Kriegsziele von Franz Ackermann. Als Manuskript gedruckt.Kriegsziele von Franz Ackermann. Als Manuskript gedruckt.Inhalt Der Weg zum Frieden, ö. Der Inhalt des Friedens. I. Die deutsch-österreichische Frage. II. Die neuen deutschen Grenzen und Erwerbungen im Westen. III. Die neuen deutschen Grenzen und Erwerbungen im Osten. IV. Der Oststaaten-Bund. V. Die Balkansraae. VI. Der neue Vierbund. VII. Das neue deutsche Kolonialreich. VIII. Zwei Karten. a) Westliche Kriegsziele. b) Östliche Kriegsziele.Vorwort In der Reichstagssitzung vom 19. August 1915 und 5. April 1916 hat der Reichskanzler Herr von Bethmann-Hollweg die Kriegs ziele im Allgemeinen bezeichnet — dieselben näher zu erwägen ist der Zweck dieser Abhandlung, die ein Versuch sein soll, in gedräng tester Kürze die entstandenen völkischen und Grenzfragen im Sinne der Stärkung des Deutschtums und Deutschlands, sowie im Sinne seines Grenzschutzes zu lösen. Die zwei großen Gesichtspunkte, die hier verfolgt werden, sind: 1. Die Regermanisierung Österreichs, 2. Die Entpolonisierung und Entjudung des russischen Polen zwischen Ostpreußen und Schlesien, dessen Angliederung an Deutschland zu seiner Grenzabrundung und Sicherung eine Notwendigkeit ist: eine Maßnahme, die den örtlichen Zusam menhang der deutschen Polen mit Großpolen völlig trennen und damit die polnische Frage für Preußen-Deuschland für immer beseitigen würde. Die Erörterung dieser Gesichtspunkte ergab die Notwendigkeit, die neuen Grenzen vorzuschlagen und genau zu bestimmen — an deren Stelle beim Friedensschluß möglicherweise vorteilhaftere fest gelegt werden dürften; ferner war es unerläßlich, die Frage des neuen polnischen Reiches und seine Begrenzung zu erwägen, sowie schließlich die Fragen des Balkans, des neuen Vierbundes und des neuen deutschen Kolonialreichs flüchtig zu erwähnen. Dezember 1916.Der Weg zum Meden. Unser gefährlichster Feind, England, hat in kluger Weise die Wichtigkeit des Friedensschlusses weit vorauserkannt und deshalb mit seinen Bundesgenossen einen Vertrag geschlossen, nach welchem keiner derselben mit uns einen Separatfrieden schließen darf. Wir stehen demnach, auch bezüglich des Friedensschlusses, einer geschlossenen Phalanx gegenüber — deren Seele nach wie vor England ist. Infolge seiner insularen Lage dürfte sich die Kriegs furie nicht nach England herüberspielen, seine finanziellen Hilfsmittel sind, trotz der den Bundesgenossen gewährten Subsidien, noch große und bis März 1916 ist nur sein Werbe- und Freiwilligen-Heer ins Feld gezogen, seine Flotte aber bis zur Schlacht am Skagerrak beinahe ganz intakt geblieben. Darf keiner unserer Feinde einen Separatfrieden laut Vertrag mit uns abschließen, so kann auch ein Generalfrieden nicht zu Stande kommen, wenn auch nur einer derselben sein Veto einlegt, England aber wird sein Veto einlegen — unbekümmert ob Frankreich, Ruß land, von Italien gar nicht zu reden, sich verbluten, da dieselben doch nur für englische Interessen kämpfen — bis England einen Frieden erhalten kann, der seinen Interessen entspricht. Vielleicht wird England, wenn ihm der Zeitpunkt zum Abschluß des Friedens günstig erscheint, einen allgemeinen Kongreß vor schlagen, der für England nur Vorteile bringen kann, da auf seiner Seite ja stets die Majorität ist, welche uns jeden angemessenen Siegespreis aus den Händen winden würde. Denn im Kongreß würden den 4 Stimmen: Deutschland, Osterreich, Bulgarien und Türkei mindestens ö: England, Frankreich, Rußland, Italien und Japan gegenüberstehen, wenn es uns gelänge, die Stimmen von Belgien, Serbien, Montenegro — und hoffentlich auch von Rumänien —- 6 - als von nicht mehr bestehenden Staaten auszuschalten und den anmaßenden Parteigänger Englands: Amerika, fernzuhalten. Wenn wir uns aber einmal auf einen Kongreß eingelassen haben, dann sind wir den Beschlüssen desselben auch preisgegeben, ist es doch gänzlich ausgeschlossen, daß wir dann wieder zurücktreten und den Krieg von Neuem aufnehmen könnten. Will also Deutschland nicht wirtschaftlich ruiniert und als von der Gnade Englands abhängiger Staat aus dem Kriege hervor gehen, so kann es weder den Weg eines Generalfriedens noch Kongresses beschreiten. Dann bleibt aber nur übrig, unsere Feinde der Reihe nach niederzuringen, um dann mit jedem Einzelnen einen Separatfrieden abzuschließen. Es bedeutet' dies aber die Fortsetzung des Krieges auf sicher längere Zeit und damit werden dann mit der Zeit auch Opfer gefordert werden, wie sie unsere Vorfahren 1813—1813 fiir die Freiheit des Vaterlandes gebracht haben. Möchte unsere Generation dabei würdig der Vorfahren befunden werden^! Ermöglicht sich in der Folge durch besonderes Abkommen ein Separatfrieden mit einer der drei feindlichen Großmächte, so werden wir zugreifen, auch wenn nur weniger gute Bedingungen zu erreichen sind, als wir nach den großen Eroberungen, die wir als Faustpfand besitzen, zu fordern die Berechtigung haben. Wenn nur erst eine feindliche Großmacht aus der Reihe unserer Feinde ausgeschieden ist, so wird es uns verhältnismäßig leicht sein, die andern niederzuringen — die dann werden mitleisten müssen, was von der ersten Großmacht nicht zu erreichen war. Die vorliegenden Kriegsziele können und sollen deshalb auch keineswegs ein festes Programm für die Friedensbedingungen be deuten, sondern nur die Ansprüche darstellen, die wir nach der heutigen Kriegslage zu stellen voll berechtigt sind. Es scheint zwar aussichtsvoller, mit Rußland oder Frankreich zu einem Separatfrieden zu kommen, doch ist es keineswegs aus geschlossen, unsern schlimmsten Feind England zuerst und noch dazu ohne verhältnismäßig zu große Blutopfer niederzuzwingen und zwar es durch die Erfolge unserer Uboote auszuhungern, wie es uns auszuhungern gedachte.— 9 — V. Der Inhalt des Friedens. l. Die deutsch - österreichische Hrage. Deutschland wird auch in Zukunft in Folge seiner Lage in der Mitte von Europa in alle größeren europäischen Kriege ver wickelt werden, doch dürste der jetzige Krieg insofern eine Wand lung mit sich bringen, als dem Westen Deutschlands eine friedlichere, dem Osten eine kriegerischere Ära in Aussicht zu stellen ist: Der bisherige deutsche Erbfeind Frankreich wird durch den gegenwärtigen Krieg so erschöpft werden, daß mit diesem Kriege die von ihm seit Jahrhunderten gegen Deutschland oder deutsches Land geführten Eroberungskriege ihren Abschluß finden werden. Im Osten dagegen ist dieser Krieg der erste deutsch-russische Rassenkrieg, dem weitere folgen werden; ausgeschlossen ist nicht, daß auch diese Kämpfe Jahrhunderte hindurch geführt werden. Die rasch wachsende Bevölkerung Rußlands und deren Er oberungssucht auf Angliederung aller Slaven und auf die Hegemonie über Ost-Europa von der Adria bis zur Weichselmündung muß zu immer neuen kriegerischen Zusammenstößen zwischen Nichtslaven und Slaven führen. Dieser außerordentlichen Gefahr gegenüber ist der beste Schutz eine Eoalition aller Nichtslaven im Osten Europas, die Unterstützung ihrer nationalen Bestrebungen und ihre Zusammenschweißung zu einem festen Bündnis. Im Hinblick auf den gemeinsamen Feind Rußland, der ihre Nationalität schonungslos zu vernichten gewillt ist, erhält dieser Bund eine sichere Unterlage, Besonders gefährdet erscheint Österreich-Ungarn, weil unter seinem Szepter so viele flavische Volksstämme vereinigt sind. Es schien bisher, als ob die römisch-katholische Kirche einen Schutz gegen das griechisch-katholische Moskovitertum bäte, allein der Krieg hat gelehrt, daß ebenso Bruchteile der römisch-katholischen Tschechen, wie der griechisch-katholischen Ruthenen und Syrmier den slavischen Gedanken derart über den österreichischen Staatsgedanken gestellt haben, daß sie bereit waren, im geheimen Bündnis mit Rußland ihr Vaterland Österreich zu zertrümmern.— 10 — Dieser slavische oder richtiger allslavische Gedanke wird zweifel los unter den Slaven Österreichs weitere Kreise ziehen, und da nur von Rußland allein diese Propaganda ausgeht und Rußland für Österreich der einzigste große und wirklich gefährliche Feind ist — so darf logischer Weise in Zukunft Österreich-Ungarn sich niemals mehr auf seine Maischen Völker stützen, sondern einzig und allein auf seine nichtslavischen: Deutsche und Magyaren. Die Magyaren werden ihre ganze Nationalisierungskraft auf die Magyarisierung der Slaven, in erster Reihe der Nordslaven zu verwenden und zu vermeiden haben, ihre Kräfte durch unwichtige Magyarisierungsversuche der Deutschen und Rumänen zu zersplittern. In Österreich ist den Deutschen wieder die herrschende Stellung einzuräumen und muh Österreich wieder in den Grenzen des alten deutschen Bundes ein deutscher Staat werden. Die Deutschen in Österreich haben sich in diesem Kriege den Anspruch auf die herrschende Stellung auch erkämpft und ganz Deutschland erachtet die Erfüllung dieses Anspruchs als das Entgelt für die geleistete treue Waffenbrüderschaft. Österreich kann aber nur dann wieder ein deutscher Staat werden, wenn die Deutschen die Majorität erhalten, die heute die Slaven haben. Die Majorität ist aber bei den Deutschen, wenn die Provinz Galizien und die Bukowina aus dem österreichischen Staatsverbande völlig ausgeschieden wird — und zwar den Wünschen der polnischen Bevölkerung entsprechend, als Basis für das neue polnische Reich s. u. IV. Diese Abtretung kann die Krone allein vollziehen ohne Ge nehmigung der Volksvertretung, wie sie auch z. B. s. Zt. die Ab tretung von Venedig vollzogen hat. Österreich würde Ost-Galizien und die Bukowina ^ 87 588 s^I- Kilometer mit 8 696000 Einwohnern abtreten, jedoch das Fluß gebiet der Sola, deren Quellgebiet in einer tief südlichen Karpathen- Ausbuchtung sich befindet, in Größe von ca. 1330 Kilometer mit 133000 Einwohnern als Schutzgelände für den großen Jndustrie- bezirk von Österreichisch-Schlesien behalten. Durch die Abtretung dieser 8 696000 Polen, Ruthenen und Rumänen — unter denen 11 "/v — 900 000 mosaischen Glaubens sind — verschiebt sich sofort das Zahlenverhältnis zu Gunsten der Deutschen, wie aus folgender vergleichenden Aufstellung hervorgeht:— 11 — Nach der Zählung von Nationalitäten in Tausenden: 1910 bestand die Bevölkerung nach 1. Deutsche 2. Polen 3. Böhmen, Mähren 4. Ruthenen 5. Slovenen 6. Serben, Kroaten 7. Italiener 8. Rumänen 9. Magyaren usw. Summa: YY50000 Einw. 4970000 „ 6440000 „ 3520000 „ 1250000 „ 781000 „ 770000 „ 270000 „ 486000 „ 9950000 Deutsche ^ I6Y6I000 Slaven 1040000 Romanen 28437000 Einw. Nach Abtretung von Ost-Galizien und der Bukowina würde die Bevölkerung nach Nationalitäten in Tausenden betragen: 1. Deutsche 2. Polen 3. Böhmen, Mähren 4. Slovenen 5. Serben-Kroaten 6. Italiener 7. Magyaren usw. Summa: Die Y730000 Einw. ^ y730000 Deutsche 250000 6440000 1250000 781000 770000 486000 8721000 Slaven 770000 Romanen 1Y707000 Einw. Einwohnerzahl Österreichs sinkt damit allerdings von 28 000 000 aus unter 20 000 000, das Staatsgesüge gewinnt aber sicher an innerer Festigkeit. Es ist jedoch möglich, die Einwohnerzahl durch Angliederung folgender Gebiete wieder zu ersetzen: .^) Seitens Ungarn durch Überlassung der von Deutschen ge schlossen bewohnten Teile der ungarischen Eomitate Preßburg, Wieselburg, Ödenburg, Eisenburg, an der Grenze von Nieder österreich und Steiermark, ca. 6000 ^-Kilometer mi! ca. 480000 Einwohnern. Es ist dies ein Landabschnitt, der, weil von Nicht-Magyaren bewohnt, für Ungarn von untergeordneter Bedeutung ist, auch würde Ungarn durch das nordwestliche Serbien und 4/s Montenegro ^ ca. 30 000 ^-Kilometer mit ca. I 500 000 Einwohnern entschädigt werden s. u. V. 1. Opfer muß aber auch Ungarn im Interesse der Regermanisierung Österreichs— 12 — bringen, denn nur ein deutsches — niemals ein slavisches — und starkes Österreich ist für Ungarn ein unwandelbar sicherer und wertvoller Kampfgenosse. Deshalb muß Ungarn in Österreich — schon aus Selbsterhaltungstrieb — das Deutsch tum in seinem jetzigen harten Kampfe gegen das Slaventum mit allen seinen Kräften unterstützen, vor allem auch dadurch, daß es der österreichischen Regierung behilflich ist, von den im innern Ungarn und Siebenbürgen wohnenden ca. i Vs Milli onen Deutschen einen Teil nach Mähren und Böhmen über zusiedeln, die durch Magyarisierung und Romanisierung mit der Zeit dem Deutschtum rettungslos verloren gehen würden. Dasselbe gilt von den 220000 Deutschen in Ostgalizien und der Bukowina: Es wäre ein hohes Ziel, wenn zu erreichen wäre, erhebliche Bruchteile dieser ca. 1^ Millionen Deutschen dem Deutschtum zu erhalten und sie in Mähren und Böhmen anzusiedeln, wo sie das Tschechentum verdrängen und beitragen würden, dem Deutschtum dort zur Macht zu verhelfen. Was auf dem Wege der Kolonisation auch mit wenig Mitteln geleistet werden kann, haben ein paar deutsche Herren in Kurland und Livland bewiesen — (u. a. die Gebrüder Bröderich um Goldingen herum) — die es fertig gebracht haben, 1905 und folgende Jahre aus eigenen Mitteln, um der Russifizierung entgegen zu arbeiten, 20 00V deutsche Kolonisten von der Wolga, aus Littauen und Polen nach Kurland und Livland zu übersiedeln. Von der slavischen Vormacht Rußlands führt eine ununter brochene Kette flavischer Volksstämme, Polen, Slovaken, Mähren bis Böhmen in das Herz des Deutschtums hinein. Diese Kette muß durch deutsche Kolonisation an der öster reichischen Ostgrenze unterbrochen werden, sodaß die am meisten westlich ansässigen Tschechen zu einer Enklave im Deutschtum werden. Setzt dann von allen Seiten eine kräftige Germanisierung ein, so wird diese dann tschechische Enklave auch bald zur Bedeutungslosigkeit der wendischen Enklave in der Lausitz herabgedrückt werden. L) Das von Österreich eroberte Albanien mit ca. 1200 000 Ein wohnern. Die Albanesen sind ein in Europa isolierter Volks-— 13 — stamm, der sich stets im Gegensatz zu den benachbarten Serben in Montenegro und den Bulgaren in Macedonien befunden hat. Infolgedessen sind sie antislavisch und werden in Österreich ihren Anschluß an die Deutschen suchen — und letztere gegen die Slaven unterstützen. S. a. u. V. 2. L) Endlich aber liegt die Möglichkeit vor, die Zahl der Bevöl kerung der Gesamtmonarchie wie folgt auf die alte Höhe zu bringen: Wir dürfen hoffen, daß es uns und unseren Verbün deten gelingt, das Schicksal Serbiens auch Rumänien zu Teil werden zu lassen, und dann eignete sich dieses Land mit seinen 6900000 Einwohnern vortrefflich dazu, den Verlust vonGalizien und der Bukowina zu ersetzen und zwar indem es mit Öster reich-Ungarn zu einer Art von Tripelmonarchie vereinigt würde. Die Rumänen würden, nachdem die Hohenzollern-Dynastie dort aufgehört zu regieren, ihren Besieger, den Kaiser von Österreich, zu ihrem König wählen, wenn derselbe ihnen die Bukowina, soweit sie rumänisch ist, und vielleicht auch das rumänische Serbien als Morgengabe mitzubringen in Aus sicht stellen würde. Eine Vereinigung Rumäniens mit Österreich-Ungarn zu einer Personalunion würde für die Tripelmonarchie wie für jeden einzelnen Staat folgende ganz außerordentliche politische wie wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen: 1) Die Tripelmonarchie würde, auf drei nicht slavischen Völkern : Deutschen, Magyaren und Rumänen basierend, fest und geschlossen in Zukunft Rußland gegenüber zusammen halten. 2) Der Kaiser von.Österreich würde, wenn er die rumänische Krone annehmen würde, — da er schon als König von Ungarn über die drei Millionen Rumänen in Ost-Ungarn gebietet — der Herrscher beinahe aller Rumänen werden und damit würde die Gefahr centrifugaler rumänischer Bestrebungen für die Zukunft ausgeschaltet sein. 3) Die Tripelmonarchie würde eine Großmacht auch am Schwarzen Meer sein; sie würde Rußland für immer den westlichen Landweg nach Konstantinopel versperren und im Bündnis mit der Türkei das Schwarze Meer beherrschen.— 14 — 4) Die Tripelmonarchie würde eine eigentliche Donau- Monarchie sein; die Donau von der bayrischen Grenze bis zum Schwarzen Meer ein Vinnenstrom — bis auf die Strecke, auf welcher Bulgarien südlich an die Donau grenzt. Ein wirtschaftlicher Vorteil von allergrößter Bedeutung! 5) Die Tripelmonarchie umfaßte von Albanien, Ungarn und Rumänien aus im Bündnis mit der Türkei derartig Bulgarien, daß eine evtl. Sperrung des Weges von Wien nach Konstantinopel durch dieses Land ausgeschlossen erscheint. Würde dagegen Rumänien selbständig bleiben, so wäre in Zukunft ein Zusammengehen von Rumänien und Bul garien mit Rußland gegen Österreich und die Türkei, wenn auch nicht wahrscheinlich, doch immerhin möglich. Die Abtretungen und Erwerbungen würden, kurz wieder holt, bezüglich der Bevölkerungszahl ergeben: 1) Für Österreich einen Verlust von rund 7 000 000 Ein wohnern; 2) Für Ungarn einen Gewinn von ca. 1000000 Einwohnern; 3) Für die Gesamtmonarchie einen Gewinn von ca. 1000000 Einwohnern. '^) kl. Die neuen deutschen Grenzen und Erwerbungen nu Westen. Unsere Armeen haben den an Industrie und Kohlen weitaus reichsten Teil von Frankreich in einem Umfange von 21 0«0 ^-Kilo metern besetzt. Von diesem Okkupationsgebiete würde ein an Belgien grenzender Streifen mit den Festungen Lille und Maubeuge usw. *) a) Das natürliche Kriegsziel Österreichs Italien gegenüber ist die Erwerbung der Graftschaft Friaul östlich der Livenza und das Alpengebiet zwischen Görz und dem Trentino, die Venezianer und Vicentiner Alpen, Asiago und das Gardaseetal bis südlich Garda-Salo in Größe von ca. 11000 ^-Kilometern und ca. 800 000 Einwohnern. b) Eventl. könnte auch noch von Italien das Alpengebiet des Veltliner- und des Comerseetals bis südlich Chiasso-Lecco mit 200000 Einwohnern abgetrennt und der Schweiz als Kanton Veltlino angegliedert werden. Der Veltlino hat Jahr hunderte zu Graubünden gehört und schmiegt sich diesem wie dem Kanton Tessino an.15 — mit durchaus wallonischer Bevölkerung von uns zu behalten sein, um die belgisch-französische Zickzackgrenze zu Gunsten Belgiens zu begradigen und das westlich schmal vorspringende französische Vlam- land bis zur Aa mit einer Manschen Bevölkerung von 2W000 Einwohnern besser anzuschließen. Der südwestlich davon gelegene Teil des Okkupationsgebietes würde tauschweise gegen folgende Gebiete abzutreten sein: Gegen Belfort mit westlichem Vorgelände und Franzöfisch- Lothringen östlich der Mosel und östlich der Maas, soweit es nicht bereits erobert ist. 2. Gegen den kleinen Abschnitt von West-Belgien, der nicht in unserer Hand ist, und Blämisch-Frankreich bis zur Aa. Der Friede mit Frankreich wird zweifellos um so leichter zu erreichen sein, je weniger ihm vom Stammland abgenommen wird — eine Beschränkung, die ihre Grenze an dem von Deutschland als Schutzwehr gegen Frankreich erforderlichen Gelände hat, das wir nach zwei Richtungen hin benötigen und zwar: 1. Im positiven Sinne: a) den Besitz von Belsort mit Vorgelände und im Anschluß die Bogesenkette mit dem Vorgelände bis zur Mosel. b) den Besitz des Maastales: über Lüttich - Namur bis Mezieres als Aufmarschlinie gegen Paris. 2. Im negativen Sinns: die Brechung der jetzigen französischen Festungs kette, indem die Grenze ins Flußbett der Mosel und Maas mitten durch die Festungsgelände von Epinal, Toul und Berdun hindurch gelegt würde, um den Weg nach Frankreich frei zu machen; denn die Franzosen dürften in absehbarer Zeit nicht die Mittel haben, wieder Milliarden zur Errichtung einer neuen weiter zurück liegenden Festungskette aufzuwenden. So würde die neue , französische Grenze also etwa westlich Belfort von der Schweizer Grenze über Blamont nach Remiremont laufen und von dort der Mosel 110 Kilometer bis südlich Toul folgen, dann nach Pagny an der Maas herüber springen und dieser 150 Kilometer bis Mezieres folgen; von Mezieres würde die Grenze *) Zu erwägen wäre, ob die Eisenerzlager südlich längs der Maas von Stenay bis über Meziöres hinaus noch für uns abzutrennen wären.- 16 - dann ziemlich gradlinig bis Merville, von dort nach St. Omer und dann im Flußbett der Aa bis zum Meere sich hinziehen. Durch diese neue Grenze würden von Frankreich 16203 ^-Klm. — also 5000 HH-Klm. weniger als das Okkupationsgebiet und ein — an Naturschätzen und Bevölkerung — meist sehr viel ärmeres Land abgetrennt werden, dessen Bevölkerung 2714000 Einwohner beträgt, von denen 1000000 Wallonen, 974000 Franzosen und 200000 Vlamen sind; hiervon würden zu Vlamland s. u. 300000 Wallonen. 200000 Vlamen und 130 000 Franzosen zuzuschlagen sein. Die Abtretung dieser 16203 lUZ-Klm. von Frankreich stellt eine sehr mäßige Forderung dar, da die Franzosen, wenn der Sieg auf ihrer Seite gewesen wäre, uns außer Elsaß-Lothringen die Pfalz und das ganze linke Rheinufer, etwa 40000 j^-Kilom. mit 7000000 Einwohnern abgenommen hätten. Die Erfahrung von 1871 lehrt auch, daß der Haß gleich stark bleibt, ob viel oder wenig genommen wird. Für die zukünftige Gestaltung Belgiens dürften die folgenden zwei Gesichtspunkte maßgebend sein: 1) Das Deutsche Reich hat die Pflicht, den großen Stamm der niederdeutschen Vlamen vor der weiteren systematischen Ver wischung zu bewahren und 2) darf Belgien nicht weiterhin unter der Maske der Neutralität ein von England und Frankreich geleitetes deutschfeindliches Bollwerk sein; es muß diesem Einfluß vollständig entzogen werden. Beide Ziele sind zu erreichen, indem Belgien in seine natür lichen zwei Bestandteile: Vlamland und Wallonien zerlegt wird: Oivicie et impera! *) Das ganz selbständige Königreich Vlamland — bis westlich der Aa mit Lille, Roubaix und Tourcoing ist mit der Krone eines deutschen katholischen Herrscherhauses — Bayern — in *) Zu erwägen, ob die Zerlegung Belgiens in seine 2 sprachlich und völkisch verschiedenen Teile: Vlamland und Wallonien, nicht schon bald dadurch vorbereitet würde, daß eine Neubegrenzung der belgischen Provinzen nach der Sprachgrenze durchgeführt würde — natürlich überall zugunsten der Blamen. Das übergreifen der Provinzialgrenzen über Sprachgrenzen bewirkt eine Verquickung — die Sprach grenze aber einen Gegensatz, der von uns zu begünstigen ist. Außerdem genügt jetzt eine Verfügung, da Niemand hereinzureden hat. Diese Grenzen werden aber, was auch kommen möge, immer bestehen bleiben, weil die Sprachgrenze eine natürliche Grenze für die innere Verwaltung ist.17 — Personalunion und mit dem deutschen Reich durch Militär union zu verbinden, Vlamlcmd würde ca. 17262 ^-Kilom. und 3630000 Ein wohner zählen, einbegriffen der ca. 2500 ^-Kilom. und 650000 Einwohner von Frankreich. k) Das wallonische Belgien ca. 14693 ^-Kilom. mit 2 733 000 Einwohnern würde eine gleiche deutsche Verwaltung zu erhalten haben wie die Erwerbungen von Frankreich: Valenciennes, Maubeuge und Lothringen nördlich und östlich der Maas und östlich der Mosel mit 13703 ^Z-Kilom. und ca. 1524000 Einwohnern. Elsaß-Lothringen hat 14 518 ^-Kilom, und 1817000 Einwohner. Die Gesamterwerbungen Deutschlands würden demnach im Westen betragen 28308 s^-Kilom. mit 4257 000 Einwohnern. Dagegen ist von einer Einverleibung der Neuerwerbungen von Frankreich und Belgien, in welchen die französische oder wallonische Sprache die Volkssprache ist, abzusehen — und zwar schon aus dem Grunde, um den Deutschen Reichstag nicht mit widerwilligen Volks vertretern zu belasten. Diese Erwerbungen sind jedoch dadurch in einen engen Verband mit Deutschland zu bringen, daß sie unter die Bundesstaaten aufgeteilt und denselben als außerhalb des Reiches liegender Staatsbesitz zugeschlagen würden. Durch den engen Anschluß an ein kleineres Staatswesen, wie es das „unkörperliche" Reich ist, und die Teilung in verschiedene kleine Ländchen, steht zu erwarten, daß die Bevölkerung sich schneller dem Deutschtum assimilieren wird, als in einem neuen Reichsland. Die mangelhaften Erfolge in Elsaß-Lothringen könnten wenigstens auch nicht dazu ermuntern, noch ein weiteres Reichsland zu schaffen. Vielleicht empfiehlt es sich sogar, Elsaß-Lothringen gleichzeitig mit aufzuteilen mit den neuen westlichen Erwerbungen, in denen welsch gesprochen wird. Außerdem dürfte aber auch noch eine schnellere Verdeutschung erfolgen, da die einzelnen Bundesstaaten in Konkurrenz mit ein ander darin wetteifern würden.*) *) Sollten die weiteren Kriegsereignisse dazu berechtigen, so würde der Abschnitt Calais—Boulogne etwa 1600 ^-Kilometer mit 200000 Einwohnern von Deutsch land noch zu erwerben sein, um am offenen Meere einen Flottenstützpunkt und England in stets greifbarer Nähe zu haben.— 18 — II!. Iis neuen deutschen Grenzen und Erwerbungen iin Osten! Zur Abrundung der deutschen Grenze im Osten benötigen wir folgender drei Distrikte: a) den Jndustriebezirk Bendzin, b) Hinterland für Memel, c) den am meisten westlich gelegenen Teil der polnischen Ein buchtung. Der Bezirk Bendzin bildet eine Einbuchtung in Ober schlesien, die den Hauptgrenzzügen von Schlesien folgend in ca. 20 Kilometer Breite ca. 550 ^-Kilometer mit 150 000 Einwohnern zu Gunsten Preußens abzutrennen ist. Die Kohlenfelder erstrecken sich bis Olkusch, sodaß die Hälfte bei Polen bleiben würde. Kohlenfelder bedeuten Macht, und deshalb müssen wir diese im Osten erwerben, wie im Westen die von Lüttich, Charleroi, Möns und die größten französischen Felder von Anzin bei Valenciennes. L. Die Provinz Ostpreußen bedarf für den schmalen Memeler Küstenstrich etwas Hinterland, das zu gunsten Preußens von Russisch-Littauen abzutrennen sein würde. Jede weitere Vergrößerung dagegen nördlich bezw. östlich von Ostpreußen würde dem deutschen Reich einen Zuwachs von katholischen Littauern im Gouvernement Kowno und evangelischen Letten mit 8 °/o Deutschen in Kurland bringen. Überwiegend deutsch sind nur einige Städte und kleine Distrikte in Kurland. In diesem Falle würde sich die Grenze ebenso lang vorgestreckt und infolgedessen ungünstig gestalten, wie bisher die Grenze von Ostpreußen. Ist doch Ost- und Westpreußen deshalb so begehrenswert für die Hinter fassen — Polen resp. Panslavisten — gewesen, weil es ihnen die offene See versperrte. Genau dasselbe würde bei der Erwerbung von Littauen und Kurland eintreten. Unser Ziel aber muß sein:— 19 — 1) Möglichst kurze Grenzen zu erhalten, die sich eben in Folge ihrer Kürze leichter verteidigen lassen und 2) in geeigneter Lage am deutschen Reich Siedlungs land für unsere deutschen Stammesbrüder in Rußland zu gewinnen, die schon jetzt heimatlos gemacht sind. L. Beides Wird uns die Angliederung des westlichen Teiles von Russisch-Polen zwischen Ostpreußen und Schlesien bringen und ist hier der Abschnitt westlich resp. nördlich der Linie Dlottowen — dann hart westlich der Städte Bjelsk — Plozk — Gostynin — Lentschiza — Lask — Tschenstochau nach Oberschlesien ^ Neu-Ostland in Größe von 23 780 ^-Kilom. mit 2 240000 Einwohnern ange nommen worden. Die Abtrennung der ganzen russisch polnischen Einbuchtung würde die Grenze durch Warschau durchlegen, die westlich bezw. nördliche Flußgrenze der Pilica und des Narew die Grenze in zu große Nähe von Warschau bringen und endlich wäre noch die Zone mit den vielen Städten westlich der Pilica — wegen der Schwierigkeit der Kolonisierung der Städte — aus zuschalten. Um zu verhindern, daß die Angliederung von Neu-Ostland an das deutsche Reich nicht zu einer schwereren Belastung würde, wie es die Polen für Preußen sind, muß hier das Wort des Herrn Reichskanzlers in seiner Rede vom 19. August 1914 zur Tat werden: „wir haben die Sentimentalität verlernt!" Die Erfahrung in Preußen hat gelehrt, daß es niemals ein Paktieren mit den Polen geben kann — jede Nachgiebigkeit, jedes Entgegenkommen Preußens ist immer noch zum größten Schaden des Deutschtums ausgefallen. Haben doch erst — April 1916 — die polnischen Stadtver ordneten von Posen der deutschen Regierung für die Bewilligung einer polnischen Hochschule in Warschau und der städtischen Selbst verwaltung in Russisch-Polen damit quittiert, daß sie die Mittel zu einem Denkmal sür den „deutschen" Hindenburg nicht bewilligt haben. Im preußischen Abgeordnetenhause haben nach der Proklamation des Königreichs Polen bei Gelegenheit der sogenannten Polendebatte die Vertreter des preußischen Polentums nicht nur kein Wort des Dankes und der Anerkennung gehabt, sondern in anmaßender Selbst-— 20 — überHebung dieses große Geschenk als etwas ganz Selbstverständliches hingenommen, obwohl sie sich sagen mußten, daß sie das niemals aus eigener Kraft erreicht haben würden! Es fehlte nur noch — wird aber sicher später geschehen, ' daß sie von Preußen auch noch Westpreußen und Posen zum Anschluß an das Königreich Polen fordern, wenn nicht durch ein deutsches Neu-Oftland ein für allemal ein Riegel vorgeschoben wird. Von der Bevölkerung Neuostlands ist für Deutschland außer den Deutschen — da es an christlichen Handwerkern ganz fehlt, die nötige Zahl jüdischer Handwerker sowie der ganze Arbeiterstand von Wert. Alle höheren Schichten, die panslawistisch oder russophil oder großpolnisch sind, haben das eine gemein, daß sie anti deutsch sind: Die Akten aus der Kriegsbesetzungszeit — der Jetzt zeit — werden das nur bestätigen. Deshalb müssen diese Volks schichten aus einem Lande, das Deutschland eng angeschlossen werden soll, „vorher" entfernt werden. Von polnischer Seite wird lebhaft für die Vereinigung von Galizien mit Russisch-Polen zu einem polnischen Reich, in Personal union zu Oesterreich-Ungarn Propaganda gemacht. Vom deutschen aber auch vom österreichischen Standpunkt dürste dem nie zugestimmt werden: die 12 Millionen National polen mit drei Millionen Mitläufern — also 15 Millionen — würden in Oesterreich gegenüber den 10 Millionen Deutschen und 8 Millionen Magyaren im Habsburger Dreigestirn die erste Rolle spielen, und die äußere Politik würde nach polnischen Interessen, wie schon früher einmal, in Oesterreich geleitet werden. Träte in diesem Polen nun gar noch — was doch wohl recht möglich ist — eine starke panslavistische oder russophile Strömung ein, so würde dieselbe mit den jetzt schon so gestimmten 6 Millionen Tschechen zu sammen sich verbinden, um Oesterreich unter ihre slavische Macht niederzuzwingen. Rußland würde dann auf friedlichem Wege erreichen, was es jetzt mit den Waffen nicht erreichen konnte — den Zusammenbruch Oesterreich-Ungarns, da in einem Kriege gegen Rußland die pol nischen und tschechischen Regimenter größtenteils versagen würden. Vom deutschen wie vom österreichischen Standpunkt aus muß daher Neupolen außerhalb des deutsch-österreichischen Zweibundes als fremde Macht so begrenzt und hingestellt werden, daß wir— 21 möglichst lange demselben freundlich gegenüberstehen können, daß wir aber auch ruhig der Möglichkeit ins Auge schauen können, mit derselben einmal die Klingen zu kreuzen. Würde ein freies Polen aus dem ganzen russischen Kongreß- Polen gebildet, dann Gnade den vier Provinzen Preußens mit pol nischer Bevölkerung — sie sind ihnen und der polnischen Propaganda verfallen, die mit reichen Mitteln und größter Energie gegen das Deutschtum arbeiten würde. Dann gibt es aber kein „zurück" mehr, während jetzt mit nur etwa iVs Milliarden Rmk. die unübersehbare polnische Gefahr von Preußen für immer abgewendet werden kann: Neu-Ostland muß aufhören, ein polnisches Land zu sein, es muß rücksichtslos entpolonisiert werden. Auch jeden polnischen Nimbus' muß es entkleidet werden, damit auf polnischer Seite Rück- erwerbungsgedanken gar nicht mehr aufkommen. Es ist aller Grundbesitz, alle Wohnhäuser, alle Fabriken von den Polen zu enteignen. Natürlich auch der Besitz der 130 000 Juden, die aus Neu-Ost land abzuschieben sind. Denn die 220 000 Juden in Neu-Ostland bilden ebenfalls eine Gefahr für Deutschland. Es ist deshalb an genommen, daß nur 70 000 Juden — die als Handwerker unent behrlich sind — zurückbehalten, alle übrigen aber, ca. 130 000, nach Polen resp. Rußland abgeschoben werden. Um nun die 1 103 000 Polen, die 3000 Russen und 130 000 Juden, die nach Osten verpflanzt werden, zu ersetzen, ist Rußland im Friedensvertrage zu verpflichten: 1) die sämtlichen deutschen Kolonisten in Rußland zur Ansiede lung nach Neu-Ostland zu enteignen, voran die baltischen Barone, die überall ausgezeichnete Mittelpunkte des Deutsch tums bilden werden. Nach der Statistik leben in Rußland 1800 000 — in Wirklichkeit wahrscheinlich 2000 000 Deutsche und sind, da 200 000 in Neu-Ostland wohnen, von den übrigen 1 60U 000 bis 1 80i.> 000, mindestens 1400 000 zur Ansiedlung dort geeignet. 2) den deutschen Balten, die nach Neu-Ostland übersiedeln, das Recht zu verleihen, soviel lettische Arbeiter usw. nach Neu- Ostland mitzunehmen, als sie zur Bewirtschaftung ihrer neuen Besitzungen für nötig erachten.— 22 Die Letten sind evangelischer Konfession, ein Volksstamm von nur iVs Millionen in Kurland und Livland und „ohne Anhang" in Europa, daher leicht germanisierbar. Der Mangel an Arbeitskräften ist schon vor dem Kriege für die ostdeutsche Landwirtschaft eine große Gefahr gewesen und droht nach dem Kriege zu einer Kalamität zu werden, da das Angebot ausländischer Arbeiter aufhören wird. Deshalb sind möglichst viel 'geeignete landwirtschaftliche lettische Arbeitskräfte nach Preußen und Neu-Ostland überzusiedeln. Rußland dürfte die lettische Abwanderung nicht ungern sehen, da das Land dann leichter zu russifizieren ist. Dasselbe gilt von den ,snen AM«, bezüglich Kurlands. Die Bevölkerung Neu-Ostlands besteht heute aus in Tausenden: davon bleiben: Ansiedler: 1. Polen . - . I 805 000 700 000 Arbeiter 2. Juden ... 220 000 70 000 „ I 400 000 3. Deutsche . . 200 000 200 000 „ Deutsche 4. evgl. Polen . 10 000 10000 5. Russen . . . 5000 Summa: 2 240 000 980 000 l 400 000 Die künftige Bevölkerung Neu-Ostlands würde demnach Y80 000 1 400 000 — 2 380 000 betragen. — Als Land bevölkerung kommen aber nur I 600 000 in Betracht d. i. 68 auf den ^-Kilom., genug, um das Land zu meistern. Ostpreußen zählt 57, Westpreußen 67, Pommern 59 Einwohner incl. Stadtbevölkerung auf den ^-Kilometer. Die Kosten der Enteignung dürften schätzungsweise sich wie folgt stellen: 23 780 qkm, ä 400 Morgen Ä 180 Rm. I 712 0V0 000 Rm. 2) 15 000 Häuser in Städten durchschnittlich 20 000 Rm. 300 000 000 „ 3) 2000 Fabriken ü 30 000 Rm. t>0 000 000 „ Summa 2 072 000 000 Rm, Hiervon sind abzurechnen: j) Wert der Dotationsgüter, Domänen, Obelförstereien, Güter der Russen, öffentliche Straßen, Flüsse, Seen etc.— 23 — Kasernen, Exerzierplätze, öffentliche Bauten, Staatsfabriken usw. um 10 °/o obiger Summe 200 000 000 Rm. 2) Wert der Güter der Deutschen in Polen und Kurland 100 000 000 „ Summa 300 000 000 Rm. Sodaß ein Enteignungspreis verbleibt von 1 772 000 000 „ Aus Neu-Polen sind nach Neu-Ostland und zwar aus Kur land 50 000 Deutsche, aus dem übrigen Polen und Littauen 400 000 Deutsche nach Neu-Ostland überzusiedeln. In die auf diese Weise frei werdenden Liegenschaften werden Polen aus Neu-Ost land übersiedelt, sodaß für diesen wechselseitigen Umzug im All gemeinen nur die Transportkosten zu berichtigen sind. Die Entschädigung für die aus Neu-Ostland nach Rußland ab zuschiebenden 150 000 Juden und 5000 Russen würde Rußland im Friedensvertrag zu übernehmen haben und würde sich dadurch der Enteignungspreis weiter nicht unerheblich verbilligen. ö. Die Kosten der Ansiedelung Neu-Ostlands dürften folgende sein: 1) Alle Grundwerte steigen sofort mit der Einverleibung um 25 30 Das deutsche Reich enteignet natürlich aber nach dem rus- sischenWert, den die Liegenschaften vor dem Kriege hatten. Gibt das Reich zum gleichen Preise die Grundstücke weiter, so erhält dadurch der Erwerber einen Verdienst von mindestens 25 °/o aci valorem seines Grundstücks. Um den Ansiedlern aber von Anfang an eine ganz sichere materielle Lage zu verschaffen, könnte dem Erwerber eine weitere Zuwendung gemacht werden durch Nachlaß am Einkaufspreise von 20°/», wovon !0"/<> als Betriebs kapital — s. u. — zu gewähren wäre. Bei einer Enteignungssumme von I 772 000 000 Rm. würde das eine Ausgabe von 344 400 000 km. bedeuten. 2) Die 1 400 000 Ansiedler in Neu-Ostland repräsentieren etwa 280 000 Familien, von denen 250 000 ohne Weiteres in enteignete betriebsfähige Wirtschaften eingesetzt werden— 24 — können, während 10"/» d. i. rund Z0 000 Wirtschaften erst wieder betriebsfähig herzustellen sind. Pro Wirtschaft dürften dazu 5000 Rm. durchschnittlich genügen, sodaß im Ganzen 150 000 000 dafür aufzuwenden sein würden. Häher ist der Betrag nicht geschätzt worden, weil nicht alle Kriegsschäden, insbesondere auch nicht alle kostspieligen baulichen wieder gut gemacht zu werden brauchen: Auch wird der Wiederaufbau von gänzlich kriegsverwüsteten Dörfern überhaupt gespart werden können, da deren Feld mark als Großgrundbesitz einzurichten ist. Die neue Regierung wird den von der russischen Regierung syste matisch zerstückelten Großgrundbesitz mindenstens so weit wieder herzustellen haben, als er notwendig ist, um den übergesiedelten baltischen Großgrundbesitzern ein Äquivalent für die großen heimatlichen Güter zu bieten, die sie ver lassen haben. 3) Von den 1 805 000 Polen in Neu-Ostland sind nur 1105000 nach Neu-Polen überzusiedeln und 700000 Arbeiter in bewährter polnischer Art 5 4 Morgen aber nach dem System Friedrichs des Großen in Flußniederungen in großen geschlossenen Kolonien anzusiedeln: Katholische Oasen in sonst rein evangelisch besiedeltem Gebiet. Es würde sich um ca. 140 000 Familien handeln und wird die Ansiedlung — Lehmfachwerk-Stallwohnhaus mit Strohdach 5 4000 Rm. — ca. 560 000 000 Rm. kosten. Das Reich würde diese Arbeiter-Siedlungen mit einem Verlust — von vielleicht 30"/» vergeben, also 270 000 000 Rm. zusetzen. Dafür würden die Siedlungen unveräußerlich, nur vererblich und beim Verlassen unent geltlich an den Staat zurückfallen. 4) Als Transportkosten dürften pro Familie 500 Rm. reichen, da die Russen und Polen die Ansiedler bis an die Grenze von Neu-Ostland auf ihre Kosten zu befördern hätten: d. i. — 140 000 000 Rm. Hierzu treten die Transportkosten der in Neu-Ostland ent eigneten Polen, Juden und Russen bis an die polnische Grenze: d. i. — 125 000 000 Rm.— 25 — Sämtliche Transportkosten betragen also 265000 00V Rm. Kurz zusammengestellt betragen alle Kosten: 1) 20 °/o Verlust aä valorein 344 400 000 Rm. 2) Ausstattung verwüsteter Grundstücke 150 000 000 „ 3) Ansiedlung 700 000 polnische Arbeiter 560 000 000 „ 4) Transportkosten 265 0L0 000 „ 5) 10 °/o Unvorhergesehenes, Verwaltung Dispositensond rund 132 000 00 0 ^ Mithin Summe aller Ausgaben rund höchstens 1 500 000 000 Rm. Mit dieser Summe von 1500000000 Rm. würde das polnisch jüdische Neu-Ostland in ein deutsches evangelisches Land mit ein gesprengten großen polnisch-katholischen Arbeitercomplexen umge wandelt werden können. Es handelt sich da ja um eine große Summe, aber es wird auch ganze Arbeit gemacht: Wir gewinnen mit einer die polnische Einbuchtung kurz abschließenden Grenze eine ganze deutsche Provinz und in den preußischen Ostprovinzen mit polnischer Bevölkerung würde dann der Nationalitätenhader ganz von selbst aufhören; dieser Kamps hat uns schon Hunderte von Millionen gekostet und wenn in bisheriger Weise weiter colonisiert wird, so wird das mit der Zeit auch die obige Summe kosten, nur mit dem Unterschiede, daß ein durchschlagender Erfolg doch nicht erreicht werden dürfte. Vollführen wir aber den scharfen Schnitt der Abtrennung und Germanisierung von Neu-Ostland, so wird zwar das Polentum zunächst in fanatische Aufregung geraten, aber sich auch schließlich wieder beruhigen, wenn dies die letzte Kampfaktion darstellt und in Preußen alle antipolnischen Kampfmittel gleichzeitig aufhören. Auch wird dann die Einsicht kommen, daß wir den schweren Krieg nicht geführt haben, um nur Polen frei zu machen, sondern daß wir doch zu einigen Vorteilen auf Grund unserer großen Opfer berechtigt sind. Alles übrige können wir dann getrost der Zeit und der deut schen Schule überlassen. Gefährlich sind die fortgesetzten Reibungen zwischen dem Deutschtum und dem Polentum, die unvermeidlich bleiben, wenn das polnische Sprachgebiet geschlossen bis Warschau bestehen bleibt. Die Nationalitätenkämpfe in Preußen müssen aber das Verhältnis— 26 - zum Königreich Polen dauernd vergiften und werden zweifellos schnell genug dahin führen, daß Rußland Arm in Arm mit Polen bald wieder auf dem Plan erscheinen wird, um uns die früher polnischen Provinzen zu entreißen. Viäeant consules — daß uns die Proklamation des Königreichs Polens nicht einen anderen Krieg kostet, ehe die Wunden des jetzigen geheilt sind. Den durch die Schaffung eines deutschen Neu-Ostlandes empor wirbelnden polnischen Sturm können wir ruhig über uns ergehen lassen, so lange wir das Königreich Polen fest in der Hand haben. Ist Neu-Ostland verdeutscht — aber nicht eher — dann können wir das Königreich Polen den Polen überlassen — die dann mit sich so viel zu tun haben werden, daß die „Tatsache" Neu-Ostland bei ihnen zurücktreten wird. Aber selbst wenn wir Polen durch eine Militärkonvention für immer fest in der Hand behalten, ist ein Neu-Ostland für den Frieden zwischen Deutschen und Polen in den preußischen Ost- provinzen eine Notwendigkeit. Ist es doch zweifellos, daß der Nationalitätenhader noch viel schärfere Form annehmen wird, wenn vom Königreich Polen aus die Propaganda geleitet und finanziert wird. Die Entpolonisierung Neu-Ostlands würde auf die Polen in den 4 preußischen Ostprovinzen eine überaus gute Rückwirkung haben. In Preußen wohnen 8 656 000 Polen, Kassuben, Masuren. Nach Wiederaufrichtung eines selbständigen Polens wird dorthin die polnische Bevölkerung Preußens lebhaft über das Vakuum „Neu- Ostland" angezogen werden, namentlich wenn der Erwerb von Immobilien in Neu-Ostland nach einem zu erlassenden Gesetz — nur Deutschen erlaubt ist. Die polnischen Arbeiter würden eventl. in Preußen durch Ansiedlung zu binden und andererseits würde den höher stehenden Polen die Übersiedlung nach Neupolen durch staatliche Abnahme ihres Land- — (Aufhebung der polnischen Fideicommisse!) — und Stadt-Besitzes zu erleichtern sein. Die fanatischen Polen würden dann bald abwandern, während die in Preußen zurückbleibenden den Kampf gegen das Deutschtum auf geben und in kurzer Zeit gute Deutsche werden dürften. Wiederholt ist betont worden, daß Neu-Ostland rein evangelisch kolonisiert werden müsse, und zwar ist dies nur aus dem Grunde notwendig, weil die evangelische Bevölkerung mit ihrer Geistlichkeit erfahrungsgemäß gegenüber der Polonifierung sich widerstandsfähig erwiesen hat, aber nicht die katholische.— 27 - IV. Der Oststaaten-Bund. Das Occupations-Gebiet in Größe von ca. 240000 ^-Kilometern zählt etwa 17 000 000 Einwohner, die sich nach Volksstämmen wie folgt zusammensetzen: Summa 17000000 Rußland dürfte nicht in der Lage sein, die ganze uns und Österreich schuldig gewordene Kriegscontribution in barem Gelde zu zahlen und wird deshalb das Occupations-Gebiet mit in Zahlung zu geben haben. Wir werden uns insofern daraus einigermaßen bezahlt machen können, als wir die Eisenbahnen im Occupations- Gebiet dauernd in Besitz behalten und den zu bildenden neuen Ländern Staatsschulden zu Gunsten der Zentralmächte auferlegen. Im Occupations-Gebiet ist bisher nur der eine Staat „Polen" verkündet worden, allein billiger Weise haben die anderen Völker, die dort wohnen, denselben Anspruch auf Selbständigkeit. Polen kann eine bevorzugte Stellung nicht beanspruchen, weil es früher ein selbständiges, großes Reich gewesen ist, das s. Zt. die Letten, Littauer, Weiß- und Kleinrussen ebenso unterjochte, wie es dann später selbst unterjocht worden ist. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wird es demnach unsere Aufgabe sein, den Letten, Littauern und Kleinrussen, vielleicht auch dem kleinen Abschnitt der Weißrussen im Occupations-Gebiet dieselbe Selbständigkeit zu gewähren, wie den Polen. Unsere zweite Auf gabe wird sein, alle diese Völker dann in einem Staatenbund, dem Oststaatenbund, zu vereinigen. Polen 7 900 000 Letten 600 000 Littauer 2 000 000 Weißrussen 1 500 000 Kleinrussen 2 230 000 Großrussen Deutsche Juden 2 000 000 wohnen geschlossen. wohnen zerstreut.— 28 — Wir werden dauernd unsere Hand auf diesem Bund ruhen lassen und die Vertretung desselben nach Außen übernehmen. Wir würden — wie schon gesagt — die Eisenbahnen behalten und mit jedem Staate eine Militärkonvention abschließen. Die Militärkonvention würde dazu dienen, daß die Truppen kontingente der einzelnen Bundesländer im nächsten Russenkriege zur Verteidigung ihrer Heimat unter deutscher Führung neben den deutschen Truppen kämpfen würden: Deutschland würde dann weit östlich, fern der deutschen Grenze, da in den Kampf eintreten, wo jetzt im Osten unsere Front ist, d. h. in der Luftlinie 500 I<m von Petersburg und 700 km von Moskau entfernt. Das Occupations-Gebiet ist auch nicht altes groß-russisches Gebiet, es ist vielmehr von Rußland 1793,1807 und 1813 erworben, also nicht über 120 Jahre im russischen Besitz. Es wird auch nicht von Großrussen geschlossen bewohnt, vielmehr leben dieselben — als Einwanderer des herrschenden Volkes — überall zerstreut. O Mit der Proklamation von Polen ist nicht gleichzeitig seine Begrenzung und sein innerer Aufbau festgelegt, die Zentralmächte sind daher in der Lage, alles das so zu bestimmen, wie dies das ausschließliche Interesse von Deutschland und Osterreich erheischt, und dürfte hierbei Folgendes zu erwägen sein: 1. Das anspruchsvolle Auftreten der polnischen Volksvertreter in> den deutschen Parlamenten ließ es im hohen Grade an gezeigt erscheinen, Neu-Polen möglichst klein zu gestalten: Es würde im Osten auf das rein polnische Sprachgebiet zu be schränken und im Westen würde Neu-Ostland abzutrennen sein. Als Ersatz für Neu-Ostland wäre ihm West-Galizien bis westlich Przemysl anzugliedern. 2. Auch die Person des künftigen Königs könnte ein Bindeglied zwischen Polen und Deutschland bilden. Eine Personalunion mit Osterreich birgt in sich schwere slavische Gefahren für den Bestand der österreichischen und ungarischen Monarchie — eine Personalunion mit Deutschland bedroht das deutsche Reich mit einer großpolnischen Propaganda in den vier preußischen Ostprovinzen und einer Überschwemmung mit polnischen Juden. Die Berufung eines Habsburger oder Hohenzollern-Prinzen auf den Thron von Polen würde nur— 29 — in der ersten Generation gute Beziehungen sichern, da ge wöhnlich schon — wie in Rumänien und Belgien — in der zweiten Generation die Tradition der Heimat in Vergessen heit gerät. Die deutsch-polnischen Beziehungen dürften aber aus die Dauer gute und nützliche bleiben, wenn der polnische Herrscher ein Deutscher bleibt, aber nicht der Träger der großen, deutschen oder österreichischen Politik ist. Wenn da her die alte Verbindung zwischen Sachsen und Polen wieder erstände, so würde zwar Polen ein selbständiger Staat werden, aber da der König in seiner Eigenschaft als König von Sachsen stets ein Deutscher bleiben wird, so würde auch die von ihm in Polen berufene Regierung sich stets zu den Zentralmächten freundlich stellen. 3. Die russischen Ukrainer zählen 22000000 und bewohnen die Kornkammer Nußlands, den fruchtbaren Süden, südlich bis zum Schwarzen Meere, nördlich über Kiew—Kursk und öst lich über das Asowsche Meer hinaus. Der Zubehör der Ukrainer zu Rußland ist daher für dasselbe eine Lebensfrage. Im Occupations-Gebiet würde mit dem östlichen Galizien ein Königreich Ukraine mit der Hauptstadt Lemberg und ca, 6000000 Einwohnern zu bilden sein. Dies Königreich Ukraine würde bei den russischen Ukrainern immer lebhafter, jemehr dasselbe prosperierte, den Wunsch erwecken „los von Rußland" und „Anschluß" an die freie Ukraine! Dadurch würde dieses Land in immer schärferen Gegensatz zu Ruß land kommen. Würde nun die Krone von Polen in Per sonalunion mit der Krone der Ukraine verbunden, so würde auch Polen in dem Gegensatz zu Rußland erhalten bleiben, um so mehr, als sich in der freien Ukraine starke polnische Enklaven befinden. V. Iie Balkansrage. Solange es selbständige Slavenstaaten auf der Balkanhalbinsel geben wird, wird die Beunruhigung Österreich-Ungarns und der Türkei durch Rußland nicht aufhören, das auch weiterhin versuchen— 30 — wird, jene Staaten als Sturmböcke gegen den Bestand dieser Reiche zu benutzen. Rußlands letztes Ziel bleibt auch ferner die Aufteilung Ungarns, die Einverleibung Konstantinopels und Kleinasiens, sowie endlich die Oberhoheit über die griechisch-katholischen Balkanstaaten. Andererseits erstrebt Italien zu Ungunsten Österreichs den Besitz der Ostgestade der Adria, um aus derselben ein italienisches Binnen meer zu machen. Diese ehrgeizigen Absichten Rußlands und Italiens müssen endgiltig zu Nichte gemacht werden und zwar indem: 1. Serbien und Montenegro als selbständige Staaten aufhören und durch eine Grenzlinie aufgeteilt werden, die von Antivari an die Morawa bei Lapowo — Kragujewatz südlich lassend — gelegt würde, dann der Morawa bis zur Mündung in die Donau und von dort der Donau stromab bis an die bul garische Grenze folgte, sodaß die kleinere nordwestliche Hälfte von Alt-Serbien und von Montenegro an Ungarn, das südöstliche Serbien an Bulgarien fiele; 2. Osterreich sich in irgend einer Form das eroberte Albanien angliedert. Die Häfen von Albanien eröffnen im Falle eines Krieges mit Italien der stärkeren österreichischen Flotte die Möglich keit, die ganze Adria vom Mittelmeer abzuschließen, und sichern damit Osterreich die Herrschaft nicht nur über die Adria sondern auch über die Ostküste von Italien. VI. Der neue Vierbund. Die zwischen den Reichsdeutschen und Deutschen aus Österreich im Kriege geschlossene Blutsbrüderschaft verlangt allseitig auch ein enges Staatsbündnis. Diesem Bündnis wird sich ein enges wirt schaftliches mit Ungarn anzuschließen haben und der Zweibund mit Bulgarien und der Türkei zu einem Vierbund auszubauen sein. Die Türkei wird stets Rußland gegenüber ein unerschütterlicher Bundesgenosse sein, während die Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist, daß wenn einst ein schwacher Regent über Bulgarien herrschen sollte, leicht panslavistische oder russophile Strömungen die— 31 — Oberhand gewinnen könnten und — dann versuchen würden, den Zentralmächten den Weg nach Konstantinopel zu sperren. Um dies zu hindern, würde eine Militärunion zwischen Österreich und Bulgarien, die nach der jetzigen Waffenbrüderschaft leicht durchzuführen ist, ein probates Schutzmittel sein. Die Oberhoheit über Ägypten würde 6s kacto die Türkei er halten, die durch den Anschluß der 10 000 000 Ägypter und den Reichtum dieses Landes wieder zu einer islamitischen Großmacht erstarken würde. Dann würde der Vierbund sich in ununterbrochenem Grenz zusammenhange von Dünkirchen—Antwerpen bis an den persischen Meerbusen erstrecken und ein gewaltiges Bollwerk für den Frieden von Europa und zwar ebenso England wie Rußland gegenüber bilden- V!I. Jas neue deutsche Kolonialreich. Es ist die Bildung eines großen deutschen Kolonialreichs in Afrika anzustreben, welches die bisherigen deutschen Kolonien durch Einverleibung der dazwischen liegenden feindlichen Besitzungen zu einem großen Kolonialkomplex vereinigte und dem im Nordosten die englischen Gebiete bis an die Grenze von Ägypten hinzuzufügen sind. 1) Ein solches Kolonialreich würde Deutschland ziemlich unab hängig vom Ausland machen bezüglich der wichtigsten Kolonial- Massen-Jmporten, die dann von dort geliefert würden. Heute erhält Deutschland, um einige wichtige Posten herauszunehmen — aus seinen Kolonien nur a) 16 °/o an Rohfutterstoffen von 260 Millionen Import; b) 25 °/o an tropischem Futter, Fett und Oelstoffen, wovon veredelt 152 Millionen Speisefett, 226 Millionen Oel und Fette für Technik und Industrie; c) 12 °/° Kautschuk und Gummi von 114 Millionen Import; ä) 47 °/o an Wolle von 370 Millionen Import; e) einen kleinen Prozentsatz an Häuten und Fellen von 382 Millionen Import; s) Baumwolle garnicht, die künftig die verbündete Türkei aus Ägypten und Mesopotamien liefern würde, 575 Millionen Import.— 32 — 2) Nach Ausbau der Eisenbahn Konstantinopel—Suez — Kairo - Central-Afrika usw. würde das Kolonialreich jeder Zeit auch zu Lande ganz auf Bundesgebiet zu erreichen sein. Es ist das besonders wichtig, weil in den künftigen Kriegen durch die Ubootflotten jeder Handels-Schiffsverkehr sofort unmöglich werden dürfte. 3) Das große Kolonialreich wird auch eine größere Kolonial armee erfordern und wird dadurch dem deutschen Reich Gelegenheit geboten, die verdienstvollen überzähligen Offiziere und Unteroffiziere, für die nach dem Kriege in Deutschland keine Verwendung mehr ist, dort einzureihen. 4) Die Kolonien in Afrika sind — abgesehen von der Kap- Kolonie südlich des Orangeflusses für England und der Provinz Algier für Frankreich — lediglich Objekte materieller Natur, deren Wert dem kapitalisierten Ertrage entspricht, und dementsprechend sind sie bei der Aufrechnung der Kriegs kontribution in Ansatz zu bringen. Druck von Hermann Reiche, Schwiebus.^nivvsppsn Ms/? >!m/ö/?s M^/s/'ss >5s/s^o/?L Ztpgkbui'Z ?Spi8 vV685l lensKl'isgs^islS ^gkstgb 1:3 ovo 000 so 100 Xllomewr ^s>??/5a5-^s//o/?/^sA/'sa5L/'S/^s öSF'MK^/T^S </s///^s 6>s/?^s -Vi?</S d/v/»e ^'ZettVVLII5! k'etensbui'ß »SNTl^ ^/?5^ A/o//cu^?/?» Ko/'/? '..'V'os/F/r ^Vsr>scksu öi'eslsu ««ins o ^//^/ n ö- 0 Zl>o////7AS/? ^ Fs??s/ ^ v X X °.' /l0t^7S o tiönißsbei'L? ^5» ^ ^s>s^s u ^ ^ ^ , - ^ II 1^ 6 A. R ^ Östliclie Kriegs 2ie1e ^la«stg.d 1:75»0U00' ,Kriegsziele von
