Populäre Naturgeschichte der drei Reiche, mit besonderer Beziehung auf das praktische Leben. Ein bekehrendes Handbuch für Erwachfene und für die reifere Jugend. Mit 333 Abbild, auf XX Tafeln in Farbendruck. Bearbeitet und herausgegeben von M. Jac. Keiimei Dritte, berichtigte und vermehrte Auflage. Wesel, 1861 . Druck und Vertag von A. Bagel. Das Buch der Natur. Mögen die Menschen demüthig und mit Ehrfurcht das Buch der Creaturen ansschlagen, in dasselbe ausdauernd sich vertiefen, keusch und nüt ganzer Seele sich einleben in dem Buche. Das ist die Rede und Zunge, welche an allen Enden der Erde ansgegangen, ungeirrt durch Babels Sprachverwirrung, die Sprache mögen die Menschen erlernen und, verjüngt geworden wie die Kinder, es nicht verschmähen, das ABC jener Sprache zu treiben. Es handelt sich dabei nicht bloß um eine Ergötzung, sondern um die Angelegenheiten und das Glück der Menschen, ja um ihre Wirkensmacht. Denn der Mensch, ein Ausleger . der Natur, wirkt und erkennt in dem Maße, als er die Naturordnnng durch Versuche wirkend oder durch Beobachtung erfahren hat; mehr weiß und vermag er nicht. Franz Balo von Berulam. (15til —1626.) Vorwort zur ersten Auflage. ^or einigen Jahren gab ich eine kleine Naturgeschichte für die Jugend unter dem Titel „der kleine Raff" heraus, und fand dieses Buch eine so leb hafte Theilnahme, daß in kurzer Zeit vier Auflagen nöthig wurden. Dadurch muuntert, übernahm ich die Herausgabe eines größeren Werkes um so lieber, als ich bei jener Arbeit, wo ich genöthigt war, vorhandene Naturgeschichten nachzu- schlagcn und zu vergleichen, die Erfahrung gemacht, daß eine populäre Natur geschichte, in welcher das Wesentliche besonders hervorgehobcn und die Beziehungen zum praktischen Leben faßlich dargestellt wären, immer eine lohnende Arbeit sein würde. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, habe ich diese Arbeit unternommen, bei deren Ausführung nicht nur ausgezeichnete Werke dieser Art zu Grunde gelegen, sondern die Werke berühmter Reisebeschreiber und Natur- Historiker vergleichend benutzt sind. Bei vielen Naturgeschichten, welche mit diesem Werke gleiche Zwecke erstreben, habe ich gefunden, daß das Pflanzenreich stiefmütterlich behandelt worden; und doch bietet die Pflanzenwelt dem aufmerksamen Beobachter nicht weniger Stoff zur Belehrung dar, als die Thierwelt, und doch ist das Pflanzenreich von eben so großem Einflüsse auf das bürgerliche Leben, als das Thierreich. Ich habe deshalb dein Pflanzenreiche in diesem Werke einen größeren Raum gewidmet und doch nur diejenigen Pflanzen, welche als Arznei-, Gift-, Handels- oder Zierpflanzen von Bedeutung sind, besonders hervorgehobcn. Daß ich solche Pflanzen, welche wir aus täglicher Anschauung kennen, nicht weitläufig beschrieben, sondern dafür wehr ihre Geschichte, geographische Verbreitung oder die Art ihres Gebrauches angegeben habe, bedarf keiner Rechtfertigung. Auch darüber dürfen wir uns wohl nicht entschuldigen, daß wir Linns's System — welches sich durch seine An schaulichkeit und darum durch seine Uebcrsichtlichkeit vor vielen andern Systemen auszeichnct — bcibehaltcn haben; denn dieses Buch soll keine Anleitung zum Aus stichen und Bestimmen einzelner Individuen und ihrer Klassen sein. Der Beschrei bung des Mineralreiches sind darum keine Abbildungen beigefügt, weil bei den besten Abbildungen stets die Anschauung von Mineralien eine höchst mangelhafte bleiben wird. Größere Sorgfalt ist deshalb auf die übrigen Abbildungen verwandt worden. Möchte dieses Buch den Sinn für das Studium der Natur beleben und manchem Leser eine Quelle angenehmer, belehrender Unterhaltung werden. Im Frühlingsmonat 1853 . PH. Jac. Beumrr.IV Vorwort zur zweiten Auflage. Die so bald nöthig gewordene zweite Auflage dieser Naturgeschichte gibt mir den lohnenden Beweis, daß ich den Zweck einer populären Naturgeschichte rich tig ersaßt habe, und die Bearbeitung derselben — nach Umfang und Form — als eine, dem Bedürfnisse der Gegenwart entsprechende anschcn darf. Bei Bcur- theilnng dieser Schrift muß ja im Auge behalten werden, für welche Leser dieselbe bestimmt ist, und welche Zwecke dadurch erreicht werden sollen; weshalb ich auch schon in der Vorrede zur ersten Auflage zu bemerken für nöthig fand, daß diese Schrift nicht zum Aufsuchen und Bestimmen der einzelnen Individuen berechnet sei. In den vorhandenen Lehrbüchern der Naturgeschichte werden in der Regel allgemeine Uebcrsichtcn entwickelt, die charakteristischen Merkmale der Klassen und Gruppen als Hauptsache in den Vordergrund gestellt, kurz: vom Allgemeinen zum Besonder,! übcrgcgangen. Das Besondere, d. h. die Beschreibung des einzelnen Individuums, seine vielfachen Beziehungen zum großen Ganzen, seine Bedeutung für das praktische Leben findet wenig Berücksichtigung. Deswegen dürfen wir uns auch nicht wundern, daß in einem neuern bändereichen Werke einer Naturge schichte z. B. der Beschreibung des ganzen Geschlechts der Einhufer nur höchstens zwölf Zeilen gewidmet werden. Unser Gang ist ein anderer, wir stellen das Besondere als Hauptsache vorauf, natürlich aber das Verwandte zusammen, und gehen so vom Besonder,, zum Allgemeinen über. Wir sind weit entfernt, jene Richtung zu tadeln; im Gegcntheil, wir finden sie ihrem Zwecke vollkommen ent sprechend, weil sie einen wissenschaftliche,. Unterricht in der Naturkunde als Ziel sich vorsetzt. Unsere Naturgeschichte will eine populäre Naturgeschichte sein und dem nicht wissenschaftlich gebildeten Leser als belehrende und unterhaltende Lectüre dienen. Nichtsdestoweniger diirftc sic den, Schüler, dem ein wissenschaft licher Unterricht zu Theil wird, als Handbuch dienen, um die Beschreibung des Besonderen darin nachzuschlagcn. Schließlich bemerken wir noch, daß diese zweite Auflage nicht nur berichtigt, sondern auch durch wesentliche Zusätze vermehrt ist; weshalb wir uns der Hoffnung hingeben dürfen, daß dieselbe bei vielen Lesern eine gute Aufnahme finden werde. In den Herbstserien 1856. Ph. Jae. Beniner. Zur dritten Auflage. Diese dritte Auflage meiner populären Naturgeschichte hat hin und wieder einige Verbesserungen und Zusätze erfahren, wesentliche Veränderungen sind indessen nicht vorgenommen worden. Wenn >vir auch dem Mineralreiche gerne eine weitere Ausdehnung gegeben hätten, so wird doch der billig denkende Leser damit einverstanden sein, daß bei dem verhält,,ißmttßig geringen Preise dieses Buches eine Vermehrung der Bogenzahl nicht wohl thnnlich war. Johanni 1860. PH. Jae. Beniner.Verzeichniß der Abbildungen Tascl I. Ng. Der Seite. 1 . Orang-Utang 16 2. Der Pavian 20 3. Der Maki 21 4. Der fliegende Maki 22 5. Der Vampyr 23 6. Der gemeine Bär 28 7. Der Eisbär 29 31 8. Der Waschbär 9. Der Dachs 31 10. Der Fielfraß 32 11. Die wilde Katze 35 Tnftl II. 12. Der Löwe 36 13. Der Tiger- 40 14. Der Panther 47 15. Der Leopard 47 16. Der Luchs 54 17. Der Wolf 58 18. Die Hyäne 60 19. Der Fuchs 61 20. Die Fifchotter 65 Taftl III. 21. Das Hermelin 67 22. Der Iltis 68 23. Der Baummarder- 70 24. Der Zobel 71 25. Die Ziebethkatzc 73 26. Das Känguruh 75 27. Die Beutelratte 76 28. Die Spriugmau« 80 29. Der Siebenschläfer- 81 30. Der Hamster 84 31. Der Lemniing 85 32. Das Murmelthier 86 33. Das Meerschweinchen 90 34. 35. Das Der fliegende Eichhörnchen Biber- 91 93 Fla- 36. DaS Stachelschwein Seite. 96 37. Der Ameisenfresser 97 38. Tnsrl IV. Das Schuppeuthier 98 39. Das Giirtelthier 99 40. Das Faulthier 100 41. DaS Zebra 105 42. DaS Kamecl 106 43. Das Lama 109 44. Das MoschuSthier 111 45. Der Hirsch -112 46. Der Damhirsch 115 47. DaS Nennthier 117 48. Das Elennthier 120 49. Tascl V. Die Giraffe 121 50. Die Gemse 123 51. Der Steinbock 129 52. DaS kretische Schaf (Mussou) 133 53. Der Auerochs 134 54. Der Büffel 136 55. Der Elephaut 142 56. DaS Flußpferd 151 57. Das wilde Schwein 153 58. Das Nashorn 155 59. Der Tapir 157 60. Safel VI. Der Seehund 158 61. DaS Walroß 161 62. Die Seekuh 162 63. DaS Schuabelthier 163 64. Der Walfisch 164 65. Der Finufisch 167 66. Der Nordkaper 167 67. Der Narwall 168 68. Der Delphin 169 69. Der Condor 177VI Ng. Seite. 70. Weißköpfiger Geier 177 71. Lämmergeier 178 72. Bussard 181 73. Habicht 180 Tafel VII. 74. Adler 182 75. Goldadler 182 76. Neuntödter 184 77. Schleiereule 186 78. Käuzchen 187 79. Ohreule 186 80. Kolkrabe 190 81. Mandelkrähe 192 82. Holzheher 192 .83. Wiedehopf 193 84. Schwarzspecht 194 85. Buntspecht 195 86. Baumläufer 195 87. Wendehals 196 88- Eisvogel 196 89. Bieneufresser 197 90. Kuckuk 197 Tafel VIII. 91. Gemeiner Papagai 199 92. Kakadu 200 93. Pfeffersraß (Tukan) 200 94. Pirol 202 95. Kolibri 203 93. Wilde Ente (Männchen) 205 97. Wilde Ente (Weibchen) 205 98. Wilde Gaus 206 99. Eidergans (Männchen) 207 100. Eidergans (Weibchen) 207 101. Schwan 208 102. Haubentaucher 209 103. Sturmvogel 210 104. Seeschwalbe 210 105. Pelikan 211 106. Fregatte 211 107. Tauchergans 212 108. Pinguine 213 Tafrl IX. 109. Reiher 214 110. Storch 215 111. Kranich 216 112. Löffelgans 217 Fig. Seite 113. Rohrdommel 217 114. Ibis 218 115. Flamingo 218 116. Waldschnepfe 219 117. Kampshahn (Männchen) 220 118. Kampshahn (Weibchen) 220 119. Kibitz 219 120. Brachvogel 220 121. Säbelschriäh^er 221 122. Wasserhuhn 222 128. Truthahn Tafel X. 226 124. Pfau 226 125. Psauhenne 227 126. Goldfasan (Männchen) 228 127. Goldfasan (Weibchen) 229 128. Birkhahn 230 129. Birkhuhn 230 130. Trappe 230 131. Perlhuhn 232 132. Rebhuhn 232 133. Holztaube 233 134. Wandertaube 237 135. Wachtel 239 136. Staar 243 137. Drossel 244 138. Amsel 244 139. Seidenschwanz 246 140. Dompfaff Tafel XI. 247 141. Kreuzschnabel 248 142. Goldammer 249 143. Edelfink 250 144. Kanarienvogel 252 145. Nachtigall 254 146. Bachstelze 257 147. Goldhähnchen 258 148. Kohlmeise 259 149. Beutelmeise 260 150. Spechtmeise 196 151. Rauchschwalbe 262 152. Strauß 266 153. Kasuar 267 154. Feuerkröte 274 155. Grüne Eidechse 275 156. Erdmolch 275 157. Olm, Höhlensalamander 276VII gifl- 158. Basilisk 159. Leguan 160. Chamäleon 161. Krokodill 162. Ricscnschildkröte 163. Landschildkröte 164. Blindschleiche 165. Ringelnatter Tafel XII. 166. Kreuzotter 167. Brillenschlange 168. Riesenschlange 169. Nennauge 170. Lamprette 171. Hai 172. Sägefisch 179. Stör 174. Stacheldauch 175. Seepferdchen 176. Aal 177. Muräne 178. Zitteraal 179. Schwertfisch 180. Aalmutter 181. Kabeljau 182. Scholle Tafel 183. Knurrhahn 184. Wels 185. Lachs 186. Forelle 187. Hecht 188. Hering 189. Sardelle 190. Goldfisch 191. Herkuleskäser 192. Nashornkäser 193. Strahlkäser 194. Hirschkäfer 195. Goldkäser 196. Maikäser 197. Borkenkäser 198. Pelzkäser 199. Jnsektendieb 200. Todtenuhr 201. Grabkäser 202. M-Hlkäser Seite. Fig. Seite. 277 203. Marienwurnl 349 278 204. Kornwurm 350 278 205. Bockkäfer 351 279 206. Johanneswurm 352 290 207. Springkäfer 354 289 208. Bombardierkäfer 354 296 209. Schönkäfer 354 297 210. Spanische Fliege 355 211. Schabe 356 297 299 300 305 305 306 307 308 212. Gottesanbeterin 356 213. Zugheuschrecke 357 214. Maulwurfsgrille 359 215. Hausgrille 359 216. Feldgrille 359 217. Rosenblatt -Gallwespe 378 218. Eichenblatt - Gallweöpe 378 219. Rothe Ameise 385 220. Termite 375 309 221. Libelle 375 310 310 311 222. Singcikade 360 223. Schanmcikade 360 311 312 224. Safcl XIV. Laternenträger 359 313 225. Perlmutterfalter 365 313 226. Distelsalter 365 318 227. Admiral 366 228. Tagpfauenauge 366 229. Trauermantel 366 319 230. Schillerfalter 366 322 231. Schwalbenschwanz 367 322 232. Rothes Pfauenauge 367 325 233. Priamusfalter 367 326 234. Banmweißling 367 327 235. Citronenvogel 368 334 236. Todtenkopf 368 336 237. Windenschwärmer 369 345 238. Wolfsmilchvogcl 369 346 239. Abendpfauenauge 369 346 240. Großer Weinvogel 369 346 241. Weidenbohrer 370 347 242. Seidenspinner 370 347 243. Prozessiousspinner 371 348 244. Nonne 372 348 245. Brauner Bär 372 348 246. Ringclspinner 372 348 247. Stammeule 372 349 248. Blaues Ordensband 373 354 249. Fichtenspinner 373VIII §>(!• Seile. 250. Hollunderspinne 373 251. Obstmotte 373 252. Kornmotte 374 253. Bernhardskrebs 397 254. Hummer 397 255. Landkrabbc 896 Tafts XV. 256. Kellerassel 395 257. Enrop. Scvrpion 395 258. Vogelspinne 394 259. Tarantel 394 260. Kreuzspinne 393 261. Tintenfisch 404 262. Weinbergschnecke 413 263. Wendeltreppe 413 264. Oberadmiral 412 265. Geldporzellane 413 266. Papstkrone 412 267. Purpurschnecke 413 268. Mecrcichel 408 269. Auster 409 270. Perlmuschel 409 271. Steckmuschel 409 272. Flußnmschel 408 273. Riesenmuschel 408 274. Herzmuschel 408 275. Schiffsbohrwnrm 413 276. Bandwurm 401 277. Seeigel 414 278. Mednsenhaupt 414 279. Melonenqnalle 414 280. Edelkoralle 415 281. Neptunmanschette 415 282. Grüner Arnipolyp 405 283. Corallenmoos 415 Tafts XVI. 1 . Ingwer 437 2. Gelbwurz 437 3. Alpinie 439 4. Oelbanin 441 5. Zuckerrohr 452 6. Safran 447 7. Fiebcrrindcnbannr 472 8. Kaffeebaum 468 9. Santelbanm 457 F>«. Tafts XVII. Seite, 10. Tollkirsche 474 11. Bilsenkraut 475 12. Stechapfel 475 13. Agave 498 14. Aloö 497 15. Zimmet-Lorbeer 516 16. Rhabarber 519 17. Qnassia 524 18. Lichtnelke 542 19. Haselwurz Tafts XVIII. 544 20. Granatbanm 555 21. Nelkenpfefferbanm 555 22. Gewürznelke 555 23. Mandelbanm 556 24. Capernstrauch 578 25. Lheestranch 581 26. Orleanbaum 584 27. Prächtige Gloxinie 601 28. Cacao Tafts XIX. 616 29. Hibiskus 618 30. Akazie 678 31. Banmwollenstande 618 32. Afsenbrodbanm 619 33. Indigo 627 34. Cajeputbaum 630 35. Aristolochia 646 36. Vanille 645 37. Frauenschuh Tafts XX. 645 38. Sagobaum 663 39. KoknSnnßbaum 651 40. Muskatnußbanin 677 41. JohanneSbrod 682 42. Wnrmsarren 684 43. Hirschzunge 684 44. Frauenhaar 684 45. Fliegenpilz 686 46. Satanspilz 686 47. Hexenmilch 686 48. Gitterpilz 686 49. Giftmorchel 686 50. Kculenmorchel 686Einleitung. 3^as Wort Natur ist ein Begriff von der umfassendsten Bedeutung. Hier verstehen wir darunter die Gesammtheit aller Dinge in der sichtbaren Schöpfung, insofern sic nicht durch die Knust des Menschen ihre Form erhalten oder eine wesentliche Veränderung erfahren haben. Wir setzen also hier Natur gleich Naturerzeugnisse oder Naturprodukte. Die Naturwissenschaft stellt sich die Aufgabe, die Erscheinungen in der Natur darznstellen und ihr inneres Wesen zu erforschen. Ein wichtiger Thcil dieser Wissenschaft ist die Naturgc- sch ichte, welche die Naturprodukte kennen lehrt. Die Produkte der Natur unter scheiden sich wesentlich von einander: sie bestehen aus Materie, verbunden mit einer in derselben lebenden Kraft (Organismus), vermöge welcher sie sich von Junen nach Außen entwickeln, wachsen, — oder sie bestehen bloß aus Ma terie, ohne eine solche belebende Kraft, und sind deshalb auch keiner Verwesung unterworfen. Letztere nennt man unorganische Naturkörper und diese bilden das Mineralreich. Die organischen Körper hingegen zerfallen wieder in zwei große Abthcilnngcu: k) in solche, welche, obwohl sic von einer Kraft belebt sind und also wachsen, dennoch an ihren Ort gebunden bleiben, also keine freie Bewegung haben, und 2) in solche, die bei ihrer organischen Entwicklung sich,willkürlich von einem Ort zum andern bewegen können. Erstcrc bilden das Pflanzenreich, diese das T h i e r r e i ch. Diese drei Naturreiche bilden den Gegenstand der Naturgeschichte, welche in drei Abtheilungen zerfällt: ■ 1) Beschreibung der Thiere, Zoologie, 2) Beschreibung der Pflanzen, Botanik, und 3) Beschreibung der Mineralien, Mineralogie. Jede Abthcilnug hat wieder ihre besonderen Zweige, lvic wir später sehen werden. Vorab wenden wir unsere Aufmerksamkeit ans das T h i e r r e i ch. . , Zum Thierreiche gehören also alle diejenigen organischen Wesen, welche sich m bewegen. Die Thiere sind durch den Bau ihres Körpers, durch ihre innere Konstruktion, durch die Art ihrer Fortpflanzung bis in's Unendliche von einander unterschieden. Als gemeinsames Merkmal dürfen wir den Umstand ansehen, daß alle vermittelst einer Ocffnung (Mund) Speise zu sich nehmen, dieselbe in sich verarbeiten, den dadurch erworbenen Nahrnngssaft mit sich verbinden und alles B e u m e r ’5 SJaturgeföicbte. ’ 12 Überflüssige ausdünstcn ober answerfen; ferner daß alle Thiere gegen äußere Ein drücke empfänglich sind, also Empfindung (Sinne) haben. Wie unendlich groß aber ist schon dieses Gebiet der Naturgeschichte! Cuvier behauptet mit Recht, daß gegenwärtig Niemand mehr ohne Unterstützung des Staates Zoologie aus führlich stndiren könne; ivcil durch die neuesten Forschungen die Menge der Arten mehr und mehr anwächst. Linnä (gcb. 1707, gest. 1778) kannte 221 Arten Sängcthicrc, 904 Arten Vögel, 215 Arten Amphibien, 467 Arten Fische, 2981 Arten Jnsectcn, darunter 2695 fliegende und 286 flügellose, 165 Arten Würmer, darunter 9 Arten Eingeweidewürmer, 841 Arten Weichthicrc und 214 Arten Pflanzenthiere (14 Quallen, 179 Polypen, 21 Infusorien). Und wie stelle» sich die Zahlcnvcrhältnissc der gegenwärtig bekannten Thicrartcn heraus? Man kann mit Gewißheit annchmcn, daß jetzt bekannt sind: 1500 Arten Sängcthicrc; Vögel 6000, Amphibien 1500, Fische 5000, Insekten 60,000, Würmer 2000, Wcich- thicre 5000 und Pflanzenthiere 2000 Arten. Um nun eine bessere Uebcrsicht über die Gcsnmmtheit der Thiere zu gewinnen, war cs nothwendig, sic nach Achnlich- keits- Merkmalen in Klassen zu theilen. Vor Lin ns hatte man die Thiere nur nach ihrer äußern Gestalt eingcthcilt, Säugethiere und Amphibien als Vierfüßer zusammengestellt, so wie die Wale zu den Fischen gezählt, und noch unvollkomme ner >var die Gruppirnng der niederen Thiere. Linnä bahnte einen neuen Weg, indem er sich der vergleichenden Anatomie und Physiologie bediente, um die rich tigen Prinzipien zu einer gründlichen Klassification anfzustcllcn. Er theilte dem nach das Thicrrcich ein: Ä) Thiere, welche rothes Blut und L) Thiere, welche weißes Blut haben. A) Die rothblütigcn Thiere haben n)rothes, warmes, oder l>) rothes, kaltes Blut, n) Die rothwarmblütigcn Thiere 1) gebären lebendige Junge und sängen sie an ihren Brüsten, 2) sic legen Eier und sind mit Federn bedeckt, b) Die rothkaltblütigen Thiere 3) nthmcn durch Lungen, oder 4) durch Kiemen. B) Die wcißblütigen Thiere haben 5) Fühlhörner und cingelenkte Bcwegnngswcrkzeuge, oder 6) sie haben Fühlfädcn und keine Bewegnngswcrkzeuge. Darnach zerfällt das Thierreich in folgende sechs Klasse»: 1. Klasse: : Sängcthicrc, 2. Vögel, 3. - Amphibien, 4. - Fische, 5. - Insekten, 6. - Würmer. Jede Klasse thcilt Linnä nun weiter in Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten; die Sängcthicrc nach ihrem Gebiß und nach ihren BcwcgnngSwcrk- zeugen, die Vögel nach ihrem Schnabel und den Krallen, die Amphibien nach den Extremitäten, die Fische nach den Flosse», die Insekten nach den Flügeln und die Würmer nach der Hemtbedeckung. Durch Blnmcnbach hat dieses System wesentliche Verbesserungen erfahren, und nach diesem verbesserten Systeme werden wir die einzelnen Klassen und ihre Ordnungen beschreibend vorführen. Zur ver gleichenden Uebcrsicht mögen hier nun noch zwei andere Systeme folgen.3 (Su bi er (geb. 1769, gest. 1832) stellt folgendes System auf: a. Wirbelthierc. a) warmblütige Thiere, I. Säugethiere, lebendige Junge gebärend, 1. mit Nägeln. a) Alle drei Arten Zähne. 1. Zweihänder. 2. Vierhänder. 3. Fleischfresser, a) Handflügler, b) Sohlengeher, c) Zehengeher, d) Handfüßer. b) Mangel einer Art Zähne. 4. Nager. 5. Zahnlose. 6. Trüge. 2. mit Hufen. 7. Dickhäuter, vielhufig. 8. Wiederkäuer, zweihufig. 9. Einhufer. 3. mit Schwimmflossen. 10. Amphibiensäugethiere (vier Füße). 11. Cetaeeen (ohne Hinterfüße). II. Vögel, Eier legend. a) Raubvögel (kurze Füße, starke Nägel, storriger Schnabel). 1. Nackthälse. 2. Federhälse. 3. Nachtraubvögel. b) Sperlingsvögel (vierZehen, drei nach vorn). 1. Sägeschnäbler. 2. Zahn- schnäbler. 3. Dickschnäbler. 4. Kegelschnäbler. 5. Pfriemschnäbler. 6. Platt schnäbler. 7. Dünnschnäbler. c) Klettervögel (vier Zehen, zwei nach vorn). 1. Keilschnäbler. 2. Leicht schnäbler. <>) Hühnervögel (die Borderzehen an der Basis verbunden). 1. Schwing- flügler. 2) Kurzflügler. e) Sumpfvögel (nackte Fußwnrzel). l. Kurzschnäbler. 2. Messerschnäbler. 3. Breitschnäbler. 4. Langschnäbler. 5. Schmalschnäbler. f) Schwimmvögel (verbundene Zehen). 1. Flossenfüßer. 2. Langflügler. 3. Sägeschnäbler. 4. Kurzflügler. b) kaltblütige Thiere. III. Reptilien, durch Lungen athmend. a) Herz mit zwei Vorkammern. 1. Knöcherne Bedeckung. 2. Schuppige Be deckung. 3. Schuppige Bedeckung, die Füße mangeln. b) Herz mit einer Vorkammer. 4. Nackte Haut und Füße. IV. Fische, durch Kiemen athmend. a) Knorpeliges Skelett. 1. Knorpelflügler (Kiemen fest). 2. Kiemendeckler (Kiemen frei). b) Knöchernes Skelett. 1. Kahlbäuche. 2. Kehlflosser. 3. Bruslflosser. 4. Banchflosser. b. Wirbellose Thiere. a) mit Blutgefäßen, V. Weichthiere, einfaches Rückenmark, keine Gelenke, l- Kopsläufer. 2. Bauchfüßer. 3. Kopflose. VI. Würmer, knotiges Rückenmark, keine Gelenke. 1. Aeußere Respirationsorgane, Borsten an den Seiten. 2. Keine äußere Respirationsorgane, Borsten an den Seiten. 3. Keine äußere Respirations- oigane, leine Borsten. 4. Würmerähnliche Thiere. 1 *4 VII. Krnstenthiere, knotiges Rückenmark, Glieder und Gelenke. 1. Einäugler. 2. Krebse. b) ohne B l n l g e f ä ß e, VIII. Insekten, knotiges Rückenmark, Glieder und Gelenke. a) Mit Kiefern. 1. Keine Flügel, Vielfüßer. 2. Gitterflüglcr. 3. Ader- flügler. s) Hinterleib gestielt, b) Hinterleib ansitzend. 4. Käfer, s) Mil sechs Freßspitzen. b) Mit vier Freßspitzcn. 5. Gradflngler. b) Ohne Kiefern. I. Halbflügler. 2. Schuppenflügler. 3. Zweiflügler. 4. Flügellose. IX. Pflanzenthiere, keine Glieder und Gelenke. I. Freilebende. 2. An einen Stamm geheftet. Vergleichen wir das System Cnvier's mit dem von Linnö, so finden wir, daß die vier ersten Klassen beider Systeme wesentlich übercinstiinmcn und daß die Umgestaltungen und Verbcsscrnngen des Cnvicr'schen Systeins sich ans die beiden letzten Klassen des Linnä'schcn Systems beziehen. Oken thcill das Thierreich ans folgende Weise in Klassen: v) Eingeweidethiere, fleischlose, I. Stufe: Keimthiere: 1. Klasse: Samcnthierc, Polypc n. 2. „ : Eierthiere, Co rat len. 3. „ : Hüllenthiere, P f l a n z e»t h i e r c II. Stufe: GeschlcchtSthicre: 4. Klasse: Nierenthierc, Quallen. 5. Geschcidthiere, Ai u s ch e l n. 6. n * Geschrötthiere, S ch n e ck e n. III. Stufe: Gcschlingthicrc: 7. Klasse: Darmthiere, Würmer. 8. „ : Adcrthiere, Krabben. 9. „ : Lungenthiere, Fliegen. chthicre, 10. Klasse: Knvchenthiere, Fische. 11. „ : Mnskelthiere, A m p h i b i e n. 12. „ : Nervcnthiere, Böget. ^Sinnenthierc, S ä n g e t h i c r e. 13. „ : lieber die Beschaffenheit des thicrischen Körpers, über seine Lebensflmctioncn re. re. wollen wir nichts Allgemeines voranfschicken, indem wir bei jeder Klasse das Nöthigc darüber anführen werden; jedoch ist cs nölhig, vor der Beschreibung der einzelnen Klassen unsere Anfmerksamkeit noch ans die Verbreitung der Thicrc und ans die Natur- und Kunsttriebe (Instinkt) derselben zu richten. Die Verbreitung der Thicrc ist gewissen Gesetzen unterworfen, welche abhängig sind von der physischen Beschaffenheit des Bodens und von klimatischen Einflüssen. Man findet daher andere Thierarten in gebirgigen Gegenden, als in großen Ebenen, andere in wasserarmen, als in wasserreichen Ländern, andere auf großen Contincnlcn, als ans kleinen Inseln; die heiße Zone hat andere Bewohner, als die gemäßigte, und diese andere als die kalte. Da das Thicrreich imPflanzenreiche wurzelt, so ist die Verbreitung der Thicre ebenfalls durch die VegetationSvcrhältnisse der Länder bedingt. Der kalte Norden ist deshalb nur sparsam mit Thicren bevölkert, während die heiße Zone reich ist an den mannig faltigsten Thierarten. Wie schon bemerkt, große Continente haben anch große Thicre zur Bevölkerung; deshalb trifft man die Riesen der Thierwclt: Elcphantcn, Nashörner, Nilpferde, Giraffen nur in Asien und Afrika. Die größten Thicre Amerikas sind das Tapir, welches bei seiner großen Länge doch schmal zu nennen ist, und einige Ochscnartcn. Das größte Säugethier ans Nenholland ist das Känguruh, welches kaum die Größe eines Esels erreicht. Sogar ans das Aeußere der Thicre üben die klimatischen Verhältnisse ihren Einfluß aus: den» wie die Tropcnländcr reich sind an den edelsten und glänzendsten Metallen, an den üppigsten Pflanzenforincn, so prangen die Bewohner der Thierwelt, vom Sängcthier bis znm Polyp ans dcnr Grunde des Meeres, in den schönsten Farben; während die Farben der Bedeckung der Thicre in den kalten Zonen matt und kalt sind. Da die Amphibien am besten in warmen und feuchten Gegenden gedeihen, so fehlen die meisten Arten dem Norden, hingegen ist der Süden reich an denselben. Ebenso ist das Dasein der Insekten durch die Wärme bedingt, weshalb mich diese sich in heißen Gegenden in Menge befinden; und da viele Vögel in ihrer Nahrung ans die Jnsektcnwelt angewiesen sind, so läßt sich daraus die starke Verbreitung der Vögel in der heißen Zone erklären. Fast jeder Erdthcil fjat seine cigcn- thümlichcn Thierarten; cs würde aber zu weit führen, wollten wir diese Verhält nisse hier näher erörtern. Der Instinkt der Thicre. Unter Instinkt verstehen wir jeden Hang, ohne Uebcrlcgnng und deutliches Bewußtsein nach demjenigen zu streben, was der Natur des Geschöpfes, welches von diesem Hange getrieben wird, angemessen ist, und hingegen das Schädliche zu meiden. Dieser thätigc Trieb setzt keine vor läufige Kenntniß oder Erfahrung voraus; er ist ohne bcstimnitc Begriffe und Vorhcrsehung, ja oft bei sehr dunklem Bewußtsein ans ein gegenwärtiges oder künftiges Gut oder klebet gerichtet. Diese Naturtriebe sind entweder auf die Fortpflanzung oder ans die Selbstcrhaltung gerichtet. Alle Thicre haben der gleichen Triebe in ihrer Natur, nur jedes nach seiner eigenthüinlichcn Bestimmung. Nach diesen Trieben bauen sic sich ihre Wohnungen, suchen sich das entsprechendste Futter, ohne darin zu irren, ziehen beim Nahen des Winters, wenn cö ihrer Natur angemessen ist, in andere Gegenden, ja, wissen sogar bei Krankheiten die wirksamsten Arzneimittel aufznfinden. Daß dies bloß innerer Trieb, nicht Ge wohnheit oder Unterweisung und Tradition der alten Thicre sei, lehrt schon das eine Beispiel, welches wir an jungen Zugvögeln, die in einer Wohnung aufge zogen sind, wahrnehmen: kommt die Zeit des Wanderns, so werden sic unruhig in ihrem Käfig, und sterben nicht selten ans Betrübnis;. Bei keiner einzigen ^hierart hat man jemals unnöthige und überflüssige oder anch von Natur fremde, solschc und verkehrte Triebe bemerken können. Man findet daher niemals, daß ein Vogel zu einer andern Zeit ein Nest baut, als wenn er Hecken will; daß ein D)icr, welches den Winter Nahrung genug bekommen kann, für Wintcrvorrath sorge; daß irgend ein Thier in fremde Gegenden zieht, wenn es die Kälte des llvmtcrs anshaltcn kann re. re. Es steht fest, daß das Wesentliche der thierischen Knnsttricbc allerdings von der Natur bestimmt und festgesetzt sei, und daß daher alle Thicre einer besondern Art darin ans eine und dieselbe Weise handeln, und weder in verschiedenen6 Zellen anders verfahren, weder neue Künste erfinden, nvch alle abkommcn lassen, weder besser noch schlechter arbeiten, als ihre Vorfahren. Allein es ist darum doch nicht Alles bis ans den geringsten llinstand vorher bestimmt, sondern ihrer sinnlichen Vorstellung und der daher erzeugten Neigung überlassen, das; sic ihr Thun in den zufälligen Umständen selbst feststellcn und »ach de» Umständen ein- richten können. Das Modell der Vogelnester ist zwar in derselben Art bei allen einzelnen Vögeln ganz einerlei, und cs ist überhaupt gewiß, daß sic einen ver borgenen sichern Ort dazu wählen, wo sie in der Nähe Futter für ihre Jungen finden; aber daß dieser Baum und dieser Ast desselben dazu ansgesncht wird, daß sic ein Stück Moos oder einen Grashalm, Haare oder Federn zu weichem Unterbett für ihre Jungen cintragcn und durcheinander flechten, das kommt auf die Umstände des Ortes an. Noch triftiger für obige Behauptung ist der Um stand, das; Thiere, welche in ihrem Kunstwerke gestört worden, den Schaden nach ihrem Sinn zu flicken und ansznbcsser» suchen; daß sie überhaupt die Fähigkeit besitzen, die Umstände zu ermessen. Dies bringt uns denn nvthwcndig zu der Annahme, daß die Thiere neben dem Instinkt im Besitz der nieder» Scclenkräftc, des Verstandes, des Gedächtnisses, der Einbildung u. s. w. sind, und daß sic auch darnach thcilwcisc ihre Handlungen cinrichtcn. Je vollkommener nun die physische Ausbildung des Thicrcs ist, desto stärker und deutlicher prägen sich auch diese thicrischcn Scclenkräftc ans. Im Verlauf der Beschreibung einzelner Thiere werden wir darauf zurückkommen. Sehr richtig bemerkt ein neuerer Schriftsteller: „Es besteht ein genaues Verhältnis; zwischen der Masse des Gehirns und dem Grade der Intelligenz, welchen ein Thier zu erreichen im Stande ist. Das Gehirn des Menschen ist das mnfangreichste von allen, und unter den übrigen Thieren zeigt sich in dieser Hinsicht jeder Grad der Abstufung. Im Allgemeinen ist ein Thier um so verständiger, je ähnlicher sein Gehirn dem des Menschen ist. Die Beziehung zwischen Instinkt und Nerven - System ist keine so innige, als die zwischen Gehirn und Verstand. Thiere, welche eine sehr auffallende Entwicklung des Instinkts besitzen, wie Ameisen und Bienen, gehören zu einer Abtheilnng des Thicrreichs, wo das Nerven - System viel weniger entwickelt ist, als bei den Wirbclthicrcn, da sic bloß Nerven-Knoten und kein eigentliches Gehirn besitzen. Ebenso besteht ein gewisser Gegensatz zwischen Instinkt und Verstand, so das; der Instinkt an Stärke und Eigenthümlichkcit verliert, wie der Verstand ent wickelter wird. Bei dem Menschen hat der Instinkt nur eine untergeordnete Entwicklung, fehlt indessen nicht ganz. Einige seiner Handlungen sind ganz durch den Instinkt eingegeben, wie das Bestreben des Kindes, zu saugen. Die That- sache jedoch, daß Instinkt und Handlungen nach demselben in der Kindheit vor- waltcn, während der Verstand nur schwach entwickelt ist, dient zur Bestätigung obiger Ansicht.Erste Miste. D i e Säuget stiere. Dic Säugethiere nehmen mit Recht die erste Stufe im Reiche der Thierwclt ein, weil ihre ganze Organisation am meisten ausgebildct ist, und sic sich deshalb zunächst an den Menschen, den man, als das letzte Glied der sichtbaren Schöpfung, ja auch zu den Säugethiere» rechnet, anschlicßen. Sic gebären lebendige Junge und sängen sie an ihren Brüsten, wodurch sic sich von den andern warmblütigem Thicren wesentlich unterscheiden. Ihre Haut ist mit Haaren bewachsen (dic Wasscrsängcthicrc jedoch ausgenommen), dic in ihrer Weiche, Länge und Ordnung verschieden sind. So unterscheidet man Wollhaare, Seidcnhaare, Borsten haare, Stachel haare und glatte Haare. Außerdem gibt cs Säugethiere, welche mit Schuppen, und andere, welche mit knoche»artigen Schilden be deckt sind. Bei denjenigen Thicren, welche in nördlichen Gegenden leben, ist der Haarwuchs dichter und geschlossener, als bei den Thicren, dic in warmen Gegenden heimisch sind. Wesentlich unterscheiden sich dic Säugethiere von einander durch ihre Bewegungs- und Freßwcrkzeugc; weshalb man diese Unterschiede bei der Cintheilnng in einzelne Ordnungen als Einthcilnugsgrund meistens festhält. Man unterscheidet Hände, Pfoten, Tatzen, Hufe und Flossen von einander. Dic Zähne thcilt man ein in Vorderzähne, Schncidezähne, Eck- oder Spitzzähne und Backenzähne. Diejenigen Thicrc, welche sich meistens von Fleisch nähren, haben oin scharfes und zackiges Gebiß; wohingegen dic pflanzenfressenden Säugethiere oben breite und cingcfnrchtc, lind dic, welche sich von Fleisch und Pflanzen nähren, in der Mitte eingefurchte und an den Ecken abgerundete Zähne haben. Besonders merkwürdig ist das Wiederkauen einiger pflanzenfressenden Säugethiere. Diese Thicrc haben einen vierfachen Magen. Der erste Magen, Pansen oder Wanst genannt, ist sehr groß, und nimmt das grobgekaute Futter ans, wo dasselbe durchweicht wird. Der zweite Magen ist gleichsam ein Anhang des ersten, und wird Mütze oder Haube genannt. Daö durchweichte Futter geht ans dem ersten Magen thcilwcisc in die Mütze über, von wo cs wieder in den Schlund zurückgeführt wird. Der dritte Magen, Buch oder Psalter, hat eine besondere Oiöhrc, durch welche daö nun klein gekaute Futter ans dem Maule in denselben8 geleitet wird. Aus dem Psalter geht das Futter endlich iu dcu vierten Blagen, der Laab oder Fettmagcu genannt, wo cs nun völlig verdaut wird. Einige Säugcthicre erhalten am Kopfe feste Auswüchse, welche man Hörner nennt, und die sich in Zahl, Form und Standort von einander unterscheiden. Die Hörner des Rindviehs, der Ziegen und Gazellen sind hohl; beim Hirsch geschlecht sind sic knochenartig und in Acstc oder Enden getheilt, beim Rhinoceros dicht ans der Nase verwachsen. Auch unterscheiden sich die Snngethicrc durch ihren 'Aufenthaltsort von einander: einige leben in der Erde, andere im Wasser und die meisten ans der Erde. Je nach dein Aufenthalte sind die Bewegnngswerkzeuge cigcnthümlich geformt. Das größte Sängcthicr ist der Walfisch, der oft 50 bis 80 Fuß lang, 00 bis 40 Fuß dick und gegen 100,000 Pfund schwer wird; das kleinste Sänge thier ist die Sibirische Spitzmaus, die kaum einen Zoll lang und ein Quentchen schwer wird. Der Nutzen, den die Säugcthicre uns gewähren, ist erstaunlich groß. Wir erhalten von den Säugethieren Fleisch, Fett und Milch zur Nahrung; Haare und 'Felle liefern Stoffe zu Kleidungsstücken; einige Thiere liefern heilsame Arzneien; andere dienen zur Jagd, zum Lasttragcn und Ziehen, zur Bewachung n. s. w. Der Mist vieler Säugcthicre dient zur Düngung und als Brennstoff. Ans Knochen, Zähnen und Hörnern werden mancherlei Gcräthc verarbeitet; ans den Därmen werden Saiten und Stricke verfertigt n. s. w. Bedenkt man den großen Nutzen, den die Säugcthicre dein Menschen gewähren, so kommen die Nachthcilc, welche sic bringen, fast gar nicht in Anschlag. Zudem ist der Mensch im Stande, selbst die schädlichsten und gefährlichsten Thiere unschädlich zu machen, sic zu sangen, zu zähmen, zu vertilgen. Lassen wir nun noch eine allgemeine Eintheilnng der Säugcthicre in Ord nungen folgen, und gehen dann zur Beschreibung der einzelnen Thiere über: 1. Ordnung. 2. Ordnung. 3. Ordnung. 4. Ordnung. 5. Ordnung. 6. Ordnung. 7. Ordnung. 8. Ordnung. Zweihänder. Der Mensch. Bier h a u d e r. Raub thiere. I. Hnndflügclcr. II. Insektenfresser. III. Reißende Thiere. A. Sohlengänger. E. Zehengänger. Beutclth icrc. Nagcthiere. Ameisenfresser. Fanlthi crc. Einhufigc Thiere.9 9. Ordnung. 10. Ordnung. 11. Ordnung. 12. Ordnung. Z w:e i hufige, w i c d c r k fi lt c it b c Thicre. I. Wiederkäuer ohne Hörner. II. Wiederkäuer mit Hörnern. Viclhufigc Thicre. Säugethiere mit Rnderfüßcn. W a l f i s ch a r t i g e Thicre. Erste Krönung. Zweihänder. Unter de» 'organisirten Wesen der Erde gebührt dem Menschen der erste Rang. Er gehört in die Klasse der Säugethiere und nimmt einzig uu a e die erste Ordnung derselben ein. Durch seinen Körper, in wc )cm Musterbild der Schönheit und der Vollkommenheit erblicken, noch mcira^ seine geistigen Kräfte ragt er weit über alle seine Mitgeschöpfc hervor. < s u . zweier Welten steht er da, der sinnlichen um ihn, und der übersinn ichen m s)», die auf eine höhere Bestimmung hindeutet, als die er in diesem Leben zu crrci )cn vermag, so daß er zugleich als der Zögling einer höheren Welt erscheint, wccjc die Religion ihn kennen, nach welcher hin sie ihn streben lehrt. ^ Biele Merkmale im Körperbau unterscheiden ihn von den übrigen Saugc- thicren, selbst von den menschenähnlichen Affen. Dahin gehört besonders w er- habe» gewölbte Stirn, unter welcher das Gesicht nicht hervorragt; die Made aufrechte Stellung und der- freie Gebrauch zweier Hände. Der Körper selbst 's ans das Künstlichste znsammcngefügt, und selbst das kleinste und geringste . kl desselben stellt ein eigenes Wunder der Schöpfung dar. Diejenigen Werkzeuge, durch welche der Mensch die Eindrücke der Außen welt empfängt, heißen die Sinne, deren er fünf besitzt. Das Gefühl, oder rer Tastsinn, zeigt sich am stärksten in bcu mit vielen kleinen Nerven versehenen Fingern und Zehen. Der Geschmack hat seinen Sitz in der Zunge, die voller reizbarer Nervchcn ist. Der Geruch hat zum Organ die Nase, die oben bemüht, nuten knorpelicht und in der Mitte durch eine Scheidewand in zwei Gänge oder Löcher gcthcilt ist. In diesen Löchern befindet sich eine Schleimhaut, die voller kleiner Nervchcn ist. durch welche wir die feinsten Dünste wahrnehmen, sic mögen """ wohl oder übel riechen. Das Gehör hat zum Organ das Ohr, das m seinem Bane sehr künstlich ist. Es besteht aus einer knorpelichtcn Schale, welche die durch Töne, Schall oder Klang bewegte Luft auffängt. Inwendig befinden sich zur Fortpflanzung deö Schalls drei kleine Knörpelchen, die man nach ihrer1.0 Gestalt Hammer, Amboß und Steigbügel genannt hat. Das Gesicht hat zum Organ das Auge, das ans mehreren übereinander liegenden Häuten auf das Künstlichste znsammengefügt ist. Es liegt in einer knöchernen Höhle und ist zur äußern Bedeckung mit Augenlidern und zur Verwahrung vor Staub und Insekten mit haarigen Wimpern versehen. Das ganze Knochengebändc, ans welchem der menschliche Körper besteht, thcilt sich in drei Thcilc, nämlich in Kopf, Rumpf und Gliedmaßen. Der Kops ruhet ans einer Säule von 24 Wirbeln, welche den Rückgrad bilden. Jeder Wirbel besteht aus einem runden Knoche». Sieben von diesen Wirbeln werden zum Halse gerechnet und Halswirbel genannt; .12 zum Rücken (Rückenwirbel), an denen sich zu beiden Seiten die Rippen anschließcn. Im Kopfe liegt das Gehirn, welches bei einem erwachsenen Menschen ungefähr 3 Pfund wiegt und ans einer Verzweigung grauer und weißer Masse besteht, wclchd man Lcbcns- banm nennt. Zn seiner Ernährung hat der Mensch vom Schöpfer verschiedene Werkzeuge erhalten. Der M n n d besteht ans zwei an Nerven reichen und nach verschiedenen Richtungen bewegbaren Lippen. Mit diesen sangt das Kind die erste Nahrung ans der Mutter Brust. Bald füllt sich jedoch der Mund mit Zähnen, deren der ausgewachsene Mensch gewöhnlich 32 besitzt; nämlich 8 Schncidezähnc, 4 Augen zähne oder sogenannte Hundszähne, 16 Backenzähne und 4 sogenannte Wcishcitü- zähnc. Von den 8 breiten Schneidczähncu stecken mitten in jedem Kinnbacken vier, vier oben und vier unten. Diese 8 Zähne kommen bei bc» Kindern nicht eher, als im 7. Monate ihres Lebens zum Vorschein und zuweilen brechen sie erst gegen das Ende des ersten Jahres hervor. Dicht an diesen Schncidezähnen stehen die 4 spitzigen Hundszähne, auch wieder in jedem Kinnbacken zwei, zwei im ober» und zwei im untern. Diese 4 Hundszähne brechen in dem nennten oder zehnte» Monat hervor. Auf diese Hundszähne folgen die 16 höckerichtcn Backenzähne, deren 8 in der ober», und 8 in der untern Kinnlade stehen. Diese erscheinen gegen daö Ende des ersten Jahres, aber doch bald im Anfänge des zweiten Jahres des Kindes. Endlich kommen die sogenannten 4 Wcisheitszähnc, welche oft schon im 12., meistens aber erst gegen daö 20. Jahr erscheinen. — Die Schncidczähne, die Hundszähne und die 4 ersten Backenzähne fallen den Kindern vom 5. bis anf'ö 8. Jahr wieder ans, werden aber bald hernach wieder durch neue ersetzt. Die Nahrungsmittel, welche wir durch den Mund einnchmen, werden durch die Zähne zermalmt und in eine Art von Brei verwandelt durch den Speichel, der ans besondcrn Kanälen hinznfließt. Durch die-Zunge werden die Speisen in die Rachenhöhlc gebracht und gelangen durch die Speiseröhre in den Magen. Dieser liegt in der linken Seite der Bauchhöhle, ungefähr in der Mitte unter der sogenannten Herzgrube. Er ist länglich rund und gewöhnlich so groß als der Kopf eines kleinen Kindes. Sobald die Speisen im Magen sind, vermischenli si- sich mit dem Magensafte und werden allmälig warm und weich und >ml einander so aufgelöst und vermischt, dag sic ungefähr nac) zwci^ >>n in ein Mus verwandelt werden. Darnach geht die ganze «peiseniasst n d> Gedärme, wo sic wiedermn mit mehreren Säften vermischt wu , sv ' aus diesem Brei ein Saft ansgcschicdeu werden kann, den man icn <• )M nennt und der nachher in's Blut geführt wird. Das Uc rigc wir a - aus dem Körper abgesondert. Links neben dem Biagen icg >c - '' Thcil des Netzes, und oben über der Milz, rechts von dem Magen,^w Lek mit der Galle. Die Leber hat eine rothbraune Farbe und Pt bei )s 4 bis 5 Pfund schwer. Die Galle ist eine braungelbe, bittere Flüssigkeit. ^uuc kragen daher viel zur Verdauung der Speisen bei. .. Das Blut, das aus zwei Hanptthcilcn besteht, dem Blntwasier und de Blntkügelche», bewegt sich i" den Adern durch den ganzen Körper; und dr L - zeuge dieser Bewegung sind das Herz und die Lungen, dw m der B nsih e liegen. Das Nerz besteht aus dicken länglich runden ansgchohltcn Muskeln um hangt in der Mitte der Brust an seinen Adern. Es hat 4 Thcile, von cnen ,c Zwei eine Herzkammer ansmachcn. Eö steht in Verbindung nn ^ " ' zwei Pulsadern und zwei Blutadern. Die Pulsadern empfangen dgs Blut von den, Herzen itub verbreiten cö durch dc.i ganzen Körper; d.c Blutadem hingegen bringen das Blut aus dem ganzen Körper in das Herz zurück. i. >c vo >. ^ Blutader, die in die rechte Herzkammer tritt, heißt die Hohlader, die andere Lllngcnadcr. Die vordere Pulsader hingegen wird die Lnngenpulöadcr, nn :e andere große Schlagader genannt. Der Kreislauf des Blutes geschieht ans so = gcndc Weise: die Hohladcr bringt aus allen Theilen des Leibes eine -Nengc Blut herbei und preßt cö in die rechte Herzkammer. Von hier ans geht c durch die Lungcupnlsadcr in die Lunge und von da durch die Zungen >> aeei die linke Herzkammer. Von der linken Herzkammer wird das Blut ui die grope Pulsader gestoßen, welche sich i» eine Menge Zweige verthcilt, wodurch dm Blut durch den ganzen Körper verbreitet wird. Um nun das Blut wie er z Herzen zurückznführcn, nehmen cs die Blutadern ans, die cs in die Hosmer von da in's Herz ergießen. Das Herz öffnet sich hierbei und preßt si ) wieder zusammen. Und diese Bewegung nennt man das Herzklopfen, obci Jpc j- schlag. Dieser ist sehr verschieden. Bei einem kleinen Kinde rechnet man -> bis 140 Schläge auf die Minute; am Ende der Kindheit etwa W; un Jüng lingsalter 80; im männlichen Alter 70 bis 75; im höheren Alter 00 bis v - Das durch Herz und Adern nach allen Theilen des Körpers hin verbreitete Bwt dient zur Ernährung. Zugleich werden durch dasselbe unbrauchbare »n s )a kjc T hcile aus dem Körper gestoßen, wie z. B. der Schweiß, welchen die feinsten Pulsadcrzweige in der ganzen Hantflächc aushauchen, sei cs nun, dag er ans cn in der Haut befindlichen seinen Oeffnuvgcn (Poren) hervordringt oder in s> 1 baren Tropfen ausströmt. Ein erwachsener Mensch verliert so durch die Am-di'instiiiig in 24 Stunden 4'/ a Pfund. Durch die im ganzen Körper verbreiteten Saugader» wird jedoch stets wieder neues Blut eingcsogen, welches meist ans dem Magen gewonnen wird und Anfangs milchicht anssicht, aber durch die Lungen roth gemacht wird. Die Lungen bestehen ans zwei aneinander stehende», schwammartigcn Lap pen, welche die linke und die rechte Brusthöhle ansfüllcn. Jeder Lappen bcstchl ans einer Menge Bläschen, die sich bei Einathmnng der Luft fortwährend öffne» und schließen. Das Ein- und Ausathmcn wird durch mehrere Muskeln hervor gebracht. Es geschieht in jeder Minute wohl lli mal. Die körperliche Größe ist bei den Menschen verschieden. Das gewöhnliche Maas; fällt zwischen 5 und 6 Fuß. Es gibt jedoch kleinere und größere Me» scheu. Sehr kleine heißen Zwerge. Ein Edelmann ans Polen, Namens Bor lawski, war 28 Pariser Zoll groß, dabei aber stark an Geist, denn er verstand mehrere Sprachen. Ein Bruder von ihm maß 34 Zoll und eine Schwester 2l. Unter den Menschen von außerordentlicher Größe, Niesen genannt, zeichnete sich besonders ein Rheinländer ans, Namens Hans Bau, denn er war 11 rheinlän- dischc Fuß hoch. Auffallend dicke und fette Menschen findet man besonders in England. Eduard Bright ans Wälder in Essex, welcher 1750 in seinem 29. Lebensjahre starb, wog 609 Pfund. Seinen Leichnam konnte man nicht mehr zur Hausthürc hinaustragen. Sieben erwachsene Menschen konnten sich in seine Weste cinknöpfcn. Eben so verschieden ist das Alter der Menschen. Wie die heilige Schrift lins erzählt, stammen alle Menschen von einem Eltcrnpaar ab. Jedoch durch Klima, Nahrungsmittel, Erziehung, Beschäftigung und dgl. sind mehrere Verschiedenheiten entstanden, und man unterscheidet daher fünf Menschenrassen. 1. Die kaukasische oder europäische Nasse zeichnet sich durch hohen schlanken Wuchs, Ebenmaß aller Theilc, regelmäßige Gesichtszüge und weiße Haut farbe ans. Sie ist offenbar die schönste Menschenrasse. Zu ihr gehören alle Europäer, mit Ausnahme der Lappen und Finnen, alle Westasiaten diesseits des Obiflnsses, des Caspischcn Meeres und des Ganges, so wie die Bewohner Nord afrikas. 2. Die mongolische oder asiatische Nasse, mit eckigem Kopf, flachem Gesicht, eingedrückter Nase, kleinen, schicfgeschlitztcn Augen, schlecht geformten Beinen und mit schmntziggelber Hautfarbe. Man rechnet dazu, mit Ausnahme Hinterindicns und der ostindischen Inseln, die Bewohner Asiens, die Lappe» und Finnen in Europa und die Eskimos im nördlichen Amerika. 3. Die äthiopische oder afrikanische Raffe. Ihre Kennzeichen sind: hoher kräftiger Körperbau, an den Seiten eingedrückter Kopf, dicke aufgeworfene Lippen, hervorstehende untere Kinnlade, kurzes wolliges Haar, schwarze oder schwarzbraune Hautfarbe. Ihr Wohnort ist ganz Afrika südlich der großen Wüste. Durch den Sklavenhandel ist diese Nasse auch in Amerika heimisch geworden.4. Die amerikanische oder knpferrothe Rasse, mit breitem Gesicht, tiefliegenden Augen, stumpfer Nase, starken Backenknochen, schlichten Haare», dünnem oft fehlendem Barte und einer kupfcrrothcn Hautfarbe. Diese Rasse hat '» der Körperbildung am meisten Aehnlichkeit mit der kaukasischen. Sic bewohnt das Innere von Amerika; mit dem Vorschreiten der Auswanderung wird sic in dessen immer weiter nach Westen gedrängt und ist offenbar in Abnahme begriffen. 5. Die malayischc oder olivcnbraunc Rasse; dazu gehören die Snd- seeinsnlancr, die Bewohner von Hinterindien und der ostindischen Inseln. Der Körperbau ist ziemlich gut geformt, aber klein, die Nase breit, der Mund groß, die Haare lockig und von schwarzer Farbe, die Haut ist mehr oder minder dunkel olivcnbraun. Die Kinder eines Weißen und einer Negerin heißen Mulatten; die Kinder eines Weißen und einer Amerikanerin Mcstizz en; die in Amerika geborncn Kin der der Europäer heißen Kreolen, und die daselbst geborenen Neger werden Krcolncgcr genannt. Eine merkwürdige, aber wahrscheinlich krankhafte Erscheinung der Natur bilden die stumpfsinnigen Albinos,, Kakerlaken oder Erctinö, mit leichcnsa>bigem Gesichte und rochen Augen. Die Halsdrüsen sind meistens zu einer kropfartigen Geschwulst ausgewachsen. Es hat zu allen Zeiten nicht an Leuten gefehlt, welche höhere und niedere Menschenrassen annahmcn, ja sogar einzelne wilde Bölkerstämme als Ucbergänge von dem Affen - zum Menschengeschlecht ansahen. Eine solche Auffassung aber widerspricht der heiligen Schrift und auch der gesunden Vernunft. Lassen wir hier noch Alexander von Humboldt sprechen: „Indem wir die Einheit des Menschengeschlechts behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme v°n höheren und niederen Menschenrassen. Es gibt bildsamere, höher gebildete, durch geistige Enltnr veredelte, aber keine edleren Volksstämme. Alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt; zur Freiheit, welche in roheren Zuständen dein Einzelnen, in dem Staatcnlebcn bei dem Genuß politischer Institutionen der Gesammtheit als Berechtigung znkommt. Wenn wir eine Idee bezeichnen wollen, die durch die ganze Geschichte hindurch in immer mehr erweiterter Geltung sichtbar ist, wenn irgend eine die vielfach bestrittene, aber noch vielfacher miß verstandene Vervollkommnung des ganzen Geschlechts beweist, so ist cs die Idee der Menschlichkeit: das Bestreben, die Grenze, welche Vorurtheile und einseitige Ansichten aller Art feindselig zwischen die Menschen gestellt, aufzuhebcn. und die gesannntc Menschheit, ohne Rücksicht auf Religion, Nation und Farbe, als Einen gvopcn, nahe verbrüderten Stamm, als ein zur Erreichung Eines Zweckes, der freien Entwicklnng innerlicher Kraft, bestehendes Ganze zu behandeln." (Kosmos I. Seite 38-'>.)14 Zweite Brdnung. Vierhänder. Die Vierhänder nähern sich zwar in Hinsicht der äußern Gestalt dem Men schen am,meisten, aber cS finden sich doch bedeutende Verschiedenheiten von dem Bane des menschlichen Körpers. Sic haben auch an den Hinterfüßen freie Dau men, also 4 Hände. Die Arme sind lang, die Finger lang und biegsam. Nur mit Mühe können sie aufrecht gehen. Ihre Angen sind nach vorne gerichtet. Durch die sich allmälig verlängernde Schnauze, durch den Schwanz, den die meisten haben, durch den Gang ans vier Füßen, durch den ganz behaarten Körper unterscheiden sie sich wesentlich von der menschlichen Gestalt. Ueberdics fehlt ihnen Vernunft und Sprache gänzlich. Die Affen. Sic leben in großen Schaaren in den Waldungen der heißen Zone. Der Kopf dieser Thiere läßt sich nur in der Jugend mit dem des Menschen vergleichen, allein er hat fast gar keine Stirn, ist länglich und mit einer Schnauze versehen. Ihre nach vorne gerichteten Augen stehen nahe zusammen und haben einen klugen, aber tückischen Ansdruck. Die Ohren sind denen der Menschen ähnlich, die Lippen dünn und bedecken kaum die Zähne, daher sic leicht die Zähne fletschen. Die Vorder- wie die Hinterfüße, sind mit einem den Fingern entgegengesetzten Daumen versehen. Die Hinterfüße sind den Händen ähnlich und machen sie sehr geschickt im Klettern, worin sic fast alle Thiere übcrtrcffcn. Diese Bildung macht cs auch, daß sic die Hinterfüße gleich den Händen gebrauchen, so daß sie einen hin geworfenen Apfel eben so geschickt mit den Hinterfüßen, als mit den Händen auffangen. Aber gerade diese scheinbare Vollkommenheit macht sic auch unfähig, beständig aufrecht zu gehen, was sie nur gezwungen und ungern thun. Wenn man ihnen die Hände ans den Rücken bindet, so kann man sic leicht zwingen, aufrecht zu gehen. Ihrer Natur nach sind sie sehr gewandt, neugierig, listig, diebisch, unreinlich, neidisch, heimtückisch und unverträglich mit andern Thieren. Wenn ein fremdes Thier in den von ihnen bewohnten Wald kommt, so treibe» sie cs mit Prügeln fort, und selbst der Elephant wird nicht verschont, denn sobald er sich naht, klet tern sic mit Steinen bepackt ans die Bäume und begrüßen ihn mit einem tüch tigen Steinregcn. Werden sie nicht gereizt, so greifen sic den Menschen nur selten an; aber in Wuth gebracht, schlagen sic mit Knitteln und werfen mit Steinen so derbe um sich, daß selbst der stärkste Neger sich glücklich schützen kann, lebendig aus dem Zweikampfe mit einem Affen zu kommen. Vor Feucrgewehrcn scheuen sie sich sehr, und die größte Schaar kann man oft mit einem ans sic ab gebrannten Pistol in die Flucht treiben.Jung eingefangen werden sic alle zahm; allein im Alter verwildern sie wieder und werden mürrisch, tückisch, still, verdrießlich und oft gefährlich. Außer ordentliche Geschicklichkeit besitzen sic, das, was man ihnen Vormacht, nachzumachen. Ohne große Mühe lernt der Affe Gläser schwenken, Zimmer reinigen, Thürcn offnen und verschließen, sich putzen, auf dem Seile, tanzen, trommeln, mit dem Gewehre Schildwache stehen und dergleichen mehr. Diesen Nachahmungstrieb wissen die Bewohner der Gegenden, wo Affen leben, recht gut zu benutzen, um sich Kokosnüsse, Pfeffer und andere Früchte von ihnen abpflücken zu lassen. Nämlich vor den ans benachbarten Bäumen sitzenden Affen steigt Jemand ans den Baum, dessen Früchte cingesammelt werde» sollen und wirft ein Körbchen voll hinab, die ein Anderer anflics't und auf einen Hansen zusammenträgt. Ist dieses einige Male geschehen, so verlassen die Menschen ihr Geschäft, und kaum haben sic sich entfernt, so eilen sogleich die Assen, die neugierig zugcsehcn haben, herbei, »m cs fortzusetzen. Einige pflücken die Früchte ab, andere lesen sie zusammen und der Mensch hat dabei weiter nichts zu thnn, als die Früchte zuletzt nach Hause zu bringen. Eben dieser Nachahmungstrieb wird ihnen aber auch ver derblich und erleichtert ihr Einsangen und Tödten. In dieser Absicht wäscht sich der Jäger unter einem Baume, wo Affen sitzen, mit Wasser. Er weil; schon, daß sie vom Baume herab alle seine Bewegungen sehen und bald nachmachen werden. Deswegen läßt er eine Schüssel voll Leimwasser stehen. Kaum ist er fort, so steigen die Affen von dem Baume herab, um sich ebenfalls das Gesicht zu waschen; verkleistern sich aber mit dein Leim so die Augen, daß sic nicht mehr sehen können, und mit den klebrigen Fingern bleiben sie überall hängen, so dag sie ohne Mühe cingefangcn werden. Oder zieht man vor ihren Augen die Schuhe einige Male ans und an und läßt dann an deren Stelle ein Paar andere, mit Pech, Leim oder Harz bestrichen, stehen: so kommen die Affen bald hcrbeigceilt, ziehen dieselben an und werden, da sic am Klettern und Laufen gehindert sind, ahne weitere Umstände zu Gefangenen gemacht. Ja ihre Nachahmungssncht geht so weit, daß sic sich, wenn sie einen Jäger mit dem Mücken eines scharfen Messers die Kehle streichen sehen, mit dem zurückgclassencn Messer die Gurgel in ihrer Dummheit abscheiden. Die Indianer haben ein sonderbares Mittel, sich mcf Kosten der Affen lustig zu machen. Sic nehmen mehrere Körbe mit Reis gefüllt und stellen sic in eine offene Gegend, nicht weit von dem Aufenthaltsort der Affen, hin; legen neben jeden Korb einige Knittel und ziehen sich dann in ihr Versteck zurück, um den Ansgang der Sache abznwartcn. In großen Schaarcn kommen nun die Affen herbei, und nachdem sic eine Zeit lang sich an- und nmgesehen haben, wagen sic ^ endlich, sich den Körben zu nähern. Die Weibchen, die in der Regel beherzter sind als die Männchen, springen zuerst heran. Stecken sic nun ihre Köpfe in die Körbe, um zu fressen, so kommen auch die Männchen, sie daran zu hindern. Sogleich rückt eine andere Partei vor, die Kämpfer greifen nach den da liegenden16 Knitteln und es entsteht ein hitziges Gefecht, das sich mit der Flucht der schwächsten Partei endigt; worauf sich dann die Sieger die Beute friedlich theilcn. Kainpflustig sind die Affen überhaupt, wenn viele znsaniincn sind, und es ist für den Menschen dann gefährlich, sie zu beleidigen. So reiste einmal der berühmte Reisende Tavernicr in Ostindien mit dein englischen Präsidenten. In einer waldigen Gegend sahen sie ringsumher auf allen Bäumen Affen. Der Präsident befahl seinem Kutscher, zu halten und bat seinen Reisegefährten Tavernicr, ihm einen zu schießen. Allein die Bedienten, welche Eingeborene waren und die damit verknüpfte Gefahr kannten, ricthen, solches Wagestück zu unterlassen. Der Präsident bcharrte jedoch bei seinem Wunsche und Tavernicr schoß ein Weibchen, das zwischen den Zweigen hängen blieb und seine Jungen, die ihm am Halse hingen, auf die Erde fallen ließ. Sogleich sprangen die Affen, mehr als 60 an der Zahl, von den Bäumen herunter und schwangen sich die Kutsche des Präsi denten hinauf und würden ihn erwürgt haben, wenn man nicht in aller Eile die Wagcnblcndcn hcrabgelassen hatte und die Zahl der Bedienten nicht so bedeutend gewesen wäre. Mit Mühe trieb man sie vom Wagen hinweg, und drei Meilen verfolgten sic ihren Feind. Die Affen bringen in der Regel nur ein Junges zur Welt, das sic außer ordentlich lieben, so daß ihre Liebe zum Sprichwortc geworden ist. Die Mutter trägt cs, wie ein Kind, in den Armen, nimmt cs auf ihren Schooß, liebkoset, küßt und streichelt cs, wiegt es hin und her und erdrückt cs oft vor übergroßer Zärtlichkeit. Alan kann nichts Komischeres sehen, als wenn Vater und Mutter sich um den Besitz des Säuglings zerren, der, hat ihn die Mutter an den Armen und der Vater an den Füßen, erbärmlich in die Länge gezogen wird. Ihre Hcimath ist die heiße oder Palmcnzonc von Asien, Afrika und Amerika. Der letzte Wclttheil ernährt wohl die Hälfte der Anzahl von Arten, die man kennt. Australien und Europa besitzen keine. Unter den verschiedenen Arten von Affen steht oben an: Der Orang-Utang. (Tas. I. Flg. 1.) Das Wort Orang - Utang ist ein malayischcs. Orang bedeutet ein vernünf tiges Wesen, und Utang heißt Wild oder Wald, daher die Reisenden das Wort mit „Wald men sch" übersetzt haben. Der Orang-Utang ist in seinem Aussehen dem Menschen auffallend ähnlich, ausgewachsen lvohl 5 Fuß hoch. Er ist mit groben zottigen, rothbrauncn Haaren bedeckt. Die Farbe der nackten Thcilc, als Gesicht und die inneren Handflächen, ist knpfcrroth. Die Stirn ist sehr hoch, nach oben hin schmal und nimmt fast die Hälfte des Gesichts ein. Die Lippen besitzen eine große Beweglichkeit und können sich sehr weit ansdchncn. Das Haar ist am Scheitel aufwärts, an den übrigen Theilen abwärts gerichtet, mit Ausnahme der Vorderarme, >vo cs, >vie beim Menschen, aufwärts gerichtet ist; an den Backen hat er einen starken Bart.17 Seine Arme jytb sehr lang, so daß sie bei aufrechter Stellung die Eide erreichen können. Sein Vaterland ist die Insel Borneo, wo er sich in Wäldern aufhält und auf den Bäumen wohnt, oder sich eine Hütte baut. Er geht meist aufrecht und führt gewöhnlich einen Prügel in der Hand, mit welchem er tapfer um sich schlägt. Der stärkste Mann wird von ihm niedergeworfen; wird er aber nicht beleidigt, so beweist er sich auch nicht feindselig. Jung gefangen und gezähmt, läßt er sich zu allerlei Hausgeschäften abrichten. Er lernt aufwarten, Wasser holen, den Bratenwender drehen, Gläser oder Teller rein machen, Stühle setzen; gewöhnt sich auch, in einem Bette zu schlafen, sich dasselbe täglich zuzuberciten. Der Dr. Abel brachte einen Orang-Utang von Java mit nach England, 2 Fuß 7 Zoll groß. Er hatte bis dahin völlige Freiheit genossen; aber ciiiigc Tage vor der Einschiffung sperrte man ihii in einen Käfig aus Bambusrohr. Er wurde zornig, faßte mit seinen Händen die Nicgcl, rüttelte sic heftig und bemühte sich, sic zu zerbrechen. Da er aber fand, daß sie zu stark waren, so versuchte er seine Stärke an einzelnen so lange, bis er einen zerbrach, worauf er entfloh. Er wurde wieder ergriffen und angckettet; allein er riß sich bald aber mals los und lief mit der nachschlcppcndcn Kette davon. Da ihm dieses unbc- gucm war, legte er sie zusammen und warf sie über die Schulter. Nach rnch- reren fruchtlosen Versuchen, ihn fester zu ketten, gestattete man ihm, frei auf dem Schiffe umherzugehcn. Er wurde bald mit beit Matrosen vertraut und über traf sic sogar bald an Behendigkeit. Sic jagten ihn oft im Tauwerk umher. Bei dem ersten Angriffe suchte er seinen Verfolgern durch bloße Geschwindigkeit zu entwischen, ließen sie nicht ab, so ergriff er ein Tan und schwang sich in die Höhe. Zu andern Zeiten wartete er ruhig auf den Leitern oder aus dem Mosi- baum, bis seine Verfolger ihm ganz nahe gekommen waren, worauf er sich schnell miss Verdeck hinunterließ. In Java, erzählt Dr. Abel, hatte er nicht weit von meiner Wohnung einen großen Tamarindenbaum eingenommen. Dort machte er sich ein Bett aus kleinen Zweigen mit Blättern belegt. Den Tag über lag er mit hcrübcrhängendem Haupte auf seinem Bette, und kam Jemand mit Früchten vorüber, so kam er sogleich herunter, um sein Thcil zu empfangen. Mit Unter gang der Sonne ging er regelmäßig zur Ruhe, stand wieder mit der Sonne ans und machte seine Morgcnbesnchc bei denjenigen, von welchen er Früchte zu empfangen hoffte. Auf dem Schiffe entfernte er sorgfältig jeden Gegenstand aus seinem Bette, der dieses uneben hätte machen können; spreitete ein Segeltuch ans und zog es über sich zusammen. Fand er Jemand in seinem Bette, so zerrte er sv lange, bis ihm Platz gemacht wurde, war aber noch eine freie Stelle da, so legte er sich neben dem Menschen ruhig nieder. Wenn er kein Segeltuch fand, so stahl er entweder eine Matrosenjacke oder er entwendete eine Decke aus einer Hängcnmtte. Vom Kap der guten Hoffnung an erduldete er viel von der kalten Witterung, besonders des Morgens früh. Wenn er aus dem Mastkorbe, seiner gewöhnlichen Schlafstättc, herabsticg, zitterte er an allen Gliedern vor Frost, v rumer's Naturgeschichte Z18 rannte aber schnell ans einen seiner Freunde los und klammerte sich fest an ihn, um sich zu erwärme». Auf dem Schiffe liebte er besonders Thee und Kaffee, trank aber auch gern Wein und stahl oft die Branntweinflasche seines Herrn. Manchmal befestigte dieser eine Orange an dem Ende eines Seils und ließ sie aus das Verdeck, wo der Orang-Utang saß, hinab. Sobald er sic nehmen wollte, zog sein Herr das Seil schnell hinauf. Nun änderte er gewöhnlich seinen An griffsplan. Er that, als bekümmere er sich wenig um die Orange, ging ein Stück weit weg, schaukelte sich ganz ruhig und suchte dann das Seil durch einen schnellen, großen Sprung zn erhaschen. Ward das lockende Seil wider sein Erwarten ans die Seite gezogen, so schien er zuerst in Bcrzivciflung zu gerathen, und rann mit gewaltigem Geschrei hin und her. Aber nach Kurzem kam er wieder, ergriff das Seil und ließ cs so lange durch seine Hand gehen, bis er die Orange ergreifen konnte. Er hatte durchaus keine Neigung, Possen zu reißen und Fratzen zu machen, wie die übrigen Affen, er war vielmehr ernst mit einem Gemisch von Sanftmuth und Schwermuth. Wenn er unter Fremde kam, so saß er stundenlang, den Kopf ans seine Hand gestützt, da, und betrachtete alle, die um ihn herumstanden, oder er verbarg sich unter einer Decke, die in der Nähe war, wenn ihm die Musterung lästig wurde. Er lernte bald mit dem Löffel essen und man sah ihn öfters, Kaffee trinkend, mit stolzer Miene an der Kajütcn- thüre sitzen. Wenn keiner der Matrosen sich mit ihm beschäftigte, so war er auch gegen andere Affen zutraulich; er mußte jedoch unbeobachtet sein, weil er sie sonst links liegen ließ und sich der schlechten Gesellschaft zu schämen schien. Vor Schildkröten hatte er den größten Abscheu und der Anblick derselben konnte ihn auf die höchsten Taue jagen. Allein nicht bloß gegen Menschen und Affen zeigte er Anhänglichkeit, sondern selbst zwei junge Katzen liebte er so sehr, daß er öfters eine auf seinen Kopf setzte; und als diese mit ihren Krallen in seine Haut sich fcstklammcrtc, ertrug er geduldig die Schmerzen, untersuchte aber später ihre Pfoten und als er die Krallen entdeckte, wollte er sic ausreißcn. Daö Verlangen, etwas auf dem Kopfe zu haben, äußerte er auch bei anderen Gelegenheiten, denn er bestreute sich öfters den Kopf mit Papierschnitzeln, Asche, Erde und an deren Dingen. Einige Stämme der Dajaks sind große Liebhaber dcö Affenfleisches und machen deshalb fleißig Jagd auf die Orang-Utangs; da diese aber durch solche Verfolgungen aus den bevölkerten Theilen der Insel, vertrieben sind, so sind die Jäger genöthigt, sic in der Wilduiß aufzusucheu. Die Eingeborenen bedienen sich zu dieser Jagd hölzerner Blasröhren, aus welchen sic mit großer Geschicklichkeit vergiftete Pfeile ans den Orang-Utang in einer Entfernung von 30 Schritten abschießen. Ist ein Affe getroffen und bringt das schnell wirkende Gift ihn zum Falle, so ist die erste Sorge, die vergiftete Stelle des Fleisches wegzuschncide». Wo Flinten im Gebrauch sind, bedient man sich natürlich dieser Waffe. Das Fett, welches besonders in ausgewachsenen Männchen in ziemlicher Menge19 gefunden wird, schneiden die Dajaks aus, um cs zum Küchcngcbranch aufzu bewahren, das Fleisch verzehren sic frisch oder getrocknet, und aus dem Fell ver fertigen sie Jacken ohne Acrmcl, oder auch Mützen, die sie sowohl ,,, Kncgs- zügen tragen, um sich ein fürchterliches Ansehen zu geben, als auch bei Fc,tl,ch- keiten zur Vermummung gebrauchen. Das Fleisch ist wer,; un ^ za, , a ein hat einen süßlichen Geruch und Geschmack, welcher dem Europäer den größten Ekel erregt. Der Schimpanse oder afrikanische Waldmcnsch erreicht eine Höhe von 5 Fuß. Er ist mit langen, groben, schwarzen oder dunkelbraunen Haaren bedeckt. Das Gesicht ist braun. Stirn hat er keine und der Kopf läuft hinter den starken Angenbraunen sogleich nach hinten. Seine Arme sind nicht so lang als heim Orang-Utang und reichen nur bis zum Knie. Sein Vaterland ist Eongo und Guinea, wo er in Truppen lebt und jeglichen Angriff nnt Stocken und Steinen tapfer zurückschlägt. Er ist auch mehr als der Orang-Utang zum auf rechten Gang geschaffen. Der berühmte Naturforscher Buffon besä,; einen Schimpansen, der fast immer aufrecht ging, selbst wenn er schwere Lasten trug. Ein Wort, ein bloßes Zeichen reichte hin, um von ihm allerlei Dienste geleistet zu haben. Den Personen, die ihn besuchten, reichte er die Hand, sic zu bewill kommnen und ging ganz ernsthaft mit ihnen spazieren. Er setzte sich ordent, ) an den Tisch, faltete die Serviette auseinander, wischte sich den Mund mit derselben ab, bediente sich des Löffels oder der Gabel, goß sein Getränk in ein Glas und stieß auf Verlangen dmnit an. Auch holte er Wasser herbei, schenkte Thee ein und ließ ihn gehörig abkühlen, um ihn zu trinken. Zu einer Dame hatte er eine solche Zuneigung gefaßt, daß er einen Stock nahm, wenn Jemand sich ihr näherte und tüchtig darauf loöschlug. Nur sein Herr konnte ihn dann beherrschen und der Prügelei ein Ende machen. — Ans einem englischen Schiffe war ein Paar, ein Männchen und ein Weibchen. Beide setzten sich mit an den Tisch und wenn sic etwas nöthig hatten, gaben sic den Schiffsjungen ein Zeichen, cs ihnen zu reichen. Gehorchten diese nicht, so fielen sic über die Knaben he,, prügelten sie durch und warfen sie zu Boden. Späterhin wurde das Männchen krank und cs wurde ihm zweimal an, rechten Arm zur Ader gelassen. So ^oft cs sich nachher nicht wohl befand, hielt es den Arm hin und zeigte ans die stelle, wo es früher zur Ader gelassen war, um anzndcuten, dieses Mittel ,vicdc, anzuwenden. Der-Gibbon ist so groß als der Orang-Utang und hat alle Kennzeichen desselben an sich. Seine Hcimath ist Indien, wo er trupp- oder paarweise lebt und bei Sonnenauf- und Untergang mit seinem furchtbaren Geheul die Wildnisse erfüllet. Er ist träg und unbeholfen, und jedesmal verloren, wenn er auf ebene, Erde überrascht wird. Er ist jedoch äußerst vorsichtig und hört bis ans weite Entfernung jegliche Gefahr herannahen; worauf er denn so schnell, als cs ihm möglich, entflieht. 2 *20 Der gemeine Affe, der von Bären- und Kameelführern häufig bei uns umhergeführt wird, ist ganz hellgraubraun oder gelblichgrau behaart und in ganz Nordafrika zu finden. Er läßt sich ohne große Schwierigkeit zähmen und zu allerlei Künsten abrichten. Uebrigcns ist er ein großer Räuber und geht mit seinen Kameraden oft ans Plünderungen aus. Eine große Menge kommt in der Absicht zusammen, einen Garten oder ein Feld zu berauben. Einen ans ihrer Mitte schicken sie als Kundschafter aus, um nachzusehen, ob ihnen auch irgend woher Gefahr drohe.' Ist diese nicht da, so gibt er ein Zeichen und sogleich bricht die ganze Schaar ans ihren Schlupfwinkeln hervor und fällt über die Obstgärten und Getreidefelder her, wobei meistens mehr verwüstet als verzehrt wird. Sobald sich jedoch Gefahr blicken läßt, gibt die ausgestellte Schildwachc mit lautem Geschrei ein Zeichen und mit der größten Schnelligkeit ziehen sich alle in ihre Schlupfwinkel zurück. Um sich gegen große Raubthiere zu vertheidigen, suchen sic denselben Sand in die Angen zu werfen. Lebendig fängt man sie da durch, daß man Gefäße mit süßen, berauschenden Getränken in die Nähe ihres Aufenthalts hinstcllt. Haben sic tüchtig getrunken und sich berauscht, so fallen sie alsbald in einen tiefen Schlaf und werden dann ohne Mühe gefangen. Die Paviane (Taf. I. Fig. 2) werden in den heißen Gegenden von Afrika und Asien angetroffen. Sic haben alle Schwänze, einen nackten rothen Hintern und ein längliches Gesicht, und er reichen meist die Größe eines Wolfes. Sic haben unter allen Thicren die hef tigsten Leidenschaften, welche sich am stärksten in der Gefangenschaft äußern. So waren in einer Menagerie zu Paris zwei von diesen Thicren. Das Weibchen hielt sich ruhig, aber das Männchen wurde wieder wild. Es gelang ihm eines Tages, aus seinem Käfig zu entwischen und der Wärter beging die Unvorsichtigkeit, mit dein Stocke zu drohen, um ihn wieder in sein Gefüngniß hineinzujagen. Aber kaum bemerkte es dieses, so sprang cs ans seinen Feind los und verwundete ihn gefährlich. Man konnte es nicht anders in den Käfig znrückbringen, als durch List, welche überhaupt bei diesen Thicren von dem besten Erfolge ist. Der Wärter hatte eine Tochter, die cs oft fütterte und zu der cs eine besondere Zu neigung hatte. Diese stellte sich an den durchsichtigen Rücken des Käfigs und ein Mann that, als schmeichelte er ihr; kaum sah dieses der Pavian, so stürzte er durch den Käfig mit fürchterlichem Geschrei auf den Mann los, der seine Eifersucht erregt hatte und wurde ans diese Weise überlistet, indem man sogleich den Käfig schloß. — In ihrer Jugend lassen sich die Paviane zu allerlei Dünsten abrichten, allein im Alter werden sic ungehorsam, böse und wild. Einer der merkwürdigsten Paviane ist der Man drill oder Waldteufel. Der Kopf gleicht einem Hunde- oder Schwcinökopf; die Backen sind blau, die Nase fcncrroth mit einem himmelblauen Streifen in der Mitte. Auf dem Kopse hat er einen starken Haarbüschel. Er erreicht aufrecht stehend eine Höhe21 von 4 Fuß. In seinen Armen hat er eine unbändige Stärke und vier Männer können ihn kaum überwältigen. Die einzige gute Eigenschaft, die er cm sc ) 1 , ist die, daß er reinlich ist. Er wohnt in Guinea und ans der Goldku,tc. Die M e e r l a h e n. Die Meerkatzen sind nur in Südamerika zu finden, wo sie m zahlreichen Truppen leben und in Gärten und ans Feldern oft große Verwüstungen anrlchten. Sie sind meist sehr klein und gleichen einer Katze. Sie haben alle angc Schwänze und hängen sich damit an die Aeste der Bäume, wiegen jt ) M her und schleudern sich Plötzlich mit einem gewaltigen Schwünge bis auf einen andern Baum. . , . Eins der niedlichsten Mccrkätzchcn ist der Saguin, nicht großer als cm Eichhorn und oft so klein, daß er in eine Kokosschalc schlüpfen und darin schlafen kann. Bon derselben Größe ist der Löwenaffe, ungefähr 7 bis 8 Zoll groß. Es ist ein munteres Thierchen, wird aber auch zuweilen sehr zornig, wobei nch seine langen Halshaarc anfstränben, so daß cs anssieht, wie ein afrikanischer 1 öwc. Daher cs auch seinen Namen hat. . Der Caz ist eben so munter und lebhaft. Er ist ungefähr 17 Zoll groß und hat einen langen Schwanz von 14 Zoll. Der obere Thcil seines Kopfes ist schwarz, der untere weiß gezeichnet, eben so das Gesicht, die Kehle und die Füße. An den übrigen Theilen des Körpers ist er braun. Er ist sehr ernsthaft und habsüchtig, und diese seine Habsucht benutzt man, um ihn zu fangen. Der Jäger macht nämlich in einen Kürbiß ein Loch von einem Zoll im Durchmessei, füllt ihn mit Mais und hängt ihn an einen Baum. Bemerken die Affen den Kürbiß, so kommen sic sogleich herbei und so wie einer die dniin befindlichen Maiskörner sicht, steckt er seine Hand durch die kleine Oeffnung, um sie hcranö- znnehmen. In diesem Augenblicke tritt der Jäger ans seinem Hinterhalte hervor und bemächtigt sich des Assen, der sich eher fangen läßt, als daß er die Hand öffnete und den Mais fahren ließe. — Eben so ist er sehr herrschsüchtig und kleine Thicrc hängen ganz von seinem Willen ab. Wird er mit einem Hunde zusammengebunoen, so macht er sogleich den Reiter und weiß ihn ganz vortrefflich zum Gehen oder zum Stehen zu bringen. Nebrigens ist er ungelehrig und läßt sich wohl durch Gewalt von diesem oder jenem abhalten, aber nie dazu zwingen. Der Mali. (Taf. I. Fig. 3.) Es gibt der Maki ungefähr 13 Gattungen. Sic sind den Mecikatzen so ähnlich, daß sic mit Recht gleich nach ihnen gesetzt werden; in andern Stücken gleichen sic jedoch den Faulthieren. Ihre Schnauze gleicht der eines Fuchses, der Schwanz ist sehr lang und haarig und der Körper mit weichen, wolligen Haaren bedeckt. Ihr Vaterland ist besonders Bengalen und die Insel Ceylon. Sie schlafen fast den ganzen Tag hindurch in zusammengerollter Lage. Sie sind22 auf der Erde sehr langsam, allein ans den Bäumen so schnell, daß das Auge Mühe hat, sie zu verfolgen. Der merkwürdigste unter allen Gattungen ist der fliegende Maki (Taf. I. Fig. 4). Er hat, wie unsere Fledermäuse, zwischen den Beinen eine dünne Haut, welche ausgespannt dazu dient, daß das Thier von einem Baume zum andern, eine beträchtliche Strecke, springen kann. Er ist aber nicht im Stande, die Luft zu durchfliegen und seine Flughaut hält bloß den Fall auf. Er ist drei Fuß lang und auf dem Rücken weißgrau mit schwarzen Linien. Dritte Drdnung. Raubthiere. Die Ordnung der Raubthiere ist besonders stark vertreten und es finden sich ihre Mitglieder, je nach ihrer Art, in allen Zonen verbreitet. Das gemeinsame Kennzeichen sind die mit Krallen bewachsenen Zehen und das Borhandcnscin aller drei Arten von Zähnen. Ihre Nahrung nehmen sic ans dem Thierreiche, und zwar diejenigen ausschließlich, welche schneidende Backenzähne haben; diejenigen, deren Backenzähne mit Höckern versehen sind, nähren sich auch ans dem Pflanzen reiche, und diejenigen endlich, welche kugelförmige Backenzähne besitzen, suchen ihre Nahrung in der Jnsektcnwelt. Weil diese Ordnung so umfangreich ist, so hat man sic in Unterabtheilnngen gebracht, und zwar nach Beschaffenheit ihrer eigen- thümlichen Fußbildnng und thcilweise nach ihrer Nahrung. Demnach unter scheidet man: I. Handflügler; Vorder- und Hinterfüße sind durch Flughäute verbunden, wie auch die scharfen Zehen; sic haben vier große Eckzähne, kegelförmige Backenzähne und eine unbestimmte Zahl von Schncidezähncn. II. Insektenfresser; nehmen vorzugsweise ihre Nahrung aus der Jnsekten- wclt, haben kurze Füße, lvclchc zur schnellen Bewegung untauglich sind; die Backenzähne sind mit kegelförmigen Spitzen versehen. III. Reißende Thiere. Sie bilden die eigentlich fleischfressende Ordnung der Raubthiere; alle haben vier starke Eckzähne, in jeder Kinnlade sechs scharfe Schneidezähne und dreierlei Backenzähne. Sic treten 1) mit der ganzen Sohle auf und heißen dann Sohlengänger; oder 2) mit den Zehen, und werden Zehengänger genannt. I. Handflügler. Fledermäuse. Zu den Handflüglern gehören alle diejenigen Raubthiere, die eine an den Seiten des Halses beginnende und sich zwischen den Zehen und den vier Füßen23 verbreitende Hautfalte (Flughaut) besitzen, die geeignet ist, sie in der Luft schwe bend zu erhalten, oder ihnen zu fliegen oder zu flattern gestattet. Zn ihnen rechnen wir . die Fledermäuse. Die Fledermäuse sind sehr häßliche Thiere, von welchen cs mehr als 25 Gat tungen gibt. Sic haben ein großes, weites Maul, kleine, aber lebhafte Augen. Ihre Vorder- und Hinterfüße sind durch eine sehr dünne, durchsichtige Haut ver bunden, die sic wie Flügel ausspanncn und zum Fliegen gebrauchen können. Ihr Flug ist äußerst rasch, gewandt und sicher, und übertrifft sogar die schnellen Schwalben, welche der Baumfalke öfters fängt, was ihm dagegen, wie allen Raubvögeln, bei den Fledermäusen höchst selten gelingt. Sie halten sich in Fels spalten, hohlen Bäumen und in den Schlupfwinkeln der Häuser auf, namentlich auf Kirchböden. Erst in der Abenddämmerung kommen sie hervor; den Tag über ruhen sie, indem sic sich mit den Hinterbeinen aufhängen. — Die meisten nähren sich von fliegenden Insekten. Bei dem Fang großer Käfer und Schinetterlinge lassen sic die Flügeldecken und Beine fallen. Sic haben einen außerordentlichen Appetit und eine Fledermaus kann oft 13 Maikäfer nach einander fressen. Es geht hieraus hervor, wie höchst nützlich diese Thiere sind und daß es ein unver zeihlicher Muthwille ist, wenn sic bei dem Aufbau alter Gebäude in großer Zahl erschlagen und oft grausamer Weise gemartert werden. Daß sie Speck in den Rauchkammern annagen, wird ihnen fälschlich zur Last gelegt, das thun nur Ratten und Mäuse, die sehr gut klettern und deren Zähne man im Speck bemerken kann. Sic bekommen nur 1, selten 2 Junge, die sich an die Mutter ansäckeln, und fast zehn Wochen von ihr getragen werden, bis sie erwachsen sind. Gegen den Winter fallen sie in einen tiefen Schlaf, in welchem sic kein Lebenszeichen von sich geben; doch wachen sie auf, wenn man sic nach und nach in die Wärme bringt. Auch zu große Kälte weckt einzelne aus und werden dann gewöhnlich ein Opfer derselben. Ihr Aufenthalt ist daher meist sehr warm gelegen, da sie selbst un Sommer sehr frostig sind. Katzen, Wiesel und Eulen sind ihre gefährlichsten Feinde. Will man sic angreifen, so sperren sie ihren großen Mund drohend auf, und schlagen auch wohl mit ihren spitzigen Zähnen ein, ohne jedoch sonderlich zu verwunden. Einige große ostindische Fledermäuse dienen den Eingeborenen zu einem Leckerbissen und ihr Geschmack soll wie der der Feldhühner sein. Unter den verschiedenen Gattungen von Fledermäusen ist besonders merkwürdig der Baiupyr oder Blutsauger. (Taf. i. Fig. 5.) Er sieht unserer gemeinen Fledermaus fast gleich, nur daß er viel größer, nämlich g Zoll lang ist, und einen Hundstopf hat. Auf der Nasenspitze steht cm knorpelartiges aufrechtes Blatt, welches wie ein Trichter zusammengerollt ist. Diese Fledermaus nährt sich nicht so ganz, wie die übrigen, von Insekten, sondern24 fliegt des Abends auf die Schlafzimmer der Menschen und in die Viehställe. Sic beißt den Schlafenden in einen Zehen oder in einen andern entblößten Thcil, und erwartet dann, ob er erwacht. Ist dieses nicht der Fall, so fängt er an Blut auszusaugen, indem er mit seinen großen Flügeln liebliche Kühle znfächclt. Oft kommen auch, wenn eine Ader geöffnet ist, mehrere solcher Thiere herbei, um ebenfalls an dem Blute sich zu laben. Gewöhnlich erfolgen bei dem Menschen dann Ohnmächten, Erschöpfung oder gefährliche Entzündungen. Der Vampyr findet sich in Brasilien, Peru und andern warmen Ländern Südamerikas. Die größte Art dieser Fledermäuse nennt man den fliegenden Hund, weil sein rother Kopf dem eines Hundes gleicht. Man trifft ihn besonders in Ostindien an, in Afrika, Neuholland und auf vielen Inseln des Südmeers. Manche haben die Größe der Katzen, andere die der Ratten. Sie leben nicht allein vom Blute der Menschen und der Thiere, sondern nähren sich auch mit Baumfrüchten, Vogcleicrn u. dgl. II. Die Insektenfresser. Es gehören dazu alle Raubthiere, deren Nahrung vorzugsweise in Insekten besteht und die keine Flughaut haben, wie die Fledermäuse. Sie haben Backen zähne mit kegelförmigen Spitzen, theils große abstehende Eckzähne, zwischen welchen sich kleinere Schncidczähnc befinden; theils- lange, nach vorn gerichtete Schneidc- zähne, auf welche kleinere folgen. Ihre Füße sind kurz und daher nicht geschickt, sich schnell zu bewegen. 1. Der Igel. Der Igel ist leicht zu erkennen an seinem mit dünnen Stacheln stark bcpan- zerten Rücken. Er hat eine Länge von 10 bis 12 Zoll, die Stacheln sind weiß nnt braunen oder schwarzen Ringen. Der Unterleib hat völliges Haar; die Beine sind röthlich gelb und die Füße schwarz. Er ist ein dummes, furchtsames und träges Thier und kugelt sich bei dem geringsten Geräusch zusammen. Man findet ihn fast in ganz Europa; er hält sich am liebste» in Lanbhölzcrn, Hecken und unter Baumwurzeln auf und besucht von seinem Lager aus bei Nachtzeit die nahe gelegenen Obstgärten und Weinberge. Seine Nahrung besteht in Mäusen, kleinen Vögeln und Insekten; Früchte und Obst genießt er nur dann, wenn cs ihm an Fleisch fehlt. In diesem Falle magert er aber in kurzer Zeit sehr ab. Merk würdig ist, daß er hunderte von spanischen Fliegen frißt, ohne daß sie ihm schaden, >vo doch der Genuß einer einzigen bei Katzen und Hunden die furchtbarsten Schmerzen verursacht. Selbst Blausäure, Opium, Arsenik tobte» ihn nicht, und die giftige Kreuzotter ist ein Leckerbissen für ihn. Trotz aller der Wunden, die er oft von diesem Thiere an Ohren, Lippen oder ans der Zunge erhält undworan alk übrigen Thiere und Menschen sterben, erhält er nicht die geringste Geschwulst. Gegen einen Feind, der sich ihm naht, vertheidigt er sich nicht, sondern er rollt sich zusammen, so daß er wie eine stachlichc Kugel aussicht. Kein Schmerz bringt ihn dahin, sich aufzurollen; nur mit Wasser, womit man ihn reichlich an der Bauchseite begießen muß, kann man ihn dazu zwingen. Dieses Mittel gebraucht auch der Fuchs, der sein gefährlichster Feind ist und ihn durch Begießen nöthigt, sich aufzurollen, worauf er ihn beim Kopf packt und verzehrt. Bei cintretendcm Froste fällt er in Schlaf, der vom November bis in den März dauert; während welcher Zeit er von seinem im Herbste gesammelten Fett sorglos lebt. Im Juli und August bringt das Weibchen in einem unter Baumwurzeln reich ausgcpolstcrtcn Neste 4 bis 8 Junge zur Welt. — Der Igel ist ein äußerst nützliches Thier. Sein im Herbste sehr fettes Fleisch ist wohlschmeckend, wird aber bei uns höchst selten gegessen. Besonders wohlthätig ist er in Gegenden, die von Mäusen, Schlangen und gefährlichen Insekten heimgesucht werden. In Häusern macht er sich zwar nicht angenehm, weil er die ganze Nacht hindurch Geräusch und Lärm macht, auch einen unangenehmen, bisamartigen Geruch ver breitet; aber er reinigt sic dafür in kurzer Zeit von Mäusen und Ratten. Will man ihn dazu gebrauchen, so muß man ihm Milch, die er sehr liebt, zum Saufen hinstellen. Zu fangen ist er leicht. Wenn nian in der Abenddämmerung oder im Mondschein eigen sieht, braucht mau nur darauf loszugehen oder nach ihm zu schlagen, worauf er sich sogleich zusammenrollt, so daß man ihn tut Taschen tuche nach Hause tragen kann. Die Alten erzählen viel Wunderliches vom Igel, daß er ein guter Wetterprophet sei, in Obstgärten mit seinen Stacheln Obst anf- spießc und dann in seine Wohnung schleppe u. dgl. mehr. Als die Arzneiwissen schaft noch in ihrer Kindheit war, mußte der Igel zur Bereitung von Arznei mitteln dienen. Plinius rühmt das Fleisch wider die Wassersucht und gegen krampfhafte Zufälle; einen verbrannten Igel mit Honig und Thccr versetzt gegen das Ausfallen der Haare; kurz alle Theilc, selbst die schmutzigsten dieses sonder baren Thicres, sollten offizinell sein. Der Ohrigel, welcher sich durch seine längeren Ohren auszcichnct, ist dem gemeinen Igel sehr ähnlich, nur etwas kleiner, und findet sich vom kaspischen Meere bis nach Eghptcn. Der gestreifte Borstcnigcl erreicht nur die Größe eines Maulwurfs, seine Stacheln sind mit Borsten untermischt, deren gelbe und schwarze Farben in Streifen neben einander laufe». Er hat nicht die Fähigkeit, sich vollkommen zu sammen zu kugeln. Linnö beschreibt noch de» weißen amerikanischen Igel, den mala iischen Igel, oder das malakischc Stachelschwein, den großen und kleinen Tan- ^eck (Tandrek) u. s. w. —26 2. Die Spitzmäuse. Das Geschlecht der Spitzmäuse begreift mehrere Gattungen unter sich. Sic gleichen unseren Hausmäusen, haben aber einen spitz zulaufenden Kopf und fünf Zehen an den Füßen. Sic sind in ganz Europa und im nördlichen Asien anzu treffen und halten sich in Laubhölzern, auf dem Felde und auch in Häusern ans. Gewöhnlich bauen sic sich eine Wohnung unter der Erde mit mehreren Gängen und nähren sich mit Regenwürmern, Getreide und jungen Baumwurzeln. Ihre Stimme, die sic oft hören lassen, besteht in einem hellen, pfeifenden Laut. Wegen ihres Geruches mögen die Katzen sie nicht fressen, sondern tobten sie bloß. Sic fallen sich oft gegenseitig an und die ans dem Platze bleibende wird von der andern verzehrt, wie sic sich denn auch in Fallen gefangene Mäuse gut schmecken lassen. Die Jungen kommen nackt mit geschlossenen Augen und Ohren zur Welt. Eine weiße Art mit rot heu Augen wird wohl in einer Glasglocke mit Rädchen gehalten, in welcher dieselben so lustig nmherlaufen, wie die Eichhörnchen. Jedoch gerathen auch diese kleinen Thierchen nicht selten in gegenseitige Wuth, und der stärkere Thcil tobtet und frißt den schwächer»; wie wir ans eigener Erfahrung wissen. Außer der gemeinen Spitzmaus sind die merkwürdigsten folgende: Die Wasserspitzmaus. Sic ist oben reinschwarz,, unten weiß. Die Länge des Körpers beträgt 3 Zoll, die des Schwanzes 2 Zoll. Ihre schwarzen kleinen Augen, die man auf den ersten Blick nicht sicht, liegen unter den Haaren ver steckt, aus denen auch die kleinen Ohren nicht hervorragen. Das Innere des Ohres können sie beim Untertauchen mit mehreren Klappen verschließen. Man findet sic in Europa und im nördlichen Asien an den Ufern der Gewässer, wo sie an schönen Abenden ihren zwitschernden Laut vernehmen lassen. Im Winter nimmt sic auch wohl in die Keller ihre Zuflucht. Ihre Nahrung besteht aus' Larven, Blut- und Roßegeln, von welchen sic die kleineren ganz verschluckt. Oft setzen sie sich auch an großen Karpfen fest und nagen ihnen die Angen aus. Die Zwergspitz maus ist das kleinste unter allen Säugcthiercn, denn sic ist nur l'/ 2 Zoll groß. Ihr Rücken ist branngrau mit Goldschimmer, unten weißgrau. Ihr Vaterland ist Sibirien, doch hat man sic in neuester Zeit auch in Schlesien, Mecklenburg und Baiern gefunden. Sic bringt 4 bis 5 Junge zur Welt, die kaum so groß wie eine Erbse sind; hält sich in Misthaufen ans und nährt sich mit kleinen Fliegen, Ohrwürmern, Spinnen u. dgl. 3. Die RüsselmauS ist von der vorigen Gattung durch den beweglichen Rüssel, durch die Schwimm füße und durch den schuppigen Schwanz unterschieden. Ein äußeres Ohr ist nicht vorhanden. Lebt im Wasser. Die russische Rüsselmaus, auch russische Bisamratte genannt, lebt im südlichen Rußland und erreicht die Größe eines Igels. Kleiner als diese ist die pyrenäische Rüsselmaus.27 4. Der Maulwurf. Der Maulwurf ist mit einem feinen, schwarzen Pelz bekleidet, hat einen spitze» Rüssel nnd große, seitwärtsgestellte Vorderfüße, die vortrefflich zum Auf- scharren der Erde eingerichtet sind. Die Augen sind außerordentlich klein, daher manche Leute noch heutiges Tages glauben, die Maulwürfe seien blind. Dieses ist aber nicht der Fall, die Augen sind nur sehr klein, und man sicht sie oft nicht eher, als bis er im Sterben begriffen ist, wo er von Zeit zu Zeit die Haare, die um die Augen herumstehen, znrückschlägt. Er bringt sein Leben meist unter der Erde zu. In einer Tiefe von 1 bis 2 Fuß hat er ein künstlich ausgcar- bcitctes Gewölbe, ungefähr 1 Fuß groß und mit Laub, Gras, Moos und zarten Wurzeln ausgefüllt. Hier findet man auch die Jungen, 3 bis 5 an der Zahl, bald nach der Geburt so groß wie eine Kaffeebohne. Bei großer Hitze oder Kälte gräbt der Maulwurf, weil dann die Regenwürmer, welche er zu seiner Nahrung aufsucht, tiefer liegen. Im Winter wühlt er öfter unter dem Schnee unter der Erde hin, oft wühlt er sich aber auch 5 Fuß tief hinab. Außer Ncgcn- würmcrn frißt er alle Larven, die er in der Erde anffindet und ist insofern ein sehr nützliches Thier. Jedoch richtet er auf Wiesen und in Gärten durch sein Graben oft großen Schaden an, daher man allerlei Mittel anwcndet, ihn zu fangen. Am besten ist cs, in den Gängen, welche sie haben, glasirte Töpfe cin- zugraben. Ist einer einmal in einen solchen Topf gefallen, so kommen, wenn man viele Regenwürmer hinznwirft, bald mehrere zu ihrem Untergänge herbei, beson ders wenn der Gefangene Nachts seine Stimme hören läßt. Seine Hauptfcinde sind der Storch und das Wiesel. Der Storch lauert ihm ans, wenn er wühlt, fährt mit dem Schnabel in die aufgeworfene Erde nnd schlingt ihn ganz hinunter. Das Wiesel verfolgt ihn in seinen unterirdischen Gängen. Der Goldmaulwurf ist kleiner als der gewöhnliche Maulwurf, hat übrigens dieselbe Lebensweise. Die Vorderfüße haben nur 3 Krallen; die breite kurze Schnauze ist aufwärts gerichtet und die Augen sind von einem Fell über- ;vgen, hat seinen Namen von seinen goldgelben Haaren. Häufig am Kap. III-. Reißende Thiere. Die Thiere dieser Ordnung sind eigentlich fleischfressend und blutdurstig. haben stets 4 starke und lange Eckzähne, zwischen ihnen in jeder Kinnlade h Schneidezähne, die vorder» Backenzähne sind zugespitzt und ganz schneidend. a . Sohlengänger. Sohlengänger werden die Thiere dieser Gattung genannt, weil sie auf der ganzen Fußsohle laufen, weshalb deren Fläche nicht mit Haaren bedeckt ist. Zu ihnen gehören die Bären, die Füchse und der Fielfraß.28 > Das Bärcngeschlecht. Der gemeine Bär (Taf. I. Fig. 6) wird gewöhnlich 4 Fuß groß und erreicht oft ein Gewicht von 400 Pfund. Er ist mit langen braunen oder schwarzen Haaren bedeckt und bewohnt die Gebirge und Wälder des nördlichen Europas und einen großen Thcil von Asien. Jedoch findet man ihn auch in einigen Gegenden Deutschlands, namentlich in den baierischen und vstrcichischen Alpen, in der Schweiz und in dem südlichen Thcilc von Schlesien. Geruch und Gehör sind äußerst scharf und leisten ihm treffliche Dienste, wenn er auf Raub ausgeht. Im Frühjahr nährt er sich mit dem jungen Korn, und im Sommer und Herbst mit Erdbeeren, Trauben und Kastkmicn. Honig ist ihm der größte Leckerbissen. Ungeachtet seines plumpen Aussehens ist er doch im Laufen und Klettern sehr geschickt und mit Leichtigkeit ersteigt er hohe Bäume. Zu seinen Waffen gebraucht er die vorder» Füße oder Tatzen, mit welchen er seinen Feind schlägt oder tödtlich umarmt. Er führt im Ganzen ein stilles, einsames Leben und läßt sich am Tage selten sehen; er bleibt dann hinter Klippen, Steinhaufen und Brüchen versteckt; wenn cs dunkel wird, kommt er ans seinem Versteck hervor und spähet von einem Berge die Gegend ans, ob er keiner Viehhecrdc ansichtig werden kann. Er geht oft ans ganze Heerdcn von Kühen los, die er so lange herumjagt, bis ihm eine zur Beute wird, indem er sie erhascht oder sic in einen Abgrund treibt. Auch bei nebeliger Witterung schleicht er oft unter die Heerde und springt, weil er die Hörner fürchtet, einer Kuh auf den Rücken, schlägt sic mit seinen Tatzen in den Hals und ruht nicht eher, bis das arme Thier vor Schmerz und Angst zur Erde niedersällt. Dann zerreißt er cs gänzlich und frißt zuerst seine Lieblingsstücke, das Enter und die Nieren. Den Rest schleppt er entweder mit in seine Höhle oder er vergräbt ihn, um ihn die nächste Nacht wieder aufzuscharrcn. Die Pferde verthcidigen sich mit ihren Hufen gegen ihn, weshalb er sic nur anfällt, wenn ihn der heftigste Hunger plagt. Den Winter bringt er zwar nicht schlafend, oder erstarrt, aber doch in ununterbrochener Ruhe zu. Sobald der erste Schnee fällt, macht er sich ein Lager von Banmzweigen, Laub und Moos in einer Höhle oder Grube, verstopft den Eingang so gut als möglich, und bleibt darin, so lange die Kälte dauert. In dieser Ruhezeit nimmt er keine Nahrung zn sich, er sangt nur zum Zeitvertreib an seinen Tatzen. Im Januar bringt das Weibchen 2, auch wohl 3 Junge zur Welt, von der Größe einer Ratte. Sic liebt sic außerordentlich und hält sic vor dem Männchen ver borgen, das die Jungen verzehren würde. Spürt dieser doch ihr Lager auf, so vcrthcidigt sich das Weibchen, indem cö sich ans die Hinterbeine stellt und tüch tige Ohrfeigen austhcilt. Nach 3 bis 4 Monaten erreichen die Jungen die Größe eines Pudels, und brauchen bis zum völligen Wachsthum 3 Jahre. Sic sind ungemein possirlich, klettern sehr geschickt und spielen unaufhörlich mit einander. Jung eingefangen werden sic sehr zahm und znm Tanzen abgcrichtet. Um sicdiese Kunst zu lehren, zieht man ihnen einen eisernen Ring durch die Nase, an welchem eine Kette befestigt wird, bindet ihnen die Borderfüße zusammen und führt sie in einen Behälter, dessen Fußboden mit heißen Platten belegt ist. Um der schmerzhaften Hitze zu entgehen, richten sie sich auf die Hinterfüße und sprin gen bei der Musik der Trommel und der Pfeife herum. Später thun sic dies, sobald sic die Trommel oder Pfeife höre». Um den Bären zu fange», hat man verschiedene Mittel erdacht. Zunächst benutzt man dazu seine Liebhaberei zum Honig. Man macht nämlich eine Spur mit Honig nach einem Baume hin, in welchen man einen Bienenkorb gestellt hat, vor dessen Fluglöchern jedoch ein tüchtiger Klotz hängt, der mit einem Seile an einem Aste befestigt ist. Hat der Bär den Baum erstiegen, so findet er sich zu seinem größten Leidwesen getäuscht, denn er kann seine Tatzen nicht in das Flug loch hineinbringen, weil der Klotz davor hängt. Da er nun bemerkt, daß dieser beweglich ist, so gibt er demselben einen tüchtigen Stoß, daß er davon fliegt, aber auch zurückkommt, um ihm einen derben Schlag auf das Gesicht zu versetzen. Grimmig darüber, schlendert er ihn noch weiter, aber die Schlüge werden immer heftiger, und je länger er das Spiel treibt, endlich so stark, daß er besinnungslos zur Erde auf die spitzigen Pfähle füllt, die man gerade unter der Stelle in den Boden getrieben hat. Sinnreicher ist noch eine andere Fangart, die man am Uralgebirge gewöhnlich anwendet. Bor der Ocffnung des Bienenstockes wird ein Brett zum Sitzen sehr bequem an einem starken, zurückgebogenen Aste befestigt und mit einem lockern Baststrick vor dem Eingänge des Bienenstocks angebunden. Der Bär will von dem bequemen Sitz Gebrauch machen, aber der Baststrick hin dert ihn; er reißt ihn daher los, der Ast schnellt zurück und trägt den auf der Schaukel sitzenden Bären weit vom Baume hinweg. Er schwebt nun in freier Luft und cs bleibt ihm nichts anders übrig, als entweder sitzen zu bleiben und den Jäger zu erwarten, der ihn gemächlich herabschießen kann, oder in die spitzigen Pfähle herabzuspringen, welche unter dem Baume cingegraben sind. Beides aber bringt ihm den Tod. — Zuweilen berauscht man ihn auch durch Branntwein, welchen man unter den Honig gemischt hat. — Auf der Jagd wird der Bär mit der Büchse gctödtct; auch bedient man sich großer Hetzhunde, die ihn packen, worauf er von den hcrbeieilenden Jägern mit Lanzen erstochen wird. Sein Pelz ist vortrefflich und wird zu Matratzen, Mänteln, Satteldecken, Mützen, Muffen, Fnßdcckcn, Kofferüberzügen u. dgl. verarbeitet. Seine Schinken, besonders aber seine Tatzen werden an Hoftafcln als Leckerbissen umhergereicht. In Nordamerika leben: der Baribal, mit glänzend schwarzem Pelz, der üelbc Honigbär, der braune mit Silberglanz (Silberbttr), dcr^ große schwarze und der furchtbare aschgraue Bär. Der Eisbär (Taf. I. Fig. 7) ist mit langen, gelblichweißen Haaren bedeckt; er erreicht eine Länge von 5 bis 8 Fuß, eine Höhe von 4 bis 5 Fuß und ein Gewicht von 6 bis 10, selbst 16 Centnern. Er hat gewaltige Tatzen, von 7 Zoll30 Länge, und seine Krallen sind gewöhnlich 2 Zoll lang. Er bewohnt die Küsten gegenden dcö nördlichen Eismeers und ist in Grönland, ans Spitzbergen und an der nördlichsten Küste non Amerika häufig. Auf den Eisfeldern, oft 200 Meilen vom Ufer entfernt, ist er so gut zu Hause, als auf dein festen Laude. So plump und unbeholfen das Thier auch aussieht, so ist cs doch sehr gewandt und ans den Eis- und Schneefeldern so schnell, daß ein Mensch ihm nicht entfliehen kann. Er schwimmt so gut, daß er drei englische Meilen in einer Stunde zurück- lcgt; auch ist er ein gewandter Taucher und kann bedeutende Strecken unter dem Wasser hinwcgschwimmen. Seine Nahrung besteht in Seehunden, Fischen und den zurückgelassenen Uebcrrestcn von Walfischen. Wenn nicht vom Hunger ge trieben, greift er den Menschen nicht au; wird er aber angegriffen, so ist er nicht verzagt, sondern greift muthig zu. Er besitzt große Kraft in seinen Kinnbacken und man hat Beispiele, daß er eine Lanze, welche '/ a Zoll dick war, durchbiß. Wird er Mit einer Kugel nicht an der rechten Stelle, am Kopfe oder aus der Brust getroffen, so geht er wüthend auf seinen Feind los. Kann er entfliehen, so drückt er mit seinen Tatzen Schnee ans die Wunde. Auch beweist das Thier in vielen Fällen Klugheit und Ueberlegung. So sah ein Eisbär einen Seehund auf dem Eise nicht weit von einem Loche liegen. Er tauchte schnell unter und schwamm unter dein Eise nach jener Oeffnung hin. Kaum bemerkte ihn der Seehund, so stürzte er sich in das Wasser, um zu entfliehen, aber vergebens, der Eisbär sprang ihm nach und kam lvenige Augenblicke hernach mit seiner Beute lvieder hervor. Seine Sinne sind äußerst scharf, namentlich sein Geruch, denn er riecht oft stundenweit gebratenes Walfischfleisch. Das Winterlager macht er sich im Schnee und hier birgt auch das Weibchen seine Jungen, gewöhnlich zwei, welche es außerordentlich liebt, wovon wir ein rührendes Beispiel haben. Als nämlich ein englisches Schiff auf einer Entdeckungsreise nach dem Nordpole im Eise stecken blieb, machten die Matrosen auf dem Eise ein Feuer an und brieten Wallrosse, um Thran daraus zu bereiten. Eine Bärin roch den ihr lieb lichen Duft und kam mit "ihren zwei Jungen, die fast eben so groß als sie waren, herangeschritten. Sic rissen ein Stück Fleisch aus dem Feuer heraus und ver schlangen cs gierig. Die Matrosen, die sich unterdessen auf das Schiff geflüchtet hatten, warfen ein neues Stück Fleisch hinab, welches die Bärin ihren Jungen zutrug, ohne für sich etwas zu behalten. Als sic ein drittes hingeworfenes Fleischstück holen wollte, gaben die Matrosen auf die Jungen Feuer und tödtctcn sic sogleich; auch die Mutter wurde von einer Kugel getroffen, aber nicht tödtlich verwundet. Klagend und heulend kroch das arme Thier, das sich noch kaum bewegen konnte, nach seinen Jungen hin, das Fleisch im Munde tragend und uneigennützig vertheilcnd. Als sic sah, daß sic nicht fressen wollten, streckte sie ihre Tatzen bald nach dem einen, bald nach dem andern ans, und bemühte sich, sie aufzurichten. Da aber dieses nicht gelang, so schleppte sie sich mit kläglichem Geschrei eine Strecke weit fort, kehrte aber bald wieder zurück und fiiiß an, dieWunden an ihren Kindern zu belecken. Als sie endlich bemerkte, daß sie tobt und kalt waren, erhob sie ihren Kopf mit fürchterlichem Geheule nach dem Schiffe hin. In demselben Augenblicke traf sic eine Kugel, und tobt sank sic zwischen ihre Jungen nieder, deren Wunden sic noch sterbend beleckte. Das Fell der Eisbären gibt einen schönen Teppich und wird in Grönland zu Bettdecken gebraucht. Das Fleisch ist saftig und wohlschmeckend, besonders die Keule; sein Fett wird getrunken, oder in Lampen gebrannt. Der Waschbär (Taf. I. Fig. 8) hat große Achnlichkeit mit unserm Dachs. Er ist graubraun, mit weißer Schnauze; von der Stirn läuft eine schwärzliche Linie nach der Nase herab. Sein Vaterland ist Nordamerika. Seine Nahrung besteht ans Fleisch, Obst, Gras, Insekten, Austern u. dgl. Beim Fressen hat er die sonderbare Gewohnheit, jeden Bissen erst in'ö Wasser zu tauchen und mit den Pfoten zu reiben, bevor er ihn einsteckt. Daher auch sein Name. Er ist gut- müthig und leicht zu zähmen. Die Dachse. Der Dachs (Taf. I. Fig. 9) ist drittehalb Fuß lang und 1V 2 Fuß hoch und' im Herbste 20 bis 30 Pfund schwer. Er hat eine Hundsschnauze und einen kurzen, dicken, mit borstenartigen Haaren bedeckten Leib. Die Vorderpfoten sind mit starken Klauen zum Graben bewaffnet. Am Kopfe ist er weiß mit zwei schwarzen Streifen; der Rücken ist grau, schwarz, weiß und gelblich gemischt; die Seiten sind graubraun, der Unterleib weiß und schwarz. Es gibt auch röthlieb und kastanienbraun gefleckte Dachse. Man findet den Dachs in ganz Europa, besonders in Vorhölzern, welche nicht weit voin Felde entfernt sind. Er führt ein einsiedlerisches Leben und schläft den ganzen Tag über in seiner unterirdischen Wohnung; erst gegen l0 Uhr Abends kommt er hervor, um sich Nahrung zu suchen. Diese besteht aus jungen Hasen, Natten, Mäusen, Fröschen, Eidechsen, Regenwürmern, Obst, Wurzeln. Sehr begierig ist er nach Wasser und wenn man versäumt, ihm in der Gefangenschaft solches zu geben, so säuft er sich leicht, wenn er es bekommt, zu Tode. Den Winter verschläft er in seiner Wohnung, welche Bau genannt wird und oft ans zehn Röhren besteht, von denen er jedoch nur eine oder zwei befährt, die übrigen dienen thcils zu Luftröhren, theils sucht cr daraus zu entfliehen, wenn er angegriffen wird. Im Februar bringt die Dächsin drei bis fünf Junge zur Welt, welche bis zum Herbste bei der Mutter bleiben und sich dann eigene Höhlen graben. Im Oktober, wo cr sehr fett ist, wird er an einem mondhellen Abend oder vor Sonnenaufgang, sobald cr aus seinem Baue hervorkommt oder sich dahin zurückzieht, geschossen. Kommt cr aus dem Baue, so poltert er erst, indem cr sich den Schlaf auö den Gliedern rüttelt. Sicherer ist jedoch der Fang mit der Dachshaube. Dieses ist ein großes sack förmiges Netz, vorne mit einem großen Ringe versehen und hinten mit einer weiten Oeffnung, durch deren Maschen eine lauge Leine gezogen wird. Mit einem32 solchen Netze begibt sich der Jäger in einer mondhellen Nacht nach dein Baue des Dachses. Hat der Dachs denselben verlassen, so verstopft der Jäger alle Nebenröhren mit Bündeln von Neisholz, steckt dann in den Haupteingang die Haube mit dem Ringe, breitet die äußere Oeffnung derselben aus, befestigt sic mit kleinen Pflöckchen und legt auch die Zugleine an einen Pflock. Alsdann sucht er mit seinen Hunden den Dachs ans und treibt ihn nach seiner Höhle. Hier aber fängt er sich in der Haube, worauf ihn der Jäger mit einem derben Knittel er schlägt. Am häufigsten wird der Dachs auSgcgrabcn. Lein wasserdichtes Fell wird zu Jagdtaschen, Kofferüberzügcn u. dgl. verarbeitet und ans den Haaren Pinsel für Maler und Färber verfertigt. Das Fett, dessen er in guten Jahre» 4 bis 7 Pfund hat, wird in der Apotheke gut bezahlt. Sein Fleisch wird an manchen Orten gegessen. Der schlaue Fuchs bemächtigt sich nicht selten seiner Wohnung, indem er die Zugänge zum Baue des Dachses verunreinigt. Der Dachs, der überhaupt ein sehr reinliches Thier ist, verläßt sofort seine Wohnung, und legt sich eine neue an. Der Honigdachs lebt im südlichen Afrika und ist oben hellgrau oder weiß, unten schwarz. Den Namen Honigdachs hat er daher, weil er vom Honig mid Wachs der wilden Bienen lebt, die ihr Nest in der Erde anlegen. Um diese Nester zu finden, soll er gegen Abend beim Untergang der Sonne Acht geben, wohin die Bienen fliegen, oder dein Rufe des Honigknknks folgen und sodann die Bienenwohnung ausscharrcn. Gegen den Stich der Bienen schützt ihn sein dickes Fell, welches kein Hund durchbeißen kann. 3. Der Fielfraß. (Taf. I. Fig. 10.) Früher glaubte man, daß der Ficlfraß seinen Namen daher habe, weil er so viel fresse und daß er sich zwischen zwei nahestehende Bäume cinklcmmcn müsse, um sich wieder Luft zu machen. Allein dieses ist eine Fabel. Sein Name ist sinnländisch, muß eigentlich Fialfraß geschrieben werden und bedeutet Felsen- bcwohner. Der Fielfraß hat mit unserm Dachse sehr viel Aehnlichkeit; aber sein Pelz ist schöner und gehört zu den kostbarsten. Er ist gewöhnlich von schöner kastanienbrauner Farbe, welche auf dem Rücken noch dunkler sich abzeichnet. Er bewohnt den nördlichen Theil der ganzen Erde; zahlreich findet mau ihn in Polen, Rußland, Norwegen und Schweden, wo er sich besonders in den gebirgigen Gegenden in großen Waldungen und Fclsenklüftcn aufhält und von den Bäumen herab die vorübergehende Beute erhascht. Selbst Rcnnthicrcn, Hirschen, Rehen, Bären und Wölfen lauert er auf. Die stärksten Hunde scheuen sich vor seinen Bissen, und wenn er sic damit nicht abhalten kann, so >virft er ihnen seinen weichen, stinkenden Unrath in die Augen. Er schläft nicht im Winter, wie der Bär. Das Weibchen wirft drei bis vier Junge, welche sich leichter durch Güte, als durch Schläge zahm machen lassen.b. Zehenganger. Die Zehengänger haben einen langgestreckten Körper mit kurzen Füßen, woran immer 5 Zehen sind, und versacken in keinen Winterschlas. 1. Das Kahcuge schlecht. Die gemeine Hauskatze stammt von der wilden ab, hat aber nicht nur einen beträchtlichen Theil ihrer Wildheit abgelegt, sondern sich auch m andern Stücken verändert. Man findet eine große Verschiedenheit in der Farbe; doch arten die Katzen nicht in so verschiedene Rassen aus, wie die Hunde. Von Natur ist sie ein nächtliches Thier, wobei ihr ihr scharfes Gesicht sehr zu Statten kommt; auch ihr Gehör ist fein, weniger der Geruch. Ihre Stimme ist nicht ohne Uus- druck. Ihr Wohlbehagen gibt sie durch Schnurren zu erkennen; verlangt lic etwas, so miaut sie hellauf; schmerzt sie etwas, so läßt sie einen kläglichen ^on vernehmen; im Zorn zischt sie mit aufgesperrtem Rachen, krümmt Racken und Schwanz, sträubt die Haare und läßt einen Laut hören, ähnlich dem eines grün migen Tigers. Ihre größte Gewandtheit zeigt sich im Klettern; sie springt von einem Baume zum andern und geht über die schmälsten Latten und Stangen leichtfüßig hinweg. Durch Unvorsichtigkeit stürzt sie wohl zuweilen von eurem hohen Baume oder Hausdache herunter; aber sie fällt selten tobt, sondern kommt fast immer auf die Füße zu stehen, rüttelt sich einige Male und geht dami rn jig davon, als ob nichts vorgcfallcn wäre. Der gerade in die Höhe stehende Schwanz vertritt beim Fallen die Stelle eines Ruders. Ihre Nahrung besteht ans kleinen Sängethieren und Vögeln, vorzüglich aber aus Mäusen und Ratten. Uebrigens gewöhnt sic sich auch an die meisten Speisen, welche der Mensch genießt; sic kaut aber sehr langsam und schüttelt den Kopf, so oft sie etwas Fe'uchtes nimmt. Der Genuß bitterer Mandeln ist für sic tödtlich. Sie ist äußerst reinlich und wäscht und putzt sich beständig. Sehr »Glich wird sie dadurch, da>; sie das Haus von Mäusen und Ratten reinigt; man wählt dazu am liebsten diejenigen, welche im Monat Mai ihren Geburtstag feiern, weil sic am größten und schönsten werden. Die weißen taugen zum Mausen am schlechtesten, weil ihre Farbe im Dunkeln zu sehr anffällt. Obgleich sic aber gegen -Ratten und Mäuse besser als alle Gifte wirken, so sollte man sic doch weder in Wohnstuben, noch weniger w Schlafzimmern dulden, denn man hat höchst traurige Beispiele, daß sic leine Kinder jämmerlich zerfleischten , oder, indem sic Wärme suchten, sich guer ü er das Gesicht schlafender Kinder legten und diese erstickten. Merkwürdig ist ihre große Liebhaberei für die Baldrianpflanze und wehe der Pflanze, die ein Gärtner in ihren Bereich pflanzte. Erst kommt eine und kundschaftet dieselbe aus, dann die zweite, hnnfenweisc sammeln sie sich, wälzen sich wie unsinnig darauf herum und bald ist auch nicht eine Wurzel von der Pflanze übrig geblieben. Unch das Liebeshain-Blümchen ist vor Katzen selten sicher; sich auf den jungen Pflänzchen Beumer's Naturgeschichte. O34 herum zu wälzen, scheint ihnen besonders Vergnügen zn machen. Eben so lieben sie außerordentlich den Sonnenschein. „Wetten Sic, daß ich viel mehr Katzen sehen werde, als Sic?" sagte der berühmte Fox zn einem der englischen Prinzen, mit dem er zufällig im heißen Sommer eine Straße hinauf ging. Er forderte ihn noch auf, sich selbst die ihm beliebige Seite zu wählen. Alö sic am Ende der Straße waren, hatte der Prinz nicht eine, Fox aber dreizehn Katzen gesehen. „Wie geht das zn?" fragte der Prinz. „Daher nämlich," erwiedertc Fox, „wo ich ging, schien die Sonne, nnd daß Ihre Königliche Hoheit die Schattenseite wählen würde, ließ sich erwarten. Die Katzen aber gehen alle nach der Sonne!" Die Katze bringt 3 bis 12 Junge zur Welt, deren Gesicht und Gehör sich nach 9 Tagen öffnet. Die Mutter beweis't eine zärtliche Liebe für ihre Jungen und es gewährt einen wahren Genuß, die unermüdliche Beharrlichkeit zu beobachten, mit der sic ihre Kinder pflegt und die Zärtlichkeit, mit welcher sic sic behandelt. Eine Katze wurde von der Familie ihres Herrn aus Glasgow nach dem zehn Meilen entfernten Edinburg mitgenommen. Bald nach der Ankunft in ihrer neuen Wohnung warf sic Junge nnd pflegte dieselben fortwährend, bis die zwei, welche man ihr gelassen hatte, selbst fressen konnten. Zum großen Leidwesen der Familie war eines Morgens Bnßchen nirgends zn finden; auch eins von den Kätzchen fehlte. Man glaubte, daß sie um's Leben gekommen und das kleine arme Junge, ihr nachlaufend, verloren gegangen wäre. Indessen nach zwei Wochen erfuhr die Frau des Hauses durch einen Brief, Bnßchen sei in die frühere Heimath zurück gekehrt und habe ein kleines Kätzchen initgcbracht; sei aber so schwach und abge- magert, daß sic kaum das Haus habe erreichen können. Wenigstens eine Woche hatte Bnßchen auf der Reise zugcbracht, und wenn wir bedenken, daß das arme Thier ihr Kätzchen hatte tragen nnd ernähren und für sich selbst nach Nahrung ansgehen müssen, so finden wir darin gewiß ein anffallcndcs Beispiel von thicrischcr Klugheit. Durch Ruhe nnd gutes Futter bekam die Katze bald ihre verlorenen Kräfte wieder. Aber bald hernach verließ sie wieder ihre alte Heimath nnd kam in viel kürzerer Zeit, als das ci-ftc Mal, zurück nach Edinburg. Sic miaute laut auf und gab durch allerlei Gcbcrdcn ihre Freude darüber zu erkennen, daß sie ihre alten Freunde wieder sehe. Man hoffte daher auch, daß sic nun wohl bleiben würde; allein dieses war ihre Absicht nicht. Sic blieb nur gerade lange genug, ihre Kräfte wieder herzustellcn und zog dann mit dem andern Kätzchen fort, das nun alt genug war, zuweilen neben der Mutter hinzuspringen. Mit geringerer Mühe konnte diese cs daher nach ihrer alten Heimath geleiten, nnd die Gefahren einer solchen Wanderung hatten sie nicht abgehalten, diese aufzugcbcn. Eine Katze nährt auch zuweilen die Jungen solcher Thicrc, welche von ihr in jeder Beziehung abweichen, eben so zärtlich, als ob sic von ihrer eigenen Art wären. So erzählt man die fast unglaubliche, aber beglaubigte Geschichte, daß eine Katze eine Maus an Kindesstatt angenommen habe. Eine Katze nämlich hatte drei Junge, von welchen man ihr nur eins ließ. Eines Abends bcnicrkte man35 eine Maus, welche nach der Katze hinlief und sich an ihren Leib tefltc, wie ein junges saugendes Kätzchen zu thun pflegt. Verwundert über diese Anblicke und ans Furcht, die Maus, die eine alte zu sein schien, zu stören, kannte mau sogleich sich nicht überzeugen, ob sie sauge oder nicht. Nachdem sie ziemlich lange bei der Katze geblieben war, kehrte sie in ihr Loch zurück. Diese Besuche wiederholten sich bei mehreren anderen Gelegenheiten. Die Katze schien nicht allein die Maus zu erwarten, sondern sie ließ auch ihre schnurrenden Töne Horen, welche sie ge wöhnlich von sich gibt, wenn die Jungen nach ihr verlangen. Die Maus saugte wirklich an der Katze, war aber dabei so wachsam, daß sie sogleich entfloh, wenn Jemand nach ihr hingreifen wollte. Die wechselseitige Anhänglichkeit zwischen der Maus und der Katze dauerte lange Zeit hindurch; aber das Schicksal der erster» war ein trauriges. Es kam nämlich eine fremde Katze in das Zimmer und die Maus, die sie für ihre Freundin hielt, wurde von ihr ergriffen und verspeist. Die Pflegemutter gab ihre Trauer durch klägliches Miauen zu erkennen und zeigte viele Unruhe. Von folgendem Vorfall bin ich selbst Augenzeuge gewesen. Einer Mutter latze wurden ihre Jungen genommen. Als sie klagend durch's Hans schlich, kam endlich eine andere ältere Katze herbei und sog ihr die Milch auö. Dies wieder holte sie mehrere Tage lang. Die Schlauheit der Katzen ist sprichwörtlich geworden. Auffallend ist es, daß die Katzen in Neuholland, welche dorthin von Euro päern gebracht wurden (denn ursprünglich gab es keine dort), eine große Abneigung dor den Eingeborenen haben. Wie mehrere Reisende erzählen, werden sie wild, sobald ihnen ein Eingeborener nahe kommt. Im Freien reißen sie vor ihnen blitzschnell aus, oder gehen ganz wüthend auf sie los, so daß sich die Menschen oft weithin flüchten müssen. Von den Krankheiten, denen die Katzen unterworfen sind, ist die schrecklichste die Wuth oder Tollheit, in welcher sie, wie die Hunde, Jeden zu beißen versuchen. Die wilde Katze (Taf. I. Fig. 11) ist rostgrau oder hellgrau mit dunkeln Streifen am Kopfe und wellenartigen an den Seiten. Die Länge von der Nase bis zum Schwänze beträgt 2'/- Fuß; der Schwanz, 1 Fuß lang, ist dick behaart und hat drei schwarze Querstreifen. Ihren Aufenthalt hat sie in dunklen Tannen wäldern, wo sie in Baumhöhlen, Dachs- oder Fuchsgruben wohnt. Junge Ziehe, Me und junge Hasen, Kaninchen, Natten, Mäuse, allerlei Vögel, auch Fische wachen ihre Nahrung aus. Sie ist äußerst schlau und gewandt im Klettern, beim Schießen muß man sie gut treffen, weil sie, bloß verwundet, Jäger und Hunde mit Gebiß und Krallen schrecklich zurichtet. Hunde müssen schon stark und muthvoll sein, wenn sie dieses grimmige Thier angreifen sollen. Das Fell gibt ein warmes Pelzwerk und wird besonders bei Elektrisirmaschinen gebraucht. Das Fett, dessen eine einzige oft 6 Maas; liefert, brennt in Lampen länger und Heller als Lein- und Rüböl und wird bei Gichtkrankheiten, Verrenkungen 3*n. dgl. als Heilmittel gebraucht. Jung gefangen, lassen sie sich leicht zähmen, wie andere. Der Löwe (Tüf. n. Fig. 12). Wenn man einen Löwen mit Aufmerksamkeit betrachtet, so wird man leicht die Aehnlichkeit desselben mit einer Katze wahrnehmcn. Er hat einen großen Katzenkopf mit flachem, beinahe viereckigem Gesichte, gespaltenen Oberlefzen und weißer oder schwarzbrauner Nase. In seinem weiten Rachen sitzt eine breite, mit iy a Zoll langen Stacheln besetzte Zunge, welche die Spitzen rückwärts kehren. Seine Farbe ist bräunlich gelb. Am Schwanzende hat er einen Büschel, in welchem sich eine Art Hornspitze befindet. Kopf, Hals und Schultern sind beim männlichen Löwen vom 4. Jahre an von einer Mähne bedeckt; die Haare am Körper sind kurz. Wegen seines majestätischen, Ehrfurcht einflößcnden Ansehens und seiner großen Stärke wird er mit Recht der König der Thiere genannt. Der Körper ist 5 Fuß, der Schwanz über 2 Fuß lang, die Höhe beträgt gegen 3 Fuß. Sein Gang ist langsam und stolz, aber er kann oft 40 Fuß weite Sprünge machen. Er jagt gewöhnlich des Nachts und zwar ans größere Thiere, namentlich Rinder, Pferde, Hirsche, Schafe, wilde Schweine n. s. w., die er mit einem Schlage seiner Tatze zu Boden schlägt. Den größten Ochsen wirft er ans seine Schultern, springt damit über 3 bis 4 Fuß hohe Zäune, und läuft so schnell mit dieser Bürde, als ob er nichts trüge. (Aas rührt er nicht an; und den Menschen greift er nicht anders an, als wenn er gereizt oder von heftigem Hunger gequält wird.) Ein erzürnter Löwe ist das fürchterlichste unter allen Thieren. Sein furchtbares Gebrüll, welches man in den Einöden Afrikas weit hört, erfüllt Menschen und Thiere mit Beben und Entsetzen. Die kühnsten Hunde gerathen in Angst, winseln erbärmlich und schmiegen sich an den Menschen an. Die Rinder erheben mit gedämpfter Stimme ein klagendes Gebrüll; die Pferde stampfen mit den Füßen und drehen sich nach allen Seiten; die Schafe drängen sich mit gesenktem Kopfe aneinander. Nur wenige Thiere trotzen seinem Grimme. Dem Elcphantcn gelingt es nicht selten, ihn mit dem Rüssel zu erschlagen, oder mit den Füßen zu zertreten; Nashorn und Büffel schlitzen ihm den Leib auf, der Tiger springt auf seinen Nacken und erwürgt ihn. Unbewaffnete Menschen, die ihn fest anblickcn, schenk er anzugreifcn. Uebcrhanpt zeigt er sich oft furchtsamer, als man von einem so starken Thiere erwarten sollte. Wenn im Schlafe etivas ans ihn fällt oder ihn trifft, so verliert er alle Geistesgegenwart und ergreift die Flucht. Um seine Beute zu erhaschen, lauert er im Hinterhalte, auf seinem Bauche liegend, in einer Entfernung von 10 bis 12 Schritten und sucht dann durch einen gewaltigen Sprung seine Beute zu erhaschen. Gelingt ihm der Sprung, so schlägt er sogleich seine Tatzen in den Nacken des Schlachtopfers, zerreißt es und zehrt cs ans. Perfehlt ?r die Beute ans den ersten Sprung, so wagt er selten37 den zweitensondern schleicht sich, wie die Katze, beschämt in seinen Hinterhalt zurück. Die Löwin ist kleiner als der Löwe, auch hat sie keine so lange Mahne, dafür aber einen Haarbüschel ans der Brust. Sie bringt drei bis vier Junge zur Welt, welche sic mit außerordentlicher Zärtlichkeit versorgt und mit furcht barer Wuth vertheidigt. Indessen wissen die Afrikaner doch die Zeit auszuspähcn, wo sie ans den Raub ausgegangen ist, und dann kommen sic herangeschlichen, um die jungen Thicrc wegzunehmen. Kehrt die Mutter zurück und findet ihre Jungen nicht mehr, so verfolgt sie mit fürchterlichem Gebrüll die Spur der Räuber, welche auf jeden Fäll verloren sind, wenn sie eingeholt werden. Um dieser Gefahr zu entgehen, lassen sic eines von den Jungen fallen. Die Mutter findet cs, und trägt cs in ihr Lager zurück, welche Zeit die Jäger benutzen, um zu entfliehen. Die Jungen lassen sich so zähmen, daß selbst Lämmer neben ihnen laufen können. Die Römer spannten sie vor ihre Triumphwagen. Der Kaiser Antonius hatte immer vier Löwen vor seinem Wagen, und der Kaiser Nero er laubte sich zum größten Schrecken seiner Gäste den Scherz, gezähmte Löwen unter ihnen erscheinen zu lassen. Man bemächtigt sich des Löwen auf mancherlei Weise. Mail fängt ihn in Gruben, macht mit Feuergewehren Jagd auf ihn, hetzt ihn mit 12 bis 18 tüch tigen Hunden, wobei gewöhnlich ein Paar erst durch die Schläge des Thieres fallen, während die andern angreifen. An den empfangenen Wunden stirbt er leicht. Von seiner Großmuth, seiner Treue und Dankbarkeit hat man ans alter und neuer Zeit die rührendsten Beispiele. Ein neuerer Reisender erzählt uns von ihm Folgendes: Wie alle Katzcnarten, ergreift der Löwe seine Beute im Sprunge und greift einen Menschen oder ein Thier, das nicht vor ihm flicht, nie an, ohne sich vorher in einer Entfernung von 10 bis 12 Schritten nicdcr- gclcgt „nd seinen Sprung gemessen zu haben. Dieser Uinstand wird von den Jägern benutzt, und cs ist Regel geworden, nie eher auf einen Löwen zu schießen, als bis er sich legt und man in der kurzen Entfernung so sicher zielen kann, daß >»au ihn gewiß gerade vor den Kopf trifft. Begegnet man einem Löwen un- dcwaffnct, so ist das einzige Rettungsmittel, Mnth und Geistesgegenwart zic Zeigen. Wer entflicht, ist unfehlbar verloren; wer ruhig stehen bleibt, den greift er nicht an. Man muß sich nicht irre machen lassen, wenn er nahe herankommt und sich znm Sprunge bereit macht; er wird diesen Sprung nicht wagen, wenn man nur Mnth hat, unbeweglich wie eine Bildsäule zu stehen und ihm fest und ruhig in's Auge zu sehen. Die erhabene Menschengestalt stößt dein Löwen Ehr furcht ein und er wird mißtrauisch gegen seine eigene Kraft. Alan würde ihn stören, sobald man entweder durch eine unbedachtsame Bewegung dem Löwen seine Furcht verriethe, oder ihn zur Bertheidignng anfzufordcrn schiene. Der Ausgang beweist, daß er selbst sich nicht minder gefürchtet hat, als der Mensch;38 denn nach einiger Zeit erhebt er sich langsam, geht unter beständigem Umsehen einige Schritte zurück, legt sich wieder, steht wieder ans, und ergreift endlich in vollem Laufe die Flucht. Sv einstimmig nun auch diese Thatsachc von Landlcutcn ans allen Thcilcn der Kolonie versichert wird, so mag dennoch dieser Versuch eben nicht oft angcstellt sein. Ehedem (als es der Löwen noch mehrere gab) stellte man große gemeinschaftliche Jagden auf den Löwen an, suchte ihn in die Ebene zu locken und umzingelte ihn mit Jägern. So wie er an einer Seite durchbrechen wollte, wurde von der entgegengesetzten auf ihn geschossen, und wenn er zornig sich dorthin wandte, trafen ihn von der linken und rechten Seite her so viele Kugeln, daß er fallen mußte. Jetzt aber geht man selten anders, als zu zweien ans die Löwenjagd und recht geschickte Schützen wagen cs auch wohl, ganz allein die Spur eines Löwen zu verfolgen. Gefährlich bleibt dieses zwar immer und an unglücklichen Unternehmungen fehlt es nicht. Sv verfolgten zwei Brüder nicht weit von ihren Wohnungen die Spur eines großen Löwen, der unter ihren Heerden großen Schaden angcrichtet hatte. Sie fanden ihn endlich in einer mit rauhem Gebüsch bewachsenen Schlucht, stellten sich zu beiden Seite» des Aus gangs ans und schickten ihre Hunde hinein, um den Löwen aufznjagen. Das geschah denn auch; der Löwe stürzte nach der Seite dcö jüngern Bruders hervor, legte sich zum Sprunge und ward geschossen. Der Schuß hatte aber nicht recht getroffen, sondern nur das Ohr und die eine Seite der Brust gestreift. Nach einer kurzen Betäubung erholte sich das Thier und stürzte nun, wüthcnd vor Schmerz, mit solchem Grimme ans den Jäger, daß er kaum Zeit hatte, sich auf's Pferd zu werfen, um zu entfliehen. In wenigen Sätzen jedoch hatte ihn der Löwe ereilt, war dem Pferde auf den Rücken gesprungen, das, von seiner Last niedergedrückt, nicht mehr von der Stelle kommen konnte, und schlug seine Tatzen dem Unglücklichen in die Schenkel, mit den Zähnen zugleich ihn an den Unter kleidern packend. Indessen er sich mit aller Kraft an das Pferd klammert, um nicht heruntergerissen zu werden, hört er seinen Bruder hinter sich heran galop- piren, und ruft ihm zu, nur um Gottcswillcn los zu schießen, möge er treffen, wen er wolle. Dieser springt schnell vom Pferde, legt ruhig an und schießt dem Löwen durch den Kopf, und wunderbar glücklich schlägt die Kugel durch den Sattel, ohne Roß noch Reiter zu verletzen. Nicht so glücklich war ein Anderer, der mit seinem Vetter auf die Löwenjagd ging. Das Abenteuer nahm ganz denselben Gang, aber der Löwe sprang von der Seite ans den Reiter los und packte mit den Zähnen dessen linken Arm. Der feige Gefährte, statt dem Unglücklichen beizustehen, entfloh, um einige Leute zu Hülfe zu rufen, die nicht weit entfernt an einem andern Ansgange des Gebüsche« angcstellt waren. Indessen hatte der Unglückliche daü letzte Rettnngsmittel ver sucht und, während das Thier wüthcnd seinen linken Arm zerfleischte, mit dem rechten ein Messer ans der Tasche gezogen und damit dem Löwen die Brust an mehreren Stellen durchbohrt. Die Herbcicilcndcn fanden ihn vom Pferde gerissen,39 in seinem Blntc schwimmend, den Arm und die ganze linke Seite auseinander gerissen, ans ihm den tobten Löwen, das Messer noch im Herzen. Nach wenigen Minuten gab auch der mnthigc Kämpfer, durch den Blutverlust erschöpft, seinen Geist ans. An der Wohnung eines Kolonisten erschien am Hellen Tage ein großer Löwe. Die Frau saß im Hause neben der Thüre, die Kinder spielten an ihrer Seite und der Mann war draußen ans der Seite des Hauses au feinem Wagen beschäf tigt. Der Löwe hatte sich ruhig auf der Schwelle in den Schatten gelegt. Die Frau, vor Schrecken erstarrt, oder mit der Gefahr deö Entfliehenö bekannt, bleibt ans ihrem Platze, die Kinder fliehen in ihren Schooß. Ihr Geschrei macht den Vater aufmerksam; er eilet nach der Thüre, und man denke sich sein Erstaunen, als er sich den Eingang in das Haus auf diese Weise versperrt sah. Obgleich das Thier ihn nicht gesehen hatte, so schien doch, unbewaffnet wie er war, alle Rettung unmöglich; doch bewegte er sich fast unwillkürlich nach der Seite des Hauses zu dem Fenster des Zimmers, in welchem ein geladenes Gewehr stand. Glücklicher Weise hatte er cs zufällig in die nächste Ecke gestellt, so daß er cs niit der Hand ergreifen konnte; und zu noch größerem Glücke war die Thüre des Zimmers offen, so daß er die ganze drohende Scene zu übersehen im Stande war. Jetzt machte der Löwe eine Bewegung, vielleicht zum Sprunge; da besann sich der Mann nicht länger, rief der Frau leise Trost zu und schoß, hart an den Locken seines Knaben vorbei, den Löwen über dem funkelnden Auge in die Stirne, daß er weiter sich nicht regte. Gegen seinen Wärter zeigt der Löwe im Gefängnisse sich sehr zahm und beweist sich für empfangene Wohlthaten stets dankbar. Ein Thierwärter in Paris brachte einen Löwen und eine Löwin in die Königl. Menagerie zu Paris. Beide Thierc waren gegen ihn äußerst zahm, so daß er ohne Gefahr zu ihnen gehen und von ihnen sich schmeicheln lassen konnte. Bald hernach wurde der Wärter fvanf, und als der Löwe seinen Freund mehrere Tage vermißte, so wurde er traurig und nahm nichts von den;, was man ihm brachte, sondern hielt sich einsam in einer Ecke seines Gefängnisses. Jeden, der sich ihm nahte, begrüßte er mit drohendem Gebrüll, selbst gegen die Löwin war er nicht mehr so freundlich, wie zuvor. Man hielt das Thier für krank und Niemand wollte sich in seine Nähe wagen. Endlich wurde der alte Wärter wieder gesund und schlich sich langsam nach dem Gefängnisse des Löwen hin, um ihn zu überraschen. Sobald dieser ihn bemerkte, sprang er vor Freude ungestüm am Gitter hinauf, beleckte ihm Hände und Gesicht und zitterte am ganzen Körper vor Freude. Die Löwin kam nun auch hinzu, aber der Löwe wehrte sie ab und schien so eifersüchtig zu sein, von dem Wärter geschmeichelt zu werden, daß dieser fürchtete, es möchte sich zwischen beiden seinetwegen ein Kampf cntspinnen. Er begab sich daher) in den Käfig, um Frieden zu stiften und wurde von beiden mit Liebkosungen überhäuft.40 Einen andern Löwen besaß die Herzogin von Hamilton, welcher, nach drei Jahren einen alten Soldaten erkannte, der ihn bei der Ucberfahrt nach England gefüttert hatte. Als der Soldat ihn zum ersten Male wiedersah, fraß gerade der Löwe, wobei er von heu Begleitern der Herzogin mit Stöcken gezerrt wurde. Der Soldat trat vor seinen Käfig mit den Worten hin: „Nero, armer Nero, kennst du mich noch?" Der Löwe drehte sich sogleich um, ließ seine Speiscstückc liegen, und kam mit dem Schwänze wedelnd an das Gitter. Er leckte ihm di. Hand, ließ sich streicheln und rieb sich au der Stelle des Gitters, welche de» Soldat mit der Hand berührt hatte. Er wollte in den Käfig selbst hineingehen, doch hielt man ihn davon ab, weit man dem Löwen so recht nicht traute. Das jetzige Vaterland der Löwen ist besonders ans Afrika beschränkt. Nutzen gewährt er dem Menschen wenig, seine Haut wird zu ordinairem Pclzweck verarbeitet. Der Tiger (Tas. il. Fig. 12) übertrifft an Grausamkeit und Blutdurst alle Thicrc. Er ist so groß als der Löwe, aber länger gestreckt; oben lebhaft rothgclb mit schwarzen Querstreifcn, unten weiß; der Schwanz ist gelblichweiß und schwarz geringelt. Lein Vater land ist ganz Ostindien, nebst den Inseln Sumatra und Java. Das Tiger- Weibchen bringt 3 bis 4 Junge auf einmal zur Welt. Gänzlich lassen sich jung aufgezogene Tiger nicht zähmen; denn ihre blutdürstige Gemüthsart verliert sich nie. Der Tiger wohnt gern ans waldigen Anhöhen, im Schilf und im hohe» Grase. Hier lauscht er ans seine Beute, gerade so wie die Katze. Mit Leich tigkeit trägt er seinen Fang hinweg, denn er rennt mit dem stärksten Büffel- Ochsen im Rachen schnell und leicht davon. Auf dem Marsche eines englischen Reitertrupps kam ein Tiger in starken Sätzen herangesprungcn, riß einen Reiter vom Pferde, herab und lief mit ihm in aller Eile davon, meiner Besinnung beraubt, erwachte der Unglückliche, an Händen und Gesicht von den Dorugebüschcn, durch welche der Tiger mit ihm geflohen war, zerfleischt, auf dem Rücken des Ungeheuers. Mit vieler Anstrengung zog er aus seinem Gürtel eine seiner Pistolen heraus und schoß sie ans den Kopf des Tigers ab, schoß aber fehl, und das Thier biß nun noch tiefer ein und rannte noch schneller fort. Er verlor abermals seine Besinnung, erhielt sic aber nach einigen Minuten wieder und machte nun mit dem zweiten Pistol noch einen Versuch, sich zu retten. Es gelang, denn er schoß den Tiger durch das Schulterblatt in's Herz. Seine Kameraden fanden ihn besinnungslos; aber eine treue Pflege brachte ihn wieder in's Leben zurück und er bezahlte nur mit einem lahmen Beine das wunderbare Abenteuer. Die Wunden, welche der Tiger mit seiner Tatze schlägt, sollen oft '/« Elle tief gehen. Kann er seine Beute ungestört genießen, so steckt er erst den Nachen in den Leib derselben und schlürft das warme Blut ein; dann zerreißt er sie und frißt voin Fleische, was ihm beliebt. Ist er satt gefressen, so wird er feig. So geschah es, daß ein Jäger, indem er einen Hasen verfolgte, in einen Busch41 gerieth, worin er zu seinem großen Schrecken einen Tiger fand, der eben aus dem Schlaf erwachte und ihn mit grimmigen Augen ansah; der Jäger sprang zurück und der Tiger erhob sich langsam und entfernte sich ruhigen Schritts. Im Busche fand man einen halbaufgezchrten Ochsen, an welchem der Tiger sich wahr scheinlich gesättigt hatte. Die gewöhnliche Jagd ans den Tiger geschieht auf gut abgerichtcten Elephanten, denn Pferde fürchten sich vor ihm und werden scheu. Die indischen Fürsten stellen zu ihrer Belustigung oft große Treibjagden an, wozu 20—60,000 Mann theils Zu Fuß, theils zu Pferde aufgcboten werden. Auf Bäumen werden Schießhäuser errichtet und der Tiger mit starken Netzen umstellt. Hierauf wird das dürre Gras angezündct und durch gewaltigen Lärm das Thier in die Garne getrieben. Hier wird cs dann entweder von den Schießhäusern oder von Elephanten herab erlegt. Gewöhnlich greift bei solchen Jagden der Tiger den Elephanten an, der ihm aber mit seinem Rüssel einen derben Schlag versetzt und mit seinen Füßen Zertritt. — Zuweilen werden auch Kümpfe zwischen Tigern und Elephanten in umpfühltcn Plätzen angesteüt. Um den Elephanten zu schonen, wird Anfangs der Tiger mit dem Fuße an einen starken Pfahl gebunden, damit er nicht sogleich auf den Elephanten losspringt. Der Elcphant geht ihm entgegen und kehrt sich nicht an sein drohendes Gebrüll, sondern gibt ihm mit seinem Rüssel ein paar derbe Schläge ans den Rücken. Der Tiger stürzt nieder und stellt sich tobt. Nun wird ihm das Seil von den Füßen abgenommen. Kaum bemerkt dieses der Tiger, so springt er auf, fährt wüthcnd auf den Elephanten los und sucht in dessen Rüssel seine Zähne einzuschlagen. Zuweiten gelingt cs ihm und dann ist der Elcphant verloren, gewöhnlich aber ergreift ihn der Elcphant und schlendert ihn mit seinem Rüssel hoch in die Luft. Wagt er einen neuen Angriff, so schleudert ihn der Elcphant zuni zweiten Male in die Luft und zerstampft ihn, wenn er betäubt ans dein Boden liegt, mit seinen Füßen. Sehr interessant ist die Schilderung eines Tigcrkampfes zu Goto, welche wir unsern Lesern nicht vorcnthaltcn wollen. Die Fürsten von Java fangen Tiger in Menge mit der Absicht, sie mit Büffeln kämpfen zu lassen oder durch Lanzenträger zu erlegen. Da jedoch die Menagerie des Kaisers jüngst durch eine Anzahl von acht Königstigern überbürdet war, so schien cs rathsam, fünf davon zu liefern, umsomehr, als ihre Bewachung nachgerade anfing, gefährlich zu werden. Diese acht Tiger waren miteinander in einem großen Behälter ans starken Palmstämmen eingehegt. Bor der Pforte dieses Zwingers blieb Jeder mit einem unwillkürlichen Schauder stehen. Ein wetteiferndes Gebrüll und ivildeö Knurren, >vic cs nur aus dem Rachen eines Zigers entspringen kann, zeugte von der tiefen, noch vorläufig niedergehaltenen Wuth der Ungeheuer. Es war am 9. September 1839, Vormittags um 10 Uhr, als sich die militärischen und bürgerlichen Würdenträger bei der Residenz versammelten; auch42 nun - der unabhängige Häuptling Pangeran Mang hu Nagero mit seinen Offizieren erschienen, alle in voller Soldaten-Uniform. Der Pangeran führte eine schwache Eskorte seiner eigenen Kavallerie mit sich, denn dieser Tag, das Mst der großen Tigerschlacht, war kein gemeiner Festtag. Während der Zug durch die verschiedenen Vorhöfe schritt, spielten die einzelnen Banden der Trommler, Hornisten und Anderer Musik auf; auch stand in jedem Hofe eine Abtheilung der Leibwache des Kaisers, welche beim Vorbeigehen des Gesandten präsentirte und die Fahnen schwenkte. Im innersten Hofe, wo der Thronhimmel des Kaisers stand, trafen wir das große Musikkorps, welches ans europäischen Instrumenten ganz vortrefflich spielte; die Leute ivaren in weiße Pantalons und scharlachrothe Jacken gekleidet. Der Kaiser saß unter dem Thronhimmct, seinem Palaste gegenüber, und stand bei der Annäherung des Gesandten mit langsamer Würde ans, ihn zu empfangen, was durch einfachen gegenseitigen Händedruck und den Wechsel einiger höflichen Worte abgemacht war. Nach der Reihe thaten auch die übrigen Gäste so und kehrten dann zu ihren Stühlen zurück. Der Kaiser saß an der Spitze der Scsscl- rcihc im Centrnm, neben ihm der Gesandte in einem ähnlichen Lehnstuhl. Um den Arm trug der Kaiser ein schwarzes Trauerband, als Zeichen der Trauer für den Gcneralgonvernenr Merkur, der eben gestorben war. Vier Finger seiner rechten Hand und drei seiner linken blitzten von reichen Diamantringen. Nach einer kurzen Pause standen der Kaiser und der Gesandte zu gleicher Zeit ans und gingen mit einander Arm in Arm. Als sic den Thronhimmel verließen, trug eurer der Hofzwerge die Schleppe des Kaisers, dem eine Gruppe von Weibern folgte, welche thcils die Kroninsignicn, thcils Gegenstände seiner persönlichen egnemlichkeit trugen; z. B. ein karnroisinrothcs Tuch für ihn und den Gesandten, >c Scribüchsc, einen Bogen mit Köcher und Pfeilen, eine alte Muskete, deren . Haft mit weißem Tuch drapirt war, und mehrere andere Schmucksachen, worunter Schlld- Die Trägerinnen dieser Gegenstände waren " .' L® mUCU ' ^ c . a ^ cr ^ cn Ehrentitel Tuan -Tummunggung führten, der sonst E \ ” uncr ' 1 ücv ^ e ^ en wird. Dreißig mittelalterliche, sehr fette Weiber in X agsgewän crn und mit nackten Schultern bildeten den Schweif des Tuan- nmmunggungs, so daß diese Ehrerrgarde etwa aus fünfzig Frauen bestehen mochte. ^ lir U " lUU ^ Um ’ 5 ' c ^ c ^w'ölcn sich die europäischen Znschancr, Militär und Civil, ohne Rangordnung. Nach dem Dcfiliren durch alle Höfe, wo wir überall angetrommelt, angepfiffcn und begrüßt wurden, kam man zu der Halle Panguran, wo cm zweiter Thronhimmel und eine ähnliche Zahl von Stühlen s Qn ö ,- Ul .' einheimischen Häuptlinge grnppirt hatten. Hier empfing cn mscr und den Gesandten eine kleine Schaar wunderschöner Bajaderen mit !\ Cn l 0 , ^"arzcn Haaren und lüsternen leuchtenden Augen. Endlich standen hier me vuizcn von Geblüt, nicht auffallend gekleidet, und der Sohn des im Jahre43 1830 verbannten Kaisers, ein schöner junger Mann in prachtvollen Gewändern, mit einer goldenen Kette um den Hals. In größerer, ehrfurchtsvoller Entfernung saß der Premierminister Radau Adhipati SvSrodhi Ring Rad, ein ehrwürdiger Greis von 73 Jahren, der dein Kaiser anzeigtc, daß der Tigcrkampf jeden Augenblick beginnen könne. Halb europäisch gekleidete Lakaien servirtcn Wein für den Kaiser und den Gesandten, zwei Gläser ans einer besondcrn Platte, deren eines der Kaiser seinen Nachbarn mit den Worten: Glück auf zum Tigerkampf! zutrank. Hier schloß sich die Frau des Gesandten mit einigen Freundinnen dem Zuge an, allein die Etikette erlaubte dem Kaiser nicht, die mindeste Notiz von ihnen zu nehmen. Auf ein gegebenes Zeichen erhob sich die Gesellschaft; Arm in Arm, von dem Weibcrschwarm gefolgt, begaben sich Kaiser und Gesandter ans ihre Plätze, 50 Fuß von dem Zwinger entfernt, in welchem der stampf vor sich gehen sollte. Der Zwinger war fest genug, um den Gedanken an eine Gefahr nicht aufkommcn zu lassen. Im Innern desselben stand ein mittelgroßer schwarzer Büffelstier, mit versilberten Hörnern, eine Guirlande von Malatiblüthen um den Hals. Unter dem Geklimper der Instrumente stürzte der Tiger hinein. Beide Thierc zeigten sich scheu und überrascht, als sic sich so unerwartet einander gegenüber sahen, doch schien der Büffel weniger verwirrt, als sein Gegner, denn jener behauptete das Centrnm des Ringes, während der letztere schlangenartig um die Peripherie kreis'te. Sie vermieden beide sorgfältig jede Annäherung; der Büffel folgte allen Bewegungen des Tigers, das Horn leicht gesenkt und auf den Angriff gefaßt. Um diese Delikatesse durch Reizmittel zu überwinden, wurden Blöcke von Bambus rohr, die an der Decke hingen, so geschwungen, daß sic den Büffel schlugen, auch goß man heißes Wasser, worin spanischer Pfeffer abgctocht war, den Kämpfern auf Kopf und Augen; der Tiger wurde überdies mit Pfeilen und durch brennende Heubüschel anfgcstnchelt. Es kostete aber nicht geringe Mühe, beide Thierc zum Kampfe zu bringen. Endlich, durch die Blöcke getrieben, von Feuer und Wasser gehetzt, stießen sic zusammen in Wnth und Dampf. Einmal in den Kampf gebracht, zeigte der kriegerische Büffel eine» wahren Feuereifer, worin ihm der Tiger.bedeutend nachstand; denn dieser war immer geneigt, davon zu schleichen, namentlich wenn er, tüchtig gegen die Wand gestoßen, zu Boden kam. Der Bigcr wechselte seine Kampfart: am Zwinger emporklimmend, flog er wüthcnd auf Haupt und Nacken des Büffels, von welcher Umarmung sich dieser dadurch befreite, daß er ihn rückwärts in die Lüfte warf. Dieses Ringen, vier bis fünf Nlal in rascher Aufeinanderfolge wiederholt, war die interessanteste Parthie des Ganzen; der Tiger war so gut wie überwältigt, und da er Symptome eines gänzlichen Abfalls merken ließ, ward er entfernt und ein zweiter zu demselben Büffel gelassen. Derselbe Gang von Reizmitteln wiederholte sich; da aber der Büffel sein eigenes Blut im Nacken fühlte, geschah der Angriff seinerseits schneller, als das erste Mal. Der zweite Tiger wurde gleichfalls bezwungen, was bewcis't,44 daß dicsc Katze im engen Raume kein Feld zur Thatkraft hat. Mit jedem Tiger hatte der Büffel nur zwei bis drei regelmäßige und ernste Gänge, wenn der Tiger ihn ain Nacken faßte und er denselben anfwarf, um ihn mit den Hörnern zu fangen. Der zweite Tiger wurde noch schneller hinausgeschafft, als der erste; beide Kämpfe mochten etwa drei Viertelstunden gedauert haben. Der Büffel war nicht lebensgefährlich verwundet; aber man erklärte ihn für eingeweidekrank, und so ward er geschlachtet unmittelbar nach dem Strauß. Beim Schluß des ersten Aktes dieses Schauspiels kehrte der Kaiser mit seiner Gesellschaft unter den Thronhimmel zurück, in Erwartung des Anfangs des zweiten Aktes. Dann begab man sich ans eine hölzerne Plattform, Pang- gong genannt, etwa 8 Fuß über dem Boden erhaben und in der Nachbarschaft des Kampfplatzes gelegen. Hier wechselte der Kaiser zum ersten Male einige Worte mit der Gemahlin des Gesandten. Der Theil des Ringes, welcher dem Kaiser zunächst lag, hatte eine Fronte von 100 Fuß und der Zwischenraum war besetzt von seinen Bewaffneten, welche Kenten, Schwerter, Spccrc, Dolche und andere Angriffswaffcn trugen. Sic waren in Reihen aufgestellt und in bunt farbige Jacken gekleidet. Eine Parthie der kaiserlichen Dragoner stellte sich zur Seite auf, so daß ein improvisirter Besuch des Tigers nicht zu besorgen war. Alles starrte von menschlichen Köpfen. Im Mittelpunkte des Ringes standen fünf enge, länglich viereckige Käfige in einer Reihe, deren jeder einen Tiger ent hielt. Sic waren ganz mit Decken von Alangalang-Gras verhängt, so daß man von den Einwohnern nichts mehr erblicken konnte. Daneben waren zwei Behälter von Bambusrohr, unter welchen mehrere bewaffnete Leute hielten, deren Geschäft folgendes war: An den Käfigen standen einige Männer, und nach Abschluß der Vorbereitungen begab sich eine Deputation zu den Füßen des Kaisers, um seine Befehle entgegenzunehinen. Dort angelangt, krochen sic ganz heran, legten dann das Gesicht zu Boden und erhoben die Hände flehend über dein Haupte. Der Befehl zum Anfang ward ertheilt, und beit drei Männern übcrbracht, welche die Tiger nach einander losznlasscn hatten. Dieses Trias befand sich nun allein im Kreis und hatte alle Manöver nach den Bewegungen des kaiserlichen Armes ein zurichten. Der Kaiser winkte, und Nr. 3 verstand sogleich, wiederholte alle seine Unterwürfigkeitsbezengungen, sprang dann auf den Käfig, salutirte graziös mit seinem Handschar und dnrchschnitt die Stränge, welche die Käsigthür sperrten. Der Handschar kehrte in seine Scheide zurück: der Mann ergriff die Thür des Käfigs, hob und senkte sic in ihrer Fuge 4 bis 5 Mal ruhig auf und nieder und legte sic endlich eben so ruhig auf den Boden. Unter denselben Reverenzen steigt er herab und setzt sich neben die nunmehr offene Käfigthür, vom Tiger nur durch den dünnen Vorhang der Alangmattc getrennt. Hier sitzt er ziemlich eine Minute, bis die beiden andern ihre Lunten angcbrannt haben, um »ach einiger Zeit das Alanggraö in Brand zu stecken. Dicsc furchtbare Zögerung endet zuletzt ein Zeichen von der Hand des Kaisers; graziös, ehrfurchtsvoll, langsam beugt45 sich dcr Mann am offenen Rachen deö Käfigs in den Stand, springt empor und erreicht die beiden andern, worauf sic nach dein Tone des Gamclan einen pracht vollen Tanz ausführen. Immer langsam tanzen sie so in den Kreis dcr Speer - männcr, hinter ihnen flattert ihr langes Gewand. Das Feuer thciltc sich dem Käfige nicht sogleich mit, sobald aber die drei Männer aus dem tödtlichcn Ringe waren, sah man einen dcr ovalen Bambus- käsige auf einmal in Bewegung. Aber erst als die brennenden Zunder in den Käfig selbst fielen, konnte man irgend ein Lebenszeichen des Tigers gewahren. Zuerst kam er halb hervor, allein Mt dcr Art seiner Umgebung bekannt, sprang er rasch zurück. Ranch und Flammen drängen ihn zuin zweiten Mal, und das königliche Thier kreist springend im offenen Raum. Dcr Lärm der Instrumente verdoppelt sich; dcr Tiger, schäumend, knirschend, erwägt einen Angriffsplan auf seine zahlreichen Feinde, dein Kaiser gerade im Angesicht. Er stürzt gegen den Lanzenwald; doch, als ob ihm das Herz fehlte, bebt er zurück vor den gleißenden Eifenfpitzcn und flüchtet nach seinem brennenden Verließ; den Unterkiefer weit gesperrt, starrt er vor dem feurigen Pfuhl. Aber dcr Muth siegt; einer Dogge gleich, stürzt er sich abermals auf den Kreis. Beim ersten Gefühl der Lanzen spitzen schnellt er sich hoch empor, rasch wie ein Gedanke prallt er zurück und springt zum zweiten Mal auf seinen Feind. Aber dcr Feinde sind ihm zu viel, kopfüber fliegt er an der Reihe der Bewaffneten hinab. So umkreist er ein Drittel des Umfangs — die Männer stehen fest und verwunden ihn, so oft er sich wendet; zuletzt überschlägt er sich und springt nochmals an. Schon weichen seine Kräfte, er erreicht sein Ziel nicht mehr — eine Menge von Sperren taucht sich in seinen Leib und das Schweigen der Instrumente verkündet seinen Tod. Nachdem die allgemeine Aufregung sich ein wenig gelegt hatte, und dcr Kreis der Speermänner geordnet dastand — denn manche Lanzenspitzc war im Körper des Tigers stecken geblieben — kehrten die drei oben erwähnten Leute wieder in den Ring zurück, und begannen mit ganz gleichen Ceremonien den »weiten Tiger zu entfesseln. Dies wiederholten sic, bis alle fünf gctödtet waren, vhue je dabei die Geistesgegenwart zu verlieren oder ein Zeichen besorglicher k^ile zu verrathen, obwohl zweimal dcr Tiger schon ans den Matten entsprungen war, bevor sic den Kreis dcr Lanzenmänner erreicht hatten. Sie tanzten ruhig fort nach der Melodie des Gamclan, die sich nur einmal zu ihren Gunsten etwas im Tempo beschleunigte, um ihre Ehre zu retten. Indessen bekümmerten sich die Tiger gar nicht um diese Drei; die kaltblütige Resignation dcr letzteren hatte noch einen Grund, der sich beim Auslassen des zweiten Tigers offenbarte. Da nämlich alle Matten vom Feuer verzehrt waren und bereits der Käfig brannte, der Einwohner aber noch kein Zeichen dcr Empfindung gab, so nahm man allgemein seinen Erstickungstod an. Es näherten sich demnach Männer mit Schilden und räumten die Asche hinweg, wobei man drei einzelne, etwa finger dicke Seile erblickte, die quer vor die Käsigthür gespannt waren, durch einen46 Zufall aber verschont wurden. Man durchschnitt diese, und der Tiger, welcher etwas weiter hinten lag, wurde mit Bambusstöcken geschlagen und gestoßen, gab jedoch kein Zeichen von sich. Die Schildträger packten ihn endlich am Schweife und schleppten ihn bis zur Hälfte heraus. Da aber begann das edle Thier die Beleidigung zu suhlen; seine Peiniger entflohen und cs kam hervor. Es war an mehreren Stellen verbrannt und an einem Fuße gelähmt, zeigte sich aber trotz dem als kräftiger Kämpfer, ehe er fiel. Dies waren die zwei Tiger, welche mit dem Büffel gcfochten hatten. Von den. drei andern kam einer hervor, noch che das Feuer seinen Käfig ergriffen hatte, — ein Beweis, daß die Stricke für de» Tiger nicht immer ein Hinderniß sind, wenn er durchbrechen will. Dieses Thier stürzte sich auch, seinen Gefährten ganz ungleich, unmittelbar mit großem Geheul auf den Lanzenwald und siel, als die drei Tänzer kaum den Kreis verlassen hatten. Dagegen zeigte der letzte von den fünfen am meisten Bösartigkeit und große Lust, sich mit dem Kaiser und seiner Umgebung zu messen. Durch ungemeine Finten und die raschesten, oft ganz entgegengesetzten Bewegungen täuschte er zuletzt seine Gegner wirklich und durchbrach ganz nahe beim Kaiser die Linie. Er verkroch sich unter einen Wagen, in welchem mehrere Damen saßen, aber die Piken waren sogleich wieder an ihm, und er sank bald leblos hin. Der Tiger hatte Niemandengebissen, aber in der Verwirrung gaben einige Eingeborene Fersengeld, und ein europäischer Soldat und ein Kind wurden leicht am Arme verwundet. Bemerkenswerth war die eherne Ruhe des alten Premierministers, der gerade an dem Platze stand, wo der Tiger durchbrach, aber der grimmigen Bestie gegenüber keine Miene ver zog. Keiner der Tiger, der einmal eine Wunde empfangen hatte, suchte übrigens in's Centrum zurückznkehren; sie stürmten an, bis sic von zahlreichen Wunden ihr Leben ausgehaucht hatten. Keiner machte einen hohen Sprung. Bei den Leoparden ist dies ganz anders, indem sic nicht selten über die Reihen der Speer männer hinwegsetzen oder mitten in sic hincinspringen und auf diese Weise entkommen. In Ostindien gibt cs noch immer sehr viele Tiger und oft werden ganze Dörfer, die nahe an Bambuswäldern liegen, von ihnen hcimgcsncht und entvölkert. Wo ein Mensch von einem Tiger gctödtct worden ist, wird in Ostindien ein Warnungszeichen errichtet, nämlich eine Stange mit einem rothcn Tuche und dabei eine Hütte erbaut. Diese dient den Reisenden zum Bethause. — Merk würdig ist die sonderbare Abneigung des Tigers gegen die Alans. Ist eine solche in seinem Käfig, so erhebt er ein starkes Gebrüll und zeigt sich äußerst furchtsam. Die Häute der Tiger werden zu Pferde- und Schlittendeckcn gebraucht.47 Der Panther (Taf. II. Fig. 14) ist oben rothgelb, unten weiß mit sechs oder sieben Reihen schwarzer Flecken. Der Schwanz ist so lang, wie sein Körper. Er erreicht eine Höhe von 4 Fuß. Sein Vaterland ist Afrika, das westliche Asien und die Inseln des indischen Archipels. In Blutdurst und Lebensart ist er dem Tiger sehr ähnlich. Er tödtct Rinder und trägt ganze Kälber mit Leichtigkeit davon; ungereizt greift er den Menschen nicht an, wird er aber gereizt, so kann er sehr gefährlich werden. Bon den Afrikanern wird er zur Jagd abgerichtet, und sie führen ihn in einem eisernen Käsig ans einem Wagen in die Wälder. Zeigt sich ein Wild, so lassen sie ihn los, und wnthcnd fährt er heraus und erwürgt cs; hat er cs aber ver fehlt, so wendet er sich grimmig gegen seinen Herrn, und wirft ihm dieser nicht ein Lamm oder ein anderes Thier hin, das er mit sich nehmen muß, so ist er selbst verloren. Sein Fleisch schmeckt besser als von andern Ranbthicrcn und wird in Afrika gegessen. Sein schönes Fell dient zu Pferdedecken. Der Leopard (Taf. lk. Fig. 15) ist eine Spielart vom Panther. Er wird so groß, als ein ansehnlicher Fleischerhund. Sein Fell ist gelb und hat schwarze, ziemlich dicht beisammenstehende Flecken. Sein Vaterland ist Afrika und das südliche Asien, wo er den wilden Katzen, Affen und Vögeln nachstcllt. Er ist sehr räuberisch und thnt in bewohnten Gegenden oft den Hcerden großen Schaden. Den Menschen greift er nur im Hunger an, oder wenn er sonst gereizt wird. Der Jaguar 'st gewöhnlich oben feurig rothgclb mit vier Reihen augenförmiger Flecken, an den Seiten , des Bauches weiß mit schivarzen Qncrstreifen und dem Tiger an Größe, Gestalt und Lebensart ähnlich. Nur ist er nicht so schlank, etwas schwer- wenig gewandt und nicht so blutdürstig. Seine Heimath ist das südliche Amerika, wo er sich in dem am Ufer stehenden hohen Grase und Schilf, oder w Moorgegenden anfhält. Er thnt den Viehhccrdcn viel Schaden und stellt besonders jungem Hornvieh, Pferden und Mauleseln nach. Er geht nur in der borgen- und Abenddämmerung ans Raub ans. Um seine Beute zu erhaschen, windet er sich, wie eine Schlange, ans dem Boden hin, bleibt wieder einige Ginnten liegen und springt dann in einem gewaltigen Satze auf das Thier hin, blickt es zu Boden, reißt ihm den Hals ab und trügt cs in das Dickicht. Große Stiere und Ochsen greift er nur in der Noth an, indem diese muthig »ns ihn eindringen. Pferde suchen sich durch die Flucht zu retten; aber die Maulesel werden durch seinen bloßen Anblick so erschreckt, daß sie bewegungslos sichen bleiben oder gar vor Angst zu Boden fallen, che sie noch angegriffen werden. Der Jaguar tödtct nie mehr als ein Thier, weil cs ihm mehr nm das ^irisch als um das Blut derselben zu thun ist. In wilden Gegenden scheut er48 beit Menschen, in bewohnten hingegen greift er ihn an; und hat er einmal Men schenfleisch genossen, so hat er ein besonderes Gelüste nach demselben. Merk würdig ist es jedoch, daß er den Neger oder Indianer dem Weißen vorzieht. Doch soll er sich, wie der Löwe, durch unverwandtes Ansehen oder durch einen lauten Zuruf zurückschrecken lassen. Nicht selten geräth er mit dem amerikanischen Krokodil in Kampf. Dieses liegt häufig am Ufer der Flüsse und faßt den Jaguar, wenn er zum Trinken dahin kommt, beim Kopfe, wogegen dieser ihm die Klauen in die Augen schlägt. Gewöhnlich endigt dieser Kampf damit, daß das Krokodil den Jaguar mit in's Wasser hinabzieht und ersäuft. Die Jungen werden oft gezähmt, müssen aber mit Milch und gekochtem Fleisch aufgezogen werden; denn frisches Fleisch macht sie wild und bösartig. Im dritten Jahre jedoch lernen sie ihre Kraft fühlen und werden ihrem Herrn gefährlich. Obgleich weder die Nägel noch die Zähne des Jaguars sehr scharf sind, so zermalmt und zerquetscht er doch seine Beute so, daß bald hernach ein Starrkrampf erfolgt. Die Jagd ans den Jaguar ist sehr gefährlich, ist aber bei den Indianern zur Leidenschaft geworden. Die verwegenste Art ist ohne Zweifel folgende: Der Jäger umwickelt mit einem großen Schaffelle seinen linken Arm und nimmt in seine Rechte ein 2 Fuß langes zweischneidiges Messer. Non zwei Hunden begleitet, sucht er den Jaguar auf und reizt ihn durch allerlei Geberden so lange, bis er endlich in ein oder zwei Sätzen auf den Jäger losspringt, sich auf die Hintertatzen aufrichtet, und mit fürchterlichem Gebrüll seinen ungeheuren Rachen öffnet. In diesem Augenblicke streckt der Jäger den beiden Vordertatzen seinen mit Fell umwickelten linken Arm hin, und stößt ihm sein Jagdmesser in die linke Seite. Der getroffene Jaguar stürzt zu Boden und die Hunde fallen jetzt über ihn her. Ist er jedoch nicht tödtlich verwundet, so rafft er sich sckinell wieder auf und stürzt mit neuer Wuth auf seinen Feind, der ihn durch einen neuen Stich abermals zu Boden wirft. Die gewöhnlichste und am wenigsten gefährliche Art, auf den Jaguar zu jagen, ist folgende: Eia guter Schütze, ein Zweiter mit einer Lanze und ein Dritter mit einer langen zweizackigen Gabel bewaffnet, suchen mit 6 bis 10 Hunden das Thier auf. Finden sie einen, auf welchen schon Jagd gemacht ist, so reißt er schnell aus, sonst stellt er sich zur Gegenwehr oder springt auf einen Baum. Widersetzt er sich den Hunden, so schließen diese einen Kreis tun ihn und bellen ihn von allen Seiten an. Sobald die drei Jäger das Thier erblicken, stellen sie sich neben einander, der Schütze in die Mitte. Dieser zielt auf den Kops oder auf die Brust. Gelingt der Schuß, so fallen die Hunde über den verwundeten Jaguar her und tobten ihn. Schießt der Schütze vorbei, oder ver wundet er ihn nur leicht, so springt der Jaguar mit fürchterlichem Gebrüll auf den Jäger loö; aber so wie er sich nufrichtet, hält ihm der eine die zweizackige Gabel vor und der andere sucht ihm mit der Lanze einen Stich in die Brust beizubringen; zieht aber sogleich die Lanze wieder zurück und legt sie zu einem zweiten Stiche aus; denn der niedergeworfene Jaguar springt mit der größten49 Schnelligkeit wieder auf und stürzt auf seine Feinde los, die ihn aber mit neuen Wunden empfangen und endlich erlegen. Sehr gefährlich ist es, daö umgestürzte Thier mit der Lanze auf den Boden festnageln zu wollen; denn, obgleich durch bohrt, vermag er mit einem Schlage den Lanzenschaft zu durchbrechen. Wenn er auf einem Banmc sitzt, so wirft man ihm auch wohl eine Schlinge um und läßt ihn durch ein Pferd auf's offene Feld schleppen, wo man denn neue Schlin gen ihm um di'c Füße wirft, bis endlich das Thier, durch Anziehen der Schlin gen nach entgegengesetzten Seiten hin, erdrosselt wird. Der C n g ii a r. Dieses Thier, auch Puma oder Wolf öbär genannt, ist gemeint, wenn von einem amerikanischen Löwen die Rede ist; denn der wahre Löwe findet sich in Amerika nirgends. Eben so ist cs der Jaguar, welchen man unter dem Tiger verstehen muß, von welchem Nciscnde in Amerika sprechen. — Der Cngnar hat einen röthlich braunen Rücken, mit aschgrauem Unterleibe und langen Haaren am Bauche. Er erreicht, von der Schanze bis zur Schwanzspitzc, eine Länge von 6, und eine Höhe von 2 Fuß. Er wird in dem größten Thcile Amerikas ge funden und hält sich gewöhnlich in Waldungen auf, um von den Bäumen herab Hirsche, Rehe, Schafe n. s. w. zu erbeuten. In der Nähe von Vichhccrden ist er gefährlicher als der Jaguar, weil er mehr tobtet, als er verzehrt. Man hat Beispiele, daß einer in einer Nacht über 18 Schafe tödtetc, welchen allen er nur ^ie Kehle aufgcrissen hatte. Hat er sich übermäßig mit Blut gesättigt, so entfernt er sich nicht weit und fällt in einen tiefen Schlaf, gleichsam vom Blute berauscht. Den Menschen greift er nie an, sondern flieht ihn. — Wenn man ihn jung su«gt, so läßt er sich leicht zähmen und wie ein Hausthier abrichtcn, denn mit Hunden und Katzen verträgt er sich sehr gut. Nur dadurch macht er sich zu weilen unangenehm, daß er, wenn sein Herr sich nähert, sich versteckt und plötzlich ""f ihn losspringt und ihn erschreckt. Seine Jagd ist ohne Gefahr. Der Gepard. Der Gepard oder Jagd-Tiger erreicht die Größe eines Leopards, nur ist er hochbeiniger, und der längere Schwanz ist am Ende mit schwarzen Ringen ver ehr«. Ex gleicht in seinem Wesen der Hauskatze, jedoch ist er noch weniger ^Asch, wenn er einmal gezähmt ist. Man richtet ihn sehr häufig zur Jagd ab; ^her auch sein Name Jagd-Tiger. Wir werden denselben am besten kennen teilen, wenn wir mit Aufmerksamkeit die Beschreibung verfolgen, welche das Erscheinen des Jagd-Tigers oder Tigerwolfs in England hervorgernfen hat. Diase Mittheilung lautet wörtlich: Unter den Felisartcn gibt es eine, die sich von den übrigen dadurch unter scheidet, daß sie fast gar nicht ihre Krallen einziehen, oder wie man sagt, ein Sarnmetpfötchen machen kann. Es ist der Tigerwolf (Ouexarä oder Felis jubata). Beunier'S Nliiurgeschjchtc. 450 König Franz I. von Frankreich besaß ein solches Thier, das zur Jagd abgcrichtet war, und das einer der königlichen Jäger gewöhnlich ans der Kruppe seines Pferdes mitführte. Gehn er, der Zeitgenosse dieses Königs, erwähnte dieses Thicres; man hielt aber seine Beschreibung für wenig mehr, als ein ihm ans- gebnndcncs Mährchen, und obgleich spätere Reisende im Orient, wie Vernier, Tavernier n. A., gleichfalls von dem Tigerwolf sprachen und Alles bestätigten, was Gcßner von ihm gesagt hatte, so beschäftigte die Aufmerksamkeit der Gelehrten sich doch erst wieder mit diesem Thiere, als nach der Eroberung von Scringa- pntam zwei solche Tiger, die Tipo-Sahib gehört hatten, nach England gebracht wurden. Diese beiden Thiere kamen von ihren beiden früher» Wärtern begleitet an, denen sic wie der beste abgerichtetc Hund gehorchten. Man schickte sie nach Windsor, und die beiden Indier baten dringend, man möchte sic nicht in Käsige einsperren, sondern frei im Park jagen lassen, wie sic cs zu thun gewohnt seien; die Wärter boten dabei ihren Kopf znin Pfände, daß die Thiere kein Unheil an- richten würden. Georg III. mochte den gräulichen Katzen nicht wohl trauen und befahl, daß die Tiger den gewöhnlichen Wärtern der königlichen Menagerie über geben werden und die Indier wieder in ihre Heimath zurückkehren sollten, Nicht ohne tiefe Bctrübniß konnten sich die guten Hindus von den beiden Thicren, die sie so lange gepflegt hatten, trennen; sie behaupteten, die Wärter der königlichen Menagerie wüßten nicht sanft genug mit den Tigerwölfen umzugchen, und würden sie bald wieder verwildern machen. Was sic vorausgesehen hatten, traf auch wirklich ein; die beiden in einem und demselben Käfig eingeschlossenen Thiere wurden in kurzer Zeit so wild, daß Niemand mehr ihnen nahe kommen durfte, und als an einem schönen Morgen ihre Thüre schlecht verschlossen wurde, brachen sic ans, und schnitten, als man sie wieder in ihren Käfig treiben wollte, so bedrohliche Gesichter, daß Niemand sich ihnen zu nähern wagte. Nun befahl der König, sic zu erschießen; allein zu fällig erfuhren cs die Hindus, die damals gerade sich einzuschiffcn im Begriffe waren, und baten inständig, man möchte sic zuvor noch einen gütlichen Versuch mit ihren chcmaligcir Zöglingen machen lassen. Man willigte ein, und die Hindus kamen ans einige Zeit wieder nach Windsor zurück. Als man die Pforte des Hofes öffnete, trat Einer von den Hindus ein und rief den ihm zunächst befind lichen Tiger bei seinem Namen. Allein das Thier wollte seinen alten Freund nicht mehr erkennen und knurrte mit grimmigem Gesicht. Der Hindu erschrak und kehrte sogleich um; allein bald sammelte er wieder Mnth, trank ein Glas Branntwein, und ging dann, von seinem Gefährten begleitet, nochmals in den Hof. Jeder von ihnen hatte eine Kapuze in der Hand, womit man den Kopf der Tiger zu bedecken pflegte, etwa wie man dem Falken eine Kappe aufsetzt, bevor man ihm die Beute zeigt. Der Tigerwolf, der zuerst Zeichen fein* Grimmes von sich gegeben hatte, knurrte noch mehr, als man auf ihn zuging, und als der Hindu, der voranschritt, ihm nahe kam, stürzte er sich auf ihn, und51 umkrallte und zerfleischte ihm den Arm; allein im Augenblick, wo er den Kopf erhob, bedeckte ihn der andere Hindu mit der Kappe, und sogleich erinnerte sich das Thier seiner alten Gewohnheit, kauerte ans die Hinterfüße nieder und leckte seinem Wärter, den er eben voll Wnth angcfallen hatte, die Hand. Dem andern Tiger brauchte man bloß'die Kappe zu zeigen, als er sich auch sogleich unterwarf. Beide Thierc wurden nun wieder in ihre Käsige gebracht; allein man war hart herzig genug, die Hindus, die ihr Leben daran gewagt hatten, um das ihrer Pfleglinge zu retten, abermals von ihnen zu trennen. Der Luchs (Taf. il. Fig. 16) Seicht einer wilden Katze, ist aber viel stärker und hochbeiniger und hat eine "iuigc oon 3'/ ä Fuß. Er ist rostroth mit rostbraunen Flecken. Sein Gehör "ud namentlich sein Gesicht sind äußerst scharf, sein Geruch ist aber schlecht. erschleicht seine Beute wie eine Katze, oder lauert auf einem Vaumaste. Man lmdet ihn in großen Ebenen und gebirgigen Waldungen, in den Alpen, den Phrenäcn, den Gebirgen Neapels und in Polen. In Deutschland wird er nur ''och in den böhmischen, baicrischcn, niederösterreichischen und steyermärkischen Waldungen gefunden. Er wohnt in dichtem Gebüsch, in Felsspalten, alten Fuchs- »nd Dachsgrubcn. Hasen, Rehe, Hirsche, Schafe, Ziegen, Kälber dienen ihm zur 'Ehrung. Er ist im hohen Grade blutdürstig und würgt mehr, als er verzehren niUl - Man kennt Beispiele, daß er in einer Nacht 30 Schafe gemordet hat. springt in weiten Sätzen an den Hals der Thierc und beißt ihnen die Puls- ooer durch. Größeren Thicrcn stürzt er in's Genick und klammert sich fest; nach "»igcn Minuten fallen sic tobt nieder, und nun sangt er ihnen mit Wohlbehagen "'s Blut ans und verzehrt Herz, Leber und Nieren. Was ihm nicht mehr bc- b'P, vergräbt er, um es am folgenden Tage wieder aufzuscharrcn. Findet sich o or frisches Wild, so überläßt er das ältere den Füchsen und Mardern. Das boibchen, nicht so schön wie das Männchen, bringt 2 bis 3 Junge zur Welt, 'Oklchc sich zähmen lassen und dann wie Katzen in und außer dem Hanse herum- "!'son- Keine Katze jedoch bleibt neben, dem Luchse im Hause. Der Wiutcrbalg , ll 'o 011 ihnen sehr geschätzt und zu den schönsten Pclzwcrken gerechnet, wofür 10 bis 15 Thalcr gezahlt werden. Seine Jagd ist jedoch für Hunde itub ^ rt 9 c >‘, wenn er nicht gut getroffen wird, noch gefährlicher, als die der wiO oen Katzen. 2. Das Hnndcgcschlecht. Der Haushund. Seit undenklichen Zeiten ist dieses Ranbthicr durch Zähmung ein Haus 'hier und treuer und nützlicher Gefährte des Menschen geworden, t nrch seinen, gewöhnlich links, nach oben gekrümmten Schwanz ist er leicht von den übrigen 4*52 Arten seines Geschlcchs zu unterscheiden. Die Hündin bringt 4 bis 12 Junge zur Welt, welche 10 bis 12 Tage blind sind. Im Alter, das zuweilen bis auf 20, ja 27 Jahre kommt, wird der Hund blind und taub, und die Zähne werden stumpf, schwarz und fallen ans. Unter die Eigcnthümlichkeitcn gehört seine bellende Stimme, daß er beim Schalle der Blasinstrumente und beim Anblick des Vollmondes ein gräßliches Geheul anstimmt; daß er nicht schwitzen kann und wenn er heiß geworden, die Zunge hcranshängen läßt; daß er mit gespitztem Ohre schläft und träumt; daß er sich an einem Kreuzwege umsieht und wenn er gestohlen hat, mit eingebogenem Schwänze davon schleicht. Beinahe Alles, was der Mensch zu seiner Nahrung gebraucht, genießt auch der Hund. Am zweck- mäßigsten für ihn ist grobes Brod, worüber Milch oder Brühe von abgckochtcn Knochen geschüttet werden kann. Saure Milch ist ihm besonders tut Sommer sehr zuträglich. Er gewährt dem Menschen einen großen Nutzen; denn er dient zu seiner Beschützung, zur Bewahrung seines Eigenthums, zur Jagd, zum Karren- und Schlittenziehcn, zu allerlei Kunststücken u. s. w. Sein Fleisch wird in vielen Ländern der Erde, selbst in Europa, gegessen und soll wie Hammelfleisch schmecken; das Fett wird bei Lnngensüchtigcn als Heilmittel gebraucht. Es gibt unter den Hunden wohl 20 Raccn, von welchen die merkwürdigsten folgende sind: Der gewöhnliche Bauerhund, ein treues, nützliches Thier für den Landmann und Viehhändler. Er kennt die Felder seines Herrn, bewacht sein Vieh, begleitet cs zur Weide und treibt das fremde Vieh von dem Eigenthum seines Herrn schnell hinweg. Der Bullenbeißer hat eine stumpfe Nase und eine kurze, dicke, aufgeworfene Schnauze. Die englische Dogge, von großer, schöner Statur, außerordentlicher Stärke und flirchtbar majestätischem Blick. Der Neufundländer mit langem, seidenartigem Haare und mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen. Der gemeine Jagdhund von bekannter Gestalt. Der Pudel mit wolligem Haare und einer Schwinnnhaut zwischen den Zehen. Der Windhund zeichnet sich durch seine zarte, schlanke Gestalt aus. Der Dachs hund mit kurzen, krummen Beinen. Jede dieser Arten leistet dem Menschen besondere Dienste und cs ist gewiß eine der trefflichsten Eroberungen, welche der Mensch in der Bezähmung und Unterwerfung des Hundes gemacht hat. Um dies recht cinzusehen, wollen wir einmal annehmen, daß der Hund nie da gewesen sei. Wie hätte nun da wohl der Mensch, ohne Feuergewehr, andere Thicre in seine Hände bekommen, sie gezähmt und sich dienstbar gemacht? Um sein Leben sicher zu stellen, um sich die Herrschaft über die Thierwelt zu verschaffen und sie zu behaupten, mußte er erst eine Art solcher wilden Thicre unterjochen und an sich gewinnen. Es war dies der Hund. Die meisten großen Thicre sind dem Menschen, der ihr Herr sein soll, an Gewandtheit, Kraft und Schnelligkeit weit überlegen; die Natur gab ihnen bessere Waffen und Werkzeuge. Als der Mensch aber ein so mnthiges und53 vielfach brauchbares Thier, wie der Hund ist, auf seine Seite gebracht hatte, war er auch zugleich iu den Besitz neuer Kräfte gekommen. Bon der Treue, Dankbarkeit, Gelehrigkeit des Hundes hat man mehrere interessante Beispiele, von welchen wir jetzt einige aufzäh len wollen. Einige Tage vor dem Sturze des gefürchteten Nobcspicrrc vcrurthcilte das RcvolntionStribnnal in einer Provinz einen alten, ehrwürdigen Beamten. Als Man ihn in's Gcfüngniß brachte, war seine Familie schon zerstreut, und mit seinen Freunden, wenn noch einige ihm geblieben waren, war ihm aller Umgang abgc- schnittcn. Doch einer blieb ihm, dem konnte man nicht verwehren nachznfolgcn. Es war ein Pudel, zwölf Jahre alt, der fast nie von feiner Seite gekommen war. In's Gefängnis; wollte man ihn nicht einlassen. Er flüchtete sich jedoch in ein benachbartes Haus und kam alle Tage an die Thür des Kerkers, immer jedoch gehindert, hineinzugelangen. Den Gefängnißwärtcr rührte jedoch endlich diese ausdauernde Treue und er gestattete dem guten Thicrc den Einlaß. Unbeschreiblich >var die Freude, als er seinen Herrn wieder sah; cs kostete Mühe, sic wieder zu brennen; aber der Kerkermeister fürchtete für sich selbst und nahm den Hund 'reg, welcher nun wieder seinen bisherigen Zufluchtsort aufsuchte. Am nächsten Morgen aber war er auf's Nene da, wiederholte seinen Besuch einige Wochen bang, erhielt alle Tage den Zutritt regelmäßig ein Mal und leckte dann die Hand seines Herrn, blickte ihn an, leckte ihm noch einmal die Hand und schied bann, sobald der Gefängnißwärtcr rief, weil er nun die Gewißheit hatte, wieder "»gelassen zu werden. Nicht lange Zeit mehr war der Unglückliche im Gcfäng- denn cö wurde ihm bald das Todcsnrthcil angekündigt. Als der Tag zur Eröffnung des Urthcils da war, drängte sich der Hund durch eine große Menge Menschen in den Gcrichtssaal und kroch zwischen die Beine seines unglücklichen Herrn. Das Urthcil wurde ausgesprochen und dieser in's Gefängnis; zurück- geführt. Den Hund hinderte man, ihm nachzufolgen, aber er wich nun die ganze ^acht nicht von der Thür. Die Stunde zur Hinrichtung erschien, das Gcfäng- ui ß geht auf, der Greis tritt heraus und an der Schwelle bewillkommt ihn der Hund, indem er schmeichelnd an ihm cmporsprang. „Ach, diese Hand wird dir ,lie . wieder den Kopf streicheln, treues Thier!" sprach der Bernrtheilte. Das ^"l fällt, und der unglückliche Greis verblutet sein Leben; doch der treue Bc- glciter will nicht von seinem Leichnam weichen. Er umkreiset ihn und legt sich a»f das Grab, als er verscharrt ist. Auf dem kalten Lager bringt er die erste ^acht, den folgenden Tag, die zweite Nacht hin, bis ein Nachbar, dem cs wehe bhat, das arme Thier nicht mehr zu sehen, ihn aufsncht. Der gute Mann liebkos't % und nimmt ihn mit sich; er versucht Alles, ihn zu füttern, aber der Hund autflicht bald hernach wieder zum Grabe seines Herrn. Drei Monate gingen hm; alle Morgen kam das arme Thier zu seinem Wohlthäter, Nahrung zu er halten, aber täglich wurde er trauriger, magerer und kraftloser. Sein Beschützer luchte ihn von seinem Aufenthalte zu entwöhnen; er sperrte ihn ein und legte54 ihn an. Aber das treue Geschöpf wußte sich loszumachen und eilte wieder zum Grabe seines Herrn. Kurz, alle Mühe war vergebens. Er wollte endlich durchaus kein Futter mehr annehmen und suchte die Erde aufznscharrcn, die ihn von seinem geliebten Herrn trennte. Bald aber verloren die schlvnchcn Glieder ihre Kraft und er athmcte auf dem Grabe sein Leben aus. Eben so merkwürdig ist die Erzählung, wie ein Hund den Mörder seines Herrn entdeckt und seinen Herrn im Tode noch rächt. Ein Hofsnnkcr Karl'ö V., Ritter Vacaire, wurde über einen seiner Kameraden, Aubh von Mantdidier, eifersüchtig, weil er bei dem Könige in Gnaden stand und von ihm sehr begün stigt wurde. Er versuchte mancherlei Mittel, ihn zu stürzen, aber vergebens. Endlich traf er ihn allein in einer waldigen Gegend; und da er nichts als einen Waidhnnd am Stricke führte, ermordete er seinen verhassten Nebenbuhler und vergrub seinen Leichnam. Hierauf ging er an den Hof zurück, und ließ sich nichts merken, weil er in der Meinung stand, das; ihn Niemand vcrrathen könne. Allein er hatte den Hund außer Acht gelassen. Dieser blieb so lange ans seines Herrn Grabe liegen, bis ihn der Hunger nöthigtc, »ach Paris zu laufen, wo er sich bei seines vorigen Herrn Freunden einfand, sich satt fraß, und dann eiligst wieder mit sonderbarem Geheul in den Wald zum Grabe lies. Da er dieses öfters that, so erregte es Aufmerksamkeit, und cs wurden einige dadurch bewogen, seine Spur zu verfolgen. Sic fänden ihn im Walde an einem Orte, wo die Erde frisch anfgcgraben zu sein schien. Man grub und fand den Leichnam des Ermordeten, der standcsmäßig beerdigt wurde; Niemand aber hatte die geringste Vermuthnng ans den eigentlichen Mörder. Einer der Anverlvandten des Ermor deten nahm den treuen Hund zu sich, und da geschah cS, daß er neben diesem einmal herlief, als er den Mörder mitten unter den Begleitern dcö Königs erblickte. Voll Wnth schoß er ans ihn los, und sprang ihm nach der Kehle. Man jagte zivar den getreuen Rächer durch Prügeln ab; aber er kam immer wieder, und wenn er weiter nichts thnn konnte, so bellte er ihn doch beständig an. Allein dabei blieb cs nicht; der Hund suchte ihn beständig ans und fiel ihn an, wo er ihn fand; daher sing man endlich an, auf ihn den Verdacht des Mordes zu werfen. Man zeigte dem Könige die Sache an, und dieser war so neugierig, daß er selbst cs sehen lvolltc. Er befahl daher, daß sich Alles am Hofe versammeln sollte; auch der Verdächtige kam und mischte sich unter die bunte Menge. Hierauf wurde der Hund in aller Stille hekbcigebracht; aber sogleich fand er auch ans Allen de» Mörder heraus und siel ihn unter einem gräßlichen Geheul mit verdoppelter Wnth an, gleichsam als ob er Rache vom Könige forderte. Diesem kam die Sache höchst verdächtig vor; da sich überdies noch andere Anzeichen hervorthatcn, so ließ er den Ritter allein vor sich kommen, stellte ihm die Gründe des Verdachts vor und redete ihm gütig zu, die Wahr heit zu bekennen. Allein der Ritter leugnete hartnäckig, daher der König beschloß, nach der Gewohnheit der damaligen Zeit, die Entscheidung ans einenZweikampf ankommen zu lassen. Es wurde daher auf der Insel unserer lieben Frau zu Paris ein Platz abgezäunt, auf welchem vor dem versammelten Hof der Hund und Vacairc als Kampfer erschienen. Vacaire war mit einem Panzer hemde bekleidet, trug in der linken Hand einen Schild und in der rechten einen großen Prügel, der Kopf war entblößt. Der arme, aber herzhafte Hund hatte keine andere, als seine natürlichen Waffen. Er erwartete den Angriff seines Feindes nicht, sondern stürzte wüthend auf Vacairc los. Lange wehrte dieser mit dein Prügel das Thier ab, doch endlich sprang dieses ihm an die Gurgel und riß ihn zu Boden. Nun schrie der Mörder um Gnade und versprach Alles zu bekennen. Man gab ihm Gehör und erfuhr nun, daß er in keiner andern, als dieses Hundes Gegenwart die Mordthat begangen habe — weshalb er denn als Mörder behandelt und enthauptet wurde. Auf dem St. Bernhardberge werden mehrere Hunde, welche zum Doggcn- gcschlechte gehören, von den Klosterbrüdern des von ewigem Schnee umgebenen Hospizes abgcrichtet, um verunglückte Wanderer anfzusuchcn und zu retten. Zwei derselben werden alle Morgen von den menschenfreundlichen Mönchen ans- gcscndct, um die Bergpsade zu durchkreuzen und verunglückte oder erschöpfte Wan derer zu suchen. Dem einen ist ein ivärmender Mantel aufgeschnallt, dem an dern ein Körbchen um den Hals gebunden, das eine Flasche mit geistigem Ge- leankc enthält. Sie leisten erstaunliche Dienste, wenn es darauf ankommt, Wanderer zu entdecken, die in diesen schneebedeckten Thälern sich verirrten und s° noch zeitig genug in's Kloster geleitet zu werden. Ein Beispiel von ihrer außerordentlichen Klugheit ist ans folgendem, obgleich unglücklichem Ereignisse abzunehmen. Das Wetter war zufällig einmal recht hell, und die Klosterbrüder wagten c§ daher, drei ihrer Dienstleutc nach der italienischen Seite hinabzusenden, thcils um einige Reisende zu begleiten, welche bis dahin im Kloster geblieben waren, lhcils um frische Vorräthe im nächsten Dorfe, etwa eine starke Stunde unten im Bergwege, zu holen. Zwei ihrer Hunde, Jupiter, dessen Name sehr bekannt ge worden ist, und ein jüngerer begleiteten sic. Doch der Tag neigte sich zu Ende; es kam die Nacht und znm Erstaunen der Mönche keiner ihrer Diener wieder K"n Vorschein. Indessen suchten sic sich durch den Gedanken zu beruhigen, daß w Diener nicht gewagt haben würden, im Dunkel wieder heranfznsteigen und wohl m dem Dorfe geblieben wären. Am folgenden Morgen hofften sic beide' lecht frühe mit den Lebensmitteln heimkehren zu sehen. Der Morgen kam; der Nachmittag war da; wiederum macht der Schatten des Abends dem kurzen Tage CUI Ende und noch war immer keine Nachricht von den Leuten da. Am folgen den wage machten sich zwei Mönche selbst auf den Weg und arbeiteten sich durch cn t ' e f cu Schnee mit vieler Anstrengung durch. Sic kamen bis zu einem Pnnctc, ^cn man in drei Minuten bei gewöhnlichem Schritte erreicht, von wo ans man a wl den größten Thcil des Weges nach dem benachbarten Dorfe übersehen kann.56 Hier bemerkten sie, daß das ganze Thal mit einer Menge Ueberreste vonLavincn bedeckt war. Jetzt fürchteten sie, indem sic umkehrten, das Schlimmste, doch anch noch der Hoffnung lebend, die Leute hätten wohl glücklich das Dorf erreicht, wä ren aber dort zurückgehalten worden. Erst am dritten Tage erhielten sic Gewiß heit. Da kam einer der Diener ans dem Dorfe her wieder im Kloster mit dem armen Jupiter an und erzählte nun, wie alle mit einander, die Reisenden und sie, glücklich im Dorfe angckommcn wären. Zwei der Dicnstlcutc hätten sich bald, nach einem kurzen Aufenthalte, wieder auf den Rückweg gemacht, von einem Rei senden begleitet, der gern auf die Schwcizerseite der Alpen geführt sein wollte. Mehr ließ sich aber von ihm nicht ermitteln, mit Ausnahme dessen, daß Jupiter etwa eine Stunde nachher allein in's Dorf gekommen, schrecklich ermattet gewesen und aus seinem heulenden Augstgcschrei abzunehmeu gewesen sei, cs habe seinen Kameraden irgend ein Unfall betroffen. Die Veranlassung zum letzter» ließ keinen Zweifel zu; nach einigen Monaten bekam man auch die Gewißheit, indem die Leichname gefunden wurden. Als die Leute etwa eine halbe Stunde auf dem Rückwege gewesen waren, wurden sic plötzlich durch eine schreckliche Lavinc aufge- haltcn und verschüttet. Sic riß alle Kopf über wohl eine Viertelstunde den Berg mit sich hinab und begrub sic mit dem jungen Hunde zugleich unter dem Schnee. Jupiter war der Decke desselben näher oder mehr nach außen am Rande hinge- kommen; als die Gewalt der Lavinc nachließ, arbeitete er sich heraus. Bcrmnth- lich suchte er erst auf dem Wege nach dem Hospiz hinaus zu kommen; allein die Hindernisse, welche die ungeheure Menge weichen Schnees seinen Anstrengungen entgegensetzte, waren so groß, daß er im Bette eines Waldstromcs nach dem Dorfe zurückkehrte, wo er die ganze Nacht hindurch heulte und jammerte. Ein anderer thätiger und berühmter Hund ans dem St. Bernhard war Barry. Zwölf Jahre lang diente er dort unermüdet treu, und rettete in dieser Zeit mehr als 40 Menschen das Leben. Nie ließ er sich an seinen Dienst mah nen. Sobald Siebet und Schneegestöber den Himmel bedeckten, wandertc er aus. Rastlos und bellend zog er überall umher, um einen Sinkenden zu erfassen, oder einen Verschneiten hcrvorzuscharrcn. Als er einst zwischen dem schauerlichen Val- zore-Gletscher und der Pointe de Dronaz hcrumschweifte, fand er in einem EiS- gewölbe ein schlummerndes, halb erstarrtes Kind. Er beleckte cs mit wärmender Zunge und cs gelang ihm, cs aus dem Todcöschlummcr zu wecken und durch Liebkosungen zu bewegen, sich auf seinem Rücken anzuklammcrn. Schnell eilte er dann mit dem Knaben in das Hospiz, wo er sich bald völlig erholte. Als dieses Thier alt und kraftlos wurde, sandte der Prior des Klosters cs nach Bern in freundliche Pflege; und nach seinem Tode wurde eö im dortigen Museum der vaterländischen Naturgeschichte ausgestellt, noch mit dem Fläschchen des stärkenden Trankes am Halse, das er oft rettend den Sterbenden bot. Der Geheimrath G. R. von Göckigh besaß einen großen Pudel, der Alles aus dem Wasser holte. Er war einst seinem Herrn nach Gafcrslcben, im Für-stenthum Halberstadt, nachgclaufcn. Während der Mahlzeit kam er schnaubend »nd ganz durchnäßt in den Spciscsaal, und meldete sich mit ungestümem Bellen bei seinem Herrn. Dieser befahl einem Bedienten, ihn hcrauszujagen. Er aber wies ihm die Zähne und wich nicht, vielmehr kam er wieder zu seinem Herrn, zerrte ihn beim Rocke, lief nach der Thür, kam dann wieder zurück und wieder holte solches beständig. Der Herr gab ihm ein Stück Fleisch, er nahm cS jedoch nicht an, sondern lief wieder nach der Thür hi». Dies machte den Herrn ganz aufmerksam, und weil der Hund ganz naß war, so glaubte er, cs müßte etwas Besonderes vorgcsallen sein. Er stand daher ans und folgte mit der ganzen Tisch gesellschaft seinem Hunde. Er führte sic nach der Brücke. Sobald er dort an- gekommen war, sprang er in's Wasser und schwamm nach einer kleinen Sandinscl hin. Ein kleines Mädchen stand mit kläglichem Geschrei ans der Brücke und er zählte: „Sein dreijähriges Brüderchen sei von der Brücke in's Wasser gefallen. Der schwarze Hund da habe auf der Brücke gelegen und geschlafen, sei aber, als das Kind hinabgcfallen, erwacht und sogleich nachgesprungen, habe cs tobt gebissen und ans jenen Sandhügel getragen," Man erblickte wirklich das Kind dort. Der Pudel stand bei demselben, leckte ihm beständig Hände und Gesicht "nd sah sich zuweilen nach seinem Herrn um, ob er cs bringen sollte. Dieser rief ihm zu: Ruhig! Sogleich legte er sich bei dem Kinde nieder, und fuhr fort, cs Zu lecken. Das Kind wurde sogleich durch einen Kahn abgcholt und wieder in's Leben gebracht. Der Hund hatte cs nicht im mindesten verletzt, sondern bei den Kleidern dahin getragen. Dies Alles hatte der treue Hund seinem Herrn im Saale Anzeigen wollen. Kein Thier ist so cigenthümlichen Krankheiten unterworfen, als eben der Hund. Alle Hunde bekommen die sogenannte Hnndekrankheit, Hundskränke, Hunde- scuchc; jedoch leiden die edlen Racen am meisten daran, während ein gewöhnlicher Hofhund die Krankheit leicht überwindet. Diese Scuchc wird auch Raupe oder ^otz genannt, und da oft Lähmung der Glieder, Hinfälligkeit, oder gar der Tod ^ic Folge dieser Seuchen sind: so ist es nöthig, passende Mittel zu gebrauchen. Laufende Augen, Erbrechen sind die nächsten Symptome dieser Krankheit. Man Üsbt dem kranken Hunde ein Brechmittel, welches in jeder Apotheke zu haben ist, Cl!t , und bringt ihm im Racken ein Haarscil an. Dadurch werden die unreinen, krankhaften Stoffe entfernt. Ein ganz wirksames Mittel ist auch folgendes: Man küßt aus Rack. iiid. florcnt. Zj Tart. tartavis. ,;jjj Hep. antim. ,;j Mell, rosar. 3; ». M. f. Elecet. D. Pillen von der Größe einer Haselnuß anfcrtigen, und gibt alle 24 Stunden 2 bis 3 solcher Pillen dem kranken Hunde ein. Sobald sich Besserung zeigt, gibt man nur die Hälfte. Da der Speichel eines kranken Hundes gefährlich wirken kann, so ist cs nöthig, bei der Behandlung starke Leder handschuhe anzuziehen. Furchtbarer ist die Hunds- oder Tollwnth, welche entstehen kann, wenn der Geschlechtstrieb keine Befriedigung findet, oder im heißen Sommer es dem Thicrcan Wasser fehlt, oder plötzliche Abwechslung von Hitze und Kalte auf das Gehirn des Hundes einwirkt. Das sicherste Kennzeichen bei der Wnth ist die Veränderung der Stimme: der Hund ist nicht mehr im Stande, mehrere Laute hintereinander hervorzubringcn, sondern sein Bellen geht in Heulen und zuletzt in Grunzen über. Schon bei der Vermnthnng, daß ein Hund von dieser gräßlichen und für Menschen und Thicrc gefährlichen Krankheit befallen sei, muß man denselben sofort tödten. — Der Wolf. (Taf. ll. Fig. 17.) Der Wolf gleicht an Gestalt nnt meisten dem Bauer- oder Schäferhunde. Völlig ausgewachsen ist er 4 Fuß lang und 3 Fuß hoch. Er ist graugelblich und hat einen langen, buschigtcn, fast zwei Fuß langen Schwanz, den er hcrab- hängcn läßt oder zwischen den Beinen trägt. Man findet ihn in ganz Europa, ausgenommen in England und Irland, Ivo er schon seit langer Zeit gänzlich aus- gerottct ist. Er ist ein sehr gefräßiges, hungriges Raubthier und begehrt alle Thiere, den Menschen nicht ausgenommen, zur Nahrung. Besonders liebt er Schafe, Ziegen, junges Rindvieh und Fohlen; verzehrt aber auch in der Noth Mäuse und Aas. Sein Gesicht, sein Gehör und namentlich sein Geruch ist äußerst scharf; auch an Kraft fehlt cs ihm nicht, so daß er einen schweren Hammel im Laufe forttragen kann. Waldungen und Steinbrüche sind seine liebsten Austnt- haltsörter. Hier liegt.er am Tage still und wagt sich, außer wenn der Hunger ihn quält, nur des Nachts heraus, um ein zahmes oder lvildcs Thier zu erhaschen, in einen Schafstall einzubrcchen, oder sonst irgendwo eine Beute zu machen. Bei seinen Streifereien geht er sehr bedächtig zu Werke, weil er überall Nachstellun gen fürchtet. Trifft er eine Schafheerde, so läßt er von seinem Weibe einen ver stellten Angriff darauf machen, damit der Hund beschäftigt und wo möglich von der Heerde entfernt werde; er selbst aber liegt unterdessen in einem Versteck und springt sogleich ans dcucselbcn hervor, wenn er den treuen Wächter mit der Ver folgung seines Weibes beschäftigt sicht, um das beste Lamm zu erbeuten. Hat er cs bloß auf einzelne Thiere, z. B. einen Hirsch oder ein Reh abgesehen, so richtet er die Sache wieder anders ein. Der Wolf marschirt langsam voraus und stellt die Wölfin in einem engen Paffe auf. Sobald der schnellfüßige Hirsch den Wolf erblickt, ergreift er die Flucht. Dieser aber setzt ihm nach und treibt ihn nach dem Orte hin, wo die Wölfin lauert. Athcmlos kommt das verfolgte Thier hin und läuft in den Rachen seiner Feindin. Im Winter zieht er oft in ganzen Schaarcn ans Raub aus und ist dann ein höchst gefährlicher Feind der Menschen. Oft werden sie jedoch sehr übel empfangen, zumal wenn cs einer Heerde Pferde oder Rindvieh gilt; denn sobald sie heran kommen, stellen sich diese Thiere zusammen und bilden einen Kreis. Die Rinder bieten ihnen die Hörner, die Pferde die Hufen und schlagen gar manchem alle Zähne ans. Hat er ein mal Menschcnflcisch gekostet, so ist er beständig lüstern nach dieser Nahrung,59 schleicht in bic Dörfer, raubt Kinder oder gräbt Leichen ans. Seinen Naub verzehrt er nicht mit Haut und Haaren, sondern er schält ihn geschickt aus der Kant, ohne diese bedeutend zu beschädigen. Seine Gefräßigkeit ist zum Sprüch- wortc geworden. Diese soll so weit gehen, daß sic sich oft untereinander selbst auffresscn. Da der Wolf dem Menschen nur schadet, so werden alle ersinnlichen Mittel angewandt, ihn zu vertilgen. Man schießt ihn, man fängt ihn in Netzen, man legt ihm Fallen oder gräbt ihm Gruben, die ganz leicht mit Baumzweigcn oder Stroh bedeckt werden und worin man eine Lockspeise gelegt hat, die er ans eine Viertelstunde weit wittert. Auch vergiftet man ihn mit gepulverten Krähcnangcn. Man streift nämlich einem frischgefallenen Thiere die Haut ab, bringt die gepul verten Krähcnangcn mittelst Einschnitte in das Fleisch und zieht dann die Haut wieder über. Mit einem Viertelpfund Krähenaugen kam man ein ganzes Thier vergiften, welches hierauf 24 Stunden lang in Pferdemist gelegt und im Winter- frei hingeworfen, im Sommer aber, um die Fliegen abzuhaltcn, leicht mit Erde bedeckt wird. Kurze Zeit nach dem Genüsse dieses Thieres stirbt der Wolf. Die Wölfin wirft 3 bis 9 Junge, die sich durch eine Hündin zwar aufzic- hen und zähmen lassen, aber immer ihre natürlichen Tücke behalten, daher man ihnen nicht trauen darf. In Deutschland gab cs früher sehr viele Wölfe, und in dem Fürstenthume Lüneburg wurden gegen Ende des dreißigjährigen Krieges in zwei Jahren 182 Wölfe erlegt. Heutigen Tages zeigen sic sich nur selten und sind meist einge wandert, gewöhnlich von Frankreich her. Das Fleisch des Wolfes riecht und schmeckt sehr häßlich, das Fell aber dient zu Wildschuren, Muffen und Pferde decken. Zum Schlüsse wollen wir noch ein Beispiel von der Klugheit und Ucber- lcgung des Wolfes beifügen. Ein Pächter, der eines Tages in seinem Garten saß, bemerkte, >vic ein Wolf um seinen Maulesel herumkreiste, ohne an ihn heran- kommen zu können, weil sich der Maulesel stets mit dem Wolfe herumdrehte und hinten ausschlug. Nachdem dieser.Angriff und die Vertheidigung eine Viertel stunde gedauert hatte, lief der' Gsel, plötzlich fort und sprang in einen nahen Teich, wo er mehrmals untcrtauchte. Der Pächter glaubte, er thne dies, um sich abzu- kühlen, und zweifelte nicht an dem Sieg des Maulesels. Aber der Wolf kehrte bald wieder zurück und rüttelte sich dann so sehr, daß er dem Esel Wasser in die Augen spritzte, und ihn dadurch nöthigte, sic zu schließen. Diesen Augenblick benutzte der Wolf, sprang ans den armen Maulesel und brachte ihn um, che ihm der Pächter zu Hülfe kommen konnte. Der Schakal. Der Schakal oder Goldwolf gleicht an Gestalt sehr dein Wolfe, ist aber l.emer, nämlich nur 3 Fuß lang, und hat einen kürzeren Schwanz. Von Farbe60 ist er graubrämilich, der Kopf ist fnchSroth und am Halse gelblich weiß. Er findet sich im ganzen Morgenlande, in Indien und auch in Dalmatien. Er ist noch gefräßiger als der Wolf, schleicht sich oft in die Häuser der Menschen, um Kinder zu rauben, oder ans die Kirchhöfe, um Leichen anszugraben. Der Schakal pflegt in Heerden von 40, 100 und mehreren umher zu ziehen, und läßt sein starkes Geheul weithin vernehmen. Wenn der eine beginnt, so stimmen die übri gen sogleich mit an. Jung gefangen läßt er sich zähmen, schließt sich dann seinem Herrn gerne an, kommt ans den Ruf sogleich herbei und gebehrdet sich in den meisten Sachen wie ein Hund; daher auch mehrere Naturforscher der Meinung sind, daß der Schakal der Stammvater des gemeinen Hundes sei. Die Hyäne. (Taf. II. Fig. 18.) Eö gibt zwei Arten von Hyänen, nämlich die gestreifte und die gefleckte. Die gestreifte Hyäne ist gelblich grau, mit unregelmäßig braunen oder schwärzen Querstreifen; über Nacken und Rücken läuft eine starke Mähne, welche sich im Zorne aufrichtet. Sie erreicht eine Länge von 3'U Fuß und eine Höhe von 2'/^ Fuß. Sie bewohnt das wärmere Asien und Nordafrika, wo sie am Tage in ein samen Höhlen lebt, des Nachts kommt sie hervor und schleicht sich dann in die Dörfer, wo sie in die Viehställe bricht und oft sehr großen Schaden anrichtet. Sie ist boshaft und im höchsten Grade gefräßig; am meisten liebt sie Aaö und Leichen, die sie ans den Gräbern aufscharrt, wenn diese nicht sorgfältig mit Dor nen und schweren Steinen verwahrt sind. Menschen jedoch fällt sie nur in der Noth an, oder wenn sie vom Hunger gequält wird. Ihre Beute schleppt sie nicht erst in ihren Schlupfwinkel, sondern verzehrt sie auf der Stelle. Sie kommen deö Nachts oft schaarenweise in die nahe gelegenen Dörfer und fressen das Aas, welches die Bewohner ans die Straße werfen. Von ihrer schonungslosen Grau samkeit hat man sehr viel erzählt, und namentlich wird in Menagerien die Hyäne zu dem fürchterlichsten Ungeheuer gestempelt. Aber das ist sie nicht. Ihr dum mes Ansehen und die unheimlichen trüben Angen verrathen keinen Muth, sondern nur Dummheit und Trotz. Das AuSgraben der Leichen und ihr gellendes, dem Lachen ähnliches Geheul haben wohl Vieles dazu beigetragen, sie für das fürch terlichste Ungeheuer auszugeben. Ihren dummen Trotz, den sie darin zeigt, daß sie nichts aus den Zähnen läßt, was sie einmal gepackt hat, benutzt man auch, um sie zu fangen. Man wirft ihr nämlich einen langen, eigens dazu verfertigten Sack hin, und wenn sie in diesen ihr Gebiß eingeschlagen hat, so läßt sie sich hinziehen, wohin man will. Jung gefangen, wird sie ganz zahm und gutmüthig wie ein Hund, besonders am Tage. Die gefleckte Hyäne findet sich am Vorgebirge der guten Hoffnung, in Guinea und andern Gegenden Afrikas. Sie ist grau oder röthlich, schwarz ge fleckt, an Gestalt der gestreiften ähnlich. Sie ist noch gefräßiger als die ge streifte Hyäne und geht des Nachts, wo sie größer und heller von Farbe, ja oftGl ganz weiß erscheint, ans ihren Raub aus. Ihre Stimme gleicht dem Seufzen eines Menschen, artet aber zuweilen in ein lnnteö Geheul ans. Die Güterbcsitzer in der Nähe der Capstadt stellen jährlich Hyänenjagden an. Man umzingelt nämlich das Schilf, das in den Niederungen wächst, und steckt cö in Brand. So bald dieses die Hyänen hervortreibt, werden sic von den Hunden angegriffen und es beginnt ein fürchterlicher Kampf, in welchem aber die Hunde mit Hülfe der Menschen Sieger bleiben. Man hat kein Beispiel, daß sic einen Menschen an- gefallen wären. Fast ans jedem Hofe findet man eine Hyänenfalle, welche 6 — 8 Fuß groß, von Steinen aufgeführt, und nach Art der Rattenfallen eingerichtet sind: so daß, wenn das Ranbthier die Lockspeise wegnehmen will, die schwere Fallthüre, welche damit künstlich in Verbindung gebracht ist, zufällt. In manchen Gegenden bedient man sich auch wohl der Selbstschüsse. Man gräbt nämlich eine tiefe Rinne, in welche ein Gewehr gelegt und an dessen Drücker ein Strick mit der Lockspeise befestigt wird. Diese liegt am Ende der Rinne, die hier in einen breiten Graben ausläuft, so daß das Thier nicht anders zu der Lockspeise gelan gen kann, als an der Stelle, wohin die Kugel gerichtet ist. , Der Fuchs. (Taf. II. Fig. 19.) Der Fuchs ist rostroth mit weißer Schwanzspitze, im Norden feuerroth, mit weißer Kehle rmd schwarzen Füßen. Seine Länge beträgt 2 Fuß, die Höhe 14 Zoll und der bnschigtc, dichtbehaarte Schwanz ist 1 Fuß lang. Er besitzt alle Eigenschaften eines Raubthieres, hat ein scharfes Gebiß, scharfe Klanen, einen schnellen Lauf, ein äußerst feines Gesicht und Gehör und dabei eine außerordent liche Schlauheit. Er bewohnt gern die Waldungen in der Nahe von Dörfern und einzelnen Wohnungen. Zum sichern Aufenthalte gräbt er sich eine tiefe Höhle, Fuchsbau genannt, die bisweilen einen Umfang von 50 Fuß hat. Immer besteht der Fuchsbau ans mehreren Kammern und Kesseln, welche durch enge Gänge oder Röhren mit einander zusammenhängen. Die Kessel befinden sich zu hinterst in den Kammern; gewöhnlich sind derselben zwei. Es führt dahin eine lange Röhre, die bstt senkrecht abwärts, dann wieder aufwärts geht. In diesen Kesseln schläft der Fuchs, und wird der Ban von Feinden angegriffen, so sind sie immer seine letzte Zuflucht. Oft nimmt er auch den Ban eines Dachses in Besitz, indem er ihm denselben listig genug durch seinen stinkenden Urin verpestet, und am Eingänge feinen Koth auswirft, der dem Dachs sehr zuwider ist. Er lebt von jungen Rehen, Hasen, Kaninchen, Gänsen, Enten, Hühnern, Ratten, Mäusen, im Nothfall auch von Fröschen und Eidechsen. Meistens er hascht er seine Beute durch einen Sprung, nachdem er auf dem Bauche kriechend sich herangeschlichen hat. Ans Furcht, entdeckt zu werden, raubt er niemals in der Nähe seines Aufenthalts. Was er von seinem Raube nicht verzehren kann, das vergräbt er unter Laub oder Moos und wittert dabei vorher nach allen Sei ten hin, um sicher zu sein, daß cö weder ein Thier noch ein Mensch gewahr62 wird. Findet er einen Igel, so rollt sich dieser zusammen; aber der Fuchs be netzt ihn mit seinem Urin, worauf sich der Igel anöstrcckt und eine Beute seines Feindes wird. Auch die Nester der wilden Bienen und Huinmeln spürt er ans und verzehrt sie mit Allein, was darin ist. Gegen den Stich derselben verwahrt er sich mit seinem Schwanz, den er überhaupt fleißig gebraucht. So gebraucht er denselben auch, wenn er verfolgt wird. Er benetzt ihn mit seinem stinkenden Urin und sprengt ihn ans seinen nahen Feind, oder schlendert ihm mit dem Schwänze Sand in die Augen. — Seine Stimme ist bei cintrctendcn Stürmen und großer Kälte ein gedehntes Bellen, und wenn er böse oder in Gefahr ist, heult oder knurrt er. Das Weibchen bringt zu Ende des April oder im Anfänge des Mai 4 bis 6 Junge aus einem weichen Lager im Fuchsbaue zur Welt. Nach 4 oder 5 Wochen können sic laufen und uian sieht sie dann öfters mit einander vor dem Ban in der Sonne spielen. Merkt die Mutter, daß Jäger über ihrem Bane waren, so packt sie ihre Jungen, wenn sie noch nicht laufen können, beim Halse, versteckt sic in ein Kornfeld oder an einen andern verborgenen Ort. Sie lassen sich leicht aufziehen und zähmen und sind dann noch artigere Stnbcnthierc, als die Hunde, haben jedoch eine widrige Ausdünstung. Man kann sie selbst gewöhnen, ans die Straße zu gehen und als Begleiter zu folgen. Doch darf man ihnen nicht viel Fleisch zu fressen geben, weil sie sonst leicht lvicdcr verwildern. Im Alter wer den sie jedoch sehr boshaft und werden durch ihr starkes Gebiß gefährlich. Auch sind sic der Tollwuth ausgcsctzt, gleich den Hunden und Wölfen, doch steckt ihre Tollheit namentlich Menschen nicht an. Sein schlimmster Feind ist der Hund, und die Feindschaft geht so weit, daß der Hund lieber ein Reh fahren läßt, und dem Fuchse nachjagt, sobald er ihn erblickt. Der Pelz des Fuchses gibt ein treffliches Unterfntter. Das Fnchsfett soll die Hände, wenn man sic damit einreibt, vor Erfrieren schützen. Das Fleisch schmeckt abscheulich und wird doch von einigen sibirischen Völkerschaften gegessen. Durch Vertilgung der Maulwürfe, Mäuse, Hamster, Engerlinge n. s. w. gewährt der Fuchs manchen Nutzen. Dahingegen ist er den Hühnern, Enten, Gänsen und besonders der Wildbahn sehr gefährlich. Wo cs viele Füchse gibt, da ver mindern sich zusehends die Hasen und Rebhühner. Daher hat man verschiedene Mittel, sich seiner zu bemächtigen. Die passendste Zeit ist das Frühjahr. Hat man einen Ban gefunden, auf welchem die Fährten junger und alter Füchse sicht bar sind, so schickt man einige Dachshunde hinein. Diese treiben ihn in den Kessel, der im hintersten Thcile seiner Wohnung liegt, und hier stellt er sich zur Wehr. Durch das laute Anschlägen der Hunde wird dem Jäger die Stelle angczcigt, wo er einzugraben hat, wobei er jedoch sehr vorsichtig sein muß, damit er den Hund mit der Schaufel nicht verletzt. Hat man den Fuchs gefunden, so wird er ent weder mit einer zweizackigen Gabel in dem Genick ans die Erde gedrückt und so gctödtct, oder man zieht ihn an dein Schwänze heraus und wirft ihn den Hundenvor. Wo durch besondere Umstände das Ausgraben beschwerlich ist, da schießt inan die Fuchse am sichersten ans dem Anstande. In der Abenddämmerung kom me» nämlich die Jungen ans dem Ban heraus, um zu spielen. Man kann hier oft mehrere schießen, weil die Jungen, besonders wenn die Alten nicht im Bau sind, sich wenig um einen Schuß kümmern und bald wieder Hervorkommen. Auch durch sogenannte Fuchsrcigen werden sie überlistet. ES ist dieses ein kleines In strument, womit der Ton eines in Todesangst schwebenden Hasen nachgcmacht wird. Oder man wendet Tellereisen zu ihrem Fange an. Man muß diese jedoch nicht anbinden, weil der Fuchs, wenn er an einem Lauf oder der Ruthe gefangen ist, diese abbeißt und davon läuft. Ist ihm übrigens einmal eine Falle vor der Nase zngeschlagen, so ist es sehr schwer, ihn wieder in irgend eine zu locken. Hat sich dagegen ein anderes Thier darin gefangen, so kommt er sogleich ans dessen Nothrufc herbei, aber nicht um seine Hülfe anzubieten, sondern um cs ganz gemächlich herauszufressen. So verzehrte ein Fuchs einen andern, der sich in einem Tellereisen gefangen hatte, und zwar mit solcher Begierde, daß der Jäger es für gut fand, herbeizueilen und durch Erlegung des Räubers sich für den zerrissenen Balg des andern Fuchses zu entschädigen. Nur seine Naschhaftigkeit bringt ihn öfters in die Gefangenschaft. So kam ein Fuchs in der Dämmerstunde heran getrabt und eilte nach der Gegend hin, wo er Nahrung witterte. Lüstern ver zehrte er die hin und her gestreuten Brocken ans, setzte, so oft er einen verzehrte, sich gemächlich hin und gab sein Wohlbehagen durch Wedeln mit dem Schwänze zu erkennen. Je näher er dem Fangeisen kam, desto vorsichtiger wurde er, und che er etwas nahm, bedachte er sich, ob er zugreifen sollte oder nicht. Endlich fand er das Eisen, gewiß l0 Minuten blieb er unbeweglich stehen, ganz in Be trachtungen versunken. Endlich schien sein Entschluß gefaßt, er streckte den Vor derlauf nach dem Brocken anö, konnte ihn aber nicht erreichen. Er machte wie derum eine Panse, und sah unverwandt nach dem Bissen hin. Endlich fuhr er, wie in Verzweiflung, rasch darauf los und in demselben Augenblicke hatte er auch die unbequeme Halskrause um. Alle Kräfte bot er ans, sich zu befreien; ärgerlich ll"g er an zu heulen, heulte aber den Jäger herbei, der ihn durch einige derbe Schlüge für immer von seinen Leiden befreite. Von seiner List und Verschlagenheit hat man die stärksten Proben, von wel cher wir einige wollen folgen lassen. Ein Fuchs, der gewöhnlich an der Kette tag, wurde so zahm, daß man ihm erlaubte, am Tage frei umhcrzngchcn. Er benutzte seine Freiheit recht gut, denn keinem Thiere that er etwas zu Leide, spa zierte auch zuweilen in den Wald und kam des Abends zurück, um sich wieder an die Kette legen zu lassen. Bald bemerkte er jedoch, daß sein Halsband über den Kopf gestreift werden konnte; bei nächtlicher Weile machte er daher den Ver such, und cs gelang. Nun machte er in der Nachbarschaft umher Besuche auf Hühnerstallen, machte einige Bekanntschaft mit deren Bewohnern, und nachdcin ergespeist, kam er vor Tage wieder zurück, steckte den Kopf wieder durch sei» Hals band und war da von allein Verdachte frei. Alle Morgen tiefen Klagen ein über die vielen gewürgten Hühner, und doch wunderte man sich, den Fnchö immer an der Kette zu finden. Dabei war er aber so schlau, daß er sich nie an den Hüh nern seines Herrn vergriff. So trieb er es lange, bis man ihn endlich ertappte und seine List entdeckte. Selbst in der höchsten Noth, unter den Zähnen dcö mörderischen Hundes, verliert er seine Verschlagenheit nicht. Sieht er durchaus kein Rcttnngsmittcl mehr, so stellt er sich tobt, und läßt man ihn unbeachtet, so springt er plötzlich auf und läuft davon. Ja mancher wurde schon Stunden lang weggetragen, als er plötzlich dem unbedachtsamen Träger in den Rücken biß, daß dieser ihn, laut schreiend, sogleich fahren ließ. Sehr listig soll er auch verfahren, um sich die Flöhe zu vertreiben. Er nimmt nämlich, so sagt man, wenn sie cö ihm zu arg machen, etwas Moos oder Heu in's Maul, geht dann rücklings in's Wasser und hält den Kopf hoch hervor. Lang sam schreitet er fort, damit die Flöhe Zeit bekommen, sich an die trockenen Stellen an Hals und Kopf zu flüchten. Zuletzt versammelt er alle diese Gäste in dem Bündel Heu und läßt cs plötzlich iiLs Wasser fallen. Er aber begibt sich, von seinen lästigen Gästen befreit, wieder an's Land. Eine Spielart des gemeinen Fuchses ist der Brandfuchs, zeichnet sich nur durch Fnrbcnvcrschiedcnheit ans; ebenso der Kreuzfuchs, welcher wcißlichgelb ist mit schwarzen Streifen, welche über den Rücken und quer über die Schultern laufen. Der schwarze Fuchs, welcher die Polargegenden von Europa, Asien und Amerika bewohnt, sieht ans dein ganzen Leibe schwarz aus und hat ein so langes, feines Haar, daß sein Pelz zu den kostbarsten gezählt und oft mit 400 Rubeln bezahlt wird. Der weiße, oder Polarfuchs ist dunkel aschgrau, im Winter oft ganz weiß. Er lebt im Norden beider Welten und ist äußerst listig und diebisch; er stiehlt dreist den Einwohnern Nahrung und Kleidung vor ihren Augen weg, zerfrißt den Schlafenden die Schuhe n. s. w. Zum Geschlecht der Füchse gehört auch der Zcrda Fenneck. Er ist kleiner als der gewöhnliche Fuchs; seineFarbe ist strohgelb, fast weißlich. Er hält sich in den Sandwüsten Nubiens ans. Das Fcmicck oder Ohrenthier. Eines der seltensten und wunderbarsten Thierc, welche neuerdings von Touristen aus Egypten in lebenden Exemplaren nach Europa gebracht worden, ist das Fenn eck. Der Gestalt nach kommt das Fenneck dem Fuchse am nächsten, während es der Größe nach weit hinter demselben znrückbleibt. Den Schwanz ungerechnet, ist eS kaum dreiviertel Fuß lang. Die Kopfbildung ist fuchsähnlich bis auf die über die Maßen breiten und hohen Ohren, die ihm ein ganz eigenthümliches Ansehen verleihen. Die Ohrmuschel ist im Innern mit65 langen, feinen, an den Rändern und der Wurzel dichtstchcndcn Haaren ans- gcklcidel. Sonst hat cs wenig auffallende Merkmale. Der weiche Pelz ist gelb- lichroth, nach dem Banche zn allmälig iu's Weiße übergehend, der lange Schwanz, von derselben Farbe, läuft in eine schwarze Spitze aus. Uebcr jedem Auge befindet sich ein gelber Fleck. Die Pupille, groß und tief schwarz, zieht sich wie beim Fuchse zu einein senkrechten Striche zusammen und hat eine dunkel blaue Umgebung. Der Kopf, verhältnißmäßig klein, läuft in eine spitze, am Ende schwarze Schnauze aus, die mit langen spitzen Zähnen versehen ist. Die dünnen Beine haben nnznsammenziehbare Krallen mit schwarzen, langen, krum men Nägeln. Man war lange im Zweifel, zu welcher Thicrgattnng man das Fcnncck zählen sollte, und ist darüber. noch nicht ganz einig. Da aber sein Skelet, wie seine ganze Lebensweise cs dem Fuchs am ähnlichsten macht, so haben wir ihm seine'Stelle nach demselben angewiesen. Es gehört ohne Zweifel zu den Fleischfressern, ob cs gleich, wenn.ihm keine andere Nahrung zu Gebote steht, sich mit Datteln und andern Früchten begnügt. Eier sind indessen seine Licblingsspcisc. Es verbirgt sich, wie der Fuchs, in der Erde, so lange cs Tag ist, und geht am Abend auf Raub ans. Irrig ist die Meinung, als lebe cs auf Bäumen. Wenn man cs hier angctroffcn hat, so spürte es den Vögeln und ihren Nestern, oder den Früchten nach. 3. Das Mardergefchlecht. Alle Mardcrartcn nähren sich von den Eiern, dem Fleisch und Blut kleiner Thiere, namentlich des Geflügels. Sic bestehen thcils aus Ottern, theils aus Wieseln, theils ans Stinkthieren. Ottern. Der gemeine Fischotter. (Taf. II. Fig. 20.) Die Fischottern haben mit den Mardern sehr große Aehnlichkeit, aber ihre Fußzehen sind mit einer Schwimmhaut versehen, so daß sic sich gut im Wasser uufhaltcn können. Der gemeine Fischotter ist auch bei uns einheimisch. Er ist oben graubraun, unten weißlich, und kann eine Länge von 3 Fuß und darüber erreichen. Er lebt in Höhlungen, im Gebüsch fischreicher Flüsse und Teiche, geht fügsam, schwimmt und taucht sehr gut. Seine Nahrung besteht meistens in Fischen, und ein einziger richtet in kurzer Zeit in einem Teiche oft große Verwüstungen an. Die kleinern Fische verzehrt er sogleich im Schwimmen; grö- pcre trägt er an's Land. Er geht Nachts ans Raub ans und läßt da oft seine hcllpfeifende Stimme vernehmen. Wo er Menschen wittert, hält er sich still in seiner Grube ans. Im seichten Wasser treibt er die Fische in eine Bucht und erhascht sic dann; im liefern Wasser verfolgt er sic bis ans den Grund. Den Fluß, an dessen Ufern er wohnt, dnrchfischt er wohl 3 Stunden weit aufwärts, und in dem Umfange einer Meile ist kein Gewässer vor ihm sicher, indem er den Veum er'S Naturgeschichte. 566 Zu- und Abflüssen nachgeht. Im Winter geht er durch Eislöcher in's Wasser, welche er geschickt wieder zn finden weiß. Das Weibchen bekommt 2 bis 5 Junge im Mai, welche sich aufziehen und zähmen lassen, so daß sie gehorsam der Stimme Ihres Herrn folgen. Sic lassen sich daun zum Fischfänge abrichten. Das Fleisch des Fischotters schmeckt nicht übel, ist aber schwer zn verdauen. Weit schätzbarer ist der Pelz, der zn Muffen, Strümpfen, Hüten u. s. w. ver arbeitet wird. Aus den Schwanzhaaren verfertigt man Pinsel. Ein gewöhnlicher Balg wird bei uns mit 16 Thalern bezahlt. Des großen Nachthcils wegen, den der Fischotter in Teichen aurichtet, und- um seinen kostbaren Pelz zu erhalten, macht man fleißig Jagd auf ihn. Der Jäger spürt ihn auf und erlegt ihn auf den iibcr's Wasser hängenden Stämmen, ans Baumstumpen, Steinen und Sand bänken, die aus dem Wasser hcrvorragcn, in mondheller Nacht, oder wenn er sich sonnt, mit Schrot; doch muß er sich so stellen, daß der Wind seine Witterung ihm nicht zuführt. Die meisten jedoch fängt man mit Tellereisen. Der Meerotter. Der Meer- oder Sccotter ist fast noch einmal so groß, als der gemeine Fischotter. Sein Pelz ist außerordentlich schön und wiegt oft 4 Pfund. Die Haare desselben sind braun oder schwarz mit lebhaftem Sammctglanz. Ein sol cher Pelz wird oft mit 150 Thalern bezahlt. Sein Vaterland schränkt sich auf die Ostküste von Asien und die Westküste von Nordamerika ein. Der unaufhör lichen Nachstellungen wegen vermindert sich die Anzahl derselben von Jahr zu Jahr und es steht endlich eine gänzliche Ausrottung zn befürchten. Die meiste Zeit bringen die Meerottern paarweise auf dem Wasser zu; sie schlafen sogar schwim mend auf dem Rücken. Männchen und Weibchen lieben sich mit einer ungewöhn lichen Zärtlichkeit. Man hat gesehen, daß sic sich umarmen und küssen. Eben so groß ist die Liebe der Eltern zu den Jungen. Das Weibchen wirft jährlich nur eins; aber cs zeigt für dasselbe die zärtlichste Liebe und Sorgfalt. Im Wasser hält die Mutter cs zwischen den Vordcrfüßen und schwimmt und schläft mit dem selben auf dem Rücken. Sic wirft es auch zuweilen in's Wasser, um es schwim men zu lehren, nimmt cs aber, wenn es müde geworden ist, wieder ans und herzt cs. Die Eingeborenen Nordamerika's machen, wie wir schon oben gesagt haben, oft Jagd ans dieses Thier und suchen cs in 2 oder 3 ausgehöhlten Baumstämmen im Meere ans. Jeder dieser Kähne trägt drei geübte Jäger, welche außer den gewöhnlichen Waffen noch einen Speer mit sich führen, der außer dem Schafte mit einem Riemen versehen ist und viele starke Widerhaken hat. Finden sic ihre Beute ans dem Rücken schlafend, so nähern sic sich langsam, werfen ihr den Speer in den Leib und ziehen sic in den Kahn. Hier haben sie mit dem noch lebenden67 Thiere einen schweren Kampf zu bestehen, denn es vertheidigt sich fürchterlich, be sonders wenn es ein Jnuges bei sich hat; indessen nutfj es doch endlich nnter- liegen. Auch zn Lande, wo er sehr schnell lanfen kann, macht man sehr oft Jagd ans den Meerotter. Wird er oon dem Hnnde erreicht, so bleibt er stehen und sieht den Hund an; dieser steht auch nnd sieht den Otter an. Indessen sie sich so beobachten, schleicht der Jäger mit einer Kenle von hinten heran nnd schlägt den Otter nieder. Trifft er ihn gnt ans den Kopf, so bleibt er tobt liegen; je doch kann sein dicker, fetter Bälg oft ohne Schaden zehn Kenlenschläge anshalten. Entflieht er der Kenle des Jägers, so macht er allerlei lustige Gebehrden, sieht ihn starr an nnd hält den einen Fuß über den Kopf, als ob die Sonnenstrahlen ihm beschwerlich fielen. Wicselgattii ugen. Die verschiedenen Arten des Wieselgeschlechts sind an ihrem schlanken, schlan genartigen, höchst geschmeidigen Leib mit abgerundetem, stumpfem Kopfe leicht zu erkennen. Sie sind die blutdürstigsten Geschöpfe, die man kennt, und es ist ein Glück für alle übrigen lebenden Wesen, daß es ihnen an großer Kraft fehlt. Das grosie Wiesel oder Hermelin. (Taf. hi. Fig. 21.) Das große Wiesel ist im Sommer blaß röthlichbrann, auch gelblich; Kehle und Bauch sind weißgelb; im Winter ist es ganz weiß; am Schwänze, der mit einem Haarbüschel endet, ist fast die ganze letzte Hälfte schwarz. Es ist 14 Zoll lang und kaum 3 Zoll hoch. Es bewohnt Wiesen, Wälder und Felder und hält sich in allerlei Schlupfwinkeln auf. Es ist kühn, schlau, boshaft und blutdürstig. Besonders des Nachts, zuweilen auch am Tage, wenn Alles still ist, geht es ans seinen Raub ans. Dieser besteht in Hühnern, Tauben, Bögeln, Maulwürfen, Ratten, Mäusen, jungen Hasen, Kaninchen u. s. w. Es schlägt sein scharfes Ge biß in's Genick und sangt seinem Schlachtopfer zur Zeit des Ueberflnsses nur das Blut ans, sonst verzehrt es auch das Fleisch. Es ist äußerst geschickt im Klettern und steigt an Mauern und Bäumen hinauf, um Sperlingsnester anszunehmeu oder in die Hühnerställe zu gelangen, wo es nichts unverschont läßt. Daö Weib chen bringt ans einmal 3 bis 8 Junge, welche blind geboren werden und erst nach einer bestimmten Zeit die Augen öffnen. Mau fängt die Wiesel in Fallen, worin ein Ei, ein Bögelchen oder eine Maus als Lockspeise dient. Hat man eine Höhle gefunden, in welcher ein Wiesel sich anfhült, und man ahmt den Ton einer Maus uach, so kommt es sogleich hervor. Bei uns wird sein Pelz wenig benutzt. Desto gesuchter ist der Pelz des nordischen Hermelins, der im Winter schneeweiß ist und ein dichtes Haar hat. Die besten Hermelinfelle kommen ans Sibirien, Lappland und Norwegen und werden zu Muffen und Palatinen verarbeitet. Die früheren Kaiser trugen ganze Hermelinmäntel, auf welchen die schwarzen Schwänze ans dem weißen Grunde sehr schön abstachen. 5 *68 * Das gemeine Wiesel sicht dem vorigen fast ganz gleich, ist aber viel kleiner, denn seine Länge beträgt nur 7 Zoll. Alle obcrn Theile, so wie die Füße und der Schwanz sind braun; am Unterleibc ist cö schneeweiß. Es hat einen schlanken Körper, und schleicht daher in alle Löcher, durch die cs nur seinen Kopf bringen kann. Im Sommer hält cs sich in Manlwurfsgängen oder Rattenlöchern auf, int Winter verbirgt es sich in Ställen und Scheunen. Seine Nahrung, die cö meistens bei Nacht auf sucht, besteht in Mäusen, Maulwürfen, Hamstern, Natten, Vögeln und deren Eiern. Sind diese groß, wie z. 25. bei den Hühnern, so daß cs dieselben mit seinem kleinen Maule nicht fassen kann, so packt es diese zwischen Kinn und Brust und schleppt sic fort. Im Klettern ist cs zieinlich ungeschickt, auf freiem Felde aber schnell und so gewandt in seinen Wendungen, daß man mit einem Knittel stets Fchlschläge darnach thut. Jung gefangen, läßt cs sich sehr leicht zähmen. Mau fängt cs in Rattenfallen; aber auch an dem Hunde hat es einen gefährlichen Feind, und der Storch verschlingt cs mit Haut und Haaren. Alan sollte cs jedoch mehr verschonen, weil cö bei weitem mehr nützt als schadet, besonders durch Weg fangen der Feldmäuse und Maulwürfe. Der Iltis. (Tas. in. Fig. 22.) Für Gänse, Ente», Hühner, Tauben, Maulwürfe, Hamster, Mäuse und Frösche ist der Iltis noch gefährlicher als das Wiesel. Seine Farbe ist braun, an den Seiten gelblich; er hat einen kurzen, dünnüehaartcn Schwanz. Er wird mit dem 6 Zoll laugen Schwänze 23 Zoll laug. Er ist gleichfalls ein grausames, listiges und räuberisches Thier und bewohnt das gemäßigte Europa, wo er sich in Wäldern, Feldern und Gebäuden aufhält. In der Regel schläft er den gan zen Tag hindurch und geht des Nachts auf Raub aus. Er ist böö und beißig, setzt sich zur Wehr, wenn man ihn angrcift, und knurrt und kläfft daun wie ein Hund. Er klettert gut, aber ungern, und hat einen hüpfenden Gang, der Be hendigkeit, List und Raubsucht verräth. Kommt er in ein Taubenhaus oder in einen Hühnerstall, so mordet er Alles und trägt, was ihm beliebt, in seinen Schlupfwinkel. In diesem findet man oft auch eine Menge von Eiern verschie dener Größe, die er allenthalben zusammengcstohlen und ebenso transportirt hat, wie das Wiesel zu thun pflegt. Im April bringt das Weibchen ans einem weichen Lager 4 bis 6 Junge zur Welt, die cö lange säugt, und damit sic nicht entdeckt werden, trägt cs ihren Unrath vom Lager weg. Jung gefangen, lassen sic sich zähmen und zum Fangen der Mäuse und Ratten abrichtcn; erblicken sic jedoch ein Huhn, so erwacht ihre natürliche Raubgier und verleitet sic zum Morden. Weil der Iltis großen Schaden unter dem Geflügel anrichtet, so wird ihm eifrig nachgestcllt. Er wird gewöhnlich in Tellereisen oder in großen Rattenfallen69 gefangen, wobei man ein Ei oder einen in Gänsefett gebratenen und mit Zucker bestreuten Häring als Lockspeise gebraucht. Sein Fell wird zwar von den Kürschnern verarbeitet, aber nicht theuer be zahlt, weil es immer einen üblen Geruch behält. Das Frettchen. Das Frettchen hat eine gelbliche Farbe mit roscnrothen Augen. Es ist etwas kleiner als der Iltis, sonst in Gestalt und Lebensart ihm sehr ähnlich. Es ist munter, lebhaft, beißig und im Zorne, wüthend. Es stammt eigentlich aus Afrika, und ist von dort nach Spanien und von da nach Deutschland u. s. w. gebracht. Es wird gezähmt, dann mit Wcißbrod und Kleie, in Milch geweicht, und mit etwas gekochtem Fleisch gefüttert und zur Kaniuchenjagd gebraucht. Man nimmt nämlich in den Monaten October bis Februar ein oder zwei Frettchen in einem Beutel mit auf die Jagd und begibt sich, mit Netzen versehen, in Gehölze, wo man weiß, daß Kaninchen ihren Ban haben. Die ganze Gegend wird mit Hunden abgetrieben, damit die Kaninchen in ihren Bau gehen. Hierauf werden alle Röhren an demselben mit Netzen umstellt. Ist dieses geschehen, so wird das Frettchen, das am Halse eine kleine Schelle trägt, in die Hauptröhre gelassen. Da gerathen nun, bei dem Anblick eines so furchtbaren Feindes, die schüchternen Bewohner in Todesangst; sie entfliehen, so schnell sie können, durch eine andere Röhre; aber cs hilft ihnen nichts, denn.sie gerathen am Ausgange in die Jäger netze und werden erschlagen. Oft bleibt auch das Frettchen in der Kaninchenhöhle auf dem weichen Lager, unbekümmert um den Jäger, liegen, namentlich wenn cs ein Kaninchen erhascht und sich au dessen Blute gesättigt hat. Um cs wieder herauszuholcn, schiebt man au einer schwanken Stange ein Kaninchen in die Röhre, woran cs sich fcstbcißt und herausziehen läßt. Auch kann man dein Frettchen vorn an der Hauptröhre ein Nest mit Heu bereiten, wobei die übrigen Ausgänge verstopft werden. Kommt man nach einiger Zeit wieder an den Bau, so liegt cs >» der Regel in diesem künstlich bereiteten Neste; denn cs schläft sehr gerne und fest. Das Weibchen bekommt im Jahre zweimal 5 bis 8 Junge, welche man aber vv» beut Männchen getrennt halten muß, weil dieses zuweilen die Jungen frißt. Der Haus- oder Steinmarder. Der Haus- oder Steinmarder ist fast durch ganz Deutschland verbreitet und als der gefährlichste Feind des Geflügels genugsam bekannt. Er hat die Größe vincr mittelmäßigen Hauskatze, einen runden Kopf und einen kastanienbraunen, schwärzlichen Pelz mit weißem Halse und weißer Kehle. Am After befinden sich Zwei Drüsen, aus welchen er eine stinkende Feuchtigkeit abgibt. Er wohnt nie m Waldungen, sondern immer in Gebäuden, und zwar sowohl in Städten, als >u Dörfern, in den verborgensten Schlupfwinkeln. Den Tag über laßt er sich70 nicht erblicken, sondern nur des Nachts sucht er seine Beute ans. Er geht selten, sondern springt fast immer mit erhabenem gekrümmtem Nucken und klettert mit Leichtigkeit ans die höchsten Dächer, an glatten Stangen, Bretterwänden, rauhen Mauern hinan. Beim Gewitter zeigt er sich äußerst furchtsam; er läuft wie toll umher, sucht sich Gesellschaft und hebt mit seinen Kameraden einen großen Lärm an. Seine Stimme gleicht der einer Katze, in der höchsten Angst und Noth ist sic ein kurzes, abgebrochenes Bellen; Hühner- nnd Tanbenställc sind selten sicher vor ihm, und findet er sich ein, so mordet er in einer Nacht so viel er kann, bisweilen 10—20 Stück, und trägt dann nur ein Stück mit sich fort. Die Tau ben nnd Hühner, welche entkommen sind, wollen nicht mehr in ihre frühere Woh nung, weil der Marder sic mit seinem stinkenden Kothc verunreinigt hat, und man muß sic daher erst ausräuchcrn. Auch ans Kaninchen, Eichhörnchen nnd Vögel macht er Jagd; begnügt sich aber auch mit Mäusen, Ratten und Maulwürfen. Unter den Obstnrtcn liebt er besonders Kirschen, Pflaumen, süße Birnen, Trau ben und Ebcrcschcnbccrcn. Das Weibchen macht sich gewöhnlich auf Heuböden sein Nest nnd bringt hier im April oder Mai 3 bis 5 Junge zur Welt, welche sich leicht zähmen lassen, so daß sie selbst mit Hühnern und Tauben friedlich um gehen. Da der Marder für unsere Haushaltungen sehr schädlich ist, so schont man seiner nicht. Man schießt ihn in mondhellen Nächten, wo er auf den Dächern umhcrzuhüpfen pflegt, oder sänkst ihn in Tellereisen. Auch vertreibt man ihn oft bei Tage durch Trommeln und Klappern aus seinem Schlupftvinkel und erlegt ihn ans der Flucht, oder von den Dächern und Bäumen, auf welche er sich ge flüchtet hat. Nur der Balg des Marders ist zu gebrauchen und wird zu Mützen, Muffen und zum Besetzen der Kleider angewandt. Der Baum- oder Edelmarder (Taf. in. Fig. 23) ist bei weitem größer als der Hausmarder. Er ist braun mit gelber Kehle, 18 Zoll lang ohne den Schwanz, welcher 9 Zoll lang ist. Er ist in allen Ländern der Nördlichen Erde einheimisch nnd in Deutschland gemein. Hier trifft man ihn in Tannen- und Laubwäldern, wo er sich in hohlen Bäumen aufhält und Eich hörnchen und Raubvögel zu seiner Nahrung sich sucht. Er ist außerordentlich scheu und leichtfüßig, denn selbst das flüchtige Eichhörnchen holt er wie im Fluge ein, oder treibt cs am Tage so lange umher, bis cs gänzlich abgemattct ist nnd nicht weiter kann. Außerdem frißt er Hasel- nnd Fledermäuse und wird dadurch den Waldungen sehr nützlich; er beschleicht die Vogelnester, frißt die Jungen und die Eier, jagt alle Arten von Vögeln, lös't die in Schlingen gefangenen aus, ver zehrt auch junge Hasen nnd Kaninchen, so wie Früchte nnd Beeren, besonders die des Ebereschenbaums. Das Weibchen bringt in einem erweiterten Eichhörnchen- oder wilden Tan- benneste 3 bis 4 Junge zur Welt, welche sich anfzichen und zähmen lassen.71 Der Pelz des Baummarders ist tastbar. Die Niickcnscitc wird dem Zobel felle gleich geschätzt und oft mit einem Dukaten bezahlt. Alan verarbeitet ihn zu Pelzen, Palatinen, Mantelkragen u. s. w. Am schönsten ist er im Winter. Man verfolgt daher um diese Zeit seine Spur im Schnee, bis man an den Baum ge laugt, auf welchen er geklettert ist. Auf einem Baumaste hingestreckt, blickt er, wenn nach ihm geschossen wird, unverrückt den Jäger an; entflicht nicht, wenn der erste Schuß ihn fehlt, sieht selbst unverwandt das Tuch an, das der Jäger znm Zeichen, wo seine Beute sich befindet, auf einen Stock hängt, und läßt ihm Zeit, nach Hause zu gehen und Schießgewehr und Hunde zu holen. Auch wird er in großen hölzernen Fallen oder in Fuchseisen gefangen. Der Zobel. (Taf. Hl. Fig. 24.) Der Zobel hat große Achnlichkcit mit dem Baummarder, ist jedoch kleiner. Er ist gewöhnlich braun mit aschgrauer Kehle. Sein Vaterland sind die kalten Nordländer, besonders Sibirien und Kamtschatka; auch im nördlichen Amerika findet mau ihn, aber nicht in Deutschland. Seinen Aufenthalt hat er in den Wäldern unter den Wurzeln der Bäume, oder in hohlen Bäumen, oder in unterirdischen Höhlen. Alles, was dem Marder zur Nahrung dient, frißt auch der Zobel. Früher gab cs von diesen Thieren bei weitem mehrere als jetzt, wo die un aufhörlichen Nachstellungen von Jahr zu Jahr ihre Zahl vermindern. Die Bälge sind an Werth sehr verschieden, von einem halben bis zu 50 und 60 Rubeln. Ein Pelz, ans den schönsten Thcilcn des Zobelfelles zusammengesetzt, soll 8 bis 10,000 Rubel kosten. Die Schönheit des Pelzeö besteht eigentlich darin, daß das Grundhaar so fein lind zugleich so dicht ist, daß sich die glänzend steifen Grannenhaare nach jeder Richtung hin streichen lassen, ohne struppig zu werden. Den weichsten Pelz zieht man den Männchen ab. Der Fang des Zobels wird in den Wintermonaten, vom November bis zum Februar, betrieben. Im Sommer hat das Thier Ruhe, Niemand verlangt ihn dann zu schießen, lveil sein Balg ohne Werth ist. Ruhig schläft er daher den Tag über und zwar so fest, daß man ihn wegtragen, selbst prügeln kann, ohne daß er erwacht. Nur in der Nacht geht er auf Raub aus. In den genannten Wintermouaten aber erwartet ihn selbst der Tod. Die Russen errichten dazu ei gene Gesellschaften. Jede derselben erwählt sich einen Vorsteher, der die Jagd anordnet und dem Jeder sich gehorsam unterwirft. Mit nöthigen Lebensmitteln versehen, entfernt sich jede Gesellschaft oft 50 bis 60 deutsche Meilen weit von menschlichen Wohnungen. Seine Spuren im Schnee vcrrathen ihn und führen dw Jäger zum Lager; damit diese aber den Rückweg wicderfinden können, machen llch Zeichen an den Bäumen. Sind sic in die Nähe eines Zobcllagcrs gekom- mc "' ^llcn sic ringsumher Schlagfallcn ans. Läßt sich das Thier verleiten,72 non der Lockspeise zu naschen, so kostet cö ihm das Leben. Kommt es nicht so gleich ans seinem Schlupfwinkel hervor, so werden Netze vor dem Ansgange des selben ausgestellt und an jedem der Netze hängen zwei Glöckchen, welche den Jä gern ein Zeichen geben, wenn der Zobel im Netze sich verwickelt hat und daraus sich zu befreien sucht. Ans dieses Zeichen eilen sic herbei und schießen das Thier mit starken Bolzen, damit der Balg nicht verletzt wird. Zuweilen läßt cs auch wohl mehrere Tage ans sich warten, che cs aus seinem Versteck hervorkommt; dann sucht man ihn durch den Dampf von verfaultem Holze aus seiner Höhle hcrauszntrcibcn. Ende Februars kommt die Gesellschaft an ihrem gemeinschaftlichen Sammelplätze wieder zusammen, um sich nach Abzug der Bälge, welche an die russische Negierung abgeliefert werden müssen, die Ausbeute zu theilen. Zuweilen läuft jedoch beim Verkaufe derselben ein Betrug unter; man sucht nämlich Bälge von geringerem Werthe durch Färben und Räuchern zu verbessern und gibt sic dann für gute aus. An der Lena und um Irkutsk sollen sic am schönsten sein. Die Verbannten haben in der Siegel eine Anzahl Felle an die Regierung abzu liefern, wodurch Mancher wider Willen zum Jäger gemacht wird. Stinkthiere. Die Stinkthiere sind an Gestalt und Größe den Mardern ähnlich. Stink thiere werden sie genannt, weil sie unter dem laugen, behaarten Schwänze zwei Drüsen haben, welche einen furchtbar stinkenden Saft enthalten, den sic itnch ihren Feinden auswerfen. Ihre Nahrung besteht in Vögeln und andern kleinen Thieren, weshalb auch ihre Füße, wie bei den übrigen Raubthieren, mit langen, Krallen bewaffnet sind. Das Vaterland derselben ist Amerika. Unter den verschiedenen Arten wollen wir zwei, als die merkwürdigsten, er wähnen; nämlich den Skunk, der sich in Nord-Amerika findet, und den Ze- rillo, dessen Vaterland Süd-Amerika ist. Der Skunk. Der Skunk sicht wie eine kleine Katze aus, ist schwärzlich mit weißen Streifen und hat einen langen Schwanz mit weißer Spitze. Er wohnt in den südlichen Theilen Nordamcrika's und nährt sich in Wäldern von Vögeln, Eiern, Insekten u. s. w., schleicht sich auch zuweilen in die Wohnungen der Menschen. Nicht nur die Flüssigkeit in den Afterdrüsen, sondern auch sein Urin stinkt fürchterlich, und wenn man ihn jagt oder reizt, spritzt er diese Feuchtigkeit wohl 18 Fuß weit auf Hunde und Menschen. Der Gestank ist so fürchterlich, daß dem Menschen der Athen: vergeht und die Hunde die Nase auf die Erde drücken. Wer mit dem Kothe beschmutzt wird, muß lange Zeit hindurch allen Umgang mit Menschen meiden und wird bei allem Waschen und Reinigen erst nach einigenMonaten von dem widerlichen Gerüche befreit. Dennoch zähmt man ihn zuweilen und gebraucht ihn zum Mänsefang. Sein Fleisch soll, wenn man zuvor die Aftcr- drüsen sorgfältig abgcschnittcn hat, sehr wohlschmeckend sein. Der Zerillo lebt in dem südlichen Amerika und hat einen schwarzen, weiß gestreiften Pelz. Er ist gar nicht furchtsam und flieht den Menschen nicht. Reizt man ihn nicht, so hat man auch nichts von ihm zu befürchten. Geschieht dieses aber, so dreht er sich um, bläs't sich auf, macht einen krummen Rücken und spritzt seinem Feinde auf eine weite Strecke hin seinen stinkenden Koth in's Gesicht. Ein einziger Tropfen, der ans die Kleidung fällt, verdirbt sic gänzlich; keine Lauge, keine Seife kann den Gestank heransbringen, und es bleibt nichts anders übrig, als das ganze Kleid zu verbrennen. Menschen, welche starke Gcruchswcrkzcnge haben, riechen bei nahe ans eine Stunde weit den Ort, au welchem ein Zerillo sich ansgeleert hat. 4. Die Zibeththicre. Die Zibeththicre haben, wie die Stinkthicre, einen Sack oder eine Spalte, die eine stark riechende Feuchtigkeit enthält. An Gestalt gleichen sic dem Marder, an den Krallen einer Katze. (Taf. III. Fig. 25.) Die Zibcthkatze oder Civctte zeichnet sich durch eine starke Mähne aus, welche sic aufrichtcn kann. Sie ist aschgrau mit schwarzen Flecken und Streifen zur Seite des Halses und hat schwarze Ringe um den kurzhaarigen Schwanz. Man findet sie in den höchsten Gegenden von Afrika und sic gleicht in ihrer Lebens weise der Katze und den Mardern. Zwischen den Hinterfüßen hat sie einen Sack, der eine klebrige Flüssigkeit enthält. Dies ist der Zibcth, der oft so theucr bezahlt wird, daß man eine Unze mit 150 Gulden bezahlt. In der Ferne riecht er sehr üeblich, ungefähr wie Moschus, in der Nähe aber ist er betäubend und verursacht Kopfschmerzen und Schwindel. Man gebraucht ihn zu Balsamen und wohlriechen den Wassern; früher auch als Arznei, sowohl innerlich in Pulverform, als äußer lich zum Einreibcn. In der Wildniß streicht das Thier den Zibethbeutel an Bäumen ans und wird dann von den Negern gesammelt und verkauft. Man bewahrt ihn in Hörnern ans, weil er sich darin am besten halten soll, und ein solches Horn kostet oft 400 - 600 Gulden. Die Zibcthkatze wird jedoch auch ge zähmt und mit Milch, Fleisch, Eiern, Reis und dergleichen gefüttert. Dann zieht man sic wöchentlich zwei bis drei Mal an das Gitter, kehrt behutsam den Beutel um und nimmt den Zibeth mit einem Löffel heraus, reinigt ihn von den darunter befindlichen Haaren, indem man ihn dünn ans Pflanzenblätter streicht, wäscht ihn »iit Mecrwasser, trocknet ihn darauf an der Sonne und bringt ihn endlich in ilcinc zinnerne Büchsen. Wegen seines hohen Wcrthcs, in welchem der Zibcth >lcht, ist er oft verfälscht oder ans Schweinefett, Honig und Moschus nachgcmacht ivorden. Ist der Zibcth rein, so muß er keine dicke Klümpchen enthalten, ansPapier sich gleichförmig streichen lassen, an's Licht gehalten einen Zibethgeruch von sich geben und beim Verlöschen wie versengte Haare riechen. Die Genette ist grau, mit schwarzen oder braunen Flecken. Sie ist so groß wie eine Katze, hat aber einen längern Schwanz und eine spitzere Schnauze. Sic hat keinen Beu tel, wie die Zibcthkatzc, sondern statt dessen eine Spalte, anö welcher ein widriger Balsamgernch ausströmt. Die Genette ist ein nächtliches Thier und nährt sich von Fleisch; läßt sich auch zähmen und zum Fangen der Mäuse gebrauchen. Alan findet sie vorn südlichen Frankreich bis zum Cap hin. Die Pharaoratte, auch Wangnste oder Ichneumon genannt, ist ein böses, wildes, stinkendes Thier. Sic ist größer als eine Katze und schlanker als ein Marder, von Farbe grau. Ihr Vaterland ist Egypten, wo sic sich von Mäusen, Ratten und den Eiern der Krokodille ernährt. So wild und böse sie ist, so furchtsam ist sie auch. Denn sic läuft nie auf offenem Felde, sondern immer in Furchen und Rinnen der Erde. Früher glaubte man, sic kröche den Krokodillen durch den Rachen in den Magen und fresse ihnen Magen und Eingeweide heraus; allein dieses ist ein Mährchcn. Wohl ist sie behülflich in Vertilgung der Krokodille, aber nur inso fern, als sie ihre Eier verzehrt. Deswegen wurde sie auch von den alten Egyp- tern göttlich verehrt, und findet man sie deshalb noch häufig ans alten egyptischcn Denkmälern abgcbildet. Sie läßt sich zähmen und ist dann sehr sanft und schmei chelhaft und dient zum Wegfangcn der Mäuse und Ratten. Man hat ein Bei spiel, daß sie in der kurzen Zeit von anderthalb Minuten in einem Raume von 16 Quadratfuß ein Dutzend Ratten tödtctc. Ob die von ältcrn Naturforschern aufgcführten Arten „indisches und cap'schcs Ichneumon" wirklich besondere Specicö ausmachcn, ist noch nicht entschieden. Vierte Krönung. Beutclthicre. Das eigentliche Kennzeichen an den Thieren dieser Ordnung ist, daß die Weibchen eine Tasche am Unterleibe haben, die geöffnet und verschlossen werden kann. In diesem Beutel tragen sic ihre Jungen herum und säugen sic so lange, bis sie groß genug sind, sich ihr Futter selbst zu suchen. Wenn sic aber auch schon hcrumlausen können, so nimmt die Mutter sie doch noch in ihre Tasche ans, und75 ist der dringenden Gefahr wegen dazu keine Zeit vorhanden, so nimmt sie diesel ben auf den Rücken, schlägt ihren langen Schwanz zurück, daß die Jungen ihre Schwänzchen herumriugelu können und nun geht's wie mit Extrapost auf und davon. Die Bentelthiere leben in Amerika, Ncnholland und Asien. Es gibt ver schiedene Arten derselben. Einige sind so groß wie eine Feldmans, andere wie ein Schaf. Sie wohnen ans freiem Felde, in Gebüschen und in hohem Gras und nähren sich thcils ans dem Pflanzen-, thcils ans dem Thierreiche. Ihre Hin terfüße haben Achntichkeit mit unfern Händen und können daher auch wie Hände von ihnen gebraucht werden. Auch haben sie meistens einen langen Wickelschwnnz, uiit welchem sic sich an Banmäste anhängen können. Die merkwürdigsten unter den Bcntclthiercn sind folgende: Das Känguruh (Taf. in. Fig. 26) ist oben grau, unten weißlich und an den Füßen schwärzlich. Es kann eine Größe von 6 Fuß erreichen; der Schwanz ist 2 Fuß lang und die Hinterfüße sind un gefähr fünf Mal länger als die Vorderfüße, daher ist der Gang hüpfend und schleppend. Ucberhanpt braucht es die Vordcrfüße nicht so sehr zum Gehen, als vielmehr die Nahrung durch Scharren anfzusuchen und' in das Maul zu bringen. Wird cs verfolgt, so läuft es auf seinen vier Füßen und macht oft Sätze von 28 Fuß Weite und 8 Fuß Höhe. Die Jungen, höchstens zwei, sind kaum halb so groß als eine Maus, wenn sie ans die Welt kommen. Die Mutter muß sie daher 9 Monate lang in ihrem Bcntel behalten. Sie hängen an den Zitzen der Mutter ganz fest, so daß sie nicht hcrabfallcn können. So furchtsam dieses Thier auch ist, so muthig ist es, wenn es angegriffen wird, und einzelne Hunde haben «neu gefährlichen Kampf mit demselben zu bestehen; denn kommt ihm ein Hund »u nahe, so richtet cs sich ans, dreht dem Hunde sich entgegen und ergreift ihn mit den Vorderpfoten, umarmt ihn, wie cö die Bären zu thun Pflegen, und reißt ihm mit den scharfen Hinterklauen den Bauch auf. Wird cs auf offenem Felde angegriffen und cö ist ein Gewässer in der Nähe, so flüchtet cs sich in dasselbe, denn auf den Hinterfüßen stehend, ist cs meistens so groß, daß cs weit hcrvor- vagt, während seine Feinde heranschwimmen müssen. Sind diese ihm nahe genug bekommen, so streckt cs die Vorderpfoten aus, um den ersten Hund zu ergreifen nud ihn unterzutauchen. Kommt diesem kein anderer Hund zu Hülfe, so ist cs 11111 ihn geschehen; wird er aber von seinen Kameraden befreit, so schwinnnt er sogleich nach dem Ufer hin und sieht betroffen nach dem Känguruh im Wasser hin, "ud keine Znrcde des Jägers kann ihn bewegen, wieder in's Wasser zu gehen und seinen Angriff zu erneuern. Sein Vaterland ist Ncnholland, doch hat man auch einige nach Europa ge- bracht, wo sic sich in mehreren Thiergärten finden. Ihr Fleisch soll wie Hirsch- >vild schmecken. Das Fell gibt gutes Pclzwcrk.76 Die Beutclratte, (Taf. in. Fig. 27 ) auch Aencasratte genannt, ist ein häßliches Thier. Ihr Körper ist mit dich ten, grauen Wollhaaren bedeckt, der Schwanz ist größtentheils nackt, der Kopf ist spitzig und mit kleinen Augen versehen. Ihr Vaterland ist Amerika, wo sic ein sam in Wäldern und Gebüschen wohnt, den Tag über schläft und des Nachts auf Raub ailögeht. Frisches Blut liebt sic so sehr, das; sie sich meistens darin be rauscht. In ihren Bewegungen ist sie langsam, ebenso im Klettern; doch leistet der lange Wickelschwanz ihr treffliche Dienste dabei. Zuweilen hängt sie sich daran ans und bleibt Stunden lang in dieser Stellung. Das Weibchen bringt 5 bis 6 Junge auf einmal zur Welt, die es überall mitnimmt und vor Gefahren schützt. Wird es verfolgt, so steigen die Jungen auf den Rücken der Mutter, wickeln ihren Schwanz um den der Mutter und lassen sich so von ihr forttragen. Wird sie cingcholt, so fällt sic plötzlich nieder, stellt sich tobt und rührt sich nicht mehr, wenn man auch noch so derb darauf losschlägt oder ihr wohl gar die Ohren ab- schneidct. Ist aber die Gefahr vorüber, so springt sic schnell ans und eilt davon. Nur wenn man des Nachts mit einer Laterne der Bcntelratte cntgcgcngcht, so wird sic geblendet und verwirrt, so daß sie leicht gefangen werden kann. Der C n s k u s lebt ans der Insel Amboina und ist fast so groß wie eine Zibcthkatze. Er hat einen langen Wickclschwanz, an welchem er sich, sobald er einen Menschen erblickt, anfhängt. Durch beständiges Ansehen kann man ihn jedoch bald dahin bringen, daß er ermattet und herunterfällt. Er hat einen sehr üblen Geruch, wird aber dennoch von den Eingeborenen gegessen. Der Wombat findet sich ans der Kingsinsel, südlich von Nenholland, und ist ein träges, schwer fälliges Thier, an Gestalt dem Bären sehr ähnlich, aber so sanft, das; man cs getrost vom Boden anfheben kann, ohne daß cs auch nur das Geringste thut, sich zu vcrtheidigen. Seine Haare sind braun, etwas in's Gelbliche fallend, und sehr- dicht. Er ist so groß wie ein Dachs und 25 bis 50 Pfund schwer. Sehr leicht läßt er sich zähmen. Er gewöhnt sich dann, in einer Hütte zu schlafen, und sich selbst seine Nahrung aus dem Walde zu holen, worauf er zur gehörigen Zeit znrückkehrt. Das größte unter den Beutelthieren ist der Beutel Hund, welcher ans van Diemensland gefunden wird. Er ist so groß wie ein Wolf und nährt sich von allen kleinen Sängcthicren. Seinen Aufenthalt hat er am liebsten an Mccreö- ufcrn und in Felscnktüften. Bon seinen sonstigen Eigenthümlichkcitcn weiß man bis jetzt nur wenig.77 Fünfte Brdnung. Nagethiere. Die Thicre, welche in diese Ordnung gehören, haben in jeder Kinnlade nur zwei große Schncidezähne, welche von den Backenzähnen weit getrennt sind. Die obcrn Schncidezähne sind sehr scharf und meißclartig zum Zernagen der Kör per, die untern laufen spitz zu. Die obcrn Schneide- oder Nagezähne wachsen, während sic oben sich abnutzen, sehr schnell nach, und wenn einer ausfällt oder abbricht, so entwickelt sich der auf der andern Seite zu einer unförmlichen Gestalt. Bei allen Nagern ist der Hintertheil des Körpers stärker als der Vordertheil, daher sic auch mehr springen und Hüpfen als laufen. Der Kopf ist bei ihnen weist zngespitzt und die Lippen sind mit langen Schnurrhaarcn besetzt. Sic sind meist sehr schädlich, indem sic mit ihren scharfen, festen Schncidezähne» Alles zernagen. Alan denke nur an die Natten und Mäuse in unseren Häusern, an die Hamster, Kaninchen n. s. w. Es gehören in diese Ordnung die Mäuse und Ratten, die Hasen, Kaninchen und Halbkaninchen, die Eichhörnchen, die Biber und die Stachelschweine. 1. Das Mäuse- und Rsttrngeschlecht. Die Mäuse sind höchst gefräßige und für unsere Haushaltungen nachtheilige Thicre. Einige halten sich auf Feldern in ihren eigenen Wohnungen auf, andere kommen zu uns und nisten sich in unsere Häuser ein. Bon den letzter« wollen zuerst sprechen. D i c H a u s m a n s. Die Hausmaus hat eine graue Farbe, ist zuweilen weiß gefleckt oder auch lv>o 0l ganz weiß mit rothcn Angen. Sic ist listig, schnell und munter, aber sehr sw'chtsnm. Es ist der Maus wie dem Sperlinge gegangen, sie konnte sich von dnn Menschen nicht trennen, so lästig ihre Gesellschaft ihm auch war., Sie hat i'ch durch Waarcnballcn über alle fünf Wcltthcilc verbreitet und fühlt sich überall heimisch; „ur einzelne Gegenden in Amerika, wohin kein Handel getrieben wird, iiud von ihr verschont geblieben. Sic ist, wie wir oben schon sagten, im höchsten Grade furchtsam und hat fortwährend ihre Ohren zum Lauschen gespitzt. Sie wird jedoch auch leicht zahm und gewöhnt sich, regelmäßig ihren freundlichen Wohi nter zu besuchen, der sic mit Brod oder dergleichen füttert. Aber cs hält sehr schwer, mit ihr befreundet zu bleiben, denn sic verschont sehr Weniges in unser» Häusern und benagt Alles. Daher wird sic selten freundlich bewillkommt, man spickt ihr vielmehr eine Katze zu, um ihr zu sagen, daß sic nichts im Hanse zu78 thun habe. Auch vergiftet man sie oder versperrt ihr allen freien Zutritt durch kleine spitze Glasscherben in Brod geknetet und damit die Fächer verstopft. Sie vermehrt sich ungemein stark, denn 4, 6, ja 8 Mal im Jahre beschenkt sie uns mit 4 bis 7 nackten Jungen, welche nach acht Monaten völlig ausgewachsen sind. So ekelhaft uns das Mäuseflcisch vorkommt, so wird cs doch von den Chinesen, Tnngusen und einigen andern Völkern gegessen. Die große Feldmaus. Die große Feldmans, auch Wald- oder Gartenmans genannt, ist bedeu tend größer als die Hausmaus. Die Farbe des Rückens ist roströthlich, die des Unterleibs hell wcißgran. Sic findet sich in ganz Europa und halt sich im Som mer ans Feldern, in Gärten und Wäldern ans, im Winter flüchtet sie sich auch wohl in Ställe und in Häuser. Auf den Feldern oder ans den Wiesen, welche einen lockern Boden haben, macht sic sich kleine Erdhöhlen, worin sie ihre Nah rungsmittel anfspcichcrt und auch ihr Nest sich cinrichtet. Ihre Nahrung besteht ans allerlei Feldfrüchten, Sämereien von Bäumen und andern Gewächsen, ans den Acckcrn ans Getreide. In der Roth benagt sie die Rinde junger Bäume, die Wurzeln vieler Pflanzen, auch die Pflanzen selbst, besonders die Gartennelken. Ja, wenn die Noth am höchsten steigt, fressen sic sich einander selbst ans. In der Erntezeit lassen sie sich auch wohl mit in die Scheunen fahren und halten sich dort im Korn, Stroh oder Heu bis zum Frühjahre versteckt. Das Weibchen bringt vom Frühjahre an bis in den Spätherbst hinein alle 5 Wochen 4 bis 10 Junge zur Welt, um welche cs sich nur 12 Tage bekümmert und dann sic sich selbst überläßt. Haben sic sich im trockenen Sommer stark vermehrt, so machen sic im Herbste Auswanderungen, wobei sie immer ihren geraden Weg verfolgen, er mag nun über Berge und Flüsse gehen. Auf diesem Wege kommen viele um, indem sic entweder von Ranbthiercn verzehrt werden, oder den Strapazen der Reise un terliegen. Weil sie sich so stark vermehren, so werden sic auf Acckcrn, Wiesen und in jungen Waldungen oft sehr nachthcilig. Man schickt dann Schweine in ihr Revier, welche die Löcher anfbohren und sie mit ihren Jungen und gesammel ten Nahrungsmitteln verzehren, oder man richtet Hunde ab, sie hcrvorzuscharrcn und todt zu beißen. Doch machen die letzteren, besonders ans Wiesen, durch das Aufwühlen der Erde, oft den Schaden nur noch größer. Die kleine Feldmans ist etwas kleiner, aber fast von dcrselbigcn Farbe, als die vorige. Sic ist nicht nur über ganz Europa, sondern auch über einen großen Thcil von Asien verbrei tet und richtet auf unser» Feldern oft große Vcrivüstnngcn an. Sie beißt zur Erntezeit die Aehrcn ab und trägt sic in ihre unterirdischen Vorrathskammern. Ihre Vermehrung ist unglaublich stark und man hat ans einem einzigen Felde, einen Morgen groß, in einem Monate über 4000 gefangen. Auch sic machen zurHerbstzeit Wanderungen, ans welchen sic sich durch nichts non ihrem Wege abbrin- gcn lassen und oft in großen Zügen über Flüsse schwimmen. Aber eben auf die sem Wege kommen auch die meisten um, indem sic eine Beute der Raubvögel werden. Auf Weiden und Feldern, welche den Uebcrschwcmmnngcn nahe gelegener Flüsse ausgcsetzt sind, werden sic zu Tausenden in ihren Löchern ersäuft. Oft machen sic sich jedoch zeitig genug auö denselben heraus und suchen sich durch Schwimmen zu retten, werden aber an ihren Landungsplätzen von Krähen und Raben empfangen und verzehrt. Die Wnrzelmaus. Das Vaterland der Wurzelmaus ist Sibirien, wo sie in großer Zahl angc- troffen wird. Sie ist unserer Feldmaus ähnlich an Gestalt und Größe und hält sich ans lockerem Boden ans. Hier macht sie sich eine flach gewölbte Kammer mit mehreren Röhren, welche entweder zu ihrem Wohnzimmer oder in ihre Magazine führen. Die letzteren füllt sic im Sommer mit Wurzeln von allerlei Gewächsen, welche im Winter ihr zur Nahrung dienen. Damit sie nicht stickigt werden und verderben, trägt sic dieselben oft an die freie Luft und läßt sie austrocknen. Im Sommer berührt sic dieselben niemals, sondern Alles bleibt für den Winter aufgehoben. Thicrc und Menschen brechen aber oft räuberisch in ihre Vorraths kammern ein und finden da zuweilen 20—30 Pfund genießbarer Wurzeln. Auch sie machen große Wanderungen und gehen immer den geraden Weg oft 150 deutsche Meilen weit, werden aber von den Füchsen, Zobeln, Wieseln und andern Raubthicrcn verfolgt und gctödtct. Die Blindmaus ist etwas größer wie eine Wasserratte, aschgrau, lebt unter der Erde, wie der Maulwurf und nährt sich von Regenwürmern. Die Augen kann man kaum sehen und haben die Größe eines Stccknadclkopfcö, daher man auch lange glaubte, sie habe keine Augen, sondern sei ganz blind. Ihr Gesicht ist allerdings nicht scharf, aber um so feiner ist ihr Gefühl und ihr Gehör. Selten kommt sie an das Tageslicht, und thut sie cs, so scheint das Sonnenlicht ihr wenig erträglich zu sti». Bei dem geringsten Geräusch, das sie vernimmt, hebt sie sogleich ihren 'Hf in die Höhe, und wenn man mit der Hand nach ihr greift, so setzt sie sich irtpfcv zur Gegenwehr. Ihr Vaterland ist Polen, Ungarn, das südliche Rußland und Spanien. Ihre Vermehrung ist sehr gering. Die Zwergmaus stt oben fuchsroth, unten weiß. Außer der noch kleineren sibirischen Spitzmaus 'st sie das kleinste unter den Säugcthicrcn. Sie ist kaum halb so groß als unsere Hausmaus und wiegt noch nicht 2 Quentchen. Sic baut sich, gleich einemso Vogel, ein kugelrundes Nest, welches sehr künstlich eingerichtet ist, und findet sich nicht nur in Rußland und Sibirien, sondern selbst in unfern Gegenden. Die S-ringmails. (Taf. iii. Flg. 28 .) Es gibt viele Arten von Springmäusen, welche sich meist in den Stcppcn- ländern von Asien und Afrika finden. Sic haben außerordentlich lange Hinter füße, welche ganz zum Springen eingerichtet sind, und einen langen dünnen Schwanz, der am äußersten Ende eine Fahne trägt. Sic gehen, oder vielmehr sie springen des Nachts auf Raub umher. Die merkwürdigste unter ihnen ist der Alack-Daga, von der Größe eines Kaninchens. Er lebt in den Steppen dcö südlichen Rußlands in sclbstgegrabencn Höhlen, welche mehrere Röhren haben, die bis zur Oberfläche völlig auSgcgraben sind, aber erst benutzt und durchbrochen werden, wenn er in der Gefahr entfliehen will. Wenn er verfolgt wird, so macht er zuerst einige Qncrsprüngc, macht sich dann aber in so großen Sätzen aus dem Staube, daß kein Pferd ihn einzuholen vermag. Die Haselmaus. Die große Haselmaus ist oben aschgraubrann, unten weißlich; der Schwanz ist dünn, am Ende buschig und lvciß oder schwarz. Sic ist im Klettern und Springen sehr geschickt, aber tückisch und beißig. Ihr Vaterland ist das gemäßigte und wärmere Europa, wo sic fast immer ans Bäumen oder in Sträuchen lebt. Zur Nahrung dienen ihr besonders Wall- und Haselnüsse, daher sic auch Haselmaus genannt wird. Außerdem frißt sic auch Eicheln, Vnchcln, Obstkerne, Käfer und junge Vögel, die sie ans ihren Nestern sich holt. Sic wirft jährlich zweimal 3 bis 5 Junge, die sic gegen jeden Feind muthig vertheidigt. Selbst Menschen, die in dieser Absicht sich ihr nähern, springt sic wüthcnd nach Händen und Gesicht und bringt ihnen schmerzliche Wunden bei. Im Winter fallen sie- in einen langen Schlaf, der aber durch eintretcnde milde Witterung oft gestört wird. Ehe sie jedoch zum Schlafen sich niederlegen, sorgen sic für guten Vor rath, den sic, sobald sie wieder erwachen, verzehren. Wilde Katzen, Baummarder und Wiesel sind ihre gefährlichsten Feinde; aber auch der Mensch kann sich mit ihr nicht befreunden, weil sic in Gärten an den Spalicrbänmcn großen Schaden thnt, und sucht sie daher mit Fallen und Schlingen zu fangen. Die kleine Hasclmanö ist oben gelbroth, unten weiß und so groß wie unsere Hansmanö. Sic hält sich nur in Haselstauden an schattigen Orten ans, wo sie ans niedrigen Zweigen sich ein Nest aus Laub, Moos und Gras baut. Sic ist eins der niedlichsten Geschöpfe, welche man kennt, wird leicht zahm und ist dann nicht im Mindesten böse. Im Winter fällt sic in Schlaf, den sic in einem Banmlochc verschnarcht. Im Frühjahre wacht sic wieder ans und verzehrt dann den Vorrath, den sic früher sich gesammelt hat.81 Der Siebenschläfer. (Taf. III. Fig. 29.) Der Siebenschläfer ist oben aschgraubraun, unten weißlich und 6 Zoll lang. Er bewohnt das südliche Europa und ist namentlich in der Schweiz und in Italien sehr häufig. Er lebt von Körnern, Fruchten, Vogelciern und jungen Bügeln, und wenn er etwas zu verzehren hat, so setzt er sich ans die Hinterfüße, wie ein Eichhörnchen, mit welchem er überhaupt in seiner Lebensart sehr viel Aehnliches hat. Wird er angegriffen, so setzt er sich tapfer zur Gegenwehr; sein Biß ist stark und schmerzhaft. Er ist schnell, munter und flink; allein sobald im Herbste die Nächte kalt zu werden anfangen, zieht er sich in seinen Schlupfwinkel zurück und macht sich ein weiches Nest von trockenem Laube und zartem Moose. Bei zunehmender Kälte fällt er in Schlaf, der bis zuni Frühlinge dauert; jedoch nicht ununterbrochen, sondern an milderen Wintertagcn lvacht er ans. Bringt man ihn in große Kälte, so athmet er von Minute zu Minute schneller, bis er endlich erwacht; bei zunehmender Wärme hingegen athniet er immer langsamer und wird später wach. Sein Schlaf ist so fest, daß man ihn, gleich einem Ball, in die Höhe werfen und wieder sangen kann, ohne daß er erwacht. Das Weibchen bringt 3 bis 6 Junge zur Welt, welche sehr niedliche Thierchcn, aber zugleich so wild sind, daß sic sich nie recht zähmen lassen. Am meisten hat die Mutter mit ihren Jungen von den Mardern, Wieseln und Katzen zu fürchten. Aber auch Menschen stellen ihnen nach, namentlich die Italiener, welche das Fleisch des Siebenschläfers zu den Leckerbissen zählen. Sie machen ihm daher an einem passenden Orte ein Nest und legen einige Nahrungsmittel hinein. Der Siebenschläfer macht davon Gebrauch und legt sich darin zum Schlafen nieder, wird aber schlafend von seinen Feinden wcggctragcn. Bei den alten Römern stand er, als Delicatessc, in hohem Ansehen. Sie hatten eigene Gehege (Gliraria) zu seiner Zucht und Mästung. Eicheln, Bucheln und Kastanien wurden ihm als Futter gereicht. Die Ratten. Die Ratten gehören zum Mäusegeschlecht und bilden mehrere Gattungen, welche sämmtlich als schädliche Thicrc verfolgt werden. Die Hausratte ist noch einmal so groß als die Hausmaus. Sie hat gewöhnlich eine schwärzliche oder dunkelgraue Farbe und ist 7 Zoll laug. Es gibt jedoch auch Weiße und weißgcflccktc Ratten. Sic ist muthig, wild und sehr gefräßig. Nichts ist ihr zu schlecht und nichts ist ihr zu gut; sie wohnt in den ekelhaftesten Löchern, in Kloaken und Abtritten, in Kellern, auf Dachböden u. s. w. Wird sic gereizt und kann sic sich nicht helfen, so gcräth sie in Wnth, springt dem Menschen nach Händen und Gesicht und verwundet ihn gefährlich. Sic ist ursprünglich in Amerika einheimisch und später durch Schiffe nach Europa gebracht; jetzt ist sic über den ganzen Erdboden verbreitet. In warmen Ländern gefallen sie sich am besten und können da oft zu einer wahre» Landplage werden. Auf B cum-r's «a, Urgeschichte. 6Jamaika verzehren sie wohl den zwanzigsten Theil der Zuckercrnte. Man hat deshalb wiederholt ans Europa Rattenfänger dorthin kommen lassen und diese reichlich besoldet; aber kein Mittel wollte helfen. Auf den Antillen sind sic eben falls sehr zahlreich und die Neger sind verpflichtet, jeden Abend eine bestimmte Anzahl Nattcnköpfe zu liefern. Sie bewohnen alle Theilc unserer Wohnungen, legen oft von einem Gebäude zum andern ihre Gänge an und ziehen so oft in ganzen Straßen hin mtb her. Sie schwimmen sogar nach den im Hafen liegenden Schiffen lind machen weite Seereisen init. Sie ist sehr lichtscheu und geht meistens des Nachts auf Raub aus; an Stellen jedoch, wo sic keine Katze zu fürchten hat, auch bei hellem Tage. Oft schleppt sic lebendige junge Gänse, Hühner und Enten fort, letztere sogar vom Teiche hinweg; fette Schweine frißt sie an, selbst die Hufen der Pferde verschont sic nicht. In Hnngcrsnoth oder cingesperrt fressen sie sich untereinander ans. Im Winter leckt sic Schnee; im Sommer treibt bren nende Hitze sic nach dein Wasser hin. Das Weibchen bringt dreimal 4 bis 7 Junge zur Welt, gegen welche es sehr zärtlich ist. Eben so zärtlich sind die jüngeren Ratten gegen die älteren, wenn sie vor Alter erblinden. Sie führen diese an Stellen hin, wo Futter zu haben ist, oder sie tragen es ihnen selbst zu und ernähren sie treulich bis an ihren Tod. So erzählt ein Augenzeuge, er habe eines Abends ans seinem Schlaf zimmer plötzlich ein Geräusch gehört, wie es die Rattcit zwischen einer Doppcl- tvand, die sie dnrchnagen wollen, zu thun Pflegen. Er verhielt sich ganz ruhig, und nach kurzer Zeit kam eine Ratte aus einem Loche hervor und sah sich sorg fältig im Zimmer um, ob auch Gefahr zu befürchten sei. Sie zog sich darauf zurück, kam aber nach einigen Minuten wieder und zog eine größere, ältere Ratte am Ohre herbei. Sic ließ diese am Loche zurück, suchte dann ans dem Fußboden die Brocken ans, die vom Abendessen heruntergefallen waren, und trug sie zu der alten Ratte hin, die am Loche wartete. Der Beobachter, dem dieses auffallend war, sah endlich, daß jene Ratte blind >var, und das Futter, welches ihr gebracht wurde, bloß dnrch's Fühlen fand. Unterdessen trat Jemand in's Zimmer. So gleich fing die jüngere Ratte zu schreien an, um die ältere von der nahen Gefahr in Kenntniß zu setzen, und nachdem diese sich zurückgezogen hatte und in Sicher heit war, eilte die jüngere ihr nach und suchte sich ebenfalls zu retten. Die Wanderratte unterscheidet sich von der vorigen durch die Größe und die Farbe. Sie inißt nämlich ohne den Schwanz 8 Zoll und ist rothbraungran, mit einzelnen Borsten haaren besetzt. Sie stammt eigentlich ans Persien her, wo sic in Erdhöhlen lebt und deshalb auch Erdratte genannt wird; jedoch bei einem Erdbeben im Jahre >727 schwamm sie über die Wolga und kam nach Astrachan, und 1730 kam sie nach England.6 * Sie ist noch wilder, kühner und schädlicher, als die gemeine Hausratte. Von aller Nahrung scheint sic die ans dem Thierreiche am meisten zu lieben, denn sie würgt junge Tauben, Hühner, Enten und Gänse, ja lvagt sich zuweilen an die alten heran. Ihre liebste Speise ist jedoch der Käse, und um zu diesem zu gelangen, gräbt sic oft weite Gänge unter der Erde hin. In ihrer Lebensart unterscheidet sic sich dadurch von der Hausratte, daß sic nicht nach den ober» Stockwerken des Hauses, also auch nicht ans die Böden geht; aber durch das Untcrwühlen der Schwellen, Fußböden n. s. w. richtet sie in unfern Wohnungen oft noch größeren Schaden an, als jene. In Asien nimmt sie bisweilen große Wanderungen vor und tobtet aus ihrer Weife alle Ratten und Mäuse, welche sie findet. An Hunden, Katzen, Füchsen, Mardern und Raubvögeln haben sic gefährliche Feinde. Daö Weibchen bringt dreimal im Jahre sieben Junge zur Welt. Die Ri e s e n r a t t e ist die größte Ratte, welche man kennt. Sie mißt mit dem Schwänze l V 2 Elle, ist schwarz und unten weißlich, und findet sich sehr häufig auf den Antillen. Die Wasserratte ist so groß wie die Hausratte, oben grauschwarz, unten etwas heller. Sie hat sich über ganz Europa, Asien und Amerika verbreitet, und hält sich am liebsten in der Nähe von Flüssen auf in einem tief unter der Erde gegrabenen Ban, den sic mit Stroh, Heu und dürrem Laub auspolstert, und zu welchem oJ bis 100 Schritte lange Gänge führen. Sic schwimmt sehr gut und ist geschickt iin Untertauchen. Ihre Nahrung besteht in Pflanzen aller Art, Insekten, Fischen, Fröschen ü. s. w. Oft wühlt sic weit unter der Erde weg, und richtet dann in Gärten und auf Wiesen großen Schaden an, indem sie die Wurzeln de> pflanzen und Bäume benagt. In jungen Waldungen versammeln sie sich oft zu Hunderten und die Ufer werden voller Löcher gefunden, die alle zu den naheliegenden Wal düngen oder Gärten führen. Mehrere zusammen findet man auch oft in den bei den jungen Erbsen befindlichen Reiser», wo sie die jungen Schoten fressen. In kurzer Zeit richten sie nicht selten einen großen Schaden an, und ganze Gärten, Baumschulen, Felder werden von ihnen verwüstet. — Das Weibchen wirft ■> >" ? Junge, welche die Mutter zärtlich liebt und mit Gefahr ihres Lebens gegen Hunde, Katzen und Menschen vcrthcidigt. Hält sie ihr Nest für nicht sicher genug, so trägt sic ihre Kleinen im Maule in eine andere Höhle, und man sicht sie W mit dieser Last beschwert über Flüsse schwimmen. Hechte, wilde Katzen, Fächle, Marder und Wiesel sind ihre gefährlichsten Feinde.84 Der Hamster. (Tas. ili. Flg. 30 .) Der Hamster ist oben röthlichbraun, nuten schwarz und an den Seiten mit drei weißen Flecken gezeichnet. Er ist größer atö die gemeine Ratte, denn sein dicker, plumper Körper ist 14 Zoll lang; seine Höhe hingegen beträgt der kurzen Beine wegen nur 2 Zoll. Das Vaterland dieses höchst schädlichen Thieres ist das nördliche und süd liche Deutschland, Thüringen, Polen und Sibirien. Er wohnt in Höhlen, die im Sommer 2 bis 4, im Winter 5 bis 10 Fuß tief sind, und eine Wohnkammer und mehrere Vorrathskammern haben. In letztere schleppt er im Herbste eine bedeutende Menge von Nahrungsmitteln. Seine Backcutasche» sind oft so ange- füllt, daß sie ordentlich strotzen und zwei Hände voll Körner enthalten. In seiner Wohnung angclangt, streift er mit seinen VorderfUßen über die Taschen hin und bringt so das Gesammelte heraus. Ist er vollgepfropft und auf dem Wege nach seinem Bau, so kann man sich seiner bemächtigen; doch muß dieses sehr schnell geschehen, denn läßt man ihm Zeit, sich seiner Beute zu entledigen, so stellt er sich zur Wehr auf die Hinter füße, fängt an zu knurren, springt nach Gesicht und Händen und verthcidigt sich durch sein scharfes Gebiß. Für sein Magazin sammelt er Wurzeln, Mohnkapseln, Bohnen, Erbsen, Obst u. dgl., ans Feldern Weizen, Gerste, Linsen, Hafer, Kar toffeln u. s. w. Er greift seinen Vorrath nicht eher an, als bis die Felder und Gärten leer stehen, dann aber frißt er, bis der Winterschlaf eintritt. Dieser ist ganz todtcnähnlich. Alle Thcilc seines Körpers werden eiskalt und steif, vom Athem hört man nicht das Mindeste. Im Frühjahre erwacht er wieder und ist dann stundenlang in einem halbtrunkenen Zustande, allein cs vergeht kaum ein Tag, so ist er wieder der alte wüthende Hamster. Er zeigt sich zornig, muthig und unerschrocken gegen den Feind, der ihm zu nahe kommt. Pferden beißt er in die Beine, und Hunde treibt er oft mit Schrecken zurück. Menschen, die ihn reizen, fällt er wüthcnd au, beißt ihnen in die Füße oder springt ihnen nach Händen und Gesicht, und läßt sich lieber todtschlagcn, als daß er wiche oder losließc, wenn er sich einmal cingcbissen hat. Seinen Zorn beweist er auch gegen sein eigenes Geschlecht. So wie sich zwei begegnen, fallen sic wüthcnd einander an und ruhen nicht eher, als bis einer auf dem Kampfplätze bleibt, welcher dann von dem Sieger begierig verzehrt wird. Wegen seiner Unverträglichkeit gräbt jeder Hamster für sich allein eine Höhle; nur eine Zeit lang duldet das Männchen das Weibchen bei sich, beißt cs aber im Herbste ans dem Baue heraus, wo cs dann gcnöthigt ist, in aller Eile sich einen Ban ju graben und Vorrttthc ciuzu sainmeln. Wird das Weibchen mit seinen Jungen im Bane angegriffen, so sucht es sich durch tieferes Einwühlen in die Erde ZN retten. Ein alter Hainster stellt sich jedoch zur Wehr, springt auö seiner Höhle hervor mib macht seinem Gräber viel zu schaffen. Gewöhnlich gehen daher ihrer zwei zum Ausgraben der Hamster85 auf die Kornfelder, um sich einander beizustchen. Dieses Ausgraben der Hamster bringt den Landleuten großen Gewinn; denn abgesehen davon, daß einer ihrer gefährlichsten Feinde vertilgt wird, finden sic in dessen Vorrathskammcrn wenig stens 12 Pfund reines Getreide; ja manche enthalten 60 bis 100 Pfund. Die Vermehrung dieser Thiere ist sehr stark. Das Weibchen bringt jährlich zweimal 4 bis 16 Junge zur Welt, welche sich bald wieder fortpflanzen. Im Großherzogthum Gotha sind deren fo. viele, daß in manchem Jahre über 30,000 lhcils gefangen, thcils vergiftet werden. Der Lemming. (Tas. m. Fig. 31.) Der Lemming bewohnt die Gebirge von Norwegen und Lappland. Er ist beinahe so groß wie eine Wasserratte, gelb und schwarz gefleckt, hat einen sehr kurzen Schwanz und kleine Vordcrfnßc, welche ganz zum Graben eingerichtet sind. Man unterscheidet zwei Arten, den Norwegischen und den Sibirischen. Er lebt in Höhlen, welche nicht tief unter der Erde liegen, auch mit keinem Winter- vorrathc angefüllt sind; denn ans eine geschickte Weise versteht er seine Nahrung auch im Winter sich unter dem Schnee zu verschaffen. Diese besteht in allerlei Gewächsen, Wurzeln, Gesämen n. s. w. Die Lemminge sind berühmt durch ihre Wanderungen, die sie von Norwegen ans nach dem botnischcn Meerbusen hinab, in zahlreichen Hcerdcn machen. Im Herbste nämlich versammeln sic sich in großen Hansen. Nachdem sie sich in regel mäßige Eolouncn formirt haben, die einige Spannen breit und oft mehrere Ellen von einander parallel entfernt sind, brechen sic des Abends oder des Nachts auf und ziehen in gerader Richtung fort. Diese behaupten sic so hartnäckig, daß sic sich weder durch Felsen, noch Bäume, noch Seen und Ströme zu einem Um wege nöthigen lassen. Stellt man sich ihnen in den Weg, so werden sic wild und lassen nicht eher ab, bis man ihnen Platz macht. Selbst ein auf dem Strome ihnen begegnender Kahn wird überstiegen, wenn er nicht weicht. Aber eben auf dieser Reise werden sic von gierigen Ranbthicrcn verfolgt und gctödtct. Die jenigen, welche glücklich durchgckommen sind, ziehen im Frühjahre wieder zurück, aber nicht in Eolonncn, wie bei ihrem Abmarsche, sondern so einzeln, dag sic nicht bemerkt werden. Ob Furcht vor einem kalten Winter, oder Mangel an Nahrung, oder Wanderungslust überhaupt sic zu diesen Reisen nöthigt, läßt sich nicht bestimmen. In günstigen Jahren vermehren sic sich sehr stark und das Weibchen bringt alljährlich einige Male 5 bis 6 Junge zur Welt. Den größten schaden richten sic ans ihren Wanderungen an, denn wo sie bei Tage stille liegen, fressen sic alles Grüne, und die tief gefurchten Spuren ihres Weges erscheinen ganz verwüstet.86 Das M»rmelthier. (Taf. in. Fig. 32.) Das Murmelihicr ist cin schwerfälliges Thier mit kurzen Beinen, kurzem Buschschwanz und breitem, plattem Kopfe. Es erreicht die Größe eines Kanin chens, hat sonst aber viel Aehnlichkeit mit einem Hasen. Es ist oben schwärzlich, linten gelblichgrau und wohnt ans hohen Gebirgen in Europa und Asien, nament lich ans den Schweizer-, Tyroler- und Savoyer-Alpcn. Da es sehr scharfe Klanen hat, so gräbt cs sich tiefe Höhlen, die im Sommer 10 Fuß, im Winter noch tiefer sind. In dem Innern einer solchen HiHlc befindet sich ein weiches Lager von Heu, auf welchem die ganze Familie von Octvbcr an den ganze» Winter hindurch ihren todtenühnlichen Winterschlaf hält. Während desselben sind sie ganz starr und kalt und zeigen keine Empfindung, wenn man sic auch noch so hart schlägt, herumwirft oder sticht. Bringt man sie aus der Höhle, deren Röhre sie vorher ganz dicht verstopft und dem Zutritte der Luft unzugänglich gemacht haben, in große Kälte, so erwachen sic Plötzlich, weil sic gegen die empfindliche Kälte durch schnelleres Athmen sich zu schützen und zu erwärmen suchen. Erwachen sie im Frühlinge, so steigen sic oft stundenweit herab, um Plätze anfzusucheu, welche der Wind vom Schnee gereinigt hat und wo Nahrung für sie zu finden ist. Diese besteht in den besten Alpenkräutern; gefangen, begnügen sie sich jedock) auch mit Kohl, Rüben, Kartoffeln, Obst u. dgl. Gewöhnlich gehen sie mit Anbruch des Tages auf Nahrung aus. Furchtsam richten sie sich ans den Hinterfüßen in die Höhe, um zu sehen, ob auch irgend woher Gefahr drohe. Erblickt eines einen Feind, so gibt es einen hellpfcifendcu Ton von sich und sogleich ergreift das ganze Volk die Flucht und schlüpft in seine Höhle. Das Weibchen wirft 3 bis 4 Junge, welche sehr niedliche und possirlichc Thierchen sind. Es ist eine Lust, ihnen von ferne znzusehen, wie sie im warmen Sonnenschein vor ihrer Höhle sich hcrnmtummcln, sich einander balgen und jagen und sich dann, wenn sic müde geworden sind, ans die Hinterfüße gegen die Sonne setzen, um sich zu wärmen. Sie lassen sich leicht zähmen und zn mancherlei Kunststücken abrichten, worin sie aber selten große Fertigkeit erreichen, sondern immer unbeholfen bleiben. Die Gebirgsbewohner fangen sic im Sommer in Fallen; im Spütherbstc graben sic dieselben aus ihren Höhlen aus. Im zahmen Zustande halten sic keinen Winterschlaf, sondern bleiben wach und munter. Das Fleisch soll schinackhaft sein, das Fett brennt man in Lampen und der Balg wird als Unterfutter gebraucht. 2. Das Hasengeschlecht. Die Hasen haben das Eigenthümliche, daß hinter den gefurchten ober» Schneideznhncn noch zwei kleine Stiftzähne sich befinden. Dazu sind die Hinter füße (Läufer) bedeutend länger als die Vorderläufer; die Ohren (Löffel) sind ebenfalls lang, der Schwanz hingegen ist kurz und aufwärts gekrümmt.87 Der gemeine Hase ist gelblichgraubraun, der Schwanz kurz und weiß; die Augen sind groß und können von den kleinen Augenlidern nicht völlig bedeckt werden. Er ist äußerst surchtsam und lebt fast in ganz Europa. Nur in England ist er seltener und es ist beinahe Ehrensache, ihn nur im Laufe zu schießen. Mehr des Nachts, als bei Tage geht er ans Nahrung ans; den Tag über hält er sich meist ruhig in seinem Lager, welches in einer kleinen Vertiefung auf der Oberfläche der Erde besteht. Er ist feig und furchtsam und weiß seinen Zorn nicht anders anszu- drückcn, als dadurch, daß er mit. den Füßen den Boden stampft. Sein Geruch und sein Gehör ist äußerst scharf; er setzt oder stellt sich auf die Hinterfüße, bewegt beständig die Nase und wittert, oder stellt die. Ohren, um jedes Geräusch zu vernehmen und in der Flucht sein Heit zu suchen. Oft liegt er jedoch, bcson- ders im Sommer, in einer Furche geduckt, so fest, daß er fast auf sich treten läßt. Auf der Flucht macht er bedeutende Sätze, wegen der längeren Hinter füße jedoch schneller bergauf, als bergab und auf ebener Fläche. Die Spur nach seinem Lager hin weiß er durch Kreuz- uitb Quersprünge sehr geschickt zu verwirren. Er geht vor- und rückwärts und verstärkt seine Spur, nähert sich dann von der Seite seinem Lager, macht einige Absprüngc, geht dann wieder einige Schritte und gelangt dann endlich durch einen gewaltigen Satz in sein Lager. Doch kann man ihn zuweilen in diesem Lager ergreifen, wenn man in großen und immer engeren Kreisen ihn umgeht, bis man ihn erreicht hat. Er soll cs dann nicht wagen, von der Stelle anfzuspringcn. Er nährt sich mit den Produkten des Gewächsreiches. Frißt junge Saat, Feldfrüchte, Gras, Kohl, Rübsaat u. dgl. Im Winter wird er den jungen Bäumen dadurch schädlich, daß er ihnen die Mnde abschält. Um dieses zu ver hindern, umgibt man die jungen Bäume mit Bindfaden, woran weiße Federn gebunden sind. Der Geruch des Teufelsdrecks (Assa foetida) ist ihm sehr- zuwider, und man kan» ihn durch dieses wohlfeile Mittel am besten von den Kohlfeldern abhaltcn, indem man dasselbe auf Leinwand streicht und an L>täbchen hin und wieder in den Boden steckt. Die Vermehrung der Hasen ist außerordentlich stark. Vom Februar bis September bekommt die Häsin 4 Mal, das erste und vierte Mal l bis 2, das zweite und dritte Mal 3 bis 5 sehende Junge, die in 15 Monaten ausgewach sen sind. Junge, ausgewachsene Hasen kann inan von den alten dadurch unter scheiden, daß die Ohren sich leicht zerreißen lassen und daß man das Fell zwischen ihnen leicht vom Schädel cmporzichcn kann. Die Jungen lassen sich leicht zähmen und man kann sie zum Trommclschlageu, Tanzen, selbst zum Abschießen eines Pistols gewöhnen. Namentlich kostet es geringe Mühe, ihn trommeln zu lehren. Denn da er von Natur mit den Vorderfüßen trommelt, so braucht man ihm mil chte Trommel vorzuhaltcn und ihn hinter die Ohren zu schlagen, wen» er nicht daran will.88 Es würden sich diese Thiere in's Unendliche vermehren, wenn nicht Jungen und Alten von Hunden, Katzen, Füchsen, Mardern, Wieseln und mehreren Raub vögeln nachgcstcllt und sic nicht getödtet würden. Auch der Mensch macht Jagd auf sie, thcils ihres Pelzes, theils ihres vortrefflichen Bratens wegen. Sic ge hören zur nieder» Jagd und nicht Jeder hat das Recht, ans sie zu schießen; den noch kommt mancher unberufene Jäger und legt ihnen Schlingen. Diese macht man ans ansgeglühtem, dünnem Draht und stellt sic in der Hecke oder in dem Busche, wo er seinen gewöhnlichen Gang hat, auf. Der Balg des Hasen >vird mannigfach gefärbt und zu Pelzwerkcn gebraucht. Die Haare gebraucht man zu Hüten, Netzen und Strüinpfen. Die Hinterläufcr dienen zum Glätten und Abbürsten feiner Sache». Seit Einführung der Seiden hüte sind die Hasenbälgc indessen sehr im Preise gesunken. Der A l p e » h a s e. Der Alpcnhase ist im Sommer graugelb, im Winter weiß; er ist etwas größer, als der gemeine Hase und lebt besonders in Rußland. Tiefland und in der 'Schweiz. Den Tag über liegt er unter ansgehöhltcn Steinen, bei schöner Witterung auch wohl auf denselben. Zuweilen gräbt er sich in dem Schnee Gänge, um Gras zu weiden und kommt dann oft mehrere Tage hindurch nicht zum Vorschein. Im August kommen auch wohl mehrere zusammen und legen gemein schaftliche Magazine für den Winter an. Sic thürmeu nämlich ansehnliche Haufen trockenes Gras oder Alpenkräuter auf und graben sich zu denselben Ka näle unter der Erde oder im Schnee. Das Fleisch des Alpcnhasen ist sehr schmackhaft, sein schöner weißer Pelz hingegen steht nicht in hohem Preise. In Rußland ist er das ganze Jahr hindurch weiß. I» der Schweiz, verändert er oft seine Farbe. 3. Das Kanincheugeschlrcht. Das Kaninchen ist an Gestalt dem Hasen sehr ähnlich und man sieht gleich ans den erste» Blick, daß sie Verwandte sind. Es gibt zwei Arten von Kaninchen, wilde und zahme. Die wilden sind alle rothgran; dsi zahmen weiß, schwarz, aschgrau und gefleckt. Die weißen haben alle ohne Ausnahme rosenrothe Äugen. Ursprünglich stammt das Kaninchen ans Afrika her, ist aber jetzt über das ganze gemäßigte Europa verbreitet. Es gräbt sich weitläufige Höhlen unter der Erde, die mit vielen Röhren versehen sind und viele Achnlichkcit mit dem Bane eines Fuchses haben. Sie bestehen ans einem Wohnzimmer und mehreren kleinen Kammern; das Zimmer deö Weibchens ist mit Heu und Haaren warm ans gepolstert und der Eingang sehr enge, so daß kein Fuchs hindurch kann. Hier bringt cs jährlich 4 bis 6 Mal 4 bis 6 Junge zur Welt, die gegen neun Tage blind bleiben. Die fünf Monate alten Jungen pflanzen sich wiederum fort, so89 daß von einem Pärchen in fünf Jahren eine halbe Million hervorgehen kann, wozu es aber, der Menge von Feinden wegen, nie kommt. Der Schaden, den sie anrichten, ist sehr bedeutend und sie werden oft zu einer wahren Landplage. Sie unterwnhlen Felder, Gärten und Wälder oft meilenweit und nehmen den jungen Pflanzungen durch ihre unterirdischen Gänge alle Nahrung weg. Allein, daß man den jährlichen Schaden, den ein Kaninchen an Hölzern, Feldern und Weinbergen verursacht, ans einen Karotin schätzen kann, ist wohl etwas übertrieben. Macht man es ihnen in einer Gegend zn bunt, so wandern sie ans und ziehen in eine andere; denn ihre Nahrung wissen sie überall ausfindig zu machen. Ein mit Sand gemischter Boden ist ihr liebster Aufenthalt, weil ihnen hier das Ans graben ihrer Höhlen nicht schwer fällt. Wenn sie ans Nahrung ausgehen, so verscharren sie gewöhnlich den Ansgang ihrer Röhren mit Sand, damit sie nicht entdeckt werden. Obgleich das Kaninchen mit dem Hasen sehr nahe verwandt ist, so herrscht doch zwischen beiden große Feindschaft. Bringt man ein junges Häschen unter Kaninchen, so fallen sie wild darüber her und ruhen nicht eher, bis sie es tobt gebissen haben. — Hunde, Katzen, Wiesel, Marder und Füchse sind ihre schlimmsten Feinde; aber auch der Mensch kann ihnen, des großen Schadens wegen, den sie anrichten, nicht gewogen sein. Er belauscht sie bei Mondschein dtf dem Anstande, oder sucht sie mit dem Hühnerhunde bei Tage im Klee zn ertappen, oder er schickt das Frettchen in ihren Bau und fängt sie im Netze. In der Nähe ihrer Wohnungen kann man ihnen bei ihrem feinen Geruch und Gesicht schwer beikommen, indem sie sich sogleich in ihre Höhlen zurückziehen. Das Fleisch der Kaninchen ist eben nicht schmackhaft, wird jedoch von den Franzosen gerne gegessen. Der Balg wird zum Unterfutter gebraucht und die Haare zn Hüten und Strümpfe» verarbeitet. Das zahme Kaninchen ist etwas größer als das wilde und unterscheidet üch besonders von demselben durch die Mannichsaltigkeil der Farben. Man hält e ® gewöhnlich zum Vergnügen, doch schaden sie mitunter sehr viel durch Ans graben von Röhren, welche auch sie sich anznlegen suchen. Ata» kann sie füttern >»it Gras, Klee, .Kohl, Rüben und dergleichen mehr, und will man sie schlachten, f° mästet man sie am besten mit Brod und Hafer. Das Weibchen wirft jährlich wohl 7 Mal Junge, und zwar jedes Mal 4 bis 8. Die Mutter liebt dieselben Zärtlich, muß aber in steter Angst leben, weil der Kaninchenrammler oft seine eigenen Jungen frißt. Eine der schönsten Arte» unter den Kaninchen ist das angorische 5t a uinchen, auch Seiden Hase genannt. Es stammt ans der Gegend von Angora i" Kleinasien und verträgt unser Klima recht gut, findet sich jedoch jetzt seltener als früher, wo man ein Pfund seiner Haare mit 4 bis 5 Thalern bezahlte. Oiefe sind weiß, grau, schwarz oder gefleckt, und müssen fleißig ausgekämmt und in 8 Wochen einmal abgeschnitten werden. Die kürzeren Haare werden zu Hüten gebraucht; die längeren werden gesponnen und zu Strümpfen, Handschuhen u. s. w.90 verarbeitet. Das sogenannte Pariser Kaninchen sieht dem Hasen sehr ähnlich und erreicht seine Größe, nnd gibt auch ein wohlschmeckendes Fleisch. 4. Das Geschlecht der Hnlbkaninchcn. Das Meerschweinchen (Tas.tII.Fig. 33) ha! große Aehnlichkeit mit dein Kaninchen; doch gleicht es anch in vieler Hinsicht nicht weniger dem Schweine. Es stammt ans Brasilien nnd ist jetzt ein in Europa sehr gewöhnliches Hausthier. Man sieht weiße, gelbliche, schwarze, aschblane, isabellfarbige nnd bunte. ES sind niedliche, reinliche Thicrchen. Ge wöhnlich lassen sie einen murmelnden Ton hören; wenn sic hungrig sind, fangen sie an zu grunzen, wie ein Schwein, und wenn man sie reizt, schreien sic laut ans. Wenn sic gedeihen sollen, so müssen sic einen warmen Stall haben, nnd sic sind im Winter nicht bloß mit einem geheizten Zimmer zufrieden, sondern sic wollen auch dcs Nachts ein reinliches, warmes Lager haben. Sie sind keine Kostverächter, sondern begnügen sich mit Gras, Salat, Kohl, Obst, Gerste und Hafer. Sic vermehren sich sehr stark, denn alle 40 Tage wirft das Weibchen 2 bis o Junge, die schon nach 12 Stunden laufen nnd fressen können und noch in demselben Jahre selbst sich wieder fortpflanzen. Doch sind dick Jungen vor ihren Vätern nicht immer ihres Lebens sicher, denn diese haben die Unart an sich, daß sie oft über ihre Kleinen hcrfallen nnd sic anffressen. Durch ihren Geruch sollen die Meerschweinchen Ratten und Wanzen vertreiben, was sich jedoch nicht sicher verbürgen läßt. Landlcnte sind nicht selten der Meinung, daß das Meer schweinchen, als Schlafkamerad angenommen, die Gicht abhalte, nnd nehmen des halb dieses Thicrchen Abends mit sich zu Bette. J Das Flußschwei ». Das Flußschwcin ist das größte unter den Nagethieren, denn cs ist so groß wie ein kleines Schwein. Es hat eine braungelbliche Farbe, eine dicke Schnauze, kurze Schenkel nnd keinen Schwanz. Es lebt in dem östlichen Thcilc von Süd- Amerika, wo cs sich an Flüssen, Seen und Sümpfen oft in großen Truppen findet. Es sitzt nicist auf den Hinterfüßen, selten liegt cs ans der Seite oder auf dem Bauche. Es ist plump und schwerfällig und geht gewöhnlich im Schritt; »nr in Gefahr bcguemt cs sich zu kurzen Sätzen, in welchen cs jedoch mit leichter Mühe eingeholt werden kann. Nur des Nachts geht es ans Nahrung ans, die ans Wasserpflanzen und in der Rinde junger Bäume besteht. Es bewegt sich besser im Wasser als ans dem Lande, denn cs ist ziemlich geschickt im Schwim men »nd Untertauchen, wozu cs gewöhnlich in der Noth seine Zuflucht nimmt. Wenn cs einen Menschen erblickt, so sicht cs ihn eine Zeit lang starr an, ergreift aber bald darauf die Flucht, indem es ein ängstliches Geschrei erhebt. Das Weibchen wirft jährlich 1 bis 4 Junge, für die cs jedoch wenig Liebe zeigt.91 Sic lassen sich leicht zähmen, gewöhnen sich aber nie an den Menschen, sondern nur an dessen Wohnung. Sie sind so stark, das; kaum zwei Männer im Stande sind, sic ;n bändigen. Ihr gefährlichster Feind ist der Jaguar. Das A g » t i erreicht die Größe des Hasen, und ist oben grau, nuten weis; gezeichnet. Sein Vaterland ist Südamerika, wo es sieh in Erd- und Banmhöhlcn anfhält. Nach Sonnenuntergang verläßt cs sein Lager »nd sucht sich Zuckerrohr zu seiner Nah rung. Dabei pflegt es immer dieselbe Spur zu behalten, sowohl wenn cs sein Lager verläßt, als wenn cö dahin zurnckkchrt, so das; dadurch ein gebahnter, oft eine halbe Stunde langer Fußsteig entsteht, welcher zu dem Lager des ThicreS hinführt. Seine Nahrung verzehrt eü sitzend, wie ein Eichhörnchen und gebraucht die Vorderpfoten dabei wie Hände. 5. Das Geschlecht der Eichhörnchen. Bon diesem Thiergcschlechte gibt cs eine zahlreiche Menge und man unter scheidet in demselben über 30 Gattungen. Sic haben keilförmig zugespitzle vr dcrzühnc in der untern Kinnlade, welche sic bewegen können. Ihre Stirn ist breit, die Augen ziemlich groß und kugelig. Die Vordcrfüße sind mit vier Zehen und einem Daumen, die Hinterfüße mit fünf langen Zehen versehen. Der ganze Kör per ist lang gestreckt. Sic sind lebhaft und munter und haben in ihrer Lebensart viele Aehnlichkeit mit den Affen. Sic sind über die ganze Erde, mit Ausnahme von Neuholland, verbreitet und leben meist auf Bäumen, auf deren Aesten und Zweigen sic mit einer außerordentlichen Geschicklichkeit und Schnelligkeit umher springen. Hier bauen sie auch ihre Nester, die gewöhnlich frei stehen, seltener m Höhlen sich befinden. Ihre Nahrung verzehren sic gewöhnlich sitzend, und dieselbe besteht in Nüssen, Fruchtkernen, Obst, Sämereien u. s. w. Das ge in eine Eichhörnchen ist oben rothbraun, unten weißlich; verändert aber im Winter seine Färbung und wird im hohen Norden aschgraublau und der Rücken des Pelzes heißt daun Grauwcrk; nimmt man aber das Weiße des Bauches mit, so heißt dci stelz Fehwamme. Der ganze Körper ist nur 9 Zoll lang, der buschigte Schwanz hingegen 10 Zoll. Die Ohren stehen aufrecht und sind mit steifen, langen Haaren besetzt, so daß es das Ansehen gewinnt, als habe das Thierchen Hoinci. Die Zehen gleichen Fingern. Aus den Fußsohlen schwitzt fortwährend eine l Klingle Feuchtigkeit, damit sie sich an glatten Aesten oder Zweigen um so leichter KU halten können. Sic riechen, hören und sehen sehr scharf und klettern, sobald sie Gefahr fürchten, auf die Bäume, auf deren dünnsten Aesten sic sich mit Leichtig keit bewegen und von denselben durch einen 10 bis 15 Fuß weiten Raum nach92 dem nächsten Baume zu springen verstehen. Nur der Baummarder übertrifft sie in dieser Geschicklichkeit. Alle Samen von unseren Waldbäuinen, wie Tannen, Fichten, Buchen, Eichen, ferner Hasel- und Wallnüsse, die Kerne von Obst, junge Baumknospen u. s. w. dienen zu ihrer Nahrung. Die Nüsse beißen sic geschickt ans, gewöhnlich an der Nath, wo beide Schalen verbunden sind. Der Genuß bitterer Mandeln tödtct sie sogleich, weil diese Blausäure enthalten. Im Herbste sammeln sic Proviant für den Winter, und verbergen ihn in den Ritzen der Bäume und an sonstigen Orten. In Sibirien und Nordamerika, tvo sic sehr zahlreich sind, nehmen sic in Schaaren von Dreißig-, Vierzig-, Fünfzigtausenden weite Wanderungen vor und schwimmen über die breitesten Ströme, wobei sic ihren Schwanz wie ein Segel gebrauchen. Zuweilen erhaschen sic auch wohl ein Stück Holz oder Baumrinde, welches ihnen dann als Schiffchen dient, um sich ans dein Strome forttreiben zu lassen. Das Weibchen bringt ini April oder Mai 3 bis 7 Junge zur Welt in einem weich ausgcpolstcrten Ndstc, das es entweder den Vögeln wegnimmt oder fleh selbst eingerichtet hat. Oben darauf steht ein kegelförmiges Dach, der Ein gang ist auf der vor dem Winde geschützten Seite, gewöhnlich nach Osten hin. Wird es mit seinen Jungen darin gestört, so packt cs dieselben auf und schleppt sie fort in ein weit entferntes Nest. Die Jungen lassen sich leicht zähmen und mit Milch und weißem Brvd anffüttern; späterhin kann man ihnen Nüsse, Hanf samen, Obst n. dgl. geben. Im Alter jedoch werden sic tückisch und beißen sehr schmerzhaft und gefährlich. Man muß ihren Käfig von innen mit Blech aus- schlagcn, weil sic ihn sonst leicht durchnagen. Auch muß er sehr oft gereinigt werden, weil ihr Urin einen häßlichen Geruch hat. — Ihr Fleisch ist schmackhaft und soll wie Hühnerfleisch schmecken. Aus den Schwanzhaarcu verfertigt man Malerpinsel, und der Balg wird als lintcrfntlcr gebraucht oder niannichfach gefärbt und alü Pelzwcrk benutzt. Das große Eichhörnchen wird so groß wie eine Katze, ist oben schwarz und auf den Seiten rothbraun. Es lebt in Ostindien ans Palmen und bohrt gerne Cocosnüssc an, weil es deren Milch sehr liebt. Das fliegende Eichhörnchen (Taf. III. Fig. 34) ist oben aschgrau und unten weiß. Man findet cö in Polen, Rußland, Litthanen und besonders in Sibirien. Fliegendes Eichhörnchen wird cs genannt, nicht etwa als hätte cs Flügel, sondern wegen seines Felles, das sich von den Vorderbeinen nach den Hinterbeinen zieht und eigentlich nichts Anderes als eine Art von Fallschirm ist. Es sind nächtliche Thiere, die erst nach Sonnenuntergang zum Vorschein kommen. Sic springen oft Höhen von 20 Klaftern herab und dehnen dabei ihre Flughaut wie einen Fallschirm ans. Ihre Nahrung besteht in jungen Baumknospen, Sprößliugen, Sämereien u. s. w. Ihre Lager haben sic in Baumhöhlen, in welchen sic sich auch den größten Theil des Winters verborgen halten. DasWeibchen wirft 3 biö 4 Junge, welche 13 Tage blind bleiben und unter der ausgebreiteten erwärmenden Flughaut der Mutter heranwachsen. Sic lassen sich leicht zähmen und mit Weißbrot, und Wasser auffüttcrn, werden übrigens nicht größer wie die gemeinen Eichhörnchen. — Auch in Virginien und andern nord amerikanischen Ländern gibt cs fliegende Eichhörnchen. Das gestreifte Eichhörnchen lebt in selbst gegrabenen Erdhöhlen, wohin cs sich auch seinen Vorrath trägt. Es ist kleiner als das gemeine Eichhörnchen und hat einen schwarzen Streifen über den Rücken und einen weißen über die Seite. Sein Vaterland ist das nördliche Asien und Amerika. Auch in Sibirien wird es gefunden, namentlich in den dortigen Birkenwäldern. Eö soll zwar auch klettern können, aber nur in Roth, wenn cs seine Höhle nicht erreichen kann, dazu seine Zuflucht nehmen. In der Höhle selbst findet man oft eine» großen Vorrath von Zirbelnüssen, Nadelholzsamen n. dgl. Es ist sonst in seiner Lebens art dem Eichhörnchen gleich und frißt wie dieses ans den Hinterfüßen sitzend. Es hat jedoch, >vaö man bei dem gemeinen Eichhörnchen nicht findet, zwei Backen taschen, wie der Hamster. Insbesondere kommen ihm diese zu Statten, wenn es seine Magazine anlegt. Sic vermehren sich sehr stark und richten eben so großen Schaden an, als die Hamster. 6. Das Bibcrgeschlccht. Der Biber (Taf. III. Fig. 35) sieht einer Wasserratte sehr ähnlich, über- trifft sie jedoch an Größe, denn man hat Biber, die so groß sind wie ein oi ) Man kennt bis jetzt nur eine Art, die in Europa selten, häufiger ze o ) 111 und am zahlreichste» in Nordamerika sich findet. Er hat lange, feine g i z Haare; entweder einfarbig röthlich braun, oder gelblich und schwarz. Sem Schnauze ist kurz und dick, seine Ohren und Augen flnd klcm, eben so 1 - Füße. Sei» Schwanz ist glatt unb schuppig. Am Aster hat er zwei Sackch , sogroß wie ein Hühnerei, in welche» sich eine rostbraune klebrige Fig befindet, die sehr stark riecht und Bibergeil genannt wird. Sic soll seyr wirk sam bei Ncrvenfiebern unb anderen Krankheiten sein. Das Pfund avon, lich von dem russischen, kostet oft 70 Thalcr. Er lebt meist am Wasser und kann auch sehr lange unter dein,- 1 Meilen, ohne zu athmcn. Mit feinen kurzen Beinen bewegt ei fl 1 m sehr schnell, und seine Hinterfüße dienen ihm dabei als Ruder, denn fl- s einer Schwimmhaut, wie die Füße der Gänse, versehen, »>> ^ wünat ibn braucht er als Steuerruder. (Sin einziger Stoß mit den ^ " mehrere Klafter weit. Ans den, Lande ist er langsam .... kann acht nge olt werden. — Obgleich in Deutschland, namentlich an der> Ufe,, Elbe, der Biber angetroffen wird, so entdeckt man doch keme ihrer Colomeen, sehr viele hingegen i» Eanada, wo überhaupt die Biber noch 3 a ) 1 Cl ) 1 U94 Cartwright, welcher lange in Labrador gewohnt, hat über dieses merk würdige Thier folgende Beobachtnngcn angestellt und initgethcilt: „Gewöhnlich Anfangs August beginnen diese Thiere den Bau ihrer Wohnung. Habe» sie eine Stelle am User, wo sich kein Felsen findet, gewählt, so machen sie unter dem Wasser am Grunde des Ufers ein Loch, welches sic nach und nach schief bis an die Oberfläche des Bodens durcharbeiten. Unter die Erde, welche anö dem Loche kommt, mischen sie viele kleine Stucke Holz und Steine, und bilden einen bis weilen 3 — 7 Fuß über das Niveau des Bodens reichenden, kuppelförmigeu Hügel mit meist ovaler Basis von 10—12 Fuß im großen, 8—9 Fuß im kleinen Durchmesser. Diesen Hügel höhlen sic aus, uni ihre Wohnung zu bilden, jedoch so, daß sic sich über dem Spiegel des Hochwassers befindet. An der Vorderseite machen sie einen schrägen Gang, der im Wasser endigt, so daß sie immer unter dem Wasser aus"- und eingehen. Selten findet sich nur ein solcher Gang, gewöhnlich zwei, bisweilen drei. Die innere Wohnung bildet nur eine Kammer, ähnlich einem Backofen, und der Boden besteht ans feinen, dünnen Spähnen. Nicht weit vom Mund- oder Ausgangsloche ist die Borrathskammer, wo sic Wurzeln von der Seerose (lWIumbium) und Astwerk, das sie mit dem untern Thcilc in den Schlamm stecken, oft einen ganzen Karren voll, anfbewahren. Unaufhörlich sammeln und arbeiten sie an ihrer Wohnung, so lange ihre Wasser stelle kein dickes Eis bedeckt und sic eine Oeffnung in demselben zu erhalten im Stande sind. Ist ihnen das Wasser nicht tief genug, so bauen sie, um die Wasserfläche zu erhöhen, nach der Quere einen Damm ans Holzstückcn, Steinen, Koth und Sand." Diese Dämme sind so fest, daß Cartwright sic nicht selten als Stege benutzte. „Sollte auch ein solcher die Oberfläche des Wassers nicht hinlänglich erhöhen, so bauen sie ihre Wohnung in den Teich selbst, einige Schritte vom Ufer weg, indcin sie die gesammelte Erde auf dem Boden aufhäufen. Das Wasser muß wenigstens 4 Fuß über dem Mnndloche stehen, wenn der Durch gang durch das Eis nicht gänzlich versperrt werden soll. Befindet sich im Wasser eine Insel, so schlagen sic hier ihren Wohnsitz ans, indem sie sich sicherer glan den. Sic wählen vorzugsweise die Südseite." Die Hütten der Biber habe» ans der Landseite keinen Ausgang, um sowohl ' den Zutritt wilder Thiere, als der kalten Luft, wodurch das Wasser im Ein. gange gefrieren könnte, zu verhindern. Jedoch brauchen sie manchmal nicht die gehörige Vorsicht. Manche sah man in Teichen wohnen, wo sie nicht genug Nahrung finden konnten, oder an Stellen, wo Hochwasser und auflhancndeö Eis sie zwang, durch eine in das Dach gemachte Oeffnung zu entfliehen, und die Hütte durch das Gefrieren des eingedrungenen Wassers zur weitern Bewohnung untauglich wurde. Ans solche Weise gehen manche zu Grunde. Bisweilen bleiben die Biber 3—4 Jahre an demselben Platze, oft bauen sie alle Jahre eine neue Wohnung, oft bessern sie eine alte unbewohnte aus, oder bauen eine daran, so daß das Innere in Verbindung steht und mehrere Kammern zu bilden scheint.Sie bauen bisweilen eine zweite in der Nähe derjenigen, welche sie bewohnen, um im Nothfalle einen Zufluchtsort zu haben. Das; der Biber sich beim Baue des Schwanzes bediene, ist unwahrscheinlich. Beim Untertauchcn verursacht der mit seiner ganzen Schwere auf's Wasser fallende Schwanz ein starkes Geplätscher. Diese Thiere sitzen wie Affen und bringen die Nahrung mit den Vordcrfüßcn znm Munde. Im Sommer laufen sic überall herum, und anstatt in ihre Wob- nung zurückzukehren, schlafen sie gerne im Gebüsche am Ufer in einem Lager von Reisig, sehr ähnlich dein Neste der wilden Gänse. Auf dem Lande gehen sie sehr langsam und sind leicht einznholen; dann aber widerstehen sic, obgleich sic sehr furchtsam sind, ziemlich hartnäckig, geschützt durch lange Haare, eine dicke Haut und durch die langen, starken Zähne ihrer kräftigen Kiefern. Man ver sicherte dein Erzähler, das; ein rüstiger Biber einem Hunde mit einem einzigen Hiebe das Bein abgchaucn hätte. Jedoch hat man Beispiele, das; sich die Fischottern in ihre Höhlen einschlcichcn und sic tödten; allein vcrmuthlich thun sie dies nur in Abwesenheit der Alten und machen sich bloß an die Jungen. Kann der Biber dem Jäger nicht mehr entgehen, so setzt er sich bisweilen und fängt an, klüglich und ganz so wie kleine Kinder zu schreien. Die Biber fressen weder Fische, noch andere thicrische Substanzen; ihre einzige Nahrung sind Blätter und Rinden von Bäumen und Gesträuchen, die nicht harzig sind. Unter den Bäumen in Neufundland und Labrador lieben sie besonders die Espe und die Birke. An dickere Bäume machen sie sich nur dann, wenn sic keine dünneren finden, deren zarte Rinde ihnen mehr behagt. Das Fällen derselben geschieht in kurzer Zeit: einen jungen Baum, von der Dicke eines gewöhnlichen Spazierstockes, fällt der Biber ans einen Biß so rein und scharf, wie mit einem Gartenmesser; dickere nagt er an einer Seite, sehr dicke aber ringsum ab, jedoch aber immer so, daß sie gegen das Wasser hinfallen, um weniger Arbeit bei deren Verwendung zum Baue zu haben. Haben die Biber einen Baum gefüllt, so beißen sie alle Aeste ab und zerstückeln diese so, daß sie sic auf den Rücken laden oder mit den Zähnen fortziehen können. Bon diesem zartcrn Astwerke, so wie von der Wurzel der Leerose nähren sic sich; jedoch machen sie von dem eingetragenen Borrathe nicht eher Gebrauch, als bis das Wasser ganz zugefroren ist. — Ehe die Europäer ">it Nordamerika in Handelsverbiudnng traten, erlegten die Eingeborenen von Bibern nur so viele, als sie gerade selbst brauchten; seitdem aber sind dieselben thcils wegen des heilkräftigen Bibergeils (Oastoroum) — einer branngelbcu, starl- uechcndcn, salbenartigen Masse, welche der Biber aus Drüsen absondert — theils wegen seines feinhaarigen, kostbaren Pelzes ein starker Handelsartikel geworden. Das Biberhaar wird besonders zur Hntfabrikation (Castorhüte) ge baucht. Wie zahlreich aber dieses Thier sein müsse, erhellet daraus, daß ^kvffrey erzählt, ein einziger nordamerikanischer Pelzjäger habe in inanchen Jahren 15 —20,000 Stück erlegt. England allein bezog im Jahre 1823 über lv » Millionen Biberfelle; allein dieses war auch eine außerordentliche Zufuhr,96 die weder vorher, noch später ivicdcr vorgekommen ist. Der gewöhnliche Jahres erlrag beläuft sich iudcß doch ans ungefähr 100,000 Stück. Daher vermindert sich denn auch die Zahl der Biber mit jedem Jahre, und bald dürfte dieses nützliche Thier in Amerika so selten werden, als es bereits in Europa geworden ist. 7. Das Geschlecht -er Stachellhiere. Das Stachelschwein. (Taf. III. Fig. 36.) Das Stachelschwein ist, wie der Igel, mit Stacheln bedeckt, die cs nach allen Richtungen hin bewegen kann und von welchen die größten ans dem Rücken 9 Zoll messen. Es ist im Ganzen 1 bis 2 Fuß groß, auf dein Nacken und dem Kopfe trägt cs einen großen buschigen Kamm von borstigen Haaren; der kurze Schwanz ist mit offenen, leeren, an dünnen Stielen stehenden Kielen ver sehen, welche wie die Rückcnstacheln rasseln, wenn cs sich schüttelt. Das Gesicht gleicht dem eines Hasen. Es ist von Natur sanft und friedlich; wird eö angegriffen oder gereizt, so richtet es seine Stacheln rasselnd in die Höhe und stampft mit den Hinterfüßen. Läßt der Feind sich nicht erschrecken, so kugelt cs sich zusammen und kann dann nicht angegriffen werden, so daß selbst der Löwe beschämt znrückweichen muß. Eine Fabel ist es jedoch, daß cs seine Stacheln auf seinen Feind abschießt und ihn damit verwundet. Sein Vaterland ist Afrika und das wärmere Asien, wo es in Erdhöhlen lebt und von Früchten, Kräutern und Wurzeln sich nährt. Auch in Europa findet man eö, namentlich in Griechenland, Spanien und in der Gegend von Rom und Toskana. — Das Weibchen wirft im Frühjahre 3 bis 4 Junge, an welchen die Stacheln schwach und biegsam sind, nach und nach verhärten sie sich jedoch, fallen wiederholt ans, aber ersetzen sich auch wieder und zwar so schnell, wie die Federn bei den Nägeln. Man gebraucht sie zci Pinsclstielen und Feder haltern. Das Fleisch wird selbst im südlichen Europa gegessen, allein cs wider steht, weil es sehr süß ist. Der C o i- » d » oder das amerikanische Stachelschwein ist schwarzbrann, mit schwarzen und weißen Stacheln und hat einen Wiüclschwanz, der 15 Zoll lang ist. Es ist ein fanles, träges Thier und findet sich in Brasilien, Guinea und Mexiko. Selten wird man cs munter sehen, und sollte es auch einmal froh werden, so wagt cs doch nicht einen Sprung zu machen. Wenn eö von einer Stelle zur andern will, so bewegt es sich langsam vorwärts, untersucht vorsichtig mit dem einen Fuße die Festigkeit des Bodens und zieht dann den andern nach. Auch wickelt cs um alle Gegenstände seinen Wickelschwanz herum und lehnt sich an, damit cs ja97 nicht falle. Beim Fressen richtet cs sich langsam auf die Hinterfüße und nimmt mit den Vorderfüßen seine Nahrung zu sich. Der C » i t, ist nahe verwandt mit dem vorigen. Er lebt in Südamerika und hat rothe itnb gelbe Stacheln, welche an der Spitze mit feinen Widerhäkchen versehen sind. Er ist ebenfalls im höchsten Grade träge und beinahe zu faul, um zu fressen. Kommt ein Feind in seine Nähe, so rollt er sich zusammen und die Hunde richten sich dann oft übel an ihm zu; denn die losen Stacheln dringen ihnen in Schnauze, Nase, Lippen und Zunge und sind wegen der Widcrhäkchcn nicht wieder hcraus- znbringen, sondern gehen bei jeder Mnskclbcwegung, welche der verwundete Hund in seinem Schmerze macht, immer tiefer. Sechste Drdnung. Ameisenfresser. Die Ameisenfresser, auch Ameisenbären genannt, machen ein besonderes^hicr- geschlecht von mehreren Gattungen aus. Sic gehören zu den friedlichsten Thieren in der Schöpfung und bewohnen die dichtesten Waldungen, vorzüglich so )e, >e tief liegen und sumpfigen Boden haben. Sie haben einen verlängerten^ zugc- spitztcn Kopf und eine äußerst kleine Mnndöffnung, so daß man kaum den Damnen hineinstecken kann. Ihr Körper ist mit Haaren bedeckt und an den Vordrfüß haben sic starke Klauen, um die Ameisenhaufen aufzuscharren, ^hrc Zunge ) wnrmförmig und durch eine auöschwitzcndc Feuchtigkeit klebrig. w ' c cke eit tc selbe in die Ameisen- oder Tcrmitcnhaufcn und ziehen sic zurück, m a fic) i Thicrchcn angcsctzt haben. Im Nothfall können sic auch lange Zci fasten. Sie gehen langsam und zwar nicht auf den langbckralltcn Vor c» h , welche nicht behaart, sondern mit einer starken Hornhaut versehen fine. a , des Gehens ist der untere bckralltc Theil der Vorderfüße nach innen gekrümmt. V Frühjahre bringen sic ein Junges zur Welt, das sie auf dem Rückm mrt ^ hcrumtragcn. Am schärfsten ist bei ihnen der Geruch ausgcbckdct. I i> b > und Fell werden nur von den wilden Indianern benutzt. Je >ne p düngen in Südamerika gelichtet werden, um so seltener wer cn pc, wahrscheinlich, daß sic nach und nach gänzlich ausgcrottet werden, was zedoch, wegen des Nutzens, den sie sonst gewähren, keineswegs wünschenswerth . B rumrr's N->tmg«,chicht,.96 JStr große Ameisenfresser. (Taf. in. Fig. 37.) Der große Ameisenfresser hcit eine Länge von 4 Fuß. Seine Haüptfarbe ist Iveißgelblich und über den Nucken läuft ein schmaler schwarzer Streifen. Sein Schwanz ist fast so lang wie der ganze Leib und gleicht dem eines Pferdes. Seine Haut ist dick und unempfindlich gegen die Stiche der Ameisen. Sein Gang ist langsam, höchstens ein schwerfälliger Galopp, so daß ihn ein Mensch leicht einholen kann. Er ist sonst sehr friedliebend, wird er aber angegriffen, so setzt er sich ans die Hinterbeine, um seinem Feinde seine langen, scharfen Krallen in den Leib zu schlagen. Um seine Nahrung zu erhalten, steckt er seine Zunge in einen Ameisen- oder Termitenhaufen ungefähr 16 Zoll weit hinein. In einem Augenblicke ist dieselbe mit den Thicrchcn bedeckt, worauf er sie zurück- zieht und Tausende von diesen Insekten lebendig in seinen Magen bringt. Kaum eine Sekunde ist nöthig, um seine Zunge mit Ameisen zu bedecken und zu ver schlingen, und so läßt es sich auch glaublich finden, tvie ein so großes Thier sich nur von den kleinen Ameisen ernähren kann. Das Weibchen wirft ein Junges, welches es lange Zeit ans der» Rücken trägt. Ihr gefährlichster Feind ist der Jaguar. Bedeutend kleiner ist der kleine Ameisenfresser, welcher nur die Größe eines Eichhörnchens erreicht, im klebrigen aber dem großen Ameisenfresser sehr ähnlich ist. Die Schuppcnthicre. (Taf. iv. Fig. 38.) Die Schuppcnthicre zeichnen sich durch die harten, dachzicgelförmig über einander liegenden Schuppen aus, mit welchen ihr Körper bedeckt ist. An Bauch und Brust haben sie weiche Haare und zwischen den Schuppen stehen einzelne Borsten hervor. In ihrem Munde haben sie keine Zähne, sondern es befindet sich nur die Zunge darin, welche sic lang hcrvorstrccken können. An den Füßen hingegen sind sie mit starken Krallen bewaffnet, mit welchen sie sich Höhlen graben und ihre Nahrung in den Ameisenhaufen aufscharren. Wenn ihnen Ge fahr droht, so rollen sie sich, nach Art der Igel, zusammen und die einzelnen Schuppen ragen dann so hervor, daß das stärkste Nanbthicr nichts auszurichten vermag. Sie bewohnen das südliche Afrika und Asien und halten sich in Höhlen « auf, welche sie in der Nähe von Ameisenhaufen anlegen. Es gibt zweierlei Gattungen von Schuppcnthiercn, daS.kurzgeschwänztc und das langgcschwänzte. Das erste ist 3 bis 4 Fuß lang, hat rothbranne Schuppen und lebt in China und Ostindien. Das langgeschwänzte Schuppcnthier ist 3 Fuß lang und hat einen Schwanz von 6 Fuß. Es sicht braun aus und findet sich in Guinea und am Senegal." 7 * 99 Die Giirtelthiere (Taf. iv. Fig. 39) werden auch Armadillen oder Tatns genannt. Sie sind nicht mit Schuppe», sondern mit einem knochenharten Schilde versehen, welcher den Kopf und den ganzen Oberleib bedeckt. In der Mitte jedoch thcilt sich der Schild in Gürtel, damit das Thier sich bewegen kann. .Ihr stopf verlängert sich in eine spitze Schnauze, in welcher sich eine lange Zunge befindet, welche sie lang hervor- strecken können. Die Zehen sind mit langen Krallen bewaffnet, welche zum Graben der Hohlen dienen. Hierin besitzen sic eine solche Fertigkeit, daß sie in der Roth höchstens drei Minuten brauchen, um eine Höhle ;» graben, die sie hinlänglich verbirgt. Hier stemmen sic sich mit dem Panzer und den kurzen Pfoten so fest, daß der stärkste Mann kaum im Stande ist, sie am Schwänze wieder herauszuziehen. Sie leben im südlichen Theile von Amerika, meistens ans offenem Felde, und suchen dort die Ameisen- und Termitcnhaufen auf, welche sic geschickt zu untergraben verstehen, so daß diese Insekten in ihre Höhle herabfallen und ihnen zur Beute werden. Sonst nähren sie sich auch von Würmern, Käfern und allerlei Früchten. Ihr Gang ist sehr langsam und geht gewöhnlich in gerader Richtung, weil ihr Schild ihnen keine starken Wendungen gestattet. Sic werden daher leicht ein geholt und in Menge todtgcschlagcn. — Ihre Vermehrung ist sehr stark, indem das Weibchen fast jeden Monat 4 Junge wirft, welche sic in einer Höhle ver steckt hält. Der Schild ist an ihnen noch sehr weich und verknöchert sich erst nach längerer Zeit. Ihr Fleisch ist genießbar, und mit Pfeffer und Citronensaft wohl zubereitct, ein Leckerbissen. Die Art und Weise, sic zu jagen, ist grausam und geschieht gewöhnlich bei Mondschein. Haben die Hunde ein Thier gefunden, so springen sie demselben sogleich auf den Leib und drücken es, weil sie ihre Zähne nicht Anschlägen können, am Boden so lange, bis der Jäger kommt und es todtschlügt. Hat es sich jedoch in seiner Höhle versteckt, so gräbt der Jäger es aus, bis er den Schwanz greifen kann, worauf er sein Messer in den After stößt. Das arme Thier verliert dadurch alle Kraft, sich in seiner Höhle festzustemmen und , kann daher leicht hcrausgezogen und gctödtet werden. Zuweilen wird es auch niit Schwefcldampf oder Wasser aus seiner Grube vertrieben und beim Heraus gehen erlegt. Es gibt mehrere Arten von Gürtelthieren. Das größte unter ihnen ist das Riescngürtelthier, welches fast die Größe eines Schweines erreicht und in Paraguay lebt. Ferner der Kaschikame, ungefähr 3 Fuß groß, und mehrere andere.100 L i c b e n t e B r d n u n g. Faulthiere. Dic Faulthiere machen eine Ordnung für sich ans und man kennt bis jetzt drei Gattungen derselben. Man hat über ihre Trägheit und Biegsamkeit sehr viel gefabelt. So hat man gesagt, das Fanlthicr klettere mit Mühe auf einen Baum, bleibe oben, bis cö das letzte Blatt abgcfressen, hungere dann einen ganzen Monat lang, und lasse sich endlich hcrabfallen, damit es der Mühe überhoben sei, herabznsteigen. Nichts könne dasselbe ans seiner Trägheit hcrausbringen, und wenn es gleich vor Hunger sterben sollte, so gehe cs doch den lieben langen Tag keine fünfzig Schritte vorwärts. Wenn man es aber schlage oder steche, so laufe cs darum Nichts schneller; selbst wenn ihm ein Feind nahe und sein Leben in Gefahr stehe, suche es nicht zu entfliehen, sondern lasse sich lieber anffressen, als daß cs sich zur Wehre stellte oder an einen sichern Ort fliehen sollte. Dieses und Achnlichcs hat man von dem Faulthiere gesagt. Aber dein ist nicht so- Es ist allerdings ein höchst nnvollkommcn gebildetes Geschöpf; allein man irrt sich sehr, wenn man glaubt, cs führe ein höchst unglückliches Leben. Es ist einmal für den Zustand, in welchem es lebt, organisirt und dazu bestimmt, sein ganzes Leben auf den Bäumen zuzubringen, und zwar nicht, wie Affen und Eich hörnchen, auf den Zweigen, sondern unter denselben. Setzt man cö auf die Erde, so sieht man cs ihin gleich an, daß cs sich in einer unnatürlichen, pein lichen Lage befindet, cs kann dann nur mit Blühe sich forthelfen, indem cö mit seinen Krallen irgendwo sich einschlägt und dann vorwärts schiebt. Seine Be wegungen, Blicke und kläglichen Töne vcrrathcn dann hinlänglich, wie unglücklich es in dieser Lage sich befindet. Daß es sich mit Mühe von einem Ort zum andern bewege, ist auch unrichtig. Es macht vielmehr häufig Wanderungen von einem Baume zum andern und weiß geschickt den Augenblick abzuwarten, wo der Wind dic Zweige der nahestehenden Bäume in einander verschlingt. Es ergreift dann dic Zweige des nächsten Baumes und verfolgt seinen Weg mit Geschick und ziemlicher Schnelligkeit. Die Faulthiere leben in den düster» Urwäldern Brasiliens und nähren sich von Blättern und Knospen. Im Ganzen führen sic ein einsames Leben. Dic Haare, welche oben dick und borstenartig, unten dagegen zulaufen und dünn wie ein Spinnenfaden sind, haben ganz dic Farbe der Baumrinde, so daß man das Thier, wenn cs sich ruhig hält, nur mit Mühe entdecken kann. Gegen kleinere Ranbthiere, von welchen sic angefallen werden, vcrtheidigcn sic sich mit ihren scharf bckrallten Vorderpfoten. Ihre Stimme ist schneidend, sic lassen sie jedoch103 selten vernehmen. Jährlich wirft daS Weibchen ein Junges, welches die Mutter nnf ihrem Rücken herumtrügt. Der UVi, Taf. IV. Fig. 40, ist ungefähr so groß wie eine Katze. Sein Ge sicht ist nackt und schwärzlich, seine Hautfarbe braun. Seine Vorderfüße sind lang und den Armen der Affen ähnlich, die Hinterfüße dagegen kurz. Er hängt sich an den Acsten und Zweigen der Bäume und schläft auch in dieser Lage. Klettert er, so gebraucht er nie zugleich beide Arme, sondern erst den einen und dann den andern. Sein Leben ist sehr zähe und das ausgeschnittene Herz schlägt noch eine halbe Stunde lang fort. Seinem Feinde schlägt er seine Krallen in den Leib und hält ihn so fest, daß selbst der Jaguar sich nicht daraus losrcißen kann. Am meisten scheut er den Regen, obgleich sein Fell sehr dick und fest ist; und wird er naß, so erhebt er ein heulendes Geschrei, das: Ai, ai klingt und ihm auch seinen Namen gegeben hat. Der Unau ist graubraun, bisweilen in'ö Röthliche spielend. Er hat an jedem Fuße nur 2 Krallen, keinen Schwanz und einen affenähnlichen Kopf. Sein Vaterland ist Südamerika. A ch t r D r d n u n g. Einstufige Thierc. D a s P s c r d. Unter allen Säugethieren zeichnet sich das Pferd durch seine schöne Gestalt und das Ebenmaaß seiner Glieder ans. Es ist jetzt fast allenthalben als zah- meö Hansthier über den Erdboden verbreitet. Durch die Zähmung sind alle An lagen des Pferdes auf die bewunderungswürdigste Weise entwickelt und vervollkomm net und ist dasselbe dadurch ohne Zweifel zum nützlichsten und wichtigsten Thicrc für den Menschen gemacht worden. Es dient ihm als Gesellschafter, auf der Jagd, im Kriege, beim Ackerbau und befördert den Handel und die Industrie aller Art. In der Farbe sowohl als in der Größe herrscht unter ihnen eine große Verschiedenheit. Es erreicht ein hohes Alter, oft 30 Jahre. Man kann das Alter eines Pferdes an dessen Zähnen erkennen, aber doch nur bis an'S zehnte Jahr mit Bestimmtheit, Nämlich am 15. Tage »ach der Geburt erscheinen die Milchzähne, nach 2‘/a Jahr werden die mittleren Milchzähne in der obern und untern Kinnlade durch zwei Pserdezähnc ersetzt; im folgenden Jahre die folgenden, und in dem darauf folgenden die beiden äußersten. Gleichzeitig mit den 'Lchncidc- zähncn wechseln auch die Backenzähne. Alle Schneidezähne hoben oben auf der Krone eine Vertiefung. Diese wird bei den beiden mittleren Schneidezähnen im102 6. Jahre auffallend flacher, und im 7. Jahre verschwindet sie gänzlich und cs bleibt nur ein brauner Fleck zurück. Im 8. Jahre verlieren auch die zwei näch sten Schneidezähnc ihre Vertiefung und im 9. auch die letzten. Vom lO. Jahre an läßt sich das Alter schwerer bestimmen , und Pferdehändler suchen die Käufer oft dadurch zu hintcrgehen, daß sie ihre Pferde verjüngen, indem sie in die Krone der Schneidezähne eine Vertiefung graben. Das Pferd stammt wahrscheinlich aus den großen Steppen und Einöden Mittelasiens, wo man noch jetzt ganze Heerde» wilder Pferde antrifft. Eine jede wird von einem Hengste geführt, der ihren Weg bestimmt oder sie gehen und hal ten läßt, wie cs ihm beliebt. Kommt es zum Kampfe mit Ranbthiercn, so ist er der erste, der sich der Gefahr Preis gibt. Ueberhanpt ist er äußerst wachsam und thätig, macht öfters die Runde um seine Heerde, und findet er ein Pferd außer halb der Reihe, oder eins, das hinterdrein kommt, so gibt er demselben einen Stoß mit der Schulter und nöthigt cs, seine Stelle wieder einzuuehmen. Der ganze Zug geht daher fast regelmäßig, wie unsere cingeübtc Reiterei. Auch wei den sie reihenweise in regelmäßigen Zügen und trennen sich nicht von einander. Kommt ein Raubthier, so bilden sic schnell einen Kreis und wehren jeden Angriff tapfer ab. Wird der Hengst schwach und unthätig, so springt ein anderes Pferd aus der Heerde heraus und greift ihn au. Wird er nicht besiegt, so behält er die alte Würde; wird er aber überwunden, so tritt er beschämt in die Heerde und räumt dem Stärkeren seine Stelle ein. Sic haben keinen bestimmten Auf enthalt, sondern suchen sich einen trockenen, geschützten Ort am Fuße eines hohen Berges oder an dem Saume eines der großen Urwälder. Wie die meisten Thicrc, fürchten auch sic sich vor Ungcwittern und Stürmen. Wenn ein Orkan sich er hebt oder der Donner sich hören läßt, werden sic unruhig und jagen hin und her oder drängen sich alle in einer Höhle zusammen. Gezähmt werden diese Thierc ziemlich leicht. Die Eingeborenen fangen die jungen Pferde mit einer Schlinge, welche an einer langen Ruthe befestigt ist. Anfangs schnürt man dein Thiere nur den Leib mit einem starken Gurte, an welchem sich der Reiter festhaltcn kann. Ist es zu widerspenstig, so werden ihm Schlingen um die Füße gelegt, wirft es dann nieder und läßt den Reiter anfsitzen. Dann werden die Füße losgebnnden, und nun mag es seine Wildheit ans den großen Ebenen so lange austobcn, bis seine Kräfte erschöpft sind. Der Reiter hält sich indessen nur fest, und sobald das Pferd erschöpft ist, peitscht er cs an, bis es ganz kraftlos ist. Dann wird cs gesattelt, gezäumt und noch einige Zeit gemächlich geritten. Das Pferd zeichnet sich, was seine Geisteskräfte betrifft, durch klare Auf fassung und treffliches Gedächtnis; ans; seine ganze Bildung gründet sich auf die Aneignung des Unterrichts, den es empfangen hat. Wie weit ihre Bildungö- fähigkeit geht, das sieht man bei den Knnstrcitergesellschaftcn eines de Bach, eines Tourniaire, eines Baptist Loisscts, eines Astley u. a. in.103 „Es ist Alles in Ordnung!" sagte der Hausknecht zn dem Kunstreiter Bap tist, der im WirthShanse einer kleinen Stadt angehalten hatte. „Hat dir denn auch der Hausknecht gehörig zu saufen gegeben?" fragte der Künstler sein Reit pferd; und zum großen Erstaunen der Gäste und zu noch größerem des Haus knechts schüttelte das Thier mit dem Kopfe; und der beschämte Johann sagte endlich: „Nun, an Alles kann man nicht denken!" Man kann leicht vermuthcu, daß dieses Pferd auf ein ihm gegebenes gewisses Zeichen mit dem Kopfe schüttelte, worin daö Gcheimniß bei allen den Pferden besteht, welche ihnen vorgclcgte Fragen bejahend oder verneinend, oder mit dem Vorderfuße scharrend, zu beant worten scheinen. Das Mutterpfcrd, Stute genannt, wirft ein Junges, welches Füllen oder Fohlen heißt, und von der Mutter 5 bis 6 Monate lang gesäugt wird. Es hat bei der Geburt Ballen unter den Hufen, welche gleich abfallcn oder abgclös'l werden. Es macht gleich nach der Geburt allerlei Sprünge und gewährt durch seine Munterkeit dem Zuschauer viel Vergnügen. Unter den verschiedenen Raren ist die schönste und edelste die arabische Ra ec. Die arabischen Pferde haben int Ganzen einen zarten Ban; sind aber äußerst dauerhaft, leicht, feurig und von erstaunlicher Schnelligkeit. Sic haben einen feinen, edel geformten Kopf mit großen funkelnden Augen und weiten Nasen löchern, einen schmalen Leib, der auf zierlichen Beinen und hohen Hufen ruht, und einen hochnngcsctztcn Schweif. Sic übcrtreffen alle Pferde an Ausdauer, und ein Araber legt mit seinem Pferde 30 Stunden zurück, ohne abzuzäumen. Er behandelt dasselbe aber auch mit der größten Sorgfalt und theilt mit ihm sein Zelt. Ganze Familien und Kinder, Stuten und Füllen liegen durcheinander, ohne daß ein Pferd einen Menschen beschädigt. Er schlägt sein Pferd nie, sondern lei tet es nur durch freundliche Worte. Bis zum 4. Jahre reitet er cs ohne Sattel und läßt cs nicht beschlagen; reitet cs entweder im Schritt oder Galopp; iin Trott nie. Am Tage bekommt cs nichts zu fressen, nur zweimal zu saufen; am Abend wird ihm ein mit '/? Scheffel Gerste gefüllter Sack umgehängt, der nicht eher wieder abgenommen wird, bis cs ihn ausgefressen hat. — Die Zahl der schönsten arabischen Pferde von der edelsten Zucht soll sich nicht über 200 belaufen. Ein jedes Pferd hat seinen Stammbaum, der von München viele Jahrhunderte hinanfreicht. Die nach Europa gebrachten kommen meistens aus Syrien; ächte arabische Pferde gibt cs bei uns nicht. Von den arabischen Pferden stammen die englischen Wettrenner ab. Sie lind fern gebaut, haben aber kein schönes Ansehen. Sic werden mit großer Sorg salt zum Rennen abgcrichtct und erreichen darin oft eine außerordentliche ^ertig- fr' 1 - Der Wettrenncr Eklipse legte in 1 Sccundc eine Strecke von ;>3 Fuß zu- jeder Sprung, den er machte, betrug 25 Fuß. Er gewann in einem Jahre sechs P^^ j c bcn von 100 Guineen. Da endlich keiner mit ihm den104 Wettlauf mehr machen wollte, so wurde er von der Rennbahn weggenommen und als Zuchthengst gebraucht. Der große Nutzen, welchen uns das Pferd bringt, ist bekannt. Die Haut wird zu Sohlen- und Riemenleder verarbeitet. Aus der Urinblase macht man Tabaksbeutel. Die langen Schwanz- und Mähnenhaarc werden zum Polstern, zu Matratzen, zu feinen Sieben, zum Beziehen der Violinbogen u. s. w. gebraucht. Den Huf verarbeitet der Horndrcchsler zu Kämmen und andern Maaren. Der Pferdcmist ist hitzig und wird zum Düngen von Beeten gebraucht, ans welchen man Pflanzen schnell emportreiben will. In »euerer Zeit hat man hin und wie der sogar den Versuch gemacht, das Pferdefleisch als Nahrungsmittel einznfiihrcn ; Vorurtheilc sind indessen schwer zu bekämpfen. Der Dschiggclai. Der Dschiggclai bewohnt die Sandcbcncn des mittleren Asiens. Er hat eine schöne Jsabcllcnfarbe mit schwarzer Mähne und Rückenlinie, einen schlanken Hals und einen in jeder Muskel und in jedem Knochen beweglichen Leib. Er läuft so schnell, daß das flüchtigste Pferd ihn nicht einzuholcn vermag. Dabei ist er äußerst scheu, und nur mit Mühe vermag man ihn zum Schuß zu bringen; denn der Hengst, der eine Heerde von 20 Stuten führt, besitzt eben so viel Kühnheit als Vorsicht, um jeden Feind von ferne auszuwittern und sich dann mit seiner Heerde schleunigst ans die Flucht zu begeben. Ucbcrhanpt gleichen diese Thiere völlig den wilden Pferden. Der Esel. Der Esel stammt aus dem mittleren Asien, wo man ihn auch noch jetzt in großen Truppen findet. Von dorther ist er nach Griechenland, Italien, Frank reich, Deutschland, bis nach dem Norden hinauf gekommen. Er niacht bekanntlich neben dem stolzen Rosse eine schlechte Figur-, ist aber doch ein gutes und sehr nützliches Thier. Die wärmeren Gegenden sagen ihm besonders zu; je mehr nach Norden hin, je kleiner wird er. Bei den Morgenländern steht er auch in hoher Achtung. Dort kann er weiden, wie er will, und wird in der Regel zum Reiten gebraucht. Außerdem pflegt man ihn mit großer Ausmcrksamkeit, und sorgt da- für, daß er den Kopf hoch tragt und die Glieder hübsch gestaltet sind. Er geht dann einen raschen Schritt und ist oft prächtig anfgeschirrt; der Sattel besteht ans einer wollenen Decke oder einem Teppich, der mit kostbaren Steigbügeln und Riemenzeug versehen ist. Er ist sonst äußerst bcgnügsam und verlangt iveder Hafer noch anderes thcu- res Futter, sondern nimmt mit Disteln und andern schlechten Gewächsen vorlicb. Dagegen liebt er große Reinlichkeit und Trockenheit, und legt sich nie in einer Pfütze oder im Wasser nieder. Sein Gang ist sehr sicher, und in felsigen Ge birgsgegenden ist er sehr nützlich, um Menschen und Gcpückc über gefährlicheWege zu tragen. Den» im Rückgradc besitzt er eine außerordentliche Kraft, daher er ohne Beschwerde große Lasten forttragen kann. Bei uns freilich ist er faul und träge, und sein Treiber muß immer den Knittel zur Hand haben; aber in wär meren Ländern, wie in Portugal, Spanien und Italien, ist er bei weitem nicht so träge, Nur das Klima, welches in unseren Gegenden herrscht, soll ihn so verdrossen machen. So nahe Pferd und Esel miteinander verwandt sind, so sehr scheut sich doch das crstcrc vor seinem dcmüthigen Bruder, und cs hält schwer, das Pferd ruhig fortzubringcn, wenn cs einem Esel begegnet. Indessen gibt man doch bisweilen dem Esel ein hübsches weibliches Pferdchen zur Gemahlin, die dann statt eines Esels ein Man lth ier zur Welt bringt; oder man vermählt eine Eselin mit einem iltoß, und dann kommen Maulesel zur Welt. Die Manlthicre zeichnen sich durch Größe, Schönheit und Klugheit aus. Sehr wichtig ist ihre Zucht in den süd lichen Ländern Europa'«, namentlich in der Schweiz, in Italien, in Spanien und auch in Amerika. Hat der Spanier bei nebeligem Wetter einen Weg über die Pyrenäen zu machen, so läßt er sein Maulthfer ruhig gehen, denn cs sucht sich seinen Pfad schon selbst und erforscht sorgfältig mit dem Hufe, ob die Eisrindc trägt, oder wo cs am sichersten den Fuß hinsetzt. Das Esclflcifch wird in Spanien und Italien gegessen; die Milch wird als ein heilsames Getränk in der Schwindsucht empfohlen. Die Haut, welche sehr hart und elastisch ist, wird ans verschiedene Weise verarbeitet. Es werden Trom melfelle, Pergament und im Morgenlandes Saffian daraus verfertigt. Die äußerst harten Knochen wurden von Griechen und Römern vorzugsweise zu den wohlklin gendsten Flöten gebraucht. Das Zebra (Tas. iv. Fig. 41 ) hat ungefähr die Größe und Gestalt des Esels. Es ist schön und regelmäßig weiß mit schwarzen Streifen, welche über den ganzen Körper hinlaufen. Sein Baterland ist das südliche Afrika, wo es meistens trnppenweisc mit den Strauß- hecrdcn zusammen lebt. Es ist wild und boshaft, und besitzt eine große Schncllig- so daß cs sehr schwer ist, ein solches Thier zu fangen; aber noch mühsamer' !lt cs, dasselbe zu zähmen. Bisweilen bringt man lebendige Zcbra's nach Europa, 'vo sie ssth gut halten. Ihr schönes Fell wird von den Kürschnern zu Pferde decken verarbeitet. Der Quagga icbl ebenfalls in Afrika und ist nahe verwandt mit dem Zebra; hat aber nicht wie dieses einen Esel-, sondern einen Pferdckopf. Auf dcni Oberleibe ist er kastanienbraun mit vielen Qncrstrcifcn; am Bauche, an den Beinen und Schenkeln *|t er weiß. Seine Stimme ist dem Bellen eines Hundes ähnlich und hat ihm seinen "Kamen gegeben.106 Neunte Drdrrnn g. Zweihnsige, wicderkänende Thiere. Dic Sängcthicrc dieser Ordnung haben die höchst sonderbare Eigenthümlich- leit, daß sie ihr Futter zweimal kauen, woher auch ihr Name genommen ist. Ihr Magen nämlich ist in 4 Abtheilnngen gethcilt und die Speiseröhre endigt an dem Zusammentreffen der drei ersten. 'Der erste Hanptmagen heißt der Pansen oder Wanst. Er nimmt zuerst die grobgekanten Nahrungsmittel auf und läßt sie dann in den zweiten gehen, welcher kleiner und mit kleinen Wärzchen bedeckt ist, welche wie dic Zellen der Bienen anssehen. Dieser Magen heißt die Haube, oderauch der Netzmagen. In diesem wird die Speise weicher und in kleine Ballen ge formt, die dann zum Maule hinanfstcigen und zum zweiten Male gekaut werden. Nun gehen sie durch die Schlnndröhrc in den dritten Magen, dessen Wände ans nahe aneinander liegenden blätterärtigcn Wärzchen bestehen und der deshalb das Buch oder der Blättermagcn genannt wird. Bon hier geht die Nahrung in den vierten Blagen, Laabmagen, wo die wahre Verdauung vor sich geht. Das Geschäft der Verdauung geschieht meist in der Ruhe, dic so lange anhält, bis alle eingenommenen Nahrungsmittel aus dem Pansen entfernt sind. — Dic Thiere dieser Ordnung sind ohne Zweifel für den Menschen die nützlichsten, da das Fleisch aller genießbar ist, die Haut gutes Leder gibt und Milch, Horn, Talg n. s. w. von ihnen gebraucht werden könne». Biele nützen außerdem noch als die besten Last- und Zngthicre. Man thcilt die Wiederkäuer in zwei Abtheilnngen, nämlich in n»gehörnte und in gehörnte. Zn den ungchörnten gehören: das Kamccl, das Lama und das Bisamthier. Zn den gehörnten: der Hirsch, die Giraffe, die Antilope, dic Ziege, das Schaf und der Ochse. I. Wiederkäuer ohne Hörner. 1. Das Kamccl. (Taf. IV. Fig. 42.) Das Kameel ist ganz für dic Sand- und Stcppenländer von Afrika und Asien geschaffen und wird daher in der blumenreichen Sprache der Araber mit Recht „das Schiff' der Wüste" genannt. Es kann dic größten Beschwerden er dulden, ohne davon angegriffen zu werden. Sein Fuß tritt leicht und flach auf den Sand, seine Nasenlöcher schließen sich, wenn der Wind den Staub der Wüste emporwirbclt und Alles zu ersticken droht; sein Magen ist so beschaffen, daß er eine Menge Wassers aufzubewahrcn im Stande ist und das dürrste Futter ver dauen kann. Es nährt sich vom feinsten, zarten Grase, sättigt sich aber auch mit107 stachelichten, trockenen Mimosen, die kein anderes Thier genießen kann. Und so macht es oft Wege non 150 deutschen Meilen, ohne daß man ihm ansieht, welche Entbehrungen es ertragen hat. Es gibt zwei Arten von Kameelen, welche sich durch die Bildung des Rückens von einander unterscheiden. Das schnelle, flüchtige, zum Reiten bestimmte hat einen Höcker und heißt Dromedar, daö andere, meist zum Tragen gebraucht, hat deren zwei, und wird schlechthin Kameel genannt. Das letztere hat eine bräunliche' Farbe und findet sich in Asien, jedoch nicht so zahlreich als das Dro medar. Es ist jedoch größer und kräftiger als dieses und wird meistens zum Lasttragcn bestimmt. Täglich legt cs 5 bis 0 Meilen mit einer Last von 5 bis 6 Centnern lustig und munter zurück, besonders wenn cs die Pfeife seines Füh rers oder ein fröhliches Lied desselben vernimmt; denn gleich dem Pferde, welchem der Ton der Trompete neues Leben gibt, hat cs einen besonderen Wohlgefallen an dergleichen, und was weder Peitsche noch Sporn vermochten, thnt so ein mun terer Gesang und Klang. Kommt cs an, wo die Karavane Ruhe hält, so wird sein Eifer mit einer Hand voll Gerste oder mit einem Stück Gerstenbrod belohnt. Im Ganzen ist es friedlich, gehorsam und keineswegs boshaft. Wird es jedoch mit zu großer Last beschwert, so erliegt es eher den Schlägen, als daß es sich zuin Aufstehcn bewegen läßt. In der Brunstzeit ist cs beißig und verwundet mit seinem starken Gebisse oft gefährlich. — Durch den Herzog Leopold von Toskana wurden Kamcele in Italien cingeführt, welche sich in wenigen Jahren vermehrten und zum Nutzen des Landes verwendet werden. Die Kameelstuterei ist bei San Rossore und besteht aus ungefähr 400 Stück. Auch im südlichen Spanien und in Südamerika sind sie einheimisch. Haben sic lange Zeit hindurch gehungert, so verschwinden beide Höcker auf dem Rücken; erhalten sie aber wieder gutes Futter, so sammelt sich auch wieder das Fett in den Höckern. Sic können eine ungeheure Menge Wasser, oft 240 Maaß ans einmal saufen; dagegen auch 8 bis 14, ja 20 Tage ohne Wasser leben. Eben durch diese merkwürdige Eigenschaft haben sie für die Bewohner Asiens einen sehr großen Werth, weil nur dadurch das Reisen durch die großen, wasserlvscn Sandwüstcn möglich wird. Bei Wasser mangel werden Kameele geschlachtet, um das Wasser zu trinken; dieses soll hell, klar und erquickend sein, muß jedoch, um es trinkbar zu machen, zuvor durch ein Tuch abgcgosscu werden. Außerdem haben sie noch die gute Eigenschaft, daß sie Quellen in großer Entfernung auswittern, und haben dadurch oft ganze Karava- ncn vom Tode errettet. Haben sie lange gedürstet, so stecken sie den Kopf hoch hervor, um eine Quelle zu entdecke». Wittern sic eine, so verdoppeln sie ihre Schritte, um desto schneller hin zu gelangen. Weil jedes Kameel eine so große Wasscrmengc nöthig hat, so währt eü bei großen Karavane» von 300 Stück oft drei Tage, bis eins nach dem andern an der dürftigen Quelle seinen Durst ge löscht hat. — Das Kameel wirft nach Verlauf von einem Jahre ein Junges, welches erst im 5. Jahre ausgewachsen ist und 40 bis 50 Jahre alt werden108 kann. Es schlaft auf den Knieen und ruht auf den Knie- und Brustschiviclcn. Die Augen sollen im Schlafe offen bleiben. — Die Kamcclsmilch ist sehr dick und nahrhaft, das Fleisch wohlschmeckend; das Haar gibt Stoff zu groben Zeugen und Decken; ans dem Urin wird Salmiak bereitet und der Mist dient zur Feuerung statt des Holzes. Das Dromedar oder einbuckelige Käme et ist nicht so häßlich als das vorige. Mau findet cs im ganzen nördlichen Afrika, in Persien, Syrien und Arabien. Seine Farbe ist granröthlich, grauweiß oder auch schwärzlich. Es wird zum Lasttragen und zum Weiten gebraucht. Der Araber sitzt oben auf dem Höcker ans einem Sattel, welcher in der Mitte hohl ist und an den beiden Bogen ein Stück rundes, wagerecht gestelltes Holz hat, an welchem der Reiter sich fcsthält. Au den Seiten hangen ein Paar lauge Beutel herab mit einer Nahrung für de» Weiter und für das Kamcel, ein Schlauch Wasser und ein lederner Gurt, der als Peitsche gebraucht wird. Das Dromedar läuft gewöhnlich nur in einem weiten Trott 20 Stunden, ivird es aber angetrieben, so legt cs auch 60 Stunden zurück. Der Araber hält auf ein schnellfüßiges Kamcel außerordentlich viel. Die Fürstin Cella Umane hatte ein solches, das nur bei außergewöhnlichen, wichtigen Gelegen heiten gebraucht wurde, wo die größte Eile uöthig war; allein cs hielt auch im schnellen Laufe 24 Stunden, ohne eine Spur von Ermüdung, aus, und hatte cs dann einen oder zwei Klöße aus Gcrstenmehl und getrockneten Datteln, und eine Schale Milch oder Wasser bekommen, so schien cö neu belebt zu sein und machte nun ebenfalls im strengsten Laufe eben so viel Stunden. Als die Tochter der Fürstin hcirathete, brachte man dies Lieblingsthier heraus. Es stieg ein geübter Weiter hinauf, um die Wette auszuführcu, welche mau auf dies edle Thier gemacht, gegen einige der flüchtigsten Renner, die je die Wüste durchstrichen und die selbst den Strauß eingeholt hatten. Allein die Renner blieben bald gegen das .Kamcel zurück. Es flog mit erstaunlicher Schnelligkeit nach dem Kreise der Zuschauer und gelangte in wenigen Augenblicken hin, ohne im mindesten erschöpft zu sein, während die Pferde keuchten und mit Schaum bedeckt lvarcu und kaum Athem holen konnten. — Für den Ungeübten ist die Reise auf einem Dromedare höchst beschwerlich; die Hände schwellen an und schmerzen, die Schenkel werden wie zer schlagen, dabei stellt sich der heftigste Kopfschmerz ein, der von der beständigen Erschütterung herrührt; denn das Thier hat einen schweren Tritt, und die Schnel ligkeit des Laufes in der glühenden Luft der Wüste nimmt dem Reiter fast den Athem. Zu diesen Unbequemlichkeiten sind auch noch die Wanzen und anderes Ungeziefer zu rechnen, welche sich auf dem Höcker des Thicrcs befinden, Auch das Dromedar liebt die Musik und hat besonderes Wohlgefallen an dem Gesänge, welcher oft mehr wirkt als alle Schläge. Es ist äußerst mäßig und nimmt zur Zeit der Roth mit einem alten Weideukorbc vorlicb. In der Brunstzeit ist cs boshaft und mit seinem grimmigen Gebiß oft fürchterlich. Ist dies der Fall, so steht es plötzlich stille, dreht seinen Hals um und sucht seinen Reiter zu beißen;109 dieser darf dann nicht abstcigcn, sondern muß >" Geduld und »nt Schmclchcle.e abwartcn, bis cs wieder besänftigt ist. - Auch zum Kriege w.rd das Dromedar zuweilen gebraucht; namentlich haben die Perser abgerichtete Kameele, welche klem Kanonen auf ihrem Rücken tragen und die bei jedem Schüsse fülle stehen und den Kopf hcrabsenkcn. 2. Das Lama. (Taf. IV. Fig. 43.) Das Lama lebt bloß auf dem hohen Andosgcbirgc, namentlich m Peru m der Nähe des ewigen Schnce's. Eö hat die Größe eines Hirsches un nn ^om mer kurzes, im Winter langes, grobes Haar von hellbraunrothcr Farbe. ^ c 1 in Heerden, fast wie Gemsen, von 7 — 100 Stück u,rd weidet des Tages an den grünen Ufern der Flüsse und Bäche. Sic sind nicht im mindesten scheu, son ein kommen den Reisenden oft dicht vor die Pferde; ihr Lauf ist nicht besom. ers )nc und man kann sic zu Pferde leicht einholen. Um sic zu fangen, verfolgt man 1 IC mit Hunden und treibt sic in eine Bergschlucht, wo man sic mit Wurfs ) mgen fängt. Sie sind leicht zu zähmen und gewöhnen sich an alle Nahrungsunt c , Thcc und Kaffee trinken sic mit großer Begierde. Ein besonderes Wo)gcfa cn zeigen sie an Wallnüssen, und wenn sic in der Ferne eine Schale zerbre -enj )vren, so können sie cs vor Lüsternheit nach der Frucht kaum aushaltcn. Frauenzimmer bedienen sich ihrer zum Reiten und sic zeigen für diese eine außcrordentlr )c n hänglichkcit. Einst kaufte ein Reisender ein solches Thier, das er aber mit ewa von seiner Pflegerin losreißen mußte. Als es kurz darauf seine Herrin wiedergah, warf cs sich zu ihren Füßen und mnklammcrte sic mit seinen Bordcrfüßcn so zärt lich, daß die gute Frau in Thränen ansbrach, dem Käufer sein Geld wicdcr- erstattctc und ihn bat, ihr das Thier znrückzugeben. Aber auch zum Lasttragcn werden die Lamas gebraucht; jedoch nur die männlichen, die weiblichen bleiben zur Zucht zu Hause. Jedes Lama trägt 100 bis 150 Pfund, kann aber nur kleine Strecken, etwa 3 bis 4 deutsche Meilen, zurücklcgen. Es soll sehr interessant sein, eine solche Earavanc ankommen zu sehen. Sic gehen stolz init hochausgc- strecktem Kopfe und zugespitzten Ohren einher und lassen sich nur durch Gute leiten; will man sic durch Schläge zwingen, schneller zu gehen, so werfen stc sich nieder und stehen nicht wieder auf, sondern werfen ihrem Gegner Geifer m's Ge sicht. Dieses thun sic übrigens auch wohl in ganz rnhigeni Zustande. Wenn man glaubt, ganz befreundet mit ihnen zu sein, erhält man oft plötzlich eine lolche Ladung in's Gesicht, die widerlich riecht. Erblicken sic einen Reisenden, so sp'tzm sic schon von weitem die Ohren, bleiben, wenn sic in seine Nähe kommen, neu» gierig stehen und sehen verwundert den Vorübergehenden an. Die Lamas werden nur ans den Hochebenen gezogen, in den wärmeren Ge^ gcnden der Küsten gedeihen sie nicht. Auf einer Höhe, wo cs zu kalt ist, ap selbst in der wärmsten Sommerzeit nach Sonnenuntergang das Quecksilber un eiILO dem Gefrierpunkt steht, bauen die Peruaner ein Gehege für diese Thicre. Hier liegen sic im Sommer wie im Winter ganz ohne Bedeckung; nur schlagen sic des Nachts ihre Beine unter den Leib, so daß diese vom Körper ganz bedeckt und vor Kälte geschützt werden. Sobald die Sonne anfgegangcn ist, öffnen die Hirten das Gehege und die ganze Heerde zieht nun nach den Bergen hin. Abends keh ren sie eben so fröhlich, als sic Morgens auszogcn, nach Hause zurück. Das Fleisch der Lamas wird von den Peruanern entweder frisch genossen oder getrocknet und auf Reisen mitgenommen. Die Milch ist sehr gut und ans der Wolle werden treffliche Zeuge verfertigt. Die Häute werden zur Fußbeklei dung verarbeitet oder zum Verpacken von Handelswaaren gebraucht. Der Dünger dient statt des Holzes als Brennmaterial, weil in de» Hochebenen großer Mangel an Holz herrscht. Der P a k o. Nahe verwandt mit dem Lama ist der Pako oder Alpaka. Er lebt in Peru und wird, wie das Lama, zum Lasttragen gebraucht; ist aber weniger gelehrig und hat einen nicht so sichern Gang, wie das Lama. Der Leib des Pako ist plumper, die Haare sind länger, feiner und dunkler gefärbt, und cs werden daraus die feinsten Tücher bereitet, die sich wie Seide anfühlen. Sein Fleisch wird eben falls frisch oder eingepöckclt genossen. Das V i I u n a, auch Viga gart hier genannt, ist so groß wie ein Schaf und lebt in Heerden auf den höchsten Bergen der Cordillcrcn von Chili und dem südlichen Peru. Das Haar ist wollig, sehr fein und weich, oben gelblichbrann und unten glänzend weiß. Sic sind äußerst flüchtig und furchtsam; und ihre Furchtsamkeit benutzt man, um sie zu fangen. Weil sie nämlich vor jedem bunten Lappen, oder vor einer Feder erschrecken, so umgeben die Jäger einen großen Platz mit Stricken, an welchen bunte Lappen oder Büschel Federn so befestigt sind, daß der Wind sic leicht bewegen kann. Nun beginnt ein Treibjagcn und alle Vikunas werden nach jenem Orte hingejagt. Die Thicre gehen durch die Ocffnung herein und werden stutzig über die flatternden Büschel; sic fahren zurück und haben keinen Mnth, über die Stricke hinwegzuspringen. Furchtsam bleiben sie in dem Gefäng nisse stehen und lassen in ihrer Angst die Jäger herankoinmen, die sic mit der Fangschlinge erwürgen. So werden oft in 4 bis ü Wochen 800 bis 1000 Stück gefangen. Befindet sich jedoch zufällig ein wildes Lama unter der Heerde, das nichts von einer solchen Furcht weiß, so springt cs ohne Anstand über die Seile hinweg und die ganze Heerde folgt ihm auf dem Fnße nach. Den Jägern bleibt dann nichts anders übrig, als in Schimpfreden ihren Verdruß über das ver wünschte Lama anszulassen.Die metallisch glänzende Wolle des Likunas, welche außerordentlich fein und weich ist, wird hoch geschätzt und zn den kostbarsten Tüchern verarbeitet. Man sammelt davon dreierlei Sorten, ans der besten werden die feinen Vigagartüchcr verfertigt, von welcher die Elle 20 Thaler kostet. Auch nach Europa, namentlich nach der Schweiz, Tyrol und Spanien würde sich das Lama sowohl als das Vikuna versetzen lassen und ein sehr nützliches Hausthier werden. 3. Das Geschlecht der Moschus- oder Ms-mihiere. Die Moschnsthierc kommen der Gestalt nach den Ziehen gleich, haben aber keine Hörner. Ihr Vaterland beschränkt sich nur ans Asien und dessen Inseln. Das eigentliche Moschnsthier (Taf. IV. Fig. 44) ist so groß wie ein Reh, sehr- schlank und zierlich gebaut. Es ist graubraun und die Haare sind grob und fast stachelartig. Das Männchen hat in der obern Kinnlade zwei dünne, zwei Zoll lange hervorstehende Eckzähnc, welche .ans dem Munde hervorragen, und außerdem besitzt cs den Bisambeutcl. Dieses ist ein drüsiger Sack, und befindet sich in der Nähe des Nabels. In demselben sondert sich eine schleimige Materie ab, der als wohlriechendes oder heilendes Mittel bekannte Moschus. Dieser ist frisch von röthlichbrauner Farbe, trocken wird er krümelig. Der Moschus aus Tibet und Tonkiu ist der beste, und hat in der Nähe einen betäubenden, zertheilt aber einen äußerst feinen Geruch. In Krankheiten wird er namentlich als krampfstillendcs, belebendes Mittel angewandt, wird jedoch nur in der äußersten Noth van den Aerzten gebraucht, um die fast erloschenen Lebenskräfte wieder anzufachcn. Der Geruch haftet Jahre lang an Gegenständen, die nur eine kürze Zeit neben dcm- selbcn gelegen haben. Pelz- und Wollwaaren, die diesen Geruch an sich tragen, bleiben von den Motten verschont. Der Moschnsbeutcl wird dem gctödtctcn Thicrc sogleich abgcschnittcn, zngcnäht und getrocknet; er ist so groß wie ein Hühnerei und enthält l bis 3 Quentchen. Bei uns kostet das Loth 2 Thaler, doch kommt " selten unverfälscht zu uns. Aechter Moschus muß, auf einem heißen Bleche oder burch ein Brennglas verbrannt, mit cigcnthümlichcm Gerüche verdampfen und u^enig Nebcrrcst zurücklassen. Das Vaterland des Bisamthieres sind die meisten Länder des hohen Mittel asiens, Tibet, China; auch das südliche Sibirien. Hier leben sic meistens einsam und nur im Herbste in Heerde». Im Winter ziehen sic sich aus den mit Schnee bedeckten Gegenden mehr nach Süden hin zurück. Sie sind scheu und flüchtig und durchschwimmen breite und reißende Ströme, wenn sie verfolgt werden. Man längt sic in Schlingen und Fallen. Das Fleisch ist wegen seines starken Bisam- gcruchs bei alten Männchen oft nicht genießbar. Das Guineische Moschnsthierchen, auch Napu genannt, ist von der Größe eines Hasen und hat einen zierlichen Körperbau. Ans der tveißcn Brust hat es drei schwarze Streifen; sonst ist es von braungelber Farbe. Man fängt112 cs in Schlingen; kommt aber der Jäger heran, so stellt cs sich tobt, und ist der Jäger bei dem Losmachen der Schlinge nicht vorsichtig genug, so springt cs plötz lich auf und ist in einem Augenblick verschwunden. Wird eö von Hunden ver folgt, so macht cs einen Satz aufwärts und hängt sich mit seinen krummen her- vorstehenden Eckzähnen an den Ast eines Baumes. II, Wiederkäuer mit Hörnern. Die Hörner, mit welchen die Thierc dieser Gattung versehen sind, sind von dreierlei Art. Beim Ochsen, beim Schaf, bei der Ziege und Antilope ist das Horn hohl und enthält eine immer fortwachscndc Knochensubstanz. Man nennt diese Hörner hohle Hörner und sic fallen nie ab. Eine Gattung, die Giraffe, hat kurze Hörner mit einer haarigen Haut überzogen, die ebenfalls nicht abfallcn. Die Hirsche endlich haben Hörner, die durch und durch ans einer harten Knochen- massc bestehen und jährlich von neuen, meist größeren, verdrängt werden; sic werden Geweihe genannt. 1. Das Geschlecht der Hirsche. Das Hirschgcschlecht besteht aus 12 bis 14 Gattungen, welche sich besonders dadurch auszeichncn, daß ihre Geweihe, welche bei den meisten der Weibchen fehlen, jährlich zu bestimmten Zeiten abgeworfen werden. Der gemeine Hirsch, <Taf. IV. Fig. 45) auch Edelhirsch oder Rothhirsch genannt, hat mit seinem Geweihe ein ma jestätisches, stolzes Ansehen. Im Sommer ist er rothbraun mit schwarzer Rücken- linie und einer Reihe blaßgelblicher Flecken ans den Seiten. Im Winter ist er graubraun. Es gibt jedoch auch weiße, gefleckte und ganz schwarze Hirsche. Ein ausgewachsener Hirsch ist 6 bis 7 Fuß lang und 4 Fuß hoch und wiegt oft 300 bis 500 Pfund. Der Kopf ist wohlgebildct, die Ohren groß und beweglich, und die Augen lebhaft. Seine schönste Zierde ist das Geweih. Schon nach dem sechsten Monate erheben sich bei dem jungen Edelhirsche die Stirnbeine, welche den sogenannten Rosenstock bilden und das ganze Leben hindurch bleiben. Im er sten Jahre erscheinen ans dem Rosenstockc einfache Spieße, nach welchen der Hirsch Spießer genannt wird. 9lnt Ende des zweiten Jahres wird das erste Geweih abgeworfen, das neue erhält unten einen Ast inehr und der Hirsch erhält nun den Namen Gabler. Im dritten Jahre treibt jede Stange drei Acstc, Enden genannt, im vierten 8 bis 10, im fünften 10 bis 12, im sechsten 12 bis 14. Nach der Zahl der Enden wird der Hirsch benannt; 24 Endcr sind jetzt selten; 10 »nd 12 Ender gewöhnlich. Friedrich I. von Preußen schoß im Jahre 1606 einen Hirsch von 66«Enden. Das Geweih nimmt jährlich um ein halbes Pfund zu. In den Monaten Februar, März und April werden die Geweihe abgeworfen. Es entsteht113 nämlich eine Art Entzündung, wodurch das Geweih mürbe wird, so daß es ent weder durch sein eigenes Gewicht abfüllt, oder an harten Gegenständen abge brochen werden kann. Die Spießer bohren mit ihrem Geweih in die Erde und brechen es dann ab. Ist das Geweih abgeworfen, so bildet sich schon nach fünf Tagen eine weiche, mit feinem behaartem Baste überzogene Erhabenheit. In den ersten vierzehn Tagen erreicht das Geweih eine Länge von 6 Zoll, und binnen einem Vierteljahre ist die Entwickelung und Verhärtung deö neuen Geweihes vollendet. Während dieser Zeit ist dasselbe weich und warm anzufühlen und das Thier meidet die Waldungen, um sieh nicht an diesem empfindliehen Theile zu stoßen. So entwickelt sieh mit bewundcrungswerther Schnelligkeit eine Stange von 36 Zoll Länge und 16 Pfund Schwere in der kurzen Zeit von zehn Wochen. Die Hirsche machen die Zierde unserer Waldungen aus und werden zur hohen Jagd gerechnet. Sie finden sich in allen Welttheilen, Nenholland ausgenommen. Ihre Nahrung, der sie gewöhnlich in der Abenddämmerung bis gegen Morgen nachgehen, besteht im Allgemeinen ans Knospen, Blättern, Blüthen und Früch ten, Gräsern, Kräutern, unreifer Saat, Moos und Baumrinden. Im Früh jahre suchen sie die junge Wintersaat ans oder äsen an der jungen Rinde der Bäume. Im Sommer dienen ihnen fast alle Pflanzen zur Nahrung, besonders Klee. Kohl, junge Erbsen, Bohnen, Linsen u. s. w. In recht strengen Wintern wagen sie sich sogar in die Gärten und schälen die jungen Obstbäume ab. Sie äsen langsam und suchen sich das Beste aus. Nach der Sättigung suchen sie sich einen Ruheplatz auf zum Wiederkäuen. Da sie gerne Salz lecken, so macht man ihnen in Thiergürten und auch im Freien Salzlecken oder ans 4 Balken zusam mengeschränkte Kasten, in die man einen mit >/ 4 Centner Salz vermischten Karren Lehm thut. Sollen andere Thiere davon entfernt gehalten werden, so nmzäunt man die Salzlecke mit Stangen, die nur das Edelwild überspringen kann. So lange der Hirsch saftige Gewächse genießt, trinkt er wenig; in schwülen Sommer lagen jedoch sucht er Quellen und helle Bäche ans. Gewöhnlich und ungereizt ist der Hirsch sanftmüthig und freundlich, und wenn er nicht verfolgt wird, auch nicht schüchtern. Im Gegentheil, sieht er in Wäldern Menschen, Pferde oder Wagen ans der Heerstraße vorbeikommen, so bleibt er stehen, sieht neugierig nach dem vorüberziehenden Gegenstände hin und geht dann stolz hinweg. Er bleibt auch stehen, wenn man ihn ruft oder pfeift, und sieht sich um. Erblickt er aber seine Feinde, Jäger und Hunde, dann ist er sehr flüchtig und sucht durch die Schnelligkeit seiner Füße sich zu retten, lieber jeden Zaun setzt er geschickt hinweg und kommt er an einen Fluß, so stürzt er sich hinein und schwimmt nach dem andern Ufer hin, denn im Schwimmen besitzt et große Geschicklichkeit. So verfolgt, ist er böse und gefährlich, denn die Angst macht ihn muthig. Er geht mit seinem Geweih kühn ans den Feind loö und bohrt ihm oft die Spitzen tief in den Leib. Auf den Parforeejagden entsteht aus diese Weise manches Unglück. Brum-c's Naturgeschichte. 6114 Am gefährlichsten sind sic in der Brunstzeit, welche in den Monat September fällt. Sie lassen dann ein Geschrei hören, welches Aehnlichkeit hat mit dem Brüllen eines Rindviehs, nur das; cs dumpfer klingt und anhaltender ist. Stößt er auf einen Trupp Thiere, so ist cs sein erstes Geschäft, alle jungen Männchen zu verjagen. Treffen aber zwei erwachsene Hirsche zusammen, so erwacht in ihnen Eifersucht und Streitlust. Die beiden Nebenbuhler sehen sich erst einige Augenblicke mit wüthcudeu Blicken einander an, scharren mit den Vorderfüßen die Erde auf, erheben ein fürchterliches Geschrei und gehen endlich mit ihren Geweihen ans einander los. Durch daö Zusammenstößen derselben entsteht ein Krachen, als ob starke Stangen entzwei gebrochen würden. Oft spießen oder verivickeln sic sich mit ihrem Geweihe so ineinander, daß sie nicht mehr los können und beide auf dem Kampfplatze verhungern müssen; öfters kommt aber auch der eine oder der andere mit einer Wunde davon, die ihn auf lebenslang elend macht. Die Weib chen sehen den Kämpfen, wie cs scheint, mit Neugierde und Wohlgefallen zu. Ein Hirsch paart sich öfters mit 10, ja 20 Weibchen. Nach Verlauf von 8*0 Mo nat schleicht sich daö Weibchen von der Gesellschaft weg und wirft in dichtem Ge hölze auf einem Lager von Moos, Laub und Gras 1, selten 2 Hirschkälber. In ihrem Lager bleiben sic gewöhnlich 2 bis 4 Tage still liegen und die Mutter schleicht sich, wenn sic schlafen, zur Acsnng weg. Nachher aber laufen sie mit derselben umher, anfangs hinter ihr, später vorauf. Die Mutter zeigt für ihr Kalb eine außerordentliche Liebe und säugt cs von Mai bis in den Herbst, wo es sich selbst forthelfcn kann. Die Farbe des Hirschkalbes ist braunröthlich mit wei ßen Flecken. Das männliche Junge heißt Hirschkalb, das weibliche Wildkalb; die Mutter wird Thier genannt. Die Jungen lassen sich zähmen und recht gut zum Ziehen abrichten. König August von Polen spannte deren 8 vor seinen Wagen. Englische Reiter führen zuweilen Hirsche mit sich herum, die in mancherlei Kün sten sich prodnciren, z. B. eine Kanone abzufenern, oder durch einen Reif zu sprin gen u. s. w. Früher schmiedete man Wilddiebe auf Hirsche und trieb sic dann in den Wald, wo sic, fürchterlich zerrissen, endlich eines qualvollen Todes ster ben mußten. Die Jagd dieses schönen Thicres ist nicht mehr so grausam wie früher, wo man es mit Pferden und Hunden so lange hetzte und verfolgte, bis cs fast todt nicderstürzte. Man schießt es auf dem Anstand oder auf Treibjagden. Daö Fleisch oder Wildpret des Hirsches ist nach Alter, Geschlecht und Jah reszeit von verschiedenem Werth. Die Braten von Hirschkälbern sind sehr schmack haft, im Allgemeinen das Fleisch von weiblichen Hirschen milder und geschätzter, als das von männlichen. Von alten Hirschen erhält man nur im August einen guten Braten. Ans den klein geschnittenen Hirschohren macht man Fricassäc. Die Haut gibt, weißgegerbt, gute Beinkleider, Handschuhe n. s. w.; rothgcgerbt warme und weiche Stiefeln. Der Haare bedient man sich zum Polstern, und die Geweihe stellt man als Zicrath in Jagdschlössern und Gnllcrien auf; verarbeitet sie auch115 roh ober gebeizt zn Handgriffen an Hirschfängern und Messern. Auch dient das gepulverte Hirschhorn zmn Klären von Kaffee, Bier und anderen Getränken. Die jungen, noch weichen Geweihe werden zu den Leckergerichten gerechnet und als außerordentliche Stärkungsmittel schwächlichen Personen empfohlen. Der Talg wird von Lichterziehern und Seifensiedern gebraucht, auch als Wund- und Brandpflaster verwandt; namentlich leistet er gute Dienste an erfrorenen Füßen oder Händen. Der Damhirsch (Tas. IV. Fig. 46) ist etwas kleiner als der Hirsch und größer als das Reh. Er ist im Sommer schwärzlichbraun, im Winter hellbraun und gelbgefleckt. Die Hinterbacken sind glänzend weiß und mit einem schwarzen Streifen umgeben. Der Schwanz ist etwas länger als beim Hirsch und oben schwarz und unten lveiß. Die Geweihe des Männchens sind nur unten an der Wurzel rund, sonst schanfelförmig. Er ist bei weitem nicht so schön und edel gebaut als der Edelhirsch, gegenwärtig aber beinahe durch ganz Europa verbreitet. Er hält sich meist in Laub- und Nadel hölzern ans und nährt sich besonders mit Roßkastanien, Obst, junger Saat; wird aber wegen des Besehälens der Bämne den Wäldern schädlicher als der Hirsch. Er gleicht sonst diesem in seiner Lebensart, ist aber weniger stürmisch, vielmehr gutinüthig und zutraulich, so daß er selbst in der Brunstzeit dein Menschen wenig oder gar nicht gefährlich ist. Seine Stimme ist verschieden von der des Edel hirsches und gleicht einem helldurchdringenden, kurz abgebrochenen Stöhnen. Er lebt gewöhnlich in Heerden. Sein ursprüngliches Vaterland ist die Ver- berei, aber jetzt, wie wir schon oben bemerkten, durch ganz Europa verbreitet. D a ö N e h. Dieses niedliche Geschöpf ist noch kleiner als der Damhirsch, gehört aber ohne Zweifel zn de» schönsten unter den Sängethieren; denn 'Alles hat an ihm ein vollkommenes Ebenmaaß. Im Sommer ist es braunröthlich, im Winter röth- lich grau. Der Schwanz ist sehr kurz und das Geweih hat nur eine Gabel. Schlanke Beine tragen den wohlgebauten Körper, dessen ganze Stellung etwas Angenehmes und Lebhaftes hat. Die Augen sind groß, haben einen blauen Stern und keine Thränengruben. Das Weibchen, Rehgeiß, Geiß oder Ricke genannt, hat einen länger», dünneren Hals und schlankeren Körper. Es hat kein Geweih ewd trügt den Hals beständig niedrig. Es lebt paarweise im gemäßigten Europa; über cmch im wärmeren Asien, z. B. in Persien, China und Ostindien. Es liebt Meistens gebirgige, hoch gelegene Gegenden, jedoch auf den Alpen findet man es »ie. Niedrige, sumpfige Orte hingegen sind ihm zuwider, denn es ist sehr reinlich und wälzt sich nie in Pfuhlen herum, wie es wohl der Hirsch zu thun pflegt. Es hat eine starke Witterung, und die Hunde werden im Verfolgen seiner Fährte hitziger als beim Hirsche. Aber durch seine Schnelligkeit läßt es die Hunde bald hinter sich zurück und sucht sie durch mancherlei Umwege und Quersprünge irre 8 »zu machen. Namentlich wenn es müde und entkräftet ist, macht cS mitten im Lauf einen starken Seitensprung, duckt sich wie ein Hase nieder und läßt die bellenden Hunde an sich vorüberziehen. Sein Gesicht und Geruch ist sehr scharf, und wenn ihm der Wind entgegen weht, wittert cö den Jäger ans 300 Schritte. Wird es unerwartet in seinem Lager gefunden, so ist cs anfangs stutzig, ergreift aber sogleich mit Blitzesschnelle die Flucht, welche der Reybock durch ein dreifaches, weithin schallendes Bellen ankündigt. Dieser hält sich nur zu einem Weibchen, das er mit außerordentlicher Zärtlichkeit liebt. Zn Ende Aprils entfernt dies sich und bringt an einer düstcrn Waldstelle 1, 2, selten 3 Junge zur Welt, welche Kitzchen genannt werden. Sie suchen gleich nach ihrer Geburt ans die Beine zu kommen, bleiben in der Regel noch zwei Tage ans dem weichen Lager von Moos und Gräsern und gehen dann mit der Mutter zum Vater, der sic freundlich be willkommnet und ihnen seine nngctheilte Liebe schenkt. Mit der Mutter sorgt er gemeinschaftlich für ihre Erziehung und schützt sic sorgsam gegen jede Gefahr. Er tritt zuerst beim Ansgang aus dem Walde mit halbem Leibe ans dem Gehölze hervor und wittert umher, ob auch Gefahr für seine Familie vorhanden ist. In der Gefahr selbst verbirgt die Mutter ihre Jungen im Gestrüpp und läßt sich dann für dieselben von den Hunden lvcit umherjagen; ans großen Umwegen kehrt sic dann zu ihren Kleinen zurück. Indessen gelingt cs doch zuweilen den Men schen, sich derselben zu bemächtigen. Sic lassen sich mit Milch und Brod, später mit Heu und Gras aufziehen und erhalten. Hin und wieder kann man auch den Ammendienst einer gntmüthigen Ziege übertragen. Sic lassen sich leicht zähmen und so gewöhnen, daß sic, wie Hunde, überall mit hinlaufen. Die Böcke jedoch sind boshaft und wetzen ihres spitzen Gehörns gefährlich. Man bindet ihnen da her ein Leder vor die Augen, daß sic nicht gerade vor sich hin sehen können. Sie werden 12 bis 16 Jahre alt. Sie werden ans Treibjagden und auf dem Anstande geschossen; gewöhnlich verschont man die Rickchen und schießt nur die Böcke. Das Wildprct schmeckt vortrefflich und wird höher geschätzt, als das des Edelhirsches. Die Haut, welche vom Juni bis Ende Novembers am stärksten ist, gibt weiß ge gerbt feine Beinkleider und Handschuhe; roth gegerbt Satteldecken u. s. w. Die nur ans der Fleischseite verarbeiteten Häute werden bei langwierigen Krankheiten als treffliche Unterlage gegen das Wundliegen gebraucht. Die Haare dienen zum Auspolstcrn der Stühle, und werden mehr gesucht, als die der Hirsche, weil sie sich nicht so leicht znsnmmcnballcn. Geweih und Läuse werden zu Tabaksröhren, Stockknöpfen, Mcsserhefte» und Wandhaken verarbeitet. Das Re » nt hi er. (Taf. iv. Fig. 47.) Das Rennthier ist bekannt durch den großen Nutzen, den es den Bewohnern der nördlichsten Länder leistet; denn cö gewährt diesen beinahe Alles, lvas zum Leben nöthig ist. Es ist von der Größe eines Hirsches. Es trägt, wie dieser, ein ellenlanges ästiges Geweih, ivomit auch das Weibchen geziert ist, und das117 alle Jahr abgeworfen wird. Uebrigens ist es nicht so schön und edel gebaut, wie der Hirsch. Der Kopf ist verhältnißmäßig zu groß, der Hals ist kurz und hat eine dicke Mähne; zwischen den Schultern ist eine Fetterhöhung. Die Füße sind kurz und dick. Das Haar ist im Sommer braun, im Winter weiß oder grau- gelblich. Alan findet cs in Grönland, auf der Nordküste von Amerika, auf Spitz bergen, im nördlichen Norwegen, in Lappland, Sibirien bis nach Kamtschatka. Die wilden schwärmen in Rudeln von 100 bis 300 Stück in Norwegen umher; die zahmen sieht man auch heerdenweise. Der arme Lappländer hat Heerden von 10— 12 Stück, während der reiche deren 400—600 besitzt. Die Hirten kennen nicht nur genau alle, sondern auch die Fehler und Tugenden jedes einzelnen. Sic nähren sich mit Gräsern, Kräutern, Blättern und Knospen von Bäumen und Ge sträuchen ; im Winter leben sie von Flechten, die sie unter dem Schnee hervorsuchen und mit ihrem feinen Gerüche in weiter ^Entfernung entdecken. Ihre Zucht ist äußerst mühsam; denn sie sind fortwährend in Bewegung, und der Lappe muß in beständigein Trabe hinter ihnen her sein, um sie zusammen zu halten. Die wil den Nennthiere sind noch unruhiger als die zahmen und machen jährlich regel mäßige Wanderungen nach bestimmten Gegenden hin. Sie verfolgen dabei immer einen und denselben Weg, der ziemlich breit und ansgetreten ist. Kommen sie an Flüsse, so schwimmen sie mit Leichtigkeit hinüber. Ihre breiten Füße gebrauchen sie als Ruder und zwar mit einer solchen Geschicklichkeit, daß selbst ein gut ausge rüstetes Boot im breitesten Strome sie kaum einzuholen vermag. Die Weibchen geben Milch und werden ein- oder zweimal des Tages gemol ken. Sie ist sehr nahrhaft, so daß man unvermischt kaum einen Löffel voll ge nießen kann. Durch bloßes Rütteln wird sie zu schneeweißer Butter, die jedoch nur im Sommer bei gutem Futter schmackhaft, im Winter hingegen talgig ist. Sie bringen jährlich zwei Junge zur Welt, welche sie niit großer Zärtlichkeit lie ben. Vermißt die Mutter ein Junges, so sucht sie es mit der größten Aengst- lichkeit und erfüllt die ganze Gegend mit ihrem kläglichen Geschrei; ja sie sucht cS sogar, wenn sie ans Moos und Schnee vergebens nachgespürt, in den Woh nungen der Menschen ans. Drei Jahre laug läßt man sie ihr junges Leben in Freiheit genießen. Jin vierten Jahre jedoch müssen sie sich zur Arbeit auschicken, und da setzt es Prügel genug, denn gewöhnlich sind sie wild und widerspenstig. Allein ihr Sträuben hilft ihnen nichts, sie müssen gehorchen und den Schlitten liehen lernen. Dieser ist nicht schwer, sondern leicht gebaut und mit Renuthier- haut überzogen. Das angespannte Renuthier hat zur Halsschnur ein Stück Haut, non welcher nach der Brust über den Leib hin, zwischen den Beinen durch, eine Schnur geht, die vorn an dem Schlitten befestigt ist. Den Zügel bindet man an die linke Seite des Kopfes und wird bald nach der einen, bald nach der andern Leite hin geworfen, je nachdem sie links oder rechts hin laufen sollen. Das Renuthier zeigt int Laufen eine außerordentliche Ausdauer und läuft beständig im -uaäe, so daß es in einer Stunde anderthalb deutsche Meilen zurückzulegen vermag,118 also in 24 Stunden 50 Meilen. Es ist jedoch eine solche Schlittenfahrt eben nicht die angenehmste, indem man beständig arbeiten muß, de» leichten Schlitten im Gleichgewichte zn erhalten, damit er nicht nmfällt. Auch wird das Thier zu weilen trotzig, dreht sich nm und schlägt mit den breiten, gefährlichen Fußen nach dem Reisenden hin, so daß dieser genöthigt ist, auszusteigen und in Geduld ab- znwarten, bis das Thier wieder besänftigt ist. Es greift beim Laufen weit aus und spreizt die Hufe auseinander, um leicht, ohne ansznglcitcn, über den Schnee fortzukommcn. Beim Laufen läßt cs ein lautes Geklapper hören, das man auf >00 Schritte weit vernehmen kann und lautet, als wenn man Nüsse knackt oder kleine Stcinchcn aneinander schlägt. Dieses rührt entweder von dem Anschlägen der großen Afterklanen oder von den Gelenken her. Bei den Tongnsen werden sic auch zum Reiten abgcrichtet; ihr Rücken ist stark genug, um eine Last von 120 Pfund zn tragen. Sonst haben diese Thierc in ihrer Lebensweise Vieles mit den Hirschen ge mein. Alle Bemühungen jedoch, sic in die Hochgebirge des südlichen Europas einzuführen, waren vergeblich. Sie starben nach wenigen Jahren. Wie bei den Hirschen, so kämpfen auch bei den Rennthieren die Männchen um die Weibchen und verwickeln sich oft so mit ihren Geweihen, daß sic nicht mehr auseinander kommen können. Ihre Haut und ihr Gehörn werden auf eben dieselbe Weise benutzt. Das Fleisch wird entweder frisch gegessen oder geräuchert oder gefroren für den Hausbedarf anfbewahrt; die anhaltende, große Kälte macht das Einsätzen nnnöthig. Die geräucherte Zunge dient als besondere Leckerei. Von dem Genuß des giftigen Fliegenschwamms, der diese Thierc oft sinnlos macht, ohne ihnen jedoch zu schaden, hat das Fleisch oft einen berauschenden Geschmack. Allein noch betäubender ist der Urin, den der schmutzige Korakc anffängt, nm sich darin zu berauschen. Der Wolf und verschiedene Arten von Bremsen sind die schlimmsten Feinde der Rennthierc. Der Wolf verfolgt sic gesellschaftlich nm liebsten bei Unge wittern und Stürmen, weil da Hund und Hirten in einem Zufluchtsorte sich zn verbergen suchen. Er treibt sic in Gebirgen so lange umher, bis eins oder das andere in einen Abgrund stürzt, oder ermattet niedcrsinkt. Die Bremsen vcr folgen sic den ganzen Tag, bis sic einen günstigen Augenblick erhaschen, ihnen ihre Eier in die Nase oder unter die Haut zu legen. Ans diesen Eiern entstehen Maden, die sich noch tiefer in die Haut cinbohren, bis sic groß genug sind, sich zu verpuppen. Dadurch entstehen schmerzliche Beulen ans dem Rücken der armen Thierc und in der Nase ein Kitzeln und Beißen, das im höchsten Grade empfind lieh sein muß. Sic suchen dieser Plage dadurch zu entgehen, daß sic gegen den Wind laufen, so daß ihnen die Fliege nicht folgen kann. Noch müssen wir des merkwürdigen Verfahrens gedenken, dessen man sich bei der Jagd der Rennthierc bedient. Diejenigen Rennthierc, welche in bergigen Gegenden leben, weiden im Winter in den Thälern, und fliehen in der Sommer-119 Hitze vor Mücken und Bremsen ans die Schnccgipfel der Berge. Diejenigen dagegen, welche in Wäldern leben, ziehen im Sommer weiter nach Norden ans die gefrorenen Moräste, thcils der Ruhe halber, theils wegen des Mooses, ihres Lieblingsfuttcrs, das sic dort reichlich finden. Da die Zeit ihrer Wanderung sämmtlichcn Bewohnern an der Kolyma bekannt ist, so versammeln sich diese in kleinen Booten an der Stelle, wo die Rennthiere gewöhnlich durchzuschwimmen pflegen, weil diese Thicre immer ans einer und derselben Fährte ziehen. Im Schilf versteckt, oder in den Booten ansgcstrcckt, erwarten die Jäger ihre Beute. Mit Tagesanbruch läßt sich der Tritt der zahllosen Heerde vernehmen. Das vorangehende Rcnnthicr, der Führer der Heerde, läuft allein zum Flusse; schüch tern blickt cs umher, horcht, schnaubt, zieht den Wind ein — Altes ist still und unbeweglich. Ohne eine Gefahr zu ahnen, kehrt cs zur Heerde zurück, die sich nun anschickt, über den Fluß zu setzen. Munter steigen die Thicre in's Wasser und schwimmen stolz mit zurückgeworfenem Geweihe dem jenseitigen Ufer zu. Wenn ein paar Tausend bereits im Flusse sind, stürzen sich die Jäger mit furcht barem Geschrei von allen Seilen mitten unter sic, während die im Hinterhalt liegende Schaar die übrigen Rennthiere in den Fluß treibt. Nun beginnt das Schlachten. Die Boote umzingeln die Heerde, schneiden sic von den Ufern ad und zwingen sie, stromaufwärts zu schwimmen. Die kühnsten Jäger stürzen sich in das dichteste Gedränge der Thicre und tobten sic rechts und links mit ihren kleinen Lanzen, die sic ihnen nahe beim hintern Schenkel in den Leib stoßen. Die gctödtctcn Thicre werden von der Strömung fortgctricben, aber von den unterhalb ausgestellten Booten an'ö Land geflößt. Die verwundeten Rennthiere flüchten sich ans die Sandbänke, wo sic von Blutverlust und Schwimmen er schöpft niederfallen. Die gctödtctcn Rennthiere werden unter alle Jäger zu gleichen Theilen vertheilt; die aber ans den Sandbänken verenden, gehören Dem jenigen, der sic verwundete. Diesem Herkommen zufolge wissen einige Jäger den Stoß so zu berechnen, daß das verwundete Thier nur bis zum Ufer und nicht weiter kommt. Indes; hat die Strömung die ganze Gruppe von Jägern und Wild weiter abwärts getrieben; allein der Kampf dauert fort unter wildem Geschrei, aber nicht immer ohne Gefahr. Oft stürzt ein Rennthier durch einen heftigen Stoß mit seinen Hinterläufcn das Boot um; mancher Jäger stürzt in der Jagdhitze selbst anö dem Boote. Endlich macht die Ermüdung dein Kaiupfe ein Ende, der erst im Herbste bei der Rückkehr der Rennthierheerden auf gleiche Weise erneuert wird. Das Elennthicr. (Taf. iv. Fig. 48.) Dieses Thier hat in seinem Baue große Aehnlichkeit mit dein Hirsche und dein Pferde; doch führt cs ein breiteres und stärkeres Geweih, das aus lauter Schaufeln mit Zacken besteht. Es hat eine Länge von 7 bis 8 Fuß und eine Höhe von 6 Fuß. Schön kann man es keineswegs nennen, vielmehr ist cs einsder ungestaltetsten Thiere; denn der Kopf ist unverhältnißmäßig lang, eben so die Ohren und die Beine, die Augen hingegen sind sehr klein. Am Halse trägt cd eine Art Kropf. Die Haare sind aschgrau und bilden am Nacken eine Mähne, ivclchc das Thier iin Zorne sträuben kann. Sein Vaterland ist gegenwärtig der hohe Norden von Europa, Asien und Afrika; in Europa findet cs sich im nörd lichen Rußland bis Polen, Litthauen und Preußen; war aber früher über ganz Deutschland verbreitet. Ed hält sich am liebsten in sumpfigen Gegenden ans und lebt hier in Familien und Rudeln. Im Laufen ist cs sehr schnell und schwimmt über Seen und Flüsse mit Leichtigkeit, lieber Sümpfe, wohin weder Jäger noch Hunde ihm folgen können, ivciß es auf eine sonderbare Weise wegzukommen. Es wirft sich nämlich ans die Seite und rutscht mit ziemlicher Schnelligkeit hin über. Ohne große Sprünge zu machen, läuft cö sehr schnell und kann in einem Tage über 50 Meilen zurücklögen. Wie beim Rennthiere, so hört mau auch beim Elennthiere, wenn es läuft, ein Geräusch, welches lautet, als ob alle Ge lenke an den Beinen brechen lvollten. Es nährt sich gemeiniglich von Sumpfpflanzen, benagt aber auch die Bäume und ist daher ans Deutschland vertrieben worden. Uebrigens ist es scheu und sucht dem schwächsten Feinde durch die Flucht zu entrinnen. Wird aber die Ge fahr zu groß, oder fühlt eö sich verwundet, so geht es wüthend auf seinen Gegner los, wirft ihn zu Boden und stampft so lange ans ihm herum, bis cs glaubt, ihn gctödtct zu haben. Das Weibchen bringt jährlich 1, 2, selten 3 Junge zur Welt. Diese wachsen äußerst schnell und müssen daher knieend oder auf dem Rücken liegend von der Mutter Milch zu erhalten suchen. Sic haben eine so große Anhäng lichkeit an die Mutter, daß, wenn diese gctödtct worden ist, sic bei derselben ruhig stehen bleiben und sich fangen lassen. Sie werden meist 15 bis 18 Jahre alt. Ein ausgewachsenes Elennthicr lviegt 5 bis 7 Centner. In der Regel macht man im Frühjahr Jagd ans dasselbe. Denn um diese Zeit, wo der halb- geschmolzene Schnee in den kalten Nächten mit einer dünnen Eisrinde überzogen wird, kann cs nicht gut fortkommcn, weil es bei jedem Schritte, den cs thut, einsinkt. Die Jäger versehen sich daher mit Schrittschuhen, ans lvelchen sic laufen können, ohne cinzusinkcn, und lassen das Thier von leichtfüßigen Hunden ver folgen. Auf diese Weise holen sic cs ohne große Mühe ein und schießen cs ent weder, oder stechen cs mit langen Spießen nieder. Außerdem haben sic noch an Bären, Luchsen und Vielfraßen gefährliche Feinde, welche ihnen auf den Bäumen anflancru und in's Genicke springen. Auch sind sic von den Bremsen vielfach geplagt und müssen sich oft in Sümpfe stürzen, um sich einigermaßen gegen diese lästigen Thiere zu wehren. Das Fleisch, namentlich der Jungen, schmeckt vorzüglich; weniger das von alten Thiere». Zunge, Ohren und Mark werden für Leckerbissen gehalten. Am besten an ihnen ist die Haut, ivclchc, weich gegerbt, ein vortreffliches Leder gibt und zu Decken,Rcitcollets u. s. w. verarbeitet wird. Aus den gebleichten Knochen werden aller lei Drechslerarbeiten verfertigt, welche stets ihre blendend weiße Farbe behalten und deshalb denen ans Elfenbein vorgczogcn werden. Früher verfertigte man auch Ringe ans Elennklanen. Man glaubte nämlich, daß das über Sümpfe und Moräste rutschende Thier mit der Epilepsie behaftet sei und vertreibe sich dieselbe, indem cs sich mit den Klanen hinter den Ohren kratze. Ringen aus Elennklanen schrieb man die wunderbare Kraft zu, einen Menschen, der mit der Epilepsie be fallen war, zu heilen. Indessen glaubt heutiges Tages kein vernünftiger Mensch mehr daran. 2. Die Giraffe. (Taf. V. Fig. 49.) Die Giraffe ist das höchste Thier, welches man kennt; denn cs mißt vom Kopf bis zu den Hufen herab 18 bis 19 Fuß. Durch feinen auffallend langen Hals kommt es den Kamcelen bei, und die schönen wohlgeordneten schwarzbraunen Flecken auf der weißlichen Grundfarbe der Haut geben ihm das Ansehen des Parders. Vor der Stirn stehen ein paar kleine Hörner, tvclchc oben mit einem Haarbüschel geschmückt sind. Ihr Vaterland ist das Innere von Afrika und ihre Nahrung besteht in Gräsern und Banmlaub, das sic mit ihrem langen Halse leicht bekommen kann. In ihren Sitten kommt sic sonst dem Pferde am nächsten. Sehr sonderbar ist der Lauf dieser Thiere. Sie können nur Schritt vor Schritt gehen oder galoppireu; allein im Galopp sind sie schwerfällig und plump. Wegen der Schwere des Vordertheils biegen sie beim Gehen ihren Hals jedes Mal nach dem Rücke» hin, um den Schwerpunkt mehr nach hinten zu bringen. Nun heben sie die Vorderfüße in die Höhe, welches aber geschieht, ohne sic zu biegen; ebenso steif setzen sie dann, mit einer gleichzeitigen Bewegung des Halses nach vorn, die selben wieder nieder. So sind sie in fortwährender Bewegung, indem der Hals abwechselnd nach vorn und zurück wiegt. Anfangs ist ihr Lauf sehr schnell, doch haben sie keine große Ausdauer und werden von einem guten Reiter leicht eingeholt. Sie sind sehr sanftmüthig, was schon ihr schönes, herrliches Auge zu er kennen gibt. Beim ersten Anblick der Menschen laufen sie nicht weg; allein wenn »mit ihnen näher kommt, so machen sic sich eiligst davon, werden aber bald cin- geholt und mit dem Sperre erlegt. Zuweilen kehren sic sich auch wohl um und stellen sich mit ihren Hinterfüßen gegen ihren Feind tapfer zur Wehre. Nur ganz jung kann man sic fangen; allein viele verrenken sich dabei den Hals und müssen daran sterben. Sic lassen sich leicht zähmen und folgen unangebnndcn ihrem Herrn überall hin. Gegen Pferde zeigen sie sich sehr zutraulich, obgleich diese sic zu fürchten scheinen, denn wenn ein Pferd eine Giraffe erblickt, so fängt es bei dem ungewohnten Anblicke am ganzen Leibe zu zittern an. Erst in neuerer Zeit ist die Giraffe genauer bekannt geworden; denn noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts machte man sich die sonderbarsten und122 abenteuerlichsten Vorstellungen von diesem merkwürdigen Thiere, welches man unter dem Namen „Kamcclparder" beschrieb und nbbildctc. Daß übrigens die Giraffe schon den Alten bekannt gewesen ist, geht auö einer Beschreibung dcS PlininS hervor. Zn Cäsar'S Zeiten wurde sic schon nach Nom gebracht und in den öffentlichen Schauspielen benutzt. Uebrigcns ertragen diese Thiere das europäische Klima nicht lange; die in Menagerien gezeigten siechten schnell dahin. Anmerk. Außer PlininS haben auch schon Oppinian, Heliodor und Strabo die Giraffen mehr oder minder vollständig beschrieben. Lc Vaillanl gab gegen Ende des v. I. die genauesten Nachrichten über dieselbe. (Frciligrath's „Löwenritt" ist eine gelungene Schilderung.) 3. Das Geschlecht der Antilopen oder Gazellen. Diese Gattung von Thiercn ist sehr zahlreich und allenthalben verbreitet. Sic leben meist gesellig, oft in großen Heerde» von mehreren Tausenden, ent weder in Ebenen oder auf den höchsten Gebirgen. Sic sind zierliche, schlanke, muntere, listige und scheue Thiere. Ihr Kopf ist mit Hörnern versehen, welche aber nicht, wie bei den Hirschen, abgeworfen werden. Ihr Fleisch hat einen guten Geschmack und ihr Fell gibt ein vortreffliches Leder. 1 Die gemeine Gazelle. Die Gazelle hat einen feinen, schlanken Wuchs und gleicht an Gestalt, Flüchtigkeit und Munterkeit besonders dem Rehe. Sic ist oben hellgelb, am Untcrleibe weiß, hat auf den Seiten einen braunen Streifen und an jedem Knie einen Haarbusch. Syrien, Persien, Arabien und andere warme Länder Asiens, so wie das nördliche Afrika sind die Hcimath dieses überaus niedlichen Geschöpfs. Sic werden sehr leicht gezähmt und sind dann die lieblichsten Thiere. Die Araber, welche sic in ihren Dichtungen als Bild der Schönheit wegen ihrer vollen hohen Augen besingen und mancherlei Vergleichungen von ihnen hcrnchmcn, verfolgen sic zu Pferde und werfen ihnen, um sic zu fangen, Stöcke zwischen die Beine. Ihre gefährlichsten Feinde sind aber Panther und Löwen. Bei einzelnen Thiercn findet sich der früher in der Arznei so berühmte orientalische Be zoar, welcher für ein kostbares Heilmittel gehalten wurde. Der Klippspringer hat die Größe der gemcincu Gazelle. Das leichtbrüchige Haar des Felles spielt in's Graugelbc; der Kopf ist braungelb; der Unterleib weißgrau. Das Vater land dieses schlanken, lebhaften Thicrcs ist Südafrika, wo cs oft in Heerden von mehreren Tausenden sich zeigt. Keine Antilope, auch die Gemse nicht, ist im Staude, solche Sätze auf den steilsten Klippen zu machen und mit solcher Schnell123 ligkcit Abhänge hinan zu laufen, wie dieses Thier. Es ist daher schwer, ein solches Thier zu jagen. Dennoch werden von den Kaffcrn öfters Treibjagden angcstcllt, wobei zuweilen ganze Heerden gctödtct werden. Zn Hunderten ziehen dann die Jäger ans und suchen eine Heerde zu umzingeln. Durch cinc Ocffnung lassen sic das vorderste Thier durch, erstechen aber alle übrigen, die in gedrängten Hansen diesem folgen wollen. Ein einzelner Jäger richtet gewöhnlich nichts ans; denn wenn er ein solches Thier mit Gefahr seines Lebens so in die Enge getrieben hat, daß er glaubt, cs sei kein Entkommen mehr möglich: so macht cs, che er sich dessen versieht, einen Satz über seinen Kopf weg nach dem cntgegenstehenden Felsen, so daß der erstaunte Jäger allen Math verliert, cs weiter zu verfolgen. Der S a i g a> Diese Gazelle findet sich im südlichen Rußland, erreicht die Größe eines Damhirsches und lebt in großen Heerden, deren Zahl oft 10,000 betragen soll. Der Saiga ist im Sommer gelbbraun und im Winter gräulich weiß. Er wird gejagt, weil sein Fleisch zur Nahrung dient. Die Gemse. (Taf. V. Fig. 50.) Die Gemse hat die Größe eines Ziegenbocks und ist im Frühjahre weiß- gran, tut Sommer rothbrann, im Herbste dunkelbraun und im Winter schwarz. Sic hat lange schwarze, gerade Hörner, deren Spitze sich aber Plötzlich nach hinten biegt, so daß sic einem Angelhaken gleichen. Auch das Weibchen ist mit solche» Hörnern geschmückt', übrigens jedoch zierlicher und kleiner als das Männ chen. Zn ihrem Aufenthalte wählt die Gemse die höchsten Gebirge, die schwei zerischen, savoischc», tyrolischcn und kttrnthcncr Alpe», die Karpathen, Pyrenäen, Apennincn und den Kaukasus. Hier weiden sic in Rudeln von 5 bis 40 Stück. Aus Furcht vor den unaufhörlichen Nachstellungen der Jäger halten sic sich ani Tage in hohen unzugänglichen Klüften und Klippen in der Gegend der Schncc- gränze ans. Im Sommer wagen sic sich in den Morgen- und Abendstunden etwas tiefer herab, um die besten und kräftigsten Alpenkräuter aufzusuchen; im Spätherbst und Winter kommen sic noch tiefer in die Wälder und nehmen ihr Lager unter dichten Tannen, welche ihre Zweige dicht über die Erde hin ans- brcitcn, um gegen Schnee und Wind und gegen den Sturz der Lavincn gesichert zu sein. Sie behelfen sich mit Baummoos, bis die mildere Witterung wiederkehrt. Sic haben einen feinen Geruch und ein noch schärferes Gesicht. Sic sehen sich nach allen Seiten hin um und wittern umher, ob auch ein Feind in der Nähe sei. In der Regel haben sic, wenn sic bei Tage weiden, eine Schildwachc ausgestellt, welche, sobald sic einen Menschen erblickt, ein durchdringendes Pfeifen ausstößt, was alle übrigen als Zeichen zur Flucht kennen. Sic laufen nicht, sondern machen ungeheuere Sätze, oft 21 Fuß weit. Die Klauen ihrer Füße sind124 unten ausgehöhlt und haben scharfe Ränder, so daß sie ans den steilsten Klippen, wo oft nur für ihre vier Füße Platz ist, mit Sicherheit stehen können. Die Gemse wirft jährlich 1, selten 2 Junge, welche die Mnttcr 0 Monate hindurch säugt und mit großer Zärtlichkeit liebt. Sie übt sic im Klettern und Springen, indem sic ihnen den Sprung so lange Vormacht, bis sic denselben vcr suchen. Wird die Mutter gctvdtct, so weicht das Junge nicht von ihrer Seite und läßt sich ohne Mühe fangen. Ist cs jedoch schon ziemlich groß, so entflicht cs und wird dann von einer andern Mutter an Kindcsstatt angenommen. Die jungen Gemsen lassen sich zähmen. Sic folgen der Stimme ihres Herrn, wie der treueste Hund, und springen an ihm hinauf. Auch mit Hunden thnn sic sehr zutraulich und theilen friedlich das Lager mit ihnen. Bären und Wölfe, Adler und Alpengeier sind Feinde der Gemsen. Sic holen die Jungen vor den Angen der Alten hinweg und tragen sic hoch in die Lüfte hinauf. Oft werden auch die Alten selbst von dem Adler und Geier an gegriffen, wenn sic sich an gefährlichen Orten, an einem Abgründe befinden. Der Adler umschwirrt und schlägt sie mit seinen Flügeln so lange, daß sic ganz verwirrt werden und sich in die Tiefe Hinabstürzen, wohin er ihnen dann nach fliegt und sie erwürgt. Oft werden auch ganze Heerden von bcn Schncclnvincn vergraben. Der gefährlichste Feind der Gemsen blcibr jedoch der Mensch in Gcbirgs- ländcrn, der ihnen mit einer Tollkühnheit und Verwegenheit nachstcllt, von welcher der Bewohner der Ebene sich keine Vorstellung machen kann. Gerade in dem Gefährlichen dieser Jagd scheint der größte Reiz zu liegen. Ein Gemscnjägcr muß gar viele Eigenschaften besitzen, die sich bei den wenigsten Menschen ver einigt finden. Ein starker Körperbau ist das erste Erfordernis;, damit er dem fürchterlichen Wetter, der heftigen Kälte und Nässe Trotz bieten, und ohne Nach theil seiner Gesundheit ganze Nächte unter einem Felsen an den höchsten Berg rücken znbringen kann. Ferner bedarf er eines ganz schwindelfreien Kopfes, eines scharfen Auges und eines festen Armes zum Schießen. Muth und Kaltblütigkeit in den vielen und mancherlei Gefahren sind ihm unentbehrlich. Nie ermüdende Geduld, Beharrlichkeit und Erfahrung müssen hinzukommen. Endlich muß er einen guten Rücken haben, um den ganzen Tag sein schweres Jagdgewehr und seine Lebensmittel tragen zu können. Seine Rüstung besteht in einem leichten Kleide, stark benägelten Schuhen, woran er Fußeisen schnallen kann, einem Alpen stock, einer tüchtigen Büchse und einem Fernrohr. In der Jagdtasche hat er Brod und Käse, auch wohl ein Fläschchen mit Wein oder Branntwein. Sv gerüstet, zieht er ans, gewöhnlich ohne Hunde; denn die Jagd mit Hunden ist die seltnere, weil die Gemsen dieselben ungemein scheuen und die Jagd ans diese Weise verdorben wird. Zur Abwechselung richtet man auch wohl einmal im Jahre die Gcmsenjagd mit Hunden ein. Dann läßt der Jäger den Hund entweder völlig frei nach dem Wilde spüren; oder, waö am sichersten ist, er hält denHund an einem Stricke, bis sich int Schnee oder ans schmalen Bergpfaden eine Führte zeigt. Alsdann wird der Hund losgebunden, und da die Gemsen einen starken Wildgeruch von sich geben, so verliert der Hund fast niemals die Fährte. Indes; begibt sich der Jäger entweder ans einen Stand, wo er weiß oder ver- muthet, daß die Gemsen hindurchfliehen werden, oder, was noch besser ist, er verfolgt mit den Angen oder mit dein Fernrohre den Hund so lange, bis eine Gemse, auch vielleicht ein ganzes Rudel, aufgehetzt ist, und jetzt erst pflegt der Hund einen bellenden Laut von sich zu geben. Da nun in den Bergen Alles sehr leicht gehört wird, und die Gemsen nicht weit ausreißen, so kann man die ferne Jagd ohne Schwierigkeit mit Angen und Ohren verfolgen. Hat der Hund dann die Gemse ungefähr eine Stunde gejagt, so sucht man ihn abzubrechen und zur Ruhe zu bringen, worauf die Gemse, welche man nie ans dein Auge ver lieren darf, sich alsbald lagern wird, und, schon etwas ermüdet, ihre Aufmerk samkeit grvßtentheils fallen läßt, so daß der Jäger sie nun mit Leichtigkeit ab- schleiehen kann, iveil sie eben nicht gern wieder anfsteht und weiter flieht. Zuweilen stellen sich jedoch die Gemsen gegen den Hund zur Wehr, beson ders wenn bei dem Rudel keine Jungen sind, oder wenn ein alter Bock zugegen ist. Das Abschleichen der Gemsen ohne Hund kommt aber am häufigsten vor. Die Jäger, am liebsten zwei oder drei zusammen und niemals mehr, gehen meist des Abends vor der Jagd von Hause weg. Die erste Nacht wird in einer untern Alpenhütte zugebracht, welche man immer offen und zur Erwärmung hin reichend mit Holz versehen findet. Früh Morgens am folgenden Tage bricht man auf, und trachtet mit erstem Lichte bei der Stelle zu sein, wo man ver- ninthet, Gemsen anzutreffen, oder wo ein Luegi ist, das heißt, ein vortheilhafter Standpunkt, meist ans einem Grate, wo von einigen losen, ans dem Boden an einander gelehnten Steinen ein Guckloch gemacht worden, hinter welches der Jäger, ohne Gewehr, Bündel und Bergstock, so leicht als möglich auf allen Vieren heranschleicht. Durch sein Fernrohr am Luegi späht er dann nach allen Seiten hin, ob irgendwo sich Gemsen zeigen. Die zurückgebliebenen Freunde wenden kein Auge von ihm; denn sobald er das Wild bemerkt, gibt er ein Zeichen, >vo und wie viele Gemsen er wnhrgenommen, und sachte kriecht er dann zu den lauschenden Gefährten zurück. Jetzt wird berathschlagt, wie das Wild am besten anzugreifen sei. Vor Allem beobachtet man den Wind, und sodann sucht man das einzelne Thier oder das Rudel abznschleichen, ohne daß eine Mit- ternng des nahenden Feindes zu ihm gelange. Von Felsenstück zu Felsenstück, oder von Vorsprung zu Vorsprung bis auf Schußweite, wird dieses bewerk stelligt. Jetzt liegt der Jäger oft zu halben Stunden ans dem Bauche wie todt, weil er gesehen hat, das; die Thiere und namentlich die Vorgeiß, welche als Schildwache ausgestellt, gestört, das heißt, ans etwas Verdächtiges aufmerksam gemacht worden und von ihrem Lager ausgestanden ist. Auf Händen und Füßen, das Hemd über seine Kleider gezogen, um mit der Schneefarbe zu täuschen,12G kriegt der Jäger auf glattem Eise hin. Jetzt zieht er seine Schuhe aus, und schleicht geräuschlos über spitze Steine und Felsstücke einige hundert Schritte iveit. In der gezwungensten Stellung bleibt er wieder einige Minuten laug still und mißt die Entfernung ab, denn sobald man die Krümmung des Geweihes deutlich mit den Augen unterscheidet, so beträgt die Entfernung von dem Wilde 200 bis 250 Schritt. Endlich ist er hinter eine Fclsecke gekommen, die dem Rudel hin reichend nahe ist. In argloser Unbefangenheit schreiten die Gemsen ihm ent gegen, sic wittern nichts, der Wind ist dem Jäger entgegen. Mit klopfendem Herzen erkennt dieser, daß er dem Rudel nicht mehr näher kommen könne, ohne es zu verjagen; bedächtig wählt er das größte und fetteste als blutiges Opfer seiner Mühen; er schlägt an, zielt, drückt los, die Kugel fliegt sausend durch die Luft und das getroffene Wild stürzt zu Boden. Fast niemals fehlt der Schuß. Mit unbeschreiblicher Schnelligkeit flieht der aufgcschreckte Trupp davon, zumal wenn er den Jäger erblickt, oder den Pulverdampf riecht; des bloßen Knalles aber achten diese Thiere nicht, weil sic in den Bergen an daö Krachen der fal lenden Gletscher gewöhnt sind. Uebrigens haben die Gemsen ein zähes Leben, und wenn sie nicht tödtlich, das heißt, in der Brust, im Halse oder im Kopfe verwundet sind, heilen sic wieder schnell. Eine Gemse, deren Hinterfüße ganz lahm geschossen sind, kann oft stundenlange Strecken ans dem Eiöfeldc noch fort rücken. Einer Gemse wuchs einst der zerschmetterte Fuß am Knie völlig aus wärts; drei Jahre nach einander sah sie derselbe Jäger, der sie verwundet hatte, ohne sic schießen zu können, und erst im vierten Jahre wurde sic seine Beute. Am gefährlichsten für den Jäger wird das Verfolgen, wenn die Gemse ans flache und steile Felsen flüchtet und der Jäger nachsteigt. Hier vcrsteigt er sich oft so, daß er weder vor- noch rückwärts kann und froh sein muß, wenn er endlich nach stundenlangem Bemühen sich retten kann. Er muß sich dann öfters Hände und Füße anfschneidcn, um durch daö klebende, gerinnende Blut sich besser anhaltcn zu können. Hat der Jäger endlich eine oder zwei Gemsen erlegt, so fängt die Last und Roth erst an, denn er muß nun mit der schweren Bürde wegsame Gegenden aufsnchcn. Zuerst nimmt er den Thicren die Eingeweide ans, bindet die vier Füße zusammen und hängt sie sich guer über die Stirn, so daß der Körper der Thiere über dem Rücken des Jägers hängt. Hinten quer ans der Gemse liegt die Flinte an dem Flintcnriemen befestigt. Zuweilen saugt der Jäger auch wohl das warme Blut der Gemse aus; denn dieses soll ein bewährtes Mittel gegen den Schwindel sein. An den Alpenstock sich lehnend, steigt er dann behutsam den Berg herab und trügt seine Beute nach Hause. Daö Fleisch der Gemsen schmeckt vorzüglich; am besten ist das der jungen. Die Haut, die dnrch's Gerben sehr weich und dehnbar wird, verarbeitet man zu Beinkleidern und Handschuhen. Die Hörner, die dnrch's Polircn eine glänzende Schwärze erhalten, werden als Handgriffe an Stocken, Regenschirmen u. s. w. gebraucht.127 Das G ii u t h i e r. Dieses Thier, welches ebenfalls zum Geschlechte der Antilopen gehört, ist ganz ungewöhnlich gebildet und erscheint auf den ersten Blick wie eine aus Theilen verschiedener Thicrc zusaininengesetzte Mißgestalt. Der Körper hat Aehnlichkeit mit dem eines kleines Pferdes; er ist mit braunen Haaren bedeckt und endet mit einem weißen Schwänze, der dem eines Pferdes gleicht. Auf dem Halse ist eine schöne, aufrecht stehende Mähne; an der Kehle ist eine weiße Mähne. Ans dem Kopfe sitzen ein Paar Hörner, welche von einem Büffel genommen zu sein scheinen und erst nach vorn herab laufen und dann mit den Spitzen wieder aufwärts gehen. Es lebt in großen Hcerden in Afrika und gehört zu den schnellfüßigsten Thieren, welche in den Steppen des Innern von Afrika sich nnfhaltcn; und seine Bewegungen sollen die der andern Antilopen an Zierlichkeit und Gewandt heit bei weitem übertrcffen. Wird ein solches Thier verwundet, so geht es wüthend ans seinen -Feind los; verliert dieser aber nicht den Math, sondern treibt cs noch mehr in die Enge, so stürzt es sich in'ö Wasser und ertränkt sich selbst ans Verzweiflung. 4. Das Geschlecht der Ziegen. Unsere Hnnszicgc stammt von der wilden Ziege ab, welche auch Ba- zaarziege genannt wird und den Kaukasus, Taurus, Persien und Indien bewohnt. Diese wilde Ziege ist so groß wie die gewöhnliche, hat ein braunes oder graues Fell, eine schwarze Stirn und einen schwarzen Schwanz. In ihrem Magen findet man öfters eine steinharte Materie, welche unter dem Namen Bazaar im Morgenlande bekannt ist und der man aus Vorurtheil große Heil kräfte zuschrcibt. Seit undenklichen Zeiten ist dieses Thier ein Hausthier geworden und hat sich bei geringer Pflege fast über die ganze Erde verbreitet. Selbst im verwil derten Zustande zeigen sic eine große Anhänglichkeit an den Menschen. In komischen Sätzen kommen die ans den Alpen zerstreuten Ziegen an den Wanderer hcrangesprnngen und begleiten ihn oft Stunden weit, so daß er Mühe hat, von ihnen wieder los z» kommen. Dennoch äußert sich in ihnen ein großer Hang zur Freiheit und eine Sucht, sich auf Höhen umherzntreibcn. Sic ist ein leb haftes, hin- und herlanfendes Thier, immer in Bewegung, immer nach etwas Aeuem suchend. Es gewährt eine angenehme Unterhaltung, wenn man sieht, mit welcher Sicherheit sie ans dem schwierigsten Punkte in die Höhe springen und tvie furchtlos sic steile, zackige Felsen erklettern und mit Lust in den fürchterlichen Abgrund hinabblicken. Der Wanderer ans den Pyrenäen und den Alpen kann sie oft ans den schmälsten Pfaden umherspringen sehen. Begegnen sich zwei auf128 einem solchen Pfade, und es ist kein Raum da, um auSznweicheu, so legt sich die eine nieder und die andere springt über ihren Rücken hinweg. Der Reisende Clarke traf ans dem Wege von Jerusalem nach Bethlehem einen Araber, der eine Ziege für Geld zur Schau hernmführte, welche sich durch ihre Gewandtheit auszeichnete. Er hatte sie nämlich dahin gebracht, während er ein Liedchen an- stimmte, ans eine Anzahl ehliuderförmiger Holzblöcke zu steigen, die übereinander gestellt waren. Erst stellte sich das Thier ans den einen Block, dann auf die Fläche eines zweiten, und endlich auf die eines dritten, vierten, fünften darauf gesetzten, so daß sie mehrere Fuß von der Erde hoch war; und ihre vier Füße wußte sie auf den kleinen Raum festzustellen, ohne daß die Blöcke verrückt wur den. Der letzte Block hatte nur 2 Zoll im Durchmesser und jedes der Holzstücke 6 Zoll Länge. Sie stand also zuletzt in einer Höhe von 36 Zoll auf einer Fläche, die nur etwa 6 Zoll im Umkreise hatte und auf welche sie mit der größ ten Leichtigkeit und Sicherheit hatte springen müssen. Das nnstäte Wesen der Ziege gibt sich durch die Unregelmäßigkeit ihres Treibens kund. Bald geht sie, bald steht, bald läuft, bald springt sie; sie kommt, sie springt fort; sie zeigt sich, versteckt sich und thut überhaupt so, als ob sie nur immer von bloßer Laune be herrscht würde. In ihrer Nahrung ist sie kein Kostverächter. Die schlechtesten Pflanzen, die ihres Gestankes wegen von andern Thieren nicht angerührt werden, sind gut genug für sie. Schierling und Wolfsmilch frißt sie, ohne Schaden zu nehmen. Am liebsten sucht sie sich Bergkräuter und das junge Laub an Hecken und Bäumen; aber gerade dadurch wird sie den kleinen Stümmchen oft sehr nachtheilig. Sie wirft im März, April oder Mai ein, zwei, selten drei Junge, welche sehr lustig sind und durch ihre sonderbaren Sprünge dem Beobachter manches Vergnügen gewähren. Der Nutzen der Ziege ist sehr bedeutend. Die Milch ist vorzüglich und man kann von einer täglich 4 bis 5 Maas; erhalten. Man benutzt sie, wie die Kuhmilch, zu Butter, Käse und zum Trinken für.Gesunde und Kranke. Nament lich wird sie Brustkranken und Schwindsüchtigen von Aerzten empfohlen. Das Fleisch der alten Böcke ist nicht zu genießen; aber wohl das der Ziegen und jungen Lämmer, welches leicht und verdaulich ist und wie Schöpsenfleisch schmeckt. Der Talg, wovon eine gut gemästete Ziege oft 10 Pfund liefert, wird zu Lich tern gebraucht. Aus den Fellen verfertigt man Korduan, Saffian, Pergament, Juchten und weißes Leder zu Beinkleidern, Handschuhen und dergleichen. Aus den Haaren spinnt man in manchen Gegenden Garn zu Strümpfen und Socken. Unter den verschiedenen Arten von Ziegen zeichnet sich die ungarische oder Kämelziege besonders ans. Sie stammt aus Angora, einer Stadt in Kleinasien, und ist mit gekräuselter, lockiger Wolle von silberglänzender Farbe bedeckt. Im Lande heißen sie Kämet, deswegen nennt man das Garn, das ausihren Haaren verfertigt wird, Kämclgarn (falsch: Kameelgarn). Es werden daraus sehr schöne Zcnge gewebt, welche man Camelots nennt. Noch feineres Haar ■ haben die Ziegen in Caschcmir und Tibet. Die Caschemirziegc zeichnet sich durch schraubenartig gewundene, von einander ab stehende Horner, breite, herabhängende Ohren und besonders durch ihr langes feines Haar aus, welches seidenartig, glänzend und nicht gelockt ist. Ans diesem werden die berühmten Caschcmir-Shawlö gewoben. Gegen 80,000 Stück solcher Tücher werden jährlich aus Caschcmir ausgeführt und ein Stück kostet 50 bis l000 Thaler. Oft arbeiten 3 Personen an einem einzigen ein ganzes Jahr und bringen täglich nicht über V* Zoll zu Stande. Der Stctubock. (Taf. V. Fig. 51.) Der Steinbock zeichnet sich durch seine großen, oft 3 Fuß langen Hörner ans, welche mit hervorspringenden Knoten verziert sind und hinterwärts über den Rücken sich znrückkrümmen. Er ist 4 bis 5 Fuß lang, und 2 bis 3 Fuß hoch. Oben ist er gclbgran, unten weißlich, verändert aber seine Farbe nach der Jahres zeit. In Deutschland und der Schweiz ist er gänzlich ansgcrottet; nur in Piemont und Asturien und auf den Pyrenäen findet man ihn noch. Früher war er in der ganzen Schweiz einheimisch und namentlich im Canton Glarus sehr gewöhnlich; allein die Jäger verfolgten ihn so sehr, daß schon 1612 ei» Gesetz erschien, welches die Jagd dieser Thiere bei Strafe von 50 Kroncnthalcrn verbot. Doch alle Strafen konnten nicht den kühnen Jäger abhalten, seiner Lieblingslust nachzugehen, und so sicht man seit langer Zeit fast keinen Steinbock mehr dort. Nur auf den höchsten Gipfeln der erhabensten Bergketten der alten Welt ist er noch zu finden. Während der Nacht halten sich die Stcinböcke in den am höchsten ge legenen Wäldern auf; mit Sonnenaufgang verlassen sie diese und steigen noch höher, bis zu den höchsten Spitzen. Mit Sonnenuntergang klimmen sic wieder nach den Wäldern herab, wo sic auch den Winter zubringen. Die Bergbewohner wissen das Alter und Geschlecht dieser Thiere nach ihrem Aufenthalte zu berech nen. Die Männchen von 6 Jahren und darüber begeben sich nur ans die höch sten Punkte; die Weibchen und Jungen halten sich tiefer unten auf. Die ganz alten leben stets in der Einsamkeit, in Eis und Schnee, und wollen mit den jün ger» nichts mehr zu thnn haben. Im Sommer nähren sic sich von den gewürzigen Bergkräntcrn; im Winter suche» sie das Moos von den Bäumen ans. Nur der äußerste Mangel nöthigl sie, in die Thüler herabzusteigcn. Das Weibchen bringt an einem versteckten Orte 1 bis 2 Junge zur Welt, welche sich leicht zähmen lassen, so daß sie mit den Ziegen ans die Weide getrieben werden können. Ihre Geschicklichkeit und zugleich ihre Ausdauer im Springen und Klettern übersteigt alle Vorstellung. Wollen sie nach einer Felsenspitze hinspringen, so Beume r's Naturgeschichte. qfassen sie diesen Punkt erst fest in'ö Auge und setzen dann mit einer solchen Geschicklichkeit hin, daß sic ihn nie verfehlen. Ein ganz junger, zahmer Stein- back sgrang einem erwachsenen Manne in Bern, ohne einen Anlauf zn nehmen, ans den Kopf und hielt sich da mit seinen Beinen eine Zeit lang vollkommen fest. Einen andern sah man im Schloßhofc zn Aigle ans der scharfen Kante eineö Thürfliigclö sicher stehen und eine senkrechte Mauer hinaufspringen, wobei ihm nur die nnbcdcntcndcn Kanten der Mauersteine als Stützpunkte dienten. Parallel mit der Mauer sprang er in drei Sätzen hinauf. Beim Springen scheint er seinen Körper wie einen Ball in die Höhe zu schnellen und die Felsen kann, zn berühren. Die Jagd deö Steinbockö ist »och gefährlicher als die der Gemse, und nur die kühnsten Jäger wagen cs, sic zn unternehmen. Gewöhnlich vereinigen sich zwei oder drei zu dieser gefährlichen Unternehmung. Sic versorgen sich mit guten Büchsen, mit einem kleinen Borrathe von Lebensmitteln und ziehe» so gerüstet hinaus. Oft müssen sic 8—14 Tage auf den Gebirgen in einer Moos hütte zubringc», che sic einen zum Schuß bekommen. Zuweilen lrifft's sich auch, daß sie von der Finsterniß übereilt werden, wenn sie mitten in Klippen und Abgründen sind, und dann bringen sie die Nacht stehend zn, einer in deö andern Armen liegend, damit sie sich gegenseitig halten und so vor dein Herabstürzcn sichern. Da die Stcinböeke immer höher steigen, je höher die Sonne steigt, so müssen die Jäger die Höhen eher als die Thiere zu gewinnen suchen. Sic brechen daher mit der ersten Morgendämmerung ans; denn entdecken die Thiere durch Gesicht oder Geruch den kühnen Feind, so begeben sic sich ans die Flucht, nnd dann ist alle Mühe vergeblich, ihnen zn folgen. Denn sic rasten nicht eher, bis sic ganz ans dem Bereiche der Gefahr sind nnd laufen wohl 10 bis 12 Stun den weit, indem sie die steilsten Felsenwände hinanfsctzen oder über Abgründe sprin gen, wohin ihnen kein Mensch Nachfolge» kann. Gelingt cs aber auch einem Jäger, einen Stcinbock zn erlegen, so muß er, weil diese Jagd strenge verboten ist, bei Nacht unbetrctenc Pfade aussuchen, damit er mit seiner Beute nicht er tappt wird. — Das Fleisch der Steinböckc wird gegessen und ans de» langen Hörnern machen sich Jäger nnd Hirten Trinkgeschirrc; die Haut aber ist dünn und hat keinen großen Werth. Man bezahlt eine» großen Bock mit 4 Loniöd'vr und mehr. Die wenigen, welche man in Europa erlegt, werden gewöhnlich an Natnralicnsammlungcn versandt. 5. Das Schafgefchlcchl. Das gemeine Schaf ist seit undenklichen Zeiten ein Hansthicr gcnwrden und hat uns von jeher einen großen Nutzen gebracht. Es ist ein furchtsames, argloses Thier und besitzt von Natur eine große Zärtlichkeit. Wer das Klage geschrei der Schafe hört, denen man ihre Lämmer genommen hat, wer de» Eifer131 sicht, wie sic nach denselben umhersuchen, wie die Augen gleichsam anö ihren Höhlen hervortretcn, wie ungestüm und heftig sie sich gebehrde», der muß eiu- schc», daß solche äußere Merkmale die Angst ihres Herzens auf's Stärkste bc- zeichncu. Beobachtet zur Zeit der Schafschur, wo die Mütter von ihren Läm mern getrennt werden, wie genau diese Thicre gegenseitig ihre Stimme kennen; wie ganz eigen die Mutter blockt, wenn sie eben der Schccre entronnen ist und das Lamm ihr darauf antwortet; beobachtet, wie cs im ersten Augenblicke, er staunt, weil die Mutter ganz anders anssieht, aber daun wieder beruhigt seine Sprünge macht, weil cs die wohlbekannte Stimme hört und durch den Geruch überzeugt wird: und ihr werdet zugeben müssen, daß sic keineswegs so dumm sind, als sic gewöhnlich verschrieen werden, sondern auf alle jene Klugheit Anspruch machen dürfen, welche ihnen ihre uralte Unterjochung, ihre große Schwäche, ihre große Abhängigkeit vom Menschen übrig lassen konnte. Auch haben die Schafe bei weitem mehr Math, als ihre Schwestern, die Ziegen, wie der Reisende, welcher ihre bergigen Einöden besucht, oft zu beobachten Gelegenheit findet. Hier weiden sie ohne Aufsicht und können sich selten aus die Hülfe eines Schäfers verlassen, aber ein einzelner Widder oder eine Schafmutter greift da kühn den Hund an und geht so siegreich ans dem Kampfe. Wenn die Gefahr größer wird, so trauen sic nicht mehr der Tapferkeit des einzelnen Thieres, sondern nehmen ihre Zuflucht zu den vereinten Kräften der Heerde. Sic bilden sich dann zu einem festen Körper und stellen die Lämmer mit ihren Müttern in die Mitte, während die Widder gleichsam eine bewaffnete Mauer bilden. So geordnet, erwarten sic kühn den Feind, gewöhnlich ein beißiger Hund oder Fuchs. Ist dieser ziemlich nahe gekommen, so springen ihm die alten Widder so un gestüm entgegen, daß er tobt zu ihren Füßen liegen bleibt, wenn er sich nicht durch schnelle Flucht zu retten sucht. Die Musik sollen die Schafe sehr lieben, und man behauptet sogar, daß sie besser Nahrung zu sich nehmen, gesunder und fetter würden, wenn sie den Ton der Hirtenflöte hörten. So erzählt ein Augenzeuge Folgendes: „Im heißen Sommer ging ich mit einer fröhlichen Gesellschaft auf den Monte Lario, frische Luft und Kühlung zu suchen. Es war Mittag, als wir bei der Hütte eines Hirten anlangten, wo eine große Heerde weidete. Einer von uns blies die Flöte und pflegte immer sein Instrument bei sich zu tragen. Er zog cs heraus und fing an zu blasen. Die Schafe, die bis dahin ruhig weideten, hörten kaum die ersten Töne, als sic die Köpfe cmporrichteten und alle mit einem Male auf der Stelle sich nach der Gegend wandten, woher der Ton kam. Einen Augen blick hernach umgaben sic den Künstler und standen unbeweglich da, ihm znzn- hörcn. Er hält inne; die Heerde weicht nicht von der Stelle. Der Hirte treibt mit dem Stabe die vordersten an, weiter zu gehen und diese gehorchen ihm; aber kaum beginnt der Töncmcistcr von Neuem sein Lied, als die unschuldigen Zu hörer znrückkchrcn, um ihm tvieder aufmerksam znzuhöre». Der Hirte wird 9 *ungeduldig; er hebt wieder seinen Krnimnstab gegen diesen und jenen ans, aber eben so gut hätte er ans ein Stück Holz geschlagen. Er geräth endlich ganz in Hitze; Pfeift, schlägt zu und wirft mit Steinen; die, welche getroffen werden, schleichen sich fort, die andern bleiben stehen. Endlich sieht er sich gcnvthigt, den Künstler zu bitten, seine Zauberflöte einzustecken, und nun erst gingen die Schafe weiter." Im Anfänge des Monats März bringt das Mutterschaf meistens ei», zu weilen auch zwei, selten drei Junge zur Welt, welche Lämmer genannt werden. Die männlichen Schafe heißen Widder, die weiblichen Schafinüttcr oder auch Zibben. Das Alter des Schafes kann man an den Zähnen erkennen; das Lamm bringt 8 kleine Schneidezähne mit zur Welt; nach einem Jahre fallen die zwei mittelsten aus und an ihrer Stelle wachsen zwei größere; nach dein zweiten Jahre wechseln die zwei folgenden zu beide» Seiten, nach dem dritten die zwei nächsten, nach dem vierten die zwei letzten. Nun nutzen sich die Zähne nach und nach ab. Das Schaf kann l4 Jahre alt werden, wird aber mehr als jedes andere Hauö^ thier von Krankheiten heimgesucht. Besonders fallen viele an der sogenannten Drehkrankheit. Es wächst ihnen nämlich im Gehirn ein Wurm, der ihnen große Schmerzen verursacht; sic fangen bei seinem Biß an zu taumeln und herum zu tanzen, fallen nieder, springen wieder ans, knirschen mit den Zähnen und haben nicht eher Ruhe, bis der Tod sie von ihren Schmerzen erlöst. Eben so werden sic von Eingeweidewürmern heftig geplagt. Der Nutzen, welchen die Schafe uns gewähren, ist sehr bedeutend. Jährlich werden sic ein- oder zweimal geschoren, die cinschürigen im Juni, die zwcischürigen im Mai und September. Dabei wäscht man sic vorher im Mai an einem war men Tage in reinem Wasser tüchtig ab, treibt sie alsdann ans eine nahrhafte, nicht staubige Weide und stellt sic in der folgenden Nacht im Stall ans eine trockene Streu. Man unterscheidet in ihrer Wolle dreierlei Sorten: die Kcrn- wvlle vom Rücken und Hals, die Mittelwolle vom Schwänze und den Schenkeln und die schlechte von der Kehle, dem Bauche und den übrigen Thcilcn des Leibes. Der Preis der Wolle ist nach ihrer Güte verschieden; ein Stein der feinsten wird oft mit 50 Thlrn. bezahlt. Man verfertigt daraus Tücher und allerhand Zeuge, Handschuhe, Hüte u. s. w. Das Fleisch, besonders der zweijährigen Hämmcl und Lämmer, ist sehr schmackhaft. Die Därme liefern Saiten für Harfen, Violinen und andere Saiteninstrumente. Die Haut mit der Wolle gibt ein gutes Pclzwcrk. Die Knochen werden zu Spielsachen, Knöpfen u. dgl. ver arbeitet. Aus der fetten Milch macht man Butter und Käse. Das größte unter den Schafen ist der Argali. Er bewohnt die Gebirge Asiens und erreicht die Größe eines Damhirsches. Er ist im Sommer gclbgrau, im Winter rothgrau und stark und kräftig gebaut. Er klettert gut und flicht, wenn er verfolgt wird, mit großer Schnelligkeit und Gewandtheit an die unzu-133 gänzlichsten Gebirgsstcllcn. Im Herbste kommt er von den Bergen herab und weidet in den Thälcrn, im Frühjahre steigt er wieder.in die hoch gelegenen son nigen Felscnthäler hinauf. Etwas kleiner ist der Mnflon, auch kretisches Schaf genannt (Taf. V. Fig. 52), welcher auf den Gebirgen von Corsika, Sardinien, der europäischen Türkei und ans Kreta und in Persien zu Hause ist. Er lebt dort in ziemlich großen Hccrdcn, welche von einem alten Bock angeführt werden. Im Ganzen ist er ein plumpes und dummes Thier. In der Brunstzeit kämpfen die Männ chen heftig mit einander, wobei in der Regel eines auf dein Kampfplatze bleibt. Das Merino- oder spanische Schaf ist unter allen europäischen Sinccit das wichtigste, denn es gibt für Fabriken die beste Wolle. Es findet sich haupt sächlich in Spanicii, ist aber, um die gemeinen Schafe zu veredeln, auch in die andern europäischen Länder eingeführt worden. Jede Heerde besteht in der Regel ans 10,000 Stück und hat einen Oberhirten (Mayoral), der der Schafzucht sehr kundig ist und jährlich ivohl 500 Thalcr Gehalt nebst einem Pferde bekonimt. Gegen Ende des September ziehen die Hcerden ans den gebirgigen Gegenden in wärmere. Ihr Weg ist seit undenklichen Zeiten geordnet; überall, wo cs Weiden gibt, wird ihnen freier Zutritt gestattet. In 5 bis 6 Wochen legen sic oft eine Strecke von 150 Meilen zurück. Im April kehren sie auf die Gcbirgswcidcn zurück. Bor der Schur läßt man sic in einem Schwitzhanse schwitzen; ein Schaf gibt mchrcntheils 3 bis 5 Pfund Wolle, welche eine röthliche Farbe hat. Man schätzte vor Anfang des letzten Krieges die Anzahl der Merinos in Spanien auf 5 Mill., die im Durchschnitt jährlich 125—130,000 Ctr. Wolle lieferten. An fangs tvaren diese Hccrdcn ein ausschließliches Eigcnthum der Könige, doch nach und nach wurden sic verkauft. Dir letzte Heerde von 40,000 Stück verkaufte Philipp 1. an den Marquis Jturbiata, so daß sic jetzt ganz dem Adel und den Klöstern gehören. Schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Merinos nach Frankreich und nach Schweden, später nach Sachsen, Preußen und Oesterreich verpflanzt. Das fettfchwänzige Schaf findet man in den Steppen des südlichen Rußlands, bei den Kirgisen und Kalmücken, auch in Persien und China. Es hat lange hcrabhängende Ohren und eine lange, grobe und dicke Wolle. Der Schwanz ist sehr lang lind fett und wird oft 30 bis 40 Pfund schwer. Dieser Schwere wegen können die armen Thiere ihn kaum forlschleppcn und man zimmert ihnen daher kleine Wagen oder Karren, worauf sic den Schwanz legen und ihn so mit nmhcrziehen. Bei de» sogenannten Fettsteißcn ist nicht der Schwanz, sondern die beiden Hinterbacken mit Fett ansgefüllt, die 5 — 40 Pfund wiegen und aus denen eine Art Schmalz gewonnen wird.134 6. Das Nindvirh. Unser gemcincs Rindvieh, wovon das inännliche Stier, das weibliche Kuh, »nd das verschnittene männliche Ochs genannt wird, stammt von derjenigen Gat tnng her, welche unter dein Namen Anerochs noch jetzt in manchen Gegenden wild angctroffcn wird. Der An er ochs (Taf. V. Fig. 53) hat einen unmäßig großen und breiten Kopf und glänzenden Schwanz, aufwärts gebogene Hörner, welche l'/ 2 Fuß lang werden. Ztoischcn diesen befindet sich über der Stirne ein Büschel steifer Haare. Die Augen sind groß und strahlen wie Feuer, so daß das Thier ein wnthendcö, drohendes Ansehen hat. Eine zottige Mähne hängt über den Hals bis zur Brust herab und der Schwanz ist ganz mit steifen Haaren besetzt. Im Winter und Frühjahr ist er schwarzbraun, im Sommer ganz schwarz. Er ist das größte Säugcthicr Enropa's und nach dem Elcphantcn, Rhinoccros und Flußpferd eins der ungeschlachtsten in der ganzen Schöpfung. Denn er erreicht eine Höhe von C> Fuß und eine Länge von 10 Fuß. Er fand sich früher im ganzen mittleren Europa und war namentlich über ganz Deutschland verbreitet. Jetzt ist er aber fast gänzlich ausgcrottct und man findet ihn nur noch in einem wüsten Walde bei dem Dorfe Bialowicz in Litthaucn. Hier sollen sich noch gegen 600 Stück befinden, welche gehegt werden und die Niemand schießen darf. Man kann ihnen ziemlich nahe kommen, doch darf man dabei nicht schreien oder sprechen, denn sonst laufen sie davon. Wenn man sie nicht reizt, so thnn sic Keinem etwas zu Leide, aber im Zorne greifen sie selbst den Menschen an. Sic zeigen eine entschiedene Abneigung gegen das zahme Rind vieh, und cingcfangcne Kälber wollen an zahmen Kühen nicht sangen. Bon diesem Thicre stammt unser Hausochs ab. Der Stier, auch Bullen genannt, zeigt immer noch viel natürliche Wildheit und die Boshaftigkeit seines Stammvaters. Die Kuh hingegen ist sanfter, obgleich auch sic, wenn man cs ihr zu arg macht, mit ihren Hörnern fürchterlich werden kann. Weder sic, noch der Stier empfing von der Natur den Scharfsinn und Verstand, der das Pferd mid andere Thicre anszcichnct; vielmehr leuchtet ihnen die Dummheit ans den Angen. Die Kühe gehen gemeiniglich nenn Monate lang trächtig und im zehnten bringen sic ein .Kälbchen, das sic, im Zustande der Freiheit, eine Zci! lang sängen, bis es sich selbst ernähren kann. Ein Thcil der Kälber wird zum Schlachten, ein anderer zur Fortzncht bestimmt. Das Rindvieh ist nach den Schafen das nutzbarste Hauövich; und auf seine Veredlung wird alle Aufmerksamkeit verwendet. In Dcnlschland haben die SchweiZerkÜhe einen großen Ruf. Die schönsten und größten findet man im Sim- mcrthal »nd im Kanton Frcibnrg. Sic sind roth oder schwarzbrann von Farbeund im Durchschnitt 5 bis G Ccutucr schwer. Ihre Zucht wird iu der Schweiz mit allein Fleche betrieben. Die meisten Schwcizcrluhc weiden im Sommer Tag und Nacht auf den Alpen; nur in einigen Gegenden werden sic des Abends in die Stalle getrieben. Ans den Alpwcidcn behauptet die stärkere Kuh immer einen gewissen Vorrang vor de» schwächeren. Wird eine fremde Kuh zu der Heerde hinzugcthan, so muß sic cs nach und nach mit allen anfnchmen und zeigen, wie stark sie sei. Die stärkste Kuh ist immer die Anführerin der übrigen und wird gewöhnlich mit 1 bis 2 Loniöd'or höher bezahlt. Sic geht stolz den übrigen voran und keine andere wagt es, ihr vorzutreten.' Durch die größte Glocke, welche sic am Halse trägt, ausgezeichnet, erscheint sie zuerst an der Hütte des Viehhirtcn, welcher Senne genannt wird, um sich melken zu lassen, geht dann zuerst wieder ans die Weide, und die übrigen folgen ihr der Reihe nach. Jede Kuh kennt ihre Glocke und den Namen, bei dem sie der Senne ruft. In der Regel sorgt man dafür, daß die Glocken ein harmonisches Geläute geben. Durch einen verschieden artigen Gesang lockt der Senne nach seinem Willen Kühe, Ziegen oder Schafe, und jede der verschiedenen Hccrden folgt den bekannten Locktöncn; so daß die Kühe nie dem Ziegcnrnfer folgen, oder umgekehrt. Beim Rindvieh nennt man diesen Gesang den Krihreihen. Der Nutzen, welchen das Rindvieh dem Menschen gewährt, ist sehr groß. De» größten Nutzen. leistet die Kuh durch ihre Milch. Im Sommer ist diese fetter und öliger als im Winter, was von der Fütterung herrührt. Läßt man die Milch in Gefäßen stehe», so sondert sich das Oclige und Fettige ab und schwimmt oben ans; dies ist die Sahne, der Rahm oder Kern; der übrige, dünne Thcil ist süße Milch. Wird diese durch längeres Stehen von selbst sauer, oder bringt man sic durch Citroncnsänre znm Gerinnen, so sondert sich der Käscstoff ab, und der übrige wässerige Theil heißt Molken. Der von der Molke geschiedene käsige Thcil heißt Quark. Die Butter wird durch eine rüttelnde Bewegung der Milch int Butterfassc gewonnen. — Ferner liefert uns das Rindvieh vorzügliches Fleisch, welches äußerst nahrhaft und schmackhaft ist und ans mancherlei Weise znbcrcitet werden kann. Das Rindsblnt braucht man in Zucker- und Salzsiedereien znm Schäumen, znm Anstrcichcn des Holzwcrks, znm Färben mancher Zeuge u. s. w. Die Haare dienen zum Polstern der Sättel, Matratzen u. dgl. Aus den schätz baren Häuten werden allerlei Sorten von Leder bereitet. Von den Abfällen, so wie voic den Knorpeln und Sehnen ivird der Horn- oder Schrcincrlciin verfertigt. Die Ochscnklaucn werden von Drechslern und Kammmachern verarbeitet. Das Rindsfett und Talg braucht man thcils an Speise», theils zu Lichtern und Seife. Ans den Hörnern werden Kämme, Pfcifenröhre, Dintcnfässer, Knöpfe, Pnlvcrhör- ncr n. s. w. gemacht. Das schönste Horn kommt ans England. Die Pocken am Kuheuter geben endlich den Jmpfungsstoff zu den Schutzblattern, wodurch Millionen Kindern Leben und Gesundheit erhalten wird. Ein englischer Arzt,136 Doctor Eduard Jenner*) zu Berkley iu England, bemerkte, daß Personen, weiche Kühe melkten, die an den Entern Pocken hatten, gleichfalls Pocken an den Han den bekamen, aber von den Menschenpocken frei blieben. Dieses brachte ihn ans den Gedanken, die Knhpock'cn künstlich cinznimpfen, und der Erfolg hat eine lange Reihe von Jahren hindurch gelehrt, wie wohlthätig diese Erfindung zur Verhütung der natürlichen Blattern ist. Der Büffel. (Tas. v. Fig. 54* Der Büffel oder Büffclochs gehört ebenfalls zum ütindviehgeschlecht und macht eine eigene Gattung desselben aus. Er hat eilte gewölbte Stirn, die mehr lang als breit ist, etwas platte zur Seite gebogene Hörner; kurze, aber kräftige Beine. Er ist von schwärzlicher Farbe und hat eine harte, trockene Haut, die mir mit wenig Haaren besetzt ist. Er wiegt gemeiniglich über 1000 Pfund, die Haut allein 100 bis 200 Pfund. Im Ganzen ist er ein häßliches, unreinliches Thier, das sich am liebsten, wie ein Schwein, im Morast hcrnmwälzt. Wo er eigentlich herstammc, läßt sich nicht genau bestimmen. In Indien und Afrika wird er jetzt noch wild angctroffcn. Zahm findet man ihn gegenwärtig im Salz- burgischen, in Italien und Ungarn, in den Morgenländern, namentlich in Per sien, Indien und China. Man braucht ihn eben so wie das gemeine Rindvieh. Insbesondere wird er als Zngthicr gebraucht, wobei er eine außerordentliche Stärke beweist; denn zwei Büffel ziehen so viel, als vier Pferde. Obgleich er von Natur ein jähzorniges, wildes und unbändiges Thier ist, welches nur mittelst eines Nascnringcs regiert werden kann; so zeigt er doch auch viele Anhänglichkeit an den Menschen. Zwei Büffeltreibcr, die -auf ihren Thieren Getreide und Maaren transportirtcn, trieben einen beladenen Zug dieser Thierc von Palamor nach Schittrah. Nicht weit von dem letztgenannten Orte packte ein Tiger den Treiber der Nachhut. Ein Hirte, welcher seine weidende Büffelheerde bewachte, eilte muthig herbei und gab dem Tiger einen tüchtigen Hieb mit dem Säbel, worauf dieser den Treiber fallen ließ, statt dessen aber den Hirten packte. Kaum sahen dies feine Büffel, so stürzten sic auf den Tiger loS, um ihren Herrn zu befreien. Sic stießen ihren Feind so mit den Hörnern, daß er seinen Tod fand. Beide Ver wundete, der Treiber und der Hirte, wurden znm Arzte gebracht. Der erste wurde *) Edward Senner, geb. am 17. Mai 1749, wird mit Recht als der Erfinder und Verbreiter der KuDockenimpfung angesehen, obgleich cS erwiesen ist, daß der Schullehrer Plett zu Stakendorf Lei Kiel schon 5 Jahre vorher dieselbe Erfindung gemacht hatte. Ein Schul meister hat aber nicht die Mittel, und wäre die Erfindung von noch so wohlthätigen Folgen, sich damit erfolgreich in die Oefscntlichkeit zu wagen. Jenner trat nach seinen gemachten Er fahrungen in Briefwechsel, der ihm 1000 Psd. Stcrl. kostete; sein dankbares Vaterland aber ersetzte ihm diese Auslagen, indem er vom Staate Geldgeschenke erhielt, die sich von 1802 bis 1807 auf 30,000 Psd. Sterl. beliefe». Cr starb am 23. Jan. 1823.137 glücklich geheilt, der Hirte aber war so schwer verwundet, das; er seine edle That mit dem eigenen Leben bezahlte. Auffallend ist die große Abneigung der Büffel gegen die rothe Farbe. Der Anblick derselben bringt sic in Wuth, und derjenige setzt sich Lebensgefahr ans, der ihnen einen rothen Lappen vorhält. So erzählt ein General, daß er einmal den Auftrag erhalten habe, einige Ländereien in Ungarn anfzunchmen. Er gebrauchte dabei einen kleinen Tisch, der zufällig mit rothem Maroquin überzogen war. Er ging von einem Punkte zum andern und trug den Tisch gegen die Brust gelehnt, so daß die rothe Farbe nach außen hi» kam. Plötzlich sicht er in einer bedeu tenden Entfernung eine Heerde weidender Büffel Zeichen des herausfordernden Kampfes geben und in vollem Jagen ans ihn znkommen. Die Schweife hoch emporgestreckt, stürzen sie wüthend auf ihn los. Er weiß sich die Ursache nicht zu erklären, überlegt und setzt den Tisch ab; und die ganze Heerde macht nun Halt und sicht sich um, als wäre sic in großer Verlegenheit. Er geht weiter und nimmt arglos seinen Tisch wieder ans wie zuvor. Gleich im Augenblick ist die ganze Heerde wieder in Aufruhr und alle stürzen mit der größten Wildheit auf ihn las. Er erkannte jetzt die Ursache, drehte die gefährliche Farbe um und konnte ungehindert weiter gehen. ■— In ähnliche Gefahr gerieth eine Colonne Soldaten ans ihrem Marsche nach Patna. Die Soldaten trugen scharlach-rothe Röcke. Kaum erblickten die Büffel diese, so gaben sic ihre gewöhnlichen Zeichen von Wildheit und Wkith zu erkennen und setzten sich in Trab. Mit einem Male kehrten sic um, kamen aber sogleich in Masse vereint, als ob sic einen allgemeinen Angriff beabsichtigten. Die Hörner über den Kopf cmporragend, ließ es zwei felhaft, ob nicht etwa eine feindliche Schaar heranrcitc. Ein Thcil der Colonne machte Halt und stellte sich in Schlachtordnung ans; die Thicre wurden von den blitzenden Gewehren znrückgcschrcckt und ergriffen tobend die Flucht, was übrigens sehr auffallend war, da diese Thicre von der Verfolgung ihres Feindes selten ab- stehen. Holen sic ihn ein, so werfen sic ihn entweder mit ihren Hörnern hoch in die Luft, oder rennen ihn mit der Stirn nieder, knicen auf ihn und quetschen ihn so lange zusammen, bis er lobt ist. Zuweilen geräth er auch in Kampf mit dem Löwen oder Tiger und zerquetscht diesen Feind fürchterlich. Wird er aber von diesem in der Seite gepackt, so ist er verloren, denn sein muthiger Feind schlägt ihm mit der einen Tatze die Krallen i» den Leib, mit der andern hält er ihm Maul und Nase zu und läßt ihn ersticken. Der Bison. Der Bison lebt im Innern des nördlichen Amcrika's in großen Hccrden und hat viele Aehnlichkcit mit dem Auerochsen. Er erreicht eine Höhe von 5 Fuß und eine Länge von 8 Fuß. Sein Ansehen ist Furcht und Schrecken erregend. Die kurzen, schwarzen Hörner stehen an der Wurzel weit von einander ab. Der vordere Thcil des Körpers ist stärker als der hintere. Kopf, Hals und Schultern128 deckt ein fraufcö, weiches und clcetrischcs Haar von schwarzbrnnncr Farbe, das auf dem Kopfe, wie eine Mütze, sich znsaminenthürmt, so baß die Hörner kam» sichtbar sind. Am liebsten hält er sich in sumpfigen Tiefen ans. wo er sich so stark nährt, daß er in der Regel 2000 und einige hundert Pfunde schwer wird. Den Menschen fliehet er; wird er aber gereizt, z. V. auf der Jagd durch einen Fehlschuß, so ist er im höchsten Grade wüthcnd und gefährlich. Dennoch werden häufig Jagden ans ihn angestellt und ans einer einzigen viele hundert, ja gegen 2000 Stück erlegt. Seine schöne brannrothc Haut wird thener bezahlt; denn sie gibt nicht nur gutes Sohlleder, sondern die langen, feine» Haare lassen sich auch spinnen und zu guten Zeugen verarbeiten. Seine Zunge und sein Höcker werden zu den Leckerbissen gerechnet; das übrige Fleisch ist zwar schmackhaft, hat aber einen starken Bisamgcrnch. Der Bison tvird in Amerika schlechtweg Büffel ge nannt. Die Lieblings-Jagd der Indianer ist die Büffel-Jagd, die fast immer zu Pferde und mit Bogen und Lanze stattfindet. Sic haben kleine, aber sehr brauch bare Pferde, die sic ans den Prärien fangen, wo man sic oft wild in zahlreichen Hccrdcn antrifft. Ans seinem kleinen, wilden Pferde, welches einige Jahre lang abgcrichtct worden, sprengt der Indianer in vollem Jagen mitten in die Hccrdcn der Büffel hinein. Daö Pferd ist das schnellste Thier der Prärie und bringt seinen Reiter mit Leichtigkeit an die Seite des Wildes, welches dann in der Ent fernung weniger Schritte seinen tödtlichen Waffen eine leichte Beute wird. Bei der Jagd des Büffels entkleidet der Indianer gewöhnlich sich und sein Pferd, indem er den Schild, den Köcher und jedes Stück feiner Kleidung, welches ihm hinderlich sein könnte, bei Seite legt; in die linke Hand nimmt er den Bm gen und fünf oder sechs Pfeile und an der rechten Hand, oder am Gürtel befestigt, hängt eine schwere Peitsche, die er auf unbarmherzige Weise gebraucht, um sein Pferd znm schnellsten Laufe anzutreibcn. Die Pferde sind so abgcrichtct, daß der Indianer sich wenig des Zügels zu bedienen braucht, der auf dem Halse des Pferdes hängt, während er sich dem Büffel ans der rechten Seite nähert, wodurch der Reiter in den Stand gesetzt wird, seinen Pfeil »ach der linken Seite hin ab- znschicßcn; dies geschieht in dem Augenblick, wenn er im Borbcijagcn sich dem Herzen des Thicrcs gegenüber befindet, welches dann den tödtlichen Pfeil bis an die Feder cmpfäiigt. Wenn der Indianer cjnc zahlreiche Heerde verfolgt, so jagt er gewöhnlich dicht hinter derselben her, bis er ein Thier anSgcwählt hat, tvclches er dann so bald als möglich von den übrigen dadurch abzusondern sucht, daß er zwischen demselben und der Heerde hincinsprcngt. Für den Neuling ist diese Jagd mit großer Gefahr verbunden, während der von Jugend auf damit beschäftigte Indianer sic als ein Vergnügen betrachtet, beim Reiten den Athem nie verliert, und oft, vom Pferde auf den Büffel sprin gend, mit sicherer Hand die tödtlichc Waffe entsendet. Auch die Ansiedler treiben hin und wieder mit Leidenschaft die Büffcljagd. Lassen wir eine solche Jagdpar- thic von einem Augenzeugen erzählen.130 „Ich will jetzt eine Jagd beschreiben" (so erzählt Catlin in seinen erlebten Abenteuern unter den Indianern Nordamerikas), „die Herr M'Kcnzin mit einer Anzahl seiner idente ohne Indianer veranstaltete und an der ich Thcil nahm. Er hat innerhalb dcö Forts einen geriimnigen Eiskeller, worin er das Büffelflcisch lange Zeit frisch aufbcwahrt; geht der Vorrath ans die Neige, so besteigt er sein Lieblings - Bnffelpfcrd (d. h. dasjenige Pferd, welches ani besten zur Büffeljagd abgcrichtct ist), nimmt eine leichte kurze Flinte, die sich am bequemsten im vollen Jagen laden läßt, und geht mit fünf oder sechs feiner Leute nicht auf die Jagd, sondern „nach Fleisch." So zogen wir denn auch eines Morgens ans, nämlich die Herren M'Kcnzin, Chnrdon, Baptist Dcfondc, Tullak, ich und einige Andere. Bier oder fünf Mann erhielten noch den Befehl, uns mit eben so vielen einspän nigen Wagen zu folgen, um die erlegten Büffel nach Hanse zu schaffen. Wir setzten über den Fluß und hatten einige englische Meilen im Galopp zurückgelegt, als wir von einem Hügel aus eine Büffelhccrde von 400—500 Stück erblickten, die sich hier gewiß vollkommen sicher glaubte und von denen einige grasten, an dcrc lagen und schliefen. Wir näherten uns ihnen etwa bis auf eine englische Meile, machten Halt, und Herr Ehärdon „warf die Feder," um zu sehen, woher der Wind lommc (ein Gebrauch, der immer beobachtet wird); dann begann das „Aus- klciden," d. h. Jeder entledigte sich und sein Pferd aller unnöthigcn Gegenstände, die bei der Jagd hinderlich sxjn konnten: Hüte, Röcke und Kngclsäckc wurden ab gelegt, die Acrmel anfgestreift, ein Tuch um den Kopf, ein anderes um den Leib gebunden, die Patronen zurecht gemacht und in die Westentasche gesteckt, oder ein halbes Dutzend Kugeln in den Mund genommen n. f. w. Das währte etwa zehn bis fünfzehn Minuten, und nachdem nun der Anführer den Jagdplan vorgelcgt hatte, die Flinten geladen und die Ladestöcke in die Hand genommen waren, ritten wir alle in einer Front und im langsamen Schritte vorwärts. Die Pferde sind hier sämmtlich auf diese Jagd eingcübt und scheinen mit demselben Enthusiasmus daran Theil zu nehmen, wie ihre Reiter. Während des Auskleidens und Ladens zeigten sie die größte Ungeduld, und als wir uns der Heerde näherten, schienen sic alle von der Jagdlust begeistert zu sein, denn selbst der trägste Gaul stolzirte mit elastischem Schritte einher, biß ans die Stange, spitzte die Ohren und richtete seine funkelnden Augen ans das Wild, während er unter dem Sattel seines Rei ters zitterte. Auf diese Weise ritten wir vorsichtig itnb' schweigend weiter und waren den Büffeln bis auf etwa zehn oder fünfzehn Ruthen nahe gekommen, als sic uns er blickten, Kehrt machten und in Masse davon liefen. Nun ging es vorwärts (und vorwärts müssen Alle, denn Niemand würde in einem solchen Augenblick sein Pferd znrückhalteu können), und dahin flogen wir über die Prärie, in eine Wolke von Staub gehüllt. M'Kcnzin war der Vorderste und verschwand bald in dem Staube. Ich hatte einen großen Stier entdeckt, dessen Schultern über die ganze Heerde hervorragten, und drängte mich durch, um au seine Seite zu kommen. Ich ging140 nicht „nach Fleisch," sondern nach einem „Siegeszeichen;" ich wollte seinen Kopf und seine Hörner. Ich jagte durch die über die Ebene hinstürincnde Heerde, von allen Seiten gedrängt, gestoßen, so daß ich oft nicht wußte, ob ich ans einem Büffel oder ans meinem Pferde saß, bis ich endlich an die Seite meines Stiers gelangte, und ihm einen Schuß bcibrachte. Ich sah den Blitz von mehreren Fli» tcn, hörte aber keinen Knall. Chardoil hatte einen stattlichen Stier verwundet, und wollte eben zum zweiten Male schießen;, beide waren, eben so wie wir, in vollem Nennen und dichl vor mir, als der Stier sich plötzlich »mwandtc und das Pferd auf die Hörner nahm, so daß Chardon einen Froschsprnng über den Büffel weg machte, und fast unter den Hufen meines Pferdes zu Boden fiel. Ich ritt so schnell als möglich zu ihm zurück; er lag noch am Boden, der Büffel neben ihm, mit den Beinen nach oben lind quer über demselben das Pferd. Ich stieg sogleich ab; indes; hob sich Chardon auf den Händen empor, Augen und Mund voll Staub, und suchte seine Flinte, die an dreißig Schritte weit von ihm lag. „Um des Himmels willen, seid ihr verletzt, Chardon?" — „Nein — »ein, ich glaube nicht. O, das bedeutet nichts, Herr Catliu, das ist nichts Neues — aber daö ist hier ein verdammt harter Boden." Bei diesen Worten wurde der arme Mensch ohnmächtig, erhob sich jedoch in wenigen Augenblicken wieder, nahm seine Flinte und ergriff sein Pferd beim Zügel, das mit Gestöhn nnfstand, den Staub abschüttcltc — und wir waren Alle wieder auf dem Platze, mit Ausnahme des Stiers, der das traurigste Schicksal hatte. Nach einiger Zeit kamen M'Kenzin und seine Gefährten, ihre erschöpften Rosse am Zügel führend, von der Jagd zurück und hinter uns vier oder fünf Wagen, um daö Fleisch nach Hause zu schaffen. Wir setzten uns auf die Erde, Jeder zündete seine Pfeife an und erzählte seine Hcldcnthatcn. Ich selbst wurde herzlich ansgelacht, weil ich, als Neuling, einen alten Stier gctödtct hatte, dessen Fleisch ungenießbar ist. Ich ritt mit M'Kenzin zurück, der mir fünf Kühe zeigte, die fettesten und schönsten der Heerde, welche er erlegt hatte, und zwar auf einer Strecke von einer englischen Meile; alle wurden in gestrecktem Galopp gctödlct und jeder Schuß ging gerade durch's Herz. In der kurzen Zeit, die erforderlich ist, um eine englische Meile im Galopp znrückznlegcn, halte er fünf Mal geschos sen, vier Mal geladen, die Thicre ausgcwählt und mit jedem Schüsse gctödtct! Außerdem waren noch sechs Thicre gctödtct worden. Es wurden nunmehr die besten Thcile derselben abgcschnittcn, ans die Wagen und Packpfcrdc geladen und das klebrige den Wölfen prcisgcgcbcn. So leben die weißen Männer in diesem Lande, ans diese Weise verschaffen sie sich ihren Lebensunterhalt, und dies ist eine von ihren Vergnügungen, wobei man Gefahr läuft, sich alle Rippen zu zerbrechen und hinterher noch wegen seiner Thorhcit und Uuklnghcit verspottet zu werden."[4L Der Bisamochs lebt ebenfalls i» Nordamerika. Er ist sehr klein und hat eher das Ansehen eines Schafes als das eines Ochsen, denn er erreicht kaum die Höhe der kleinsten Kuh. Die Hörner stehen dicht neben einander, sind aber außerordentlich stark und wie gen oft 60 Pfund. Er hat lange, brannrothc, seidenartige Haare, die bis zur Erde hcrabhänge» und ihm ei» bärenartiges Ansehen geben. Das Grundhaar ans der Haut ist aschgrau und wird zu Strümpfen, Mützen und Handschuhen verar beitet, welche feiner sind als eigentlich seidene. Er lebt in Heerden, am liebsten in fclsigtcn Gegenden, läuft schnell und klettert so geschickt, wie eine Ziege. Die Männchen sind sehr kampflustig und streiten zur Prnnstzcit ans Leben und Tod um die Weibchen. Deö kostbaren Pelzes wegen werden häufig Jagden ans ihn angcstellt. Das Fleisch ist wegen seines starken Moschusgeruchs kaum genießbar; nur das Fleisch von jungen Thieren soll schmackhaft sein. Der G r u n z o ch s. Der Grnnzochs ist kleiner als der gemeine Ochs und lebt im östlichen Asien von Indien bis China in großen Heerden. Er zeichnet sich besonders durch seinen Schwanz aus, der, wie beim Pferde, ganz mit langen Haaren besetzt ist. Die Türken und Perser bedienen sich desselben gefärbt als Standarten; in Indien braucht man ihn als Fliegenwedel. Man faßt ihn nämlich in einen silbernen Griff, und jeder Vornehme hat dort einen Sclavcn hinter sich, der ihm mit die sem Schwänze die Fliegen abwehrt. Die Hörner sind kurz und rückwärts gebogen und der ganze Körper mit langen Haaren bedeckt, wie bei der Ziege. Den Hals ziert eine Mähne, tvclchc verkürzt über den Rücken hin fortläuft. Seine Farbe ist schwarz, nur Schwanz und Mähne sind silberweiß. Seine Stimme gleicht vollkommen dem Grunzen des Schweines, daher auch seine Name. Ucbrigens ist cs ein wildes, unbändiges und zorniges Thier, und die geringste Beleidigung, so wie der Anblick eines rothen Lappens setzt cö in eine solche Wnth, daß cs am ganzen Leibe zittert und wild ans seinen Feind losgeht. Das Fleisch ist fett, aber nicht wohlschmeckend; besser ist die Milch, welche eine vortreffliche Butter liefert. Das weiche Haar läßt sich spinnen und wird in Tibet zu mancherlei Zeugen verarbeitet. Der Zebu- oder Buikelochs. Der Vnckelochs findet sich fast in ganz Afrika und Asien und zeichnet sich durch einen Fetthöcker ans, den er ans dem Rücken trügt und der oft 50 Pfund wiegt. Einige haben sogar zwei Höcker. An Größe herrscht unter ihnen eine be deutende Verschiedenheit; cs gibt solche, die so groß als unsere stärksten Hausochsen sind, und wieder andere, die kaum die Größe eines Schweines erreichen. Der große Werth dieser Thiere besteht besonders in der Benutzung zum Tragen und142 Ziehen. Selbst die vornehmsten Leute bedienen sich ihrer znm Fuhrwerk. Sic sind dann nicht nur mit schönen Decken, mit Halsbändern und Schellen geziert, sondern selbst die Hörner endigen sich in kupferne, messingene oder goldene Spitzen. Sie tragen gewöhnlich eine Last von MO Pfund. Man regiert sic mittelst einer Leine, welche durch die Nase geht, oder auch vermöge eines Ringes, der am Na- senknorpcl befestigt ist. Auch znm Reiten sind sic gut zu gebrauchen. Sie laufen sehr leicht, oft selbst im Galopp, und traben 60 Tage hintereinander täglich über sieben deutsche Meilen. Haben sie die Hälfte ihrer Tagereise znrnckgelcgt, so gibt man ihnen Klöße von Weizenmehl, mit Butter und Zucker dnrchknclct; Abends hingegen erhalten sic nur gewöhnliches Futter, nämlich gcschrotcnc, in Wasser ge weichte Erbsen. Z t \) It t r B V d U tl 11 I). V i e l h rr f e r oder Thicre, welche mehr als zwei Klanen haben. Die Thicre dieser Ordnung kauen nicht wieder, sondern sie haben eine» einfachen Magen. Ihre Nahrung ziehen sic nur ans dein Pflanzenreiche. Es gehören in diese Ordnung: der Clcphant, das Flußpferd, das Schwein, Rhinocc- ros niid der Tapicr. Der E l e p h a ii t. (Taf. V. Fig. 55.) Die Elcphantcn haben an allen Fuße» 5 Zehen, die aber mit einer dicken, schwieligen Haut so vollständig umgeben-sind, daß man sie äußerlich nicht sicht. Besonders sind sic ausgezeichnet durch den ans vielen Tausenden in einander ver flochtenen MnSkcln znsammengcsctztcn Rüssel, den sie nach jeder Richtung hin be wegen und mit der bewundernswürdigsten Geschicklichkeit gebrauchen können. Ei gentliche Eck- und Schneidezähnc fehlen ihnen gänzlich, dagegen haben sie zwei Stoßzühne oder Hauer von verschiedener Länge. Der Zahnwcchsel erfolgt bei ihnen auf eine merkwürdige Weise. Die Zähne folgen nämlich nicht in senkrechter Richtung, sondern von hinten nach vorn, so daß, wenn sich der eine Zahn abge nutzt hat, er zugleich von dem darauf folgenden nach vorn getrieben tvird. Ans diese Weise wechseln die Zähne wohl achtmal; die Hauer hingegen wechseln nur einmal. Die Augen sind außerordentlich klein im Vcrhältniß zu dem übrigen eo lossalen Körper, aber geistvoll und hell. Es liegt öfters etwas Leidenschaftliches143 in dem Ausdrucke derselben, so daß sic alte Gefühle zu erkennen geben, deren ein Thier fähig ist. Langsam und sanft wenden sic sich gegen den Herrn, und wenn dieser spricht, sollte man fast denken, daß das treue Thier ihn freundschaftlich und aufmerksam anschane. Es scheint nachznsinnen, zu überlegen und sich nicht eher zu dem, was geschehen soll, z» entschließen, als bis cs sorgfältig die Zeichen in Betracht gezogen, welche cs zu vollziehen hat. Der Hund hat zwar auch ein ans- drucksvolles Auge, aber cs ist zu flüchtig und lebhaft, als daß wir jeden einander folgenden Wechsel seiner Gefühle unterscheide» können. Die Ohren dcö Elephantcn sind groß und hänge», wie große Lappen, weit von dem Kopfe herab. Die Haut ist fast daumendick und mit wenigen borftcnartigcn Haaren besetzt. Der Schwanz ist vcrhältnißmäßig kurz und hat am Ende einen Büschel von schwarzen Borsten, die so stark sind, daß sie zu Pfeifcnrüumern gebraucht werden können. Die Beine sind dick und gleichen festen Säulen von 15 bis 16 Zoll Durchmesser und 5 bis 6 Fuß Höhe. Aber sic bewegen sic dennoch mit großer Geschicklichkeit. Die Elephantcn erreichen ein Alter von 100 bis 200 Jahren, mit dein 25. Jahre sind sie völlig ausgewachsen. Die Elephantcn leben in großen Hccrden in den Wäldern Asiens und Afrika's, und nähren sich von Baumblättcrn und Gräsern. Besonders lieben sic Reis und Tabakspflanzcn. Um ihre Nahrung zu sich zu nehmen, ge brauchen sic den Rüssel, der sehr künstlich zusainmengefügt ist. Er kann bis auf 7 bis 8 Fuß verlängert werden und hat an der Wurzel einen Umfang von 3 bis 4 Fuß, an der Spitze jedoch beträgt er nur einen halben Fuß. Hier befindet sich ein biegsamer Haken, den der Elcphant >vic einen Finger gebraucht. Der Rüssel ist für ihn das Werkzeug des feinsten Gefühls und der Sitz einer außerordentlichen Kraft und Gelenkigkeit. Er reißt damit seine Nahrung ab und führt sic in den Mund; zieht damit Wasser ein und spritzt cs in dem Nachen; lös't Knoten ans, Pflückt Blumen, hebt Münzen und andere kleine Sachen aus, entstöpselt Flaschen ». s. w. Oder er streckt ihn hoch empor und stößt einen trompetenartigen Laut ans; oder braucht ihn endlich zu seiner Bertheidigung. Ein derber Schlag damit tödtet einen Menschen oder einen Stier ans der Stelle. Im Schwimmen besitzt er eine große Geschicklichkeit und zuweilen schwimmt er ganze Strecken mit völlig nntergetanchtcm Körper, indem er nur den Rüssel cmpvrstrcckt. Das Baden ist ihm überhaupt Bedürfnis!, weil anders seine Haut hart wird und Risse bekommt. Kann er sich nicht baden, so füllt er den Rüssel mit Wasser und bespritzt sich den ganzen Körper. Er thnt dies zugleich in der Absicht, die Insekten zu vertreiben, von denen er viel geplagt wird und gegen deren Stich er sehr empfindlich ist. Er wehrt sich tüchtig gegen sie mit Schlägen des Rüssels, der Ohren und des Schwanzes; zieht seine Haut zusammen und zerdrückt sic zwischen den Fallen; bricht Banmzweige ab und peitscht sic mit denselben weg; oder, will alles dies nicht helfen, so füllt er den Rüssel mit Staub und bedeckt mit diesem alle empfind lichen Stellen, nachdem er sic zuvor mit Wasser benetzt hat. Am meisten fürch tet er sich vor Mäusen und sieht er eine solche, so fängt er am ganzen Leibe anzu zittern. Um sich gegen sie und Insekten zu schützen, stemmt er beim Schlafen den Rüssel fest auf die Erde, oder steckt ihn in das Maul. In seinen Bewegungen ist er schneller, als man glauben sollte. Sein ge- wohnlicher Schritt kommt dem Traben eines Pferdes gleich, sein Traben hingegen ist der Galopp desselben. Menschen und Pferde holt er daher leicht ein, und Keiner würde ihm entgehen können, wenn er sich geschickt seitwärts bewegen konnte; aber die Scitcnbewcgnngcn sind ihm seines großen Körpers wegen sehr schwer, daher man auch durch solche ihm entrinnen kann. Im Rothfall legt er mit einer Last von 2000 Pfund in 48 Stunden 24 deutsche Meilen zurück, und einen gan zen Monat hindurch hält er hintereinander täglich 8 bis 10 Meilen aus, indem er dabei immer munter und lustig bleibt. Aber auf langen Märschen thnt ihm endlich der Fuß weh; man sicht dies ans der Art des Gehens und wie er mit dem Rüssel auf dem Boden nach einem Wege ohne Steine sucht. Er klettert Berge ans und ab und geht auf Wegen, wo das Kameel nicht fortkommen, das Pferd aber nur mit Mühe Schritt halten kann. Schon in der Ferne vernimmt man sein Auftreten. Von seinen geistigen Fähigkeiten hat man die ausfallendsten Beispiele. Er lernt in kurzer Zeit alle Zeichen seines Wärters verstehen, ja selbst seine Sprache. Er unterscheidet die Stimme des Tadels, der Zufriedenheit, des Befehls und rich tet sich ganz darnach. Er läßt sich zum Nicderkniecn nbrichtcn, damit man ihn leichter besteigen kann; begrüßt seinen Herrn mit dein Rüssel und liebkost ihn ans jede Weise. Wie sehr er überhaupt dicscin zngcthan ist, kann folgendes Bei spiel lehren: Zn einer gewissen Zeit ist der Elephant reizbarer als sonst, und der Wärter muß alle Vorsicht anwenden, ihn in dieser Periode nicht zu reizen. Vielmehr muß er durch allerlei Schmeichelworte, wie: mein Täubchen, mein Weibchen, mein Söhn- chcn u. dgl., sich mit ihm zu befreunden suchen. Und dennoch achtet er zuweilen nicht darauf, sondern wird wild. So riß sich auch einmal ein Elephant von seiner Kette in der Nacht los und lief dnrch's Lager, warf Zelte, Pferde, Menschen, Ochsen, Wagen um und erhob ein solches Geheul, daß alle, die es hörten, erzitterten. Man verfolgte ihn mit Speeren und verwundete ihn, wodurch jedoch seine Wnth noch größer wurde. Unglücklicher Weise sah er den nacheilenden Wärter, und mit einem Schlage seines Rüssels lag dieser am Boden. Jetzt blieb aber auch der Elephant stehen und schien wie angcfcssclt. Er wandte kein Auge vom Leich nam weg, bis er endlich eiligst wieder nach dem Orte hinlief, wo er sich losgc- risscn hatte. Hier lag das zweijährige Kind des Wärters im Schlafe. Der Elephant umschlang cs mit seinem Rüssel und hob es hoch empor, aber so zärt lich, wie nur eine Mutter cs thnn kann, und licbkos'tc cs dann mit seinem Rüssel, während alle, die es sahen, für das Leben des Kindes besorgt waren. Endlich legte er es sanft ans den Boden und bedeckte cs mit den Kleidern, die ihm ent fallen waren. Unverwandten Auges sah er es an und „habe ich nicht Thrüncn145 der Neue aus seinen Augen fließen gesehen, so habe ich in meinem Leben keine Thrünen gesehen!" sagt der Erzähler. Geduldig ließ er sich von einem andern Führer nun fesseln, und cs schien, als ob ihm die Trauer über seinen von ihm erschlagenen Herrn allen Math genommen hätte. Besonders zeigte sich dies, so bald er das Kind gewahr wurde und wenn dieses in seiner Nähe spielte. Das Thier nahm sichtbar an Gesundheit und Kraft ab und starb ein halbes Jahr nach her. — Ueberhaupt ist er ein treuer Kinderwärter. Die Frau eines Wärters gab ihm ihr Kind zu bewahren, während sic ein anderes Geschäft besorgte. Das Kind kroch an den Füßen des Ungeheuers herum und kam bald zwischen dieselben, bald in das Gebüsch, in dessen Nähe sein Wärter angebunden war. Aber dieser nahm sich sehr in Acht, cS nicht zu treten, und damit cs sich nicht verletze, suchte er das Gebüsch mit dem Rüssel abzuhalten. Kroch das Kind so weit hinweg, daß cö aus dem Bereiche des Elephantcn zu kommen schien, so hob er es schnell und sanft mit dem Rüssel in die Höhe und setzte es wieder auf den Fleck, wohin cs gehörte. — In Joa werden die Elephantcn ans den Schiffswerften gebraucht. Auf einem Platze, wo Bauholz liegt, umschlingen die Arbeiter das Ende eines schweren Balkens mit einem Seil und geben dieses dem Elephantcn, der sich dann dasselbe um den Rüssel legt und ohne weitere Führer den Balken nach dem'Orte hinbringt, >vo das Schiff gebaut wird. Einer der Elephantcn verwundete sich einst bei dieser Arbeit. Nachdem man ihn zwei- bis dreimal zum Thierarztc geführt hatte, der ihm seine Wunde verband, ging er von selbst zu diesem hin. Er streckte sich aus und ließ geduldig Alles mit sich machen, was der Arzt für dienlich hielt. Eö wurde ihm die Wunde mehrere Male ausgebrannt, und obgleich der Schmerz sehr groß lvar, so äußerte er doch gegen den Arzt nie andere Empfindungen, als die der größten Dankbarkeit. — In Neapel wurde ei» Elephant von den Man- rern als Handlanger gebraucht, und mußte als solcher ihnen das Wasser in einem großen kupfernen Kessel herbeiholcn. Als er bemerkte, daß man den Kessel zum Kupferschmied trug, wenn er einen Leck bekommen hatte, so trug er, als er einmal merkte, daß durch ein Loch das Wasser herausfloß, den Kessel selbst zum Kupfer schmied, wartete, bis er fertig war und ging dann wieder zurück an seine Arbeit. Bei der Belagerung von Scringapatnain gingen die Kanonen durch das sandige Bett eines Flusses, der, wie die meisten in Indien, während des Sommers nur ein kleines Fahrwasser in der Mitte, aber desto mehr Treibsand hatte. Unglück licher Weise fiel ein Kanonier, der auf dem Protzkastcn eines Geschützes saß, her unter, so daß das Hinterrad der Kanone über ihn Weggehen mußte. Ein Elephant folgte der Kanone, sah den Unfall, hob sogleich das Rad mit dem Rüssel auf, bis die Kanone über den Soldaten, ohne ihm zu schaden, hinweg war. — In Indien werden die Elephantcn vielfach im Kriege gebraucht, besonders auch dazu, um die Kanonen über die Berge hinwcgznschaffen. Wenn nun die Ochsen, welche an eine Kanone gespannt sind, sich anstrcngen, diese den Berg hinaufzuzichcn, so hilft der nachfolgende Elephant an dem hintern Theilc des Geschützes. Bei jedem B kumer'S Naturgeschichte. jQ146 neuen Anziehen stemmt er die Kanone mit dem Knie, das er gegen die Näder an legt. — Der Reisende Forb es erzählt, daß er viele Reisen ans einem Elephanten des Obersten Keating gemacht und die auffallendsten Beweise von der Klugheit und Gelehrigkeit dieses Thiereö erhalten habe. Wünschte er ein paar reife Orangen zu genießen, die er aber mit der Hand nicht erreichen konnte, so suchte der getreue Knecht sicher den dicht beladensten Zweig*ans und brach ihn mit dem Rüssel ab. Dankbar nahm er an, was man ihm selbst für seine Mühe von den Früchten zu kommen ließ, und machte sein ehrfurchtsvolles Compliment, indem er den Rüssel dreimal erhob und dazn ein fröhliches Brummen hören ließ. Kam etwa ein Zweig seinem Passagier zu nahe, so knickte er ihn ab. Oft brach er einen dicht belaub ten Zweig ab, entweder die Fliegen zu verjagen, oder um, wie mit einem Fächer, Kühlung zuzuwehen. In der Regel pflegte er immer vor dem Zelte beim Früh stück zn erscheinen, um sich eine Frucht oder Zucker zu holen, oder sich liebkosen zu lassen, was er so sehr verdiente. — In der Menagerie des Herrn Croß zu London führte ein Elephant ein Stückchen aus, das von großem Nachdenken zeugt. Gewöhnlich wurde von ihm verlangt, daß er mit dem Haken seines Rüssels eine Münze aufhebe. Bei solcher Gelegenheit wurde ein Geldstück hingeworfen, daß er es nicht erreichen konnte, weil es weit von ihm ablag. Und doch sollte er eü aufheben. Er streckte mehrmals den Rüssel darnach ans; aber vergebens. Einige Minuten überlegte er, was er thun sollte. Endlich schien ihm ein Mittel ein zufallen, des Geldstückes habhaft zu werden; er streckte den Rüssel so weit wie möglich schnurgerade aus und blies mit aller Gewalt gegen die Mauer, an welcher die Münze lag. Der so entstehende Wind brachte den Luststrom unter die Münze, was er offenbar ahnete, und es war sonderbar zn sehen, wie das Geldstück durch dieses Mittel nach dem Thiere hin getrieben wurde, bis er es erreichen konnte. — Auf dem Theater zu Marseille trat vor einigen Jahren ein Elephant zu wieder holten Malen in einem Stücke auf, das eigens für ihn gemacht war, um seine Gelehrigkeit zu produciren. Am schönsten war die Schlußscene, in welcher seine Herrin ihr verlorenes Kind sucht. Im Hintergrund der Bühne erscheint der Elephant mit dem Kinde in dem Rüssel, lieber einen Bach, der ihn verhindert, zu der besorgten Mutter zu gelangen, legt er einen Baumstamm, geht behutsam darüber und legt das Kind in die Arme seiner Mutter. Bon allen Seiten her klatschten und riefen die Zuschauer Beifall zu. Der Elephant trat einige Schritte vor und schaute mit seinen klugen Angen wohlgefällig in das Parterre hinab, so daß es schien, als wolle er seinen Dank ausdrücken für den rauschenden Beifall, der ihm zn Theil geworden und der ihn so sehr erfreute. Gegen 30 Male trat er auf der Bühne ans; aber nicht ein einziges Mal erschien er zu spät, oder machte sonst einen Fehler. Nur einmal erlaubte er sich eiu wenig zn extempori- siren und Etwas zu dem Stücke hinznzusetzen, woran der Verfasser nicht gedacht hatte. Er näherte sich nämlich dem Musikdireetor, der gravitätisch an seinem Pulte den Taet schlug, und steckte die Nase in dessen Notenbuch. Dieser wurde10 * 147 augenblicklich verblüfft, versetzte aber, nachdem er sich wieder erholt hatte, dem großnasigen Herrn einen Schlag auf den Rüssel, was dieser nicht übel aufnahm. Großmüthig zog er sich zurück und setzte, unbekümmert um den unhöflichen Mu sikus, sein Spiel fort. Man unterscheidet zwei Arten von Elephanten, nämlich den indischen und den afrikanischen. Der indische Elephant hat ein dnnkclcrdgrancs Fell, das nur mit wenigen Haaren besetzt ist. Die Länge von der Stirn bis zum Schwänze beträgt über 10 Fuß; die des Rüssels 7 Fuß; die Höhe ist 9 —14 Fuß. Die Stoßzähne oder Hauer sind von verschiedener Länge, in der Regel 2 bis 8 Fuß, und am untern Ende '/« Fuß dick. Sein Gewicht kann 7000 Pfund erreichen. Man findet ihn in Siam, Pegu, Hindostan und auf den Inseln Java, Sumatra, Borneo und Ceylon, wo er in großen Heerden lebt. Weiße Elephanten findet man sehr selten. Sic werden von den Indianern göttlich verehrt, weil sie glauben, daß die Seelen ihrer verstorbenen Könige in sie gefahren seien. Der König von Siam fühlt sich durch den Titel „Herr des weißen Elephanten" so sehr, wie durch irgend einen seiner hundert andern Titel, geschmeichelt. Derjenige, der einen weißen Elephanten einfängt, bekommt eine silberne Krone und alles Land, so weit man im Umkreise die Stimme des Elephanten hören kann. Man kann hieraus abnehmen, wie selten die weißen Elephanten dort sein müssen. Der gewöhnlichen dunkelgrauen hingegen gibt eö eine große Menge. Sie lassen sich leicht zähmen und zu mancherlei Dienstleistungen abrichten. Ein asiatischer Elephant hat mehr Kraft als 6 Pferde oder 40 Menschen und kann 2000 — 4000 Pfund tragen. Um Menschen bequem fortzubringen, legt man ans seinen Rücken einen Sattel und befestigt darauf eine Art Tragsessel, worin 20 bis 30 Personen Raum haben. Die vornehmste nimmt den Platz in der Mitte ein und vor und hinter ihr sitzen Sclaven oder Sclavinnen mit Fliegenwedeln und Sonnenschirmen. Auf dein Halse, wo eigentlich der bequemste Platz ist, weil die fremdartige Be wegung des Thieres hier weniger als auf den Schultern gefühlt wird, sitzt der Treiber. Bon den frühesten Zeiten an benutzte man in Indien die Elephanten im Kriege. Sic bildeten da die beste Streitkraft und entschieden meist den Ans gang der Schlacht. Jetzt, wo das Fencrgcwchr als vornehmste Todcswasfe gebraucht wird, würden die Elephanten, welche Geräusch und Feuer in gleich hohem Grade scheuen, mehr Gefahr als Nutzen schaffen. Die indianischen Fürsten machen zwar noch im Kriege Gebrauch von ihnen, aber mehr, um ihre Pracht zu zeigen. Wein und Arrak sind Licblingsgctrünke des Elephanten. Ein einziges Glas davon bewegt ihn, die schwersten Arbeiten zu verrichten und sich den größten Anstrengungen zu unterziehen. An Musik und Blumen findet er großes Wohl gefallen. Hat er sich satt gefressen, so pflückt er sich ans der Weide die schön sten, wohlriechendsten Blumen, legt sic zu einem Strauß zusammen und labt sich an ihrem Duft.148 Das Weibchen wirft nach 21 Monaten mir ein Junges, welches 3 Fuß hoch ist und mit dem Gebrauche alter seiner Sinne zur Welt kommt. Es sangt 3 Jahre und ist im 25. oöllig ausgewachsen. In der Gefangenschaft pflanzen sich die Elephantcn nicht fort und cs müssen daher immer wieder wilde eingefangen und gezähmt werden. Dieses geschieht ans verschiedene Weise. Will man ans eine ganze Heerde, etwa von 40—100 Stück, Jagd machen, so macht man in der Gegend, wo sie sich befinden, drei Einfassun gen von starken Pfählen, welche miteinander durch enge Ocffnnngen oder Thürcn in Vcrbiildnng stehen. Die äußere Einfassung ist die größte, die mittlere etwas kleiner und die dritte die kleinste. Die Pallisadcn, welche das Gehege bilden, sind sorgfältig mit Baum- oder Bambuszwcigen dnrchflochten, damit die Thicre ein natürliches Gebüsch zu sehen glauben. Die ganze Gegend wird nun von mehreren hundert Menschen umzingelt, und durch Schreien, Trommeln, Schießen u. s. w. werden die Elephantcn nach der Einfassung hingetriebcn. Kommen sic bei der ersten an, so kostet cs große Mühe, sie hineinzubringen, weil sic fürchten, es möchte ihnen hier eine Falle bereitet sein. Ist aber einer der Anführer der Heerde einmal hincingegangen, so folgen die übrigen von selbst. Hierauf schließen die Jäger die Thür zu und zünden um den größten Thcil der Einfassung herum Feuer an, um den Elephantcn den Rückweg zu versperren und sic in die zweite Einfassung zu treiben. Merken sic, daß sie gefangen sind, so erheben sic ein fürchterliches Gebrüll, und da sic keinen andern Ausweg wahrnehmen, als den, der in die zweite Einfassung führt, so gehen sic endlich durch denselben ihrem Führer nach. Kaum sind sie hinein, so wird sogleich die Thür hinter ihnen ver schlossen, und durch Feuer und Geschrei sucht man sic eben so wie zuvor in die letzte Einfassung zu treiben. Da sie sich nun von allen Seiten cingeschlossen und keinen Ausweg sehen, so scheinen sic in Verzweiflung zu gerathen. Sic versuchen wiederholt die Pallisadcn umzurenncn, aber die Jäger scheuchen sic bei jedem Angriff durch Geschrei und Feuer zurück. Rings an den Pallisadcn herum ist auch ein Graben aufgeworfen. Diesen füllt man nun mit Wasser. Sobald die Elephantcn dieses bemerken, kommen sic herbei und ziehen mit dem Rüssel eine Menge ein, um ihren ganzen Leib damit zu bespritzen und sich abznkühlen. Einige Tage bleiben sic in dieser Einfassung und nähren sich von den kärglichen Nahrungsmitteln, welche ihnen von einem außen angebrachten Gerüste herab vor- geworfen werden. Endlich öffnet man die Thür des Ansgangs, der 60 Fuß lang, aber sehr schmal ist. Ist einer der Elephantcn durch vorgeworfenes Futter in diesen schmalen Gang gelockt, so schließt man die Thür zu. Sieht er, daß der Rückweg ihm versperrt und der Gang selbst so schmal ist, daß er sich nicht umdrehen kann, so bietet er alle Kräfte ans, um die vorder» Schlagbäume zu zerbrechen, indem er mit dem Kopfe darauf losrennt. Hat er sich ans diese Weise etwas abgemattet, so wird er mit starken Seilen gehörig gefesselt und mit Hülfe eines zahmen Elephantcn an den Ort gebracht, wo er gezähmt werden149 soll. So werden sie noch und nach alle gefangen. Jeder Elephant erhält nun seinen Wärter, der ihn pflegen und unterrichten muß. In Zeit non 5—6 Wochen lernt das Thier ihn kennen, der zu seiner Zähmung sich allerlei Mittel bedient. Er krabbelt und streichelt cs mit der Hand, redet ihn mit freundlichen Worten an, jagt die Fliegen von seinen Wunden und wird endlich so vertraut mit ihm, daß er ihm von einem zahmen Elephantcn ans auf den Rücken springt. Der Elephant wird endlich so zahm, daß er seinen Wärter ans seinem Halse sitzen und von dort ans sich in allen seinen Bewegungen regieren läßt. Nach Verlauf eines halben Jahres läßt er sich von seinem Wärter führen, wohin dieser will; doch darf ihn dieser nie nach seinem alten Aufenthaltsorte bringen» damit er sich nicht seiner Freiheit erinnere und etwa davon laufe. Schwieriger ist der Fang eines einzelnen Elephantcn. Kennen die Jäger seinen Aufenthaltsort, . so begeben sie sich bei eiubrecheudcr Dunkelheit mit vier zur Jagd abgcrichtcten weiblichen Elephantcn, welche Kumkirs genannt werden, dahin. Drei Kumkirs nähern sich mit der größten Vorsicht dein wilden Ele- phanten, rücken fressend vorwärts und zeigen dabei solche Verschlagenheit, daß man sic für wilde Elcphanten halten sollte, welche zufällig aus dem Walde heraus- tretcn. Zeigt der wilde Elephant bei dem Näherkommen der Kumkirs einige Unruhe, so ergreifen diese schnell die Flucht; denn sic würden Gefahr laufen, von ihm durchbohrt zu werden. Bleibt er aber ruhig, so umstellen sic ihn wie zu fällig und fangen an, mit ihm zu spielen, indem sie ihn sanft an den Hals drücken oder mit ihren: Rüssel umspannen. Da dies dein wilden Elephantcn gefällt, so überläßt er sich diesem Spiele und vergißt alle Gefahr. Unterdeß kriechen die Jäger ihm mit der größten Vorsicht unter den Bauch und um schlingen seine Hinterbeine mit einem dünnen Stricke. Merkt er diese leichten Fesseln nicht, so setzen sic ihre Arbeit fort, indem sie mit 6 bis 8 starken Stricken die Hinterbeine fesseln; zuletzt schlingt man noch ein 60 Ellen langes Tau um jedes Hinterbein. Ist cs möglich, so fesselt man auch die Vorderbeine. Nachdein die Arbeit vollendet, so ziehen sich die Jäger zurück und auch die Kumkirs ent fernen sich. Kaum bemerkt der Elephant, daß er überlistet ist, so wird er wüthend und sucht in den Wald zu eutflichcu. Da er wegen der engen Fesseln keinen ordentlichen Schritt vorwärts thun kann, so geht er nur langsam und cs wird den Jägern möglich, ihm zu folgen und das lange Tau um den nächsten starken Baum zu schlingen. Die Wuth des Gefangenen steigt jetzt auf's Höchste; er wirft sich auf die Erde, zerwühlt den Bodcu mit seinen Hauern und bietet alle Kräfte auf, sich frei zu machen. Zuweilen gelingt cs ihm auch, die Stricke zu zerreißen und in das Dickicht zu entfliehen. Doch geschieht dieses nur selten. Bon der langen, gewaltigen Anstrengung ermattet, wird er endlich ruhiger, und nun nähern sich ihm die Jäger mit den Kumkirs und bringen ihm Futter, das er auch anuimmt und verzehrt, während die Kumkirs mit ihm spielen. So bleibt er Monate laug gefesselt; oft noch geräth er in Wuth, wird aber ruhiger und150 sanfter, sobald die KumkirS zu ihm kommen. Hat er sich endlich an die Gefan genschaft gewöhnt, so nehmen ihm die Jäger die Fesseln ab und bringen ihn nach Hanse. Ein schöner Elephant wird selbst in Indien mit 2—3000 Thlrn. bezahlt. Man gibt ihm in der Gefangenschaft täglich 1 Centner Hen, 18 Pfund Brod und einige Körbe voll Rüben. An Getränk kann er 20 Maaß Wasser auf einmal zu sich nehmen. Der afrikanische Elephant ist wesentlich verschieden von dem asiatischen: denn er hat einen runden Kopf, größere Ohren und öfters nur drei Hufen an den Hinterfüßen. Die Stoßzähne sind noch länger und furchtbarer und wiegen 50 Pfund und darüber. Er lebt beinahe in ganz Afrika und kann eine Höhe von 14, ja 18 Fuß erreichen. Gezähmt findet man ihn jetzt nicht mehr, und man macht bloß seines vorzüglichen Elfenbeins wegen Jagd auf ihn. Seine l*/u Zoll dicke Haut hat wegen ihrer Dicke und Schwere keinen Werth und wird von den Eingeborenen höchstens zu Schilden verbraucht; das Fleisch hin gegen wird getrocknet und gegessen und soll besser als Ochsenfleisch schmecken. Rüssel und Füße gehören zu den Leckerbissen. Die Stoßzähne werden von den Drechslern, Messerschmieden, Kammmachern, Bildschnitzern zu ihren schönsten Arbeiten gebraucht und theucr bezahlt. In heißem Wasser lassen sie sich er weichen wie Wachs und in allerlei Formen pressen. Die Kaffern greifen nur einen einzelnen von seiner Heerde getrennten Elephanten an. Finden sie einen solchen, so stecken sie das Gras und niedrige Strauchholz rings um ihn her in Brand, weil sic wissen, daß er einen solchen Kreis nicht verläßt. Sie suchen ihm so nahe als möglich zu kommen und werfen eine unzählige Menge kleiner Spieße ans ihn, die ihm aber wegen seiner dicken Haut nicht viel schaden. Gewöhnlich entläuft er nun des Nachts und rennt sich die Spitzen der Lanzen immer tiefer in den Leib. Dabei verfolgen sic ihn fortwährend und bemühen sich, ans einem sichern Hinterhalte ihm noch inehr Spieße bciznbringen. Ermattet fällt das Thier endlich hin, worauf das Spiel für die Jäger noch leichter wird, bis sie endlich nach tage- und wochenlangen Bemühungen das arme Thier zu Tode quälen. Es wird auch wohl eine lange Harpune in die Erde gestoßen und zwar mitten ans dem Wege, den der Elephant auf seinen nächtlichen Wanderungen, um zu saufen, einzuschlagen pflegt. Das Eisen ist mit Widerhaken versehen und hat eine schiefe Richtung. Das schwerfällige Thier ahnet keine Gefahr, verfolgt den gewöhnlichen Weg und rennt sich das Eisen in die Brust oder in die Seite und indem cs statt rückwärts immer vorwärts geht, stößt cs sich das Eisen immer tiefer in den Leib. Noch bleibt uns übrig, einige antiquarische Bemerkungen über dieses interessante Thier anzuführen. Bor den Kriegen Alcxandcr's geschieht der Elephanten keine Meldung bei den griechischen Schriftstellern; woraus hervorgeht, daß dieser Koloß der Sängcthiere ihnen unbekannt war. Nach seinem Tode erst wurden Elephanten aus den Ländern Asiens nach Europa gebracht und auch hier,151 wie lange vorher im Orient, im Kriege gebraucht. Als die Elephantcn von den Griechen und Römern zuerst gesehen wurden, thaten sie große Wirkungen. Alexander's Soldaten stutzten und geriethen in Verwirrung; Alexander selbst aber, da er das Heer des Porus, und bei demselben 851 Elephantcn erblickte, rief in höchster Begeisterung ans: „Endlich sehe ich doch einmal eine Gefahr, die meinem Muthe angemessen ist!" Phrrhus führte zuerst Elephantcn gegen die Römer und verursachte ihnen dadurch großen Schaden. Die Soldaten zitterten bei ihrem Anblick. Die Anführer fanden aber bald Mittel, diese schrecklichen Feinde unschädlich zu machen; sie warfen Pcchkränze unter sic, wodurch die Elephantcn wüthend umkehrten und im eigenen Heere großen Schaden anrichteten. Auch ließ man Elephantcn nach Rom kommen, um die Soldaten an ihren Anblick zu gewöhnen. — In späteren Zeiten wurden Elephantcn in Schauspielen in Rom aufgestellt, und — wie Plinius berichtet — lieferten sie hier schon Beweise ihrer Gelehrigkeit und Gewandtheit. Ein so majestätisches Thier mußte nothwendig bei den Alten in hohem Ansehen stehen; weshalb denn auch schon Syrische oder Seleucidische Könige ans dem Gepräge der Mün zen Elephantcn-Bildnisse anbringen ließen. Die Benutzung der Elcphantenzähnc — des Elfenbeins — fällt in die ältesten Zeiten. Homer erwähnt in vielen Stellen den Gebrauch des Elfen beins, und zu Salomo's Zeiten war die Kunst, dasselbe zu künstlichen Schnitz- werken zu verarbeiten, schon bekannt. Auch jetzt macht man ans Elfenbein aller hand feines Schnitzwerk, Billardkugeln, Stockknöpfc u. dgl., und die Abfälle werden in der Medizin als „gebranntes Elfenbein" und als „Elfcnbein- spiritus" verwandt. — D a s Flußpferd. «Tas. V. Fig. 56.) Das Flußpferd lebt in und an den großen Flüssen Afrika's. Der Kopf ist unförmlich groß, die Ohren sind klein und zugespitzt, das Maul ist auffallend breit und angeschwollen und der Rachen ungeheuer weit. In der untern Kinn lade befinden sich zwei große Eckzähe, welche weit aus dem Rachen hervorragen und so hart sind, daß sic am Stahl Funken geben. Sie dienen statt des Elfen beins und übertreffen es sogar in mancher Hinsicht. Zuweilen wiegt ein solcher Zahn 6 Pfund. Die Haut ist sehr dick und schwer und ein Kamcel hat volle Ladung daran. Sie sieht trocken grau aus, wenn das Thier aber aus dem Wasser kommt, bläulich schwarz aus. Die Länge des Thieres beträgt 13—17 Fuß, die Höhe 7 Fuß, daö Gewicht ist 3— 4000 Pfund. Es schwimmt sehr gut, hält sich oft lange im Wasser auf und ist dann nur so weit sichtbar, als cs, um Athem zu holen, das Ende des Mauls aus den Wellen emporhebt. Oft taucht cs lange unter, geht auf dem Boden des Flusses hin und hält sich dann ab wechselnd wieder eine Zeit lang am Lande auf. Gewöhnlich liegt es am Ufer im Schilf versteckt. Seine Nahrung besteht in Gewächsen, vorzüglich in großen152 starken Wasserpflanze». In angebauten Gegenden richtet cs ans Getreidefeldern großen Schaden an und zwar weniger durch das, waö cs frißt, als durch seine plumpen, breiten Füße, mit denen cs die ganze Saat in den Boden stampft. Sie sind daher oft eine wahre Landplage und die Bewohner haben kein Mittel, sie für immer von ihren Pflanzungen abzuhalten; Alles, was sic thun, ist, in der Nacht mit einer kleinen Trommel zu lärmen und stellenweise Feuer zu nuterhalten. Die Männchen sind sehr eifersüchtig und kämpfen furchtbar miteinander um die Weibchen. Ihre Stimme ist dem Wiehern des Pferdes ähnlich. Das Weib chen bringt nur ein Junges zur Welt und zwar auf dem Laude, sängt cs aber im Wasser. Ungereizt fällt das Flußpferd den Menschen nicht an; desto wüthcn- dcr ist es aber, wenn cs angegriffen wird. Die Jäger des Flußpferdes bilden an den Ufern des Nils eine eigene Klasse. Eben so mnthig als eingeübt auf diese gefährliche Jagd, greisen sic das Thier sowohl bei Tage als bei Nacht an. Der Jäger ist mit einer Harpune bewaffnet, welche am Ende eines Seiles mit einem Holzschafte befestigt ist. Er hält sic in der rechten Hand, während in seiner linken das übrige Seil mit dein Holzschaftc ruht. Still und schleichend nähert er sich dem Thierc, wenn cs am Ufer schläft; oder er lauert des Nachts, wo cs aus dem Wasser hcrausstcigt, um zu weiden. Ist er nahe genug gekommen, so wirft er mit aller Kraft die Harpune nach demselben, so, daß sie mit dem Widerhaken durch die Haut dringt. Das verwundete Thier flüchtet sich nun eilends nach dem Flusse hin und stürzt sich iu's Wasser. Der nur leicht befestigte Schaft fällt von der Harpune ab, diese aber, am Seile befestigt, bleibt in der Haut stecken und der auf dem Wasser schwimmende Klotz zeigt die Richtung an, welche das Thier unter dem Wasser nimmt. Sehr gefährlich ist es bei diesem Anwerfen, wenn das Thier den Jäger bemerkt, che er den Wurf gethan hat. Wüthend dringt es auf seinen Gegner los, und ereilt cs ihn, so zermalmt es ihn sogleich mit seinem aufgcsperrtcn furcht baren Rachen. Ist aber das Thier glücklich angcworfen, so begeben sich mehrere Jäger in ihre bereit stehenden kleinen Kühne und nähern sich behutsam dem. schwimmenden Klotze, an welchen: sie ein zweites langes Seil befestigen, worauf sie mit dein Ende desselben schnell nach der hcrankommendcn großen Barke rudern, welche noch andere Jäger trägt. Jetzt zieht die ganze Mannschaft das harpuuirtc Thier an dein Seile heran, und kaum hat cs die Barke erreicht, als cs dieselbe mit seinen inächtigen Zähnen erfaßt und uuizustürzeu sucht, was auch bisweilen gelingt. Indessen sind die Jäger auf's Aeußerste bemüht, ihr Wagestück aus- zuführen; sic werfen ihm noch 4 — 6 andere Harpunen in den Leib und suchen das Thier so dicht an die Barke anzuklemmen, daß dadurch ein Thcil seiner Stärke und Beweglichkeit gelähmt wird und sic im Staude sind, ihm mit einem langen, scharfen Eisen den Nacken zu durchbohren oder den Schädel einzustoßen und auf diese Art dein zähen Leben ein Ende zu machen. Da die Fleisch- undKnochenmasse eines ausgewachsenen ThiereS zu groß ist, als daß selbst eine größere Mannschaft sic ans dem Wasser schaffen konnte, so wird es, noch im Flnssc schwimmend, zerstückt und so an'S Land gebracht. Man rechnet das Gewicht von 4 — 5 Ochsen gegen ein einziges Flußpferd. Das Fleisch ist schmackhaft. Die dicke Haut wird zu Peitschen verarbeitet, deren gegen 500 Stück aus einer ein zigen Haut geschnitten werden können. Das S ch w e i li c g e s ch l e ch t. Unser zahmes Schwein 'stammt von dein wilden her, welches die mchrstcn europäischen Länder, den größten Thcil Asiens und Nordafrikas bewohnt. Das wilde Schwein (Taf. V. Fig. 57) ist größer und stärker als das gemeine Hausschwein. Es ist von schwarzer oder schwarzbranner, selten von grauer Farbe, daher cs auch Schwarzwild genannt wird. Die Männchen heißen Keuler, das Weibchen Bache, und das junge Spanferkel Frischling. Die Männchen haben ziemlich große Hauzähne, welche ans dem Maule hcrvorragcn und nach oben und außen gerichtet sind. Die Weibchen sind kleiner und haben auch kleinere Hauer. Die Jungen sind gelblich weiß und braun gestreift und halten diese Färbung ein halbes Jahr hindurch. Die wilden Schweine leben gesellig in Rudeln von 40 Stück, am liebsten in Eichen- und Buchenwäldern mit sumpfigen Stellen; sie wühlen in der Erde herum nach Wurzeln, Kartoffeln, Rüben u. s. w., fressen aber auch Würmer und Larven von Insekten, junge Vögel und Eier, welche sie auf der Erde finden. Gewöhnlich ziehe» sic des Abends aus, ihre Nahrung zu suche»; den Tag über liegen sic in ihrem Lager hingestreckt. Durch ihr Wühlen sind sie Feldern und Wiesen sehr schädlich; weshalb sie auch in den meisten deutschen Staaten aus- gcrottet und in Thiergärten verwiesen sind. Ungereizt gehen sic selten ans den Mensche» los; werden sie aber angegriffen oder verwundet, so greifen sic wüthend ihren Gegner an, wobei die stärksten Sauen sich an der Spitze befinden. Eine solche wüthende Schaar hat mit ihren gesträubten Rückenborsten ein fürchterliches Ansehen. Bei alten Keulern ist oft die Haut so dick, daß keine Flintenkugel sic zu durchbohren vermag. Die Eber haben nämlich die Gewohnheit, sich oft an harzigen Bäumen zu reiben, wobei sich das Pech an ihre Haare hängt und zu einem dichten Panzer sic verhärtet. In einem Kessel oder aufgewühlten Loch, das sich in dem Dickicht der Wälder befindet und mit Reisern, Laub und Moos ausgefüllt ist, bringt die Bache jährlich ihre 4—6 Jungen zur Welt, die schon nach 3 Tagen mit der Mutter ausgehen und von ihr sehr geliebt und mnthig vcrthcidigt werden. Merkt sic Gefahr, so warnt sie ihre Kleinen durch ein starkes Schnauben, auf welches sic sich sogleich in das Dickicht verstecken. Sie können 30 — 25 Jahre alt und 200—500 Pfund schwer werden. Gewöhnlich müssen sic jedoch schon früher sterben, weil häufig auf sic Jagd gemacht ivird. Früher wurde die Ebcrjagdmit großen« Aufwand getrieben als jetzt. Es gehörte Math und Stärke dazu, einen gereizte« Eber mit de«: Hirschfänger abzufangc«, indem der Jäger den selben auf das Knie aufsctzt und das anlanfcnde Schwein sich die Brust durch bohren läßt. Jetzt schießt inan sic auf dein Anstande oder läßt sic von großen Hunden anftreiben und an den Ohren packen, worauf der Jäger leise von hinten hcranschlcicht und daö Messer ihnen hinter dein linken Schulterblatt tief hinein- stößt. Das Fleisch der Eber ist oortrcfslich und schmackhafter als das der zahmen Schweine. Die Haut wird zu Ranzen, Biicherbänden, Pergament n. s. w. ver arbeitet. Die Hauer werden zuin Poliren und die schönen starken Borsten zu Bürsten, Pinseln und Besen gebraucht. Das zahme Schwei». Das zahinc Schwein ist nun fast über die ganze Erde verbreitet und ist eben so roh und häßlich von Gestalt als sein Stammvater, das wilde. Die Leichtigkeit, womit cs aufgezogen werden kann, macht cs für die arbeitende Klasse sehr vortheilhaft. In unfern kleinen Städten und Dörfern, in den Hütten und Meiereien findet man wenige, welche nicht im Stande wären, jährlich ein Schweincheu zu mästen und sich eine wohlfeile und nahrhafte Speise zu verschaf fen. In heißen Gegenden ist das Schweinefleisch nicht gesund und selbst dem stärksten Magen erregt cs Beschwerden, daher es noch jetzt unter dem glühenden Himmelsstriche Egyptens und Arabiens spärlich genossen wird. Die Egypter durften es früher alle Jahre nur einmal, am sogenannten Mondfeste, essen. Die Schweinehirten bildeten eine besondere Kaste, waren von allen andern ansgcstoßen und durften keinen Tempel betreten. Eben so verboten Moses und später Mo- hamcd den Genuß des Schweinefleisches. Die alten Griechen hingegen hielten viel ans den Genuß desselben. Ein fetter Saurücken lvurde als ein Leckerbissen betrachtet, mit welchem man hohe Personen beim Mahle auszcichnete. Das Schwein nimmt mit allerlei Kost vorlicb; doch sind ihm Wurzeln und Getrcideartcn Licblingsnahrung. Auch ist cs sehr gesellig und geht gern in Heerde«, wälzt sich in dem nassen Schlamm herum und streckt sich träge auf die Erde hin. Fremde Thiere dürfen ihm daun nicht nahe kommen, denn obgleich sic selbst untereinander in Frieden leben, so scheuchen sie doch durch ihr Grunzen jeden fremden Gast zurück. Seine Unreinlichkeit ist bei uns zum Sprichwort geworden. Allein sic ist dennoch mehr zufällig, als in der Natur des Thicrcö selbst begründet. Die Insekten, von welchen es geplagt wird, die ihm verliehene große Lebenswärme, treiben cs in die Sümpfe, um sich abzukühlcu. Wird es daher fleißig gebadet und gestriegelt, bekommt es oft frisches Stroh, so steht cs keinem Hausthiere an Reinlichkeit nach. So behandelt man diese Thiere in England und Nordamerika, und der Fremde staunt, wenn er dort Schweine findet, die fünf Centner wiegen.155 DaS Fleisch der Schweine ist sehr schmackhaft und wird frisch, cingesalzen und geräuchert gegessen. Das Schweineschmalz gebraucht man nicht nur zur Speise, sondern auch zu allerlei Pomaden und in den -Apotheken zu manchen Arzneien. Die SchweiuSgalle ist ein wirksames Mittel gegen alle Wunden. Die gegerbte Haut wird von Buchbindern, Sattlern u. s. w. gebraucht. Der Babirussa oder Hirscheber gleicht an Gestalt und Größe einem Hirsche, Kopf und Gebiß hingegen hat er vom Schwei». Airs dem Rachen stehen 4 große Hauer oder Eckzähne hervor, wovon die im Oberkiefer 12 Zoll lang und nach oben und hinten in einen Bogen gekrümmt sind. Die Haut ist sehr dünn und nur sparsam mit Haaren bedeckt; die Farbe ist aschgrau, röthlich und schwarz gemischt; eigentliche Borsten bemerkt mau nur auf dem Rücken. Er grunzt wie ein Schwein; sein Fleisch jedoch schmeckt wie Hirschfleisch. Er lebt heerdenweise auf Borneo, Java, Eelcbes und andern ostiudischcn Inseln und nährt sich von Gras, Kräutern und Bauinblättern. Er ist ein vortrefflicher Schwimmer und schwimmt selbst durch das Meer von einer Insel zur andern. Das Bisamschwein. Das Bisamschwciu, auch Pckari oder Nabclschwein genannt, ist an Größe einem mäßigen Hausschwcine gleich, hat aber schwarze stachelige Borsten und um den Hals ein weißliches Band. Der Schwanz fehlt ihm gänzlich. Auf dem Rücken hat cs eine nabelförmige Drüse, in welcher sich eine nach Bisam riechende schmierige Feuchtigkeit befindet. Es lebt in den hochliegendcn Gegenden Südamerikas in Rudeln von 10 — 100 Stück, die bisweilen Wanderungen von 20 — 60 Stunden machen. Auf diesen Zügen lassen sic sich durch kein Hinderniß vom Wege abbringen, und sie schwimmen ohne Mühe über die größten Flüsse. Sie nähren sich meist von herabgefalleueu Baumfrüchteu und Wurzeln, brechen aber auch zuweilen in Pflanzungen ein und richten großen Schaden au. Das Weibchen bringt nur zwei Junge zur Welt, die sich leicht zähmen lassen, so daß sie eine außerordentliche Anhänglichkeit an die Menschen und seine Wohnung ge winnen. Sie folgen Tage lang ihrem Herrn im Felde und im Walde und sprin gen ihm freudig entgegen, wenn sic ihn lange nicht gesehen haben. Das Fleisch ist sehr schmackhaft, nimmt aber etwas von dem Geruch der Flüssigkeit in der Rückeudrilsc an, wenn das Thier vor seinem Tode lange gehetzt wurde. Das äthiopische Schwein lebt in dem Innern Afrikas und ist ein häßliches, wildes und gefährliches Thier. Es hat eine dunkelbraune Farbe und auf beiden Kinnladen einen drei Zoll langen und eben so breiten Auswuchs, welcher einem Ohre gleicht. Aus der Schnauze ragen auf jeder Seite ein Paar elfenbeiuartige Hauer hervor, welche 7 — 8 Zolllaug sind und sich nach oben hin kriimmcn. Die Borsten sind sehr stark und im Nacken 16 Zoll lang. Es ist in seiner Gestalt ein wahrhaft schreckliches Geschöpf und die Hottentotten sollen lieber ans einen Löwen, als ans dieses Thier Jagd machen. Denn obgleich es plnmp gebaut ist, läuft cs doch sehr schnell und holt wohl gar einen Reiter ein. Plötzlich schießt cs ans seinen Feind los und reißt ihm mit seinen Hauern den Leib ans. Die jungen Thiere lassen sich zähmen, die alten aber behalten ihre wilde Natur und müssen fortwährend an Ketten gehalten werden. Das R h i n o c c r o s oder Nashorn- (Taf. v. Fig. 58.) Dieses Thier hat seinen Namen von dem Horn, welches cs vorn ans der Nase trägt. Es ist nächst dem Elcphantcn und Flußpferde das größte Thier. Man unterscheidet zwei Arten derselben, das ostindische oder einhörnige und das afrikanische oder zweihörnige. Das ostindische Nashorn hat eine bräunliche, fast ganz nackte, l'/s Zoll dicke Haut, welche sich am Halse, von den Schultern bis zu den Vorderbeinen herab und hinten am Rücken gegen die Schenkel hin in große Falten legt. Auf der Nase befindet sich ein kegelförmiges, nach hinten gebogenes Horn, da^ schwarz, glatt und bei ausgewachsenen Thiercn drei oder vicrtehalb Fuß lang ist. Die Oberlippe hängt über die untere herab und hat in der Mitte einen dünnen Auswuchs, den das Thier verlängern und fingerartig bewegen kann. Es erreicht eine Höhe von 7 Fuß und eine Länge von 12 Fuß, lebt in Ostindien, besonders jcnscit des Ganges und hält sich vorzüg lich gern in dichten schattigen Wäldern auf, welche nicht weit von Sümpfen und Flüssen entfernt liegen. Es ist furchtsam und friedlich und fällt ungcreizt keinen Menschen an, ist aber sehr wild und furchtbar, wenn es gereizt wird. Das Horn ist dann seine fürchterliche Waffe und die dicke Haut ist ihm die beste Rüstung. Man fängt cs thcils in Schlingen, theils in verdeckten Gruben, in wel chen spitzige Pfähle anfgcrichtct sind. Obgleich das Fleisch grob ist, so wird cs doch gegessen. Das Horn wird zu Griffen, Bechern u. dgl. verarbeitet und nicht selten als Elfenbein verkauft. Die Haut gibt das stärkste Lcdcrwcrk zu Panzern, Kutschcnriemcn u. s. w. Das afrikanische Nashorn ist etwas kleiner als das ostindische, hat aber zwei Hörner, wovon das erste das größte ist, jedoch keine Hantfalten wie das vorige. Es lebt in Südafrika in sumpfigen Wäldern und wälzt sich gern im Moraste. Dieses Thier ist wild, störrisch und von ungeheurer Stärke. Durch das geringste Geräusch wird cs scheu und stürzt mit blinder Wuth auf den Reisenden los. Es stößt die Ochsen nieder, zertrümmert den Wagen, verwüstet Alles, was ihm in den Weg kommt und tobt oft Stunden lang fort. Es ist fast unmöglich, ihm zu entfliehen, weil cs mit Leichtigkeit alle Gesträuche niedcr- stampft, die ein Mensch oder ein Pferd umgehen muß. Daher wird nie auf offenem Felde auf das Nashorn Jagd gemacht, sondern die Hottentotten und157 Kaffem schleiche» sich hinter einen Bnsch und suchen cs von dort ans in der Gegend der Augen zu verwunden. Wird cö nicht tödtlich getroffen, so geräth cs in Wnth und stürzt nach dem Orte hin, wo der Schuß fiel und spürt nach dem Feinde umher. Sobald cs diesen sieht oder wittert, senkt cs den Kopf, drückt die Augen zu und rennt, mit der ganzen Länge seines Horns die Erde streifend, vorwärts. Auf einen Baum darf sich der Jäger nicht flüchten, denn diesen stürzt cs ohne große Mühe um. Das einzige Mittel, sich zu retten, be steht darin, daß er dem Thiere answeicht und schnell auf die Seite springt, so daß das wüthcnd anlanfcndc Thier an ihm vorbcistrcift. Er muß aber immer noch Geistesgegenwart genug haben, daß er sich nicht nach der Windseite wende, und sich dadurch dem Thiere ilicht anf's Nene verrathe. Geübte Jäger versichern, daß sic ans diese Weise oft Stunden lang mit dem Thiere hernmgcsprungcn seien, bis es endlich ausgctobt hätte und bann um so leichter von ihnen erlegt worden sei. Der Tapir. «Taf. v. Fig. 59.) Der Tapir hat eine gräulich-braune Farbe, ist fast ganz nackt und nur auf dem Halse mit einer kurzen Mähne versehen. Er erreicht die Größe eines jungen Esclö und lebt im südlichen Amerika, besonders in Paraguay. Hier wählt er sich dichte Wälder zu seinem Aufenthalte ans, welche nahe an Flüssen, Seen und Sümpfen liegen. In der Regel sucht er nur dcö Nachts seine Nahrung auf, die Mittagsstunden bringt er schlafend zu; und bei warmer Witterung badet er sich regelmäßig Morgens und Abends oder wälzt sich in einem Sumpfe herum. In Kopf und Beinen hat er Achnlichkeit mit dem Schweine, in seiner sonstigen Lebensart aber init dem Flußpferde. Er ist ein sanftes, schüchternes Thier, sieht sich überall um und dreht seine Schnauze nach allen Seiten hin, um seinen Feind zu lvittern. Eben so aufmerksam ist er mit seinen! Gehör und die Ohren sind in fortwährender Bewegung. Erblickt er seinen Feind, so senkt er seinen Kopf und eilt, so schnell er kann, in das Dickicht des Waldes; oder er läuft nach einem nahen Flusse hin, stürzt sich hinein, taucht unter und läuft so lange unten ans dem Boden fort, bis es ihm an Athem fehlt. Das Weibchen wirft in der Mitte des Frühjahrs ein Junges, das sich leicht zähmen läßt. Es gewöhnt sich dann ganz an seinen Wärter, sucht ihn auf und begleitet ihn kleine Strecken. Wird ihm aber der Weg zu lang, so dreht cö sich, ohne sich lange zu bedenken, um und kehrt allein nach Hanse zurück. Ungereizt thut der Tapir Keinem etwas zu Leide; er läßt sich vielmehr von Jedermann berühren und gerne hinter den Ohren kratzen. Wird er aber von Hunden angegriffen, so sucht er sic mit den Zähnen zu packen und zerstampft sic mit den Füßen. Um ihn zu fangen, jagt man ihn gewöhnlich aus dem Walde in's Freie und sucht ihm dort eine Schlinge umznwerfen.158 Eilf 1 e Brdn u n g. T h i e r c mit R u d e r f ü st e n. Die Thiere dieser Ordnung haben einen lang gestreckten Körper, der mit kurzen, aber dicht anliegenden Haaren bedeckt ist. Ihre Füße sind kurz und fast ganz in der Haut ticrstcckt, so daß sie ans dem Lande nicht gehen können; zwischen den fünf verlängerten Fingern befindet sich jedoch eine Schwimmhaut, wodurch sic sehr geschickt zum Rudern gebraucht werden können. Sic leben fast immer im Wasser und kommen nur an's Land, um zu ruhen oder sich zu wärmen. Die Seehunde. (Taf. vi. Fig. 60.) Man kennt bis jetzt 20 Arten von Seehunden oder Robben, welche alle eine besondere Gestalt haben. Ihr Leib ist vorn dick und hinten dünner; die Schnauze ist abgerundet, wie eine Katzcnschnauzc und mit Bartborstcn versehen. Die großen Augen stehen an ihin hervor und funkeln im Wasser. Zwischen den Hinterfüßen steht der kurze Schwanz, läuft nach hinten zu dünner ab und ist gewöhnlich sehr fett. Ihre Farbe ist sehr verschieden; man findet gelbe, schwarzgefleckte, ganz schwarze, schwarzgraue, auch weiße. Manche erreichen eine bedeutende Größe, öfters eine Länge von 30 Fuß und ein Gewicht von 10,000 Pfund. Der ge wöhnliche Seehund jedoch ist nur 5—6 Fuß lang und sein Pelz ist gemeiniglich oben gelbgrau mit braunen Flecken und unten weißgran. Man findet Seehunde in allen Meeren, nur nicht im indischen. Die Seehunde sind höchst neugierig und herzhaft. Wenn sie von Menschen zum ersten Mal besucht werden, so fürchten sic sich nicht vor ihnen. Sic liegen oft noch ganz still, während ihre Gefährten abgcschlachtet und geschunden werden. Aber sic lernen ihre Feinde bald kennen, entziehen ihnen das schlecht belohnte Zu trauen und vermeiden ihre Besuche. Sic werden mißtrauisch und wählen ein samere Zufluchtsörter auf den Felscnspitzen, unter hohen vorstehenden Klippen, von wo aus sie sich sogleich in's Wasser stürzen können, sobald sie die Annäherung ihres Feindes bemerken. Liegen sic in ihren Lagerstätten, so sind immer drei oder vier Wachtposten ausgestellt, während die übrigen schlafen, und sobald ein Boot, selbst eine Meile noch von der Küste entfernt, erscheint, so machen diese Wächter sogleich Lärm, wo dann in einem Augenblick das ganze Lager in Bewegung ist. Um sich den Weg zu leichter»! Fortkommen schlüpfrig zu machen, speien sic be ständig Wasser aus. Jeder eilt ans diese Weise so schnell als möglich nach der Brandung hin, so daß in der Zeit, bis das Boot das Ufer erreicht, mit Aus nahme weniger Weibchen, ivclchc Junge haben, fast alle im Wasser sind. Diese bleiben und vcrtheidigen und schützen ihre Jungen bis zum letzten Augenblick;werden sic sehr in die Enge getrieben, so fassen sie mit den Zähnen die Jungen im Nacken und tauchen in die Brandung, wobei sic genöthigt sind, die Köpfe ihrer Jungen über dem Wasser zu halten, damit sie nicht ertrinken. Auch viele von den Männchen halten Stand und vertheidigen die jungen Robben grimmig mit Zähnen und Füßen, wobei sic, >vie in der Leidenschaft überhaupt, ein heiseres Gebell, in der Jugend aber eine Art Katzengcschrci hören lassen. In der Brunstzeit kämpfen die Männchen heftig um die Weibchen, welche diese»: Streite ruhig Zusehen. Ist er entschieden, so ergibt sich das Weibchen freiwillig dem Sieger und sieht verächtlich auf den besiegten Nebenbuhler. Der stolze Sieger führt nun seinen erkämpften Schatz von dem Schauplätze des Strei tes hinweg und zwar auf eine zarte und feine Manier. Fast bei jedem Schritte bückt er sich und nickt zu seiner Braut herab und berührt ihre Lippen mit den scinigcn. Eine Eisscholle oder eine Klippe am unbcsnchtcu Strande dient den Jungen, deren das Weibchen höchstens zwei wirft, als Wiegcnbett. Die Mutter säugt sie, auch wenn sie schon schwimmen können, im Wasser fort. Sie sind äußerst munter und lassen sich leicht zähmen. Die Grönländer verfolgen die Seehunde mit Wurfspießen und Harpunen mit Widerhaken, an welchen ein Seil und an dessen Ende eine Blase befestigt ist. Der Jäger befindet sich in einem ganz leichten Kahne, der aber mit der größten Vor sicht geführt werden muß, damit er nicht umschlage. Mit diesem sucht er dem Seehunde nahe zu kommen und wirft ihm die Harpune in den Leib. Das ver wundete Thier taucht sogleich unter, aber die Blase, die ans dem Wasser schwimmt, zeigt dem Jäger die Stelle, wo der Seehund sich befindet. Sobald er auftaucht, sucht er ihm neue Stiche beizubringen, bis er todt ist. Ist dies der Fall, so bläs't er die Haut zwischen dem Fleische auf und bindet nun das leicht schwimmende Thier an sein Boot. Zuweilen bekleiden sich auch die Jäger mit einem Scc- hundsfell, schleichen ans dem Eise langsam heran, indem sic dabei mit dem Kopfe wackeln und die Stimme des Thicrcs nachmachcn. Haben sie dasselbe erreicht, so springen sie ans und durchbohren es mit dem Jagdmesser. Befinden sich die See hunde unter dein Eise, so machen sie sich von unten zu runde Löcher in die Eis decke, damit sic ihre Schnauze durchstecken und Luft schöpfen können. Sobald die ses aber geschieht, stoßen die Jäger ihnen die Harpune in's Gesicht. Auch ihre Neugierde benutzt man, um sie zu fangen. Weil sie namentlich dem Feuer gern nachgehen, so umstellt man Nachts das Seegcstadc mit Netzen und schürt Feuer dahinter an. Kaum bemerken die Seehunde die hell anflodcrnde Flamme, so kriechen sie heran, verwickeln ihre Köpfe in die Netze und werden in dieser Ge fangenschaft erschlagen. Der stutzen, den der Seehund uns gewährt, ist sehr groß. Aus seinem Fette wird Thran geschmolzen, der zum Brennen in Lampen oder auch als Speiseöl gebraucht wird. Ein einziges Thier liefert oft 40—60 Pfund. Aus den Fellen werden Winterkappen, zierliche Tabaksbeutel, Taschen, Koffcrüberzüge, Pferdedecken,160 Handschuhe u. dcrgl. verfertigt. Am wichtigsten sind jedoch diese Thiere fiir die Bewohner der Polargegenden, denn diesen dient ihr Fleisch zur Nahrung. Der Thran gibt ihnen einen Labetrank oder wird als Lampcnöl gebraucht. Aus den Fellen verfertigen sie ihre ganze Kleidung, Riemenzeug, Schlitten und Wohnungen. Die Sehnen werden zu Zwirn, die Gedärme zn halbdnrchsichtigen Fensterscheiben, zu Hemden und Segeln gebraucht; die Knochen zu Nähnadeln, Messern und Gabeln. Der Seeelephant oder Rüsselrobbe ist der größte aller Robbe»; denn er ist 20 — 25 Fuß lang und hat 14 Fuß im Umfang. Der Rüssel ist 5—6 Zoll lang und findet sich nur bei den Männchen, welche ihn im Zorne zu einer Länge von einem Fuß aufschwellcn lassen. Das Weibchen, welches kleiner als daö Männchen ist, wirft nur ein Junges, das bei seiner Geburt die Größe eines Schweines hat. Es wächst sehr schnell und ist nach 8 Tagen schon um 4 Fuß länger und 100 Pfund schwerer. Das Vaterland der Sccelephantcn sind die südlichen Inseln des stillen Occans, wo sic in großen Hcerden leben. Ans dem Lande sind sie sehr langsam und alle 15 — 20 Schritte bleiben sie keuchend stehen, um Athen; zu schöpfen. Wenn sic Schmerzen haben, so vergießen sie Thränen, welche in großen Tropfen auf die Brust herabfallcn. Sonst sind sie ruhig und friedlich und zeigen vor den Men schen große Furcht. Werden sic aber feindlich angegriffen, so stellen sic sich zur Wehr und sperren ihren Rachen mit den halbspannenlangen Zähnen fürchterlich gegen ihren Feind auf; sic können sich aber kaum vertheidigen, und trifft man sic mit einem starken Knittel recht derb ans die Nase, so sinken sic hin. Das Weib chen soll gar keinen Versuch machen, sich zu vertheidigen. Ihr Fleisch ist nicht zu genießen; ihr Fett hingegen ist vorzüglich nnd besitzt eine heilende Kraft und ist feiner als Mandelöl. Eine einzige Robbe liefert 14 —15 Centner. Das Ocl wird besonders in den englischen Tuchfabriken verbraucht, um die Wolle sanft nnd geschmeidig zu machen. Der S e e l ö w e. Der Scclöwe ist 15 bis 20 Fuß lang und wird entweder glatt oder ge- mähnt gefunden. Der glatte Scclöwe hat ans der Nase eine runzliche Haut, welche wie eine Kappe zusamnicngefalten ist und die er im Zorne anfblasen kann. Bei der andern Gattung hat das Männchen im Nacken eine zottige Mähne. Die gemeine Farbe beider Gattungen ist die braungelbe und ihr Aufenthaltsort ist der stille Occan. Sie kommen zuweilen an's Land, bringen aber sonst den größten Thcil ihres Lebens im Wasser zu. In der Wuth erheben sie ein fürch terliches Gebrüll. Sie leben meistens mit den Seebären in Kampf, worin sie Sieger bleiben. Auch unter sich kämpfen sic hartnäckig und reißen sich mit ihrem161 furchtbarem Gebiß tiefe Wunden, sa daß das Meer von ihrem Blute gefärbt wird. Das Weibchen bringt 1 — 2 Junge zur Welt, welche in ihrer zartesten Jugend noch nicht schwimmen können; später nimmt sic die Mutter auf den Rücken und wirft sic zuweilen herunter, damit sie schwimmen lernen. Der Seebär, auch Bä reu robbe genannt, ist braun und weißlich und erreicht eine Länge von 8 — 9 Fuß und ein Gewicht von 800 Pfund. Seine Schnauze ist abgerundet und gleicht der eines Mopshundcö. Diese Thierc leben hccrdcnwcise, oft in Fa milien von 120 Mitgliedern, im Norden des stillen Occanö und sind vortreffliche Schwimmer, denn sie legen in einer Stunde zwei Meilen zurück. Auf dem Lande hingegen sind sic langsam. Sie sind sehr böse, streitsüchtig und gefährlich und fallen Alles an, was sich ihnen nähert. In manchen Gegenden sind sic so zahl reich, daß sic große Plätze ganz bedecken. Sie liegen oft ganze Wochen lang, ohne sich zu bewegen, auf einer Stelle und schlafen. Oesters wachen sie auf, recken die Köpfe in die Höhe, sehen sich einander verwnnderungsvoll an, erheben ans einmal ein entsetzliches Gebrüll und legen sich dann wieder nieder. Die Männchen kämpfen heftig um die Weibchen und die Sieger führen sie im Triumph vom Kampfplätze weg. Das Weibchen wirft ein Junges, welches es mit der größten Liebe und Sorgfalt bewahren muß, wenn cs von dem Vater keine Strafe erhalten will. Droht dem Kleinen Gefahr, so stellt der Vater sich tapfer zur Gegenwehr und gibt dem Weibchen zu verstehen, das Kind schnell fortzutragen; thnt sic das nicht, so fährt der Gemahl grimmig ans die Mutter los und staucht sic gegen die Steine, bis sic für tobt da liegt. Erholt sic sich nach und nach, so kriecht sie demüthig zu seinen Füßen und benetzt sie mit ihren Thränen, gleich sam als wollte sic um Vergebung bitten. Verliert der Vater ein Kleines, so zeigt er auch große Traurigkeit und bricht in Thränen aus. Den gefährlichsten Feind haben die Seebären an dem Menschen; allein sie wehren sich tapfer und machen ihrem Gegner viel zu schaffen, denn ihr Leben ist sehr zähe. Man kann ihnen Kopf und Glieder zerschmettert haben, immer suchen sic sich noch zu vcrtheidigen. Ihr festes Fett gibt einen vortrefflichen Thran, aber ihr Fell wird nicht so sehr geschätzt, als das der Landbären. Das Fleisch der Jungen soll schmack haft sein. Das W a l l r o ß. (Taf. vi. Fig. 61 .) Das Wallroß zeichnet sich besonders durch seine zwei langen, aus dem Maule hervorragenden, abwärts gerichteten Eckzähne ans, welche auf jeder Seite der bei den Kinnladen stehen. Eö hat eine dicke schwärzliche Haut, welche mit kurzen, bräunlichgelben Haaren besetzt ist. Ausgewachsen hat cs eine Länge von 20 Fuß, eine Dicke von 3—4 Fuß und ein Gewicht von 15—20 Centnern. Es lebt in großen Hccrdcn in den Polarländcrn. Hier lagern sic oft zu Hunderten auf Vlumer'ü Naturgeschichte. tl162 dem Eise ober am Ufer, haben aber mehrere Wachtposten ausgestellt, um zeitig der drohenden Gefahr zu entrinnen. Kommt ein Boot heran, so wecken diese Wächter die zunächst Schlafenden, und auf diese Weise Pflanzt sich das Wcckzeichcn schnell fort. Aber sie entfliehen nicht, sondern bleiben ruhig liegen, bis sie etwa durch den Schuß einer Kanone in Bewegung gebracht werden, wo sie dann in wilder Unordnung sich in's Meer stürzen. Ihre Hauer geben ihnen eine kräftige Waffe gegen Eisbären, Haifische und Menschen. Sie hauen mit denselben in das Boot, in welchem sich ihre Verfolger befinden und versenken cö oft. Auch schla gen sie dieselben in das Eis ein und schleppen so ihren unbchnlflichen Körper nach. Die beständigen Nachstellungen vermindern ihre Anzahl sehr, und in manchen Ge genden, wo man früher sehr viele fand, trifft man jetzt gar keine mehr an. Die Hauzähne, welche oft 5 bis 10 Pfund schwer, sehr weiß und hart wie Elfenbein sind, werden zerstückelt und, weil sic nicht gelb werden, von Zahnärzten zu falschen Zähnen gebraucht. Die Haut gibt ein unverwüstliches Niemenzeug. Durch Gerben wird sic sehr locker und weich. So leicht cö ist, ein Wallroß zu Land zu erlegen, so gefährlich ist es, in der Sec sic anzugrcifen. Denn da sic gewöhnlich in Heerden gehen, so zieht ein Angriff ans ein einzelnes alle andern zur Vertheidignng desselben herbei. In solchen Fällen versammeln sie sich oft rund um daö Boot, in welchem ihre Feinde sind, hauen sich mit ihren Zäh nen in dasselbe und drohen es umzuwerfen. Das einzige Mittel, sich zu retten, besteht in diesem Falle darin, daß man den wüthenden Thiercn Sccsand in die Augen wirft, wodurch sie genöthigt werden, sich zu entfernen. An den Küsten von Spitzbergen und den benachbarten Inseln finden sich jetzt noch Heerden von mehreren Hunderten, die an den Russen, welche dort überwintern, ihre schlimmsten Feinde haben. Ein einziges Wallroß gibt 1 bis 2 Tonnen vortrefflichen Thran. Der M a n a t i, (Taf. vi. Fig. 62) auch Seekuh oder Seejnngfcr genannt, lebt an den amerikanischen und afrika nischen Küsten in den Mündungen großer Ströme. Seine glatte Haut ist nur mit wenigen Haaren besetzt und hat eine schwarzgraue Farbe. Er wird oft 20 Fuß lang und 20 Centner schwer. In seiner Gestalt sicht er den Fischen sehr ähnlich. Denn die Füße sind beinahe wahre Flossen und er ist nicht im Stande, sie zum Gehen ans dem Lande zu gebrauchen; daher er auch meist im Wasser lebt und oft mehrere hundert Meilen die Flüsse hinaufsteigt, wenn er nicht durch Wasserfälle in seinen Reisen gehindert wird. Er ist sehr gefräßig und nährt sich mit Seegras und Uferpflanzen, weshalb er sich am liebsten an seichten Flußmün dungen aufhält. Ocftcrö kommt er dein Ufer so nahe, daß man ihn mit der Hand streicheln kann. Sein Rücken ist, wenn er schwimmt, stets außer dem Was ser; cs sitzen gewöhnlich eine Menge Mövcn darauf, die ihm eine Art Würmer aushacken, von welchen er vielfach geplagt wird. Er lebt familienweise. Seiner Haut wegen und besonders wegen seines Fettes, das die Butter an Wohlgeschmack163 übertreffen soll, wird er hitzig verfolgt. Man harpunirt ihn, womit jedoch viele Gefahr verknüpft ist. Von einer Harpune getroffen, bietet der Manati alle Kräfte auf, sich von derselben tosznmachen; auch feine Familie eilt ihm sogleich zu Hülfe, drückt auf das Seil, um den Pfeil herauszuziehen, oder schwinunt unter daö Boot, um eö umznftürzen. Bei keinem Thiere ist wohl die Liebe zwischen dem Männ chen und Weibchen so groß, als bei diesem. Ist das Weibchen von der Harpune getroffen, so sucht das Männchen dasselbe wieder frei zu machen. Gelingt dieses aber nicht und wird daö Weibchen an'ü Land gezogen, so schwimmt das Männ chen nach der Stelle, wo sein Weibchen hingebracht wurde. Hier bleibt es wohl drei Tage liegen und vergießt bittere Thränen. Daö Weibchen bringt nur ein Junges zur Welt, welches es zärtlich liebt. Das Schnabclthier. (Taf. VI. Fig. 63.) Dieses merkwürdige Thier ist erst in neuester Zeit durch die Berichte auf merksamer Reisenden genauer bekannt geworden; denn man war lange ungewiß, ob man ihm seine Stelle unter den Sängethicren oder unter den Vögeln einräu men solle, indem Einige behaupteten, es lege Eier, Andere, es bringe lebendige Junge zur Welt. Ist nun auch jetzt Letzteres, durch des Engländers Bennett's genaue und gründliche Beobachtungen (1832), bis zur Evidenz erwiesen, und so mit das Thier als Säuger anerkannt: so bleibt cs dennoch sowohl in der engen Beschränkung seines Bereiches — denn bis jetzt ist cs nur in den Flüssen, Seen und Sümpfen von Neuholland gefunden worden —, als auch in seiner Organi sation und Lebensweise so sehr abweichend von allen andern Thieren, daß Geof- froy St. Hilairc ans den wenigen Thieren dieser Familie (Ornithorhynchus und Echidna) eine eigene neue Thierklasse, unter dem Namen der Monotremcn (Mo notrema, von der Einfachheit ihrer Absondcrungskanäke), errichtete und sic zwischen die Vögel und Säugethiere stellte. Die sonderbaren Theile des Körpers sind beim Schnabelthiere die Vorder- süße, an welchen die Schwimmhaut weit über die Zehen hinausreicht, als ob cs, den Fledermäusen entsprechend, ein Wasscrflattcrcr hätte werden sollen, und der Entcnschnabel, welcher mit einer empfindlichen Haut überzogen ist, am Rande sägenförmige Einschnitte und Fühlfäden hat, ganz wie bei den Enten, und hinten unter den kleinen Augen in einer Falte sich erhebt, die ihn wie ein Kranz umgibt. Das Männchen hat außerdem noch einen beweglichen, hornigen, an der Spitze ge öffneten Sporn an jedem Hinterfüße, mit welchem es wohl verwunden, aber nicht vergiften kann, wie man sonst wohl behauptete. Im Uebrigen ist cs in Ban, Größe und Farbe einer Fischotter nicht unähnlich. Mau sieht sic in Flüssen zu allen Jahreszeiten. Bennett beobachtete sie zuerst am Jasslnsse in einer Lache, wo cs viele Wasserpflanzen gibt, unter welchen die Schnabelthiere, ganz wie die Enten, ihre Nahrung suchen,.und in deren schattige Ufer sie ihre Höhlen graben. 11 *164 Sie schwimmen, den Rücken gerade in der Wasserhöhe und den Kops etwas her vorgestreckt, sehen und hören sehr gut und verschwinden daher beim geringsten Geräusche unter dem Wasser, kommen aber bald mit einem hörbaren Platzen wie- der herauf. Bisweilen spielen sic mit einander, wie junge Hunde, indem sic sich mit ihren Kiefern angreifen und die Pfoten gegen einander erheben. Wenn sie rennen, so sind sic außerordentlich belebt; ihre kleinen Augen funkeln, und die Ohröffnungen erweitern und verengern sich sehr schnell. Nimmt man sic in die Hände, so zappeln sic heftig, und ihre lose Haut macht, daß man sie nur schwer halten kann. Streichelt man sic, so freuen sic sich darüber, öffnen den Schnabel, beißen sanft in die Finger und tummeln sich herum, wie kleine Hunde. In seich tem Wasser sind sie außerordentlich lustig, jagen einander, überschlagen sich und begeben sich sodann in's Trockene, um ihr Fell mit den Füßen zu reinigen, wobei sic wieder sehr glänzend werden. Zwölfte B r d n n n g. Walfischarlige Thiere. Die Thiere dieser Ordnung, Walthiere oder auch Fi sch sauge thic re genannt, haben statt der Vorderfüße Flossen; ihr Körper ist fischähnlich und ver längert sich in einen dicken Schwanz. Das äußere Ohr fehlt ihnen gänzlich. Sie bringen lebendige Junge zur Welt und säugen sic, sie athmcn durch ihre Lungen und haben rothes, warmes Blut. Im klebrigen gleichen sic den Fischen; sic hal ten sich beständig im Wasser ans und kommen nie an das Land; da sie aber durch Lungen athmcn, so müssen sie oft an der Oberfläche Luft schöpfen. Ihre Haut ist glatt und weder mit Haaren noch mit Schuppen bedeckt. Auf dem Kopfe ha ben sie Nasenlöcher, durch welche sic mit Gewalt das Wasser ausspritzen, das sie beständig verschlucken. Sie sind nicht stumm, wie die Fische, sondern geben einen blöckenden oder brüllenden Ton von sich. Der ächte Walfisch. (Taf. VI. Fig. 64.) Der gemeine oder grönländische Walfisch ist gewöhnlich von granschwarzer Farbe, die Zunge, ein Thcil des Unterkiefers, der Oberkiefer und ein Thcil des Bauches ist weiß. Aeltere Thiere sind grau und weiß, jüngere bläulich schwarz. Er erreicht eine Länge von 70 Fuß und eine Höhe von 30 Fuß. Der Körper hat an den Flossen einen Umfang von 40 Fuß; der Rachen ist 6 — 8 Fuß weit, 10 — 12 Fuß hoch und 15 —16 Fuß lang, also geräumig genug, um ein Boot mit 6—8 Mann aufzunehmen. Der Schlund hingegen ist sehr klein, denn mankann nur eine geballte Faust durchstccke». Der Schwanz ist 6 Fuß lang und 18 — 26 Fuß breit, in ihm besitzt der Watfisch seine größte Kraft, denn er ist im Stande, mit demselben ein stark bemanntes Boot nmzuwerfen oder in die Höhe zu schlendern. Das Auge ist sehr klein und nur ein wenig größer als ein Och senauge. Oben auf dem Kopf sind zwei Luftlöcher, ans welchen er das einge- schlucktc Wasser in hohen brausenden Strahlen wieder anöspritzt, und es soll einen herrlichen Anblick gewähren, wenn mehrere solcher Fontainen auf dem Meere am Anfsteigen sind. Der Walfisch liefert uns das Fischbcin. Dieses wird aus den sogenannten Barten bereitet, welches dicke Lagen zu beiden Seiten im Rachen sind und die Stelle der Zähne vertreten. Jede Reihe besteht ans mehr als 300 einzelnen Stücken. Die längsten befinden sich in der Mitte und haben eine Länge von 15 Fuß. Ein großer Walfisch gibt bisweilen 3360 Pfund Fischbein. Die Zunge nimmt einen großen Theil von der Mundhöhle ein und ist oft über zehn Ccnt- ncr schwer. Das Weibchen hat am Untcrleibe zwei Euter, welche Milch enthalten, die in ihrem Ansehen der Milch anderer Sängcthiere gleicht. Sie soll fett und sehr wohlschmeckend sein. Unmittelbar unter der Haut liegt dicker Speck, welcher das ganze Thier umkleidet und eine gelbe oder rothe Farbe hat. Ans diesem Speck wird der Thran gewonnen. Jede Rippe allein gibt 4000 Pfund, und von einem großen Walfisch, der ungefähr 140,000 Pfund wiegt, erhält man 30 Ton nen oder 60,000 Pfund Thran. Das höchste Gewicht, welches das ganze Thier erreichen kann, ist 200,000 Pfund, so viel als 200 Ochsen oder 30 Elephan- tcn wiegen. Die Stimme scheint dem Walfische gänzlich zu fehlen; wenn er aber mit dem Schwänze und den Flossen das Wasser Peitscht, so entsteht ein dem Kanonendon ner ähnliches Getöse. Er kommt niemals an das Land, sondern hält sich immer im Wasser ans. Weil er leichter ist als das Sccwasscr, so kann er leicht auf der Oberfläche des Wassers schwimmen. Wenn er sich anstrengt, so kann er mit der Schnelligkeit eines Pfeiles fortschießen, und wenn er verwundet ist, so geht er mit einer solchen Geschwindigkeit senkrecht in die Tiefe hinunter, daß oft die Kinn laden und der Schädel durch das Anstoßen gegen den Boden zerbrochen werden. Er athmct alle Viertelstunden einmal und kann eine halbe, ja eine ganze Stunde lang unter dem Wasser bleiben. Sein Gehör scheint sehr stumpf zu sein; eben so sein Gesicht außerhalb der Oberfläche des Wassers, unter dem Wasser hingegen ist cs sehr scharf. Er lebt gesellig in den eisigen Meeren von Grönland und der Davisstraße, in der Bas sins- und Hudsonsbay, in dein Meere nördlich von der Behringsstraße und auf der nördlichen Küste von Asien. Niemals jedoch findet man ihn in der Nordsee. Er nährt sich von Heringen und andern kleinen Mccrthiercn. An seinem Körper166 setzen sich oft Muscheln an und vermehren sich, wie an einem Felsen. Das Weib chen wirft jährlich ein 10—15 Fuß langes Junge, das 2 Jahre lang an der Mutter sangt, erst im 25. Jahre ausgewachsen ist und mehrere hundert Jahre alt werden kann. Die Mutter bcweis't gegen ihr Junges eine außerordentliche Zärtlichkeit und läßt sich durch nichts schrecken, wenn cs darauf ankommt, ihr Kind zu retten. Unter den vielen Feinden, welche der Walfisch hat, sind der Sägefisch, wel cher ihm mit seinem Schwerte oft den Bauch aufschlitzt, und der Mensch die ge fährlichsten. Die Gefahren, welche der Walfischfängcr zu bestehen hat, sind sehr mannichfaltig. Oft gcräth das Schiff zwischen dröhnende Eisberge, und »venu nicht ein kleiner Ausweg mit Blitzesschnelle benutzt »vcrdcn kann, so »vird cs gänz lich zertrümmert. Aber alle Gefahren achtet der Mensch nicht, um sich des Wal fisches zu bemächtigen. In der Mitte des Monats März laufen die Schiffe, mit Lebensmitteln nuf 9 Monate versehen, ans. Jedes derselben ist mit 30 bis 55 Harpnnircrn, Steuerleuten, Ruderern und Matrosen bemannt und führt noch 6 — 7 Boote mit sich, die an Ort und Stelle gebraucht werden. Ist das Schiff an seinem Bcstinnnnngsortc angclangt, so legt es sich vor einem Eisfcldc oder an der Küste vor Anker und schickt seine Boote ans, um einen Walfisch anfzusnchen. In jedem Boote befinden sich kräftige Harpunirer, »vclche mit Harpunen und Lan zen bewaffnet sind. Die Harpune ist ein drei Spannen langes pfcilförmigcs Eisen mit Widerhaken, das an einem langen hölzernen Schaft befestigt ist. In diesen Schaft sind sehr lange Taue gebunden, die um eine Walze laufen, »velchc in der Schaluppe aufgestellt ist. Die Harpune dient dazu, den Walfisch fcstznhalten, die Lanzen, ihn zu tödten. Haben sic einen entdeckt, so nähern sic sich ihm ganz be hutsam, und suchen alles Geräusch zu vermeiden, damit sic ihn nicht verjagen. Er kann mit seinen kleinen Auge» nicht recht sehen, »vas vorgeht: daher ist es nicht schwer, ihm bis ans brci Klafter nahe zu kommen. Einer von der Mann schaft nimmt nun eine Harpune und schlendert sie mit aller Kraft in den Kopf oder Leib. Kam» fühlt der Walfisch sich verwundet, so zuckt er krampfhaft, peitscht mit dem Schwänze in das Wasser und schießt pfeilschnell in die Tiefe oder unter das Eis. Eben so schnell muß das Tan von der Rolle ablaufcn und mit Wasser fleißig begossen werden, damit cS nicht in Brand gcräth. Zmveilen reicht die Länge des Taues nicht aus, oder es vcrivickclt sich; in diesen» Falle »nuß cs mit einen» Beile schnell abgehanen »vcrdcn, damit das Boot nicht mit in den Abgrund hinab, oder unter das Eis gezogen »vird. Denn UnglückSfällc dieser Art sind schon viele vorgekommen. Ist das Thier glücklich harpnnirt, so rufen und schreien die Ma- trosen: „ein Fall, ein Fall!" »vorauf auf dem Boote eine Flagge aufgcsteckt »vird. So »vie dies Wort vernommen »vird, stürzt Alles von den» Schiffe herab in wil- dcr Verwirrung in die Boote. Und »vcr mit der Bedeutung des Losungswortes nicht bekannt is», möchte glaube»», daß cnllveder die ganze Mannschaft närrisch ge-167 worden, oder das Schiff in der größten Gefahr sei, zu sinken. Nach Verlauf einer halben Stunde oder noch spater kommt der Walfisch wieder nach oben, um Luft zu schöpfen und bläs't durch seine Nasenlöcher in hohen gewaltigen Strahlen Wasser und Blut aus. Jetzt sucht man ihm »och eine Harpune beizubringen; er schießt abermals in die Tiefe und kommt wieder zurück; aber schou wartet seiner eine dritte Harpune. Von dem Blutverluste und wildem Umhertoben ist er nun so abgcmattct, daß er sich auf dem Wasser gauz ruhig bewegt. Die Matrosen suchen ihm nahe zu kommen und mit den Lanzen ihn im Herzen und in der Lunge zu verwunden. Noch einmal nimmt der Walfisch seine letzten Kräfte zu sammen und führt ungeheuere Schläge nrit seinem Schwänze. Für die Boote <st dieser Augenblick einer der gefährlichsten, denn wenn sic sich nicht schnell ent fernen, so werden sic gänzlich zertrümmert. Das ermattete Thier wirft sich endlich auf die Seite und stirbt. Jetzt kommen die Schaluppen heran. Man schneidet ihm einige Löcher durch den Schwanz, zieht ein Tau durch und schleppt ihn so nach dem Schisse, wozu aber sechs stark bemannte Boote nöthig sind, die mit aller Gewalt rudern müssen. Nachdem er am Schiffe sorgfältig befestigt worden, steigen die Matrosen mit Sporen an den Sohlen, damit sic nicht aus gleiten, ans ihn hinab. Man schneidet den Speck in langen großen Streifen, lös't das Fischbcin und die Kinnladen ab und bringt Alles auf's Schiff, wo es in Fässer verpackt wird. Den Ertrag an Thran und Fischbcin kann man immer auf 5000 Thaler anschlagen. Das Fleisch überläßt man gewöhnlich den Raub- thieren; die Eskimos und andere Nordindianer essen es; die Knochen verarbeiten sie sich zu Harpunen und Sparren, zu Stützen in ihren Zelten. Die Sehnen spalten sie in Fäden und brauchen sie als Zwirn. Mehr als vierhundert Schiffe und über 20 ,000 Seeleute werden durch den Walfischfang beschäftigt. In neuester Zeit hat man angcfnngcn, die Harpunen mit Kanonen auf dieselben abzufeuern, was aber eine schnelle Ausrottung dieser Thicrc zur Folge haben möchte. Eine besondere Gattung von Walfischen bilden der Nordkaper (Taf. VI. Fig. 66) und der Finnfisch (Taf. VI. Fig. 65). Der Nordkaper findet sich sehr zahlreich ain Nordcap, in dem nördlichsten Thcilc Norwegens. Er ist mage rer und schmaler, als der gemeine Walfisch; hat aber einen weit größeren Schlund, denn er kann ganze Heringstonnen ans einmal verschlingen. — Der Finnfisch erreicht eine Länge von 100. Fuß, ist also bei weitem größer, als der gewöhnliche Walfisch. Seine Farbe ist oben glänzend braun, unten rein weiß. Er hält sich zwischen Europa und Amerika, in den grönländischen Gewässern auf. Weil er aber kaum 10 Tonnen Thran gibt, so wird er von den Walfischfängern wenig geachtet.168 D e r Narwal, (Taf. VI. Fig. 67) oder auch Seeeinhorn genannt, ist von schiefergrauer Farbe, ans dem Rücken mit schwarzen Flecken. Er erreicht eine Länge von 20 bis 30 Fuß und ist int Durchmesser 3 biö 4 Fuß dick. Oben auf dem Kopfe befindet sich eine Oeffnuug zum Athmen, die mit einer schließbaren Klappe versehen ist. In der obern Kinnlade sitzen zwei große Stoßzähne, welche aber nicht abwärts, sondern mit dem Körper in einerlei Richtung gerade fort laufen. Nur bei jungen Thiercu trifft man sic beide an; bei alten geht der rechte verloren und cö entwickelt sich nur der linke, der eine Länge von 10 Fuß erreicht, Nach diesem Stoßzahn wird der Narwal auch Scecinhorn genannt. Er wird wie Elfenbein verarbeitet, nimmt aber an der Luft eine gelbe oder bräunliche Farbe an. Früher schrieb der Aber glaube einem solchen Zahne eine große Heilkraft zu, und man bezahlte ihn oft mit 100,000 Thalern. Jetzt aber hat sich nicht nur dieses Vorurtheil, sondern auch der hohe Preis verloren; denn für einen Narwalözahn bezahlt man nicht mehr als 15 Thalcr. Das Thier gebraucht denselben theils als Waffe, thcils pflegt cs damit Löcher in das Eis zu bohren, um Luft zu schöpfen. Er ist übrigens gesellschaftlich und lebt in großen Schaarcn in dem nördlichen Occan zwischen Europa und Amerika. Er hat nur wenig Speck und liefert daher wenig Thran. Der Caschelot. Der Caschelot ist merkwürdig durch seinen ungeheuren Kopf, der fast die Hälfte des Körpers einnimmt. Er wird 70 biö 80 Fuß lang und findet sich fast in allen Meeren. In der untern Kinnlade seines gewaltigen Rachens sitzen 20 — 23 spitze, sichelförmig gebogene Zähne, im Oberkiefer sind sie mehr im Zahnfleisch versteckt. Der Schlund ist so weit, daß ein ganzer Ochö recht gut hindurch kann. Der Leib ist kegelförmig gebaut und mit einer glatten, braunen oder schwarzen Haut bedeckt. Er ist für den Handel sehr wichtig, weil das Walrath von ihm erhalten wird. Dies ist eine milchweiße fcttartigc Masse, welche erkältet wie Wachs auösicht und sich in verschiedenen Höhlen mitten im Speck befindet. Dieses Walrath, von dem ein Thier 10 biö 20 Tonnen liefert, wird zu Lichtern und in der Medizin gebraucht. In einer großen, 3 bis 4 Fuß langen und 2 bis 3 Fuß breiten Blase, im Innern des Leibes über dem After, hat dieser Fisch eine ölige dnnkelorangenrothe Flüssigkeit, in der sich kngelähnliche Schalen befinden, die oft 20 Pfund schwer sind. Es ist dies der Ambra, der sehr wohlriechend ist lind in hohem Preise steht. Sein Geruch hält sich Jahr hunderte hindurch; auch wird der Ambra in der Medizin gebraucht. Man findet ihn auch zuweilen in ccntncrschwcrcn Klumpen im Meere schwimmend. Der Caschelot lebt gesellschaftlich, oft in Heerden von 200 Stück. Er ist der Schrecken aller Meeresbewohner, und selbst der gefräßige Haifisch flieht vor ihm ausIG9 Angst, bott ihm verschlungen zu werden. Er verschlingt Seehunde, Delphine, Haifische und junge Walfische. Diese werden, wenn sie einen Caschelot erblicken, von einer solchen Furcht ergriffen, daß sic sich blindlings nach dem Seeufer hin flüchten und dort stranden. Bei den großen Zügen, welche die Caschclots machen, sind 1, 2 oder 3 männliche Thiere die Anführer der Heerde, die übrigen alle sind Weibchen. Koinnien andere Männchen dem Trupp nahe, so entsteht ein heftiger Kampf, wobei die Meereswogen iit weiten Strecken hin in Bewegung gerathen. Der Delphin- (Taf. Vt. Fig. 68.) Es gibt mehrere Arten von Delphinen. Sic sind zwar die kleinsten, aber auch die kühnsten walfischartigcn Thiere, denn sic verfolgen und bekämpfen alle Bewohner des Meeres, die großen Wale ausgenommen. Bon ihrer Schnelligkeit soll turnt sich keinen Begriff machen können, und gewöhnlich vergleicht inan die selbe mit der Schnelligkeit eines abgeschossenen Pfeiles. Der gemeine Delphin ivird von den Seefahrern auch Tummler genannt, weil er sich flink und lustig im Meere nmhertummelt. Sein Körper ist walzen förmig und tvird 10 Fuß lang. Seine Haut ist glatt, oben schwarz und unten weiß. Ans dem zngespitzten Kopfe befindet sich eine Luftröhre, aus welcher, wie ans Fontainen, große Wasserstrahlen Herausfähren. In dem Rachen sitzen 42 bis 47 dünne, zngcspitztc Zähne und zwar in beiden Kiefern. Die Alten er zählten manche sonderbare Märchen von ihm, fabelten Vieles von seinem musika lischen Sin» und von seiner Schnelligkeit, die nach ihren Erzählungen so weit ging, daß sie über Mastbäume hinweggesprungen sein sollen. Neuere Reiscbe- schrcibnngcn wissen hiervon nichts. Das ist allerdings begründet, daß sie gern in der Nähe von Schiffen sich aufhalten und spielend um sie her schwimmen. Aber diese Annäherung geschieht nicht um der Menschen, sondern um ihrer Gefräßigkeit willen, indem sie Alles verschlingen, was über Bord geworfen.wird. Bei stillem Wetter zeigen sie sich oft in zahlloser Menge ans dem Wasser spie lend. Doch freuen sich die Schiffslcnte über diesen Anblick eben nicht sehr, denn er ist ein Anzeichen von Wind oder Sturm. Oft werden sie, wenn sic den Schiffen zu nahe kommen, harpunirt, und der verwundete Delphin soll daun sterbend seinen Mörder mit einem flehenden Blicke anschanen, in welchem sich die Bitte um Erbarmnng ausspricht. Am liebsten hält er sich im mittelländischen und schwarzen Meere auf. Der B r a n ii f i s ch, auch Meerschwein genannt, gehört ebenfalls zu dem Geschlechte der Delphinen. Er ist der kleinste unter den Walthieren, denn er wird nur 4 — 5 Fuß lang. Obe» ist er schwarz oder braunschwarz und unten weiß. Er lebt in großen»O<>©0- 170 Truppen in allen Meeren und verfolgt kleinere Fische, die er in nicht geringer Anzahl verschlingt. Sic fürchten ihn daher sehr und fliehen in ihrer Angst nach den Buchten und dem Strande hin, wo cs flach ist, und cs geschieht dann sehr oft, daß der Braunfisch mit einer solchen Begierde sic verfolgt, daß er ans den Strand stößt und gefangen wird. Merkwürdig ist cs, daß die Augen desselben int Sommer mit einer Haut überzogen sind, so daß er ganz geblendet ist. Sein fetter Speck gibt vielen und guten Thran; sein Fleisch ist zähe und thranig, wird aber doch von den Lappen und Grönländern genossen. Am besten ist seine Zunge, die oft 6 bis 10 Pfund wiegt. Auch er wird nicht gern von den Ma trosen gesehen, weil er ein Vorbote des Sturmes ist. Der B n t s k o p f. But kommt her von Boot, und trägt dieser Fisch, welcher der größte unter den Delphinen ist, seinen Namen daher, weil sein Kopf in der Ferne einem Boote gleicht. Seine Länge beträgt 20 — 25 Fuß und er kommt sehr häufig in den nördlichen Meeren von Europa vor. Die Holländer nennen ihn auch wohl Schwertfisch, wegen seiner scharfen Rückenflosse (nicht zu verwechseln mit dem eigentlichen Schwertfische, der zur Ordnung der Kahlbänchc gehört), mit der er den Walfischen gefährlich wird. Der Walfisch hat überhaupt an den Buts- köpfen grimmige Feinde. Mehrere fallen ihn zugleich an und Hetzen ihn so lange, bis er den Rachen öffnet, worauf sie ihm die Zunge ansfrcssen.Zweite Zitasse Vögel. " Allgemeine Beschreibung der Vögel. Die Vögel bilden in der Thicrwelt eine besondere Klasse für sich. Von allen andern Klassen von Thieren unterscheiden sie sich besonders dadurch, daß ihr Körper ganz zum Fliegen eingerichtet und daher ganz mit Federn bedeckt ist. Ferner haben sic einen doppelten Kreislauf des Blutes; die Vorderfüße, welche man bei den vicrfüßigen Thieren bemerkt, sind bei ihnen ganz zn Flügeln ent wickelt und das Gesicht verlängert sich in einen hornartigen Schnabel. Auch besitzt ihr Körper eine größere Wärme, als sic sich bei andern Thieren findet, und eben dadurch sind sie geschickt, die Eier, welche sie legen, auszubrüten. Der Schnabel dient den Vögeln zum Ergreifen und zum Zerhacken der Speisen. Sie können jedoch nur den Obcrschnabcl gehörig bewegen; der Unter schnabel kann sich nur nach oben oder nach unten bewegen. In der Regel ist der Schnabel nach der Nahrung eines jeden Vogels eingerichtet. Eben so ver schieden ist die Zunge in ihrer Bildung, jedoch ist diese fast bei allen Vögeln hart und hornartig und dient nur zur Beförderung des Schluckens, nicht etwa dazu, um die Speisen zu schmecken. Der Kropf ist innerlich mit einer Schleim haut umgeben, welche eine starke Flüssigkeit abgibt, die zur Erweichung der Speisen dient. Der Magen ist mit vielen Muskeln versehen, und um die Verdauung zu befördern, verschlucken die Vögel häufig kleine Steine. Selbst die schärfsten und festesten Körper, wie Glas, Eisenspitzen u. dgl., werden in dem Magen eines Vogels bald abgestumpft oder zermalmt. Die Augen sind an den Vögeln eben nicht sehr beweglich, sic stehen seitwärts (nur bei den Eulen mehr nach vorn), so daß sic keinen Gegenstand mit beiden Augen zugleich sehen können. Doch ist das Gesicht unter allen Sinnen in der Siegel am vollkommensten bei ihnen. Das äußere Ohr fehlt bei den meisten Vögeln, nur bei den Eulen findet cs sich. Bei den übrigen liegen bloße Ohröffnungcn seitwärts am hintern Thcilc des Kopfes, die mit leichten Federchen umwachsen sind. Die Nasen löcher liegen an der Wurzel des Schnabels und sind von verschiedener Gestalt172 und Größe; bald rund, bald länglich, bald mit Fcderchcn bedeckt, bald nicht. Die äußere Nase fehlt ihnen gänzlich. Die Vögel können sich auf mancherlei Art bewegen; sic können gehen, fliegen und schwimmen. Natürlich sind sie nicht in allen drei Arten von Bewegung gleich geschickt, sondern zum Gehen haben sie oft mehr Geschicklichkeit als zum Fliegen, oder umgekehrt. Z. B. die Falken und Sch>valbcn können recht gut fliegen, aber sehr schlecht gehen und gar nicht schwimmen; die meisten Schwimm vögel, schwimmen recht gut, gehen und fliegen hingegen sehr schlecht. Jedoch gibt cS keinen Vogel, der nicht fähig wäre zu gehen, dahingegen fehlt wohl einigen die Fähigkeit zu fliegen, z. B. dem Strauß und den Fettgänsen. Ihren Schlaf oder ihre Ruhe halten die Vögel bald stehend, bald liegend ab. Diejenigen, welche cö stehend thun, ruhen zuweilen nur ans einem Beine, indem sic das andere Heraufziehen. Dies thnt z. B. der Storch, die Gans, der Reiher re. Manche Vögel wissen sich ans einem Zweige oder Aste so fest anznklammern, daß selbst ein heftiger Sturm sic nicht herabwerfen oder aus ihrem Schlafe, den sie oft hängend abhalten, sic aufrütteln kann. — Beim Gehen treten fast alle Vögel bloß mit den Zehen auf, und sie gehen entweder ganz regelmäßig oder Hüpfen nur, je nachdem sic abwechselnd einen Fuß nach dein andern voran setzen, oder mit beiden Füßen zugleich vorwärts springen. Viele Vögel sind auch sehr geschickt im Klettern, z. B. die Spechte, Baumläufer, welche au Bäumen und Mauern sehr geschickt aufwärts steigen; aber von oben herab nach unten, so daß der Kopf abwärts gesenkt ist, klettert nur eine Gattung von Vögeln, nämlich die der Kleiber. Die Flugfähigkeit der Vögel besteht in der Geschicklichkeit, sich von der Erde in die Luft zu erheben, in derselben nach allen Richtungen hin sich zu bewegen und gleich wieder ans den Boden nieder zu lassen. Nicht allein die Flügel, sondern der ganze Bau dcö Körpers macht die Vögel zum Fliegen sehr geschickt. Ehe sie auffliegen wollen, nehmen sie gewöhnlich einen kleinen Anlauf, wobei sie stark athmcn und mit den Flügeln schlagen, um Luft zu fassen. Einige müssen sogar einige Schritte mit ansgespannten Flügeln laufen, ehe sic Luft fas sen, z. B. Gänse, Reiher, Schwäne re. Will der Vogel von einem erhabenen Punkte aus seinen Flug beginnen, so wirft er sich bloß mit ausgespannten Flügeln in die Luft hinab. Beim Fluge nach oben beugt er den Kopf aufwärts und den Schwanz nach unten hin; beim Fluge abwärts steht der Kopf nach unten und der Schwanz nach oben. Will sich ein Vogel von seinem Fluge auörnhcn und setzen, so streckt er zuerst die Beine, welche er beim Fliegen an den Leib gezogen hatte, abwärts, sucht in's Gleichgewicht zu kommen und bringt die Flügel in ihre Lage. Der Schwanz dient beim Fluge als Steuerruder; daher fliegen diejenigen Vögel, welche kurze Schwänze haben, schlecht und unsicher. Bemerkenswerth ist auch das sogenannte Ri tteln, das man bei manchen Vögeln wahrnimmt. Diesesbesteht darin, daß der Vogel sich auf demselben Punkte in der Luft flatternd erhält, indem er schnell die Flügel auf- und abbewcgt. — Die Geschwindigkeit des Fluges der Vögel ist sehr verschieden. Viele Vögel sind vorzugsweise dazu bestimmt, sich auf dein Wasser zu bewegen und werden daher Schwimmvögel genannt. Bon den eigentlichen Bewohnern der Lüfte unterscheiden sie sich durch ihren länger», unten flachern Leib, durch ihre mehr nach hinten zustehenden Füße und durch die Schwimmhaut, welche ihre Zehen ganz oder zum Thcil bedeckt. Beim Schwimmen liegt die schmale Brust in der Oberfläche des Wassers, der Hinterkörper, ist etwas in die Höhe gehoben, und die Füße werden wie Ruder gebraucht. Uebrigens sind die Schwimmvögel bei weitem nicht so schnell, als die Segler der Lüfte. Die besseren Schwimmer können in einer Stunde höchstens eine Meile zurücklegen; die ausgezeichnetsten jedoch, z. B. der Schwan, wohl noch einmal so viel. Die eigentlichen Schwimmvögel leben fast ganz auf dem Wasser; sie suchen in dem selben ihre Nahrung und schlafen auch auf deinselben, indem sic ihre Beine senk recht hernnterhängcn und von den Wellen sich fvrttrciben lassen. Biele Schwimm vögel sind auch treffliche Taucher. Sic senken sich als solche entweder mit dein ganzen Leibe unter das Wasser und halten sich so lange unten ans, bis sic ge- nöthigt sind, zu athmm, oder sic werfen sich aus der Luft durch einen Fall unter die Wasserfläche und bleiben nur so lange unten, als die Wirkung des Falles dauert. Alle Vögel sind mit Federn bedeckt. Sie haben jedoch nicht in allen Theilen des Körpers gleiche Größe; am längsten sind die Flügel- und Schwanzfedern. Die Federn an den Flügeln passen ganz genau aufeinander, so daß keine Luft durchgehen kann. Unter den größeren Federn liegen noch kleinere, welche sehr dünn und zart sind und die Nässe abhalten. Die Vögel pflegen ihre Federn auch fleißig einznvlen mit einer öligen Flüssigkeit, welche in zwei Fettdrüsen, die am Schwänze liegen, enthalten ist. Mit dein Schnabel drücken sie das Fett ans diesen Drüsen und ziehen dann ihre Federn durch den eingeölten Schnabel. Die jenigen Federn, welche sic mit dem Schnabel nicht erreichen können, bestreichen sie mit dem Fuße, an welchen sic mit dem Schnabel das Ocl bringen. Zuweilen verstopfen sich die Fettdrüsen, und die Vögel magern dann ab und bekommen die sogenannte Darre, welche man aber leicht dadurch heilen kann, daß man Eisen rost in ihr Trinkglas thut. Zu gewissen Zeiten verlieren die Vögel ihre Federn und bekommen neue. Diese Erneuerung der Federn nennt man das Mausern. Wenigstens einmal im Jahre geschieht dieses und zwar nach der Brütung im Herbste, oder im Juli und August. Gewöhnlich werden sic um diese Zeit mager und still, weil alle Säfte nach den Federn sich hinziehen. Die Stimme ist bei den Vögeln äußerst vollkommen ausgebildet. Es herrscht jedoch unter den einzelnen Gattungen eine große Verschiedenheit. Den eigentlichen Gesang hört inan eigentlich nur von den Männchen, welche mit dem-174 selben ihre Weibchen herbeilocken oder ergötzen, wenn sie brüten. Angst, Furcht und Freude verändern bei ihnen oft die Stimme. Der Warnungslant beim Er blicken eines Raubvogels wird von allen verstanden. So verstummt oft der ganze Wald, wenn die Blaumeise ihren Warnungslant vernehmen läßt, und die Hühner und Tauben merken auf die vorübcrflicgende Krähe, welche durch ein besonderes Gekrächze die Nähe eines Raubvogels verkündigt. Je nachdcin die Vögel einen beständigen Aufenthaltsort haben, oder den selben zu bestimmten Zeiten verändern, thcilt man sie in Stand-, Strich- und Zugvögel. Standvögel sind diejenigen, welche das ganze Jahr hindurch in derselben Gegend bleiben; die Strichvögel wechseln ihren Aufenthaltsort ooit Zeit zu Zeit und begeben sich in nahe liegende Gegenden; und die Zugvögel nehmen große Wanderungen in ferne Länder vor. Diese Wanderungen werden besonders durch Mangel an Nahrungsmitteln veranlaßt. Das Heimweh, das im Frühjahre in ihnen erwacht, treibt sie wieder in die Gegenden, wo sic im vorigen Jahre ihr Nest hatten, oder wo sic selbst erzogen worden sind. Die meisten Vögel wandern in großen Gesellschaften fort. Acht bis vierzehn Tage 'vorher kommen sic auf Dächern, Bäumen und anderen hochgelegenen Ocrtern fleißig zu sammen, gleichsam um sich über die Reise zu berathen. Die Züge gehen fast immer dem Winde entgegen, weil der entgcgenwehende Wind die Federn an den Körper drückt und ans diese Weise den Flug erleichtert. Ist der Gegenwind aber zu stark, so wird der Flug gehindert. Die meisten Vögel ziehen am Tage; die Lerche zieht gewöhnlich des Morgens; der Buchfink von Tagesanbruch bis 10 Uhr. Andere Vögel wandern des Nachts, z. B. die Wachteln, wilde Enten, Kraniche, Wiedehopfe u. a. Die Schwalben und andere Vögel, welche sich meist von Insekten nähren, ziehen in sternenhellen Nächten, von der Abend- bis zur Morgendämmerung. Einige Zeit hindurch halten sic immer ans ihren Wan derungen Ruhe und suchen sich Nahrung. Ist die Witterung gar zu schlecht, so bleiben sic ebenfalls einige Tage liegen. Diejenigen Vögel, welche im Herbste zuletzt abgehen, kommen im Frühjahre zuerst wieder, und diejenigen, welche sich am ersten wcgmachen, kommen auch am spätesten wieder. Bei allen Arten Pflegen die Männchen einige Tage früher zu kommen, als die Weibchen. Wie aber die Vögel auf ihren großen Reisen den Weg finden, das wissen wir nicht. Das Nest der Vögel ist sehr verschieden eingerichtet, bei den meisten aber sehr künstlich gebaut. Reiser, Bast, faules Holz, Stroh, Gras, Blätter, Moos, Haare, Wolle, Federn, Schlamm, Erde und andere Stoffe dienen zu Bau materialien. Die runde Form geben sie dem Neste dadurch, daß sic sich in dem selben hcrumdrehen. An dem Baue selbst nimmt das Männchen Antheil, wenn es nur Ein Weibchen hat; hat cs aber deren mehrere, so kümmert cs sich auch nicht um den Bali des Nestes. Sobald das Nest fertig ist, legt das Weibchen seine Eier hinein; bei kleinern Vögeln jeden Tag eins, bei größer« einen um den andern Tag eins. Das Legen dauert so lange fort, bis die natürlicheAnzahl der Eier voll ist. Hierauf fängt der Vogel an zu brüten, und zwar ge schieht dieses entweder vom Weibchen und Männchen gemeinschaftlich, oder vom Weibchen allein. Das Männchen brütet mit, wenn es nur Ein Weibchen hat, hat cs aber deren mehrere, so läßt es das Weibchen allein sitzen. Gerade wie beim Nesterbau. Die Brlltung dauert so lange, bis sich der Keim, den jedes Ei enthält, entwickelt hak und zu einem lebendigen Thicrchen geworden ist. In dem Ei finden sich bekanntlich ein Dotter und ein Weiß, in welchem der Dotter schwimmt, weil er an zwei Bänden festhängt, die ihn nicht sinken lassen. Auf diesem Dotter ist eine weiße Narbe zu sehen, und das ist der Keim zum jungen Thierchen. Sobald die Mutter sich über die Eier setzt und sie erwärmt, so fängt cs an zu wachsen und sich auszubildcn, bis cs endlich völlig zum Leben gelangt. Dann nährt cs sich eine Zeit lang vom Eicrweiß und vom Dotter, bis es so groß wird, daß es die Schale zerbricht und heraus kriecht. Manche Vögel kön nen gleich, nachdem sie ausgekrochen sind, davon laufen und ihr Futter selbst suchen, z. B. die jungen Hühner. Die meisten Jungen müssen von den Eltern längere Zeit gepflegt und ge füttert werden, was auf verschiedene Weise geschieht. Einige tragen ihren Jungen das Futter im Schnabel zu, andere werfen es ihnen vor, andere erweichen es zuvor in ihrem Kropfe und geben cs dann in ihren Schnabel u. s. w. Sind die Jungen so weit, daß sie sich selbst ernähren können, so hört das Füttern auf und die Alten bekümmern sich dann nicht weiter um sic. Manche Menschen können nicht hoch genug den Schaden anschlagcn, welchen die Vögel anrichtcn. Aber dieses ist Ucbertrcibung. Sie gewähren allerdings uns keinen so großen Nutzen, wie die Säugethiere; aber sic bringen uns doch manchen Vortheil. Sie vertilgen eine Menge schädlicher thierischer Stoffe, z. B. Aas, die stinkenden Eingeweide der Fische, schädliche Insekten und Amphibien. Ferner geben viele ein sehr schmackhaftes Fleisch, so wie nahrhafte Eier. Ihre Federn werden thcils zu Betten, thcilö zum Schreiben, theils zum Schmuck ge braucht. Durch ihren melodischen Gesang verschönern sic uns den Genuß des Lebens. Und so gewähren sie uns manche andere Vortheile. Um die Vogel zu fangen, bedient man sich besonders folgender Mittel: Der Gebrauch der Krähenhütte. Diese Hütte wird nicht weit von einem Walde entfernt, wo möglich auf einer Anhöhe, erbaut. Auf einer Stange, welche gleich bei derselben aufgcpflanzt ist, befindet sich ein ausgcstopftcr Uhu, durch welchen Raubvögel, Krähen, Raben rc. angelockt werden. Wenn diese sich nun auf die nahestehenden Bäume setzen, so können sie von dem Jäger aus der Hütte leicht geschossen werden. Auch Garn und Netze werden mannichfach angewandt, die Vögel zu fangen. Die kleineren Vögel sucht man gewöhnlich mit Leimruthen zu erhaschen.176 Um eine richtige Uebersicht zu gewinnen und uns nicht zu verwirren, theilen wir die Vögel in sieben Ordnungen. Nämlich: 1. Die Raubvögel. 2. Die Waldschreier. 3. Die Schwimmvögel. 4. Die Sumpfvögel. 5. Die hühnerartigen Vögel. 6. Die Singvögel. 7. Die Niesenvögel. Erste Brdnnng. Raubvögel. Die Raubvögel sind unter den Vögeln das, was die reißenden Thiere unter den Sangethieren sind. Sie zeichnen sich aus durch einen fleischigen Kopf, durch einen starken, gekrümmten Schnabel und durch ihre scharfen, gewaltigen Kral len an den warzigen Zehen ihrer kurzen Füße. Die obere Kinnlade ragt mit einer hakigen Spitze über der untern kürzern hervor. Die Wurzel des Schnabels ist mit einer starken Haut überzogen, welche Wachs ha nt genannt wird, und in welcher sich die meist offenen Nasenlöcher zu beiden Seiten befinden. Ihre schar fen, spitzigen Krallen sind ganz zur Ergreifung anderer Thiere eingerichtet. Sie schlagen sie in ihre Beute ein, zerreißen dieselbe und verschlucken sie stückweise oder- ganz. Ihre Nahrung besteht in Aas oder in lebendigen Thieren. Die unverdau lichen Stoffe, Federn, Haare u. s. w. speien sie, zn Kugeln geballt, wieder aus. Sie legen nur 2 , höchstens 7 Eier, welche das Weibchen allein ausbrütet. Wenn dieses am Brüten ist, so hat es einen kahlen Bauch und wird vom Männchen gefüttert. Auch sind die Weibchen fast immer größer, als die Männchen. Ihr Aufenthalt sind hohe Gebirge, hohe Felsen und Bäume, Thürme und alte Ge bäude. Das Nest eines Raubvogels wird Horst genannt und ist sehr stark und fest gebaut. Man theilt die Raubvögel in zwei Abtheilnngen, nämlich in Tag- und Nachtraubvögel. Die Tagraubvögel haben nach der Seite stehende Augen, eine gewöhn liche, nicht von Federn bedeckte Wachshaut, und befiederte Zehen und starke Schwungfedern. Es gehören zn ihnen: Der Geier, der Falke, der Adler, der Habicht, der Weihe, der Sperber, der Würger.Die Nachtraubvögel haben große, nach vorn gerichtete Augen, welche von einem starken Kreis von Haaren umgeben sind. Eben so ist die Wachshant und die große Oeffnnng des Ohres mit Haaren bedeckt. Ihre Flugkraft ist nicht so stark, als bei den Tagraubvögcln. ES gehören zu ihnen die Eulen. A. Tagraubvögel. Die Tagranbvogcl gehe», wie ihr Name schon andcutet, am Tage ans Raub ans, fliegen sehr hoch, sind sehr listig und daher schwer zu schießen. Der Geier. Die Geier gehören zu den größten und gewaltigsten Raubvögeln und haben einen starken, geraden, nur an der Spitze gekrümmten Schnabel. Sic nähren sich vom Fleische der Thiere, besonders vom Aase, welches sie in großer Entfernung wittern. In Europa, zumal in Deutschland, gibt es nur wenige Böget dieser Art; sie lieben am meisten die heißen Länder der Erde. Man unterscheidet unter ihnen mehrere Arten. Die merkwürdigsten sind folgende: Der Eondor (Taf. VI. Fig. 09) oder Contur lebt nur ans den höchsten Gebirgen der großen Andeskette in Südamerika und zwar in einer Höhe von 12,(M) Fug. Sein Gefieder ist schwarz, nur die großen Dccksedern der Flügel am äußern Ahcile und der seidenartige Halskragen sind weiß. Er mißt von einer Spitze der ansgespannten Flügel bis zur andern 9 Fuß. Er hält sich immer ans Felseuspitzen ans, nie ans Bäumen und nährt sich besonders mit Aas. Oesters vereinigt er sich jedoch mit einem oder zweien seines Gleichen und greift mnthig jedes Thier an. Selbst junge Kühe und Ochsen sind nicht sicher vor ihm. Er verfolgt sie so lange und verwundet sie so mit den Klanen, bis sie ermüdet sind und die Zunge Herausstrecken. Diese ergreift er alsdann und reißt sic ans, eben so die Augen; hierauf schlitzt er den Leib auf und hört nicht auf zu fressen, bis er am Ende kaum noch athmen kau». Hat er eine starke Mahlzeit gehalten, so wird or so unbehülslich, daß er sich kaum fortbcwcgen kann. In diesem Zustande wird cr leicht gefangen und zwar mit Schlingen, welche man ihm überwirft. Uebrigens hat er ein sehr zähes Leben. Man hat Mühe, ihn mit dem Stricke zu erwürgen. Alan fd)o|? ihm, in der Entfernung einiger Schritte kaum, mehrere Kugeln in den Leib, und doch starb cr nicht. In der Höhe sollen ihn bisweilen sechs und noch mehr Kugeln treffen und doch nicht tobten. Der weihköpfige Geier (Tas. Vt. Fig. 70 ) ist unter den Geiern der alten Welt einer der größten und stärksten; 3—4 Fuß i]'t seine Höhe und sein ausgespanntes Gefieder mißt 9 —12 Fuß. Kopf und Beume r'ö Ralurgejchichte. to178 Hals sind mit weichen weißen Dannen besetzt und den Hals schmückt eine ab stehende braune Halskrause. Das Gefieder dcö Rumpfes ist gelbbraun, während die Flügel in Röthlichbraun spielen und die Schwung- und Schwanzfedern schwarz sind. Vorder-Asien und Nord-Afrika ist seine eigentliche Hcimath. Der Geierkönig oder Kuttcngeier zeichnet sich durch sein schönes, bun tes Gefieder ans. Er hat einen gelbrothen Fleischkamm, der, wie beim Hans- Hahn, gezackt ist und bald rechts, bald links hcrabhängt. Jung ist er schwärzlich, später schwarz und gelb mclirt und im vierten Jahre unten weiß, oben rostgclb und mit schwarzen Flügeln und Halskragen geziert. Er erreicht die Größe einer Gans und lebt in den großen Wäldern Südamerika'ö. Der Lämmergeier, auch Bart-oder Alpengcicr genannt, ist der größte Vogel auf den Alpen, denn er mißt von der Schnabclspitzc bis zum Ende dcö Schwanzes 5 Fuß, und wenn er die Flügel ausgestreckt, 9 bis 10 Fuß. Am Oberlcibe hat er braunschwärzliches Gefieder, am Unterleibe röthlich gelbes. An der Kehle bilden schwarze Borstenhaare eine Art von Bart. Er bewohnt die Alpen der Schweiz, Sibiriens und Afrika's. Sein Gesicht ist äußerst scharf, den» er bemerkt von ungeheurer Höhe herab selbst die kleinsten Thicre ans der Erde. Er ist ein furchtbarer Räuber, und muthig stößt er auf Gemsen, Steinböcke, Schafe, Mnrmclthicrc, Ziegen, Schweine, Hunde, Hasen und junge Kälber. Die kleineren Thicre, wie-Füchse, Lämmer, Hunde und junge Gemsen, trägt er mit sich hoch in die Lüfte empor; die größeren stößt er seitwärts in den Abgrund, und er kann aus diese Art selbst den Menschen gefährlich werden. Sein Nest baut er auf einen Absatz an schroffen Felswänden und legt 3 bis 4 Eier, welche etwas größer als unsere Gänsccicr.sind. Der gemeine Geier hat ungefähr die Größe einer Gans. Sein Gesicht und seine Kehle sind nackt, seine Schwingen sind schwarz und äußerlich aschgrau. Am zahlreichsten findet er sich in Egypten und andern warmen Ländern, wo er heerdenweise herumschwürmt und von krcpirten Pferden, Kameclcn und auderm Aas sich nährt. Deshalb steht er auch namentlich bei den Muhamedanern in großem Ansehen. Denn die Luft würde oft verpestet werden, wenn diese Thicre nicht mit ihrer Gefräßigkeit über das Aas herfielen. In den großen Städten dcö Morgenlandes, wie Alexandrien und Cairo, wo cs an jener Reinlichkeit und Ordnung fehlt, die unsere Städte so freundlich macht, wo ein Kameel oder Maul thier, welches starb, liegen bleibt, ohne daß sich ein Mensch deshalb kümmert, sind sic es, die den Dienst übernehmen, cs schnell wegzuschaffen, indem sie cs verzehren. Zuweilen werden diese Geier auch in Spanien, Italien und der süd lichen Schweiz angetrosfcn. Der Falke. Die Falken gehören zu den edelsten Raubvögeln, und zeichnen sich ans durch ihre schöne Haltung und ihr strahlendes Auge. Ihr Schnabel ist kurz,aber stark, schon von der Wurzel an gekrümmt und ans jeder Seite mit einem oder zwei scharfen Zähnen versehen. Die meisten Falken haben eine weiße Kehle und zu beiden Seiten derselben einen starken- schwarzen Backenstreif. An Große kommen sic einem Haushahne oder einer Henne gleich. Sie sind sehr muthig, leben bloß von lebenden Thiercn und zeigen sich gewandt im Ergreifen ihrer Beute. Mit ihren breiten Schwingen steigen sic aufwärts hoch in die Lüfte und beobachten mit ihren scharfen Augen Alles, >vaö unter ihnen vorgeht. Bemerken sic ein Rebhuhn, eine Henne, eine Wachtel, eine Gans, einen Hasen oder ein Kaninchen, so stoßen sie senkrecht von oben herab; die edelsten Arten aber nie auf stillsitzcnde oder kriechende Thicre, weshalb anch Vögel sich still uicder- kaucrn, wenn sic den Falken kommen sehen. Man unterscheidet in dieser Be ziehung eigentliche Edelfalken und uneigentliche. Jene fangen die schnellsten Vögel im Fluge; diese erhaschen nur die Beute im Sitzen und leben daher anch vorzüglich von Mäusen und Insekten. Man kennt bis jetzt 27 Arten von Falken. Der Jagdfalke, Edelfalke (Taf. VI. Fig. 72) oder auch Geierfalke genannt, ist von verschiedener Farbe. Gemeiniglich ist er oben braun mit weiß lichen Punkten, zuweilen ist er ganz weiß. Er erreicht eine Länge von 2 Fuß, und eine Breite von 3—4 Fuß. Er findet sich im hohen Norden der drei Erd- theile; in's nördliche Deutschland verirrt er sich selten. Schon in frühen Zeiten suchte mau dieses Thier zu zähmen und zur Jagd abzurichten. Man nannte ihn deshalb auch den Edelfalkcu; die Jagd, welche man mittelst der abgcrichtetcn Falken anstellte, hieß die Falkenbeize; die Jäger, die sich mit seiner Abrichtnng beschäftigten, führten den Namen Falkner. Jahrhunderte lang hing man dieser Liebhaberei an allen Höfen nach. Alle Ritter und ihre Frauen suchten eine Ehre darin, den schönsten Falken zu besitzen. Man bezahlte einen solchen mit unglaub lich hohen Summen. Unter Jacob I. soll ein Paar mit 1000 Pfund Sterling verkauft worden sein, was nach unserem Gclde mindestens 6000 Thalcr beträgt. Adelige durften sich das Recht anmaßen, einen Falken zu halten, und wer einem Falken nachftcllte, ja nur seine Eier auf eigenem Grund und Boden wcg- uahm, ohne einen Falken führen zu dürfen, büßte seine Freiheit mehrere Jahre lang ein. Zur Jagd wurden die Falken auf folgende Weise abgerichtet. Sobald man einen jungen Falken gefangen hatte, wurden ihm um die Füße handschellenartige iscfscln angelegt, an welchen eine Schnur befestigt wurde. Um ihm seine natür liche Wildheit und Menschenscheu zu nehmen, setzte man ihm eine lederne Kappe uns, welche bis über die Augen ging und Falken Haube genannt wurde. An- gcfessclt setzte man ihn dann in eine» großen, frei aufgehängten Reifen, welcher von mehreren Personen, die abwechselnd einige Tage und Nächte bei dein Falken wachen mußten, ohne Geräusch und ohne sonst auffallendes Verfahren, in eine schwankende Bewegung gesetzt wurde, sobald der Vogel die Augen schließen und schlafen wollte. Hierdurch wurde er, da er doch nicht hcruntcrfallen wollte, 12 *180 genöthigt, sich fest und durch flatterndes Balanciren auf seinem Sitze im Gleich gewichte zu erhalten. Dieses fortwährende, widernatürliche Wachen machte ihn eine Zeit lang ganz dumm und ließ ihn seine frühere Scheu und Wildheit ver gessen, und allmälig faßte er Vertrauen zu den Menschen, die immer um ihn waren und ihn auf die freundlichste Weise behandelten. Nach und nach wurde er dahin gebracht, daß er ans Bosheit Niemanden mehr verletzte, und bald beqncmte er sich, an einer langen Schnur auf die Hand seines Wächters zu fliegen. Endlich ließ man gefangene und' etwas gelähmte Vögel nahe vor ihm von der Hand fliegen und warf ihn, indem er einstweilen noch an einer langen, dünnen Schnur befestigt blieb, auf dieselben los, um sie von ihm fangen zu lassen. Hiermit war seine Abrichtung beendigt. Er schlug nun, von keiner Fessel mehr gehalten, die Vögel und zum Theil Säugcthierc, welche man, gewöhnlich zu Pferde, vor ihm aufjagte, um ihn, sobald er sie erblickte, von der Faust ans dieselben loszulassen; bis dahin jedoch, daß er abfliegcn sollte, hielt man seine Augen mit der Kappe bedeckt, um seine Aufmerksamkeit nicht zerstreuen zu lassen. — Heutiges Tages wird die Jagd mit Falken in Europa nur noch von den Kosaken, welche am schwarzen Meere wohnen, getrieben; fleißig dagegen fast in ganz Asien. Sehr weit verbreitet ist der Wanderfalke, denn er findet sich nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Nordamerika, Nordasicn und Nordafrika. Auch dieser Falke eignet sich vor züglich zur Jagd, indem er im Naturzustände sich ausschließlich von Vögeln nährt. Sein Gefieder ist sehr verschieden gefärbt. Bedeutend kleiner ist der in Europa lebende Lerchensalke, der ein braunes Gefieder hat. Er wird etwa 14 Zoll lang, und hat seinen Namen daher, daß er mit der Lerche wegzieht und mit ihr znrückkehrt. Noch kleiner ist der, selbst in Deutschland häufig vorkommende, Zwergfalke. Er wird nur 12Zoll lang. Zn den »nächten Falken gehört der rothfüßigc und der Thurmfalke. Der Habich t. (Taf. VI. Fig. 73.) Auch die Habichte gehören zu dem Geschlcchtc der Falken. Eö gibt deren 36 Arten, von denen sich nur 2 in Europa finden. Sic haben etwas kurze Flügel, einen schmalen, sehr hakigen Schnabel. Das Weibchen ist fast 2 Fuß lang und mit ausgespannten Flügeln 3Fuß breit; das Männchen ist beträchtlich klei ner. Sic sind mnthig, listig und sehr raubgierig und verfolgen,ihre Beute sowohl fliegend als laufend. Die wehrlosen Vögel zeigen sich daher bei ihrem Erscheinen äußerst furchtsam und verkriechen sich in ein Loch oder dichtes Gesträuch; aber selbst dieses sichert sic nicht immer gegen ihren Feind, denn dieser verfolgt sic noch in, Hüpfen, oder zieht sic mit seinen großen, stark gekrümmten Krallen ans dem sicher geglaubten Loche heraus. Kleinere Vögel, auch Hühner und Krähen haben am meisten Ursache, vor ihnen in Furcht zu sein. Aas berühren sie nie, selten Mäuse. Werden sie selbst von Feinden verfolgt, so steigen sic schrauben förmig in die Luft. Sie halten sich am liebsten in großen, besonders gebirgigen181 Wäldern auf, kommen ober auch häufig iit die Ebenen und Felder und nähern sich Städten und Dörfern. In Europa kennt man nur folgende zwei Arten: Der Taubenhabicht, auch Hühnerhabicht genannt, erreicht eine Länge von 2 Fnß und eine Breite von 3 Fnß. Er ist oben aschgrau, unten weiß, braun gestreift. Er ist außerordentlich muthig und mordlnstig und kein Vogel ist vor seinen scharfen Klauen sicher. Rebhühner und Tauben sind sein liebster Fang, und je mehr er erhaschen kann, nm so größer wird seine Mordlust. Tau ben verfolgt er oft bis in die Höfe und jagt sic in ihrer Angst durch die Fensterscheiben. Die Vögel rupft er sorgfältig, che er sie frißt; Mäuse verschluckt cr ganz. Der Sperber, Spcrlingöstößcr, gleicht an Größe ungefähr einer star ken Taube. An Farbe ist er dem Tanbcnhabicht ganz ähnlich, und unterscheidet sich also bloß von diesem durch seine kleinere Gestalt. Wenn cr fliegt, kann man ihn sehr leicht mit dein Kncknk verwechseln; daher denn auch Unkundige glauben, daß der Kncknk im Winter in einen Raubvogel verwandelt werde. Dieses ist jedoch ein Jrrthum. Der Kncknk zieht im Herbste fort, dagegen erscheint der Sperber in Städten und Dörfern, um Sperlinge wegzufangen. Besonders des Morgens und des Abends geht er ans Raub ans, welcher vorzüglich in Drosseln, Staarcn, kleinen Schnepfen, Finken, Sperlingen und andern kleinen Vögeln be steht. Auch begnügt er sich, wenn er nichts Besseres haben kann, mit Fröschen, Eidechsen, Mäusen, Ratten und Maulwürfen. Milane. Die Raubvögel dieser Gattung, von denen 8 Arten bekannt sind, haben zum Thcil befiederte Fußwurzeln. Sic können ihren Raub nicht im Fluge erreichen, sondern stoßen ans sitzende und kriechende Thicre. Da sic ans diese Weise oft Hunger leiden müßten, so verschmähen sic selbst Aas nicht, wenn sic die Roth dazu zwingt. In Europa sind zwei Arten heimisch: der rothc Milan, auch Gabelweihe genannt, und der schwarzbrannc Milan. Letzterer holt sich aus seichtem Wasser auch lebende Fische zur Nahrung. Die Bussarde haben lange Schwingen und gleichförmige Schwänze; die kurzen, starken Füße sind «icht sonderlich bewaffnet. Träge und feige, begnügen sic sich, lauernd allerlei kleine Thicre zu erschleichen, und fehlen ihnen solche, so nehmen sic ihre Zuflucht zu Aas. Man kennt bis jetzt 12 Arten, von denen 3 in Europa Vorkommen; nämlich: der wrichfüßige Bussard, auch Schnccfalkc genannt, der Mänse- bnssard und der Wcöpcnbnssard. Der letztere lebt meist von Larven und Ansellen und gewöhnt sich iu der Gefangenschaft sogar an Pflanzenkost, wozu sich kein anderer Raubvogel begncmt.182 Der Weihe. Die Weihen haben einen zierlichen, schlanken Körper und sind von Farbe Hellaschgran mit schwarzen Bändern ans der Mitte des Flügels. Sic unterscheiden sich von allen Raubvögeln dadurch, daß sic ans der Erde nisten, obgleich sic eben nicht sehr geschickt int Laufen sind. Um ein sitzendes oder kriechendes Thier zu erhaschen, machen sie bloß einige große und schnelle Sprünge. Weil sic Vögel im Fluge nicht erbeuten können, so jagen sie dieselben so lange herum, bis sie sich niedersetzen. Auch zeigen sic ein unersättliches Gelüste nach den Eiern und der Brut derjenigen Vögel, welche ans der Erde nisten; daher sind sic diesen in der Brütezeit sehr gefährlich, weil sie da einzig und allein diese Kost anfsnchcn. Man kennt ungefähr 8 Arten, von denen 3 in Europa sich finden. Nämlich der Wic- scnwcihc, der sich am liebsten in ebenen, offenen Gegenden und großen Wiesen aufhält, der Kornweihe, der in getreidereichen Ebenen sich findet, und der Rohrweihc, der in sumpfigen, mit Schilf und Gebüsch bewachsenen Gegenden und an Seen und Teichen sich hcrnmtrcibt. Der Adler. (Taf. vn. Fig. 74.) Die Adler sind starke, muthigc und sehr verwegene Thicrc; sie fallen selbst größere Thicrc an und stoßen ans sic sowohl im Laufen als im Sitzen. Man macht einen Unterschied unter ihnen und zwar nach den Füßen. Diejenigen, deren Fußwurzel ganz mit Haaren bedeckt ist, nennt man ächte Adler; die Seeadler- Haben eine halbbeficdcrtc Fußwurzcl, die Schlangenadler lange, unbefiedertc, die Fischadler haben kurze, au den Sohlen stachelige Füße, welche nicht mit Federn versehen sind. Man kennt 24 Arten von Adlern, von denen aber nur zehn in Europa sich finden. Die berühmtesten unter diesen sind folgende: Der Goldadler oder Kaiseradler (Taf. VII. Fig. 75) wird der König unter den Vögeln genannt. Und er verdient auch diesen Namen sowohl ivcgcn seiner Größe und Stärke, als wegen seines stolzen, edlen Ansehens. Mit ansge- spanntcn Flügeln soll er oft über 5 Ellen breit sein. Die Weibchen sind stärker als die Männchen; manche wiegen 18—20 Pfund, die Männchen hingegen 12 bis 14. Das Gefieder ist dunkelbraun und glänzt wie Gold, der Schnabel hat eine schöne bläuliche Farbe; die Füße sind bis nach der Wurzel hin ganz befiedert. Er erhebt sich bis zu einer Ungeheuern Höhe in die Lüfte, wohin ihm kein anderer Vogel zu folgen vermag. Dabei hat er ein so scharfes Gesicht, daß er aus den Wolken herab Alles bemerkt, was sich auf der Erde bewegt. Erblickt er ein Lamm, eine Ziege, Gemse oder dergleichen, so schießt er ans der Höhe senkrecht ans seine Beute herab, packt sie mit seinen gewaltigen Krallen und steigt mit ihr hoch in die Luft. Seine Stimme ist dem Geschrei eines Raben ähnlich. Sein Nest baut er auf hervorspringenden Felsen und ans Banmgipfclu. Es hat einen Umfang von 6 Fuß und ist ohne Kunst zusammcngcfügt. Das Weibchen legt 2, höchstens183 3 weiße Eier; die Jungen werden von den Alten reichlich mit Futter versorgt und können wenigstens hundert Jahre alt werden. Man findet den Goldadlcr in den hohen Gebirgen Deutschlands, des südlichen Europa's, Egyptens und Abhssiniens. Der Steinadler, gemeiner Adlet, hat ein schwarzbraunes Gefieder und bewohnt Europa, Nordasien und Nordamerika. Auch in den gebirgigen Wald gegenden Deutschlands findet man ihn. Seine Nahrung besteht in den kleineren Süugethicrcn und den größten Vögeln. Um sich ihrer zu bemächtigen, schlägt er seine starken Klanen um ihren Hals und erwürgt sie. Sein Nest ruht gewöhnlich ans einem Fclsenvorsprnng. Wenn die Eier ausgebrütet und die Alten ansgeflogcn sind, so steigen Hirten oder andere dergleichen Leute mit Lebensgefahr hinan, neh men den Jungen die Rebhühner, Schnepfen, Hasen und was sic sonst noch von den Alten zu ihrer Nahrung erhalten, weg und besetzen damit ihre Tafel. Ja, sic binden die flügge gewordenen Jungen oft an, damit die Zeit, wo ihnen die Mutter Futter zuträgt, verlängert werde. Die Steinadler fliegen ebenfalls sehr hoch. Bei schönem, klarem Wetter spielen sic gleichsam wie schwarze Punkte um die Sonne herum. Doch thürmt sich ein Wetter ans, so werden sie ängstlich und steigen so tief herab, daß man sic mit der Flinte erreichen kann. Der Seeadler ist von graubrauner Farbe, am Kopfe und Halse hingegen bis zur Brust herab blendend weiß. Die gelben Füße sind bis zur Hälfte mit Haaren bewachsen. Er ist größer als der Steinadler, aber auch träger und lang samer. Im Sommer lebt er fast nur von Fischen und hält sich daher immer in der Nähe der Flüsse, Teiche, Seen und an den Küsten des Meeres ans. Er fängt jedoch selten selbst die Fische, sondern jagt und ängstigt die Fischadler so lange, bis diese ihre Beute fallen lassen. Wenn er keine Fische haben kann, so begnügt er sich auch mit Aas und kröpft sich oft so voll, daß er nicht mehr von der Stelle kann. Man hat auch ein Beispiel, daß er ein kleines Kind raubte. Im Jahre 1791 stieß ein Seeadler in Irland ans ein kleines Kind herab und trug cs vor den Augen des bestürzten Batcrö in sein Nest. Dieser eilte sogleich dein Räuber nach und erreichte glücklich seinen Horst; er holte sein Kind zwar heraus, aber cs waren demselben schon die Augen ausgehnckt und so viele Wun den bcigcbracht, daß es wenige Stunden hernach starb. Der Fischadler ist etwas kleiner als der Goldadlcr, oben braun und unten ivciß. Ex bewohnt den Norden von Europa und Asien; findet sich auch nicht selten in Deutschland, namentlich in der Schweiz. Gewöhnlich geht er Morgens in den Frühstunden, dann um 10 Uhr, und von 12 bis 2, auch wohl noch ein mal Abends auf Raub ans. Er nährt sich von Fischen und hält sich daher in der -bähe von Flüssen und Seen auf. Sobald er einen Fisch dicht an der Ober fläche des Wassers bemerkt, so flattert er eine Zeit lang zielend über demselben184 und stößt dann pfeilschnell senkrecht in'ö Wasser hinab, daß cd plätschernd hoch über ihn znsainmenschlägt. Alsdann erhebt er sich wieder mit seinen starken Flügeln und trägt seine Bcnte an einen sicher» Ort, >vo er sic in Ruhe verzehren kann. I» den meisten Fällen verfehlt er sic jedoch, so daß er sich gcnöthigt sicht, seine Angriffe zu erneuern. Ist der Fisch, in welchen er seine Krallen geschlagen hat, zn groß, so reißt ihn dieser öfters mit sich in den tiefen Abgrund des Mee res, wo der Ränbcr ersaufen muß. Die Vögel, namentlich die Schwimmvögel, erkennen ihn schon ans weiter Ferne, fürchten sich aber nicht vor ihm, weit sic wissen, daß er sie ungeschoren läßt und sich nicht um sie bekümmert. Der Würger oder Neimtödter. (Taf. vil. Fig. 76.) Die Würger sind mnthige, grausame, zänkische und kluge Thiere. Sie zeich nen sich durch ihren katzenähnlichen Kopf ans und sitzen meist an einer erhabenen Stelle, wo sic ihrer Beute anflanern. Ihre Nahrung besteht in großen Insekten, Mäusen, Fröschen, Eidechsen und kleinen Vögeln. Man erzählt von ihnen, daß ein Würger sich nenn Insekten fange und sie lebendig an Dornen anfspieße, um sic nach und nach zn verzehren. Wenn die neun wegbleiben, ist die Sache rich tig. Er hat nämlich bei trübem Wetter die sonderbare Gewohnheit, sich kleine Vorräthe zn sammeln, indem er junge Vögel, Insekten n. dgl. an Dornen ans- spießt; und zwar steckt er kleine Frösche meistens durch das Maul auf, Vögel öfters durch die Flügel und Insekten mitten durch den Bauch. Einen eigcnthüm- lichcn Gesang haben die Würger nicht, sic sind aber Meister darin, die Gesänge anderer Vögel nachznmachen. Ihr Nest ist weit künstlicher gebaut, als das der andern Raubvögel. Sie tragen Haidekrant, Moos, Grashalme u. s. w. zusam men und füttern es mit Wolle ans. Es findet sich ans Bäumen oder im Gebüsch und enthält 4 bis 7 Eier, die gefleckt, gestrichelt und meistens mit einem Kranz fleck versehen sind. Sic sind über die ganze Erde verbreitet und man zählt unter ihnen 25 Arten, von denen 6 in Europa sind. Der große Würger ist oben einfach grau, unten weiß und erreicht eine Länge von 10—11 Zoll. Er ist sehr mnthig und hält sich gern ans Weiden ans, wo er entweder von den Spitzen der Bäume herab oder ans der Erde ans Mäuse lauert. Im Winter sicht man ihn oft friedsain bei den Sperlingen sitzen, aber plötzlich fährt er ans einen los und verzehrt ihn, ohne noch länger mit ihm zn spielen. Im Sommer nährt er sich mehr von Insekten. Am liebsten sucht er die jungen Vögel in ihren Nestern ans, >vo er auch zuweilen die Alten erwürgt, >venn sie ihm nicht zu stark sind. Im Winter verläßt er Deutschland und sucht sich wärmere Gegenden ans. Der rothköpfigc Würger ist schwarz, unten weiß, am Hinterkopf und Hinterhals schön rostroth. Er baut in Hecken und Dornbüschen sein Nest cmd das Weibchen legt grünliche Eier. Ans de» Dornen legt er auch seine Magazine185 tut, indem er Insekten aller Art aufspießt; am liebsten sucht er sich Roßkäser. Er ist so keck und zänkisch, daß er oft mit großem Geschrei Elstern, Krähen und Dohlen im Fluge anfällt. In den meisten Fällen jedoch wird er von diesen übel zerzaust und halb todt nach Hanse geschickt. — Der kleinste unter den Würgern ist der rvthrückigc Würger. Er wird nur 7'/, Zoll lang und 12 Zoll breit. Er besitzt eine außerordentliche Geschicklichkeit darin, den Gesang anderer Vögel nachzumachen, selbst die Nachtigall ahmt er täuschend nach, nur mit leiserer Stimme. B. Nachtrau-Vögel. D i e Eulen. Die Eulen zeichnen sich alle durch ihren katzenähnlichen Kopf ans und sind ganz dazu bestimmt, ihre Nahrung in der Dämmerung oder während der Nacht-- zeit zu suchen. Ihre Angen sind daher sehr groß und sic sehen in der Dämmerung am besten. Es erweitert sich nämlich dann der Augenstern, damit die in der Luft noch vorhandenen Lichtstrnhtcn reichlicher hincinfallen. Die Ohren sind groß, so daß sic jedes leise Geräusch hören können. Und da sic auch ein sehr weiches Ge fieder und dadurch einen leisen Flug haben, so entgeht ihrer Jagd selten ein Thier. Der Hase, das Kaninchen, die Fledermaus, der einsam ans dem Zweige sitzende Vogel wird gar oft für sie eine leckere Mahlzeit. Am meisten jedoch stellen sie den Mäusen nach, und so vergüten sie den Schaden, welchen sie dem Wild stande znfügen, doppelt und dreifach. Man sollte sie daher billiger Weise schonen und nicht aus Muthwillen fortschießen. Sic zerstückelt ihre Beute theils, theilö verschlingen sie dieselbe ganz; die unverdaulichen Theile geben sie als Gerillte durch den Schlund wieder von sich. Am Tage halten sie sich in hohlen Banm- stämmen, Manerlöchern re. ans; selten ans freien Aesten. Sie schlafen dann mit halbverschlossenen Angen, wachen aber bei dein leisesten Geräusche auf. Ihre Nester, die sich ebenfalls in hohlen Bäumen, Manerlöchern, Ruinen und ans Thürmen finden, sind schlecht gebaut; und das Weibchen legt 2 bis 6 runde weiße Eier hinein, welche cs allein nusbrütet, während es von dem Männchen reichlich mit Futter versorgt wird. Das Geschrei der Eulen in der Nacht ist schauerlich und hat mancherlei abergläubische Erzählungen und Märchen veran laßt. Läßt sich eine Eule bei Tage sehen, so eilen die kleineren Vögel sogleich schaaremveise herbei, fallen sic an und necken sie fortivährend. Deshalb bedient »tan sich nuch derselben, um-Vögel anzulocken und dann zu schießen oder zu fan gen, wie schon bei Beschreibung der Krähen Hütte bemerkt wurde. Man unterscheidet unter den Eulen drei Hanptgattungen: die Tagen len haben ein minder plattes Gesicht, einen langen Schwanz und längere Flügel; sie schlafen des Nachts und gehen bei Tage bis zur Abenddämmerung auf Raub ans. Die Nachteulen haben einen kurzen Schwanz, der am Ende wie abgeschnitten186 ist, ihr Gefieder ist sanft und weich; sie gehen nur des Nachts auf Raub aus. Die Ohreulen haben- über dem Ohre, auf beiden Seiten des Kopfes, einen Büschel Federn, der Hörnern ähnlich sieht. Sic schlafen am Tage und gehen in der Dämmerung und in hellen Nächten auf Raub ans. Die merkwürdigsten unter den ocrschiedcncn Gattungen von Eulen sind folgende: Die Habichtseulc gehört zu den Tagculcn und ist oben braun mit weißen Flecken, unten weiß mit langen, braunen Flecken. Sic erreicht eine Größe von 2'/r Fuß, ist scheu, aber sehr gewandt auf ihrer Jagd, welche sie gewöhnlich auf junge Hasen, Hamster, Maulwürfe, Feldhühner u. s. w. anstcllt. Die Schneeeule ist die größte unter den Tagculcn, denn ihre Länge beträgt 2V 8 Fuß und ihre Breite 5 Fuß. Ihr Gefieder ist weiß und reicht sogar bis ans die Fußsohlen herab. Ihre Nahrung besteht in Hasen, Kaninchen, Schnee hühnern re. Sic lebt in der kalten Zone von Europa, Asien und Amerika und kommt nur höchst selten nach Deutschland. Die SperlingSeulc ist die kleinste unter allen Eulen, denn sic ist nicht größer als der Sperling. Von Farbe ist sic oben braun, unten weiß. Ihr Schwanz ist sehr lang und die Flügel erreichen kaum die Hälfte desselben. Man findet sic in den Gebirgswüldern Europa's. Unter den Nachtculcn zeichnen sich aus: Die Waldcule oder der Bnumkauz, ist ein verschlafenes, träges und lichtscheues Thier, das nur in der Dämmerung und in mondhellen Nächten sein Wesen treibt. Das Gefieder der Männchen ist gräulich, daö der Weibchen rost farbig, überall mit länglichen, schwarzen Linien. Sie nistet in Wäldern, in hohlen Baumstämmen und wird von Raben und Krähen oft aufgcschcncht und unaufhörlich verfolgt. Die Schleiereule (Taf. VII. Fig. 77) ist hinsichtlich ihres Gefieders die schönste unter den Eulen. Sic ist obcnhcr grau, rothgclb und brnungcwölkt und mit weißen Pcrlflcckcn bestreut, die zu jeder Seite zwei schlvarzc Punkte haben; unten sind sie meist rothgclb, zuweilen auch blendend weiß. Ihr Gesicht ist platt und von einemFedcrkrcisc cingeschlossen, welcher Schleier genannt wird und sich auch bei andern Eulen findet. Sic wird leicht zahm und man hat sic oft auf Glockcnstühlcn sitzend gefunden, während die Glocken geläutet wurden. Auch in Taubenschlägen findet man sic zuweilen, ohne daß sic sich durch das Ein- und Ausstiegen der Tauben in ihrer Ruhe stören läßt; auch die Tauben sind diese sonderbaren Gäste gewohnt und schlafen ruhig fort, wenn ihr Hausgenosse, die Schleiereule, nach Nahrung ein- und auöflicgt. Diese besteht fast nur aus Mäu sen und Ratten, die sic in großer Menge wegfängt und verzehrt. Ans Tnubcn- schlügcn soll sie völlig unschädlich sein und sich weder an jungen noch an alten187 Tauben vergreifen. Ihre Stimme klingt wahrhaft gräßlich, und wird am häu figsten im Frühjahre gehört; im Herbste jedoch klingt sic ain abscheulichsten. Sie ist oft dein tiefen Aufathmen eines Schlafenden täuschend ähnlich und zwar in denselben Zwischenräumen. Männchen und Weibchen Pflegen sich oft Stunden lang auf diese geisterhafte Art zu antworten. Sie ist fast über die ganze Erde verbreitet. Der Steinkauz, auch Käuzchen (Taf. VII. Fig. 78), Todtcnvogcloder Leichenhuhn genannt, ist oben mttnscgrau mit weißen Flecken, unten weiß mit braunen Flecken, wird 10 Zoll lang und 2 Fuß breit. Diese Eule hält sich in Ruinen, Thürmen, Gärten, Bauernhäusern und hohlen Obstbänmcn ans und schläft am Tage sehr leise, daher sie bei dem geringsten Geräusche entflieht. Sic findet sich in ganz Europa und nährt sich von Mäusen, kleinen Vögeln und Insekten. Sic hat eine besondere Neigung, nach erleuchteten Gegenständen zu fliegen, und daher findet sic sich oft an Krankenzimmern ein, welche gewöhnlich die ganze Nacht hindurch erleuchtet sind. Abergläubische Menschen halten sie für einen Vorboten des Todes und übersetzen ihr Geschrei, welches zuweilen knwit, kuwit klingt, mit den Worten komm mit, komm mit, als wäre cs eine Einladung, in die andere Welt mit hinüberzugchen. Man nannte sic daher Todtenvogcl oder Lcichcn- hnhn und glaubte sicherlich, so bald sie sich hören ließ, daß der Kranke sterben müsse. Bor Schrecken starb auch Mancher, und so wurde man immer mehr in dem Wahne bestärkt, daß das Käuzlein nicht umsonst schreie. Jedoch hat sich Niemand vor diesem Thicrc zu fürchten; nur die Mäuse, Fledermäuse, Maulwürfe und kleineren Vögel haben gerechte Ursache dazu. Die O h r e u l c. (Taf. vn. Fig. 79.) Unter den Ohrcnlcn zeichnet sich besonders aus der Uhu, auch Sch uhu ge nannt. Diese Eule ist unter den einheimischen Gattungen die größte, denn sic erreicht die Größe einer Gans; ihre Fänge oder Klauen sind stark und scharf und ihre Federohren messen 4 Zoll. Sic ist oben und unten rothgelb mit schwar zen Streifen, die Federohren sind schwarz, der Schleier ist gelbbraun, die Kehle weiß, die Augen feuergclb und sehr groß. Man findet sic in Europa, Asien und Amerika. In Deutschland ist sic auch einheimisch, doch fängt sic schon an, seltener zu werden. Sic ist kräftig und mnthig und soll sogar mit dem Steinadler an- bindcn und oft siegreich ans dem Kampfe hervorgehen. Ihre Nahrung besteht in jungen Rehen, Hasen, Kaninchen, Hamstern, Ratten, Mäusen, Vögeln re. Ihre Stimme ist fürchterlich, und besteht ans den Silben Uhu, Pnhur oder einem jauchzenden Hn. Sic hat am meisten zu abergläubischen Erzählungen und Märchen Veranlassung gegeben und namentlich zu der vom wilden Heere, welche besonders im Odcnwaldc vielfach erzählt wird. Um Mitternacht, erzählt man, zieht ein Schwarm wilder Thicrc mit furchtbarem Lärm durch die Luft. Man hört188 von offen Seiten her ein hohles, gedämpftes Puhn, Pnhn, weiches vieffneh das Echo wiederholt. Bronfend und schnaubend zieht es durch die Lüfte und man sieht bald feurige, sehnefl bewegte Punkte, bnld hört man ein sehneffes Hn, bald ein schaffendes Hohngelächter, bald das Bellen und Klaffen der Hunde, oder das Wiehern der Rosse oder daö Jauchzen der Jäger. Alles zusammen, der schwarze Wald, wo man keinen Schritt weit sehen kann, der Sturm, der durch die dunk len Höhen daher brauset, die hervorragenden Felsen und Ruinen u. s. w., erhitzen die Phantasie und man glaubt Manches zu hören, was nicht ist. Denn Alles kommt von den Kämpfen und Zügen der Uhus her, welche zur Zeit, wo sie sich paaren, stattfinden, und wo sich oft 10 — 30 zusammen finden. Die feurigen Funken sind nichts anders als die leuchtenden Augen dieser Thiere, und das Belle» ist daö wirkliche Bellen der Hunde, welche von dem Spuke geweckt werden. Und was sonst noch Fürchterliches vorkommt, setzt die aufgeregte Einbildungskraft hinzu. Jung gefangen, läßt sich der Uhu leicht zähmen und er gewährt durch seine sonderbaren Grimassen manches Vergnügen. Bald kugelt er sich wie ein Ball zusammen, bald breitet er die Flügel ans, streckt den Hals vor, zieht ihn in die Brust, kracht mit dem Schnabel, pustet, reißt seine Augen weit ans, drückt sie wie schläfrig zu und dergleichen mehr. Man bedient sich der gezähmten bei der Krähenhütte, um Raubvögel, Raben re. anzulocken. Sobald diese ihn be merken, entsteht ein furchtbarer Lärm durch ihre Angriffe ans ihn, wobei sie aber ängstlich zu Werke gehen, obgleich sie sehen, daß er angefesselt und für sie unschädlich ist. Der Uhu geräth dabei in Zorn und gibt denselben ans mancherlei Art seinen Reckern zu erkennen. Doch soll dieser Zorn nur Schein sein, da man aus seinen schlauen Augen zu erkennen glaubt, daß das Tobe» seiner Feinde ihn mehr ergötze als kränke, besonders da er sieht, daß viele durch ihn ihren Tod finden. Die mittlere Ohreule ist von der Größe einer Krähe und nur 20 Loth schwer. Sie hat einen rostgelben und weißen Oberleib mit grauen und schwarz braunen Flecken; der Unterleib ist blaßrothgelb mit dunkelbraunen Flecken. Die Ohrbüschel sind lang und jedes besteht aus mehr als 6 Federn. Sie findet sich in ganz Europa und ist auch bei uns häufig. Den Tag über sitzt sie unbeweg lich auf einem Baumaste; Abends und Morgens geht sie auf Raub aus und sucht Mäuse und kleine Vögel zu erhaschen. ' Sie gewährt einen großen Nutzen und sollte daher billiger Weise geschont werden.189 Zweite Drdnung. Die Waldschreier. Unter den vielen Thieren, welche in diese Ordnung gehören, wollen wir zuerst das Rabengcschlecht erwähnen, zu welchem außer den eigentlichen Raben auch die Krähen, die Dohlen, die Elstern und die Hetzer zu rechnen sind. Der R a b e, «Taf. vii. Fig. 80) auch Kolkrabe, zeichnet sich ans durch seine Klugheit und Gefräßigkeit. Sein Gefieder ist meistens schwarz, seine Flügel sind lang und reichen fast bis an die Spitze des Schwanzes. Gewöhnlich lebt er ans freien Feldern und frißt Hamster, Maulwürfe, Mäuse, Vögel, Frösche, Eidechsen, Fische, Insekten, Würmer u. s. w. Auch den jungen Hasen und Kaninchen stellt er nach. Wegen seiner Dieberei ist er von Alters her berüchtigt und das Sprichwort: „stehlen wie ein Rabe," ist sehr wahr. Denn er stiehlt nicht nur Fleisch und andere Nahrungsmittel, sondern auch Dinge, die er nicht brauchen kann, besonders glänzende Metalle, als Gold und Silber, welches er oft in sein Nest trügt oder an verborgenen Orten versteckt. Dagegen ist die Benennung „Rabenvater" oder „Rabenmutter" ganz unwahr; denn er frißt nicht seine Jungen, sondern sorgt treulich für Weib und Kind und trägt ihnen so viel Nahrung zu, daß er als Muster dienen könnte. Sein Gang ist ernst und bcdächtljch, sein Flug rasch und zuweilen höchst zierlich. Im Alterthum war er ein sehr bcdentnngsvollcr Vogel, denn man weissagte aus seiner Stimme, die er angeblich 64 Mal verändere, und ans seinem Fluge. Uebrigcns ist es nicht leicht, ihn zu schießen oder zu fangen. Doch wird er oft betrogen durch Papiernc Düten, welche inwendig mit Vogcllcim bestrichen sind und ein Stückchen Fleisch als Lockspeise enthalten; diese bleiben ihm beim Heransholcn des Fleisches am Kopfe kleben und blenden ihn, so daß man ihn ohne Mühe ergreifen kann. l2r läßt sich leicht zähmen und lernt einzelne Wörter oder kleine Sätze nach- sprechen. Von seiner Sprachfertigkeit thcilt Gocze ans Selbstcrfahrung eine kleine Anekdote mit. Ans einem Hofe spazierte ein solcher zahmer Rabe herum, der be sonders die Worte: „Wer bist du?" deutlich anssprach. Einst war er im Gar te», im hohen Grase, als ihn der Hühnerhund bemerkte und ihm nachging. Der Rabe ließ es sich eine kurze Zeit gefallen, bis er endlich sich umdrehte mit den Worten: „Wer bist du?" Der Hühnerhund, nicht gewohnt, so einen llinf von einem Vogel zu hören, gerieth so in Furcht, daß er augenblicklich die Flucht ergriff.190 Sit Krähen. Man bemerkt in unseren Gegenden drei Arten von Krähen, nämlich die Rabenkrähe, die Nebelkrähe und die Saatkrähe. Die Rabenkrähe, auch schwarze Krähe genannt, hat schwarzes Gefieder, so wie anch schwarze Füße und einen schwarzen Schnabel. Sie ist ebenfalls sehr klug, muthig und räuberisch, holt oft junge Hansvvgcl aus dem Hofe, überwäl tigt zuweilen alte Hühner und packt und streitet sich mit den größten Raubvögeln. Sie lebt in größeren und kleineren Waldungen und Gebüschen und nährt sich vorzüglich von Mäusen, Regenwürmern und Engerlingen. Sie nistet jährlich zweimal, das erste Mal schon zu Ende Februars, ans den Gipfeln hoher Bäume. Das Weibchen legt 4—6 blaugrünc Eier mit aschgrau-braunen Strei fen und Flecken und brütet sic in achtzehn Tagen gemeinschaftlich mit dem Männchen ans. Die Nebelkrähe ist hellaschgrau mit Ausnahme deö Kopfes, der Kehle, der Flügel und des Schwanzes, welche schwarz sind. Sie ist sehr gefräßig und wird besonders dadurch nützlich, daß sie Mäuse, Maikäfer und deren Larven, Heuschrecken und andere schädliche Thiere wegfängt. Ihr Geruch ist äußerst fein und leitet sie aus weiter Ferne her nach Oertern, wo Nahrung für sie zu finden ist. Sie besucht uns in der Stadt mit Anfang des Herbstes und Winters und prophezeit uns nebliges, regnerisches Wetter. So lauge im Frühjahre nicht alle fort sind, so lange ist auch noch nicht ans beständige heitere Witterung zu rechnen. Mit ihrem gänzlichen Abzüge hören anch die Nachtfröste auf. Im Sommer sicht man sie in unfern Gegenden nirgends; sie hält sich dann in den höher nach Norden hin liegenden Gegenden auf. Die Saatkrähe hat ein schwarzes Gefieder mit schönem, stahlblauem Schim mer. Sie liebt sehr die Gesellschaft, und man trifft sic oft zu Hunderten, ja Tau senden an, so daß sie fast die Luft verdunkeln. Den Sommer über halten sic sich im Felde und den angrenzenden Vorhölzcrn auf. Endc Octobers verlassen sic in Gesellschaft der Dohlen das nördliche Deutschland, im südlichen hingegen blei ben sie meistens das ganze Jahr hindurch. Sic spielen gern miteinander, zanken aber wohl eben so oft, besonders beim Nestcrban, denn cs pflegen wohl zehn und mehrere Paare dieselben ans einem Baume künstlich anzulegcn und dann friedlich neben einander zu wohnen. Dem Ackersniann folgt sic hinter seinem Pfluge und verzehrt die Feldmäuse und die Maiküserlarven, welche die Pflngschaar aufgcscharrt hat. Zuweilen sicht man sie auch ans dem Rücken der Schweine sitzen, wenn diese auf's Stoppelfeld getrieben werden. Springt beim Aufwühlen der'Erde eine Maus hervor, so springt die Krähe sogleich herab, nin sich ihrer zu bemäch tigen. Durch die Vertilgung vieler Mäuse, Käfer und anderer schädlichen Thiere wird die Saatkrähe sehr nützlich; hingegen auch wieder schädlich dadurch, daß sic in Ermangelung jener Nahrungsmittel die Saat ans den Feldern wegfrißt. Das191 Weibchen legt jährlich 3—5 blaßgrüne Eier mit großen aschgrauen und dunkel braunen Flecken. Die Dohle. Die Dohle gehört ebenfalls zum Geschlcchte der Raben. Ihr Gefieder ist schwarz, der Unterleib schwarzgrau, und au den Seiten des Halses befindet sich ein weißgrauer Fleck. Sie ist so groß wie eine Taube und hält sich aiu liebsten auf Thürmen und andern hohen Gebäuden auf. Dort baut sic auch ihr Nest, seltener auf Bäumen. Ihre Nahrung besteht in Engerlingen, Käfern, Regen würmern, Mäusen, Getreidekörnern, Obst u. s. w. Sic führt ein gesellschaft liches Leben und treibt sich auch mit Saat- und Rabenkrähen in großen Schaaren herum. Obgleich sie meist in der Nähe der Menschen sich aufhält, so ist sie doch sehr scheu und furchtsam. In ihren Bewegungen ist sic zuweilen sehr zierlich und läßt dabei ihr: Klack, Klack! hören. Zähmen läßt sic sich leicht, muß aber wohl beobachtet werden, denn sic stiehlt, wie der Nabe, Sachen von glänzendem Metall. Das Weibchen brütet jährlich 4—7 grünliche Eier, welche besonders am stumpfen Ende mit dunkelbraunen Punkten und Flecken bestreut sind. Werden die Jungen ihr geraubt, so zieht sic oft nach einem andern Orte und bleibt mehrere Jahre lang weg. Ueberhanpt wechselt sie ihre Wohnung gern. Im Winter wandert sie in großen Schaaren nach Südwest. Auf diesen Wanderungen fliegen sie nach jeder halben Stunde im Kreis, um die hintern vorzulassen, setzen sich auf Felder, wo Mist ansgestreut liegt, Nachts zusammen ans Thürine und andere hohe Gebäude. Die E l st c r. Die Elster gehört ebenfalls zum Geschlcchte der Diebe, wie die Dohle und der Rabe. Kopf, Hals, Kehle und Brust sind schon sammctschivarz, ebenso der Rücken und die Decken der Flügel, hingegen der Bauch, die Flügclfedcru und Schultern sind blendend weiß. Der sehr lange Schwanz ist schwarz, und seine Federn haben entweder einen goldgrünen oder stahlblauen Glanz. Ihr Flug ist schwerfällig und unsicher; sic geht wackelnd und schrittweise, wobei sie, wie die Bachstelzen, den Schwanz erhaben trägt oder zuweilen damit wippt« Sic sitzt gern auf hohen Bäumen, namentlich auf Stußbäumen, Linden und Pappeln. Mißtrauen und Verschlagenheit sind die Hauptzüge in ihrem Charakter. Durch eine Art von Geschwätz, das mit pfeifenden, kreischenden Tönen vermischt ist, ivird sic oft sehr lästig und ist daher auch zum Siunbilde der Schwätzer geworden. Ihr Geruch ist äußerst scharf, denn sie riecht die Insektenlarven selbst unter der Erde. Man sagt, sie könne nicht mehr als fünf zählen, und schließt cs daraus, weil sic, wenn 5 oder weniger als 5 Jäger in ein Haus gehen, das in der Nähe ihres Nestes steht, nicht eher wieder in ihr Nest fliegt, als bis alle heraus und fort sind. Was aber über 5 ist, merkt sie nicht mehr. Den Sommer hindurchnährt sie sich lunt Larven, Mistkäfer», Regenwürmen!, Raupen, Obst u. dgl. Auch stellt sie den Eiern und jungen Vögeln auf eine listige Weise nach; selbst die jun gen Hühner und Tauben sucht sie im Stillen zu beschleichen. Im Winter sucht sie Insektenlarven, Mäuse, .Graswurzeln, Vogelbeeren u. s. >v. Aus den Feldern ist sie daher sehr nützlich, aber um sv schädlicher in den Gärten, >vv sic die Knos pen an den Bäumen abbeißt. Auch stiehlt sic gern aus den Häusern kleine Sachen, die ein glänzendes Ansehen haben, wie Ringe, Vorsteckuadeln und andere Kostbarkeiten. Ihr Nest ist sehr künstlich gebaut aus Reisern, inwendig ist es mit Erde auögcklcbt und mit Wurzeln und Haaren ausgelegt. Oben ist es mit einer Decke überwölbt, in welcher sich ein Schlupfloch befindet. Man sagt, sic baue cs an die entgegengesetzte Seite des Baumes von der Richtung, welche die Gewitter im Sonnncr nehmen. Das Weibchen brütet 4—8 grünliche Eier mit braunen Flecken, zuweilen zwei Mal im Jahre. Sic zieht im Herbste nicht fort, sondern bleibt bei uns. Der B i r k 1) e h e r, auch Mandelkrähe (Taf. VII. Fig. 81) oder Blaurake genannt, ist sogroß wie eine Dohle und zeichnet sich ans durch sein schönes Gefieder. Seine Hanpt- farbe ist ein schönes Grünblau, der Rücken ist zimmetfarbig; die Flügel sind un ten lasurblau. Die Füße sind gelb und hinter jedem Auge ist ein nackter, dreieckiger Fleck. Er hält sich bei uns meist in ebenen, sandigen, mit Eichen, Kiefern und Birken bepflanzten Gegenden auf, kommt erst im Mai zu uns und zieht schon im August weiterhin südlich. Er schreit immer schnarrend racker, racker, racker, oder räh, räh, räh. Seine Nahrung besteht in allerlei Insekten, in Würmern und Fröschen rc. Zur Erntezeit sitzt er gern auf den Garbenhaufen im Felde, ivelche Mandeln genannt werden, aber nicht, um Getreide, sondern um Heuschrecken und andere Insekten wegznfangen. Er nistet in Baumlöchern und legt 4—6 glänzend weiße Eier. Die Jungen stinken wie der Wiedehopf und lassen sich mühsam anf- ziehen und zähmen. Der Holzhehcr. (Taf. vn. Fig. 82.) Der Holzhehcr, auch Eichclkrühe, Holzschreier oder Eichelrabe genannt, gehört zu den schönsten unter den einheimischen Vögeln desMaben- und Krähengeschlechts. Er hat ein sehr weiches, seidenartiges Gefieder. Die Hanptfarbe desselben ist ein schönes aschgraues Fleischrvth. Die Federn des Vorderkopfes sind weiß und hell grau und verlängern sich zu einem Federbusch, den er heben und niederlegen kann. Vom Schnabel läuft nach dem Halse ein schwarzer Streifen herab. Flügel und Schwanz sind schwarz; die Flügeldeckfedern sind mit schön glänzenden weißblän- lichcn, himmelblauen und bläulichschwarzcn Querstreifen geziert. Am liebsten nährt er sich mit Eicheln; außerdem aber auch mit Haselnüssen, Kastanie», Kirschen, Birnen, Insekten, Würmern, Fröschen, Eidechsen u. s. w. Seine Klauen sindsehr scharf und für die Brut kleiner Vögel sehr gefährlich. Er ist ein schlauer, aber possierlicher Vogel, der ans mannichfache Weise die Töne anderer Vögel nach- äfft. Selbst das Wiehern eines Füllens, das Heulen eines Fuchses, das Schär fen einer Säge u. dgl. in. macht er nach. Auch ist er sehr gelehrig und lernt in kurzer Zeit menschliche Worte uachsprcchcu. Man kann ihn daher mit Recht den Papagei unseres Klima's nennen. Er nistet bald hoch, bald niedrig auf Bäumen und in Gebüschen. Seine Eier, deren das Weibchen jährlich 5 — 7 legt, sind graugrünlich mit dunkelbraunen Flecken. Der Wiedehopf. (Taf. vil. Fig. 83.) Der Wiedehopf ist ein wegen seines üblen Geruchs allgemein verschrieener Vogel, der deshalb auch Koth-, Dreck- oder Stiukhahu genannt wird. Sein Ge fieder ist übrigens sehr schön. Oben ist er hell rostfarbig, unten weiß, Flügel und Schwanz sind schwarz mit breiten weißen Querstreifen. Ans dem Kopfe trägt er einen Fedcrbusch, der aus zwei Federreihen besteht und den er, wenn er er schreckt oder aufmerksam wird, aufrichtet. Seine Länge beträgt 1 Fuß. Er ist ein Zugvogel und erscheint gegen Ende März; und weil er kurz vor dem Kuckuk bei uns ankommt, so hat man ihn auch den Kuckukslakcicn genannt. Gegen Ende Septembers zieht er wieder fort. Seine Nahrung besteht in Mist-, Mai- und andern Käfern, Heuschrecken, Ameisen rc. Wegen seines langen Schnabels und der engen Mnndöffnnng wirft er alle Nahrung zuvor in die Höhe und läßt sie dann in den Schlund fallen. Weil sie aber immer der Länge nach hincinfallen muß, so muß er dieses Spiel oft wiederholen. Man sieht ihn meist auf dem Boden gehen, wobei er beständig nickt. Er läuft sehr schnell und läßt dabei die Flügel hängen; jagt man ihn ans, so fliegt er ans den nächsten Baum. Im Ganzen ist er sehr ängstlich und furchtsam und erschrickt vor jedcin vorüberflicgcn- den größeren Vogel. Sicht er einen Raubvogel, so wirft er sich platt aus die Erde, breitet Schwanz und Flügel nach vorn hin so aus, daß sich die Spitzen berühren, legt den Kopf auf den Rücken und hält den Schnabel in die Höhe. So gleicht er einem bunten Lappen. Seine Stimme klingt hup, hup, hup, und wird besonders zur Paarungszeit gehört. Bei jeder Silbe nickt er mit dem Kopfe und bläs't seine Kehle auf. Er nistet in hohlen Baumlöchern, ziemlich niedrig und das Weibchen bebrütet 8— 4 schmutzig grünlichweiße, zuweilen gräuliche oder bräun liche Eier. Die Jungen geben einen abscheulichen Gestank von sich, der zum Theit von ihrem Unrathe, zum Theil von dem des brütenden Weibchens herrührt und im Neste liegen bleibt. Falsch ist cs aber, daß das Nest aus Mcnschcnkoth oder sonstigen unsanbern Stoffen bestehe. In Italien wird der Wiedehopf gegessen. Die Spechte. Die Spechte zeichnen sich aus durch ihren langen, geraden, eckigen Schnabel, der vorn spitz zuläuft; die Zunge ist sehr laug und schnell beweglich, die Spitze B ku»>er'« Naturgeschichte. 18194 ist knöchern und mit rückwärts stehenden Borsten bcsttzt. Auf der Erde Hüpfen sie ungeschickt umher, dahingegen laufen sie gern an den Bäumen hinan und suchen in den Nitzen der Rinde Insekten, deren Eier und Larven. Ihr starker Schnabel leistet ihnen dabei treffliche Dienste; und der starke Schwanz, der ans elastischen, fischbeinartigen Federn besteht, dient ihnen dabei als Stütze. Verlieren sie die Schwanzfedern, so können sie schlecht und nur mit Mühe die Baumstämme Hin anlaufen. Sie hacken mit ihrem Schnabel nie ganz gesunde, sondern nur solche Bäume an, die innerlich faul oder von Würmern angcbvhrt sind. Um die In sekten, ihre Eier und Larven ans den Ritzen hervorznholen, stecken sic ihre lange Zunge m die mit dem Schnabel eingehackten Löcher, spießen die vorhandenen In sekten an und ziehen sic hervor. Ihr Flug ist wellenförmig, und wenn sic sich setzen, so thnn sic cs meist der Länge nach. Sie leben nicht gesellschaftlich, son dern einzeln oder paarweise, und sind sehr schön. Erblicken sie einen Menschen, so laufen sie an die entgegengesetzte Seite des Baumes. Sic nisten nur einmal und legen 3—8 weiße Eier immer in selbst gemachte Löcher ans kleine Holzspäne. Männchen und Weibchen brüten sic gemeinschaftlich aus. Ihre Größe ist sehr verschieden, einige erreichen die Größe einer Taube, andere werden nicht größer als ein Zaunkönig. Fast alle haben ein schönes Gefieder, der Kopf ist gewöhnlich anders gefärbt als der Körper, bei vielen ist er roth oder gelb und mit einem Federbusche geschmückt. Im Winter bleiben sie bei uns und streifen einzeln um her. Wie viel der Mensch ihnen verdankt, kann er nicht berechnen. Man bedenke nur, wie viele Arten von Schmetterlingen ihre Eier zu verbergen suchen, aber der Specht spürt in den kleinsten Ritzen nach und weiß sic bald ausfindig zu machen. ES sind mehr als 80 Arten bekannt, von welchen 8 in Europa und zugleich in Deutschland sich aufhalten, Der Schwarzspecht (Taf. Vir. Füg. 84), auch Holzkrähe oder Krähen specht genannt, ist fast so groß wie ein Rabe und auch schwarz bis auf den obern Thcil des Kopfes, welcher scharlachroth ist. In Deutschland findet er sich nicht häufig. Er ist sehr scheu und daher schwer zu schießen. Seine Stimme ist stark und durchdringend und klingt entweder: kirr, kirr, oder glück, glück, kliäh, kliäh. Sein Hacken hört man in ziemlicher Entfernung und ist so stark, daß man die Axtschlägc eines Holzhauers zu hören glaubt. Am liebsten frißt er Holzmaden, nach welchen er sich mit seinem Schnabel eine Oeffnung schlägt. Mit seinen star ken Beinen und Klauen schält er oft große Späne ab. Das Weibchen legt drei bis vier weiße Eier auf bloßes Wurmmehl und brütet sic allein ans. Der Grünspecht ist fast eben so groß als der vorige. Sein Gefieder ist olivengrün, Scheitel und Hintcrkopf sind karmvisinroth. Seine Stimme ist ein helltöncndeS: glück, glück, glück. Im Winter kommt er nach den Dörfern und hackt aus den Ritzen alter Mauern die Larven der Insekten hervor. Er liebt auch Ameisen und hält sich daher viel auf der Erde auf. Er ist fortwährend in1Ö5 Thätigkeit, und nagelt man ein Brett auf einen hohlen Baum, so hackt er oft Stunden lang zum Vergnügen darauf loö. Er arbeitet so laut, daß man ihn über 100 Schritte weit hören kann. Das Weibchen legt 2 — 6 grünlich schwarz ge fleckte Eier in ein Baumloch. Unter den Buntspechten (Taf. VII. Fig. 85) unterscheidet man drei ver schiedene Arten, nämlich den großen oder Rothspecht, den Mittlern und den kleinen. Der Rothspecht ist so groß wie eine Amsel; oben schwarz und weiß- gefleckt, am After hellkarmoisinroth, eben so am Hintcrkopf, am Unterleib röthlich weiß und au den Füßen bläulich olivcngrün. Der mittlere Buntspecht ist etwas kleiner, hat aber sonst fast dasselbe Gefieder. Der kleine Buntspecht ist so groß ivic ein Sperling, oben schwarz und weißgcfleckt, unten gräulich weiß und an der Stirne gelblich. Im Herbste und in: Winter sieht man ihn häufig in unseren Gürten umherstreifcn, um die Obstbüumc von den Eiern und Larven schädlicher Insekten zu reinigen. Die Baumläufer (Taf. vn. Fig. 80 ) sind wie die Spechte äußerst geschickt in der Kunst, an den Baumstämmen hinauf zuklettern, um die Eier und Larven der Insekten mit ihrer Zunge ans der rissigen Rinde hervorznholen. Ihre Füße sind noch geschickter zum Anhäkeln, als die der Spechte. Gleichen übrigens diesen sehr in ihrer Lebensart. Sie sind sehr klein und stehen größtcntheils den Sperlingen an Größe nach. In Deutschland ist der gemeine Baumläufer, auch Grauspccht ge nannt, am bekanntesten. Er ist oben grau röthlich, schwarz und weiß gefleckt, unten weiß. Sein Schlvanz ist sehr lang und von braungelblicher Farbe. Er klettert mit außerordentlicher Geschicklichkeit von der Wurzel bis zum Gipfel die Bäume hinan. Da er nicht abwärts klettern kann, so fliegt er, wenn er mit einem Baume fertig ist, hinab an einen andern und dnrchstöbert diesen. Ueber- hanpt gehört er zu den hurtigsten Vögeln. Er ist sehr zutraulich und man kann sich ihm bis ans wenige Schritte nähern; indessen sieht man ihn doch nicht oft, weil er beim Anblicke des Menschen sogleich um den Stamm herumläuft. Den Wäldern und Obstbäumen ist er sehr nützlich. Er nistet in den Löchern der Bäume, und brütet zweimal, zuerst 8—9, dann 4—5 weiße, brannpunktirtc Eier. Der Manerspecht ist noch kleiner als ein Sperling, aber einer der schön sten inländischen Vögel. Die Flügeldeckfedern und die Schwungfedern sind hcll- roth; die Kehle ist im Frühjahr schwarz, im Herbste weiß. Sonst ist seine Haupt- farbe ein schönes Aschgrau. In Deutschland findet er sich selten, häufiger im südlichen Europa. Er klettert an Mauern, Felsen und Bäumen umher und sucht die Larven von Insekten dort auf. Seine Eier, welche eine weiße Farbe haben und rundlich von Form sind, legt er in Felscnlöchcr. 13 *196 D i c S p c ch t m c i s e (Tas. xi. Fig. 150) führt auch den Namen Blauspecht, Baumreitcr und Baumkleibcr. Sie ist obcu bläulich aschgrau, uuteu blaß rostfarbig und hält sich am liebsten in Buchenwäldern auf. Im Klettern ist sic geschickter als irgend einer unserer ein heimischen Vögel, denn munter und schnell läuft sic nicht nur an den Bäumen hinauf, sondern auch herab, was sonst kein Vogel thnt. Sic nährt sich von In sekten und deren Larven, aber auch von Sämereien und Fruchten. Besonders ist sic eine Freundin von Haselnüssen, von welchen sie gern einen kleinen Vorrath sammelt. Die Nüsse steckt sic in irgend einen Spalt und hämmert mit ihrem Schnäbclchcn so lange darauf los, bis sic zerspringen. Fällt die Nnß aus dem Sitze auch zehnmal heraus, so trägt sic dieselbe, ohne die Geduld zu verlieren, sogleich wieder herbei und geht wieder unverdrossen an ihre Arbeit. Sie bleibt den Winter über bei uns. Ihr Nest baut sic in Banmhöhlen und zwar in solche, die einen weiten Eingang haben, welchen sic bis auf ein kleines Loch, durch das sie nur mit Mühe ein- und auöschlüpfcn kann, mit Lehm oder Thon zuklcbt; daher auch ihr Name Kleiber. Das Weibchen legt 6—9 weiße, röthlich ge fleckte Eier, und brütet sic allein ans. Der Dreh hals (Taf. m Fig. 87) besitzt die merkwürdige Eigenschaft, daß er seinen Hals stark verlängern und so winden kann, daß die untere Kinnlade seines Schnabels gegen die Mitte seines Rückens umgekehrt ist. Er ist ungefähr so groß wie eine Lerche. Sein Gefieder ist oben grau, mit einem breiten schwärzlichen Streif vom Nacken bis znmUntcr- rücken, sonst mit schwarzen und braunen Flecken bedeckt; der Vordcrhals ist gelb mit grauen Wellenlinien; Brust und Bauch sind weiß mit braunen Flecken. Vom Mai bis Ende August hält er sich in unser» Wäldern und Gärten ans, nährt sich von Insekten, besonders Ameisen, welche er mit seiner Zunge, die mit einem klebrigen Schleim überzogen ist, ans den Ritzen und Spalten der Bäume hervor- zieht. Sein Nest baut er nachlässig in eine Banmhöhle und das Weibchen legt 7 —11 schneeweiße Eier hinein. Der Eisvogel oder Wasscrspccht. (Taf. vn. Fig. 88.) Der Eisvogel ist von Gestalt häßlich, denn er hat einen nnvcrhältnißmäßig dicken Kopf, einen zu langen Schnabel und zu dicke Füße. Sein Gefieder hin gegen ist außerordentlich schön. Der Kopf und die Flügeldeckfcdcrn sind dunkel grün mit lasurblauen Flecken; hinter den Augen weg läuft ein orangefarbener Streif; Schultern und Rücken sind glänzend lasurblau; die Kehle röthlich weiß; der Unterleib orangcröthlich. Der Schivanz ist dunkelblau, unten schwärzlich. Er ist ctivaS größer als ein Sperling, aber äußerst scheu. Man findet ihn selten ans dem Boden sitzend, gewöhnlich auf Zweigen, Balken, Steinen. Seine Nahrung197 besteht in Fischen, Blutegeln, Wasserkäfcrn u. s. w. Er flattert gewöhnlich über dem Wasser und flicht seine Beute mit dem Schnabel hcrauszuholen. Dann fliegt er mit derselben auf einen Zweig und verschluckt sie ganz. Im Sommer hält er sich fast immer ans einem und demselben Platze auf, im Winter aber streicht er flüssigen Gewässern nach. Friert Alles zu, so stirbt er gemeiniglich vor Hunger. Sonst gebraucht er nicht viel zu seiner Nahrung; ein kleiner Fisch reicht für einen oder zwei Tage aus. Die Gräten und andere unverdauliche Stoffe wirft er, wie die Raubvögel, durch den Schnabel wieder aus. Er nistet in Uferlöchern und unter Baumwurzeln. Das Weibchen legt im Januar und Februar 5—6 Eier, die rundlich und schneeweiß sind. Jedoch wollen aufmerksame Naturbeobachter be merkt haben, daß der Eisvogel mehr als einmal im Jahre brütet; ja, man will von März bis August Junge in verschiedenen Nestern gefunden haben. Die Eis vögel sind durch alle Zonen, mit Ausnahme der kalten, verbreitet und es gibt verschiedene Arten. Europa hat nur zwei Arten, den oben beschriebenen und den gcsch äckten Eisvogel, der sich aber in Deutschland nie sehen läßt. Linnä kannte schon 16 verschiedene Arten. Der B i c » e n f r e s s e r, (Taf. vil. Fig. 89) auch Jmmeuwolf genannt, ist von der Größe eines Wiedehopfs und zeichnet sich ans durch sein schönes Gefieder. Er ist oben hell kastanienbraun, Stirn und Bauch sind grünlichblau, die Kehle ist goldgelb und schwarz gesäumt, der Schwanz ist lang und schön blangrün. Er lebt im südlichen Europa, auch in Asien und Afrika, läßt sich aber nur selten im südlichen Deutschland sehen. Seine Nahrung besteht ans Käfern, Heuschrecken, Bienen, Wespen, Hornissen, Hummeln und an dern Insekten, die er im Fluge fängt, aber sitzend verzehrt. Sein Flug gleicht dem der Schwalben. In Griechenland, wo man ihn häufig findet, fischt man ihn aus der Luft, indem man an leichten Angelhaken Heuschrecken umherflattern läßt. Sein Nest baut er in Uferhöhlcn, die oft 4-5 Fuß tief sind, und das Weibchen legt 5—7 rundliche, weiße Eier hinein. Die Jungen sollen, wenn sie "och nicht flügge sind, die eigene Gewohnheit haben, mit großer Geschicklichkeit rückwärts zu gehen. Der K II lk II k. (Taf. VII. Fig. 90.) Der Kucknk ist ein unruhiger, höchst scheuer Zugvogel und den meisten Men schen wohl mehr durch sein Geschrei, als durch seine Gestalt und Farbe bekannt. Die Hauptfarbe seines Gefieders ist aschgrau mit weißem, schwarz gebändertem Bauch, der Schwanz ist schwarz mit weißen Spitzen. Manche Junge sind roth- braun und das Weibchen, besonders in füdlichern Gegenden, behält diese Farbe für immer. An Größe kommt er einer Feldtaube gleich, doch hat er einen län- gcrn Schwanz und viel längere Flügel, daher er auch sehr leicht und mit geschick ten Wendungen fliegt. Zum Gehen und Hüpfen auf der Erde taugen seine Füße schlecht und sind mehr zum Klettern und Anhalten auf den Zweigen der Bäume198 eingerichtet. In der Hälfte Aprils kommt er gewöhnlich zu uns und zieht im September wieder in wärmere Länder, nach Egypten. Seine Stimme läßt er vielfach, oft 100 Mal hintereinander hören, wobei er gemeiniglich auf einem der höchsten Bäume sitzt und den in die Höhe gerichteten Schwanz anseinanderfaltet. Nur das Männchen ist im Stande, den eigentlichen Kuckoksruf hervorzubringen, das Weibchen gibt bloß die Töne: Kirick, kirick von sich. Seine Nahrung besteht besonders in Raupen, und am liebsten sucht er die schwarzen Bärcnranpcn auf, welche kein anderer Vogel mag. Außerdem frißt er auch Käfer und Schmetter linge. Ucbrigens bedarf er sehr viele Nahrung, um seinen Hunger zu stillen. Durch seinen Raupenfraß würde er sehr nützlich werden, wenn er häufiger wäre. Er lebt paarweise und jcdeö Paar hat sein eigenes Revier, in welchem es kein anderes Paar duldet. Dieser Brodncid und diese Eifersucht stürzt ihn oft in's Verderben, indem der Jäger nur sein Geschrei gut nachzumachen hat, um ihn her- beizutocken. Sobald der Kuckuk dieses hört, glaubt er einen Nebenbuhler in sei nem Revier zu haben und fliegt daher sogleich herbei, um ihn zu vertreiben. Im Juni hört gewöhnlich sein Geschrei ans, er zieht sich dann schlvcigcnd in die Wälder zurück. Das Merkwürdigste in seiner Naturgeschichte ist, daß er nicht selbst zu nisten pflegt, sondern seine Eier in die Nester fremder Vögel trägt und diesen das Ausbrüten und Erziehen seiner Jungen überläßt. Er wählt dazu die Nester solcher Vögel, die ihre Jungen mit Insekten nähren, namentlich Grasmücken, Pieper, Bachstelzen und Lerchen. Anfangs Juni legt er das erste Ei, und so alle 4, 6 bis 8 Tage wieder eins. Weil sich die Eier bei den Weibchen so lang sam ausbilden, so wird das Brüten ihnen unmöglich gemacht, denn die ersten Eier würden schon verdorben sein, wenn die letzten gelegt würden, da kein Vogel eher brütet, als bis die natürliche Anzahl seiner Eier voll ist. Die Anzahl der Kuckukseier beläuft sich im Ganzen ans sechs. Jedes Ei trägt er in ein anderes Nest. Ist dieses zu schwach, daß sich das Kueknkswcibchcn nicht darauf zu setzen wagt, so legt es daö Ei auf die Erde und trägt dann das Ei mit dem Schnabel in das Nest. Die Eier, welche dem seinigcn im Wege liegen, trügt der Kuckuk selbst aus dem Neste. Sobald daö Stiefkind aus der Schale herauskriecht, so gehen die übrigen Geschwister in den ersten 6 Tagen gewöhnlich zu Grunde, weil der große, gefräßige Stiefbruder ihnen alle Nahrung vor dein Maule wegfrißt, oder sie auö dein Neste wirft. Die kleinen Stiefeltern haben dann genug zu thnn, um ihm Nahrung hcrbeizuschaffen und seinen ewigen Hunger einigermaßen zu befriedi gen. Ist er endlich so weit gekommen, daß er ansflicgcn kann, so setzt er sich auf einen nahen Baum, streckt sich einige Male ans und läßt zum ersten Male seine Stimme vernehmen. Die benachbarten kleinen Vögel kommen nun alle her bei, betrachten mit den Pflcgeeltcrn von allen Seiten daö Wunderkind und füttern mit ihnen gemeinschaftlich den gefräßigen Zögling, bis er für sich selbst sorgen kann. Die gefälligen Kostbringer begleiten ihn von Baum zu Baum und er kann den Schnabel nicht genug aufthnn , so viel Futter wird ihm herzugebracht. Das199 Kuckuksei ist kaum größer als das eines Sperlings, bald rundlich, bald länglich, bald bläulich- oder grünlichweiß, gelblichwciß oder schmutzigweiß. Der Kuckttk wird wohl 35 Jahre alt, findet sich in ganz Europa, bis Norwegen hinauf, ferner in Asien und Nordafrika. Der Papagai. Man unterscheidet unter den Papagaien wenigstens 150 verschiedene Gat tungen, welche alle außer Europa in den wärmeren Gegenden der übrigen Erd- theile wohnen. Der große Schnabel gleicht hinsichtlich seiner Form dem Schnabel der Raubvögel. Der Obcrschnabel ist kurz, dick und gewölbt und krümmt sich über den Untcrschnabel herab. Die Zunge ist meistens weich und fleischig und sie können mit derselben leicht die menschliche Stimme, thierische und andere Töne nachmachen. Ihr natürliches Geschrei ist sehr häßlich. Die Füße sind züm Klet tern eingerichtet und sic gebrauchen dieselben auch, ihre Nahrung zmn Munde zu führen. Beim Klettern bedienen sie sich des Schnabels, indem sie mit demselben sich festhakcn und den Körper nachziehcn. Ausgezeichnet schön ist ihr Gefieder und die Natur scheint an ihnen alle Schönheiten in Farben verschwendet zu ha ben. Bei der größten Zahl ist es ein herrliches Grün, das in's Gelbgrüne oder Gelbe übergeht. Auch findet man purpnrrothe, weiße und schwarze Papagaien. Ihre Größe ist sehr verschieden, die kleinsten sind so groß wie ein Sperling, die größten wie ein Hanshuhn. Ihre Nahrung nehmen sie aus dem Pflanzenreich; aber in der Gefangenschaft genießen sie fast Alles, was dem Menschen zur Speise dient. Sic nisten in Baum- und Felsenlöchern und legen höchstens 4 Eier; brü ten aber im Jahre mehrere Male. Unter den Vögeln scheinen sie in vieler Hin sicht die Stelle einzunchmcn, welche die Affen unter den Säugethiercn behaupten; denn sie zeigen viel Possierlichkeit in ihrem Betragen, lassen sich zu mancherlei Kunststückchen abrichtcn und zeigen überhaupt viel Verstand. Wenn sie beim Un terricht unaufmerksam oder boshaft sind und nicht folgen wollen, so taucht man sie in kaltes Wasser, oder bläs't ihnen Tabaksrauch in's Gesicht. In ihrem Va terlande richten sic oft großen Schaden an. Die Eingeborenen machen daher fleißig Jagd auf sic und verkaufen sic nach Europa. Man bezahlt einen einzigen gern mit 10—20 Thalern, und wenn er schon abgerichtct und einer von den schönsten ist, mit 50—80 Thalern.- Um ihn zum Sprechen abznrichten, behängt man sei nen Käsig mit einem Tuche und läßt nur eine Seite frei, vor welche man einen Spicgcl hängt, damit sich der Papagai sehen kann. Hat man ihn durch eine gute Mahlzeit vergnügt gemacht, so spricht tnan ihm immer dieselben Worte vor, welche er bald nachspricht. Besonders gelehrig und aufgelegt zum Nachschwatzen wird er, wenn er zuvor süße Mandeln oder Kuchen in Wein getunkt erhalten hat. Eine ausfallende Vorliebe hat er für Kinder und schöne Mädchen, gegen welche er außerordentlich artig ist, wenn sie hübsch freundlich gegen ihn sind. Die Papa- gaicn werden wohl eingetheilt in Erd- und Baumpapagaien, gehaubte, glattköpfige,200 Kurz- und Lang-, Fächer- und Pfeilschwänze; jcdvch unterscheidet man sie am lieb sten nach ihrer Hanptfarbe. Die Papagaicn Amcrika's haben vorzugsweise grü nes Gefieder, während die der übrigen Erdthcile meist roth, blau und gelb, oder einfarbig weiß, grau oder schwarz sind. Diejenigen, deren Hauptfarbe grün ist, heißen Amazonen, solche, bei denen Roth vorherrscht, Lorys. Unter den gchanbtcn führen viele den Namen Kakadu, nach ihrem eigenthümlichen Geschrei. Der gemeine Papagai (Taf. VIII. Fig. 9l), welcher am häufigsten nach Europa gebracht wird, ist der gemeine Amazonen-Papagai ans Südamerika, der ein grünes Gefieder und röthliche Schwanzfedern hat, und sehr gelehrig ist. Fast eben so gemein ist der aus Afrika kommende aschgraue Papagai mit rothcm Schwanz. Unter den Papagaicn in Südamerika zeichnet sich als einer der schönsten und größten der Aras aus. Er ist so groß wie ein Huhn und hat ein zinnobcrrothes Gefieder; die vier größten Schwungfedern sind himmelblau, eben so die Spitzen einiger Schwanzfedern. Sein Arageschrei klingt widrig und hat ihm seinen Na men gegeben. Er wird sehr häufig nach Europa gebracht und ist durch seine Ge lehrigkeit sehr beliebt. In Ostindien sind besonders die Lorys zu Hause. Sie sind roth, mit grünen Flügeln lind Schwanzfedern, an den Schultern und an dem Rücken haben sie ein gelbes Fleckchen. Der Kakadu (Taf. Vlll. Fig. 92) lebt ebenfalls in Ostindien. Sein Ge fieder ist ganz weiß, nur an den Flügeln und dein Schwänze ein wenig gelb. Auf dem Kopfe trägt er einen Fcdcrbnsch, den er aufrichten und niederlegen kann. Er ist leicht zu zähmen, lernt aber schwer oder gar nicht sprechen; nur seinen Namen Kakadu kann er herausbringen. Jedoch ist er sehr gelehrig in Erlernung mancherlei Kunststückchen. Er bleibt aber gewöhnlich boshaft und sein Biß ist sehr zu fürchten. Man muß ihn, wie die meisten Papagaicn, in eigenen Käfigen von Blech halten, weil er alles Holzwerk zerbeißt. Sein Gefieder hat einen weißen, mehlartigen Staub, der die Hand färbt, wenn man über die Federn streicht. » Schon den alten Römern waren die Papagaicn bekannt. Cato eiferte in einer Rede gegen den Luxus, den man mit ihnen trieb, über die prächtigen Käfige, welche man ihnen machen ließ rc. Der Kaiser Augustuö war ein großer Ver ehrer der Papagaicn und hatte deren viele. Man lehrte sic meist das Wort Salve (sei gegrüßt!) aussprcchcn. Der Tukan oder Pfcsservogel. (Taf. viii. Fig. 93.) Es gibt mehrere Arten von Pfcffcrvögeln, die sich alle durch ihren großen Schnabel auszeichncn, der mit der Größe des Körpers durchaus in keinem Ver hältnisse steht. So groß er aber auch ist, so ist er doch leicht. Zerkauen können sie die Speise nicht mit demselben, sondern sie müssen dieselbe ganz verschlucken.201 Ihre Nahrung werfen sic zuvor in die Hohe, und fangen sic daun mit dein Schnabel auf. Wozu ihnen der ungeheure Schnabel dienen soll, läßt sich nicht bestimmen. Ihre Stimme ist rauh und unangenehm. Ihre Nahrung besteht in Becrfriichten und Insekten. Sie wohnen in Brasilien, das ihnen wegen seiner Wärme besonders znsagt, denn Külte können sic durchaus nicht ertragen. Selbst gezähmte tragen sich in ihrem eigenen Vaterlande ein Gcnist zusammen, um warm zu sitzen. Sonst nisten sic in Baumlöchern und legen nur 2 Eier, die sie jedoch selbst verzehren. Der bekannteste unter den Pfeffervögeln hat oben ein schwarzes Gefieder, Kehle und Hals orangegelb, die nackte Haut um die Augen ist roth. Ein zollbreites Band an der Brust, so wie die obern und untern Deckfcdern des Schwanzes sind karmoisinroth. Er hat eine Länge von 1V 2 Fuß, der Schnabel ist 6 Zoll lang. Er heißt auch Prediger, weil er die Gewohnheit hat, sich, wenn seine Gesellschafter ruhig auf den Bäumen sitzen, über sie auf einen Gipfel zu setzen und seine Stimme hören zu lassen, die einige Aehnlichkeit mit articulirten Laute» hat. Der Nashornvogel findet sich in Afrika, dem indischen Archipclagus und Neuholland. Durch seinen merkwürdigen Schnabel ist er mit den Tukans verwandt. Dieser ist nämlich sehr groß, hat aber an der Wurzel einen anfrechtstchenden, dünnen, durchscheinenden, blutrothen Helm, Horn genannt. Seine Nahrung besteht in Eidechsen, Fröschen, Mäusen, Insekten, Aas und Pflanzen; besonders liebt er die Früchte der Mus- catbänme, die seinem Fleische einen vortrefflichen Geschmack geben. Er erreicht ungefähr die Größe eines Truthahns und hat ein schwarzes Gefieder, der Hals ist zitronengelb, Nacken und Schwanz sind weiß. Der Schnabel allein ist 10 Zoll lang. Er ist scheu und sitzt meistens ans den Spitzen der Bäume, um jede Ge fahr sogleich wahrzunehmeu. Er lebt gesellschaftlich, gewöhnlich in großen Schaa- ren. Seine Füße sind zum Gehen schlecht eingerichtet und er kommt daher selten auf den Boden. Thut er cs jedoch, etwa um eine Maus zu saugen, so hüpft er umher wie ein Nabe. Auch wirft er seine Nahrung zuvor in die Höhe und fängt sie dann mit dein Schnabel auf. Sein Flug ist rauschend und in beträchtlicher Höhe leicht und schnell. Paradiesvögel. Die Länge des Paradiesvogels von dem Schnabel bis zur Spitze der Sei- tcnfedcrn betrügt gewöhnlich 2 Fuß. Man hielt früher die Paradiesvögel für wahre Wunderthiere, glaubte, daß sie keine Beine hätten und daß sie beständig in der Luft nmhcrflögcn und von dieser sich nährten. Auch wußte man ihr Va terland nicht ausfindig zu machen und war der Meinung, daß sic der Erde gar nicht angehörten, sondern aus dem Paradiese herkämen. Dieses Märchen gründet sich aber darauf, daß die Eingeborenen diesen Vögeln, ehe sie dieselben anholländische und andere Seefahrer verkauften, die Beine abschnitten, weil sic sich so besser hielten, gleiche Leute kauften nun die Wundervögcl mit großen Geldsum men. Es gibt von diesen schönen Thieren mehrere Arten. Sie finden sich auf den Arooinscln zur Zeit des westlichen Passatwindes und kehren nach Neuguinea zurück, sobald der östliche Passatwind cintritt. Sic kommen immer in einem Zuge von 30—40 Stuck und werden von einem Vogel angeführt, welchen die Einge borenen den König nennen. Mit dem Winde können sic wegen ihres sanften Ge fieders nicht fliegen, weil ihre lockern Federn zerstört würden. Sic fliegen daher immer gegen denselben, sind jedoch so klug, bei heftigem Sturme nicht ausznflie- gcn, da schon ein mäßig starker Wind sic nöthigt, sich ans die Erde zu setzen. Wegen der Schönheit seines Gefieders, wie auch wegen seines prächtigen, stolzen Ansehens, kann er recht gnt Paradiesvogel genannt werden; denn er übertrifft an Schönheit alle übrigen Vögel und hat mehr das Ansehen eines Bewohners des Himmels, als der Erde. Das obere Gefieder ist z. B. bei dem Königsparadies vogel rnbinroth, Stirn und ein Thcil des Kopfcö schön pomeranzenfarbig, Kinn und Gurgel purpurfarbig, an der Brust zieht sich ein Heller Qnerstrcifen hin, dar unter ein breiter metallisch-glänzender goldgrüncr Gürtel; unten ist er grüngran, die Seitenfedern sind ebenfalls grau, am Ende glänzend goldgrün, die Deckfedern der Flügel sind gelb, der Schwanz ist rothbraun und trägt lange weißgelbliche Federn, welche drittehalb Fuß lang sind. Wegen seiner Schönheit wird er viel fach verfolgt, und sein Fcderbalg wird als eine leichte Zierath ans dem Turban getragen. Am besten und in seinem vollsten Glanze kann man ihn des Morgens sehen, wenn er sich putzt. Er spreizt dann die schönen Federn unter den Flügeln hervor, zieht sie sanft durch den Schnabel und reinigt sie von allem Schmutz. Auch die prachtvollen Schwanzfedern richtet er ans, so daß sic gleich Geweben in der Luft zu schwimrnen scheinen. Er scheint sich in dieser Stellung selbst zu ge fallen iHib stolz auf seine Schönheit zu sein. Der Pirol. (Taf. viii. Fig. 94.) Der Pirole gibt cs Wohl mehr als 50 Gattungen. In Deutschland kennt man jedoch nur eine Art, die durch Gestalt und Farbe zu den schönsten Vögeln unseres Erdtheils gehört. Dieser Pirol führt auch den Namen Goldamsel, Golddrossel, Kirschvogel, P f i n g stv og c l. An Größe kommt er der gewöhn lichen Amsel bei. DaS Männchen hat ein schönes hochgelbcs Gefieder mit schwar zem Zügel, Flügeln und Schwanz. Das Weibchen ist oben olivcngrün, unten weiß und schwarz gestreift. Man findet den Pirol in ganz Europa, aber nirgends häufig. Als Zugvogel kommt er am Ende Aprils an und geht -zu Ende des August schon wieder fort. Seine Nahrung besteht in mancherlei Insekten, besonders aber in Kirschen und Weinbeeren. Er ist äußerst scheu und versteckt sich meist in den Zweigen der Baume, von woher er seinen flötenden, aber durchaus nicht an- mnthigen Lockton: Jo Pühlo! vernehmen läßt. Weil er so wild und scheu ist, bekommtman ihn auch nur selten zu scheu. Sehr künstlich ist sein Nest gebaut, welches beide Gatten sogleich nach ihrer Ankunft bei uns sich einrichten. Es ist beutel- förmig und hängt mit vieler Geschicklichkeit in der Gabel eines Astes auf einem hohen Baum. Es gleicht einem Korbe mit 2 Henkeln, welche die beiden Zweige der Gabel ausmachen. An diese ist cs mit Bastfädcn, die sowohl die Zweige selbst umgeben, als auch in das Gewebe des Nestes dringen, so fest umwunden, daß cs jedem Sturme Trotz bietet und gewaltig mit seinen Bewohnern hin- und hergeschaukelt werden kann, ohne auch nur den geringsten Schaden zu leiden. Das Weibchen legt 4—5 spitz zulaufende Eier. Sic sind weiß, am stumpfen Ende rothschwarzbraun gefleckt. Die Mutter liebt die Jungen so sehr, daß sie sich in dem Neste wegfangen laßt. Der Colibri, (Taf. VL1I. Fig. 95) auch Colubri, Honigsanger oder Blumenspccht genannt, zeichnet sich aus durch sein herrliches Gefieder, dessen Pracht und Schönheit weder die Feder noch der Pinsel zu schildern vermag. ES hat einen metallischen Feucrglauz und ver ändert sich nach dem Lichte so sehr, daß nian bei einigen gar nicht sagen kann, welche Farbe sie haben. Ihr Schnabel ist ziemlich lang und sic saugen mit demselben den Honigsaft aus den Blumen. Die Füße sind klein, die Flügel hingegen lang. Ihr Flug ist pfeilschnell und oft hört mau daö Schwirren dessel ben, ohne den Vogel selbst zu sehen. Sie sind den ganzen Tag hindurch in Be wegung und schweben wie die Schmetterlinge an den Blumen umher, aus welchen sic den süßen Honigsaft flatternd ausziehcn. Scheu sind sie nicht, aber muthig lind zänkisch, und sic kämpfen in der Luft oft so wüthend mit einander, daß nicht selten einer der Kämpfer schwer verwundet zur Erde fallt. Ihre Stimme besteht auö einfachen, eben nicht angenehmen Lauten. Der kleine Colibri, von der Größe einer Biene, soll am schönsten singen. Das Nest ist sehr künstlich ans zarter Samenwolle gebaut. Es ist napfförmig oder halbkngelförmig, oben offen und mit einem klebrigen Saft au einem Ast befestigt. Die Eier sind von der Größe einer Erbse und die Jungen nicht größer wie Fliegen. Die Alten zeigen für dieselben eine zärtliche Liebe und greifen muthig jeden Bogcl an, der sich dem Neste nähert; selbst vor dem Menschen fürchten sic sich nicht, sondern fliegen ihm nach dem Gesichte. Ihr gefährlichster Feind ist die große Buschspinne, die ihre Nester beschleicht lind Alten und Jungen das Blut auSsaugt. Jung gefangen, taffen sie sich nur einige Wochen hindurch mit Honigwasser auffüttern. Die Amerikaner stopfcil sic gewöhnlich aus und tragen sic als Juwelen in den Haaren oder an den Ohren. Man kennt bis jetzt schon 70 — 80 Gattungen von Cvlibris, welche sich einzig und allein in Amerika finden. Die schönsten unter diesen sind folgende: Der gemeine Colibri ist etwas über 3 Zoll lang. Sein Gefieder ist obeil goldgriin, an der Kehle rubinroth und im verschiedenen Lichte aus dem204 Sammetschwarzen in'S Goldene schillernd; an Brust und Bauch ist er weiß, an den mittleren Schwanzfedern grün, an den äußeren feuerroth. — Der Topas- colibri in Surinam ist von der Größe des Zaunkönigs. Kopf und Nacken sind schwarz, Kehle und Vorderhals scheinen mit einer glänzenden Topasplattc belegt zn sein, die in's Grüngoldene spielt. — Der Rubincolibri in Brasilien ist oben goldgrün mit Kupferglanz, Kehle und Untcrhals rubinroth, Deck- und Schwungfedern gclbroth und braun gerändert. — Der Juwelencolibri, eben falls in Brasilien, ist am Oberhalse dunkel olivengrün. Der Kopf glanzt in rubin- rothcm Feuer, Brust und Bauch sind olivenbrann. — Der Zwergcolibri ist der kleinste seines Geschlechts und zugleich unter allen Vögeln. Sein Gefieder ist oben goldgrün, unten gräulich. Er ist nur wenig über 1 Zoll groß, also kaum etwas größer als eine Schmeißfliege. Das Nestchen ist von der Größe einer halben Wallnnßschale und die Eier sind so groß wie Znckcrerbsen. Man findet ihn häufig in Brasilien und ans den antillischcn Inseln. Der M a d e n f r e s s e r. Die Madenfresser finden sich in Wcstindicn und Südamerika und nähren sich von Eidechsen, Insektenlarven, Maden und Würmern. Sic gehören eigentlich zum Krähen- und Nabcngcschlccht und haben auch ein schwarzes Gefieder. Der kleine Madenfresser ist von der Größe einer Amsel, doch gibt es auch bei weitem größere. Sie leben in großen Gesellschaften und bauen sich auch ein gemein schaftliches Nest. Dieses hat einen großen Umfang und sieht wie ein Strohdach aus. Es hat mehrere Oeffnungen, und jeder Eingang führt zu einer regel mäßigen Straße, auf deren Seiten die einzelnen Nester liegen. Mancher Bau enthält 800 —1000 solcher Nester. Hier legen die Weibchen ihre Eier und brüten sie aus. Sind die Eier ansgebrütet, so machen die Weibchen keinen Unterschied unter den Jungen, sondern füttern sie alle durcheinander. Jung gefangen, lassen sic sich leicht zähmen nnd im Sprechen einzelner Worte unter richten. Ihr Geruch ist übrigens stinkend und ihr Fleisch deshalb auch nicht genießbar. Dritte Krönung. Die Schwimmvögel. Die Schwimmvögel zeichnen sich aus durch ihren meistens breiten Schnabel, mit welchem sie ihre Nahrung aus dem Wasser hcrausholen, nnd durch ihre kurzen Beine, welche mehr zum Schwimmen als zuin Gehen geeignet und unten205 cm den Zehen mit einer Schwimmhaut versehen sind. Sic leben größtentheils ans dem Wasser und die Jungen schwimmen oft noch im Dunenkleide nmher. Sie nisten gewöhnlich auf der Erde, einige auch in Höhlen, oder zwischen Felsen. Das Nest selbst ist ganz kunstlos. Ihre Nahrung besteht in Fischen, Amphibien, Schalthieren, Wcichthicreu und Insekten; bei einigen auch in Kräutern, Gras und Sämereien. Die meisten Schwimmvögel sind von mittlerer Größe. Der kleinste unter ihnen ist der Sturmvogel, der nicht größer als eine Schwalbe ist; der größte ist der Pelikan. Wir wollen mit demjenigen den Anfang machen, der uns Allen wohl am bekanntesten ist, nämlich mit der Ente. Die Enten haben einen platten, abgerundeten Schnabel, der oben erhaben rund und mit blätterigen Zähnen versehen ist. Die Füße sind kurz und stehen weit nach hinten, so daß das Gehen ihnen sehr erschwert wird. Dagegen sind sic sehr geschickt im Schwimmen und auch im Fliegen. Die wilden Enten (Taf. VI». Fjg. 96 und 97) wandern oft in großen Flügen, besonders Mor gens und Abends. Ihr Flügclschlag ist schnell und geräuschvoll, und wenn sie sich auf's Wasser nicdcrlasscn, so entsteht ein ordentliches Brausen. Am liebsten halten sie sich an Sümpfen, Seen, Teichen und Flüssen ans und nähren sich von Wasserpflanzen, Sämereien, Insekten, Fröschen, Würmern und dgl. mehr. Ihr Nest bauen sie ebenfalls in der Nähe von Gewässern im Schilf und legen ge wöhnlich 15 bis 16 Eier, welche grünlichweiß aussehen. Im Sommer findet man sie nur paarweise, im Herbste aber in großen Schaaren und eben so im Winter, wo sie die noch offenen Gewässer aufsuchen. Von dieser wilden stammt unsere zahme Ente ab, welche in unser» Dör fern und Städten allenthalben umherwaggelt. Diese sind in ihren Nahrungs mitteln durchaus keine Kostverächter, sondern nehmen mit Allem vorlicb. Würmer, Insekten, Schnecken, faulendes Fleisch, Unrath, Alles schincckt ihnen eben gut. Ucberhaupt sind sie in jeder Hinsicht sehr ekelhafte Thiere und in ihren Sitten oft noch schlimmer als die Schweine. Das Männchen, Ergcl oder Enterich genannt, ist größer als das Weibchen und besonders an den krummen Schwanz federn zu erkennen. Das Weibchen legt im Sommer eine Menge Eier, die es onch zum Theil ausbrütet, wenn man sie ihm läßt. Sehr nützlich sind die Enten durch ihr wohlschmeckendes Fleisch und durch ihre Federn, die zu Betten gebraucht werden; obgleich abergläubische Leute solche Betten nicht nehmen, weil sic sich einbilden, Kranke könnten ans denselben nur langsam sterben, weil die Enten ein zähes Leben haben. In Betreff der Nahrung haben wir schon gesagt, daß die Ente mit Allem vorlieb nimmt und nichts verschmäht; nur nach Noggenkleie, die anderen Thieren wohl bekommt, fühlt sie sich unpäßlich. Zwar genießt sie dieselbe sehr gern, aber es folgen leicht Krämpfe darnach, die Ente zappelt, über schlägt sich und liegt auf dem Rücken. Aber dieses dauert nicht lange. In206 einigen Minuten ist sie wieder ans den Beinen und auf’8 Neue am Freßtroge oder auf dem Teiche, ciucn Trunk darauf zu thnn. Außer diesen gibt es noch mehrere andere Arten von Enten. So die Löffelente, welche sich durch ihren an der Spitze löffelartig erweiterten Schna bel auszeichnet und sich in Amerika und im mittleren Europa findet. Die Brautente ist eine der schönsten Enten. Sie hat ein grünviolcttes Gefieder und auf dem Kopfe einen prachtvollen goldgrünen, in's Purpurfarbige schim mernden Federbusch: Die türkische Ente, auch Bisamcntc genannt, zeichnet sich aus durch ihre Größe und durch ihr durchgängig schwarzes Gefieder, das einen prächtigen Mctallglanz hat. Sic stammt aus Südamerika, wo sie sich wild findet und auf Bäumen nistet; häufig findet inan sie auch in unseren Hühnerhöfen. Die Gans ist mit der Ente nahe verwandt, aber durch ihre Größe leicht zu unterscheiden. Man findet sie ebenfalls im wilden und int zahmen Zustande. Die wilde Gans (Taf. VHI. Fig. 98) ist oben braungrau, unten grauwcißlich. Der Schnabel ist schwarz und nur in der Mitte roth, die Beine sind gelbroth. Sie kommt im Herbste schaarenweisc zu uns und richtet ans unseren Saatfeldern oft großen Schaden an; denn sie lassen sich zu Hunderten in die Kornfelder nieder und weiden die junge Saat ab. Sic gehört eigentlich nicht uns, sondern dem höher» Norden von Europa und Asien an, das sie, sobald strengere Kälte eintritt, ver lassen. Auf ihren Wanderungen befolgen sic immer eine bestimmte Ordnung. Ist die Reisegesellschaft nicht groß und besteht sic nur aus 8 — 10 Stück, so ziehen sie immer in einer schiefen Linie; sind ihrer mehrere, so bilden sic eine doppelte schiefe Linie oder zwei Schenkel eines Dreiecks, von welchen aber der eine immer kürzer ist als der andere. Als Zugführer fliegt ein Männchen vor aus, das sich sowohl durch seine Stimme als durch seine Größe anszcichnct. Fliegen sie hoch in der Luft und schnell nach Westen, so kann man sicher bald auf Schnee rechnen. Als Vorboten deö Winters überhaupt nennt man sie auch Schnce- gänse. Sie sind sehr schlau und scheu und lassen sich nicht leicht von dem Jäger beschleichen. Wenn sie sich auf ein Kornfeld nicderlassen, so stellen sie regelmäßig Wachen auö, welche jede Gefahr verkündigen müssen. Ihr Fleisch, namentlich das der Jungen, ist sehr schmackhaft. Die zahme Gans ist wohl zu bekannt, als daß sie einer weiteren Beschrei bung bedürfte. Sie sind vortreffliche Schwimmer, gehen aber nicht so oft wie die Enten in's Wasser; gewöhnlich nur um zu baden. Auch sind sic geschickte Taucher, zeigen sich jedoch als solche nur in der höchsten Roth. In ihrer Rah- rung sind sie sehr genügsam, und wenn man sie im Sommer auf die Weide treibt, so sind sic mit bloßer Pflanzenkost zufrieden. Am liebsten fressen sie Hafer207 und Gcrstc oder türkischen Weizen; ober sic erhalten diese Nahrungsmittel nur, wenn sie gemästet werden sollen. Sic werden leicht fett und ihr Schmalz ist besser, als Butter und gemeines Schmalz. Auch das Fleisch liefert einen vor trefflichen Braten und die Federn werden zu Betten gebraucht. Die großen Spuhlen der Schwung- oder Flügelfedern sind uns zum Schreiben durch den fast allgemeinen Gebrauch der Stahlfedern entbehrlich geworden. Die Eidergans (Taf vm. Fig. 99 und 300) bewohnt die nördlichen Gegenden von Europa, Asien und Amerika. Das Männchen ist am Kopfe und am Unterleib schwarz, am Obcrhalsc meergrün und an der Brust weiß; das Weibchen ist grau mit gelbbraunen und schwarzen oder weißen Flecken. Sic ist am berühmtesten durch die vortrefflichen Eider- dunen oder Eiderdaunen, welche sic liefert. Diese Eiderdunen sind nichts anders als die weichen Flaumfedern, welche sic sich aus der Brust rupft, wenn sie ihr Nest baut. Sie benutzt nämlich zur Anlegung desselben die erste beste Klippe oder die erste beste Höhlung, polstert sie ein wenig mit Seegras ans rmd umhüllt cs dann init ihren eigenen weichen Brustfedern. Keine Art von Federn gibt so viel Wärme, wie diese. Gewöhnlich beträgt die Menge der Federn, lvctchc in einem Neste liegen, kaum 2 Loth, aber ihre Elasticität ist so groß, daß mit einigen Pfunden ein ganzes Deckbett gefüllt werden kann. Merk würdig aber ist cs, daß nur die Federn der lebenden Eidergänse so elastisch sind. Sie machen einen bedeutenden Handelsartikel ans. Das Pfund wird mit 3 Thlrn. bezahlt, und Island allein liefert in einem Jahre für 5000 Thlr. und darüber. Die Eingeborenen nehmen das erstemal Eier und Daunen weg; das Weibchen schreitet darauf zur zweiten Brut, bringt das Nest wieder in Ordnung, rupft sich die Brustfedern ans und legt wieder Eier hinein. Kanin aber hat sie angefangen zu brüten, so kommen die Räuber schon wieder heran rmd nehmen abermals Eier und Daunen weg. Ja oft geschieht dieses auch zum drittenmal; das viertemal läßt inan jedoch die Eier liegen, damit es im nächsten Jahre an jungen Gänsen nicht fehle. Das Einsammeln der Federn selbst ist höchst mühsam und gefährlich, und wohl Wenige, die auf Eiderdnnenkissen sich lagern, denken daran, daß diese Federn von einem Menschen gesammelt werden, der an einem Seile zwischen Himmel und Erde schwebt. Sehr oft legen die Eidergänse ihr Nest ans Felsen und Klippen an, die wie Thürine ans dem Meere hcrvorstcigen. Unten braust und tost die Sec gcwaltiglich und brandet fürchterlich am Fuße des Felsens. Einige kühne Männer rudern hinan an den Fuß desselben und einige klettern hinauf. Der zuerst oben angekommen ist, läßt nun ein Seil hinab; der zweite schickt ihm eine Stange von 5 bis 6 Ellen nach, sucht dann das Seil zu erhaschen und bindet eö sich um den Leib. Nun läßt er sich von dem oben Stehenden hinaufziehen, indem er fortwährend mit den Füßen von der Felswand sich abstößt, damit er nicht an derselben zerschellt. So oft sich ein Nest zeigt,208 wird es geplündert. Sind junge Gänse darin, so dreht der kühne Räuber ihnen den Hals um und wirft sie in das unten hin- und herrudernde Boot. Oft wagt sich auch ein Einziger ganz allein ans solchen Fang hinaus. Er befestigt sein Seil oben auf dem Felsen an einen eingekeilten Pfahl und steigt nun getrosten Muthes hinauf und hinab. Der Schwan. (Taf. VIII. Fig. 101., Auch der Schwan gehört zum Gcschlcchte der Gänse und Enten und man unterscheidet drei verschiedene Gattungen. Der gemeine Schwan ist schneeweiß, hat einen rothen, schwarz eingefaßten Schnabel, vor der Stirn einen schwarzen Auswuchs und schwarze Füße; er mißt 5 Fuß in der Länge und 8 Fuß in der Breite, wenn er beide Flügel ausspannt. Durch sein herrliches weißes Gefieder und seinen edlen majestätischen Anstand dient er unseren Fischteichen zur Zierde; wird aber auch dadurch sehr nützlich, daß er andere, den Fischen verderbliche Bögcl vom Teiche abhält. Seine Be wegungen auf dem Wasserspiegel sind langsam und edel, und den Hals trägt er 8 förmig gebogen. Er ist nicht ganz stumm, sondern läßt zuweilen einen knur renden Ton hören. Auf dem Lande ist er plump und unbeholfen, und er scheint dieses auch zu wissen und sich darüber zu schämen; denn wenn er eine Zeit lang nmhergewaggelt, eilt er schnell dem Wasser zu und rudert dort in den zierlich sten Bewegungen umher. Seine Nahrung besteht in Wasserkräutern, Klee und grüner Saat; Fische aber will er nicht, jedoch Brod um so lieber. Im Winter erhält er Gerste und Hafer. Sein Nest baut er gewöhnlich in das Schilf und legt 5 — 8 graugrünliche Eier hinein. Um diese Zeit ist er sehr böse, und man darf ihm nicht zu nahe kommen; denn er besitzt in den Flügclmuskeln eine große Kraft. Große Raubvögel und Hunde, die seinem Neste zu nahe kommen, schlägt er nieder, und selbst Menschen zerschmettert er den Armknochen. Die Jungen haben bis zum dritten Jahre eine schmutzig-aschgraue Farbe. Bon der Mutter werden sic fleißig im Schwimmen geübt, und droht irgend woher Gefahr, so nimmt sie die Kleinen auf ihren Rücken und rudert mit ihnen schnell davon, um sie in Sicherheit zu bringen. Die Federn sind außerordentlich elastisch und werden theuer bezahlt. Alten Schwänen kann man das Fell sammt den Federn abzichen und zu Pelzwerken verarbeiten. Das Fleisch ist zähe und daher schwer zu ge nießen. — Die wilden Schwäne kommen zur Wintcrzeit ans dem Hähern Norden zu uns herab; wird aber die Kälte strenger, so wandern sie weiter in das süd liche Europa. Der Singschwan hat ebenfalls ein schneeweißes Gefieder, aber sein schwar zer Schnabel ist an der Wurzel gelb. Seine Haltung ist nicht so edel und ma jestätisch, als die des gemeinen Schwans, denn er trügt den Hals gewöhnlich gerade. Seine Stimme ist gänseartig, in der Ferne jedoch wohlklingend, ähnlich209 dem Tone einer Posaune. Wenn er hoch in der Luft zieht, läßt er sie zu wieder holten Malen vernehmen. Aber von einem eigentlichen Gesang, den er nament lich im Sterben hören lassen soll, weiß kein Naturforscher etwas zu sagen und es ist dieses wohl zu den Fabeln der Alten zu rechnen. Der schwarze Schwan findet sich in Neuholland und hat ein schwarzes Gefieder, »nr einige Schwungfedern sind weiß. Man sagt von ihm, das; er mit dem weißen Schwane fortwährend in Feindschaft lebt. Der Taucher. Taucher wird ein Bogelgcschtecht von mehr als 28 Gattungen genannt, weil sie in der Tancherknnst eine große Geschicklichkeit zeigen. Ihr Körperbau ist dazu auch ganz geeignet. Die Beine stehen nämlich bei ihnen sehr >vcit nach hinten zu, so das; sie sich nur eben nach vorn zu neigen brauchen, um mit dem Borderthcilc des Körpers das Ucbergewicht zu erhalten und heruntcrzutauchen. Im Gehen sind sie daher sehr unbeholfen, desto geschickter aber in; Schwimmen und int Fliegen. Ihre Nahrung besteht in Fischen und anderen Wasserthieren, die sic von dem Grunde des Wassers heranfholen und über demselben verzehren. Ihre Stimme ist sehr durchdringend. Wie die Falken zur Vogeljagd, so sollen sich die Taucher zum Fischfänge abrichten lassen und Hechte, Forellen und andere Fische apportiren lernen. Einer der größten Taucher ist der Haubentaucher (Tas. Vill. Fig. 102). Er hat die Größe einer Ente und sein Gefieder ist obcnher schwarzbraun, unten her glänzend weiß, ans den Flügeln befindet sich eine weiße Binde; auf dem Kopfe trägt er einen doppelten schwarzen Fcdcrbnsch, den er beliebig aufrichten und nicderlcgeu kan». Man findet ihn fast ans allen großen Seen Deutschlands, wo er Fische und Wasserpflanzen aufsucht. Er ist äußerst scheu, und nur höchst selten gelingt cs dem Jäger, ihn zu beschleichen. Sein Nest baut er in das Uferschilf und das Weibchen legt 3—4 weiße Eier hinein. Das Bauchfell wird von den Kürschnern zu prächtigen Federmnsfcn verarbeitet. Der dumme Taucher oder Lummer hält sich besonders ans den Färöer Inseln auf und ist so groß lvic eine Ente. Sein Gefieder ist oben schwärzlich, unten weißlich. Er besitzt ebenfalls eine außerordentliche Geschicklichkeit im Unter- tanchcn. Er spannt dabei die Flügel halb ans und bewegt sich durch deren Hülfe unter dem Wasser fort. Er legt sein Nest auf Felsen an, und weil er sich ans ' demselben mit der Hand ergreifen und fangen läßt, ohne zu entfliehen, so hat man ihn den dummen Taucher genannt. Das Weibchen legt nur ein grünliches, schwarzgeflecktes- Ei, das so groß wie ein Gänscci ist. Von den Bewohnern der Färöer-Inseln wird er unablässig verfolgt, und seine Jagd ist eben so gefährlich, als die Jagd auf die Eidergans und deren Daunen. Das Bauchfell wird zu schönen Muffen und Verbrämungen verarbeitet. B e „ m c v’S Nalurgischich,,. 14210 Der Sturmvogel. (Taf. VIII. Fig. 103.) Der Sturmvogel ist so groß wie eine Lerche und hat ein schwarzes Gefieder, das nur am Ende der Schwungfedern und am Steiß ivciß ist. Es gibt mehrere Gattungen derselben. Sie entfernen sich unter allen Schwimmvögeln am weitesten vom Lande und halten sich fast fortwährend ans dem Meere ans. Wenn sic zu fällig an's Land verschlagen werden, so gebehrden sic sich so fremd und verlieren so sehr alle Besinnnng, daß sie sich mit der Hand greifen lassen. Sie laufen mit gelüfteten Flügeln gleichsam über die bewegten Wellen hin, um ihre Nah rung zu fangen. Ihr Flug ist schnell und fast immer schwebend ohne Flügel schlag, selbst bei dem stärksten Winde. Ihre Nahrung besteht in Fischen, In sekten und Würmern, die sie ans der Oberfläche des Wassers erhaschen, denn sic tauchen nie unter. Da diese nun besonders leicht zu fangen, wenn die Wellen aufgeregt sind, so erscheinen sie immer da, wo cs stürmt. Daher auch ihr Name Sturmvögel. Mitten durch den heulenden Sturm schießen sie dahin und mischen ihr Jauchzen in das Heulen des Orkans. Wird dieser aber gar zu heftig, so nehmen sie auf das Takclwerk der Schiffe ihre Zuflucht. Sic lassen sich dann auch leicht fangen. In der Regel halten sic sich gern bei den Schissen ans und zwar folgen sic hinter denselben, um ans den vom Kiele aufgefnrchten Wellen ihre Nahrung zu erbeuten. Bei Windstille verschwinden sic jedoch, um stür mischere Gegenden aufzusnchcn. Ihre Nester bauen sic auf Klippen und sclsigte Küsten und das Weibchen legt nur ein weißes Ei. Wenn ein Verfolger sich dem Neste nähert, so kann er sich darauf gefaßt halten, mit einem öligen Safte be sudelt zu werden, den die Sturmvögel ans beiden Seiten des Schnabels ans spritzen. Sie finden sich in allen Meeren und unter allen Himmelsstrichen. Sie haben eine Menge Fett in sich, und die Bewohner der Faröer-Jnseln benutzen sie wie Lampen, indem sic durch den getödteten und abgernpften Leib einen Docht ziehen und denselben anzünden. Die S e e s ch w a l b e n. (Tas. vm. Fig. 104.) Man nennt diese Vögel zwar Schwalben, weil sie in ihren breiten Flügeln und in ihrem gabelförmigen Schwänze viel Achnlichkcit mit denselben haben, sind aber übrigens mannichfach von denselben verschieden. Die herrschende Farbe unter den verschiedenen Gattungen ist weiß; einige sind aschgrau, andere ganz schwarz. Sic finden sich gesellschaftlich ans allen Meeren, Seen und Flüssen und suchen von der Oberfläche des Wassers kleine Fische und Insekten zu erhaschen. Sie schwimmen sehr selten, dagegen sind sic sehr geschickt und schnell im Fliegen. Sie ruhen an deni Lande auf Klippen, Steinen n. s. w. und legen dort auch gesellschaftlich neben einander ihre Nester an. Gemeiniglich legt das Weibchen 3 große, gefleckte Eier. Für die Jungen zeigen sic eine zärtliche Liebe, und zeigt sich ein Raubvogel, so kommen sogleich von allen Seiten her eine Menge von211 Seeschwalben herbei, um gemeinschaftlich den Feind zu vertreiben. Ihr Geschrei ist scharf und durchdringend. In Europa unterscheidet man 10 Arten. In Deutschland sieht man sie einzeln auf den Flüssen umherschceren. Sie stoßen mit ihrem großen, spitzigen und pfriemcnförmigcn Schnabel auf den Fisch los, der sich an der Oberfläche zeigt, verfehlen aber sehr oft ihre Beute. Im Herbste suchen sie wärmere Gegenden auf, wo die Gewässer nicht zufrieren. Der Tropikvogel hat seinen Namen daher, weil er nur in der heißen Zone, zwischen den Wende kreisen lebt. Er besitzt im Fliegen eine außerordentliche Geschicklichkeit und wagt sich jeden Tag weit in die See hinaus, woher er des Abends auf daö Land zurückkehrt. Er scheint nicht in der Luft zu fliegen, sondern zu schwimmen, indem man kaum bemerkt, daß er die Flügel bewegt. Er ist so groß wie eine Ente und hat ein silberweißes Gefieder, nur die verlängerten mittleren Schwanzfedern sind schön roth. Auf Otahaiti werden diese zum Schmilck gebraucht. Sein Nest bauet er auf Felsen und Bäumen und das Weibchen legt 1 — 2 gelb liche Eier. D c r Pelikan, (Taf. VIU. Fig. 105) auch Kropfgans genannt, ist unter allen uns bekannten Schwimmvögeln der größte. Sein Gefieder ist weiß, ein wenig in's Fleischfarbige spielend. Er er reicht eine Länge von 5 — 6 Fuß und findet sich in den wärmeren Ländern des östlichen Europas und Asiens. Unter der Kehle hat er einen großen, blutrothen Beutel, der wie ein Kropf hcrabhängt, weshalb er auch den Namen Kropfgans führt. In diesen Beutel schlingt er die Fische, welche er mit seinem 15zölligen Schnabel erhascht, hinab. Sein Gang ist halb aufrecht, wobei die Füße weit auseinander stehen. Alle 4 Zehen sind mit einer Schwimmhaut versehen, aber er kann sie doch gebrauchen, um einen Gegenstand zu erfassen oder sich an den Aesteu der Bäume anzuklammern. Sein Nest bauet er am Wasser und seine Zungen füttert er aus dem Kropfe. Er lehnt dabei den Unterschnabel auf die Brust, erhebt den Obcrschnabel und hält den so geöffneten Kropf den Jungen vor, die dann die darin befindlichen Nahrungsmittel, wie von einer Schüssel, zu sich nehmen. Zuweilen sind die Speisen noch mit dem Blute der Fische gefärbt, und daher ist die Fabel entstanden, daß der Pelikan, um seine Jungen zu füttern, sich die Brust aufritze und mit seinem eigenen Blute sie tränke. Die Flügel des Pelikans sind außerordentlich stark und lang. Bei einer be- sondern Art, die Fregatte genannt (Taf. VIII. Fig. 106), beträgt die Flügel- breite zuweilen 12 Fuß. Die Fregatte besitzt unter allen Schwinunvögcln die größte Geschicklichkeit im Fliegen. Sie kehrt sich an keinen Sturm, wie es auch toben mag, sondern fliegt weit in's Meer hinaus, so daß man sie öfters 400 Meilen voin Lande antrifft. Daher auch ihr Name. Sie fliegt zuweilen so 14*212 hoch, daß man sic mit bloßen Angen gar nicht mehr schm kann. Das Gefieder beim Männchen ist schwarz, mit zwei rothen, fleischigen Lappen ain Halse; das Weibchen ist oben schwarzbraun, am Halse und Unterleib weiß. Auf dem Boden kann sic nicht stehen, auch schwimmt sic nicht, weil sic wegen ihrer kurzen Fuße und sehr langen Flügel nicht gut vom Wasser wieder aufflicgen kann. Sic seist sich daher nur ans vorstehende Felsen und Bäume, und läßt sich von diesen herab- fallen, um wieder Lnft fassen zu können. Ihre Nahrung besteht in fliegenden Fischen. Vielfach verfolgt sic auch die Möven, ängstigt sie mit ihren Flügel- schlägen und kneipt sic mit ihrem Schnabel so lange, bis sic ihren Fang erbrechen, welchen der Frcgattcnvogel erhascht, noch che er das Wasser erreicht hat. Er ist sonst scheu, aber seine Gefräßigkeit macht ihn dreist und keck, und man hat Bei spiele, daß er selbst den Menschen die Fische, welche sic trugen, ans den Händen reißen wollte. Die Tauch erga » s, (Taf. viil. Flg. 107) auch Sccrabc odcr^Seerachcn genannt, findet sich ans den nördlichste» See- küstcn der alten und neuen Well. Sie hält die Mittelgröße zwischen der Gans und der Ente und hat oben ein schwarzes Gefieder und nuten ein strohgelbes. Der Kopf ist schwarzgrün und hat einen Federbusch, der in Gestalt eines Pinsels herabhängt. Sic hat einen pfriemenförmigen Schnabel, der an der Spitze mit einem Haken versehen ist. Im Herbste sucht sic mildere Gegenden ans und besucht dann auch unsere deutschen Flüsse und Seen. Ihre Nahrung besteht in Fischen, welchen sic gern gemeinschaftlich nachjagcn. Sic bilden nämlich einen Bortrab, der unter dem Wasser hintreibt und die Fische nach den Buchten und gegen den Strand jagt. Die andern formircn einen Halbkreis, der sich immer mehr verengt, indem die Fische durch Plätschern mit den Flügeln in Angst gejagt werden. Sind die erschrockenen Fische recht zusammcngcdrttngt, so fängt die Mahlzeit an. Indessen haben oft die Gänse auch vergebliche Mühe sich gemacht. Am Ufer hatten die Fischer, die diese Gewohnheit kennen, ihre Netze anfgcstcllt und ihnen die Beute vor dem Schnabel weggefangen. Die Bewohner des Rvrd- capö richten kleine Hunde ab, um die Seerabcn zu fangen. Der Hund packt die erste, die er findet, beim Flügel; das arme Thier will nicht fort, sucht sich anzu halten und packt ihrerseits eine andere mit ihrem starken Schnabel, und so macht cs wieder diese zweite, so daß der Hund oft mit einer ganzen Reihe aus dem Wasser kommt. Die Möven. Die Möven haben in ihrer Bildung und in ihrer Lebensart viele Aehnlich- kcit mit den Tropikvögeln. Sic nähren sich 'von Fischen und dem Speck todtcr Walfische und halten sich am liebsten an den Küsten der nördlichen Meere ans. Im Herbste jedoch wandern sie auch in mildere Gegenden und kommen dann auchzu uns nach Deutschland. Ihr Schnabel ist gerade und messerförmig und hat, wie bei der Tauchergans, an der Spitze einen Haken. Sie schwimmen selten, fliegen aber anhaltend und schnell nach allen Richtungen hi» über das Meer. Ihre Ruhe halten sic auf dem Lande ans Klippen und Felsen, wo sie auch ihr Rest bauen, welches 3 gefleckte große Eier enthält. Die Farbe des Gefieders ist bei den meisten weiß, nur an den Flügeln schwarz. Sic entfernen sich gewöhnlich nicht weit von: Laude, sondern halten sich in der Nähe der Ufer ans; daher auch ihr Erscheinen den Seefahrern ein sicheres Zeichen von der Nähe des Landes ist. Bei heftigen anhaltenden Stürmen machen sic sich oft ganz von den: Meere weg und fliegen landeinwärts und suchen dann ans frisch gepflügten Acckern Enger linge, Würmer ::. s. w. Federn und Eier werden sehr hoch geschätzt. Auf einer Sandbank nahe an: Tcxcl bei Amsterdan: gibt cs so viele Eier zur Brütc- zeit, daß das Recht, sic zu sammeln, thcncr verpachtet werden kann. Früher zahlte man gern 10,000 Thaler und inehr dafür. Der Strnntjägcr, eine besondere Art unter den Möven, hat die cigcn- thüinliche Gewohnheit, nicht selbst zu fischen, sondern seinen Verwandten ihre Beute abzujagen. Er verfolgt nämlich andere Möven und Wasservögcl so lange, bis sic den gefangenen Fisch, den sic eben glücklich erhascht haben, vor Angst fallen lassen, und noch bevor er das Wasser berührt, hat ihn der Strnnt schon anfgcfangen. Der Pinguin. <Taf. VIII. Fig. 108.) Der Pinguin wird auch Fetttaucher oder Fcttgaüs genannt. Er ist ein höchst merkwürdiges Thier, halb Vogel, halb Fisch, gehört jedoch zu den Schwimm- vögcln. Er hat zwar Flügel, aber keine Schwungfedern an denselben, sondern sic sii:d mit schnppenähnlichen Federn bedeckt und gleichen den Flossen der Fische. Sic dienen daher auch nur zum Rudern. Die Füße stehen dicht am After und haben ganz kurze Fnßwurzeln, auf welche er sich beim Stehen stützt. Das Gehen ist ihm beinahe ganz unmöglich und auf dem Lande kann er keiner Gefahr ent fliehen. Daher hält er sich auch meist in: Wasser ans. Nur zuweilen kommt er a»'s Land, und weil er gesellschaftlich lebt und in aufrechter Stellung, tvic Sol lten, sich in Reihe und Glied ordnet, so hat man oft Kinder zu sehen geglaubt, welche am Ufer spielen. Das ganze Gefieder ist glänzend, wie Scchundshaar, und liegt auch eben so glatt an. Obci: ist die Farbe desselben dnnkelgrau, unten weiß, Kopf und Kehle sind schwarz. Die Haut wird sehr geschätzt und thcncr bezahlt. Er hält sich in dc>: südlichen Polarkreisen und au: Cap ans und man findet ihn dort oft in Gesellschaften von vielen Tausenden. Sehen ist er nicht im mindesten. Geht man auf ihn los, so bleibt er stehen und läßt sich todt- schlagcn. Er muß jedoch gut getroffen werden und zwar an: Kopfe, denn er hat ein zähes Leben. Wird er nicht tödtlich verwundet, so fährt er ergrimmt ans seine» Gegner los, beißt ihn in die Beine und reißt öfters ganze Stücke Fleisch214 heraus. Zu Wasser ist es schwer, ihn zu fange», denn dort ist er iu seinem rechten Eleniente und rudert ungemein schnell fort. Auch sinkt sein schwerer Körper dabei so tief in's Wasser, daß er nur mit dem Halse hcrvorragt. Die Jungen brütet das Weibchen allein ans und läßt sich wahrend der Zeit von dem Männchen füttern. Dieses leistet jedoch treue Hülfe im Aufziehen der Jungen. Sie lassen sich leicht zähmen und mit Brod und Fleisch auffüttern. In der Wildheit dienen Krebse, Muscheln und Fische ihnen zur Nahrung. Vierte Ordnung. Die Sumpfvögel. Die Sumpfvögel halten sich, wie schon ihr Name sagt, gern an Sümpfen, Teichen, an den Ufern der Flüsse und Seen ans. Ihre Nahrung nehmen sie fast nur ans dem Thierreiche, denn sie besteht in Würmern, Fischen, Fröschen, Schlangen u. dgl. m. Sic haben meist einen langen Schnabel, ründlich oder auf den Seiten znsammengedrückt, selten platt. Beine und Flügel sind lang und dünn, damit sie weit im Wasser umherwaten können. Die Zehen, 3 nach vorn, entweder mit oder ohne Hinterzehen, sind im Vergleich zu den langen Beinen kurz. Das Gefieder zeichnet sich durch Schönheit eben nicht vortheilhaft aus, am schönsten ist cs bei vielen zur Zeit der Brut. Der Reiher. (Tas. ix. Fig. 109.) Das Reihergeschlccht bestehr aus mehr denn 100 Gattungen. Alle zeichnen sich aber durch ihre langen Beine und ihren langen spitzigen Schnabel aus. Sie halten sich an den Ufern von Gewässern, im Schilf, Rohr, in Sümpfen und Morästen auf und suchen Fische, Frösche, Mäuse und alle Arten von Insekten, Würmern und Schnecken zu erbeuten. Um ihrer Beute sich zu bemächtigen, schnellen sie ihren Hals vorwärts und verfehlen sie selten. Ihr Flug ist langsam, aber schön und leicht, die Füße strecken sic dabei weit hinten aus. Der gemeine graue Reiher nähret sich fast nur von Fischen und wird daher auch vorzugsweise Fischreiher genannt. Sein Gefieder ist grau, am weißen Halse mit schwarzen Tropfen. Im Alter erhält er im Genick vier schmale, schwarze Federn, welche in der Luft flattern. Der Schnabel hat eine gelbe Farbe und ist sehr lang. Die Länge des ganzen Vogels beträgt 3 Fuß. Er richtet in den Fischteichen oft bedeutenden Schaden an, denn er ist sehr gefräßig und verfehlt selten seine Beute, nach welcher er seinen Schnabel, wie eine Har pune, hinschnellt. Die Fischer machen daher oft Jagd ans ihn. Auf einen215 fluglahm geschossenen darf man nie einen Hund losgehen lassen, denn er ver- thcidigt sich wüthend und richtet seine Schnabelstichc meistens nach dem Kopse. Er fliegt hoch, aber ziemlich schwerfällig. Sein Nest baut er aus Reisern und Schilf auf hohe Bäume, und man findet darin 3—4 grünlich blaue Eier. In Persien, so wie überhaupt im wärmeren Asien findet man den kleinen Silbcrreihcr. Dieser ist schneeweiß und hat zwei Büschel seidenartiger Federn, die auf den Achseln sitzen, und über den Rücken herabhängen. Die Morgenländer zieren mit denselben ihre Turbane und bezahlen sie sehr thener. Der Storch (Taf. ix. Fig. 110) gehört ebenfalls zum Gcschlcchte der Reiher und lebt paarweise an Sümpfen, Morästen und auf feuchten Wiesen, wo er kleine Säugethicrc, Amphibien und kleine Fische mit seinem langen Schnabel zu erhaschen sucht. Man unterscheidet zwei Arten von Störchen, den weißen und den schwarzen. Der weiße Storch hat ein weißes Gefieder, nur die SchÄungscdern sind schwarz. Der Schnabel ist hellroth; eben so die langen, dünnen Beine. Er erreicht eine Höhe von 4 Fuß und eine Breite von 7 Fuß. Er fliegt hoch und leicht, mit geradem Halse und ausgestreckten Füßen. Sein Gang ist edel und gravitätisch. Zähmen läßt er sich leicht und lernt dann leicht die Worte des Menschen verstehen. Macht man ihin eine kleine Freude, so fängt er mit seinem Schnabel an zu klappern. Dasselbe Klappern läßt er auch vernehmen, wenn man ihm etwas zu Leide thut, oder ihn reizt. Er schläft stehend und zwar auf einem Beine; selbst der heftigste Sturm vermag ihn nicht aus dieser Stellung herauszubringen. Sein Nest baut er ans Sumpfpflanzen und Reisern auf die Schornsteine der Häuser, auf Kirchthürmc u. s. w. unter freiem Himmel und läßt es ruhig über sich regnen, hageln, blitzen und donnern, ohne daß er auch nur im Geringsten sich fürchtete. Man glaubt deshalb auch, er schütze das Haus vor dem Blitze. Aber dieses ist natürlich Aberglaube. Er ist jedoch, weil er mehr Nutzen als Schaden bringt, allgemein beliebt. Die meiste Achtung genießt er jedoch im Morgenlande. Ein Araber glaubt sich hochbeglückt, wenn ein Storch nahe bei >h>n nistet. Er baut daher sein Nest auf allen Moscheen und Minarets, und wandert stolz und klappernd ans den Märkten mitten unter den Menschen umher. 3»i Winter ist es ihm in unfern Gegenden zu kalt und er zieht daher schon Ende August in großen Gesellschaften nach Egypten. In den ersten Tagen des März lehrt er zurück und verkündet uns das Nahen des Frühlings. Er kommt jedes Acal nach seinem alten Neste zurück, bessert cs aus und legt 2 — 5 gelbe Eier hiuein, welche Männchen und Weibchen gemeinschaftlich ausbrüten. Die Gatten 'ind nicht nur gegen ihre Jungen außerordentlich zärtlich, sondern lieben sich selbst einander mit rührender Treue. So blieb im voralbergischen Flecken Dorrenbiren ein alter Storch drei Jahre lang im Winter zurück und suchte an Quellen und Bächen seine Nahrung. Jedes Jahr kam der andere Gatte zurück, und siebrüteten gemeinschaftlich wie gewöhnlich. Das zuerst zurückbleibende war das Weibchen. Im vierten Herbste blieb nun auch das Männchen bei seinem Weib chen über Winter und dies drei Jahre hintereinander, bis beide von bösen Aken scheu gctödtet wurden, wo cs sich dann ergab, daß das Weibchen durch eine frühere Wunde an. Fliegen gehindert war und die Reise nicht hatte machen können. Der schwarze Storch ist beinahe so groß wie der weiße, hat jedoch ein braunschwarzes Gefieder, rothcn Schnabel und rothe Füße; nur an der Brust und am Bauche ist er weiß. Er ist scheuer als der weiße Storch und wohnt auch nicht in der Nähe von Häusern, sondern mitten in Waldungen, wo er ans hohen Bäumen sein Nest anlegt. Sein Aufenthalt ist in Egypten; nur höchst selten kommt er nach Deutschland. Der Kraut ch. (Taf. ix. Fig. in.) Die Kraniche halten sich mehr als alle anderen Sumpfvögel ans offenen Feldern ans und genießen gern auch Pflanzenkost. Ihre Hauptnahrnngsmittet bleiben jedoch Insekten und Amphibien. Sic fliegen sehr hoch und sind in ihren Bewegungen sehr gravitätisch. Im Frühjahr und im Herbst machen sie große Wanderungen und zwar immer in zwei Reihen, die vorn in einem Winkel zu- sammenstoßen, wo einer der stärksten den Anführer bildet. Auf diesen Zügen lassen sic ihre starke, durchdringende Trompetenstimme hören. Sie fliegen oft so hoch, daß man sic gar nicht sicht, sondern bloß ihr Geschrei vernimmt. Manche Leute, die sich nicht erklären konnten, woher es komme, glaubten, der Satan durchziehe mit seinen höllischen Schaarcn die Lüste. Und so entstand die Fabel von der wilden Jagd oder dem wüthendcn Heere. Wenn sie sich auf ihren Wanderungen an einem Orte niederlassen, so hält einer der Kraniche Wache, indem er, ans einem Beine stehend, mit anfgerichtetem Halse nach allen Seiten hin umherspäht. Eine Fabel aber ist cö, daß er, um nicht einznschlafcn, einen Stein in der aufgehobenen Klane halten müsse. Ihre Nester legen sie ans kleinen Erhöhungen in Sümpfen oder in Erlenbüschcn an. Das Weibchen legt zwei bläuliche, braun gefleckte Eier. Der gemeine Kranich erreicht eine Länge von 4 Fuß. Sein Gefieder ist aschgrau, der Scheitel ist nackt und von rvther Farbe; die Kehle ist schwarz. Er hält sich im nordöstlichen Europa und in Asien ans, zieht im Oetvbcr und November fort und kehrt im April zurück. Besonders ausgezeichnet ist der Jung fern-Kr an ich oder das Fräu lein von Nu midien. Die Hauptfarbe des Gefieders ist ebenfalls aschgrau, aber am Halse hat er zwei Büschel feiner, weißer Federn, die wie Ohrgehänge ans beiden Seiten des Kopfes herabfallen. Er findet sich in Afrika und Asien und kömmt auch zuweilen im südlichen Europa vor. Seinen Namen hat er von217 feinen leichten, zierlichen Bewegungen, die aber oft in's Lächerliche fallen, so da>; sic den Compliinentcn eines Stutzers gleichen. Der Pfauenkranich hat ans dem Kopfe einen schmalen Büschel gelber Federn, den er anfrichten und niederlegen kann. Er scheint sich auf seine Schön heit nicht wenig zu Gute zu thun und stolzirt daher gravitätisch einher. Uebrigens läßt er sich leicht zähmen und zeigt dann viel Zutraulichkeit zu seinem Herrn, von dem er nichts lieber hört, als Schmeicheleien. Der Riesenkranich, der besonders in Indien an den Ufern des Ganges häufig gefunden wird, hat mit ausgebrcitctcn Flügeln eine Länge von 15 Fuß und eine Höhe von 7 Fuß. Die Hindostaner haben eine große Achtung vor ihm, weil sie, nach ihrer Lehre von der Seelenwanderung, glauben, die Seele eines verstorbenen Braminen fahre in einen solchen Vogel. Die L ö f f e l g a ii s (Tcch ix. Fig. 112) zeichnet sich aus durch ihren breiten, ganz flachen Schnabel, der am Ende wie ein Löffel gestaltet ist. Man kennt zwei Arten, welche gesellig an schilfreichcn Sümpfen und an den Mündungen der Flüsse sich aufhalten und sich von Wür mern, Insekten, kleinen Fischen und Schalthieren nähren. In ihrer Lebensart haben sie sehr viele Achnlichkeit mit den Störchen. In Europa und Afrika lebt der weiße Löffelreiher. Sein Gefieder ist weiß, die Kehle kahl und schwarz, eben so die Beine. Am Hinterkopfe sitzt ein kleiner Federbusch.' Sein Gang ist gravitätisch und er trägt seinen Hals S förmig, nach Art der Schwäne. Nach Deutschland kommt er höchst selten, häufig hingegen findet man ihn in Holland. Sein Fleisch ist genießbar und hat nicht den widerlichen Geruch, den man an dem Fleische aller übrigen Reiher wahrnimmt. ■ Sie R ohrdo nt nt e l <Taf. ix. Fig. 113) ist überall branngelb, schwärzlich punktirt und gefleckt und erreicht eine Länge von 2 1 /, Fuß. Sie ist durch ganz Europa und Asien verbreitet und hält sich i»> Rohr und Schilf versteckt. Zur Nachtzeit läßt sie oft ihre Stimme ver schneit, die wahrhaft fürchterlich klingt und dem Brüllen eines Ochsen gleicht, baher sic auch den Namen Wasscrochs führt. Es ist merkwürdig, wie dieses Thierchcn ein solches Gebrüll erheben kann. Um es sich einigermaßen zu cr- llärcn, glaubt man, sic stecke dabei ihren Schnabel in's Wasser. Aber dieses ist ^>nc Fabel, denn man hört sie oft in Rohrwäldern, die keinen halben Fuß Wasser haben. Vielmehr ist cs in dem Ban der Luftröhre begründet; ehe diese in die Lungen tritt, hat sic einen häutigen Sack, in welchem sie eine Menge Last nn- sammeln und dann nach Belieben entleeren kann. So klein sie übrigens ist, so mnthig verthcidigt sie sich gegen ihre Feinde, denn sic fährt ihnen wild nach dem Gesichte und sucht ihnen mit ihrem spitzigen Schnabel die Augen auszustcchen; sellgt gegen Jäger wehrt sic sich bis ans den Tod.218 D e r Ibis. (Taf. IX. Fig. 114.) Der Ibis oder Nilreiher ist so groß wie eine Henne und hat ein weißes Gefieder, nur der Kopf und die Spitzen der Deckfedern sind schwarz. Dieser Bogel wurde von den alten Egyptern göttlich verehrt, und bei Todesstrafe durfte keiner getödtct werden. Er wurde in ihren Tempeln aufgezogen und ernährt und nach seinem Tode einbalsamirt. Diese Verehrung wurde ihm wahrscheinlich darum zu Theil, weil sein Erscheinen das Wachsen des Nilö ankiindigtc, dessen Ueberschwemmungen für Egyptenland so segensreich sind. 'In Europa ist dieser Ibis nicht bekannt; wohl aber der braune, der eigentlich in Asien sich aufhält, aber ans seinen Wanderungen auch in's südöstliche Europa und sogar nach Deutschland kommt. Sein Gefieder ist schwarzbrann und er erreicht eine Länge von 2 Fuß. Sein Flug ist gewöhnlich sehr hoch und ausgezeichnet durch schöne Wendungen. Der Flamingo. (Taf. ix. Fig. 115.) Dieser Vogel ist ausgezeichnet durch seine Schönheit, denn sein ganzes Gefieder ist dunkelscharlachroth, nur die Schwungfedern sind schwarz, die Beine hingegen wieder scharlachroth. Sein Rumpf ist nicht so groß, wie der Runipf einer Gans, aber die Beine und der Hals sind so lang, daß die Höhe des ans- gestreckten Vogels lö Fuß beträgt. An den Küsten der südlichen Meere stellen sich die Flamingo's oft reihenweise ans, so daß sie bei ihrem schönen scharlach- rothen Gefieder und stattlicher Größe in der Ferne einer Compagnie Soldaten gleichen. In Domingo fürchteten einmal die Franzosen die Landung eines eng lischen Heeres. Die englischen Soldaten aber tragen eine rothe Uniform, und so erregte cs keinen kleinen Schrecken, als ein Neger herangelaufcn kam und die Meldung brachte, daß er in einiger Entfernung eine ganze Linie englischer Trup pen wahrgenommen habe. Er hatte aber die langen Hälse der Flamingo's für Flinten und ihr rothcs Gefieder für englische Uniformen gehalten. — Die Nah rung der Flamingo's besteht in Muscheln, Insekten und Fischrogen. Sie müssen aber beim Fischen derselben den Kopf ganz verkehrt drehen, so daß der Ober schnabel nach unten kommt. Ihr Flug geht sehr hoch und in einem Dreieck, welches hinten offen ist. In weiter Ferne ain Horizont sicht ein solcher Flug wie eine Feuerlinie ans. Uebrigens sind sic sehr scheu und stellen jedesmal Wachen aus, welche bei Annäherung der Gefahr ein trompetenartiges Signal hören lassen. Wegen ihrer langen Beine sollen sic reitend brüten, so daß die Beine zu beiden Seiten des hohen Nestes herabhüngen. In Europa findet man die Flamingo's am häufigsten im südlichen Italien; höchst selten verlieren sie sich in das mittlere Deutschland. Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft, und namentlich das Gehirn galt den alten Römern für einen Leckerbissen.219 D i e Schnepfe. <Taf. ix. Fig. 116.) Die Schnepfen sind Sumpfvögel von mittlerer Größe und halten sich theils in Wäldern, theils in Sümpfen und Morästen auf. Sic haben einen zusammen- gedrücktcn Kopf, eine hohe Stirn und große, weit nach hinten stehende Angen. Sie gehen meist in der Dämmerung auf Nahrung aus, sowohl deö Morgens als des Abends, und nähren sich von Würmern, Insekten und deren Larven. Den Tag über schlafen sie gewöhnlich. Sie leben einsam, und selbst ans ihren Wan derungen schließen sie sich nicht gesellschaftlich einander an, sondern fliegen für sich allein. In allen nördlichen Gegenden sind sie Zugvögel. Bei uns kommen sie als Strichvögel im Frühjahre an, und man hat das Waidmannssprüchlein: Oeuli da kommen sic; Pastaro ist das Wahre; Judica sind sie auch noch da; doch schreibt man erst Palmarum, dann heißt cs lirum, larum. Das heißt: man findet sie dann nicht mehr so zahlreich und minder wohlschmeckend. Ihr Fleisch gehört sonst zu den Leckerbissen, und die Jäger stellen ihnen deshalb häufig nach. Sie legen 3—4 gelbliche, dunkelgefleckte Eier in Vertiefungen auf der Erde. Man zählt mehrere Arten von Schnepfen; die merkwürdigsten sind folgende: Die Waldschnepfe, auch Holzschnepfe genannt, ist von der Größe eines Rebhuhnes. Ihr Gefieder ist oben rostfarbig und schwarz und grau gestreift, unten ist sie schmutzig weiß. Am Hinterkopfe hat sie einige schwarz braune Querbinden; der Schnabel ist gerade und von röthlicher Farbe und die Füße sind bis zur Wurzel befiedert. Sic ist in Deutschland allenthalben, wo es Waldungen gibt, und geht in der Dämmerung auf Nahrung aus. Am Hellen Tage fliegt sie nur ans, wenn sie gewaltsam ansgcscheucht wird; aber auch dann fliegt sic selten weit, sondern läßt sich sogleich wieder nieder und zwar so schnell, daß es anssieht, als stürze sie herab. Ihr gewöhnliches Geschrei, das sie beim Anffliegcn hören läßt, ist katsch, katsch. Sic brüte» im östlichen Europa und in Asien, von woher sic im October kommen, und wohin sic sich im März oder April zurückziehen. Ihre Wanderungen stellen sic des Nachts an, gewöhnlich beim Mondlichte; am Tage ruhen sie. Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft, so wie auch ihre Eingeweide. Die Riedtschnepfe oder gemeine Bekassin: ist viel kleiner als die vorige, in ihrem Gefieder derselben aber sehr ähnlich. Sie ist scheu mtb listig, und erhebt sich oft sehr hoch in die Luft, wobei sic sehr täuschend die meckernde Stimme einer Ziege hören läßt, daher sic auch Himmelsziege genannt wird. Die Moor- oder Haarschnepfc ist die kleinste unter den europäischen Schnepfen. Sic hat ein dunkelgrünes Gefieder mit einigen gelben Längestreifen. Der Kiebitz. (Taf. IX. Fig. 119.) Der Kiebitz hat seinen Namen von dem Geschrei: Kiebitsch! das er fort während hören läßt. Er ist ein schöner Vogel, dessen Gefieder namentlich im220 Alter schön gefärbt ist. Er ist oben dunkelgrün mit Mctallglanz, unten weiß und am Hintcrkopfc trägt er einen langen geschlitzten Federlmsch. Man findet ihn in ganz Europa, ans feuchten, sumpfigen Wiesen und Triften. Er ist munter und listig, und fast den ganzen Tag, zuweilen auch die Nacht hindurch in Bewegung. Er ist zwar iin Allgemeinen sehr scheu und furchtsam, nähert man sich aber seinem Neste, so zeigt er sich keck und unvorsichtig, denn er flattert dann fortwährend über dem Kopfe seines Feindes umher und kann daher leicht geschossen werden. Seine birnförmigen, dunkclolivenfarbigen Eier werden am meisten gesucht, denn sic haben einen sehr feinen Geschmack. Das Weibchen legt jährlich 3 4 Mal eine beträchtliche Anzahl auf eine kleine Anhöhe in's Gras. Er verläßt uns im Herbst und koinmt im März wieder zu uns. Zähmen läßt er sich leicht, und in gut verwahrten Gärten leistet er durch Wegräuincn kleiner Schnecken und Regen wärmer treffliche Dienste. Der K a NI b f h a h n. (Taf. IX. Fig. 117 und 118.) Es gibt verschiedene Arten von Kampfhähncn, die ein eben so verschiedenes Gefieder haben; denn man findet weiße, schwarze, aschgraue, rostbraune u. a. m. Ihr Geschlecht ist aber leicht dadurch zu unterscheiden, daß die Männchen im Früh jahre einen mit rothen Warzen bedeckten Kopf und einen dicken Federkragen haben, welcher schildförmig am Halse liegt. Diese Männchen sind im höchsten Grade streitsüchtig und kommen an bestimmten Kampfplätzen znsamjncn, um förmlich, gleich Fechtern, um den Besitz der Weibchen zu kämpfen. Namentlich geschieht dieses im Frühjahre, und es finden sich dann täglich wohl 4 —13 Männchen an einer trockenen Grasstelle ein, um miteinander zu kämpfen. Ihr Halökragcn sträubt sich dabei in die Höhe, der Körper streckt sich ans, sic hüpfen dann gegen einander, schlagen sich mit den Klanen und lassen nicht eher nach, bis der eine gänzlich unterliegt. Indessen setzt cs in diesem Kampfe weder Wunden noch Beulen ab, sondern nür der Federkragcn leidet am meisten und wird oft auögc- zaust. Der Kampf dauert in der Regel den ganzen Tag hindurch, nur der Hun ger unterbricht ihn zuweilen und treibt die Fechter auseinander. Sic bewohnen die nördlichen Länder von Europa und Asien, in Deutschland finden sie sich nament lich in Westphalen. Ihre Nester bauen sie in Binsen und hohes Gras und cs finden sich darin gewöhnlich 4 — 6 weiße Eier mit rvthbraunen Flecken. Sic haben einen feinen Geschmack und stehe» an Güte de» Kiebitzeiern nicht nach. Auch ihr Fleisch ist sehr schmackhaft und wird zu den Leckerbissen gerechnet. Der Regenpfeifer oder Brachvogel. (Taf. ix. Fig. 120.) Auch von diesem Gcschlechtc gibt cs mehrere Arten, von wclchcir sich sieben in Deutschland finden. Sic halten sich an Meeresküsten, ans feuchten Triften oder anch an trockenen Orten auf, welche mit Haidekraut bewachsen sind. Eö sind sehr nnruhige Thiere, die meistens in Bewegung sind. Im Laufen sind sic sehr schnell,aber gewöhnlich ruckweise; ihr Flug ist leicht und schön in seinen Bewegungen. Ihre Stimme ist stark und pfeifend, und weil sie dieselbe bei Ncgenwctter am lustigsten hören lassen, ivcil da ihr Schnabel am meisten Würmer, Schnecken und dgl. findet, so hat man ihnen den Namen Regenpfeifer gegeben. Eine Gat- lang unter ihnen heißt Borncll. Er hat ein graues oder schwärzliches Gefieder mit gelbgraucr Einfassung. Brust und Obcrbauch sind hell rostroth, der Unterleib ist weiß. Er ist ein höchst possierlicher Vogel und wird daher anch Possenreißer genannt. Er ist nicht größer als eine Drossel und ein wahrer Affe, voll Neugier. Nähert sich ihm ein Jäger, so bleibt er ruhig sitzen; streckt jener' den Arm mit der Flinte nach ihm ans, so streckt er die Flügel ans; geht jener einige Schritte, so thut er cs auch. Wird ein Vogelheerd ausgestellt, so sieht er erst zu und geht dann zuerst in's Netz. Schießt mau ihn, so kommen alle Brüder herbei und be sehen sich unter lautem Geschwätz den Leichnam. Sein Vaterland ist Norwegen und Schweden; ans seiner Wanderung kommt er auch nach Deutschland und ist dort unter beut Namen: kleiner Brachvogel als schmackhaftes Wildprct be kannt. —.Eine andere Gattung, der Stcinwälzcr, beschäftigt sich meistens damit, daß er mit seinem steifen und starken Schnabel die Steine nmwälzt, um Wür mer zu suMn. Er ist aber sehr scheu und vorsichtig und lebt paarweise im nördlichen Europa, in Afrika und in West- und Ostindien. — Der Goldrcgcnpfcifer ist voit der Größe einer Fcldtanbe und hat ein schwärzliches, gelb pnnktirtcs Ge fieder; der Unterleib ist weiß. Er hält sich gewöhnlich ans Haiden ans, auf sei nem Zuge anch ans Saatfeldern, wo er sich Würmer und Insekten sucht. Sein Fleisch ist ebenfalls sehr schmackhaft. Der A » st e r n f i s ch e r hält sich an den Meeresküsten von Europa, Asien und Amerika, zuweilen anch an den- Landsccn Deutschlands ans. Sein ganzes Gefieder ist schwarz, nur der Lauch ist weiß. Er erreicht die Größe einer Nebelkrähe und nährt sich von Insekten «nd Würmern. Am liebsten jedoch hat er Austern, und wenn die Ebbe eintritt, sv läuft er geschäftig am Strande umher, um die Austern, welche dic Fluth nicht wcggcspüit hat, zu fangen. Die harte Schale derselben versteht er mit seinem Schnabel sehr geschickt anfznbrechcn. Sein Nest hat er im Grase und das Weib chen legt 3 gelbliche, dunkel gefleckte Eier hinein. Der Säbelschnäbler (Taf. ix. Fig. 121) führt seinen Namen von der cigenthümlichen Form seines Schnabels. Dieser nämlich krümmt sich von der Wurzel an aufwärts wie ein Säbel und ist anßcr- mdcntlich hart. Er säbelt mit demselben im Wasser hin und her, um kleine Wüuncr, Insekten oder deren Larven oder kleine Weichthiere anfznfischen. Sein Oeficbci ist weiß, ,,„r Kopf und Genick sind schwarz und die Flügel sind mit 01 c ‘ schwarzen Binde» überzogen. Er findet sich häufig an der Ostsee, m»4 222 mittelländischen und schwarzen Meere. Sein Nest hat er ans der Erde in einer kleinen Vertiefung; cs enthält 3—4 bimförmige, buntgefleckte Gier, welche das Weibchen ausbrütet, indem es nur die Beine ans die Seite bringt. Das Wasserhuhn. (Taf. ix.'Fig. 122.) Das gemeine Wasserhuhn hat eine weiße Stirnplattc, Kopf und Hals sind lies schwarz, der Unterleib schicfcrblau. Es hält sich meistens auf dem Was ser, weniger mtf dem Lande ans und besitzt eine außerordentliche Geschicklichkeit im Schwimmen und Untertauchen, wozu cs auch sogleich seine Zuflucht nimmt, wenn es irgend woher Gefahr furchtet. Es nährt sich von Insekten und Wasserpflanzen und baut sein Nest in Schilf und Rohr. Dieses ist ans allerlei Wasserpflanzen sehr künstlich zusammcngcflochtcn und so fest, daß cs ans dem Wasser mit Eiern und Jungen schwimmen kann. Es finden sich darin 4—7 grünliche Eier. Von Natur ist daö Wasserhuhn sehr scheu und schwer zu schießen, weil cs, sobald cö die Flamme beim Abbrenncn des Gewehrs nur sieht, sogleich nntertaucht oder im Schilf sich versteckt. Auch erhebt cs sich zuweilen in offenen Gewässern sogleich außer Schußweite hoch in die Luft und macht sich ans und davon. Es läßt sich aber auch leicht zähmen und wird dann sehr zutraulich; im Herbste jedoch wird cs von der Wandcrnngslnst befallen und wenn cs der abgcstntzten Flügel wegen nicht fliegen kann, so läuft cs fort. Am besten läßt man es daher ruhig seine Freiheit genießen, denn cs bringt nicht den geringsten Schaden; auch ist das Fleisch wegen seines thranigtcn Geschmacks nicht zu genießen. Das grün süßt ge Wasserhuhn findet sich fast ans allen Teichen und ist so groß wie ein kleines Haushuhn. Das Gefieder ist oben dunkelbraun, unten schicfcrgran; der äußere Flügelrand und die äußeren Schwanzfedern sind weiß; der Schnabel ist gelb und roth, die Stirnplattc ebenfalls und die Füße sind grün. Die Eier gleichen denen des gemeinen Wasserhuhns. Der Wachtelkönig. Der Wachtelkönig, auch Wiescnschnarrcr genannt, hat ein olivenbraunes Gefieder und ist über den ganzen Körper schwärzlich gefleckt. Seine Länge beträgt 11 — 12 Zoll. Den Namen Wachtelkönig hat er daher, weil man glaubte, daß er der Anführer der Wachteln sei, mit welchen er zu gleicher Zeit erscheint; er läuft mehr als er fliegt und soll mehrere Strecken seiner Wanderung zu Fuß zu rücklegen. Er hält sich in fruchtbaren Getreidefeldern und Wiesen auf und nährt sich von Würmern, Insekten und zarten Graswurzeln. In der Dämmerung und die Nacht hindurch läßt das Männchen sein weitschnllcndcö Arg Schnarg hören. Geht man ihm nach, so läuft er vorwärts, sein Geschrei immer fortsetzcnd, und nie holt man ihn ein. Findet man ihn aber auf freiem Felde, so kann man ihn mit der Hand greifen, denn dort ist er ganz verwirrt und dumm. Sein Nest hat er im hohen Grase und das Weibchen legt 5—9 gelbliche, rostbraun gefleckte Eier. Im Herbste zieht er mit der Wachtel fort und kommt im Frühling mit ihr zurück.223 D e r Trompete nvogel. Das Gefieder dieses Vogels ist schwärzlich, aber au der Brust violett mit glänzendem Metallscheiu. Er ist von der Größe eines Huhns und lebt in den Wäldern Südamerikas in großen Schaaren. Seine Nahrung besteht in Samen und Fruchten. Er zeichnet sich ans durch seine trompctenähnliche Stimme, welche ans beut Innern seines Körpers hervordringt. Außerdem zeigt er eine große An hänglichkeit zn den Menschen und läßt sich daher sehr leicht zähmen. Er schmei chelt und liebkoset dann seinen Herrn, wie ein Hund, hört ans seinen Ruf und geht ihm folgsam nach. Wenn ein Hund oder eine Katze seinem Herrn schmeichelnd sich nähert, so geht er wild ans seinen Nebenbuhler los und sucht ihm die Angen auszuhäcken. Auf Hühnerhöfen ist er ein treuer Wächter und duldet dort kein Thier, das dahin nicht gehört. Raubthiere, welche sich hineinwagen, fällt er wnthcnd an, rauft sich mit ihnen herum und bleibt gewöhnlich Sieger. Am Fuße eines Baumes scharrt er ein Loch ans und das Weibchen legt 8 — 16 hellgrüne Eier hinein, welche etwas größer als unsere Hühnereier sind. Fünfte Krönung. Die hühnerartigen Vögel. Die hühnerartigcn Vögel leben meist ans der Erde und zeichnen sich ans durch ihren kurzen Schnabel, mit welchem sic den trockenen Boden aufscharren, uni ihre Nahrung zn suchen. Diese besteht ans Sämereien, Körnern und Insekten. Der harte Samen wird im Kropfe erweicht und im Magen völlig verdaut. Sie sind größtentheils sehr geschickt im Laufen, aber nicht ini Fliegen. Die Männchen zeichnen sich in der Regel durch ihr schöneres Gefieder, durch ihre Größe, durch Fcderbüsche, Sporen an den Füßen u. s. >v. vor den Weibchen aus und begnügen sich nicht mit einem Weibchen, sondern haben deren mehrere. Das H a u s h » h n. Unsere Haushühner stammen eigentlich ans Ostindien her, wo sic sich noch wild in den Waldungen finden. Jedoch schon von den frühesten Zeiten her wur- den sie gezähmt. Die Zeichnung ihres Gefieders ist so mannichfaltig, daß es un möglich ist, die Arten alle anzngeben. Auch an Größe sind sie untereinander sehr verschieden, jedoch ist bei allen der Hahn immer größer als die Henne. Er ist "n stolzes, muthiges und eifersüchtiges Thier und vertheidigt tapfer seine Hennen, deren gemeinschaftlicher Mann er ist, gegen jeden Feind. Sobald er einen Raub vogel erblickt, so gibt er sogleich ein Zeichen, das von allen wohl verstanden und gehörig befolgt wird. Auch ist er außerordentlich zärtlich gegen sic und sorgt für sie eben so, wie sie selbst für ihre Jungen. Findet er einen guten Bissen, so lockt er sie sogleich herbei und theilt mit ihnen redlich seinen Fund.Dafür verlangt er aber auch von ihnen einen strengen Gehorsam, und wenn sie ihm diesen verweigern, so packt er sic beim Kragen und zaus'l sic ein wenig herum. Gegen einen fremden Hahn, der in sein Gehege kommt und gegen seine Hennen zärtlich thut, zeigt er sich höchst eifersüchtig. Er geht sogleich auf ihn los und fordert ihn zum stampfe heraus. Mit fliukeludcu Augen und strnppichtem Gefieder springen die beiden Kämpfer gegen einander a» und suchen sich mit den Sporen, welche sie au den Füßen tragen, zu verwunden. Der Streit hört ge wöhnlich nicht eher auf, bis einer besiegt ist und beschämt den Kampfplatz verläßt. Der Sieger aber bleibt stehen, sieht sich stolz um, macht mit seinen Flügeln einige kräftige Schläge und kräht daun zwei oder drei Mal aus volleui Halse. Dieser Muth und diese Eifersucht des Hahns gegen jeden Nebenbuhler ist leider von den Menschen zu einen, grausamen Vergnügen benutzt worden. Hahnenkäinpfc sind in Indien und China, überhaupt im ganzen Morgenlaude etwas sehr- Gewöhnliches. Selbst in England sind sic noch häufig. Man schneidet ihnen nämlich die natür lichen Sporen, welche sic au den Füßen tragen, ab, und schnallt ihnen stählerne an. Nun läßt man die Kämpfer aufeinander losgcheu und geht bedeutende Wet ten ein, welcher von beiden siegen werde. Der Streit endigt mit dem Tode des Schwächeren; aber auch der Sieger stirbt gewöhnlich kurze Zeit hernach au de» Wunden, die er empfangen hat. Eine merkwürdige Eigenschaft der Hähne ist cs auch, daß sic Morgens in den Frühstundeu und auch sonst bei Veränderung der Witterung ihr Geschrei vernehmen lassen. Die alten Römer theilten daher auch die Zeit nach dein Hahnenschrei ein und zählten erstes Hahnengeschrei, zweites Hahnengeschrei, drittes, viertes u. s. w. Auch heutiges Tages »och rechnet der Landmann, ohne Uhr, nach dem ersten und zweiten Krähen seines HauöhahuS, um den wicdcrkehrenden Morgen zu wissen. Die Henne ist kleiner als der Hahn und wird uns besonders nützlich durch die vielen Eier, welche sic legt. Sie legt deren viel mehr, als sic brüten kann und liefert daher immer einen guten Vorrath in unsere Küchen. Kaum hat sie das Nest verlassen, so fängt sic zu schreien au und kackcrt die Köchin herbei, die ihr ihren Schatz aus dem Neste wegholt. Die Legezeit beginnt gewöhnlich gleich nach Weihnachten, bei guter Fütterung und gelinder Witterung geschieht cs auch wohl noch früher, und alle Wochen kann man 5—6 Eier von ihr erhalten. Man sicht sic sehr häufig den Kalk von den Mauern nbhackcu. Die Hähne thun dies nicht, nur die Hühner. Diese bedürfen desselben zur Bildung der Eierschale, welche ans dem reinsten Kalk besteht. Fehlt es ihnen an Kalk, so fressen sic ent weder die eigenen Eier, und zwar der Schale wegen, oder sic lege» sogenannte Windeier, die nur von einem Häutchen umgeben sind, aber keine Schale haben. Zum Brü ten legt man gewöhnlich der Henne 12 bis 15 Eier unter, auf welchen sic 20 bis 21 Tage sitzen bleibt, bis lebendige Küchlein ansschlüpfcu. Schon in derselbe» Stunde, nachdem die Henne zum Brüten sich gesetzt hat, ist der Anfang des künf tigen Vogels zu sehen, und zwar der Kopf. Am Ende deS zweiten Tages schlägt225 schon das Herzchen, und so bildet sich eins nach dein andern, bis endlich reges Leben das Ganze durchdringt, das Küchlein erwacht, die Schale durchbricht und davon läuft. Die Mutter hat eine außerordentliche Liebe für ihre Kleinen und lockt sie sogleich herbei, wenn sie einen guten Bissen gefunden hat. Sie hungert lieber, als daß sie ihnen ein Körnlein entzöge. Oft muthet man ihnen auch zu, Pflegemütter zu werden und statt ihrer Eier, die einer Ente anszubrüten. Dies macht ihnen zwar nicht im mindesten mehr Mühe, aber desto mehr Sorge hat sie nachher wegen der jungen Enten. Denn kaum sind diese ansgeschlüpft, so laufen sie nach dem Wasser hin, springen hinein und rudern lustig hin und her. Die arme Henne gerüth darüber in Todesangst, denn sie glaubt, die verwegenen Kin der würden ersaufen. Unstät läuft sic am Ufer ans und ab, setzt wiederholt an, ihren Küchelchen nachzufliegen, und lockt sie auf das zärtlichste zu sich. Doch umsonst, die Kleinen achten nicht darauf, sondern bleiben ans dem Wasser. End lich kommen sic von selbst wieder an's Land, und nun erst athmet die Mutter wieder frisch auf, sie führt sie an einen Misthaufen und scharrt ihnen die besten Körner zur Erquickung zn. Im Herbste fangen die Hühner zu mausern an, und die Hennen hören dann ans zu legen. Der Kamm verliert seine frische rothe Farbe, das Huhn schleicht traurig einher. Mit dem Wachsen der Federn nimmt seine Rührigkeit wieder zu, die Röthc des Kammes wird frisch, und mit den ersten milden Tagen fängt die Henne wieder an zu legen. Der Nutzen, den uns die Hühner gewähren, ist wirk lich sehr groß; denn die Eier sind zu manchen Speisen unentbehrlich, und das Fleisch ist sehr gesund, weil es so leicht zu verdauen ist. Es ist also nicht zu verwundern, daß der Mensch einen so nützlichen Vogel zähmte und zum Hausthier machte. Woher stammen aber unsere Haushühner? Temmingk, in seinem Werke über die hühnerartigen Vögel, glaubt, daß vorzüglich drei Arten als Stammracen der gewöhnlichen Haushühner angesehen werden können: der Rie senhahn, derBankivahahn und der ungeschwänzte, oder sogenannteKlut- hahn; die übrigen, glaubt er, seien nie gezähmt worden, und namentlich irre Sonuerat, wenn er seinen ostindischen Hahn als Stammrace annehme. Die Aehnlichkcit des Bankiva-Hahnes mit unserm Hanshahne, von welchem Man oft Exemplare antrifft, ist—die Größe abgerechnet — außerordentlich groß; f° daß man wohl Zweifel erhoben hat, ob der Bankiva-Hahn nicht etwa ein ver wilderter Hanöhahu sei! Diese Ansicht ist aber dadurch widerlegt, weil alle Ban- liva-Hühncr gleichmäßig gezeichnet sind. Ans unfern Hühnerhöfen trifft man außer dem gewöhnlichen Huhn auch eine größere Art mit Federbüschel, das Kluthuhn "der nngeschwänztcs Huhn und das englische oder Krnphuhn, welches sich durch seine kleinen, oft stark befiederten Beine auszeichnet. Seine Eier sind zwar uicht so groß; allein es schadet auch weniger durch Scharren. Die Hühner sind vlucr Krankheit, dem Pips, unterworfen, woran manche sterben. Die Hühnerställe Beumer's Naturgeschichte. ]fj226 müssen fleißig mit frischem Sande bestreut werden, weil dadurch die Reinlichkeit befördert wird und diese dem Huhne sehr zuträglich ist. Das Truthuhn (Taf. ix. Fig. 123) stammt eigentlich aus Nordamerika, wo es sich in ungeheuren Heerde» zu Tau senden wild findet, und zwar weit größer, schöner und fetter, als das bei uns zahm aufgezogene. Nicht selten findet man cs so fett, daß cs vom Baume, wo man es schoß, herunterfallend, zerplatzt. Das gewöhnliche Gewicht beträgt 15 — 20 Pfund, häufig findet man aber auch Vögel von 30 Pfund und darüber. Der gemeine Truthahn, auch Puter genannt, hat bald ein weißes, bald ein schwarzes, bald ein geschecktes, bald ein aschgraues, bald ein weiß und gelb- röthlichcs Gefieder. Am Kopfe und Halse hat er einen häutigen Lappen und an der Stirn eine kegelförmige Fleischspitze, die er entziehen und so verlängern kann, daß sie über die Schnabclspitze weit herabhängt. Das Männchen hat auf der Brust einen Büschel harter, schwarzblaner Haare, welche im dritten Jahre 6 Zoll lang werden und ans einer angeschwollenen Fleischwarze stehen. Die Truthühner sind sehr gesellig, aber dumm und furchtsam. Sehr viel Sonderbares hat das Männchen in seinem Betragen. Es schreitet gravitätisch umher, schlägt mit seinem Schwänze ein großes Rad, rauscht mit seinen Flügeln ans der Erde hin, bläs't die Fleischlappen auf dem Kopfe und an der Kehle blutroth auf und schreit kol lernd: knll, knll, kull. Wahrscheinlich thut es dieses, um seinem Weibchen zu gefallen. Aber auch beim Anblick eines rothen Lappens, oder wenn man pfeift, wird sein Zorn erregt, und oft stürzt er auf seinen Ruhestörer loö und fliegt ihm nach dem Gesichte. Er ist überhaupt sehr streitsüchtig und die Männchen gerathen öfters gegen einander, wobei sic sich an dem Fleischzopfe des Kopfes zu fassen suchen. Im Kampfe mit dem Haushahne zieht der Puter immer den Kürzeren, weil jener gewandter ist und seine Sporen besser zu gebrauchen versteht. Seine Nahrung besteht in Gerste, Hafer, Wicken und Brod. Mit einem Weibchen be gnügt er sich nicht, sonder» er will deren 10 und noch mehrere haben. Die Truthenne ist kleiner und nicht so schön als der Hahn. Sie legt 18 bis 20, oft auch mehr Eier, welche weiß und räthlich gefleckt sind. Sic erreichen ein Alter von 15—16 Jahren; aber Nässe und Feuchtigkeit sind ihnen sehr schädlich und verkürzen ihnen oft das Leben. Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft und gehört zu den Leckerbissen. Der P s a II (Taf. IX. Fig. 125) stammt ans Indien und kann sowohl wegen seines schönen Gefieders, als wegen seines Anstandes zu den schönsten Vögeln gerechnet werden. Dort, wo der Tiger haust, in den Waldungen Bengalens, lebt dieser Prachtvogel in Menge. So sagt Obrist Williamson: „Ich habe solche Schaarcn von Pfauen gesehen, daß ich wirklich darüber erstaunte. Ganze Wälder waren mit ihrem glänzenden Gefieder227 bedeckt, dem die ausgehende Sonne noch höher» Glanz gab. Die kleinen offenen Stellen unter dem langen Grase, die meist angebaut und mit blühendem Senf bewachsen waren, erhöhten die Schönheit des Schauspiels noch, und ich glaube nicht zp übertreiben, wenn ich behaupte, daß ich von der Stelle ans, wo ich un gefähr eine Stunde lang stand, nicht weniger als 12 —1500 Pfauen von ver schiedener Größe sah." Es gibt allerdings Vögel, die sich durch zarteren Farbcn- schmuck oder durch blendenden Glanz auszeichncn, aber keiner besitzt eine solche Menge von Prachtschmnck, als der Pfau. Er mußte deshalb schon frühzeitig die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen. Schon in den Schriften des alten Testaments wird vom Pfau erzählt, daß er die Aufmerksamkeit der Seeleute Salomons erregte, welche von ihrem südlichen Zuge unter andern Natur- erzeugnissen auch diesen Vogel ihrem königlichen Herrn mitbrachten. Alexander der Große war ein eifriger Bewunderer dieses stolzen Vogels und verbot bei schwerer Strafe, denselben zu tobten. Durch seine Kriege wurde der Pfau nach Griechenland und weiter nach Rom gebracht, und man gesellte ihn sogar als Emblem der Pracht der Göttin Juno zu. Gehen wir jedoch nun zur Beschrei bung über. Sein kleiner Kopf ist mit einem zierlichen Fedcrbusche geziert, sein langer dünner Hals ist glänzend blau mit herrlichem Metallschimmer, eben so die Brust; der Rücken trägt ein goldgrünes Kleid, der Unterleib ist schwarz mit grü nem Glanze; die Flügel sind hellrostbraun mit schwarzen Querstrcifen, und die Deckfedcrn des Schwanzes haben einen Farbenschmuck, der sich nicht beschreiben läßt. Er scheint sich auch seiner Schönheit bewußt zu sein; denn er trägt seinen herrlichen Schweif beständig wagerecht, damit er nicht beschmutzt werde, und wenn man ihn beschaut, so macht er sich noch stolzer und gibt gleichsam durch allerlei Gebcrden und Stellungen zu erkennen, daß er es gern habe, wenn er bewundert wird. Dann, und auch wenn er gereizt wird, entfaltet er seinen Schweif zu kiueiil schönen Rade. Schade nur, daß er bei dem Allen sehr häßliche Füße und cinc unangenehme Stimme hat. Auch ist er ein sehr böses Thier und fliegt, Menn man ihn reizt, sogleich seinem Gegüer nach Gesicht und Angen. Seine Nahrung besteht in Beeren, Getreide, Insekten, Würmern u. s. w. lieber alle Hühner, welche mit ihm auf einem Hofe sind, führt er das Kommando, und feine* darf zu fressen wagen, bis er gespeist hat. Nur mit den Truthühnern lcbt er verträglich. Die Pfauhenne ist bei weitem nicht so schön als ihr Gemahl, und kommt an ^öße der Truthenne gleich. Sie legt 8 —12, in ihrem Vaterlande 20 Eier, k' c man gewöhnlich von Truthühnern ausbrüten läßt, weil die Pfauhennen in "»fern Gegenden ungern brüten. Wenn die Pfauhenne ihre Jungen selbst leitet, muß man sie gegen Abend in einen Stall sperren, weil sie sonst die Jungen uuf einen Ast trägt, oder sie gar nicht erwärmt, was natürlich einen frühen Tod K>r Folge hat. Erst im dritten Jahre erhalten die Jungen das schöne Gefieder. Im Winter müssen sie gegen die Kälte sorgsam verwahrt werden. Das Fleisch 15*228 der Jungen ist sehr delikat, das von sehr Alten aber nicht zu genießen. Bei un fern Vorfahren diente der Pfau auf den Tafeln häufig als Schangcricht. So wie wir nämlich bei großen Gastmählcrn Tempel, Burgen, Berge, Kirchen u. dgl. von Zucker aufsctzcn lassen, welche oft gegessen, oft aber auch unangerührt dem Zuckerbäcker wieder zurückgegcben werden, so pflegten unsere Vorfahren bei ihren Gastmählern oft Pfauen aufzutragen. Sie sollten aber mehr dazu dienen, die Tafel zu schmücken, und hießen daher Schangerichte. Dem Pfauc wurde zu die sem Zweck kunstreich die Haut abgezogen, der ganze Körper mit Gewürzen vor Fäulnis; bewahrt, wieder mit der Haut bekleidet, als ob er lebe und so auf die Tafel gesetzt, wozu er mehrere Jahre tauglich war. Die alten Römer bereiteten aus Pfauenzungen ein kostspieliges Gericht, das oft mit großen Summen be zahlt wurde. Die Fasanen. (Taf. x. Fig. 126 und 127.) Das ursprüngliche Vaterland der Fasanen ist Asien, jedoch finden sie sich jetzt in großen Fasanerien beinahe durch ganz Europa verbreitet. Die Hauptfarbe seines Gefieders ist goldig-rostroth. Die Länge des Fasans beträgt 2 Fuß, seine Breite 2V S Fuß. Die Fasangärten oder Fasanerien, in welchen er bei uns ge halten wird, sind von zweierlei Art, zahme und wilde. In wilden Fasanerien sorgt man bloß dafür, daß die Thiere geschützt sind gegen Raubthicrc und im Winter ihr gehöriges Futter bekommen. Sic fliegen daun in einem kleinen Gebüsch, in welchem verschiedene Stände angebracht werden, umher. Zahme Fasanerien sind bedeutend kostspieliger. Es gehört dazu ein Fasanenhaus mit einem heizbare» Zimmer zur Beherbergung der Fasanen, vor demselben ein Zwinger, der mit dem Hause durch Löcher zum Ein- und Auslassen in Verbindung steht, ferner ein Brüt- hans ebenfalls mit einem Zwinger, außerdem ein Häuschen für Tritt- und Hans- hühner, dann noch verschiedene kleine Häuschen und eine Wohnung für den Fa- sanenwärtcr. In jeden Zwinger setzt man zur Paarzeit einen Hahn mit 6 —10 Hennen, welche man mit Weizen oder Gerste füttert und des Abends und am Morgen ein- und austrcibt. Zur Legezeit sammelt man sorgfältig vor dem Au- brüten die Eier und läßt sic durch Tritt- und Haushühner ansbrüteu. Das Fleisch der Fasanen ist besonders schmackhaft. England, Böhmen, Frankreich iind Holland wetteifern in der Zucht der Fasanen und liefern der Küche der vornehmen Welt jährlich viele Tausende, so z. B. die einzige Fasanerie zu Chantilly in England jährlich im Durchschnitt 2700 Stück. Der Goldfasan wohnt in China, findet sich aber auch zuweilen in Fasa nerien und Menagerien. Das Männchen hat ein fcnerrothcs Gefieder und auf dem Kopfe einen großen hellgelben Fedcrbusch; der Oberhals ist orangcgelb mit dun kelblauen Querstreifen, der obere Theil des Rückens ist grün, der untere gelb; die Flügel sind rostbraun mit einem schönen Fleck geziert. Das Weibchen ist grauund braun gescheckt. Dieser Fasan ist ohne Zweifel der schönste seines Geschlechts, aber sehr scheu und schwer zu zähmen. Sein Fleisch ist ganz -gelb und hat einen äußerst feinen Geschmack. Der Silberfasan ist ebenfalls in China einheimisch, aber auch bei uns in großen Fasanerien zn finden. Sein Gefieder ist blendend weiß mit ganz feinen schwärzlichen Punkten auf jeder Feder; am Unterleibe ist er schwarz mit stahl blauem Schimmer. Den Kopf ziert ein langer indigofarbener Federbnsch, der am Hintcrkopfc herabhängt. Er laßt sich sehr leicht zähmen und mit Reis, Hanf, Weizen, Kohl und Salat füttern. Außer diesen beiden Arten gibt cs noch mehrere andere, die sich alle durch ein schönes Gefieder mehr oder weniger auszeichnen. Die M ä » u r a, auch Leicrschwanz genannt, ist erst vor kurzer Zeit in Nenholland entdeckt wor den. Er ist von der Größe eines Goldfasans und hat ein düsterbraunes Gefieder. Am anögezeichnctsten ist er durch seinen prachtvollen Schwanz, der ganz die Form einer Leier hat. Er besteht ans 16 Federn von dreierlei Art. Die 12 eigent lichen Schwanzfedern sind sehr lang und haben weit auseinanderstchende Bärte; die beiden äußersten sind 8 förmig gekrümmt und geben dem Schwänze die eigentliche Leierform. Sie haben breite Fasern und sind mit schwarzbraunen und rostrothen Querbändern geziert; die übrigen Schwanzfedern sind meist schwarz. Man findet diese Vögel auf den blauen Bergen in Nenholland, weiß aber nichts Näheres von ihrer Lebensart. Der Leierschwanz ist ein sehr scheuer Vogel, der, wie der Nas hornvogel, so recht in kein System passen will und der bald (wie hier) zu den Hühnern, bald zn den Sperlingen, bald wieder zu den Drosseln und Insekten fressern gezählt worden ist. Auch dürfte er schwerlich eher einen festen Platz er halten, bis erwiesen ist, wovon und wie er lebt. Unter manchen sonderbaren Gewohnheiten dieses Vogels führt Gould auch an, daß das Männchen kleine runde Hügel bildet, auf denen cs täglich herumtrappelt, wobei cs den Schweif in der schönsten Weise anfrichtet und zugleich auch seine Stimme hören läßt, die theils aus seinen eigcnthümlichen Tönen besteht, theils aus solchen, die andern Vögeln, ja sogar dem Hundegeheul nachgcahmt sind. — Der A u e r h a h n 'st einer der größten Vögel, nicht allein der Hühner, sondern der ganzen Klasse, ^as Männchen hat ein schiefcrfarbigcs Gefieder, auf den Flügeln dunkelkastanien- brann mit schwärzlichen Querstreifen, übrigens schwarz. Die Kehle ist mit einem Fcderbart versehen und der Schwanz abgerundet. Das Weibchen ist braungclb "ud rostfarbig mit dunkelbraunen Qnerstreifen. Er findet sich fast in ganz Europa, ^vch nicht häufig; besonders liebt er Gebirgswaldungen. Zur Paarungszeit, welche >u> März und April eintritt, spaziert der Hahn auf einem der höchsten Bäume, auf einem starken, geraden Aste hin und her. Sein Hals dehnt sich weit ans,dic Federn am Kopfe und an der Kehle sträuben sich und der Schwanz breitet sich fächcr - oder radförmig aus und dic Flügel hängen herab, >vic beim Truthahn. Nun erhebt er ein weittönendcs Geschrei, welches klingt, wie wenn man eine Sense schärft. Er wird, bei diesen närrischen Bewegungen so rasend und seiner Sinne beraubt, daß er vollkommen taub wird gegen das, was unten vorgeht; und zu gleich wird er auch blind, indem er die Augen verdreht und nach oben blinzelt. Der Jäger kann sich während dieser Zeit ihm nähern, ohne daß er benicrkt wird; ja man hat Beispiele, daß ihn ein Fehlschuß nicht auö seinem Taumel zu schrecken vermochte. Durch sein Geschrei lockt er 6 — 8 Weibchen herbei, und nachdem er in stolzer Haltung noch einmal seine wilden Bewegungen wiederholt hat, paart er sich mit ihnen. Hernach streift er einsam umher und geht seiner Nahrung nach, welche in Banmknospcn, Wachholderbeeren, Heidelbeeren re. besteht. Die Hennen legen 5—8 schmutzig weiße, dunkelgelb oder kastanienbraun gefleckte Eier. Im Allgemeinen sind die Auerhähne scheu und verdächtig, aber in vielen Fällen zornig und trotzig. Besonders gerathen sie in Wuth, wenn sie um die Hennen mitein ander kämpfen, wo sie oft so hitzig aufeinander sind, daß man sic mit den Hän den greifen kann. Man hat selbst Beispiele, daß sie ungcreizt Menschen anfielcn und nur mit Mühe abgehalten werden konnten. Ihr Fleisch gibt einen vortreff lichen Braten. Der Birkhahn (Taf. X. Fig. 128 und 129) ist von der Größe des Haushuhns und hat ein schwarzes Gefieder, auf den Flü geldeckfedern und unter dem Schwänze weiß. Der Schnabel ist schwarz und der Schwanz gabelförmig ausgeschnitten. Er hält sich am liebsten in lichten Birken wäldern auf und ist noch streitsüchtiger als der Auerhahn. In blinder Wuth stürzen die Männchen oft auf einander los und hacken sich gegenseitig ans dic Köpfe. Der Sieger schleppt dann den Ueberwundenen weit umher, so daß dic Federn weit zerstreut liegen. Am häufigsten findet man sie in Rußland, Liefland und Kurland. Der Trappe. (Tas. X. Fig. 130.) Die meisten Trappen, deren es 10—11 Gattungen gibt, leben in Afrika und Asien, in Europa hingegen finden sich nur zwei Arten, nämlich der kleine und der große Trappe. Sic sind sehr scheu und laufen, sobald sie einen Jäger er blicken, mit einer unglaublichen Schnelligkeit davon. Denn im Fliegen sind sic weniger geschickt und cs kostet ihnen viele Mühe, sich in dic Luft zu erheben. Am liebsten halten sie sich ans Frnchtseldern oder in öden Sandgcgcndcn auf itnb nähren sich von Körnern, Kräutern und Insekten. Der große Trappe ist unter allen europäischen Vögeln der schwerste, denn er wird mehr als 24 Pfund schwer. Seine Länge beträgt 4 und seine Breite 7 Fuß. Das Männchen ist ans dem Rücken rostroth, mit schwarzen Qnerstreifcn,231 Kopf und Hals sind hellaschgrau. Auf dein Kopfe sitzt ein Federbusch und auf beiden Seiten des Schnabels hängt ein stattlicher Schnurrbart von weißen Federn herab. Sic finden sich besonders häufig in Preußen und in Polen; auch in eini gen Gegenden des Rheins läßt er sich zuweilen blicken. Sic sind sehr scheu und vorsichtig und daher schwer zu schießen. Am meisten fürchten sie sich vor Hun den, weil man Windhunde abrichtet, sic im Laufen zu ergreifen. Um sic zu schießen, muß man sie von einem verborgenen Orte ans erlauern, oder durch Verkleiden in Arbeiter- oder in Franenzimmertracht ihnen nahe zu kommen suchen. Da sie gewöhnlich eine und dieselbe Schlafstelle haben, so kann man ihnen auch mit einer Blendlaterne bis auf Schußweite nahe kommen. Wird die Laterne plötzlich enthüllt, so bleiben die Trappen eine Zeit lang geblendet stehen und cs ist dann leicht, einen zu erlegen. Ihr Nest haben sic in der Regel in einem Kornfelde und das Weibchen legt 2 — 3 Eier hinein, welche von der Größe der Gänseeicr sind und eine olivengrüne Farbe mit blaßbräunlichen Flecken haben. Die Jungen laufen sogleich; gelingt cs aber, sic zu fangen, so lassen sie sich leicht zähmen. Der kleine Trappe wird nur 2 Pfund schwer und ise in seiner Haupt- farbe braun, obenher schwarz punktirt, unten weißlich. Das Männchen hat einen schwarzen Hals mit zwei weißen Halsbinden, welche dem Weibchen sch ien. Der kleine Trappe ist nicht so scheu als der große und hält sich besonders >n der Türkei und in Ungarn auf; selten und nur einzeln verliert er sich nach Süddcutschland. Der Kragentrappe lebt in der Barbarei und Arabien, zuweilen in Spa- ">en; häufiger in der Türkei. Er ist oben gelb mit braunen Flecken, an den bügeln schwarz und tragt auf dem Scheitel einen weißen Fcderbnsch. Besonders jedoch zeichnet er sich durch seinen großen weiß und schwarzen Federkragcn ans, ^t° an der Wurzel des Halses ans beiden Seiten hcrabhängt. Das Haselhuhn von der Größe eines Rebhuhns, braun, rostfarbig, grau und roth gefleckt; der Schwanz hat eine breite, schwarze Binde und die Füße sind bis zur Hälfte be- itcbcrt. Es liebt die gebirgigen Gegenden des mittleren und nördlichen Europa's ""d hält sich nieist auf den Bäumen auf. Seine Nahrung besteht besonders in C!t Knospen der Haselstanden. Das S ch n c e h n h u 'st im Winter ganz weiß, im Sommer rostroth mit dunkeln Flecken und weißen ellenlinien, und findet sich im hohen Norden oder auf den höchsten Gebirgen uropa's, Asiens und Afrika's. Seine Füße sind mit breiten Nägeln bewaffnet >»>d es gräbt mit denselben in den Schnee, um seine Nahrung zu suchen.232 Das Perlhuhn (Taf. X. Fig. 131) ist ein munteres, aber zänkisches und unverträgliches Thier. Es stammt aus Afrika her und wird des Wohlgcschniacks seiner Eier und seines zarten Fleisches wegen auf unseren Hühnerhöfen gehalten. Es hat dnnkclschicfersarbigcs Gefieder und ist über und über mit perlweißen runden Flecken geziert. Kopf und Hals sind kahl und ans jeder Seite des Obcrschnabcls befindet sich ein runder rother Wappen. Durch ihre kreischende, eintönige Stimme, welche sic den ganzen Tag hindurch hören lassen, werden sie lästig. I» ihrer Nahrung sind sie keine Kost verächter, sondern sie nehmen mit dem vorlicb, was die übrigen Hühner fressen. Die Hennen legen 18—24 gelblich weiße, rostbraun gefleckte Eier, die einen sehr feinen Geschmack haben. Zum Ausbrüten derselben nimmt man gewöhnlich eine Haus- oder Truthenne. Das Rebhuhn (Taf. X. Fig. 132), oder weil es immer auf freiem Felde lebt, auch Feldhuhn genannt, erreicht kaum die Größe eines kleinen Hanshnhns und nährt sich von allerlei Sämereien, Ge treide, Insekten und Pflanzen. Im Laufen ist cs sehr schnell, sein Flug hingegen ist schwerfällig und nie weit. Das gemeine Feldhuhn ist gefleckt, der Kopf ist rothgelb und die Männchen haben eine große, rothbrannc Brust. Männchen und Weibchen leben paarweise und bilden mit ihren Jungen eine Familie, welche in der Jägersprache Kette genannt wird. Am liebsten hatten sie sich auf Feldern und Wiesen auf, nie auf Bäumen. Eben so schlafen sic auch auf freiem Felde, den Kopf nach unten gekehrt. Das Männchen führt das Regiment über die ganze Kette. Wenn cs erwacht, so ruft cs und erhebt sich zwei oder dreimal, um eine kleine Strecke fortznflicgen, und erst an der dritten Stelle wartet es bis nach Sonnenaufgang, um seine Nahrung zu suchen. Fällt die Kette in einem Saatfclde oder sonst irgendwo nieder, so macht ein Mitglied derselben den Wächter, streckt den Hals hoch aus, späht nach allen Seiten hin umher und gibt sogleich ein Zeichen zum Aufbruch, wenn Gefahr sich zeigt. Auch des Nachts sollen sie einen Borposten ausstellen. Männchen und Weibchen lieben sich zärtlich und suchen sich gegenseitig treu zu unterstützen. Das Männchen hilft die Jungen unter seinen Flügeln wärmen und zieht sic oft allein ans, wenn cs seine Gattin verloren hat. Das Weibchen legt im April 10—12, zuweilen sogar 22 Eier, welche schmutzig grünlich weiß aussehen. Das Nest selbst ist ans Stroh, Heu und einigen Federn zusammcngefügt und befindet sich in einer Vertiefung des Ackers. Gefährlich für Junge und Alte sind Iltisse, Füchse, Hunde, Katzen, sogar Elstern und Krähen. Ihre Stimme wird oft in der Dämmerstunde ge hört und klingt: Girrhik oder Girhäck. Den Winter hindurch bleiben sic bei uns. Jung gefangen lassen sie sich leicht zähmen und wie unsere Hnnshühncr in Hccr- dcn hcrnmtrciben.233 Das Cupido-Huhn. Dieses merkwürdige, scheinbar vierflügelige Huhn, welches in den Sa vannen des Staates Missouri in großen Heerden lebt, ist erst in jüngster Zeit bekannt geworden. Ein deutscher Reisender, Hr. T. Koch, hat nach eigener An schauung über das Leben des Cupido-Huhnes folgende Beschreibung gegeben: „Obgleich ich nur 9 Meilen von der Prairic meinen Aufenthalt dicht am Missouri wählte, hatte ich doch während des ganzen Herbstes und Anfang des Winters nie Gelegenheit, Cupidohühner zu sehen. Erst als der Schnee so hoch gefallen war, daß sie keine Nahrung mehr auf den Wiesen finden konnten, suchten sie ein zelne von Gebirgen und Waldungen umgebene freie Flächen (Wald-Prairicn), die gewöhnlich mit niederem Gesträuch oder hohem Sumpfgrafe bedeckt sind, ans. Nicht fern von meiner Wohnung war ein so beschriebener Ort, der nun diesen Hühnern ein Lieblingsort zu werden schien. Dennoch wurden nur die Mittags stunden hier abgehaltcu. Abends kamen sie regelmäßig au die nächsten Landgüter, suchten sich da in den Maisfcldcrn ihre Mahlzeit und schliefen des Abends in den hohen dürren Bäumen, die allenthalben in den später cultivirten Ländereien Amc- vika's zu finden sind. Sie wählten da die höchsten Spitzen, sich wo möglich hinter den starken, nackten Acsten verbergend. Früh ward jedoch regelmäßig, nach ein genommenem Frühstück, nach der kleinen Wald-Prairie zurückgekehrt. In dieser Jahreszeit fand ich Maiskörner, männliche Blüthen von Haselnüssen, ja oft zoll lange Stückchen junger Holztriebc dieser Stranchart im Kropfe. Vier Stück kamen regelmäßig jeden Abend an unsere Wohnung, hier auf den zunächst stehenden hohen, dürren Bäumen Nachtquartier suchend, ließen sich jedoch, auch hier ihr scheues Wesen behauptend, nie schußrccht bekommen. Merkten sic irgend Gefahr, so streck ten sic den Hals lang vorwärts, nach allen Gegenden umschauend, um dann schnell Zu entfliehen. Bei zwei lebendigen Exemplaren, die man in Fallen gefangen hatte, härte ich von den Hennen einen leisen, gluckenden Ton. Ende Februar wurde die Witterung wieder etwas gelinder, und gleich war auch die ganze Gegend von Prairiehühnern leer. Mein Bruder hatte Gelegenheit, diese in spätcrn Monaten >» einer der großen Prairien des oberen Theilcs von Indiana (der Maregnina- Prairic) zu beobachten, und theilte mir Folgendes darüber mit. In die Prairic Zurückgekehrt, sind diese Hühner nicht sehr scheu, fliegen jedoch, einmal anfgcjagt, sehr weit, ausgenommen, wenn sic ans einem guten Futterplatzc waren, oder sich iZvoße Bäume in der Nähe befinden, die sic dann gern zu Ruhepunkten wählen, «m von da aus zu recognosciren, ob die geglaubte Gefahr vorüber ist und damc wieder zuriickkchren zu können. Sie sind aber dabei sehr vorsichtig. Doch scheint u»ch dieser Vogel, gleich andern Hühnerarten, sich weniger vor Menschen zu fiirch- lcn, die zu Wagen oder zu Pferde nahen, als vor Fußgängern; weshalb man auf "'stc Art gewöhnlich auch gute Jagd macht, wo zu Fuße gar nichts gethan wer den konnte. Sehr bcmerkeuswerth ist die Zeit ihrer Paarung. Schon in den234 ersten Tagen des Aprils, ja zuweilen Ende März, färbt sich beim Männchen der am Halse, unter den langen, einem zweiten Fliigelpaarc täuschend ähnlichen Federn befindliche Fleck, der bis dahin nur die gewöhnliche nackte Hautfarbe hatte, gelb lich, wird aber in sehr kurzer Zeit zum schönsten Hochgelb, und jetzt zeigen sich auch über den Augen Kämmchen von gleicher Farbe, was Alles den Vogel nicht wenig schmückt; nun vereinigen sich Gesellschaften von Hunderten, um nach ihren alten Paarnngsplätzen zu gehen, die eine und dieselbe Truppe, gewöhnlich viele Jahre nach einander, wieder aufsncht und die immer in den Prairie» gewählt werden. Schon im Januar zeigte mir mein Wirth 3 solcher Paarnngsörter, die seit 3 Jahren, der Wohnzeit des Ansiedlers, regelmäßig im Frühjahre besucht wurden. Der nächste tag V 2 englische Meile von meiner Wohnung, was mir die gewisse Ucberzeugung gab, daß ich gerade hier um so leichter würde beobach ten können, ob die Hühner auch im vierten Jahre sich einfinden möchten. Den 29. März hörte ich, noch vor Sonnenaufgang, im Halbschlummcr liegend, ein vielstimmiges Geheul, das, zu hell für das Gebrüll des Ochscnfrosches, dagegen zu dumpf für das durchdringende, gellende Geheul, wie es in dieser Gegend die kleinen Prairic-Wölfc hören lassen, klang. Roch che ich mich aber von dem Grunde dieser merkwürdigen Morgenmusik überzeugen konnte, meldete mir mein eintreten der Wirth, daß sich diese Nacht die Prairiehühner auf ihrem alten Paarungsplatzc wieder eingefunden hätten und das Geheul verursachten. Ich versäumte nicht, mich von dem Gesagten zu überzeugen, sah auch schon in guter Entfernung die streitenden Hähne hoch, oft über 3 Fuß emporspringen, hatte aber durchaus keinen Versteck, um mich anschleichen zu können, und wurde so zu zeitig bemerkt. Ihre Schüchternheit auch jetzt nicht verleugnend, ging Alles auf und davon, ohne mir eine nähere Beobachtung zu gestatten. Um diesem Hebel vorzubengcn, baute ich mir in angemessener Entfernung eine kleine Hütte von Brettern mit Gras belegt, und hatte hier die beste Gelegenheit, die Hühner bei ihren späteren Zusammen künften genauer zu betrachten. Noch an demselben Abende versammelte sich, nahe an meiner Hütte, die ganze Gesellschaft, um hier im Grase zu schlafen, bis der nächste Morgen zum neuen Paarnngskampfe wecke. Alle waren aber still, kein Laut zu hören, keine Bewegung zu bemerken. Lange vor Tagesanbruch schlich ich behutsam in mein Versteck und konnte von hier ans unbemerkt Alles sehen. Der erste lichte Streifen, der im Osten den Morgen verkündigte, also noch lange ehe die Sonne ans der unabsehbaren Prairie anftauchte, brachte Leben in das Hühner lager. Die Hähne gingen stolz unter den Hennen umher, umkreisten diese einzeln, dabei den ansgebreitcten Schwanz aufrecht haltend und mit den Flügeln ans der Erde hin streifend, standen in dieser Position zuweilen still und ließen nun, den Kopf bis zur Erde niederhaltend, das wunderlich klingende Geheul hören, wobei sich jedes Mal die früher erwähnte hochgclbe Halshaut bis zur Größe einer Manns- faust aufblicö. Natürlich heulten unter einer so großen Menge nicht selten 50 bis 60 zugleich. Dennoch schien aber eine gewisse klcbereinstimmung insofern bei235 jedem Concerte zu herrschen, daß oft alle zugleich still wurden, in welchen Pausen dann die heftigen Kämpfe der Hähne, die hierbei, wie schon erwähnt, über 3 Fuß gegen einander sprangen, mit neuem Muthe begannen, bis ein Einzelner die unter brochene Musik wieder anfing, dem augenblicklich ein bedeutendes Unisono folgte. Der Morgen war schön und still, was mir den Genuß ocrschaffte, das Ge heul der auf den 2 — 3 englischen Meilen von mir zunächst liegenden Paarungs- vrtcrn befindlichen Hühner in den verschiedenen Pausen zu hören. Viele Morgen ward mir nun ein gleiches Schauspiel. Regelmäßig versmnmclten sich die Prairie- hühner am Abend, von den Fntterplätzen kommend, in der Nähe der Paarungsörter, um mit der ersten Morgenröthc neue Kampfspicle zu beginnen. Jeder Hahn er kämpft sich während dieser Zeit 2 — 3 Hühner, wovon jede 15—20 weiße Eier in ein im Grase der Prairie angebrachtes Nest legt. Merkwürdig ist cs, daß diese Bogelgattnng, obgleich sic seit den letzten Jahren, daß die Ansiedlnngen an diese wilden Wiesen sich anreihten, wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches von den An siedlern den heftigsten Verfolgungen unterworfen ist, sich gerade von da an auf fallend vermehrt hat. Wohl mag der Grund mit darin liegen, daß einerseits die Zahl ihrer Hanptfeinde, der raublustigen kleinen Prairie-Wölfe, durch häufige Nach stellung sich vermindert hat, andererseits aber durch den Anbau der Ländereien mit Mais, Weizen u. s. w. ihre Nahrung sehr vermehrt wurde. Der F e l s h a h n- Eine andere, ebenfalls noch nicht genail bekannte Art ist der in Südamerika lebende Felshahn, von dem man, wie vom Lcicrschwanz, noch nicht recht weiß, ob man ihn zu den Insektenfressern oder zu den hühncrartigcn Vögeln zählen soll. Wir lassen ihn hier eine Stelle finden. Der Fclshahn hat ein herrliches orangefarbenes Gefieder und sein Kopf ist mit einem helmartigen Federbnschc ge schmückt. Man findet ihn im franz. Guiana und am Orinoco in den Cataracten uon Mnygnros. Hören wir A. v. Humboldt: „Ich sage absichtlich in den Cataracten; denn es sind die Spalten der kleinen Granitfelsen, welche quer durch den Orinoco streichen und die zahlreichen Cascaden bilden, die diese Vögel j'ch vorzugsweise zu ihren Wohnungen wählen. Wir haben sie öfters am Morgen mitten in den Schanmwcllcn des Stromes ihre Weibchen herbeirnfen und Kämpfe Ästchen sehen, wie unsere Hühner thun, und indem sie den doppelten beweglichen Kamm, der ihre Scheitel schmückt, in Falten legen."—Sir Rob. Schomburgk berichtet ebenfalls höchst Interessantes über diese schönen Vögel: „Während wir fben das Gebirge (im westlichen Guiana) durchkreuzten, stießen wir ans eine Heerde lener herrlichen Vögel, den Felscnhahn oder das Felsenmännchen, wobei ich zugleich Gelegenheit hatte, Zeuge des Tanzes derselben zu sein, von dem mir zwar die Indianer schon Vieles erzählt hatten, den ich aber immer noch für eine Fabel hielt. Eben hörten wir in einiger Entfernung die zwitschernden Töne, die der ' "lpicala so eigenthümlich sind, und zwei meiner Führer winkten mir, mich mitihnen vorsichtig nach dein Orte hinzuschleichen, der, etwas abgelegen vom Wege, den Versaininlnngsplatz der Tanzenden bildete. Er hielt 4 — 5 Fuß im Durch messer, jeder Grashalm war entfernt und dabei der Boden so glatt, als hätten ihn menschliche Hände geebnet. Auf diesem Platze sahen wir einen der Bügel herumtanzen und springen, während die übrigen umher offenbar die bewundernden Zuschauer bildeten. Jetzt spreitete er seine Flügel ans, warf seinen Kopf in die Höhe, und schlug gleich einem Pfau ein Rad mit dem Schwänze; dann stvlzirtc er umher und kratzte den Boden auf, was Alles in hüpfcndcin Gang geschah, bis er ermüdet einen cigenthümlichen Ton von sich gab und ein anderer Bogcl seine Stelle einnahm. Sv traten drei nacheinander auf die Schaubühne und zogen sich eben so niit dem stolzesten Selbstgefühle wieder unter die übrigen zurück, die sich ans einigen niedrigen Büschen, welche den Tanzboden umgaben, niedergelassen hatten. Wir zählten 10 Männchen und 2 Weibchen und sahen ihnen zu, bis sie plötzlich das knisternde Geräusch eines Stückes Holz, ans daö ich unvorsichtig einen Fuß setzte, aufschcnchte — und dahin flog die ganze tanzende Gesellschaft! — Die Indianer, welche die schönen Bälge dieser Bügel ungemein schätzen, suchen diese Vergnügungsplätze eifrig ans und verbergen sich mit ihrem Blasrohr und vergifteten Pfeilen, um die Tanzenden zu erwarten. Bevor der Tanz aber nicht völlig begonnen, setzt der Indianer seine Waffen auch nicht in Thätigkcit; denn dann erst sind die Vögel so mit ihrem Vergnügen beschäftigt, daß man 4 — 5 nacheinander erlegen kann, bevor die übrigen es merken und davon fliegen. Senhor Ayres sagte mir, daß es am Flusse Uaupcs nicht schwer fallen würde, während der Paarzeit 200 — 300 Stück zu erlegen, da sich dann die Hähnchen mehr zusammenhielten und bei dem Tanze alle ihre Vorzüge zur Schau legten, um durch diese die Neigung irgend eines Lieblingöweibchens zu gewinnen." Die Tauben. Die Tauben sind sehr reinliche, sanfte und friedliche Thiere und die beiden Gatten sind einander so treu, daß sie sich nur selten trennen. Ihr Gefieder ist sehr verschieden, aber bei allen sehr schön, besonders an Brust, Hals und Schul tern, wo es oft in dem herrlichsten Metallglanz schimmert. Ihre Nahrung besteht in weichen Früchten, harten Sämereien und Beeren; Insekten fressen sic höchst selten. Ihr Nest ist eben nicht kunstvoll gebaut, sondern platt, dünn und unregel mäßig znsammengefügt. Es findet sich ans Bäumen und in Höhlungen derselben, so wie in Felscnlöchcrn oder ans der Erde. Es finden sich darin in der Regel 2, selten 4, und noch seltener 6 — 8 weiße Eier. Ihre Vermehrung ist außer ordentlich stark, denn sic brüten jährlich wohl 9 Mal. So vermehrt sich in einem Jahre ein Paar auf 20, im zweiten Jahre auf 180, und im dritten Jahre könnte man 1800 Stück, im vierten gar 18,000 haben, wenn nicht die Menschen sich den vielen Raubthicrcn zngcsclltcn, die den Tauben nachgehcn.Man zählt über 100 verschiedene Arten. In Europa sind aber nur vier Arten zu Hause. Diese sind: 1. Die Ringeltaube. Sie ist die größte unter den europäischen Arten, denn sie ist 16 Zoll lang und 30 Zoll breit. Sie ist oberhalb bläulich-aschgrau, hat eine wcinrothe Brust und unterwärts an den Seiten des Halses einen weißen halbmondförmigen Fleck, der ringsum mit goldgrünen Federn umgeben ist und den Ring vorstellt. Sie bewohnt am liebsten Nadelhölzer, frißt Fichtcnsamen, Hülsen früchte, Heidelbeeren und zuweilen auch Regenwürmer. Sie ist aber schwer zu schießen, weil sic äußerst scheu und vorsichtig ist. 2. Die Felsen-, Feld- oder gemeine wildcTaube ist dunkelaschgrau, um den Hals grün schillernd und hat ans den Flügeln zwei schwarze Flecken; Schnabel und Beine sind rosenroth. Sic hält sich besonders zahlreich in Persien, Kleinasien und Egypten auf. In Deutschland bleibt sie vom Februar bis Octobcr, wo sie nach wärmeren Gegenden hin auswandert, weil der Winter bei uns ihr zu kalt ist. Sie ist besonders darum wichtig, weil sie die Stammrace unserer zahmen Tauben ist. Denn es stammen von ihr: der Feldflüchter, welcher der Stammmutter noch am ähnlichsten ist; die Trommeltaube, die ihren Zorn und ihre Zärtlichkeit durch eine Art von Trommeln ansdrückt; die Kropftaubc, die sich an ihrem aufgeblasenen Kropfe leicht erkennen läßt, der oft so groß wie der llunze Körper wird; die Mönchstanbe oder Mevchen, deren Kropffedern, wie nu Büschel, nach beiden Seiten aufwärts gerichtet sind; die Purzeltaube oder Tümmler, der sich im Fluge beständig überschlägt und herabpurzelt; die Pfauen taube mit dem Pfauenschwanze. 3. Die Holztaube (Taf. X. Fig. 133) hat ein hellaschgraneS Gefieder und ist i„ ihrem ganzen Farbenschmuck und in ihrer Lebensart der Ringeltaube sehr ähnlich. 4. Die Turteltaube ist die kleinste unter den einheimischen Tauben, denn sie mißt nur 11 Zoll. Ihr Federklcid ist am Oberleibe graublau mit einem schwarzen Fleck und 3 — 4 weißen Onerstreifen, an der Brust rosenroth und am Untcrleibe weiß. Die Flügeldcckfcdcrn sind schwarz und an den Spitzen rostroth. ^ie nährt sich von Fichten- und Tannensamen, besucht aber auch die Getreide- selder niid verläßt uns im Herbste. Unter den vielen ausländischen Arten sind besonders merkwürdig: die Lach- i^ube, welche eigentlich aus Afrika stammt und besonders durch ihre lachende stimme sich auszeichnet, welche das Männchen hören läßt, wenn es gegen das . bchcn zärtlich ist. Sic ist röthlich weiß und trägt am Halse ein schwarzes Halsband. Seit langer Zeit hält man sie bei uns. zum Vergnügen und füttert mit Weizen, Hirse, Hanf, Rübsamen und Buchweizen. Die Wandertaubc (Taf. X. Fig. 134) hat ein aschblaues oder hellgrau- ^ nues Gefieder, der Nacken ist goldgrün, Kehle und Brust hellroth, der Bauchweiß. Sie lebt in ungeheuren Schaaren in Nordamerika und unternimmt der Nah rung wegen große Wanderungen, von welchen sic ihren Namen führt. Wenn sie solche Wanderungen antritt, so ist die ganze Luft von ihnen im eigentlichen Sinne des Worts ganz vollgepfropft, die Sonne wird am Hellen Mittage verfin stert und die Atmosphäre von dem ihnen eigcnthümlichen Gerüche ungefüllt^ Der Boden ist mehrere Zoll hoch mit ihrem Unrathe bedeckt und alte zarten Gräser und Pflanzen vernichtet. Kommen sie an einen Strom, wie der Ohio, so hat sich Alt und Jung versammelt, sie im Fluge zu tobten, und eine ganze Woche hindurch lebt Jedermann von Tauben. Besonders würgt inan unter ihnen an den Plätzen, wo sie Halt machen, um in der Nacht auszurnhen. Sie wählen dazu meist freie Waldräume, die kein Unterholz haben, und von nah und fern habe» sich dann auf denselben schon, weil sic regelmäßig eintreffen, Hunderte von Men schen eingefunden, die mit Flinten, Töpfen voll Schwefel, Fackeln, Stangen und dergleichen bewaffnet sind. Alles harret der Ankunft des ungeheuren Tanbcnheeres. Endlich neigt sich die Sonne ihrem Untergänge und jeder schaut nach der Gegend hin, woher man das fliegende Heer erwarten darf. Plötzlich erschallt der Ruf: „Sie kommen! Sie kommen!" Wie ein Sturm braust es schon von weitem in der Luft. Anfangs fliegen sic tief und nun schlagen die Leute, ivelchc nur Stan gen haben, blindlings in die dichten Haufen hinein, daß Tausende schon dadurch getödtct werden. Jetzt leuchten alle Kienfackeln: die Tauben werden geblendet, sie drängen sich nicht nur unter-, sondern auch übereinander, so daß sic eine dicke, unförmliche Masse bilden. Sie stürzen sich auf die Bäume, daß ganze Aeste unter ihrer Last brechen, die im Herunterstürzen wieder erschlagen werden. Nun werden die Schwefeltöpfc angezündet und andere Tausende, die noch ans den Bäumen sitzen, werden erstickt. Es ist ein Lärm von den gejagten, betäubten Vögeln, ein Schreien, ein Knallen, daß Keiner sich seinem Nachbar verständlich machen kann. Und immer kommen noch neue Züge, bis endlich am Morgen, was nicht umkam, die Wanderung auf's neue fortsctzt. Und so geht cö nicht einen, sondern mehrere Abende hinterein ander fort, daß man ihre Zahl zu Milliarden anschlagcn und sie mit den Heu- schrcckenzügcn vergleichen kann. Wenn die Menschen des Fleisches, sowohl frisch als cingesnlzcn genug haben, so treiben sie Heerden von Schiveincn herbei und lassen sie sich von Tauben mästen. Man kann leicht denken, wie sehr ein Getreidefeld verheert wird, sobald cs von einem solchen Heere befallen wird. In zwei Stunden ist das größte nur eine umherliegende Strohmasse geworden. So grausani daher auch der Vertilgungskrieg gegen die friedlichen Tauben zu sein scheint, so sehr wird er von der Nothwcndigkeit geboten. Der Vrüteplatz der Wandertauben ist zuweilen 8 Meilen lang und eine Meile breit. Auf diesem weiten Raume ist fast jeder Baum mit Hunderten» von Nestern besetzt. Sobald die Jungen erwachsen sind, aber noch che sic die Nester verlassen, kommen gewöhnlich zahlreiche Schaaren der Einwohner ans der ganzen umliegenden Gegend mit Wagen, Aexten und Kochgcräthen herbei und schlagen mit ihren Familien ihr Lager in dieser ungeheuren239 Speiseanstalt für mehrere Tage auf. — In ihrem Fluge sind die Wandertauben unglaublich schnell, denn sic legen in 5 Minuten wohl eine Meile zurück. Die Brieftaube ist eine Abart der Haustaube im Oriente, daher auch die Gewohnheit, durch Tauben Briefe bestellen zu lassen, besonders im Morgenlande vorkommt. Diese Brieftauben haben eine weißliche, starke, höckerige Nasenhaut, nackte Augenlider, einen bunten Federring um den Hals, rothe Füße und sind von der Größe eines Rebhuhns. Zn der Flugpost wählt man Männchen und Weibchen, deren Abrichtung aber Zeit und Geduld erfordert. In der Absicht sucht man die Jungen, sobald sie Federn bekommen, zu zähmen und aneinander zu gewöhnen, sperrt sie dann in einen Käfig und läßt sie an einen Ort schaffen, wohin sie Botschaft zu bringen gewöhnt werden sollen. Wenn man dann die eine nach einiger Zeit, während welcher man mit ihnen gespielt und gctändelt hat, abschickt, so eilt sie gewiß bald zu der andern zurück, mit der sie gepaart ist. Das Briefchen wird ans feines Scidenpapicr geschrieben, der Länge nach unter einen Flügel gelegt und mit einer Nadel, deren Spitze aber nicht nach dem Körper gerichtet sein darf, an einer Feder befestigt. Eine solche Taube kann an einem Tage über 600 deutsche Meilen zurücklegen. Die Wachtel (Taf. X. Fig. 135) ist auf dem Rücken braun mit schwarzen Streifen; die Kehle ist beim Männchen braun, beim Weibchen weiß; über dem Auge läuft ein weißlicher Streifen hin, eben so über der Mitte des Kopfes. Sic wird fast in ganz Europa gefunden, aber nicht häufig, weil viele Tausende bei ihrem Ueberfluge über das mittellän- dischc Meer umkommen. Sic hält sich gewöhnlich ans ebenen Feldern und Wiesen auf und nährt sich von Sämereien aller Art, Getreide, Hanf, grünen Pflanzen und Insekten. Ihre Liebtingsspcise jedoch sind Ameiscneier. Des Abends läßt bas Männchen seinen bekannten Schlag vernehmen, der Pickwerwick, pickenik, Pick- gerick-perick, oder ganz deutlich Schnupftabak klingt. Mit geschlossenen Augen und ausgcstrecktem Halse werden diese Töne hervorgcstoßcn. Ihr Flug ist schnell, aber, ausgenommen auf der Wanderung, niedrig und nicht ausdauernd. Daö 9icft bc- fitibet sich in Vertiefungen der Felder und enthält 10—14 grünlich weiße, brann- geflccktc Eier, welche einen starken Glanz haben. Im Herbste zieht sie von uns ^veg und zwar nach Afrika hin und erst Ende April kehrt sie zu uns zurück. Bei ihrer Ankunft in Afrika oder auf der Rückkehr nach Italien werden Tausende mit de» Händen gegriffen, oder mit Netzen gefangen. Sie versammeln sich nämlich au dem Ufer des mittelländischen Meeres so zahlreich, daß sic weithin die Erde bedecken, und noch che sie nach dem Ziele ihrer Wanderung hiugelangen, werden sic von den Menschen, welche nach ihrem delikaten Fleische lüstern sind, cinge- fangen. Uebrigens ist die Wachtel ein ungeselliges und streitsüchtiges Thier, und240 wie man in England Hahnenkämpfe anstcllt, so richtet man in China Wachteln ab, sich gegenseitig zu zerfleischen, und wettet nun ans diese oder jene. Sechste Krönung. Sing- oder sperlingartige Vögel. Die Vögel dieser Ordnung haben in Schnabel und Füßen sehr große Achn- lichkeit mit unseremHanssperling und werden daher auch sperlingartige Vögel genannt. Der Schnabel ist nämlich kegelförmig und spitzig, und die Füße sind äußerst zart und fein. Ihre Nahrung besteht in Insekten und Samenkörnern. Vielweiberei findet bei ihnen nicht statt. Der untere Kehlkopf ist mit einem Sing- muskelapparat versehen; der Schwanz hat fast immer nur 10 Stenerfedcrn. Es sind kleine, höchstens mittelgroße Vögel, welche meistens gut fliegen, sich gewöhn lich hüpfend bewegen, künstliche Nester bauen, in welchen die Jungen lange von den Alten geätzt werden müssen. Ein kaltes Frühjahr schwächt das Gesangsvermögen der Singvögel, und der Gesang wird unvollkommen. Die meisten unserer Singvögel singen nur bis Ende Juli. Blackwall bemerkt, daß nach der erschöpfenden Periode der Fortpflan zung die Mauserperiode eintritt und gleichzeitig die Stimmorgane erschlaffen, was der Grund des periodischen Verstummens der Vögel sei. Dann wird die Tem peratur der Luft allmälig niedriger, animalisches Futter seltener, so daß erst mit der Wärme des nächsten Frühlings und dem reizenden Jnsektenfutter die Spann kraft der Stimmorgane wiedcrkehrt. Der Hanssperling. Man unterscheidet zwei Arten von Sperlingen, nämlich den Hanssperling und den Feld sperling. Der Hanssperling ist bedeutend größer als der Fcld- sperling und hat um die Augen einen schwarzen Fleck, einen röthlich aschgrauen Scheitel und an der Kehle und am obcrn Theilc der Brust schwarze, grau ein gefaßte Federn. Dem Menschen hat er sich zum beständigen Gesellschafter anf- gedrängt, und überall, wo Menschen wohnen, da findet sich auch der Sperling, um Wohnung und Nahrungsmittel mit ihm zu theilen. Selbst der strengste Winter kann ihn nicht verscheuchen, denn er frißt Alles, was ihm vvrkommt und schlüpft in Scheunen und Ställe hinein, um sich einige Samenkörner zu suchen. Ja, er ist dreist genug, durch offene Thüren und Fenster in die Häuser zu fliegen und den Köchinnen in der Küche einen Besuch abzustatten. Aber dennoch traut er dem Mensche» sehr lpenig, sondern macht sich, sobald er einen erblickt, sogleich241 davon. Fallen, Schlingen und Netze verfehlen bei ihm ihren Zweck, denn seine Freiheit ist ihm zu lieb, und selbst zur Zeit des Mangels hält er sich vorsichtig von solchen Gefängnißanstaltcu zurück. Auch ist er eines Käfigs nicht werth, denn seine Stimme ist äußerst unangenehm und steht auf einer der tiefsten Stufen der Ausbildung. Besser läßt man ihm daher seine Freiheit, denn, wenn er diese auch zuweilen mißbraucht und in derselben sich zu allerlei Diebereien verleiten läßt, so ist er doch wiederum ein nützliches Thier; denn er vertilgt unzählige schädliche Insekten und Larven, die unseren Pflanzen und Bäumen noch mehr schaden würden, als er es thut. Besonders stellt er der sogenannten Spannen messer-Raupe nach, und ein einziges Paar Sperlinge verbraucht für sich und seine Jungen, nach einer oberflächlichen Berechnung, 5 — 6000 solcher Raupen. Wie entlaubt würden unsere Obstbäumc stehen, wenn er nicht wäre. Sein Nest ist sehr kunstlos gebaut. Es ist ein Klumpen von Stroh, Heu und Federn und findet sich in allerlei Schlupfwinkeln und Gebäuden, unter Dächern, an Gie beln n. s. w. Oft nimmt er auch die Nester der Schwalben in Besitz, und kommen diese im Frühjahre zurück, so finden sie nicht selten ihre alten Wohnungen zu ihrer großen Betrübniß von zudringlichen Gästen eingenommen, welche sich durchaus nicht abwcisen lassen. Die Sperlinge brüten jährlich wenigstens dreimal, und da ein Paar jedesmal 4 — 6 Junge hat, so kann man sich leicht denken, wie stark sie sich vermehren. Die Eier sind grünlich weiß mit dunkelaschgrauen und braunen Punkten. Die gefährlichsten Feinde der Sperlinge sind die Sperber, Eulen und Katzen. Der F c l d s p e r l i ii g ist kleiner als der Haussperliug und hat auf den Flügeln zwei weiße Binden, auch einen weißen Ring um den Nacken. Er gleicht in seiner Lebensart und Nahrungsweisc dem Hanssperlinge und ist wie dieser kein Kostverächter. Aber Kirschen, Weinbeeren, Weizen-, Gersten-, Hafer- und Hirsekörner scheinen ihm vorzüglich gut zu schmecken. Zur Zeit, wo der Landmann sein Erntefest feiert, stndct auch er sich ein und schwärmt oft in Schaareu von Hunderten auf den Feldern umher. Im Winter lebt er zwar etwas kümmerlich, aber er verläßt unsere Gegenden doch nicht, sondern bleibt mit dem Haussperlinge bei uns. Die Lerche. Man unterscheidet gegen 40 Gattungen von Lerchen, von welchen 7 in Deutschland sich finden. Sie haben große Flügel und einen leichten Körper und sind die eigentlichen Sänger der Lüfte. Denn sie steigen gewöhnlich singend in k* e Höhe und zwar so weit, daß ihnen kein anderer Singvogel folgen kann. In Caldern und ans Bäumen findet man sie höchst selten; am liebsten halten sie sich in Saatfeldern auf, wo sie sich von Sämereien nähren; im Sommer leben sie nur von Insekten, die sie entweder von der Erde ans- oder von den Psianzcn B-umer's Raturgischicha-, Iß242 ablescn. Ihr Nest ist ganz kunstlos gebaut und das Weibchen legt jedes Jahr zweimal 5 Eier hinein. Die gemeine Fcldlerche hat ein erdfarbenes Gefieder, am Unterleib hingegen ist sie schmutzig weiß. Sie ist ein Zugvogel und wandert in der Regel schon um Michaelis nach Süden hin, kommt aber schon sehr früh zeitig, oft schon um die Mitte Februars zurück. Sie hält sich sehr zahlreich auf unfern Feldern auf und sucht dort Sämereien und Insekten. Dort baut sie auch ihr Nest, das aus Halmen und dürrem Gras kunstlos zusaiumcugefügt ist und fiu; in einer kleinen Vertiefung des Ackers hinter einem Erdklos befindet. Es enthält 3—5 weißgraue Eier mit einzelnen grauen Punkten. Die Lerchen sind wegen ihres Gesanges allgemein beliebt, werden aber wegen ihres schmackhaften Fleisches vielfach verfolgt. Besonders sind die Leipziger Lerchen wegen ihrer Fettigkeit und ihres Wohlgeschmacks sehr berühmt und werden viele Meilen weit bis an die Küsten der Ost- und Nordsee versendet. Auch bei Halle, Nordhauscn und Wittenberg werden sic Tausenden gefangen. Man stellt des Abends oder des Nachts ans den Feldern, wo sich die Lerchen versammelt haben, große Netze auf und schleppt dann ein Seil auf der Erde hin, um die Thiere aufznjagcn, Aus ihrer Ruhe anfgcschcucht, fliegen sie gegen das wie eine Wand anfgestellte Netz und bleiben mit Kopf, Flügeln oder Füßen darin hängen. Dies nennt man den Lcrchenstrich. Zuweilen fängt man sie auch mit dem sogenannten Spiegel. Es ist dies ein hölzernes Instrument, welches mit kleinen Glasstückchen besetzt ist und durch seinen glänzenden Schimmer die Neugierde der Lerchen erregt. Sic fliegen darauf hin und werden mit Netzen, die über sie zusammenschlagen, gefangen. Die Haidelcrche ist an Gestalt und Größe der Feldlerche ziemlich gleich, unterscheidet sich aber von ihr durch einen Federbusch auf dem Scheitel. Am liebsten hält sic sich auf Haiden auf, wo sie sich schon im März einfindet. Das Männchen setzt sich zuweilen auf einzelne in der Haide stehende Baumstämme und erfüllt die ganze Gegend rings umher mit seinem äußerst lieblichen Gesang, der dem menschlichen Ohre eben so melodisch klingt, als der der Nachtigall, besonders wenn er in stiller Nacht wie aus den Wolken herniedcrtönt. Sie verläßt uns im October, kehrt aber schon mit dem Beginn des Frühlings zurück. Ihr Nest baut sie ans Halmen, dürrem Gras, Mooö, Wolle u. s. w., und legt 3 — 4 dunkelgrüne, braungcfleckte Eier hinein. Man findet cs in Haidekrant, auch wohl im hohen Grase. Die Haubenlerche ist etwas größer, als die Feldlerchc und zeichnet sich durch ihre Haube aus, welche sic auf dem Scheitel trägt und die sie aufrichten oder niederlegen kann. Sie hält sich meistens im nördlichen Europa auf, kommt aber auch im Winter zuweilen nach Deutschland und treibt sich mit den Sper lingen und Finken auf unseren Höfen und Straßen umher. Sie hat einen sehr lieblichen Gesang. — Gänzlich wird dieser vermißt bei der Wiese ul er che.243 Ser S t a a r. Der Staar ist ein geselliges, lebhaftes und geschwätziges Thier und gleicht an Größe der Singdrossel. Sein Gefieder ist schön schwarzglänzend mit grünem und violettem Schimmer und an den Spitzen der Federn weiß. Er ist 10 Zoll lang und 17 Zoll breit, und hält sich in Banmgärten und in Gehölzen bei Vieh weiden am liebsten ans. Seine Nahrung besteht besonders in Würmern und Insekten, die er auf Wiesen und Aeckern aufsncht. Pflügt der Landmann seinen Acker, so sind oft Hunderte von Staaren hinter ihm her und fressen die Würmer und Larven ans, welche der Pflug aufgewühlt hat. Zuweilen setzen sie sich den Schafen auf den Rücken, um ihnen die Insekten wegznfangen, von welchen diese armen Thiere geplagt werden. Weniger beliebt machen sie sich zur Kirschenzeit, denn da fallen sie in großer Menge über unsere Kirschbäume her und fressen das schöne Obst bis auf die Steine ab. Auch die Beeren von unfern Weintrauben scheinen ihnen gut zu schmecken, und ihr Appetit ist oft so groß, daß der arme Weinbauer sich genöthigt sieht, seine Flinte herbeizuholen, um die gefräßigen Gäste zu vertreiben. Gelingt es ihm, einige zu schießen, so hat er für den Abend einen guten Braten, denn ihr Fleisch ist sehr schmackhaft. Ihr Nest bauen die Stanre in hohle Eichen oder in Buschbäume und man findet 4 — 6 hellasch grau grüne Eier darin. Die Jungen lassen sich leicht zähmen, lernen schön sin gen und sogar sprechen. Im Winter ist es ihnen in unfern Gegenden zu kalt und sie wandern daher im Oetober nach Süden hin; aber schon im Februar kehren sie zurück. Sie suchen dann einzeln, oder doch nur in kleinen Gesell schaften, ihre Nahrung auf, des Abends jedoch versammeln sie sich in großen Schnuren und schwärmen gemeinschaftlich umher. Sie lassen sich dann in einem Gebüsch nieder, schwatzen noch eine Zeit lang miteinander und schlafen während des Geschwätzes ein. Mit Tagesanbruch wachen sie wieder auf, und zerstreuen sich nach allen Seiten hin, sich Nahrung zu suchen. Die Drossel. (Taf. X. Fig. 137.) Man kennt bis jetzt über 200 Arten von Drosseln, von welchen aber nur \ in Deutschland einheimisch sind. Sie haben meist ein braun und weißes Ge lder, andere sind röthlich und die Schwarzdrossel ist ganz schwarz. Sie sind Niedlich und gesellig und nähren sich von Insekten, Würmern und Beeren. Im Herbste suchen sie wärmere Gegenden auf, nur die Amsel bleibt bei uns. Sie haben meistens eine angenehme, zum Theil sehr melodische Stimme. Dieses ist uamentlich der Fall bei der Singdrossel, auch Zippe oder Zippdrossel genannt, die besonders in den Margen- und Abendstunden ihre Flötenstimme vernehmen läßt. Sie hat eine Wanke, schöne Gestalt, ist oben olivengrünlich grau und unten gelblich weiß, m eirunden, dunklen Flecken. Sie findet sich in ganz Europa und in dem 16 *244 südlichen Theile Asiens. Ihr Lieblingsanfenthalt sind gebirgige Waldungen, und ihre Nahrung besteht im Sommer in Insekten und Würmern, im Herbst vor züglich in Beeren, namentlich Vogelbeeren. Ihren flötenden Gesang (tratü, trat!, migam, inigam, kndi) läßt sic vom März bis tief in den Sommer hören. Auch in der Gefangenschaft verstummt sie nicht, lernt vielmehr künstliche Melodien mit großer Leichtigkeit, doch ist ihr Wildgesang schöner. Sie nistet jährlich zweimal, und ihr Nest, das sich auf nieder» Nadel-, Aepfcl- oder Birnbäumen befindet, enthält 4—6 blaugrüne, schwarzbraun pnnktirte Eier. Im October verläßt sie uns und zieht nach wärmeren Gegenden hin. Die Misteldrossel ist die größte unter den europäischen Drosselartcn; denn sie mißt über 12 Zoll. An Farbe gleicht sie der Singdrossel, nur etwas heller. Im Affekte läßt sic einen schnarrenden Laut hören, daher sie auch Schnarrdrosscl genannt wird; und weil sic die Beeren der Mistel sehr liebt, heißt sic Misteldrossel. Sonst besteht ihre Nahrung in Regenwürmern, Mai käfern, Heuschrecken, Kirschbeeren, Trauben, Wachholdcr- und Heidelbeeren. Sic findet sich in ganz Europa, verläßt unsere Gegenden jedoch im Spätherbst und kehrt schon im Februar wieder zu uns zurück. Ihr Nest baut sic ans Tannen und Fichten und das Weibchen legt 4—5 blaugrünliche, rothbraun pnnktirte Eier hinein. Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft. Die Wachholdcrdrosscl oder Krammctövogel ist etwas kleiner als die vorige, und hat oben ein kastanienbraunes Gefieder; Brust und Bauch-sind rostgclb und mit dreieckigen schwarzen Flecken bestreut. Ihren Namen hat sic von ihrer Licblingsspcisc, welche in Wachholdcr- oder Krammetsbeeren besteht. Im Sommer findet man sie bei uns nur einzeln; im October hingegen, wo sic sich nach Süden hin ziehen, kommen sie in großen Schaaren zu uns und werden dann zu Millionen gefangen, weil ihr Fleisch sehr schmackhaft ist. Einen cigen- thümlichcn Gesang haben sic nicht, sondern dieser besteht in einem heiser» Zwitschern. Die Wcindrossel ist oben braun, unter den Flügeln rostroth und hat über dem Auge einen gelblichen Streifen. Sie findet sich bei uns nur zur Zeit der Weinlese ein, und stiehlt dann den Winzern viele Weinbeeren weg. Die übrige Zeit des Jahres hält sic sich im höher» Norden, in Norwegen, Schweden, Rußland u. s. w. ans. An der Ostsee fängt man Tausende weg, welche ihres delikaten Fleisches wegen ziemlich thener bezahlt werden. Die Schwarzdrossel (Taf. X. Fig. 138), auch Amsel oder Merle genannt, hat ein schwarzes Gefieder, einen goldgelben Schnabel und goldgelbe Angenliderränder. Sic findet sich in ganz Deutschland und lebt einsam und ver borgen im Gebüsch. Im Freien ist sic sehr scheu und ergreift beim leisesten Ge räusche die Flucht. Im Frühlingc läßt sie vielfach ihre schönen Flötcntönc hören,245 und in der Gefangenschaft lernt sic mit großer Leichtigkeit künstliche Gesänge. Im Sommer besteht ihre Nahrung besonders in Insekten und Würmern, im Herbst in Beeren; den Winter hindurch bleibt sie bei uns, und treibt sich viel in Hecken, oder bei strenger Kälte an offenen Quellen umher. Sic nistet in Hecken und Gesträuchen einige Fuß hoch über der Erde und schmiert ihr Nest mit Lehm aus. Das Weibchen legt zweimal jährlich 4 — 6 graugrünliche, braun gefleckte und gestreifte Eier hinein. Die Jungen lassen sich mit Milch und Semmeln, Mehlwürmern, Fleischstückchen u. dgl. leicht aufziehen. Unter den ausländischen Drosselarten zeichnet sich besonders ans: die Spott drossel, deren Vaterland Nordamerika ist. Sie hat ein aschgraues Gefieder und gehört zu den vorzüglichsten Singvögeln, indem ihr an Mannichfaltigkeit und Melodie der Stimme kein anderer gleichkommt. Außerdem hat sie eine unglaub liche Fertigkeit, die Stimmen aller Vögel treu nachzuahmen; selbst das Miauen der Katzen und das Bellen der Hunde macht sie täuschend nach. Sie pfeift dem Hunde, wie sic es von dessen Herrn gehört hat. Der Hund springt auf, und wundert sich, daß dieser nicht da ist, oder ihn gar nicht ansieht. Dann macht sie das Angstgcschrci eines verfolgten Küchleins nach. Mit gesträubtem Gefieder kommt die alte Gluckhenne herbei, um das geängstigtc Junge zu schützen, aber — Niemand ist da. Selbst die Töne der Nachtigall macht sie so vollkommen nach, daß diese am Ende schweigen muß, gleichsam vor Scham, von einem solchen Genie übertroffen zu werden. Im Walde führt sic oft allerlei komische Auftritte herbei. Da zwitschert hintereinander die Schwalbe, cs kreischt die Krähe, es flötet die Nachtigall, cs kackcrt die Henne und mehrere andere Stimmen lassen sich hören, immer eine hinter der andern, daß nran am Ende sich umschaut, um Zu wissen, wo denn alle die Vögel sitzen, welche gleichsam der Reihe nach mit einander abwcchscln. Aber keiner ist zu sehen. Den befiederten Hanswurst selbst erblickt man oft nicht einmal, wenn er gerade recht im Dickicht sitzt, und wer ihn "uch sicht, aber seine Schelmenstreiche nicht kennt, vermag auch dann nicht das Näthsel zu lösen. Den Matrosen, die gerade einen Fluß hinauf oder hinabfahrcn, 8eht cs in dieser Rücksicht zuweilen komisch genug, wenn sie ausstcigen und einige Stunden rasten. Hat er etwa gehört, daß der Bootsmann einem: „Komin her, Jacob!" znricf, so dauert es oft nicht lange, und dieser hört sich zum zweiten Male rufen. Er geht zum Bootsmann, die Mütze bescheiden in der Hand hal- ^ud, um zu hören, was es gibt. Der Bootsmann ist eingeschlafen. Kopfschüt- tclnd geht der alte Jacob fort. Einige Minuten hernach ruft cs schon wieder: »Komm her, Jacob!" Jacob will nun, wo der Bootsmann immer noch schläft, diesem den schlechten Spaß vorrücken, denn er glaubt, sein Herr stelle sich nur schlafend; aber in dem Augenblick ertönt der Ruf wieder, und jetzt merkt er, daß i>er Rufer gleich auf dem Baume sitzt, unter welchem der Bootsmann schläft. Der ehrliche Jakob sperrt weit das Maul auf; er kann sich gar nicht überzeugen, ^aß von einem Vogel solche Späße getrieben werden, bis endlich einer der246 herbeigcrufenen Kameraden den Schäker schon kennt und die Sache zu allgemeiner Zufriedenheit erklärt. Der Seidenschwanz (Taf. x. Fig. 139 ) lebt in dem Hähern Norden Europa's und wandert nur in manchen Wintern, wo es ihm in seinem eigentlichen Vaterlande wahrscheinlich au Nahrung gebricht, in südlichere Gegenden aus. Oft kommt er mehrere Jahre hintereinander nach Deutschland, dann wieder in 5, 6 — 9 Jahren einmal, und man hielt früher seine Ankunft für ein schlimmes Vorzeichen von Krieg oder Theucrung. Er ist von der Größe eines Staars und die Hauptfarbe seines seidenartigen Gefieders ist weinrothgrau; Kehle, Brust und Schwanz sind schwarz, die Schwungfedern mit zinnoberrothen Anhängseln versehen und die Federn des Scheitels bilden einen Federbnsch. Er ist übrigens durchaus nicht zänkisch, sondern friedliebend, aber sehr einfältig. Denn man kann vor seinen Augen seine Kameraden wegschießen, und er bleibt doch ruhig auf seiner Stelle sitzen, und wartet, bis die Reihe an ihn kommt. Dabei ist er äußerst gefräßig und gebraucht zu seiner Nahrung eine große Menge Wachholdcrbeercn, im Sommer frißt er auch Käfer, Raupen und dergleichen. Im Fliegen ist er sehr geschickt, weniger im Lausen, weshalb er auch selten auf die Erde kommt. Seine Stimme ist schlecht und er kann nur einen feinen Triller Hervorbringen, in welchem der Buchstabe S dnrchklingt; aber seiner Schönheit wegen wird er viel im Zimmer gehalten. Der Kernbeißer, K i r s ch f i n k. Es gibt verschiedene Arten von Kernbeißern, welche sich alle durch einen ungewöhnlich starken, dicken und kegelförmigen Schnabel und durch ihren kurzen gedrängten Körper auszcichucn. Mit ihrem starken Schnabel zerspalten sie die Kerne der Steinfrüchte, deren Nath sic jedesmal geschickt zu treffen wissen. Sie halten sich in Wäldern und Gärten ans und nähren sich von öligen Sämereien und Kernen von Steinfrüchten. Ihre Nester bauen sie ans Bäume und es finden sich darin 3 — 5 grünliche, gefleckte Eier. Am bekanntesten unter ihnen ist der Kirsch kernbeiße r oder Kirschfink, welcher oben braun, am Kopfe gelblich und hinten an den Flügeln mit stahlblauen Federn geschmückt ist. Seine Nahrung besteht in harten Nüssen und öligen Sämereien von allerlei Waldbäumen. Am liebsten jedoch frißt er das Mark der Kirschkerne, und daher richtet er zur Zeit der Kirschernte oft große Verwüstungen an. Er sucht sich daun die schönsten und besten Kirschen aus, schält das Fleisch derselben ab und wirft es weg; aber den Kern packt er in seinen Schnabel und knackt ihn auf. Und hierin besitzt er eine große Fertigkeit, denn er weiß ganz genau die Nath des Kerns zu treffen und durch einen kleinen Druck beide Hälften auseinander zu sprengen. Er ist zwar sehr scheu, aber im Stehlen unverschämt frech, und während der Gärtner unter den Kirschbäumcn nmherschleicht, den dreisten Dieb zu ertappen, hält dieser sich247 tu den Kronen der Bäume unter den Blättern versteckt und sieht sich nach den besten Kirschen um. Sein Nest, das ans Wnrzelfasern, Grashalmen und dgl. besteht, baut er auf niedrige Laubbäumc und es enthält 3—5 Eier von der Farbe, welche wir oben angegeben haben. Der Dompfaff, ,Taf. X. Fig. 140) wegen seiner Dummheit auch Gimpel, oder wegen seines zinnoberrothen Ge fieders Blutfink genannt, gehört ebenfalls zu den Kernbeißern. Er ist oben aschgrau, unten schön roth (das Weibchen rothgrau), Scheitel, Flügel und Schwanz sind schwarz. Seine Nahrung besteht besonders in Nadelholzsümcrcicn, und sein Nest mit 4—5 bläulichen, braunroth punktirten Eiern befindet sich ans Buchen, Fichten oder Tannen, aber nicht sehr hoch, sondern stets in einer Höhe von 2— 6 Ellen. Man behauptet zwar, er sei so einfältig, daß man ihm beim Fressen mittelst einer langen Ruthe gemächlich eine Schlinge über den Kopf ziehen könne, ja er krieche zuweilen selbst unter daö Netz nach, welches seine so eben gefangenen Gefährten bedecke; indessen, diese Behauptung ist übertrieben, denn wir haben viele gewichtige Beweise für seine Klugheit. Ausgezeichnet ist der Dompfaff durch sein vortreffliches Sängertalent. Sein natürlicher Gesang ist Zwar höchst unangenehm und hat Achnlichkeit mit dem Knarren eines unge- schmicrtcn Schiebkarrens, aber einen künstlichen Gesang versteht er meisterhaft ttachznmachcn. Seine Töne sind rein und vollkommen, und mit seiner Flöten- stimme übertrifft er alle übrigen Sänger. Ein gut gelehrter Blutfink wird daher theuer bezahlt, und besonders beschäftigen sich viele Hessen und Tyroler mit der künstlerischen Ausbildung dieser Vögel. Es ist merkwürdig, wie der Dompfaff sich an seinen Herrn gewöhnt. Ein Vogclhändlcr verkaufte an eine Herrschaft einen solchen Vogel, den er schon Jahre lang besessen hatte, für eine schöne Summe; allein der Vogel trauerte in deni schöneren Käfig und der schöneren Stube, obgleich ihm reichlich Futter gegeben wurde. Er ließ keines seiner Lieder hören. Unwillig darüber ließ man den Vogelhändler kommen. Kaum erschieu öer schlichte Mann bei dem Vogel, als dieser mit heller Stimme seine Lieder ^schallen ließ, um seine Freude kund zu geben. Der Eigensinn ist die hervor ragendste Untugend dieses Vogels. Ich selbst erlebte es, daß ein Dompfaff aus Eigensinn kein Futter mehr berührte und in wenigen Tagen starb. Ein selbst but abgerichtetcr Vogel lauscht jedem scharfen cigcnthümlichcn Ton, und vergißt °si über eine schrillende Brnnncnwinde seine mühsam gelernten Lieder. Der Kreuzschnabel. (Taf. x. Fig. 14t) Md) Kreuzvogel oder Krünitz genannt, zeichnet sich aus durch die merkwür- öige Form seines Schnabels. Der dicke Obcrschnabel ist nämlich von der Wurzel au gekrümmt und schlägt sich an der Spitze seitwärts, entweder rechts oder links, über die Spitze des Unterschnabels, welche sich eben so nach oben krümmt. Die248 Zunge hat tut der Spitze die Gestalt eines Löffels und dient dazu, die Samen körner auszulecken. Die Füße sind kurz, aber stark und mit langen Nägeln ver sehen. Auf der Erde sind sie unbchülflich, aber im Fliegen zeigen sie große Geschicklichkeit. Ihr Gefieder ist mannichfaltig, und man findet hellrothe, grün gelbe, hellgraue, orangerothe und zinnobcrrothe Kreuzschnäbel. Die alten Männchen sind in der Regel roth, die Weibchen grüngelb. Sie bewohnen die nördlichen Gegenden der drei Erdtheilc, wandern aber der Nahrung wegen bald da-, bald dorthin. Zuweilen besuchen sie eine Gegend alljährlich, und bleiben dann auch wieder mehrere Jahre hintereinander ans. Sie leben gewöhnlich in großen Gesellschaften, sind aber nicht im mindesten scheu und lassen sich daher auch leicht fangen. Ja, ein Schwarm, wenn er auf einen Baum geflogen ist, hält oft mehrere Schüsse ans, ohne daß der Tod so vieler seiner Kameraden die übrigen zu verjagen vermöchte. Ganz gegen die Gewohnheit aller andern Vögel unseres Klima's nisten sie gerade in den kältesten Wintermonaten: December, Januar lind Februar. Ihr Nest ist sehr künstlich gebaut und inwendig mit einem Filz aus Moos überzogen. Mitten im Winter brüten sie darin. Nach Nahrung brauchen sie nicht zu suchen, denn die Fichtenzapfen hängen ihnen über dem Kopfe oder in das Nest hinein. Auch den Schnee haben sie nicht zu fürchten, denn das Nest wird zu jeder Zeit durch einen starken Ast, welcher über dasselbe hinweggeht, oder durch die bu- schichten Acstc gedeckt. Wie weise hat Gott alles dieses eingerichtet. Eine Fabel jedoch ist es, daß das Nest zur Abhaltung der Kälte inwendig und auswendig mit dem Harze der Nadclbänme beklebt wäre; das Weibchen müßte ja nothwcn- dig darin hängen bleiben, sobald es dasselbe durch ihre Brutwärme klebrig machte. Ihre natürliche Stimme ist unangenehm, doch lernen sic leicht allerlei Stückchen nachpfeifen, wie der Gimpel, und werden äußerst zutraulich. Der Grünling hat seinen Namen von seinem Gefieder, dessen Hauptfarbe gelbgrün ist, nur an an den Flügeln ist er hell- und dunkelgrau und am Schwänze schwarz gezeichnet. Er ist von der Größe unseres Sperlings und hält sich in unseren Gärten und Holzungen auf, nin ölige Sämereien und die Kerne der Vogel- und Wachholdcr- bccren aufzusuchen. Seine Stimme ist eben nicht angenehm, jedoch besser als die des Kreuzschnabels. Jährlich brütet er zwei bis drei Mal. Seine Eier sind silbergran mit braunen und violetten Punkten. Der Ammer oder Emmerling läßt sich besonders im Winter oft bei uns ans den Straßen sehen, wo er mit den Sperlingen umherhüpft und sich einige Körnchen sucht. Sein Gefieder ist in der Regel gelb und grau, am Schwänze schwärzlich, und seine Nahrung besteht in Insekten, Insektenlarven, Puppen, Rübsaat, Hanf, Lein, Mohn u. dgl. In249 ihrer ganzen Lebensart haben sie große Aehnlichkeit mit unfern Sperlingen; auch ihr Gesang ist nicht viel besser. Aber ihr Fleisch ist sehr schmackhaft und für die Leckermäuler ein beliebtes Gericht. Es gibt übrigens sehr viele Arten von Ammern; sie sind jedoch alle an ihrem kegelförmigen Schnabel kenntlich, dessen obere Kinnlade an der Spitze etwas zusammengedrückt ist; die untere hingegen ist an den Seiten etwas eingebogen. Der Goldammer (Taf. XI. Fig. 142), auch Gold» oder Gelbgäns- cheu genannt, ist unter den Emmerlingen am meisten verbreitet. Er ist etwas größer, als ein Sperling, hat einen goldgelben Kopf und Unterleib mit einzelnen braunen Strichen, einen olivcngrünen Nacken und einen schwärzlichen Rücken und Schwanz. Er sitzt gern auf Baumspitzen oder tief im Gebüsch. Im Herbste streift er ans den Stoppelfeldern umher, und kommt im Winter in die Dörfer und Städte-, um gemeinschaftlich mit den Sperlingen seine Nahrung zu suchen. Er nistet in Zäunen, im Gebüsch, auf oder über der Erde. Seine Eier sind schmutzig weiß mit hellbraunen Punkten. Der Gartenammer oder Ortolan ist oben olivenbraun, unten röthlich gelb, an der Kehle blaßgelb; die Schwung- und Schwanzfedern sind schwärzlich. In Deutschland findet er sich selten, zahlreicher im südlichen Europa. Sein Fleisch ist ganz vorzüglich, besonders wenn er mit Semmeln und Milch gemästet worden. In dieser Absicht sperrt man mehrere in ein dunkles Zimmer, in wel chem Tag und Nacht Licht brennt. Bei gutem Futter werden sie in kurzer Zeit ganz in Fett eingehüllt und oft 3 Loth schwer. Von der Insel Cypern aus ver schickt man sie faßweise in großer Menge. Der Rohrammer oder Rohrsperling ist von der Größe unseres Hans- spcrlings, oben braun und schwarz gefleckt, unten weiß; der Kopf ist beim Männchen schwarz und mit einer weißen Binde geziert, beim Weibchen ist der Kopf braun. Er hält sich gewöhnlich in sumpfigen Gegenden, an Teichen und Seen, im Rohr und Schilf auf und läßt den ganzen Tag hindurch seine eintönige, ^'cr durchdringende Stimme vernehmen. Daher auch das Sprichwort: „Er schimpft wie ein Rohrsperling!" was von einem Menschen gesagt wird, der ohne Ueberlegung über Alles abnrtheilt. Der Rohrsperling nistet int Schilf, und schmutzig weiße, schwarzbraun gefleckte und grüngelb punktirte Eier. Im Winter verläßt er uns und zieht nach wärmeren Gegenden hin. Der Fink. Zu dem Finkengcschlechte gehören mehrere kleine sperlingsartige Vögel. Sie haben alle einen mehr oder minder starken Schnabel, der die Form eines Kegels hat und am Ende zugcspitzt ist. Sie sind nicht scheu und werden nach den Hühnern am leichtesten zahm. Ihre Hauptnahrung besteht in Getreide und in250 allerlei Sämereien, doch verschmähen sie auch Insekten nicht, und einige Arten füttern ihre Jungen einzig und allein mit denselben. Ihr Gesang ist angenehm und daher sind sic fast alle als Stubcnvögel beliebt. Unter den einheimischen Finken ist zunächst zu erwähnen der Edelfink, (Taf. XI. Fig. 143) auch Buch- oder Roth fink genannt. Er ist oben braun und am Unterrücken grünlich. Das Männchen ist am Kopfe aschblau, unten weinroth, das Weibchen ist gräulich. Er findet sich in ganz Europa und schweift in allen Waldungen umher. Sein Gesang ist munter und leidet mancherlei Abänderungen. Geübte Ohren wollen deutlich : Musketier, Malvesier, Ritschebier u. s. w. verstehen. Durch Kunst läßt sich seine Stimme sehr veredeln, und ein gut gelehrter Buch fink wird ziemlich theuer bezahlt. Sein Nest ist auf den Aesten der Bäume mit Haaren und Fasern sehr geschickt anSgcflochtcn und sieht wie eine oben eingedrückte Kugel aus. Inwendig ist cs mit Moos, Wolle und Federn sorgfältig aus- gcpolstert; auswendig ist cs mit Banmflcchten umstrickt, so daß cs, wenn man unten am Baume steht und hinauf sicht, schwer zu finden ist. Es enthält 3—5 hellbläulich grüne, braun gestrichelte Eier. Die meisten Buchfinken ziehen im October fort nach südlichen Gegenden; die altern Männchen bleiben jedoch bei uns und treiben sich mit den Sperlingen und Ammern auf unseren Hühnerhöfen und Straßen umher. Unter sich sind sie sehr zänkisch und eifersüchtig, und dieses benutzt der Vogelfänger, um ihrer habhaft zu werden. Er legt nämlich einem schon gefangenen Finken, dem die Flügel gestutzt sind, eine Leimruthe über den Rücken und läßt ihn unter einen Baum hüpfen, den ein anderes Buchfinken männchen zu seinem Standplatz erwählt hat. So wie' dieses den auf der Erde herumhüpfeuden Nebenbuhler erblickt, so fällt cs grimmig über ihn her, um ihn zu vertreiben. Aber eben dieser Grimm bringt cs in die Hände des Vogel fängers, denn indem cs auf seinen Feind losstürzt, bleibt cs mit seinem Gefieder an der Leimruthe hängen. Vielfach wird der Buchfink auch von Raubvögeln ver folgt. Bei diesen Verfolgungen soll er sich aber sehr klug benehmen. Man er zählt nämlich, daß er in dem Augenblicke, wo er einen Raubvogel herabschießen sieht, seinen Kopf in Moos oder Koth stecke und den Schwanz in die Höhe strecke, so daß der Feind ihn nicht erkennt, oder doch nichts von ihm zu packen bekommt, als die Schwanzfedern. Der Bergfink, auch Wald-, Tannen-, Winter-, Goldfink genannt, ist auf dem Kopfe, im Nacken, auf dem Rücken und an der Kehle schwarz mit Rostfarbe, unten ist er rostroth- gclb; die Flügcldcckfedern sind orangcgelb; die Schwungfedern dunkelbraun und die Schwanzfedern schwarz. Er nistet selten in Deutschland, durchstreicht aber251 im Herbste und Winter, wo er südwärts zieht, in so ungeheuren Schaaren die Luft, daß man glauben sollte, es zögen lange Wolken dahin. Der Stieglitz oder Distelfink hat seinen Namen von seiner Licblingsnahrung, welche besonders in Distelsamen besteht. Er ist einer der niedlichsten europäischen Vögel und zeichnet sich sowohl durch seinen Farbenschmnck, als durch seine Wohlgestalt aus. Sein Kopf ist schön schwarz mit scharlachrother Stirn, und ans gleiche Weise ist der Schnabel eingefaßt; der Rücken ist braun, die Flügel sind sammctschwarz mit gelben Spiegeln, die untern Thcile sind weiß, an der Brust zimmetbraun. Er hat eine angenehme Stimme und hält sich am liebsten an baumreichen Orten auf. Sein Nest pflegt er in die Krone der Obstbäume aus Moos und zarten Wurzelfascrn zu bauen und inwendig mit Distel-, Pappclwolle und Haaren auszupolstern. Er ist sehr zahm und gelehrig und lernt im Käfig sein Getränke selbst in einem Eimerchcn oder Fingerhut mit dem Schnabel und den Füßen Heraufziehen. Auch lernt er eine Kanone abfeuern, Schildwache stehen, sich todt stellen u. dgl. m. Den größten Theil des Jahres hindurch bleibt er bei uns; wird cs ihm aber im Winter gar zu kalt und füllt Schnee, so zieht er fort. Der Hänfling. Der Hänfling ist wegen seines Gesanges allgemein beliebt und wird daher häufig als Stubcnvogel gehalten. Sein Gefieder ist oben rostbraun, mit schwar zen, weiß gesäumten Schwung- und Schwanzfedern; am Unterleib ist er weißlich, Brust und Scheitel des alten Männchens sind schön roth. Dieses Roth zeigt sich erst im zweiten Jahre und zwar in einzelnen Pünktchen; erst vom dritten Jahre an sind Stirn und Brust von blutrother Farbe. Er wird daher auch öon dieser Zeit an Bluthänfling genannt. In seiner Lebensart hat er große Sehnlichkeit mit dem Distelfink. Sein Nest hat er im Gebüsch, in Gärten und ^lbst unter Dächern; seine Eier sind bläulichweiß mit gelben Flecken. Er ist sihr gelehrig und lernt in kurzer Zeit künstliche Melodien mit angenehmer Stimme vortragen. Der Zeisig, ^>ch Erlfink genannt, ist der kleinste unter den einheimischen Finken. Sein Gefieder ist oben olivengrün, unten gelb; der Scheitel ist schwarz, Flügel und Schwanz sind schwarz mit gelb. Er liebt besonders waldige Gegenden und nährt sich von dem Samen und den Knospen der Nadelbäume, von Insekten, Pflanzen- 'lättcrn u. dgl. Sein Nest baut er sehr künstlich, und versteckt cs in die Krone er Badelbäumc, so daß es kaum zu finden ist. Es befinden sich darin 5 — 6 Ranweiße, purpurbraun gefleckte Eier. Im Sommer kommt er aus den Tan nenwäldern nicht viel heraus; im Winter jedoch zeigt er sich in großen Schaaren,252 und zuweilen sind ganze Bäume von ihnen bedeckt. Sein Gesang ist angenehm und seine Gelehrigkeit groß. Er lernt in einem Rade laufen, er zieht sich sein Trinkwässer selbst in den Käfig hinauf, und holt sein Futter in einem leichten, ans Kartenblättern zusammengefügten Wagen herbei. Der Kanarienvogel. <Tas. XI. F,'g. 144.) Der Canarienvogcl führt seinen Namen von seiner Abstammung ans den canarischen Inseln, von wo man ihn im 16. Jahrhundert nach Europa brachte. In seinem Vaterlande fliegt er frei in den Wäldern umher; auch auf der Insel Elba soll er im Freien leben und sich vermehren, was bei uns nur im Sommer möglich wäre; denn im Winter würde er jedenfalls umkommen. In seiner Hci- math hat er eine beständige Farbe; aber bei uns ist diese sehr verschieden. Es gibt graue oder graubraune und weiße, gelbe, schwärzliche und braunrothe. Bringt man Männchen und Weibchen in einen großen Käsig zusammen, so paaren sie sich miteinander, bauen sich ein Nest und das Weibchen legt 3 — 6 Eier hinein. Wenn der junge Hahn 14 Tage bis 4 Wochen ans dem Neste und völlig flügge ist, fängt er anhaltend an zu zwitschern; dagegen das Weibchen jetzt nur noch einen einförmigen Lcrchcnton von sich gibt. Im Alter von einem halben Jahre wandelt sich das Zwitschern des Hahns in einen schönen durch dringenden Schlag, das Weibchen dagegen, wenn es überhaupt singt, zwitschert stets in abgebrochenen unharmonischen Strophen. Nur ausnahmsweise gibt cs Weibchen, die fast so laut und ausdauernd singen als Männchen, so daß sie fast mit diesen verwechselt werden können. Die Männchen schreien zur Zeit der Paarung oft so stark, daß ihnen die Lungcnadcrn zerspringen, und sic mitten im Gesänge tobt vom Springholze herabfallcn. Die Canaricnvögcl lassen sich mit andern Vögeln aus dem Geschlecht der Finken, z. B. mit Hänflingen, Buchfinken, Stieglitzen, paaren und bringen dann Bastarde hervor, welche oft außerordentliche Stimmen besitzen. Der Klang musikalischer Instrumente, das Wetzen von Messern und überhaupt jedes Geräusch um sie her reizt sie zum Schlagen. Sie singen fast das ganze Jahr hindurch, ausgenommen in der Mauserzcit; lernen auch den Gesang anderer Vögel, selbst den der Nachtigall, wenn sic denselben in der Jugend hören. Ucberhanpt sind sie sehr gelehrig und lassen sich zu allerlei Künsten abrichtcn, als: Zahlen und Farben zu unterscheiden, sich tobt zn stellen, Complimentc zu machen u. s. w. Ein Vogel, der nicht zur Hecke verwendet wird, kann 20 Jahre alt werden, verliert aber im Alter viel vom Gesänge und der Schönheit seiner Farben, bekommt eine zerrissene Haut, anch wohl das Podagra, wird blind und verliert ganz seine Stimme. Ein Hahn, den man jährlich zur Hecke bringt, wird selten über 10 Jahre alt. Alte Canaricnvögcl unterscheiden sich von jungen in Farbe und Gesang. Ein alter Vogel hat eine tiefere und lebhaftere Farbe, als ein junger. Vögel, die zweimal das Mausern Überstunden haben, sind weit besser bei Fleisch und Kräften, als junge. Hähne singen nichteher recht, als bis sie ein halbes bis ein Jahr alt sind. Das Männchen unter scheidet sich von dem Weibchen auch durch seinen Wuchs: seine Gestalt ist schlanker, sein Kopf größer und länger, die Brust breiter als beim Weibchen. Man füttert die Canaricnvögel, am besten mit Sommer-Rübsamcn, Hanfsamen, Mohn-, Hirse- oder Canariensamen und gibt ihnen zur Abwechselung etwas Bogelmier, Salat, Kreuzwurzel, oder auch ein Stückchen Zucker. Die Canarienvögcl siud manchen Krankheiten ausgesctzt, worüber wir noch einige Bemerkungen beifügen wollen. Wenn man an einem Vogel bemerkt, daß ihm der Leib aufschwillt und voller rothcr Aederchcn ist, auch das Futter, welches er in Menge frißt, nicht verdaut wird: so heißt man dieses Uebel den Bruch. Um nun diese Krankheit zu heilen, legt man ein Stückchen Eisen in das Trink wasser und gibt dem Kranken alle Morgen Brodkrümchen in Milch aufgekocht. Nach fünf Tagen legt man eine Linse groß Theriak in das Wasser und füttert mit Salatsamen. Gegen das Uebel, welches man die Darre nennt, ist kein anderes Mittel, als daß man das kleine Geschwür auf dem Steiße mit einer kleinen Scheere öffnet und die Wunde mit Zucker bestreut. Auch am Durchfall leiden bisweilen diese Vögel. In diesem Falle füttert man das hartgekochte Gelbe eines Eies. Ihre Gesundheit wird auch dadurch erhalten, daß man ihnen bisweilen Salat, Vogelkraut rc. zum Futter gibt, und für die Reinlichkeit des Käfigs sorgt. — Der Fliegenfänger, oder Fliegenschnäpper, nährt sich bloß von fliegenden Insekten, die er im Fluge erhascht; aber niemals sucht er seine Nahrung auf der Erde. Er gehört zu den Zugvögeln und bleibt nur vom Mai bis August bei uns. In Deutsch land kennt man 4 Arten, von welchen der gefleckte Fliegenfänger am be kanntesten ist. Er sieht oben mäusegrau, unten weißlich aus und hat auf den Flügeln einen weißen Fleck und einen gleichfarbigen Streifen auf den Schwanz federn. Er hält sich am liebsten in Nadelholzwaldungen und in Gärten auf und »ährt sich mit Fliegen, Bremsen, Mücken, Schmetterlingen u. dgl. Die Land leute halten ihn auch wohl in ihren Stuben zum Wegfangen der Fliegen. Sein besang ist schlecht und besteht in einem eintönigen Schircck oder Schiteck. Sein kunstloses Niest besteht aus zarten Wurzeln, Moos, Federn und Wolle und ent hält I — 5 bräunlich gewässerte Eier. Die Motacillen. Mit diesem Namen bezeichnet man in der Naturgeschichte gegen 200 Gat- lungcn von Vögeln, unter welchen die besten Sänger sich befinden. Sie haben "llc einen dünnen, geraden, pfriemenförmigen Schnabel und nähren sich von allerlei Insekten, Larven, Puppen und kleinen Würmern; bisweilen suchen sie "uch saftige Beeren ans. In Deutschland befinden sich über 26 Gattungen.254 Die meisten von ihnen sind Zugvögel und ziehen sich bei eintretendcr Kälte in wärmere Gegenden zurück. Vor allen übrigen erwähnen wir zuerst dic Nachtigall, (Taf. XI. Fig. 145) die ihres herrlichen Gesanges wegen mit Recht die Königin der Sänger genannt wird. Ihr Gefieder ist oben rostgrau oder rostbraun, unten granweißlich und am Schwänze braunröthlich. Sic hält sich am liebsten in dichten Laubhölzcrn, in Gärten und in der Nähe von Bächen ans. Von Menschen läßt sie sich gern belauschen und daher besucht sie auch dic Plätze, wo recht viel Menschen lust wandeln. Die Veränderung liebt sic eben nicht, sondern sie findet sich immer da wieder ein, wo sie einmal gewesen ist. Wird sie aber gestört und von muth- willigen Knaben verfolgt, so entfernt sie sich sogleich und kommt nicht wieder an den Ort hin, wo man sic in ihrer Ruhe störte. Sie ist ein Zugvogel und findet sich in der Regel in der Mitte April bei uns ein. In südlicheren Ländern, z. B. in Frankreich, hört man sic schon im Anfänge des März und in Sicilicn noch weit früher. In der Mitte August zieht sie wieder fort nach Afrika. Ans der Wanderung, welche sic stets bei Nachtzeit macht, ist sic immer stumm. Die Männchen treffen in der Regel einige Tage früher bei uns ein, als dic Weibchen und stellen namentlich des Abends Wettgesänge miteinander an, um die während der Nacht vorüberziehcnden Weibchen an sich zu locken. Diese wählen sich die jenigen Männchen zuerst, welche am schönsten singen. Dem Anschein nach kostet es dem kleinen Sänger viele Anstrengung, sein Lied ertönen zu lassen; doch sind bei ihnen die Muskeln der Kehle stärker, als bei jcdcin andern Singvogel. Haben Männchen und Weibchen sich gepaart, so hört man ihren Gesang Nachts weniger, aber um so mehr bei Tage, und während das Weibchen brütet, sucht ihm das Männchen ans dem nahen Baume die Mühe zu versüßen, oder warnt es vor Gefahren. Gegen Ende des Junius hat ihr Gesang ein Ende und man hört dann bloß die Jungen zwitschern, welche ihre Stimme ansznbilden suchen. Ihr Nest bauen die Nachtigallen in dichtes Gebüsch, nicht hoch von der Erde. Es ist eben nicht kunstvoll und besteht aus Banmblättcrn, Gräsern und Wurzeln, inwendig mit Haaren und Wolle ausgefüttert. Es enthält 4 — 6 olivengrüne Eier, welche Männchen und Weibchen gemeinschaftlich ansbrüten. Ihre Nahrung besteht in Ameiseneiern, den Larven der Maikäfer, Fliegen, Raupen, in Johannis- und Hollunderbeercn. Dic Nachtigallen sind außerordentlich neugierig, und wenn man im Garten ein Loch gräbt, so kommen sie sogleich herangehüpft, uni cs in Augenschein zu nehmen. Aber eben ihre Neugierde gereicht ihnen auch znin Verderben. Um eine Nachtigall zu fangen, braucht man nur in ihrer Nähe den Boden aufznkratzen und ein Schlagnetzchen, woran ein Mehlwurm zappelt, dahin zu stellen. Auch mit Leimrnthcn läßt sie sich leicht fangen. Doch warum sollen wir diesen schönen Sängern nicht ihre Freiheit lassen? Ihr rührendes Lied, das sie in freier Luft erschallen läßt, tönt bei weitem schöner, als das gellende255 Geschmetter, das sie, in den Käfig gesperrt, vernehmen läßt. Die gefangenen Nach tigallen sperrt man gewöhnlich in einen dunkeln Käfig, der wenigstens 1'/, Fuß groß sein und reinlich gehalten werden muß. Mehlwürmer, Fliegen, Käfer, Regenwürmen und Ameiseneier werden unter das Futter gemengt. Um immer frische Mehlwürmer zu haben, legt man in einige Töpfe, die mit Weizenklcie, Gersten- oder Hafcrschrot gefüllt sind, Zuckerpapicr und alte Stückchen Schuh- ledcr hinein. Bleiben dann die hineingethanen Mehlwürmer einige Wochen ruhig stehen und legt man zuweilen einen wollenen, mit Bier angefeuchteten Lappen darüber, so verpuppen sich viele und werden zu Käfern, die dann wieder Eier legen, ans welchen sich Mehlwürmer erzeugen. Man darf aber der Nachtigall täglich nicht mehr als 2 — 3 solcher Würmer geben. Das wohlfeilste Futter für Nachtigallen sind Hollnnderbeercn, die man, wenn sie recht reif sind, trocknet und dann mit heißem Wasser erweicht füttert, entweder mit Mehlwürmern oder Ameiseneiern. Die ungarische oder Wiener-Nachtigall, auch Sprosser-Nach tigall genannt, ist größer und hat einen stärkeren Schlag, der indessen nicht so angenehm ist, als der Gesang der gewöhnlichen Nachtigall. Sie hält sich im östlichen Europa aus. D e r M ii » ch ist von der Größe eines Haussperlings, oben dnnkelaschgrau, unten etwas heller; der obere Theil seines Körpers ist ganz schwarz und dieses gibt ihm das Ansehen eines Klosterbruders. Daher auch sein Name Mönch oder Klosterwenzel. Am liebsten hält er sich in dunkeln Laubhölzern auf und läßt dort fleißig seinen vor treffliche,, Gesang hören. Die Grasmücke. Es gibt mehrere Arten von Grasmücken, welche alle zu den besten ein heimischen Sängerinnen gehören. Am bekanntestenist die gemeine Grasmücke, die sich in unfern Gehölzen und Strauchwerken vielfach umhertreibt. Sie ist oben röthlich aschgrau, auf den Flügeln rostfarbig, unten weißlich. Ihr Gesang 'st lieblich und sie läßt ihn meistens im Fluge vernehmen. Eine andere Grasmücke führt den Namen Müllerchen, weil sie bei ihrem ^osang fortwährend die Töne klap, klap, klap hören läßt, die wie das Klappern einer Mühle klingen. Sonst wird sie auch Weißkehlchen genannt. Sie ist "'cht größer als der Zaunkönig, oben röthlich aschgrau und unten weiß. Am liebften hält sie sich in kleinen Gesträuchen oder in Obstgärten auf, wo sie mit 0'ner außerordentlichen Geschwindigkeit in den höchsten Spitzen der Bäume herum- ö"ft. Ihr Nest hat sie gewöhnlich in Hecken und Stachelbeersträuchern; es256 enthält 4 — 6 weiße, gelblich braun gefleckte Eier. Im Monat September ver läßt sie uns und kommt im April zurück. Das R o t h l e h l ch c n ist von der Größe der Nachtigall; oben olivenbraun, an der Kehle und Brust orangeroth. Es hält sich in Gärten, Hecken und Wäldern auf und hat einen feierlichen melancholischen Gesang, den es besonders in den Morgen- und Abend stunden erschallen läßt. Uebrigens ist cs nicht im mindesten melancholisch, viel mehr sehr munter und lebhaft und den ganzen Tag in Bewegung, und sucht sich Fliegen, Mücken, kleine Würmer und allerlei Larven. Sein Nest hat es in Erd höhlen, Maulwurfslöchern, unter Baumwurzeln re. Es enthält 4—5 gelblich weiße, rothgclb punktirte Eier. Gegen den Menschen ist das Rothkehlchen sehr zutraulich und es fängt ihm in kurzer Zeit alle Fliegen im Zimmer weg. Im October oder November verläßt es uns, kehrt aber schon im Mürz zurück. Ein zelne nur bleiben den Winter über bei uns, werden aber gemeiniglich von Raub vögeln weggcfangen, so daß sic das nächste Frühjahr nicht erleben. Auch wird ihnen, ihres schmackhaften Fleisches wegen, eifrig nachgcstellt und viele finden, der Feinschmecker wegen, ihren Tod. Das Blaukehlchen. Das Blaukehlchen hat sehr große Aehnlichkeit mit dem Rothkehlchen; nur hat cs eine glänzend himmelblaue Kehle und Vorderhals, einen aschgranbraunen Oberleib und einen rostrothen, am Ende schwarzen Schwanz. Dieser Vogel ist sehr scheu und hält sich meist in den Thälcrn gebirgiger Gegenden ans. Sein Gesang ist sehr verschiedenartig, aber die Silben tak, tak, und sied, sied tönen immer durch. Ans der Erde ist er sehr schnell und gleicht in seinem Betragen sehr viel der Bachstelze. Seine Nahrung besteht besonders in Insekten und Würmern. Er nistet gewöhnlich auf dem Boden und hat 5 — 6 bläulich grüne Eier. Das Rothschwänzchen. Es gibt zwei Arten von Rothschwänzchen, das Baumrothschwänzchen und das Hausrothschwänzchcn. Das Baumrothschwänzchen ist oben braun, an der Kehle schwarz, am Unterhalse, an der Brust und ain Schwänze hell rostroth. Man findet cs zicnilich häufig in unseren Holzungen und Gärten. Den Schwanz hat es fortwährend in Bewegung, und indem cs von einem Baume zum andern hüpft, lockt es witicktick. Seine Nahrung besteht in Fliegen, Mücken, Raupen, Schmetterlingen, Johannis- und Hollnnderbeerc». Im October verläßt es uns und zieht in wärmere Gegenden.257 Das Hausrothschwänzchen ist obcn dnnkclaschgrau mit schwarzer Kehle und Brust, der Unterleib ist weißlich und der Schwan; gelblich rostroth mit zwei dunkelbraunen Mitteifeder». Es hat einen melancholischen Gesang und laßt diesen oft von den Dächern der Häuser oder vom Wctterhahn herab vernehmen und zwar bis in den October hinein, wo cs unsere Gegenden verläßt. Seine Lock- stimmc klingt widtacktack. In seiner Nahrnngsweise gleicht cs dem Baumroth- schwünzchen. Sein Nest hat es in Mauerlöchern, unter den Balken der Häuser oder auch in Felscnritzen und es enthält 5—6 weiße Eier. Die B a ch st c l z c (Taf. xi. Fig. 146) hat ihren Namen von ihrem Licblingsanfenthaltc an Bächen und kleinen Gewässern. Sie wird auch Ackermännchen genannt, weil sic hinter dem Ackersmann herläuft und die Insekten und Würmer aufsucht, welche sein Pflug aufgescharrt hat. Sie zeichnet sich durch ihre hohen Füße und durch ihren langen Schwanz ans, der unaufhörlich ans und nieder sich bewegt. Im Laufen ist sie sehr schnell und im Fluge beschreibt sic eine bogenförmige Linie. Sic ist nicht scheu, sondern sehr zutraulich und sucht gern die Gesellschaft der Menschen auf. Man unterscheidet drei Arten von Bachstelzen. Die weiße Bachstelze ist obcn aschgrau, unten weiß, Hinterkopf, Nacken und Borderhals sind schwarz. Sie findet sich bei uns sehr häufig und reinigt unsere Acckcr von allerlei Insekten und Larven. Gegen niedrig fliegende Raub vögel zeigt sie sich sehr mnthig, sic verfolgt sie oft mit großem Geschrei und vereitelt ihnen die Jagd ans andere kleine Vogel. Im October sammeln sic sich mit großem Geschrei und schicken sich zu ihrer Abreise an. Ihre Vermehrung ist sehr stark, denn sic nisten unter Dächern, in Holz-, Reisig- und Steinhaufen drei Mal jährlich. Die Eier sind bläulich weiß mit schwarzen Punkten. Die graue Bachstelze ist oben aschgrau und olivengrün, an der Kehle schwarz und am ganzen Unterleibe schwefelgelb. Sic ist scheuer und vorsichtiger, als die vorige und findet sich mehr im wärmeren Europa. Die gelbe Bachstelze ist obcn röthlich grau und am Unterleibe schön goldgelb. Der Weidenzeisig. Die Zeisige überhaupt sind kleine zarte Vögelchen von schlankem Körperbau. Sie kommen selten ans die Erde und halten sich meist in den Zweigen der Bäume und Gebüsche auf, wo sic mit großer Geschicklichkeit herumhüpfcn. Auch werden Veumer'S Naturgelchichtc. 17sie leicht zahm und lassen sich zum Singen, oder zu allerlei Kunststückchcn abrich- ten. Der eigentliche Weidenzeisig ist oben olivengrün, unten gelb; der Scheitel ist schwarz, Flügel und Schwanz sind gelblich schwarz. Er ist kaum über 5 Zoll lang, hat aber eine angenehme Stimme. Seine Nahrung besteht in Mücken, Fliegen, kleinen Käfern n. dgl. Sein Nest hat er ans flacher Erde hinter einem Erdkloße oder Maulwurfshügel. Im October verläßt er uns, kommt aber schon in der Mitte des März zurück. Der Zaunkönig ist nächst dem Goldhähnchen der kleinste europäische Vogel, denn er mißt kaum 3 Zoll. Sein Gefieder ist oben rothbrann mit dunkeln Qncrstrcifcn, unten hell braun. Er ist äußerst lebhaft und schlüpft wie eine Maus durch alle Ritzen, um kleine Insekten anfznsnchcn. Am meisten hält er sich in Wäldern und Gärten auf und läßt sich auch nicht durch die Kälte vertreiben; vielmehr flattert er sin gend von Zaun zu Zaun und weiß zu allen Zeiten seine Nahrung ausfindig zu machen. Sein Nest, das ans Moos, zarten Wurzeln, Wolle und Federn besteht, findet sich in Bäumen, in Erdhöhlen, unter Dächern und im Gebüsch und ist fast ganz zngebant. Nur durch ein kleines Eingangsloch schlüpft das Weibchen hinein und legt 6—11 weiße, röthlich pnnktirte Eier. Das Goldhähnchen. (Taf. xi. Fig. 147., Dieses niedliche Thicrchcn ist unter allen europäischen Vögeln das kleinste, denn es ist kaum 3 Zoll groß. ES hat einen safrangelben Scheitel mit goldgel ber Einfassung und die Stelle rings um das große dunkle Auge ist weißgran. Der obere Theil des Körpers ist gräulich olivengrün, der untere schmutzig weiß. Gewöhnlich treibt cs sich in der Gesellschaft der Meisen und Vanmlänfcr umher und nährt sich von Insekten und deren Larven, im Winter jedoch auch von Sä mereien. Da cs von der Natur mit weichen, dichten Federn bekleidet ist, so läßt es sich durch die Külte nicht verdrängen, sondern bleibt den Winter über bei uns. Sein Nest, das aus Moos und zarten Pflanzenfasern gebaut ist, hängt es an die Zweige der Fichten und Tannen, und cs enthält 3 — 0 weiße Eier, die blaßroth und nicht größer als Zuckererbsen sind. Der Schneidervogel ist nicht bei uns zu Hanse, sondern hat Ostindien zu seinem Vatcrlande und in der Farbe große Aehnlichkeit mit unscrm Weidenzeisig. Er ist sehr klein, kaum drei Zoll groß, und besonders merkwürdig durch seine Geschicklichkeit in Verfertigung seines Nestes. Dieses schneidert er gleichsam zusammen in Gestalt einer Düte,259 aber nicht aus Tuch, sondern aus Baumblättern. Er sucht sich nämlich an der äußersten Spitze eines Zweiges, wo er sich und seine Jungen vor den Nachstel lungen der Affen, Schlangen und anderer Raubthiere sicher glaubt, ein Blatt. Dieses Blatt selbst macht die Rückseite oder Hinterwand des Nestes ans. An dasselbe näht er nun ein anderes Blatt, indem er mit seinem Schnabel ein Loch hineinbohrt und Baumfasern durchzieht, um cs an der Hinterwand zu be festigen. Im Innern füttert er das dütcn- oder bcntclförmigc Nest mit Baum wolle ans und das Weibchen legt dann ihre weißen Eierchen hinein, die so groß wie Zuckererbsen sind. Die Meise. Das Geschlecht der Meisen ist eben nicht groß; denn man kennt von ihnen nicht mehr als 30 Gattungen, von welchen 7 in Deutschland einheimisch sind. Sic haben einen spitzen, etwas zusammengedrücktcn Schnabel, der an der Wurzel mit Borsten bewachsen ist. Es sind höchst unruhige, kecke und listige Geschöpfe, die in großen Gesellschaften leben, aber sehr streitsüchtig und zänkisch sind. Sie sind nicht nur unter sich fortwährend in Streit, sondern sie fallen auch andere kleine, kranke und schwache Vögel an. Im Klettern zeigen sie große Geschicklich keit und laufen nach allen Richtungen hin an den Zweigen der Baume umher, jedoch an den Stämmen klettern sic nicht hinauf. Im Fluge beschreiben sie eine wellenförmige Linie und machen ein schnurrendes Geräusch. Ihre Nahrung besteht in Insekten, deren Larven und Eiern; im Winter suchen sie auch Sämereien ans. Ihre Vermehrung ist sehr stark, denn sic legen gegen 20 Eier, welche das Weib chen allein ausbrütet. Sic lassen sich zwar sehr leicht fangen, aber ihre Freiheit ist ihnen so lieb, daß sic in der Gefangenschaft gewöhnlich nach wenigen Stunden vor Grain sterben. Der Winter vertreibt sic nicht, sondern sie bleiben bei der strengen Kälte bei uns. Unter den verschiedenen Arten von Meisen sind folgende die merkwürdigsten: Die Kohlmeise (Taf. XI. Fig. 148) ist ungefähr von der Größe des Nothkchlchcns. Sic hat einen glänzend schwarzen Kopf mit weißen Schläfen und cine schwarze Kehle; der Oberleib ist olivcngrün, der Unterleib gelb. Sie hält sich meistens in Waldungen und Gärten ans, und nistet in Baumlöchcrn und Spalten. Ihre Eier, deren das Weibchen 14—18 legt, sind weiß mit rothcn Punkten und Strichen. Sie läßt sich namentlich im Frühling vielfach hören und ihre Stimme ist abgebrochen', aber nicht unangenehm. Scheu ist sic nicht, sie sucht vielmehr absichtlich die Gesellschaft der Menschen auf und kommt im Winter sUbst an unsere Fenster. Aber sic ist sehr boshaft und feindselig, und wenn man die Hand nach ihr ansstreckt, so hackt sie mit ihrem Schnabel unsanft hinein. Läßt man sie mit Lerchen, Sperlingen oder andern kleinen Vögeln im Zimmer 17 «260 herimihiipfcii, so fällt sie über ihre Gesellschafter her, mordet sic und hackt ihnen das Gehirn aus. Man hat sogar Beispiele, daß sie schlafenden Kindern die Augen aushackte. Die Blaumeise ist kleiner als die vorige, oben olivengriin, unten gelb; Scheitel, Flügel und Schwanz sind schön himmelblau, Stirn und Schlafe weiß. In ihrer Lebensart gleicht sie der Kohlmeise. Sie baut ein einfaches Nest, wel ches sich gewöhnlich in Baumlöchern befindet und 14—16 röthlich, braun gefleckte Eier enthält. Die Tannenmeisc ist am Kopf, am Halse und an der Brust schwarz, am Obcrlcibe aschgrau und am Unterleib schmutzig weiß. Sie hält sich meist in Na delwäldern ans und nährt sich von Fichten- und Tannensamen. Ihr Nest hat sic in Banmhöhlen, in Maulwurfs-, Maus- und Mancrlöchern und enthält weiße, gelb gefleckte Eier. Gegen den Menschen ist sic so kirre, daß man sic sehr leicht fangen kann, wenn man sic nur mit einer Leimruthe berührt, die an einer Fang- rnthc befestigt ist. Die Haubenmeise ist oben braun, unten weiß und ist leicht erkennbar an der schwarzen, von weißen Federn eingefaßten Haube, welche sie ans ihrem Schei tel trügt. Sic hält sich nur in Nadelhölzern auf und nährt sich von Insekten und Tannensamen. Die Schwanzmeise zeichnet sich ans durch ihren langen Schwanz und ist oben schwarz, unten weiß. Sic ist sehr verträglich und hat nichts von dem bos haften Naturell der übrigen Meisen an sich. Sic baut ein schönes, länglich-run des, oben gedecktes Nest, das zur Seite ein Eingangsloch hat. ES ist entweder an einen Banmschaft gelehnt, oder steht ans einem Aste. Auswendig besteht cö ans Baunisicchten und LanbmovS, welche mit Spinnengewebe überzogen sind; im Innern ist cs mit Wolle und Federn ausgcpolstert. Die Eier, 14—15 an der Zahl, sind weiß und am obern Ende röthlich gefleckt. Die Bcutelmeise (Taf. XI. Fig. 149) ist am Kopf, an den Flügeln und dem Schwanz roth, ain Unterlcibe aschgrau. Alan findet sic häufig im südlichen Europa, in Polen und Rußland. Sic baut ein sehr künstliches Nest aus Pappel- wollc, Graöstcngeln und Hanffäden und hängt es an einem dünnen Ziveige in der Nähe eines Gewässers auf. Es hat die Form eines Beutels und enthält 5 weiße, röthlich grau gewölkte Eier. Die Schwalbe». Die Schwalben sind wahre Lnftsegler und in Gewandtheit und Schnelligkeit des Fluges fast allen Vögeln überlegen. Sie kommen daher auch sehr selten auf261 die Erde, etwa nur um Materialien zum Ban ihrer Nester zu sammeln. Sonst sind sic fortwährend in Bewegung, trinken und baden sich fliegend, indem sie ans Wasserflächen hinstreichen oder sich eintauchen. Ihre Nahrung besteht einzig aus Insekten, die sic fast alle im Fluge auffangen und ganz verschlucken. Ihr Schna bel ist daher sehr kurz, aber breit und kann sich ungewöhnlich weit öffnen. Sic fliegen jedoch nicht mit offenem Schnabel, sondern öffnen diesen nur, wenn sie ein Insekt erblicken, und schießen dann pfeilschnell ans dasselbe los. Ihre Flügel sind sehr lang und stark und ganz dazu eingerichtet, die Lüfte zu durchsegeln. Durch Vertilgung vieler schädlichen Insekten sind sic äußerst nützliche Thiere; namentlich reinigen sie die Luft von Fliegen, Motten, kleinen Raubkäfern, fliegenden Ameisen u. s. w. Anfangs oder Mitte Septembers verlassen sie uns und ziehen nach Afrika. Früher glaubte man, daß ein Thcil von ihnen den Winter in Sümpfen, in hohlen Bäumen, in Felsen und ödem Gemäuer zubringe, wo sie erstarrt liegen blieben bis zum Frühjahre, wie die Igel, die Siebenschläfer und andere Thiere; aber diese Sage ist falsch. Allerdings findet man bisweilen einzelne Schwalben im Schilf während der Winterzcit tobt. Man findet auch wohl mehrere zusam men auf einem Klumpen; ja, man kann sogar bisweilen einzelne wieder beleben, aber der daraus gezogene Schluß ist falsch. Einzelne Schwalben verspäten ihre Abreise, weil sie krank, schwach oder nicht ganz flügge sind, um die große Reise nach Afrika hin sogleich mitmachcn zu können. An Seen und Teichen halten sic sich noch eine Zeit lang ans, werden aber von dem Winter überrascht lind kom men vor Hunger und Kälte um. Zuweilen kann man auch im zeitigen Herbste eine Schwalbe noch lebend int Sumpfe oder im Schilfe finden, und bringt man sie in ein mäßig erwärmtes Zimmer, so erholt sic sich vielleicht für einen Augen blick; aber Niemand wird sagen können, daß er eine Schwalbe ansgewintert habe. Es ist daher keinem Zweifel unterworfen, daß die Schwalbe zu den Zugvögeln gehöre, die schon im September von uns wegziehen. Einige Tage vor der Reise versammeln sic sich in großen Schaarcn und verschwinden dann plötzlich. Ans ihrer Wanderung übernachten sie nicht ans Bäumen oder Dächern, sondern im Rohre. Haben sic eine große Strecke ihres Weges zurückgelegt, so machen sie Ruhe und halten sich oft 2 bis 3 Tage ans. Daher findet man auch zu weilen, nachdem die Schwalben schon lange unsere Gegend verlassen haben, plötz lich wieder eine große Menge Schwalben, die aber nach wenigen Tagen auch Plötzlich wieder verschwinden. Diese sind auf ihrer Durchreise begriffen und kom men ans Gegenden, welche mehr nach Norden hin liegen. Die Reise dauert cbcn nicht lange, denn sic können in einer Stunde 20 deutsche Meilen zurück- lcgcn. Die einzelnen Arten halten sich zusammen, aber jede Art hat wieder ihre bestimmte Zeit, sowohl bei der Abreise als der Rückkunft. Zuerst kommt immer die Rauchschwalbe und dann die Uferschwalbe. Sie kommen jedes Jahr in die Gegend zurück, wo sic ansgcbrütct wurden und nehmen auch ihre alten Nester wieder ein.262 Die Hausschwalüc, auch Fensterschwalbe genannt, unterscheidet sich von den übrigen Gattungen besonders durch ihren bläulich schwarzen Oberleib und durch ihren weißen Unterleib. Sie nistet jährlich zweimal außen an unseren Wohnungen. Zu dem Zweck rührt sic sich an Teichen oder in den Gossen eine Lehmmasse zusammen und vermischt sic mit Stroh oder Hcn, und trägt nun ein Häufchen nach der Stelle hin, wo sic ihr Nest anlcgcn will. Der Schwanz und die Flügel dienen ihr, wenn sic mit dem Schnabel mauert, als Stütz- und Ruhepunkte. Und damit ihr Bau fest und trocken wird, arbeitet sie nur des Morgens an demselben. Aenßcrlich ist das Nest rauh, aber inwendig mit Federn, Wolle u. s. w. sorgfältig ansgepolstert. Findet sie bei ihrer Rückkehr das Nest vom vorigen Jahre noch unversehrt, so zieht sie sogleich in ihre alte Wohnung ein, oder bessert sic zuvor ein wenig ans und gibt ihr von außen einen neuen Anstrich. Zuweilen aber hat ein kecker Sperling sich in ihrer Abwesenheit ihres warmen Nestes bemcistcrt, und dann geschieht es nicht selten, daß eine ganze Menge von Schwalben zu Hülfe eilt, um den zudringlichen Gast zu vertreiben. Läßt er sich aber nicht vertreiben, so machen sich alle Schwalben an's Werk und mauern das Eingangsloch des Nestes zu. Die Eier der Hausschwalbe sind weiß mit braunen Punkten. Die Rauchschwalbe (Taf. XI. Fig. 151) unterscheidet sich von der vorigen durch die kastanienbraune Farbe an der Stirne und Kehle und durch ihren langen gabelförbigcn Schwanz. Sie nistet in Häusern, Scheunen, Schornsteinen u. s. w. und soll sogar die rauchenden Kamine, der Wärme wegen, den kalten vorziehen. Ihr Nest ist nicht ans der Seite, sondern oben offen und enthält 4 — 6 läng liche, weiße, ganz mit hellbraunen Punkten bestreute Eier. Die Uferschwalbe ist oberhalb graubraun, an der Kehle und am Untcr- lcibe weiß. Ihre Nahrung besteht in kleinen Insekten, welche im Sommer auf der Wasserfläche der Flüsse und Teiche umherschwärmen. Ihr Nest befindet sich an steilen Ufern oder Mauern, nicht weit vom Wasser entfernt. Die Eier sind weiß und röthlich aschgrau punktirt. Die Mauer-, Stein- oder Thurmschwalbc ist, die weiße Kehle aus genommen, ganz schwarz und unter den einheimischen Schwalben die größte. Sie fliegt meist hoch in der Luft und kommt nie auf die Erde herab. Besonders häufig sieht man sic bei schöner Witterung, wo sic mit ihrem Syi-, Shi-Geschrci blitzschnell durch die Lüfte fährt; bei regnerischer Witterung sicht man sic gar nicht. Sic verläßt uns schon Anfangs August und kehrt auch am spätesten zu uns zu rück. Ihr Nest befindet sich gewöhnlich in Mancrlöchcrn und ist sehr merkwür- dig gebaut, denn die einzelnen Materialien desselben sind mit einem gnmmiartigen Leim überzogen, der in den zwei großen Ohrspeicheldrüsen dieses Bogels sich263 bildet und mit dessen Speichel sich vermischt. Mit diesem Leim wird das Nest überzogen und an den Boden selbst, worauf cs steht, festgclcimt. Die Eier sind weiß mit einzelnen grauen Punkten. Die Nacht schwalbe ist weniger bekannt als die vorigen Arten, ist aber durch ganz^Europa verbreitet. Ihr Gefieder besteht aus einem Gemisch von Grau, Rostfarb, Braungclb, Schwarz und Weiß. Sic hat einen außerordentlich kleinen Schnabel, den sic aber weit öffnen kann und der von unten aufwärts gebogen ist. Ringsumher ist er mit laugen Borstfedern besetzt. Die Füße sind ganz be fiedert und die Zehen durch eine Spannhaut verbunden. Man findet sie häufig in Nadelholzwäldcrn oder auch auf dürren, mit einzelnen Gesträuchen bewachsenen Haiden. Am Tage hält sic sich versteckt und liegt der Länge nach auf einem starken Aste, oder auf einem alten Stamme. Sie schläft daun zuweilen so fest, daß man sie mit einem Stocke erschlagen kann. In der Dämmerung und des Nachts geht sie auf Raub auö und sucht Mai- und Noßküfcr, Dämmerungs- und Nachtfalter zu erhaschen. Ihre Stimme klingt sehr heiser und wahrhaft aben teuerlich zur Zeit der Paarung. Mau hört dann oft 5—10 Minuten lang durch die stille Nacht hindurch Errrrrr und Orrrrr abwechselnd ertönen, welche Töne das Männchen durch das Ein- und Ausathmen der Luft hervorbringt. Das Weibchen legt 1—2 große, milchweiße Eier auf einen freien Platz im Walde, der mit Haidekraut bewachsen ist. Die S a l a n g a n e. Unter den ausländischen Schwalbenarten ist die Solangane, deren Vater land Ostindien und mehrere Inseln des Austral-Archipels ist, besonders merkwür dig, weil sic die, von allen Feinschmeckern hoch verehrten, eßbaren Nester liefert. Ihr Gefieder ist oben braun und unten weiß; eine andere Art ist schwarz mit dunkelgrauer Kehle und Bauch. Die eine soll die weißen, die andere die braunen Nester bauen. Alle diese Nester haben dieselbe Form, nämlich die eines vierten Thcilcs einer großen Muschel oder Eierschale, wenn mau sich diese der Länge nach zerschnitten denkt. Ihr Hauptbcstandthcil ist ein mehl- und schlcimrcichcr Seetang, welchen der Vogel in der Fortpflanznngöperiode -verschluckt, — hin und wieder mit Moosfäden durchzogen, und die geographische Verbreitung der Salangane scheint fast einzig und allein durch daö Vorkommen jener Mcerpflanzc bedingt zu sein, und ist daher eine sporadische (zerstreut liegende) zu nennen, die sich jedoch auf Klippen, Inseln und Küsten des südöstlichen Thcilcs des indischen Occans beschränkt: auf die Ostküstc von Cochinchina, Siam und Bengalen und die großen Inseln Java und Borneo. Auf Java werden die Nester größtentheils in schwer zugänglichen', dunkeln Grotten, meist in Jurakalk, längs der Küste gefunden, da, wo dieselbe aus schroffen, oft mehrere hundert Fuß hohen Felswänden besteht.2G4 Dahin kehren die Vögel, welche sich trotz aller Verfolgung nicht zu vermindern scheinen, oft in ganzen Schwärmen des Abends ans dem Innern des Landes — wo sie Nahrung suchen, aber nur selten und auch immer in dergleichen Grotten nisten — zurück. Die Nestsammlcr sind Leute, welche sich ihrem gefährlichen und wenig einträglichen Berufe von Jugend auf widmen. Einige Tage, bevor die Lese der Nester ihren Anfang nimmt (gewöhnlich findet sie dreimal im Jahre statt), belustigen sic sich mit Spiel und Tanz, wobei, wie auch während der ganzen Lese- zcit, die etwa 14 Tage dauert, Opium ansgcthcilt wird, das die Bewohner jener Gegenden eben so leidenschaftlich lieben, wie viele unserer Handarbeiter den Brannt wein. Daß aber der abergläubische Javaner sich ans die gefahrvolle Reise nicht ohne Tcnfelsbcschwörnng begibt, ist leicht begreiflich. Er hat dieses mit so man chen Standcspersonen anderer Erdgcgcndcn, vielleicht selbst in Europa, wie Berg leute, Perlenfischer u. a. m., gemein, mit denen man die Vogclucstlcscr in gar manchen Rücksichten vergleichen kann. In dem kleinen Magazine, wo die Nester aufgehoben werden, befindet sich also zu dem Zwecke eine Bettstelle mit Gardinen, Kissen und sonstigem Zubehör, die keiner geringeren Person, als dem Teufel selbst, oder dem bösen Dämon, der die Grotte bewohnt, zugchört. Um nun diesem Geiste zu gefallen und sich seines Schutzes zu versichern, wird dieses Bett täglich mit frischen Blumen bestreut, mit Weihrauch bcräuchert u. s. w. Erst dann gcht's an die Arbeit. Gleich den Eidergänsejägern befestigen die Ncstcrlcscr Uber der Grotte eine Strickleiter von dickem Notang, auf welcher sic, mit einem Stocke, einigen Stricken und bisweilen auch Fackeln versehen, hinabslcigcn. In der Grotte selbst befindet sich gewöhnlich von früheren Lesern her noch eine Art von bam- bnsencm Gerüste, daö man benutzt, um ein neues herzustellen. Es sind dieses aber nur einzelne Bambusstämme, ans eine ziemlich unsichere Wckse mit Haken und Stricken an den Felscnstücken oder zwischen den Seitenwänden befestigt und ein geklemmt. Auf diesen schwankenden Gestellen klettern nun die Sammler längs den Wänden herum, an denen die Vogelnester kleben, von denen man mchrcnthcils mehrere aneinandcrhängend findet, die verschiedenen Vögeln derselben Brütezeit angehörcn. Alles, was sich davon im Bereiche der Hände findet, wird ohne Barmherzigkeit hcrnntcrgcholt, Eier und Junge werden in's Meer geworfen, die Nester aber in einen Sack gesteckt. Trotz der vielfachen und großen Gefahren, mit welchen diese Arbeit verknüpft ist, sollen doch nur selten Unglücksfällc Vor kommen, was allein in der frühen Gewöhnung seinen Grund hat. Wegen des hohen Wcrthcs der Nester wird natürlich auf die Sammler ein wachsames Auge gehalten, und namentlich auch den schlauen und diebischen Chinesen nicht gestattet, sich in den Umgebungen solcher Beuteplätze anzusicdcln. Im Handel werden die Nester nach ihrer Reinheit und Weiße sortirt und von der besten Sorte das Kattic — 125 Pfund holländisch mit 70—80 Gnldcn bezahlt; wohingegen daö Pfund in Europa gewöhnlich 150 Franken oder 40Thlr.kostet. Java soll jährlich etwa 27,000 und der ganze indische Archipel an 2,400,000 Pfund Nester liefern. Bei weitem das Meiste davon geht nach China; denn, wie bekannt, spielen die Vogelnester bei den reichen Chinesen eine Hauptrolle, ungefähr wie die Trüffeln in Frankreich, und werden, wie diese, für eine kräf tigende, aber auch erhitzende Speise gehalten. Die Art der Zubereitung ist folgende: die Nester werden in kaltem oder lauem Wasser eingewcicht, dann ge rupft oder zerschnitten, ungefähr wie Fadcnnndeln, von allen feinen Federn, die etwa daran kleben, gut gesäubert und dann in einer Art Suppe von kräftiger Fleischbrühe, mit Spezereien und Zwiebeln ausgekocht, mit Zuckerwasser angcmcngt und mit Ragout aller Art angerichtet. Die schönsten Nester kommen von der Südostküstc von Borneo; sic sind ganz weiß, dünn und durchscheinend und unter scheiden sich vorzüglich durch einen dünnen und durchscheinenden Fuß, wie man den Thcil des Nestes zu nennen pflegt, mit dem cs am Felsen festsitzt. Wir können cs uns nicht versagen, zum Schluß eine allerliebste Anekdote ans dem Leben Friedrich Wilhelm in., Königs von Preußen, welche ein Urtheil über die Vogelnester enthält, hier mitzuthcilen. Der Bischof Eylert erzählt: „Die Mittagstafel des Königs war, wenn nicht Hoffcstc Ausnahmen hcrbeiführ- tcn, die eines wohlhabenden Privatmannes, fern von aller Ucppigkcit. Mitunter kam auch Ungewöhnliches und Kostbares vor; doch war davon beim Genüsse nie die Rede, weil der hohe Wirth selbst darauf keinen Werth legte. Um so uner warteter war mir daher die einmal von Ihm an mich gerichtete Frage: „Wie schmeckt Ihnen die Suppe?" Ich konnte nur antworten: „Wie immer, wenn ich die Ehre habe, hier zu sein, sehr gut." — „Schmecken Sie denn nichts Beson deres daran?" — „Nein!" — „Wofür halten Sic denn das Gewebe von Fäden, die darin sind?" — Und einfältig treuherzig erwiderte ich: „Für Nudeln;" setzte dann aber noch rasch hinzu: „für feine Nudeln." — Laut auflachcnd, sprach der König: „Scharmant! Nudeln! Nudeln! Muß Ihnen nur sagen: sind in dianische Vogelnester, womit meine Schwester, die Königin der Niederlande, mir ein Präsent gemacht hat. So ein Nestchcn soll einen Dukaten kosten. Mi serabel, für so ein Ding so viel Geld zu geben! Aber die Menschen haben Raupen- und Vogelnester im Kopfe. Sic haben Recht: Nudeln thun's auch. Die Armen haben auch diese nicht einmal."266 Siebente Drdnung. Die Niesenvögel. Zu dem Gcschlechte der Riescnvögel gehören: der Strauß, der Kasuar und der Drontc. Der Strauß. (Taf. xi. Fig. 152.) Der Strauß übertrifft alle bekannten Vögel an Größe; seine Länge beträgt 7 — 8 Fuß und sein Gewicht 80—90 Pfund. Die Alten vergleichen ihn mit einem Kamccle, und wirklich geben ihm sein langer Hals, sein gewölbter Rücken und seine Füße viel Aehnlichkeit mit diesem Thiere. Der Strauß ist schwarz, Schwanz- und Schwungfedern sind schön weiß. Der obere Thcil des Kopfes und der Hals sind nackt und haben eine fleischrothe Farbe. Auch die Schenkel sind nackt und so dick als Mannsschenkel, die Füße sind lang und kahl und haben nur zwei Zehen, wovon die eine mit einer starken Kralle versehen. Er besitzt in ihnen eine solche Kraft, daß er einem Menschen mit einem Schlage den Bauch anfschlitzcn kann. Die Flügel sind außerordentlich klein und können nicht zum Fliegen ge braucht werden. Uebcrhaupt hat die Natur den Strauß nicht zum Fliegen be stimmt. Sein Brustbein ist dazu viel zu flach und die Flügel sind viel zu kurz, und er bedient sich daher ihrer auch nur, sie beim Laufen auszubreitcn und die Luft darin anfzufangcn. Sic wirken dann wie ein Paar Segel, und unterstützen die außerordentliche Schnelligkeit, mit welcher er fortcilt. Jeder Flügel ist am Ende mit zwei Stacheln versehen. Der Schwanz besteht ans einem Büschel glänzend weißer Haare. Der Magen ist an Gestalt dein Magen des Menschen ähnlich; der Mastdarm erweitert sich in eine Kloake, woraus er, unter allen Vögeln allein, urinirt. Sein Gesicht ist sehr scharf, aber sein Geschmack schlecht. Seine eigentliche Nahrung besteht in Erzeugnissen des Pflanzenreichs, und er weidet wie eine Gans; aber er frißt auch Lumpen, Leder und selbst Metalle. Der Strauß lebt in großen Hccrdcn in den unermeßlichen Sandwüsten von Afrika, Arabien und einigen andern Ländern Asiens. In Afrika gehört die Strau- ßenjagd zu den Lieblingsvergnügungen, ist aber äußerst anstrengend; denn der Strauß läuft mit einer solchen Schnelligkeit, daß ihn das schnellste Pferd nicht einholen kann. Aber cö fehlt ihm an Ausdauer im Laufen, und daher verfolgt man ihn so lange, bis er vor Müdigkeit zusammcnfällt. Seine Haut ist sehr hart und deckt ihn, wie ein Schild. Man sagt, daß er in Gefahr den Kopf in die Erde stecke, oder ihn sonst zu verstecken suche. Dies thut er aber nicht ans Dummheit, weil er glaubt, daß man ihn nicht sehe; sondern weil der Kopf sein267 schwächster und am leichtesten zu verletzender Thcil ist, so sucht er ihn in Sicher heit zu bringen, und so beweist gerade dieses, daß er so klug wie jedes andere Thier handelt, das sein Leben retten will. Er läßt sich leicht zähmen und zum Reiten abrichten; aber sein Laufen ist so schnell, daß dem Menschen, welcher auf ihm reitet, fast der Athen: benommen wird. Ein Männchen hat mehrere Weib chen, welche ihre Eier gemeinschaftlich in ein Nest legen. Dieses ist eine bloße Vertiefung in der Erde und cs finden sich darin gewöhnlich 30—40 Eier, welche weiß und fast 3 Pfund schwer sind. Ein einziges Ei reicht hin, 2-4 hungerige Personen zu sättigen. Rings um das Nest liegen noch unzählige Eier, welche, wenn die Jungen ausgckrochcn sind, von den Alten zertreten und zur Fütterung der Jungen gebraucht werden. Die Eier werden nicht von der Sonne ausgebrü- tct, sondern die 4 — 5 Weibchen, welche ein gemeinschaftliches Nest haben, wech seln sich den Tag über in: Brüten ab; des Nachts brütet das Männchen, um die kleineren Raubthiere, wie Schakals, wilde Katzen ::. s. w., abzuhalten, welche er niit einem derben Schlage seiner Füße tobtet. Die Schale der Eier ist ziemlich schwer und wird zu Trinkgefäßen verarbeitet. Barrow und auch Lichtenstein haben bemerkt, daß manche Eier kleine Steine enthielten. Die langen Federn der Flügel und des Schwanzes dienen zum Putz der Damenhüte und die Haut gibt ein gutes Leder. In der Gefangenschaft nützt der Strauß wenig; denn, obgleich er sich zum Reiten gebrauchen läßt, so läßt er sich doch nicht lenken. Auch be hält er immer einige Wildheit bei, so daß er Hühner, selbst Schafe, oft ans Mnthwillcn unter die Füße tritt. Das Fleisch junger Strauße hat einen ange nehmen Geschmack, und bei den Römern galt namentlich das Gehirn für einen Leckerbissen. Der römische Kaiser Hcliogabalus ließ bei einem Gastmahle das Gehirn von 600 Straußen anftragcn. Der Kasuar. lTaf. xi. Fig. 153.) Der Kasuar wohnt in Ostindien und auf den benachbarten Inseln und ist nächst dem Strauße der größte Vogel, denn seine Höhe beträgt 6 Fuß. Er hat ein schwarzes, wollcnartigcs Gefieder und keinen eigentlichen Schwanz, sondern nur verlängerte Stcißscdcrn. Seine Flügel sind noch kürzer als die des Strau ßes; in: Laufen jedoch ist er eben so schnell wie dieser. Auf dem Kopfe hat er einen 3 Zoll hohen, hornartigen Kanin: und ans den Seiten des nackten, himmel blau gefärbten Halses hängen zwei hochrothe Flcischlappcn herab. Er legt nur 3 — 4 hellgrüne, dunkel gewölbte Eier, welche er von der Sonne ausbrüten läßt. Sein Fleisch hat eine schwarze Farbe, und ist so zähe, daß cs kaum genossen werden kann. Ans der harten Schale der Eier verfertigt man Trinkgeschirre und der Dotter und das Eiweiß geben vortreffliche Eierkuchen. In der Brütczcit leben die Eingeborenen fast ganz von diesen Eier», und daher nimmt die Zahl die ser Thiere auch immer mehr ab. Bei der Jagd schlägt der Kasuar so gewaltig268 mit dem Fuße aus, daß er einen,Hund weit wegschlcudcrt und ihn tobtet. Da her suchen die gut dressirtcu Hunde von vorne an ihn zu kommen, und gelingt ihnen dies, so springen sie ihm nach dem Halse und packen ihn daselbst. Der D r o n 1 e oder Dudu lebte früher auf den Inseln Jslc de France und Bourbon, soll aber jetzt gänzlich ansgestorben sein; denn alle Nachforschungen, ihn wieder auszufin den, sind vergeblich gewesen. Die ersten Schifffahrer im ostindischcn Meere fan den ihn auf mehreren Inseln desselben. Nach ihren Berichten soll er größer als ein Schwan und so plump und fett gewesen sein, daß er kaum hat gehen können. Sein Gefieder war grau, Flügel und Schwanz aber waren weiß. Seine Beine waren so kurz, daß sie seinen Körper kaum tragen konnten; und sein unförmlicher Schnabel hatte eine so große Oeffnung, daß sie über die Angen hinaus reichte. Seine Augen waren groß und schwarz und mit einem weißen Ringe umgeben; sein Fleisch hatte eine schwarze Farbe, wie das des Kasuars, und war ungenießbar. Einige Naturforscher vermuthen, daß er vielleicht noch im Innern der Insel Madagaskar und an der Küste Mozanibik lebend augetroffcn werden könne.Dritte Masse. D i e Amphibien. DieThiere, welche in diese Klasse gehören, werden Amphibien oder bcid- lcbigc Wirbclthicrc genannt, weil sie sowohl im Wasser, als auf dem Lande leben können. Sic haben alle rothes, kaltes Blut mit einer Herzkammer und athinen meistens durch Lungen. Diese Lunge ist aber nicht wie bei den Säugc- thieren und Vögeln gebaut, sondern sie ist nichts als ein häutiger, blasenartiger Beutel, mit dem aber viel Luft ans einmal cingesogen werden kann. Sie können sich daher auch sehr lange unter dem Wasser anfhalten. Sie haben weder Haare noch Federn, sondern sind mit einer nackten, warzigen Haut, mit einem Panzer knochenartiger Schalen, oder mit haarigen Schuppen oder Schilden bedeckt. Ihre Kiefer sind zwar mit Zähnen besetzt, welche hohl und spitzig sind, aber sie dienen ihnen nicht zum Zerbeißen und Kauen, sondern zum Ergreifen und Festhalten. Die Augen liegen bei ihnen immer ans der Seite, nur beim Krokodil mehr nach vorn. Sehr merkwürdig sind die Sehorgane bei den Fröschen. Diese können nämlich das Auge ganz verbergen, indem sic den Augapfel ganz in die Mund höhle herunterdrückcn. Das Chaniälcon kann sogar jedes Auge unabhängig von dem andern bewegen, so daß cs zugleich nach beiden Seiten, nach oben und unten hin sehen kann. Die Zunge ist gewöhnlich sehr lang, bei den Fröschen und Eidechsen vorn gespalten; bei den Schlangen in mehrere Fäden gcthcilt. Die Stimme fehlt den meisten Amphibien gänzlich. Nur die Frösche haben bekanntlich eine sehr laute Stimme; die Schlangen zischen nur und die Schildkröten sollen zuweilen eine Art Seufzer hören lassen. Sie haben ein äußerst zähes Leben. Kein anderes Thier kann so viel ausstchen, ohne zu sterben. Man hat mehrere Beispiele, daß eine Schildkröte, welcher der Kopf abgeschlagen war, augenblicklich davon lief und noch einige Tage lang lebte. Frösche, denen der Bauch ausge schnitten und das Herz hcransgcnommen wird, Hüpfen noch eine Zeit lang ohne Herz herum. Einige Körpertheile, die sie verloren haben, wachsen leicht und ziem lich vollständig wieder an. So z. B. der Schwanz der Eidechsen und Schlangen.270 Bci bcm Wassermolche sollen die 4 Fiißc mit allen Knochen, ja sogar ein aus geschnittenes Auge wieder anwachsen. — Die Nahrung der Amphibien besteht fast nur ans lebenden Thieren, Insekten, Würmern, Fischen und dergl. Weil sie nicht kauen können, so verschlingen sie die Nahrung ganz und verdauen sie durch ihren Magensaft. Dieser ist so scharf, daß selbst die Haare und Federn der ver schlungenen Thiere durch ihn aufgelöst werden. Uebrigens können die Amphibien lange fasten. Schildkröten sollen über ein Jahr, Schlangen und Eidechsen ganze Monate, ohne Nahrung zu sieh zu nehmen, leben können. Laubfrösche lassen sich den ganzen Winter hindurch ohne Nayrnngsmittel erhalten. — Tritt der Winter ein, so werden die Amphibien träge und langsam, und nach und nach verlieren sie ihre Kräfte. Tritt vollends Frost ein, so verkriechen sie sich in Mauerritzen, Baumlöcher, in Schlamm, Misthaufen und dergleichen und verfallen in eine gänz liche Erstarrung. Das Blut fließt nur langsam durch den Körper und das Athmen scheint ganz aufzuhören. Durch die Wärme werden sie aufgeweckt, aber in der Kälte erstarren sie sogleich wieder. Diese Erstarrung kann oft sehr lange dauern. Es ist bekannt, daß Kröten, Frösche, Schildkröten und andere Amphibien Jahre lang in der Erstarrung des Winterschlafes liegen blieben und dann wieder zum Leben erwachten, sobald sie der wärmeren Luft ausgesetzt wurden. In der Regel jedoch wachen die Amphibien bei lauer Witterung ans ihrem Winterschlafe wieder auf. — Sie Pflanzen sich mehrentheils durch Eier fort, welche mit einer pergamentartigen Hülle umgeben sind; einige jedoch bringen lebendige Junge zur Welt, aber auch diese entwickeln sich auö Eiern im Leibe der Mutter. Die Eier, welche die Amphibien legen, werden von der Sonne ansgebrütet, weil die Eltern wegen ihres kalten Blutes nicht brüten können. Die Schildkröten lege» 30—100, die Schlangen 30—50, die Krokodile 30—GO, die Eidechsen 8—12, die Frösche und Kröten gegen 1200 Eier. Die Eltern bekümmern sich eben so wenig um ihre Eier, als um ihre Jungen. Diese sind daher schon gleich bei ihrer Geburt ziemlich vollständig ansgebildet. Nur wenige Amphibien machen in dieser Rücksicht eine Ausnahme. Die aschgraue Kröte trägt ihre Eier an kleinen Fäden, welche am Hinterschenkel sitzen, so lange mit sich herum, bis die Jungen auskriechen; und die gemeine Eidechse trägt ihre Eier im Maule an die Sonne. — Die meisten Amphibien bringen uns mehr Nutzen als Schaden, denn sie ver tilgen meistens Thiere, welche uns durch ihre zu große Menge schädlich werden. Nur die Krokodile und die großen Schlangen werden den Menschen, gefährlich. Biele Amphibien geben auch wegen ihres gesunden, nahrhaften Fleisches ein vor treffliches Nahrungsmittel. So z. B. die Schildkröten, deren Fleisch und Eier Biele für einen Leckerbissen halten. Auch die Hinterschenkel des Frosches werden gespeist. Die Häute der Krokodile werden als Leder verarbeitet, und die Schild kröten liefern bekanntlich Schildplntten, ans welchen allerlei Kunstsachen verfertigt werden, und Thran.271 Man theilt die Amphibien in zwei Ordnungen, nämlich in kriechende mit 4 Füßen, z. B. Schildkröten, Eidechsen, Frösche, und in schleichende ohne Füße, z. B. Schlangen, Ottern und Nattern. Erste Ordnung. Kriechende Amphibien. Die kriechenden Amphibien haben größtentheils 4 Füße, kriechen meistens träge mit schleppendem Bauche und thcilen sich in Frösche, Eidechsen und Schildkröten. Das Frosch- und Krötcugeschlccht. Zu dem Froschgeschlcchtc werden auch die Kröten gerechnet, die zwar eine besondere Familie für sich ausmachen, aber den Fröschen sehr ähnlich sind. Es gibt gegen 80 Arten von Fröschen, von denen aber nur 12 in unserem Erdthcilc einheimisch sind. Sic haben Alle einen nackten, schlüpfrigen, zum Thcil warzigen Leib mit 4 Füßen, von welchen jedoch die hintern länger sind als die vorder». Die Zehen der Vordcrfüße gleichen Fingern und sind von einander getrennt, die der Hinterfüße sind mit einer Schwimmhaut versehen. Sie besitzen in denselben eine außerordentliche Schnellkraft, so daß sie im Stande sind, 3—4 Fuß weite Sprünge zu machen. Das Maul hat eine große Oeffnnng und in dem Nachen liegt eine lange Zunge, die wie eine Stahlfeder herausschwellt, wenn sic nach Insekten schnappen. Sie leben meistens im Wasser, wo sic sich als ge schickte Schwimmer zeigen, indem sic mit den Hinterfüßen rudern. Sie hüpfen jedoch auf das Land und lauern am Ufer auf ihre Beute. Ihre Stimme ist sehr stark und wird oft eine Stunde Weges weit gehört. Die Männchen sind die ärgsten Schreihälse; die Weibchen haben keine so laute Stimme, sondern knurren mehr. Sic sind über die ganze Erde verbreitet, jedoch in heißen Ländern weit zahlreicher, als in kälteren. In letzteren verkriechen sic sich im Herbst, theils in Löcher unter der Erde, theils in den Schlamm der Teiche und Seen. Das Maul verschlossen, liegen sie hier den ganzen Winter hindurch erstarrt; aber der Frühling weckt sic wieder ans ihrem Wintcrschlafe. Ihre Haut hat dann eine ganz andere Farbe angenommen, nimmt jedoch bald ihr früheres Ansehen wieder an. Die Männchen lassen sich besonders des Abends weithin hören, um die Weibchen herbei zu locken. Die Eier, welche das Weibchen legt, sind schwarze Körner, in einen weißen Schleim cingehüllt, und heißen Laich. Sie behalten nicht ihre Größe, sondern schwellen im Wasser sehr ans und lvcrden durch die272 Sonnenwärme ausgebrütct. Die Jungen, welche ans ihnen entstehen, heißen Kaulquappen und haben durchaus nicht daö Ansehen eines Frosches. Sic haben einen langen Schwanz, einen kleinen hornartigen Schnabel und an den Seiten des Halses kleine Quasten, wodurch sic athmc». In diesem Larvcnzustande blei ben sie 8 — 10 Wochen und nähren sich von Pflanzenstoffen. Nach Verlauf die ser Zeit häuten sie sich, der Schwanz bleibt jedoch und wird nach und nach vom Körper aufgesogcn. Bei milder Witterung, gewöhnlich nach einem warmen Regen, kommen sic in großer Menge an's Land und Hüpfen im Grase umher. Unerfah rene Leute glaubten, sic seien mit dem Regen gefallen, und so entstand das Mär chen vom Froschregen. Die jungen Frösche sind anfangs sehr klein, wachsen aber 3—4 Jahre lang. Sic haben ein zähes Lebe» und leben, nachdem ihnen Kopf und Füße abgcschnitten sind, noch einige Stunden fort. Sie nutzen nur und brin gen dem Menschen keinen Schaden. Die Froschschenkel werden von Bielen für einen Leckerbissen gehalten. In Schmalz gesotten, schmecken sic wie junge Hühner. Man fängt sie an Angeln, woran ein rothes Läppchen befestigt ist, oder mit Retzen beim Fackelschein. Der braune G r a s f ro s ch hält sich ans Wiesen, Triften, in Gärten und feuchten Waldungen ans und geht den Sommer über nur selten in's Wasser. Nur daö Frühjahr bringt er mit seinem Weibchen in Teichen zu. Sind aber die Eier gelegt, so wandern beide an's Land und bleiben dort. Der Grasfrosch ist hellbraun mit dunkel braunen Flecken, unten gräulich weiß. Er vermehrt sich außerordentlich stark, denn das Weibchen legt jährlich 6 biö 11,000 Eier. Nach einem milden Regen Hüpfen die Jungen in so ungeheurer Menge an's Land, daß dadurch früher die Sage vom Froschregen entstanden ist. Er hat eine grunzende Stimme und nährt sich von Schmetterlingen, kleinen Käfern, Bienen und andern Insekten. Er selbst dient wieder den Enten, Störchen, Reihern und Schlangen zur Nah rung. Er ist übrigens sehr reinlich, und lächerlich ist der Ekel, welchen Viele vor ihm haben. Der grüne Wasscrfrosch ist schön grün, schwarz gefleckt mit drei gelben Längsstrcifen über den Rücken. Er hält sich in stehenden Gewässern ans und ist Jedermann durch sein beständiges Geschrei krax-krax bekannt. Sein Appetit ist sehr stark und er soll sogar den jungen Mäusen und Sperlingen nachstcllcn. Er hält sich beständig im Wasser auf und kommt nur an's Land, um sich zu sonnen. Aber sobald man sich ihm naht, hüpft er mit einem tüchtigen Satz in's Wasser. In Frankreich besonders niacht man häufig Jagd auf ihn mit Netzen und Angeln, denn seine Schenkel sind dort allgemein beliebt.273 Der Laubfrosch ist oben schön hellgrün, unten grünlich weiß. Beide Farben sind scharf begränzt durch einen schwarzgclbcn Seitenstreifen, der sich von der Nase bis nach den Schenkeln hinzieht. Seine Zehen sind statt der Nägel mit kleinen Wärzchen versehen, aus welchen eine klebrige Feuchtigkeit sich absondert, so daß er nicht bloß an der untern Seite der Baumblütter, sondern selbst an der glatten Ober fläche eines Glases sich festhalten kann. Er hat eine laute, durchdringende Stimme und hält sich vom Ende des Junius bis zum Herbste ans Bäumen und in Gesträuchen auf, um sich allerlei Insekten zu fangen. In heißen Ländern, wo er sehr zahlreich ist, findet man ihn oft in den höchsten Gipfeln der Bäume. Im Herbste geht er in die Teiche und Seen, um dort seinen Winterschlaf zu halten. Aber sobald die Lust warm wird, erwacht er wieder und bleibt mit seinen: Weibchen bis zum Sommer in: Teiche. Manche halte:: ihn als Verkün diger der Witterung in einem Konfcktglasc. Wenn er steigt, so soll es gutes Wetter geben; wenn er aber in's Wasser hinabgeht, so soll regnerische Wit terung eintreten. Aber sein Prophetenthum ist eben so unsicher, wie das der Kalendcrmacher. Die gemeine Kröte. Die Kröte ist ein ekelhaftes, plumpes und träges Thier, das sich in Gärten, Gebüschen, Kellern, altei: Mauern und an nassen, dumpfigen Schlupfwinkeln am liebsten aufhält, um allerlei Insekten aufzusuchen. Ihre Hinterfüße sind nicht so lang wie beim Frosche, daher kann sie nicht hüpfen, sondern nur langsam sich fortschicben. Die gemeine Kröte ist röthlichgrau voll brauner Warzen, unten blaßröthlich. Manche ist so groß wie eine flache Hand, jedoch in Guiana findet man einige von der Größe eines Suppentellers. Ihre Augen sind für das Licht sehr empfänglich, daher läßt sic sich am Tage nur selten sehen; gewöhnlich hält sie sich unter einem hohlliegendcn Stein oder unter den Blättern der Pflanzen verborgen und lauert ans Insekten, welche sic mit einer blitzschnellen Bewegung ihrer Zunge fängt. Ihr Appetit ist sehr groß, aber sic kann auch lange Zeit hungern. So will man in Marmor- und alten Steinblöcken, welche man zer sprengte, mehrmals lebendige Kröten gefunden haben, die vielleicht Jahrhunderte lang eingeschlossen waren und inunter hcrauskrochen, als sie aus ihrem Gcfängniß befreit wurden. Ihre Vermehrung ist sehr stark, denn das Weibchen legt in: Wasser eine zahllose Menge Eier, welche in zwei Schnüre, oft von 20—30 Fuß Länge, vereinigt sind. Viele glauben, daß die Kröten giftig seien, welchen Ver dacht ihr widerliches Ansehen wohl am meisten erregt haben mag. Man erzählt, daß Hunde, voi: denen Kröten verschlungen worden, sterben mußten; auch sollen andere gestorben sein, welche diese Thiere nur in: Maul gehabt und gebissen hatten. Jedoch bleibt dies sehr zweifelhaft. Allerdings können manche Kröten Beumer's Naturgeschichte. io274 einen Saft von sich spritzen, der Entzündungen zu erregen vermag; aber giftig sind sic nicht, vielmehr sind sic für die menschliche Haushaltung sehr nützliche Geschöpfe, die eine große Menge schädlicher Insekten verzehren und deshalb eher geschont als vertilgt werden sollen. Die Krcuzkrötc oder Hans-llnke hält sich besonders in Mauerlöchern und Kellern ans und läßt oft am Tage einen kläglichen, dumpfen Ton ans ihrem Schlupfwinkel hören. Sie ist olivengrün, mit braunen Warzen; über den Rücken zieht sich ein gelblicher Strich hin, der zuweilen die Form eines Kreuzes haben soll. Sic läuft ziemlich schnell und klettert gut an Wänden. Wenn sic gereizt wird, gibt sie einen abscheulichen Geruch von sich, der wie Pnlvergeruch oder Knoblauch ist. Uebrigens ist sie eben so unschädlich, wie die vorige. Die Feilerkröte oder Teich-Unke (Taf. xi. Fig. 154 ) ist oben grau oder olivcngraü, unten schwarz oder hellblau mit hochrothen Flecken. Sic hält sich besonders in Sümpfen und Teichen auf und lebt immer im Wasser. Den Kopf ans dem Wasser hcrvorgestreckt, schreit sic fortwährend pup, pup! und gibt in dem Concert der Frösche die Baßtöne an. Sie hat die sonderbare Gewohnheit, daß sic, wenn man sie beunruhigt, den Rücken krümmt und über diesen den Kopf und die Beine zusammenschlügt. Die P i p a lebt in Surinam und überhaupt im wärmeren Südamerika. Sic hat einen kür zen, dreieckigen Kopf und einen flachen, mit Warzen übersäeten Leib. An Größe übertrifft sic unsere gemeine Kröte um die Hälfte. Der Rücken ist olivengrün und schwarzbrauu, der Unterleib grangelb. Sobald das Weibchen ihre Eier gelegt hat, streicht das Männchen dieselben der Mutter ans den Rücken. Die Haut des Weibchens schwillt hierauf an und bildet Zellen, in denen die Jungen auskricchcn und erst dann heransgchcn, wenn die Füße vollkommen entwickelt sind. Ist die Mutter ihrer Last entledigt und schwimmen die Jungen im Wasser umher, so geht sic an's Land und ihre Haut erhält nach und nach ihre natürliche Be schaffenheit wieder. So ekelhaft eine Pipa auch immer aussehen mag, so wird dennoch ihr Fleisch in ihrem Baterlandc von den Eingeborenen gegessen. In Surinam findet sich noch eine andere merkwürdige Kröte, nämlich die gehörnte Kröte. Diese zeichnet sich besonders durch ihre großen dntenförmigen Augenlider ans, die wie Hörner vor dem Kopfe stehen. An Farbe ist sic die schönste ihres Geschlechts, denn sic ist gelb, röthlich, braun und violcttblau ge zeichnet. Ihr Gewicht soll bisweilen 4 Pfund betrage».275 Eben fo merkwürdig ist der in Nordamerika vorkommendc Ochsen frösch, der eine Länge von 18 Zoll erreicht und entsetzliche Töne von sich gibt. Das Geschlecht der Eidechsen. Die Eidechsen haben alle einen langgestreckten Leib, der mit Schuppen oder doch mit kleinen schuppigen Körnchen bedeckt ist. Die Beine gleichen denen der Sängethicre, sind aber gewöhnlich mit Schuppen versehen, und an den vier Zehen mit Nägeln bewaffnet. Auch haben sic einen langen Schwanz, der sich vom Körper ab immer mehr verdünnt. Die Kiefer sind mit Zähnen versehen, die aber nicht zum Kauen, sondern nur zum Festhalten der Nahrungsmittel dienen. Sic können alle im Wasser und ans dem Lande leben; einige jedoch halten sich fast immer ans dem Lande, andere im Wasser auf. Die Eier, welche sic in's Wasser legen, haben eine talkartige Schale und sind bei den kleinsten Arten nicht größer als Felderbsen. Mit Ausnahme des Krokodils und des Gecko sind es sehr nützliche und gutartige Thiere, die eine Menge schädlicher Insekten vertilgen. Fliegen, Ameisen, Käfer, Schnecken u. dgl. dienen ihnen besonders zur Nahrung. Die Menge der Gattungen, die man jetzt schon kennt, steigt über 80. Die merkwürdigsten von diesen sind folgende: Die gemeine Eidechse findet man in ganz Europa in Gärten, ans Wiesen und in Gebüschen sehr häufig. Sic ist ans dem Rücken grau mit zwei braunen Streifen und in ihren Be wegungen zierlich und schnell, so daß sie sich nicht leicht ergreifen läßt. Nur nach einem warmen Regen, der ihr sehr zu behagen scheint, kriecht sie langsam herum. Sie lebt von Insekten, die sic mit außerordentlicher Schnelligkeit erhascht und öfters im Sprunge wegfängt. Das Weibchen legt ihre Eier in's Wasser; sind aber die Jungen anögcschlüpft, so kommen sic an's Land. Im Winter verkriechen sie sich in Löcher und bleiben dort, bis die Frühlingswärme ans ihrem Winter schlafe sic weckt. Die grüne Eidechse (Las. XI. Fig. 155) ist von Farbe gänzend hochgrün und ans dem Rücken und Schwänze mit vielen glänzend schwarzen Punkten besäet. Sic läuft ungemein schnell und frißt nicht nur Schnecken und Insekten, sondern auch Frösche und kleine junge Eidechsen. Zuweilen trifft inan diese Thiere noch lebend in ihrem Magen an. Sie legt 5 8 Eier von schmutzig weißer Farbe, welche im Finstern leuchten sollen. Das zerstückelte Fleisch dieser Eidechse wurde früher in vielen Krankheiten als Arznei mittel empfohlen. Namentlich wandte man cs bei Krebsschaden an und gab dem Patienten mehrmals nacheinander zcrstückte Eidechsen, denen mau den Kopf ab geschnitten hatte, znm Verschlucken. Im Winter verkriecht sich diese Eidechse in 18*276 Löcher oder unter Laub und bleibt dort erstarrt liegen, bis wieder warme Wit- ternng eintritt. Der Salamander. Man unterscheidet mehrere Arten von Salamandern, wir sprechen hier nur von dem gemeinen, der auch Erdsalamander oder Erdmolch genannt wird. (Taf. XI. Fig. 156.) Dieser ist 5—6 Zoll lang und hat einen dicken, ziemlich unförmlichen Körper. Seine Haut ist schwarz mit großen gelben unregelmäßigen Flecken; an den Seiten mit Warzen, die eine milchartige Feuchtigkeit von sich geben, wenn das Thier gereizt wird. Er hält sich in Waldungen an feuchten, schattigen Orten ans und nährt sich von Insekten. Früher glaubte man, er führe ein starkes Gift bei sich, und man wußte überhaupt viele Wunderdinge von dem Salamander zu erzählen. So sagte man, daß er unverbrennlich sei, und im Feuer leben könne, ohne Schaden zu nehmen. Er ist allerdings im Stande, ein paar glühende Kohlen durch die Feuchtigkeit, die unter seiner Haut hervorquillt, anszulöschen; aber in einem nur mäßigen Feuer muß er, wenn er länger in dem selben bleibt, wie jedes andere Thier verbrennen. Höchst merkwürdig ist jedoch seine RcproduktiouSkraft. Wenn ihm die Augen ausgcstochcn, oder andere Glied maßen ihm abgcschnittcn werden, so wachsen sic von selbst wieder an, und zwar nicht nur ein Mal, sondern mehrere Male. Bei den Eidechsen ist es der Schwanz allein, der wieder anwächs't; aber bei dem Salainandcr ersetzen sich auch die Füße und andere Theilc des Körpers. Seine Vermehrung ist sehr stark, denn das Weibchen bringt 40 lebendige Junge ans ein Mal zur Welt. Diese haben aber einen solchen Appetit, daß, wenn man sic in eine Schachtel znsammensperrt, sie sich gegenseitig anffressen. Der Wassermolch ist größer und dicker als der Erdmolch, und hält sich im Schlamm süßer Gewässer ans. Er ist oben schwarzgrün, unterhalb schwarz und goldgelb, und hat einen zusammengedrückten Schwanz. Die Männchen haben ans dem Rücken häutige Kämme. Wenn man Salz oder Tabak auf seine Haut streut, so stirbt er sogleich. Der Olm oder Proteus. (Taf. XI. Fig. 157.) Der Olm, zum Geschlecht der Fischmolche gehörend, ist ein höchst merk würdiges Thier, welches 1 Fuß lang und fingerdick wird; seine Farbe ist weiß- gelb oder gelblich fleischfarbig mit rothen Kimmcnbüschcln. Er bringt lebendige Junge zur Welt. Man trifft ihn nur in unterirdischen Wasserbehältern, z. B. im Zirknitzer-See in Kärnthcn. Sein Körper ist so durchsichtig, daß man die in- nern Organe sehen kann. Am Lichte ändert er seine Farbe, die innerhalb eines Jahres in Blanschwarz übergeht, und seine blaßrotheu Kimmenbüschel werden purpurfarbig. Gibt man ihm immer frisches Wasser, so lebt er in der Gefan genschaft wohl 6 Jahre ohne alle Nahrung. In seiner Freiheit nährt er sich277 wahrscheinlich von kleinen Wasserthieren. Außer dem Wasser stirbt er sehr bald. Zum Geschlecht der Fischmolche zählt man auch noch die Sirenen; sie haben einen aalförmigen Körper und zwei Vorderfüßc. Leben in Süd-Carolina. Der Gecko- Diese Eidechse lebt besonders in Egypten, Ostindien und anderen warmen Ländern. Sic ist ungefähr 1 Fuß lang, und hat einen dicken, plumpen Körper, der eine röthlich graue Farbe hat, und mit ekelhaften Wärzchen bedeckt ist. Der Gecko hat eine laute, durchdringende Stimme, die er namentlich bei Regcnwetter hören läßt. Sie klingt gecko, gecko! und hat ihm seinen Namen gegeben. Er ist trüge und langsam und hält sich besonders an trockenen Orten in Mauer löchern und Steinhaufen, unter Blättern und Moos ans, und nährt sich von Insekten und Ameisen. Bisweilen kommt er aber auch in die Wohnungen der Menschen, und läuft über Käse, Fleisch und andere Eßwaarcn weg. Der Saft, der dabei aus seinen Fußsohle» hervorquillt, ist höchst schädlich, denn die Personen, welche die Speisen genießen, über welche er gelaufen ist, werden von dem Genuß derselben oft tödtlich krank. Eben so soll derjenige, der von ihm gebissen wird, rettungslos sterben müssen. Mit seinem Speichel vergifteten die Eingeborenen der Insel Java ihre Pfeile. Der Basilisk. (Taf. XI. Fig. 158.) Unsere Vorfahren hielten den Basilisk für ein höchst gefährliches Thier, und glaubten, er könne schon mit seinem Blicke Menschen vergiften und tobten. Eben so wunderlich dachten sic über die Entstehung dieses Thieres. Sie meinten näm lich, es würden von unserm Hanshahn zuweilen Eier gelegt, aus welchen Ba silisken entstünden. Doch dies Alles ist falsch. Denn er ist ein unschuldiges Thier, und nur sein auf ihn übertragener fabelhafter Name ist schreckend. Er ist über 3 Fuß lang und von Farbe blau mit dunkeln Streifen. Sein Vater land ist Guiana, wo er zum Thcil im Wasser, zum Thcil auf dem Lande lebt, und sich von Sämereien nährt. Der Leguan (Taf. XI. Fig. 159.) Der Leguan bewohnt die feuchten Gegenden des südlichen Amerikas und Asiens; auch trifft man ihn in Afrika an. Er hat bisweilen eine Länge von 5 — 6 Fuß. Wo der Leib am dicksten ist, hat er einen Umfang von 1 Fuß. Der Kopf ist an beiden Seiten zusammengedrückt und oben flach; das Maul ist mit scharfen Zähnen besetzt. Vom Unterkiefer bis unter die Kehle läuft eine Art von Kamm, der aus großen, aufwärts stehenden Schuppen besteht, und den Vordcrthcil des großen Kehlsacks besetzt, den das Thier anfblascn und zusammcn- ziehen kann. Die Füße haben 5 lange, mit Nägeln bewaffnete Zehen. Die Hauptfarbc der Haut ist gewöhnlich grün, gelb oder blau gemischt. Er ist nicht278 gefährlich, sondern im Ganzen ein unschädliches Thier, das oon den Bliithcn and Blättern der Bäume und von Insekten lebt, auch keinen Menschen angreift. Wird er aber gereizt, so funkeln seine Angen, er zischt, schüttelt den langen Schwanz, bltts't seinen Kropf ans und sträubt seine Schuppen. Das Weibchen, daö gewöhn lich kleiner, und schöner gezeichnet ist, zeigt ein sanfteres Naturell und wird von dem Männchen leidenschaftlich geliebt. Dieses vcrtheidigt seine Gefährtin mit Wnth und läßt deren Feind nicht eher los, bis er tobt geschlagen oder betäubt wird. Daö Weibchen legt 15 Eier in den Sand am Meeresuser. Diese sind von der Größe der Tanbeneier, und haben einen feinen Geschmack. Meistens hält sich der Leguan ans der Erde, und zwar ans Bäumen ans; im Wasser ist er ziemlich plump; um so geschickter jedoch ans den Zweigen der Bäume, wo er oft die künstlichsten Wendungen macht. Wenn er gesättigt ist, so setzt er sich gemeiniglich ans einen Ast, der über das Wasser hinwegragt; und weil er aus Trägheit und Unbegnemlichkeit nicht entflicht, so ist er leicht zu fangen. Sein Fleisch schmeckt vortrefflich und tvird in Amerika sehr geschätzt. In einigen Gegenden Amerika's fängt man ihn mit Schlingen, und sucht ihn durch Musik zu verlocken. Die Eingeborenen nähern sich ihm pfeifend, und kratzen ihn schmei chelnd mit einer Stange, was ihm sehr zu gefallen scheint, denn er wälzt sich vor Lust, und schläft darüber ein. Alsdann werfen sie ihm eine Schlinge um den Hals, ziehen ihn vom Baume herab, und schlagen ihn tobt. Das C h a m ä l e o n. (Taf. XI. Fig. IGO.) Das Chamäleon lebt in den wärmeren Gegenden von Asien, Afrika und Amerika; wird aber auch im südlichen Spanien wild angetroffen. Es lebt fort während ans Bäumen, und ist auf der Erde äußerst unbehülflich. Seine natür liche Farbe ist stahlgran, aber im Zorne verändert es dieselbe mannichfach, und wird citronengelb, apfelgrün, blaugrün, dunkelgrün, roscnroth, schwarz und dunkel grau. Nur im kranken Zustande wird cs weißlich. Es hat einen langen Wickcl- schwanz, und eine lange klebrige Zunge. Pfeilschnell schießt cs dieselbe ans In sekten los, und trifft sic in einer Entfernung von 5 — 7 Zoll. Einen Fehlschuß thut es selten mit derselben. Die Angen des Chamäleons sind sehr groß und lebhaft, und von goldgelber Farbe. Es kann dieselben mit außerordentlicher Schnelligkeit nach entgegengesetzten Richtungen hin bewegen, z. B. daö eine nach unten, und das andere nach oben. Wegen dieser Eigenthümlichkcit, und wegen seiner mannichfachen Farbenvcrändcrnng gilt das Chamäleon als Sinnbild der Falschheit und Verstellung,- der Veränderlichkeit und Schmeichelei. Auch ist es im Stande, seinen Bauch aufzublascn und sich dicker oder dünner zu machen. Gewöhnlich steht cs hoch ans den Beinen ans einem Ast, den cs mit den Zehen und seinem Wickelschwanzc fest umklammert. In dieser Stellung würde man das Thier für eine Bildsäule halten, wenn nicht die bewegliche Zunge, die wie ein Pfeil aus dem Rachen hcrvorschicßt, sein Leben vcrriethe. Dieses Erhaschen der279 Beute geschieht fo schnell, daß es dem menschlichen Auge kaum bemerkbar ist, und man stand lange Zeit in dem Wahne, daß das Chamäleon von der Luft zu leben verstünde. Es hat jedoch seine Nahrung so gut nöthig, wie jedes andere Thier, und wählt dazu besonders Insekten. Der m o l ch a r t i g e A x c l o t l. Dieses merkwürdige Reptil gehört zu der geringen Zahl derjenigen Amphi bien, die neben den inner« Lungen auch noch äußere oder Kiemen haben und zwar nicht nur in ihrer ersten EntwicklnngSpcriodc, wie die Frösche, sondern für die ganze Dauer ihres Lebens. Der Axclotl ist sehr häufig in den Seen, an denen die Stadt Mexiko liegt; außerdem aber findet er sich, nach Humboldt'ö Berichten, auch in den höchsten Bergseen, deren Wasser sehr kalt ist. Er nährt sich von kleinen Krebsen, welche unscrn kleinen Flußkrebsen sehr ähnlich sind. Man ißt sein Fleisch, und in: Juni und Juli, wo er am häufigsten ist, macht er eine Hauptnahrung der um die Seen wohnenden Landleute aus. Sonst ist nichts Zuverlässiges über dieses sonderbare Thier bekannt, das inan auch noch nie anders, als vollkommen ausgewachsen gesehen hat. Das Krokodil. (Taf. xi. Fig. 161.) Auch das Krokodil gehört in das Geschlecht der Eidechsen, ist aber an Größe allen übrigen Gattungen überlegen, denn cs wird 30 — 50 Fuß lang. Es hat einen langgestreckten Körper, der in einen langen Schwanz ausgeht, in welchem es eine solche Kraft besitzt, daß es einen Menschen mit demselben er schlagen kann. Der Nachen ist bis hinter die Ohren gespalten, so daß cs den größten Menschen unzerbissen verschlingen kann. Jede Kiefer ist mit einer Reihe starker, spitziger Zähne bewaffnet. Die funkelnden Angen sind klein, und stehen nahe aneinander und haben 3 Augenlider, wovon die Nickhaut sich seitwärts über das ganze Auge schieben kann, ohne daß das Sehen gehindert wird. Die Haut des Körpers ist in viereckige Felder abgethcilt, und mit knopfförmigen Höckern oder Buckeln besetzt. Sie ist so hart und dick, daß keine Flintenkugcl dnrch- zudringeu vermag, wenigstens nicht ans dem Rücken. Die Farbe der Haut ist oben dunkelbraun, an: Untcrlcibc aber, den eine weichere Haut deckt, weißgclblich. Die Vorderfüße haben 5 Finger, die hintern 4, welche durch eine Schwimmhaut verbunden sind. In: Wasser ist das Krokodil sehr schnell und gewandt, auf dem Lande jedoch langsamer. Es schleift dann gewöhnlich Bauch und Schwanz auf der Erde nach. Sein steifer schuppiger Körper kann sich schlecht umdrehen. Wird man daher von einem Krokodil verfolgt, so kann mau durch Seitengäuge demselben leicht ent gehen. In: Wasser schwimmt cs besser gegen den Stroni, als mit demselben, und der lange Schwanz dient ihm als Ruder und Steuer. Es hält sich nur in süßen Gewässern auf, ohne jedoch salziges Wasser zu scheuen. Mit Ausnahme280 von Europa, ist cs über alle Erdtheilc verbreitet, besonders jedoch liebt es die Gewässer der heißen Zone. Der Nil hat viele Krokodile, und noch häufiger sind sic im Niger, im Senegal und andern afrikanischen Strömen. Oft trifft man sic daselbst zu Hunderten an. Auch in Ostindien sind sic zahlreich, und werden den Eingeborenen sehr gefährlich. Gewöhnlich lauschen sic, im Schilf versteckt, auf Beute, und haben sic einmal Mcnschcnflcisch gekostet, so bleibt dieses ihre Lieblingsspeise. Sie lauern dann den Badenden und Wäscherinnen auf, schleichen sich leise heran, und versetzen ihnen mit dem Schwänze einen tödtlichcn Schlag, oder ziehen sic an den Beinen in'ö Wasser hinab, ersäufen sie, und gehen dann an's Land, um dort gemächlich ihren Raub zu verzehren. In Amerika und Ost indien werden jährlich viele Menschen von Krokodilen getödtet, namentlich beim Anstrcten großer Flüsse. Miau hat jedoch mehrere Beispiele, daß Menschen durch ihre Geistesgegenwart aus dem Rachen eines Krokodils sich befreiten, indem sic nämlich dem Thierc die Augen fest zudrückten, oder mit einem scharfen Werkzeuge dasselbe im Rachen verwundeten. Denn, weil es nicht kauen kann, so muß es seinen Raub entweder ganz verschlingen, oder in Stücke zerreißen. Sonst nehmen die Krokodile ihre Nahrung aus dem Thierreiche, und fressen Amphibien und Fische aller Art, oft selbst die eigenen Jungen. Sic Pflanzen sich durch Eier fort, die etwas größer als Gänseeier sind. Sie liegen, 30 bis 60 an der Zahl, ain User oder im Sande in dichtem Ge sträuch, und werden von der Sonne auögcbrütct. Die Jungen wachsen sehr langsam und werden wohl über 100 Jahre alt. Ihre Vermehrung würde sehr stark sein, wenn nicht die Eier und Jungen so viele Feinde hätten. Für die Eier ist namentlich die Ledcrschildkröte sehr gefährlich, und für die Jungen in Egypten und Ostindien der Ichneumon. Furchtbar sind die Käinpfc, welche die Krokodile unter sich selbst, mit Tigern und Jaguaren oder mit großen Schlan gen führen. Auf dem Lande siegen gewöhnlich Tiger und Jaguare. Die Schlange sucht dem gewaltigen Rachen ihres Feindes auszuwcichcn und umschlingt den Körper mit Blitzesschnelle, wird im Kampfe oft losgcschüttclt, kehrt aber augen blicklich wieder zurück und drückt endlich ihren Gegner tobt, wenn es diesem nicht gelingt, sie zwischen seine Zähne zu fassen, in welchen die Schlange bald ve» lvrcn ist. Bon Würmern und Insekten werden die Krokodile mannichfach geplagt. Diese kriechen ihnen nämlich in den Rachen und saugen ihnen dort das Blut aus. Oft soll der Rachen von der Menge dieser Thierc ganz schwarz sein. Ein klei ner Vogel jedoch, der egyptischc Kiebitz, wagt sich in den Rachen des Ungeheuers hinein, um jene Insekten wegzufangen. Das Krokodil duldet dieses natürlich gern und ehe cs seinen Rachen wieder schließt, setzt cs seinen kleinen Freund durch eine gewisse Bewegung davon in Kcnntniß. In Egypten wurden früher die Krokodile für heilig gehalten und verehrt, aber jetzt als gefährliche Feinde der Menschen gehaßt und verfolgt. Ihre Jagd231 ist sehr schwierig, weil ihr Rücken gleich einem Panzerhemd sie schützt. Nur durch eine gegen das Auge oder ans den Banch oder Nacken gerichtete Kugel können sic sicher erlegt werden. Auch fängt man sie mit großen Angeln, oder spitzigen Eisen, welche in dein Nachen stecken bleiben, wenn sic ihn Zuschlägen. Manche Afrikaner sollen beherzt auf sic losgchcn und ihnen einen starken Knittel, der oben und unten lyit spitzigen Stacheln beschlagen ist, in den geöffneten Rachen spreizen, so daß die Thierc ihn nicht mehr schließen, und mit Keulen erschlagen werden können. Sonst erzählt man sich noch manches Fabelhafte von diesen Thieren. Man sagt, daß sic, um Menschen herbeizulocken, die Stimme eines weinenden Kindes nachmachen; ferner, daß sie wirklich Thränen vergössen. Allein die neuere Natur kunde weiß hiervon nichts; nur daß sic bei Nachtzeit oft ein fürchterliches Gebrüll erheben, das weithin gehört werden kann, ist erwiesen. In Indien nennt man die größte Art der Krokodile mit dem Namen Mugger. Wir können es uns nicht versagen, hier eine Schilderung ans den Houscholds- W ords des Charles Dickens anznreihen, welche über die Lebens weise dieses entsetzlichen Reptils die beste Beschreibung gibt. „Ich verbrachte den Sommer 1846 an den Ufern des Roh an, eines kleinen Flusses in einer der nordwestlichen Provinzen Indiens; hier lernte ich zuerst das indische Krokodil, den sogenannten Mugger, kennen. Ausgestopfte Exemplare hatte ich schon in Europa genug gesehen. Auch hatte ich in Reisebeschreibungen schauerliche und unglaubliche Geschichten mancher Art darüber gelesen, war aber nicht ungeneigt, dieselben mit den Erzählungen vom Vogel Rock und von den wilden Waldmenschen, welche sich nur des Sprechens enthalten, um nicht zur Arbeit gezwungen zu werden, in eine Klasse zu setzen. Eines Tages, als ich den Roh an hinaufruderte, sah ich Etwas, wie einen halbverbrannten Baumstamm, auf einer Sandbank liegen. Ich ruderte dicht heran, und erkannte zu meiner Ueberraschung eine riesenhafte Amphibie. Die alten Ge schichten von Drachen und Greifen waren mir nicht mehr bloße Fabeln, noch die Untersuchungen der Natnrknndigcn über Monosaurier, Hyläsanrier und Plesiosau rier bloße Träume; lag doch in all' seiner schuppigen Herrlichkeit ein wirklicher Saurier, achtzehn Fuß lang, vor mir. Das Ungethüm schlief oder that wenigstens so. Ich hätte wissen mögen, ob cö träumte, und worin seine Träume beständen. Vielleicht träumte es von den grauen Tagen der Vorzeit, wo seinen Vorfahren das Reich der Gewässer gehörte, vielleicht von den leckeren Fischen, die im Strome schwammen, vielleicht auch von den Menschenkindern, die eö im Laufe seines Lebens bereits verzehrt hat. Jetzt schnarchte es laut auf, etwa in Folge der schwer und unverdaulich im Magen liegenden Spangen und Ringe von Messing, welche die Glieder einer von ihm verschlungenen indischen Schönheit geschmückt hatten! Dann wieder lag das Geschöpf so still und erschien in seinem Schlafe so ruhig und friedfertig, daß man ihm kaum so gräuliche Dinge Zutrauen mochte.282 Gewissensbisse quälten eö augenscheinlich nicht, und Alles konnte nur eine üble Nachrede sein. Ich fühlte eine solche Zuneigung zu ihm, daß ich mir gar nicht denken konnte, eö möchte, wach geworden, Lust verspüren, mich zu fressen. Wir wollen sehen! Ich plätscherte mit dem Ruder im Wasser, und die schlafende Schönheit erwachte. Sie fuhr ans und öffnete ein Maul, nein, einen rothen, schleimigen, mit großen kegelförmigen Fangzähnen eingesäumten Schlund, recht eigenthümlich zum Menschenfang eingerichtet. Der Schlund schloß sich schnappend, daß mich ein Schauder durchfuhr, und dann stürzte sich das Ungeheuer in's Wasser, und in seinen Augen glühte Haß und trotzige Verachtung. Einige Tage, nachdem ich diese neue Bekanntschaft gemacht hatte, saß ich zu Hause und plauderte mit meinem Bruder, als Plötzlich eine ostindischc Frau heu lend und schreiend zur Thürc des Bungalo hercinstürzte. Sie raufte sich das Haar, sie warf sich ans den Boden der Veranda und schlug den Kopf dagegen, als wollte sic sich das Hirn ansstoßcn. Ein Hansen von Weibern erschien vor der Thür, heulend und wehklagend, wie im Wahnsinn. Wir fragten, was vor- gefallcn sei. Ein halbdutzcnd Stimmen erklärten in mißtönendem Chor, daß, während die arme Frau ihr Zeug am Flusse gewaschen habe, ihr Kind, ein ein jähriges Knäblcin, von einem Mugger gepackt und verschlungen worden sei. Ob gleich wir wußten, daß Hülfe zu spät kam, nahmen wir doch unsere Flinten und eilten nach der Stelle des Unglücks; aber dort war Alles still, kein Wcllchen kräuselte die Wasserfläche. Ein kleiner gefleckter Köuigstaucher schwebte in der Lnft und beobachtete, den Schnabel ans die Brust nicdergcbogen, die Fische unten. Jetzt schoß er, wie ein Pfeil, in's Wasser hinab, aber mit leerem Schnabel kam er wieder herauf und flog hinweg, indem er einen hellen, scharfen, kichernden Laut ausstieß, als wolle er sich selbst über das Mißlingen trösten. Eines Tagcö saß ich an dem hohen Ufer deö Flusses und schoß ans die großen Fische, welche sich dann und wann über die Fläche emporschnellten. Mein Hühnerhund Inno holte mir einen Fisch, den ich getroffen hatte, aus dem Wasser und war bereits halb über den Strom geschwommen, als plötzlich, sechs Schritte weiter stromabwärts, das Wasser in Bewegung gerieth und zu meinem Schrecken der Kopf und der offene Rachen eines ungeheuren Krokodils sichtbar tvurdc. Der Hund stieß ein lautes Geheul ans und fuhr halb aus dem Wasser. Der Mugger schwamin rasch und war nur noch eine Elle von seinem Opfer entfernt, als ich meine Flinte anlegtc und auf des Ungcthüms Kopf zielte. Die Flinte knallte und der Mugger fuhr in die Tiefe, Blasen und einen dunkeln Blutstreifen znrück- lassend. Aber Juno's schwarzer Kopf tauchte auf; sie schwamm rasch auf mich zu und landete zu meiner Freude unverletzt. Das arme Thier legte sich, naß und zitternd, zu meinen Füßen und schaute mich ans seinen großen, hellblauen Augen mit einem Blicke voll unsäglicher Gcnngthnnng an. Später wurde es dennoch die Beute eines Muggers, als sein Herr nicht in der Nähe war, um Hülfe zu brin gen. — Ich erwähne diese Thaisache, um zu zeigen, daß die diabolische Rache,283 mit welcher ich nachher die Ungeheuer heimsnchte, nicht ohne Grund war. Aber die schlimmste Ursache bleibt noch zu erzählen. Gerade als die Regenzeit eintrat, kündigte mir mein Nachbar, Herr Hall, einen Besuch an, und bat mich, ihm einen Diener mit einem Reitpferd bis zu einer gewissen Stelle des Weges cntgegenzuschicken. Dieser Diener, Sidhu, war ein lebhafter kleiner Mann mit starker Brust und sehnigen Gliedern, das voll- konnnene Muster eines zweibeinigen Renners. Er konnte, wie cs im Osten Ge brauch ist, neben seinem Pferde hinlanfcnd, sieben bis acht Meilen die Stunde zuriicklegen und dies so lange auShaltcn, daß der beste englische Schnellläufer darüber erstaunen würde. Gegen Abend erreichte Halt den Bungalo, aber er triefte von Wasser und war ganz mit Schlamm bedeckt. Ich sah sogleich, daß etwas vorgcfallcn sein müsse, und eilte, ihm beiznstchen. Als er drinnen war und ich über seinen triefenden Zustand scherzte, crwiederte er kurz: „Ich bin nicht zum Scherzen aufgelegt. Ihr Diener ist umgekommen." „Ertrunken?" „Nein, von einem ungeheure» Krokodil gefressen." Er erzählte darauf, als er zwei Meilen von hier an einen kleinen Nulla (Fluß) gekommen sei, habe er denselben so vom Regen angcschwolten gefunden, daß er mit seinem Pferde hinübcrschwimnM mußte. Er hielt dabei das Ende einer Leine, welche Sidhn, wie viele Indier, um den Leib geschlungen trug, und welche dazu dient, Wasser ans den tiefen Brunnen des Landes aufzuziehen. Hall kam wohlbehalten hindurch und fing dann an, Sidhu mittelst der Leine zu sich herüber zu ziehen. Der schwarze Kopf mit den weißen Zähnen und dem Weißen Turban glitt über das trübe Wasser daher, als plötzlich der Diener die Arme in die Höhe warf, einen lauten Schrei anSsticß und verschwand. Halt, der die Leine um die Hand gewunden hatte, wurde in's Wasser gerissen und sah den langen, sägcnförmigen Schwanz eines Muggcr, der eine kurze Strecke vor ihm das Wasser peitschte. Es gelang ihm, sich von der Leine losznmachen, und mit großer Mühe kletterte er das schlüpferige User des Nulla wieder hinauf. Jetzt war Alles still. Der Turban des armen Sidhu trieb weit stromabwärts auf dem Wasser. Hall lief ihm nach, etwa mit dem Gefühle, mit welchem ein Er trinkender nach einem Strohhalm greift, und eö gelang ihm, mittelst eines Stockes den Turban herausznfischen. Er brachte ihn mit als das einzige Ueberblcibsel von Sidhn, das er anfweiscn konnte. Schlimme Neuigkeiten verbreiten sich rasch in einem indischen Dorfe. Sid hu's Frau erfuhr sogleich ihres Gatten Schicksal; sic kam schluchzend und schreiend zum Bungalo und legte ihr jüngstes Kind zu den Füßen meines Freundes. Die Thränen standen ihm in den Augen, als er sic zu beruhigen und zu trösten vcw suchte. Er versprach ihr, für sie und ihre Kinder zu sorgen.284 Obgleich Hall sonst von Scherz überströmtc, so rauchten wir doch den Abend unsere Cigarren in der Stille. Nur als Pläne zur Ausrottung der Krokodile vorgeschlagm wurden, ward die Unterhaltung lebendig. Viele wurden bcrathen, aber keiner versprach Erfolg. Am nächsten Tage nach dem Frühstück zeigte ich meinem Gaste einen galvanischen Sprcngapparat, welchen ich kürzlich von England empfangen hatte, um die im Strome stehenden, der Schifffahrt gefährlichen Baum strünke hinwegzusprengen. Ich erklärte ihm die Anwendung, als er plötzlich ausrief: „Das wäre es just! Warum können wir nicht statt Baumstrünke Mngger sprengen?" Ich erklärte, daß ich keinen Grund sähe, warum nicht. Die Schwierigkeit war nur, wie es anzufangen sei. Aber je mehr wir es überlegten, desto thnnlicher schien es. Diese Geschöpfe verlassen eine Gegend nicht leicht, so lange sie reichliche Nahrung finden, und wir brachten bald heraus, daß der Mörder des armen Sidhu in der Umgegend des Nulla wohlbekannt war. Er hatte zu verschiedenen Zeiten Ziegen, Schafe, Schweine und sogar Kinder geraubt, und ein Mal hatte er versucht, einen Büffel, den er beim Trinken erwischte, in's Wasser zu ziehen, aber nach allen Berichten war er selbst bei diesem Rencontre am schlechtesten weg- gckommen. Da nicht Wasser genug im Null» war, um den Büffel zn ertränken, so fand der Mngger bald, daß er mit einem Stärkeren angebunden hatte. Ucbcl von den Hörnern des Stiers zugerichtet, war er froh, als er sich davon machen und im Schlamme verkriechen konnte. Beim Sprengen der Baumstrünke hatte ich bemerkt, daß die durch die Ent ladung bewirkte Erschütterung in einem Unikrcise von zwanzig bis dreißig Ellen alle Fische tödtetc. Nach jeder Explosion sahen wir sic in großer Zahl auf der Oberfläche des Wassers treiben, den Bauch nach oben gekehrt. Konnten wir nur dein Mngger nahe genug kommen, so mußte er doch, wenn wir ihn auch nicht tödtctcn, einen tüchtigen Prall bekommen. Denn im Wasser wirkt das explodi- rendc Pulver viel stärker ans die in der Nähe befindlichen Gegenstände, als in der Lust, da das Wasser so viel dichter ist. Allein am besten war cs, wenn cs gelang, das Pulver zum Sprengen in den Bauch des Krokodils zu prakticiren, und das wollten wir versuchen. Nachdem wir Alles in Bereitschaft gesetzt hatten, stiegen mein Bruder, Hall und ich in einen kleinen Kahn und nahmen unser Geräth zum Sprengen mit. Dann fuhren wir den Strom hinunter bis dahin, wo das Wasser des Nnlla sich in den Rohan ergießt. Dort stiegen wir ans und gingen zn dem nahegelegenen Dorfe, wo wir für wenige Anas den Körper eines Böckchcns erhielten. In den stcib desselben wurde eine Flasche mit sechs Pfund Pulver genäht, an welcher die leitenden Drähte befestigt waren. Zwei starke Seile wurden an diesen Köder ge bunden und an eins derselben die Lcitdrtthte mit starkem Bindfaden der ganzenLänge nach befestigt. Die Stricke waren gegen vierzig Ellen lang; an das Ende derselben war ein anfgeblasener Schlanch von Zicgenfcll festgcmacht, wie sie die Wasserträger benutzen. Hall, mit seinem Zicgcnfcll unter dem Arme und das rund zusammengelegte Tau in der Hand, begab sich an die eine, inein Bruder, eben so ausgerüstet, an die andere Seite des Nnlla. An dem Tan meines Bru ders war der Leitdraht anfgebnnden; darum blieb ich ihm zur Seite, während zwei Kulis die bereits gefüllte Batterie an einer Stange ans den Schultern tru gen. Auch war mittelst einer Schnur eine kleine Boje an dem Böcklein befestigt, um immer die Stelle anznzeigcn, wo es sich befand. Als diese Anordnungen getroffen waren, fingen wir an, den Nnlla hinaus- zngehcn, indem wir den tobten Bock langsam durch den Stroin und von einer Seite zur andern zogen, um keine Stelle des Bettes undnrchforscht zu lassen. Da der Nnlla nur zwölf Schritte breit war, so war kein Zweifel, daß wir den Mug- gcr treffen mußten, falls er darin war, und kaum waren wir eine Viertelmeile weit gekommen, als die Boje plötzlich untertanchtc. Hall und mein Bruder ließen das lose Taugewindc, welches sic trugen, sammt den luftgcfülltcn Zicgcnschläuchen in das Wasser schießen, und die letzteren zeigten durch ihre Bewegung, daß der Mnggcr den Bock gefaßt hatte. Er fuhr im Zickzack stromabwärts. Ich nahm meinem Bruder das Tangewinde ab und rannte hinterher, so rasch ich konnte, indem ich cs ablanfen ließ, fand cs aber bald unmöglich, cs mit dem Mngger ausznhalten. An einer Stelle, wo die Ufer steiler als sonst waren, machte er Halt. Ich ging das Ufer hinauf und sing an, das Tan einzuholcn, wagte aber nicht, den Schlauch ans dem Wasser zu heben, um das Thier nicht zu stören, bevor die Kulis mit der Batterie Zeit hatten, heranzukommen. Das war ein pein licher Augenblick; denn wenn der Mnggcr vor ihrer Ankunft die Stelle wechselte, so gab cs einen neuen Wcttlauf, und möglicher Weise konnte er den Lcitdraht mit den Zähnen zerbrechen. Nach einer Weile hörte ich denn die Kulis heran kommen. Gerade als ihre Köpfe über dem Uferrande sichtbar wurden, strauchelte der vorderste und stürzte nieder. Ich stöhnte vor Verdruß. Endlich kam mein Bruder mit ihnen heran und stellte die Batterie mir zu Füßen. Ein gutes Theil der Säure war verschüttet, aber mit einer Ncscrvcflaschc voll Säure, die wir für den Nothfall mitgenommen hatten, brachten wir die Batterie bald zu der erfor derlichen Stärke. Jetzt endlich war Alles in Ordnung und ich fing an, den Strick mit dem Leitdraht aufzuziehen. Ich ging so vorsichtig als möglich zu Werke, um den Mngger nicht zu stören, und dieser schien glücklicher Weise ent schlossen, sein Mahl da, wo er sich befand, zu verdauen. Ich mußte lachen, als ich endlich die Enden der leitenden Drähte bekam. Während mein Bruder eins derselben an der Batterie befestigte, setzte ich das andere in Bereitschaft, um den Zirkel herzustellen. Der Mngger lag inzwischen ganz still auf dem Boden des Nnlla, vielleicht zwei Faden tief unter Wasser. Er ahnte keine Gefahr und ließ sich nicht träumen, daß die zweibeinigen Geschöpfe am Ufer einen Nerv bis in286 seinen Magen geleitet hatten, durch den sic mitten in seinem schuppenbedecktcn Rumpfe einen Blitz entzünden konnten, welcher ihn in Stücke zerreißen mußte. Jetzt brachte ich die verderblichen Drähte in Berührung, und der Erfolg war vollkommen. Wir fühlten einen Stoß, wie wenn ctivas Schweres das Ufer hinab gefallen wäre; ein Kegel schlammigen Wassers erhob sich mit dumpfem, dröhnendem Laute, und dann brach eine Säule schwarzen Dampfes hervor. Das Wasser rauschte und schäumte, und cs zeigte sich ein großer, blntrother Flecken auf demselben, >pic ein buntfarbiges Teppichmuster. Die Eingeborenen fischten am Saume des Wassers ganze Stücke der schuppigen Haut auf und brachten sie uns mit lautem Jubel. Die Ueberbleibsel des gesprengten Muggers wurden durch den Strom bald aus dem Bereiche unseres Gesichtes gebracht, was wir keines- wcges bedauerten, denn sic erschienen in einem so gräulichen Zustande, daß uns alle Lust zu näherer Prüfung verging. Unser Siegesgcfühl wurde einigermaßen gedämpft, als wir acht Tage später die demüthigende Kunde erhielten, daß Sidhu's Mugger noch am Leben sei und im alten Gebiete unverletzt als Gebieter schalte. Es war klar, daß wir einen falschen Mugger gesprengt hatten, und konnten nun nicht ruhen, jenen noch am Leben zu wissen; wir bereiteten uns also unverzüglich zu einer neuen Expedition vor. Dieses Mal gebrauchten wir die Vorsicht, die Batterie nicht zu füllen, bis der Köder verschlungen war. Die Säure wurde bis auf den gehörigen Grad ver dünnt, in einem großen irdenen Kruge mitgenommen. Wir präparirten die Lock speise wie früher und begannen sic stromaufwärts zu ziehen. Aber wir legten eine Meile zurück, ohne daß ein Mugger anbiß, verloren den Muth, schlugen Feuer und brannten unsere ostindischeu Cigarren an. Hall niachtc sich einen bc- guemcn Stuhl, indem er sein Tangewinde auf den Boden und die aufgeblähte Zicgenhaut darüber legte; mein Bruder zögerte nicht, cs ihm »achznahmen, und ich legte mich in den Schatten des Schilfrohres am Rande deö Wassers. Die Hitze war drückend; wir besprachen die Wahrscheinlichkeit eines Fanges und be dauerten, daß wir nicht einige Flaschen weißen Ale mitgenommen hatten, als ich ans ein Mal einen heftigen Schlag au'S Bein bekam, während mein Bruder das Ufer hinabrollte, ganz wie Hall, der am entgegengesetzten llfcr herabkollerte. Stricke und Schläuche fuhren in toller Eile den Nulla hinunter. Sobald wir »nS von dem Gelächter erholt hatten, in welches uns dies närrische Mißgeschick versetzte, eilten wir zur Verfolgung. Die oben schwimmenden Ziegenfelle leiteten uns; sie wurden von einer Seite zur anderen gerissen, wie das erste Mal. Als sie zu der Stelle kamen, wo der Nulla eine scharfe Biegung machte, standen sic, und zwar an der einbiegenden Seite, wo das llfer steil abschoß. Der Uferhang war so schroff, daß wir nicht zu ihnen gelangen konnten, ohne den Mugger zu stören. Mit vieler Mühe löscten wir einige Erdschollen und warfen sic gerade über der Stelle, wo wir ihn vermutheten, Plätschernd in's Wasser. Das hatte287 die erwünschte Wirkung. Die Schläuche gingen langsam stromabwärts, als wenn der Mugger in aller Muße über den Boden dahinkroch. Indem ich die Batterie unter der Obhut meines Bruders und der Kulis ließ, eilte ich nach einer Stelle, wo das Ufer minder abschüssig war. Zu allem Glücke staute sich der Strom an dieser Krümmung etwas und floß nach dem Ufer, wo ich stand. Kanin hatte ich einige Minuten gewartet, als die Schläuche um die Ecke trieben. Ich faßte den einen, an welchem der Leitdraht befestigt war, und gab meinem Bruder das Zeichen, die Batterie heranzubringen und zu füllen. Das geschah rascher, als ich erwartete, denn die leere Batterie koniite ein einziger Kuli ans dem Kopfe tragen, während mein Bruder den Krug mit der Säure schleppte. Der andere noch im Wasser schwimmende Schlauch zeigte deutlich, daß der Mugger noch in Bewegung war; darum war keine Zeit zu verlieren. Ich setzte einen der leitenden Drähte mit der Batterie in Verbindung, stellte den Kreis lauf her und des Muggers Loos war besiegelt. Eine kleine Panse entstand, wenn ich nicht irre, weil sich an den Leitdrähten eine leichte Verletzung gezeigt hatte. Dann folgte der Stoß, das Dröhnen, der Ranch und die Funken, und eine gewaltige Masse von Blut und Fleisch kam an die Oberfläche des Wassers. Hall forderte uns ans, sic an's Land zu ziehen und zu sehen, ob kein Ucbcrblcibscl von Sidhu darin zu entdecken sei. Wir versuchten cs auch mit Hülfe eines Bambusstabes; aber der Anblick war so un aussprechlich widerlich, daß wir sie wieder in den Strom stießen und hinweg treiben ließen. Daß dies Sidhu's Mugger war, darüber konnte kein Zweifel sei». Denn man hörte und sah nichts mehr von ihm in der Nachbarschaft. Der A l i g a t o r oder Kaiman. Mit diesem Namen bezeichnet man das amerikanische Krokodil, das in den Strömen des wärmeren Amerika's sich anfhült. Es hat an den Vorderfüßen 5 Zehen und eben so viele an den Hinterfüßen. Der Kops ist sehr lang und aus dem Rachen ragen zwei kräftige Hauer hervor. Seine fast undurchdringliche Haut ist dunkelbraun und über dem Rücken mit mehreren Längestreifen geziert. Es erreicht nur die mittlere Größe von 35 — 25 Fuß und wird daher von dem Nil- krokodil weit übertroffen. Auch ist cs nicht so gefährlich, als dieses, und flieht eher den Menschen, alö daß cs ihn angreift. Das Weibchen schichtet am Ufer der Ströme seine Eier lagcrweisc auf. Die erste Lage deckt cs mit Schlamin und Gras zu, legt dann eine zweite Reihe Eier daraus, deckt diese ans gleiche Weise zu und fährt so fort, dis das Nest ungefähr eine Höhe von zwei Ellen erreicht hat. Die Eier sowohl, als die Jungen, soll die Mutter mit großer Sorgfalt schützen und gegen jeden Feind wüthend vcrthcidigcn. Hören wir dar über noch den berühmten Reisenden Schomburgk. „Während der Hitze des Tages," so erzählt derselbe — „liegen die Kaimans meist bis an die Augen im288 Wasser verborgen, ohne sich auch nur im mindesten zu bewegen. Ihre Thäligkcit beginnt erst mit Untergang der Sonne, wo sic dann — im Napnnnni im Gniana zu 10 bis 12 in die unmittelbare Nähe unserer Boote kamen und uns alles Le bendige, was sich in diesen befand, herausholtcn. Auffallend war mir die Liebe, mit welcher die Mutter ihren Jungen eine Zeit lang zugethan bleibt, sic bewacht und mit der äußersten Wuth vcrtheidigt. Durch ein eigenes Geschrei, das viel Achnlichcs mit den jungen Katzen hatte, aufmerksam gemacht, verfolgte ich dieses mit meinem Indianer. Die Stimme schallte unter den Zweigen eines Baumes hervor, der sich in horizontaler Richtung über den Wasserspiegel gelegt hatte. Wir rutschten den Baum bis zur Krone entlang, wo wir unter uns die jungen Kai mans spielen sahen. Bald hatten wir eines der Jungen in unserer Gewalt, das etwa l’/ 4 Fuß maß. So wie aber dieses sein ängstliches Geschrei erhob, schoß auch die Mutter mit dem fürchterlichsten Ungestüm auf uns loö, wobei sie zugleich in ein Gebrüll ansbrach, von dem Mark und Bein erschüttert wurde. Es war nicht das Brüllen des Ochsen oder Tigers; ich kenne keinen Ton, dem ich cs ver gleichen könnte. Bald waren gegen 12 solcher Ungethümc unter unseren Füßen versammelt, welche die rasende Mutter unterstützten. Oft erhob sich diese bis weit über die Vorderfüße, wobei sic gewöhnlich ein merkwürdiges Geklapper mit den Kinnladen hervorbrachtc. Nachdem wir alle unsere Pfeile verschossen hatten, zogen wir uns vorsichtig nach dem Lande zurück, wo wir etwa 20 — 30 Schritte vom Wasser auch das frühere Nest fanden; cs besteht aus einem 3 Fuß hohen und eben so breiten Kegel von znsammcngctragcncn Kräutern, Misthaufen ähnlich, in welchem die Eier durch die Wärme der langsamen Gährung oder Fäulniß nns- gebrütet werden. Die Zahl der Eier inochtc sich ans 40—50 belaufen haben. Die Lebenszähigkeit des Kaimans übersteigt Alles, was ich in Rücksicht dieser bis jetzt habe kennen gelernt. Zum Glück aber verfolgen und fressen sic sich unter einander selbst." Der Drache. In den Dichtungen des Mittelalters, welche die Heldenthatcn der Ritter be singen, wird oft ein abenteuerliches Geschöpf unter dem Namen dcö fliegenden Drachen erwähnt. Dieses Ungcthüm soll ans seinem furchtbaren Rachen mächtige Feuerflammen gespicen und von dem Blute der Thicrc und Menschen sich ernährt haben. Er soll eine Größe von 20 bis 70 Ellen gehabt, mit gewaltigen Schup pen bedeckt gewesen sein und in schauerlichen Höhlen und Klüften gehäuft haben. Und cs gehörte zu den Wagnissen großer Helden, mit diesem fürchterlichen Unge heuer zu kämpfen. Sucht man nun diesen llnhold in der Wirklichkeit, so findet man, statt desselben, ein kleines, unschuldiges Thierchcn, das auf Bäumen in den dichten Wäldern des heißen Asiens und Afrika's und deren Inseln lebt. Das Ungeheuer, das in jenen Heldenliedern unter dem Namen des Drachen sich nm- hertrcibt, ist also nichts Anderes, als ein Geschöpf der Phantasie, das mit dem289 eigentlichen Drachen nur einige Aehnlichkeit in der Gestalt hat. Denn der Drache ist eine geflügelte Eidechse, die sich von Fliegen und anderen Insekten nährt. Er ist oben schön himmelblau und perlblan gescheckt und etwa 7 Zoll lang. Der Leib ist mit kleinen Schuppen bedeckt und der Schwanz ist doppelt so lang, als der Körper. Ans beiden Seiten des Körpers strecken sich die Nippen gerade ans und sind mit einer Flughaut umspannt, welche der Drache ansdehnen und znsam- menzichen kann. Sic dienen aber nicht zum Fliegen, sondern nur als Fallschirm, wenn das Thicrchen in schräger Nichtnng von einem Zweige zum andern springt, um Insekten zu fangen. Auf die Erde geht cs selten herab, weil sein Gang schwerfällig ist; dahingegen ist cs sehr geschickt im Klettern und Springen. Auch im Schwimmen zeigt cs viele Fertigkeit. Seine Eier legt cs in Bamnlöchcr, wo sie von der Sonne ausgcbrntet werden. Das Geschlecht der Schildkröten. Die Schildkröte hat ihren Namen von ihrer Gestalt erhalten. Sic gleicht nämlich unseren gewöhnlichen Kröten und ist mit einem harten, hornartigcn Schild bedeckt. Dieser Schild umschließt ihren ganzen Körper, nur Kopf, Hals, Schwanz »nd Füße ragen ans demselben hervor. Die mehrsten Gattungen können jedoch diese Theile unter den Panzer zurückziehen. Er ist so hart, daß ein darübergehen- dcs Wagenrad den Leib nicht zerdrücken kann. Die Schilde bestehen ans einer harten, hornartigcn Masse und sind aus mehreren einzeln miteinander verbunde nen Stücken zusammcngcfügt. Der Körper der Schildkröte ist kurz und gedrungen und die Kinnladen haben keine Zähne. Alle haben 4 Füße, welche mit 4 oder 5 Krallen versehen sind. Am zahlreichsten halten sich die Schildkröten in den wärmeren Gegenden auf. Sic leben im Meere, in Seen und Flüssen, andere in Sümpfen, noch an dere auf dem Lande, und nähren sich von Fischen, Wcichthiercn, Amphibien, Würmern und Insekten. Sic haben ein außerordentlich zähes Leben und können sogar mit ausgeschnittenem Gehirn oder geöffneter Brust noch einige Zeit leben. Sv kroch eine Schildkröte, nachdem ihr das Gehirn anögcnommen war, noch 6 Monate herum; eine andere machte mit dem Körper »och 27 Tage Bewegungen, nachdem ihr der Kopf abgeschnittcn worden war. Eben so können sie lange leben, ohne zu athmen. Ihrer Größe nach sind sic sehr verschieden; einige sind im Durchmesser 4 Fuß und wiegen gegen 800 Pfund, andere sind nicht größer als eine geballte Faust und ein Pfund schwer. Ihre Vermehrung ist sehr stark, denn das Weibchen legt zu verschiedenen Malen 1000 bis 1200 Eier in den Sand, wo sie von der Sonne ausgebrütet werden. Sie sind rund und haben eine kalkige Schale. Der Dotter ist orange gelb und ölig, das Eiweiß grünlich. Ihres Wohlgeschmacks wegen werden sie öiel gesucht. In Amerika gewinnt man ein treffliches Oel ans ihnen. Die Jun gen haben, wenn sie aus den Eiern kriechen, sogleich die gehörige Gestalt, die Beumer'S Naturgeschichte. ^<.s290 Schale jedoch ist noch weich, verhärtet aber nach und nach an der Luft. Im Herbste verkriechen sich die Schildkröten in die Erde. Ihr Fleisch ist zwar hart, aber sehr nahrhaft; eben so die Eier. Die Platten auf dem Schilde lassen .sich zu allerlei Kunstsachen, zu Kämmen, Uhr gehäusen, Dosen u. s. w. verarbeiten. Es ist dies das bekannte Schild kr ot oder Schildpatt. Die Seeschildkröten verscharren ihre Eier am Ufer der Gewässer, und zwar wählen sic dazu die Nacht. Die Fischer lauern daher ans sic am Ufer beim Ein brüche der Nacht, besonders wenn es Mondschein ist, und so wie die Schild kröten von der Sec Herkommen und nach derselben zurückkchrcn, wenn sic ihre Eier gelegt haben, schlagen sic mit Knitteln ans sie los, oder wenden sic schnell ans den Rücken um. Die Landschildkröten können sich meist alle umwenden und wie der auf die Beine kommen, wenn man sic ans den Rücken wirft, waö bei den Meerschildkröten nicht der Fall ist. Wenn die Schildkröten sehr groß sind, so sind mehrere Leute nöthig, mn sic nmzuwerfcn, oft müssen sic auch Hebel anwcn- dcn. In noch nicht drei Stunden kann eine kleine Anzahl von Fischern 40 bis 50 Schildkröten, die voll Eier sind, umwenden. Bei Tage bringen sic die in Sicherheit, welche sic in der Nacht gefangen haben. Sic schneiden sic ans und salzen Fleisch und Eier ein. Diese eingcsalzencn Schildkröten sind in den ameri kanischen Colonien ein nothwcndigcs Erfordcrniß. Für die Seeleute sind sic ans ihren Fahrten eine eben so große Wohlthat, als sie in Städten, wo die thenren Suppen daraus bereitet werden, einen Luxusartikel ausmachen. In London kostet eine Portion dieser Suppe ungefähr l’/ 3 Thaler. Unter den verschiedenen Gattungen von Schildkröten sind folgende die merkwürdigsten: Die Niesenschildkröte. (Taf. XI. Fig. 162.) Die Riesenschildkröte hat einen schwarzgrünlichen Rückcnschitd, dessen einzelne Schuppen nicht wie Dachziegel aufeinander liegen, sondern fest aneinander geheftet sind. Sic ist unter allen Mccrschildkröten die größte, denn sic hat eine Länge von 5 bis 7 Fuß, eine Breite von 4 Fuß und wird 700 bis 800 Pfund schwer. Statt der Zähne hat sie in jeder Kinnlade einen spitzig gezackten Knochen. Die Bordcrfüße sind mit zwei Nägeln, die Hinterfüße nur mit einem versehen. Sie ist so stark, daß sie sich mit 74 Menschen auf ihrem Schilde fortbewegen kann; und dieser Schild ist so fest, daß ein schwer beladener Lastwagen darüber fahren kann, ohne daß er zerbricht. Wenn sie sich ans dem Meeresboden satt gefressen hat an dem Tang, der dort wächst, so kommt sic schaarenweisc an die Mündun gen der Flüsse. Aber hier erwarten ihrer tausend Nachstellungen von Menschen und Thieren. Denn ihr Fleisch sowohl, als ihre Eier, liefern eine angenehme und gesunde Speise. Auch das Fett, welches eine grünliche Farbe hat, soll sehr gut sein und wird bei Zubereitung der Speisen oder zum Brennen verbraucht.291 Der harte Panzer wird zu Trögen, Köchern n. dgl. verarbeitet. Die Indianer machen auch Kähne ans demselben, oder decken ihre Hütten damit. Sie findet sich nur in den wannen Gegenden zwischen den Wendekreisen; aber durch Stürme wird sic oft weit verschlagen, z. B. an die Küsten Frankreichs. Die Carettschildkrvte liefert das beste Schildpatt zu Kunstarbeiten. Der Schild auf dem Rücken ist hart und spitzig gewölbt, von Farbe schwarzbrann mit durchsichtigen hcllrothcn Flecken. Sie wird 5 — 6 Fuß lang und 4 Fuß breit, und erreicht ein Gewicht von 200 Pfund. Ihr Fleisch ist nicht genießbar, aber wohl ihre Eier. Am besten ist ihr Schildpatt, und eine einzige liefert 3—4 Pfund. Er besteht aus dem Uebcrznge der Schale, der durch Feuer, welches unter dem Thiere ange zündet wird, sich absprengt. Hält das Thier diese schmerzhafte Operation aus, so läßt man cs wieder laufen. Sie zeigt sich aber dabei sehr kühn und muthig; krcllt, beißt und wehrt sich mit aller Macht. Das Schildpatt ist von verschie dener Farbe, ist aber sehr weich und läßt sich durch warmes Wasser und Pressen in allerlei Formen bringen. Je schöner und dunkler cS gefleckt ist, desto höher steht cs im Preise. Es wird zu Kämmen, Uhrgehäusen, Dosen u. dgl. verarbeitet. Die S ch u p p c n s ch i l d k r ö t e findet sich in den Meeren der heißen Zone und auch im mittelländischen. Sic ist bei weitem kleiner als die vorige, und hat ans ihrem Rückcnschildc vierzehn braune oder braunrothc Schuppen, deren Schildpatt aber nicht so gut ist, wie das der vorigen. Sic geht weit in's Meer hinein und entfernt sich oft 400—600 Mei len weit von der Küste. Ihr Fleisch ist schlecht, ihre Eier hingegen sind schmack haft, und ihr Fett liefert gutes Brcnnöl. Die europäische F l u ß s ch i l d k r ö t e hält sich in den Flüssen ans und ist mit Kopf und Schwanz nicht über 1 Fuß lang. Sie hat einen ründlichen Nückenschild, der eine schwarze Farbe hat; der Dauchschild ist flach und gelb und schwarz gestreift. Man findet sie ziemlich häufig in den Flüssen und süßen Gewässern des mittleren Enropa's; sic lebt ge wöhnlich ans dem Boden im Schlamm. In der Gefangenschaft läßt sie sich mit Brod, Kartoffeln u. dcrgl. anffüttcrn. Das Fleisch ist wohlschmeckend, und die Brühe soll für Schwindsüchtige heilsam sein. Die geometrische Schildkröte hat Ostindien zum Batcrlande und ist nicht größer als eine flache Mannshand. Sie hat ihren Namen von ihrem bunten Nückenschilde, der aus schwarzen, vieleckigcn Feldern besteht, welche von feinen gelben Linien durchschnitten sind, die wie 19 «292 geometrische Figuren nussehen. Den Tag über hält sie sich meist iu Gebüsche» versteckt; des Abends aber und des Nachts wandert sie schaarenweisc ans. Sic kriechen dann so eng zusammen, daß man ans ihnen, wie auf einem Stein pflaster, Weggehen kann. Die Mosaikschildkröte (Tas. XI. Fig. 163) findet sich in allen Ländern, welche das mittelländische Meer umgränzen. Sie gehört zu den Landschildkröten, hat einen ovalen, gewölbten Rückenschild, der ans 13 Feldern besteht, welche schwarz und gelb gestreift sind. Sie wird nicht über 1 Fuß lang und etwa 3 Pfund schwer. Gegen Kälte ist sie sehr empfindlich und gräbt sich daher im Winter ein Loch in die Erde, wo sie bis zum Februar oder März erstarrt liegen bleibt. Sic ist sehr zahm und wird im südlichen Europa zur Vertilgung des Ungeziefers in Gärten gehalten, denn sic nährt sich besonders von Würmern und Insekten. Das Weibchen legt 4 — 5 weiße Eier, welche den Taubeneiern gleichen und sehr schmackhaft sind. Auch das Fleisch wird, besonders in Griechenland in der Fastenzeit, gern gegessen. Die S ch l a n g e n - S ch i l d k r ö t e Die Schlangen-Schildkröte ist iu Nordamerika zu Hause. Sic ist ein eigent liches Charakterthier der neuen Welt; denn wo gäbe cs noch räuberische Schild kröten, als hier! Dieses bissige Thier stellt Enten und Fischen nach und beißt sich ans dem Lande mit seines Gleichen herum. In diesem Falle erhebt sich die Schild kröte etwas ans die Hinterbeine, springt, schnappt und zischt mit verlängertem Halse nach ihrer Beute, und was sie einmal erhascht hat, das läßt sic schwerlich wieder los, so daß man sie an einem Stocke, in welchem sic sich festgebissen, in die Höhe heben kann. Diese Schildkröte liefert auch einen höchst merkwürdigen Beweis von dem Gepräge, welches die Natur einer jeden Thierart als cigenthüm- lichen Charakter schon in der frühen Jugend anfdrückt und als Instinkt mittheilt. Ich. erhielt — erzählt Prinz Neuwied — von einem Bauer die Eier dieses Thic- res, welche er in seinem Felde zufällig ausgegraben hatte. Sic waren zum Ans kriechen reif und die jungen Thicre darin vollkommen ansgcbildet und lebhaft in ihren Bewegungen. Kaum hatten wir sie ans der Hiille befreit, so bissen sie um sich, ein Charakter, der ganz allein dieser Species zukömmt. Das alte Thier ist so bissig, daß man ihm allgemein im Lande den Namen der Snapping-turtle bei legt ; sein Biß ist sehr empfindlich. Sic erreicht eine bedeutende Größe und ein Gewicht von 15 — 20 Pfund und wird als Speise gesucht.293 Zweite Krönung. Schleichende Amphibie tu In die Ordnung der schleichenden Amphibien gehören besonders die Schlan gen, Nattern und Ottern. Was die Schlangen betrifft, so haben diese einen langgestreckten, wurmförmigen Körper, ohne alle äußeren Bewegungswerkzeuge, d. h. ohne Flossen und Füße. Jedoch wegen der vielen Rückenwirbel und wegen ihrer elastischen Rippen können sic sich sehr leicht bewegen, sowohl seitwärts als vor- wärts, aber schlechter rückwärts. Alich sind viele im Stande, sich aufzurichten und einige Zeit schwebend zu erhalten, indem sic sich ans den Hintertheil ihres Körpers stützen. Biele zeigen auch eine außerordentliche Geschicklichkeit im Klct- tern und die meisten können gut schwimmen. Im Allgemeinen sind sic sehr trage und bewegen sich ohne Noth nicht schnell; ist aber Gefahr vorhanden, oder wollen sie eine Beute erhaschen, so zeigen sic große Schnelligkeit. Der Rachen der Schlangen ist sehr weit. Ob jedoch die größten Schlangen im Stande sind, Tiger, Hirsche, Büffel oder erwachsene Menschen zu verschlucken, ist sehr zweifelhaft, obgleich man mehrere Beispiele dafür angibt. Sic ver schlingen ihre Beute ganz, mit Haut, Haar und Knochen, und außer den Federn, Haaren und Schuppen ivird Alles verdaut, sogar die Knochen. Ihre Nahrung nehmen sic nur ans dem Thierreiche. Kleine Schlangen können nur kleine Thierc berschlingcn, wie Würmer, Insekten, Frösche, Mäuse n. s. >v.; nur wenige wagen sich an Hasen, Kaninchen u. s. w. Die größeren jedoch fallen zuweilen über Pferde, Ochsen und Menschen her. Diejenigen Schlangen, welche sich in: Wasser anfhaltcn, nähren sich von Fischen und Weichthiercn. Die Ränder der Kinnladen sind mit Zähnen besetzt, die aber nicht zum Kauen, sondern zum Festhalten der Nahrungsmittel dienen. Der Oberkiefer nicht giftiger Schlangen ist auf jeder Seile mit 2 Reihen von Zähnen besetzt; bei den giftigen aber findet sich nur die innere Reihe, und statt der äußeren auf jeder Seite vorn ein kleiner Haufen hohler Zähne, von denen sich einer zu einem langen, gekrümmten, inwendig mit einer Röhre versehenen Giftzahn anöbildct. Ruht das Thier, so liegt der Zahn zurückgebogen in einer häutigen Scheide; beim Angriff jedoch richtet cs denselben und läßt in die Wunde seiner Beute einen Tropfen Gift fallen. Beißt eine Schlange in einem Tage mehrere Male, so ist der erste Biß der gefährlichste, und bei den folgenden verliert das Gift immer mehr an Kraft. Das Gift selbst i>t durchsichtig, von gelber Farbe und ohne Geruch und Geschmack, und nur ge fährlich, wenn cö sich mit deni Blute vermischt. Im Magen ist es schadlos. Äsi man von einer Schlange gebissen, so wird Aussaugen des Giftes ans der Wunde, Mswaschcn derselben mit ätzenden Flüssigkeiten, Erweichen oder294 Ausschneiden derselben empfohlen. Am besten natürlich ist cS, sogleich einen Arzt zu Hülfe zu rufen. Gefährlicher sind jedoch immer diese Wunden in warmen und heißen Ländern, als in gemäßigten, wo das empfangene Gift oft nur eine Ent zündung herbeiführt, die leicht geheilt werden kann. Die Zunge der Schlange steckt in einer Scheide, ist aber außerordentlich ausdehnbar und beweglich. Sie ist vorn zweifach gespalten und ist fortwährend in Bewegung, oft so stark, daß man nur ein Flimmern bemerkt. Sic dient nicht zum Stechen, sondern, wie die meisten Naturforscher behaupten, zum Untersuchen der Gegenstände. Was also bei den Insekten die Fühlhörner sind, das ist bei den Schlangen die Zunge. Der Körper der Schlangen ist mit hornartigcn Schuppen von verschiedener Größe und Beschaffenheit bedeckt. Umgeben sie den ganzen Körper, so werden sie Ringe, sonst aber Schilde genannt. Die Ränder derselben sind sehr scharf, so daß sic gut beim Klettern gebraucht werden können. Während des Sommers streifen sic 4'—5 Mal diese Haut ab, was man häuten nennt. Die Oberhaut lös't sich nämlich zuerst an den Lippen ab, und streift sich, indem sich die Thiere an engen Stellen, Löchern u. s. >v. reiben, allmälig, wie ein Handschuh, ab; jedoch so, daß die innere Seite nach außen kommt. Diese Häutung ist in der Freiheit in einer Stunde geschehen; in der Gefangenschaft aber, wo die Thiere nicht durch rauhe Gegenstände nachhelfen können, dauert sie oft mehrere Tage. Unter der alten Haut hat sich die neue schon gebildet. Viele Naturforscher behaupten einstimmig, daß die giftigen Schlangen eine Art Zauberkraft besäßen, und im Stande wären, durch ihren bloßen Blick ihre Beute so zu bezaubern, daß dieselbe, statt zu entfliehen, in den Rachen ihres Feindes liefe, oder doch unbeweglich und wie bezaubert auf derselben Stelle bliebe, ohne zu wagen zu entrinnen. So erzählt Levaillant, daß er einst auf seiner Reise im südlichen Afrika bemerkte, daß sich die Zweige eines ihm zunächst stehenden Baumes bewegten. Gleich darauf vernahm er das durchdringende Ge schrei eines Nenntödtcrs (Lauras Liun.), der in Verzuckung zu sein schien; als er die Ursache hiervon genauer untersuchte, sah er zu seinem Erstaunen auf den: Zweige, der dicht neben dem war, auf welchem der Vogel saß, eine sehr große Schlange, die, ohne sich im Geringsten zu rühren, mit ausgestrecktem Halse und flammenden Augen das arme Thier anstarrte. Der Vogel schlug krampfhaft mit den Flügeln; cs war, als ob ihm der Schrecken alle Kräfte geraubt hätte; er könnte nicht fliegen; Jemand holte eine Flinte, allein che er wieder kam, war der Vogel schon tobt und bloß die Schlange wurde herabgeschossen. Der Vogel und die Schlange waren 3 '/ a Fuß weit von einander entfernt. Ein anderes Mal vernahm Levaillant in einem Schitfgcbüsche ein durch dringendes Schmerzcnsgeschrei; er trat leise hinzu, um zu sehen, was die Ursache davon sei. Hier erblickte er eine Maus, die sich in Convnlsioncn befand; zwei Schritte von ihr war eine Schlange, die das Thierchen anstarrte. Sobald die Schlange Levaillant erblickte, entfloh sie, allein ihre Gegenwart hatte schon295 gewirkt. Die Maus.starb in Lcvaillant's Händen, ohne daß er durch die aufmerksamste Untersuchung die Ursache des Todes entdecken konnte. Der Di. Michaelis hat in Nordamerika viele der glaubwürdigsten Männer gesprochen, welche Augenzeugen von der Zauberkraft der Schlangen gewesen waren, die durch ihr bloßes Ansehen Mäuse, Ratten, Eichhörnchen und kleine Vögel bezaubert hatten. Einer seiner Freunde hörte einst auf einem Spaziergänge das klägliche Geschrei eines Vogels, der um den Gipfel eines Baumes in immer engeren Kreisen ängstlich herumflatterte. Gegen die Mitte des Baumes lag zwischen den Aestcn eine große schwere Schlange, die den Kopf in die Höhe ge richtet hatte und die er herabschoß. Sogleich entfloh der Vogel. Vielleicht war derselbe der Schlange noch nicht zu nahe gekommen. Ein anderer Augenzeuge sah eine Ratte sich einer großen Schlange immer mehr nähern, wobei sic sich ängstlich krümmte, allein zuletzt in den offenen Rachen ihres Feindes hineinlief. Derselbe Naturforscher erzählt, daß ihn der Dunst der Klapperschlange, über die er Untersuchungen anstclltc, ein Mal ziemlich lange seines Verstandes beraubt hätte; er sei wie betrunken gewesen, habe sich auf's Bett geworfen und sei erst nach einer halben Stunde wieder vollkommen zu sich gekommen. Mehrere Men schen auf der Insel Ceylon und auf dein Vorgebirge der guten Hoffnung wollen die Zauberkraft der Schlangen an sich bemerkt haben, und auf der Gorse und am Senegal glauben, nach der Erzählung dcö Franzosen Blanchot, die Neger allgemein daran. Andere Naturforscher hingegen leugnen diese Zauberkraft und behaupten, es könne wohl durch den furchtbaren Anblick einer Schlange und durch die drohende Gefahr ein Thier so erschreckt werden, daß cs in der Angst, statt zu entfliehen, ans seiner Stelle wie fest gebannt bleibe. Aber daraus folge keineswegs eine Zauberkraft der Schlangen. Am liebsten halten sich die Schlangen an warmen Oertern, in Höhlungen unter dem Gebüsch, in Mauer - und Felscnritzen, unter Steinhaufen und in der Nähe menschlicher Wohnungen auf. Manche auch an Flüssen und in Sümpfen; über sic gehen selten weit von ihrem Aufenthaltsorte weg. Lauert eine Schlange uns ihren Raub, so windet sic den hintern Thcil ihres Körpers zusammen, rich tet sich mit dein vordern in die Höhe, und schnellt sich dann auf das Thier oder den Menschen, auf den sic cs abgesehen hat. Ist das Thier groß, so schlingt sie sich um dasselbe fest, zerbricht ihm die Knochen und tobtet es. Hinsichtlich ihrer Große sind die Schlangen untereinander sehr verschieden. Es gibt einige von 1 — 4 Fuß Länge; die Riesenschlangen hingegen werden 20 bis 30 Fuß lang. Einige Schlangen legen Eier, die mit einer lederfarbigen schale umgeben sind, und in denen der Dotter und das Eiweiß in einander fließen; andere bringen lebendige Junge zur Welt, die aber auch ans Eiern hervorkriechen. Jedoch sind die Jungen schon so entwickelt, daß, sobald die Eier296 aus dem Leibe der Mutter kymmen, sie aus demselben hcrausschlüpfcn. Saust werden die Eier der Schlangen van der Saune ausgebrütet. Die Schlangen lassen sich leicht zähmen, und im Morgcnlande werden sie van Gauklern zu mancherlei Künsten abgerichtct, und zwar ahne ihnen zuvor die Giftzähne auszubrechcn. Vielleicht schützen sic sich durch gewisse Wurzeln gegen die Wirkungen des Bisses. Mit Ausnahme des hohen Nordens finden sich die Schlangen auf der ganzen Erde, am häufigsten jedoch in warmen Ländern; in gemäßigten Ländern erstarren sic beim Eintritt des Winters, und verfallen in einen langen Winterschlaf. Man kennt bis jetzt über 400 Arten von Schlangen, von denen etwa der sechste Theil giftig ist. Bestimmte Unterscheidungszeichen zwischen den giftigen und giftlosen Schlangen hat man nicht. Die europäischen Giftschlangen erkennt man cm den vielen kleinen Schuppen, mit welchen der Kopf bedeckt ist und die denen ans dein Rücken gleich sind; die giftlosen haben ans dem Kopfe große Schuppen. In Europa finden sich unter den 12 Arten 2 — 3 giftige; in Deutschland kommen 2 giftige vor. In Amerika kennt man über 100 Arten von Schlangen. Auf fallend ist es, daß sich ans den Inseln wenige Schlangen finden. Eigentlichen Nutzen gewähren die Schlangen uns nicht, die giftigen richten vielmehr manchen Schaden an. Gleichwohl finden die Indianer kein Bedenken, giftige Schlangen zu verzehren. Man theilt die Schlangen in 6 Geschlechter, nämlich in Schnppenschlan- gen, Nattern, Klapperschlangen, Riesenschlangen, Ningelschlangen und Runzel- schlangen. Die merkwürdigsten von diesen lvollen wir einzeln angeben. Die S ch n p p e n s ch l a ii g e n. Die Schnppenschlangen sind, wie schon der Name andeutet, nicht mit Ringen, sondern mit Schuppen bedeckt und haben Aehnlichkeit mit dem Aal. Sie sind in der Regel nicht sehr groß, und die bekanntesten unter ihnen sind die Blind schleiche und die gehörnte Schnppenschlange. Die Blindschleiche (Taf. XI. Fig. 164) ist bei uns einheimisch und oben silbergelb, unten schwärzlich; über den Rücken laufen drei schwarze Streifen. Sie ist ganz mit Schuppen bedeckt und wird bei uns 1 Fuß lang; im südlichen Europa jedoch erreichen einige eine Länge von 4 Fuß. Sie hält sich am liebsten an dumpfen, feuchten Slellen, in Hecken und Gebüschen ans und nährt sich von Insekten, Würmern, Schnecken n. dgl. Sie ist ganz unschädlich, obgleich sie sehr böse thnt. Reizt man sie, so macht sie sich so steif, daß sie zerbricht, wenn man mit einem Stock auf sie schlügt; daher sie auch Brnchschlange genannt wird. Sie häutet sich jährlich 5>Mal und bringt 10—12 lebendige Junge zur Welt.297 Sic gehörnte S ch n P P e n s ch l a n g e lebt in Egypten und ist ebenfalls ganz mit Schuppen bedeckt. Ueber den Rücken hin ist sie schwarz, und der Kopf ist schwarz und weiß gezeichnet. Ans der Ober kinnlade stehen zwei lange Backenzähne hervor, die sich über den Kopf hin krüm men und Hörnern gleichen; daher ihr Name. Das N a t t e r ii g e s ch l e ch t. Zn dem Geschlechte der Nattern, daö sehr groß ist, rechnet man besonders: die gemeine Natter, die Otter, die Biper und die Brillenschlange. Die gemeine Natter, (Taf. XI. Fig. 165) auch Ringelnatter, Hausschlange, Wasserschlange genannt, ist unter den einhei mischen Schlangen die bekannteste. Sie hält sich gewöhnlich in Gebüschen, Kel lern, Ställen oder in Misthaufen ans und ist oben schwarzblau, unten bläulich weiß. Das Männchen hat an den Seiten des Halses 3 gelbe, das Weibchen 3 weiße Flecke, die gleichsam ein Halsband bilden. Sie ist in der Regel 3—4 Fuß lang und 1 Zoll dick und nährt sich von Fröschen, Eidechsen, Kröten, In sekten, Würmern und jungen Vögeln. Früher glaubte man, daß sie auf dem Kopfe eine Krone trage und daß sie den Kühen des Nachts die Milch aussauge. Dieses ist jedoch ungegründet. Aber niehrere Beispiele bestätigen, daß sie bis weilen Menschen, welche unter Bäumen schlafen, durch den Schlund in den Magen krieche. Sie ist sehr scheu, aber nicht schädlich. Wenn man sie reizt, so richtet sie sich in die Höhe, fährt zischend auf ihren Feind los und sucht ihn zu ver- wnuden. Aber ihre Wunden sind nicht gefährlich. Das Weibchen legt 30 — 36 Eier, welche wie Perlen an einer Schnur an einander hängen, und unter Laub oder in Misthaufen von der Sonne auögebrütet werden. Im Herbste verkriecht sie sich in Erdhöhlen und hält dort ihren Winterschlaf. Mit dem Frühling wacht sie wieder auf und häutet sich. Ihre Haut wird als Ueberzug über Stöcke benutzt. Die gehörnte Natter iebt in Arabien und Afrika und wird selten über 1 Fuß groß. Ueber den Augenlidern hat sie zwei hornartige Hervorragungen, die Hörnern gleichen. Ihre Haut ist bräunlich gelb. In ihrem Rachen hat sie 4 Giftzähne, weshalb ihr Biß tödtlich ist. In Arabien tragen die Gaukler sie in ihrem Busen umher und lassen sich sogar von ihr beißen. Ohne Zweifel haben sie dann zuvor das Thier gereizt und einige Male in einen Lappen beißen lassen, so daß die Zähne ihres Giftes sich entledigt haben. Die g e in e i ii e Otter >st 1 — 2 F,,ß lang und gewöhnlich braun oder grünlich grau, am Unterleibe je doch Heller. Ihr Kopf ist herzförmig gebildet und hat einen braunen Fleck. Durch208 die Augen zieht sich ein dunkelbrauner Streifen, und vom Halse an sind über den ganzen Körper hin mehrere braune Punkte und Streifen zerstreut. Bei uns ist sie einheimisch und hält sich am liebsten in Gebüschen, Waldungen, Erdhöhlen und unter Strauchwerk ans. Sie klettert auch ans die Bäume, aber nicht so gewandt, wie die Ringelnatter. Ihr Rachen ist mit Giftzähnen versehen, und sie verwundet mit denselben Thiere und auch Mensche», wenn sic gereizt wird. Der Biß ist gefährlich und hat oft tödtliche Folgen. Man muß daher den verletzten Thcil sogleich unterbinden, damit der Blutumlanf hier gehemmt wird; sich als dann schröpfen lassen und Nattersalz einnchmen, das in jeder Apotheke verkauft und ans der Otter selbst bereitet wird. Die Kreuzotter, (Taf. xn. Fig. 166) auch Knpfcrschlange genannt, unterscheidet sich von der gemeinen Otter durch drei große Schuppen, die sie ans der Mitte des Kopfes trägt. Sie wird nur 6 — 8 Zoll lang und kaum einen halben Zoll dick. Der Oberleib ist rostgran, und über den Rücken zeigt sich im Zickzack ein rothbrauner Streifen. Sie ist noch giftiger als die vorige, und ihr Biß ist nach wenigen Stunden tödtlich, wenn nicht sogleich geschickte Mittel dagegen angewandt werden. Sie findet sich auch in Deutschland und hält sich in Wäldern, an düster», feuchten Orten und im hohen Grase auf. Die S ch o o ß s ch l a n g e, auch Jnngfernschlangc genannt, ist besonders in Ostindien häufig. Es ist ein kleines, zutrauliches, unschädliches Thierchen, das kaum eine Spanne Länge hat. Seine Haut ist schneeweiß mit schwarzen Qnerstrcifen, und seine Nahrung besteht in Fliegen und Insekten. In Ostindien behandeln die Frauenzimmer diese Schlange wie unsere Damen ihr Schooßhündchen. Sic nehmen dieselbe in ihren Schooß, streicheln sic liebend und wärmen sic sogar in ihrem Busen. Die P c i t s ch e u s ch l a n g c lebt in den wärmeren Gegenden von Ostindien und Amerika. Ihr Körper ist dünn und peitschenförmig; die Haut ist prächtig spangrün, auf jeder Seite mit goldgelben Linien. Sic wird 4 Fuß lang und lebt meistens ans Bäumen. Im Zorn ändert sic ihre Farbe, und ihr Biß soll gefährlich sein. Die Viper lebt besonders in Egypten und wird daher auch egyptischc Natter genannt. Sic ist ganz schwarz und ihr Biß höchst gefährlich; aber die Brühen von derselben sind sehr heilsam beim Hantansschlng, beim Anssatze und bei anderen ähnlichen Krankheiten. Sic hat ihren Namen Viper von vivipara erhalten, weil die Jungen ans den Eiern schlüpfen, noch che sie gelegt sind. Ihre Giftzähne sind299 der Länge nach geöffnet, und anö dieser Rinne fließt das Gift, daS in einer Drüse, oberhalb des Giftzahns, bereitet wird. Die Brillenschlange. (Tas. xil. Fig. 167.) Die Brillenschlange ist eine der gefährlichsten Nattern, denn ihr Biß ist schon nach wenigen Minuten tödtlich. Sic wird 2 — 3 Fuß lang und hat eine braungclbc Haut. Auf dein Kopfe sitzen kleine Schuppen und unter dem Leibe eine Menge kleiner Banchschildc. Gleich hinter dem Nacken befindet sich eine ringförmige Figur, die mit einer Brille große Aehnlichkeit, und welche ihr auch den Namen gegeben hat. Wird sie zum Zorne gereizt, so richtet sie sich in die Höhe, zielt einen Augenblick auf ihren Feind, und springt dann pfeilschnell auf ihn los. Indem sie sich zuriickschnellt, reißt sie ihm mit ihren zwei Giftzähnen eine längliche Wunde, welche nach einigen Augenblicken den Tod zur Folge hat, wenn nicht sogleich kräftige Heilmittel angewandt werden. Die Schlangenwurzcl soll ein treffliches Mittel gegen den Biß sein. Ihr Vaterland ist Ostindien, wo sic von Gauklern zum Tanzen abgcrichtet wird. Die Klapperschlange. Die Klapperschlangen sind die gefährlichsten unter allen Schlangen. Die gemeine Klapperschlange ist nur 4 Fuß groß; cs gibt aber auch einige, die 6 Fuß messen und armdick sind. Sie sind am kenntlichsten durch die Klapper ihres Schwanzes, welche durch 20 bis 40 hornartige Gelenke hcrvorgcbracht wird. Das klappernde Geräusch, welches sie hervorbringt, soll mit dem Geräusch, welches eine schnell ablanfendc Uhr hervorbringt, am schicklichsten verglichen wer den. Bon Farbe ist sie gelb, weiß und braun mit schwarzen Flecken, und ihr Vaterland sind die wärmeren Gegenden von Nord- und Südamerika, wo sie sich in der Nähe von Flüssen, in Gebüschen und Wäldern aufhält. Ihr Gift ist das schnellwirkendste, das man kennt, und ein Pferd oder ein Stück Rindvieh soll den Biß nur wenige Minuten überleben. Sie beschleicht und überfällt Thiere aller Art, einen Menschen aber sucht sic nur dann zu verwunden, wenn sic an gegriffen wird. Sie warnt gleichsam selbst, vor ihr bei Zeiten zu fliehen, durch das Klappern ihrer Schwanzschnppen. In die Wohnungen der Menschen schleicht sic sich, um die daselbst befindlichen Hausthierc zu erwürgen. Allein schon ihr Annähern erregt allgemeinen Aufstand unter allen ihr zur Deute bestimmten Geschöpfen. Diese geben ihren Abscheu und ihre Angst schon zu erkennen, ehe noch der Mensch das Ungethüm gewahr wird. Das zahme Geflügel schreit drohend und sträubt sein Gefieder; Hunde, Katzen und Schweine gerathen in die äußerste Bestürzung und lärmen gewaltig. Sie umringen alle in einiger Ent- fernnng den Ort, wo das Thier sich entweder schon zur Lauer gelegt hat, oder noch im Fortkricchen und Annähern begriffen ist. Jedes Thier scheint znm Kampfe bereit, und doch hat keines Mnth genug zum Angriffe. Die Schlange300 achtet jedoch diese Drohung nicht, sondern wälzt sich langsam fort, oder bleibt ruhig liegen. Höchst schrecklich sind die Wirkungen des Bisses der Klapperschlange, und cs scheint, daß, wenn Mittel anschlagen, dieses mehr der gesunden Leibes- beschaffcnheit des Gebissenen und der minder tiefen Verletzung an einem nicht sehr fleischigen Theilc dcS Körpers znzuschreiben sei; denn, wenn die Wunde bedeutend ist, so folgt der Tod augenblicklich, oder höchstens nach 4 Minuten. Die Indianer halten das Aussangen der Wunde für das beste Mittel; jedoch hilft cs nicht zuverlässig, und nur in solchen Fällen, >vo die Wunde nicht tief ist und das Aussaugen sogleich geschieht, hat cs heilsame Folgen. Aber selbst denen, die geheilt werden, bleibt ein Andenken zurück, indem alljährlich um die Zeit, wo der Biß geschah, eine schmerzhafte Empfindung wiederkehrt. Merkwürdig ist die Wirkung, welche, wie neuere Reisende berichten, die Blätter der weißen Esche auf die Klapperschlange haben soll. Eine Klapperschlange, welche mit einem solchen Zweige berührt wurde, als sic eben zum Angriffe sich gerüstet hatte, ließ augenblicklich ihren Kopf ans die Erde sinken, ringelte sich auseinander, wand sich hin und her, und schien in großer Angst; und als sie vollends dainit geschlagen wurde, gebehrdete sie sich, als. ob sie sich sogleich in die Erde bohren wollte, um der unangenehmen Berührung zu entgehen. Für ihre Jungen soll die Klapper schlange große Liebe beweisen und sie in ihren Rachen nehmen, wenn sic in Ge fahr sind. So erzählt der Naturforscher Salisot de Bcauvois, daß er im Lande der Irokesen sich einer Klapperschlange genähert habe, um sie zu erschlagen. Doch in dem Augenblicke, als er herankam, sperrte sie den Rachen auf, rasselte, und fünf fedcrspuldicke junge Klapperschlangen kamen, um in den Rachen der Mutter hineinzuschlüpfen. Starr vor Erstaunen zog sich Salisot hinter einen Baum zurück und sah wiederum die Jungen aus dem Nachen der Mutter hervorkriechen; so wie er sich zeigte, kehrten die Jungen wieder in ihren Versteck zurück, worauf die Mutter mit ihnen wegzog. — Das Fleisch der Klapperschlange wird von den Indianern gegessen, ohne daß sie innerlich von dem Gifte Schaden spüren. Selbst Europäer in Amerika schätzen dieses Fleisch dem vom Aal gleich. Zu erlegen ist die Klapperschlange sehr leicht; ein daumdicker Stock kann als Waffe gebraucht werden. Ihre Hirnschale ist nämlich sehr weich und daher leicht durchznschlagen. Die Riesenschlangen. Das Geschlecht der Riesenschlangen besteht ans zehn Gattungen, die sich alle durch ihre Größe auszeichnen. Sie messen oft 30 — 40 Fuß und sind mannsdick. Gewöhnlich halten sie sich nahe am Wasser ans; manche gehen auch in dasselbe, denn sie sind gute Schwimmer. Andere leben nur ans dem Lande und lauern von den Bäumen herab auf ihre Beute. Die meisten Arten leben in Amerika. Die größte unter allen ist die301 Königsschlange, (Taf. XII. gig. 168) auch Abgotts- ober Boaschlange genannt. Diese erreicht eine Länge von 40 Fuß und hält sich iu Ostindien, Afrika »nd Südamerika auf; im letzteren Lande jedoch führt sie den Namen A mar uschlange. Sie ist röthlich grau, mit vielen gelben Flecken auf dem Rüeken und drei dunklen Streifen über dem Kopfe. Am liebsten hält sie sich auf Bäumen auf, in deren höchste Gipfel sie sich mit außerordentlicher Gewandtheit hinanfzuwinden versteht. Im Kampfe mit einem Feinde, der ihr Widerstand leistet, macht sie nicht nur ihren ungeheuren Rachen, der mit spitzigen Zähnen besetzt ist, sondern auch ihre Muskelkraft geltend. Sie umschlingt ihren Gegner und bricht ihm die Knochen entzwei. Gewöhnlich benutzt sie noch einen Baum dazu, der ihrer Kraft als Hebel dient. Halb um den Stamm geschlungen, halb sich um ihre Beute windend, hat sie doppelte Kraft, allen Widerstand zu überwältigen. Das getödtete Thier wird so zu einer weichen, langen Masse, welche leicht durch den weiten Schlund hinabgleiten kann. Zum Ueberflnsse be deckt sie es noch mit einem zähen, schlüpfrigen Geifer, der das Ganze in eine unförmliche Masse verwandelt. So gelenk die Schlange vorher war, so sehr sie in der Wildniß bis dahin gefürchtet werden muß, so starr, unbeweglich und un- behülflich pflegt sie zu sein, sobald sie ihren Raub verschlungen hat. Sie gleicht dann mehr einem ungeheuren Baumstamme und ist eine leichte Beute der Neger, welche sich ihrer bemächtigen, um ihr die Haut abzuziehen und das Fleisch zu genießen. Das Weibchen legt 15—20 ziemlich große Eier. Die Jungen wach sen sehr schnell, und erreichen schon nach 2 Jahren eine Länge von 8 Fuß. Sonst, selbst noch vor 20 Jahren, hatte man in Europa selten Gelegenheit, eine lebendige Boa zu sehen. Das Klima bei uns sagt ihr nicht zu. Die Wärter müssen durch Wärmflaschen, warme Bäder, wollene Decken es ihnen künstlich zu bereiten suchen. Seitdem aber dies bekannt ist, findet man sie fast in allen Menagerien, und zum Theil von ausgezeichneter Größe.Hiel te Misse Die Fische. Die Fischc haben, wie dic Amphibien, rothes kalieö Blut, athmen aber nicht durch Lungen, sondern durch Kiemen. Sic halten sich beständig im Wasser ans und bewegen sich durch Flossen. Diese bestehen and dünnen knochenartigen, oder knorpclichtcn Gräten, dic denen ähnlich sind, welche das innere Gerippe des Körpers bilden. Diese Gräten der Flossen nennt man Strahlen. Kiemen und Flossen sind die Hauptkennzeichen der Fische. Die Kiemen liegen zu beiden Seiten des Hintcrkopfcs und bestehen anö mehreren fleischigen zarten Blättern, die mit zahlreichen Blutgefäßen durchzogen sind. Sie sind gewöhnlich mit halbmond förmigen Schuppen bedeckt, welche beweglich sind, und Kiemcndeckel genannt werden. Durch diese Kiemen athmen dic Fische. Sic lassen sich nämlich das zum Athmen dienende Wasser in den Mund laufen, schließen denselben, nehmen die in dem Wasser befindliche Luft in sich auf, und stoßen dann das Wasser durch dic Kiemcnöffnnngcn wieder ans. Dic Kiemen werden daher unaufhörlich befeuchtet, und sobald Fischc aus dem Wasser versetzt werden, müssen sic sterben, entweder sogleich, oder einige Zeit hernach; denn dic Luft außerhalb des Wassers können sic nicht cinathmcu. Weil dic Fische.keine Lungen haben, so haben sic auch keine Stimme. Wenn der Knurrhahn und einige andere einen Laut hören lassen, so gehört das zu den Merkwürdigkeiten, und cs geschieht durch Bewegung der Kiemcndeckel. Zähne haben dic Fischc nicht nur in den Kiefern, sondern auch im Gaumen und ans der Zunge; aber sic dienen nicht zum eigentlichen Kauen, sondern zum Festhalten der Nahrungsmittel. Der Körper der Fischc ist meist mit Schuppen bedeckt, dic äußerst zierlich gebildet sind, und eine herrliche Farbenpracht abspiegeln. Sie liegen wie Dach ziegel über einander. Dic Knorpelfische hingegen haben statt der Schuppen harte Schilde, oder eine knochenartige Schale, die mit Stacheln oder Buckeln besetzt ist. Aus der Haut der Fischc wird fortwährend ein Schleim ansgeschwitzt, der bei vielen auffallend stark ist, und das Eindringen des Wassers verhindert. Je kleiner die Schuppen sind, mit desto mehr Schleim ist der Körper überzogen.Wie die Vögel ganz zum Fliegen gebaut sind, so ist der Körper der Fische ganz zum Schwimmen eingerichtet. Er ist daher auf beiden Seiten zusammcn- gedrückt, so daß er leichter das Wasser durchschnciden kann. Besonders wird das Schwimmen erleichtert durch die Schwimmblase, die sich hinten unter dem Rückgrade befindet. Drückt der Fisch diese Blase zusammen, so wird er schwerer und sinkt in die Tiefe; dehnt er sie aber mit Luft wieder auö, so steigt er in die Höhe. Beinahe alle Fische nähren sich aus dem Thicrrcichc. Würmer, Insekten, Weichthiere, Larven, Amphibien u. s. w. dienen ihnen zur Nahrung. Sic er greifen ihre Beute gewöhnlich mit dem Maule. Die Spritzfischc jedoch schießen in einer Entfernung von 4—G Fuß aus einer Röhre ans die Insekten, welche ans Wasserpflanzen sitzen, wodurch dieselben in's Wasser fallen. Die Zitteraale betäuben ihre Beute durch elektrische Schlüge. Sehr viele Fische können im salzigen Mecrwasser und int süßen Flnßwasscr zugleich leben. Andere halten sich entweder in dem einen oder dem andern auf. Einige Arten finden sich sogar in warmen Quellen, andere in unterirdischen Gewässern. Mehrere Fische, z. B. der Aal, können längere Zeit ans dem trocke- ucn Lande znbringcn. Im Frühjahre und im Sommer kommen viele Seefische in ungeheuren Schaarcn von Norden nach Süden; andere steigen in die Flüsse auf wärts. Diese Züge haben Aehnlichkeit mit denen der Vögel, und geschehen ge wöhnlich in einer eben so regelmäßigen Ordnung. Bei den Zügen der Lachse schwimmt ein Männchen vorauf, welchem tu einiger Entfernung zwei einen Win kel bildende Reihen folgen, in welchen zuerst die Weibchen, dann die größeren, und Zuletzt die kleineren Männchen kommen. Bei hcitcrm Wetter schwimmen sic nahe an der Oberfläche, bei stürmischem in der Tiefe, immer jedoch in der Mitte bcs Stromes. Ob die Fische des Nachts schlafen, läßt sich nicht bestimmen. Daß sic aber keinen Winterschlaf halten, wie die Amphibien, ist sehr wahrscheinlich. Ihr Alter scheint sehr beträchtlich zu sein. Die kleineren Fische zwar, welche nur wenige -8oil groß sind, werden nicht alt; hingegen die Karpfen und Hechte erreichen ein 'klier von 100 bis 200 Jahren. Man hat einige gefunden, deren Köpfe ganz wit Moos bewachsen waren. Die Vermehrung der Fische ist sehr groß. Die meisten legen Eier, Laich bmannt; nur wenige, z. B. der Aal und einige Haifische, bringen lebendige J"uge zur Welt. Die Eier der Grätenfische sind sehr klein, oft wie Hirsen- körucr, und heißen Rogen. Sie sind rund und von verschiedener Farbe und werden von der Sonne anögcbrütct. Ihre Zahl ist verschieden, aber immer sehr Ö ro ß* Der Häring legt jährlich 30,000 Eier, der Karpfen über 200,000, inne Scholle über 1 Million, der Stör gegen 3 Millionen und ; er Stockfisch 4 bis '* Millionen. Diese große Fruchtbarkeit der Fische ist nothwendig, weil eine Rvge Menge von Eiern entweder durch Ueberschwemmungcu und Stürme zu304^ Grunde gehen, oder von Raubfischen verzehrt werden. Der männliche Fisch wird Milchner, der weibliche Rogener genannt. Die laichenden Weibchen werden von den Männchen begleitet, und zwar so, daß ans ein Weibchen zwei oder mehrere Männchen kommen. Der Rogener läßt seine Eier durch das Nabclloch in daö Wasser fallen; der Milchner fährt darüber weg, spricht von seinem Milchsaft darauf und befruchtet sic. Schon nach 8 Tagen schlüpfen die jungen Fische ans; bei den Lachsen jedoch dauert cs 20 Tage. Für die Menschen haben die Fische einen großen Nutzen, denn viele Mil lionen in kalten und gemäßigten Ländern ernähren sich bloß von Fischen. Sie werden ans mancherlei Weise zubercilet, frisch, eingesalzen, getrocknet, gebraten und gekocht gegessen. Die Eier mehrerer Fische, z. B. des'Hausen, Störs n. a., sind ein Leckerbissen, indem aus ihnen der bekannte Kaviar bereitet >vird. Am besten wird er in Astrachan, dann auch in Persien, in der Türkei und gegen wärtig auch in Deutschland bereitet. Er wird entweder getrocknet versendet und heißt dann Preßkaviar, oder im flüssigen Zustande, wo er dann grüner oder frischer Kaviar heißt. Wegen des mancherlei Nutzens, welchen uns die Fische gewähren, ist der Fischfang von jeher immer sehr wichtig gewesen, besonders in den Küstenländern, wo er einen eigenen Gelvcrbszweig bildet. Zum Fange be dient man sich der Angeln und Netze und gebraucht als Köder Würmer, Insek ten, Kreböschaalcn, kleine Fische u. dgl. Wir theilen die Fische in zwei Hauptgattnngen: Knorpelfische, die statt der Gräten Knorpel haben, und Grätenfische. Die Knorpelfische werden wieder eingcthcilt: 1) in Knorpelfische ohne Kiemendeckel, 2) in Knor pelfische mit Kiemendeckeln. Die Grätenfische bilden folgende vier Gattungen: 1) Kahlbäuche, 2) Halsflosscr, 3) Brnstflosser, 4) Banchflvsser. Erste Krönung. Die Knorpelfische. 1. B h » e K i r m e n d e ck"r l. Die Fische dieser Ordnung haben statt der Gräten Knorpel, keine Kiemen deckel und meist den Mund an der Unterseite des Kopfes. Es gehören dazu: die Neunaugen, Lampretten, Rochen, Haifische, Sägefische, Seeteufel und Hornfische.305 D a s N e u n a ii g e. (Taf. xil. Fig. 169.) Dieser Fisch hat nicht, wie sein Name sagt, neun Augen, sondern auf jeder Seite 7 Luftlöcher, die man früher für Augen gehalten hat. Diese und die Zwei eigentlichen Augen mitgezählt, geben die Zahl 9, und so entstand der Name Neunangc. Durch die Luftlöcher, welche ans beiden Seiten des Halses sitzen, zieht dieser Fisch das Wasser ein, das ihm zum Athmcn dient. Der walzen förmige Körper ist ans dem glücken olivcnfarbig oder schwärzlich, unten weißlich. An dem Munde befinden sich Lippen, mit welchen daö Neunangc sich fest an Steine und Balken ansaugt. Es findet sich in allen süßen Gewässern und ist bei uns unter dem Namen Flußpricke allgemein bekannt. Sic wird 1 — 1'/« Fuß lang und vom Deccmbcr bis April gefangen; den Sommer hindurch hält sie sich auf dem Grund des Flußbettes auf. Ihr Fleisch ist in dieser Jahreszeit nicht schmackhaft, aber vom December bis April vortrefflich. Daher stellt man um diese Zeit ihr vielfach nach. Wenn die Gewässer zugcfrorcn sind, so haut mau Luftlöcher in das Eis, und steckt Nciscr hinein; die Prickc kommt herbei, saugt sich fest an und wird mit dem Ncisbuschc hcrausgczogcn. Am berühmtesten sind die Bremer und Lüneburger Prickcn. Sic werden gewöhnlich marinirt und daun in Fässern versendet. Die Lamprcttc (Taf. XII. Fig. 170) gehört auch zu den Neunaugen, hält sich aber nicht in süßen Gewässern, son dern im Meere auf, uamcntlich im Mittelmeere und in der Nordsee. Sic wird 2—3 Fuß lang, ist oben schmutzig gelblich und braun marmorirt, und unten lveiß. Im Frühjahre geht sic aus dem Meere in die Flüsse hinauf, um zu laichen und wird dann in großer Menge gefangen und gesalzen, marinirt oder- geräuchert versendet. Mit ihren Lippen sangt sic sich an Steine und andere feste Körper fest, selbst an Fische, welche sic dadurch verwundet und tobtet. Man schon Lamprctten mit zehn- und mehrpfündigcn Steinen aus dem Wasser- gezogen, an welche sic sich so fest angcsangt hatten, daß die Steine durch ihre Schwere nicht abfielen. Ihre Nahrung besteht in Würmern, Schnecken, Fischen und Insekten. Der Roche- Es gibt mehrere Arten von Nochen, die sich aber alle im Meere befinden. Ihr Körper ist oben platt gedrückt und endigt mit einem dünnen Schwänze. Der Mund befindet sich unter dem Kopfe, und unter dem Halse sitzen 5 Luft löcher. Sie können ein Gewicht von 200 Pfund erreichen. Ihre Eier sind mit oincr harten, schwarzbrannen Schale umhüllt, und sonderbar genug viereckig. Sie werden Seemäuse genannt. V eu m e r'S Naturgeschichte. 20300 Der Glattroche hat eine schwarzbraunc, aber ganz Platte Haut und wird in den europäischen Gewässern gefunden. Er wird 4 Fuß lang und oft 200 Pfund schwer. Sein Fleisch soll sehr schmackhaft sein. Der Stachclroche ist oberhalb braun, unterhalb weißlich und hat am Schwänze einen 6 Zoll langen Stachel, welchen man für giftig hält. Das Thier- gebraucht ihn, um andere Fische zu spießen. Die Indianer spitzen mit demselben ihre Pfeile und Spieße. Sein Fleisch wird gegessen und seine Leber gilt für einen Leckerbissen. Der Mccradler ist oberhalb dunkelbraun, an den Seiten olivcnfarbig, unten schmutzig grau. Er wird 3 Fuß lang und über 200 Pfund schwer. Auch er hat auf dem Schwänze einen Stachel, der giftig sein soll. Die Fischer fürchten ihn sehr, und hauen ihn daher ab, sobald sic ihn an's Land gezogen haben. Seine Seiten breiten sich wie Flügel aus, so daß er das Ansehen eines Raub vogels mit ausgcbreitcten Flügeln gewinnt. Der Zittcrroche ist wegen der elektrischen Schläge, die er austhcilt, der merkwürdigste unter allen Rochen. Berührt man ihn nämlich am Kopf, so erhalt man einen starken elektrischen Schlag, der durch Mark und Beine geht. An dcni Schwänze darf man ihn aber anfassen, ohne einen Schlag zu befürchten. Der elektrische Apparat sitzt zwischen den Brustflossen, dem Kopfe und den Kiemen und wird von diesem Thicrc gebraucht, um sich gegen seine Feinde zu vcrtheidigen, oder um kleinere Fische, die ihm zur Nahrung dienen, zu betäuben. Er hält sich besonders im mittelländischen Meere auf, ist 2 bis 3 Spannen lang und rund wie ein Teller; denn in dem scheibenförmigen Umfange seines Körpers steckt der Kopf zugleich mit. Oben ist er kaffeebraun und schwarz gefleckt, unterhalb ganz weiß. Der Hai. (Taf. XII. Fig. 171.) Die Haifische bewohnen alle das Meer und sind äußerst räuberisch und ge fräßig. Sic verschlingen Alles, was ihnen vorkommt, Menschen, Pferde, Leder, alte Lumpen u. s. w. An Größe übcrtreffcn sie alle übrigen Fische, denn man hat einige gefangen, welche 40 Fuß lang waren. Ihr Körper ist walzenförmig gebaut, das Maul befindet sich vorn am Kopfe, und auf beiden Seiten dcö Hal ses sind 5 Luftlöcher. Die Haut ist ohne Schilde und Schuppen, aber rauh und mit feinen Stacheln besetzt. Ihr Rachen ist sehr groß und der Schlund sehr- weit. Die Kinnladen sind mit mehreren Reihen Zähne besetzt, welche von einigen anfgerichtct und niedergelegt werden können. Des Nachts leuchten sie, indem sic einen phosphorartigcn Glanz von sich geben. Die meisten Haifische bringen lebendige Junge zur Welt, einige pflanzen sich durch Eier fort. Unter den ver schiedenen Arten sind folgende die merkwürdigsten:307 Dcr Menschenfresser oder Jonasfisch ist unter allen der gefräßigste und findet sich in allen Meeren. Er wird 20 bis 30 Fuß lang und 1500 Pfd. schwer. Seine aschfarbige Haut ist mit Wärzchen besetzt, welche bei Nacht ein phosphorartiges Licht ausströmen, und hat eine solche Harte, daß man Holz und Elfenbein mit derselben glatten kann. Gewöhnlich wird sic zu Riemen und Chagrin verarbeitet. Der Rachen hat einen großen Umfang und dcr Schlund ist so weit, daß ein erwachsener Mensch hindurch kann. Man hat zuweilen ganze Pferde in seinem Bauche gefunden. Liegt ein solcher Hai getödtet am Lande, so kriechen große Hunde durch den aufgekerbelten Nachen bis in den Magen hinab, um die unverdauten Ucbcrblcibsel sich herauszuholcn. In den Kinnladen sitzen oben und unten 6 Reihen dreieckiger Zahne, die glänzend weiß, wie Elfenbein sind. Einzelne derselben kann der Hai willkürlich zurücklegen oder ausrichten. Seine Brustflossen sind sehr stark und setzen ihn in den Stand, große Sprünge zu machen. Er ist daher ein Schrecken aller Fische; nur ein kleiner Fisch, der mit der Sardelle Aehnlichkeit hat, und Haipilot oder Lootse genannt wird, schwimmt ohne Furcht vor ihm her und soll ihm seinen Raub anfspüren helfen. Sein Geruch muß sehr stark sein, denn er wittert seine Beute schon in weiter Entfernung. Oft ziehen ganze Schaaren den Schiffen nach, besonders denen, welche Sklaven transportiren, weil sie wissen, daß die Leichname dcr vielen Un glücklichen, welche auf denselben sterben, in die See geworfen werden. Kanin berührt ein todtcr Körper das Wasser, so hat der Hai ihn auch schon verschlun gen. Mit gleicher Gier fällt er auch lebende Personen an; daher ist er den Ba denden und den Tauchern sehr gefährlich. Kann er sic nicht sogleich in-seinen Nachen bekommen, so reißt er ihnen ans einen Zug einen Arin oder einen Schen kel ab. Alljährlich werden viele Taucher ans diese Weise verschlungen. Dcr Sägchai oder Sägefisch (Taf. XII. F,g. 172) hat vorn am Kopfe eine hornartige Säge, welche geradeaus steht, 2 Ellen lang und über 2 Fuß breit ist. Ans beiden Seiten ist sie mit 24 scharfen Zähnen besetzt. Dcr Fisch fclbst wird 12—15 Fuß lang und ist oben grauschwärzlich und unter dem Bauche weiß. (§ r wird in allen Meeren gefunden und ist besonders den Walfischen gefährlich, mit welchen er fortwährend in Feindschaft lebt. Zwar sucht dieser stch mit seinem Schwänze zu vertheidigen, aber dcr Hai schnellt sich aus dem Nasser über seinen Feind in die Höhe und stößt ihm im Herabfallen die Säge in den Leib. Dcr Hammerhai oder Hamm er fisch ist besonders merkwürdig durch die Bildung seines Kopfes. Dieser liegt nämlich quer vor dem Rumpfe, wie ein Hammer vor dem Griffe steht. Ans jeder Seite des ausgedehnten Kopfes befin- sich die Angen. Sonst ist seine Gestalt der des Jonasfischcs ähnlich. Er cneicht eine Länge von 8 Fuß und hat eine aschgraue Farbe. Seinen Aufenthalt )at er in den europäischen und afrikanischen Meeren. 20 *308 D e r Seeteufel, auch Froschfisch genannt, hat große Achnlichkcit mit der Froschlarvc oder Kaulquappe, von welcher er auch seinen Namen erhalten hat. Er wird im Ganzen 4—6 Fuß lang, aber der ungeheure runde platte Kopf macht mehr als die Hälfte des Körpers aus. Um sein großes Maul, das inwendig mit 3 Reihen Zähne besetzt ist, hangen ellenlange Bartfascrn herunter. Um seine Beute zu erhaschen, treibt er den schlammigen Grund des Wassers auf, legt sich ruhig hin und läßt seine Bartfäden im Wasser herumschwimmen. Die Fische halten diese Fäden für Würmer, schnappen darnach und gcrathen somit in den weit geöffneten Rachen des Seeteufels. Er hat diesen Namen von seinem häßlichen Ansehen. Bon Farbe ist er schmutzigbraun, und seinen Aufenthalt hat er besonders in der Nord- und Ostsee. Der H o r n f i s ch wird besonders im mittelländischen Meere häufig gefunden, wo er sich von See tang nährt. Er hat zwei Rückenflossen, von welchen die eine zwischen den Augen steht und ihm das Ansehen gibt, als trüge er ein Horn. Der ganze Körper ist mit feinen Stacheln besetzt und trägt auf dem Rücken vier kleine Höcker. Sein Fleisch wird wenig geschätzt und soll, wenn er Polypen gefressen hat, giftig sein. Er wird nicht über 1 Fuß lang. Z Ul e i t e Ordnung. Knorpelfische. 2. Mit K i e m e n d r ck e l n. Zu den Knorpelfischen, welche mit Kiemendeckeln versehen sind, gehören: der Stör, der Panzerfisch, der Stachclbauch, der Hausen, der Bauchsauger und das Seepferdchen. Der Stör. (Tas. xii. Fig. 173.) Der Stör ist mit 5 Reihen von Knochcnschilden bedeckt, die in Längestreifen um den Körper liegen, und demselben eine fünfkantige Gestalt geben. Er ist oben blaugrau, unten grauweiß; sein Maul ist rund und steht immer offen. Bier Bartfascrn befinden sich an demselben. Er erreicht eine Länge von 5— 20 Fuß, und ein Gewicht von 100 — 300 Pfund. Seine Nahrung besteht in Gcwürmcn, Schalthicrcn und Fischen. Häringe, Lachse, Karpfen und Makrelen sind seine tägliche Kost. Er hält sich in allen Meeren auf, und kommt im April und im309 Mai itt größere Flüsse, um zu laichen. Das Weibchen trägt oft 200 Pfund Rogen bei sich, und man rechnet, daß ein solcher an 6 Millionen Eier enthalte. Ans demselben bereitet man den berühmten Caviar. Das Fleisch des Störs ist sehr fett, und hat einen süßlichen Geschmack. Nach der Laichzeit geht der Stör in das Meer zurück, schwimmt aber nicht weit von der Küste weg. Große Aehnlichkeit mit dem Stör hat der Nerlct, der sich im kaspischen Meere und in der Wolga aufhält. Er wird aber nur 8 Fuß lang, und ist oben gelblich braun, unten weiß. Sein Fleisch ist sehr kostbar, und aus der Wolga schickt man jährlich gegen 15,000 Stück lebendig nach Petersburg. Der Kaviar, welcher von ihm gewonnen wird, gilt für den besten. Der Hausen. Der Hausen erreicht eine Länge von 24 Fuß, und ein Gewicht von 3000 Pfd. Er ist obenher blangrau, an den Seiten bläulich, und unter dem Bauche weiß. Mau findet ihn besonders im kaspischen und schwarzen Meere, und wird am häufigsten in der Wolga gefangen. Zur Laichzeit schwimmt er nämlich in die Flüsse hinauf, und bleibt in denselben 40 Tage. Auf diesen Zügen wird er aber in großer Menge wcggcfangcn, denn sein Fleisch ist vortrefflich, und wird theils frisch, theilö eingesalzen und getrocknet verschickt. Beim Fang haben sich die Fischer besonders vor seinem Schwanz in Acht zu nehmen, denn er besitzt in demselben eine außerordentliche Kraft. Aus seinen: Rogen wird Kaviar bereitet, und seine Schwimmblase gibt einen vortrefflichen Leim. Dieser ist so fein, daß man bei zusamincngekittctcn zerbrochenen Gläsern, Tassen u. s. w. die Bruchstelle kaum entdecken kann. Die bekannten englischen Pflaster, welche gebraucht werden, um kleine Wunden zu heften, sind nichts anders als Seidenstückchcn mit dem Leim der Hansenblasc getränkt. 10 Hausen geben 1 Pfund Hauscnblase. Der P a » z e r s i s ch ist von Farbe schön goldgelb, init brauner Schattirung. Sein Körper ist mit kleinen scchskantigcn Schilden bedeckt, welche zu einem Panzer verwachsen sind. Die Augen sind mit einer großen, durchsichtigen, aber unbeweglichen Haarhaut bedeckt, unter welcher sich die Augäpfel frei bewegen. Bor den Augen stehen zwei gerade Hörner, welche mit dein Rücken des Fisches in einer Richtung fort- lanfcn. Man findet ihn am häufigsten in den Meeren der wärmeren Erdgegen- ben, namentlich in beiden Indien und Afrika. Der S t a ch e l b a » ch. (Taf. Xli. Fig. 174.) Es gibt mehrere Arten dieser Fische, welche sich alle dadurch auözeichnen, baß sic unter dein Bauche Stacheln haben. Merkwürdig durch seine ungewöhn liche Gestalt ist der Mondfisch, auch Klump fisch genannt, der im atlantischen310 und im mittelländischen Meere häufig gefunden wird. Dieser hat nämlich einen scheibenförmigen Körper, und gleicht der Gestalt nach einem schwimmenden abge hauenen Fischkopfe. Ans dem Nucken ist er schwarz, an den Seiten silberfarbig, unter dem Bauche weiß, mit langen krmmnen Stacheln bewachsen. Wenn man ihn berührt, so empfängt man einen elektrischen Schlag. Er erreicht eine Länge von 4 Fuß und ein Gewicht von 500 Pfund. Der Banchsangcr hat das Eigenthümliche, daß er sich mit dem Bauche auf den Meeresgrund oder auf Klippen fcstsctzt, indem er sich mit dem Schleime, der ans seinen Flossen quillt, ankittct. In dieser Lage wartet er auf seine Beute, welche in Seewür- mern besteht, die auf dem Boden umhcrkriechen. Das Seepferdchen (Taf. XU. Fig. 175) wird in den europäischen Meeren häufig angetroffen. Es wird kaum 1 Fuß lang, und hat einen pferdeähnlichen Kopf, der in der Gestalt eines Entcnfchnabcls endigt. Der Rumpf hat 7 Ecken, und der Schwanz 4. Wird cs getrocknet, so zieht es sich in die Gestalt eines 8 zusammen, und häufig findet man cs so in Naturalicnkabinetten ausgestellt. Dritte Ordnung. K a h l b ä u ch c. Die Fische der beiden vorigen Ordnungen hatten statt der Gräte Knorpel, und wurden daher Knorpelfische genannt. Mit dieser Ordnung beginnen die Fische, welche wahre Gräten haben. Die Kahlb ttuche insbesondere zeichnen sich dadurch aus, daß ihnen die Bauchflossen fehlen. Sie haben eine glatte, schlüpfrige Haut, und sehr feine, kaum sichtbare Schuppen. Der Aal. (Taf. XII. Fig. 176.) Der Aal hat einen langgestreckten schlangcnförmigcn Körper, und keine Banch- flosscn. Die Kiemen liegen hinter den Brustflossen, und die Rückenflossen sind zu schwachen Hautsäumen verkürzt. Man unterscheidet 11 Gattungen. Der gemeine Aal ist oben dunkel, unten heller, und zeichnet sich durch seine schlanke Form und seine schnellen zierlichen Wendungen vor allen übrigen ans. Er wird 4—5 Fuß lang und armdick. Der Kopf ist dünn und die untere Kinnlade ragt über die -obere hervor. Die Schuppen sind äußerst klein, und liegen fest am Körper. Dieser ist „fit einer schlüpfrigen Feuchtigkeit überzogen, so daß er leicht den311 Händen entschlüpft. In Deutschland findet er sich allgemein. Am Tage hält er sich im Schlamme süßer Gewässer auf; des Nachts jedoch geht er ans Nahrung aus, welche in Würmern, Insekten, Fischrogen und dem Aas aller Thicrc be steht. Er kommt 'sogar in die Gärten, um Würmer zu suchen oder die frisch- gesäeteu Erbsen aufzuwühlen. Er kann also auf der Erde sich fortbcwcgen, und längere.Zeit die freie Luft außerhalb dcö Wassers cinathmcn, was bekanntlich bei andern Fischen nicht der Fall ist. Der Boden, auf welchem er, wie eine Schlange, fortkriecht, muß eben und glatt sein. Denn wenn man während seines Hcrum- schweifens über seinen Weg nach dem Flusse hin eine Furche gräbt, so kann er sich auf der lockern Erde nicht weiter forthelfen. Im Winter findet man ihn in ganzen Gesellschaften im Schlamme versteckt; ja man hat um diese Zeit schon Aale in Hcnbehältnissen versteckt gefunden. Er bringt lebendige Junge zur Welt, die aber sammt den Eltern von Raubvögeln und größeren Fischen vielfach ver folgt und erbeutet werden. Sein Leben ist sehr zähe, ein Nagel, welcher ihm durch den Kopf geschlagen wird, tobtet ihn nicht. Eben so wenig stirbt er, wenn man ihm die Haut abzieht. Selbst der abgeschnittene Kopf lebt noch fort, und beißt noch längere Zeit um sich, und das ausgeschnittene Herz schlägt noch 40 Stunden fort. Sein Fleisch ist sehr fett und schmackhaft, aber schwer zu verdauen. Die Muräne. (Tas. XU. Fig. 177.) Die Muräne gehört mit dem Aal zu einerlei Geschlecht. Sic ist braun und gelblich marmorirt, und erreicht eine Länge von 4 Fuß. Ihre Augen sind klein und mit einem goldfarbigen Ringe umzogen. In ihrem Rachen hat sic, wie die giftigen Schlangen, zwei bewegliche Zähne, deren Biß Entzündungen verursacht. Ihre Nahrung besteht in Würmern und Insekten, doch ist sic nach Menschcn- fleisch sehr lüstern. Sic hält sich nur im Meere auf, und wird besonders bei Sardinien häufig gefangen. Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft, und die alten Römer fütterten sie in ihren Teichen mit Aas und Blut; oder, weil sic nach Menschen- fleisch so lüstern waren, mit dem Fleische ihrer Sklaven, welche oft um gering fügiger Ursachen willen hingerichtet wurden. Der Seeaal hat ebenfalls seinen Aufenthalt nur im Meere, und kommt nur in süße Gewässer, um zu laichen. Er wird oft 40 — 60 Pfund schwer. Im April kommt er in fv großer Menge in die Flüsse Englands, daß die Fischer ihn so zu sagen nur Ichöpfcn. Sein Fleisch ist sehr fett, und daher schwer zu verdauen. Der Zitteraal. (Tas. xn. Fig. 178.) Der Zitteraal hat sehr große Aehnlichkeit mit dem gemeinen Aal. Sein Körper ist ebenfalls lang gestreckt, Kopf und Schwanz jedoch sind stumpf. Seine312 Grundfarbe ist schwärzlich oder röthlich und mit einigen Hellen Flecken versehen. Er wird 5—6 Fuß lang, und hält sich in den südamerikanischcn süßen Gewässern ans. Seine Nahrung besteht besonders in Insekten, Würmern und kleinen Fischen. Er ist besonders merkwürdig durch die starken elektrischen Schläge, welche er austheilt, und in welcher er alle übrigen elektrischen Fische übertrifft. Diese Schläge sind so heftig, daß, wenn schwächliche Personen oder Kinder ihn mit der Hand stark angrcifcn, sic augenblicklich zu Boden geworfen werden. Selbst rüstige, kräftige Leute werden durch seine Schläge auf mehrere Jahre an ihren Armen gelähmt. Selbst zehn und mehrere Personen können sich einander anfasscn, und alle erhalten den Schlag eben so gut, wie der, welcher den Fisch unmittelbar be rührt. Auch dem Wasser thcilt er seine Elektricität mit, und die Fische werden schon in einer Entfernung von 12 Fuß getroffen; die kleineren werden dadurch sogleich gctödtet und eine Beute des Zitteraals. Eben so gebraucht er diese elektrische Kraft gegen stärkere Feinde, um sich zu vertheidigen. Greift man ihn mit seidenen Handschuhen an, so empfindet man nichts, denn die Seide wider steht der Elektricität, wie bei einer Elektrisirmaschine. Erst nach dem Tode ver liert dieser Aal seine elektrische Kraft. Der Schwertfisch, (Taf. XII. Fig. 179) auch Horn- oder Degenfisch genannt, wird 16 — 24 Fuß lang, und oft 5 Centner schwer. Man findet ihn im mittelländischen Meere, in der Nord- und Ostsee; er nährt sich thcilö von Fischen, thcilS von Secgcwächscn, die er mit seinem Schwerte abmähet. Dieses befindet sich an der oberen Kinnlade, die sich 6 Fuß lang zu einem Rüssel verlängert, und spitzig zuläuft. Es ist zweischneidig und sehr scharf, und dient ihm zur Vertheidigung gegen seine Feinde, indem er es ihnen mit aller Kraft in den Leib stößt. Wird er aber nicht angegriffen, so macht er auch keinen Gebrauch von seiner furchtbaren Waffe, sondern hält mit derselben seine Feinde nur im Respekt. Zuweilen setzen sich kleine Insekten ans seine Haut, und bohren sich in sein Fleisch hinein. Dadurch wird er so wüthend, daß er über das Wasser emporspringt und am Ufer strandet. Der obere Theil seines Körpers ist schwarzbrann, der untere weiß und an den Seiten silberfarbig. Der S c c w o l s. Dieser Fisch gehört zu den gefährlichsten und gefräßigsten Seeungeheuern. Er ist oben braun, mit dunkleren Binden, und erreicht eine Länge von 12 — 15 Fuß. Sein fast immer geöffneter Rachen ist mit 20 kräftigen Zähnen bewaffnet, und was er mit denselben gepackt hat, daö läßt er nicht mehr los. Er kriecht wie eine Schlange, und geht auch an's Land, wie der Aal, um sich Nahrung zu suchen, denn er wird fortwährend von einem entsetzlichen Hunger geplagt.313 D i e Aalmutter (Taf. xil. Fig. 180) lebt in der Nord- und Ostsee, wird t Fuß lang, ist braungelb und längs der Rückenflosse mit schwärzlichen Flecken geziert. Sic bringt lebendige Junge zur Welt. Bloch fand bei einer einzigen 200 Junge. Das Fleisch ist eßbar und die Gräten leuchte» im Dunkeln. Vierte B r d n u n g. Die Halsslosser. Die Fische dieser Ordnung haben ihre Flossen an der Kehle sitzen, und es gehören zu ihnen: der Sternseher, der Kablian, der Schellfisch, der Lengfisch, die Dnappc und der Dorsch. Der S t e r n s e h e r hat seine stark hervorragenden Augen oben auf dem Kopfe liegen, so daß sie nach dem Firmament gerichtet sind. Aber um die Sterne bekümmert er sich wenig, sondern legt sich ans den Grund des Meeres, um von dorther die Fische, welche über ihm hinschwimmen, zu belauschen und zu erhaschen. Er wird 2 — 3 Fuß ang und häufig im mittelländischen Meere angctroffcn. Der Kablian. (Taf. XII. Fig. 181.) Der Kablian gehört zu den Wcichfischcn, wird 2—5 Fuß lang, 1 Fuß breit und 15-20 Pfund schwer. Er ist grau, gelblich und braun gefleckt und findet sich in den kalten und gemäßigten Meeren. Die Schuppen seines Körpers sind sehr groß und seine Schwanzflossen sind kurz abgestumpft. Sein Fleisch leuchtet stark im Dunkeln. Seine Nahrung besteht in kleineren Fischen, Krebsen, Sccge- wnrmen u. dgl. Er hält sich selten an den Küsten des Meeres auf, gewöhnlich bewohnt er dessen Tiefen. Nur zur Laichzeit kommt er an die Küsten von Eng- iand, Norwegen und Dänemark. Am häufigsten jedoch findet er sich bei Neu soundland in Nordamerika. Seine Vermehrung ist ungeheuer stark. Ein einziges Weibchen laicht jährlich gegen 9 Millionen Eier. Sein Fleisch schmeckt am besten stisch, und um ihn lebendig von Neusoundland zu bringen, durchlöchert man Schiffe, füllt sic mit Kabliau's, und schleppt sic am Fischerschiffe nach. Sonst wird das wünsch entweder eingesalzen oder gedörrt, oder gedörrt und gesalzen zugleich. Die oingesalzenen Kabliau's heißen Laberdan, die getrockneten Stockfische, und die auf den Klippen in der Luft und Sonne gedörrten Klippfische. Die Laichzeit ist vom Januar bis zum März, dann wird er geschont, aber vom April an fängt314 man ihn schon; dcr große Stockfischfang beginnt jedoch erst mit dem 10. Juni. „Fast alle Nationen nehmen daran Thcil. Die Engländer allein beschäftigen da mit 150 große, 1500 kleine und 300 Kauffahrteischiffe mit 25,000 Matrosen. Schiffe von 100 — 200 Tonnen Gehalt werden nach der Bank von Neufoundland geschickt, sie werden mit 20 bis 30 Mann besetzt, mit Lebensmitteln ans nenn Monate versehen (wegen der Gefahr des Verschlagenwerdcns, sonst brauchten sie nicht für so lange vcrproviantirt zu sein), und sonst mit allein Röthigen, als Köder, Fischerwerkzenge u. s. >v., hinlänglich versehen und langen so gewöhnlich Ende Mai in dcr Sec von Neufoundland an. Hier wird das Schiff vor Anker gelegt und bis zur Zeit, da der Fang be ginnt, beinahe völlig abgetakelt, dcr Segel, dcr Taue, der oberen Stangen und der Masten beraubt und für den Fang eingerichtet. Man schickt auch größere Schiffe von 30 bis 40 Kanonen und nahe an 200 Mann Besatzung auf den Fang; solche haben 20 bis 25 kleine Boote bei sich, welche zerlegt sind, so daß sic lvcnig Raum einnehmen. An Ort und Stelle angclangt, werden diese Boote zusammengeschlagcn, ein jedes mit vier Mann besetzt und darauf nach den Bänken abgcschickt. Entweder sind die Angeln alle an einer großen Leine befestigt, die durch leere Fässer schwimmend erhalten wird, oder jeder Matrose hat zwei Angel stöcke, jeder mit zwei Schnüren versehen, vor sich. Dcr Matrose steht in einer Tonne, welche Unten breit und oben spitz ist, so daß ihr oberer Rand seine Hüften umschließt; dazu bedeckt ihn ein Strohkranz, von dem, wie von dem Fasse, das Wasser abläuft, mit welchem ihn der Fisch bespritzt. An dcr Rückseite erhebt sich eine hölzerne Nische, welche ihn zum größten Thcil bedeckt und gegen Wind und Regen schützt, so daß er, wie in einem Schildcrhausc, wohl verwahrt ist. Sobald die Boote sich an einem Riff oder einer seichten Stelle hingelegt, jede Angelschnur an dcr Seite des Bootes befestigt und ihre Angeln, von starkem Stahl mit mächtigen Widerhaken, mit Ködern versehen haben, so lauert der Fischer in gleicher Entfernung von den ihm anvcrtrauten Angeln, bewegt sie von Zeit zu Zeit, und sobald er die geringste Straffheit oder Schwankung dcr Schnur wahr nimmt, zieht er sie eilends herauf und wirft ihn entweder mittelst dcr Schnur, oder, wenn der Fisch schwer ist, durch eine Gabel hinter sich in das Boot, wo selbst ein Mann dem Thiere einen Span in den Mund steckt, so daß es den Rachen weit geöffnet halten muß; er schneidet ihm die Zunge aus, woran der Fleiß und die Geschicklichkeit des Fischers ermessen wird. 150 bis 200 sind ein Tagewerk. Nicht begünstigte Nationen müssen ihren Fang auf dem Schiffe ordnen; da dieses aber höchst unbequem ist, so wurde das Recht, an Neufoundlands Küste z» fischen, sowohl, als daö Recht, die Fische ans dem Lande zu verpacken, der Gegen stand von Kriegs- und Friedenstraktaten, und so haben jetzt die mehrsten Na tionen ihre eigenen Niederlassungen ans der Insel.Der Platz, wo die Zubereitung geschieht, heißt die Bühne. Dies ist ein am Strande errichtetes, zum Thcil über das Wasser hinaus gebautes hölzernes Haus. Das aus starken Balken bestehende, weit ausgcladene Stück heißt der Bühnenkopf, an dessen äußerstem Theile steht ein Tisch, von zwei Personen besetzt, deren eine der Gnrgclabschneidcr, die andere aber der Kopfabschneider genannt wird. Der crstcre schneidet mit einem breiten Messer dem Fisch die Gurgel bis an den Rückgrat auf und gibt ihn dem andern; dieser reißt dem geöffneten Fisch die Leber ans und wirft sie in einen Korb unter den Tisch, dann reinigt er ihn von den Gedärmen, welche durch einen großen Trichter in das Meer fallen; nun mehr stemmt er ihn mit dem Kopf unterwärts gegen die halbrund ausgeschnittene, mit Stahl beschlagene Tischcckc, gibt dem Körper des Fisches mit der rechten Hand, welche durch ei» starkes Sohlleder gegen Verletzungen geschützt ist, einen Stoß, daß der Körper abbricht und über den Tisch dem Aufschneider zuslicgt, während der Kopf durch den Trichter in's Meer fällt, und beginnt dann die Arbeit mit einem neuen, dem eben von seinem Vormann die Gurgel abgeschnittcn worden ist. Der dritte Mann aber, der Aufschneider oder Spalter, reißt mit einem Messer dem Fisch den Rückgrat auf, spaltet ihn bis zum Schwanz und wirft den Rückgrat durch ein Loch in das Meer, den Fisch aber legt er ausgcbrcitct in ein Faß, welches, sobald cS voll ist, gegen ein leeres vertauscht wird, während das volle zu dein Einsalzer am hintern Ende der Bühne kommt. Dieser nimmt jeden Fisch heraus, breitet sic alle in einer Lage hin, streut nach Maßgabe der Stärke des Fisches mehr oder minder Salz darauf, und legt nun eine zweite Lage über die crstc, und eine dritte über die zweite, hütet sich jedoch vor zu starkem Druck. An anderen Orten werden Stockfische nicht auf Haufen, sondern in Kähne gelegt und gesalzen, welche Art der Behandlung durch Ersparnis; an Salz und durch Ordnung, die Sicherheit, daß alle gleichmäßig bedeckt sind, nnstrcitbare Vorzüge hat. Doch sind auf den großen Märkten die in Haufen gesalzenen gesuchter als die Stockfische, welche in Kühnen gesalzen wurden. Hier bleibt er vier Tage, in de» Haufen fünf bis sechs Tage liegen, worauf er, bevor ihn das Salz völlig durchdrungen hat, in Waschfässern von acht Fuß Länge und drei Fuß Breite und ^-iefc, mit Sccwasscr gewaschen, sorgfältig gereinigt und dann zum Abtrünfcln anf- öcstapelt wird. So bleibt er, je nachdem das Wetter günstig ist, einen oder zwei ^age liegen. Sobald er vom Stapel genommen ist, breitet man ihn in der freien ^uft ans, ihn reihenweise hinlegend, so daß das Kopfende der zweiten Reihe auf dem Schwänze der ersten liegt und die offene Seite der Sonne auögcsctzt ist. Oicses geschieht am kiesigen Strande, entweder auf dem Boden selbst oder auf dazu errichteten Gestellen. Da der freie Durchgang der Luft von großem Nutzen stt und den Brand des Fisches verhütet, so sind die höheren Gestelle den niedrigen Otrandlagcrn vorzuziehen. Gegen Abend des ersten Tages kehrt man die Fische um, mit den glatten uußcrii Seiten nach oben, mtb legt jedesmal drei aufeinander, damit Nebel undnächtlicher Thau die Fische nicht verderben. Am Morgen werden sie wieder mit der inneren Seite nach oben gekehrt, bleiben der Sonne ausgcsctzt und werden am Abend zu fünf bis sechs übereinander gelegt; nachdem sic am dritten Tage ansgebreitct waren, legt man sie wieder in Hansen von 8—10, am vierten zu 18—20, am fünften zu 30, und nun hält man den Fisch für fertig» läßt ihn jedoch gern acht bis vierzehn Tage so anfgestapclt liegen, wenn Zeit und Witterung cs erlauben. Nunmehr breitet man ihn nochmals aus und legt die Fische dann in großen Kreisen zusammen, mit dein Schwänze gegen den Mittel punkt gerichtet und mit dem Rücken nach oben. Dieses Aufschichten, da es so fortgesetzt wird, gibt halbrunde Haufen, welche zum Schutz gegen die Nebel mit Matten bedeckt und mit Steinen beschwert werden. So bleibt er eine Zeit lang liegen und wird sodann in die Magazine oder an Bord der Schiffe gebracht. Vorzüglich muß man nach der Trocknung der Fische sich davor hüten, daß kein Regen sie trifft, weil dadurch der Fisch leicht in ganzen Haufen verdirbt. Da Neufoundland im Sommer oft plötzlichen Regengüssen ausgesetzt ist, so ist die Ver wirrung und tobende Eile, welche dieselben an solchem Orte erregen, kaum zu beschreiben, die Gestelle zum Fischtrockncn füllen sich sogleich mit Männern, Wei bern und Kindern, die sich beeilen, die Fische nmzukchrcn und in Haufen zu brin gen. Der Vorthcil des ganzen Fischfanges, das Mittel, die während des Winters gemachten Schulden zu bezahlen und das Nöthige für die Existenz der Familie anzuschaffen, hängt von der Benutzung des Augenblicks ab, da die geringste Feuch tigkeit die zusammengehänften Fische erhitzt und verdirbt. Die Fischer der Britten brachten ihnen im Jahre 1813 nicht weniger als 46 Millionen, die Amerikaner 30 Millionen, die Franzosen 20 Millionen u. s. w. Dazu kommen 2000 Tonnen eines trefflichen, den Gerbern fast unentbehrlichen Throns, welcher ans den Stockfischlebcrn gesotten wird. Der ganze Handel setzt vielleicht 30 Millionen Gulden in Umlauf, wobei 20 Millionen gewonnen werden. Der Schellfisch. Der Schellfisch hat seinen Namen von dem blätterigen Fleische und wird gewöhnlich 3 Fuß lang. Auf dem Rücken ist er braun, auf den Seiten silber farbig. Seine Nahrung besteht in Insekten und besonders in Häringen. Er selbst aber dient wieder dem Kabliau zur Speise, der ihn in wenigen Stunden gänzlich verdaut. Vom November bis Januar erscheint er in ungeheuren Zügen in der Nordsee, und er wird dann in großer Menge gefangen. Merkwürdig ist cs, daß er nie in die Ostsee kommt. Sein Fleisch ist sehr wohlschmeckend und am zartesten im Spätfrühling. Man fängt ihn in Netzen und verschickt ihn nach allen Gegenden hin.317 D e r L e u g f i s ch hat seinen Namen von seiner Länge; denn er ist unter allen Wcichfischcn der größte und erreicht 4 bis 7 Fuß. Seine Farbe ist ans dem Rücken braun, an den Seiten grün, und unten weiß. Der obere Kiefer ist länger als der untere und seine Flossen sind schwarz mit weißer Einfassung. Er hält sich in der Nordsee ans und wird dort in großer Menge gefangen, eingcsalzcn und getrocknet. Die Quappe oder Aalraupe wird 2 — 3 Fuß lang und ist schön gelb und schwarz gezeichnet. Ihr Kopf ist breit und sicht einem Froschkopfc ähnlich und das Maul ist mit Bartfäden besetzt. Sie findet sich in allen europäischen Flüssen und Teichen und »ährt sich von Insekten, Würmern und kleinen Fischen. Gewöhnlich lauert sic unter Steinen oder in Krcbslöchcrn auf ihre Beute. Ihr Fleisch ist fett und wohlschmeckend, und ihre Leber gilt für einen Leckerbissen. Der Dorsch ist ein Bewohner der Ostsee und wird kaum 1 Fuß lang und 1 Pfund schwer. Sein Rachen ist sehr groß und mit einer Reihe spitziger Zähne besetzt. Oben ist seine Haut schwärzlich grau, am Bauche weißlich und braun gefleckt. Sein Fleisch ist sehr schmackhaft und hat eine weiße, zuweilen aber auch eine grüne Farbe. Am häufigsten wird er an den Küsten von Preußen und Pommern gefangen; in die Nordsee kommt er niemals. Ans seiner Leber wird ein häufig gebrauchter Leber tran für Drüscnkrankheiten bereitet. Fünfte Krönung. Die Brustfloffer. Die Fische dieser Ordnung heißen Brustflosscr, weil sie die Bauchflosscn gerade unter den HalSflosscn haben. Die meisten von ihnen sind Bewohner des -Nccrcs und mit Schuppen bedeckt. Als die merkwürdigsten unter ihnen führen wir folgende an: der Saugfisch, die Dorade, die Schollen, die Meerbutte, der Flunder, der Klippfisch, der Knurrhahn, der Barsch, der Pilote, der Stichling, wc Makrele, der Thunfisch. Der Saugfisch. Die Sangfischc zeichnen sich dadurch aus, daß ihr Kopf breiter ist als der und daß sich auf demselben ein runder flacher Schild befindet, der mit_ 318 hakenförmigen Zähnen besetzt ist. Mit diesem Schilde vermögen sie sich an andere Körper ganz fest anzusaugen, so daß man sic nicht loszichcn kann, ohne sic zu zerreißen. Sehr häufig hängen sic sich an Hai- und andere größere Fische; auch an den Schiffen findet man sic zuweilen und zwar sv zahlreich, daß sic den Lauf des Fahrzeuges hemmen. Daß sie cö aber ganz aufhalten könnten, ist ein Mär chen. Alle Arten dieser Fische halten sich in den amerikanischen Gewässern auf, und haben ein schmackhaftes Fleisch. Die Dorade. Die Doraden oder Goldfische zeichnen sich durch ihre schönen, göldglänzcndcn Schuppen vor allen übrigen Fischen ans. Die eigentliche Dorade wird 4 bis 5 Fuß lang, ist grün mit Silbcrglanz, und hat ans dem Rücken goldfarbige Punkte. Am häufigsten findet man sic in den ostindischcn Gewässern, wo sie schaarenwcise die Schiffe umschwimmen. Wenn sic erkrankt oder stirbt, so schwindet auch all- inälig die schöne Farbenpracht, die sie im Leben ziert. Sie ist eine heftige Bcr- folgerin der fliegenden Fische, welche sie aus dem Grunde aufjagt und mit un glaublicher Schnelligkeit erhascht. Die Scholle». (Taf. XII. Fig. 182.) Die Schollen schwimmen nicht, wie die übrigen Fische, ans dem Bauche, son dern in schiefer Richtung. Beide Augen stehen auf einer Seite, und zwar bei einigen auf der rechten, bei anderen auf der linken, doch immer ans derjenigen, welche beim Schwimmen oben bleibt und stark gefärbt ist. Der Körper ist breit und platt gedrückt, daher sic auch Plattfische genannt werden. Sie kommen selten aus der Tiefe des Meeres herauf, sondern bleiben unten bis an den Kopf im Sande versteckt, um ihre Beute zu belauschen. Auch können sie nicht gut an die Ober fläche des Wassers kommen, weil ihnen die Schwimmblase gänzlich fehlt. — Die gemeine Scholle ist grau, mit rostrothcn Flecken. Die Angen stehen an der rechten Seite des Kopfes und sind mit einer Reihe Knöpfchcn »msäumt. Sic hält sich in der Nord- und Ostsee auf, kommt aber im Sommer auch in die Mündun gen der Flüsse, um zn laichen. Sic werden dann mit Grundschnürcn in Menge gefangen, denn ihr Fleisch ist sehr zart und schmackhaft. — Die Heiligbuttc wird 2 — 12 Fuß lang und zuweilen 400 Pfund schwer. Sic ist leicht zn er kennen an der mondförmig ausgeschnittenen Schwanzflosse und an der dunkelbrau nen Farbe des Unterleibes; der Unterleib ist weiß. Sic hält sich fortwährend auf dem Meeresboden ans, um mit aufgespcrrtem Rachen kleinere Fische und Krebse zn erhaschen. Sic wird besonders in der Nordsee häufig gefangen und eingcsab zcn oder getrocknet. — Der Flunder wird ungefähr 0 Pfund schwer und nur 6 Zoll lang. Er hat dieselbe Gestalt, wie die gemeine Scholle, aber blässere Farben und auf dem Oberleibe scharfe Buckel. ' Seinen Aufenthalt hat er in der Nord- und Ostsee; im Frühjahr jedoch schwimmt er in die Flüsse hinauf, umzu laichen, und wird daun in großer Menge weggefangen. Die Tiefländer räuchern ihn und verkaufen ihn unter dem Namen Nigische Butte; die Holländer hin gegen trocknen ihn an der Luft und versenden ihn unter dem Namen Hollän dische Butte. Der Klippfisch. Die Fische, welche unter diesem Namen bekannt sind, halten sich im Meere, und zwar immer in der Nähe von Klippen ans. Sie zeichnen sich aus durch ihren Platten viereckigen Körper und durch die biegsamen Zähne, welche sich in ihrem Nachen befinden. Der merkwürdigste unter ihnen ist der Spritz fisch, der sich in den ostindischen Gewässern anfhält und sich von Insekten nährt. Sicht er ein solches ans einer Wasserpflanze am Ufer sitzen, so spritzt er aus sei nem Rüssel einen Wasscrtropfen so geschickt auf dasselbe los, daß cs sogleich todt hinfällt. Er soll sogar Fliegen, die über ihm wegschwirren, im Fluge schießen. In Ostende hält man ihn zum Vergnügen und läßt ihn angespießte Fliegen wegspritzen. Zwar gelingt ihm dieses nicht immer, um ihn aber zu frieden zu stellen, nimmt man endlich die Fliege von der Nadel herab und wirft sic ihm vor. Der K » n r r h a h tt (Taf. xm. Fig. 183.) Der Knurrhahn hält sich in der Nord- und Ostsee und im nördlichen Thcile des atlantischen Meeres auf. Er ist oben und an den Seiten braun und wird 2 Fuß lang. Die obere Kinnlade sitzt gleichsam wie ein Brett vor der Stirn und unten am Kopfe befindet sich die Mundöffnnng. Die Augen sitzen ebenfalls unten und sind mit einem gelben Ringe eingefaßt. Greift man ihn an, so reißt er das Maul weit ans und gibt mit den Kiefern einen knurrenden Laut von sich. Sein Fleisch ist unschmackhaft, wird jedoch von den Grönländern gegessen. Der Barsch. Es gibt mehrere Arten von Barschen, die sich theils im süßen, theils im fulzigcn Wasser anfhaltcn, und ihre Nahrung aus dem Thierreiche nehmen. Sic Huben gezackte Kicmendeckel mit Schuppen, und die Flossen sind mit Stacheln ver sahen, um ihre Feinde, unter welchen die Hechte die gefährlichsten sind, abzn- halten. — Der Flußbarsch ist einer der schönsten europäischen Fische. Er ist ärlbgrün, mit breiten schwärzlichen Querstreifcn und rothen Flossen. Zuweilen wird er 1 Elle lang und 6 Pfund schwer. Man findet ihn fast in allen enro- päiflhcn Seen, Flüssen und Teichen, und er ist so gefräßig, daß er seine eigenen Zungen nicht verschonen soll. Seine Vermehrung ist sehr stark und in manchem Nogener finden sich über 200,000 Eier. Sie kommen in großen Schnüren heraus, Ne oft 3 Ellen lang sind. Sein Fleisch ist sehr beliebt, aber der Rogen soll schädlich sein. — Der Sandbarsch hält sich ans dem Boden süßer Gewässerim Sande auf und wird 2 Fuß laug. Sein Fleisch ist vorzüglich. — Der Streberbarsch ist grünlichgclb, mit 4 schwarzen Querbiudeu. Sein Körper ist walzenförmig und schlank und ans dem Rücken befinden sich in der Rückenflosse 8 Stachelstrahlcn. Er hält sich fast immer ans dem Grunde auf. Der Stichling. Der Stichling findet sich in allen stehenden und fließenden Gewässern Europa's und wird kaum 3 Zoll lang. Er nährt sich von Würmern, Insekten und Fischbrut. Gegen die Nachstellungen anderer Fische schützt er sich durch die Stacheln, welche er an Rücken- und Bauchflossen hat. Sobald er Gefahr fürch tet, so sträubt er diese in die Höhe, wie ein Igel seine Stacheln, und vergreift sich dann ein junger Raubfisch an ihm, so muß er cs mit dem Leben bezahlen. Alan gebraucht ihn zum Mästen der Enten und Schweine. Bei Danzig brennt inan Thran ans ihm; denn es gibt dort eine zahllose Menge von diesen Fischen. — Zum Geschlcchtc der Stichlinge gehört auch der Pilote, welcher, wie wir schon oben bemerkten, gewöhnlich vor dem Haifische einherschwimmt und ihm zum Auffindcn seiner Nahrung bchülflich ist. Die Makrele. Die gemeine Makrele ist oben blau und mit vielen schwarzen Querlinien gestreift. Sic wird 2 Fuß lang und 3—5 Pfund schwer. Am häufigsten findet sic sich in der Nord- und Ostsee und nährt sich von Häringen und andern Fischen. Im Sommer zieht sie in großen Schaarcn nach südlicheren Gegenden hin und wird dann leicht gefangen. Ihre Fischerei und Zubereitung ist fast so beträchtlich, wie die des Härings. Ihr Fleisch ist sehr fett und wohlschmeckend, aber schwer zu verdauen, daher sie in England nur vor Feiertagen öffentlich verkauft werden darf. Der Thunfisch ist oben stahlblau, unten grau mit silberweißen Flecken. Er erreicht eine Länge von 7 Fuß und ein Gewicht von mehreren Centnern. Am häufigsten findet man ihn in der Nordsee. Im Frühlinge geht er aus den nördlichen Meeren nach dem mittelländischen Meere, um zu laichen, und die Züge bilden dann die Gestalt eines länglichen Vierecks. An der italienischen Küste ist die Ankunft der Thun fische ein Gegenstand der Volksfeste. Man senkt mit schweren Gewichten ein großes Netz in's Meer, welches durch einzelne Wände in mehrere Zimmer gcthcilt ist. Die Maschen des vordersten Netzes sind so weit, daß der erste Fisch leicht durchschlüpft; die andern folgen ihm nach, dringen in die zweite, dritte und vierte Kammer und füllen endlich das ganze Netz. Ist dieses zugczogcn, so eilen Reiche und Arme mit Sperren und Spießen herbei, die Fische noch im Wasser zu tödtcn.Um sich seiner Beute zu bemächtigen, bringt der Thunfisch das Wasser in künst liche Wirbel, wodurch die kleineren Fische fortgerissen und von ihm verschlungen werden. Er selbst wird wieder von Hai - und Schwertfischen verfolgt. Sein Fleisch hat eine rothe Farbe und wird roh oder eingesalzen gegessen. Sechste B r d « u n g. Die Bauchflosscr. Die Fische, welche zu dieser Ordnung gehören, haben die Flossen gerade unter dem Leibe. Die meisten sind Süßwasserfische, und die bekanntesten und merkwürdigsten unter ihnen sind: die Schincrle, die Schlammbeißer, der Wels, der Lachs, die LachSforcllc, die gemeine Forelle, der Stint, der Schnägel, der Hecht, der fliegende Fisch, der Häring, die Sardelle, die Alse, der Karpfen, die Barbe, die Schleihe, die Karausche, der Blcy, der Naapfen, der Goldkarpfcn und der Unkelei. Die Schmerle. Die Schmerle, auch Grundel oder Bartgrundel genannt, hält sich besonders >u klaren Kieselbttchen ans und wird 3 — 6 Zoll lang. Sie hat einen aalför- migcn Körper und ist grau, mit schwarzen Streifen. Ihre Augen stehen oben auf dem Kopfe, so daß sie immer in die Höhe schauen. Ihre Nahrung besteht in Insekten und Würmern, und im Frühlinge ist ihr Fleisch sehr schmackhaft. Sic vermehrt sich äußerst stark, wird aber von größeren Raubfischen mannichfach verfolgt. Außerhalb des Wassers kann sic nicht leben, und sobald man sie heraus- unnmt, stirbt sie. Der Schlammbeißer, oder Wetterfisch, wird 1 — 2 Fuß lang und ist braunschwarz, mit braunen und gelben Lüngcstrcifcn. Er hält sich in Flüssen, Seen und Teichen ans, welche einen morastigen Boden haben. Bei ruhiger Witterung liegt er still ans dem Grunde; will cs aber stürmisches Wetter werden, so kommt er an die Oberfläche, bewegt sich unruhig hin und her und trübt das Wasser. Bei Gewittern wird er unruhig, wird es kalt, so zieht er sich tiefer in den Schlamm zurück. Deshalb wird er auch Wetterfisch genannt und als Wetterprophet, in einem Glase mit Wasser und etwas fetter Erde, im Zimmer gehalten. Das Wasser muß aber Beumer'ö Naturgeschichte. 21wöchentlich erneuert werden. Sein Fleisch ist ziemlich gut, hat aber einen schlam migen Geschmack. Der Wels. (Taf. xiil. Fig. 184.) Die Welse gehören zu den Raubfischen und erreichen zum Theil eine bedeu tende Größe. Sic leben aber in süßen Gewässern, besonders in denen der war men Zone. Sie haben einen großen, glatten Kopf, und ain Munde 6 Bartfasern. Die Augen sind klein und mit einem weißen Ringe umzogen. Der Körper hat keine Schuppen, ist aber sehr schleimig und schwerfällig. — Der gemeine Wels ist nächst dem Stör und dem Hansen der größte Fisch in den europäischen Flüssen, denn er wird 3 — 8 Ellen lang und 300 Pfund schwer. Der Rücken ist olivengrün, mit schwarzen Flecken, der Unterleib ist weißlich. Er hält sich in der Tiefe des Wassers auf und lauert, im Schlamme versteckt, auf seine Beute. Seine langen Bartfäden läßt er in dem Strome spielen, und die Fische, welche diese Bartfäden für Würmer halten, schnappen nach denselben und gerathcn so in den offenen Rachen ihres Feindes. Auch Gänse und Enten verschlingt er, und die Leichen der Ertrunkenen sind ihm eine Lieblingsspeise. Er laicht in den Monaten Mai und Juni und kommt dann, gewöhnlich bei schwüler Gewitterluft, ans der Tiefe herauf. Sein Fleisch ist schmackhaft und fett und seine Haut und Blase geben einen vortrefflichen Leim. — Der Zitterwels hält sich in den afrikanischen Flüssen ans. Er ist oben grau und merkwürdig durch die elektrischen Schläge, welche er, wie der Zitteraal und Zitterrochen, bei Berührungen anstheilt. t $f[ Lachs. (Taf. XIII. Fig. 185.) Das Geschlecht der Lachse ist sehr groß und umfaßt wenigstens 50 Gat tungen, die sich thcilö in salzigen, thcils in süßen Gewässern aufhalten. Sic gehören zu den Raubfischen und sind sehr gefräßig. Ihre Nahrung besteht in Fischen, Insekten, Würmern und Seegewächscn. Sie haben einen langgestreckten Körper und erreichen zum Theil eine ansehnliche Größe. Im Frühjahre unter nehmen sic große Züge in die Ströme hinauf, um an seichten Stellen zu laichen. Sic ziehen dann in großen Schaaren und immer in einer gewissen Ordnung. An der Spitze schwimmt der stärkste, als Anführer; dann folgen in besonderen Abtheilungen die andern Glieder, oft so breit, wie der ganze Strom. Dieser Zug macht im Wasser viel Geräusch. Er geht immer stromaufwärts und läßt sich durch kein Hinderniß von seinem geraden Wege abbringen. Finden sie ein solches Hindcrniß, so schnellen sic sich mit aller Kraft hinüber. Sie fassen nämlich die Schwanzflosse mit den Zähnen, spannen so ihren Körper, wie eine Stahlfeder, und schnellen sich dann mit großer Gewalt gegen die Wasserfläche, so daß sie oft 14 Fuß in die Höhe fliegen. Hat das Weibchen einen guten Platz zum Laichen gefunden, so macht es mit dem Schwänze ein Loch in den Sand, ünd legt die323 Eier hinein. Alsdann kommt der Milchner hinzu, befruchtet sie und scharrt Sand darüber. Wo sie einmal gelaicht haben, dahin kehren sic jährlich zurück. Die alten Lachse gehen im Herbste »nieder nach dem Meere hin, die jungen aber bleiben in dem Flusse bis zum nächsten Frühjahre. Auf diesen Zügen werden die meisten Lachse wcggefaugcu. In einigen englischen Lachsfischercien werden jährlich 200,000 Stück wcggcfangen. In Deutschland sind die bcdcntendstcn Lachsfänge in der Elbe, Mulde, Saale, Oder und im Rhein. Vor etwa 100 Jahren war der Fang, namentlich am Niedcrrhein, so ergiebig, daß Dienstboten zur Bedingung machten, wöchentlich mir zwei Mal Lachs zu essen. Seit Einführung der Dampf schiffe vermindert sich der Lachsfang. In dem letztgenannten Flusse gehen die Lachse bis Basel hinauf. Daö Fleisch der Lachse ist besonders im Frühjahre, wenn er in die Flüsse steigt, am delieatcstcn. Es hat eine röthlichc Farbe und kann bei mäßiger Wittcrnng wochenlang aufbcwahrt werden, ohne zu verderben. Gesalzen wird cs ganz blutroth und geräuchert versendet man es weit hin. Der Lachs kann ein Gewicht von 60 Pfund erreichen und eine Länge von 6 Fuß. Er ist ans dem Rücken schwarz und am Untcrlcibe silberfarbig. Bei alten Männchen krümmt sich der Unterkiefer an der Spitze in einen Haken, welcher in eine Ver tiefung der oberen Kinnlade paßt. Großartig ist der Lachs- oder Salmfang an: Baikal-See. In dem kleinen Dorfe Tschertvwkina, etwa eine halbe Stunde von der großen Straße auf dem Ufer des SelcugastromcS, nahe an dessen Mündung in den Baikal, steht eine Reihe hölzerner Buden, welche einen ärmlichen Kaufhof bilden und mit Maaren angcfüllt werden für daö Zusammenströmen der Bauern, die sich alle Jahre einen Monat hier anfhalten, und im Laufe desselben fast alle Maaren aufkaufcn. Nämlich an: Ende Julius oder Anfangs August, wenn die Salinen ans dem Baikal-See die Sclcnga hinaufgchen, um zu laichen, strömt eine Menge Menschen jedes Geschlechtes und Alters aus der Umgegend herbei, um sich mit dem Fange dieser Fische zu beschäftigen. Dann ist das ganze Ufer mit Schiffen, Barken und Kähnen jeder Größe besäet, in welchen die Fischer wohnen, da in dem Dorfe selbst an ein Unterkommen nicht zu denken ist. In den Straßen drängt sich die sumuiendc Menschenmenge; hier und da sieht mau Strohhütten erbaut, in denen ganze Familien Hausen. Geschrei und Meinen der Kinder, Lärmen und Possen werden übertönt von fröhlichen Gesängen und rauhen Männerstimmen. Plötzlich aber schweigt Alles, und kaum hört man ein Geflüster, das dem Summen der Bienen gleicht, — die sitzenden Gruppen stehen schnell auf, und Alles ohne Unter schied des Alters verbeugt sich ehrerbietig und weicht eilfertig zurück. — Es er scheint nämlich der Aufseher, der mit gewichtigen Amtsmienen und gemessenen Schritten in Begleitung einiger Kosaken daher schreitet. ' Er blickt Alle stolz und verächtlich an, zieht die Augenbrauen zusammen, um sich ein furchtbares Ansehen zu geben, und antwortet nur selten mit einem leichten Kopfnicken auf die allge meine höfliche Begrüßung. Er ist der Alleinherrscher an diesem Orte, vor ihm 21 *324 kriecht Alles, denn von ihm hängt cs ab, Leute vom Fischfang zuriickzuwcisen, und sic — unter dein Vorwände von Lärm oder Völlerci — zu bestrafen. Endlich hat er seine Inspektion vollendet, er entfernt sich, zufrieden mit sich selbst und seinen kurzen Anordnungen, und das ganze Schauspiel zeigt von neuem Leben und Fröhlichkeit. Die sibirischen Salinen gleichen einigermaßen dem holländischen Schellfisch. Die Fischer erkennen den Zug der Salinen, wenn die Aeschen anfangcn in die Netze zn fallen, und eine Menge Mövcn und Wasserraben sich ans dem Wasser zeigen. Außerdem ist zu bemerke», daß diese Fische sich häufig auf den Weg machen, wenn ein feiner Regen, „Salmcnrcgcn" genannt, einige Tage angedancrt hat. Um diese Zeit vcrtheilcn sich die Fischer an den Orten, wo die Netze aus- geworfen werden sollen; die Sclcnga bedeckt sich mit Booten, in denen sie von einem Fahrwasser in'S andere hinüberfahren, um zn beobachten, wann die Fische kommen. Bei Nacht werden ans demselben Grunde auf den Schiffen Laternen angcziindct und der Fluß scheint illuminirt, als würde ein Fest gefeiert. Die Nachricht vom Zuge der Salinen erregt große Freude, diese darf sich aber nicht laut äußern, denn Lärm und Geschrei können die Fische verjagen. Diese Salmen ziehen immer in geschlossener Phalanx, die mit der größten Ordnung eingehalten wird. — Nun ist Alles voll Thätigkcit und Geschäftigkeit, ohne daß jedoch der ringsherum herrschenden Stille Eintrag geschähe. Einige fahren hinaus, um Netze auszuwerfen, Andere kehren bereits zurück mit Nachen, die mit Fischen angefüllt sind, welche alsbald an die Kanflentc in Tschcrtowkina verkauft werden. Weiber und Kinder sind nicht müßig; die Letzteren beschäftigen sich mit dem Ausnehmen der Fische, die Ersteren legen sie in die Fässer und salzen sic ein. Um Unordnung bei diesem Fischfang zu verhindern — hat die Regierung zehn Werste von der Mündung der Sclcnga eine Gränze festgesetzt, unterhalb welcher Niemand Fische fangen darf. Außerdem thcilen sich die Fischer in Gesell schaften ab, von denen jede drei oder vier Netze zu 200 und mehr Saschonen Länge (über 1000 Fuß!) auswirft. Solcher Gesellschaften gibt cs während des Fangcö 100—150. Sic erhalten von dem Aufseher ein Bittet, ans welchem außer der Erlaubniß zum Fischfang die Zahl und Größe der Netze bestimmt ist. Die Gesellschaft, welche das erste Bittet erhielt, wirft ihre Netze an der Gränze ans, hinter ihr die zweite n. s. f. Mit einem Zuge erhält mau gewöhnlich so viel Fische, daß man davon 20 — 30 Fässer füllen kann. Auf jedes Faß kann man 13—1500 Stück rechnen. Da nun bei einem glücklichen Fange 6000 Fässer sicher gefüllt werden und jedes Faß mindestens 50 Rubel (oft auch 70 Rubel) kostet, so hat der ganze Fang einen Werth von 300,000 Rubeln. Die Lachsforcllc ist auf dem Rücken schwarzblan, an den Seite» grünlich, am Unterleibe weißlich, und ivird 8 —10 Pfund schwer. Sic hat in ihrer Lebensart sehr Vieles mit325 dem Lachse gemein und geht auch wie dieser aus dem Meere in die Flüsse hinauf, um zu laichen, aber erst im Monat Mai, wenn die Lachszüge schon voranögegan- gcn sind. Auch kehrt sic mit dem Herbste nicht in das Meer zurück, sondern bleibt den Winter hindurch in den Flüsse». Des Nachts strahlt sie ein phosphor artiges Licht ans, das sich auch den Fingern mittheilt, von denen die Augen oder die Kiemen berührt worden sind. Ihr Fleisch hat eine röthlichc Farbe, ist aber noch weit schmackhafter als das des Lachses. Die g c in c i » c Forelle (Taf. xiil. Fig. 186) hat einen schmalen gestreckten Körper, wird 1—2 Fuß lang und 3 Pfund schwer. Der Rücken ist dunkel olivengrün und hat braune, an den Seiten rothe Flecken. Sic geht nie in's Meer, sondern hält sich in klaren und kalten Kieselbächen, in Wald- und Gebirgsgegenden auf. Ihr Fleisch ist vorzüglich, jedoch im Soinmcr besser als im Winter. — Die Waldforcllc ist größer als die gemeine Forelle und ihr Fleisch hat einen noch feineren Geschmack. Sic ist oben dnnkelbrann, unten silberfarbig und hält sich am liebsten in kiesigten Waldbächen auf. Der S t i ii t wird nur 3 — 5 Zoll lang und hat einen so durchsichtigen Körper, daß man von außen die Eingeweide deutlich sehen kann. Man findet ihn im nördlichen Deutsch land in zahlloser Menge, besonders in der preußischen Provinz Brandenburg. Bei Nachtzeit leuchtet er, dünstet jedoch einen widrigen Geruch aus. Dennoch wird sein Fleisch sehr geschätzt und gesalzen oder geräuchert versendet. Man fängt ihn besonders im Frühjahre, wenn die Eisdecke von den Gewässern anf- thant. Auch in Frankreich, Holland, England und Schweden wird er in großer Menge gefangen. Der S ch ii ä g e l. Der Schnägcl, auch Gangfisch oder Bläuling genannt, ist bis zum Bauche blau, unterhalb gelblich und weiß. Der Oberkiefer ragt wie eine Nase hervor, und ist gerade vor dem Munde abgcstntzt. Er wird 18 Zoll lang und 1 — 5 Pfund schwer. Am häufigsten findet er sich in der Nord- und Ostsee und hält sich fortwährend ans dem Grunde ans. Nur wenn die Häringe erscheinen, kommt cr a» die Oberfläche des Wassers, und begleitet sic nach den Küsten hin, denn ihr Laich ist seine Lieblingsspcise. Seinen eigenen Laich setzt cr in den Flüssen ab, in welche er in eben der Ordnung, wie die Lachse, hinaufzieht. Die Jungen bleiben in den Flüssen, bis sic 3 Zoll groß sind und gehen dann erst in das Meer. Nach 5 oder 6 Jahren, wo sic zum ersten Mal laichen, kehren sie nach ihrem Geburtsort zurück.326 D e r Hecht. (Taf. XIII. Fig. 187.) Der Hecht gehört zu den gefräßigsten Raubfischen und lebt theils in süßen Gewässern, theils im Meere, von woher er in die Flüsse hinaufsteigt. Es werden von ihm nicht nur alle kleineren Fische, selbst von seiner eigenen Gattung, ver schlungen, sondern er packt auch größere Fische am Kopfe und hält sie so lange mit den Zähnen fest, bis der vordere Thcil in seinem Schlunde erweicht und zur Verdauung vorbereitet ist, wo alsdann der übrige Theil des Körpers nach und nach heruntergewürgt wird. Den Barsch verschluckt er, aus Furcht vor seinen stacheligen Flossen, nicht eher, als bis er zwischen seinen Zähnen gctödtct ist. Die Stichlinge hingegen läßt er ruhig um sich herumspielcn, und nur junge Hechte vergreifen sich an ihnen, bezahlen aber diese Beute mit dem Tode. Außer Fischen schnappt er auch Wasservögcl, Ratten und Frösche weg. Auch menschliche Leich name frißt er an. Die Farbe des Hechtes wechselt mit den Jahren. In der Jugend ist er olivcngrün und wird deshalb Grashecht genannt. Alte Hechte sind ans dem Rücken schwarz, am Bauche weiß und schwarz punktirt, an den Seiten grau mit gelben Flecken. Ist er gelb und schwarz gefleckt, so wird er Hechtkönig genannt. Das Maul des Hechtes ist einem Rüssel ähnlich und oben etwas platt gedrückt. Der Rachen ist mit starken Zähnen besetzt, mit welchen er scharf beißen kann. Er soll ein hohes Alter erreichen und mehrere Jahrhunderte leben können. Im Jahre 1497 wurde zu Hcilbronn ein Hecht gefangen, der einen Ring mit einer Inschrift trug, welche zeigte, daß der Kaiser Friedrich II. ihn im Jahre 1230 in den Teich habe setzen lassen. Eben so soll er ein sehr zähes Leben haben. In England schneiden die Fischer ihm öfters den Bauch auf, um zu sehen, ob er fett ist, und diese seine Güte beim Verkaufe vorzuzcigen. Kön nen sic ihn nicht verkaufen, so nähen sic ihm den Bauch wieder zu und werfen ihn in's Wasser unbeschadet seines Lebens. Das Fleisch des Hechtes, das eine weiße Farbe hat, ist sehr gesund und verdaulich, so daß cs selbst von Kranken gegessen werden darf. Aus der Galle bereiten die Maler eine schöne gclbbräun- liche Farbe. — Der Hornhecht lebt in der Ostsee und fast in allen Meeren. Er unterscheidet sich leicht durch seine Kinnlade, welche sich pfriemenförmig zu spitzt. Er wird gewöhnlich 2 Fuß lang und ist ans dem Rücken grün und am Untcrlcibc weiß.' Auch seine Knochen haben eine grüne Farbe und sein Fleisch wird von Vielen für delikat gehalten. Der Flugfisch. Man spricht viel von fliegenden Fischen. Aber die Fische dieser Gattung verdienen eben so wenig diesen Namen, als die sogenannten fliegenden Eich hörnchen. Denn diese Fische fliegen höchstens 2—3 Klafter weit, und zwar immer vor sich hin, niemals seitwärts oder rückwärts. Ihre Brustflossen sind außerordentlich groß, und vermittelst derselben erhalten sie sich einige Augenblickeitt dcr Luft. Sie erheben sich aus dem Wasser, um den Raubfischen, von welchen sie verfolgt werden, zu entgehen. Dieser Flug dauert aber niemals lange und sic fallen bald wieder in ihr eigentliches Element zurück. Eine fortstoßende Be wegung der Brustflossen ist nicht zu bemerken. Der längste Zeitraum, welchen sic außerhalb des Wassers aushalten, ist 30 Sekunden; der weiteste Flug 200 Ellen und die gewöhnliche Höhe 2—3 Fuß. Diese Flucht außerhalb des Wassers bringt ihnen übrigens keinen Vortheil, denn wenn sic auch den Raubfischen auf diese Weise entgehen, so werden sic in dcr Luft von Raubvögeln verfolgt. Und nicht besser geht cs ihnen, wenn sie wieder in das Meer fallen, denn ihre Feinde schwimmen ihnen gemeiniglich nach und fangen sic mit offenem Rachen auf. Ihre Vermehrung muß also sehr groß sein, da so viele von ihnen umkommen. — Der merkwürdigste unter den Flugfischen ist die fliegende Wachtel, welche besonders in den Meeren innerhalb des Wendekreises häufig angetroffen wird. Sie hat eine schön silberglänzende Farbe, oben blau mit blauen Flossen. Im Sommer kommt sic in großen Schaaren nach dein mittelländischen Meere hin und fällt in ihren Sätzen häufig auf die Schiffe oder an's llfcr, wo sie nach wenigen Stun den stirbt; denn sic ist nicht im Stande, sich anfznheben und fortzuflattern. Dcr Häring. (Taf. XIII. Fig. 188.) Dcr Häring hat unter allen Fischen die zahlreichsten und zugleich die feinsten Gräten. Er ist zwar nur ein kleiner Seefisch, aber für den Handel von großer Wichtigkeit; denn kein Fleisch gewährt uns einen so allgemeinen und großen Nutzen, wie der Häring. Er hat sieben Flossen, welche alle sehr kurz sind, die Afterflosse ist etwas größer und enthält 16 Strahlen. Der Mund ist mit kleinen Zähnen bewaffnet und dcr Oberkiefer steht etwas hervor. Seinen Aufenthalt hat er in der Tiefe der nördlichen Meere, in dcr Nord- und Ostsee und im atlan tischen Meere. Man unterscheidet Hohl- und Vollhäringe. Die Hohl häringe haben, wenn man sie im Frühjahre fängt, bereits gelaicht und sind also ohne Milch und ohne Rogen. Diejenigen hingegen, welche beides noch haben, heißen Vollhäringe. Die Hohlhäringe schmecken schlecht, die Vollhäringe sind die besten. Bisweilen findet man unter den Häringen auch einige mit goldfar bigen Köpfen und röthlichcnSeiten. Diese heißen Häringskönigc. Es wer den jährlich wohl über 1000 Millionen Häringe gefangen, und eine noch größere Menge wird von Walfischen, Kabliau's und andern Raubfischen verschlungen. Aber dennoch verspürt man keine Abnahme derselben, und jedes Jahr sicht man sic in gleich starken Zügen vorrücken. Zur Laichzeit dürfen sic jedoch nicht beunruhigt werden, weil sic sonst die Gegend nicht wieder besuchen. Die holländischen Häringsfischer dürfen ihre Netze nur vom 25. Juni bis zum 25. Januar ans- werfen. Zu dem Ende gehen von Holland unter großen Feierlichkeiten die soge nannten Häring s b ug sen, kleine Schiffe, welche nicht tief gehen, vorn und hinten rund und breit sind und besondere Vorrichtungen zum Aufwinden dcr Netze haben,328 in großer Anzahl zur Sec. Jede nimmt ein Netz mit, das 1000 — 1300 Ellen lang ist und durch kleine Tonnen, statt der sonst üblichen Korkstöckc, schwimmend erhalten wird. Dieses ist entweder ans sehr gutem Hanf oder ans Seide ver fertigt. Das letztere ist zwar sehr thencr, hält aber auch 3 Jahre, während ein Netz von Hanf nur 1 Jahr brauchbar ist. Dieses Netz wird Abends ausgewor fen, über Nacht in der Sec gelassen und am Morgen anfgewnndcn, was, da cs eine Last von 140—150,000 Stück Häringe enthält, eine Arbeit von mehreren Stunden ist. Bis so weit behandeln alle Nationen den Häring gleich. Nun aber erhalten die holländischen Häringe dadurch einen Vorzug, daß die gefangenen nicht nur sorgfältig sortirt, sondern auch sogleich gereinigt, der Eingeweide und Kiemen entleert und augenblicklich eingesalzen werden. Die zuerst gefangenen werden so gleich durch eigene Jachten an die Seestädte versendet und heißen darum Jacht- häringc, auch Präsenthäringe, weil die reichen holländischen Kaufleute sie meistentheils ihren vornehmsten Kunden zum Geschenk machen. Diese sind außer ordentlich schmackhaft, haben ein weißes, zartes, saftiges Fleisch, und werden deshalb in Berlin oft mit Thaler stückweise bezahlt, während die besten später hin auf den sechsten Thcil des Preises herabsinken. Die Schiffe, welche Häringe fangen, liegen vor Anker und haben große La ternen bis dicht an die Oberfläche des Wassers hcrabgclasscn, um die Fische an- znlocken, welche gern dem Lichte zugehen. Sie erscheinen dann gewöhnlich in sol cher Menge, daß man sie an dem sogenannten Häringsblick, d. h. an dem Glanz, den die silberweißen Banchschnppcn derjenigen, welche in: Gedränge ans den Rücken zu liegen kommen, erkennt. Beim Einsalzen werden die verschiedenen Häringe sor tirt. In Holland angckonnnen, werden sic frisch nmgcpackt und nochmals sortirt. Das Fleisch des Härings ist sehr schmackhaft und gesund und selbst Kranken als Wiedcrherstellnngsmittcl verlorener Verdaunngskräfte zu empfehlen. Man verzehrt den Häring fast immer roh, sowohl bloß gesalzen, als geräuchert und marinirt. Die geräucherten Häringe heißen Bücklinge oder Bückinge. Sic bleiben 24 Stun den in der Salzlacke liegen, werden dann mit den Köpfen an hölzerne Spieße ge steckt und im Ofen getrocknet. Gewöhnlich werden 12,000 Stück auf ein Mal durch angezündetes Reiserholz, das wenig Flamme, aber desto mehr Ranch gibt, gedörrt. Als Erfinder dieser Zubereitung wird Wilhelm Böckel, ein Fischer zu Biervliet, genannt, welcher im Jahre 1449 starb. Zu Ehren des Erfinders aß Kaiser Karl V. ans dem Grabsteine Böckcl's zu Enkhuyzen einen eingesalzenen Häring. Sehr interessant ist die Schilderung des Häringsfanges in den „Skizzen aus dem Norden," von Th. Mügge, welche wir hier noch anreihen. Kaum gibt es ein wunderbareres Geschöpf, als der Häring, dessen Geschichte in den tiefsten Tiefen des großen Salzwassers noch gar nicht so genau erforscht ist, als man meinen mag. Unter allen den kaltblütigen Geschlechtern in beschuppter Halit ist320 das seine wahrscheinlich das zahlreichste, denn wer zählte die ungeheuren Schwärme, welche jährlich auö den Mccrcsticfcn anfstcigcu, an allen Küsten des nördlichen Europa'ö erscheinen,- zu Milliarden gefangen werden, zu Milliarden eine Beute der Raubfische erliegen, und doch immer wieder in der gleichen, zahllosen Fülle zum Vorschein kommen. Der Häring erscheint und verschwindet mit bewunderungs würdiger Regelmäßigkeit. — Lebt er eine Zeit lang in dem hohen Polarmeere, hat er dort in Tiefen, wohin kein Senkblei reicht, seinen geheimen Staat gegrün det lind zieht er von dort, wie die Reitcrvölker der Steppen, jährlich aus, um die Meere zu durchschwärmen? Man kann sich solchen Träumen hingeben, wenn uian von den Häringskönigen hört, welche die Schttrme anführen und in ihren silberglänzenden Rüstungen ihnen voraufziehen. Die Häringskönige sind Scnsen- fische, ivclchc 10 Fuß lang werden und häufig, als Prinzen und Herzöge, in Wahrheit den Krenzzug zu leiten scheinen. — Man weiß nun wohl, daß der Hä ring im Frühjahr an die norwegische Küste schwimmt, um zu laichen, und wieder abzieht, sobald dieses Geschäft verrichtet ist, aber es erscheinen im Sommer und Herbst auch andere Schaaren, entweder von solchen, die nicht Milch noch Rogen enthalten, oder Schwärme von junger Mannschaft, welche vielleicht von fernen Brüteplätzen kommt, um ihren Weg in das große submarine Königreich zu neh men, wo junge Prinzen der herrschenden Familie sie in die Zahl ihrer getreuen Unterthanen cinregistriren lassen. Zn allen Zeiten aber ziehen einzelne, unermeßliche Heere auö, bald von Schottland herüber, bald in die Ostsee, bald nach Hollands Küsten, bald in die Fjorde der Finnmarken oder tief hinab an die norwegische oder schwedische Küste, durch Kattegat und Sund, und so genau ist der Mensch von ihrem Kommen und Gehen unterrichtet, daß er Alles vorher zu ihrem Empfange vorbereiten kann. — Woher sie kommen, wohin sic gehen, das weiß er freilich nicht, aber den Fischern und Kaufleuten ist cö genug: sic sind da! und er eilt, diesen Besuch zu benutzen. Der Häring erscheint jährlich drei Mal an der Küste von Norwegen, aber der Haupt- faug geschieht im Februar. Es ist dies die FrühlingSfischcrci, sie liefert die größte Menge und die fetteste, größeste Art des Fisches, der Vaasild, Frühlingshäring, genannt wird. — Der Fang geschieht, vornehmlich an dein Küstenstriche zwischen Bergen und Stavangcr, hauptsächlich um und bei Stromöe, Selböc und den In seln des Skndesnäes hinab, am Eingänge des großen Bukkefjord. Ans diesem Raume sind im Februar wenigstens zweitausend Boote, die mit zwölftausend Men schen bemannt sind, mit Häringsfischcn beschäftigt. Die Fischer begeben sich Ende Jannar ans die Inseln hinaus, miethen Hütten und Plätze und empfangen Vor schüsse für ihren Fang von den Kanflcuten, die sie mit dem, was sic nöthig haben, versorgen. Alle haben auch wohl das Jahr über manche Schulden gemacht, welche auf ihr Conto geschrieben, um durch den Häringsfang gedeckt zu werden. Sic thnn sich nun in Gesellschaften zusammen, und bestimmen die Thcilnng, fügen sichden gesetzlichen Anordnungen, lassen sich die Fischplätze anwciscn, wo sic ihre Netze auswerfen sollen, treffen Verabrednngen mit dem Empfänger ihrer Maare und erwarten dann die Häringsschwärme, denen sic ungeduldig täglich bis in's Meer entgegenfahren, um den lang ersehnten silbcrblancn Schein zu entdecken, welcher das Nahen der Beute anzcigt. Noch che jedoch diese Stunde schlägt, verkündigen schnelle und fürchterliche Wächter den Heranzug des Thicres. Einzelne Walfische streichen an der Küste hin und werden mit lautem Jubel begrüßt, denn der Walfisch ist der sichere Ver kündiger des Härings. Es ist, als habe er den Auftrag erhalten, den Menschen die Botschaft zu bringen, sich zum Angriff bereit zu machen. Sein Schnauben in der ungeheuren Wasscrwüstc, seine Fontaine», die ans den Wogen steigen, wun derbare Springbrunnen, die in den Lüften funkeln, sind seine Sprache: Gebt Acht! wir liefern sic euch, seid bereit und fertig. Hat der Walfisch seine Sendung voll bracht, so jagt er zurück zu seinen Gefährten und hilft ihnen den geängsteten Hä ring rascher gegen die Küsten treiben, wo sich dieser in die Scheercn, zwischen die Inseln und Klippen drängt und, um grimmigen Feinden draußen zu entkommen, andern noch schrecklicher» in die Hände fällt. Denn hier erwarten ihn die Fischer mit den Netzen. — Jedes Boot hat deren sechs und dreißig, die meisten zwei Faden lang und einen Faden tief. Mehrere werden aneinander geknüpft, inan stellt sic in Reihen ans, mit Steinen unten beschwert und von Holzklammern oben gehalten. Wären die Netze größer, so würden sic reißen, denn der Häring steht so dicht zusammen, daß, wenn der Fang gut ist, in jeder Masche dcö Netzes auch ein Fisch steckt. Dabei ist seine Menge so ungeheuer, daß er zuweilen eine Wand bildet, welche bis auf den Grund hinabreicht, und von deren Druck nach oben die Boote dann mehrere Zoll ans dem Wasser gehoben werden. Achtzehn Netze stellt jedes Boot, und wirft die andere Hälfte aus, sobald die ersten mit dem Fang herausgezogen. Und während nun jene sich wieder füllen, rudern die Fischer mit den armen Opfern ihrer Schlauheit zum Strande, wo der Kaufmann wartet. Dort werden sic gezählt und ihm überliefert. Schaluppen stehen bereit, in deren Raum die Fische geworfen werden, und sobald die Fahrzeuge gefüllt, eilen sic nach Sta- vanger oder Bergen. Dort mm eröffnet sich an der deutschen Brücke ein neues Schauspiel. Ar beiter karren den Häring ans den Schiffen unter die weiten Durchgänge der Häuser. Hier sitzen, von Tonnen umringt, eine gehörige Anzahl Menschen, größ- tentheils alte Frauen, die mit dem Messer in der Hand das Werk dcö Anskehlcns verrichten. Die Karren werden bei ihren Plätzen umgestürzt, so daß sie halb in Fischbcrgcn begraben sind, und sic ergreifen den einen nach dem andern, schneiden ihm die Kehle auf, und reißen mit einem knnstgcmäßcn Zug Gedärm und Einge weide heraus. Dann werfen sie ihn in die bcrcitstchcnden Tnbbcn, und sie haben331 in dieser Arbeit eine solche Virtuosität, daß viele tausend Fische täglich dieselbe Procedur erfahren. Sobald die Tubben gefüllt sind, werden sic von andern Arbeitern an den Platz des Einsalzens gefahren, dort in die Fässer gepackt, mit der Salzlacke be gossen, vom Böttcher geschlossen, und nun in dem Magazin anfgcstapclt, sind sic zur Ausfuhr fertig und bereit. Wenn man bedenkt, daß in den letzten guten Zei ten von Bergen allein jährlich beinahe 300,000 Tonnen Häringe ausgefahren sind, kann man sich wohl einen Begriff von der Größe und Lebendigkeit dieses Handels machen. Alle gewinnen dabei. Das Holz zu den Tonnen kommt ans den Wäl dern, und die Eigenthümer derselben, die Bauern, welche cs heranfahrcn, die Handwerker, welche cs verarbeiten, die Frauen und Kinder, die den Häring kehlen, die Männer, welche ihn hcrbcischaffen, die Fischer und Schiffer, die Bootsleute "»d Rheder, vor Allem aber die Kanfleutc, theilen sich in den Bortheil. Kehren wir einen Augenblick noch zu den Fischern ans Skudcsnaes zurück. — Hier geht der Fang ununterbrochen vier Wochen lang und oft länger vor sich. Wie viele Fische auch täglich in dieser ungeheuren Zahl von Netzen hcrausgczogen werden, die Masse der übrigbleibenden scheint dadurch nicht vermindert. Immer »c» drängt sich das unermeßliche Heer herauf ans die Oberfläche, und draußen vor den Scheeren, oft mitten zwischen den Fischerbooten, liegen die Wale, wie abgc- richtetc Schäferhunde, und scheuchen die furchtsame Heerde zurück, wenn sic Miene wacht sich zu entfernen. Mensch und Walfisch haben einen Bund geschlossen zur Vernichtung des unglücklichen, widerstandslosen Gefangenen, der ihrer Wnth allein durch [eine unvcrtilgbarc Menge spottet, welche sich zur Schlachtbank drängt. Hunderte von Walen haben das Häringsheer herangetrieben, sic haben cs schon weit im Meer erspäht, als es, von unbekannten Ursachen gezwungen, aus den Tiefen emporstieg. Kühnen Wüstenräubern gleich haben sic dem Zug aufgelancrt, täglich ihn anfallend, ihren gierigen Hunger gestillt, und jetzt liegen sie, riesen haften Baumstämmen gleich, bewegungslos dicht vor dem Fischwalle, der ihnen "icht mehr entgehen kann, und in ihren geöffneten Rachen ziehen sic, wie im Stru del niit jedem Athemzugc, eine Anzahl lebendiger Geschöpfe hinab, deren Blut und Flcischstückc, mit grünlichem, übelriechendem Wasser vermischt, ihre Naslöchcr w hohen Fontaine» anösprützcn. Der Walfisch an der norwegischen Küste ist der Härings-Jäger; es ist nämlich der Finnfisch, welcher eine 20—30 Fuß lange Flosse auf seinem Rücken trägt. Das mächtige Thier schwinnnt in seinem Elemente mit der Geschwindigkeit eines Vogels. Trotz seiner unförmlichen Gestalt und seiner schein baren Trägheit ist er in allen seinen Bewegungen ein Musterbild der Kraft und Gelenkigkeit. Jetzt noch auf der Oberfläche des Meeres ruhend, ist er im näch sten Augenblick verschwunden und tief hinabgesnnken; im andern sieht man seine hohen Rückenflossen weit davon wieder cmportanchcn und wie ein Pfeil durch das Wasser rauschen. Jetzt ist er hier, jetzt dort und immer beschäftigt, den Raub zuverschlingen, der ihm aufstößt. Wie viele Tonnen Häringe täglich von diesen Un geheuern verbraucht werden, ist leicht zu denken, aber die Fischer machen sic ihnen nicht streitig, sic haben ja dennoch mehr, als sie nehmen können. Der Walfisch ist im Gegcnthcil Gegenstand ihrer Sorge, Niemand darf ihn beleidigen, Niemand ihn von seinem Platze vertreiben, er ist ihr Gefährte, ihr Freund und Diener, den sie lieben, und der Fisch scheint dieses wohl zu wissen; denn so scheu und empfindlich er auch sonst ist, ruhig liegt er hier zwischen den Barken nnd verspeist, ganz unbekümmert um alles Geschrei und Gelärm, seinen Anthcil an der gemein samen Beute. Daher sind denn auch die Fischer einig darüber, daß der Wal ein so kluges, verständiges Geschöpf sei, wie irgend eines auf Erden, und sic erzählen viele Beispiele, welche Zcugniß dafür geben. Eines darunter ist folgendes. Ein Fischer war vor einigen Jahren bei Skudcsnacs mit dem Fange beschäftigt, rund umher lagen mehr als hundert Boote in gleicher Arbeit, dicht neben dem seinen aber ruhte ein ungeheurer Wal, der sich nicht im geringsten gcnirte und beim Heraufziehen der Netze kein Haar breit auö dem Wege ging. Er vertilgte eine Tonne Häringe zum Frühstück in völliger Gemüthsruhe, schlief vielleicht halb nnd halb dabei, denn er schüttete seine übelriechenden Fvntaincn über das Boot aus, und kehrte sich nicht einmal daran, daß die Ränder desselben seinen Rücken steif ten. Der Fischer, ein erfahrener Mann, ließ sich dies von dem unhöflichen Thicrc in Betracht des Bündnisses nnd der sonstigen guten Dienste gefallen, sein Knabe aber fürchtete sich, die Hände in das Wasser zu stecken und das Netz anfzuzieheu dicht am aufgesperrten Schlunde des Ungeheuers, in welchem die Tonrbillons von Wasser nnd Häringen verschwanden. Er nahm daher, hinter dem Rücken des Va ters, den Bootshaken nnd gab der schwarzanfragcndcn Insel eine hinterlistige Er innerung, zu verschwinden. Der Stoß half wie mit Zanbcrgcwalt, denn kaum war er empfunden, als das Thier mit Blitzesschnelle fünfhundert Ellen weit, mitten durch den Fischplatz, zwischen Booten und andern Walen hinschoß. Plötzlich aber kehrte cs um, nahm denselben Weg zurück, und als tvissc es genau, >vo und an wein cs die Beleidigung zu rächen habe, suchte und fand das Boot mit dem verrätherischen Knaben, nnd zerschmetterte cs mit einem Schlage seines Schwan zes. — Solche Beispiele mögen dazu gekommen sein, um den Fischern Achtung vor ihren starken Freunden zu lehren, die eine so ungeheure Kraft besitzen, daß das stärkste Boot davon in Splitter fliegt. Aber der Walfisch ist cs nicht allein, der die Beute mit den Fischern theilt. Luft itub Wasser beleben sich mit gefräßi gen Räubern, die unermüdlich im Vernichten sind. — Delphine, Käbliane, Schell fische und Haie umschwärmen in Schaaren die Verfolgten nnd machen wüthendc Angriffe auf ihre Phalanx; aus der Luft stürzen die unzähligen Schwärme wild- schreiender Mövcn, Seeraben, Skarfc nnd Fischadler. Alle Klippen und Felsen sind bedeckt mit den unersättlichen Räubern; von unten dringen sic ans den tief sten Meeresticfen, von oben schießen sic ans den Wolken nieder, und der Mensch läßt sie gewähren, sic treiben dasselbe Geschäft, wie er.333 Ein besonders glückliches Ereigniß ist cs für die Fischer, wenn der Häring, gejagt von seinen Feinden, dicht an die Küste geht und in die Buchten tritt. Ist dieses der Fall, so wird die Bucht, wenn cs irgend angeht, durch große Netze sogleich abgcspcrrt, und dann sind alle armen Eindringlinge verloren, sic werden mit Gcniächlichkcit anfgcfischt. Ans diese Weise wird ein Fang oft ungeheuer reich. Man hat acht- bis zehntausend Tonnen schon ans einer Bucht gezogen, und eben so viele waren durch das gewaltige Zusammendrängen des Thiercs erstickt. Ohne Zweifel kann man annehmen, daß jährlich an den Küsten Norwegens, Eng lands, Hollands und in der Ostsee weit über tausend Millionen Häringe gefangen und wohl eine noch größere Zahl von den Raubthieren verschlungen werden. End lich im März senken sich die Schaaren in die Tiefen, und init dem Ende des Monats verschwinden sie gewöhnlich ganz. Der Fang ist beendet, und die Fischer gehen, um zu empfangen, was sie vom Kaufmann zu fordern haben, aber dies ist meist, trotz aller Gunst des Schicksals, doch nur eine geringe Summe. Man hat vorher geborgt, das Leben ist thcucr, der Fisch wohlfeil, und bald pocht das alte Elend wieder an die schmutzige Hütte des Armen, dessen Hoffnung sich dann ans den nächsten Glücksstern seines Netzes richtet. Wie viel Gefahren, wie viel Mühen und fast übermenschliche Anstrengungen erfordert dies Gewerbe, wie viel entsetzliche Noth und Leiden bringt cs mit sich, und doch ist es bei diesen Men schen eine Leidenschaft, von der sic nicht lassen können. Mit dem Fischer ist cs wie mit dem Jäger und dem freien Hirten auf den Bergen, der beides ist. Alles verachtet den ruhigen stillen Landmann. Die Netze werfen auf den Meereswellen, mit den Angeln an den Vootsscitcn die Wogen zerthcilcn, das ist auch eine kühne Jagd, die oft auch plötzlich lohnt, wie dein Schützen sein verwegenes Klimmen über Abgründe und Felsenhörner, wenn er Rennthierschaaren nachzicht. Da gilt cs Mnth in Gefahren zeigen, ein unverzagtes Herz im Busen tragen, da gilt cs zu wagen, sich den Zufallsspielen des Glücks anzuvcrtraucn, und was thäte bcr Mann lieber? Es liegt tief in seiner Brust ein wilder Trieb, daö Schicksal Zu versuchen. Unter allen Beschwerden ist aber wohl keine so furchtbar, wie die des Fisch- ^ungcs an diesen Küsten. Man denke sich dies nordische Meer am Ende des Ja« uuarmonats, von Orkanen zcrpcitscht, die mit rasender Wuth über nackte Klippen lagen. Man denke sich diese Brandungen, diese eisigen Wogen, diese kalten Regen güsse, diese Schneestürme, die Elemente verbündet und im Aufruhr, dann erst ist cs doppelt wunderbar, wie zähe die Kraft des Menschen, wie kühn sein Wollen, lv>c gierig sein Verlangen nach Gewinn, wie sonderlich seine Körper- und Gcistes- ^rganisation. Er, der sich nur durch Kunst des ewig beweglichen Elements be mächtigt hat, der sich nur mit Verachtung seines Lebens darauf erhält, er fragt uicht nach Sturm und Eis und den entsetzlichsten Entbehrungen. Eine Art Raserei bemächtigt sich seiner: die Fische sind da! und er muß sic fangen, sic tobten, mit ^bulcn und Adlern um den Preis streiten! Diese Empfindungen hat er mit zurWelt gebracht, er hat sic mit der Muttermilch eingcsogen, er kann nicht anders. Gebt dem armen Fischer ein gutes Feld, das ihn ernährt, wenn er halb so viel arbeitet, als in seinem lecken Boote, er wird es verschmähen; verschmähen wie der Jäger das bequeme Haus verschmäht. Die Sehnsucht des Einen hängt an den Meereswogen, die des Andern an dem rauschenden Waldcsdnnkel; der eine träumt von Ungeheuern Netzen und dem Gewimmel silberglänzender Beute darin, der an dere von dem Horngerüst weidender Heerden, von dein Knall seines Feuerrohrs und von fließendem Blut. Bon dem Frieden des Hauses, von dem Rauschen der Achrenfelder, von der himmlischen Stille des Lebens wissen sic nichts. Armnth und Elend wiegen bei den Kindern der Erde die Last des geordneten Lebens nicht ans. Auf den Ber gen schweifen, ans den Wellen fahren, dünkt denen, die dazu geboren sind, viel schöner, als in Städten wohnen und an vollen Tischen sitzen. Die Sardelle (Taf. Xlll. Fig. 189) hat große Aehnlichkcit mit dem Häringe, wird aber höchstens */ a Fuß lang und 1 Zoll dick. Der Kopf ist goldfarbig, der Oberleib braun und der Unterleib sil berfarbig. Ihren Aufenthalt hat sie in der Nord- und Ostsee und im mittellän dischen Meere. Der Name Sardelle ist von der Insel Sardinien herzuleiten, wo sic in großer Menge gefangen werden und wo ein einziger Netzzug oft über 40,000 Stück liefert. Auch an der holländischen Küste sind sic sehr zahlreich. Sie werden gewöhnlich eingesalzcn, nachdem man ihnen die Eingeweide anöge- nommen und den Kopf abgcschnittcn hat. Letzteres thut man aus dem Vornrtheil, weil man glaubt, daß in demselben die Galle sich befinde, welche man für schäd lich hält. Sie haben einen sehr feinen Geschmack und dienen auch besonders dazu, um verlorenen Appetit wieder zu reizen. Die Alse, auch Maifisch genannt, gehört ebenfalls zum Geschlcchte der Häringe. Sic wird 3 bis 4 Fuß lang und 5 Pfund schwer. Der Oberleib ist grünlich und der Unterleib weiß, mit harten Bauchschnppen besetzt. Ihren Aufenthalt hat sie in der Nordsee und im mittelländischen Meere. Im Frühjahre zieht sie in die Flüsse hinauf, um zu laichen, und namentlich wird dann im Rheine eine ungeheure Menge von ihnen gefangen. Aber ihr Fleisch achtet man in den Rheingegenden nicht, und nur der gemeine Mann kauft sie zu äußerst geringem Preise. Der Karpfen- Das Geschlecht der Karpfen ist sehr groß, denn es gibt wohl gegen 50 Ar ten, und auch die Barben, Schleihcn, Karauschen, Orfen, Raapfen, Goldkarpsen335 und Unkeleis werden zu ihnen gerechnet. Der gemeine Karpfen lebt in fließenden und stehenden Gewässern, doch sind die Flußkarpfen immer besser als die Teich karpfen, weil letztere einen schlammigen Geschmack haben. Der Karpfen ist oben olivengrün, unten gelblich und am Bauche weiß. Er wird 1 bis 4 Fuß lang und kann ein Gewicht von 40 Pfund erreichen. Das Maul ist mit vier kurzen Bartfäden besetzt und die Stacheln an den Rücken- und Afterflossen sind gezähuelt. Der Mund selbst ist zahnlos, aber im Schlunde befinden sich kleine rauhe Knochen zum Festhalten der Nahrung. Man hält ihn gewöhnlich in Teichen, wo er sehr- zutraulich wird und sich gewohnt, ans ein gegebenes Zeichen, z. B. auf das Läu ten einer Glocke, herbeizukommcn. Auch erreicht er in denselben eine bedeutende Große und ein hohes Alter; mancher soll über 100 Jahre alt geworden sein. Sein Leben ist überhaupt sehr zähe, und deshalb kann man ihn in feuchtes Moos gehüllt in einem Keller aufbewahren und mit Milch und Semmeln mästen. In Schnee verpackt, mit einem Stückchen Brod im Maule, das in Branntwein ge tunkt ist, kann man ihn 20 bis 30 Meilen weit lebendig versenden. Zuweilen geht er auch selbst aus dem Wasser an's Ufer, um sich im feuchten Grase zu sonnen. Seine Nahrung besteht größtcuthcils ans Samen, Kraut, Schlamm, Insekten und Würmern. Wenn man ihn mit Schafmist und Abfall aus den Küchen füttert, so wird er in kurzer Zeit sehr fett. Seine Vermehrung ist außer ordentlich groß. In einem dreipfündigen Weibchen fand man über 300,000 Eier und in einem zehnpfündigen 700,000. Aber die junge Karpfenbrut ist vielen Gefahren ausgcsctzt; denn Wasserratten, Enten, Frösche und Raubfische stellen Eiern und Jungen mannichfach nach. Die Flußkarpfen ziehen im Mai und Juni, um zu laichen, stromaufwärts und schnellen sich, wie die Lachse, über Hindernisse weg» Im Winter wühlen sie sich in den Schlamm ein und warten in ihrem Versteck die wärmere Jahreszeit ab. Das Fleisch der Karpfen benutzt man frisch und eingcpökelt, den Rogen zum Kaviar und die Galle zu grüner Farbe. — Der Spiegelkarpfen ist eine bloße Spielart des gemeinen Karpfen und unterscheidet sich von diesem durch eine Reihe viel größerer, schildartiger Schuppen. Die Barbe gehört ebenfalls zum Geschlechte der Karpfen und ist oben dunkelgrün, an den Seiten weißlich. Sic wird 2 bis 4 Fuß lang und 8 bis 20 Pfund schwer. Sie hat ebenfalls am Munde 4 Bartfäden, doch steht der Oberkiefer mehr hervor als beim Karpfen. Am liebsten hält sic sich in schnellfließenden Gewässern aus, und nährt sich von Fischen, Insekten, Würmern und Wasserpflanzen. Ihr Fleisch ist sehr wohlschmeckend, aber ihr Rogen, den sie an den reißendsten Stellen der Flüsse absetzt, soll giftige Wirkungen haben.336 D i c S ch l e i h c hält sich besonders in schlammigen Gewässern ans nnd wird 1 bis 2 Fnß lang nnd 4 bis 6 Pfund schwer. Sic ist oben branngclblich, unten weißlich nnd leicht zu unterscheiden durch den Mangel der Stacheln, durch ihre kleinen Schuppen und zwei Bartfäden. Ihr Fleisch ist sehr fett, aber nicht gesund. Im Winter vcr- kriecht sic sich und hält im Schlamme ihren Winterschlaf. Die Karausche. Die Karausche hält sich ebenfalls in schlammigen Gewässern ans und nährt sich von Samen, Schlamm, Insekten und Würmern. Sic wird nur 1 Spanne lang nnd höchstens 1 Pfund schwer. Ihr Rücken ist hochgcwölbt und hat eine dunkelgrüne Farbe, am Untcrlcibc ist sic weiß mit röthlichen Flecken. Das Weib chen setzt eine erstaunliche Menge Laich ab, der aber meist von andern Fischen wieder verzehrt wird. Ihr Fleisch ist weiß, zart und wohlschmeckend. Der chinesische Goldkarpfc» (Tas. xm. Fig. 190) wird am zahlreichsten in den Flüssen von China gefunden und verdient wegen seiner Farbenpracht unter allen Fischen der schönste genannt zu werden. An Ge stalt ist er vollkommen dem Karpfen ähnlich, nur hat er vcrhältnißmäßig einen größeren Kopf. Seine Farbe wechselt mit dem Alter. Ganz jung ist er schwarz; später wird er weiß mit Silberglanz und daher Silberfisch genannt; im höhe ren Alter erhält er einen prachtvollen Goldglanz und heißt dann Goldfisch. Auch in China hält man ihn, >vic bei uns, nur zum Vergnügen in Bassins oder in großen weißen Gläsern. Er wird sehr zutraulich nnd kommt munter herbei, wenn man ihm pfeift. Im Dunkeln leuchtet er wie eine glühende Kohle. Legt man ihn in Branntwein, so verschwindet seine Farbenpracht gänzlich. Sein Fleisch ist ganz vorzüglich, aber wer wollte ein so schönes Thier seinem Gaumen zum Opfer bringen? Der B l e y oder Brachsen ist oben schwarz, an der Seite gelblich und unten weiß. Am leich testen ist er zu erkennen an den dunkelschwarzen Flossen nnd an der dunkeln Pu pille in seinem Auge. Er findet sich in allen Teichen von Norddcutschland, Nor wegen, Schweden nnd Rußland, und wird 2 bis 3 Fnß lang nnd 20 Pfund schwer. Gewöhnlich hält er sich in der Tiefe ans nnd kommt nur zur Laichzeit in die Höhe. Alsdann wird er in unglaublicher Menge weggefangcn, denn sein Fleisch ist sehr schmackhaft. Man muß sich aber bei seinem Fange ganz ruhig verhalten, denn wird er während des Laichcns gestört, so geht er in die Tiefezurück, und an der verhaltenen Milch oder Rogen sterben Männchen und Weib chen. Auch der Blcy hat ein zähes Leben und läßt sich, in Schnee verpackt, weit hin lebendig verschicken. Der R a a p f e n hält sich in den stillen Gewässern des nördlichen Enropa's und Asiens auf. Be sonders häufig findet man ihn in Pommern, in Ost- und Wcstprcnßen. Er ist wohl fünf Mal länger, als er breit ist und wird 10 bis 12 Pfund schwer. Auf dem Rücken ist er schwärzlich, auf den Seiten bläulich-weiß, und am Unterleibe ganz weiß. Seine Nahrung besteht in kleineren Fischen und sein Fleisch ist weiß, äußerst zart und schmackhaft. Der U n k c l e i ist in ganz Europa sehr häufig und wird in allen kleineren und größeren Flüssen und Seen in großer Menge gefangen. Im Bvdensec sind in einem Zuge schon 10 Eimer voll gefangen worden. Auf dem Rücken ist er olivensarbig, sonst sil bern. Er laicht im Mai und Juni, aber sein Fleisch ist wenig schmackhaft, und wird nur von geringen Leuten gegessen. Seine silberfarbigen Schuppen scheuert man ab, und diesen Staub verarbeitet man zu unechten Perlen. 22 'Öeumet'5 Naturgeschichte.Die Insekten. Der Name Insekt ist lateinischen Ursprungs, und ist entstanden aus dem Worte insectum, welches so viel ist als intersectum, was einen Einschnitt hat, was eingcschnittcn ist. Der Leib der Insekten hängt nämlich mit dem Kopfe so lose zusammen, daß beide oft nur wie durch einen Faden verbunden scheinen. Eben so ist cs dann oft wieder mit der Brust und dem Untcrleibe; auch diese sind durch Einschnitte von einander getrennt. Außer diesem Hauptmerkmale haben die Insekten noch viele andere Eigcnthümlichkcitcn, die sie vor allen übrigen Thicren auszeichnen. Sie haben nämlich Alle statt des rothcn Blutes bloß einen weißen kalten Saft. Der Kopf, der gewöhnlich die Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks hat, zuweilen aber auch walzen- oder kugelförmig ist, trägt auf der'Stirne Fühl hörn er, welche bald ausgcstrcckt und gerade sind, bald fächerförmig sich zusammen legen. Sic dienen wahrscheinlich zum Betasten und Befühlen der Gegenstände; denn man hat bemerkt, daß, je kleiner die Angen, desto größer die Fühlhörner sind, und umgekehrt. Sehr merkwürdig ist ferner der Bau der Augen. Einige Insekten haben einfache, die von denen der andern Thicre nicht wesentlich ver schieden sind. Viele Insekten jedoch haben zusammengesetzte Augen. Diese findet man bei den meisten Insekten, und bestehen aus vielen kleinen, sechseckigen, in der Mitte erhabenen Flächen, die jede ein Auge für sich ansmachen. Das Auge einer Bremse besteht ans 7000, das eines Schmetterlings ans 17,000, das einer Fliege ans 8000 solcher sechseckigen Stücke oder Linsen. Spannt man die Angenhant einer Fliege oder Bremse über ein in ein Kartcnblatt gemachtes Loch, oder, was noch besser ist, über ein Vergrößerungsglas, so erscheint jeder Gegenstand tausend Mal vervielfältigt. Man muß aber nicht denken, als erblickten die Insekten jeden Gegenstand tausendfach. Keineswegs; eben so wenig wie wir mit unfern beiden Angen jedes Ding doppelt sehen. Die vielfachen Augen dienen den Insekten dazu, nach allen Richtungen hinzuschen, ohne daß sie nöthig haben, sich umzudrcheu. Auch das Maul ist bei den Insekten sehr mannichfaltig gebildet. Einige haben zangcnförmige Kinnladen, andere einen spitzigen Rüssel, wieder andere einen339 zwciklappigen Schnabel. Die Füße der Insekten sind ebenfalls wunderbar gebil det. Sic bestehen gewöhnlich aus 5 einzelnen Stücken, und jedes Glied, woraus der Fuß besteht, ist eine Röhre, worin die bewegenden Muskeln stecken. Sic be sitzen in diesen Muskeln eine außerordentlich große Kraft. Eine Heuschrecke springt 200 Mal so weit, als sic lang ist; der Floh springt 144 Mal weiter, als erlang ist. ■— Die meisten Insekten sind mit Flügeln versehen, welche elastisch und durch sichtig sind. Die Wespen, Bienen und Schmetterlinge haben 4 Flügel. Was die Gehörorgane der Insekten betrifft, so hat man lange geglaubt, daß diese ihnen gänzlich fehlen; viele Beobachtungen jedoch haben das Gcgenthcil gelehrt, und die meisten Naturforscher sind der Meinung, daß der Sitz des Gehörs in den Fühl hörnern zu suchen sei, wo man auch den Sinn des Geruchs verborgen glaubt. — Die Körperbedeckung ist ebenfalls bei den Insekten sehr verschieden. Viele sind mit einer hornartigcn Haut bedeckt, andere sind nackt oder mit sammetartigcn Haaren bekleidet. Am schönsten ist die Haut der Schmetterlinge, wo sic den reich sten Farbcnschimmcr zeigt. — Ihre Nahrung nehmen die Insekten aus dem Thier- und Pflanzenreiche. Es gibt keinen Thcil einer Pflanze, der nicht irgend einer Art von Insekten zur Nahrung diente; selbst die Giftpflanzen sind nicht ausgenommen. Auf der gemeinen Nessel leben 30 verschiedene Jnsektenarten. Diejenigen Insekten, welche sich von Pflanzenstoffen nähren, fressen gewöhnlich nichts ans dem Thierreiche, und umgekehrt, fleischfressende Insekten nehmen nichts ans dem Pflanzenreiche zu sich. Im Allgemeinen sind die Insekten sehr gefräßig. Manche Raupen fressen täglich zwei bis drei Mal so viel, als sic wiegen. Viele Insekten können dagegen auch lange Zeit hindurch hungern. So kann z. B. der Ameisenlöwe 6 Monate lang aller Nahrung entbehren. — Die meisten Insekten sondern gewisse klebrige Flüssigkeiten ab. So sondern viele im Munde einen Speichel ab, der zur Ver dauung der Speisen dient; andere geben eine Art Milch von sich. Die merk würdigsten Absonderungen sind jedoch die Seide, der Honig, das Wachs und das Gift. Die Seide sondert bekanntlich die Seidenraupe ab; den Honig empfangen wir von den Bienen. Diese geben auch ein Gift von sich, welches Entzündungen verursacht. Es hat einen süßen Geschmack anfangs, wird aber bald hernach scharf und brennend, und entzündet die durch den Stachel verwundete Stelle. Weil die Insekten keine Lungen haben, so fehlt ihnen auch die Stimme. Viele lassen zwar während des Fluges ein lautes Summen hören; aber dieses entsteht durch die Schwingungen, welche die Flügel durch Reibung an dem Rumpfe hcrvorbringen. So bringt die Hansgrille oder das Heimchen ihr bekanntes Zirpen dadurch hervor, daß sic ihre Flügeldecken in die Höhe hebt und rasch aneinander reibt. — Biele Insekten leuchten auch im Dunkeln, so z. B. das Johanniswürm chen. Das Licht, welches das Weibchen ausstrahlt, hat eine glänzende, in's Grün liche spielende Farbe, und ist so hell, daß man in seiner Nähe die Stunde ans der Taschenuhr sehen kann. Das Licht der Männchen ist bei lvcitcm schwächer.Gewöhnlich fangen sie in der Dämmerung zu leuchten an; sie leuchten jedoch auch bei Tage, wenn sic an einen: dunkeln Orte sind. Die prachtvollsten Leuchtkäfer finden sich in Brasilien; daß der Laternenträger aber einen leuchtenden Schein hervorbringe, ist durch die Forschung neuerer Naturforscher als unwahr erwiesen. Werden die Leuchtkäfer durch Mangel matt, so verlieren sie auch-die Kraft, zu leuchten. Der Instinkt der Insekten ist höchst bewunderungswürdig. Wie kunstvoll sind nicht z. B. die Netze der Spinnen gewebt; wie geschickt die Honigwaben der Bie nen zusammengefügt! Auch ein gewisser Grad von Gedächtniß läßt sich den Insekten nicht absprechen. So finden die Bienen immer ihren Stock unter meh reren anderen heraus. — Mehrere Insekten äußern auch eine große Wanderlust. Die Heuschrecken wandern oft in großer Menge, und zwar thnn sic dieses schon im Larven- und Pnppenzrkstande. Hierüber erzählt uns ein aufmerksamer Natur forscher Folgendes: „Bei heiterer und warmer Witterung sind sic gleich früh, so bald der Than verdunstet ist, in voller Bewegung, oder wenn kein Than gefallen ist, sobald die Sonne aufgeht. Erst sicht man einige lute Boten auf- und abgehen, unter den noch ruhenden Schwärmen, die theils auf der Erde, gewöhnlich an: Fuße kleiner Hügel, dicht aneinander gedrängt liegen, theils an allerlei Pflanzen und Gesträuchen sich gruppirt haben. Bald darauf setzt sich das ganze Corps in Bewegung. Sie gleichen einem Schwarme von Ameisen, und alle nehmen densel ben Weg, stets in geringer Entfernung von einander, und sv, daß sic sich gar nicht berühren. Wenn sic verfolgt werden, so zerstreuen sie sich, kommen aber bald zusammen, und setzen ihre Reise ans dem vorigen Wege fort. So marschiren sie vom Morgen bis zum Abend. Sic gehen gern ans ordentlich gebahnten Wegen, Stra ßen, Pfaden und freien Feldern fort; durch oder über Gesträuche, Hecken, Gräben wandern sic gerade hindurch, wenn cs nur irgend möglich ist; nur Wasser zwingt sie, eine andere Richtung zu nehmen, da sie sich vor dem Naßwcrden sehr fürchten. Sind aber Baumstämme oder Brücken über das Wasser gelegt, so passiren sic die selben in dichten Schaaren. Gegen Sonnenuntergang sondert sich der ganze Schwarm in kleine Truppe, und diese nehmen ihr Nachtquartier an Pflanzen oder kleinen Erhöhungen. An kalten, nebligen oder regnerischen Tagen reisen sic nicht. Sobald sic die Flügel bekommen, verlieren sic sich allmälig von einander, doch sicht man sic immer noch in einzelnen beträchtlichen Schwärmen hcrumflicgcn. Solche Züge sind namentlich in Rußland sehr gewöhnlich." Ein Reisender in Afrika schreibt über einen solchen Heuschreckenschwarm Folgendes: „Als wir von Glen-Lyeden her auf kamen, passirtcn wir mitten durch einen fliegenden Schwarm; er erschien uns, indem wir näher kamen, ganz unter der Form einer großen Schnccwolke, welche an: Abhange eines Berges hängt, und ans welcher der Schnee in großen Flocken hcrabfüllt. Als wir in die Mitte derselben kamen, war Alles um und über uns wie durch eine dicke Wolke verdunkelt; der rauschende Ton der Flügel von diesen Millionen Insekten war so laut, lute der von einem Mühlenrade. Der Boden, über welchen sie weggeflogen,' war bestreut von denen, welche verwundet waren,ober ihre Flügel im Fluge verletzt hatten, indem sie mit ihren Nachbare» in zu nahe Berührung kamen. Die Wolke, durch welche wir so durchkamen, war unge fähr eine halbe englische Meile breit, und 2— 3 solcher Meilen lang." Der Aufenthalt der Insekten erstreckt sich über alle Theile der Erde. Manche leben einsam, wie die Spinnen; andere gesellig, wie die Ameisen und Bienen. Ihre Wohnungen sind sehr künstlich eingerichtet. Die Motten durchschneiden das Tuch oder den Pelz, ans welchem sie wohnen, lösen kleine Stücke ab, befestigen diese wieder obenauf, und schneidern sich so eine Wohnung, die sie im Nothfalle vergrößern, ansbessern, verschließen und endlich öffnen, wenn die aus dem Wurme entstandene Fliege anskriechen will. Die Manrerbiene legt immer auf der Süd seite der Maüer das Fundament zu ihrer Wohnung, indein sie die Grundlage mit zusammengekitteten Sandkörnern ansfüllt; alsdann baut sie die Mauern der ein zelnen Zellen ailf und legt in jede neu errichtete Zelle ein Ei. Sind die einzelnen Zellen fertig und mit Eiern ausgefüllt, so macht sie über das Ganze eine feste Decke von starken Sandkörnern. Die Mohnbiene höhlt sich für ihren Bau Löcher in der Erde aus. Das Loch ist gewöhnlich am Eingänge walzenförmig, und un gefähr 3 Zoll tief. Nachdem sie die Wände sauber abgeglättet hat, schneidet sie sich ans dem Felde ein ovales Stück ans einem Blumenblatte der Klatschrose, und trägt eö in ihr kleines Gemach, das sie nach und nach mit diesen Tapeten ganz nusschmückt. Alsdann trägt sie Blüthenstanb und Honig hinein, läßt ein Ei darauf fallen, und schließt dann das Gemach mit Erde zu. Das ovale Stück weiß sie sehr geschickt ans der Klatschrose herauszuschneiden. Sie setzt sich näm lich einige Augenblicke ans die Rose hin, schwingt sich dann auf ein einzelnes Blatt, und stellt sich ans dessen Rand, daß es zwischen ihren Füßen durchbricht. Mit den Kiefern schneidet sie alsdann aus dem Blatte ein ovales Stück heraus. Bon den künstlichen Wohnungen der Ameisen und Termiten werden >vir später beson ders sprechen. Nur wenige Insekten werden von ihren Müttern lebendig geboren; die mei sten entstehen aus Eiern; nur die Seorpionen, einige Schildlänse, Wanzen und Blattläuse bringen lebendige Junge zur Welt. Die Eier werden von den Müt- tern immer an solche Oerter gelegt, wo die Larven, wenn sie aus dem Ei kriechen, sogleich Nahrung finden. Hinsichtlich ihrer Gestalt sind die Eier bald oval, bald Platt, bald kegelförmig, bald birnenförmig, bald walzig u. s. w. Ihre Zahl ist immer sehr groß. So legen die Schildlänse 2000 — 4000, die Wespen 30,000, die Bienenkönigin 40 — 60,000, und die weiße Ameise viele Millionen Eier. In der Regel legen die Insekten nur ein Mal iin Jahre, manche machen jedoch mehrere Bruten. Die merkwürdigste Erscheinung in dem Leben der Insekten ist ihre Verwand lung oder der Uebergang ans einem unvollkommenen in einen vollkommenen Zu stand durch verschiedene Stufen hindurch. Und diese Verwandlung trifft nicht einzelne Organe, sondern sie ist eine völlige Umänderung der Gestalt, des inner»342 Baues, so wie der ganzen Lebensweise. Es lassen sich dabei 3 verschiedene Stufen unterscheiden. Die erste Stufe ist gleich nach dem Ausschlüpfcn aus dem Ei und die Insekten werden daun Larven genannt. Die Larven der Käfer werden ins- besondere Engerlinge, die der Schmetterlinge Raupen genannt, und die fuß- loscn Larven sichren den Namen Maden. Die Larven fressen bloß, wachsen oft mit unglaublicher Schnelligkeit und wechseln zu wiederholten Malen ihre Haut. Einen oder zwei Tage vor der Häutung hören sie auf, Nahrung zu sich zu nehmen. Sic werden schwach und matt, verkriechen sich in einen sichern Schlupfwinkel, ren ken und krümmen sich, um die alte trockene Haut von der neuen darunter liegen den abzulösen. Die meisten Larven häuten sich 3 bis 4 Mal; manche aber auch 10 Mal. Um in diesen Verwandlungen nicht gestört zu werden, gebrauchen die Insekten die äußerste Vorsicht, und die Seidenraupe hüllt sich bekanntlich in ein seidenes Gespinnst ein. Um dieses Gespinnst zu machen, erzählt Gräfe, setzt sic sich zwischen zwei Blättern fest und klebt ein Ende ihres Fadens auf einer der Flächen an. Diesen Faden führt sic sodann an eine andere Stelle, klebt ihn an, und wiederholt dieses nach verschiedenen Richtungen, bis sic sich mit einem lockeren Netz umgeben hat. Darin wird nun der Grund zu dem inner» Gespinnst gelegt. Sic befestigt sich mit ihren Füßen an einige Fäden, biegt den Leib und spinnt, unter abwechselnden Bewegungen des Kopfes von einer Seite zur andern, eine Lage Seide auf der entgegengesetzten Fläche; ist sic dick genug, so ändert die Raupe ihre Lage und wiederholt dasselbe Verfahren an einer andern Stelle, überzieht jede Lage der Reihe nach mit einer neuen, bis die innere Höhle ans den verlangten Raum verengert ist. Dieser Scidcnfadcn, der nur ans einem einzigen Stücke be steht und 900—1000 Fuß lang ist, ist nicht kreisförmig gewunden, sondern vor- und rückwärts in einer Zickzack-Linie geführt, so daß mehrere Lagen entstehen. Die Fäden sind so fein, daß man 5 — 6 zusammcnspinncn muß, damit die Seide die gehörige Stärke erhält. Aus dem Larvcnznstandc treten die Insekten in den Nymphen- oder Puppcn- stand, indem sic die letzte Larvcnhant abstrcifcn. Die meisten Puppen liegen un beweglich in ihrem Gespinnst und zeigen nur Leben, wenn man sie berührt. Sic fressen nicht und pflanzen sich auch nicht fort. Am Ende des Nymphcnlebcns zer platzt durch eine mächtige Bewegung die Hülle und das vollkommene Insekt er scheint. Das Hauptgeschäft der Insekten im ansgebildetcn Zustande ist die Fort pflanzung, und für die Erhaltung ihrer Nachkommenschaft zeigen sic die äußerste Sorgfalt. So wählen viele zur Ablegung 'der Eier immer solche Thcilc der Pflanzen, die im Herbste nicht abfallcn. Die Pferdcbremsc legt ihre Eier an die jenigen Thcilc des Pferdefellcs, welche das Pferd mit der Zunge erreichen kann, besonders auf die Haare der Knicc, damit die nach einigen Tage» anöschlüpfenden Maden durch das Lecken des Pferdes in dessen Maul und von da in dessen Ma gen kommen, wo sic nur allein leben können.343 Dic Lebensdauer der Insekten ist sehr verschieden. Manche leben nur einige Stunden, andere sehen nicht einmal das Tageslicht, weil sic nach Sonnenuntergang auskriechen und vor Sonnenaufgang sterben. Nur wenige Insekten erreichen ein Aller von 6—15 Monaten. Das Weibchen gesellt sich zu einem Männchen, legt Eier, und bald darauf sterbe» beide dahin, denn ihre Bestimmung ans Erden ist nun erfüllt: ihr Geschlecht ist fortgcpflanzt. In der großen Haushaltung der Natur spielen dic Insekten, wie aus dem Gesagten hcrvorgeht, eine wichtige Rolle. Der unmittelbare Nutzen, den sic uns gewähren, ist unbedeutend. Mittelbar freilich bringen sie uns manchen Vorthcil. Sie entfernen eine Menge ekelhafter Stoffe, sowohl ans dem Thier- als aus dem Pflanzenreiche, dic unserer Gesundheit sehr schädlich sein würden, wenn sic liegen blieben und in Fäulniß übergingen. Sie vertilgen ferner unzählige Arten von Unkraut. Auch dienen viele andern nützlichen Thieren, namentlich Vögeln und Fischen, zur Nahrung. Andere liefern uns Kleidung, kostbare Farben, Arzneimittel u. s. w. — Dahingegen bringen uns dic Insekten manchen Schaden. Viele sind dem Menschen gefährlich oder doch zur Last, indem sic ihn anfallen und verwunden. Andere fallen über unsere Hausthiere her und machen sie krank, oder bereiten ihnen wohl gar den Tod. Viele zerstören eine Menge nützlicher Pflanzen, indem sic das Laub abfresscn oder dic Blüthcn zernagen. Aber darnach ist, genau genommen, der Schaden der Insekten gegen ihren Nutzen unbedeutend. Eö sind bis jetzt über 100,000 verschiedene Arten von Insekten uns bekannt, und dic Zahl derjenigen, dic wir noch nicht kennen, ist ohne Zweifel noch weit größer. Man thcilt die Insekten nach ihren Flügeln gewöhnlich in 7 Ordnungen: 1) Insekten mit ganzen Flügeldecken, oder Käfer; 2) Insekten mit halben Flügeldecken, oderHalbflüglcr; 3) Insekten mit vier gefie derten oder geschuppten Flügeln, oder Schmetterlinge; 4) Insek ten mit vier netzförmigen Flügeln, oder Netzflügler; 5) Insekten mit vier häutigen, geaderten Flügeln, oder Hautflügler; 6) In sekten mit zwei häutigen, durchsichtigen und geaderten Flügeln, oder Zweiflügler; 7) Insekten ohne Flügel, oder Flügellose. Erste Drdnnng. Die Käfer. Dic Käfer unterscheiden sich von den andern Insekten durch dic hornartigen Flügeldecken, welche sich in der Mitte des Rückens in einer geraden Nath344 zusammenschlichen und den obern Thcil des Leibes mit den zwei häutigen Flügeln entweder ganz oder zum Theil bedecken. Ferner haben sic am Maule zwei be wegliche hornartige Kinnladen oder Freßzangen; Freßspitzen, die wahrscheinlich 3x1111 Fühlen, und gegliederte hornartige Fühlhörner, welche zum Hören bestimmt sind. Bei manchen Arten unterscheidet sich Männchen und Weibchen sehr auffallend, daß man oft verleitet wird, sie für zweierlei Arten zu halten. So haben z. B. di- Männchen oft Hörner ans dem Kopfe oder ans dem Brnstschilde, oder auf bei den zugleich; andere haben längere Fühlhörner, stärkere Fnßballcn u. s. w., wo von man bei den Weibchen das Gcgcntheil antrifft. Jedoch sind bei den meisten Arten Männchen und Weibchen in ihrer äußeren Gestalt sich gleich. Die Käfer gehören zn denjenigen Insekten, welche eine vollkommene Verwandlung durchmachcn. Ist die Befruchtung geschehen, so sucht das Weibchen seine Eier an den Ort zu legen, welchen die Natur zu ihrem Auskommen angewiesen hat. Einige, welche von Wurzeln der Gewächse leben, legen sie in die Erde; andere, welche andere Nahrung nöthig haben, in thierischen Koth, in Aas, in die Gewächse, ans Blätter der Gewächse u. s. w. Die Eier der Küfer sind verschiedenartig gebildet. Alle haben eine feinere Haut als die Eier der Schmetterlinge, und gehen durch äußere Einwirkung leicht zu Grunde. Wie in der Form, so sind sic auch in der Farbe von einander unterschieden; jedoch ist die gelbe Farbe die vorherrschende. Sobald das Junge in dem Ei seine Zeitigung erhalten hat, kommt cs als Larve hervor und gebraucht die schon vor ihm liegende Nahrung zu seinem weitern Fortkommen. Diese Käfcrlarvcn, welche von Einigen mit Unrecht Wurm genannt werden, ha ben entweder Füße oder nicht. Die Fußlosen nennt man gewöhnlich Maden. Alle haben einen hornartigcn Kopf, zwei starke Freßzangen, zwei Augen, auch oft gegliederte Fühlspitzcn am Maule. Diejenigen, welche mit Füßen versehen sind, haben deren nur sechs an den drei vordersten Gelenken oder Ringe»; die übrigen zehn Ringe haben keine Füße. Einige unter diesen, welche über der Erde ihre Nahrung suchen, haben einen gestreckten Körper; die aber in der Erde sich auf- haltcn, haben in der Regel eine gekrümmte Lage uich sind weit weichlicher. Ucbcr- hanpt richtet sich ihre körperliche Beschaffenheit nach ihrem Wohnort, daher manche mit einer andern Bedeckung versehen sind. Die Häutung dieser Larven geschieht bei einigen mehr als drei und vier Mal, in welcher Zeit ihnen die geringste ge waltsame Störung tödtlich werden kann. In dem Larvcnznstandc sind diese In sekten ungemein gefräßig; man kann cs an solchen wahrnchmcn, welche sich von den Wurzeln der Gewächse, oder von andern Insekten, oder auch von dem Aas nähren. Ist ihre Vcrwandlnngszcit erschienen, welche bei einigen sehr frühe, kaum nach einigen Wochen, bei anderen aber wohl erst nach zwei, drei Jahren erfolgt: so verwandeln sic sich zu Puppen oder Nymphen, entweder an einem freien Ort ohne Hülle, und nur mit einigen Fäden angcsponnen, oder sic gehen in die Erde, und machen sich daselbst eine Wohnung, oder bleiben auch an dem Orte, wo sic ihre Nahrung fanden. Die Nymphe ist weich und weißlich, und man sicht anihr schon die vornehmsten Theilc des vollkommenen Insektes, Kopf, Brustschild, Hinterleib, Füße, Flügeldecken, Fühlhörner, welche künstlich znsammenliegcn, zwar noch nicht vollkommen sind, aber doch schon das Thier kenntlich machen. Wenn die Zeit der Zeitigung näher herbeirückt, so färbt sich die Nymphe immer mehr und mehr, die Theilc selbst bilden sich mehr und mehr aus und bekommen nach und nach eine stärkere Bewegung. Endlich streift sie ihre Nymphenhaut ab, und alle Theilc des Käfers sind nun vollständig. Inzwischen muß doch der Käfer noch einige Zeit verharren, und die Härte seiner Haut abwarten, che er seine Woh nung ganz verläßt. Jnscktcnsammler müssen sich daher wohl vorsehen, daß sic nicht einen Käfer in ihre Sammlung aufnehmen, che er seine völlige Härte und Ausbildung bekommen hat, weil sic sonst Gefahr laufen, eine neue Art zu muth- maßen, indem Farbe und Zeichnung an einem und demselben sehr unterschieden sind, wenn er als ein nnzeitiger neben einen ganz vollendeten gestellt wird. So viel im Allgemeinen über die Käfer; gehen wir nun zur Beschreibung der wichtigsten Arten über. I Käfer, welche ausgezähnte Vorderbeine haben und deren Fühlhörner kcilartig zulaufen. Der Herkules. (Taf. xm. Fig. 191.) Der Herkules ist der größte unter den bekannten Käfern, denn er wird bei fünf Zoll lang, und seine Larve erreicht die Dicke eines Daumens. Sein Vater land ist Brasilien, Martinique und Guinea. Seine Farbe ist schwarz, die Flügel decken allein sind grangrünlich, oval, gewölbt, glatt, mit braunschwarzen Punkten unordentlich besäet und an den Spitzen abhängig. Der Brnstschild ist schwarz, glatt, und geht vorn in ein Horn ans, welches zwei Zoll lang ist. Der Kopf erhebt sich in ein zusammengedrücktes, zurückgekrümmtes, etwa 1 ‘/q Zoll langes Horn. Das Maul ist haarig; die Augen zicgelfarbig; die Fühlhörner haben 7 fast runde Glieder. Das Weibchen ist unbewaffnet, d. h. ihm fehlt das Kopf- und das Brnstschildhorn. Reisende, welche diesen Käfer mit nach Europa gebracht haben, erhielten denselben stets theucr bezahlt. Für ein Exemplar zahlte man oft drei Fricdrichsd'or. D e r A c t ä o ii findet sich ebenfalls in Brasilien und ans de» Antillen. Er hat auf dein Brnst- schildc zwei Hörner, und am Kopfe befindet sich noch ein drittes, gespaltenes Horn. Er ist dunkelbraun gefärbt und mit zahlreichen gelblichen Haaren besetzt. Auch er gehört zu den größten Käfer».346 D e r Nashornkäfer <Taf. xili. Fig. 192 , gehört zu den größten, welche bei uns Vorkommen; mau findet ihn häufig in Mist beeten und in der Gcrbcrlohc. Seine Länge beträgt 1'/<r Zoll, er ist rothbraun und hat an der Brust drei hörnerähnliche Spitzen, so wie eine am Kopfe. In Weinbergen richtet er oft großen Schaden an. Am häufigsten findet man diesen Käfer an der Küste der Nordsee. Der R 0 st k ä f c r ist einer der bekanntesten unseres Vaterlandes. Am häufigsten findet man ihn im Roßniist, und trifft ihn deshalb auf Fahrwegen am meisten an. Er sicht bläulichschwarz ans. Er ballt aus Mist kleine Kugeln und legt seine Eier hinein. Die ausgekommenen Larven fressen diese Kugeln hohl ans, und wenn sic so weit damit fertig sind, so ist die Zeit der Verpuppung in der Regel auch da. An heiteren Sommer- und Winterabenden schwirrt dieser Käfer summend umher, und man kann dann stets für den folgenden Tag ans gutes Wetter rechnen. Der M i st l L f c r, auch Frühlingskäfcr genannt, findet sich am häufigsten im Schafinist. Er sieht violett und grünlich ans. Auch er ballt aus dem Miste kleine, den Pillen ähn liche Kugeln, daher wird er auch Pillcnküfcr genannt. .Der heilige Strahlkäfcr (Taf. XIII. Fig. 193) lebt in Südeuropa und Egypten. Seine Farbe ist schwarz, der Kopfschild höckerig und die Vorderbeine sind stark bewimpert. Auch er dreht ans dem Miste Kugeln. Der Hirschkäfer. <Taf. XIII. Fig. 194.) Der Hirschkäfer, auch Hirsch sch röter genannt, ist ein großer, schöner Kä fer, der bei uns häufig vorkommt. Er ist mit zwei starken, sehr gezackten Kncip- zangen versehen, welche einige Aehnlichkeit mit einem Hirschgeweihe habe». Nur das Männchen hat eine solche Zierde am Kopfe, und darin eine solche Stärke, daß cs blutige Wunden kneipen kann. Der Landmann nennt deshalb den Hirsch käfer auch wohl Kneip wurm. Das Weibchen legt seine Eier in faule Eich bäume. Die ausgekrochene Larve sicht weiß ans und hat einen gelbrothc» Kopf. Sic nährt sich mehrere Jahre von faulem Holze. Der Käfer nährt sich von dem ans den Eichen fließenden Safte; in der Gefangenschaft aber läßt er sich mit Znckerwasser erhalten. In den Monaten Juni und Juli trifft man diesen Küfer am häufigsten an.347 D c r Goldkäfer. (Taf. XIll. Fig. 195.) Dieser hübsche Käfer ist leicht an seinen goldgrünlichcn Flügeldecken zn er kennen. Man findet ihn im Jnli häufig auf Rosen und auf Lilien, und er stellt sich gleich bei der geringsten Berührung tobt und gibt eine übelriechende Feuchtig keit von sich. Man findet die Larve dieses Käfers in Ameisenhaufen, und merk würdig, die sonst so leicht gereizten Ameisen lassen dieselbe ruhig und unange griffen in ihrer Wohnung Hansen. Der Garte ii käfcr, welcher sich auf Rosen und Obstbäumen anfhält, ist ein kleiner Käfcr mit blau- grünem Brnstschildc. Der Juliuskäfer und der Johanniskäfer sind sehr bekannt; eben so bekannt ist der Maikäfer, (Taf. XIII. Flg. 196) dessen Lebenslauf wir aber noch näher beschreiben wollen. Das Maikäferweibchen legt im Monat Mai seine Eier in die Erde, aus welcher bald kleine Larven her- vorkricchcn. Diese Larven werden nach und nach größer, und erreichen in etwa drei Jahren eine Länge von anderthalb Zoll. Sie sind bekannt unter dem Namen Engerlinge. Der Engerling ist gclblichwciß, hat einen schwärzlichen Hinter leib und einen orangefarbenen Kopf. Er gehört zu den gefährlichsten Feinden im Feld und Garten, indem er die jungen Wurzeln der Gewächse benagt und ab frißt. Ganze Gartenbeete, ja ganze Felder werden von diesen lästigen Gästen zerstört. Gleich mit Anfang dcö Winters gehen die Engerlinge tiefer in die Erde, bauen sich eine geräumige Wohnung und halten ihren letzten Schlaf. Sie werden kürzer, nehmen aber an Dicke zn, häuten sich noch ein Mal und verwandeln sich dann in Puppen. Drei Monate bleiben sic in diesem Zustande, und mit Eintritt des Frühlings verlassen die nun völlig entwickelten Käfer ihre dunkle Behausung und kommen an das Tageslicht hervor. Das Dasein des Küfers ist nun noch auf einen Monat beschränkt. Während dieser Zeit nährt er sich vom jungen Laube der Bäume, und da in manchen Jahren ihre Zahl sehr groß ist, so werden ganze Bäume, ja lange Hecken kahl abgefresscn. Nach der Paarung gräbt sich das Weibchen ein und legt etwa 50 Eier. Man kann also zur Vertilgung dieser schädlichen Thicre nichts Besseres thnn, als die Käfer gleich bei ihrem Erscheinen wegzufangen. Am leichtesten geschieht dies Mittags und Morgens, wo man sic, weil sic alsdann schlaftrunken an den Blättern hängen, leicht abschüttcln kann. Ihre Zahl würde aber noch größer sein, wenn die Natur ihnen nicht eine große Zahl von Feinden geschaffen hätte. Dazu gehören die Schweine, die Maulwürfe und Spitzmäuse, welche die Larven aufsnchen; die Krähen und andern Vögel, welche die Larven ans frisch umgepflügten Aeckcrn auflesen; die Fledermäuse, Eulen und Sperlinge, welche fleißig Jagd ans die umherschwärmenden Käfcr machen.2, Schaber. Zu dieser Gattung gehören sehr viele schädliche Käfer. Der B o r l e n k ä f e r (Taf. xiil. Fig. 197) ist etwa 'U Zoll lang und von brauner Farbe. Er legt seine Eier in die Rinde der Bäume, namentlich der Fichten und wird dadurch der berüchtigte Baumvcr- derber. Denn die nach etlichen Tagen ausfallenden Larven fressen sich unter der Rinde her Gänge, und da oft 80,000 solcher Larven an einem Baume nagen, so muß nothwcndig der Baum abstcrbcn. In Gegenden, wo große Nadelholz- Pflanzungen sich finden, richten diese Käfer oft bedeutenden Schaden an. Will man die Bäume noch retten, wenn die Larven bereits begonnen haben, so ist kein anderes Mittel vorhanden, als den ganzen Wald zu fällen. Der Specht ist der gefährlichste Feind dieses Käfers. Der T a » n e n I ä f e r, der nur halb so groß ist, bringt auch großen Schaden in Kiefernpflanzungeu. Der P c l z k ä f e r (Taf. XIII. Fig. 198) erreicht die Größe einer Fliege, er ist glänzend schwarz mit einem weißen Punkte ans den Flügeldecken und am Brnstschildc. Er legt seine Eier am liebsten an wollene Zeuge oder in Pelzwerk, wo die lange, rußbraunc Larve oft großen Scha den nnrichtet. Ihm ähnlich ist der Speckkäfer, der schwarze, mit aschgrau punktirtc Flügeldecken hat, seine Eier in die fetten Theilc todtcr Thiere legt und darum bei geräuchertem Fleische oder an Thicr- häutcn großen Schaden verursacht. Eben so klein und eben so schädlich ist der Bohrkäfer. (Taf. XIII. Fig. 199.) Der Jnsektcndicb, auch ein Bohrkäfer, schadet als wcißgranc Larve be sonders den Natnraliensammlungen, dem Pelzwcrk und dem Hansgcräth. Er sieht hell oder dunkel rostbraun aus, und hat zwei gelbliche Binden. Der Brodkäfcr ist länglich und von dunkelbrauner Färbung; er ist den Büchern sehr nachtheilig, am meisten Schaden verursacht er auf Schiffen an dem Schiffszwicback. Die T o d t e n » h r, (Taf. XIII. Fig. 200) ein kleines Käferchcn, hält sich am liebsten in trockenem Holze auf. Sic pickt mit ihrem Rüssclchcn an das Holz und verursacht dadurch einen dem Picken einer Taschenuhr ähnlichen Schall, wodurch sie Gelegenheit zu mancherlei Aberglauben349 verursacht hat. Unwissende Leute haben den Glauben, daß derjenige, der die Todteuuhr höre, bald sterben müsse. Noch ein merkwürdiger Käfer dieser Gattung ist der Grabkäfer, (Taf. xin. Fig. 201) ober Todtengräber. Die Flügeldecken sind orangcgclb mit schwarzer Zeich nung und reichen nicht ganz bis zum After. Legt man im Frühjahre eine Maus, einen Maulwurf, oder einen todtcn Bogel in's Freie, so finden sich bald 3 bis 6 dieser Käfer ein und laufen um das Aas herum, als wollten sic das Maß von demselben nehmen. Darauf untersuchen sic das Erdreich, ob cs auch steinigt ist. Ist dies der Fall, so kriechen sic Alle unter das Thier und wälzen cs weiter bis zu einer lockeren Stelle. An einer solchen augekommcn, fangen sie au zu scharren, und nach Verlauf einiger Stunden ist das Grab fertig' und das tobte Thier mit Erde bedeckt. Damit begnügen sic sich aber nicht, sondern graben noch wohl einen Tag fort, um den Fang recht in Sicherheit zu bringen. Nun legen die Weibchen ihre Eier in das tobte Thier, und die nach 14 Tagen ausschlüpfendcn Larven verzehren es. 3. Der Sonnenkäfer oder Marienwurm. (Taf. XIII. Fig. 203.) Die Sonnenkäfer erreichen eine Größe von höchstens einigen Linien, der Körper ist fast halbkugelförmig und dabei gewölbt. Die Farbe ist entweder gelb, roth oder braun und auf den Flügeldecken bcfiudcu sich schwarze Punkte. Berührt man den Käfer, so läßt er einen übelriechenden Saft von sich, dein man in früherer Zeit eine Heilkraft wider Zahnschmerzen znschrieb. Diese Käfer sind sehr nützliche Thierchcn, indcin sic ihre Eier in Häufchen an die Pflanzen legen und die daraus cutstchcudcn Larve» die Blattläuse vertilgen. Die bekanntesten sind der Siebcnpunkt und der Zweipunkt. Der Siebcnpunkt, auch Marienwürmchen, Gottcsläinmchcn und Sommerkind genannt, ist etwa drei Linien laug, schwarz niit rotheu Flügeldecken und sieben Punkten. Man findet ihn sehr häufig. Der Zweipunkt ist ihm ganz ähnlich, nur nicht in der Zahl der Punkte. Er hat auf jeder der rothcn Flügeldecken einen schwarzen Punkt, auf jeder Seite des Brustschildcs einen weißen Punkt und eben zwei solche Punkte am Kopfe. 4. Die Blattläuse. Die Käfer dieser Gattung sind klein, mit abgerundetem Körper und bei einigen sind dic Flügeldecken metallisch glänzend. Da nicht nur die Larven, son dern auch dic Käfer sich von Pflanzenblättcrn nähren, so gehört diese Familie zu den schädlichsten. Nennen wir nur den einen, denE r i> f l o h k ä f e r. Seine dicken Hinterglieder sind zum Springen sehr geschickt, und daher hat er seinen Namen. Er ist der lästigste Gast in den Blumen- und Gemüsegärten, wie auch auf den Rüb- und Rapsfeldcrn. Ganze Beete, ja Morgen große Stücke werden oft durch die Erdflöhe verwüstet. Gärtner und Landlcnte verfolgen ihn mit mancherlei Mitteln, aber ein Universalmittct scheint noch nicht anfgefunden zu sein. Als probat empfiehlt man, die neu bestellten Beete mit Äsche zu be streuen, oder ungelöschten Kalk mit Sand versetzt darüber zu streuen. Stehen die Pflänzchen bereits grün und werden vom Erdfloh heimgesucht, so kann man ihn am besten vertreiben, wenn man Wermnth oder Tabak 12 Stunden lang im Wasser stehen läßt und dieses nun über die Pflanzen gießt. Alle Kohlarten wer den von den Erdflöhen am liebsten ausgesucht. 5, Der Erbsenkäfer. Dieser Käfer ist für die Erbscnpflanzung sehr schädlich, denn er legt seine Eier in die Blüthen der Erbsen. Die Larve nährt sich nun von der Erbse, bis zur Verwandlung. Er stammt ans Nordamerika, wo er den Maiöpflan- znngen großen Schaden znfügt. Er ist etwa zwei Linien lang und von schwar zer Farbe. 6. Die Rüsselkäfer. Der Körper dieser Käfer ist meist rund und bcpanzcrt, die Fühlhörner sind fast keulenförmig und der Rüssel ist fest und gebogen. Auch zu dieser Familie gehören sehr schädliche Thicre. Sic zerstören die Knospen, Früchte und Samen und man kennt in Deutschland bereits 200 Arten. Der P a l m b o h r c r lebt in Indien. Er erreicht die Größe eines Hornschröters und vermag die här testen Nüsse zu durchbohren. Die Larve nährt sich meist vom Mark der Sago palme. Die Indianer aber suchen den Küfer fleißig ans und verspeisen ihn. Der schwarze Ko r n w u r in (Taf. Xlii. Fig. 204) gehört zu den schädlichsten Insekten. Er wird 2 Linien lang, ist rund, gepan zert und vermehrt sich so stark, daß ein Paar in einem Sommer 6000 Käfer erzeugt. Sic fressen das Mehl ans dem Korn und lassen die leere Hülse zurück. Das einzige Mittel, diesen lästigen Gast zu vertilgen, ist das, daß man die Kornböden rein, hell und luftig erhält, und das Getreide häufig umsthanfclt. — Der Reiter oder rothc Kornwnrm ist ihm sehr ähnlich, nur daß er von rothbrauner Färbung ist.Der Reben st ichler ober Weinverberber ist im Frühlinge ben Weinstöcken sehr gefährlich. Er ist röthlich, golbglänzenb itttb spielt etwas in's Gräuliche über nnb erreicht eine Größe von etwa 4 Linien. — Auch bei* Apfelbohrer nnb ber Haselnuß käser gehören hierher. Der Juwelen- ober Diamantkäfer gehört auch in biese Reihe. Er ist aber ein AuSlünber, beim er ist in Brasilien zu Hause. Seine Größe beträgt fast einen Zoll. In ben Vertiefungen ber Flügelbecken hat er golbgriine Schüppchen, welche im Sonnenschein alle Ebelsteine an Glanz unb Farbenpracht übertreffen. Man trägt baher in Brasilien biesen Käfer wie Ebelsteine in ben Haaren, in Ohrgehängen unb Halsketten. Den ersten, ber nach Englanb kam, kaufte eine Herzogin für 100 Carolin. Jetzt ist er nicht so thener mehr, nnb man finbet ihn in guten Naturaliensammlungen beöhalb nicht selten. Der N o l l e n d r c h e r, ein kleiner schwarzer Küfer, rollt Hasel- nnb Erlenblütter zusammen unb macht bie Seitenöffnungen zu. Der Biencnkäfer thnt als Larve von einer Hochrothen Farbe ben Bienenstöcken großen Schaben. 7. Die Hvlzlwckkäfcr. (Das. XIII. Fig. 205.) Die Larven bieser Käfer finbet man im Holze ober unter ber Rinbe. Man nennt sie Bockkäfer, weil sie lange, meist gebogene Fühlhörner haben. Der Schönbockküfer ist mit bunten, metallisch glänzenben Farben geziert. Er trägt ben Kopf hängenb unb seine Größe ist meist ansehnlich. Berührt man ihn, so verbreitet er einen Bisamgernch. Von ihm verschieben ist Der Bis am bock, ben man häufig auf Weiben finbet unb ber stahlgrün aussieht. Der Bauer nennt ihn Leierchristel, weil er einen leiernben Ton hervorbringt. Der Alpenbockkäfer ist schön blau gefärbt unb bie Flügelbecken sinb mit zwei schwarzen Punkten nnb Binben geziert. Seine Larve lebt wahrscheinlich in ber Weißbormvurzel. Der Zauberkäfer, besten Fühlhörner 2 bis 3 Mal länger sinb als ber Leib, gehört auch hierher. Seine Larve benagt bie Wurzeln ber Bäume, nnb wirb baburch sehr schüblich. — Auch nennen wir noch ben Weber unb ben Tischler. Ersterer hat schwarze Flügelbecken unb hält sich auf Wiesen unb altem Holze ans; letzterer ist aschgrau marmorirt, nnb feige Larve lebt in Kiefernbämnen.352 8. Leuchtkäfer. Das Johanniswürmchen. jTaf. XIII, Fjg. 206.) Dieser kleine Käfer, der i» den Monaten Juni, Juli und August als ein leuchtender Punkt Abends und während der Nacht umherschwärmt, ist bräunlich und unterhalb des Leibes hellgelb. Nur das Männchen ist beflügelt, das Weibchen hingegen leuchtet stärker. Auch die Eier geben einen Phosphorischen Schein von sich. Sobald das Weibchen sich gepaart und seine Eier gelegt hat, verliert cs den leuchtenden Schimmer. Die Larven nähren sich von den Wurzeln des Grases. Prachtvolle Leuchtkäfer hat namentlich Brasilien aufzuweisen. Hören wir darüber einen berühmten Reisenden. Kanin hat man etwa 1000 Fuß von den Küsten Brasiliens in sicherer Bucht Anker geworfen, so ertönen von allen Seiten die Lebenszeichen der geschäftigen Jnsektenwelt, zum großen Erstaunen des see- müden Wanderers. Senkt sich die Sonne in ihren goldenen Mantel jcnseit der fernen Berge hinab, so erschallt das Abendlied der Schöpfung im Geschwirr und Geschmetter der Grillen und Zikaden, im Chorgesang der Frösche (Hyla) und in den paukenden Tönen des Ochscnfroschcs. Wer vermag cs, sic zu beschreiben, diese von hohen Kräften strotzende Natur, die in jedem Athcmzugc den herr schenden Lichtquell der Sonne verkündet? Und wenn die Nacht ihre düsteren Flügel über einen halben Erdkreis entfaltet hat, erwachen die Tagschläfer ans ihrem Schlummer, und eine andere Welt schwärmt flammend in der Finster niß umher. An Leuchtkäfern ist Brasilien wahrscheinlich "reicher als irgend ein anderes Land der Erde. Man kennt jetzt gegen dreißig verschiedene Arten, und es darf nicht befremden, wenn einst doppelt so viel bekannt werden sollten. Pas Leuchten in seinem höchsten Glanze fällt in die Zeit der Begattung, während der schönen Jahreszeit, vom November bis zum April; und obgleich es auch in den übrigen Monaten bemerkt wird, so ist cs doch weit seltener und ermangelt des sonst so bezaubernden Schimmers. Alle Leuchtkäfer scheinen das Leuchten in ihrer Gewalt zu haben; es ist eine Gabe, die sie nach Willkür benutzen können. Im dunkeln Dickicht der brasilianischen Urwälder ist cs ihre Fenersprache der Liebe; die ver körperte, magnetische Kraft, welche die Geschlechter verbindet. Werden sic beun ruhigt, so stoßen sic einen glänzenden Lichtschein aus. Bald ist dieser Schein hell, bald bläulich schimmernd, bald von strahlender, smaragdgrüner Farbe. Man kann ihn bei dunkler Nacht in großer Entfernung sehen, und cs möchte die Bemerkung hier nicht unwichtig sein, daß die grüne Farbe auch beim Leuchten einiger Seethiere beobachtet wird. Kälte und Trockenheit vermindern das Leuchten, Wärme und Feuchtigkeit erregen cs zu lebhafterem Schimmer. Darum ist diese Erscheinung auch immer um so glänzender, nachdem ein erfrischender Regen ge fallen; und je wärmer und feuchter der Wohnort dieser Thiere ist, desto über-353 raschender ist die Kraft. Aus diesem Grunde sind die dunkeln Urwälder, durch welche oft kein Sonnenstrahl durchzudringen vermag, die gefeierten Stellen ihres Aufenthaltes, dort kreisen sie gleich Irrlichtern in reger Geschäftigkeit umher. Die leuchtende Materie ist weiß und zähe, und in einem Säckchen enthalten, über welches sich Aeste der Luftröhren ansbreiten. Bei Lampyris occidontalis und Etates phosphoreus liegt sic zwischen den beiden Hinteren Ringen, womit die Thiere nach Willkür sich verdunkeln, und gleichsam zu einer Blendlaterne werden. Oeffnet man die Haut in der Nähe der leuchtenden Stelle, so schim mert und funkelt sic noch eine geraume Zeit, selbst nach dem Tode des Thiercs noch 24 Stunden fort. Unter dem Einflüsse des Sauerstoffes entsteht ein glän zendes Licht, aber alle Umstünde deuten darauf hin, daß das Leuchten in der chemischen Beschaffenheit der Materie selber zu suchen ist, und durch das Lebcns- spicl dieser Thiere erhöht oder vermindert wird, weil cs selbst im Ocle seinen Glanz behält. Die Larven leuchten nur schwach, und verdunkeln sich bei der leisesten Berührung. Gleichwie allen Thieren ein besonderer Wohnort angewiesen ist, auf dessen klimatische Beschaffenheit ihre Organisation sich gründet, so ist cs auch bei den Leuchtkäfern der Fall. Die meisten kommen in den südlicheren Provinzen Bra siliens vor, >vo das prächtige Farbenspiel der Jnscktcnwelt überhaupt einen gün stigeren Himmelsstrich gefunden hat. Diese Erscheinung verdient mehr Aufmerk samkeit, als man vermnthct, denn sic ist gleichsam die Wiederholung der staunen- erregenden Farbenpracht des Himmels in der Nähe der Wendekreise. 9. Prachtkäfer. Die Küfer dieser Gattung haben einen blauen, am Brnstschildc liegenden Kopf und borstige Fühlhörner; sie halten sich ans Blumen und Bäumen auf und legen ihre Eier in altes Holz. Die bei uns sich findenden sind nicistcns von rother Färbung mit Gold punktirt, oder auch wohl von goldgrüncm Colorit. Die Ausländer sind äußerst prächtig, und man benutzt deren Flügeldecken zum Putz. Der Riescnprachtkäfcr, der sich in Ost- und Westindicn findet, wird Zoll lang und wohl 3 / 4 Zoll breit; seine glänzend goldgrüne Farbe spielt in's Knpferrothe über und an der Brust hat er zwei schwarze Flecken. Seine tief- gefurchten Flügeldecken werden zum Haarpntz verwandt. Der geäugelte Prachtkäfer wird nur halb so groß, ist bräunlich und hat gelbe, rothc und blaue Angcnflccken auf den Flügeldecken. Sein Vaterland ist China, wo man ihn zu Pntzwaarcn, zu Stickereien und zur Verzierung von Zimmergeräthen verwendet. Beumer'S Naiurgeschlcht«. 23354 10* Schnell- oder Springkäfer. (Taf. xni, Fig. 207.) Diese Käfer können sich, wenn sic ans dem Rücken liegen, mittelst eines Stachels in die Höhe schnellen. Am häufigsten ist bei uns der schwarze Spring käfer, den man auf Viehweiden antrifft. In Jamaika gibt cs eine Art Spring käfer, die eine Größe von 1 Zoll haben, grauschwarz gefärbt und mit 4 hellen Punkten versehen sind. Er leuchtet sehr stark und wird deshalb der leuchtende Springkäfer geheißen. 11. Wasserkäfer. Es gibt bei 50 Arten dieser Käfer, einige erreichen die Größe eines Mai käfers, während andere nur so groß als ein Floh werden. Nur dann und wann kommen sie an die Oberfläche; denn sic lebe», wie ihre Larven, fast immer im Wasser. Ihr Körperbau ist einförmig und die Hinterfüße sind mit Schwimm häuten besetzt. Sic gehören zu den Nanbinsekten, und werden nicht nur der Fischbrut, sondern selbst größeren Fischen gefährlich. Die wichtigsten sind: Der große braune Schwimmkäfer, der bei 2 Zoll groß wird. Der Breitfloh. Der geränderte Fischkäfer. Der Wasscrfloh. 12. Laufkäfer. Diese Gattung ist im Laufen sehr gewandt und meist ohne häutige Flügel. Sie halten sich in der Erde auf und geben, wenn man sic berührt, eine übel riechende Feuchtigkeit von sich. Der merkwürdigste ist: Der Bombardierkäfcr (Taf. XIII. Fig. 208). Er wird etwa 4Linien lang, sieht dunkclzicgelroth auö, während Bauch und Flügeldecken schwärzlich sind. Wird er von einem Feinde angegriffen, so pufft er einen ätzenden Saft auö dein After. Der Schönkäfer (Taf. XIII. Fig. 209) rechtfertigt seinen Namen durch seine schönen Farben; er ist veilchenblau und seine Flügeldecken sind glänzend grün. Er verbreitet einen starken Geruch (Moschuskäfer) und ist ein unermüd licher Raupenvertilger. 13. Mehl- oder Schattenkäfer. (Taf. XIII. Fig. 202.) Einige dieser Käfer sind beflügelt, andere wieder nicht, indem die Flügel decken nnzerthcilt sind. Man findet sie in Baumrinden und in Mehlkammern. Der schwarze Mehlkäfer hält sich im Kehricht und im Mehle auf, legt seine Eier hinein, woraus eine gelbe Larve, der sogenannte Mehlwurm, entsteht.23 * 355 Da die Nachtigallen am liebsten Mehlwürmer fressen, so werden diese Würmer wohl mit Fleiß vermehrt, indem inan einige in einen Topf voll Mehl setzt. 14. Der Maiwurm. Der Maiwurm hat schnurenförmige Fühlhörner, einen dicken Kopf und weichen Körper. Die Flügeldecken reichen nicht über den Hinterleib und sind unzertheilt. Hantige Flügel sind nicht vorhanden. Der gemeine Mai wurm ist schwarz, und der vergoldete ist metallisch grün. Man findet sie im Frühjahre ans Wiesen. Zwischen den Gelenken der Beine schwitzt ein öliger Saft aus, der, wie überhaupt der ganze Käfer, ein Heilmittel wider die Wasserscheu sein soll. Man benutzt sic indessen auch wie die spanische Fliege, um ein blasenziehendes Pflaster aus ihnen zu bereiten. 15. Die spanische Fliege. (Taf. XIII. Fig. 210.) Dieser Käfer ist nicht etwa nur in Spanien zu Hause, sondern man findet ihn in manchen Jahren auch bei uns in Deutschland, wo er in ganzen Schaaren die Fliedcrbüschc heimsucht. Er ist fast einen Zoll lang und am ganzen Körper glänzend goldgrün. Die Fühlhörner sind fadenförmig, am Hinterkopfe hat er zwei Buckel und die Füße sind mit feinen Härchen gefranzt. Er gibt einen Übeln, aasartigcn Geruch von sich, wird aber seines ätzenden Stoffes wegen zur Be reitung des bekannten spanischen FliegcnpflastcrS verwandt. Man nennt ihn daher auch richtiger Pflasterkäfer. Beim Einsammeln dieser Käfer muß man vor sichtig zu Werke gehen, weil sie, wie der Maiwnrm, einen ätzenden Saft von sich geben, der an empfindlichen Stellen leicht schaden kann. 16. Der Ohrwurm. Diesen Käfer trifft man in Baumrinden und Pflanzen an, auch verkriecht er sich wohl unter Fensterrahmen u. s. w. Die Flügeldecken sind kurz, die Flügel lang und höchst künstlich, der Hinterleib hart und mit einer Zange versehen. Daß er dem Menschen gerne in die Ohren krieche, ist ungegründet, und so trägt er also auch seinen Namen ohne eigene Schuld. Indessen sind sie den Blumen und namentlich den Nelken sehr nachthcilig. Da sic sich so gerne verkriechen, so benutzt man dies, um sic wegznfangcn. Man nimmt nämlich hohle Stämme der Sonnenblume und legt solche ans die Nelkcnbccte. Die Ohrwürmer werden schnell herbeikommcn, zumal da das süße Mark sie anlockt, und sich verkriechen. Einige Zeit nachher nimmt man die Röhre auf und tobtet die darin befind lichen Küfer.356 Zweite Brdnung. Die Halbkäfcr. Die Halbkäfcr haben meist vier Flügel, von welchen die obcrn an der Wur zel hornartig, am äußeren Ende hingegen weicher und biegsamer sind. Der Kopf ist nach der Brust gezogen, und entweder mit Kinnladen oder Säugrüsseln ver sehen. Die Larven der Halbkäfer sehen dem Insekt selbst sehr ähnlich und bc- konmicn ihre Flügel nach und nach. Brust und Hinterleib sind in der Regel der ganzen Breite nach miteinander verbunden. Augen sind klein und rund. Sie nähren sich meistens von Pflanzen. 1. Die Schaben. (Das. XIH. Fig. 211.) Die Brod- oder Küchenschabe, auch gemeine Schabe genannt, soll aus Asien, nach Andern ans Süd-Amerika zu uns gekommen sein. Ihre Farbe ist braun, in's Roßgclbe übergehend, die Flügeldecke gelb, mit schwarzen Punkten. Sie halten sich gern in Häusern an warmen Orten auf, sind sehr gefräßig, benagen namentlich gern Brod, und verursachen in Gegenden, wo sie sich häufig finden, z. B. in Rußland und Finnland, bisweilen bedeutenden Schaden. Die deutsche Schabe soll sich auf Schiffen bisweilen so vermehren, daß dcrSchiffS- zwicback durch sie fast ganz vernichtet wird. Man vertreibt diese schädlichen In sekten durch assa foetida, Arsenik und Schwefclräucherungcn. Enten und Igel sind ebenfalls eifrige Verfolger derselben. 2. Die Fanghcuschrecken haben eine höchst auffallende Körperbildnng. Das wandelnde Blatt, welches sich namentlich in warmen Gegenden aufhält, hat seinen Namen von seiner blatt ähnlichen Gestalt. Der Körper ist schmal und lang, die Fühler kurz und borsten- formig, die Vorderbeine (Fangarme) gewöhnlich dicker und mit Klauen, zum Fangen der Insekten, versehen. Die heilige Fanghcnschrecke, unter dem Namen Gottesanbeterin (Das. XIII. Fig. 212) bekannt, ist hellgrün oder braun. Die zwei Zoll langen Faugarme pflegt sie im Zustand der Ruhe .zusammenzuhaltcn, wodurch sie das Ansehen eines Betenden erhält. Sie frißt nicht nur Fliegen und andere Insekten, sondern fällt sogar ihr eigenes Geschlecht an. Noch merkwürdiger ist die große Gespenstcr-Heuschrecke, welche sich in Asien, Afrika und Südamerika findet, acht Zoll lang und kaum so dick wie eine Fcderspule wird. Sic ver wüstet oft ganze Gegenden, wird aber selbst als Leckerbissen verspeist.357 3. Die Zugheuschrccken (Taf. xm. Fig. 213) gehören unstreitig zn den schädlichsten Insekten. Ihre Heimath ist Kleinasien, Nordafrika und Süd-Europa. Ihre Länge beträgt 1, 2 bis 2'/ 2 Zoll, und an dem vertikalstehendcn Kopfe befinden sich große Punktaugen. Der Leib ist walzig und von grüner Farbe; die laugen Flügel spielen etwas in's Bräunliche und sind mit Flecken versehen. In ungeheuren Zügen ziehend, werden sie eine Landplage für diejenigen Gegenden, wo sie sich niederlassen. Alles Grüne wird von ihnen abgefressen, nicht nur die jungen Saaten, sondern auch die Blätter der Bäume. Ihre Züge sind so massenhaft, daß der Sonne Schein dadurch verdunkelt wird. Auch unser Vaterland ist in früheren Zeiten oft von den Heuschrecken heimgesucht worden. 1750 waren sie zum letzten Male in Deutschland. Dem Morgenlän der dienen die Heuschrecken zur Speise und namentlich zur Zeit einer Mißernte. Man hat dies lange bezweifelt, indcß geben ältere und neuere Reisende die sicherste Nachricht darüber. Wir können cs uns nicht versagen, in Bezug ans dies schädliche Insekt noch einige historische Bemerkungen anzuknüpfen. Man hat ans einige merkwürdige Invasionen der Heuschrecke sogar Gcdächt- nißmünzen geschlagen. Unter den ältesten mctapontinischen Münzen, welche Hubertus Golzins abgebildct hat, befindet sich eine silberne, wo auf dem Avers eine Gctrcidcährc mit einer darauf sitzenden Heuschrecke und an der Spitze die Buchstaben META und auf dem Revers ein mit Achren gezierter Franenkopf und die Buchstaben ET abgebildct sind. Zum Andenken der im Jahre 1693 nach Deutschland gekommenen Heuschrecken verfertigte Christoph Wermnth in Gotha zwei Denkmünzen. Die eine, mit deutscher Inschrift, zeigte einen Schwarm Heuschrecken mit der Umschrift: Denk' an da« schreckliche Heuschreckenheer, Daß dich nicht Gottes Zorn verzehr'. Die Rückseite bestand in zwölf Zeilen und lautete: Morgcnländischc Heuschrecken, welche ans Türkei kommend, im Angnsto und September 1693 durch Ungarn, Oesterreich, Schlesien, Böhmen, Voigt- und Ostcrland in Thüringen gezogen, allda sic erfroren und dem Vieh zur Speise geworden. 0. W. Auch Johann Kittel zu Breslau verfertigte in demselben Jahre eine Denkmünze auf die Heuschrecke. 1748, wo Deutschland wieder voll den Heu schrecken hciingcsncht wurde, verfertigte Wilhclm Kittel, ein Sohn des vorigen, eine recht hübsche Münze in Gold und Silber. Auf der ersten Seite sicht man eine Heuschrecke abgebildct, und dabei die Umschrift: Ein ungebetener Gast... ans fremden Landen... auf der Rückseite einen Zug Heuschrecken, darunter Feld und Wald, mit der Umschrift: kommt Feld und Wald zur Last. 1748. Wenn man die traurigen Folgen bedenkt, welche mit jeder großen Heu- schrecken-Jnvasion verbunden waren, so wird man sich nicht wundern, daß man zu358 jener Zeit des Aberglaubens oft die abenteuerlichsten Mittel zur Vertreibung der Heuschrecken anwandte. Man wird es fast unglaublich finden, daß man diesen Thieren den Prozeß machte, ja, sie sogar von der hohen Geistlichkeit in den Baun thun ließ. Im 16. Jahrhundert war dieser Heuschreckenbaun in Frank reich so gemein geworden, daß der Oberpräsident des Parlaments in Provence, Barth. ChassanäuS, ein eigenes weitläufiges Bedenken anfsetzte, und darin untersuchte, wie und auf welche Art dergleichen Thiere wirklich vor Gericht geladen werden könnten; ob sie in eigener Person, oder durch einen Anwalt erscheinen müßten; ob sie vor das geistliche oder weltliche Gericht gehörten, und ob sie mit der Strafe des Bannes belegt werden könnten; welches letztere er besonders mit vielen Gründen zu behaupten suchte. Das letzte Beispiel, wo Heuschrecken in den Bann gethan wurden, datirt vom Juni 1725. Der Papst Benedict XIII. gebot den Heuschrecken, die um Nom eine große Verwüstung angerichtet hatten, sich plötzlich in's Meer zu stürzen. Der Aberglauben ging so weit, auf den Flügeln der Heuschrecken mancherlei Buchstaben zu erblicken und diesen eine geheime Deutung zu geben. Nur ein Beispiel. Als 1712 die Heu schrecken in Schlesien große Verwüstungen anrichteten, wollte man auf ihren Flügeln die Buchstaben L. E. 8. bemerkt haben. Der gelehrte Professor Paul Jetze schrieb darüber ein Werk in hebräischer, griechischer, lateinischer und deut scher Sprache, welches den Titel führt: „Muthmaßung von den wundersamen Heuschrecken, zum Neujahrsgeschenk" — und erklärte die Buchstaben unter andern mit: Bedeutet Erschröckliche Schlacht; bedeutet Erfreuliche Siege; boshaftig Er storbene Sünder; bereuet Euren Stolz, beseufzet Eure Schänderey u. s. w. Jedoch fehlte es damals auch nicht an einzelnen aufgeklärten Männern, welche gegen solchen Unsinn zu Felde zogen. Wir nennen besonders den bekannten und berühmten Theologen Caspar Neumann, welcher es in einer Büßpredigt be sonders klar darlegte, wie es unchristlich sei, sich solchem Aberglauben hiuzugeben, da Gott niemals im Gebrauch gehabt, auf gewöhnliche Creatnren Briefe an die Menschen zu schreiben. Bei dein letzten Besuche der Heuschrecken in Deutschland erschien von einem Pater Dorn eine „Moralische Kirchweihpredigt n. s. w." über die Frage: Was bedeuten die Heuschrecken? Echo: Schröcken? Ein neuerer Reisender „Spencer" theilt über die Ungeheuern Züge, in wel chen noch gegenwärtig die Heuschrecken manche Gegenden verheerend überfallen, in seinen „Reisen durch Cireassien, die Krim, Tatarei u. s. w." Folgendes mit: „Die erstauuenswerthen Berichte der Tataren über die Heuschreckeuschwärme, welche nicht selten diese Länder verheeren, fand ich in Eupatoria bestätigt; Alles war im eigentlichen Sinne des Wortes davon bedeckt, zugleich aber auch die Luft damit angefüllt, dann erhoben sie sich zu einer unermeßlichen Höhe und ver dunkelten das Licht der Sonne. Das Geräusch, welches sie machen, wenn sie sich vom Boden erheben, ist nur mit dem Brüllen der voiw Sturme bewegten See zu vergleichen. Der Schwarm, den ich sah, war von der Art Gryllus359 migratorius (Wandergrille), von den Tataren Tschigcrka genannt, eine Art, welche durch die rothe Farbe ihrer Beine und Flügel sich anszeichnet, so daß sie, wenn die Sonnenstrahlen qner darauf fielen, einer Ungeheuern Feucrwolkc glichen. Sic ließen sich indessen nicht ans der Steppe der Krim nieder, wahrscheinlich weil der Anblick der verbrannten Wüsten ihnen nicht behagte, sondern setzten ihren Flug nach Odessa fort. Dasselbe that ich auch; indes; die Flügel der Heu schrecken waren, wie leicht zn begreifen, schneller als unser Dampfschiff. Als wir nach einer kurzen Fahrt in Odessa ankamen, trafen wir die Einwohner in einem äußerst hitzigen Kanipfc gegen die unbarmherzigen Feinde aller Vegetation: alle lärmmachenden Gcräthe, von der Pistole bis zum Mörser, von der Trommel bis zur zinnernen Casscrolc, rasselten donnerähnlich in den Händen der besorgten Einwohner, die ihre Gärten und Alleen tapfer vertheidigten, während die Heu schrecken, nicht minder tapfer, von dein üppigen Mahle Besitz zu nehmen suchten. Die ganze Scene bot einen ungemein komischen Anblick dar, und ein Fremder, dem der Zweck dieses ganzen Lärmens unbekannt, hätte wohl die Bevölkerung für närrisch halten mögen. Doch hatte dieses Verfahren den beabsichtigten Erfolg: die Heuschrecken, dadurch iu Schrecken gesetzt, nahmen ihren Weg nach einem andern Gebiete, wo man sich ihrer Niederlassung nicht so hart widersetzte. Es gibt mehrere Arten, welche der gewöhnlichen Zugheuschrcckc nahe ver wandt sind. Auch zählt man noch folgende Insekten dazu: Die Maulwurfsgrille, Werre (Taf. XIII. Füg. 214), welche gefin gerte Vorderfüße hat, sich tief eingräbt, von Wurzeln nährt und an den Küchcn- gewächscn großen Schaden verursacht. Sie hat dicht zusammengclcgte Flügel, die sic aber nie zum Fliegen gebraucht, und der After ist mit zwei fadenförmigen Fortsätzen versehen. Die Hansgrillc (Taf. XIII. Fig. 215) oder das Heimchen ist bekannt, und wird durch sein durchdringendes Zirpen oft lästig; da cs aber die Schaben vertilgt, so mag man ihm sein Plätzchen wohl gönnen. Die Feld grille (Taf. XIII. Fig. 216) ist etwas größer, Kopf und Brust schild breiter, und hat eine schwärzliche Farbe. Am häufigsten trifft man sic ans Sandboden in Erdhöhlen, die sic sich mit den Hinterfüßen gräbt. — Auch gehören der Grashüpfer und das Heupferdchen hierher; man trifft sie am häufigsten auf Wiesen. 4. Leuchtende HalKäftr. Wir nennen hier den Laternen träger (Taf. XIV. Fig. 224). Es gibt verschiedene Arten, die meistens im Auslande zu Hause sind. Der kleinste ist der europäische Latcruentrügcr, der nur >/- Zoll lang wird, grün gefärbt ist, weite Sprünge machen kann, und im südlichen Europa lebt. Der größte und prächtigste360 ist der surinam'sche Latcrnenträger, der mit der blasenartigen Laterne, welche sich an der Stirne befindet, drei Zoll mißt. Er ist schön, gelb, mit rost farbenen Flecken geziert. Man sagt, daß er Nachts einen sehr Hellen Schein verbreiten soll, von dem indcß neuere Reisende in Surinam nie etwas gesehen haben wollen, und es deshalb für ein Märchen halten, welches seit hundert Jahren die Runde durch alle Naturgeschichten gemacht hat. Der chinesische Laternenträger ist dem vorigen sehr ähnlich, nur kleiner. 3. Cicaden. Die Cicaden haben einige Aehnlichkeit mit großen Fliegen. Ihre Angen sind groß und netzartig, die vier Flügel sind lang und lederartig, der Säug rüssel borstig und der Hintere oval. Manche sind gute Springer. Die Sing- cieadc (Taf. XIII. Fig. 222) war im Alterthum berühmt und griechische Dichter haben sic sogar besungen. Durch einen eigenthümlichen Singapparat, der sich am Grunde des Hinterleibes befindet, bringen sic einen einförmigen Ton hervor. Ihre Flügeldecken sind glasartig und durchsichtig, der Kopf groß und die Fühl hörner borstensörmig. Sie leben ans Bäumen und Sträuchern in warmen Gegenden. Die Mannacicade findet man besonders in Frankreich und Italien auf der Manna-Esche und verursacht durch ihren Stich, daß die Bäume ihren unter dem Namen Manna bekannten Saft ansfließen lassen. Die Calabrcsen benutzen die Manna als Nahrungsmittel; dieselbe wird aber auch in Apotheken, nachdem sic durch Gährung dazu zubercitct ist, als Pnrgirmittel verkauft. Die Schaumcicade (Taf. XIII. Fig. 223) steht bei den Blumisten in schlechtem Rufe; denn ihre Larve, ein kleiner gelber Wurm mit zwei schwarzen Augenpunkten, sticht die Gewächse an und nährt sich von dem Saft, den er dann als schaumartigen Speichel wieder von sich gibt. Die gemeine Schaumcicade ist graubraun und etwa 5 Linien lang; die dreieckige Stirn ist hervorragend und der Körper eiförmig. Eine merkwürdige Erscheinung ist die amerikanische Cie ade. Eine hundertjährige Beobachtung hat den Bewohnern von Maryland und Pcnnsylvanien gezeigt, daß sic in jedem siebzehnten Jahre von einem zahllosen Jnscktenschwarm vom Gcschlcchtc der Cicaden heimgcsncht werden, die man daher Loxtvncksoiin (siebzehn) genannt hat, die aber in Gestalt.und Lebensweise von den morgen- ländischen Heuschrecken verschieden ist. Man hatte sic zuletzt 1817 gesehen, und daher ward ihre Wiedererscheinung in der dritten oder vierten Woche des Mai 1834 vorauögcsagt. Die Natur, ihren geheimnißvollen Gesetzen getreu, erfüllte die Voraussagung. Am 24. Mai und an den folgenden Tagen war ganz Phila delphia und die Umgegend plötzlich mit dem Jnscktenschwarm bedeckt, wie der361 bekannte thätige Beförderer der Missionsaiistalten der Brüdcrgemeine, der Eng länder Latrobe, in seiner neuesten Reise als Augenzeuge berichtet. Er beobachtete aufmerksam diese Erscheinung. Am ersten Tage war die Zahl der Insekten nicht außerordentlich groß, am zweiten aber kamen sie in Myriaden, wiewohl noch einige Tage vergingen, che ihre Menge am größten war. Latrobe war gerade am ersten sonnigen Morgen.ihres Geburtstages im Freien. Er sah in den Frühstnnden das Insekt im Puppenznstande nach allen Richtungen aus der Erde Hervorkommen und bemerkte, daß es dabei durch die scharfen Vorderbeine unterstützt wurde. Es hatte eine dunkelbraune Farbe und war dem vollkommenen Insekte sehr ähnlich, ansgenomnieu, daß die Flügel und die Fühlhörner fehlten. Sobald die unvoll kommenen Insekten sich ans ihrem Grabe befreit haben, erheben sie sich einige Zoll hoch oder auch höher zu den Stämmen der Bäume, an deren Fuß ihre Gruben am häufigsten zu sein scheinen, oder zu den Hecken, die bald ganz von ihnen bedeckt werden. In dieser Stellung halten sic sich mit ihren scharfen Beinen fest an. Nach einer halben Stunde bemerkte man die erste Veränderung. Die obere Decke auf dem Rücken wird vom Kopfe bis zu den Banchringcu zer rissen und das Insekt arbeitet sich ans der Hülle. Die Hinterbeine kommen her vor und die Flügel ziehen sich mühsam ans einer Bedeckung der äußeren Schale, in welcher sie kunstreich zusammengefaltet liegen, breiten sich aber noch nicht aus; endlich kommt der Kopf mit den Fühlhörnern hervor und das neugeborene Insekt ist ans seinem Kerker crlös't. Die Pnppenhülle aber ist noch nicht ganz abgclös't, sondern bleibt fest an den Fibern der Baumrinde hängen. Das Insekt kriecht matt einige Zoll hoch, gleichsam erstaunt über das neue Leben. Es ist nicht ganz einen Zoll lang, erscheint feucht und weich, die Farbe ist dunkel, daö Auge glasig, die Beine sind schwach und die Flügel, nachdem sie sich geöffnet haben, scheinen einige Zeit zerknittert und unelastisch zu sein. So dauert cö fort, ehe die Sonne sich in ihrem vollen Glanze über den Himmelsrand erhoben hat. Sobald dies aber geschehen ist, erhält das Insekt eine lebhaftere Farbe, die Flügel erlangen ihre volle Stärke, der Körper wird trocken und stählt sich gleichsam für sein künftiges kurzes Leben. Gegen 11 Uhr stimmen die Insekten ihre Musik an. Die Luft wird weit umher mit einem eigenen Ton erfüllt, und überall hört man ein leises deutliches Summen. Man kann cö mit dein Wallen eines ungeheuren siedenden Kessels vergleichen. Der Ton wird unmerklich lauter, voller und schärfer. Tausende scheinen einzustimmen, und eine Stunde nach Mittag wird die Gegend weit umher von dem ungewöhnlichen Gesumme belebt. Man sieht die Insekten, die nach wenigen Stunde» ihre volle Kraft erlangt haben, schon in dem Laube der Baum- wipfel fliegen. Die Knaben und der krausköpfige Neger freuen sich des Gesum mes und ihre Hände haben für einige Tage ein neues Spielzeug. Auch die Vögel des Waldcö sind froh, es ist die Zeit des Ucbcrflnsses für sie. Schweine und Hausgeflügel mästen sich von den zahllosen Schwärmen, die nach einigen Tagen,362 wenn sie hinfällig werden, die Erde bedecken. Das hübsche Insekt mit seinem braunen Körper, seinen rothen Augen und glänzenden, mit hochgelben Fasern durchzogenen Flügeln genießt sein Leben nur eine kurze Woche, und die muntern Töne, welche die Luft vom Aufgange bis zum Untergänge der Sonne beleben, dauern nur sechs Tage. Diese Töne lassen sich schwer beschreiben. Wie bei allen Insekten von diesem Gcschlcchtc werden sic nicht durch die Stimme hcrvorgcbracht, sondern gleichen einer starken Schwingung von Saiten, welche durch die Wirkung innerer Muskeln auf eine elastische, mit einem Netzgeflechte bedeckte Haut unter den Flügeln entsteht. Latrobc versichert, dies oft beobachtet zu haben. Auch das weibliche Insekt, sagt er, möge einen Tan hcrvorbringen, doch habe er darüber keine Beobachtungen gemacht, und nur das männliche sei fähig, diese starken Tonschwingungen zu erzeugen. Der Ton ist zwtir stetig, so lange das Insekt nicht unterbrochen wird, doch bemerkt man darin zuweilen eine lustige Mannich- faltigkcit. Man hat ihn mit dem Worte Pha-ro verglichen, worin die erste Silbe lang gezogen tvird und die zweite fast eine Octavc tiefer allmalig amorzando hcrabsteigt. So lange die Insekten leben, kann die aufmerksamste Beobachtung nicht entdecken, daß sic Nahrung zu sich nehmen, und ausgenommen, daß die Bäume ein wenig leiden, wenn die Weibchen ihre Eier legen, sind sie ganz un schädlich. Sic erscheinen bloß zu dem Zwecke der Fortpflanzung ihres Geschlechts auf der Oberfläche der Erde. Einige Tage nach ihrer ersten Erscheinung legt das Weibchen seine Eier. Wenn diese Zeit kommt, wählt cs die äußersten Zweige eines BanmeS oder Strauches und macht eine Reihe länglicher, ausgezackter Ein schnitte in die zarte Rinde. In jeden derselben legt cs eine Reihe kleiner Eier. Dann kriecht es einige Zoll abwärts vom Ende des Zweiges und macht zwei bis drei senkrechte Schnitte bis in den Splint. Sein Berns ist nun vollendet. Männchen und Weibchen ermatten und das Männchen läßt keine Tone mehr hören; sic welken hin, werden blind, fallen zu Tausenden auf die Erde, und in 10—15 Tagen nach ihrer ersten Erscheinung sind alle nmgekommen. Nicht so ihre Brut. Die durchbohrten Zweige sterben ab, der erste Wind bricht sic von den Acsten und zerstreut sic ans der Erde. Ans den Eiern entstehen Raupen, die unbeschädigt mit der Dammerde sich vermischen, wo sic sich eingraben. „Jahre vergehen," setzt Latrobc hinzu, „vergebens bescheint die Sonne ihr Grab, sic er warten ihre Zeit. Die Erinnerung an ihr Dasein verliert sich allmülig, während ein lebendes Geschlecht verschwindet; die Gestalt des Landes verändert sich, der Waldboden wird in Ackerland verwandelt, Straßen werden angelegt, Häuser gebaut, ein Pflaster bedeckt den Boden und der Mensch hat das Dasein der Insekten vergessen, aber Gott nicht. Dian hat beim Graben von Brunnen oder des Grundes zu neuen Gebäuden Spuren von ihnen acht bis zehn Fuß tief in der Erde gefunden. Nach 17 Jahren erinnert man sich ihrer wieder. Ein kalter, feuchter Frühling kann ihre Wiedererscheinung verzögern; aber so lange man auf merksam auf sic geworden ist, hat sich die Erwartung nie getauscht, und zur363 bestimmten Zeit erstehen sie, wie von einem gemeinschaftlichen Antriebe gereizt, anö der Erde, durchbohren den Rasen, den fest getretenen Fußpfad, den Kics- boden, dringen zwischen den Fugen der Steine und des Pflasters, ja selbst in Kellern hervor, um ihren fröhlichen Gesang der Liebe und des Lebensgenusses im Hellen Sonnenglanze, in der grünenden Landschaft anzustiinmen und nach der Er- fiillnng ihres Berufes ihr geheimnißvolles Leben im Tode zu endigen. Wir sind noch Kinder in dem geringen Maße unserer Kenntnisse und unserer Einsicht hin sichtlich der Erscheinungen der Natnrwclt." 6. Die Wanzen. Die Wanzen machen ein sehr zahlreiches Geschlecht ans, denn man zahlt über 300 Arten, die meistens von schöner Zeichnung sind, aber einen höchst widrigen Geruch verbreiten. Die Flügeldecken sind leder- oder bei Einigen horn- artig, und sind in der Rühe fast immer gekreuzt. Man thcilt sic wohl ein in Erd- und Wasserwanzen. Zn den Erdwanzen gehören die gemeine Baumwanze, die langköpfigc Wanze, in Gärten auf blühenden Gewächsen, die häufig vorkommende grünblaue Gemüswanze und die Bettwanze. Letztere, ein höchst unangenehmer Gast, soll 1670 ans Amerika zu uns gekommen sein. Sic ist flügellos, rothbraun und fein behaart. Reinlichkeit ist das beste Mittel zn ihrer Vertreibung. Zn den Wasserwanzen zählt man den Wasscrscorpion, der am Hintern zwei borstenartigc Röhren zum Athemholen hat, und die Schwimmwanze, deren lange Hinterfüße mit Schwimmhaaren besetzt sind und zum Rudern dienen. 7. Die Blattläuse haben einen gebogenen Säugrüssel, zwei Spitzen am Hintern, sind meist grün oder schwarz gefärbt, halten sich ain häufigsten an Rosen- und Hollunderstränchcrn ans. Sie legen ihre Eier im Herbste, welche im Frühjahre anSfallcn und die Blatt läuse sind, die sich sogleich an die Gewächse ansaugen. In den ersten 14 Tagen häuten sic sich vier bis fünf Mal, und bekommen zum Theil bei der letzten Häutung Flügel. Alle so entstandenen Blattläuse sind Weibchen, welche nur lebendige Junge ohne alle Zeugung gebären. Auch die Jungen gebären nach 14 Tagen, bis endlich in der 10. Generation ein männliches Geschlecht entsteht. Diese Männchen befruchten nun die Weibchen, und der höchst auffallende Zengnngs- Prozeß beginnt von Neuem. Die Arte» der Blattläuse sind sehr zahlreich und leben ans verschiedenen Pflanzen: die Asterblattlaus, die Tannen-Afterblattlaus, der Blasenfuß, die schwarze Blattlaus n. s. w.364 8. Schildläuse bilden ein sehr merkwürdiges Jnscktcngeschlecht, weil Männchen und Weibchen in ihrer Bildung so ganz verschieden sind. Die Männchen haben Aehnlichkeit mit kleinen Mücken, sic sind beflügelt und haben zwei lange Schwanzborsten. Die , Weibchen hingegen sehen einem kleinen Schilde oder einer Muschel ähnlich und haben keine Flügel. An ihrer Brust befindet sich ein Säugrüssel, mit welchem sic sich nach der Begattung ansaugen und dann unbeweglich bleiben. Nachdem sic ihre Eier gelegt haben, sterben sic. Die meisten Schildläuse sind von großem Nutzen, indem sie gute Farbstoffe liefern. Obenan steht die indische Cochenille, welche vorzüglich in Mexiko gezogen wird. Sie lebt auf einer Cactus-Art und liefert die bekannte rothe Farbe. Dreimal des Jahres sammelt man die Mütter mit den Jungen ein. 70,000 gehen auf ein Pfund und über 1,000,000 Pfund werden jährlich nach Europa gebracht. England gebraucht allein jährlich au 750,000 Pfund, zum Werth von 2 1 /, Mill. Thalern. Der Kermes, eine SchildlanS, welche sich im südlichen Europa auf der immergrünen Eiche oder auf der Stechpalme anfhält, liefert ebenfalls einen Saft, der zur Färberei gebraucht wird. Die polnische Schildlauö, welche kleinen rothen Körnern ähnelt, wird bei uns wenig mehr gebraucht, dahingegen noch häufig nach Rußland versandt. Die Gummilackschildlaus, in Ostindien zu Hause, liefert das rothe Gummilack, welches für Maler u. s. w. sehr wichtig ist. Die Maunaschild laus, 2 Linien lang, hat eine wachsgclbc Farbe und lebt auf den manuatragendcn Tamarisken am Sinai. Sie bildet ein ge wölbtes Gehäuse und erregt nach Stegen häufiges Ansflicßcu eines süßen syrup- ähnlichcn Saftes. Bei Sonnenaufgang ist dieser Ausfluß starrer, und kann deshalb eingesammclt werden, während er bei großer Sonnenhitze ans der Erde zerfließt. Man nennt diesen Ausfluß Manna und ißt ihn, wie Honig, zum Brode. Dritte Drdnung. Schmetterlinge. Die Schmetterlinge, auch Stanbflügler genannt, haben vier Flügel, welche meistens überall mit staubähnlichen, farbigen Schüppchen bedeckt sind.365 Ihre Fühlhörner sind fadenförmig nnd meist lang. Dem Munde fehlen die Kinnbacken; die fast walzige Zunge ist in der Ruhe spiralförmig anfgcrollt und zwischen die Taster gelegt. Der Körper ist schlank, gestreckt, überall mit Staub- schnppen dicht bedeckt, und der Hinterleib nur auf einem Punkte mit der Brust verbunden. Die Augen sind halbkugelig und die Beine fadenförmig. Sie bestehen eine vollkommene Verwandlung. Ihre Larven werden Raupen genannt, die, da sie sich größtcnthcils von Pflanzen nähren, ihrer Gefräßigkeit wegen in üblem Rufe stehen. Der Leib der Raupen ist walzenförmig, ans 12 Ringen bestehend und mit 10—16 Beinen versehen. Viele sind nackt, andere behaart, andere mit verschiedenen Dornen nnd Fortsetzungen versehen. Die Puppe ist nackt, mehr oder minder gestreckt, am Ende meist spitz. Man theilt die Schmetterlinge ein in A. Tagevögel; B. Abendvögel; und C. Nachtvögel. A. T a g e v ö g e l. Die meisten Raupen dieser Art sind mit dornigen Haaren besetzt, häuten sich vier Mal, sehen als Puppen goldgelb ans nnd hängen sich mit dem Hinterthcil ans. Die Schmetterlinge, welche nur bei Tage fliegen, legen beim Sitzen die Flügel aufrecht zusammen. Diese sind unten ohne Halter, d. h. sie haben keine zahnförmigcn Borsten am Jnnenrande; die fadenförmigen Fühler sind an der Spitze kolbenförmig verdickt. Man theilt die Tagcvögcl ein: a. Ritter oder Brcitflügler: dazu gehören der Priamus, Schwalben schwanz, der Fenchelfalter u. a. in. d. Helikon!er oder Schmalflügler: der Apollo, der Baumweiß ling u. a. m. o. Dan aide n oder Glattflüglcr: der Kohlweißling, der Rapsfalter, der Citronenvogel, der Aurorafalter u. a. m. ck. Nymphen oder Eckflügler: der Schillerfalter, der Trauermantel, der C-Falter, der Admiral u. a. m. o. Plcbjer, Kleinflügler oder Vielaugen: der Argnsfalter, der Dukatenvogel u. a. m. Wir wollen die wichtigsten der Tagcvögcl näher beschreiben, ohne uns an diese Ordnung zu binden. Der Perlmuttcrfalter (Taf. XIV. Fig. 225). Dieser Schmetterling wird oft 2'/z Zoll breit. Die Flügel sind roth, gelb, schwarz gefleckt. Die Hintcrflügcl hingegen sind unten grünlich mit Silbcrflecken. Die Raupe lebt auf Veilchen, ist schwarz mit rothcn Flecken und hat einen gelben Streifen über den Rücken. Die Puppe ist eckig nnd von schwärzlich aschgrauer Färbung. Der Distelfalter (Taf. XIV. Fig. 226), auch Stieglitz genannt, sitzt gerne an Distelblüthen und ans dem Klee. Er wird 2'/« Zoll breit, nnd seinekaum gezähnten Flügel sind brännlich-roth, schwarz gefleckt und nach der Spitze hin fast ganz schwarz, mit schönen weißen Punkten. Die Unterseite der Hintcr- fliigel ist grünlich-grau, mit weißlichen und blauen Schattirungcn und mit vier großen Augenflecken. Die dornige Raupe, von schwärzlich-grauer Farbe mit gel ben Strichen, lebt auf Disteln, Nesseln u. s. >v., aber meist nur einsam und selten in Gesellschaft. Die Puppe sieht grau ans und ist mit Gold- und Silbcr- punktcn versehen. Der Admiral (Das. XIV. Fig. 227) hat einige Aehnlichkeit mit dem Distclfaltcr. Er ist 2>/, Zoll breit, trägt ans den gezackten schwarzen Flügeln eine purpurrothe Binde, welche die vordern in der Mitte durchschneidet und am hintern Rande der Hintcrflügcl herumläuft. Außerhalb dieser Binde zeigen sich an den Vorderflügeln weiße Punkte. Dieser Schmetterling wird auch Nnmmer- faltcr genannt, weil an der untern Fläche der Hintcrflügel, nahe bei der Ein- lcnknng, sich die weiße Zahl 98 oder 78 oder 980 befindet. Das ist ein Merk mal, woran der Leser den Admiral sogleich erkennen kann. Die Raupe ist ver schieden gefärbt, meistens aber grünlich, ist dornig und hält sich ans Nesseln ans. Schon nach 14 Tagen verwandelt sic sich in eine eckige aschgraue Puppe, die mit Gold- und Silberpunkten besetzt ist. I Das Tagpfauenauge (Taf. XIV. Fig. 228). Der Leser wird schon an der Abbildung sehen, woher dieser Schmetterling seinen Namen hat. Er hat nämlich auf seinen sammctartigen, eckigen, braunrothcn, mit schwarzen eckigen Flecken versehenen Flügeln große bläuliche Augenflecken, ähnlich denen aus Pfauen federn. Außerdem sind die Flügel durch viele feine schwarze Striche und Wellen linien geziert. Die Raupe lebt auf großen Nesseln, ist weiß mit schwarzen Flecken und kommt sehr häufig vor. Dieser Schmetterling erscheint im Frühlinge, dann im Juni und August. Der Trauermantel (Taf. XIV. Fig. 229). Obgleich dieser Schmetter ling auf der Abbildung kleiner gezeichnet ist, als das Pfancnnngc, so ist er in der Wirklichkeit doch größer; denn während das Pfauenauge nur stark 2 Zoll breit wird, erreicht der Trauermantel eine Größe von 3 Zoll. Die Flügel sind sammetartig, rothbrann mit breitem gelbem Rande und vor demselben mit glän zenden blauen Flecken besetzt. Die schwarze, mit Dornen, rothcn Flecken und weißen Strichclchen bedeckte Raupe lebt gesellig ans Birken, Pappeln und Weiden und verwandelt sich in eine eckige aschgraue Puppe mit blauen Spitzen, die senk recht hängt und sich in drei Wochen entwickelt. Der Trauermantel gehört zu den wenigen Schmetterlingen, welche überwintern. Er fliegt im Mürz, gcwöhn- lich aber im August und September an den Obstbäumen umher und sangt den ausgcschwitztcn Saft auf. Der Schillers alter (Taf. XIV. Fig. 230). Er gehört mit zu den größten und schönsten Schmetterlingen, welche bei uns leben. Seine Größe367 beträgt fast 4 Zoll, die Flügel sehen schwarzbraun ans, schillern aber in ein leb- Haftes Blau. Die weißen Flecken und Binden, und die Augen an den Hinter - flügeln zeichnen sich recht lebhaft ans. Auch die Raupe zeichnet sich vor den andern ans. Sie ist grün mit schrägen Streifen und hat zweizackige Hörner am Kopfe. Eschen und Saalweiden werden von ihr fleißig besucht. Die gclbgrüne, zusammengedrückte Puppe, deren Kopf in zwei Spitzen ansläuft, hängt mit dem Hintcrthcile angeheftet. Der Schwalbenschwanz (Taf. XIV. Fig. 231). Dieser Vogel darf in keiner Schmetterlingösammlung fehlen. Seine Größe beträgt 3 Zoll. Die Vorder- flügcl sind dreieckig, die Hinterflügcl lang geschwänzt, sic sind gelb, mit schwärz lichem Anßcnrandc und mit gelben, halbmondförmigen Flecken versehen. Das rothc Auge ans den Hintcrflügeln sticht neben dein Gelben und Schwarzen ab. Die Raupe ist grün mit rothen Punkten, sie streckt, wenn man sic beunruhigt, eine fleischige Gabel anö dem Halsringe. Sic hält sich ans Dill, auch wohl ans Obstbünmcn ans. Weil die Flügel des Schwalbenschwanzes so segclförmig aus- gespannt erscheinen, wird er auch wohl Scgclfaltcr genannt. Der rothc Augenspiegel (Taf. XlV. Fig. 232), auch Apollo, Alpcn- falter genannt, wird 3 Zoll breit. Die Flügel sind rund, weißlich gelb; die vordern mit fünf schwarzen Flecken, die untern mit rothen Augen versehen. Man trifft ihn am meisten in bergigen Gegenden. Die sammetschwarzc Raupe mit orangefarbigen Flecken nährt sich vom Laube des weißen Mauer pfeffers, oder auch vom sogenannten Hanölanb. Vor ihrer Verwandlung macht sic eine Hülle von grobem Gcspinnst. Der Priamusfaltcr (Taf. XIV. Fig. 233) ist in Ostindien zu Hanse, und gehört zu den schönsten Tagevögeln. Seine Größe beträgt bei 8 Zoll. Die Flügcl sind weiß und schwarz gcrandct, die obcrn mit schwarzen Längcstrichcn, die untern mit vier schwarzen Punkten, beide aber mit regelmäßig schwarzen Strichen. Auf der Brust hat er einen rothen Fleck. Es stimmen jedoch nicht alle Naturgeschichten in der Beschreibung des Priamuö überein, denn in einigen werden ihm die grellsten Farben und eine Größe von 15 Zoll bcigclegt. Raupe und Puppe sind nicht bekannt, und wie der Leser sicht, mit dem Schmetterling scheint es auch noch nicht so ganz richtig zu sein. Daruin wollen wir geschwinde wieder zu den bekannten zurückkehren und einen recht verhaßten Schmetterling nennen; es ist Der Baumweißling (Taf. XIV. Fig. 234). Er hat weiße, wenig be stäubte Flügel mit schwarzen Adern, an welchen längs des Saumes schwarze Flecken stehen. Im Juni und Juli flattert er in unfern Gärten herum. Das Weibchen legt seine gelben, kugelförmigen Eier in runde Haufen, oft 100 bis 200 zusammen, auf die Blätter der Weißdornen, oder auch ans Obstbäume. Im August sind die braunhaarigcn Gäste schon ausgckrochcn, und fressen mit solcher Wuth Alles ab, daß die hübschen Obstbänmc oft in einigen Tagen ganz368 entblättert dastehen. Legt man ihnen daö Handwerk nicht, so treiben sie ihr Wesen bis zum Herbste hin fort. Wenn die Nächte kalt werden, so sorgen sie eiligst für Winterquartier. Sie marschiren an die äußerste Spitze eines neuen Triebes, umspinnen die Blätter, daß sic nicht absallen können, und bleiben dann in einem gemächlichen Winterschlafe liegen. Kanin lockt die Friihlingssonne die ersten Knospen hervor, so sind die Gefräßigen auch wieder bei der Hand, und verzehren die jungen Triebe sogleich bei der Entwicklung. Gegen Mai endlich spinnen sie sich ein, und fliegen nach 14 Tagen schon wieder ans. Es sind die lästigsten Gäste, ja die gefährlichsten Feinde der Obstbaumzncht. Darum erhält auch kein Baumweißling von mir Gnade, und wenn ich einen erwische, so denke ich, das ist so gut, als hättest du 200 Raupen vertilgt. Der Citroncnvogel (Taf. XIV. Fig. 235) hingegen ist nicht in so schlechtem Rufe, denn seine Raupe hält sich meistens ans dem Faulbeerbaume ans, und thnt deshalb keinen sonderlichen Schaden. Die Flügel dieses Schmetterlings sind gelb mit rothen Punkten. Sie sind ausgebreitet über 2 Zoll groß. B. Abcndvögel. Die Abcndvögel (Abcndfaltcr) fliegen nur in der Abend- oder Morgen dämmerung umher, und unterscheiden sich von den Tag- und Nachtvögeln durch ihre fast prismatischen Fühlhörner, die in der Mitte am dicksten sind, an beiden Enden aber dünner werden, so wie durch ihre niederhangenden Flügel. Ihr Leib ist stark, dennoch aber haben sic einen schnellen Flug. Sic lassen sich selten auf die Bäume nieder, sondern schwebend über denselben suchen sie den Saft mit ihrem vorgestrccktcn Rüssel zu saugen. Gleich nach der Paarung legt das Weib chen seine Eier ans diejenige Pflanze, welche den Raupen zur Nahrung dienen soll. Die jungen Raupen häuten sich, wie die Raupen der Tagcvögcl, drei Mal, sind stark, meist ohne Haare und haben eine starke Schwanzspitze. Die Raupen verpuppen sich entweder in der Erde, oder machen sich eine Hülle von Blättern, überwintern, und verwandeln sich im kommenden Frühjahre. In Europa sind 70 und einige Arten von Abcndvögeln bekannt. Man theilt die Abcndvögel wohl ein in: a. eigentliche Schwärmer; dazu gehört: der Tvdtenkopf, der Fichten schwärmer, das Abendpfauenauge; b. Seficn: das Täubchen oder der Taubenschwanz; o. Zygänen: der Stahlfaltcr u. a. m. Beschreiben wir nun die wichtigsten der Abcndvögel! Der Todtcukopf (Taf. XIV. Fig. 236). Er ist der größte europäische Abcndfaltcr, denn er mißt anögcbreitet bei 4 % Zoll. Die Zunge ist kurz und dick, der Hinterleib stumpf, röthlich gelb, die Rückenlinie ist schwarz, wie auch die369 Binden. Die Vorderfliigcl sind braun, mit schwarzen, weißen und gelben Flecken; die Hinterflügel mehr gelb, mit zwei schwarzen Binden. Er hat seinen Namen von einer gelben Zeichnung ans dem Halsschildc, die mit einem Mcnschenschüdcl einige Aehnlichkeit hat. Er fliegt erst spat Abends und läßt dann zuweilen einen scharfen Ton hören. Die sehr große, gelbgrünc, mit einem blauen Streifen ver sehene Raupe lebt auf Kartoffeln, Möhren, Jasminen und ans dem Hanf. Man trifft diesen Schmetterling nicht häufig an. Der Windenschwärmer (Taf. XIV. Fig. 237 ). Woher dieser Schmet terling seinen Namen hat, wird der Leser leicht rathen; die Raupe hält sich nämlich ans der Ackerwinde ans. Sic ist blaugrün mit gelben Strcifchen. Der ans ihr entstehende Schmetterling wird oft 4 Zoll lang, hat einen spitzigen Hin terleib, ist größtcntheils aschgrau mit schwarzer Zeichnung. Die Zunge ist länger, als der ganze Körper. Der Wolfsmilch sch wärmer (Taf. XIV. Fig. 238). Dieser Schmetter ling wird 2 3 / 4 Zoll groß. Er hat weiße Fühlhörner; die Vorderflügel sind schmutzig bräunlich-grün, die Hinterflügel röthlich. Der Leib ist unterhalb grau- röthlich, oberhalb aber olivengrün mit schwarzen Ringeln. Die Raupe, welche ans der Wolfsmilch lebt, ist schwarzgrün mit weißen und gelben Trüpfeln und mit einem rothen Kopfe versehen. Die Füße sind ebenfalls roth. Das Abendpfauenauge (Taf. XIV. Fig. 239). Die Raupe dieses Schmetterlings lebt ans Weiden, Pappeln, Espen, Apfelbäumen und ans dem Schlehdorn. Sic ist bräunlich-grün und weiß pnnktirt. Der Schmetterling, der 2'''/4 Zoll groß wird, hat silbcrgrauc, braune, röthlich und schwärzlich marmorirte Vorderfliigcl, und pfirsichrothe Hiutcrflügcl mit braunschwarzem Angenflcck. Der große Wcinvogcl (Taf. XIV. Fig. 240). Die Länge beträgt 1 Zoll und die Breite 2'/ 4 Zoll. Die Vorderflügel sind olivcngran mit Purpur untermischt; die Hinterflügel schwarz und rosenroth mit weißem Rande. Man trifft die Raupe auf Weinlaub und Balsaminen. C. Nachtvögel. Die Mehrzahl dieser Schmetterlinge fliegen des Nachts aus, daher ihr Name, und nur einige wenige fliegen zuweilen am Tage. Die Flügel haben dieselbe Be schaffenheit, wie bei den Abendvögeln, nur daß einigen wenigen Weibchen die Flügel fehlen. Auch entbehren einige des Säugrüssels. Charakteristisches Merk mal sind die borstcnförmigcn Fühler. Sie machen die Mehrzahl der Schmetter linge aus, denn in Europa allein sind über 1300 Arten bekannt. Man thcilt sie ein in: Spinner, Eulen, Spanner, Zünsler, Wickler u. s. w. Nur die wich tigsten können hier beschrieben werden. Beumer'S Naturgeschichte. 24370 Der Weidcnbohrcr (Taf. XIV. Fig. 241) ist 3'/» Zoll breit und 1'/, Zoll laug. Seine Hauptfarbe ist aschgrau; die Vordcrflügcl sind braun gewölkt und mit schwarzen Linien gezeichnet. Am Hintcrlcibc befindet sich ein weißer und a>n Halse ein gelber Rand. Die Raupe sicht braunroth aus, ist dick und stark, durchbohrt Weiden, Pappeln und Eichen. Sic spritzt bisweilen einen Saft von sich, der sehr ätzend ist unb verpuppt sich erst nach zwei Jahren in einem Gewebe von abgcnagten Holzspünen. Der Schaden, den sie bisweilen verursacht, ist nicht unbedeutend. Der Seidenspinner (Taf. XIV. Fig. 242). Dieser Schmetterling ist von allen Arten der nützlichste, und müssen wir ihn deshalb genau beschreiben. Er ist in Europa seit dem Jahre 560 bekannt, wo ihn der Kaiser Justinian durch Mönche ans Indien nach Griechenland bringen ließ. Mit den Seiden raupen mußte man auch den Maulbeerbaum (denn die Raupen nähren sich von Maulbeerblättern) nach Europa verpflanzen. Beide kamen später aus Griechen land nach Italien, von da nach Frankreich, Spanien und andern Ländern, sogar nach Norddcutschland und Preußen. Das Vaterland der Seidenraupe scheinen alle die Länder Asiens zu sein, wo der weiße Maulbeerbaum wild angctroffcn wird. Hier lebt sic, sich selbst überlassen, im Freien; ihrer Nützlichkeit wegen aber hat der Mensch sic unter seine besondere Pflege genommen. Der Schmetter ling ist mit ansgebrcitcten Flügeln ungefähr anderthalb Zoll breit und höchstens einen Zoll lang. Er hat schmutzig- oder gelblichwcißc Flügel, mit drei blaßbrau- ncn Streifen und einem mondförmigen, oft kaum sichtbaren Flecke. Sein einziges Geschäft ist die Fortpflanzung. Das Männchen stirbt bald nach der Begattung. Das Weibchen legt einige Tage nacheinander 3 bis 500 Eier und stirbt dann ebenfalls. In den heißen Ländern bleiben diese Eier den Winter über an den Bäumen sitzen, und die Räupchcn schlüpfen im Frühlingc ans, sobald die Som- merwärme den Knospen des Maulbeerbaumes das Laub entlockt. Bei uns aber, wo sie künstlich ausgcbrütct werden, läßt man sic nicht eher auskommen, als bis auch Nahrung für sic vorhanden ist. Die Seidenraupe ist, wie andere Raupen, gefräßig und dabei sehr empfindlich gegen Kälte, Nässe und Winde. Warme, trockene, heitere Luft und Ruhe sind zu ihrem Gedeihen nothwendige Erforder nisse; außerdem erkranken und sterben viele. Die kleinen Raupen sehen anfangs schwarz ans, häuten sich aber während ihres sechs bis acht Wochen langen Lebens mehrmals und verändern bei jeder Häutung ihre Farbe. Nach der letzten Häu tung erscheint die Raupe weißlich oder bräunlich mit dunkelm Kopfe. Sechs bis sieben Tage darauf bemerkt man unter dem Halse eine Röthe, woraus man schlie ßen kann, daß die Zeit der Verwandlung nahe ist. Die Raupe hört jetzt auf zu fressen, wie vor den Häutungen, läuft unruhig und schnell umher und sucht einen bequemen Platz, um sich zu verwandeln. Sobald sic ihn gefunden hat, fängt sic ihr Gcspinnst (das man Cocon nennt) an. Sic hat dazu, wie alle Spinner371 unter beit Raupen, einige Gefäße in ihrem Innern, in welchen sie gegen die Zeit der Verwandlung ans dem Nahrungssafte eigene klebrige und gleichsam harzige Säfte, die sehr fein und durchsichtig sind, absondert. Wenn man eine im Wein geiste getödtetc Raupe längs des Rückens anfschneidet, so erblickt man ein Bündel cylindrischcr Röhrchen, die wie Gedärme anssehen, vielfach durcheinander gewunden sind und über dem großen Darme liegen. Sie laufen vorne im Manle in zwei sehr feine Oeffnnngcn aus, durch welche sich der erwähnte Saft ergießt. Wenn nun die Raupe das Gespinnst anfängt, so klebt sie zwei äußerst feine Tröpfchen des aus den Oeffnnngen hervorquellenden Saftes an denjenigen Gegenstand an, an welchem sic ihr Gespinn befestigen will, bewegt den Kopf hin und her und haspelt auf diese Weise zwei sehr dünne Fäden ans beiden Oeffnnngen heraus. Beide sind hell und durchsichtig und verhärten bald an der Luft. Die Raupe weiß sie geschickt mit den Vorderfüßen zu einem Faden zu verbinden und so zu ihrem Zwecke zu verarbeiten. Den ersten Tag spinnt sie nur ein unordentliches, weitläufiges, unzusammenhängendes Gewebe, das dem eigentlichen Coeon zur Be festigung dient, den andern Tag zieht sie die Fäden um sich herum und bildet eine eirunde Hülle des eigentlichen Coeons, in deren Mitte sie sich befindet. Daö Gespinnst wird nach und nach immer dichter, so daß man den Körper der Raupe bald gar nicht mehr sehen kann. Die ganze Arbeit dauert sieben bis acht Tage. Der eigentliche Coeon, welcher die feine Seide gibt, besteht au? einem einzigen nnnnterbrochenen Faden von 900 bis 1000 Fuß Länge. Ganz inwendig oder zunächst um sich her macht die Raupe eine dichte, häu tige Hülle aus dem Reste des klebrigen Saftes, die weder der Lust noch der Feuchtigkeit Eingang verstaktet, und verwandelt sich darin selbst zur Nymphe oder Puppe, indem sie zum letzten Mal ihre Ranpenhant abstreift. Der Nymphen- znstand währt zwei bis drei Wochen, worauf der obenbeschriebene Schmetterling durch ein kleines rundes Loch, das er, bei dem Mangel an Nagewerkzengen, wahr scheinlich mittelst eines ätzenden Saftes verursacht, auskriecht. Die Oeffnung unterbricht den Zusammenhang des Fadens, und. macht den Coeon unbrauchbar, daher man, um die Seide zu erhalten, die Puppe noch vor dem Auskricchen, durch Rösten des Coeons, zu tobten bedacht ist. In Deutschland ist der Seiden bau nur durch große Sorgfalt auf künstlichem Wege möglich, aber trotz der ihm cntgcgenstchenden Schwierigkeiten hat cr sich in letzter Zeit sehr gehoben. Frie drich der Große setzte Prämien dafür ans, und schon 1774 wurden in den Pro- üil W» Magdeburg, Halbcrstadt, Brandenburg und Pommern 6849 Pfund reine Seibc gewonnen. Zn einem Pfund Seide gehören etwa 2000 Coeons. Die rohe Seide ist blaßgclb. Der Prozessionsspinner (Taf. XIV. Fig. 243) erreicht eine Breite von * 7# Zoll. Die Vorderflügel sind grau mit dunkeln Binden, die Hinterflügel sind weißlich. Die Fühlhörner sind kammzähnig gekerbt, beim Weibchen indessen kaum 24*372 sichtbar. Das aut Ende des Leibes schwarzwollige Weibchen legt seine weißlichen, unten gelblichen, mit einem schwarzen Punkte versehenen Eier im August an die Rinde der Eichen. Die Raupen, die 1 bis 1 , / 2 Zoll lang werden, kriechen erst im nächsten Frühjahre ans und inachcn sich nt großen Gesellschaften ein gemein schaftliches, trichterartiges Gewebe ans Eichen, das oft 18 bis 20 Zoll lang ist und am breiten Ende einen engen Eingang hat. Hier wohnen sic bei Tage und bei nassem Wetter, Abends ziehen sie in regelmäßigen Zügen ans. Voran geht eine starke Raupe, ihr folgen mehrere einzelne, dann kommen tvclchc zn 2, zu 3, zu 4, zn 5 und zn 6 nebeneinander in Reihe und Glied, wie bei einer Prozession, zcrstrcncn sich die Nacht über, fressend, in den Spitzen der Zivcige und kehren ge gen Morgen in derselben Ordnung in ihr Lager zurück. Haben sie eine Eiche kahl gefressen, so wandern sie in Reih' und Glied zu der zunächst stehenden. Es ist nicht nur merkwürdig, daß sic sich in solcher Ordnung bewegen, sondern daß alle Raupen sich nach der vordersten richten; kriecht dieselbe langsam, so kriecht der ganze Zng langsam, bewegt sic sich schnell, so thun die andern desgleichen. Die Haare der Raupen sind mit feinen Widcrhäkchcn versehen, welche, lvcnn man eine Raupe anfaßt, leicht in die Haut dringen und ein mehrtägiges Jucken und Brennen erregen. Die Nonne (Taf. XIV. Fig. 244) ist ein schmntzig-weißcr Schmetterling, deren Raupe ans Apfelbäumen, Eichen und Kiefern lebt und oft großen Schaden verursacht; denn ihre Nahrung besteht in deit Blätterstielen dieser Bäume. Irriger weise wird auch oft der Fichtcnspinncr mit dein Nameit „Nonne" bezeichnet. Der braune Bär (Taf. XIV. Fig. 245). Die Breite dieses Schmetter lings beträgt fast 3 Zoll. Der Leib ist braun und roth; die Vorderflügel sind kaffeebraun mit unregelmäßiger weißer Zeichnung, die Hintcrflügcl roth mit schwar zen Punkten. Die Raupe ist sehr stark behaart, und cs dringen diese Haare leicht in die Haut, wo sic unangenehmes Jucken erregen. Diese Raupe frißt Alles, was ihr vorkommt, sogar Blätter von Giftpflanzen, und fehlen ihr auch diese, so fällt sie über ihres Gleichen her, und frißt Raupen und Puppen. Der Rin gelspinn er (Taf. XIV. Fig. 246) ist röthlich ockergelb und wird l‘/ 4 Zoll groß. In manchen Jahren ist er sehr häufig, legt die Eier ringförmig um die Zweige der Obstbänme, wo sic anklebcn. Die Raupe (Ringclranpc) ist kurz behaart, hat weiße, rothe und blaue Längsstreifcn, lebt gesellig ans Obst- bänmcn und thut großen Schaden. Die Stamme ule (Taf. XIV. Fig. 247). Das Männchen ist gelblich- braun und viel kleiner als das Weibchen. Dieses ist schmutzigweiß mit schwarzen Qnerstreifcn und sehr träge. Die Raupe lebt ans Obstbäumen, Eichen re. und ist sehr schädlich. Die Eier hängen an den Stämmen und sind mit grauer Wolle bedeckt.373 Das blaue Ordensband (Taf. XIV. Fig. 248) ist der größte inlän dische Nachtvogel, denn er wird 3 '/ü Zoll breit. Die Oberfläche der Flügel ist grau und bräunlich mit blauen Qucrbiudcn. Die Raupe ist gclbgrau, schwarz getüpfelt und lebt auf Eschen, Birken u. s. w. Es gibt auch ein rothcs und ein gelbes Ordensband. Der Fichtenspinner (Taf. XIV. Fig. 249), auch Föhrcngluckc, Föhren oder Kieferuspiuuer genannt, wird 3 / 4 bis 1 Zoll lang und über 3 Zoll breit. Er ist braun mit zwei weißen Punkten auf den Vordcrflügeln. Im Juli und August legt das Weibchen 100 bis 200 bläulichweiße, glattrunde, sehr harte Eier an die Borke der Föhren auf einen rundlichen, flachen Haufen mtb bedeckt sie mit den bräunlichen Haaren ihres Hinterleibes. Die nach 8 bis 10 Tagen aus- kriechenden Raupen sangen sogleich an zu fressen, und verlassen die Bäume erst mit eintretendcr Winterkülte, um sich unter denselben im Moose und unter den abgcfnlkcncn Nadeln zu verbergen; erscheinen aber im April schon wieder ans den Stämmen, um ihr altes Frcßgcschäft von neuem zu beginnen. Sie erreichen bis zum Juli, wo sic sich verpuppen, eine Länge von fast 4 Zoll. In manchen Jah ren vermehrt sich dieses Insekt so außerordentlich, daß die gefräßigen Raupen, deren einzige Nahrung Kicfernadeln sind, unermeßlichen Schaden in den Waldun gen anrichtcn. Dann hört man sie förmlich fressen und ihren Unrath gleich einem feinen Regen hcrabfallen. Man berechnet den Schaden, den sic in bcn Jahren 1791 bis 1793 in den Staatsforsten der Kurmark verursachten, auf 270,350 Thaler, und der, welchen sic in den Jahren 1810 und 1811 eben daselbst thaten, war vielleicht noch bedeutender. Der Hollunderspinner (Taf. XIV. Fig. 250). Die Raupe dieses Schmetterlings hält sich ans dem Hollunder auf, ist bräunlich, glatt, ohne Bauch- süße und hat daher eine spinnende Bewegung. Der Schmetterling ist gelb mit großen und kleinen schwarzen Querstrichen. Die Hintcrflügel sind zugcspitzt. Der Atlasfalter oder Pfancnspicgcl ist der größte aller bekannten Schmetterlinge. Er wird 3 Zoll lang und bei 8 Zoll breit, die Flügel sind gelb- lichgrün, braun gefleckt und in der Mitte mit einem großen eckigen'Spicgel geziert. Die 4 Zoll lauge Raupe lebt ans Citroncnbäumcn in Ost- und Wcstindien. Das Gespinnst wird als Seide benutzt. Auch gehört noch die berüchtigte Familie der Motten hierher: die Kleidcr- mottc, Pelzmottc, Obstmotte und Kornmotte. Die Kleidermotte sieht aschgrau aus, und hat weiße Pünktchen an den Seiten. Die Pelz motte hingegen hat schwarze Pünktchen.374 Dic Obstmotte (Tas. XIV. Fig. 251) ist braun mit grauen Streifen und Flecken. Die rothe Raupe mit schwarzem Kopf ist dic bekannte Obstmadc. Die Kornmotte (Tas. XIV. Fig. 252) sicht silberweiß ans. Dic Flügel sind in der Ruhe dachförmig gefaltet. Die weiße Raupe ist der berüchtigte, schädliche weiße Kornwurm. Vierte Ordnung. Netzflügler. Die Insekten dieser Ordnung haben fast alle vier Flügel, welche zart, netz förmig oder gegittert sind und meist verschiedene Farben spielen. Die Frcßwcrk- zeugc sind meistens frei, die Kinnladen hornartig, der vorstehende Kopf meist dicker oder doch so dick als die Vordcrbrnst. Daö vollkommene Insekt gebraucht dic Beine fast nur zum Ausruhen. Der ganze Körper ist größtentheils weich lind schlank. Die Verwandlung ist unvollkommen. Dic meisten Larven haben sechs Füße und leben im Wasser. Das Insekt hat in der Regel große, kugelige, vor- gegnollene Augen und 2 bis 3 Ncbenangcn. Die Wasscrlibellc (Tas. XIII. Fig. 221), Spinnejungfer, hat einen langen, schmächtigen Leib, an dein runden Kopfe befinden sich zwei Frcßspitzcn und dic Flügel schillern in's Bläuliche. Sic hält sich in Sümpfen und am Wasser auf, macht ans Mücken Jagd und begattet sich im Fluge. Die Larve dieses In sekts lebt im Wasser und nährt sich dort voll Wasscrinscktcn. Man will dic AthmungSwcrkzcuge am Schwänzende bemerkt haben. Beim Eintritt der vierten Häutung steigt dic Nymphe an Wasserpflanzen empor, setzt sich fest und das ge flügelte Insekt entschwebt seiner Hülle. Die Eintagsfliege (Haft, Uferaas) ist der Gestalt nach der Wasserjung fer sehr ähnlich, nur kleiner und zarter an Körperbau; auch endigt sich der Hintere in 2 bis 3 Borsten. Man trifft sic häufig an schönen Sommer- und Herbsttagen in ganzen Schwärmen an den Ufern der Flüsse und Teiche. Das vollkommene Insekt lebt einen Tag, und seine Bestimmung ist dic, sich zu begatten und Eier zu legen. Die Larven leben mehrere Jahre im Wasser und dienen den Fischen zur Nahrung. Die Frühlingöflicge (Wasscrmottc, Schmcttcrlingsflicgc, Krähcn- jnngfcr) hat einige Aehnlichkcit mit den Schmetterlingen. Der Kopf ist klein, die borstcnförinigcn Fühler hingegen lang. Dic Larve, welche im Wasser375 lebt, baut sich ein Gehäuse von Schilfspäncn, Gras u. dgl., welches sie nie verläßt. Die Flors liege oder Landlibclle ist der Libelle ähnlich, nur kleiner. Sic hat zarte, grüne Flügel und Augen, legt ihre Eier unter die Blattläuse, weil diese die erste Nahrung der Larve ausmachen. Die Ameisenjungfer (Afterjungfer) sicht grau aus, sic hat sechs Freß- spiyen und ihre Flügel sind dachförmig. Die Larve einer besondcrn Art, deren Flügel schwarz und braun geadert sind, ist der Ameisenlöwe. Dieser hat 6 Beine, macht sich im Sande eine trichterförmige Vertiefung, in welcher er den Ameisen auflaucrt. Will eine Ameise, die bereits in seinem Bereiche ist, entfliehen, so schnellt er ihr Saudkörnchen nach, welches bewirkt, daß die Ameise zurücktaumelt und eine Beute ihres Verfolgers wird. Merkwürdig ist bei diesen Thieren, daß mau keine Afteröffnung, noch Ex- cremcute entdeckt hat; es scheint also, daß der den Ameisen ausgesogenc Saft ganz in den Körper übergeht. Zu den Netzflüglern gehören auch noch die Termiten (Taf. XIII. Fig. 220) oder weißen Ameisen*), auch Holzlänse genannt. Man findet sic in Süd amerika, Afrika und in Indien, wo sie, wie unsere Ameisen, in großen Gesellschaften beisammen leben. Eine recht hübsche Schilderung dieser Insekten findet man in Kansmann's Orbis pictus; es heißt daselbst: „Die Termiten leben in Gesell schaften von vielen Millionen beisammen. Eine solche Gesellschaft, die man wegen ihrer wohlgeordneten Einrichtung einen Staat nennen könnte, besteht aus dreierlei Termiten; ans Larven, Puppen und geflügelten Insekten. Die Larven sind 3 Li nien lang, und gleichen sehr den Büchcrlänscn, laufen aber weit schneller; die Puppen, welche dem vollkommenen Zustande weit näher stehen, sind fast einen halben Zoll lang, haben einen hornigen, rußbraunen Kopf, der größer ist als der Leib, und ein Paar Kinnladen, welche zwei scharfen Ahlen gleichen, und so hart sind wie Krcbsschceren. Den Larven und Puppen fehlen die Augen. Die ge flügelten Termiten haben vier große, durchsichtige, bräunliche Flügel, ziemlich große Angen und eine Länge von etwa 3 /* Zoll. — Jede Gesellschaft nun besteht ans einem König und einer Köitigin, d. h. aus einem vollkommenen Männchen und Weibchen, ans Arbeitern (Larven) und Soldaten (Puppen). Die Arbeiter, welche an Zahl die der Soldaten um das Hundertfache übertrcffen, führen 8 bis 10 Fuß hohe Gebäude auf, die nicht allein durch ihre Größe, sondern auch durch ihre innere Einrichtung die größte Bewunderung erregen. Jedes Gebäude besteht ans mehreren übereinander gethürmten Erdkugeln, welche alle zusammen eine gemein schaftliche Kuppel bilden. In der Mitte des innern Baues befindet sich das königliche *) In manchen Naturgeschichten findet man diese Insekten zn den Hansflilglern gezahlt.Zimmer, welches länglich-oval ist und einem Backofen gleicht. Es ist von einer nnzäh- ligen Menge anderer Zimmer nmgcbcn, die sich ineinander offnen und den Soldaten und Arbeitern zum Aufenthalt dienen. An diese Zimmer stoßen die Borraths kammern und die Zellen für die junge Brut. Der Vorrath besteht in ganz klei nen Körnern zusammengekneteten Gummis, daö aus den Bäumen in jenen Gegenden ausschwitzt, und von den Termiten in ihre Wohnung geschleppt wird. Die Zellen für die Jungen bestehen aus zernagten Holztheilcn, die mit Gummi zusammcn- gcklebt sind. Sic sind ganz von den Eiern ungefüllt, welche die Königin in gro ßer Menge in ihr Zimmer legt, und welche sofort von den Arbeitern in die Zellen gebracht werden. Die ansschlüpfcndcn Jungen tverden hier so lange gewartet und genährt, bis sie im Stande sind, für sich selbst zu sorgen und an den Ar beiten Thcil zu nehmen. — Diese wundervollen Gebäude haben eine solche Festig keit, daß mehrere Menschen auf einem stehen können. Im zweiten und dritten Jahre wächst Gras auf ihnen, so daß sie in der trockenen Jahreszeit von ferne Heuschobern gleichen. Die Soldaten haben die Bestimmung, die großen Bauten zu bewachen, und die Königin und ihren Gemahl gegen Angriffe van außen zu schützen. Ist Je mand keck genug, mit einer Hacke oder einem Beil ein Loch in den Hügel zu schlagen, so kommt nach wenigen Secnnden ein Soldat heraus, um nachznsehen, was es gibt; bald folgen mehrere, und endlich so viel, als nur daö Loch durch lassen will. Ihre Wnth und Hitze läßt sich nicht beschreiben. In der Ucbcr- eilung stürzen sic den Berg hinab, sammeln sich aber gleich wieder, und beißen nun, weil sic vor Wnth blind sind, in jedes Ding, an das sie rennen. Wehe dem Fuß oder der Hand, die von ihnen gefaßt wird. Sic schlagen ihre Kicferzangcn so tief ein, daß sic nicht mehr vom Platz können. Selbst Strümpfe sichern nicht gegen den schmerzlichen Biß. Ist der Feind verjagt, so ziehen die Soldaten sich wieder zurück, und nun kommen die Arbeiter zu Tausenden herbei, jeder mit einem Klümpchen Mörtel im Maule, uni daö Loch wieder ausznbessern, was auch wirk lich in erstaunlich kurzer Zeit geschieht. Unter einer Schaar von etwa 1000 Arbeitern sicht man immer einen Sol daten hernmschlcndcrn, der die Aufsicht zu haben scheint. Er sieht sich gewöhnlich nach allen Seiten um, und beißt alle zwei Minuten auf das Gebäude, wodurch ein Schall entsteht, der von den Arbeitern mit einem lauten Zisch erwiedert wird; sic verdoppeln dann ihre Schritte und arbeiten schneller als zuvor. Stört man sie wieder, so ziehen sic sich plötzlich in den Bau zurück, und die Soldaten sind in wenigen Stunden wieder auf dem Platze, zu neuer Gegenwehr. Man kann dieses so oft wiederholen, als man will. — Zur Legezeit geht mit der Königin eine merkwürdige Veränderung vor. Der Hinterleib wird nämlich von Eiern so außerordentlich angcfüllt, daß er 15 bis 20,000 Mal größer ist, als der Hals sammt dem Kopfe, und daß das ganze Weibchen nun gegen 3 Zoll lang wird. In jeder Minute legt cs gegen 60 Eier, so daß auf einen Tag wohl 80,000377 kommen mögen. Haben die Soldaten, d. h. die Puppen, sich endlich in vollkom mene, geflügelte Insekten verwandelt, so schwärmen sie Abends ans, wie die Bie nen, verlieren aber sehr schnell ihre Flügel, und werden nun ans den thätigstcn, sinnreichsten und muthigsten die hülflosesten und zaghaftesten Geschöpfe, welche von Vögeln und Amphibien so verfolgt werden, daß von den Millionen nur wenige übrig bleiben, um ein neues Reich zu gründen. Ein Paar derselben wird von den zurückgebliebenen Arbeitern eingefangcn, nach dem Ban znrückgebracht, und hier zum König oder zur Königin erhoben. Von ihrem Hanptbau aus legen diese merkwürdigen Insekten nach allen Seiten hin unterirdische Gänge an, die mehrere hundert Schritte weit reichen, und ihnen zur heimlichen Herbcischleppung ihres Raubes dienen. Nicht selten führen diese Gänge von unten in benachbarte Häu ser, denen alsdann durch die Zerstörnngswnth der Termiten der Untergang droht. Sie durchbohren daö Innere des Holzwerkes, ohne die äußere Form zu verletzen, höhlen die Pfosten, Balken und alles Hauögcrüthe ans, fressen sich von unten in die Koffer und Schränke ein, und zerstören den Inhalt: Baumwolle, Wolle, Leder, Tuch, Fleisch n. s. w. in einer Nacht. Nichts, was nicht Stein oder Metall ist, vermag ihnen zu widerstehen. Ein Jesuit, Dobritzhofer, der sich lange in Paraguay aufhielt, erzählt hierüber folgendes Merkwürdige: „Die größten Ameisen, welche ich sah, waren besonders schrecklich wegen der Fertigkeit, mit der sic große Gebäude unterwühlten. Sie machen Gänge unter den Häusern, und zwar sehr tiefe, hin- und hergehende, indem sic mit großer Anstrengung die loSgetrcnnte Erde herausförderu. Werden nun die Höhlen zur Regenzeit mit Wasser angefüllt, so geben die hölzernen Säu len und Schwellen des Gebäudes nach, und kommt man nicht augenblicklich zu Hülfe, so kann cö einstürzen, che man sich's versieht. In Paraguay kommt so etwas sehr oft vor. Der ganze Hügel, auf welchem die Kirche St. Joachim lag, war mit Amcisenbergen bedeckt und von Ameisen unterwühlt. Unser Haus und ein daranstoßcudcö litt nicht weniger dadurch. Der Hanptaltar konnte viele Tage nicht benutzt werden, denn indem cs regnerisches Wetter war, schwärmten die Ameisen zn Tausenden ans ihren Höhlen heraus und, unvermögend, lange im Freien zu dauern, fielen sie haufenweise auf den Altar, den Priester und die Altargefäße nieder. Zehn ihrer Ausgänge wurden verstopft, aber am Morgen standen dafür wieder zwanzig offen. Abends tobte einmal ein heftiger Sturm mit Donner, Blitz und Regengüssen, so daß unser Hosraum ein kleiner Sec geworden zu sein schien, und die Mauer fußticf im Wasser stand. Mit einem Male kam der Küster schnell zn mir herein und meldete, daß sich der Erdboden öffne, daß sich die Mauer senke und Oeffnungen bekomme. Schnell eile ich mit der Lampe nach dem Orte, habe aber kaum die Schwelle überschritten, als ich eine große Spalte in der Erde sehe und, che ich cs vermuthete, bis an die Schultern tief hinein- sinkc. Es war gerade ain Hochaltar. Mit Mühe arbeitete ich mich, vom Küster n»ter>tützt, heraus und zwar so schnell als möglich; denn die Ameisen hatten hier378 gleichsam ihre Hauptstadt. Die Höhle hatte mehrere Fuß Länge und Weite, und glich einem Keller. Umsonst warfen die Indianer Erde ans Erde hinein, sic wurde eben so von den Ameisen wieder hcransgeschafft. Alles >var voll Angst und Sorge; man mußte mit Balken und Pfosten hier den Boden decken, dort die Mauer stützen, ohne daß die Gefahr darum beseitigt worden wäre." Die südamerikanischen Völker essen diese Thicrc geröstet, und benutzen ihre Gebäude als Backöfen. Im großen Haushalte der Natur sind die Termiten unentbehrlich; denn außer andern verdorbenen Pflanzentheilcn fressen sic vorzüglich das dürre, abgestorbene Holz in den Wäldern der heißen Zone auf, und räumen hierdurch schnell die umgcstürztcn oder dem Umsturz drohenden Bäume hinweg, die das junge Holz Niederdrücken oder verderben würden. Hierdurch machen sic allenthalben dem jungen Nachwuchs Platz. Fünfte Ordnung. Hautflügler oder Immen. Zu dieser Ordnung gehören solche Insekten, welche vier durchsichtige, wenig geaderte Flügel haben, und meistens in großen Gesellschaften vereinigt leben. Man unterscheidet Männchen, Weibchen und Geschlechtslose. Die beiden letzteren sind thcils mit einem Stachel, oder mit einem ätzenden Gifte versehen. Die Larven sind thcils Maden ohne Füße, oder sic sind wie 20fügtge Raupen gestal tet. Die Freßwerkzeuge sind fast frei, mit beißenden, hornartigen Kinnbacken ver sehen; die Lippen sind von den Kinnbacken seitwärts eingehüllt. Gallwespen. Die Wespen dieser Gattung sehen den Fliegen ähnlich. Der Stachel der Weibchen und Geschlechtslosen ist meistens sägeförmig, und sic bohren vermittelst desselben Oeffnungen in besondere Gewächse, legen ihre Eier hinein und das Ge wächs erhält gewöhnlich dadurch einen monströsen Auswuchs. Die schwarze oder Rosenwcspc (Taf. XIII. Fig. 217) verursacht auf diese Weise die moosartigen Auswüchse an den wilden Rosen, welche man Roscn- schwämme oder Schlafäpfel nennt. Die Eichwespe (Taf. XIII. Fig. 218) lebt auf Eichen, und ihr verdanken wir die bekannten Galläpfel, welche zur Bereitung der Dinte und überhaupt zmn Färben gebraucht werden. Die besten Galläpfel kommen aus der Gegend von Aleppo, Smyrna und ans Mosul am Tigris. Die Galt- oder Eichäpfel,379 welche man auf unfern Eichbäumen findet, rühren von der Eichblattwcspe her, und haben weiter keinen Werth. Erbricht man einen solchen ausgewachsenen Apfel, so findet man gewöhnlich darin das Insekt, welches einer kleinen schwar zen Fliege ähnlich sicht. Die Brust ist gestrichelt und die Fuße sind grau. Eine andere WeSpc dieser Gattung lebt ans Feigen, ist röthlich mit weißen Flügeln, und befördert durch ihren Stich das schnellere Reifen der Früchte. In solchen Gegenden, wo viele Feigen gezogen werden, sucht man solche angcstochene Früchte an den wilden Feigenbäumen und bringt sic dann unter die edlen Bäume. Die anskricchcndcn Insekten stechen dann auch die zahmen Feigen an, wodurch diese größer, süßer und früher reif werden. B l a t t w e s P e il. Die Blattwcspcn sehen den eigentlichen Wespen ähnlich und legen ihre Eier auf die Blätter verschiedener Pflanzen. Die Larven dieser Insekten leben meist frei auf den Blättern, und da sie Aehnlichkeit mit Raupen haben, sich aber durch eine größere Anzahl von Füßen (9—11 Paar) unterscheiden, so nennt man sie Afterraupcn. Die gelbe Blattwespe, welche auf Weiden, Birken und Erlen lebt, wird 1 Zoll lang, sicht einer Hornisse ähnlich, und ihre Larve ist gelb mit blauem Rückcnstrcif. Kleiner ist die Roscnblattwcöpc, welche nur 4 Linien lang wird, vorne schwarz und hinten safrangelb ist, und deren Larve nicht nur die Rosenblütter, sondern auch die Knospen zerstört. Sie steht deshalb bei den Blumisten im übelsten Rufe. Die Puppe urä über bilden eine sehr nützliche Familie der Hautflügler; denn sic legen ihre Eier an die Raupen, Puppen und Larven schädlicher Insekten, welche dadurch zer stört werden. Es gehören dazu die Raupentödtcr, Aftcrwcspcn und Gold wespen, welche man gewöhnlich auch mit dem Namen Schlupfwespen bezeichnet. Der Raupentödtcr hat borstenförmige Fühlhörner und einen gestielten Hinterleib. Er legt seine Eier besonders gerne in die Haut der Raupen, welche dann noch einige Zeit fortlcbcn, sich bisweilen sogar noch verpuppen, aber dann abstcrbcn. Ans dem Gcspinnst kommt dann, statt eines Schmetterlings, eine ein- zcluc große, oder eine Menge Schlupfwespen zum Borschcin. Auch die gesellige Schlup sw cspc ist sehr merkwürdig. Sie verfolgt namentlich die Kohlraupe. Man kann sicher darauf rechnen, daß im Herbste von380 40 Raupen nicht 4 gesund sind; alle übrigen tragen Eier der Schlupfwespen bei sich, deren Beute sic werden. Die Wespen sind leicht an dem fadenförmigen Zusammenhang des Hinterleibes mit dem Vor- dcrleibe zu erkennen, in den Kinnladen haben sic Zähne und ihr Hinterer ist mit einem giftigen Stachel bewaffnet. Sie bauen in großen Gesellschaften ihre Nester, gehen gemeinschaftlich ans Raub ans und verfolgen wüthend jeden Feind. Man rechnet dazu die Hornissen. Sic sind die größten ihrer Gattung, und man behauptet, daß mehrere durch ihre Stiche ein Pferd zu tobten int Stande seien. Als Gegen mittel wider ihren schmerzhaften Stich ist frische Erde und Baumöl zu empfehlen. Sie bauen ihre Nester in hohlen Bäumen oder unter Dächern ans Holzfasern. Sie macht Jagd ans Fliegen und Bienen, verschmäht aber, mic ihre ganze Sipp schaft, saftige Fruchte, Weintrauben u. dgl. nie. Der gelbliche, schwarz pnnktirtc Hinterleib erreicht eine Länge von einem Zoll; der Vordcrlcib ist brünnlich roth. Häufiger sind die gemeinen Wespen, die ebenfalls löschpapicrartige Nester ans Holz fasern bauen, und solche unter Dächer hängen oder in der Erde anlcgen. Jede Gesellschaft besteht atlS einer Mutter, aus Männchen und Geschlechtslosen. Die Larven werden von der Mutter mit Fliegen und Säften gefüttert; die Geschlechts losen gelangen zuerst zur Reife, dann die Männchen und zuletzt die Weibchen. Die beiden crstercn sterben int Herbste; die Weibchen verkriechen sich in die Erde und werden die Stammmütter in folgenden Jahren. Nicht so häufig finden sich die Mauerwespen, die in Mauern Röhren bauen, 8 bis 12 kleine Larven darin anhäufen, ein Ei dazu legen und die Röhren mit Sand füllen. Sic sind schwarz, haben 4 gelbe Binden am Hinterleibe tmd 2 rostfarbene Flecken ans der Brust. Mit ihr verwandt ist die gemeine Pillcnwcspc, die in Wäldern ans Pflanzenstengeln aus feiner Erde ein rundes Nest baut, dasselbe mit Honig füllt und ein Ei hineinlegt. Ihre Farbe ist schwarz. Noch weniger bekannt sind die französische Pappwespe und die Chartouwespe. Erstere ist schwarz mit gelbem Hinterleib und hängt ihr künstliches Nest an Grashalme und Gesträuch. Die Chartomvcspc ist schwnrz- braun und mit gelben Ringen versehen. Ihre Heimath ist Südamerika, und ihr künstliches Nest erregt die Bewunderung dcö Naturfreundes. Dasselbe besteht ans weißer, fester, schön geglätteter Pappe, die jeder Witterung widersteht. Die äußere Hülle, welche so dick wie feiner Pappdeckel ist, hat eine glockenförmige Gestalt; das Innere besteht aus einer Menge concaver Scheiben, die in der Mitte mit einem Loche durchbohrt sind. Sic hängen ihre Nester an die Acste der Bäume.381 D i c Bienen- Man kann die Faniilic der Bienen durch die eigenthümliche Bildung der Hinterfüße sehr leicht von allen andern Insekten unterscheide»; cs ist nämlich das erste Glied der Hinterfüße zusammengedrückt, und bildet ein viereckiges oder ver kehrt dreieckiges Blatt, welches die Natur zum Auffasscn des Blumcnstaubes be stimmt zu haben scheint. Kinnladen und Lefzen sind rüsselförmig gebildet, die Augen oval, und die Zunge liegt in zwei Scheiden. Man kann diese Familie füglich in zwei Gruppen thcilcn, nämlich in Blumen- oder Wald bienen und in Honigbienen. Die W a l d b i c n c ii. Sic haben meist dicht behaarte Hinterbeine, mit welchen die Weibchen den Blumcnstaub von den Staubfäden abstreisen und ihn dann mit etwas Honig zu einem Teig vermischen, den sic in ihre Erdzcllcn tragen. Es gibt nur Männchen und Weibchen in dieser Gruppe; denn sic bedürfen der Königin nicht, weil das gesellige Zusammenleben ihnen fremd ist. Sic haben ihre Wohnungen in Erd zcllcn oder im Holze. In jede Zelle wird etwas Honigtcig getragen, ein Ei darauf gelegt und dann mit Erde die Ocffnnng verschlossen. Die Larve nährt sich von dem Honigteig, der ihr zum Lager dient. Man rechnet dazu die Höh len biene, die Forstbienc und die Maucr-Vallcnbicne. Die Honigbienen. Von allen Insekten sind die Bienen dem Menschen am nützlichsten, weshalb sie durch ihn schon frühe unter die Hausthicrc gebracht worden sind. Sic ver dienen deshalb, und auch darum, weil sic sich durch Knnsttricb, Fleiß und Ord nungsliebe vor allen Insekten, ja sogar vor der Mehrzahl der Thicre höherer Gattungen auszeichncn, ausführlich beschrieben zu werden. Der Körper der Bienen ist durchaus sammethaarig, der Brnstschild gelbbräunlich, der Leib braunschwärz lich mit röthlichcn Ringrändern. Die Fühlhörner sind eingebrochen, der Rüssel ist kegelförmig und steckt in einer doppelten zweitheiligen Scheide. Der Mund be findet sich unten am Rüssel und ist mit einer fleischigen Zunge bedeckt. Man unterscheidet in jedem Bienenhaushalte dreierlei Arten von Bienen: 1) die Bie nenkönigin, 2) die Drohnen und 3) die Arbeitsbienen. Die Bienen königin, Biencnmutter oder Weisel genannt, führt in ihrem Stock allein das Regiment; cs wird keine zweite Königin neben ihr geduldet. Der Haushalt der Bienen beruht also ans rein monarchischen Grundsätzen. Die Königin unter scheidet sich von alten andern durch ihre Größe, sic hat eine lebhaftere röthlich- brnnne Farbe, einen kürzeren Säugrüssel, kürzere Kiefer und geradere und höhere 8üße, als die Arbeitsbienen. Der Hinterleib ist zugespitzt, und nicht so dick, als bei den Drohnen. Der Stachel, dessen sie sich nur dann bedient, wenn sie langegereizt wird, ist bedeutend länger als bei den Arbeitsbienen, die Flügel hingegen sind so kurz, daß sic nur stark die Hälfte des Leibes bedecken. Ihre Stimme, welche sie zur Zeit des Schwärmens, besonders gegen Abend, hören läßt, ist dem Schalle „düt, düt, bitt" ähnlich. Die Bestimmung der Königin ist, das Geschlecht fortzupflanzen. Sie legt des Jahres wohl 30 bis 40,000 Eier, in jede Zelle eins, woraus nach dreien Tagen fußlose Larven kriechen, die von den Arbeitsbienen bis zur völligen Ausbildung verpflegt werden. Außer diesem Geschäft aber sorgt die Königin auch für Ruhe und Ordnung, und die übrigen Bienen erweisen ihr alle mögliche Ehre. Die Fühlhörner sind für die Königin von größter Wichtig keit; denn mit ihnen pflegt sic die Fühlhörner ihrer Unterthanen zu berühren, und erst nach dem Akt der Huldigung gleichsam kann sic auf Treue und Gehorsam rechnen. Mau hat sich von dieser Behauptung dadurch überzeugt, daß man einer jungen Königin die Fühler abschnitt, und siche, sic konnte ihr königliches Ansehen nicht behaupten. Um sich zu überzeugen, ob die Königin wirklich die Seele des Stocks sei, haben aufmerksame Beobachter einen Stock durch eine dünne Blcchwand in zwei Hälften gcthcilt. In der Hälfte, in welcher sich die Königin befand, ging Alles seinen ruhigen, gesetzlichen Gang; in der andern Hälfte aber entstand die größte Unordnung und Revolution, sobald man die Abwesenheit der Königin be merkte. Darnach schnitt ma>l in das Blech ein feines Gitter; die Königin zeigte sich an demselben ihren unruhigen Unterthanen, und bald war die gehörige Ord nung wieder hergcstellt. Die Larven, aus welchen Königinnen entstehen sollen, erhalten eine größere Zelle und besseres Futter, als die andern Larven. Ginge aber die Königin verloren und cs wären keine königlichen Larven mehr vorhanden, so wird die Larve einer Arbeitsbiene genommen, die in königlicher Zelle mit könig lichem Futter sich ganz zur Königin entwickelt. Nur dann, wenn ein Schwarm ausflicgt, ist in seiner Begleitung eine Königin; sonst bleibt dieselbe zu Hause. Doch behaupten einige Beobachter, daß bei warmen Frühlingstagen sich die Kö nigin mit ihrer Begleitung vor dem Stock im Sonnenschein lustig mache. Die Drohnen oder die Männchen sind nicht so groß als die Königin, aber doch größer als die Arbeitsbienen. Ihr Kopf ist größer und runder, und stark mit Härchen bewachsen. Ihr Rüssel ist kleiner, sic haben aber größere Augen, als die Arbeitsbienen. Sonst findet man bei ihnen weder Stcchangcl noch Schaufeln an den Hinterfüßen. Die Natur hat ihnen diese zwei Stücke nicht ohne Ursache versagt; denn weil sic im Herbste von den Arbeitsbienen gctödtet werden, so müssen sic ohne Waffen gegen ihre bestimmten Würger sein, und da sic stets bei der Königin zu Hause bleiben, so waren ihnen also die Schaufeln überflüssig. Die Bestimmung der Drohnen ist die Begattung mit der Königin; sobald als letztere ihre Eier gelegt hat, sind die Drohnen überflüssig. Nun suchen sich die Arbeits bienen diese Gäste, für die sic vom April bis Juli auf das eifrigste gesorgt ha ben, vom Halse zu schaffen. Sie fallen über sic her, schleppen sie aus dem Flug loch hinaus, zerbeißen ihre Flügel oder andere zärtliche Thcile; oder sic treiben383 sic in den Stock ans kleine Haufen zusammen, umlagern solche, und lassen sie als feige Memmen verhungern. Diese Würgczeit dauert 14 Tage, und wird von Bieneuvätern die Drohnenschlacht genannt. Die Arbeitsbienen, auch Wcrkbicneu genannt, unterscheiden sich von den beiden crsteren durch den kleineren Ban ihres Körpers, durch ihre größere hcrvor- stehende Kiefer, welche sic zu dem Zellenbau, zur Reinigung der Wohnungen, zur Eröffnung der Honigkapscln an verschiedenen Blumen, zur Vertheidignng gegen die Raubbicnen, zur Tödtung der Drohnen und andern Geschäften gebrauchen. Ihr Säugrüssel ist länger und der Stechangel kürzer als bei der Königin, hornartig und mit Widcrhäkchen versehen, daß er sehr leicht in der Haut stecken bleibt, aber eben dadlirch der Biene den Tod zuzieht. Die Arbeitsbiene hat auch nur allein die Schaufeln an den Hinterfüßen, ans welche sie die sogenannten Wachs knöllchen oder Höschen trägt. Die Arbeitsbienen besorgen alle Geschäfte des Staates. Sobald die neue Colonie in einen leeren Stock eingezogen ist, so ist das erste Geschäft der Arbeitsbienen, daß sic den Stock reinigen, verkitten und Zellen bauen. Nach den neuesten Beobachtungen gesthieht das Letztere von dem reichlich mitgenommenen Honig ans dem Mutterstock; von diesem schwitzen sie Wachs- blüttchcn zwischen den Leibringen aus, welche ihre Kameraden sorgfältig abnehmen und zu ihrem Bau zusammensetzen. Ihre Waben oder Rosen fangen sie jederzeit am obersten Theilc des Stockes zu bauen an, und so senkrecht weiter herunter. Ehe sic mit einer fertig werden, legen sie mit solcher mehrere parallel an, daß zwischen jeder Rose wenigstens so viel Zwischenraum bleibt, daß zwei Bienen sie Vorbeigehen können. Hin und wieder findet man auch in diesen Waben Löcher, durch welche die Bienen von einer Wabe zur andern kommen können, ohne den weiten Umweg nach unten nehmen zu müssen. Alle Waben haben auf beiden Sei ten sechseckige Zellen, welche beinahe völlig horizontal liegen und genau aneinan der schließen. Sobald die Bienen die Zellen fertig haben, so legt auch schon die Königin Eier hinein, die Arbeitsbienen tragen in andere Zellen Honig und Bicncn- brod und machen Anstalt, Junge zu erbrüten. Oft, wenn diese Colonie frühzeitig gekommen, so ist der Stock in ganz kurzer Zeit vollgcbaut und übervölkert, daß nicht selten ein Schwarm ans der Colonie auszicht. Bienenväter suchen dies Schwärmen aber durch Untcrsätze zu verhüten, weil die jungen Schwärme nicht stark genug sind, den Winter durchzukommen. In Polen und Rußland und namentlich in Amerika trifft man die Honig bienen im wilden Zustande an; sie wohnen in hohlen Bäumen und unterscheiden sich durch größere Stärke und dunklere Farbe von unseren zahmen Bienen. Man sucht ihren Aufenthaltsort fleißig auf, öffnet den Baum und treibt die Bienen durch Rauch ans ihrem Aufenthalt. Es lohnt sich wohl der Mühe, die Bor- Ehe der wilden Bienen anfzusuchen, denn eine einzige Colonie hat oft 60 bis 100 Pfund Honig und Wachs. Die Stöcke der zahmen Bienen werden darum uicht so schwer, weil sic durch die Wohnung zum Wciterbauen gehindert sindund die Bicncnvätcr sich schon Bet geringerem Gewichte des Honigs und des Wachses bemächtigen. Den Honig bereiten die Bienen aus dem Znckcrstoff der Blumen, und tragen ihn in ihrem Magen nach Hause, wo sic ihn in den Zellen ablegcn. Das Wachs scheiden sie vom Honig ab, und schwitzen cs durch eine zwischen den Ringen des Hinterleibes und dem Magen liegende netzförmige Haut ans, wo cs in dünnen Blättern zum Vorschein kommt. Die gelben Klümpchen, welche man die Bienen an den Füßen heimtragen sieht, und die theils ans ge sammeltem Blüthenstaub, theils ans einer harzigen Materie bestehen, sind nicht, wie man früher glaubte, das Wachs, sondern dienen zu einem andern Zweck, und zwar der Blüthenstaub zur Nahrung für die junge Brut, die andern zur Befestigung der Zellenränder, so wie zum Verkitten aller Ritzen und unnöthigen Oeffnniigen. Unter Bienenzucht versteht man die zweckmäßige Wartung und Pflege der zahmen Bienen. Man thcilt sic in Wald- und Gartenbienenzucht, und letztere wieder in die natürliche und künstliche ein. Die künstliche unterscheidet sich von jener dadurch, daß man bei ihr die Zahl der Stöcke nicht durch natürliche, son dern durch künstliche Schwärme, sogenannte Ableger, zu vermehren sucht. Zn einer guten und glücklichen Bienenzucht gehört Aufmerksamkeit, Sorgsamkeit und vor allen Dingen Liebe zu diesen so arbeitsamen und nützlichen Thierchen. Zu den Honigbienen rechnet man ferner die Hummel, die sich durch ihre Größe in dieser Familie schon bemerklich macht. Sic ist schwarz und rauh, macht ihr Nest von Moos in der Erde und überzieht cs mit Wachs. Im Sommer leben die Hummeln in Colonieen von 50 bis 300. Die Geschlechtslosen sterben im Winter, und jedes übrigbleibende Weibchen gründet im Frühjahre eine eigene Colonie. Die Erdhummel ist leicht an der weißen Spitze des Hinterleibes zu erkennen. Die Mooö- oder Gras Hummel ist braungelb, und bei der Steinhum mel ist das Männchen gelblich und das Weibchen schwarz. Auch nennen wir hier noch die Roscnbiene, welche ebenfalls in Höhlen unter der Erde lebt, die sic mit Rosenblättern künstlich auslegt; sie ist schwarz mit rothgranen Haaren, und etwa sechs Linien lang. Die Mauerbiene baut sich in alten Mauern künstliche Nester, etwa mit 12 Zellen, und legt in jede ein Ei. .Sic ist eine der größten ihrer Familie und sieht der Honigbiene am ähnlichsten. Verwandt mit ihr ist die schwarzbranne Kegelb jene, welche ihre Zellen mit Ulmcnblättcrn, und die schwärzlich-graue Mohnbiene, welche ihre Zellen mit Mohnblätter» bekleidet.385 D i e Ameisen. Das republikanische Volk der Ameisen zählt zahlreiche Arten, die alle darin Übereinkommen, daß sic ans Männchen, Weibchen und Geschlechtslosen bestehen und in großen Gesellschaften leben. Wir nannten sic ein republikanisches Volk und das mit Recht; denn sie folgen nicht, wie die Bienen, einer Königin, sondern haben deren mehrere; die alte Mutter muß ihr Recht mit den jüngeren theilen. Abenteurer gibt cs unter ihnen, die sich der Ordnung widersetzen, Krieg anfangen, endlich auswandern, um eine neue Republik zu gründen. Doch gehen wir zuvor zur näheren Beschreibung über. Der Kopf hat eine dreieckige Gestalt, die Stirn ist breit, unter derselben befinden sich zwei Fühlhörner, die aus zwölf bis dreizehn Gelenken bestehen, und die Länge der Brust haben. Hinter ihnen sind drei schwarze kleine Augen, wie kleine Punkte, vorhanden. Der Kopf ist höckerig, hinten herz förmig ausgeschnitten und hat unten zwei scharfe Frcßzaugcn. Der Hinterleib ist eiförmig und durch einen kleinen Stiel mit dem Brustschilde verknüpft. Weibchen und Geschlechtslose haben einen Stachel oder eine Drüse, zur Ergießung eines scharfen, beißenden Saftes, der auf der Haut Jucken und Geschwulst erregt. Die Weibchen sind länger und dicker, als die Männchen, und die Geschlechtslosen sind die kleinsten. Die Ameisen entstehen aus Eiern, welche so klein sind, daß man sie kaum erkennen kann. Was man im gemeinen Leben mit Ameiseneiern be zeichnet, sind die Puppen, die das schon größtenteils entwickelte Insekt enthalten. Sobald die Weibchen ihre Eier gelegt haben, fliegen sic mit den Männchen da von, verlieren bald ihre Flügel und werden Vögeln und anderen Thieren zum Raube, oder werden von der Nachtkälte und dein Regen gctödtct. Die Geschlechts losen — der eigentliche Arbeiter- oder Nährstand — haben für das Fortkommen der Brut zu sorgen. Mit welchem Flcißc und niit welcher Treue verrichten sie ihren Berns! Bei heiterem Wetter tragen sie mühsam die Puppen an den be lebenden Sonnenstrahl; kaum zeigt sich ein Wölkchen, so bringen sie ihre Pfleg linge in Sicherheit. Die Ameisen sind in mancher Hinsicht schädlich; sic fressen Seidenwürmer, verjagen die Bienen und bemächtigen sich ihres Honigs, Blumenstöcke, Bäume und saftige Früchte werden häufig von ihnen heimgesucht u. s. w.; jedoch bringen sic auch manchen Nutzen: die Ameisensäure wird in der Medizin gebraucht, in rheumatischen Leiden werden Ameisenbäder angewandt, unzählige schädliche Insek ten werden von ihnen vertilgt u. s. w. Bekannt sind die bei uns lebenden Arten, die kleine rothe, die schwarzbraune und die schwarze Ameise. Die ostindische Ameise ist unter allen wohl die größte, denn sic soll die Länge eines kleinen Fingers erhalten. Sic ist sehr gefräßig und bringt vielen Schaden. Die große rothe Ameise (Taf. XIII. Fig. 219) wird am häufigsten auf Ceylon und in Siam gefunden, wo sie ihre Wohnungen auf Zweigen großer Bäume anlegt. Durch ihren giftigen Stich bringt sie gleichsam B eum e r 'S Naturgeschichte. 25386 große Brandblasen auf der Haut hervor. Die Wanderameise ist groß und von schwarzer Farbe. Man nennt sie auch Jäger am ei sc. Interessant ist der Bericht eines Augenzeugen--), welcher darüber Folgendes mittheilt: „Eines Morgens wurde meine Aufmerksamkeit in Lanrcll Hill (Trinidad) durch eine Schaar schwarzer, den Krähen, wiewohl kleiner als diese, nicht unähn licher Bögcl gefesselt, die ans einem Kalcbasscnbanm unfern der Küste saßen. Ich fragte einen eben aus dem Garten herauf kommenden Dienstboten, was wohl die Ursache des Erscheinens so vieler schwarzer Vögel sein könne, und erhielt die Ant wort, daß dies ein Anzeichen von Gottes Segen sei, und daß noch vor Mittag die Ameisen kommen und die Häuser säubern würden. Ich wurde in diesem Augen blick zum Frühstück gerufen, und da ich die erhaltene Auskunft für abergläubisch hielt, so achtete ich nicht weiter darauf. Ungefähr zwei Stunden später sah ich eine so ungewöhnliche Anzahl Ameisen auf beut Boden des Zimmers kriechen, daß meine Kinder davon belästigt wurden, und sich so ans den Tisch setzten, daß ihre Füße den Boden nicht berührten. Die Ameisen krochen zwar nicht an mir her auf, aber ich war ganz von ihnen umringt. Bald darauf waren auch die Wände von ihnen bedeckt, und dann fingen sie an, von Tisch und Stühlen Besitz zu neh men. Ich dachte, es sei nun Zeit, in ein anstoßendes Zimmer zu flüchten, das nur durch einige aufwärts führende Stufen von dem getrennt war, itt dem ich mich befand, und dies geschah mit der größten Vorsicht, denn Hütten wir eine zer treten, so wären wir ans der Stelle bestraft worden. Es befanden sich bereits mehrere Ameisen ans den erwähnten Stufen, doch waren sic hier noch nicht so zahlreich als in dem Zimmer, das wir verlassen hatten; allein das Zimmer selbst, in das wir uns begeben wollten, bot den seltsamsten Anblick, denn nicht nur Fuß boden und Wände, sondern auch die Decke waren mit Ameisen bedeckt. Das schlecht zusammcngefngte Gcbälkc eines westindischen Hauses bietet stets einer Un zahl von Insekten, besonders aber Kakerlaken und Schlupfwespen, deren letzte Stunde jetzt gekommen war, einem Aufenthalt dar. Die Ameisen kletterten in dicht geschlossenen Reihen, als ob es in die Schlacht ginge, das Gebälk hinan und warfen die Kakerlaken und ihre Kameraden auf den Boden herab, die eben so regelmäßig anrückten, und nun mit vereinten Kräften die tobten Körper außerordent lich schnell fortschlcppten. Die Kakerlaken wurden entweder von den Ameisen todt- gcstochcn oder durch den Fall getödtct; die Ameisen hielten sich nicht ans, um ihre Beute zu verzehren, sondern schleppten sie in ihren Ban. Die Fenster des Zimmers nach der Westseite waren von Glas, und nun entspann sich ein Gefecht zwischen den Ameisen und den westindischen-Wespen (Jack -spaniards) auf den Glastafeln. Diese sind zweimal so groß als eine gewöhnliche Wespe, und ihr Stich verhältnißmäßig schmerzhafter. Sic bauen ihr Nest in Bäumen, alten Ge bäuden und zuweilen zwischen die Dachsparren. Diese waren indes; keine so leichte *) Domestic Manu erg and Society in tlic West-Tndies.Bcntc, denn sic bedienten sich ihrer Flügel, was keiner der Kakerlaken versucht hatte. Zwei ans dein Fenster hart verfolgte Wespen flüchteten sich ans daö Kleid eines meiner Kinder, dem ich zurief,, sich ruhig zu halten. In unglaublich kurzer Zeit waren mehrere Ameisen an dem Kinde emporgekrochen, umringten und bedeckten die beiden Wespen, und kletterten dann, ohne dem Kinde das mindeste Leid zuzufügen, ihre Bcntc nach sich ziehend, wieder herab. Aus diesem Zimmer ging ich in das anstoßende Schlaf- und Ankleidezimmer, das ich ebenfalls in: Besitz der Ameisen fand. Ich öffnete hier eine große Kiste mit Wäsche, in der cs ebenfalls vieles Ungeziefer gab, denn ich war entschlossen, die Anwesenheit so geschickter Jäger so viel als möglich zu benutzen, fand aber die Ameisen bereits darin, die, wie ich vermuthete, durch eine Ocffnung an den Angeln cingedrungen sein mußten. Ich warf das Leincnzcug heraus auf den Boden und mit ihm Hunderte von Kaker laken, von denen nicht ein einziger entkam. Wir verließen nun das Hans itub gingen in andere nicht weit entfernte Gemächer, allein auch diese waren in dem selben Zustande. Ich wollte jetzt eine Vorrathskammer am anderen Ende des Hauses öffnen, um dort eine Zuflucht zu suchen, mußte aber, um den Schlüssel zu holen, nach dem untern Zimmer zurückkehren, wo der Kampf hitziger als je war, denn die Ameisen hatten einen Angriff auf die Ratten und Mäuse unter nommen, die, so unglaublich cs auch scheinen mag, ihren dem Ansehen nach so unbedeutenden Feinden nicht gewachsen waren. Sic umringten sie eben so wie die Insekten, überdeckten sie ganz und schleppten sie mit vereinten Kräften mit einer Geschwindigkeit fort, von der Niemand, der einen solchen Auftritt nicht gesehen hat, sich einen Begriff machen kann. Ich sah auch nicht Eine Maus entkommen, und in sehr kurzer Zeit mindestens zwanzig fortschleppcn. Wir flüchteten jetzt, da Vorrathskammer und Bcdicntcnstnbc ebenfalls besetzt waren, nach der Küche, aber auch hier wurde den Ratten, Mäusen u.'s. w. von den Ameisen eine Schlacht ge liefert. Als ich die Ameisen zuerst erblickte, war cs ungefähr zehn Uhr; um zwölf Uhr waren sic bereits in voller Arbeit; um ein Uhr wurde den Ratten und Mäusen eine große Schlacht geliefert, und gegen drei Uhr war das Haus gesäu bert. Eine Viertelstunde später traten die Ameisen ihren Rückzug an, und bald >var auch nicht Eine mehr in: Hause; das Gras vor dem Hanse aber war ganz bon ihnen bedeckt, und sic schienen nun an dem Rest ihrer Beute zu schmausen, bcr ans dem Wege nach ihrem Bau liegen geblieben >var. Der Schmaus dauerte gegen vier Uhr, wo dann die schwarzen Bügel, die sich nicht weit von dem Kalcbasscnbanm in der Nachbarschaft entfernt hatten, sich ans sie hcrabstürzten und Millionen von ihnen verzehrten. Um fünf Uhr war Alles vorüber, und noch vor Sonnenuntergang waren auch die Hütten der Neger aus gleiche Weise gesäubert. Diese sagten mir, daß sie die schwarzen Vögel schon um sieben Uhr Morgens au f den Mandelbäumen in der Nähe ihrer Wohnungen gesehen hätten. Weder l>or- „och nachher sah ich diese schwarzen Vögel wieder, und die Neger versicher- lon mir, daß sie sich nur sehen ließen, wenn die Ameisen kämen." 25 *388 So groß auch die Eintracht unter dm Ameisen zu sein scheint, so häufig sind sic miteinander in Krieg verwickelt. In offener Fcldschlacht machen sic ihre Fehde ans, Avant-Garde und Arridre - Garde begleiten das Heer. „Will man solche regelmäßige Kriege sehen*), so muß man in die Wälder gehen, wo die rothbranncn Ameisen ihre Herrschaft über alle vorbeigchendcn Insekten behaupten und mit ihresgleichen vön verschiedenen Nestern Krieg führen, wie es im Mittel- alter benachbarte Städte gcthan haben. Manchmal rücken aus zwei Hansen, die über 100 Schritte von einander entfernt liegen, die Heere so zahlreich gegenein ander, daß sie den ganzen Weg, 2 Schuh breit, bedecken und in der Mitte mit einander kämpfen. Tausende ringen einzeln miteinander und suchen sich mit den Kiefern in die Gefangenschaft zu schleppen. Das eigentliche Schlachtfeld hat drei Fuß in'ö Gevierte und riecht stark nach Ameisensäure; überall liegen tobte mit Gift bedeckte herum, während ganze Truppen und Glieder sich an Beinen und Kiefern halten und sich hin rmd her zerren. Gegen die Nacht ziehen sich beide Heere allmülig in ihre Städte zurück, indem sic die Todten liegen lassen, die Ge fangenen aber mitnehmen. Vor Sonncnarifgnng rücken sic aber wieder noch viel wüthcndcr gegeneinander, und das Schlachtfeld wird 6 Schuh breit. Gegen Mittag kann der siegende Thcil das Schlachtfeld 10 Schuh weiter gerückt haben. Die Kampfbegierde ist so heftig, daß man sic stören kann, ohne daß sie an einem hinlaufen. Das Wunderbarste ist, daß sich die Ameisen erkennen, und die Freunde von den Feinden zu unterscheiden wissen. Sie gehen zwar immer mit offenen Kiefern aufeinander loö, greifen sich auch manchmal an, lassen aber gleich wieder ab und streicheln sich mit den Fühlhörnern, wenn sie zu einem Stock gehören. Während des Kampfes gehen dennoch alle Geschäfte im Neste vor sich, und immer schleppen die einen Gefangene nach Hanse, während die anderen im Kampfe blei ben und andere in den Wald gehen, um Nahrung zu holen. Kommt ein Regen, so ziehen sich die Heere zurück, und vermeiden in der Folge die Nachbarschaft des andern Haufens. Anders gestalten sich die Kriege der r o t h b r a u n e n und bln t r o th e n. Diese erwarten jene in kleinen Truppen in der Nähe ihres Nestes, rücken dicht geschlos sen vor, ohne sich zu trennen, und packen einzeln jeden Feind, der sich zu weit vorgewagt hat. Dieser Krieg ist sehr unterhaltend. Beide Parteien legen sich in Hinterhalt und suchen sich zu überrumpeln. Rücken aber die rothbranncn mit Gewalt vor, so werden die zu Hanse sogleich um Hülfe gebeten, und ein großes Heer dringt sogleich in Masse anö den Thoren heraus, um die einzelne Schaar des Feindes zu umzingeln." Die Ameisen sammeln keine Vorräthe ein, wie man bisher geglaubt hat; wohl aber schleppen sic Blattläuse in die Gefangenschaft und nähren sich von ih rem Safte. Zu diesem Zweck schlagen sie die Blattlaus mit ihren Fühlhörnern, *) Okeii, allgemeine Naturgeschichte.worauf diese sogleich einen Saft von sich gibt, der von den Ameisen anfgesogcn wird. Mit Recht hat man daher die Blattläuse die Milchkühe der Ameisen genannt. Sechste D r d n tt n g. Die Zweiflügler. Zn dieser Familie gehören die zahlreichen Geschlechter der Fliegen, Mücken, Bremsen u. s. w. Sie haben zwei Flügel, und statt der Hinterflügel hat ihnen die Natur Schwingkölbchen gegeben, die sie mit großer Schnelligkeit bewegen können. Die Fühler sind faden- oder borstenförmig und bestehen aus mehreren Gliedern. Da diese Insekten sich nur von Säften der Thicre oder Pflanzen näh ren, so sind sie mit einem Langstachel oder Säugrüssel versehe», der ungegliedert oder nur mit einem Knie versehen und an der Spitze etwas verdickt ist. Die meisten legen Eier, andere bringen lebendige Larven zur Welt; bei allen aber ist die Verwandlung vollkommen. Die Augen sind groß und lassen bei einigen zwei oder drei Nebenangen deutlich erkennen. Der Hinterleib ist durch tiefe Einschnü rung von der Brust getrennt und besteht ans 5 bis 9 deutlichen Ringen. Die Bremse». Diese Insekten bilden eine Plage der grasfressenden Sängethiere, indem mehrere Arten dieser Gattung ihre Eier thcils in die Haut, theils in die Nase, den After u. s. w. dieser Thicre legen. Da, wo sich das Ei befindet, entsteht eine Art Beule, in welcher sich die Larve nährt und dadurch natürlich dem Thierc die größten Schmerzen verursacht. Ist der Engerling anögcbildet, so fällt er ans die Erde, vergräbt sich, um sich zu dem vollkommenen Insekt zu verwandeln. Man hat bis jetzt nur auf dem Rindvieh, dem Pferde, dem Esel, Hirsch, Rennthicr, Kamecl, Schaf, Hasen und der Antilope Brcmscnlarvcn ivahrgenommen. Die Ochscnbrcmsc legt ihre Eier auf den Rücken des Rindviehs, wo sich äic Made in die Haut des Thieres cinbohrt und von den Säften lebt. Der fleißige Ackerwirth läßt deshalb sein Rindvieh häufig mit einem sogenannten Oivstcisen oder einer steifen Bürste abreiben, damit die Eier oder sogar die jungen Dtndcn entfernt werden. Die Pfcrdcbrcmsc legt ihre Eier dem Pferde an die Schultern oder Vorderschenkel. Die ansgckrochenen Larven verursachen dein Thicre Jucken, und390 cs leckt dic schmerzenden Stellen, wodurch die Larven ttröeti Mund des Pferdes und weiter in den Magen gelangen, wo sie bis zur vollendeten Verwandlung bleiben, dann hcrvorkommcn und in der Erde sich verpuppen. Die Schafbrcmsc legt dem Schaf ihre Eier in die Nase, und die Maden gelangen in die Stirnhöhle, wo sic sich von dem Schleim der Drüsen nähren und dein armen Thiere den fürchterlichsten Schmerz verursachen. Das Pferd wird noch' besonders heimgcsncht durch dic Lippenbremsen, welche ihre Eier an die Lippen, und durch die Aftcrbremsen, welche ihre Eier in den Mastdarm dcö Thicres legen. Dic Larven gelangen in den Magen oder in die Gedärme und leben hier bis zur völligen Ausbildung. Die Schnaken oder langbeinigen Erdmückcn haben einen kurzen Säugrüssel und legen ihre Eier an Pflanzenwurzeln, wo die Larven großen Schaden verursachen. Dic größte ist die Niescnschnakc, welche einen Zoll lang wird, und deren Larven meistens in der Erde leben. Am gefährlichsten ist die gefleckte Kricbclschnakc, auch Kolombaczschc Mücke genannt, welche im Lappland, im Banat sehr häufig ist, sich auch bei uns in Deutschland findet. Sie ist aschgrau und hat ans dem Hinterleibe schwarze Ringflecken, wird l J /a Linien lang, ist dein Vieh und den Menschen gefährlich, weil ihr Stich eine sehr schmerzende Geschwulst erregt. Fallen sic in Schwärmen über Jemanden her, so sind Krämpfe und heftige Entzündungsfieber die Folgen ihres Stechens. Sic haben ihren Namen von dem Dorfe Kolombacz in Ser bien, wo sie in großen Schaaren angetroffen werden. Dic Fliegen, welche sich durch ihren elastischen Säugrüssel auszcichnen, sind ebenfalls eine Plage für Menschen und Vieh. Dic Schmeißfliege ist groß, hat röthlichbraune Augen und gefiederte Fühler. Sic fliegt mit starkem Sumsen und legt ihre Eier in's Fleisch, wie die ihr verwandte Aasfliegc. Letztere ist an der Brust bläulich, hat einen glänzend grünen Hintern und legt statt der Eier leben dige Larven. Die Stubenfliege wird, weil sic sich so stark vermehrt, oft sehr lästig. Die Zeugungstheile sind bei diesen Thieren verwechselt, indem das Männchen dic Oeffnnng und das Weibchen die Röhre hat, dic sic aufwärts gegen das Männ chen bewegt. Jedes Weibchen legt vom Frühjahre bis zum Herbste 4 Mal 60 bis 80 Eier, welche in 24 Stunden ausfallcn und innerhalb drei Wochen voll kommen sind. Die Goldflicg'c ist goldgrün und legt ihre Eier in'ö Kehricht.391. Die Flcischflicgc, ein sehr schädliches Insekt, legt in Fleisch, Aas, selbst auf den menschlichen Körper an wunden Stellen ihre lebendigen Larven. Die Familie der Fliegen ist indessen so zahlreich, daß eifrige Jnsektenkenner in der Gegend von Berlin allein 700 Arten unterschieden haben. Die Mücken. Sie haben einen langen Leib, kleinen runden Kopf mit großen Augen, sehr- zahlreich gegliederte Fühlhörner und einen hohlen Säugrüssel, der mit kleinen Widerhaken zmn Einbohrcn versehen ist; deshalb ist ihr Stechen auch so empfindlich. Wer hätte dem Mückentanz nicht schon mit Vergnügen zngesehen, zumal wer den folgenden Tag ein schönes Wetter wünschte! Daran aber haben tvohl Wenige gedacht, daß diese Thierchen sich im Fluge begatten/ und eben darum sich in auf- und absteigender Bewegung erhalten. Ihre Eier legen sie in's Wasser, wo sic nach zwei Tagen schon ansfallen. Die Larven haben zwei Zangen und zwei Schwänzchen, fahren im Wasser ans und ab und nähren sich von kleinem Gewürm. Nach acht Tagen erscheinen sie als Mücken. Die lästigsten Mücken Amcrika'ö sind die Moskitcn, welche zweimal des Jahres in großen Schwärmen erscheinen, und eine Plage für Menschen und Thicre werden. Sie kriechen sogar dein Vieh in den Leib, wovon es erkrankt. Gegen Abend darf man cs nicht wagen, ein Fenster zu öffnen, weil dann ganze Schwärme in die Zimmer stürzen. Um gegen ihre empfindlichen Stiche sicher zu sein, ist eine Umhüllung von Flor fast nothwcndig. Die Stiche sind so bösartig, daß Angen und Nasenlöcher oft zuschwellen. Cayenne und Pennsylvanicn ist die eigentliche Hcimath der Moskitcn. Die Beißmücke, welche man int Banat und im Lappland findet, ist fast eben so lästig. In zahlloser Menge fallen sie über das Vieh her und guülcn cs auf den Tod, indem sie in alle Oeffnungcn hincinkricchcn und durch ihren ätzenden Saft verwunden. Die Stechfliege, welche der Stubenfliege sehr ähnlich sicht, dennoch zur Familie der Mücken gehört, hat einen Stachel, mit welchem sie sehr empfindlich sticht, besonders wenn cs regnen will. Siebente B r d n u n g. Die u n g e f l ü g r l t e n Insekten. Diese Ordnung umfaßt alle diejenigen Insekten, welche keine Flngwerkzenge besitzen; auch haben sie das wesentliche Merkmal gemein, daß sie keiner Verwandlung392 unterworfen sind. Der Floh allein macht davon eine Ausnahme, wie wir bei seiner Beschreibung sehen werden. Gestalt, Größe, Nahrung und Lebensart ist bei den Insekten dieser Ordnung sehr verschieden; jedoch könnte man sie nach der Art und Weise, wie sie Athen: holen, in zwei Abtheilungen bringen, nämlich: 1) in solche, welche Luft athmen, und 2) solche, welche im Wasser durch Kiemen athmen. 1. Ungeflügelte lustathmende Insekten. Der Floh, welcher sechs Füße hat, von denen die zwei letzten Springfüße sind, nährt sich durch einen zwischen zwei Schuppen stehenden Säugrüssel vom Blut der Menschen und Thicrc. Seine Eier legt er an staubige Orte, wo sich die Maden verpuppen und nach 10 Tagen als Flöhe erscheinen. Je fleißiger deshalb die Schlafzinuner gekehrt und gelüftet werden, desto weniger kann daselbst der Floh gedeihen. Pfcrdehaare, oder vielmehr deren Geruch scheint ihnen uner träglich zu sein, deshalb findet man dort, wo Pferdehaar-Matratzen in den Betten sind, wie auch in Pfcrdestttllen, nie Flöhe. Gut gepflegte Flöhe sollen bei sechs Jahre alt werden. Vor einigen Jahren besuchte ein Mann die größten Städte Deutschlands, um dressirte Flöhe zu zeigen. Da sah man Soldaten mit Wehr und Waffen; Flöhe, welche einen Wagen zogen, und Flöhe, welche den Kutscher spielten. Es ist unglaublich, wozu der Mensch nicht Geduld hat, wenn cs gilt, sein Fortkommen zu gewinnen. Gefährlicher als der gemeine Floh ist der Sand floh, der besonders in Amerika zu Hanse ist. Sein Rüssel erreicht fast die Länge seines Körpers, der eine rothbraune Farbe hat. Er trägt seine Eier in einem häutigen Sack au: Bauche, bohrt sic unter die Nägel der Zehen oder in die Haut der Ferse ein, wo dann seine Brut schnell cmporkommt und durch ihren Aufenthalt in der Wunde bösartige Geschwüre erzeugt, die bisweilen den Tod herbeiführen. Die Laus hat sechs Füße, einen spitzigen Stachel, haarige Fühlhörner und einen glatten, mit Luftröhren versehenen Leib. Das Geschlecht der Läuse ist sehr weitläufig, indem fast allc Thiere ihre besonder:: Läuse haben. Wir nennen davon die Kopflaus, welche sich nur bei Menschen und dem Schimpansen aufhält, sich unglaublich stark vermehrt und namentlich eine Plage der Kinder ist. Jedoch hat nian die Bemerkung gemacht, daß gerade die gesundesten Kinder am meisten da von heimgcsncht werden. Anis öl ist ihnen sehr zuwider; auch vertreibt man sic mit Sabadill- oder Pctcrsilicnsamcn und den: sogenannten Länsepnlver, Mönchen- hafer genannt. Eine der schrecklichsten Krankheiten ist die Länsesncht. Kein Thcil des Körpers bleibt von ihnen verschont; sie kommen aus dem Munde, der Nase, den Ohren, den Schwcißlöchcrn und kriechen hecrdenweise unter der Haut her. Nichts vermag den Kranken zu retten, sein Körper geht bei lebendigem Leibe39.0 zuletzt in Fäulniß über. Herodcs, der römische Feldherr Sulla und König Philipp II. von Spanien sind an der Läusckrankheit gestorben. Liederliche und wollüstige Menschen laufen Gefahr, von dieser entsetzlichen Krankheit heimgesucht zu werden. Die Kleiderlaus ist länger und weißer, als die Kopflaus. Man vertreibt sie am sichersten durch Schwcfeldämpfc. Kürzer, breiter, und runder ist die Filzlaus, welche sich zwischen den Haaren des Unterleibes und bisweilen sogar in den Augenbraunen aufhält, sich fest einhakt und empfindlich sticht. Bei unreinlichen, ausschweifenden Menschen nehmen sic ihren Aufenthalt. Durch Tabaksöl werden sic am schnell sten vertilgt. Nicht nur Schweine, Schafe, Ochsen, Hunde u. s. w. haben ihre Läuse, sondern sogar die Vögel sind - davon heimgesucht. Die Vogclläuse haben indessen keinen Rüssel, sondern der Mund besteht aus zwei Lippen und zwei hakenförmigen Kinnbacken. Die Füße sind gegliedert und endigen in zwei gleiche Klauen. Man rechnet sic auch zu den Milben. Der Zuckcrgast oder das Zuckerthierchen ist ein kleines, graues Thierchen, das fast einem Fischchcn ähnelt; cs ist schuppig, hat sechs Füße und drei Borsten am Hintern. Seine Bewegungen sind äußerst schnell und Zucker ist seine liebste Nahrung. Sie halten sich zwischen Büchern, feuchten Brettern, in Schränken und manche unter Steinen auf, und sind aus Amerika zu uns gebracht. Die Spinnen, Kanker, bilden eine zahlreiche Familie. Der Hinterleib ist ungegliedert, dick, eiförmig, durch Stiel und Bruststück angeheftct. Sie haben 6 bis 8 Augen, welche bei Nacht leuchten. Der Oberkiefer ist mit klancnförmigem Ende versehen und einer besonderen Spalte, welche zur Mündung eines Gift bläschens dient. Ihr Biß ist indessen nur Thiercn, die ihnen die Natur zum Fang angewiesen hat, tödtlich. Unter dem Hinterleibe befinden sich 5 bis 6 Spinnwarzen, jede mit unzähligen feinen Röhrchen, welche zusammen nur einen Faden geben. Alle Spinnen sind sehr räuberisch und die größten Feinde der Fliegen; fallen indessen bisweilen ihre eigene Sippschaft an. Sic begatten sich im Herbste, wobei das Weibchen die GcburtSthcilc an der Brust öffnet, dann ihre Eier in ein Gespinnst webt und an dunkeln Orten verbirgt. Im Frühling kommen die Jungen ans, und nach etlichen Tagen beginnt jede als Einsiedler ihr Ränbcrhandwcrk. Die Kreuzspinne (Taf. XV. Fig. 260) ist aschgrau, etwas röthlich, mit weißlichen, sich kreuzenden Rückenflecken. Sie baut ein rundes, senkrechtes Netz und lauert vom Centrnm ans auf ihren Raub. Bei drohender Gefahr läßt394 sie sich au einem Faden herab und entflicht. Webt die Kreuzspinne fleißig und sitzt sic darnach in der Mitte ihres Netzes, so kann man ans schönes Wetter rechnen. Eben so bekannt ist die Hans- oder Winkclspinnc, welche in der Ecke ihr wagcrcchtes Netz anSbrcitct und im Winkel in einer besonderen Zelle lebt. Sie kann bei 8 Monate fasten. Fliegen und andere kleine Insekten, die in ihr Netz gcrathcn, umspinnt sie schnell und trägt sic dann in ihre Höhle; größere Insekten läßt sic einige Zeit zappeln, und erst dann, wenn sic ermüdet sind, wagt sic den Angriff. Als Wcttcrprophctin ist sie bekannt. Liegt sic mit dem Kopfe nach vorne und hat sic die Beine vvrgestrcckt, so gibt's gutes Wetter; hat sic aber die entgegengesetzte Lage eingenommen, so kann man sicher ans Regen rechnen. Der holländische General-Adjutant Qnatremere d'Jsjonval saß zu Utrecht im Gefängniß, wo die Winkclspinne seine einzige Gesellschaft auömachte. Er beobachtete ihre Lebensart genau und sagte 1794 in Folge dieser Beobachtung voraus, daß ein strenger Frost cintreffen werde. Die französische Armee wartete diese Zeit ab, und da der Frost wirklich cintraf, so gelang ihr Nunmehr die Eroberung Hollands. Der Gefangene erhielt seine Freiheit. Uebrigens haben schon Aristoteles und Plinins die Spinne als Wcttcrprophctin gekannt. Die S ommcrsp innc wird höchstens eine Linie lang, ist schwarzbrann und hat gelbliche Füße. Sic hält sich ans Feldern ans und webt den sogenannten fliegenden Sommer. Die Sackspinnc hat das Eigenthiimlichc, daß sic ihre Jungen in einem sackartigen Behälter, der sich am Hinterleibe befindet, mit sich hcrnmträgt und für ihre Erhaltung selbst das Leben tvngt. Die Busch- oder Vogelspinne (Taf. XV. Fig. 258) ist unter allen Spinnen wohl die größte. Sic ist in Surinam zn Hanse, erreicht eine Größe von drei Zoll, ist schwärzlich und zottig behaart, spinnt ein trichterförmiges Gewebe in Baumritzen und fängt größere Insekten, ja selbst Kolibris. Ihr Biß verursacht Entzündungen. Die Tarantel (Taf. XV. Fig. 259) ist die größte europäische Spinne, denn ihr Leib wird fast einen Zoll lang. Sic ist schwarzbraun, der Banch ist röthlich und die Beine sind weiß geringelt. In Erdlöchcrn und Mauerritzen macht sic ihr kleines, unordentliches Gewebe. Ihren Namen hat sic von Tarent (Italien), wo sie zuerst entdeckt wurde nnd wo sic sich zahlreich findet. Ihr Biß ist besonders den Schnittern lästig; was man indessen früher von dem so genannten Tarantelstich behauptete, daß er den Menschen dem Wahnsinne nahe bringe, nnd diese Krankheit nur durch Musik nnd den Taranteltanz geheilt werden könne, ist ein Märchen, welches der Volksglaube erfunden hat.395 Der Weberknecht gehört zu den Afterspinnen, hat vier Paar Füße, die bisweilen zwei Zoll lang werden. Er geht nur Nachts auf Raub aus und fängt die Insekten mit seinen langen Fangbeinen. Reißt man ein solches Bein aus, so zeigt sich noch eine Zeit lang durch beständiges Zucken Leben darin. Die Scorpionc (Taf. XV. Fig. 257) gehören zu den spinncnartigen In sekten. Der Hinterleib ist in deutliche Gürtel abgetheilt, und am Ende befindet sich ein krummer, scharfer Stachel, der durchbohrt ist, um einen giftigen Saft auslasscn zu können. Zwei große, schecrenförmige Freßspitzcn sind am Munde befestigt. Die amerikanischen, welche oft fünf bis sechs Zoll lang werden, wie auch die ostindischcn sind bisweilen sehr gefährlich. Als sicheres Gegengift dient das Thier selbst, indem man cs erdrückt und auf die Wunde legt. Der Bücherscorpion, mit gleich langen schecrenförmigcn Tastern, ist braun, geht rückwärts, und hält sich in Bibliotheken und alten Papieren auf, wo er auf andere Insekten Jagd macht. Die Asseln haben einen länglich eirunden Körper und der Hinterleib besteht aus sechs Gliedern. Einige leben im Wasser, andere nur au feuchten Orten. So die Kellerassel (Taf. XV. Fig. 256), die auch Kellercsel genannt wird, grau weißlich anssieht und sich in feuchten Gebäuden oder unter Steinen anshält. Die Walfischlaus, welche auch zu dieser Familie gehört, sangt sich an die Finnen und Zeugungstheilc der Walfische an und plagt sie. Der Skolopender, der auch wohl Assel genannt wird, lebt in Indien, ist lang und schmal und hat viele Gelenke und Füße. So hat z. B. der Feucr- skolopender wenigstens 70 Füße; er leuchtet im Finstern, hält sich gerne in Blumen auf, von wo man ihn leicht in die Nase ziehen kann und sich der Gefahr aussctzt, heftige Zufälle im Gehirn zu bekommen. Der Vielfnß hat etwa 90 Paar Füße, ist schwarzgran mit gelblichen Streifen über dem Rücken und verbreitet einen unangenehmen Geruch. Den Blumen und dem Kohl ist er sehr nachthcilig. Die Milben bilden ein zahlreiches Geschlecht und sind überall zu finden. Viele sind so klein, daß man sie nur durch gute Vergrößerungsgläser bemerken kann. Man findet sic im Mehl, im trockenen Fleisch, im Käse, auf Pflanzen und Thicrcn, im Wasser u. s. w. Die Erdmilbe ist scharlachroth, sammetartig, findet sich in Gärten und sangt anderen Insekten das Blut aus. Die Wcber- milbc wird durch ihr feines Gcspinnst, namentlich in trockenen Sommern, den Gartengewächsen sehr nachtheilig. Die Käsemilbe, ein ekelhaftes, weißgraucs, mit zwei braunen Punkten gezeichnetes Thicrchen, findet sich in Brod, Fleisch, Käse u. s. w. Die häßlichste und schädlichste aller Milben ist offenbar die396 Krätzmilbe, welche bei Menschen und Thieren die Ursache der Krätze sein soll. Einige Naturforscher wollen auch behaupten, daß sie die Ursache der Länsc- krankheit seien. Die Wassermilben haben acht gcwiinperte Schwimmfüßcheu, sehen roth oder schwarz ans. Die Zecken, diese Plage vieler Thiere, halten sich in Gebüschen auf und lassen sich auf Menschen und Thiere hcrabsallcn. Schnell sind sic bei der Hand, um ihren mit Widerhaken versehenen Säugrüssel in die Haut einzubohren. Der Mensch kann sich natürlich leicht von diesen lästigen Gästen befreien; Schafe, Hunde, Pferde, Ochsen u. s. w. leiden indessen nicht selten von diesen häßlichen Schmarotzern. 2. Ungeflngclte wasserathmende Insekten. Weit der Körper dieser Thiere mit einer kalkhaltigen Schale umgeben ist, so hat man sie auch wohl Krustenthiere genannt. Die meisten bewohnen das Meer, und nur wenige das süße Wasser. Sic haben meist zwei Paar Fühlhörner und, die Schecrcn mitgercchnet, acht Paar Füße, athmcn durch franzige Kiemen oder kleine Kiemensäckchen und legen Eier, welche das Weibchen in der Regel bis zur völligen Entwicklung unter der Brust oder unter dem Hinterleibe bei sich trägt. Die Angen sind entweder zusammengesetzte, mit faccttirtcr und glatter Horn haut — diese sitzen immer vorn an einem beweglichen Stiele —, oder z ns am meng c h ä n f t e — immer unmittelbar am Kopfe —, oder einzelne einfache, allein oder neben zusammengesetzten. Merkwürdig ist cs bei diesen Thieren, daß die verlorenen Glieder sich wieder ersetzen, wie auch die innere und äußere Häutung. Sogar der Magen und die äußere Haut der Gedärme soll sich jährlich ahstreifcn. Die alte Schale fällt nicht eher ab, bis die neue sich bereits gebildet hat; diese ist allerdings in der ersten Zeit noch weich, jedoch tritt die Verhärtung schon nach einigen Tagen ein. Man thcilt diese Insekten in zwei Untcrabthcilnn- geu, nämlich in Kurzschwänze und Langschwänze. 1. Die Knyschwäiye oder Krabben. Die Taschenkrabbc wird oft einen Fuß lang und eben so breit, lebt in allen europäischen Meeren, ist gclbrvthlich und sehr schmackhaft. In der Nordsee findet sich noch besonders die eßbare grüngraue gemeine Krabbe. Auch in süßem Wasser findet sich eine Gattung dieser Thiere, nämlich die Flußkrabbe, mit gelblicher Schale, die namentlich in Italien während der Fastenzeit häufig verspeist wird. Eine der merkwürdigsten ist die Erdkrabbe, auch Landkrabbe (Taf. XV. Fig. 255), Turinru genannt, welche sich namentlich auf de» An tillen findet. Die Schale ist blutroth, mit gelbem Rande verziert. Sic hält sich in Erdhöhlen auf, besonders gerne ans Begräbnißplätzen, wandelt aber jährlich einmal in geradester Richtung dcni Meere zu, und zwar zu vielen Tausenden, um397 hier ihre Eier zu legen. Frißt auf dieser Wanderung Alles weg, selbst ihre Todten, und richtet in den Gärten und ans den Feldern deshalb großen Schaden an. Ja, sie kommen oft durch die Fenster in die Häuser. Haben sie für ihre Fortpflanzung gesorgt, so kehren sie niatt und abgcmagcrt in ihre Höhle zurück. Ihr Fleisch wird gleich nach der Häutung, wo die Schale noch weich ist, geschätzt. Die gemeine Mecrspinne, die etwa vier Zoll lang wird, gehört ebenfalls hierher. Auf altgriechischen Münzen kommt ihr Bild als Attribut der Diana vor, unter dein Namen Maja. 2. Lang schwänz oder Krebse. Der Bcntelkrcbs trägt unter dem Schwänze einen Beutel mit einer butter- ähnlichen wohlschmeckenden Masse. Die indischen Meere sind seine Heimath. Seine Farbe ist bald roth, bald blau und weiß gefleckt. Der Bernhardskrebs (Taf. XIV. Fig. 253) findet sich an europäischen Küsten, wird vier Zoll lang und verbirgt seinen weichen Schwanz gerne in ein Schneckenhaus. Die Schecren sind ungleich groß, stachlich rauh wie die Fuß- Paare. Seine Farbe ist röthlich braun mit weißlichem Schwanz. Im Mittelmeere findet sich der Seebär, ein Krebs von vier bis fünf Zoll Länge. Größer als die Genannten wird der Elcph antenkrebs, der purpnrroth ist und einen Fuß lang wird. Hält sich im Mittelmcere auf. Sehr wichtig für den Handel ist der Hummer (Taf. XIV. Fig. 254), der in der Nordsee und andern nördlichen Meeren gefangen wird. Seine Länge be trägt einen bis einen und einen halbcnFnß, und die Dicke erreicht die Stärke eines Arms. Die Schale ist schwarzgrau mit rother Zeichnung. Die vorderen Fnßpaarc sind mit kleinen Nebenscheeren versehen. Sein Fang dauert von Ostern bis Johanni, und ein Schiff kehrt oft mit 12,000 Stück zurück. Wohlschmeckender ist indes; der gemeine Flußkrebs; er sieht schwarzgrünlich aus, und wird beim Sieden roth. Krebse sind in den Monaten am besten, worin kein r vorkommt. Die Begattung findet im Herbste statt, und im Juni kommen erst die Eier ans. Die Jungen sehen den Ameisen nicht unähnlich. Die Garneele hat statt der Schecren nur scheerenförmige Spitzen, von denen die eine immer kürzer ist. Sic findet sich an allen europäischen Küsten und wird ihres delikaten Fleisches wegen sehr geschätzt. Sie muß sich ungemein vermehren, denn in der Nordsee wird sie z. B. in zahlloser Menge gefangen, und zwar zu jeder Jahreszeit. Sie ist blaßblaugrün, mit grauen Punkten durch scheinend; der Stirnfortsatz ist kurz, mit kleinem Zahn am Grunde.398 Der Blattkrebs hat einen dünnen, plattgcdrücktcn Körper. Im Leben ist er durchsichtig wie Krystall, mit Ausnahme seiner himmelblauen Augen. Mehrere SpecicS finden sich im atlantischen, stillen und indischen Ocean. Ihre Bewegung ist äußerst langsam, und weil sic so dünn sind, so sind sie leicht zerbrechlich. Der Heu sch recken krebs lebt im Mittelmeere, wird bei 12 Pfund schwer und ist sehr wohlschmeckend. Er ist grünlichbraun, hat auf jedem Schwanzringe zwei gelbe Flecken und wird 1'/- Fuß lang. Der gemeine Biircnkrebs, ebenfalls im Mittelmeere lebend, wird höch stens 6 Zoll lang und ist mit grauer Wolle bedeckt. Sein Hinterleib ist mit adrigen Zeichnungen versehen.Sechste Masse Die Würmer. Die Würmer gehören zu den Thieren, welche kaltes, weißes Blut haben und unterscheiden sich vgn den Insekten durch den Mangel der Füße. Die ver schiedenartigsten Thierc sind in dieser letzten Klasse zusammcngestcllt; so daß neuere Naturforscher es für nothwcndig erachtet haben, diese Klasse in mehrere Klassen zu zerthcileu. Darnach werden die eigentlichen Würmer von den Pflanzenthiereu geschieden, und diese bilden eine Klasse für sich. Halten wir indessen die ältere Eintheilung bei. Zunächst zerfällt diese Klasse in zwei Abtheilungen, in nackte und bedeckte Würmer. Die nackten Würmer zerfallen in folgende Ordnungen: k. Ordnung. Längliche Würmer, ohne merklich sichtbare, äußere Glied maßen. E i n g c w c i d c w ü r m e r. 2. Ordnung. Nackte, weiche Würmer, mit deutlichen Gliedmaßen, die Aehnlichkcit mit den Muschclthicrcn haben. Schnecken- und Schlcim- w ü r m e r. 3. Ordnung. Die nackten Pflauzenthierc und Jnfusionöthicrcheu. Die bedeckten Würmer werden in folgende Ordnungen eingetheilt: l. Ordnung. Bewohner der Conchilien. Schalwürmer. 2. Ordnung. Mit knorpeligem und zum Theil mit einer Kruste überzogenem Körper. K r u st e n w ü r m e r. 3. Ordnung. Die Pslanzcnthicre, welche Coraltcnstämme und dergleichen Gehäuse bewohnen. Cor allen. Erste Abtheilung: Die krackten Würmer. Erste Drdnnng. Längliche Würmer, ohne merklich sichtbare, äußere Gliedmaßen. Die meisten Thiere dieser Ordnung haben einen faden- oder bandförmigen Körper, pflanzen sich durch Eier fort, oder gebären lebendige Junge und leben örößtcntheils im Körper der Menschen oder der Thiere. Es gehören dazu:400 D i c F a d e n w !i r m e r, die alle einen langen, dünnen, runden Körper haben. Das Wasserkalb lebt in Pfützen und erreicht die Dicke eines Zwirnfadens. Der Hautwurm ist namentlich in Indien zu Hanse, wird, wenn er seine volle Größe erreicht, etliche Ellen lang. Er versucht cs, dem Menschen in der Gegend des Knöchels unter die Haut zu kriechen und verursacht dort oft sehr gefährliche Entzündungen. Die A f t c r w ü r m e r. Der Madenwurm, der kaum die Größe von 1 Zoll erreicht, dünn, weiß und glatt ist, hat einige Aehnlichkeit mit der Käsemade. Er gebührt lebendige Junge, vermehrt sich stark und hat seinen Sitz im Mastdarm, besonders bei Kindern. Er ist ungemein schwer zu vertilgen und verursacht durch seine fort währende Bewegung ein unausstehliches Jucken. Der Spulwurm, von dem ebenfalls die Kinder so viel hcimgcsncht werden, lebt in den Dünndärmen des Menschen und erreicht eine Länge von 15 Zoll. Er vermehrt sich ungemein stark und sieht äußerlich dem Regenwurm sehr ähnlich. Es gibt über 100 Arten, denn sie finden sich in allen Arten von Thieren. Santonin mit Zucker gemischt ist ein herrliches Mittel zu ihrer Vertreibung. Am liebsten gibt man dieses Pülverchen bei abnehmendem Mondlicht, wo dann durch ein einziges Pulver oft 30—40 Würmer abgetrieben werden. Der Kratzer, der dem Spulwurm sehr ähnlich sieht und sich in den Därmen des Hausschweins aufhält, hat an seinem Säugrüssel mehrere Reihen gekrümmter Häkchen. Die Regenwürme r. Man kennt über 50 Arten, von denen 2 Arten in der Erde leben, die übrigen aber ihren Aufenthalt im Wasser haben. Der gewöhnliche Erdregen wurm ist bekannt und als Verderber der Küchengcwächsc verschrieen, zumal sein eifriger Verfolger, der Maulwurf, ans seiner Jagd auch eine Plage für die Gärtner wird. Er ist ein Zwittergeschöpf, welches lebendige Junge zeugt, und hat seine Geschlcchtstheile in einem mit drei Oeffnungen versehenen Gürtel unter dem Kopse. Stößt man einen Pfahl in die Erde und dreht solchen herum, so kommen in der Nähe die Regenwürmer zum Vorschein, wo man sie auflesen und vertilgen kann. Die Lcbcrwiirmcr haben einen flachen, gallertartigen Körper und an der Seite zwei Löcher. Die Egelschnecke, welche einem Weidenblatt ähnlich sieht, hält sich in den Gallgefäßen und der Leber bei den Wiederkäuern und selbst beim Menschen auf und kann, wenn sic zahlreich vorhanden ist, die Ursache zur Wassersucht und selbst401 zum Tode abgeben. Sic haben mehrere Saugwerkzeuge, mit denen sie sich fest ansaugen und deshalb schwer zu vertilgen sind. Der Riemenwurm, glatt und in der Gestalt eines Strohhalms, wird etliche Ellen lang und befindet sich in der Bauchhöhle der Vögel und Fische. Sein Leben ist so zähe, daß er selbst in einem gesottenen Fische noch fortdauert. Gefährlicher als alle genannten sind die V a n d w ü r m e r. Sic bestehen ans einer zahlreichen Sippschaft und tragen ihren Namen von der bandförmigen Gestalt. Der oft 40 bis 100 Fuß lange Körper ist gegliedert, der Kopf etwas dicker und mit vier Saugnäpfchen versehen. Der gemeine Band wurm hat seinen Aufenthalt besonders in den Dünndärmen der Menschen. Man unterscheidet zwei Hauptarten: Kettenwürmer und Grubenköpfe. Der langgliedrige Ketten wurm hat an einer Seite eines jeden Gliedes die GcschlcchtSöffnungcn, daher sein schnelles Anwachsen, wenn nicht der Kopf abgetrieben wird. Dieser Bandwurm kommt in Deutschland und Frankreich am häufigsten vor. Der breite Bandwurm (Taf. XV. Fig. 276), welcher zu den Gruben köpfen gehört, hat die Geschlcchtsöffnnngcn auf den Gliedern liegen, ist weniger lästig und kommt in Rußland, Polen und der Schweiz am zahlreichsten vor. Die Zeichen des Daseins eines Bandwurmes sind ein eigcnthümliches plötz liches Gefühl von Stechen in der Gegend des Magens, Druck und wellenförmige Bewegung im Unterleibe, Angst, Krämpfe, sogar Ohnmacht. Jedoch können alle diese Zeichen trügen, und nur das Abgehen wirklicher Bandwurmstücke ist das eiuzigc sichere Merkmal vom Dasein des Bandwurmes. Man will allerlei Geheim- mittel wider diese Krankheit entdeckt haben (wir erinnern nur an das Nusser'sche, Hcrrenschwand'sche, Mathicu'schc), allein die Kur ist immer schwierig, und so lange der Kopf nicht abgetrieben ist, wächst das lästige Thier immer wieder an. Bei den Schnepfen kommt auch eine Art von Bandwurm vor, der drei bis sieben Zoll lang wird, einen kugeligen Kopf und keilförmige Glieder hat, und im Darm- kaual den Hauptbestandtheil des beliebten Schnepfendrecks bildet. Darüber sollte einem doch am Ende aller Appetit zu der berühmten Delicatesse der Gonr- Mands vergehen. Die B l a s c » w ii r m e r. Sic sehen nach Kopf und Bordertheil den Bandwürmern ähnlich, jedoch läuft dcr Hinterleib in eine eiförmige Wasserblase von verschiedener Größe aus. Die Finne, welche sich bisweilen im Fleisch des Hausschweines findet, ist kiu Blascnwnrm, dcr 4 Sangwarzcn am Kopfe und 36 Blasen hat. Sie ist uvch mit einer leeren äußeren Blase umgeben; die innere Blase hingegen enthält eine Feuchtigkeit. Beumer'S Naturgeschichte. 26402 Die Qnccsc, ein kleiner Blasenwurm, ohne äußere Hülle. An einer Blase sitzen oft 500 kleinere, alle mit 36 Haken. Man findet sic im Hirn der Schafe, wo sie die sogenannte Drehkrankheit erregen. Ein oon ihnen gequältes Thier springt im heftigsten Schmerze rund oder seitwärts herum, bis cs zuletzt im Wahnsinn stirbt. Auch in den Eingeweide« des Menschen, besonders in der Leber, kommt eine Art dieses Wurmes vor, der Bla sc wurm des Menschen. Die Blase ist von der Größe einer Eichel, erreicht aber bisweilen auch die Größe einer Faust, und sitzen an deren innerm Rand unzählige kleine Würmchen in der Größe und Farbe von Sandkörnchen. Die Blutegel oder Blntigcl. Cs gibt deren 13 Arten, welche in fließenden oder stehenden Gewässern wohnen, einen länglich glatten Leib und im Maul drei Zähne zum Anfängen haben. Der bekannteste ist der gemeine Blntigcl, auch der mcdici nische genannt, weil er in der Heilkunde angewandt wird. Er wird bei 3 Zoll lang, kann sich lang ansdehnen, ist dunkel olivengrün mit rostrothen, schwarzgcflccktcn Längebinden und hat einen schwärzlichen Bauch. Sic sind in Deutschland, Un garn, Polen und Rußland sehr häufig und werden in Coloniccn für den Handel erzogen. In Paris werden jährlich 5 bis 6 Millionen Blutegel gebraucht, die etwa 40,000 Thaler kosten, und von da aus werden große Sendungen nach England und Spanien gemacht. Die Anwendung der Blutegel hat vor dem Aderlaß die Vortheile, daß eine geringere, aber freilich nicht ganz genau zu be stimmende Menge Blut ans den Copillargefäßcn der Haut (nicht aus größeren Gefäßen, wie beim Aderlaß) und an Stellen gelassen werden kann, wo dies ans eine andere Weise nicht zu bewerkstelligen ist. In Entzündungen und Blntcon- gestioncn sind sie oft nützlicher, als Aderlässe; die unterdrückten Blutungen der Hämorrhoiden und Menstruation sucht man durch Blutegel zu ersetzen, und wendet sic auch oft an, um eine Ableitung des Blutes von wichtigen bedrohten Organen zu Stande zu bringen. Um das Ansangen an eine bestimmte Stelle zu erzielen, wäscht man die Stelle mit etwas Zuckerwasser oder Milch, setzt den Blutegel in ein kleines Gläschen und stülpt solches ans die betreffende Stelle. Nie darf man einen Blutegel während des Saugens von der Stelle reißen, weil dadurch sicher eine Entzündung hcrbeigcführt würde; will man ihn früher entfernen, ehe er dickgcsogen abfällt, so streue man ihm etwas Küchensalz ans den Rücken, wo er dann sogleich abfällt und das gesogene Blut von sich gibt. Sollte die Wunde zu lange nachbluten, so hefte man nur ein wenig Schwamm darauf.26 * 403 Zweite Brdnung> Nackte, weiche Würmer mit deutlichen Gliedmaßen. Aehnlichkcit mit den Mnschelthicren. Schnecken und Schleimwürmer. Die Weg- oder W a l d s ch u c ck e n. Sic haben einen gestreckten Körper, sind mit Fühlsedern versehen und haben im Maule etliche Zahne. Ihr chagrinartigcr Rücken ist mit einem fleischernen Schilde versehen, sic wohnen an feuchten Orten und nähren sich von Pflanzcn- theilen. An der Seite haben sie eine Oeffmmg, die Luftröhre, After und Ge- schlechtsthcil zugleich ist. Sic sind Zwitter, legen im August ihre Eier in die Erde, welche dann im Frühlinge auökriechcn. Einige bringen auch lebendige Junge zur Welt. Es gibt schwarze, rothe und gelbe Schnecken. Am schäd lichsten ist die kleine graue und weißliche Ackerschnecke, welche im Herbst die junge Saat anfällt und zerstört. Die Nereiden haben in ihrem Bau Aehnlichkcit mit den Scolopcndern, und da sie im Meere leben, so hat man sie auch wohl Mecrscolopcuder genannt. Ihre Größe betrügt nur einige Linien. Während der Nachtzeit bemerkt man an ihnen Phos phorartiges Leuchten. Die W a s s e r s ch l ä n g e l ch c ii leben in stehenden Gewässern, sind glatt, geschlängelt und ohne Fühlfäden. Merk würdig ist die Vermehrnngsart dieser Thicre. Das letzte Glied dehnt sich näm lich ans, und wird ein neues Individuum; dieses erzeugt auf dieselbe Weise einen neuen Sprößling u. s. w.; so daß bisweilen vier Generationen aneinander sitzen, bevor sie sich von der Mutter trennen. Die M e e r ii c s s e l, auch Klippe uro sc genannt, hat die Gestalt eines stumpfen Kegels. Der Atnnd befindet sich am oberen Rande, ist mit 20 Fühlfäden eingefaßt, und ist Zugleich After und GcburtSöffnung, durch welche die Jungen lebendig zur Welt kommen. Man trifft sie aufrecht stehend an Klippen, wo sie auf ihren Raub lauert. Ihr Leben ist so zähe, daß einzelne abgcschnittene Stücke noch fortleben.404 D e r. D i n t e II f i s ch (Taf. XV. Fig. 261), mich Blackfisch genannt, ist in allen Meeren gemein. Er hat seinen Namen von einer dintenartigen Flüssigkeit, die er in einem besonderen Dintcnsack, der von der Leber getrennt ist, tragt. Er wird 1 bis 2 Fuß lang und hat am Kopfe 10 Arme mit fast tausend Sangnäpfchcn zum Anklammern. Sein Fleisch ist eßbar. Der Calmar, der auch hierher gehört, hat 12 bis 15 Fuß lange Arme, mit denen er sogar kleine Boote umreißen soll; er hat den Dintcnsack in der Leber; hält sich im Mittclmcere und in der Nordsee ans. — Die dintenartige Flüssigkeit, unter dem Namen Sepia bekannt, liefert eine schöne braune Maler farbe. Das Fleisch dieser Thiere ist zähe, jedoch wird cS von der ärmeren Vvlksklaffe in Italien gegessen. Noch müssen wir erwähnen, daß sie ihre Eier an andere Körper traubenförmig anhängen, wodurch die sogenannten Scetraubcn gebildet werden. Auf dem Grunde des Meeres gibt cs wahrscheinlich noch größere und stärkere Arten dieser Thiere, denn man hat schon in dem Rachen gefangener Walfische abgerissene Fangarmc von Sepien gefunden, die mehrere Ellen lang waren, woraus man also auf die Länge der ganzen Arme und auf die Größe des Thicres, dem sie angehörten, schließen konnte. Es ist fast mit Sicherheit an- znnehmen, daß unser Dintcnsisch der Mcerpolyp der Alten ist, von dem erzählt wurde, daß er mit seinen langen Armen nach den Schiffen oder den darauf be findlichen Menschen greife, um sie zu sich herab in die Tiefe zu ziehen. Dritte Drdnnng. Diese Ordnung umfaßt die nackten Pflanzcnthiere, Polypen, dazu die Jnfusions- und Samenthierchen; also das dem Pflanzenreiche zunächststchcnde Thiergeschlecht» Die S c e f c d c r n. Der Stamm schwimmt im Meere frei umher; er ist gefiedert und sicht deshalb einer Feder sehr ähnlich. Auf den Federn sitzen unzählige Polypen in Reih' und Glied, und es ist auffallend, daß so viele Thiere Einen Willen haben. Ihr Körper, so schließt man mit Recht, muß deshalb ein gemeinschaftlicher sein, welches auch daraus hervorzngehen scheint, daß, wenn man den Stiel drückt, cs Alle zu fühlen scheinen. Man hat bemerkt, daß manche Arten im Finstern leuchten.405 D i e Polypen haben einen gallertartig-weichen, oder lcder- und hornartigen cylindrisch-geforintcn Körper, der meist am unteren Ende fcstgcwachscn ist. Am oberen Ende befindet sich der Mund im Mittelpunkte eines Kreises, der von Fühlern oder Fangarmen besetzt ist, welche die einzigen Sinnes-Organe dieser Thierc ansmachcn. Ihre Fortpflanzung geschieht durch Eier oder Knospentreibung, oder durch freiwillige Theilung vom Muttcrstamme. Ihre Reprodnktionskraft ist erstaunlich, denn man kann sic beliebig zertheilcn oder sogar umwenden — nichts hindert ihr Wachsthnm. Der Armpolyp (Taf. XV. Fig. 282), von grüner, brauner, oder auch gelblicher Farbe, hat einen weichen, schlanchartigcn Körper, lebt in reinem, still- stehendem Wasser an der unteren Seite verschiedener Wasserpflanzen und nährt sich von kleinen Wasscrthicrchcn. Er saugt sich vermittelst einer Scheibe, die sich am unteren Stammende befindet, an Pflanzen an. Man kann ihn gleich einem Handschuh nmwendcn; dennoch lebt er fort und fängt in Kurzem wieder an Zu fressen. Die Blnmenpolhpen bestehen aus vielen Zweigen, die sich an einem ge meinschaftlichen Stamme befinden, wie schimmelige Kugeln anssehcn und bei der leisesten Berührung sich zusammcnziehen und gleichsam verschwinden. Die A f t c r p o l y p e n, welche dem Schimmel ähnlich sehen, leben zu Tausenden beisammen und haben einen nackten, einfachen, hohlen Körper. Man findet sic auf anderen Thieren, z. B. auf dem Wassermolch. Wir rechnen auch dazu das RäderthLerchen, welches indessen dem bloßen Auge nicht sichtbar ist. Es ist schnell und ändert mit jedem Augenblick seine Gestalt. Jahre lang kann cs trocken liegen, lebt aber, sobald cs durch einen Tropfen Wasser befeuchtet wird, wieder auf. Jnfusions- oder Anfgusithierchen. Durch die Erfindung des Mikroskops hat sich dem staunenden Auge des Naturforschers eine neue Welt erschlossen, welche Gegenstände und Erscheinungen zu Tage brachte, von denen man sich vorher keinen Begriff hatte machen können; "nd diese neue Welt umschließt ein einziger Tropfen, der von einer ans Pflanzcn- udcr Thicrstoffc gegossenen Flüssigkeit genommen wird. In ihm entdeckt man in großer Anzahl mancherlei wunderbar gestaltete Thierchcn, die man, weil sie in allen Aufgüssen ans Pflanzen- und Thicrstoffc Vorkommen, Jnfusions- oder Anfgnßthierchen genannt hat. Es war natürlich, daß diese merkwürdige Entdeckung die Aufmerksamkeit aller Naturforscher in hohem Grade auf sich zog and sic zu fortgesetzten mikroskopischen Untersuchungen anregte. Die meisten406 Gelehrten kamen Anfangs darin überein, daß diese Thierchen unter den lebenden Wesen den niedrigsten Rang einnähmen und die einfachsten Verhältnisse bildeten, unter denen das Thicrleben Vorkommen könne. Wir werden sehen, ob sie darin Recht haben. Die Monaden oder Punkt thierchen, welche nach den neuesten Unter suchungen die kleinsten mikroskopischen Thierchen sind, betrachtete man lange Zeit als bloße Urthcilchen lebender Wesen und bezweifelte, ob sie überhaupt zum Thicrrcichc gehörten, bis der durch seine Forschungen berühmte Ehrenberg fand, daß auch die Monaden innere Höhlen zur Aufnahme ihrer Nahrung und Ver dauung besitzen, was sehr wahrscheinlich gemacht hat, daß ihre Körperbildung eben so zusammengesetzt ist, wie die der größten Infusorien, bei denen inan bereits ein Muskel-, Nerven- und Gefäßsystem unterschieden hat. Ueberaus crstnnncnswürdig ist die große Verschiedenheit und Mannichfaltigkeit dieser Thierchen in Hinsicht ihrer Gestalt und Bewegung. Die Ortsbewcgnngen der Infusorien geschehen im Allgemeinen ans zweierlei Art. Die eine Art besteht in einem sanften und gleichmäßigen Gleiten durch die Flüssigkeit, welches offenbar eine Wirkung von den Schwingungen der Wimpern ist, die über verschiedene Thcile des Körpers vcrtheilt sind und häufig dessen ganze Oberfläche zu bedecken scheinen. Die andere Art der Bewegung ist ein Schnellen und Springen, wie lebhafte Insekten und Fische zu thun pflegen. Diese Bewegungen hängen offenbar von ihrem Willen ab; man überzeugt sich davon aus der Geschicklichkeit, mit welcher die Thierchen sich ausweichen, obschon Myriaden in einem Tropfen umherschwimmen. Von der Verschiedenheit ihrer Gestalt haben sie ihre verschiedenen Namen erhalten. Einige heißen Scheibcnthierchen, welche als eine dünne eirunde Haut erscheinen und nach allen Richtungen hin sanft durch die Flüssigkeit gleiten; andere KngclthLerchen, wegen ihrer kugeligen Gestalt; noch andere Schweif- thLerchen, wegen ihrer birnförmigcn Gestalt, deren dünnes Ende in einen Schwanz ansläuft. Dieser Schwanz ist oft sehr lang, oft gabelförmig, bei andern schneckenförmig gewunden, wie ein Pfropfenzieher. Das Horn thierchen hat Fortsätze gleich Hörnern. Das Essigälchen gleicht einem Aal oder einer Schlange an Gestalt und an der wellenförmigen Bewegung. Einige, wie das Kugelqnadrat, haben eckige, andere, wie das Buchtenthierchen, wellen förmige Umrisse. Das Krugthierchen zeigt eine große Äehnlichkcit mit einem Trichter oder einer Glocke. Eine der sonderbarsten Formen hat der Proteus oder Aenderling, von dem man eigentlich nicht sagen kann, daß er eine be stimmte Gestalt habe, indem er sie fast alle zwei Minuten verändert; bald schrumpft er in eine Kugel zusammen, bald streckt er sich in ein langes Band aus, bald sieht man ihn gewunden wie ein Blutegel, bald nimmt er stcruähulichc Verzwei gungen an oder zeigt sich in andern abenteuerlichen Gestalten.407 Am wunderbarsten sind die Rädcrthicrchcn. Sie haben ihren Namen von einer Vorrichtung, vermittelst welcher sic eine beständige kreisförmige Bewegung in der sie umgebenden Flüssigkeit erzeugen können. Diese Vorrichtung besteht ans zwei Scheiben, welche sich auf dein Kopfe des Thiercs befinden und mit Reihen von Wimpcrhaarcn besetzt sind, welche einem Kronrad gleichen. Das Rad scheint sich immer in derselben Richtung zu drehen, wodurch die Flüssigkeit beständig in einem Wirbel umhcrgetricben wird. Hiernach zu schließen, müßten diese Werkzeuge in keinem festen Zusammenhang mit dem Körper stehen, denn wie wäre es sonst möglich, daß sic sich beständig um ihre Achse drehen! Man hat diese auffallende räthselhafte Erscheinung durch die Annahme zu lösen gesucht, daß die Umwälzung der Räder nicht in der Wirklichkeit vorhanden, sondern nur scheinbar sei. Hiernach muß der Rand eines jeden Radcö aus einem so bieg- samm Stoffe bestehen, daß er schnell jede Art von Krümmung annchmen kann, und eine wellenförmige Bewegung besitzt, wo eine auf die andere nach der Reihe folgt. Die Entwicklung, welche sie in ihrer Lebensfähigkeit zeigen, stellt sic also keineswegs auf die niedrigste Stufe der lebenden Wesen. Jedenfalls nehmen sie, auch abgesehen von ihrer Fähigkeit, sich frei zu bewegen, in der Reihe der Wesen eine höhere Stufe ein, als die Polypen und Schwämme, welchen der Schöpfer, gleich Pflanzen, eine feste Stelle angewiesen hat, und die wir als zusammen gesetzte Wesen betrachten müssen, >vo die einzelnen Theilc oft so klein sind, daß sic kaum ohne die Hülfe des Mikroskops wahrgcnommcn werden können. Im Allgemeinen muß man gestehen, daß die Vorstellungen von Groß und Klein nur in Beziehung ans unsere bcgränztcn und unvollkommenen Sinuc bestehen, und in Beziehung ans die Aenßeruugen der Schöpferkraft ganz verschwinden. Vcrhältniß- niäßig ist in dem riesigen Ban des Elephantcn keine zusammengesetztere Bildung zu finden, als in dein kleinsten Insekt, das unbeachtet am Boden kriecht. Zweite Abtheilung: Die bedeckten Würmer. Erste B r d n u n g. Die Schalthiere. Man hat bei diesen Thieren zu unterscheiden, ob sie von einer Schale, oder von mehreren umgeben sind. Diejenigen, welche nur von einer Schale umgeben sind, werden Schnecken genannt. Es gibt cinschalige Schnecken mit408 regelmäßigen Windungen und einschalige Schnecken ohne dergleichen Windungen. Die zweischaligen Thiere werden Muscheln genannt. Die Muschelschalen sind hinten durch eine Nerve, die man Schluß nennt, verbunden. Ist diese Nerve auögczahnt, so heißt cS ein vollkommenes Schloß; im Gcgcnthcil wird cö ein unvollkommenes Schloß genannt. Die viclschaligcn Thiere dieser Ordnung werden Couchilicn im engeren Sinne genannt. Wir beginnen mit ihrer Beschreibung. Die C o n ch i l i c n oder viclschaligcn Würmer leben allein im Meere. Die Käfcrmnschcl hat von allen die meisten Schalen, die der Länge nach getheilt aus dem Rücken hin- liegen. So hat z. B. der Oscabrivn ein siebenfaches Gehäuse. Oberflächlich betrachtet, sollte man glauben, daö Thier sei mit unzähligen Warzen bedeckt. Die Meerigel sind mit federartigen zusammcugcringcltcn Säugrüsseln versehen und haben behaarte Fühlhörner. Es gehören dazu die Meereichel (Taf. XV. Fig. 268), auch Mcertnlpe genannt, die sich in allen Meeren — den wär meren aber am häufigsten — befindet. Sie wird bei zwei Zoll groß, und sieht einer gefüllten Tulpe ähnlich, hat sechs röthliche oder violette, weißgcstrcifte Schalen, zwölf Paar fcdcrbnschähnliche Arme, womit sie sich am Boden oder au Schiffen festsetzt und wird gegessen. Die schönsten Arten kommen aus Ostindien. Auch sind noch zu nennen die Walfischpockc, die eine fast runde Schale hat und sich au die Haut dcö Walfisches und des Nordkapers anhängt, und die Entenmuschel, deren Schale ans fünf Stücken und einem ledcrartigcn Stiele besteht. Zweischalige Muscheln. Sämmtlichc Thiere dieser Gattung leben ebenfalls im Wasser und sic unter scheiden sieh durch die Gleich- oder Ungleichheit ihrer Schalen und Ränder, wie auch durch die Beschaffenheit des Schlosses voneinander. Die Klaff muscheln haben ein vollkommenes Schloß, jedoch stehen die Schalen vorn etwas offen. Die gewöhnliche Fluß- oder Malermnschcl (Taf. XV. Fig. 272), welche man im Rhein und in anderen Flüssen findet, rechnet man dazu. Auch die Fluß- Perlen muschel, die man hin und wieder in europäischen Flüssen findet, ist ebenfalls eine Klaffmuschel. Man findet oft kostbare Perlen in dieser Muschel, z. B. die Ehst crp er len im sächsischen Voigtlandc. Eßbar sind die Mies muschel, die Herzmuschel (Taf. XV. Fig. 274) und die Riesenmuschel (Taf. XV. Fig. 273). Letztere findet sich im indischen Occan, wird drei bis fünf Fuß lang und erreicht ein Gewicht von 400 — 600 Pfund. Die Schalen sind abgerundet dreieckig, gerippt, mit hohlen Schuppen dachziegelartig gedeckt. Das Fleisch der Jungen ißt mau, und ein Einziges reicht hin, 20 Mann zu sättigen. Mittelst dcö slcchscnartigcu Bhssns heftet sie sich an die Felsen. Zur409 Ebbczcit haut man diese ab und die offene Muschel klappt mit einem pistolenähn- lichcu Knall zusammen. Wehe dem, der einen Arm oder Fuß zwischen die Muschel bekommt; denn sic hat eine solche Stärke, daß sic dicke Seile scharf ab- kneipt. Ans dem starken Byssus verfertigt man Strumpfe. — Die Schinken muschel oder St eck Muschel (Taf. XV. Fig. 271) ist dreieckig oder fächer förmig, mit vielen riemenförmigen Schuppen. Ihre Farbe ist hochflcischfarbig »nt blauer Spitze. Sic lebt im Mittclmcerc, und ans ihrem feinen Byssus werden Handschuhe und Geldbeutel verfertigt (namentlich in Messina, Trient und Palermo), welche oft thencr verkauft werden. Die A II st e r (Taf. XV. Fig. 269), welche von allen Gonrmands verehrt wird, wohnt an europäischen Küsten. Die Schalen sind ungleich, denn die Oberschale ist eben, die Unterschale vertieft mit faltigen Längsrippen. Mit diesen sitzen sic in großer Anzahl an Felsen fest und bilden so die Ansterbänke. Diese haben oft eine sehr große Ausdehnung. Im Jahre 1809 entdeckte man an einer Insel Seelands eine Ansterbank, welche fast citt Jahr lang den Bedarf für die sämmtlichcn Niederlande und in solchem Ucbcr- flussc lieferte, daß der Preis der Austern sich bedeutend minderte. An den Küsten llgt man eigene Teiche an, in welchen die Austern gemästet werden. Die Nah rung besteht hauptsächlich in Confcrvcn und anderen vegetabilischen Sccprodnktcn. Sic bilden einen bedeutenden Handelsartikel und werden thcils lebendig in Schalen, thcils — und dazu nimmt man die schlechteren — marinirt versendet. Die Ansternfischcr bedienen sich eines Netzes mit eisernem Nahmen, oder sie machen öorhcr die Austern mit Schaufeln los. Bon den holländischen Austern sind die sccländischcn die besten; unter den französischen behaupten die von Cancalc, unter den englischen die von Colchestcr und unter den deutschen die holsteinischen den Vorzug. Die Schalen, die ans kohlcnsanrcm Kalk und thicrischcn Stoffen be stehen, werden gebrannt und liefern einen vorzüglich weißen und reinen Kalk. Wichtiger als alle genannten Muscheln ist die P c r l »i >, t t e r a i, st c r (Taf. XV. Fig. 270) vder echte Perlmuschel. Man findet sic im indischen Meere, besonders in bciii persischen Meerbusen, und an einigen amerikanischen Küsten. Sic sind mi f dem Grund des Meeres mit Byssus festgchcftct und werden durch Taucher hcranfgeholt. Die Schalen sind rundlich-viereckig, sehr blättrig, grünlich-grau mit weißlichen Strahlen, etwa sechs Zoll lang, und liefern das schöne Perlmutter. In den Schalen findet man Perlen, deren Werth sich nach der Größe und Dnrch- stchtigkcit richtet. Zahlpcrlcn werden die großen runden genannt; die kleinen ^kigcn heißen Saatpcrlen und die kleinsten Stoßpcrlen. Der Preis bei dcn Zahlpcrlcn steigt von 1 Thlr. bis 10,000 Thlr. Eine im persischen Mccr- buscn gefundene wurde auf 460,000 Thaler geschätzt. Man bestimmt auch den410 Werth nach dem Gewicht auf folgende Weise: Man rechnet das Karat zu 5 Thalern; wiegt nun eine Perle 6 Karat, so ist sic 6 nial 6 mal 5 Thaler, also 180 Thaler werth. Die Perlmuscheln werden von Tauchern aus dem Meere heraufgcholt. Wie die Pcrlcnsischerci auf Ceylon betrieben wird, möge hier nun noch folgen. „Die zur Perlenfischerei üblichen Boote sind von besonderer Bauart, in der Regel von 8—15 Last und ohne Verdeck. Vorder- und Hiutcrthcil sind sich ziemlich ähnlich, letzteres zeigt nur eine leichte Krümmung; sic haben keinen Kiel, der Boden ist gerundet, und die Breite des Booteö nimmt nach der Spitze hin zu. In der Mitte des Bootes steht ein rohgezimmerter Mast, an welchem ein aus dünner Leinwand vcrfertiges Segel befestigt ist. Diese leichte Zimmerung macht die Boote gefährlich, und cs kommt nicht selten vor, daß sie von den Wellen au die Küste geschleudert werden. Um Mitternacht, mit dem Landwinde, verlassen die Fischer die Küste und segeln nach der Bank, in einer Entfernung von 9 bis 12 Meilen. Sobald sie diese vor Anbruch des Tages erreicht haben, werfen sic Anker in der Nähe des Wachtschiffc?, das hier von Seiten der Negierung stationirt ist und die ganze Nacht hindurch Licht aushängen muß, um den nach der Bank steuernden Booten ihre Richtung zu bezeichnen. Das Tauchen nimmt, sobald es hell genug ist, seinen Anfang und dauert fort bis Mittag, um welche Zeit man von dem Wachtschiffc aus eine Kanone abfcncrt, zum Zeichen, daß die Arbeit nun aufhören soll. In der Regel ist das Wetter während der Zeit des Fanges schön und ruhig, was auch zu dieser Beschäftigung unumgänglich nöthig ist, da die geringste Unruhe in der Luft und ans dem Meere dem Taucher sogleich seine Arbeit einzustellen gebietet. Die Mannschaft eines Tanchcrbootcö besteht gewöhn lich aus einem Schiffsmcistcr, 10 Tauchern und 12 andern Seeleuten, welche das Boot rudern und die cmporkommcnden Taucher erwarten und herauf befördern. Auf jedem Boote sind fünf Tanchersteine, deren sich die Taucher wechselsweise bedienen, so daß also einer um den andern sich in den Meeresgrund hinabläßt. Das Gewicht dieser Steine richtet sich nach der Größe und Gestalt des Tauchers, übersteigt insgemein aber nicht 25 Pfund. Die rüstigsten Taucher pflegen auch in einem Leibgurte vier bis acht Pfund Steine mitznnehmen, damit sic desto leichter Grund halten können, bis sic ihr Netz mit Muscheln gefüllt haben. Dieses Netz ist 18 Zoll tief, und an einem Ringe von ebenfalls 18 Zoll im Durchmesser befestigt, der an ein einfaches Seil geschlungen ist. Sobald sich der Taucher zum Einfahren anschickt, legt er, bis ans ein ganz leichtes leinenes Gewand, seine Kleider ab. Zuerst verrichtet er nun sein Gebet, stürzt sich dann in's Wasser und schwimmt nach dem Tanchersteine hin, welcher über Bord ans- gehängt ist. Nachdem er nun durch die beiden Taue, welche den Stein festhalten, hindnrchgeschlüpft, ergreift er das Seil, das sich durch den Ring zieht, um sich mit Hülfe desselben nach Belieben herauf- und hinabznlassen. Er stellt nun den linken Fuß fest auf den Reif dcö Netzes und drückt ihn gegen den Stein, indem411 cr das Seil in der Hand behält. Da die meisten Taucher auf Ceylon Hindus sind, so fehlt cs beim Beginn der Arbeit auch nicht an Zauberkünsten und allerlei Gaukeleien durch besonders dazu bestellte Priester. Die hauptsächlichste Obliegen heit derselben ist, daß sic die den Tauchern so ocrdcrblichcn Haifische abwcnden sollen, aber leider so manches abgcbisscne Bcin und so mancher aus dem Meeres gründe nicht wiederkehrende Unglückliche zeigt die Ohnmacht jener Besprechungen, an welche die Leute doch immer wieder glauben. Fast unglaublich ist die Menge der Pcrlcnnmschcln, welche während einer Fangzeit, die ungefähr einen Monat dauert, gefangen werden, da man annimmt, daß ein einziges Boot in einem Tage über 30,000 Stück an's Land bringt. Sobald sic am Ufer sind, thcilt man sic in regelmäßige Haufen ab, und hier liegen sie so lange, bis sie zu verfaulen ansangcn, was nothwcndig vorhergehen muß, um die Perlen von der klebrigen Masse, von welcher sie umgeben sind, abznloscn. Nun bringt man die Muscheln in viereckige Behältnisse, die ungefähr einen Fuß hohe Wände haben. Diese Behältnisse stehen unter sich in Verbindung durch vier unbedeckte Leitröhren von stufcuwciscm Abfalle, mit einem kleinen Becken im Innern, so daß alle Perlen, die etwa von Regengüssen oder beim Waschen der Muscheln hinwcggcspült werden möchten, in diese letzteren einlanfen und keine verloren geht. Da, wo cs keine solche Behälter gibt, werden die Muscheln auf doppelte Matten auf den Boden hiugestrcnt. Wenn die Muscheln sich nun in hinlänglich aufgelös'tcm Zustande befinden, um die Wäsche zu beginnen, so thut man einen Theil derselben in einen 15 Fuß laugen und 3 Fuß breiten und gehörig tiefen Kahn. Dieser ist mit Salzwasscr angcfüllt, lvorin die Muscheln 12 Stunden verbleiben müssen, dainit die faulige Substanz vollkommen weich und von den Maden und anderem Ungeziefer, das sich cllva damit vermischt hat, befreit werde. Zwölf bis fünfzehn Männer stellen sich nun ans beide Seiten des Kahns, der an dem einen Ende etwas erhöht wird, damit, wenn cr voll ist, das Wasser ablanfcn könne. Jetzt nimmt man die Muscheln Stück für Stück heraus, zerbricht die Schalen und wäscht sie in dem Wasser aus. Beinahe unerträglich ist der Gestank, der bei dieser Arbeit die Atmosphäre verunreinigt, aber die Arbeiter und Aufseher sind so daran ge wöhnt, daß sic ihr Geschäft lustig und guter Dinge und ohne Nachtheil für ihre Gesundheit zu Ende bringen. Die Schalen, worin Perlen enthalten sind, werden Zusammen gcthan und kommen hierauf in die Hände der Klopfer, deren Geschäft ^ ist, die Perlen mittelst Zange» und Hämmer von der harten Schale abzu- loseu. Sobald sic gewonnen sind, werden sic nach ihrer größeren oder geringeren Vorzüglichkeit geschieden, von den größten und schönsten, die zu dem zierlichsten Schmuck verwendet werden, bis herab zu dem Ausschuß, der, mit den Sand- perlen vermischt, nach China geführt wird, wo cr wohlzubcrcitct auf die Tafeln der chinesischen Gonrmands kommt. Schon allein der Ertrag dieses Pcrlcnans- schusscs deckt die Kosten, welche die Anstellung der sämmtlichen Arbeiter und alle412 sonstigen Ausgaben erfordern. Sobald alle Muschelschalen aus dem Kahne heraus sind, bleibt nur die schleimige Substanz der Muscheln, die nun ganz zu Schlamm geworden, auf dein Boden zurück, vcrinischt mit Sand und kleinen'Schalcnstücken; dieser wird nun mehrmals auögcschlcmmt und endlich noch getrocknet, um >vv inöglich keine Perle zu verlieren." E i ii s ch a l i g e oder Schnecken. Die Thiere dieser Gattung sind alle mit einer Schale versehen, die in eine geschlossene Spitze ansliiuft, woselbst das Thier angcwachsen ist. Man unter scheidet sic nach den Windungen ihrer Schalen; sic sind thcils gewunden, thcils nicht; theilö haben die Windungen regelmäßige Formen, thcils sind sic unregel mäßig. Farbe und Gestalt sind sehr verschieden, und manche haben ihrer Selten heit wegen einen großcnWcrth. Die echte ostindischc Wendeltreppe (Taf. XV. Fig. 263) wurde früher wohl mit 100 Dukaten bezahlt. Die mcrkenöwcrthcsten sind folgende: Die Argonauten, ivelchc im Meere leben, hcerdenweise auf die Oberfläche kommen, die mit einer feinen Haut verbundenen Arme statt der Segel ausspannen und dahin segeln. Die Schale ist dünn, weiß und von ziemlicher Größe. Der Papiernautilnö ist einer der schönsten seines Geschlechts. Der Nautilus oder das Schiffsboot hat eine glänzcndrothc Schale und gleicht einer kleinen Gondel, die in ordentliche Fächer abgcthcilt ist. Die K c g c l s ch n c ck e n, oder das Tntcngcschlccht, werden ihrer Schönheit wegen sehr geschätzt. Sic leben fast sämmtlich auf dem - Meeresgrund und sind schwer zu fangen. Das Gehäuse ist verkehrt kegelförmig, das Gewinde kaum vertreten und an den beiden psriemenförmigcn Fühlern befinden sich die Augen. Eine der schönsten Kcgcl- schncckcn ist der Admiral (Taf. XV. Fig. 264). Auf einem orangcgelben, bis weilen etwas kastanienbraunen Grunde stehen dreieckige, milchweiße Flecken, braune Quer- und Längslinien und einige citronengelbe, netzartige Binden. Nicht minder berühmt sind der General, die hebräische Kcgclschnccke, die Jungfrau u. a. in. Die unvergleichliche Kcgelschuecke — 0oäo nulli — zu deutsch: ich stehe keiner nach! ist orange-zimmetroth, mit bläulich-weißen Flecken und mit vier Reihen schöner Perlen umgeben. Ein Exemplar wurde früher mit 300 Thalcrn bezahlt. Die P a p st k r o ii c (Taf. XV. Fig. 266) gehört zu den Faltcnschncckcn, ist im indischen Occau zu Hanse, wird bei 3 Zoll lang, ist weiß, roth und braungcfleckt und ist an den Näthcn der Windungen zackig, wodurch sic einige Achnlichkcit mit einer Krone erhält.413 Zu den aufgcrollten Schnecken gehört: Die Gcldporzellane (Taf. xv. Fig. 265), auch wohl Otterköpfchen genannt. Sie hat eine eiförmige Gestalt, eine gelb lich-weiße Schale, deren sich die Hindus und die Neger statt des Geldes bedienen, und ist int indischen und atlantischen Ocean sehr gemein. Ihre Schale ist an Härte und Glanz dem Porzellan sehr ähnlich. Die echte Wendeltreppe ist die schönste der Kreiselschncckcn. Sic wird im indischen Meere gefunden und thencr bezahlt. Das Gehäuse ist gelblich-weiß und die Windungen sind krcisel- förmig, berühren sich nur an der Stelle der Wülste, wovon die Mündung um geben ist, und sind hier durchsichtig. Bei der gemeinen Wendeltreppe ist das nicht der Fall. Diese wird auch nur 16 Linien lang, während jene 2 Zoll gwß wird. Die S ch n i r ! e l s ch n c tk c n leben auf den: Lande, sind sehr zahlreich, denn allein in Deutschland kommen bei 30 Arten vor. Die Weinbergschnecke (Taf. XV. Fig. 262) ist die wich- llgste. Ihr Gehäuse ist kugelig oder rund, schmutzig-weiß, gelb oder bräunlich; findet sich häufig in Weinbergen und wird als ein gesundes Nahrungsniittcl ge gessen. In der Schweiz legt man ganze Coloniecn (Schncckenbcrge) an, und futtert sie mit Wcizcnkleicn und verschiedenen Pflanzen, um int Winter diese Delicatcsse zu verspeisen. Die Purpurschiiecke (Taf. XV. Fig. 267) lebt im Mittelmeere, wird 3 Zoll lang, ist bauchig mit vielen Wülsten, stumpfen Häckern und Zacken, weißlich oder bläulich mit braunen Qnerbinden. Am Halse des Thierchens befindet sich ein Bläschen mit einem rothen oder gelben Tropfen, der schön purpurroth färbt. Es ist vielleicht die Purpurschiiecke der Phönizier. Zn den einschaligcn Schnecken, ohne äußere, bestimmte Windungen, gehört: Der Pfahlwurm oder Schiffsbohrcr. (Taf. xv. Fig. 275.) Derselbe steckt in einem sechs Zoll langen, fcderkieldicken Mantel und ist ">cht viel dicker als ein Regenwurm. Wo sich diese Thicrc cinnisten, werden sic den Dämmen und Wasserbauten überhaupt sehr nachthcilig. So erzählt Kanf- wann in seinem Ordls pictus: „Im Jahre 1730 erschien der Schiffsbohrwurm 111 großer Menge an der holländischen Küste und zerstörte die Dämme von See land und Friesland dergestalt, daß sie der Gewalt der Wellen nicht mehr zu widerstehen vermochten, und ganz Holland in Gefahr geriet!;, vom Meere über- fchwemmt zu werden. Alle menschliche Hülfe wurde gegen sie aufgcboten, aber414 umsonst. Zum größten Glück verschwanden sie in einem Jahre von selbst wieder, nachdem sie einen Schaden von mehreren Millionen Gulden angcrichtct hatten. Zweite Brdnung. Diese Ordnung umfaßt diejenigen Würmer, die mit einer sehr festen Kruste umgeben sind und einen fast knorpeligen Körper haben. Sie leben sämmtlich in den Meeren. Der Seeigel (Taf. XV. Fig. 277) ist faustgroß und kugelrund. Seine kalkartige Kruste ist mit 1 bis 2000 Stacheln besetzt, die sich bewegen können und vermittelst welcher sic sich fortrollen. Das Maul ist an der flachen Unterseite und die Farbe des ganzen Thieres spielt in's Gelblichgrüne. Der S c e st c r >l. Von seinem glatten Körper gehen 4 bis 6 Strahlen ans, in deren Mitte der.Mund liegt, der auch zugleich zur Ausleerung dient. Das ganze Thier scheint aus kleinen Kalkstückchen zu bestehen, deren man an einigen schon 12,000 gezählt haben will. Eine Art davon, das Medusen hau Pt (Taf. XV. Fig. 278) genannt, findet sich in allen Meeren, ist spannenbreit, korallenroth, die vielfach verästelten Strahlen dehnen sich aber bisweilen so aus, daß das Thier einen Durchmesser von 10 Fuß gewinnt. Der Mund sitzt in der Mitte des Thieres. Noch andere Arten sind der Orange-, Scheiben- und Schlangcnstcrn. Die M e l o n c n q n a l l e. (Taf. xv. Fig. 279.) Die Quallen, eine Thiergattung, die erst in neuerer Zeit mehr bekannt geworden ist, haben zwar keine umgebende Kruste, jedoch ist der Körper so fest, daß dies berechtigt, sie in die zweite Ordnung zu stellen. Die Meloncugnallc findet sich in der Nordsee, dient den Walfischen zur Nahrung, wird 1 Zoll lang und fast eben so dick. Ihre klare Körpermasse bietet das köstlichste Farbcnspicl dar. Die Glockengnallc hat einen fast glockenförmigen Körper. Dritte Drdnung. Pflanzenthiere, welche Corallenstämme und andere Gehäuse bewohnen. Die Gehäuse dieser Pflanzenthierc sind kalk-, stein- oder hornartig und sind dem Thiere, wie bei den Schnecken, angeboren. Es gibt in den Meeren ganze415 Corallenriffc, welche den Schiffern gefährlich werden können. Nach der Verschie denheit ihrer Bildung führen sic ihren Namen: Nohr-, Stern-, Punkt- und Staudencoralle. Die Edelcoralle (Taf. xv. Fig. 280) gehört zu den Staudcncorallen, findet sich im Mittelmeere strauchartig auf dem Grunde fcstgcwachscn. Auch in Indien ist sic zu Hause. Das innere Gerüst ist kalkig, darüber ein thicrischhäntigcr, mattrothcr Ucberzug, ans dessen kleinen Hügelchen die weißen, rothgcsprcnkcltcn Polypen heraustreten. Das Gerüst wird Zn manchen Schmucksachcn verarbeitet. Die N e p t n u s »i a n s ch c t t c (Taf. xv. Fig. 281 ) lebt in der Nord- und Ostsee, im indischen Occan und Mittelmeere, wird 3—6 Zoll lang. Der Stamm ist kalkig und sitzt fest; die Aeste sind netzförmig in einander verwachsen und umgeben den Mund. Sie ist gclblich-roth mit weißen Knospen und durchsichtig. Der S a u a e s ch w a m nt, der sich an Felsen des Mittelmeeres nach Art der Gewächse fortpflanzt, theilt sich in den Brodschwamm und den gewöhnlichen Badeschwamm. Erstercr sit der feinste und letzterer ist größer und mit weiteren Poren versehen. Die Taucher schneiden ihn ab, bringen ihn an die Oberfläche und reinigen ihn dann von dem grünen Schleim. Man vcrmuthet, daß dieser Schleim thicrisch belebt sei. Das C o r a l l e ii in o o s (Taf. XV. Fig. 283), welches ebenfalls in der Nordsee und dem Mittelmeere vorkommt, hat einen üwrpelig moosartigcn Stamm, der röthlich oder weißlich aussieht. Es ist auch "och zweifelhaft, ob cs thicrisch belebt sei. Schließlich nennen wir noch den F e d c r b » s ch p o l y c >ue Corallc, welche im süßen Wasser vorkommt. Sie zeichnet sich durch einen hübschen, feinen Fedcrbnsch aus, den sic bei der geringsten Bewegung einzieht. In der Regel trifft man sic an Wasserpflanzen sitzend, wo die einzelnen Federchen, welches die einzelnen Polypen sind, hin- und herfahren und dem Stamm den Nahrungssaft zuführen. Jedes abgerissene Theilchen bildet sich zu einem neuen Niuttcrstamm ans.Das Pflanzenreich. S)ic Pflanze» mache» das zweite große Reich der Natnr ans und sind un streitig ein eben so wichtiger und angenehmer Gegenstand unserer Aufmerksamkeit und unseres Nachdenkens, als cs die Thicrc sind. In unzähliger Menge bekleiden sie das Erdreich und schmücken dasselbe durch die erstaunliche Mannichfaltigkeit ihrer Bildung und durch die Anmuth und Lebhaftigkeit der Farben. Abgesehen davon, daß das Leben der Menschen und Thicrc durch das Pflanzenreich bedingt ist, würde unsere Erde ohne die Pflanzenwelt eine kann: denkbare öde Wüste sein. Durch ihre organische Structnr, durch die Art und Weise ihrer Erzeugung, ihres Lebens und Wachsthnmö unterscheiden sich die Pflanzen wesentlich von den Mi neralien, und haben in dieser Hinsicht einige Achnlichkeit mit den Thiercn; sind aber von diesen wesentlich dadurch verschieden, daß sie keine Empfindung haben und sich auch nicht willkürlich bewegen^ können. Die Wissenschaft nun, welche sich mit dem Pflanzenreich beschäftigt, wird Botanik oder Pfanzcnkunde genannt. Man pflegt dieselbe ans folgende Weise einzutheilen: I. Theoretische Botanik. Sic betrachtet die Pflanzen an und für sich, ohne alle Beziehung ans das gesellschaftliche Leben. Sie zerfällt wieder: A. In die Naturbeschreibung der Pflanzen, und lehrt die Pflanzen nach ihren Formen und Verhältnissen kennen. Dazu ist erforderlich: 1) Die Terminologie oder Kunstsprache der Botanik. Sic lehrt die KunstauSdrückc, deren man sich bei der Pflnnzenbcschrcibnng bedient, kennen und anwendcn. 2) Die Pflanzenbeschreibnng, Phytographic. Sic beschreibt die Pflanze mtb ihre einzelnen Thcile, meistens nach äußeren Merkmalen. 3) Die Gestaltung sichre, Morphologie, welche uns mit de» Ge setzen bekannt macht, nach welchen sich die Pflanzen entwickeln und allsbilden. 4) Die Pflanzengeographie, welche sich mit den Gesetzen über die Verbreitung der Pflanzen nach klimatischen Verhältnissen n. s. w. be schäftigt, auch über die Standörter gewisser Pflanzen-Familien sich verbreitet.417 B. In die Naturlchrc der Pflanzen. Diesen Zweig der Naturwissenschaft hat inan auch wohl die philosophische Botanik genannt, und sie in folgende Abthcilungen gebracht: 1) Die Pflanzcn-Physiologic ist die Lehre von den organischen Ver richtungen der einzelnen Thcilc, und hängt deshalb zusammen mit 2) der Pf tanzen-Anatomie, welche sich über den inneren Bau der Pflanzen verbreitet. Die Anatomie der Pflanzen aber steht in ge nauester Verbindung mit 3) der Pflanz euch emie, welche die chemischen Bestandtheile der Pflan zen aufsucht und angibt. Diese drei Zweige der Pslanzennatnr- lchrc machen uns also mit dem Leben und der Lebensdauer der Pflanzen bekannt; 4) die Pflanzcnpathologie oder Krankheitslchre beschäftigt sich mit den Mißbildungen und Krankheiten der Gelvächse; 5) die Pflanzen Methodologie zeigt die Art und Weise, wie man die Pflanzen kennen lernen und richtig bestimmen kann. Mit ihr hängt zusammen 6) die Shstemknnde, welche lehrt, sämmtlichc Pflanzen nach angenomme nen Gesetzen in Klassen und Ordnungen einzutheilcn, oder nach gewissen Aehnlichkeitsmerkmalen in Familien und Gruppen zu bringen; 7) die Geschichte der Botanik umfaßt endlich alle Fortschritte in der Pflanzenkunde, welche auf dem Wege der Forschung von Zeit zu Zeit gemacht worden sind. II. Die praktische oder angewandte Botanik beschäftigt sich nur mit den Pflanzen, welche für das bürgerliche Leben von Nutzen oder Schaden sind. Es gibt daher: 1) eine technologische Botanik für Künstler und Handwerker; 2) eine ökonomische Botanik für den Landwirth; 3) eine Garten-Botanik, sowohl für den Gemüse- als Kunstgärtner; 4) eine Forst-Botanik für den Forstmann; 5) eine merkantilische Botanik für den Kaufmann, und 6) eine medicinische und pharmaccutischc Botanik für Aerzte und Apotheker. Es würde unfern Zweck, eine populäre Naturgeschichte zu schreiben, ent gegen sein, wollten wir nach obigen Rubriken das Pflanzenreich behandeln. Wir werden vielmehr das Wichtigste ans der Naturlchrc der Pflanzen kurz zusam- wcnfnsscn, die nöthigcn terminologischen Ausdrücke erklären, ein Pflanzen- s Hst cm begründen und dann zur Beschreibung der wichtigsten Pflanzen in ! h st ein a tisch er Folge übergehen, bei dieser Beschreibung aber die praktische oder angewandte Botanik stets berücksichtigen. Benin er'S Naturgeschichte. 27418 Das Leben der Pflanzen, ihr Wachsthum und ihre Fortpflanzung. Daß die Pflanzen ein Leben besitzen, geht daraus hervor: sie empfangen von Außen Nahrung, die sie vermittelst ihrer Organe verarbeiten und die zu ihrem Wachsthum nothwendig ist; sie vermehren sich durch Erzeugung ihres Gleiche», so lange ihre Lebensverrichtnngen ungehindert fortgehen. Die Hanpttheile der Pflanzen sind die Wurzel und der Stamm oder Stengel, welcher die Blätter, Blüthen und Früchte trägt. Es lassen sich aber diese Theilc ans gewisse Grund formen zurückführen. Wie alle organisirten Körper, so bestehen auch die Pflanzen ans festen und flüssigen Thcilcn. Zn den festen Theilen gehören das Zell gewebe, die verschiedenen Gefäße, Röhr- und Spiralformcn, die Fibern und das Mark; zu den flüssigen Thcilcn rechnet man die in den Pflanzen befindliche Lust und Flüssigkeit. Enthalten die Gefäße Luft, so werden sie Luftgcfäß e genannt; enthalten sie hingegen Flüssigkeiten, so heißt man sie Saft ge säße. Alle diese Gefäße haben nun ihre Funktionen zu verrichten; einige dienen dazu, die Säfte zuzuführen, cs sind dies die Spiral- oder Nahrungsgefäße; andere haben die Be stimmung, überflüssige Säfte re. zu entfernen, cs sind dies die abführenden Ge fäße, welche größtenthcils in Markgefäßen bestehen. Außerdem gibt eö noch Wassergefäße der Oberhaut und andere Nebengefüße. Die zuführenden Gefäße liegen bald dicht unter der Haut, bald ctlvas tiefer unter dem Zellgewebe und laufen zuweilen in das Mark. Die abführenden hingegen laufen nur innerhalb des Zellgewebes und des Marks fort und nehmen ihren Ausgang au der Oberfläche. Die Nahrung zieht eine Pflanze hauptsächlich durch die Wurzeln ans der Erde, jedoch ist es erwiesen, daß die Pflanzen auch durch Blätter und andere Theilc Nahrung aus der Luft an sich ziehen. So lebt eine in neuester Zeit aus China zu uns gekommene Orchis fast nur von der Luft. Die Sedum arten kann mau Monate laug in der Stube aufhängcu, und sic wachsen freudig fort. Die Nahrung ist eine wässerige und wahrscheinlich mit zarten irdischen, salzigen und öligen Thcilcn geschwängerte Feuchtigkeit, welche, nachdem sie von den Ge fäßen der Pflanzen ausgenommen worden, in denselben durch ihre verschiedenen Theilc fortbewegt und also zubereitet wird, daß das Uebcrflüssigc und Unbrauch bare ansgeschicden, das klebrige aber in einen der Natur der Pflanzen gemäßen Saft sich verwandelt, der nur zum Wachsthum der Pflanzen dient, oder auch zum Thcil nach weiteren Veränderungen zu besonder» Absichten in eigenen Gefäßen ab gesondert und ansbewahrt wird. Die Pflanzenstoffe nun zu bestimmen und weiter zu zergliedern, ist Sache der Chemie. I. I. Berzelius spricht sich darüber folgendermaßen aus: die Pflanzenstoffe lassen sich in drei Hauptklasscn cintheilen, in saure, basische und indifferente. Unter der ersten Klasse, oder den sauren, verstehe ich solche, welche auf blauen Pflanzensarben eine Röthung Hervorbringen, mehr oder weniger deutlich419 sauer schmecken und mit Salzbascn unorganischen Ursprungs neutrale Salze bil den, also mit einem Wort Pflanzensäuren. Die zweite Klasse, oder die basischen Pflanzenstoffc, umfaßt die sogenannten Pflanzenalkalicn, oder richtiger, die vegetabilischen Salzbascn, welche erst seit 1816 entdeckt wurden und wovon wir also wahrscheinlich nur erst eine sehr ge ringe Anzahl kennen, im Vergleich mit alle», welche existircn, und die mit der Zeit wahrscheinlich entdeckt werden. Die dritte Klasse, oder die indifferenten, ist die größte. Sic begreift alle solche Stoffe, welche nicht deutlich sauer oder basisch sind. Es fehlt ihnen dessen ungeachtet nicht die Verwandtschaft zu den stärkeren Säuren und Basen, sie heben aber nicht durch die Vereinigung mit diesen ihre Eigenschaften als Säure oder als Salzbasis auf. Zn dieser Klasse gehören: Zucker, Gummi, Stärke, Ocle, Indigo u. s. w. Das Wachsen der Pflanzen ist ferner bedingt durch Wärme und Luft. Einige Pflanzen kommen selbst im kalten Klima fort, während andere nnr in heißem Klima gedeihen. Dein Lichte aber streben alle Pflanzen zu. Das Licht gibt den Pflanzen vorzugsweise die Mannichfaltigkeit und die reine Ausbildung ihrer Far ben »nd ihres Glanzes. Sie bekommen am Licht erst Saft und ein kräftiges, selbstständiges Leben. Ohne Licht werden sie wohl größer, aber sie bleiben ge- schmack-, färb- und geruchlos. Sie kehren sich daher dem Lichte zu. Kartoffel- hflanzcn, die in einem Keller ausschlagen, kriechen von entfernten Punkten, viele F"ß weit, auf dem Boden nach der Seite zu, wo ein Lichtloch ist, und ranken sich, als ob sie den Weg wüßten, an der Mauer hinauf, um die Oeffnung zu er- Ve icf)eu, wo sic des Lichtes genießen können. Die Sonnenblume und viele andere luchten sich nach der Bewegung der Sonne, und wenden sich stets nach ihr hin. Einige öffnen allerdings erst des Mittags ihre Blüthenkclche, andere sogar nur bei Nacht, wie die prächtige Fackeldistel — die Königin der Nach! —, welche nur wenige Stunden blüht; dies sind indessen nur Ausnahmen, welche die Wahr heit,, daß das gedeihliche Wachsthnm der Pflanzen durch das Licht bedingt ist, nicht umstoßen. Mit dem Fortgange des Wachöthums entwickelt sich bei den Pflanzen, wie bei den Thiercn, das Vermögen zur Zeugung und Vermehrung. Die Vermehrung geschieht durch die Besamung und durch die Vertheilnng, durch Schößlinge, Stecklinge, Pfropfen u. s. w. Die Besamung hat die Erhaltung und Fortpflan zung der Arten zur Absicht; die Samen enthalten bereits eine neue Pflanze im Kleinen in sich, welche aber so lange unentwickelt bleibt, bis die nöthigen Ursachen Zu ihrer Entwicklung hinzutretcn. Man könnte die Samen mit den Eiern der ^ögel vergleichen, denn sic entstehen nach den nämlichen Gesetzen der Zeugung, ^iur da, wo der männliche Samenstaub in das weibliche Glied, den Staubwcg, Kitt, durch diesen auf den Frnchtbodcn, gleichsam den Mutterkuchen, geleitet wird, tunn sich ein fruchtbarer Samen ansbildcn. Schneidet man z. B. die Staub- 27*420 faden, welche die männlichen Geschlcchtsthcilc vertreten, ans einer Blume weg, so bringt sie keinen Samen; wie auch die Blume unfruchtbar bleibt, wenn der Stanb- weg abgeschnitten wird. Es hat diese Erfahrung zu mancherlei Versuchen Anlaß gegeben, indem man nahe verwandte Pflanzenartcn gegenseitig befruchtete, und so Bastardartcn erzeugte. Die Blumisten machen von dieser Methode-häufig Ge brauch, um neue Varietäten zu erzeugen. Nicht alle Pflanzen inklinircn dafür, cs gibt auch solche, welche ihr Geschlecht keusch bewahren. Die Kohlarten, die Stangen- und Kruppbohnen, Erbsen u. s. w. gehen sehr leicht zu Bastardarten über; darum pflanzt selbst der gewöhnliche Gärtner z. B. nie Blätterkohl und Kopfkohlpflanzen, welche Samen tragen sollen, ans ein und dasselbe Beet. Wie das Samenkorn alle Anlagen zu einem neuen Individuum in sich tragen muß, so trägt auch das Auge alle diese Bedingungen in sich. Darauf beruht die Kunst des Okulirens und das Erziehen der Pflanzen aus Stecklingen. Nur wo ein vollkommenes Auge eingesetzt wird, nur wo der Steckling mit einem vollkom menen Auge in die Erde gesenkt wird, kann sich ein Wnrzelshstcm und aus diesem eine vollkommene Pflanze bilden. Die Bermehrnngskraft und die Fruchtbarkeit der meisten Pflanzen ist erstaun lich groß. Eine Mohnpflanzc mit vier Samenkapseln hatte nach Grew'ö Berech nung 32,000 Samenkörner, die alle die Anlagen in sich trugen, neue Pflanzen zu bilden und eine eben solche Menge von Samen hervorzubringen. Ray zählte bei einer Sonnenblume 3000 Samenkörner, und eine einzige Tabakspflanzc soll 360,000 Samen Hervorbringen. Bei den Pflanzen, die auf niedriger Stufe stehen, z. B. bei den Moos- lind Farrenkräutern, ist die Vermehrung noch weit stärker. Ucbrigenö bewahrheitet sich auch im Pflanzenreiche die Erfahrung, daß alles Edle, Vorzügliche seltener ist, als das Gewöhnliche, Gemeine. Für das Fortkommen deö Unkrautes braucht man nicht zu sorgen, wohingegen manche edle Pflanzcngattnngcn nur unter den günstigsten Verhältnissen fortkommcn. Die Lebensdauer der Pflan zen ist sehr verschieden und von vielen sogar ungewiß, wie hoch sic eigentlich ihr Alter bringen können, wenn ihr Leben durch keine äußere Gewalt unterbrochen wird. Einige Schwämme leben vielleicht nur einen Tag, andere etliche Tage oder Wochen. Sehr viele Pflanzen sind sogenannte Sommergcwächsc, und sterben gleich nach dem Sommer, in welchem sic anfgcwnchscn sind, Blüthen und Fruchte getragen haben, ab; andere erreichen ihre Bestimmung erst im zweiten Jahre, und werden deshalb zweijährige Pflanzen, diejenigen endlich, welche länger dauern, heißen percnnircndc Pflanzen. Man gebraucht indessen diesen Ausdruck in der Regel nur von solchen Pflanzen, die als Standen jedes Jahr neue Stengel trei ben. Die Bäume erreichen das höchste Alter, und unter diesen ist ebenfalls wie der ein Unterschied. Man hat Linden gekannt, welche über 400 Jahre alt waren. So die Linde zu Neustadt am Kocher, welche 1229 schon ein großer Baum war, und deren Stamm 1841 bereits 32 Fuß maß. Auch die Eiche wird über 500 Jahre alt. In Hindostan wollen Reisende einen Wurzclbanm, der zu den Feigcnartengehört, getroffen haben, der über 2000 Jahre alt sein soll. Bei der näheren Beschreibung werden wir darauf zurückkommen. Wenn auch manche Pflanzen in allen Zonen gedeihen, so steht cs doch fest, daß die Verbreitung der Pflanzen auf klimatischen Verhältnissen beruht. Gruppirt man namentlich die Pflanzen in natürliche Familien, so zeigen sic uns in der Ver breitung ihrer Formen ans der Oberfläche eine merkwürdige Gesetzmäßigkeit, auf deren Verhältnisse zuerst A. v. Humboldt aufmerksam machte. Man findet ge wisse Formen häufiger vor, vom Aequator gegen die Pole hin, z. B. Gräser, kätzchentragcnde Pflanzen, Haide- und Schneeroscn. Von den Polen nach dem Acgnntor hin treten Malven, Farbenröthc, Hülsenfrüchte und Euphorbien häufiger ans, und können deshalb in unserer geographischen Breite als südliche Formen an gesehen werden. Wieder andere Pflanzen erreichen das Maximum ihres Fort kommens in den gemäßigten Zonen, und nehmen sowohl nach dem Aequator als dem Pole hin ab: es sind dies die Dolden, die Zusammengesetztblütigen, Kreuz- und Lippenblumen. Die Farrenkräuter zeigen endlich das cigenthümliche Verhält nis;, unter den mittleren geographischen Breiten am seltensten zu werden, dagegen nach den Polen und dein Aequator hin zuzunehmen; nur mit dem Unterschiede, daß sic in der kalten Zone in kleinen Formen erscheinen, während sic in der heißen Zone in großen, zum Thcil baumartigen Formen auftreten. — Jede Zone hat daher ihren cigcnthnmlichcn Vegetations-Charakter. A. v. Humboldt spricht sich in seinen Ideen zu einer Geographie der Pflanzen darüber also ans: „Auf der Schönheit der einzelnen Formen, ans dem Einklänge oder dein Kontraste, welcher ans ihrer natürlichen Gruppirnng entsteht, ans der Größe der organischen Massen und der Intensität des Grünes beruht der Vegetations-Charakter einer Zone. Viele Gestalten, und gerade die schönsten, die der Palmen, der Vanancn- gewächsc und der baumartigen Farrenkräuter und Gräser, fehlen gänzlich den nördlichen Erdstrichen. Andere, z. B. die der gefiederten Blätter, sind darin sehr selten und minder zart. Die Zahl der baumartigen Pflanzen ist darin ge ringer, ihre Krone minder hoch und belaubt, seltener mit großen, prachtvollen Blüthcn geziert, als in den Tropenländern. In diesen allein hat die gestaltende Natur sich ergötzt, alle Pflanzenformen zu vereinigen. Selbst die Nadelhölzer, welche ans den ersten Anblick zu fehlen scheinen, finden sich nicht bloß ans dem hohen Rücken der Andcs, sondern selbst in den wärmeren Thälcrn von Xalappa, und hier und da bei Lora. Die Physiognomie der Vegetation hat unter dem Aequator im Ganzen mehr ®vöjje, Majestät und Mannichfaltigkeit, als in der gemäßigten Zone. Der Wachs- ölanz der Blätter ist dort schöner, das Gewebe des Parenchym« lockerer, zarter und saftvoller. Kolossalischc Bäume prangen dort ewig mit größeren, vielfarbige ren, dustcndcrcn Blumen, als bei uns niedrige, krautartige Stauden. Alte, durch Licht verkohlte Stämme sind mit dem frischen Laube der Panlinen, mit Pathos422 und mit Orchideen bekränzt, deren Bliithc oft die Gestalt und daö Gefieder der Colibri nachahmt, welchen sic den Honig darbictct. Dagegen entbehren die Tropen fast ganz das zarte Grün der weiten Gras- flnrcn und Wiesen. Ihre Bewohner kennen nicht das wohlthätigc Gefühl dcö im Frühlinge wieder erwachenden, sich schnell entwickelnden Pflanzcnlcbcnö. Die sorg same Natur hat jedem Erdstriche eigene Vorzüge verliehen. Die vegetabilische Fiber, bald dichter, bald lockerer gewebt, Gefäße ausgedehnt und von Saft strotzend, oder früh verengt und zu knorriger Holzmasse erhärtend, größere oder geringere Intensität der Farbe, nach Maßgabe des DcsoxydationSprozcsses, welchen der rei zende Lichtstrahl erregt: diese und ähnliche Verhältnisse bestimmen den Charakter der Vegetation in jeder Zone. Die große Höhe, zu welcher der Boden sich über der Wolkenregion unter dem Aeqnator erhebt, gewährt den Einwohnern dieser Gegend daö sonderbare Schauspiel, daß sic außer den Bananengewächsen und Palmen auch von Pflanzen formen umgeben sind, welche man oft den europäischen und nordasiatischcn Klima- ten eigen glaubt. Die heißen Thälcr der Andeskette sind mit Heliconien »nd feinblättrigen Mimosen geschmückt. Höher hinauf wachsen banmarige Farrcn- kräuter, und die Pflanze, deren Rinde das wohlthätigstc Heilmittel gegen das Fieber enthält. In dieser milden Region der Cinchona, und weiter auftvärts, erheben sich Eichen, Tannen, Cyprcssen, Berberis, Brombeersträuche, Ellern und eine Menge von Gewächsen, denen wir eine nordische Physiognomie zuznschrciben gewohnt sind. So genießet der Tropenbcwvhncr den Anblick aller Pflanzen formen. Die Erde offenbaret ihm ans einmal alle ihre vielfachen Bildungen, wie die gestirnte Himmclsdcckc von Pol zu Pol ihm keine ihrer leuchtenden Welten verbirgt." Wir könnten endlich nun noch einige Bemerkungen auknüpfen über sogenannte abklimatisirte Pflanzen, d. h. Pflanzen, die dilrch die Kunst nach und nach an ein Klima gewöhnt werden, welches ihnen ursprünglich fremd war; ferner über den Nutzen, den uns die Pflanzen in jeder Beziehung gewähren: allein wir werden das Nöthige in der folgenden Beschreibung der Pflanzen nachholcn. T e r m i n o l o g i c. Die Terminologie (Glossologie) hat es, wie schon oben bemerkt, damit zu thun, die Ausdrücke kennen zu lehren, wodurch die verschiedenen Theilc und Eigenschaften der Pflanzen genau bezeichnet werden. Als Hnnptthcilc der Pflanzen haben wir bereits die Wurzel, den Staimn, die Blätter, Blüthcn und Früchte bezeichnet. Lernen wir nun die einzelnen Formen und ihre Beziehung näher kennen.423 D i c Wurzel. Die Wurzel einer Pflanze ist derjenige Thcil, welcher meist in die Erde hinein geht und durch welche der Pflanze die nöthige Nahrung zugeführt wird. Doch nicht nur durch die Wurzeln erhält die Pflanze ihre Nahrung, sondern sie sangt solche auch durch Stamm und Blätter in sich. Wiederum dienen die Wurzeln nicht nur zum Aufnehmcn dcrSäflc, sondern auch zur Absonderung. Der Hauptzweck der Wurzeln ist der, daß sic der Pflanze zur Befestigung dienen. Die Formen der Wurzeln sind verschieden und fuhren darnach besondere Namen. Bei vielen Pflanzen ist hauptsächlich ein senkrecht in die Erde hinab sich erstreckender, dickerer Thcil zu unterscheiden, ans welchem nach allen Seiten hin die feineren Wnrzelfascrn entstehen; man nennt sic wnrzelstockige oder Pfahl-Wurzel. Andere Wurzeln bestehen aus einer Menge feiner Fasern, welche unmittelbar am Stengel festsitzen. Man unterscheidet ferner die Wurzeln nach ihrer Gestalt in walzenförmige, spindelförmige, z. B. bei den Mohrrüben; — in rund liche, rnbcnförmigc, wie bei dem Nettig; — in knollige, wie bei den Georginen und Kartoffeln; — Hand förmig, fingerförmig, wie bei einigen Orchideen. Dann gibt cS auch zwiebclförmigc Wurzeln, welche man cin- thcilt in feste, die ans einer gleichförmigen Masse bestehen, wie z. B. bei den Tulpen und den Crocusarten; in häutige, wo mehrere Häute einander umschließen; z. B. bei der gewöhnlichen Zwiebel, und in schuppige, wie bei der Lilie. Die Oberfläche der Wurzel ist entweder glatt, höckerig, geringelt oder narbig, Ausdrücke, die keiner besondern Erläuterung bedürfen. Betrachtet man den inneren Bau einer Wurzel, so ist derselbe fleischig, wenn die Wurzel sehr saftig, aber dabei wenig faserig ist; hohl, wenn sie nicht ausgefiillte Räume enthält; fächerig, wenn mehrere geschiedene Höhlungen sich in derselben befinden, z> B. beim Wasserschierling. Der Stamm, Stengel, Schaft, Halm, Strunk. Derjenige Theil der Pflanze, welcher unmittelbar ans der Wurzel kommt und der Träger der Blätter, Blnthcn und Früchte ist, heißt bei einigen Pflanzen Stamm, bei andern Stengel, Schaft, Halm, Strunk u. s. w. Der Name Stnnun kommt den baumartigen und strauchartigen Gewächsen zu, und ist der holzige Thcil, der unmittelbar ans der Wurzel cmpvrschicßt. Treibt die Pflanze nur einen kräftigen, holzigen Stamm, so gehört sie zu den Bäumen, bei den Stränchern aber thcilt sich der Staüim gleich über der Erde in Acste und Zweige. Wenn wir einen quer durchschnittenen Baumstamm betrach- wn, so werden wir in den einzelnen Theilen große Verschiedenheit bemerken. Das Aenßcre des Stammes ist die Rinde, und unter dieser liegt der Bast, darauf folgt derSplint, auf diesen das Holz und in der Mitte befindet sichdasMark.424 Jc älter ein Baumstamm ist, desto weniger Mark hat er. Der Splint bildet sich nach und nach zu Holz, und kann man ans der Zahl der Ringe ans das Alter eines Stamines -schließen. Eine besondere Art des Stammes ist der Stock, der unten so dick ist wie oben, keine Acstc und Zweige hat und sich an seinem Gipfel in einem Blättcrbüschel endigt, z. B. bei den Palmen. Der eigentliche Stengel ist krautartig und geht nie in völlige Ver holzung über. Er ist meistens mit Blattern versehen, und zertheilt sich nicht selten nach oben in mehrere Aestchen. Ist dies aber nicht der Falt, so nennt man ihn nackt. Schaft nennt man einen nackten Stengel, der nur Blnthen, aber keine Blatter trägt, z. B. bei den bekannten Maiblümchen. Der Halm der Gräser ist ein Stengel, der ans mehreren, durch Knoten von einander abgeson derten Gliedern besteht, inwendig meistens hohl und außen abwechselnd mit Blättern besetzt ist. Man nennt den Halm, wenn er sehr stark ist, auch Rohr. Strunk oder Stiel heißt der Stengel der Pilze, der Flechten und anderer Gewächse. Die übrigen Benennungen des Stammes, des Stengels re. werden bedingt ]) durch die Dauer und Beschaffenheit, 2) durch die Richtung, 3) durch die Thei- lnng, 4) durch die Gestalt und 5) durch die Beschaffenheit der Oberfläche. Be zeichnen wir nun im Allgemeinen den Thcil der Pflanze, der unmittelbar ans der Wurzel empor schießt, mit dem Namen Stamm, so kann derselbe sein: 1) nach seiner Dauer einjährig, wozu alle Sommergewächse gehören; zweijährig, oder ausdauernd, perennircnd. Nach der Beschaffenheit ist der Stamm entweder bäum-, st rauch- oder kr aut artig. Was 2) die Benennung des Stammes nach seiner verschiedenen Richtung betrifft, so haben wir nicht zu erklären, was an fr echtstehend, hängend, kriechend re. ist. Was 3) die Theilung des Stammes anbctrifft, so ist dieselbe entweder regelmäßig oder unregelmäßig. Thcilt sich ein Stamm in zwei Acstc und diese wieder in zwei, so nennt man solches gabelförmig, thcilt er sich in drei Acstc, drcitheilig n. s. w. Wenn die Theilung des Stammes nicht regelmäßig ist, so entlehnt man die Benennung von der Aehnlichkeit mit andern Dingen, z. B. pyramidenförmig, giebel- förmig ii. s. w. Endlich nennt man ihn zerstreut oder nusgcbreitet, wenn seine Verästelung weder im Einzelnen noch im Ganzen regelmäßig erscheint. Be- urtheilt man 4) den Stamm nach seiner Gestalt, so nennt man ihn rund oder kantig, jc nachdem er Kanten oder keine hat. Der Stengel der Narcisse ist zusammengedrückt. Jc nach der Zahl der Kanten ist der Stamm drei-, vier-, fünfkantig u. s. w. Die Oberfläche des Stammes ist entweder glatt, punk- tirt, gefleckt, behaart, filzig, dornig, stachelig n. s. w. Alle diese Ausdrücke sind so bezeichnend, daß cs überflüssig ist, dieselben näher zu erklären.425 D i e Blätter. Blätter nennt man die gewöhnlich grünen häutigen Flächen, welche ans dem Stamm oder den Aeslen, oder auch unmittelbar ans der Wurzel entspringen. Ist ein Blatt lang und schmal, sv nennt man dasselbe linienförmig, läuft ein solches Blatt nach der Spitze hin ab, so heißt es pfriemenförmig.' Man unter scheidet ferner: lanzettförmige, keilförmige, spatclförmigc, eiförmige, herzförmige re. Blätter, je nachdem sic niit einem Dinge dieser Art Aehnlich- keit haben. Zur Beranschanlichung wollen wir einige.Beispiele anführen. Das Nabelkrant hat ein kreisrundes Blatt; das Blatt des Maiblümchens ist elliptisch; eirund ist das Blatt beim Hasenöhrchen; lanzettförmig sind die Blätt chen des Waldmcistcrlcin; bei der Hasclwnrzel ist das Blatt nierenförmig; beim Pfeilkraut pfeilförmig. Um diePslanzcnblätter richtig zn bezeichnen, muß man ferner auch Rücksicht ans die Ränder nehmen. Ist der Rand eines Blattes gar nicht eingeschnitten, so nennt man daö Blatt ganzrandig. Ist der Rand mit feinen Härchen besetzt, so heißt daö Blatt gewimpert. Gekerbt ist ein Blatt, wenn die Ränder hervorragende, abgerundete, durch einwärts gehende Winkel von einander getrennte Abtheilungen haben. Bilden die Abtheilungen kleine, hcrvor- springende Zähne, so heißt das Blatt gezähnt, und sind diese Zähne den Zäh nen einer Säge ähnlich, so nennt man das Blatt gesägt. Solcher Benennungen gibt cs mehrere, die sich aber leicht erkläre» lassen. Die Oberfläche des Blattes ist entweder nackt, behaart, borstig, filzig u. s. w. Auch hat man darauf a" sehen, ob die Blätter gerippt oder rippen los; ferner ob sic glatt, kraus, drüsig oder durchbohrt sind. Rücksichtlich der Stelle, welche die Blätter cin- nehinen, heiße» sic Würzelblätter, wenn sic ans der Wurzel wachsen; Sten ge lblätter, wenn sie ans dem Stamme oder den Zweigen Hervorbrechen; blü- thcnständig, wenn sic bei den Blumen stehen, in welchem Falle sie auch den Namen Nebenblätter erhalten. Sicht man auf die Art und Weise, wie die Blätter am Stengel festsitzcn, so sind sie gestielt, wenn sie einen Blattstiel haben; sitzend, wenn sic nicht damit versehen sind; schildförmig, wenn der Stiel ungefähr in der Mitte der untern Fläche sitzt; stengelnmfassend, wenn der untere Thcil des Blattes den Stengel niehr oder weniger umgibt. Die Blätter stehen am Stengel zerstreut, oder gegenüber, oder sternförmig, oder wechselweise, oder dachziegclfvrmig, oder büschelweise, oder gepaart. Stehen auf einem gemeinschaftlich nicht gcthciltcn Blattstiele mehrere kleinere Blättchen, sv nennt man ein solches Blatt einfach gefiedert; doppelt gefiedert aber solche, deren Hanptstiel in mehrere kleinere Stiele gethcilt ist, wovon ein jeder mehrere Blättchen trägt. Es gibt sogar dreifach gefiederte Blätter. Die blüthenständigen Nebenblätter werden auch Deckblätter genannt, weil sie zum Schutz der nachstehenden Blüthcn da sind. Die Scheide ist ein eigen-426 thümlichcs Deckblatt, lvelchcs meist seine Oeffnungen an der Seite hat und An fangs geschlossen ist. Onirlartig gesteckte Deckblätter werden auch Hülle ge nannt. Sie dient in der Regel mehreren Blüthcn zmn Schutze. Findet sich un terhalb des Blattstieles, oder oberhalb des Blattes noch ein blattartigcr Ansatz, z. B. bei den.Pomeranzen, bei Rosensträuchern, so erhält ein solcher Ansatz den Namen Nebenblatt. Die Blume. Was man im gewöhnlichen Leben unter Blume versteht, ist jedem Leser- bekannt. Man unterscheidet indessen Blumenkrone, Kelch, Staubfäden, Stempel und Fruchtknoten von einander. Der Leser denke sich eine Nelke, die farbigen Blätter bilden die Blumen kröne. Diese wird von einer grünen Hülle umschlossen, welche man Kelch nennt. In diesem Kelche steht ans den, Grunde ein kugelförmiger Körper, der Fruchtknoten, und ans diesem Frucht knoten stehen zwei Fäden, welches die Staubwcgc oder Stempel sind. Die Nelke hat deren zehn. Beschreiben wir nun die einzelnen Theilc der Blume, in welchen verschiedenen Formen rmd Verhältnissen sie Vorkommen. Die B l n m e n l r o n e. Die Blumen kröne, die innere unmittelbare Hülle der Geschlechtsorgane, so nennt man nämlich Staubfäden und Stempel, ist gewöhnlich der schönste und glänzendste Thcil der Blume. Betrachten wir die Bildung der Blnmenkrone, so unterscheiden wir solche, welche nur ans einem Stück, und solche, welche ans meh reren Thcilcn bestehen. Erstere nennt man einblättrige, letztere vielblättrige Blumenkronen. Die viclblättrigcn Blumenkronen bestehen, wie sich von selbst versteht, ans mehreren Thcilcn; die einblättrigen Blumenkronen sind nur bisweilen durch Einschnitte in mehrere Theilc gethcilt. Bei beiden Blumen formen können nun diese Theilc unter sich gleich sein, in welchem Falle die Blume regelmäßig heißt; sind aber diese Theile in Form oder Größe von einander verschieden, so nennt man sie unregelmäßig. Demnach hätten wir: 1) einblättrige regelmäßige, 2) einblättrige unregelmäßige, 3) viclblättrige regelmäßige und 4) vielblättrige unregelmäßige Blumenkronen. Einblättrige regelmäßige Bliimcilkrone». Die einblättrigen regelmäßigen Blnmenkronen nennt man a) röhrig, wenn die Röhre sehr lang ist und beinahe keinen Saum hat, z. B. bei dein gemeinen Haidekraut; b) glockenförmig, wenn keine deutliche Röhre vorhanden ist, son dern die Blnmenkrone die Gestalt einer Glocke hat, z. B. bei der Glockenblume; o) trichterförmig, wenn die Röhre an ihrem Grunde sehr enge ist und sich427 allmälig in Form eines Trichters erweitert, z. B. bei der Winde; ä) präscn- tirtellcrförmig, wenn die Röhre sehr enge ist und sich der Saum flach aus breitet, z. B. beim Jasmin; o) radförmig, wenn die Röhre sehr klein, fast unbemerkbar ist und sich der Saum ausbrcitet, , 3 . B. bei dem Boretsch. Einblättrige unregelmäßige Blnmcnkroncn. Bevor wir die einzelnen Formen der einblättrigen unregelmäßigen Blumen kronen beschreiben, müssen wir unsere Aufmerksamkeit noch auf Folgendes richten. Der Leser kennt gewiß das so beliebte Gänseblümchen, auch Masliebchen genannt. Nimmt man ein solches Blümchen, und holt mit der Spitze eines Feder messers eines der gelben Röhrchen heraus, so findet man, daß dieses Röhrchen ein vollständiges Blümchen für sich ist. Eben so bildet jedes weiße Strählchen, welche rings um die gelben Röhrchen stehen, Blümchen für sich. Alle diese Blüm chen sind von einem gemeinschaftlichen Kelche umschlossen, und tveil das Masliebchen also gleichsam aus mehreren Blümchen zusammengesetzt ist, so nennen wir diese Blume eine znsammcngcsctztc Blume, im Gegensätze zu einer einfachcn Blume. Der Löwenzahn, der Bocksbart, die Scabiosc, die Georgine haben zu sammengesetzte Blumen , d. h. die Blumen dieser Pflanzen bestehen aus mehreren einzelnen Blümchen, welche von einem gemeinschaftlichen Kelche umschlossen sind. Nun werden nachfolgende Begriffe besser verständlich sein. Die einblättrige un regelmäßige Blnmenkrone heißt a) cinlippig, wenn der Saum bloß ans der einen Seite nach Art einer Lippe verlängert ist, z. B. beim Gamander; b>) band- odcr strahlenförmig, wenn sich der Saum bloß nach einer Seite in einen Strahl verlängert, z. B. beim Löwenzahn; 0 ) zw cilip pig, wenn der Saum durch einen Einschnitt in zwei lippcnähnlichc Thcilc gctheilt wird, von welchem man eine obere und eine untere Lippe unterscheidet, z. B. bei der weißen Taubnessel; 4) m askirt, wenn die zwei Lippen sich nach dem Schlunde hin zusammcnschließcn, oder doch wenigstens einander näher», z. B. beim Löwenmaul. Die übrigen For- Ulcn werden nach der Achnlichkcit benannt, welche sic mit andern Gegenständen haben, z. B. fingerhutförmig u. s. w. Biclblättrigc regelmäßige Blumcukroiie». Dieselben sind a) kreuzförmig, wenn sie ans vier, in einem Kreuze stehenden Blumenblättern bestehen, z. B. die einfache Levkoje; b) rosenartig, tocmt 3, 5 oder gar 10 Blumenblätter in Form einer Rosette zusammen stehen und man an den einzelnen Blättern keinen in die Augen fallenden Nagel be merkt, z. B. die Erdbeerblüthe, die Rose u. s. w.; 0 ) nclkenartig, wenn die Blume ans fünf Blumenblättern besteht, welche sehr lange Nägel haben, z. B. die Nelke.428 Vielblättrige unregelmäßige Blumcilkroncn. Die wichtigste Form unter dm vielblättrigen unregelmäßigen Blumenkronen ist die Schmetterlings form. Diese besteht aus vier ungleichen Blättern, die immer auf dieselbe Weise gestellt und mit besonderen Namen bezeichnet worden sind. Z. B. die Blume des Ginsters gehört zu den Schmetterlingsblumeu. Der obere Theil heißt die Fahne, die zu beiden Seiten sich befindenden Blättchen heißen Flügel und der untere Theil heißt das Schiffchen oder der Kiel. Die übrigen vielblättrigen unregelmäßigen Blumenkronen werden nach ihren ver schiedenen Aehnlichkeiten, welche sie mit andern Dingen haben, benannt, z. B. der Sturmhut u. s. w. Der Kelch. Unter Kelch versteht man denjenigen Theil der Blume, der die Blumen blätter vor dem Aufblühen der Blume umschließt, und diesen also gleichsam zum Schutze dient. Man kann den Kelch als eine Fortsetzung der Pflanzenblättcr an- sehen; denn in den meisten Fällen hat er deren Farbe, und sind die Kelchblätter auch mit Blattrippen versehen. Man hat die eigentlichen Kelchblätter von den Nebenblättern, welche gleichsam einen zweiten Kelch bilden, und von den Dcckblätt- chcn, kleinen Blättchen, welche sich bisweilen unter dem Kelche befinden, zu unter scheiden. Was die Form der Kelche betrifft, so bestimmt man dieselbe ans die nämliche Weise, wie die Formen der Blumenkronen bestimmt werden: in regel mäßige und unregelmäßige u. s. w. Nicht alle Blumen sind mit einem Kelche versehen. Diejenigen Blumen, denen der Kelch fehlt, werden unvollständige, und jene, welche einen Kelch haben, werden vollständige Blumen genannt. Bei der Bestimmung mancher Pflanzen kann man sich leicht täuschen, indem bei einigen Blume» die Kelche so gleich nach dem Anfbrechen der Blüthen abfallen, z. B. beim Mohn, bei einigen Rannnkelarten u. a. m., wodurch man verleitet werden kann, die Pflanzen zu den unvollständigen Blumen zu zählen. Die meisten Blumen der Zwiebelgewächse entbehren dcö Kelches, haben aber in der Regel dafür eine Blume lisch ei de, Blumen hülle, wie man z. B. bei den Crocnsarten, den Narzissen sehr deutlich sehen kann. Wieder gibt cs Pflan zen, welchen die Blnmenkrone zu fehlen scheint, indem die vorhandene Blüthe nach Farbe und Gestalt mehr das Ansehen eines Kelches, als einer Krone hat. Bei noch andern Pflanzen scheint der Kelch mit der Krone verwachsen zu sein, z. B. bei der Vogelmilch. Bei den zusammengesetzten Blumen, z. B. dem Mas- liebchen, dem Löwenzahn rc., unterscheidet man, wie wir dies bereits oben gesehen haben, einen besonder» und einen gemeinschaftlichen Kelch. Bei dem Kelche ist ferner darauf Rücksicht zu nehmen, ob er a) ganzrandig, d. h. ohne Ein schnitte; b) gekerbt, d. h. mit kleinen Einschnitten versehe»; c) bis zur Mitte429 gespalten; d) über die Mitte gespalten ist. Bei den lipp'cnförmigen Blumen nennt man die Kelchabschnitte Zähne. So hat z. B. der Kelch der weißen Taubnessel fünf Kelchzähne. Stand der Blumen. Um eine Pflanze genau beschreiben zu können, muß man auch den Stand der Blumen zu benennen wissen. Man unterscheidet: 1. Den einfachen Blüthcnstand. Dieser zerfällt wieder a) in die einzeln stehende Blume, l>) die doppelten Blumen, wenn je zwei und zwei bcisam- Men stehen, o) die drcizähligcn Blumen, wenn je drei und drei beisanimcu stehen. 2. Den Kolben. Dieser besteht in einer ziemlich großen Anzahl sitzender, auf einer mehr oder weniger angcschwvllcncn und von einer Blmncnschcidc um gebenen Achse eingerückter Blumen, z. B. Aronwurz. 3. Das Blumenkorbchcn. Dies ist die schon oben erklärte zusammen- gcsetztc Blume. 4. Das Köpfchen. Blumen stehen in einem Köpfchen, einer Kugel, wenn Mehrere Blumen am Gipfel des Stengels eine kugel- oder halbkugelförmige Ge stalt zeigen, z. B. der Klee. 5. Den Blumenbüschcl, der von mehreren einblnmigen Blumenstielchen, die alle von einem Punkte ansgchcn und sich alle zu derselben Höhe erheben, ge- dildct wird, z. B. die Karthäusernclke. 6. Die Dolde, sic ist diejenige Anordnung der Blumen, wo mehrere Blumenstiele, die alle von demselben Punkte ausgehen, wie die Stäbe eines Regen schirms, ein jeder wiederum in eine bestimmte Anzahl cinblumiger Blumenstielchen getheilt ist, die man zusammen genommen besondere oder kleine Dolde nennt, z. B. der Schierling. 7. Die Afterdoldc, welche der Dolde ähnlich sieht. Die Blumenstiele gehen alle aus der Spitze eines Hauptblumcnsticls hervor, theilen sich aber gleich darauf unregelmäßig, z. B. der Flieder. 8. Die Doldcntraubc, bei welcher sehr ästige Blumenstiele von ver schiedenen Punkten des Stammes ansgchcn, sich aber fast in ein und derselben Hähc endigen, z. B. die Schafgarbe. 9. Die Rispe, bei welcher die Blumen auf einzelnen Blumenstielen sitzen, d'c sich ans verschiedene Weise verästeln, und alle längs der Achse eines gemein schaftlichen Blumenstiels eingesenkt sind. kO. Den Strauß, eine der Rispe ähnliche Zusaimucustcllung, indessen stehen die Blumen gedrängter und bilden ein Oval, z. B. der Hartriegel. 11. Die Traube, bei welcher die Blumen in Traubcnform um den Sten- sitzen, z. B. bei der Johannisbeere.12. Die Aehrc, bei welcher viele Blumen mit kurzen Sticlchcu «tt einem laugen Blumenstiel, die Spindel genannt, befestigt sind, z. B. bei den Gctre i dcarten. 13. Das Kätzchen, ist ein langer, fadenförmiger, allezeit einfacher, mit Schuppen dicht bedeckter Stiel, und befinden sich unter den Schuppen die Staub fäden, Stempel rc., z. B. bei der Weide. 14. Den Quirl, eine Gruppe von Blumen, welche den Stamm kreisför mig umgeben, und von einer Entfernung zur andern Kränze oder Ringe bilden, z. B. bei der Münze. Der F r ii ch t k n o t e n ist der schon in der Blume sichtbare Keim der Frucht, er enthält und beschützt die Samen von ihrem Entstehen an bis zur Reife. Ans den Standort und auf die Beschaffenheit der Fruchtknoten muß man aufmerksam Rücksicht nehmen, wenn man eine Blume richtig bestimmen will. Steht der Knoten innerhalb des Kelches oder der Blumenkrone, so sagt man von ihm, er steht frei im Grunde des Ketchcs oder der Krone. Ist dies ober nicht der Fall, so steht er unter dem Kelche oder ist mit demselben verwachsen. In der Primel steht der Fruchtknoten frei, bei der Rose ist er mit dem Kelche verwachsen. Auf die Zahl der Knoten ist gleichfalls zu achten. Einige haben einen Fruchtknoten, andere zwei, drei, vier oder mehrere; z. B. die weiße Taubnessel hat vier und die Erd beere viele Fruchtknoten. Wie schon gesagt, der Fruchtknoten ist der Behälter für den Samen, und tritt als solcher in verschiedenen Formen auf. Ein trockenes Samenbehältniß heißt im Allgemeinen eine Kapsel. Ist die Kapsel langgestreckt, zwciklappig, mit Samen, welche an den beiden Näthcn sitzen, so nennt man sic Schote. So hat der Raps Schoten. Schötchcn nennt man sic aber, wenn die Länge im Verhältniß zur Breite nicht beträchtlich ist. Befinden sich bloß in solcher langen Samenkapsel längs der einen Rath die Samen, so nennt man sic Hülse, z. B. bei den Bohnen. Eine saftige und fleischige Frucht, welche die Samen ohne Kapsel umschließt, heißt eine Beere. In der Steinfrucht ist eine Nuß enthalten, und in dem Apfel sind die Samen von einer besonderen Kapsel umschlossen. Um eine besondere Ucbcrsicht zu gewinnen, wollen wir alle Früchte ans fol gende Hanptforinen zurückführen: A. Früchte mit steinharter Samenhülle. Solche Früchte heißen Nüsse, oder wenn sie klein sind, Nüßchen. B. Früchte mit häutiger oder lederartiger Samenhülle. 1) Einfächerige Kapsel. 2) Zwei- und mehrfächcrigc Kapseln.431 6. Früchte mit weicher, saftiger, fleischiger, äußerer Samenhülle. 1) Steinfrucht. 2) Apfclfrucht. 3) Beere. 4) Die uuechte Frucht, wo dieselbe nicht aus dem bloßen Fruchtknoten und Blumentheilen entstanden, sondern noch eine besondere Hülle aus Deckblättern u. s. w. erhalten hat; z. B. die Früchte der Feigen bäume, des Wachholdcrstrauchcö n. s. w. Der Stempel. Der Stempel, Stanbwcg oder das Pistill steht in der Regel in der Mitte der Blume. Man unterscheidet an dem Stempel drei Theile: a) den Fruchtknoten, den wir bereits kennen; b) den Griffel und e) die Narbe. Letztere bildet den obersten Tchcil des Stempels und erscheint in verschiedenen Ge stalten. Bei der Lilie ist sic dreieckig und fleischig, bei dem Bilsenkraut halb- kugelförmig, köpf förmig und nach der Art eines Pinsels gestaltet bei dem Sinngrün, becherförmig bei dem Stiefmütterchen und krönen artig bei der Fris. Die Narbe hat zwei verschiedene Lagen, sic ist entweder sc itwär ts- stehend oder zipfclständig. Die Oberfläche ist bald glatt, bald fe derar tig, klebrig n. s. w. Die Narbe sitzt manchmal, wenn der Griffel fehlt, un mittelbar auf dem Fruchtknoten, z. B. bei den Papaver-Arten; die Narbe aber fehlt niemals. Der Griffel ist eine faden- und säulenförmige Röhre, welche dazu dient, den Blüthcnstanb, welchen die Staubbeutel in die Narbe wer fen, nach dem Fruchtknoten hinznlcitcn, wodurch sich der Same gestalten kann. gibt Pflanzen, welche einen Stanbwcg, und Pflanzen, welche mehrere Stanb- lüc Qc haben. D i e S t a n b f ä d c u. Diese stehen in der Regel um den Stempel oder Stanbwcg und sind an ihrem oberen Ende mit einem Bentelchen versehen, in welchem der Blüthenstaub, ber zur Bildung des Samens dient, enthalten ist. Stehen sic nicht um den Stempel, so stehen sic entweder unter, oder über dem Stempel. Die Zahl ber Staubfäden ist bestimmt, wenn sic nicht über zwölf hinausgeht; ist dies aber der Fall, so sagt man, die Zahl der Staubfäden ist unbestimmt. Es gibt Pflanzen, in denen die Staubfäden stets einander gleich sind, und wieder andere, in welchen kürzere und längere Staubfäden Vorkommen. Die Staub faden sind manchmal miteinander verwachsen, und bilden zusammen eine Haut ader Röhre, ans welcher die einzelnen Staubbeutel aber deutlich zu unterscheiden stnd, z. B. bei den Malven, den Bohnen; oder die Staubbeutel sind miteinander ^erwachsen und die Fäden sind einzeln zu unterscheiden, z. B. bei den Kartoffel- blunien. Im ersten Falle, wo die Staubfäden miteinander verwachsen sind,432 unterscheidet man die Zahl der verwachsenen Bündel, und gibt an, ob ein, zwei, drei oder mehrere Bündel vorhanden sind. Nun hätten wir unsere Aufmerksamkeit darauf zu lenken, ob Staubfäden und Stempel in einer Blume vorhanden seien. Hier gibt cs nun folgende Fälle: 1) Staubfäden und Stcinpel sind allezeit in ein und derselben Blume vorhanden. In dicscin Falle nennt man sie eine Zwitterblume. 2) Einige Blumen haben bloß Staubfäden, andere bloß Stempel; jene nennt man männliche, diese weibliche Blumen, und solche Pflanzen gehören zu den Pflanzen mit getrennten Geschlechtern. Bei die sen Pflanzenarten hat man darauf zu sehen, ob die männlichen und weiblichen Blumen auf ein und demselben Stocke Vorkommen, wie z. B. bei den Haselnüssen; oder ob einige Stöcke nur männliche, andere nur weibliche Blüthcn tragen, z. B. bei den Weiden. Jene nennt man einhäusige, diese zweihäusige Pflanzen. Dann gibt es aber auch Pflanzen, welche Blumen mit getrennten Geschlechtern und zugleich Zwitterblumen haben. Diese Pflanzen gehören zu den Arten mit halbgctreuntem Gcschlcchtc. P f l a n z e n - S y st e m e. Da die Zahl der Pflanzen so unendlich groß ist, so würde man nicht zu einer klaren Ucbcrsicht derselben gelangen können, wenn man sie nicht, wie auch die Thiere, in Klassen und Ordnungen theilen wollte. Man konnte aber erst zu einer solchen Einthcilung gelangen, als man die Einsicht gewonnen, daß die Pflanzen zu den organischen Wesen gehörten, die nach festen Gesetzen sich regel mäßig aneinander reihten. Erst mit Tournesort, etwa 30Jahre vor Linnä, fing man an, systematisch zu arbeiten, und von dieser Zeit an wurde die Botanik eine Wissenschaft*). Wie schon bemerkt, mit Linnä fing eine Hauptepoche in der Geschichte der Botanik an, und sein mit vielem Scharfsinn ausgestelltes Sexualst)stem hat noch heute Geltung. — Karl von Stinte wurde 1707 den 24. Mai zu Rocshult in Schweden geboren. Er hatte mit den Hindernissen der Armuth und dem Willen seines Vaters zu kämpfen, um sich seinen Lteblingsncignngcn, die Natur *) Ueber die Nothwcndigkeit der Eintheilung der Pflanzen" in Klassen nud Ordnungen ec. sagt Adrian v. Jussien sehr treffend: „Man hat oft diese Organisirung mit der der Heere verglichen; ein nicht sehr zahlreicher Haufen kann ohne Anführung und ohne Ordnung marschircn, was aber nothwcndig wird, wen» sich ihre Zahl vergrößert; man vereinigt alsdann die Soldaten in Rotten, Compagnieen, Bataillone; die großen Armeen haben ihre Corps, ihre Divisionen, ihre Regimenter; die CadrcS (Stämme der Regimenter) erweitern sich in dem nämlichen Verhältnisse, als sie sich selbst vergrößern, und ans diese Weise können sich ungeheure Massen mit Ordnung bewege», leicht behandelt werden, und die genau bestimmte Stellung de« gemeinen Soldaten erlaubt es, bis zu ihm zu getan' gen, während er ohne diese Eintheilung nicht aufznfinden wäre,"433 zu beobachten und genau kennen zu lernen, überlassen zn können. Standhaft alle Hindernisse bekämpfend, gelang es ihm, sich zum Ersten der Naturkundigen hinauf zuschwingen. Seine Arbeit sing er zuerst in Holland im Jahre 1735 an, der Welt mitzutheilen. Er hatte Gelegenheit, durch die Aufsicht des Cliffort'schen botanischen Gartens, durch Betrachtung vieler anderer, durch seine Reise nach Lappland, Dänemark, Norwegen, Deutschland, Holland, Frankreich und England, durch Corrcspondenz mit den größten Botauistcn eine große Menge Pflanzen kennen zu lernen. Seine Verdienste hebt Adrian von Jussieu mit folgenden Worten bezeichnend hervor: „Vorzüglich führte er in Folge von Gesetzen, die noch in Kraft sind und es wahrscheinlich bleiben werden, eine bewundernswürdige Reform in der Sprache und in der botanischen Nomenklatur ein, indem er jedes der Wörter streng dcfinirte, die zur Bezeichnung aller Modificationcn der Organe, welche er als Kennzeichen anwenden wollte, bestimmt waren, indem er die Benennung einer jeden Pflanze auf zwei Worte reducirte, das erste das Hauptwort, welches ihre Gattung, das zweite das Beiwort, welches ihre Art bezeichnet. Vor ihm führte zwar wohl jede Gattung einen einzigen Namen, aber in Beziehung auf die Art mußte diesen Namen eine ganze Phrase begleiten, welche alle ihre unterscheidenden Merk wale wiederholte; je mehr es Arten in einer Gattung gab, desto mehr Zeichen brauchte man, um sie von einander zu unterscheiden; die Phrasen, die sich auf diese Weise mit den Fortschritten der Botanik selbst verlängerten, überluden das Gedächtniß über seine Kräfte und verwickelten die Rede, in deren Mitte die Erwähnung irgend einer Pflanze jeden Augenblick keine ganz beiläufige Phrase veranlaßte. Diese Verwirrung würde sich in die Gesellschaft und in die Sprache Einfuhren, wenn man, anstatt ein Individuum durch seinen Geschlechts- und Taufnamen zu unterscheiden, den zweiten wegließe und dafür mehrere auszeich nende Eigenschaften der Person aufzählte. Die Liuno'sche Nomenklatur entlastete also das Gcdächtniß zum Vortheile anderer Kräfte und machte den Gang der botanischen Sprache frei." Unter Linns's Leitung bildeten sich viele nachmals berühmt gewordene M- kurkundigc aus; wir nennen nur: Hasselqnist, Osbcck, Löfling, Alströmer. Er selbst schrieb große und ausführliche Werke, welche in fast alle lebenden Sprachen übersetzt wurden, und wodurch er sich selbst ein bleibendes Denkmal kbr fernere Jahrhunderte gesetzt hat. Er starb am 10. Januar 1778. Sein System ist ohne Zweifel das einfachste und deshalb das leicht verständlichste, ^resholb cs fast allgemein angenommen ist. Linne sah bei der Begründung seines Systems auf Folgendes: 1) ob die Geschlechtsorgane, Staubfäden und Stempel deutlich zu erkennen oder nicht zu erkennen seien; 2) ob die Staubfäden und Stempel in der nämlichen Blume, oder nur in verschiedenen Blumen Vor kommen; 3) ob die Staubgefäße miteinander verwachsen oder nicht verwachsen ^ien; 4) auf die Größe der Staubfäden; 5) auf den Standort der Staubfäden; D e u m e r '6 Naturgeschichte. 28434 6) auf die Anzahl der Staubgefäße. Nach diesen Bestimmungen theiltc er das ganze Pflanzenreich in 24 Klassen. Die erste bis elfte Klasse bestimmte er durch die Zahl der Staubgefäße. Alle Pflanzen mit 1 Staubfaden gehören zur ersten Klasse, die mit 2 Staubfäden zur zweiten Klasse, die mit 3 Staubfäden zur dritten Klasse u. s. w. Die mit 11 bis 19 Staubgefäßen gehören in die elfte Klasse. In die zwölfte und dreizehnte Klasse stellte Linnä diejenigen Pflanzen, welche 20 oder mehrere Staubgefäße haben, unterscheidet sic aber darnach, ob die Staubfäden in den Kelch cingefngt sind, oder nicht mit demselben Zusammen hängen. Zur vierzehnten Klasse zählte er die Pflanze», welche 2 längere und 2 kürzere, und zur fünfzehnten Klasse diejenigen, welche 4 längere und 2 kürzere Staubfäden haben. Die sechszehnte bis zwanzigste Klasse wird durch das Ver wachsensein der Staubgefäße also bestimmt: a) sind die Staubgefäße mit ihren Staubfäden verwachsen, so gibt cö drei Fälle, 1) in eine Röhre, 2) in zwei Parthien, 3) in drei oder mehrere Parthien. Diese drei Fälle bilden die scchs- zehnte, siebenzehnte und achtzehnte Klasse; t>) sind die Staubgefäße mit ihren Staubbeuteln verwachsen, so gehören die Pflanzen in die neunzehnte Klasse; c) sind die Staubgefäße und der Griffel miteinander verwachsen, so gehören die Pflanzen in die zwanzigste Klasse. Bei der cinundzwanzigstcn bis drcinndzwanzigsten Klaffe ist auf das Getrenntsein der männlichen und weiblichen Blumen zu achten, und sind in der cinundzwanzigstcn Klasse männliche und weibliche Blumen ohne Zwitter- blnmen auf einer Pflanze; in der zweiundzwanzigstenKlasse männliche und weib liche Blumen ans verschiedenen Pflanzen ohne Zwitterblumen; in der dreiund zwanzigsten Klasse männliche und weibliche Blumen und zugleich Zwittcrblnmcn. Endlich gehören alle Pflanzen ohne wahrnehmbare Staubgefäße und Stempel in die viernndzwanzigste Klasse. Stellen wir nun zur bessern Uebersicht folgende Tabelle aus: I. Pflanzen mit deutlichen Staubgefäßen und Stempeln. A. Alle Blumen sind Zwitterblnmcn. a) Die Staubgefäße hängen weder unter sich, noch mit dem Griffel zusammen. Klasse 1. Ein Staubgefäß. - 2. Zwei Staubgefäße. - 3. Drei Staubgefäße. - 4. Bier Staubgefäße (von gleicher Länge). - 5. Fünf Staubgefäße. - 6. Sechs Staubgefäße (von gleicher Länge). - 7. Sieben Staubgefäße. - 8. Acht Staubgefäße. - 9. Nenn Staubgefäße.Klasse 10. Zehn Staubgefäße. ' - 11. Elf bis neunzehn Staubgefäße. - 12. Zwanzig oder mehrere dem Kelche eingcfügte Staubgefäße. - 13. Zwanzig oder mehrere nicht mit dein Kelche zusammenhängende Staubgefäße. - 14. Zwei längere und zwei kürzere Staubgefäße. - 15. Vier längere und zwei kürzere Staubgefäße, b) Die Staubgefäße sind verwachsen, und zwar 1) Mit ihren Staubfäden. Klasse 16. In eine Röhre. * 17. In zwei Parthien. - 18. In drei Parthien. 2) Mit ihren Staubbeuteln. Klasse 19. 3) Mit dem Griffel. Klasse 20. B. Pflanzen mit getrennten Geschlechtern. Klasse 21. Männliche und weibliche Blumen ohne Zwitterblumen ans einer Pflanze. - 22. Männliche und weibliche Blumen ohne Zwitterblumen auf ver schiedenen Pflanzen. - 23. Männliche und weibliche Blumen und zugleich Zwitterblumen. II. Pflanzen ohne wahrnehmbare Staubgefäße. Klasse 24. Linnä thciltc ferner jede Klasse wieder in Uuterabtheilungen, in Ord nungen, ein. Bei dieser Eintheilung sah er in den dreizehn ersten Klassen auf die Zahl der vorhandenen Stempel. Die Pflanzen mit einem Stempel gehörten ?ur ersten Ordnung, die mit zwei Stempeln zur zweiten Ordnung u. s. w. Die vierzehnte Klasse theilte er in zwei Ordnungen, nach ihren Früchten, nämlich: I) in solche, wo die Frucht ans vier getrennten Nüßchen besteht, und 2) wo die Bruche aus einer einzelnen Kapsel besteht. Die fünfzehnte Klasse enthält ebenfalls »ivei Ordnungen, je nachdem die Pflanze Schoten oder Schötchen trägt. Die scchszchntc und sicbenzehnte, achtzehnte und zwanzigste Klasse bestimmt ihre Ord nungen nach der Zahl der Staubfäden; die neunzehnte Klasse aber bestimmt die Ordnungen nach dem Geschlecht und der Fruchtbarkeit der einzelnen Blümchen, ^ei der ein- und zweiundzwanzigsten Klasse bestimmt man die Ordnungen nach der Zahl der Staubfäden und nach dem Vcrwachscnsein derselben. Die dreiund- ^wanzigstc Klasse zerfällt in drei Ordnungen, 1) wo Zwitterblumen und Blumen getrennten Geschlechts ans demselben Stamme wachsen; 2) wo Zwitterblumen436 und Blumen getrennten Geschlechts auf zwei verschiedenen Stämmen wuchsen; 3) wo ans einem Stamme Zwitterblnmen, auf einem andern weibliche Blumen und ans einem dritten männliche Blumen wachsen. Die viernndzwanzigste oder letzte Klasse zerfällt: l) in Farrenkräuter, 2) Moose, 3) Flechten und 4) Pilze. In der Einleitung zu seinem Pflanzcnfystcm stellte Linnä »och folgendes nicht weniger scharfsinnig geordnetes natürliches System auf, welches später durch Antoine Laurent de Ins sie» weiter ansgeführt wurde. A. Spitzkeimende Pflanzen. Monocotyledoncn. l) Palmen. 2 ) Gräser. 3) Lilien. B. Zweiblättrigkeimende Pflanzen. Dieotylcdonen. 4) Kräuter. 5) Bäume. 0. Nacktkeimende Pflanzen. Aeotyledonen. 6) Farrenkräuter. 7) Moose. 8) Aftermoose. 9) Schwämme. Von den Pflanzensystemen, welche in neuester Zeit am meisten Anerkennung fanden, verdient das System von Oken genannt zu werden, welches wir schließ lich noch mitthcilcn wollen, um dann zur Beschreibung der Pflanzen überzugehen. Erste Stufe: Markpflanken. (Marker.) 1. Klasse. Zcllcnpflanzcn, , 2 . - Aderpflanzen, ! Pilze. 3. - Drvsselpflanzen, \ Zweite Stufe: Stockpflanzen. (Stöcker.) 4. Klasse. Wurzclpflanzen (grüne Aeotyledonen). 5. - Stcngelpflanzcn (Monocotylcdonen). 6. - Lanbpflanzcn (Apctalcn). Dritte Stufe: Blüthenpflanzcn. (Blüther.) 7. Klasse. Samenpflanzen (Nacktsamige). 8. - Gröpspflanzen (Röhrenblumen mit Kapseln). 9. - Blumenpflanzen (viclblättrige Blumcil ans dem Kelche). Vierte Stufe: Frnchtpflanzen. (Früchter). 10. Klasse. Frnchtpflanzen (vielblättrige Blumen ans dem Blumenstiele).Beschreibung der wichtigsten Pflanzen. Erste Zllaste. Pflanzen mit einem Staubgefäße. Erste D r d n u n g. Pflanzen mit einem Staubwege. Dazu gehören: die <5uvcitnie oder Gelbwurz, der Ingwer, der Cardamom, der Tau. uenwedel, der Wasserriemeu, das indische Blumenrohr, der rothe oder Spornbaldrian, die Alpinia u. a. m. Die Ciircniiic oder Gelbwurz, vnreum». sTaf. xvi. Fig. 2.) Linn & zählte diese Pflanze 31t der Gattung der Amomen (Amomuni), bau der sie aber durch ihren Bau sehr verschieden ist. Blumenkrone viertheilig, Eelch grünspaltig, Kapsel unregelmäßig, eiförmig, Staubgefäß drcilappig mit zweispornigem Staubbeutel, Samen meist länglich. Die lange Gelbwurz (llureum-r lonZa) wird UN südlichen Asien angebaut, weil ihre Wurzel einen gel ben Farbestoff enthält. Diese Wurzel besteht aus handförmigen, großen Knollen, die im Innern orangegelb sind. Auch die Blüthcn sind gelblich und stehen in einer langen Aehre. Die Pflanzenblättcr sind groß und breit, lanzettförmig. Man zieht sic in Ostindien sehr häufig in Gärten, und gräbt ihre Wurzeln, nachdem die Blumen verblüht sind, zum Gebrauche ans. Die Curcuma aromatica ■uib. C. zodoaria sind ebenfalls in Ostindien zu Hause und zur Blüthezeit pracht volle Pflanzen. Die sehr großen, starkgcripptcn Pflanzenblättcr haben ein leb Haftes Grün, und die in dichten Aehrcn stehenden Blumen spielen aus dem Gel ben i„ lebhaftes Carminroth über. Die 0 . aromatica liefert die in der Arznei gebräuchliche Zitterwurzcl. Ucbrigcns werden die Wurzeln aller Arten zum Fär sen, wie auch zum Gewürz gebraucht. Der Ingwer (ZingiberJ. (Tas. XVI. Fig. 1.) Der echte, gemeine, gebräuchliche Ingwer ( 2 . okkcioals) ist eine Pflanze, ^e den Tropenländern eigen ist, jedoch hin und wieder auch als Warmhanöpflanze enltivirt wird. In Ostindien, Westindien n. s. w. kommt er indessen auch nur k® den Anbau ergiebig fort. Der Wurzelstock ist kriechend, gegliedert; die handförmigen Wurzeläste sind fingerdick, von innen weiß und von außen rothgran. gelblichrothen Blüthcn sind wohlriechend und die Pflanzenblättcr stehen ans langen Scheiden. Werden die Wurzeln langsam im Schatten getrocknet, so liefern lle den weißen Ingwer; durch das Trocknen in der Sonnenhitze oder im Ofen438 werden die Wurzeln bräunlichschwarz, und kommen dann als gemeiner, schwar zer Ingwer im Handel vor. Jamaika liefert gegenwärtig den beliebtesten, ganz weißen, angenehm riechenden und scharfschmcckenden Ingwer. In der Arznei wird der Ingwer als mageustarkcndcs Mittel angewandt, im gewöhnlichen Leben dient er als Gewürz. Man zieht Getränke über ihn ab, macht ihn mit Zucker ein u. s. w. Linnö führt noch einen wilden Ingwer unter dem Namen Amomum zerumbet auf, der mit der vorigen Art gleiche Eigenschaften und im Bau viele Aehnlichkeit hat, nur daß er größer wird und von einer gröberen Struktur ist. Der Cardamvm (Amoinum cardamomum). Der Cardamvm ist eine dem Ingwer sehr ähnliche Pflanze, welche auf Sumatra, Java und den Molucken wächst. Der Blüthcnschaft ist ganz einfach und kurz und die einzelnen Blümchen mit Dcckblüttchcn versehen. Der Stengel ist mit Blättern besetzt, die bei drei Fuß hoch werden. Die Blüthcn sind weißlich gelb, jedoch befinden sich zwei rothe Linien an der Lippe, die undeutlich lappig ist. Die Pflanze wird mit vieler Mühe und Geduld angcbaut, denn erst im dritten Jahre darf man ans eine Erndte hoffen. Die Samen, den kleinen Vogel kirschen nicht unähnlich, sind ein stark reizendes, magenstärkendes, schweißtreibendes Arzneimittel, werden übrigens aber auch als Gewürz an Speisen benutzt. Eine besondere Art ist der Pfeffer artige Amom (A. granum paradisi), welcher in seinen Früchten die bekannten Paradieskörner liefert. Er unterscheidet sich durch seinen ästigen Blumenschaft von der vorigen Art. Das indische Blumenrohr (Canna mdica) ist eine prachtvolle Pflanze, die ans den Tropenländern zu uns gebracht worden ist. Sie hat knollig-fleischige Wurzeln, aufrcchtstehcnde Stengel, schöne, um fassende, oft sehr große hellgrüne Blätter und prächtige, in eine Endähre geord nete Blumen. Die schwarzen Samen erreichen die Größe einer kleinen Erbse. Man erzieht die Pflanzen entweder ans Samen, oder durch Durzeltheilung. Der Samen muß .übrigens sehr warm und feucht gehalten werden, wenn er keimen soll. Die Blumisten kennen bereits über 20 Arten dieser Pflanze, die sich alle durch ihre lebhaft gefärbten Blumen auszcichnen. So hat Canna coccinea scharlachrothe Blumen mit gelbgefleckten Unterlippen; 6. fkccida schwefelgelbe Blumen; C. iridiflora carmin - oder pnrpurrothe Blüthcn. Will man große Exemplare erzielen, so muß man sie im Sommer in gntcö fettes Land anstopfcn und fleißig begießen. Im Winter müssen sic 10 bis 15° Wärme haben. Der Spvriibaldrian (Contranthus). Eine sehr beliebte Zierpflanze, welche 2 —3 Fuß hoch wird, glatte, lanzett- artige Blätter hat und große Doldentrauben von weißen, rosa- oder schnrlach-— 439 rothcn Blumen trägt. Ihre Heimath ist Nordafrika, der Orient, Frankreich und Süddeutschland. Sie dauert bei gehöriger Deckung im Freien aus, läßt sich durch Theiluug vermehren und wird selbst als Topfpflanze cultivirt. Die Alpinia (Taf. XVI. Fig. 3). Diese Pflanze trägt ihren Namen von Prosper Alpinus, einem großen Arzt und Naturkundigen des 16. Jahrhunderts, und hat, mit Ausnahme der Blumen und Fruchte, Aehnlichkeit mit der Jngwerpflanzc, nur daß die Blätter größer und schilfartiger sind. Die Blumeukrone ist bauchig und cs hat das Ansehen, als ob eine in die andere eingcfügt wäre. Besonders schön ist die Alpinia nutans, welche an langer Achre wohl 20—30 hübsche röthliche Blüthcn, mit gelbem, rothgestrichcltem Einsätze, trägt. Die A. galanga, welche ans den Inseln des indischen Occans heimisch ist, wird 6—7 Fuß hoch, und liefert die bekannte Galgantwurzel, welche medicinisch ist. In großen Gewächshäusern trifft man auch bei uns bisweilen ein Exemplar der Alpinic. — Zweite Brdn u n g. Pflanzen mit zwei Stanbwegen. Zn dieser Ordnung gehören nur wenige und unbedeutende Pflanzen. Wir nennen den bekannten Wasserstcrn, Callitriche intermedia, den man auf stehenden Gewässern trifft und der kleine, weiße Blüthcn trägt, die vom Mai bis zum September blühen. Der Erdbccrspinat (LLum). Man unterscheidet den kopfförmigen Erdbeerspinat von dem seitcnblüthigen. In fettem Gartcnbodcn wird die Pflanze 3—4 Fuß hoch, hat dreieckig-gelappte Blätter, kleine gelblichgrüne Blüthen, und trägt scharlachrothe, den Erdbeeren ähnliche Früchte, die eßbar sind, aber sehr fade schmecken. Man säet sic nur als Zierpflanze, indem die Pflanze mit ihren zahlreichen rothcn Beeren sich in einer Gruppe recht hübsch ansnimmt.440 Meile Misse. Pflanzen mit zwei Staubgefäßen. Erste B r d n u n g. Pflanzen mit einem Staubweg. Jasmin, Rheinweide, Oelbaum, Syringe, Ehrenpreis, Gnadenkraut, Fett kraut, Wasserschlanch, Wolfssnß, Monarde, Rosmarin, Salbey, Hexen- kraut, Esche, Glasschmalz, Wasserlinse, Pantoffelblume, Amethyste oder Bläuling, Frühlingsblume, Spaltblume. Der Jasmin (Jasminum) ist ein bekannter und seiner wohlriechenden Blumen wegen sehr beliebter Zier strauch, der thcils in Garten, theils in Gewächshäusern cnltivirt wird, aber nicht zu verwechseln ist mit dem deutschen Jasmin oder Pfeifenstrauch (Philadelphus), der zur 12. Klaffe gehört. Die wesentlichen Kennzeichen sind: eine tellerförmige, fünf- bis achtspaltige Blumenkrone, ein fünf- bis achtzahnigcr Kelch und eine zweiknöpfige Springfrncht oder zweifächerige Beere. Der arabische Jasmin, 4. sambao, wird 6 —12 Fuß hoch, hat weiße, sehr stark duftende Blumen, die auch bisweilen gefüllt Vorkommen. Seine Hcimath ist Ostindien und Arabien. Man gewinnt daraus das Jasminöt, indem mau Behenöl auf die Btüthcu gießt. Auch lieferil die Zweige einen gelbeit Farbestoff für wollene Zeuge. Der wohl riechendste Jasmin, 4. aäoratlssimnm, hat gelbe Blumen, und blüht vom Juli bis tief in den Winter, muß aber 4 — 8 U Wärme haben. Eben so der azorische und großblninigc Jasmin, die durch ihre weißen Blüthen eine Zierde der Gewächshäuser sind. Man vermehrt diese Pflanzen sehr leicht dlirch Stecklinge und Senker. Die gemeine Rheiiiwcide (Ligustrum vulgare). Diese Pflanze kommt überall in Dentschland lvild vor, wird aber ihres schönen Grüns und der weißen Blüthen wegen zu Hecken angepflanzt. Die Pflanzcnblätter sind elliptisch-lanzettförmig, die weißen Blümchen stehen in Sträußen, die Früchte sind schwarzrothe Beeren. Mau gebraucht die Rinde und das Holz wohl zum Gelbfärben, und weil das Holz sehr hart ist und eine hübsche Politur annimmt, so wird cs von den Drechslern verarbeitet. Die Beeren bieten den Drosseln eine angenehme Wiuterspcise und dem Wirthe und Wcinhändlcr ein Mittel zur Färbung rother Weine. Selten werden sie noch in der Medicin gebraucht.441 Der Oelbamil (Olea Europaea). (Taf. XVI. Fig. 4 ). Das Vaterland des Oel- oder Olivenbaunies ist Asien, er wurde aber von hier nach Afrika und dem südlichen Europa verpflanzt. Nach dem bekannten Mythos pflanzte ihn zuerst die Göttin Athene in ihrem Tempel zu Athen, von wo aus er zunächst über Attika, dann weiter über Griechenland und seine Coloniecn sich verbreitete. Er wird bis 30 Fuß hoch, hat weidcnartige Blätter und kleine, unansehnliche, weißlichgelbe Blnmcn. Die Blüthcnstielc treiben aus den Blatt winkeln. Die länglichovalc Frucht, Olive genannt, ist in der Regel so groß wie eine Kirsche, steht indessen der Baum üppig und in einem warmen Klima, so erreicht sic wohl die Größe eines Taubcneies. Sic gehört zu den Steinfrüchten und sicht in ihrem reifen Zustande schwarz aus. Roh kann man die Frucht nicht genießen, denn sie hat einen bittern, widerlichen Geschmack, man macht sic daher ein, indem man sie 24 Stunden lang in einer Lauge von Asche und ungelöschtem Kalk einweicht, dann etliche Tage in frisches Wasser legt, und zuletzt mit Salz, Fenchel und Koriander in Fässer packt. Diese eingemachten Oliven sind ein starker Handelsartikel. Man hält sie für gesund, ißt sie so, oder bereitet Brühen davon. Der Hauptnutzcn der Oliven besteht aber darin, daß sie das vortreffliche Oliven- vdcr Baumöl liefern. Dasselbe wird ans folgende Art gewonnen. Wenn die Oliven reif sind, so werden sie von den Bäumen gepflückt und so lange hingelcgt, bis sich die äußere Haut runzelt. Darauf werden sic in die Mühle gebracht, und von Mühlsteinen, die ans der ringförmigen Bahn einer Bodenplatte laufen, z» einem Teig zerquetscht. Dieser Teig wird dann in Binscusäcke gefüllt und üusgepreßt. Das durch die erste Pressung erhaltene Oel ist das reinste und heißt Jungfernöl, das weiter ausgcprcßte ist von geringerer Güte. Das reine Oel wird in der Wirthschaft und in der Arznei gebraucht, das schlechtere dient zum Brennen in Lampen. Im Morgcnlande gebraucht man das Oel auch zum Einreiben, um sich dadurch gegen die Pest zu schützen. Zur Bereitung der vcnetianischen und französischen Seife, die im Handel sehr häufig vorkommt, wird das schlechte Baumöl auch benutzt. Auch das Holz des Oliveubaumcs ist von vorzüglicher Güte, denn es ist nicht nur hart und fest, sondern auch sehr hübsch uiarmorirt und wie mit Landschaften bezeichnet. Kommt dies Holz häufig vor, so ist in der Regel ein harter Winter daran schuld gewesen, denn Frost können die Bäume nicht vertragen. Im Jahre 1709, auch 1830 und 1837 erfroren ui Frankreich viele Olivcnbäumc. Steht indessen ein solcher Baum auf gutem Grunde und hat er keine Kälte auszustchen, so kann er sehr alt werden. So ficht man zwischen Billcfranchc und Nizza noch jetzt einen solchen Baum, der schon im Jahre 1515 berühmt war, und auf dem Oelberg stehen noch acht Baume, welche vielleicht schon zu Christi Zeiten daselbst gestanden. Ans diesem wird der aufmerksame Leser leicht den Schluß machen können, daß der Oelbanm zu den nützlichsten Gewächsen gehört. Schon bei den Alten442 stand er in sehr hohem Ansehen. Sie betrachteten ihn als ein Bild des Wohl standes und der Glückseligkeit. Seine Zweige galten als Zeichen des Friedens, und die Sieger in den olympischen Spielen wurden mit Olivenkränzen geschmückt. Könige und Priester salbte man mit Olivenöl ein, und die Scheiterhaufen, ans welchen die Leichname geliebter Personen verbrannt wurden, übergoß man mit diesem Oele. Der Nagelüliithettstranch, Lilak, türkischer Hollunder (Syringa). Der Lilak, der auch Flieder- und Nagelblütheustrauch genannt lvird, ist als eine Zierde unserer Blumengarten bekannt. Seine trichterförmigen Blümchen stehen in großen Sträußen, sind vierthcilig und werden von einem kleinen viertheiligcn Kelche getragen. Der chinesische Flieder, 8. Chinensis, wird 8—12 Fuß hoch und trägt die größten Blumen, die wohlriechend und roth oder lillaroth gefärbt sind. Die Pflanzcublätter sind eirund oder cilanzcttförmig. Der unga rische Flieder, 8. Josikaea, hingegen hat länglichovalc, etwas runzelige Blätter, und die Blüthensträußc sind etwas lockerer, weshalb sie auch aufrecht stehen. Der persische Flieder, 8. Persica, ist von schönem, buschigem Wüchse, Blätter lanzettlich, Blüthen weiß oder lilla und wird nur 4—6 Fuß hoch. Am bekann testen ist die 8. vulgaris , gemeiner oder türkischer Flieder, ein baumartiger Strauch von 10 — 20 Fuß Höhe. Seine großen, wohlriechenden Blumen sind weiß, roth oder lilla, variiren aber auch mit gelben, fleischfarbigen und purpur- rothen Blüthen. Die spanische Fliege hält sich sehr gerne auf diesem Strauch auf. Das Holz wird wohl von Kuustdrechslern benutzt, auch gewinnt man aus demselben ein ätherisches Ocl. Der Ehrenpreis (Veronica). Diese Pflanze, welche mit ihren hübschen bläulichen Blumen gleich mit dem Frühlinge erscheint, hat eine zahlreiche Verwandtschaft, die an Hecken und Wegen überall anzutreffen ist. Die Blume ist radförmig, vierthcilig, der untere Zipfel schmaler. Der gebräuchliche Ehrenpreis, V. officinalis , steht beim Land- inaun in großem Ansehen, indem er das ganze Kraut als Thcc benutzt. Er wächst auf Weiden, hat einen kriechenden Stengel und eine blaßblnnc, selten weiße Blumeukroue. An fließendem Wasser trifft man die Veronica becca- bunga mit himmelblauen Blumen au, deren Kraut ebenfalls medicinisch ist. Auch in unseren Gärten wird diese zahlreiche Familie, als beliebte Pcrcunicu, angcbaut. Veronica elogans hat schöne, fleischrothcBlumen in einer lockern Aehre, und wird 2—4 Fuß hoch. Der sibirische Ehrenpreis, V. Sibirien, ist eine der schönsten Arten, wird 4 — 5 Fuß hoch und hat in langen, dichten, walzenförmigen Endtrauben blaue oder weiße Blumen stehen. Eine der neuesten Arten ist der aus Neuseeland hergebrachte prächtige Ehrenpreis, V. speciosa, der eine dunkelviolette blaue Blumcntraube trägt, die 1 Zoll im Durchmesser hat.443 Auf der Oberfläche sind die Blätter dunkelgrün, während die Untcrfläche in's Blaßgrüne spielt. Die Pflanze kann aber nur an einem frostfreicn Orte über wintert werden. Die Monarde (Monarda), auch virginische Melisse genannt, ist eine sehr hübsche, stark wohlriechende und gcwürzhafte Pflanze aus Pennsylvanien, von 1—3 Fuß Höhe. Die schönen, scharlachrothen Blumen bilden meist zwei, selten drei übereinanderstehende Köpfe und sloriren im Juli und August. Blätter und Blumen können zu Thee und Kräuteressig benutzt werden. Durch Wnrzcltheilung ist die Pflanze leicht zu vcr- mehren, die aber einen fetten Boden verlangt, wenn sie üppig heranwachsen soll. Der Rosmarin (Rosraarinus officinalis). Der Rosmarin ist ein beliebter, immer grüner Strauch von 4—6 Fuß Höhe. Die kleinen, blaßblauen, selten weißen Rachenblumen stehen in Doldenträubchen zusammen, der Kelch ist zweilappig und die laugen, gekrümmten Staubfäden sind mit einem Zahn versehen. Die Blätter sind linienförmig und wie die ganze Pflanze wohlriechend. Die Hcimath dieses Strauches ist das südliche Europa. Durch Cultur ist er jetzt weit verbreitet, erfordert jedoch im Winter l— 3° Wärme. Blätter, Blüthen und Samen werden in den Apotheken gebraucht. Aus den Blumen wird durch Dcsiilation mit Weingeist das berühmte ungarische Was ser (Lau de la Reine d’Hongrie) gewonnen. Die Salbey (Salvia). Die zahlreichen Arten dieser Pflanze haben folgende gemeinsame Merkmale: zweilappiger, fast glockenförmiger Kelch, an welchem die Oberlippe dreizähnig ist; rachenförmige Blumenkrone, deren Oberlippe helmartig und deren Unterlippe drei lappig ist; vier Samen, Wirbclblütheu. Die Wicsensnlbcy, 8. pratensis, wächst auf Weiden und Grasplätzen und hat dunkelblaue, oft roseufarbige Blumen. In den Gärten der Landleute trifft mau häufig die gemeine Salbey, 8. of- ficinalis, die einen cigenthümlich starken, aromatischen Geruch und Geschmack hat, und in der Mediciu angewandt ivird. Der Snlbcythce ist magenstärkend, beför dert den Umlauf des Bluts und der übrigen Säfte. Die Zähne, mit Salbcy- blättern gerieben, halten sich länger frisch und sind den heftigen Schmerzen nicht so leicht unterworfen. Auch das Salbeyöl, welches aus der Pflanze gewonnen wird, ist mcdiciuisch. Außer diesen beiden Arten gibt cs noch eine große Anzahl, die thcils als Garten-, theils als Topfgewächse cultivirt werden, und durch ihre hübschen Blumen erfreuen. Die leuchtende Salbey, 8. Rügen», ist einer der prachtvollsten Staudensträucher, der über 5 Fuß hoch wird und 2 Zoll lange, leuchtend -carmiu -scharlachrothe Blüthen in langen Aehren trägt. Die offen- stehende Salbey, 8. paten», ist die schönste aller bekanntenSalbeyarten. Der444 Stengel wird 2—4 Fuß hoch; die Blätter sind rauhhaarig und unten oft pnrpnr- röthlich. Die brennend-dunkelblauen, sehr großen Blumen stehen entgegengesetzt in langen Endrispen. Man kann diese Pflanze durch Stecklinge, jedoch auch durch Samen vermehren. Im Sommer verlangen sie viel Wasser und eine fette Erde und werden im Winter bei 1—4" Wärme durchgebracht. Zärtlicher noch ist die glänzende Salbet), 8. seienden«, welche 10—12° Wärme verlangt, die aber durch ihre leuchtend-scharlachrothcn, 2 Zoll langen Blumen alle Muhe reich lich lohnt. Die Esche (Fraxinus) ist ein allgemein bekannter Barun, der wegen seines schönen weißen, oft hiibsch- gestammten Holzes beliebt ist. Die reinlichen Holländer nehmen fast nur Eschen- stämme zu Fleischklötzen. Der Eschen-Mascr liefert oft die grotesken Figuren. Da das Holz durchaus von allein Gerbestoff frei ist, so werden die jungen Eschen zu Garnstöcken viel verarbeitet. Die Mannaesche, I?. ornus, wächst in Persien, Arabien und Italien wild. Sic liefert uns von den jungen Bäumen das be kannte Manna, welches in gewissen Krankheiten als vortreffliches Purgirmittel angewandt wird. Tritt der Saft bei heißer Witterung ohne äußere Veranlassung hervor, so gerinnt er zu dein bekannten weißen Manna; werden aber Einschnitte gemacht, so ist das gewonnene Manna stets gelb. Die rund blättrige Esche (F. rotundifolia) liefert auch Manna, und zeichnet sich durch ihre purpurfarbige Blüthe aus. Das Glasschmalz (Salicornia). Man kennt bis jetzt 12 Arten dieser Pflanzen. Der Stengel ist sehr ver ästelt und gegliedert, die kleinen gelben Blumen stehen in Aehrchcn beisammen. Sie haben bisweilen, aber doch nur selten, auch zwei Staubfäden. Die ganze Pflanze sicht röthlich aus und hat einen salzigen Geschmack, und zwar aus dem Grunde, weil sie nur da wächst, wo cs Salz gibt, am Meere oder in der Nähe von Salzquellen. Man verbrennt diese Pflanze und bereitet aus der Asche das sogenannte Langensalz, welches zur Glasfabrikation gebraucht wird. Auch siedet man in Spanien daraus die bekannte Soda oder spanische Seife. In England werden in den Sommermonaten die zarten Sprossen als Salat verspeist, den man zugleich für ein gutes Mittel wider den Scharbock hält. Die Pautosfclbllliuc (Calceolaria) ist eine der schönsten Zierpflanzen. Die Blumen, welche zu den Lippenformen gehören, haben eine kleine Ober- und eine große, bauchige Unterlippe, welche bcu- telförmig aufgeblasen sind und in hübschen Afterdolden zusammen stehen. Es gibt unzählige Arten dieser Zierpflanzen; denn keine Pflanze hat eine solche Neigung, sich mit jeder ihres Geschlechts zu vereinigen, als eben die Calceolaria. So445 erzielte der Hofgärtner Bosse im Jahre 1845 durch Kreuzung, d. h. durch gegen seitige Bestäubung, über 200 meist prachtvolle Bastardarten. Das Farbcnspicl dieser Blumen ist oft sehr überraschend und die bauchige Unterlippe dehnt sich von der Größe einer Erbse bis zu l’/e Zoll aus. Da so manche Arten wieder ver schwinden, ohne Samen zu hintcrlassen, so läßt sich über c onsta n te Arten wenig sagen. Ans zwei Hanptartcn aber lassen sich die Calccolaricn zurückführen; näm lich ans solche mit krautartigcm Stengel, welche durch Samen und Wnrzel- theilung, und auf solche mit holzigem Stengel, welche durch Samen und Steck linge vermehrt werden. Die Kultur dieser beliebten Modcpflanzc ist sehr difficil, denn sic ertragen weder viel Nässe und Wärme, noch eingeschlossene Luft, feuchte, dunkle Standorte und Sonnenhitze. Man gibt ihnen eine gute Lanbcrdc mit Wellsand vermischt, begießt sic mäßig, gibt ihnen die Morgcnsonne und schützt sie gegen Regen. Chile wird allgemein als das Vaterland dieser Licblingsblume bezeichnet. Die Frühlingsblume (Eranthemimi nervosum) ■|t eilte Treibhauspflanze, welche von der Küste Coromandcl zu uns gebracht wor den ist. Sic ist ein immergrüner Prachtstrauch von 3—5 Fuß Höhe, mit vier kantigen Stengeln und Aestcn, und länglichrunden, starkgerippten Blättern. Die schönen, leuchtend-himmclblancn Blumen stehen in Aehrcn, welche mit weißlichen, hellgrün-netzaderigcn Deckblättern (Bractcen) geziert sind. Verlangt 10 —15" Wärme, fette Mistbceterde und nur in der Wachöthumperivde viel Wasser. Das Angenehme bei dieser Pflanze ist der Umstand, daß sie ihre Blumen vom Spät herbst bis zum Frühling bringt, also zu einer Zeit, in welcher der Flor dürftig Zu nennen ist. Die Spaltblmuc (Schizantlius), c 'nc hübsche Sommerpflauzc, welche aus Chile zu uns gebracht worden, und zwei b>s vier Fuß hoch wird, gefiederte Blätter hat, und zierliche, rispenständige, kebhaft gefärbte Lippenblumen trägt. Die Lei», pinnatus hat weißlich - violette Blumen mit gelbgezeichneter, öfter pnrpnrgeflcckter Unterlippe. Bei der 8ell. * etu s us ist der Mittellappcn lebhaft goldgelb mit dunkelpurpurnen Adern geziert. Sie verlangen einen lehmig-sandigen, nicht zu fetten Boden und Helle Standorte.446 Zweite Krönung. Pflanzen mit zwei S t a n b w e g e n. Das Ruchgras (^.lltboxVitbuiii oäoratum), welches ans unseren Wiesen wachst, dem Heu einen so lieblichen Duft gibt und ein treffliches Futterkraut ist, enthält in einem zweispelzigen Kelche eine vielspelzige unscheinbare Blumenkrone. Der Blüthenstand ist eine ährige Rispe, die Halme sind glatt, weichhaarig, mit braunen Knoten versehen und werden über 8 Zoll lang. Die bisamartig riechende Wurzel wird wohl pnlvcrisirt unter Kräutertabak gemischt. Erwärmte Kissen, welche mit diesem Grase gefüllt sind, geben schnelle Linderung der Schmerzen bei der Rose. Dritte Krönung. Pflanzen mit drei S t a u b w e g e n. Der Pfeffer (Piper). Der Pfeffer, welcher bei uns im Handel vorkommt, ist die Frucht einer ran kenden Stande, die Aehnlichkeit mit unseren Weinreben hat. Man kennt bis jetzt 250 Arten der Pfefferstauden, welche sämmtlich in der heißen Zone Vorkommen. Die Pflanzenblätter sind eiförmig, ganzrandig, glänzend und dick, der Länge nach von starken Adern durchzogen, und sind wcchselstnndig. Die weißen Blüthen kommen stranßweise hervor und sitzen an langen Kätzchen. Die Früchte sind runde, einfächcrige Beeren, von der Größe einer Erbse, und stehen in 6 bis 8 Zoll lan gen Träubchcn zusammen. Anfangs sind sic grün, zur Zeit der Reife werden sie roth. Wie am Wachholdcrbccrstrauch, so auch findet man am Pfefferstrauch reise und unreife Beeren zu ein und derselben Zeit. Man trocknet die grünen Beeren an der Sonne, wodurch sie runzelig und schwarz werden, und bringt sic dann als schwarzen Pfeffer in den Handel. Die reifen Beeren sammelt man ein, wäscht und reibt sie, bis die äußere Schale abfällt, und man hat den weißen Pfeffer. Ein Strauch liefert jährlich wohl zehn Pfund Körner. Der meiste Pfeffer kommt ans Ostindien, besonders von der Küste Malabar, welche deshalb auch die Pfefferküste genannt wird. Eine besondere Art ist der Bctclpfcffcr, welcher auf Java und Sumatra zu Hause ist. Diese Pflanze wird von den Einwohnern sehr geschätzt, weil sic die Blätter derselben kauen, wie man hin und wieder Tabak kaut. Es gibt übrigens noch mehrere Arten Pfeffer, welche sämmt lich in ihrem Vaterlande als Gewürz, oder zur Bereitung berauschender Getränke gebraucht werden.447 Dritte Masse. Pflanzen mit drei Staubgefäßen. Erste Ordnung. Pflanzen mit einem S t a u b w c g. Baldrian, Feldsalat oder Rapllnzelchen, Crocus oder Safran, Siegwurz, Schwertlilie, Knorpelkraut, Knopfgras, Ciperngras, Binse, Wollgras, Borstengras und andere Gräser; ferner Rachenlilie, Commeline, Jxia oder Abendblume, Pantherlilie, Tigerblume, Vieussenxie, Watsonia u. a. m. Der Baldrian (Valeriana), welcher fast in ganz Deutschland lvild wächst, hat zahlreiche Arten und wird auch wohl in Gärten cultivirt. Der gemeine Baldrian, V. officinalis, wird 2 — 4 Fuß hoch, hat gefiederte Blätter und röthlich- weiße, wohlriechende, in Doldcn- lranbcn stehende Blumen. Die Wurzel liefert ein krampfstillendes, stärkendes Arzneimittel, lvelchcs nicht selten in Ncroenkrankhciten angewandt wird. Der große oder Garten-Baldrian, V. phu, wird seiner großen, schönen, dreiteiligen Blüthcndvldcn und seiner hübschen gefiederten, immergrünen Blätter lvegen in ©arten gezogen. Eben so der hollundcrblättrige Baldrian, V. sambucifolia, dessen Blüthen in straußförmigen Rispen stehen. Die reifen Beeren, die in einigen Gegenden Heilandskörner heißen, sollen, ans Branntwein gesetzt, wagenstärkend sein. Auch gehört noch der Feldsalat, Napünzelchen oder Schaf- wäulchcn genannt, Vakorianolla olitoria, hierher, der ein bekanntes, gesundes Küchengewächö ist. Der Crocus oder Safran (Crocus) (Taf. XVI. Fig. 6) ist ein artiges Zwiebelgewächs, welches durch seine hübschen Blumen, die in ver schiedenen Farben Vorkommen, schon in den ersten Frühlingstagen das Auge des Blumenliebhabers erfreut. Es ist dies der Frühlingssafran, C. vernus, den wan entweder in den Gärten zieht oder in Töpfen zum Treiben bringt. Die in ©arten gelegten Zwiebeln müssen alle drei Jahre verlegt werden, da sie sich stark vermehren. Zum Treiben legt man im Herbste 4—6 Zwiebeln in einen Topf, stellt ihn frostfrci und bringt ihn int Deccmber an das Fenster, wo er fleißig be gasten wird. Größer ist der echte Safran, 6. sativus, der in der Levante wild wächst, j,„ südlichen Europa aber seines Nutzens wegen angcbaut wird. Die sturpurvivlctten Blumen erreichen die Größe kleiner Tulpen und erscheinen im448 Herbste. Die Narben dieser Pflanze, welche ausgezogeu und getrocknet werden, sind der im Handel vorkommende Safran, der als Farbe, Gewürz und Heil mittel gleich wichtig ist. Der Siegwurz, Allermanilshurnisch (Gladiolus). Ein Zwiebelgewächs, welches seiner prachtvollen Blüthen wegen in keinem Blumengarten fehlten sollte. Die Blätter sind schwertförmig, lang, die Blumen stehen zahlreich an einem langen Blüthcnstcngcl, sind ungleich sechöthcilig, wovon drei Theite nach Innen gebogen sind. Es gibt viele Spielarten, von denen wir nur die wichtigsten nennen wollen. Der geflügelte Siegwurz, G. alatus, hat einen zusammengedrückten Schaft, wird 8—12 Zoll hoch und trägt große, pracht volle, scharlachrvthc und gelbgezcichnctc Blumen, ist vom Cap zu uns gebracht und muß bei 5" Wärme überwintert werden. Eben so der Cardinals-Siegwurz, G. eardinalis, mit blangrüncn, schwertförmigen Blättern und drei Zoll langen, prächtigen Blumen von scharlachrothcr Farbe, jedes der drei untern Kornblätter ist mit einem weißen, rothviolctt gesäumten Flecken geziert. Gewöhnlich ist der Papagaien-Siegwurz, G. psittacinus, welcher von der Südostküste Afrika's stamnit, sich durch Zwiebclbrnt stark vermehrt und in fettem Boden über 4 Fuß hoch wird. Die Blumen sind sehr groß, hochgelb und am Rande dnnkclscharlach- roth gestrichelt. Die Blüthen dauern vom Juli bis zum September. Sehr schön ist der reichblumigc Siegwurz, 0. floribundus, der seine zahlreichen Blüthen an den beiden Seiten dcö Stengels stehen hat. Die Blumen sind blaßrosa und die drei untern Blätter sind mit dunkleren Streifen geziert. Leider vermehrt sich diese ausgezeichnete Pflanze nur spärlich. Die Schwertlilie (Iris). Sie hat ihren Namen von de» lilienähnlichen Blumen und den schwertför migen Pflanzenblättcrn, und charakterisirt sich durch eine an der Basis rührige, sechsthciligc Blnmcnkronc, deren drei Einschnitte aufrecht sichen, drei hingegen znrückgcbogcn sind. Die drei Narben sind blnmenblattartig und überdecken die Staubfäden. Die Samenkapsel ist drcifächcrig. Außer den bei uns wild wach senden Arten knltivirt die Kunst bei 50 Varietäten, die sich nicht selten durch hübsches Farbcnspiel auszeichnen. Die Iris llorsotina, in Südcuropa heimisch, liefert eine Wurzel, welche einen starken Veilchcngcrnch hat und deshalb Violen- wurzcl genannt wird. Nur eine Art wollen wir beschreiben, nämlich die fürst liche Wittwc im Trauerflor,!. Susianä, welche 1573 von Constantinopel nach Holland gebracht wurde und von hier ans sich weiter über Deutschland verbreitete. Eine höchst prachtvolle Zierpflanze, mit 1-2 Fuß hohem, 1—2blnmigem Schafte. Ihre Blumen sind die größten und prächtigsten dieser Gattung. Sie sind schwarz gcbortct, ihre äußeren Krontheile sind weißgrau, mit einem feinen, schwärzlich- pnrpurrothcn oder dunkclviolctten Adernetze durchwebt und in der Mitte schwarz449 gefleckt. Die inneren Kronblätter sind größer, wcißgran, schwarz, bleifarbig und weiß gefleckt. Diese Jriö wird getrieben oder auch in's Freie gepflanzt, jedoch ist ihre Cultnr schwierig, da die Knollen gar zn leicht faulen. Die Rachcnlilie (^.utliol^a) ist eine irisartige, vom Cap zu uns gebrachte Zierpflanze, mit schwertförmigen Blättern, 2—3 Fuß hohem Schafte und sehr schönen, gelblich-scharlachrothen Blumen in einer zweizeiligen Aehre. Es gibt einzelne Varietäten mit incarnat- rothen, scharlachrothen und pomeranzenfarbigen Blumen. Die Zwiebeln werden in Töpfe gepflanzt und bei 3 — 5° Wärme überwintert. Die Conimclinc (Commelina), deren Vaterland unbekannt ist, hat fleischige, gebüschelte Wurzeln, die gleich den Gcorginenknollen, wenn sie an frostfreien Orten aufbcwahrt werden, im Frühjahre wieder gepflanzt werden können. Die Blume, von überaus schöner, leuchtender Ultramarinfarbe, blüht von Juli bis Oktober. Ans einer herzförmigen Blüthen- hülle kommen immer neue Blumen zum Vorschein, die nur einen Vormittag dauern, und dann verwelken. Man vermehrt sic entweder durch Samen oder, wie schon oben angedentet, durch ihre Knollen. Die Jxia oder Abendblume (ixia) ist ein kleines, irisähnliches Zwiebelgewächs, welches seine zierlichen Blumen von Ende April bis Juli entfaltet. Sic stammen größtentheils vom Cap und müssen bei 4—6° Wärme durchwintert werden. Die l. bullifera hat purpurrothe oder gelbbunte Blumen und trägt in ihren Blattwinkeln kleine Zwiebeln. Die I. coe- lestina, welche aus Carolina stammt, hat große, himmelblaue Blumen. Die I. macul ata ist unstreitig eine der schönsten ihrer Gattung. Sie hat schmale, schwertförmige, geränderte Blätter, einen fußhohen ästigen Stengel mit verschieden farbigen, an der Basis gefleckten Blumen. Es gibt deren weiße, gelbe, rothc, hellblaue, purpurrothe und auch grüne, welche für die schönsten gelten. Die Pantherlilie (l’ardantlius), wich Tiger-Iris genannt, stammt auö China und ist eine prachtvolle, irisähn liche Pflanze, mit knolliger, fleischiger Wurzel. Die hellgrünen Blätter sind schwert förmig, der Stengel 2 — 3 Fuß hoch und ästig. Zahlreiche Blumen, von gelb- lich-scharlachrothcr Farbe, mit dunkclblntrothcn Flecken geziert. Da sie tut Freien leicht ansgchcn, so überwintert man die Knollen bei 1 — 5° Wärme, und gibt ihnen im Winter nur wenig Wasser. Die Tigerblume (Tigrida). Die Tigerblume, auch Pfauen- und Salomonslilie genannt, Ferraria pavo- ma T., ist eine prachtvolle Zwiebelknollenpflanze aus der Familie der Schwertlilien. Äeumer'6 Naturgeschichte. 29Die großen Blumen sind ausgezeichnet, prachtvoll; die drei größeren Einschnitte sind inwendig scharlachroth, die drei kleineren gelb und blutroth gefleckt; der Grund der Corollc ist napfförmig vertieft, blaßgclb und schwarzroth getigert. Jede Blume dauert leider nur einen Tag, wird aber durch nenanfbrcchcndc wieder ersetzt. Die Zwiebel muß man im Winter an einem frostfreicn Orte anfbewah- rcn und sic vor Mäusen und Ratten in Sicherheit bringen, weil diese große Ver ehrer derselben sind. Anfangs Mai Pflanzt man sie in's Freie. Die Vieussenxie (Vicusseuxia), eine der Iris verwandte Zwiebelpflanze, welche vom Cap stammt, ein einzelnes lineales Wurzelblatt und meist prächtige Blumen hat. Der Pfauenspiegel, V. pavonia, hat sehr prachtvolle, orangefarbige Blüthcn. Die größer» Kronthcile sind eirund, ungcbartct, an: Grunde mit schwarzen Flecken geziert. Es gibt auch blaue, pnrpurrothe Blumen, deren äußere Krontheilc über dem Nagel blau, gleich einem Pfancnschwcif gefleckt sind. Mit ihr verwandt ist die Watsonie (Watsonia), die IV- Fuß lange Blätter und einen 2 Fuß hohen Schaft hat, der fünf bis zwölf Bliithen trägt. Diese variiren in den schönsten und lebhaftesten Farben. Die Pflanze wird so behandelt, wie ihre Genosse», die Gladiolns und Jxia. Zweite Drdnnng. Pflanzen mit z w e i S t a n b w c g c n. Fuchsschwanz-, Busch-, Glanz-, Strauß-, Perl-, Kamm-, Knäuel- und Zitter gras, die Schmeele und unzählige andere Gräser; ferner unsere Ge- treidcarten, das spanische Rohr, das Zuckerrohr, der Lolch u. a. m. Die Familie der Gräser zählt über 4000 Arten und enthält die nützlichsten aller Pflanzen, nämlich unsere Getrcidearten. Schon die mit tiefem Natursinn begabten alten Griechen erkannten im Getreide und seiner Cultnr eine unmittel bare Gottesgabc; gewiß aber ist cs, daß, wer den Getreidebau zuerst cinführte, gewaltige Kraft über ganze Weltthcilc übte, größere, als die mächtigsten Herrscher. „Finstere Urwälder schwanden, an ihre Stelle traten lachende Saatfelder, das Klima wurde verändert, meist milder, Gewächse südlicherer Gegenden konnten nun gedeihen, Sümpfe wurden trocken, Quellen versiegten, wilde und gefährliche Thicrc zogen sich zurück dahin, wo nichts Edles mehr gedeiht, und warum? — um mchlreichcn Graöartcn Platz zu machen. Aber daß Länder und Welttheile ihre451 Physiognomie, ihren Charakter veränderten, ist cs nicht allein, was die Cultur der Getrcidcartcn bewirkte; noch Größeres ging für den Menschen hervor: er wurde an feste Wohnsitze gebunden. Unstät irrt der Jäger umher; er findet überall Wald, Wasser, Wild und ein Obdach, sei es von Zweigen oder unter Felsen. Gering sind seine Bedürfnisse, gering seine Kunstfertigkeiten. Der Nomade zieht wit seinen Heerden weiter, wenn die Weide nicht mehr zureicht, oder wcnn's ihm nicht mehr gefällt. Einfacher noch, als des Jägers, sind des Nomaden Bedürf nisse und Kunstfertigkeiten. Aber der Ackerbauer muß bleiben bei dem Lande, welches er urbar gemacht hat und von dein er seine Nahrung, seine Lebensbedürf nisse erhält; denn zieht er weiter, so findet er überall neue Beschwerde und spä- ken Lohn; er baut einen festen Wohnplatz, cs wächst seine Familie, sein Ertrag wehrt sich, er muß ihn vertauschen, verkaufen, seine Bedürfnisse werden vielfacher, es entstehen Handel, Gewerbe, Künste und Wissenschaften, bürgerliche Einrichtun gen: — und wodurch wird dies Alles bewirkt? — durch die Cultur nahrhafter Gräser." Der Ackerbau geht aller Ausbildung der Menschheit voran; wie er den Boden bereitet und bestellt hat zur Nahrung des Leibes und des physischen - Lebens, so hat er auch die ersten Keime der Vcrsittlichung und Vergeistigung aus- gcstrcnt, und den Menschen in ein gchcimnißvollcs Verhältniß zur ewigen Schöpfer kraft gesetzt. „Wir wissen nicht, unter welcher Gctreideart sich die erste Cultur der Men schen entwickelt hat, entschieden aber ist cs, daß die gesittete Bildung im Abend lande von der Cultur des Weizens begleitet worden ist; doch ist cs nicht ans- zumachen, wo derselbe zuerst gebaut wurde. Ohne Zweifel kain der Ackerbau »"s Egypten nach Griechenland, und zog sich von hier aus segnend über ganz Europa. So hat Griechenland unserm Wcltthcil leiblich und geistig die erste rein wcnschliche Nahrung gereicht, jene durch die ersten Ackerbauer, diese durch die ersten Dichter und Philosophen. „Das Vaterland unserer Cerealien wird gewöhnlich als unbekannt angege ben; indessen wohl mit Unrecht setzt man in dieser Hinsicht zu weniges Vertrauen auf die Beobachtungen sehr achtungswerther Reisenden. Der Spelz, die Gerste und der Weizen sind thcils in Persien um Hamadan, thcils in Mesopotamien an den Ufern des Euphrats wild gefunden worden." In Europa kommen sic weder wild vor, noch verwildern sie, und sind demnach den Hansthieren des Menschen, namentlich dem Schafe, Hunde a. a. m., vergleichbar, welche auch nicht mehr in ihrem rohen Naturzustände Vorkommen, noch ansdanern mögen. Sie sind gleichsam des cultivirtcn Menschen Hauspflanzcn, — wenn man anders diesen Ausdruck gestatten will, — die nur noch in seiner Nähe und unter seiner pflegenden Hand gedeihcn. Auch folgen sie den Menschen namentlich in Europa weiter nördlich, als wan erwarten durfte: unterm 69° und 70° in Norwegen und in den Gränz- districten zwischen Norwegen, Schweden und Rußland trifft man noch Getreide bau, so wie überhaupt in Gegenden, deren Mittelwärme unter den Gefrierpunkt 29 «452 fällt, während er in der Schweiz bereits bei 4° über dem Gefrierpunkt anfhört. Hieraus kann man abnehmen, daß der Kornbau viel mehr von der Sommer- Wärme, als von der jährlichen Mittelwärme abhängt. Die langen Sonnncrtagc geben nämlich den Polarländcrn eine zwar sehr kurze, dabei aber verhältnißmäßig sehr bedeutende Gommerwärme. Unter den Getreidcarten ist cs jedoch nur die Gerste, welche eine so hohe Breite erreicht; sie reift bei Tornea in 10 Wochen nach der Saat, im Süden von Finnland dagegen bedarf sie 4—6 Wochen mehr -). Die Nordgränzen der verschiedenen Getreidcarten ans der skandinavischen Halbinsel sind aber, nach Scho uw's zuverlässigen Angaben: für Gerste ans der Westseite 70 ", ans der Ostscite 70", - Roggen - - - 67", - - - 65—66", - Hafer - - - 65°, - - - 63'/*°, - Weizen - - - 64°, - - - 62". Große, mit mäßiger Temperatur begabte Ebenen sind dem Getreidebau vor zugsweise zuträglich und bilden auch die Kornkammern unseres Erdtheiles, wie z. B. die nord- und osteuropäische Ebene. Die Gränze aller Gctreidecnltnr ist übrigens in den Alpen bei Tyrol bei 3800 Fuß, in den übrigen Tyroler Gebirgen bei 4500 Fuß, aus dem Monte Rosa bei 5880 Fuß, und in Frankreich steigt die Roggencultnr selbst bis 6600 Fuß. — Eine nähere Beschreibung der Getreidcarten wird man uns gerne erlassen, indem dieselben nach ihrem Ban, ihrer Cnltnrart und nach ihrer Bcr- Wendung für's Leben hinreichend bekannt sind. Eben so müsse» wir ans die Beschreibung der vielen Gräser, welche größtcntheils als Futterkraut oder als Material zu künstlichen Flechtwerkcn benutzt werden, verzichten. Eine für den Handel sehr wichtige Grasart ist das Zlllkerrohr (Sacbarum officinarum). (Taf. XVI, Fig. 5.) Das Vaterland des Zuckerrohrs ist die ganze heiße Zone, cö wird aber jetzt hauptsächlich in West in dien cnltivirt. Ob man in alten Zeiten das Zuckerrohr schon gekannt hat, läßt sich nicht mit Gewißheit angeben, nur so viel weiß man, daß die Europäer zur Zeit der Kreuzzüge zuerst mit dem Zucker bekannt.wurden. Im Jahre 1166 war in Sicilien schon eine Znckcrstampf- mühle. 1420 wurde das Zuckerrohr nach Madeira und einige Jahre später ans die canarischen Inseln vcrpstanzt. Columbnö war cs, der es in West- indien einheimisch machte. Jedoch soll auch hier schon früher Zuckerrohr wild gewachsen sein. Beschreiben wir nun die Pflanze näher. Sic gehört zu den Gräsern und hat Ähnlichkeit mit dem einheimischen Rohre. Der Stengel ist ge gliedert, wird 16 — 20 Fuß hoch, hat schilfartige Blätter und enthält ein sehr saftiges Mark, woraus der Zuckersaft gepreßt wird. Aus dem Gipfel des Rohrs ch Nach Dr. Vogel'ö Natmbildern,453 entwickelt sich eine rispenartige Bliithe, welche silbergrau ist und einem Fcdcr- busche ähnlich sicht. Die Gewinnung des Zuckerrohrs, die Bearbeitung desselben n. s. w. wird fast einzig und allein durch Negersklaven betrieben. Diese müssen zuerst das Feld gehörig bearbeiten, cs 1'/, Fuß eingraben und dann in Quadrate abtheilen. Nun werden 6 Zoll tiefe und eben sv breite Rinnen gemacht, wohinein, bei eintrctendcr Regenzeit, Wurzelstücke des Zuckerrohrs, oder auch nur sogenannte Schnittlinge gelegt werden. Acht Tage nach der Pflanzung treiben die jungen Sprossen schon hervor. Nun müssen die Sklaven fast tagtäglich in die Pflanzung, uin solche von Unkraut zu reinigen. Endlich »ach 11 —12 Monaten ist das Rohr so weit gediehen, daß cs abgcschnittcn werden kann. Die altern Neger müssen jetzt das Abschncidc» besorgen und die Kinder das abgcschnittcne Rohr in Bündel binden. Da nun der Saft in sehr kurzer Zeit in Gährung gehen würde, so müssen die Bündel sofort in die nahe Mühle getragen werden. Damit alle diese Arbeiten pünktlich und ununterbrochen vor sich gehen, so stehen die Aufseher, in der Regel rohe, gefühllose Menschen, mit ihren Peitschen und treiben die Unglücklichen mit Hieben zur Arbeit. In der Mühle stehen nun wieder andere Sklave», welche das Rohr zwischen die Walze bringen müssen. Diese Arbeit geht aber oft Tag und Nacht vor sich, so daß Mancher, der ermattet und er müdet ist, unversehens den Finger zwischen die Walzen gerathcn läßt. Doch die Maschine kann so schnell nicht stille gehalten werden, und nicht nur der Finger und die Hand, sondern der ganze Mensch würde gerädert werden, wenn nicht der Inhaber einer solchen Pflanzung für Vorsichtsmaßregeln gesorgt hätte. Es steht nämlich ein Mensch mit einem scharfen Beile in der Nähe der Arbeiter. Hat nun einer davon das Unglück, die Hand zwischen die Walzen zu bekommen, so springt jener Mensch herzu, und haut ihm die Hand sogleich ab. Das sind son derbare Vorsichtsmaßregeln, wird der Leser denken, und wir Europäer, die wir uns den Zucker wohlschmecken lassen, denken oft gar nicht daran, wie unglücklich diejenigen sind, die zur Bearbeitung des Zuckers gebraucht werden. Der ausgepreßte Saft wird Vesou genannt, und durch bleierne Röhren in einen Behälter geleitet, wo er durchgeseiht und von Rohrstücken gereinigt wird. Darnach wird er in das Sicdchans gebracht und in Kesseln mehrmals gesotten. Den endlich ans diese Weise gewonnenen festen Zucker nennt man Rohzucker oder Moskvrade, und wenn er pnlvcrartig ist, Farinzucker. Nun wird derselbe in Fässer und Kisten verpackt und nach Europa gesandt, wo er in den Zucker- raffinerien zu London, Amsterdam, Rotterdam, Kopenhagen, Hamburg, Bremen, Hannover, Kassel, Berlin re. raffinirt oder geläutert wird, wozu Ochsenblut, berkohlte Knochen re. verwandt werden. Das Spanische Rohr (Arundo donax) 'st die größte europäische Grasart, welche 6—12 Fuß hohe, hohle, dicke, starre, knotige Stengel treibt, die Rispe ist ansgebreitet, sehr ästig, violett und silber-454 glänzend bunt. Wächst im Sumpfe des südlichen Europa's und liefert schöne Spazierstöcke, Mundstücke zu Blasinstrumenten n. dgl. Der Lolch (Lolium temulentum), auch Tollkorn genannt, wächst als Unkraut, das schwer zu vertilgen ist, unter dem Getreide. Er trägt lange Aehrcn, an denen die kleineren ans beiden Seiten übereinander stehen. Der 2 — 3 Fuß hohe Halm hat 4 — 5 Knoten, glatte Blätter, eirunden, braunen und schwärzlichen Samen. Er ist Menschen und Vieh sehr schädlich; dennoch mischen ihn boshafte Bierbrauer und Branntweinbrenner unter das Malz, um das Getränk berauschend zu machen. Das bekannte eng lische Rai gras ist ebenfalls eine-Lolchart, und liefert dauerhafte Rasenplätze. Dritte D r d n u n 0. Pflanzen mit drei Staubwegen. Diese Ordnung ist nicht sehr zahlreich vertreten. Wir nennen nur daö Bunzclkraut, oder Montanie (Montania) , die man häufig an Quellen und Bächen findet, mit einblätteriger, unregelmäßig fünfspaltigcr, weißer Blüthc, und das Nelken gras (llolostllim), welches anfAcckcrn und an Wegrändern wächst, einen fünsblätterigen Kelch lind eine fünfblätterige, röthliche Blumenkrone hat. vierte Masse. Pflanzen mit vier Staubgefäßen. Erste Ordnung. Pflanzen in i t e i n e m S t a u b w c g c. Die Weberkardendistcl, die Scabiose, Waldmeisterlein, Labkraut, Färberröthe, Sheradi», Wegbreit, Wassernuß, Hartrigel, Santelbaum, Silberbaum, Schattenblume, Sinan oder Löweu- fuß, Oleaster oder deutscher Oelbaum, Glaskraut, Bauksie, Buddleja, Svckeublume oder Bischofsmütze, Schbukerze u. a. Die Weberkardendistcl (Dipsacus fuiionum) wächst im südlichen Deutschland wild, wird aber in einigen Gegenden des nörd lichen Deutschlands angcbant, weil die steifen, hakigen Sprcublättcr der Blumen-455 köpfe zum Aufkratzen wollener und baumwollener Zeuge benutzt werden. Die Pflanzenblätter sind sitzend, eingeschnitten, die Blüthcn röthlich, zwischen den steifen, hakigen Spreublättchen stehend und bilden cigrvßc Köpfe. Es gibt auch eine wilde oder Wald-Kardcndistel, deren Sprenblättchcn nicht steif und hakig sind, und eine behaarte Kardendistel, die behaarte, zugespitztc Spreublätter hat. Die Scabiosc (Scabiosa) zählt viele wildwachsende Arten, von denen einige officincll sind; manche aber werden ihrer hübschen Blumen wegen als Zierpflanzen in Gärten gebaut. Die Ackcr-Scabiosc, 8. arven-cks, welche man auf Acckcrn trifft, hat lillafarbige Blütheu, welche in einem allgemeinen Kelche stehen. Jedes Blümchen hat aber noch einen besondcrn Kelch. Der äußere Kelch ist viclblättcrig, weiß geschuppt, der innere Kelch meist vierspaltig. Die Blümchen sind vier- bis fünftheilig. Die spindel förmige Wurzel hat einen bittersüßen Geschmack, die Blätter dieser Pflanze werden in den Apotheken geführt. Auch die Sumpf-Scabiosc, Teufelsabbiß, 8. succia, ist offizincll, denn Blätter und Wurzeln werden von den Apothekern cingesammelt. Sie hat eine schwärzliche Wurzel, welche wie abgebissen erscheint. Die violett- blauen Blümchen sind fast alle vierspaltig und stehen in kugeligen Köpfen. Die schwarzrothc Scabiosc, 8. atropurxursa, ist ein hübsches Sommergcwächs, welches auö Ostindien stammt, zwei Fuß hoch wird und schwarzrothc, halbkugelig gewölbte Blumen mit weißen Staubfäden trägt. Sie blüht vom Juli bis Sep tember und liebt Sonne und Feuchtigkeit. Die großblumige Scabiosc, 8. grandi- flora, ist eine schone perennirende Pflanze, vom Kaukasus zu uns gebracht. Der ästige Stengel wird mehrere Fuß hoch, und an den Enden der Zweige erscheinen die großen, blaßblondcn, 3—4 Zoll im Durchmesser haltenden Blumen, deren Kränchen füufspaltig sind. Die Staubfäden sind weiß und tragen pnrpurrothe Staubbeutel. Mau vermehrt sie durch Samen und Wurzelsprossen, und da sie den Frost ertragen kann, so hat man wenig Sorge auf sie zu verwenden. Das Waldmcisterleill (Asperula odorata) ist eine allbelicbtc -Pflanze, welche die Hauptingrcdicnz zum Maitrank liefert. Es wächst am liebsten auf feuchten und schattigen Orten, wird, obgleich es auch wild wächst, seiner herrlichen Eigenschaften wegen angebaut. Es ist ein kleines Kraut, mit guirlständigeu Blättern und weißen Blütheu. Ucbrigcns liefert der Waldmeister auch den besten Kräuteressig, und man kann dazu die schon zum Maitrank benutzten Kräuter verwenden. Auch in den Apotheken wird der Wald meister benutzt. Nebrigcns enthält die ganze Pflanze einen scharfen Färbestoff, daß sich die Knochen der Thicre, welche Waldmeister fressen, davon färben sollen. Asperuk cynanchica, Bräunc-Waldmeisterlciu, liefert eine Wurzel, welche wider die Halsbräune angewandt wird.Das Labkraut (Galium) wächst bei uns in vielen Arten als lästiges Unkraut. Es hat einige Aehnlichkeit mit dem Waldmeister, nur daß cS bedeutend länger wird. Alle Labkrautarten enthalten einen sehr durchdringenden Färbestoff. So färbt man in Schweden im Frühling und Herbst wollene Zeuge mit Galium verum schön rvth. In Irland gebraucht man die Blatter dcö Gr. aparine bei der Käsebereitung, weil die Milch schnell darnach gerinnt. Der Same dieser Pflanze wird von armen Leuten als Kaffeesurrogat benutzt. Tic Färberröthe, Krapp (Rubinia tinetorum) ist ein perennirendcs Gewächs, welches im südlichen Deutschland und im Orient heimisch ist, seines vortrefflichen Färbestoffes wegen aber fleißig angebaut wird. Die kleinen gelben Blüthen stehen in Rispen und auf sie folgt eine schwarze, beerenartige Frucht. Die Wurzel, welche den Färbcstoff liefert, ist kriechend, oft wagerecht, oft mehrere Fuß lang, rothbraun, innerlich gelb, und etwa 2—3 Linien dick. Die Pflanzenblätter sind lanzettförmig und sitzen in Wirbeln. Die Wurzel wird außerdem als Arzneimittel gegen Knochenkrankheiten und als harntreibendes Mittel gebraucht. Die beste lcvantische Sorte führt den Namen Alizzari, und eö hat daher der eigenthümliche rothe Färbestoff, daö extractive Krapproth, den Namen Alizzarin erhalten. Außerdem enthält die Wurzel noch ein harziges Krapproth und einen gelben Färbestoff (Xanthin). Der rothe Färbestoff assimilirt sich mit dem thierischen Organismus so leicht, daß Thicre, welche diese Pflanzen fressen, schon nach einigen Tagen rothe Milch geben und rothe Knochen erhalten. Durch Zusätze von Salzen hat man mit der Färberröthe schon über 50 verschie dene Farbennüancirungen hcrvorgcbracht. Man pflanzt den Krapp lieber durch Wurzclsprosscn, als durch Samen fort; erst im dritten Jahre kann man ans seinen Ertrag rechnen. Auch in Deutschland gibt es jetzt große Krapp-Baute. Die beste Sorte, welche Holland liefert, kommt von der Insel Schowcn und ist unter dem Namen Kor-Krapp bekannt. Die R. pcre quica hat größere Blüthen, und die indische Röthc, R. munjista, ist halb strauchig, wird eben falls zum Färben, aber auch als Mittel wider die Bleichsucht-gebraucht. Der Hartrigel, Eoruelkirschenbauiii (Comus) ist eine ziemlich bekannte Pflanze, welche zu Hecken gezogen, oder auch als Zier sträucher angepflanzt und deren Holz von den Schuhmachern zu hölzernen Stiften verarbeitet wird. Es gibt mehrere Arten. Am bekanntesten sind der weiße Hartrigel, C. alba, auch englische Weide genannt, welche zu Korbmacherarbeitcn verwandt wird, dunkel-blaß-rothe Zweige und weiße Blüthen hat, die in After- doldcn stehen. Der gelbe Hartrigel, 0. mascula, wird auch in Bäumchen gezogen, ja, durch gute Pflege erreicht er eine Höhe von 20 Fuß. Er liefertcme glänzend rothe Steinfrucht, die einen angenehmen weinsäuerlichen Geschmack hat. Der rothe Hartrigel, 0. sanguinea, eignet sich seines schönen rothen Holzes wegen vorzüglich zu größeren Anlagen. Der Saiitclbaum (Kantaium). (Taf. xvl. Fig. g.) Der weiße Saiitclbaum wird oft sehr dick, aber nur wenige Fuß von der Erde fängt er schon an, sich zu verzweigen. Die Blätter sind ovaleirnnd, ganzrnndig mtb stehen einander gegenüber. Nach den Blättern und Blüthcn gleicht der Baum unscrm Ligustcrstrauche sehr wohl. Die Blumen sind röthlich und stehen in Trauben. Nach dem Abfallen der Blüthcn bildet sich eine bccren- artigc Steinfrucht, welche im reifen Zustande heidelbeerschwarz ist. Der Santel- baum wächst ans der Küste von Malabar, auf Timor und den benachbarten In seln. Im Handel kommt dieses Holz häufig vor. Man hat rothcs, weißes und gelbes Santelholz; wovon aber ersteres nicht von dem Santalum album, sondern Non einem anderen Baume herkommt. Das weiße und gelbe Santelholz aber kommt von dem oben beschriebenen Bannic her. Daö weiße ist das noch unreife Holz junger oder der Splint alter Stämme; das gelbe dagegen der Kern alter Bäume. Dieses letztere kommt vom Blaßgclbcn bis znm Dunkelgelben, bisweilen schön roth geadert vor, hat gerieben einen starken rosenartigen Geruch und einen gewürzhast bittern Geschmack. In frühem Zeiten gebrauchte man Santelholz zu Arzneien, zuletzt höchstens noch zu Zahnpulver. Drechsler und Tischler hingegen Machen aus demselben schöne Arbeiten. In Indien ist dieses Holz ein Luxus artikel, denn man gebraucht es zum Verbrennen der Leichen und zur Verfertigung kostbarer Särge. Der Silberbaum (?-otva) wird bei uns nur in Gcwächshänsern gezogen. Sein Vaterland ist das Vorge birge der guten Hoffnung. Er tragt silberweiße Blätter, weiße, filzige Blüthcn und behaarte Nüßchcn. Alle Arten sind sehr schwer zu cnltiviren und gehen bei der geringsten Vernachlässigung zu Grunde. Am Cap bereitet man ans den Blumen dieses Baumes einen Shrup, der in Brnstkrankheiten angewandt wird. Der Oleaster, Wilder OelbaMN (Elaeagnus angustifolia) ist ein sehr schöner Bamn, der oft eine Höhe von 15—20 Fuß erreicht. Die dornigen Aestc sind mit lanzcttlichcn, filzigen, nnterscits grauweißen Blättern besetzt. Die kleinen, winkelständigen, inncrscits gelben Blumen sind ziemlich un ansehnlich, verbreiten aber einen köstlichen, orangeähnlichen Duft. Er wächst im Orient, in Südcnropa, ja im südlichen Deutschland sogar wild, wird aber als Zierbaum sehr häufig in größeren Anlagen angcpslanzt.458 Die Blinksic (Banlcsia) ist ein schöner Zierstrauch, der in seinem Vatcrlande Neuholland zu einem Baume von 25 Fuß Höhe wächst. Er trägt immer grüne Blätter und zierliche Blumen, welche cylindrische oder längliche dichte Kätzchen bilden. Sic verlangen aber sämmtlich im Winter 5—8° Wärme. Die Buddleja (Buddleia) ist ebenfalls ein schöner Zierstrauch, der aus Chile stammt, immer grüne Blätter und viereckige, weißfilzige Zweige hat. Die Blüthen sind lebhaft pomeranzengelb und stehen in kugelrunden Köpfchen, sind sehr honigrcich und florircn vom Mai bis August. Der Strauch erreicht bei uns nur eine Höhe von 10 Fuß, während er in seinem Vatcrlande bei 20 Fuß hoch wird. Man überwintert ihn an einem frostfreien Orte. Die SockcilblUIIic oder Bischofsmütze (Epimedium alpinum), eine hübsche Perennie, wächst auf den Alpen in Italien und Tyrol wild, hat doppelt-dreizählige Stengelblättcr, zierliche, eigenthümlich geformte blutrothe Blu men mit gelben Honigbehältern. Sie liebt lockern Boden und schattige Lage, blüht im April und Mai und läßt sich durch Wurzeltheilung leicht vermehren. Die Schöllkerze (Eucharidium) ist eine der Clarika verwandte Sommerpflanze, die aus Neu-Californicn stammt. Die Blumen sind zierlich, rosenroth, jedes der dreilappigen Corollenblättchcn mit zwei purpurrothen Flecken geziert, und florircn vom Juli bis zum September. Man säet den Samen im April an eine sonnige Stelle. Zweite Brdnung. Pflanzen mit zwei Staubwegen. Es gehören dazu die Lappeublumen (Hypocoum) , Zaubernuß (Hamamelis), die ans Nordamerika stammt und die Bouvardic (Bouvardia), ein aus Mexiko stammender 2 — 3 Fuß hoher Zierstrauch, der schöne scharlachrothc, röhrenförmige Blüthen in Doldentrauben trägt und im Winter 4—8° Wärme verlangt.459 Dritte Drdnnng. Pflanzen mit vier Staubwegen. Da es keine Pflanzen dieser Klasse mit drei Staubwegen gibt, so nehmen also die mit vier Staubwegen die dritte Ordnung ein. Es gehören dazu: das Samenkraut, das Maßkraut, Mönchin, Strahlkraut und die Hiilsc oder Stechpalme (Hex). Die gemeine Stechpalme, auch Hülskrappe genannt, I. aguikolium , ist ein durch ganz Deutschland bekannter, immer grüner Strauch, mit stachlichten Blät tern. In südlichen Gegenden erreicht er eine Höhe oon 40 Fuß. Er liefert ein knochenhartes Holz, und die hübschen, rothen Früchte werden auf Korsika als Kaffcesurrogat benutzt. Aus der 9i'itibe wird ein vorzüglicher Vogelleim gewonnen. Man cnltivirt verschiedene Arten mit gclbgcrandetcn, dreifarbigen Blättern u. s. w. Die Paraguai-Stechpalme, I. paraguensis, hat unangenehm riechende, eigen- thümlich bitter schmeckende Blätter, die den Paraguai-Thee liefern, der in Süd amerika so häufig getrunken wird, als bei den Holländern der chinesische Thee. Auch in England ist in neuerer Zeit jener Thee Mode geworden. Fünfte Masse. Pflanzen mit fünf Staubgefäßen. Diese Pflanzcnklasse ist vor allen andern sehr reich vertreten, und gehören nicht nur die ausgezeichnetsten Zier- und CulturpflanM, sondern auch die edelsten Arzncigewüchsc und schärfsten Giftpflanzen hierher. Erste Drdnnng. Pflanzen mit einem Staubwege. Wunderblume, Wachsblume, Natterkopf, Sonnenwende, Vergißmeinnicht, Igelsame, Steinsame, Ochsenzunge, Hundszunge, Gedenkemein, Lungenkraut, Beinwell, Boretsch, Scharfkraut, Mannsschild, Primel, Erdscheibe, Fiebcrklee, Villarsie, Wasserfeder, Pfenningskraut oder Lysimachie, Gauchheil, Winde, Trichterwindc, Sperrkraut, Stechapfel, Bilsenkraut, Woll kraut oder Königskerze, Belladonna, Allrann, Tabak, Flammenblume oder Phlox, Juden kirsche, Nachtschatten, Liebesapfel, Bocksdorn, Tausendgiildenkraut, spanischer Pfeffer, Krähenange, Immergrün, Oleander, Punzen, Glockenblume, Geißblatt, Kaffeebaum, Fieber- oder Chinarindenbaum, Kreuzdorn, Spindclbaum, Weinstock, Göttergernch, Bal- samine, Veilchen, Johannisbeere, Epheu, Jasione, Hahnenkamm, Milchkraut, Leimblatt, Azalie, Crassnla oder Dickblatt, Lachenantie, Lobelie, Liebeshainblümchen, Petunie, Statice u. v. a. ni., von denen wir noch mehrere in der Beschreibung auffllhren werden.460 Dic Wunderblume (Mirabilis) ist eine cms Mexiko und aus beiden Indien zu uns gebrachte sehr hübsche Zier pflanze, welche durch Samen erzogen wird, sich aber auch durch die fleischige, schwarze, spindelförmige Wurzel fortpflnnzt, die aber den Winter über an frost freien Orten aufbewahrt werden muß. Dic Blume ist trichterförmig, und es erscheinen an einer Pflanze oft rothe, weiße und gesprenkelte Blumen. Am be kanntesten ist die M. Jalapa, welche ans Indien stammt. Dic langblühcnde Wunderblume, LI. longiflora, ans Mexiko kommend, hat langröhrige, weiße, mit röthlicher Mündung versehene, wohlriechende Blumen. Dic Wurzeln aller Pflan zen sind stark pnrgirend. Die Souuenweilde (Heiiotropium), eine bekannte Topfpflanze, die ihres vanillenartigen Duftes wegen von allen Blumenfreunden sehr geschätzt wird. Man nennt sie deshalb auch Vanillcn- kraut. Im Sommer kann man sic in's freie Land bringen, wo ihre Stengel zahlreich Wurzel schlagen und so die Pflanzen in starke Vermehrung bringen. Der Kelch ist rührig, die Blume tellerförmig, weiß oder lilla und in fünf Lappen gcthcilt, die Blätter sind runzelicht, ranhfilzig und klebrig. Gegen Frost sind sic sehr empfindlich. Dic Primel, Schlüsselblume (Primula) charakterisirt sich durch einen rührigen, fünfzähnigen Kelch, der nach der Blüthe stehen bleibt; die Blume ist ebenfalls rührig, mit fünflappigem, ausgebreitetem Saume. Der Stand der Blüthen ist eine Dolde. Alan cultivirt P. veris in den schönsten, verschiedensten Farben. Sie eignen sich besonders zur Einfassung. Die Pflanzenblättcr geben im Frühjahre ein feines Gemüse, und Blumen, Blätter und Wurzeln werden in den Apotheken gebraucht, namentlich von der ans Wiesen wachsenden dnnkelgelben Schlüsselblume. Dic Anrikel, R auricula, ist eine überaus schöne, wohlriechende Zierpflanze, die fast seegrüne oder bepuderte Pflanzenblättcr hat und große Blumen in den schönsten Farben trägt. Die Blumisten theilen sie ein in a) englische A., welche weiß gepudert sein müssen, und deren Blume kein eckiges Aussehen haben darf. Der Durchmesser muß wenigstens 3 / 4 Zoll be tragen; — b) holländische oder Linker-Anrikel, welche nicht dic geringste Spur von Puder an sich tragen dürfen, und deren Blumen 1 l / a bis 2 Zoll Durchmesser halten müssen. Staubfäden und Stempel müssen gleich lang sein, damit sich die Röhre schließt; ist dies nicht der Fall, so heißt dic Blume eine Loch-Anrikel und hat für den Kenner keinen Werth. Es gibt auch gefüllte Ab arten, und solche, wo ein Blümchen im andern steht.Jiiiigferwcin, Wciiicphcii , Fuchswcin (Ampeiopsis), auch wilder ober filziger Wem genannt, wurde von Liunä unter Hsäsra griln- quefolia anfgcführt. Er ist ein schöner Strauch, der dem Wcinstock sehr ähnlich sieht, dessen Blätter aber im Herbste sich schön roth färben und dadurch ein prächtiges Aussehen gewähren. An den Stengeln und Acstcu befinden sich Sang wurzeln, vermöge welcher die Pflanze an Mauern und Geländern hinrankt, und so zur Bekleidung von Lauben und Wänden gut geeignet ist. Die Bluthe ist un ansehnlich, grünweiß, und die erbsengroßen Beeren von fadem Geschmack. Azalea, Felscnsirauch (Azalea), Diese Pflanzen sind sehr schöne Ziersträucher, die thcils im Freien auö- daucrn, thcils in Gewächshäusern gezogen werden, aber alle ausgezeichnet schöne Blumen tragen. Sic verlangen zu einem üppigen Wachsthum Haide- und Moor- crde. Die trichterförmigen fünfthciligcn Blumen stehen in einem fünfzähnigcn Kelche. Die A. coceinea dauert int Freien aus und hat scharlachrothe Blumen i't Enddolden. Die A. pontica, mit großen gelben Blumen, ist ebenfalls aus dauernd. Die A. indica und A. sinnensis können nur im Hanse überwintert werden, entschädigen aber durch einen herrlichen Flor weißer, rother und gold gelber Blumen. Spanischer Pfeffer (Capsicum annum), auch Beißbccrc genannt, ist eine Sommcrpflanze, welche aus dem südlichen Amerika stammt und ihrer schönen, scharlachrothcn, glänzenden Früchte wegen gezogen wird. Die radförmige Blume ist weiß und unscheinbar, der Stengel wird 1'—2 Fuß und die meist langen Samenkapseln sind mit einer scharlachrothcn Haut umgeben. Es gibt auch kirschenähnliche Früchte, und solche, welche fast vierkantig sind. Man gebraucht die Früchte aller Arten, obgleich sie einen bren nend scharfen Geschmack haben, als Gewürz, zum Einmachen der Gurken und' Zur Verfälschung des Branntweins. Als Arznei sind sic ein außerordentlich starkes Reizmittel. Ihres häufigen Gebrauchs wegen kommen sic getrocknet im Handel vor. Hahlicilkamm (Celosia cristata). Eine schöne Sommerpflanze, deren Stengel 2 Fuß hoch wird und in eine hahncnkammförmige Bluinenähre ausläuft, welche in den schönsten Farben er scheint. Die Pflanze ist gegen Regen sehr empfindlich, und deshalb ist eö schwer, vccht große Kämme zu ziehen. Man muß die jungen Pflanzen bis zur Aus bildung unter dem Glase halten, und dann erst auf ein passendes Beet bringen.462 Die (Joilid (Cobaca scandens) ist eine schöne strauchartige Rankpflanze, die ästige Stengel, dreipaarig gefiederte Blätter und schöne, langgestielte, violette, große, glockenförmige Blnmcn hat. Sie florirt vom Frühling bis in den Spätherbst. Sic wird im Zimmer oder Glashanse bei 6 — 10° Wärme durch den Winter gebracht und beim Beginn des Sommers in andere Töpfe nmgepflanzt. Die Winde (Convolvulus). Die wildwachsenden Arten sind ein sehr schädliches, schlecht zu vertilgendes Unkraut. Cultivirt wird die dreifarbige Winde, 0. tUcolor, die weiße Winde, 0. candicans, und einige andere Arten. Nahe verwandt mit der Winde ist die Trichterwinde (ipomaea), welche dem Blumenfreunde sehr schone Rankenpflanzen darbictet. Die scharlach- rothe Trichterwinde, I. coccinea, stammt aus St. Domingo und hat große, schöne Blnthen. Es gibt verschiedene Arten, von welchen die Jalappe-Trichter- windc, I. Jalappa, mit ihren weißen, an der Röhre violetten oder rosenrothen Blnthen, die wichtigste ist; denn sic liefert in ihren dicken fleischigen Wurzeln die in den Apotheken als Purgirmittcl gebräuchliche Radyx Jalappae. Das Alpenveilchen, Erdschcibe, Sandbrod (Cyclamen) ist eine niedliche Perennie, von eigenthümlichcm Ansehen. Die Wurzel ist glatt, knollig, fast wie ein Brod gestaltet, und zwischen den tanggcstieltcn Blättern stehen die zierlichen Blumen, welche Aehnlichkeit mit den Primeln haben. Die 6 . euro- paeum dauert bei uns im Freien bei einiger Bedeckung fort und hat schöne pur- pnrrothc Blnmcn. Die rundblätterige Erd scheibe, 0 . cornn, in Griechen land heimisch, blüht pfirsichroth, hat immer grüne Blätter und gedeiht nur im Glashanse. Man rechnet alle Arten zu den Giftpflanzen, da die Wurzeln, wenn sic genossen werden, Erbrechen und heftiges Purgiren Hervorbringen. Getrocknet oder geröstet sollen sic diese Eigenschaften verlieren und in manchen Gegenden so gar verspeist werden, weil sie wie Kastanien schmecken. Nahe verwandt mit dem Alpenveilchen ist die Göttcrblnmc (Dodecatheon), eine allerliebste, primelähnliche, perennirende Zierpflanze, welche aus Virginien stammt, und sehr schöne roscnrothc, überhängende Blnmcn in reichen Dolden trägt. Sie variirt auch mit weißen und lillafarbigen Blumen. Eine trockene Decke im Winter ist hinreichend, jedoch Pflanzt man sie auch sehr gern in Töpfe, weil sic dann schon im März ihre Blnthen tragen.463 Der Gvttcrduft (Diosma) ist ein grüner Zierstrauch von zierlichem Wuchs und von starkem, aromatischem Geruch. Die Blüthen, welche weiß und lilla floriren, sind unansehnlich. Die Pflanzen lassen sich an jedem frostfreien Orte leicht überwintern und vermehren sich durch Stecklinge. Die Balsamiiic (lmpattsns). Die wildwachsende Balsamine, I. nolitangere, trifft man an schattigen Wald- rändcn. Sie hat gelbe Blüthen und die Samenschötchen sind so empfindlich, daß sie bei der leisesten Berührung anfspringen. Die Gartcnbalsamine, l. dalsamina, ist eine bekannte Sommcrpflanze, welche vor etwa 200 Jahren ans Ostindien zu uns gebracht wurde, und die durch ihre großen Blumen in den verschiedensten Farben alle Mühe reichlich lohnt, obgleich die ganze Pflanze durch ihren pyra midenförmigen Ban etwas Steifes an sich hat. Die Kunst hat hier auch viele Varietäten erzeugt. Man thcilt sic gegenwärtig ein in a) Rosen-Balsaminen, hoch und wenig ästig, mit stark gefüllten Blumen, die in der Form einer Ccntifolie ähneln; d) Camellien-Balsaminen, wenig ästig, mit großen, stark gefüllten Blumen in allen Farben, aber stets mit weißen, in der Grundfarbe eingctnschten Flecken; o) Zwerg-Balsamincn, sehr niedlich, gedrungener Bau der Blumen in allen Färbungen. Außer diesen gibt cs noch andere Arten, welche 5—8 Fuß hoch werden und thcils prächtige Blumen tragen, z. B. I. macrochila, welche 5 — 8 Fuß hoch wird und dunkelrosenrothe Blumen trägt. Beilchcn (Viola). Das wohlriechende Beilchcn, V. odorata, welches als erste Frühlingsspcnde so willkommen ist, wird auch in Gärten gezogen, kommt blau und weiß, einfach und gefüllt vor, und ist bekannt. Das dreifarbige Veilchen, V. triookor, auch Stiefmütterchen genannt, hat sich seit einigen Jahren den Rang als Modcpflanzc unter dem Namen konods's, V. liybrida maxima, erworben, und werden von demselben sehr schöne, großblühende Arten cultivirt. Die schönsten zeichnen sich durch Angenzeichnung und durch einen fast viereckigen Ban ans. Alle unten spitzlaufcndcn Blumen, wären sic auch noch so groß und hübsch gezeichnet, werden von Kennern verworfen. Nach dem Abblühen müssen sic eingcschnittcn und ver pflanzt werden, um die Blumen rein und groß zu erhalten. Durch Samen er zielt man immer neue Varietäten. Der Oleander (Ncrium) ist ein beliebter Prachtstrauch, der ans Indien stammt, jetzt aber schon im süd lichen Europa vollkommen heimisch ist. Der Kelch ist fünftheilig, die Blumen krone tellerförmig mit ungleichseitigen Lappen des Saumes, die Staubbeutel sindpfeilförmig. Die steifen, lederartigen Pflanzenblätter stehen immer zu dreien. Die Blnthen, welche einfach und gefüllt, weiß und roth Vorkommen, stehen in lockeren Sträußen. Er erfordert im Winter nur 3 — 5" Wärme, wenig Feuch tigkeit, aber viel Licht. Im Sommer trägt er an einem geschützten Standorte reichlich Blüthen. Nur darf man ihn, während er in Knospen sicht, nicht ver setzen. Er vermehrt sich sehr leicht, indem man einen Zweig in eine Flasche mit Wasser steckt und die Ocffnung mit Wachs verklebt. Hat der Steckling die Flasche bald mit Wurzeln gefüllt, so wird er cingcpflanzt. Man zählt die Pflanzen zu den scharf-narkotischen. — Auch gehören noch die bekannten Zierpflanzen, Lobelien, Petunien, Phlox, Staticc, Geiöblatt oder Caprifolium, Vinca und viele andere hierher, die wir aber des beschränkten Raumes wegen nicht näher beschreiben können. Wir wollen vielmehr nun noch die wichtigsten Pflanzen dieser Ordnung näher beschreiben. Die Stachel- und Johanilisbeere» (Ribes) sind bekannte Nutzsträucher, die ihrer Früchte wegen in den meisten Gürten ge zogen werden. Die Stachelbeeren liefern grüne, gelbe, rothe und dunkelbraune Früchte. Auch sind die Früchte in der Größe sehr verschieden. Die rauhe gemeine Stachelbeere, R. grossularia , wächst hin und wieder wild, durch die Cultnr aber wird cs ein schöner Strauch, der große, gelbgrüne, behaarte Beeren trägt, die ein süßes Fleisch haben. Die glatte Stachelbeere, R. uva crispa, bleibt niedriger, und ist in den Winkeln mit einzelnen oder drcithciligcn Stacheln besetzt. Man hat über 300 Spielarten erzeugt. Die rothe Stachelbeere, R. reclinatum, wächst im südlichen Deutschland an Felsen wild, wird cultivirt und liefert die süßesten Beeren. Die Johannisbeeren sind stachcllos. Die rothe und grüne Johannis beere, R. rubrum, bringt ihre Früchte in Trauben. Am beliebtesten ist die große, rothe, holländische Johannisbeere, welche zu einem Strauch von 8 —10 Fuß hoch gezogen werden kann, und große, herrliche Früchte trügt. Dasselbe gilt von der großen, weißen, holländischen Johannisbeere. Die fleischfarbige oder Champagner- becre liefert sehr aromatische Früchte. Die Früchte der Stachel- und Johannis beeren werden roh, eingemacht, verbacken, als Geloc u. s. w. verspeist, liefern aber auch einen vorzüglichen Wein, der, bei guter Bereitung, insgemein viel Feuer enthält. Der Johannisbeer - Essig ist gesund und kühlend, eben so liefert der Johannisbeersaft mit Wasser vermischt im Sommer ein erquickliches Getränk. Die schwarze Johannisbeere, R. nigrum, hat in allen Theilcn einen fast wachholderbecrartigen Geruch. Die Blätter werden bei der Bereitung des Mai tranks, des Kräuteressigs rc. verwandt. Auch die Beeren dieses Strauches werden gegessen und liefern einen muskatellcrartigen Wein. Landlentc pflegen häufig über reife Beeren Branntwein abznzicheu, der die Verdauung sehr befördern soll. Alle Arten werden als offieincll in den Apotheken gebrallcht.465 Auch gibt es noch verschiedene Ribesarten, welche ihrer rotheil und goldgelben Blüthc wegen als Ziersträucher gezogen werden. Der Weinstock (Vitia). Der Wci»stock hat seine ursprüngliche Heimath in Asien; denn in der Genesis wird schon von Noah erzählt, daß er Weinberge gepflanzt. So viel steht wohl fest, daß der Anbau des Weinstocks so alt als der Ackerbau ist. Auch stcht zu verninthen, daß der Weinstock durch die Phönizier, als die ersten Kauflcntc, ans die Inseln des Mittclmecres und von da nach dem Fcstlandc des südlichen Enropa's gebracht worden ist. Von den zwölf Gattungen des Wein- stockö ist nur die einzige, welche den Wein liefert, Vitis vinifera, des Anbaues Werth. Auch Amerika und Afrika treiben jetzt Weinbau; am besten gedeiht jedoch der Weinstock innerhalb des 32 ftcn bis 50 stcn Breitengrades. Der Weinstock liefert nicht nur die eßbaren Trauben und durch sie das edelste aller Getränke, den Wein, sondern ist in seiner ganzen Pflanze überaus nützlich. Man gewinnt ans de» Beeren Weingeist oder Alkohol, Weinessig, Weinstein, Weinsteinsänre, Aosinen und Corinthcn. Die Ranken sind in neuerer Zeit als Arzcimittcl an- gcwandt, und schon früher wurde der Saft der Ranken, Weinthräne (Lacrymae v >tus), als officincll betrachtet. Die in geschlossenen Gefäßen verbrannten Trestern kleben gute Druckerschwärze. Weinsteinöl gewinnt man durch das Destilliren der Hefen. Auch die Kerne geben ein gutes Ocl und schon Gmclin empfiehlt dieselben als Kaffee. Hoch st etter bringt den Weinstock in seiner populären Botanik in vier blassen, wovon wir hier eine kurze Ucbcrsicht folgen lassen: 1. Klasse. Das Blatt ist oben etwas fein behaart, unten wenig wollig; die Stöcke liefern vorzügliche Trauben: Clevncr, Traminer, Müllerreben, Ortlieber. 2. Klasse. Das Blatt ist oben kahl, unten wenig wollig, nur beim Velt liner zuweilen filzig. Ebenfalls gute Sorten: Rißlinge, Veltliner, Urben, Elblinge, Fürterer, Malvasier. 4. Klasse. Blatt oben und unten nackt. Liefern gute Wein- und Tascl- trauben, doch etwas geringer als vorige: Burgunder, Oestrcichcr, Franken, Gutedel, Muskateller, Orleans, Welsche, letztere sind weit- oder cng- bccrige Trauben. 4-' Klasse. Das Blatt ist unten filzig. Wegen später Reife dieser Spielarten, thcilö auch wegen der kleinen Beeren, wie die Corinthen, taugen sie nicht in Weinbergen der nördlich gelegenen Länder: Bluttranbcn, Cibercn, Co- ^inthcn, dichte gemeine Spättranbcn, lockere gemeine Spättrauben. Es gibt übrigens unzählige Spielarten, denn der Catalog des Lupcmbnrgcr teils zählt 1400 Arten. Das Gedeihen der einzelnen Arten ist jedoch durch ulimn ' ^Boben und Lage zu sehr bedingt, daß selbst voll den besten Sorten nicht ®eume[’ä Naturgeschichte.466 mit Gewißheit überall gute Früchte erzielt werden könnten. Noch müssen wir einige der vorzüglichsten Sorten, wie sie in den Preisverzeichnissen der Handcls- gärten anfgeführt werden, näher beschreiben. Weißer Gutedcl (Cliasselas blanc). Eine Traube von vorzüglichem Wcrthc, mit großen, runden, süßen und sehr gewürzhaften Beeren, welche eine etwas dicke, fleischige Haut haben. Zwischen den großen Beeren kommen zuweilen kleine, welche einen noch vorzüglicheren süßen Geschmack haben. Sic reifen Ende September, und der Stock ist sehr frucht bar. — Roth er Gutedel (Ch. rouge). Eine ziemlich große Traube, mit großen, runden, schwarzrothen Beeren, welche auch einen schönen Geschmack haben. Reift im September, und der Stock ist auch ziemlich fruchtbar. — Schwarzer Gut- edel (Ch. noir). Eine große Traube, mit mittelmäßig großen, runden, dicht gedrängten, schwarzblauen Beeren, welche einen süßen, angenehmen Geschmack haben. Reift gegen Ende des Sept. — Schwarzrothcr Clcvncr (Auvernas noir rouge). Eine mittelmäßig große Traube, mit ziemlich großen länglichen, dichtgedrängten, dunkel schwarzrothen Beeren, welche einen angenehmen, süßen Geschmack haben. Reift Ende Sept. — Müllertraube (Gros noir). Hat ihren Namen, weil ihre Blätter bei dem Aufschlicßcn und auch nachher wie gepudert sind. Eine ziemlich große Traube, mit mittelmäßig großen, runden, dichtgedrängten, glänzend schwarzen Beeren, welche einen süßen Geschmack haben. Reift im Sept., und der Stock ist sehr fruchtbar. — Weiße Cibebc. Eine mittelmäßig große Traube, mit grünlichen, durchsichtigen, bestäubten Beeren, welche eine sehr dünne Haut und delikaten Geschmack haben. Reift oft schon Anfangs Sept. — Blaue Cibebc. Eine große Traube, mit eiförmigen, gedrängten, schwarzblanen Beeren, von sehr süßem, delikatem Geschmack. Reift im Sept. — Jacobstranbc (Pr6coce). Eine kleine Traube, mit runden, schwarzen Beeren von schönem Geschmack. Reift im August. — Allikantcn-Wein. Eine große Traube, mit mehr breiten als runden, schwarzen Beeren, von sehr angenehmem Geschmack. Reift gegen Ende Sept. — Früher Malvasier aus Italien. Eine nicht sehr große Traube, mit röthlichen Beeren, welche mit einem grauen Dufte belegt sind und einen delikaten Geschmack haben. Reift im August und wird sehr fruchtbar. — Früher Leipziger. Eine Traube von mittler Größe, mit etwas länglichen, grünlichen Beeren, welche eine dünne Haut und sehr deli katen Geschmack haben. Reift im Sept. und ist sehr fruchtbar. Man findet ihn auch unter dem Namen Kiliancr; eben so'mit weißlichen und gelblichen Beeren. — Früher Spanischer. Eine kleine Traube mit runden Beeren, welche einen sehr süßen Geschmack haben. Reift im August. — Früher Rheinischer. Eine kleine Traube, mit blauen runden Beeren, welche einen feinen süßen Geschmack haben, Rcift im August. — R othcr Muskat cllcr (Muscat rouge). Eine große Traube, mit großen, runden, blaßrothcn, gedrängten Beeren, welche einen467 sehr delikmcn Geschmack haben. Reist Ende Sept. und Anfangs Ock. — Weißer Muskateller (N. blaue). Eine große Traube, mit großen, runden, gedrängten, grünlich-gelben Beeren, welche auch einen trefflichen Geschmack haben. Reift mit dein vorigen. ■— Schwarzer Muskateller (M. noir). Eine große Traube, mit ziemlich großen, runden, gedrängten, schwarzen Beeren, welche einen schönen Geschmack haben. Reift mit dem vorigen. ■—■ Violett-schwarzer Muskateller ((M. violet noir). Eine große Traube, mit großen, etwas breiten, gedrängten, schwarzblauen Beeren, welche einen sehr delikaten Geschmack haben. Reift mit dem vorigen. — Portugiesischer Muskateller oder weißer As syrischer. Eine der größten Trauben, mit sehr großen, stark bestäubten, fleischigen, gelblichen Beeren, welche oft in der Sonne braune Flecken bekommen, Reift gegen das Ende des Seht, und hält sich sehr lange am Stocke; ein geringer Frost schadet der Traube nichts. Zum Aufbewahrcn sind diese Trauben am besten. — Grüner Lagt er. Eine große Traube, mit länglichen, gedrängten, hellgrünen Beere», welche einen schonen Geschmack haben. Reift Ende Sept. •— Weißer 8aglcr. Eine große Traube, mit runden, gedrängten, wcißgclben Beeren, von angenehmem Geschmack. Reift mit dem vorigen. — Blauer Geis- blitte». Eine große Traube, mit länglichen, etwas entfernt stehenden, schwarz- blauen Beeren, welche einen sehr delikaten Geschmack haben, Reift Anfangs Oct. Außerdem sind noch zu empfehlen: Diamant, dem Gutedel ähnlich, aber mit größeren Beeren und lockerer Traube; Groß-Unger mit großer blauer Traube, welche aber erst spät reift. —■ Die Bereitung des Weins hier weit läufig anzuführen, ist nicht der Ort; wir.bemerken nur so viel, daß, wenn die Trauben abgclcseu, gekeltert, d. h. ausgetreten sind, so wird der auSgcpreßte Saft (Most) der Gährnng überlassen. Durch die Gährnng wird der in dem Most enthaltene Zuckerstoff in Weingeist umgewandelt, während zugleich kohlen- saures Gas aus der Flüssigkeit entweicht. Je süßer der Most, d. h. also je mehr Zuckerstoff in demselben enthalten ist, desto später tritt die Gährnng ein, z. B. beim Tokaier erst nach einigen Monaten, hingegen bei leichten Rhein- und Mosel weinen oft schon nach 6—8 Stunden. Sollen die Weine moussiren, so werden sie vor vollendeter Gährnng auf Flaschen gebracht. Unter den deutschen Wei be» stehen die Rheinweine (Johannisberger, Rüdcshcimer, Liebfrauenmilch rc.) oben an; dann kommen die Mosel-, Main- und Neckarwcinc. In Frankreich sind berühmt: der Champagner, der Burgunder, der Bordeaux wie der Her mitage re.; in Spanien der Malaga und -kercs; in Italien der Lacrymae- Christi-Sßein, der am Vesuv wächst; ferner die toskanischen und die Syraknsaner- weinc; in Griechenland die Cypern- und Malvasiarenweine; in Ungarn der Tokaier u. s. w. Europa soll jährlich 110 Millionen Eimer Wein produciren. Schlägt man jeden Eimer nur auf 10 Thaler au, so kommt eine Summe von 1,100,000,000 Thalern Preuß. Cour, heraus. Frankreich erzeugt am meisten Wein, nächst diesem folgt Oesterreich. 30 *468 Der KaffeeLailM (Coffea arabiea). (Tas. XVI. Fig. 8.) Der Kasfeebaum, der uns das so bekannte und allbeliebte Getränk liefert, stammt ursprünglich ans Aethiopien, und fall erst im 14. Jahrhundert durch einen Einsiedler van hier nach Mekka im glücklichen Arabien gebracht worden sein. Leonhard Ranwolf scheint ihn zuerst nach Europa gebracht zu haben; denn er erwähnt seiner in einer 1583 heransgegebenen Reisebeschreibnng. Prosper Alpin»s brachte ihn 1591 ans Egypten nach Venedig und ist der Erste, der den Kaffeebaum ausführlich beschreibt. Der Kaffeebanm bedarf zu einem freu digen Gedeihen eines warmen Klima'S, nicht zu großer Hitze und hinreichenden Regens oder einer künstlichen Bewässerung. Er wächst deshalb nur innerhalb der Wendekreise, höchstens bis zum 30" der Breite, und nicht in flachen Küsten- strccken, sondern auf den Gebirgen. Er gehört zu den kleinen Bäumen, denn er erreicht in Arabien und auf Java —■ wohin ihn die Holländer zu Anfänge des 18. Jahrhunderts verpflanzten — eine Höhe von nur ungefähr 30—40 Fuß. In Westindien, wohin ihn die Franzosen (1717) brachten, wird er nicht so hoch, weil man ihn dort mehr beschneidet, um ihn tragbarer und die Ernte beanemer zu machen. In Form und Farbe ähnelt er dem Lorbeer. Die weißen, wohl riechenden Blüthen sitzen büschelweise in den Blattwinkcln, und wenn der Bauin in Blüthe steht, sieht er ans, als ob er mit Schnee bedeckt wäre. Alls die Blüthen folgt eine kirschartige Bcercnfrucht, deren fleischige Masse zwei länglich- halbrunde Kerne in sich schließt, die man unpassender Weise Kaffeebohnen nennt, und welche, zuerst getrocknet und dann über gelindem Feuer geröstet, das all bekannte Getränk liefern, das, wie der Thcc, von Einigen für Panaccc, von Andern für ein langsam wirkendes Gift gehalten wird. — lieber die erste Veran lassung zur Benutzung der Kaffeebohnen erzählen die Araber: der Vorsteher eines arabischen Klosters habe bemerkt, daß die Ziegen, nachdem sic von diesem Baume und seinen Früchten genossen, ungewöhnlich munter geworden und mitten in der Nacht umhcrgchüpft und gesprungen seien, wodurch er ans den Einfall gcrathcn, ein ans dieser Frucht bereitetes Getränk anznwcnden, um sich und seine Derwische wach zu erhalten, wenn sic die ganze Nacht unter Gebeten in der Moschee zn- bringen mußten. Gewiß ist cs, daß das Kaffectrinken sowohl im Oriente, als auch in Europa erst in der neuern Zeit, und zwar dort ungefähr in der Mitte des 15., hier nicht vor der Mitte des 17. Jahrhunderts in allgemeineren Gebrauch gekommen ist. — „Im Jahre 1660 führten einige aus der Levante nach Mar seille heimkehrende Kauflcntc Kaffeebohnen mit sich, und zeigten sie und die dazu gehörigen Geräthschaftcn als eine Seltenheit; etwas später fing man an, ihn dort in den Kanfmannshäusern zu genießen, und 1671 ward ein Laden daselbst eröffnet. Der Erste, welcher Kaffee nach England brachte, war gleich falls ein von Smyrna heimkchrcnder Kaufmann, Edwards, der zugleich ein Mädchen milbrachte, die ihm seinen Kaffee bereiten sollte. Diese verheirathete469 sich mit einem seiner Kutscher, und dieses Paar eröffnete das erste Kasfeehaus in London. In Deutschland und den europäischen Staaten wurde der Genuß des Kaffees erst gegen den Anfang des vorigen Jahrhunderts allgemeiner. „Der seitdem immer mehr steigende Verbrauch des Kaffee's in Europa ver mehrte die Produktion in Arabien, hauptsächlich als man im Anfänge des 18. Jahrhunderts sich nicht mehr mit dem Handelswege über Egypten nach Marseille begnügte, sondern um das Vorgebirge der guten Hoffnung unmittelbar nach Arabien fuhr. Dabei kam man natürlich ans den Gedanken, diesen kost baren Baum nach andern Ländern zu verpflanzen. Der Holländische Gouverneur Hoorn ließ Pflanzen nach Batavia bringen; doch soll der Kaffeebaum dort etwas später (172,9) begonnen haben. Er sandte 1713 auch einige Bäume an den Bür germeister Witsen in Amsterdam, und im Jahre darauf kam einer davon nach Paris. Hier zog man mehrere Pflanzen aus Samen, und nicht lange nachher (1717) brachte Deelieux eine dieser Pflanzen nach Martinique. Die Ueberfahrt war beschwerlich und langwierig, man litt Mangel an Wasser; aber Deelieux darbte sich selbst daö Wasser ab, um seinen jungen Kaffeebaum begießen zu kön nen. Von diesem einzigen Kaffeebanme, behauptet man, sollen alle Kaffeebäume in Westindien und Brasilien abstammen. Von Martinique verbreitete sich der Kaffeebanm bald nach St. Domingo (Haiti) und den übrigen westindischen Inseln nebst Surinam, während die Bourbon und Jsle de France schon 1718 den Kaffeebanm direct von Arabien bekommen hatten. Später hat sich Brasilien an- gcschlvssen, wo der Kaffeebau stark im Steigen begriffen ist. — Nach den neuesten Berechnungen beläuft sich der jährliche Verbrauch an Kaffee in Europa auf 226 Millionen Pfund, und in Nord-Amerika auf etwa 37 Millionen Pfund; fügen wir hierzu den bedeutenden Verbrauch im Oriente, Nordafrika und in den Ländern, die selbst Kaffee erzeugen, so ist sicherlich 3 — 400 Millionen Pfund jährlich' eine nicht zu hohe Annahme. Welche Veränderung in der Lebensweise, im Handel und in der Schifffahrt, und welche Veränderung in der Cultur der jenigen Länder, die nach und nach als Kaffeeproducenten aufgetreten sind, mußte dies veranlassen?! Ward doch schon der geringfügig scheinende Umstand, daß die seeländischen Bauern anfingen, Kaffee zu trinken, Veranlassung, neues Land in Brasilien für diese Cultur urbar zu machen und neue Niederlassungen dort zu gründen! Von der oben angeführten Gesammtmasse des jährlich verbrauchten Kaffees führt jetzt Westindien die größte Menge ans, nämlich 100 Millionen Pfund; hierauf folgt Brasilien und das übrige Festland von Süd-Amerika mit 64 Mill.; dann Java mit 38 und Arabien — daö noch vor hundert Jahren nicht mehr als höchstens 12 Mill. Pfund jährlich producirte — mit 24 Will. Pfund. Die übrigen Gegenden liefern im Verhältniß zu diesen mir wenig. Ans diesen zuverlässigen Angabe» geht mm nnwidersprechlich hervor, daß dieses neue Bedürfuiß der civilisirten Menschheit in der Hand der Vorsehung ein neues, wirksames Mittel zur Förderung der Cultur und Civilisation, namentlich470 in den heißesten Tropenländern geworden ist, — selbst wenn wir den Einfluß des Kaffcctrinkens ans die Verminderung deS Branntweingenusses nicht in An schlag bringen." Folgende Kaffeesorten kommen am häufigsten tut Handel vor: 1) Der lcvantische oder arabische, auch Mokkakaffee genannt, der beste und theuerste. Er hat kleine, blaßgelbe, in's Grünliche spielende Bohnen. 2) Der ostindische oder Java-Kaffee, hat große, gelbe oder bräun liche Bohnen. 3) Der Surinam-Kaffee hat die größten gelben Bohnen, welche beson ders in Holland gebraucht werden. 4) Der Martinique-Kaffee, kleine, grünliche Bohnen. 5) Der Domingo-Kaffcc ist eine geringere Sorte, mit bräunlichen, großen Bohnen. 6) Der Bourbon-Kaffee ist frisch von grüner Farbe, bleicht aber bald und wird gclblichwciß. Schomburgk gibt eine vortreffliche Beschreibung einer Kaffee-Plantage, ans der wir einige Stellen mittheilen wollen: „Jedes Beet enthielt 3 bis 4 Reihen Kaffcestränchcr, von denen jede 8 bis 9 Fuß von der andern entfernt stand, die zusammen von zwei Reihen weitästiger Erythrincn eingeschlossen wurden, um jene vor ihren größten Feinden, dem Sonnen brand und dem scharfen Nordwind, vorzüglich während der Blüthe, zu schützen, da beide gerade in dieser Periode den nachtheiligsten Einfluß auf die Erndtc aus- üben, ja dieselbe vollkommen vernichten können. Ist die Blüthe bei einer warmen, feuchten Temperatur von 75"—85" Fahr, vorübergegangen, und folgt ihr eine trockene und sonnige Witterung, so sind die Wünsche des Plantagenbesitzers erfüllt, denn er darf dann von jedem angewachsenen Strauche eine Erndte von l‘/ 2 Pfd. reinen Kaffee erwarten. Ein Arbeiter kann bequem zwei Acker Land im Stande erhalten und zugleich auch die Frucht cinerndtcn, da die einmal hcrgcstclltc Pflan zung nur ein ein-, zwei- oder dreimaliges Reinigen vom Unkraut und die Ent fernung von Wurzelschößlingen verlangt. Hat die Kaffccpflnnzc eine Höhe von 4—5 Fuß erlangt, so wird die Spitze abgehancn, um die Seitenäste zu ver mehren und ihnen das Zuströmen des Saftes ans dem Wurzelstock zu sichern. Die Kosten, um einen Acker Buschland in Kaffccbccte zu verwandeln, betragen je nach der Natur des Gebüsches 60—80 Dollars. Zur Anlage einer Kaffee- Plantage bedient man sich junger Sämlinge, die auf besonderen Beete» gezogen werden, oder man steckt den Samen gleich an Ort und Stelle. Wählt man erstere Methode, so verpflanzt man die Pflanzen, welche eine Höhe von 2 Fuß erreicht haben. Diese werden mit großer Vorsicht herausgenommen, aber weder die Pfahlwurzeln noch die Seitenwurzeln beschnitten. Im zweiten Jahre hat die Pflanze bereits eine beträchtliche Höhe erreicht, im dritten kann man schon eine kleine Erndtc erwarten. —- Bon der Plantage begab ich mich nach der Kaffee-471 Mühle oder Mooölodge, in welche die reifen Früchte zuerst bei der jährlich zwei Mal, im Mai und Juni, und vom September bis November stattfindenden Erndte Angebracht werden. Die Blüthe für die erstere beginnt im November und währt bis December, für die zweite Erndte blüht der Strauch Ende März bis Ende April. Hat sich das Fleisch völlig roth gefärbt, so ist die Bohne reif und die Arbeit der Erndte beginnt, indem täglich die reifen Früchte sorgfältig gesammelt werden. Haben die Arbeiter einen Punt mit reifen Früchten beladen, so fährt dieser nach der Mühle ab, wo die Bohnen nach und nach in einen hochstehenden Kasten geschüttet werden, ans dem sic durch eine Ocffnnng auf eine Walze herab- faltcn, die, rings mit von Kupfer beschlagenen Längsstreifen versehen, sich in einem halben Chlindcr von Holz dreht, der im Innern ebenfalls gerieft und mit Kupfcr- stäbcn beschlagen ist. Durch eine Kurbel an jcdcin Ende der Walze wird diese um ihre eigene Achse gedreht, und dadurch werden die Bohnen in dein engen Zwischen raum zwischen der Walze und dem halben Chlindcr von ihrer Fleischhülle befreit, worauf die zerdrückte, weiche Masse in eine lange Rinne übergeht, die sich etwa vier Fuß über der Flur befindet und deren Boden einen gleich langen Spalt besitzt, der von einer sich hinziehenden Latte so bedeckt wird, daß von beiden Seiten noch ein offener Streifen bleibt, durch welchen die Hände mehrerer Ar beiter, meist Frauen, die entfleischten Bohnen hindurchdrücken und dann das so durchgearbcitetc Fleisch in der Rinne ihrer Nachbarin nochmals zum Dnrchkncten znschicbcn. Unterhalb der Rinne zieht sich ein mit Wasser gefüllter, steinerner Canal hin, in den die Bohnen fallen, um von dem noch anhaftenden Schleim vollkommen gereinigt zu werden. Alle Bohnen, die aus dem Wasser schwimmen, werden als sogenannter Treibkaffee von den nicdergcsnnkcncn geschieden. Die in der Fleischmasse noch zurückgebliebenen Bohnen werden später noch ausgeschieden und zum Trcibkasfee gefügt. — Unmittelbar an die Mühle schloß sich die Trock- ncrei an, die in einem nach der Mitte hin etwas erhabenen Platz bestand, der mit Backsteinen gepflastert, mit einer Menge 3 Zoll breiter Rinnen und einem 6 Zoll hohen, das Ganze umschließenden Rande versehen war. Durch erstere läuft bei eintrctendem Regen das Wasser ab. Auf dieser mehr als 200 Fuß langen und ungefähr 80 Fuß breiten Backsteinfläche werden die Bohnen, nachdcin sic durch die Wäsche gegangen sind, zum Trocknen ausgebrcitct, worauf sie dann auf den Böden der daran gränzenden Kaffcclodge ansgeschüttct werden, die in einem großen Gebäude mit drei bis vier luftigen Böden besteht, ans denen die Bohnen beständig nmgcwcndct werden müssen, danüt durch die noch vorhandene Feuchtigkeit nicht etwa der Kaffee dumpf lind modrig werde. In dem untern Raum der Kaffeclodge befand sich die 40 Fuß lange Stampe, ein gewaltiger Baumstamm mit einer Menge runder Löcher. Ist der Kaffee auf dem Boden vollkommen getrocknet, so wird er nochnials in kleinen Quantitäten in jene Löcher geschüttet und mit hölzernen Keulen gestoßen, um die äußern feinen Häutchen von der Frucht zu entfernen; dies geschieht mit der größten Vorsicht, damit keineBohne zerquetscht werde, und wird dies gegenwärtig meist durch Stampfinühlen ausgeführt. — Früher betrug der Werth einer Kaffee-Plantage in guter Lage von ungefähr 750 Acker Flächeninhalt 0 300 Ruthen rhcinländisch) 20 bis 25,000 L. Sterling; nach der Emancipation ist er bis auf 5000 L. Sterling herabgesunken." Der Ficberriiidendaum (Cinqliöna). (Taf. XVs. Fjg. 7.) Wer von meinen Lesern schon am sogenannten kalten oder Wechselfieber gelitten hat, dem wird vielleicht das Chinapnlver bekannt sein. Dieses Pulver erhalten wir von der Rinde eines Amerikanischen Baumes, der darum Fieber - rindenbanm genannt worden. In den gewöhnlichen Naturgeschichten und Pflanzen- beschrcibungen wird dieser Baum unter dem Namen Cinchona officinalis auf- acführt; da cö aber mehrere Arten dieser Bäume gibt, die sämmtlich officincll sind, d. h. die Bcstandthcile liefern, welche in der Medicin gebraucht werden, so ist dieser Name kein bezeichnender. Es sind bis jetzt vier Arten bekannt. Die älteste wird nach ihrem Beschreiber Condamine Cinchona Condaminea genannt, und die übrigen erhalten den unterscheidenden Beinamen von der Form des Pflan zenblattes, z. B. lanzettblätteriger, hcrzblätteriger und länglichblättcriger Fieber rindenbaum. Mau trifft diesen merkwürdigen Baum, der eine Höhe von 40 Fuß erreicht, in Südamerika, nämlich in Ncu-Granada und in Peru. Die Blume ist rührig und der Rand in fünf Abschnitte gcthcilt. Die Farbe der Blüthe blaß- roth, in's Weiße übergehend. Die Frucht ist eine Schote. Dieser Baum liefert das so häufig im Handel vorkommende braune oder rothe Chinapulver, welches in der Medicin und auch in Liqucurfabrikcn gebraucht wird. Der Name Oinehona soll von der Gemahlin des Grafen C i n ch o n, der Bicckönig in Lima war, Herkommen, die durch die Fieberrinde geheilt wurde, deren fiebervertreibcnde Wirkung zuerst von den Jesuiten erkannt worden zu sein scheint. Der Tabak (Nieotiana tabacum). Die Tabakspflanze stammt ursprünglich ans Amerika, wird aber jetzt auch sogar in Deutschland häufig gebaut. Sic wird vier bis fünf Fuß hoch, ihre Pflanzenblätter sind grüngelblich und stiellos, der Stengel thcilt sich oben in mehrere Zweige, an welchen die Blüthen trichterförmig, fünfspaltig, von rothcr Farbe erscheinen. Doch hat man auch eine Art mit weißen Blumen. Bei uns verpflanzt man die in Mistbeeten gezogenen Pflänzchen im Mai in's freie Land, gewöhnlich in guten Boden, und häufelt die 'Erde um jedes Pflänzchen. Im Juni köpft man sic und blattet sic unten ab. Im August sind sic dann aus gewachsen, werden für den Tabaksfabrikanten ausgeschnitten und getrocknet, wobei cs mehrere eigene Bereitungsarten gibt, das Schwitzen und Trocknen zu erzielen. Die Tabakspslanzc gehört offenbar zu den Giftpflanzen, denn sie enthält betäubende,473 brechenerregende Bestandtheile. Man kann sich aber an Alles gewöhnen, selbst an Gift. Daß diese Pflanze wirklich giftige Stoffe enthält, geht daraus hervor, daß geschickte Aerztc und Apotheker ans den Blättern ein Oel (Nicotin) zu ziehen verstehen, wovon ein halber Tropfen schon hinreichend ist, ein Kaninchen zu tobten. Johann Nicot, der französische Gesandte am portugiesischen Hofe, machte diese Pflanze zuerst in Europa bekannt, 1560, indem er seiner Gebieterin, der Königin Katharina von Medicis, Samen davon sandte. Diese nannte ihm zu Ehren das Kraut Nicotiana. Andere Naturforscher wollen behaupten, daß schon 1496 das Kraut einem spanischen Mönche auf St. Domingo bekannt ge wesen sei. Den Namen Tabak hat sie wahrscheinlich von der Insel Tabago, im mexikanischen Meerbusen, erhalten. Das Rauchen des Tabaks kam zuerst in England auf, das Schnupfen der getrockneten Tabaksblättcr wurde noch später Mode. Die ersten Raucher und Schnupfer hatten aber nicht- allein Spott, son dern sogar Verfolgung anSznstchcn. Unter Gelehrten und Acrzten entstand ein förmlicher Streit über das Tabakrauchen; ja sogar Könige nahmen Antheik daran. Jakob 1. von England schrieb selbst ein großes Buch gegen das Rauchen und erließ ein schweres Verbot. Papst Urban VIII. belegte Alle, die in der Kirche eine Prise nahmen, mit dein Bannflüche. Am eifrigsten wnthete gegen den Gebrauch des Tabaks der russische Kaiser Michael Fedcrowitsch; er bestrafte alle Rancher mit dem Tode, und den Schnupfern ließ er die Nase abschneiden. lieber die Bereitung des Tabaks kurz Folgendes: Man sucht zuerst diejenigen Blätter, welche zu Rauchtabak verarbeitet werden sollen, aus, befeuchtet sie mit Salzwasser und preßt sie in Fässer ein, in welchen sic sich bis zu einem gewissen Grad erhitzen müssen. Darnach nimmt man sic heraus und läßt sic an der Luft trocken werden. Nachdem man sie nun eine Zeit lang anfbcwahrt hat, werden die Blätter abermals sortirt und darnach gc- beizt. Zur Beize gebraucht man thcils salzige, thcils süße Stoffe. Ist die Beize vollendet und sind die Blätter wieder trocken, so werden sic verarbeitet, gesponnen, geschnitten oder zu Cigarren gedreht. Zn Schnupftabak nimmt man die dicken, fetten und schwarzbrannen amerikanischen Tabaksblättcr. Diese erhalten eine ähnliche Beize wie der Rauchtabak, nur kommen noch wohlriechende Oclc und würzhafte Stoffe dazu. Wenn die gebeizten Blätter matt getrocknet sind, so werden sic karottirt, d. h. so znsammengelegt, daß sie runde, spindelförmige Bündel oder Karotten bilden. Diese umwickelt man mit einem leinenen Tuche, bvcßt sic mittelst einer sehr einfachen Maschine fest zusammen, nimmt alsdann bas leinene Tuch wieder ab und umwickelt sie mit Bindfaden. Die fertigen Karotten werden nun in einer warmen Stube zusammengeschichtet, damit sic in vine Art Gtthrung gcrathcn. Darnach werden sic rapirt, d. h. ans einer Maschinezerraspelt ober zerrieben. Der rapirte Tabak wird darauf gesiebt und zum Ver kauf in Packcte geschlagen, welche mit Blei umgeben sind. Die Arten des Tabaks in naturgeschichtlicher Beziehung sind: der virgi- nischc oder gemeine Tabak, dl. tabacum, mit rosenrother Blüthe, und ist der, der am meisten angebant wird. Der Baucrntabak, bk. rustiea, mit grünlichgelber Blume, wird auch in Deutschland, namentlich in der Pfalz angc- bant. Der Jnngfcrntabak, bk. panienlata, höher als die vorige Art, eben falls mit gelbgrüner Blume, wächst in Peru. Im Handel führen die Tabake meistens ihren Namen nach dem Orte, wo sie gezogen oder zum Gebrauch fabricirt sind; z. B. Portorico, Maryland, Havannah u. s. w. Die Tollkirsche, Teufels- oder Wnthbeere (Atropa bekiaSonM) (Taf. xvu. Fig. iv) ist eine der gefährlichsten Giftpflanzen, jedoch für die Medicin von großem Werth. Die Wnthbeere wächst in England, Italien, Oesterreich und Deutschland ans waldigen Berge». Sic blüht im Juli und August. Die Wurzel ist dick und walzenförmig mit Wurzelästen versehen, von außen schmutzig-gelb und innerlich weiß. Der Stengel aufrecht, sticlrnnd, dreitheilig und drei bis vier Fuß hoch. Die Blätter sind eirund, lang zugespitzt und kurz gestielt. Der Kelch ist ein blätterig, fünftheilig und bleibt noch bei der Frucht stehen. Die Blumenkrone ist glockenförmig, an der Mündung fünfspaltig, äußerlich etwas zottig, dnnkel- pnrpurfarbig, in's Violette übergehend, und an der Basis ockergelb. Die fünf Staubfäden sind pfricmenförmig, der Stempel fadenförmig, mit rundem, zngc- spitztem Fruchtknoten. Die Frucht ist eine runde, niedergedrückte, glänzend schwarze, zweifächcrige Beere. Die ganze Pflanze ist sehr giftig, jedoch enthält die Wurzel am meisten Giftstoff. Man hat schon Beispiele erlebt, daß Kinder, welche die Beeren für Kirschen gehalten und solche gegessen haben, in völlige Raserei gcrathen und bald darauf gestorben sind. Am besten widersteht man den Folgen der Vergiftung, wenn man schnell starke Brechmittel und darnach Essig oder Eitronen- sast einnimmt. Jedenfalls muß aber ein Arzt zu Hülfe gerufen werden. Man zieht ans dieser Pflanze einen Extract, der in den Apotheken gebraucht wird. Brandes, der sich damit beschäftigte, den Extra et ausznziehen, bekam schon von dem bloßen Gerüche Erbrechen, Rückenschmerzen n. s. w.; ja, so stark ist das Gift, daß die Leiche eines solchen Vergifteten augenblicklich mit schwarzen Flecken bedeckt ist, schnell in Verwesung gcräth und sich die Haut vom Leibe nblös't. Der aufmerksame Leser sieht also, daß man diese Pflanze mit Recht Tenfelsbecrc, Wnthbeere, Tollkirsche genannt; ja auch d.cr Raine Atropa ist sehr bezeichnend für sie, denn Atropa wurde von den Griechen die Göttin dcü Todes genannt. Aber Belladonna höre ich dich sagen. Du hast richtig bemerkt, dieses Wort heißt schöne Frau, und man hat der Pflanze darum diesen Namen bci- gclegt, weil in früherer Zeit sich die Frauen und Mädchen in Italien mit dein rothcn Safte der Beeren zu schminken pflegten.475 Das Bilsenkraut (Hyoscyamus Niger). (Tos. XVII. Fig. 11.) Das schwarze Bilsenkraut ist auch bei uns in Deutschland zu Hause, wächst au Wegen, Hecken, Zäunen und ans Schutthaufen. Blüht im Juli und August. Die ganze Pflanze hat ein widriges Aeußerc und einen häßlichen Geruch, sa das; man nicht leicht versucht wird, sich mit dieser Pflanze zu befassen. Da die Früchtchen aber an ihrer Kapsel den Haselnüssen äußerlich ähnlich sehen, so sind dadurch Kinder wohl verleitet worden, den Samen statt Mohnsamen zu genießen. Es dürfte also nicht schaden, wenn auch diese Giftpflanze etwas naher beschrieben würde. Wurzel ästig und von weißlicher Farbe. Stengel aufrecht, fast stielrund, Zottig, klebrig und mit wenigen Aesten versehen. Blätter umfassend, länglich, buchtig, zottig und klebrig. Kelch einblätterig, glockenförmig, fünfzahnig und Zottig. Blumenkrone einblätterig, trichterförmig, stumpf fünfspaltig, gelb mit Purpurfarbigen Adern durchzogen. Fünf pfriemenförmige zottige Staubfäden. Griffel fadenförmig. Frucht: eine Kapsel mit vielen kleinen Samen. Die Kapsel öffnet sich mit einem Deckel. Die ganze Pflanze enthält Giftstoffe, demungeachtet ist sic für die Heilkunde von -größter Wichtigkeit. Man sammelt die Blätter saunut dem Kraut, woraus ein Pulver oder auch ein Extract bereitet wird. Aus dem Samen wird ein Ocl gepreßt. Auch bereitet man noch von diesem Pulver eine Salbe und ein Pflaster. Alle diese Mittel werden in krampfhaften und convulsivischen Krankheiten angewandt. Zu den giftigsten Pflanzen gehört der Stechapfel (Datura straniouium). (Taf. XVII. Fig. 12.) Der Stechapfel ist ursprünglich in Amerika zu Hause, wächst aber jetzt wich in Deutschland, ans Kirchhöfen, Schutthaufen, Hecken u. s. w. Die Blnmcn- krvue ist trichterförmig, gefaltet und von weißer Farbe; der Kelch fünfeckig, bauchig und die Frucht eine stachlichtc Kapsel mit vielen nierenfvrmigcn Samen. Die Pflanze wird 1 — 2 Fuß hoch, hat einen widrigen betäubenden Geruch. Die Pflanzenblättcr sind groß, breit und am Rande rollenförmig gebogen. Die ganze Pflanze ist sehr giftig, namentlich aber der Same. Wer solchen Samen Massen hat, bekommt Durst, Berauschung, Zittern und Schwindel, dann folgen Erämpfe, Lähmung der Glieder, Brennen im Magen, Zähneknirschen, Verlust der Sprache, Raserei und endlich der Tod. Als Gegenmittel gebraucht man lau warmes Wasser mit Butter, Ocl, Milch, Essig n. s. w. Jedenfalls ist ärztliche Hülfe unumgänglich nothwendig. Man gebraucht von dieser Pflanze die Blätter, den Samen und den aus dem Safte bereiteten Extract als Heilmittel in nervösen Krankheiten, und bereitet w'ch äußerliche Mittel aus derselben. Gmeliu erzählt in seiner „Reise durch Rußland", daß sich die Russen des Samens bedienen, um das Bier berauschend Zu machen. Ein schändlicher Mißbrauch, weil dadurch die edelsten Kräfte im Menschen zerstört werden.Der rankende Nachtschatten (Solanum duloamara), auch Bittersüß genannt. Man kennt bis jetzt etwa über 60 Arten von Nacht schatten, und alle sind mehr oder minder (selbst die Kartoffeln, welche zu den Solaneen gehören) giftig. Der schwarze Nachtschatten ist leicht daran zn er kennen, daß er weiße Blüthcn und schwarze Beeren bekommt. Der rankende oder rothe Nachtschatten hat violette Blumen und rothe Beeren. Er wächst an feuchten Stellen und rankt sich rcbenartig an andere Gewächse an. Kinder wer den oft verleitet, die hübschen rothen Beeren in den Mund zu nehmen, welches stets üble Folgen nach sich zieht. Für die Medici» ist diese Pflanze von Wichtig keit. Die Apotheker sammeln im Frühlinge oder am Ende des Herbstes die Stengel dieser Pflanze ein und bereiten davon eine Abkochung oder eine» Extract. In Gichtkrankheiten und bei hartnäckigen Hautnnsschlttgen wendet man wohl die ses Mittel an. Die Kartoffel (Solanum tuvervsnm). Die nützlichste aller Pflanzen ist unstreitig die Kartoffel. Sie macht fast das tägliche Gericht des armen Mannes ans und darf ans der fürstlichen Tafel ebenfalls nicht fehlen. Keine andere Frucht hat einen so vielfachen und vielseitigen Nutzen, als eben die Kartoffeln, und cs ist kaum denkbar, wie wir ohne Kar toffeln zurecht kommen wollten. Dennoch ist diese nützliche Pflanze erst seit Ende des 17. Jahrhunderts in unserm Batcrlande bekannt geworden, indem man sie aus ihrer Heimath, aus Peru, uns zugcbracht. Es dürfte nicht uninteressant sein, Einiges ans der Geschichte der Kartoffeln hier folgen zn lassen. Einem Sclavcnhändler, Johann Hawkins, haben wir die erste Nachricht von den Kartoffeln zn danken. Er erhielt diese Frucht von den Einwohnern in 8t. To Bogata als Schiffsprovision. Im Jahre 1584 brachte sic der Admiral Walter Naleigh*) ans Birginicn nach Irland, und machte sic durch ihre Anpflanzung ans seinem Landgute Ioughall den britischen Inseln bekannter. Nach diesem machte sich Franz Drake um diese Pflanze verdient, welcher sic im Jahre 1586 ebenfalls ans Amerika nach England brachte und die Hanptvcranlassnng zu ihrer weiteren Ausbreitung in Europa gab, weshalb wir seinen Namen stets mit Dank nennen, und ihn als denjenigen bezeichnen, der uns die Kartoffeln gebracht hat. In Italien sollen sic 1644 durch Franz Rcdi besonders angcbant worden sein. Hans Royler brachte sie 1647 nach dem Voigtlande, der Waldenser Anton Seignoret, ein Colonist zu Nürnberg, brachte sic 1710 nach Schwaben. In Frankreich hat man schon um das Jahr 1616 Kartoffeln gebaut, jedoch kamen sie um diese Zeit noch als sehr seltenes Gericht ans die königliche Tafel in Paris. *) Nach andern Nachrichten hätte W. Raleigh erst 1623 die Kartoffel angepflanzt.477 Der Botaniker Elsholtz beschrieb 1699 die Kartoffel als eine seltene Pflanze, welche im kurfürstlichen Garten zu Berlin gezogen würde; ein Beweis, daß es mit der Kartoffel - Cultnr sehr langsam vorwärts ging. Deutschland konnte sich nicht eher entschließen, dieses nützliche Gewächs in seinen Ackerbau aufzunehmen, bis es durch eine größere Zahl seiner Einwohner, durch langwierige Kriege, in welchen es von ganzen Heeren ausländischer Völker überschwemmt wurde, und durch einen öfters sich ereigneten Mißwachs seiner gewöhnlichen Getreidearten dazu gcnöthigt wurde. In einigen Ländern wurde sie erst in den Jahren 1771 »»d 1772, wo ein großer Kornmangel eintrat, in größerer Menge angepflanzt. Mit dem sich mehrenden Anbau der Kartoffel entstand unter Aerzte» und Rechts- gelchrten ein Federkrieg, der lange dauerte. Die Aerzte stritten über Schädlich keit der Kartoffel als Nahrungsmittel. Den besten Gegenbeweis lieferte die Erfahrung. Die Rechtsgelehrten stritten darüber, ob die Kartoffeln zu verzehntcn seien oder nicht. Dcrtingcr schrieb darüber eine lateinische Abhandlung. Solani tuberosi esculenti jura quedam. Tüb. 1774. In neuester Zeit hat die sogenannte „Kartoffelkrankhcit" auch wieder manche Feder in Thätigkcit gesetzt, und viel Streitens über die Ursache dieser Erscheinung herbeigesührt. Durch den sich immer weiter ausdehncndcn Anbau sind viele Abarten ent standen, die in den verschiedenen Gegenden auch verschiedene Namen führen. 3hr Hanptnntcrschied besteht darin, ob sie glatt oder höckerig mit tiefliegenden dingen versehen, ob sic mehr lang oder rund, weiß, gelb, blau, roth oder röthlich sind. Alle diese Arten aber lassen sich unter die zwei Hnuptgattnngcn: frühe und späte Kartoffeln zurückführen. Die in neuerer Zeit durch Dr. Rötlich in 3etut bekannt gewordene Peru via Nische Kartoffel gehört zu den ergiebigsten. Wer sich weiter über die Kartoffel zu belehren wünscht, den verweisen wir auf bie vortreffliche „Monographie der Kartoffeln" von Or. Putsche. Weimar 1619. Ter Liebesapfel (Lycopersicum), bo» Linn 6 zu den Solanccn gezählt, stammt ebenfalls aus Amerika und wird davon der eßbare Liebes- oder Goldapfel im südlichen Deutschland an Hecken an- gepflanzt (Solanum Lycopersicum). Er ist ein einjähriges Gewächs, mit ^ 3 Fuß langen, krantartig liegenden Stengeln, siederspaltigen Blättern, kleinen, gelben, in Troddeln stehenden Blüthcn, denen glatte oder auch gekerbte rothc oder gelbe Früchte folgen. Die Beeren werden thcils als Gewürz an andere Speisen gerächt, oder für sich mit Pfeffer, Salz und Ocl gegessen. Die Eierpflanze (Solanum Melongena) 9cf)övt auch hierher. Sie ist ebenfalls eine einjährige Pflanze, wird fußhoch, hat "chtig ausgeschweifte Blätter, röthlichc oder blaßviolettc Blumen, worauf cigroße 'Ulichte folgen, die weiß, violett oder gelb sind und gegessen werden. Man säet478 den Samen in Töpfe und stellt sülche unter Glas; später werden dann die Pflanzen einzeln in Töpfe gepflanzt. Die hübschen Früchte sind gerade die schönste Zierde dieser Pflanze. In Amerika, in Spanien und Italien, wo die Früchte dreimal größer werden, genießt man dieselben sowohl roh mit Essig, Sal; und Pfeffer, als auch gebacken und gekocht. Ihr Genuß soll jedoch sehr zur Sinn lichkeit reizen. Krähciiailgc (Strychnos). Der gemeine Krähcnangcn - oder Brechnußbaum, 8t. mix vomica, ist in Ostindien zu Hanse und wird ein hoher Baum, der kleine, unscheinbare Blüthcn und apfelgroße Früchte trägt, welche in den Samen, die kreisrund sind, die stärksten Pflanzengifte liefern, die aber in der Hand des geschickten Arztes ein gutes Arzneimittel werden. Rinde und Wurzel braucht man in Indien wider den den Biß giftiger Schlangen. Der wasscrreinigende Krähenaugenbanm, 8t. potatorum, ebenfalls in Ostindien zu Hause, liefert sehr brauchbaren Samen. Es sind nämlich die Trinkgcschirre in Indien selten glasirt. Reibt man nun ein solches Geschirr mit dem genannten Samen, und füllt es dann mit Wasser, so schlägt in diesem alle Unreinigkeit nieder und cs erhält einen.guten Geschmack. Soldaten und Reisende führen deshalb diesen Samen stets bei sich. Z w e i t t D r d n tt n g. Pflanzen mit z w c i S t a u b w e g e n. Aaspflanze, Hundswürger, Schwalbenwurz oder Seidenpflanze, Enzian, Flachsseide, Salzkraut, Gänsefuß, Melde, Bruchkraut, Runkelrtlbe oder Mangold, Ulme oder Rüster, Zürgelbaum, Heilkraut oder Bärenklau, Pastinak, Dill, Haarstrang, Meisterwurz, Engelwurz, Angelika, Laserkraut, Rebendolde, Gleiße oder Gartenschierling, Möhre, Hastdoldc, Borstdolde, Klettcr- kerbel, Nadelkerbel, Kälkerkropf, Wasserschierling, Mark, Schierling, Liebstöckel, Bibernest, Scsel, Kümmel, Geißfuß, Sellerie, Petersilie, Fenchel, Hasenohr, Sauikel, Astrantie, Mannstreu, Wassernabel, Hoya, Plnmira. Die zweite Ordnung der fünften Klasse enthält sehr viele Doldengewächse, die in dem natürlichen System von Jussieu die Familie der Umbellatae auS- macheu. Das unterscheidende Merkmal ist hier die cigenthümliche Bildung der Frucht, und >vir halten cs für zweckdienlich, bevor wir einzelne Pflanzen näher beschreiben, eine Uebersicht dieser Doldengewächse zu geben. 1. Pflanzen mit vollkommenen Dolden oder Döldchen. a) Die Frucht ist ganz flach zusammcngedrückt und mit häutig geflügelten' Rande versehen.479 Dazu die Geschlechter: Heracleum, Pastinaca, Änethum, Peueßdanum und imperatoria. b) Die Frucht mehr linseuförmig zusammengedrückt und mehr oder weniger geflügelt. Dazu die Geschlechter: Thysselinum, Selinum, Angelica, Archangoliea Und Laserpitium. c) Die Frucht ist nngcflügelt, fest, mit dicker Rinde. Dazu die Geschlechter: Cicuta und Aethusa. d) Die Frucht ist ungeflügelt, fest, stachelig-rauh. Dazu die Geschlechter: Daucus, Caucalis, Torilis, Anthriscus und Scandix. e) Die Frucht uugcflügelt, fest, dünnhäutig und kahl. Dazu die Geschlechter: Cerefolium, Chaeropliyllum, Sium, Conium, Lygusticum, Pimpinella, Seseli, Carum, Oenanthe, Apium, Petroselinum, Poeniculum und Bupleurum. 2. Pflanzen mit unvollkommenen Dolden. Dazu die Geschlechter: Sanicula, Astrantia und Hydrocotyle. Die AaSPflaiizc (Stapelia) trifft mau bei uns nur in Gewächshäusern; sie hat dicke, fleischige, sehr saftige, blätterlose Stengel und einige Arten haben sehr monströse, krötenähnliche Blumen, welche einen aasähnlichen Geruch von sich geben, der so stark ist, daß sogar Schmeißfliegen verleitet werden, ihre Eier in die Pflanzen zu legen. Diese merk würdigen Pflanzen stammen sämmtlich aus dem südlichen Afrika, lassen sich bei 8 — 10» Wärme durchwintern, verlangen im Sommer viel Sonne und Wasser, hingegen im Winter lieben sie einen trocknen, Hellen Standort. Die eigentliche Kröten-Stapclic, 8t. bulonia, wird 2 Fuß hoch und liefert 2‘/ a Zoll breite runzelige, schwarzbranne, gelbgefleckte Blumen. 8t. grandiüora hat Blumen von 4 Zoll Breite in schönster schwarz-pnrpnrrothcr Färbung mit langen Haaren. Will man die Pflanze durch Stecklinge vermehren, so muß man die Schnittwunde durch Kreidepnlver gehörig austrocknen. Die Scidciipflaiizc, Schwalbenwurz (Asciepias) iiühlt ein zahlreiches Geschlecht, wovon die spanische Seidenpflanze, Syriaca, die aber nicht etwa ans Syrien, sondern ans Nordamerika stammt, die merkwürdigste ist. Der Stengel wird 4—6 Fuß hoch, die Blätter sind sil- Zlg und die Blüthe purpnrröthlich. Die Stengel liefern ein hanfartiges Gcspinnst und die feinen Haarkronen, welche fast den Dunen gleichkommen, werden entweder zu Polstern verwendet, oder auch zu feinen Zeugen gesponnen. Der in der Pflanze sich vorfindende Milchsaft ist vortrefflich zur Vertreibung der Warzen. Samen kann man von diesen Pflanzen selten gewinnen, desto üppiger pflanzen sic480 sich durch Wurzeltheilung fort. Es werden noch mehrere Arte» in Garten als Zierpflanzen gezogen: A. amoena, aus Nordamerika, schöne purpnrrothe Blumen, in zahlreichen Enddolden; A. incarnata, mit incarnat-pnrpnrnen Blumen, in auf rechten Dolden; A. tuberosa, mit orangegelben, wohlriechenden Blumen; A. vanilla , mit lillafarbigcn, nach Vanille duftenden Blumen u. s. w. Eine schöne Treibhauspflanze aber ist die A. currassavica. Sic wird 3 — 6 Fuß hoch, hat große lanzettliche Blätter und prachtvolle dunkel-ponieranzenfarbige Blumen mit helleren Nektarien. Sic stammt ans Westindien, Ouraoao, hat im Winter 8-—12° Wärme, und im Sommer reichlich Luft und Wasser nöthig. Die Hohe (Hoya carnosa) wird von manchen Blnmcnfrennden auch als eine Asklcpia bezeichnet, selbst Willdcnow führt sie als Asolepias varnosa ans; sic ist indessen gar nicht damit verwandt. Die Hohe ist der bekannte vortreffliche, immergrüne Klcttcr- sirauch, dessen Stengel sich 6—18 Fuß hoch windet, dicke, fleischige Blätter hat und in zahlreichen einfachen Dolden blaß-incarnatrothe, sehr wohlriechende Blumen trägt, die aus rothgefleckten Nektarien einen klaren, zuckersüßen Honigsaft tropfen weise absondern. Sic stammt ans China und Ostindien, verlangt im Winter 10—15° Wärme, wenig Wasser und hellen Standort. Soll sie im Sommer reichlich blühen, so verlangt sic einen warmen, hellen Standort und etwas reichlicher Wasser. Die Vermehrung durch Stecklinge ist sehr leicht. Der Enzian (Ganüana). Die Familie der Enziane ist eine sehr zahlreiche, über die ganze Erde ver breiten:. Es sind Kräuter mit ganzrandigcn, ungesticlten Blättern, einfachen Fruchtknoten, ein- oder zweifächeriger Kapsel. Es ist in der ganzen Pflanze, vorzugsweise aber in der Wurzel, ein intensiver Bitterstoff vorhanden, der in der Arznei vielfach angewandt wird. Es ist vorzüglich der gelbe Enzian, Bitter- wurz, G. lutea, der seit den ältesten Zeiten als vortreffliches Arzneimittel bekannt ist. Die dicke, fleischige Wurzel wird oft 3 Fuß lang, die Blüthcn sind goldgelb, die Blätter oval. Wächst ans Gebirgen, namentlich in der Schweiz, und ans trockenen Triften. Die Wurzel kommt im Handel vor. Der rot he Enzian, G-. purpurea, wird besonders zur Bereitung des Enzian-Branntweins benutzt. Der Kreuz-Enzian, G. cruciata, hat violettblaue Blumen, wächst ans trockenen Weiden und seine fingerdicke Wurzel ist in neuerer Zeit mit Erfolg wider die Hnnoswuth angewandt worden. Viele andere Enzianarten werden ihrer schönen Blumen wegen in Gärten cultivirt. So ist z. B. die G-. acaulis eine vorzügliche Einfassung, die mit ihren schönen blauen Blüthcn jeden Garten ziert.481 Das Salzkraut (Salsola). Dic Salzkräuter, bereit man 13 Arten kennt, wachsen nur ans salzigem Baden, alsa in der Nähe des Meeres ober in der Nähe von Salzquellen. Das gemeine Salzkraut, 8. krall, findet man an Seenfern; eö hat niederliegende Stengel mit pfriemenförmigen Blättern und grünlichen Blumen. Das Soda- krant, 8. sock, hat lange Pflanzenblätter, und das spanische Salzkraut, 8. sativa, wird in Spanien angebant. Aus der Asche dieser Pflanzen gewinnt man durch Anslangen Soda oder Natron von besonderer Güte. Das gewon- nene Langensalz wird zur Bereitung des venetianischen Glases und zu andern Zwecken verwandt. Die Melde (Atriplox). Bon den acht bekannten Arten dieser Pflanze ist die Garten melde, A. hortense, welche ans der Tatarei stammt, jetzt aber überall in Deutschland angebant wird und verwildert vorkommt, die wichtigste. Ihre Blätter liefern nämlich ein spinatartigeö, gesundes Gemüse. Eine Varietät, mit blutrothen Stengeln und Blättern, A. ruberrina, die in Gruppen viel Effekt macht, wird u> Blumengärten angebant; säet sich aber in der Regel selbst aus, wenn sie ein- n>al vorhanden ist, und ist dann oft ein lästiges Unkraut. Die Nmikelriibe, Mangold (Beta) dürfen wir, obgleich sie sehr bekannt ist, nicht ungenannt lassen. Ihre Cultnr dehnt sich immer weiter ans, indem einige Arten ein vorzügliches Viehfutter ge währen, wonach daö Rindvieh reichlich und fette Milch gibt, und die ihres Zucker- stvffes wegen auch zur Bereitung des Runkelrüben-Mus dienen. Der Zucker - runkelrübenbau kommt in einigen Gegenden auch sehr in Aufnahme, und somit ""ch die inländische Zuckerfabrikation. Diejenigen, welche zum Verspeisen als Salat oder, in Essig eingelegt, als Beilage beim Fleisch dienen sollen, müssen klein und von dunkelrother Farbe sein. Die feine Wiener - Tellerrübe ist die beste. Tie lllme oder Nüster (Ulmus). Es gibt mehrere Arten Ulmen, die ihres Nutzholzes wegen angepflanzt werden. Die gemeine oder Feldulme, 17. campesti-is, wird ein 50 bis 100 Fuß hoher Baum und gedeiht in ganz Europa. Ihr hartes Holz wird namentlich von Stellmachern verarbeitet. Die Kork-Ulme, 17. suberosa, zeichnet lief) durch eine korknrtige Rinde an den Aesten aus und liefert das Holz zu den ^genannten Ulmer-Pfeifenköpfen. Eben so nützlich sind die holländische Ulme, Hollandica oder 17. major, ein sehr großer Baum; die lindenblätterige Ol»,e, li. tlliacfolia, welche besonders in Böhmen und Oesterreich vorkommt "ud^ sich durch große Blätter anszeichnet, n. a. m. Tischler, Drechsler und ^cumcr'6 Naturgeschichte.482 Instrumentenmacher machen aus den: Ulmenholze die feinsten Arbeiten. Außerdem ist der Bast mehrerer Arten offieincll und wird tut Frühjahre eingesammelt. Die Kork-Ulme liefert noch besonders vorzügliche Kohlen. Der Zürgelbaum (Ceitu). Der gemeine Zürgelbaum, 0 . australis, wächst im südlichen Italien, er liefert eine Steinfrucht von der Größe einer Kirsche, die einen honigartigcu Geschmack hat und als Brustmittel dient. Die Blätter sind gewürzhaft und das zähe Holz eignet sich zu allerlei Arbeiten. Der amerikanische Zürgelbaum, 0. occidentalis, und der ostindische Zürgelbaum, 0. «mentalis, liefern eben falls solche Früchte, welche in der Arznei gebraucht werden; die Wurzeln, Blätter u. s. w. dieser Bäume werden in ihrem Vaterlande auch noch als Heilmittel wider die Epilepsie und nervöse Krankheiten angewandt. Pastinak (Pastinaca sativa). Ein Doldcngcwächs mit goldgelben Blümchen, ursprünglich wildwachsend, wird seiner schmackhaften Wurzeln wegen angebaut, und liefert dann weit schmack hafteres, zuckerhaltigeres Wurzelwcrk. Man läßt sic auch ivohl den Winter über stehen; dann aber ist ihr Genuß schädlich, und Kraut und Wurzeln sind dann nur ein gutes Viehfutter. Zu letzterem Zweck wird nun die Pastinak auch häufig gebaut, denn sie liefert in ihren 3—4 Fuß hohen ästigen Stengeln mit gefiederten Blättern ein gutes Grünfntter. Dill (Anctlium) , Kümmel (Canum), Fenchel (Focniculum) sind bekannte Doldengewächse, die hauptsächlich ihres Samens wegen gezogen werden, der nicht nur in den Apotheken, sondern auch in der Küche, in Liqucur- fabrikcn u. s. w. häufig gebraucht wird. Eben so bekannt sind die Petersilie (Petroselium) , Sellerie (Apium) , Kerbel (Scandix), und Möhre (i)aucus), welche als Küchcugewächse in keinem Garten fehlen dürfen. Bei der Petersilie ist zu bemerken, daß mau am besten die kleine Zwergpetersilie anpflanzt, weil diese am leichtesten von der Hundspetersilic (Aethusa cynapium) zu unterscheiden ist. Die Petersilie hat einen glatten, aufrechten, ästigen Stengel, die Wurzel- blnttcr sind doppelt gefiedert, drcitheilig, die Blüthen sind glatt. Die Stengel- blättchen sind mit Scheiden versehen. Bei der Hundspetersilie sind die Läppchen der Blätter mehr lanzettförmig und spitzig; auch unterscheidet sic sich von der echten Petersilie durch den knoblauchartigcn Geruch, wenn die Blnttcr gerieben werden. Besonders schön ist die Petersilicnwurzel, welche von Mauchen der Sellerie vorgezogen wird. Der Pctcrsiliensamcn ist, gestoßen, ein gutes Vcrtil-- gnugsmittcl für die Läuse, auch wird derselbe als Thcc in Urinleidcn angewandt.483 Der Gebrauch der Sellerie ist bekannt; ihr häufiger Genuß ist aus Gründen zu widcrrathcu. Beim Kerbel unterscheidet man Kl etter kerbet (Anthriscus) von Nadelkcrbcl (Scandix). Den gebräuchlichen Klettcrkcrbcl gebraucht man in den Apotheken und als Küchcnkraut, und wird deshalb gebaut. Die übrigen Arten wachsen wild. Die Möhre, von denen cs frühe und späte, sogenannte Hornsche- und Feldwurzeln gibt, sind ein gesundes und vortreffliches Nahrungs mittel. Der Möhrcusaft wird zu einem Mus eingekocht, und hat daun viele Aehulichkeit mit dein Syrup. Wenn man Möhrcusameu kauft, so muß mau wohl auf den Geruch desselben achten: ist der Geruch stark und angenehm, so ist der Samen gut und keimfähig. Ter gemeine Anis oder Anis-Bibernell (Pimpinoiia Anisum )\ aus Egypten und von den griechischen Inseln stammend, wird jetzt hin und wieder auch in Deutschland, seiner Samen wegen, häufig angcbaut. Die unteren Blätter sind rundlich, die Stcugclblättcr drei- oder vicrspaltig, der Stengel wird 1 bis 2 Fuß hoch und die weißen Blümchen stehen in lockern Dolden. Der Anissamcn wird als Gewürz in der Küche gebraucht, auch zur Bereitung der Ligucure an gewandt, und in den Apotheken führt man den Samen und das gewonnene Oel. Das Anisöl hat die merkwürdige Eigenschaft, daß cs die Tauben anzieht; hin gegen ist cs das sicherste Mittel, die Kopfläuse zu vertreiben. Der gemeine Biberuell und der große Bibcrucll liefern officiuelle Wurzeln. Die Hnndspetersilic oder Gartcnglciße, Gartenschierliug (Aetiiusa cynapium). Schon bei der echten Petersilie haben wir dieser Pflanze gedacht, müssen jedoch, da sic zu den Giftpflanzen gehört, nochmals darauf zurückkommen. Die Hundspetersilie wächst in Gärten, hin und wieder auch auf Feldrändern, häufig trifft man sic unter dem Kerbel an. Der Stengel wird 1 — 3 Fuß hoch, ist rührig, rundlich, krautartig und gestreift. Der Stengel der echten Petersilie ist uic gestreift und immer dreieckig. Sämmtliche Blätter sind ans der untern Seite glänzend, was bei der Petersilie nie der Fall ist. Die Blüthcn der Hundspctcr- jtlic sind weiß, die der echten Petersilie grünlich. Der Genuß der Hundspctcr- stiie bewirkt Betäubung, Angst, Schlaflosigkeit und Magenentzündung, ja selbst Wahnsinn und den Tod. Aerztliche Hülfe ist durchaus nöthig; Brechmittel, Essig und Milch müssen sogleich angewandt werden. Die Homöopathen zählen diese Pflanzen zn ihren Heilmitteln. Der Wasserschierling, Wuthschierling (Cicuta vinosa) wächst auf nassen, feuchten Wiesen, in Sümpfen, an Wassergräben und schlam migen Ufern stehender Wasser. Aus einer dicken und großen Wurzel schießt ein 2 — 4 Fuß hoher Stengel empor, der unten röthlich ist, und oben aus Kuoten- ubsätzeu viele Nebcnzwcigc treibt, die dem Stengel ein gabelförmiges Ansehen 31 *484 geben. Die Wurzclblüttcr sind groß, vielfach gefiedert, glatt, dunkelgrün, au laugen häutigen Stielen sitzend. Die untern Stcugclblätter sind dreifach und die obern zweifach gefiedert. Am Ende der Zweige stehen die Blumen in vielstrah- ligcu Dolden, deren allgemeine Hülle fehlt. Die auf den Strahlenden sitzenden Döldchcn sind halbkugelig und haben besondere 6 — l2 blätterige Hüllchen. Die Blume ist weiß und besteht ans fünf eingebogencn Blättchen. Die Wurzel ist der giftigste Thcil der Pflanze, und Kinder, die solche, in der Meinung, cs seien Pastinakwurzeln, gegessen haben, bekamen Lähmung der Zunge, Erbrechen, Angst, Krämpfe, Anschwellung des Unterleibes u. s. w. Nach dem Tode erhält der Leib eine schwarzblane Farbe. Essig und saure Flüssigkeiten und Brechmittel dienen als Gegengift. Das schwach aromatisch riechende Kraut wird in einigen Apotheken geführt. Der gefleckte Schierling (Conium maculatum). Diese, dem gewöhnlichen Kerbel und.,der Petersilie sehr ähnliche Pflanze ge hört zu den scharf narkotischen Giftpflanzen. Sic wächst ans Schutthaufen, an trockenen Gräben, unbebauten Stellen durch ganz Europa. Die Wurzel ist zwei- jährig, fast spindelförmig mit vielen Fasern. Der Stengel wird 4—6 Fuß hoch, ist danmdick, hohl, platt, gefurcht, oben ästig. Die untern Blätter sind geschlitzt, lappig, gezähnt, lanzettförmig, glatt, oben dunkelgrün und glänzend, unten blaß. Ans den Blattwinkeln am Ende des Stengels kommen die weißen Blüthcndoldcn zum Bvrschcin. Jede Frucht enthält zwei Samenkörner, die auf der obern Seite flach, auf der untern gewölbt und ain Rande gezackt sind. Alle Thcile der Pflanze sind sehr giftig, namentlich daö Kraut, welches gerieben, einen kntzcu- urinähnlichcn Geruch von sich gibt. Man führt diese Pflanze in den Apotheken, denn ihre Blätter enthalten ein scharfes Alkoloid (Conijn oder Cicutin), ein äthe risches Ocl, Harz, Firniß u. s. w. Bei etwaigen Vergiftungen wendet man dieselben Gegenmittel, wie beim Stechapfel (Datura stramonium), an. So schädlich auch diese Pflanze ist, so wichtig ist sic für die Heilkunde, indem sic zu den heftig wirkenden, scharf narkotischen Heilmitteln gehört. Tic Ncbcildoldc (Oenantlie fistulosa) gehört auch zu den Giftpflanzen. Man findet sic in ganz Deutschland an stehen dem Wasser und auf sumpfigen Wiesen. Die faserige, sehr ästige Wurzel breitet sich weit aus. Der 1 — 2 Fuß hohe Stengel treibt an den Gelenken Wnrzel- fascrn, ist unten röthlich und oben grün. Die langen Blattstiele umfassen den Stengel und tragen die mehrfach gefiederten Blätter. Die weißen oder röthlichen Blümchen stehen in einer hüllenlosen Dolde, die zwei- bis sicbcnstrahlig ist. Die Wurzel dieser Pflanze ist sehr giftig. Die Oenanthe crocata, welche nicht in Deutschland, wohl tut südlichen Europa wächst, ist der vorigen sehr ähnlich und in ihren Wirkungen gleich.485 Die Mcistcrwnrz (imperatoria) trägt ihre weißen ober röthlichen Blumen in großeir flachen Dolden, wächst mehr auf hohen Gebirgen und den Voralpen, als im mittleren Deutschland. Die dicke, walzige, braune, geringelte Wurzel riecht stark aromatisch und schmeckt bitter. Wurde früher mehr iu den Apotheken gebraucht, als gegenwärtig. Die Engelwurz (Angelica Ärchangelica) ist eine sehr nützliche Pflanze, deren grüngelbe Blüthcu in 40—50strahligen Dolden stehen. Der hohe Stengel ist hohl und wird zu Lichtformen benutzt. Die Wurzel riecht stark, gewürzhaft, schmeckt aromatisch, bitter, enthält vorzüglich ätherisches Oel, bittcrn Extractivstoff und ist ein sehr gebräuchliches Arzneimittel. Im nördlichen Europa (die Pflanze wächst in ganz Europa) werden die jungen Wurzeln gegessen, oder auf Branntwein gesetzt, oder, wie in Norwegen, mit iu's Brod gebacken. Auch werden die Pflauzeublätter geraucht und die Samen nlö Gewürz benutzt. Weniger wichtig ist die A. sylvestris, gemeine Wald- Angelika, und die kümmelblätterige Angelika, A. carvifolia. Der pnlverisirte Samen soll ein Mittel wider das Kopf-Ungeziefer sein. Der Kälberkropf (Chacropliyllum temulum), eine dem großen Schierling nicht unähnliche Pflanze, kommt häufig an Wegen, Bachränd'en und im schattigen Gebüsch vor. Die Wurzel ist spindelförmig, die großen gefiederten Blätter umfassen den Stengel, der 4 — 5 Fuß hoch wird, und die Blüthendoldcn sind 6—12 strahlig, vor dem Aufblühen überhäugend, mit 6—8 znrückgcschlageuen Hüllenblüttchen. Die Pflanze ist als eine betäubende Giftpflanze verdächtig. Der knollige Kälberkropf, 0. bnlbosum, ist dem vorigen ähnlich und hat auch denselben Standort, nur sind oberhalb die Gelenke sehr "ufgctricbeu und die behaarten Blattstiele scheidenartig. Dritte D r d n u n g. Pflanzen mit drei Staubwegen. Schneeball, Hollunder oder Flieder, Gerberbaum, Pimpernuß, Akajou oder Elephanteulaus, Tamariske. Der Schneebull (Viburnum), "uch Drosselbeere, Schlingstrauch genannt, wächst in ganz Deutschland wild; wird ein 8 — 16 Fuß hoher Strauch, hat 3- oder 5 lappige Blätter und weiße, in schönen, großen Astcrdolden stehende Blumen. Die am Rande stehenden Blumen486 sind größer, aber immer geschlechtslos. Die Frucht ist eine hübsche, rothe, ellip tische Beere, welche den Winter über hängen bleibt. Eine Art mit gescheckten Blättern trifft man häufig als Zierstrauch. In keiner Anlage aber darf der gefüllte Schnccball, V. opulus roseum, fehlen, der mit feinen großen, kugeligen, weißen Afterdolden einen prächtigen Anblick gewährt. Die Blumen sind sämmtlich geschlechtslos, weshalb auch dieser Strauch keine Früchte trägt. Ein hübscher, immergrüner Strauch ist der Lorbeer-Schnceball, bekannter unter dein Namen Laurus-Tinus, V. tinus, der sich zu schönen Pyramiden oder Kugclbämnchcn ziehen läßt, und mitten im Winter durch seine zahlreichen, weißen Blüthen erfreut. Seine Cultur ist leicht. Er liebt gute Erde und viel Wasser. Es reichen 1 — 5° Wärme hin, ihn zu überwintern. Soll er aber schon um Weihnachten blühen, so muß er von Anfang November an eine Tem peratur von 10 —12° Wärme haben. Die Bermchrnng geschieht durch Steck linge und Wurzelanslänfer. Der Hollimdcr, Flieder (Sambucus). Die allgemeinen Kennzeichen der Hollundcrarten sind folgende: die füufspal- tige Blumcnkronc, der die Staubfäden cinverleibt sind, sitzt auf dem Fruchtknoten und ist von einem kleinen, fnnftheiligcn Kelche umschlossen. Der kurze, drüscn- förmige Griffel hat drei Narben; die Frucht ist eine drcisamige Beere. Der gemeine oder schwarze Hollunder, 8. nigra, mit unechten Dolden, die in fünf kleinere zcrthcilt sind, und baumartigem Stamme, wächst in ganz Europa an schattigen und fruchtbaren Orten, bald stranch-, bald baumartig. Er ist zu bekannt, als daß es einer weitern Beschreibung bedürfte. „Bor einem Hollundcrstranch muß man den Hut abnchmcn!" pflegt der Landmaun zu sagcu, und das mit Recht, denn er liefert in seinen Blüthen einen sehr heilsamen Thce, schmerzstillende Kräuterkissen u. s. w. Der Saft der Beere wird zu einem Mus oder Latwerge eingekocht und tvirkt ebenfalls schweißtreibend, oder als auflvscudcs Mittel in gewissen Krankheiten. Merkwürdig ist cS, daß die Beeren für die Hühner ein tödtlichcs Gift sind. Uebrigcns darf auch der Mensch keinen Thce von frischen, d. h. nngetrockncten Blüthen genießen, weil ein solcher Thec Erbrechen und Purgiren Hervorrufen würde. Die mittlere grüne Rinde soll manchmal bei Wassersüchtigen mit Vorthcil angewandt werden. Der rothe Hollunder oder Tr au b cn s lieber, 8. raccmosa, ist dem vorigen sehr ähnlich, wächst aber mehr einsam in schattigen Wäldern, hat gelbgrünlichc Blüthen in zusammengesetzten, eirunden Trauben. Die Beeren sind hellroth. Hirsche und Rehe lieben die Blätter dieses Flieders. Derselbe wird auch als Zierstrauch augepflauzt. Als Ziersträucher eultivirt man auch noch folgende Arten: 8. n. viridis, mit grünen Früchten; mit weißen Früchten, 8. fructu aibo; mit ge streiften Blättern, 8. foliis argentiis; den kanadischen Flieder, 8. eanaäensis, ein 8—10 Fuß hoher Strauch mit aufrechtem Stamme, fast doppelt gefiederten437 Blättern, mit länglich eiförmigen, unbehaarten, weißlichen Blättchen. Der Zwcrgflicdcr, 8. ebulus, hat einen weichen Stengel, der jeden Winter zu Grunde geht; ans der Wurzel aber schießen, wie bei andern Stauden, mit dem Frühjahre stets neue Stengel empor. Die weißen, etwas röthlichen Blumen stehen in großen Dolden und werden ebenfalls in der Medicin benutzt. Auch die Wurzel ist vfficincll und die schwarzen Beeren geben ebenfalls ein heil sames Mus. Der Äcrbcrbaiim, Sumach (Rims) zählt ein sehr zahlreiches Geschlecht, wozu Bäume und Sträucher gehören, die theils als Zierpflanzen cultivirt werden, theils nützliche Stoffe liefern. Allgemeine Kennzeichen: sünftheiligcr Kelch, fünf Blumenblätter, Fruchtknoten mit drei kurzen Griffeln oder Narben, trockene Steinfrucht mit einem, selten zwei bis drei Samen. Der Perrückcnbaum, R. cotinus, ist ein hoher Strauch, der sich in größeren Anlagen prachtvoll ausnimmt. Er stammt ans dem südlichen Europa, ist aber jetzt in Deutschland vollkommen eingebürgert. Der Stamm hat ein hartes, grüngelbes, branngcftrciftcs Holz mit braunrothcr Rinde. Die Blätter sind ver kehrt-eirund, ganzrandig und lederartig; die Blumen sind klein und gelblich und stehen in ästigen Traubcnrispcn, und die darauf folgende Frucht ist eine eirunde, znsammcngcdrücktc Beere mit dreieckigem Samen. Die unfruchtbaren Blümchen wachsen in lange, haarige Fäden ans und geben dem Strauch ein perrückcnartigeS Ansehen. Alle Thcilc dieser Pflanzen haben zusammenziehende Eigenschaften, und in Serbien soll man das Holz tvidcr das Fieber anwenden. Die Wurzel färbt fcnergclb, wohingegen die Rinde zum Gclbfärbcn der Leinwand benutzt wird. Der Essigbaum, R. coriaria, wächst in der Levante, in Syrien und Palästina wild, kommt jedoch auch bei uns in Deutschland fort. Die Lappen der gefiederten Blätter sind oval, am Stande ziemlich stumpf, gesägt und auf der untern Seite rauh. Die Zweige und der junge Stamm haben eine haarige Rinde, die Fiedern sind kl —15 lappig, die Blüthen gelb in dichten Trauben und die darauf fol genden Früchte röthlich. Früchte und Wurzeln färben gelb, und ans den jungen Sprößlingcn und der Rinde bereitet man in Spanien einen Färbestoff, sogenannte Lohe, welche,zur Bereitung des Saffian- und Corduanleders dient. Man pflegt im Morgenlande die Frnchtbnschel in Essig cinznlcgcn und darnach als Gewürz zu andern Speisen zu gebrauchen. In der Arzneikunst werden gegenwärtig diese Blüthen- und Frnchtbnschel nicht mehr angewandt. Der Hirschkolbcn, kl. typhina, ist ein sehr hübscher Zierstrauch, der sich auch als Baum ziehen läßt. Seine langen gefiederten Blätter, welche im Herbst roth anöschen, seine hübschen röthlichen Blüthenkolben, die von Bienen fleißig besucht werden, und die von zartem röthlichem Flaum, gleich den jungen Hirschkolbcn, umgebenen Zweige machen sich in Gruppen prachtvoll. Auch diese Pflanze, welche ur sprünglich ans Virginien stammt, ist in allen ihren Theilen sehr zusammenziehend,488 und kann ans derselben ein Gerbestvff gewonnen werden, der schon bei dem ge ringsten Einschnitt als Milchsaft ausfließt. Der Copalsumach, R. copallina, der von Neu-Jcrscy bis Carolina wächst, in seinem Aenßern viele Aehnlichkcit mit vorigen Arten hat, liefert nicht, wie man früher glaubte, den Copallack, obgleich sein Harz demselben sehr ähnlich ist. Der Copallack wird vom H cn sch reck cn- banm (klymsvasa) gewonnen. Der Giftsumach, R. Roxloollonckoon, hat drci- zählige Blätterfiedern, wovon die einzelnen Blättchen eirund, ganzrandig, flaumig sind. Blüthenrispe gclblichgrün, Frucht gelblichweiß. Wächst in Canada. Dieser Strauch ist in allen seinen Theilen so giftig, daß seine Ausdünstung schon sehr schädlich ans den Menschen wirkt. Wer in seinem Schatten weilet und eine reizbare Haut hat, bekommt Geschwülste und Bläschen ans derselben und sogar heftige Fieber. Pilllpermiß (Stapliylea). Baum- oder strauchartige Pflanzen. Die fünfblätterigcn Blumenkroncn sind mit Honigdrüsen versehen und stehen in lockern Träubchen. Der fünfthciligc, gefärbte, bleibende Kelch ist fast eben so groß, als die Krone. Dreiteiliger Fruchtknoten, der eine znsammcngewachscne, aufgeblasene Samenkapsel hinterläßt, in deren jeglicher zwei steinharte, kugelrunde, mit einer Narbe versehene Samen liegen. Der gemeine oder gefiederte Pimpcrnußbaum, 8t. pinnata, wächst in südlichen Ländern wild und wird bei uns als Zierstrauch gezogen. Selten er reicht er die Höhe eincö kleinen Obstbanmcs. Er hat gefiederte Blätter, die Blüthen sind weiß, nur Beim Ausbrecher: ein wenig röthlich. Die Nüßchen sind glänzend hellbräunlich und kleiner als Haselnüsse. Die Kinder spielen gern rnit denselben, essen auch ihre Kerne, die aber etwas pnrgircn. Auch preßt man Ocl ans denselben. In Frankreich verfertigen arme Leute Rosenkränze aus den Nüßchen. Der dreiblätterige Pimpcrnußbanm, 8t. trifolia, hat dreifache Blätter, stammt ursprünglich ans Virginien, wird aber jetzt auch in Europa als Zierstrauch oder Baum gezogen. Die Blumen haben eine reine, weiße Farbe, sind etwas größer, als die der vorigen Art, stehen ans kürzeren Stielen und wachsen in längeren Büscheln an der Seite der Zweige. Die Samenkapseln und Nüsse sind ebenfalls größer, als die von der ersten Art. Akajou oder Elephailtcillails (Semecarpug anacardium). Der Akajoubaum wird ein sehr hoher Baum, der herzförmig zusammen- gedrücktc Nüsse trägt, die den Namen Elephantenlänse führen, und die früher als officinell in den Apotheken geführt wurden. Daö Vaterland dieses Baumes ist Ostindien, wo man aus den grünen Früchten einen guten Vogcllcim und ans dem ätzenden Safte der Frnchthülle ein Mittel wider Rheumatismen und Hantans- schläge bereitet. Dieser Saft gibt ferner eine vorzügliche Farbe znm Zeichnen der Wäsche, die nie ausgcht und doch der Leinwand nicht schadet.489 Tamarisken (Tamavix). Die Tamarisken sind bäum- oder strauchartige Pflanzen, mit fünfblätteriger Blumenkrone, fiinfspaltigem Kelche und 5—10 auf dem Fruchtboden stehenden Staubgefäßen. Die Frucht ist eine längliche dreischaligc Kapsel und die Samen sind mit Haarkronen versehen. Der französische Tamariökenbanm, T. GalUca, ist in seiner Struktur der Cyprcsse sehr ähnlich. In warmen Gegenden wird diese Tamariske ein ziemlich hoher Baum, in Deutschland aber, wo er als Zier strauch gezogen wird, erreicht er nur eine Höhe von 10—15 Fuß. Die Rinde ist rauh und braun, die Blätter ähnlich denen der Cypresscn, die in aufrecht- stehenden Trauben blühenden Blumen sind röthlich und die Samenkapsel theilt sich bei der Reife in drei schmale, lanzeuförmige Schnalcnstückc. Die Rinde, welche einen bitter», balsamischen Geschmack hat, wurde von den älteren Aerzten als ein heilsames Mittel- wider die Verstopfung der Milz gerühmt. Die deutsche Tamariske, T. Germanica, ist ein niedriger Strauch, der iu seinem äußeren Habitus der vorigen gleich sicht, nur sind die Blättchen von etwas stärkerer Struktur und stehen dicht. Die Staubfäden sind an der Basis miteinander verwachsen. Beide Arten enthalten Gerbestoff, auch liefern sic das Tamariskenöl, und die Asche enthält viel Glaubersalz. Eine Abart, welche am Sinai wächst, schwitzt durch den Stich eines Insekts eine Art Manna aus, die nur Schleim zucker, jedoch kein Mannit enthält. Vierte Ordnung. Pflanzen mit vier Staubwegen. Die Parnassic (Parnassia palustris) ist die einzige Pflanze, welche, in Deutschland wachsend, zu dieser Ordnung gehört. Man trifft sic ans feuchten Wiesen und erkennt sic leicht au ihrem kühlen Aussehen; sic hat herzförmige, knrzgespitztc, langstielige, zahlreiche Wurzel- blättcr und gewöhnlich nur ein steugelumfasscudeö Blatt an den Stengeln. Die Blumenblätter sind weiß, mit rosthcllen Adern versehen, und an der Spitze ans- gcrnndct. Die Kclchzipfcl sind concav. Merkwürdig ist cs, daß bei der Bcfruch- tung die Staubgefäße sich in bestimmter Ordnung nach den Narben hinbewegen. Blüthen und Blätter führte man früher in den Apotheken. In Schweden sind sic noch gebräuchlich, denn man bereitet von der ganzen Pflanze eine Abkochung490 in Bier, welche als Mittel wider das Sodbrennen gerühmt wird. Auch Magen- fchmcrzcn und ähnliche Beschwerden sollen sich darnach verlieren. Fünfte D r d u n n g. Pflanzen mit fünf Stanbwegen. Grasnelke, Flachs, Sonnenthau, Dickblatt oder Crassula. Die Grasnelke oder daS MecrgraS (Amen») ist nicht zn verwechseln mit einer Art der Federnclke, welche hin und wieder auch Grasnelke genannt wird. Man kennt zwei Arten, welche als Zierpflanze, besonders zur Einfassung der Beete, cultivirt werden. Die großköpfige MeergraS- nclkc, A. ccphalotes, ist eine hübsche Zierpflanze, ans Portugal stammend, wird 1 — iy a Fuß hoch und tragt lebhaft rofenrothe Blumenköpfe. Im Topfe blüht sic schon im April, in freiem Laude den ganzen Sommer hindurch. Die gemeine Mcergrasnclkc, A. vulgaris, auch Sanduclkc, englisches Gras genannt, gedeiht in jedem Boden, und ist eine hübsche, recht reinliche Einfassung für Blumenbeete. Aus einem rafenartigcn Stock kommen unzählige Blütheufchäfte von 4 —10 Zoll Höhe, welche hcllrothe, oder auch weiße Blüthenköpfchen tragen. Die A. maritima, ebenfalls zur Einfassung sehr geeignet, hat hellpurpnrne Blnmcuköpfc. Im Norden und Süden von Europa trifft man sic ain Strande des Meeres wildwachsend. Der Flachs, Lein (Linum) ist eine sehr bekannte, aber überaus nützliche Pflanze, die leider in unscrm baum wollenen Zeitalter nicht mehr so viel gebaut wird, als unsere Voreltern cö gethan haben. Außer dem Flachs, der von dieser Pflanze gewonnen wird, ist auch der Saineli sehr nützlich; denn er liefert das bekannte Leinöl, welches zum Anstreichen und zur Bereitung einiger Firnißartcn dient, auch zur Bereitung der Drucker schwärze verwandt wird und für die Medici» wichtig ist. Der Flachsbau ist in den nördlichen Gegenden Enropa's am anSgcbreitctstcn, und der Riga'sehe Lein samen ist für die Aussaat der cmpfchlcuswcrthcste. Die Anwendung des GcspinnstcS, welches der Lein liefert, zu Kleidungs stücken ist unstreitig sehr alt, wenn nicht gar so alt, als der Ackerbau selbst. In Egypten gilt die Isis für die Erfinderin der Knust, auö den Fasern der Lcinpflanze ein Gespinnst und ans diesem Kleidungsstücke zn bereiten. Die Priester der Isis durften nur Kleidung von Leinwand tragen. Dasselbe finden wir beim491 jüdischen Cultus: MoscS gebot, daß die Priester und Leviten sich der Leinwand zur Kleidung bedienen folftcn, und im 5. B. 22, 11 gebietet er seinem Volke über haupt, keine Kleidung zu tragen, die ans Wolle und Flachs zugleich gewirkt wäre. Bei den Griechen und Römern bedienten sich selbst die vornehmsten Personen der Leinwand, die nicht selten mit Purpur verbrämt war, und nach Tacitns trug „das vornehme Frauenzimmer der alten Deutschen" ein weißes, leinenes Gewand, mit Purpur besetzt. Die Alten bedienten sich auch der Leinwand statt des Pa piers; so waren z. V. die Gibyklinischen Bücher ans Leinwand geschrieben; auch hat man in Mumienkistcn ebenfalls feine Leinwand gefunden, die mit egyp- tischen Charakteren sehr sauber beschrieben war. Auch zur Malerei bedienten sich die Alten der Leinwand; denn schon Plinius erzählt, daß sich Nero ans einer hundert und zwanzig Fuß hohen Leinwand colossalisch habe malen lassen. Es werden die verschiedenartigsten Gewebe ans dem gesponnenen Flachse ver fertigt, vom gröbsten Sackleinen, bis zum feinsten Batist, von dem man ein Hemd durch einen Fingerring ziehen kann, vom schlichten Hansleinen, bis zum feinsten, kostbarsten Damast. Deutschland ist noch immer der Hauptsitz der Lcin- wandwcbcreien und des LeinwandhandclS, und deutsche Linnen gehen mittel- und unmittelbar aus Wcstphalen, Schlesien, Sachsen, Böhmen, Mähren, Hessen, Hannover u. s. w. in die entferntesten Wcltgcgendcn, namentlich nach Amerika, Wcstindicn, in die Türkei, nach Rußland u. s. w. Die feinste Arbeit, welche aus dein Leinenzwirn gemacht wird, sind die brüssclcr oder brabanter Spitzen. In Brüssel kosten nicht selten die Spitzen, welche aus dem Zwirne eines ein zigen Pfundes des feinsten flandrischen Flachses verfertigt sind, 6000 bis 7000 Gulden. Die Mechanik ist bisher vergeblich bemüht gewesen, durch Ma schinen den Flachs so vollkommen zu spinnen, wie cs durch Menschenhand geschieht; und Napolcon's Prciöanfgabc von einer Million Francs, eine solche Maschine-zu erfinden, ist ungelöst geblieben. — Linnö zählt 22 verschiedene Arten des Leines auf, die wir aber hier nicht weiter beschreiben wollen. Der gewöhnliche Flachs heißt Linum usitatissimum, ist ein Sommergewachs und seine Behandlung n. s. w. ist bekannt. Der Spring- flachs, L. humilo, gibt zwar ein kürzeres, aber ein weit feineres und weißeres Gespinnst, als der gewöhnliche Flachs. Der Papicrlein, L,.catharticum, hat weiße Blütheu, wächst ans nassen Tristen in Deutschland, und wird gegen Wurm krankheit .empfohlen, weshalb er in den Apotheken geführt wird. Der pcrcn- uirende Flachs, L. porenne, welcher in Sibirien zu Hanse ist, treibt ans der Wurzel immer neue Stengel, welche ebenfalls ein Gespinnst liefern, das zwar lang und stark, aber auch gröber und unansehnlicher ist. — Der Sonnentyau (Drosera) i|i eine krautartige Pflanze, welche auf sumpfigen Wiesen wächst und an den Blättern reizbare Drüsenhaare hat, woran nicht selten kleine Insekten hängen492 bleiben. Die Blüthen stehen tranbig und die Samenkapseln sind eirund, cin- fücherig, viclsamig. Man unterscheidet den rundblätterigen Sonnenthan, I) rotunäi- folia , von dem langblätterigen Sonnenthan, I). longifolia, durch die Gestalt der Blätter. Die Pflanze ist säuerlich, bitter und Blasen ziehend, und wird in den Apotheken unter dem Namen Horba l-onellae vel l'oris solis geführt. Dickblatt (Crassula). Diese Pflanzen stammen grvßtcntheils vom Cap und werden bei uns nur in Gewächshäusern gezogen. Sic zeichnen sich nicht nur durch ihre prachtvollen Blüthen, sondern auch durch ihre dicken, oft sehr sonderbar geformten Blätter ans. Das scharlachrothc Dickblatt, 6. coccinea, ist ein prachtvoller, 2 — 4 Fuß hoher Zierstrauch, vom Cap, der seine großen, scharlachrothen, wohlriechenden Blüthen in reichen Endbüscheln trügt. Das sichelblätterige Dickblatt, 6. falcata, ebenfalls vom Cap, hat sehr dicke, kreuzweise entgegengesetzte sichelförmige, grau grüne Blätter und bringt gelbliche scharlachrothc Blüthen in großen Endsträußen. Da diese Art leicht blüht, so ist sic sehr für das Zimmer zu empfehlen. Im Winter bedarf sic nur 8° Wärme und vermehrt sich leicht durch Stecklinge. Nur darf man sie nicht häufig begießen. Cs gibt noch mehrere Arten, die sich alle durch ihre schönen Blüthen empfehlen. HKx3->&o-«H Sedjste Masse. Pflanzen mit sechs Staubgefäßen, von denen zwei nicht länger sind, als die beiden übrigen. E r st e D r d n u n g. Pflanzen mit einem Staubwegc. Berberitze, Afterquendel, Pisang, Ananas, Knotenblume, Schneeglöckchen, Narcifse, Amaryllis, Lauch, Lilie, Kaiserkrone, Tulpe, Vogelmilch, Meerzwiebel, Zannblume, Affodil, Spargel, Maiblume, Drachenbaum, Tuberose, Hyacinthe, Aloe, Agave, Kalmus, Simse, Bambus, Schlangenkraut, Vclthemie, Jukka n. a. m. Hyacinthe (n^sointbus). Unter allen genannten Pflanzen ist die Hyacinthe eine noch sehr beliebte Zierblnme, welche unter den Blumisten einst eine große Nolle gespielt hat. Wirmeinen nämlich die gemeine Hyaeinthe, H. orientalis, welche in unzähligen Spiel arten cultivirt wird. Scheu Linno sagt in seiner Beschreibung des Cliffort'schen Gartens: „Es gibt schwerlich eine Blume, die sich den Gesetzen der Cultur leichter unterwerfen und durch selbige vollkommuer gemacht würde, als die Hya- einthe. Heut zu Tage sehen sie die Harlemer Blumisten für die Königin der Blumen an, und behandeln sie auch in der Thal darnach, nur schade, daß sie ans Vernachlässigung oder gänzlicher Hintenansetzung der Cultur wieder in ihre natürliche Wildheit ausartet." Ein HYacinthen-Flor ist allerdings das Ausge zeichnetste, was ein Blumenfreund sehen kann, denn es übertrifft immer eine Blume die andere an Schönheit, und der überaus liebliche Dust schwängert ihre ganze Atmosphäre. Hartem war schon zu Liunä's Zeit der Ort, wo die Hhacin- then-Cnltur auf's Höchste gestiegen war und der Handel mit Hyacinthen-Zwiebeln eine Ausdehnung hatte, wie man ihn gegenwärtig kaum begreift. Das Verzeichniß des Dr. Vorhelms zu Hartem enthielt im Jahre 1799 eine Anzahl von 1251 Sorten, worunter sich 370 einfache befanden. Die sel tensten Zwirbeln wurden mit 40 — 50 Gulden bezahlt. Eine „Republique de Holland“ wurde nie unter 50 Gulden abgegeben, es war eine überaus pracht volle Blume von dunkelrother Farbe. Der Merkwürdigkeit wegen wollen wir noch einige der seltensten Hhaeiuthen auführen: Marecbal de Turenne, eine an sehnliche Glocke, weiß mit kleinem Herz, — 40 Gulden; Monbijou, dunkelblau, große Glocke, 40 Gulden; Trlanon, schönes Bouquet, aus vielen weißen Glocken zusammengesetzt, 40 Gulden; Prince d’Henry, hat viele Blumen von einem in's Weiße fallenden Blau, 25 Gulden; u. v. a. Auch gegenwärtig hat die Hyaeinthe noch viele Freunde. Die Blumisten machen folgende Anforderungen an eine gute Hyaeinthe: der Schaft muß 8 — 12 Zoll hoch werden und sich nicht von der Last der Blumen umlegen. Die gefüllten müssen 15—20, die einfachen 20 — 40 ansehnliche, pyramida- lisch geordnete Blumen tragen. Die Füllung muß stark und regemäßig sein, die einfache Blume aber nur eine Farbe haben. — Von den übrigen Hhacinthen- arteu sind folgende die merkeuswerthesten: die amethystfarbige Hyaeinthe, II. amethystinus, aus Spanien stammend, kleine Zwiebel, lauge schmale Blätter, trichterförmige Blume in verschiedenen Farben. Die MuSkathyaeinthe, II. mus- ca»1, hat lilienartige Blätter, länglich-eirunde Blüthentrauben, mit röthlichen oder gelblichen Blütheu. Die Traubeuhyaeinthe, Federhyacinthe n. a. nt. Tulpe (Tulipa). Wenn schon die Hyaeiuthencultnr und der Handel mit Hyacinthen-Zwiebeln tmser Erstaunen erregte, so können wir den Handel mit Tulpen-Zwiebelu, wie er gegen Ende deö 17. Jahrhunderts ebenfalls in Holland und namentlich in Harlem betrieben wurde, nur dem Aetieu - Schwindel der Gegenwart gegenüber stellen.494 Dic Garten - Tulpe, T. Gosneriana*), welche im 16. Jahrhundert aus dem Orient zu uns gebracht wurde, fand bald allgemeine Verehrung, obgleich sic au und für sich eine höchst steife Blume ist. Nur durch ihr Farbenspiel vermag sie dic Aufmerksamkeit der Blumenfreunde zu fesseln. Man soll gegen 600 Spiel arten durch künstliche Besamung erzeugt haben. Es gibt einfache und gefüllte Tulpen, ersterc stehen bei den Kennern in größerem Ansehen, als die letzteren. An eine schöne Tulpe macht man folgende Forderungen: der Schaft muß wenig stens 2 Fuß, dic Blume vollkommen kelchförmig, dic drei äußeren Kronblätter größer als die inneren und alle oben stumpf abgerundet sein, dabei eine reine Grundfarbe und eine lebhafte, scharfabgcschnittcnc, regelrechte Zeichnung haben. Noch müssen wir Einiges über die schon oben angedcntete Tnlpcnmanic anführen. Da nur große vollkommene Zwiebeln blühen, so wurden nicht selten die Zwiebeln nach dem Gewicht verkauft. So wurden vierhundert Gran von der Admiral- Liefkenö-Tulpe für 4000 Gulden und200Gran von der Scmpcr-Augnstus für 6500 Gulden verkauft. Für eine einzige Zwiebel der Vieo Roy wurden im Tauschhandel gegeben: 2 Last Weizen, 4 Last Roggen, 4 fette Ochsen, 8 fette Schweine, 12 fette Schafe, 2 Oxhoft Wein, 4 Tonnen Bier, 2 Tonnen Butter, 1000 Pfund Käse, 1 Bett mit Zubehör, eine ganze Kleidung und ein silberner Becher. Diese Tnlpcnwnth hatte sich aller Stände bemcistcrt und cs entstand ein wirklicher Acticnhandel in Tulpen, wodurch viele angesehene und begüterte Familien zu Grunde gingen, weil sic außer Stande waren, die angckauften Zwie beln zu bezahlen. Um diesem Unwesen ein Ende zu machen, wurde am 24. Fcbr. 1637 zu Amsterdam eine Versammlung der Blumisten aller holländischen Städte abgehalten, in welcher festgesetzt wurde, „daß alle Handelschaft mit Tulpen zwiebeln, welche vor dem Ende des Jahres 1636 getroffen worden, ihre Gültig keit behalten sollte, hingegen sollten von den später» die Käufer abstehcn, dem Verkäufer die Zwiebeln lassen, und ihm Zehn vom Hundert Rcnkauf zahlen." Dic Generalstaatcn bestätigten nicht nur diesen Beschluß, sondern traten nun vielmehr durch ein kräftiges Gesetz diesem Tnlpcnschwindel entgegen, indem sic ein Maximum der Tnlpcnpreisc fcststellten. Lilie (Lilium). Eine zahlreiche Familie meist ausgezeichneter Pflanzen. Die wesentlichen Kennzeichen dieser Gattung sind: eine glockenförmige Blumenkrone, die ans sechs Blättern besteht, deren jedes an der untern Hälfte eine lange Ritze statt eines Honigbehülters hat, und ein Snmengehäusö, dessen Schotenstückc mittelst eines gitterartig geschlungenen Haares mit einander verbunden sind. Dic weiße Lilie, L. candklum, ist diejenige, welche am gewöhnlichsten in den Gärten vor kommt. Sie stammt ans Syrien oder Palästina, wo sie an der Küste und auf *) Geßner I» Augsburg hat 1559 die ersten Tulpen bekannt gemacht.dm Gebirgen wild angctroffen wird. Um Aleppo wachst eine Art der weißen Lilie, welche oft an 5 — 6 Fuß hohen Blüthcnstcngeln mehr denn 100 weiße Blüthcn tragen. Die weiße Lilie, das Symbol der Unschuld, ist eine der schönsten Blumen, welche stark und angenehm duftet. Die Zwiebeln, Blätter und Blnthen enthalten Arzneikräfte und werden deshalb in der Apotheke geführt. Namentlich ist die Wurzel zur Zeitigung der Geschwüre und alö schmerzlindernd sehr zu empfehlen. Die Feuerlilie, U. bulbiferum, wächst auf den GcbirgSwicsen des südlichen Deutschlands und der Schweiz wild, wird 2—3 Fuß hoch, hat schmale lanzettförmige Blätter und anfrechtstchcudc, seucrrothe Blumen. Einige Abarten tragen wohl in den Blattwinkeln kleine Zwicbclchen oder zwicbclartige Knöllchen, welche sich von selbst anssäcn. Die schuppige Zwiebel hat mit der vorigen gleiche Wirkung, wird aber von den Nüssen und Tataren gegessen. Sic kochen sic entweder in Milch, oder braten sic unter der Asche. Die Goldlilic, Türken bundlilie, L. martagön , hat eine goldgelbe Zwiebel mit lockeren Schuppen, die Blätter stehen guirlförmig lind der Stengel ist viclblüthig. Die Blumen hängen und die einzelnen Blätter sind zurückgcrollt. Farbe ist blaßbrännlich, pnrpnrroth, dunkel pnnktirt. Die Zwiebel ist auch offieincll und wird deshalb in der Apotheke geführt. Die Zwerglilie, L. pumilum, hat lineale, zerstreut stehende Blätter und wenige nickende Blumen, von mennig -scharlachrother Farbe. Der gelbe Türken bund, L. canadcnse, der scharlachrothc Türkenbund, L. chalcedoniciim, der hoch- rvthc Türkenbund, I-. pompouium, der große Türkenbund, L. superbum, sind sämmtlich ausgezeichnete Lilicnartcn, die durch ihre prachtvollen Blumen die Zierde eines Gartens ansmachen. Die Tigerlilie, L. tigrinum, eine ans China stam mende Prachtpflanzc, wird 4—6 Fuß hoch und ihre großen überhängenden, nicnnigrothcn, mit schwarzen Flecken getigerten Blumen stehen oft zu 40—70 in einer pyramidal!scheu Endrispe. Sic florirt im Juli und August, und die in den Blattwinkcln liegenden, schwarzviolcttcn Knöllchen dienen zum Fortpflanzcn. Nur im strengen Winter bedarf sic einer Bedeckung. Zärtlicher sind: die tu. astrosanguinoum , mit prachtvollen dunkclblutrothcn Blumen, die lu. speciosum, niit dnnkelroscnrothcn Blumen, und die 4,. oximinm, mit 6 Zoll langen schnee weißen Blumen. Eine einzige Zwiebel dieser drei letztgenannten wird mit 2—10 Thalcrn bezahlt. Sic stammen aus Japan, sind zärtlich und schwer Zn cultiviren. Die Narcisse (tlaroissus) ein Zwiebelgewächs, welches ans zahlreichen Arten besteht und von denen viele als Zierpflanzen in unser» Gärten Vorkommen. Die gemeine Narcisse, N. pseudo-narcissus , welche im südlichen Europa wild wächst, ist sehr leicht an 'hvcn gclbcn Blüthen, ans welchen ein fast glockenförmiges Honiggefüß hcrvor« vvgt, kenntlich. Es kommen auch gefüllte Blumen dieser Art vor, und sie gehört Sit den Pflanzen, welche gleich in den ersten Frühlingstagen florircn. Früher496 führte man in Apotheken die Wurzel als officinell, jetzt nur noch die Blüthen. Die ganze Pflanze ist giftig. Die Blüthen erregen Durchfall und Erbrechen und 2—3 Drachmen sollen sogar tödtlich sein. Dennoch spielen die Kinder so gerne mit diesen ersten Frühlingsboten. Auch die Zwiebel ist giftig und zeigt gleiche Folgen. Die rothräudige Narcissc, N. poeticus, ist ebenfalls eine Giftpflanze, nichts desto weniger trifft man sie fast in jedem Garten an. Die Blüthen sind zierlicher und kleiner, weiß mit rothrandigcm Honiggcfttß, sehr wohlriechend. Man hat ganz- und halbgefüllte Arten. Jonynille, bl. Jon- quilla, länglichrunde, braune Zwiebel, dunkelgrüne, schmale Blätter, viclblnmigcr, 12—15 Zoll hoher Schaft, sehr wohlriechende gelbe Blumen, welche Tazcttcn sehr ähnlich sind, nur zarter und kleiner gebaut, als diese. Die Tazctte, bl. tazetta, welche am Meeresstrande des südlichen Europa's wild wächst, ist zärtlicher, alö alle vorigen Arten, und will wie die Hhacinthe behandelt sein. Sie ist wegen ihrer hübschen, wohlriechenden Blumen sehr beliebt, und es gibt eine Menge Arten, die man mit vieler Mühe ans Samen gezogen hat. Amaryllis (Amaryllis). Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, daß man diese überaus schönen Zwiebel gewächse, von denen viele herrliche Arten bekannt sind, nach der Geliebten Vir- gil's, die auch Amaryllis hieß, getauft hat. Die sechsblätterigen, glocken förmigen Blumen sitzen auf einem mehr-, selten nur einblumigen Schafte. Die A. formosissima, die schönstc Amaryllis, Jakobsstab, Lilie von St. Jagv geheißen, ist eine prachtvolle Topfpflanze, wenn sic getrieben wird, kann übrigens auch im April auf ein warmes Beet gepflanzt werden. Ihre Blume ist sammet artig, dunkclkirschrvth, gleichsam mit Goldstaub überflogen. Sic stammt aus Südamerika. Im Jahre 1594 erhielt sic Dr. Tovcr aus Mexiko, der sie Lilium Jacobaeum nannte, weil ihre Kronblättcr durch ihre Stellung jenen rothcn Schwertern gleichen, welche auf die Kleider der Ritter des St. Jakobs- Ordens gestickt wurden. Geschichtlich merkwürdig ist auch dies, daß Linnä 1742 am 23. April mit Vorzeigung und Erklärung dieser Pflanze in dem bota nischen Garten zu Upsala seine botanischen Vorlesungen eröffncte. Die übrigen Arten können wir nur kurz beschreiben. Die fremde Amaryllis, A. advena, hat einen graugrünen Schaft und lebhaft scharlachrothc Blume». Ihr Vaterland ist Chile. Goldfarbige A., A. aurea, aus China, 2 Fuß hoher, 5—9 blumiger Schaft. Die schönen goldgelben Blumen florircn vom Frühlinge bis Herbst. Die Belladonna-A., A. belladonna, auch mexikanische Lilie, hat wcißrothe Blüthen, von der Größe einer Lilie, und duftet angenehm. Die bchaubtc A., A. calypirata, aus Brasilien, hat große hellgrüne, mit rothcn Adern gezierte Blumen. Die safranfarbige A., A. crocaca, ebenfalls aus Brasilien, hat einen 4 blumigen Schaft und nickende, duukclsafranfarbige Blüthen. Die königliche A., A. reginae, hat dunkelscharlachrothc Blumen mit weißen Saftstreifen. Von ihr497 hat die Kunst viele Bastardarten erzeugt. Es gibt noch viele Arten, welche sich alte durch schöne Blüthen anszeichnen, und deren Zwiebeln noch in sehr hohem Preise stehen. Kaiserkrone oder Schachblnme (Fritillaria). Dieses schöne, ansehnliche Zwiebelgewächs stammt ursprünglich aus Persien, wird aber jetzt sehr häufig in Gärten gezogen. Die gewöhnliche Kaiserkrone, F. imperialis, hat einen Blätterschopf, unter welchem die nbcrhängcnden Blüthen gnirlförmig grnppirt sind. Man hat rothc und gelbe Blumen; jedes Blumen blatt aber hat an der Basis einen runden, schwarzen Fleck. Die gemeine Schach blnme, Kibitzci, F. meleagris, wächst im südlichen Europa ans Wiesen wild; die Blätter sind rinncnförmig und die Blüthen stehen meist einzeln. In Hinsicht ihrer Farbe und ihrer Zeichnung gibt cs viele Arten. Die persische Schach blnme, F. Persica, hat pomcranzcngroße, weiße Zwiebeln, schiefe, wellenförmige Blätter, einen 3 Fuß hohen Stengel mit 50 oder mehr lnnggestielten, nickenden, violetten oder purpnrrothen Blumen, von der Größe einer Wallnuß. Im Winter bedarf die Zwiebel einer Bedeckung. Die pyrenäischc Schachblnme, F. Pyrenaea, hat schmale Pflanzenblättcr und würfelfleckige Blumen in den verschiedensten Far ben. Diese Art wird bisweilen auch in Töpfen gezogen. Tuberose (Folyantlies). Die Tuberose hat eine trichterförmige, gekrümmte, aus sechs gleichen Ein schnitten bestehende Blnmenkrone und ist eine hübsche, äußerst stark duftende Zierpflanze. Die gemeine Tuberose, P. tuberosa, stammt ans Ostindien und Mexiko, hat einen 4 Fuß hohen Blüthcnschaft mit 10 — 20 weißen, oft sanft geröthetcn Blumen. Die Pflanzenblättcr werden 2 Fuß lang, sind dick, lineal, schlaff hcrabhängend. Man treibt die Zwiebel in Töpfen, oder pflanzt sie gegen Februar in ein warmes Mistbeet. Nur muß man sich hüten, die Zwiebel zu verwunden, weil die geringste Verletzung ihr sehr nachthcilig ist. Die schlanke Tuberose, P. gracilis, stammt aus Brasilien, ist der vorigen sehr ähnlich, hat aber einen schlankeren Wuchs und der Geruch ist nicht so stark. Die Zwcrg- tuberose, P. pygmaca, vom Eap zu uns gebracht, gedeiht nicht im Freien und will sehr sorgfältig behandelt sein. — Blühende Tuberosen verbreiten einen starken Geruch, der in verschlossenen Zimmern äußerst betäubend ist und für den Menschen gefährlich werden kann. Aloe (Aloe). (Las. XVlt. Flg. 14.) Die Aloe-Arten sind sehr zahlreich und unterscheiden sic sich nicht nur durch ihre Blätter, welche bald stachclicht, höckerig, bald mit Perlen oder weißen Flecken versehen sind; sondern auch durch ihre Blüthen. Die Blüthcnhülle ist sechs- thcilig, rührig, regelmäßig. Dies ist das gemeinsame Merkmal. Obgleich nun 'öeunut'ü Naiur^eschichlc. 32498 alle Aloe - Arten bittern Saft enthalten, so sind doch die gemeine Aloe und die Sokkotorah - Aloe für den Handel die wichtigsten Arten. Die gemeine Aloe, A. vulgaris, stammt ursprünglich aus dein südlichen Afrika, wird aber jetzt in Ost- und Westindien, wie auch in Süd-Europa angctroffen. Sie wird 1—2 Fuß hoch, hat 2 Fuß lange, fleischige, dornige, umfassende Blätter, einen längeren Blüthcnschaft mit vielen gelben, dunkeln oder grüngcstreiftcn Blumen. Die Sokkotorah-Aloe, A. soccotrina, von der Insel Sokkotorah stammend, wird in Westindien angebaut. Ihr Stengel wird 2—6 Fuß hoch, armdick, ranh, ist seegrün mit weißen Flecken, und ist mit Blättern besetzt, welche mit harten Zäh nen versehen sind. Der Vlüthenschaft wird 2 Fuß hoch und trägt safran- oder scharlachrothc Blumen. Diese beiden Arten liefern besonders die als vortreff liches Arzneimittel längst bekannte Aloe. Als Hanptbcstandtheil der Aloe hat man einen bittern Extractivstofs und ein Harz gefunden. In unfern Gewächshäusern werden auch noch mehrere Arten cultivirt, von denen wir nur einige nennen wollen. Die Pcrlcn-Aloc, A. magaritifera, liefert kleine, grünliche Blumen, und ziert mehr durch ihre mit pcrlcnähnlichcn Höckcrchcn besetzten Blätter, als durch ihre Blumen. Die Znngcn-Aloc, A. lingusa, hat znngcnförmigc, dunkelgrüne, weißgeflccktc Blätter und schöne, rothc Blüthen in reichen Trauben. Die Papagaicn-Aloe, A. variegata, dreikantige, in drei Reihen stehende grüne, zierlich'weiß-gescheckte Blätter, und incarnatrothe, grüngcrandete Blmncn. Die Cultnr aller Arten ist sehr leicht. Sic verlangen eine gute Dammcrde, reichlich mit grobem Sande gemischt, tut Winter 5 — 8» Wärme und wenig Wasser; im Sonimcr eine recht sonnige Stellung und fleißiges Begießen. Agave (Agave). (Tas. XVII. Fig. 13.) Die Agaven wurden früher zu den Aloe-Arten gezählt; sic unterscheiden sich aber davon besonders dadurch, daß bei der Agave der Fruchtknoten sich unter der Blumenkrone befindet. Auch ist die Blüthc mehr glockig als trichterförmig, die Kapsel ist dreiseitig, mit vielen flachen Samen. Die amerikanische Agave, A. Americana, welche in größer» Gewächshäusern selten fehlt, ist eine Pracht- Pflanze, wenn cs dem Gärtner gelingt, sie zur Blüthe zu bringen. Früher glaubte man, sie blühe nur alle 100 Jahre, und ihre Blüthc öffne sich mit einem Knall; die Irrigkeit dieser Meinung ist längst widerlegt. Bei richtiger Cultnr kann die Agave mit dem 30sten Jahre zur Blüthc kommen. Aber welch' eine Pracht entfaltet sic dann auch! Aus den 6 — 7 Fuß langen, 8 —10 Zoll breiten, seegrünen Blattern schießt ein Schaft von 30—40 Fuß empor, der eine Pyramide von 3—4000 Blüthen trägt, die grüngelb sind und sehr stark duften. In Amerika ist diese Pflanze aber den Bewohnern von Mcpiko noch besonders nützlich. Sie gewinnen daraus eine Art Hanf zu Stricken, die Dornen dienten früher zu499 Nägeln, das Mark wird verspeist und ans dem Safte bereiten sie ein geistiges Getränk. Die Magucy- Agave, welche in Mexiko besonders angebant wird, ist ein Erwerbszweig von außerordentlicher Bedeutung. Hören wir Alex. v. Hum boldt über diese seltene Pflanze: „Die schönsten Maguey-Pflanzungen sind die von Polnca und in der Ebene von Cholnla in Mexiko. Hier kommt die Pflanze schon in Zeit von 8 Jahren zur Blüthenentwickelung, und erst in dieser Periode wird der Saft gesammelt, welcher später durch Gährnng das berauschende Getränk Pulque gibt. Der Landmann erkennt den Beginn dieser Entwickelungsperiode daran, daß sich plötzlich die sonst mehr horizontal auf der Erde liegenden Wurzelblätter erheben, was daher ein Gegenstand aufmerksamer Beobachtung ist. Hat man aber an einer Pflanze den Zeitpunkt erkannt, so schneidet man die Büschel von Centralblättern ab, erweitert die Wunde etwas und bedeckt sic mit den anfgcrichtcten Seitcn- blättcrn, welche man zusammcnkuüpft. In diese Wunde ergießt sich nun der Saft, welcher zur Bildung des gewaltigen Blumenschaftes dienen sollte; zwei bis drei Monate hält die starke Saftabsondcrung an, und täglich wird derselbe ausge schöpft. Gewöhnlich gibt die Pflanze täglich gegen 3 Preuß. Quart, die drei Mal des Tages abgcschöpft werden. Doch ist, so wie bei dem Weine, auch der Ertrag der Magnet)-Pflanze sehr ungleich: gewöhnlich hat die Masse Pulgue, welche der Landmann an einem Tage gewinnt, einen Werth von 3—4 Sgr. *) — Die Pflanze, welche nach der Ergießung ihres Saftes erschöpft ist, stirbt ab, aber Hunderte von Schößlingen treiben alsdann aus der Wurzel. Der Agavcn- Saft ist angenehm-säuerlich; das daraus durch Gährnng bereitete Getränk gleicht dem Eider, hat aber einen äußerst unangenehmen Geruch, wie von faulem Fleische. Indessen wenn einmal der Widerwille gegen diesen Geruch überwunden ist, dann ziehen selbst Fremde den Pulque allen übrigen Getränken vor, indem er sehr stärkend und nahrhaft sein soll; doch scheint der Wein, dessen Cultur mit euro päischer Civilisation auch in die neue Welt vorgedrungen ist, der Verbreitung der Magucy-Pflanze entgcgenzutrctcn und deren Benutzung mehr auf den festen Hanfstoff, welchen die Fasern der Blätter liefern, und die Bereitung des alten mexikanischen Papiers zu beschränken, hoffentlich den Bewohnern jener Gegenden zum Segen; denn von allen berauschenden Getränken, die fast zum Bedürfnisse des Menschen zu gehören scheinen, ist doch der Wein das menschlichste." Meerzwiebel (Scilla). Ein Zwiebelgewächs mit zierlichen Minnen in Trauben, welches zu behan deln ist wie die Hyacinthen. Wir nennen folgende Arten: Stcrnblüthigc Meer zwiebel, 8. amoena, 6 — 10 Zoll hoher Schaft mik 2 — 8 schönen sternförmigen, *) Im Jahre 1793 betrug schon die Einfuhrstener für die Städte Mexiko, Puebla und Toluca an eingeführtem Pulque 817,739 Piaster, also über 1 Million Thaler. 32*500 sammetblauen Blumen. Zwciblätterige Meerzwiebel, 8. bifolia , 6 Zoll hoher Schaft mit schmattblaner, traubenständiger Blume. Die glvckcnblumigc Meer zwiebel, 8. oampanulata, aus Spanien stammend, hat eine viclblnmige Traube glockenförmiger blauer Blüthen. Am wichtigsten von allen aber ist die offieinelle Meerzwiebel, 8. maritima, mit nackten Blumen und ans- und niedergebogencn Deckblättchen. Die Zwiebel ist sehr dick und besteht aus schuppigen Thcilen. Wächst am Ufer des Meeres in Portugal und Spanien wild, wird bei uns in Gewächshäusern gezogen und ist unstreitig die Scilla oder Squilla der Alten, bei denen diese Zwiebel im höchsten Ansehen stand. Der Saft dieser Zwiebel ist in vielen Krankheiten heilsam. Berberitze oder Sauerdorn (Norl-sris). Der gemeine Berberitzenstranch , 0 . vulgaris, ist ein bekannter Strauch, der hin und wieder zu Hecken angepflauzt wird. Die Zweige sind mit je drei Dor nen beisammen besetzt, die Rinde Platt und weißlich, die gelben Blümchen stehen in kleinen Trauben und ans sie folgen frische rothe Fruchte. Die Beeren enthal ten eine angenehme Säure, sic werden roh mit Zucker oder eingemacht gegessen, und getrocknet geben sic einen guten Branntwein. Die ganze Pflanze ist officinell, indem sie einen sehr bittern, purgirenden Extractivstoff, der dem Rhabarber ähn lich ist, enthält. Auch dient sic zur Bereitung der stärksten Essigsäure. Es gibt einige hübsche Arten, welche als Ziersträucher cnltivirt werden. Das Schneeglöckchen, Galanthus nivalis, die Maiblume, Ocmvallaria, der Spargel, Asparagus, und die Lauch - oder Zwicbelarten, Alium, wozu Porrcy, Knoblauch, Rokainbollen, gemeine Zwiebel, Schalotten, Schnittlauch u. a. m. gehören, sind so bekannt, daß eine nähere Beschreibung überflüssig ist. Affodill (Aspliodolus). Man kennt zwei Arten, die gelbe Affodill, A. luteus, deren Vaterland Sieilien ist, mit großer, gelber, sternförmig auögcbrcitctcr Blume in langen Trauben, und die ästige Affodill, A. ramosus, aus Spanien und Griechen land stammend, mit schwertförmigen Blättern und großen weißen Blüthen und schönen Trauben. Beide Arten werden in unser» Gärten gezogen und verlangen im Winter eine trockene Decke. Diese Pflanzen haben viele Knollen an den Wurzeln, die mehlreich sind und sonst gegessen wurden. Die alten Griechen weihten diese Pflanze der Prvserpina und pflanzten sie auf die Gräber ihrer Ver storbenen. Ein ähnlicher Gebrauch herrscht »och bei den Japanesen. Noch ist zu bemerken, daß die Knolle der A. ramosus offieinelle Kräfte hat. Der Drachcubain» (Dracaena Drasch, dessen Heimath Ostindien und die canarischen Inseln sind, liefert ans seinen Samcnknotcn ein blutrothcs Harz, welches unter dem Namen D rächend lutbekannt ist und zm» Lackircn und Malen, wie auch zu medicinischcn Zwecken ver wandt wird. Er wird 50 Fuß hoch, sicht seinem Acnßcrcn nach einer Palme ähnlich, trägt weiße, lilienartigc Blumen und gelbe, säuerliche Beeren. Bis zu seinem 25. Jahre bleibt dieser Baum einfach, und nachdem er die ersten Vlüthcn- rispcn getrieben, thcilt er sich gabelförmig und blüht dann jedes Jahr. Diese Bäume müssen fabelhaft alt werden, denn man kennt ein merkwürdiges Exemplar von 45 Fuß im Umfang, welches wahrscheinlich die egyptischcn Pyramiden noch an Alter übertrifft. Bambus oder Bambusrohr (Bambusa), welches die hübschen Spnzicrstöckc liefert, wächst in den heißen Gegenden Asiens, wird 50—60 Fuß hoch, 2 Fuß dick und thcilt sich oben in viele Acstc. Aus den Knoten dieser Riesen-Grasart fließt ein süßer Saft, der sich an der Sonne verhärtet und in eine znckerähnliche Substanz verwandelt, welcher von den Ein geborenen sehr geschätzt wird. Der holzige Stannn wird zu allerlei Hansgeräth verarbeitet, ans der inneren Rinde wird eine Art Papier verfertigt und die Blätter werden zu Matten verarbeitet. Die jungen Schößlinge werden zu Spazierstöcken benutzt. Pisailg (Musa). Diese Pflanzengattung, welche in zahllosen Spielarten vorkommt, ist von der äußersten Wichtigkeit, weil ihre Frucht das Hanptnahrungsmittel der Bewoh ner in den Tropen ansmacht. Der Pisang wird 12 —18 Fuß hoch, hat ein palmenähnlichcs Aussehen, ohne jedoch etwas Holziges an sich zu haben, die Krone besteht aus länglichrunden großen Blättern, aus der Krone schießen die Blüthenkolben hervor, welche gnrkcnnhnlichc Früchte tragen, die reif und unreif, gekocht, eingemacht u. s. w. gegessen werden. Die Blätter werden zu Tischtüchern, Bettdecken, zum Einpackcn der Maaren u. s. w. gebraucht. A. v. Humboldt bemerkt über diese Pflanze: „Wie die mchlrcichen Cerealien- oder Getrcideartcn des Nordens, so begleiten die Pisangstämme den Menschen in allen Eontincntcn unter den Wendekreisen seit der frühesten Kindheit seiner Cultnr, soweit Tradition und Geschichte reichen. Asiatische Mythen setzen die ursprüngliche Hcimath dieser »ährenden Tropenpflanze an den Euphrat oder an den Fuß des Himalus in Indien. Griechische Sagen nennen die Gefilde von Enna als das glückliche Vaterland der Cerealien. Wenn diese, durch die Cultnr über die nördliche Erde verbreitet oder dort einförmige Grasflurcn bildend, wenig den Anblick der Natur verschönern, so vervielfacht dagegen der sich ansiedelnde Tropenbewohner durch die Pisangpflanzungcn eine der herrlichsten und edelsten Pflanzcngcstaltcn." — R. Schomburgk möge uns die Pisangfcldcr in Westindien schildern: Ein vom leichten Seewind bewegtes, hin- und hcrwogcndcö Zuckerfeld bildet ohne Zweifel eines der freundliclMcn Landschaftsbildcr; — noch freundlicher und imposanter102 gestaltet es sich aber, wenn cs van den herrlichen Pisangfeldern mit ihren riesigen, saftgrünen Blättern umschlossen wird und so vor das Auge des Beschauenden tritt. Fast ans jeder Plantage wird auch der Pisang (Musa paradisiaca) cul- tivirt, der vor der Emancipation der Hanptbestandtheil der Sclaveukost war. Die Stelle, welche in Europa die Kartoffel in der Nationalökonomie einnimmt, füllt in Wcstindien der Pisang ans. Wenn jene erst von ihrer Reife an, so wird dieser bereits in der Hälfte seiner Entwickelung in allen Formen und unter den verschiedenartigsten Zubereitungen genossen. Halbreif ans der Schale genom men, ans Kohlen geröstet und dann mit Butter gegessen, vertreten sic beim Früh stück die Stelle des Brodes; in halbreifcnt Zustand mit Geivürz und Fleisch gekocht, bieten sic ein sehr schmackhaftes Gemüse. Haben sic ihre volle Reife erlangt, was ihre gelbe Farbe anzeigt, dann werden sic sowohl zu Gemüsen ver wandt, als auch roh gegessen; doch sind sic in diesem letzteren Zustand den Europäern keineswegs dienlich, da sic bei ihnen leicht die Ruhr Hervorrufen. Getrocknet und pulverisirt geben sie ein herrliches Mehl 311 Puddings. Auch die Pisangs werden ans jungen Schößlingen (suckers) gezogen, da, wie bei dein Zuckerrohr, der Same nicht zur vollkommenen Keimfähigkeit gelangt. Schon nach 10 —11 Monaten liefert der junge Schößling reife Früchte, von denen einzelne Büschel häufig eine Schwere von 00 — 70 Pfund haben, und cö sind mir eine Menge Fälle mitgethcilt worden, in welchen man 30,000 Pfund Pisang von einem Acker erndtcte. Da jeder Schaft nur einmal trügt, so wird dieser bei der Erndte zugleich mit umgehanen, um den jungen Trieben, von denen man etwa 3—4 stehen laßt, den ganzen Saft des Wurzelstockes znzuführen. Die Cnltur des Pisangö verlangt nur wenig Sorgfalt. Ein ein- oder- zweimaliges Reinigen des Feldes vom Unkraut und das Umharien des Schaftes mit den reifen Früchten sind die erforderlichen Arbeiten. Die Musa sapicntum, Banane, wird weniger häufig gezogen und meist nur in reifem Zustande genossen; auch sic gelangt in einem Zeitraum von 9 —10 Monaten zur Reife, ist dann aber, wenn die einzelne Frucht nicht ausgeschnitten und an der Sonne oder im Backofen getrocknet ist, leicht der Fäulniß unterworfen. Der Stamm der Ba nane ist kürzer und gedrungener, als der des Pisangö, wie sich auch die Früchte bei ihrer Reife durch eine bräunliche Färbung und gedrungenen Wuchs von denen des letzteren unterscheiden. Unter andern Spielarten zeichnet sich vor allen die Musa casvendiskii (Paxton), cliinensis (Sweet), eine Zwergabart, vermöge ihres kräftigen Wuchses aus. Seit einigen Jahren hat sich eine höchst merkwürdige Krankheit an den Mnsapflanznngcn eingestellt, die diesen namentlich dadurch höchst gefährlich ge- worden, daß sie sich in einem so hohen Grade als ansteckend heransgestellt, daß, so wie ein Schaft davon angegriffen wird, die ganze Pflanzung nachfolgt und dadurch untergeht. Leider hat man gegen dieses Ucbel „tke Worm“, wie cs von den Colonisten genannt wird, noch kein Gegenmittel finden können.503 Schließlich bemerken wir noch, daß v. Humboldt nachgewicscn hat, daß der Pisang auf derselben Grundfläche 133 Mal mehr Nahrungsstoff als der Weizen und 14 Mal mehr als die Kartoffel erzeugt. Ananas (Bromelia ,-manag). Das Geschlecht der Bromelien enthält die köstliche Ananas, welche auch in Europa, jedoch nur in Brühkasten oder Ananashäusern, gezogen werden. Die Blätter sind bläulich sccgrnn, denen der Aloe nicht unähnlich, und aus ihrer Mitte erhebt sich ein 2 Fuß hoher Stengel, an dessen Gipfel sich eine warzige Knolle bildet. Jede Warze treibt ein blancö Blümchen hervor, und nach deren Abwelken bildet sich eine fleischige, im Aenßeren einem Tannenzapfen nicht unähn liche Frucht, die, genau betrachtet, aus lauter dicht aneinander gedrängten Beeren besteht. An würzigem Geruch und lieblichem Geschmack steht die reife Ananas den herrlichsten Früchten der Erde gleich. Eine einzige Frucht wird bei uns nicht selten mit 3—5 Thalern bezahlt; und wird sic dann, wie cs in der Regel ge schieht, zu einer Bowle gebraucht, so wird sic erst recht theuer. Das Vaterland der Ananas ist Südamerika und Ostindien. Die jungen Pflanzen bedürfen 12° Wärme, die fruchttragenden hingegen 30—40°; und überhaupt hat der Gärtner die sorgfältigste Pflege anzuwcndcn, um schöne, reife Früchte zu erzielen. Man enltivirt mehrere Arten: B. reginae, B. nervosa, und als die vorzüglichste wird gerühmt New Providence Pine. Eine der Ananas an Geschinack schnnr- stracks entgegenstehende, aber dennoch sehr nützliche Pflanze wollen wir noch zum Schluß dieser Ordnung anführen, cs ist der Kalnms O corU£ ü> der mit Recht auch den Namen Magenwurz führt. Der gemeine Kalmus, A. calamus , ist im 15. Jahrhundert ans Asien zu uns nach Europa gebracht worden, itub findet sich jetzt häufig in Teichen, Sümpfen und Wassergräben. Die Pflanze hat eine kriechende, ans Gelenken bestehende Wurzel, die Blätter sind schwertförmig und werden 2 — 3 Fuß hoch, der Schaft eben so lang, die Blüthc in Kolben grünlichgelb; die Früchte reifen nicht bei uns. Die ganze Pflanze riecht in allen Theilen gewürzhaft, jedoch ist ihr Wnrzclstock der eigent liche mcdicinische Thcil, der als ein längst bekanntes Arzneimittel, namentlich bei Schwäche der Verdauung, angcwcndct wird. Auch mit Zucker eingemacht oder mit Zucker candirt, wird der Kalmus als magenstürkendcs Mittel genommen. In Liqnenrfabriken wird die Wurzel ebenfalls zur Herstellung des Kalmus- Bitter gebraucht.504 Zweite Brdnung. Pflanzen mit zwei Staubwcgcn. Der Reis (Or^a sativa). Der Reis ist eine Getreideart, welche in Ostindien, Japan, China, im nördlichen Afrika, in Carolina und anderen Gegenden Amerika's, in Spanien, Italien und in einigen türkischen Provinzen gebaut wird; der Stengel ist knotig, drei bis vier Fnß hoch, die Blätter gleichen denen des gemeinen Rohrs, die Blüthcn bilden eine znsammcngezogcne Rispe, welche sich, wenn der Samen zn reifen beginnt, in einen lockern Büschel ausbreitet. Man unterscheidet Sumpfreis und Vergreis. Der erstcre gedeiht besser, liefert aber nicht ein so schönes weißes Korn, als der Vergreis. Deutschland bezieht seinen Reis vorzüglich aus Nord amerika, wo Süd-Carolina allein jährlich an 100,000 Tonnen (die Tonne zu 400 Pfd.) versendet. Der Reis von geringerer Güte kommt ans Italien. Südasien ist das Vaterland dieser wohlthntigen Pflanze, und erst zn Ende des 17. Jahrhunderts kam der Reis nach Carolina, wo sich alsbald sein Anbau weit ausdehute. Der Nutzen des Reises ist bekannt, denn außerdem, daß er ein gesundes Nahrungsmittel darbietct, wird er auch zur Bereitung des Arrac und anderer starken Getränke benutzt. Nur zur Brodbercitnng eignet er sich schlecht, weil das Reismehl nicht gut in Gährung zu bringen ist. In China, wo der Reis das Hauptnahrnngsmittel ist, muß nothwendig seine Cultur auch sehr ge stiegen sein. T. Lay, ein englischer Reisender, der ein ausführliches Werk über China geschrieben, berichtet über die Reis-Cultur unter anderen Folgendes: „Angeschwemmtc Stellen eignen sich an: besten zum Anbau dcö Reises. Der Boden wird durch die von den Bergabhängen herabstürzenden Ströme fortgcrisscn und an ihrem Fuße abgesetzt, wodurch dnö Thal erweitert oder ein Delta , ge bildet wird. Dadurch entsteht ein für den Anbauer sehr geeigneter Ort, und derselbe Fluß, der zur Anschwemmung des Ackers diente, bietet auch das nöthigc Wasser, um die Ufer und Schluchten zu tränken. So wird die Wiese durch eine einfache und schöne Fürsorge der Natur hervorgcrnfen und durch dieselbe Ursache bewässert. Die Felder sind durch hübsche Erdwälle abgethcilt, an denen oft Bächlein, in deren klaren Wellen im Sommer sich muntere Fischchcn sonnen, vorübcrgleitcn. Bei der Anlage eines Reisfeldes wird in einem sehr gut gedüngten Winkel der Same sehr dicht ausgestreut, von wo die Pflanzen, wenn sic etwa eine Höhe von zehn Zoll erreicht haben, heransgenommen werden. Dieser Gebrauch ist ein sehr kluger, lvcil der Same, wenn er eng gestreut, besser gedeiht, als wenn die Samenkörner weit voneinander fallen; der lebenslustige Spruch: „Je mehr,505 desto besser," ist hier sehr gut angebracht. Das Keimen ist mit dem chinesischen Wechsel oder der Gährnng der Bcstandthcilc des Kornes verbunden, deren Hef tigkeit von der Wärme des Ganzen abhängig ist. Nachdem das Feld gehörig bearbeitet ist, werden diese Schößlinge herausgchvbcn, indem man mit einer Art Pflugschaar unter ihren feinen Wurzeln hinfährt; sie gleichen alsdann dem Schilfe »nd werden in Körben fortgcschafft. Die mit dem Verpflanze» beschäftigten Leute nehmen auf den linken Arm ein Bündel und etwa in die Rechte eine Hand voll und setzen diese in dem Schlamme ein. Durch den Gebrauch sind sic in dieser Arbeit so geübt, daß sic ihnen mit großer Schnelligkeit von Statten geht und e>» Mann bei mäßigem Kraftanfwande im Stande ist, in der Minute zwanzig bis fünfundzwanzig Pflanzen cinznsctzcn. Sie sind gcnöthigt, dabei eine gerade Linie im Auge zu halten, obgleich sic, tvcil sic den Kopf immer zur Erde neigen, »ach keinem bestimmten Punkt sich richten können, wodurch diese Linien demnach sehr oft krumm werden. Der Reis muß während seines Wachsthnms zwei- oder dreimal anfgchackt werden, was mit einem Gcräthc geschieht, welches tiefer wie die bei uns ge bräuchliche Hacke einschncidct, und wegen der Kürze deö Griffes in einer sitzenden Stellung gchandhabt werden muß. — Während das Korn reift, beschäftigt sich ber Landmann mit dem Bewässern der Pflanze. Das Wasser wird durch ver schiedene Kanäle und Abläufe ans einem benachbarten Flusse oder einer Sammcl- grnbc in das Feld geleitet, um den Mangel eines erfrischenden Regenschauers zu ^'setzen. Vermittelst eines Wasserrades oder eines Schöpf-Eimers wird das Wasser in die Kanäle gebracht. Erstercs erhebt das Wasser durch eine Menge von Schanfclbrcttcrn, die sich in einen Trog nnslccrcn und das Wasser mit sich Meißen. ES ist nach dem Prinzip unserer Kcttcnpumpc gebaut, durch welche das Wasser auch mit einer Menge von Eimern emporgctragcn wird; statt des Eimers 'sl cs aber hier ein einfaches Brett, das, weil es ganz die Breite des Kanals b»t, das Wasser bequem darin ergießen kann. In der That bilden der Boden, b>c beiden Scitcnwändc und die beiden Qncrbrcttcr des Rades jedesmal eine Art Eimer. Unsere ncucrfnndene Methode, das Wasser mittelst eines das Rad »»Kaufenden Kragens zu erheben, ist nur um ein Wenig vervollkommnet. Die Anwendung deö Eimers, der von zwei Leuten in der Schwebe gehalten wird, ist ^'hr alt und entspricht seinem Zwecke, das Wasser ans eine einfache und schnelle Weise hcrbciznschaffcn, viel besser, als man cs glauben sollte, wenn man sich nicht »»t eigenen Augen davon überzeugt hat. Jeder von ihnen faßt zwei Schnüre, füllt den Eimer, indem er ihn nntcrsinkcn läßt, hebt ihn durch Anziehen derselben ^»por und leert, durch eine schnelle Wendung der Hand, seinen Inhalt in den ^i»gnng des Kanals oder Feldes. Man wird dabei lebhaft an die schöne Bibel- !-ellc erinnert: „Er soll das Wasser ans seinen Eimern gießen »nd sein Same »»ed in vielen Wassern sein."506 Gegen Mitte Sommers ist der Nciö reis, und cs bietet einen angenehmen Anblick dar, wenn er, durch seine gelbliche Farbe, den Schnitter zur Erndtc cinladct, der dann mit einem unserer Sichel ähnlichen Instrumente ihn abznschncidcn be ginnt. Ein Anderer nimmt die Bündel, so oft sic von dein Schnitter nieder gelegt werden, ans und schlägt damit gegen die Wände einer Tonne, eine mög lichst vereinfachte Manier, zn dreschen. Eine Hälfte der Tonne ist von einem Vorhänge umgebe», damit die Körner nicht vom Winde weggewcht werden. Nicht alle Arten Neis werden jedoch in dieser Weise behandelt, denn oft wollen die Körner nach einem solchen snmmarischen Verfahren ihre Zellen nicht verlassen; in diesem Falle werden die Halme auf eine Tonne gebracht unb mit einem ganz dein nnserigen ähnlichen Flegel gedroschen. Doch wenn auch die Flegel in Eng land und China der Form nach große Achnlichkeit miteinander haben, so ist doch in der Art ihrer Handhabung ein bedeutender Unterschied. Der Chinese dreht einfach den Schwengel um, als hätte er eine Peitsche in der Hand, während der kräftige Knecht in nnsern Scheunen denselben über seinen Kopf in eine inii- schwingende Bewegung setzt, um die Schnelligkeit noch mehr zn beschleunigen. In dem einen Falle ist cs eine Fertigkeit, wie Jeder wissen wird, der in das Geheimniß cingeweiht ist, im anderen gar keine. Die Tonne oder der Dresch boden wird mit Tschuman, einer Mischung von Kalk und einem anderen Binde mittel, überzogen; hierauf wird der Reis znm Wannen und nöthigenfallö znm Dreschen ansgcbreitet. Beim Einerndten des Reises, wobei die mindeste Erschüt terung hinreicht, um die Körner zn lösen, geht sehr viel verloren, und wo nur ein Bündel gelegen hat, findet man auf dein Felde ein kleines Hänschen Körner. Es schien mir dies so unerträglich mit der bekannten chinesischen Sparsamkeit, daß ich mir einst erlaubte, den Arbeiter darauf aufmerksam zn machen, der mir aber sagte, dies werde den Armen zurückgelasscn. Ich glaube aber gar nicht, daß Großmnth die Ursache davon war und unser Aehrcnlesen scheint bei ihnen wenig gekannt zn sein. Auch habe ich keinen Arme» die Gelegenheit benutzen sehen, und kaum ist die Erndtc eingcsammelt, so beeilt sich auch der Eigcn- thümcr, den Boden auf's Nene umpflügen zu lassen, nur eine zweite Einsaat vorznbereiten? Dritte D r d n n n g. Pflanzen mit drei Staubwegen. Ampfer, Dreizack, Germer, Zeitlose, Tofieldic. Ampfer (ßmncx) enthält eilt sehr zahlreiches Geschlecht, wovon der große Sauer-Ampfer, 1t. acetosa, der in unfern Gärten als Gemüse und Viehfntter gezogen wird, zn den wichtigsten507 Arten gehört. Man trifft ihn übrigens auch wild anf Wiesen nnd Triften fast durch ganz Europa. In früheren Zeiten führte man die Wurzeln und Samen als offieinell in der Apotheke. Man gewinnt daö bekannte Sauerkleesalz ans der Wurzel. Der Gartenampfer oder englischer Spinnt, 1k. patientia, dessen Blätter zum Spinat gegessen werden, ist die Sorte, welche am häufigsten an- gebant wird, und die sich auch als eine dauerhafte Einfassung der Beete in Gemüsegärten bewahrt. Daö Vaterland dieser Art ist unbekannt. Die Wurzel dieser Pflanze wird noch als medicinisch in den Apotheken gebraucht. Germer (Veratrum). Der weiße Germer, Champagnerwnrz, weißer Nießwurz, V. altmni, wächst i» de» Alpengegcnden Enropa's wild, wird 3 — 4 Fuß hoch, hat fußlange, faltig- gefurchte, geaderte Blätter, weißgrünliche, tranbenständige, eine große, schöne Endrispe bildende Blumen. Die Wurzel gehört unter die scharf ätzenden Gifte und wird unter dein falschen Namen Radix liellcbori albi in den Apotheken gebraucht. Der schwarze Germer, V. nigrum, ist weit seltener. Es ist eine schöne Pflanze mit 4—6 Fuß hohen, graufilzigen Stengeln, faltigen Blättern von 1 — 2'/ 2 Fuß Länge nnd zierlichen, schwarzviolettcn, tranbenständige» Blu men; sic hat dieselben Eigenschaften als die vorige Art. Beide Arten werden als hübsche Perennicn in den Gärten cultivirt, durch Wnrzelthcilnng vermehrt und wollen oft versetzt sein. Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnalc). Die Herbst-Zeitlose gehört zu den Zwiebelgewächsen, und findet sich anf feuchten Plätzen, besonders anf Wiesen. Die Blätter stehen aufrecht, aus deren Mitte eine rosenfärbene, tnlpcnähnlichc Blume im Herbste hcrvorkommt. Die Zwiebel ist sehr giftig, cbm so der schwarzbranne, gerunzelte Samen. In den Apotheken führt mau Radix, Flores & Semen Colchici. Man cultivirt dieses Gewächs auch wohl in Gärten, wo cö unter dem Namen „nackte Jungfer" bekannt ist. Man hat auch eine Abart mit weißgestreiften Blättern und gefüllten Blumen. Alle zwei Jahre müssen die Zwiebeln verlegt werden. Vierte D r d n n n g. Pflanzen mit vielen Staubwcgcn. Froschlöffel (Alisma Plantago). Der Froschlöffel wächst in stehenden Gewässern, hat einen dreiblätterigen ^Ach und eine dreiblättcrige untcrständige, bleibende Blumenkrone, guirlrispigen508 ober traubigen Schaft und langgesticltc löffelähnliche Blätter. Die Blumenblätter sind blaßroth, verkehrt eirund und gekerbt. Wurzel und Kraut sind scharf und blasenziehend. In neuerer Zeit glailbtc man in diesem Kraut ein Heilmittel wider den Biß toller Hunde gefunden zu haben; cs hat sich dies aber bis dahin noch nicht bewährt. M*3K >*>>-!»- Pfltuizm mit sieben Staubgefäßen. Diese Klasse ist nur sehr schtvnch vertreten, denn cö gehören nur dazu die bekannte wilde oder Roßkastanie, die Trientalc und die als beliebte Zierpflanze enltivirtc Calla, welche Linnä selbst aber in die 7. Ordnung der LI. Klasse versetzte. Wildcnow aber, der die Pflanzen genauer bestimmte, hat ihr die richtige Stelle in dieser Klasse angewiesen. Die Rosstaslanic l^vsenlus Ilippocastanum). Dieser prachtvolle Baum, der im Frühlingc mit seinen tausend Blüthen- pyramidcn entzückt, und dessen dichtes Laubdach im Sommer die angenehmste Kühle bietet, stammt ans Tibet und Afghanistan und wurde durch Clus ins im Jahre 1588 nach Europa gebracht. In keiner Anlage, in keiner hübschen Baunipflanzung darf dieser schöne, schncllwachscndc, 00—80 Fuß hochwerdendc Baum fehlen. Leider verwelken seine Blüthcn, die in dichten pyramidenförmigen Sträußen stehen, sehr bald. Die Frucht ist eine große, anfangs grüne, später gclbbräunliche, 3 fächerige, stachliche Kapsel mit 1-—3 glänzendbrauncn Samen, die einen weißbrannen Näbelfleck haben. Man hat auch eine schöne Abart mit rothcn Blumen, die aber noch selten ist. Das Holz des Baumes ist weich und taugt deshalb weder zum Bauen noch zum Brennen. Drechsler und Formen schneider machen aber daraus allerlei hübsche Arbeiten. Die Rinde der Aeste enthält eisengrünenden Gerbcstoff und bitter» Extractivstoff und wird als Sur rogat der China in der Arznei gebraucht. Die großen Samen enthalten viel Salzmehl, welches süßlichbittcr und herbe -schmeckt. Es kann sehr wohl zur Schweinemast verwandt werden, auch fressen Hirsche die wilden Kastanien sehr gern. Wichtiger jedoch ist die Frucht in manchen Krankheiten der HanSthierc, und dient namentlich bei der Drüse der Pferde als Heilmittel. In Frankreich hat man ans den Früchten ein Kaffccsnrrogat bereitet, welches ein Getränk liefern soll, das Achnlichkcit mit dein Wiencr-Tränkchen hat. Beiuns Deutschen scheint dieses Getränk keinen Eingang zu finden. Die jungen Blätterkiwspen will man hin und wieder als ein den Hupfen ersetzendes Surrogat beim Bierbranen angewendet haben. Teieiltalc oder Sicbcilstrahl (Tricntalis Europaea). Diese Pflanze wächst fast überall in Nord- und Mittel-Europa in Laub wäldern wild. Sic wird 3—6 Zoll hoch, hat schneeweiße, außen röthliche, ficbcntheilige Blumen und eine zugespitzte,, kugelige Samenkapsel. Wir nen nen sie nur deswegen, weil sie die einzige bei uns wildwachsende Pflanze ist, welche in die 7. Klasse gehört. Calla, Schlangenkraut (Calla). Diese Pflanze wird noch in vielen Naturgeschichten in der sechsten Klasse mit aufgeführt. Wildenow aber hat ihr einen Platz in der 7. Klasse ange wiesen. Dr. Gräfe zählt sie ebenfalls zur 7. Klasse des L.-Systems. Die bei uns in Topfen gezogene Calla, 6. acthiopica , auch Drachenwurz, Aronöblumc, Aronöstab geheißen, ist eine bekannte, schöne Percnnie, die sowohl ihrer großen, pfeilförmigen, glatten, langgcstieltcn Blätter, als auch ihrer großen, weißen, dütcnförmigen, ans hohem Schafte stehenden Blüthenscheide wegen einzeln, wie in Truppen herrlichen Effekt macht. Sie ist auf dem Cap und in Acthiopien hei- misch. Will man recht große und schöne Exemplare erzielen, so topfe man sie im Sommer in einen feuchten, aber fetten Boden ans und Pflanze sic Ende August wieder ein. Sic verlangt fette Erde, viel Licht und Wasser und 10—12° Wärme. Man vermehrt sic durch Nebcnsprosscn. Die bei uns in Sümpfen wachsende wilde Calla, 0. palustris, ist eine scharfe Giftpflanze. In alten Zeiten galt sie als ein herrliches Gegengift wider ben Biß der Schlangen. Die weiße Blumcnschcide ist nur klein und flach und von Außen grün, im Uebrigen ist sie der äthiopischen Calla ähnlich. In Finn- ^nd, Lappland und Schweden soll man die getrockneten Wurzeln unter das Drod backen.510 Achte Misse. Pflanzen mit acht Staubgefäßen. Erste B r d n u n g. Pflanzen mit einem Staubwcgc. Kapuzinerkresse, Weidenröschen, Nachtkerze, Ahorn, Moosbeere, Haide oder Erika, Seidelbast, Clarika, Correa, Fnchsia. Die Kapuzinerkresse (Dropaoolum) ist eine Rankpslanze, welche man jetzt fast überall in den Gärten als schöne Sonnncrpflanzc antrifft. Der Landmann hat ihr den bezeichnenden Namen „Kläm- merchen" gegeben. Man hat viele Varietäten, die thcils im Freien, als Sommer- Pflanzen, thcils als Topfgewächse gezogen werden. Die große Kapnzinerkressc, T 1 . majus, aus Peru stammend, aber seit 150 Jahren in Europa heimisch, hat runde, schildförmige Blätter, fcncrfarbigc Blumen mit langem, gesporntem Kelche. Die Frucht besteht aus drei rundlichen, gefurchten Samen. Die Blumenblätter lvcrdcn wohl zum Salat gebraucht; die grünen Samen, mit Gurken oder auch für sich allein eingemacht, haben einen, den Kapern ähnlichen scharfen Geschmack. Die kleine Kapuzinerkresse, 1 . minus, war 100 Jahre früher bekannt, stammt ebenfalls ans Peru, ist der vorigen ähnlich, nur kleiner und hat hellgelbe und gestreifte Blumen. Die dunkelbraune Kapuzinerkresse, T. atropurpureum , hat große, schöne Blüthen, allein der Stengel klettert wenig. Die gcfrans'tc Kapu zinerkresse, T. peregrinum, hat schöne gelbe, rothpunktirtc Blumen mit gcfrans'ten Blumenblättern. In neuerer Zeit sind mehrere Arten bekannt geworden, welche durch Wnrzclknöllchcn vermehrt werden, die aber großer Pflege bedürfen und des halb noch sehr selten sind. Das Weidenröschen (Epilobium) ist eine hübsche, in zahlreichen Arten wildwachsende Pflanze, mit blattachsclstän- digcn oder in Trauben stehenden meist roscnrothcn Blumen. Die Pflanzenblättcr haben Aehnlichkeit mit den Blättern der Weiden. Die Samen erhalten an der Spitze einen Schopf seidenartiger Haare. Cultivirt >vird besonders das schmal- blätterige Weidenröschen, E. angustifolium, eine schöne Pcrcnnic, mit purpnr- rothen, ährenförmigen Blüthentraubcn. Die Wurzelblättcr werden wie Spargel genossen, Blätter, Stiele und Wurzeln liefern einen Thcc, und die Haarkronen können zu feinen Geweben benutzt werden.5.11 Tic Nachtkerze (Oenothcra) umfaßt ein zahlreiches Geschlecht hübscher Zierpflanzen, welche sich durch folgende Merkmale charakterisiren: der rührige Kelch ist viertheilig, die Blmnenkrone besteht ans vier Blättern, die Kapsel ist vierfächerig, eylindrisch oder prismatisch-eckig, vielsainig und steht unter dem Fruchtknoten. Die zweijährige Nachtkerze, 0. hiermis, flammend ans Nord-Amerika, ist ranhhnarig, wird 3 — 4 Fuß hoch und hat große gelbe Blumen, die sich nur Abends oder an trüben Tagen öffnen. Die Wurzel ist eßbar und unter dein Namen Napontika bekannt. Nachdem sie gereinigt sind, werden sie abgekocht, in Scheiben geschnitten und mit Oel und Essig als Salat zurecht gemacht. Früher wurden sie für ofsieincll gehalten. Die stengellose Nachtkerze, 0. aculis, ist perennirend, Blüthe weiß, später rosen- roth. Die strauchartige Nachtkerze, 0. fructicosa, ans Virginien, hat schöne gelbe, in Endrispen stehende Blüthen. Außer den genannten gibt es noch viele Arten, welche sich als Zierpflanzen auszeichnen. Der Ahorn (Acer). Die Ahornarten gehören zn den Strauchern und Bäumen. Der gemeine Ahorn, A. Pseudo-Platanus, eilt sehr bekannter Baum, wird 90—100 Fuß hoch und erreicht eine Dicke von 2 — 4 Fuß. Das Holz dieses Baumes ist bau großem Nutzen, es ist weiß, hart, langfaserig, zähe und ganz dicht, wider steht dem Wurm und zeigt namentlich im Wurzelstock ausgezeichnet schönen Atnsir. Auch die Kohlen, welche man von dem Holze erhält, sind vorzüglich, und ans 31 Pfund Asche gewinnt man 5 Pfund kaleinirte Pottasche. Man üohrt im Winter oder Frühjahre den Baum auch wohl an, um aus seinem Safte einen Zucker oder Essig und Branntwein zu bereiten. Der echte Zuckerahorn, Ä- saccharium, aber wächst am häufigsten in den nordamerikanischen Wäldern. Ein einziger Baum liefert jährlich sechs Pfund Zucker. Der Feldahorn, A. cam- Postcr, wächst durch ganz Europa als ein mäßiger Strauch, der aber auch wohl einem Baum von 30 — 40 Fuß gezogen werden kann. Aus seinem Holze gefertigt man Pfeifenköpfe, Dosen n. dgl. m. Der russische Ahorn, A.tataricum, ’ ,n südlichen Europa bis zum Kaukasus, wird 15—20 Fuß hoch, und seine 'Vvücljtc werden als Mittel wider das Wechselsieber empfohlen. Der spitzblät- * cl % Ahorn, A. platanoides, der in ganz Europa fortkommt, hat ein gelbes, hartes und festes Holz, das sich aber weniger zu feinen Arbeiten eignet. Die Süthen sind größer, als bei den vorigen Arten und seine Blätter herzförmig, stinflappig und kahl. Die gemeine Moosbeere (Oxycoceus palustris), U'etc^e man am häufigsten im Torfmoore zwischen dem Moose findet, hat einen 2 Zoll langen holzigen Stengel, kurzgestielte, ganzrandige, eirunde, immergrüneBlätter, überhängendc, purpurrothe Bliithen und eben solche Beeren, welche roh und eingcinocht gegessen werden können. Die Russen benutzen den Saft dieser Fruchte zur Bereitung des Punsches; auch wird ein scharfer Essig daraus bereitet. Für Silberarbeitcr ist diese Pflanze besonders wichtig, denn sic sieden mit den Beeren ihre Arbeit weiß. Haide (Erica). Die Besenhaide, E. vulgaris, (auch Calluna vulgaris genannt) und Sumpf haide, E. tetralix, sind sehr bekannt, und obgleich schon diese Pflanzen recht hübsche Bliithen haben, so sollte man nicht glauben, daß sie zu einer so zahl reichen Familie hübscher Culturpflanzcn gehören. Die Ericaartcn sind fort während sehr beliebt, und verdienen cs ihrer schönen Bliithen wegen. Man zählt über 600 Arten, von denen wir einige nennen wollen. Die bunte Haide, E. versicolor, prachtvolle, dunkelgrüne Blättchen und dnnkelrothe Blumen. Stammt vom Cap. Die sägcblättcrigc Haide, E. serratifolia, mit hellgelben, nach unten roth schattirten Blumen. Die wohlriechende Haide, E. odorata, mit krngförmigcr, weißer, wohlriechender Blume. Die großblumige Haide, E. grandi- flora, von starkem Wuchs, mit großer, gelber oder goldgelber Bliithc. Die Cnltnr aller dieser Arten ist so sehr schwierig nicht, mir muß man ihnen die ihnen zusagende Haide- oder Moorerdc geben und den Pflanzen eine ununter brochene Aufmerksamkeit widmen. Der Seidelbast (Daphne) ist eine strauchartige Pflanze, welche sich auch zu kleinen Bäumchen ziehen läßt. Der gemeine Seidelbast, Kcllcrhals, Brennwnrz, 1). mezereum, wird bei uns häufig in Gärten gefunden, und bringt in den ersten Frühlingstagen seine hüb schen lillafarbigcn Bliithen, bevor seine Blätter noch erschienen sind. Die Bliithc ist trichterförmig, vierspaltig. Die ganze Pflanze ist sehr giftig und alle Thcile ziehen in kurzer Zeit Blasen. Die schwarzbraune Beere enthält namentlich sehr scharfe Kerne, welche unter dein Namen Kellerhalskörner bekannt und medicinisch sind. Die Vögel fressen die Beeren, würgen aber die Kerne, nachdem im Kropf sich das Fleisch der Beere abgclös't hat, wieder ans und verbreiten ans diese Weise die Pflanze. Der immergrüne Seidelbast, v. laureola, im südlichen Europa, hat dieselben Eigenschaften. Der roöinarinblättcrige Seidelbast, D. oneorum, wird auch als Zierpflanze gezogen, gehört aber ebenfalls zu den schar fen Pflanzengiften. Die Fuchsie (Fuchsia). Wem wären diese prachtvollen Ziersträucher, die in neuerer Zeit zu Mode- pflanzen geworden sind, nicht bekannt! Sic haben meist schöne, zahlreich herab- hängende Blumen mit prachtvoll roth oder scharlachroth gefärbten Kelchen. IhrVaterland ist Südamerika. Durch die Kunst sind unzählige Spielarten erzeugt, deren Benennung nicht selten, wie auch bei den Tulpen und Hyacinthen, sehr willkürlich ist; z. B. Napoleon, Fanny Elsncr u. s. w. Die älteste aller Fuchsien ist die Fuchsia coecinea, von scharlachrothcr Farbe, pnrpurroth geaderten Pflanzen blättern, ein Strauch von 4—6 Fuß Höhe, der jetzt, bei gehöriger Decke, sogar ini Freien fortkommt. Eine prachtvolle Art ist die doldcntraubige Fuchsie, F. corymbiflora. Der Kelch wird 3 Zoll lang und ist carminroth, die Corolle hingegen scharlachroth. Die Blumen stehen in einer fast doldentraubigcn End- tranbc. Sic stammt ans Peru. Die leuchtende Fuchsie, F. fulgens, ist eine der schönsten Arten. Die Blätter sind groß, eirund und cirnndlänglich; die großen, lebhaft mennigrothcn Blumen hängen in reichen Endtrauben. Die Cultur der Fuchsien ist nicht schwierig; sic verlangen eine lockere, fette Erde und ver mehren sich leicht durch Stecklinge. Topft man sie im Sommer in's freie Land aus, so erhält man große, reichblühende Exemplare. Auch durch Samen ver mehren sic sich, und liefern dann oft schöne Spielarten. Zweite Drdnung. Pflanzen mit zwei S t a u b w c g c n. Möhringe (Moeringia muscosa). Eine Pflanze, welche ans schattigen, nassen Alpen in Süddentschland und Oesterreich, auch hin und wieder in Sachsen wächst. Sie hat einen vierblätterigen Kelch, vierblätterigc Krone und eine vierklappige Kapsel. Sie wird etwa 6 Zoll hoch und hat weiße Blüthcn. Besonder» Werth hat sic, soweit bis jetzt bekannt ist, nicht, und wir führen sie nur deshalb an, weil die zweite Ordnung dieser Klasse wenig vertreten ist. Dritte Drdnung. Pflanzen mit drei S t a n b w e g c n. Ter Knöterig (Toiygonumj, Knc zahlreiche Pflanzenfamilic, wozu auch unser Buchweizen gehört. Man bringt die verwandten Arten noch in Nebenabthcilnngen, indem man als unterscheidendes Merkmal die Beschaffenheit der Wurzel annimmt. Wir »vollen nur die wichtigsten Wirten näher beschreiben. N e ii ni t v ’$ Nalurakschichte. 33514 Der Wiesenknöterig, P. bistorta, auch Krebs-, Natter- oder Schlangen- wurz genannt, wächst auf moorigen Wiesen fast in ganz Deutschland, hat eine wurmförmige, fingerdicke, starkfaserige Wurzel, welche von Außen braun, von Innen rothgelb ist. Der aufrechte Stengel wird 1 — 3 Fuß hoch und ist am Grunde mit braunen, häutigen Scheiden besetzt. Die Wurzelblätter sind fast 7 Zoll laug, während die Stengclblätter kleiner sind. Die kleinen, fünfspaltigen Blüthen sind rosen- oder fleischfarbig, und die dreikantige Karyopse ist au beiden Enden zngcspitzt. Die Wurzel liefert einen Farbe- und Gcrbcstoff und wird als offieiuell (Radix bistortae) in der Mcdicin verwandt. Der Wasserpfcffer, P. hydroplper, wächst an feuchten Stellen, ist ein Sommergewüchs und blüht vom Juli bis September. Die Blüthen stehen in lockern, überhängenden Aehren, sind grünlich, mit weißen oder rothcn Spitzen und hinterlassen eirunde Früchte, welche fein chagrinartig und matt sind. Die Blattscheiden sind fast kahl und die Blätter lanzcttlich oder elliptisch. Der Ge schmack des ganzen Krautes ist brennend scharf. In älteren Zeiten war es offi- ciucll, und Paracelsus nennt es Mercurius terrestris; jetzt wird cs noch hin und wieder in der Vieharzneikunde angewandt, um bösartige Geschwüre damit zu reinigen und zu heilen. Der morgenländische Knöterig, P. orientale, ist eine Zierpflanze, welche 5—8 Fuß hoch wird, eilanzettförmige Blätter hat und den ganzen Sommer hindurch schöne rothe oder weiße Blumen in zahlreichen, übcrhängcndcn Aehren hervorbringt. Ihre Culrur verlangt durchaus keine Sorgfalt, indem sie sich durch ausfallenden Samen selbst fortpslanzt. Der Buchweizen oder das Haidekorn, P. fagopyrum, ist die wichtigste aller Arten, indem sie für die Landwirthschaft von höchster Wichtigkeit ist. Eine Beschreibung des Buchweizens ist überflüssig. Seine Hcimath ist Mittel-Asien, woher er gegen Ende des 15. Jahrhunderts zu uns gebracht wurde. Sein Anbau ist sehr ausgedehnt, namentlich in solchen Gegenden, wo der Boden sandig und weniger ergiebig ist. Daher auch sein Name.Haidekorn. Der Same wird zu Grütze oder Mehl vermahlen und liefert gesunde Nahrung, ob gleich schwerer verdaulich, als Weizenmehl. Die Blüthen bieten den Bienen eine reiche Honigqnelle dar, und vom Gedeihen des Buchweizen ist die Bienenzucht in manchen Gegenden sehr abhängig. Später, als der echte Buchweizen, kam der tatarische oder gezähmte Buchweizen, P. tatäricum, zu uns, der leicht kenntlich ist an den kleinen, grünlichen, in Büschel gehäuften Blüthen und an den rauhen Früchten mit gezähnten Kanten. Auch diese Art wird gegenwärtig im Großen angcbaut, weil sic nicht so empfindlich gegen Kälte ist und ein schmack hafteres Mehl liefert. Samen und Mehl werden in der Mcdicin zu erweichenden und zcrthcilcndcn Umschlägen angewendet. Der junge Buchweizen ist ein vorzüg liches Grüufuttcr und dient ebenfalls als vortheilhaftc Gründüngung. Merkwürdig515 ist die Erscheinung, daß der Buchweizen, wenn zur Zeit der Bliithe häufige und starke Gewitter eiutretcu, nicht zur Sameubilduug kommt. Der Landmann nennt dies in seiner Sprache ein Taub blühen. Vierte Krönung. P f l a n z c n mit vier S t a n b w e g e n. Die Einbeere, das Bisanikraut, der Tännel. Die Einbeere (Paris quadrifolia). Die vicrblätterige Einbeere, auch Pariskraut, Wolfsbccrc und Sauange genannt, ist eine Giftpflanze von scharf narkotischen Eigenschaften, wächst überall in schattigen Wäldern, hat kriechende, gegliederte Wurzeln, einen, einfachen auf- rechten Stengel, mit 4 (selten 3, 5, 0) eirunden ganzrandigen, quirlsörmig stehenden Blättern. In der Mitte dieses Quirls steht eine einzelne Blüthe von grünlicher Farbe, deren Frucht aus einer runden, vierfächerigen, fchwarzblanen Beere besteht. Die unreifen Beeren geben eine schöne grüne Farbe zmn Miniatur- nialcn und die Wurzel wird zu medicinischm Zwecken verwandt. Sollten Kinder sich verleiten lassen, die schönen Beeren zu genießen (obgleich sic in der Reget schon durch den unangenehmen, betäubenden Geruch davon abgchalten werden), so sind sofort die nöthigen Mittel, welche man bei Pflanzenvcrgiftnngen anwendet, zu gebrauchen. Daö Bisamkrant (Adoxa) ist ein kleines unbedeutendes Pflänzchen, mit grünlicher Blüthe, wächst in Hecken und blüht in den ersten Frühlingstagen. Der Tännel (Elatire) ist ein sehr kleines Gewächs, welches man auf stehenden Gewässern oder überschwemmten Orten antrifft. Neunte Masse. Pflanzen mit neun Staubfäden. Erste Krönung. Pflanzen in i t e i n e m S t a u b w e g e. Zn dieser Ordnung gehören säimntliche Lorbeerarten, also Bäuine und Sträucher, die von der größten Wichtigkeit sind, denn der Zimmetbaum, Cassien- °»m, Campherbanm, der Sassafraslorbeer u. a. m. gehören zu dieser Faniilie. 33*Der gemeine Lorbeer (Laurus noMlis), dessen Heii»ath ursprünglich der Orient ist, wächst gegenwärtig in allen Ländern am Mittelmeer wild, und wird durch ganz Europa als Zierstrauch, entweder im freien Lande oder im Gewächshause gezogen. Im freien Lande bedarf er einer geschützten Lage und in: Winter einer Bedeckung. Während ihn die Kunst in Deutschland bis zu einer Höhe von 15 Fuß bringt, erreicht er in wärmeren Gegenden eine Höhe von 25—30 Fuß. Die länglich - lanzettlichen Blätter sind lederartig und sehr gcwürzhaft, die kleinen, gelblichweißen Blüthcn stehen in Büscheln und lassen eine blauschwarzc Beere als Frucht zurück. Die scharf aromatisch schmeckenden Blätter werden als Gewürz und wie die kleinern Stein früchte auch in der Medicin gebraucht. Der Lorbeer war bei den Alten dem Apollo geweiht und als ein Symbol des Ruhmes und der Ehre stand er in großen: Ansehen. Die Priester des Apollo trugen Lorbccrkränzc und die Pythia kante Lorbeerblätter, wenn sie zun: Dreifuß schritt, der mit Lorbcerzweigcn umwunden war. Der Glaube, daß der Lorbeer gegen den Blitz schütze, hat sich in den Pyrenäen bis ans diese Zeit er halten, denn noch jetzt bedecken sich die Landlcute dort während eines Gewitters mit Lorbeerzweigcn. Dichter und Helden wurden früher mit Lorbcerkränzcn ge krönt. Gegenwärtig umlegt man höchstens noch einen wilden Schivcinskopf damit. Einer der stärksten Lorbeerbäume steht ans Jsola madrc im Lago maggiore, der eine historische Merkwürdigkeit ist; denn vor der Schlacht bei Marengo (den 14. Juni 1800) trat Napoleon Bonaparte zu diesen: Veteranen dcö Pflan zenreichs und schnitt, über Schlachtcnplänc sinnend, das Wort „Braille“ in die Rinde desselben. — Die Vermehrung geschieht durch Samen oder Wurzelschöß linge. Die Cultnr ist sehr leicht, denn der Lorbeer verlangt einen guten, fetten Boden und während des Treibens viel Wasser. Der Zimilictbamil (Baums cinnamomum). (Taf. XVII. Fig. 15.) Das Vaterland des Zimmetbaums ist Ostindien. Bis 1822 war der Handel mit Zimmet ausschließlich in den Händen der vstind. Compagnie, seit dieser Zeit aber ist er freigcgebcn; wodurch natürlich auch der Anbau dieses herrlichen Baumes sich erweiterte. Bis dahin war er nur auf die Insel Ceylon beschränkt, „und auch ans diesem kleinen Raume von Ceylon (sagt Ritter) nimmt er keines wegs die ganze Insel ein; nicht aber bloß das flache Litorale, oder bloß das flache Binnenland, sondern beide, aber nur in der südwestlichen Hälfte der Insel, den Norden nicht, gleichsam als flöhe er die Natur des Continents. Einer solchen localen Individualität, die sich von dem heimathlichen Boden auch nur an sehr wenigen anderen Punkten der Erde anpflanzcn läßt und kann: eine erweiterte VcrbrcitnngSsphärc durch Cultnr, ohne wieder in den nächsten Ge schlechtern zu dcnegiren, zu erlangen vermag, entspricht auch die physiologische517 Eigenheit des Baumes, die sich durch das feinste, cigenthümlichc Aroma seines Bastes und seiner zarten Rinde kund thut, deren Natur manche andere verwandte, der Lorbccrfamilic zugehörige Stränchcr und Bäume sich nähern, die aber kein anderer erreicht." Der Zünmetbanm wird 20 — 30 Fuß hoch und 1 — 1 Vs Fuß dick. Die äußere Seite der Rinde ist graubraun, die innere, wie bekannt, gclbroth. Die Pflanzcnblättcr, welche in der Jugend schön roth sind, werden erst später glän zend grün, sind 3 — 5 Zoll lang und haben dieselbe lcdcrartige Beschaffenheit, wie der gemeine Lorbeer. Die kleinen weißen Blüthen stehen zu dreien in ästigen Trauben und hintcrlasscn eine kleine cichclartigc Frucht, welche braunschwarz und weiß gefleckt ist. Der Nutzen dieses Baumes ist sehr groß. Aus der Wurzel wird ein vorzüglicher Camphcr gewonnen; die innere Rinde gibt den feinen Zimmct, der als Gewürz und officinellcs Mittel wichtig ist; aus den Abfällen wird das kostbare Zimmctöl bereitet, und aus den Blättern destillirt man eine Art Gcwürznclkcnöl, wie aus den Blüthcn ein heilsames aromatisches Wasser. Ans den Früchten kocht man ein wohlriechendes, talgartiges Oel, das sogenannte Zimmctwachs, welches zum Einreibcn, oder zu Salben und Pflastern dient. Der einträglichste Thcil ist natürlich die Rinde. Das Einsammeln derselben findet vom Mai bis Oktober statt, und um die Bäume zu schonen, werden nur die l —2 Zoll dicken Schößlinge abgcschnittcn. Jeder Arbeiter schneidet sich so viele Stöcke ab, als er in Bündel tragen kann, und schabt die rauhe Borke ab; lös't sich nun die zarte Rinde leicht in zarte Streifen und Bänder mit den dazu eingerichteten Gartenmessern von: Holze ab, so gilt dieses für ein Zeichen der Reife. Bor den Hütten im Freien wird nun das Abschälen vorgcnommcn, wobei sich ein nngcmcin lieblicher, aromatischer Duft verbreitet. Die abgcstrciftc Rinde wird in die Sonne gelegt, um zu trocknen, wo sie dann zusammcnrollt. Ist dieses geschehen, so werden sie in die Waarenhänscr gebracht, wo ein Revisor durch Kauen und Kosten sortirt, eine Arbeit, die ein Mann kaum 2 Tage ans- haltcn kann, weil daö Gewürz die Zunge allzu sehr angreift. Die beste Sorte, nur so dick, wie starkes Papier, muß fein, weich, hellbraun oder gelb, süß und pikant sein; die roheren Sorten sind dickhäutiger, dunkelbraun, erhitzender, Itechcnd und hintcrlasscn einen schlcimartigen, bitteren Nachgeschmack. In den Waarcnnicdcrlagcn werden die sortirtcn Zimmetrinden oder Röhren in einander gesteckt und zu Ballen von 80 Pfund und doppelter Emballage verpackt. In alle Lücken und Zwischenräume aber wird eine bedeutende Menge Pfeffer gestreut, um den Zimmct bei der Meercsfahrt zu conserviren, wodurch beide Gewürze gewinnen sollen. Der Zimmetbau und die Zubereitung der Rinde beschäftigt jährlich an 25,000 Personen, und cs werden jährlich von Ceylon mehr denn 0000 Ballen ausgeführt. Das brit. Gouvernement hat der Cultur des Zimmet- banmcö fünf große Gärten gewidmet; der größte ist bei Colombo. Auch auf Borneo, der malcbarischcn Küste, und Martinique wird gegenwärtig der Zinnnet-518 bäum angepflanzt. In Europa trifft man ihn nur als kleinen Strauch in den Gewächshäusern, wo er im Lohbcet cultivirt wird. Der Cassicil-Zimmctbaiim (Laurus oassia), auch OilwLMomum aromatieuill genannt, wächst in China und Cochinchina, auch auf Sumatra und Java, und liefert den indischen und chinesischen Zim- met, der unter dem Namen Zimmctcassie bekannt, aber nicht von so lieb lichem Geschmack ist, a/s der rechte ceylonische Zimmet. Die Cassic unterscheidet sich von: echten Zimmctbaum durch ihre Blätter, welche dünner und mehr lanzett förmiger und auf der untern Seite wie mit einem bläulichen Dufte bedeckt sind. Die Blüthen sind nach Form und Stand wie die deö wahren Zimmetbanmes. Die Rinde der Cassie ist jedoch viel dicker, von dunklerer Farbe und weniger gewürzrcich, soll aber durch Destillation mehr ätherisches Ocl liefern. Der Caillpherbanm (Laurus campliora) ist ein großer, der Linde ähnlicher Baum, der in Japan, China und Cochinchina daheim ist und der den in der Medicin so wichtigen Ca mp her liefert. Er ist in allen seinen Theilen von einem starkricchcnden, flüchtigen, harzigen Stoff erfüllt, welcher bisweilen in großen Hellen, schnell gerinnenden Tropfen aus dem Holze des Baumes hervordringt, gewöhnlich aber durch Destillation ans den klein geschnittenen Blättern und Zweigen gewonnen und als kräftiges Heilmittel ge braucht wird. Der Campherbaum hat in seinem ganzen Habitus etwas Hübsches, die jungen Zweige sind glatt und von gelber Farbe, die ovalen Blätter sind immer grün, und die gclblichweißcn Blüthen stehen in Trauben. Die Früchte werden nur erbsengroß, sind schwarzroth und rund. Das Holz des Stammes ist bräunlich geflammt, und liefert ebenfalls Campher. Der Campher wird in der Regel roh nach Europa versandt und hier erst raffinirt. Er krystallisirt in sechs seitigen Prismen und ist sehr flüchtig. Der Gebrauch des Camphers in der Arzneikunst ist sehr alt. Die alten Aerzte nannten ihn Caphuna oder Cafuna. Börhave, Hofmann und Cortheuser haben sich viel damit beschäftigt, den Campher in seine Bcstandthcile zu analhsiren. Er ist sehr leicht und schwimmt auf dem Wasser, ist seifcnartig anzufühlen, etwas fett und zähe, und kann daher für sich allein nicht zu Pulver gerieben werden. Er ist subtil und flüchtig, daß er sogar ohne die geringste Hitze auch in verschlossenen Gefäßen nach und nach verfliegt, und keine Spur znrückläßt. Er entzündet sich leicht und brennt selbst auf dem Wasser. Nur in rcctificirtcm Weingeist, in Oelcn, in concentrirtcr Vitriol- und Salpetersäure löst er sich ans. In der Arznciknnst ist er als ein Mittel bekannt, das der Fäulnis; auf's Kräftigste widersteht, Entzündungen zcr- theilt und ans die Nerven eine ganz besondere Wirkung äußert. Gerade a»s letztem Grunde sollen ihn Cölibatenrs als Präservativmittel bei sich tragen. Da der Geruch des Camphers allen Insekten unausstehlich ist, so wird er zur519 Erhaltung von Jnscktcnsammlungcn angewandt, ob immer mit Erfolg, ist noch nicht erwiesen. Der Sassafcaöbaum (Laurus sasssirss) erreicht eine Höhe von 30—50 Fuß und wächst im südlichen Theilc von Nord amerika. Die 2—3 lappigen Blätter sind eiförmig oder oval und unten flaum haarig; die gelbgrünen Blnthcn stehen in Trngdolden und hinterlasscn als Frucht eine ovale dunkelblaue Beere. DaS Holz dieses Baumes ist schon beinahe 300 Jahre in der Medicin gebräuchlich und unter dein Rainen Sassafras oder Fenchelholz bekannt. Die Rinde, namentlich von der Wurzel, nbcrtrifft das Holz an Wirksamkeit. Man gebraucht das Holz oder die Rinde häufig in Trünken, oder aiich auf andere Weise, als ein erwärmendes, anflöscndcs, reinigendes und schweißtreibendes Mittel. Das flüssige, aromatische Oel, welches man aus dem Sassafraslorbccr gewinnt, hat die Eigenthümlichkeit, daß cs im Wasser zu Boden sinkt, anfänglich weiß und durchsichtig ist, und erst später eine röthlichc Farbe nnnimmt. Der Benzoslorbcer (Laurus benzoin) ist ein Strauch, der von Canada bis Virginicn an Flüssen und in Sümpfen wächst, grüngclbliche Blüthen in sitzenden Döldchcn und spitze, verkehrt-eirunde, adrige Blätter hat. Rinde und Früchte sind aromatisch, und haben einen dem Benzoe-Harz ähnlichen Geruch. Die Botaniker waren lange der irrigen Mei nung, als komme von dieser Pflanze das in der Medicin gebräuchliche Bcnzoön; nian weiß aber jetzt bestimmt, daß cs von Styrax benzoin gewonnen wird. Bei Lin ne findet man unter den Lorbeerarten noch den indianischen Lor beer, den Avogatobanm (0. Persca), den rothen Lorbeer und einige andere be schrieben, die für uns weniger wichtig sind. Zweite Brdnung. Pflanzen mit drei Stanbwcgen. Pflanzen mit neun Staubgefäßen und zwei Stanbwcgen sind bisher noch nicht bekannt geworden, weshalb die mit drei Stanbwcgen diese Ordnung cin- nehmcn. Es gehört dazu der Rhabarber (Meum), (Taf. xvn. Fig. 16) kcffcit Wurzel seit undenklicher Zeit als kräftiges Heilmittel bekannt ist. Es gibt verschiedene Arten, die aber alle drei darin Übereinkommen, daß sie eine starke,fleischige, äußerlich schwarzbraune, innerlich gelblich mit Roth gemischte Wurzel haben, anS der große, langgcsticltc Wnrzelblätter und ein hoher Blüthcnstengcl hcrvorgchcn, an dem sich viclblüthigc Trauben weißer oder röthlichcr, scchSblät- teriger Blüthcn befinden. Der Emo di-Rhabarber, 1t. australs, der auf den Höhen des Himalaya wächst, liefert die besten Wurzeln. Der handförmigc Rhabarber, R. palwstum, von der Form seiner Blätter so genannt, kommt eben falls ans dem Himalaya vor, ist aber besonders in der chinesischen Tatarci ein heimisch. Der wellcnblätterige Rhabarber, R. undulatum, stammt ebenfalls ans dem Orient und wird jetzt auch in unfern Gärten angebant, hauptsächlich seiner großen wellenförmigen Blätter und seines langen Blüthenstengelö, der bei 8 Fuß hoch wird, wegen. Auch ist noch zu nennen der Bastard-Rhabarber, R. hybridum, in der Tatarci heimisch. Die Rhabarberwurzel enthält einen cigenthnmlichcn, harzigen und pur- girenden Stoff, Rhein oder Rhabarbarin genannt, der seit Jahrhunderten in der Arznei angewandt >vird. Man sammelt die Wurzeln von vier- bis fünf jährigen Pflanzen. Die Erndte findet im Späthcrbste statt, wenn die Blätter vertrocknet sind. Nachdem man die ziemlich weichen und sehr saftigen Wurzeln ausgcrisscn und gewaschen hat, werden sie geschält, in Scheiben oder faustgroße Stücke geschnitten, ans lange Tafeln gelegt und täglich drei- bis viermal umge- wandt, damit sic ganz allmälig austrockncn, ohne an Kraft zn verlieren. Erst dann, wenn sic ans diese Weise an Consistenz gewonnen haben, durchlöchert man die Stücke, reiht sic an Fäden an und hängt sie im Schatten ans, bis sie völlig ausgctrocknct sind, worauf sie dann sortirt und durch chinesische Handelsleute an russische und englische Karavancn verkauft werden. Das gute Sortiren des rus sischen Rhabarbers ist, nach wiederholten Versicherungen, der einzige Grund der bcsondcrn Güte derjenigen Sorte, die durch Sibirien nach Europa kommt und dem sogenannten lcvantischcn oder türkischen vorgezogcn wird. Als Dschingiö- Chan im Jahre 1227 die Stadt Lingtsheon eroberte, waren die köstlichste Beute, welche man daselbst vorfand, einige Ladungen Rhabarberwnrzeln, welche der Epidemie steuerten, die sich unter den Mongolentruppen zu verbreiten ange fangen hatte (Ritter). Von dem bei uns gezogenen Rhabarber benutzt man noch die saftigen Stiele zn Torten und wohlschmeckenden Confituren. Auch ist noch zn bemerken, daß der Rhabarber einen gelben Farbe st off enthält. Alan benutzt indessen nur die schlechteren Sorten dazu.521 Drille Drdn u n g. Pflanzen mit sechs Staubwcgen. Wasscrviolc oder Blliineiiiinsc (Nutomus umbvll-nua). Eine Wasserpflanze, welche man i» stehenden Gewässern von Europa und Nordasien antrifft. Sic hat einen dicken, schiefliegendcn Wnrzelstock, aus dem lange, lineale, nach unten dreikantige Blätter hcrvorgehen. Die Blüthcn stehen in Dolden und sind mit Dcckblättchen umgeben. Sechsblüttcrige, einfache Blüthcn- hiillc, von weißer und rosenrother Farbe. Die Kapseln sind vielsamig. In altern Zeiten war die Pflanze officinell. In Nordasien werden die Wurzeln verspeist, obgleich sic einen sehr bitter» Geschmack haben. »-«S5> >-£»-« Zehnte lilulle. Pflanzen mit zehn Staubgefäßen. Erste D r d n u n g. Pflanzen mit einem Staubwege. Cassic, Weihrauch«, Balsam-, Blutholzbaum, Mahagoni, Quassie, Ohnblatt, Porst, Winter grün, Alpenrose, Andromeda, Bärentraube, Heidelbeere, Storaxbanm, Baptisia, Edwardsia, Kalmia. Cassie (Oassia). Es gibt mehrere Arten, welche aber alle für die Medicin von Wichtigkeit sind. Als gemeinsame Merkmale nennen wir: Kelch und Blnthcn bestehen aus fünf ungleichen Blättern; zehn freie Staubgefäße von verschiedener Länge, flache, häutige Hülse, zwciklappig mit Qnerscheidcwänden. Die lanzcttblättcrigc Eassic, 6. lanceolata, in Obcregyptcn und Nubien zu Hanse, ist ein kleiner Strauch mit weichhaarigen Acstcn. Die Blätter sind gefiedert und knrzgestielt. Glicht im Januar und Februar blau und gelb in Trauben. Diese Art liefert äie besten Scnncsblättcr, welche als bekanntes Pnrgirmittel in den Apotheken Zu haben sind. Die verkehrt-eiförmige, die abgcstntztc und die spitz- blättcrigc Eassic liefern ebenfalls Scnncsblättcr. Man zählt überhaupt bei 210 Arten, worunter noch manche dieselbe Eigenschaft haben mögen. Wir nennen522 nur noch die Röhren-Cassie, 0. fistula, welche in Ostindien heimisch, jetzt auch in Südamerika und Egypten wächst. Sic hat einen großen, unscrm 2tuß- baum ähnlichen Stamm. Ihre goldgelben Blüthcn hängen in reichen Trauben hernieder. Die schwarzbrannc Sanicnhnlsc, welche gliedcrförmig ist und oicl Mark enthält, wird 1 — 1'/, Fnß lang und liefert Samen, die auch als Pnrgir- mittcl in der Arznei Vorkommen. Der Wcihrauchdaiim (Boswcllia). Der ostiirdische Weihrauchbaum, 0. «errata, ist ein großer, ansgc- brcitctcr Baum, mit großen gefiederten Blättern und blaßgclben Blüthcntranben. Er ist cs, der den bekannten Weihrauch, welcher namentlich in der kath. Kirche täglich als Ränchcrwcrk verwandt wird, liefert und ein Gummiharz ist. Auch als Arzneimittel wird der Weihrauch noch gebraucht. Die Stückchen müssen immer abgerundet sein, dann gehören sic zu der bessern Sorte. Die schlechtere Sorte besteht ans ungleichförmigen, dunkleren, röthlich oder bräunlich gefärbten Stückchen. Wie schon der Name cs andentct, kommt der Weihrauch ans Ostin dien; jedoch liefert auch Afrika eine geringere Sorte. Der Balsamvaum (Myroxilon). Der Peru-Balsa mb au in, M. permferum, dessen Vaterland das südliche Amerika, namentlich Peru ist, wird ein sehr ansehnlicher Stamm, der seine Zweige weit verbreitet, die mit ungleich gefiederten Blättern, weißen Vlüthcn in einfachen Trauben und darauf mit einer ledcrartigcn Hülsenfrncht bedeckt sind. Die dicke, glatte Rinde ist sehr harzig. Dieser Baum liefert den in der Mcdicin so wichtigen, schwarz ansschcndcn Peru-Balsam. Der To ln-Balsam, der lvciß aussicht, wird von dem Toln-Balsambaum, M. toluiforum, gewonnen. Der Balsam tritt ans der Rinde hervor, wird in Kürbißschalcn aufgefangen, getrocknet und dann in den Handel gebracht. Der BllltholzbaillN (Haomatoxyium), wozu der Campcchenholzbaum, II. campechianum, gehört, der in Westindicn und Mexiko wächst, liefert vortrefflichen Färbestoff. Der Baum wird bei 50 Fuß hoch, hat gelbe, fünfblättcrigc Blüthcn in Trauben und flache, häutige Samen- Hülsen, welche sich in der Mitte der Klappe öffnen. Das innere, ältere Holz ist blutrvth und ist das bekannte Campcchen- oder Blntholz, tvelchcs auch in der Arznei gebraucht wird. Verwandt mit diesem' Baume ist die brasilianische Cäfalpinic (Caesalpinia brasiliana), welche das Fernambuk - oder Brasilienholz liefert. Das echte Brasilienholz aber kommt vom rothen Sandelbanm, 6. sappan, der in Ostindien wächst, Aehnlichkeit mit einem Wallnnßbanm hat, schöne gelbe Blüthcn trägt, ans welche bohnenartigc523 Hülsen als Früchte folgen. Das Holz ist fest und schwer, dient theils zu den feinsten Arbeiten, theils zu Färbcstoff. Der Pock- oder Franzoseuholzbinnil (Guajacum offiomale), dessen Vaterland Jamaika und Hispaniola ist, wird ein sehr ansehnlicher Baum, der immergrüne, gefiederte Blätter trägt. Sein Holz ist sehr schwer und fest, weshalb daraus Kegelkugeln und andere Gegenstände gefertigt werden. In der Mcdicin ist dieses Holz ebenfalls wichtig; denn es wirkt blutreinigcnd, namentlich auf den Urin. Früher wurde cs fast nur in der Lustseuche angewandt, und hat eben daher, weil durch die Franzosen die venerischen Krankheiten in der neuen Welt bekannt wurden, seinen Namen erhalten. Auch das Ommml Guajacum ist für die Mcdicin sehr wichtig. Der Diptam Mictarnnus albus) ist eine hübsche pcrcnnircndc Pflanze, welche in Südcuropa und selbst im fitb- liehen Deutschland wild vorkommt. Die Blumenkrone besteht ans fünf mit langen Nägeln versehenen Blumenblättern von röthlichcr oder weißer Farbe. Die zehn Staubfäden sind drüsig und niedergebengt. Die Blumen stehen in einer langen Aehre und die ganze Pflanze wird 2 — 3 Fuß hoch. Die oberen Theilc, namentlich die Blumenstiele, sind mit röthlichcn Haaren besetzt, welche eine ölichte Feuchtigkeit enthalten, die der ganzen Pflanze einen angenehmen, citroncn-ähnlichcn Geruch gibt. Fast in allen botanischen Werken wird von dieser Pflanze behauptet, daß sie gegen Abend ein ätherisches Ocl ansdünste, welches sich, gleich dem Gas, entzünden lasse. Wir haben wiederholte Versuche angestcllt, ohne den erwarteten Erfolg zu erreichen. Die dicke, inwendig weiße Wurzel (daher v. albus) ist officincll. Man vermehrt diese Pflanze durch Wurzelsprosscn; da sie sich aber nicht sehr stark bestockt, so darf man sic höchstens alle drei Jahre theilen. Die Theilung wird im Herbst vorgcnommcn und die jungen Pflanzen auf ein gutes, fettes Beet gebracht. Selbst als Topfpflanze macht sie sich sehr gut und ziert besonders in einer Gruppe. Der Mahagonibam» (Switenia Mahagony). Dieser Baum, der das kostbare Mahagoniholz liefert, welches zu den feiusten Tischler- und anderen Holzarbcitcn verwandt wird, weil cs eine überaus schöne Politur annimmt, wächst in Südamerika und erreicht in gehörigem Alter eine solche Stärke, daß 6 Fuß breite Bohlen daraus geschnitten werden können. Die diinde ist lederartig und besteht ans mehreren abwechselnd rothcn und weißen Lagen; das Holz ist sehr fest und widersteht dem Wurm. Die kleinen weißen Plüthcn stehen in rispcnartigcn Trauben. Die erste Entdeckung der Nutzbarkeit dieses Holzes verdankt man einem Zimmermann an Bord eines Schiffes des William Naleigh, desselben, der den Kartoffelbau in Irland einführte, Das524 Schiff hatte 1595 in einem Hafen der Insel Trinidad angelegt; der Zinuner- niann fuhr nn's Land, um Zimmerholz zn einer Arbeit am Schiffe zu holen, und traf zufällig einen Mahagonibaum, dessen Holz, als es bearbeitet ward, Allen durch wunderbare Schönheit der Adern, die keine Kunst nachahmen kann, nuffiel. In England verfiel man ganz zufällig auf die Anwendung deö Mahagoni holzes. Di-. Gibbons, ein ausgezeichneter Arzt, der am Ende des 17. Jahr hunderts in London lebte, hatte einen Bruder, der westindischer Capitain war und der viele Bohlen dieses Holzes, dessen Werth er nicht kannte, als Ballast nach England gebracht. Da der Doktor ein Hans in Kingstreet, Conventgarten, bauen ließ, so schenkte es ihm der Bruder; aber die Zimmerleute, für deren Werkzeuge es viel zn hart war, warfen es als unbrauchbar bei Seite. Bald darauf brauchte Frau Gibbons einen Kasten, und ihr Gatte ließ den Tischler Wollaston kommen und gab ihm den Auftrag, einen Kasten ans dem fremden Holze zu verfertigen. Auch Wollaston klagte, daß das Holz für fein Handwerks zeug zu hart sei, aber der Doktor sagte ihm, er möchte auf seiRe Rechnung sich festeres Handwerkszeug verschaffen. Der Kasten ward fertig und man fand ihn sehr schön. Jetzt gab der Doktor den Auftrag, ihm eine Commode aus demselben Holze zn fertigen. An derselben erschien das Holz zuerst pvlirt in seiner ganzen Schönheit und zog die Bewunderung vieler Beschauer, die Gibbons eingeladen hatte, auf sich. Unter diesen war auch die Herzogin von Buckingham, die sich etwas von dem Holze auöbat und sich ebenfalls davon eine Commode ver fertigen ließ. Das Mahagoniholz ward dadurch in die große Welt eingeführt, es wurde Mode und der Tischler Wollaston dadurch zum reichen Mann. So schuf sich zufällig einer der wichtigsten Handelsartikel Westindienö. Die Raute (Ruta giaveolcns), welche im südlichen Europa heimisch ist, ivird in nnsern Gärten angebant, weil die Blatter als Ingredienz zu Saneen, oder als Auflage bei Bntterbrod ge braucht werden. Blätter und Samen sind ofsieinell. Ans der Wurzel kommt ein aufrechter, strauchartiger, 2 — 3 Fuß hoher Stengel mit doppelt-gefiederten Blättern, deren Blättchen stiellos, stumpf und ganzrandig sind. Die ganze Pflanze hat eine meergrüne Farbe, und die weißgelben Blüthen stehen in auö- gebreiteten Doldentrauben. Man enltivirt die breitblätterige, schmalblätterige und geschecktblätterige Raute; letztere als Zierpflanze. Der Geruch der Pflanze ist stark und widrig und man behauptet, daß Kröten, Eidechsen und Schlangen den Ort vermeiden, wo sich Raute befindet. Quassie (Quassia). (Taf. XVll. Fig. 17.) Zn den Quassien zählte man früher viele Bäume, welche ebenfalls ein bit teres offieinelles Holz liefern, die aber jetzt die Gattung Simarnbe (Simaruba Aubl.) bilden. Die hierher gehörige wahre bittere Quassie, Q. amara, nach525 ihrem Vaterlande auch surinamische Quassie, ist seit 70 Jahren eines der wichtigsten, rein bitteren Arzneimittel. Das 10 —15 Fuß hohe Bäumchen hat gefiederte Blätter, der gemeinschaftliche Blattstiel ist geflügelt und die Haupt- nerven sind roth. Die Blumen sitzen in Trauben und sind von schöner purpur- rothcr Farbe. Linnö beschrieb die wahre Quassie zuerst nach von Dahlberg mitgcbrachten Exemplaren und nannte sie nach einem Surinam'schen Neger Qnassi, durch welchen Dahlberg die Wirkungen des Holzes kennen lernte, Q n a s s i e. Der Sumpfporst (Ledum palustre), auch wilder Rosmarin genannt, ist ein hübscher, immergrüner Strauch, der 3—4 Fuß hoch wird und auf sumpfigem Torfboden wächst. Die linealen Blätter sind am Rande umgerollt und in ihrer Jugend rostfarbig filzig. Die weißen Blüthen stehen in Tranbcndolden, riechen angenehm, sind aber etwas betäubend, die Llchpsel ist länglich oval, Anfangs wie mit Silberpunkten umstreut, später braun und bleibt ein Jahr hängen. Die Pflanzenblättcr riechen aromatisch und werden als scharf narkotische Mittel in der Arznei verwandt. Die grünen Zweige sind ein vortreffliches Mittel, um Wanzen ans den Betten zu vertreiben. Auch kocht man die Blätter und wäscht mit der Flüssigkeit die mit Ungeziefer behafteten Hansthicrc, wodurch diese von ihrer lästigen Gesellschaft befreit werden. Einen nicht löblichen Gebrauch machen manche Bierbrauer von dieser Pflanze, indem sic statt des Hopfens die Blätter des Snmpfporst gebrauchen, wodurch das Bier betäubend wird. Alpenrose (Rhododendron), auch Alpbalsam, Roscnbaum genannt, sind hübsche Ziersträucher mit immer grünen, ganzrandigen Blättern und prachtvollen, in reichen Enddoldcn stehenden Blüthen, die entweder trichterförmig oder glockenförmig sind. Die baumartige Alpenrose, Rh. arboreum, wird 6— 12 Fuß hoch, der baumartige Stamm ist mit einer braunen, korkartigen Rinde umgeben, die 6 — 9 Zoll langen, lanzcttlichcu Blätter sind auf der Oberfläche grün und unten mit Filz bedeckt, die prachtvollen Blumen sind dunkelcarmoisinroth und inwendig schwärz punktirt, sie sind wohlriechend und enthalten krhstallhcllen Hvnigsaft. Ostindien, besonders das Himalaya-Gebirge, ist die Heimath dieses Pracht- strauchcs. Es gibt deren viele prachtvolle Varietäten, namentlich eine mit großen schneeweißen, inwendig roth punktirten Blumen; eine andere mit lebhaften rosa farbigen Blumen u. s. w. Alle diese Arten werden bei 1 — 5° Wärme über wintert, durch Senker, Pfropfen und Ablactiren vermehrt, im Sommer in's Freie gestellt und reichlich mit Wasser versehen, im Winter hingegen ziemlich trocken gehalten.52 ß Die glockenförmige Alpenrose, Rh. campanulatum , stammt ebenfalls aus Ostindien und ist eine der prächtigsten Arten. Der Stamm ist baumartig, die Blätter obcrscits dunkelgrün, unterseits lohfarbig. Die über zwei Zoll weiten, glockenförmigen Blumen sind weiß, lillafarbig schattirt und am Grunde des ober» Randlappcns purpurroth gefleckt. Wird wie die vorige Art gepflegt. Die große Alpenrose, Rh. maximum, stammt aus Nordamerika, wird 6 — 8 Fuß Hoch, Hat zugcspitztc, lederartige Blätter und große, prachtvolle, glockenförmige Blumen, von Blaßrosa-Farbc. Variirt indessen auch mit weißen Blumen. Die politische Alpenrose, Rh. pontioum, von Gibraltar und ans der Levante zu uns gebracht, ist ein schöner Prachtstrauch, der 3—8 Fuß Hoch wird, große rad-glockenförmige BlütHen trägt, die lilla oder bläulich - purpurroth und dabei dunkel punktirt sind. Zählt viele Varietäten, die alle, wie auch die große Alpenrose, im Freien ans einem Moorbcetc bei geringer Deckung cnltivirt werden können. Man erzeugt sic durch Samen und Senker. Im Freien ge deiht ferner die rostfarbige Alpenrose, Rh. ferrugineum, ans den Schweizer- Alpen Heimisch, welche trichterförmige, Hochrosafarbige BlütHen trägt, die mit weißen oder gelben Punkten bestreut sind. Diese Spccies ist officincll. Auch die gelbe Alpenrose, Rh. chrysanthum, gehört zu den officinellen Gewächsen, ist ans Kamtschatka und in Sibirien in den kältesten Regionen heimisch, hat gelbe Blumen, die rad-glockenförmig sind. Die Blätter und Aestchen werden in der Mediän gebraucht. Die Bärentraube (^retostaxli^Ius). Die gemeine Bärentraube, A. officinalis, ist ein kleiner immergrüner Strauch, der auf Haidcpltttzcn und in Nadelwäldern vorkommt, fleischrothc oder weiße, krugförmige Blumen in kurzen Trauben trägt, scharlachrothc, erbsengroße Beeren zu Früchten hat, die von Vögeln und Bären gerne verspeist werden und durch Abkochung einen Syrup geben. Die lcdcrartigcn, oben dunkel-, unten hell grünen Blätter werden als Thcc gebraucht, auch dem Tabak als aroinatische, ge sunde Ingredienz beigcmischt und geben, mit Vitriol versetzt, eine schwarze, und mit Alaun vermischt, eine braune Farbe. Der Gcrbcstoff, der in der ganzen Pflanze enthalten ist, wird bei Bereitung des Corduans verwandt. Auf den Alpen Oesterreichs und Throls kommt eine andere Spccies, A. alpina, vor, welche mit voriger gleiche Eigenschaft hat. Verwandt mit der Bärentraube ist der Erdbecrbaum (Arbutus), eine strauch- oder baumartige Pflanze, mit erdbecrförmiger Frucht. Der gemeine Erdbeerbaum, A. unedo, ist in Südeuropa zu Hanse, wird 4 — 5 Fuß hoch, und trägt Früchte, welche die Größe einer Gartenerdbeere erreichen, aber fast erst nach einem Jahre reifen. Man bereitet daraus einen Wein und einen vor-527 trefflichen Alkohol. Die unreifen Beeren sind sehr zusammenziehend, reif aber schmecken sie fade-süßlich und werden nur von der ärmeren Klasse genossen. Die schönsten Pflanzen dieser Art finden sich in Amerika, wo man sie als hohe Bäume antrifft. Die Heidelbeere (Vaccinmm), die in schattigen Wäldern wächst, krug- oder glockenförmige Blümchen und eßbare Früchte trägt, ist allgemein bekannt. Die gemeine Hcidcl- oder Waldbeerc, V. myrtillus, ist durch Mittel- und Nord-Europa und durch das nördliche Asien verbreitet. Die blaßrothe Blüthe ist krugförmig und hat 4 — 5 kurze Zähne. Die erbsengroße Beere, von schwarzbläulicher Farbe, wird frisch gegessen und auch wohl zu einem Compott verkocht. In älteren Zeiten hielt man sie, als Mittel gegen Diarrhöen, für sehr wirksam. Die jungen Blätter geben getrocknet einen angenehmen Thce. Zur Färbung des Weines werden die Beeren noch häufig angewandt. Die Pflanze wird, ihrer großen Verbreitung wegen, von Forstleuten als lästiges Unkraut betrachtet. Verwandt mit ihr ist die Rausch- oder Trunkclbeere, V. uliginosum, die im Ganzen aber größer ist, und deren weißröthliche, gepaarte Vlüthen eirunde Kelchzipfcl haben, die an der Beere haften bleiben. In Sibirien bereitet man daraus einen starken Branntwein, und in Italien dient die Pflanze als Gerbcstoff. Sie wächst mehr an sumpfigen, nassen Stellen, ans Torfmoor. Mit der gemeinen Heidelbeere hat die Prcußel- oder Prcißclbecrc, auch Stein-, Krön- und Fuchsbeere genannt, V. vitis idaoa, gleiche Heimath. Sie trägt scharlachrothe Beeren, welche eingemacht ein vorzügliches Compott liefern, auch ofsicinell sind, und deren Saft dem Punsche bcigcmischt wird. Die jungen Blätter liefern ebenfalls einen vorzüglichen Brnstthce. Der echte Storax (Styrax officinaiis) 'st ein in Syrien, Italien und dem südlichen Frankreich wachsender Strauch, der ein Harz liefert, welches als ofsicinell und unter dem Namen Storax in den Apotheken geführt wird. Den eigentlichen Bcnzoü liefert der auf Java und Sumatra wachsende Bcnzoöbanm, 8t. Benzoin, der mannsdick wird und eine "uttlere Höhe erreicht. Die weißen, rührigen Blüthen stehen in zusammengesetzten Trauben und der, mit einer schönen Krone versehene Bauin gewinnt dadurch ein prächtiges Ansehen. Wir erhalten die Vcnzoö in Form röthlichgclbcr, durchsich tiger, aromatischer Massen. Sic liefert durch Sublimation eine in feine Spieß chen oder Nadeln krhstallisirtc Säure, die Bcnzoösänre, sonst Benzoöblume genannt, welche in der Medicin gebraucht wird.Die Bllptisie (Baptisia australis) ist eine hübsche, der Lupine ähnliche Zierpflanze, welche im Freien mit geringer Deckung fortkommt und durch ihre blauen, in laugen Trauben stehenden Blumen, die im Juni und Juli florircn, jedem Blumengarten zur Zierde gereicht. Sie wird 2—3 Fuß hoch, hat drcizählige Blätter, stammt aus Carolina und pflanzt sich durch Samen und Wurzelthcilung fort. Edwardsic (Bä^varäsia). Es sind dieses sehr schöne baumartige Ziersträucher, mit gefiederten Blättern und prachtvollen Blüthentrauben. Sic müssen, sämmtlich bei 1 — 3 0 Wärme durchwintert werden und verlangen große Töpfe. Wir nennen folgende Arten: Die großblumige Edwardsie, bl. grandiflora, ans Neuseeland stammend, wird 9 — 12 Fuß hoch und hat schöne, gelbe, über 1'/« Zoll lange Blumen in herabhängcndcn Trauben. Die kleinblättcrige Edwardsie, bl. microphylla, ist der vorigen sehr ähnlich, hat aber kleinere Blätter. Prächtiger ist noch die M'Nobs-Edward sie, bl. maenabiana, mit großen, goldgelben Blumen, die in.endständigen Trau ben stehen. Alle Arten blühen beim Beginn des Frühlings. Man vermehrt sie durch Samen. Kalmic (Kalmia). Die Kalmicn sind schöne, immergrüne Ziersträucher, welche aus Nord amerika zu uns gebracht sind und im Ganzen wie die amerikanischen Azaleen gepflegt werden. Die schmalblättcrigc Kalmie, K. augustifolla , wird 2 bis 2Vs Fuß hoch und bringt schöne, rosenrothe Blumen in zahlreichen Doldcntrauben hervor. Die graugrüne Kalmic, K. glauca, wird 2—4 Fuß hoch, hat zwei schneidige Zweige, längliche Blätter, welche nnterseits weißgrau sind, und napf- förmige, rosenrothe Blmncn in Doldcntrauben. Die drciblätterige Kalmie, K. latifolia, wird 4 — 7 Fuß hoch, hat lorbcerartige Blätter und rothe, teller förmige Blüthen, ebenfalls in Doldcntrauben stehend. Die Pflanzcnblätter sollen den Hnnöthicren sehr schädlich und in großer Menge genossen sogar tödtlich sein.529 Zweite 0 r fr nun g. Pflanzen mit zwei Staubwegcn. Steinbrech, Milzkraut, Knäuel, Gypskraut, Seifenkraut, Nelke, Hortensie. Steinbrech (Laxikoaxa). Die Steinbrecharten bilden eine zahlreiche Familie meist schöner Pflanzen, wovon mehrere cnltivirt werden. Der gemeine Steinbrech, 8. granulata, der überall wild wächst, hat körncrknollige Wurzeln, nicrcnförmige, langgestielte Blatter und weiße, an den Spitzen der Acste stehende Blüthen. Die ganze Pflanze war früher officinelt. Der dreifingerige Steinbrech, 8. tridactylites, hat meist dreispaltige Blätter und weiße, am Grunde gelbliche Blüthen, die nicht nur an den Spitzen, sondern auch an den Seiten des Stengels erscheinen. Sehr gemein ans felsigen Stellen. Von den cnltivirten Arten nennen wir: dick- blätteriger Steinbrech, 8. orasoikolia, die schönste Art, mit großen, dicken, lcderartigcn, immergrünen Blättern und 1—2 Fuß hohen Blumcnschüftcn, voll hell- und dnnkclroscnrothcrBlnmen; Jchovablümchen, 8. cuneifolia, besonders Zur Einfassung sich eignend, hat röthlichc Blümchen; Porzcllanblümchcn, 8. umbrosa, dem vorigen sehr ähnlich, hat weiße, gelbe und roth punktirte Blumen in lockeren Rispen. Seifenkraut (Saponaria). Das gemeine Seifenkraut, 8. officinalis, wird 2 — 5 Fuß hoch, hat röthlich weiße Blumen, deren einzelne Blätter mit einem kantigen Nagel versehen sind, grasgrüne Blätter und schwarzen Samen. Wurzel und Blätter sind officinelt ~ und enthalten eine seifenartige Substanz, welche sogar zum Waschen dienen kann. In Gärten cnltivirt man eine Varietät mit strotzend gefüllten Blumen, welche "wist zerplatzte Kelche haben. Die Pflanze ist auch unter den Namen Waschkrant, Hundsnclkc, Scifcnwnrz bekannt. Nelke (Dianthus). Die Familie der Nelken gehört zu den schönsten Zierpflanzen, die durch ihre hübschen Farben und thcils auch durch ihren lieblichen Duft ihren Ruhm seit Zanger denn hundert Jahren bewahrt haben. Namentlich gilt dieses von der ^nrtennclkc, I). caryopliyllus , welche wir zuerst beschreiben wollen. Die älteren Botaniker legen ihr den Namen Tuncscrkraut, Tunica, bei, woraus 11,011 den Schluß hat ziehen »vollen, daß sie ans Afrika zu uns gebracht sei. Uebrigcns trifft man sie in Italien >vild wachsend an. Sic erreicht eine Höhe bvn 16 — 36 Zoll, hat lineale, graöähnlichc, graugrüne Blätter, einzelnstehende, Veumer's Naturgeschichte. 34530 einfache oder gefüllte Blumen, die inehr oder minder einen aromatischen Wohlgc- rnch verbreiten, einen langen, rührigen, fünfzähnigen Kelch, der mit kleinen Schup pen versehen ist und eine viclsainige, cinfächcrigc Samenkapsel. Durch sorgfältige Cnltur hat man in Hinsicht auf Größe, Ban und Farbe über 1000 Varietäten erzeugt, indem man sich künstlicher Befrnchtnngsmittcl bediente. Die Nclkcnenltnr wurde ein wichtiger Zweig für die Blumisten, und ausgezeichnete Nelkeniste» leg ten ihre Erfahrungen in größeren und kleineren Schriften nieder. Wir erwähnen nur der Schriften von Hübner, Weismantcl, Rudolphi, Behr, Mün- zel u. A. Um eine Ordnung in die unzähligen Arten zu bringen, stellte man ein Nelkcnsystcm auf, daö aber im Laufe der Zeit manche Veränderungen er litt. Es dürfte indessen nicht uninteressant sein, ein solches System, wenigstens übersichtlich, hier folgen zn lassen. Der Leser wird daraus ersehen, wie hoch die Forderung an eine vollkommene Nelke gemacht wird. A. Nach dem Bau der Blumen. 1. Nclkcnban: die Blätter liegen dachziegelartig, flach aufeinander. 2. Nanunkclbau: die einzelnen Blätter legen sich, wie bei den Ranunkeln, zurück. 3. Rosenban: die Blätter krümmen sich auf- und einwärts, wie bei einer Centifolie. 4. Kngelban: die gefüllten Blumen bilden in ihrer Höhe eine Halbkugel. 5). Pyramiden- oder Kegelbau: die Blume ist in der Mitte bedeutend erhöht. l>. Triangelban: die Blätter krümmen sich in scharfen Winkeln aufwärts. 7. Gemischter Ban: mehrere der vorgenannten Formen finden sich in einer Blume vereinigt. 0. Nach der Farbe der Blumen. 1. Pikotten, mit scharfen und schmalen Strichen und einer Zeichnnngsfarbc, z. B. Weiß mit Purpur, n. s. w. 2. Pikott-Bizarden, mit eben solchen Strichen und Zcichnnngsfarbcn. 3. Bizarden mir breiten Streifen und zweiZeichnnngsfarben. Diese zerfallen a) in deutsche Bizarden, mit einem zackigen Nelkenblatte und d) in englische Bizarden, mit einem getheilten, abgerundeten Blatte. 4. Donbletten mit breiten Streifen u'nd einer Zeichnungsfarbe. Wird ebenfalls in deutsche und englische gcthcitt. 5. Fcncrfaxe, getuschte, wo die Farben in einander laufen und die Zeichnung auf beiden Seiten ist. 6. Famensen, getuschte, welche auf der untern Seite des Blattes keine Zeichnung haben.7. Concordicn, die auf farbigem Grunde mit derselben Farbe, dunkler oder Heller, gezeichnet sind. 8. Einfarbige, ohne Zeichnung. Letztere stehen nicht in besonderem Ansehen bei den Kennern. Soll eine Nelke für den Kenner einen Werth haben, so muß sic folgende Eigenschaften besitzen: der Stock muß ziemlich hoch, stark nnd kräftig sein, der Kelch nicht anfplatzcn, die kleinste Blume muß 1 ‘/ 2 — 2 Zoll Durchmesser haben nnd ihre Blätter müssen sich regelmäßig legen, sich gehörig decken und im rich tigen Verhältnisse vom Mittelpunkte so abstchcn, daß die Mitte etwas erhöht und der Umfang der Blume zirkelrnnd ist. Die Grundfarbe der Blume muß rein, lebhaft nnd glänzend sein und die Färbung nicht in Punkten, sondern in Streifen bestehen. Hat eine Blume viele Farben, so müssen diese bestimmt von einander unterschieden sein, gegen einander abslcchc» und ein richtiges Ebenmaß haben. Durch Samen gewinnt man neue Sorten nnd durch Senker nnd Ableger vermehrt man diejenigen Arten, welche man beibehalten will. Gute Gartenerde, Knhlagcr, Lauberdc und etwas Sand miteinander vermischt, gibt eine vorzüglich gute Erde für den Nclkcnbau. Töpfe für Nelkenpflanzen müssen 6—8 Zoll weit und eben so .tief sein. Bei strengen Barfrösten muß man die Nelke im freien Lande durch eine dünne Decke von Moos oder Fichtcunadcln sichern. Die Nelken haben in dem Thicrrciche viele Feinde, wodurch die Cultür erschwert wird. Wir nennen nur die Raupen, Blumcnflöhc, Blattläuse, Ohrwürmer, Ameisen, Herzmade, Hasen, Kaninchen und Mäuse. Auch Krankheiten sind die Nelken unterworfen, welche oft alle Hoffnung des fleißigen Blumisten verwüsten. Dahin gehört die Gelbsucht, die Wassersucht und der Kanker. Die Chincsernelke, D. Chinensis, ist eine zweijährige Pflanze, die aber, wenn man sie zeitig einschneidet, oft auch länger anödancrt. Der Stengel wird k Fuß hoch nnd die prachtvollen, ans die mannichfaltigste Art mit allen Nüanccn von Roth, Purpur, Schwarz und Weiß gezeichneten, einfachen oder gefüllten Blumen sloriren vom Juni biö Ende September. Die japanische Nelke, 1). Japonicus, eine allerliebste, kleine Percnnie, ans Japan stammend, bringt den ganzen Sommer hindurch ihre hübschen dnnkclrothcn, im Grunde wcißgczcichnctcn Blumen in dichten Endbüscheln hervor. Verlangt im Winter 1-5" Wärme nnd wenig Feuchtigkeit. Bart- oder Sind ent cnnelkc, D. barbatus, ist eine hübsche Zierpflanze, • die 1 — 2 Fuß hoch wird, in den mannichfachstcn Farbenmischungen erscheint, lanzettlichc Blätter und zahlreiche Blumen in Endbüschcln trägt. Ihre Heimath ist Südfrankreich und die Alpcnwiescn des südlichen Deutschlands. Ihre Ver wehrung geschieht am besten durch Samen. Gegen Nässe nnd Frost sind sie sehr empfindlich. Ebenfalls hübsch ist die Carthäusernelke, D. carthusianorum, welche von Nichtkennern mit voriger Art oft verwechselt wird. Sic hat schmälere,532 grasartige Wurzelblätter und kleinere Blüthenbüschel, läßt sich durch Samen und Wurzeltheilung leicht veriuchrcu. -Feder- oder Pinks-Nelke, auchMarien- knöpfchcu genannt, 1). plumaris, eine beliebte Pflanze zur Einfassung, wird <8 —12 Zoll hoch, hat lineale Blätter, weiße oder blaßrothc Blumen mit vicl- spaltigen Blättern und einen köstlichen, aromatischen Wohlgernch. Sic kommt einfach, halb- und ganzgcfüllt vor. — Die Pracht- oder Pfaucn-Nclkc, D. superbus, ist eine einheimische Pflanze, wird 1'/,—2 Fuß hoch, hat einen krantartigcn Stengel, lanzcttlichc Blatter und vielfach, sehr fein und tief geschlitzte Blumen von weißer, rosenrothcr und dnnkclrothcr Farbe. Sic läßt sich durch Samen, Wurzeltheilnng und Ableger vermehren. Die gefüllte Varietät aber verlangt eine vorsichtige Behandlung. Von den bei uns viel wachsenden Arten wären noch zu nennen: die sprossende Nelke, D. prolifer; die Hain- oder Bnschclnclke, D. armeria; die Grasnelke, D. deltoides; die schcidigc Nelke, D. vaginatus. Schließlich nennen wir noch die baumartige Nelke, I). arboreus, eilt Strauch, der in Candien und Griechenland heimisch ist und bei uns den Winter über im Glaöhausc gezogen wird. Die Blätter sind schmal, fleischig, fast pfricmcnförmig und die blaßrothcn, angenehm duftenden Blumen stehen büschelförmig zusammen. Man vermehrt sic durch Ableger und pflanzt solche, um recht große und vollkommene Exemplare zu erzielen, tut Frühjahr in's freie Land und setzt sie im Herbst mit den Ballen in Töpfe. Hortensie oder Japanische Rose (Hvdrangoa hortensis), von den Blumisten auch Ilortonsis spoeiooa 8. mutabitio genannt, ist ein Pracht- stranch, der 1790 von China nach Rußland gebracht wurde, und von hier ans sich schnell über ganz Europa verbreitete. Die Blätter der 2—4 Fuß hohen Stengel sind elliptisch, gesägt und stehen entgegengesetzt; die Blumen erscheinen im Juni in großen Büscheln, sind Anfangs grün und werden dann roscnroth. Vermischt man die Erde mit Holzkohlcnstaub oder Eisenfcil, so erzeugt man blaue Blumen. Ihre Vermehrung geschieht sehr leicht durch Wnrzclsprossen und Steck linge. Im Winter setzt man sic an einen frostfreien Ort, oder läßt sie im freien Lande stehen, indem man sic gehörig deckt. Dritte Ordnung. Pflanze» mit drei Stanbwegcn. ■ Tanbenkropf, Silenc, Sternkraut, Sandkrant, Rotlcholz. Von den genannten Pflanzen sind das Sternkraut (Stellaria) und das Sandkraut (Arenavia) in vielen Arten verbreitet. Der Tanbenkropf (Cucu-533 balus) kommt seltener vor. Da diese Pflanzen aber in keiner Hinsicht besonders wichtig sind, auch keine besonderen Eigcnthümlichkeiten besitzen, so beschreiben wir zunächst die Silciic (Silono), von der mehrere Varietäten cnltivirt werden. Der fünfzähnige Kelch ist walzen-, bauch- oder keulenförmig; die fünf Blumenblätter sind mit langen Nägeln ver sehen; die cinfächerige oder unvollkommene dreifttchcrigc Kapsel ist mit langen Zähnen versehen. Die nachtbliithige Silcnc, 8. noctiflora, wird 1 — 2 Fuß hoch, der gegliederte Stengel ist wcichhaarig und die gestielten Blüthen sichen einzeln in den Blattwinkcln. Sehr gemein. Die Ohrlöffcl-Silene, 8. otites, mit spindelförmiger Wurzel, wächst an dürren Stellen durch ganz Mitteleuropa, die Wurzclbättcr bilden ohrcnfvrmigc Büschel. Cnltivirt werden: die Nclkcn- Silcnc, M o r g e nr ö ö ch c n oder K l c b n c l k e, 8. armeria, mit zierlichen, rothcn, fleischfarbigen oder weißen Blumen in reichen Doldcntranbcn. Der Stengel wird 1 — 2 Fuß hoch und ist abwärts klebrig; die gehäufte Silcnc, 8. compacta, Stengel und Blätter graugrün, Blumen roth in dichten dreitheiligen Endbüscheln; die hängende Silcnc, 8. pendula, eine vortreffliche Einfassung, wird 1 Fuß hoch und blüht den ganzen Sommer in zierliche», hängenden, rosarothcn und aufgeblasenen Kelchen stehenden Blumen. Stammt ans Italien und von Cannda. Neuere Sorten sind: 8. stocion, ans dem Orient, mit schönen, roscnrothcn Blumen; 8. quiuquevulnera, Fünfwnndcnblümchcu, mit zierlichen, schwarzrothen, weißlich-gerandeten Blümchen; 8. trinervia, aus Italien, mit lebhaft roscnrothcn Blumen in Trauben. NothholZ (Li^türox^lon). Diese Gattung enthält nur ausländische Pflanzen. Linnä kannte zwei Arten: carthagcncnsischcs und havannischcs Rothholz. Die wichtigste Art aber ist der Cocastranch (E. coca), der zwar in Europa nicht bekannt ist, jedoch seiner großen Bedeutung wegen hier einer weitläufigeren Beschreibung verdient. Der Cocastrauch, Erytln-oxylon coca, ist eilt Busch, welcher ungefähr eine Höhe von 6—8 Fuß erreicht und mit seinen kleinen, weißen Blüthen und den breiten, glänzend grünen Blättern dem Schwarzdorn ziemlich ähnlich sicht. Einheimisch ist er in den tropischen Thälcrn, die sich zwischen die östlichen Abhänge der Andcs in Bolivia und Peru cin- schicbcn, und er wächst in vielen Thcilcn dieser Länder wild. Derjenige jedoch, welcher von der Bevölkerung benutzt wird, ist ein Produkt des Anbaues. In den dünnbevölkerten Thcilcn jener Thälcr bildet er die wichtigste Nutzpflanze. Wie der gewöhnliche Weißdorn wird er in Samenbeeten angczogeu und ansdiesen in regelmäßige Cocapflanzungen versetzt. Oft sind die Abhänge jener Thäler 8000 Fuß über dein Meeresspiegel und bei einer durchschnittlichen Tein- peratur von 14 —16" R. ganz mit diesen Cocapflanznngcn bedeckt. Dieselben sind vollständig in Terrassen, eine über der andern, angelegt, wie man dies so häufig bei Weinbergen, z. V. in den Rheingcgenden, in Würtcmberg n. s. w. erblickt. Der Hanptsitz dieser Cnltnr ist die Provinz Avngas im östlichen Bolivia. Mit drei Jahren gelangen die Büsche zu vollem Ertrag und liefern in günstigen Lagen oder da, wo eine Bewässerung derselben möglich ist, drei und selbst vier Blattcrndten im Jahr. Die Blätter sind ungefähr von der Große der Kirschen blätter, und sobald dieselben reif genug zum Abbrechcn sind, werden sie von Wei bern und Kindern eingcsammelt und in der Sonne getrocknet. Der durchschnitt liche Ertrag beläuft sich ans ungefähr 800 Pfund trockener Blätter ans den englischen Acker. Manchmal erzielt man um die Hälfte mehr, oft aber auch viel weniger. Wenn sie eben frisch getrocknet sind, so entwickeln sie einen Geruch, welcher dem von frischem Heu, worin viel Honigklee oder Ruchgras enthalten ist, gleicht; daher verursachen sic dem nicht daran Gewöhnten Kopfweh, wie dies auch bei empfindsamen Personen durch den Geruch des frischen Hcn's er zeugt wird. Die in der Sonne getrockneten Blätter bilden die im Handel vorkommcnde Coca; eine hellgrüne Farbe ist ein Zeichen ihrer Güte. Durch Nässe werden sic dunkel gefärbt und haben dann in diesem Zustande einen minder angenehmen Ge schmack, werden daher auch geringer geschätzt. Sind sie hingegen durch Feuch tigkeit gar'.in Erhitzung gerathcn, so werden sic gänzlich unbrauchbar. Ihr Ge schmack ist nicht unangenehm; er ist leicht bitter und gewürzhaft und gleicht dem jenigen geringerer Sorten von grünem Thce. Er wird hervortretcnder und an genehmer, wenn ein klein wenig Aetzkalk oder Holzasche damit gekaut wird. Alterthnm des Cocaverbranchs. Die Verwendung dieser Pflanze unter den Indianern Südamcrika's reicht bis in das höchste Alterthnm hinauf. Scho» als die spanischen Eroberer die eingeborenen Raccn des peruanischen Jnscl- landes unterjochten, fanden sic wcitansgedchnte Pflanzungen eines Strauches, welcher Coca genannt wurde. Das Wort Coca stammt ans der indianischen Ahmarasprache, in welcher Khoka „Pflanze" bedeutet, eben so tvic auch in Para guay der dort einheimische Theestrauch Icrba oder vorzugsweise „die Pflanze" genannt wird. Und schon die Spanier beobachteten unter jenen Völkern die eigenthümliche Sitte des KauenS der Blätter -jener Pflanze während bestimmter kurzer Ruhezeiten, die eigens zu diesem Zweck bestimmt zu sein schienen. Der Verbrauch der Blätter war so allgemein und die Nachfrage nach denselben so groß, daß sic schon damals in Peru das gewöhnliche Geld oder Tauschmittel bildeten, wie dies heutzutage noch mit dem Tabak nnter den Damara'S, Ovampo'S und anderen Stämmen des südwestlichen Afrika der Fall ist. Die Gewöhnungau diesen Genuß war damals schan alt bei den Indianern, und sein Ursprung ist im Dunkel des fernsten Alterthninö begraben. Nach der Einfiihrung dcS Gold- und SilbergeldeS wurden die Cocablättcr der hauptsächlichste Handelsartikel. Ihre Kultur stand während des Reiches der Inkas unter unmittelbarer Aufsicht der Regierung und wird bis auf den heutigen Tag noch in gleicher Ausdehnung fortgesetzt. Noch immer ist das geliebte Blatt die Wonne und der Trost, ja gewissermaßen das wichtigste Lebensbedürfnis' der Gcbirgöindiancr. Niemals wird mau dieselben ohne die lederne Tasche, ihre Chnspa, worin sie ihre Cocablättcr verwahren, und ohne die kleine Kürbißflasche, worin sich gepulverter ungelöschter Kalk befindet, sehen — den letzteren ersetzen die Bolivianer durch die alkalische Asche der Oninoa, der Paradicsfeigcnwnrzelu oder gewisser anderer Pflanzen. Wenn der Indianer zu seinem Acullicar oder Kauen schreitet, so macht er cs sich so bequem, wie cS die Umstände nur immer erlauben. Er legt seine Bürde ab, wenn er welche trägt, setzt sich nieder, nimmt seine Chnspa zwischen die Knice und daraus, eines nach dem andern, die Blätter, ans welchen er eine neue, mundgerechte Kugel formen will. Die Aufmerksamkeit, die er dieser Arbeit widmet, ist der Betrachtung wcrth. Die innere Zufrieden heit, mit welcher er in der Blättcrmenge einer angefüllten Chnspa wühlt, und das traurige Bedauern, mit dem er seinen kleinen Sack anblickt, wenn derselbe beinahe leer geworden ist, — diese kleinen Merkmale beweisen, daß jene Angc- wöhnung für den Indianer eine Quelle von wirklichem Glück und nicht bloß die Befriedigung eines rohen Bedürfnisses ist. Immer dreimal, manchmal auch vier mal tut Tage stellt er die Arbeit, sei sic im Bergwerk oder anderswo, ein, legt Last und Handwerkszeug ab und verwendet die Panse, um das köstliche Blatt in Ruhe zu kauen. Denn beim Reiten oder Gehen oder Arbeiten haben die Blätter nur geringe Wirkung. Eben so wie cs der Fall mit Opium und Hanf ist, sind Unthätigkeit und Ruhe völlig unerläßlich zur Hervorbriugnng des vollen Genusses dieser Schwelgerei. Behaglich in dem Schatten eines Baumes hingestrcckt, nimmt der Indianer von Zeit zu Zeit ein paar zu einer Kugel znsammengerollte Blätter, einen Acullico, in den Mund, ergänzt dieselben mit etwas ungelöschtein Kalk, welchen er mit der Spitze eines angefcnchteten Holzspans aus der Kürbißflasche nimmt und in den Mund bringt. Dieser verleiht erst dein Blatt den wahren Geschmack und verursacht einen reichen Fluß von grüngcfärbtcm Speichel, welcher zum Thcil ansgcworfcn, zum Thcil verschluckt wird. Sobald die Kugel keinen Saft mehr hcrgibt, wird sic auSgcspiccn und eine frische genommen. Die arbeitenden Indianern gewährte Erholungszeit dauert von 15 Minuten bis >/>2 Stunde und ivird gewöhnlich mit dem Rauchen einer Papicrcigarre ge schlossen. Bei der drei- oder viermaligen Wiederholung derselben täglich beträgt der durchschnittliche Verbrauch an Coca ans den Einzelnen 2 — 3 Loth in je 24 Stnndcn und an den Feiertagen dnö Doppelte.536 Die Minenbesitzer und Pflanzer haben cs schon längst in ihrem Interesse gefunden, dreimal im Tag ein Ausruhen von der Arbeit für den sogenannten Chaccar zu gestatten; und jeder Indianer verläßt augenblicklich den Arbeitsgeber, welcher ihm diese Schwclgezcit verkürzen oder verbieten will. Während solcher Zeiträume ist das Phlegma dieser Leute manchmal wahrhaft wunderbar. Weder der heftigste Zorn, noch die verführerischsten Reizmittel von Seiten ihrer Auf seher werden in ihnen die geringste Bewegung Hervorrufen; der vollendete Coquero, der unter dem Einfluß des Blattes befindlich, achtet den wüthenden Orkan, der ihn unter zerknickten Riesenbäumen zu begraben droht, nicht im Ge ringsten. DaS Herannahen reißender Thiere ist ihm völlig gleichgültig, und das lohende Feuer, welches das Gras der Steppe in Brand gesetzt hat und ihn in seinem Lager zu ersticken oder zu rösten droht, scheint ihn durchaus nicht an- zugchcn. Die Indianer der pcrnvianischcn Andes sind häufigen Anfällen von Trüb sinn ausgesctzt, überhaupt von einer düsteren Gemüthöart. In ihren häuslichen Beziehungen, berichtet v. T sch n d i, sind sic höchst ungesellig und mürrisch. Mann, Weib und Kinder leben zwar zusammen, aber mit augenscheinlich geringer Zu neigung gegen einander; die Kinder scheinen sich ihren Eltern nur mit Furcht zu nahen, und öfters vergehen ganze Tage, ohne daß sic ein freundliches Wort mit einander wechseln. Wenn er nicht außerhalb Arbeit hat, so sitzt der Indianer düster in seiner Hütte, kaut Coca und brütet über seinen eigenen Gedanken. Dr. Weddell, der in der letzteren Zeit Bolivia bereist hat, gibt eine ähnliche Beschreibung von der Erscheinung und den Sitten dieser Völker. Er sagt: „ES ist schwer, eine Zeit lang unter diesen Menschen zu leben, ohne den Eindruck tiefster Melancholie zu empfangen, der ans ihren Gesichtern zu lesen ist, und von einem unbestimmten, aber unendlichen Leid zu erzählen scheint. Vor Allem ist diese Gcsichtsbildung bemerkbar unter den Aymara's, deren Charakter auch viel ruhiger und schweigsamer ist, als derjenige der Quichna's, welche mit denselben zusammen die Tafelländer der Andes bewohnen." — Ucbrigens scheint cs keineswegs, daß der Cocagcnuß etwas zu dem Traucr- muth der unglücklichen Indianer beitrage; im Gcgcnthcil scheint er sic zeitweilig ans ihrer besonderen Gemüthsstimmung empor zu reißen. Um dadurch in eine Art Rausch versetzt zu werden, sind zwar Stille, Ruhe und Abgeschlossenheit noth- wendig, aber der Genuß macht ihn doch froh und glücklich und ist für den meist schmählich geknechteten, unglücklichen und immer armen Peruaner die Quelle der höchsten Wonne. Er hat denselben alö ein Vermächtniß der alten Freuden seines ehemals mächtigen Volkes überkommen, und während des dadurch hervorgcbrachten Zustandes der Verzückung nimmt er wieder an Vergnügungen und Genüssen Thcil, von welchen er im gewöhnlichen Leben völlig ausgeschlossen ist. vr. Wed- dcll bemerkt mit besonderem Nachdruck, daß er an die Coca als an ein Stück Erbe der Vergangenheit abergläubische Ideen knüpft, die in seiner Einbildungs-537 kraft die Wohlthat, welche sic ihm gewährt, verdreifachen, und daß ihr Werth für ihn dadurch auf's Höchste gesteigert wird, iuct£ sie ihm die alleinige Zer streuung bringt, welche die unglaubliche Einförmigkeit feines Daseins unterbricht. Allgemeine Wirkungen des Cocablattcs. Das Cocablatt wirkt in verschiedener Weise je nach der Art, in welcher es verwendet wird. Wird ein Aufguß darauf gemacht und dieser wie Thcc getrunken, so bringt er eine ange nehme Aufregung, auf welche Schlaflosigkeit folgt, hervor; wird derselbe stark genommen, so hält er das Eintreten von Hunger zurück, verhütet die gewöhnliche Athcmlosigkcit bei dem Erklimmen von Höhen, erweitert in starken Gaben den Augapfel und macht das Auge fühllos gegen die Einwirkung des Lichts. Ucbrigcns wird daö Blatt selten auf diese Weise verbraucht, sondern gewöhnlich in der Form einer Kugel oder eines Prümchcns gekaut, das in dem Munde hin und her gewälzt wird, wie cs mit dem KautabaL geschieht. Auf diese Weise ist seine Wirkung allmäliger und andauernder, als wenn bloß der Aufguß getrunken wird. Auch in ihren Merkmalen ist sic sehr verschieden von dem letzteren, weil durch das fortwährende Kauen, den beständigen Einfluß des Speichels und den des Zusatzes von Kalk oder Asche aus dem Blatt gewisse andere wirksame Bestand- thcile auögezogcu werden, die ein Wasscranfguß, wie bei Thee, nicht zu lösen vermag. Der Anbau und der Gebrauch der Coca hat sich von den östlichen Abhän gen der Audcs bis nach verschiedenen Theilen Brasiliens und längs der Ufer des Amazoncustroures verbreitet. Allein hier ist die Verwendung etwas verschiedener Art. Die Blätter werden getrocknet und in einem hölzernen Mörser zugleich mit der Asche der Blätter des Trompctenbanmcs, Cecropia peltata, in ein Pulver verwandelt und diese Mischung wird dann für den Gebrauch anfbewahrt. Von Zeit zu Zeit nun nehmen die Indianer etwas von diesem grünlichen Pulver in den Mund, namentlich wenn sic hungern, oder schläfrig werden wollen. Es vcr- niehrt die Speichelabsonderung, bringt ein Gefühl von Sättigung und Wärme un Munde hervor, beschwichtigt den Hunger und steigert die Körperthätigkeit. Es liegen allerdings über die besonderen Wirkungen, welche das Blatt er äugt, keine Berichte von Jemand vor, der cs selber gekaut hat; aber dieselben müssen sehr verführerisch sein, weil, obgleich daö Kauen gcbrandmarkt und immer noch allgemein als eine erniedrigende, bloß indianische und deshalb verächtliche Angewohnheit betrachtet wird, doch auch viele weiße Peruaner in Lima und anderswo sich täglich zu bestimmten Zeiten zurückziehen, um ihre Coca zu kauen. Selbst Europäer in den verschiedenen Theilen des Landes haben die Gewohnheit angenommen. Ein eingefleischter Cocakaner wird ein Coguero genannt, und ein folchor soll öfters ein weit größerer Sklave seiner Leidenschaft für das Blatt werden, nlö dies bei den ältesten Trunkenbolden gegenüber geistigen Getränken der Fall ist.538 Manchmal wird der Cogncro non einer leidenschaftlichen Gier befallen, wel cher er nicht zu widerstehen vermag; dann begräbt er sich Tage lang in die Stille des Urwalds und gibt sich hier rückhaltslos dem Genuß der Coca hin. Oft werden junge Männer aus den besten Familien in Peru von diesem cigenthnm- lichcn Verlangen heinigesucht, und dann werden sic gewöhnlich als verloren be trachtet. Sie verlassen die großen Städte und die Gesellschaft civilisirtcr Mcn- schcn und leben hauptsächlich in den Wäldern oder in indianischen Dörfern, die sie aber ebenfalls verlassen, um ein wildes und ganz einsames Leben zu führen. Daher bezeichnet der Ausdruck: ein weißer Cogncro dort eben so viel, als bei nnö die Bezeichnung: unverbesserlicher Trunkenbold. Das Cocakauen verleiht einen unangenehmen, nach Wcddcll abscheulichen Athcm, bleiche Lippen und Gaumen, grünlich gefärbte, stumpfe Zähne und einen häßlichen, schwarzen Fleck in den Mundwinkeln. Der alte eingefleischte Cogncro ist ans den ersten Blick kenntlich. Sein unsteter Gang, seine gelbe Haut, seine eingesunkenen schwachen Augen, die von einem dnnkelrothen Ring umgeben sind, seine zitternden Lippen i>nd seine allgemeine Fühllosigkeit bezeugen augenscheinlich die schlimmen Einflüsse des Cocasnftes, wenn derselbe in Uebcrmaß genossen wird. Seine erste üble Wirkung ist eine Schwächung der Verdauung; nach der selben tritt allmälig eine unter dem Namen Opilation bekannte, örtliche Krankheit ein. Gallcntcidcn mit allen den schmerzhaften Merkmalen, welche den selben in tropischen Climaten anhängcn, und vornehmlich Gallensteine stellen sich häufig und heftig ein. Der Appetit wird außerordentlich unbeständig, bis er sich zuletzt von aller gewöhnlichen Nahrung wegwendct und in einen unregel mäßigen Heißhunger nach thicrischcn Anöwnrfcn verlvandelt. Alsdann tritt Wassersucht ein, der Kranke, wenn er cS vermag, nimmt seine Zuflucht zum Branntwein, siecht vielleicht noch ein paar elende Jahre hindurch hin, bis ihn endlich der Tod erlös't. Diese Beschreibung ist allerdings sehr znrückschreckend, faßt aber auch nur die dunkle Seite dcö Gemäldes ans. Eine ähnliche Darstellung könnte mit völ liger Wahrheit in gar vielen Fällen auch von den üblen Wirkungen deö Weins oder des Biers gcinacht werden, ohne daß cö deshalb nöthig wäre, diese Getränke völlig zu verbieten oder ihren Genuß selbst gänzlich aufzugeben. Jene außer gewöhnlichen Fälle, welche in Obigem der berühmte Reisende Pöppig hcrbei- zieht, stießen einem anderen, neueren Beobachter, Wcddcll, selbst da, wo Coca am meisten im Gebrauch war, nirgends ailf. „Das Kauen des Blattes," sagt er, „bringt allerdings auf Europäer, welche nicht von Jugend auf daran gewöhnt gewesen sind, sehr üble Wirkungen hervor." Und in zwei oder drei Fällen, die er beobachtet hat, schreibt er dein Uebcrmaß des Genusses die Hcrvorbringnng eines cigcnthümlichcn Irrsinns, der sich durch merkwürdige Erscheinungen der Einbildungskraft äußerte, zu. Auch v. Tschadi führt als daö Endergebnis;seiner Nachforschungen an: „Alle übertriebenen und eingebildeten Ansichten über diesen Gegenstand bei Seite gesetzt, bin ich der gerechten Meinung, daß ein müßiger Cocagennß nicht bloß unschädlich ist, sondern daß er sogar selbst der Gesundheit zuträglich sein kann. Diese meine Ansicht wird unterstützt durch die zahlreichen Beispiele von langer Lebensdauer unter den Indianern, welche meistens schon vom frühen Kindcsalter an sich das Cocakanen angewöhnt haben nnd cs mindestens dreimal täglich ansüben. Fälle, in welchen Indianer das hohe Alter öon 130 Jahren erreicht haben, sind durchaus nicht selten; und diese Leute müssen bei der gewöhnlichen Menge der Gabe während der Dauer ihres Lebens nicht weniger als 2700 Pfund Blätter verkant haben und sind dabei völlig ge sund geblieben. Selbst der indianische Cogncro, welcher die Sache in Uebcrmaß betreibt, erreicht gewöhnlich noch das Alter von 50 Jahren. Die Coca wird übrigens in größeren Mengen nnd mit weit minder schädlichen Wirkungen im Gefolge in den höheren Gegenden der Andes, als in den tieferen nnd wärmeren Bezirken verbraucht." — Sicher ist cs, daß die pernvianischen Indianer ihr von jeher die außer gewöhnlichsten Tugenden zugesprochen haben. Clusins, welcher schon 1605 schrieb, erzählt, daß, wenn er die Indianer gefragt, 4varnm sic immer die Coca "n Munde hätten, er zur Antwort erhalten habe, der Gebrauch derselben schütze sic vor Hunger und Durst, erhalte ihre Körperstärke und Gesundheit; und Di-, klnanui, welcher eine Abhandlung über die Pflanze geschrieben hat (Lima 1794), spricht davon als „la famosa planta del Peru nombrada coca.“ — Noch heutzutage betrachten sic die Indianer als gewissermaßen heilig nnd gehcimnißvoll. Diesen Eindruck haben sic wahrscheinlich als ein Ucberbleibscl ihrer alten vormaligen Religion geerbt; denn zu den Zeiten der Inkas spielte die Coca sowohl bei den kriegerischen, wie bei den gottesdienstlichen Feierlichkeiten eine große Rolle. Die Priester boten ihren Göttern den Rauch der Blätter, die sic handvollweisc ans das Opfer warfen oder alö Opfer selbst darbrachtcn, als angenehmste Gabe von den Altären dar. Während der ganzen Zeit des Gottesdienstes kanten die Priester Coca- Rätter, nnd che sic nicht damit hinreichend versehen waren, konnte die Gunst der Mütter nicht hcrabgcftcht werden. Eben so durfte derjenige, welcher die göttliche Huld anrief, sich den Priestern nicht anders nähern, als den Aenllico im Munde, ^cine Unternehmung, kein Geschäft ward für gedeihlich nnd glücklich gehalten "hue den Segen der Cocablättcr, und selbst dem Baum ward göttliche Verehrung i'czeigt. Und während eines Zeitraumes von mehr als 300 Jahren vermochte das Christenthum diesen tief eingewurzelten Aberglauben nicht zu zerstören, nnd überall findet man noch Spuren des Glaubens an die geheimnißvollen Kräfte >e>er Pflanze. Die Grnbenlcnte in den Minen dcö Cerro de Plasco bestreichen ) ai 'tc Mctälladcrn mit der gekauten Coca, im Glauben, daß sic das Erz erweiche540 und dadurch die Arbeit erleichtere. Der Ursprung dieser Gewohnheit erklärt sich leicht, wenn man weiß, daß in der Zeit der Inkas der Glauben herrschte, die CozaS, die Gottheiten der Metalle, hielten die Gebirge undurchdringbar ver schlossen, so lange sic nicht durch Cocaräuchcrnngcn günstig gestimmt worden seien. Noch heutzutage stecken die Indianer Cocablätter in den Mund der Tobten, um denselben dadurch eine günstige Aufnahme bei ihrem Eintritt in die andere Welt zn sichern; und wenn ein pcruvianischer Indianer zufällig ans eine jener alten Mumien stoßt, welche redende Denkmale der großen Vergangenheit seines Volkes sind, so bietet er ihr mit schüchterner Ehrfurcht einige Cocablättcr als fromme Gabe an. (v. Tschndi.) Besondere Wirkungen dcSCocablattcS. Selbst diejenigen Europäer, welche vermöge ihrer genauen Bekanntschaft mit den indianischen Nacen die Wir kung dieser Pflanze auf dieselben am genauesten beobachtet haben, stellen nicht in Abrede, daß neben den gewöhnlichen Eigenschaften eines schwach narkotischen Stoffes die Cocablättcr zwei ganz besondere Eigenthümlichkeiten besitzen, welche sie, so viel bekannt, mit keinem anderen Stoff thcilen. Diese bestehen in Folgendem: Erstlich, wenn sic gekaut werden, so verringern sie die Begierde nach ge wöhnlicher Nahrung und anscheinend also auch das Bcdürfniß darnach; sic befähigen den Kauenden nicht allein in gleichem Grad, wie dies Opium und Branntwein thun würden, zu einer stärkeren Nervenanspannung ans eine kurze Zeit, sondern auch wirklich unter sonst gleichen Nahrungsvcrhältnisscn größere Arbeitsanstrengungen oder langdanernde Strapazen zu ertragen. Mit einer Hand voll gedörrtem Mais oder Gcrstenschrot schwitzt der Indianer, sobald er nur hinreichend mit Coca versehen ist, Dag für Tag unter den schwersten Bürden ans den steilsten Pfaden der Gebirgspässe, oder schürft Jahre lang tief im Schooßc der Erde in den Minen und fühlt dabei weder Hitze noch Kälte, weder Hunger noch Müdigkeit. Er glaubt in der That, daß die Coca einen Ersatz für jegliche Nahrung biete, und ein von Tschndi erzähltes Beispiel scheint auch diese Mei nung zu rechtfertigen: „Ein Choloindianer aus Huari, Namens Hatan Hnamang, stand als Gruben arbeiter bei mir in Diensten. Während der 5 Tage und Nächte seiner ange strengten Mincnarbcit berührte er nicht einen Bissen Nahrung und schlief jede Nacht höchstens nur 2 Stunden. Allein in Zwischenräumen von 2'/ 2 bis 3 Stunden kante er regelmäßig ungefähr 1 Loth Cocablättcr und behielt fortwäh rend den Acnllico im Munde. Ich war immer an seiner Seite und hatte deshalb Gelegenheit, ihn beständig und genau zu beobachten. Nach Beendigung der Arbeit, für welche ich ihn gcmicthet hatte, begleitete er mich noch auf einer zwei tägigen Steife von 23 Stunden weit über das Küstengcbirge. Obgleich ohne Nahrung, hielt er doch stets mit meinem Manlthlcr völlig Schritt und begnügte541 sich einzig mit dem Chaccar als Ruhezeit. Als er mich verließ, erbot er sich freiwillig, dieselbe Arbeit gern fortzusctzen, und daß er durchaus keine Nahrung beanspruche, wenn ich cS ihm nur nicht an Coca fehlen lassen wollte. Der Priester seines Dorfes versicherte mir, der Mann sei 62 Jahre alt und noch niemals krank gewesen." Nach vr. Weddell's Bericht, welcher erst in der neuesten Zeit Volivia bereist hat, erzeugt allein die Provinz IvngaS dieses Landes, in welcher die Coca sehr stark angebaut wird, jährlich 9,600,000 spanische Pfunde Blätter. Das Gesammterzeugniß muß demzufolge jedenfalls noch weit mehr als 15 Mil lionen Pfund betragen. Die Wichtigkeit dieser Pflanze geht noch aus einem anderen, von demselben Reisenden erwähnten Umstand hervor, — daß nämlich das Einkommen des Staates Volivia im Jahre 1850 sich ans IO 1 /* Millionen Francs belief, von welchen 900,000 oder ein Zwölftheil der Gesammtsumme von der Besteuerung der Coca herrühren. Hätte derselbe zugleich die auf das Pfund entfallende Auf lage angegeben, so wäre cs leicht gewesen, das Gesammterzeugniß des Staates Volivia mit annähernder Richtigkeit zu schützen. Ziehen wir in Betracht, daß sich die Cultnr und der Verbrauch der Coca wich im Osten von Bolivia und Peru weit hinein nach Brasilien und längs der Ufer des Amazonenstromes erstreckt haben, so wird cs kcineswcgcS übertrieben er scheinen, wenn wir Produktion und Consnmtion an getrockneten Cocablättcrn uns die jährliche Summe von 30 Millionen Pfund abschätzen. Zn dem obigen Preis machen dieselben einen Werth aus von 10 Millionen Thalern, und den durchschnittlichen Ertrag eines Ackers Land auf 800 Pfund gerechnet, sind min destens 37,000 Acker guten und sorgfältig behandelten Bodens zur Erzeugung jener Menge nothwendig. Eben so dürfen wir annehmen, daß das Kauen der Coca unter wenigstens 10 Millionen Menschen eingebürgert ist. Die deutschen Arten blühen meist gelb oder weißlich und leben wochenlang Vierte B r d n u u g. Pflanzen mit fünf Staubwegen, lblanerpfeffer, Sauerklee, Lichtnelke, Hornkraut, Spark, Klebnelke. Mauerpfeffer oder Fetthenne (Sedum).und wird als Salat vcrspeis't. Wichtiger ist der scharfe Mauerpfeffer, 8. aere, der auf sandigen Anhöhen, Lehmmaucrn und Dächern wächst, fleischige, stielrnnde Blätter und gelbe Blumen mit kurzem Stiele iu Afterdoldcu trägt, pfefferartig schmeckt, äußerlich die Haut röthet und innerlich Erbrechen und Purgircn erregt. Diese Seduiuart ist officiuell und wird vorzüglich iu epileptischen Krankheiten mit glücklichem Erfolg augcwcudct. Tripmadam, 8. reflexum, eine Scdnmart, welche hin und wieder «»gebaut wird, indem ihre Blätter einen pikanten Salat geben. Sanerklc (Oxalis). Der gemeine Sauerklee, auch Hasen-, Kukuksktcc genannt, 0. acetosella, wächst durch ganz Europa in Büschen und an feuchten Orten, hat bleichgrüne, behaarte Blätter von säuerlichem Geschmack. Die Vlüthcn sind weiß, selten violett, stets aber zierlich pnrpurroth geadert. Die ganze Pflanze enthält ein klecsanres Kali, welches unter dem Namen Kleesalz (Oxalium s. Sal essentiale acetosellae) bekannt ist, der Fäulniß widersteht und zum Reinigen der Wolle und zur Vertilgung der Flecken aus Leinwand gebraucht wird. Die Blätter werden wohl unter den Salat gemischt und geben, in Milch gekocht, angenehme Molken. Der steife Sauerklee, 0. stricta, ist als ein wucherndes Unkrünt in unser» Gärten bekannt, und ist, weil die Wurzeln kriechende Ausläufer haben, schlecht zu vertilgen. Der eßbare Sauerklee, 0. esenlenta, stammt ans Mexiko, und wird seiner hübschen rothen Vlüthcn und seiner farbigen Pflanzenblättcr wegen als Einfassung der Blumenbeete angcbaut. Die weiße, fast glasartige, spindelförmige Wurzel, welche an ihrem oberen Ende mit Samcnknöllchcn um geben ist, ist sehr wohlschmeckend, wenn sic in der Art, wie Schwarzwurzel, zn- bercitct wird. Die Zwicbelknöllchcn werden im Mai in's freie Land gepflanzt und die Pflanzen beim Eintritt dcö Herbstes anfgcnvmmcu. Es gibt über 300 Arten Sauerklee, von welchen viele als hübsche Zierpflanzen angcbaut werden. Sehr schön ist der reich blumige Sauerklee, 0. floribunda, aus Brasilien stammend, der fast das ganze Jahr hindurch blüht, und seine schönen, lebhaft rosenrothcn Blumen in reichen Dolden trägt. Verlangt im Winter 8 —10" Wärme. Sehr zu empfehlen ist 0. Ehrenbergii , welcher in schöner Dolde 12 bis 20 schwefelgelbe, wohlriechende Blüthcn treibt, die fast 1 Zoll lang werden. Lichtuelkc (Lychnis). (Taf. XVII. Fig. 18.) Die Lichtuelkc ist mehr verwandt mit der Silenc, die ein- bis fünf fächerige Kapsel aber springt mit 5—10 Zähnen auf, indem je zwei zusammen- geklebt bleiben. Wildwachsend sind die Acker lichtuelkc, L. arvensis, mit zot tigem , starrem Stengel und nickender, in einer Rispe stehender Blume. Ihre weiße Wurzel wurde früher wie die Wurzel des Seifenkrautes gebraucht. Die Waldlichtnelke, L. sylvestris, ist der vorigen sehr ähnlich, blüht aber weitfrüher und wächst tut feuchten Orten in schattigen Laubwäldern. Sehr gewöhn- lich ist die sogenannte Knknksblumc, ri. 6os cuculi, mit gefurchtem, kantigem Stengel, roscnrothcn, selten weißen, tief geschlitzten Blumen, ans feuchte» Wiesen wachsend. Cultivirt werden die Pechnelke, L. viscaria, auch Ktebnclke, Morgen- röschen genannt. Die einfachen Arten sind in Wiesen ein lästiges Unkraut, indem sie vom Rindvieh nicht berührt werden. Die gefüllte Art wird in Gärten gezogen, und die hübschen, pnrpurrothen, in dichten Endbüschcln stehenden Blütchen nehmen sich sehr gut ans und blühen mehrere Wochen. Brennende Liebe, Malthcscrkrcuz, auch Fcuernelke genannt, L. chalcedonia , eine hübsche Percnnic aus Rußland, hat scharlachrothc, in dichten Büscheln stehende, nelken- artigc Blumen, wird 2 — 3 Fuß hoch und variirt auch in gefüllten Sorten. Sehr hübsch ist die leuchtende Lichtnclke, L. fulgcns, ans Sibirien stammend, die 2 — 3 Fuß hoch wird und mit prachtvollen, brenncnd-scharlachrothen Blumen in reichen Endbüschcln florirt. Noch schöner ist die großblumige Lichtnelke, V grandiflora, ciitc ans China und Japan stammende Percnnie mit gegliedertem, 1—2 Fuß hohem Stengel und großen, gclb-scharlachrothen Blume». Alle Arten verlangen einen fetten Boden, etwas schattige Lage und lassen sich durch Wurzel schößlinge und Samen vermehren. Das Hornkraut, Cerastium, hat einige Achnlichkeit mit dem Sternkraut, unterscheidet sich aber namentlich dadurch, daß die Samenkapsel des crstercn mit 10 Zähnen aufspringt und der Fruchtknoten säulenförmig, fast sticlrund ist. Der Spark, Spörgel, Lxsrgula, ist in einigen Gegenden ein vortreff liches Fnttcrkrant, tvelchcö in Stoppelland gcsäet und im Spätherbst abgeweidet wird. Der kleine schwarze Samen enthält Oel. Die Ktebnclke (Viscaria) ist nicht zu verwechseln mit der Pechnelke, welche auch bistveilcn diesen Namen fuhrt. Die echte Klebnelke, Viscaria oculata, ist ein sehr schönes Sommer gewächs, 2 Fuß hoch und höher, mit lincallanzettlichen Blättern und schönen lilla-rvscnrothen, im Grunde schwarzpunktirten Blumen, welche bis im September storircn. Man Pflanzt sic auch wohl in Töpfe, um sicher reifen Samen zu er halten und hat dann zugleich die Freude, bis Weihnachten blühende Exemplare bewahren. Das Batcrland dieser Pflanze ist das nördliche Afrika.544 Fftn fte Brdnu n g. Pflanzen mit zehn Stanbwcgcn. Die Kermcsbecre skii^toiavva ciooanlira). Die hier genannte ist die einzige, welche sich im südlichen Europa verwil dert vorfindct; alle übrigen Arten wachsen in Afrika, Indien und in einzelnen Theilen von Amerika. Die gemeine Kcrmcsbccrc wird auch amerikanischer Nacht schatten genannt, ist ein Halbstrauch, der 5—7 Fuß hoch wird, eine fünfblät terige, roscnrothc Blume und eine beerenartige Frucht hervorbringt. Wurzel, Kraut und unreife Beeren sind medicinisch und enthalten eine pikante Schärfe. In Amerika genießt man die jungen Blätter als Gemüse, und mit dem schönen rothcn Safte der Beere färbt man in Ungarn und Frankreich Weine. Häufiger aber dienen die Beeren zur Färbung der Zuckerbäckerwaaren; auch wird daraus eine violette Farbe für Wolle und Seide bereitet- Essste Masse. Pflanzen mit 16—12 Staubgefäßen. Erste B r d n u n g. Pflanzen mit einem Staubwcgc. Haselwurz, Portulak, Blutkraut, Cuphea. Haselwurz (Asarum). sTaf. XVir. Fig. 19.) Allgemeine Kennzeichen sind: ledcrartigc, drei- bis vicrspaltigc, glockenförmige Blume, zwölf Staubgefäße, bei denen die Fäden über die Staubbeutel hinaus verlängert sind, sechslappige Narben und lederartige Kapsel. Die gemeine oder europäische Haselwurz, A. Europaeum, ist eilt Rankengewächs, welches in Laub wäldern, namentlich unter dem Haselgcbüsch häufig vorkommt. Die Blüthen stehen einzeln zwischen den jungen Blättern, sind grünröthlich von außen, dahin gegen von innen schwarzroth. Bon den 12 Staubfäden kommen sechs früher zur Entwicklung, als die übrigen. Die Blätter sind lederartig, langgcstielt, nieren förmig und stehen zu zweien. Wurzel und Kraut sind officincll. Erstere ist ab führend und dient zugleich als Brechmittel. Die Blätter haben dieselben Eigen schaften, werden aber als Nießmittel besonders dem sogenannten Schneeberger beigemischt. Linus beschreibt noch die canadischc und virginische Haselwurz,welche mit voriger Art gleiche Eigenschaften haben. Die canadische ist in ihrem ganzen Ban nur größer und die virginischc unterscheidet sich durch ihre herzför migen, gefleckten Pflanzenblätter. In Amerika bereitet man ans der Pflanze, indem man sic mit Schweinefett kocht, eine vorzügliche Salbe wider den Brand. Portulak (Portulaca oleracea) ist ein sehr angenehmes Knchengcwächs, welches namentlich als Snppcnkraut ge braucht wird. Der Portulak wächst in Ostindien, Amerika und dem südlichen Europa wild. Die Blätter sind keilförmig, fleischig und stehen am Ende der Pflanze fast qnirlförmig. Die kleinen gelben Blümchen sind unscheinbar und sitzen einzeln in den Blnttwinkeln. Der Portulak verlangt fetten, lockern Boden und sonncnrcichc Lage. Gegen Kälte ist er sehr empfindlich. Die Blätter sollen ein vorzügliches Mittel Wider den Scorbnt sein. Linnö beschreibt außer der ge nannten noch sieben Arten, wovon wir nur den strauchartigen Portulak, P. fructicosa, erwähnen, der ein strauchartiges Gewächs ist, in Amerika wächst und iveiße Blüthcn trägt. In neuerer Zeit ist P. Gillesii bei den Blumenfreunden sehr in Aufnahme gekommen. Man hat verschiedene Farben, die sich alle überaus schön anönchmen. Selbst als Topfpflanze ist diese Art sehr zu empfehlen. Blutkraut oder Weiderich (Lythrum). Das gemeine Blutkraut, L. salicaria, wächst an feuchten Orten, hat herzförmige Blätter und schöne rothc Blumen in einer langen Achrc. Das Kraut dient zum Gerben und Färben, wird in der Medici» gebraucht und soll ein gutes Mittel ividcr den schwarzen Kornwnrin sein. Linnä zählt 10 Arten auf, die sich besonders durch die Form der Blätter unterscheiden und wonach sic ihren Namen führen. Cuphca (Cupiioa). Die silcncnähnlichc Cnphea, 0. silonoiäs«, ist ein hübsches Sommcr- gcwächs, welches 1 Va Fuß hoch wird, lanzettförmige Blätter, einen branngc- gcstrciftcn Kelch und sechs schwarz-purpnrrothe Kronblätter hat, wovon die zwei ober» blaßlilla gesäumt sind. Man pflanzt sie an eine sonnige Stelle in's freie Land; sie eignet sich aber auch als Topfpflanze für das Zimmer. Z w e 1 1 1 Drdnung. Pflanzen mit zw ei Staubw eg en. Odermcilttlg (Agrimonia). Die überall wildwachsende Art ist der gemeine Odermennig, A. Eupatoria, "nt gelben Blüthcn in langen Aehren, die einen schwachen, balsamischen Geruch 'U c n ni c r '•! Nalurgeschlchtk. 35546 haben, der sünfspaltige Kelch ist mit hakenförmigen Borsten besetzt. Diese Pflanze gibt eine gute gelbe Farbe, dient zum Gerben und wird in der Medicin gebraucht. Cultivirt wird der wohlriechende Odermennig, A. odorata, 3 — 4 Fuß hoch, gefiederte Blätter, goldgelbe Blumen in langen Endähren. Die ganze Pflanze duftet erdbeerartig. Der duftende Odermennig, A. suaveolcns, hat einen sehr ranhhaarigcn Stengel und unterbrochen gefiederte Blätter, mit lanzcttlichcn Blätt chen. Die lange, gelbe, angenehm duftende Blüthcnähre ist ctwaö kleberig. Beide Arten lassen sich durch Wnrzclthcilung vermehren. Dritte Drdnnng. Pflanzen mit drei Stanbwegcn. Reseda (Koseda). Die wohlriechende Reseda, R. odorata, ist ein beliebtes, wohlriechendes Sommcrgcwächs, welches sich häufig von selbst anösäet, wo cs einmal gestanden. In Töpfe verpflanzt, läßt sich die Pflanze zu einem zierlichen Bäumchen ziehen und bei-guter Behandlung überwintern. Wichtiger ist die Wan-Rcscda, welche einen 2 — 5 Fuß hohen, kantigen Stengel treibt, der mit lanzettförmigen Blät tern besetzt ist und an dem die gelben Blüthcn in Aehrcn stehen. Die ganze Pflanze enthält in allen Thcilen einen gelben Färbestoff und ist deshalb wichtig. Wolfsmilch (Euphorbia), eine zahlreiche Familie sehr verschiedener Pflanzen. Linn6 beschrieb schon 64 verschiedene Arten. Wir können hier nur die wichtigsten Arten aufführen. Die officinellc oder gebräuchliche Wolfsmilch, E. offieinarum, hat in ihrem Acußcrn viele Achnlichkcit mit einer CactuSpflanzc. Ihr mit tiefen Furchen durchzogener Stengel steht aufrecht, ist armdick und wird 3 — 4 Fuß hoch; treibt abstehende oder aufrechte Aeste nnd ist mit Stacheln besetzt. Die Blüthcn er scheinen am Ende des Stengels oder der Aeste mit einem kurzen, eirunden Dcck- blattc an jeder Seite des Döldchcnö. Die Hcimath dieser Pflanze ist Mittcl- und Südafrika. Sic ist cs besonders, welche das gebräuchliche Enphorbienharz (Gummi s. Gummiresina Euphorbii) liefert, das ans dem verhärteten Milchsäfte besteht. Mit dieser Art sind verwandt Euph. antiquorum, in Egypten; Euph. canaviensis, auf den canarischcn Inseln; Eupb. neriifolia, in Ostindien, welche sämmtlich cactusartig gebaut sind, und die man auch als Zierpflanzen hin und wieder im Glashanse cultivirt. Die bei unö wildwachsenden Wolfsmilch-Arten sind fast sämmtlich einjährige Pflanzen, welche sich durch Samen fortpflanzcn.35 » 547 Officinell davon sind: die Sumpf-Wolfsmilch, L. xalustris, die gemeine Wolfs milch, 12. esula, und die Ehprcsscn-Wolfsmilch, bl. e/xarissias. Alle Arten ent halten viel Milchsaft, der sehr ätzend ist und sogar Leinwand zerfrißt. Der Same ist durchweg so scharf narkotisch, daß er, in's Wasser geworfen, die Fische betäubt. Nur der Wolfsmilch-Nanpc dient die gemeine Euphorbie zur Nahrung; kein anderes Thier berührt ihre Blätter. auch Hanslaub genannt, ist eine sehr bekannte Pflanze, welche man hin und wieder bei den Landleuten auf dem Dache, wohin sie natürlich gepflanzt ist, an trifft. Ein Beweis, daß sie wenig Nahrung aus der Erde, dieselbe vielmehr aus der Luft zieht. Man hat sie früher zu den Sedum-Arten gezählt. Das gemeine Hauslaub, 8. teotormn, hat dicke, fleischige Blätter, welche artige Rosetten bilden. Die purpurrothcn, außen grünlichen Blüthen stehen in großen Trugdolden. Wächst sehr häufig auf den Alpen und kommt jetzt verwildert auf Mauern und Dächern durch ganz Europa vor. Ist officinell. Der kühlende Saft, der etwas salzig schmeckt, wird bei Entzündungen, Ruhr, Fieberhitze mit Vortheil angewandt. Auch dient er zur Vertreibung der Hühneraugen und mit Weingeist vermischt zur Vertilgung der Sommersprossen. Außer der genannten Art wachsen noch in Deutschland das Berg-Hauslaub, 8. montanum, daö kugel knospige Hauslaub, 8. ZlobloruM. Die kugelförmigen Sprossen decken sich ziegel- artig. Die Blüthen sind gelb, an der Basis rvthlich. Pflanzen mit 20 nnd mehr Staubgefäßen, die auf dem Kelche stehen. CactuL oder Fackeldistel, Pfeifenstrauch, Myrthe, Piement, Gewürznelkenbaum, Granatbaum, Mändelbaum, Aprikosen--, Pflaumen- und Kirschbanm, Schönsaden, Eugenia, Eisenmaß oder Metrosideros. — Vierte Krönung. Pflanzen mit zwölf Staubwegen. HMlstMirz (Lsmxervlvum), Erste K r d n u n g. Pflanzen mit einem Stanbwcge.548 Cactuö ober Fackelbistel Caotus). Die Cactecn bilden eine zahlreiche Pflanzenfamilie, welche sich größtenthcilö durch ihre monströsen Formen und durch ihre prachtvollen Bliithcn auszeichnen, als Warmhauspflanzen bei uns cnltivirt werden und sämmtlich Amerika als ihr Heimathland Nachweisen. Bevor wir zur Beschreibung übergehen, müssen wir, da ihre Zahl schon sehr groß ist (man zählt 800 Arten!!), zu einer nähern Eintheilnng schreiten, damit der Leser, wie überhaupt der Blumenfreund, eine Uebersicht über diese beliebten Pflanzen gewinne. A. Röhrenförmige Blumen und blattloser Stamm. 1) Mammillaria: die Blumen kommen aus den Achsen brustwarzen artiger Höcker hervor. 2) Llolooaotas: die Blumen kommen aus einem wolligen und borstigen, warzigen Schopf hervor. 3) Echinocactus: die knrzröhrcnförmigen Blumen kommen aus den Waffen (Knoten, Areolen) hervor. 4) Echinopsis: die langröhrigcn Blumen kommen aus den Waffen, und haben einen schuppigen Fruchtknoten. 5) Cereus: die Blumen kommen ans den Waffen, aber der Stamm ist nicht kugelig, sondern langgestreckt oder gegliedert, kantig, gefurcht und höckerig. 6) Phyllocactus: die Blumen haben denselben Stand, der Stamm aber ist zweikantig mit blattartig verbreiteten Zweigen. 7) Epiphyllum: derselbe Blüthcnstand, jedoch die Blumen endständig, der Fruchtknoten glatt und die ganze Pflanze aus blattartig verbreiteten Glie dern bestehend. B. Rad förmige Blumen. a) Der Stamm mit kleinen schnppcnartigcn Blättern. 8) Rliipsalis; Blumen seitlich und der Stamm langgestreckt, d) Stamin mit wahren Blättern. 9) Opuntia: Blumen einzeln, Blätter chlindrisch, klein und bald abfallend. 10) Pereskia: Blumen in Büscheln. Völlig ausgcbildcte Blätter, welche im Winter abfallcn. Wirkliche Sträncher und Bäume. Warzeileactlls (Mammillaria). Der Stamm ist kngcl-, keulen- oder säulenförmig, mit erhabenen Höckern oder Warzen besetzt, welche an der Spitze Wolle oder Stacheln tragen. Die549 kleinen Blumen stehen einzeln oder in: Kreise um den Scheitel. Mexiko und Wcstindicn ist das Vaterland dieser Pflanzen. Weis; stachelig er W., M. loueocepliala, 6—8 Zoll hoch, kugelig, purpur- bläuliche Blumen, weiße borstige Stacheln. Meduscnhauptähnlicher W., LI. Caput Medusae, cylindrisch oder kugelförmig, schmutzigweiße Blumen, kurze, weiße, an der Spitze schwärzliche Stacheln. Säulenförmiger W., M. colum- naris, 12—18 Zoll hoch, braune Stacheln, carmoisinrothe Blumen. Krouen- W., M. coronaria, 1 — l'/a Fuß hoch (in seiner Hcimath 5—6 Fuß), weißliche Stacheln und schöne, rothe Blnthcn. Lehmanns-W., bl. Evlimanm, säulen förmig, graugrün, Stacheln weiß und braun, die Blumen groß und strohgelb. Beschneiet er W., bl. nivosa, kegelförmig, braunstachelig, Blumen gelb. Er wachsene Exemplare sind so stark wollig, daß sie wie beschneit aussehen. Zurück- gekrümmter W., bl. recurva, glattkugclig, Stacheln braun und schwärzlich, Blumen groß, schön und carminroth. Melonencactus (Melocactus). Die Mcloncncactus - Arten haben einen kantigen, runden und etwas platt- gedrückten Körper, und Stachelbündel an den Kanten. Sobald die Exemplare blühbar werden, entwickelt sich ans ihnen ein Schopf, aus dem die Blumen hcr- vortretcn. Vaterland Südamerika. Angenehmer M., bl amoenus, graugrün, 10 —12 kantig, kegelförmig, die Stacheln sind gerade und röthlich, der Schopf weißlich, die Blumen rosenroth. Schwarzblutrothcr M., bl. atrosanAuiuvus, 12—15 kantig, schwarzgrün, Stacheln gerade und dunkclrothcs und blntrothcs Fleisch. Wie diese Art blüht, ist noch nicht bekannt. Gemeiner M., bl. com- munis, kugelig, 12 kantig; dunkelgrün, gclbbräunliche Stacheln und roscnrothc Blumen. Jgclcactns (Echinocactus). Der Stamm ist kugelig, sänken- oder keulenförmig, die Nippen hängen zu sammen und die Höcker sind mit Stacheln versehen. Die Blüthen sind in der Regel trichterförmig, ausgcbrcitet und geruchlos. Blühen nur Vormittags im Sonnenschein. Mexiko und Brasilien ist ihr Vaterland. Spitzkantig st er I., E. accutissimus, kugelig, eingedrückter Scheitel, 18 kantig, dunkcl-roscnrothe Blumen mit 8 gelben Narben. Spitzeckigcr I., 15. acutaiigulus, dunkelgrün, 16kantig, mit schwefelgelben Blumen, in denen sich rothe Staubfäden und 10 carminrothc Narben befinden. Die Knospe ist mit brauner Wolle umhüllt. Ottos-I., E. Ottonis, blüht leicht und ist deshalb zu empfehlen; kugelig, w —12 kantig, feine anliegende Stacheln, Blumen schön citroneugelb, 2—3 Zoll und mit 14 purpnrrothcn Narben versehen.550 Breitstacheliger I., E. platycantbus , mit glatter Kugel, 20—30Kam tctt und derben Stacheln. Die 1 1 / a Zoll langen Blumen sind gelb. Ein Herr Deppe brachte ans Mexiko ein Exemplar nach Berlin, das zwei Centner wog. Leider verfaulte dieses Prachtexemplar bald, da cö auf der langen Reise durch Kälte gelitten hatte. Eine der schönsten Arten ist der Bescn-J., E. scopa, keulenförmig, mit 30 Kanten und zahlreichen weißen, borstcnartigcn Stacheln. Die gelben Blnmcn haben einen purpnrrothen Griffel. Jgclccrciis (Echmopsis). Der keulenförmige oder flachkngeligc Stannn ist mit vertikalen Furchen und Kanten versehen, die mit Stachclbündcln besetzt sind. Die langröhrigen, trichter förmigen, großen Blumen kommen aus den völlig ausgcbildctcn Knoten an der Seite des Körpers hervor. Ihre Hcimath ist Brasilien, Chile und Mexiko. E. Eyriesii , kugeliger Stamm mit kurzen Stacheln und 8 — 10 Zoll langen, 3 Zoll breiten weißen Blüthcn, von betäubendem, jasininartigcm Geruch. E. multiplex, keulenförmig, hellgrün, Blumen roscnroth und 9—10 Zoll lang und 4 Zoll Durchmesser. Säulen-, Kerzen- oder Schlangcncactns (Cereus). Der Stamm ist sehr verschieden gestaltet und erreicht bei einigen Arten eine bedeutende Länge. Die bekannteste Art ist der sogenannte Schlangcncactns, 0. flagellimormis, der sehr dankbar blüht. Die Königin der Nacht, 0. grandiflorus, gehört ebenfalls hierher. Der 5 —7 kantige Stamm ist schmutzig- grün und treibt viele Luftwurzeln. Die großen, prachtvollen, schneeweißen, stark nach Vanille duftenden Blumen blühen nur eine Nacht, werden 9 —12 Zoll lang und halten 8 — 10 Zoll im Durchmesser. Na pole on s- Schlau gen ca ctus, 0. Napolconis, blüht hingegen einen Tag; die Blume ist ebenfalls weiß, erreicht aber nicht die Größe der Königin der Nacht und hat einen nicht sehr angenehmen Duft. Prächtigster Schlangcncactns, 0. speciosissimus, ist die ziemlich verbreitete prachtvolle Art mit 3— 5kantigcm Stamm und den großen Hoch scharlach- und purpnrrothen, in's Violette schimmernden Blumen, in denen sich die zahlreichen weißen Staubfäden herrlich ansnchmcn. Auch der Fclsencactns oder Tcusclsknotcn, 6. moimtrosuo, gehört hierher, blüht höchst selten. Fliigclcactns (Pbyllocactus). Der Stamm ist 2 kantig, die wehrlosen Aeste sind blattartig geflügelt, die großen, schönen, langröhrigen Blumen kommen aus den Knoten. Hierher gehört die sehr bekannte Art Pb. Ackermannii, die sehr reich und leicht blüht. Die Blumen sind brcnnend-carminroth. Pb. Hookerii, ebenfalls eine schöne Art, mit551 langen und breiten Acstcn; Kelchblätter roth, Kronblätter weiß, blüht nur eine Nacht. Ph. Phyllanthus, wird 4 — 8 Fuß hoch, die Aeste sind dünngliederig und die weißen Blumen sind prachtvoll. Blattcactus (Epiphyilum). Die Glieder sind blattartig und fleischig und sind in einander gefügt. Ans den obern Gliedern entspringen im Winter die schönen Blüthcn. Die bekannteste Art ist E. truncatum, welche schöne, 2V 2 Zoll lange Blumen hervorbringt. Die Kelchblätter sind feurig --carminroth, die Kronblätter fcnrig-purpur, die Röhre ist roscnroth und die Staubfäden sind weiß. Altcnsteins-Bl., E. ^Itonsteimi, scheint eine Spielart der vorigen zu sein. Ruthencactus (Rhipsaiis). Die Gestalt dieser Gattung ist sehr verschieden. Die Glieder sind stets un bewaffnet, die Blumen sind klein und unansehnlich, kommen aus den Seiten her vor und blühen mehrere Tage. Feigcncactns (Opuntia). Die meisten bestehen ans einzelnen aufeinander sitzenden Gliedern, die mit Stacheln und Haaren bewachsen sind. Die Blumen entspringen aus den Knoten der älter» Glieder und die Früchte sind eßbar. Es gibt unzählige Arten, und erwähnen wir besonders des Cochenillen- Fcigcnenctns, 0. ooellinellikora, welcher 6—12 Zoll lange, dicke, fleischige Glie der hat, ans denen die bekannte Cochenille lebt, welche eine so kostbare Farbe liefert. *') Baumcactlls (Pereskia). Der Stamm ist holzig, mit dünnen, runden Acstcn versehen. Es sind voll kommene Sträucher und Bäume, die mit wahren Blättern besetzt sind. Ans den Knoten entspringen Blätter und Zweige. Die schattigen Urwälder Amerika's sind ihre Hcimath. Die Blumen sind roscnartig, von weißer, gelber oder rother Farbe und entspringen ans den Spitzen der Zweige. Nur wenige Arten haben bisher ihren Weg in unsere Gewächshäuser gefunden. Was nun die Vermehrung und Pflege der Cactccn betrifft, so ist zu be merken, daß jede Cactnsart sich leicht durch Stecklinge vermehren läßt. Man schneide nur ein beliebiges Stück ab, bestreue die Wunde mit Krcidcmchl und lege den Steckling einige Wochen hin, damit er etwas anstrocknet. Darnach setze man ihn in einen kleinen Topf, der unten ein Lager kleiner Steine enthält *) Der Bezirk von Oaxaca allein führt jährlich für ungefähr 500,000 Psd. Stcrl. Cochenille ans. Vergl. S ch o n w, Naturansichten. S. 44.und mit einer Erde gefüllt ist, die aus 1 Theil guter Mistbectcrdc, 2 Theilcu Haidcerdc und 1 Theil grobem Flußsand besteht. In den ersten Wochen darf der Steckling nicht begossen werden. Früher glaubte man, die Cactecn dürften selbst im Sommer das Hans nicht verlassen; die Meinung war aber sehr irrig, denn der Caetus gedeiht, wie jede andere Pflanze, am besten in der freien Lust, vorausgesetzt, daß die gehörige Wärme vorhanden. Ende Mai bringe man des halb getrost seine Cactecn hinaus und begieße sic im Sommer fleißig, und man wird sich wundern über das freudige Gedeihen. Im'Winter reichen 6 —10° Wärme hin, und die Pflanze will dann wenig oder gar nicht begossen sein. Wir schließen diese Beschreibung mit der interessanten Schilderung eines Cactnö- waldcs ans der Insel Bonaire bei Cura?ao, welche wir ans einem Werke von G. B. Bosch entlehnen: „Der wichtigste Theil der Insel Bonaire ist der westliche, aus hohem Lande bestehend, zwischen welchem Thäler mit sehr fruchtbarem Boden liegen. In einem derselben, der Rincon genannt, wohnen die Gouvernemcntssklavcn und einige Freigelassene. Da ich auch diese besuchen wollte, machten wir uns des Mittags in nordwestlicher Richtung auf den Weg, um die Nacht in dein Rincon zuzu- bringen und den andern Morgen längs der Südküste znrückznkehrcn. Als wir das Fort verließen, befanden wir uns bald in dem eigentlichsten Sinne des Worts in einem Walde von cylinderförmigcm Cactus. Auf Cura^no und Aruba und in einigen Gegenden des Küstenlandes hatte ich dieses Gewächs zwar in großer Menge und hochgcwnchscn gesehen, aber hier war ich in dem wahren Batcrlandc dieser Disteln. Dort findet man sic zerstreut zwischen andern Gewächsen und nur in einzelnen Gruppen bei einander stehend; hier aber wachsen sic in weiter Ausdehnung dicht neben einander und verdrängen fast alle andere Vegetation. Wer dieses Gewächs nur ans Beschreibungen kennt, oder cs, nur in den Treibhäusern der botanischen Gärten gesehen hat, wird mich der Ucbcr- trcibnng verdächtigen, wenn ich sage, daß diese Pflanze hier die Höhe von mittel- mäßigcn Pappeln, Linden oder Buchen in Europa erreicht und einen hölzernen Stamm macht, ans welchem man Bretter von gewöhnlicher Dicke und Breite sägen kann, die bei dem Bauen von Häusern und znm Verfertigen von Mcnbcln gebraucht werden. Solch' ein Cactnswald gewährt einen höchst fremdartigen Anblick. Es hat etwas Furchterregendes, wenn man so viele Arme, manchmal 15 bis 20 Fuß lang und in regelmäßigen Reihen ganz mit langen und scharfen Dornen besetzt, in die Luft emporragcn sieht. Der Ostwind pfeift und zischt unaufhörlich durch diesen Wald, und das wilde und rauhe Gekreische der Papa- gaien, die sich in demselben aufhalten, macht die Scene noch unheimlicher. Diese Vögel, welche man hier in Haufen bei einander findet, haben in diesem CactnS- waldc einen sichern Aufenthalt, denn der Mensch nähert sich nicht gern demselben, und selbst ans dem Wege reitend muß man manchmal befürchten, daß ein vom Winde hin- und hergepeitschter Ast abbrcchen und fallen wird. Alte Pflanzerauf Curayao haben mir versichert, daß bisweilen Kälber, welche um die Mittags zeit den Schatten eines Cactnsbaumcö suchten, von einem solchen herunterfallenden Arm gctödtet wurden. Wenn man die Stacheln in die Haut bekommt, scheint es, daß sic sich tiefer in's Fleisch einsangen; sic verursachen einen heftigen Schmerz, als ob sie etwas Giftiges enthielten, und wenn ihre Zahl groß ist, hat die Verwundung meistens ein Fieber znr Folge. Unter den Leuten, welche einige Zeit ans diesen Inseln lebten, gibt cs nur wenige, die nicht einmal zufällig einige dieser Dornen in die Hände oder Füße bekommen und die schmerzlichen Folgen davon empfunden hätten. Ein englischer Gentleman hatte, als ich auf Cura?ao war, einmal einen Tag ans einem zwei Stunden . von der Stadt gelegenen Garten zugebracht. Nachdem er zu Mittag eine gute Portion Madcirawcin zu sich genommen und darauf, um den Nachdnrst;u vertreiben, den ganzen Abend beim Grog gesessen hatte, war ihm der Muth so sehr gewachsen, daß er in der Dunkelheit ohne Begleitung nach Hause reiten wollte. In seinem benebelten Zustande den rechten Weg verfehlend, purzelte er von: Pferde und siel in einen Busch von Cactns Opuntia, wo man ihn schrecklich zugerichtet und halbtodt fand. Nachdem er viele Schmerzen und ein tüchtiges Fieber ansgcstandcn hatte, genas er jedoch bald wieder, denn der Mensch hatte eine zähe, echt englische Leibcsconstitntion. Es ist nicht bloß der chlinderförmige Cactns mit seinen vielerlei Varietäten, welcher auf diesen Inseln so üppig fortkommt, auch die übrigen Spccies dieser Familie werden hier in Menge gefunden, z. B. die mancherlei Abarten der Cactns Opuntia. Diese erreicht zwar überhaupt nicht die Höhe der cylinderförmigcn, doch sieht man bisweilen Stämme, die ungeheuer hoch gewachsen sind. Ferner der Cactns Spcciosus, der sich wie eine Liane an den Banmstämmcn cmpor- schlingt; der Cactns Melocactuö, der wie ein Kohlkopf aus der Erde oder den Felsen aufwächst und seiner Lage und längeren Dornen wegen für Menschen und sogar für Pferde und Kühe am gefährlichsten ist. Sobald man in tropischen Ländern die Cactnöartcu häufig autrifft, kann nian daraus in der Regel folgern, daß dort viele Dürre und Wassermangel herrscht. In einem Boden, der reichlich bewässert wird, gedeiht der Cactns nicht. Sogar in Thälern, wo sich die Feuchtigkeit des höheren umliegenden Landes hin- Zicht, sah ich dieses Gewächs, wenn man Hecken davon anpflanzen wollte, immer wieder wcgstcrben. Bewundernswürdig ist auch hierin die Weisheit des Schöpfers, welcher in Gegenden, wo die Lage des Landes oftmals langwierige Dürre verur sacht und das Wachöthnm der gewöhnlichen Gewächse hemmt oder ganz unter drückt, eine andere, von den übrigen durchaus verschiedene Art zum Vorschein s'of, welche auch bei der längsten Trockenheit ihre Säfte behält und mit ihrer uinner glänzend grünen Haut stets fortwächst. Der Nutzen, den die Cactus-Arten gewähren, ist übrigens vielfach. Wie schon erwähnt, liefert der Stamm gutes Bauholz, welches sehr wichtig ist in554 einem Lande, wo alles übrige Holz eine solche Härte besitzt, daß es entweder gar nicht oder nur mit der größten Mühe verarbeitet werden kann. In der Provinz Caro (ans dem Continent) sah ich alle Thnrcn und Fensterläden an den Häusern sowohl, als Stühle und Tische ans Cactnsholz verfertigt. Die dünnen Acste werden zur Feuerung verwendet; mit der Rinde deckt man die Häuser und Scheunen; um schnell und mit geringer Mühe eine undurchdringliche Hecke um Gärten und Aecker zn haben, welche jedwedem Anfall von Menschen oder Vieh widerstehen, gibt cö auf der ganzen Welt kein besseres Gewächs; die Cabrict- zicgc, dieses in trockenen Ländern so nützliche Thier, öffnet die noch weichen Zweige mit den Pfoten, um den Saft auszusaugen; die Kühe fressen die Sprossen gern, wenn man sic von Stacheln gereinigt hat; sogar der Neger bereitet aus einigen Arten des cylinderförmigen Cactus einen eßbaren Brei und samnielt die Feigen des Cactus als eine ziemlich schmackhafte Frucht. Auch die Vögel nähren sich au dieser saftrcichcu Pflanze, und der Colibri schwärmt in Schaaren zwischen denselben herum, um an ihren Blumen zu naschen.*), Pfeifcilstranch (Pliiladelphus). Zu dieser Gattung gehört der wohlriechende Pfeifenstrauch oder deut scher Jasmin, Ph. coronarius, eilt aus dem südlichen Europa in unsere Gär ten übergewaudcrter Strauch, dessen weiße, vierblätterige Blüthcn einen starken angenehmen Geruch haben. Es kommt auch eine gefüllte Varietät vor. In großen Töpfen läßt er sich zum Wintcrflor treiben. Die älteren Zweige geben hübsche Pfeifenröhre und das aus den Blüthen gewonnene Ocl dient zur Ver fälschung des echten Jasmin-Ocls. Der großblumige Pfeifenstrauch, Pb. grandiflovus, stammt aus Carolina, ist dem vorigen sehr ähnlich und unterscheidet sich hauptsächlich durch die größeren Blumen, die indessen nur einen schwachen Duft verbreiten. Myrthe (Myrtus), eilt beliebter immergrüner Zierstrauch, der ans dem südlichen Europa stammt, sich zu hübschen Bäumen und Pyramiden erziehen läßt, schöne weiße Blüthcn hcrvorbringt und im Winter au einem frostfrcicn Orte stehen will. Man cnl- tivirt mehrere Sorten mit einfachen und doppelten Blüthcn. Die gewöhnlichste ist die gemeine Myrthc, LI. communis, welche an den größcrn Blättern leicht zu erkennen ist. Sic pflanzt sich durch Samen und Stecklinge fort, verlangt eine fette, mit Sand vermischte Erde und im Sommer viele Feuchtigkeit. Die ganze Pflanze gibt, gerieben, einen aromatischen Duft von sich und war in früheren Jahren officincll. Ihre Beeren, mit Wein übergosscu, sind magenstärkend. Auch *) Neuerdings sind Versuche gemacht worden, den Cochenillen-Cactus aus Bonaire, so wie auf Curayao überzupflanzen, und, wie es scheint, mit einigem Erfolg.555 bereiteten die alten Römer den sogenannten Myrthenwein daraus. Die Myrthe ist ein vielbesungener Strauch, denn schon bei den Alten war er der Venns ge weiht, und ein Mhrthenkranz schmückt bis ans die Gegenwart bei allen civilisirten Völkern die Jnngfran, wenn sic als Braut zu Hymens Altar tritt, als Syinbol der Tugend und Schönheit. Picmcnt (Myrtus pimenta, llllch Pimenta aromatioa) (Taf. XVIII. Fig. 21) ist ein der Myrthe verwandter Baum, welcher den sogenannten Nelken- oder Jamaikapfeffer liefert. Seine Höhe beträgt 30 — 40 Fuß, die Blüthen sind klein und weiß; die erbsengroßen, braunen Beeren haben einen scharfen aromatischen Geschmack, werden als Gewürz gebraucht und liefern das officinellc Nelkenöl, welches indessen mit dem echten Nelkenöl nicht zu verwechseln ist. Jamaika liefert jährlich 400,000 Pfund an Nelkenpseffer. Der Gewiirznelkcilbaiim (Caryophyllus aromaticuB). (Taf. XVIII. Fig. 22.) Der Gewürznelkenbaum, der ein ostindisches Gewächs ist, liefert zweierlei Gewürze, die nach Europa gebracht werden: 1) die eigentlichen Gewürznägelchen und 2) die Mutternäglein. Die Gewürznägelchen sind nichts anders, als die noch ungeöffneten Blumcnknospen oder unreifen Früchte. Beschreiben wir nur kurz diesen Baum. Er erreicht die Höhe einer Buche, ist viclästig, hat schöne, glänzende, grüne Blätter. Die Blumen stehen doldcntraubenförmig; der Kelch ist überständig, roth und bleibt am Fruchtknoten sitzen. Die Blume ist unscheinbar, weißlich. Die Frucht ist eine Beere, welche mit dem Kelche die Form eines Nagels bildet. Die Pflanze blüht im September. Die Gewürznelken sind schon vor mehr als 800 Jahren bekannt gewesen, indem schon die Araber im 10. Jahr hundert damit Handel trieben. Sie verhandelten sie nämlich an die Spanier und Portugiesen, welche sie nach Europa brachten. Als zu Anfang des scchs- zchntcn Jahrhunderts die Holländer die molukkischcn Inseln Wegnahmen, suchten sich dieselben in den Alleinhandel mit Gewürznelken zu setzen, und rotteten auf den meisten Inseln diesen Baum aus. Nur auf vier Inseln cultivirte man ihn mit größter Sorgfalt. In neuerer Zeit aber hat man diesen Baum auf den Antillen und anderen Inseln mit glücklichem Erfolge angcpflanzt. Die Gewürz nelken werden nicht nur in jeder Hanöwirthschast, sondern auch häufig in der Mcdicin gebraucht. Man gebraucht sie als Pulver in Tincturen, und bereitet ans ihnen ein kostbares Ocl. Auch werden die frischen Mutternägelchcn einge macht und verspeist. Der Granatbaum (Punica granatum). (Taf. XVIII. Fig. 20.) Das Vaterland dieses schönen Baumes ist Asien und Afrika. Von den Römern wurde er zur Zeit des Krieges mit Carthago nach Italien gebracht, von wo er sich im südlichen Europa weiter verbreitete. In heißen Gegenden556 blüht er das ganze Jahr hindurch, vorzüglich aber im März und April. Auch bei uns findet man dieses schöne Gewächs in Treibhäusern, wo cs aber selten zur Blüthc kommt. Die Blume ist hell und scharlachroth, die Pflanzcnblättcr sind glänzend saftgrün. Die Frucht hat Aehnlichkeit mit einer Kürbißart, ist saftig, schmeckt angenehm säuerlich, und ist ein kühlendes, crguickendcö Gericht. Für die Arznei ist dieser Baum ein höchst wichtiges Gewächs. Der Gebrauch der Blumen und vorzüglich die Rinde der Frucht ist in der Heilkunde schon sehr alt. In neuerer Zeit hat man die Rinde der Wurzel ebenfalls angewendet. Alle diese Theilc gehören zu den zusammenziehenden Mitteln, und werden bei chronischen Durchfällen auch als Mundwasser und zu Waschungen benutzt. Die Fruchtrinde soll namentlich gegen das Wcchsclficbcr sehr heilsam sein und die Wurzel zur Vertreibung des Bandwurms gebraucht werden. Maildelbanm (Amygdalus). (Taf. XVIII. Fig. 23.) Die fast stiellosen, rosenrothen Blumen stehen einzeln, doch bisweilen ent springen auch zwei Blüthcn ans einer Knospe; die Blätter erscheinen in der Regel nach der Blüthc; die Kernsteine sind grnbig oder doch sehr runzelig; die Frucht meist filzig und selten nackt. Die meisten Arten stammen ans Afrika. Der gemeine Mandclbamn, A, communis, wird bei uns 12—16 Fuß hoch und gleicht dem verwandten Pfirsichbaume. Blumen blaßroth, die Krone von einer fleischigen Hülle umgeben, die zur Zeit der Reife aufspringt. Man unter scheidet zunächst bittere und süße Mandeln, Krachmandeln und Pfirsich- mandeln. Im Handel unterscheidet man sie ferner nach der Hcimath. Spa nische: Valenzmandeln, groß und ganz vorzüglich; französische: Pro- vcn ccm an de ln, kleiner, dünner und länglicher; italienische: Florenzer, Am brosien- und Pngliamandcln, klein und dick; sicilianische: groß, aber länglich dünn; portugiesische: Pittmandcln; barbarische: Marokkoman- dcln, Krachmandeln. Die Mandeln sind als Obst, wie auch in medicinischer Hinsicht sehr wichtig. Die süßen Mandeln werden reif vcrspcis't, unreif eingemacht wie die Wallnüsse; auch wird der Kern zu seinem Backwerk gebraucht. Man gewinnt aus ihnen das vorzügliche Mandelöl. Die bitteren Mandeln enthalten viel Blausäure, und muß deshalb ihr Genuß widcrrathcn werden. Einige wenige reizen den Appetit. Zwei Drachmen des ätherischen Oelö reichen schon hin, einen Menschen zu tobten. Man delmilch und Mandclsyrnp dienen als Arznei. Als Ziersträucher werden noch bei uns angcpflanzt: die Zwcrgmandel, A. nana, aus dem nördlichen Asien, mit rothen Blüthcn, welche zu 2 — 3 zu sammen sitzen. Ein sehr zierlicher Strauch, den man auch >vohl im Topf cultivirt. Niedrige Mandel, A. pumila fl. pl. , aus Afrika, hat frische gefüllte Blumen, etwas zärtlicher und will deshalb vor dem Frost geschützt sein. Linnö rechnet auch hierher den Pfirsichbaum, A. Persica, der 15 Fuß hoch wird, bei uns557 aber in der Regel in Spaliere gezogen wird. Die überaus herrliche Frucht ist kugelig und fleischig, die Blüthc wohlriechend und soll einen wohlschmeckenden Thce geben. Die Verzeichnisse der Handelsgärtner und Pomologen weisen viele Varietäten nach, die sich durch Größe und Farbe der Frucht, durch Farbe und Härte des Fleisches voneinander unterscheiden. lieber die Wcingrünze hinaus ge deiht der Pfirsichbauin nicht mehr und will selbst im mittleren Deutschland mit größter Vorsicht gepflegt sein. Pflaumenl> a»rn (Prunus). Die Pflaumenbäume im weiteren Sinne sind ursprünglich im wärmeren Europa einheimisch, jetzt aber beinahe über den ganzen Erdthcil verbreitet, die nördlichen Gegenden ausgenommen. Es gibt eine große Zahl Spielarten, die man durch Gestalt, Farbe und Geschmack der Früchte unterscheidet. Alle sind reich an Zuckerstoff, gehen leicht in Gährung und sind in ökonomischer Hinsicht von der größten Wichtigkeit. Die allgemeinen Kennzeichen dieser Bäume dürfen wir vor- aussetzen, und wollen wir nur die wichtigsten Arten namhaft machen: Die Aprikose, P. Armeniaca, mit sammetartiger Haut und ovalem Kern- hausc. Die Blüthcu erscheinen vor den Blättern. Ursprünglich ans Armenien m Kaukasicn stammend, verlangt der Baum einen warmen, nahrhaften Boden, eine Lage nach Südostcu oder Südwesten, weil er sehr durch Nachtfröste leidet, wenn er von den ersten Strahlen der anfgehcndcu Sonne getroffen wird. Man zieht die Bäume aus Kernen lind veredelt sic daun; es ist aber gcrathen, nur Stämme von 5—6 Fuß Höhe bis zur Krone zu erziehen. Nur die allcrentbchr- lichsteu Zweige dürfen ausgeschnitten werden, und die Wunden belege inan mit Baumwachö. Auch auf Pflalimcustäinmchcn kann man Aprikosen veredeln. Nen nen wir nur die wichtigsten Arten: 1) große Frühaprikose, auch römischeA. genannt, dunkelgelb, auf der Sonnenseite röthlich, saftiges, gewürzhafteS Fleisch, neift Anfangs Juli; 2) Muskateller-A., kleine, runde, tiefgefurchte Frucht mit gclbröthlichem Fleisch von angenehmem Geschmack, reift Ende Juni; 3) gemeine Ä., große Frucht, welche aber bald mehlig wird; 4) Ananas-A., die schönste unter allen Arten, Frucht groß, glattrnnd, dunkelgelb, mit orangefarbigem, gc- ^ürzhaftem Fleisch, welches nicht leicht luchlig wird; u. s. w. Der gemeine Pflaumeubaum, P. domestica, fleischige, kahle und freiste Steinfrucht mit zusainmcngcdrücktcr Kcruschalc. Die Blüthcn entwickeln sich mit oder kurz vor den Blättern. Der Gebrauch als frisches und getrock netes Obst ist sehr bekannt, und die Anpflanzung der besten Arten ist sehr zu ^"pfehlcu. Man unterscheidet: 1) Damascener-Pflaumen, runde Frucht, starker Wuchs des Baumes, ohne Dornen, dunkles Laub. Große Damasccner- Pflaume, Kaiser«, Königspflaume, Hyacinthenpflaume u. a. m. 2) Mirabellen und Reineclauden, runde oder herzförmige Frucht, schwacher Wuchs desBaumes, ohne Dornen. Catalonische Pflaumen, rothe und gelbe Mirabelle, grüne Reineclauden, MnSkatcllerpflanmen, rothe Perdrigon, Aprikofenpflaumen und Pflaumen ohne Steine. Letztere Art enthält statt des Steines einen Kern mit bittcrschmcckcndcr Gallerte. 3) Zwctschcn, Frucht länglich, große Holz fasern, in der Jugend dornig, gclbgrünc Blätter. Deutsche blaue Zwetsche, Dattclzwetsche, gelbe Eicrpflaume, Reizensteiner gelbe Zwetsche, Traubenpflaume, italienische Zwetsche, Fellenberger, Catharinenpflaume u. a. m. Der Schlehendorn, U. sxmosa, dieser bekannte, an steinigen, trockenen, unfruchtbaren Stellen wachsende Strauch, mit schwarzbrauner Rinde, dornigen Aesten, weit umherkriechenden Wurzeln, schneeweißen Blüthcn und kleinen, runden Früchten hat einen vielfachen Nutzen. Die Blumen geben einen gesunden, blut- reinigenden Thce, das harte Holz wird zu Stöcken und Pfeifenrohren verarbeitet, das sparrige Reisig dient in den Salzwerken zum Gradiren der Sohle, die Früchte werden eingemacht genossen, mit ihnen gibt man dem Apfelwein eine röthcre Farbe und mehr Haltbarkeit, auch liefern sie durch Gährung Branntwein und Essig und werden zur Bereitung des englischen Pumpunk gebraucht. Der KirschbüllM (Prunus cerasus) ist ein bekannter Baum, der seines schönen Obstes und Holzes wegen cnltivirt wird. Er soll ans Asien stammen; gedeiht aber gegenwärtig fast durch ganz Europa. Die edleren Sorten pflanzen sich nur durch Veredlung fort, jedoch ver langt dieselbe einige Vorsicht, wenn sie anschlagen soll. Nennen wir die wich tigsten Arten. Süßkirsche, 6. dulcis, wird ein 34—40 Fuß hoher Baum von kräftigem Wuchs. Unsere Wald- oder Vogclkirschc gehört auch dazu. Obgleich die Früchte nicht so sehr groß werden, so ist ihr Geschmack doch angenehm und aus ihnen wird das vorzüglichste Kirschwasscr bereitet. Von den edlen Arten gehören hierher: die schwarze Hcrzkirschc, frühe Maikirschc, die Ochscnhcrzkirschc (Guigne des boeufs), welche ganz vortrefflich ist; die Knorpclkirschc, die gelbe Hcrzkirschc, die Amcrantkirschc, die MuSkatcllcrkirschc, Lauermannskirsche, weiße spanische Kirsche, die kleine Ambrakirschc u. a. m. — Sauerkirsche, 6 . acida. Die Früchte dieser Bäume sind dnrchgchcnds der Gesundheit zuträglicher, indem ihr Genuß nicht so leicht Blähungen verursacht. Wir nennen als die vorzüg lichsten Arten: rothe, doppelte Maikirsche, Volgerkirschc, Prager Mnskatellerkirsche, doppelte Weichselkirsche, Erfurter Angnstkirsche, Lothkirsche. Ferner Glas kirschen: Amarellcn n. s. w. Der Nutzen des Kirschbanmcs ist vielfach. Bekannt lich wird das Holz zu feinen Tischlerarbeiten benutzt; die Rinde wird von den Färbern gebraucht und ein brauner Lack daraus gewonnen, die Früchte werden roh, gebacken oder eingemacht genossen; aus dem Safte wird ein Kirschwasscr und aus den Kernen ein Kirschratafia bereitet; Blüthcn und Fruchtstiele sind officincll, und das Harz soll in vielen Stellen das Gummi vertreten können. Die Blätter559 der Sauerkirsche oder die innere feine Rinde unter den Tabak gemischt, geben demselben einen angenehmen Geruch und Geschmack. Die Mah alebkirschc, P. (ccrasus) Malialeb, ist ein Strauch, der indessen durch Kunst zu einem Bäumchen von 10 — 18 Fuß gezogen werden kann, in Doldentraubcu blüht und schwärzliche, erbsengroße, Blausäure enthaltende Früchte trägt. Diesem Strauch schrieb man früher officinelle Kräfte zu; jetzt werden aus seinen langen Schößlingen wohlriechende Pfcifenröhre verfertigt, die unter dem Namen Weichsclröhrc bekannt sind. Aus Blüthcn und Blättern bereitet man ein wohlriechendes Wasser, welches zur Bereitung wohlriechender Seifen verwandt wird. Die Kerne geben den bekannten Maraskin-Branntwcin. Traubenkirsche, Prunus s. Oerasus Paäus (Rhamnus Frangula), ist unter den Namen Fanlbanm, Ahlkirschc bekannt. Als Strauch wird er 10 bis 15 Fuß, und als Bauin 20 bis 30 Fuß hoch, hat kleine weiße Blumen in überhängendcn Trauben. Die schwarzen, erbsengroßen Fruchte sind ungenießbar. Rinde und Blätter enthalten viel blansaurehaltigeö, ätherisches Oel. Auf dem Schwarzwalde gewinnt man aus den Spahncn ein Oel, welches als Arznei für daö Vieh geschätzt wird. Der K i r s ch l o r b c e r, Prunus lauroosrasus, ist ein aus Kleinasicn stammen der Banm, der im Glashansc, aber auch in geschützter Lage im Freien gezogen wird, und dessen Zierde hauptsächlich in den lorbeerartigen, glänzend-immergrünen . Blättern besteht. Alle Thcilc dieser Pflanzen enthalten viel Blausäure. Ans den Blättern wird durch Destillation das bekannte Kirschlorbeerwasser gewonnen, welches in der Medicin gebraucht wird. Schölifadcn (Callistemon') sind überaus hübsche, schlanke, immergrüne Ziersträucher, welche sämmtlich aus Ncuholland stammen und int Winter 3 — 6° Wärme verlangen. Die schönen Blumen stehen in dichten Aehren und zeichnen sich durch ihre zahlreichen, hübsch gefärbten, sehr langen Staubfäden aus. Die Blätter geben gerieben einen bal samischen Duft von sich. Man kennt folgende Arten: lan zeit blätterig er Schönfaden, 0. lanceolatum, mit dunkel-scharlachrothcn Blumen in cylindrischcn Endähren; ge ränderter Schönfaden, 0. marginaturn, gelbe Blumen mit hochrvthcn Staub fäden, prächtiger Schönfadcn, 0. speciosum, mit prachtvollen, dunkelrothen Blumen in 4 Zoll langen Aehren u. a. m. Eugcnie (Eugenia Australia). Auch dieser immergrüne Zierstrauch stammt aus Nenholland; er sicht der Mhrthe sehr ähnlich, die Blätter sind elliptisch-lanzettlich und sehr glänzend; fast560 das ganze Jahr hindurch ist der Strauch mit zierlichen, weißen Bliithcn bedeckt. Er verlangt einen lockern Boden, int Sommer einen schattigen Standort und im Winter 1 — 5° Wärme. Läßt sich leicht durch Stecklinge vermehren und blüht schon im zweiten Jahr. Elsenmaß (Lletrosiüeros), ein schlanker, immergrüner Zierstrauch, mit zierlichen Blumen in endstandigcn Köpfen, Dolden oder Sträußen und balsamischen Blättern. Oceanicn ist das Vaterland dieser Pflanze, die Achnlichkeit mit dem Schönfadeu hat, sich aber durch die gestielten Blüthcn davon unterscheidet. Verlangt übrigens dieselbe Cultur wie Schönfadeu. Zweite Drdnung. Pflanzen mit zwei Staubwegcn. Der Weißdorn (Crataegus). Der gemeine Weißdorn, 6. oxyacantlia, auch Hagdorn genannt, bringt weiße, in Aftcrdolden oder Doldentranben stehende Blüthen und rothe bccrcn- förmige Früchte hervor. Das Holz ist hart und dornig, und eignet sich des wegen gut zu Hecken. Man zieht die jungen Pflanzen am besten aus Samen, was indessen nicht Jedem gelingen will. Wir wollen hier ein Verfahren an- gcben, welches wir als praktisch erprobt haben. Die Früchte werden im Herbste cingesamniclt, in einen nicht ganz dichten Topf schichtenwcise zwischen lockere, mit Wcllsand vermischte Erde gebracht und dann mit etwas saurer Milch angegossen. Nun setzt man den Topf in den Keller oder gräbt ihn in die Erde ein. Im Frühjahre sind die Samen gekeimt und man säet sic sodann ans ein Saincnbcct. Dreijährige Pflanzen können schon zu Heckenanlagcn gebraucht werden. Soll die Hecke recht dicht werden, so schneidet man die Pflanzen kurz über der Erde ab, und man hat dann die Freude, recht üppige Schößlinge hcrvorsprvsscn zu sehen. Es gibt auch roscnroth-blühcndc, scharlachroth-blühcndc, einfache und gefüllte Varietäten, welche man aus die Norinalforin veredelt nnd die in Anlagen sich prachtvoll ausnchmen. Sehr schon ist der Fcucrdorn, 0. pyracantha, ein niedriger, immer grüner Strauch, der sich zur Pyramide ziehen läßt nnd dessen fcucrrothe, erbsen große Früchte, welche unter dem dunkeln Laub hcrvorlcuchtcn, besonders im Winter einen schonen Anblick gewähren.561 Dritte Drdnung. Pflanzen mit drei Staubwegen. Eberesche (8orbus). Die Ebereschen gehören zu den Bäumen, denn einige werden bei 30 Fuß hoch. Die Blüthcn stehen büschelförmig, haben 20 im Kelche stehende Staub fäden und 3 Griffel. Die Fruchte sind kleine dreifächerige Acpfcl. Man unter scheidet die gemeine Eberesche, 8. aucuparia , auch Vogelbeere, Spierling genannt, welche eine Höhe von 12 — 30 Fuß erreicht. Die Beeren sind zur Zeit der 9ieifc scharlachrot!), werden von den Vögeln gern gefressen, können zum Branntwcinbrcnncn benutzt werden und sind, -— wenn man sie zu einem Muß verkocht — ein schweißbereitendes Mittel. Im Norden trocknet man die Früchte und vermengt sic unter das Brod. Das Holz ist zähe und hart und nimmt eine schöne Politur an. Die zahme Eberesche, 8. äomsotlca, kommt bei uns nur in Anlagen vor, wächst hingegen im südlichen Europa häufiger. Sie ist der vorigen Art sehr ähnlich, hat aber größere Früchte, die erst daun, wenn sie teigig geworden, genießbar sind. Man bereitet daraus Essig und Branntwein. Da aber der Baum langsam hcranwächst, so ist er für unsere Forsten nicht zu empfehlen, ob gleich sein Holz sehr geschätzt wird. Die Bastard-Eberesche, 8. hybrida, wächst mehr im nördlichen Europa, hat graufilzigc, ticfcingcschnittcnc Blätter und brannröthliche Früchte. Kommt im klebrigen mit der gemeinen Eberesche überein. KelchbllUIie (Calycantliua), auch Gewürzstrauch genannt, caroliNische Kclchblume, 6. üoriäus, ist ein schöner, 4 — 8 Fuß hoher Zierstrauch, der aus Carolina stammt. Die Aestc stehen wechselweise gegenüber und die Blätter sind oval und dunkel-glänzend gt'ün. Die dunkelbraunen Blüthcn, welche ans kleinen Blättchen bestehen, die säst glockenförmig zusammcngelcgt sind, haben einen erdbecrartigcn Duft, der sich dcsondcrs in der Wärme entwickelt. Die ganze Pslanzc ist sehr gewürzhast. Der Strauch verlangt bei strengem Frost einigen Schutz. Man vermehrt ihn durch Senker. Bkumer's Natucgelchichtk. 36562 Vierte Krönung. Pflanzen mit fünf S t a n b w e g e n. Mispel, Apfelbaum, Birnbaum, Quitten, Zaserblume, Spierstaude, Nauuukelstrauch. MiSPel (blvsxillls). Der Kelch verlängert sich in fünf blattartige Ausläufer, die fleischige Frucht ist genabelt und enthält drei bis fünf harte Samen. Der deutsche oder gemeine Mispclbaum, bl. Germanica, ist ein bekannter Strauch oder kleiner Baum, dessen Früchte erst dann genießbar sind, wenn sic teigig geworden. Will man recht große Früchte erzielen, so muß man sich Bäume durch Pfropfen auf Birnstämme erziehen. Aus den schlanken, jungen Schößlingen werden schöne Stöcke verfertigt, die sehr dauerhaft sind, weil das Holz sehr zähe ist. Die Quittenblatt-Mispel, bl. cotoneaster, welche auf sonnigen Fel sen Deutschlands wild wächst, ist ein 4— 5 Fuß hoher Strauch, dessen jüngere Zweige weißfilzig und dessen Blüthcn fast glockig und von röthlicher Farbe sind. Das Holz ist sehr hart und es werden aus den langen Schössen Ladestöcke und Pfeifenrohre verfertigt. Ter Birnbaum (Pyrus communis) ist ein europäischer Obstbaum, der durch seine Früchte für die Hauswirthschaft besonders nützlich wird. Das Holz des wilden Birnbaumes ist fest, widersteht dem Wurm und nimmt eine schöne Politur an; von den veredelten Sorten ist es indessen wenig Werth. Schon Plinins erwähnt des Birnbaumes, und gegen wärtig gibt es über 150 genau voneinander unterschiedene Birnsortcn. Man thcilt sie zunächst ein nach der Zeit ihrer Reife, und so gibt cs Sommer-, Hcrbst- nnd Winterbirnen. Die Namen, welche die einzelnen Sorten von dcn Pomologcn erhalten, sind oft sehr willkürlich. Wir wollen die besten Sorten kurz anführen. Als Tafelbirnen sind zu empfehlen: die gclbgrane Rosenbirnc, Schweizcrhvsc, Admiralöbergemottc, Diel's Butterbirne, Virguleuse Lechasserio, Forcllen- birne ii. a. nt. Für die Küche sind zu empfehlen: Champagner-Brodbirne, Wolfsbirne, Spcckbirne, Sommcrmnskatcllerbirnc, Compottbirne u. a. m. Der Nutzen dieser Früchte ist allgemein bekannt, denn sic werden nicht nur roh, son dern auch gekocht, eingemacht und getrocknet genossen, liefern ein vorzügliches Mus und einen wohlschmeckenden Wein. Ter Apfelbaum (Pyrus malus) gewährt denselben Nutzen. Der wilde Apfelbaum, der ebenfalls ein hartes, festes Holz liefert, trügt die sogenannten Holzäpfel, aus welchen ein guter Essig ge-563 Wonnen wird. Von diesem Holzapfelbaum sollen alle übrigen Arten abstammen. Es gibt unzählige Arten, die sich aber ans 80 genau unterschiedene Sorten zurückführcn lassen. Nennen wir die Hauptsortcn: 1) Kantäpfel, Früchte mit sichtbaren Rippen und einem großen, nicht geschlossenen Kcrnhause. Dazu ge hören: die echte Calvillc, der rothe Himbccrapfcl, die Muskateller-Calville, die Herbst- und Winter-Calvillc (alle ausgezeichnete Tafclvbstsortcn), Schlottcräpfel, Hulderlinge, wozu der Königsapfcl von Jersey, der Prinzessinapfel und der gelbe Wintcrcarthänser gehören. 2) Roscnäpfcl, die Frucht ist mit blauem Duft belaufen, ein regelmäßiges, nicht sehr großes Kernhaus, weiches, schwammiges, wohlriechendes Fleisch. Sic liefern vorzügliches Tafelobst, taugen aber, mit wenigen Ausnahmen, nicht zu ökonomischen Anlagen, weil sic einen gut gebauten Boden verlangen. Dazu gehören: der Vcilcheuapfcl, der Scidcnapfel, der Floren tiner, Brodlcber-Rosenapfcl, der Taubenapfcl, kiZsor rouge, der Tulpeuapfcl, rother Apollo u. s. w. 3) Rambourapfcl, große Acpfcl mit einer kleineren Seite, grobkörniges, wohlschmeckendes Fleisch. Verlangen geschützte Standorte. Dazu rechnet man: den rothen Cardinalsapfcl, rothcn Hcrbstfaros, Hauömüttcrchen, NenLgdro ä'ötö, rothcn Sommcrrambour und Tulpeu-Cardiual. 4) Reinetten, mit schöner Form, einem feinen, abknackendcn Fleische von gcwürzhaftcr Zncker- sänrc. ES gibt einfarbige, rothe, graue und Goldreinctten, die wieder in ver schiedene Arten zerfallen. 5) Streiflinge, mit rothgcstreifter, meist süßer Frucht. Eignen sich sämmtlich für den ökonomischen Anbau. Es gibt glatte, zugespitzte, längliche und kugelförmige Streiflinge. Der rheinische Bohn- apfcl, der dazu gehört, verdient die größte Verbreitung. 6) Spitzäpfel, haben ein regelmäßiges Kernhaus, sind nie mit Duft belaufen, welken selten und sind gegen den Kelch hin zugespitzt. Auch für die Wirthschaft sehr zu empfehlen. Königin-Loniscnapfel, großer Wintersteiner- und Ordensapfcl. 7) Plattäpfel, sind breiter als hoch, einfarbige Früchte, wichtig für die Wirthschaft. Wachs apfel, Pomcranzcnapfel, rother Stettiner, grüner Fürstenapfel, fränkischer Königö- apfel, Epperling und großer Wintcrparadicöapfcl. Will man die Sorten rein erhalten, so muß man solches durch Pfropfen, Ocnlircn u. s. w. erzielen. Die Kerne liefern nicht selten gute Sorten, indessen sind die Früchte stets kleiner, als die des Mntterstammes, und auch von ver schiedenem Geschmack. Der Obstbau ist für den Oekonomen von größter Wich tigkeit, und ist in den letzten 25 Jahren durch die Regierungen, namentlich durch die Preußische, zur Hebung desselben viel gethan worden. Der gemeine Quiltciilianm (Pyrus Cydonia), welcher eine Höhe von 12—18 Fuß erreicht, aber auch als Strauch wächst, hat zahlreiche, abstehende Acstc, von denen die jüngeren weißfilzig sind. Die ovalen oder eirunden Blätter sind kurzgestielt, unterscits filzig und ans der Ober fläche Anfangs wcichhaarig, später kahl. Die Blumen sind weißlich-rosenroth 36*564 und die Früchte haben in der Form Aehnlichkcit mit den Birnen. Roh sind dieselben, trotz ihres aromatischen Geruches, nicht zu genießen, wohl aber gekocht oder mit Zucker eingemacht. Für die Heilkunde liefern sie Syrnp, Conservc, Gelse oder Qnittcnbrod. Die schleimigen Samen werden bei Angencntziindnngcn angewandt. Auch bereitet man aus dem Fleische einen Quittenwein, und Saft und Kerne werden zur Destillation eines starken Branntweins benutzt. Will man die Quitten recht hochstämmig ziehen, so müssen die Reiser ans Birnstämmc ge pfropft werden. Ein herrlicher Zierstrauch ist die japanische Quitte (Cydonia Japonica), welche aus Japan stammt und 4 — 10 Fuß hoch wird, zahlreiche, rosenartige, scharlachrothe Blumen trägt, die im Frühlinge und oft noch im Herbste zum zweiten Male floriren. Die ziemlich großen Früchte sind sehr wohlriechend. Es gibt einige Varietäten mit weißen und gelben Blumen, die aber minder schön sind. Der Strauch verlangt eine beschützte Lage und guten, lockeren Boden, läßt sich durch Senker und Stecklinge vermehren und ebenfalls als Topfzicrpslanzc cnltiviren. Von den übrigen Ziersträuchern, welche hierher zu rechnen sind, nen nen wir den prächtigen Apfel, Pyrus spectabilis, ein 10 — 15 Fuß hoher Baum, ans China stannnend, mit wohlriechenden, rosenrothen Blumen und Früch ten von der Größe einer Kirsche. Gleichfalls schön ist P. coronaria, mit röth- lichcn wohlriechenden Blumen und gelbgrünlichen, rothbäckigen Früchten, von 1 Zoll Höhe. Beide Arten verlangen eine geschützte Lage, fetten und lockern Boden und in strengen Wintern eine Wnrzeldccke. In Kübel gepflanzt, lassen sie sich auch gut treiben und machen sich dann überaus schön, sowohl zur Zeit der Blüthc, als auch, wenn die Früchte reifen. Die Zascrblmilt (dlesvmbryantkeinum). Die Zaserblumen oder Mittagsblumen machen eine zahlreiche Familie interes santer Zierpflanzen ans, welche größtcnthcils vom Vorgebirge der guten Hoffnung stammen und als Glashauspflanzen cnltivirt sein wollen. Einige wenige Arten sind Sommergcwächse, die übrigen Sträuchcr, alle aber empfehlen sich durch ihre niedlichen Blumen und durch die verschiedenartig geformten Blätter. Der Kelch ist fünftheilig, die Blume viclblätterig und die Frucht fleischig. Mit Ausnahme der einjährigen Arten vermehrt man sie durch Stecklinge, die man sorgfältig gegen die Mittagssonne zu schützen hat. Zu den Sommergewächsen gehören: die Eis pflanze oder Diamantcn- blumc, M. crystallinum , welche allenthalben mit zahlreichen, cryflallhellen Bläschen besetzt ist, als wäre sie über und über mit Eispcrlcn bedeckt. Ist in Griechenland und ans den kanarischen Inseln heimisch, wird 2— 3 Fuß hoch oder vielmehr lang, weil ihre Zweige sich horizontal ausstrecken, blüht in kleinen weißen Blümchen. Rannnkelblumige Zaserblume, dl. pomsAckianum, vom565 Cap, hat fleischige Blätter und große, prächtige, schwefelgelbe Blumen. Drei farbige Zaserbluiuc, M. tricolor, wird 6—8 Zoll lang, Stengel und Blättchen sind mit Eisblüttchen besetzt, Blumen sehr nett, viclblättcrig, weiß un purpurroth mit schwarzen Antheren. Von den strauchartigen Zaserblumen nennen wir folgende empfehlenswerthe Arten: Säbelförmige Zascrblnmc, LI. acinaciforme, mit großen, säbelförmigen Blättern und großen, pnrpurrothen Blumen, welche vom Juli bis in den Sep tember floriren. Zweifarbige Zaserblnme, LI. bieoloruw, 2—4 Fuß hoch, hat dreiseitige Blätter und zahlreiche, glänzend gelbe Blumen, welche von Außen scharlachroth such. Hottentottenfcige, LI. edule, hat zweischneidige Stengel, fingerdicke Blätter, prächtige, glänzend gelbe Blüthen von 4 Zoll Breite. Die Frucht sieht einer kleinen Feige sehr ähnlich und ist eßbar. Die gewöhnliche Zaserblnme, LI. speciosum, hat halbwalzige, fast pfriemenförmige Blätter, welche etwas einwärts gebogen sind. Die Blumen, welche ein glänzend dunkelbraun- scharlachrothes Colorit haben, öffnen sich selbst im hellsten Sonnenschein nicht ganz und haben deshalb ein trichterförmiges Ansehen. Die glänzende Zascr blnmc, LI. tigrinum, hat weißmarmorirtc Blätter und gelbe, stiellose Blumen, welche sich nur Nachmittags öffnen. —■ Man kennt bis jetzt über 300 Arten. Spierstaude (Spiraea). Die Spierstauden bilden ebenfalls eine zahlreiche Familie, von der mehrere Arten in Deutschland wild wachsen, noch mehrere aber als Ziersträucher an- gcpflanzt werden. Sic haben einen bleibenden, fünfspaltigen Kelch und fünf Kronblättchen. Die Samen sind zu 2 — 6 an die innere Naht angefügt. Es gibt kraut- und strauchartige Spiräen. Von den wildwachsenden nennen-wir die wcidcnblättcrigc Spiräe, 8. salicifolia, welche verwildert in Hecken vor kommt und sich durch ihre weidenförmigen Blätter und röthlichen Blumen in zusammengesetzten Trauben kenntlich macht; die ulmcnblättcrige Spiräe, mit einfach gefiederten Blättern und Blumen in Trngdolden, wächst auf nassen Wiesen und war sonst officincll. Die getrockneten Blätter geben einen gesunden Thee, der gegen Würmer wirksam sein soll. Die Blumen sind wohlriechend und man gibt mit ihnen dem Wein einen Malvasiergcschmack. Die Waldspi er stände, 8. aruncus, hat einen krantartigen Stengel und dreimal gefiederte Blätter, zahl reiche, lange, zu einer Rispe vereinigte Blüthentraubcn. Wächst häufig an Bächen. War sonst ebenfalls officinell. Auf trockenen Anhöhen wächst die 8. filipendula, mit lanzcttlichcn, eingeschnittenen oder sicderspaltigen Blättchen und Blumen in Trngdolden. Die Wurzel hat hängende Knollen, weshalb sie knol lige Spierstaude heißt. Cultivirt werden: Douglas' Spierstaude, 8. Douglasii, ci» sehr schöner Strauch von Amcrika's Nordwestküste, der 4 — 5 Fuß hoch wird und Tausende rvsenrothcr Blümchen trägt. Schöne Spierstaude, 8. bella, von566 Neapel stammend, 4—5 Fuß hach, Blätter unterseits wcißfilzig, Blumen dunkcl- roscnroth in ansehnlichen Enddoldcn. Die großblumige Spiräc, 8. ^anälllora, 3—5 Fuß hoch, mit großen rosenrothcn Blumen in zusammengesetzten End- trnuben. Die Spiräen eignen sich nur für größere Gärten und lieben feuchte und schattige Standorte. Man vermehrt sie durch Schößlinge und Wurzelthcilung. Ranmikelstrailch (Kenia Japonica) ist ein aus Japan stammender hübscher Zierstrauch von 4—8 Fuß Höhe, mit cilanzcttlichen, ficderrippigen Blättern und zahlreichen, goldgelben, ranunkelartig gebauten Blumen. Dieser Strauch blüht sehr dankbar vom Frühjahre bis zum Herbste und hat überhaupt wenig Pflege nöthig. Die jungen Schößlinge blühen am schönsten, weshalb man die alten Stengel gerne cinstntzt. Thunberg be schreibt sie unter dem Namen Ooroborno Japonicus, Fünfte Brdnung. Pflanzen mit vielen Staubwegen. Rose, Himbeere, Brombeere, Erdbeere, Fingerkraut oder Potentille, Tormentille, Benedictenkraut, Comarum. Nose (Kosa). Die Rose wird mit Recht die Königin der Blumen genannt. Die Pracht und der Wohlgcruch ihrer Blumen hat sie zu einem vorzüglichen Gegenstände der Blumengärtnerei gemacht. Unzählig sind ihre Arten und Varietäten. Sinne unterschied 17 Arten, Wildcnow 30, Sprengel 109 und Trattinick in „Synodus botanica“ über 200 Arten. Es würde zu weit 'führen, wollte man auch nur die einzelnen Arten mit ihren Varietäten nennen. Nur die Hanpt- artcn mögen hier folgen: 1) Die Gartenrosc oder Centifolie, R. centifolia, ist die sehr bekannte, stark gefüllte Gartenrosc mit ihren zahllosen Abarten. Ihre Blumen werden zur Bereitung deö RoscMvasserS, Roscnhonigs, der Rosenconserve, des Rosenöls und der Roscnsalbe gebraucht. 2) Die französische Zucker- oder Essigrose, R. Gallica, stammt aus Südeuropa und zählt ebenfalls herrliche Spiel arten. 3) Die weiße Rose, R. alba, und 4) die gelbe Rose, R. lutea, liefern ebenfalls schöne Rosen. 5) Die Monntörose, R. damascena. 6) Die immer blühenden Rosen, R. semperflorens , wozu auch die Theerofen gehören. 7) Die Bourbon- und Remontantroscn und viele andere feinere Arten werden meistens in Töpfen cultivirt, oder ans die wilde Heckenrose, R. canina, gepfropft und dann567 als Bäumchen gezogen. Statt einer weiteren Beschreibung wollen wir viel mehr hier Einiges über die geographische Verbreitung der Rosen fol gen lassen: „Wir finden diese schönsten aller Blumen über den ganzen Erdboden ver breitet, allenthalben mit neuen Annehmlichkeiten versehen, welche sic dem Himmels striche, der Oertlichkeit, insbesondere auch der Vorliebe der Menschen verdanken, welche sich ihrer Pflege mit ausgezeichneter Sorgfalt widmen. Manche Arten Rosen scheinen für immer an den Boden gefesselt, wo sie einmal entsprossen sind. Sie kommen nie in anderen Ländern vor; es müßte denn ein Reisender, welcher zugleich Botaniker war, sie dem Schooßc ihres Vaterlandes entnommen haben, um sic in andere Himmelsstriche zu verpflanzen. Die eine Sorte ist in einem ganzen Lande oder einem großen Thcilc desselben einheimisch; die andere kommt nicht über ihre Provinz oder einen Berg, wo man sie zuerst erblickte, hinaus, und wird vergeblich anderwärts gesucht. So findet sich die Rosa pollinaria nur am Fuße des Baldoberges in Italien; die Lhonrose (Rosa Lyonii) nur zu Tennessee in Nordamerika, während die Feldrose (Rosa arvensis) ganz Europa bedeckt, und die Heckenrose (Rosa eanina) nicht allein in Europa, sondern auch in einem Thcilc von Amerika und ganz Nordasien sich findet. Bei der botanischen Excursion, die wir um die Erdkugel zu machen gedenken, werden wir nicht gerade alle Arten Rosen anzcigcn, welche in jedem Lande Vorkommen, sondern nur die jenigen, welche sich besonders durch ihre Schönheit auszeichnen und am leichtesten ziehen lassen. Zuerst betrachten tvir die westliche Halbkugel und beginnen von Norden. Unter dem ewigen Eise, das nordwärts die hohen Berge von Nordamerika bedeckt, in der Nachbarschaft der Eisbären, wie der Grönländer, welche kaum mehr Cultur besitzen als jene, erblickt man eine reizende Blume, eine Rose von lieblicher Farbe (Rosa blanda). Ihre große Blumenkrone ausbrcitend, erscheint sie allezeit, sobald nur die Sonne den Schnee im Thale zerschmilzt, einzeln an ihrem Stengel. Der zierliche Strauch, der sic trägt, findet sich häufig in den Eisgcfildcn, welche man zwischen dem 70. und 75. Grade nördlicher Breite antrifft. Unter dein Polarkreise, an den Küsten, welche die Hudsonsbai umgeben, die wegen ihrer Walfische berühmt ist, wächst häufig die schöne Hndsonsrose, deren dünne, aber schön gebogene Zweige sich im Frühlinge mit zahlreichen Büscheln gefüllter Blumen von blaßrothcr Farbe bedecken. Man möchte glauben, die Natur habe diese anmuthige Blume mit doppelter Schönheit versehen, da sic wohl voraus- schcn mußte, daß die armseligen Eskimos, welche ohne Nachlaß mit dem rauhen Himmelsstriche zn kämpfen und ans dein Meere eine oft spärliche, immer ungesunde Nahrung sich zu verschaffen haben, die Cultur ihres undankbaren und unfrucht baren Bodens verwahrlosen würden.568 Je weiter wir nach Mittag zu kommen, wo die Menschen sich in einem we niger leidenden und mehr zum Genüsse der Natnrreizc geeigneten Zustande befin den, sehen wir auch das Reich der Rosen sich erweitern. Ncufoundland, das unter dem 53. Grade, und Labrador, das noch ein wenig mehr nördlich liegt, an deren Küsten jährlich mehr als hundert Schiffe der Europäer sich mit dem Fange dcö Kabliau beschäftigen, besitzen, außer den beiden nur genannten Rosenarteu, zwei sehr merkwürdige, die Rose mit dem Eschcnblatte ((Rosa fraxinifolia), mit kleinen, rothcn, herzförmig gebildeten Blättern, und die glänzende Rose (Rosa nitida) von einem schimmernden Roth, gleich ihren Früchten, welche ihre kleinen Kronen kelch- förmig entfaltet und unter dem Schatten armseliger Bäume an den Küsten hie und da zerstreut wahrgenommen wird. Oft sieht man die wilden Eskimos ihr Haar und ihre Rennthiere und Robbenfelle, in welche sie sich hüllen, da mit zieren. Der Theil von Nordamerika, welcher die vereinigten Staaten und die anlie genden Länder umfaßt, wo sich noch die alten Landesbewohner befinden, denen wir den Namen der Wilden beizulegeu Pflegen, besitzt eine Menge Rosen, von denen wir nur die interessanten anzcigen wollen. In den Morästen von Carolina erhebt die leuchtende Rose (Rosa lucida) ihre schönen rothcn Blumen über das Schilfrohr, inmitten dessen sie gern wächst. Die Rose von Wood (Rosa Woodsii) spiegelt ihre Rosenblätter in den klaren Wellen dcö Missouri. Die Rose von Ca rolina (Rosa Oarolina), welche gleichfalls das Wasser liebt, läßt die Hitze des Sommers vorüber, ehe sie die von ihr bewohnten Moräste schmückt. Die Rosa evratina dient den feuchten Gegenden von Carolina und Virginien zum Schmuck. Wenn die Hand des Gärtners sie dem schattigen Ufer des Baches entzieht, wo sie aufwuchs, um sic in den reichen, aber trockenen Boden eines Beetes zu ver pflanzen, welkt der Strauch, und alle angewandte Sorge ist nicht im Stande, ihre zahlreichen Blumen zu Tage zu fördern, welche gewöhnlich gefüllt, blaßroth und von mittlerer Größe sind. Wo der Reisende das Ufer der Flüsse und die sumpfigen Savannen verläßt, um in die Waldungen vorzudringen, trifft er am Fuß der steinigen Hügel die Rose mit wirrigem Gezweig (Rosa diffusa), deren Blumen gewöhnlich paarweise iin Anfänge des Sommers erscheinen. An den Hügelabhüngen von Pcnnsylvanicn gewahrt man einen Rosenstock mit kleinen Blumen (die kleinblumige Rose, Rosa parviflora), einen kleinen niedlichen Strauch, dessen gefüllte, liebliche, halboffcnc, voiu zartesten R'oth gefärbte Blumen an Schönheit alle anderen Rosen von Amerika hinter sich lassen. Eö ist zu bedauern, daß eine so köstliche Blumcnart so schwer zu ziehen und zu vervielfältigen ist. Am 9faubc der Waldungen der nämlichen Provinz und mehrerer anderer Staaten wächst die Rose mit geradem Stiele (Rosa stricta) mit hcllrothcn Blumen und die Rose mit dem Brombccrblatte (Rosa ru- bifolia), welche kleine blaßrvthe Blumen, gewöhnlich drei zusammen, hervorbringt;569 endlich in Nordcarolina die seidenartige Rose Rosa sstigera), deren große Blumen blätter die Gestalt eines umgekehrten Herzens haben. Die schönen Creolinncn von Georgien pflegen in ihr schwarzes Haar die großen weißen Blumen der glatten 9i'ofe (Rosa laevigata) zu winden, deren lange Stengel sich häufig uin die großen Bäume des Waldes schlingen. Die letzte Rose in der Flora von Amerika ist die Rose von Montezuma. Sie ist wohlriechend, blaßroth, steht einzeln und ihre Zweige sind nicht mit Stacheln zum Schutz versehen. Sie liebt besonders die hohen Bergspitzen des Eerro-Ventoso, unweit der Stadt San-Pedro in Mexiko, wo sic die Herren v. Humboldt und Bonpland antrafen. Die Stadt San-Pedro liegt unter dem 19. Grade. Dies macht diejenigen Botaniker ein wenig irre, welche in Amerika Rosen südlich voin 20. Grade nördlicher Breite nicht statuiren wollen. Aber diese Rose, welche Humboldt gewahrte, ist in Mexiko nicht die einzige; man fand sie übrigens schon bei der Eroberung dieses Landes. Don der westlichen Halbkugel sind uns außer den genannten keine Rosen weiter bekannt. Doch kann man voraussetzen, daß man in der Folge noch andere entdecken wird. Es ist allerdings merkwürdig, daß die Botaniker die bei weitem größte Anzahl der Arten in Länder setzen, wo man am fleißigsten botanisirte, und dasjenige ans physischen und geographischen Gründen herleiten, was eigentlich ans unserer Unkunde in Beziehung auf die Vegetation der Länder, wo nach ihrer Be hauptung keine Rosen gedeihen, erklärt werden muß. Die östliche Halbkugel, welche ans vier Erdtheilen besteht, Europa, Asien, Afrika und Australien, bietet uns nur drei besondere Punkte für unsere Nachfor schungen dar, bis man im Archipel hinlängliche botanische Excursionen angestellt haben wird. Wir fangen mit Asien an, als dem größten Thcile des alten Fest landes, der als die Wiege der ersten Menschen angesehen wird. Dieses besitzt für sich allein so viel Rosenartcn, als die ganze übrige Erde, und die Zahl derer, welche zur Genüge untersucht worden, steigt auf 39. Das unermeßliche China, wo der Ackerbau in Ehren gehalten wird, besitzt ohne Zweifel eine große Anzahl Rosenarten; wir kennen aber bis jetzt davon nur 15, welche von dem mehr kunst fleißigen als aufgeklärten Volke mit größter Sorgfalt gepflegt werden. Die im- wcrblühendc Rose (somxorüoröns) zeichnet sich durch ihre Blätter ans, die öfter drei kleinere Blättchen haben. Die Blumen riechen fast gar nicht und haben ein Helles, wenig glänzendes Roth, nehmen sich aber so lange, als sie noch nicht ganz aufgebläht sind, sehr hübsch ans. Viele Botaniker haben die chinesische Rose (Rosa sinensis) damit verwechselt. Ihre Blumen haben ein herrliches Hochroth und dauern die ganze schöne Jahreszeit hindurch. Unter den lieblichsten Rosen von ^hina zeichnet sich eine besonders aus, die Rosa Lawrenciana, welche sehr niedlich >st und deren sehr elegant geformte Stiele sich nicht über drei bis fünf Zoll er heben. Die Blumen, welche das ganze Jahr dauern, sind selten größer als ein halber Gulden. Diese Pygmäenart weicht von allen andern in der Botanik570 bekannten Zw erg arten ab. Oft trifft man ihr zur Seite die vielblnmige Rose (multiflora) , deren biegsame Zweige 15—16 Fuß IN die Höhe treiben. Sic hat kleine, gefüllte, blaßrothc Blumen; diese vereinigen sich in großer Zahl über dem nämlichen Zweige und bilden so allerliebste Sträuße. An den Felsen, welche die mäßig abschüssigen Anhöhen krönen, bilden die nnbcdorntcn, sich hinanschlingcn- dcn Zweige der Rose von Banks (Rosa Banksii) eine Art anmuthigcr grüner Vorhänge. Sic sind mit einer großen Zahl kleiner, stark gefüllter, sich neigender Blumen bedeckt, von ein wenig in's Gelbe fallendem Weiß, und zeichnen sich durch ihren angenehmen Vcilchengcrnch aus. Unter den gefüllten Rosen, welche die Felder und Gärten des Ungeheuern chinesischen Reichs schmücken, wollen wir hier noch die kleinblättcrige 9iofc (micro- phylla) bemerken, welche die Chinesen sehr sorgfältig abwarten, theils um der Zierlichkeit ihres Laubwerkes, theils um der Annehmlichkeit ihrer kleinen, stark gefüllten, blaßrothcn Rosen willen. Andere bekannte Rosen China's sind: Rosa liistrix, inicrocarpa, pseudo indica, xanthina, hiphylla, cinnamomea (Zimmct- rose) , biaetsata, indica, sinica n. s. W. Cochinchina, welches zwischen dem 10. und 20. Breitengrade liegt, hat mehrere Rosen von China und einige ihm eigenthümliche Arten. Unter letzteren nennen wir die weiße Gartenrvsc (Rosa alba), welche wir auch in Piemont einheimisch finden, wie in Frankreich und anderen Theilcn Europa's; ferner die dornige Rose (spinosissima) , bereit des Geruchs ermangelnde Blumen fleischfarben und auch wohl anders gefärbt sind. Japan, zwischen dem 30. und 40. Grade, besitzt gleichfalls einen großen Thcil Rosen gemeinschaftlich mit China, unter andern die so hübsche vielblnmige. Eine Art scheint ihm eigenthümlich, nämlich die runzelige Rose (Rosa rogusa), deren einzeln stehende Blume mit der 9fofc von Kamtschatka Achnlichkcit hat. Nehmen wir den ganzen südlichen Thcil Asiens zusammen, welcher die ver schiedenen Theilc von Indien umfaßt, so kommen hier noch viele bcmerkenSwerthe Arten vor. Auf den nördlichen Thcil Indiens kommen sechs Arten, deren zwei sich auch in China finden. Von den vier andern sind zwei in Neapel einheimisch. Die Rose Lycll's zeichnen viele Blumen von milchweißer Farbe ans. Sic hat in einem Garten, wohin sie verpflanzt wurde, einen großen Thcil des Sommers überdauert und widersteht so ziemlich der Härte unseres Winters. Dasselbe Land liefert noch die Rose Brown's (Rosa Brownii) mit Blumenblättern von gleich mäßig schönem Weiß, sowie andere minder gekannte Sorten. Dem Süden uns nähernd, nehmen wir in Gossan-Than die großblätterige Rose (macrophylla) wahr, welche mit unserer Alpenrose einige Aehnlichkeit hat, aber damit nicht vermengt werden darf. Die Blumen sind weißlich und die Blätter derselben haben an der Spitze ein rothcs Pünktchen. Ihr zur Seite blüht571 die Seidenrose (sericea), deren kleine Blätter unten ein seidenartiges Gewebe zeigen, das ganz die Weichheit und den Glanz von Seidenstoff hat. Die Blumen haben eine hängende Stellung und stehen einzeln. Die heißen Ebenen am bengalischen Meerbusen schmücken sich int Frnhlingc mit einer allerliebsten weißen Rose, welche man eben so in Nepaul und China trifft. Die Blumen der verhüllten Rose (Uosa involucrata) sind weiß, stehen fast immer allein, von drei bis vier Blättern umgeben, die eine zierliche Krause darum bilden. Oft birgt sich der wilde Tiger Bcngalcns und das scheußliche Krokodil des Gan ges, der Beute auflaucrud, in dem dichten Busche der immerblüheudeu Rose (semperflorens), welche mit immergrünem Laube umgeben ist und immerfort zier liche rothe Blumen hervortreibt.. In den Gärten von Kandahar, Samarkand und Jspahan ziehen die Perser die Rosen als Bäume (Idooa arborea); die Stengel derselben erreichen die Höhe großen Buschwerks und bedecken sich zur Frühlingszeit mit zahlreichen weißen, wohlriechenden Blumen. Hier wächst auch von selbst die Rose mit dem Saner- dornblattc (berberifolia) , welche von allein andern Buschwerk ihrer Arten so ganz sich unterscheidet, daß man ihr eine besondere Stelle anzuweiscn sich genöthigt ge sehen hat. Sie hat ganz einfache Blätter, aber keine Blättchen, und die gelben, in einen Stern sich öffnenden Blumen sind in der Mitte mit einem großen dunkcl- caruioisinrothcn Flecke bezeichnet. Die Monatsrose oder Rose von Damaskus (Rosa damascena), welche durch die tapfcrn Ritter im Gefolge des heiligen Ludwig von seinem unglücklichen Kreuz- Zugc in unser Klima übcrbracht wurde und eine große Menge von Spielarten er zeugt hat, welche alle sehr schön sind, schmückt Syriens Sandwüstcn mit ihren zahlreichen Blumenbüscheln. An der äußersten Gränze von Asien, unweit Konstau- lluopcl, breitet die gelbe Rose (Uosa sulluroa) ihre gefüllten, in glänzender Farbe Prangenden Blumen ans. Wenden wir uns nach dem nordwestlichen Theile Asiens, so erblicken wir die schönsten Frauen auf Erden, die Georgierinnen und Circassierinnen, im herrlichsten Oivsenschmuck. Die Ceutifolieurose, welche sie dazu anwcndcn, hat in den dem Kaukasus benachbarten Ländern ihre eigentliche Hcimath. Alles, was sich von ihrer Schönheit, ihrem süßen Geruch preisen läßt, bleibt hinter der Wahrheit zu rück. Nur Dichter haben sie würdig gepriesen. Zuweilen mischt die wilde Rose (Rosa fcrox) ihre großen rothen Blumen mit denen der Centifolien, und die Staubrose (kosa pulverulenta) macht sich am Abhang des Pik von Mazaua, nahe dem Kaukasus, bemerklich. Unsere botanische Wanderung im nördlichen Asien beginnen wir mit Sibirien, lenem kalten Lai'.de, wo die verwiesenen Russen nur zu theuer die Freuden einiger Augenblicke büßen müssen. Die großblumige Rose (Rosa grandiflora), deren Krone572 der eleganten Form eines antiken Minkgeschirrs ähnelt, die vom Kaukasus (Rosa caucasaea), deren große Früchte ein weiches Fleisch enthalten, die gelbliche Rose von so traurigem Anblicke als die Laudcsbewohner jener Gegend, finden sich in den an Kankasicn glänzenden Landstrichen. Näher nach dem Eismeere bis unter dem Polarkreise, in den Ebenen des Ienisei, wächst die röthliche Rose (Rosa rubella), deren Blumenblätter zuweilen sehr dunkelroth sind, gewöhnlich aber bleich und farblos, wie die Natur, welche sic umgibt. Nördlicher trifft man die Nosc mit nadelförmigen Blättern (Rosa aeieularia), deren einzeln stehende Blumen von blassem Roth sind. Endlich wachsen noch zehn bis zwölf andere Arten in den russischen Besitzungen von Nordasicn, unter ihnen die Rose von Kamtschatka, aus gezeichnet durch ihre einzeln stehenden Blumen von röthlichem Weiß. Wir bleiben nicht länger bei den Rosen des außereuropäischen Rußlands und sehen uns um in Afrika, der sogenannten Heimath der Ungeheuer, um zu scheu, ob uns nicht vielleicht die Natur hier einige Lieblinge der Flora zuführen sollte, worauf unsere Blicke ruhen und bei denen unsere Einbildungskraft sich von den Schreckcnsbildcrn wilder Menschen und Thiere erheben möchte, welche diese sen gende Wüste bevölkern. An den Gestaden des weiten Sandmecres der Sahara und in der ganzen Berberei, zumal in den an Tunis stoßenden Ebenen, blüht in reichen weißen Blumenbüscheln die Bisamrose (Rosa wosebata) und duftet einen leichten Moschusgeruch aus. Diese allerliebste Gattung trifft man in Egypten, zu Marokko, Mogador und sogar auf der Insel Madeira. In Egypten wächst die Hecken- oder Hundsrose (Rosa canina), die in Europa so gemein ist. In den Gebirgen von Abhssinien findet man eine Rose, die von ihrem Vatcrlandc Rosa Abyssinica genannt wird. Sie hat immergrünes Laub, und die rothen Blumen blätter dienen der wunderbar gestalteten Giraffe zuin Futter. Zwei andere Gat tungen wachsen gleichfalls int nördlichen Afrika, und man weiß nicht, welche noch im Innern dieses unermeßlichen Landes Vorkommen. Bis jetzt wenigstens haben die Menschcnracen, welche mehr als Löwe und Panther durch ihre Wildheit Furcht und Scheu cinflößcn, den Excnrsioncn der unerschrockensten Naturforscher eine un- übcrstcigliche Scheidewand entgegengesetzt. Wir gehen nun auf Europa über, indem wir von seiner nördlichen Seite beginnen, und treffen hier, uns ein wenig westwärts wendend, zunächst Island. Dieses Land, um das sich die verheerenden Feuer der Vulkane und ewiger Eisflächen des Nordpols streitig zu machen scheinen, liefert nur etwa scchszig Pflanzen für die Beobachtung der Botaniker, wenn man einige Moosarten und Flechten aus nimmt. Doch wächst zwischen den Spalten der unfruchtbaren Felsen von selbst die bibcrncllblättcrigc Rose (spinosissima) mit blassen, einzeln stehenden Blumen. In Lappland, das etwas minder stiefmütterlich behandelt ist als Island, glänzt fast zwischen dem Schnee das lebhafteste Jncarnat der lieblichen kleinen Mairose (Rosa majaiis) hervor. Man trifft sic auch in Norwegen, Dänemark und Schweden.573 Auch findet sich mitten unter den armseligen Bäumen, von denen die Rennthiere die parasitisch wachsenden Moose und Flechten abnagen, die obengenannte Rosa rubella, eine Rosmart, deren Blumen zuweilen blutroth gefärbt sind. Mehrere Rosen, als die Weinrose (rubiginosa), von deren bleichen röthlichwcißcn Blumen zwei bis drei bcisainmcn stehen, die Mairosc (majalis), die Zimmctrosc (cinna- rnomea), einfach oder gefüllt, klein und blaßroth, sowie viele andere Arten wachsen in Dänemark, Schweden, Rußland und ganz Nordcnropa. Sechs Arten ungefähr sind in England einheimisch; die Rose mit gerollten Blättern (involuta) pflegt mit ihrem dunkeln Laube und ihren großen, rothen und weißen Blumen mitten in jenen traurigen Tannenwäldern sich zu zeigen, die auf den hohen Bergen Schottlands augetroffen werden. Man möchte zwischen jenen Gewächsen eine eigene Beziehung annchmcn; denn auch die Blätter dieser Rosen art lassen, wenn man sie reibt, einen unverkennbaren Harzgeruch zurück. Ans denselben Bergen finden wir die Rose mit dem Sadebanmblattc (Rosa sabini), einen allerliebsten Busch, wo die Blumen oft beisammenstehen; die rauhe Rose (villosa) mit weißen oder dnnkelrothcn Blumen, gewöhnlich zwei zu zwei; die Hundsrose (eanina). In der Umgegend von Belfast in Irland wächst einzig und allein die irländische (Rosa hiberniea). Zwar scheint Deutschland in Europa den mindesten Ncichthum an Rosen zu besitzen; doch sind darunter sehr merkwürdige Sorten. Unter die interessantesten gehört die Rose mit krciselförmiger Frucht (Rosa tnrbinata), deren sehr gefüllte Blumen über dem kreiselförmigen Fruchtknoten sich befinden, und die Ackerrosc (arvensis) mit großen, rothen, bei gepflegter Abart gefüllten Blumen. Die Schwcizcrgcbirgc und die ganze Kette der Alpen überhaupt sind an Rosen sehr- reichhaltig. Man trifft hier die Ackerrosc, deren ich eben gedacht, sehr häufig, und unter andern folgende Arten: die Alpenrose (Rosa alpina), ein höchst zierlicher Strauch, mit rothen, einzeln stehenden Blumen, von dem man durch besondere Pflege eine große Anzahl schöner Varietäten erzielt hat; ferner die Rose mit stach- lichtcn Blättchen (spinulifolia), deren mittelgroße, blaßrothe Blumen minder merk würdig sind als diese stachlichtcn Blättchen, welche beim Reiben einen leichten Tcrpentingernch von sich geben. Unter den bemerkcnswcrthcn Rosen der Schweizcr- «lpen, wie der savoyischcn und französischen, führen wir die rothblättcrigc Rose an (rubrifolia), deren Stengel von der nämlichen Farbe, sowie die niedlichen, dnn kelrothcn Röschen sich sehr angenehm von dem Laubwerk der andern Gesträuche hcrvorhebcn. Im östlichen und südlichen Europa kommen viele Rosen vor; doch >st eine große Anzahl davon noch unbeschrieben. So ist ans der Krim auch nicht r>»c einzige bekannt, und doch ist, wie man aus den Berichten der Rciscbcschrciber kveiß, diese Blume dort häufig zu finden. In Griechenland und Sicilicn trifft Wan die klebrige Rose (glutinös«), deren Blättchen auf ihren beiden Flächen drüsig und klebrig sind. Sie hat kleine, einzeln stehende, blaßrothe Blumen. AuchItalien und Spanien haben cigcnthiimlichc Arten. Die Stanbrose (pollinaria) hat schöne große Purpurblumen, zwei oder drei beisammen, und wächst in Vcrona's Nähe ans dem Monte Baldo. Die Bisamrosc und die spanische (Iiispanioa) mit hcllrothcn Blumen gedeihen beide in Spanien. Die immergrüne Rose (samxor- virens), die auf den balcarischcn Inseln häufig ist, wächst im ganzen mittäglichen Europa, desgleichen in der Bcrbcrei wild. Ihre kriechenden Zweige sind mit einem immergrünen, glänzenden, sehr angenehmen Laub geschmückt und zwischen demselben zeigen sich zahlreiche weiße und wohlriechende Blumen. Noch ist Frankreich übrig, und cs wird sich ergeben, daß dasselbe von der Natur nicht minder mit Noscn als andern vegetabilischen Schätzen begünstigt ist. Schlagen wir die französische Flora von Dccändollc ans, so finden wir 19 einhei mische Arten. Im Süden prangt mitten unter andern Rosenartcn die gelbe Rose (eglantei-ia) oder Wanzcnrosc, mit goldgelben Blumenblättern, sowie ihre schönen Varietäten mit Blumen von schönem Capucincrroth oder einem Gemische von Gelb und Roth. Die Rose mit dem Bibcrncllblattc («pinosissima oder pimpinellifolia) liebt vorzugsweise sandigen Boden. Ihre weißen Blumen, unten mit gelben Flecken, gewähren viele reizende Abarten. In den Gehölzen der Auvergne und in denjeni gen der Vogesen wächst die Zimmctrosc, welche von der Farbe ihrer Stengel den Namen hat. Sic hat kleine, rothe, einzeln stehende Blumen. Die Nose von Champagne (parvifolia), eine der niedlichsten Miniatnrschöpfungcn, schmückt die reichen Hügel um Dijon und trägt artige, kleine einzelne Blumen, die immer ge füllt und von der herrlichsten Purpurfarbe sind. Den Namen französische Rose (Rosa Zalliea), auch Znckcrrosc, führt eine Roscnart, welche die zahlreichsten und schönsten Varietäten gibt und deren Blumen eine große Anzahl Schattirnngen zn- lassen. Unter dem Namen der Provenecrrosc (Rosa provincialis) findet man höchst angenehme Abarten mit weißen, rosenfarbencn und pnrpurrothcn Streifen. Im Gebiete der Ostpyrenäcn wächst die Bisamrosc wild, ein schönes Gewächs, dessen zahlreiche Blumen in Büscheln den lieblichsten Geruch verbreiten, welcher mit Bi sam einige Aehnlichkcit hat; auch geben sic ein sehr aromatisches Ocl. Eine lieb liche Abart mit gefüllten Blumen kennt man in den Gärten unter dem Namen der Mnökatrosc. Die weiße Rose, welche man an den Hecken und fast ans allen bewachsenen Hügeln trifft, wird insgemein in den Gürten gezogen, wo man eine große Anzahl Varietäten erzeugt hat. Schließlich erwähnen wir, daß neuere Botaniker die Gattung Rose (echte Rose) in vier Gruppen gctheilt haben: 1) Schlangcnroscn, d. h. kriechende Rosen, worunter' die Acker- oder Feldrose und die immergrüne Rose; 2) Edelrosen, worunter die Ccntifolie und die Monatsrose; 3) die Bcrgroscn, worunter die Alpenrose; 4) Heckenrosen, worunter die Hundsrose. Wie schon oben bemerkt, die Rosen werden zur Bereitung des Rosenwasscrs, Rosenöls u. s. w. gebraucht. Namentlich ist cs die Bisam- oder Moschusrosc,0 < i> R. moschata, welche dazu dient. In Ostindien ist die Bereitung des Noscnwas- serS und Rosenöls ein einträglicher Gcwerbszweig. Gasipur, in der Präsident schaft Kalkutta, ist in dieser Hinsicht berühmt. Man findet bei diesem Ort auf einer Ausdehnung von 150 Morgen lauter kleine Rosengärten. Auf einen Mor gen rechnet man 2000 Rosensträucher, die int günstigsten Falle 200,000 Rosen liefern. Auf 1000 Rosen werden zwei Pfund Wasser gegossen, und so etwa 10,000 Rosen mit dem Wasser in die Dcstillirblasc gebracht. Die Destillation findet zlvci Mal statt. Aus dem Rosenwasser wird das Rosenöl gewonnen. Ein Lok Rosen (100,000) liefert gewöhnlich 3 Quentchen Rosenöl; kein Wunder also, daß dieses Ocl einen so hohen Preis hat. Der Werth der zur Bereitung des Roscn- wasscrs verkauften Rosen ist ans 15 — 20,000 Ruppicn (1 Ruppie — 20 Sgr.) jährlich anzuschlagcn; der für das Rosenwasser bezahlte Preis wirft einen Gewinn von 40,000 Ruppicn ab. Himbeerstrauch (Rubus) und Brombeerstrauch sind bekannte Sträucher, welche durch ganz Europa in Hecken und Gebüsch wach sen und eiförmige oder halbkugelige Früchte bringen, welche aus zahlreichen cin- samigen Früchtchen bestehen. Der echte Himbeerstrauch, R. Idaeus, bringt rot he, oft auch gelbe Früchte, von angenehmem Geruch und Geschmack. Man ißt die Früchte roh mit Zucker, bereitet Himbeersaft, Himbeersyrup u. s. w. ans ih nen und pflanzt sie ihres Nutzens wegen häufig in Gärten an. Sollen sie recht große und schmackhafte Früchte liefern, sv muß man ihnen einen fetten und tics- gcgrabenenBoden geben. Die wohlriechende Himbeere, R. odoratus, welche ans Kanada stammt, hat wohlriechende Blüthcn und Pflanzcnblättcr und wird häufig als Zierstrauch gezogen. Die Brombeere, R. caesius, welche reichlich wohl schmeckende Früchte trägt, wird nicht cnltivirt. Die Beeren aber werden gegessen, und zur Bereitung von Essig, Wein und Branntwein, der besonders stark ist, be nutzt. Die Pflanzenblätter sollen einen guten Thcc wider Erkültungshusten geben. Im Acker ist die Brombeere ein lästiges, fast nicht zu vertilgendes Unkraut, weil auch das kleinste Würzelchen wieder ansschlägt. Es gibt noch viele Arten, welche wir hier nicht anführen können. Nees von Esenbeck hat eine ausgezeichnete Monographie der deutschen Brombeersträucher geschrieben, wozu Weyhe sehr ge treue Abbildungen geliefert hat. Erdbeere (Fragaria). Die wilde oder Hügelcrdbcere, F. collinä, und die Walderdbeere, F. vesca, sind sehr bekannt. Sic liefern zwar kleine, aber sehr aromatische Früchte, die sehr gesund und Allen zu empfehlen sind, welche an Stein oder Podagra lei den. Die jungen Pflanzcnblättcr geben getrocknet einen blntrcinigcnden Thcc, der specifisch gegen Flechtenansschlag wirken soll. Sonst wurde die ganze Pflanze als vfficinell in der Apotheke geführt. In den Gärten trifft man noch verschiedene576 Arten Erdbeeren, die sich thcils durch Größe, thcils durch Wohlgeschmack der Früchte auszeichnen. Die besten Arten wollen wir hier noch andcnten. Von der gemeinen Erdbeere soll die Monatscrdbccrc, F. sempcrflorens, ans der Schweiz kommend, abstammen. Die Früchte sind zwar nicht so groß, als die der übrigen cnltivirtcn Arten, aber sehr aromatisch, und die Sträucher tragen bis in den Herbst hinein, machen auch wenig Ranken. Die eigentliche Gartenerdbeere, F. elatior, soll aus Amerika stammen, ist weichhaarig und hat zurückgebogenc Kelchblätter. Die Frucht erreicht fast die Größe einer kleinen Pflaume und ist auf einer Seite grünweißlich, ans der andern Seite dunkclroth. Die virgiirische Erdbeere, F. virglniana , ist auch weichhaarig, nur die Oberfläche der Blätter ist glatt. Die Früchte sind groß und eiförmig zugespitzt, hell und scharlachroth, reifen früh, sind aber etwas wässerig. Die Ananas-Erdbeere, F. grandiflora, Früchte sehr- groß , meist rund oder platt, mit festem Fleisch. Die MuSkatcllcrcrdbecrc gehört dazu. Die Riesenerdbeere, ans Chile stammen, F. chiloeansis , hat große Blüthcn und sehr große Früchte von dichtem Fleisch, und ist der Ananaserdbeere sehr ähnlich. Es gibt auch Arten, welche eine sehr monströse Form haben, z. B. die Mammnthcrdbceren. Die genannten Arten zerfallen bei den Handclsgärtncrn in viele Sorten, die nicht selten die sonderbarsten Namen tragen. Alle Erdbeeren aber gedeihen am besten in einem halbfetten Boden. Ist nämlich der Boden zu fett, so treiben die Sträucher zn sehr und bringen keine Früchte. In magerem Boden aber bringen sie nur kleine, unschmackhaftc Beeren. Sand, Lehm und Humus zu gleichen Thcilcn liefern die beste Erde für Erdbeerbeete. Fingerkraut (Potentilla). Das Fingerkraut hat seinen Namen von den häufig gefingerten Blättern, die indessen bei einigen Arten auch gefiedert Vorkommen. Wild wachsende Arten sind: dcrGänscrich, P.anserlna, gelbe4—bblätlcrigcBlumen; Frühlingsfinger kraut, F. varna, ebenfalls gelbe Blümchen, blüht im Frühling auf Rainen; ge meines Fingerkraut, P. reptans, mit goldgelben Blumen. Alle Arten waren früher officincll, die letzte Art wird noch häufig als Hausmittel gebraucht. Von den Potcntillcn, welche als Zierpflanzen cultivirt werden, nennen wir zwei Arten: dunkclrothcs Fingerkraut, P. atrosanguinea, aus Ostindien stammend, wird 2—3 Fuß hoch, hat Blätter, lvelche den Erdbccrblättern ähnlich sind, und zahl reiche, endständige, sehr schöne, schwärzlichrothe Blumen von 1 Zoll Breite. Schönes Fingerkraut, P. formosa, ebenfalls in Ostindien heimisch, mitrosen- rothcn, im Grunde dunkclroth geaderten Blumen. Es gibt übrigens noch viele schöne Arten dieser reichen Gattung, welche thcils im Freien, thcils in Töpfen' gezogen werden und die sich durch ihre schönen Farben anszeichnen. Heilkraut, Torineutille (Tormentiiia), dem Fingerkraut sehr ähnlich, hat aber immer nur vier Kronblättchen und einen Kelch mit acht Abschnitten. Die aufrechte Tormentille, P. erecta, welchebl l vfficinell ist, wächst i» Wäldern und feuchten Wiesen, wird 6—8 Zell hoch, heit gelbe Blumen und walzigknotigc Wurzeln, welche zusammenziehende und färbende Stoffe enthalten. Ein vorzügliches Heilmittel. Auch die kriechende Tor- mentil le, ll'. rextans, ist zu nennen, welche einen gestreckten Stengel mit fadcn- förmiger Wurzel hat. Die Blumen sind größer, als bei der ersten Art. Ist ebenfalls officincll. Vcnediktenkraut (Voum) hat einen fünfspaltigen Kelch mit fünf Nebenblättchen und eine fünfblätterige Blu menkrone. Das echte Bcnediktenkraut, auch Nelkenwurz genannt, 6. urbanuw, wird zwei Fuß hoch und hat gelbe Blüthen, mit eirunden Kronblättchen. Die Wurzel riecht uelkcnartig, enthält Gummi, ätherisches Ocl und Salze, und wird in der Medici» gebraucht. Die Pflanzenblätter ißt man als Salat. An dieser Pflanze trifft man die deutsche Cochenille (Cocus polonicus). Das Sumpf- beuediktcukraut, 0. Avals, wächst an Bächen und Sümpfen, die überhängenden Blüthen stehen zu zweien, die Wurzel ist weniger scharf, als die der vorigen Art und thut deshalb auch geringere Wirkung. Cultivirt wird das scharlachrothc Benediktenkrant, 6. cooemoum, welches aus Kleinasien stammt, 1 — 1 ‘/ 2 Fuß hoch wird und gelbscharlachrothc Blumen trägt. Verlangt im Winter eine trockene Bedeckung. CvMarNM lvomarriw) sieht der Potcntillc ähnlich, hat aber einen kugeligen Fruchtbodcn und gefärbten Kelch, dessen Blättchen größer sind, als die Kronblättchen. Das Sumpf-Comarum, 6. palustro, hat gegliederte, kriechende, lange Wurzeln, anfstcigcnd 1—2 Fuß hohe Stengel, gefiederte, seegrüne Blätter, rothbranne Kelche mit purpurrothen Kron- blättchen. Kraut und Wurzel sind gebräuchlich. Wächst auf sumpfigem Boden, wo sich gewöhnlich Torflager befinden. iJ i ^eume r'S Naturgeschichte.Dreizehnte Masse. Pflanzen mit 20 und mehr als 20 Staubgefäßen, die auf dem Frucht hoden stehen. E r st e B r d n u n g. Pflanzen mit einem Staub Wege. Kapernstrauch, Christophökraut, Schöllkraut oder Goldwurz, Stachelmohn, Hornmohn, Mohn, Linde, Sommerröschen, Ciströschen, Thcestranch, Orlcanbanm, Nixblume, Seerose, Aar. tonte, Blumenbachic. Der Kapernstrauch (0axx»ris sxwosa), lTaf. XVIll. Fig. 24) ist diejenige Pflanze, welche die als Delicateffc bekannten Kapern liefert.- An den Küsten des Mittelmeers trifft inan diesen Strauch an Mauern und Felsen wild- wachscnd; bei Marseille und Toulon aber findet man ganze Felder mit dicscin Strauche bepflanzt. Der Strauch ist niedrig, buschig, mit langen, rankenartigen Aesten und Zweigen; die Blätter sind glänzend blangriin und die Blumen sind weiß oder rosa. Die erbsengroßen, olivengrünen Blüthenknoöpcn werden mit Salz und Essig eingemacht und als Gewürz in den Handel gebracht. Blätter und Rinde sind bitter und zusammenziehend und werden 31 t medicinischcn Zwecken benutzt. Das Christophskraut (Actuoa), auch Wolfswnrz, A. spicata, genannt, ist eine scharfe Giftpflanze, welche früher officinell lvar, jetzt aber nur in der Thierheilknnde gebraucht wird. Die weißen Blüthcn sitzen in lockern Trauben lind sind von 2—4 grünweißlichen, abfallenden Kelchblättchen umgeben. Die Frucht ist eine glänzend schivarzc Beere, deren Ge nuß Raserei hcrbeiführt. Schöllkraut oder Goldwurz sOlleiillonlum) wächst in ganz Deutschland in Hecken und an Mauern, hat gelbe Blumen mit 4 Kronblättern und einen zwciblüttcrigcn, etlvas gefärbten Kelch. Die ganze Pflanze ist behaart und hat einen widrigen Geruch, enthält einen scharfen, gelben Milch saft, der sehr ätzend ist. Man wendet sie äußerlich gegen Warzen, altcHantanö- schläge, Hornflecke u. dgl. an. Auch innerlich wirkt die Pflanze, wem» sie in klei ner Dosis gegeben wird; sie gehört übrigens zu den scharf-narkotischen Giften.Man unterscheidet Ch. roajus, mit doldenförmigen Blumen und einfächeriger Kap sel; Cli. glaucium, mit kahlem Stengel und Schote mit kleinen Knoten; Cb. tri- color, mit abstehender Schote und rothen Blumenblättern. HoriUIiohll (Glaucium). Dazu rechnen einige Botaniker die obengenannte Art des Schöllkrautes Cli. glaucium. Der wahr c Hornmohn, 0. corriculatum, ist niedriger und schlanker und hat kleine, scharlnchrothe, am Grunde schwarzgefleckte Blüthen; Blätter und Stengel sind behaart. Die Verwandtschaft mit dem Schöllkraut ist nicht zu verkennen. Der Mohn (Papaver) bildet eine sehr zahlreiche Familie wildwachsender und eultivirter Pflanzen, welche für die Mediein, wie auch für den Handel wichtig sind. Der wilde Mohn, Klatschrose, P. Khoeas, der bekannte rothe Korninohu liefert in seinen Blättern einen gesunden Thee wider hartnäckigen Husten; auch wird ein Shrnp daraus be reitet. Gebräuchlicher aber ist der weiße Mohn, P. officinale, der im Orient und in Südenropa angebaut wird und große Samenkapseln hat. Wichtiger noch ist der schwarze oder schlafmacheudeMohn, P. somniferum, aus dem daöOpium gewonnen wird. Man gewinnt das Opium dadurch, daß man die Kapseln an der Pflanze des Morgens ritzt und Abends.den verhärteten, ausgetretenen Milch saft sammelt. In der Levante, in Persien, Egypten und Ostindien wird viel Opium bereitet, welches in der Hand des geschickten Arztes ein vorzügliches Heil mittel werden kann. Die Orientalen berauschen sich bekanntlich durch das Opium, untergraben aber dadurch noch schneller ihre Gesundheit, als die europäischen Säu fer. Als Zierpflanze kommt der Mohn in den schönsten Farben, gefüllt und ein fach, klein- und großblumig vor. Aus dem Mohnsamen wird ein vortreffliches Oel gewonnen, welches dem Baumöl sehr nahe kommt. In dieser Rücksicht ist der Anbau des Mohns für die Landwirthschaft von großer Bedeutung. Der orien talische Mohn, P. orientale, ist eine schöne Zierpflanze mit großen Blumen. Eine schöne Pereunie ist auch der P. bracteatum, vom Kaukasus, dessen Blüthen bisweilen 3 / 4 Fuß Durchmesser halten. In gewitterschwülen Nächten will man an beiden Arten ein eleetrisches Leuchten bemerkt haben. Die Linde (Tilia) ist ein bekannter Baum, der eine Höhe von 60—100 Fuß erreicht und dessen weiches Holz, welches dem Wurmfraß nicht ausgesetzt ist, von Formschneideru, Bildhauern, Drechslern und Tischlern zu allerlei Arbeiten gebraucht wird. Als Bauholz taugt es nur im Trocknen. Die Blüthen geben den Bienen viel Honig und Wachs, sind aber auch, offieinell. Der Lindenblüthenthee ist besonders blut- reinigend und wirkt namentlich auf den Urin. Die Linde kann ein erstaunlichesAlter erreichen. In manchen Dörfern findet man ehrwürdige Exemplare, unter denen viele Geschlechter vorübergegangen. Von der Linde bei Neustadt ain Kocher weiß man aus zuverlässigen Urkunden, daß sic schon im Jahre 1229 ein großer Baum war. Ihr Stamm hat 32 Fuß im Umfang und ihre Aeste brei ten sich über einen Umfang von 400 Fnß aus. Aus dem Lindenbaste werden bekanntlich schöne Matten geflochten. In Rußland, wo cs große Lindcnwäldcr gibt, werden jährlich für mehr als 50,000 Rubel Matten ausgeführt. Man unterscheidet die Sommer- oder großblätterige Linde, T. pauciflora, die Winter- oder klein blätterige Linde, 1'. parvifolia, die gemeine Linde, T. Europaea (vulgaris), die Silberlinde, T. argentoa. In manchen Anlagen findet man auch noch zwei Arten amerikanischer Linden. Sommcrröschcil (Heliantliemum). Von diesem Halbstrauch, der '/a—1 Fuß hoch wird, kennt man über 100 Arten, von denen einige als Ziersträucher cultivirt werden. Von den 5 Kelchblättern sind die zwei äußern schmäler, die Kapsel ist einfächerig, drci- klappig. Das gemeine So mm crrösch cn, H. vulgare, mit großen gelben Blüthen in sparsamen Trauben, wächst auch in Deutschland au Wegen und auf Triften. Die meisten übrigen Arten sind im südlichen Europa zu Hause. Nahe damit verwandt ist die Cislrose (Cistus), welche mit voriger Art oft verwechselt oder als eine Familie betrachtet worden ist. Der Kelch besteht aus 5 gleichen Lappen, die Kapsel ist 5—10 fächerig, mit eben so vielen Klappen. Das kretische Ciströschen, 0 . eretieus, ein Strauch von 2—5 Fuß Höhe, mit zottigem Kelch und rosenrothen Blüthen, ist in Südcuropa und im Orient daheim. Diese Art, wie auch 0. kdaniferus liefern aus den Aestcn und Blättern ein wohlriechendes Harz, das in der Medicin gebräuchliche Ladanumharz, welches auch zum Räuchern gebraucht wird. In Caudia wird cs besonders durch die Mönche gesammelt. Viele Arten werden auch als niedliche Zierpflanzen cultivirt. Es sind sämmtlich immergrüne, 2 bis 5 Fnß hohe Sträucher, mit schönen, rosenähnlichen Blumen. Wir nennen die weiße Cistcnrvsc, 6 . albidus, die purpurrothe Eistenrose, C. purpureus, die scheidentragende Ci st cur ose, 6. vaglnatus. Im Winter verlangen sie 1 — 5° Wärme, lassen sich durch Stecklinge vermehren und lieben eine mit Fluß saud vermischte Dammerde.Der Thcestrauch (Thea).* **) ) (Taf. xvm. Fig. 25.) Die Pflanze, welche die gewöhnlichen Thcearten liefert, die bei uns in den Handel koniincn, ist ein Strauch, der, wenn er sich selbst überlassen bleibt, eine Höhe von 10—12 Fuß erreichen kann, unter der Cultur aber im Allgemeinen nur 5—6, ja an mehreren Orten nur 2—3 Fuß hoch wird. Sic ist, wie der Wein, nur eine einzige Art, welche aber eine Menge von Abarten aufzuzählcn hat, die thcits mehr, thcils weniger constant sind, so daß die Botaniker nicht nur zwei, sondern sogar drei bestimmte Arten — Thea viridis, Thea bohea und Thea strietä — aus jener Pflanze gemacht haben. Das Vaterland des Thcc- stranchcö ist tut südlichen, gebirgigen China zu suchen, wo man ihn bis zuin 15° südl. und 40° nördl. Breite findet. Außerdem wird seine'Cultur schon seit län gerer Zeit in Japan, so wie auch in Ava, dein Reiche der Birmanen, so wie an der östl. Gränze von Tübet betrieben. Ganz neuerlich hat man aber auch in Assam, und zwar in dein Gebiete, welches den Engländern gehört, wo die Gebirge nicht über 6—8000 Fuß hoch sind, die Thcepflanze wild gefunden und ihre wei tere Cultur in jenen Gegenden mit gutem Erfolge versucht. Einen ähnlichen Ver such haben die Holländer ans Java *'*) und die Portugiesen in Brasilien gemacht, letztere jedoch mit bei weitem weniger günstigen Resultaten; denn wenn auch die Pflanze die Versetzung in einen andern Boden verträgt und Thcestrauch bleibt, so ist doch der eigenthümliche Duft, das Aroma, dahin, wie das Carlsbader Was ser nicht mehr Sprudel bleibt, wenn es verschickt wird, oder mit der neuen Hei- math dem Gewürze eine andere Nuance des Duftes oder Geschmackes, wie bei der arabischen Bohne des Mokka-Kaffcc's zu Thcil wird. Die Cultur des Theestranchcs und der Gebrauch seiner Blätter zur Her stellung eines warmen, gesunden Getränkes ist in China und Japan sehr alt, und man erzählt von seiner Einführung folgende Legende: D arma, ein frommer Büßer und Priester des Buddha (im 6. Jahrh. n. Chr.), kam von Indien nach China, in der Absicht, seine Lehre in diesem Lande zu verbreiten. Um sich zu dieser Mis sion vorzuberciten und zu stärken und seiner Person Ansehen zu verschaffen, that er ein Gelübde, Tag und Nacht in ununterbrochenen Andachtsübungen zuzubrin gen; aber der Schlaf überwältigte ihn zuletzt. Als er nun erwachte, schnitt er, *) Wir haben cs uns erlaubt, die Beschreibung des Theestranchcs mit dem, was damit zu- sammcnhäugt, hier so zu geben, wie cs Di. Carl Vogel in seinen vortrefflichen Natur bildern nach den ausgezeichneten Werken eines Mcyen, Schonw, Ritter, Berghaus n. s. w. zusammengestellt hat. **) „Der Thee von Java ist neuerdings ans den Markt von Amsterdam gekommen und hat da selbst großes Aussehen gemacht; im Jahre 1813 betrug die Ausfuhr des Javathees nach den Niederlanden bereits 6300 Kisten, ungefähr der vierte Theil des Thcevcrbranches von Holland." S. Ausland 1844, Nr. 294. lieber die Cultur des Assamthees s. A. Allg. Ztg. 1841 Juni, Ilruoo im llourn. of Botany 1841. III. p. 137 sq. u. Mehen a. a. O. S. 453.582 aus Verdruß darüber und zur Büßung des gebrochenen Gelübdes, seine Augen lider ab und warf sie auf die Erde; aus diesen aber wuchs ein früher ganz un bekanntes Gewächs hcroor, dessen Blätter er genoß, sich daran gestärkt und im Stande fühlte, dein Schlafe besser zu widerstehen. Er empfahl seinen Schülern diese köstliche Pflanze, hauptsächlich in gleicher ascctischcr Hinsicht, als Stärkungs mittel; und ganz in demselben Sinne wurde anfänglich von den europäischen Aerzten der Thcctrank als nervenstärkend und besonders hcilsani für die Augen empfohlen. Jetzt ist er in China und Japan, so wie in ganz Tübct und Nepal unentbehrliches Bedürfniß geworden; denn wer cö haben kann, trinkt dort den ganzen Tag über und bei allen Nahrungsmitteln Thce, so daß der Bedarf davon für China allein ans mindestens 300 Millionen Pfund, für den ganzen Osten von Asien aber auf 450 Millionen Pfund sicherlich nicht zu hoch angeschlagen sein dürfte. Man bedenke nun die Menge von frischen Blättern und die Zahl der Hände, welche zur Bereitung dieser Unmasse von Thce nöthig sind, und man wird leicht ermessen können, von welcher hohen Bedeutung der Anbau dieser einzigen Pflanze für jene Länder sein mag. — „Die Menge von Thce, welche China jähr lich nach dem Auslände überhaupt verhandelt, kennen wir allerdings noch nicht mit völliger Genauigkeit, wohl aber die Massen, welche nach Europa und in die europäischen Colonieen eingeführt werden. Meh en hat nach genauen Quellen die Gcsammtmassc von Thec, welche durch Europäer ans dein Hafen von Canton ab- gcführt wird, zu 45,000,000 Pfund für ein Jahr berechnet; hierzu kommt aber noch der, welcher ans dem Karawancnwcgc nach Rußland geführt wird, welcher jedoch im Jahre 1830 nur 5,405,990 prenß. Pfund betragen haben soll. Sieht mau nun auch ganz ab von der sonstigen Ausfuhr auf dem Landwege, so kommen doch schon 50 Millionen Pfund von beit getrockneten Blättern jener Pflanze ganz allein nach Europa und dessen Colonieen, wofür dem chinesischen Lande eine Summe Geldes von ungefähr 18 Millionen prenß. Thalern znflicßt; denn im Durchschnitte werden die verschiedenen Thccsortcn zu Canton mit '/» Piaster xr. Pfund bezahlt. Und dennoch sind kaum hundert Jahre vergangen, daß der Gebrauch des chine sischen Thec's in Europa etwas allgemeiner geworden ist." Vor dem 17. Jahr hunderte war er gar nicht bekannt. Rußland und Holland scheinen die Länder zu sein, wo man zuerst mit ihm bekannt wurde. Eine russische Gesandtschaft erhielt nämlich in der Mongolei Thce für ihre Geschenke an Zobelfellen; sie protestirte gegen eine so unnütze Maare, die ihnen aber aufgedrungen wurde, und als sic dieselbe nach Moskau brachten, fand sic dort Beifall. Von den Holländern wird erzählt, daß sic den Salbei, eine Pflanze, die früher als Heilmittel in hohem An sehen stand, nach China brachten und dafür Thce cintanschtcn. Die Chinesen wur den jedoch des Salbci's bald überdrüssig, während der Thce in Holland immer mehr Verehrer fand. Erst später fand er in England Eingang, wo er zum un entbehrlichen Bedürfniß und ganz neuerlich zum Schibolcth der Mäßigt cits- v er eine erhoben worden ist.583 „Vom landwirthschaftlichen Gesichtspunkte aus läßt sich die Cnltnr der Thee- pflanze mit dem Wcinbanc vergleichen. Wie die Rebe liebt der Thcestrauch haupt sächlich Berggeländc, die sich wegen ihrer Lage zum Kornbaue nicht eignen. Die Stellen, welche die schönsten Sorten prodncircn, liegen innerhalb gegebener, be schränkter Distrikte. Geschick und Sorgfalt, sowohl in der Bestellung des Bodens, als in der Bereitung des Erzeugnisses, sind zur Production von gutem Thec eben so erforderlich, als zu dem von gutem Weine. Wie in Bezug ans letztern nur den civilisirtcn Nationen Enropa's cs gelungen ist, ein gutes Product herzustellen, eben so ist cs im Orient mit dem Thec der Fall, dessen gute Cultnr von der Geschicklichkeit und dem Gewcrbflciße der Chinesen abhängig ist." Ncbrigcns wird er in größeren und kleineren Anlagen gezogen, wo die Sträucher regel mäßig in Reihen stehen; aber außerdem findet man ihn in Japan auch längs der Gränzcn der Felder, als Hecken, zum eigenen Hausbedarf der Bewohner nngcbaut. „Die Blätter werden, wie bekannt, dreimal im Jahre eingesammelt; die ersten und zartesten geben den besten Thec (Kaiscrthec). Hierauf werden die Blätter getrocknet. Dies geschieht, indem man sic ans eiserne Pfannen legt, die in kleinen Oefcn über gelindes Feuer gesetzt werden, damit sic ganz allmälig trocknen. Bei jeder Pfanne ist ein Mensch angcstcllt, der die Blätter mit der bloßen Hand um- wcndcn muß. Jedesmal, ivcnn er sic in die Hand genommen, rollt er sic in der Hand zusammen, und auf diese Weise bekommen die Thccblättcr die gekräuselte gedrehte Form, unter der sie in dem Handel Vorkommen. Wenn nun dieses Ver fahren angcwcndct wird, so nennt man die Zubereitung den trockenen Weg; ans dem nassen Wege geschieht dieselbe so, daß die Thccblättcr zuerst in ein eisernes Sieb gelegt und über kochendes Wasser gehalten werden, dessen Dämpfe in das Sieb hinanfstcigcn, die Blätter durchdringen und verändern, worauf sic auf gleiche Weise wie die andern getrocknet werden. Nach dem Berichte Einiger entsteht der grüne Thce bei der ersten, der schwarze Thec bei der zweiten Trocknungsmcthode. Doch ist man darüber noch kcincswegcS ganz im Klaren." Nach den neuesten in Indien angcstelltcn Nachforschungen liefern die Knospen und die sehr jungen Blätter den schwarzen Thec Pecco und den grünen Thec Ilysan mittelst zweier verschiedenen Arten von Bereitung. Die bereits ansgcbildctcn, aber doch noch jungen Blätter liefern Pouchong, den Souchong und den Campol un ter den schwarzen Thcccn, und den Poudre ä Canon (Guu-Powder) Thce unter grünen. Die älteren und festeren Blätter geben den schwarzen Thce Congnon, und den grünen Twang-kay ; der Bohea oder Bou, der am geringsten geschätzte schwarze Thec, ist das Product der ältesten und gröbsten Blätter. — Die getrock neten Blätter werden entweder in diesem Zustande in Kisten von Holz oder Blei verpackt — denn nur in wohlvcrschlosscnen Gefäßen behält der Thce sein Aroma — oder nach Vcrinischung mit Ochsen- und Schafblut oder Fett zu einer Art Kuchen geformt — der sogenannte Ziegclthcc, der im nördlichen Asien so sehr584 verbreitet ist —; im südwestlichen China kommt der Thee auch in runden Kugeln vor (Kugelthee). — Die ersten Produccntcn verkaufen den Ertrag ihrer Ernd- tcn an Kleinhändler, und diese wieder an die großen (Hong-) Kanfleute in Canton oder Kiachta, von welcher letzteren Stadt er durch die Russen abgcholt wird, wäh- rcnd der Scehandcl mit diesem wichtigen Artikel fast ganz in den Händen der Engländer und Holländer ist. — In China und Japan ist der Thee, wie schon erwähnt worden, Nationalgetränk im eigentlichsten Sinne des Wortes. Cr wird von Allen, vom Kaiser bis zum Geringsten, genossen; er wird bei allen Mahlzeiten zu jeder Zeit des Tages getrunken; er wird jedem Gaste angcbotcn; er wird überall ans Straßen und Wegen in Thccschcnkcn verkauft. Thee, welcher längst auch in einem großen Thcile Enropa'ö „die Freude des Abends am häuslichen Heerde, das elegante Bindemittel der eleganten Gesellschaft, der Hebel des Geistes für die, welche keinen haben, der esprit für alle Welt" geworden ist, — Thee zu bereiten und ihn mit Anstand zu servircn, gehört in China mit zu einer guten Erziehung und wird gelehrt, wie die Fccht- oder Tanzkunst in Europa. Die recht sachkundigen Thcetrinkcr des himmlischen Reiches können daher zwischen 700 Arten Thee unterscheiden, wie bei uns die Weinkcuncr; ja, sie sollen schmecken können, in welcher Art von Gefäßen der Thee bereitet und was für Holz zum Kochen des Wassers gebraucht worden ist. Der echte OrlcanbailM (B!xa Orloana). (Taf. XVllI. Fig. 26.) Der Orlcanbaum ist im südlichen Amerika an feuchten Orten einheimisch und wird dort, wie auch in Ostindien cultivirt, weil er einen hübschen Färbestoff lie fert. Er erscheint mehr strauch- als baumartig, erreicht eine Höhe von 15 bis 20 Fuß und soll einem Hasclstrauche einigermaßen ähnlich scheu. Die Blumen blätter sind blaßroscnroth. Die Frucht ist eine rundlich-herzförmige, mit Borsten besetzte Kapsel, welche zahlreiche Samen, etwas größer als Quittcnkcrnc, enthält. Diese Samen sind getrocknet mit einem dünnen, drüsigen, rothcn llcbcrzugc be deckt, den man durch Abwaschen sammelt und darnach trocknen läßt. Dies ist der im Handel verkommende Färbcstosf Orlcan. Er ist sehr schön hochroth. Durch Versetzung mit andern Stoffen erhält man die schönste goldgelbe Farbe, womit man namentlich durch Alaun getränkte Seide färbt. Der Orlcan ist auch für die Medicin wichtig. Die Rinde des Baumes liefert sehr dauerhafte Stricke und Tane. Die Indianer benutzen die Farbe, welche sic ans dem Samen erhalten, zum Be malen ihrer Gesichter n. s. w., wie cs bei diesen noch nncnltivirtcn Völkern. Sitte ist. Auch pflegen sic ihr Fleisch mit Orlcanwurzcln zu kochen, wodurch sic dem selben eine angenehme Farbe und bessern Geschmack geben. Brasilien liefert gegenwärtig viel Orlcan nach Europa, jedoch soll der von Cahcnnc weit vortreff licher sein.585 Die Nixbliiine (Nuphax), auch gelbe Wasser - oder Seerose (N. luteum) genannt, hat Aehnlichkeit mit der weißen Wasserrose; die gelben Bliithcn sind aber bedeutend kleiner, und sind von einem 5—6 blätterigen Kelche umschlossen. Die Samen sind nackt. Die Blumen sind wohlriechend, und in der Türkei wird ein Wasser aus denselben dcstillirt, wel ches zur Bereitung eines beliebten Getränkes dient. Die weihe Seerose (Nymphaea alba) hat mit voriger gleichen Standort und überhaupt viele Aehnlichkeit. Der Kelch ist aber 4—5 blätterig und die Samen sind mit einem Mantel umgeben. Es ist eine schöne Pflanze, welche sich mit ihren großen weißen Bliithcn ans dein spiegel- hellen Wasser vortrefflich ausnimmt; deshalb wird sie in Anlagen ans kleinen Seen, Gräben, Teichen angcpflanzt. Die egyptische Wasserrose, N. lotus, wächst im Nil und ist der egyptische Lotus. Ihre süßliche Wurzel, wie auch Blätter und Bliithcn werden gegessen und schon zu Hcrodcs Zeiten wurde aus den mehl- reichen Samen Brod bereitet. Die weiße Seerose war in früheren Zeiten eine officinclle Pflanze; jetzt gebrauchen die Landlcute die Blätter noch wohl bei alten, hartnäckigen Geschwüren. Bartoilie (Barlouio). Die gelbe Bartouie, B. aurca, ist ein prachtvolles Sommcrgcwächs, welches ans Californien stammt. Der Stengel wird 2—2 '/ 2 Fuß hoch, die Blätter sind halbgcfiedert und weichhaarig, und au den Spitzen der Acstc erscheinen einzeln die schönen Blumen, welche aus 5 Blumenblättern von goldgelber Farbe bestehen. Der Regen ist dieser Pflanze selten zuträglich. Btlimeilbachie (Blumenbachia), eine aus Amerika stammende schöne Rankpflanzc. Die ausgezeichnete Blu meubachic, 6 . insignis, wird über 4 Fuß hoch und ist ganz mit Brennborstcu bewachsen. Handförmig gelappte Pflanzenblättcr und schöne weiße Blnthen. Ihr Vaterland ist Chili und Montevideo. Von stärkerem Wuchs ist die aus Bucnos- Ayres stammende B. multifida, mit größer» Blättern und Blumen. Im Winter verlangen diese Schlingpflanzen 8—10" Wärme. Zweite Drdnnng. Pflanzen mit zwei Staubwegen. Pflügst- oder Gichtrose (Paeonia). Am bekanntesten ist die gewöhnliche Pfingstrose, B. officinalis, welche, obgleich sie häufig vorkommt, dennoch eine hübsche Zierpflanze ist. Die großen586 dimkelrotheir Blumen floriren im Mai und Juni. Es gibt von dieser Art viele Abarten, mit weißen, rvsarothcn Blumen. Wurzel, Blumenblätter und Samen sind officincll. Die knollige Wurzel ist narkotisch, so lange sie frisch ist; getrocknet ent hält sic Stärkemehl, Extractivstoff und Schleimzuckcr. Von allen Päonieartcn ist unstreitig die baumartige Päonie oder Chinesische Päonie, P. montan (P. arborea), die schönste. Dieser Prachtstrauch, der 6 — 8 Fuß hoch wird und ans China stammt, entwickelt große rosenrothe Blumen, die im Grunde eine pur- pnrrothe Zeichnung tragen und oft 6—8 Zoll im Durchmesser halten. Auch von diesem Strauch gibt cs viele Varietäten. Sic verlangen im Winter eine Wnrzcl- dccke Und eine leichte Umkleidung. Vermehrung durch Theilung der Wnrzelknollen. Dritte D r d n u n g. Pflanzen mit drei Staubwegen. Rittersporn (vslxbinium). Der Rittersporn ist eine bekannte Zierpflanze, von der indessen auch einige Arten wild wachsen. In Bergwäldern trifft man D. intermcdium, welcher als charakteristisches Kennzeichen drei Fruchtknoten und zwei gespornte Honigbehältcr in den äußern Sporen hat. Der Feldrittersporn, D. consilida, hat kahle Kap seln und ausgebrcitete Aeste. Wild wachsend und einfach in den verschiedensten Farben, unter dem Namen Levkojen-Rittersporn, in Gärten gezogen. Der Garten- Rittersporn, D. Ajacis, hat kurzhaarige Kapseln, einen Fruchtknoten und einen innern Sporn. Seine verschiedenen Varietäten liefern schöne Sommerblumen, die vom Juni bis September in langen, dichten Trauben floriren. Eine Art mit hö herem Stengel, D. A. elatior, hat weniger dichte Blnthcntraubcn, als der Zwcrg- odcr Hhacinthen-Rittersporn, v. A. lmmile, der sehr zu empfehlen ist. Der großblumige oder p erennirende Rittersporn, 1). grandiflorum, auch D. cbinense, hat prachtvolle Blumen von fast brennenden Farben. I). Barlowii, welcher auch hierher gehört, hat nnsgezcichnct schöne, leuchtend-dunkelblaue Blumen und wird 7 bis 8 Fuß hoch. Blätter, Blüthen und Samen des Feldrittcrsporns sind officincll. Sturm- oder Eisenhut (Aconitum). Die zahlreichen Arten des Eisenhut sind sämmtlich pcrcnnircnde Pflanze», welche ihrer schönen Blüthen wegen häufig in Gärten gezogen werden. Allgemeine Kennzeichen sind: unregelmäßige, einfache BlüthenhUlle in fünf Blättern, wovon das obere hanbenartig gestaltet ist, und zwei gespornte oder gestielte Honiggefäße. Sämmtliche Arten sind scharf-narkotische Gifte, namentlich Wurzel und Blätter.587 Für die Arznei ist der Eisenhut wichtig, denn man führt die Blätter, wie auch einen Extract dieser Pflanzen in den Apotheken. Stork's Eisenhnt, A. Stoer- kianum, auch A. neamantanum , ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Art. Der Helm ist halbkngelförinig, die Blumenstiele sind kahl, Blumen dunkel blau, die Abschnitte der Blätter lineal-lanzettlich xjub die drei Kapseln stehen aus einander. Alle Thcilc dieser Art, namentlich die Wurzel, besitzen eine große Schärfe. Der Saft der Blätter verursacht die gefährlichsten Zufälle und führt oft einen schnellen Tod herbei. Der gelbe Eisenhnt, auch Fuchötod genannt, A. vulpania obci' A. lyeoctonum, hat einen chlindrischcn Helm, blaßgclbc Blumen und behaarte Blätter. Die Blüthcn stehen in dichten Trauben und die Honiggefäßc sind kegelig. Mit der Wurzel vergiftet man die Lockspeise für Wölfe und Füchse. Der feinblätterige Eisenhut, A. anthora, hat bleichgrüne, kahle oder flaumhaarige Blätter und blaßockcrgclbc Blumen in Rispcntrauben. DerNapell- Eisenhut, A. napellus, hat rübenartige Wurzeln, fnßförmige Blätter und rnnzelfaltige Saincn. Die Blüthen sind violett, spielen bisweilen in's Röthliche oder Weiße. Der langhclmigc Eisenhut, A. eawmaruw, hat knollige Wur zeln und große Honiggefäße. Der Samen ist am Rücken geflügelt. Die zierlich großen Blüthen sind blaßviolctt oder weiß mit blauem Rande. In Gärten wer den noch gezogen: der höchste Eisenhut, A. altissimum, welcher 5 — 6 Fuß hoch wird, zahlreiche gelbe Blüthcn trügt und handförmig gcthciltc Blätter hat; der schöntraubigc Eisen Hut, A. callybotryon, 2— 3 Fuß hoch, Blumen violcttblan, Blätter fußförmig, 5—7theilig; chinesischer Eisenhnt, A. chinense, 4 — 5 Fuß hoch, große, feurig blaue Blumen in reichen Endrispcn; der orien talische Eisenhut, A. orientale, mit sehr schönen, ockerweißcn Blumen und großen, handförmigen, 5 — 7 lappigen Blättern. Wie zahlreich die Arten dieser Gattung sind, möge der Leser daraus urschen, daß Hofrath vr. Rcichenbach seine Beschreibung der Eisenhnt-Arten durch 72 Knpfcrtafcln erläutert hat. Vierte Drdnuitg. Pflanzen mit fünf Staubwcgen. Akclcy (Aquilcgia). Bon dieser als Zierpflanze bekannten Art blüht auch eine in Gebüschen bergiger Gegenden wild, es ist die gemeine Akeleh, A. vulgaris. Sie wird 2 Fuß hoch, hat dreimal zusammengesetzte Blätter, von denen die Blättchen stumpf dreilappig sind. Blumen in der Regel dunkelblau. Wie bei allen Arten,588 besteht die Blume aus 5 Kronenblättem und darunter 5 gehörnte Houigbehälter. Die Samen befinden sich in 5 getrennten Kapseln. Sonst wurde die gemeine Akeley als officinell in den Apotheken geführt. Das Kraut ist scharf betäubend und die Samen mögen, in großer Menge genossen, üble Zufälle hcrbciführcn. Eine schöne Zierpflanze ist die canadische Akelei), A. canadensis, mit drei- lappig graugrünen Blättern und schönen, Hochrothen, inwendig gelben Blumen. Die Houigbehälter sind gerade ausgehend. Vermehrt sich durch Wnrzcltheilnng. Die Alpen-Akelei), A. Alpina, auch großblumige (grandiflora) A. genannt, hat drcilappigc Blätter, wo jeder Lappen wieder in drei kleinere gcthcilt ist. Die großen blauen Blumen sind flach anögcbrcitct. Skinncrs-A., A. Skinnorii, ist eine ans Guatemala stammende Prachtpflanzc, von 2— 2'/t Fuß Höhe, mit großen, scharlachrothcn, langspornigcn Blumen, die von gelbgrüncn Kelchblättern umgeben sind. Letztere Art hat sich noch nicht an unser Klima gewöhnt, und muß deshalb im Winter an einem frostfreien Ort anfbcivahrt werden. Schwarzliimmel (Nigclla). Der Schwarzkümmel hat 5 blumen-blattartige Kelchblätter, 5 —10 kleine Blumenblätter mit Honiggrübchen und mehrere zusammcngcwachscnc oder zusam- mengedrückte Samenkapseln. Durch ganz Deutschland trifft man in den Saaten den Acker-Sch., N. arvensis. Die Fruchtknoten sind etwas über die Mitte miteinander verwachsen. Bei dein gemeinen Sch., kl. sativa, der im südlichen Europa wild wächst, bei uns aber in Gärten gezogen wird, sind die Fruchtknoten zu einer runden Kapsel verwachsen. Die gewürzhaften Samen werden im süd lichen Frankreich und in Italien in der Küche benutzt. In unfern Gärten trifft man noch Jungfern im Grünen oder Gretchcn im Busch, N. damascena, und die spanische Nigcllc, bi. Iiispanica, als hübsche Sommerblnmen an. Die Blnmen sind blan, und bei der ersten Art mit vielfach -fcinzcrthciltcn Blätt chen ningcbcn. Der Samen des Schwarzkümmels hat officinclle Kräfte. Fünfte Drdnung. Pflanzen mit vielen S t a u b w c g c n. Sternanis, Magnolie, Tulpenbaum, Anemone, Waldrebe, Wiesenraute, Adonis oder Feuer- röschen, Hahnenfuß, Scharbockskraut, Trollblume oder Kugelranunkel, Nikßwurz, Dotter blume, Eschscholtzie. Steril ailis (Illiotum anisatum). Der echte Stern an is, dessen Samen auch bei uns in derMedicin, wie in Liquenrfabriken gebraucht werden, wird in China und Japan häufig augepflanzt,und ist ein Strauch oder mäßiger Baum. Die 6 — 9 Samenkapseln sind stern förmig grnppirt und der Samen hat einen anisähnlichen Geschmack. Magnolie (Magnolia). Die Magnolien sind größtenthcils prachtvolle Bäume mit sehr großen Blumen. Die bei uns in Gewächshäusern oder im freien Lande gezogenen Arten sind natürlich nur zwergartig, indem ihre Hcimath in den tropischen Theilen Asiens und den wärmeren Ländern Amcrika's ist. Die großblumige oder Lorbeer-Magnolie, M. altissima (grandiflora), ist in den südlichen Provinzen der vereinigten Staaten und in Florida einheimisch. Der Stanim wird gegen 100 Fuß und darüber hoch, erhebt sich vollkommen gerade in Gestalt einer schönen Säule und trägt eine herrliche Blätterkrone. Die Blumen, welche 8—10 Zoll im Durchmesser haben, sitzen an den äußersten Ende» der Zweige, rings umgeben von den dunkelgrünen, glänzenden, eiförmigen Blättern, und sind groß, rein-weiß und in ihrer völligen Entwicklung einer Rose ähnlich. Die Zahl der dicken, lcdcrartigcn Blumenblätter beträgt 20—25; im Mittelpunkt derselben steht der sleichfarbige, mit einer goldfarbigen Narbe gezierte Samcnzapfcn. Dieser reift im Herbste und trägt eine Menge großer, rothcr, corallenartiger Beeren, welche einige Zeit an einem weißen, feinen, seiden artigen Faden hcrabhängcn. Alle Reisebeschrciber reden von diesem Wnndcr- banme mit Enthusiasmus und nennen ihn den Fürsten der Bäume. Und in der That nimmt seine Herrlichkeit die Sinne schon von weitem her für sich ein; denn man soll die blcndcndwcißcn, großen Blüthcn fast eine halbe Stunde weit im dunkeln Laube sehen und fast eben so weit ihren aroniatischen Duft empfinden. Die bei uns gezogenen Exemplare werden 8 —10 Fuß hoch und verlangen im Winter 1 — 5° Wärme. In geschützter Lage dauern sie auch unter einer ge hörigen Decke im Freien ans. Die lilienblumige Magnolie, LI. conspica, ist seit 1780 bekannt und stammt ans China, wo sic eine Höhe von 40 Fuß erreicht. Die großen, pracht vollen Blumen sehen den Lilien ähnlich, sind weiß und wohlriechend und bestehen ans 6 — 9 Blumenblättern von 4 Zoll Länge. In China das Symbol der Un schuld. Diese Art verliert ihr Laub und dauert unter gehörigem Schutz im Freien ans. Die graue Magnolie, LI. glauca, stammt ausVirginicn, Pcnnsylvanicn und Carolina, ist ein Strauch von 5 — 15 Fuß Höhe, mit obcrscits glänzend- grünen, nntcrscits wcißgrancn Blättern. Die wohlriechenden Blumen sind weiß und 3—4 Zoll breit. Außer diesen genannten gibt es noch mehrere Arten, welche sich alle durch ihre herrlichen Blüthcn anszcichncn.590 Der Tlllpcnbailll! (Xiriodendron tulpifera), der auch aus Amerika stammt, erreicht bei uns eine ausehulichc Höhe uud ist eine wahre Zierde jeder größer» Anlage. I» seinem Vaterlaudc erreicht er eine Höhe von 50 — 60 Fuß. Die Blätter sind glänzendgrün und dreilappig. Die tnlpcn- ähnlichen Blumen sind blaßgrüulichgclb, inwendig orangegelb gefleckt und haben einen angenehmen Geruch. Die jungen Bäume bedürfen im Winter Schutz, ältere Pflanzen hingegen haben sich an unser Klima gewöhnt. Die Vcruichrung durch Stecklinge ist sehr unsicher; man säet lieber Samen, den man aus Amerika be zieht, denn in Europa gelangt der Samen nie zur Reife. Anemone oder Windröschen (Anemono). Eine zahlreiche Familie hübscher Perennien, wovon auch einige Arten bei uns wild wachsen und sehr schöne Varietäten cnltivirt werden. Das gemeine Hainröschen, A. nomoi-osa, welches in schattigen Wäldern wächst, wird l'/cj Fuß hoch, und am Ende eines jeden Stengels sitzt eine weiße, etwas röth- liche Blume. Die Wurzel ist knollig, wie bei den meisten andern Arten. Diese Art gehört zu den scharfen Giftpflanzen, denn Kraut und Wurzeln ziehen Blasen und ihr Genuß ist tödtlich. Die Kamtschadalcn sollen mit der Wurzel dieser Anemone ihre Pfeile vergiften. Seltener ist die ranuukclartige Anemone, A. ranunculoides, mit kleineren gelben Blüthcn, tvclche in feuchten Wäldern wächst und dieselben Eigenschaften besitzt. Bon den cultivirten Arten nennen wir nur die schönsten. Garten-Anemone, A. coronaria, stammt aus der Levante und die ersten Knollen kamen 1596 aus Konstantiuopcl nach Deutschland. Der Stengel wird 10—16 Zoll hoch, die prachtvolle, 6blätterige, außen wcichhaarige Blume ist ursprünglich scharlachroth, kommt jetzt aber roth, weiß, Purpur, lack- roth, dunkel- und himmelblau, geflammt und panachirt, einfach und gefüllt vor. Die Cultur dieser Anemone ist mit einigen Umständen verknüpft. Die Knollen werden auf ein gutes, aber nicht frisch gedüngtes Beet gebracht, und zwar daun, wenn der Frost ihnen nichts mehr schadet. Während der Blüthc muß man sie mittelst einer ansgcspanntcn Leinwand gegen Regen und Mittagssonne schützen. Sobald das Kraut verwelkt, werden die Knollen ausgenommen, von Erde und Fasern gesäubert und bis zur nächsten Pflanzzeit in einer warmen Stube anf- bcwahrt. Die Pfauen-Ancmone, A. pavonia, stammt aus dein südlichen Frankreich, wird 10 — 12 Zoll hoch und hat große, prachtvolle, feurigcarmvisiu- rothe Blumen. Verlangt dieselbe Cultnr, wie die vorige Art. Die Stcrn- Anemonc, A. stellata , stammt aus der Levante und kam 1797 zuerst nach Holland. Die große, 10— 12 blätterige Blume ist inwendig rvseuroth und von Außen weißlich. Sie kommt auch noch in andern Farben, einfach, halb- und ganzgefüllt vor.591 Die Waldrebe (Clematis) liefert sehr schöne Schlingpflanzen, die sich zur Bekleidung von Lauben und Wänden vorzüglich eignen. Die gemeine Waldrebe, 6. vitalda, auch Hexen zwirn genannt, wächst in Hecken und an Waldränden, die Blumen, welche weiß sind, stehen in endständigen Rispen und die Früchtchen sind flaumhaarig, wie mit Federbüschcn geschmückt. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 20 Fnß und das schöne, feste, wohlriechende Holz dient zum Einlegen. Früher war diese Pflanze officincll. Man cnltivirt: die scharfe Waldrebe, 0. flammula, mit weißer, wohlriechender Blume und blasenziehendem Safte; groß blüh ende Waldrebe, 6. florida, prächtige Schlingpflanze ans Japan, mit weißen oder gelblichen Blumen (Topfpflanze); hellblaue Waldrebe, 6. azurea, mit großen (über 6 Zoll), blaßblanen Blumen (Topfpflanze); italienische Waldrebe, 0. viticella, eilt 10 —16 Fnß hoher Klcttcrstranch, mit blauen und Purpur- rothen Blumen. Letztere Art gedeiht in jedem Gartenbodcn und ist sehr zu empfehlen. Wiesenraute (Thaiietrum). Die Bliithcnhüllc ist einfach, mit 4—5 weißen oder gelben Blättern; die Kapseln sind nngeschwänzt, eckig oder furchig. Sämmtliche Arten sind pcren- uirend. Die gemeine oder gelbe Wiesenraute, 1 . flavum, mit schönen, gelben Blüthen, in anfrechtstehenden Endrispen, war sonst osficinell. Die süßlich, dann bitter schmeckende Wurzel purgirt und wirkt ebenfalls auf den Urin. Die nkelch blätterige W., auch Feder-Atel eh genannt, B. aguilegilolium, liefert prachtvolle Varietäten mit blaß- oder dnnkelpnrpurfarbigen Blüthen, in welchen sich die 50—60 weißen Staubfäden gut ansnehmen. Die graugrüne Wie senraute, T. glaucum, hat schwefelgelbe Blüthen, und die knollige Wiesen raute, T. tuberosum, mit knolligen Wurzeln, hat zierliche, weiße Blumen. Alle Arten enthalten einen Färbestoff. Adonis (Adonis). Auf Acckern und sonnigen Plätzen fast durch ganz Deutschland findet man die Frühlingsadonis, A. vernalis, mit 10 — 12 blätterigen, glänzend gelben Blumen. Der Stengel wird 1 — 2 Fnß hoch und man faßt mit dieser Pflanze auch ivohl die Blui.ncnbectc ein. Sie wird nicht selten mit Heleborus viridis verwechselt. Die ganze Pflanze enthält scharfe Stoffe. In Gürten zieht man gerne das Fenerröschcn, A. aestivalis, welches auch hin und wieder wild vorkommt. Die Blätter sind in viele Thcilc zerschlitzt und die Blnntcn sind brcn- nendroth. Das Tenfelöangc, A. autumnalis, hat ebenfalls zerschlitzte Blätter; die Blumen sind aber größer und die Kronblättcr concav. Obgleich sic durch ganz Europa wild wächst, so cnltivirt man doch auch diese Art.592 Hahnenfuß (Kanunculus) enthält ein sehr zahlreiches Geschlecht, worunter manche Pflanzen zn den scharfen Giftpflanzen gehören. Die gemeinsamen Kennzeichen sind: fünf hinfällige Kclch- blättchcn, fünf Blumenblätter mit einem Honiggrübchcn oder Schüppchen an ihren Nägeln. Die Kapseln stehen in Köpfen oder Aehren. Gleich mit den ersten Frühlingstagen erscheint der Fcigcnwarzen-Hahnenfnß, anch Scharbocks kraut, Pfcnnigsalat genannt, R. ficaria, an schattigen, feuchten Orten. Die Wurzel zieht ans der Haut sogleich Blasen, und innerlich erregt die Pflanze lebens gefährliche Entzündungen. Der Gifthahncnfuß, R. sceleratus, mit aufrech ten, vielblumigen Stengeln, Blumen klein und hellgelb; an feuchten Stellen, sogar in Gräben imb an Teichränden; zieht ebenfalls Blasen und bewirkt innerlich Entzündungen. Früher war das Kraut officincll. Der Wasscrhahncnfuß, R. aquatilis, wächst int Wasser und hat schöne weiße Blüthcn, welche vom Mai bis August blühen. Der große Hahnenfuß, R. lingua, gclbblühcnd, viel- blumiger Stengel, kriechende Ausläufer, wächst an Sumpfrändcrn. War sonst officincll. Die Wiescnrannnkcl, anch kleine Butterblume geheißen, R. acris, wächst auf Grasplätzen und soll, wenn die Kühe zuviel daran weiden, die Milch röthcn. Der kriechende Hahnenfuß, R. repens, hat kriechende Wurzcl- ausläufer und oben glänzend grüne Blätter. Eine gefüllte Art kommt in den Gärten vor. Der knollige Hahnenfuß, R. bulbosus, hatdreitheilige Blätter und eine Wurzel mit Knollen. Der Stengel wird 1 Fuß hoch und ist gabclüstig. Häufig auf Wiesen und Triften. Eine sehr scharfe Nannnkclart, die zugleich ein lästiges Unkraut ist, ist der Acker Hahnen fuß, R. arvensis. Die Blüthcn sind klein, mit verkehrt-eirunden Blättchen. Noch müssen wir der Garten- oder Asiatischen Ranunkel, R. asiatlcus (R. hortensis), als einer sehr beliebten Zierpflanze erwähnen. Sic stammt aus Griechenland, Kleinasien und Nordäfrika, ist über 200 Jahre bekannt, wurde früher leidenschaftlich cultivirt. Die Wurzeln oder Klauen werden, wenn der Frost aus der Erde ist, eingepflanzt, und nach dein Abblühcn und Welken der Stengel wieder anfgenommcn. Die Ranunkeln lassen sich auch treiben und gewähren dann einen herrlichen Zimmerflor. Man hat Ranunkeln in den verschiedensten Farben, nur keine blaufarbigen. Eine gute Ranunkel muß rosenartig gebaut sein und den Griffel nicht zeigen. Die Blumen müssen aufrecht stehen; die einfarbigen Blumen müssen rein lind leuch- tcnd, die gcflamintcn gut vertuscht und die panachirtcn mit abstcchcndcr Zeichnung versehen sein. Die Klauen müssen im Winter gut anfbewahrt werden. Nene Sorten erzielt man durch Samen, der in Kasten auögcsäct werden muß. Die neuen Pflanzen blühen gewöhnlich im dritten Jahr. Kugelraiimilel oder Trollblume (Trollius). Es ist kein Kelch vorhanden; die Blüthc besteht aus 12—15 Blättern und grüngelblichen Honigblättchen, ihre Form ist kugelig. Die europäische Troll-Beumcr's Naturgeschichte. 38 593 blume, T. Europaeus, welche in gebirgigen Gegenden wächst, zieht man hin und wieder auch in Gärten. Sic war früher officinell. Die asiatische Troll- blume, T. Asiaticus, eine hübsche Perennie, hat sehr schöne, pomcranzengelbe Blume» und rathgclbe Nektarkronen. Die Pflanze wird 2 Fuß hoch und liebt einen fetten Boden. Nießwurz (iiviivborus). Die Blüthcnhülle ist einfach, niit fünf bleibenden, meist grünen Blättern, in derselben 8 —10 Honigblättchen, 3—4 Pistillen, mit einer gleichen Zahl Balgkapsetn. Pflanzenblättcr fnßfvrmig. Die schwarze Nießwurz, Ik. niger, blüht im Februar, oft schon im Dezember. Die Wurzel ist officinell, scharf und purgircnd. Die grüne Nießwurz, 8. viridis , hat gelbgrüne Blumenblätter und schmutzig-weiße Staubbeutel. BlÜthezeit März und April. Die Wurzel soll noch kräftiger wirken, als die der erster» Art. Die stinkende Nießwurz, 11. foetidus, auch Bärcnfuß genannt, wirkt von allen Arten am schärfsten. Die Dotterblume (Caltha palustris), auch große Butterblume genannt, welche durch ganz Europa, Nordamerika und Nordasien verbreitet ist, scharfe, bittere Stoffe enthält und früher gebräuchlich >var, ist an ihren großen gelben Blumen, an ihren großen, nierenförmigen Wnrzcl- blättcrn leicht zu erkennen. Die Blüthen liefern, mit Alaun abgekocht, eine gelbe Farbe. Die Knospen werden wie Kapern zubcreitct und genossen. C-schscholtzic (Eschscholtzia). Es sind zierliche Sommcrblnmen, welche ans Californien stammen, 4 blät terige Blüthen haben, die sich nur bei Sonnenschein auöbreiten. Die doppelt- gefiederten Blätter und der Stengel sind meergrün. Man cultivirt E. Californica und E. croccea. Erstere hat glänzend gelbe, diese feurig-pomeranzenfarbige Blumen.594 Vierzehnte Masse. Pflanzen mit zwei langen und zwei kürzeren Staubgefäßen. Erste B r d n n n g. Pflanzen mit vier nackten Samen (Nüßchcn). Günsel, Gamander, Pfefferkraut, Eisenkraut »der Verbcne, Katzeumünze, Lavendel, Glicdkrant, Münze, Polcy, Gundelrebe, Taubnessel, Hohlzahn, Goldncsscl, Betonika, Ziest, Ballote, Andorn, Löwenschweif, Katzenschwanz, Weichborstc, Dosten, Thymian, Basilieuthyniian, Bergmünze, Melisse, Drachenkopf, Jminciiblatt, Basilikum, Helmkraut, Prnnclle. Die hier genannten Pflanzen gehören, mit Ausnahme der Verbcne, zu den Lippeublumcn und sind meistens sehr nützliche Gewächse, indem sic theils als Küchenkräuter, theils als Arzneipflanzen von Wichtigkeit sind. Giillscl (Ajuga), Die Oberlippe ist sehr kurz, die Unterlippe abstehend, dreispaltig. Die Staubfäden ragen hervor und der Kelch ist fünfspaltig. Der kriechende Günsel, A, reptans, der g enteilt e Günsel, A. montana, und der ph r aINi dalc G ü nsel, A. pyramidalis, sind nicht so wichtig als der Ackergünsel, A, cliamaepitys, auch Fcldcyprcssc, Erdwcihrauch genannt, der 2 — 8 Zoll hoch wird, hellgelbe, am Grunde rothpunktirte Blumen hat, gcwürzhaft riecht und schmeckt und in den Apotheken als Heilmittel geführt wird. Er wächst in Mittel- und Südenropa und blüht vom Juni bis August. Gamander (Tcucrium). Der Kelch ist fünfspaltig und an der Basis höckerig, bisweilen fünfzahnig; Oberlippe gespalten, Unterlippe drcilappig. Die Staubfäden treten hervor und steigen in der Spalte der Oberlippe auf. Die Nüßcheu sind runzelig, wie mit einem Netze umgeben. Fast alle Arten gehören zu den Heilkräutern. Der ge meine G., '4. chamacdrys, hat eilte kriechende Wurzel, 0—10 Zoll lange Stengel, knrzgestielte Blätter, fleischfarbige oder rothe Blumen in Quirlen stehend, wächst auf sonnigen Anhöhen und ist sehr gcwürzhaft. Das Kraut wird in den Apotheken geführt. Der Tranben-G., 4. botrys, wird 1'/, Fuß hoch, ist klebrig, hat blaßrothc Blumen und wächst auf dürren, steinigten Stellen. Schmeckt und riecht sehr balsamisch und ist officincll. Der Knoblauch-G-, 4. scordium, schmeckt knoblauchartig, wächst auf feuchten Wiesen und ist eben falls medicinisch. Der Katze n-G., 4. marum, auch Katzen - oder Ambcrkraut595 genannt, hat roscnrothe Blnnicn, ist am Mittclmccr heimisch und wird bei uns alö Topfpflanze cnltivirt. Ihr Geruch ist durchdringend kampferartig und reizt zum Niesen. Die Katzen haben eine besondere Liebhaberei für diese Pflanze, und wo sie dieselbe finden, wälzen sic sich darauf herum und richten dadurch oft großen Schaden an. Pfcsferlrant oder Saturcy (Saturoja hortensis). Der Kelch ist glockig, Ober- und Unterlippen der Blumen von gleicher Länge, letztere in drei Lappen gctheilt. Die Blnthcn stehen in achselständigen, kurzen Aftcrdöldchcn. Das Kraut wird 1 Fuß hoch und wird häufig als Küchen- gcwürz (Wnrstkraut) in Gärten angcbant. Als Heilmittel wird die Pflanze nur noch selten gebraucht. Der Usop »üiLinaii!) wächst im südl. Europa und im Orient wild, wird bei uns häufig als Küchen- gcwürz cnltivirt und zur Einfassung der Rabatte benutzt, denn er wird nur '/« Fuß hoch. Die Blüthen sind blau, weiß oder roth, die Blätter schmal, lanzcttlich, nach oben mit kurzen Härchen besetzt. Liefert einen vorzüglichen Thee bei schleimigen Brustbeschwerden; daher officincll. Eisenkraut oder Ncrbciic (Vsrbeua). Die Krone ist fast regelmäßig, mit ausgebreitetem, fünfspaltigem Sam». Der fünfte Kelchzahn ist ganz klein und die Röhre etwas gekrümmt. Vier ein- sämige, etwas gefurchte Nüßchen. Dem bei uns an Wegen wild wachsenden Ei senke ante, V. oflicinalis, werden jetzt keine Heilkräfte mehr zngeschrieben. Die bei unö cnltivirtcn Arten sind wahre Zierden im Blumengarten sowohl, als unter den Topfpflanzen. Sic stammen fast sämmtlich ans Amerika, und die Kunst hat eine große Anzahl Spielarten von den schönsten Farben erzeugt, von denen einige einen aurikclartigen Duft verbreiten. Alö Grundform läßt sich wohl die gamander Verbcne, V. cliamacdrifolia, annehmen. Die niederliegenden Stengel treiben an de» Blätterknoten leicht Wurzeln, und so ist die Vermehrung sehr einfach. Im Herbste setzt man Pflanzen in Töpfe, um sie an einem helle», frostfrcicn Standorte zu überwintern. Wir können nur einige Arten nennen: V. arraniana, lebhaft violctt-purpur; V. Hendersonii, leuchtend dunkelcarmoisin- voth; V. ineisa, groß, prachtvoll, roscnroth mit gelblichem Schlunde; V. V6iw8a, schön violett, mit pnrpnrrother Röhre. Kahemiiiiiize (Nopeta). Der rührige Kelch ist etwas gekrümmt und fünfzähnig; die Röhre der Blumcnkronc ragt hervor, der Schlund ist aufgeblasen, die Oberlippe ansgc- randet. Die gemeine Katzenmünzc, dl. oataria, deren Blumen in Wirbel». 38 "stehen, die zusammen eine Aehre bilden, ist sehr gemein an Dorfwegen. Die ganze Pflanze riecht stark gewürzhaft, ist officinell und wird non den Katzen geliebt. Seltener ist bl. pannoniea, deren Blumen in gestielten Trug- dolden stehen. Lavendel (Lavendula). Der rührige Kelch hat 5 sehr kurze Zähne, die Röhre ist herausragend, die Oberlippe zwei- und die Unterlippe dreitheilig. Es sind kleine Strnnchcr oder Halbsträncher von sehr aromatischen Eigenschaften. Der gemeine Lavendel, L. spica, ist ein kleiner bekannter Strauch, der ans dem südlichen Europa stammt und dessen blaue Blumen in nackten Aesten stehen. Ist medicinisch; auch bereitet man ein wohlriechendes Ocl (Eau de Lavande) und das in der Medicin ge bräuchliche Spiköl (Oleum spieae) aus der Pflanze. Als Topfpflanze cultivirt man: L. aprodanoides , eilt 4 Fuß hoher Strauch, mit hellgrünen Blättern und blauen Blümchen; L. dentata, mit filzigen Stielen und blauen Blüthen in ge drängten Achren, die mit einem Schopf gekrönt sind. Münze oder Minze (Mentha). Die Röhre der Blnmenkrone ist sehr kurz, der Sannt fast gleichförmig vier- spaltig, oberer Zipfel anögerandet. Meist sehr bekannte Pflanzen. Pfeffer- münze, bl. piperita, wird 1 — 3 Fuß hoch, hat röthliche Blumen, wird als Arzneipflanze cultivirt. Sie besitzt vorzügliche Eigenschaften. Man bereitet ans ihr ein Oel, eine Art Kampfer, ein destillirtes Wasser u. s. tv. Auch in Liqucur- sabrikcn wird sie zur Bereitung des Pfefferinünzbranntweins benutzt. Roß- Münze, bl. silvestrls, wächst an Gräben und in Sümpfen, riecht stark, aber unangenehm. Auch diese Pflanze wird in den Apotheken geführt. Krause- Münze, bl. crispa, wird in Gärten angebaut und liefert die echte Krausemünze, welche officinell ist. Die stiellosen Blätter sind gekräuselt und die röthliche» Blumen stehen in Quirlen. Die Citrouen-Müuze, bl. citrata, hat einen citroncn-ähnlichen Geruch, weißliche Blüthen und gefärbte, gesägte, glatte Blätter. Die Garten-Münze, bl. sativä, welche stärker als die Krause-Münze ist, wird jetzt wenig mehr angebaut. Es gibt auch noch viele wildlvachscndc Arten, welche alle einen pikanten Geruch haben. Dazu gehört die Acker-Münze, bl. arvensm, die rund blätterige M., bl. rotundikolia, die Hain-Münze, bl. nemo- rosa u. a. ttt. Polch (Pulegium), auch Poley-Münze, FlachSkrant genannt, P. vulgare, sieht der Münze sehr ähnlich, hat aber einen zweilappigen Kelch, der Schlund ist durch Zotten ge schlossen. Die Blüthen sind röthlich. Man trifft die Pflanze, welche sehr stark597 riecht und mcdicinisch ist, häufig an überschwemmten Orten. Als wirksames Hausmittel wird sie namentlich ans dem Lande viel gebraucht. Gundelrebe (Glechoma), auch Gnndermann genannt, sieht der Katzenmünze sehr ähnlich; der mittlere Zipfel der Unterlippe aber ist flach und die Stanbbelttcl sind kreuzartig gestellt. Die gemeine Gundelrebe, G. liederaceum, hat einen kriechenden Stengel, eiförmige Blätter ilnd violcttblanc Blumen, welche dreimal länger sind als der Kelch. Blumen und Kraut sind officincll und werden auch zu Kräutertränken benutzt. In England dient das Kraut zur Klärung des Biers. Taubnessel (Lamium), Von den Taubnesselartcn ist nur die weiße Taubnessel, L. album, welche häufig am Wege wächst und allgemein bekannt ist, wichtig. Früher wurde die ganze Pflanze in der Apotheke geführt, jetzt nur noch die Blüthen, welche namentlich als Thec wider den weißen Fluß außerordentlich wirksam sind. Hohlzahn (Galoopsis). Von den fünf Arten ist der großblumige Hohlzahn, G. achroleuca, der wichtigste. Das Kraut, welches schwach aromatisch riecht und bitterlich salzig schmeckt, wird zur Zeit der Blüthe eingcsammelt. Es macht den wich tigsten Bestandthcil des so berühmten Licbcr'schcn Thccs ans, der gegen die Schwindsucht so sehr empfohlen wird. Man trifft diese Pflanze auf sandigen Feldern im nördlichen Deutschland. Die blaßgelben Blumen sind viermal länger als der Kelch, die Blätter breit - lanzettlich, reich behaart. Der schmal blätterige Hohlzahn, G-. ladanum, mit rothcn Blumen, wird auf ähnliche Weise benutzt. Betouie (Lstouiea). Zngcspitzte Kelchzähnc, Blumen mit langer, chlindcrischcr Röhre. Die ge bräuchliche Betouie, 6. officinalis, wurde früher in den Apotheken geführt, als Mittel wider Gicht und Verschleimung. Jetzt trinkt man noch häufig einen Thee von den Blättern, der besonders nervenstärkend sein soll. Die Bluinen sind pnrpurroth, nach der Rohre hin weiß. Als Zierpflanzen cnltivirt man die großblüthige Betouie, I). grandiflora, aus Sibirien stammend, ein Strauch von 1 — 2 Fuß Höhe, mit großen, pfirsichblüthfarbigcn Blumen. Man zieht diesen Strauch, seiner Schönheit wegen, oft in Töpfen. Ziep (Stachys). Der Kelch ist eiförmig-glockig, die Röhre der Krone kaum hervorragend, die llnterlippc dreispaltig. Man zählt viele wildwachsende Arten, von denen598 einige früher als medicinifch gehalten wurden. Der fcharlachrothe Zieß, 8t. eoeeiuoa, ans Mexiko, hat ästige, eckige, 3 Faß hohe Stengel lind fcharlach- rothe, kreisständige Bliithen in Aehren. Im Sommer setzt man die Pflanzen in's freie Land, wo sic von: Inn! bis September herrlich florircn. Im Winter bedürfen sic 5—8° Wärme. Im Freien gedeiht der wollige Zieh, 8t. lanata, ans Sibirien, der nicderliegendc, wurzelnde, weißfilzigc Stengel hat, und dessen pnrpnrrothc Bliithen den ganzen Sommer hindurch florircn. Vermehrt sich durch Samen und Wnrzelthcilung. Andorn (MarruMum). Der Kelch hat 6—10 etwas anSgcrandctc Zähne, die Blumcnkrone fast eingcsenkt, hie Bliithen stehen in kugelrunden Quirlen. Der weiße Andorn, M. vulgare, wächst an steinigen, unfruchtbaren Orten, wird 1 — 2 Fuß hoch und hat gelbliche Blumen. Das Kraut, welches medicinifch ist, hat einen sehr angenehmen Geruch. L ö mc llsch w ei f (Leonurus), auch Wolfstrapp genannt, hat einen fünfkantigcn, glockigen Kelch, eine am Grunde verengte, innen haarige Krone und dreispaltige Unterlippe, mit zurück gerollten inner» Lappen. Der gemeine Löwen sch weif, L. carcliaca, wächst an wüsten Orten, hat blaßrothe Blumen mit weißzottiger Oberlippe und purpur- gefleckter Unterlippe. War früher medicinifch; liefert eine schöne Olivenfarbc. Dosten oder Majoran (Origanum). Der gemeine Dosten oder wilde Majoran, 0. vulgare, wächst in Gebüschen und auf sonnigen Höhen, erreicht eine Höhe von 2 Fuß, hat rvscn- rothc, selten weißliche Blumen und einen mit 5 gleichen Zähnen versehenen Kelch. Ist mcdieinisch und als Thcc sehr zu empfehlen. Hängt man diese Pflanze in Bier, so verhütet man dadurch das Sauerwerden. Wichtiger ist der echte Majoran, 0 . majorana, mit deutlich 2lippigcm Kelch und kleinen, weißen Bliithen. Ein beliebtes Wnrstkrant, viel ätherisches Ocl enthaltend und in der Medicin gebräuchlich. Seit dem 16. Jahrhundert wird der Majoran in England cultivirt. Der sogenannte Wintcr-M., 0. majoranoi'dcs, ist der vorigen Art fast gleich, bleibt aber im Winter grün. Thymian oder Quendel (Thymus). Bon den vielen Arten nennen wir nur zwei: den Fcldthhmian, T. scr- pyllum, mit krautartlgcm, liegendem Stengel und die Bliithen in Köpfchen am Ende der Stengel stehend; — den Gartcnthymiau, T. vulgaris, mit 6 bis 10 Zoll hohem Stengel, lillafarbigcn Bliithen, in quirlständigen Aehren. Beide Arten sind officincll, und letztere Art wird auch als Kiichcngcwürz benutzt.599 Der Vasilien-Thymian (Acinoa thymoides) ist eine sehr gcwürzhaftc Pflanze, welche auf sandigen Acckcrn wächst, rvthlich- violcttc oder blaue Blümchen hat, welche Überhängen und stets zu 6 in einem Quirl stehen. Der Kelch ist rührig und am Grunde höckerig. Die Pflanze war früher offieincll. Die auf den Boralpcn und den Alpen wachsende Art, A, alpinus, riecht angenehmer und starker, als die vorige Art. Melisse (Missa). Die gemeine Melisse, LI. officinalis, heimisch in Südcnropa, treibt mehrere 1 — 2 Fuß hohe Stengel, an deren Spitzen sich die kleinen weißen Blüthcn in winkclständigcr Lage befinden. Der Geruch der 'ganzen Pflanze ist stark aromatisch, citroncnartig. Die Blätter werden als Gewürz und als Thcc benutzt und sind als nervenstärkendes Mittel beliebt. Dnö Melisscnwasscr beför dert den Haarwuchs, namentlich nach Nervenleiden. Drachenkopf (Dracocephalum). Pflanzen mit einem meist regelmäßigen, 5 zahnigen Kelche und einer Lippcn- blnme mit anfgclnascncm Nachen. Ocsterrcichischer D., k). austriacum, 1 Fuß hoch, dunkelblaue Blumen in gedrängten Wirteln. Balsam von Gilcad, D. caneseens, hat einen starken, kampserartige» Geruch, blaue oder weiße Blu men und verlangt tut Winter einigen Schutz. Die länglichen Blätter sind grau und die Blumen stehen in guirlförmigcn Aehren. Türkische Melisse, v. Llolclavioa, 1 — 2 Fuß hoch, viereckige, ästige Stengel, ticfgezahntc, auf der Rückseite punktirte Blätter, blaue oder weiße Blumen in Quirlen. Die ganze Pflanze hat einen melissenartigen Geruch. Ist medicinisch und liefert ein feines Ocl. Prächtiger Drachenkopf, v. spociosum, eine sehr schöne perennircndc Pflanze anö dem wärmeren Nordamerika, wird 3 — 6 Fuß hoch, hat lnnzettlich gesägte Blätter und hellblaue, purpurrvthc oder roscnrothc, in reichen ötispen stehende Blumen. Birginischcr Drachenkopf, v. Virginianum, 2—3 Fuß hoch, Blumen schön, hellpurpnrroth, in dichten Aehren. Basilikum (Ooywums. Ein bekanntes, zierliches Sommcrgcwächs, welches seines aromatischen Geruchs und Geschmacks wegen als Küchengewürz gebaut wird. Indien und Persien sind die Hcimath dieser Pflanzen. Gemeines Basilikum, 0. basilicum, 1 bis l 1 /* Fuß loch, sehr ästig, Blumen nnbedcntcnd, weiß oder roth. Krauses Basilikum, 0. crispum, mit braungrünen, krausen Blättern und röthlichen Blumen. Schwarzes Basilikum, 0. niger, mitschwarzpurpurrothenBlättern und Hellrothen Blumen. Schiff-Basilikum, 0. bulkatum, mit großen, blasigen Blättern und weißen Blumen.600 Helmkrattt (Seutellaria) und Prunelle (Prunella) waren früherofficinell, haben aber in dieser Beziehung jetzt keinen Werth mehr. Auch macht man von dem Färbestoff, den sie enthalten, wenig Gebrauch. Zweite B r d n u n fl. Pflanzen, deren Samen mit einer Kapsclhüllc umschlossen sind. Sommerwurz, Schuppenwurz, Bartsie, Augentrost, Hahueukanim oder Klappertopf, RUsselhelni, Kuh- oder Wachtelweizen, Lausekraut, Gloxinie, Löwenmaul, Leinkraut, Braunwurz, Finger- Hut, Trompetendaum, Lindernie, Linus», Limosellc, Gauklerblume, Möllen, Bärenklau, AchimencS, Schöurcde, Schildblume, LooSbaum, Halbblumc, Mchlbaum oder Lantaue, Mauraudie, Honigblume, Paulownie, Bartfaden, Trompetcuzuugc. Sommerwurz fOrobanolis). Eine zieinlich zahlreiche Pflanzenfamilie, ivelchc parasitisch ans den Wurzeln anderer Pflanzen wächst. Die Blumen dieser Pflanzen sind rachenförmig, die Stengel blattlos und nur mit Schuppen versehen. Die Blumen fallen erst ab, wenn sie vertrocknet sind. Wurzeln und Blnthen dieser Pflanzen waren sonst officinell. Schuppcilwurz (Lathraea) lebt ebenfalls parasitisch auf den Wurzeln anderer Gewächse, wird 1'/, Fuß hoch, ist blattlos und mit dichten Schuppen besetzt. Der in der Erde wuchernde Sten gel ist oft 2— 3 Fuß lang. Wächst besonders in Laubwäldern. Die Wurzel, welche vcilchenartig riecht, wurde früher gegen die Epilepsie angewandt. Augentrost (Euphrasia). Vierspaltiger Kelch, kleine, rachenförmige Blume, zweifächcrige Kapsel und in jeder 4 — 6 Samen. Der gcbräuchliche Augentrost, bl. officinalis, auf Wiesen und Triften wachsend, ist ein niedliches Pflänzchen, mit schöner, blaßlilla gefärbter Blume, die einen gelben Schlund hat. Zur Zeit der Blüthc wird das Kraut gesammelt. Man gebrauchte cs gegen Angcnkrankheitcn, Gelbsucht und Magenschwäche. Als Heilmittel steht dieses Pflänzchen noch sehr im Ansehen. Ihm ähnlich ist der Wiescnangcntrost, bl. pratensis. Der gelbe Augen trost, bl. lutoa u. a. m. Hahnciikamm oder Kloppcrtopf (^ivotorolopdus), auch unter dem Namen Rhinanthus bekannt, ist ein sehr lästiges Unkraut, welches sich namentlich in Getreidefeldern befindet. Der Landmann nennt diese lästige001 Pflanze sehr passend „Nateln". Jahre lang kann der Same in der Erde liegen, ohne seine Keimkraft zn verlieren. Sehr ähnlich ist dieser Gattung der Rüssel- Helm, mit zusammengedrücktem, zwcilappigcm Kelche. Auch der Kuh- oder Wachtelweizen, Melampyrum , steht als lästiges Unkraut in Übelm Rufe. Den Samen des ML arvense mischt man unter das Bier, um dasselbe belaubend zu machen. Das Läusekraut, Pedicularia, auf feuchten Wiesen wachsend, war früher officincll, hat aber jetzt keinen Wcrlh mehr. Alle Arte» gehören zu dcil schäd lichen scharfen Pflanzen, und der Saft kann ans einer zarten Haut leicht Entzün dungen Hervorrufen. Wenn das Rindvieh die Pflanzen in Menge genießt, so sind Entzündungen des Darmkanals die gewöhnlichen Folgen. Gloxinie (Gloxinia). (Taf. XVIII. Fig. 27.) Diese überaus schönen Perennicn stammen größtentheils aus Brasilien; woraus schon hervorgeht, daß sie den Winter über in's Warmhaus gebracht werden müs sen. Der Kelch ist fünftheilig, die Blume glockig, mit schiefem, fünflappigem Saum, vier fruchtbaren Staubfäden und einer verkümmerten, zweifücherigcn Kapsel. Nur dieHanptarten können hier genannt werden. Prächtige Gloxinie, G. speciosa, der Stengel fehlt oder ist sehr kurz, die prachtvolle Blume ist 1 Va Zoll lang und 1 Zoll breit und von lebhaft violetter Farbe, die ovalen Blätter sind auf beiden Seiten weichhaarig-filzig. Die Wurzeln sind Knollen, welche im Januar flach in Töpfe gebracht werden, so daß die Keimhöcker vor- stehen. Man kann sic auch durch Blätter-Stecklinge vermehren. Tigcrflcckige Gloxinie, G. tigrida, mit eirunden Blättern und glockigen Blumen, von 3 Zoll Länge und grüner Grundfarbe mit schwarzrothcn Flecken und Punkten. Sehr schön. Gefleckte G., 6. maeulata, schuppige Wurzel, herzförmige Blätter, welche obcrscitö glänzend grün, untcrseits rostfarbig sind, schöne Glocken von blaßblancr Farbe mit dunkelblauer Schattirung im Grunde. Stengclige G., G. caulescens , mit fleischigem, 1 Fuß hohem Stengel, ovalen, sammctartigen Blättern und prachtvollen, dunkelblauen Blüthenglocken, mit pnrpurrothcn Flecken. Während der Ruhe darf man die Knollen nur so viel gießen, daß sie nicht cin- schrnmpfen; mit zunehmendem Wachsthnm bekommen sie mehr Luft und Wasser. Löwenmaul (Antirrliinum). Man unterscheidet zwei Arten; das kleine Löwenmaul, A. orontium, ans Acckcrn und Wiesen, und das große Löwenmaul, A. majus, eine percn- nirendc Pflanze, von welcher man viele schöne Varietäten in Gärten und in Töpfen zieht. Die großen, prachtvollen Rachenblumen stehen in langen End silben und florircn in den mannichfaltigsten Farben. Das Kraut beider Arten, welches etwas scharf und bitter schmeckt, war früher medicinisch. Die Cnltnr ist602 sehr einfach, indem man den Samen in guten, lockern Boden aussäet uub die Pflanzen bei Barfrösten etwas deckt. Das Leinkraut oder Frauenflachs, Linaria , ist eine verwandte Art, hat aber eine gespornte Blnmenkrone und eine bis zur Hälfte zwciklappigc Kapsel. Auch von dieser Art werden mehrere Varietäten cultivirt. Brannwurz (svroxliularia). Der Kelch ist fiinfthcilig, die Blume fast urnenförmig, schief fiinfspaltig, mit zweilippigcm Saume. Alle Arten riechen widerlich, schmecken scharf bitter und wurden früher gegen Verhärtungen, Skropheln u. s. w. angewandt. Fillgerhllt (vißitalis). Alle Arten gehören zu den Giftpflanzen, denn ihr Genuß erregt Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Zuckungen u. s. w. Am bekanntesten ist der wildwachsende rothe Fingerhnt, 1). xurxursa, eine sehr schöne Pflanze, deren Kraut ein tvichtigcS narkotisches Arzneimittel liefert. Auch der ochcrgclbc F., D. ocln-o- leuca, und der großblumige F., v. grandiüora, haben gleiche Eigenschaften. Mehrere Arten werden cultivirt. Troiupeteilbaiim lUixuoni«). Der gemeine Trompetenbaum, B. catalpa, ein wahrer Prachtbaum, der in Japan und im Süden von Nordamerika zu Hause ist, bei uns aber in größeren Anlagen selten fehlt. Die große» Blätter sind hellgrün und die Blüthcn stehen in pyramidalen Rispen. Die Farbe ist weiß, innen purpnr und gelb gefleckt. Die Wurzel soll sehr giftig sein und den Indianern zur Vergiftung ihrer Pfeile dienen. Bei uns erreicht der Stamm eine Höhe von 15—30 Fuß, in seiner Hcimath aber wird er 50 Fuß hoch und 2 — 3 Fuß dick. Der fär bende T., B. cliica , klettert hoch empor und ist in Südamerika zu Hanse. Aus den Blättern scheidet, man ein rothcö Wasser, Cliica genannt, welches von den Spaniern als Arznei gebraucht wird, und noch als Handelsartikel wichtig ist. Der wurzelnde T., B. radicans, ein sehr hübscher Kletterstrauch, mit großen, trichterförmigen, rothen Blüthen. In seiner Hcimath, Virginien bis Florida, wird er oft 30—40 Fuß hoch. Man bekleidet bei uns Wände damit; er verlangt dann aber im Winter eine Decke. — Verwandt mit dieser Art ist die kaiserliche Panlowulc (Paulovrnia imperialis), mich Bignonia tomentosa, ein schöner, aus Japan stammender Zierbaum. Die herzförmigen Blätter sind weichhaarig und erreichen einen Durchmesser von 6 bis 12 Zoll, wenn die Pflanze im Topf gezogen wird; im Freien hingegen halten die Blätter 18—22 Zoll. Die wohlriechenden, prachtvollen Glockenblumen sind 1 — 2 Zoll laug, rosa-violett, roth-punktirt und mit 2 gelben Streifen gezeichnet.603 Der Baum wächst ungemein schnell. 1844 Pflanzte man in dem botanischen Gar ten zu Hamburg ein Pflänzchen von 4 Zoll Höhe, welches in drei Jahren zn einem Baume von 16 Fuß heraugcwachfcn war. Im Jardin des plantes zu Paris be findet sich ein Exemplar von 30 Fuß Höhe und 3 Fuß Umfang. Die Exemplare im freien Lande müssen bei uns iin Winter umkleidet werden. Nördliche SÜHlteC (Linnada borealis). Dem Heros der Botanik zu Ehren trägt dieses kleine Pflänzchen seinen Na men. An den schwachen, niedrigen Stengeln befinden sich zweiblumige Blüthenäste, mit zierlichen, rüthlichcu Glockenblumen, von angenehmem Dufte. In Canada, Carolina, Sibirien, Rußland, Schweden (wo dieses Pflänzchen officinell ist) und Nvrddcntschland wächst die Pflanze wild. Gaukler - oder Affeublnine (Stimulus). Eine Familie schöner Zierpflanzen, welche sämmtlich ans dem westlichen Nord amerika zu uns übcrgcsiedclt sind. Sic sollen indessen auch in Südamerika Vor kommen. Der fünfzähnigc Kelch ist prismatisch, die Blume rachenförmig, mit drcilappigcr Unterlippe. Die zwcifächcrigc Kapsel ist vielsamig. Man vermehrt sic ans Samen und durch Stecklinge, welche in den Knoten der Stengel schnell Wurzel schlagen. Scharlachrothc G., M. cardinalis, 2 — 3 Fuß hoch, mit hell- oder dunkel-scharlachrothcn Blumen, deren Schlund gelb oder orange ist. Gelbe G., M. luteus, 1 — 2 Fnß hoch, mit gelben, oft gefleckten Blumen und Pnnklirtem Schlunde. Biele Varietäten. Wir nennen nur noch die Moschus- Pflanze, dl. moschatus, mit kleiner gelber Blume, welche namentlich im Sonnen schein einen starken moschus-ähnlichen Geruch verbreitet. Möllen- oder Abrahamsstranch (Vitex »Fnus oaetus) ist ein 12 — 20 Fuß hoher Strauch, welcher im südlichen Europa wächst, gefin- gcrtc, graufilzigc Blätter hat, und dessen wohlriechende Lippenblümchen in langer Traube stehen. Der ganze Strauch riecht stark aromatisch, und Blätter und Früchte sind officinell. Bärenklau (Acantlius). Eine prächtige Pcrcunie, welche aus Griechenland stammt und sich besonders für große Anlagen eignet. Der 2 — 4 Fnß hohe Blüthcnstengel ist von unten bis oben mit Blumen bedeckt, welche lippenförmig, weiß und blaßroth gefärbt sind. Die dornigen Bractcen hingegen sind grünlich -purpnrroth. Die zierlich buchtigcn, gelappten Wnrzelblätter gaben Kallimachus, dem berühmten Baumeister und Bildhauer von Korinth, das Modell zur Verzierung bes korinthischen Sänlcnknaufes. »004 Achilliencs (Aohimenes). Eine zahlreiche Familie überaus schöner Glashauspflanzen, welche erst in neuerer Zeit ans den Tropen zn uns gebracht worden sind. (Auch unter dem Namen Trevirana aufgeführt.) Sie verlangen sämmtlich viel Licht und Wärme, wenn sie sich freudig entwickeln sollen. Diese Pflanzen zeichnen sich sämmtlich nicht nur durch ihre schönen Blumen, sondern auch durch ihre schöngczcichnctcn Blätter aus. Eine der prachtvollsten Arten ist A. gloxiniaeflora, mit lanzettlichcn, oben grünen und unten weißen Blättern. Die weißen Blumen halten 2 Zoll Durch messer, sind am Schlund gelb und in demselben pnrpurroth punktirt. A. grandi- flora, mit 2 Zoll langen Blättern, welche auf der Unterseite röthlich sind. Die großen Blumen sind violctt-purpurroth. A. ionglüora, hat große, blanviolcltc, 2'/- Zoll lange Blüthen. Schönrebe (Oalawxoii»), auch unter dem Namen klooromooarxns seabra bekannt; ein sehr schöner Klctter- strauch ans Chile, der sich bei 4 — 8" Wärme überwintern läßt. Die Blätter sind doppelt gefiedert und die prächtig rothcn Blumen stehen in reichen Trauben. Pflanzt man diesen Strauch im Sonnncr in'S Freie in eine ivarme Lage, so er reicht er eine Höhe von 20 Fuß und die Blumen floriren vom Sommer bis in den Herbst. Bärtige Schildblume (Chelone barbata). Die schöne Perennie, welche ans Mexiko stammt, verlangt bei der Dnrch- winterung 2 — 4° Wärme. Der Stengel wird 2 — 4 Fuß hoch und die blaß- zinnoberrothen Rachenblumen stehen in einer langen Rispe. Sie blühen sehr dank bar vom Juli bis Oktober. LoosbailM (Oleroäevrlroii). Die Familie enthält lauter Prachtpflanzen, welche auch unter dem Namen Volkameria bekannt sind und ans Japan und Ostindien stammen. Der wohl riechende Loosbanm, 61. fragans oder V. japoniea, welcher vom Mai bis Oktober blüht, wird 3—6 Fuß hoch, hat herzförmige, etwas filzige Blätter von 4 bis 8 Zoll Länge und wohlriechende, weiße oder röthlichwcißc Blumen in dich ten Enddoldentranben. Im Winter verlangt diese Art 6—8° Wärme. Die übrigen Arten sind noch zärtlicher, und gedeihen nur in Warmhäusern bei 12 bis 15° Wärme. Die HalbblllNie (Hemimeris) ist eine zierliche Topfpflanze von 2 Fuß Höhe, aus Peru stammend, mit lanzctt- lichen, lebhaft grünen Blättern und feurig-scharlachrothcn Blumen und dnnkelem(305 Grunde. Nicht selten zeigt sich ans der Unterlippe (die Oberlippe fehlt ganz) ein weißer Fleck. Man unterscheidet II. coccinoa und H. urticaefolia. Mehlbaum oder Lantane (kantana). Striincher, welche zu den Labiaten gehören, schöne Blüthen in reichem Flor Hervorbringen und sich leicht überwintern lassen. Man cnltivirt L. aculeata, stachelige L., ans Mexiko, mit gelben Blumen; L. Camara, ohne Stacheln, feucr- rothe Blumen; P. nivoa, ans Ostindien, mit Stacheln und weißen Blüthen u. a. m. Manraudic (Llaurauäia). Diese hübschen Schlingpflanzen, welche zu den Standensträuchern gehören, stammen ans Mexiko, haben hochklettcrnde Stengel, windende Blattstiele und große, glockenförmige Blüthen. Die Blätter sind Herz- oder spießförmig von schönem Grün. Im Winter verlangen sie 6—8° Wärme und vermehren sich durch Stecklinge und Samen. Die schönste Art ist M. Barklyana, mit violetten oder purpnrrothen Blumen. Honigblume (Meliantlius). Die Honigblume gehört einem immergrünen Strauch an, der 4—12 Fuß hoch wird, große, graugrüne, gefiederte Blätter hat, und dessen brannrothe Blu men, die einem geflügelten Insekte ähnlich sehen, in langen Endtranben stehen. Sic hat ihren Namen mit Recht; denn es fließt reichlich ein röthlicher Honig ans den Blüthen, welche sich vom Mai bis Juli entwickeln. Es gibt zwei Arten: M. major und M, minor. Bartfäden (Pentastemon). Eine reiche Gattung schön blühender Pflanzen, welche zu den Lippenblumen gehören und theils Perennicn, thcilö Staudensträncher sind. Sic stammen sämmt- lich ans Mexiko oder Texas, und verlangen im Winter 1 — 5° Wärme. Bei den meisten Arten sind die Blätter lanzettlich; nur bei der P. mincatus sind sie eirund. Die Blüthen sind eirund, roth, vom hellsten Mennig bis znm dunkelsten Purpur, und haben verschiedene Zeichnung. Nur P. speciosum hat schöne blaue Blumen.GOß Misszehisse Masse. Pflanzen mit 6 Staubgefäßen, von denen vier lang und zwei kürzer sind. Da die Pflanzen dieser Klasse nur vier Kronblätter haben, welche gleichsam ein Kreuz bilden, so bezeichnet inan diese Blumen mit dem Namen Kreuzblumen (Crucifeme). Die Samen befinden sich in Schote» oder Schötchcn. Erste B r d n u n g. Pflanzen mit Schötchcn, Gliederhülsen oder Nüßchen. Meersenf, Zackenschote, Meerkohl, Rettig, Hederich, Jerichorose, Waid, Täschelkraut, TecSdalie, Schleifenblume, Brillenschote, Scuebriere, Kresse, Hirtentäschchcn, Schcibcnkraut, Pfrieme»- kresse, Hungerblümchen, Löffelkraut, Steinkraut, Farsetie, Mondviole, NeSlie, Leindotter oder Finkensamen. Der gemeine Meerkohl (Cramlm maritima) wächst an den Ufern der Nord- lind Ostsee, wie auch am Mittelmecre. Die ziemlich großen Blätter sind kohlartig, kahl und hcchtblan; die Blumen sind weiß. Schon bei den Römern war der Meerkohl ein beliebtes Gemüse, und noch jetzt zieht man in England denselben dciii genieinen Kohl vor, weshalb er dort auch häufig cultivirt wird. Die jungen Triebe sollen dein Spargel oder Blumen kohl sehr ähnlich an Geschmack sein. Auch die Wurzel rühmt man als süß und wohlschmeckend. Der Rettig (Kaphanus) ist eine bekannte Gartenpflanze, welche ihrer rübenförmigen Wurzel wegen, die sehr niagenstärkend ist, in alten ihren Arten häufig angcbant wird. Man unterscheidet folgende Arten: 1) früher, schwarzer Sommerrettig, weniger scharf, aber sehr saftig; 2) schwarzer Winterrettig, große, kräftige und sehr scharfe Wurzel; 3) Radieschen, eine Spielart des Rettigö, aber sehr beliebt, weil sic feiner als die eigentlichen Rettigc sind. Auch die Radieschen werden von den Gärtnern wieder in verschiedene Abtheilungcn gebracht: a) runde (Monats-) Radicsch en, weiß oder röthlich, besonders für's Mistbeet; b) lange (Monats- oder Holländische) Radieschen, weiß, roth und gelblich, werden aber leicht pelzig; v) Forellenradieschen, kleine, länglichrunde Wurzel, mit rothcn Flecken. In lockcrm, gut gedüngtem (aber nicht frisch gedüngtem) Boden ge deihen die Radieschen am besten. Gegen Erdflöhe muß man sie durch häufigesBegießen u. s. w. z>r schützen suchen. Wurzel und Samen des schwarzen Ncttigs werden als officincll in den Apotheken geführt. Der Kriebclrettig oder Hederich (Uaxkianistrum) , ein bekanntes Unkraut, welches dem Landmann viel zu schaffen macht, dessen Samen aber Ocl enthält, gehört auch hierher. Man war früher der Meinung, daß der Genuß dieser Pflanze die sogenannte Kriebel krankheit erzeuge. In China benutzt man das Ocl, welches aus dem Hederich gewonnen wird, zur Bereitung der Malertusche. Der Oclrcttig, dessen Samen ein gutes Brennöl liefern, wird wenig angcbant. Die Jcrichorose Anastatiea'), auch Rose von Jericho genannt, hat im Geringsten keine Aehnlichkeit mit einer Rose, denn die weiße Blume besteht, wie alle Kreuzblumen, aus vier Blättern. Die ganze Pflanze zieht sich nach den: Verblühen zusammen, wodurch sic eine runde Gestalt gewinnt. Stellt man eine, selbst trocken gewordene Pflanze in's Wasser, so scheint ein neues Leben in dieselbe zu dringen; denn ihre Zweige strecken sich wieder in ursprünglicher Richtung ans. Uebrigens ha!- man dieselbe Erschei nung an einigen Moosen und Flechten. Schwärmerische Menschen haben eine Wun derblume daraus gemacht; und cs konnte nicht fehlen, daß Aerzte und Priester dieser Blume mancherlei Kräfte znschricbcn. So gab man sic kreisenden Frauen in die Hand, um die Geburt zu beschleunigen, u. dgl. m. Diese Zeit des Wunder glaubens liegt hinter uns, und kein Mensch glaubt mehr an die Wnndcrkraft der Rose von Jericho. Die Pflanze wächst am Ufer des rothcn Meeres, am Sinai, in Egypten und auch in der Ebene um Jericho. Der Seltenheit wegen zieht man sie bei uns bisweilen in Töpfen. Bricht man die Pflanze vor dem Ausbrechen der Knospen ab und verwahrt sie an einem trockenen Orte, so hält sic sich lange und zeigt obige Erscheinung. Der Färbe-Waid oder deutscher Indigo (istis tinctoiia) wächst an den Ufern des Meeres wild, wird aber im südlichen Europa, und auch hin und wieder in Deutschland seines Färbcstvffcs wegen gebaut. Mit der Ein führung des Jndigo'ö hat sich der Gebrauch des Waids und also auch sein An bau vermindert. Der Stengel ist glatt, 2—3 Fuß hoch, mit pfeilförmigen Blättern besetzt und trägt seine kleinen, gelben Blüthcn in Endrispen. Die Blätter werden abgcschnitten, getrocknet, gemahlen, cingcweicht und in den Waid- fabrikcn in Gährnng gebracht, um den blauen Färbcstvff ansznschcidcn. Die Blätter waren sonst mcdicinisch und ans dem Samen preßte man ein dem Leinöl ähnliches Oel. Schleifenblume oder Baucrnscuf (Iberis). Mehrere Arten dieser Pstanzc werden in Gärten gezogen und liefern recht hübsche Blumen. Bittere Schleifcnbl., l. amara, mit weißen Blüthen in608 Doldentrauben und lanzettlicheu, fleischigen Blättern. Doldige Sch leisen bl., I. umbellata, weiße , lilla oder pnrpurrothc Blüthen in zahlreichen Doldentranbcn. Beide Arten sind Sommergewächse, die wenig Sorgfalt erfordern. Zn den percn- nirenden Arten gehört die immergrüne Sch., I. sempervirens , mit linealen Blättern und schönen weißen Blumen; Tennore's Sch., I. Tenoreana, Sten gel 4—6 Zoll hoch, Blätter spatelförmig, fleischig, Vlnmcn weiß mit röthlichem Anfluge. Als Topfpflanze cnltivirt man die immerblühende Sch., I. s empor- tloren», ein hübscher Strauch mit weißen Blüthen. Kresse (Lepidium). Von den verschiedenen Arten dieser Pflanzen ist die Gartenkresse, L. sa tivum, die wichtigste. Diese Art stammt ans Persien, wird aber jetzt fast in jedem Garten gebaut, indem das junge Kraut ein sehr magenstärkender Salat ist, ober als Beigabe zum jungen Salat gegeben wird. Man unterscheidet die gewöhn liche, die krausblättcrige und die goldgelbe Kresse. Alle Arten nehmen mit jedem Boden vorlicb, und lassen sich sogar im Winter in Kästen ziehen. Die andern Arten haben wenig Werth. Das Lvfsclkraut (Coclilearia) enthält zwei Arten, welche beide sehr wichtig sind. Das gebräuchliche Löffel kraut, 6. officinalis, wird 1 Fuß hoch, hat ästig gekrönte Stengel, weiße Blüm chen und liebt einen salzigen Boden, weshalb cö besonders am Strande des Meeres wächst. Im Norden ißt man das Kraut als Salat. Das ganze Kraut schmeckt scharf und salzig und enthält heilsame Kräfte, namentlich wider den Scorbnt; wird deshalb in den Apotheken geführt. Auch der bekannte Meerrcttig, 0. arrnoraeia, gehört hierher. Die vielüstigc, dicke Wurzel ist sehr scharf und reich an einem ätherischen Oel. Als Küchcngcwächö dient sic zur Sauce und zum Ein machen der Gurken. In der Medicin wird sie ebenfalls gebraucht, und nament lich als Zugmittel. Mondviole (Lunaria), Die zweijährige Mondviole, L. biennis, auch L. annua, trifft man hin und wieder in Gärten. Ihre violetten oder weißen Blüthen floriren vom April bis Juli. Die Samenschalen sind groß, fast 1'/« Zoll im Durchmesser, glatt und glänzend wie Seide. Die ausdauernde Mondviole, L. rediviva, hat oval-lanzettliche Schötchen und hcllviolcttc Blumen. Ans den Voralpen.609 Lcilldottcr (Camelina). Die elliptischen Schötchen dieser Pflanzen sind aufgedunsen. Der Stengel der gemeinen Leindotter, 0. oativa, wird 1— 2 Fnß hoch und theilt sich in Aeste, an denen sich hellgelbe Blumen entwickeln. Der gelbbraune Samen liefert ei» vorzügliches, fettcö und süßes Oel, weshalb diese Pflanze in einigen Gegenden im Großen angcbant wird. Kraut und Samen waren sonst medicinisch. Z w e i t e D r d n u n g. Pflanzen mit Schoten. Schaumkraut, Gänsekraut, Thurmkraut, Lack, Levkoje, Barbarakraut, Brunneukresse, Zahnwurz, Roripe, Nachtviole, Läuchel, Eoriltgie, Hederich, Rauke, Rampe, Runke, Senf, Kohl, Sonneufreund, Spaltblatt. Schaumkraut lLarüaininv). Das Wiesen-Sch., 6. xrateusis, welches häufig in feuchten und fetten Wie sen wächst, hat gefiederte Blätter und blaßrothe Blüthen. Das Kraut schmeckt scharf, fast wie Brnnnenkresse und ist, wie die Blüthen, medicinisch. Letztere sollen in Krämpfen und Convnlsionen von Wirkung sein. Das bittere Sch., 6. amara, ist ebenfalls officinell, wird aber auch statt der Brunnenkresse als Salat verspeist. Blüthen sind lvciß. Wächst an Bächen und Quellen. Lack oder Goldlack (Lüeirantlms clieiri). Der Goldlack, auch in einigen Gegenden Stockviole genannt, ist eine be kannte, der Levkoje verwandte Zierpflanze, welche ihrer schönen, wohlriechenden Blumen wegen viele Freunde hat. Man cnltivirt einfache, halb- und ganzgefüllte Sorten, deren Farben vom Hellen Gelb bis in's Dunkelbraune übergehen. Es gibt auch eine Art, deren Blumen in's Violette spielen. Man vermehrt die einfachen und halbgefüllten Arten durch Samen, die gefüllten Arten hingegen durch Steck linge. Alle Lackarten verlangen einen fetten Boden, etwas Schatten und viel Feuchtigkeit. Die älteren Stocke bringen in der Regel wenig hübsche Blumen. Um recht guten Samen zu erhalten, lasse man von den am meisten gefüllten Blumen die zwei untern Schoten zur Reife kommen. Zwei- und dreijährige Stöcke liefern die schönsten Blumen. Levkoje (Choirantlms annuus). Eine sehr beliebte Zierpflanze, von der man über 200 Arten zählt, die sich durch Fülle und Farbe der Blumen, durch die Blätter und den Wuchs unter scheiden. Man theilt sie in deutsche, englische und halbcnglische, — in Sommer-, V eu IN er'S Nalurgrschichte. ~ Z0610 Herbst- und Winterlevkojen ein. Je leichter der Boden ist, desto schöner werden die Blumen. Der Same muß mindestens zwei Jahre alt sein, wenn er gesäet wird. Beim Aussäen oder beim Körnen hat mau die Vorsicht zu gebrauchen, daß der Samen nur sehr flach mit Erde bedeckt wird, weil er sonst nicht aufgeht. Die eigentliche Wintcrlcvkoje, 6 . incanus, hat einen staudcn-strauchartigen Stengel von 2—4 Fnß Höhe, und die Blüthcn übertreffen an Wohlgcrnch die Sommer levkojen. Wachst an den Ufern des Mittelmceres wild. Die schöne Kaiscr- levkojc ist ihr nahe verwandt. Die Meerstrands-Levkoje, 6b. maritimus, ist eine Sommerpflanze, welche 10—14 Zoll hoch wird und sich besonders zur Einfassung der Rabatte eignet. Die zierlichen Blumen sind Anfangs roth, dann lillafarbig. Fast weltberühmt ist der Erfurter Levkojensamen, der hier in einer solchen Ausdehnung gewonnen wird, daß er zu den bedeutendsten Handelsartikeln gehört. Erfurt zählt 13 Handelsgärtner. Der Handelsgärtner Haage erzeugt alljährlich 100 Pfund Levkojensauien und zieht dazu 8000 Töpfe Levkojen in 34 Farben. Durchschnittlich wird 1 Loth Topfsameu mit 20 Sgr. bezahlt. Demnach ist der Werth der 100 Pfund 2133'/., Thlr. Dazu kommt nun noch der Landsamcn, welcher allerdings von geringerem Werthe ist, aber ebenfalls in großen Quan titäten versandt wird. Briimienkresse (Nasturtium). Schon an dem Namen erkennt man, welche Eigenschaften diese Pflanzen be sitzen und wo sie zu wachsen pflegen. Die gebräuchliche Brk., N. officinale, an Bächen, Quellen u. s. w., hat einen liegenden, wurzelnden Stengel, dunkel grüne, siedcrige Blätter und weiße Blüthen. Das Kraut schmeckt bitterscharf, wird als Salat genossen und ist ein vorzügliches Mittel wider den Scorbut. Me- dicinisch. Man .unterscheidet ferner die seinblätterige Brk., bl. microphyllum, und mcrkblätterige Brk., bk. siifolium. Eigenthümlich ist der Brunnenkressenbau in dem zu Erfurt am Fuße des Steigers gelegenen, unter dem Namen „drei Brunnen" bekannten üppigen Gartenlaube, das zu Ende des 15. Jahrhunderts von Hanö Hartchcn ans Sumpf- und Teichland in Gartenland verwandelt und zum Brunncnkressenbau ver wendet wurde, der in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch den Rathsmeister Ch r. Reichardt seine volle Ausbildung erhielt. Die Brnnnenkresse wird in regelmäßig angelegten, 2'/^ — 3 Fnß tiefen und 5 Fnß breiten Gräben gezogen, und zwar in Sommer- und Wintcrklingcrn; diese in der Nähe der Quellen frieren nicht zu, werden auch im Winter geschnitten. Zwischen diesen Kreßklingern liegen wohlbestclltc Gemüsebeete oder Höhen, die stark gedüngt, in einem Jahre hinter einander Salat, Blumenkohl von vorzüglicher Größe und Sellerie tragen, außer dem aber noch mit andern Pflanzen besetzt werden. Auf dem 92 Acker großen Terrain werden jährlich 40 — 50,000 Schock Brnnnenkressen geschnitten.611 Nachtviole (Ilesperis). Die bekannteste Art ist diejenige, welche man ihrer weißen, gefüllten und wohlriechenden Blumen wegen cultivirt, 8. matronalis, Frauenviole oder Flor dame genannt. Man vermehrt sie durch Theilung. .Eine schöne, langblühende und herrlich duftende Zierpflanze. Da sie mit der Pechnelke zugleich blüht, so pflanzt man sie des Cvutrasteö halber — rein weiß und roth! wohl auf ein Beet. Man hat auch rothc und blaßrothe, grünlich gefüllte und gescheckte Arten. Die traurige Nachtviole, II. tristis, welche sehr unscheinbare, schmutzig- gelbe, braungeaderte Blumen trägt, wird nur des ausgezeichneten Wohlgeruchs wegen, den diese Blumen gegen Abend verbreiten, cultivirt. Durch ganz Deutschland verbreitet ist die wilde Nachtviole, 8. ino- dora, mit gestielten Stcngelblättcrn und überall steifen Haaren besetzt. Lilla und weiße Blüthen. Seilskohl oder Runke (Eruca sativa). Diese Pflanze wird im südlichen Europa häufig angebaut, da sie ein gutes Gemüse und einen vorzüglichen Salat liefert, auch von dem Sauren ein treffliches Oel gewonnen wird. Der Stengel wird 1 Fuß höher, die Blätter sind breit und eckig gezähnt, die großen Blüthen schmutzig-gelb mit violetten Adern. Senf (Linapis). Die beiden wichtigsten Arten sind der weiße Senf, 8. alda, und der schwarze Senf, 8. nigra. Den weißen Senf, der cultivirt wird, findet man hin und wieder auch wild, oder unter dem schwarzen Senf. Der Schnabel des weißen Senfs ist schwertförmig, der des schwarzeir Senfs ist unbedeutend. Die Samen des erstern sind weißlichgelb und liefern ein Oel, das dem besten Speiseöl gleich kommt. Die Samen des schwarzen Senfs sind dunkelbraun, cingestochen pnuktirt und sind officinell. Sie enthalten ein fettes Oel, und nach neueren Untersuchungen einen cigenthümlichcn, krystallinischcn Schwefel und Azot enthalten den Stoff, den man Sulphosinapin genannt. Der Ackersenf, 8. arvensis, ist zwar ein lästiges Unkraut, mit großen, hochgelben Blumen und bräunlichen Samen, allein diese lctztern sind officinell und wirken namentlich auf den Urin, und in manchen Gegenden verspeist man das Kraut als-Gemüse oder Salat. Kohl (lirassica). Eine der zahlreichsten Familien unter den Kreuzblumen, welche für die Haus- Haltung sowohl, als für die Landwirthschaft von großer Wichtigkeit sind, machen die Kohlartcn aus. Wie überhaupt die Kreuzblumen, so sind besonders dieKohl- artcn sehr zu gegenseitiger Begattung geneigt; weshalb man die einzelne Art, um 39 *612 reine Sorten zn erhalten, entfernt von einander pflanzen muß, wenn sie guten Samen tragen sollen. Nennen wir nur die Hauptarte», ohne dieselben speciell zu beschreiben. 1) Rübsen, Reps oder Raps, B. campestris (B, rapa), mit spindelför miger Wurzel. Man cultivirt Winter- und Sommerraps. Der Samen wird bekanntlich zu Oel geschlagen und aus den Ueberbleibselu sogenannte Rübkuchen geformt, welche als besonders nahrhaftes Viehfutter dienen. 2) Rüben, B. rapa, mit dicker, fleischiger Wurzel, welche zur Speise oder zum Viehfutter dient. Es gibt folgende Arten: Mai- oder Dellcrrübe, mit scheibenförmiger Knolle und angenehmem Fleisch; Märkische- oder Teltowerrübe, eine kleine, aber sehr wohlschmeckende Rübe, welche nicht in jedem Boden gedeiht; Herbstrübe, in verschiedenen Sorten und von verschiedener Güte; Bortfelder-Rübe, eine schöne, lange, schwer werdende und wohlschmeckende Rübe, mit blaßgelbem Fleisch; Eng lische Futterrüben, von außerordentlicher Güte und Schwere, sic wollen aber früher als die Herbstrüben gesäet sein; die Guckelrübe, welche über der Erde wächst und sehr lang wird, n. v. a. 3) Kohlartcn, deren Stengel in einen knolligen, eßbaren Körper übergehen, a) In der Erde: Steckrüben oder Kohl rüben unter der Erde,- B. napobrassica, als Nahrungsmittel und besonders als Viehfutter sehr zn empfehlen; b) über der Erde: Kohlrabi, B. gongylodea, feiner von Geschmack, als die erste Art. Von beiden gibt cö verschiedene Gat tungen. 4) Kohlarten, von denen die Blüthenköpfe als Speise dienen: Blu menkohl, B. botrytis, ein sehr seines und gesundes Gemüse. Eine Abart deö Blumenkohls ist derBroccoli oder Spargelkohl, B. tuberosa. 5) Kohlartcn, von denen die Blätter zur Speise dienen: a) solche, deren Blätter sich kopfförmig schließen; Kohlkopf, B. capitata, wozu der Weißkohl, Rothkohl und der Wicrsing gehöre». Auch davon gibt cö verschiedene Arten, die sich durch Größe, Form u. s. w. unterscheiden, ans deren Beschreibung nicht cingcgangcn werden kann. 6) Kohlarten, deren Blätter sich nicht kopfförmig schließen: Blättcr- kohl, B. laeiniata, in verschiedener Größe undFarbe. Der Vordewykcrkohl, Plnmage- oder Federkohl, Perlenkohl und andere Arten gehören dazu. Alle Arten liefern einen Samen, der Oel enthält, weshalb alle Arten auch das Attribut „oleracea“ bei sich führen, das wir bei der Bezeichnung der einzelnen Art wcggclassen haben. Die schlimmsten Feinde aller Kohlartcn sind der Erd floh und die Kohlweißling-Raupe. („I. Metzger, systematische Be schreibung der cultivirtcn Kohlartcn" — ist ein cmpfehlcnöwerthcs Schrift- chen für Gärtner und Landlcutc.) SoillicilfreilUd (Heliophila). Behaarter Sonnenfreund, II. pilosa, eine allerliebste Sommerblnme, vom Cap stammend, welche 1—2 Fuß hoch wird, graugrüne Blätter und Himmel-blaue Blüthen iit Trauben hat. Die Blumen öffnen sich nur im Sonnenschein, daher ihr Name. Sie verlangt einen nahrhaften, sandigen Boden, und ist sehr empfindlich gegen Nässe. Spaltblatt (Schizopelatum). Walker's-Spaltblatt, S. Walkoni, ist eine neue, aus Chile stammende Sommerpflanze, die 1—2 Fuß hoch wird. Die halbgefiederten Blätter sind buschig. Die Blumen stehen einzeln und entfalten sich nur früh und gegen Abend. Die Kronblättcr sind unten grünlich, oben weiß und fiedcrförmig gespalten. Ist die Blume nicht geöffnet, so sind ihre Blätter znsammengerollt. Soll die Pflanze recht üppig werden, so säe man den Samen in eine fette Sanderde. »-oOC-Oo-W Sechzehnte Masse. Pflanzen, deren Staubfäden in ein Bündel oder in eine Röhre verwachsen sind. Erste Brdnnng. Pflanzen mit drei Stanbwegen. Tamarinde (Tamarimlus Indica). Der Tamarindcnbaum ist ursprünglich in Ostindien zn Hanse; er hat sich aber auch in Afrika, namentlich in Egypten, Nubien und Habcsch, und in den heißen Ländern von Amerika ansgcbrcitet. Die Blätter sind gering gefiedert und denen der weißblüthigcn Acacie ähnlich; die Blumen, welche aus drei Blät tern bestehen und sehr wohlriechend sind, stehen in Trauben, sind weiß mit dunkel- rothcn Adern. Die Frucht ist eine hängende Hülse, von 3 — 6 Zoll Länge, und enthält zwischen den Häuten ihrer Schaalcn ein angenehm säncrlichsüß schmeckendes, schwarzröthlichcs Mark (pulpa Tamarindorum), welches als gelindes Purgirmittel in der Mcdicin gebraucht ivird. In den Tabaksfabriken gebraucht man dasselbe zu den Saucen. Das westindische ist schmieriger und süßer, muß aber mit Zucker anfbewahrt werden. In neuerer Zeit hat der Handel mit diesem Tamarinden -Mnö abgenommen, indem es durch bessere Mittel ersetzt ist.614 In den Tropenlandern genießt man die Fracht der Tamarinde als Obst nnd bereitet daraus ein kühlendes Getränk. Die Einwohner von Cnba machen die un reifen Früchte mit Zucker ein, und rühmen solche als wahre Leckerbissen. Zweite B k d n u n g. Pflanzen in i t f ü n s S t a u b w c g c n. Reiherschnabel lLroäinm), Kelch fünftheilig, Blumenkrone fünfblätterig, regelmäßig, 10 Staubfäden, von de nen 5 unfruchtbar sind. bl. cicutarium, sehr gemein an Wegen, mit nngcstieltcn Blättchen, bl. moschatum, größer als vorige Art, gestielten Blättchen und starkem Bisamgeruch. Wird auch wohl cultivirt. Als Zierpflanzen zieht man: bl. Cha- maedryoidcs, ans Minorka; bl. gnihnnn, mit kleinen, violetten Blumen; die lang- grannigen Samen werden bekanntlich zu Hygrouometern benutzt; bl. Romanum, aus Italien, mit purpurrothen Blumen. Passionsblume sPassiaorch. Die Passifloren sind meist strauchartige Schlingpflanzen, deren Blüthen von besonderer Schönheit sind, und ihre Heimath in den Wäldern dcö heißen Amerikas haben. Auch Asien erzeugt mehrere hübsche Arten. Wie die schön geformten, zierlich gefärbten Blüthen das Auge erfreuen, so erfrischen die Früchte mancher Arten den Gaumen. Wir können nur einige Arten, welche bei uns in Gewächs häusern gezogen werden, näher beschreiben. Alle charakterisircn sich durch einen fünftheiligen Kelch, dessen innere Blätter farbig sind, durch eine fünfblätterige Blnmcnkrone mit dem Nektarinm im Boden des Kclchcö verwachsen. Die Bc- fruchtungöorganc nnd der vielfache Nektarfadenkranz geben der Blume ein sonder bares Ansehen, und die fromme Einfalt glaubte darin die Marterwerkzeuge figür lich zu erblicken, daher der Name Passionsblume. Geflügelte Passions bl., P. alata, aus Wcstindicn, häutig geflügelte Blätter nnd große, prachtvolle, inwen dig dunkelrothe, wohlriechende Blumen, mit einem weißen, purpurroth gefleckten Fadcnkranze. Weiße P., P. albida, ans Brasilien, drei Zoll breite weiße Blu men mit weißem Fadenkranz. Blanc P., P. coerulea, die mit meisten verkom mende Art, mit 5— 7 lappigen Blättern, weißlichen Blumen nnd blauem Faden kranze. Die Frucht hat die Gestalt und Größe eines Hühnereis. Eßbare Pas siv nöbl., P. edulis, mit dickem Stamme, dreilappigen Blättern, 2 Zoll breiten, weißen Blumen und purpurröthlichem Fadenkranzc. In einem Jahre wird die Pflanze über 40 Fuß lang. Die runde, purpurrothe, zwei Zoll breite Frucht hat615 ein wohlschmeckendes Fleisch. Stammt aus Brasilien. Auch die übrigen Arten sind schon: fleischfarbige P., P. incarnata, bemalte P., P. pictunata, dun- kelrothe P., p. Pboomeia, n. s. w. Die nenesten Sorten, welche aber noch wenig verbreitet sind, sind folgende drei: P. actinia, vom Orgclgcbirgc, aus Bra silien, mit wohlriechenden, sehr schönen, weißlichen Blumen. Der Fadenkranz ist weiß, violett, an den Spitzen blau und schlangcnartig gewunden. P. medusae, aus Central-Amerika, kleine, aber schön geformte Blumen, mit carmoisinrothen, hin- und hcrgebvgcncn Fadcnkränzen; P. amadilis, eine prachtvoll blühende Hy bride, mit großen, scharlachrothen Blumen. Die meisten Arten verlangen 10 bis 15° Wärme, wenn sie üppig ge deihen sollen. Dritte D r d n u n g. Pflanze» mit sieben Staub wegen. Kranichschuabel (Polargonium). Diese Pflanzen wurden früher fast immer zu den Geranien gezählt. Man zählt' über 400 Arten. Sie charakterisircn sich durch folgende Kennzeichen: der obere Theil des fünftheiligen Kelches geht in eine Röhre über, die sich in eine Drüse endigt; die fünfblätterige Blume ist zweilippig, jedoch sehr auögebreitet; von den 10 Staubfäden sind wenigstens 3 unfruchtbar; die Frucht besteht ans 5 Schläuchen, die spiralförmig gewunden und innen behaart sind. Sic stammen alle ans dem südl. Afrika, namentlich vom Cap, und zeichnen sich meistens durch sehr lebhaftes Colvrit der Corallcn ans. Nur einige der schönsten Arten können hier angeführt werden. Großblumiger K., P. macranthum, die untern Blätter nierenförmig, die ober» ticfgelappt, Blumen prachtvoll, gegen 3 Zoll, weiß, mit blutrother Zeichnung. Dreifarbiger K., P. tricolor, eine prachtvolle Zierpflanze, die mit zottigen Haaren besetzt ist. Die ober» Kronblätter sind schwärzlich, blutroth, an der Basis schwarz, und die untern Blätter sind reinweiß. Der Anblick mehrerer neben ein ander stehenden Exemplare ist wahrhaft zauberisch. Ahornblätteriger K., 1'. accrifolium , Blätter 3 — 5 lappig, riechen gerieben nach Citronen, Blumen hellroth mit pnrpurrother Zeichnung. Aehnlich ist der Balsam- K., P. balsameum. denchtendcr K., 1'. fulgidum, Blumen brennend scharlachroth mit schwarzen Adern, u. v. a. Aus dem P. roseum wird durch Destillation ein ätherisches Ocl gewonnen, welches dem Rosenöl ähnlich ist; ebenfalls ein dem Roscnwasscr ähn liches Wasser. Die Cultnr ist nicht schwierig; um aber schöne Blüthcn zu er zielen, sorge man für junge Pflanzen.616 Vierte Brdnun g. . Pflanzen mit zehn Stanbwegen. Storchschnabel (derauiuw). Allgemeine Kennzeichen dieser Familie sind: fünfthciligcr Kelch, fünfblätterige, regelmäßige Krone, 10 Staubfäden, alle fruchtbar, aber von verschiedener Länge; die längern Staubgefäße sind am Grunde mit Drüsen versehen, die Fruchtgranen sind gekrümmt, von innen aber kahl. Der blutrothe Storchschnabel, 0. sanguineum, cinblüthige Blumenstiele, purpnrrothe Blumen, die ganze Pflanze von starkem Geruch, Wurzel und Kraut sonst officincll. Ruprechtskraut, 6-. Robörtianum, mit zweiblüthigen Blattstielen, roscnrothcn Blumen, von starkem, unangenehmem Geruch; sonst medicinisch. Es gibt noch mehrere wildwachsende Arten. Cultivirt werden: Iberischer St., G. Ibericnm, Blätter 5—7theilig, Stiele zweiblumig, Blumen blau, dunkel geadert. Rothbrauncr St., 6l. phaeum, Blätter fünflappig, Blumen rothbraun mit weißer Basis. Wiesen-St-, G. pratense, Blätter 5 — 7 lappig, Blumen groß, blau oder weiß, oft beide Farben auf einer Pflanze. Nur G-. ibericum bedarf bei strengem Frost einiger Bedeckung. Der Cacaobam» (Ulioobrama easLo). (Taf. XVtlI. Fig. 28.) Dieser treffliche Baum, der die Cacao liefert, gehört ausschließlich der heißen Zone der neuen Welt an. A. v. Humboldt fand ihn wildwachsend an den Ufern des Orinoco; cultivirt findet man ihn, außer Südamerika, noch besonders in Mexiko, ans der Küste von Guatimala und Honduras, ans mehreren westindi schen Inseln, auf Isle-Bourbon und den Philippinen. Der Baum gedeiht üppig nur im Schatten und erreicht eine Höhe von 18 — 20 Fuß. Seine Blätter, welche in der Jugend rosenroth, im Alter aber dunkelgrün sind, gewähren den angenehmsten Contrast. Die Blüthen sind klein und unbedeutend, aber die großen, gelben, eckigen Früchte vollenden den malerischen Anblick, den der Baum gewährt. Die Frucht enthält viele bohncnartigc Samen, welche seit langer Zeit einen wich tigen Handelsartikel bilden. Die beste Erndte fällt in den Monat Dezember, eine minder ergiebige in den Monat Juli. Man sondert die Samen (Cacao), welche großen Bohnen ähnlich sind, so schnell als möglich von der fleischigen, etwas säuerlich schmeckenden Samenhaut — eine Lieblingsspcisc der Indianer — und setzt sie, in große hölzerne Gefäße eingedrückt, in eine vier- bis fünftägige Gäh- rung, um ihnen die Keimkraft zu nehmen, und trocknet sic dann an der Sonne. Caracas liefert die größten und besten Bohnen. Schon die alten Mexikaner be reiteten daraus, unter Beimischung von Reismehl und Vanille, jenes eben so wohl schmeckende, als nahrhafte Getränk, welches sic Chokoladc nannten und welches617 bald auch bei den Europäern Eingang fand. Bon der Zeit an steigerte sich die Produktion des Caeao bedeutend; denn Spanien allein verbraucht jetzt jährlich über 5 Millionen Pfund. Die Gesammteonsumtion des Caeao in ganz Europa aber schätzte v. Humboldt für das Jahr 1818 ans 23 Millionen Pfund. In Mexiko werden die Caeaobohnen noch immer als eins der wichtigsten und nahr haftesten Lebensbedürfnisse angesehen und dienen daher anstatt der Scheidemünze; sechs Bohnen gelten ungefähr vier Pfennige. Das durch Auspressen und Aus- kochen der Samen gewonnene Oel, Caeaobntter genannt, wird in derMediein als erweichendes, einhüllendes Mittel gebraucht. Letzte Krönung. Pflanzen mit vielen Staubwegen. Diese letzte Ordnung zerfällt nach einigen Botanikern noch in eine 5., 6. und 7. Ordnung. Wir folgen hier der Neichenbach'schen Eintheilung und fassen die noch übrigen Pflanzen der 16. Klasse unter dieser Ordnung zusammen. Eibisch, Malve, Lavatere, Baumwolle, Hibiskus, Camellie, Boabab oder Affenbrodbaum, Abuti- lon, Malope,. Mensonie, Eibisch (Althaea). Die malvenartigen Blumen stehen achselständig und haben 5 Kronblätter. Die Samen stehen kreisförmig um ein Säulchen. Der gemeine Eibisch, A. offi- ciualis, wird 3—4 Fuß hoch und hat blaßviolette Blumen, wächst wild, besonders au den Meeresufern, wird aber auch seiner Nützlichkeit wegen häufig gezogen. Die ganze Pflanze ist medieinisch. Die Wurzel wird am häufigsten angewendet; Blätter und Blüthen dienen zu Thee; man bereitet einen Althaesyrup und eine Althaesalbe u. s. w. Der hanfblätterige Eibisch, A. canabina, int südlichen Europa, liefert ein hanfartiges Gespinnst. Am bekanntesten ist der Rosen-Ei bisch oder Stockrose, A. rosea, von welcher viele Arten in den Gärten als schöne Zierpflanze eultivirt werden. Die Blüthen der Stockrosen liefern einen guten Brustthee und sind deshalb medieinisch. Sehr nahe verwandt ist die Malve (Malva). t Mau eultivirt die bisamduftende Malve, M, moschata, mit nierenförmigen Wurzelblättern und fünftheiligen Stengelblättern. Die großen, weißen oder rosen- wthm Blüthen duften nach Bisam. Die Kohlpappel, M. crispa, 6—8 Fuß hat große, wolligkrause Blätter, aber nur kleine, unansehnliche Blumen. Emige Arten haben ähnliche Kräfte, als die Eibischarten.618 Lllvatcre (Lavatera) ist der Malve sehr verwandt, hat aber nur einen einblätterigen, drcilappigen Kelch. In Deutschland wächst nur die thüringische Lavatcrc, L. Thuringiaca, wild; die in Gärten gezogene, L. trimestris, stammt aus dem südlichen Europa und hat große, schon hellrothe, oder weiße Blumen. Baumwolle (Gossypium). (Taf. XIX. Fig. 31.) Die Pflanzen, welche uns die nützliche Vanmwollc liefern, gehören zur Fa milie der Malvacccn und charakterisiren sich durch einen Doppelkelch, wovon der innere becherförmig, fünfzähnig, der äußere dreiblätterig ist. Die Blumen be stehen aus fünf Kronblättern und die Samen sind von Wollfädcn umhüllt. Man unterscheidet folgende Hanptarten: Nanking-Baumwolle, G. religiosum, 3 bis 4 Fuß hoher Strauch, 3—6 lappige, herzförmige Blätter, blaßgclbe Blüthen und dnnkclgelbe Wolle (Hinterindien, China und Wcstindicn); baumartige Baum wolle, G-. arboreum, 10—12 Fuß hoher Strauch, fünflappigc, handförmigc Blätter, brannpurpurrothe Blüthen, weniger feine Wolle (Ostindien und Amerika); krautartige Baumwolle, Gr. herbaeeum, 1 1 / 3 — 3 Fuß hoher, krautartigcr Stengel, Blätter mit 5 rundliche», stachclspitzigcn Lappen, Blumen größer, blaß- gelb, am Grunde roth, lange weiße Wolle (Orient, Egypten, Wcstindicn, Süd europa). Außer diesen gibt cs noch viele Arten, ivovon die meisten nach dem Lande ihrer Cultnr benannt werden. Die Baumwollcnpflanzcn gehören zu den jenigen Pflanzcngattnngen, deren Cultnr am meisten verbreitet ist; man findet sic nicht nur überall innerhalb der Wendekreise, sondern in ganz Nordamerika geht sie bis zum 40° N. Br. hinauf, und in einigen Gegenden von Italien und Spa nien, so wie auch in Kleinasien, Persien, China und Japan bis zum 41. Grade. In der südlichen Hemisphäre gedeiht sic ganz vorzüglich gut, in Südamerika bis 31° S. Br., aber auch ans dem Cap der guten Hoffnung und in mehreren Ge genden Nenhollands unter bedeutend südlichcrn Breiten. Seit dem 13. Jahrhun dert wurde die Banmwollenfabrikation in Europa allgemein bekannt. Wie bedeu tend aber die Produktion gestiegen ist, mögen folgende Zahlen beweisen. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden in England 3 Millionen Pfund Banm- wollc, noch im Jahre 1775 nur 5 Mill. Pfund, und im Jahre 1835 aber schon 318,100,000 Pfund eingeführt. Dazu lieferten die vereinigten Staaten von Nord amerika 273,700,000 Pfund, Brasilien 10'/., Mill.Pfund, Ostindien 18'/,Mill. Pfund, Egypten 7,700,000Pfund. Nach Berghaus beträgt dieGesammterndte in der neuen und alten Welt jährlich 2000 Millionen Pfund. Hibiskus (Ilibiscus), (Taf. XIX. Fig. 29) ebenfalls zu den Malvacccn gehörend, liefert mehrere schöne Zierpflanzen. Der eßbare Hibiskus, 8. asonlentus, ist eine einjährige Pflanze, welche 3 bis619 6 Fuß hoch wird, in Ost- und Westindicn zu Hause ist und deren unreife Früchte als Gemüsc genossen werden. Der Sumpf-Hibiskus, II. palustris, stammt aus Canada und Virginien, wird 4—5 Fuß hoch und ist ein sehr schöner Zierstrauch, dessen große, hellrothe Blumen voin Juni bis in den Spät herbst sloriren. WillimWintcr gedeckt sein. DerNvscn-H., II. rosa sinensis, ein baumartiger Zierstrauch von 4—10 Fuß Höhe, mit prachtvollen, dunkel- purpurrvthcn Blumen. Gehört im Winter in das Gewächshaus und verlangt 10 —12° Wärme. Der Syrische H., H. Syriacus, dem vorigen sehr ähnlich in Höhe und an Blume, ist weniger zärtlich, denn gehörig umkleidet dauert er oft im Freien ans. Stundcn-H., II. trionum, eine Sommerpflauzc ans Caro lina, trägt blaßschwefclgclbc, im Grunde dnnkelrothe Blumen, die nur wenige Stunden blühen. Camcllie (Camellia). Die Camcllicn (nicht Camelien) sind immergrüne Prachtsträucher, mit lcdcrartigc», meist glänzenden Blättern und großen, prachtvollen, rosen-ähnlichen Blumen. Das Vaterland dieses schönen Strauches ist China und Japan, und wurde derselbe von dort im Jahre 1639 zuerst nach England gebracht. Er führt sei nen Namen nach dem Jesuiten H. I. Camelliuö, der im 17. Jahrhundert das östliche Asien bereiste und ein großer Pflanzcnkenucr war. Die japanische Camcllie, 0. Japonica, mit ursprünglich dnnkel-roscnrothen Blumen, ist die Normalform der vielen einfarbigen und zweifarbigen, gefüllten, halbgefüllten und einfachen Camellien, welche jetzt als beliebte Modcpflanze in unfern Gewächs häusern cultivirt werden. Im Jahre 1808 waren neben der rothcn einfachen Normalform nur zwei Spielarten, die gefüllte bunte, und die gefüllte weiße be kannt. 1815 kannte man schon 12 Varietäten. Gegenwärtig weisen die Cata- loge großer Blumenhändler über 300 Varietäten nach. Man vermehrt sie durch Samen, durch Stecklinge und durch Vcrcdlcn auf Stämmchcn der einfachen Ca- nicllie. Will man sicher Blumen erzielen, so gehört eine sorgfältige Pflege dazu, »ud man darf die Töpfe, nach der Knospenbildung, nicht von ihrem Standort entfernen. Die netzblätterige Camcllie, 6 . retieulata, stammt aus China, und hat große, auch sehr prachtvolle Blumen. Die Blätter sind länger und unten netzartig. Asscilbrodbaum oder Boabab (Adansonia digitata). (Taf. XIX. Fig. 32.) Dieser merkwürdige Baum, welcher unter den Pflanzen das ist, was der Elcphant unter den Thicren, wächst in Afrika am Senegal. Der Stamm des Baumes ist nur 10—12 Fuß hoch, erreicht aber eine Dicke von 60 — 70 Fuß. Denkt man sich nun den Umfang, welchen seine zahlreichen Zweige beschatten, so 'st ein einziger Baum mit einem kleinen Walde zu vergleichen. Auch die Wur zeln dieses Baumes breiten sich ungewöhnlich weit aus. Die unteren Aeste620 werden oft 50—60 Fuß lang. Die Rinde ist oft 3 Zoll dick, dabei glatt, wie mit Firniß überzogen. Nur die jungen Zweige sind rauh. Die Blätter entspringen aus den Enden der Zweige, und sitzen deren meist 5—7 zusammen. Diese Blatter sind dick und gaiiMrÄj).' dabei eirund und hellgrün. Die Blumen sind sowohl durch ihre Gestalt als Größe einem f° Prächtigen Baume entsprechend. So lange sie geschlossen sind, bilden sie einen Knopf, .welcher 3 Zoll im Durch messer hat, und die geöffnete Vlnmc hält 6 Zoll im Dnrchmcsftk- Sic hängt an einem langen Stiele, der aus dem Winkel der untern Blätter em,Dringt. Die Blnmcnkronc besteht ans 5 weißen Blumenblättern, ans deren Mitte zahl lose Staubfäden sich erheben und wie eine Manschette sich ausbrciten. Der lange Griffel reicht weit ans der Blume hervor. Die Frucht hat fast die Ge stalt einer Melone; ihre Länge beläuft sich ans V/ a Fuß, und ihre Dicke ans 5—6 Zoll. Die Schale der Frucht ist holzig, 1 / 4 Zoll dick und wollig. Der Boabab ist für die Neger von großem Nutzen. Sie trocknen seine Blätter und inachen ein Pulver davon, welches sie ihren Speisen beimischen. Insbesondere hat die Frucht, wenn sie noch frisch ist, ein angenehmes und erfrischendes Mark, welches seinen säuerlichen Geschmack lange behält, und auch bei getrockneten Früchten noch eßbar ist. Reiche Leute machen das Fleisch der Frucht mit Zucker ein, und benutzen es sowohl als Leckerbissen, lute auch als linderndes Mittel in hitzigen Krankheiten. Bon dem Stamme dieses Baumes machen die Neger einen sonderbaren Gebrauch. Derselbe wird nämlich in seinem Alter durch Fäulniß hohl, und dieser Höhlungen bedienen sich die Neger zu Grabstätten für solche Leute, die sie der Ehre eines gewöhnlichen Begräbnisses für unwürdig halten. Dergleichen Leute sind ihre Dichter, Musiker, Tänzer und Possenreißer, welche ihre Feste anordncn. Im Leben halten sic diese Leute in hohen Ehren, weil man glaubt, sic verständen Zauberei; und weil sic der Meinung sind, der tobte Körper eines Menschen könne die Erde oder das Wasser bezaubern, so hängen sie die Leichen in hohle Boababbäume, und schließen die Ocffnnng zu. Merkwürdig ist cs, daß die Leichen nicht in Fäulniß übergehen, sondern in Mumien verwandelt werden. Der Boabab erreicht ein hohes Alter; denn Adanson, ein berühmter englischer Seefahrer, fand in einem hohlen Baume Inschriften, welche vor 300 Jahren eingeschnitten waren. Adanson. zu Ehren, der 1757 die Westküste Afrika's besuchte und die erste ausführliche Beschreibung dieses Baumes lieferte, hat man diesen Riesenbaum Adansonia genannt. Kugclmalve (Abutilon). Päonienblumige K., A. paeoniaefloAun , ein schöner Strauch aus Bra silien, mit eirunden, zngcspitzten, zartfilzigen Blättern und brennend rosenrothen(521 Blumen, die von Hellern Adern durchzogen sind. Die geaderte K., A. venosum, ist baumartig, 8 — 12 Fuß hoch, hat handförmig gelappte Blätter und dunkel gelbe prächtige Blumen, mit blntrothen Adern geziert. Beide Arten verlangen im Winter 6—10° Wärme. Merlope (Maiopo) ist eine malvenartige, hübsche Sommcrpflanze, die aus dem südlichen Europa stammt, schöne, große Blüthen trägt und von der mehrere Arten als beliebte Zierpflanzen cultivirt werden. Monsonie (Monsonia), eine voin Cap stammende niedrige Perennie, mit prachtvollen, malven-ühnlichen Blumen. Man kennt zwei Arten: behaarte M., M. pilosa und prächtige M., M. speciosa, welche bei 5 — 8° Wärme durchwintert sein wollen. -»-ooooc-t»- 8ieözehnte ZTasse. Pflanzen, deren Staubfäden in zwei Bündel verwachsen sind, oder wo ein Staubfaden frei ist und die übrigen zu einem Bündel verwachsen sind. Meistens Schmetterlingsblüthen. Erste Ordnung. Pflanzen mit sechs Staubbeuteln. Erdrauch (Fumaria), Es gibt mehrere Arten, welche in Deutschland wild wachsen, wovon aber nur der'gebräuchliche Erdrauch, I?. officinalis, wichtig ist. Er wächst häufig ans den Feldern, wird 1 —l'/ 2 Fuß hoch, hat mehrfach zusammengesetzte Blätter »nd kleine, rothc Blumen in cndständigen Trauben. Das obere Kelchblättchen ist gespornt. Das Kraut hat einen bittersalzigcn Geschmack und ist medicinisch. 'Nan gebraucht cs in Unterleibskrankhciten und bei Hautansschlägen. Man färbt nach gelb damit. Lerchensporn (Corydalis). Die Blüthe ist größer, als die des Erdrauchs, hat sonst dieselbe Form; ^ Frucht aber ist schotennrtig. Man findet ihn in den ersten Frühlingstagen622 an Hecken und Waldränden blühen, namentlich 6. bulbosa, mit rothen Blumen, und 6. olavlLutata, mit weißlichen Blüthcn. Erste Art war früher gebräuchlich. Man zieht sie auch wähl als Zierpflanzen in den Gärten. Zweite Krönung. Pflanzen mit acht Staubbeuteln. Krciizbllimc (Polygala). Diese Familie ist nicht zu verwechseln mit den eigentlichen Kreuzblumen, welche wir in der fünfzehnten Klasse beschrieben haben. Die Polygala-Arten sind sehr zahlreich, und enthalten außer hübschen Zierpflanzen auch mehrere offi- cinelle Gewächse. Die gemeinsamen Merkmale sind folgende: Kelch fünfblätterig, wovon zwei Blättchen flügclartig und gefärbt sind; drei bis fünf Kronenblätter, die mit der Basis der Staubfäden Zusammenhängen, zweisamige Kapsel, welche herzförmig oder eiförmig ist. Gemeine Kreuzblume, P. vulgaris, auf Wiesen und Triften, mit dunkelblauen und bläulichen, selten weißen oder rothen Blumen in schlaffen Trauben. Die holzige, nicht sehr starke Wurzel ist mcdicinisch, namentlich in Lungcnkrankheiten. Folgende Arten sollen noch wirksamer sein: große Kreuzblume, P. major, im südlichen Europa, mit fleisch- oder rosen- rothen, ^/« Zoll langen Blumen; bittere Kreuzblume, P. amara, auf Alpen wiesen , mit schönen, blauen Blüthen; Sumpfkreuzblume, P. ulignosa, im mittleren Deutschland, mit weißen, grüngcaderten Blumen. Die wichtigste ist P. senega, welche in Virginien wächst und welche die Senegawurzel liefert, die bei Brustkrankheiten sich als ein vorzügliches Mittel bewährt. Die Indianer halten sic für ein Gegengift wider den Schlangenbiß. Als Zierpflanzen cnltivirt man: die herzblättcrigc Kreuzblume, P. cordifolia, mit schönen, hochpur- purrothcn, kanncnförmig gebarteten Blumen; langblätterige Kreuzblume, P. longifolia, 5 — 6 Fuß hoch, Blumen groß, sehr schön, in Enddoldcntranben, Kelchflügel auswendig hcllroth, dunkelroth geadert, inwendig weiß, mit purpur- rothem Rande, Kronblätter weiß, das.Schiffchen blaßroth und dnnkel-geadert; prächtige Kreuzblume, P. speciosa, mit prachtvollen, violett-purpnrrothen Blumen. Diese Prachtsträuchcr stammen vom Cap und bedürfen im Winter 4—6° Wärme und Heller Standorte. Sie wollen aber wenig begossen sein und verlangen sandige Laub- und Haidecrdc.623 Dritte Drdnung. Pflanzen mit zehn Staubbeuteln (vollkommene Schmettcrlings- blumen, hülsenfrüchtig). Flllgelfrnchtbaum, Besenginster, Pfriemen, Ginster, Hecksame, Hauhechel, Wundklee, Lupine, Bohne, Faselbohnc, Walderbse, Platterbse, Erbse, Wicke, Linse, Bohnenbaum, Robinie, Blasenstranch, Süßholz, Kronwicke, Vogelsuß, Hufeisenklee, Esparsette, Süßklee, Indigo, Geisraute, Berglinse, Spitzfahne, Traganth, Steinklee, Klee, Schotenklee, Spargelerbse, Kuhhornklee, Schneckenklee u. a. m. Der Fliigclfruchtbauin (Ltoroearpus Oraoo) wächst in Japan und bei Batavia, hat ein sehr hartes Holz mit rother Rinde; die Blätter sind gefiedert und die kleinen Blumen gelblich. Der Baum enthält einen rothcn Saft, der, wenn der Baum verwundet wird, herausfließt, zu einer harzigen Masse gerinnt und als Drachenblut in den Handel gebracht wird. Es soll dieses Drachenblut dem wahren Drachenblut, welches der Drachenbaum liefert, vollkommen gleichkoinmcn. Auch das Holz dieses Baumes kommt als rothcs Santelholz im Handel vor, kommt aber dem wahren Santelholze nicht gleich. Verwandt sind der glatte und der wollige Flügelsrncht- banm. Pfriemen (Spartium scoparium), bekannter unter dem Namen Besengießer, großer Ginster, ist ein 2 — 6, oft 8 Fuß hoher Strauch, der häufig an Wegen, ans schlechten Weiden und an Waldründen wächst und sehr bekannt ist. Seine schönen, gelben Blumen werden bon den Bienen besucht und sollen einen wirksamen Thec wider Flechtenauöschlag geben. Auch bereitet mau eine gelbe Farbe (Schüttgelb) aus ihnen. Kraut und Blumen waren früher officincll. Obgleich der Landmann das Reisholz zu benutzen weiß, so mißliebig ist dieser Strauch aus den Weiden. Diese Art wird auch wohl zu dem Geschlecht der Ginster (vsrista) gezählt, von dem cs mehrere Arten bei uns gibt. Der färbende Ginster, G. tinctoria, welcher auf trockenen Hügeln wächst, 2—4 Fuß hoch wird, un- gcflngelte Stengel und kahle Hülsen hat, ist in seinem Kraut und Samen niedi- cinisch. Auch gebraucht man die Blätter und Blüthen zum Gclbfärben, und aus den ersteren bereitet man das Schüttgelb. Fast gleichen Nutzen hat der geslü- gclte Ginster, G. sagittalis, dessen Stengel und Aeste von den herablaufenden Blättern breit geflügelt sind.624 Dic dornige Hauhechel (Onouis spinosa), auch Weiberkrieg genannt, ist ein lästiges Unkraut auf sandigen Weiden, hat rothe, selten weiße Blüthcn und wird 1 — 2 Fuß hoch. Die officincllc Wurzel schmeckt Anfangs süßlich, dann bitterlich herbe. Die Asche der verbrannten Pflanze enthält viel Kali. Ans sandigem Boden durch fast ganz Europa wächst dic kriechende Hauhechel, 0. ropens, welche fast gar keine Dornen hat. Feigbohuc, Lupine (Lupina) bildet eine zahlreiche Familie hübscher Zierpflanzen, von denen einige perennirend sind. Der Kelch ist zweilippig, der Griffel steigt pfriemcuförmig auf, das Schiff chen ist geschnäbclt. Sic stammen meist ans Südcnropa und Nordamerika. Die ansdancrndc L., L. perennis, ans Virginicn, hat zahlreiche Spielarten. Nen nen wir einige davon: Marshallö-L., L. Marshallianus, Vaterland Califor- nten, Blumen weißlich und blau, auch wohl lilla, in langen Trauben; Nvotka- Lnpine, L. nootkatensis, blängrangrüne Blätter, blau-, violett-, gelb- und wcißgcfärbtc Blumen in reichen Trauben; vielblättcrigc L., L. polyphyllus, vom Colnmbiaflnssc, 3—5 Fuß hoch, mit prachtvollen Blüthcntranben in den verschiedensten Farben. Von den einjährigen Arten nennen wir: die weiße L., L. albus, 4—5 Fuß hoch, die goldgelbe L., L. aureus, nur 5 Zoll hoch, mit goldgelben Scidcuhaaren und blauen Blumen; veränderliche L., L. mutabilis , 4—6 Fuß hoch, eine wahre Prachtpflanze mit langen, vielfarbigen Blüthcntranben; Zwcrg-L., L. nana, schöne Zierpflanze ans Californieii u. a. m. Dic Samen der weißen Lupine hat man als ein gutes Kaffee-Surrogat empfohlen. In landwirthschaftlicher Beziehung soll diese Lupine auch eine vorzügliche Gründüngung abgeben. Man hat auch die Bohnen als Nahrungs mittel versucht, allein ihres bitteren Geschmackes wegen empfehlen sie sich dazu schlecht. Bohne (Pliaseolus). Das zahlreiche Geschlecht der Bohnen ist für dic Küche von größter Wich tigkeit, indem dic Früchte frisch, eingemacht und trocken zu Speisen bereitet werden. Man unterscheidet: Stangenbohnen, Krnppbvhnen, türkische Bohnen und Mungo-Bohnen als Hanptarten, dic wieder in viele Spielarten, je »ach der Farbe und Form der Früchte, zerfallen. Dic Samen der Stangen- und Krupp- bohncn werden auch zu medicinischen Zwecken verwandt. Die türkische Bohne hat an ihrer Wurzel kleine Knöllchen, welche, wenn sic an einem frostfrcien Orte überwintert werden, im Frühjahre wieder gepflanzt werden können und in üppigen Ranken hervorsprossen.625 Die Fasclbohne (Doliclws), welche mit der türkischen Bohne die größte Aehnlichkcit hat, wird in der Regel nur als Zierpflanze cultivirt. Sehr hübsche, hell- und dunkel-violette Blüthen- trauben trägt die hoch ranken de v. Lablab , deren Samen schwarz sind. Es gibt einige Arten, welche Samenschalen von 2—3 Fuß Länge tragen. Sie eignen sich zur Bekleidung von Lauben u. s. w. Waldcrbse (Orobus). Die in Deutschland wildwachsenden Arten, die knollige W., 0. tuberosus, und die Frühlings-W., O. voraus, waren früher officinell. Als Zierpflanzen cultivirt man die Sibirische W., 0. lathyro'ides, mit 2 — 3 Fuß hohem Stengel und schönen, blauen Blumen in reichen Trauben. Auch die genannte 0. voraus zieht man in Gärten, und weil sic so zeitig ihre Blüthen hcrvorbringt, so benutzt man sie auch wohl zmn Treiben. Platterbse (Lathyrus). Unter der Saat auf Acckcrn findet man die Ackererbse, L. aphaca, mit liegendem Stengel und gelben Blüthen. Wichtig ist die eßbare P., oder deutsche Kichererbse, L. sativus, mit ovällünglich-geschnäbelten Hülsen. Man ißt die Früchte; auch baut man die Pflanze als gutes Viehfutter an. Als hübsche Zierpflanze cultivirt man: die brcitblätterige P., L. latifolius, mit großen, rothen Blumen, 4 — 8 Fuß hoch, perennirend; Magellanische P., b. Magellanicus, eine hübsche Pcrennie, von der Magcllanischen Meerenge, mit schönen blauen Blumen. Von den einjährigen Arten ist besonders die wohlriechende P., L. odoratus , deren Stengel '4—6 Fuß hoch ranken, sehr schön. Erbse (Pisum). Eine bekannte Hülsenfrucht, welche in ökonomischer Rücksicht sehr wichtig ist. Man unterscheidet im Handel Schal- und Znckererbsen. Von den Schalerbsen werden nur die Früchte, von den Znckererbsen aber die Früchte sammt den Schoten verspcis't. Beide Arten zerfallen in viele Sorten, die sich durch Form und Farbe der Frucht, wie auch durch Größe des Strauches von einander unterscheiden. Die Größe des Strauches steigt von 6 Zoll bis zu 8 Fuß hinauf; so wird die großschotige Bnchsbanmerbsc nur % Fuß hoch, während die grünbleibende Markcrbsc (Nonpareille Knights Marrow) eine Höhe von 8 Fuß erreicht. Vorzügliche Schalerbsen sind: Schnabelerbse, Jmperialerbse, Kapuziner- eebsc, Markcrbsc, grünbleibcnde Capererbse u. s. w. Von den Znckererbsen nen nen wir als empfchlcnswcrthe Sorten: frühe Wyckcr-, Florentiner-, graue Kron- nnd Spargelerbsc. — Das Erbsenmehl wird auch wohl mit andcrm Mehl Bcumer'g NaimgeschichN. 40626 vermischt zu Brod verbacken, wodurch dasselbe aber in der Regel sowohl zu fest, als auch zu unverdaulich wird. Zur Mästung aber ist das Mehl sehr zu empfehlen. Wicke (Vicia) enthalt ebenfalls eine nützliche Pflauzcnfamilic. Die Vogelwickc, V. cracca, wächst auf Wiesen, an Ackerrainen und zwischen dem Klee, wird 2 — 3 Fuß hoch und blüht hellbraun-violett» Die Futterwicke, V. sativa, wird höher, hat hellrothe Blumen und schwarze Samen. Die Acker- oder Saubohne, V. baba, aus dem Orient stammend, hat aufrechte Stengel und schwarz und weiße Blüthcn. Die größeren Arten werden in Garten angepflanzt, und sind unter dem Namen große Bohnen bekannt. Zn empfehlen sind die Windsor-, Mailänder- und Jmpcrialbohne. Die Waldwickc, V. sylvestris, hat wohl riechende, weißlich- und violett-geäderte Blumen. Die meisten Arten sind wichtig als Fntterkräuter; die großen oder dicken Bohnen aber werden verspeist und Blüthc, Samen und Stengel sind officincll. Die Asche der Stengel ist kalihaltig. Linse (Emim), der Wicke sehr ähnlich, die Hülsen sind indessen auf der inner» Seite glatt. Die gemeine Linse, bl. lens, dient als Nahrung und zur Mästung; die be haarte Linse, bl. hirsutum, hingegen ist ein sehr lästiges Unkraut, dessen Sa men höchstens als Bogelfntter dienen. BohlicilbaUM (Cytisus), auch Gcisklce oder Klecbaum genannt, ist ein schöner Zierstrauch. Am häufigsten trifft man den Goldregen, 6. labunmm, der eine Höhe von 10—15 Fuß erreicht und der mit seinen zahlreichen, hängenden, gelben Blüthentranbcn ein prächtiges Aussehen gewährt. Der purpurrothc Bohnenbaum, 0. pur- pureus, wird 1 — 2 Fuß hoch, hat dreizähligc Blätter und zahlreiche pnrpnr- rothc Blumen, welche einzeln stehen. Robinie, unechte Akazie (Robinia), Bäume mit unpaarig gefiederten Blättern und SchmcttcrlingSblnmen in dichten Trauben, Die bekannte gemeine Akazie, R. pseudoacacia, stammt ans Nord amerika, wird aber jetzt bei uns, namentlich auf sandigem Boden, häufig angc- pflanzt. Sic wächst äußerst schnell und liefert ein sehr festes Holz. Von ihren Abarten ist die Kngelaknzie, R. inermis, eine der schönsten, welche eine Zierde für jede Anlage bildet. Sic blüht indessen sehr selten. Sehr schön ist auch die rothblühendc Akazie, R. hispida, welche 5—10 Fuß hoch wird und schöne, große, rosenrothe Blumen hat. In Carolina hat man eine Abart, R. nana, welche kaum 1 Fuß hoch wird. Ans Südcarolina stammt die klebrige Aka-627 zie, R. viscosa, mit fleischfarbigen Blumen in aufrechten Trauben. Der Stamm wird 12 — 16 Fuß hach. Blascnstraiich (Colutea). Der baumartige Bl., 6. arhorescens, wird 5—15 Fuß hoch, hat gefie derte Blätter und gelbe Blüthen. Die Hülsen enthalten viel Luft und zerplatzen, mit kleinem Knall, wenn man sic zerdrückt. Stammt aus Südcuropa, wird aber als Zierstrauch häufig in Anlagen angcpflanzt. Die Blätter wirken purgirend, wie die Scnncsblättcr, und werden in den Apotheken geführt. Der rothe Bl., 0. eruonta, erreicht selten eine Hohe von 4 Fuß, die unpaarig gefiederten Blätter enthalten 7 — 9 Blättchen, und die gelben Blumen haben einen dunkel-orange farbigen Anflug. Die Hülse Ist ebenfalls aufgeblasen und die Samen sind schwarz. Empfchlenswerthcr Zierstrauch. Süßholz (Glycyrrhiza glabra). Diese für die Medicin wichtige Pflanze wird hin und wieder auch in Deutsch land angebant, ihre Hcimath aber ist Spanien und das südliche Frankreich. Die Stengel erreichen eine Höhe von 7 Fuß und die gefiederten Blätter sind bläulich grün. Die Blumen spielen in's Violette. Die sehr lange Wurzel, welche tief in die Erde geht und fingerdick wird, liefert das bekannte Süßholz, aus welchem der Lakrizensaft bereitet wird. In Spanien, in Italien, namentlich in Kalabrien, wird viel Süßholz gezogen und Lakrizensaft bereitet. Kronwicke (Coronilla). Die Blüthen stehen in Dolden, die Hülsen sind rundlich und in walzigc Glieder getrennt. Wir nennen nur die bunte K., 6. varia, welche auf trockenen Triften, Hügeln rc. wächst, purpurröthlichc, gescheckte Blüthen und dünne Gliederhülsen hat. Die ganze Pflanze schmeckt bittcrsalzig und hat narko tische Eigenschaften. Indigopflanze (Indigofera). (Taf. XIX. Fig. 33.) Es gibt wohl zwanzig Arten von Indigopflanzen; man cnltivirt indessen am Meisten I. tinetoria, ein Halbstranch mit violetten Blüthen, und die Anil- hftanze oder Färberindigo, I. anil. Die Anilpflanzc ist eine Stande, welche, wenn sie nicht beschnitten wird, wohl 4—5 Fuß Höhe erreicht. Sic ist in Ostindien zu Hause, wird aber gegenwärtig auch in Wcstindicn häufig an- gcbaut. Die schmcttcrlingsförmigc Blume ist violett gezeichnet, die Pflanzcn- blättcr haben eine bräunlichgrüne Farbe. Der Samen sitzt in bohncnartigen Hülsen. Aus dieser Pflanze wird die bekannte schöne blaue Farbe gewonnen, iuid zwar ans folgende Art. Man schneidet die jungen Blätter ab (dies kann alle 6 — 8 Wochen wiederholt werden), legt sic in Fässer, beschwert sie mit 40*628 Gewicht, gießt Wasser darüber, und laßt sie dann in Fänlniß übergehen. Dies erkennt man an dem Dickwerden des Wassers und an seiner Farbe, die in's Veilchenblaue spielt. Ist dieser Zustand cingetreten, so wird das Wasser ab- geschüttet, danach fleißig bewegt, bis sich die Farbcnthcilchcn absondcm. Hierauf gießt man das Wasser in leinene Säckchen, in welche sich dann der Indigo sammelt. Darauf bringt man diesen in kleine Kästchen, läßt ihn trocknen und bringt ihn so in den Handel. Der Indigo liefert die schönste blaue Farbe, welche weder durch Branntwein, noch durch Salzgeist aufgclös't wird. Lös't man den Indigo durch Salpetergcist oder Scheidcwasscr ans, so wird er gelb. — Der Indigo war den Alten schon bekannt; zu uns aber wurde er erst gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Engländer gebracht. Als während der Fremdherrschaft in Deutschland die Einfuhr fremder Maaren, also auch des In digos, verboten wurde, gab man sich alle Mühe, dieses Färb - Material durch ein anderes zu ersetzen, aber vergeblich. Kleearte». Von den verschiedenen Klceartcn sind für ökonomische Zwecke am wichtigsten: die Esparsette (Onobrychis sativa), der gewöhnliche Wicscnklcc (Trifo lium) mit seinen vielen Abarten, der Schnecken- oder Luzernerklee (Medlcago sativa) und der Steinklee. Von letzterer Art ist in der Mcdicin gebräuchlich: Melilotus officinalis, 2 — 6 Fuß hoch, rundcckig, Blüthentranbcn zahlreich, gelb, Hülse verkehrt-eirund; wächst an Wegen und auf Wiesen. Die Blätter werden auch zur Bereitung des grünen Schweizcrkäscö gebraucht. Der Süßklee (Hcclysarum gyi'ans) hat Ähnlichkeit mit der Esparsette, hat aber eine mehrgliedrige Hülse. Man cnltivirt ihn bei uns als Zierpflanze. Die Blätter dieser Pflanze bewegen sich ans und ab bei einer Wärme von 20". Während des Einschlafens der Pflanzen ist die Bewegung am lebhaftesten. Auch den aus Italien stammenden Kron- Sü ßk lee, II. coi-onai-ia, cnltivirt man seiner hübschen großen, rothen oder weißen Blühen wegen. Traganth (Astragalus), Von den zahlreichen Arten nennen wir (cs gibt über 240 Arten!) den wahren Traganth, A. verus, der in Kleinasien und in Persien wächst, gefie derte Blätter, zweifächerige Hülsen und gelbe Blühen hat. Der Strauch er scheint ganz stachelig und schuppig xutb schwitzt aus der Rinde eine sich wurm- förmig drehende Masse, welche an der Luft verhärtet und als Gummi-Tra ganth in den Handel kommt. Er wird in der Mcdicin als cinhüllcndes Mittel und auch beim Färben gebraucht. Als hiibschc Zierpflanze cnltivirt man die629 Canarienvogelstaude, A. galegiformis, welche ihren Namen von der Farbe und der eigenthümlichen Form der Blumen hat. Sic dauert im Freien aus. Erdmist (Apios tuberosa) stammt aus Nordamerika und hat eßbare Wurzelknollen. Der schlingende Stengel mit gefiederten Blättern eignet sich vorzüglich zur Bekleidung von Lau ben. Die braun-fleischrothen Blumen stehen in kurzen Trauben und haben einen Veilchen - Geruch. 5t0rallcnbaum (Erythrina Crista galli), eine höchst prachtvolle Pflanze aus Brasilien, welche in Gewächshäusern nie fehlen darf. Die Blumentranbe ist über zwei Fuß lang und besteht aus großen, dunkelrothen Schmetterlingsblumen, in denen das Fähnchen zwei Zoll lang ist. Eine sehr schöne Pcrennie ist der krautartige Korallcnbaum, 12. licrbacea, der Stengel wird zwei Fuß hoch, lind die großen, dunkel-scharlachrothen Blumen stehen zu dreien in verlängerten Endtrauben. «HcOOffi»-« Achtzehnte Masse. Pflanzen mit in drei oder mehr Bündel verwachsenen Staubgefäßen. Erste Brdnung. Pflanzen mit einem S t a n b w e g e. Der Citronenbainn (Citrus). Der gemeine Citronenbaum, 6. msäiea, stammt ans dem Morgen lande und aus Italien her, >vo man ihn wild trifft. Er grünt nicht nur das ganze Jahr, sondern man findet auch immer Blüthen und Früchte auf ihm. Die ©traten sind ihres Nutzens wegen sehr bekannt; nian gebraucht sic nicht nur, um manchen Speisen einen besseren Geschmack zu geben, sondern sie werden in der Medicin ebenfalls angewandt. Ans den Schalen preßt man das betäu bende Citronenöl, und die getrockneten Schalen liefern das Citronat. Der Pomcranzcubaum, 0 . aurantium, auch Orange genannt, hat kugelrunde, oben und unten eingedrückte Früchte, welche ebenfalls in vornehmen Haus haltungen, wie auch in Apotheken gebraucht werden. Eine Abart davon ist die Apfelsine.630 Die Cultur der Orangenbäume in Deutschland macht einen besonder« Theil der Kunstgärtnerei ans. Man cnltivirt im Orangeriehause viele Arten, welche sich ans folgende Hauptartcn zurückführen lassen: 1) Citrus auräntium, Pome ranzenbaum mit süßer Frucht; 2) C. borgamina, Bcrgauiottcn - Orange, mittel große, birnenförmige Früchte von angenehmem Wohlgcrnch; 3) C. bigaradio, Pomeranzenbaum mit saurer oder bitterer Frucht; 4) 0 . limetta, Limcttcnbamn, eiförmige säuerliche Frucht; 5) 0 . limonum, Limoncnbanm, länglicheiförmige Frucht mit schmackhaftem, saurem Mark. 6) C. lumia, Lmnienbaum, länglich eirunde, süße Frucht; 7) C. medica, gewöhnlicher Citronenbaum; 8) 0 . poretta, Perettenbanm, biruförmigc, säuerliche Frucht; 9) C. powpelmos, Pompelnins- bamn, große, nicht sehr schmackhafte Frucht. Cajcbiltbamn (Nolaleulla L»)aputi). (Taf. XIX. Fig. 34.) Der ans den Molukken wachsende Cnjcbntbamn erreicht eine mittlere Höhe und der Stamm wird 1'/, Fuß dick. Die weißen Blüthen stehen in Achren und alle Theile des Baumes riechen sehr aromatisch. Ans den Blättern, Zweigen und Blüthen gewinnt man durch Destillation das in der Medicin gebräuchliche Cajebutöl, welches namentlich bei der Cholera sehr wirksam sein soll. Als hüb sche, immergrüne Ziersträucher cnltivirt man in Treibhäusern noch folgende Arten: ringförmiger C., M. anmllaris, 10—12 Fuß hoch, stechende, lineale Blätter und weiße Blüthenröhre; glänzender C., 4—8 Fuß hoch, blangrüne, lincal- lanzettlicheBlätter, große, scharlachrothe Blumen; johanniskrautblätteriger C., N. liypericifolia, 6—10 Fuß hoch, hellgrüne, einrippige Blätter, prächtige, dunkelrothe Blumen, mit sehr langen Staubfäden. Zweite Drdnung. Pflanzen mit 3 — 5 Stanbwegen. Schöllblatt (Colopliyllum). Das große Schönblatt, C. inophyllum, wächst ans Java und Malabar, wird nicht sehr hoch, hat aber einen verhältnißmäßig dicken Stamm. Ans diesem schwitzt ein Harz, welches an der Luft verhärtet,, einen eigenthümlichen Geruch hat und in der Medicin als ostindische Taeamahak gebräuchlich ist. Das Taca- mahak-Schönblatt, C. tacamahaca, wächst auf Madagaskar und Manritinö und liefert den bekannten Maricnbalfam.Bismia (Vismia laccifera). Diese Pflanze, welche in Brasilien wächst, ist strauchartig und 'beerentragend. Das röthlich - gelbe Harz, welches ans der Rinde schwitzt, ist das im Handel vorkommende amerikanische Gummigutt. Hartheu oder Johanniskraut (Hypericum), Das Hartheu bildet eine zahlreiche Familie von Pflanzen, von denen viele in Deutschland lvild ivachsen. Einige Arten enthalten in ihren gelben Blumen- knospen einen dunkel-blutrothen Saft. Zur Zeit des Aberglaubens wurde viel Unfug mit diesen Pflanzen getrieben, indem man behauptete, daß das Kraut, in der Johanniönacht geschnitten, ein Mittel wider böse Geister und Hexen sei. Das Kraut und die Blüthcn von II. xorkoratum sind officinell. Man cultivirt: Pctcrswnrz, II. ascyron, 1—1 ‘/a Fuß hoch, viereckige Stengel, große, gelbe Blumen; großblumiges Johanniskraut, II. calycinum, sehr schöner Halb strauch, die gelben Blumen 2 Zoll Durchmesser; chinesisches I., II. eliinense, Blätter schwarz punktirt, gelbe Blumen in Dvldentranbcn; ncpal'sches I., II. nepalense, buschig, sehr schön, Blumen von goldgelber Farbe über einen Zoll breit. Reimzehnle Misst'. Pflanzen mit fünf Staubbeuteln, die in eine Röhre verwachsen sind. Blüthen ans einem gemeinschaftlichen Frnchtboden. (Zusammengesetzte Blumen. Ooravosltas.) E r st e B r d n u n g. Alle Blüthen sind zwitterlich und fruchtbar. Bocksbart, Schwarzwurzel, Gäusedistel, Sättig oder Salat, Kuorpelsalat, Habichtssalat, Hasenklee, Lötvenzahn, Apargie, Thrinzie, Bitterkraut, Habichtskraut, Pippau, Barkhausie, Ferkelkraut, Lämmersalat, Rainkohl, Cichorie, Klette, Distel, Kratzdistel, Krebsdistcl, Artischocke, Eber wurz, Saflor, Zweizahn, Pestwurz, Wasserdost, Goldhaar, Frauenmünze u. a. m. Scorzoner oder Haselwurz (8cor2vuera). Die in Gärten angepflanzte spanische Haselwurz, 8. Hispanica, wird 2 — 3 Fuß hoch, hat blaßgelbc Blüthen und liefert die als zartes Gemüse be liebte und gesunde Schwarzwurzel, welche auch medicinisch ist. Die niedrige H.,632 8. humilis, hat schwefelgelbe Blumen, wird nur 1 Fuß hoch und hat bittere, mcdiciuische Wurzeln. Aehnlich ist die wilde Haferwurz oder Bocksbart, Ti-agopogcm, mit ihren zahlreichen Arten. Gänstdistcl (Lonekus). Von den wild wachsenden Arten ist die Gemüse-G., 8. oleraeous, am wichtigsten, weil ihre jungen Blätter als Gemüse und Salat verspeis't werden. Als Zierpflanze cultivirt man die taugerische G., 8. tingitanus, ein Soin- mcrgewnchs, das aus Nordafrika stammt, und schöne, gelbe, in der Mitte dunkel-braune Blumen trägt, 1 — 2 Fuß hoch wird und mit jedem Boden vor lieb nimmt. Salat oder Lattig (Laetuca). Der Garten-Salat, L. sativa, ist eine allgemein bekannte und beliebte Pflanze. Man unterscheidet zunächst den Stech- oder Schnittsalat von: soge nannten Kopfsalat. Letzterer hat den meisten Werth und erstercr wird nur dann benutzt, wenn noch kein Kopfsalat vorhanden ist. Sollen sich schöne Köpfe bil den, so dürfen die Pflanzen nicht zil nahe zusammen stehen. Das Durchschießen verursacht den Gärtnern und Hausfrauen nicht selten großen Verdruß; man kann demselben dadurch Vorbeugen, indem man, nachdein sich der Kopf ansgebildct hat, die Wurzel tief unten mit einem langen Messer in der Erde dnrchschncidct. Nach dem Samen unterscheidet man die Sorten mit schwarzem und mit weißem Samen. Die vorzüglichsten Sorten sollen hier, wie sic in den Samenvcrzcichnisscn der Handelsgärtncr Vorkommen, genannt werden: a) Weißer Samen: früher, roth- kantiger, französischer Steinkopf, Montrö, Schivedenzuckerkops, Chrius, Trommcl- kopf, Kaiserkopf, Sanspareil; b) mit schwarzen Samen: Blut-Forellen, Harlcmcr Prahlkopf, brauner Champagner, rothkantiger Mogul, goldgelber Berliner. Die ganze Pflanze enthält einen scharfen Milchsaft, der etwas narkotisch und dein Opimn ähnlich ist. Dieser eingedickte Milchsaft ivird als ein schmerzstillendes, schlafmachcndes Mittel benutzt. — Der giftige Lattig, L. vinosa, kommt mehr im südlichen, als im inittlcren Europa vor, wird 3 — 6 Fuß hoch, ist mit Borsten besetzt und riecht widerlich. Die Blätter sind officinell und haben nar kotische Eigenschaften. Der wilde Lattig, L. scariola, hat gleiche Eigenschaf ten und wird eben so benutzt. Die übrigen Arten sind minder wichtig. Löwenzahn (Leontodon). Von den Löwenzahnarten ist die wichtigste der gemeine Löwenzahn, L. taraxacum, welcher ans Wiesen, an Wegen und auf Triften wächst, gerissene Wnrzelblötter und hohle Blüthenstengel hat. Die Haarkrone ist überaus hübsch geformt. Die jungen Sprossen geben einen sehr gesunden Salat und Wurzel und Blätter sind officinell. Am wirksamsten aber ist der frisch ausgeprcßte633 Milchsaft. Gleiche Eigenschaften hat der ciformblätterige Löwenzahn, L. loevigatus, der ans sonnigen Hügeln wächst und kleiner, als die vorige Art ist. Habichtskraut (Hieracium) wachst überall an Wegen und ans Triften in vielen Arten wild. Wir nennen nur eine Art, welche als hübsche Pcrennic in Blumengärten gezogen wird: Pome ranzen farbiges H., II. aurantiacnm, ans Frankreich und Italien stammend, 2 Fuß hoch, schöne dunkel-gelbe Blumen in Enddoldentranben. Vermehrt sich stark durch seine kriechenden Wurzeln. Pippau (Crepis) sieht der vorigen Art sehr ähnlich, jedoch ist der Kelch eirund. Man cultivirt als hübsche Sommerpflanze den bärtigen P., 6. barbata, aus Italien und Spanien zu uns gebracht, mit schwefelgelben Sternblumen, und den rothen Pippau, 0 . rubra, 1 — 1 V a Fuß hoch, mit rosenrothen, blaßrothen oder weißen Blumen. Cichorie (Cichorium). Die gemeine Cichorie, 6 . intybus, wird jetzt häufig cultivirt; wächst übrigens an Wegen und Ackerländern durch ganz Europa wild. Man benutzt die Blätter als Salat, auch als gesundes Viehfnttcr. Die Wurzeln iverden geröstet und dem Kaffee beigcmischt. Der Saft der frischen Blätter wirkt >vie die Wurzel als kräftig auflösendeö, eröffnendes, auch stärkendes Mittel und wird in Unterleibskrankheiten häufig angewandt. Für die Küche ist wichtig die Endi vie, 0. endivia, deren Blätter eine» wohlschmeckenden und sehr gesunden Salat liefern. Stanimt auö der Levante. Man unterscheidet mehrere Varietäten, mit krausen und schlichten Blättern. Empfchlenswerth sind: die große Batavicr-, feine krause Moos- und breite französische Endivie. Klette (Lappa). Man unterscheidet die filzige K., L. tomentosa, große K., L. major, und die kleine K., I-. minor. Die Wurzel von allen Arten wird in den Apotheken geführt. Ein Thee von Klettwurzeln ist bei der Krätze sehr wirksam. In neuerer Zeit hat man ein Klettwurzelöl zur Beförderung des Haarwuchses empfohlen. Distel (Carduus). Die zahlreichen wild wachsenden Arten sind nicht von besonderer Wichtigkeit, weshalb wir nur die in Gärten cultivirte Marien- oder Milchdistel, 0. Marianus, nennen. Der aufrechte Stengel hat prächtig grün- und weiß-marmorirte634 und gefleckte Blätter und die Blumen sind dunkel-violettroth. Die ganze Pflanze gewährt einen hübschen Anblick. Sie pflanzt sich in der Regel von selbst fort, wo sie einmal angcpflanzt ist. Artischocke (Cynara) ist mit den Distclartcn nahe verwandt, unterscheidet sich aber durch den fleischigen Blüthenboden und durch die fleischigen inner» Hüllblättchcn. Die Garten-Ar tischocke wird 2— 3 Fuß hoch, stammt aus Nordafrika und wird bei uns an gebaut (6. scolymus). Eben so die spanische Artischocke, 6. cardunculus, welche stärker und größer wird, als die vorige Art. Man ißt von der letzten Art nur die Blattriöpen und Wurzeln, weil die Früchte ungenießbar sind. Eberwurz (Carlina). Die echte Eberwurz, 6. acaulis, wächst auf sonnigen Hügeln und Ber gen, vorzüglich auf Kalkboden. Die Frnchtkrone ist einreisig, ästig, die Frucht zottig und die Blüthen lillaroth. Die Wurzel ist officinell, wird aber jetzt nur in der Thierhcilkunde angewandt. Den fleischigen Frnchtboden bereitet man wie Artischocken zu. Saflor (Cartbainus). Der echte Saflor, C. tinctorius, auch falscher Safran genannt, stammt aus Ostindien und Eghpten, und wird in Südenropa angebant, auch in Mitteldeutschland in Gärten gezogen. Die Pflanze wird 3 Fuß hoch, hat glänzend grüne, starre Blätter und schöne safrangelbe Blumen. Die Blüthen geben den als Färbestoff bekannten Saflor, mit welchem man schön roth färbt. Die Früchte sind medicinisch; auch preßt man aus ihnen ein gutes Brennöl. Zweizahn (Bielens). In Gärten cnltivirt man sehr schöne Arten, welche sämmtlich ans Amerika stammen: Großblumiger Zweizahn, B. grandiflora, 3 Fuß hoch, gefiederte Blätter, große, goldgelbe Strahlblmncn; B. lucantlia, zierliche, weiße Strahl blumen; 6 . odorata, wohlriechende, weiße Strahlblmncn und doppelt gefiederte Blätter; B. quadriaristata, große, goldgelbe Blumen und längliche, gezähnte. Blätter. Pestwurz (Cacalia). Pfeilförmige Pestwurz, C. sagittata, schöne Svmmerpflanze ans Ostindien, 2 Fuß hoch, mit dunkel-orangefarbigen Blumen in Enddoldentrauben und pfeil- .förmigen Stcngclblättern. 0. soncliifolia, 1—2 Fuß hoch, mit prächtigen, schar- lachrothen Blumen. 0 . suaveolens, eine hübsche Pcrennie aus Nordamerika, von635 6—10 Fuß Höhe. Die weißen, wohlriechenden Blumen stehen in reichen End- doldentrauben und florircn im Herbste. Wasserdost (Eupatorium). Wir nennen davon nur den gebräuchlichen oder hanfartigen Wasser dost, E. cannubium, welcher auf nassen Stellen, an Bächen u. s. w. wächst, 3 — 6 Fuß hoch wird, unten fünf- und oben dreitheilige Blätter und rothe oder fleischfarbige Blüthen hat. Die ganze Pflanze schmeckt scharf und bitter, purgirt stark und wurde wider die Wasserscheu empfohlen. Kraut und Wurzel sind offi- eiuell. Aeußerlich auf Wunden gelegt, soll die Pflanze sehr heilsam sein. Ageratum (Ageratum conyco'ides), eine auö Südamerika stammende allerliebste Sommerpflanze, von 1—2 Fuß Höhe, glattem Stengel, mit ei- oder rautenförmigen Blättern und zierlichen, in Euddol- deutrauben stehenden Blumen, von graublauer, weißer oder blendend-blauer Farbe. Sie verlangt einen sonnigen Standort und mäßiges Begießen. AlNMobiNM (Ammobium alatum) ist eine schöne Immortelle, welche auö Neuholland stammt und im Freien, mit mäßiger Bedeckung, auödauert. Der 2 — 4 Fuß hohe Stengel ist geflügelt, die Blätter sind liueal-lanzettlich und auf der untern Seite weißfilzig, die Blumen sind goldgelb, mit weißen, rauschenden Kelchstrahlen. Florirt den ganzen Sommer und Herbst. Heiligeilpfloiizc (Santolina), Die Familie dieser Pflanzen bilden Staudeusträucher von zierlichem, buschi gem Wüchse, mit immergrünen Blättern. Die ganze Pflanze hat einen starken, aromatischen Geruch. Die cypressenähnliche Heiligenblume, 8. ahamae- cyparissus, aus Südeuropa, 2—4 Fuß hoch, hat blaßgrüne Blätter und hellgelbe Blumen. Die rosmarinblätterige Heiligenblume, 8. rosmarinifolia, 1 Fuß hoch, hat Blätter, welche unterseits filzig sind, und gelbe Blüthen. Grüne Heiligenblume, 8. viridis, 2—3 Fuß hoch, hat ebenfalls gelbe Blumen, aber grüne, vierreihig gezähnte Blätter. Alle Arten verlangen im Winter eine trockene Bedeckung.636 Zweite Drdnun g. Scheibenblümchen zwittcrlich; Strahlcnblümchen weiblich; alle Blüthen fruchtbar. Rainsarren, Beifuß, Ruhrkraut, SprcuLlume, Immortelle, Berufskraut, Huflattig, Wasserklette, Kreuzkraut, Aster, Goldruthe, Ascheupflanze, Alaut, Wohlverleih, Gemswurz, Maasliebe, Georgine, SammetLlume, Zinnie, Wucherblume, Bertramswurzel, Kamille, Anthcmis, Schafgarbe u. a. m. Rainfarrcil (ranaootum). Der gemeine R., 1'. vulgaro, welcher an Ackerrainen, an Gräben u. f. w. wächst, 2 — 3 Fuß hoch wird, gelbe Blümchen und knrzgestielte, doppelt oder einfach fiedcrfpaltigc Blätter hat, riecht in allen seinen Theilen stark aromatisch und loird in der Medicin, namentlich in Wnrmkrankheiten angewandt. Eine Varietät mit gekräuselten Blättern zieht man wohl in Gärten. Auch das Balsamkraut, T. balsamita, wird seines melissenartigen Geruches wegen angepflanzt. Bcifuß oder Wermnth f^rtomlsia). Die Gattung dieser Pflanzen umfaßt mehr denn 130 Arten meist krautarti ger Gewächse, welche fast über die ganze Erde verbreitet, und von denen viele sehr nützlich sind. Der gemeine Wermnth, A. absintMum, perennirend, 3 — 4 Fuß hoch, granfilzig, zahlreiche gelbe Blüthen und einseitige Trauben; ein lvichtigcö Arzneimittel. Man bereitet auch durch Aufguß einen magcnstärken- dcn, bitter» Liqucnr, eine Tinctur u. s. w. Stabwnrz oder Eberraute, A. abrotarum, 3 Fuß hoch, angenehm duftend, häufig in Gärten cnltivirt. Der gemeine Bei fuß, A. vulgaris, mit röthlichcm Stengel und rvthlichcn Schciben- blümchcn, ist sehr gemein an Wegen, Hecken und Zäunen. Kraut und Wurzeln sind officincll; letztere namentlich wider die Epilepsie angewandt. Estragon, A. dracunculus, in der Berberei und Sibirien hciinisch, ist ein sehr beliebtes Küchenkraut, welches als Beigabe zum Salat oder zur Bereitung eines Kräutcr- Essigs benutzt wird. Das Kraut riecht sehr angenehm aromatisch. Der Feld- Bei fuß, A. campestris, 2 — 3 Fuß hoch, wächst an Ackerrainen, wird auch rother Wermnth genannt und war sonst ebenfalls officincll. Verschiedene Arten, z. B. A. glomerata, A. valiana, liefern den bekannten Wurmsamen. Nuhrkroilt (Gnaphalium). Die zahlreichen Arten dcS Ruhrkrautes sind sämmtlich mit einem weißen Filz überzogen. Man cnltivirt das Sand ruhrkrank, auch Katzenpfötchen037 genannt, G. arenarium, 1 — 1 1 / 2 Fuß hoch, weißfilzig, Kelch citronengelb, an den Spitzen roth; Perlcnrnhrkrant, G. margaritaoonm, mit schneeweißen Kclch- schnppcn. Beide Arten sind schöne Immortellen, müssen aber alle zwei Jahre, ihrer wuchernden Wurzel wegen, angcpflanzt werden. Papier- oder Strohblume (Xeranthemum anmram), in Italien und Frankreich wild wachsende Immortelle, 2—4 Fnß hoch, zwei sitzige Blätter, weiße, rothc oder violette Blumen mit glänzenden Kelchschuppen. Die wahre Immortelle oder Strohblume, Heliclirysumbracteatum, stammt aus Neuholland, wird 4—5 Fnß hoch, ist sehr ästig und trägt rauschende, goldgelbe Blumen. Die großblühende Immortelle, II. macranthum, wird 2 bis 3 Fuß hoch. Die Kclchschuppcu der großen, prachtvollen Bluinen sind glän zend schneeweiß. Hilflattig (Tussilago). Der gemeine Huflattig, T. farfara, wächst an feuchten, unbebauten Orten, namentlich auf Kalkboden. Die Blüthcnstcngel mit den gelben Blumen erscheinen schon im März; die Blätter erst später. Wurzel, Blätter und Blüthen sind vfficinell. Die mit Zucker zerstoßenen Blüthen wirken sehr heilsam wider den Keuchhusten. Zn dieser Art zählte man früher die an Bcrgwasscrn wachsende Wasserklettc oder Pestwurz, iCotasites, die fußlange Blätter hat. Kreuzkraut (Sennecio). Das gemeine Kr., 8.vulgaris, und das Jakobs-Kr., 8. Jacobaea, wa ren sonst officinell, haben jetzt aber keinen bcsondern Werth mehr. Cultivirt wird das schöne Kr., 8. clegans, mit schönen purpurrothen, weißen oder lillafarbigen Blumen, in reichen Doldentraubcn. Die Schcibenblümchcn sind gelb. Der Sten gel erreicht eine Höhe von 2—3 Fuß und die Blätter sind halbgefiedcrt. Stammt boin Cap. Sie verlangen sonnige Standorte und reiches Begießen. Die gefüll ten Arten Pflanzt man wohl in Töpfe. Aster oder Stcrubluiue (Aster), eilte beliebte und dankbare Herbstblume, die in keinem Blumengarten fehlen darf. Man unterscheidet folgende Arten: a) Einjährige Astern, A. Chinensis, dazu gehören dieRöhrastcrn, Kugel- astcru, Pyramidenaster» und Zwcrgastern. k>) Pcrcnnircndc Astern, A. alpinus, sehr schön, 4 — 8 Zoll hoch, hell blau gestrahlte Blumen mit gelber Scheibe; — A. grandiflorus, aus Nord amerika, 4—8 Fnß hoch, große violcttblauc Blumen, florircn im Oktober und November; A. novae-angliae , 0 — 10 Fuß hoch, große, wohlriechendeBlume mit purpurviolettem Strahl und goldgelber Scheibe; A. novi-belgii, 4—5 Fuß hoch, zahlreiche, röthlichc Blumen; A. panieeus, braune Aster, mit 4—6 Fuß hohem, braunem Stengel und purpur-violett-gestrahlten Blu men; A. rubricaulus , mit rothcm Stengel von 2— 4 Fuß Höhe und violett-blauen Blumen; A. spectabilis, 2—3 Fuß hoch und schon. Blumen mit blauem Strahl. Alle Asterarteu verlangen eine sonnige Lage und mäßig- scttcn Boden. Die pcrennirendcn Arten aber müssen alle 2—3 Jahre verpflanzt werden, wenn sic reichlich und schon blühen sollen. GvldkNthe (Loliäaxo) hat mehrere Arten, welche früher als heilkräftig angesehen waren; wir nennen indessen nur die, welche als Zicrstaudcn jetzt angepslanzt werden. Höchste Gold ruthe, 8. altissima, 3 — 8 Fuß hoch, fiederncrvigc Blätter und gelbe Blumen in langen Rispen; zweifarbige G., 8. bieolor, 4—7 Fuß hoch, mit weißen Strahlblüthen in kurzen Trauben; canadischc G., 8. Oauaäensis, 6—8 Fuß hoch, dreifach gerippte Blätter, gelbe Blumen in einseitigen Trauben. Diese Pflanze soll wider den Biß der Klapperschlange heilsam sein, darum wird sie von den Indianern Klappcrschlangcnkrant genannt. Es gibt noch viele Arten, welche sich alle zu Zierpflanzen in größer» Anlagen eignen. Sonnige Standörter und etwas feuchter Boden sind zum freudigen Gedeihen erforderlich. Aschenpflaiize (Cineraria). Der einfache Kelch hat keine besondere Hülle, ist walzenrund und besteht nur ans einer Reihe von Blättchen. Wild wachsend trifft man die Sumpfaschcn- pflanzc, 6. palustris, eine stark behaarte Pflanze, mit zottigem Kelch und gelben Blümchen. Als beliebte Zierpflanze cultivirt man folgende Arten: B lu tr oth c A., 0. cruenta, 1 Fuß hoch, Blätter herzförmig, eckig gezeichnet und auf der Unter seite purpurfarbig, Blumen purpurroth, wohlriechend, doldentraubig; Bastard-A., 6. hybrida, hübscher Strauch, mit filzigen Zweigen, filzigen, immergrünen Blät tern und schönen Blumen in verschiedenen Farben; wollige Al, 6. lanata, 2 bis 3 Fuß hoher Strauch, Blätter wcißwollig, große, gestrahlte, purpurrothe Blumen mit brauner Scheibe; Meerstrands-A., 6. maritima, 3—5 Fuß hoch, weißfilzig, gelbgcstrahltcBlumen; pappclblätterigc A>, 6. populikolia, schnce- weißfilzig, schön violctt-purpurrothe Blumen. Alle Arten verlangen viel Licht und im Winter 4—G° Wärme. Die Cinnerarien gehören gegenwärtig zu den belieb ten Modcpflanzcn und die Kunst erzeugt immer neue Sorten. Alant (Inula). Von den vielen wild wachsenden Arten nennen wir nur den wahren Alant, 1. Ilelenium, auch Hclencnkraut genannt, der eine dicke, fast gerunzelte Wurzel hat, 3—5 Fuß hohe Stengel treibt und dessen Blätter unterseits graufilzig, die639 Blüthcn aber goldgelb sind. Man findet ihn im südl. Deutschland wild, jedoch hin und wieder in Bauerngärten angcpflanzt. Er wird bei der Krätze und Raute der Schafe und Pferde angewandt. Auch bereitet man über ihn den soge nannten Alantwein; er enthält einen Färbcstoff und wird als officincll in den Apotheken geführt. Berg-Wohlverleih (Arniea montäna). Nur diese eine Art führen wir an, weil sic für die Arzneikunde höchst wich tig ist. Das Körbchen ist groß, mit dunkel-goldgelben Blumen. Der Blüthc- bodcn ist nackt und die Frucht ungeschnabelt. Die Wurzelblätter stehen roscttcn- artig, die Stengelblätter viel kleiner und entfernt. Man trifft diese Pflanze auf Gcbirgswiescn, namentlich auf den Alpen. Wurzel, Blätter und Blüthcn sind medicinisch und werden zu den wichtigsten Pflanzen-Arzneien gerechnet. Die Arnica aber hat oft, in größer» Gaben gegeben, bedenkliche Zufälle erregt. Einige Mediciner schreiben dies indessen der Wirkung der unter den Blüthcn vorkommcn- dcn Puppen oder Larven einer Fliege (atüorix muculatus mig.) zu. Eine Ab kochung dieser Pflanze wirkt auf Quetschungen sehr vortheilhaft. Maasliebe (Bellis perennis), auch Gänseblümchen, Marienblümchcn genannt, wächst überall auf Weiden und Grasplätzen und war früher officincll. Man cultivirt eine gefüllte Art mit rührigen Blümchen, oder auch mit Strahlblümchcn. Manche Arten haben sogar noch hübsche Nebenblümchen. Will man die Sorten recht rein erhalten, so muß u>an nicht die verschiedenen Farben bei einander pflanzen, auch alle Frühjahre die Pflanze verlegen. Durch Samen erhält man oft hübsche Bastardformcn. Ein dichter, aber feuchter Boden sagt ihnen am meisten zu. Georgine (Georgina), Dahlie (Dalilia). Diese über alle Erdtheile als Zierpflanze verbreitete hübsche Blume stammt aus Mexiko. Im Jahre 1790 brachte sic der Botaniker Cav anillcs nach Eu ropa. Die Kunstgärtnerei betrieb die Befruchtung der einzelnen Arten mit lebhaf testem Eifer und erzeugte so die unzähligen Spielarten dieser leicht zu ziehenden schönen Pflanze. Durch Samen werden stets neue Sorten erzeugt, und man soll ^crcn jetzt über 2000 zählen. Durch Wnrzclthcilung und durch Stecklinge werden die Sorten rein erhalten. Die Georginen variiren sowohl im Ban und der Garbe der Blumen, als auch in der Höhe der Stengel. Es gibt Zwcrgartcn von \ Fuß, und hohe Sorten von 6—8 Fuß. In Rücksicht aus Farbe der Blumen fiudct die größte Verschiedenheit statt; nur die reine blaue Farbe ist nicht vorhanden. Nach der Form der Blumen unterscheidet man sic in regelmäßige 'Uid unregelmäßige, in slachblumigc, ancmoncnblumige, kugclblumigc und röhren- blnmige Georginen. Georginen mit doppelt in einander geschobenen Röhrenblümchen640 kommen selten vor. Blumenkenner machen folgende Anforderung an eine gute Georgine: die Pflanze muß regelmäßig gcüstelt sein und reichliche Blumen ans nicht zu langen Stielen tragen. Die Form der Blumen muß im äußern Umriß vollkommen und ohne irgend eine durch mangelhafte Entwicklung der Blümchen entstandene Unterbrechung kreisrund, von der Seite angesehen vollkommen halbkugelig sein und die Blümchen müssen eine regelmäßige Gestalt haben. Es darf kein Thcil der gelben Scheibe sichtbar sein. Die Farbe der Blumen muß bestimmt und rein sein, und bei den mehrfarbigen Blumen müssen sich die Farben deutlich scheiden. Einzelne Arten zu nennen, erlaubt hier nicht der Raum. Sammetblume (Tagetes), auch Afrikane genannt, ist eine Soinmcrpflanzc, die man häufig in Gärten findet. Die Strahlblnmcn sind in der Regel breit und der Geruch ist sehr uit* angenehm. Die gemeine S., T. patula, 3 Fuß hoch, ficderspaltige Blätter und Blumen vom Blaßgclbcn bis zum Brauncarmoisinrothcn. Aus Mexiko. Auch die aufrechte S., T, erecta, stammt dort her und hat größere Blumen, als die erste Art. Die gezeichnete Sammctblume, T. signata, hat kleine, schöne Blumen in safrangelber Farbe; die fünf Strahlblümchcn sind am Grunde braun gezeichnet. Zinnie (Zinnia), ebenfalls eine aus Mexiko stammende schöne Sommcrpflanze, von 3—4 F. Höhe. Die ungcsticlten Blätter sitzen paarig abwechselnd gegenüber, die schönen Blumen sind groß und von den verschiedensten Farben. Man cultivirt Z. elegang, Z. hybrida, Z. multiflora u. a. m. Ncrtramswiirzcl (Pyretrum) ist eine officinelle Pflanze, welche häufig vorkommt. Linus nannte sic Ma- tricaria parthenium. Die Blätter sind doppelt-fiedcrspaltig, die Schcibenköpf- chcn stehen in Doldentranbcn und sind von weißen Strahlblümchcn umgeben. Die geruchlose Bertramswurzcl oder wilde Kamille ist nicht damit zu ver wechseln. Kamille oder Mntterlraut (Matrioana) hat viele Achnlichkcit mit der vorigen Art; jedoch ist bei dieser der Blüthenboden kugelförmig und die Blumenkronc in der Scheibe stielrnndlich. Daö echte Mnt- terkraut, M. chamomilla, liefert die in der Mcdicin gebräuchliche Kamille, ein bekanntes und wichtiges Heilmittel.641 Dic römische Kamille (Amnomis noMUs), deren Blüthen ebenfalls ofsicincll sind, hat einen wcichhaarigen, aufsteigendcn Sten gel, graugrüne, sitzende Blätter, citroncngclbe- Scheibenblümchen und weiße Strahl blümchen mit drei stumpfen Zähnen. Dic Blüthen sind bitter und erregen leicht Erbrechen. Hierher gehört auch die stinkende oder Hundskamille, A.cotula, welche häufig auf Acckcrn wächst, und die Färber-Kamille, A. tinctom, mit der man dauernd gelb färbt. Schafgarbe (Achiilea). Dic gemeine Schafgarb e, A. inillskolium, welche auf Aeckern und an Wegen durch ganz Deutschland wächst, fünfzähnigc Scheibenblümchcn und kreuz- bandförmige Strahlblümchen hat, liefert in ihren Blüthen und Blättern heil same Arzneimittel. Auch die übrigen Arten sind ofsicincll. Man cultivirt auch einige Arten als Zierpflanzen. Dritte D r d n u n g. Die Scheibenblümchen find zwitterlich, dic Strahlblümchen enthalten gar keine Befruchtungswerkzeuge oder nur vcrküm inerte. Sonnenblume, Schönauge, Corcvpsis, Kornblume, Schmuckblume, Gaillardie, Gazonie, Zongea. Sonnenblume (Helianthus), auch Sonnenrose genannt, weil sie dem Lauf der Sonne folgt. Man zieht in Gärten: die gemeine S., 41. ammus, 6 — 15 Fuß hoch, bräunliche Scheibeu- nnd gelbeStrahlblumcn. Dic Samen liefern ein schönes, süßesOel. Knollige S., auch Erdbirnc, H. tudoroans, 8—12 Fuß hoch, knollige Wurzeln, welche, lvic Kartoffeln zubereitet, gegessen werden können, schmecken aber weniger gut. Als Viehfutter verdienen sie um so mehr berücksichtigt zu werden, da sie mit dem schlechtesten Boden vorlicb nehmen und sich sehr stark vermehren. Perennircnd sind: die höchste S., II. altissimus, 14 Fuß hoch, oft gefüllte Blumen; Nicscn- S., H. gigantous, 16 Fuß hoch, prangt mit großen, gelben Blumen; viel- blumige S., H. multlllorus, 4—6 Fuß hoch, mit zahlreichen, aber nur 2 bis 3 Zoll breiten, gelben Blumen. SchöllaUge (Galliopsis), auch Schöngcsicht genannt, enthält schöne Zierpflanzen. Perennircnd ist At ki li la u's Sch., 6. Atlliusomana, ans Nordamerika, mit zahlreichen gelben, oft Deumer's Naturgeschichte. 41braungefleckten Blumen. Sommerblumen sind: 6. dioolor und 0. ärummonäl. Beide Arten haben schöne Blumen mit schwarzrothen Scheiben und gelben Strah len. Die Blätter sind theils gefiedert, theils dreitheilig. — Biele Aehnlichkeit hat mit dieser Art die Wanzenblume, varoopsis, welche als hübsche Pereunie zur Verschönerung der Gruppen in ihren vielen Varietäten angcpslanzt wird. Kornblume (voutauroa), auch Flockenblume genannt, enthält mehrere Arten. Am bekanntesten ist die blaue Kornblume, 6. cyanus, die für den Landmann ein höchst lästiges Un kraut ist. Die blauen Strahlblümchcn werden als Zusatz zu Räncherpulvcr ge braucht. Als Zierblumen cnltivirt man: die amerikanische F., 6. amorloana, mit lillafarbigcn Blumen von 3-—4 Zoll Durchmesser; großköpfigc F., 6. maoroeöxüala, die schönste Art, mit goldgelben, unförmlich dicken Blnmenköpfen, ist pcrcnnirend; die Berg-F., 6. montana, mit himmelblauen, in der Mitte pnr- pnrröthlichen Blumen. SchMUckblUNlt (Oosmos), eine hübsche Sommcrpflanze aus Mexiko, 3—5 Fuß hoch, mit ästigen Stengeln und großen, rosen- oder Purpurrothen Sternblumen. Die Blätter sind doppelt gefiedert und die einzelnen Blättchen fast pfriemförmig. Sonnige Lage, aber nicht zu fetten Boden. Gaillardic (Gaiiiaräia). Die Gaillardien sind sehr hübsche Pflanzen, welche sämmtlich ans Nord amerika stammen. Die hübsche G., 6. pulchella, l'/a — 3 Fuß hoch, hat schöne, zwei Zoll breite Blumen, mit gelben, am Grunde roth-gefleckten Strahlen- nnd schwarzen Scheibcnblümchcn. Die gemalte G., G. picta, hat fast dieselbe Zeichnung. Beide Arten erhielten 1848 einige Bedeutung als „deutsche Co- cardenblnmen", weil ihr dreifaches Farbcnspicl dem „Schwarz-Noth- Gold" entsprach. Gazailie (Guzania), immergrüne Staudensträncher vom Cap, mit prachtvollen Sternblumen, die sich nur im Sonnenschein entwickeln. Sic verlangen im Winter 3—5" Wärme, viel Luft, aber wenig Wasser. Die Pfaucn-G., 0 . pavonia, fcnerpomcranzenfarbige Blumen mit schwarzem Grunde; steif blätterige G., (1. rigens, einblumige Blüthcnstielc, Blumen sehr groß und prächtig, orangefarbig, mit schwarzem Grunde und hellgeflcckten Strahlblüm'chen.41 * 643 Goldgelbe Zocgca (Zoegea leptaurea). Diese Pflanze, welche sich besonders zur hübschen Einfassung eignet, stammt ans Syrien. Der Stengel wird 8—12 Zoll hoch, die Blätter sind halbgefiedcrt und die zierlichen Blumen sind feuerfarbig-gvldgelb. Sie verlangt eine Pflege wie die Zinnien. Vierte D r d n u n g. Schcibenblümchen zwitterlich, unfruchtbar; Strahlenbliimchen weiblich, fruchtbar. R i II g c l b l II »l c (Calendula). Die gemeine Ringelblume, auch Goldblume genannt, 6. officinalis, hat medicinische Kräfte; sic enthält einen bitten: Extractivstoff, Calendin. In Westeuropa wächst sic wild, bei uns aber zieht man sie in Gärten, einfach und gefüllt. Schöne Sphciiogylic (Sphenogyne speeiosa), aus Südamerika, hat Blüthcu, welche der Gaillardia picta sehr ähnlich sehen. Der Stengel ivird aber nur 1 Fuß hoch, und die Blätter sind fleischig und fie derförmig gcthcilt. Fünfte B r d n u n g. Jedes Blüthchen hat einen besonder:: Kelch. Kugeldistel (Uolimops). Die gemeine Kugeldistel, E. sphaerocephalus, welche im siidl. Europa wild wächst, wird bei uns cultivirt. Sic wird 6 —10 Fuß hoch, hat halbfiedcrige Blätter und große, etwas wohlriechende Blumenköpfe. Die glattblntterige K., E. ritro, hat hellblaue Blumentöpfe und die niedrige K., E. lmmilis, hat schöne, blaue, kugelrunde Köpfe und feindornige, filzige Blätter.644 Zwanzigste Miste. Pflanzen, in denen die Staubgefäße mit dem Pistill über dem Fruchtknoten verwachsen sind. Erste B r d n n n g. Mit einem Staubbeutel. Orchis oder Ragwurz (Orchis), auch Knabenkraut und Händleinwurz genannt. Die Blüthcnkrone ist sechsblätterig, das untere Blatt bildet eine Lippe, die oberen Blättchen bilden einen Helm oder eine Oberlippe. Es gibt sehr viele Arten, mit meistens schönen Blumen. Ge meine O., 0. morio, 1 Fuß hoch, lockere Blnmcnähre, purpnrrothe Blumen. Die fleischigen Wurzclknollen liefern den in der Mcdicin gebräuchlichen Salcp. Breitblätterige O., 0. latifolia, hellgrüne Blätter, roscnrothc Blumen, auf nassen Wiesen. Gefleckte O., 0. maoulata, 2 Fuß hoch, gefleckte Blätter, bunt bemalte, lillafarbige Blumen. Salcp -O., 0. mascula, violcttrothe Blüthcn, ans Wiesen und Triften. LllftblUMe (4Lr!äcs), Schmarotzerpflanzen Asiens, welche ans Bäumen leben, meistens sehr schöne Blu men Hervorbringen und deshalb in Europa als seltene Schmuckpflanzen gezogen wer den. Mehrere Arten gedeihen und blühen, wenn sic frei im Zimmer aufgehangen werden. Eine warme, feuchte Luft ist indessen ihrem üppigen Gedeihen sehr för derlich. Eine sehr schöne Art ist die ab ge stutzte Luftblum c, A. retustum, mit weißem, hartem Wurzelstock. Die zahlreichen, fleischigen, nervenlosen Blätter sind glänzendgrün, aus ihrer Mitte steigen 10—12 Blüthcnschäftc mit zahlreichen Blüthentrauben. Die großen, angenehm duftenden Blumen sind weiß und zierlich roth und blau bemalt. In der Mitte der Blume steht ein Säulchen, daö einem bnutgescheckten Vogel ähnlich sieht. OphryS (Oplirys), auch bisweilen Ragwurz genannt, hat einenngcspornteLippe. Im südl. Europa wächst die fliegenartige O., 0. myockes, 1 % Fuß hoch, mit schwarz-purpurrother Blume, die einer hängenden Fliege ähnelt. Die Linicn-O., 0. aranifera, mit braungrauer, am Rande gelblicher Lippe, die mit zwei blaß-flcischrothen Linien gezeichnet ist.645 Vanille (Vanilla aromatica). (Taf. XIX. Fig. 36.) Zu beit merkwürdigsten Schmarotzerpflanzen gehört die Vanille, welchd ausschließlich den amerikanischen Tropen eigen ist und sich durch ihre großen, Weißen, wohlriechenden Blumen, wie durch das edle Aroma ihrer schotcnartigen Fruchte anszcichnet. Sie rankt an den höchsten Bäumen hinauf, und mit den fei nen WUrzelchcn, die sich an den Knoten des Stengels befinden, sangt sic sich in die Rinde ein. Die Pflanzenblätter sind eirund, die Blnthcn gelblich mit weiß vermischt, und die Früchte bestehen in schwarzbrannen Schoten, in welchen viele kleine, glänzendschwarzc Samenkörner von überaus angenehmem, balsamischem Ge ruch liegen. Sobald die Schoten anfangcn gelb zu werden, nimmt man sic ab, trocknet sic an der Luft, bestreicht sic einige Male mit Kakaoöl, damit die gcwürz- haftcn Thcilc nicht verdunsten, trocknet sic wieder, wickelt sic endlich in Rohrblät- tcr und packt sic in dünn geschlagenes Zinn ein. So werden sie nach Europa versandt, wo sic als ein sehr feines Gewürz thcncr bezahlt werden. In Ostindien gibt cs eine Vanillenart, deren große schneeweiße, überaus lieblich duftende Blu men nur von Prinzessinnen als Schmuck getragen werden dürfen. Man gebraucht die Vanille, mit die Chocolndc damit zu würzen; sie wird aber von den Spaniern auch unter den Tabak gemischt. Da sic sehr erhitzend wirkt, so darf man sic nur höchst mäßig genießen. Bei überreifen Schoten tröpfelt ein öliges Mark aus den selben, welches für einen köstlichen Balsam gehalten wird. Z w e i te Br d nun g. Mit zwei Staubbeuteln. Franenschnh (Cypripediura), ;Taf. XIX. Fig. 37.) auch Vcnnsschuh genannt, sind schöne percnnircnde Pflanzen ans der Familie der Orchideen. Die vicrblätterigc Blume gewinnt durch die banchig-anfgcblasenc Nek tarlippe ein cigenthümliches Ansehen. Gemeiner F., 6. calceolus, kommt auch in einigen Gegenden Deutschlands wild vor. Der fußhohe Stengel ist rund »nd einfach, die schnhförmigc Lippe ist gelb mit rothcr Zeichnung. Man ver mehrt sic durch Samen und Wnrzclthcilnng. Man cnltivirt ferner 0: insigne und C. spcctabilc. Letztere Art stammt ans Canada und hat große, lebhaft ge zeichnete Blumen.646 Dritte Drdnung. M i t sechs Staubgefäßen. Osterluzey (Aristoloodia). (Taf. XlX. Fig. 35.) Es sind meistens schöne Klcttersträucher mit sonderbar geformten Blumen. Die gemeine O., A, clematitis, hat einen aufrechten, kahlen, lebhaft grünen, 2—3 Fuß hohen Stengel, fast kreisrunde Blatter und grüngelbe Blüthenhülle. Die Wurzel wird in der Thicrarzneikunde angewandt, namentlich bei bösartigen Geschwüren. Die großblätterige O., A. sipho, ist eine hohe Kletterpflanze mit sehr großen Blättern und eignet sich deshalb besonders zu Lauben. Die Blüthen sind wie Ulmer Pfeifcnköpfchcn gestaltet. Es gibt noch mehrere Arten, welche bei uns aber nur in einem Warmhause gedeihen; z. B. A. gigantea, mit 10 Zoll langen, schön gefärbten Blüthen; A. gigas, bringt eine 12 Zoll im Durchmesser haltende Blüthc hervor, die einem Elephantenohr ähnlich sicht. Eine der merkwürdigsten Pflanzen, welche noch in diese Klasse gehört, ist jene Riesenpslanze, die in der tropischen Inselwelt Asiens ihre Heimath hat, nämlich die Rasflesic (Rafflesia Arnoldii), Der engl. Gouverneur Sir Stamford Rafflcs und sein Freund Dr. Arnold entdeckten diese Pflanze 1818 ans der Insel Sumatra. Sir Stamford schreibt darüber an einen Freund: „Es ist eine riesige Blume, von der ich durch aus keine genaue Beschreibung geben kann. Sie ist vielleicht die größte und prächtigste Blume der Welt und so verschieden von jeder andern, daß ich wirklich nicht weiß, womit ich sie vergleichen soll. Ihre Größe wird dich in Erstaunen setzen: sic maß im Durchmesser mehr als 3 Fuß; das Honiggcfüß (Nectarium) war 9 Zoll weit und so tief, daß cs wohl anderthalb Kannen Wasser fassen konnte. Daö Gewicht der ganzen Blüthc, welche die Eingeborenen Patienan Sikinlili, d. h. des Teufels Bctclbiichse, nennen — betrug 15 Pfund." Die Rafflcsie ist eine Schmarotzerpflanze, welche an den Stämmen der Cissusbänmc anzutreffen ist, und Staubfäden hat, welche an der Basis IV« Zoll dick sind. Blätter und Blüthcnsticle sind gar nicht vorhanden. Sic ist wirklich ein Wunder der Pflanzenwelt.647 Emimdzwanzigfle ZLtasse. Halbgetrennte Geschlechter. Männliche und weibliche Blnthen getrennt, aber ans demselben Stamm. Erjte B rdn un g. Mit einem Staubgefäße. Der Brodbamn (^rtoesrxus iuois».). Der Brodbamn ist ein sehr wohlthätigcs Geschenk für diejenigen Länder, in welchen unsere gemeinen Getreidearten wegen zu großer Hitze nicht wohl fort- kommen. Er wächst theils in Ostindien, thcils und vorzüglich auf den Inseln der Südscc. Er wird ungefähr so groß wie eine mittelmäßige Eiche; die Blätter sind anderthalb Fuß lang und enthalten einen milchigtcn Saft. Die Frucht ist länglichrund, fast von der Gestalt einer Melone. Die samcntragende soll zuwei len hundert, gemeiniglich aber nur 20 bis 30 Pfund wiegen; die ohne Samen erreicht höchstens nur die Größe eines Mcuschenkopfs. Unter der rauhen, grünen Rinde derselben befindet sich ein weißes, schwammigtes Fleisch, so locker wie neu gebackenes Brod. Die völlig reife Frucht sieht gelb aus und enthält einen wi drig süßen Brei, der aber selten und nur mit Vorsicht genossen wird, weil er ungesund sein soll. Gewöhnlich nimmt man die Frucht vor der Reife ab, schneidet sie geschält oder ungeschält in 3 — 4 Thcile, wickelt sie in Blätter und röstet sic ans heißen Steinen; denn ungerüstet kann sic nicht gegessen werden. Nach dieser Zubereitung schmeckt sic wie Weizenbrod, worunter etwas Kartoffelmehl gemischt ist. Man bereitet sie aber auch noch ans eine andere Art zu. Die nicht völlig reifen Früchte werden abgenommen und aufgeschüttet, damit sic Nachreifen. Sodann wirft man das von der Rinde und von dem Fruchtkern abgesonderte Fleisch in tiefe gepflasterte Gruben, bedeckt cs mit Blättern und Steinen und läßt cs gäh- ren. Von diesem gegohrnen oder dnrchsäucrtcn Teige bildet man kleine Brode, wickelt sic in Blätter, und bäckt sie auf heißen Steinen. So hält es sich länger, als wenn cs nngcgohren geröstet wird, daher cs die Tahciter auf weiten Reisen uiit sich nehmen. Der Brodbamn läßt sich in heißen Ländern sehr leicht fort- Pflanzcn. Drei Bäume ernähren einen Mann beinahe ein ganzes Jahr, und zehn derselben sind für eine nicht allzu zahlreiche Familie hinreichend. Das Holz ist weich und gelblich und wird zwar zu allerlei Arbeiten benutzt, nimmt aber keine Politur an. Ans dem Splinte bereitet man Zeuge, und die Blätter dienen theils zum Einwickcln der Frucht beim Rösten und Backen, thcils statt Tischtücher beim648 Speisen. Die abgcfallcncn männlichen Blüthcn werden als Zunder benutzt. Der Saft, welcher nach gemachten Einschnitten ans dem Stamme hcrvordringt, gibt, mit Kokosmilch eingekocht, einen guten Nogcllcim, und mit Sagomchl, Zucker und Eiweiß, einen festen Kitt. Man hat bisher vergebens versucht, diesen nützlichen Banin in Südeuropa anzupflanzen; doch hat man die Hoffnung eines glücklichen Erfolges noch nicht aufgegebcn. Der Kuhbanm (OlllrotocleiiZroii utilrfl. Auf der Rückreise von Porto-Cabello nach Valenzia, sagt Humboldt, schlu gen wir einen andern Weg ein, um den Kuhbanm kennen zu lernen, von dem wir viel hatten sprechen gehört. Man versicherte uns, die Neger der Meiereien, welche die Milch von diesem Baume tränken, hielten sie für eine sehr gesunde Nahrung. Da alle Milchsäfte der Pflanzen, z. B. die der Wolfsmilch, sehr bitter und mehr oder weniger giftig sind, so kam uns die Angabe sehr seltsam vor. Die Erfah rung lehrte uns aber, daß der Kuhbaum hiervon eine Ausnahme mache. Der Kuhbanm gehört zu den schönsten Bäumen, hat die Gestalt eines Stcrnapfclbanmcs, zehn Zoll lange, zngespitztc, zähe, wcchsclstehende Blätter und eine fleischige Frucht, worin sich ein oder zwei Nüsse befinden. Macht man in den Stamm dieses Bau mes Einschnitte, so fließt eine klebrige, vollkommen wohlschmeckende und unangenehm riechende Milch in großer Menge hervor. Alan reichte uns solche in weiten Kür bißflaschen, die an dem Kürbißflaschenbaum wachsen, und wir genossen davon große Massen Abends und Morgens, ohne irgend eine schädliche Wirkung zu verspüren. Nur die Klebrigkeit der Milch macht sic etwas weniger angenehm, als die Kuh milch. Man trinkt dieselbe gewöhnlich, indem man Mais- und Maniokbrvd cin- taucht. Der Verwalter der Meierei versicherte uns, daß die Sklaven von dieser Milch zusehends fett würden. Steht die Milch in freier Luft, so bilden sich auf ihrer Oberfläche gelbliche, faserige Häute, die eine käseartige Masse enthalten. Die Häute sind elastisch wie das Federharz. Man nennt die Massen Käse, und sic werden in 5 bis 6 Tagen sauer. Ich gestehe, daß nur wenige Sachen einen so lebhaften Eindruck ans mich gemacht haben, als der Anblick des Kuhbaumes. Alles, was auf Milch Bezug hat, und Alles, was das Getreide angeht, erregt eine Theilnahmc, die nicht allein ans dem Werth dieser Dinge, sondern auf manchen früher gehabten Vorstellungen und Gefühlen beruht. Wir sind gewöhnt, die Milch uns nur in Brüsten und Entern zu denken, hier aber sahen wir plötzlich eine ganz andere Richtung der Natur. Am dürren Abhänge eines Felsens wächst ein Baum mit dürren zähen Blättern. Seine dicken, holzigen Wurzeln haben Mühe, in das Gestein einzudringen. Mehrere Monate des Jahres befeuchtet ihn kein erquicken der Regen, die Acste scheinen darum abgestorben und vertrocknet. Bohrt man aber den Stamm an, so entfließt ihm eine milde, nährende Milch. Bei Sonnenaufgang* 649 gewährt er die meiste. Es kommen alsdann die Bewohner von allen Seiten mit ihren großen Näpfen zn dieser gemeinschaftlichen Knh und melken sie von allen Seiten. Manche trinken gleich den duftenden Saft ans, andere nehmen ihn mit, um damit ihre Kinder zn erquicken. Zn dieser Ordnung gehört auch noch der sehr häufig in Teichen vorkom mende Armleuchter, Ghana vulgaris, lind Ch. fureulata. Zweite Brdnung. Mit zwei bis drei Staubgefäßen. Rohrkolben, Igelkolben, Riedgras, Vignce, ThränengraS und Mais. Vigliee (Vignea aronaria). Die Achre ist zusammengesetzt und die Aehrchcn sind gedrängt. Der Halm ist aufsteigend und die Wurzel ist kriechend. Wächst besonders an Meeresküsten. Die Wurzeln sind officinell unter dem Namen deutsche Sarsaparille. Thräncngras lGoixj ist eine Graöart, welche man ihrer bunten Blätter und ihres hübschen Samens wegen, der den Thräncn ähnlich sieht, cultivirt. Ist aber mehr eine Topfpflanze. Merkeuswcrther ist der Mais oder türkische Weizen (Zoa mays), dessen Vaterland Amerika ist, der aber gegenwärtig auch schon in Deutschland seines herrlichen Mchlcs wegen cultivirt wird. Collimbus brachte um das Jahr 1520 den ersten Mais nach Spanien; um 1560 wurde der erste Mais in Italien angcpflauzt. Gegenwärtig wird aber der Mais nicht nur durch ganz Amerika, Asien und Afrika nngcbant, sondern auch im südlichen Europa; ja selbst die deutschen Laudwirthe ividmen dieser ausgezeichneten Grasart mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit. Das Maismehl ist sehr nährend, kann aber nur durch Bei- Mischung von Weizen- oder Roggcumchl zu Brod verbacken werden. In Amerika bereitet man. mancherlei Speisen und auch ein berauschendes Getränk aus dem Mais. Es gibt mehrere Arten, die sich durch Große der Pflanzen und durch Farbe der Sameukolben von einander unterscheiden.650 Dritte Krönnng. Mit vier Staubgefäßen. Eile, Buchsbaum, Breunuessel, Maulbeerbaum, Papierbaum. Erle (Ainus) wird gewöhnlich als Schlagholz angepflanzt, indem sic auf einem nassen Boden sehr schnell wächst. Man unterscheidet die gemeine E., A, glutinosa, mit klebrigen Blättern, von der Wcißerle, A. incana, mit nicht klebrigen Blättern lind einer grauen Rinde. Die Rinde der Erle wird zum Gerben und Färben gebraucht; die frischen Blätter sollen medicinisch sein. Biichsbaum (Luxus). Der gemeine B-, B. sempervirens , erreicht eine Höhe von 12 —16 Fuß und liefert ein schönes, festes Holz, welches von Instrumentenmachern und Knnst- drechslern verarbeitet wird. Der Zwergbuchsbanm, 6 . suffruticosa, ans dem südlichen Europa und dem Orient stammend, dient zur Einfassung der Garten beete. Soll er aber schön bleiben, so muß er häufig geschoren und alle 4 bis 5 Jahre umgclegt werden. Brennnessel (Urtica) ist eine sehr bekannte Pflanze, welche an Wegen und wüsten Plätzen wächst. Man unterscheidet die große Br., II. diocea, welche früher officincll war, und welche ein hanfarti-^es Gespinnst liefert, von der kleinen Br., II. urens, die nur 1'/- Fuß hoch wird, und dieselben Eigenschaften besitzt, als die große Brennnessel. Maulbeerbaum (Monis). Der weiße Maulbeerbaum, Al. alba, stammt ans China, und kam etwa um das Jahr 1540 nach Europa. Er wird der Seidcuzucht wegen angepflanzt, indem die Seidenraupen sich am liebsten von seinen Blättern nähren. Sein festes, gclbwcißcs Holz wird verarbeitet, und ans den Beeren kann ein Syrup oder Essig bereitet werden. Der schwarze M., M. nigra, liefert eßbare Fruchte, die auch ofstcinclle Kräfte besitzen. Stammt aus Mittelasien und wurde schon in den ältesten Zeiten nach Europa gebracht. Er erreicht selbst in Deutschland eine ansehnliche Höhe, und seine Früchte, welche violcttschwarz sind, erreichen die Größe einer kleinen Pflaume. Der rothc Maulbeerbaum, LI. rubra, liefert ebenfalls sehr schmackhafte Früchte, von 1 Zoll Länge. Er wächst in Canada651 und Florida, eignet sich besonders zur Seidencnltnr und verträgt unser Klima besser als M. alba, PabierbauiN (Brousonetia papyrifera). Dieser Baum wurde von 8im,6 zu den Maulbeerbäumen gezählt. Seine Heiinath ist Japan, China und die Sndsccinscln. Die nbgcschnlte Rinde der jährigen Schößlinge gibt das feinste Papier. Uebrigens verfertigt man in Japan aus der Rinde Stricke, Zeuge und Tuche. Vierte Brdnnng. Mit fünf Staubfäden. Hierher gehört die Spitzklette, Xanthium, welche überall an Wegen wächst und die früher in der Medicin gebräuchlich war, und die Amaranth- Artcn. Wir nennen indessen nur die Arten, welche cultivirt werden. Amara,Ith (Amarantlius). Schwarzer A., Fuchsschwanz, A. caudatus, 2 — 4 Fuß, hellgrüne oder röthliche Blätter und dunkel-carminrothe Blumen in schwanzartigen, hängenden Aehrcn. Blutiger A., A. cruentus, mit linkerseits purpur-geäderten Blättern und blutrothen Blumenährcn. Blutrot her A., A. sanguineus, h y pocho n- drischer A., A. hypochondriacus und andere Arten sind sämmtlich schöne Som- werpflanzen, welche sich in Gruppen sehr schön ansnchmen. Fünfte Brdnnng. Mit mehr als sieben Staubgefäßen. 'hoi,,, Hvruerblatt, Pfeilkraut, Becherblume, Wallnußbauui, Eiche, Buche, Haselstrauch, Ka- stauicubaum, Birke, Hainbuche, Platane und die CocilslMßpalllic (Cocos nucifora). Die Cocuspnlme, auch Fürst des Pflanzenreiches geheißen, findet sich in Ost- und Westindicn, in Afrika, in Südamerika und ans den Inseln der Südsee. Sic wächst besonders gern in der Nähe des Mccreö in lockerem, sandigem Boden. ■ Der652 Stamm wird 100 bis 200 Fuß lang, und nur cin Büschel dünner Wnrzclfasern / ist hinreichend, denselben zu halten. Der Stamm der Cocnspalme hat bis an den Gipfel hinauf weder Zweige noch Blätter, ist aber, wie das Rohr, mit Knoten versehen, welche das Hinanfstcigcn erleichtern. Die gefiederten Blätter sind über 10 Fuß lang und 2'/z Fuß breit. Die neu sich bildenden sind zuvor in einer dicken länglichen Knospe vereinigt, welche Palm kohl heißt, und der eine herr liche Speise ist. Das Abschncidcn dieser Knospen aber ist dem Baume sehr nach- thcilig. Die Cocnspalme fängt schon im fünften Jahre an, Früchte zu tragen, aber erst von ihrem zehnten an erzeugt sie dieselben in Ueberfluß. Alsdann hat der Daum ein wahrhaft prachtvolles Ansehen. Das ganze Jahr hindurch schmücken ihn Blüthcn, Früchte und Blätter. Sein Nutzen ist sehr groß. Die Nüsse, die so groß als eine große ausgewachsene Melone sind, enthalten eine nahrhafte, wohlschmeckende Milch; das Holz dient den Indianern zu ihren Arbeiten, die Blätter zur Deckung der Dächer, zu Sonnenschirmen, Matten n. dgl.; ans der fnserreichcn Hülle der Nuß werden Stricke verfertigt und die Schalen werden zu Gefäßen gebraucht. Durch Einschnitte an der Krone gewinnt man einen Saft, der den Palmwein liefert. Ans dem Palmwein destillirt man einen guten Arrak. Im südlichen Ceylon kennt man einen Wald von Cocnsnnßbänmcn, der, am Meercsufcr entlang, 26 engl. Meilen lang und mehrere Stunden breit ist. Noch zur Zeit der Holländer wurden jährlich ans diesem Walde 6000 Fässer Arrak, 3 Millionen Pfund Tanwcrk aus den Fasern und eine ungeheure Menge Ocl gewonnen. Nach der Volkösagc dient dieser herrliche Baum zu 99 Dingen; das Hundert seiner Nntzwcrdung voll zu machen, können die Menschen nicht ausfinden. Platane (riatanus). Die abendländische P., P. occidentalis, welche bis zum 40. Jahre wächst, 60 — 30 Fuß hoch wird, cin gutes Ban- und Brennholz liefert, wird meistens nur in Gartcnanlagcn und in Alleen angcpflanzt; sic verdient aber den Vorzug vor Weiden und Pappeln, und gedeiht ebenfalls auf feuchten Triften und Waldplätzcn. Die orientalische P., P. orientalis, wird zwar auch bei uns in Anlagen angcpflanzt, leidet aber tut Winter von der Kälte. Bei den alten Griechen und Römern stand dieser Baum in großem Ansehen. Die Hain- oder Weißbuche (Carpinus Betulüs) liefert cin vorzügliches Brennholz, erreicht auch 30 — 80 Fuß Höhe, wird aber besonders zur Anlegung dauerhafter Hecken benutzt, weil das Holz eine fast unendliche AnSschlagnngsfähigkcit besitzt.Die ißil'lc (Betulus alba) ist ein nützlicher Waldbau»:, der sogar mit schlechten: Boden vorlieb nimmt. Rinde und Blätter sind offieinell. Der SJcuf? des verbrannten Holzes liefert die beste Druckerschwärze. Man zapft wohl bei»: Beginn des Frühlings den Saft — Birkensaft — ab, der zu verschiedenen Zwecken benutzt wird. In Rußland be reitet man auch ein Birkenöl. Kastaiiieiibaum (Cutanea). Der gemeine oder echte K., 0. vesca, der in leichtem Boden am besten gedeiht, wird seiner süßen, wohlschmeckenden Früchte wegen angepflanzt. Er gedeiht bis zun: 50" nördlicher Breite, liefert indessen in südlicheren Gegenden niehr und wohlschmeckendere Früchte. Diese kommen unter den: Namen Mero- >:eu in den Handel, werden roh, geröstet und als Füllsel verspeist und geben Stärke, Pttder und Brennöl. Die schönsten Kastanien liefert Spanien. Das Holz dieses Baumes ist sehr fest und kommt dem Eichenholz sehr nahe. Hnselnußstraiich (Corylus). Der gemeine H., 6. avelana, der in Gebüschen und Hecken wächst, liefert eine kleine wohlschmeckende Frucht, aus der auch ein herrliches Oel gepreßt wer den kann. Die Kohlen des Holzes dienen znr Bereitung des Schießpulvers. Varietäten sind: die Mandel- und die Zellernuß, Arten, welche verdienen ange pflanzt zu werden. Die Lambertusnuß, 6. tubulosa, liefert größere Früchte, welche ganz von der Hülle umschlossen sind. Es gibt eine Abart, mit fast dunkel- tvlhem Laub, welche sich in größer:: Anlagen sehr gut auönimmt. Buche (Fagus), ein bekannter, sehr nützlicher Waldbau:::, der ein vorzügliches Brennholz liefert "nd dessen Samen ein fettes, wohlschmeckendes Oel enthalten. Sie gedeiht bis zum 60° N. Br. und vollendet ihren Wuchs in 120—150 Jahren. Varietäten unserer gewöhnlichen Buche, F. sylvatica, sind: die Blntbuche, die Eichel- blattbnche, die Farrbnche, Steinbnche n. s. w. Eiche (Kusrous). Unser deutscher Eichbaum ist und bleibt die Pracht unserer Wälder. Sein Holz liefert das dauerhafteste Bauholz. Er soll ein Alter voi: 600 Jahren er reichen. Die Borke gibt das beste Gerbemittel znr Bereitung des Lederö, die Samen dienen zur Mästung, und als Eichelkaffee find sie medicinifch. Man unterscheidet die Sommer-, Q. pedenculata, und die Wintereiche, 0- robur. 2ut südlichen Europa wächst die Korkeiche, Q. suber, welche 30 — 40 Fuß hoch wird. Die dicke, schwammige Rinde dieses Baumes liefert das Kork- oder65,4 Pantoffelholz, welches zu Stöpseln, Schuhsohlen n. s. w. gebraucht wird. Man schält die Bäume alle 8 — 10 Jahre, ohne daß ihr Gedeihen dadurch gestört würde. Bon den vielen andern Arten nennen wir nur noch die Knoppercichc, Q. aegylops, welche in Kleinasien, Griechenland n. s. w. wächst und welche die im Handel vorkommenden Galläpfel liefert. Der gcuieine Wallnußbauiil (4uglavs regia). Ein großer, schöner Baum, der bis zum 52° nördl. Breite gedeiht. Sein Holz nimmt eine schöne Politur an und wird deshalb zu Möbeln »nd ander» Gegenständen verarbeitet. Die Früchte sind wohlschmeckend, werden auch unreif eingemacht, und liefern ebenfalls ein vorzügliches Ocl. Die Blätter sind medi- cinisch. Nnßblätterbädcr sind sehr heilsam in Drüscnkrankheitcn. Der schwarze Wallnußbanm, -1. nigra, welcher in Nordamerika wächst, wird in Europa immer mehr angepflanzt, weil sein Holz sehr vorzüglich ist, obgleich seine Nüsse nur eine gute Schweinemast liefern. Arvll (Arum maculatum) ist eine Pflanze, welche in Hecken und schattigen Gebüschen wächst, spießförmige, gefleckte Blätter, einen aufrechten Blüthcnschaft mit bleibender Scheide hat, in welcher sich der Kolben mit den Blüthen befindet. Die knollige Wurzel enthält ein scharfes Gift; auch die übrigen Thcilc der Pflanze sind scharf. Mit der Beere kann man rothbraun färben. Die Wurzel wird in der Apotheke geführt. Die schildförmige A., A. collocassia, wächst in Egypten, Syrien, Ostindien, und ihre Wurzel wird als ein allgemeines Nahrungsmittel znbcrcitct. In Süd- europa wächst auch die punktirte 3t., A. dracunculus, welche einen schwnrz- purpnrrothen Blüthcnkolbcn hat und sehr unangenehm riecht. Sechste Drdnung. Staubfäden mit einander in ein Bündel verwachsen. Kiefer, Dam»,«sichte, LeLenSbaum, Cyprefse, Crotou, Wuuderbamu, Springgurke, Spritzgmke, Kürbiß, Gurke und Melone, Zaunrübe. Tanne, Kiefer (Pinus), Unter diesem Namen haben wir die verschiedenen Pinns-Arten zusammen- gefaßt. Alle kommen darin überein, daß sie statt der Blätter Nadeln tragen, und alle sehr reich an Harz sind. Die gemeine Kiefer, P. sylvestris, auch Föhre genannt, wird 80 —120 Fuß hoch und liefert ein gutes Bauholz. Man655 gewinnt ans ihr Terpentin (und ans diesem das Terpentinöl, Geigenharz, Thecr, Pech, Kienrnß n. s. w. Die Pinie, P. pinea, ist ein schlanker, 40—50 Fnß hoher Baum mit regelmäßiger Krone. Im südlichen Europa und nördlichen Afrika. Weih rauch kies er, P. taoda, häufig in Nordamerika, liefert ein wcih- rauchartiges Harz. Die Zirbelkiefer, P. cembra, deren Zapfen unter dein Namen Zirbelnüsse bekannt sind und die in Sibirien gegessen werden. Auch preßt man ans ihnen ein Ocl. Die Weymouthskiefer, P. strolous, mit glatter Rinde und langen Nadeln, wird 200 Fuß hoch. Erst bei gehörigem Alter wird das Holz brauchbar. Die Lärche, P. larix, ein hübscher Baum »nt sehr festem Holze. Sic liefert den vcnctianischcn Terpentin. In heißen Gegenden schwitzt sic eine Art Manna ans. Der C cd erb au m, P. cedrus, er reicht eilt sehr hohes Alter. Der Libanon trägt noch einige Cedcrn, die mehr als 1000 Jahre zählen. Aus den Cedcrn gewinnt man das Cedernharz, welches dem Mastix ähnlich ist. Die Edeltanne, P. picea, und die Rothtaune oder Fichte, P. abies, sind sehr schlanke Bäume, welche ein feineres Holz als die gemeinen Kiefern liefern. Der Terpentin, den sie liefern, ist sehr fei» und klar. Die Balsamtannc, P. balsamea, hat fast kammförmige, untcrscits weißliche Nadeln, die, wenn sie gerieben werden, einen Balsamgcrnch von sich geben. Diese Art liefert den besten Terpentin, den man älteren Bäumen abzapft. Bei »ns trifft man sie in größer» Anlagen. Die Damimirfichtc (Agatliia), welche ans den Molukken wächst, ist ein schlanker Baum, mit lanzcttlichen, leder- ortigen Nadeln und eiförmigen Zapfen. Sie liefert das bekannte Dammnr- harz, Gummi Dammar, welches mit Terpentinöl versetzt einen glänzend weißen Firniß gibt. Der Lcbeiisbainii (Thuja). Man unterscheidet zwei Arten: den gemeinen L., T. occidentalis, 40 bis J 0 Fnß hoch, und den morgen ländischen L., T. orientalis, welche beide als hübsche, immergrüne Pyramidcnbänmc in größer» Anlagen gezogen werden. Die »I Amerika wachsende Art: 4. articulata, liefert das Gummi Sandarach, welches uiö Radierpnlver, wie auch zum Firnissen und Räuchern gebraucht wird. Clp-rcssc (Cyprosaua sempervirena). Die Chpressen sind schlanke, pyramidalische, immergrüne Bäume, welche in %'ciit Vatcrlande — Südcnropa — 50 bis 70 Fnß hoch werden, bei uns aber w frostfreicm Hause überwintert werden müssen. Seit undenklicher Zeit ist die Zypresse das Symbol der Trauer, und bei den Griechen war dieser Baum dem Pluto geweiht. Da ihr Holz den Würmern widersteht, so machten die alten Ägypter ihre Mumiensärge ans Cypressenholz. Zwei riesenhafte Cypressen, welchein den spanisch-maurischen Sagen vielfach erwähnt und hochgcfeicrt werden, zieren nach jetzt die Gärten vvn Xcneralifa, der Somtiicrresidenz der Könige von Granada, bei der Alhambra. Man nennt sic „die Cy pressen der Sn0 tanin", und anö allen Umstünden läßt sich schließen, daß diese Bäume ein Alter vvn wenigstens 500 Jahren haben. CrotvII (Oroton eascaiilla). Der Kaskarillcn-Croton ist ein 3—6 Fuß hoher, immergrüner Strauch, der ans Jamaika wächst, und dessen Rinde unter dem Namen Kaskariüe in den Apotheken geführt wird. Der Wimderbalim (Ricinus). Der gemeine Wunderbaum, R. communis, wird als merkwürdiges Sommergewächs auch bei uns in Gärten gezogen. Er stammt ans Ostindien und wächst erstaunlich schnell. In wenigen Wochen erreicht er eine Höhe von 6 — 8 Fuß. Die großen, schildförmigen Blätter sind 8—10 lappig. Die Blüthe ist nnbcdcntcnd. Aus den Samen wird das in der Mcdicin gebräuchliche und schnell purgirende Ricinusöl gewonnen. Es greift den Körper so wenig an, daß selbst Nervenkranke cö nehmen können. An die genannten Pflanzen dieser Ordnung schließen sich nun noch die Cur- cnrbitaccen an, welches meist rankende Kräuter, seltener Halbstränchcr sind. Wir nennen nur die wichtigsten Arten. Sprittggurkc (Nomoräia balsamina), auch Balsamapfel genannt, ist in den Tropen heimisch, ähnelt unserer gewöhn lichen Gurke, und trägt eine elastisch aufspringende Kürbißfrncht, welche durch Anfgicßcn des Olivenöls das mcdicinische Momordicnvl liefert. Die in Mist beeten gezogene Spritz- oder Bcxirgnrkc (Echalium) hat mit ihr viele Achnlich- kcit. Sobald sich die Frucht der Reife nähert, darf man sic kaum berühren, ivcnn sic nicht ihren ganzen Inhalt ausspritzen soll, welches des vielen Schleimes wegen um so unangenehmer ist. — Die ganze Pflanze ist bitter und scharf und war früher officinell. Klirlnß (Curcublta). Die Gärtner unterscheiden Speise- und Zierkürbissc. Zn den Speisekürbissen gehören: der Centner-, der Riesen-, der Portiron-, der Compott-, der Melonen- und der überzuckerte brasilianische Kürbiß. Die Arten der Zierkürbisse sind sehr zahlreich. Die schönsten sind: der Türkenbund, der Knrfürstenhnt, die Herknlcs- keulc, der Regenschirm-, der Birn-, der Bergamottcn-Kürbiß. Diese Pflanzen sind ihrem Habitus nach zu sehr bekannt, als daß sic einer weitern Beschreibung bedürfen.6 57 Gurke mit) Blclone (Cucumis). Die Gurke wird bekanntlich frisch als Salat gegessen; auch werden die Früchte als Essig-, Senf-, Salz- und Zuckergurken eingelegt. Für die Gärtnerei sind wichtig: die kleine, grünblcibcndc Tranbcngnrke, besonders zum Jnngeinmachen geeignet; die grünen und weißen Schlangengnrken, welche ein etwas festeres Fleisch haben, und die Mclonen-Schlangengnrke, welche oft 4 Fuß lang wird und bei der Reife einen melonenähnlichen Geschmack hat. Die Arten sind sehr zahl reich, jedoch eignen sich viele derselben nur für Mistbeete. Die Melone ist eine wohlschmeckende, saftige Frucht. Die Pflanze ist gegen Kälte empfindlich und will deshalb im Mistbeet cultivirt sein. Man zählt mehrere Arten, z. B. den weißen Cantalnp, die Ananasmcloncn n. s. w. In neuerer Zeit ist eine ameri kanische Melone empfohlen, welche im Freien zur Reife gelangt. Durch den Genuß der Gurken und Melonen kann man sich leicht eine Unterleibserkältung zuziehen, und cs ist deshalb die nvthige Vorsicht zu beobachten. In keinem Lande der Erde werden mehr Kürbisse und Melonen gezogen, als im südlichen Rußland. Die Melonengärten oder Baschtans hat Kohl in seinen „Reisen im südlichen Rußland" so vortrefflich geschildert, daß wir cs uns nicht versagen können, hier eine Schilderung jener Gärten anzureihen. Eine ganz cigcnthümlichc Art von Gürten, die man um Odessa herum, >vo sic sich sehr häufig finden, zu stndiren Gelegenheit hat, sind die Melonengärten der Kleinrussen, welche sie Baschtans nennen. Das Wort wie die Sache ist tatarisch und von den Tataren höchst wahrscheinlich ans die Kleinrnssen übcr- gegangen, und jetzt finden sich diese Baschtans 'nicht nur bei den Tataren der Krim und bei denen' des Kaukasus (im untern Knrthalc, welches fast durchaus non Tataren bewohnt ist, bis Baku und Derbend), sowie jenseit des kaöpischcn Meeres in der großen Tatarei, sondern auch im ganzen südlichen Rußland, so weit der fette Stcppcnbodcn und die Kleinrnssen gehen, bis nach Kiew, Char kow und Saratow hinauf durch die Länder aller Kosaken und die ganze Ukraine. Und cs sind die Produkte dieser Baschtans thcils so innig mit dem . Leben der alle diese Gegenden bewohnenden Menschen und namentlich mit dem der Bewohner Odessas verwebt, thcils der Natur des Bodens so angemessen und Überhaupt in ihrer Art so vollkommen, daß es unverzeihlich wäre, sic hier zu übergehen. Die wenigen Bemerkungen, die wir über die Cultnr und die Produkte dieser Gärten zu machen Gelegenheit hatten, wollen wir daher hier zusammenfassen. Die Hanplgcwächsc in diesen Baschtans sind fast lauter Pflanzen, die zu den Cucurbitaceen gehören, Melonen, Arbnsen (Wassermelonen), Gurken n. s. w., und ans ihre Erziehung, besonders aber auf die der Arbnsen, der Krone der Baschtans und der Lieblingöfrncht ganz Südrnßlands, Ust cs bei ihrer Anlage vorzugsweise abgesehen. Außer den genannten Pflanzen erscheinen aber in den ® c " m c v '6 Naturgeschichte. 42658 Baschtans auch nach Sonnenblumen, Zwiebeln, Ncttigc, türkische Hirse, KukuruS (Maiö), Paradiesäpfel und in der Krim wie bei Odessa, überhaupt iu den süd lichen Gegenden „Baklajan", außerdem aber nichts weiter. Man kann die Basch tans also als die cigenthümlichsten Steppen-Gemüsegärten definircn, welche alle diejenigen Früchte und Gemüse erzeugen, deren Genuß diese Völker vorzugsweise lieben, und deren Produktion das Klima und der Steppcnbodcn vor allen an deren begünstigt. Um die Wichtigkeit und das Interesse der Sache sogleich in ein helleres Licht zu stellen, wollen wir zuvörderst etwas von der Anwendung und den Eigen schaften einer jeden dieser Früchte sagen und uns dann über die Anlage und Cnltnr der Baschtans selbst verbreiten. Vor allen Dingen von den Arbnsen. Diese treffliche, sastrciche Frucht- gattnng scheint die Natur mit besonderer Bezugnahme auf die Steppen erschaffe» zu haben. Denn wie die AloL in den Sandwüsten Asrika's und mehrere Eaetus- arten in den Llanoö Südamerikas gedeihen, sorgsam ihr kostbares Naß für die dortigen Thierc hegend, so gcrathen die Arbnsen vorzugsweise in den wüsten, trockenen Steppen und ziehen gerade in den trockensten Jahren mittelst ihrer mageren und dünnen Stiele und Wurzeln ihre süßesten und erquicklichsten Säfte zusammen. Sie werden in dem ganzen Steppensüdcn so groß, saftig und süß, daß sic als eine wahre Wohlthat für das Land betrachtet werden müssen und als ein vortrefflicher Ersatz für gutes Qucllwasser gelten können. Daß sic auch vorzugsweise als Durstlöscher im Lande angesehen werden, zeigt schon die Rede weise der Klcinrnssen, wenn sie eine Arbuse essen wollen. „Ach, ich bin erschrecklich durstig!" sagen sic, kaufen sich dann eine Arbuse und verspeisen sie. Bei jedem Frühstücke und MittngScsscn steht ihnen daher statt der Wasserflasche eine Arbuse zur Seite, in die sic zu ihrem Brode und Specke zu Zeiten einbcißcn, wie man sonst ein Schlückchen auö dem Glase nimmt. In der That ist auch das ganze Innere der guten Arbnsen nichts als ein crbmcartig geronnener Saft, der ohne Nachrest auf der Zunge schmilzt. Die Leute haben eine eigene Weise, die Ar bnsen anzuschneidcn. Zuerst nehmen sic der Frucht die äußere Schale da weg, wo der Stengel ansaß, und stellen sie auf die gewonnene Fläche hin; alsdann schneiden sic den Deckel ab, und nun machen sic eine Menge Paralleleinschnitte der Länge nach, jedoch so, daß Alles noch znsammcnhängt. So stellen sic die Arbuse auf den Tisch hin, und dann langt sich jeder der Mitesser ein Stück nach dem andern heraus. Es ist unglaublich, welche Massen von Arbnsen hier zu Markte gebracht werden. Selbst in kleinen Städten, wie Poltawa, sieht man ganze Berge von ihnen auf den Märkten. Jeder liebt und ißt diese schöne, erfrischende Frucht, und sic erscheint regelmäßig auf der Tafel des Vornehmen, wie auf der des Geringen. Viele Leute essen des Morgens Arbnsen, wie wir Kaffee trinken, und wenn Jemand in den Steppen über Land fährt, so wird er659 gewiß nicht vergessen, sich ein paar Arbuscn in den Wagen werfen zn lassen, die vor den gläsernen Weinflaschen das voraus haben, daß sic nie zerbrechen. Es gibt mehrere Orte in den Steppen, die ihrer guten Arbuscn wegen berühmt sind; so in der Ukraine, Tichwin, Akjcrman. Nach Odessa kommen die besten anö der Krim mit dem Dampfschiffe. Interessant ist cs, den Kennern beim Einkäufe auf dein Markte zuzuschen. Sic wissen thcils nach dem Acnßcrn jeder Frucht ans ihr Inneres zu schließen, thcils nach dem Tone, den sic gibt, wenn man mit dem Finger anklopft, ihren Inhalt zu benrtheilcn. Sie pochen daher an jede Arbusc, bis sic eine gefunden haben, die ihnen die rechte zn sein scheint. Die Arbuscn sind hier so süß, daß man sic überall ohne Zucker ißt. — Weil sic zart sind und leicht verderben, so hat man natürlich mehrere Methoden erfunden, sie zu conscr- vircn. Die beste soll darin bestehen, sic mit Thon zn umhüllen und so in den Kellern anfzubewahren. So kann man sic bis tief in den Winter hinein frisch erhalten. — Es gibt sehr verschiedene Arten von Arbuscn. Einige haben ein ganz weißes Fleisch, andere ein gelbliches, noch andere ein roscnrothcs. Diese letzteren habe ich, vielleicht nur von der Farbe verführt, immer für die besten gehalten. Neben den süßen Brunnen der Arbuscn sind zunächst die Melonen zu nennen. Auch sic werden in einer bei uns unerhörten Menge gezogen. Ein deutscher Colonist ans den Steppen erzählte mir, daß er in Würtemberg die ersten Melo nen bei der Tafel seines Königs, wo er sich unter den Zuschauern befunden, habe essen sehen. Hier in der Steppe konnte er nun selbst so viele essen, als er Lust hatte. Man sicht hier die Melonen fuderweise auf dem Markte, und cs gewährt einen für uns nicht wenig sonderbaren Anblick, wenn man zerlumpte Bettler ans den Straßen zuweilen Melonen zn ihrem trockenen Brodc essen sicht. Indes; gelangt diese Frucht hier nicht zu dem hohen Grade von Güte, wie die Arbuscn, und cs scheint sonach, daß sic eine spccicllcrc Fürsorge und Cultur von Seiten des Gärtners verlangt, als ihr hier zn Thcil wird, um einen gewissen Grad von Feinheit und Zartheit zu erlangen. Zahllos in den Baschtanö sind die Varietäten der „Tuikwi", Kürbisse. Nirgend sicht man sie von solcher Größe und von so sonderbaren Formen. Einige sind aschgrau wie die Stcppcnochscn und werden zuweilen so groß wie die Mchlsäckc; andere zeigen auf Hellem Grunde regelmäßig zehn dunkelgrüne Streifen; einige sind über eine Elle lang und dabei nur einen bis zwei Zoll dick; andere zeichnen sich durch ihre Kleinheit ans und haben ganz die Gestalt einer anö Holz gedrechselten Birne oder ganz die Größe und Regelmäßigkeit einer Billardkugel; wieder andere, als wollte die Natur den Menschen zum Besten haben, ahmen auf's Härchen die Farbe, Gestalt und Größe der Apfelsinen nach. Die wunderbarsten, die ich entdeckte — ich entdeckte aber fast alle Tage eine neue Art — hatten eine runde, plattgcdrücktc Gestalt. Unten gingen sic zu einem zierlichen Fuße zusammen, oben hatten sic zehn kleine, gleich große Höcker und 42 *660 in der Mitte dieser zehn kleineren Answüchse einen großen, wie zuin Anfassen, ganz wie bei einem geschlossenen gläsernen Flacon, und dabei waren alle einander so vollkommen gleich, als wären sic bei demselben Drechsler gearbeitet worden. Man müßte sic Flaconkürbisse nennen. Wie äußerst merkwürdig! Wann traten die Samen zn diesen Flaconkürbissen an'ö Licht? Zur Zeit der Schöpfung der Welt? Wie sonderbar, daß die Natur damals ans eine Form verfiel, welche erst Jahrtausende nachher der Mensch in den böhmischen Glasfabriken wieder cr- fand! — Alle die letzteren kleinen Spielarten der Kürbisse haben ein trockenes, holziges Fleisch, daö nicht gegessen wird. Sie dienen nur zum Schmucke und Zierath. Die Apfelsinenkürbisse sieht man bei den geringen Leuten überall ans den Schränken zwischen Gläsern und Tassen stehen, wie in Holland die Scecon- chylien. Die Flaconkürbisse faßt man sogar hier, und da ein und braucht sie lute die Koknsnüsse zu kleinen Geräthschaften. Die übrigen verkauft man ans dem Markte als Spielzeug für die Kinder. Nach den Kürbissen kann man die Gurken nennen, die ebenfalls in allen russischen Haushaltungen — nicht bloß im Süden — eine so bedeutende Nolle spielen, wie wir sic nicht kennen. Nichts ißt der Russe lieber als Gurken. Bei den Vornehmen sogar gibt cs oft zum Braten nichts weiter als Gurken. Ich habe oft auf meinen Reisen um Mitternacht kalte Gurken essen müssen, weil sich in der Speisekammer des Wirthshanscs nichts Anderes vorräthig fand. Die Russen schelten die Griechen zuweilen „Selonnoi Grek“ (grasgrüne Griechen), weil sic vieles Gemüse roh essen. In gewissem Grade aber trifft sic selbst dieser Vorwurf. Man sicht oft Frauen und Mädchen aus allen Ständen im Garten Gurken pflücken und mit Lust verspeisen. Wie sonderbar, daß solche speciellc Neigungen des Geschmackes sich oft so entschieden und constant zeigen. Vom Rcttig läßt sich Aehnliches bemerken, lute von den Gurken. — Von den Zwiebeln sprachen wir schon oben, doch können wir noch als einen charak teristischen und durchgreifenden Unterschied zwischen beit Klein- und Großrussen bemerken, daß diese die Zwiebeln wie Aepfel zum Brode abbeißen, während jene sic auf den abgcschnittencn Brodstückchen zerdrücken und dieses damit beschmieren. Wenn man die Völker in ihren Sitten genau beobachtet, so glaubt man oft ein Naturforscher zu sein; denn Alles ist bei ihnen doch Gewohnheit und durch den jedem Volke eigenthümlichen und wie ein Naturgesetz anö ihm hcrauöwirkendcn Charakter so fest und unabänderlich bestimmt, wie bei den Thicrcn. Wie das Pferd eine andere Manier hat, das Gras zu rupfen, als der Ochse, so hat auch jedes Volk seine eigene unverrückte Weise, zu speisen n. s. w. — In dem Koch buche der Kleinrussen findet sich eine Zwiebelsance als die Krone aller Saucen. Sic zerquetschen Speck, Zwiebeln und Knoblauch, lassen dies mit einander auf dem Feuer zergehen und gießen diese Sauce über alle von Natur trockenen Speisen.Dic Paradiesäpfel (Pommes d’amour, Solanum lycopersicum) gedeihen in den Vaschtans zu einer seltenen Größe und Schönheit. Man sieht sie freilich zu weilen auch bei uns, z. B. ans beit Gemüscmiirkten von Wien; allein diese Wie ner Paradiesäpfel sind wahre Krüppel und Zwerge gegen die Odcssa's und der Steppen. Sic werden im Spätsommer fuderweise ans dic Odcssa'schcn Märkte gebracht und sind alle untadelig schön, hoch purpurroth und mehr alö faustdick. Eö spcis't sic hier alle Welt, in Butter gebacken, in Saucen, in Suppen u. s. w. Sic haben einen vortrefflichen, etwas säuerlichen Geschmack. Auf dem Markte diese dclicatcn Früchte anzuschcn, erregt schon im Voraus den Appetit und ge- währt dieselbe Freude, wie der Anblick von allem in seiner Art Vollkommenen. Hier heißt diese Frucht allgemein „Pommador", vielleicht eine Verdrehung von Pommes d’amour. Wahrscheinlich hat sic indcß noch einen tatarischen Namen. Von Nüssen hörte ich auch noch dic Benennung „Applitschano.“ Zn diesem Allen kommen noch dic „Baklajan", dic auf dein Odcssa'schcn Markte, wie ans allen tatarischen Märkten der Krim sehr häufig sind. Sie sind eine dunkel-violette Frucht, in Gestalt und Größe der Gurke ähnlich. Man spcis't sic nur ans eine Weise, nämlich gebacken und mit einer Fleischfarce gefüllt. Sic sind so Gemüse und Fleisch zu gleicher Zeit und vertreten gewissermaßen dic Stelle der großrussischen Pirogcn (Flcischpastetcn). Von den samentragendcn Gewächsen der Baschtans ist die Sonnenblume ent schieden dic vornehinstc. Diese Blume, dic bei uns bloß als eine — freilich nicht eben sehr ästhetische — Art von Zierpflanzen erscheint, spielt bei den Steppen bewohnern eine nicht unbedeutende Nolle. Diese Leute, insbesondere die Klein- rnsscn, dic überhaupt eine so nervöse Unruhe in den Zähnen haben, daß sic immer etwas zu beißen und zu knacken haben müssen, bei denen daher, wie wir schon oben bemerkten, auch Nüsse, Johanniöbrod n. s. w. nicht unbedeutende Han delsartikel geworden sind, haben auch in ihrem Lande noch eine Menge von Kernen zu producircn gesucht, dic sic allenfalls tändelnd zerbeißen können. Dahin gehören nun auch dic Kerne der Sonnenblume. Es werden dieselben an allen Straßenecken und in allen Dörfern verkauft, eben so wie dic Melonen-, Arbnscn- nnd Kürbißkcrnc, und cö gibt Marktfrauen, dic mit nichts weiter als mit diesen Kernen handeln. Dic Leute haben eine unglaubliche Gewandtheit, bei so kleinen Kernen die Schale vom süßen Fleische zu sondern, und knacken und beißen sie oft Tage lang. Dem, der an dic Scelenwandcrung glaubt, ist cs klar, daß die Kleinrusscn entweder ans dem Gcschlcchtc der kcrnbcißcndcn Thicre hervorgegangen sind, oder dereinst in die sterblichen Hüllen dieser Thicre einfahren werden. Wenn sic über Land gehen, so nehmen sic gewöhnlich eine große Sonnenblnmcn- scheibc unter den Arm und holen einen Kern nach dem andern daraus hervor. Es gedeihen diese Pflanzen hier bis zu einer außerordentlichen Größe. Ich maß auf den Märkten, wo dic Scheiben neben den Mclonenhanfcn anfgethürmt liegen, einige, dic 5 Fuß im Umfange hatten. Die Stämme werden in den Gärtenmehr als armdick und thcilcu sich wie die Bäume in viele Neste, an denen zuweilen 20 bis 30 Scheiben hängen. Man erkennt die Baschtans von Weitem an den gelben Sonnenblumen; denn sie sind daö Höchste, was in ihnen vorkommt. Türkische Hirse und „Kuknrns" (Maiö) erscheinen in den Baschtans gleich sam nur als Zuthat und Zicrath zur Verbrämung; denn natürlich hat man auch eigene große Felder für ihre Anpflanzung. Da in den Baschtans kein pcrcnnirendcs Gewächs vorkommt, sondern Alles darin nur vom Frühlingc bis zum Herbste dauert, so werden sie . alle Jahre von Neuem angelegt. — Gewöhnlich hat jeder Steppenbewohner in der Nähe seines Hanfes oder auch auf dem Felde seinen eigenen kleinen Baschtan, in welchem er sich seine LicblingSfrüchte zieht. In der Nähe der Stadt aber inacht daö Anlegen der Baschtans und daö Pflanzen ihrer Gewächse ein eigenes, nicht nnbedcntcndeö Ge werbe ans, mit dein sich bei Odessa insbesondere die Bulgaren befassen. Diese Leute pachten nahe bei der Stadt oder auch in der Mitte der Steppe ein Stück Land, oft von 6 bis zu 15 Morgen Größe, versehen sich mit den nöthigcn Sä mereien, bauen sich in der Nähe des gepachteten Landes eine Hütte und beginnen tut Anfänge April ihre Gartenarbeiten. Sic wählen sich gewöhnlich hartes, altes Stcppcnland, weil in dein weichen mehr Unkrant wächst, brennen daö Gras ab, dessen Asche den Dünger abgibt, und legen einen jeden Samen zu seiner Zeit. Daö Ganze ist gewöhnlich nicht in Felder cingcthcilt, weshalb denn ein Baschtan der bunteste Gemüsegarten von der Welt ist. Doch kommen in die Mitte ge wöhnlich die Arbuscn und Melonen, überall zwischendurch die Sonnenblumen, aus wärts Streifen mit Zwiebeln oder rothcn Rüben, zwischen denen Gurken und Vaklajan ranken. Als Einfassung dienen entweder Hirse und Maiö oder auch eine Art von Pfeffer (Pcrcz), dessen rothe Schoten das Hanptgewürz in der Steppe sind und beim Branntwein, bei den Suppen, bei den Saucen, zum Frühstück ii. s. w. nicht fehlen dürfen. Das Ganze umstellen sic mit einer Menge von Fallen, der überall in den Steppen so häufigen Erdhäschcn wegen, welche die Melonenkcrne sehr lieben, bitten den Himmel Anfangs um etwas Regen und nach her um andauernde Trockenheit, und lassen dann Alles keimen, grünen, blühen und reifen. Der Arbeiten sind dabei sehr wenige, und wenn die „Baschtaniks" (so nennt man diese Art von Gärtnern) in ihrer Hütte nicht schlafen, so nmwandcln sic ihre Baschtans bloß zur Bewachung. Im Spätsommer, bciin Reifen der Me lonen, haben sic dieselben besonders gegen die überall in den Steppen herrenlos umherstreifcnden Hunde zu schützen, welche die Melonen mit Begierde fressen. An fangs Oktober ist Alles abgccrndtet, und dann geht schon wieder daö Bich auf dem Gartenbodcn. In guten, im Ganzen trockenen und zur rechten Zeit feuchten Jahren lohnt sich die leichte Arbeit der Baschtaniks bedeutend. Doch geht cs ihnen zuweilen auch schlimm; denn wenn die Erndte mißräth, so habe» sic nicht nnbedentcnden Schaden, weil ihre Auslagen für die vielen Sämereien groß sind."Die Areca- oder Betel -Nuß -Palme (Arcca catecliu). Die Arcca - Palme gehört za den schönsten Baumformen, welche Indien auf- znwcisen hat. Sic steigt ganz gerade empor and ist mit der elegantesten Blättcr- krone geschmückt, in welcher Blüthcn und Früchte zugleich in reichster Fülle prangen. Zwischen den Wendekreisen heimisch, liebt sic zugleich ein heißes und ein feuchtes Klima und ist zärtlicher und empfindlicher gegen die Witterung als die Eocns; daher wächst sie auch — so viele Millionen derselben auch in Mala- barö Pflanzungen und in andern Küstengegendcn Ostindiens cnltivirt werden — nirgend in Vorderindien >vild, und ihre Hcimath, ihr Paradicsklima, scheint nur ans die Sundische Inselwelt (India aquosa) beschränkt zu sein. Im Osten scheint sie nicht weit in die Südscc- Inseln fortzuschreitcn, wo ein anderer Stellvertreter, die Kohlpaline (Area oleraeoa), für sic allgemeiner als Volksnahrung anftritt. Gegen Norden findet sie sich nicht weit über den Wendekreis hinaus und nur in der Nähe der Meeresküste. Ihre orangefarbenen Früchte, Arcca- oder Bctcl- nüssc genannt, mit schwammiger Anßenschale und einem der Muskatnuß auch an Größe ähnlichen Kerne, sind den Bewohnern Ostindiens und der angränzenden Länder zum unentbehrlichsten Bedürfnisse und daher, bei dem Ungeheuern Ver brauche derselben, zum wichtigen Handelszweige geworden. Ueber das uns so ekelhaft erscheinende Betelkancn berichtet Mcycn Folgendes: „Die Arecanuß wird bei der Zubereitung dcö Betel-Happens oder Bnyo's in schmale, längliche Stückchen zerschlagen und in Betel - Pfcfferblätter, welche auf der einen Fläche mit rohem und angcfeuchtetem Kalke bestrichen werden, cingcwickelt .... Die Zubereitung der Betelhappcn gehört den weiblichen Mitgliedern jedes Hauses an, und de» Vormittag über sicht man sic fast immer auf der Erde liegen und Buyos machen. Das Kästchen, welches hierzu gebraucht wird, enthält einige Arecanüssc, Blätter des Bctclpfcffcrs, ein starkes Messer zum Zerschlagen der Nüsse und ein kleines Tellerchen mit angefeuchtetem Kalke, der mit einem höl zernen Spatel ans die Blätter gestrichen wird. Der Luxus in dem Genüsse dieses Reizmittels ist sehr groß; denn in jenen Ländern muß Jedermann Betel kauen, und wer cs nur irgend haben kann, nimmt stündlich einen neuen Buyo in den Mund, woran er wenigstens eine halbe Stunde zu kauen und zu sangen hat." Kein Begegne» ans der Straße, ohne Anbieten von Betel, wie von Tabak; kein feierlicher Empfang, ohne dessen Uebcrreichnng nach dem ersten Gruße; Unter lassung dieser Sitte ist Beleidigung. Kein Geringer naht sich einem Vornehmen, ‘ ohne Betel zu lauen; kein öffentliches Geschäft, keine Audienz ohne diese Sitte. Goldene und andere Betelbüchsen hat Jedermann; sic sind auch die kostbarsten Kleinodien und Geschenke der Großen; der Kaiser von Mcnangkabao verherrlicht seinen Titel durch den Ruhm, das kostbarste Betclscrviee von Diamanten unter den Potentaten der Erde zu besitzen. Ja die tapalischen Mädchen sehen cö als einen Beweis von der Aufrichtigkeit und Innigkeit der Gesinnungen ihrer Geliebten an, wenn diese den Betelhappcn aus ihrem Munde nehmen."664 Schließlich dieser Ordnung nennen wir noch eine Pflanze, welche an allen Zäunen Deutschlands wildwachsend zn treffen ist: die weiße Zaunrübe (Bryonia aiba), ein Rankengewächs, mit grünlicher, unscheinbarer Bliithc und rother Frnchtbecre. Die Blatter sind 3—5 lappig. Die große, rübcnförmigc Wurzel ist stark pur- gircnd, officincll und enthält einen cigcnthümlichcn Extractivstoff „Bryon",.der einen bitter», ekelhaften Geschmack hat. Sic ist mit Recht zn den verdächtigen Pflanzen zn zählen, da sic Abführen und Erbrechen zugleich bewirkt. «KN®0©°-B» ZmelMiWanzigste ZTasse. Männliche und weibliche Blüthen befinden sich auf zwei verschiedenen Stöcken einer und derselben Art. Erste Drdnnng. M i t einem Staubfaden. Najadc (kla^a»), von denen man zwei Arten unterscheidet: die große Najadc, monosperma, mit linealen Blättern und ganzrandigcn Blattschcidcn, in Teichen wachsend, — und die kleine Najadc, bl. minor, ebenfalls in stehenden Gewässern, mit weniger zähnigcn Blattschcidcn. Wichtiger als diese ist die Sagopalme (6yeas oiroivaNs). Die Sagopalme ist ein sehr schöner, nutzbarer Baum, der besonders auf den Molukken, in China, Japan und andern asiatischen Ländern zn Hanse ist. Cr liebt sumpfigen Boden. Sein Stamm erreicht eine Hohe von 30—50 Fnß, hat nicht selten einen Umfang von 6 Fuß und endigt mit einer schönen Krone gefie derter Blätter, welche denen der Dattelpalme sehr ähnlich sind. Seine männ lichen Blüthen sind eiförmige Zapfe», die aber wohl sechs Mal größer sind, als die Tannenzapfen. Die weiblichen Blüthen sind in den länglichen Spalten eines lcderartigen Kolben verborgen; die Frucht, welche sich ans ihnen entwickelt, ist eine Nuß, mit einem etwas harten, aber wohlschmeckenden, nahrhaften Kern. Der Hauptnutzcn lvird jedoch nicht auö der Frucht, sondern aus dem reichen Mark des Stammes gezogen, ans welchem man den bekannten Sago bereitet.665 Jlt dcr Baum stark genug, so haut man ihn ab, schneidet ihn in Stücke, und nimmt das Mark heraus. Alis den holzigen Theilen des Stammes macht man Tröge, schüttet das Mark hinein, gießt Wasser darauf und reibt und schlägt cs so lange, bis sich die Fasern absondern und daö reine Mehl zu Boden sinkt. Das Mehl wird gesammelt und dann in den Handel gebracht. Ein starker Baum soll 2 bis 400 Pfund Sago liefern. Zweite Krönung. Mit z w c i Staubfäden. Die Weide (Salix) bildet ein zahlreiches Geschlecht dieser Ordnung, non denen die meisten Arten bekannt sind. Alle Wcidcnarten liefern ein weiches Holz, welches allerdings als Brennholz dient, von dem aber die jungen Sprossen zum Flechten dcr Körbe, wie zu Bandrcifcn von größter Wichtigkeit sind. Die Fortpflanznngskraft ist erstaunlich; man darf nur ein beliebiges Reis in die Erde stecken, und es schlägt »ach einigen Wochen Wurzel. Deshalb wird die Weide auch so gern auf Triften u. s. w. angcpflanzt. Nennen wir nur einige Arten: die Bruch weide, 8. fragilis, citt ansehnlicher Baum, an Bächen, Triften u. s. w. Die jungen Zweige sind sehr spröde und deshalb nicht zu Flechtwcrken geeignet. Die Rinde enthält ein cigcnthümlichcs Alkaloid — Salicin — welches der Chinarinde sehr nahe kommt. Die Samcnwollc wird wohl, mit Baumwolle vermischt, gesponnen. Die lor beer blätterige Weide, 8. pentandra, ist meist strauchartig. Ihre Rinde ist ebenfalls officincll und ihre Santcnwollc läßt sich in Verbindung »ut Bauinwollc verarbeiten. Sehr bekannt ist die Trauer- oder Babylonische W., 8. babylonica, »ul langen, hängenden Zweigen. Die Kätzchen und jungen Zweige gebraucht »>an in China wider das Fieber. Noch andere Arten sind: die Korb- oder Bandwcide, die Bachwcidc, die frühblühendc Weide u. s. w.666 Dritte Drdnun g. M i t drei Staubgefäßen. Der Feigenbaum (Ficus carica). Der Feigenbaum wächst in Asien und Südcnropa wild, und wird auch bei uns in Gewächshäusern angetroffen. In seiner wahren Hcunath ist er von »litt* lerer Größe, bei uns aber bleibt er stets zwergartig. Die Rinde ist glatt und grau, und wenn man sic anfritzt, so fließt ein scharfer Saft heraus, mit dem man Warzen wegätzcn kann. Die Blüthcn, welche bei manchen Feigenbäumen alle männlich, bei andern alle weiblich sind, sichen innerhalb einer birnförmigcn, flei schigen, oben sich schließenden Hülle, welche nach völligem Auswachsen die Feige gibt; diese ist also der Blüthcnbchältcr. Ans den Inseln dcö griechischen Archipels ist der Ueberflnß an Feigen so groß, daß man die Schweine damit mästet. Die Feigen schmecken süß und angenehm, und werden sowohl frisch, als getrocknet ge gessen. — Man zählt mehr als tOO Spielarten. Im Handel unterscheidet man folgende 3 Hauptsorten: 1) Smyrnaischc, große, runde, gelbe; 2) Genueser, »och größer und gelber, aber länglich; 3) Marscillcr, klein, rund, aber sehr- süß. -—- Die Maulbeerfcigc, F. sycomorus, in Egypten, hat ein sehr zähes Holz, wird 40—50 Fuß hoch, und dabei sehr dick. Die Früchte sind süß, aber minder angenehm. Der heilige Feigenbaum, F. religiosa, verdient nur da rum genannt zu werden, weil sich die Lacklauö (Coccus lacca) in ungemeiner Menge auf ihm aufhält. Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) gehört zu den wichtigsten unter den fast 1000 Arten von Palmen, und ist nur Afrika und einem kleinen Thcile vom westlichen Asien eigen. Mohamcd vergleicht die Dattelpalme einem edclmüthigcn Manne: „Er steht aufrecht vor seinem Herrn; in jeder seiner Handlungen folgt er dem Antriebe, den er von oben erhält, und sein ganzes Leben ist dem Wohlthnn gewidmet." Die Höhe dieser Palme beträgt zwischen 30—60 Fuß und der Umfang 6—9 Fuß. Die Krone besteht ans 40 bis 80 Blättern, die 8—10 Fuß lang werden. Die Früchte, Datteln genannt, sind länglich-oval, daumenlang, und spielen voin Blaßgclbcn bis in's Hochrothe hin über, schmecken angenehm süß und sind für Millionen eine unersetzliche Speise. Man bereitet auch einen Syrnp, ein weinartiges Getränk und einen Essig aus den Datteln. Zur Speise werden die Datteln von den Arabern und Mauren auf mancherlei Weise zubcrcitet: mit Butter gebraten, mit Milch gekocht oder mit Wasser zu einem dicken Brei, über welchen Honig gegossen wird, — und die Araber sagen, daß eine gute Hausfrau ihren Herrn einen ganzen Monat lang täg lich mit ciücm andern Dattelngcrichtc bedienen könne. Die Fruchtbarkeit ist außer-667 ordentlich; denn ein ausgewachsener Baum hat gewöhnlich zehn Rispentrauben, deren jede bis 2000 der köstlichsten Datteln enthalten niag. Wir fügen noch eine meisterhafte Schilderung (von K. Müller) über die Dattelpalme bei. Wenn auch Pflanzen- und Thicrgcstaltcn sich immer verwandter werden, je weiter man vom Aeqnator nach den Polen hin wandert, so bedeutend sind doch auch wieder die Abweichungen. Eine derselben wird keinem beobachtenden Blicke entgehen, die nämlich, daß sich Palmen und baumartige Farren viel weiter nach dem Südpol als nach dem Nordpol hin verbreiteten. Die Erscheinung ist leicht erklärt. Am Nordpol herrscht das Festland, am Südpol der Occan vor, wie ein Blick auf die Karte beweist. Dadurch wird das Klima der südlichsten Länder der Erde ein Jnsclklima, somit ein feuchteres, gemäßigteres, noch hinreichend, um Palmen und Baumfarren zu erzeugen und zu erhalten. Nur zwei Palmen wagten cö, sich von deni heißen Heerde der Palmenwelt zu entfernen und an dem gemäßigt-warmen der nördlichen Erdhälfte ihre Hcimath aufzuschlagen. Die eine ist die Kvhlpalme (Chainaerops palmctto) der vereinigten Staaten. Dort oft noch eine Höhe von 50 Fuß erreichend, erstreckt sic sich bis zum 34° nördl. Br. Die andere ist die Zwergpalme (Chamaerops humilis) von Südeuropa. Sie dringt bis zum 43'/r und 44° nördl. Br. vor. In der Gegend von Nizza und in Sardinien häufig, überspringt sic das dazwischen liegende Korsika, erscheint dagegen wieder auf Si- cilicn und in Morca. Ihr zur Seite wagte cs nur noch die Dattelpalme (Phoe nix dactylifera) , von Menschenhand ihrer orientalischen Hcimath entrissen, die Küsten Südeuropa's zu umsäumen. Sic ist damit zugleich die nördlichste Palme, deren Bedeutung jener der Kokus vielfach gleichkommt, damit uns nahe genug, ihr als unserer nächsten Nachbarin eine eigene Betrachtung zu widmen. Zur Zeit der tertiären oder der Braunkohlcnperiodc, in jener Zeit also, wo die Kreide bereits gebildet war, wo die Erdoberfläche Europa's der gegenwärtigen Gestalt immer näher kam, wo sic sich mit Landpflanzen und Landthiercn bedeckt hatte, zu dieser Zeit hätten wir die Palmen allerdings noch näher gehabt. Zu dieser Zeit war cs, wo sie ihre stolzen Wipfel über die heutige Gegend von Paris, Oise, Grisolc, Soissonö, über Böhmen, einige Orte der Schweiz, über die Gegend von Häring in Tyrol, über jene von Radoboj in Kroatien u. s. w. ausbreitetcn, wo unter ihrem Schatten die majestätischen Gestalten der Rhinozerosse und Ele- phantcn wandelten. Je weiter wir unfern Blick in die Schöpfungsgeschichte der Erde zurück lenken, um so weniger sehen tvir ihre Wipfel sich über die Erde ver breiten. Nur in der Krcidcperiodc tauchen einige ihrer Gestalten in Böhmen und Schlesien auf, damit zugleich verkündend, daß in jener Zeit Europa, vom Meere noch vielfach bedeckt, ein Jnselreich war, ein Jnsclklima besaß. Dagegen fehlen sic in der Jnrapcriodc, in der sic von den verwandten Zapfenpalmen oder den Ehkadccn vertreten werden. Dasselbe geschieht auch in der Vogesenperiode. In der Periode des pcmidischcn Sandsteins und der Steinkohlen fehlen auch die Zapfcnpalmen fast gänzlich. Je weiter wir also umgekehrt unseren Blick von den668 ersten Anfängen der Schöpfung organischer Gestalten zur Gegenwart von den Steinkohlen herauf lenken, um so reichlicher treten die Palmen in der Schöpfung auf. Dies ist nur ein neuer Beleg für die wunderbare harmonische EntwickclnngS- rcihe, in welcher fort und fort Pflanzen- und Thierwelt Hand in Hand gehen. Je näher nämlich die Schöpfungsgeschichte der Zeit naht, in welcher die Erde ihr höchstes Erzeugniß, den Menschen gebar, um so reichlicher die Palmcngcstaltcn. Ist cö nicht ganz so, als ob sich die Erde erst würdig auf diese größte ihrer Auf gaben habe vorbcrcitcn wollen? Wenn wir bedenken, daß das erste Menschen leben, wie wir in den beiden ersten Artikeln sahen, nur auf Palmen neben Pisang angewiesen war, so würde zu dieser Behauptung kein fernerer Beleg gehören. Die Palmen sind die Vorläufer des Menschen in der Urwelt. Nur sic verkünden sein Nahen und die Natur feiert ihren Sieg mit stillem Ahnen bereits in der würdigsten, erhabensten Gestalt, in majestätischen Wipfeln, hoch in die Lüfte ge hoben von kühnen Säulen, als ob sic die hohe Aufgabe der zeugenden Erdmuttcr bereits verkünden wollten. Mit dieser Anschauung hängt anmuthig eine andere zusammen. Sic gehört dein sinnigen Natursinne des alten Griechen, bei welchem die Dattelpalme dem Apoll geheiligt war, an. Ans seiner eigenen Asche erhob sich nach jenen dichteri schen Vorstellungen des Griechen ein Sinnbild ewig-neuer Verjüngung, ewigen Lebens, ein Bild der Unsterblichkeit, der wunderbare Vogel „Phönix." Die Dat telpalme, Phoenix genannt, lief) ihren Namen, lieh auch die Grundlage dieser sinnig-tiefen Vorstellung, um so treffender, als man die Dattelpalme nicht ans Kernen, sondern ans Asttriebcn zieht, da die ans Samen gezogenen Bäume weni ger Früchte ansctzcn sollen. Wie mit Anmnth und Würde die Palme der Vor- wclt sich schon hoch über die Thierkolosse unter ihren Wipfeln erhebt, damit diese gleichsam schon im Voraus in ihrer Anmnth und Kühnheit das harmonisch-zarte Bild des kommenden Menschen, seine ideale, aufstrebende Kraft, ihn damit gleich zeitig als den Besieger und Herrscher den Rhinozerossen und Elephanten ankündigt; also verheißt sic dem Menschen selbst ewige Verjüngung in ihren Tausenden ewig neuer Keime, in der Unvcrsicgbarkcit ihrer Blüthen, ihrer Früchte, ihres süßen Palmenwcines. Eben so sinnig wird die Dattelpalme dem griechischen Dichter P i» d a r o s die Vcrkündcrin des Frühlings. Wie er sich dem aufmerksamen Lau scher ans stiller, waldiger, heimischer Flur ankündigt durch leises Knistern im dürren Laube des Bodens; wie er sich anmeldct durch das leise Springen der Knospen, durch das leise Anferstehcn des Käfers ans seinem Wintersarge; wie ein leiser Regen über Gebüsch und Laub unsichtbar zu schweben scheint: also durchbricht mit lautem Knalle der Blüthcnkolbcn der Palme seine Scheide. Es ist das laute Jauchzen des Frühlings durch die Zungen seiner Blnmcnkindcr. Keinen Tropfen sah ich die Erde segnen, Und doch klingt's wie stilles Regnen! Das merk' ich wohl — am Baum und Hügel669 Sind vom Briefe des Lebens — so lieb — Abgesprungen die stillen Siegel, Welchen die Liebe an mich schrieb! So ein deutscher Dichter in deutscher, stillsimiiger Natur; dort der Grieche im lebcnsprühcudeu Vatcrlaudc. Die Dattelpalme verdient cö in vielfacher Beziehung, daö Sinnbild der Vcr- jüngung, die Grundlage des Phönix zu sein. Dafür zeugen die Bewohner ihrer Hcimath. Am nördlichsten bis in die Rivira del Ponente bei Genua, namentlich bei Bordighicra zwischen Monaco und San Stefano, wo nach Humboldt ein Palmcngcbüsch von inehr als 4000 Stämmen steht, verbreitet, trägt sic doch we der hier, noch in Dalmatien bei Spalato reife Fruchte. Diese treibt sic nur erst an den Südküstcn Spaniens in der Ebene von Elcha, unter 39° nördl. Br. Bei 45° derselben Breite überdauert sic noch die Winter. Nach einer anderen Seite hin verpflanzt, besitzt sie noch ein Thcil von Wcstasicn. Selbst auf den kanarischen Inseln wiegt sic ihre Wipfel. Das cgyptifch- syrische Reich ist ihre eigentliche Hcimath. In dieser, sowie in Arabien und Abyssinicn, herrscht sic mit der ästi gen Dumpalme (Cucifora oder Hyphacne tliebaica) als die alleinige Palme. Sie ist der Baum von Judäa. So betrachteten sic bereits die Römer. Ja, der Kai ser Bespasian (69 —79 n. Chr.) und sein Nachfolger Titus (79—81 n. Ehr.), welcher Jerusalem am 3. September des Jahres 70 zerstörte, schmückten sogar mit ihr die Münzen, die sic ans die Eroberung Jndäa'ö schlagen ließen. Das hieß das Bolk in der tiefsten Seele fassen. Die Dattelpalme war ja das Sinn bild des Heiligsten, das nun dahin war. Unter ihrem Schatten hatte Debora gewohnt und gerichtet. Jericho, die Stadt der Paluicn, trug wie Palmyra (Pal- mcnstadt) oder Tadmor des Salomo ihren Namen von ihr, der geweihten, erha benen Tamar, die noch jetzt der Araber als Tainr kennt und mit seinem Propheten verehrt, der ihn mit dem geraden, edelmüthigen und dem Dienste seiner Mitmen schen wohlthncnd sich weihenden Menschen vergleicht. In der That ist sic, obwohl sic nicht zu den schönsten der Palmen gehört, schlank und edel genug, um diesen Ruhm ZN verdienen, um in den Liedern des Orientalen zugleich der Ansdruck der Majestät und Liebe zu sein. Kein Wunder, wenn einst in Judäa daö „Hosianna!" erklang, wo die Zweige der Tamar erschienen. Diese Liebe, diese Verehrung hat sich selbst ans die flüchtigen Enkel Judäa's vererbt. Noch heute, um 1800 Jahre später, schmückt sic, eine heilige Erinnerung an die Urheimath, ihre Tempel am Passah-Feste, wie sic der katholischen Kirche am Palmsonntage (Palmarum) zu ähn licher Erinnerung dient. Nicht umsonst zieren die luftigen Wipfel der Dattel die schon genannte Rivira del Ponente. Trägt sic hier keine süßen Früchte, so zeugt sic doch Wedel, edel genug, um den Tempeln der Kinder Jndäa'ö ihre grüne "Peihe zu verleihen. Dies ist die Veranlassung, welche die Cultnr der unfrncht- l^orcn Dattel auf genncsischein Gebiete hervorrief. Gehen doch zu diesem Zwecke alljährlich mehrere Schiffsladungen mit Palmwcdeln von Bordighicra, besonders670 nach Holland ab, um sic dcn fernen, späten Enkeln Jndäa's an den Küsten dcö Nordens, besonders in Polen zn verkaufen. Was die Dattelpalme im frühesten Altcrthume war, ist sic auch noch heute in ihrem Paradieslande, dcn Ländern in und an den Wüsten Egyptens, NubicnS, Arabiens. Noch heule ruft der Wipfel einer einsamen Palme, ein amnuthig-rüh- rcndcr Zeuge des crlösendstcn aller Stoffe, den halbvcrdurstctcn Wanderer zur labenden Quelle, die er mit seinen Wedeln beschattet. Der Wanderer täuscht sich nicht. Wo eine Dattel einsam wohnt, da sprudelt auch neues Leben ans dem Busen der Erde. Darum ist auch die Dattel der Baum der Oasen in einem großen Thcilc der Wüsten, nicht selten mit Orangen in lieblichem Vereine. So ist sic mit dem „Schiff der Wüste", dem Kamcclc, zugleich das Symbol der Wüste, um so wohlthucndcr, je inniger ihr Leben an Sand und Feuchtigkeit selbst gebunden ist. Ohne Beide würde die Wüste nur unbewohntes Land sein. Fast Alles, was wir Nützliches und Schönes in der Palmenwelt schon im vorigen Ar tikel zu sagen fanden, fast Alles bewährt sich auch an der Dattelpalme. Stamm und Wedel dienen zn Wohnungen, Hausgeräth und Flcchtwcrk, die letzter« wohl auch zum Kohl. Der Saft des Stammes liefert Palmwein. Ungleich segens reicher greift jedoch die süße Frucht in das Leben des Arabers. Die Dattel ist das Brod für ihn, für Roß und Kamcel. Von ihr und der Ausdauer des Ka- mccles hängt die glückliche Reise der Karavane ab, und cs ist gewiß das Gefühl der tiefsten Abhängigkeit, welches dcn Wüstenrcisendcn bestimmt, sein süßes Brod mit dem Kamcclc ans demselben Sacke zn thcilen, aus dem auch er seine Speise nimmt. Unendlich, je nach Heimath und Alter der Palme, ist die Mannichfaltig- keit der Dattel. Bald von der Gestalt einer Eichel; bald von jener einer Pflaume, größer oder kleiner; bald von der Größe einer Maulbeere; dann aber außerordent lich süß und als „Helua" bekannt; bald von der Gestalt einer Birne, eine Art, welche die Licblingödattcl des Propheten Mohamed und so schön war, daß er dem Araber 7 Stück vor dem Frühstück vcrordncte, umhüllt sic mit ihrer äußeren, zusammenziehend schmeckenden, herben Schale ein angenehm süßes Fleisch, das in seinem Innern den länglichen Dattelkern cinschließt. Der „Rutcb" ist die frische Frucht des Arabers. Der „Adschu" ist die in Körbe gedrückte, frische, weiche, völlig reife, darum hochroth gefärbte Dattel. Ein sehr gesuchtes Nahrungsmittel, führt cö der Araber zum Markte, indem er den festen Teig ans seinem Korbe schneidet und nach dem Pfunde verkauft. Mit Wasser zu einem Breie vermischt, liefert er dem Reisenden ein süßes und erfrischendes Getränk. Berühmt ist der Adschu, welchen man zur Zeit dcö Monsuns zn, Schiffe ans dem persischen Meer busen von Bassora nach Dschidda in 10 Pfund schweren Körbchen zum Verkauf bringt. Die Datteln des europäischen Handels kommen dagegen von Tunis über Smyrna und Alexandrien. Die großen weichen mit glatter, rothgelber Schale sind die besten. Einige Tage in Wasser geweicht, benutzt man selbst noch die Kerne als Biehfutter. Darum kein Wunder, wenn sich der Bettler Mcdina's671 nach denen bückt, die der Reiche als für ihn werthlos von sich warf. Wie bei der Kölns, behauptet sich anch bei der Dattel daö Sprüchwort des Arabers, daß ihm eine gute Hausfrau einen Monat hindurch täglich mit einem neuen Dattcl- gerichte aufznwarten vermöge. Sie erreicht cs in der That. Verträgt doch die Dattel noch Butter und Milch! Macht man doch aus dem leicht gährendcn süßen Fruchtfleische noch den gesuchten Palmkäse; eine Würze für viele andere Speisen! Gewinnt man aus den Kernen doch noch Ocl und Bichl! Nun erst verstehen wir die tiefe Bekümmerniß ans dem Antlitze des Arabers, wenn seine Hoffnung einer reichen Dattelerndtc von Mißwachs oder Hcuschreckcn- fraß zu Grabe getragen wird. Wir verstehen aber auch sein Jauchzen im um gekehrten Falle in unscrm eigenen Jubel von einer reichen Weinlese, einem geseg neten Roggen- und Kartoffclfeldc. Wir verstehen endlich auch die Sorgfalt, mit welcher der Araber im Blüthenfrühling seiner Dattel sich bemüht, die weibliche Blume mit der männlichen des „Dollar" oder der männlichen Palme zu befruch ten, um reichliche Früchte zu erzielen. Zu diesem Zwecke öffnet der Araber die Blattschcide dcö weiblichen BlumenkolbenS, übcrstäubt ihn mit dem Blumcnstaubc der männlichen Blüthc und überläßt das so verbundene Paar der sicheren Liebe. Die Natur kommt ihm nicht selten entgegen. Dann übergibt sic den zarten Blü- thenstanb, von dein uns der Blüthenrcgcn unserer Weiden und Nadclbäume eine Vorstellung gibt, ihren treuen Licbcsbotcn, den Winden, gewiß, daß der Zephyr, überladen mit seiner zarten Bürde, das Haus der jungen Braut auffinden, daß die Braut ihr Gemach öffnen werde, um ihn, den Langersehnten, bei sich einzu lassen zum heimlichen Kosen. Die Natur hat in der That eine reiche Liebe für die junge Braut bewiesen. Man hat berechnet, daß ein einziger männlicher Blü- thenkolbcn gegen 12,000 männliche Blüthcn hervortrcibt, eine Summe, welche hin- reicht, um mit ihrem Blüthcnstaube gegen 500 Palmen die zarte Liebcsschnsucht zu stillen. Aber die Natur hat noch mehr für die Braut gcthan. Sie hat sogar die Fähigkeit in den zarten Blüthcnstaub gelegt, sich Jahre lang befruchtend zu erhalten. Dann sorgt der Araber mit dem sorgsam aufbcwahrtcn Staube für daö Stillen ihrer Sehnsucht, wenn feindliche Mächte den Dollar verhinderten, der Braut seine Küsse zu übersenden. Das graueste Altcrthmn hatte Kunde von diesem Vorgänge. Die Dattel war die erste Pflanze, in welcher der Mensch seine eigene Liebe wicdcrfand, ein Blnmcngcschlccht erkannte. Jahrtausende lag die Kunde, ein Diamant der Natur wissenschaft, unbenutzt im Staube. Erst Linnä war der Berufene, welcher diesen Koh-i-noor des Altcrthmns zu schleifen verstand und als Grundlage in die Krone seines berühmten GcschlechtSsystemö der Pflanzen flocht. Mit diesem Systeme ging eine neue Befruchtung in der Gcistcswclt des Menschen vor sich, eine geistige Befruchtung durch eine pflanzliche. Wie ein elektrischer Schlag hatten Linnä's wunderbare Anschauungen gezündet. Daö neue Licht der Welt, der Naturwissen schaft war aufgegangcn, Anfangs zwar noch trüb und unscheinbar, hcnt' jedoch schon072 im Beginn, die Herzen der Völker bis in alle Schichte» zn dnrchdringen. Warum wollen >vir es nicht auch den Palmen danken? Wahrlich, die Palmen sind die Boten des Friedens. Wie ihre wunderbare Blumenliebe dem Menschen das Licht der Wissenschaft, des Friedens zuführte, also kündeten sic schon in der Urwelt als Vorläufer des Menschen den Frieden der Natur an, die nun immer mehr anf- hörte, sich in großartigen Umwälzungen, in Revolutionen zu verjüngen, die ihre Verjüngung nun in allmäliger, stiller, aber um so sicherer Entwicklung suchte und endlich auch niit dem Erscheinen des Menschen fand. Sein Erscheinen ist darum zugleich auch der höchste Friede, beit die Natur über sich selbst aussprach. Der Mensch, der Palme gleich, das Symbol des Friedens. Es ist, als ob die alten Maler dasselbe gefühlt hätten, wenn sie ihren Heiligen den Zweig der Dattelpalme in die Hand als „die Palme des Friedens" drückten. Die Palme hat ihre Be- stimmnng wahr gemacht. Doch wie weit hat der Mensch das Ideal seiner Ur mutter, der Erde, gerechtfertigt? Vierte D r t> n u n g. M i t vier Staubgefäßen. Die gemeine Mistel (Viseum aibum), eine Schmarotzerpflanze, welche man nicht selten ans unscrn Obstbänmcn antrifft. Die ganze Pflanze hat ein gclbgrüncs Ansehen. Die Frucht ist eine weiße, schleimige Beere. Man gewinnt aus der Rinde einen guten Vogcllcim. Die Mistel war den alten Germanen heilig, denn sic war ein wichtiges Symbol in der Drnidenlehre. Der Sanddorn (ITyppopliaü rliatmioides) ist ein Strauch von 3 —15 Fuß Höhe, welcher gerne an sandigen Ufern wächst. Die Blüthen sind unbedeutend, die Früchte erbsengroß und rothgclb. Das Holz läßt sich vorzüglich beizen. Man benutzt den Strauch zur Befestignng der Ufer und zur Anlegung von Hecken. Gagel (Myrica galo) wächst mit liebsten in moorigen Haiden, wird 1—4 Fuß hoch, hat lauzettliche, lederartige Blätter, welche einen starken aromatischen Geruch von sich gebe». Ein Absud der Blätter vertreibt sicher das Ungeziefer. Eine amerikanische Art, M. ceri- fcra, schwitzt eine wachsartige Masse aus und wird deshalb Wachsbaum genannt.673 Fünfte Ordnung. Mit fünf Staubgefäßen. Pistazie (Pistacia). Bäume, welche trockne, einkernige Steinfrüchte tragen, gefiederte Blätter und sehr unscheinbare Blüthen haben. Die echte P., P. vera, in Kleinasien und Südeuropa, mittelgroßer Baum mit langen Aestcn, trügt eßbare Früchte, denn der Kern hat einen angenehmen süßen Geschmack, gibt ein mildes Oel und ist in der Medicin gebräuchlich. Die Mastix-P., P. lendiscus, ein 12 Fuß hoher Baum, ans der griechischen Insel, von welcher der Mastix vermittelst Einschnitte gewonnen wird. Die Terebinthen-P., P. Terebinthus, liefert durch Ein schnitte den feinen cyprischcn Terpentin. Früchte und Blätter dienen zur Bereitung des Saffians. Spinat (Spinacia oleracoa) liefert in seinen Blättern das erste frische Gemüse und wird deshalb in jedem Küchengarten angebaut. Man unterscheidet den langblätterigen und rundblätterigen Spinat. In frühern Zeiten führte man Kraut und Samen in den Apotheken. Von noch größerem Nutzen aber ist der Hanf Cannabis sativa), den man seines vortrefflichen Bastes wegen anbaut. Aus diesem Baste, der unter dem Namen Hanf bekannt ist, werden mancherlei Gespinnste, starke Stricke, Ge webe und dergleichen verfertigt. Der Samen ist, in geringen Portionen gegeben, ein gutes Vogelfnttcr, wonach die Vögel äußerst munter werden. Daher' das Sprichwort: „So wohl, wie dem Vogel im Hanfsamen." In Indien pflegt man sich durch den Hanf zu berauschen. Hanfextract, mit Opium versetzt, bringt bei den Malaien jene wüthende Raserei hervor, welche unter dem Namen Mucklaufen bekannt ist. Die Früchte und das aus ihnen gewonnene Oel sind bei uns officinell. Der Hopfen (Humulus lupulus) ist für die Bierbrauerei sehr wichtig und sein Gebrauch hinlänglich bekannt. Man pflanzt ihn deshalb in eigenen Hopfengärten an. Die jungen Sprossen geben einen gesunden Salat und die zapfenartigen Kätzchen sind officinell. Beumer'S Naturgeschichte. 43674 Fe chsle Krönung. M i t sechs Staubgefäßen. Smilax (8mii«x). Der Sarsaparillen'«Smilax, 8. sarsaparilla, ist ein immergrüner Strauch, der iu Virginien und Pennsylvanien heimisch ist, sechsblätterige Blüthcn- hüllen hat und die officinclle Sarsaparille liefert. In Italien wächst die rauhe S., 8. aspera, welche schmutzige gelbe Blümchen und rothe Beeren trägt und deren Wurzel unter dem Namen italienische Sarsaparille gebräuchlich ist. Christusdor» (VwäitsoKia). Diese Pflanzen sind Bäume mit gefiederten Blättern und starken Dornen, die Frucht besteht auö einer Hülse und die männlichen Blüthen haben einen drci- theiligen Kelch und eine dreitheilige Krone, während diese Stücke bei den weib lichen Blüthen fünftheilig sind. Stammen auö Nordamerika und werden bei uns iu Anlagen augepflanzt. S i e b e n t e B r d n u n g. Mit acht Staubgefäßen. Pappelbaum (Populus). Dieser bekannte Baum, der sehr rasch anwächst, hat im Ganzen ein sehr weiches Holz, taugt also weniger als Brennholz; im Trocknen liegend, halten die Pappelbrcttersehr lange. Man pflanzt folgende Arten an: die Schwarzpappel, P. nigra, mit abstehenden Aestcn, wird oft 80—90 Fuß hoch und sehr dick; die italienische Pappel, P. italica, welche pyramidenförmig in die Hohe geht; die Balsam-Pappel, P. balsamifera, kommt an Höhe der Schwarzpappel gleich, lieferte früher ein dem Takamahaka ähnliches Harz; die Silbcrpnppel, P. alba, die jungen Triebe sind filzig, wächst schnell und erreicht eine Höhe von 100 Fuß; die grgue Silberpappel, P. canescens, mit kleineren Blättern, alö die vorige Art, ihr sonst gleich; die Zitterpappel oder Espe, P, tremula, mit rund lichen Blättern.43 * 675 Achte Brdnun g. Mit neun Staubgefäßen. Bingelkraut (Mercurialis). In Bergwäldern auf schattigen Plätzen wächst das perennirende Bingel kraut, M. perennis, welches 1 — 2 Fuß hoch wird und grüne in Trauben stehende Blüthcn hat. Der Genuß dieser Pflanze hat gefährliche Folgen, denn es stellen sich sogleich.Erbrechen und Durchfall ein. Das einjährige B., bl. anmia, ist ein bekanntes Unkraut. Man führt diese Art in den Apotheken, denn das Kraut lvird zu Klystiren und Umschlägen gebraucht. Neunte B r d n u n g. Mit zehn Staubgefäßen. Der M c l o II c II b a » m (Carica papaya), auch Papayabaum, Königsfeigc genannt, tvächst wunderbar schnell und hat seine Heimath in den heißen Urwäldern Südamerika'-. Er ist ein Gegenstück zu dem Brodbanme der Südsee-Inseln und zum Pisang. Vor undenklichen Zeiten haben deshalb auch die Indianer diesen nützlichen Baum in die Nähe ihrer Hütten ver pflanzt, und sie scheinen den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Pflan zen erkannt zu haben, indem sie vorzüglich die letzteren ihrer Pflege würdigten. Der Stamm dieses Baumes ist einfach oder wenig gctheilt, erreicht eine Höhe von 20—30 Fuß und trägt am Ende eine Blätterkrone von tieflappigen Blättern, die denen des Feigenbaumes ähnlich sehen. Fortwährend blühend und Früchte tragend, wird er ein Segen für die Bewohner der Tropcnländcr, indem die kür bißartige Frucht genießbar ist. Die reifen Früchte, welche man in der Regel roh ißt, schmecken angenehm süß; die unreifen hingegen werden zubcreitet. Die Früchte vertreten zugleich die Stelle der Seife und der Fleckkngeln. Dieser Baum birgt in seinem Innern ein noch größeres Wunder, indem sein bitterer Milchsaft auch daö zäheste Fleisch in kurzer Zeit mürbe macht; ja, es führt selbst die Ausdün stung des Baumes zur Erreichung dieses Zweckes, so daß es auf Barbados ganz gewöhnlich ist, Geflügel und anderes Fleisch an dem Stamm des Papaya anf- zuhängcn, um cs für die Küche vorzubereiten. Vauguelin, ein französischer Chemiker, schreibt diese wunderbare Erscheinung dem Fibrinstoffc zu, welchen er in dem Milchsäfte des Baumes gefunden hat. Wurzel und Samen haben medicinische Kräfte.676 Zehnte Brdnung. Mit zwölf Staubgefäßen. Wasserscheue (Stratiotes aloidoa), auch Wasseraloe genannt, wächst in stehenden Gewässern, hat stachelig gezähnte, lanzettlichc, schwimmende Blätter, einen dreitheiligcn Kelch und eine dreitheilige Krone von weißer Farbe. Die Frucht ist eine sechskantige Beere und wird von den Schweinen gern gefressen. Mondsame (Menispermum canadenao), oder canadischer Epheu, ist ein Kletterstrauch ausVirginien und Canada, der 9 — 12 Fuß hoch wird, schöne, rnndherzförmige Blätter und grünlichweiße Blü- thentraubcn trägt. Man benutzt diese schöne Pflanze zur Bekleidung von Wänden und zur Anlegung hübscher Lauben. Elfte Krdnung. Die Staubfäden sind unten mit einander verwachsen. Wachholder (Juniporus), ein bekannter Strauch mit scharfen Stacheln. Das Holz wird zu Pfeifcnröhren und Pfeifenköpfcn verarbeitet, die Beeren aber dienen als Arznei, als Gewürz und als Räuchermittel; auch wird der Wachholder-Branntwein über diese Beeren destillirt. Es gibt folgende Arten: der gemeine W., 7. eommuvio, der Ce- dern-W., 9. oxycedrus und der Sadebaum, J. sabina. Die letzte Art ist der bekannte Scvenbaum, dessen grüne Zweige officinell sind. Der Eibeilbaum (Taxus baocata). Der Taxus, welcher zur Familie der Coniferen gehört, ist ein immergrüner Strauch oder Baum mit Nadelblättern. Er erreicht eine Höhe von 30—40 Fuß und kann 4—560 Jahre alt werden. Holz, Beeren und junge Zweige sind offi cinell. Blätter und Zapfenfrüchte wirken giftig, allein nicht in einem so hohen Grade, als man früher glaubte. Das harte Holz nimmt eine vorzügliche Politur an und eignet sich zu schönen Tischler- und Drechsler-Arbeiten. In frühern Zei ten, wo man Gefallen daran fand, Garten- und Parkanlagen mit allerlei sonder baren Zierathen auszuschmücken, benutzte man den Taxus dazu, um ihn in Kugel-, Pyramidenbüumen u. dgl. zu ziehen.677 Mllskatliußbailin (Miristica moscbata) (SCftf. XX. Fig. 40.) Der Muskatnußbaum, welcher ursprünglich nur auf den Molukken angetroffen wurde, jetzt aber auch in andern Welttheilcn cultivirt wird, hat einige Aehnlich- keit mit einem kleinen Birnbäume, doch gleichen seine Blätter mehr denen des Lorbeers. Er ist sehr empfindlich, und bei der geringsten Verletzung tritt ein rother Saft aus der Rinde, der Baum fängt an zu kränkeln und stirbt bald dar auf ab. Wird er aber gehörig geschont, so trägt er bis in's 80., sogar 90. Jahr- reichlich Früchte, die als Muskatnüsse in den Handel kommen. Die Frucht er scheint zuerst als ein hellgelbes Knötchen, das sich in kleinen Blumen entwickelt, in deren Mitte ein dünnes, rothcs Stcngelchen sitzt, woraus die Frucht in nenn Monaten entsteht und zur Reife kommt; so daß man auf ein und demselben Baume Knospen, Blüthen und Früchte findet. Um die Nuß sitzt ein Gewebe von Fasern, welches die sogenannte Muskatblume (Macis) ist. Seit dem Jahre 1623 sind die Holländer, mit sehr kurzen Unterbrechungen, im Besitze der Molukken oder Gewürzinseln gewesen und haben den Handel mit Muskatnüssen zum Monopole gemacht, und zwar in einer Weise, wie sic in den Annalen des Alleinhandels kein Beispiel hat. Ihr Princip war und ist, nicht die Cultur und den Handel aufzumuntern, sondern nur einen möglichst großen Gewinn aus einem kleinen Handel zu ziehen. Crawfurd, der genaue Kenner der asiati schen Inselwelt, hat diese Verhältnisse ganz klar gemacht und gezeigt, daß der Verkaufspreis der Specereien iu Holland die Produktionspreise an Ort und Stelle um mehr als 2000 Procent übersteigt. Derselbe zuverlässige Berichterstatter schätzt die jährliche Produktion der Banda-Inseln auf 600,000 Pfd. Muskatnüsse und 150,000 Pfd. Muskatblüthe und glaubt, daß trotz der Todesstrafe, welche die Schleichhändler aus den niedern Ständen, und der Verbannungsstrafe, welche diejenigen aus den höheren Ständen trifft, alle Jahre noch außerdem etwa 60,000 Pfd. Nüsse und >5,000 Pfd. Blüthe heimlich ausgcführt werden. Aus der Nuß, wie auch aus der Blüthe wird ein kostbarer Balsam, der medicinisch ist, gewonnen.678 DrelMdzwanziBe Ataste. Pflanzen, auf denen Zwitterblumen mit männlichen und weiblichen Blüthen untermischt sind. Erste B r d n u n g. Aus ein und derselben Pfanze stehen männliche und Zwitter- bln men. Acacie oder Srhotciworn (Aeaeia). Fast alle Arten der echten Acacie sind reich an Harz und liefern daS bekannte Gummi, welches medicinisch ist und auch in Gewerben mannichfach benutzt wird. Die Blüthen sind weiß oder gelb, stehen in Köpfen oder Aehren, und enthalten Staubfäden in verschiedener Anzahl, von 10 bis 200. Die wahre Acacie, A. vera, eilt Baum von mittlerer Größe, wächst am Senegal bis nach Egypten; die arabische A., A. arabica, kommt in Obereghpten und in Ostindien vor. In Gewächshäusern cultioirt man eine große Anzahl Varietäten, die namentlich in neuerer Zeit beliebt geworden sind. Die Nenholländischen Arten blühen alle gelb, nur die eine Art dnnkeler oder Heller, als die andere; die Südamcrika- nischen hingegen blühen weiß, rosa oder auch pnrpnrroth. Man zählt über drei ßig Arten, die alle im Winter in Gewächshäusern stehen und vorsichtig behandelt sein wollen. Siunpflaiize (Mimosa). Die Sinnpflanzen, welche meistens gefiederte Blätter haben und die sich bei der geringsten Berührung Zusammenlegen und senken, haben ihre Heimath in den Tropen. Man cnltivirt bei uns einige Arten, namentlich M. pudica, in Ge wächshäusern. Selten dauert diese Pflanze länger als zwei Jahre. Alan zieht deshalb ans Samen jährlich neue Pflänzchen. Die keusche Sinn pflanze, M. casta, wächst in Ostindien und die empfindliche Sinnpflanze, Al. 8LN- sitiva, in Brasilien.679 Zweite Brdn n n g. Auf der einen Pflanze sind männliche und Zwitterblumen, auf der andern weibliche und Zwittcrblumen. Die niedrige Stechpalme (Chamaerops humills) ist die einzige europäische Palmart. Sie wächst in den Ländern des Mittelmeeres. Man genießt nicht nur die jungen Triebe, sondern auch die abgcschältcn Wurzeln. Sie erreicht indessen nur eine Höhe von 3 bis 8 Fuß. Der Myrten-Suuiach (Gloriaria royrtifolia) ist ein buschiger, ästiger Strauch von 3—6 Fuß Höhe und wächst in Südeuropa und Nordafrika. Die Früchte sind schwarzbraun und enthalten, wie die Blätter, ein starkes Gift. Die Blätter dienen zum Gerben und Schwarzfärben. Dattelpflailine (Diospyros). Diese Pflanzen machen die Familie der Ebenhölzer aus. Wir nennen nur die Hauptarten: die virginische D., D. virginiana, ist ein ansehnlicher Baum von 50^-60 Fuß Höhe, hat ein weißes, hartes Holz und trägt pflaumengroße Früchte, die man, nachdem sie einige Fröste überstanden haben, genießen kann, weil sic sonst zu herbe sind. Mau benutzt sie auch zur Bereitung eines Branntweins. Die Ebeuholz-D., v. eborum, in Ostindien wird 40 Fuß hoch, trägt olivcn- artige Früchte und hat ein durch und durch schwarzes Holz von schwerem Gewicht, >velchcö bekanntlich ein Handelsartikel geworden ist, indem feine Tischler- und Drechsler-Arbeiten daraus verfertigt werden. Die Schirmpälmc (Corypha), auch Talapat - oder Tclipatpalme, gehört hierher. Es gibt im Pflanzenreich nur wenige merkwürdigere, schönere und dem Menschen nutzbarere Gewächse, als die auf der Insel Ceylon und der Küste von Malabar einheimische Fächerpalme oder Talipot (corypha umbraculifera Linn.). Robert Knop sagt, sie werde so stark als ein Schiffömast, Cord ine r aber gibt genauere Nachweisungen in dieser Hinsicht, denn er berichtet, daß ein solcher Baum, den er nusmaß, hundert Fuß hoch war, und dicht am Boden 5 Fuß im Umfang hatte. Der Stamm dieses Baumes ist so gerade wie ein Lanzcnschaft, und wird nach dem Wipfel zu allniälig dünner, so daß der obere Umkreis etwa halb so viel mißt als der untere, indeß ist er stark genug, um auch den stärksten tropischen Winden widerstehen zu können. Er hat keine Zweige, und sein Wipfel treibt nur Blätter, die am Baum sich fast kreis-680 förmig ausbreiten, und sind von so ungeheurer Größe, daß sie zehn bis zwölf neben einander stehende Menschen (Knox spricht von 15—20) bedecken können. Die aus der Spitze des Baumes oberhalb der Blätter cmportreibende Blüthe be steht anfänglich aus einem Kolben von glänzend gelben Blumen, die zwar schön aussehen, aber einen zu starken, scharfen Geruch verbreiten, als daß man ihn an genehm finden könnte. Die Blüthe ist vor ihrer Entwicklung von einer harten Rinde umschlossen, die beim Durchbrechen der Blume mit einein lauten Knall berstet. Dieser Blüthenkotben erreicht eine bedeutende Höhe, und vermehrt die des Baumes oft um mehr als 30 Fuß. Aus den Blüthen entwickelt sich die Frucht, oder der Same, der von der Größe unserer Kirschen, außerordentlich zahlreich, aber nicht eßbar ist, und nur zur Vervielfältigung des Baumes benutzt werden kann. Die Eingeborenen geben sich, wie es scheint, nicht die Mühe des Säens, sondern überlassen dies gänzlich der Natur. Jeder Baum treibt nur ein Mal Blüthen und Früchte, und zwar, den Eingeborenen zufolge, erst im hundertsten Jahre seines Alters; Ri bcyr o, ein portugiesischer Schriftsteller, sagt, um das drei ßigste Jahr, und diese Angabe scheint allerdings der Wahrheit näher zu kommen. Sobald die Frucht oder der Same zur Reife gekommen, dorrt der Baum auö und stirbt so schnell ab, daß man ihn nach Verlauf von zwei oder drei Wochen verfault am Boden liegen sieht. Knox sagt, daß, wenn der Baum umgehauen werde, bevor er Samen treibt, das in seinem Stamme enthaltene Mark eine sehr gesunde, nahrhafte Speise gebe, und daß die Eingeborenen es in Mörsern zu Mehl zerreiben, aus dem sie Kuchen backen, die einen dem weißen Brod ähnlichen Ge schmack haben; auch diene ihnen dieses Mark vor der Erndtc statt des Getreides. Man findet in keiner Beschreibung von Ceylon eine Erwähnung von diesen Kncheu, da indcß Kuox in seinen Angaben sehr genau und wahrhcitliebcnd ist, so läßt sich annehmen, daß die Eingeborenen deren zu bereiten Pflegen. Bekannter ist, daß aus dem Mark des Baumes der Sago bereitet wird. Der Stamm des Talipot ist, wie der der meisten andern Palmeuarten, von Außen sehr hart, inwendig aber ist der größere Thcil seines Durchmessers mit einer bräunlichen, galligen Masse an gefüllt. Der Sago wird bereitet, indem man die inner» schwammigen Theile des Stammes im Mörser stößt und so eine mehlige Substanz gewinnt, die dann ge körnt wird. Die größte Nutzbarkeit des Baumes ruht indeß in seinen Blättern. Am Baum haben sic, wenn sie ausgcbreitct sind, eine schöne dunkelgrüne Farbe; diejenigen aber, die man zum Gebrauch einsammclt, werden abgebrochen, ehe sie sich entfalten, und diese sind und bleiben von lichter bräunlich gelber Farbe, ungefähr wie altes Pergament. Ihre Zubereitung ist höchst einfach: sic werden mit glatten Stücken harten Holzeö gerieben, wodurch jede Feuchtigkeit, die etwa noch in ihnen ist, ausgepreßt und ihre von Natur schon sehr große Biegsamkeit noch vermehrt wird. Man kann sie ohne die mindeste Anstrengung wie einen Fächer ausbreiten oder zusammenlegen, und in der That werden sie auch von den Eingeborenen nicht nur als solche, sondern auch als Sonnen- und Regenschirme gebraucht; im Feld681 dienen sie ihnen sogar statt der Zelte und in Stücke geschnitten als Papier, um darauf zu schreiben. Das Blatt ist so leicht, daß man ein ganzes ohne Anstren gung in der Hand tragen kann; da dies aber wegen der Größe eines ganz aus gebreiteten Blattes unbequem sein würde, so schneiden die Eingeborenen Stücke davon ab, mit denen sie sich gegen die brennenden Sonnenstrahlen oder den Regen schützen. Der schmalere Theil wird nach vor-n getragen, damit man um so unge hinderter durch die im Lande sehr häufigen Waldungen und Gebüsche gehen kann. Handhaben sind nicht üblich, sondern der, der das Blatt trägt, hält das Blatt an beiden Seiten mit den Händen. „Dies ist," sagt Knox in seiner kindlich frommen Weise, „ein großes Gnadengeschenk, das der allmächtige Gott diesen armen nackten Menschen in diesem regnerischen Lande verliehen hat. Auch die Hitze in Ceylon, dessen mittlere Temperatur 81° F. ist, hält oft sehr lange an und steigt zu einer fürchterlichen Höhe, und mithin ist das Blatt der Fächerpalme nicht minder schätz bar als Schutz gegen die Sonne, wie gegen den Regen." So viel Wasser auch immer auf das Blatt fallen mag, so nimmt es doch keine Feuchtigkeit an, sondern bleibt stets gleich trocken und leicht. Die britischen Truppen überzeugten sich, in ihrem Feldzuge in den Dschongeln gegen die Cinga- lescn in den Jahren 1817 und 1818, gar sehr zu ihrem Nachtheil, welch' kräf tiges Schutzmittel diese Blätter gegen Nebel und Regen sind. Die feindlichen Musketiere, von denen jeder mit einem solchen versehen war, hatten stets trockenes Pulver und Gewehr und konnten das Feuer auf ihre Gegner unterhalten, während die Briten, des häufigen Regens und der Feuchtigkeit in den Gehölzen wegen, sehr oft nasse Flinten und Munition hatten, und folglich das Feuer nicht er widern konnten. Als Zelte gebraucht, werden die Blätter der Fächerpalme gerade anfgcrichtct. Zwei oder drei solcher Schirme gewähren ein herrliches Obdach, und da sie sehr leicht und bequem zu transportircn sind, indem man jedes Blatt bis zur Größe eines Manncsarmes znsammenrollen kann, so eignen sie sich sehr gut zu diesem wichtigen Dienste. Die Häuptlinge haben regelmäßige, viereckige Zelte von diesen Blättern; sic werden zu diesem Zwecke sauber znsammengenäht und über ein leichtes Gestell gespannt; ein solches Zelt ist sehr bequem und nimmt, zusammen- gcpackt, wenig Raum ein. Als Papier gebraucht, werden diese Blätter, wie bereits erwähnt, in Stücke geschnitten (die, welche wir sahen, waren ungefähr 15 Zoll lang und 3 Zoll breit), eine Zeit lang in siedendem Wasser geweicht, ans beiden Seiten mit einem glatten Stück Holz gerieben, um sie biegsam zu machen, und dann sorgfältig getrocknet. Die Cingalesen schreiben oder graben ihre Buchstaben mit einem Griffel oder spitzen stählernen Jnstrninent daraus und reiben sie dann mit einer dunkelfarbigen Sub stanz ein; da diese nur in den aufgerissenen Stellen haftet, so werden die Buch staben dadurch mehr heransgehoben und lassen sich leichter lesen. Der färbende Stoff wird mit Kokusnußöl angefcuchtet und ist, wenn er trocken geworden, nichtleicht zu verwischen. Bei gewöhnlichen Gelegenheiten schreiben die Eingeborenen auf die Blätter einer andern Palmart; zu Regicrungsdekrctcn, wichtigen Doku menten, Staatsvcrtrügcn z. B. und Büchern aber bedient man sich stets der Blät ter der Fächcrpalme. Ein cingalcsisches Buch ist ein Bündel solcher znsammenge- bnndener Streifen. Da sogar die Rcchtsgclchrtcn und Unterrichteten des Landes in chronologischer Hinsicht sehr mangelhafte Kenntnisse besitzen, so gibt eö, wo cs auf Daten ankommt, oft grosse Verwirrung, und nicht selten sicht man einen cin- galesischen Richter das Alter eines ihm vorgclcgtcn Dokumentes durch den Geruch und durch Einschnitte, die er in dasselbe macht, prüfen. Das Oel, dessen man sich zum Schreiben bedient, hat einen sehr starken Geruch, der die Insekten abhält, sich aber mit der Zeit verliert; die Blätter sollen aber auch ohne Oel den Zerstörungen des Alters und der Insekten trotzen. Merk würdig ist, daß die Cingalcsen die frommen Handlungen, als z. B- die Gründung eines Tempels, oder die einem solchen verliehenen Schenkungen, ans niedliche, mit Silber eingefaßte Platten von feinem Kupfer einzngraben pflegen, diesen Platten genau die Gestalt der Blättcrstreifen geben, auf die sic gewöhnlich schreiben. Außerdem bedienen sich die Cingalcsen noch sehr häufig der Blätter der Fächcrpalme zur Bedachung ihrer Häuser; auch verfertigen sic Hüte aus ihnen, mit einem so breiten Rand als ein ausgespannter Regenschirm, die besonders von säugenden Müttern getragen werden, um sich lind ihre Kinder gegen die Hitze zu schützen. Der Talipot ist jetzt nicht mehr so häufig, und wird von denen, die nur die Küste und nicht auch das Innere der Insel besuchen, selten gesehen. Er scheint unter andern Bäumen zerstreut in den Wäldern zu wachsen. Auf einer Ansicht der Stadt Candy, wie sie im Jahre 1821 war, sieht man einen schönen blühen den Talipot unter einer Gruppe von Koknspalmcn. Dritte Drdnung. Ans einer Pflanze männliche, ans einer anderen weibliche und auf einer dritten Zwitterblnmen. Johannisbrod (Coratonia siliqua). Die Heimath des Johannisbrodbanmes ist das südliche Europa und der Orient, namentlich daö gelobte Land. Er trägt eine Hülsenfrucht, welche frisch gepreßt einen Zuckersaft liefert, der zur Weinbereitnng benutzt wird. Mit den übrig gebliebenen „Träbcrn" füttert man Schweine und andere Hausthiere. Auch wird die Frucht als Arznei, namentlich gegen Sodbrennen gebraucht. Der Baum hat in seinem Wüchse Achnlichkeit mit dem Apfelbaum; die Blüthen683 sitzen in Trauben und sind röthlich und die Schote wird 5—6 Zoll lang und etwa 1 Zoll breit. Man rechnet noch mehrere Pflanzen in diese Klasse; gewöhnlich aber läßt man diese Klasse ganz fallen und vertheilt die Pflanzen nach ihren Staubfäden in bifiTübrigen Klassen. -w-o<3K>e*-w- Masse. Kryptogame n. Dazu gehören alle Pflanzen, denen die Geschlechtsorgane, also auch die Blüthen fehlen, die keinen eigentlichen Samen, sondern nur Keimkörner oder Sporen erzeugen und meistens ans Zellgeweben bestehen. E r \l t Brdn u it g. Farrenkräutee. Die Farreukräuter gehören zu den laubtragenden Kryptogamen und nähern sich von allen Pflanzen dieser Klasse am meisten den Phannrogamcn, indem das Zellengewebe doch hin und wieder von Spiralformen dnrchwcbt ist. Man theilt sie ein in Halbfarrcn und echte Farrcn. Bei den Halbfarren steht die Frucht in nackten Kapseln, die von dem Schleierchen, einer Fortsetzung der Oberhaut, nicht selten bedeckt sind. Die echten Farren tragen die Fruchtkapseln aus der Rück seite der blattartigen Ausbreitung. Halbfarrcn. Rhizospermen (Rhizosi^ermae). Dazu gehört das Brachsenkraut (lsotztos), die Morsi lic (Morsilea), Kugelpillcufarreu (Pilularia) itnb der Lebermoosfarren (Salvinia). Eguisetaceen (Equisetaceae), deren Früchtchen in Nehren, Kätzchen oder Trauben flehen. Dazu der Schachtelhalm (Equisetan); der Acker - Schach- ^'lhaliii (E. arvonao) ist ein bekanntes Unkraut in Wiesen und auf nassen Acckeru; Tischler-Schachtelhalm (E. hyetnale), der sehr scharf gefurcht ist, »ad deshalb zum Poliren des Holzes gebraucht wird, hat eine kurze, schwärzliche -lehre und wächst an Ufern und in feuchten Wäldern. Das Kraut beider Arten 'st officincll.684 Lykopodiaceen (Lycopodiaceae). Am wichtigsten ist der gemeine Bär lapp (I-. olavatum), eine kriechende Pflanze, welche nämlich in höher gelegenen Bergen wächst und in Kapseln eine Art Blüthenstanb trägt, der als Blitz pulver auf Bühnen, als Streupulver in Krankheiten, namentlich beim Wundwerden der Säuglinge, angewendet wird. Es ist das bekannte Hexenmehl oder Bärtappsamen. Dieser Staub vermischt sich durchaus nicht mit dem Wasser. Streut man ihn deshalb auf's Wasser, so kann man hinein greifen, ohne sich naß zu machen. Echte Farrcn. Traubenfarren (Osmunda). Der Königs-Trauben farrcn, 0. regalis, welcher am meisten in Torfboden vorkommt, wird seiner feinen, schönen, großen Blätter wegen wohl in Anlagen angepflanzt. Die doppeltgefiedcrtcn Wedel tragen die Früchte am obern Theile, die Kapseln sind roth und stehen gehäuft. Die Wurzel dieser Pflanze wird wohl noch in den Apotheken geführt. Die Natterzunge (Ophioglossum) , deren Wedel besteht nur aus einer endständigen Aehre und der Strunk wird 4—6 Zoll hoch. Der Waldfarren (Aspidium) kommt bei uns häufig vor. Am wichtigsten ist der Wurmfarren, A. filixmas, mit doppeltgefiederten Wedeln, wo die Häufchen in zwei Reihen an der Mittelrippe sitzen; — weil er eine wirksame Arznei in Wurmkrankhciten liefert. Die Apotheken führen Radix filicis maris, als bewährtes Mittel wider den Bandwurm. Der Krullfarren (Adiantum) oder Franenhaarfarren wächst mehr in Südcuropa, ist sehr glatt, doppeltgefiedert und hat blaßbraune Frnchthäufchen in einzelnen Reihen. Ist officinell. Der Saumfarren (kteria) wird oft mit dem Wurmfarren verwechselt, weil er damit viele Aehnlichkeit hat. Der Zungenfarren (Scolopendrium) hat eine Art, welche in Gebirgen, ja oft in tiefen Brunnen wächst, es ist die Hirschzunge, 8. oKoinarum, welche sonst gebräuchlich war, und gegenwärtig noch als Hausmittel auf alte Wunden gelegt wird und wirklich wirksam sein soll. Der Tüpfelfarrcn (Polypodium) hat rundliche, zerstreute Fruchthäufchen. Am bekanntesten ist der Engel fuß, P. vulgare, an alten Wällen und Wald- ränden, dessen Wurzeln bittersüß und officinell sind. Es gibt noch viele Arten, welche aber von noch geringerer Bedeutung sind, als die genannten.685 Zweite Drdnung. Moose (Llusoi). Die Moose sind nur von wenigen Spiralgefäßen durchzogen, ihr Bau ist fast rein zellig. Die Frucht ist in der Regel mit einem Häutchen überzogen, welches sich bei der Reife öffnet. Die Moose pflanzen sich außerdem noch durch Knospen fort. Man findet sie an Bäumen, Felsen, auf Dächern u. s. w. Man theilt sie in Laubmoose und Lebermoose. Die Laubmoose (M. frondosi) haben eine feine Wurzel, der Stengel ist bisweilen 2 Zoll lang, bisweilen kaum sichtbar. Die einfach sitzenden Blätter bedecken den Stengel. Die Samenkapseln öffnen sich entweder mit einem Deckel, oder sie sind vierspaltig. Es gehören dazu der Schlitzzahn (Dryptodon), der Wiedcrthon (Polydrichum), das Quellmoos (Fontinalis), das Strauchmoos (Leskea) und das Astmoos (Hypnum). Alle diese Arten wurden früher in der Medicin gebraucht, sind aber jetzt von keiner Bedeutung mehr. Die Lebermoose (M. hepatici) enthalten mehrere nützliche Arten, z. B. das Torfmoos (Sphagnum) der Is länder , welches zuckerhaltig ist und zu Brod verbacken wird. Auch gehört das Krugmoos (Alicularia) , der Hörnerschorf (Anthoceros) und die Mor- chantie (dloreüantia) hierher. Dritte Drdnung. Flechte» und Algen (Ligenes et algae). Wir nennen nur die zwei wichtigsten Arten: die isländische Tartschen- flechte (Oestraria islandica), welche auf Bergen wächst, hohe, dichte, graugrün, liche Rasen bildet und als wirksames Arzneimittel in Brustkrankheitcn gebraucht wird; die Lackmusflechte oder Kräuter-Orseille (Rocella tinctoria), welche cm felsigen Ufern des Meeres in Südeuropa wächst, und zur Bereitung des Lack- muses dient. Von den Algen sind zu neunen die eßbare Hautalge (Holyme- ria palmata) im atlantischen und Mittelmeer, der Riementang (Laminaria lamour) und der Seetang (Pneus). Letztere Art enthält Iodien und war des halb ofsicincll.686 Vierte Ordnung. Pilze (Fungi) oder Schwämme, welche auf der niedrigsten Stufe der Pflanzenform stehen. Sie entstehen meistens ans verwesenden organischen Substanzen und bringen dann selbst wieder Keime hervor. Man unterscheidet hüllenlose Pilze, solche ohne Hut, und Hüll- oder Hutpilze. Zu den hüllenlosen Pilzen gehört der Hantbrand, Hauspilz, das Mutterkorn, derRnßbrand, Körnerbrand und die verschiedenen Ar ten Schimmel. Zu den Hüllpilzen rechnet man die Knorpelpilzc, Haarflechtpilze und Hutpilze. Nur die wichtigsten Arten können wir hier noch anführen. Zn den eßbaren Pilzen gehören die Trüffel (Dubor cibarium), in Waldungen über der Erde wachsend, außen und innen schwärzlich, aber faustgroß werdend; die böhmische Hutmorchcl (Morchella Bohemica), 4 — 8 Zoll hoch, glanzend, fingerhutartig; die Keulenmorchcl (Clavaria) ans Kalk- und Sandboden wach send, wird 4—8 Zoll hoch und 1—2 Zoll dick. Der Feld-Plättchen-Pilz oder Champignon (Agaricus campestris) hat einen festen, walzigen Strunk, ist weißlich, 1 — 3 Zoll hoch, wächst auf Wiesen und Aeckern, wird aber auch in Mistbeeten gezogen. Zu den giftigen Pilzen gehören: der gemeine Gitterpilz (Clathrus cancellatus) , ist weiß und roth, sehr stinkend; die stinkende Gift morchel, Phallus impudicus, sieht jung einem Ei ähnlich, der Hut ist oliven farbig, wird auch als Mittel wider die Gicht gebraucht; der Fliegenpilz (Aga- ricus muscarius) mit rothem, weißgetupfcltcm Hut, in schattigen, feuchten Wäl dern, ist sehr giftig und tobtet mit einem Milchaufguß Fliegen; der Satans pilz (Boletus satanas) wird 2 — 3 Zoll hoch, hat einen dicken Strunk, ist dnn- kelroth, innen wcißgclb, mit 3 — 7 Zoll breitem Hut, nach Lenz der giftigste aller Pilze; der Hexen-Stühren Pilz (Buletus luridus), roth oder gelb, am Grunde knollig, der filzige Hut kissenförmig, wird mit dem Alter immer giftiger. Wir haben nur wenige Arten dieser Klasse genannt, weil dieselbe im Allgemeinen wenige interessante Formen enthält. Eine vollständige Beschreibung der krhptoga- mischen Gewächse würde aber einen zu großen Raum einnehmen. Wer sich weit läufig darüber belehren will, den verweisen wir aus Dr. Phöbns Deutschlands kryptogamischc Giftgewächse.Das Mineralreich. Die Mineralien bilden die dritte große Gruppe im Haushalte der Natur und unterscheiden sich wesentlich oon den Thieren und Pflanzen. Man nennt sie unorganische Körper, weil ihnen die Bedingung eines inner» Lebens fehlt; denn sie wachsen nur durch Ansatz oder Anhäufung von außen her, oder durch Mischung, und sind nicht, wie Thicre und Pflanzen, einer Verwesung unterworfen. Der Mensch hat cS nicht in seiner Gewalt, zum Gedeihen der Mineralien irgend wie Etwas beizutragen; nur aus der Tiefe der Erde kann er sie hervorholen und zu seinen Zwecken benutzen. Wenn wir indessen erwägen, daß man höchstens 6000 Fuß in das Innere der Erde einzudringen verniag, so bescheiden wir uns gerne, daß wir nur die Rinde unserer Erde kennen lernen können. Derjenige Theil der Naturgeschichte, welcher sich mit den Mineralien beschäftigt, wird Mineralogie genannt. Die Zahl der tropfbar-flüssigen Körper, welche zum Mineralreiche ge zählt werden, ist gering und die gasigen Stoffe gehören den Atmosphärilien an. Dennoch ist das Reich der Mineralien sehr ausgedehnt und die Mineralogie, im weitern Sinne genommen, zerfällt in mehrere Abtheilungen. Deuten wir dieselben kurz an: 1) Oryktognosie, oder Mineralogie im engern, eigentlichen Sinn, beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Erforschung und Darstellung der unmit telbar an den Mineralien haftenden und ihnen eigcnthnmlich angehörenden Eigen schaften; 2) die Geologie oder Geognosie, auch Lehre von der Bildung der Erde genannt, betrachtet vorzüglich die Verhältnisse des Zusammenkommens der Mineralien und ihrer gegenseitigen räumlichen Verknüpfung n. s. w.; 3) die L ithur- gik, technische oder gewerbliche Mineralogie, beschäftigt sich mit der Anwend barkeit der Mineralien in Künsten und Gewerben. Die Mineralogie gehört un streitig noch zn den Wissenschaften, welche sich erst in der Entwickelung befinden und ihrem Abschlüsse entgegen sehen. Wenn auch Linnä für die Mineralogie wenig geleistet hat, so war Er es doch, welcher andern Naturhistorikern durch seine wissenschaftlichen Arbeiten über das Thier- itnb Pflanzenreich den Anstoß gab, auch daö Gebiet der Mineralien auf wissenschaftlichem Wege zu bearbeiten. Nach Linnö traten Romä de l'Jlle (1772) in Frankreich, Werner (1774) in688 Deutschland mit klassischen mineralogischen Werken auf. *) Die Werke eines Hauy, Weiß, Mohs sind in dieser Beziehung von Bedeutung. Durch Ber- zelius konnte die Wissenschaft au Gründlichkeit nur gewinnen; denn er wollte die Mineralogie als ein Excerpt der Chemie betrachtet wissen. Es liegt nicht in dem Zweck dieser Schrift, ans die verschiedenen Systeme einzugehen. In chronologischer Beziehung theilt man sämmtliche Mineralien in zwei Hauptklassen: 1. in primitive Mineralien, — solche, die vor der organisirten Schöpfung da waren. Dazu gehören: a) die Granitgebirge und b) die Ganggebirge; 2. in secnndiire Mineralien, — solche, welche in der Zeitfolge nach den or ganischen Naturprodukten entstanden sind. Man rechnet dazu: a) die Flötzgebirge und b) die aufgeschwemmten Erdlagen. Indem wir nun zur Beschreibung der Mineralien übergehen, halten wir folgende vier Hauptklassen fest, welche sich besonders auf die äußern Merkmale begründen, jedoch auch die innern Merkmale beachten: Erste Klasse: Steine und Erdarten; Zweite - Salze; Dritte - brennbare Mineralien; Vierte - Metalle. Erste Mste. Steine und E r d a r t e n. Die Steine und Erden lösen sich weder im Wasser, noch im Oel auf, sind feuerfest und lassen sich nicht hämmern. Sie bilden den festen Theil unserer Erde, *) Abraham G ottlob Werner, geb. J750, den 25. September, zu Wehrau in der Ober- Lausitz, gest. 80. Juni 1817 zu Dresden, ist mit Recht als denjeuigeu zu nenneu, der der Mineralogie zuerst eine wissenschaftliche Form gab. Wenn er auch als Schriftsteller weniger wirkte, so war seine Thätigkeit und sein Einfluß als Lehrer, als Träger dcS lebendigen Wortes, von so größerer Tragweite, da wir Männer, wie Voigt, v.Bnch und v. Humboldt, zu seinen Schülern zählen können. >Eiue Lebensbeschreibung diese« merkwürdigen Mannes lieferte Frisch, Leipzig 1825, in welcher Professor Weiß, durch zwei Abhandlungen, seine Verdienste um Orpktognosie und Geologie gebührend hervorhebt.)und die übrigen Mineralien finden sich hin lind wieder darin zerstreut. Die Erd- artc» sind besonders wichtig, weil sic die Gritndlage des Gartenbaues und der Landwirthschaft bilden und wichtiges Material für verschiedene Industriezweige liefern. Man rechnet zu dieser Klasse folgende Geschlechter: 1) das Kiesel-, 2) das Zircon-, 3) daö Uttcr-, 4) das Glücin-, 5) das Thon-, 6) das Talk-, 7) das Kalk-, 8) das Strontian- und 9) das Barytgeschlecht. 1. Die Kieselerde oder das Kiesclgcschlecht. Die Kieselerde löset sich weder im Wasser noch im Feuer auf; nur wenn sic mit Soda und Pottasche vermischt wird, kommt sie im Feuer in Fluß und bildet in dieser Verbindung Glas. Sic widersteht allen Säuren, ausgenommen der Spathsäure, von der sie angegriffen wird. Eö gehören dahin folgende Gattungen: 1) Der Quarz, den man in sechsseitiger Pyramide krhstallisirt findet und der im Dunkeln, wenn zwei Stücke aneinander gerieben werden, phosphorartigcs Leuchten zeigt. Der edle Quarz, auch Bergkrystall genannt, ist wasserhell und hat einen flachen Bruch. Man findet ihn als Gerolle, aber auch in großen, centncrschlveren Stücken, namentlich in der Schweiz, in Ungarn, auf Ceylon und auf Madagaskar. Es gibt einige farbige Abarten, z. B. den Amethist von violetter, den Citrin von weingelber und den Rauchtvpas von brauner Farbe. Letztere Art spielt oft in's Schwarze über und wird dann Morio genannt. Der gemeine Quarz gehört zu den ausgcbrcitetstcn Mineralien; er hat meistens eine milchweiße Farbe und gewinnt durch angcsetztc Glimmerblättchen ein schimmerndes Ansehen. Der Rosenquarz und der Präs cm sind die wichtigsten Abarten. Erster« findet man namentlich in Baiern, und in reichen Lagern am Altai, er ist von rosenrother Farbe und bricht meist ungeformt; — letzterer, von lauchgrünem An sehen, kommt im sächsischen Erzgebirge vor. 2) Der Kiesels int er, welcher sich am häufigsten in heißen Quellen vor findet, ist blätterig und von lockerm Gefüge. Seine Farbe ist weiß, bläulich, oder auch wachsgelb. Kamtschatka und Island sind reich an dieser Kieselart. 3) Der HHalit glänzt wie Glas, hat eine weiße Farbe und ist durchschei nend. Man findet ihn nicht selten als Ucbcrzug auf Tuffwackc, z. B. bei Frank furt am Main, wo er dann dem Baumharz sehr ähnlich sicht. 4) Der Chalcedon besteht ans mehreren Steinarten. Der gemeine Chalcedon, welcher häufig Ucbergäugc in Quarz, Opal und Hornstein macht, hat oft eine Nieren-, Mandel- oder Kugelform. Er ist von verschiedener Farbe, gelb, roth, himmelblau und nicht selten mit dendritischen Zeichnungen versehen. Ferner gehört hierher der Onix, der Carneol und der Achat. Letzter« findet man auch in Nheinprenßen und der Pfalz, in größter Mannichfaltigkcit von Farbe Beumcr'ü Naturgeschichte. 44690 und Zeichnung. Der Carneol spielt vcun Jncarnatrothen bis in'ö Granatrothe und die Iverthvollstc Art ist Carniola nobilo, von durchscheinend rother Farbe. Der O nix ist hin und wieder durchscheinend und enthält dunkle Lagen von schwar zer, brauner und gelber Farbe. Im Gewölbe zu Dresden befindet sich eine Onix- platte von 3 Zoll Länge und 3 Zoll Breite, welche man ans 20,000 Thalcr schätzt. Alle Chalcedonarten sind wichtig; denn aus den gemeinen werden Steine für Siegelringe geschnitten, der Onix und der Carneol dienen ebenfalls zu Schmnck- sachen, und der Achat wird ans die mannichfaltigste Art verarbeitet. 5) Der Opal ist mehr oder minder durchsichtig und kommt in verschiedener Farbe vor. Man hat ihn bisher nicht krhstallisirt, sondern als derbe glasartige Substanz gefunden. In Ungarn, Sachsen und ans den Färöern findet man den echten Opal, einen werthvollen Edelstein, der in Indien fast dem Diamant gleichgeschätzt wird. Früher wurde auch in Deutschland ein haselnnßgroßer Ring- stein mit 200 Dukaten bezahlt. Er zeichnet sich durch sein lebhaftes Farbcnspiel aus; denn obgleich er milchweiß oder smalteblan aussicht, so spielt er, in's Son nenlicht gehalten, ans beut Rubinrothen in's Smaragdgrüne und in'ö Hochgelbe. Die Schönheit dieses Steines ist durchaus nicht constant; denn sie ist dem man- uichfaltigften Wechsel unterworfen. Man glaubt, daß kleine Risse in den Steinen daö wundervolle Farbcnspiel befördern; aber so viel steht fest, das; Temperatur und Licht den größten Einfluß ansübcn. Ein echter Opal, der seine herrliche Eigen schaft verloren hat, erhält dieselbe ans kürzere Zeit wieder, wenn er in's Wasser gelegt wird. Im kaiserlichen Schatze zu Wien befinden sich die beiden größten Opale, welche bis jetzt bekannt sind. Der gemeine Opal ist nicht sehr durch scheinend und hat bei weitem nicht daö Farbenspiel, als der edle Opal. Man findet ihn im Erzgebirge und in Schlesien. Er hat als Schnmckftein nur gerin gen Werth, weil er weich und spröde ist. Bei Hnbcrtsbnrg in Sachsen findet man den Hydrophan (Weltange) von rahmgelber Farbe, welcher in Regenbogen farben spielt, wenn er in's Licht gehalten wird. Auch gehört noch hierher der Halbopal mit seinen beiden Arten: Pcchopal nnd Holzopal. Beide Arten findet man in Ungarn nnd man schneidet ans ihnen Dosenstücke, Kameen n. dgl. Der Holzopal soll versteinertes Nadelholz sei». 6) Das Katzenauge, gelblich oder grünlich, auch bisweilen grau, gibt im Dunkeln einen eigenthümlichen Widerschein und wird zu Ringsteinen benutzt. Ceylon und Malabar liefern derartige Steine. 7) Der Pech stein, der ans Fcldspath nnd Qnarzkörnern besteht, halbhart und fcttglänzend ist, sieht meist braun ans und ist wenig durchscheinend. 8) Der Polir-Trippelschiefer, von gelblichwcißer oder bräunlicher Farbe, fühlt sich mager an, klebt etwas an der Zunge und wird zum Polircn verschiedener Gefäße gebraucht. Man findet ihn bei Zwickau in Sachsen, in Hessen nnd auch in Böhmen. Er besteht ans Thon-, Kalk- und Kieselerde.691 9) Der Trippel, gelblichgrau, mager, weich, aus Eisenkalk, Thon und Kiesel bestehend, dient zum Poliren. Man findet ihn iin Alteubnrgischen, in der Schweiz, in Böhmen, Ungarn u. s. w. 10) Der Bimsstein, den man in vulkanischen Gegenden findet und der als ein treffliches Polirmittel bekannt ist, hat eine weißlichgraue Farbe, ist sehr porös, leicht, schwimmt auf dem Wasser und besteht aus Eisenkalk, Thonerde uud Kiesel. Pulverisirt und mit gelöschtem Kalk vermischt, gibt er den vortrefflichsten Mörtel. Auf Teneriffa dient er außerdem noch zum Filtriren des Wassers. 11) Der Jaöpin besteht ebenfalls aus Eisenkalk, Thonerde und Kiesel, wird aber, da er sehr hart ist und eine schöne Politur annimmt, zu Säulen und Tischplatten verarbeitet. Er kommt in den manuichfaltigsten Farben und Zeich nungen vor, jedoch sind Grün und Roth seine Hanptfarben. Der Kugeljaspis ist braun und gelb; der gemeine Jaspis roth, braun, auch schwarz und gelb mit Flecken; der Basaltjaspis ist lavcndelblau; der Bandjaspis ist streifig grün, gelb, roth, braun u. s. w., der Achatjaspis hat ebenfalls verschiedene Farben und ist meist gewölkt. 12) Der Feuerstein oder Kreidekiesel ist nach Farbe und Bruch sehr bekannt. Man findet ihn in Kreide und Kalksteinflötzcn. Frankreich, Throl und Galizien sind reich an diesen Steinen. Durch Einführung der Zündhütchen und der Zündnadelgewehre sind die Feuersteine, welche früher einen bedeutenden Han delsartikel ansmachten, überflüssig geworden. Man gibt den Steinen ihre Form durch künstliches Zerschlagen in freier Hand, indem man sie so weit naß macht, als sie abspringen sollen. Man trifft den Feuerstein oft auch unreif in Verbin dung mit alkalischer Erde au, wo er in Säuren aufbrauset. Wichtig ist der Feuerstein zur Bereitung des Flintenglases, welches zu achromatischen Fernröhren durchaus erforderlich ist. 13) Der Hornschiefer, welcher grau oder schwarz aussieht, an den Kau ten durchsichtig ist, einen schuppigen Bruch hat, ist oft mit Quarz durchzogen. Der lydische Stein, eine Abart des Hornschicfers, dient als Probirstein zur Prüfung edler Metalle. Mau macht nämlich mit den Probirnadeln, deren Gehalt man kennt, Striche auf den Stein und neben dieselben Striche mit dem zu prü fenden Metalle und beurthcilt auf diese Weise die Löthigkeit des Silbers. Ist man im Zweifel, ob ein Metall wirklich Silber sei, so darf man nur einige Tropfen Salzsäure aus den Stein bringen, das Silber wird davon nicht ange griffen, wohingegen die unedlen Metalle durch die Säure aufgelös't werden. Beim Golde verfährt man ans ähnliche Weise; nur wird chemische reine Salpetersäure statt der Salzsäure genommen. 14) Der Heliotrop, früher zu den Jaspisarten gezählt, wird in Egypten gefunden, ist dunkelgrün mit rothcn Flecken und hat durchscheinende Kanten. Auch Throl und Böhmen liefern rothpunktirte Heliotrope, welche, wie die übrigen, als Schmucksteiuc bearbeitet werden. 44 *692 15) Der Eisenkiesel, lcberbraun, undurchsichtig, findet sich in kleinen Krystallen im Erzgebirge und Böhmen. 16) Der Chrysopras, den man unter andern in Schlesien findet, hat eine apfelgrüne Farbe, welche sich aber im Feuer verändert. Seine Bestandthcilc sind Nickelkalk und Kieselerde. Man benutzt ihn zu Ringstcincn. 17) Der Lcnkolith, man findet ihn im Erzgebirge, wird auch S taug en stein genannt. Er ist grünlich, gelblich und spielt mehr oder minder in's Weiße. 18) Der Kreuz st ein hat seinen Namen von seinem eigenthümlichen Bruch, denn er bricht so, daß immer zwei Säulen sich der Länge nach durchschneidend ein Kreuz bilden. Er ist milchweiß und krystallisirt. Man findet ihn ans dem Harze. 19) Der Zeolith, auch Brause stein genannt, häufig auf Island gefun den, hat das Eigenthümliche, daß er sich vor dem Löthrohre ans der Kohle zwcigartig anfbläsct. Seine weiße Farbe ist von mancherlei Schattirungen durchzogen. 20) Der böhmische Granat, durchsichtig und von blutrother Farbe, fin det sich in runden Körnern im Serpentinstein. Man bearbeitet ihn zu Perlen und zu Schmuckstcinen. Die Schweiz liefert den braunen Granat und Sachsen den grünen. 21) Der Lasurstein, von durchsichtiger blauer Farbe, wird häufig auö dem Orient nach Europa gebracht, wo ans ihm das Ultramarin, eine hübsche Malerfarbe, bereitet wird. Auch werden Dosen und andere Kunstsachen daraus verfertigt. Der Perlstein, der Cyanit u. a. m. gehören hierher. 2. Das Zirkongeschlecht. Es gehören dazu der Hyacinth und der Zirkon. Beide lassen sich in Schwefelsäure auflösen und geben vor dem Löthrohre, mit Borax vermischt, eine Helle Perle. Der Hyacinth, fenerfarbig oder oraugegelb, ist durchsichtig; er verliert im Feuer seine Farbe und wird jetzt weniger mehr als Schmuckstein verarbeitet. Den von Ceylon kommenden glüht man schwach im Feuer und ver kauft ihn statt gelber Diamanten. Der Zirkon ist gelbbraun mit Mctnll- glanz und einer schönen Politur fähig. Man findet ihn häufig in Norwegen und auf Ceylon. 3. Das Mergeschlecht. Wir nennen nur den Ittcrit, den man namentlich zu Ittcrby in Schweden häufig in rothem Feldspath findet. Er ist undurchsichtig, glänzend schwarz und693 wirkt auf deu Magnet. Eisenkalk, Glücinerdc, Kiesel und Itter sind seine Be- standthcile. In ätzenden, festen Laugensalzen lös't sich der Jttcrit nicht ans, ivvhingcgen eine salzsanrc Auflösung durch blausaure Ncutralsalze gefällt wird. 4. Das Glücingcschlecht. Es gehören dazu 1) der Smaragd, von grasgrüner Farbe, der in sechs seitigen abgestumpften Säulen krystallisirt, sonst in hohem Werthe stand und namentlich ans Peru und Brasilien nach Europa gebracht wurde; 2) der Beryll (Aquamarin), von immergrüner Farbe mit Schattirungen, krystallisirt in sechs seitigen Säulen und hat einen muscheligen Bruch. Sibirien liefert den geschätz ten blänlichgrüncn Beryll. Erwärmt werden beide Arten elektrisch und haben das Eigenthümlichc, daß sie mit Säuren süße und leicht zusammenziehende Salze bilden. 5. Das Thongeschlccht, oder die Thonerde. Folgende Eigenschaften charakterisiren dieses Geschlecht: Thonerde in Verbin dung mit Vitriolsäure liefert Alaun; sie nimmt im Feuer eine große Härte an, ohne zu verglasen, sic brauset in Säuren nicht auf; ans chemischem Wege kann man ans allen Arten die reine Thon er de auöschcidcn. Man hat dieses Ge schlecht in verschiedene Unterabtheilungen gebracht, als: phosphorsaure Thone, kicsclsnurc Thone, leimige Thone n. s. w.; — wir wollen indessen nur die Haupt arten hier folgen lassen, ohne ans jene Unterordnungen einzugehen. Zuerst nennen wir die hierher gerechneten Edelsteine, deren Härte und Durchsichtigkeit sonderbar mit dem gewöhnlichen Begriffe Thon kontraftiren. 1) Der Rubin, ein kostbarer Edelstein, der aus Kieselerde, Thon, Kalk und Eisen besteht und nächst dem Diamant am härtesten ist. Nur mit Borax ist er in Fluß zu bringen. Er führt nach seinen Farben verschiedene Namen: hochroth heißt er Spinell, blaßroth — Balas, rothgelb — Rubiccll, und die schönste hochrothc Art heißt Karfunkel. Man findet ihn meist achteckig, jedoch krystallisirt er auch in andern Formen. Aus Indien kommen die schönsten Rubine. Ein Ikaratiger Rubin kostet 8 Thalcr, ein lOkaratiger hingegen min destens 1000 Thalcr. 2) Der Saphir spielt vom Himmelblauen bis in's Weiße, ist durchsichtig und hart. Thonerde und Eisenkalk sind seine Bcstandtheilc. Im Feuer verliert dieser schöne Stein seine Farbe. 3) Der Topas kommt gelb, grün, bläulich und rosenroth vor; er krystalli sirt in sechs- und achtseitigen Pyramiden, besteht aus Thon, Kieselerde und Fluß säure. Man findet ihn im Boigtlandc, in Sibirien und in Brasilien.4) Der Turmalin oder elcctrischc Schörl, aus Kieselerde, Thonerde, Boraxsäure, Mangonoxyd, Lithion und Kali bestehend, hat die eigenthümliche Eigenschaft, daß er bei Erwärmung elcctrisch wird und cutf der einen Seite Asche anzicht und auf der andern Seite dieselbe abstößt. Man findet ihn in 3 oder 3 mal 3 fettigen Säulen und unterscheidet ihn nach seiner Farbe in: schwarzen Turmalin, braunen, rothen, blauen und grünen Turmalin. Die schönen, grünen und blauen Tnrmalinsteine werden zu Schmucksachcn verarbeitet; der rothc T., ans Sibirien, hat den meisten Werth.- 5) Der Diamantspats), den man besonders in China und Indien findet, hat eine rauchgraue Farbe, besteht aus Thon-, Kiesel-, Eisenkalk- und Alaunerde. Er besitzt Metattglanz und eine solche Härte, daß man Edelsteine damit zerschnei den kann. Man zerstampft ihn zu Pulver, welches man zum Schleifen der Dia manten anwendet. 6) Der Smirgcl, ein bekanntes Mittel zum Poliren von Metallen, Stei nen n. dgl., wird auch körniger Korund genannt; er sicht graublau aus, hat Metaüglanz und besteht aus Thon-, Kiesel- und Eisenoxyd. Die beste Sorte findet man bei Schwarzenberg am Ochsenkopf in Sachsen. 7) Die Hornblende, undurchsichtig, schwarzgrün, in verschiedenen Ab stufungen, gibt, wenn sic angehaucht wird, einen Thongeruch von sich. Man unter scheidet gemeine Hornblende, Horublcndschicfcr und basaltische Hornblende. 8) Der Fcldspath findet sich thcils krystallisirt, thcils nngeformt in Ber- bindung mit Hornblende, er hat mancherlei Farbe und ist nur wenig durchsich tig. Dazu gehören: der dichte Fcldspath, gemeine Fcldspath, Mondstein und Labradorstein. 9) Der Glimmer, den man meistens in andern Steinarten findet, ist mehr oder weniger durchsichtig, hat Silber- oder Messiugglanz und ist biegsam, weshalb man ihn auch wohl zu Fenstern ans Schiffen verwendet. Man nennt ihn auch russisches Glas oder Fcnstcrglimmer. 10) Das Kaolin oder die Porzellanerde ist unter den gemeinen Thon- artcu die reinste und feinste Thonerde. Sic ist meistens weiß, geht indessen doch auch in andere Farben über. Bekanntlich werden aus dieser Erde die mannich- faltigsten Porzellangeschirre n. s. w. verfertigt, deren Gute von der Znsammen- setzung der Bestandtheile abhängt. Die Porzellanerde, welche bei Meißen in Sachsen gefunden wird, besteht auö 52 Theilen Kieselerde, 31 Thcilen Thonerde, 2Theilcn Kali, 1 Thcil Talkerdc und 10 Thcilen Wasser. Das chinesische Porzellan steht der Masse nach am höchsten von allen, und wurde früher fast dem Silber gleich an Werth gehalten. Die chinesischen Fabriken sind die ältesten der Welt. Das Meißner Porzellan ist das beste in Europa. Böttcher aus Schleiz entdeckte 1706 die Kunst, ein braunrothes und 1709 ein weißes Porzellan zu verfertigen. Die Meißner Fabrik wurde 1710 angelegt. Die Berliner Fabrik, welche vor dem Ans bruch des siebenjährigen Krieges (1751) gegründet wurde, liefert ebenfalls ein695 schönes Porzellan und eine vorzügliche Malerei. Jährlich werden über 400,000 Porzellangeschirre verfertigt. Die Ausfuhr des Porzellans aus Deutschland über haupt ist bedeutend; denn nach der Türkei allein wird jährlich für 1 Million Thalcr Porzellan ausgeftthrt. Auch Frankreich liefert schönes, weißes, durch scheinendes Porzellan, nanicntlich die 1745 in Scvcrs, bei Paris, gegrün dete Fabrik. 11) Der gemeine Thon, welcher weich und fettig und meist von grauer Farbe ist, findet sich im aufgeschwemmten Lande unter der Dammcrde. Er ist in den verschiedensten Verhältnissen zusammengesetzt ans Kiesel- und Thoncrde. So besteht der sogenannte Pfcifcnthon ans 66 Thcilcn Kieselerde, 18 Theilen Thonerde, 1 Thcil Eisenoxyd, 12 Theilen Wasser und etwas weniger Talkerde. Der Thon ist von großem Nutzen, denn bekanntlich dient er zur Verfertigung von Töpferwaaren, Fayance *), Steingut, Tabakspfeifen, Schmclzticgeln, Ziegeln, zum Walken u. s. w. Der Gebrauch des Thones zur Verfertigung verschiedener Ge schirre rc. verliert sich in das graue Altcrthum; denn in den Büchern Mosis ge schieht davon Erwähnung. Die Töpferwerkstätten zu Samos, Athen und Korinth waren durch ihre geschmackvollen Arbeiten schon im Alterthum berühmt. Damaratus von Korinth, dessen Sohn Tarquinius Priskns, 578 v. Ehr., König in Rom wurde, unterrichtete die Etruricr und Römer in dieser Kunst. Die etrnrischeu Basen, welche man noch jetzt in Italien findet, beweisen, zu wel cher Vollkommenheit mau eö in der Töpfcrkunst gebracht hatte. Sic sind aus rothem Thon geformt und in der Regel mit trefflichen Zeichnungen auf schwarzem Grunde geschmückt. Zum gemeinen Thon rechnet mau auch noch den Thonstein und den Schicferthon oder Zechstein. Erstcrer entsteht meistens durch Erdbrände. 12) Der Lehm besteht ans Thon, Sand, Kalk und Eisenoxyd, daher nimmt er im Feuer eine rothc Farbe an. Ucbcrgießt man ihn mit Säuren, so braust er ans. Sein Gebrauch ist bekannt. 13) Der Volns, Bol, lcmnische oder Siegclcrdc genannt, aus Kiesel-, Thon-, Kalkcrdc, Eisenoxyd und Kali bestehend, sicht gelb, roth, braun und weiß ans. Man findet diese Erde auf der Insel Lemuos (daher lcmnische Erde), in Schlesien, Hessen, Sachsen und andernorts; sic war früher in der Mcdicin berühmt, und wurde deshalb, um Verfälschung zu begegnen, versiegelt — daher Sicgclcrde. Jetzt wird sie nur in der Thierhcilknndc angewandt. In jüngster Zeit wollte man in ihr ein Mittel wider die Kartoffclkrankhcit gefunden haben. Aus den farbigen Arten verfertigt man feine Thccgcschirrc, Pfcifcnköpfc, Blumen töpfe u. dgl. *) Die seine Fapance, englisches Steingut, wurde von dem englischen Töpfer Wegwood er- fnnden, und besteht ans weißem Thon, Schwerspats-, Gyps und andern Substanzen.696 14) Dic Walkererde dient zum Walken der Tücher, zum Reinigen von Fettflecken, hat Thongcrnch und schäumt tut Wasser wie Seife. Ihre Farbe ist leberbraun, grau oder weiß. Man findet diese Erde in Sachsen, Brandenburg, Schlesien, in der Pfalz; jedoch ist die englische Walkererde dic beste, deren Aus führung aber untersagt ist. Da sic 10, Theile Eisenoxyd enthalt, so wird sic im Feuer anfänglich schwarz und darnach roth. 15) Die Gelberde, welche in jüngern Flötzgebirgen gefunden wird, zerfällt sogleich im Wasser und wird zum Anstreichen der Wände benutzt. Gebrannt wird sie roth und kommt dann im Handel unter dem Namen „englisch Roth" vor, welches ebenfalls in der Tüncherei gebraucht wird. 16) Dic Grünerde, in Cyperu und im Veronesischen, daher Veroneser-Erde, dient zum Anstreichen als Wasserfarbe, wird aber auch als Oelfarbe gebraucht. Die feinste Sorte wird per Ccntncr mit 100 Thalern bezahlt. 17) Der Tripel, ein bekanntes Polirmittel und Pntzpulvcr, von gelber Farbe, wird namentlich bei Ronneburg in Sachsen, bei Amberg in Baicrn gefun den, besteht ans Kiesel- und Thonerde, Wasser, Eisenoxyd und Schwefelsäure. Er ist härter als Gyps und brennt im Feuer weiß. 18) Der Röthel oder Rothstein läßt sich schneiden und fühlt sich fett an. Obgleich er das Wasser anzieht, wird er doch nicht weich.. Dic feinere Sorte wird in Holz gefaßt und liefert dic bekannten Rothstiftc; die gewöhnliche Sorte gebrauchen Maurer und Zimmerlente ohne Einfassung. Bei Nürnberg fin det man vorzüglichen Rothstein. 19) Dic schwarze Kreide, ein bekanntes Zeichnen-Material, ist eine Abart dcö Thonschiefcrs, der auch Wackc genannt wird. Der Thonschiefer geht von: Grauen bis in's Schwarze, ist oft fleckig, gestreift und schimmernd. Der Dach- und,dcr Tafclschicfer sind die bekanntesten Arten. Der Dachschicfer ist sehr feuerfest, geräth er aber in Gluth, so fliegt er weit fort. Alle diese Schicfcrartcn kommen am häufigsten in Grauwackengebirgen vor und zeigen nicht selten Pflanzenabdrücke. Ans den starken Blocken werden Tafeln und Schiefcrsteine geschnitten. 20) Der Wetzstein schief er, schwarzgran, gclbweiß oder grünlich, dient zum Schleifen der Instrumente. Man findet ihn im Salzbnrgischen, in Böhmen, am Harz u. s. w., und ist vielleicht nur eine mit Quarz innig vermischte Abart des ThonschieferS. 21) Der Klingst ein, gran und schattirt, dnrchschimmernd an den Kanten, von grobem splitterigem Bruch und mattem Glanz, klingt, wenn man ihn anschlägt, besteht an§ Thon, Kiesel, Kalkcrdc, Eisen, Braunsteinkalk, Soda und Wasser. Dieser Stein, der auch in Böhmen und der Lausitz gefunden wird, hat in China eine eigene Bedeutung. Dic Chinesen verstehen cs nämlich, diesen Stein so eigen- thümlich zu schneiden, daß sic dadurch 16 Töne erzielen. Der Stein heißt bei697 ihnen Uu und die Gcsammthcit der Töne King. Der Klingstein bildet also bei den Chinesen eine Art Instrument. 22) Der Trapp, der schwarz oder schwarzgrau, auch bisweilen rothbraun anssieht, findet sich häufig in ganzen Gebirgsgängcn, wo sich Granit, Kalk und Thonschicfcr vorfindct. Er schmilzt im Feuer zu einem schwarzen Glase, weshalb er auch zur Bereitung des schlechten Glases benutzt wird. 23) Der Basalt ist eine schwere und derbe Steinart, welche sich häufig vorfindct und zum Banen, zu Statuen, zum Pflastern der Straßen u. s. w. ge braucht wird. In Schlesien findet man Basaltsäulcn von 300 Fuß Länge. Das zersetzte Gestein befördert im Boden die lebhafteste Vegetation, weshalb dort, wo der Basalt sich findet, in der Regel ein fruchtbarer Boden ist. Zerstampfter Basalt gibt dem Mörtel eine größere Festigkeit. Die Mühlsteine, Mörser, Rcib- steine, Wassertröge u. s. w. sind in der Regel nur dichtere Abänderungen des Basalts. 24) Die Tuffwacke. Sic scheint vulkanischen Ursprungs zu sein. Man unterscheidet schwammige Tuffwacke, welche zu Backofensteincn benutzt wird, und erdige Tuffwacke, welche besonders zum Wasserbau dienlich ist. 25) Die Lava oder Erd sch lacke, ebenfalls ein vulkanisches Erzeugniß, ist meist schwarz, grau oder rothbraun. Es gibt indessen auch glasartige Lava, z. B. der isländische Achat. Der rheinische Mühlstein, der sehr porös ist, wird von Einigen auch als ein vulkanisches Erzeugniß betrachtet und hierher gerechnet. Dieser Stein ist ein bedeutender Handelsartikel und wird sogar über das Meer hinaus versandt. 6. Das Talkgeschlccht. Zu diesen: Geschlecht gehören diejenigen Fossilen, in welchen sich die Talk- vdcr Bittcrerde vorfindct. Die reine Bittercrdc, Magnesia genannt, ist schnee weiß und geschmacklos und von großem Nutzen. Sic zieht die Säuren ohne Nachthcil an sich, deshalb wird sic innerlich als Medicin gegeben, feuchtes, dumpfes Mehl wird durch ihre Beimischung verbessert, und in Ungarn dient sie zur Klä- rung des Weines. Man gewinnt sic aus der Mutterlauge der Salinen. Blaue Pflanzcnsäfte färbt sic grün und durch Verbindung mit Schwefelsäure bildet sie sich zu Bittersalz, welches ebenfalls officinell ist. Nur wenige Gattungen umfaßt dieses Geschlecht. 1) Der Talk, silberweiß, etwas durchscheinend, fettig und glänzend, dient als Schmiere bei Maschinen und wird bei und in den Serpentinsteincn gefunden. 2) Der Meerschaum, welcher namentlich bei Kiltschick in Anatolien ge funden wird, ist, sobald er ans der Erde kommt, weich und schmierig. Man läßt' ihn an der Luft erhärten und schneidet dann Pfcifenköpfc daraus. Der sogenannterohe Meerschaum ist für dcu Raucher der gesundeste. Sind die Köpfe iu Oel gekocht, so werden sic Oelköpfe, in Wachs gekocht, Wachs- oder schlechtweg Mecrschaumköpfc genannt. Die geschnittenen Köpfe sind in der Regel sehr theuer. Aus dem Abfall wird, in Verbindung mit Gyps, eine schlechte Sorte geformt. In Wasser gelegt, wird der Meerschaum weich und läßt sich leicht verarbeite». Die Bcstandthcilc des Meerschaums sind Bittcrcrdc, Kieselerde, Wasser und Kohlen säure. In Spanien und Portugal werden auch noch andere Gefäße aus Meer schaum gebrannt, und die samischeu Gefäße der Alten bestanden ebenfalls ans Meerschaum, der bei Samos gefunden wurde. 3) Der Speckstein, der aus Talk, Kieselerde, Eisenkalk und Wasser besteht, hat meist blasse Farben, grünlich, weiß oder röthlich, ist fettig und weich, wird aber im Feuer so hart, daß er, mit der Axt geschlagen, Funken gibt. In China findet man eine sehr schöne Art, ans welcher inan Schalen bereitet. Sachsen, Ungarn, Piemont, England rc. liefern Specksteine, ans denen feuerfeste Tiegel, Kugeln und verschiedene Gefäße bereitet werden. Auch dient der Speckstein zum Vorzeichnen ans Glas und in der Miniaturmalerei. In England benutzt man ihn außerdem zur Porzellanbercitung. Der Pimclit, welchen Schlesien liefert, ist ein durch Nickcloxyd grüngcfärbtcr Speckstein. 4) Der Serpentinstein, von schwarzer, grüner, rother, selten gelber Farbe, fühlt sich fettig an und ist ein sehr nützliches Mineral. Man findet ihn häufig in Sachsen, wo man ihn zu Gefäßen, Dosen, Leuchtern rc. verarbeitet. Die aus ihm bereiteten Rcibschalen sind den Apothekern und Chemikern fast unentbehrlich; denn der Serpentinstein wird nicht leicht durch Säure angegriffen. Im Baireuthi- schcn findet man eine Art, welche weicher ist, die man in eine Art Glas vcr- schmilzt, woraus Korallen und Rosenkränze fabricirt werden. Der Bcilstcin oder Nephrit ist ebenfalls ein Scrpcntinstcin, aber von großer Härte. Die In dianer machen ans ihm ihre Streitäxte, und im Orient wird er zu mancherlei Zierathcn verarbeitet. 5) Der Asbest, ein blätteriges oder faseriges Mineral von weißlicher, gelblicher oder grünlicher Farbe, findet sich im Thon, Quarz und Seifenstein. Der gemeine Asbest ist hart und spröde; der Amianth hingegen weich, so daß er sogar gesponnen werden kann. Das bekannte Fedcrweiß ist eine Abart des letzter». 6) Der Scifcnstcin, weiß oder gelblich, weich und fettig, wird im Feuer sehr hart und dient zur Bereitung des englischen Steinguts. Auch benutzt man ihn, namentlich die spanische Kreide, zum Schreiben und Zeichnen. Der harte, feste Seifcnstein wird von Drechslern zn verschiedenen Gefäßen verarbeitet. Ferner rechnet man noch hierher den Cholorit, den Chrysolith, den Chon- drodit und andere boraxsaure, phosphorsanre und kohlcnsanrc Talkartcn.7. Das Kalkgeschlecht. Das Kalkgeschlecht, welches am allgemeinsten verbreitet ist (die Kalkerde findet sich in allen drei Naturreichen), gewährt den mannichfaltigsten Nutzen und ist deshalb sehr wichtig. Die kalkartigen Mineralien sind nicht dehnbar, auch nicht spröde und hart, sondern brennen im Feuer mürbe, sangen Flüssigkeiten an sich und zerfallen an der stuft. Man macht folgende Unterabtheilungen: A. Kohlensäure Kalkarten. 1) Der Kalkspath, der sich in allen Gebirgsformationen aller Länder findet, also zu den verbreitetsten Mineralien gehört, kommt in den verschiedensten Farben, durchsichtig und undurchsichtig vor und besteht aus Kalkerde, Kohlensäure und etwas Wasser. Nur die Abarten enthalten nebenbei noch andere Bestandtheile. Es sind bereits über 700 verschiedene Krhstallgcstaltcn bekannt, in welchen der Kalkspath vorkommt, doch findet man ihn auch derb, tropfsteinartig re. Am merkwürdigsten ist der Doppelspath oder isländische Krystall, durch den man die Gegenstände doppelt sicht, und von dem kleine Stücke schon durch den Druck zwischen den Fingern clcctrischc Erscheinungen zeigen. 2) Der Schiefcrspath ist weist, an den Kanten durchsichtig und hat wenig Glanz. Er findet sich meist wellenförmig, blätterig in Sachsen, am Schwarz walde, in Norwegen u. s. w., und enthält gewöhnlich außer dem kohlensanren Kalk noch etwas Kieselerde und Manganoxyd. 3) Der Brannspath, weiß, in verschiedene Farben übergehend, hat einen blätterigen Bruch, Glasglanz, braust in Säuren ans und besteht auö kohlensanrem Kalk, Braunsteinkalk und Eisenoxyd. 4) Die Kreide, eine weiße, abfärbendc Kalkart, ist mager und leicht, ent hält fixe Luft und bildet oft ganze Gebirge, z. B. ans Ercta (jetzt Eandia), in England, Dänemarks ans Rügen u. s. w. Ihr Gebrauch ist mannichfaltig. In der Arznei dient sic als ein säurebrechendes Mittel, gebrannt liefert sic einen vorzüglichen Kalk, dient als Zusatz zu andern Farben, wird ferner benutzt zur Entwicklung der Kohlensäure bei künstlichen Mineralwassern, zum Zusammeu- schmclzcn des Spiegel- und Krhstallglases n. s. w. Die Mond- oder Erd- milch, Bergmilch, ist eine Kreide neuern Ursprungs. 5) Der Marmor, Kalkstein, zeichnet sich besonders durch seine Härte ans. Man unterscheidet den körnigen Kalkstein (Urkalk) von dem dichten Kalkstein. Der körnige Kalkstein ist besonders unter dein Namen Marmor bc^ kannt, der zu Bildhaucrarbeitcn u. dgl. benutzt wird. Der von Carrara und Paros wird für den besten gehalten. Der dichte Kalkstein ist ein bekanntes Baumaterial. Es gibt verschiedene Arten. Die Lithographir-Stcinc gehören eben falls hierher, und werden die besten bei Solcnhofen in Baicrn gefunden. Der700 gebrannte Kalk dient außer als Baumaterial noch zu verschiedeueu gewerbliche» Zwecken, z. B. iu der Lohgcrbcrci zum Enthaaren der Hiiute, in den Zucker siedereien zur Abdampfung der Schwefelsäure, ferner zur Herstellung der Seifen- sicdcrlauge, des Chlorkalks, zur Reinigung des Leuchtgases n. s. w. 6) Der Mergel ist ein aus kohleusaurem Kalke und Thonerdc bestehendes Gemenge, welches gewöhnlich noch durch Eisenoxyd gefärbt ist. Der erdige Mcr- gcl wird beim Ackerbau gebraucht; denn er befördert die Auflösung des Düngers und zieht die befruchtenden Luftthcile au sich. Der Mergeltuff bildet den Ucbcr- gaug zum dichten Kalkstein. Der Stinkstcin ist eine Art Mergel, welcher erdhar zige Theilc enthält. Man findet iu ihm nicht selten Versteinerungen; er ist mar morartig und läßt sich polireu. 7) Noch ist der Kalksinter zu erwähnen, der sich dadurch bildet, wenn Kalkwasser durch Erdschichten in Höhlen und Klüften tropft. Auf diese Weise bildet sich der Tropfstein, der iu mancherlei Formen vorkommt. So besteht die berühmte Baumanus höhle und die Höhle auf Autiparos aus Tropfstein oder Stalaetit. B. Schwefelsäure Kalkarten. Die schwcfclsauren Kalke sind den kohlensauren Kalken sehr ähnlich, aber bedeutend weicher als diese und enthalten Schwefelsäure. 1) Der Sclcnit, auch Marienglas, Fraueneis genannt, findet sich derb und krystallisirt im Flötzgebirge, besonders bei Gyps oder Steinsalz. Er ist durch sichtig und zeigt doppelte Strahlenbrechung; jedoch kommt er auch halbdurchsichtig vor. Man brennt ans dem Sclcnit einen sehr feinen Gyps. 2) Der Gyps besteht aus 33 Theilcn Kalk, 46 Thcilcu Schwefelsäure und 21 Thcilcu Wasser. Man findet ihn weiß, gelb, röthlich, in's Braune und Graue spielend, krystallisirt, körnig und in derben Massen. Vor dem Löthrohr schmilzt er zu einem weißen Email. Der schuppige oder erdige Gyps, schlechtweg Gyps genannt, dient bekanntlich zur Düngung des Ackerlandes und der Wiesen. Der gebrannte Gyps dient zu Stuckaturarbeiten, zum Tün chen, zur Bereitung dcö künstlichen Marmors u. s. w. Die kostbarste und feinste Art ist 3) der Alabaster, der reinweiß dem Zucker ähnelt und sich polireu läßt. Der orientalische ist der beste, jedoch bricht man auch iu Franken und Thüringen sehr gute Sorten, aus welchen man schöne Gefäße verarbeitet. Die nicht zu ver arbeitenden Stücke werden zu einem vorzüglichen Gypökalk gebrannt. In Gypsbergen findet man eine stanbartige Gypsmasse, welche Gyps- Himmelsmehl genannt wird. Der GyPssinter findet sich, wie der Kalk sinter, locker und erdig, alö Ucberzng über andere Körper.701 C. Spath saure Kalkarten ^ auch flußsaure Kalke genannt, zählen nnr wenige Arten, welche als wesent liche Bcstandtheile Flußsäure enthalten. Der Flußspath besteht ans 72 Theilen Kalkerdc und 28 Theilen Flußsäure. Man findet «hu in den mannichfaltigsten und schönsten Farben, gelb, grün, blau und roth, krystallisirt und in kry- stallinisch-blätterigen, stcngcligcn, körnigen und schaligcn Formen. Wird er er wärmt, so phosphorcscirt er mit röthlichem, blauem und grünlichem Lichte. Man unterscheidet den eigentlichen Flußspath, den Fluß stein und die Fluß- crdc. Als Mittel, strengflüssige Mineralien in Fluß zu bringen, ist er sehr wich tig; auch dient er als Zusatz bei der Glas- und Porzellan-Fabrikation, und auö der in England gefundenen Art bereitet man schöne Gesäße, als: Vasen, Tassen, Becher re., welche der schönen Farbe und hübschen Politur wegen zu den belieb testen Geräthen gehören. D. .Phosphorsaure Kalkarten. Die hierher gehörigen Arten enthalten außer der Flußsäure noch Phosphor säure und etwas Salzsäure, finden sich krystallisirt oder in krystallinischen Massen und phosphoresciren auf glühenden Kohlen. 1) Der Apatit ist meist durchsichtig und glänzend, hat einen blätterigen Bruch und verschiedene Farben. Er findet sich in Sachsen, Böhmen, Tyrol, der Schweiz u. s. w. 2) Der Phosphorit ist undurchsichtig, erdig und mager, spielt in's Gelbe oder Weiße und gibt, wenn er an Eisen gerieben wird, einen leuchtenden Strich. Man findet ihn in Ungarn. E. Borax saure Kalkarten. Hierher gehört der Datholit, den Einige zu den Kieselarten rechnen, jedoch mit Unrecht, denn der Kalkgehalt ist in demselben überwiegend. Man nimmt folgendes Verhältniß an: 37 Theilc Kieselerde, 38 Theile Kalkerde, 19 Theilc Boraxsäure und 5 Theilc Wasser. Die Farbe des Datholit ist weiß, grünlich oder gelblich; er ist durchscheinend bis vollkommen durchsichtig und hat einen unebenen Bruch. Auf dem Harz, in Tyrol, in Schweden findet man die ses Mineral. F. Arsrniksaure Kalkarten. Der arseniksaure Kalk, Pharmakolit, enthält 50 Prozent Arseniksäure, spielt ans dem Weißen iir'ö Graue und Gelbe, findet sich nur in haar- und nadelförmigen Krystallcn, ist durchsichtig und durchscheinend, glänzend und schmilzt702 vor dem Löthrohr zu einem weißen Email, indem er Arsenikgernch verbreitet. Man findet ihn am Harz, in Böhmen, Hessen und Baden. 8. Das Strontiangeschlccht. Die Strontiancrde hat folgende wesentliche Kennzeichen: löset man sic in Salzsäure ans, so bildet sic nadelförmige Krystallc; sie brennt in Weingeist roth, wenn man leicht brennbare Gegenstände damit tränkt und anzündet. Die Stron- tiancrde ist entweder mit Kohlensäure oder mit Schwefelsäure verbunden. 1) Der Strontianit, welcher sich in Schottland findet, besteht ans Strontiancrde, Kohlensäure und Wasser, ist durchscheinend und glänzend, faserig, und sicht grün oder weißlich ans. Er treibt in starkem Feuer kleine Aeste, welche den Flammen einen Purpurrothen Schein geben. 2) Der Cölestin, schwefelsaurer Strontian, sieht blau, weiß, grau oder gelb ans, hat Glas- oder Fettglanz, und findet sich meist krystallisirt. Er ent hält 43 Prozent Schwefelsäure und wird häufig 'zur Bereitung des salzsauren Strontians gebraucht, der in der Fenerwerkerknnst zur Hervorbringung des rothen Feuers dient. Mit dem Strontiangeschlecht nahe verwandt ist: !), Das Barytgeschlecht, auch Schwererde genannt, weil sie schwerer als alle anderen Erdarten ist. Auf den thierischen Körper wirkt die Schwererde als Gift lind hat eine große Ver wandtschaft zu Schwefelsäure. Der Witherit, der 22 Prozent Kohlensäure enthält, findet sich in England, Steiermark und Ungarn, sieht weiß, grau oder röthlich aus, ist durchscheinend, fettglänzend und bricht keilförmig. Dient in der Thicrarzneiknndc in geringer Dosis als Heilmittel. Der schwefelsaure Baryt, 34 Prozent Schwefelsäure enthaltend, kommt in verschiedenen Arten vor; als: der gemeine Schwer spat h, der faserige Schwcrspath, der körnige und der dichte Schwerspath. Der bano- nische Stein ist ein faseriger Schwerspath, der bei Bologna gefunden wird, und der die seltene Eigenschaft besitzt, im Finstern zu leuchten, wenn er einige Zeit dem Lichte anögesctzt gewesen. In lnftdichtenr Raume bewahrt er das cingcsogcnc Licht lange Zeit. Der A ehren stein, man findet ihn bei Osterode und er sieht einem Aehrenbüschel ähnlich, ist ein weißer Schwerspath.703 Zweite Nasse. Die mineralischen Salze. Die Salze haben hervorstechende Kennzeichen nnd lassen sich leicht von allen übrigen Mineralien nnterscheiden. Sie lösen sich im Wasser vollständig auf und verbinden sich ans das innigste mit demselben, üben einen pikanten Einfluß, namentlich ans die Geschmacksnerven ans nnd haben einen vcrhältnißmäßig geringen Grad von Härte nnd Schwere. Als Hanptbestandtheil aller Salze ist jene eigen- thnmlichc, sttnreartige Substanz anznsehen, welche mit verschiedenen andern Grund lagen in Verbindung steht. Nach dieser Verbindung theilt man die Salze ein: 1) Metallsalze, 2) Brennsalze, 3) Erdsalze, 4) Kalisalze. 1. Metallsalze. Die Metallsalze entstehen durch die Verbindung mit metallischen Kalken nnd gehören hierher die verschiedenen Vitriolartcn. 1) Der blaue oder Kupfer-Vitriol besteht ans 32 Thcilen Kupferoxyd, 32 Theilen Schwefelsäure und 36 Theilen Wasser, hat eine blaue oder bläulich- grüne Farbe, findet sich in Krystallen, tropfstcinartig, oder auch als Ueberzng in Lagerstätten des Kupfers, z. B. im Nammelsberg am Harz, schmilzt vor dem Löthrohr nnd färbt die Flamme grün. Er dient in der Arznei nnd Färberei, auch noch zu verschiedenen andern Zwecken. Der im Handel vorkommende ist meist künstlich ans Kupferkies oder Knpferstein dargestellt. Das Cement-Wasser enthält aufgelösten Kupfer- Vitriol. 2) Der grüne oder Eisenvitriol enthält 27 Theilc Eisenoxydul, 31 Theile Schwefelsäure nnd 41 Theilc Wasser, hat eine lanbgrüne Farbe, die aber an der Luft in'ö Gelbliche überschlägt, ist durchscheinend und findet sich crystalli- sirt in Eisenkieslagern, oder anfgclös't in Grnbenwassern. Künstlich wird er na mentlich ans Schwefelkies bereitet. Der Eisenvitriol ist für die Arznciknndc, wie für verschiedene gewerbliche Zwecke sehr wichtig. Man bereitet ans ihm das ätzende Vitriolöl und den Vitriolspiritus, man gebraucht ihn zur Herstellung einer haltbaren Dinte und zur Bereitung des Berlinerblan's u. s. w. Tränkt man Holz, Stricke n. dgl. mit Leimwasser und bestreut sie dann mit Eisenvitriol-Pul ver, so widerstehen sie lange dein Feuer. Auch Papier kann man mit Vitriol- nnd Alaun-Auflösung unverbrennlich machen. 3) Der Kobaltvitriol, ans Schwefelsäure, Kobaltoxyd nnd Wasser be stehend, findet sich krystallisirt, ist matt, durchscheinend und von fleischrother Farbe. Bei Hanau, in Ungarn und anderwärts, wo sich geschwefelter Kobalt findet.704 4) Der weiße ober Zinkvitriol, der 28 Prozent Zinkoxyd imb eben so viel Schwefelsäure enthält, ist weiß, röthlich oder bläulich, findet sich meist in haarförmigen Krystallen, doch auch in derben Massen oder als mehliger Beschlag in Lagerstätten des Zinkerzes. Er wird ans künstlichem Wege ebenfalls herge stellt, da sein Gebrauch in der Arznei, Färberei und Kattnndruckerei n. s. w. mannichfaltig ist. 5) Der Iohannit oder Uranvitriol, zusammengesetzt ans Schwefelsäure, Uranoxyd und Wasser, in kleinen, traubenhäufigen Krystallen, von grasgrüner Farbe, findet sich zu Joachimsthal in Böhmen. 6) Die Arfenikblüthc, welche beinahe 76 Prozent Arsenik enthält, weiß anssieht, halbdnrchsichtig, diamantglänzend ist, findet sich entweder in regel mäßigen Octasdcn krystallisirt, oder auch kugelig, tranbig u. s. w. Sie ist im Wasser auflösbar und sehr giftig. Man findet sie im Elsaß, in Hessen, am Harz und in Ungarn. 2. Brennsalze. Das natürliche Sedativ salz, Sassolin, Borsäure oder Boraxsänrc, von weißer oder gelblicher Farbe, besteht ans 56 Prozent Boraxsäure. Man findet dieses Salz als Ucbcrzug, tropfstcinartig, in Blättchen oder krystallinischcn Schuppen, sein Geschmack ist bitter, säuerlich und vor dem Löthrohre schmilzt es zu Glas. Die heißen Quellen bei Sasso im Florentinischen liefern das Sassolin. Man benutzt cö zur Bereitung von Borax, von dem weiter unten die Rede sein wird. 3. Erdsalze. Die Erdsalze bestehen ans Schwefelsäure und alkalischen Erden. Es ge hören dazu: 1) Der Alaun, der ans 34 Prozent Schwefelsäure, aus Thoncrdc, Wasser, Kali oder Ammoniak besteht, weiß, grau oder gelblich aussicht und krystallisirt, tropfstcinartig oder als erdiger Beschlag gefunden wird. Man bereitet ihn aber künstlich aus alannhaltigcn Mineralien durch Anölangcn und Sieden, weil sein Gebrauch in der Färberei n. s. w. sehr ausgedehnt ist. Preußen liefert jährlich über 7000 Centner, und England führt wohl für IM,000 Thalcr Alaun ans. Ein Gemisch von Alaun und Eisenvitriol ist unter dem Namen Fcdcrnlann bekannt, und scheint die sogenannte Bergbuttcr ans denselben Bcstandtheilen zu bestehen. 2) Daö Bittersalz, oder schwcfclsaurc Talkerde, enthält 32 Prozent Schwefelsäure, ist weiß, durchscheinend und krystallisirt nadelförniig. Das Bitter salz ist sehr wichtig und wird ans künstlichem Wege in großer Menge bereitet. In den Steppen von Sibirien soll cs sich so häufig finden, daß cö nach starkenRegengüssen wie Schnee den Boden bedeckt. Das Haar salz, welches sich bei Jdria findet und das sich durch lange, haarförmige Krhstallc auszcichnet, ist nur eine Abart des Bittersalzes. Auch gehört noch hierher der Potyhallit und der M aucrsalpeter. 4. Kalisalze. Die Kalisalze bilden die wichtigste Gruppe unter den Salzen. Es ge hören dazu: 1) Der Salmiak, oder salzsanrcr Ammoniak, ist meist weiß, hatb- chnrchsichtig und findet sich in vulkanischen Gegenden krystallisirt. Er dient zum Schmelzen des Goldes, zum Verzinnen des Kupfers und Eisens, znm Löthcy, in der Färberei und in der Medicin. Man bereitet ihn meist künstlich ans flüch tigem Laugcnsalzc, verbunden mit Salzsäure, oder durch Destillation von thieri- schcn Substanzen u. s. w. In Egypten, welches früher viel Salmiak ansführte, gewinnt man denselben durch Sublimation des Rußes von verbranntem Kuhmiste. 2) Der Maskagnin, schwefelsaurer Ammoniak, von gelber Farbe, enthält über 30 Prozent Schwefelsäure, schmeckt scharf bitterlich, lös't sich im Wasser ans und findet sich am Vesuv itub Aetna. 3) Der Salpeter besteht ans 50 Theilen Salpetersäure und 36 Theilcn Kali und enthält in seinem natürlichen Zustande eine Beimischung von Kalk und Gyps. Seine Farbe ist weißlich, durchscheinend, sein Geschmack scharf bitter, krystallisirt nadelförmig und verpufft im Feuer. Im Orient findet mau ihn sehr häufig, wo er krystallisirt aus der Erde hervorschießt. Künstlich wird er auö Kalkcrde und Salpetersäure dargestellt. Alan benutzt den Salpeter zur Berei tung des Schießpulvers, in der Medicin, zum Einpökeln des Fleisches, welches dadurch eine schöne rothe Farbe erhält, zur Glasbcrcitung, in der Färberei, zu Beizen n. s. w. 4) Das schwefelsaure Kali, 54 Thcile Kali und 56 Theile Schwefel säure enthaltend, findet sich an Vulkanen, in staubartiger Masse oder krystallisirt, es ist durchscheinend, weiß, grau oder gelblich, schmeckt salzigbitter und verpufft auf dem Feuer. 5) Der Borax, boraxsaures Natron, von wasscrheller, grauer oder gelblicher Farbe, körnig oder krystallisirt, von süßlich beizendem Geschmack, schmilzt leicht im Feuer. Tibet und Ostindien liefern dieses Mineral, welches znm Schmel zen und Löthcn schwerflüssiger Metalle dient, auch zum Glasircn des Porzellans, Steinguts u. s. w. gebraucht wird. Ferner verkalkt er alle den Metallen beige mischten unreinen Thcile, und ist so ein vorzügliches Mittel zur Reinigung des Goldes und Silbers. 6) Das Natron (Nitrum), mineralisches Langensalz, besteht ans kohlen- saurem Natron und Wasser, hat eine weiße, bräunliche oder gelbliche Farbe, B e u m er'L Naturgeschichte. 45706 findet sich als rindenartiger Ueberzng, in mehlartiger oder körniger Masse und ist mattglänzend, zum Thcil aber hat es sogar Glnsglanz, hat Langengcschmack und löst sich leicht im Wasser auf. Man unterscheidet zwei Arten: Trona und Soda. Die Trona ist härter und schwerer und enthält überwiegend Kohlen säure und Natron. Im Innern der Berberei findet man sie in großer Menge. Bei Merido in Kolumbien findet man sie in einem Sec, dessen Wasser gelb- grünlich und dem Seifenwasser ähnelt; in den heißen Monaten krystallisirt sie und man führt jährlich über 1600 Centner aus. Ans der Trona gewinnt man Soda. Diese ist seit den ältesten Zeiten bekannt, denn schon die Egypter ließen ihre Leichen vier Wochen in diesem Salze liegen, bevor sie dieselben cinbalsamir- ten. In den Seen bei Memphis findet sich unter andern die Soda im Ueber- sluß. Egypten führte im Jahre 1820 gegen 200,000 Centner Soda aus. Der Centner wird durchschnittlich zu 10 Thalern gerechnet. Man bereitet die Soda aber auch ans künstlichem Wege durch Auslangen der Asche, ans Salzpflanzen, ans Glaubersalz und Kochsalz. — Man benutzt die Soda zur Bereitung der Seife, zur Glasur, zum Waschen und Bleichen, in der Färberei und zur Ver fertigung seiner Glaswaaren. 7) Das Glaubersalz, schwefelsaures Natron, auch Wnndersnlz genannt, kommt in der Mcdicin als vielgebrauchtes Mittel vor. Es enthält 25 Prozent Schwefelsäure und außerdem Wasser und Natron. Glaub er, ein Chemist, erfand es zufällig und nannte cs sal mirabile, daher Glaubersalz und Wunders alz. Lange Zeit bereitete man cs künstlich ans Schwefelsäure und mineralischem Langcnsalz, jetzt liefern cs die Schweiz, das Salzburgische und Oesterreichische ans ihren mineralischen Quellen. Das Glaubersalz dient in der Medicin als AbführnngSmittcl, auch >vird cö in der GlaSbcreitnng gebraucht, das meiste wird in Salzsiedereien als Nebenprodukt gewonnen. 8) Der Glanbcrit oder Brogniartin enthält 51 Prozent schwcfelsnnrcö Natron und findet sich in Oesterreich und Spanien. 9) Der Natronsalpeter, 63 Prozent Salpetersäure enthaltend, findet sich namentlich in Peru in Lagern, die sich auf 50 Meilen weit erstrecken. Das wichtigste aller Salze ist 10) daö Steinsalz, Küchen- oder Kochsalz, cS besteht aus 60Theilcn Chlor und 39 Thcilen Natron, kommt in weißer, gelber, grauer, rothcr und blauer Farbe, in fester, krystallistrter Masse, wie auch flüssig als Salz-Sohle und als vulkanisches Erzengniß vor. Das Qnellsalz ist an Güte das beste. Nachdem das Wasser gradirt ist, läßt man cs in großen Pfannen abdampfcn, wo dann das Salz sich krystallisirt. Solche Salzwerke finden sich z. B. in Wcstphalcn bei Unna, Werl u. s. w. Zn Bochina, Wieliczka, zu Halle nud Salzburg findet sich das Salz in festen Massen und sind daselbst Salzbergwerke. Auch fiudct sich Salz an den Küsten der Meere, als Ausblühung der Erdoberfläche in den Steppen am Uralsee, Caspische» Meer,707 mif beit Salzebenen in Abyssinien, welche 4 Tagereisen lang sind, tut Innern von Nenholland und Brasilien n. s. w. Kein Mineral findet eine so vielfache Anwen dung als das Salz; der wichtigste Gebrauch aber ist der für die Küche. Was würden unsere Speisen sein ohne Salz!? Das größte Salzwerk ist wohl das zu Wieliczka, welches schon seit dem Jahre 1253 in Betrieb ist, eine eigene unterirdische Gemeinde in sich schließt und seit >337 eine in Steinsalz gehauene Kirche hat. Dieses Bergwerk liefert jähr lich über I Million Centner Steinsalz. Wir können es uns nicht versagen, eine genauere Beschreibung dieses Bergwerkes ans der Feder eines Reisenden und ge wandten Schriftstellers hier folgen zu lassen. Das Salzbergwerk za Wieliczka. (Von R. Schneider.) Es war einer der heißesten Augnstrage des heißen Sommers 1842, als wir, von Krakau in Wieliczka angelangt, vom Wirthshäus zum Einfahrtsort „Kaiser Franz" uns begaben, um von hier anö die unterirdischen Wunder dieses groß artigen Salzbergwerks zu beschauen. Glühend, still und regungslos war die Luft, als wir in'ö ZechenhanS eintraten; ein Bergbeamter war schon bereit, uns zu be gleiten; schnell waren die hier für die Besucher vorräthigen, weißen Grnbenhemden angelegt; an dem tut Hanse befindlichen Eingänge in's Bergwerk standen mehrere Bergleute und Bergmannsknaben, ihr weißes Hemd über die ans bloßein Leibe anschließenden Beinkleider herabhängend, mit ihren brennenden Jnseltlampen in der Hand, um uns in den dunkeln Räumen zu leuchte». Die Thüre wurde ge öffnet, und wir stiegen ans einer bequemen, mit Geländern versehenen Treppe hinab in die Tiefe. Die Luft war am Eingang, wo sich die kalte trockene Luft der Tiefe mit der warmen, feuchten Luft der Oberwelt vermischt, sehr feucht; Stufen und Geländer und Wände trieften vom Wasser. Je tiefer wir Hinabstiegen, desto angenehmer wurde die Luft; nach je 10 Stufen war immer ein Absatz. An den Pumpenröhren vorüber, welche zum Auffangen der Triebsandwässer bestimmt sind, sahen wir, 23'/.* Klafter tief unter der Oberfläche, auf der 271. Stufe das erste Salz mit seinen Gebirgsarten. Nachdem wir 109 Stnfenabsätze hinabgestiegen waren, gelangten wir ans die erste Etage oder in das erste Stockwerk, wel ches wie die tiefer unten liegenden Stockwerke ans einer Menge von wagerechten oder wenig geneigten Gängen oder Strecken besteht, die sich unter dem Namen Hvffnnngsschläge von O. nach W., alö Querschlüge, je in 50Klaftern von einander, von N. nach S. ziehen, und das ganze Stockwerk in quadratische Felder theile». In geringer Entfernung sehen wir durch den 34 Klafter langen Tages schacht Danieloviee noch einmal das Tageslicht, weiterhin durch den Grube li sch acht Antonia in das Dunkel eines kiefern Stockwerks. Durch die Tageöschachte, >> an der Zahl, werden die Salzmassen zu Tage, durch die Grnbenschachte aus 45*708 untern Stockwerken in die erste Etage gefördert; der tiefste Tagcsschacht, Wod- nagora, reicht in eine Tiefe von 130'/, Klaftern. Bald traten wir in die Kam mer Ober-Ursula und in die Kammcr«Michalowiec ein, die, wie alle übrigen Kammern, mehr oder minder große, durch den Abbau des Salzes entstandene Ausweichungen sind. 160 Salzstnfen führten uns ans die Sohle der letzten Kam mer, welche 21 Klafter lang, 14 breit und 18 hoch ist. Bon der Decke hängt ein ans Salz gearbeiteter Kronleuchter herab, der in diesen großen Näumen nicht besonders groß erscheint, aber einen Durchmesser von 1'/,, eine Höhe von 3 Klaftern hat. Bei feierlichen Gelegenheiten werden ans demselben -300 Kerzen angezündet, wodurch der weite, dunkle Raum erleuchtet wird; wir mußten uns begnügen mit der Beleuchtung durch unsere Lampen und durch die Erleuchtung von brennenden Besen, welche von der Hohe hcrabgeworscn wurden; überaus großartig soll der Anblick sein, wenn die Räume durch bengalische Flammen erleuchtet wer den. Die Kammer Ursula ist schmal und hoch, hat oben eine kühne Untcrzimme- rung, 2 Holzbrücken vermitteln die Verbindung der seitlich liegenden Strecken. Kammer reihte sich jetzt an Kammer. Die Kammer Kaiser Franz ist durch ihre 10 Klafter lange Brücke und ihre beiden Salzpyramiden, die Grünsalzkammer Erzherzog Franz durch ihren kolossalen Salzobcliök merkwürdig; die vom Zimmcr- meistcr Witkoski 1770 erbaute Brücke ist 6'/r Klafter lang über einen 45 Klafter tiefen Abgrund geschlagen. In der Grünsalzkammer Ordina fanden wir eine An zahl Bergleute in voller Thätigkcit. Mächtige Salzsteinmassen erhoben sich vom Scheine der Lampen widcrglänzcnd als steile Wände in die Höhe, an ihnen die Bergleute beschäftigt, die Salzstücke loszulösen. Kräftige Männergestalten, nur wenig bekleidet, hieben mit ihren Spitzhacken 2 tiefe Gänge von oben nach unten und unten nach oben, von rechts nach links in das Salz und theilten cs also in 16—18" breite Salzsäulen oder Schrammen, die sie dann von der hintern Wand durch Keile und Hebel ablös'ten; unter lautem Gekrach stürzte ein Pfeiler nach dein andern bei unserer Anwesenheit herab. Die Arbeiter erkennen ans dem Ton der Keilschlüge die Nähe der Ablösung und sichern sich gegen mögliches Unglück. Die also abgelös'ten Salzpfeiler werden in gerundete, 330 Pfund schwere, 3'/./ lange, 16" in der Ausbuchtung dicke Säulen, Balwancn genannt, verarbeitet. Kleinere, nicht abgerundete Spule» heißen Forma Ist eine; Salzsteine von 50 Pfd. Schwere Natnralstücke; die kleineren Stücke werden unter dem Namen Minnziensalz in Fässer zu 560 und 280 Pfund verpackt. Wie mit der Lösung, so sind auch mit dem Fortschaffcn viele Bergleute be schäftigt; dort wälzen 3 Männer ans doppelten Lagerhölzern Balwancn, dnö Mi- nuziensalz und die Nnturalstückc fahren andere ans den Berg Hunden fort, ans großen Kasten, die vorn auf 2 kleinern, hinten ans 2 größer», gußeisernen Rädern ruhen. Wir gelangen ans einen Förderort. Ein Pferdegöpcl wird durch Pferde in Bewegung gesetzt; um die senkrecht stehende Welle schlingt sich das große Hanfseil, 'an dessen freiem Ende die Salzmassen befestigt werden; die Balwancn709 in nus l'A Zoll dicken Seilen gestrickten Säcken, die Fässer an Fä sscrsch li ng cn befestigt, mehrere übereinander, in jeder 3 große oder 5 kleine Fässer, im Ganzen eine Last von 30 Centnern. Eine solche Snlzfördcrnng heißt eine Porrcklc. Die dnzn bcnöthigtcn Pferde, je zn einem Göpel zwei Paar, werden in besondern Schlingen hcrabgclasscn, in denen sic in sitzender Stellung eingeschnallt werden; sie bleiben oft ihre ganze Lebenszeit über in ihrem nntcrirdischcn Stalle nnd werden feist und glatthaarig. Süßes Wasser zum Trinken wird ans der Grnbenqnellc Zatvodzin erhalten. In der Kammer Nosctti glänzten die Lampen von dem dunkeln Spiegel eines Salzsees zurück, ans dem, tief in der Erde gebildet, ein Kahn uns nnf- nahm, wohl zur tiefsten Schifffahrt ans Erden; durch einen 6 Klafter langen Tunnel gelangten wir in einen zweiten Wasserbehälter; eine ans Steinsalz gc- hanenc Statue dcö Nepomuk bczcichnete diesen Heiligen auch hier als den Heiligen des Wassers. Durch viele Gänge nnd Kammern führte uns der weitere Verlauf unseres Weges; unter den letzter» zeichnete sich besonders durch die mannichfaltigen Ge staltungen der Wände die Grünsalzkammcr PicSkvwa-Sala ans, die wegen ihrer Felsen nnd Zacken die unterirdische Schweiz genannt wird. Endlich erreich ten wir die Kapelle des heiligen Antonius von Padua, die 1698 ganz in den Salzkörpcr hincingearbeitet, 4 Klafter lang, 3'/^ breit und 3 Klafter hoch ist, nnd in der jetzt noch am 3. Juli großer Gottesdienst gehalten wird, bei dem alle Beamten mid Arbeiter in Gala erscheinen nnd dann nach demselben an lan ge» Tafeln speisen. Alles ist in dieser Kapelle aus Salzstcin gehauen, EingangS- thüre, Altäre, Gewölbe, Kruzifixe, Nischen, Bildsäulen, Lampen, Leuchter. Die Lichter schimmern durch diese Statuen hindurch. In der Kammer Lctow, die 13'/» Klafter lang, 7 breit und 7 hoch ist, hängen 6 Kronleuchter ans Krystall- salz, ans denen Lichter, bei unterirdischen Festen angezündct, wunderbar von den Salzwänden zurückglänzen müssen. Der russische General Suwarow hatte im Jahre 1809 in dieser Kammer sein Hauptquartier anfgcschlagen; seine Adjutanten schrie ben an Salztischcn oder stiegen ans und ab, um seine Befehle zu überbringcn ober ihm die nöthigen Berichte,;» erstatten.710 Dritte Mitte. Die brennlichen Mineralien. Die brennlichen Mineralien haben sehr unterscheidende Merkmale: ihre Festig keit ist — mit Ausnahme des Diamanten, der non Einigen deshalb auch nicht hierher gerechnet wird — sehr gering und sic können der Einwirkung des Feuers nicht widerstehen, sondern lösen sich in Dämpfe auf oder entflammen. Einige Arten, wenn sie rein sind, lösen sich im Ocl, aber nie im Wasser, ans. Ein großer Thcil von ihnen zeigt gerieben negative Electricität. Die flüssigen Ar ten entzünden sich schon bei Annäherung des Feuers. Die brennlichen Minera lien werden eingetheilt: 1) natürlicher Schwefel, 2) Erdharze, 3) Graphit und 4) Diamant. l. Das Schwefelgeschlecht. Der natürliche Schwefel hat einen unangenehmen Geruch, fast keinen Geschmack, lös't sich weder im Wasser noch Wcingeiste, sondern allein in fetten Oelcn ans, sieht blaßgelb ans und verbrennt ohne Ranch und Nuß, jedoch mit fast erstickendem Dampfe. Durch Reiben >vird er electrisch. Man findet ihn ge diegen und vererzt in vulkanischen Gegenden. So führt Sicilicn jährlich für 200,000 Thater Schwefel ans. In Deutschland findet man ebenfalls Schwefel; Oesterreich liefert jährlich über 3500 Centner, und am Nammclsbcrg gewinnt mau jährlich gegen 2000 Centner. Der Gebrauch des Schwefels ist mannichfal- tig: er dient zur Bereitung des Schießpulvers, zum Auflösen der Metalle, zu medicinischcn Zwecken n. s. w. Ist dem Schwefel Thon beigemischt, so heißt er Schwcfclcrdc, und in Verbindung mit Kalk liefert er Schwefcllcbcr. Schwcfclblüthe wird durch Verdampfen des Schwefels dargcflellt. In der Nähe der Stadt Catolica, ans Sicilicn, ist eine der berühmtesten Schwcfclgrnbcn, welche 1200 Fuß im Durchmesser hat. Ans den ersten Blick glaubt man einen Marmorbrnch zu sehen; die verschiedenen Farben, welche der mit Thon, Kalk und Gyps verbundene Schwefel annimmt, erscheinen wie Marmoradern, ans einem schönen, granglänzendcu Grunde. Die dunkelsten sind fast so roth wie reife Cornelkirschen. Große schwarze Flecken, die man bemerkt, deute» auf eine mit Schwefelsäure verbundene Erde. Mitten in diesen Massen trifft man auf Höhlungen, welche mit schönen Gypskrystaltcn von allen Farben angc- füllt sind.711 2. Das Erdharzgeschlecht. 1) Der Bernstein, Succinit, anch Agtstein genannt, enthält 80 Prozent Kohlenstoff, ist gelb, gelblichbraun, röthlichgelb, durchscheinend bis durchsichtig. Nach den Forschungen neuerer Chemiker ist der Bernstein unstreitig vegetabilischen Ursprungs, obgleich ihm einige Eigenschaften der Pflanzenharze abgehen. Da bis weilen in den Bernstein Insekten eingcschlosscn sind, welche man jetzt nicht mehr findet, so setzt man die Bildung dcö Bernsteines in die vorsiindflnthliche Zeit. Der Bernstein war schon den Alten bekannt, denn Homer gedenkt seiner unter dem Namen electron, und man nimmt allgemein an, daß die Griechen den Bern stein von den Phöniziern kennen lernten. Daß die Phönizier den Bernstein an Preußens Küste geholt haben sollen, erzählen Diodor, Tacitus und Plinins. Die Bernsteinfischcrei an der Ostsee ist gegenwärtig noch bedeutend; jedoch findet man ihn anch in Frankreich, Italien, Holland u. a. L. Der Bernstein wird zu inanchcrlei Schmncksachen, Pfeifcnspitzcn, Dosen rc. verarbeitet und liefert einen kostbaren Firniß. Die clcetrischen Eigenschaften des Bernsteins sind bekannt, und von dem oben angeführten Worte „electron“ hat sich das Wort Elcctrizität ge bildet. Königsberg, Danzig, Catania ans Sicilien und Konstantinopcl liefern die schönsten Bernsteinwaaren. Wie reich die Ostseeküste an Bernstein ist, bclvcisct der Seesturm vom 3. Nov. 1801, wodurch 150 Tonnen Bernstein, im Werth von 12,000 Thlrn., an das Ufer geworfen wurden. 2) Das Erdöl, Berg- oder Steinöl, welches 82 Prozent Kohlenstoff enthält, wasserhell, gelb, gclblichweiß oder anch schwarzbrann, durchsichtig bis undurchsichtig ist, ist ein flüssiges Mineral, welches sich nur in Oelcn oder Wein geist anslös't und in Verbindung mit Schwefelsäure eine harzige Substanz bildet. Die reinste Art ist die Naphta, die nur selten ist. An der Luft erhärtet sic und wird dann als ein Wundbalsam verkauft. Das Bcrgöl gebraucht man zum Brennen in Lampen, zu Firnissen und in der Mediän. Verdicktes Bergöl liefert den Bcrgtheer. Tyrol, Schlesien, Braunschweig, Rheinpreußen und andere Gegenden liefern Bergöl; jedoch am reichsten sind die Quellen bei Baku, am Fuße des Kaukasus. Lichtenberg, der diese Gegenden bereiste, berichtet dar über Folgendes: „Die Stadt Baku oder Badkn, an der Westküste des Kaspisces, am Ostende des Kaukasnsgebirgcs, liegt in einer reizenden, bergigen Gegend, die seit alter Zeit wegen ihrer Naphtagncllen berühmt ist. Dieses Naphta- oder Bergöl ist in reinem Zustande weiß, sehr leicht und flüchtig und höchst entzündbar. Ocstlich, ungefähr eine halbe Meile von einer der reichsten Quellen, ist ein be sonders merkwürdiger Ort. Er wird Alaschjah oder Feuerort genannt. So wie man sich diesem Orte nähert, empfindet man schon einen starken Schwefelgeruch. Der Durchschnitt dieses Fcncrortcö beträgt etwas mehr als >/« deutsche Meile und in der Mitte desselben sieht man eine starke gelbblanc Feuerflamme, welchedes Nachts in vermehrter Größe erscheint. In einiger Entfernung haben die Ge ber oder Gnebcr, das sind das Feuer anbctcndc Menschen — die Kreatur stab des Schöpfers — und andere arme Leute kleine, steinerne Wohnungen errichtet. Der innere leere Bodenraum, welchen die Mauer cinschlicßt, ist einen Schuh b.cf mit fetter Lchmerde dichtgcschlagen, damit die Flamme in diesem Raume nicht durchbreche. Wo aber der Wirth des Hauses Feuer »öthig hat, daselbst hat er Löcher in dem Lehm gelassen, und wer nun, seine Speise oder seinen Kaffee zu kochen, Feuer bedarf, hält ein brennendes Licht oder ein angczündctcs Stück Papier an die Oeffnung, und sogleich entsteht eine Flamme, die jeder zu seiner Absicht besser als Hotz oder Kohlenfeuer zu behandeln weiß. Je kleiner die Oeffnung ist, mit desto größerer Heftigkeit bricht die Flamme hervor. Bei einer Oeffnung von 2 Zoll erreichte sic Anfangs 3' 10" Höhe und fiel dann auf 2' 5". Braucht man das Feuer nicht mehr, so bedeckt man die Oeffnung. Eben so bereiten sich die Einwohner in der Dunkelheit ihr Licht. In ein enges, in den Lehm gebohrtes Loch stecken sic ein Schilfrohr von beliebiger Länge, nachdcin sic ihm vorher inwendig und auswendig einen Ucbcrzng von Lehm ge geben haben und zünden oben den Gasstroin an. Die Leinweber haben mehrere dergleichen Lichter um ihre Stühle stehen, die ihnen vollkommenes Licht geben und weiter keiner Unterhaltung und keines Putzens bedürfen." Vor mehreren Jahren suchte man in Kentucky nach Steinsalz. Als man eine feste Felsmasse, etwa 200 Fuß tief, durchbohrt hatte, sprang plötzlich ein Erdölstrahl hervor, der sich zu einer Höhe von k2 Fuß erhob und mehrere Tage lang fort floß. Der nahe Cuberlandsflnß wurde ganz mit diesem Ocl bedeckt. Einige Neugierige versuchten die Natur des Oclö und entzündeten cö mit Fackeln; das Feuer griff schnell um sich, und bald bot die Oberfläche des Flusses ein wahres Feuermcer dar, das die Bäume am llfcr ergriff und verbrannte. 3) Der Asphalt, Erd- oder Judcnpech, ist eigentlich nur verdicktes Bergöl; jedoch findet man cö auch in Flötzcn, mit Kalk, Gypö oder Mergel. An den Ufern des tobten Meeres findet man den Asphalt auf dem Wasser schwimmend. Man gebraucht ihn zu Pechfackeln, zur Verfertigung des schwar zen Siegellacks, zu Wagenschmiere u. s. w. Eine Abart ist das Fedcrharz, welches elastisch und von brauner Farbe ist und welches sich in England häufig vorfindet. 4) Die Braunkohle, welche sich in jünger» Flötzgebirgcn und im anf- gcschwemmtcn Lande befindet, ist vegetabilischen Ursprungs; denn man kann bis weilen das Gefüge des Holzes noch deutlich unterscheiden. Sie enthält 55—76 Prozent Kohlenstoff und 19 — 26 Theilc Sauerstoff, sicht schwarzbrännlich aus, fühlt sich etwas fettig an und verbreitet beim Verbrennen einen widrigen Geruch. Sic steht der Steinkohle bedeutend nach. Man unterscheidet bituminösesHolz, gemeine Braunkohle, erdige Braunkohle, Papicrkohlc und Gagat.Auch erwähnen wir hier des Torfes, der m sumpfigen und haidereichen Gegen den gefunden und als Feuerungsmiltel benutzt wird. Man unterscheidet Rasen torf und Moortorf. Aller Torf besteht ansPflanzcntheilcn und von Erdharz durchdrungenen Thontheilen. Die Torfaschc ist ein vorzügliches Düngnngsmittcl für Wiesen und Flachsfelder. 5) Die Steinkohle ist eines der wichtigsten Mineralien. Abgesehen da von, daß sic das beste Fcucrnngsmittcl ist, wird cö nur durch sie möglich, Dampf schiffe und Lokomotiven zu beflügeln, unzählige Maschinen in Bewegung zu setzen, unsere Metalle zu verarbeiten n. s. w. Auch gewinnt man ans der Steinkohle das Leuchtgas und den Steinkohlcntheer. Man findet die Steinkohle in Flötzgebirgen zwischen Thonschicfcr und Sandsteinen, und man ist der Meinung, daß auch sie ihren Ursprung ans dem Pflanzenreiche habe; denn die vielen Ab drücke von Pflanzen, die man in solchen Gebirgen findet, deuten darauf hin, daß die Steinkohlen nichts Anderes sind, als verkohlte Ueberreste von Pflanzen, welche bei jener großen Uebcrfchwemmung, die sich einst über die ganze Erde erstreckte, und bei andern großen Veränderungen, welche die Oberfläche derselben erlitt, in ihren Schooß begraben worden sind. China und England sind am reichsten an Steinkohlen. England beschäftigt über 100,000 Arbeiter in seinen Kohlenberg werken, welche jährlich über 150 Millionen Centner Kohlen fördern. Preußen baut jährlich gegen 9 Millionen Centner, Frankreich 10 Millionen, Böhmen 2 Millionen und Sachsen l'/s Million Centner. Schließlich nennen wir noch die einzelnen Arten, wie sie von den Minera logen eingcthciltwerden: Pechkohle, sammetschwarz, stark fettglänzend; Kännel- kohlc, grauschwarz, sehr schwach fettglänzend, zäher als die Pechkohle; Grob kohle, gräulich-schwarz, schimmernd, kleinkörniger Bruch; Faser- oder mineral. Holzkohle, granschwarz, seidenglänzend, zerreiblich; Schiefcrkohle, ein schiefe riges Gemenge von Pech-, Grob- und Fascrkohlc; Nußkohle, schwarz, schim mernd, erdiger oder verworrener blätteriger Textur. 3. Das Graphitgeschlecht. 1) Die Kohlenblende, ein Gemisch von Kohle, Sauerstoff und Thonerde, sieht der Glanzkohle sehr ähnlich, bricht in vierseitigen Säulen und findet sich oft bei gediegenem Silber; z. B. bei Chemnitz, Gera und Kongsberg. Die Kohlen blende kann nur da als Brennmaterial gebraucht werden, wo ein starker Luftzug besteht, z. B. in Kalköfen, Zicgelöfen n. s. w. 2 ) Der Graphit, Rcißblei, von bleigrauer Farbe, fühlt sich fettig und schuppig an, glänzt metallisch und färbt ab. Seine Bestandtheile sind Kohlen und Sauerstoff mit etwas Eisen und anderen zufälligen Beimischungen. Im Feuer berflicgt das Rcißblei und läßt nur etwas Eiscncrdc zurück. Das beste Rcißblei findet man in England, wovon man Bleistifte macht. Das gemeine Rcißblei,714 welches man unter andern bei Passan und Regensburg findet, dient zur Verfer tigung von Schiuelzticgeln und zur Ofcnschwärze, zum Polireu der Metalle, znin Schmieren der Maschinen n. s. w. Auch in der Arznei wird es gebraucht, namentlich gegen Flechten und fressende Geschwüre. 4. Das Diamantgeschlecht. Das kostbarste aller Mineralien muß es sich gefallen lassen, hier angeführt zu werden; denn der Diamant verfliegt in einer Hitze, die stärker ist, als die, in welcher Eisen schmilzt, mit kleiner Flamme. Er krystallisirt als vierseitige Pyramide, ist farblos, oder spielt in'ö Gelbliche, sangt das Licht ein und leuch tet im Dunkel, zeigt gerieben positive Elcctricität. Da er, wie oben bemerkt, im starken Feuer verfliegt, so besteht er größtentheilö ans Kohlenstoff. Das Schleifen und Bearbeiten der rohen Diamanten erfand um 'das Jahr 1450 Ludwig von Bcryncm in Flandern. ' Ein oben und unten eckiggeschliffener Diamant wird Brillant genannt. Ostindien und Brasilien liefern die meisten Diamanten. Als die größten und werthvollstcn Diainantcn nennt lnan folgende: 1) Der 1741 in Brasilien gefundene, der 1680 Karat wiegen soll, an dessen Echtheit man aber zweifelt, weil er zu sehr in's Gelbe spielt; 2) der des Rad schah Matton auf Borneo, von 367 Karat; 3) der des Großmoguls von 270 Karat; 4) der im russischen Rcichsscepter von 193 Karat, welcher 1775 für die Kaiserin Katharina zu Amsterdam für 593,571 Thaler baarcs Geld und eine lebenslängliche Jahres-Pension von 4571 Thlrn. gekauft wurde; 5) der sogenannte Regent oder Pitt, von 137 Karat, den Pitt 1702 für 20,400 Pfd. Ster ling in Ostindien kalifte und 1717 an den Herzog von Orleans für 300,000 Thaler wieder verkaufte; 6) der des österreichischen Kaisers von 139 Karat, der einen Werth von 800,000 Thalcrn haben soll. Die Diamantgruben in Brasilien. Die Provinz Minas gcracS in Brasilien ist nicht nur an Diamanten, son dern überhaupt an cdeln Metallen reich, und hat daher auch ihren Namen, der deutsch durch Erzland oder Erzgebirge übersetzt werden könnte. Der Zutritt zu diesem Gebiete wird nicht nur Fremden, sondern selbst Einheimischen sehr er schwert, und man hatte daher bis jetzt nur mangelhafte Nachrichten über die reiche Landschaft. Schon die Natur hat den Dimnantenbezirk durch eine Ring- maner schroffer Felsen abgeschieden. Alle Zugänge sind mit Wachen besetzt. Die in den Gruben arbeitenden Sklaven werden von ihren Aufsehern streng bewacht, und man bietet Alles auf, der Regierung den Besitz dieser Schätze zu sichern. Es fehlt jedoch nicht an kühnen Abenteurern, die sich in dunkler Nacht oder bei715 dichtem Nebel in das Diamantenthal schleichen, und sich oft mehrere Tage in den Hütten der Sklaven verbergen, welche ihnen gestvhlenc Diamanten znstecken. Die Diamautengrubeu wurden zu Anfänge dcö 17. Jahrhunderts entdeckt und 1730 für königliches Eigenthum erklärt, doch durfte Jeder unter gewissen Beschränkun gen an der Ausbeutung Thcil nehmen. Jeder in den Gruben beschäftigte Neger mußte eine Kopfsteuer bezahlen, die von 8 bis zu 9 Thalcrn stieg. Bald aber wurde diese Einrichtung gänzlich geändert, weil man gefunden hatte, daß die Diamanten bei der immer zunehmenden Ausbeute im Werthe bedeutend gesunken waren. Von 1735—72 wurden die Diamantengrnbcn verpachtet. Das jährliche Pachtgeld betrug über 250,000 Thaler. Endlich aber ergab cs sich, daß die Bearbeitung der Diamanten durch Privatpersonen, die ein ganz anderes Interesse hatten als die Regierung, mit mancherlei Betrügereien und Mißbräuchen verbun den war. Die Regierung nahm nun selbst die Oberaufsicht, und gab mehrere neue Verordnungen, durch welche der Diamanteubezirk noch mehr von der übrigen Welt abgesondert wurde. Der Oberaufschcr der Diamautengruben hat eine fast unbeschränkte Gcivalt. Die Schatzkammer, in welcher die Edelsteine uicdcrgclcgt werde», hat drei Schlüssel, welche der Oberaufschcr, der erste Schatzmeister und der erste Sccretair aufbc- wahrcn. Alle in den Gruben arbeitenden Neger haben Privatpersonen zu Herren, die ihnen Wochcnlohn geben. Die Zahl dieser Arbeiter ist in neuern Zeiten von 3000 ans 1000 gesunken, und auch der Lohn um die Hälfte geringer, als früher. Die unglücklichen Neger müssen ihr Leben mit einer dürftigen Kost fristen, die ans Mais, Bohnen und Salz besteht. Dazu kommt zuweilen ein Röllchen Ta bak. Bei Tage in den Gruben beschäftigt, muß der Sklave sein Essen am Abend znbercitcn, 10031 t er oft nur dürres Gras als Feuerung hat. Er steht in den Gruben Jahr aus, Jahr ein im Wasser. Diese ungesunde Lebensweise erzeugt viele Krankheiten, und überdies schweben die Neger stets in Gefahr, von Erd- stürzcn verschüttet, oder von plötzlich abgclös'tcn Felsen zerschmettert zu werden. Den ganzen Tag hindurch gibt cs keine Feierstunde. Dieser Beschwerden unge achtet ziehen die Sklaven die Arbeit in den Gruben jeder andern vor. Sic ha ben wenigstens die Aussicht, einige Diamanten stehlen zu können, und selbst die Hoffnung, ihre Freilassung zu erlangen, die ihnen zu Thcil wird, wenn sie einen Diamanten finden, der 17Vct Karat schwer ist. Wiegt der gefundene Diamant nur drei Bicrthcile jenes Gewichts, so erhält der Sklave zwar auch seine Freiheit, muß aber noch einige Zeit für die Regierung arbeiten. Für Diamanten von ge ringerem Gewicht erhalten die Sklaven unbedeutende Belohnungen. Findet der Neger einen Diamanten, so faßt er ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, spreizt die andern Finger ans und zeigt ihn dem Aufseher. Er legt ihn dann in ein hölzernes Gefäß, worin die Diamanten gewaschen werden. Dieses Gefäß über- niinmt bei Anbruch der Nacht ein Aufseher, läßt die Diamanten wiegen und steckt sic in einen Beutel, den er stets bei sich trägt. Die gefundenen Diamanten werden716 monatlich in die Schatzkammer gelegt, wobei sic nochmals gezählt nnd gewogen werden, lieber den Ertrag werden genaue Verzeichnisse geführt. Ehe man die ganze jährliche Ausbeute nach der Hauptstadt Rio Janeiro schickt, wird sic ge sondert. Man hat dazn 12 Siebe mit Löchern von verschiedener Größe, durch welche die Diamanten der Reihe nach geschüttet werden. Die gesonderten Edel steine werden dann in zwölf verschiedene Beutel gethan, die in eine Kiste kommen, welche von drei Beamten versiegelt wird. Die Kiste wird dann, von Soldaten begleitet, nach der Hauptstadt gebracht. Die Neger haben im Stehlen der Diamanten eine ungemeine Geschicklichkeit. Nene Ankömmlinge werden von den altern Arbeitern in ihre Knust eingeweiht, nnd kommen bald ihren Lehrern gleich. Sie wissen selbst das wachsamste Auge zu hiutcrgchcn. Ein Obcranfsehcr wollte sich vor mehreren Jahren überzeugen, ob cs wahr sei, was ihm seine Untergebenen von der List der Sklaven gesagt hatten. Er ließ einen verschmitzten Neger kommen, versteckte einen kleinen Dia manten in einen Hansen Sand nnd versprach dem Sklaven die Freiheit, wenn er den Edelstein stehlen konnte, ohne sich ertappen zu lassen. Nachdem der Neger einige Minuten den Sandhaufen durchwühlt hatte, fragte ihn der Obcranfsehcr, wo der Diamant sei, der Neger holte ihn nun ans seinem Munde hervor. Die Schleichhändler, die sich in den Diamantenbezirk wagen, haben den Negern ohne Zweifel die erste Veranlassung gegeben, sich in den Künsten zu üben. Unerfahrene Schleichhändler werden oft hintergangen, nnd nehmen kleine Krystallstücke, die der Neger mit Schrot polirt hat, für Edelsteine hin. Der geübte aber weiß die fal schen Steine leicht von den echten zu unterscheiden, er steckt sie in den Mund nnd schnellt sic gegen die Zähne, um zu hören, ob sic den Klang haben, der echten Diamanten eigen ist. Die Metalle unterscheiden sich von allen übrigen Mineralien durch ein über wiegendes spccisisches Gewicht nnd dadurch, daß sic bis jetzt noch nicht zerlegt worden sind, mithin die einfachsten Naturkörper sind. Die Metalle sind undurch sichtig, werfen aber das Licht am vollkommensten zurück; sie nehmen eine lebhafte Politur an, schmelzen in der Hitze mit convexer Oberfläche nnd absorbiren in der Regel den Sauerstoff in der Luft. Die meisten Metalle sind sehr dehnbar, wo durch sich ihre Brauchbarkeit vermehrt. Die Metalle finden sich rein nnd ge diegen, oder unrein, vcrerzt, d. h. mit fremden Stoffen vermischt. Die Die Metalle.717 Eintheilung in Metalle und HalbMetalle ist längst als unzweckmäßig ver warfen. Die eigentlichen Metalle bringt man gewöhnlich unter folgende Abthei- lnngen: A) edle Metalle, welche weder in niedriger noch in höchster Tempera tur merklich oxydirt werden, das Wasser nicht zersetzen, und deren Oxyde für sich rcdncirbar sind: Platin», Gold, Silber, Palladium, Rhodium und Iridium; L) Uebcrgaugsmetalle, welche bei höchster Temperatur oxydirt werden, wenn auch höchst unmerklich und langsam: Nickel, Osmium, Quecksilber; 0) gemeine Ate takle, welche an der Luft leicht oxydirbar und ohne Neducirmittel nicht wie der herznstcllcn sind: I. Metalle, welche durch Oxydation keine Säuren bilden: a) strengflüssige, nur int höchsten Grade der Weißglühhitzc schmelzbar: Tito», Cercr, Scheel oder Wolfram, Uran und Mangon; b) weniger strengflüssige, in der Weißglühhitze schmelzbar: Kobalt, Eisen, Kupfer; c) leichtflüssige, und zwar nicht flüchtige: Zinn, Blei; flüchtige: Tellur, Antimonium, Wiömnth und Zink; 11. Metalle, welche durch Oxydation Säuren bilden: Arsenik, Chronium und Molybdän. Beschreiben wir nun die wichtigsten Metalle, ohne uns jedoch an obige Ord nung zu binden. Platina. Daö Platin», welches 1741 ans Südamerika zuerst nach England gebracht, 1748 bestimmter beschriebe» und 1752 zuerst chemisch untersucht wurde, ist auch unter dem Namen Weißgold bekannt und ist das schwerste aller Metalle. Es läßt sich zum feinsten Draht ziehen, besitzt die größte Pvlitnrfähigkcit, ist keinem Rost unterworfen und mir in Königswasser auflösbar. Daö reine Platin» hat einen vier Mal höher» Werth, als Silber. Die Spanier hatten früher den Han del mit Platin» bei Todesstrafe untersagt, und man behauptet, daß alles Platiua, welches auf spanischen Besitzungen gefunden, in daö Meer versenkt worden sei. In Brasilien und ans St. Domingo findet man Platin» in anfgcschwcmmtcm Lande, am Ural im syanitischcn Gri'mstcingraphyr. Man verfertigt daraus aller lei schöne Schmncksachcn, chemische und physikalische Werkzeuge, Metallspiegel ». dgl.; in Rußland hat man in neuerer Zeit auch Münzen daraus verfertigt. Der Platiua schwamm, der zu chemischen Feuerzeugen angcwendet wird, wird a»ö anfgelös'tem Platiua bereitet. Gold. Das Gold ist daö edelste Metall und nächst dem Platiua das schwerste. Man findet es gediegen, oder in Verbindung mit Silber oder andern Metallen. Dasjenige, was man i» Bergwerken gewinnt, ist in der Regel cingesprengt in Quarz, Schwefelkies, Blciglanz, Silber- und Kupfererz; in Flüssen findet man ebenfalls Gold, als Körner, Blättchen oder Schuppen.ns Würden in den Bergwerken mit dem Golde nicht noch andere Metalle gc^ Wonnen, so würde cs sich kaum der Mühe lohnen, »ach Gold zn suchen. Europa ist arm an Gold; am meisten liefert Amerika (in neuerer Zeit namentlich Calü fornicn) und Afrika. Im Uralgebirge wird ebenfalls viel Gold gewonnen. Ruß land beutet jährlich über 22,000 Mark ans. Ungarn 2660 Mark, Siebenbürgen 2500 Mark, Salzburg 75 Mark, Schweden höchstens 8 Mark. Am Harz wer den jährlich etwa 10 Mark gefördert. Ganz Europa liefert jährlich 8000 Mark; Amerika hingegen nahe an 100,000 Mark. Das Gold ist so dehnbar, das; sich anö einem Gran ein 500 Fuß langer Draht ziehen läßt. Gebraucht man eö z»m Uebergoldcn, so läßt cö sich ans den 12 millionsten Thcil ansdehnen. Wie das Platina lvs't sich auch das Gold nur in Königswasser ans, und wird durch Eisen vitriol wieder daraus niedergeschlagen. Reines Gold ist citronengelb, wechselt aber bis zum Hochgclben. Um cö aber zn Schmncksachcn, Münzen n. dgl. ver arbeiten zu können, wird eö mit Kupfer lcgirt, d. h. cs werden gewisse Thcilc Silber oder Kupfer mit dein Gold zusammcngeschmolzcn. Darnach bestimmt sich der Gehalt des Goldes. Reines Gold ist 24karatig; 20karatigcö Gold ist also solches, welches 4 Karat Zusatz erhalten hat. Der Werth des Goldes zum Sil ber verhält sich wie 14 zn 1. Löset man Gold in Königswasser ans und bringt cs durch eineZinnanflösnng zum Niederschlag, so erhält man Goldpnrpur, eine in der Porzellan- und Glas-Malerei beliebte Farbe. Silber. Das Silber, nächst dem Golde das wcrthvollstc Metall, hat die reinste weiße Farbe, ist ebenfalls sehr dehnbar, denn ans einem Gran läßt sich ein 400 Fuß langer Draht Herstellen, ist härter als daö Gold, geräth aber bei einem geringer» Grade von Hitze schon in Fluß, und verliert im Feuer nur wenig von seinem Gehalt. Man findet cö thcils gediegen, thcilö vererzt und vcrlarvt. Es kommt mit andern Mineralien vermischt in folgenden Arten vor: Spießglanzsilbcr, 75 Prozent Silber enthaltend, lrystallisirt, oder in knolligen, kugeligen und nieren- förniigen Massen, derb und eingesprcngt, zinnweiß. Im Harz. Arscniksilbcr, zinnweiß, weich, schneidbar, oft 90 Prozent Silber enthal tend. Sclcnsilbcr, 73 Prozent Silber in Verbindung mit Selen, eisenschwarz. Im Harz. Chlorsilbcr, 75 Prozent Silber, perlgrau, grünlich, gelblichwciß oder bläulich, weißer Strich, in kleinen Krystallcn, schmilzt schon an der Lichtflamme. Per», Mexiko, Erzgebirge. Das Hornsilbcr, ebenfalls eine Chlorsilbcrart, färbt sich am Lichte schwarz und wird deshalb zur Herstellung von Dagncrrcotypcn gc^ braucht. Schwcfclsilbcr oder Silbcrglanz, sieht bleigran anö und enthält über 85 Thcilc Silber, findet sich in Gesellschaft der übrigen Arten. JodsiO ber, in Mexiko, enthält Jod alö Beimischung und ist perlgrau; 80 Thcilc Sil ber enthaltend.719 Nothgildigcrz, Don röthlicher Farbe, >md Schwarzgildigcrz, von rußiger Farbe, enthalten 60 bis 70 Prozent Silber und finden sich in Sachsen, Böhmen und Ungarn. In ganz Europa werden jährlich 234,200 Mark Silber gewonnen. Ungarn liefert 80,000 Mark, Sachsen ans seinem reichen Erzgebirge 52.000 Mark, der Harz von Hannover und Brannschweig 36,000 Mark, Preußen gewinnt 22,135 Mark, wozu der Segen des Mannsfcldischen Bergbau's 18,000 Mark beitragt; Frankreich gewinnt 3600 Mark, Schweden 5000 Mark, das kleine Nassau aber 3500 Mark Silber. Amerika und Asien sind sehr reich an Silber. Mexiko allein liefert jährlich 2,196,000 Mark, Peru 573,984 Mark, Sibirien 87.000 Mark. Wie das Gold, so wird auch das Silber legirt. Eine feine Mark sind 16 Loth und haben einen Werth von 14 Thalern prcnß. Im 12 löthigen Silber sind also vier Thcile Kupfer. Das Silber dient zu Münzen, Schmncksachen, kost baren Gefäßen u. dgl. Silber in Salpetersäure aufgelöst und mit Kalkwasser niedergeschlagen, bildet Knallsilbcr. Durch Abdampfung dieser Auflösung aber gewinnt man den für die Arzneiknnde wichtigen Höllenstein. Die Gewinnung des reinen Silbers ans den beigemischten fremden Stoffen wollen wir hier noch kurz besprechen, und bemerken, daß daö Gold fast ans die selbe Weise ausgcschiedcn wird. Silbererze, welche reichhaltig genug an Silber sind, werden mit einem Zusatz von reinem Blei in Graphitticgelu geschmolzen. Das flüssig werdende Silber verbindet sich mit dem Blei und wird dann Werk blei genannt. Dieses wird ans eigenen Horden unter Zutritt der Lust geschmol zen, tvobci daö sich verkalkende Blei von Zeit zu Zeit von der Oberfläche abgc- nommen wird. Dieses Geschäft wird so lange fortgesetzt, bis sich kein Bleikalk mehr zeigt, sondern das Silber spicgclhcll sich darstellt. Dieses Verfahren tvird in der Hüttenkunde Ab treiben genannt. Aus Erzen, die nicht mit Blei verbunden sind, und in welchen sich das Silber nur in geringer Menge befindet, wird cö durch Amalgamation ansgcschiedcn. Dies geschieht ans folgende Weise. Die Silbererze werden zuerst in einem Flam- mcnofen geröstet, darauf gesiebt, um bcigcmcngte Steine abzusondern und dann zwischen Granitsteinen gemahlen. Dieses Erzpulvcr wird in hölzerne Fässer ge bracht, welche durch Wasser- oder Dampfkräfte in steter Bewegung um ihre Achse erhalten werden, Wasser hinzngcgosscn, wodurch sich ein gleichförmiger Brei bildet. Hat dieser die gehörige Dichtigkeit erhalten, so wird Quecksilber hinzngesctzt und die Fässer auf's neue 20 Stunden in Bewegung gesetzt. Dadurch verbindet sich das Silber mit dein Quecksilber zu einem Amalgama. Nun tvartct man, bis sich dieses Ainatgama gesenkt hat, läßt daö flüssige Quecksilber ablanfen und füllt Pas Amalgama in Beutel. Darauf wird letzteres in eigene Behälter zum Abdampfen gebracht; das Quecksilber entfliegt als Quccksilberdämpfe, die sich erkaltet aber wieder zu Quecksilber gestalten, und das reine Silber bleibt zurück. In großen Graphitticgelu wird das gewonnene Silber zusammengeschmolzen.720 Quecksilber. Das Quecksilber ist das einzige Metall, welches flüssig ist; eö hat eine silberweiße Farbe, ein spceisischcS Gewicht von 12 —15, verdampft schon bei der geringsten Wärme und wird bei einer Kälte von 32" R. fest, so daß es sich hämmern läßt. Die Quecksilberdämpfe sind, wie alle Verbindungen dieses Metalls, sehr giftig. DaS Quecksilber kommt selten gediegen vor; jedoch findet man solches als Tropfen in Ritzen und Spalten von Thon und Qnecksilbcrerzen. Da sein Gebrauch sehr mannichfaltig ist, so wird eö auf künstlichem Wege meistens ans Zinnober gewonnen. Es kommt in folgenden Verbindungen vor: Zinnober oder Schwefel-Quecksilber, auch Merkur blende genannt, enthält oft 86 Prozent Quecksilber, ist hell- oder dunkelroth und glänzt diamantartig. Ist der Zinnober mit Kühlen- oder erdigen Thcilcn verbunden, so wird cs Queck silber leb er erz genannt. Das Hornquccksilb er besteht ans 85 Thcilcn Quecksilber und 15 Thcilcn Chlor, ist grau und gelbweiß, glänzt diamantartig und kommt krystallisirt und eingesprengt vor. Wie schon oben bemerkt, dient das Quecksilber zur Ausscheidung des Goldes und Silbers; außerdem aber zur Her stellung der Spicgctfolie, zum Vergolden, zur Anfertigung der Barometer und Thermometer und als außerordentliches Heilmittel in der Hand eines geschickten und gewissenhaften Arztes.*) Man findet Quecksilber bei Zweibrücken, bei Al- maden in Spanien, zu Jdria in Krain, in Mexiko und Peru. Zu Almadcn und zu Jdria, wo die berühmtesten Quecksilberbcrgwerke Europa's sich befinden, wird das Qnecksilbercrz in gemauerten, viereckigen Schachöfen dcstillirt; bei Zweibrücken und in Böhmen hat mau ein vollkommncrcs Verfahren. Die Erze werden in großen eisernen Retorten oder Cylindern, deren oft 40 in einem Galeerenofcn liegen, geglüht, und das snblimirte Metall in thönernen Vorlagen aufgefangen. In Europa werden jährlich durchschnittlich 27,000 Centner Quecksilber gewonnen. Davon liefert Spanien 20,000 Centner, Jdria 6000 Centner, Ungarn, Böhmen und Siebenbürgen 700 Centner und Zweibrücken in Baiern 300 Centner. Kupfer. Daö Kupfer findet sich nicht selten gediegen in großen Massen, häufiger aber in Erzen vor. Weil es bei seiner Härte elastisch ist, so hat es von allen Metallen den stärksten Klang. Da cs sich mit den übrigen Metallen verbindet, *) ®ic arabischen Aerzte waren die ersten, welche Quecksilber in Salben anwendeten. Von diesen kam es in, tl. Jahrhundert zu den Europäern. Erst im 16. Jahrhundert wagte man den innerlichen Gebrauch; jedoch nur bei venerischen Krankheiten. Später erst brauchte man c« auch gegen andere Krankheiten: Skropheln, verhärtete Drüsen u. s. w. Der berühmte Di-, Heim brauchte es sogar wider daö kalte Fieber.721 fo wird cs nicht nur zum Lcgircn dcs Goldes und Silbers gebraucht, sondern auch zu andern, für die Gewerbe wichtigen Metallcompositioncn. Kupfer und Galmei gibt Messing; Kupfer, Messing, Zinn und Zink liefert Tomback; Scmilor ist wie Messing zusammengesetzt, enthält aber weniger Galmei; Kupfer und Arsenik geben das Wcißknpfer; Stückgut oder Kanoncnmctall besteht aus Kupfer, Zinn, Blei und Spicßglanz; Glockengut ans Kupfer, mit V« Zinn und '/« Zink. Schon seit den ältesten Zeiten dient das Kupfer zur Verfertigung von Hans- nnd Küchengeräthcn, von Blasinstrumenten, Waffen und andern Werkzeugen. Auch bereitet man aus dem Kupfer verschiedene Farben, als: Grünspan, ' Bcrgblan, Bcrggrün, Bremer- und Vraunschweigergrün, Schcclgrün und Knpferbrann. Die wichtigsten Kupfererze sind folgende: Das Nothkupfererz, von rother bis blcigrancr Farbe, in Krystallen, enthält beinahe 90 Prozent Kupfer; Kupfer kies, 34 Prozent Kupfer, Eisen, Schwefel und Quarzsand enthaltend, sicht messinggelb aus und bricht in großen Massen; Kupferglanz, von blcigrancr Farbe, besteht ans Kupfer und Schwefel; Kupfcrlasur, von herrlich blauer Farbe, besteht ans Kupfer- und Kohlensäure; Kupfermalachit, von schöner grüner Farbe, besteht ebenfalls aus Kupfer- und Kohlensäure, jedoch ist das Knpfcroxyd in ihm vorwiegend. Außer den genannten Erzen gibt cs noch salz- sanrcö, phoöphorsanres und arseniksaures Kupfer. England liefert jährlich 200,000 Centner, Rußland 67,000, Oesterreich 54,000, Schweden 22,000, Preußen 18,000, der Harz 4000, Frankreich 3000, Spanien kaum 3000, Sachsen über 400, Baiern 700, Baden 400, Kurhessen 1800, Nassau 250 und Waldcck 840 Centner. Die Gewinnung dcs reinen Kupfers aus den Erzen ist sehr umständlich und langwierig; eben dadurch, weil so mancherlei fremdartige Stoffe ausgeschiedcn werden müssen. Nachdcin das Erz geröstet ist, folgt das Roh schmelzen in Schachöfen, wodurch der Roh- oder Kupfcrstein gewonnen wird. Nun folgt das Nohknpferschmclzcn in ähnlichen Oefcn und darauf die Bereitung dcs GarknpfcrS. Ungefähr 6 Monate sind zu diesem NcinigungSprozessc nothwcndig. Das Garknpfcr wird entweder in Formen ge gossen, oder unter Wasscrhämmcrn zu Stäben geschlagen. Eisen. So kostbar alle andern Metalle sein mögen, so ist und bleibt das Eisen das wichtigste, weil cs das unentbehrlichste Metall ist; denn cs ist zur Gewinnung fast aller Lcbensbediwfnisse unentbehrlich. Die gütige Vorsehung hat deshalb die Erde mit diesem Metalle reichlich gesegnet. Sehr richtig bemerkt Di-. Schubert in seiner technischen Chemie: „Nicht Gold, nicht Silber bezeichnet die Höhe der V e u m c r 'ö Naturgeschichte. 46722 Cultur der geistigen und physischen Kraft der Völker, aber wohl die Vollendung in der Bearbeitung und Benutzung dcS Eisens. Man vergleiche die goldrcichcn Gegenden Amerika's, den neuerdings durch seine Goldschätze bekannt gewordenen Ural mit — England. Wie verschieden sind die Verhältnisse ihrer Bewohner! WaS wäre England ohne Eisen und Steinkohlen! Fast alle Gegenstände, welche du um dich siehst, mit Ausnahme des von der Natur selbst Gegebenen, verdanken mehr oder minder, mittelbar oder unmittelbar ihre Entstehung dein Gebrauche des Eisens." Gediegenes Eisen findet man sehr selten; jedoch findet man solches am Senegal in Afrika und in Sibirien. Am häufigsten findet man das Eisen vererzt, kalkförmig und ocherartig. Wir nennen folgende Arten: Eisenkies, Mo r kasi t, oder weil er viel Schwefel enthält, Schwefelkies, 46 Prozent Eisen enthaltend, findet sich in schönen Krystallen, ist blaß- oder braungelb; Magnetkies, 60 Pro zent Eisen, gelb mit tombackbrauucm Anlauf, wirkt ans den Magnet und findet sich im Urgebirge; Magneteisenstein, von eisenschwarzer Farbe, spröde, oft 80 Prozent Eisen enthaltend, am Harz, in Tyrol, Schweden;") der rothe und braune Eisenstein; das thonartige Eisenerz; daö Rascneiscn; die blaue Eiscncrdc. Letztere bildet daö natürliche Berlinerblan, das in der Erde weiß anssieht und an der Luft blau wird. Man findet cö im Brandenburgischcn. Das Eisen wird ans den Erzen in Schachöfen durch starkes Feuer geschmolzen, itub dient dann als Gußeisen zu Ocfen, Tiegeln, Töpfen n. s. w. Gereinigtes und gehärtetes Eisen heißt Stahl. England liefert jährlich 6 Millionen Ccntncr Eisen; Preußen 2 J / 2 Million; Oesterreich l'/ 2 Million; Rußland, Schweden und Norwegen fast eben so viel; Frankreich 700,000 Ccntncr; Sachsen und Baien, jedes 80,000 Centncr; Hessen 20,000, Baden eben so viel; Hannover vom Harz >3,000 Ccntncr. Auch Nord amerika liefert Eisen, etwa 500,000 Ccntncr jährlich. Das beste Eisen liefern die skandinavische Halbinsel, der Ural und der östliche Thcil der Alpen. Obgleich England an, meisten Eisen producirt, so kann cs doch zu den feinen, Arbeiten des schwedischen und russischen Eisens nicht entbehren. Eine der größten Eisengrubcn findet sich zu Danen,vra, und der Leser wird cö uns Dank wissen, daß wir eine Beschreibung derselben, ans der Feder eines neueren Reisenden, hier noch folgen lassen. *) Die Eigenschaften des Magnets, Eisentheile anznziehen, oder in nadelförmiger Gestalt frei hangend oder anfgestellt, stets nach B.drden zn zeigen, waren schon im grauen Alterthnm bekannt. Der Magnet theilt seine Kraft auch andern eisernen oder stählernen Gegenständen mit, und merkwürdig bleibt eS, daß seine Kraft nach und nach verstärkt werden kann. Newton besaß einen Magnet von 3 Gran, der ein Gewicht von 746 Gran zn tragen im Stande war. In der Lehre vom Magnetismus spielt der Magnet eine wichtige Rolle.„ — Danemora ist ein Dorf in Schweden, 4V» Meile von der be rühmten Universitätsstadt Upsala entfernt. Man erwartet in dieser Gegend nichts weniger als finstere Schachten oder unterirdische Stollen; Alles ist flach und eben, keine Anhöhe laßt einen Bergban in der Nähe vermuthen. Plötzlich aber befindet man sich am Rande furchtbarer, mit schwarzen, senkrechten Wänden abstürzender Tagöffnungen, von denen die größte wohl eine Viertelstunde im Um sange hat. Mit Grausen blickt man hinab in die schauerliche, nur hin und wie der mit Schneemassen anfgehellte Tiefe, deren Felsgrnnd mehrere hundert Fuß unter dem ober» Rande liegt. Hier ragen gewaltig überhängende Massen drohend hervor, dort erkennt man an den Seitenwänden der schwarzen Gruft die noch schwärzeren Eingänge zu labyrinthischen Höhlen, bewacht von langen, spitzen Eis zapfen, die an Farbe und Durchsichtigkeit dem Aquamarin gleichen. Ans diesen Höhlungen lodern von Zeit zu Zeit Flammen ans, sich krümmend und windend an dem harten Gestein, um es zu erweichen. Rings um diesen furchtbaren Ab grund sind viele große, durch Pferde in Bewegung gesetzte Winden angebracht, durch welche das Erz heranfgefördert und die Arbeiter ans- und abgelassen wer den. Durch das Knarren und Aeehzen dieser kolossalen Ziehwerke hindurch hört man aus der Tiefe herauf das von den vielen Hämmern verursachte, seltsame schwache Geräusch, welches das Gezicke einer großen Anzahl von Uhren in einer Uhrmacherwerkstatt täuschend nachahmt. Bei jeder Winde ist ein von Rüstbänmen getragenes Gerüste, das den Abgrund um wenigstens 10 Fuß überragt und an dessen äußerstem Ende die Vorrichtungen zum Hinablnssen und Heranfwinden der Tonnen angebracht sind. In eine solche Tonne setzt man sieh, wenn man einfahren will; um hineinzu- kommen, muß man an den äußersten Rand des Gerüstes treten lind sieh dann, um die Kette der Tonne zu fassen, etwas über den furchtbaren Abgrund Vor beugen. Wer in diesem fatalen Augenblicke vom Schwindel ergriffen wird, ist ohne Rettung verloren, wenn er sich mit der einen Hand nicht von einem Arbeiter halten läßt. Ist man endlich glücklich in der stark schwankenden Tonne ange kommen, so fängt das Rad an, sich zu drehen; bald sieht man sich von Felsen umgeben, die wild durch- und aufeinander gethürmt sind, und wie von Zauber kraft getragen, schwebt man in diesem malerischen Chaos abwärts. Zwei oder drei Bergknappen sitzen rittlings oder knieend auf dem Rande der Tonne, indem sie sich am Seile oder den Ketten, in denen sie hängt, festhalten und wachen darüber, daß man auf der Fahrt nicht an vorspringende Felsen anstößt. Bald kann man die Menschen unterscheiden, die ans dem Boden der Grube arbeiten, das Geräusch der Hämmer wird stärker, und man vernimmt der Bergknappen klagenden Gesang. Man führt ziemlich schnell, doch gleichförmig und ohne Anstoß; das ungeheure Seil, an dem die Tonne hängt, schwingt sich über den Köpfen, wie ein Band, das im Winde flattert, und wenn man es mit den Angen verfolgt, so sieht man es immer dünner werden und endlich fast verschwinden, so 46 «724 daß es scheint, als schwebe man, durch Nichts festgchaltcn, über dieser schauer lichen Tiefe. Endlich berührt die Tonne den Boden; sie wird aus- und eine andere voll Erz an ihre Stelle eingehängt, die nun die Fahrt aufwärts macht. Ans dem Boden des Bergwerks bietet sich dem Auge nun das sonderbarste Schauspiel. Die Wände desselben sehen aus wie große Mauern von Eisen und tfer Boden ist zu jeder Jahreszeit mit Eis bedeckt. An mehreren Stellen erheben sich größere und kleinere Eiscnstcinblöckc, von welchen' täglich abgcsprcngt wird. Eine höhere Wand scheidet sogar den Boden der Grube in zwei, gänzlich von einander getrennte und auch verschiedenen Eigcnthümcrn angehörige Hälften. In den ungefähr vor 400 Jahren begonnenen Danemora - Gruben arbeiten gegen 250 Menschen von 7 Uhr des Morgens bis 5 Uhr Nachmittags. Unterbrochen wird die Arbeit nur durch eine Ruhestunde von 12 bis 1 Uhr. Die Hauptmasse des Lagers bildet Magneteisenstein, zum Theil gemengt mit Chlorit, Kalk- spath und Braunspath. Der jährliche Ertrag wird auf 270 Mill. Pfd. Eisenerz geschätzt, wovon der größte Theil 70 Prozent Eisen enthalten soll. Das Sprengen des Gesteins geschieht außer dem schon erwähnten Feuer setzen, hauptsächlich durch Pulver. Mittelst eines besonders hierzu eingerichteten Bohrers werden Löcher in die Felsen gebohrt, in welche die mit Pulver gefüllten Patronen kommen. In Danemora pflegt man die Minen in der Mittagszeit, nachdem die Arbeiter sich zur Ruhestunde hcraufbegebcn haben, in ganzen Bat terien auf ein Mal loszubrennen. Besondere Glocken geben Warnungszeichen, und nun erfolgt eine Todtenstillc in der vorher so lebendigen Gruft. Jetzt schlügt die Thurmglocke zwölf, und gleich darauf ertönt ans der Tiefe ein dumpfes Geschrei, welches jedem lebenden Wesen, das etwa noch in der Grube sich be finden könnte, die nahe bevorstehende Explosion warnend ankündigt. Es erfolgt noch ein Mal eine gänzliche Stille — dann aber bricht plötzlich ein furchtbarer Donner in der Tiefe loS, der vielfach wicdcrhallcnd sich majestätisch langsam hin auf durch die Klüfte wälzt, während die Wolken des Pulverdampfes in die Höhe wirbeln, die gesprengten Blöcke krachend uicderfallen, und die Erde unter den Füßen bebt. Mehrere Minuten lang dauert in der ganzen Umgebung des weiten Schlundes die Erschütterung unter den Füßen fort, als ob ein schwcrgrollcndcs Gewitter tief im Schooßc der Erde dahinzöge." Blei. Das Blei, ebenfalls ein sehr nützliches Metall, findet sich häufig kalkförmig, vererzt und bisweilen gediegen. Weil es sehr weich ist, so hat es keinen Klang und schmilzt sehr leicht im Feuer. Es sicht von Natur blaugrau aus, färbt etwas ab und läuft an der Luft schwarz an. Setzt man cs einem heftigen Feuer ans, so verkalkt cs und liefert die Blei- oder Silbcrglättc. Es widersteht725 keiner Säure und erhält, wenn es von solcher angegriffen ist, einen süßlichen Geschmack. Es dient zu Wasserleitungen, Dachrinnen, Dachdecknngen, Kugeln, Schrot, Buchdruckerschrift u. s. w.; ferner zur Bereitung mancher Farbe: des Mennig, der Bleiglättc u. s. w.; ferner zur Bereitung des Blciwcißes, Blei- zuckcrö u. s. w. Alle Bleierzeugnisse sind für Menschen und Thiere giftig. Fol gende Bleierze sind die wichtigsten: Bleiglanz, blau, uictallisch glänzend, krystal- lisirt, enthält oft 85 Prozent reines Blei; Weißbleicrz, 82 Prozent Bleioxyd, weiß oder silbergrau, meistens in Urgcbirgen; Buntblcicrz, 82 Prozent Blei, in den mannichfaltigsten Farben, findet sich in den meisten Lagerstätten. Vleierden, Blcivcher und Bleimulm sind meistens Erden mit verwitterten Erzen vermischt und geben oft 60 Prozent reines Blei. England hat die ergiebigsten Bleigrnbcn, cs liefert jährlich 630,000 Ctnr., Preußen 230,000 Ctnr., Oesterreich 100,000 Ctnr., Spanien 500,000 Ctnr., der Harz liefert jährlich 10,000 Ctnr., alle übrigen Länder liefern weniger. Nordamerika hat am Missouri Bleilager von unerineßlichem Neichthum. Zinn. Das Zinn unterscheidet sich dadurch vom Blei, daß cs schon bei 182° R. schmilzt, außerordentlich dehnbar ist und sich zu den dünnsten Blättchen schlagen läßt. Das spccifische Gewicht des Zinns zum Blei betrügt 7:11. In Königs- waffer löst cs sich sehr leicht auf, und da cs andere Metalle vor dein Verrosten sichert, so wird cö häufig zum Verzinnen gebraucht. Man findet cö an wenigen Orten; aber wo man cs findet, findet man cö in großer Menge, größtcntheils aber vererzt. Ostindien (Malacca) , England, Sachsen und Böhmen haben die reichsten Zinnlager. Die Farbe des reinen Zinns ist silberweiß. An der Luft aber verliert sich dieser Glanz. Wie schon früher bemerkt, wird cs mit anderen Metallen versetzt, dient aber auch zur Verfertigung verschiedener Zinn-Gefäße und in der Scharlachfärberei. Da die gewöhnlichen Zinngeschirre häufig mit Blei versetzt werden, dieses aber Gift enthält, so ist cs nöthig, alle zinnernen Gefäße stets blank zu erhalten. Ursprünglich findet sich das Zinn in Granitgcbirgen; außcrdcin aber auch in Schnttlandcn und Trümmern der Hochthälcr und Schluchten. England liefert jährlich bei 100,000 Ctnr.; Oesterreich 5000, Sachsen 4000, Böhmen 2000 Ctnr. Zinn. Man hat bis jetzt nur zwei Arten Zinnerze gefun den: Zinnstein, 99 Prozent Zinnoxhd enthaltend, nebst etwas Eisenoxyd und Kieselerde, von brauner oder schwarzer Farbe. Die Krystalle sind meist zu zweien verwachsen. Der Zinnkies enthält höchstens 27 Prozent Zinn, spielt vom Stahlgraucn in's Mcssinggelbe, lind findet sich meist in derben und festen Massen. Ein faseriges Zinnerz, von brauner Farbe, Holzzinn genannt, besteht aus Zinn, Arsenik und Eisen.726 Zink. Der Zink hat sich bisher nur vererzt, nie aber gediegen gefunden. Er hat metallischen Glanz und in reinem Zustande eine bläulichweiße Farbe, und besitzt die sonderbare Eigenschaft, bei einer Hitze von 90—150" schon geschmeidig, bei einer größeren Hitze aber — etwa von 250" — so spröde zn werden, das; er sich pnlvcrisiren laßt. Der Zink ist ein sehr nützliches Metall; er dient zur Dachdccknng, zum Beschlagen der Schiffe, zur Verfertigung von galvanischen Säulen und chemischen Feuerzeugen, und in Verbindung mit andern Metallen zn mancherlei Geräthen, wie wir schon beim Kupfer erwähnt haben. Preußen liefert jährlich 60,000 Ctnr., England 50,000, Polen 6000 und Oesterreich 5000 Ctnr. Pennsylvanien und Ostindien sind reich an Zink. Die wichtigsten Zinkerze sind folgende: Schwcfclzink oder Zinkblende, 66 Prozent Zink enthaltend, findet sich krystallisirt in mancherlei Farben und wird durch Reiben electrisch. Das rothc Zinkerz, auch prismatisches Zinkerz genannt, enthält bei 88 Prozent Zink und hat eine leuchtend rothc Farbe. Zinkspath, weiß, grau oder gelblich, krystallisirt, derb oder tropfsteinartig, enthält 65 Theilc Zinkoxyd und 35 Thcile Kohlensäure. Der Galmei, welcher oft 67 Thcile Zinkoxyd enthält, kommt nur in Flötzen vor und hat eine blcigrane Farbe. Reibt man ihn, so phosphvrcscirt er, und schon durch bloßes Erwärmen wird er electrisch. Daö Kadmium, erst seit 1817 entdeckt, findet sich als geringer Ncbcn- bestandtheil in einigen Zinkerzen. Ans dem Schwefel-Kadmium bereitet man eine hübsche Malerfarbe, mtö das schwefelsaure Kadmium ist offieinell. Wismnth. Der Wisniuth findet sich in Böhmen und Sachsen und hat die Eigenschaft, daß er leicht schmelzbar ist und dadurch auch andere Metalle schnell in Fluß bringt. Er findet sich gediegen, vererzt und ochcrartig; seine silberweiße Farbe spielt in's Röthliche und sein Gewebe ist blätterig. Man gebraucht ihn zum Schncllloth, znm Musivsilber, zur Spicgelfvlic, zur Verfertigung einer weißen Schminke und einer Salbe, welche das Haar schwarz färbt. Man unterscheidet gediegenen Wismnth (Markasit), Wismnthglanz, Wiömnthblende n. s. w. Spießglas oder Antimonium. Das Spicßglas oder Spießglanz hat ein blätteriges Gewebe, eine weißliche Farbe, löset sich in Säure beinahe ans, schmilzt leicht und dient zum Verhärten anderer Metalle. Gcdic'gcn findet man cs nicht häufig, wohl aber vererzt. Es bildet spießartige Krystalle, daher sein Name. In der Arzneiknnde wird cs zur Bereitung des Brechweinsteins, dcö Gvldschwcfels, der Spießglanzbntter re. gebraucht. Für Färbereien und Druckereien ist cs als vorzügliche Beize vonWichtigkeit, und in der Porzellan- und Glasmalerei wird cs ebenfalls angewandt. Oesterreich liefert jährlich 7000 Ctnr., Frankreich 2000 Ctnr., Sicilien 1500 Ctnr. Man unterscheidet Roth-, Grau- und Weißspicßglanz n. s. w. Kobalt. Der Kobalt hat eine glänzend stahlblaue Farbe, ist streng flüssig und von großer Schwere. Man findet ihn nur in Verbindung mit anderen Mineralien, z. B. mit Schwefel, Arsenik, Eisen und Manganoxhd. In reinem Zustande ist er magnetisch. Der Kobalt dient zur Bereitung verschiedener blauer und grüner Farben; da aber die Arscniktheile nie rein auögeschicdcn werden, so muß man mit solchen Farben sehr vorsichtig sein. Außerdem dient der Kobalt zur Färbung des Glases, tvozn ihn schon die Alten benutzten. Preußen gewinnt jährlich 3000 Ctnr., Oesterreich 3000 Ctnr. Das sächsische Erzgebirge ist ebenfalls er giebig, denn es werden dort jährlich bei 7000 Ctnr. blauer Farbe ans Kobalt bereitet. Die sächsische Schmälte ist die beste. Die einzelnen Kobalterze erhalten ihren Namen von der Beimischung anderer Mineralien. Nickel. Der Nickel hat eine fast silberweiße Farbe, vererzt sicht er grau oder röth- lich ans. Man hielt ihn Anfangs für Kupfererz und nannte ihn, da man den Jrrthum wahrnahm, Nickel — d. h. falsches Erz. Erst in neuerer Zeit hat man gelernt, den Nickel mit anderen Metallen zu verbinden und dadurch schöne Compositivncn hervorgebracht. Wir nennen nur das Neusilber, welches ans Kupfer, Zink und Nickel besteht. In China hat man schon seit undenklichen Zeiten zu einer ähnlichen Composition den Nickel verwandt. Der Schwefel-Nickel, von gelber Farbe, enthält 64 Theile Nickel, krystallisirt haarförmig und findet sich am Harz und in Böhmen; der Arsenik-Nickel enthält 43 Thcilc Nickel und 56 Theile Arsenik, seine Farbe ist kupfcrroth; der Nickel-Ocker, grünlich, als Ueberzug, enthält 37 Thcilc Nickeloxyd, 37 Thcilc Arseniksünre und 24 Theile Wasser. Auch die übrigen Nickel-Arten sind arsenikhaltig. Braunstein (Mangan), Den Braunstein hat man lange Zeit für Eisenerz gehalten; sich aber später überzeugt, daß er ein eigenthümliches Metall ist, welches eine außergewöhnliche Neigung für den Sauerstoff der Atmosphäre hat. Will man das Mangan mit erhalten, so muß man es in zugeschmolzenen Glasröhren oder unter Steinöl anf- bewahren. Es dient zu verschiedenen gewerblichen Zwecken, z. B. zur Bereitung einer Oclfarbc, der Töpferglasur, zur Glas- und Porzellanmalerei u. s. w. Nach seinen Farben thcilt man cs ein in graue, schwarze und rothe Manganerze.728 Arsenik. Der Arsenik, eines der gefährlichsten Gifte, kommt entweder gediegen, oder als Arsenikkies, Zdcr, wie vorhin schon mitgcthcilt worden, in Verbindung mit andern Metallen vor. Als Metall sieht er weißgrau ans und hat eine» schuppig blätterigen Bruch. Er verfliegt im Feuer und verbreitet einen knoblauchartigcn Geruch; da er andere Metalle weiß färbt, so wird er zu solchem Zweck mit denselben verbunden, außerdem zn medicinischen Zwecken und zur Bereitung ver schiedener Malerfarben angewandt. Das gelbe Rauschgold enthält 70 Prozent und das rothe Ranschgelb 6l Prozent Arsenik. Sachsen gewinnt jährlich 5000 Ctnr., Preußen 2500 Ctnr., Oesterreich 200 Ctnr. Arsenik. — Molybdän. Dieses Metall, erst seit 1778 bekannt, findet sich nicht häufig in der Natur. Die wichtigste Art ist das Wasserblei, fettig abfürbend, bleigrau; cs dient zur Bereitung des blauen Earmins, zum Blaufärben wollener Zeuge und zur Verfer tigung einer geringer» Sorte Bleistifte. Man erkennt solche daran, daß sie am Lichte niit bläulicher Flamme brennen und einen schwcfelartigen Geruch verbreiten. Wolfram-Metall, auch Scheel genannt, erst in neuerer Zeit bekannt geworden, sieht fast wie Zinnstein ans und findet sich auch in seiner Nachbarschaft. Die Farbe ist sehr verschieden. Das Scheel gehört zn den strengflüssigen Metallen. Sein Kalk enthält die Tungsteinsäure. Uran. Das Uranmetall kommt sehr selten vor, meist als schöner grüner Glimmer oder als Uranocher, gelb und erdig. Es ist erst seit 1789 entdeckt und liefert in seinem Oxyd eine gelbe und blaue Farbe, welche in der Porzellanmalerei ge braucht wird. Titan. Das Titan-Metall, erst seit 1791 entdeckt, kommt sehr vereinzelt vor und fast nur als Titanoxyd oder Titansänre. Man kennt die Eigenschaften dieses Metalls noch zu wenig, und nur sein Kalk wird in der Porzellanmalerei verwandt. Tellur. Das Tellur-Metall, 1782 entdeckt, wird in Begleitung dcö Goldes ain häufigsten gefunden. Rein ist cs zinnweiß, sehr leicht und besitzt die Eigenschaft, andere Metalle leicht zn vererzen. Für sich wird es bis jetzt nicht benutzt.729 Chrom. Das Chrom, 1797 entdeckt, findet sich als Oxydul oder als Saure in Ver bindung mit anderen Mctalloxydcn. Nein hat cs eine stahlgraue Farbe, ist sehr spröde, und wird zur Bereitung verschiedener Farben benutzt. Die Chromsäure ist sehr giftig. Iridium und Osmium. Osminm und Iridium, zwei einfache Metalle, findet inan stets als ein Gemenge zusammen, welches 24 Theile Osmium, 72 Thcite Iridium und etwas Eisen enthält. Es krystallisirt in kleinen sechsseitigen Tafeln, hat eine graue oder silberweiße Farbe und ist das härteste Metall, weil es dein Quarze gleich kommt. Es wird in Per», Brasilien, am Ural und in Sibirien bei Gold und Platina gefunden. Alan bildet durch Zusammenschmelzung mit 33 Thcilen Eisen eine stahlähnliche Composition ans ihm, die sich, wie Stahl, Härten läßt und weniger dem Rost unterworfen ist. Das Iridium für sich allein sieht grau ans, läßt sich mit mehreren Metallen verbinden und macht das Platin durch seine Beimischung geschickter zur Verarbeitung zu Schmclzticgcln. Aus iridinmsaurer Thoncrdc läßt sich ein herrliches Saphirblan Herstellen. Das Osmium, als schwärzliches Pulver erscheinend, schmilzt selbst bei strengster Hitze nicht, wenn der Zutritt der Luft abgehalten wird. Eigentümlich ist cs auch, daß das Osminm beim Zerreiben einen kupferrothen, metallisch-glänzenden Strich zeigt. Das Tantal, welches zuerst 1801 in einem amerikanischen Mineral entdeckt wurde, ist in der Natur sehr wenig verbreitet, kommt nur mit Sauerstoff als Tantalsänre, mit Eisen-, Mangan- und Zinnoxyd verbunden vor. Seine Farbe ist schwarz und seine Festigkeit so außerordentlich, daß cs selbst in Pulverform das Glas ritzt. Bemcrkcnswerth ist der Tantalit (Colnmbit), welcher durch Reiben electrisch wird und vor dem Löthrohr unschmelzbar ist. Das Cerium wurde 1803 entdeckt, man fand cs oxydirt in einigen andern Erzen. Sein Bruch ist splitterig oder uneben und seine Farbe geht ans dem Rothen in's Graue. Es ist ebenfalls vor dem Löthrohr unschmelzbar, bildet aber in Verbin dung mit Borax ein dnnkelgelbes Glaö. Palladium. Das Palladium kommt fast nur in Körnerform, selten in kleinen Octaödcrn und quadratischen Sänlchen vor. Ihm beigcmischt sind in der Regel etwas Platin und Iridium. Am häufigsten findet man es mit Platinkörnern in goldführendem Sande. Dies Metall war bisher sehr selten, weshalb man erst in neuerer Zeit an seine Benutzung gedacht hat. England bezieht nämlich aus Brasilien beträchtliche Sendungen von Goldpulvcr, welches 5 bis 6 Prozent Palladium enthält. Man benutzt cs mit Vortheil zu Jmpfnadeln, Skalen u. s. w. Auch bedient man sich seiner zum Verzeichnen der Grade auf mathematischen Instrumenten. Mit Nickel verbunden gibt cs eine glänzende und sehr dehnbare Composition.730InIMsveyeichmß. A. Aal 310. Aalmutter 312. Aalraupe 317. Aasflicge 390. Abendpfauenauge 369. Abendvögel 365, 368. Actäon 345 Ackerschnecke 403. Adler 182. Admiral 366, 412. Aenderling 406. Affen 14. Asse, gemeiner 20. Afterbremse 390. Afterpolypcn 405. Afterwürmer 400. Aguti 91. Ar 101. Aligator 287. Alpaka 110. Alpenbockkäfer 351. Alpengeier 178. Alpenhase 88. Alse 334. Amaruschlruge 301. Ameisen 385. Ameisenfresser 97. Ameisenjungfer 375, Ameisenlöwe 375- Ammer 248. Amphibien 269. Antilope 122. Apfelbohrer 351. Apollo 367. Aras 200. Argali 132. Argonauten 412. Argnöfalter 365. Armadill 99. Armpolyp 405. Asseln 895. AtlaSfalter 373. Auerhahn 229. AnerochS 134. Aufgußthierchen 405. Augenspiegel 367. Anrorafalter 365. Allster 409. I. Das Thierreich. Austernfischer 221. Axclotl 278. , L. Babirnssa 155. Bachstelze 257. Badeschwanun 415. Bär, brauner 372. Bär, gemeiner 28. Bärengeschlecht 28. Bärcnkrebs 398. Bärenrobbe 161. Ballenbiene 381. Bandwürmer 401. Barbe 335, Baribal 29. Barsch 319. Bartgeier 178. Basilisk 277. Bauchflosser 321. Banchsauger 318. Baumkauz 186. Baumläufer 195. Baummarder 70. Banmwanze 363. Baumweißling 367. Bazaarzicge 127. Beißmucke 391. Bekassine 219. Bergfink 250. Bernhardskrebs 397. Bettwanze 363. Bentelhnnd 76. Bentelkrebs 397. Bentelmeise 260. Beutelratte 76. Beutelthiere 74. Biber 93. Bienen 381. Bieneufresser 197. Bienenkäfer 351. Birkhahn 230. Birkheher 192. Bisambock 351. Bisamente 206. Bisamochs 141. Bisamratte 26. Bisamschweiu 155. Bisamthiere 111. Bison 137. Blackfisch 404. Blasenwürmer 401. Blattkrebs 398. Blattläuse 349, 363. Blattwespen 379. Blaukehlchen 256. Blauineise 260. Blaurake 192. Blauspecht 196. Blei 336. Blindmaus 79 Blindschleiche 296. Blumenbiene 381. Bluinenpolypen 405. Blnmenspecht 203. Blutegel 402. Biutfink 247. Blutsauger 23. Bockkäfer 351. Bohrkäfer 348. Boa 301. Boinbardierkäser 354. Borkenkäfer 348. Borstenigel 25. Bartgeier 178. Brachvogel 220. Brandfuchs 64. Braunfisch 169. Brautente 206. Breitfloh 354. Breitslügler 365. Bremsen 389. Brieftaube 239. Brillenschlange 299. Brodkäfer 348. Brodschabe 356. Brvdschwamm 415. Buchfink 250. Buckelochs 141. Bücherscorpion 395. Büffel 136. Buchtenthierchen 406. Buntspecht 195. Buschspinne 394. Bussard 181. Bntskops 170.732 C. Calmar 404. Canarienvogel 252 Carettschildkröte 291. Caschelot 168. Caschemirziege 129. Caz 21. C-Falter 365. Chamäleon 278. Chartonwespe 380. Cicaden 360. Civette 73. Citronenvogel 368. Cochenille 364. Colibri 203. Cvnchilien 403. Condor 177. Coöndu 96. Corallenuioos 415. Cuguar 49. Cniy 97. Cupido-Huhn 233 Cuskns 76. D. Dachs 31. Damhirsch 115. Danalden 365. Degenfisch 312. Delphin 169. Diamantenkäfer' 351. Dintensisch 404. Distelsalter 365. Distelfink 251. Dohle 191. Dompfaff 247. Dorade 318. Dorsch 317. Drache 288. DrehhalS 196. Dromedar 107. Dronte 268. Drossel 243. Dschiggetai 104. Dukatenvogel 365. Dndu 268. E. Eckflügler 365. Edelcvralle 415. Edelfalke 179. Edelfink 250. Edelhirsch 112. Edelmarder 70. Egelschnecke 400. Eichhörnchen 91. Eichwespe 378. Eidechsen 275. Eidergans 207. Eintagsfliege 374. Eisbär 29. Eisvogel 196 Eleunthier 119. Elephant 142. Elephantenkrebö 397. Elster 191. Elsterperlen 408. Emmerling 248. Ente 205. Entenmnschel 408. Erbsenkäfer 350. Erdflohkäfer 350. Erdhummel 384. Erdkrabbe 396. Erdmilbe 395. Erlfink 251. Esel 104. Essigälchen 406. Eulen 185. E. Fadenwilrmer 400. Falke 178. Fanghenfchrecke 356. Fasan 228. Faulthier 100. Federbuschpolpp 415. Feldgrille 359. Feldmaus 78. Feldsperling 241. Feldtanbe 237. FelShahn 235. Fenneck 64. Fenchelfalter 365. Fensterschwalbe 262. Fenerkröte 274. Feuerskolopender 395. Fichtenspinner 373. Ficlsraß 32. Filzlaus 393. Finne 401. Finnfilch 167. Fink 249 Fischadler 183. Fische 302. Fischkäfer 354. Fischotter 65. Fischreiher 214. Flamingo 218. Fledermaus 22, 23. Fleischfliege 391. Fliegenfänger 253. Fliegen 390. Floh 392. Florfliege 375. Flugfisch 326. Flunder 318. Flußkrabbe 396. Flußkrebs 397. Flnßmnschel 408. Flußpferd 151. Flußschildkröte 291. Flußschwein 90. Forelle 325. Forstbiene 381. Fregatte 211. Frettchen 69. Froschfisch 308. Kroschgeschlecht 271. Frühlingsfliege 374. Fuchs 61. (4. Gabelweihe 181. Gallwespen 378. Gans 206. Garneele 397. Gartenammer 249. Gartenkäfer 347. Gazelle 122. Gecko 277. Geier 177. Geierfalke 179. Geierkönig 178. Gelbgänschen 249. Geldporzellane 418. Gemse 123. GemüSwauze 363. Genette 74. Gepard 49 Gespenfter.Heuschrecke 356. Gibbon 19. Gimpel 247. Giraffe 121. Glattflügler 365. Glattroche 306. Gnnthier 127. Goldadler 182. Goldammer 249. Goldamsel 202. Golddrossel 202. Goldfasan 228. Goldfliege 390- Goldhähnchen 258. Goldkäser 347. Goldkarpfen 336. Goldmanlwnrf 27. Goldregenpseifer 221. Gottesanbeterin 356. Grabkäfer 349. Grassrosch 272. Grashiipser 359. Graöhnminel 384. Grasmücke 255. Granspecht 195. Grille 359. Grubeuköpse 401. Grünling 248. Grünspecht 194. Grunzochs 141. GnmmilackschildlaiiS 364. Gürtelthier 99. II. Haarschnepfe 219. Habicht 180.733 HabichtSenle 186. Hahn, Henne 223, 224. Hänfling 251. Hai 306. Haidelerche 242. Halbkäfer 356. Halbkaninchen 90. HalSflosser 313. Hammerfisch 307. Hammerhai 307. Hamster 84. Hase 87. Haselhuhn 231. Haselmaus 80. Haselnnßkäfer 351. Hasengeschlecht 86. Haubenlerche 242. Haubenmeise 260. Haubentaucher 209. Hausen 309. Hansgrille 359. Haushuhn 223. Haushund 51. Hauskatze 33. Hausmarder 69. HauSmauS 77. Hausratte 81. Hansrothschwänzchen 257. Hausschwalbe 262. Hansschlange 287. Haussperling 240. Hausspinne 394. Hausnnke 274. Hautstiigler 378. Hecht 326. Heiligbutte 318. Heimchen 359. Helikonier 365, Häring 327. Herkules 345. Hermelin 67. Herzmuschel 408. Heupferdchen 359. Heuschreckenkrebs 398. Hirsch 112. Hirscheber 155. Hirschkäfer 346. Höhlenbiene 381. Hollundcrspinner 373. Holzbockkäfer 351. Holzheher 192. Holzkrähe 194. Holzläuse 375. Holzschnepfe 219. Holztaube 237. Houigbär 29. Honigbienen 381. Honigdachs 32. Honigsauger 203. Horufisch 308, 312. Hornhecht 326. Hornissen 380. Hornthierchen 406. Hühner 223. Hühnerhabicht 181. Hummer 397. Hund, fliegender 24. Hundegeschlecht 51. Hyäne 60. I. Jagdfalke 179. Jägerameise 386. Jaguar 47. Ibis 218. Ichneumon 74. Igel 24. Igel, amerikanischer 25. Igel, malakischer 25. Iltis 68. Immen 378. Jmmenwolf 197. Jnsnsionsthierchen 405. Insekten 338. Jnsektendieb 348. Insektenfresser 24. Johanniswürmchen 352. JonaSfisch 307. Jnngfernkranich 216. Juwelenkäfer 351. K. Kablian 313. Käfer 343. KLfcrmnschel 408. Kahlbäuche 310. Kämelziege 128. Känguruh 75 Käsemilbe 395. Kaiman 287. Kaiseradler 182. Kakadu 200. Kameel 106 Kameelziege 128. Kampfhahn 220. Kaninchengeschlecht 88. Kanker 393 Karausche 336. Karpsen 334. Kaschikame 99. Kasuar 267. Katze, wilde 35. Katzengeschlecht 33. Kaulquappe 308. Käuzchen 187. Kreuzstichs 64. Kegelbiene 384. Kegelschnecken 412. Kellerassel 395. Kermes 364. Kernbeißer 246. Kettenwlirmcr 401. Kiebitz 219 Kirschfink 246. Kirschvogel 202. Klaffmnscheln 408. Klapperschlange 299. Kleiderlaus 393. Kleidermotte 373. Kleinflügler 365. Klippenrose 403. Klippfisch 313. Klippspringer 122. Klumpfisch 309. Kluthahn 225. Kneipwurm 346. Knorpelfische 304, 308. Knurrhahn 319. Königsschlange 301. Kohlmeise 259. Kolkrabe 189. Kopflaus 392. Kornmotte 374. Kornweihe 182. Kornwurm 350. Krabben 396. Krähenspecht 194. Krähen 190. Krätzmilbe 396. Kragentrappe 231 Krammetsvogel 244. Krebse 397. Kranich 216. Kratzer 400. Kreuzotter 298. Kreuzkröte 274. Kreuzschnabel 247. Kreuzspinne 393. Kriebelschneckc 390. Krokodil 279. Kröte 273. KropfganS 211. Krugthierchen 406 Kriinitz 247. Krnphahn 225. Kukuk 197. Küchenschabe 356. Kugelquadrat 406. Kugelthierchen 406. Kurzschwänze 396. Knttengeier 178. L. Laberdan 313. Lachs 322. Lachsforelle 324. Lachtaube 237. Lämmergeier 178. Lama 109. Lamprette 305. Landkrabbe 396. Landlibelle 375. Langschwänze 397. Latcrnenträger 359. Laubfrosch 273. Lauskäser 354.LanS 392, Leberwürmer 400. Leguan 277. Leichcnhuhn 187. Leierchristel 351. Leierschwanz 229. Lemming 85. Lengfisch' 317. Leopard 47. Lerche 241. Lerchenfalke 180. Leuchtende Halbkäser 359. Leuchtkäfer 352. Lippenbrcnise 390. Löffelente 206. LöfselganS 217. Löfjclreihcr 217. Lory 200. Löwe 36. Löwenaffc 21. Luchs 51. Lummer 209. M. Madenfresser 204. Madenwurm 400. Mänura 229. Maikäser 347. Maiwurm 355. Maki 21. Maki, fliegender 22. Makrele 320. Malermuschel 408. Manaki 162. Mandclkrähe 192. M andrill 20. Mannacicade 360. MaunaschildlanS 364. Mänura 229. Mardergefchlccht 65. Marienwurm 349. Maner-Ballenbiene 381. Mauerbiene 384. Maulesel 105. Maulthier 105. Maulwurf 27. Maulwurfsgrille 359. Mauerschwalbe 262. Mauerspecht 195. Mauerwespe 380. Mäusebussard 181. Mäusegeschlecht 77.. Mcduscuhaupt 414 Mecradlcr 306. Mcereichel 408. Meerigel 408. Meerkatzen 21. Mccrnessel 403. Mcerotter 66. Meerschwein 169. Meerschweinchen 90. Meerscolopendcr 403. Mccrspiunc 397. Mecrtulpe 408. Mehlkäfer 354. Meise 259. Meloueuquallc 414. Mensch 9. Menschenfresser 306 Menschenracen 12, 13. Merle 244. Miesmuschel 408. Milane 181. Milben 395. Misteldrossel 244. Mistkäfer 346. Mönch 255. Mondfisch 309. Möwe 212. Mohnbiene 384. Monaden 406. Moorschncpfe 219. MooShnmmcl 384. Mosaikschildkrötc 292. MoschnSthier 111. Moskitcn 391. Motacillen 253. Mücken 391. Müllerche» 255. Muflon 133. Mngger 281. Muräne 311. Murmelthier 86. N. Nabelschwcin 155. Nachteulen 185. Nachtigall 254. Nachtranbvögel 185. Nachtschwalbe 263. Nachtvögel 365 — 369. Nagcthicre 77. Napn 111. Narval 168. Nashorn 156. Nashornkäfer 346. Nashornvogel 201. Natter 297. Nebelkräbe 190. Neptunsmanschette 415. Nereiden 403. Ncrlct 309 Netzflügler 374. Neunange 305. Ncuntödter 184. Itymphen 365. Nonne 372. Nordkaper 167. O. Obstmotte 374. Ochseubremle 389. Ohreule 187. Ohrigel 25. Ohrwurm 355. Olm 276. Orang-Utang 16. Ordensband 373. Ortolan 249. OSkabrion 408. Otter 297. Otterköpfchen 413. I>. Pako 110. Palmbohrer 350. Panther 47. Panzerfisch 309. Papagaien 119. Papiernantilnö 412. Pappwcspe 380. Papstkrone 412. Paradiesvogel 201. Pavian 20. Pscffervogcl 200. Peitschenschlange 298. Pekari 155. Pelikan 211. Pelzkäser 348. Pclzmottc 373. Perlenmnschel 408, 409 Perlhuhn 232. Perlmutterauster 409. Perlmuttersalter 365. Pfahlwurm 413. Psan 226. Pfauenkranich 217. Pfanenspicgcl 373. Pfeffcrvogel 200. Pferdcbremse 389. Pferd 101. Pfingstvogcl 200. Pflanzenthicre 414. Pflasterkäser 355. .Pharaoratte 74. PillenweSpc 380. Pinguin 213. Pipa 274. Pirol 202. Plcbjcr 365. Plattfisch 318. Polarfuchs 64. Polnische SchildlanS 364. Polypen 405. Prachtkäfer 353. ^ PriamnSfaltcr 367. ProtenS 276, 406. ProccssionSspinncr 371. Punktthierchen 406. .Pnppenränber 379. Pnrpnrschnccke 413. Puter 226. Q. Quagga 105. Qualle 414.Quappe 317. Qneesc 402. R. Naapsen 337. Rabe 189. ilkabenkrähc 190. Räderthicrchcn 405, 407. Rapsfalter 305. Ratten 81. Ranbthicre 22. Raubvögel 176. Nanchschwalbe 262. Raupentödter 379. Rebenstichlcr 351. Rebhuhn 232. RegenpWifer 220. Iiegcnwitrmer 400. Sieh 115. Reiher 214. Reiter 350. Renuthicr 115. Rhinoceros 156. Riemenwurm 401. Ricsengitrtelthier 99. Riesenkranich 217. Riesenmnschel 408. Riesenprachtkäser 353. Riesenratte 83. Riesenschildkröte 290. Riesenschlange 300. Riesenschnake 390. Niesenvögel 266. Riedtschnepse 219. Rindvieh 134. Ringelnatter 297. Ringclspinner 372. Ringeltaube 237. Ritter 365. Roche 305. Rohrammer 249. Rohrdommel 217. Rohrsperling 249. Rohrweihe 182. Rollendreher 351. Rosenbiene 384. Roscnblattwcspc 379. Rosenwespc 378. Roßkäfcr 346. Rothfink 250. Rvthhirsch 112. Rothkehlchcn 256. Rothschwänzchcn 256. Rothspecht 195. Rüsselkäfer 350. Rüssclmanö 2«!. Rnssclrobbc 160. 8. Saatkrähe 190. Saatperlen 409. Sackspinnc 394. Sägefisch 307. Sägehai 307. Säbelschnäbler 221. Sagnin 21. Saiga 123. Salamander 276. Salm 322. Salangane 263. Samenthierchen 404. Sandfloh 392. Sardelle 334. Sangeschwamm 415. Sangfisch 317. Schaben 356. 'Schaber 348. Schaf 130. «chaf, kretisches 133. Schaf, spanisches 133. Schaf, settschwänziges 133. Schasbremse 390. Schakal 59. Schalthierc 407. Schattenkäser 354. Schanmcicadc 360. Scheibenthierchen 406. Schellfisch 316. Schiffsbohrer 413. Schildkröten 289. Schildlänse 364. Schillerfalter 366. Schimpanse 19. Schinkenmuschel 409. Schlammbeißer 321. Schlangen 293. < * Schlangenschildkröte 292. Schleiereule 186. Schleie 336. Schlcimwiirmer 403. Schlnpswcspe 379. Schmalftngler 365. Schmeiöfliege 390. Schmerle 321. Schmetterlinge 364. Schnabelthicr 163. Schnägel 325. Schnaken 390. Schnarrdrossel 244. Schnecken 403, 412. Schneeeule 186. Schneegans 206. Schneehuhn 231. Schncidervogcl 258. Schnellkäfer 354. Schnepfe 219. Schnirkelschnccke 413. Schönbockkäfcr 351. Schönkäfer 354. Schollen 318. Schooßschlange 298. Schuhu 187. Schnppcnschildkröte 291. Schnppenschlange 296, 297. Schnppcnthicr 98. Schwärmer 368. Sck-walbe 260. Schwalbenschwanz 367. Schwan 208. Schwanzmcise 260. Schwarzdrossel 244. Schwarzspccht 194. Schweifthierchen 406. Schwein, äthiopisches 155. Schwein, zahmes 154. Schweincgeschlecht 153. Schwertfisch 312. Schwimmkäfer 354. Schwimmvögel 204. Scorpion 394. Seeaal 311. Seeadler 183. Seebär 161. Seebär 397. Seccinhorn 168. Seeelcphaut 160. Secfedern 404. Seehund 158. Seeigel 414. Seejungser 162. Seekuh 162. Scelöwe 160. Seepferdchen 310. Scerabe 212. Seerachen 212. Sccschwalben 210. Seestern 414. Scetcusel 308. Sccwolf 312. Testen 368. Scgclfalter 867. Scidcnhase 89. Seidenschwanz 246. Seidenspinner 370. Sicbenpnnkt 349. Siebenschläfer 81. Silberbär 29. Silberfasan 229. Silberreiher 215. Singdrossel 248. Singschwan 208. Singvögel 240. Skolopender 395. Skunk 72. Sohlengänger 27. Sommerspnme 394. Sonncnkäfer 349. Spanische Fliege 355. Spechte 198. Spechtmeise 196. Speckkäfer 348. Sperber 181. Sperlinge 240- SperlingSenle 186. EPcrlingSstößer 181. Spinnen 393.736 Spinnenjungser 374. Spitzmäuse 26. Spottdrossel 245. Springkäser 354. Springmaus 80. Spritzfisch 319. Staar 243. Stachelbanch 309. Stachelroche 306. Stachelschwein 96. Stachelthicre 96. Stammenle 372. Staubsiiigler 364. Stechfliege 391. Steckmuschcln 409. Steinadler 183. Steinbock 129. Steinhummel 384. Steinkauz 187. Steinmarder 69. Steinschwalbe 262. Steiiiwälzcr 221. Steinseher 313. Stichling 384. Stieglitz 251. Stieglitz 365. Stinkthiere 72. Stint 325. Stockfisch 313 Stör 308. Storch 215. Stoßperle 409 Strahlkäfer 346. Strauß 266 Strnntjäger 213. Stubenfliege 390. Sturmvogel 218. Sumpfvögel 214. T. Tagevögel 365. Tageule 185. Tagpfauenauge 366. Tauueukafer 348. Tannenmeise 260. Tanreck 25. Tapir 157. Tarantel 394. Taschenkrabbe 396. Tatus 99. Tauben 236. Taubenhabicht 181. Taucher 209. Tauchergans 212. Termiten 375. Teichnnke 274. Thunfisch 320. Thurmsalke 180. Thurmschwalbe 262. Tiger 40. Tischler 351. Todteugräber 349. Todtenkopf 368. Todtennhr 348. Todtenvogel 187. Trappe 230. Tranermantel 366. Trompetenvogel 223. Tropikvogel 211. Truthahn 226. Tukan 200. Turluru 396. Turteltaube 237. Tutengeschlccht 412. 17 . Uferschwalbe 262. Uhu 187. Uukelci 337. Unau 101. V. Vampyr 23. Viclaugen 365. Viclfuß 395. Vielhufer 142. Vierhänder 14. Vigagarthier 110. Viknna 110. Viper 298. Bogellänse 393. Vogclspiune 394. Vögel 171. W. Wachholderdrossel 244. Wachtel 239. Wachtelkönig 222. Waldbienen 381. Waldeulc 186. Waldforclle 325. Waldschnecke 403. Waldschnepfe 219. Waldschreier 189. Waldteufel 29. Walfisch 164. Walfischlaus 395. Walfischpocke 408. Walroß 161. Walthierc 164. Wanderameise 386. Wandelblatt 356. Wandersacke 180. Wanderratte 82. Wandertaube 237. Wanzen 363. Waschbär 31. Wasserfloh 354. Wasserfrosch 272. Wasserhuhn 222. Wasserkäser 354. Wasserlibelle 374. Wasscrmilben 396. Wassermolch 276. Wasserratte 83. Wasserschlängelcheu 403. Wasscrscorpion 363. Wasscrspecht 196. Wasserspitzmaus 26. Weber 351. Weberknecht 394. Webcrmilbc 395. Wegschncckeu 403. Wcidcnbohrer 370. Weidenzeisig 257. Weihe 182. Weinbergschnecke 413. Weindrosscl 244. Wcinverdcrber 351. Wcinvogel 369. Weißkehlchen 255. Welö 322. Wendeltreppe 412, 413. Werre 359. Wespen 380. Wcöpeubussard 181. Wiedehopf 193. Wiederkäuer 106, 112. Wiesel 67. Wiesclgattnngen 67. Windenschwärmer 369. Winkelspinne 394. Wolf 58 Wolfsmilchschwärmer 369. Wombat 76. Würger 184. Würmer 403, 407. Wurzelmans 79. Z. Zahlperleu 409. Zauberkäser 351. Zaunkönig 258. Zebra 105. Zebu 141. Zecken 396. Zehengängcr 33. Zeisig 251. Zerda 64. Zerillo 73. Ziebethkatze 73. Ziebeththiere 73. Ziegen 127. Zitteraal 311. Zttterrochs 306. Ziltcrwels 322. Zobel 71. Zuckergast 393. Zugheuschrccken 357. Zweiflügler 389. Zweihänder 9. Zweipunkt 349. Zwergsacke 180. Zwcrgmaus 79. Zwergspitzmaus 26. Zygäneu 368.737 II A. Aaspflanze 479. Abendblume 449. Abrahamsstrauch 603. AchimeneS 604. Acacie 626, 678. Adonis 591. Affenblume 603. Affenbrodbaum 619. Affodill 500. Agave 498. Ageratum 635. Ahorn 511. Akeley 587. Akajon 488. Alant 638. Allermannsharnisch 448. Aloe 497. Algen 685. Alpbalsam 525. Alpenrose 523. Alpenveilchen 462. Alpinia 439. Amaranth 651. Ammoblum 635. Amniaryllis 496. Ampfer 506. Ananas 503. Andorn 598. Anemone 590. Anis 483. Apfelbaum 562. Aprikose 557. Arecapalme 663. Artischocke 634. Aron 654. Aschenpflanze 638. Aster 637. Augentrost 600. Azalea 461. B. Bärenklau 603. Baldrian 447. Balsambaum 522 Balsamiue 463. Bambus 501. Bauksie 458. Baptisie 528. Bartfaden 605. Bartonie 585. Basilicn-Thymian 599. Basilikum 599. Banernsenf 607. Baumwolle 618. Bärentraube 526. Beumcr'ö Naturgeschichte. Das Pflanzenreich. (a. Deutsche Benennung.) Bärenklau 603. Banmcactus 551. Beifuß 636. Benedictenkraut 577. Benzoölorbeer 519. Berberitze 500. Bergwohlverleih 639. Betelpfeffer 446. Beteluußpalme 663. Bctonie 597. Bibernell 483. Bilsenkraut 475. Bingelkraut 675. Birke 653. Birnbaum 562. Bisamkraut 515. Bischofsmütze 458. Bittersüß 476. Blaseustrauch 627. Blattcactus 551. Blumeubachie 585. Blumenbinse 521. Blumenkohl 612. Blumenrohr 438. Blutkrant 545. Blutholzbaum 522. Boabab 619. Bocksbart 632. Bohne 624. Bohnenbaum 626. Bouvardie 458. Braunwnrz 602. Brennnessel 650. Brodbaum 647. Brombeere 575. Brunueukresse 610. Buche 653. Buchsbaum 650. Buchweizen 514. Buddleja 458. Bunzelkrant 454. C. CactuS 548. Cacaobaum 616. Cajepntbanni 630. Calla 509. Camellie 619. Campserbanm 518. Cardamom 438. Cafsie 521. Cassien-Zimmetbaum 518 Cäsalpinie 522. Christophskrant 578. Christusdorn 674. Cichorie 633. Cistrose 580. Citronenbaum 629. Cobäa 462. Cocastrauch 533. Cocosnußpalme 651. Comarum 577. Commeliue 449. Copalsumach 488. Cornelkirschc 456. Crocns 447. Croton 656. Cuphea 545. Curcume 437. Cypresse 655. D. Dahlie 639. Dammarfichte 655. Dattelpalme 666. Dattelpflaume 679. Dickblatt 492. Dill 482. Diptam 523. Distel 633. Dosten 598. Dotterblume 593. Drachenbaum 500. Drachenkopf 599. E. Eberesche 561. Eberwurz 634. Edwardsie 528. Ehrenpreis 442. Eibisch 617. Eibenbaum 676. Eiche 653 Eierpflanze 477. Einbeere 515. Eisenhut 586. Eisenkraut 595. Eisenmaß 560. Elephantenlaus 488. Engelwurz 485. Enzian 480. Erbse 625. Erdbeerbanm 526. Erdbeere 575. Erdbeerspinat 439. Erdnuß 629. Erdrauch 621. Erdscheibe 462. Erle 650. Esche 444. Eschscholtzie 593. Essigbaum 487. Eugenie 559. E. Fackeldistel 548. Farren 684. 47738 Farrenkräuter 683. Faselbohne 625. Färberröthc 456. Farbe-Waid 607. Feigbohne 624. Feigencactus 551. Feigenbaum 666. Fenchel 482. Feldblume 481. Felscnstrauch 461. Fetthenne 541. Feuerdorn 560. Fichte 655. Fieberrindenbaum 472. Fingerhut 602. Fingerkraut 576. Flachs 490. Flechten 685. Flieder 442, 486. Flügclcactuö 550. Flügelfrnchtbaum 623. Frauenschuh 645. Franzosenholzbaum 523. Froschlöffel 507. Frühlingsblume 445. Fuchswein 461. Fuchste 512. G, Gagel 672. Gaillardie 642. Galgantwurzel 439. Gamander 594. Gänsedistel 632. Gartengleiße 483. Gartenschierling 483. Gauklerblume 603. Gazanie 642. Gelbwurz 437. Georgine 639. Gerberbaum 487. Germer 507. Getreide 451. Gewürznelkenbaum 555. Gichtrose 585. Giftsumach 488. Ginster 623. Glasschmalz 444. Gloxinie 601. Goldruthe 638. Goldlack 609. Goldwnrz 578. Götterblume 462. Götterduft 462. Granatbanni 555. Grasnelke 490. Gundelrebe 597. Gurke 657. Gntedel 466. Günsel 594. H. Habichtskraut 633. Haferwurz 631. Hahnenfuß 592. Hahnenkamm 461, 600. Haide 512. Haidckorn 514. Hainbuche 652. Halbblume 604. Halbfarren 683. Hanf 673. Hartheu 631. Hartrigel 456. Hasclnußstrauch 653. Haselwurz 544. Hauhechel 624. Hauslaub 547. Hauswurz 547. Heidelbeere 527. Heiligenpflanze 685. Heilkraut 576. Henschreckeubanm 488. Hibiskus 618. Himbeere 575. Hirschkolbcn 487. Honigblume 605. Hohlzahn 597. Hollunder 486. Hollunder, türkischer 442. Hopfen 673. Hornkraut 543. Hornmohn 579. Hortensie 532. Hohe 480. Huflattich 637. Hundspetersilie 483. Hülse 459. Hülskrappe 459. Hyacinthe 492. I. Jasmin 440. Jerichorose 607. Jgelcactus 549. Jgelcereus 550. Indigo 607, 627. Ingwer 437. Johaunisbrod 682. Johannisbeere 464. Johanniskraut 631. Jonquille 496. Jri« 448. Jungfernwein 461. Jxia 449. K. Kaffeebanm 468. Kaiserkrone 497. Kalmie 528. Kalmus 503. Kamille 640, 641. Kapernstrauch 578. Kapucinerkresse 510. Kartoffel 476. Kastanienbaum 653. Katzenmütze 595. Kälberkropf 485. Kelchblnme 561. Kerbel 482. KermcSbeere 544. KcrzencactnS 550. Kibitzei 497. Kiefer 654. Kirschbaum 558. Kirschlorbeer 559. Klappertopf 600. Klebnelke 543. Klee 628. Klette 633. Knöterig 512. Kohl 611. Korallenbauni 629. Kornblume 642. Kornwicke 627. Kranichschnabel 615. Krapp 456. Krahcnange 478. Kresse 608. Kreuzblume 622. Kreuzkraut 637. Kryptogamen 683. Kugelmalve 620. Kugeldistel 643. Kugelrannnkel 592. Kuhbaum 648. Kümmel 482. Kürbiß 656. L. Labkraut 456. Lack 609. Lärche 655. Lantane 605. Lattich 632. Laubmoose 685. Laurus-TinnS 486. Lavendel 596. Lavatere 618. LebcnSbaum 655. Lebermoose 685. Lein 490. Leindotter 609. Lerchensporn 621. Levkoje 609. Lichtnelke 542. Liebesapfel 477. Lilak 442. Lilie 494. Linde 579. Linnäe 603. Linse 625. Lolch 454. Loosbanm 604.739 Lorbeer 516. Löffelkraut 608. Lotus 585. Löwenmaul 601. Löweuschweif 598. Löwenzahn 632. Luftblume 644. Lupine 624. M. Maasliebe 639. Magenwurz 503. ^ Magnolie 589. Mahagonibaum 523. Mahalebkirsche 559. Maiblume 500. Majoran 598. Mais 649. Malve 617. Mandelbaum 556. Mangold 481. Mannaesche 444. Mauerpfeffer 541. Maulbeerbaum 650. Maurandie 605. Meergras 490. Meerkohl 606. Meerzwiebel 499. Mehlbaum 605. Meisterwurz 485. Melde 481. Melisse 599. Melone 657. Melonenbaum 675. MelonencactuS 549. Merlope 621. Minze 596. Mispel 562. Mistel 672. Monarde 443. Mongold 478. Mondviole 608. Mondsame 676. Monsonie 621. Moosbeere 511. Moose 685. Mohn 579. Möhre 482. Möhriuge 513. Möllenstrauch 603. Motauie 454. MuSkatnußbaum 677. Mutterkraut 640. Miinze 596. Myrte 554. Myrtenstrauch 679. 17 . Nachtkerze 511. Nachtschatten 476. Nachtviole 611. Nagelbliithenstrauch 442. Najade 664. Narcisse 495. Nelke 529. Nelkengras 593. Nießwnrz 507. Nixblnme 585. 0 . Odermennig 545. Oelbaum 441. Oelbaum, wilder 457. Oleander 463. Oleaster 457. Ophrys 644. Orange 629. OrchiS 644. Orleanbaum 584. Osterluzey 646. P. Pantherlilie 449. Pantoffelblume 444. Papierbaum 650. Papierblnme 637. Pappel 674. Parnafsie 489. Pastinak 482. Passionsblume 614. Paulownie 602. Perrückenbaum 487. Pestwurz 634. Petersilie 482. Pfeffer 446. Pfefferkraut 595. Pfeifenstrauch 554. Pfingstrose 585. Pflanzenreich 416. Pflaumenbaum 557. Pfriemen 623. Piement 555. Pilze 686. Pimpernuß 488. Pippau 683. Pisaug 501. Pistazie 673. Platane 652. Platterbse 625. Pockenholzbaum 523. Poley 596. Portulak 545. Primel 460. Q. Quassie 524. Quendel 598. Quitte 563, 564. E. Rachcnlilic 449. Rafflest» 646. Ragwurz 644. Raigras 454. Rainfarren 636. Ranunkelstrauch 566. Ranunkel 592. Raps 612. Rauschbeere 527. Raute 524. Rebendolde 484. Reiherschnabel 614. Reis 504. Reseda 546. Rettig 606. Rhabarber 519. Rheinweide 440. Ringelblume 643. Rittersporn 586. R.binie 626. Rose 566. Rose, japanische 532. Rosenbaum 525. Rosmarin 443. Roßkastanie 508. Rothholz 533. Ruchgras 445. Ruhrkraut 636. »tunke 611. Runkelrübe 481. Rübsen 612. Auster 481. Ruthencactus 551. 8 . Saflor 634. Safran 447. Sagopalme 664. Salat 632. Salbet, 443- Salzkraut 481. Sammetblume 640. Sandbrod 462. Sanddorn 672. Santelblume 457. Sassafrasbaum 519. Saturey 595. Sauerdorn 500. Sauerklee 542. Stiülencactns 550. Scabiose 455. Scorzoner 631. Schachblume 497. Schafgarbe 641. Schaumkraut 609. Schierling 484. Schildblume 604. Schirmpalmc 679. Schlangencactus 550. Schlangenkraut 509. Schleifenblume 607. Schlüsselblume 460. Schmuckblume 642. Schneeball 485. Schneeglöckchen 500. Schotendorn 678.740 Schöllkraut 578. Schönauge 641. Schönblatt 630. Schönfaden 559. Schönkerze 458. Schönrebe 604. Schuppenwurz 600. Schwalbenwurz 479. Schwarzkümmel 588. Schwertlilie 448. Seerose 585. Seidelbast 512. Seidenpflanze 479. Seifenkraut 529. Sellerie 482. Senf 611. Siebcnstrahl 509. Siegwurz 448. Silene 533. Silberbaum 457. Silberlinde 580. Sinnpslanze 678. S milax 674. Sockenblume 458. Sodakraut 481. Sommerrvschen 580. Sommerwurz 600. Sonnenblume 641. Sonnenfrennd 612. Sonnenthau 491. Sonnenwende 460. Spaltblatt 613. Spaltblume 445. Spanischer Pfeffer 461. Spanisch Nohr 453. Spargel 500. Sphenogyne 643. Spierstaude 565. Spinat 673. Spornbaldrian 438. Spörgel 543. Springgurke 656. Stachelbeere 464. Stechapfel 475. Stechpalme 459. Stechpalme 679. Steinbrech 529. Sternanis 588. Sternblume 637. Storax 527. Storchschnabel 616. Strohblume 637. A. Abutilon 620. Acacia 678. Acanthus 603. Acer 511 . Achilloa 641. Achiraenes 604. Acinos 590. Sturmhut 586. Sumach 487. Snmpfporst 523. Süßholz 627. Süßklee 628. T. Tabak 472. Tamarinde 613. Tamariske 489. Tanne 654. Tanne! 515. Taubnessel 597. Tazette 496. Teufelsabbiß 455. Teufelsbeere 474. Thecstrauch 581. ThränengraS 649. Thymian 598 Tigerblume 449. Tollkirsche 474 Tollkorn 454. Tormentille 576. Traganth 628. Traubenkirsche 559. Trichterwinde 462. Trientale 509. Tripmadam 542. Trollblume 592. Trompetenbanm 602. Trunkelbeere 527. Tuberose 497. Tulpe 493. Tulpenbanm 590- Tnneserkraut 529. 17. Ulme 481. V. Vanille 645. Vanillenkrant 460. Veilchen 463. Verbene 595. Vieusseuxie 450. Vignee 649. Vismia 631. W. Wachholder 676. Waid 607. Walderbse 625. Waldmeisterlein 455. (b. Lateinische Beneiiming.) Aconitum 586. Acorus 503. Actaoa 578. Adansonia 619. Acliantum 68-1. Adonis 591. Adoxa 515. Aerides 644. Aesculus 508. Aethusa 483. Waldrebe 591. Wallnnß 654. WarzencactnS 548. Was erdost 685. Was erpfeffer 514. Was erscheere 676. Was'erschierling 483. Was erviole 521. Watsonie 450. Webcrkardcndistcl 454- WaidenröSche» 510. Weide 665. Weiderich 545. Weibrauchbanm 522. Weinstock 464. Weinephen 461. Weißbuche 652. Weißdorn 560. Weizen, türkischer 649. Wermuth 636. Wicke 626. Wiesenknötcrig 514. Wiesenraute 591. Winde 462. Windröschen 590. Wohlverleih 639. Wolfsmilch 546. Wunderbanm 656. Wunderblume 460. Wnthbeere 474. Wuthschierling 483. Y, Ysop 595. Z. Zaserblnme 564. Zaubernuß 458. Zaunrübe 664. Zeitlose 507. Zieß 597. Zimmetbanm 516. Zinnie 640. Zoegea 643 Znckerahorn 511 Zuckerrohr 452. Zürgelbaum 482. Zweizahn 634. Zwergmandel 556. Zwiebelarten 500. Agarieue 680. Agave 498. Agathis 655. Ageratum 635. Agrimonia 515. Ajuga 595. Alecterolophus 600. Algae 685. Alisma 507. Ainus 650.741 Aloe 497. Alpinia 439. Althaoa 617. Amaranthus 651. Amaryllis 496. Ameria 490. Ammobium 635. Amomum 438. Ampelopsis 461. Amygdalus 556. Anastatica 607. Anemone 590. Anethum 482. Angelica 485. Anthemis 641. Antliolyza 449. Anthoxanthum 446. Antirrhinum 601. Apium 482. Apios 629. Aquilegia 587. Arbutus 526. Arctostaphylos 526. Areca 663. Aristolocliia 646. Armeria 490. Arnica 639. Artemisia 636. Artocarpus 647. Arum 651. Arundo 453. Asarum 544. Aselepias 479. Asphodelus 500. Asperula 455. Aster 637. Astragalus 629. Atviplex 481. Atropa 474. Azalea 461. B. Bambusa 501. Bauksia 458. Baptisia 528. Bartonie 585. liellis 639. Berberis 500. Beta 481. Betonica 597. Betulus 653. Bidens 634. Bignonia 602. ßixa 584. Blitnm 439. Blumenbachia 585. Boletus 686. Boswellia 522. Bouvardia 458. Brassica 611. Bromelia 503. Brousonetia 651. Bryonia 664. Buddleia 458. Butomus 521. Buxus 650. c. Cacalia 634. Cactus 548. Caesalpinia 522. Calampelis 604. Caleeolaria 444. Calendula 643. Calla 509. Callistemon 559. Calopliyllum 630. Calampelis 604. Caltha 593. Calycanthus 561. Camelina 609. Camellia 619. Canna 438. Cannabis 673. Canum 482. Capparis 578. Capsicum 461. Cardamine 609. Carduus 633. Carica 675. Carlina 634. Carpinus 652. Carthamus 634. Caryopbyllus 555. Cassia 521. Castanea 653. Celtis 482. Celosia 461. Centaurea 642. Centranthus 438. Cerastium 543. Cereus 550. Cestraria 685. Cliaeropliyllum 485. Chamaerops 679. Chasselas 466. Cheirantlms 609. Chelidonium 578. Clrelone 604. Cichorium 633. Ciclamen 462. Cicuta 483. Cinchona 472. Cinnamomum 516. Cinneraria 638. Cistus 580. Citrus 629. Clavaria 686. Clematis 591. Clerodendron 604. Cobaea 462. Cochlearia 608. Cocos 651. Coffea 468. Coix 649. Colchicum 507. Colopliyllum 630. Colutea 627. Com arum 577. Commelina 449. Conium 484. Convolvulus 462. Cornus 456. Coronilla 627. Corydalis 621. Corylus 653. Corypha 679. Cosmos 642. Crambe 606. Crassula 492. Crataegus 560. Crepis 633. Crocus 447. Croton 656. Cucumis 657. Cupliea 545. Curcubita 656. Curcuma 437. Cycas 664. Cyclamen 462. Cydonia 564. Cynara 634. Cypressus 655. Cypripedium 645. Cissus 626. D. Dublin 639. Daphne 512. - Datura 475. Daueus 482. Delpliinium 586. Dianthus 529. Dictamnus 523. Digitalis 602. Diosma 463. Diospyrus 679. Dipsacus 454. Dodecatheon 462. Doliehos 625. Dracaena 500. Dracoeephalum 599. Drosera 491. E. Echinooactus 549. Echinops 643. Echinopsis 550. Edwardsia 528. Elaeagnus 457. Elatire 515. Epilobium 510. Epimedium 458. Epiphyllum 551. Equisetum 683. Eranthemum 445. Erica 512. Erodilim 614. Eruca 611. Ervum 026. Erythrlna 629. Erythroxylon 533. Eschscholtzia 593. Eucharidium 458. Eugenia 559. Eupatorium 635. Euphorhia 546. Eupbrasia 600. P. Fagus 653. Ficus 666. Foeniculum 482. Fragaria 575. Fraxinus 444. Fritillaria 497. Fuchsia 512. Fuous 685. Fumaria 621. Fungi 686. G. Gaillardia 642. Galactodendron 648. Galcopsis 597. Galliopsis 641. Galium 456. Gazania 842. Gentiana 480. Georgina 639. Geranium 616. Gerista 623. Geum 577. Gladiolus 448. Glaueium 579. Gleehoma 597. Glcditscliia 674. Gloriaria 679. Gioxinia 601. Glycyrrliizza 627. Gnaphalium 636. Gossypium 618. Guajacum 523. H. Ilaematoxylon 522. Hamamelis 458. Hcdysarum 628. Helianthemum 580. Iloliantbus 641. Heliotropium 460. Heliophila 612.742 Helleborus 593. Hemimeris 604. Hesperis eil. Hibiscus 618. Hieraoium 633. Holostioum 454. Holymeria 685. Hoya 480. Kumulus 673. Hyacinthus 492. Hydrangea 532. Hyoscyamus 475, Hypeoum 458. Hypericum 631. Hyppophae 672. Hyssopus 595. I. Jasminum 440. Iberis 607. Ilex 459. Illioium 588. Impatiens 463. Imperatoria 485. Indigol'era 627. Inula 638. Ipomaea 462. Iris 448. Istis 607. Isoetes 683. Juglans 654. Juniperus 347. Ixia 449. K. Kalmia 528. Kerria 566. L. Laotuca 632. Laminaria 685. Lamium 597. Lantana 605. Lappa 633. Lathraea 600. Lathyrus 625. Laurus 515—519. Lavendula 596. Lavatera 618. Le dum 525 Leontodon 632. Leonurus 598. Lepidium 608. Ligenes 685. Ligustrum 410. Lilium 494. Linnada 603. Linum 490. Liriodendron 590. Lolium 454. Lunar 1a 608. Lupina 624. Lyehnis 542. Lycopersicum 477. Lycopodium 684. Lythrum 545. M. Magnolia 589. Malope 621. Malva 617. Mammillaria 548. Marruhium 598. Matricaria 640. Maurandia 605. Melaleuca 630. Helianthus 605. Melissa 598. Melocactns 549. Menispermum 676. Mentha 596. Mercurialis 675. Me s ein b ry anth emum Mespilus 562. Metrosideros 560. Mimosa 678. Mimulus 603. Mirabilis 460. Miristica 677. Moeringia 513. Momordia 656. Monarda 443. Monsonia 621. Montania 454. Morehella 676. Morus 650. Mosilea 683. Musa 501. Musei 685. Myriea 672. Myroxilon 522. Myrtus 551. N. Narcissus 195. Najas 664. Nasturtium 610. Nepeta 595. Nerium 463. Necotiana 472. Nigella 588. Nupliax 585. Nympliaea 585. o. Ocymum 599. Oenanthe 484. Oenothera 511. Olea 441. . Ononis 624. Opliiglossum 684. Ophrys 644. Opuntia 551. Orchis 642. Origanum 598. Orobaneho 600. Orobus 625. Oryza 504. Oxalis 542. Oxycoccus 511. P. Paeonia 585. Papaver 579. Parilanthus 149. Paris 515. Parnassia 489. Passiilora 614. Pastinaca 482. Paulownia 602. pelargonium 615. Pentastemon 605. Pctroseliuin 482. Pereskia 551. Pliasoolus 624. rhilatlelpluis 554. Phoenix 666. Phyllocactus 550. Phytolacca 544. Pilularia 683. Piinpinella 483. Pinus 654. Piper 446. Pistacia 673. Pisum 625. Platanus 652. Polyantlies 497. Polygala 622. Polyonum 513. Polipodium 684. Populus 674. Portulaca 545. Potentilla 576. Primula 460. Protea 457. Prunus 557. Pulegium 596. Puniea 555. Pyretrum 640. Pyrus 562, 563. Q. Quassia 524. Quercus 653. B. Rafflesia 646. Ranunculus 592. Haplianus 606. .Reseda 546. Hheum 519. Khipsalis 551. Hhizospenna 683. Rhododendron 525. Rhus 487. Ribes 464. Ricinus 656. Robinia 626. Rocella 685. Rosa 566. Rosmarinus 443. Rubinia 456. Rubus 575. Rumex 506. Rutn 524. 8 . Sacharum 452. Salieornia 444. Salix 665. Salsola 481. Salvia 443. Salvinia 683. Sambucus 486. Saponaria 529. Santalum 457. Santoiina 635. Saturoja 595. Saxifraga 529. Scabiosa 455. Scandix 482. Schizopelatum 613. Sohizanthus 445. Scolopendrium 684. Scorzonera 631. Scrophularia 602. Scilla 499. Sedum 541. Semecarpus 488. Sempervivum 547. Senecio 637. Silene 533. Sinapis 611. Smilax 674. Solanum 476, 477. Solidago 638. Sonchus 632. Sorbus 561. Spartium 623. Sporgula 543. Splienogyne 643. Spinacia 673. Spiraoa 565. Slacliys 597. Stapelia 479. Staphylea 488. Statiotes 676. Steroearpus 623. Strychnos 478.743 Styrax 527. Switenia 523. 8yringa 442. T. Tagetes 640. Tamarindus 013. Tamarix 489. Tanacetum 636. Taxus 676. Teucrium 594. Thalictrum 591. Thea 581. Theobrama 616. Thuja 655. Thymus 598. Tigrida 449. Tilia 579. Tormentilla 576. Trientalis 509. Trollius 592. Tropaeolum 510. Tuher 686. Tulipa 493. Tussilago 637. U. Ulmus 481. Urtica 650. V. Vaccinium 527. Valeriana 447. Vanilla 645. Veratum 507. V erbe na 595. Veronica 442. Viburnum 485. Vicia 626. Viola 463. Vieusseuxia 450. Vignea 649. Viscaria 543. Viscum 672. Vismia 631. Vitex 603. Vitis 465. w. Watsonia 450. x. Xevantliemum 637. z. Zea 049. Zingiber 437. Zinnia 040. Zoegea 643. III. Das Mineralreich. A. Brillant 714. Flnßerde 701. Brogniartin 706. Flnßspath 701. Achat 689. Aehrenstein 702. C. G. Alabaster 700. Carneol 689. Gagat 712. Alaun 704. Cerinm 729. Galmei 726. Amethist 689. Chalcedon 689. Gelberde 696. Amianth 698. Chondrodit 698. Glanberit 706. Ammoniak 705. Cholorit 698. Glaubersalz 706. Antimoninm 726. Chrom 729. Glimmer 694. Apatit 701. Chrysolith 698. Glüci» 693. Aquamarin 693. Arsenik 728. Arsenikblnthe 704. Chrysopras 692. Gold 717. Citrin 689 Granat, böhmischer 692. Cölestin 702. Graphit 713. Asbest 698. Cyanit 692. Grünerde 696. Asphalt 712. D. Gyps 700. B. Gypssinter 700. Dachschicser 696. BalaS 693. Datholit 701. h. Baryt 702. Diamant 714. Haarsalz 705. Basalt 697. Diamantspath 694. Heliotrop 691. Beilstein 698. Doppelspath 699. Himmelsmehl 700. Bergkrystall 689. Holzopal 690. Bergmilch 699. E. Hornblende 694. Bergöl 711. Eisen 721. Hornschiefer 691. Bernstein 711. Eisenkiesel 692. Hyacinth 692. Beryll 693. Eisenvitriol 703. Hyalit 689. Bimsstein 691. Erdmilch 699. Hydrophan 690. Bittersalz 697, 704. Erdöl 711. Blei 724. Erdpech 712. I. BolnS 695. Erdsalze 704. Jaspin 691. Borax 705. Erdschlacke 697. Iohannit 704. Boraxsäure 698. E. Iridium 729. Borsäure 704. Jndenpech 712. Braunkohle 712. Federharz 712. Braunspath 699- Federweiß 698. X. Braunstein 727. Feldspath 694. Kadmium 726. Brausestein 692. Feuerstein 691. Kalisalze 705. Brennsalze 704. Flußstein 701. Kali, schwefelsaures 705.744 Kalk 699. Kalksinter 700. Kalkspath 699. Kalkstein 699. Kaolin 694. Karfunkel 693. Katzenauge 690. Kieselerde 689. Kieselsinter 689. Klingstein 694. Kobalt 727. Kobaltvitriol 703. Kochsalz 706. Kohlenblende 713. Korund 694. Kreide, spanische 698. Kreide, schwarze 696. Kreide, weiße 699. Kreidekiesel 691. Kreuzstein 692. Krpstall, isländischer 699. Kupfer 720. Kupfervitriol 703. Kiicheusalz 706. L. Lava 697. Lasurstein 692. Lehm 695. Leukolith 692. Dl. O. Ouix 689. Opal 690. Osmium 729. P. Palladium 729. Papierkohle 712. Pechopal 690. Pechstein 690. Pimelit 698. Perlstein 692. Pharmakolit 701. Phosphorit 701. Platina 717. Polphallit 705. Porzellanerde 694. Prasem 689. Q. Quarz 689. Quecksilber 720. Qnellsalz 706. R. Nauchtopas 689. Reißblei 713. Rosenquarz 689. Rothstein 696. Röthel 696. Rubin 693. Rubicell 693. Magnesia 697. Maskagnin 705. Marmor 699. Manersalpctcr 705. Meerschaum 697, Mergel 700. Mergeltufs 700. Metalle 716. Nietallsalze 703. Molybdän 728. Mondmilch 699. Morio 689. Naphta 711. Natron 705. Natron, schwcfelsanreS 706. Natronsalpeter 706. Nephrit 698. Nickel 727. Nitrum 705. 8 . Salmiak 705. Salpeter 705. Saphir 693. Sassolin 704. Scheel 728. Schiefcrspath 699. Schörl 694. Schwefel 710. Schwererde 702. Schwcrspath 702. Sedativsalz 704. Seifenstcin 698. Sclenit 700. Serpcntinstein 700. Silber 718. Smaragd 693. Smirgel 694. Soda 706. Speckstein 698. Spicßglanz 726. Spinell 693. Stalactit 704. Steinkohle 713. Stein, lydischer 691. Steinöl 711. Steinsalz 706. Strontianerde 702. Strontianit 702. 1?. Talk 697. Tantal 729. Tellur 728. Thon 693, 695. Thoncrde 693. Thonschiefer 696. Titian 728. Topas 693. Torf 713. Trapp 697. Tripel 696. Trippcl 691. Trippelschiefer 690. Trona 706. Tropfstein 700. Tuffwacke 697. Turmalin 694. II. Uran 728. Uranvitriol 704. V. Vitriol 703. W. Wacke 696. Walkerde 696. Wetzsteiuschiefer 696. Wismuth 726. Witherit 702. Wolsram 728. Wuudersalz 706. Y. Atter 692. Alterst 692. Z. Zechstein 695. Zeolith 692. Zinkvitriol 704. Zink 726. Zinn 725. Zinnober 720. Zirkon 692.ne. t Fi§. / //l&f.V Fi P. /2-20Tid'el PTFig. 00-73.TafelnT-F/g. 77^.90Zk/rJ/X'Ptf. W /Z3.■TafelXL fög. U/- JÖ'd ^ tf4 V- u Im MTafel xir-ng, f6TTa/:muPopuläre Naturgeschichte der drei Aeiche, besonderer Beziehung auf das praktische Leben.
