Kiautschou : Deutschlands Erwerbung in Ostasien von 6eorg?ranziu$ ©El).- und JäOer-Bauraf, MarinE-HasEnbandiEEkkor in SiEl Bildrrschmuck unter Leitung des Prof. 01. böse 3. Auslage Merlin Schall $i Grund Hofbuchhändlrr ScinEt IEafcIläf de« Sailers ^ SeiiiEr Hgl. Hol,eit de« BErjogs »»d König« Carl in VagErn Verein der Mücticrkrcundc fiw)Rllr Rechte vorbehslkrn Ex [BibJioth.Heöia] nerolinr nft.,Beiträge Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm n. Geleitwort Besitzergreifung, farbiges 36ilb 3ßilönfs Sr. Majestät Marine-Tabelle Sckluszvignette Lntvvurf zur LinbaubbeekeO Inhaltsverzeichnis Einleitung l Auf einem Dampfer des Norddeutschen Lloyd 7 Hongkong und Canton 15 Auf deutschen Kriegsschiffen 24 Die chinesische Küste 36 Die Bevölkerung 40 Die Verkehrsmittel 60 Handel und Industrie 72 Amoy und die Samsah-Bucht 84 Die Provinz Schautung 92 Die Bucht von Kiautschou 98 Deutsche Missionare in Schantung 121 Die Besitzergreifung 129ücrzeicbnis der Bilder Uollbildcr Port Said 6 Colombo 8 Hongkong 16 S. M. S. „Kaiser" und „Irene" i» Ostasien 24 S. M. S. „Arcona" in Ostasien . 32 Innerer Hafen von Schanghai • 46 Aeußere Mauer und Thor von Peking 52 Tartarenstadt von Peking ... 60 Deutsche Niederlassung in Hankan 70 Futschou 74 Knlangsu 88 S. M. Kanonenboot „Iltis", ge strandet im Wirbelsturm am 23. Juli 1896 an der Siid-Ost- Küste von Schantting ... 98 Bilder Freiherr von Richthofen.... 2 Admiral Hollmanu 3 Koinmand. Admiral v. Knorr.. 4 Kontreadmiral Tirpitz, Staats- »niüster und Staatssekretär deS Reichs-Marine-Amts.... 5 Auf dem Lloyddampfer „Preußen" 8 Strand bei Colombo 9 Japanerin in der Rickscha ... 11 Botanischer Garten in Singapur 13 Si-Kiang, Perlsluß 17 Canton vom Flusse aus ... 18 Straße in Canton 20 Campagne S. M.S. Kaiser.lhinten Arcona) 25 Seite Rahme», aus einer Planke des Kanonenbootes Iltis gefertigt und der Witwe des Komman danten von dem Seeofsizier- korps gestiftet. — Die Offiziere deS Iltis 100 „Jltis"-Denkmal in Schanghai . 102 EincTruppcnttbung in den Befesti gungen vonKiautschou(Tsintau) 106 S. M. S. „Cormoran" in Ostasten 112 Die Bucht von Kiautschou von der Reede aus mit dem Blick auf Tstntau 128 S. M. S. „Prinzeß Wilhelm" in Ostasien 132 Heinrich Prinz von Preußen . . 133 S. M. 2. Kreuzerdivision in Ostasien 138 im CM Kapitän z. See Zehe, Kommandant S. M. S. Kaiser 27 Kapitän z. See Becker, Kommau- dant S. M. S. Arcona ... 31 Chinesische Dschunke 37 Sou -Fou-Jiu -Miau-Tempel am Jangtse 40 Jaugtsekiang mit chinesischem Kriegsschiff und Dschunken . 41 Standort der „kleinen Waise" im Jangtse 42 „Die kleine Waise" im Jangtse . 43 Gräber bei Tientsin 44 Wohlhabende chinesische Frau . 47 Chinesischer Marsu, Borreiter . 48Geile Chinesischer Bogenschütze ... 50 Altes TheehciuS in Schanghai . 52 Mädchenschule in Hankau ... 54 Chinesische Strafgefangene am Pranger 57 Eingang zu den Minggräbern . 58 Chinesische Sänfte 61 Schiebkarren 62 Kamel-Brücke bei Peking ... 63 Chinesischer Karren 65 Die große chinesische Mauer . . 66 Pagode bei Peking 67 ll eberreste einer Brücke bei Futschon 76 Pagode von Kiukiang (am Jangtse) 78 Die Glücksfelsen von Amoh . . 85 Ufer bei Amoy 86 Deutsches Konsulat auf Kulangsu 8!» S. M. S. Prinzeß Wilhelm in der Samsah-Bucht 90 Wrack des Iltis an der Ostküste der chinesischen Halbinsel Schantung 100 Eingang zum Tempelhof in Tsintan 104 Straßenbild von Tsintan ... 105 Exerzierende chinesische Rekruten 106 Wachtparade 107 Marsu's, Boten 108 Exerzierplatz und Regierungs gebäude in Tstntau. — Tempel bei Nü-ku-kau.—Inneres eines Tempels in Kiautschou ... 110 Korv.-Kapitän Brussatis, Kom mandant S. M. S. Cormoran lll Tsintan ^ Offizier - Uame» des Straud- lagers mit erbeuteten Tro phäen. — Im Ban befindliche Landungöbrückc. — Mauer vor dem früheren Quartier des Generals Chang . . . 114 Vorderes Thor deo Strand lagers. — Artillerielager mit erbeuteten Geschützen. — DaS Ostlnger aß Präfektur von Kiautschou. — Tempel in Tsintan. — Inneres Thor von Kiautschou 119 Astronomische Instrumente auf der Stadtmauer Pekings . . . 122 Missionar Homeher 123 Bischof Anzer 125 P. Nies f P. Heule t . . . . 130 Kontreadmiral Hoffman» ... 132 Korv.-Kapt. Truppel, Kommandant S. M. S. Prinzeß Wilhelm . 133 Biceadmiralv.DiederichS, Chcfdeo deutschen Kreuzergeschwaders in Ostasien 134 Korv.-Kapt. Obenheimer, Kom mandant S. M. S. Irene. — Korv.-Kapt. Plachte, Komman dant S. M. S. Deutschland. — Kapt. z. S. Stubenrauch, Befehlshaber der Landungs truppen. — Kapt. - Licut. Grapow, Kommandeur der Marine-Art. — Major Kopka v. Lossow, Kommandeur der Marine-Jnf.-Bat 135 Besitzergreifung der Bucht von Kiautschou 136 Kapitän z. S. Koellner, Konuuau- dantS.M.S. Kaiserin Augustn 137 Korv.-Kapt. Follenins, Komman dant S. M. S. Gefio» . . . 138 Kapitän z. S. Rosendahl, Gouver neur von Kiautschou .... 139 Sitz des deutschen Gouverneurs in Tsintan 140 Matrose Schulze f 141 Karten Seite Karte der Provinz Schantung 92 Karte von Tsintan 99 Karte zur Besitzergreifung 131 Karte von China am SchlußEinleitung ie Erwerbung eines Stützpunktes zur Wahrnehmung der deutschen Interessen in Ostasien ist seit etwa 30 Jahre» angeregt. Der Professor der Geologie, Freiherr von Richthofen, war es, von welchem die Bedeutung der Kiautschvu-Bucht schon 1800 er kannt wurde, als er aus seinen Wanderungen durch Ehina die Provinz Schantung besuchte, wenn er auch die Bucht selbst nicht sah. Von anderer Seite wurden andere Plätze empfohlen, aber man trat der Ausführung des Gedankens vorläufig nicht näher, iveil man die Lösung der damals vorliegenden großen politischen Aufgaben vermutlich nicht durch etwaige Verwicklungen in Ostasien noch schwieriger gestalten wollte. Der Gedaicke schlief also zeitweilig ein, aber mit der Entwicklurig unserer Marine, mit dem Aufblühen unseres Handels und unserer Reederei im Osten erwachte er wieder in verschiedener Gestalt und es ist begreiflich, das; während des Kriegs zwischen China und Japan vorzugsweise die Notwendigkeit eines militärischen Stützpunktes in Form einer Flotten- oder Kohlenstation betont wurde. Die Marine- Verwaltung war allerdings von vornherein immer der Ansicht, daß in allen unseren überseeischen Besitzungen die wirtschaftlichen Interessen den militärischen Anforderungen in jeder Hinsicht vvrangehen müßten. Scheint dies aus den ersten Blick wunderbar, so erklärt es sich doch leicht dadurch, daß viele unserer älteren Seeoffiziere aus eigner wieder holter Anschauung die Fortschritte kennen, welche unser Handel — dank Franzins, Kiautschou i2 bcv Geschicklichkeit unserer Hamburger und Bremer Großhändler, dank den, Unternehmungsgeist und Opfernmt unserer Reeder, vor Allen des Norddeutschen Lloyds — in den letzten drei Jahr zehnten in Asien gemacht hat. Und je länger sie in jenen Gegenden weilten, desto fester wurde in ihnen die Ueberzcngung, daß bei de» guten Beziehungen zwischen Deutschland und China, bei dem Ver trauen , welches unsere Kaufleute und Techniker im „Reich der Mitte" genießen, die deutsche In dustrie sich dort in noch weit höherem Maße ein Absatzgebiet erschließen könne, als das bisher derFall war, wenn unsere Landsleute von einem unter deutscher Ver- waltung stehenden Aus gangspunkte der chine sischen Küste nicht nur auf den zahlreich vor handenen Wasserwegen, sondern auch auf Eisenbahnen ins Innere des Landes eindringen könnten. Die Möglichkeit, mit der Zeit einen be deutenden Handelsplatz in China zu gründen, welcher mit seinen Verkehrs ader» neue Provinzen des Reichs erschließt, wurde für noch weit wichtiger gehalten, als die großen militärischen Vorteile eines geeigneten Stütz punktes, von denen ich nur das Docken und Ausbessern unserer Kriegs schiffe in deutschen Docks statt in englischen oder japanischen und die Sicherung des jederzeiügen Kohlenbedarfs nennen will. Die Ansicht wurde also immer lauter, daß das, was England in Hongkong, Portugal in Macao, Frankreich in Tonking, Rußland von der Mandschurei aus und Japan in Formosa erreichten, auch von Deutschland erstrebt werden müsse, wenn es ans dem ostasiatischen3 I Markt nicht bloß noch geduldet sein wolle. Die kleinen Niederlassungs gebiete in Tientsin und Hankau, welche nach dein Frieden von Schimv- noseky von Deutschland angekaust wurden, konnten, so wertvoll sie sonst auch sind, hierzu nicht benutzt werde». Man mußte an die, selbstver ständlich friedliche, Erwerbung eines unter deutschem Hvheitsrecht stehenden Platzes denken und durfte um so mehr hoffen, hierbei von chine sischer Seite Ent gegenkommen zu finden, als ja die Eröffnung eines neuen Hafens, die Herstellung von Eisenbahnen und die Ausschließung von Kohlen- und Eisenlagern nicht etwa nur den In habern der Kon zessionen, sondern in erster Linie dem chinesischen Reiche selbst von höchstem Nutzen sein wird. Bevor man in nähere Verhandlungen wegen Erwerbung eines Gebiets eintreten konnte, kam es nun darauf an, diejenigen Plätze zu ermitteln, welche für die Anlage eines Stützpunktes geeignet sein würden. Vor geschlagen waren besonders drei: der Hafen von Amoy, die Samsah- Bncht und die Bucht von Kiautschou. Solange man vorzugsweise nur an eine Flottenstation gedacht hatte, war man der Ansicht, daß die Erwerbung einer Insel mit Rücksicht aus ihre leichtere Verteidigung einem Platze am Festlande vorzuziehen sei. Es wurden deshalb wohl .die Inseln des Tschusan-Archipels wegen ihrer vorzüg lichen Lage mitten vor dem Uangtsekiang, der Hauptverkehrsader des ganzen Reichs, und unmittelbar an der großen Schiffahrtsstraße ge legen, genannt, aber die Erwerbung einer dieser 'Inseln würde ver- Admiral Dollmsnn4 mutlich große Schwierigkeiten gehabt haben, tveil England bekanntlich eine Art von Vorkaufsrecht ans sie zn haben behauptet. Selbstver ständlich mußten aber die Interessengebiete anderer Nationen möglichst unberührt bleiben. Sb das ganz gelingen würde, ivar von vornherein wohl nicht genau zu übersehen, tveil dieser Forderung int Grunde nur Kiautschou entsprach und man auch hier längere Zeit in Zweifel sei» konnte, ob nicht Rußland Ansprüche auf die Bucht erheben würde, da cs dieselbe bereits als Winterstation für seine Kriegsschiffe benutzt hatte und englische Zeitungen fest behaupteten, daß die Bucht durch geheimen Vertrag an Rußland bereits abgetreten sei. Im Vorder gründe des Inter esses stand für uns lauge Zeit Amoy, unstreitig einer der bestenHäfeuChinas, ein alter Handels platz mit regem Schiffsverkehr, an der großen Straße von Formosa ge legen, allerdings ein allen Nationen geöffneter sogenannter Vertragshafen und insofern vor aussichtlich schwer zn erwerben. Aber es schien unser» Landsleuten in China fast, als ob die englische Regierung gegen die Erwerbung Amoys durch Deutschland keine Einwendungen erheben werde und andere Nationen ivaren hier sehr wenig interessiert. Sollte aber Amoy ivegen seiner Eigen schaft als Vertragshafen nicht zn haben sein, so wurden die nahe gelegenen Inseln Knlangsu und Quemoy vorgeschlagen. Ob sie aber geeignet seien, war iticht bekannt. Noch weniger wußte man von der Samsah-Bucht, die etwas nördlich von der großen Stadt Futschon liegt, dent Handel noch nicht Hrcm>m.i>id>crcndcr Admirlll v. Iknorc5 geöffnet ist und deshalb wahrscheinlich leichter zu erwerben war, als ein Vertragshafen. Gegen Kiautschon wurden anfangs verschiedene Bedenken laut. Die Bucht war von einzelnen unserer Kriegsschiffe flüchtig und unter »»günstigen Umständen besucht, mau hielt sie für zu groß und ungünstig in Bezug ans die Wassertiesen und die Vertheidigung, wirtschaftlich für Irontrcsdmtrsl "Tirpitz, Staatsminister und Staatssekretär des Reichs-Marine-Amtö bedeutungslos n. s. >v. Dem gegenüber wurden aber auch andere An sichten laut, die sich teils aus eigene Anschauung, teils ans das Studium des vorzüglichen Werkes von Richthosen stützten, in welchem dieser gründliche Kenner Chinas seine Ansicht über die wirtschaftliche Be- dentung der Bucht mit größtem Nachdruck ausgesprochen hat. Da aber Freiherr v. Richthosen die Bucht nicht selbst gesehen hatte und es wünschenswert war, über die Brauchbarkeit derselben sür Hasenanlagen und namentlich über die Ausführbarkeit von Eisenbahnen i» das Hinter-.6 land auch ein technisches Urteil zu erlangen, so besuchte der damalige Chef |ber Kreuzerdivision, Kontreadnnral Tirpitz, der jetzige Staats sekretär des Reichs-Marine-Amts, die Bucht zunächst persönlich und forderte dann die Entsendung eines Hafenbautechnikers. Daraufhin erhielt ich den Auftrag, in Begleitung meines jugendlichen Neffe» und Fachgenossen Franz Franzius eine wasserbanliche Studienreise nach Ostasien zu mache» und dabei auch die oben genannten Plätze zu besuchen.Port SaidAuf einem Dampfer des Norddeutschen Eloyd ie oft hatte ich mir in jungem Jahren gewünscht, wenn wieder eines unserer Kriegsschiffe den Kieler Hafen verließ, um in fremden Gewässern die deutsche Flagge zu zeigen, nntsahren zu dürfen und Land und Leine, Ströme und Häsen ini fernen Osten kennen zu lernen. Immer vergebens. Jetzt, als Großvater, stnde ich niich, aus dem Trubel der Reisevorbereitungen zur Besinnung gekommen, an einem herrlichen Januartage des Jahres 1897 an Bord des stattlichen Lloyddampfers Preußen, mitten int Indischen Ozean. Der eisige Nordwind, der uns noch bis zu den Alpen verfolgte, ist längst gewichen, unter strömendem Regen, Donner und Blitz haben wir von der italienischen Küste zwar diesmal wenig gesehen, aber das Mittelmeer war freundlich, im Roten Meer legte» wir das Winterzeug ab und bei den leider zu kurzen Ausflügen in den Häfen von Aden und Colombo bedienten wir uns nüt großer Genugthuung schon des in Port Said erstandenen Tropenhelms. Jetzt lausen wir bei 30 Grad C. dem Hasen von Singapur zu. Wir sind eine bunte Gesellschaft. Vor allem im Zwischendeck, wo die Europäer allmählich durch Araber und dann in Colombo durch Sing- haleseu verdrängt wurden. Diese klugen Händler suchen auch während der Uebersahrt ihre echten und falschen Edelsteine bei den Europäern anzubringcu. Eine Anzahl der Araber hat sich vor dem Sonnenschein in den inzwischen leer gewordenen hüedrige» Schafstall geflüchtet und kauert dort mit untergeschlagenen Beinen. Zwei Singhalese» schaben$ sich gegenseitig de» nackte» Rücken mit ihren Messer» nnd verzehren dabei mit Hilfe derselben Messer eine saftige Ananas. Dort füttert ein Türke seine wie Wollscicke an der Erde liegenden, ganz verhüllten beiden Frauen, indem er ihnen die Nahrung unter dem Kopftuch in den Mnnd schiebt. Zwei alte Araber studieren unausgesetzt den Koran, bis die nntergehende Sonne alle Mohammedaner znm Gebete ruft. In der That ein farbenreiches Bild, das jedoch vor der nnbeschreib A»k dcin Llo'gd-Düinpfcr „prcutzcn" lichcn Pracht, in der nun Himmel und Meer erglänzen, in Nichts zergeht. Anch in den Kajüten herrscht große Mannigfaltigkeit. Deutsche nnd englische Kaufleute aus Indien, China und Japan, deutsche Indu strielle, Beamte, Offiziere, holländische Plantagenbesitzer, italienische nnd spanische Marquis und Grafen, englische Lords, argentinische Ex-Finanzminister, amerikanische Millionärinnen mit ihren reizenden Männer» haben nun seit drei Wochen friedlich nnd fröhlich miteinander verkehrt. Der Friede ist allerdings zumeist nnserm treffliche» Kapitän zu verdanken, denn bisweilen schien der Krieg unvermeidlich. Die eineLslombs9 Millionärin haßt die andere, weil sie eifersüchtig ist, der junge spanische Grus Basilio Hut bei der sraiizösischen Gesellschafterin des argentinischen Herrn zu sehr unpassender Zeit Sprachunterricht genommen und einer unserer angesehensten deutschen Freunde, ein langjähriger Reichstags- abgeordueter, Protestiert mit aller Macht gegen den von oben aus sein kahles Haupt fallenden Wind der ans fast allseitigen Wunsch über uns geschwungenen Pnnkha. Hier ist- selbst der Kapitän machtlos und es Strand bei Colombo kommt leider bei Tisch zur Sezession. In einem Punkte sind und bleiben >v,r jedoch alle einig; die Dampfer des Norddeutschen Lloyd s",d die angenehmsten Passagierdampfer der Welt. Insbesondere hin sichtlich der auf ihnen vorhandenen Verpflegung und Bedienung. Wohl grämt sich ein Reisender darüber, daß ein englischer Dampfer uns überholt, ein anderer mochte statt der üblichen vielen Trinkgelder an die verschiedenen Stewards eine feste Abgabe für Bedienung zahlen ober jeder betrachtet solche Wünsche als Nebensache und wenn wir über die jetzt grade im Reichstage zur Verhandlung stehende Frage abzu- stimmen hätten, ob der Lloyd durch Erhöhung des staatlichen Zuschusses10 in seinem Wettbewerb gegen die Dampferlinicn fremder Nationen zn unterstützen ist, so würden wir alle dafür sein. Wissen doch viele von den in andern Ländern gezahlten Unterstützungen zu erzählen und sind uns doch erst kürzlich Danipfcr der „Messageries Maritimes" und der freiwilligen russischen Flotte begegnet, die sich solcher Zuschüsse erfreuen. Ganz zu schweigen von beit unternehmungslustigen Japanern, die ihre schönen, stark subventionirten Dampfer im Gelben Meer mit drei englisch-chinesischen Dampferlinie» um die Wette fahren lassen imd deren Schiffe sich, wie wir auf der „Genkai Maru" von Tschifu nach >^akn später beobachteten, durch Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Sauberkeit und niedrigen Fahrpreis vor ihren Nebenbuhlern vorteilhaft auszeichnen, wenn sie auch vorläufig noch kein großes Geschäft machen. Für den Llvpd herrscht insbesondere bei den in Dstasien ansässigen Dentichen eine große Vorliebe, weil seine stattlichen Dampfer bei allen Nationen geachtet sind und zur Zeit, wo die deutsche Marine dort noch so schwach vertreten ist, wesentlich dazu beitragen, das Ansehen des Deutschen Reiches Chinesen und Japanern gegenüber zn heben. Nur em deuticher Kaufmann aus Hongkong, der mit Hamburg in engen geschäftlichen Verbindungen steht, will der Bremer Dampserlinie die staatliche Unter stützung nicht gewähren. Er wird jedoch überstimmt. Aber ich schweife ab. Vorläufig sind wir, von Colombo kommend, nahe vor Singapur, nachdem wir den ganzen Tag zwischen dicht bewaldeten Jiiseln hindurch gefahren. Palmen, Bananen, Bambus u. s. w. in tropischer Ueppigkeit bedecken die steilen Ufer, in deren engen Schluchten malerische, aber jämmerliche Pfahldvrser dentlich zu erkennen sind. Unsere Phantasie belebt das Dickicht nut Tigern rmd Schlangen, die Dörfer mit menschenfressenden Wilden, dvch bald zeigt sich ein ganz anderes Bild. Die ersten Landhäuser von Singapur tauchen aus' dem Grün auf, links unter wumer- vvllen Bäumen vor einer im Abendrot glühenden Villa stehen mehrere Europäer lind begrüßen jubelnd niit vollen Gläsern unfern dicken Reisegenossen D., der voii Hamburg nach Singapur zurückkehrt. Recht-.- liegen die großen Zinnschmelzen, die jährlich für sechs Millionen Mark Zinii nach Europa liefern sollen, dahinter Festungswerke. Dann ge langen wir in den inner» Hafen, wo die Passagierdampfer an hölzernen Kais anlegen und aus den zahlreichen mit japanischer Kohle gefüllten Magazinen ihren Vorrat ergänzen können. Hier liegt auch der ans den Howaldts-Werken in Kiel erbaute Dampfer Sumatra, der emen Teil unserer Reisegenossen nach Del! bringen wird. Hunderte vonPersonen, Europäer, Malayen, Chinesen, warten auf uns; statt der Delphine und Möven unischwirren uns Flöße und Boote mit nackten Junge», die nach Geldstücken tauchen wollen. Alles schreit und jubelt, unsere Schiffsniusikanten spielen ihre schönsten Weisen, nun beginnt das Umarmen und Küssen — es ist wirklich ein unvergeßlicher Eindruck Zapancrin IN »cr IRicfcfcha den man erhält, wenn man zum ersten Mal über den Ozean fahrend die ostasiatische Küste betritt. Ist man ja freilich auch noch nicht in China, so glaubt man doch dort zu sein, denn all die leichten zwei rädrigen, Rickscha's genannten Wagen, in denen wir nun der Stadt zueilen, sind von barfuß dahin trabenden Chinesen gezogen, und in den meisten dieser Wagen, die »ns begegnen, sitzen reich geputzte Chinesen, den letzten Tag ihres Neujahrsfestes feiernd. Singapur ist wohl der Platz,12 nach welchem der bezopfte Mann am liebsten auswandert nnd wo er äußerlich am glänzendsten auftritt. Nur in Hongkong und Schanghai sehen wir ähnliches. Japaner sind in Singapur selten. Japanerinnen desto zahlreicher. Diese kleinen Puppen bemühen sich überall im Osten, Eingeborenen und Fremden das Leben zu erheitern. Heute sind sic be sonders schön gekleidet »nd geschminkt; stärker aber als die seidenen Gewänder glänzen die dunklen Augen und das rabenschwarze Haar. Sie sitzen meist zu zweien in dem Wägelchen und sind ja auch für den kräftigen Chinesen, der sie zieht, keine Last. Die europäischen Damen, ebenfalls im höchsten Staat, fahren in Karossen und lenken womöglich selbst die mutigen Renner. Auf breiten Spielplätze» rummeln sich trotz der Wärme Kinder und junge Leute. Am meisten interessirt uns das Federballspiel der Chinesen, wobei der Ball mit dem nackten Fuß hoch durch die Luft geworfen und ebenso zurückgeschlagen wird. Genuß eine gesunde Bewegung bei 30 Grad. Wir sehen schon hier, was nur in China und Japan überall bestätigt fanden, daß die Ostasiaten uns im Laufen sehr überlegen sind, und zwar sowohl in der Schnelligkeit als in der Ausdauer. Zum ersten Mal lernen wir einen für die Tropen geeigneten Gasthvf kennen. An langen offenen Säulengängen liegen die Zimmer, zu denen man ans einigen Stufen hinanssteigt. Die Borderwand fehlt. Eine leichte Holzwand, die etwa 0,5 in vom Fußboden beginnt nnd nur I m hoch ist, teilt das Zimmer in zwei Räume, von denen der vordere mit Kvrbstühlen und Rauchtischen als Wohnzimmer, der hiutere mit dem großen von Moskitonetzen umgebene» Himinelbett als Schlaf raum dient. Hinter diesem liegen noch Waschzimmer und Badernum. Aus dem Schlaf wird nicht viel. Zwar lassen mich die Moskitos ziemlich in Ruhe, auch habe ich mich bald an die großen Eidechsen gewöhnt, die au den Wänden umherlausend sich zurusen, aber die Hive ist zu groß, und dagegen hilft mir auch das harte, schmale Kissen nicht, das zwischen die Kniee geschoben wird, damit man luftiger liegt. Es dämmert eben, als lustiger Vogelfang mich hiuauslvckt, und ich sehe die Sonne aus dem Meer anftaucheu. Eine Menge von Schiffen liegt in Dunst gehüllt auf der Reede und wird allmählich von den Strahlen beleuchtet. Sie haben meistens Reis geladen und warte» hier aus ihre» Bestimmungsort, oder bringen japanische Kohle, bie ja trotz ihres unangenehmen Oualms wegen ihrer Billigkeit die englische Kohle immer mehr verdrängt und aus den Dampfern des Iangtsekiang sogar tief ins Innere Chinas dringt, obgleich dort Kohlen genug vor-13 Imnöeit sind. Als aber vor 24 Jahren die Danipferlinie Schanghai- Hankau von der Reederei-Gesellschaft Butterfield n. Swire ins Leben gerufen wurde und man ans den Dampfern chinesische Kohlen aus der Provinz Honan brannte, sollen die chinesische» Behörden von diesen Kohlen einen Ausfuhrzoll von x / 2 Tael für die Tonne erhoben haben, dagegen von fremden Kohlen nur einen Einfuhrzoll von '/ 4 Tael. Duftige dessen nehmen alle Uangtse-Dampfer »och heute japanische Kohle und die chinesischen Kohlenlager harren der Zeit, wo sie zum Nutzen des Landes venvertet werden. Li>t.inis»cr ünrkc» in Singspur Auf denn nach China! sage ich und wende Singapur mit seinem herrlichen botanischen Garten und seiner zauberischen Blütenpracht den Rücken. Die Zahl der Reisegefährten ist stark gelichtet. Vom Ufer winkt unser verehrter Punkha-Hasser ein letztes Lebewohl. Er wollte mich und den Götterknaben, wie er meinen Neffen nennt, durchaus »nt nach Sumatra nehmen, wo der alte Junggeselle im Urwald Beethovenschc Sonaten mit Meisterschaft ertönen läßt. Aber ivir wenden uns nun, so nahe dem Aeguatvr, wieder nach Norden. Ein14 frischer Nordost-Monsun läßt die Temperatur aus 20 Grad fallen. Das Wasser ist nicht mehr grün, wie in der Straße von Malakka, sondern wie im Ozean tiefblau. Leider bedeckt sich der Himmel, die See wird sehr rauh, und einzelne Wellen schlagen oben in das auf dem Prome nadendeck liegende Rauchzimmer. Wir legen nicht mehr 13, sondern nur noch 7,5 Meilen in der Stunde zurück und sind sehr froh, als nur endlich die Leuchtfeuer von Hongkong erblicken.Hongkong und Lanlon ie au der Mündung des Perlflusses gelegene, etwa 1,5 deutsche Quadratmeilcn große Insel Hongkong gehört unstreitig zu den schönsten englischen Kvlonieen. Sie wurde 1842 von China an England abgetreten und war damals ein ödes, unfruchtbares, gebirgiges Eiland, dessen Höhen sich 400—500 m über das Meer erheben. Zwischen der Insel und dem Festlande liegt eine geräumige und im allgenieine» gut geschützte Wasserfläche, jetzt der bedeutendste Hasen des fernen Oltens, der einen großen Teil des überseeischen chinesischen Handels vermittelt. Anflder Nordseite steigt die Stadt in Terrassen an dem sogenannten Peak empor, zu dessen Spitze eine Seilbahn führt. Die der chinesischen Bevölkerung zugewiesenen Stadtteile dehnen sich immer mehr aus und drängen die Europäer immer höher hinauf. Die Stadt ift mit großem Geschick angelegt, treffliche Straßen ziehen sich über die ganze Insel und ans der Einöde ist durch Fleiß und Aufwendung großer Mittel ein Paradies geworden, da das tropische Klima eine wundervolle Vegetation erzeugt, sobald der Boden genügend gedüngt ivird. Der botanische Garten und die europäischen Kirchhöfe sind von außerordentlicher Schönheit. Der Hafen ist zwar vortrefflich, aber er kann ebensowenig wie die Stadt gegen die Macht der Taifune geschützt, werden, die hier ab und an verheerend austreten. Durch einen solchen Sturm wurden 1874 über 1000 Häuser, etwa 30 größere Schiffe und mehrere Hundert Dschunken zerstört, einige Tausend Menschenleben vernichtet. Die Zeit der Taifune beginnt in diesen Gewässern erst im Juli. Bei unserer Ankunft, Mitte Februar, haben wir nichts zu befürchten. Aber einen sehr kriegerischen Eindruck macht der Hafen. Liegen doch fast16 alle Kriegsschiffe der in ostasiatischen Gewässer» ftationierten europäischen Geschwader jetzt hier im Winterquartier, darunter 16 englische und 5 deutsche. Der Ches der Krenzerdivisiou, Kontreadniiral Tirpitz, hat hier alle seine Schiffe vereinigt; außer dein Flaggschiff „Kaiser", Kapitän z. See Zeye, liegen hier „Prinzeß Wilhelm", Kapitän Ad. Thiele, „Irene", Kapitän Dubais, „Arcona" Kapitän Becker, und „Cvrmoran", Kapitän Brussatis. Nahe dabei ist das größte und modernste aller dort vorhandenen Schiffe, das russische Admiralsschiff „Rurik" ins Trockendock gegangen. Auf der zur Kolonie gehörigen, jedoch mit dem Festlande ver bundenen kleinen Halbinsel Kaulnng beffnden sich nämlich die beiten zur Ausbesserung von Schiffen dienenden Anlagen, welche in Dstasien vorhanden sind. Sie gehören einer ans Engländern und Deutschen bestehenden, sehr gut geleiteten Gesellschaft, der Hongkong L Whampoa Dock Co., die von der englischen Regierung zur ersten Anlegung einen Zuschuß von 25 060 und ein vierprozentiges Darlehen von 20 000 Psund ster ling unter der Bedingung erhielt, daß englische Kriegsschiffe allen Schiffen vorangehen. Die Gesellschaft hat allmählich den Dockbetrieb an der ganzen chinesischen Küste in die Hände bekomme», indem jsie zwei benachbarte Konkurrenzunternehmen erwarb und jetzt 6 Trocken docks und 2 Patentschleppen besitzt. Der Geschäftsbericht für das letzte halbe Jahr ergab einen Reingewinn von 20 Prozent. Aber deutsche Reeder klagen, daß den deutschen Dampfern durch englische Schiffs- besichtiger kostspielige Ausbesserungen auferlegt werde», sobald sie von Hongkong aus Passagiere befördern wollen. Hierfür seien zur Zeit nur die mit sehr hohen Preisen arbeitenden Docks in Hongkong benutzbar. Englischen Schiffen würden von den Besichtigern weniger Schwierig keiten gemacht, als den Schiffe» anderer Nationen, und so gehe Bit! Beförderung chinesischer Auswanderer mehr und mehr in die Hände der Engländer über. Es sei also dringend erforderlich, daß an der chinesischen Küste irgendwo deutsche Docks angelegt würden. Während wir in Hongkong weilen, wird dort eins der größten Feste begangen, das Frühjahrsrenne». In früheren Jahren, als noch die goldene Zeit herrschte, in welcher die ersten Kolonisten in kürzester Frist ihre Taschen füllen konnten, wurden zu dem Sport englische Rennpferde verwendet. Jetzt ist man zu chinesischen Ponies herabgekommen, aber das Vergnügen ist nicht geringer geworden. Gegen Mittag werden an diesen Tagen alle Geschäfte geschlossen und nicht nur sämtliche Europäer, sondern auch zahllose Chinesen in seidenen Prachtgewändern fahren in Wagen und Wägelchen nach dem schönHongkong17 gelegenen Rennplätze, um sich namentlich dem Vergnügen des Wetteno hinzugeben. Alle Taschen sind mit mexikanischen Dollars gefüllt und der teuerste Sekt fließt in Strömen. Ich schleiche mich ans der fröhlichen Gesellschaft liebenswürdiger Landsleute nach einiger Zeit fort, nm vom Thal auf die Höhen zu steigen und die mit großen Mitteln angelegten Sammelteiche der die Stadt versorgenden Wasserleitung zu besichtigen und ans den schönen Fußwegen einmal wieder ordentlich auszuschreiten. Dabei male ich mir im Geiste ans, wie die zukünftige deutsche Kolonie nach dem Muster von Hongkong demnächst mit Wald und Teiche», mit Promenaden und natürlich auch mit einem Renn- Si-1N.in<l> ipcrNIus, platze geschmückt werden wird. Wenn ich nur erst wüßte, wo sic liegen muß! - Bevor wir uns an Bord des „Kaiser" einschiffen, machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Cantvn, um diese bedeutende und eigen artige Handelsstadt kennen zu lernen. Die erste Kajüte des schönen Flußdampsers ist nur von einigen Europäern und zwei vornehmen Chinesen benutzt. Aber Hunderte von Chinesen liegen im Zwischendeck. Da die Seeränbereien in dieser Gegend noch immer nicht aufgehört haben, finden wir im Salon und in den Kabinen Büchsen und Säbel zur etwaigen Verteidigung angebracht. Wir fahren bei Sonnenunter gang an der gebirgigen Küste entlang in den Perlfluß hinein, gehen aber nach 3 Stunden zu Anker, nm einige Untiefen bei Tagesanbruch Franz ins, Äiautschon 218 zu vermeiden. Auch wird die Zahl der Dschunken und Sampans, welche unsere Fahrt hindern, immer größer, und als wir um 7 Uhr morgens am Landungsplatz in Canton anlege», ist an ein Zählen der Fahrzeuge nicht mehr zu denken. Doch liegen die meisten als schwimmende Wohnungen am User sest und dienen großenteils als Thee- oder Blnmenboote zur Bewirtung der Durchreisende», denen ein Betreten der Stadt nach Sonnenuntergang durch das Schließen der Thvre unmöglich geworden ist. Lantün von, JHuITc aus Die Ufer sind fast ganz flach und aus der riesigen Stadt, die mehr als 1,5 Millionen Einwohner zählen soll, ragen nur wenige höhere Gebäude empor, darunter eine mächtige katholische Kathedrale und Verschiedene Pagoden. Etwa 100 000 Menschen wohnen in Fahr zeugen, meistens in den kleinen Sampans, und man sieht vielfach, wie die kleinen Kinder mit Stricken angebunden sind, um nicht verloren zu gehen, wenn sie ins Wasser fallen. Canton soll schon im 9. Jahrhundert regelmäßig von arabischen Kauflenten besucht sein. Im 16. kamen die Portugiesen, dann dien Holländer und gegen Ende des 17. Jahrhunderts erlangten die Eng länder durch die ostindische Kompagnie die Oberhand. Infolge ein- getretener Zwistigkeiten wurde der Platz 1857 von der vereinigten englischen und französischen Flotte genommen und bis 1861 besetzt gehalten. Auch heute ist er noch einer der bedeutendsten Häfen Chinas mit einem jährlichen Umsatz von etwa 50 Millionen Taels. Die Aus fuhr besteht vorzugsweise in Seide, Stickereien, Zucker, Thee u. s. w., die Einfuhr in Baumwolle, Metallen und Opium. Die Stadt liegt am nördlichen Ufer des Flusses und ist mit Wällen rings umschlossen. Eine Hauptstraße läuft parallel, eine zweite senkrecht zum Fluß. Sie haben eine Breite von 4—5 in, die aber durch allerlei Vorbauten noch eingeschränkt wird. Die von ihnen aus gehenden Nebengassen sind noch enger und gestatten nur mit Vorsicht das Begegnen zweier Tragstühle. Letztere bilden das einzige Beför- derungsmittel wohlhabender Personen. Ebenso werden alle Lasten ans den Schultern getragen, meistens an langen Bambusstangen. In raschem Schritt fast laufend und sich beständig im Takt zurnfend eilen die Träger dahin, jeden umstvßend, der ihnen nicht ans dem Wege geht. Namentlich wenn sie einen Europäer tragen, glauben sie hierzu vollständig berechtigt zu sein. Ost ist es auch kaum zu vermeiden, denn die engen Gassen sind vvllgedrängt von Mensche». Aus beiden Seiten schließt sich Laden an Laden, Werkstatt an Werkstatt, alle während des Tages nach vorn ganz geöffnet. Sv gleicht die Stadt einem großen Bazar. Das Einerlei wird jedoch vielfach durch größere, meist mit hohen Mauern umschlossene Gebäude unterbrochen, Tempel, Dienstgebäude u. s. iv. Giebt es doch über 120 Tempel in Cantvn. Aber auch 10 protestantische Kapellen. Außerhalb der Wälle liegen Hospitäler, beispielsweise für Leprakranke, für Blinde, ein Findelhaus, Altersheime und Kirchhöfe. Im Fluß liegt eine kleine Insel Schamin, von der Stadt durch einen schmalen Kanal getrennt, über den nur 2 Brücken führen. Ans dieser Oase wohnen die Europäer in der etwa vier Fünftel der Fläche umfassenden englischen und der kleinen fran zösischen Niederlassung. Chinesen ist das Betreten der Insel nur vorübergehend gestattet und sind die Brücken zu dem Zweck durch chinesische Bewaffnete, die allerdings nur Piken und Helebarden tragen, besetzt. An den breiten Straßen und Plätzen liegen die geschmackvollen und geräumigen Häuser in blühenden Gärten und mächtige Bäume geben den sehr begehrten Schatten. Kommt man aus deni unerträg lichen Lärm und dem noch schlimmeren Gestank der Stadt über dieStrafte in Canton21 Brücke» auf dies kaum 300 m lange Eiland, fv glaubt man fast in Armidas Zaubergarten 51 t treten. Wir erhalten hier van unserni liebenswürdigen Konsul einen Führer, der uns alsbald zu seiner Empfehlung die Bisitenkarten vieler Europäer überreicht, meistens mit einem lobenden Zeugnis über seine Leistungen versehen. Was daraus steht, weiß er nicht und freut sich über die Bemerkung: „A-poh ist der jämmerlichste Führer, der mir je vorgekommen" ebenso, wie über die unserer Ansicht nach zutreffenden Lobsprüche. Er steigt mit Würde in den vordersten Tragstuhl und wir folgen ihm in den Trubel. Die engen Straßen sind zum Schutz gegen die Sonnenstrahlen mit Strohmatten überdeckt. Alle Häuser sind grell bemalt und die bunten Firmenschilder, 2—3 in lang, hängen überall hernieder. A-poli bringt uns zunächst in die feinsten Läden, wo Seidenstickereien, Por zellan, Silber- und Bronzewaren, Holz- und Steinschnitzereien und viele andere Sachen zu mäßigen Preisen zu haben sind. Selbstverständlich bezieht er seine Prozente an den von uns gekauften Waren und wir haben Not, ihn auf den Weg zu den eigentlichen Sehenswürdigkeiten zu bringen. Dabei konnnen wir durch die Nebenstraßen, in denen Speisehäuser, Schlächterläden, Fisch- und Gemüsestände einen entsetz lichen Geruch verbreiten. I» den unmittelbar an der Straße liegenden Küchen und den vor den Häusern aufgestellten Bratösen werden alle möglichen Fleisch- und Fischarten in Oel geschmort. Hunde und Ratten hängen neben Enten und Hühnern, Krabben, Austern, Quallen sind neben den beliebten eingegrabenen Eiern und dem köstlichsten ein gemachten Ingwer zuin Verkauf geboten. Nun geht's zu den Tempeln, meistens großen aus Holz her- gestellten, mit Ziegeln gedeckten Gebäuden, die in weiten durch hohe Mauer» von der Straße getrennten Höfen liegen. In der großen Halle des ersten Tempels sind 500 Gottheiten oder Schüler Buddhas in Lebensgröße aus Holz geschnitzt aufgestellt, unter ihnen der berühmte Venetianer Marco Polo, der vor 600 Jahren China durchzog und den Europäern zuerst Kunde von der eigenartigen Kultur dieses Landes brachte. Interessanter ist der Tempel der Schrecken, in welchem be ständig eine große Menschenmenge ihre Andacht verrichtet und die Götter um Aussprüche über die Zukunft bittet. Zu diesem Zwecke stehen auf den Altären Becher mit den sogenannten Schicksalsstäbchen. Der Neugierige schüttelt dieselben, bis einige herausspringe». Das ihm zunächst fallende ergiebt durch die auf ihm verzeichnete Nummer die22 Antwort des Lottes, welche nun gegen eine kleine Vergütung von dem Priester ans dem Schicksalsbuche mitgeteilt wird. Hier sahen wir auch Chinesinnen aus besseren Standen ans kleinen Kissen vor den Altären knieen, mit dem Kopse wiederholt den Boden berührend uud die von den Priestern gekauften papierenen Nachbildungen von Grld- und Silbermünzen verbrennend. Den Namen trägt der Tempel von den in Nischen angebrachte» Darstellungen der buddhistischen Hölle, ein außerordentlich beliebter Schmuck vieler Tempel, an dem man sich sehr bald satt sieht. Hübscher als die Tempel erscheinen die Pagoden, jene turm artigen, bisweilen aus Marmor hergestellten Gebäude, von denen ich nur die in 9 Geschossen etwa 50 in hohe Blumen-Pagvde und die fünfstöckige Pagode auf der Stadtmauer nennen will. Von letzterer hat man einen schönen Blick auf die Stadt und Unigegend bis zu den fernen Bergen. Den seltsamsten Eindruck machen auf uns die Examinationszellc», in welchen alle 3 Jahre die Kandidaten für den zweiten litterarifchen Grad geprüft >verden. Mehr als 11 Tausend aus Stein erbaute, 1,5 in lange und l in breite vorn offene Hütte», in denen nur ein Mensch Platz hat, sind in langen Reihen auf einem riesigen Hvfranin aufgestellt. Alle Kandidaten erhalten bei Tagesanbruch dieselbe Auf gabe und müssen sie am nächsten Morgen abliefern. Drei Aufgaben werden gestellt. Es sollen nur etwa 130 Kandidaten jedesmal die Prüfung bestehen und später in Peking zur Ablegung eines Epamens für den dritten Grad zugelassen werde». Dem in China noch gebräuchlichen barbarischen Gerichtsverfahren, das die Folter in jeder Form verwendet, entspricht der Kerker. Mit schweren Ketten belastete Verbrecher liegen in dunklen, schmutzigen Räumen und wir wenden ihnen schnell den Rücken. Auch der nah gelegene Richtplatz, der zwar jetzt nicht gerade als solcher, sondern als Trockenplatz für Töpferwaren benutzt wird, deutet mit seinen an den Mauern lehnenden Holzkrenzen ans die qualvollen noch gebräuchlichen Todesarte». Überhaupt sieht man viel Unerfreuliches auch auf den Straßen. Sv die unglaublich zerlumpten Bettler und die zahlreichen Aussätzigen. Auch zahlreiche Blinde, die mit einem langen Stock voraustasiend überall allein umhergehen und dergl. mehr. Wir sind daher ganz froh, als tvir mit der Besichtigung der Stadt fertig sind, machen dann der Insel Hvnam mit ihrem großen Tempel, in dem die heiligen Schweine gefüttert werden, einen Besuch und de» chinesischen23 Ziergärten. Hier zeigt sich die Lust der Chinesen am Fratzenhaften selbst in den meistens aus Myrtensträuchern gezogenen Figuren, Menschen und Tiere darstellend, wie wir sie später in Futschou in den bekannten Wurzelmännern am deutlichsten ausgeprägt sinde». Aber die Zeit drängt. Am Nachmittag des 2. Tages fahren wir auf nnserm schönen Dampfer zurück nach Hongkong und siedeln aus dem mächtigen Hongkong-Hotel über an Bord S. M. S. Kaiser, mit dem wir nun während der folgenden Monate die ganze chinesische Küste besuchen.Huf deutschen Kriegsschiffen ch will nun zunächst versuchen, das Leben an Bord eines Kriegsschiffs kurz zu schildern. Als wir in, Februar an Bord S. M. S. Kaiser, des Flaggschiffs unserer Kreuzerdivision, kamen, strahlte die Frühlings- sonne über den schönen Hafen vonHongkong und siel in all die geöffneten Luken der Messeräume und Offizier kammern. Deutsche ans der Stadt wurden von den Offizieren im Schiff umhergeführt, und einmal über das andere hörten wir den Ausruf der Damen: „O, wie reizend ist es bei Ihnen an Bord, das Seemanns leben muß doch herrlich fein." l'lnd die Gläser mit deutschem Schaum wein wurden auf die glückliche Fahrt des Schiffes geleert. In Hong kong wird freilich sonst von jedermann nur französischer Sekt getrunken, aber an Bord schmeckt auch der deutsche. Also Lebewohl! Der Kom- mandant und alle Offiziere stehen auf dem Deck, mit Musik geht's hinaus. Die Kapelle S. M. S. Kaiser ist als die beste in ganz Ostasien berühmt; unter Abspielung der betreffenden Nationalhymnen geht's vorbei an allen fremden Kriegsschiffen, und das „Rule Britannia" will garnicht aufhören, denn allein 16 englische Kriegsschiffe liegen hier unter dem Kommando des Vize-Admirals Buller beisammen. Der liebenswürdige und kluge alte Herr, den ich vor einigen Fahren al^> Stationsches in Malta traf, lebt jeht als Geschwaderchef mit seiner Gemahlin im Winter iin Hongkong-Hotel und im Sommer auf der ihm zur Verfügung stehenden Dampfyacht. Auch die russischen höhern Marineoffiziere nehmen vielfach ihre Frauen mit nach Ost asien, lute wir später in Nagasaki sahen. So ist es auch für ältere Herren draußen schon auszuhalten, denn die Selbständigkeit eines solchen Geschwaderchess im Auslande ist naturgemäß eine ganz andere,S. m. $. „Kaifer“ und „Irene" in Ostasien25 als in heimischen Gewässern, und Engländer und Russen sollen dabei in der Regel immer längere Zeit in den einzelnen Häfen liegen, während unsere Schiffe grundsätzlich möglichst viel fahren. Trotzdem gilt die Stellung eines Chefs der Kreuzerdivision in Ostasien auch in unserer Marine als eine höchst begehrenswerte, und niemand beneidet einen Admiral, der von diesem Posten zum Staatssekretär des Reichs- Marine-Amts aufrückt. Lampsgnc 5 . (Iß. 5. Hälfet (hinten Brcoiui) Ja, das Seemannsleben ist herrlich, denken wir auch im stille» und richten uns in den Räumen deo Ersten Offiziers, der zu unserm Glück grade abkvmniandiert ist, behaglich ein. Ich wähle den Vorder- raum, der Ofen, Pvlsterbank, Schreibtisch und Stuhl umfaßt, während mein Begleiter das Bett, die beiden Schränke und den Waschtisch im Hinterraum erhält. Zeder Raum besitzt ein großes, schönes Zensier, das weit geöffnet ist und die frische Seeluft hereinströme» läßt. Alle an Bord überbieten sich, uns freundlich entgegenzukommen, und das ist sehr erfreulich, denn wir haben viel guten Rat nötig und außerdem fehlt eo zunächst auch am Notwendigsten, der Bettwäsche.26 Das ist mm aber ein schwacher Punkt bei unfern Seefahrern. ?ln Bord wird nicht gewaschen und wer weis, wann das Schiff wieder so lmige in einem Hafen liegen wird, daß man seine Wäsche an Land geben kann. Nur für den Kommandanten wird eine Ausnahme ge macht, und er ist denn auch freundlich genüg, uns mit Handtüchern zu versorgen, während die übrige Wäsche ans dem Lazarett entnommen wird, bis wir selbst in die Lage kommen, uns ailsznrüsten. Der mm zugewiesene Bursche Schulze weiß für Alles Rath und faßt die Sache so' aus, als ob wir seiner Obhut anvertraut wären. Braver Schulze! Wer dachte damals, daß Du das Opfer unseres Unternehmens werden solltest? , Die Sonne ist leider mit der Küste verschwunden, ein kalter, jmt Schneeflocken gemischter Regen rieselt herab und der zunehmende ^,t Monsun macht die See unruhig und bringt unser kurzes Schiff bald zum Stampfen. Längst sind alle Pforten dicht, das durch die kleinen Ochsenaugen dringende Licht vermag die Kammern nicht mehr zu er hellen, statt desselben wird künstlich beleuchtet, und die Luft in unfern Gemächern fängt an, durch die Dampfheizung stark ju leiden. Wn gehen also trotz des Regens an Deck, wo der Oberstabsarzt m Mantel in,d Gummischuhen grade seinen täglichen Abendspaziergang macht, in dem er unter einem kleinen Schutzdach genau in der Diagvnalrichtnng hin und her geht. In dieser Richtung kann er sechs Schritte machen, ohne mnzukehren, sonst nur. fünf. Dies ist der beste Platz zn»i Spazierengehen, den er »ns sehr empfehlen kann. Er nt aber nur frei, wenn die Mannschaft zu Abend ißt. Der Kommandant und die die Wache habenden Offiziere sind auch anfangs auf den Kommando brücken hin und her gegangen, um bei dem schlechten Wetter sich warm zu halten. Jetzt geht das aber nicht mehr. Hunderte von Dlchnnken haben ihre Fischernetze ausgeworfen, und so weit man in dem Gran des Regens ringsum sehen kann, erblickt man Fahrzeuge. Dazu kommen die zahlreichen Felsen und kleinen Inseln, die ja wunderbar genug ans bm englischen Seekarten meist mit großer Zuverlässigkeit eingezeichnet sind, aber es heißt jetzt weniger Kartei: studieren, als nnt angespanntester Aufmerksamkeit hinausschauen. Das soll herrlich sein, brummt mein Begleiter. Und doch können wir nicht froh genug sein, uns aiff so großem Schiff zu befinden. Der kleine Cormoran, der uns begleitet, tanzt auf den Wellen wie cnl Boot »nd schlingert so mächtig, daß man schon seekrank werden ann, wenn man ihn nur ansieht. Wir ziehen uns doch lieber in die Kammer27 zurück und legen uns horizontal hin. Das Hilst allemal. Die Bank ist zwar ziemlich schmal und hart, und die eiserne Außenwand erklärt mir bald sehr fühlbar, weshalb so viele unserer Seeleute au Rheumatismus leiden, aber bei dem Schaukeln schläft man doch rasch ei». Ich habe niemals in meinem Leben so fest geschlafen, wie die drei Monate au Bord des „Kaiser". Der Kommandant steht noch immer auf der Kvmmaudvbrücke, während die wachhabenden Offiziere und Mannschaften nach vier Stunden abgelöst werden, um nach ebens zu übernehmen; jeder mit dem sehen seinerseits Schiff und Be satzung in die größte Gefahr bringt. Das war aber nur so der Anfang der Reise. Als wir etwas später mit der ganzen Division von China nach Japan hinübergingen, kam der Komman dant eines Schiffes fünf Tage und Nächte nicht von der Kommando brücke, der eines anderen ward schwer krank und mußte Monate lang in Uokohama in dem dortigen Marinelazarett liegen, nebenbei benierkt eine vorzügliche Anstalt, die schon manchem unserer Landsleute das Leben erhalten hat. langer Zeit abermals den Dienst Bewußtsein, daß das geringste Ber- Ikapitän z. Scc Zcyc, Kommandant L. M. 2. Kaiser. 28 ie Körners Feldprediger auf dem Bagagewagen, so lag ich während dieser ruhmvollen Fahrten ruhig auf meiner Bank und philo sophierte mit meinem Neffen über den Unterschied der Ausbildung ans technischen Hochschulen und Kriegsschiffen. Endlich schien aber doch wieder die Sonne, wir waren aus dem Gelben Meer um die südöstliche Ecke Japans in das dunkelblaue Wasser des Stillen Ozeans gelangt; in der Ferne hoben sich leuchtende Bergkuppen daraus hervor und nur die mächtige Dünung des Ozeans erinnerte noch an die überstandenen üblen Tage. Ich besuchte den Kommandanten auf seiner Brücke. Ist es nicht herrlich ans der See? ries er mir schon von fern zu. Ich freute mich, daß seine Begeisterung für den seemännischen Beruf noch2 $ so jugendlich frisch geblieben sei. Ach, meinte er, ich bin nur zur Marine gegangen, weil mein Schulfreund durchaus Seemann werden wollte und ich mich nicht von ihm trennen mochte. Ich wurde auch angenommen, er dagegen als untauglich zurückgewiesen. Meine Freude am Seelebeir kam erst allmählich, aber kann man sich etwas Schöneies denken, als so mit den Elementen zu kämpfen? lind sehen Sie dort den Fusiyama fast bis unten hinab mit Schnee bedeckt aus dem Meer aufsteigen? Entschädigt nicht ein einziger solcher Anblick für wochen lange Mühen? An Bord unserer Schiffe — es sind ihrer nur noch drei, eins ist mit dem kranken Kommandanten durch die Jnlandsee geschickt, um ruhigeres Wasser zu haben, und ein anderes unmittelbar von Hong kong nach Iokohama gegangen — freut man sich des besseren Wetters und möchte es geni genießen. Aber nun heißt es im Geschwader manövrieren, Geschütz-Exerzieren, Feuerlösch-llebnngen machen, Deck- scheuern und Malen und was alles sonst. Der eine oder andere der jüngeren Ofsiziere hat im stillen wohl auf etwas Ruhe gehofft und ist enttäuscht. Ruhe giebt es erst im Hafen. Auf dem Deck und unter demselben wimnielt es von thätigen Menschen, und die armen „Bade gäste": Auditeur, Aerzte, Zahlmeister, denen sich derHöchstkommandierende der Marine-Infanterie und der Maschinen-Jngenieur gern anschließen, und zu denen endlich wir selbst gehören, verzweifelli in ihren Kammern daran, einen vernünftigen Gedanken niederzuschreiben, denn alle fünf Minuten müssen bei den Uebungen sämtliche Pforten abwechselnd geöffnet und geschlossen werden, sodaß bald Tageslicht, bald Rampen licht herrscht. An Deck ist für uns kein Platz. Ich flüchte mich hinter ein Geschütz, bekomme aber infolgedessen von hinten einen nicht für mich bestimmten Eimer Wasser über die Füße und sinde meine Laune erst wieder, wie ich sehe, daß unser aller Liebling, der koreanische Bäi, noch trauriger umherirrt als ich selbst. Na, endlich kommt der Hasen aber doch in Sicht, und nun fragt es sich, gehen wir wirklich hinein oder liegen wir wie gewöhnlich so uieit ab, daß nur die Badegäste an Land gehen. Meistens bleiben wir draußen. Aber alsbald rückt die ganze Mannschaft in alle» vor handenen Booten ans, um Landungsmanöver oder Schießübungen an Land abznhalten, und der erste Ofsizier ist den ganzen Tag in Sorge, ob bei dem starken Flutwechsel, der wechselnden Strömung und dem plötzlich aufkommenden Nebel nicht eins der Boote ans einer Sand bank liegen bleibt. Dann wird mit Scheinwerfern und Raketen noch2Y spät in der Nacht gearbeitet, dabei auch wähl ein Torpedvangriff abgeschlagen, und aus der Ruhe im Hafen ist wieder nichts geworden. Aber etwas Abwechslung giebt's nun doch. Wozn sind die Geburtstage in der Welt, wen» sie nicht gefeiert werden? Während der Fahrt ging das nicht, jetzt im Hafen muß das nachgeholt werden. In der Offiziersmesse hat man dem Geburtstagskinde — es ist der jüngste Unterlieutenant — einen Tisch mit kleinen Geschenken aufgebaut, der schönste Blnmenschmnck ist ja hier zu jeder Jahreszeit zu haben, der Kommandant, sehr vergnügt, statt einsam zu tafeln, hier unter den jungen Kameraden abends einmal nur Mensch sein zu können, bringt in möglichst humorvoller Rede sei» Hoch auf den Jubilar ans und der Meßvorstand hat ein Spanferkel dazu geliefert. Ist das Bier auch nicht vom Faß zu haben, so würzt man es mit Gesang. Ein Klavier ist ja vorhanden, Mandoline und Zither werden vorgeholt. An der einen Tischecke, wo die beiden jungen Ehemänner und der Bräutigam sich zusammengefunden haben, wird nur von der Heimat gesprochen. Tie Post ist ja heute rechtzeitig angekommen und was giebt's nicht alles zu erzählen. Ja die Post! Wenn die ansbleibt, oder einmal nicht zu haben ist, weil unser Schiff einen unvermuteten Seitenknrs einschlägt — dann ist uns für den Tag die Petersilie verhagelt und der daran ganz unschuldige Flaggoffizier bekommt alles Mögliche zu hören. Denn was giebt's Schöneres als Nachrichten ans der Heimat! Aber in Gedanken daran sängt man an zu träumen, einer nach dem andern schleicht in seine Kammer, fängt doch seine Wache gleich wieder an, und der unverwüstliche Kommandant thnt, als ob er nichts davon merke, bis schließlich nur noch ei» Zuhörer an jeder Seite bei ihm aushält. Fehlt es einmal längere Zeit an einem Geburtstage, so wird der Kommandant sich das Vergnügen machen, eine kleinere Tafelrunde zu veranstalten, und nun werde» alle Schätze ansgekramt,' die in letzter Zeit in den berühmten Läden von Satv und Tamemasa erstanden sind. Bei jedem Kunstwerk heißt es: „viel zu teuer erkauft", nur auf deu „Moorman" des Oberstabsarztes wird ein höheres Gebot gemacht. Das ist das getrocknete Wundertier mit Affenkvpf und Vorderarmen, aber mit Fischleib und Schwanzflosse», das die geschickten Japaner so vorzüglich zusammensetzen, daß jedermann zunächst getäuscht wird. Was kommt da nicht alles zu Tage! Briestnarken und Oelgemälde auf Elfenbein, Seide in einfachem Taschentuch und in Gewänder» hoher30 Mandarine, Bambusstöcke unb Wurzelmänner, Bronzen, Cloisvnnee und Porzellan — von allem etwas, ein ganzes Museum. Und größer meist noch als bei den Offizieren ist die Sanunellust bei den Mann schaften, deren Bedarf durch die au Bord kommcudeu Händler zu sehr niedrigen Preisen gedeckt wird. Wenn nur nicht der Raum jedes eiu- zelueu auf dem Schiffe so äußerst beschränkt wäre, man würde ja den Sciuigen noch viel mehr Andenken nütbringe». Aber nicht nur totes, sondern auch lebendiges Spielzeug aller Art findet sich. Singvögel, japanische Katzen mit dem geknickten Schwanz, weiße chinesische Wachtel- Hündchen, deren schwarze Augen, und rote chinesische Spitze, deren schwarzer Rachen immer neu bewundert werden, dann der große und der kleine Bär, letzterer wie ein Kind die Milchflasche trinkend. Möchte ein gutes Geschick ihn lebendig nach Kiel schaffen, er ift mir für den Arbeiterpark der Werft geschenkt. Sv sucht sich jeder an Bord außer der Dienstzeit so gut zu unter halten, wie es gehen will, und wenn die Mannschaften abends noch an Deck eine Pfeife rauchen, hört alles mit Vergnügen auf die Lieder des vom Kapellmeister gegründeten Gesangvereins. Unter den 650 Mann an Bord des „Kaiser" sind sehr tüchtige Kräfte und die englischen und russischen Offiziere sind verwundert über solche Leistungen. Weuii wir die Himmel rühmen oder Wilhelmus von Nassauen, daun bricht lauter Beifall aus, aber still ivird's, wenn das Jltislied ertönt. Jeder denkr au die braven Kameraden und das wohlbekannte Schiff, dessen letzten Spant ivir vor wenigen Tagen im Schein der untergehenden Sonne noch den Elementen trotzen sahen. Die Besatzung ist fast ausnahmslos sehr zufrieden mit dem Auf enthalt im fernen Osten. Nur die älteren Deckoffiziere, Meister u. s. w., die Weib und Kind so lauge entbehren, sehnen sich nach der Heimreise. Den jungen Matrosen reizt das Neue und Wunderbare, wenn er auch verhältnismäßig ja nicht so sehr viel davon zu sehen bekommt. Die Verpflegung der Mannschaften ist dem schweren Dienst entsprechend eine vorzügliche. Das Essen ist so kräftig und schmackhaft gekocht, daß der Arzt von allen Offizieren beneidet wird, tvenn er vormittags ans der Mannschaftsküche vorschriftsmäßig einen Teller voll zur Prüfung bekommt. Die Disziplin ist auf einem Kriegsschiff naturgemäß streng. Ein Kommandant mag wohl schneller und härter strafen als ein anderer. Am meisten gefiel mir der Ausspruch eines Kapitäns, daß mau jeden Fall ernstlich prüfen und kleine Versehen lieber zehnmal ungestraft lassen, als einmal zu Unrecht bestrafe» solle. „Heilte haben die Leute31 es schlimm gehabt," sagte ei» anderer Kommandant, „ich werde ihnen jetzt den Rixdorfer Feuerwehrmarsch spielen lassen, das ist ihr Lieblings- stück." Es war ein kleines Schiff und die Musik nur mäßig, aber die Mannschaft erkannte die srenndliche Absicht dankbar an. Das ist übrigens eine Beobachtung, die ich schon seit langen Jahren bei der Werft gemacht habe, daß unsere Marine-Osfiziere für ihre Untergebene», seien es Matrosen oder Werftarbeiter, meistens ein großes Persönliches Interesse besitzen. Und wenn es auch leicht erklärlich ist, >veil man sich ja kaum irgendwo so nahe kommt, wie auf einer längeren See reise, so ist es doch nicht weniger erfreulich und hat wesentlich dazu beigetragen, auf unseren Staatswersten das Verhältnis zwischen Behörde und Arbeitern so gut zu gestalten. Übrigens ist es ja auch höchst notwendig, daß sich der Kommandant für das Wohlergehen seiner Besatzung bemüht, denn bei dem häufig nicht sehr ge sunden Klima, den TemPe- raturschwanknngen und der vielfach verlockende» Gelegen heit zu sündigen ist die Sorge für die Gesundheit der Unter gebene» nicht die kleinste der ihm obliegenden Pflichten. Und wenn man gewöhnlich sagt, „ans See erkältet man sich nicht", so ist das doch nicht ganz richtig. Im März waren wir an der chinesischen das Husten und Prusten kein Ende nahm. Jetzt sind wir aber endlich doch einmal wirklich in einen größeren Hafen eingelaufen; Kommandant und Offiziere machen auf den fremden Schiffen und am Lande bei den deutschen Familien zahllose Besuche, sie eilen in den Klub, um Zeitungen zu lesen und mit den Junggesellen, die dort hausen, zu plaudern, und nun entfaltet sich die erstaunliche Gastfreundschaft unserer Landsleute. Vom Gesandten und Konsul bis zum jüngsten Klubmitgliede wetteifern alle in Liebens- rvürdigkeit gegen uns, und wer die Herzlichkeit einmal kennen gelernt Ikapitän z. £. üßccfecr Kommandant S. M. S. Arcona. aus alle» Schiffen so erkältet, daß32 bat, mit ber ihm alles, was bas Haus besitzt, zur freien Verfügung gestellt wirb, ohne baß ihm selbst ber geringste Zwang auferlegt wirb, ber vergißt sie sicher niemals. Die Klubs, bie an allen Hafenplätzen beu Offizieren sich gastlich offnen, auch wenn sie nicht rein deutsch, sonbern international finb, bieten mit ihren Lesezimmern, Bibliotheken u. s. w. große Annehmlichkeit. Leiber ist für bie Mann schaften in bieser Hinsicht noch wenig geschehen unb man bars sich bes- halb nicht wundern, wenn sie anbere Unterhaltung suchen. Aber einzelne Anläufe finb gemacht, uttb barunter ist ber in Schanghai ber erfreu lichste. Dort hat Pastor Hackmann init bem Generalkonsul Stübel unb einigen bentschen Kausieuten ein geräumiges, seberzeit zugängliche^ Lesezimmer für bentsche Seeleute geschaffen, in welchem Zeitungen, Zeitschriften unb Bücher ansliegen, Briefe geschrieben tmb alletlei Brettspiele gespielt werben können. Selterswasser mit unb ohne Whisky, Thee unb Kaffee finb zu ben gewöhnlichen Preisen zu haben. Als ich das Zimmer im Mai besuchte, war es erst kurz vorher eröffnet worben unb ber Besuch nach ben Aufzeichnungen bes kleinen chinesischen Kellners noch nicht bebentenb, boch stieg er schon an einzelnen Tagen ans 8 „Silermann" unb 3 „Jantamann".*) Herr Hackmann, ber sich schon seit Jahren unserer Matrosen frennblich angenommen hat unb ihnen Abenbnnterhaltnngen bnrch Vorlesung geeigneter Sachen veranstaltete, zu benen einige Lanbslente bas Bier stifteten, würbe bie Zusenbnng von Schriften, bie für Seeleute von Interesse finb, jebenfalls mit großerFreube begrüßen. Es würbe meiner Ansicht nach eine außervrbcntlich bankens- werte Aufgabe für alle Freunbe beutscher Seeleute sein, ans bie Schaffung von Seemannshäusern bieser Art im Auslande hinzuwirken. Theater, Konzerte, Volksbelustigungen giebt es nicht für unsere Matrosen, unb ba bleibt kaum etwas anberes, als bas Theehaus mit weiblicher Bebiennng. DieKosten solcherLesezimmer finb gar nicht so erheblich. Dao in Schanghai bietet ein gutes Muster, nach welchem jeber Konsul ein ber Bebentung seines Hafenplatzes entsprechendes Seemannsheim leicht schaffen kann. Daß unsere Marine bei ben Deutschen im fernen Osten sehr beliebt ist, hat man balb Gelegenheit zu erkennen. Ich habe bafür währenb unseres längeren Aufenthalts in Hongkong, Schanghai unb Yokohama viele Beweise gesehen. Interessanter war es mir, bie Ansichten unserer Lanbslente über ben Nutzen ber Marine kennen zu lerne», ben jeber nach seinen Erfahrungen, seinem Wohnort unb Berns, nach seiner politischen Anschauung unb geistigen Anlagen verschieben ansah unb begrünbete. *) 8 Sailors, 3 Gentlemen.$. IN. $. „JIrcona“ in ystasien33 In der englischen Kolonie Hongkong wurde mir, allerdings ganz vereinzelt nur, von deutschen Kaufleuten gesagt, sie bedürften des Schutzes unserer Flagge überhaupt nicht. Sie seien unter englischer Flagge und gemeinsam mit Engländern seit Jahrzehnten sehr gut ge fahren. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Engländern sei in Hongkong ausgezeichnet, die englische Verwaltung eine vorzügliche, für den Kaufmann nieistens besser als die deutsche, kurzum, die Herren waren im Lause der Jahre Engländer geworden, oder doch so inter national, daß sie neben ihren persönlichen Interessen keine Empfindung mehr für die Bedürfnisse des Heimatlandes zu haben schienen. Aber ihrer waren, wie gesagt, sehr wenige. Die ganz überwiegende Mehr zahl der Kaufleute, die ich sprach, bestätigte erfreulicherweise das gute Einvernehmen mit den Vertretern aller ander» Nationen, insbesondere mit den Engländern, wies aber entweder darauf hin, daß bei den Wünschen nach Schutzzöllen, die jetzt selbst in England laut würde», eine Änderung der Verhältnisse in Hongkong sehr wohl eines Tages uutreten könnte, oder glaubte, daß die Deutschen des englischen Schutzes in China nicht mehr bedürften, sondern unter deutscher Flagge den eigenen Weg gehen könnten. Daß Deutschland dazu ebenso einer kräftigen Flotte bedürfe wie die anderen Nationen, die in Ostasien Interessen zu vertreten haben, erschien jedem selbstverständlich. Ohne Schiffe hätten iveder Engländer noch Franzosen noch Russen und Japaner in China etwas Dauerndes erreichen können. Besonders fehlte es augenblicklich an kleinen Kreuzer», da es notwendig sei, daß unsere Flagge tiefer im Innern Chinas öfter gezeigt werde. Der Handel konzentriere sich nicht mehr so ausschließlich in Hongkong und Schanghai, sondern eine ganze Zahl kleinerer Plätze beginne an Be deutung zu gewinnen. Tientsin habe einen großen Aufschwung ge nommen, Tschifu sei in kurzer Zeit zu einer Stadt von 100 000 Ein wohnern nngewachsen, Hankau und die übrigen Häfen am Jangtse ständen vor einer großen Entwicklung, am Westfluß seien neue Gebiete erschlossen, überall gälte es weiter ins Land zu dringen. Dies würde in demselben Augenblicke, wo China sich entschlösse, die Jnlandzölle einheitlich zu regeln, oder wo das ganze Land den: fremdländischen Handel geöffnet werde, noch weit mehr zutage treten und bei diesem Vorgehen sei es notwendig, daß der deutsche Handel durch die deutsche Flagge geschützt und unterstützt werde. rlcoch weit entschiedener als diese Kaufleute sprachen sich Vertreter der Schiffahrtsinteressen und der Industrie aus. Sie klagten über Franziu3, Kiautschou „34 den Mangel an cinein deutschen Stützpunkte, von welchem aus die Deutschen ihre Interessen so wahrnehmen könnten, wie die Engländer, Franzosen, Russen und Japaner. An einem solchen Stützpunkte müsse und werde nicht nur ein Stapelplatz, sondern der Ausgangspunkt sür den Handel ins Hinterland geschaffen werden, dort müßten auch deutsche Dock- und Schiffsreparatur-Anstalten entstehen. Daß die Hongkong und Whampoa-Dvckgesellschast bisher so zu sagen ein Mo nopol für die Ausführung von Schiffsreparaturen an der südchinesischcn Küste besitzt, habe ich schon früher erwähnt. Die Industriellen hielten einen besonderen Ausgangspunkt dent- scher Interessen sür erforderlich, um von da ans den Eisenbahnbau ins Innere und damit zugleich die Ausschließung der chinesischen Mineralschätze zn betreiben, llm solche Aufgaben zu lösen, müsse aber der deutsche Kausmann den Schutz seiner Flagge zur Seite haben, müßte also unter den Chinesen die Empftndnng wach werden, daß Deutschland imstande sei, seine Angehörigen auch in einem so entfernten Riesenreich ohne Zeitverlust zn schützen. Wenn auch die chinesische Regierung vielleicht lieber mit Nativneil Geschäfte mache, die in Asien nur schwach seien, so werde doch von den dort allmäch tigen Staaten, lvie England, Rußland u. s. w., ein solcher Einfluß auf sie ausgeübt, daß sie sich demselben nicht entziehen könne. Es sei also auch wegen dieses Wettbeiverbs unbedingt nötig, daß Deutschland im Osten allgemein als ein Staat gelte, der ebenso wohl wie jene Staaten, oder >vie Frankreich und Japan, seine Interessen wahren werde, wenn das notwendig sein sollte. Vertreter des deutschen Kapitals meinten, das Publikum sei bei uns jetzt sehr ängstlich, Geld in China anzulegen. Die Chinesen hätten es aber z. B. nicht als eine Stärke Deutschlands angesehen und auch übel genommen, daß die deutschen Banken den ihnen zn- gefallenen dritten Teil der chinesischen Anleihe nur mit englischer Hilfe übernommen hätten. Das sei bedauerlich, da das Land außerordent liche Reichtümer besitze und ausreichende Sicherheit biete. Freilich ge höre dazu ein kräftiges deutsches Kreuzergeschwader. Zwar hätten die Chinesen nicht verstanden, lvie Deutschland habe drohen können, die alte Kaiserstadt Nanking zn bombardieren, weil ein deutscher Unter- vffizier, vielleicht nicht ohne seine Schuld, thätlich angegriffen worden sei, aber ohne solche energische Drohung und ohne die Möglichkeit, sie auszuführen, sei es unter Umständen nicht möglich, auch die gerechteste Forderung erfüllt zn sehen.3 * 35 Ju Japan habe ich unsere Landsleute nur in Yokohama und Tokio näher kennen gelernt. Können unsere dortigen Handelsinteressen auch nicht mit denen in China verglichen werden, so war die Ueber- zeugnng von der Notwendigkeit eines kräftigen Schutzes der zahlreichen dort lebenden Deutschen durch unsere Marine an den genannten Plätzen zur Zeit fast noch stärker als in China, iveil allgemein über das nach dein letzten Kriege übermäßig hervortretende Selbstgefühl der Japaner andern Nationen gegenüber geklagt wurde. Während unseres Aufenthalts in Nagasaki sollten, wie die Zeitungen berichteten, einige Engländer, und in Kobe ein Russe darunter zu leiden ge habt haben. Ich beschränke mich darauf, die Eindrücke wiederzugeben, die ich im Gespräch mit unfern Landsleuten gewann. Alle teilten mit mir die Ueberzeuguug, das; unsere Kreuzerdivision, mag sie groß oder klein sein, durch den vorzüglichen Geist, der sie beseelt, und durch die strenge Schule, in der Offiziere und Mannschaften erzogen werden, jederzeit die deutschen Interessen mit äußerster Pflichterfüllung wahren wird.Die chinesische Hüfte ic Ufer des südlichen Chinas bis zum Jangtsekiang hinauf erscheinen als mäßig hohe, rötliche Berg ketten aus Granit, Gneis und jüngerm Gestein, die meistens steil ins Meer abfallen »nd in scharfen Umrissen vom blauen Himmel sich abheben. Ähnlich sind auch Uferstrecken der Provinz Schantung gestaltet, während das Flachland an den Mündungen des Jangtse, des Hoangho und Paiho unfern Nordsee-Ufern in hohem Grade gleicht. Das Meer geht von Süd nach Nord immer mehr aus der grünen in die gelbe Farbe über, vor und in den Mündungen mancher Ströme, namentlich des Paiho, glaubt man im Lehmbrei zu fahren. Der durch Ebbe und Flut ver ursachte Wasserwechsel beträgt im Süden an vielen Plätzen mehr als 6 m, im Norden kaum noch halb soviel. Tiefe Buchten schneiden namentlich in die gebirgigen Ufer ein und geben den Schiffen wohl Schutz, sind aber selten für die Anlage von Handelshäfen geeignet, >veil die steilen Berge die Verbindung mit den, Hinterlande äußerst erschweren. Der Verkehr findet zum allergrößten Teil auf Wasserwegen statt, und ein zelne mächtige Ströme, zahlreiche Nebenflüsse, Seen und künstliche Kanäle ermöglichen es den Dschunke», von einigen Punkten der Meeresküste weit ins Innere einzudringen und die Erzeugnisse der unter so verschiedenem Klima gelegenen Provinze» des gewaltigen Reiches auszutauschen. Große Mengen dieser oft mit vier Masten versehenen Fahrzeuge, aber noch mehr Fischerboote aller Größen pflegt man deshalb au den Küsten zu treffen, und es ist keine leichte Ausgabe für den Kapitän, sich stundenlang mit angestrengtester Auf merksamkeit durch die Hunderte von Segelschiffen hindurchzuarbeiten, ohne eins zu beschädigen. Die Chinesen thun selbst fast nie etwas37 dazu, der drohenden Gefahr zu entgehen, und bei unserer Fahrt ans verschiedenen Flüssen, wo Strömung und enges Fahrwasser bei hinzu- tretendein Nebel das Stenern der Dampfer äußerst schwierig ge stalteten, entgingen die gleichgültigen Fischer mehrmals nur mit knapper Not nnserm vorsichtig dahinschleichenden Dampfer. Dann wurden sie aber plötzlich lebendig, und wir waren froh, ihre freund lichen Zurufe nicht zu verstehen. LKincllscKc DscliunKc Die Ströme leiden infolge der massenhaft mitgeführten Sinkstosse fast alle an Bildung von Barren und zwar in solchem Grade, daß der allmählich immer gewachsene Tiefgang der Dampfer jetzt meistens größer ist, als die Wassertiefe auf de» Barren, infolge dessen die Schiffe nur noch unter günstigen Verhältnissen stromauf gehen können. Hier findet der Wasserbautechniker noch Arbeit genug. Da ist z. B. die selbst der chinesischen Regierung doch unbequeme Barre des Paiho bei Takn. Weil der Flntwcchfel hier bi§ 3,5 »> beträgt, können 3 m3 $ tief gehende Schiffe bei Hochwasser einige Meilen aufwärts bis zur Eisenbahnstation Tonku gelangen. Aber schon 45 km stromaufwärts, bei Tientsin, liegt die Flutgrenze, während dort noch vor kurzem ein F-lutwechsel von mehr als 0,3 m vorhanden war. Bei der Bedeutung dieses Hafens für die jetzt durch eine Eisenbahn mit ihm verbundene Hauptstadt des Reiches ist es selbstverständlich, das; einsichtige Chinesen, wie Lihungtschang, den Wert einer Korrektion des Flusses sehr wohl cinsehen und sie durchaus fördern möchten. Aber er erklärte bedauern-, das; China zur Zeit keine Mittel für solche Zwecke besitze, und es ist ja auch begreiflich, daß man an das Unternehmen nicht gern wieder herantritt, da ein erster Versuch unglücklich verlief, indem ein mit der Herstellung beauftragter hoher Beamter die ihm vor einigen Jahren überwiesenen 1,5 Millionen — ich weiß nicht mehr TaelS oder Dollars — anderiveitig verivandte. Man sagte, er habe sie ausgeliehen. Anders liegen die Verhältnisse bei dem für die heutige Schiff fahrt wichtigsten Flusse, dem Wusung. Hier ist es vorzugsweise die innere Barre, die den nach Schanghai laufende» transatlantische» Dampfern Schwierigkeiten bereitet, denn die Wassertiefe beträgt bei Springfluten etwa b in, bei Rippflnten gar nur 5 in. Es lieste sich mit verhältnismäßig geringen Mitteln eine wesentliche Verbesserung erzielen, aber hier glaiibt die chinesische Regierung durch eine solche keinen Vorteil zu habe». Betrachtet man doch vielmehr die Barre von alters her als ein Geschenk des Himmels, um große feindliche Schiffe am Vor dringen zu hindern, und hat doch in neuester Zeit die Regierung den kühnen Gedanken nicht nur gefaßt, sondern auch mit Ernst der Ausführung nnhegebracht, an der Mündung des Flusses in den Jangtse bei dem Dorfe Wusung, also unterhalb der inneren Barre, einen Hafenplatz anzulegen, der mit Schanghai in allernächster Zeit durch eine Eisenbahn verbunden sein wird, und der sich zu Schanghai etwa verhält wie Bremerhaven zu Breme». Da Schanghai Stapelplatz für europäische Maaren ist und die Ertrüge dieses mächtigsten Handelsplatzes im Osten größten teils Europäern zufallen, so liegt der chinesischen Regierung gar nichts daran, durch Beseitigung der Barre de» Handel Schanghais zu fördern; sie überläßt das vielmehr den europäischen Kaufleuten. Diese stehen vorläufig der großen Mehrzahl nach auf dem Standpunkt, daß sie, wie sie sagen, nicht »ach China gekommen sind, um dort Geld für llnter- »ehmungen auszugebe», die ihrer Ansicht nach dem Staate zufallen. Jeder von ihnen denkt über kurz oder lang nach Europa zurückzukehren und glaubt es seinen Nachfolgern im Geschäft überlassen zu können, einenTeil seines Verdienstes der Allgemeinheit zu opfern. Dennoch sehlt es nicht an Einsichtigen, die seit Jahren versuchen, eine Korrektion des Wnsnng iu Fluß zu bringen. An ihrer Spitze steht das einzige deutsche Mitglied der Handelskannner, Herr A. Korff, Chef des Hauses Melchers, der die Erfolge der Weserkvrrektion in Bremen gründlich kennen gelernt hat. Bei unserer Anwesenheit wurden die Wasserverhältnisse des Wnsnng auf Anlaß der Handelskammer wieder einmal von dem in japanischen Diensten 'stehenden holländischen Ingenieur de Ryke unter sucht, doch glaubte niemand an baldige Verwirklichung des Planes. Schwieriger als hier jwürde die Durchbrechung der Außenbarre vor dem Minflnsse sein, an dem die alte Handelsstadt Futschon liegt; aber auch hier ließen sich wahrscheinlich bedeutende Verbesserungen erzielen, wenn.man sich entschließen könnte, statt des jetzt benutzten nördlichen Flußarmes den allerdings weniger tiefen, aber der Flutwelle, besser zugekehrten südlichen Arm auszubilden. Es wurde allgemein, selbst von dem Lotsen behauptet, daß dieser Arm im letzten Kriege von Chinesen vollständig gesperrt worden sei, uni die japanischen Schisse abzuhalten. Es stellte sich das jedoch bei unserer llntersuchung als eine ganz unbegründete Sage heraus. Die Barren vor und in den beiden mächtigsten Strömen Chinas, dem Jangtse und dem Hvangho, unschädlich zu machen, wird wohl späteren Zeiten überlassen werden müssen. Das Bedürfnis ist noch nicht so dringend, weil die Wassertiefen im Jangtse noch ziemlich aus- reichen und der Hvangho von größeren Dampfern nicht befahren wird. Immerhin könnte eine teilweise Korrektion des Hvangho in Frage kommen, wenn es sich darum handelt, Eisenbahnen vom Süden des Landes nach Peking hinaus zu führen. Ich will daher, obgleich ich den Hvangho nicht selbst gesehen habe, auch über diesen, wegen seiner Ueber- schwemmungen gefürchtetsten aller chinesischen Ströme, von dem später noch weiter die Rede sein wird, einige Angaben machen, die ich größten teils den Beobachtungen meiner Kollegen Banr und Hildebrand ver danke. Es war mir daran das Auffallendste, >velche Berschieden- artigkeit in den Wassermengen, dem Gefälle und dem entsprechend in den Querschnitten jdieser Ströme besteht, obgleich sie fast gleich große Stromgebiete und nicht sehr verschiedene Länge besitzen. Der Jangtse soll ein Stromgebiet von 1,9 Millionen Quadrat kilometer und eine Länge von 5300 km habe». Sein Gefälle beträgt in den unteren 1700 km etwa I : 37000. Auf der Strecke von Hankan bis Nanking kann seine Breite im Mittel etwa zu 2 km angenommen40 werden, oftmals beträgt sie aber 6—8 km, an der Mündung gar 16 km. Das Sommerhochwasser steigt bei Nanking 5 m, bei Hankan wllar ^ m über den niedrigen Winterwasserstand. Die Flut soll im Winter gegen 600 km stromaufwärts bemerkbar sein, wobei a» der Mündung ein Flutwechsel non etwa 3 m vorhanden ist. Bei hohem Svmmerwasser liegt die Flutgrenze schon bei Nanking, also 250 km ftromaufwärts. Der mächtige Strom ist 1800 km weit, bis Jtschang, iür Dampfer schiffbar. Sou-Lou-A!u-/vi.iu-7:c»ip>:l am Wangtsc Der Hoangho soll ebenfalls ein Stromgebiet von >,0 Millionen Quadratkilometer umfassen und seine Länge 4400-4700 km betragen. Er hat jedoch ein ungemein starkes Gefälle, das 000 km von der Mindung, nahe dem projektierte» Uebergange der Eisenbahn Hankau- Peking, 1 :4000 und 840 km von der Mündung noch 1 :7000 beträgt, also ungefähr fünfmal so groß ist, als das des Yangtse. Die Breite wechselt sehr und beträgt 000 km stromaufwärts etwa 1,4 km, an der Mündung dagegen nur 0,5 km, also nicht 1/33 der Breite des Jangtse. Der Strom hat seine Mündung bekanntlich im Laufe der Zeit vielfach verändert, und die jetzige in der Bucht von Petschili gelegene41 ent 1852 gebildet, während er vorher südlich von der Provinz Schantung sich ins Meer ergoß. Die Wassertiefen entsprechen natürlich den wechselnden Breiten und sind i»t Unterlauf erheblich größer als weiter aufwärts. Sie wären für Küstendampfer ausreichend. Außerhalb der Mündung hat aber der Strom die nütgeführten Sinkstoffe fallen lassen müssen, und obgleich der Flutwechsel 2-3 m betrügt, ist doch die Flut nicht imstande, in die enge Mündung iveit genug einzudringen und einen kräftigen Spülstron, zu erzeuge», der bei Ebbe anslaufend die Wamjtfc Isiang mit dbincflfcbcm lUnojäfcbtff und Dscbunkc» Barre durchbrechen und größeren Fahrzeugen das Einlaufen in den Fluß ermöglichen könnte. An den unteren Strecken sollen sich überall doppelte Deiche befinden. Als Vorbedingung für eine auch nur teil weise Korrektion wird von Banr mit Recht die Festlegung der User gefordert, damit nicht beständig so ungeheure Massen des aus Löß bestehenden Flußthals abgebrochen und fvrtgeführt werden können. Welche Schwierigkeiten es übrigens bietet, sich ein annähernd richtiges Bild über die Wasserverhältnisse dieses Stromes zu schaffen, zeigt eine Erfahrung, die der Regierungsbaumeister Heinrich Hildebrand — nebenbei bemerkt, einer der angesehensten und einflußreichsten Europäer42 in China — machte, als er bei den Vorarbeiten für bie oben genannte, von ihm projektierte Eisenbahn de» einzige» Pegel am Hoangho unter suchte. Der chinesische Aufsichtsbeamte hatte die Beobachtung der Wasserstände seit Jahren seinem Diener überlassen, der das Ablesen der Zahlen zwar nicht verstand, aber trotzdem ganz schematisch nach Gutdünken täglich durchaus falsche Eintragungen machte und die Höhen lage des Pegels willkürlich verändert hatte. Sehr verschiedenartig ist nun der Eindruck, den Land »nd Pegc Standort der „KIcincn Maisc" im Üangtsc tation machen, je nachdem man etwa ans dem Perlflnsi nach Eanton, auf dem Minfluß nach Futschou oder auf dem Jangtse und dem Paihv stromauf führt. Perl- und Minfluß münden in gebirgigen Küsten ins Meer. Die Gebirge sind fast ganz kahl, aber zeitweise durch Gras und Gebüsch doch grün. Während der Azaleenblüte können sie leuchtend rot erscheinen. Die Thüler sind fruchtbar und äußerst sorgfältig be stellt. Das Flußthal deS Jangtse erinnert in den untern Strecken an Weser- und Elb-Marschen. An den Ufern liegen zunächst breite, fast undurchdringlich scheinende, wildreiche Rohr- und Schilsflächen, dahinter Wiesen und Felder mit einzelnen prachtvollen Baunigruppen, alles in43 der größten Üppigkeit. Das Klima gestattet hier drei Ernten im Jahr. Bohnen, Baumwolle und Getreide werden hintereinander reif. Die Ufer sind eingedeicht, aber das höchste Wasser geht oft für kurze Zeit über die Ebene hinweg. Steigt doch der Fluß wie gesagt im Sommer beispielsweise bei der 1000 km stromauf gelegenen Stadt Hankau regelmäßig um etwa 12—15 m. Da»»' wälzt sich der mächtige Strom in seinem Bette hin nnd her und reißt alle Vorsprünge, die ihm hinder lich sind, spielend hinweg. Überall sehen wir die Ufer steil abbrechen „Die kleine M.nisc" im Mnglse und verschwinde», und wo heute der Bauer auf seinem Wasserochsen durch das Schilf reitet, fährt im nächsten Jahre unser trefflicher Kapitän Cain mit dem größten Jangtse-Dampfer „Ngauking". Allmählich steigen aus der Ebene immer mehr vereinzelte Kegel auf und bilden dann ganze Bergzüge von 500—1500 »> Höhe, zwischen denen Seen und Arme des Jangtse sich hinziehen. Nachdem wir au Tschinkiang, in dessen Nähe der Kaiser-Kanal den Jangtse kreuzt, so dann an der alten Kaiserstadt Nanking und dem kleinen Handelsplatz Wuhu vorüber sind und auch den steil aus dem Strom anstanchendeu Granitfelsen „Die kleine Waise" mit malerisch gelegenem Tempel hinter44 uns gelassen haben, kommen wir zum Pvyang-See, um den herum die besteil Theedistrikte gelegen sind. In dem durch seine Silber-Industrie bekannten Kiukiang nehmen lvir 21 000 Kisten Thee und drei in Särgen ziemlich gut verpackte tote Chinesen an Bord. Etwa 40 000 weitere Kisten Thee gehen am selben Tage in zwei andern Dampfern aufwärts nach Hankau, welcher Platz jetzt fast ausschließlich den Markt für schlvärzen chinesischen Thee an sich gerissen hat, so daß letzterer selbst von Seehäfen südlich des Aangtse zunächst auf mehr alo 1000 km Ent fernung hierher gebracht und dann meistens auf russischen Schiffen Sriibcr bc> tlientsin nach Odessa oder Tientsin »nieder ausgeführt »vird. Auch England und Nordamerika kaufen hier viel Thee, doch bezieht letzteres Land auch aus Japan, »nährend England jetzt vvriviegend indischen und Ceylvn- Thec eiuführt. Die Theekistcn sind nur so schlver, daß sie gerade noch von einen» Manne ans dem Rücken herangetragen werden können, und es ist ein netter Lärm, »venn vom Lande her über das als Anlegebrücke benutzte alte Schiff hinweg unabsehbare Reihen schreiender Chinesen, jeder mit einer Kiste beladen, heranziehen, »vährend auf der Wasserfeste an den Dampfer drei oder vier große Dschunken anlcgen, von denen jede den besten Platz haben »vill. Dann gibt's ein Geschrei, als wollten sich alle in höchster Wut gegenseitig umbringen. Sie fletschen die Zähne und suchen die Gegner dadurch einzuschüchtern, auch der kleinste Junge schimpft in den höchsten Tönen kreischend mit. Aber schlimmer als dies45 Geheul ist der nun von zwei Seiten auf uns eindringende eigenartige chinesische Geruch und es dauert einige Zeit, bis man sich an beides gewöhnt hat und auch erkennt, das; alles in schönster Eintracht verläuft. Bevor wir nach Haukau gelangen, sehen wir am rechten Fluß- nser noch Shihuiyav, wohin die Eisenerze von Tiehschan mittels einer kurzen Eisenbahn gebracht werden, um dann von hier auf Schiffen nach Haukau zu den Hanyan-Werken weiter geschleppt zu werden. Nicht weit davon entfernt solle» auch gute Kohlen vorhanden sein, die jedoch noch nicht verwertet werden. Kurzum, das Flußgebiet des Aaugtse birgt soviel Reichtum, das; es begreiflich ist, wenn alle Nationen wetteifern, hier festen Fuß zu fassen. Weniger verlockend ist das Bild, das die Mündung und die Ebene des Paihv bieten. Wir trafen es insofern besonders ungünstig, als bei unserer Ankunft der Frühling sich erst eben zu regen begann. Wie die mächtige» Forts an der Einfahrt in den Fluß bei Taku, so besteht alles auf beide» Usern, soweit das Auge blickt, aus gelbem Lehm. Kein Baum, kein Strauch, kein Stein, damals selbst kein Grashalm. Nichts als eine endlose Ebene, aus der nur viele Lehmhütten und noch mehr größere und kleinere Lehnihaufen, die überall im Felde zerstreuten Grabhügel, hervorrageu. Ein trostloseres Bild ist kaum zu denken, als die Ebene zwischen Taku und Tientsin im Winter, und nur die blauen Gewänder der erwachsenen Chinesen und die roten der Kinder bringen etwas Abwechslung in das Einerlei. Einige Wochen später sahen wir mit Geuugthuung, daß an manchen Stellen auch Gras und Saatfelder entstanden, aber alles macht einen ärmlichen Eindruck. Ist doch hier auch das Klima ziemlich rauh, so daß der Fluß monatelang fest zugefroren ist und mit großer Regelmäßigkeit erst im Anfang März wieder schiffbar wird, ein Umstand, der für den Handel Tientsins sehr nachteilig ist.Die Bevölkerung rf) muß IHM aber zunächst einmal auf die Bevölkerung eiugeheii. Wo immer ich in China das Ufer betrat, und zwar ebenso an abgelegenen Buchten, wie an den großen und kleinen Handelsplätzen, war mein erster Eindruck iminer der des Staunens über die Masse der vorhaudenenMensche». Fast alle ärmlich und schmutzig gekleidet, in denselben blauen Gewändern mit der gleichen Kopfbedeckung, scheinbar einander so ähnlich, daß man erst nach einiger Zeit imstande ist, sie zu unterscheiden. Die Gesichter sind zwar durchaus nicht so häß lich, wie man es sich gewöhnlich denkt, denn alle Chinesen haben ganz hübsche dunkle Auge», auch die Gestalten sind in vielen Gegenden sogar schön, aber es fehlt fast immer alles Anziehende und Anmutige, so daß der erste Eindruck kein besonders günstiger zu sein Pflegt. Frauen wohlhabender Klassen sieht man wenige, sie halten sich in den Häusern ans. Nur in Schanghai fahren sie auch mit ihren Familie» uinher, und ich thüte ihnen unrecht, wenn ich ihren Zügen jeden Reiz und eine gewisse Anmut absprechen wollte. Der durch die verkrüppelten Füße verschuldete Gang, einer Bewegung ans Stelzen ähnlich, macht jedoch stets einen traurigen Eindruck. Niedlich sind die meisten kleinen Kinder und sie würden es alle sein, wenn sie reinlicher wären. Das gewöhnliche Volk scheint durchaus zufrieden zu sein, ist freundlich und für jeden Scherz ungemein zugänglich. Die Beamten und Gelehrten blicken dagegen aus den Sänften durch große Hornbrillen ziemlich verächtlich auf uns herab. Die wohlhabende» Geschäftsleute in den großen Städte», namentlich in Schanghai, sehen sehr behäbig aus, die bart losen Gesichter sind nur oft zu feist, aber so ein in seidene Gewänder gehüllter Kaufmann, in seiner mit feurigen Pvnies bespannten, vonInnerer staken von Schanghai47 Kutscher und Diener iu geschmackvoller Kleidung gelenkten Karosse dahinjagend, dars sich aus dem Korso im Berliner Tiergarten jeder Kritik ruhig unterwerfen. Da die Zahl der Fremden in China verhältnismäßig noch gering ist, so wird der Europäer allgemein mit derselben Neugierde betrachtet, wie in Deutschland der Chinese. Zudringlich waren aber nur wenige, wenn auch auf dem Lande manche erst die Kleidung der noch nie gesehenen „roten Teufel", wie man ja die Weißen meistens neunen soll, befühlen und durch das wunderbare Fernglas sehen mußten, bevor sie befriedigt waren. Nur einmal aus einer kleinen XCloblbabcnbc djinclifibc Jfrau Insel wurde ich ziemlich zudringlich ersucht, aus der Pfeife eines Chinesen zu rauchen und eine öffentliche Anstalt, vermutlich den Stolz des Dorfes, zu benutzen. Da ich Nichtraucher bin und dem weitern Ersuchen beim besten Willen nicht hätte entsprechen können, mußte ich leider auf beide Vergnügen verzichten und machte mich möglichst bald davon. Ebenso in Hankau, wo die Straßenjugend iu einzelnen Stadt teilen jeden Fremden mit wüstem Geschrei verfolgt. Gefallen findet man an der Bevölkerung erst, tvenn man ihre Genügsamkeit und ihren Fleiß sieht. Ein paar Hände voll Reis, einige Muscheln oder ganz kleine Stückchen Fisch und Schweinefleisch genügen vollständig, den Mann zu nähren. Arbeiten thut er jederzeit, bis er4 $ ntübc ist, bann schläft er, ob eo Tag ober Nacht ist, einige Stnnben nnb arbeitet weiter. Wie er keine» wöchentlichen Ruhetag kennt, kümmert er sich 'auch nicht viel um bie Tageszeit imb ich habe ver- schiebentlich Hanbwerker um Mitternacht nnb Lanblente vor Tages granen an ber Arbeit gesehen. CKincsiscKcr NVarsu, vorrcitcr Die Bevölkerung im Silben macht einen intelligenteren, bie im Narben einen kräftigeren Einbrnck. Die Salbateit, häufig ganz stattliche Figuren, behalten für unser Auge hoch immer etwas Komisches in ben bunte» Gewänberu, namentlich, wen» sie ben großen Strohhut unb Regenschirm, bie zweiteiligen Ueberhosen unb Filzschuhe tragen. Wir sahen sie einmal nach bentschem Kvmmanbo ganz hübsch exerzieren nnb bie Erfolge ber beutschen Instruktoren würben von Kennern gerühmt.49 Die Zahl der Soldaten scheint nur gering zn sein. Meistens traf man sie ohne Waffen, oder das Schwert auf den Rücken gebunden, in ganz kleinen Trupps oder einzeln umherziehend. Ihr Hauptstolz sind riesige rote Fahnen. Man pflegt daher auch in China zu sagen: zwanzig Soldaten, zwanzig Regenschirme, neunzehn Flaggen und eine Flinte. Auch bei ihnen — wie bei allen andern Chinesen — sah man oft einen Tierfreund, der statt eines Hundes, wie bei uns, einen Käfig mit einem Singvogel mitführte, ihn an irgend einem grünen Zweig befestigte und sich des meist ganz melodischen Gesanges erfreute. Ein einigermaßen kriegerisches Aussehen hatten im Grunde nur die Reiter in der Umgegend von Peking, die den Kaiser bei Tages anbruch nach der Sonnnerresidenz der Kaiserin-Mutter begleitet hatten und nun alle auf selbstgewählten Wegen wieder zurücktrabten. Sie trugen außer dem Schwert noch eine lange Flinte auf dem Rücken. Die höher» Offiziere und Beamten fuhren in den dort gebräuchlichen, von einem Pferde gezogenen zweirädrigen schweren Karren nach Hanse. Mehrere gute Bekannte des mich begleitenden Herrn stellten sich nach dortiger Sitte, als hätten sie ihn nicht erkannt, weil die Höflichkeit beiden Teilen sonst die Pflicht auferlegt hätte, ans dem schrecklichen Marterkasten herauszuklettern und sich unter tiefen Verbeugungen nach dem Befinden aller einzelnen männlichen Familienmitglieder ihres Bekannten zu erkundigen. Ich muß gestehe», daß die ungewöhnlich große Zahl ärmlicher schmutziger Menschen für einen empfindsamen Reisenden, der sich in der Heimat mit der Hebung des Arbeiterstandes beschäftigt, etwas Beängstigendes hat. Wie mag man den Menschen als Zugtier vor den Wagen spannen und sein Keuchen anhören, wenn er auf lange Strecken mit galoppierenden Pferden um die Wette rennt? Wie könnte ein einzelner Privatmann diesen Massen gegenüber den Mut haben, auch nur einen Versuch zur Besserung ihrer Lage zn unternehmen? Könntest du in solchem Lande leben? ftagte ich mich. Nun anfangs bezweifelte ich das, aber man gewöhnt sich an vieles. Während ich das erste Mal statt der Rickscha einen Ponywagen wählte, mußte ich mir bald sage», daß ich dem Kuli doch nur eine Wohlthat erzeigte, wenn ich ihn das Geld verdienen ließ, und als ich dann sah, wie die Rickschaleute mich mit ganz besonderer Vorliebe in ihr Wägelchen zu nehmen wünschten, weil ich gewöhnlich etwas mehr zahlte und leichter war als meine Gefährten, so fuhr ich mit jungen kräftigen Leuten später- ganz gern. Frau zins, Kiautschou 4so Cbfneflfcbct Kogcnscdiikzc Mitleid kennt der Chinese nicht, beansprucht es anch nicht, und bedarf desselben infolge seiner angeborenen Genügsamkeit vielleicht iveniger, als unsereins glaubt. Es ist also im Grunde nicht richtig,$1 ihm aus Mitleid und weil man sich über die niedrige» Löhne wundert, mehr zu zahlen, als er beansprucht. Aber man thnt es sehr leicht und der Chinese nimmt das Geld auch höflich hin. In Japan dagegen wurden die Kulis fast immer unverschämt, sobald man ihnen — wie sie wohl annahmen, aus Dniniuheit — mehr als die Taxe zahlte. Und als ich dort aus Mitleid am Fuße eines höher» Berges meine Rickscha verließ, damit der Kuli sie aus der in langen Serpentinen ansteigenden Straße beguenier Hinaufschleppen könne, während ich selbst mit ziem licher Not ans dem steile» Richtweg nach oben strebte, nahm der Kuli den ganzen Wagen auf den Rücken und ging auch lachend den Richtweg. Ueber die in China gebräuchlichen Löhne machte mir Herr Re- giernngsbanmeister H. Hildebrand folgende Mitteilungen: Der Tage lohn eines Handlangers beträgt 30 bis 35 Pfennig, der eines Maurers, Zimmermannes, Tischlers, Böttchers 40 Ps., eines Schmieds, Kupfer schmieds, Schlossers, Steinmetzen etwa 50 Pf. Die Arbeitszeit geht von Sonnenaufgang bis Untergang mit etwa zwei Stunden Unterbrechung. Die Handlanger sollen bei guter Anleitung und Aufsicht ungefähr eben soviel leisten können wie Europäer. Bei den Handwerkern bedarf es einer I bis 2 Monate langen Schulung, um sie soweit zu bringen, daß sie etwa die Hälfte von dem fertig bringen, was der Europäer leistet. Bei guter Behandlung und guter Bezahlung sollen sich tüchtige Schlosser, Heizer, Lokomotivführer u. s. w. aus den Arbeitern bilden lassen. Man hat ans der Anspruchslosigkeit der Chinesen wohl den Schluß gezogen, als ob China kein Bedürfnis für europäische Erzeug nisse habe. Das halte ich für durchaus falsch. Wenn man Städte wie Singapur, Hongkong und Schanghai kennen lernt, sieht man sehr bald, daß die Bedürfnislosigkeit sich in einen starken Hang zum Luxus verwandelt, sobald der Bevölkerung nur die Gelegenheit geboten wird, Geld zu erwerben und die Sicherheit geschaffen, es vor der Habgier der Beamten zu bewahren. Daß der Geschmack der wohlhabenden Chinesen vorläufig noch ein chinesischer ist, versteht sich bei der vollständigen Abgeschlossenheit des Landes von selbst. Aber mit dem Ausbau von Eisenbahnen, mit der weiter zunehmenden Erschließung des Innern werden auch die europäische Kultur und der europäische Geschmack in China ebenso eindringen, wie sie es in der ganzen Welt gethan haben. Für die Wohlfahrt der geringen Klassen kann der einzelne in China kaum etwas thun. Bon einen, Bestreben der Regierung nach dieser Richtung hin habe ich so gut ,vie nichts gehört. Dagegen wurde an vielen Stellen darüber geklagt, daß die Beamte», iveil sie selbst nur 4 *52 ganz gering bezahlt würden, aber an die Regierung hohe Einnahmen aus den einzelnen Provinzen abliefern müßten, jeden zu Wohlstand kommenden Chinesen auszupressen bestrebt seien, so daß wohlhabende Kaufleute sich mit Vorliebe in den unter europäischer Verwaltung stehenden Niederlassungen der willkürlichen Besteuerung ihrer eigenen Behörden entzögen. Von wvhlthätigen Einrichtungen ist also nicht viel zu sehen. Dennoch findet man einiges, was durch Missionare und Allcs Ubecbaus In Schanghai gemeinnützige Gesellschaften ins Leben gerufen wurde. Ju Tschifu wurden mir verschiedene Anstalten für Alte und Bedürftige gezeigt. Ganz vortrefflich war dort ein von den Krankenschwestern der fran zösischen Mission geleitetes Krankenhaus unter Aufsicht eines jungen norwegischen Arztes. Einer unserer Offiziere, der dort mehrere Wochen uutergebracht war, lobte die ihm zuteil gewordene Pflege in jeder Hin sicht. Drei Priester und 27 Schwestern widmen sich dort der Kinder erziehung und Krankenpflege. Von der ebenfalls in der Provinz Schantung wirkenden deutschen Mission unter dem Bischof Anzer habeAeußere Mauer und Chor von Pekingr i53 ich leider nichts gesehen, weil sie tiefer im Innern thätig ist. Es wird von ihr weiter unten ausführlicher die Rede sein. Im allgemeinen sind die europäischen und amerikanischen Missionare bei den Kausieuten im fernen Osten wenig beliebt, weil nach ihrer Ansicht ungeschickte und fanatische Bekehrungssucht mehrfach selbst die überaus duldsamen und gleichgültigen Chinesen zu Aufständen gebracht hat, die dem Handel empfindlichen Schaden zusügten. Es lägt sich das verhältnismäßig geringe Interesse, das man in den Kreisen der Europäer für die Be strebungen der Missionare meistens hat, daher wohl begreifen, aber um so mehr freut es mich, doch auch Beweise ihrer wirklich der Allgemeinheit dienenden und nützlichen Thätigkcit gesehen zu haben, wie sie z. B. bei Schanghai in der von den Jesuiten gegründeten und geleiteten Rieder- las'nng Zikawei und in dem italienischen Findelhaus zu Hankau sich finden. Von den zur Zeit in China thätigen 158 Jesuiten sollen 22 in Zikawei der Wissenschaft oder der Kindererziehung leben. Von ganz allgemeinemJnteresse undNutzenist das rühmlich bekannte Observatorium, das als Mittelpunkt aller meteorologischen Beobachtungen in Ostasien dient und durch seine Sturmwarnungen schon vielen Schiffen äußerst nützlich war. Eine über 20 000 Bände zählende, jedem zugängliche Bibliothek, die wertvolle chinesische Manuskripte enthalten soll, wird leider nur wenig benutzt. Sehr schöne zoologische Sammlungen sind vorläufig in ungenügenden Räumen untergebracht, werden aber mit der größten Bereitwilligkeit unentgeltlich gezeigt. In drei Klaffen werden etwa hundert chinesische Schüler wissenschaftlich soweit unterrichtet, daß sie eine öffentliche Prüfung oblegen und dadurch die Berechtigung er halten, selbst zu unterrichten. Am nützlichsten aber machen sich die Patres wohl durch die Waisenanstalt, in der einige hundert Knaben in fast allen denkbaren Handwerken ausgebildet und in der christlichen Lehre erzogen werden. Aehnlich wird von katholischen Schwestern in der Nähe für Waisenmädchen gesorgt. Diese Anstalt habe ich jedoch selbst nicht be suchen können, doch lernte ich eine noch bedeutendere in dem Findel hause zu Hankau kennen. Dieses gehört dem italienischen Konvent an, unter dessen Leitung mit Hilfe von 70 Schwestern an verschiedenen Plätzen gegen 1500 Mädchen vom zartesten Alter an verpflegt und erzogen werden, bis sie, >vie die Oberin sagte, „ready to be married“ sind. In der Stadt Hankau, die mit Hanyan und Wutschang zu sammen auf eine Million Einwohner geschätzt wird, bringt man dem$4 Findel Hause täglich manchmal 6 bis 7 oft kränkliche, halb verhungerte kleine Mädchen. Nicht etwa, weil es den Chinesen an Kinderliebe und Familiensinn mangelt — meiner Ueberzeugung nach stehen sie in diesen Tugenden jedem andern Volke mindestens gleich —, sondern lediglich aus Not, infolge der Übervölkerung. Diese ist auch der Anlaß, daß ab und zu noch Fälle von Mädchenniord Vorkommen sollen, aber die sogenannten Kindertürme, die übrigens auch nur für die Bestattung toter Kinder bestimmt waren, sind vermauert und bieten keine Ge legenheit mehr, sich lebender Mädchen — Knaben sind ja davor sicher — /Dadcbenfckulc in Ifoanhau 51t entledigen. Gewiß haben Findelhäuser, wie die in Hankan, in Zikawei und Hongkong, mit in erster Linie dazu beigetragen, das Leben mancher kleiner Mädchen zu erhalte». Immer gelingt das ja freilich nicht, denn häufig sind die armen Wesen, wenn die Mutter sich endlich zur Trennung entschließt, schon so verkommen, daß ihnen nicht mehr zu helfen ist. Die Krankenzimmer machten einen trostlosen Eindruck. Um so erfreulicher war das Bild in den Sälen, >vv sechs- bis achtjährige, ganz gleich gekleidete Mädchen, in blauen oder roten Gewändern, vor zugsweise zu Reinlichkeit und Ordnung erzogen wurden, wenn dann$5 an 80 der zierlichen Puppen nach chinesischer Sitte die kleinen Fäuste zusannnenlegend, mit der Stirn die Erde berührten. Die größer» waren eifrig mit Handarbeiten, namentlich mit der Herstellung seidener .Spitzen beschäftigt, und die heiratsfähigen Mädchen waren mit in der Küche thätig. Sie werden dann mit christlichen Handwerkern ver heiratet und ziehen meistens aufs Land. Die Mittel zur Erhaltung dieser in sehr dürftigen Räumen untergebrachten, aber äußerst sauber gehaltenen Anstalt kommen, wie meine Führerin sagte, aus Italien und Paris. Die Schwestern, die hier ihr Leben dem guten Zwecke opfern, sind ebenfalls meist Italienerinnen, zum Teil aber auch Chine sinnen. Letztere führen allein die Aufsicht in den Schlafsälen; denn, sagte meine Führerin mit dem mir unvergeßlichen Madonnengesicht, alles können wir in den Krankensäleit auch bei Behandlung der so häufigen entsetzlichen Hautkrankheiten ertragen, nur nicht die Aus dünstung dieser chinesischen Kinder; dazu muß man Chinese sein. Ich kaufte einiges von den reizenden Seidenspitze», welche die Kinder anfertigten, und verließ die Anstalt mit dem Gefühl der größten Bewunderung für die Leistungen der Schwestern. Ebenso in Zikawei. Ich bin gerade kein Freund der Jesuiten, aber der Pater S., ein ge lehrter und liebenswürdiger Mann, hat sich meine ganze Hochachtung erworben. Er kam mit 18 Jahren nach China und ist jetzt ebenso lange dort. Er bat mich dringend, wenn ich etwa nach W. kommen sollte, seiner alten Mutter einen Besuch zu machen und ihr zu erzählen, daß es ihm gut gehe. Er liebt sie über alles und schreibt ihr wöchent lich. Wie konnten Sie sich freiwillig für immer von ihr trennen? fragte ich. Ach, sagte er, ich werde sie im Himmel Wiedersehen, und es ist doch so schön, wenn man ein paar Seelen dieser armen Chinesen für den Hinnncl rette» kann. Es ist natürlich, daß Menschen, die mit solcher Hingabe, Begeisterung und Bedürfnislosigkeit arbeiten, auch Er folg haben. Möchten sich unsere jungen Kauslente nach dieser Richtung hin ein Beispiel an ihnen nehmen! Welches Feld der Thätigkeit ist uns in China offen! Wirklich dem Handel geöffnet sind nur wenige Städte, im ganzen 22, meistens nur im Süden des großen Reiches gelegen, wo das Klima wohl größer» Reichtum des Bodens gewährt, aber auch ungesunder ist. Anfangs sind die Europäer, insbesondere Engländer, dort fast spielend in kürzester Zeit reich geworden, jetzt gehört mehr Ausdauer und Fleiß dazu, und viele große englische Firmen sind durch kleinere anderer Nationen — oft deutsche — ersetzt, aber es wird doch auch jetzt noch meistens mit dem56 Gedanken gearbeitet, das; man sehr bald mit vollen Taschen in die Heimat zurückkehren möchte. Ich habe den Eindruck gehabt, als ob noch zu viel Sekt getrunken würde. Das mag im Süden bei zeitweise ungünstigem Klima erklärlich und zu entschuldigen sein, aber in und nördlich von Schanghai läßt es sich auch ohne Sekt recht gut leben, und ich glaube, das; noch viel mehr unserer Söhne sehr wohl ihr Brot in China finden würden, wenn sie mit gründlicher Kenntnis der eng lischen Sprache und mäßigen Ansprüchen hinübergingen. Es ist ein Jammer, daß bei uns gerade ans die englische Sprache noch immer nicht genügendes Gewicht gelegt wird. Denn mag man über die Engländer denken, wie man ivill, ihre Sprache beherrscht die Welt, insbesondere Ostasien. Die chinesischen Wohnungen weichen von den nnsrigen einiger maßen ab. Die ärmere Landbevölkerung lebt in Lehmhütten. Die Wände sind entweder aus Lehm gestampft oder aus an der Luft ge trockneten Ziegeln gebildet, die Dächer meistens mit gebrannten Dach pfannen eingedeckt. Aus Lehmschlag besteht auch der Fußboden. Die Thüreu und Fenster sind klein, letztere mit Papier geschlossen. Einzelne Wohlhabende wohnen in Gehöften, die ganz mit einer hohen Ziegel- mauer auf Granitsockel umgeben sind. An der Mauerecke findet mau nicht die bei uns gebräuchliche Warnungstafel in Bezug auf Rein haltung, sondern ein großes irdenes Gefäß, wie es z. B. in den engen Straßen Cantons an jeder Straßenecke steht. Durch ein mächtiges grell bemaltes Holzthvr gelangt man in den ersten Hof. Bei hohen Beamten, wie z. B. bei dem Oberwerftdirektor in Futschou, war außerhalb noch ein halboffener Gefängnisraum angebracht, in welchem zwei Sünder, mit dem großen Hvlzkragen geschmückt, sich langweilten. Rings um den Hof liegen Wirtschastsräume, Schulzimmer und Wvhn- räume für Diener u. s. w. Quer vor befindet sich ein bedeckter Säulen gang, gewissermaßen wie ein Vorzimmer. Dann folgt ein zweiter Hof, hinter dem nun das eigentliche Wohngebäude steht, in der Mitte das Empfangszimmer mit Hausaltar, zu den Seiten Wohn- und Schlafzimmer des Hausherrn und seiner Frauen, die aus allen Ritzen und Fensterchen neugierig nach dem Fremden schauen, während zahlreiche Kinder sich hervordrängen, aber ängstlich zurückweichen, wenn dieser sich nähert. Die Stadtkinder sind mutiger, aber selten unverschämt. Das Haus ist in allen tragenden Teilen aus Holz hergestellt, die Ziegelmauern dienen nur zur Umschließung und Trennung der Räume. Die Höfe sind mit Blumentöpfen geschmückt, und kleine Gärten ent-57 Petroleumlampe, die vielleicht Hunderte von Meilen auf einer Schiev- karre von der Küste hergebracht wurde, zu benutzen. Tisch und Stühle sind häufig schön eingelegt und ans der durch solche Arbeiten berühmten Stadt Ningpo bezogen. Kurz, in einen, vornehmen chinesischen Hause lägt es sich auch aus dem Lande bei Tage schon aushalten. Nachts wird es, fürchte ich, zu lebendig sein. halten Myrten, Oleander, Azaleen, Monatsrosen, chinesische Nelke» und vieles andere. Glycinien und schwefelgelbe Kletterrosen ranken an den Mauern. Mächtige Papierlaternen Hängen vom Gebälk der Säulengänge herab. Im Innern fängt man aber schon an, eine kleine LbineNscve Slrak-Sekangcnc -INI pranget5$ In den Städten liegt zu beiden Seiten der engen Gassen Haus unmittelbar an Haus, vielfach alles aus Holz, in den bessern Stadt teilen aber auch mit Stein umkleidet. Kleine Häuser haben nur vorn in einem offenen Raum die Werkstatt oder den Laden und in dem da hinterliegenden das Wohn- und Schlafgemach. Reichere Kanfleute in Kanton besaßen zwischen dem vorderu Geschäftsraum und dem da hinterliegenden, aus mehreren Zimmern bestehenden Wvhnhanse einen kleinen gartenartig ausgebildeten, mit Kunstgegenständen aller Art ge schmückten Hof, und über dem Erdgeschoß noch ein zweites Stockwerk für Lager- und Fabrikationszwecke, z. B. das Bemalen und Sticken der Seidenzeuge u. s. w. In Tientsin sah ich ein sehr stattliches'chine- Ling.ing z» dc» MinggrZbcrn sisches Privathaus in Bäu, das in seiner ganzen Konstruktion und dem von riesigen Holzfäulen getragenen Dache an die großen Hallen der Ming-Gräber im Norden Pekings erinnerte. Auch hier ivnrden die Umfassungsmauern ebensowenig wie die Scheidewände zum Tragen des schweren Gebälks und Dachstuhls benutzt. Zwei Arten von Gebäuden muß ich noch kurz besprechen, die für den Fremden von besonderer Bedeutung sind, die Tempel und die Wirtshäuser. Beide stehen in nahem Zusammenhang miteinander. Nicht örtlich, wie bei uns, sondern wegen des gleichen Zwecks, insofern beide zur Unterbringung der Reisenden dienen. Unter Tempel hat man sich im allgemeinen nicht ein einzelnes Gebäude zu denken, sondern eine ganze Zahl von solchen, die von einer hohen Mauer umschlossen$9 sind. Ein großer Hof mit Teichen, alten Bäumen, Terrassen n. s. w. reiht sich an den andern. In jedem liegt ein für Knltuszwecke dienendes Gebäude, also ein eigentlicher Tempel, oft vier hintereinander. Rings um laufen Veranden mit zahlreichen Zimmern zur Unterbringung von Pilgern, und weiter seitwärts liegen die Wohnungen der Priester und Tempeldiener. Fast alles ist von Holz gebaut, mit bunten glasierten Ziegeln gedeckt und bunt bemalt. In diesen Tempeln findet man meistens Unterkunft, d. h. eine» kahlen Raum, in welchem man trocken liegen kann. Das Lager und die Lebensmittel muß man mitbringen; ebenso alles Geschirr, und man beginnt zunächst mit der Reinigung des Zimmers. Das ist im Tempel und Wirtshaus ganz gleich, aber ersterer ist doch meistens etwas sauberer und hat namentlich eine an genehmere Umgebung. Die Wirtshäuser bieten dem Fremden eine Lehmhütte an dem großen, rings von Pferden-, Esel- und Schweine ställen umgebene» Düngerhofe. Die Thür ist nicht zu verschließen, das Papier der Fenster durch die in großen Haufen davorstehenden Neugierigen überall durchstoßen. Man legt seine Matratze auf die Lehmpritsche oder den Lehmestrich, und ist froh, daß der Diener auf dem Hofe heißes Wasser zum Thee bereiten darf. Das ist ein chine sisches Wirtshaus. Bei nnserm viertägigen Ritt nach der großen Mauer bekamen wir im Grunde nur eine Ahnung von der Ursprünglich keit dieser Anlagen, weil wir durch die Liebenswürdigkeit unseres Ge sandten in solcher Weise mit jedem erdenklichen Komfort ausgerüstet waren, daß uns eine ganze Karawane begleitete und bis ins kleinste für uns sorgte. Bei einem andern Ausfluge ins Hinterland von Kiau- tschou habe ich aber die Wirtshäuser richtig kennen und würdigen ge lernt. An der Küste besitzt übrigens jede größere Stadt einen europäisch eingerichteten Gasthof, und die Wohnhäuser der Europäer unterscheiden sich von den nnsrigen hauptsächlich nur durch die ringsum angebrachten offenen oder geschlossenen Veranden, welche Schatten und Kühlung geben.Die Uerkehrsmittel ott den in China gebräuchlichen Verkehrsmitteln zu Wasser und zu Lande habe ich manches kennen ge lernt. Etwas Ursprünglicheres als das etwa 3—4 m lange Floß, aus wenigen Bambus- oder sonstigen Bautnstämmen, auf dem die Fischer an den Küsten oder auf den Strömen sich fortbewegen, giebt es nicht. Der Sampan, ein ganz flach gehendes, halb überdecktes Boot, das von dem Bootsmann mit einem großen Ruder sehr geschickt und rasch fortbewegt wird, ist dagegeir ein Kunstwerk und so gestaltet, daß man mit ihm fast überall leicht aits llfer gelangen kann. Wesentlich größer, etwa 12 in lang, sind schon die sogenannten Hausboote, in denen zwei bis drei Reisende in verhältnismäßig bequem eingerichteter Kajüte untergebracht werden können, während die Diener in einem ztveiten Raume hausen und am Deck ein offenes Feuer die Bereitung warmer Mahlzeiten gestattet. Diese Hausboote tverden auch von Europäern häufig zu Ausflügen benutzt, und wenige Tage vor unserer Ankunft in Futschon ivar leider der dortige deutsche Konsul bei einer solchen Gelegenheit ertrunken. Ueberall an der Küste wurde der Tod des tüchtigen, liebenswürdigen Mannes betrauert. Wir verloren in ihm einen gründlichen Kenner chinesischer Verhältnisse, was für uns um so bedauerlicher war, als wir int allgemeinen das Unglück hatten, in den Konsulaten meistens Beanite zu treffen, die erst seit sehr kurzer Zeit, vielfach sogar nur in Vertretung an dem jetzigen Platze thätig und, wenn auch sehr bereit, doch nicht immer in der Lage waren, die Verhältnisse am Platze schon gründlich kennen zu lernen. Daß diese Hausboote vielfach von den Chinesen nur als Wohnung benutzt werden,Cartarenltadt von Peking61 ist bekannt. In Kanton, Futschou, Hankau u. s. w. sahen wir sie zu Tausenden. Nicht ganz so zahlreich, aber dafür desto stattlicher, erscheinen die für die Warenbeförderung in erster Linie in Betracht kommenden Dschunken, mächtige Segelsahrzeuge mit drei bis vier Masten, hinten hoch aufgebaut, prächtig bemalt und vorzügliche Segler. Zwar fangen die Flußdampfer an, ihnen das Feld ftvcitig zu machen, aber vor- Cbincliscbc Sänfte läufig doch nur auf wenigen besonders bedeutenden Wasserstraß .1, wie Jangtse und Perlfluß. Auf dem Paiho hat die Dampfschifsahrt sich nach Eröffnung der Eisenbahn Tonku-Tientsin ziemlich wieder auf die Strecke Taku—Tvnku beschränkt, iveil die Schiffahrt infolge der starken Krümmungen und abnehmenden Wassertiefen hier immer schwieriger wird. Die Dampfer zwischen Hongkong und Kanton, sowie zwischen Schanghai und Hankau sind für Beförderung von Personen und Lasten vorzüglich eingerichtet. Fm allgemeinen sind die Räume für Europäer von denen für Chinesen streng geschieden, und aus dem Perlfluß findet62 man zu aller Sicherheit gegen die früher dort nicht seltenen Piraten einen Säbel am Bett nnd Büchsen im Salon. Täglich fahren die schönen Dampfer dreier Gesellschaften den Uangtse hinauf und wenn ich mich nicht aus jungen Jahren einer Rheinfahrt mit Erdbcerbowle und Männerquartett erinnerte, so würde mir die Dangtsesahrt mit deni belgischen Bivloncellisteu Merk und meinem musikalischen Neffen viel- leicht als die reizendste meiner Stromsahrten erscheinen. Am Lande ist die Beförderung weit unbequemer. Während der DcbicdKarrcn Wasserbau in früherer Zeit in China doch mit Geschick betrieben wurde, sind Wege und Straßen aufs äußerste vernachlässigt. Im Süden giebt es meist nur Fußwege, auf denen wohlhabendere Personen sowie Lasten nieistens von Menschen, seltener von Pferd und Esel, getragen werden. Selbst die Straßen in den Städten — von der englischen Kolonie Hongkong natürlich abgesehen — sind hier so schmal, daß nicht einmal die kleinen Rickschas verwendet werden können. Das Tragen geschieht meist mit Hilfe langer Bambusstangen, an denen die Sänfte oder das Gepäck befestigt wird. Bei schweren Laste», z. B. mächtigen Baum stämmen, wo sehr viele Menschen nötig sind, muß man die Geschicklich-63 feit und Kraft derselben bewundern. Je schwerer die Last ist, desto schneller laufen die Träger, alle im Takt schreitend. Im mittleren Küstenstrich — etwa zwischen Schanghai und Tschifu — benutzt man vorzugsweise Schiebkarren mit einem großen Rade, zu dessen beiden Seiten die Ladung Platz findet. Ganze Familien der ärmsten Klassen lassen sich von einem in Schweiß zer fließenden Kuli so für einige Pfennige durch die Straßen von Schang hai schieben, während der etwas wohlhabendere Mensch sich der Rickscha bedient und der Reiche von Pferden gezogen wird. Die nur selten mit guten Brücken versehenen Landwege sind Ikamcl-Lrücke bei Ipcfcing durch die Schiebkarren derartig zerfahren, daß immer neue Streifen des Ackerlandes zum Wege zugezogen werden, bis der Regen den alten Weg wieder glatt gewaschen hat. Bo» baulicher Unterhaltung des Weges ist keine Rede, da der Staat sich um dergleichen An gelegenheiten nur kümmert, wenn einmal ganz etwas Außergewöhn liches vorliegt, und Gemeindeverwaltungen oder Kreisverbände nicht bestehen. Wohl glaubt man manchmal seitliche Entwässerungs gräben zu sehen, aber es sind Gruben, aus denen jemand, der sich Ziegel trocknen möchte, die vom Regen ausgewaschenen und in die Grube geschlemmten Thonmassen aushebt und gleich nebenbei zu Ziegeln formt. Können die Karre» nicht mehr vorbei, so lege» sie sich seitwärts, beliebig über die Felder fahrend, einen neuen Weg an. Ich war anfangs erstaunt, an solchen Stellen nicht die Knoche» einiger im64 Streit erschlagener Chinesen in der Svnnc bleichend zn finden, aber ich erinnerte mich, daß es der unberechtigten Richtwege auch in nnsern Feldern nach genug giebt. Der Chinese schreit und schimpft zwar leicht, weicht aber dem ernsten Streite gern aus. Dafür gab mir mein Kollege H. einen netten Beleg. Er war als Vertrauensmann deS mit deni schönen, zu deutsch „Erst köpfen, dann berichten" lautenden Titel geschmückten, höchstkvmmandierenden chinesischen Generals nach Norden gegen die Japaner gezogen. Nahe vor dem Feinde kam spät in der Nacht noch ein hoher Offizier zn ihm, um nach vielen höflichen Redens arten zu fragen, auf welchem Wege, wenn es andern Tages zur Schlacht komme, H. wegzulaufen beabsichtige, da der Offizier denselben Weg zu nehmen wünsche. Nein, der Chinese muß schon sehr erregt sein, wenn er schlagen soll. Im nördlichen China sind die Straßen der Städte breiter, aber dafür noch schlechter, als im Süden. Die Wege dienen häufig gleich als Wasserläufe. Wer irgend kann, reitet auf Esel, Pferd und Maul tier oder fährt in dem schweren zweirädrigen Karren, ringsum mit Kissen festgckeilt. Wer das aber nicht kennt und wie wir ahnungslos in dem ohne Federn auf den Achsen ruhenden Kasten sich hinlegt — ein Sitz ist ja nicht vorhanden —, der dankt seinem Schöpfer zeitlebens, daß er noch wieder lebendig aus dem Fuhrwerk herauskam. Diese Enttäuschung, als ich hoffte, stolz in die Thore Pekings einzureiten und dann, weil kein Roß gu haben war, vollständig gerädert, wie ein znnl Schafott Verurteilter von dem alten Maulesel hineingezogen wurde! Freilich, der Kenner setzt sich seitwärts auf die Deichsel. Aber nicht jeder besitzt die Energie und Aufopferung, wie die liebenswürdige Gemahlin unseres Gesandten in Peking, die als unsere Führerin nach dem Tempel der blauen Wolken acht Stunden ans solcher Deichsel aushielt. Zur Beförderung von Waren werden im nördlichen China fast ausschließlich Lasttiere aller Art, insbesondere Kamele benutzt, und man trifft namentlich ans der Straße über den Nankanpaß nach der Mongolei Karawanen von hundert und mehr Tieren. Ich wunderte mich übrigens, daß die Kamele nicht größere Lasten zu tragen vermögen. Jni all- gemeinen trägt ein Esel etwa 70, ein Maultier 140 und ein Kamel nur 160 Kilogramm, wobei 3,5 und 4 Kilometer in der Stunde znrück- gelegt werden sollen. Die Kosten der Kamclfracht wurden mir zu etwa 15 Pfennig für ein Tonnenkilometer angegeben. Das ist zwar ver hältnismäßig nicht viel, aber ich glaube doch, daß die Herren Kamel-6 $ treibet ihre besten Tage gehabt haben. Das Dampfroß schnob un heimlich an den Thoren Pekings und wird bald ernstlich »nt dem Kamel um die Wette laufen. Schon vor zwanzig Jahren wurde von einer englischen Finna die etwa 18 Kilometer lange erste Eisenbahn in China erbaut, und zwar von Schanghai nach Wusung. Aber die Neuerung gefiel dem Volke oder wohl richtiger den Mandarinen nicht, und da keine eigentliche Konzession von der Centralregierung in Peking erteilt war, so wurde das als Vorwand benutzt, den Betrieb zu hindern. Um Cbtncfifcbcr Hrnrrcn dann den Streit zu vermeiden, kaufte die chinesische Regierung die Bahn au und ließ alles Material nach Formosa bringen. Auf dieser jetzt japanischen Insel entstand demnach die erste chinesische Staats- bahn, deren Länge etwa 100 Kilometer betragen mag. Etwas später wurde von den Besitzern der Kohlenzechen Tangschan im Norden Chinas mit Hilfe der North China Railway Co. eine Bahn von Kuyeh bis nach Tvngkn nahe der Mündung des Paiho erbaut und von da nach Tientsin verlängert. Diese Gesellschaft besitzt nach den mir von dem Regiernngsbanmeister G. Baur in Tientsin gemachten Mitteilungen jetzt etwa 150 Kilometer normalspuriger Eisenbahn. Von Lihnngtschang ist sodann diese Privatbahn von Kuyeh nordwärts bis Schanhaikuan, Franzius, Kiautschon 5wo die große Mauer ans Meer stößt, als Staatsbahn weitergesührt; man arbeitet an einer allmählichen Fortsetzung bis Mukden und Kirin. Ganz neuerdings ist die Bahn von Tientsin bis nach Peking her- gestellt, und es war uns möglich, wenn auch größteutheils nur aus Arbeitszügen, bio auf einige Meilen an die Hauptstadt hinanzufahren. Das ist allerdings ei» erheblicher Zeitgewinn, aber sonst kein Genuß. Die grsßc cdincllsckc /D-iucr Hin gittg's ganz gut, weil der neu ernannte österreichische Gesandte die Freundlichkeit hatte, uns in den für ihn gestellten Salonwagen, der fast so bequem wie unsere Wagen III. Klasse ansgestattet war, aufzunehmen. Ans dem Rückwege mußten wir jedoch in eincni offenen Güterwagen Platz nehmen, dessen Boden noch fingerhvch mit Stein- kohlengrus bedeckt war. Als sich nun unterwegs einer der hier im Frühjahr herrschenden Staubstürme erhob, wurden wir zur größten Erheiterung der auf den Stationen versammelten Chinesen buchstäblich kohlschwarz, so daß unser sonst semmelblonder Dolmetscher im Gasthofe für einen Australier gehalten ivurde.67 Die Bahnkartenausgabe ans der Endstation vor Peking war eben eingerichtet. Die Karten wurden von Chinesen mit den gebräuchlichen Kasch bezahlt, die im Betrage von 250 Stuck ans eine Schnur gereiht am Arm getragen werden. Vor mir lösteil drei Chinesen Karten, jede im Werte von 700 bis 800 Kasch. Zwei Männer am Schalter nahmen das Geld in Empfang, sahen nach, ob ans deil Schnüren falsche Geld stücke vorhanden waren, fanden tat sächlich ans jeder Schnur solche, die der Käufer ohne Widerrede durch lose in der Tasche befindliche Stücke ersetzte, wunderten sich über meine Ilngedlild und gaben mir ans meine blanken Dollars zwei Schnüre heraus, wahrscheinlich mit denselben falschen Stücken, die sie eben er halten hatten. Die Geldverhältnisse siird noch sehr unbequem. Als ich mit zwei Herren einen fünftägigen Ausflug ins Innere machte, mußten ivir nur für die Fortschaffung unseres Geldes zwei Esel benutzen und hatten im ganzen 47 000 Kasch zu bezahlen. Silbergeld war we- nige Meilen landeinwärts voll ständig unbekannt. Die Münz einheit ist der Kasch ans Kupfer, und der Wert des an der Küste als Zahlungsmittel gebräuch lichen mexikanischen Dollars schwankt beständig. Früher galt er etiva 1000 Kasch, jetzt, wo Silber billig ist und an Kupfer münzen in China Mangel, nur k>Agodc bei Ipcking800 bis 850. Mit dem weiteren Ausbau der Eisenbahnen wird sich das Silber übrigens wohl bald weiter ins Innere ziehe», und die Aussichten für die Herstellung bedeutender Eisenbahnlinien sind erheblich günstiger geworden, da nian ihren Nutzen, wenn auch nicht im Volke, so doch in den Kreisen der einflußreichen Persönlichkeiten eingesehen zu haben scheint. Zn diesen gehört augenblicklich besonders Tseng Tavtai, der die Zeit, wo sein alter Meister Lihungtschang in Europa weilte, benutzt haben soll, um sich in den Vordergrund zu schieben. Tseng ist oberster Beamter in Eisenbahnangelegenheiten, nebenbei aber auch der be deutendste Fabrikant und Großkaufmann Chinas. Ihm gehören so und so viel Spinnereien und die großen Hanhan Eisenwerke in Hankau, er ist die Seele der chinesischen Dampfschiffahrtsgesellschaft, der Tele graphenanlage», kurz, es gibt kaum ein großes chinesisches Unternehmen, bei dem Tseng nicht beteiligt wäre. Er ist ein Mann in der Mitte der Fünfziger, von hervorragendem Unternehmungsgeist, großer Klugheit und Arbeitskraft. Die europäischen Kauflente lieben ihn nicht, und es sind mancherlei Gerüchte über ihn verbreitet, die mir von unbeteiligten, glaubwürdigen Personen als unbegründet bezeichnet wurden. Sv sollte Tseng im Kriege mit Japan als chinesischer Kaufmann den Japanern die fehlenden Lebensmittel geliefert haben, dafür znm Tode verurteilt, aber durch seinen Gönner, den Vizekönig von Nanking, gerettet worden sein, wofür er diesem nun ivieder die obengenannten Hanyan-Werke zu einem ganz unverhältnismäßig hohen Preis abgekauft habe. Er wird von seinen Gegnern auch als bestechlich und unzuverlässig ver schrieen. Von bestnnterrichteter Seite wurde mir dagegen bemerkt, daß bei den in den letzten Jahren unter Tseng erbauten Eisenbahnen für etwa 8 Millionen Mark Material durch öffentliche oder beschränkte Ausschreibung beschafft worden sei. Bei allen diesen Verdingungen sei Tseng ausnahmslos für die Wahl des Mindestfordernden gewesen und habe nur grundsätzlich eine Nation dabei unberücksichtigt gelassen. Es sei also ganz ausgeschlossen, daß er hierbei seinen eigenen Vorteil gesucht habe. Ich glaube auch, daß er das in weit bequemerer Weise thun kann, indem er z. B. bei de» Grundankäufen für die Staatsbahn und bei der Wahl der Linien ohne Schwierigkeit i» erster Reihe die Interessen der Gesellschaften mit berücksichtigt, an denen er beteiligt ist. Tseng hat ein besonders großes Vertrauen zu deutschen Technikern, die er für die tüchtigsten und ehrlichsten der Welt hält und mit denen er gern alle seine großen Pläne ausführen möchte. Dies günstige Urteil verdanken wir zumeist dem außerordentlich geschickten und takt-69 vollen Auftreten unseres obengenannten Landsmannes, des Regiernngs- banmeisters H. Hildebrand, der sich durch seine Tüchtigkeit und Sach lichkeit, durch seinen geraden, unparteiischen Sinn, durch seine Festigkeit lind Geduld und sicher auch durch seine Liebenswürdigkeit die höchste Achtung und das größte Vertrauen nicht nur seiner Landsleute, sondern auch der chinesischen Behörden und insbesondere des -ravtai -rseng er worben hat. Hildebrand hat tut Aufträge Tseugs die Vorarbeiten für die 1500 Kilometer lange Eisenbahn Hankau-Peking gemacht und einen Kostenanschlag im Betrage von rund 240 Millionen Mark dafür ausgearbeitet. Es handelt sich jetzt um die Aufbringung dieser Mittel durch eine Anleihe, und Engländer, Amerikaner, Russen und Belgier wetteifern, die günstigsten Bedingungen zu stellen, während das deutsche Kapital leider aussichtslos hohe Forderungen zu itelleu scheint. Ich darf hier wohl bemerken, das; mir in China häufig die Ver wunderung und das Bedauern unserer Landsleute über die Zurück haltung des deutsche» Geldes ausgesprochen worden ist. Man konnte es sich nur dadurch erklären, daß es schon zu sehr in andern Ländern festgelegt sei. Auch war man z. B. gar nicht sehr damit einverstanden, dass die deutsch-asiatische Bank nicht suche, die asiatischen Firmen an der Bank zu beteilige», so daß diese vielfach vorzögen, die Hongkong- Schanghai-Bank zu benutzen. Ich kann die Berechtigung solcher Klagen nicht beurteilen, ich weiß nur, daß, wenn ich Kapitalist wäre, ich die Bestrebungen meines, wie ich glaube, mit weitem Blick vvraus- schanenden, in deutschem Interesse unermüdlichen Kollegen Hildebrand aufs kräftigste unterstützen würde. Die Bahn Hankau-Kanton, die den Süden mit dem Norden in gerader Linie verbinden würde, ist vorläufig noch zurückgestellt. Dagegen ist die ebenfalls von Hildebrand projektierte Bahn Wusnng-Schanghai- Sutschou-Nanking unter Leitung des jünger» Hildebrand im Bau begriffen und zwischen Wusung und Schanghai wahrscheinlich jetzt vollendet. Die Ausführung erfolgt durchaus nach den Grundsätzen der preußischen Eisenbahnverwaltnng. Es ist bezeichnend für die Gründ lichkeit, mit welcher Tseng arbeitet, daß er sich zunächst von Hildebrand die ältesten preußischen Eisenbahngesetze übersetzen ließ. Er wollte die Verhältnisse kennen lernen, die zu Beginn des Eisenbahnbaues in Deutschland bestanden haben. Am Tage meiner Ankunft in Haukau hatte Hildebrand die dieser Stadt zunächst gelegene, wegen der Ueberschlvemmungen des Hanfluffes70 äußerst schwierige Bahnstrecke begangen, und Tseng hatte ihn, um nicht erkannt zu werden, in der Kleidung eines Dolmetschers meilenweit begleitet, weil es darauf ankam, über die auznkaufendeu Ländereien schlüssig zu werden. Als sie au das Gebiet kamen, das dem Deutschen Reich als Niederlassung van China abgetreten ist, hatte Tseng scherzweise gemeint, er werde an der Hand des Vertrages doch noch Mittel finden, dieses beste Stück des ganzen Ufers, das er selbst habe kaufen wollen, für China zurückznbekomme». Als alle ihn begleitenden Chinesen sich hierüber hocherfreut zeigten, hatte er sie ansgelacht und gesagt, er werde alles eher thnn, al§ seine Hand in ein solches Wespennest stecken und dadurch Schwierigkeiten mit Deutschland h'-vvrrnse». Bei dieser Gelegenheit kann ich inestick Freude Ausdruck geben, daß es unser» Vertretern in China gelungen ist, zwei so wertvolle Gebiete zu erwerben >vie die Niederlassungen in Hankau und Tientsin. Beide Grundstücke sind äußerst günstig, im Anschluß an die bestehenden Kai-Anlagen und zwar kurz unterhalb derselben gelegen, so daß bei immer zunehmendem Tiefgang der Schiffe und abnehmender Tiefe der Flüsse grade diese Kaistrecken die größte Zukunft besitzen. In Hankan kommt hinzu, daß der Bahnhof der bedeutendsten chinesischen Bahn Hankan-Peking unmittelbar an der deutschen Niederlassung liegen muß, und in China hat meiner Ansicht nach kein Platz eine solche Zukunft wie Hankan. Es ist mir nicht verständlich, daß man in Deutschland diesen beiden Niederlassungen lange Zeit hindurch so wenig Interesse schenkte, während beispielsiveise auf dem benachbarten russischen Gebiet in Hankau längst die notigen llfermauern, Magazine u. s. w. geschaffen find und reges Leben herrscht. Ich begreife es umsoweniger, als die Regierung von vorn herein bereit war, die Gebiete an Privat gesellschaften abzntreten, ohne selbst dabei einen Gewinn zu machen, während es z. B. bei den Engländern Gebrauch ist, derartige Nieder lassungen allmählich stückweise zu verkaufen und durch die Bebauung deo ersten Viertels den Wert der übrigen zu steigern, so daß der schließlichc Gewinn dem Staat oder der Niederlassung zugute kommt. BeideGebiete sind übrigens jetzt an Privatgesellschaften übergegangen und ich hoffe, daß diese bemüht sein werden, sobald wie irgend möglich die Userlinien einheitlich sestzulege» und durch Uferwerke zu sichern. In Tientsin sind oberhalb des deutschen Gebiets von den Interessenten bnhnenartige Ladebrücken soweit in den Strom vorgeschoben, daß der Stromstrich vollständig ans die andere Seite des Flusses gedrängt wird. Die Wassertiese vor dem deutschen llfer ist bereits erheblichvelltschr kieüeriassung in fianiran71 vermindert und läuft Gefahr, dauernd in hohem Grade zu leiden. In Hankau ist genau derselbe Vorgang zu erkennen. Auf russischem Gebiet ist das User ganz willkürlich und wie man bereits erkannt zu haben scheint, in selbst für das russische Grundstück schädlicher Weise vorge schoben, wodurch wieder gerade der große Vorteil des deutschen Ufers, daß die nötige Wassertiese dort vorhanden ist, in kurzer Zeit verloren gehen kann und wird. Es ist durchaus nötig, daß die Anlieger sich über die Uferlinien verständigen, und zwar je eher, desto besser.fiandel und Industrie S^'eitn ich über den chinesischen Handel nur diejenigen Eindrücke, die ich selbst empfangen habe, wiedergeben wollte, so würde das Bild sehr durstig und nicht über all zutreffend sein. Daß Hongkong und noch mehr Schanghai inächtigeHandelsPlätze sind, ersieht man ans den ersten Blick an der großen Zahl von Schiffen, an dem regen Leben an den Kais und in den Straßen. Bei Kanton und Futschou kann man sich schon sehr leicht täuschen, denn Tausende der kleinen Fahrzeuge dienen mehr zu Wvhnungs- als zu Handelszwecken. Hankau hat eine ganz bestimmte Saison, während welcher die Theemakler die Ernte Prüfen und die Einkäufe machen. Dann herrscht reges Treiben, später wird cs erheblich ruhiger. Aehnlich ist es in Tientsin, wo der Handel im Winter mehrere Monate fast ruht, solange der Paihv zugefrvre» ist. Plätze wie Amoh, Swatan, Tschisn machen einen bedeutenderen Eindruck, als sie vielleicht verdienen, weil die Küstendampfer täglich ein- und auslause», wen» auch die mitgebrachte Ladung und die Zahl der Passagiere nicht sehr groß ist. Ich werde also, um in flüchtigen Um rissen ein richtiges Bild zu geben, den Handelsbericht des General zolldirektors für 1896 benutzen, dem ich folgendes entnehme: Der gesamte Handel Chinas mit dem Auslande wuchs von 315 Millionen Taels (zu 3,39 M.) im Jahre 1895 auf 333,6 Millionen im Jahre 1896. Die Zolleinnahmen betrugen 22,6 Millionen TaelS, und zwar waren hierbei beteiligt: englische Schiffe zu 60 Prozent, deutsche zu 8, skandinavische zu 3, französische und japanische zu je 2, russische zu 1,5, chinesische zu 21,5 und die aller.andern Nationen z» 2 Prozent. Der ^onnenzahl nach fuhren sogar 65 Prozent unter englischer und73 nur 6 Prozent unter deutscher Flagge. In den Jahren >892 bis 1893 stieg die Zahl der unter deutscher Flagge fahrenden Schiffe von 2016 mit 1,5 Millionen Tonnen auf 2084 mit 2,4 Millionen Tonnen, die der englischen Flagge von 18 973 mit >9,3 Millionen Tonnen auf 19 579 mit 20,5 Millionen Tonnen. Es ist daher sehr bedauerlich, daß sich das Verhältnis jetzt zu gunsten Englands verschoben hat, indem die Zahl der deutschen Schiffe im letzten Jahre auf 2090 mit 1,9 Mil lionen Tonnen herunter ging, während die der englischen Schiffe auf 19 711 mit 21,8 Millionen Tonnen stieg. Das; der Anteil des deutschen Handels namentlich an der chinesischen Einfuhr nicht jenen Prozent sätzen entspricht, sondern größer ist, weil viel deutsches Fabrikat aus englischen Schiffen ins Ausland geht, ist bekannt. Wenn aber in den letzten Jahren immer nur davon gesprochen wird, daß die deutsche Industrie der englische» das Feld merklich abgewinne, so wird man aus obigen Zahlen doch schließen müssen, daß dies im Jahre 1890 in China leider nicht der Fall war. Vielleicht gelingt es der deutschen Handelskommission, Mittel und Wege zu sinde», um die Handelo- beziehungen mit Ostasien zu fordern. Jedenfalls konnte sie, wie allgemein anerkannt wurde, keinen energischeren und geschickteren Führer erhalten, als er ihr in der Person des Konsuls Knappe bei gegeben war. Nach dem oben erwähnten Handelsbericht stieg die Einfuhr von >71,7 Taels ans 202,0 Millionen, während die Ausfuhr von 143,3 auf 131,1 Millionen siel. Die Abnahme ist jedoch wesentlich geringer, weil in der Zahl für 1895 noch die halbjährigen Einnahmen aus Formosa enthalten sind. Alle Handelszweige fingen an, sich von den Folgen des Krieges zu erholen und einen starken Aufschwung zu nehmen, nament lich die Einfuhr von Banmwvllwaren; doch war darin der Markt stark überfüllt, und es wurde für 1897 einem Rückgänge entgegengesehen. Der niedrige und festere Geldkurs begünstigte 1890 die Ausfuhr, ob gleich die Preise wegen Mangels an Kupfergeld stiegen, wodurch die ans dem billigen Silberpreis erwachsenden Vorteile wieder verloren gingen. Als Ursache des Mangels an Kupfergeld betrachtet man die ungenügende Ausprägung während der letzten zwei oder drei Jahr zehnte. Das Volk benutzte diesen Mangel, um heimlich minderwertige Münzen zu prägen und in Umlauf zu setzen, während die guten ge sammelt oder zu Geräten eingeschmolzen wurden. Daß Verbot hier gegen ließ den Mangel an Scheidemünze nur »och fühlbarer werden, zum Schaden des Handels.74 Die Mehreinfuhr au Baumwollwaren hatte einen Wert von 15 Millionen Taels. Weitere 11 Millionen der Mehreinnahmen fielen auf indische nnd japanische Garne und 4 Millionen ans alle möglichen Waren. Die Opiumeinfuhr war infolge der Pest in Indien und der damit zusammenhängenden Entwertung der Rupie erheblich geringer. Der Bedarf wurde durch heimisches Opium gedeckt, das in den letzten Jahren vielfach au Stelle des Thees gebaut wird. Das ist ja nicht erfreulich, aber ich muß gestehen, daß das Opiumrauchen, wie ich es auf deir Dampfern und in den größern Rauchsälen Schanghais mehr fach gesehen habe, auf mich bei weitem nicht den widerlichen Eindruck gemacht hat, ivie der übermäßige Schnapsgennß in manchen Ländern Europas. Ungewöhnlich viel Drell, Baumwollflanell u. s. w. wurde aus Amerika bezogen, weil dort der Handel darniederlag und die amerikanischen Webereien zu niedrigen Preisen verkaufen mußten. An den Flanell denke ich mit Schaudern, weil ich nur mit Mühe den in kochendes Wasser getauchten Flanelllappen entging, die in chinesischen Theatern von allen Zuschauern gemeinschaftlich benutzt iverden, um sich den Schweiß abzuwischen. Einen sehr starken, aber meist auf Schanghai beschränkten, Aufschwung nahm die Einfuhr von Taschen tüchern. Mehr als 12 Millionen Stück wurden dort allein eingeführt, und es ist nicht zu leugnen, daß cs im höchsten Grade erwünscht und an der Zeit wäre, wenn die Chinesen endlich anfingen, sich der Taschentücher zu bedienen und nicht des Spucknapfs, den selbst Lihung- tfchang auch als Gast an europäischer Tafel nicht entbehren mag und sich von Zeit zu Zeit durch seinen Diener reichen läßt. Die starke Zunahme der Einfuhr an indischem und namentlich japanischem Baum- wollgarn berechtigt zu der Erwartung, daß auch die neuerdings in China entstandenen großen Spinnereien eine gute Zukunft haben werden. Bemerkenswert ist endlich noch die bedeutend vergrößerte Ein fuhr italienischer Wollwaren. Eine Abnahme der Ausfuhr fan.d in Thee, Seide und Baum wolle ftatt. In erster Linie ist die Theeausfuhr durch den Verlust von Formosa geringer geworden, weil die dortige Ernte nicht mehr wie früher nach Futschon nnd Amoy, sondern direkt nach Japan ilnd Amerika gebracht wird. Sodann dadurch, daß England seinen schwarzen Thee nur noch zu geringem Teil aus China nimmt. Während der Bezug Englands, Australiens nnd Britisch-Amerikas 1887 noch 900 000 Picnls (zu 60 kg-) betrug, belief er sich 1896 nur noch aus 240 000 Piculs. Bei dem weniger begehrten grünen Thee warTutfcbou75 das Verhältnis günstiger, nämlich 60 000 zu 48 000 Piculs. Wenn ich nicht sehr irre, ist in diesen Zahlen der verhältnismäßig geringe Bedarf Deutschlands vdcr ein Teil desselben mit enthalten, da für ganz Europa außer England und Rußland nur ein Gesamtbezug von 32 000 Piculs verzeichnet ist. Rußland erhielt 330 000 Piculs schwarzen, 5000 Piculs grünen und 600 000 Piculs Ziegelthee, das ist mehr als die Hälfte der ganzen chinesischen Theeausfuhr, und die Vereinigten Staaten 226 000 Piculs. Als dritter Grund für die abnehmende "Nachfrage nach chinesischem Thee wird angegeben, daß die Behandlung der Theestauden sowohl wie der Blätter bei deren Trocknung in China nicht so sorgfältig erfolge, wie in Indien und Ceylon. Es hat sich deshalb in Futschou bereits eine Gesellschaft gebildet, die alle bekannten Verbesserungen in der Theekultur auch in China zur Anwendung bringen will. Man hofft dadurch, wenn auch nicht den englischen, so doch den asiatischen Theemarkt einigermaßen wieder zu gewinnen. Der Ausfall in der Seiden- und Baumwoll-Ausfuhr wird schlechten Ernten und der geringen Kauflust in Amerika und Japan zugeschriebei.. Es ist vielleicht noch von Interesse, daß 1806 etwa für 8 Millionen Taels Gold und für 16 Millionen Sycee-Silber aus China ausgeführt wurden. Als Ausfuhrwaren kommen endlich für die nördlichen Pro vinzen besonders noch Pelze und Strohgeflechte in Betracht. Welchen Anteil die größer» der dem ausländischen Handel ge öffneten Häfen Chinas an der Ein- und Ausfuhr hatten, ergeben folgende Zahlen: 1806 betrug der Wert der direkten Ein- und Ausfuhr nach Schanghai 185, Kanton 30, Tientsin 15, Amoy 15, Swatau 11, Futschon 0, Hankau 6, Niutschwang 5, Tschifn 4 Millionen Taels u. s. w. Da aber Schanghai ein großer Umschlaghafen ist, den viele Waren nur berühren, um hier ningeladen zu werden, so wird das Bild ein ganz anderes, wenn man den Wert der Waren zusammenstellt, die wirklich von jedem einzelnen Platze bezogen wurden. Dann ist der Wert für Schanghai 05, Tientsin 51, Kanton 46, Hankan 44, Swatau 27, Niutschwang und Tschinkiang je 23, Tschifn 20, Ningpo 17, Futschon 15 und Ainoy 13 Millionen Taels u. s. w. Hongkong ist als englische Kolonie nicht mit berücksichtigt. Um nun auch noch über die Ent wicklung des Handels in diesen Städten während der letzten Jahre einen Vergleich zu geben, führe ich schließlich noch an, wie 1804 die entsprechenden Zahlen waren, nämlich Schanghai 82, Tientsin 44, Kanton 45, Hankau 30, Swatau 26, Niutschwang 16, Tschinkiang 10, Tschifu 15, Ningpo 15, Futschon 13,5 und Amoy 13. Der größte Aus-76 schtvüng ist hiernach am Uangtse und int Nordeit eingetreten, während die südlichen Plätze zurückgeblieben sind. Das stimmt mit meinen eigenen Beobachtungen durchaus überein. In Schanghai, Tschifu und Tientsin herrschte an allen Kais ein reges Treiben, in Amvy und Futschem wurde sehr geklagt. Die Einrichtungen an den Häfen zu Handelszwecken sind im all gemeinen sehr ursprüngliche. Mit Dampf betriebene Lösch- und Lade- vorrichtungen, hydraulische Kräne und Aufzüge, elektrische Beleuchtung, kurz alle die Hilfsmittel, die in einem europäischen Hafen nicht mehr fehlen dürfen, sind ziemlich unbekannt. Es ist auch begreiflich, daß mancherlei Versuche die menschliche Arbeitskraft durch Dampfkraft zu rwcrrcstc cincr Lrückc bci jfutfcbo» ersetzen, wieder aufgegeben sind, weil erstere sich infolge der äußerst niedrigen Löhne und der verhältnismäßig hohen Kvhlenpreise oft billiger stellt als Dampfbetrieb. Beträgt doch der Tagelohn eines Handiverkers, ivie erwähnt, nicht mehr als llO bis 40 Pf. und der des gewöhnlichen Handlangers noch weniger. Von der chinesischen Industrie ein annähernd richtiges Bild zu geben, ist mir leider nicht möglich. Ich muß mich darauf beschränken, einiges davon, was ich zufällig sah, anzuführen. Dahin gehört z. B. die Herstellung des sogenannten Ziegelthees, der, ivie ich erwähnte, in großen Massen nach dent asiatischen Rußland ausgeführt und in Sibirien meistens in Form einer Suppe genossen wird. In Futschou und Hankau befinden sich große russische Fabriken, in denen man den77 Abfall von allen möglichen Theelageru, vorzugsweise also die Stengel, zunächst von Erde reinigt und in besonder,! Mühlen etwa so fein wie grobgemahlenen Kaffee zerkleinert. Dann wird er ans Tüchern über kochendem Wasser gedampft und nun in Holzformen unter hydraulischen Pressen zu Ziegeln von 20 ein im Quadrat und 2 cm Dicke gepreßt. In Hankan wird auch besserer Ziegelthee nur aus Blättern hergestellt. Von der Seiden- und Bannnvvllindnstrie habe ich nichts gesehen, als die großen Fabrikgebäude bei Schanghai und die fertigen Waren in den Kaufhäusern zu Danton, Schanghai und Tschifu. Außerdem eine Fülle älterer Seidenstickereien, meistens getragene Gewänder hoher Beamten oder Schauspieler, aber auch große Prachtstücke, ,vie z. B. Behänge von Tragseffeln u. drgl. Die Meisterschaft der Chinesen in solchen Arbeiten ist übrigens ja auch bei uns bekannt. In Peking zeigte man uns gestickte Bilder aus kaiserlichen Schlössern von solcher Feinheit, luie wir ähnliches bisher nicht gesehen hatten. Die Porzellanfabrikation wird fast nur in einer Provinz — wenn ich nicht irre, in Kiangsi — und zwar zunächst nur für den Bedarf des kaiserlichen Hofes betrieben, doch sollen nur die wertvollsten Stücke in die kaiserlichen Schlösser gehen, alles andere aber in den allge meinen Handel gebracht werden. Die Fabrikation soll nicht älter als etwa 200 Jahre sein, die schönsten alten Glasuren aber können zur Zeit nicht mehr hergestellt werden. Unser Generalkonsul in Schanghai, Herr Stübel, mit allen chinesischen Verhältnissen am längsten und besten vertraut, gilt auch als vorzüglicher Kenner von Porzellan und besitzt eine ausgezeichnete, ans den verschiedensten Zeiten stammende Saminlung. Mit staunenswerter Geduld bemüht sich der vielbeschäftigte Herr, den täglich an seiner Tafel sitzenden fremden Landsleuten die Schönheit der einzelnen Vasen zu erklären, obgleich die meisten Be schauer, ebenso wie wir. die wertvollsten Sachen am wenigste» zu würdigen verstehen. Silberne Gebrauchs- und Knustgegenstände werden am besten in Kanton hergestellt. Als Verzierung wählt man mit Vorliebe Drachen, Fische, Bambusblätter und Schriftzeichen. Mit äußerster Sorgfalt werden Filigransachen gefertigt und mit winzig kleinen Federstückchen eines blauen Vogels belegt. Etwas weniger sorgfältig sind die Silber sachen in Kiukiang am Jangtse bearbeitet. Ich sah dort in der aller- einfachsten Weise Löffel und Kannen in einer kleinen Werkstatt ent stehen, die von dem Meister und zwei Gesellen fast nur mit dem7 * Hammer aus Blechtäfelche» getrieben und durch Punzen und Ritzen verziert wurden. Selbstverständlich waren nicht zwei der Löffel vvll- ständig gleich. Dae Silber wurde in der Nähe gewonnen. Ueberhanpt steht es ja fest, daß in China an vielen Stellen Edelmetalle, wie Gold und Silber, Vorkommen, und in Tschisn wurde mir soviel von den in der Provinz Schantung vorhandenen Goldlagern erzählt, daß ich sicher Ipagodc von Uriudtang (am KJangtfc) »Itter die Goldgräber gegangen wäre, wenn ich nicht die Zweifel, die Freiherr V. Richthofen in seinem Werke über China betreffs der Ab banwürdigkeit solcher Lager ausspricht, in der Erinnerung gehabt hätte. Bon größerer Bedeutung sind dagegen die Eisen- und Kohlenlager. Eisenerze stnden sich vielfach, werden aber noch sehr wenig verwertet. Das Eisen des Tiehschan (Eisenberg), das in den oben erwähnten Hanyan-Werken in Hankan verarbeitet wird, soll vorzüglich sein. Leider79 sind diese Werke ans einem sumpfigen Grundstück an der Mündnng deo Han in den Jangtse angelegt und wegen der schwierigen Gründungs arbeiten sehr teuer geivordcn. Ueberdies niuß das Eisenerz des Tieh- schan hierher 100 Km stromausmärts geschleppt werden, und ähnlich wird es sich mit den Kahlen verhalten, wenn diese demnächst am Jangtse gewannen werden. Vorläufig bringt man den Caaks von den Kaiping- Minen der Provinz Petschili her, >veil dieser sich am besten bewährt hat. Das Werk besitzt zwei Hochösen, ein Bessemer- und ein Martin- Stahlwerk mit Walzwerk für Schienen, Fa^oneisen und Platten. Bei meiner Anweseitheit war ein Hochofen in Betrieb und lieferte täglich 00 Tonnen. Es wurden Schienen, Flacheiscn und Bleche gewalzt, aber es schien mir kein lebhafter Betrieb unter den weiten Wellblech- schuppen, die das ganze Werk bedecken, zu herrschen, was wohl daran lag, daß der tüchtige Direktor, ein deutscher Maschineningenieur, mit Tseng Taotai über die Beschaffung neuer Maschinen und die Auslegung seines Vertrages uneinig geworden war und die Leitung — hoffentlich nur vorübergehend — niedergelegt hatte. Eine der ersten Bedingungen für den Erfolg unserer Techniker in China ist Geduld und Uttempfind- lichkeit gegen thörichte Anforderungen der Chinesen, welche die Bedeutung und den Wert technischer Kenntnisse »och nicht genügend kennen und glauben, daß der Schwerpunkt in einer möglichst schematischen Berwal- tung liege. Wer es nicht versteht, ans die Eigenart anderer Menschen einzugehen, darf sich von China nichts versprechen, und wenn er der tüchtigste Techniker tväre. Dasselbe belgische Syndikat, mit dem Tseng über die Anleihe von 00 Millionen Mark für die erste Strecke der Bahn Hankan-Peking seit einem Jahr in Unterhandlung steht, verhandelte auch, wie mir ge sagt wurde, über die Erwerbung der Hanyan-Werke. König Leopold von Belgien soll sich persönlich sehr für die chinesischen Unternehmungen interessieren, und der Sohn seines Kabinetschefs, ein Graf Borchgrave, die Verhandlungen des Syndikats, dem auch Coqnerill angehört, in Haukau geleitet haben. Kohlen giebt es in China in großen Mengen, im nördlichen China nach Richthofen in jeder Provinz. Das größte Anthrazitkohlenlager, das dieser Forscher sah, liegt in der Provinz Schansi und soll bei einer Grundfläche von 634 deutschen Quadratmeilen eine durchschnittliche Mächtigkeit von 12 m besitzen. Die daraus berechnete Kohlenmenge von 630 Milliarden Tonnen würde nach Richthofens Ansicht für Jahr hunderte einen bequemen Abbau sicher». Ein noch größeres, aber nichtso ganz jo mächtiges Lager bituminöser Kohle liegt ebenfalls in Schansi. Aber an beiden Plätzen findet eine Berwertnng dieses ungeniessenen Reichtums noch nicht statt. Nicht so bedeutende, aber näher an der See gelegene Felder, wie die ertvähnten Kaiping Zechen in der Nähe Tientsins und kleine Zechen der Provinz Schantung, sind jedoch seit längerer Zeit in Betrieb. Daß trotzdem die japanische Kohle die chinesische wegen der sür diese bestehenden hohen Ausfuhrzölle bis ans den heutigen Tag am Jangtse verdrängen kann, erwähnte ich schon. In Hongkong kostete japanische Kohle 8 Dollar, englische über 13 Dollar die Tonne, Leider kann die erstere nur auf wenige» unserer Kriegsschiffe gebraucht tverden, weil sie die Kessel zu sehr verschmutzt, und es rväre von größtem Nutzen für uns, wenn die chinesischen Lager eröffnet würden. Auf der Staats- iverft in Fntschou wurde bereits chinesische Kohle verwendet. Lange tvird es ja auch nicht mehr dauern, bis die Russen sich diese Schätze ausgrabe». Diese geschickten Mineure waren im ganzen Norden Chinas bis südlich vom Jangtse überall an der Arbeit. Der Chinese liebt sie durchaus nicht, aber er fürchtet sie tind giebt lieber freiwillig, als daß er es ans den Kampf ankommen läßt. Beliebt sind Natioiten, die keine Schiffe dort haben, wie die Belgier. Was können diese machen, wenn China die Verträge anders auslegt, als sie? Die Schiffe bringen mich übrigens ans ein Gewerbe, dessen Ent wicklung nach den Anforderungen der Neuzeit in China eine sehr dankenswerte Aufgabe sein müßte, ich meine den Schiffbau. Hölzerne Schiffe werden ja von den Chinesen seit undenklicher Zeit hergestellt, auch in großen Abmessungen und bisweilen in ganz ungewöhnlicher Form, wie z. B. die in Hankan vorkommenden Boote, deren Breite am Mast bedeutend kleiner ist, als im übrigen Rumps, weil die von den Schiffen erhobenen Jnlandzölle nach deren am Mastbaum gemessener Breite bestimmt tverden. Eiserne Schiffe kvinmen trotz der vorhandenen Eisen- und Kohlenlager fast ohne Ausnahme vom Ausland. Nur auf der Staatswerft in Fntschou sah ich einen etwa 1800 Tons haltenden Aviso im Ban, der aus chinesischem Eisen hergestellt wurde. Diese Werft ist ursprünglich durch französische Ingenieure erbaut und geleitet worden. Nach dem Kriege zwischen Frankreich und China in den acht ziger Jahren übernahmen die Chinesen selbst den Betrieb tind den weiteren Ausbau, namentlich durch Hinzufügung eines leider ziemlich mißglückten Trockendocks. Neuerdings hat Frankreich es durchgesetzt, daß die Betriebsleitung tvieder französischen Technikern übertragen81 worden ist. Dieselben wurden zur Zeit unserer Anwesenheit erwartet; es waren sehr schöne Wohnungen für sie hergerichtet. Mit Ehren pforten und freundlichen Gesichtern werden sie jedoch nicht empfangen worden sein, denn die Abneigung gegen Frankreich ist unter allen Klassen der Bevölkerung, wie uns mehrfach gesagt wurde, in Futschou sehr groß, »veil noch recht viele Menschen sich lebhaft des Bildes er innern, als eines Mittags in wenigen Minuten 3 chinesische Schiffe durch französische Kanonen zum Sinken gebracht und über 1000 Menschen getötet waren. Die Chinesen hatten die französische Drohung nicht für so ernst genommen und den Zeitpunkt zur Erfüllung der Forde rungen ihres Gegners ruhig verstreichen lassen. Ein rasches rücksichts loses Vorgehen des Feindes ist den Chinesen durchaus zuwider. Wiederholt haben sie sich ja bitter darüber beklagt, daß die Japaner ihre stark befestigten Stellungen umgingen und ihnen von hinten unerwartet in den Rücken sielen. Auf der Werst in Futschou sind drei Hellinge, ein Dock und eine Schleppe von etwa 2000 Tonnen Tragfähigkeit vorhanden, und in den recht gut eingerichteten Werkstätten können etwa 3000 Arbeiter be schäftigt werden. Es waren nur 1000 in Thätigkeit. Von den Dreh bänken war ein großer Teil ans der Werft angefertigt. Ich würde dem äußerst freundlichen Oberwerft-Direktor Hsü-Djenin unrecht thun, wenn ich nicht anerkennte, daß die herrschende Ordnung und Sauber keit unsere Erwartungen >veit übertroffen hat. Daß das Trockendock nicht zu gebrauchen ist, fällt ihm nicht zur Last und wundert mich nicht, denn gute Trockendocks bauen ist nicht ganz leicht. Etwas anderes aber schien mir wunderbar. Das waren Beton-Cylinder von der Form unserer Anschlagsäule», nicht ganz so hoch, die rings um das Dock ausgestellt waren. Der chinesische Schiffbau-Direktor, ein gescheiter und dem Fortschritt geneigter 'Herr, erklärte verlege», daß diese etwas veralteten Einrichtungen zum Schutz der die Werst ver teidigenden Krieger bestimmt seien. Nach jden Erfahrungen, die man mit den Franzosen gemacht hat, sollte man in Futschou über die Art und Weise neuerer Kriegführung schon etwas besser unterrichtet sein. Von den Trockendocks in Hongkong war schon die Rede Der vorzügliche sinanzielle Erfolg derselben jreizt natürlich zur Herstellung neuer Konkurrenzanlagen, namentlich in Schanghai, wo viele große Dampfer längeren Aufenthalt haben als in Hongkong und diesen zur Dockung gut verwenden könnten. Es waren deshalb in und bei Schanghai mehrere größere Trockendocks teils geplant, wie das von FranziuS Kiautfchou 682 Tseng Tavtai im Anschluß an die Eisenbahnanlage bei Wusung, teils schon in Ausführung, wie das vom Grafen Butler geleitete, dicht unterhalb Schanghai. Kleinere Docks sind übrigens in Schanghai schon seit längerer Zeit vorhanden, und ein solches befindet sich auch in Amoy. Sie machen alle gute Geschäfte, wenn auch nicht in dem Maße wie die Hongkong-Docks. Für die Ausbesserung der Dschunken verwendet man sehr einfache Trockendocks. Am Ufer des Flusses gräbt man ein genügend großes und tiefes Loch in den Lehmboden, durchsticht das Ufer, läßt die Dschunke hineinschwimmen, schließt die Oeffnung wieder durch eineil Damm und schöpft das Wasser aus. Solche Docks sah ich z. B. am Paiho in großer Zahl. An der Mündung dieses Flusses befinden sich noch aildere un gewöhnliche industrielle Anlagen, die der Salzgewinnung dienen. Es sind das Windmühlen mit senkrechter Achse, um die sich ein Gestell mit vier lateinischen Segeln dreht. Auf der Achse sitzt ein Kammrad, und dieses setzt eine Kastenpumpe zur Hebung der Salzlauge in Bewegung. Das Salz wird auf den Watten aus dein Seewasser gewonnen, in dem man große Flächen sorgfältig einebnet und überstaut. Wenn das Wasser teilweise verdunstet ist, fließt die Salzlauge in Ver tiefungen, aus denen sie ausgepumpt wird, um über neue Flächen ver teilt lind endlich als krystailisiertes Salz gesammelt zu werden. Ueberall liegen große Salzhaufen unter Strohmatten. Sie werden dann auf Dschunken nach bestimmten Salzstationen und von hier ins Innere gebracht. An der Station Sulvwei am Jangtse sahen wir mindestens 500 solcher Salzdschunken. Der Salzhandel ist Monopol der chinesischen Regierung. Dao an einem bestimmten Platze gewonnene Salz darf nur all einem anderen ebenfalls bestimmten Platze an die Regierung verkauft werden, und zwar zu dem von der Regierung festgesetzten Preise. Sie giebt es sodann zu einem lviederum feststehenden Preise an die Salzkaufleute ab, deren Zahl durch Kvnzessionserteilung begrenzt ist. Jede Konzession bedeutet >vie bei unseren Apotheken ein hübsches Kapital, berechtigt aber linr zum Einkauf einer bestimmten Menge Salz, jzuin Versand derselben nach einem dem Kaufmanne geeignet erscheinenden Markte innerhalb eines wiederum feststehenden Salz bezirks und zum Wiederverkauf zu einem abermals vorgeschriebenen Preise, und zwar erfolgt der Verkauf durch Regierungsbeanite. Erst lveilii das letzte Pfund verkauft ist, erhält der Kaufmann seinen Er laubnisschein zurück und darf wieder ebensoviel einkaufen. Ich muß es mir versagen, auf die große Zahl von Fabrikations-6 * $3 zweigen einzugehen, die man, allerdings mehr handwerksmäßig in kleinen Betrieben, zn sehen Gelegenheit hat, wenn man die Straßen einer größeren Stadt durchschlendert. So die Holz- und Stein schneidereien, Glasbläserei, Teppichknüpferei, Papierfabrikativn, die Herstellung der sogenannten Cloisonn4e-Waaren ilnd Bronzen u. dergl. mehr. Die Anfertigung von Lackwaren ist ja im allgemeinen noch mehr in Japan zu Hause, aber es giebt chinesischen Lack, der den japanischen noch übertrifft. So beispielswestDder nur von einer Familie in Futschou gefertigte Lack, dessen Bereitung Familiengehcimnis ist. Der Mann arbeitet fast nur auf Bestellung und bedarf einer Zeit von etwa drei Monaten, um durch beständiges Schaben, Bestreichen und Abreiben endlich so dauerhaften und glänzenden Lack zu erzeugen. Diese Sachen sind dann auch verhältnismäßig teuer.flmoy und die Samsab kudtt ir haben uns nun eine ganze Reihe von Hafenplätzen an der chinesischen und japanischen Küste angesehen, um ein möglichst klares Bild von ihnen in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht zn erlangen. Wir haben gesehen, was die Engländer in Hongkong aus einem richtig gewählten, aber sonst öden Platze im Laufe von 50 Jahren mit großen Mitteln gemacht haben und daraus den Mut gewonnen, unter Umständen ebenfalls für einen zur Zeit noch öden, aber allen Bedingungen für wirtschaftliche Entwicklung ent sprechenden Platz entschieden einzutreten. Wir haben den Unterschied im Klima zwischen Süd- und Nord-China ziemlich kennen gelernt und die Verschiedenheit der Bevölkerung. Wir erkannten, was sich aus den Chinesen unter europäischer Verwaltung in Hongkong und Schanghai hat machen lassen und begriffen, wie man sich in China sehr wohl fühlen kann. Je länger wir das Volk kennen lernten, desto mehr sahen mir die trotz mancher abstoßenden Äußerlichkeit vorhandenen guten Seiten und meinem jungen Begleiter gefällt es so gut in China, daß er am liebsten gleich dort bliebe. Ich, der ich Weib und Kind zu Haus habe, die ohne mich verderben, trage nur Verlangen, endlich darüber klar zu werden, welcher von den in Frage kommenden Plätzen für meine Landsleute der beste sein wird und komme dabei zu folgen den Schlüssen über Amoy und die Samsah-Bucht. Die zwischen den Inseln Amoy und Kulangsu gelegene, etwa 300 m lange und 400 m breite jRinne entspricht im allgemeinen den in tech nischer Hinsicht an einen guten Hafen zn stellenden Anforderungen. Es befinden sich jedoch im Fahrwasser über und unter Wasser zahl reiche Felsen, welche Schiffahrtshindernisse bilden und nur mit großenSS Kosten entfernt werden können. Zuersteren gehören die sogcnanntenGlücks- felsen, von denen die Sage geht, daß an ihnen das Glück Ainvys hafte, weshalb man sie auch durch aufeinander geschichtete Quader vor dem Umsturz zu bewahren sucht. Unter Wasser liegt u. a. der „Kaiserfelsen", der seinen Namen dadurch erhalten hat, daß er durch unser Flaggschiff, das tiefgehendste Schiff, welches bis jetzt in den Hafen von Amoy cinlief, vor 2 Jahren aufgefunden wurde. „Ge branntes Kind scheut das Feuer", denkt unser jetziger Kommandant vermutlich mtb läßt das Schiff mitten zwischen Quemoy und Amoy weit außen ans der Reede ankern. Da der Flutwechsel hier für ge- EHe öliicbafclfcn von Hmov wähnlich 4,5 m und bei Springfluten sogar 6 in beträgt, so werden durch denselben starke Strömungen hervorgerufeu, die der Schiffahrt und namentlich dem Bootsverkehr recht unbequem sind. Es dauert des halb auch einige Zeit, bis unser Vizekonsul in seinem kleinen Ruder boot von Kulangsn zu uns herüber gelangt ist, obgleich er trotz seines hohen schwarzen Cylinderhuts den Kahn mit außerordentlichem Geschick steuert. Die Ufer auf beiden Seiten des inneren Hafens bestehen aus stark verwittertem Granit. Sie steigen — von einzelnen mit Inschriften bedeckten Felsen abgesehen — ziemlich sanft an und die Insel Amoy erscheint als eine große Ebene, aus der jedoch Bergrücken von 500 m und mehr Höhe hervorragen. Das kleine Kulangsn ist nur etwa 50 in$6 hoch, macht aber einen sehr malerischen Eindruck, weil große Granit- blvcke wild übereinander getürmt, von mächtigen Bäumen umgeben über die Insel zerstreut sind. Das Klima ist im Winter angenehm, im Sommer aber sehr un gesund. In der, ans der gleichnamigen Insel gelegenen Stadt Amoy, die etwa 70 000 Chinesen umschließt und in der sich auch die Geschäfts häuser der europäischen Kaufleute befinden, herrschen Typhus, Fieber Ukcr bci Hmo» und Cholera fast immer. Die Pest wird oft eingeschleppt. Auf der kleinen Insel Kulaugsu ist es etwas besser. Dort liegen die Wohnungen der Europäer. Die Bevölkerung ist in der Umgegend von Amoy eine so dichte, daß von hier aus die stärkste Auswanderung stattfindet. Je nach dem zu erwartenden Ausfall der Ernte wird von den Ältesten der großen Familienverbäude festgesetzt, wie groß die Auswanderung in dem betreffenden Jahr werden muß. Im Jahre 1895 wanderten beispielsweise 118 000 Chinesen von Amoy aus und kehrten nur 74 000 zurück. Sie gehen vorzugsweise nach Singapur und den Philippinen$7 und sollen dort, wenn sie wohlhabend werden, meistens bleiben, um der Aussaugung durch die chinesischen Beamten zu entgehen. Nach dem Tode werden sie jedoch säst immer 'in die Heimat zurück gebracht und mit Vorliebe ans Kulangsu beerdigt, da diese Insel als ein für Tote besonders günstiger Begräbnisplatz angesehen wird und infvlgedesien mit Gräbern übersäet ist. Amoy ist Vertragshasen und in der Stadt eine kleine englische Niederlassung. Ans der Insel ist, wie in ganz China, der Kaiser der eigentliche Grundeigentümer. Auf Kulangsu ist es ausnahmsweise anders. Diese kleine Insel ist von der Ming-Dynastie an zwei Familien geschenkt und dadurch aller Grundbesitz allmählich in die Hände der verschiedensten Privateigentümer übergegangen, von denen er erworben werden müßte. Der Handel von Amoy hat durch verschiedene Umstünde sehr an Bedeutung verloren. Zunächst durch die Konkurrenz des benachbarten Freihafens Hongkong und des ebenfalls nicht weit entfernten Vertrags hafens Schanghai, welche beide die Verteilung der Einfuhr fast ganz an sich genommen haben. Sodann durch den Rückgang des Theegeschäfts. England bezieht seinen Thee wie gesagt aus Ostindien, Formosa liefert den seinigen nicht mehr wie früher nach Amoy und Futschou, sondern seitdem es japanisch wurde, nach Japan. Während man in Ostindien alles ausbietet, den Thee durch verbesserte Kultur und geeignete Be handlung der Blätter zu veredeln, sind die chinesischen Theebauern hierzu nicht im stände und ihnen fehlen die Mittel mit dem Rückgänge des Handels von Jahr zu Jahr 'mehr. So ist denn, während alle Häfen Chinas, namentlich dienördlichen, sich!» den letzten Jahren bedeutend hoben, der Handels Amoys ständig in Rückgang, obgleich der Schiffsverkehr wegen der täglich ein- und auslaufenden Küstendampfer noch ein reger ist. Die Möglichkeit, eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhält nisse herbeizuführen, ist nicht abzusehen. Durch die Abtretung Fornivsas ist das Haupttheegeschäft unrettbar verloren und andere Ausfuhrartikel von Bedeutung sind nicht vorhanden. Selbst die im Jahre 1896 ein getretene Vermehrung der Opiumeinfuhr ist zwar für die Zollein nahmen günstig, für den gesamten Handel aber ohne Bedeutung. Die Einfuhr kann durch Heranziehung neuer Bedarfsgegenstände vielleicht etwas zunehmen, aber einer größere» Ausdehnung des Absatz gebiets durch Anlegung von Eisenbahnen stehen^in Gestalt bedeutender Höhenzüge aus dem Festlande sv erhebliche Schwierigkeiten entgegen, daß daran nicht zu denken ist. Amoy hat kein Hinterland. Es wird88 angenommen, daß insgesamt etwa 2 l /.> Millionen Menschen von dort aus ihren Bedarf an fremder Zufuhr empfangen, während der ganze Norden der Provinz Fokien von Futfchvu aus versorgt wird. Dieses Zwischengeschäft soll zn 7 /a in Händen chinesischer Kaufleute liegen und nur J /s den Fremden zufallen. Die hinter Fokien gelegene Provinz Kiang-Si gehört bereits vollständig znm Gebiet des Jangtse. Alle Flüsse gehen dorthin und auf ihnen über den Pvyang-See der Thee nach Kiukiang und dann nach Hankau, dem Haupttheemarkt Chinas. Wollte man etwa versuchen, die Einfuhr Amoys durch Ilmwand lung des Vertragshafens in einen Freihafen zn heben, so würde das in den Nachbarhäfen Hongkong und Schanghai seit Jahren thätige deutsche Kapital schwerlich großes Interesse für Amoy zeigen und andererseits würde man China den Ausfall an Seezöllen und Hafen abgaben ersetzen müssen, was alles bei noch nicht geöffneten Häfen weit günstiger sich gestalten würde. Amoy steht durch Dschunken und Boote mit dem nahen Fest lande in Verbindung. Dort sollen in der Nähe der Stadt Chiang-chiu Steinkohlen und Eisen Vorkommen, doch war nichts zuverlässiges hierüber bekannt. Ein von dort herstammendes Stück Kohle erwies sich als leichte Braunkohle. Irgendwelche nennenswerte Industrie ist in Amoy nicht vorhanden. Die einzige gewerbliche Anlage von einiger Bedeutung ist ein Trockendock für Schiffe von etwa 100 in Länge und 4,5 m Tiefgang, welches sich nach großen anfänglichen Verlusten in den letzten Jahren ganz gut rentiert hat, aber die Konkurrenz der Docks in Hongkong schwer enipsindet. Als Marinestation würde Amoy brauchbar sein, obgleich das Klima auch hiergegen noch schwere Bedenken Hervorrufen müßte und durch die Beseitigung der Schiffahrtshindernisse, durch die Rücksicht auf den großen Flutwechsel und endlich durch die erforderlichen um fangreichen Befestigungsanlagen jedenfalls große Kosten verursacht werden würden. In wirtschaftlicher Hinsicht ist aber von Amoy fast nichts zu hoffen. Noch weniger allerdings von den Inseln Groß- und Klein-Quemoy, welche von dem Festlande zu weit entfernt sind und auch keine für Hafenanlagen gut geeignete Wasserfläche besitzen. Sie liegen in jeder Beziehung ungünstiger als Amoy und Kulangsu. Dem Hafen von Amoy und nnsern gastfreundlichen Landsleuten auf Kulangsu sagen wir also, mit Bedauern Lebewohl. Gern hätten wir uns für diesen Platz entschieden, denn im Winter ist der Aufent halt auf der kleinen Insel ein sehr angenehmer. Von den gewaltigenMangs»484 Felsblöcken hat man überall herrliche Blicke aufs Meer und die Berge des Festlandes, die Nasen haben nicht aufgehört zu blühen, die Veil chen knvspeu schon wieder, köstliche Frühlingsluft läßt uns vergessen, daß wir noch im Februar stecken, kurzum alles erscheint im schönsten Licht. Nur der Handel Amoys will nicht wieder neu erblühen. Wir wenden uns also zur Snmjah-Bucht, dem unbekannten Becken, das nördlich van Futschou zwischen hohen Bergen gelegen, ab Deutsches Uronfulat auk IKulangsu und an als Zufluchtshasen angelaufen wird, im allgemeinen aber bis lang ganz unbekannt war. Im Herbst des Jahres 1896 haben unsere Schiffe sich dvrt aber länger aufgehalten und sestgestcllt, daß das grvße Becken aus 5 zusammenhängenden Buchten besteht, die teils vvn Bergen bis zu 2000 in Höhe, teils vvn Hügeln und flachen Watten umgeben sind. Das ganze Gebiet ist jetzt vollständig bekannt. Dort, der Prinzeß Wilhelm-Insel gegenüber, liegen der Knorr-Berg und die Hollniann-Spitze. An der Hoffmann-Bucht erstreckt sich das Tirpitz-Land mit Thiele-Burg und Becker-Höhe; kurz mau findet sich hier jetzt leichter zurecht, als im Gebäude des Reichs - Marine - Amts am Leipziger Platz.90 Der Flutwechsel ist noch bedeutender als bei Amoy imb die Strömungen sind sehr unbequem. Die Höhen sind teils mit jungem Holz bestanden, teils hoch hinauf in Terrassen bebaut. Die Bevölke rung lebt ganz von der Landwirtschaft. Auf den Feldern wird Reis, Zucker, Weizen, Rüben und etwas Thee gebaut, aber fast alles nur zum eigenen Bedarf. Viehzucht ist nicht vorhanden, Fischerei wird sehr wenig betrieben und Dschunken für Handelszwecke sind äußerst selten. Von industriellen Erzeugnissen sind nur einfache Töpferwaren und Papier zu erwähnen. 5. /iß. 5. Prinzess TClilbclm in Der Snmsab-Lncbt In einzelne der Buchten münden kleine Flüsse, welche viel feinen Thonschlamm mit sich führen, der die Wassertiefe verringert und große Wattflächen gebildet hat. Bei der großen Hitze, die hier im Sommer herrscht, wird in ben ringsum geschlossenen Buchten infolge dieser Watten das Klima für Europäer wahrscheinlich nicht günstig sein. Ein Hinterland, das durch Eisenbahnen aufgeschlossen werden könnte, ist hier noch viel weniger vorhanden, als bei Amoy. Eigent liche Straßen über die Berge giebt es nicht und auf dem besuchtesten Landwege von Futschvu nach Hüduan an der Samsah-Bucht müssen drei steile bis 570 m hohe Bergketten überschritten werden, die den Transport um so mehr erschweren, als der Abstieg nach der Samsah-01 Bucht aus einer nur für Fußgänger benutzbaren Treppe besteht. Wenn in diesen Bergen nicht Kahlen und Erze von besonders guter Be schaffenheit entdeckt werden, so wird sich hier auch in Zukunft ebenso wenig Verkehr entwickeln, wie bisher. Die Gegend ist übrigens landschaftlich schön und hat auch ihren Reiz durch die Freuden der Jagd. Insbesondere kann inan hier Tiger schießen, die ja in, Süden Chinas nicht so selten sind. Bei unserer Anwesenheit in Hongkong war nachts ein Tiger in den Straßen von Kaulung gesehen und in Amoy lernten wir einen dort ansässigen Engländer kennen, der schon an -10 Tiger erlegt haben sollte. Er wird aus der ganzen Umgegend herbeigerufen, sobald sich ein solches Raubtier sehen läßt und sucht dasselbe in den Schluchten und Höhlen ans, indem er zwei Reihen von Chinesen vor sich hergehen läßt, die erste mit Spieße» und Helebarden, die zweite mit Fackeln ausgerüstet. Springt der Tiger nach dem Schuß noch gegen den Jäger, wozu er selten kommt, so stürzt er in die Spieße der Chinesen. Aber um Tigerjagd handelt es sich für uns nicht und da für Handel und Gewerbe auch in der Samsah-Bucht nichts zu hoffen ist, so wenden wir unsere Blicke von der Provinz Fokien nordwärts nach Schantung.Die Provinz Zchanlung ie Provinz Schantung liegt zwischen 341 / 2 ° und 38° nördl. Br. Jin Winter ist es dort trocken, nördliche Landwinde wehen oft stark und andauernd. Der Nordost bringt manchmal leichten Schneefall und rasch vorübergehenden Frost. Von März bis Juni regnet es unregelmäßig und nicht erheblich. Die eigentlichen Regenmonate sind Juli und August, wo heftige Gewitter eiutreteu. Der Herbst ist schön und meist klar. Die Größe der Provinz wird zu 140—150000 qkm angegeben, wovon etwa *h als Bergland zu bezeichueu ist. Letzteres liegt insel artig vor dem großen asiatischen Festlande und ist durch ein weites Flachland nach Norden, Westen und Süden mit demselben verbundeir. Diese nach Osten sanft abfallende Ebene ist von den vielen Flüssen angeschwemmt, die vom Gebirge Mittelasiens herabfallen, namentlich vom Hvangho, dem weitaus größten unter ihnen, der sich nach Belieben bald dieses, bald jenes Flußbett als das bequemste aussucht und daun seinen Laus plötzlich vollständig ändert. In den ältesten Zeiten, von denen man Nachricht über ihn hat, wandte er sich ganz nach Norden und nahm selbst den Paiho auf. Man suchte ihn damals in diesem Bett festzuhalten, aber er verließ es oft, bald nach Osten, bald nach Südosteu durchbrechend. Zwar lagerte er bei seinen Ueberscknvemmungeu fruchtbaren Schlamm auf den Niederungen ab, aber er wälzte seine trüben Wassermassen über blühende, reich bevölkerte Landschaften, die sich vielleicht Jahrhunderte schon vor ihm sicher gewähnt hatten und vernichtete dabei Hunderttausende von Menschenleben. Das hat ihm den Namen „Chinas Kummer" eingetragen. Wohl hat man sich unausgesetzt bemüht, ihn durch Eindeichungen sestzulegen, aber von93 einer einheitlichen Regulierung ist bei der Länge des Stromes selbst verständlich nicht die Rede gewesen. Die Querschnitte sind begreiflicher weise oft für die niedrigen Wasserstände zu groß, für die hohen zn klein gewesen und der Strom hat die mitgeführten Sinkstoffe, namentlich die sandigen Teile, in dem zu großen Bett fallen lassen, seine Sohle dadurch allmählich bis über die Ebene erhöht und dann bei besonders starkem Zufluß von oben die Deiche durchbrochen und sich auch nicht mehr in das zn hohe Bett zurückleiten lassen sondern ein anderes gesucht. Da sein Gefälle durchweg ein außerordentlich starkes ist, so leistet er nicht einmal der Schiffahrt große Dienste und seine Mündung hat er durch mächtige Barren allen tiefgehenden Schiffen versperrt. Die letzten bedeutenden Aenderungen fanden statt im Jahre 1144, wo der Fluß statt des nördlichen einen dem jetzigen nahe entsprechenden Lauf einschlug, dann um 1300, als er sich südöstlich wandte und südlich von der bergigen Halbinsel ins äußere Gelbe Meer floß, endlich s852, als er seinen gegenwärtigen Lauf an der Nordseite der Halbinsel wieder einnahm und damit leider ein großes Hindernis für die Her stellung von Eisenbahnen aus der Provinz Schantung nach dem Norden Chinas wurde. Lassen sich diese doch nicht so leicht über ihn hinweg führen, wie dies mit der jetzigen Hauptverkehrsstraße vom Jangtse nach Tientsin, dem Großen Kanal, der Fall ist, der den Hoangho bei gleicher Höhe der Wasserspiegel einfach kreuzt. Der von den Mongolenkaisern angelegte Große oder Kaiser-Kanal, dieser zwar gegenwärtig sehr schlecht erhaltene, aber doch noch wichtige Schiffahrtsweg, läuft zunächst am südliche» Ufer >des Jangtse etwa 300 km entlang von Hangtschou nach Tschinkiang durch äußerst frucht bare, dicht bevölkerte Gegenden. Dann durchschneidet er den Jangtse und geht, an beiden Seiten eingedeicht, in nördlicher Richtung durch weites flaches Land, mit dem die große Ebene beginnt. An der West seite, von der der Zufluß kommt, sind Seen abgedämmt, an der öst lichen wird das überflüssige Wasser durch Schleusen abgenommen. Nach einer Strecke von 200 km erreicht er das breite trockene Bett, welches der Gelbe Fluß bis 1852 inne hatte und nachdem er es über schritten hat, zieht er, das Gebirgsland von Schantung vermeidend, nach Nordwest. 600 km von Tschinkiang entfernt, kreuzt er den doppelten Arm des jetzigen Hoangho-Laufs und trifft dann den Weiho, in dessen über der Ebene liegenden Bett er bis Tientsin läuft, um hier in den Paiho zn münden. Seine Gesamtlänge beträgt etwa 1300 km.94 Der Große Kanal hat Jahrhunderte lang den Süden Chinas in den Stand gesetzt, seine Produkte zu Wasser noch dem Norden -zu bringe», was bei nördlichem Monsun über See sehr beschwerlich und nicht ohne Gefahr war. Er ist auch jetzt noch, wo die Schiffahrt so bedeutend verbessert ist, nicht ganz ohne Bedeutung, kann aber tut nördlichen Teil, zwischen dem Hoanghv und Tientsin, schwerlich mit einer Eisenbahn ernstlich in Konkurrenz treten, da er im Sommer durch die Ueberschweinmuugen der Flüsse und im Winter durch Eis leidet. Während das flache Land und die Thäler der Provinz reich an- gebant sind, erscheinen die Berge selbst ganz kahl. Jahrtausende lang haben die Bewohner den ursprünglichen Wald verwüstet und nicht nur Sträucher, sondern selbst die sich glücklicherweise trotzdem erneuernden Gräser und Kräuter ausgerissen, um alles zur Feuerung zu benutzen. Nur in allernächster Nähe der Steinkohlenlager werden die fast zu Tage liegenden Kohlen benutzt, aber in etwas größerer Entfernung ist das wegen der mangelhaften Beförderungsmittel und Wege nicht mehr möglich. Der Bedarf an Feuerung ist aber ein sehr großer, denn die Bevölkerung ist eine sehr dichte. Sie wird auf 25 bis 30 Millionen angegeben, so daß durchschnittlich etwa 166 bis 200 Menschen ans ein Quadratkilometer kommen, gegen 252 im Königreich Sachsen und 97 im Deutschen Reich. Es soll eine starke Auswanderung nach der Mandschurei stattfinden. Die Bevölkerung lebt fast ausschließlich von Ackerbau und fft verhältnismäßig wohlhabend. Der Handel in den Städten und Haupt märkten befindet sich aber größtenteils in Händen von Angehörigen anderer Provinzen, namentlich Kantonesen. Die Hauptstadt der Provinz ist Tsinanfu am Hoanghv, der bedeutendste Seehafen Tschisu und nicht weit davon Töngtschvn an der nordöstlichen Spitze der Halbinsel. An der Straße zwischen diesen beiden Plätzen und Tsinanfu, nahe der nördlichen Küste, liegt eine große Stadt Weihsien fimd fast genau ihr gegenüber an der Südküste die weit kleinere Kiautschon. Außerdem sind noch der im Osten gelegene jetzt von Japan besetzte Kriegshafen Weihaiwei zu nennen und im Westen die Städte Jentschvufu und Tsining, wo die deutschen Missionsanstalten des Bischof Anzer liegen. In der Nähe davon befindet sich der Geburtsort des Kongfutse. Die Angaben über die Einwohnerzahl dieser Städte sind sehr schwankend. Manche zählen 100 000 bis 200 000 Einwohner. Der Ackerbau wird mit außerordentlicher Sorgfalt betrieben. Die Ebenen werden in Feldern wie bei uns bebaut, die Abhänge der Ge-95 birge in Terrassen mit ganz kleinen gartenartigen Beeten, die >vie unsere Weinberge durch Trockenmauern gehalten werden. Für Be wässerung wird mit grösster Umsicht unb unermüdlichem Fleiß gesorgt. Weizen, Gerste, Hirse, Bohnen sind die Hauptfrüchte. Dazu kommen Oelpflanzen, wie Sesam, Raps und Erdnuß, Wachsbäume, zahlreiche Gemüse, Hanf, Tabak, Melonen u. a. m. Der Maulbeerbaum und noch mehr eine großblättrige Eiche und der Götterbaum (Ailanthus) werden zur Seidenraupenzucht gepflanzt und die sogenannte ivildc Seide, die von Tschifn ausgeführt ivird und größere Haltbarkeit besitzt als die Seide des Maulbeerbaums, wird vielleicht in Deutschland bald ebenso geschätzt sein, wie sie es in China schon ist. In größerem Umsange wird in Schantung außer dem Seidenbau nur die Strohflechter ei, namentlich zur Herstellung von Strohhüten getrieben. Im übrigen steht die Industrie wohl noch aus niedriger Stufe. Eine Ausnahme soll nur die Unigegend von Poschau machen, wo das Geheimnis einer alten Glasindustrie, mehrere Lagen bunten Glases übereinander anzubringen und das der Bereitung des bunt farbigen Schmelzes für das 6mail cloisonn6 in wenigen Familien bewahrt wurde. Daß diese Industrien neu belebt werden können, unter liegt keinem Zweifel und ist teilweise schon der Fall. Durch europäischen Einfluß ist die Zahl der Farben des Schmelzes vermehrt und in Peking eine blühende Industrie in doisonnä-Waren entstanden. Die Provinz Schantung steht überall in China in dem Rufe, große mineralische Schätze zu besitzen. Es sind allerdings Eisenerze, Bleiglanz, Kupferkies, Zinkblende und auch Gold i» kleinen Mengen gefunden, ob aber abbauwürdige Lagerstätten vorhanden sind, ist bis lang nicht festgestellt. Zuverlässige Angaben liegen nur von Herrn v. Richthofen über das Vorkommen der Steinkohle vor, da dieser Forscher mehrere Kohlenlager der Provinz selbst besuchte und die von dort entnommenen Kohlen auf der Königlichen Bergakademie in Berlin chemisch analysieren ließ. Es sind dies besonders die Lagerplätze von Weihsien, von dem obengenannten, zwischen Weihsien und Tsinanfu gelegenen Poschau, und von Jtschoufu im Süden der Hauptstadt Tsinanfu. Sie enthalten mehrere Flötze vorzüglicher Steinkohle. Die Mächtigkeit derselben bezeichnet Richthofen allerdings nur als mäßig, wohl im Vergleich zu jenen Kohlenlagern in den benachbarten Provinzen Schensi und Schansi, ivelche nach seiner Schätzung die gesamte Erde mehr als 2000 Jahre mit der jetzt jährlich verbrauchten Kohlenmenge versehen können. Immerhin handelt es sich an den drei genannten Orten96 um Lagerplätze von etwa 10—12 O.uadratmeilen und 2 m Mächtig keit, zum Teil über der Thalsohle liegend. Von diesen sind einige Flötze, namentlich in Poschan, von beit Chinesen abgebaut. An die tiefer gehenden wagten sich dieselben aber nicht, iveil sie merkwürdiger Weise in der Wasserbewältigung noch sehr zurück sind, obgleich die Brunnen bohrer ans der Provinz Schantung sonst einen gewissen Rus haben. Nach den Analysen der Bergakademie in Berlin enthielten die von Richthofeu mitgebrachteu bituminösen Kohlen: 2 Proben von Wechsle»: Spezif. Gewicht Asche Gas Coaks Nr. 1 1,339 7,01 22,1 78,1 Nr. 2 1,347 11,74 18,6 81,2 3 Proben von Poschan: Nr. 1 1,415 12,50 15,9 84,1 Nr. 2 1,315 3,26 17,2 82,6 Nr. 3 1,477 18,46 16,2 83,8 1 Probe von Jtschoufu: 1,375 3,66 22,8 76,8. Die Kohle ist also durchweg sehr rein und soll vorzüglichen Coaks liefern. Zum richtigen Betriebe sind Schachtanlagen und Wasserhebc- werke erforderlich. Das Grubenholz muß allerdings wohl auf dem Wasserwege herangebracht werden. Sollten die bei Jtschvnfu und Tsinanfn vorhandenen Eisenerz lager abbauwürdig sein, so würde sich in der Provinz Schantung wohl sehr rasch eine Eisenindustrie entwickeln lassen, ivelche bei [beit jetzt beginnenden Eisenbahnbanten schon mit in Konkurrenz treten könnte. Um aber die Schätze Schantungs zu hebe», muß vor allen Dingen ein geeigneter Punkt an der Küste gefunden werden, welcher als See hafen imstande ist, das Seeschiff möglichst nahe an die Gegenden zu bringen, in welchen ein Aufblühen von Handel und Industrie zu erwarten ist. Der einzige vorhandene Hafen von einiger Bedeutung, Tschifu, liegt hierzu sehr ungeeignet, weil er sich am äußersten Ende der Halbinsel befindet und von den jin Frage kommenden Industrie- Plätzen durch das Gebirgsland getrennt ist. Nur Wei-hai-wei liegt noch ungünstiger. Die ganze nördliche Küste der Provinz ist für tief gehende Schiffe unzugänglich. Bon Süden ist ja der alte Wasserweg, der Große Kanal, noch befahrbar, aber nur für kleine Dschunken und mit außerordentlichem Zeitaufwand. Unwillkürlich richtet sich der Blick bei Betrachtung der Karte auf einen Thaleinschnitt im Gebirgslande, an dessen südlichem Ende eine Bucht tief ins Land eindringt und durch den man eine Eisenbahn nach Norden führen könnte, um die obenFranzinS, Kiautschou 7 97 genannten Kohlenlager zu erreichen und dann weiter in die westlichen Provinzen zu dringen, welche Schantung an Reichtum in jeder Hinsicht übertreffen und noch vollständig unaufgeschlossen sind. In diesen Thal einschnitt sah Herr v. Richthofen 1869 ans der Straffe von Weih-sien nach Tschifn von Norden hinein und erkannte schon damals die außer ordentliche Bedeutung dieses Eingangs in den Nvrdwesten Chinas. Wenn er auch die Bucht selbst nicht besuchte, so sah er sie ini Geiste und wies in seinem berühmten Werke dann wiederholt auf ihren Wert mit vollster Überzeugung hin. Aber es dauerte noch ein Viertel Jahrhundert, bis diese Überzeugung sich in China und Europa Bahn brach und ein ernstliches Interesse sich zeigte für die Bucht von Kiautschou.Die Lucht von Liautschou en mittleren Teil der Provinz Schantung bewohnen seit alter Zeit die beide» unabhängigen Volksstämme, die Lai und die Kiao, oder wie Richthofen deutsch zn schreiben empfiehlt, die Kian. Der Stamm der Lai, dessen Name sich unter anderem in dem der Stadt Lai-tschou-fu erhalten hat, soll schon 2000 Jahre vor Christi Geburt genannt und von ihni berichtet werden, daß er die Seide des Gebirgsmaulbeerbaums als Tribut zu entrichten hatte. Der Stamm Kiau wird nach Richthoseu zuerst 660 vor Christus genannt und ivird angenommen, daß die Stadt Kiau etwa 500 v. Chr. gegründet ist. In ihrer unmittelbaren Nähe befand sich damals vermutlich die Mündung des Kiauflusses in die große Meeresbucht. Heute ist die Stadt infolge der eingetreteneu Versandung etwa eine deutsche Meile vom Wasser entfernt. Die Kiau-Bucht liegt 000 Seemeilen nördlich von der Mündung des Jangtse, so daß man sie von Schanghai aus mit gewöhnlichen Dampfern in etwa 00 Stunden erreicht. Die Ansteuerung ist eine bequeme und wenn niau sich der gegen die herrschenden Winde, den Nvrdvst- und den Südwest-Monsun, gleich gut gedeckten Einfahrt nähert, sieht man zur Rechten der Bucht die mehr als 1000 m hohen Granit felsen des Lauschan empvrragen, während die Höhen zur Linken sich nicht über 200 — 300 m erheben. Rechts erblickt mau alsdann eine kleine Einbuchtung mit einer Landungsbrücke und zivei Forts und einigen größeren Baulichkeiten. Hier liegt das Dorf Tsintau mit Zollhaus, Telegrapheustativu und dem Amtsgebäude des chinesischen Generals. In dem letzteren hat sich jetzt die deutsche Verwaltung vorläufig ein Unterkommen geschaffen. In dieser kleinen Bucht haben die deutschen$. IN. Kanonenboot „Tltis“ geftrandet im Ulirbclfturm am 23. Juli 1896 an der Süd-Oft-Küfte von Scbantung*Schiffe während des Winters 1897/98 gegen die Nordwinde vollständig geschützt gelegen und die von den Chinesen ouf einem Riff hergestellte, etwa 180 in lange Steininole durch einen Landungssteg aus'eisernen Schraubenpfählen, mit dessen Herstellung ebenfalls schon von den Chinesen begonnen war, so weit verlängert, dag die Dampfbovte anch'bei Niedrigwasser dort anlegen können. Der Platz ist, wie gesagt, gegen die rauhen Nordwinde geschützt und in dieser Hinsicht vermutlich im Winter den meisten Plätzen im Innern der großen Bucht vvrzuziehcn. Es ist deshalb zu erwarte», daß sich j^iev alsbald die erste deutsche Niederlassung ansiedeln wird. Bon der 2 Seemeilen breiten Einfahrt haben 1,5 Meilen eine für die größten Schiffe ausreichende Tiefe. Die Bucht mißt in jeder Richtung etwa 12 Seemeilen, doch fallen weite Flächen bei Niedrig wasser trocken, so daß der für tiefgehende Schiffe in Frage kommende Raum etwa einer Kreisfläche mit 4 Seemeilen Durchmesser oder einer deutschen Quadratmeile entspricht. An dieses Becken schließt sich nach Nordost noch eine Rinne von 4 Seenieilen Länge mit 1000 in Breite und mindestens 6 in Tiefe bei Niedrigwasser. Da der durch Ebbe und Flut erzeugte Wasserwechsel etwa ■4 4 m betrügt, also etwa so viel wie bei uns an der Nordseeküste, Ts in tau100 so liegt ctit Vergleich der Bucht mit dem Jadebusen nahe und man kann sich also eine den Jadebusen tut Ausdehnung noch übertreffende Wasserfläche denken, an welche sich nach Nvrdvst »och eine Rinne von der Größe des Kieler Hafens anschließt. Das Klima der Provinz Schantung wird allseitig als das gesundeste in ganz China bezeichnet. Die Wärme ist in Kiantschon, das etwa auf dem Breitengrade von Sicilien liegt, während des Sommers zwar noch groß, aber die Trocken heit der Luft läßt sie leichter ertragen. Im Winter gicbr es namentlich nachts ganz kräftigen Frost, doch soll die Bucht nach den Angaben der Bewohner nur ans den nordwestlichen Wattflächen zeitweise Eio zeigen. Xülracl? Oes 3ltis an Ser OHIsiiltc Oec cbineflscbcn Dalblnsel Schantung Wie allgemein versichert wurde, erwächst daraus der Schiffahrt durchaus kein Hindernis. Nebel und Schnee sind selten. Die herrschenden Winde, der Nordost und Südwest-Monsun, sind gleichzeitig auch die stärksten. Taifune sollen selten sein, doch muß mit ihnen gerechnet werden, wie es leider der Taifun des Juli 1896 bewiesen hat, in welchem der Iltis auf der Fahrt nach Kiantschou an der Süd küste von Schantung strandete. Wenn auch die Bucht gegen alle Winde derart gedeckt ist, daß sie einen sehr geschützten Ankerplatz bildet, so wird sich doch infolge ihrer großen Ausdehnung aus jeder Richtung soviel Seegang erzeugen, daß z. B. ein Löschen und Laden der Schiffe niit Hilfe von Leichterfahrzeugen zeitweise ebensowenig möglich sein wird, wie der Verkehr mit leichten Booten. Die Bucht bildet zwar eine ausgezeichnetekänfocnt'nank i&.tfo Statvn ^wnanc iank cC tjWb. Jtarumert&ocb Jfto. t Sxaiotcüitc'x f^OIvtx V. JMt* Uu£. x. ef. jfteut. x.cC 1. &c£m äxa^c ^)x. JjifAcfrui'ncLt Sitxtf.xcf. i&Löe-i&tetvx&txt jUvz&cn/'mit 66 tnavcu efiulcutcn den Jzc&cnkcd fiiz? ^VatcSoAxd am 23 J*v£t 1 $96 mit -bem Rufe „ ifcüx L^vn-e, ^^Tbajotä-t' J^n JCaia&i J'iivzzvül, Jjh-i z-zafi,-bavcoft.!"101 Reede, doch müssen die eigentlichen Hafenanlagen, ivie in allen solchen Fälle», so auch hier noch geschaffen werden. Besonders starke nachteilige Strömungen sind nicht vorhanden. Das Wasser ist, seitdem der Hoangho sich wieder auf die Nordseite der Halbinsel Schantung geworfen hat und seine gelben Fluten nicht mehr wie von >300—! 852 an der Südseite derselben ins Meer wälzt, frei von Sinkstvffe». Wenn trotzdem eine Abnahme der Wassertiefen stattfindet, so wird diese Erscheinung durch die Sandmassen hervorgerufen, welche der Bucht durch die sich in sie ergießenden Bäche und Flüsse zur Regenzeit von de» entwaldeten Granit- und Gneisgebirgen zu geführt werden. Die Ursachen der Verflachung liegen also nicht in Schlickablagernngen aus der See. Vergleicht man also die Bucht auch in dieser Hinsicht wieder mit dem Jadebusen, so sind die Verhältnisse in der Kiau-Bucht ungleich günstiger. Während in der Jade die Schlickablagerung und Tiefenverringerung im ganzen Bereich des Busens Überall dort stattfindet, wo die Wassergeschwindigkeit, wie regelmäßig bei Hochwasser und Niedrigwasser, zeitweise gering wird oder gar auf- hvrt, so geht die Versandung in der Kiau-Bucht nur von einzelnen Punkten aus vor sich. Fängt man den Sand an diesen Stellen auf und zwingt die Wasserläufe, ihn dort abzulagern, wo er nicht schädlich, sondern nützlich ist, so ist man imstande, große jetzt unbrauchbare Wattslücheu hochwasserfrei zu machen oder eiuzudeichen. Denn für die Erhaltung der Wassertiesen in der Einfahrt und dem Fahrwasser ist die Verringerung der Wasserflächen in der Kiau-Bucht ganz ohne Nachteil, während man bei dem Schlickgehalt des Jadebnsens dort ängstlich darauf halten muß, daß die Wasserfläche nicht eingeschränkt wird, weil nur dann die vom Meer in den Busen eindringende und bei Ebbe wieder auslaufende Wassermasse groß und kräftig genug bleibt, die Tiefe im Fahrwasser zu erhalten. In der Bucht von Kiau kann der vom Lande zufließende Sand ohne große Kosten hinfort nützlich verwendet werden, indem man ihm nicht mehr gestattet, in die größeren Tiefen vorzudringen, sondern nötigt, die unbequemen Seegang erzeugenden flachen Wasserflächen in brauchbares Land zu verwandeln. Diese Flächen sind so groß, daß sie auf Jahrhunderte hinreichen, den jetzt zufließenden Sand aufzunehmen. Vermutlich wird aber der Zufluß infolge von Bewaldung der Höhen allmählich abnehmen, so daß man vielleicht dereinst noch mal über Mangel an Sand klagen wird. Daß man es bei allen Bauten in und an der Kiau-Bucht mit Sand und nicht wie an der Jade mit Schlick zu thun hat, fällt für102 die Kosten der Bauwerke selbstverständlich sehr günstig ins Gewicht. Auch für den Ankergrund ist das von Wichtigkeit. Die bisherige Tiefenabnahme hat nanientlich von Nordwesten her, wo der bedeutendste Fluß, der Kiau-ho oder Wu-Ho mündet, stattgefunden. In den für Hafenanlagen in erster Linie in Frage kommenden östlichen Teilen der Bucht konnte ich eine merkliche Verschiebung der lOMeter- linie gegen die Angaben der englischen Messungen von 1863 nicht fest stellen. (_ Das Vorhandensein des Bohrwurms ließ sich bei dem vollständigen Mangel an Holzbauten nicht unmittelbar Nachweisen, ist aber mit Sicherheit anznnehmen, weil derselbe an der ganzen chinesischen Küste und beispielsweise auch in dem benachbarten Tschisu sehr stark auftritt. Man wird also voraussichtlich zu Wasserbauten kein Holz verwenden dürfen, obgleich solches von Kanada in vorzüglicher Beschaffenheit zu etwa denselben Preisen zu haben ist, den man in Norddeutschland für preußisches Holz zahlt. Die Bucht ist nach Osten und Süden von Bergketten umgeben. Die östlichen fallen sanft, die südlichen steil ins Wasser. Nach Nordost senken sich die Höhen immer mehr, nach Norden ist alles flach, ebenso im Westen, doch treten hier einzelne Kegel aus der Ebene empor. Die Gebirge bestehen vorzugsweise aus Gneis, die in die Bucht auslaufenden Felsenriffe zeigen aber auch Kalkstein imb am Nordostufer bei Nü-ku- kau, wenn ich nicht irre, auch Sandstein. In der Bucht liegen außer den Inseln Tschiposan und Pvtato-Jsland, zwei Riffe von Bedeutung, auf der englischen Seekarte als Horse-shoe Rock- und Wvmans-Jsland bezeichnet, von denen namentlich das elftere jetzt noch der Schiffahrt gefährlich sein kann, weil es bei Hochwasser fast ganz unsichtbar ist. Es ist jedoch nicht unmöglich, daß man beide Riffe später durch Anf- mauerung als Wellenbrecher sehr nützlich verwendet. Hier ankerten im Mai 1897 S. M. S. „Kaiser" und „Cormoran". Auf der Strecke zwischen Horse-shoe und Wvmans-Jsland gehen die für große Schiffe ausreichenden Tiefen ziemlich nahe an das Ost- nser heran und hier ließe sich ein Handelshafen von großen Abmessungen anlegen. Es muß jedoch noch festgestellt werden, ob dieser Platz gegen ein Bombardement von See her ausreichend geschützt ist und wenn das nicht der Fall sein sollte, wird man vermutlich nördlich von Wvmans-Jsland, wo die Wassertiefe bei Niedrigwasser noch immer 10 m beträgt, die für große Schiffe erforderlichen Anlagen herzustellen suchen, während die kleineren Fahrzeuge, ebenso wie jetzt die chinesischenSeftittct von der Ikaiserlichen /Darlnc und den Deutschen Chinas Nach dem Modell von Bildhauer August KrauS103 Dschunken, möglichst weit i» der tiesen Rinne nach Norden Vordringen und dort östlich von Potato-Jsland den besten Schutz siudeu. Die kleine Stadt Nü-ku-kau bildet dort jetzt den Einfuhrhafen für die jenigen Güter, welche aus Dschunken herangebracht werde», von denen ich nur Baumwolle als selbst gesehen nennen kann. Wenn man sich nun vom Wasser aufs Land begeben will, so ist das i» der Bucht zunächst noch ziemlich unbequem. Nur an wenigen Stellen kann man mit Booten lande», ohne nasse Füße zu bekommen. Die Ufer erheben sich dünenartig etwa 15—20 m über den eigentlichen Strand. Aus Dünen und Strand treten aber zahlreiche Felsenriffe hervor, welche sich über und unter Wasser in die Bucht hinein erstrecken. Solche Riffe kann man ohne große Kosten als Molen zu Landungs plätzen ausbilden und die Chinesen haben, wie gesagt, an einer sehr geschützten Stelle außerhalb. der Bucht bei dem Dorfe Tsintau einen solchen Landungsplatz angelegt. Ich muß den Leser nun leider bitten, sich kein zu günstiges Bild von der nächsten Umgebung der Bucht zu machen. Wohl kann sich das Auge bei schönem Wetter, wie ich es im Mai hatte, an der wunder vollen Farbenpracht erlaben, i» der die rotgranen Berge und das bald tiefblaue, bald durch alle Schattierungen von Grün erglänzende Wasser sich zeige», aber von menschlicher Kultur ist noch wenig zu spüren und die Vegetation läßt gerade dort, wo man au der Südostseite das Land zunächst betritt, auch noch viel zu nüiuschen übrig. Die niedrigen Höhen und das wellige Terrain zwischen ihnen bestehen aus verwittertem Gneis und sind deshalb sehr sandig. Je weiter man jedoch nach Norden zu au der Bucht hinauf gelangt, desto besser wird der Boden und er geht immer mehr in äußerst fruchtbaren Löß über, der dann mit über raschender Sorgfalt von den in zahlreichen Dörfern angesiedelten Chinesen beackert ist. Diese Dörfer machen zum Teil einen sehr dürftigen, zum Teil aber auch eine» recht freundlichen Eindruck. Ich habe Lehmhütten kleinster Art gefunden, die von alter Zeit her zum Schutz gegen Räuber mit hohen, jetzt zerfallenen Lehmwällen und Gräben umgeben waren, aber auch wesentlich besser hergestellte Häuser mit Granitsockel und Ziegelwänden, mit kleinen Gärten, in denen Glycine» und gelbe Rose» in größter lleppigkeit blühten, auch eine niedrige Daphne von außerordentlichem Duft. Rings um einige dieser Dörfer zogen sich große Anpflanzungen von Obstbänmen, meistens Birnen, die allerdings nach unser» Begriffen nicht besonders wohlschmeckend sind, aber auch Aprikosen und Wallnüsse. Ich zweifle auch nicht daran,104 daß in einigen Jahre» in oer Kiau-Bncht ebenso schöne Weintrauben gedeihen, wie jetzt in Tschifu, zumal einer der Besitzer jener Weinberge sich schon in Tsintau niedergelassen hat. Rinder und Pferde sind nicht sehr zahlreich, die Tiere auch klein, aber nicht häßlich. Vorzugsweise sind Esel und Maultiere in Gebrauch. Lingsng LUI» <.cmpclb^k in r^sinlau Ebenso zahlreich wie diese sind kleine schwarze Schweine; Ziegen und Schafe dagegen wieder selten. Hühner und Enten werden überall ge halten, auch Tauben. Wasservvgcl giebt cs auf den Watten in großer Zahl. Singvögel werden aus Mangel an Wald und Gebüsch schwerlich vorhanden sein. Der verbreitetste Bogel in ganz China ist die Elster, sie fehlt auch in Kiautschou nicht. An Fischen soll die Bucht reich sei», doch war von Fischerei nicht viel zu bemerken. In der StadtI OS Kiau wurden unserm Hornfisch ähnliche, I bis 2 in lange Fische in großer Menge auf den Markt gebracht. Das an Deutschland jetzt verpachtete Gebiet ist nicht übervölkert, l weil es weniger fruchtbar ist, als die nach Norden sich anschließende Ebene. Die Bevölkerung macht einen kräftigen Eindruck. Sie ist Stratzcnbild von ^sint.1» friedfertig und gutmütig. Man darf nur die Geduld nicht verlieren. Das ist freilich nicht ganz leicht, wenn man von unzähligen Männern und Kindern umringt ivird, die alle den Fremdling betasten und das Zeug oder das Fernglas untersuchen wollen. Flüchtet man nun auch in den vom Wirt als Schlafzimmer überwiesene» Raum, so dringt doch eine ganze Anzahl mit hinein, weil die Thür nicht verschließbar106 und iit dem Raum kein Stück Möbel vorhanden ist, mit welchem man die Thür verbarrikadieren könnte. Hat man die Neugierigen endlich hinausgejagt und die Thür zugebunden, so bleiben sie au den Fenstern stehen, durchstoßen die Papierscheiben und betrachten den Fremden so lange, bis es im Innern dunkel ist. So wird die Bevölkerung durch ihre Neugierde wohl lästig, aber obgleich ich nur mit zwei Begleitern Lrcrcircndc cbincNsckc tRcftruten ins Land hineinritt, sind wir doch während eines fünftägigen Ausflugs weder durch Wort noch That auch nur tut geringsten behelligt. Die Menschen, die wir am Ufer zunächst sahen, waren die Soldaten aus den Lagern, junge, kräftige Leute. Meistens liefen sie unbewaffnet in kleinen Trupps umher, in blauen und roten Kitteln mit den zweiteiligen Neberhvsen, großen runden Strohhüten, Filzschuhen,Eine Gruppenübung in den Befestigungen von Wautschsu (Cfintau)107 einen Regenschirm in der Hand und machten keinen sehr kriegerischen Eindruck. Ans den Aeckern sahen wir wenig Leute, weil die Kornfelder überall grünten und nur einzelne Aecker nvch besonders bestellt wurden. Ans den Wegen aber trafen wir namentlich im Norden der Bucht viele Karrenschieber, die mit bewundernswerter Kraft und Ausdauer ihre Lasten meilenweit durchs Land fortbewegten. Die Fahrstraßen gleichen unfern breiten Feldwegen, aber Wagen sind ganz unbekannt Uichtparadc und die in Nordchina gebräuchlichen zweirädrigen Karren sahen wir nur in ganz geringer Zahl. Das Beförderungsmittel ist fast aus schließlich die auch in Schanghai gebräuchliche Schubkarre mit einem großen Rade, zu dessen beiden Seiten die Last direkt auf der Achse ruht und die von einem Manne geschoben, häufig aber noch von einem zweiten Manne und einem Esel gezogen wird. Die von Herrn v. Richthofen erwähnte böse Sitte, auch Frauen zum Ziehen zu verwenden, habe ich108 niemals bemerkt. Ob ganz China oder nur die Umgegend von Kiau- tschou solchen Fortschritt gemacht hat, vermag ich nicht anzugeben. Es lag mir vor allem daran, mich durch eigenen Augenschein von der Beschaffenheit der im Norden der Bucht vorhandenen Ebene zu überzeugen, welche Herr v. Richthofen zwar in seiner Karte angegeben, aber nicht persönlich gesehen hatte. Ich ritt also mit zwei Begleitern, den Herren Krebs nnd v. Müffling, von denen ersterer als Dolmetscher, letzterer als Reisemarschall thätig war, am Oftufer der Bucht nach dem erwähnten Hafenplatz Nü-ku-kau. Es muß hier ein gewisser Marsu's, Lotc» Wohlstand herrschen. An dem allerdings nur bei Hochwasser zugäng lichen Hafen, vor welchem etwa ein Dutzend Dschunken ankerte, lagen einige aus Granitquaderu und Ziegeln hergestellte größere Gebäude, die als Speicher dienten. Die Bevölkerung war zum Teil gar nicht ärmlich gekleidet. Ich sah u. a. an dem auf einer ganz isolierten Höhe gelegenen, weithin sichtbaren Tenipel bei Tagesanbruch einen jungen109 chinesischen Reiter sich vom Pferde herab iin Bogenschießen üben, der ganz das Aussehen eines wohlhabenden Sportmans hatte. Von Nü-ku-kau ab wird die Gegend vollständig flach. Man über schreitet dann drei kleinere Wasserläufe, die durch ihre gemeinsamen Sandablagerungen ein großes Watt gebildet haben, welches größten teils schon über' dein gewöhnlichen Hochwasser zu liegen scheint und nur bei höheren Fluten ganz mit Wasser bedeckt sein mag. Auf diesem Watt wurde die Salzgewinnung in der an der chinesischen Küste so vielfach vorkommenden einfachen Weise betrieben. Wir wandten uns, immer dem Telegraphen folgend, an dem Nordufer der Bucht nun nach Westen und überschritten bald ein breites, aber vollständig trocknes Flußbett, das als das des Wu-ho bezeichnet wurde. Die Sohle desselben lag mehrere Meter hoch über dem Terrain. Ob es zur Regenzeit ausnahmsweise noch Wasser führt, war nicht festzustellen, doch war es auf der Ostseite mit einem Deich versehen. Nach Westen zu folgte bald der eigentliche Wu-ho oder Kiau-Ho, dessen Sohle merklich tiefer lag. Das Bett desselben war etwa 120 in breit, der zur Zeit darin vorhandene Wasserlauf vielleicht nur 80 in, bei einer Tiefe von etwa 0,5 in. lieber diesen Fluß führte eine regelrechte aus Granitquadern hergestellte Brücke mit 45 Pfeilern, welche etwa 1,5 bis 2 in von einander entfernt und mit Steinbalken überdeckt sind. Es ist dies die Straße von Tsimv nach Kiantschou. Nun wurde die alte Stadt mit ihren 10 in hohe», von Zinnen umkränzten Mauern, die von weitem einen ganz imposanten Eindruck mache», im Grunde aber nur Trümmerhaufen sind und wie alle diese mächtigen chinesischen Mauern nur äußerlich mit Ziegeln bekleidet zu sein scheinen, erreicht. Die hölzernen Thore wurden noch benutzt. Durch enge schmutzige Gassen ritten wir zum Gasthofe und kamen da bei durch eine ganz kunstvoll aus Granit gearbeitete Ehrenpforte, zum Andenken einer tugendhaften Frau errichtet. Aehnliche, etwas einfachere Denkmäler hatten wir schon vorher in einem Dorfe getroffen. Die meisten derselben sind für Witwen errichtet worden, die sich nicht wieder verheiratet haben, oder für junge Mädchen, die ehelos blieben, um ihre eigenen oder die Eltern ihres verstorbenen Bräutigams bis an ihr Lebensende zu pflegen. Andere Denkmäler dienen zur Erinnerung an Frauen oder Töchter, die sich ein Stück Fleisch aus dem Arm oder ein Stück aus der Leber geschnitten habe», um mit der daraus bereiteten Brühe ihren Eltern Heilung von irgend einer Krankheit zu bringen An Entsagungssähigkeit und Opferwilligkeit scheinen also die chinesischenExerzierplatz und l^egicrungsgebsude in ^flntau Annexes eines Tempels in Ikiaulsckou111 Frauen mit den unsrigen zu wetteifern und es gefiel uns sehr, daß man ihre Verdienste durch solche Denkmäler ehrt. Mit den Gasthöfen war es dagegen schlecht bestellt. Ein Tempel, in welchem man ja sonst in Nordchina am liebsten übernachtet, war nicht vorhanden oder nicht frei, und in dem Gasthof ersten Ranges mußten wir mitten zwischen Pferden und Eseln in einem Raum über nachten, der an Größe, Form und Ausstattung einem Gänsestall auf ein Haar glich. Daß wir dennoch 2 Nächte darin vortrefflich geschlafen haben, verdanken wir dem Kommandanten des Cvrmvran, der jedem von uns außer dem Proviant eine Matratze und Decke mitgegeben hatte. Auf Fremdenverkehr ist man noch nicht recht eingerichtet und Europäer waren dort noch ziemlich unbekannt, ebenso das Silbergeld. Unser Wirt hatte nie ein Stück davon gesehen und fiel, als ich ihm für ein Stück Steinkohle von Weih-sien einen blanken Dollar schenkte, ganz über- ivältigt vor mir nieder. Auch konnten wir unser Silber nicht verwerten und mußten, obgleich wir zwei nur mit Kupfermünzen beladene Esel mit nns führten, doch noch mit Hilfe unseres Führers eine Anleihe machen. Ich erlaube mir den Hinweis auf die in jener Gegend herrschende Kupfer währung besonders deshalb, weil ich in letzter Zeit wiederholt gefragt bin, ob eine Vergnügungsreise nach Kiautschou lohnend sei. Ich kann das unbedenklich bejahen, aber der dazu erforderliche Geldbeutel muß, wie man sieht, recht groß sein. Wie groß die Bevölkerung der Stadt ist, war nicht zu ermitteln. Ich würde sie nicht über 30 000 bis 50 000 Seelen schätzen, was ja für China nicht so sehr viel ist. Ich vermute, daß ein Teil derselben, namentlich die Handwerker, ihrer Vaterstadt bald den Rücken kehren und sich am andern Ufer der Bucht Arbeit suchen werden. In den neuen Ansiedlungen werden Straßen und Wohnungen nach dem Muster von Hongkong einen mehr europäischen Zuschnitt haben, aber auch hier iverden sich die Chinesen bald an Reinlichkeit gewöhnen und vorzügliche Arbeiter werden. Obgleich man schon in der Stadt Kiautschou erkennt, daß nach 1lrorv.-1lrapit3n Wruskatis Kommandant S. M. S. Cormoran112 Norden zu, so weit das Auge reicht, nur eine einzige sanft ansteigende Ebene vorhanden ist, lag mir doch daran, die Wasserscheide zu erreichen, von welcher ab der sogenannte nördliche Kian-Ho oder der Lai-Hv nach der Bucht von Petschili zu fließt. Diese» Punkt fanden wir etwa 25 km nördlich von der Stadt und zwar auf der Straße von Kiautschvu nach Pinktutschou, indem wir, den südlichen Kian-Ho aufwärts ziehend, an einen Seitenarm kamen, der sich auf den ersten Blick als ein künst licher Kanal von 50—40 in Breite darstellte. Aus einer der am User aus gestellten großen Stcintafeln war der Wasserlanf als Kiau-Lai Kanal und die über ihn.hinweg führende Brücke als „die Brücke, die Perlen hervorbringt",bezeichnet. Das that sie allerdings nicht, obgleich ein Pfeiler eingestürzt war, denn das Wasser im Kanal stand zur Zeit vollständig still. Aber die Chinesen behaupteten, es flösse nach Norden. Wir waren also unzweifelhaft an der Wasserscheide und die Richthvfensche Karte erwies sich als richtig. Auch erzählten die Dorfbewohner dasselbe, was Richthofen ansührt, daß der Kanal vor 600 bis 700 Jahren hergestellt sein soll. Es ist erstaunlich, wie gut er sich erhalten hat. An beiden llfern standen hohe Bäume, während an den Flußläufen kein Baum zu sehen war. Daß aber der Kanal oder der Kiaufluß zur Zeit irgendwie mit Booten befahren wurde, dafür habe ich keinen Anhalt gefunden. Der niedrigen und schmalen Brückenöffnungen ivegen könnten cs ja auch nur Fahrzeuge kleinster Art sein. Auch von dieser Brücke aus war nach Norden nichts zu sehen, als eine breite, fruchtbare Ebene, ans der überall von einzelnen großen Bäumen umgebene Dörfer auftanchten. Die Aecker waren so sorgfältig mit Weizen, Gerste, Hirse, Bohne», Melonen, Wachsbäumen n. s. w. bestellt, daß kaum ein unbebauter Fleck oder ein Unkraut zu sehe» war, letzteres ja vielleicht mit ans dem Grunde, weil, wie erwähnt, alles, was nicht Frucht bringt, ausgerissen wird, um als Brennmaterial zu dienen. Ich gewann also die feste Ueberzenng, daß der Bau von Eisen bahnen nach Norden zu keine besonderen technische» Schwierigkeiten bietet und daß das Hinterland ein sehr fruchtbares, stark bevölkertes ist. Es herrschte auch schon jetzt ans den Straßen von Tsimv nach Kiau und von Kiau nach Pinktu ein anscheinend lebhafter Verkehr mit Getreide, Bohnenknchcn und Del in Krügen, mit Baumwolle und Filzsachen, Thonwaren, Tabak, Papier, Salz, Holzkohlen, Reisig u. s. w., der ja allerdings ans de» breiten, ansgefahreneu Wegen nur auf Schiebkarren erfolgt und über dessen Umfang zuverlässige Angaben5. M. $. „eormoran“ in vstasien113 fehlen. Für die Ausführung einer Eisenbahn ist es auch besonders günstig, daß die sonst in China eine so erhebliche Rolle spielende Gräberfrage gar nicht ins Gewicht fällt. Während in den meisten Küstenstrecken, die ich gesehen habe, die zahlreichen Gräber so zerstreut in den Feldern liege», daß es bei Auslegung einer Bahnlinie ganz unmöglich ist, sie zu vermeiden, und dadurch erhebliche Schwierigkeiten und Kosten entstehen, weil alle Verwandte des toten Chinesen Ansprüche erheben, so liegen die Gräber hier fast immer in geschlossenen Fried höfen, die ohne Mühe umgangen werden können. Ist aber die Ausschließung Schantungs und der westlich und nordwestlich von Schantung gelegenen reichen Provinzen durch eine von der Kian-Bucht ausgehende, in deutschen Händen befindliche Eisenbahn ohne zu große Kosten möglich, so hat schon Herr v. Richthofen in überzeugendster Weise nachgewiesen, daß das für unfern Handel und unsere Industrie von größter Bedeutung sein wird. Von allen Kauf- lentcn, Technikern und sonstigen Kennern des Landes ist mir das im Süden ivie im Norden Chinas ebenso ausgesprochen. Da mir auch kein Umstand bekannt geivorden ist, der gegen diese Ansichten spräche, so habe ich keine Veranlassung, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln. Wenn jedoch besonders die Ausführung einer direkten Eisenbahn von Kiautschvn über Tientsin nach Peking für sehr wünschenswert gehalten wird, um die jetzt für mehrere Wintermonate durch Eis regelmäßig unter brochene Dampferverbindung zwischen Tientsin und Schanghai zu er setzen, so glaube ich, daß die Rentabilität dieser Linie doch wegen der technischen Schwierigkeiten bei der Ueberbrückung der vielen Flnßläufe, namentlich des Hoangho, vorläufig schwer nachzuweisen sein würde und halte die Linie über Tsinanfu, an dem südlichen Ufer des Hoangho, hinauf bis zur Bahn Hankau—Peking für weit wichtiger. Ich glaube aber, daß schon allein die Ausschließung der in Schantung vorhandenen Kohlenlager und die Schaffung geregelter Kohlenausfuhr dem Hafen Kiautschvn eine große Bedeutung sichern werden. Die Kohle von Weih-sien wurde jetzt in der Stadt Kian, also nur 70 km von der Lagerstelle, mit 80 Mark die Tonne bezahlt und natürlich nur pfund weise gehandelt. Das; die Schantnng-Kohle für Jndustriezwecke vor züglich ist, ergiebt sich aus den oben angegebenen Analysen. Bewährt sie sich für die Schiffsfeuerungen ebenfalls, woran kaum zu zweifeln ist, so kann damit an der ganze» asiatischen Küste und selbstverständlich auch auf den Dampfern des Jangtse, die Konkurrenz mit der jetzt dort fast ausschließlich benutzten japanischen Kohle ausgenommen werden. Franzius, Kiautschou g114 5. Cffi.;ier=Uamen des StranMagetS mit erbeuteten Cropbäen 3m Lau befinMiebc Xanfungsbrüebc /Dauer vor dem trüberen Quartier des Generals LbangIIS Kann andrerseits die chinesische Bevölkerung zn billigen Preisen Kohlen als Brennmaterial beziehen, so ivird die Umgebung der Bucht und das Gebirgsland von Schantung nach einiger Zeit ein ganz anderes Aussehen bekommen, weil man nicht mehr nötig hat, alles Holz schon als Strauchwerk zur Feuerung zu verwenden. Dann werden die Höhen ebenso bewalden, wie die von Hongkong und die zur Regenzeit fallenden grossen Wasserinengen werden nicht mehr wie jetzt tiefe Schluchten auswaschen, in denen sie dein Meere zustürzend die Aecker verwüsten und dein Verkehr grosse Hindernisse bereiten, sondern als friedliche Waldbäche der neuen Stadt Kiantschvn treffliches Trinkwasser liefern. Ich würde übrigens unrecht thun, wenn ich nicht heruvrheben wollte, dass schon jetzt auf den Vorbergen des Lanschan eine regelrechte Anpflanzung von Kiefern in ziemlich großem Umfange besteht, die einzige Aufforstung, die ich in China gesehen habe und die sich unter deutschem Schutz hoffentlich zum kräftigen Walde entwickeln soll. Wird man doch auch für den Bergbau das Grubenholz bald notig haben. Es liegt nahe, die Frage anfznwerfen, ob es nicht zweckmäßig sein würde, die zwischen der Kian-Bncht und dem Golf von Petschili bestehende, allerdings zur Zeit nicht schiffbare Wasserverbindnng durch Herstellung eines de» Bedürfnissen unserer Zeit entsprechenden Kanals zn ersetzen. Vorläufig darf man sich aber davon wohl keinen großen Nutzen versprechen, ivenn auch die Ausführung keine besonderen technischen Schwierigkeiten bieten würde. Der Golf von Petschili hat an dem nördlichen Ufer der Provinz Schantung so geringe Wasser- tiefe», daß große Seedampfcr die nördliche Mündung des Kanals nicht würden erreichen können. Sollte Kiantschvn sich zn einem bedeutenden Handelsplatz entwickeln, so könnte es allerdings wünschenswert werden, die Verteilung der eingeführte», nach dem Norden bestimmten Waren durch kleine Dampfer oder Dschunken mit Hilfe eines den Umweg um die Halbinsel vermeidenden Kanals zu bewirken. Auch liegt es viel leicht noch näher für die Zufuhr der Kohlen von Weih-sien nach der Kian-Bncht an einen Kanal zn denken, aber zunächst ist die Eisenbahn srage jedenfalls eine dringendere. Es ist mit Sicherheit zu hoffen, daß die Ausführung dieser Bahn nach Norden nicht lange ans sich warten lassen ivird. Es werden auch vermutlich schon bald an verschiedenen Punkten des östlichen Ufers Hafenanlagen und Ansiedlungen entstehen. Die großen Schiffe werden im tiefen eigentlichen Becken bleiben wollen 8 *Tsintau vordcrcs 'Cboc bcs StranMagcrs Das Oftlagct117 und alles, was mit ihren Bedürfnissen zusannnenhängt, sei es auf dein Wasser oder auf dein Lande, ivird voraussichtlich in der Nähe von Womans-Jsland angelegt werden müssen. Es ist sodann nicht zu be zweifeln, daß auch die Küstendampfer der vier vorhandenen Dampfer- liiiicn, der drei englisch-chinesischen und einer japanischen sich sehr bald nach Kiautschou wenden und da sie möglichst kurze Zeit liegen wollen, wünschen werden, nicht weit in die Bucht hineinzulaufen. Demgemäß ist es wahrscheinlich, daß ein Ort östlich von Womans-Jsland ent stehen wird. Dagegen werden wohl der eigentliche Handelshafen und die An lagen zur Verladung von Kohlen weiter nördlich in und an der tiefen Rinne geschaffen werde», wenn man, wie anzunehmen, die Eisenbahn das Ostuser entlang führt. Hier werden auch industrielle Anlagen am Platze sein. Ob es schon bald gelingen kann, die kleineren Dampfer, Prähme u. s. w. für die chinesischen sKüsten und Strome hier aus chinesischem Eisen zu bauen, läßt sich noch nicht übersehen. Jedenfalls sind hier geeignete Plätze dazu in größter Auswahl vorhanden. Holz lager und Holzbearbeitungswerkstätten für die aus Amerika und Borneo einzuführenden Hölzer sind unbedingt erforderlich. Vielleicht auch Zement- fabriken, da ja der Bedarf an Zement nicht unerheblich sein wird und zunächst wohl von Japan gedeckt werden muß. Ferner Kalkbrennereien und Steinlager, wie denn die Eröffnung von Steinbrüchen an der Bucht nicht lange ans sich warten lassen wird. Auch ein Petrvlenm- lager mit Oel von Sumatra müßte sich rentieren, da die Petroleum lampe und japanische Zündhölzer jetzt in das abgelegenste chinesische Dorf dringen. Besonders erforderlich werden für den Hafenplatz Schiffsrepara- tnranstalten in Form von Schwinnndock's und Trockendocks. Es haben sich auch sofort Privatgesellschaften gefunden, welche bereit sind, nach dem Muster von Honkong, Schanghai, Nagasaki und Jokoharna auch in Kiautschou Docks von solcher Größe anzulegen, daß nicht nur unsere Kriegsschiffe, sondern auch die größten Handelsdampfer dort ausgebessert werden können. Wie erwähnt, geschieht das zur Zeit vorzugsweise in Honkong. Der unternehmende chinesische Generaldirektor Tseng-Taotai will aber an der Mündung des Wnfung in den Dangtse ein großes neues Trockendock anlegen, welches auch für solche Schiffe, die ihres zu großen Tiefgangs wegen die innere Barre des Wusung nicht überschreiten und deshalb nach Schanghai nicht hinaufgehen können, brauchbar werden soll. Es ist zu hoffen, daß man ihm in Kiautschou zuvorkvmmt und11 $ durch gute und preiswürdige Arbeit alle die Schiffe herauzieht, welche längere Reparaturen anszuführen haben und denen es dann gar nicht darauf ankommt, vb sie den kleinen Abstecher vom Jangtse nach Kiautschou mache». Dag die Kiau-Bucht als deutscher Freihafen sich rasch entwickeln wird, bezweifelt niemand an der chinesischen Küste. In dem benach barten Tschifu ist man so fest davon überzeugt, daß man für letzteren Platz darin eine große Gefahr erblickt und voransschauende Kaufleute schon jetzt überzusiedeln beginnen. Aber auch aus den übrigen chinesischen Handelsplätzen werden alsbald zahlreiche große europäische Firmen Filialen ihrer Geschäfte dorthin legen und wenn inan erwägt, daß das für den Handel ins Hinterland weit ungünstiger gelegene und mit einer sehr mangelhaften Reede versehene Tschifu sich in 40 Jahren zu einer Stadt mit 100 000 Einwohnern und 60 Millionen Mark jährlichem Handelsumsatz aufgeschwungen hat, so wird man dein mit einer Eisen bahn nach den Kohlenlagern ausgestatteten Hafen von Kiautschou jeden falls die besten Aussichten schon für die nächste Zuklinft nicht absprechen können. Welche Vorteile das gute Klima unserer Kolonie noch bieten wird, ist vorläufig nicht zu übersehe». Auf ziveierlei kann aber schon jetzt hingewiesen werden. An der ganzen chinesischen Küste wird es von den Europäern als ein großer Nebelstand empfunden, daß die große Hitze auf die Gesundheit der Erwachsenen, namentlich aber der Kinder sehr ungünstig einwirkt. Die Familien suchen daher eine Stärkung im kälteren Klima, indem sie in der heißesten Zeit in die Berge Japans und neuerdings auch an den Meeresstrand von Tschifu zur Sommer frische gehen. In Honkong und auch in Hankau flüchtet man ebenfalls so hoch wie möglich in die dortigen Berge. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der 1400 in hohe Gebirgszug des Lauschan und die dem Strande von Tschifu sehr ähnliche Meeresküste zu beiden Seiten der Einfahrt in die Kiau-Bncht als Sommerfrischen und Seebäder sich ausbilden. Noch wichtiger aber würde die Gründung einer guten deutschen Schule sein. Bis jetzt schickt jeder Europäer, wenn er es irgend er möglichen kann, seine Kinder, in erster Linie die Knaben, nach Europa und zwar einmal des Klimas wegen, dann aber auch im Hinblick auf de» notwendigen Unterricht. Für die wenigen am Ort bleibenden Knaben gute Schulen zu errichten, ist bislang nicht möglich gewesen. Erweist sich das Klima in Kiautschou, wie zu erwarten ist, auch für Kinder als ein gutes, so darf man hoffe», daß hier bald ein vorzüglichesIpräfefetur von TUiautfcbou Inneres cbor von fttautfdbou120 deutsches Gymnasium erstehe» wird. Selbstverständlich wird in dem selben an Stelle unserer alten Sprachen chinesischer Unterricht gegeben werden. Vier Monate hindurch hatten lvir nun die Häfen Ostasiens besichtigt, darunter alle diejenigen, an deren Erwerbung irgend gedacht werden konnte. Mitte Juni traten wir die Rückreise über Japan und Amerika an. Ich hatte die feste Ueberzeugung gewonnen, das; in wirtschaftlicher und technischer Hinsicht die Bucht von Kiantschon allen sonst noch in Frage kommenden Plätzen weit vvrzuziehen sei. Da auch die militärischen Verhältnisse sehr günstige sind, insofern etwaige Be festigungsanlagen hier leichter und billiger hergestellt werden können, als an den anderen Häfen, so konnte ich mich nur rückhaltlos für die Wahl von Kiantschon als deutschen Stützpunkt aussprechen. Dag dieser Punkt auch für die deutschen Missionsbestrebungen besonders günstig liegt, sollte sich alsbald zeigen.Deutfcbe Missionare in Schantung*) tc Verbreitung des Christentums in China begann zu Ende des 13. Jahrhunderts. Die venetianischen Kanfleute Nicolo und Maffeo Polo und der Sohn des ersteren, Marco Polo gelaugten damals au den Hof des Tartarenchaus Kublai und vermittelten in Rom die Entsendung einer Anzahl von Missionaren. Unter diesen war der Franziskaner P. Johannes de Monte Cvrvino der bedeutendste, der wegen seiner außerordentlichen Thätigkeit zum Erzbischof von Peking ernannt wurde und dort 38 Jahre im Verein mit mehreren anderen Franziskanern wirkte. Nach seinem Tode bestand die Mission noch etwa bi§ 1370, ging dann infolge politischer Um wälzungen zu Grunde unb wurde erst 200 Jahre später von den Jesuiten wieder ausgenommen. Diese erwarben sich namentlich durch ihre große Gelehrsamkeit und Geschicklichkeit aus dem Gebiete der Mathematik und Astronomie in ganz China ein großes Ansehen und erheblichen Ein fluß. Unter ihnen sind die Missionare R Ricci und der in Cöln geborene R Schall die bedeutendsten. Letzterer stellte mit dem R Rho für den Kaiser von China die noch jetzt auf der Stadtmauer Pekings allen Angriffen der Witterung trotzenden herrlichen astronomischen In strumente her und verfaßte, ebenso wie Ricci, zahlreiche -wertvolle Werke der Astronomie. Auch richtete er eine Kanvnengießerei ein und goß eine ganze Anzahl von Kanonen. Durch solche hervorragenden Leistungen erwarb er sich die höchste Anerkennung der Kaiser Schungtsching und Schuutschi, und förderte die Ausbreitung des Christentums derart, daß die Zahl der Christen in China während *) Missionsgeschichte Chinas von H. ans der Heide. Manuskriptdruck. Steyl 1897.irr des Zeitraums 1617—1664 von 13 000 auf 300 000 stieg. Von dein folgenden Kaiser Kanghi erlangten die Jesuiten sogar die Gewährung voller Religionsfreiheit in China und da sie sich den chinesischen Lehren und Gebräuchen gegenüber sehr Duldsam und nachsichtig zeigten, namentlich in Bezug auf die dem Kongfutse und den Ahnen darge brachte Verehrung, so tvürden sie unter dem Kaiser Kienlnng vermut lich auch weiterhin große Erfolge gehabt habe», wenn nicht Missionare aus dem Orden ^der Dominikaner nach China gekommen wären. Zwischen diesen und den Jesuiten entbrannte bald ein heftiger Streit. HftvoKomifcfcc Znstrumente auf Set Stadtmauer Pekings Die Jesuiten erklärten, die Verehrung für Kongfutse und die Ahnen trage einen rein bürgerlichen Charakter, was ihnen vom Kaiser Kanghi auch bestätigt wurde. Die Dominikaner bezeichncten diese Gebräuche als heidnisch und abergläubisch und wandten sich deswegen nach Rom. Papst Clemens XI bestätigte 1664 das Urteil der mit der Entscheidung beauftragten Kongregation, wonach die Auffassung der Jesuiten strenge verurteilt wurde. Dies hatte alsbald die Folge, daß die chinesischen Kaiser die Missionen nicht mehr begünstigten, sondern immer mehr unterdrückten. Nach dem Tode Kienlungs und der >773 erfolgten Aufhebung des Jesuitenordens nahmen die Christenverfolgungen so zu,123 daß Anfang des 19. Jahrhunderts von europäischen Missionaren nur noch der portugiesische Bischof von Nanking in der Hauptstadt blieb, iliu 1830 kamen aber dann von Frankreich die Lazaristen und bald daraus auch wieder Jesuiten, Dominikaner imb Franziskaner ins Land. Außer ihnen verschiedene katholische Missionsgesellschaften, darunter die 1875 in Holland errichtete „Gesellschaft des Göttlichen Wortes" zu Steyl, welche im Süden der Provinz Schantung ihren Wirkungs kreis fand. Mit der inzwischen zunehmenden Ausschließung Chinas für die Fremden waren seit 1807 auch protestantische Missionare aus England, Amerika, Deutschland, der Schweiz u. s. w. nach Ostasien gelangt und heute übertreffen dieselben die katho lischen Missionare in der Anzahl bereits erheblich. Dagegen soll die Zahl der Bekehrungen bei den Katholiken be deutend größer sein, da diese besondere» Wert ans Massenbekehrungen legen. Unter den mehr als 40 protestantischen Missiousgesellschaften befinden sich vier deutsche, die rheinische und die Berliner Gesellschaft, der „Allgenieine protestan tische Missionsverein" und der „Ber liner Frauen-Missionsverein". Im Jahre 1860 gewährte das von England und Frankreich besiegte chinesische Reich abermals ausdrücklich allen Christen freie Religivnsübung und versprach volle Sicherheit für die Missionäre. Die letztere Zusage vermochte die Regierung jedoch bislang nicht durchznführen, da der wohl meistens durch fanatische Priester und Beamte aufgestachelte chinesische Pöbel sich noch vielfach au den Christen vergriff und kaum ein Jahr verging, in welchem nicht von ihm irgend eine Blutthat verübt wäre. Die Provinz Schantung war bis 1839 mit der Diözese Peking ver einigt. Daun wurde ein selbstäudigesBikariatSchautung unter derLeitung der Franziskaner gebildet und dieses später in die drei Vikariate Nord-, Ost- und Süd-Schantung geteilt. Das letztere ist 1882 an die Missionsgesellschaft Steyl abgetreten. Es umfaßt die drei Regierungs- /Dissionar Itoomcvjcr von der Berliner evang. Missionsgesellschaft bat unter dem Fremdenhab und dem Räubcr- wesen in feinem Wirkungskreise wiederholt zu leiden gehabt. Am 11. Mai 1897 von chinesischen Räubern überfallen, entging er nur mit knapper Not dein sicheren Tode.124 bezirke Jentschoufu, Jtschoufu, und Tsautschoufu, sowie den Kreis Tsiningtschon. Nicht weit von Jentschoufu liegt einer der heiligsten Orte der ganzen buddhistischen Welt, die Stadt Kiu-fao, in der 51 vor Christus der Weise Kvngfutse geboren wurde. Noch heute sollen etwa vier Fünftel der 20 000 Einwohner dieser Stadt von ihm abstammen, oder doch seinen Namen tragen. Der Kongfutsetempel von Kiu-fao gilt als einer der großartigsten und kostbarsten des chinesischen Reiches; seine Wände sind mit Inschriften ans Tafeln bedeckt, welche von den Kaisern aller Dynastien seit 2000 Jahren gestiftet wurden und die von frommen Chinesen im Tempel aufgehäuften Opferspenden sollen das reich haltigste Museum chinesischer Kunstwerke bilden. In der Nähe unter uralten Bäumen, von denen eine CyPresse noch durch den großen Mann selbst gepflanzt wurde, liegt sein Grabhügel. In der benachbarten Stadt Tsiu-Hien befindet sich das Grab seines größten Apostels, des Mengtse und nur wenige Meilen von hier der berühmteste Wallfahrtsort Chinas, die Stadt Taingan, am Fuße des heiligen Berges Taischan, auf welchem chinesische Kaiser schon vor mehr als vier Jahrtausenden den Göttern opferten. Hunderttausende von Wallfahrern aus allen Teilen des Reichs strömen hier jährlich zusammen und das ganze jwestliche Gebirgsland von Schantung wird als heilig angesehen. Es ist also begreiflich, daß in solcher Gegend die christlichen Missionen einen sehr schweren Stand haben. Die „Gesellschaft des Göttlichen Worts" begann ihre Thätigkeit zunächst unter dem Schutze Frankreichs, indem der 1879 von Steyl nach China gesandte Missionar I. B. Anzer 1882 in dem einzigen von Christen bewohnten kleinen Dorfe Puoli als Provikar seinen Sitz nahm. Unter großen Schwierigkeiten und persönlichen Gefahren gelang es Anzer innerhalb 31/2 Jahren gegen 150 christliche Gemeinden zu bilde», wofür er 1886 den Titel eines Bischofs von Telepte erhielt. Da das Ansehen Frankreichs in China gesunken und das Deutsch lands gestiegen war, so hielt Bischof Anzer, ein Bayer von Geburt, es für wünschenswerth, die Mission unter den Schutz des Deutschen Reichs z» stellen, was ihm 1891 gelang. In diesem Jahre wütete übrigens in Süd-Schantung infolge einer außergewöhnlich hohen Ueberschwemmnng des Hoangho eine große Hungersnot und durch die daraus erwachsenen ungeordneten Zustände hatten auch die Missionen jahrelang zu leiden, indem Räuberbanden und geheime Gesellschaften die Gegend verheerte». Diese Banden wurden aber endlich von den125 kaiserlichen Soldaten vernichtet und die chinesische Regierung entschädigte die Christen für die erfolgte Zerstörung von 5 größeren Kirchen und etwa 20 Gebetshäusern. Viscbok Nnzer in chinesischer Doktracht Schon 1080 hatte Bischof Anzer versucht, in der Stadt Jentschvufu eine Niederlassung zu gründen. Dieselbe wurde aber von den Chinesen zerstört und es gelang dein französischen Gesandten auch nicht, die Er laubnis dazu in Peking zu erlangen. Nachdem dann die Mission126 unter deutschen Schutz gestellt war, wurde der Versuch alsbald wieder ausgenommen, führte jedoch erst 1896 zum Ziele. Der Vikariatssitz war bis 1895 das int äußersten Westen der Mission gelegene Dorf Puvli. In diesem Jahre siedelte der Bischof jedoch nach der großen, mitten in der Mission am Kaiserkanal liegenden Handelsstadt Tsiningtschou über. Ein äußerst anschauliches Bild von der Thätigkeit der Missionare in Süd-Schantnng giebt ein Brief des Missionars Stenz, der einige Monate vor dem Gemetzel geschrieben ist, in welchem die Missionare Nies und Henle ermordet wurden, Stenz jedoch abermals durch einen Zufall dem Tode entging. Er schreibt: „Vor einigen Tagen bin ich nur mit knapper Noth dein Tode ent gangen. Ich hatte int Süden des mir anvertrauten Distriktes zwei neue Gemeinden eröffnet. Früher war das Christentnin ganz unbekannt dort und einige vornehme Heiden wollten uns nicht da haben. Ich ritt von der Stadt aus mit zwei Pferden dorthin, um einige nvthwendige Sachen zu regeln. Morgens um 7 Uhr hatte ich schon den sieben- bis achtstündigen Weg zurückgelegt. Nachdem ich Alles geordnet, war es schon spät geworden, ich war ermüdet und wäre gern geblieben. Christen und Heiden dcS Dorfes baten mich auf den Knieen zu bleiben, doch eine unbestimmte Ahnung ließ mir keine Ruhe, um 4 Uhr Nachmittags trat ich den weiten Rückweg dennoch an. Die Heiden des Nachbardorfes hatten nicht geglaubt, daß ich an diesem Tage noch zurückreiten würde. Gegen Mitternacht stürzten sie, 20 bis 30 Mann stark, in's Dorf auf das Gebetslokal los. Bald hatten sie Thor und Thüren erbrochen, und sofort schossen sie ihre Gewehre ans das Bett ab. Andere warfen ihre Lanzen dorthin, andere schlugen mit Knitteln darauf los. „Sie wollten den Europäer, den Lehrer der Religion, erschlage», ihm die Haut ab- ziehen u. s. w. n. s. n>." Erst beim Anzünden der Fackel erkannten sie, daß sie mich nicht getroffen, sondern daß nur ein armer Christ, der das Haus bewachte, mit Blut bedeckt, stöhnend auf dem Bett lag. Sic suchten nun weiter nach mir, wurden aber von den Christen, die sich unterdessen gesammelt, vertrieben. Das sind so kleine Abwechselungen die uns von Zeit zu Zeit ermahnen, daß wir in Feindesland sind. Wir wurden schon sehr häufig ausgeraubt. Voriges Jahr wurde mein Dekan, Herr Henle, vollständig geplündert und entsetzlich geschlagen; vor Kurzem wurde ein Christenvorsteher meinetwegen vollständig ausgeraubt, eine Katechistin wurde beraubt, mehreren Katechisten wurde all' ihre Habe genommen, ein anderer Katechist wurde Nachts weggeschleppt und Löse-127 ijelb für ihn verlangt. Ich selbst bin Nachts schon geflüchtet und habe bei dem ärmsten Christen, bei dein man mich am wenigsten suchte, in der Küche, aus dein Boden iiiich verborgen. Bis jetzt bin ich noch immer mit heiler Haut davon gekommen. Wir haben leider zu wenig Schutz. Unsere „Kirchen" sind meist armselige Hätten, die keinen Wider stand leisten können, und wir haben keine Mittel, festere Wohnungen zu errichten. Wo der Priester hinkommt, must die ganze Christengemeinde bei Nacht wachen; fast nicht eine ruhige Nacht verbringt man so, oft wird man durch Schüsse und Schreien anfgeschreckt; mit der Zeit nervös geworden, schreckt man durch jedes Geräusch auf. Das mir von unserem Bischof anvertraute Gebiet hat ungefähr 15 Stunden im Durchmesser. Es liegt acht Stunden westlich von der großen Handelsstadt Tsining. Schon seit 13 Jahren hatte hier das Christentum Eingang gefunden in der Gemeinde Tschangtjatschuang. Seither aber konnte keine Bresche mehr gelegt werden. Der Bischof wurde in der Bezirksstadt fast tot- geschlagen, und der Ruf davon verbreitete sich in der ganzen Gegend, andere Neuchristen wurden mißhandelt und ihre Sachen vom Manda rinen nicht besorgt, kurz — man wagte nicht, katholisch zu werden. Seit einigen Jahren nun hat sich das Verhältnis gebessert, die Mandarine haben mehrmals unsere Angelegenheiten gerecht besorgt, der Name der Kirche hat augenblicklich einen sehr guten Klang. Augenblicklich mag unser Dekanat etwa 80 Gemeinden haben mit etwa 800 bis 1000 Ge tauften und 3- bis 4000 Katechumcnen. Priester zählt dasselbe drei. Ich selbst habe etwa 30 Gemeinden mit 1000 bis 2000 Christen. Das Volk ist wild, der Charakter ist fester als beim gewöhnlichen Zopfträger. Deshalb findet das Christentum auch gerade hier den beste» und frucht barsten Bode». Die Christen sind fest und gehen dnrch's Feuer, wenn es sein muß. Ich konnte letzten Winter die Anmeldungen zum Christen tum nicht zur Hälfte annehmen. Mir fehlten die Mittel. Für mein ganzes Gebiet bekomme ich jährlich nur gegen 1200 Mk. Davon muß ich mit Diener und Pferd leben, muß ich für die Gemeinden die Kate chisten unterhalten, muß Häuser und Kirchen bauen und muß noch die aufgefundenen Waisenkinder ernähren. Jede neue Station muß einen Katechisten (Lehrer) haben, der die Christen Gebete lehrt, predigt und besonders den Leuten das Christentum praktisch zeigt, die Leute selbst können ja nicht lesen und schreiben und müssen also alle Ge bete. wie Morgen-, Abend-, Meß-Gebete, Rosenkranz, Kreuzweg u. s. w. auswendig lernen, müssen den ganzen Katechismus wissen, eine Riesen arbeit für diese chinesischen Bauern, die nie im Leben etwas von Büchernns gesehen. Ich habe i» diesem Jahre nur 12 Gemeinden angenommen. Bon allen verlangte ich, daß sie der Kirche einen Platz schenkten, daß sie für die Zeit ihres Katechumenates (oft drei bis vier Jahre) ein Haus hergäben als Schule und Kirche, dagegen stellte ich den Lehrer (mit 5 bis 7 Mk. Gehalt den Monat). Manche Gemeinde konnte kein Haus leihen, andere behalfen sich. Sie gruben ein großes, zimmerähnliches Loch in die Erde, bedeckten es mit Balken, Stroh und Erde und brachten den ganzen Winter in diesen Höhlen zu. Das war ihre Kirche und Schule. Ich erinnerte mich jedes Mal an die Katakomben der ersten christlichen Zeiten, wenn ich in diese Höhlen hinabstieg. Feucht und dumpf wie sie sind, konnte ich mich nie lange darin aufhalten." Unter den 30 Millionen Bewohnern der Provinz Schantung sollen 3 Millionen Mohamedaner, 27 000 Katholiken und 5000 Pro testanten vorhanden sein. Das Vikariat Süd-Schantung unter Bischof Anzer umfaßte 1097: 0000 getaufte Katholiken, 31 europäische und 5 chinesische Priester, 0 europäische Laienbrüder, 3 Kirchen, 58 Kapellen, 214 Bethüuser, 1 Priesterseminar, 1 Knabenseminar, 6 höhere Schulen, 121 Volksschulen, 4 Waisenhäuser und 3 Greisen-Asyle. Die Frage nach der Qualität der chinesischen Christen beantwortet Bischof Anzer in seinem Jahresbericht von Weihnacht 1897 dahin, daß sie den Vergleich mit allen übrigen Neubekehrteu vollständig aushalten können und einen Glaubensmut zeigen, wie er bei alten christlichen Völkern nur selten zu finden ist. Dieses günstige Urteil einer solchen Autorität ist um so erfreulicher, als man in China in manchen Kreisen geneigt war anzunehmen, daß die Chinesen im Allgemeinen in das Wesen des Christentums doch noch sehr wenig einzudringen ver möchten. Als Beleg dafür lies eine kleine Anekdote um, welche das darthun sollte. Ein Chinese wird aufgefordert, an einem Beispiel den Begriff christlicher Liebe zu erläutern. Er antwortet nach einigem Besinnen: Du hast ein Haus mit großen Glasfenstern. Ein Knabe kommt und wirft Steine in die Scheiben. Der Knabe läuft fort. Du hinterher. Kannst Du ihn nicht ergreifen, so vergieb ihm.Die Lucht von Wauischou von Ser Leeüe aus mit üem 8li<K auf LliniauDie Besitzergreifung IN Sommer 1897 war die deutsche Regierung nun mehr entschlossen, die Erwerbung der Bucht von Kiautschou als Stützpunkt der Marine und als Ein gangsthor zu dem großen nordchinesischen Markt mit allen Kräften zu erstreben. Wie lange sich die Verhandlungen darüber hinziehen würden, war freilich nicht abzusehen, weil die chinesische Regierung die Angelegenheit unter allen möglichen Vorwänden in die Länge zu ziehen suchte. Da trat ein an sich sehr beklagenswertes Ereigniß ein, das aber eine rasche, glückliche Lösung der Frage zur Folge haben sollte. Am 1. November wurden die deutschen Missionare von der Mission Süd- Schantung Nies, Heule und Stenz, welche in dem nahe bei Jent- schonfu gelegenen Orte Tschangtjatschuang gemeinsam den Allerseelen tag feiern wollten, Nachts von etwa 20—30 bewaffneten Chinesen über fallen und die beiden ersteren ermordet, während Stenz durch einen Zufall dem Tode entging. Hatten die Missionare schon seit langer Zeit unter dem Haß und Uebelwollen der höchsten Provinzialbeamten zu leiden gehabt, welche auch die begründetsten Beschwerden ganz un berücksichtigt ließen, so war jetzt die Notwendigkeit größeren Schutzes für die Missionsanstalten in der Provinz Schantung vor der chinesischen Bevölkerung nur zu deutlich nachgewiesen. Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II. forderte nicht allein die so fortige strengste Sühne für das Verbrechen, sondern ergriff mit kühner und starker Hand die Gelegenheit zur Beschleunigung der mit China schwebenden Verhandlungen und beseitigte gleichzeitig durch persönliche Verständigung mit dem Kaiser von Rußland die einzigen noch vor- FranziuS, Kiautschou g130 handenen ernstlichen Schwierigkeiten. Die jetzt unter dem Komniando des Kontreadmirals vvn Diederichs stehende Kreuzerdivision erhielt den Befehl zur Besetzung der Bucht als Bürgschaft für die Erfüllung der deutschen Forderungen und so gingen denn S. M. S. „Kaiser", „Prinzeß Wilhelm" und „Cormoran" am 10. November von Schanghai nach Kiautschou in See. Am 13. wurde der Zweck der Fahrt auf den Schiffen bekannt gemacht und mit Begeisterung ausgenommen. Endlich war man ja an das Ziel gelaugt, das nun schon seit Jahren unter den Admiralen Hoffmann und Tirpitz mit Aufbietung aller Kräfte rastlos gesucht war und für welches so viele brave Kameraden ans S- M. S. „Iltis" als Helden den Tod gefunden hatten. I>. Hlics t P. Dcnlc t Am Sonntag den 14. November erfolgte die Besitzergreifung. „Kaiser" und „Prinzeß Wilhelm" gingen in der kleinen Bucht von Tsiutau vor Anker, um ihre hier au der Brücke landenden Truppen zu decken, während „Cormoran" in die Bucht vvn Kiautschou bis zum Horse-slioe Riff lief, um den chinesischen Truppen vvn Norden her in den Rücken zu fallen und besonders die Munitivnshäuser zu besetzen. Das aus 30 Offizieren, 77 Unteroffizieren und 610 Manu bestehende Laudüngskvrps war überrascht, am Lande nicht den geringsten Wider stand, sondern eine chinesische Ehrenkompaguie zum Empfang aufge stellt zu finden. Noch überraschter aber waren dann die 1600—2000 Mann zählenden Chinesen, als sie Plötzlich ihre Munitioushäuser und Lager von unfern Truppen besetzt sahen, während ihrem General Chang ein131 H;artc zur Jßcfltjcnjrcifumj132 Schreiben des deutschen Admirals überreicht wurde, worin dieser ihn unter Hinweis auf den Anlass zur Besetzung der Bucht aufforderte, seine Truppen innerhalb dreier Stunden abrücken und nach dem 15 Irin nördlich gelegenen Dorfe Tsankau marschiren zu lassen. Zur Wahrung der militärischen Ehre dürften die Truppen ihre Gewehre mitnehmen, die Geschütze und die Munition müssten aber vorläufig zurückbehalten werden. Von den Waffen würden die Deutschen nur dann Gebrauch machen, wenn man auf Ungehorsam oder gar Widerstand stossen würde. Der chinesische Ge neral fügte sich nach einigem Besinnen; gegen 11'/., Uhr ging seine Flagge auf dem Namen nieder und seine Truppen räumten die Lager. Um 2'/., Uhr wurde mit drciHurrahs auf Seine Majestät den Kaiser im Ostfort die deutsche Flagge ge hißt. Hierauf erließ der Geschwaderchef fol gende Proklamation: „Ich, der Chef des Kreuzergeschwaders, Kvntreadmiral v. Die- derichs, mache hiermit bekannt, daß ich auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des deutschen Kaisers die Kiautschou- Bucht und die vorliegenden Inseln in den nachbezeichneten Grenzen be setzt habe. (Folgt Angabe der Grenzen.) Dies geschieht, um Bürgschaft zu haben, für die Erfüllung der Sühnefvrderungen, welche an die chinesische Regierung wegen der Ermordung deutscher Missionare in Schantung gestellt werden müssen. Ich fordere hiermit alle Bewohner, ohne Unterschied des Standes, Geschlechts und Lebensalters auf, ruhig wie bisher ihren Geschäften nachzugehen und sich nicht durch böswillige Gerüchte, die von Unruhe stiftern ansgesprengt werden, auftegen zu lassen. Deutschland ist immer ein guter Freund Chinas gewesen, wie es ja auch durch die Intervention Hiontre-NdmirLl IbofEmann$. m. $. „prinreß Äildelm" in vstasien133 int chinesisch-japanischen Kriege zum Schutze Chinas bewiesen hat. Die Besetzung i|t durchaus nicht als eine feindliches gegen China gerichtete Handlung anzusehen; es wird dadurch im Gegenteil die Erhaltung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China erleichtert werden. Die deutschen Behörden werden die friedlichen Bürger in ihrem Handel und Wandel schützen und Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten, aber Uebelthäter strenge nach dem geltenden chinesischen Gesetz bestrafen; Sollten Rnchlvse etwas gegen die anwesenden Deutschen unternehmen, so verfallen sie den strengen deutschen Kriegsgesetzen. Ich ermahne daher nochmals Alle, die es betrifft, sich in die deutsche Schutzherrschaft zu fügen und sich nicht durch Widersetzlichkeit, die doch nutzlos sein würde, Unannehmlichkeiten zuzuziehen. Die chinesischen Behörden und Beamten in den von deutschen Truppen besetzten Orten sollen ungestört in Thätigkeit bleiben und gewissenhaft und ordentlich ihre Amtspflichten erfüllen. Jeder lese und gehorche." Die Besetzung der Bncht war somit ohne Blutvergießen bewirkt und wurde alsbald auf die Umgebung niit Einschluß der beiden Städte Kiautschou und Tsimohsien ausgedehnt. Die deutsche Negierung stellte inzwischen in Peking im Wesentlichen folgende T'vrderunaen- *0Ev..iwpt. utuppei UiHULumytll. Kommandant S. M. S. Prinzeß Wilhelm 1. Es werden ilicht nur die Mörder der Missionare dem Verbrechen entsprechend bestraft, sondern auch der bisherige Gouverneur der Provinz Schantung Li-Ping-Cheng abgejetzt tind ihm die Befähigung abgesprochen, je wieder ein hohes Amt zu bekleiden. Sechs andere obere Beamten sollen versetzt und bestraft werden. 2. Für den der katholischen Mission und ihren Angehörigen er wachsenen Schaden erhält dieselbe eine Entschädigung von 3000 Taels. 3. Zur Sühne für den Tod der Missionare sollen drei Kirchen errichtet und mit einer kaiserlichen Schutztafel versehen werden, nämlich in Tsining, in Tsantschvufu und in dem Ort der That Tschangtjatschuang. Außerdem 7 sichere Wohnhäuser für Missionare. Für jede Kirche sind 00 000 Taels anzuweisen.134 4. Zum Schutze der Missionare soll ein besonderes kaiserlichem Edikt veröffentlicht werden. 5. Die Abschließung eines Pachtvertrages, der in der Hauptsache so lautet: „Die kaiserlich chinesische Regierung, um den berechtigten Wunsch der deutschen Regierung zu erfüllen, ebenso tute andere Mächte in den Wiccaftmiral v. BicScnctos Gf)ej des deutschen Kreuzergeschwaders in Ostasien ostasiatischen Gewässern einen Punkt zu besitzen, wo deutsche Schiffe aus gebessert und ausgerüstet, die Materialien unb Vorräte dafür nieder gelegt, svtvie sonstige zugehörige Einrichtungen getroffen tuerbeit können, überläßt der deutschen Regierung pachtweise vorläufig auf 99 Jahre das aus beiden Seiten des Eingangs der Bai von Kiautschon in Süd- Schantnng belegenc, weiter unten näher bestimmte Gebiet dergestalt,135 Tkapt. z. S. Stubenraucb Befehlshaber der Landungstruppen Ikorv.-Hrapt. Placbtc Kommandant S. M. S. Deutschland Irorv.-Ilrapt. Obcnbcinrcr Kommandant S. M. S. Irene 1lrapt.-L.icut. Srapo>v Kommandant d. Marine-Art. Aßafor Ilropka v. Xoffow Kommandeur d. Marine-Jnf.-Bat.uoipjjuupu. uo«x 4ip«a. A3»; Ouu;pAOA3f4)poj. daß es der deutschen Regierung frei stehen soll, innerhalb dieses Gebietes alle nötigen Baulich keiten und Anlagen zu errichten und die zu deren Schutze er forderlichen Maßnahmen zu treffen. Das der deutschen Regierung verpachtete Gebiet besteht aus 1. der Landzunge nördlich des Eingangs der Bai, abgegrenzt gegen Norden durch eine von der nordöstlichen Spitze von Potato Island bis zur Meeresküste in der Richtung auf Loschan gezogene gerade Linie, 2. der Landzunge südlich des Eingangs der Bai, abge grenzt nach Südwesten durch eine vom südlichsten Punkte der südwestlich von Tschiposan besindlichcn Einbuchtung in der Richtung auf die Tolvsan Insel bis zur Meeresküste gezogene gerade Linie 3. den Inseln Tschiposan und Potato Island sowie sämtlichen vor der Bucht gelegenen Inseln einschließlich Tolosan. Außerdem verpflichtet sich die chinesische Regierung, in einer Zone von 50 km im Umkreise rings um die Bucht keine Maßnahmen oder An ordnungen ohne Zustimmung der deutschen Regierung zu treffen und insbesondere einer etwa notwendig werdenden Re gulierung der Wasserläufe keine Hindernisse entgegenzusetzen. Auch gewährt die chinesischeDie SeeftreitKräfte Japans. Deutfeblands und Rußlands in Oftafien137 Regierung den deutschen Truppen ein Durchmarschrecht durch die bezeichnete Zone. Uni jeder Möglichkeit von Konflikten oorzubeugen, wird die chinesische Regierung während der Pachtdauer im Pachtgebiet HoheitSrechte nicht ausüben, sondern sie überlaßt dieselben ebenso wie die HoheitSrechte auf der gesamten Wasserfläche der Kiautschvubucht der deutschen Regierung. Letztere wird aus den Inseln und Untiefen vor dem Eingänge der Bucht Seezeichen erdichten u. s. iv. 6. Die chinesische Regierung gestattet den Bau einer Eisenbahn von Kiautschou aus zunächst nordwärts u>ld dann westwärts bis zum Anschluß an das projektirte große chinesische Eisenbahn netz. Die Bahn soll so ge legt werden, daß sie nament lich dieimNordenund Westen von Kiautschou belegenen Kohlenfelder von Weih-sien, Poschan und Jtschoufu nuf- schließt. Die Ausbeutung dieser Kohlenfelder soll deut schen Unternehmeril zuge standen werden. Die chine- sische Regierung verpflichtet sich der zu bildenden Eisen- bahngesellschaft inindestens ebenso günstige Bedingungen zu gewähren, wie sie irgend eine andere europäisch-chine- sischeEisenbahngesellschaft in China erhalten hat." Als die Besetzung der Bucht bekannt wurde, brachen zunächst alle in China lebenden Fremden ohne Ausnahme in Jubel ans über das rasche und energische Vorgehen Deutschlands. Aber bald wurde in der Presse Englands und Japans, zum Teil auch in der Rußlands und Frankreichs die Befürchtung ausgesprochen: Deutschland erstrebe großen Landerwcrb und vielleicht gar die Teilung Chinas. So un begründet diese Behauptungen auch waren, so schien es doch einen Augenblick, als ob in Dstasien Verwicklungen entstehen könnten, inso fern China sich vielleicht bestimmen lassen möchte, die von Deutschland gestellten Forderungen nicht zu bewilligen. Ilm nun keinen Zweifel138 darüber zu lassen, dass Deutschland unter allen Umständen gesonnen sei, die Bucht vvn Kiantschou dauernd als Stützpunkt fest zu halten, entsandte Seine Majestät fast die gesamte Marine-Infanterie und eine aus den Kreuzern „Deutschland" Kommandant Korvetten-Kapitän Plachte, „Kaiserin Augusta" Kommandant Kapitän z. S. Koellner und „Gefion" Kommandant Kvrvettcn-Kapitän Follenius bestehende zweite Division unter dem Oberbefehl des Prinzen Heinrich von Preußen. Am 15. Dezember richtete der Kaiser im Schlosse zu Kiel jene Worte an Seinen erlauchten Bruder, welche einen Merkstein in der deutschen Kolonialgeschichte bilden und die Erwerbung der Bucht von Kiantschou als den Ausgangspunkt einer auf die Welt- stellung Deutschlands gerichteten Politik erkennen lassen. Sie lauteten: „Mein lieber Heinrich! Da Ich heute nach Kiel hineinfuhr, überdachte Ich, wie Ich schon so oft mit Freuden diese Stadt betreten habe, sei es um dem Sport ob zuliegen, sei es um irgend einer militäri schen Unternehmung an Deiner Seite und ans meinen Schiffen beizuwohnen. Bei dem heutigen Eintritt in die Stadt hat Mich ein ernstes Gefühl bewegt, denn Ich bin Mir vollkommen bewußt der Auf gabe, die Ich Dir gestellt habe, das ans- zubanen und weiterzuführen, was Meine Vorgänger Mir hinterlassen habe». Die Fahrt, die Du antreten wirst, und die Aufgabe, die Du zu erfüllen hast, bedingen an sich nichts bleues, sie sind die logischen Konsequenzen dessen, was Mein Hvchseliger Herr Großvater und Sein großer Kanzler politisch gestiftet und was Unser herrlicher Vater mit dem Schwerte auf dein Schlachtfelde er rungen hat; es ist weiter nichts, wie die erste Bethätigung des neu geeinten und nenerstandencn Deutschen Reichs in seinen überseeischen Aufgaben. Dasselbe hat in der staunenswerten Entwickelung seiner Handelsintcressen einen solchen Umfang gewonnen, daß es meine Pflicht ist, der neuen deutschen Hansa zu folgen und ihr den Schutz angedeihen zu lassen, den sie vom Reich und vom Kaiser verlangen kann. Die deutschen Brüder kirchlichen Berufs, die hinansgezogen sind zu stillem Wirken und die nicht gescheut haben ihr Leben einzusetzen, um unsere Religion auf fremdem Boden, bei fremdem Volke heimisch Urorv.-Ikspr. Follcnius Kommandant S. M. S. GefionWNvWvDeutfdbtanb Ccfion Ilraiscri» August» $. m. 2. Kreuzerdivifion in vstalien. Chef Kontreadmiral Heinrich Prinz von Preußen$izq zu machen, haben sich unter meinen Schutz gestellt und cs gilt, diesen mehrfach gekränkten und auch oft bedrängten Brüdern für immer Halt und Schutz zu oerschaffen. Deswegen ist die Unternehmung, die Ich Dir übertragen habe und die Du in Gemeinschaft mit den Kameraden und den Schiffen, die bereits draußen sind, zu erfüllen haben wirst, wesentlich die eines Schutzes und nicht des Trnitzes. Es soll unter dem schützendem Panier unserer deutschen Kriegsflagge unserem Handel, dem deutschen Kaufmann, den deutschen Schiffen >das Recht zu Teil werden, was wir beanspruchen dürfen, das gleiche Recht, was von Fremden allen Nationen gegenüber zugestauden wird. Neu ist auch unser Handel nicht; war doch die Hansa in alten Zeiten eine der gewaltigsten Unternehmungen, welche je die Welt gesehen, und es ver mochten einst die deutschen Städte Flotten aufzustellen, wie sie bis dahin der breite Meeresrücken wohl kaum getragen hatte. Sie verfiel aber und mußte verfallen, weil die eine Be dingung fehlte, nämlich die des Kaiser lichen Schutzes. Jetzt ist es anders geworden; die erste Vorbedingung: das Deutsche Reich ist geschaffen, die zweite Vorbedingung: der deutsche Handel blüht und entwickelt sich, und er kann sich nur gedeihlich und sicher entwickeln, wenn er unter der Reichsgewalt sich sicher fühlt. Reichsgewalt bedeutet See gewalt, und Seegewalt und Reichsgewalt bedingen sich gegenseitig so, daß die eine ohne die andere nicht bestehen kann. Als ein Zeichen der Reichs- und Seegewalt wird nun das durch Deine Division verstärkte Geschwader aufzutreten haben, mit allen Ka meraden der fremden Flotten draußen ini innigen Verkehr und guter Freundschaft, zu festem Schutz der einheimischen Interessen gegen Jeden, der den Deutschen zu nahe treten will. Das ist dein Beruf und das ist deine Aufgabe. Möge einem jeden Europäer draußen, dem deut schen Kaufmann draußen und vor allen Dingen dem Fremden draußen, auf dessen Boden wir sind oder mit dem wir zu thuu haben werden, klar sein, daß der deutsche Michel seinen mit dem Reichsadler ge- Ikapftän 3 . 5. Ikoscndabl Gouverneur von KiantschouSitz des deutschen Gouverneurs in Usintuu141 schmückten Schild fest auf den Bvden gestellt hat, um dem, der ihn um Schutz angeht, ein für alle Mal diesen Schutz zu gewähren; und mögen unsere Landsleute draußen die feste Ueberzeugung haben, seien sie Priester, oder seien sic Kauflente, oder welchem Gewerbe sie obliegen, daß der Schutz des deutschen Reiches, bedingt durch die Kaiserlichen Schiffe, ihnen nachhaltig gewährt werden wird. Sollte es aber je irgend Einer unternehmen, uns an unserem guten Recht zu kränken oder schädigen zu wollen, dann fahre darein mit gepanzerter Faust! und so Gott will, flicht Dir den Lorbeer um Deine junge Stirn, den niemand im ganzen Deut- scheu Reiche Dir neiden wird! In der festen Ueber zeugung, daß Du nach guten Vorbildern handelnd — Vor bilder sind, Gott sei Dank, in Unserem Hause genügend vorhanden — Meinen Ge danken und Wünschen ent sprechen wirst, erhebe Ich Mein Glas und trinke es ans Dein Wohl, mit dem Wunsche, für eine gute Fahrt, für eine gute Ausrichtung Deiner Aufgabe und für eine fröhliche Heimkehr; Seine Königliche Hoheit, der Prinz Heinrich lebe! Hurrah! Hurrah! Hurrah!" Ueberall empfand man, daß die von Seiner Majestät aus gesprochenen Gedanken und Empfindungen in der Seele des Volks geschlummert hatten, daß der größte Teil Deutschlands zu lange ohne erhebliche Teilnahme an der Arbeit und dem Erwerb jenseits der Meere gewesen war. Ein frischer Zug ging durch die Massen und wirkte belebend und fördernd auf die gleichzeitigen Bestrebungen der Regierung zur weiteren Entwickelung der Flotte. Aber auch außerhalb des Reichs ward dieser Hauch empfunden und bald wurde die Berech- tigung und Mäßigung in den deutschen Forderungen von allen Nationen anerkannt. China zögerte endlich nicht länger einen Vertrag mit „„ r. Sodann Dcinricb Schulze oin 24 sdii. 1698 gegen 2 Uhr Nachts auf Posten an einem ^.tadtthor von Tjuno von Chinesen meuchlings ermordet142 Deutschland zu schließen, in welchem die oben genannten Punkte sämtlich bewilligt wurden. Leider waren die blutigen Opfer unserer sonst so friedlich ver laufenen Erwerbung der Bucht noch um eins vermehrt. Der Matrose I. H. Schulze von S. M. S. „Kaiser" — mein armer Schulze, der 4 Monate lang als Bursche so tre» für mich gesorgt hatte — war in der Nacht vom 24. zum 25. Januar in Tsimo auf Posten meuchlings ermordet. Folgte auch der Thal die Sühne fast auf dem Fuße, so war doch in dem Ermordeten abermals ein braves deutsches Herz zur Ruhe gegangen. Wie die Missionare Nies und Heule, wie die heldenmüthige Besatzung des Iltis, so starb auch er für sein Vaterland. Ruhet sanft! Durch Euer Blut ist die junge Kolonie Kiautschou für immer mit dem Deutschen Reich verbunden und in ihr ist ein Stück der alten deutschen Heimat zu Euch hiuübergetrageu. So wachse, blühe und gedeihe denn, Kiautschou in steter Ent wicklung, zum Nutzen de» Mutterlandes, und den Völkern Ostasiens ein lebendiges Zeichen deutscher Kraft und Tüchtigkeit!, JlfUiq 11/ l-H/Ämv, .mU- }awa aac 'w f^A Jpw j^lw/ auhaiLa, Mmr ,/Jmvv, /ivjo -fcw TjfUijitl jimMV Ami Jama ^Wh^ tj^IvwVvMivvv $|<i^ /wf J/iwv Imlnw |ih 4 ( awa J’ahw i Jak a^w MAW 'HaJaU^ AAW |iW AilitiAVAni A%inj*W Xl^puf^ r^A /fj^VW/C tj^m-V. kuLw TSIwIaV ^Uh^IWT to?4f|nlw 1 1(j, /i?WJj.-z\ .iOOO'OOOOZ •'JlmpfeWnswerte Werk e aus dem Berlage Lckall & Grund •fcofbucbbänöler ©v. ©injcitiit deS Kaisers und Königs « Sr. Kgl. Hoheit des Herzogs Carl in Bayer» Verein der Bücherfreunde Kcrlin W. 62Schall $> Grund — fiofbuchhändlcr Sr. Majestät des Kaisers »nd Königs » Sr. Kgl Hoheit drs Herzogs Carl in Bayern verein der Bücherfreunde Unser fieldcnfcaiser Festschrift zun» 100 jährigen Geburtstage Kaiser Ulilbelms des Grossen Dr. Mil heim ©neben ©cb. hosral und . ord. Universitätrprofessor in © i c g e n 17. Aullagc 23 Vollbilder 209 Textbilder und Initialen 57 bisher noch nicht veröffentlichte Briefe tu getreuem Abdruck 25 Facfimiles Bilderschmuck unter Leitung des Prof. (v Röfc Vorsteher der chalkograph. Abteilung der Reichsdruckerei zu Berlin unter Berücksichtigung der Kuustschätze des Hohenzollern-Mnseuino und der König!. Schlösser Briefe aus dem Königlichen Raus-flrdiioe und dem Königlichen Staats-Archive Umfang 399 Seiten — vornehmste Ausstattung Preis in elegantem Prachteinband 5 Marlr Die Teftfcbrift erschien auf Anregung Sr. Majestät äes Kaisers Seine Majestät der Kaiser hat selbst drei Beiträge für die Lestschrift ge geben: das Geleitwort, einen Brief (Seite 183) und das Schlußbild „Dem Andenken Kaiser Wilhelms des Großen"Verein der Wüeberkreunde Bor st and Martin kreis fiermann fieiberg Krim von Äolrogen Die Geschäftsleitung Schall z Grund hosbuchhändlcr Sr. IN-ij. d Knifers ll. Königs Sr. König!. Hoheit des Herzogs Lori in Bayer» Verlrir rv 62, Kurfürstenstr. f-S Sairungerr Zweck Der „verein der Bücherfreunde" bezweckt die Ver einigung aller Freunde einer guten, gediegenen liktera- rifchen Unterhaltung und stellt sich zur Aufgabe, seinen Mitgliedern eine Beide hervorragender Werke der zeitgenössischen deutschen Litteratur — nicht Uebersetzungen - zum billigsten Preise zu gänglich zu machen. Kcitritt Ul i t g l i e d kann jedermann werden ; auch Damen sowie Ausländer. Ausgeschlossen sind nur: Leihbibliotheken und zu geschäftlichen Zwecken be triebene Lesezirkel. Der Eintritt kann jederzeit geschehen, verpflichtet aber für mindestens ein Vereinsjahr, das jeweils am Oktober beginnt. Die schon e r - schien enen Bände werden alsdann nachgeliefert. Der Austritt muß zwei Monate vor Ablauf des Jahrgangs angemeldet werden. Anmeldungen nimmt jede Buchhandlung ent- gegen und vermittelt auch die Zusendung der Ver öffentlichungen. Lrscbeinungsweise Es erscheinen im Laufe des Jahres in regel mäßigen Zwischenräumen a ch t in sich abgeschlossene Werke, zusammen mindestens «50 Druckbogen zu je weiten stark, ^ie bestehen zum größeren Teil in unterhaltender, belletristischer, zum andern in allgemein-verständlich -Wissens ch af t l i ch e r Litte- ratur. Die Bestimmung der Beihenfolge und etwaige Acnderungen hierin behält sich die Geschäftsleitung vor. Jßcitrag Der vierteljährliche Beitrag beläuft sich auf 3 /DK. 75 fl>f. (— 2 fl. 32 fr. oder 5 Fr.) für die geheftete Ausgabe — vorauszube ahlen — und auf 4 /DK. 50 lk>k. (— 2 fl. kr. oder 6 Fr.) für die gebundene Ausgabe. Der Beitritt verpflichtet jedoch für das ganze Jahr. weitere Zahlungen sind nicht zu leisten. Die Veröffentlichungen werden einzeln auch an Bichtmitglieder abgegeben; jedoch nur zu er höhten „Einzelpreisen". I nhalt tles siebenten J ahrgangs, O ktober isy? bis §eptemberi$<)$ Arthur Achleitner, Tcv Hirsch von Esslingen, historischer Roman. Einzelpreis ge heftet Mk. 4.—; gebunden Mk. 6 — BiPPOlyt Baas, Prof. Dr., Der Bcrgmeister von Grund, Erzählung. Einzelpreis ge heftet Mk. 4.—; gebunden Mk. 5 .— 3. Ul. Otto Richter, Pros. Dr. (Otto von Golinen), Thilo von Wardenberg. Zeit- und Charaktcrgcmälde aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Einzelpreis geheftet Mk. 5.—; gebunden Mk. 6.— Richard Bredenbriidcer, Kein Sommer ohne Wetter — Warum der Hauser der Wabi »immer zugeht. Novelle». Einzelpreis geheftet Mk. 4.—; gebunden Mk 5.— Ul. v. Dünbeim, Wie ich Schriftsteller wurde und was ich dann schrieb. Humoresken Einzelpreis geheftet Mk. 4.— ;7gcbd. Mk. 5.— B. Orfcbiedf, Prof., Aus der Werkstätte der Natur Bermann Beiberg, Grevinde, Roman Johannes Ziegler, Angenblicksbilder, Novellen oedcr Jahrgang bringt acht in sich abgeschlossene, elegant gebundene Bünde zum Preise von vierteljährlich 4 Mark 50 Pfennig, jeder Baud demnach für Mitglieder nur r Mark 25 Pfennig. Die bisher erschienene» sechs Jahrgänge können jederzeit für je >8 Mark nach bezogen werden; auch können 8 Bände aus verschiedenen Jahrgängen nach eigener Wahl zusammengestellt und zum Preise von is Mark bezogen werden. CJnbaltsvcrgeicbnfs Kr Jahrgänge 1—6 auf her nächsten SeiteAnkalts-Merzeickins der bisher erschienenen sechs Jahrgänge mit Angabe der Einzelpreise cj~^- €rftcr Jahrgang i89i 97 Todsünden. i\onnm von Dermann Deiderq. geh. Mk. 5.-: geb. Mk. 5.75 Aus Mitleid und andere Novellen von Hlcran&cr Laron von IKoderts. geh. Mk. 5.5c>; geb. Mk. 5.25. Seelenanalysen. Novellen von /Dar Dordau. acb. Mk. 3.-; geb. Mk. 3.75. Aus Urdas Born. Schilderungen und Betrachtungen int Lichte der heutigen Lebensforschung von vr. Theodor Facnsch. geh. Mk. 3 75: geb. Mk.450. Larricre. Roman von Olga 4.l.1ohldri»cK. geb. Mk. 3.— .- geb. Mk. 3.75. Fliegender Sommer. Geschichten von Ludwig Öamjbcfcr. geh. Mk. 5 50; geb. Mk. G 25. Zwei reiche Frauen Roman'von /D. v. Lscben. geh. Ulf. 5.— ; geb. Mk. 5 75. Born grünen Wasser. Seegeschichten und Schil- derungen von Fobsnncs Liegler. geh. Mk. 3.-. geb. lllk. 5.75. Zweiter ZaKrgang >892 93 Das Leben auf der Walze. Roman von lUclfijamj Hxircbbacb. Mit 10 Vollbildern auf Kupferdruck papier von Georg Roch. geh. lilf. 5.—; geb. Mk. 5.75. Töte sie! Roman von Lalduin Oroller. geh. Mk. 3.—; geb. Mk. 5.75. Aus -er Stürm- und Drangperiode der Erde. Skizzen aus der Entwickelungsgeschichte unseres Planeten, von Prof. Dr. 1b. Ibaas. I. Teil. Mit 55 Abbildungen, geh. Mk. 4 .—; geb. Mk. 4.75. Pfarrer Streccius. Roman von L. Lscbricht, geh. Mk. 3.—; aeb. Mk. 5.75. Der Telamone. Roman von Fedor von Lobeltitz. Mit 77 Tertzeichnungcn von Friedrich Stahl, geh. Mk. 6 .—; geb. Ulk. 5.75. Kallia Kapris. Aus Alt-Syrakus. Roman von A. Schncegans. geb. Mk. 3 — ; geb. Mk. 5.75. Das Sternenzelt von Prof. Dr. Carl Titus. Mir 70 Abbildungen im vLert und drei doppelseitigen Karten, geb. Mk. 5.— ;"geb. Mk. 5.75. Norddeutsche Erzähler. Novellen von Dcrmann Ibciderg und ilronrad Tclmann: Das Schicksal auf Moorbeide — Ruggiero, der Brigant, geb. Mk. 5 —; geb. Mk. 3.75. vritter Jahrgang 1893/94 hancicka. das Lhodenmädchen. Kulturbild aus dem böhmisch, bayerischen Waldgebirge. von /Daximilian Schmidt, geh. Mk.5.—; geb. Mk.5.75. Norddeutsche Erzähler. Novellen von TAilbelni Jensen >AltfIorentinische Tage . Dcinricb Seidel > Oie silberne Verlobung), Julius Ltindc (Martins- hagen, eine Erzählung abseits der Heerstraße), geh. Mk. 3.-; geb. Mk. 3.75. Johann von Schwarzenberg. Ein Lebens- und Geschichtsbild aus dem 15. und 15. Jahrhundert. Von Johannes Illenatus. geh. Mk. 4.— ; geb. M. 4.75. Aus der Sturm- und Drangperiode der Erde. Skizzen aus der Entwickelungsgeschichte unseres Planeten. Von Prof. Or. 1b. Ibaas. Zweiter in sich abgeschlossener tOeil mit 153 Abbildungen, geh. Mk. 4-—; geb. Mk. 4.75. Neuland: Ein Sammelbuch moderner Prosa dichtung. Mit Beiträgen namhafter Schriftsteller; berausgcgeben von Dr. Cäsar jflaifcblcn. geh. Mk. 5 —; geb. Mk. 5.75 Die Geisterseher, humoristischer Roman von Fritz /Dauthner. geb. Mk. 4 .— ; geb. Ulk. 4.75. Laienpredigten für das deutsche Haus. Ungehaltene Reden eines Ungehaltenen, von Otto v. Leirner. geh. Mk. 4-— i geb. Mk. 4 . 75 . Aus dem Hexenkessel der Zeit. Frauenschuld und Fraueuaröße. Von Luise 1.1.4 cstkirch. geh. Mk.5—; geb. Mk 7.—. Uierter Jahrgang m* *s\ __ Der Scharffenstein. Roman von Anton Freiherr v. pcrtall. geh. Mk. 4 .— ; geb. Mk. 5.—. Die jüngeren Prinzen. historl,cher Roman von A. von der Llde. geh. Mk. 4 — , geb. ITlf. 5—. Deutschlands Kolonien, ihre Gestaltung. Ent wickelung und Hilfsquellen, von Hauptmann IKocdus Schmidt. .. „... Band I. Gstarrika. Mit über 100 Bildern und 25 Originalzeichnungen von h e l l g r e lv e nebst einer Karte, geh. Mk. 5.—; geb. Mk. 5 . Band II. Westafrika und Südsee. Mit 150 Bildern und 5 Karten, geh Mk. 5.— . geb. Mk.5 —. Der Pförtnerssohn von St. Veit. Roman von Otto LlNcr. geh. Mk. 3-; geb. Mk 4 .- Gewissensqualen. Zwer Novellen, von Scrbard von Amvntor. geh. Mk. 3.— : geb. Mk. 4 —. Streifzüge in Toskana, an der Riviera und m der Provence, von Victor Ottmanu. Mil 125 Bildern geb. Mk 5.—; geb. Mk. 7. . Fröhlich Gejäid. Jagdgeschichten von Arthur Acblcitncr. geh Mk. 4.— ; geb. Mk. 5—. fünfter Jahrgang ws/m Die rote Tinktur. Line kuriose Geschichte von Isvicbard Dordhausen. geh. Mk.5.— ; geb. Mk.5. Palle, historischer Roman. Von Gregor Ssmarow (Oskar /lvcding). geh. Mk 5 .— : geb Mk.5.—. Iahreszeichen der Feder. Allerlei hunioresken von Paul von Scböntban. geh. 'AUF. 3.— , Da^ Sabinergut. Ronian von Lduard Vertz. geh. Mk. 5 —; geb. Mk. 5.—. Geschichten und Lieder der Afrikaner, von A. Scidcl, Sekretär der deutschen Kolonial gesellschaft. geb. Mk. 5.—; geb. Mk. 6 .—. Aus meinem Zettelkasten. Sprüche aus dem Leben für das Leben, von Otto von Leirner. geh. Mk. 4 —; geb. Mk. 5.—. Aus der Rumpelkammer der Weltgeschichte. Von Lut. v. Adlcrstcld - Lallcftrem. geh. Mk. 4 .— : geb. Mk 5—. Medizinische Streiflichter, von vr. Arthur Sperling, geh. Mk. 3.—; geb. Alk. 4 .—. Sechster Jahrgang >899/97 Die Krone. Roniantische Erzählung vo,i Anton Frcihcr von pcrtall. geh. Mk. 4 .— : geb. Mk. 5.—. _ .. 2lnatolische 2lusflüge. Reisebilder von C. Freiherr von der Goltz-Pascha. preuß. Generalleutnant Vttoman. Marschall a. D. Mit 57 Bildern und 18 Karten, geb. Mk. 5.— ; geb. Mk. 6 —. Int grünen Tann. Schwarzwald - Novellen von " Arthur Achleitner, geh. Mk. 4 .—; geb. Mk. 5.— Goldene Worte der hohenzollern. von A. Seidel. Mit 20 Porträts in Holzschnitt, geh. Mk. 5.— ; geb. Mk.5—. Aus bewegten Zeiten. Novellen und Skizzeii von A. von ISoguslawski. Generalleutnant z. D geb. Mk. 4 .— ; geb. Mk. 5.—. Glückskinder. 2loman von valcska Grann Letbusv-Duc (Moritz von Reichcnbach). geh. Mk. 3-; geb. Mk. 4 —. .. . Ceylon, von Professor Dr. Lniil Schmidt (Leipzig). Mit 3g Bildern und 1 Karte. geh. Mk. 5.— ; geb. Mk. 5.—. v Aus der Mappe eines Veteranen, von Fricdr. Freiherr v. OincKlage-Campe, Generalleutnant z. D. geb. Mk. 5.— ; geb. Mk. 5.—.Schall § Grund RofbueBbändler ov. Hhijcltäf bcs Uaisers und Rüniiis * Sr. Kgl. Hoff. des Herzogs Carl in Vaijkrn Ucrein der Bücherfreunde Krieg und Sieg 1870-71 Kric^s^cschicbfc Umfang 750 (Seiten mit 600 SSifbcrit ltitb Dielen .Starten. ^yovntati dva tf) 11 d cv f=0 ua r t. Preis 6 lHark Prachieinband mit reicher Goldpressung * Preis 6 Mark Krieg und Sieg 1870-71 Hju Ihipgjes cb ichte Umfang 540 Seiten mit 408 Bildern vielen Karren ?rejz 6 Wark --- JBwdjieinbanb mit reicher Goldpressung --- Preis 6 Warle „Krieg und Sieg“ ist bestimmt, der vaterländische Bausfcban zu werden. (Sin ähnliches großartiges Werk 51 t so billigem ^Preise existiert in der ganzen Welt nicht zum zweitenmal. Jeder Band ist vollständig in sich abgeschlossen Mitarbeiter Dr - »ernann, Titulaturbischof 1.011 pliilabtlpbm, fatljot. Feldprobst der Armee - tu. ffiiggc, Major im ® r0 6 c " Gencralstabe — H. v. Jßoguslawafti, ©cucraWeiit, Lrr. — S. (latMnal v. Middern, Oberst — von Llpons, General-Major 5. I>. Erbe, postrat — /in. Lrner, Oberst-Leut. — prof. Dr. "Cb. Jflatbc Frexbcrg, Hofmaler und profcifor — jfregtug, Seminar-Dberlebrcr — Dr. /frommeI. Dberl|ofxrcdigcr und Militäroberpfarrer a. D., Dber-Louststorialrat j- — Frbr. C. von der SolN-lpafeb-t, preust. General- erut., Dttoma». Marschall a. v„ Grr. - H. von Hjcinlctb, General d. Inf.. Grc. f- - A. von Dollcdc», General d. Ins, Grc. — ®3nlg, hanptmann a. D. — Hriibne, Rittmeister im Garde-Train-Sataillo» — llr. v. Iltrelscbman, General d. gnf., Gre. — Dr. tirrocker, Oberstabsarzt — zfrbr. von Langermann »nd Lrlencamp, Dbcrst und Brigadier — liebenoiv, Geb. Reg.-Rat, prof. — Liebect, Oberst. Komm. b. Grenadicr-Regts. Rr. — /Ibacftenfcn, Oberstleutnant und Komm, des t. Leib-hilf.-Regts. Rr. t von /Maffow, Generalmajor y D. und Geb. Kriegsrat — von /Müller, Generalleutnant Z. D. —. Mitscdman», Generalleutnant z. D. — Zf. Oberbokkcr, General-Len,., Lrr. — von Gmptcda, Baron, Schloßhanptman» non Montabaur und Kgl. Ka,n„,erl,err - Dr. A. v. Pfister, General-Major - prof. Dr. 3. v. Pstuglt- Ibacttung — Ludwig lpictfcb, Professor — H. Stengel. Kapitän zur Sec — Anton von Merncr, Professor — XCltllc, Generalmajor z. D. flnerkennungsfAreiben von - e. Majestät der Kaiser und König Ibre Majestät die Kaiserin und Königin - c - Königliche Hoheit der Prinzregent von Bayern - e. Majestät der 2<önig von Sachsen oe. Uiajestat der König von Württemberg - e. Königliche Hoheit der Großbcrzog von Baden Se. Königliche Hoheit der Regent von Sraunschweig, Prinz Klbreä-t von Preußen - c - Gobeit der Regent von Mecklenburg-Schwerin Herzog Johann Albrecht Se. Königliche Hoheit der Prinz Leopold von Bayern Se. Durchlaucht der Fürst von Bismarck Se. Durchlaucht der Reichskanzler, Fürst zu Hohenlohe- Waldenburg-Schillingsfürst Se. Durchlaucht der Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Kaiser!. Statthalter v. Elsaß-Lothringen Se. Ereellenz der Generaloberst d. Kav. Graf von MalderseeSchall & Grund — fiolbuchhändkr Sv. B'.ajclläi des Kaisers und Königs » Sr. Kgl Hold des Hcrwgs Lsrl in vager» Verein (kr Bücherfreunde Deere und Motten der Gegenwart hcrausgegeben von (C. iHJlt Generalmajor a. T>. Erschienen ist In Vorbereitung befindet sich Band III Rußland / Rittmeister a. v. von DrysalSki SoitMica. ( Generalmajor a. D. von Zepelin Seemacht: Vizeadmiral ä la suite Latsch ä — ' a Das Werk ist zugleich ein Lese- und Ngchschlagebuch. Für jede Armee und jede Flotte ist ein Spezialkenner gewählt. DaS Programm ist auf das sorgfältigste ans gearbeitet, alles bis zum Leben in der Kaserne, im Krankenhanse und bis zur Kriegs industrie ist berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen, die eigens nach der Natur und dem Leben, zum Teil mit hoher Genehmigung ausgenommen sind, erleichtern Verständnis und Anschauung. Für die anderen europäischen Länder sind folgende Autoren gewonnen: Haupt- mann im Kgl. Norweg. Gencralstabe Jlbildgaard, R. JUbcrtall in Konstantinopcl, Mit arbeiter der Löbellschen Jahrbücher, '.Vizeadmiral Latsch, Rittmeister v. vrpgalski, Frhr. v. d. 60IH, Prenst. Generalleutnant, Kaiser!. Ottoman. Marschall n. D., Oberst leutnant Lepke, Korbcttcnknpitäi^ Ritter v. ssedina, K. u. K. Generalmajor v. Lählig in Graz, Generalmajor Rrabmer, Oberstleutnant R. v. Mach, Vizeadmiral paschen, Hauptmann Rharen, Major Frhr. v. Steinäcker, Hauptmann E. fi. Cingftcn vom Konigl. Schweb. Generalstabe, GencralmajorjL. UJille, Generalmajor a. D. v. Zepelin. Die Bände erscheinen in Zwischenräumen von etwa vier Monaten. Band I Deutschland kandheer: Generalleutnant z. D. von Loguslawski Seemacht: Kontreadmiral z. D. jRzchenborn Anhang: va; internationale rote Kreuz von 0. v. Strantz Major Z. D. Umfang über 700 weiten einschließlich Tafeln in Buntdruck und 22 Tafeln in Schwarzdruck, mit 52 Abbildungen im Text, einer großen Karte und wei Hafenplänen Prachteinband mit reicher Loldpressung Preis: i; Mark Band II Groß britannien u. Irland Landhecr: * * * Oberstleutnant vom Kgl. Großbritannischen Generalstabc Seemacht: Kapitän zur See a. V. Stenzei Umfang über 700 Seiten, einschließlich 2( Tafeln in Buntdruck, 52 Tafeln in Schtvarjdruck und 95 Abbildungen im Text, nebst einer Aarte von England und 5 Hafenglänen Prachteinband mit reicher Loldpressung Preis: is MarkSchall Si Grund — stosvuchhändler Sr. Majestät des Kaisers und Königs * Sr.Kgl.Hoh.de« Herzogs Earl in Bayern Oesein der Biid>erfreundc Die Bibllotbek der Cättderkunde herausgegeben Dr. fl. Rircbboff Rudolf Tibner o. ö. Profeffor der Erdkunde an der Universität Chefredakteur Halle-Wittenberg Als erster Band der „Bibliothek der Länderkunde" ist erschienen: ^ Antarktis ** v°» Dr. Rarl Tricker Der Pruchlksud kostet nur 5 Mk. Zum ersten flDalc wird vier dem deutschen Volke, der gebildeten Illlelt, eine cingcbende, erschöpfende Abhandlung des Südpolargebictcs von berufener Seite gegeben, zum ersten Male ein bildlickes und kartographisches Anschauungsmaterial vereinigt, wie cs noeb nirgendwo an anderer Stelle geboten worden ist. ein Erfolg, wie er nur durch ein einmütiges Zusammenwirken aller an dem Werke thätigen Aräfte erzielt werden konnte. Die „Bibliothek der Länderkunde" stellt sich die Aufgabe, in einer stattlichen Reihe von Bänden unsere heutige Kenntnis der Crde dem deutschen Volke darzustelleu. Für die „Bibliothek der Länderkunde" sind die hervorragendsten Ge lehrten als Mitarbeiter gewonnen worden, deren Namen für eine glückliche und erfolgreiche Durchführung des großen Unternehmens bürgen. Jeder einzelne Band wird nach einheitlicher Anlage eine selbständige Monographie eines Ländergebietes enthalten und ein In sich abgefchforfenes Ganze bilden. Die „Bibliothek der Länderkunde" soll die so lange klaffende Lücke in unserer geographischen Litteratur schließen: sie ist ein länderkundliches Äerk. welches sich nicht nur an die Fachgelehrten. sondern an die ganren gebildeten Rreise des deutschen bolkes wendet. Als zweiter Band befindet sich „Madagaskar" von Prof. Dr. Conrad steiler in VorbereitungSchall § Grund — fiofbucbhändlcr Zr. Majestät des Kaisers und Königs * Sr. Agl. Holl, des Herzogs Lirrl in Vanrrn Uerein der Bücherfreunde Vom Vorstand des Deutschen.Kriegerbundes warm empfohlen: Der Meine IRanterafc Eieder- und fiandbucb für alte und junge Soldaten Im Aufträge des „Heaiser--'Milkelm--Dank, Verein der Soldnteiifreiinde," gesammelt und bearbeitet von dessen Geschäftsführer Rob. Gersbarch Preis 25 Pfennige „E»cr Iklcinc Ikamersd" enthält außer 200 sorgfältig ausgcwählten Vaterlands-, Volks- und Soldatenliedern 6 Lieder für besondere Gelegenheiten, tv Gebote für alte und junge Soldaten, einen Rriegcr- falamander, hohenzollernworte und -Wahlfprüche, Soldatensprüchc für alle Tage des INonats, lO volkslvirtfchafr- lichc Gebote, einen entsprechenden LildcrschmucK u. f. rv. und ist in kleinem 'Cafebenformat erschienen. Jfrfthlänrtr für üas Drutlchk Haus uon ficinricb von Wedel Gedicdtsa m m Inno Mit allerhöchster Genehmigung: Portrait AKrer /Dajeslät der IKaiserin Eilte Gravüre Umfang 6 Bogen Bvrneiimstr Nusliaikung Prachtvoller Einband in Celluloid nach einer Zeichnung von Adolf Hildebrandt Preis b mark Ms bleibend«» Andenken non stet» wachsendem wert e Ui da« Werk sür jeden Drnischrn nnschShbar Unsere Uleltausstellung Eine Beschreibung der Columbische» Weltausstellung in Chicago >893 /lidit über t00d der beste», aus 15 000 /foeiftenverhen der lpbotograpbic sorgfältig auggcwäblten Iilnstrationen Die von den Behörden der Weltausstellung autorisierte und zur Benutzung der offiziellen Nbbildungen kontraktlich berechtigte deutsche wriginalausgabc 570 Seiten — Kroßloliotormat — prachtwerk Elegant in Leder gebunden 80 Mark oder in 36 Lieferungen zu je 1 Mark Druck von ß. Hermann in Berlin.6
