Dr. Carl Peters. London. BERLIN 1898. Verlag von Hermann Walther, (Friedrich Bechly) S.W., Kleinbeerenstrasse 28.Weitherzige Kolonialpolitik. Von Uv. Karl Peters, London. Berlin 1898 Verlag von Hermann Walther (Friedrich Bechly) S'W., Kleinbeerenstraße 28.Sonderabdruck aus dein „Deutschen Mocheublatt."fflalb, nachdem ich 1885 den Kaiserlichen Schutzbrief für meine ersten Erwerbungen in Ostafrika erhalten hatte, trat mir in Berlin die Anschauung entgegen, daß nunmehr zunächst eine Verwaltung für die neugewonnenen Gebiete geschaffen werden müsse. Ich muß aussprechen, daß ich eine solche Forderung schon damals nicht ganz verstehen konnte. Ich dachte mir, wir wollen doch einmal abwarten, bis deutsche Interessen in der neuen Kolonie vorhanden sind; vor Allem, bis deutsche Einwanderer dort wohnen, welche den Wunsch nach einer von Berlin eingerichteten Verwaltung hegen, bevor wir uns in die Unkosten einer solchen stürzen. Ich vermochte mir 1885 ebensowenig wie heute vorzustellen, daß ein formeller Verwaltungsapparat ein besonderes Zugmittel für irgend einen verständigen Menschen sein könne, sein Glück in einem neuen Lande zu versuchen; und ich wußte auch damals, ebenso wie heute, daß Auswanderer es im Allgemeinen oorziehen, sich ihren eigenen Bedürfnissen und Neigungen entsprechend ihre Ver- waltungsorganisationen selbständig zu schaffen. So waren alle die großen Kolonien der Weltgeschichte entstanden und emporgewachsen. So waren Karthago und4 Massilia geworden, die glänzendsten Schöpfungen der phönikischen und hellenischen Kolonisation am Mittelmeer. So sind die englischen Niederlassungen in allen fünf Erd- theilen zu lebendigem Gemeinwesen aufgeblüht. Dieser meiner Ueberzeugung gemäß habe ich in den drei Jahren, während deren ich Einfluß auf die Entwick lung von Deutsch-Ostafrika hatte, was von 1885 bis 1887 der Fall war, das geringe zur Verfügung stehende Kapital ausschließlich auf wirthschaftliche Unternehmungen verwendet. Es wurden entweder Plantagen oder aber Handelsfaktoreien gegründet, und diesen Stationen gewisse Verwaltungsaus gaben, wie sie unter unserem Schutzbrief erfordert wurden, nebenbei übertragen. Vor Allem begann ich meine prak tische Thätigkeit in Ostafrika 1887 mit den Vorarbeiten für die Anlegung einer Fahrstraße, beziehentlich Eisenbahn von Dar-Es-Salaam ins Innere. Die Absicht war, auf diese Weise den Weg für den Einzug privater Unternehmungen in unsere Gebiete zu bahnen; und es war gedacht, solchen Privat-Elementen, sobald sie in einiger Stärke vorhanden sein mochten, das Recht der kommunalen Selbstverwaltung zu gewähren. Sicherlich sind bei der Einführung dieses Systemes im Einzelnen damals eine Reihe von Fehlern gemacht worden; und diese Fehler hatten fast alle in der Knapp heit der zur Verfügung stehenden Mittel ihre Ursache. Es mußten zu viele Stationen auf einmal angelegt werden, weil wir unser Gebiet für die zu jener Zeit schwebenden Grenzverhandlungen durch tatsächliche Besitzergreifung zu5 sichern hatten. Dadurch trat eine Zersplitterung unserer Geldmittel ein, welche die Erlangung klarer Resultate ver zögerte. Aber ich glaube doch, daß die Jnnehaltung des Grundgedankens dieses Planes mit der Zeit eine gesunde Entwickelung der Kolonie gesichert haben würde. Dieser Grundgedanke läuft darauf hinaus, daß alles von der Heimath in ein solches Land hineingesteckte Kapital im Wesentlichen auf wirthschaftliche Zwecke zu verwenden ist; daß die Verwaltung durchaus in zweiter Linie steht; und daß für diese Verwaltung die interessirten Kreise selbst, vor Allem die draußen arbeitenden Kolonisten, zu sorgen haben. Mit meiner Abberufung von Zanzibar 1888 wurde dieses System für Ostafrika endgiltig aufgegeben. Ich hatte in jenen Jahren das Gefühl, daß mau auch in vor- urtheilsfreieu deutschen Kolonialkreisen meist überhaupt nicht begriff, was ich eigentlich meine und wolle. Ein Land muß doch staatlich „verwaltet" werden, und dazu giebt es doch staatlich geprüfte „Fachleute". Also solche muß man zunächst und vor Allem in die Kolonie hinausschicken. Daß auch in Europa solche berufsmäßige Verwaltung immer und überall erst im Verlaufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden aus wirthschaftlichen Bedürfnissen heraus erwachsen ist, daß überall erst genügend Werthe und reale Interessen vorhanden sein müssen, bevor sich der Luxus einer solchen Berufsverwaltung lohnt, das vergaß man; und daß es sich in neuen Ländern ausschließlich zunächst um die Schaffung volkswirthschaftlicher Güter handelt, übersah man ganz und gar.6 So ging man also daran, in allen deutschen Kolonien die in der Heimath gewohnten Behörden zu organisiren. Das ganze Land, gleichviel, ob deutsche Interessen be standen oder nicht, wurde mit einem Netz von Stationen überzogen, in denen sich Beamte, Offiziere und Unter offiziere niederließen, welche nicht dahin gekommen waren, um das Feld zu bestellen und Handel zu betreiben und dadurch ihren Unterhalt aus der Kolonie selbst zu ge winnen, sondern welche vielmehr ihre Gehälter aus Berlin bezogen und auch den größeren Theil ihrer Bedarfsartikel aus Deutschland sich kommen ließen. Schöne stattliche Amtsgebäude stiegen überall aus der Erde empor; mit deutscher Musterhaftigkeit und Sauberkeit wurde Polizei ordnung und Zucht eingeführt; Anmeldepflicht und standes amtliche Ordnungen wurden geschaffen. Wer von draußen in die Kolonie hineinkam, freute sich über das, was er sah: die schönen Gebäude, die sauberen Straßen, das muntere, durch bunte Uniformen belebte Treiben. Er ver gaß darüber, daß Alles dies doch im Grunde nur Kunst schöpfungen waren, nicht aus der Kolonie selbst heraus verdient, sondern bezahlt mit Geld aus der Heimath; daß es sich nicht um ein aus dem Boden heraus erwachsenes, gesundes, wirthschaftliches Leben, sondern vielmehr um ein nationalökonomisches Scheindasein handelte, welches jeden Augenblick wieder verschwinden kann; wenn nämlich der deutsche Reichstag den Leben spendenden Geldstrom verschließt, von welchem es allein abhängt. Was sich um diesen imposanten Beamtenaufbau an7 wirklichem natürlichen Wirthschaftsleben rankt, ist nämlich von absolut untergeordneter, ja im Wesentlichen parasitärer Bedeutung. Denn die meisten Nicht-Beamten und Nicht- Soldaten in der Kolonie leben doch wieder nur von diesen und im letzten Grunde also ebenfalls aus dem Säckel des deutschen Steuerzahlers. Es sind vornehmlich Gastwirthe, Krämer, Handwerker, Kommissionäre und ähnliche Berufe, welche Bedarfs- und Luxusartikel für die Angestellten liefern, demnach aus dem von Deutschland her fließenden Geld- strom in sekundärer Etappe schöpfen und mit diesem Strome, ebenso wie die Beamtenschaft selbst, sofort verschwinden würden. Leute, die wirklich neue Werthe im Lande schaffen und von diesen leben, sind mit der Laterne zu suchen. Ich meine Pflanzer, Händler, die von Eingeborenen direkt ver dienen, Minenleute, die wirklich Erze auf den Markt bringen, Jäger rc. Nun sind aber diese gerade die Grund lage für jede organische Wirthschaftsentwickelung eines neuen Gebietes, der reale Untergrund, aus welchem alle jene anderen Berufsklassen, welche sich in unfern Kolonien so breit machen, erst nach und nach emporwachsen sollen. Der einsichtige Leser wird erkennen, daß wir das natür liche Stufenverhältniß nmkehren, die Pyramide auf den Kopf stellen. Dieser Kardinalfehler hat nun verhängnißvolle Folgen in zweierlei Richtung. Zunächst bedeutet er eine jährliche unnütze Ausgabe von öffentlichen Geldern. Denn alle diese Gehälter, Löhne, Stationsaufwendungen rc. sind doch kein wirthschaftlich produktiv angelegtes Kapitel, das sich mit8 der Zeit bezahlt macht, sondern stellen im Großen und Ganzen glatt ausgegebene Summen dar, welche am Jahres schluß einfach abgeschrieben werden können. Den ganzen darauf erzielten Aufbau könnte man ebenso nützlich und erheblich billiger etwa in der Lüneburger Haide errichten. Sodann schädigt dieser Apparat die eigentliche lebendige Entwickelung des jungen staatlichen Embryo, auf welche es ankommt, geradezu. In Deutschland meint man wohl, dieses Verwaltungssystem, wie wir es schaffen, sei gewisser maßen die Vorbedingung für die Einwanderung des eigent lichen Kolonistenmateriales, auf welches es in letzter Linie abgesehen ist. Aber ich frage, wo in der ganzen Geschichte menschlicher Siedlungsarbeit ist eine Begründung für eine solche Vorstellung zu finden? Haben Tyrus und Sydon, haben Athen und Sparta Beamte vorausgeschickt, um ihre Auswanderer mit sanften Armen in der neuen Heimath zu empfangen? Ist der angelsächsische Kolonist in Virginia und Massachusetts, iu Kolorado und Kalifornien, in den Steppen Südafrikas oder im Busch Australiens von Geheimräthen und Assessoren begrüßt worden, damit er sich behaglich und sicher fühle? Mit dem Schwert und der Hacke in der Hand haben noch alle großen kolonisatorischen Völker der Erde sich Bahn in die Wildniß gebrochen. Durch harte und rauhe Arbeit haben sie den Boden bezwungen und die Heim stätte geschaffen, in welcher sie hausen konnten; und erst nach Generationen wuchs aus solcher Arbeit und dem Wohlstand, welchen sie brachte, etwas hervor, was den Einrichtungen und der staatlichen Verwaltung der alten9 Heimath glich. Das ist der natürliche Gang der Dinge von jeher gewesen, und dies wird er bleiben, solange die volkswirthschastlichen und psychologischen Gesetze bestehen, unter denen wir leben. Diese natürliche Entwickelung aber wird durch die Einrichtungen, wie wir sie in unseren Schutz gebieten treffen, mehr gehemmt als gefördert. Ich weiß die großen Vorzüge des deutschen Beamten thums durchaus zu würdigen. Es ist meistens ehrlich, gewissenhaft, gehorsam, treu und in seiner Art auch fleißig. Aber, daß es eine natürliche Anschmiegsamkeit an neue Verhältnisse hätte, das wird wohl Keiner behaupten wollen, der es kennt; und eben so wenig ist ihm besondere Liebens würdigkeit gegen Außenstehende eigcnthümlich. Der Durch schnitts-Beamte ist erfüllt vom Bewußtsein seiner Standes- Prärogativen und verschmäht es keineswegs, dieses Gefühl Dritten deutlich zu zeigen. Nun, meint man etwa, daß es ein besonderes Anziehungsmittel für ein Land ist, wenn sich eine solche Klasse von Menschen dort festsetzt und den Ankömmling bereits beim ersten Betreten des Bodens empfängt? Es müssen wunderliche Heilige sein, welche darin eine Verlockung sehen, sich dort häuslich nieder zulassen. Wohl aber schreckt solcher Umstand viele gerade der besten Elemente zurück. Ich kenne hier eine ganze Anzahl von patriotischen überseeischen Deutschen, und über diesen Punkt habe ich bei Allen nur eine Meinung ge funden. Die Sache ist also, auf die kürzeste Formel gebracht, die, daß der Staat jährlich Millionen ausgiebt, um In-10 stitutionen in den deutschen Kolonien zn schaffen, welche auf ein tüchtiges Kolonisten-Element mehr abschreckend als verlockend wirken. Man stritt 1891—1892 in Deutschland über das „System Wißmann" und das „System Soden" für unsere Kolonien, d. h. darüber, ob es besser sei, der Verwaltung einen mehr militärischen oder mehr bureaukratischen Zuschnitt zu geben. Ich glaube, daß dieser Unterschied durchaus unwesentlich ist, obwohl mir persönlich das „System Wiß- mann" sympathischer war. Thatsächlich geht das System, welches wir draußen heute haben, auf den früheren Kolo nialdirektor, Herrn Kayser, zurück. Herr Dr. Kayser meinte mir gegenüber einmal klagend, daß er fürchte, sein Name werde nicht auf die Nachwelt kommen. Ich denke, daß er mit dieser Befürchtung im Jrrthum ist. Wenn es über haupt eine Geschichte deutscher Kolonien geben wird, so wird sein Name bei der Erwähnung unseres heutigen Kolonialsystems wohl immer mit genannt werden. Das „System Kayser" ist am besten durch die Thatsache gekenn zeichnet, daß in den deutschen Kolonien immer auf l 2 / 3 Ko lonisten je ein Beamter kommt. Vor etwa einem Jahr, bei Gelegenheit einer kleinen Festlichkeit, welche mir von der Londoner Abtheilung der deutschen Kolonialgesellschaft veranstaltet wurde, entwickelte ich als meine Ansicht, daß ich für die Erschließung neuer Gebiete das System der oliartsröck Companies mit baldmög lichem Uebergang zur kommunalen Selbstverwaltung der Ansiedler am leistungsfähigsten halte. „Ha ha", sagten11 deutsche Zeitungen mit jener objektiven Billigkeit in der Beurtheilung von Motiven und Persönlichkeiten, welche einen großen Theil unserer Presse auszeichnet, „Dr. Peters will in den Dienst einer englischen Kolonialgesellschaft treten: er lobt schon die Politik dieser Gesellschaften". Thatsächlich war es nicht ein solches persönliches Motiv, welches mir dieses Urtheil cingab, sondern die Thatsache, daß Gesellschaften mehr als Staatsregierungen ein Interesse am materiellen Verdienst haben und demnach mehr den wirthschaftlichen Gesichtspunkt in den Vordergrund ihrer Verwaltung stellen. Dies kommt der Entwicklung neuer Länder so lange zu Gute, bis die Konkurrenz der starken Gesellschaft mit ihren Monopolen und Vorrechten die freie Geschäfts-Bethätigung der einzelnen Ansiedler zu hemmen beginnt. Dann wird sie zum Hinderniß der weiteren Ent faltung und ist int Interesse der Kolonie zu beseitigen. Was eine gut und energisch geleitete Kompagnie gerade im ersten Stadium der Entwickelung zu leisten im Stande ist, das hat in unseren Tagen die Lritisll South Africa Co. von Cecil Rhodcs gezeigt. Es handelt sich bei ihrem Gebiet vornehmlich um das alte Matabcle- und Mashona- land. Die Charter der Gesellschaft ist vom 29. Oktober 1889 datirt. Die Kolonie Rhodcsia ist also um vier Jahre jünger als Deutsch-Ostafrika. Irgend welche Kosten hat sie dem englischen Staatssäckel nicht verursacht; auch die großen Summen, welche die beiden Kriege gekostet haben, sind von der Gesellschaft getragen worden. Trotz der Unruhen der letzten Jahre hat das Land heute eine12 Einwohnerzahl von etwa 9000 Weißen, von denen nur 348 bezahlte Beamte der Gesellschaft sind (einschließlich Hospitalbeamte, Arbeiteraufseher, Dolmetscher rc.). Rund kann man sagen, daß auf die 9000 Weißen 300 eigentliche Angestellte kommen, was einen Prozentsatz von 1:30 gegen 1 : 1 2 /s in den deutschen Kolonien ergiebt. Hierzu nun halte man die wirthschaftliche Arbeit, welche in Rhodesia im Vergleich mit z. B. Deutsch-Ostafrika geleistet ist. Das Land ist bis zu seinem Mittelpunkte, Buluwayo, durch eine Eisenbahn erschlossen, welche es mit Kapstadt und dem Atlantischen Ocean verbindet. Eine zweite Linie, die Beirabahn, setzt Rhodesia mit dem Osten und dem Indischen Ocean in Verbindung. Die Telegraphen linie, welche den Verkehr mit Kapstadt und Europa ver mittelt, erstreckt sich über Buluwayo nach Norden hinaus und wird noch in diesem Jahr den Sambesi erreichen. Fahrwege sind überall an diese Hauptverkehrsadern ange schlossen, und die großen Niederlassungen sind dadurch für den Karrenverkehr eröffnet. Die Einivohnerzahl ver theilt sich nach der letzten Aufstellung folgendermaßen: Buluwayo 5000; Salisbury 1500; Umtali 500; Victoria 200; Metsetter 500; Gwelo 300; Außendistrikte etwa 1000.*) Der Zuzug wächst nach den Berichten von Monat zu Monat, und die von Mr. Rhodes beschlossene Fortführung der Bahn nach Norden muß ein außerordentliches An wachsen der Bevölkerung bringen. *) Diese Zahlen Hobe ich aus dem Office der Gesellschaft hier in London selbst.13 In diesem Winter haben nun zunächst Buluwayo und Salisbury das Recht der Munizipalität erhalten, und in sreier, allgemeiner Wahl sich ihren Gemeinderath und ihren Magistrat selbst gewählt. Dies ist als erster Schritt zu verstehen, um dem ganzen Lande die repräsentative Selbst verwaltung, etwa wie Kapland sie besitzt, zu verleihen. Der Ehrgeiz von Cecil Rhodes geht ansgesprochenermaßen dahin, sein Land zum führenden Gebiet von Britisch-Süd- afrika zu machen. Daran soll sich die Föderation der unter englischer Flagge stehenden südafrikanischen Staaten: Kap-Kolonie, Natal und Rhodesia anschließen. Diese, so hofft man, werden in absehbarer Zeit das Boern-Element, trotz der Krisen der letzten Zeit, friedlich in sich aufsaugen. Im Hintergrund steht immer das große Programm: Afrika englisch vom Tafelberg bis zum Atlas; oder, wie es neuerdings heißt: von Kapstadt bis nach Kairo. Was man vom deutschen Jnteressen-Standpunkt aus über diese Bestrebungen auch denken mag: es ist eine kühne und ziel bewußte Politik, welche in ihren Grundlagen auf gesunden, wirthschaftlichen Gesichtspunkten beruht. Es ist das System der liberalen bürgerlichen Selbstverwaltung, welches Nord amerika und Australien für die angelsächsische Rasse erobert hat und sich gerade anschickt, in Afrika eine neue Probe gegen fremde Nationen zu bestehen. „¥e will throw the country open,“ ist das Schlagwort, welches von Mr. Chamberlain und Mr. Rhodes neuerdings proklamirt ist. Wenn man die Entwickelung von Rhodesia mit der von Deutsch-Ostafrika vergleicht, mit dem es etwa die gleichen14 allgemeinen klimatischen und geographischen Bedingungen besitzt, so wird wohl auch der eingefleischte Verehrer behörd licher Fürsorge sich der Ueberzeugung nicht erwehren können, daß dort, nicht bei uns, das leistungsfähigere Prinzip kolonialer Verwaltung zur Vethätigung gelangt. In anderen Gebieten, wo die britische Regierung direkt die Verwaltung ausübt, wird die als Zuschuß bewilligte Summe häufig zur Verfügung der draußen arbeitenden Faktoren gestellt. So bewilligt z. B., wie ich erfahre*), die englische Regierung für das Nyassa-Protektorat jährlich einen Zuschuß von 30000 Pfd. Sterling. Wie die 30000 Pfd. Ster ling verwendet werden sollen, das wird nicht in London bestimmt, sondern darüber entscheiden die interessirten Kreise draußen. Dies erscheint recht praktisch und der Nach ahmung würdig. Ich habe nicht gehört, daß sich die Interessenten für solches Geld jemals juristisch gebildete Beamte aus der Heimath hätten kommen lassen, um sich von diesen „verwalten" zu lassen; sondern dasselbe wird im Interesse Aller verausgabt, -und zwar in erster Linie zu Kommunikationszwecken. Ich bitte mich nun nicht falsch zu verstehen. Ich führe diese Beispiele aus einer fremden Nation nicht an, weil ich der Meinung bin, daß wir sie ohne Weiteres schablonen haft kopiren sollten. Solche Einrichtungen müssen, wenn sie leistungsfähig für ein Volk sein sollen, aus dessen Eigenart organisch hervorwachsen und können nicht so *) Von einem südafrikanischen Beamten.15 einfach aus einem Staat in den andern übertragen werden. Wohl aber können sie als Vorbilder für die Gestaltung auch fremder Verhältnisse dienen, und jedenfalls kann man ans ihnen gewisse Gesichtspunkte für eine Kolonialpolitik schlechtweg entnehmen. Wir Deutschen sind ein Volk, welches sich besser als irgend ein anderes europäisches zu staatlichen Organisationen eignet. Das Material unseres nationalen Charakters ist weicher und schmiegsamer als das des Angelsachsenthums, und deßhalb fügt es sich leichter in Korporationen und Genossenschaften ein. Diese Charakteranlage ist die Ursache, daß Deutschland in Allem, was staatliche Organisation anlangt, die übrigen Völker schlägt, nicht nur in der be wunderungswürdigen Schöpfung seiner Armee, auch im Verkehr- und Postwesen, in öffentlicher Gesundheitspflege, kurz überall da, wo das Individuum zum Behuf einer allgemeinen Arbeitsleistung in eine organisirte Verbindung mit Andern eingegliedert werden muß. Hier liegt die Ueberlegenheit des deutschen Volkscharakters, und es ist das geschichtliche Verdienst des Hohenzollernhauses, diese Charaktereigenthümlichkeit im nationalen Interesse praktisch nach allen Richtungen hin ausgenutzt zu haben. Daraus ist das heutige Preußen und das deutsche Reich entstanden. Aber, was für den europäischen Staat sich als Vorzug erweist, ist auf jungfräulichem Boden, jenseits der Ozeane zunächst ein Nachtheil. Hier ist der spröde Unabhängig keitssinn, wie er den Angelsachsen eigenthümlich ist, ohne Frage das überlegene Prinzip im Kampfe ums Dasein.16 Der Angelsachse, welcher vor allem freien Spielraum für seine individuelle Selbstbestimmung verlangt, besitzt in diesem seinem Bedürfniß das Leben schaffende Moment für die Begründung neuer Staatswesen, fernab von der alten Heimath. Denn dieses Bedürfniß führt zur Begründung selbständiger Einrichtungen lokaler Verwaltungen, welche auf sich selbst stehen, weil sie die Anlehnung an die an erkannten Autoritäten nicht nöthig haben. Die entwickelte Verschiedenheit des nationalen Charakters wird man dahin am besten kennzeichnen können, daß der Deutsche sich besser für Organisationen eignet, die von oben nach unten hin durch Machtbefehl geschaffen werden; der Angelsachse für solche, welche von unten nach oben sich aufbauen, und aus denen die Staatsautorität gewissermaßen als freie Schöpfung der verbundenen Individuen heraus sich gestaltet. Nun sind die beiden Völker ja der Rasse nach verwandt, und diese Charaktervcrschiedenheit ist demnach keine absolute, es ist nur eine stärkere Accentuirung nach der einen oder der anderen Seite hin. Die Deutschen sind ebenfalls nicht ungeeignet für die Einrichtungen freier Selbstverwaltung; nur wird bei ihnen mehr als bei den Engländern die Initiative der Regierung auch für solche Organisationen nöthig bleiben. Dies muß für die Gestaltung unserer Kolonien im Auge behalten werden. Ich glaube nicht, daß Deutsche im Stande wären, was Puritaner schon im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts bei ihrer Ankunft in Massachusetts thaten, sich unter einander durch ein „Covenant" zu einem17 freien Gemeinwesen zn verbinden, alle ihre Magistrate selbst zu wählen, ihr Steuersystem nach ihrem Ermessen einzu- richtcn; kurz, von sich ans einen Staatsorganismus zu schaffen, welcher in etwa 160 Jahren zur Nordamerikani schen Union sich entwickeln konnte. Der Deutsche verlangt auch in neuen Ländern eine von oben sanktionirte Autorität und von dieser die Anregung zu seinen Organisationen, sowie die gesetzmäßige Abstempelung für seine Magistrate und Behörden, auch wenn er solche selbst gewählt hat. Dieser Charakterzug hat sich im Verlaufe der letzten drei Jahrhunderte geschichtlich entwickelt. Deshalb werden in unseren Kolonien Kaiserliche Gou verneure niemals entbehrt werden können als Träger solcher letzten Autorität auch für alle kommunalen Magistrate. Diese müssen ihre eigene Autorität auf die Bestätigung einer höchsten, die Majestät des Kaisers vertretenden Be hörde stützen, um auch nur genügendes Ansehen ihren eigenen Wählern gegenüber zu besitzen. Wenn man dies festhält, so liegt andererseits kein Grund vor, weßhalb man den Kolonisten nicht schrittweise so viel Spielraum gewähren soll, daß sie sich in ihren Kreisen nach Möglichkeit selbst verwalten. Es ist absolut überflüssig, ihnen aller Orten von der Heimath bezahlte Verwaltungsbeamte zu über stellen. Wo immer an einem Ort eine genügende Anzahl von unabhängigen Ansiedlern zusammenwohnen — sagen wir fünfzig, oder dreißig — gebe man ihnen getrost das Recht eigener Muuizipal-Verwaltung. Man lasse sie ihre Bürgermeister oder Schulzen sich selbst wählen, man gestatte 218 ihnen, sich einen Gemeinderath zn bestellen, welcher auch über erforderliche Umlagen zn bestimmen hat, und schiebe ihnen die Kontrole, aber auch die Bezahlung für ihre Lokalpolizei zu. Mit einem Wort, man soll ihnen erlauben, auch in den Kolonien Dörfer oder Städte mit deren Frei heiten, wie in der Heimath, zu gründen. Das Reich würde dadurch einen Apparat von Beamten ersparen, und Tausende von Reibungen und Hemmungen für den wirthschaftlichen Aufschwung solcher Niederlassungen würden fortfallen. Ich gebe ferner zn, daß der geschichtlich gewordene deutsche Volkscharakter, mit welchem ivir heute zn rechnen haben, sich nicht dazu eignet, große koloniale Kompagnien mit staatlichen Befugnissen wie die anglo-ostindische oder auch nur die britisch-südafrikanische ans sich entstehen zn lassen. Auch dies läßt das Antorilätsbedürfniß, welches seine Direktiven von der Regierung verlangt, nicht zn. Auch liegt dem Bnreaukratismns in Deutschland durchaus nichts daran, das; sich Privatleute als Regierungsbehörden fühlen lernen. Also unsere Kolonien werden immer Kron kolonien sein müssen. Aber weßhalb man starken Privat gesellschaften unter der Autorität und der Kontrole des Gouvernements nicht die Landstriche und Provinzen unter stellen soll, in denen sie arbeiten, vermag ich nicht zu er kennen. Wenn eine Handelsgesellschaft z. B. am Viktoria- See arbeitet, so kann es gar nichts Besseres geben, als ihr von Reichswegen daselbst auch die wenigen Ver- waltnngskompctenzen zu übertragen, welche dort auszuüben sind. Setzt man ihr zur Seite einen Kaiserlichen Ver- /19 . waltungsbeamten mit seinem Stab, so verursacht man nur Friktionen, welche die Gesellschaft in ihren Unternehmungen hemmen müssen. In Gebieten, wo mehrere Gesellschaften arbeiten, wie z. B. in Handel, könnte man wiederum ein auf Wahl der Bethciligten begründetes Repräsentativ- System cinrichten. In Distrikten aber, wo überhaupt keine deutschen Interessen vorhanden sind, wie am Tanganika, Nyassa oder in Unjamwesi, sollte man sich die Unkosten von Verwaltungsstationen ganz ersparen und die Ein geborenen bis ans Weiteres sich selbst überlassen. Ich habe hier nicht die Unterlagen zur Hand, um aus einer Zusammenstellung aus all unseren Kolonien überschlagen zu können, wie viel das Reich ans diese Weise jährlich an unproduktiven Ausgaben ersparen könnte. Immerhin eine bedeutende Summe, und diese sollte man, nach englischen Vorbildern, den einzelnen Kolonien jährlich pauschaliter für wirthschaftliche Anlagen zur Verfügung stellen. Natürlich wird das Reich für Jahre hinaus noch Schutztrupppcn in den Kolonien unterhalten müssen. Aber ich meine, dieselben sollten ebenfalls innerhalb der Grenzen des wirthschaftlich Röthigen gehalten werden, und nur da zur Verwendung gelangen, wo wirklich deutsche reale In teressen zu schützen sind. Weßhalb Distrikte militärisch besetzt werden müssen, wo keine Deutschen wohnen, wird mir Niemand plausibel machen können. Wenn man die Geschichte Nordamerikas oder der australischen Kolonien dnrchblättert, so wird man immer finden, daß die Pionierarbeit von ein- 2 *20 gelnett kühnen Ansiedlern gethau wird, und daß es oft lange gedauert hat, bevor der Staat Garnisonen in die so okkupirten Gebiete verschob. Warum sollte hiervon in Afrika abgewichcn werden? Bis zu welchem Umfang durch Anwendung dieses Prinzips in den deutschen Kolonien Ersparungen gemacht werden können, vermag ich von hier aus nicht zu berechnen. Was das Reich neben einer solchen Schutztruppe zu leisten hat, sind gewisse Einrichtungen für Justizpflege. Auch in dieser Richtung sollte mau durch Bestellung von Schieds richtern möglichst auf die Ansiedler selbst zurückgreifen und sich darauf beschränken, im Hauptplatz der Kolonie die ordnungsmäßigen Richter für Kriminal- und wirkliche Zivilprozesse eiuzusetzen. Reisen in neuen Ländern ist schwierig und theuer, und je mehr man dem im Hinterland wohnenden Ansiedler die Möglichkeit schafft, Recht in seiner eigenen Nähe zu erlangen, um so weniger wird man ihn in seinen Arbeiten stören. Wenn der Staat schließlich noch eine Zollverwaltung eiurichtet, so hat er alle Verpflichtungen erfüllt, welche von ihm erwartet werden können. Eine eigentliche Besteuerung der Eingeborenen würde ich ausschließlich der Kommune im Umkreis ihrer Verwaltungsbezirke und zwar für lediglich lokale Zwecke zuschieben. Es hat sich immer, zuletzt noch im Matabeleland, herausgestellt, daß jedes allgemeine Be steuerungssystem der Eingeborenen für ein ganzes Land zu unausgesetzten Scherereien führt und thatsächlich nicht durchzuführen ist; mag man nun Hütten-, Kopf- oder21 Viehbesteuerung auflegeu. Jedenfalls sind die Unkosten der praktischen Durchführung größer als der Ertrag, wie z. B. die Britisch-südafrikanische Gesellschaft neuerdings zu ihrem Schaden erfahren hat. Dagegen, wo der Eingeborene die Vortheile kommunaler Einrichtungen mitgenießt, da kann er auch zu den Lasten derselben herangezogen werden. Da ist jedenfalls die Exekution der Sache möglich. Ich skizzirc hier nur allgemeine Gesichtspunkte, deren Ausführung im Einzelnen sich immer nach den besonderen Umständen richten muß. Was ich hier vorlege, habe ich bereits in meinem Buch über das „Deutsch-Ostafrikanischc Schutzgebiet" (1895) und in meiner Schrift „Was lehrt uns die englische Kolonialpolitik?" (1897)-) in seinen Grund gedanken gestreift, wie ich überhaupt aussprechen darf, daß meine Anschauungen über diesen Punkt in den letzten vier zehn Jahren stets dieselben gewesen sind. Ich glaube, wenn ein Staat in diesem Sinne praktische Kolonialpolitik treibt, daß er daun eine wirkliche Kraftstcigeruug aus seinen Kolonien gewinnen wird. Die Hauptaufgabe der kolonialen Verwaltung in der Heimath ist also die Anregung und Ermüthigung privater Unternehmungen in den Kolonien. Hierzu wird besonders die Bethätigung eines Grundsatzes beitragen, den man hier mit: „throw the country open“ (wirf das Land offen) kennzeichnet. Ich meine größeste Koulanz gegen Alle, welche wirthschaftliche Arbeit in den Ländern thun wollen. °) Hermann Walther, Berlin. Preis 80 Pf.22 auch in finanzieller Beziehung! Erleichterungen aller Art für Kaufleute, Landbauern, Minenprospektoren und ähnliche Elemente! Man muß sich immer klar machen, daß, wenn man in Afrika 100000 Morgen Land besitzt und davon 50000 Morgen an Jemanden wegschenkt, der sie bepflanzt und bebaut, dann die übrigbleibenden 50000 Morgen nicht die Hälfte, sondern in der Regel mehr als das Doppelte werth sind, als die ursprünglichen 100000 Morgen. Nach diesem Maßstab soll man verfahren, um wirthschaftliches Leben zu entfachen. „Leben und leben lassen", Jeden willkommen heißen, der kommt und Geld verdienen will, und ihm helfen, solches zu verdienen! Das, ganz nüchtern gesagt, ist das Geheimniß, welches neue Länder aufblühen macht. Und je mehr man den bureaukratischen Zopf fern hält, um so sicherer wird man dieses Ziel erreiche». „Liberale Kolonialpolitik", eine andere giebt cs nicht, und ich habe mich aufrichtig gefreut, daß Deutschland solche für seine neue Besitzung in China proklamirt hat. Auch wir müssen das britische: „fan: chance for every body“ in unseren überseeischen Gebieten bethätigen, wenn etwas aus ihnen werden soll, was die Mühe und Unkosten lohnt. Ich glaube nicht, daß die Anregung, welche ich in dieser Ausführung zu geben versucht habe, in Deutschland praktischen Erfolg haben wird. „Anregungen" gibt es im schulklugen Deutschland so viele, daß man von vornherein, und zwar meistens mit gutem Grund, geneigt ist, sie einfach zu den Akten zu legen. Insbesondere ergießt sich der moderne typische „Afrikareisende" gern in kolonialpolitischen23 Betrachtungen und Vorschlägen, als ob in der Berührung mit dem afrikanischen Boden die Zauberruthe läge, welche/^ natioualökouomische Erleuchtungen heroorqucllcn ließeD? Auch kommt es in solchen Dingen nicht so sehr auf theo-W/ retische Entwicklungen, als auf die Art der realen Aus» führnng an Ort und Stelle an. Man kann zwar auch in der Kolonialpolitik Vieles aus der Geschichte lernen; das Gute, Beste aber, hier wie überall, muß die schöpferische Befähigung der Einzelnen thun, welche die Sache in der Hand haben. Sie sind in keinem Lande dicht gesäet, so daß es schon ein ungeheurer Ausnahmefall ist, wenn einmal der richtige Mann an den richtigen Platz gelangt. Daß die Kcnntniß des codex Justinianeus und ein juristisches Staatsexamen nicht gerade die Befähigung giebt, koloniale Reiche zu begründen, dürfte heute wohl auch in Deutschland anerkannt sein. Es gab Kolonialpolitik lauge, bevor das corpu» iuris da war; und es wird solche geben, wenn Pandekten und Institutionen nichts mehr sein werden als historische Erinnerungen. Der Zweck dieser Darlegungen wird erreicht sein, wenn es mir gelungen ist, einen oder den andern denkenden Kopf von der Nichtigkeit meines Grundgedankens zu über zeugen. Gleichzeitig hatte ich ein persönliches Interesse daran, meinen Standpunkt zur deutschen Kolonialpolitik, für deren praktische Inangriffnahme ich mit verantwortlich bin, klar und deutlich hervorzuheben.Verlag von HERMANN W ALTHER (Friedrich Bechly) in Berlin SW. 46, Kleinbeerenstrasse 28. Emin Pascha. Eine Darstellung seines Lebens und Wirkens mit Benutzung seiner Tagebücher, Briefe und wissen schaftlichen Aufzeichnungen. Von Georg Schweitzer. 50 Bogen Lexikon - Oktav mit einer Karte, acht Portraits und einer Anzahl Autographieen. Kopfleisten and Sehlass - Vignetten nach Zeichnungen des Orientmalers Max Hubes. Preis: Elegant broschiert Mk. 12.— ; im vornehmen Ganzlein wandband mit Deckelpressung nach Originalzeichnung des Orientmalers Max Rabes Mk. 14,—. Erst jetzt, 5 Jahre nach dem Tode Emin Paschas, ist es möglich geworden, das gestimmte werthvolle Material, das der berühmte Forscher in Briefen, Tagebüchern und sonstigen Aufzeichnungen hinterlassen hat,' zu erschliessen und zu einer zusammenhängenden Darstellung seines an wechselvollen Schicksalen so reichen Lehens zu benutzen. Das oben an gekündigte Buch, das endlich den mystischen Schleier lüftet, der bisher über fast allen Abschnitten dieses eigenartigen Forscherlebens ausgebreitet lag, ist keine Biographie im gewöhnlichen Sinne. Der Herausgeber, der Ordner des Nachlasses von Emin Pascha und Vormund von dessen Tochter Ferida, hat es in hervorragender Weise verstanden, den Zusammen hang zwischen den einzelnen Briefen zu vermitteln, Lücken hier und da auszufüllen und auf Grund mündlicher Ueberlieferungen die Persönlich keit Emins wahrheitsgetreu und treffend zu charakterisiren. Der Heraus geber schildert das Wirken und Streben des Forschers mit den warmen Farben aufrichtiger Bewunderung und lässt doch nie eine gerechte, stellen weise sogar fast herbe Kritik vermissen. Im Uebrigen ist es nur Emin Pascha selbst, der in allen Phasen seines Lebens, als liebevoller Sohn der Eltern, als Student, Arzt und Gelehrter, sowie schliesslich als muthiger Forscher und erfolgreicher Staatsmann in der (Zivilisation noch nicht erschlossener Länder zu uns spricht. Alle glänzenden Eigenschaften, die Emin Pascha auszeichneten spiegeln sich in hervorragender Weise in seinem handschriftlichen Nachlass wieder. Wir bewundern in diesen lebendigen Darstellungen den emsigen Fleiss, die scharfe Beobachtungsgabe, die unbeugsame Energie, den Thatendrang und den nimmer erlöschenden Wissensdurst, von den Briefen aus der Jugendzeit an bis zu jener jäh abgebrochenen Seite des Tagebuchs, die den Abschluss eines Lebens verkündet, das dem Dienste der Wissenschaft und fortschreitenden Kultur bis zum letzten Athemzuge geweiht war. Das Werk Schweitzers über Emin Pascha ist ein ungemein werthvoller Beitrag zur Zeitgeschichte und eine reiche Fundgrube für weitere Forschungen auf mannigfaltigen Gebieten. Die nunmehr eingeleitete Rückeroberung des Sudans lenkt erneut das allgemeine Interesse auf den geistigen Nachlass Emin Paschas, der an der Erschliessung und Civilisation jener afrikanischen Ländergebiete hervorragenden Antheil gehabt hat. J. S, Preuss, Berlin W., Leipzigerstr. Sl/82,Verlag von Hermann Walther in Berlin SW. 46. Die Damenpolitik am Berliner Hof 1850 - 1890 . INHALT: Im Koblenzer Schloss. •— Die englische Heirath. — Am kronprinzlichen Hofe. — Nach Königgrätz. — Im Kriege von 1870 — 71. — Das kronprinz- liche Paar nach dem Kriege. — Die Damen und Rom. — Kaiserin Augusta und Graf Arnim — Die Kaiserin und die liberalen Politiker. — Bismarck am kronprinzlichen Hofe. — Arzt und politischer Agent. — Englische Indiskre tionen. — Kaiserin Auguste Viktoria. Der ungenannte Verfasser ist ein hoher Staatsbeamter aus der nächsten Umgebung des Fürsten Bismarck während dessen Amtsperiode. 25 Bogen in Oktav. Preis eieg. brosch. 5,— M., in schönem Geschenkband Ganzleinwand 6,— M. Konservatives Handbuch. Dritte umgearbeitete und vermehrte Auflage. Bearbeitet und herausgegebeu von Angehörigen beider bonsernaliven Parteien. Abgeschlossen am 18. Januar 1898. Preis: broschirt Mk. 3,—, gebunden Ml. 3,50, Das Leben des Feldmarschalls Grafen Neidhardt von Gneisenau. Von Hans Delbrück, Professor der Geschichte an der Universität Berlin. In zwei Bänden. ¦— Zweite, nach den Ergebnissen der neueren Forschungen umgearbeitete Auflage. =-- Mit Gneisenaus Bildniss und einem Plan von Kolberg. XIII, 412 und IV, 371 Seiten gr. 8°. Preis brochirt 10 Mark; in Ganzleinen gebunden.il Mark. 3« beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes.Verlag von Hermann Walther in Berlin SW. 46. Aokoniakpokikik und VeisewerKe. Dr. Otto Arendt, Abgeordneter. Der Streit um die deutsche Emin-Pascha-Expedition. Gesammelte Aufsätze. 1. und 2. Auflage. (68 S.) 8°. 50 Pf. —Ziele deutscher Kolonialpolitik, l. und 2. Auflage. 1886. (83 S.) gr. 8°. 5Ö Pf. Frieda Freiin von Bülow, Reiseskizzen und Tagebuch- blätter aus Deutsch-Ostafrika. (196 S.) kl. 8°. Hübsch ausgestattet. Preis drosch. 2 Mk., geb. 3 Mk. AdolfGrafEttbrccht von Dnrckhcim-Montmartin, Deuts ch l a u d s Machtstellung zur See. Ein Mahnruf an das deutsche Volk. (50 S.) gr. 8«. 60 Pf. Karl Kaerger, Tangaland und die Kolonisation Dcutsch-Ost- afrikas. (177 S.) gr. 8" 3 Mk. Di*. Carl Peters, Deutsch-national. Kolonialpolitische Auf sätze. (186 S.) gr. 8°. Broschirt 4 Mk; gebunden 6 Mk. Aus dem Inhalt: Deutschthum und Englcindcrthum. — Deutschthum in London. — All-Deutschland. — Nationalismus und Kosmopolitismus. — Persönliche Rückblicke. — Die Usagara-Expeditinn. —Die Deutsch-Ostafrikanische Kolonie in ihrer Ent stehungsgeschichte und wirthschaftlichen Eigenart. 2. Auflage 50 Pf. —„— Gefechtsweise und Expeditionsführuug in Afrika. 50 Pf. —„— Was lehrt uns die englische Kolonialpolitik? 34 Seiten gr. 8». 80 Pf. B. Knochenhauer, Kgl. Bergreferendar, Die Goldfelder in Transvaal, mit besonderer Berücksichtigung der de Kaapfclder. (55 S.) 8». 1 Mk. A. Mcrenskh, früher Superintendent der Berliner Mission in Transvaal, Wie erzieht nian am besten den Neger zur Plautagenarbeit? Preisgekrönt von der Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft. (39 S.) 8°. 50 Pf. Dr. Scharlach, Zur Vertheidigung von Dr. Carl Peters. Rede vor dem Disziplinarhofe zu Berlin. (100 S.) 8". 1 M. Dr. Schroeder-Poggelow, Unsere Afrikapolitik in den letzten zivei Jahren. (130 S.) 8». 1,50 Mk. H. Hermann Graf v. Schweinitz, Deutsch-Ostafrika in Krieg und Frieden. (235 S.) gr. 8» mit Karte. 4 Mk.; geb. 5 Mk. Adolf von Ticdemann, Tana-Baringo-Nil. Mit Carl Peters zu Emin Pascha. Nach Skizzen des Verfassers illustrirt von Hans Looschen. Mit Adolf von Tiedemanns Portrait, Gefechtssituationsplänen, Karten rc. 2. Auflage. (332 S.) Brosch. 6 Mk; in prächtigem Originalleinwandband 7,50 Mk. In dciiehcn durlli alle Buchhandlungen des In- und Auslandes. I. S. Prenß, Berlin W., Leipzigerstr. 31/82. xSBB B. P. 10. 8. 3 9Verlag von Hermann Walther (Friedrich Bechly) S.W., Kleinbeerenstrasse 28.
