Der Krieg in China und die Mission. Vortrag auf bn- Wisstons-Konferen; in Königsbergs den 26. Kon. 1900 von Faul CbomascbKi Pfarrer in Miswalde (Ostpreußen). Berlin 1901. Pcrlag der Buchhandlung der Berliner Stadtmission. SW. ^obanniterstr. 6. Der Krieg in China und die Mission. Vortrag auf der Wiffions-Konferen; in Königsberg, den 26. Kov. 1900 von Paul Cbomascbki Pfarrer in Miswalde (Ostpreußen). Berlin 1901. Verlag der Buchhandlung der Berliner Btadtmission, L'W. ^obanniterstr. 6.«Meine geehrten Damen und Herren! Meine lieben Missiousfreünde! „Der Krieg in China und die Mission", so lautet mein Thema — ein Thema, wie es zeitgemäßer kaum gedacht werden kann. Schon seit Monaten ruhen die Blicke der gesamten civilisierten Welt ans jeneni fernen Riesenreich, das — anderthalbmal so groß als 'ganz Europa — durch die Masse seiner Bewohner, durch ihre Intelligenz und Schlauheit, ihre Bedürfnislosigkeit und Zähigkeit im tzesthalten, ihren Fleiß und ihre kaufmännische Begabung — kurz, durch ihre einzigartige Ausrüstung zur wirtschaftlichen Kon kurrenz eine Gefahr ist, die dein Abendland auch für die Zukunft noch manche schwere Sorge bereiten dürfte Es ist ja viel in unserer Zeit über China geredet und ge schrieben. Kenntnisreiche Fachleute, Geologen und Etnographen, Historiker und Sprachforscher, Kanfleute und Politiker, Männer der Praxis und Männer der Wissenschaft haben uns in ihren Spezialfächern aufgeklärt über Gebiete, über denen für die meisten Abendländer bis vor wenigen Monaten noch die Nebel der Un wissenheit lagerten, und wir können diese Aufklärungen nur mit warmem Tank begrüßen. Aber dann sollte man doch meinen, daß mit dem gleichen Tank auch die Aufklärungen der Missionsfach leute enkgegcngeuommeu iverden müßten, die doch wahrlich auch nötig genug und nicht minder zuverlässig sind als die anderer Fachleute. Leider müssen wir sagen, daß dem nicht so ist. Ent weder werden die Fachblätter der Missionsgesellschaften und die4 Veröffentlichungen bewahrter Kenner der Chinamission von dem großen Publikum überhaupt nicht gelesen, oder als Reden pro domo mit Vorbehalt ausgenommen. Kommt dagegen irgend ein sog. „Chinakenner" — gleichviel ob er als Vergnügungsreisender oder Beamter, als Techniker oder Ingenieur kürzere oder längere Zeit in China, d. h. an der Grenze Chinas, in einem der Vertrags häsen, gelebt hat — und redet über die Mission und urteilt und verurteilt sie: dann hört man ihm gespannt zu und glaubt ihm und trägt das Gehörte weiter als ein insallibles Evangelium. Nun, wir wollen im allgemeinen gewiß nicht bestreiten, daß auch Nicht- Fachleute viel Wahres und Schönes über die Mission ge redet und geschrieben haben. Ich erinnere nur an Li- vingston und an die bekannten Schilderungen Henry Drummonds aus den schottischen Njassa-Missionen. Aber, was unserem Volke in diesen ivenigen Monaten des Chinakrieges an Ur teil und Vorurteil gegen die Mission, an Gehässigkeit und Ver ketzerung der Mission von Nicht-Fachleuten geboten wurde — das ist zum großen Teil nicht bloß unklare Verdrehung der Wahr heit, auch nicht bloß bedauernswerter Mangel an sachlicher Prü- snng und nüchterner Kritik, sondern das ist geradezu blinde Missionsfeindschaft. „Fort mit den Missionaren!" heißt es da, „man freut sich fast, wenn die Missionare von den Chinesen um gebracht werden," und wenn der Krieg beendigt ist, dann muß es „die vornehmste Pflicht der Mächte sein, dem Missionsnnwesen zu steuern". — Bei solcher Stellungnahme ist schließlich selbst die furchtbar schwere Anklage nicht verwunderlich, welche überhaupt die ganze Schuld an diesem traurigen Krieg „d e r Mission", oder — wie einige wollen.— „gerade der protestantischen Mission inehr noch als der katholischen" aufbürdet. Wohl läßt man auch dieses und jenes andere Moment als mitwirkend gelten, wie z. B. die an- nerionslüsternc Einmischung fremder Länder, die Lärmnachrichten der Presse über eine beabsichtigte „Aufteilung Chinas", die über stürzte Einführung abendländischer Einrichtungen mit ihrer nm- gestaltenden Einwirkung auf den altgewohnten Wirtschaftsbetrieb, ans Erwerb, Beschäftigung, Lebensweise u. a. m. Aber die Haupt schuld — das wird mit prüfungslosem Nachbeten immer von neuem betont — die Hauptschuld am Kriege trifft die Mission. — So spricht eine große Anzahl deutscher Zeitungen, und ihnennach spricht ein nach Hunderttausenden zählender Leserkreis. Denn das ist doch Thatsache, daß die meisten auch der gebildeten Leser sich ihr Urteil über große öffentliche Angelegenheiten erst aus ihren Zeitungen zurechtmachen. Nun wäre das ja nicht schlimm. Ww oft irren Zeitungen und berichtigen dann — offen und ehrlich, wie es einem Ehrenmanne geziemt -- ihren Irrtum. Hier aber ist es anders. Tie meisten der großen Zeitungen haben sich nicht zu Berichtigungen herbeigelassen, und ihr ganzer großer Leserkreis bleibt auf seinem kirchen- und missionsfeindlichen Urteil bestehen. Ta wird es geradezu eine Ehrenpflicht für einen jeden, der es mit der Mission gut meint, an seinem Teil mitzuwirken an der Gesundung der öffentlichen Meinung. Ja, wollte Gott, daß das Resultat des heutigen Abends wäre, daß ein jeder bon uns mit dem festen Vorsatz heimginge: ich will die Wahrheit nicht bloß hören, sondern auch mit der ganzen Kraft meiner Ueber- zeugung vertreten, und niemals soll eine Anklage wider die evan gelische Chinamission vor meinen Ohren laut werden, ohne daß ich ihr, wie sich's gebührt, entgegentrete. Das Rüstzeug zu solchem Entgegentreten findet ein jeder in der Schrift des Professors Warneck: „Die chinesische Mission im Gericht der deutschen Zeitungspresse", Preis 25 Psg. — Was nun mein Thema anbetrifft, so lauten seine beiden Stich worte: „Mission" und „Krieg". Der Mission wird heute der Vorwurf gemacht, daß sie sich in China mit Politik verquickt und dadurch wesentlich zum Ausbruch des Krieges beigetragen habe. Daher wird der Vortrag auch kolonialpolitische Fragen streifen, und in demselben Zusammenhang nicht bloß auf die protestantische, sondern — so weit es nötig ist — auch auf die katholische Missionspraxis eingehen müssen. Uni* was den „Krieg" anbetrifft, so ist. es natürlich ausgeschlossen, den Gang der militärischen Operationen zu verfolgen. Wohl aber wird es nötig werden, kriegerische Erregungen aus der früheren Geschichte Chinas zum Vergleich heranzuziehen, und zwar aus einer Zeit, in der die Mission noch gar nicht mitsprach, also auch keine Schuld haben konnte an fanatischen Ausbrüchen und Grenelthaten, welche genau die gleiche Quelle und den gleichen Verlauf aufweisen wie die jetzigen. — Meine Freunde! Auch bei dem oberflächlichsten Nachdenken wird sich ein jeder selber sagen, daß solch eine furchtbare Er-— 6 — reguug von Millionen, wie sie in diesem Krieg in die Erscheinung tritt, ihre eigene Vorgeschichte haben muß. Es ist im Gründe die Jahrtausend alte Geschichte des chinesischen Volkes, o h n e deren Berücksichtigung eine Beurteilung der jetzigen Wirren gar nicht möglich i st. — Die Chinesen sind nicht bloß das größte Volk der Erde, sondern auch — neben den Aegyptern — das älteste. Ich habe vor den Pyramiden Aegyptens gestanden und staunend emporgeschaut zu diesen gigantischen Steinbergen von Menschenhand. Aber weniger ihre Größe war es, welche Geist und Gemüt gefangen nahm, als vielmehr ihr Alter und die überwältigende Fülle geschichtlicher Er innerungen, die sich an diese Bauwerke knüpften. Als der Patriarch Jakob mit Kind und Kindeskind nach Aegypten übersiedelte, da fand er sie schon vor, und 250 Jahre früher sah Abraham in ihnen bereits Zeugen ferner Jahrhunderte. — So alt ist auch das Chinesen reich. Als Abraham nach Kanaan zog, war der Grund zu diesem Riesenreich bereits gelegt, und als unsere Vorfahren sich noch in Bärenfelle hüllten, da kleideten sich die Chinesen bereits in Seide. Lange vor uns hatten sie Papier und Pulver, den Kompaß, die Buchdruckerkunst und das Porzellan. Ihre Litteratnr ist eine un ermeßliche. Kostet doch der Katalog über die in die Kaiserliche Bibliothek in Peking anfgenommenen Bücher allein schon 150 Mk. Eine unendliche Reihe von hochbedeutenden Gelehrten und Staats männern, von Dichtern und Denkern, Rednern und Philosophen ist aus dem Chinesenvolk hervorgegangen. Bedeutende Herrscher- Haben unter den 24 auf einander folgenden Königsgeschlechtern an seiner Spitze gestanden — Herrscher, welche an Energie und Thatkraft, an staatsmännischer Begabung und politischen Fernblick den Vergleich mit den größten Königen und Kaisern des Abendlandes nicht zu scheuen brauchen. — So stand China jahrtansend lang durch seine thatsächliche lleberlegenheit und die in seinem hohen Kulturstand sich wieder spiegelnde Intelligenz seiner Bewohner als herrschende und ge bietende Nation da unter allen umgrenzenden Völkern. Was Wunder, wenn in den Augen seiner Bewohner China der Mittel punkt aller Bildung und Gesittung, aller weltlichen Macht und Größe ist. Stolz nennen sie ihren Kaiser den „Sohn des Himmels", den „Herrscher der Welt", und ihr Land „das himmlische Reich",( "das Reich der Mitte". — Es ist der Stolz des Protzen, der keine Ahnung von dem Geist des Wortes hat: . „Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen", der stolz des energielosen Stumpfsinns, der im mühelosen Aus- ruhen das Vorwärtsschreiten vergißt und beim Rückwärtsschauen ans die Vergangenheit — gleich Lots Weib — erstarrt. — In diesem Selbstdünkel verschloß sich das Volk immer mehr und mehr gegen die Außenwelt, und dieser Widerstand gegen alles Fremde, von außen Kommende ist durch Jahrhunderte lange Ge wöhnung .dein Volk zur anderen Natur geworden. Der Chinese will nichts wissen von unserer Kultur und Civilisation, von unseren Eisenbahnen und Maschinen, auch nichts von unserer Religion. Er hält uns für den Jüngling, der noch in dem Gährungsprozeß der Entwickelung begriffen ist, sich selbst für den gereiften Mann. „Eure Kultur ist von gestern," spricht er, „eure Erfindungen haben wir längst hinter uns. Eure Institutionen und Regiernngsformen bis zum Kommunismus eurer Sozialdemokratie herab haben wir durchgeprobt. Auch wir haben den Kampf ums Taseiu gehabt, die Jagd nach Reichtum und Glück, das Hasten und Hetzen nach Macht. Auch wir haben Revolutionen und Refor mationen erlebt, Zeiten des Zweifels und des Glaubensfanatismus, der Intoleranz und schließlich der Toleranz. Aber all diesen Tingen, in denen ihr Abendländer heute noch steckt, sind wir ent wachsen. Die brausenden Dämpfe jugendlicher Leidenschaften haben sich bei uns längst kondensiert an den kalten Realitäten des Lebens und sich abgeklärt zu dem einen Wunsch nach irdischer Glückseligkeit, wie wir sie genießen in unserem Totenkult und Ahnendienst, in der Erfüllung unserer Pflicht und in der Liebes- gcmeinschast mit den llnsrigen." — So können wir es verstehen, daß China sich gegen jedes Ein dringen abendländischen Einflusses mit fanatischer Wnt zur Wehr setzte. Aber wenn nun Zeitungen, wie die „Kölnische", die „Ham burger Nachrichten", das „Berliner Tageblatt" u. a. der Mission den Vorwurf machen: weshalb überlaßt ihr nicht dieses friedliche Volk, das euch Missionare nicht will und nicht gerufen hat, seinem beseligenden Götzentum? weshalb dringt ihr in Gebiete ein, die sich euch krampfhaft verschließen wollen? — ja, dann können wir doch gewiß mit gleichem Recht die Gegenfrage stellen: weshalb8 thut ihr denn das, was ihr an uns tadelt? weshalb verdammt ihr denn nicht auch das Eindringen der Kaufleute, der Kolonisten, des Handels, der wissenschaftlichen Forschung? Stört das alles etwa nicht die Kreise jenes friedliebenden Volkes? und soll das, was bei der Kolonialpolitit recht und selbstverständlich ist, für die Mission unrecht und aufdringend sein? — Wir leugnen nicht das Recht des Handels, der Wissenschaft, der Presse, hiueinzudringen in verschlossene Gebiete, um den heimi schen Geist zu bereichern, das heimische Wissen zu fördern, der heimischen Produktion neue und kaufkräftige Absatzgebiete zu er schließen. Denn ebenso wie kein Mensch, so hat auch kein Volk auf Erden das Recht, allein für sich dazustehen, und wo ein solches — wie das Chinesenvolk — ein Kulturhindernis ist, nun, da durchbrechen schließlich die Wogen des Völkerverkehrs gewalt sam die ausgerichteten Dämme und überfluten den stagnierenden Sumpf mit frischen befruchtenden Wassern. Aber dann wehrt auch ihr uns nicht unser Recht und unsere Pflicht, zu thun, was unser christliches Gewissen uns gebietet. Selbst die „Kölnische Zeitung" schreibt: „So lange das Evange lium uns maßgebend bleibt, werden wir uns nicht den Folgen des Wortes entziehen können: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Heiden." — So sind denn beide Mächte, die weltliche wie die geistliche, eingetreten in die Lebenskreise jenes „himmlischen Reiches". — Schon in der Blütezeit des römischen Kaisertums führten griechische und römische Kaufleute Seidenstoffe, die sog. „serischen Gewänder", als teuer bezahlten Luxusartikel für die Stutzer Roms und Alexandriens ins Abendland ein. — Es folgten ihnen zur Zeit der Bagdader Kalifen die niuha- mcdanischen Araber, die im südlichen China sogar einen Freihafen erhielten, aber schon ein Jahrhundert daraus (878) in einem furchtbaren Blutbade dem fanatischen Fremdenhaß des Volkes zum Opfer sielen. — Nach der Entdeckung Amerikas erschienen 1ä17, zur An knüpfung von Handelsverbindungen, die Portugiesen an der chine sischen Küste. Es war das erste Mal, daß jenes verschlossene Land einer größeren abendländischen Machtentsaltung gegenüberstand, und auch dieses Mal war das Ende ein fürchterliches Blutbad mit all den unmenschlichen Grausamkeiten, wie sie in dem jetzigen9 Krieg von den Chinesen ansgeübt werden. Alle Fremden im Lande wurden geköpft oder aufgespießt, die schuldlose Gesandt schaft, welche mit Geschenken zum Kaiser kam, wurde in Fesseln nach Kanton zurückgeschickt, dort eingekerkert und wahrscheinlich hinter Kerkermauern ermordet, und nur die Kanonen ermöglichten dem portugiesischen Geschwader eine schleunige Flucht. — Bis jetzt — merken wir cs wohl —- bis jetzt hat die Mission n o ch g a r nicht mitgesprochen. Als Ursache zu der erwähnten grausamen Massakrierung der arabischen Fremden kann nur der Fanatismus des chinesischen Fremdenhasses konstatiert werden, während in dem zweiten Fall zugleich noch brutale Rücksichtslosigkeiten der portugiesischen Kansleute mitsprachen. Beide Momente finden wir als Ursachen zu dem jetzigen Kriege wieder. Von irgend einem Motiv religiöser Art ist keine Rede. Vielmehr gelang es gerade in dieser Zeit — einige; Jahrzehnte später, aber noch in demselben 16. Jahrhundert — spanischen Augustiner- uud Franziskaner-Mönchen Eingang in das Innere Chinas zu finden und den Grund zu der großen katholischen Mission Ostasiens zu legen. — Die evangelische Mission in China ist viel jüngeren Datums. 2ie gleicht einem zarten Bäumchen, das von den jetzigen Wirren wie von -einem rasenden Orkan geknickt ist, aber seine Wurzeln zum spätern Keimen und Wachsen im Boden der Fremde zurückläßt. Erst im Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sie ein mit dem frommen Engländer Robert Morrison, aus den als erster deutscher Missionar der pommersche Handwerker Karl Gützlass folgte. Im Jahre 1820 harte er in Stettin dem Könige Friedrich Wilhelm III. eine Bittschrift in den Wagen geworfen, in der er das glühende Verlangen aussprach, Missionar zu werden. Er wurde einem Pastor Jänike in Berlin zirr Ausbildung überwiesen und kam 1831 nach China, wo er in Tracht und Lebensweise Chinese wurde, in chinesischen Dschunken längs der Küste hin- und herfuhr und die von ihm in die chinesische Sprache übersetzte Bibel nebst Traktaten uud Bibelteilen verbreitete. - Das war der Anfang der evangelischen Mission in China. - Ich glaube, auch die radikalsten Missionsfeinde werden schwer lich behaupten, daß diese stille, selbstlose Thätigkeit eines ein zelnen Mannes die Schürung des Fremdenhasses in China un heilvoll gefördert haben kann. — , : *10 Anders war es mit dem Eingreifen der weltlichen Mächte in die Geschicke Chinas. Es handelt sich hier zunächst um eine traurige That des englischen Handelsegoismus, um den Import des Opiums, dieses Regierungsmonopols der Engländer, das ihnen jährlich 90 Millionen Mark einbringt. Es ist furchtbar, die Schilde rungen über die verheerenden Wirkungen dieses Giftes zu lesen, -!aS den Menschen an Leib und Seele zu Grunde richtet, ihm Geist und Willen, Kraft und Gesundheit, Ehre und Tugend raubt. Der Chinese verkauft alles, Hab und Gut, Weib und Kind, um dem Laster des Opiumrauchens fröhnen zu können, und wenn die vcrkominene Mutter dem Säugling an ihrer Brust keine Nahrung mehr zu geben vermag, dann bläst sie Opiumdamps in den kleinen, wimmernden Mund, und das nind — wird still. Vergeblich waren die Gegenmaßnahmen der chinesischen Regierung, welche die Opiumraucher mit Brandmarkung, Geißelung, ja mit dem Tode bestrafte. Das Laster drang immer weiter vor bis zu den Stufen des Thrones, wo zwei Söhne des Kaisers Thau-kong ihm zum Opfer fielen. — Können wir es da nicht verstehen, daß sich schließlich dieVolks- wut gegen diese mörderischen Eindringlinge wandte in wilder Empörung? So kam es zu dem traurigen Opiumkrieg, der in seiner schmachvollen Ungerechtigkeit — gleich dem Burenkrieg — wahrlich kein Ruhmesblatt ist in den Annalen der englischen Ge schichte. Schutzlose Städte wurden von der englischen Marine in Trümmer geschossen, Kanton wurde erobert, und im Frieden von Nangking 184? mußte China 5 Häfen dem Handel öffnen, 30Mill. Mark Kriegskosteu zahlen und fernere 20 Millionen für die in den Faktoreien zu Kanton vernichteten 20 000 Kisten Opium. Tie Engländer setzten sich in Hongkong fest, von wo aus sie bis heute den fluchwürdigen Opiumhandel in schwunghafterer Weise denn je fortbetreiben. — Hcurt, ich meine, solch eine himmelschreiende Gewaltthar ver gißt sich nicht in ein paar Jahrzehnten, am allerwenigsten bei einem Volk, das schon das Betreten seines geheiligten Bodens fiir eine Entweihung hält und den ihm ansgezwungenen Verkehr mit den „fremden Teufeln" als schmachvolle Verletzung seines Selbstdünkels fühlt. Und wenn wir uns fragen, wie die furchtbare Erregung entstanden ist, die zu dem jetzigen Kriege geführt hat, so werden wir nicht bloß auf gestern und vorgestern, sondern aus- 11 eine Zeit zurückgreifen müssen, in der es eine evangelische Mission in China noch gar nicht gab. Meine Freunde! Wir wollen uns gewiß nicht aus den sozial demokratischen Standpunkt stellen und die Chinesen als schuldlose Märtyrer einer heiligen Sache ansehen, die — von der völker rechtswidrigen Abenteurerpolitik des Abendlandes bedrängt — gegenwärtig in derselben Lage sind, wie unser deutsches Volk in den Jahren 1806—1815. Denn nicht Landergier und Machthunger war es im tiefsten Grunde, die das Abendland nach Osten trieb, wie einst den blutigen Korsen, sondern der unaufhaltbare Fort schritt der Wirtschafts- und Kultnrinteressen, der berechtigte Trieb der Ausbreitung, des Handels und der kommerziellen Nötigung, die Massenproduktion der Heimat im Welthandel nach auswärts zu führen und den Söhnen der Heimat dort in der überseeischen Fremde die Existenzbedingungen für ihren Broterwerb zu ver schaffen. Und der mit List und Tücke, mit Lüge und Bestialität von den Chinesen geführte Krieg ist doch wohl etwas anderes, als die reine Flamme des sittlich geläuterten, von den höchsten Idealen beseelten Freiheitsdranges von 1813. — Aber dabei werden wir zunächst das Eine nicht leugnen können, baß nämlich unsere Soldaten und Kanfleute, unsere Forscher und Kolonisten, unsere Ingenieure und Techniker auch im Ausland die sittliche Pflicht haben, Christen zu bleiben mit christlichem Gewissen, christlichen Verpflichtungen und christlicher Verantwortlichkeit, und daß ein Vorgehen wie das der christlichen Engländer dort in China in jedem Fall eine Schmach für die Christenheit ist — nicht bloß in der Heimat, sondern auch in der Fremde. — Und dabei war jener Opiumkrieg nur das erste Glied in einer ganzen Reihe kriegerischer Vergewaltigungen, in deren Verfolg sich zu den Engländern die Franzosen gesellten, und zu den Franzosen die Russen und zu den Russen die Japaner und so fort bis auf die Gegenwart, wo fast jedes Volk des eivilisierteu Erdkreises im Reich der Mitte seine be- berechtigten Interessen zu vertreten hat. Immer gab es ab gehauene Chinesenköpfe und Millionen über Millionen Taels Kriegskosten. Ein Fetzen nach dem andern wurde jenem hilflosen Koloß entrissen und immer wieder führte die lächerliche Ueber- hebung der Mandarinen und des Pekinger Hofes, die asiatische12 Treulosigkeit und der nationale Fanatismus zu neuen Berwicke^ lungen, zu neuen Genugthuungsforderuugeu. Aber jede neue De mütigung des Nationaldüukels brachte auch die kochenden Leiden schaften des Fremdenhasses ihrem Siedepunkte näher, bis.sie sich schließlich in dem Boxeraufstand Versengend und vernichtend über alles ergossen, was unbezopft im weiten Chinesenreiche lebte, über Freund und Feind, Schuldig und Unschuldig. — Auch der evangelischen Mission sind schwere blutige Wunden geschlagen. Was hat sie verbrochen, daß man ihr geradezu ihre- Existenzberechtigung abspricht nnt dem Ruf: „Fort mit ihr!" — Meine Freunde! Wenn wir in unseren Reichstagsberichten die Debatten iiber unsere Kolouieen verfolgen, dann finden wir, daß als Maßstab der Beurteilung immer wieder die Frage aufge worfen wird: welchen Umfang haben Import und Export? wie rentiert sich die Kolonie? oder was verspricht sie für die Zukunft? Kurz, man will nehmen und immer nur nehmen. Daß auch der andere Teil genau ebenso berechtigt ist wie wir, seine Lebens- forderungen zu stellen und die Bedingungen seiner Existenz zu behaupten, sowie die unveräußerlichen Rechte seiner Eigenart nicht wider seinen Willen aufzugeben — danach wird kaum jemals ge fragt. Jedenfalls ist danach in dem ganzen China-Konflikt von weltlichen Instanzen wenig genug gefragt worden. — Da tritt dann als eine notwendige und unentbehrliche Er gänzung die Mission ein, dieser einzige ideale Faktor in dein Produkt der handelspolitischen Errungenschaften unserer Zeit. Tie Mission — und ganz gewißlich in allererster Reihe die evan gelische Mission — will nicht nehmen, sondern nur geben und segnen; ihre Triebkraft ist nicht die Selbstsucht, sondern die Liebe — Liebe, die aufbanen will, was die Selbstsucht zerstört hat; sie kommt nicht mit Kriegsschiffen und massenmordenden Kanonen. Ter Schutz des Herrn ist ihr Geleit, das Wort des Herrn ihre Waffe. — „Die Regierung," •- so sprach Reichskanzler Fürst Hohenlohe in seiner Reichstagsrede am l l. Dezember 1894 — „die Regierung wird am wenigsten auf die Unterstützung der christ lichen Missionsgesellschaften verzichten, ohne deren opferfreudige und segensreiche Thätigkeit das gesamte Kolonialwerk in Frage gestellt wäre." — "Was hat die Mission in China verbrochen? Ihr Unglück war es, aber nicht ihre Schuld, daß sie dem13 -lif'in.i'.'inuili auf der Spitze der Bajonette augeboten wurde. Als nach dem Lpiumkrieg in dem Frieden Vvn Nangking int Jahre 1842 die Duldung des katholischen Christentums auch auf das evangelische ausgedehnt wurde, schickten aus Gützlaffs Bitten das Baseler und Barmer Missionshaus und später auch der China- Verein und die Berliner Missionsgesellschaft ihre Arbeiter in das Reich der Mitte. — Also zuerst das völkermordende Gift des Opiums und bei der Auflehnung gegen dasselbe blutiger Kanonenzwang, zerstörte Städte, zwangsweise Oeffnnng von Vertragshäfen und Millionen von Kriegslasten — das waren die Gaben des Abendlandes. Was Wunder, wenn das Volk sich gegen jede neue Gabe voll tiefen Mißtrauens auflehnte und auch in der Mission nur ein neues Mittel der abendländischen Weltmächte sah zu neuer Schmach und jfu neuem Unheil. So nur sind die ungeheuerlichen Ver leumdungen zu erklären, welche sich in dem Chinavolk gegen die Christen schier unausrottbar festgesetzt haben, und von deren Wahr heit nicht bloß der soziale Paria der Straße überzeugt ist mit seiner instinktmäßigen tierischen Zustimmung zu allem Gemeinen, auch nicht bloß der ungebildete Kuli mit seiner Urteilsunfähijgkeit, sondern selbst der Mandarin und Gouverneur bis hinauf zum Bizekönig und dem Kaiserlichen Hof. — Wahrscheinlich ist es eine Erinnerung an die Frevel der erwähnten portugiesischen Kauf leute, die seiner Zeit chinesische Kinder raubten und als Sklaven nach Indien schleppten, daß den christlichen Missionaren Menschen raub nachgesagt wird und Menschenverstümmelung, wofür die christlichen Hospitäler und Findelhäuser der Beweis seien; ja selbst den Toten sollten sie nicht ihre Ruhe lassen, sie grüben sie ans der Erde, schändeten ihre Leiber und bereiteten aus ihren Gebeinen Medizinen und Zanbermittel. Geradezu widerlich in ihrer Gemeinheit sind die Nachreden, die sich an die Feier des heiligen Abendmahles und an die gottesdienstlichen Versammlungen der beiden Geschlechter in einem Raum knüpfen. — Durch solche wahnsinnigen Verleumdungen ist der Haß gegen die Mission entfacht und genährt, der im Grunde gar nicht ihr als solcher gilt, sondern allen „geisterhaften Stämmen der Bar baren" (wie die Fremden in einem kaiserlichen Edikt genannt werden), allen „rothaarigen Dämonen", den Geschöpfen, „deren Haupt- und Barthaar von der Farbe des roten Ockers ist", und14 die aus einem Lande kommen, „wo Nebel und Sturm beständig Hausen, und wo die Sonne niemals scheint". — So ist der Christenhaß einerseits das traurige Erbteil, das die Mission der Habgier und brutalen Rücksichtslosigkeit welt licher Mächte zu verdanken hat: andererseits ist er eine Konsequenz des chinesischen Volkscharakters und seiner rückschrittlichen Welt anschauung, die, ins Alte versunken, die neue Zeit mit ihren Forderungen der Völkerentwickelnng und des Völkerverkehrs nicht begreift und in seiner kulturfeindlichen Einsichtslosigkeit um sich schlägt, wie ein Mensch, der zu seinem Besten unter Kuratel ge stellt wird. — Selbstverständlich verleugnet die Mission auch in China nicht ihren Lebensnerv, ihr Wirken für'den gekreuzigten und auser standenen Gottessohn, der mit der Kraft seines Geistes die Ge wissen erfaßt, die Sünden vergiebt und durch das Vertrauen auf Gottes väterliches Walten die Furcht vor den bösen Geistern und der ganzen unsichtbaren Schreckenswelt aus den armen verfinsterten und geängstigten Heidenherzen austreibt. Und wo so Licht und Finsternis, Christentum und Heidentum zusammentreffen, da gilt es einen Kampf, der nicht bei Verträgen und Konzessionen stehen bleibt, sondern ein Ringen ist auf Leben und Tod. — Aber dieser Geisteskampf wird ja von der missionsfeindlichen Kritik gar nicht gemeint, weil er von ihr gar nicht verstanden wird. Er ist auch für den Haß der Chinesen gegen die Mission nicht Ausschlag gebend gewesen. Denn dazu ist der Chinese religiös viel zu indifferent. — Das Gros des Volkes, das im harten Kampf des Lebens um das tägliche Brot ringt, ist so tief ins Irdische versunken, daß die heidnische Sorge: „Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden," fast die einzige Erregung seines Lebens bleibt. Ob die Reispreise steigen oder fallen, ob eine neue Hungersnot im Anzug ist, ob neue von Europäern importierte Transportmittel ihm Arbeit und Brot nehmen - - das ist seine Sorge. Alles Ueberirdische und Uebersinnliche ist in seinem Be wußtsein nur ein Schatten. Er hat ja wohl seine Götter, deren Autorität er mit Opfer» und Verbeugungen respektiert; aber er rhnt es gedankenlos in dem instinktiven Gefühl seiner Abhängig keit von höheren Mächten, die er nicht kennt. „Es ist in China, wie im alten Rom (sagt Missionar Voskamp): dem gewöhnlichen Volk sind alle Religionen gleich wahr, dem Philosophen sind sie alle gleich falsch, und dem Staatsmann sind sie alle gleich gut zn brauchen." Der Chinese schwört seine Religion ab, wenn er mit dem Bekenntnis zum Christentum materielle Vorteile erreichen kann, und kann er dies nicht, so genügt ihm auch schon die Rücksicht der Höflichkeit zur freundschaftlichen Annäherung auch an die christliche Religion. In Elbing besuchte ein Chinese, und zwar nicht ein Mann des niederen Volkes, sondern ein Bevollmächtigter der Kaiserlich chinesischen Regierung, sonntäglich den evangelischen Gottesdienst der Marienkirche — aus lauter Rücksicht gegen den ihm bekannten Geistlichen. Ja, Kapitän Libua — so war sein Name — trat zum nicht geringen Erstaunen der Gemeinde eines Sonntags sogar auf den Altar und schüttelte dem amtierenden Pastor kordial die Hand. — Wenn nun trotz seines religiösen Indifferentismus der Chinese zu einem so wilden, fanatischen Haß gegen das Christentum gekommen ist, so ist es doch klar, daß hier ganz andere Gründe mitgesprochen haben müssen, als die Verkündigung der transcendentalen Wahrheiten des Christentums durch die Mission. — Gewiß ist es wahr, daß sich die Volkswut vor allem gegen die Missionare und die chinesischen Christen gewandt hat. Die Missionare waren die einzigen Vertreter der verhaßten Ausländer im Innern des Landes. Während sich die Thätigkeit der Kaufleute auf die Vertragshäfen beschränken mußte, durften die Missionare in das Innere des Landes Vordringen und dort Wohnhäuser er richten und Kapellen bauen. Hier im Innern — fern von den Kanonen der Kriegsschiffe — waren sie schutzlos der Volkswut preisgegeben; hier sind sie ergriffen, ermordet, verstümmelt, ge schlachtet worden, — nicht weil sie Missionare, sondern weil sie die nächst erreichbaren und am meisten wehrlosen Ausländer waren, und mit ihnen fielen Tausende von eingeborenen Christen — nicht, weil sie Christen, sondern weil sie Anhänger der verhaßten Fremden waren. Wie wenig der fanatische Haß sich gegen die Mission als solche, oder gar besonders gegen die protestantische Mission wandte, geht daraus klar hervor, daß er gerade in den Gegenden am wütendsten war, wo die Arbeit der Mission überhaupt noch nicht begonnen hatte, wie z. B. in der Hunan-Provinz. Auch das giebt doch zu denken, daß die Massakrierung durchaus nicht bei den Missionaren oder den eingeborenen Christen Halt machte, ja, daß sic überhaupt gar nicht in den Süd-Provinzen ausbrach, in denen16 die evangelische Mission ihre meisten Anhänger hatte, also in Fukien und Kwangtun, sondern gerade in den Nordprovinzen, wo sich die Gesandten und die bevölkertsten Niederlassungen der Fremden befanden. Nein, nicht religiöse Motive waren es, welche die Volkswut entfesselten, und die Mission komnit hierbei nur insofern in Frage, als der Chinese - seiner heidnischen Natur nach - - an ihre Uneigennützigkeit nicht zu glauben vermochte, sondern sich auch die Mission nur denken konnte in politischer Verquickung. Und da müssen wir — ohne hierin freilich die eigentliche Ilr- sache zum Kriege zu finden — zugeben, daß dieses Mißtrauen rhatsächlich durch das Verhalten der katholischen Mission leider in vielen Fällen bestätigt wurde, wie ja die Vermengung von Re ligion und Politik einen wesentlichen Charakterzug der katholischen Kirche bildet. Wenn Bischof Anzer in dein Auswärtigen Amt in Berlin die Besetzung von Kiautschou betrieb, um durch dieselbe das Gedeihen, ja geradezu den Fortbestand seiner Mission zu sichern, so ist das Verquickung von Mission und Politik nnd zu gleich ein trauriges Armutszeugnis, das er seiner Mission aus gestellt hat. Und wenn int Jahre 1897 nach der Ermordung der beiden katholischen Missionare in der Schantung-Provinz die katho lische Mission als Sühne für die Frevclthat nicht bloß die Hin richtung der Mörder durchsetzte, sondern auch — außer einer ungeheuren Geldentschädigung — den Ban von drei katholischen Kirchen und sechs katholischen Missionshäusern, nnd schließlich noch die Absetzung, Degradierung und Verbannung von chinesischen Beamten: so ist das Verquickung von Mission nnd Politik nnd zu gleich eine wohlbegründetc Veranlassung zu der spöttischen Be merkung, was für kostspielige Christen doch die modernen Mär tyrer seien. — Tie evangelische Mission treffen diese Vorwürfe nicht. Ihr Weg ist der ihres Herrn: Lammessinn und Leidensmnt — freilich ein Kreuzesweg, aber der rechte: denn nur durchs Kreuz geht's zur Krone. Das war die Mahnung, mit welcher Missions-Inspektor Wendland von der Berliner Missionsgeseltschast am 6. September d. Js. die drei letzten Missio'nskandidaten, von denen einer für Südchina (Provinz Kanton) bestimmt war, abordnete. Er sprach lcf. Missionsberichte, Oktvberhest, S. 597): „Wenn ihr auch euer Amt in Geduld und Glauben ausrichtet, so wird sich dennoch ein17 heftiger Widerstand gegen das Evangelium erheben. Und wenn nun der Sturm der Verfolgung losbricht - soll dann nicht Gewalt gegen Gewalt gesetzt, der Arm der weltlichen Obrigkeit angerufen werden, damit schwere Strafen über die Uebelthäter verhängt und große Sühne geleistet werde? Nein, das ist nicht dem Sinne Christi gemäß, der da spricht: „Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?" (Luc. 9, 53.) Wohl erlaubt die heilige Schrift, sich unter den Schutz der Obrigkeit zu stellen und der Apostel Paulus hat das auch gethan (Apostelgeschichte 22, 25). Aber der .Herr hat auch gesagt (Matth. 10, 16): „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe." Daher muß an den Boten Christi auch immer etwas von diesem Lammessinn und der Leidens geduld zu sehen sein. Tie Mission muß den Trübsalsweg gehen in der Nachfolge des Herrn, der durchs Kreuz zur Krone hindurch drang. Dazu will der Herr auch euch tüchtig machen. Auf diesem Wege werdet ihr viel Frucht schaffen, ans Thränensaat folgt Freudenernte." — Das ist die Lebensbasis unserer großen deutsch-evangelischen Missionsgesellschaften, und in keinem einzigen Fall — ich jage ausdrücklich in keinem Fall — kann den Missionaren dieser Gesellschaften nachgesagt werden, daß sie diesem Grundsatz untren geworden seien und den Bau ihrer Reichsgottesarbeit auf poli tische Grundpfeiler gestützt haben. Tie katholische Mission hat es durchgesetzt, daß ihre Missionare in China einen politischen Rang bekleideten, um ihre Interessen wirksamer vertreten, ja in die Rechtspflege direkt zu ihren Gunsten eingreisen zu können. Als daraus die chinesische Regierung dieses Recht auch der evangelischen Mission anbvt, da hat die evangelische Misst v n diese politische B e r g ü n st i g u n g a b g e l e h n t. — Ich meine, schon diese eine Thatsache sollte doch genügen, um auch den Gegnern der evangelischen Mission die Augen zu öffnen und wenigstens diejenigen Vorurteile zu zerstreuen, die teils aus Unkenntnis, teils ans gedankenloser Zusammenwürselung von evangelischer und katholischer Mission und Missionspraxis ent standen sind. — Es ist eine Genugthunng für die evangelische Mission, daß durch eine — leider erst kürzlich erfolgte — Er klärung des Herrn von Brandt, des früheren Gesandten in Peking, wenigstens der Anfang damit gemacht ist. Herr von Brandt erklärt in der „Deutschen Revue": „Ich möchte bemerken, daß ich mich18 bei meinen Aeußerungen über die Thätigkeit der protestantischen Missionare in China hauptsächlich auf die englischen und amerika nischen Missionare und nicht auf die deutschen bezogen habe", und weist auf einen früheren Aufsatz hin, wo er bereits betont habe, „daß die deutschen resp. deutsch-schweizerischen protestantischen Mis sionare unter beiden Kwangs niemals zu Klagen Veranlassung gegeben haben". — Nun, das klingt doch anders, als die frühere Behauptung, daß die protestantischen Missionare die eigentliche Ursache des zu so blutigen Greueln führenden Fremdenhasses in China gewesen seien, und zwar gerade die protestantischen mehr als die katholischen. — Was die durch Herrn von Brandt — allerdings ohne Namen nennung und ohne Mitteilung bestimmter Thatsachen — bloß gestellten englischen und amerikanischen Missionare anbetrifft, so wuß zugegeben werden, daß in den letzten zwei Jahrzehnten eine Menge von sog. „Freimissionaren" oder „Glaubensmissionaren" — weniger zwar aus Amerika als aus England und Schweden — nach China gegangen sind, um dort, ohne genügende Vorbildung und insonderheit ohne genügende Kenntnis der Sprache, herum zureisen und zu predigen. Gewiß mag da manche Taktlosigkeit mit untergelaufen sein, vielleicht auch manche Aufdringlichkeit, zu mal in diesen Frei-Missionskreisen ein übergroßes Gewicht auf die Zahl der neu in Angriff genommenen Orte gelegt wurde. Wir kennen ja bei uns etwas ähnliches in der oft so taktlosen und aufdringlichen Propaganda der Heilsarmee. Auch das wird vor gekommen sein, daß evangelische Missionare ihren Pflegebefohlenen in kleinen weltlichen Dienstleistungen zur Seite gestanden haben, um dann später einzusehen, daß sie ihre Hilfe und Fürsorge Un würdigen zugewandt haben. Wie viel konnte ein jeder Geistliche unserer deui'chen Heimat aus seinem eigenen Amtsleben davon berichten. Aber ans solche Vorkommnisse (die übrigens von den Gegnern der Mission nur behariptet, aber nicht nachgewiesen sind), diesen lodernden Fremdenhaß in China zurückzuführen — das hieße, ein Meer aus einer Pfütze ableiten oder den Ausbruch eines Vulkans aus einem Grubenlicht erklären wollen. — Nein, vulkanische Ausbrüche müssen auch vulkanische Ursachen haben, und diese finden wir in der Tiefe des chinesischen Volks charakters mit seinem bis zur lächerlichen Karrikatur verzerrten Nationaldünkel und seiner durch Jahrhunderte gepflegten Ab-19 schließung gegen jeden belebenden Windhauch von Außen — eine Abschließung, die endlich selbst die hoch gehenden Wogen geistiger Regsamkeit in diesem Volk zu einem trüben, faulen Sumpf er starren ließen, in dem Hochmut und Lüge, Feigheit und Grausam keit, Vielweiberei und sittliche Verrohung all die edleren Blüten nationaler Begabung überwucherten und erstickten. — China ist ein Greis, der an der furchtbarsten Krankheit des Greisentums leidet, dem Greisenbrand, welcher — nach Auskunft der medizinischen Wissenschaft — eintritt, „wenn die Ernähruugs- quellen abgeschnitten sind", oder „das Blut die zur Ernährung erforderlichen Eigenschaften verliert", „insbesondere auch infolge von Nahrungsverweigerung". Diese Symptome finden wir in China vor. Eine Operation ivird notwendig, „eine Trennung der abgestorbenen Gewebe von den gesunden, und diese Trennung wird eingeleitet durch die Bildung von jungen gefäßreichen Geweben an der unmittelbaren Grenze vom Toten und Lebenden." Nun, die weltlichen Mächte haben gründlich an dem tot kranken Riesengreis herumoperiert. Die Engländer brachten ihm das betäubende Opium, dieses letzte verzweifelte Mittel eines sitt lich haltlosen, von Schmerzen gequälten Körpers — Gift anstatt Gegengift. Mit plumper Hand rissen sie an dem siechen Leibe herum, und drückten ihn, wenn der Schmerzensschrei ertönte, nur um so fester auf die Marterbank. Und dann begannen die Ampu tationen ohne Narkose, bei lebendigem Leibe, die sog. Land erwerbungen, verbunden mit Eisenbahnbauten und Bcrgwerks- untcrnehmungen, und jeder Spatenstich verwundete den Leib des geheiligten Drachens, und jede Eisenbahnschiene zerstörte das Platz glück des geweihten Ahnentempels. Mark und Bein durchdringend war der Schmerz, der bei diesen Operationen bis an das Herz des siechen Greises drang. Wer will schließlich die Aerzte schelten, wenn die Operation notwendig ist? Aber wundern soll man sich doch nicht, wenn der Kranke seine Stimme zum Gebrüll erhebt und in wahnsinnigem Schmerze um sich schlägt, gleichviel wen er trifft. —- lliib die Mission? Auch sic tritt in den Kreis der Operateure ein, aber nicht um ihnen das schneidige Seziermesser znzureichen, sondern um als barmherzige Schwester mit weicher lindernder Hand die Wunden zu verbinden. Auch sie ist von dem Faustschlag des Riesen ge-— 20 — troffen; er erkannte sie nicht in seiner blinden Wut; anch galt nicht ihr als solcher der Schlag; vielmehr war er blindlings geführt gegen alle, die umherstanden. Aber er tras doch schwer und ge waltig, und die arme liebe Schwester bricht unter seiner Wucht mit einem Wehlaut zusammen. Noch hört sie das Hohngelächter ihrer eigenen Brüder und Verwandten, die ihr hämisch zurufen: „Was hast du dort zu suchen, es geschieht dir recht"; noch liegt sie am Boden, von wenigen Getreuen gepflegt. Aber lange wirö's nicht dauern, und sie ist mit Gottes Hilfe wiederhergestellt, um dann — ohne Groll und ohne Bitterkeit — sich von neuem jenem siechen Grelle zu nähern und ihm ihre wnnderthätige Arzenei zuzu- reichen. Denn nicht bloß verbinden will die Mission, sondern auch heilen, auch da heilen, wo die Fäulnis des Greisenbrandes jede menschliche Hilfe unmöglich macht. Sie besitzt in dem ewigen Gotteswort eine Medizin, welche sie nie im Stiche läßt, die schon einmal eine altersmüde, sieche Welt mit neuen verjüngenden Lebenskräften erfüllt hat, und die anch in Zukunft bei der Neu- belebnng Chinas nicht versagen wird. — Fa, man fragt sich nach der Zukunft jenes heidnischen Riesen reiches, fragt sich überhaupt nach seinem Existenzsinn und seiner Daseinsbedeutung im ganzen großen Plan der Völker- und Welt geschichte. Oder giebt es solch einen Plan nicht? Ist alles, was wir jetzt vor Angen haben und sich entwickeln sehen, wirklich nichts weiter als eine blindwütige Entladung der aufgespeicherten Elek- rrizität in der kriegsschwangern Atmosphäre Europas mit der Tendenz: „Und der Starke frißt den Schwachen, Und der Stürk're frißt den Starken, Also löst im Völkerleben Einfach sich soziale Frage?" Oder ist die ganze Völkergeschichte nichts anderes als eine mit kausaler Nötigung eintretende Verschlingung einzelner Kreise mit der Tendenz eines zweck-, sinn- uich ziellosen Ringelrosen kranzes bis fort in die Unendlichkeit? Und ist das jetzige Völo,-- drama nur der Abschluß eines alten und der Anfang eines neuen Kreises, in dessen Zentrum über die rote Internationale hinweg die gelbe Gefahr einer chinesischen Sintflut tritt mit ihrer das ganze Abendland ersäufenden wirtschaftlichen Konkurrenz? — Das sind Fragen und Perspektiven, in denen auch der weit-21 schauende Blick unserer Staatsmänner und Kolonialpolitiker sich resultatlos im Duntel verliert, von denen das Wort der Schrift gilt: „linier Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen Stückwerk." Aber wie leicht und klar, wie hell und durchsichtig werden alle die Fragen im Lichte der göttlichen Wahrheit, und wie fest und. bestimmt, ivie umfassend und erschöpfend sind die Antivorten, welche wir hier finden, und die geiviß nicht in letzter Reihe die Mission augeheu. — Der Apostel Paulus sagt den damaligen auf dem Höhepunkt der weltlichen Macht und Bildung stehenden Römern stRöm. 1): Gott habe sich ihnen wohl offenbart in den Werken der Schöpfung, sodaß sie keine Entschuldigung haben. Sie aber seien ihre eigenen Wege gegangen, und wohin diese sie geführt hätten, das sähe man an dem radikalen Niedergang religiösen Lebens und an der dadurch bedingten sittlichen Verrohung und Versumpfung. Dieses Wort St. Pauli gilt von allen Heiden, auch von den heidnischen Chinesen. An ihnen sehen wir es — wie es die Welt friiher an den Griechen und Römern gesehen hat — wohin ein Volk gelangt ans eigener Kraft, ohne das Evangelium. Gott hat sie ihre eigenen Wege gehen lassen und ihnen Zeit genug gegeben, um all die hohen Geistesgaben zur vollen Entfaltung zu bringen. Und das Resultat ist — das heutige China. Ein kurzer Uebsr- blick genügt: China ist das Land der Litterateu. Das Volk hat eine Ehrfurcht vor seinen klassischen Schriften, die unserer Ehrfurcht vor der Bibel in nichts nachsteht. Und man muß es den 13 klassischen Sebriften Chinas nachrühmen, daß sie an sittlichem Ernst und moralischer Reinheit unübertroffen dastehen unter allen Schriften der heid nischen Litteratnr. Und das Resultat? ist eine Unsittlichkeit und bestialische. Roheit, wie sie allgemeiner und widerwärtiger kaum in einem andern Heidenvolk der Erde angetroffen wird. Die drei Religionen Chinas enthalten große und edle Gedanken. Der Taoismus preist Tao als den Unerschaffenen, der selber alles geschaffen hat, als den Unsichtbaren, der selber alles zu Gesicht bringt. Zu ihm kann der Mensch nur auf geistigem Wege kommen durch Tugendübung, Entsagen und stilles Dulden. Und das Resultat dieser erhabenen Lehre? ist Suchen des Tao in den Sternen und Naturerscheinungen, in dem Drachen, dem Tiger, bi’m ^uchs, kurz: Vielgötterei in Verbindung mit Geistcr- beschwöruug und Teufelsbanuung. — Ter Konfuzianismus enthält eine Fülle herrlicher Lehrsprüche für das Verhalten der Menschen unter einander, Mahnungen zur Ehrfurcht gegen die Eltern, gegen den Kaiser, gegen die Toten. Und das Resultat? ist Vielweiberei in der Sorge um opfernde Nachkommen, Familienverwüstung durch Kinderverlobungen und Kinderheiraten, Anbetung der Abgeschiedenen, Gespensterfurcht, Mädchenmord und Leichendiebstahl, um dem Feinde mit seinen „Ahnen" auch sein Glück zu nehmen. — Schließlich der Buddhismus mit seiner Weltentsagung und seiner Geringschätzung alles Irdischen. Gewiß hat er hohe Ge danken und erhabene Vorschriften. Er mahnt die Kranken und Sterbenden, all ihre Hoffnungen auf Buddha zu setzen und lehrt die gewisse Belohnung des Guten und Bestrafung des Bösen in der jenseitigen Welt. Für diese Welt aber macht er Mäßigung und Milde, Mitleid und Wohlthätigkeit zur heiligen Pflicht seiner Bekenner, lind das Resultat? ist einerseits das vollständige Auf sehen in den mit allen Waffen der Selbstsucht, Lüge und Habgier geführten Kamps um die materiellen Güter des Lebens und andrer seits eine geradezu erbarmungswürdige Furcht vor dem Jenseits, das gewissenlose, in Unzucht und Opiumlaster versunkene Buddhistenmönche dem armen Volk in furchtbarster Weise schildern als das Reich der sieben kalten und sieben heißen Höllen mit ihren glühenden Rosten, Sägen und Lagern von spitzen Messern, oder mit der Verwandlung der Seelen in verächtliche Tierkörper, wie Schweine, Ratten, Würmer und Fliegen. — Fa, ,,ihr unverständig Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden" (Röm. l, 21—22). — Tas ist — irren wir nicht — der Existenzsinn und die Daseins- bedentung jenes Volkes in dem ganzen großen Plan der Völker- nnd Weltgeschichte. Es bezeugt uns mit erschütternder Aufdring lichkeit die Worte des Herrn: „Lhne mich könnt ihr nichts machen", und „Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsternis umhüllet. Wo nicht Seines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet."Und wie das mit der Mission zusammenhängt? Nun, Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, und daß auch die Millionen Chinas zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Nicht umsonst hat er diese Periode der Finsternis getragen „unter gött licher Geduld" (Röm. 3, 25), nicht umsonst „die Zeit der Unwissen heit übersehen" (Ap.-Gesch. 17, 30), und die chinesische Rasse all die vielen Jahrhunderte hindurch in ihrer Eigenart und Natio nalität am Leben erhalten. Er muß seine besonderen Pläne mit diesem Volke haben, und diese Pläne können ja auf nichts Ge ringeres hinausgehen, als auch diese Millionen Seinem Sohne zum Erbe zu geben, auf daß sie „geheiliget werden ihm selbst ein Volk zu seinem Eigentum". Darum ist die Chinamission notwendig. Daß die weltlichen Mächte mit China ganz andere Ziele im Auge haben, ist ja selbstverständlich. Aber ebenso gewiß und selbst verständlich ist es auch, daß alle weltlichen Pläne und Verein barungen — wie etwa das deutsch-englische Abkommen mit dem „Prinzip der offenen Thür" — im letzten Grunde doch nur dem großen Heilsplan Gottes mit seiner Menschheit, und damit auch dem Werke der Mission dienen m ü s s e n. Im einzelnen mögen ja — gerade auf politischem Gebiet — noch viele Fragen offen stehen: Wird die Ausführung der Friedens bedingungen möglich sein? oder sind alle Konzessionen Li-Hung- Tschangs und der anderen Friedensunterhändler nichts weiter als schlaue politische Kunstgriffe und Schachzüge, Scheinparaden der chinesischen Lügendiplomatie, um die Mächte hinzuhalten und den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen? Kann man diesen furcht baren Fremdenhaß mit Verträgen tilgen und die nach Hundert tausenden zählenden Boxermassen mit einem Federstrich abthun? Wird es möglich sein, die Einfuhr von Waffen und Kriegsmaterial in ein Land von 450 Millionen Einwohnern zu verhindern? und wird der noch so gesicherte Friede wirklich mehr sein als ein längerer oder kürzerer Waffenstillstand? Wird es diesem intelli genten Volk mit seiner scharfen Beobachtungsgabe und seiner gewandten Rechenkunst, mit der unerschöpflichen Masse seines Menschenmaterials und den ungeheuren Schätzen seines Erdinnern nicht bald gelingen, sich von aller Welt unabhängig zu machen und die Erzeugnisse der Fremde, mit Einschluß von Waffen und Kriegsmaterial, in eigener Fabrikation herzustellen? Wie also.24 wenn der jetzige Krieg nur der Anfang zn Wirren wäre, die un absehbar sind? — Das sind wohl alles Fragen politischer Art. Aber sie gehen doch insofern auch die Mission an, als die ganze Missionsgeschichte es lehrt, daß die Ausbreitung des Reiches Gottes sich stets int engen Anschluß an die weltliche Kultur und Politik vollzogen hat. Daher ist es wohl möglich, daß durch die fernere politische Entwickelung der Chinafrage auch du Chinamission gehindert und gehemmt werden kann; aber getötet werden kann sie dadurch nicht. Christliche Missionare können getötet werden, die christliche Mission nicht, so wahr das Christentum nicht bloß eine Form der Religion ist neben andern, sondern die Religion, welche allein die Menschheit zn dem machen kann, was sie nach Gottes Bestimmung werden soll. Daher ist uns auch nicht bange vor der missions-unfreundlichen Strömung unserer Zeit. Nur bedauern wir sie schmerzlich, nicht bloß wegen des bitteren Unrechts, das der Mission, und ganz besonders der schon so schwer heimgesuchten evangelischen Mission, damit geschieht, sondern auch wegen des traurigen Mangels an christlicher Begeisterung, an Missionskennt nis und Missionsverstündnis, der m dieser Unfreundlichkeit zum Ausdruck kommt. Tie Mission kann darunter leiden, ja sie kann nach Gottes Ratschluß in noch größere Diesen menschlicher Feind seligkeit geführt werden, wie Joseph ins Gefängnis. Aber daß jemals ein Geschlecht aufkommen könne, das von Joseph nichts weiß, das halte ich für unmöglich. Und wenn in dieser Stunde die Nachricht käme, daß sämtliche Missionen des Erdkreises fort gefegt seien von dem Haß der Heiden und von der Ungnade der christlichen Machthaber — in dieser Stunde würden sich Tausende zu einem neuen Kreuzzng rüsten mit der alten Kreuzritterlosung: „Gott will es!" Gewiß ist die Mission an China schwieriger als die an irgend einem heidnischen Volk Afrikas, weil sie hier einem festgefügten Organismus gegenübertritt. -Aber auch hier gilt des Herrn Wort: nicht die Gefahr ist groß, oder die Schwierig keit ist groß, sondern „die Ernte ist groß". Und je klaffender die Lücken sind, welche der furchtbare Krieg in die Reihen der Erntearbeiter gerissen hat, desto dringender gilt uns des Herrn Gebot. „Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende." —Nachtrag. Nach Beendigung des Vortrages gelangte — auf Veran lassung des Herrn Generalsuperintendenten D. Braun — seitens der ganzen, den großen Saal des Stadtmissionshauses füllenden Zuhörerschaft folgende Protesterklärung zur einmütigen Annahme. „Wir protestieren gegen die Aburteilung der Mission von Seiten der llnwissenheit derer, die weder China und seine Verhältnisse, noch die Mission und ihre Arbeit kennen. Wir protestieren gegen die Forderung der Bekämpfung der Mission von Seiten derer, die von Werken ihres Glaubens nichts wissen wollen, obgleich sie seine Herrlichkeit mit Händen greifen können. Wir protestieren gleichermaßen gegen alle Verguickung von iNission und Politik, und wir geloben eutn lich unentwegte Ilreue gegen den Herrn, der seine verklärten Hände auch über China ausstreckt und nicht ruhen kann in seinein ewigen Crbarmen, bis die ganze Menschheit etile Zierde linier Fhm, dein Clneii Hirteil, sein ivird.Im Selbstverlag des Verfassers sind erschienen: €rn$K$ und Heileres aus einer Orientreise durch ßriecbenlam!, Palästina und MgMen. Non Thomaschiri, evang. Pfarrer in Miswalde (Ostpr.). 128 S., Preis 1,50 M. Ev. Oemeindekt: „Verfasser schreibt sehr fesselnd mit lieblichem Humor und andachtsvoller Sinnigkeit. Gern empfehlen wir seine Schri r, und zwar nicht bloß für Pfarrhäuser, sondern in jede gebildete Familie; man lese ste vor: Alt und jung, der Fromme >vie das Weltkin wird Belehrung und Erhebung finden." Martha: „Das Buch ist so frisch geschrieben, Last man sich mit freut mit der fröhlichen Reisegesellschaft, auch mit weint' wenn das Elend der Armen und das Weh der Aussätzigen uns geschildert wird. Ganz besonders zum Vorlesen in Frauen- und Jnngfranenvereinen geeignet." Lheol. Anzeiger für <M- u. Weftpr.. „Der Stil ist außerordentlich fesselnd, oft von sprudelndem Humor durchwürzt und bei der Be schreibung der heiligen Stätten Lurch Hinweise auf die Bivel belebt. Der See Genezareth, der Oelberg, das Tote Meer und der Jordan, der Ritt durch die Wüste usw. — es sind das alles reizende Schilderungen, die man gern liest und die sich zum Vorlesen eignen, wie kaum eine andere Lektüre." Huf Kaiferwegeru Plaudereien aus einer Ilurdlaudfahrt. Von Paul Thomaschlki, evang. Pfarrer in Miswalde (Ostpr.). Hocheleg. kart. mit 4 Lichtdrnckbildern. Preis 1,75 M. Königsö. Allg. Atg.: „Des Verfassers großes Talent, gewonnene Ein drücke in lebhaften, frischen Farbentönen, gemischt mit einem köstlichen, nie versagenden, liebenswürdigen Humor wiederzngeben, mutet uns auch in dieser Schrift außerordentlich freundlich an. Mehrere scharf und sauber ausgeführte photographische Aufnahmen gereichen dem Buche zur Zierde.V ) \\I öl. W Verlag der Buchhandlung der Berliner Ztadtmisslon. Oes I^Srrn Äleg in China. Predigt über Ev. Matth. 8, 23—27. am 4. Sonntag nach Trinitatis in der Ztadtmislionslürche gehalten von Hdolf Stöcker Hof- und Domprediger a. D. 5 Auflage. ^ Preis 10 Mg.■ ■ ■
