welche man einem Eisbären znwirst, beschnuppert er und spielt ivohl auch damit, läßt sich aber dadurch nicht lange von der Verfolgung abhalten. Ein Matrose sah in kurzer Entfernung vom Schiff einen Eisbären, und näherte sich ihm, trotz dem Abmahnen seiner Kameraden, bloß mit einer Lanze bewaffnet, mit der er ihn auch alsbald verwundete. Nun verfolgte ihn der Bär mit solcher Schnelligkeit, daß er kaum entrinnen konnte und unterwegs den Hut verlor. Diesen griff der Bär auf, roch daran, warf ihn aber bald wieder weg. Der Matrose, welcher dies bemerkte, zog nun seinen Wams aus und warf es ihm zu. Dies gab einen neuen Aufenthalt für den Bären, welchen der Mann42 noch so gut benutzte, daß er vor dem Untier das Boot erreichte. Der Eis bär gicbt oft über 100 Pfund Thron, und sein Fleisch ist wohlschmeckend. Seine Leber aber ist giftig; sie verursacht Kopfweh, heftiges Erbrechen und später ein krankhaftes Abschälen der Haut, das längere Zeit andauert. Vor Gsrl. ist ein sehr bekanntes Haustier; gehört zur Gattung der Pferde, ist meistens grau, hat lange Ohren und einen langen Schwanz. Er stammt aus Persien und Mittelasien. Im allgemeinen gilt der Esel als Sinnbild der Trägheit und Dummheit. Die Eselmilch ist sehr zuckerhaltig und nahrhaft. Der Lyra-Vogel. Lyra ist das älteste Saiten'Instrument der Welt. Anfang mit 3, läter mit 7 und 11 Saiten bespannt, wurde es, obgleich in Egypten erfunden, doch mit größter Vorliebe im alten Griechenland gespielt. Nach diesem Instrument hat der abgebildete Vogel seinen Namen, indem sein aus gebreiteter Schweif sehr hübsch uns das auffallende Bild einer Lyra vvrführt.43 — Ihr werdet es kaum glauben können, daß dieser prächtige, große Vogel mit dem kleine», unansehnlichen Zaunkönig in dieselbe Familie gehört, und doch ist dem so, wie dies Schnabel und Zehen beweisen. Der Lyra-Vogel ist44 heimisch tu Australien; seine Stimme ist musikalisch, und seine lautesten Töne können ans bedeutende Entfernung gehört werden. Er ist sehr scheu und sucht sich bei dem geringsten Geräusch zu verbergen. Hinsichtlich seiner Be wegung ist er hauptsächlich ans seine Beine angewiesen, die er aber mit vor züglicher Schnelligkeit zu gebrauchen weiß, infolge dessen ist es äußerst schwierig, einen solchen Vogel zu fangen. Nor Frosch. (chicer Frosch hat lange Hinterfüße. Die eine Art desselben ist von etwas (S© grünlicher Färbung und lebt im Wasser. Wegen der Benutzung des Fleisches ihrer Schenkel heißt sie der eßbare Frosch. Die andere, bräun liche Art, der Gras frösch .genannt, lebt de» größten Teil des Jahres in Wäldern und Feldern, kommt meist erst in der kühlen Abendzeit zum Vor schein, begiebt sich im Herbst in Sümpfe und Gräben, um in ihrem Schlamm den Winterschlaf zu halten, aus dem er mit dem Eintritt des Frühlings erwacht. Der Laubfrosch — von grüner Farbe - unterscheidet sich durch die klebrigen, rundlichen Ballen an seinen Zehenspitzen.45 Das Schaf. ein Tier läßt sich leichter lenken und hüten als das Schaf, keins sträubt sich weniger, wenn cs zur Schlachtbank geführt wird. Es scheint sich immer zu freuen, daß es nicht selbst für sich zu sorgen braucht. Es lernt nie etwas und weiß sich deshalb allein nicht zu helfen. Wenn es der Mensch nicht beschützte, würde es z» Grunde gehen. Ein kleines Ge-46 rausch, ein unbedeutendes Tier kann eine ganze Herde erschrecken. Der stärkste Widder weicht dem schwächsten Hunde. Blindlings folge» die Sehafe jedem Führer und stürzen ihm in die augenblicklichste Gefahr nach. Sie springen hinter ihm in die tobenden Fluten, obgleich sie sehen, das; alle, welche den Satz wagten, zu Grunde gehen müssen. Blitz, Donner und Sturm bringen sie gänzlich außer Fassung; sie drängen sich dicht zusammen und sind nicht von der Stelle zu bringen. Bricht Feuer im Stalle ans, so flüchten die Schafe nicht hinaus, sondern sie rennen wohl gar gerade ins Feuer hinein. Einst erstickte fast eine ganze Herde, weil zwei Jagdhunde in den Stall sprangen und sie in solche Angst setzten, daß sie sich übermäßig znsannnendrängten. Das zahme Schaf liebt mehr hohe, trockene Weiden als niedere und feuchte. Es frißt Gras und hunderte von Kräuter». Im Winter erhält es Heu, Stroh, dürres Laub und andere getrocknete Pflanzen. Die Fütterung mit Getreide macht es fett und schadet der Wolle. Das Salz liebt es sehr, und frisches Trinkwasser ist ihm unentbehrlich. Gewöhnlich bringt das Schaf jährlich nur ein Lamm zur Welt; zwei Junge sind selten. Die kleinen Tiere müsse» anfangs sorgfältig im Stalle gehalten werden, später dürfen sie mit auf die Weide gehen. Die Zahnung dauert bis zum fünften Jahre; doch fallen die meisten Zählte schon im nenn ten oder zehnten Jahre wieder ans. Das Tier wird dadurch unbrauchbar und muß nun rasch gemästet und geschlachtet werden. Sonst könnte es ei» Alter von vierzehn Jahren erreichen. Bei uns hat das friedliche, harmlose Tier keine Feinde. In andern Ländern, wo noch wilde Tiere Vorkommen, beschleicht der Wolf häufig ge nug die wehrlosen Herden; auch die wilden Katzen und Bären stellen den Schafen nach, nnd die Adler werden den Lämmern gefährlich. Das Schaf ist eins der nützlichsten Tiere. Sein Fleisch wird gegessen, seine Milch getrunken, auch in Butter und Käse verwandelt. Die Hörner verarbeitet der Drechsler, seine Haut der Gerber, ans seine» Gedärme» macht man Saiten. Den meisten Nutzen aber bringt seine warme Wolle. (Nach H E. Brehm.) # Das Dromedar. giebt zwei oder drei verschiedene Arten von Kamelen, aber sie nnter- scheiden sich von einander nicht viel mehr als unsere Pferde, von denen wir einige, die starken und plumper gebildeten, vorzüglich zum Ziehe»- 41 schwerer Lasten gebrauchen, andere aber, die netter und zierlicher gebaut sind, zum Reiten und Fahren benutzen. Das schnelle Kamel wird Dromedar genannt und hat nur einen Höcker, während das zweihöckerige Kamel Tram peltier genannt tvird. Das Dromedar kann mit seinem Reiter 30 Stunden den Tag zurücklegen. Das Kamel ist ein sehr großes Tier und tvird sehr oft in der Bibel ertvähnt. Ich hoffe, ihr werdet gern alle diese Stellen anfsuchen, und sehen, was da vom Kamel gesagt wird. Man sollte denken, Gott habe es gerade für die Länder, in denen es lebt, geschaffen, denn es kann viele Tage lang, ohne Wasser zu trinken, anshalten; und wäre dies nicht der Fall, so müßte es vor Durst sterben, da die Quellen und Brunnen so weit von einander entfernt sind. Wenn die Leute in jenen Ländern keine Kamele hätten, so könnten sie keine Reisen machen; ihr seht daraus, wir gütig Gott für sie gesorgt hch. Der Fuß der Kamele ist sonderbar gebildet. Er ist sehr breit, in zwei Abteilungen mit einer hornartigen Spitze an deren Ende; und unten daran ist eine Art elastisches Kissen, einem Schwamm ähnlich, ans welches das48 Tier auftritt. Es ist sehr seltsam, ein Dutzend oder 20 große und schwere Kamele ganz geräuschlos vorüberziehen zu sehen, in solcher Stille, daß man, ohne anfzusehe», ihr Kommen kaum bemerken würde. # Das Eichhorn. ist wohl das munterste und netteste Tierlein bei uns. Es lebt nur (y^) in den Wäldern und fast immer auf den Bäumen. Auf die Erde kommt es selten herunter, außer wenn es Bucheckern, Haselnüsse, Tannzapfen u. dgl. sucht, deren Kern es sehr gern frißt. Es entfernt sich aber nie weit von den Bäumen; zu diesen flieht es, wenn es einen Feind kommen sieht. Ans die Bäume klettert cs mit nngemeiner Geschwindigkeit; denn es hat sehr scharfe Krallen, mit denen es sich an der glattesten Baumrinde sesthalten kann, und schwer ist das kleine Tier auch nicht. Es kann aber sehr weite Sprünge machen; von dem höchsten Baum springt es wohl 15 Fuß weit auf den Ast eines andern Baumes. So große Sprünge kann es aber nur mache», wenn der Ast, auf den es springen ivill, weit nuten ist. Mit sei nem langen, stark behaarten Schwänze hält es sich im Gleichgewicht. Es richtet sich gern ans seine Hinterfüße auf, wenn es tveiter und freier um sich sehen will. Das thnt es auch, wenn cs frißt; es nimmt eine Nuß mit den Krallen seiner Borderfüßc, hält sie fest und bringt sie zum Alande. Es hat sehr scharfe und spitzige Zähne, welche vortrefflich schneiden; das kommt ihm sehr gut, wenn es einen Tannzapfen annagt, unter dessen Schuppen die vli49 Nie Fledermaus. (fcjfiii sehr sonderbares, harmloses Tier. Sie ist hie und ganz gemein, und mancher Leser hat sie wohl in der Abenddämmerung umher- flatter» sehen. Die alten Römer nannten die Fledermaus den „Vogel und doch kein Vogel" und schienen ganz verlegen, zn welcher Klasse sie sie zählen sollten; indessen seit 200 Jahren wird sie nach wissenschaftlichen Gründen unter die vierfüßigen Tiere gerechnet. Man sehe sie nur einmal an. Sie sieht so ziemlich einer beflügelten Aus fccui Tierlebe» 4 gen Kerne liegen, oder eine Haselnuß, eine Baumnuß u. s. w. Für den Winter sammelt es sich kleine Vorräte von Samenkörnern, die es in Baum- hohlen verbirgt, aber oft nicht wiederfindet. Sein Nest macht es aus Moos und Reisig; es ist kugelförmig und hat seinen Eingang seitwärts. Wenn der Wind es kalt anweht, so stopft es den Eingang zn und öffnet einen auf der entgegengesetzten Seite. Sein größter Feind ist der Baummarder; er holt ihm die Jungen aus dem Neste und bringt sie den seinigen. Er jagt auch die alten Eichhörner wie rasend von einem Baume zum andern, daß sie oft seine Beute werden.50 Maus ähnlich. Die beiden Vorderbeine reichen jedes bis zu der Kralle oder dem Daumen an der Spitze des Flügels. Von dieser aus erstrecken sich, gleich dem Walfischbein eines Schirms, die langen, knochigen Finger, die jedoch weder mit Baumwolle noch mit. Seide überspannt sind, sondern mit einer zarten Haut oder Membrane, die sich von einem Ende zum an dern ausdehnt und bei der gemeinen Fledermaus drei bis sechs Zoll mißt. Sie wohnt in Felsspalten oder Lochern, oder auch in Höhlen, an deren Wände sie sich mittelst der Krallen anhängt, denn dies ist immer ihre Stel lung, wenn sie ruht. Nach Sonnenuntergang kommt sie hervor, um Nah rung zu suchen, welche in Insekten besteht, die sie mit ihrem weiten, ausge dehnten Munde tut Fluge fängt. Auch Obst liebt sie und verzehrt es in großer Menge. Rohes Fleisch ist für sie ein Leckerbissen, und die Fleder maus wagt sich deshalb manchmal durch den Schornstein in die Häu ser hinein. Die kleinen tiefliegenden Augen der Fledermaus haben ohne Zweifel einen Nutzen; indessen ist es ansgemacht, daß gewisse Fledermaus-Arten auch nach dem Verlust des Augenlichtes ganz geschickt zu fliegen und bequem sich Nahrung zu suchen vermögen. Vermutlich werden sie dsizu durch den Tast sinn in Stand gesetzt, der in den Flügeln seinen Sitz hat, die • mit/ einem feinen Gewebe von Nerven überzogen sind; letztere sind so zart und empfind lich, daß sie durch die Schwingungen der Lust in Thätigkeit gesetzt werden.- 51 Es gicbt mehrere Arten von Fledermäusen, darunter einige sehr große, die zwischen den Flügelspitzen vier Fuß messen. Ein anderes sonderbares Tier, von etwas ungestaltetem Gliederban, welches indes der Fledermaus ähnlich sieht, lebt auf den Molukken. Es ist etwa einen Fuß lang, hängt des Tages zwischen den Zweigen hoher Bäume, mit dem Kopfe oft nach unten, und streift bei einbrechender Dunkelheit in den Wäldern nach Obst und Insekte» umher. Damit es schnell von Baum zu Baum gelangen könne, ohne ans die Erde zu kommen, kann das Tier die Haut zu beiden Seiten des Körpers luie einen breiten Mantel ausspannen, der ihn im Springen zum Fallschirm dient. Auf der Erde laufen diese kleinen Tiere ziemlich schnell, und sie klettern wie die Katzen auf die Bäume. Für die Vögel, deren Eier sie essen, sind sie sehr lästige Nachbarn, und sie scheuen sich auch nicht, den Vogel selbst zu verzehren. Die Farbe ist ge wöhnlich rot oder grau und wechselt mit dem Alter. Die Ohren sind kurz, die Schnauze spitzig, wodurch der Kopf eine Aehnlichkeit mit dem Fuchse erhält. Der kleine Kopf, der flache, krumme Schwanz, der magere Körper mit den großen, knochigen Gliedern geben dem Tiere ei» unverhält- 4*52 insmäßiges Aussehen. Die Glieder, und besonders die Arme, sind außer ordentlich entwickelt, indessen, so kräftig sie auch scheinen, sind sie doch offen bar nicht geeignet, das Tier gegen Angriffe zn verteidigen oder seine Beute festzuhalten und zu überwältigen, denn die Zehen der Füße sind unter ein ander verwachsen, während die Krallen nach verschiedenen Richtungen aus einanderstehen. Wenn aber auch die starken Arme dem Tiere wenig wider den Feind nutzen, so vermag es mittelst derselben doch die Baume zn erklet tern und stundenlang ohne Ermüdung an die Acste sich festzuhalten. Es wirst gewöhnlich zwei Jnnge auf einmal, für welche der Hangende Leib der Mutter eine wunderbare Wiege bildet. Die Flughaut, mittelst deren das Tier von Baum zn Baum fliegt, ist mit kurzen, dichten Haaren bedeckt, wodurch es sich zugleich von den eigentlichen Fledermäusen unter scheidet, bei denen dieselbe stets kahl ist. # Nor Tiger. S er Tiger ist beinahe so groß wie der Löwe, und obgleich er nicht so stark, ist er gefährlicher, weil behender und schneller. Man sagt, daß er alle schlechten Eigenschaften des Löwen, ohne dessen guten, habe. Er ist wild und grausam, der Schrecken aller Länder, wo er haust. Das Fell des Tigers ist dnnkelgelb, mit regelmäßigen schwarzen Strei fen, die am Schwanz Ringe werden; die Spitze desselben ist schwarz. Das Fell wird im Morgenlande sehr geschätzt. Die chinesischen Mandarine oder Statthalter behängen ihre Richterstühle damit. Der Bengalische oder Königstiger, der größte der Art, wird in einigen Teilen Indiens häufig angetrosfen. Er schleicht an seine Beute heran, oder lauert ihr hinter einem Gebüsch oder im hohen Grase auf und fällt dann mit einem Sprunge darüber her wie der Löwe. Es ist indes der Unter schied, daß der Löwe gewöhnlich ruhig und harmlos während des Tages ist, während der Tiger bei Tag uub bei Nacht beständig auf der Lauer liegt, um Menschen oder Tiere zu überfallen. Er ist so stark, daß er mit ebenso wenig Anstrengung einen Mann weMhleppt, wie die Katze ihre Jungen. Tiger sind gezähmt worden, aber es sind sehr gefährliche Haustiere; denn in einem Augenblick kann ihre wilde Natur zum Ausbruch kommen und die Blutgier von neuem in ihnen sich regen. Die Jagd auf diese Tiere ist ei > Licblingsvergnügen i» Ostindien, obgleich mit viel Gefahr verbunden. Sie wird vermittelst Elefanten betrie-53 ben, die einen großen Abscheu gegen Ne Tiger haben. Während der Jagd schlägt der Elefant mit seinem Rüssel im Gehölz umher, um den Tiger zu zwingen, sich ins Freie zu begeben, wo er dann geschossen wird. Mau sagt, daß weder der Löwe noch der Tiger den festen Blick des menschlichen Auges ertragen kann, nnd es wird manches als Beweis dar über erzählt. Ein Offizier in Indien, der zufällig in ein Gehölz hineingewandert war, traf plötzlich mit einem Königstiger zusammen. Dies Zusammentreffen war für beide ganz unerwartet, und beide blieben stehen und blickten ein ander an. Der Offizier hatte keine Schußwaffe bei sich, erinnerte sich aber glücklicherweise, einmal gehört zu haben, daß der Tiger dadurch entfernt ge halten werden könne, daß man ihn fest anblicke. Daher stand er still und blickte dem Tiger fest in die Augen; und obgleich derselbe im Begriff war, auf ihn loszuspriugeu, so wurde er doch nach wenigen Augenblicken unruhig und unbehaglich und schlich zur Seite, um von hinten den Sprung zu thun.54 Aber der Offizier hielt fest seine Augen auf ihn gerichtet, und der Tiger fürchtete sich vor seinem Blick. So beobachtete der Tiger den Offi zier eine halbe Stunde lang, indem er vergebens suchte, mit einem plötzlichen Sprung ihn zu überraschen, bis er es zuletzt aufgab und dem Offizier mög lich machte, seinen Weg weiter fortzusetzen. H Ncr Pfllf. S er Wolf ist etwas größer als unsere größten Hunde und sieht ihnen etwas ähnlich, aber er ist viel wilder, unbändiger und blutdürstiger. Die Wölfe sind meistens in großen Herden beisammen und machen ein schreck liches Geheul; und obschon sie im allgemeinen furchtsam sind, so greifen sie doch, wenn sie hungrig sind, größere Tiere, ja selbst Menschen an. Sie gehen fast nur bei Nacht aus, und darauf bezieht sich folgende Stelle der Bibel: „Ihre Rosse sind beißiger, denn die Wölfe des Abends." Jakob sagte auch, kurz vor seinem Tode, zu einem seiner Söhne: „Benjamin ist ein reißender Wolf; des Morgens wird er Raub fressen, aber des Abends wird er den Raub austeilen." Es gab sonst sehr viele Wölfe in Neu-England und andern Teilen der Vereinigten Staaten, und es finden sich noch jetzt hie und da welche, obgleich die meisten getötet oder vertrieben sind. In manchen Ländern aber giebt es noch sehr viele. In England wurde in alten Zeiten der Monat Januar „Wolfs-Monat" genannt, weil, wie es in einem alten Buch heißt, „die Leute in dem Monat, mehr als in irgend einer anderen Zeit des Jah res, in Gefahr sind, von Wölfen zerrissen zu werden, denn wegen der un- gemeinen Kälte und des tiefen Schnees können diese raubgierigen Geschöpfe nicht genug andere Tiere zum Fressen finden." Ein lieber Knabe sollte einst, da seine Mutter ausgegangen war, seine Geschwister hüten. Die Mutter hatte auch nicht die geringste Sorge um dieselben, denn sie wußte, daß Johann, der ja sonst stets aufmerksam und liebevoll war, seine Pflicht erfüllen würde. Da sie aber arm waren, soll ten während der Abwesenheit der Mutter die Kinder Holz im nahen Walde lesen. Es war Frühling. Schon erblickte man die ersten Frühlingsblumen, die Erde fing an, sich wieder mit dem schönen, grünen Kleide zu bedecken, und die Vöglein sangen gar lieblich und schön. Ihr habt ja, wenn auch noch nicht so sehr viele, doch einige Frühjahre erlebt und gesehen, tvie wun-derbar unser himmlischer Meister es versteht, neues Leben der Natur einzu- hanchen, und den langen, schaurigen Winter in den lieben, willkoinmenen Friihling zu verwandeln, und habt mit Freuden die ersten Frühlingsblumen, die duftenden Veilchen und später die lieben Maiblümchen als Beweise von der Giite nnsers himmlischen Vaters begrüßt. Kein Wunder, daß, während Johann das dürre Holz abhieb, eine seiner Schwestern sich ganz in ihr Blumensammeln vertiefte. Doch hört! tvas ist das für ein furchtbar gellender Schrei! Johann blickte um sich, und starr vor Schrecken sieht er ein furchtbares Tier mit grimmigem Blick und blanken Zähnen ans sein armes Schwesterchen los- springen. Aber er war rasch besonnen. In einem Augenblick stand er zwischen der Schwester und dem Wolf und führte einen kräftigen Hieb nach dem Kopf des Ungeheuers. Der Wolf blutete, aber war nicht tot.56 Nach einem gewaltigen Kampf, wobei Johann mehrere Wunden erhielt, führte er noch einen Schlag ■— und der Wolf taumelte hin und war tot. — Ja, der Gott, der Daniel aus dem Rachen des Löwen errettet hatte, war auch, ihm beigestanden. Verwundet, wie er war, nahm er nun sein Schwesterchen auf den Rücken und trug cs heim. Daheim aber dankte die Mutter mit ihren Kindern dem lieben Gott oon Herzensgründe für Seine wunder bare Hilfe. — Was gab dem Johann die Kraft im Kampfe? War es nicht die Liebe zu seiner Schwester? Ja die Liebe ist stärker als der Tod. Johann erret tete seine Schwester mit Gefahr seines Lebens. Wer aber gab Sein Leben ganz für uns, um uns von dem bösen, alten Feinde, dein Satan, der Sünde und dem ewigen Tode zu erretten? Wer stellte sich zwischen uns und un fern furchtbarsten Feind und zertrat ihm den Kopf? Wer liebt uns noch heute aufs allerinnigste? O nenne den Namen: Sag', wer der Treue ist? Er heißet Ja und Amen, Er heißet Jesus Christ! # Der Schneidervogel und sein Nest. f etrachtet einmal, ihr lieben Leser, das nachstehende Bild. Ihr sehet auf demselben ein großes, wie ein Papiersack zusammengefaltetes Blatt, nicht wahr? Scheint es nicht, als sei es mit grobem Faden znsam- mengenäht, oder kreuzweise gebunden, wie man es an den Schuhen der Kin der häufig sieht? Wer hat es so gemacht? Ratet einmal! — Niemand anders, als der danebensitzende, schön gestaltete Vogel mit seinem dunklen Federkleid! Nicht mit Unrecht hat man ihm deshalb den Namen „Schneider - vogel" gegeben. Aber wo nimmt er denn — werdet ihr fragen — Nadel und Faden her, um so geschickt den Schneidern von Profession ins Hand werk zu pfuschen? — Den Faden liefern ihm die Blätter selbst, deren dünne Nippen er mit seinem Schnabel nach und nach bloßznlegen versteht. Und was die Nadel betrifft, so kann er eine solche entbehren; sein Schnabel thnt ihm gerade denselben Dienst. Er durchbohrt dainit das Blatt — aus dem er sein Nest bilden will — an den passenden Stellen, zieht seinen Faden durch und fährt mit dieser Arbeit fort, bis sein Kunstwerk fertig ist, das ihm nunmehr, nachdem er es noch weich ansgefüttert hat, als Nest dient.57 Ist das nicht bewunderungswürdig, liebe Kinder? Und wie viele an dere, ebenso künstliche Wohnungen wissen andere Arten von Vögeln zuzu- bcreiten, von denen wir jetzt nicht im einzelnen reden können! Wo haben denn diese leichten Bewohner der Luft ihre Knust als Maurer, Korbflechter, Weber u. s. lo. gelernt? Woher haben sie ihre Geschicklichkeit und Kunst fertigkeit? Gehen sie etwa irgendwo in eine Schule oder eine Lehre? Nein, es ist der große Gott des Himmels selbst, der sie ihr Nest bauen lehrt. Er ist's, der ihnen die nötige Geduld und Geschicklichkeit, den soge nannten Instinkt, eingepflanzt hat, damit sie für ihre Jungen eine passende Wohnung bauen können. Deshalb sollten wir denn auch, wenn wir ein Nest irgend tvelcher Art sehen, des großen Gottes und 'Schöpfers gedenken, der für die Bedürfnisse aller Seiner Kreaturen sorgt, und uns selbst es sagen, daß, wenn Er auch der kleinsten Vögel nicht vergißt, Er noch viel weniger eines Seiner Kinder vergißt oder versäumt. — -H58 Affen. giebt viele verschiedene Arten von Affen, große und kleine, solche, die einen Schwanz haben, und auch welche ohne Schwanz. Der gemeine Affe findet sich häufig im nördlichen Afrika und durch Herübcrpflanznng von dort selbst bei Gibraltar; er lebt von Früchten, Wurzeln und Insekten, welche er durch Umwenden der Steine auch unter diesen hervorholt. Affen ohne Backentaschen und ohne Schwanz sind die Arten des lang- armigen Affen, die auf den Molukken ihre Heimat haben. Mit ihren lan gen, bis auf die Erde reichenden Armen, sind sie zu vielen Arbeiten befähigt, weshalb sich auch der Mensch ihrer zu allerhand kleinen Diensten in seinem Haushalt, sowie zum Abnehmen der Kokusnüsse bedient. Im wilden Zu stande leben sic gesellig in den Wäldern beisammen, und erheben beim Son nenaufgang und Sonnenuntergang ein lautes, weithinschallendes Geschrei. Der Orang-Utang hat weder Schwanz noch Backentaschen; er ist unter allen Affenarten der menschenähnlichste. Noch großer, und wenn er alt ist, furchtbar für den Menschen, der sich seinen Waldrevieren nahet, ist der asiatische Orang-Utang, der sich auf Borneo und der Halbinsel Malakka findet. Dieser soll zuweilen eine Große von 7—8 Fuß erreichen. Die Orang-Utangs können — wiewohl mit gebogenen Knieen — aufrecht59 stehen und auch in solcher Stellung eine Strecke tveit gehen. Doch ist diese Stellung nicht ihre natürliche, sondern sie bewegen sich am gewandtesten, gleich wie in ihrem eigentlichen Elemente, kletternd und springend auf Bäumen. Ein am Hofe des Königs von Siam lebender Gärtner erzählt in einem Briefe an seine Angehörigen allerlei ergötzliche Affen-Geschichten, von denen hier einiges auszugsweise folgen soll: Geschicktere und unverschämtere Diebe als die Affen lassen sich kaum denken. Es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß Boote, in de nen Reis nach der Hauptstadt durch Kanäle befördert tvird, von Affen förmlich geplündert werden; Obstpflan zungen, Zuckergür ten und Reisfelder sind keinen Augen blick vor ihnen sicher, und die Pflanzer sichren gegen ihren Erbfeind einen fast ununterbrochenen Krieg. Mit Gewalt läßt sich gegen die ungebetenen Gäste nichts ansrichten, mit List kommt man ihnen besser bei, die, ohne daß sie es merke», wiederholt werden kann. Eine ge- wöhnlich angewandte List ist ebenso einfach als originell. Sie wurde mir von einem Fruchtgartenbesitzer erzählt, der sie selbst angewandt hat und nun fast ganz von den Affen verschont wird. Er hatte das getrocknete Fell einer erlegten Tigerkatze im Hanse. Mit diesem ließ er einen lebend gefangenen Affen bekleiden; vorne und an den Händen wurde das Fell zugenäht. In Freiheit gesetzt, eilte der Affe, der sich wohl etwas unbehaglich fühlen mochte, schnurstracks auf eine Baumgruppe zu, auf wel cher sich seine Gefährten befanden. Kaum wollte er sich jedoch zu seinen Freunden gesellen, als sich ein angsterfülltes Schreien, Schnattern und Pfeifen erhob, und beiläufig 200 Affen, Väter, Mütter und Jungen, bra chen in regelloser Flucht aus beu Bäumen hervor und eilten kletternd, kol lernd, springend so schnell tvie möglich davon, der von seinen Mitaffen ge-60 flohene Unglückliche immer hinterdrein. Und seit jenem Tage ist der Platz von den Affen vollständig gemieden. Dieses an vielen Orten angewandte Mittel hat tiberall guten Erfolg gehabt. ^ Der Hirsch. Mch bi» doch so groß itnb hoch, <53 Hob' auch ein starkes Geweihe noch; Will vor dein Hund nicht mehr erschrecken, Nicht mehr lausen »nd mich verstecken, Will ihn erwarten und mich wehren, Ihn ganz andere Sitten lehren." Horch, da war es fern wie Gebell, Aengstlich witrde dem Hirsch gar schnell; All' sein Mnt fiel über den Hanse»; Fort, wie der Wind, sah man ihn laufen Drinnen im dicksten Walde dann, Ich weiß nicht, ob er noch dachte dran. -O- Der Hund und die Affen. Juni entern Dorfe, nahe bei Bangalore in Ostindien, hielten sich sehr viele <32 Affen auf den Bäumen auf und nährten sich voll den Früchten der benachbarten Felder unb Gärten. Ein Hund in dem Dorfe, der sie gar nicht leiden mochte, nahm jede Gelegenheit lvahr, um sie zu töten. Eines Morgens früh begaben sich alle Affen auf einen großen Baum, der auf einem freien Platze allein stand. Der Htlnd rannte ihnen nach, war aber61 nicht schnell genug; und da er nicht auf den Baum klettern konnte, so lauerte er ihnen.den ganzen Tag am Fuß desselben auf, und legte sich gegen Abend dort zu schlafen nieder. Die Affen, welche den ganzen Tag nichts gefressen, verlangten nach Nahrung und wünschten in ihrem Gehölz wie gewöhnlich zu schlafen, wagten sich aber nicht von dem Baum herunter. Alle Leute kamen ans ihren Häusern heraus, um zu sehen, wie diese Sache enden würde. Zuletzt, da die Affen den Hund ganz ruhig liegen sahen, kamen zwei der größten männlichen von ihnen leise vom Baum herunter, und da sie den Hund wirklich eingeschlafen fanden, sprang einer von ihnen plötzlich ans seinen62 Rücken und umfaßte ihn mit aller Gewalt. Als der Hund sich darauf ganz erschrocken auf die Seite warf, sprang der andere Affe auf seinen Leib und packte ihn so fest, daß er in der Gewalt der beiden Affen sich nicht rühren und nur bellen und heulen konnte. Da die übrigen Affen den Hund auf solche Weise fest und hilflos sahen, kamen sie, groß und klein, schnell vom Baum herunter und liefen eiligst ihrem Gehölze zu. Nachdem sie alle in Sicherheit waren, schleuderten die beiden großen Affen den Hund mit aller Gewalt von sich, so daß er in den Sand rollte; und ehe er wieder zu sich kommen konnte, um sich zu rächen, hatten die beiden Affen ebenfalls einen sicheren Zufluchtsort erreicht. Sie hätten den Hund leicht toten können, denn sie haben scharfe Zähne, und ihr Biß ist sehr gefährlich; sie ließen ihn aber großmütig los, nachdem sie ihn gedemütigt hatten. H Der Pelikan. onocrotalus) hat einen sehr langen t einem Haken und unten mit einem dehnbaren Kehlsack. Er ist größer als der Schwan, rötlich-weiß, Schnabel gelblich, Schwungfedern schwarz. Er wohnt in der heißen Zone. Seine Zunge ist sehr klein; den Sack unter dem Schnabel braucht er, um Fische zu fangen. Man hat den Pelikan als das Symbol der mütterlichen Liebe geschildert und gesagt, er reiße sich die eigene Brust auf, um seine Jungen zu füttern; die Wahrheit, daß er den Schnabel weit öffnet, um den Jun gen die in demselben befindlichen Fische zu geben. Sein aus Gras.und Schilf bestehendes Nest liegt auf dem Boden und enthält zwei weiße Eier. Jung eingefangen wird er sehr zahm. Der Comoran (Pelecanus carbo). Beinahe so groß, wie eine Gans, dunkelbraun, oben schwarzschattiert, Kopf, Hals und Schenkel mit seidenarti gen, weißen Federn. Kommt in kalten und gemäßigten Meeren beider Welten vor und thut den Flußfischen vielen Schaden, weil er auch Binnen seen besucht. Er brütet an den Mündungen der Buchten an Felsen und legt gegen vier Eier. Man hat ihn früher zum Fischfang abgcrichtct, und noch jetzt geschieht dies mit einer ähnlichen Gattung in China. Zn dem Ende legt man ihm, nachdem er gezähmt tvorden, einen Riemen oder Me- tallring um den Hals, daß er die Fische, die er fängt, nicht verschlucken kann, und bringt ihn dann in den Strom, wo man Fische fängt. Mit bewunderungswürdiger Geschwindigkeit verfolgt er den Fisch, schnappt ihn j»per gemeine Pelikan (Pelecanus " (5 und breiten Schnabel, vorn mi-O auf, bewahrt ihn iu seinem Kehlsack und bringt ihn seinem Herrn; zuletzt bckoniint er zur Belohnung einige Fische zu fressen.64 Aas Uenntier. f iese Tiere sind eine nur in den Nordpolargegenden fortkommende Hirsch gattung, an deren Dasein sich die Existenz ganzer Völkerschaften knüpft, indem alles von denselben benutzt wird. Es läuft in einer Stunde zwei Meilen weit, weshalb es die Eskimos zu ihren Schlittenfahrten — wie un ser Bild zeigt — besonders gern benutzen. Die^schönstenTund kräftigsten Remitiere finden sich in Finnmarken, Lappland, auch in Spitzbergen. Die Gegend von Petersburg ist für sie schon zu warm. Wer Adler. ^abt ihr je einen Adler gesehen? Es gab sonst sehr viele in den Fel sen und Gebirgen verschiedener Länder, aber sie bleiben nicht, um viele Menschen beisammen wohnen, und werden deshalb nur selten daselbst ge sehen. Sie machen ihre Nester am liebsten an hohen und felsigen Orten, wo sie niemand finden kann, wie es auch in der Bibel an einer Stelle er wähnt wird: „Wenn du denn gleich dein Nest so hoch machtest als der Adler;66 bcuuocfj will ich dich von dannen Herunterstürzen." Ihre Nester machen sie gewöhnlich nicht, wie viele andere Vögel auf Bäumen, auch haben sie nicht dieselbe Gestalt tvie andere Nester; sie bestehen gewöhnlich nur ans einem Haufen diirrer Baumzweige, die auf einem Felsen ausgebreitet und mit et was Heu vder Stroh bedeckt werden. Der Fürsorge des Adlers für seine Jungen wird im 5. Buch Mose, Kap. 62, Vers lO—12 erwähnt. „Er behütete ihn wie Seinen Augapfel; wie ein Adler ausführet seine Jungen, und über ihnen schwebet. Er brei tete seine Fittige aus, und nahm ihn, und trug sie ans seinen Flügeln. Der Herr allein leitete ihn." Dies schildert sehr schön Gottes Fürsorge für die Kinder Israel während ihres Zuges durch die Wüste. Drückt es nicht auch ebenso schön Seine Freundlichkeit gegen uns aus? Wir alle können singen: „Wie ein Adler sein Gesicder lieber seine Jungen streckt, Also hat anch hin und wieder Mich des Höchsten Arm bedeckt." Diese Vögel fliegen sehr schnell, und ihr könnt manche Sprüche in der Bibel finden, die sich darauf beziehen. Einer steht 5. Mose 28, 40: „Der Herr lvird ein Volk über dich schicken von ferne, wie ein Adler flieget." An einer andern Stelle heißt es: „Seine Rosse sind schneller denn Adler." Aus dem Tterlebe». 566 Hiob spricht: „Meine Tage sind schneller gewesen, denn ein Läufer; sie sind vergangen wie die starken Schiffe, wie ein Adler flieget zur Speise." Das Auge des Adlers ist sehr merkwürdig. Es hat eine Art inneres Augenlid, welches aber sehr dünn ist, und dieses kann der Adler wie einen Vorhang über sein Auge herablassen, wenn das Licht ihm zu stark ist. Ihr habt vielleicht schon davon gehört, daß er gerade in die Sonne blicken kann; dies ist der Grund davon. Der Adler kann viel weiter sehen als wir, und wenn er sehr hoch in den Lüften schwebt, daß er euch nicht größer als ein Pünktchen scheinen würde, sieht er doch oft irgend ein kleines Tier ans dem Boden und fliegt herab, es zu fangen. Der Adler wird sehr alt; er soll zuweilen 70 Jahre alt werden. Im Frühjahr verliert er seine Federn, und es wachsen wieder neue; dann sieht er wie ein junger Vogel aus. Deshalb spricht David in den Psalmen: Der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler." Im Propheten Jesaia stehen die schönen Worte: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie anffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden." # Das Louisiana- oder Prärien-Murmeltier. S ieses kleine Tier, gewöhnlich „Prärienhund" genannt, gehört zu der Gattung der Murmeltiere, deren eine Art sich fast überall in den Vereinigten Staaten findet, und ausgewachsen etwa !<>, mit dem Schwanz 19 Zoll lang ist, einen flachen, breiten Kopf und kurze Ohren hat, von Farbe oben graubraun, unten mit schmutzig weiß untermischt ist; an den Vorderfüßen hat es vier, an den Hinterfüßen fünf Zehen, und sein Mund ist mit vier langen und starken Vorderzähnen bewehrt. Das merkwürdigste an diesen Tierchen aber ist, daß sie gesellig manchmal in Hnnderttausenden zusainmenleben auf einem Raum von vielen Qnadratmeilen. Ein anderer bemerkenswerter Umstand ist, daß immer zwei andere, ihnen gänzlich un-— 67 ähnliche Tiere, in ihrer Nähe leben — die Klapperschlange und ein kleiner weißer Vogel, der gewöhnlich als die „Höhleneule" bekannt ist. Kapitän N. B. Mareh, der eine Untersuchungsexpedition nach den Quellen des Red River leitete, giebt von dem Prärienhund folgende Be schreibung : Diese Tiere wählen zu ihren Städten gewöhnlich eine sehr hoch gele gene und ebene Gegend in der offenen Prärie, was mich zu dem Glauben veranlaßt hat, daß sie kein Wasser bedürfen, ohne welches doch die meisten übrigen Tiere bald umkommen. Ich habe ihre Städte oft auf den Hoch ebenen Nenmexikos gesehen, zwanzig Meilen von allem Wasser auf der Ober fläche entfernt, und wo es auch nicht wahrscheinlich war, daß sie durch Aus graben dazu hätten kommen können. Da nun in diesen hochgelegenen Ge genden in den Sommermonaten selten Regen oder Tau füllt, und diese Tiere auch nicht weit von ihren Höhlen wegziehen, so glaube ich mit Sicher heit den Schluß machen zu dürfen, daß sie kein Wasser weiter bedürfen, als was sie von dem kurzen Grase, das ihre Nahrung ansmacht, erhalten. Ihre Höhlen sind gewöhnlich etwa 45 Fuß von einander angelegt, und jede ent hält fünf bis sechs Bewohner. Daß diese Tiere Winterschlaf halten, ergiebt sich daraus, daß sie keinen Vorrat einsammeln. Sobald sie das Herankvmmen der Schlafzeit fühlen, (meistens in den letzten Tagen des Novembers), verstopfen sie sorgfältig alle Zugänge zu ihren Höhlen, um die kalte Luft abznhalten, und überlassen sich dem Winterschlaf. Sie halten sich so lange verborgen, bis die warmen Frühlingstage kommen. Alsdann machen sie die Eingänge wieder frei, kom men wieder aus ihren Löchern hervor und sind so munter und fröhlich wie immer. Manchmal öffnen sie schon die Zugänge zu ihren Wohnungen, wenn es noch kalt und stürmisch ist; allein es folgt alsdann gewiß mildes68 ltitb freundliches Wetter, woraus man sieht, daß diese Tiere vermöge des Instinkts angenehmes oder unangenehmes Wetter voraus ahnen, und dar nach treffen sie auch ihre Vorkehrungen. Aas Nashorn (Nmoceros). Hinsicht der Größe steht es nur dem Elefanten nach. Sein Kopf Qö gleicht dem eines Schweines, und zwei kleine Augen, die zugleich Dummheit und Wildheit ausdrücken, funkeln in demselben. Seine Länge, mit Ausschluß des Schwanzes, beträgt 11—12 Fuß und der Ilmfang seines Körpers beinahe ebenso viel. Gewöhnlich erreicht es eine Höhe von 8 Fuß; sein Mut und seine Stärke erregen Erstaunen. Seine Haut ist so dick, daß sie meistens einer Musketenkilgel Troß bietet und dabei höchst merkwürdig und eigentümlich in Abteilungen geteilt ist, daß sie — in einiger Entfernung betrachtet — einem Panzerhemd gleicht. Die einzigen Teile, an denen das Tier verwundbar ist, sind der Bauch, die Augen und die Stellen in der Nähe der Ohren. Das Nashorn führt eine einsame Lebensart; es durchstreift allein die ödesten Wälder und wird von allen Geschöpfen, die mit ihm in Berührung kommen, gefürchtet, obgleich es keines angreift, wenn es nicht durch Feind seligkeit dazu gereizt wird. Das Horn auf der Nase krümmt sich nach oben gegen die Stirn zu und wird oft gegen 30 Zoll lang. Es ist eine höchst gefährliche Waffe, so daß das Nashorn selbst den kolossalen Elefanten durch einen gut geführten Stoß darniederstreckt. Das Horn ist nicht mit dem69 Der Kukuk (^Tfcitn bie Frühlingslnfte lucljcn Und die Blumen auferstehcn, Wenn in bickbclanbtcm Wald Munt'rer Bügel Lied erschallt, Ruft am Abend und am Morgen Seinen Namen ohne Sorgen Der Knknk. Knochen verbunden und steht, wenn das Tier sich im Zustande der Ruhe befindet, ganz lose zwischen den Naselöchern; doch in dem Augenblicke, wo das Nashorn zum Widerstand durch die Annäherung oder den Angriff eines Feindes gereizt wird, ist die Spannung der Muskeln so groß, daß das Horn unbeweglich fest steht, so daß das Tier imstande ist, dasselbe einige Zoll in harte Baumstämme einznstoßen. Seine Gefräßigkeit ist ungemein groß; es nimmt ebenso viel lvie der Elefant zu sich.70 Nie Klapperschlange. iÜs\te Klapperschlange, die sich durch häutige, dürre, gliederweise iu eiu- 5© ander gefügte Klapperstücke am Schwanz unterscheidet, ist eine der ab scheulichsten und furchtbarsten unter allen Schlangen, und es ist nur gut, daß sie so weit von uns, in Amerika und Afrika, lebt. Sie wird zuweilen (doch in den bewohnten Gegenden, wo man sie immer mehr ausrottet, seltener,) sechs Fuß laug und achtzehn Zoll im Umfang gefunden. Ihre tückischen Angen funkeln wie glühende Kohlen im Finstern, die schtvarze gespaltene Zunge bewegt sich immer hin und her. Sonst ist die Farbe dieses Tieres häßlich grau. Jedes Jahr setzt sie am Schwänze ein neues Klapperstück an. Alte Kolonisten in Amerika erinnern sich, daß sie sonst welche mit einnnd vierzig Klapperstücken gesehen haben; jetzt findet man sie nur noch mit zwölf in der Nähe der Kolonien. Znm Glück verrät sich die Nähe dieses furcht baren Tieres, dessen Biß einen Menschen in wenigen Minuten tötet, teils durch den abscheulichen Geruch, den eine solche Schlange von sich giebt, noch mehr aber durch das Klappern des Schtvanzcs bei jeder Bewegung. Ist es aber nasses Wetter, dann klappert sie nicht und ist so am gefährlichsten.71 Zuweilen werden wohl Menschen, die von Klapperschlangen gebissen waren, durch die Anwendung der besten Mittel wieder geheilt, aber sie behalten dann für immer an den gebissenen Teilen Schmerzen, die von Zeit zu Zeit heftig wieder kommen, auch bleibt eine Schwäche zurück. Die Klapper schlangen vermehren sich sehr stark, und die Kolonisten, die zwar manche, besonders wenn sie im Winter scharenweise in ihren Löchern erstarrt liegen, umbringen, würden nicht imstande sei», sich ihren großen Anzahl zu erweh ren, wenn nicht wahrscheinlich diese Tiere, wie alle bösen Tiere, unter ein ander selbst oft uneins wären, sich bissen und dadurch gegenseitig vergifteten und töteten. Denn in einem Weibchen hat man oft über siebenzig lebendige Junge angetroffen. Air Taube. S st dieses kleine Bild nicht recht niedlich? Karl war ein lieber, gehor samer Knabe, »nd deshalb hatte man ihm auch ein Paar Tauben ge schenkt, an denen er so recht seine Freude hatte. Sein Freund hatte ihm dabei bemerkt, er solle ebenso friedlich mit seinem Schwesterchen leben, wie das Taubenpaar miteinander. Es giebt ungefähr 140 verschiedene Arten von Tauben in der Welt. In Amerika ist die wilde Taube am gewöhnlichsten. Sie wird auch Wan dertaube genannt, weil sie in gewissen Jahreszeiten in ungeheuren Scharen72 Dem Norden nach Süden und umgekehrt ziehen. Zuweilen verdunkeln sie durch ihre große Zahl fast die Sonne, und wenn sie sich abends in den Wäldern zur Ruhe niederlassen, brechen sie durch ihr Gewicht oft große Zweige von den Bäumen ab. Das mag vielen libertrieben scheinen; die Leute aber, welche in den westlichen Staaten Amerikas, besonders am Ohio- Fluß, wohnen, wissen es, obgleich die Vogel jetzt nicht mehr so zahlreich sein sollen, wie früher. Unsere Haustauben stammen von den wilden Holztauben ab, die in manchen Ländern Zugvogel sind und sich im Sommer in kälteren Gegenden anfhalten als im Winter. Am liebsten halten sie sich in Waldungen auf, in deren Nähe es Felsen oder alte Burgen giebt. Sie nisten in hohlen Bäumen, alten Tiirmen oder Felsenhöhlen. Sie sind gesellig und leben und fliegen familienweise mit einander. Oft gesellen sie sich zu zahmen Tauben, welche jene mit nach Hause bringen und dadurch das Chor im Taubenschlag vermehren. In Persien werden zu diesem Zwecke zahme Tauben abgerichtet, daß sie den wilden nachfliegen und davon täglich einige mit znrückbringen, welche den Menschen zur Nahrung dienen. Auch in Deutschland geschieht es an vielen Orten, daß eine Flugtanbe, wenn ihre Wohnung bequem und geräumig ist, andere herbeilockt und dem Taubenherrn viel Gewinn bringt. Die Tauben werden sehr zahm und verlieren alle Furcht vor den Menschen. Wir lieben die Tauben. Sie können zwar keine so schönen Lieder singen, wie andere Vögel, und haben kein so prachtvolles Gefieder wie z. B. der Pfau, aber wir lieben sie dennoch, weil es gute, friedliche, liebe Tier chen sind, die nichts Falsches und Verstelltes an sich haben. Jedermann hat auch solche Kinder gern, die nicht zu glänzen suchen mit äußeren Din gen, sondern die ihren Schmuck vor allem andern in eine edle Gesinnung setzen, und die gern gesinnet werden wollen, wie Jesus Christus gesinnet war. Ein frommer Mann sprach: „Ich liebe Frieden, ich halte Frieden, ich suche Frieden." Das sei auch euer Wahlsprnch. -T- Mo Fische. S ic Fische sind Tiere, welche immer durch Kiemen atmen. Meist sind sie mit Schuppen oder Schilden bedeckt, sie haben Flossen und hal ten sich nur im Wasser auf; als Bewegungsorgane dienen ihnen die Schwimm blase und die Flossen. Die Fische sind fast alle Raubtiere; die Mehrzahl73 fcOt von kleineren Fischen, manche verschlingen Amphibien, Wärmer rc., nur wenige verzehren Pflanzen. Man kennt etwa acht tausend Fischarten. Manche Völker leben nur vvn Fischen, andere verdanken ihnen ihren Wohlstand und Reichtum, wie74 z. B. die Holländer den Häringen. Den Engländern trägt der Fischfang jährlich wenigstens vier Millionen Pfund Sterling ein. Aus der Blase mancher Fische wird Leim, die sogenannte Hausenblase, bereitet. Das Fett mancher Fische liefert, wie das der Wale, Fischthran; vom Kabliau bekom men wir den Leberthran. Ostindische Eidechsen. Ostindien giebt es sehr viele Gattnngen von Eidechsen, von denen O- einige 2—3 Fuß lang sind. Ihre Haut ist fast undurchdringlich und wurde in früherer Zeit benutzt, um Panzerhandschuhe für Krieger daraus zu machen. Die Schriftsteller der Hindus, die fast immer tibertreiben, um ihre Geschichten recht wunderbar zu machen, sagen, daß man diese Eidechsen ehe mals zum Erstürmen von Festungen benutzte, denn sie seien so stark und klammerten sich so fest an die Mauer an, daß der Krieger nur mit der lin ken Hand den Schwanz der Eidechse zu ergreifen brauchte, um sich von ihr in die Höhe ziehen zu lassen, während er mit der rechten Hand das Schwert hielt. In den Gärten neben den europäischen Häusern giebt es sehr viele Eidechsen von 10— 20 Zoll Länge, die recht häßlich sind, und dazu noch den Namen Blutsauger haben, aber ganz harmlos sind. Sie haben einen rauhen, dreieckigen Kopf, große, starke, scharfe Stacheln auf dem Rücken, einen sehr langen Schwanz und glänzende Augen. Sie sind gewöhnlich von grünlich-grauer Farbe, zuweilen auch hellgrün. Einige von ihnen können wie eine Krvpftaube die Brust aufblasen und zeigen dabei in allen erdenk lichen Schattierungen die schönsten Farben. Diese Eidechsen sitzen zwischen den Blättern und Blüten der Bäume und Sträncher und lauern auf Insekten; und wenn der hübsche Schinetter- ling sich auf eine Blume oder Blüte niederläßt, springt die Eidechse aus ihn los und frißt ihn ans. Aber wie es gewöhnlich solchen ergeht, die so be gierig sind, andere zu fangen, werden sie oft selbst gefangen; denn eine kleine Schlange kommt leise zwischen den Zweigen herangeschlichen, fällt plötz lich über die Eidechse her, würgt sie, bis sie tot ist, und verschlingt sie dann. Herr N. fing einmal in kurzer Zeit drei Schlangen, die Eidechsen, viel grö ßer als sie selbst, verschlungen hatten. Ihr ruft vielleicht ans: „Wie kann eine Schlange mit ihrem kleinen Hals ein Tier verschlingen, das einen dreieckigen Kopf, scharfe Stacheln längs dem Rücken und die Haut mit Schuppen bedeckt hat?"75 Die Schlange ist sehr listig und fängt die Sache recht geschickt an. Sie beginnt nicht beim dünnen Ende des Schwanzes, um sa den Rachen zum Verschlingen des größeren Körperteils vorznbereiten; denn dadurch würde sie durch die Stacheln und Schuppen sehr verletzt werde». Nein, sondern sie fängt beim Kopf an und zieht ihn herein, worauf Körper und Schlvanz leicht Nachfolgen, denn die Stacheln legen sich, wenn sie in beu Rachen kommen. Die Schlange legt sich dann in den Zweigen nieder und76 sieht sehr unbehaglich aus, bis die Eidechse mit Schuppen und Stacheln, samt Knochen verdaut ist. Die Schlange aber wird jetzt ihresteils vielleicht von einem Raubvogel entdeckt, der über sie herfällt und sie samt der verschlun genen Eidechse anffrißt. Einige Eidechsen sind sehr hübsch gesprengt und gezeichnet und haben recht schone Farben. Andere sind vom zartesten Weiß und beinahe durch sichtig, so daß man sehen kann, was sie gefressen, und ob sie eine gute Mahlzeit genossen haben. Sie nähren sich von Insekten aller Art, Kä fern und sonstigen lästigen Tieren, deren cs in kn ostindischen Häusern im Ueberfluß giebt. Manchmal laufen sie an den Wänden und Decken der Zimmer umher und rufen einander mit einem schmatzenden Geräusch. Zn- weilen findet man sie auch in den Schränken und Kommoden. Eine ange nehme Unterhaltung gewährt es, wenn man ihre Geschicklichkeit als Jäger beobachtet. Sie lauern auf die nmherfliegenden Insekten, bis dieselben sich irgendwo niederlassen, und nähern sich ihnen dann so heimlich wie die Katze einem Vogel, indem sie -sich dabei hinter einem Nadelkissen, einer Bürste, einem Buch, oder einem andern Gegenstand, der auf dein Tische liegt, ver stecken, bis sie ihre Beute mit einem sichern Sprung ergreifen können. Eine Eidechse läuft auch zuweilen auf ihrer Jagd über deinen Arm oder deine Schulter, während du am Schreibtisch sitzest, und blickt dich dann und wann mit ihren hübschen Augen an, als ob sie sagen wollte: „Ich weiß, du thust mir nichts zu Leide." Häufig hat Herr N. sie mit Interesse beobachtet. Am meisten hat es ihn: aber stets Freude gemacht ihnen zuznsehen, wenn sie Skorpione toten. Dieselben habe» eine Länge von einem bis sechs Zoll, lange Scheren auf jeder Seite des Kopfes, ähnlich wie der Krebs oder der Hummer, und einen starken Schwanz mit einem harten, spitzen Stachel am Ende desselben. Dieser Stachel enthält Gift, und obgleich nicht tätlich, macht er doch eine Wunde, die 24 Stunden oder länger sehr schmerz haft ist. Ihr könnt einiges in Offb. 9, 5 lese». Diese Skorpione kommen ans Kleider, Handtücher, Bücher, und fast überall hin und sind so reizbar, daß sie bei der geringsten Bewegung mit dem Schwanz schlagen, und, wie gesagt, schmerzhafte Wunden verursachen. Die Eidechse ist oft nicht viel größer als der Skorpion, fürchtet sich aber doch nicht vor ihm. Häufig habe ich mich schon gewundert, daß ein kleines Tier, wie die Haus-Eidechse, mit so zarter Haut es wagt, ein so furchtbares Tier wie den rauhen Skor pion mit seinem Stachel, anzugreifen. Was ihr aber an Kraft fehlt, ersetzt sie durch Gewandtheit. Wenn sie einen Skorpion an der Wand kriechen sieht, läuft sie schnell auf ihn zu. Der Skorpion tritt nun der Eidechse ent-— 77 — gegen, den Schwanz znin Schlagen bereit. Die Eidechse läuft rasch mehr mals nach rechts und links, und der Skorpion tritt ihr stets entgegen. Wenn dies eine Weile gedauert hat, springt die gewandte und schlaue kleine Eidechse geradewegs auf den Schwanz des Skorpions, setzt sich dara«^.und drückt auf diese Weise den Stachel nieder. Während sic nun die Waffe ihres Feindes in ihrer Gewalt hat, beißt sie ihm den Kopf ab, und frißt den Skorpion nach und nach bis znm letzten Schwaiizgelenk auf, und läßt nichts als den Kopf »nd den giftigen Stachel übrig. O Dos Urdhuhn. f as Rebhuhn ist hell aschgrau mit dunkeln Wellenlinien. Der Hahn hat einen braunen Hnseisensleck aus dem Bauche. Die Rebhühner leben familienweise auf den Feldern und Vorhölzern besonders in Mitteleuropa. Das Rebhuhn hat den ganzen Tag zu spähen, ob seinen Kleinen irgend eine Gefahr droht, denn nicht jedes Rebhuhn wird groß, das anfänglich so lustig zwischen Kornblumen und Klatschrosen umherzieht: Wiesel und Fuchs, Weihen, Falke» und Eulen, sowie die Katzen ans dem Torfe stelle» ihnen eifrig nach.78 Nie Goura-Tmrbe. S iese hübsche Taube gehört zu deu größten ihrer Art. Sie ist beinahe zwei Fuß hoch, bewohnt hauptsächlich die ostiudischen Inseln und ist ein ganz prächtiger Vogel. Graublau ist ihre vorherrschende Farbe, und sie hat einen schonen Kamm von braunen Federn ans dem Kopf. Sie nährt sich von demselben Futter wie die anderen Tauben und wird häufig auf Land gütern neben sonstigem Federvieh gehalten. Ich glaube, wir alle mochten so hübsche Tauben haben wie diese. Das Fleisch ist ebenfalls sehr schmackhaft.Das Kaninchen 3 Die Ratze 5 Die ivaldschnepfe 7 Der Haussperling (Spatz) 8 Li» Hühnerhof 10 Der Steinbork 12 Die Nachtigall 12 Nachteulen 14 Das Schwein 15 Das Flußpferd 16 Der Löwe 18 Das Krokodil 20 Hunde 22 Der Leopard .... 25 Die Känguruhs 26 Der Fuchs 28 Besondere Ligcnschaflen der Ratten 80 Der Elefant . 32 Das Lleutier 36 Heilige Kühe. . . 36 Der braune Bär 39 Der Eisbär 40 Der Esel 42 Der Lyra-Vogel 42 Der Frosch 44 Das Schaf 45 Das Dromedar 46 Das Eichhorn 48Seite Die Fledermaus 49 Der Tiger 52 Der lüolf 54 Der Schncidcrvogel u»d sein Rest 50 Affen 58 Der pirsch 00 Der l}ittii> »ud die Affcu ...... 00 Der Pelikan 02 Das Remitier 04 Der Adler 04 Das Louisiana- oder Prärien-Mnrmeltier 00 Das Rashorn (Rinoccros) 08 Der Kufiif 09 Die Klapperschlange 70 Die Tande 71 Die Fische 72 Bstindische Eidechsen 74 Das Rebhuhn . 77 Die Goura-Taube 78 J Druck vom Vertag des Traclalhansc», A. Rotemeyer, Bremen.xvnt 3 SBB N12<139266771010Uns dem Mit vielen JUnstrationen.
