Deutschlands Kriegsziel Die Vorgeschichte des Weltkrieges von von Michaelis Hauptmann im Generalstabe Gehestet 7V Pf., Feldpostporto 10 Pf. --------- Lrteil des Militär-Wochenblattes» ---------- ,DaS kleine Buch wird vielen willkommen sein. Die Vorgeschichte des Weltkrieges ist in ihren Hauptzllgen soweit geklärt, daß sich der Zusammenhang, Ursachen und Wirkungen übersehen lasten. Da kommt eine gedrängte Übersicht, die nur das Wesentliche heraushebt und die Wendepunkte beleuchtet, zu rechter Zeit. Der Verfasser geht in die Zelt unmittelbar nach dem Kriege 1870/71 zurück und zeigt, wie das siegreiche, machtvolle, einige Deutsche Reich, von Wilhelm I. mit .Bismarcks Hilfe geschaffen, kein anderes Ziel hatte, als sich im Innern auszubauen und sich, seiner Arastfillle entsprechend, seinen Platz an der Sonne zu sichern. Die deutsche Politik ist, wie das Buch richtig auseinandersetzt, eine durchaus friedliche gewesen und blieb es bis zu dem Augenblick, da Deutschland durch den Ring seiner Feinde ge zwungen wurde, zum Schwerte zu greifen. Deutschlands Welthandel stieg machtvoll empor. Dies führte Englands Feindschaft herbei, deren von Neid und Krämergeist er füllte Entwicklungsgeschichte nns der Versaster gut darlegt. .Der Meister der gegen Deutschland gerichteten Bestrebungen war König Eduard VII.-, heißt eS treffend lm Abschnitt „Das Werden des Konflikte»". ES wird zugestanden, daß die Arbeit Eduards VII. ein „diplomatisches Meisterstück" genannt werden muß. Frankreich mit Hilse de« Revanche- gedankenS und der Marokkofrage aus Englands Seite zu ziehen, das geldbedürstige Rußland an Frankreich zu ketten, Rußland mit Japan zu versöhnen, Italien vom Dreibund abtrünnig zu machen, die Ballanstaaten gegeneinander zu Hetzen und Serbien gegen bsterreich-Ungarn loszulassen — alle diese Schachzüge und Verkettungen hebt die Schrift klar und durchsichtig hervor. Sie ist mitüberzeugung und Maßhaltung, mit vaterländischem Vertrauen und Siegeszuversicht geschrieben." Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr. Verlag des Deutsche« Offizierblattes und der Feldpost.Deutschlands Kriegsziel Von Houston Stewart Chamberlam Bayreuth 19i6 Druck und Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr. Verlag des Deutschen Gffizierblattes Gründungsjahr der Firma I78SHoffentlich dauert der Krieg so lange, bis alles sich unserem Willen fügt. Hindenburg. erboten ist es, von den Kriegszielen öffentlich zu sprechen; um so mehr müssen wir es als ein Gebot empfinden, das Kriegsziel klar und fest ins Auge zu fassen. Denn jenes not wendige Verbot führt den Nachteil mit sich, Millionen, die lediglich auf die Zeitungen angewiesen sind, von aller Kenntnis des zu Erstrebenden abzuschneiden, so daß zuletzt für sie nur die Gegenüberstellung Krieg und Nicht-Krieg bleibt, was mit der Zeit ein Nachlassen der Spannkraft veranlaßt. Was diese lebendig hält, ist das bewußte Erstreben bestimmt erkannter Endabsichten; fehlt die Vorstellung des Zielpunktes, so stellt sich bei jeder Reise leicht Ermüdung ein. Fragen wir uns also: was ist Deutschlands Kriegsziel? Die Antwort kann nicht zweifelhast sein: des Krieges Ziel ist für Deutschland der Friede. Zeit vielen Jahren hütete Deutschland den Frieden und ließ sich im Interesse seiner Haltung fast mehr als billig von seinen neidgeschwollenen Nachbarn gefallen. Kaiser und Fürsten wollten den Frieden und bewiesen es durch ihre Taten; Handel, Landwirtschast, Industrie blühten auf im Frieden und verlangten nur offene Türen, denn mehr Z4 war ihnen zum Gedeihen nicht vonnöten; Wissenschaft, Technik, Kunst wurden mit unvergleichlichem Eifer gepflegt und können nur im Frieden gedeihen. Es liegt überhaupt im Wesen der deutschen Heeresverfassung, daß diese Macht nicht zu Ängriffs- zwecken gebraucht werden kann; der stärkste Mann vermöchte es nicht, sie zu einem Raubunternehmen in Bewegung zu setzen — das bezeugt der allerstärkste, Bismarck. Der Aberfall auf Deutschland ist also ein Aberfall auf den Hüter des Friedens; ausgeführt wurde er von drei Nationen, die beständig, auf der ganzen, ihnen erreichbaren Erdoberfläche, Krieg schüren und Krieg führen — England, Rußland, Frankreich — den geschworenen Feinden des Friedens. Zeit drei Jahrhunderten befolgt England grundsätzlich die Politik des Raubens, und es wirkte erfrischend, als neulich ein Offizier und Fachgelehrter für Kriegsgeschichte unumwunden aussprach: „Wir Engländer suchen zwar immer nach plausiblen Vorwänden zu unseren Kriegen, in Wirklichkeit aber führen wir sie stets nur um des Handels wegen/ Das moskowitische Rußland ist ein Gger, der seit ungefähr ebensolange unersättlich um sich frißt und alle Völker zu Sklaven herabdrückt. Frankreich ist unter der Leitung seiner regierenden Finanzleute zu einem Gauner und „Apachen" geworden, der zum Anstand nicht mehr zurückzufinden weiß. Man darf also gegen obige Beantwortung nicht etwa ein wenden, das Ziel aller Kriegführenden sei der Friede; das ist nicht der Fall; es gibt Völker, die im Frieden immer üppiger blühen — Deutschland steht heute an ihrer Spitze; und es gibt5 Völker, die ohne Krieg ihr Auskommen nicht finden, in denen jener Arinstinkt des barbarischen Menschen noch überwiegt. Aus diesen Erwägungen folgt, daß Deutschland den Frieden wird aufzwingen müssen, seinen Frieden. Wie der Bau meister nach einem wohldurchdachten Plane die harten, wider strebenden Rohstoffe zu der Gestalt zwingt, in welcher sie einem hohen Zwecke dauernd dienen, so muß Deutschland den Feinden des Friedens Bedingungen aufnötigen, durch welche der euro päischen Welt auf lange hinaus ein würdiger, allem Tüchtigen und Hochstrebenden fördersamer Friede gesichert wird. Gb das in vollem Maße jetzt gelingen kann, weiß ich nicht; ich bezweifle es; die Grundlage aber dazu kann und muß gelegt werden, und dies wiederum erfordert, daß das Ziel erblickt und als Willensbeschluß erfaßt wird. Geschieht es jetzt nicht, so ist es für alle Zeiten zu spät; hemmen über kommene Menschlichkeitsphrasen die Entfaltung der Waffen gewalt, geben diplomatische Tüfteleien den Ausschlag, so ist nichts geschehen; Blut und Tränen flössen dann umsonst und das siegreiche Deutschland hat die Schlacht verloren — die Schlacht um die Gestaltung der Zukunft des Menschentums auf Erden. Hegel spricht einmal von der „Ohnmacht des Sieges", weil ein Lieg, der nichts Neues schafft, aus dessen blutigem Zoll kein neues Leben entsprießt, in der Tat das reine Nichts ist. Dagegen kennt derselbe deutsche Denker ein „Heroen recht" : dieses ist das schöpferische Recht, das Blut und Gewalt entsühnt, weil es Schlechtes zerstört und Besseres an die Stelle6 setzt. Der Tod der deutschen Helden kann nur dann als ent sühnt und mehr als das — als notwendig und segensreich — betrachtet werden, wenn er dazu dient, solches Heldenrecht durchzusetzen und dauernd zu befestigen — das Recht auf den deutschen Frieden. In einem früheren Kriegsaufsatz machte ich auf den Unter schied zwischen pax (psix, peace, pace) und Friede auf merksam: psx bedeutet einen juristischen Vertrag — also eine vorübergehende, kündbare Abmachung, Friede einen währenden Zustand — die Herrschaft der Liebe und der Schonung. Die Feinde Deutschlands besitzen nicht einmal den Begriff des Friedens! Im letzten Grunde ist es Deutschlands Kriegsziel, ihnen diesen Begriff beizubringen. Dazu müssen sie in eine strenge Lehre genommen werden. Wie vorhin angedeutet: einzig durch Raub sind England, Frankreich und Rußland in den letzten fünfzig Jahren gewachsen, diese Völker wissen gar nicht, daß es ein anderes Wachstum — ein Wachstum aus innerer Kraft und Tüchtigkeit — gibt. Haarsträubend ungereimt ist es, wenn diese Räuberstaaten die einzige Großmacht Europas, die niemals geraubt hat, als „Militär- und Erobererstaat" brandmarken und verfolgen. Wer wissen will, was Deutschland unter „Kolonisieren" versteht — welche edle, menschenbildende Aufgabe —, dem empfehle ich die kurz zusammenfassende Darstellung „Die deutsche Kolonialpolitik" von Staatssekretär Dr. Zolf in dem unentbehrlichen Sammelwerk „Deutschland und der Weltkrieg" sTeubner isiZ). Dr. Zolf ergeht sich7 vlIW>IIIiIIIIIIIl>>III>>IIIIIIIIIIII>>IIlIIIIIIIIIilIIlIlIIlIlI>IlIII>IIIINIIII>lII>IIIIIII>II>>I!II>>IIIIIII>>I>IIil>I!>>Ii>>II>II>>IIiII!lIII>>>>>I>>I>IIIlIIIl>iII>Il>IIII!IIIIIWIIlIIIIIIIIIlI>lII>!I»»»IIIII»II»»U»I>I»IUI>UlI»M»«« nicht in vielen Worten, er befleißigt sich wissenschaftlicher Objektivität und eines fast nüchternen Stils; um so beredter sprechen die Tatsachen. Zum erstenmal, seit die schauervolle Geschichte europäischer, überseeischer Eroberungen im 16. Jahr hundert begann, versuchte ein Staat, anstatt rücksichtslos aus zubeuten, anstatt gierig sür sich und die Leinen den Reichtum fremder Erde an sich zu reißen, sich sittlicher Verpflichtungen gegen die Ureinwohner bewußt zu werden, sie als Gottes Geschöpfe zu hegen und einer sittlichen und geistigen Entwick lung entgegenzuführen. Außerdem aber: Deutschland allein faßt die koloniale Aufgabe im Zinne eines gemeinsamen europäischen Auftrags auf und führt die vielgenannte, aber nie befolgte Politik der „offenen Tür" wirklich durch, indem sie keine wie immer geartete Begünstigung des eigenen Handels kennt. Bei allen anderen Kolonialmächten — bei England und Frankreich und Spanien und Portugal (nur bei Holland nicht) — genießt das Mutterland allein Zollfreiheit oder Zoll bevorzugungen, die zo bis so Prozent betragen; Deutschland kennt diese Unterscheidung nicht. Ebenso genießen Ausländer und ausländische Unternehmungen in deutschen Kolonien genau den gleichen Schutz, die gleiche Förderung wie Deutsche; wo gegen Frankreich es durch ewige Schikanen und durch Rechts verweigerungen Ausländern fast unmöglich macht, Handel auf dem von ihm verwalteten Gebieten zu treiben, und England soeben das gesamte Vermögen der in Hinterindien seit vielen Jahren ansässigen deutschen Kaufleute konfisziert und — um8 alle Ansprüche und Wiederanknüpfung nach Friedensschluß unmöglich zu machen — die Bücher und Korrespondenzen zer stört hat. Der zuständigste deutsche Zachmann bezeichnet diesen Vorgang richtig mit dem Wort -Straßenraub. Wie Ruß land die Deutschen —sogar diejenigen russischer Nationalität — behandelt, wissen wir. Und nach Solf nehme man noch eine Schrift zur Hand: Geheimrat Schrameiers „Kiautschou, ein Rückblick" (Berlin, isiZ). Was hier erstrebt, angebahnt, zum Teil sogar in der kurzen Zeit geleistet worden ist, das wirkt geradezu erhebend. Jeder sollte sich darüber unterrichten; man wirst einen Blick in eine künftige, bessere Welt. Ein japanischer Staatsmann berichtete vor kurzem: „Die Art, wie die Deutschen Kiautschou verwalten, ist einfach ideal: hier können wir viel lernen/ Man warnt in Deutschland unablässig vor Selbst überschätzung ; förderfamer wäre es, man würde das von Deutsch land Geleistete schätzen lernen, denn daran fehlt es allgemein. Es ist ein Deutschland im Werden — ja, schon im Werke —, das die meisten gar nicht kennen. Welch grundguter Geist am Werke ist — trotz der gemeinen Elemente, trotz des international gerichteten Geldpöbels, trotz der ungeschickten Polterer und auch trotz der widerwärtigen Pharisäer, deren tugendhafte Augenverdrehungen sie überall nur das Schlechte, nie den reinen Willen, nie die tüchtige, vorbildliche Tat erblicken lassen —, das zeigen uns die deutschen Kolonien, das zeigt uns vor allem jenes unvergängliche Ruhmesblatt in der Regierung Wilhelms II.: Kiautschou. Hier erfahren wir, was Deutschland9 »WMW>«lII>iMIWI>tI>lI!IttI>NII>II>«l«II»^»!I»iIMlUW>UIWUM^VI»II«>MI!MMUI>>WMIMlNM»tIt«IIII>>IIU!IWMlUI>UIlIIIIUUUUIUII>!«>»lW!INI>i!>IiM» unter „Frieden" versteht; dagegen ein vergleichender Blick auf Hongkong — von England seinem schmählichen Opium handel zuliebe gewaltsam blutig geraubt und inzwischen zur verruchtesten Lasterhöhle des fernen Ostens herangewachsen — uns belehrt, daß das in Kiautschou schon halb verwirklichte deutsche Ideal der englischen Politik ganz und gar unbekannt ist. Da nun Deutschland den Frieden aufzwingen muß, da es einzig durch Gewalt sein den Gegnern unbekanntes Kriegsziel erreichen kann, so fragt es sich: wie sind die Widerstände beschaffen, die diesem „Willen zum Guten" entgegenstehen? Die Beantwortung dieser Frage fällt dreifältig aus, weil jedem einzelnen der drei Gegner gegenüber (Italien zähle ich nicht) die politische Lage eine andere ist. Bei Frankreich liegen die Dinge am einfachsten. Wenn die Franzosen nicht wahnsinnig wären, wenn sie sich nicht zu Knechten Englands und Rußlands mißbrauchen ließen, ich wüßte nicht, welche Veranlassung zu einem Streit mit ihnen entstehen könnte. Nun sind sie aber wahnsinnig, folglich muß man sie als Wahnsinnige behandeln. Deutschland muß gegen ihre Tobsuchtsanfälle ein für allemal gesichert werden, auch dagegen, daß sie seine Friedensauen mit Millionen wilder Neger überschwemmen: die Macht ist da, sie muß gebraucht werden; der Diplomat darf nicht, wie 1870, dem Generalstab widersprechen. Angleich bedrohlicher färbt sich der Horizont, sobald wir die Äugen nach Rußland wenden. Hier haben wir es mit blind10 MWUIl>IIll!lII>IIIIIIIIIIIIII >>III>>>>I!l!>I>I >>>II>>>IIIIIIIIIll>>>l>>I>lIIllIIII>lII>IIIIII>II>IIIIIIIIUIlIIUIIIIIIlI>IIIIIIIlIIIIIIlIIiIlIIlIIIIIIIIIIIWIIIIUIIIiIWIIIlIlI>>III»II>III»>IIII»»III>IN»IUIIIIIII»»IIlIIII>IUIlIUIIIW zerstörenden Naturgewalten zu tun; Argumente und Verträge nützen ebensowenig wie gegen Wasserfluten und Gewitter schläge Än der Schweiz ist es durch die Anlage sogenannter „Bannwälder" gelungen, blühende Täler vor periodisch wieder kehrender Verwüstung dauernd zu schützen; das moskowitische Tatarenreich ist eine ebensolche ewig drohende, brutale Gefahr; in den wenigen Tagen, wo diese Horden im gesitteten, keinen Widerstand leistenden Ostpreußen hausten, haben sie Besitz im Werte von mehr als drei Milliarden Mark sinnlos mut willig zerstört; was sie an den guten Menschen verbrachen, gemahnt an die schlimmsten Tage bestialischer Henkersknechte des Mittelalters. Hier fordert nicht allein das Friedensziel, sondern schon die Sorge um die Existenz eines gesitteten Europas überhaupt die Errichtung eines Deutschland und seine Bundes genossen für alle Zeiten schirmenden Bannwaldes — von Norden bis Lüden. Im übrigen verweise ich auf Paul Rohr bachs „Rußland und wir", das jeder Deutsche lesen und wieder lesen muß. Wenn nicht jetzt das Nötige geschieht, ist Deutschland in hundert, vielleicht schon in fünfzig Jahren rettungslos verloren. Aber England ins klare zu kommen, ist für den Deutschen nicht leicht. Die Allwissenheit des Volkes läßt sich mit der russischen vergleichen; namentlich aber spottet die Anbildung der „gebildeten" Stände aller Beschreibung; dagegen ist — im genauen Gegensatz zu Rußland — der Charakter außerordent lich entwickelt: das kecke Selbstvertrauen, die Lust zu selb-ständigem Handeln, die Anlage, durch bloße Willenskrast sich Gehorsam zu erzwingen. Der Engländer besitzt die wunderbare Kunst, auch aus dem, was ihn beschränkt, Kraft zu schöpfen; daher das Abgerundete, Aufsichselbstgestellte. Wohin bei Miß leitung und Mißbrauch dieser Gaben ein Volk kommt, sehen wir jetzt; doch die Kraft selbst ist einmal da, sie betätigt sich auf der ganzen Erdoberfläche. Ein einziges Mittel gibt es, sie in Schranken zu weisen: ihr gegenüber muß sich eine andere Willenskraft aufrichten, eine gewaltige Kraft, gegen welche die englische überall anrennt und sich die Knochen bricht. Zede tatsächliche Leistung nötigt dem Engländer unbedingte Hochachtung ab; da er aber rein geistige Leistungen nicht zu erkennen vermag, so müssen es handgreifliche sein. Die Leistungen Deutschlands in Technik, Industrie und Handel hat England so hoch einzuschätzen gewußt, daß es kein Heil für sich sah außer in der völligen Vernichtung des Nachbarn. Wenn ich Verständnis für einen bitteren Scherz voraussetzen darf, so will ich sagen: England bekriegt Deutschland aus Hochachtung. Die Franzosen befeuert einzig Rachsucht; die stupide Länder gier der Moskowiter verschluckt jede Beute mit gleichem Appetit; die Engländer dagegen hetzt der Neid: sie wittern den Rivalen und sürchten ihn. Nicht mit Unrecht war der Engländer ge wohnt, sich als Herr der Welt zu fühlen. Dieses Gefühl be ruhte nicht — jedenfalls nicht in erster Reihe — auf der An zahl der mittelbar und unmittelbar angegliederten Geviert meilen und der fast an die halbe Milliarde reichenden Menschen- !!12 >«MMIWIIMM!IM!!tMMMW«WMMIWWIIIM!II>>Ul>I>IIIIIlMIl>WIIiIllNMNIMIUM schar, die sich zur englischen Oberhoheit bekennt, vielmehr auf dem Bewußtsein der inneren Kraft, der Kraft des Willens, die einem kleinen Jnfelvolk die Unterjochung eines Drittels der gesamten Menschheit möglich gemacht hat. Im Verhältnis zum Reich ist selbst die englische Flotte klein. Diese Herrschast Britanniens ist auf innerer Grundfeste aufgebaut gewesen: auf Stoßkraft und Haltekraft des Wollens, auf Fleiß, auf kühnem Wagegeist, auf rücksichtsloser Konsequenz. Der Engländer ist vor keiner Grausamkeit, vor keiner Anmoralität zurückgeschreckt, ist aber auch selber vor keinem Wagnis, vor keinem Tode zurückgebebt; es gab nichts, was er nicht wagte; Jünglinge von einigen zwanzig Jahren haben — als bestellte „Berater" asiatischer Fürsten — allein unter Millionen „Farbiger", von Haß und Mordsucht rings umgeben, ganze Reiche verwaltet, umgestaltet, und nach und nach unter englische Herrschast ge bracht Dies nur als Andeutung und Beispiel. Aber diese englische Weltherrschaft mag man denken wie man will — ich meinerseits halte sie sür grundunsittlich und darum ver derblich, außerdem aber überhaupt für veraltet und daher der Zukunft, in die wir im zwanzigsten Jahrhundert eintreten, nicht angemessen noch gewachsen — immerhin ist folgendes sicher: über eine so unerhörte Entwicklung der kosmischen Ge walt, genannt „Mensch", vermag einzig eine noch mächtigere Entwicklung derselben Gewalt zu siegen, und das wird nur eine sein können, bei der das charakteristische Grgan des Men schen — der Geist — nach allen Zeiten tiefere Wurzeln ge-schlagen hat und infolgedessen sich üppiger entfaltet. Ghne Willen läßt sich bei uns Menschen nichts machen; einem ebenso starken Willen wie dem seinen, gepaart mit reiferem Geiste, muß der Engländer notwendig unterliegen. Damit glaube ich das Kriegsziel, was England betrifft, in seiner Tiefe erfaßt und deutlich genug bezeichnet zu haben. Hier erleben wir aber traurige Dinge, geeignet, das Ver trauen auf die Zukunft des Deutschtums zu erschüttern; denn gerade am Willen, am Glauben, an dem Bewußtsein, daß der Geist weitaus die gewaltigste Gewalt auf Erden ist, fehlt es in Deutschland vielfach. Ich schlage z. B. eine Flugschrift von Zranz v. Lifzt auf aus der Reihe „Zwischen Krieg und Frieden" und finde da die These, Deutschland sei keine Welt macht und könne es nie werden, sondern müsse sich damit abfinden, für alle Zeiten bescheiden hinter England, Rußland und den Vereinigten Staaten einherzumarschieren. Es heißt da wörtlich: „Wir werden gut tun, uns diese Tatsache immer und immer wieder vor Nugen zu halten!" Da soll mir nur einer sagen, wozu Deutschland eigentlich Krieg führt und Hundert tausende seiner Söhne aufopfert! Um den Preis eines solchen Bekenntnisses schließt England gleich morgen den Frieden, nimmt Deutschland unter den schützenden Flügel und kehrt sich ohne Zaudern gegen Rußland und Frankreich. Wenn Deutsch land sich nicht bewußt ist, von Gott eine Weltmission über kommen zu haben, wenn Deutschland so wenig Vertrauen aufWWMUMIMM die unüberwindliche Macht seiner Grganisations- und Leistungs fähigkeit setzt, wenn es sich nicht getraut, mehr und anderes zu leisten als das kleine weltbeherrschende Jnselvölkchen ge leistet hat, wenn es mit Franz v. Liszt — und unter Miß achtung aller Lehren der Weltgeschichte — die Bedeutung der Völker nach Geviertkilometern und Kopfzahl einschätzt, da frei lich ist nichts zu wollen, nichts zu hoffen, und es war eine ver brecherische Torheit, den Krieg auszunehmen anstatt sich von vornherein den „Weltmächten" England und Rußland gehorsam unterzuordnen, wobei die von einem ordentlichen Universitäts professor keck und großschnauzig regierte dritte Weltmacht ohne Zweifel ihre Vermittlung gern angeboten hätte. Mit solchen Kläglichkeiten wird man freilich nicht weit kommen. Zwischen Deutschland und England steht heute die Sache so: entweder du oder ich. Zagt der Deutsche „du", so ists aus mit dem Deutschtum — für immer, England kennt keine Rück sichten. In Wirklichkeit besitzt aber Deutschland die Mittel, „ich" zu sagen und „ich" durchzusetzen: dies ist sein Kriegsziel. Nicht im entferntesten denke ich hierbei an eine zu erstrebende Zertrümmerung des britischen Weltreiches und dergleichen; selbst wenn Deutschland zu dergleichen Unternehmungen ge wappnet wäre, so lägen sie weder in seinem praktischen Interesse noch in der Richtlinie seiner Ideale; davon ist gar keine Rede. Was eben geschehen muß, ist die siegreiche Behauptung von Deutschlands Willen gegen Englands Willen; Englands Arroganz muß gebrochen werden, gedemütigt: England muß l4anerkennen, daß Deutschland ihm überlegen ist. Dies kann nicht mittelbar, sondern muß unmittelbar geschehen; und ich weiß: es ist möglich, und der Sieg ist sicher. Von dem Augen blick an wird ein Umschwung auf der ganzen Welt stattfinden, und Deutschland wird sehr schnell — vielleicht in weniger als einem Jahrhundert — die ausschlaggebende Weltmacht werden, Hüter und Hort des Weltfriedens. Niemand darf fragen, wie lange der Krieg dauern wird; es geht ja um alle Zukunft. Doch soviel ist sicher: je rücksichtsloser, um so kürzer wird er sein, um so menschlicher. Der Engländer war nie zaghast; ist es der Deutsche heute, so ist er verloren; bleibt er blind für das, was auf dem Zpiel steht, so unterliegt er. Dahingegen die rücksichtslose Entfaltung aller vorhandenen Machtmittel, die unumwundene Bekenntnis zu dem spezifisch deutschen, un englischen und antienglischen Staats- und Lebensideal, das rücksichtslose Durchsetzen desselben auf allen Gebieten mit der Zeit auch die Engländer gewinnen und sie zu Freunden Deutsch lands umschaffen wird. Infolge der augenblicklichen Weltlage und aller politisch-sozialen Verhältnisse ist das noch stark ver tretene germanische Element in England unterdrückt, irregeführt, mundtod gemacht; siegt das deutsche Ideal, so findet auch dort gewiß eine Umwälzung statt. Was uns allen als Kriegs ziel hier vorschweben sollte, hat Goethe buchstäblich genau be zeichnet Und gedächte jeder wie ich, so stünde die Macht auf Gegen die Macht, und wir erfreuten uns alle des Friedens. !öAls ich vorhin einem Freunde vorstehende Ausführungen über Deutschlands dreifältiges Kriegsziel in der Skizze vorge lesen hatte, rief er aus: „Sie haben recht! Wo aber erblicken Sie den deutschen Staatsmann, der einn solchen Aufgabe ge wachsen wäre?" Da stand ich schweigend auf, holte den ab gegriffenen 6z. Band der Erlanger Lutherausgabe vom Bücher brett herunter, schlug die mir wohlvertraute Seite Z56 auf und las: „Aber es gehört dazu ein trefflicher Mann, der ein Löwenherz habe, unerschrocken die Wahrheit zu schreiben ..." Nicht allein nur die Wahrheit zu „schreiben" und zu reden, zu allermeist um sie in die Tat umzusetzen, dazu gehört freilich ein trefflicher Mann, der ein Löwenherz hat. Wie viele solcher Männer Deutschland besitzt, hat uns der Krieg von neuem offenbart: in den feindlichen Armeen ist nicht ein einziger Mann von Bedeutung sichtbar geworden; im deutschen Heere dagegen stand an jedem Grte, wo die Gelegenheit seiner be durfte, sofort der rechte Held da; nur wenige hatten glänzende Stellen bekleidet, doch sobald die Not rief, traten sie aus dem Schatten schlichter Pflichterfüllung und vollbrachten unsterbliche Taten. Ebenso sind die Staatsmänner gewiß vorhanden; es muß nur erst die Not allgemein empfunden werden. Das oberste Kriegsziel wird erreicht sein, sobald Deutschlands Not den trefflichen Mann geschaffen haben wird, den unerschrockenen und unerschreckbaren mit dem Löwenherz.Erinnerungen eines preußi schen Generals in russischer Kriegsgesangenschast Berichtet von Freifrau von Dalwigk 3. Auslage Preis 1 Mark Ein streng wahrheitsgemäßer, auf schriftlichen Aufzeichnungen von Selbst erlebnissen beruhender Bericht von der empörenden Behandlung, welche die Russen der Verfasserin selbst und ihrem Gatten, dem General major von Dalwigk, im Laufe eines achtmonatigen unfreiwilligen Kriegs aufenthaltes in Rußland zuteil werden ließen. Während eineS Ver wandtenbesuches vom Kriegsausbruch in den Ostseeprovinzen überrascht, gerät das Paar trotz seiner Eigenschaft als Kriegsgefangene n. die Klauen der berüchtigten russischen Polizei, die die Forderung des Generals auf seiner Charge entsprechende Behandlung teils überhört, teils geradeaus verlacht und ihn mit Verbrechern zusammen ins Zuchthaus sperrt, die die standhaft immer wieder zu ihm vordringende Frau mit Schikanen niedrigster Art überhäuft und stetS nur quälerisch darauf sinnt, die Lage der beiden zu einer einfach unerträglichen zu machen. Die endliche Befreiung geschieht infolge hoher Verwendung und deutschen Druckes auf dem Wege des Austausches. — Kurzum, ein außerordentlich spannend vorgetragener Beitrag zum Wesen des wirklichen Barbarenreiches Gerhard StaMng, Oldenburg i. Gr. Verlag des Deutschen Offizierblattes und der Feldpost.Soeben erschien in unserem Verlage: rieses GM! Mit dem Sieger von Longwy von Oberleutnant Blumenthal Führer eines Artillerie-Meßtrupps der Kronprinzenarmee Hübscher Taschen band Preis M. 1,20 Feldpostporto ll» Pf. Färb. Llmschlagbild v. I. A. G. Ein Buch, von dem man reden wird! Einer, der den großen Siegeslauf nach Frankreich hinein kämpfend mitmachen konnte, gibt hier in zündender, noch unter dem Bann der Erlebnisse stehender Sprache de» starken Empfindungen ungeschminkten Ausdruck, die auf de« einzelnen Kämpfer angesichts der Fülle des Erhabenen und Furchtbaren ein» stürmen» Äier ist der Weltkrieg wohl zum ersteninal in seiner ganzen nackten Wirklichkeit dargestellt worden. Wir sehen die Schlachten und die Straßenkämpfe, die Truppe und die fremde Bevölkerung, die blutigen, fiillgewordenen Kampfgefilde, die ver lassenen Gräben und die toten Ortschaften, und begreifen, weshalb der Sieg so sehr Von der Nervenkraft abhängt! In einem Atemzug liest man dieses Buch und kann es nur mit dem Gefühl eines starken Erlebnisses aus der Äand legen. Lassen wir das Schlußwort dem Verfasser: „Kein Stein war zu hart, kein Lehmbrei zu tief, kein Geschoßhagel zu dicht —wir standen und hielten — nach Befehl. Arbeit Tag und Nacht! — Als Arbeitspause Kampf! — Das Pflicht gefühl und die Disziplin standen in uns fest wie ein Gebilde aus Eisen. So standen wir über ein Jahr — das Gesicht nach dem Feind — Mann an Mann — ein lebendes Verhau um unsere Keimat. And aus den blutgetränkten, granatendurchfurchten Schützengräben keimte die Saat —, es wuchs —, „Deutschlands Glück und der Sieg"." Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr. Verlag des Deutschen Offizierblattes und der Feldpost.Ztsstsdibliotliek verlin i9l6 Druck und Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr. Verlag des Deutschen Gffizierblattes Gründungsjahr der Firma I7SS
