Unter Krieqswettern in Ostafrika von Aqnes von Lewinski Unter Kriegswettern in Ostafrika. Kennt ihr den K o I o n i a 1 -seiner? )n den Kolonien war er nie. Er ist ein kleiner Junge, der im dritten Schuljahre steht. Als der Krieg aus- lirach, war er noch nicht weit in den Wissenschaften. Mobilmachung, Auszug, die ersten strahlenden Er- folge, Siegeslänten: wer denkt da noch an Schule und Schularbeiten! Aber Vater und Mutter finden keine Ruhe mehr vor dem kleinen Fragekasten. Vater freut sich über seinen Jungen, der so lebendig des vaterlandes größte Zeit miterlebt, beschließt aber doch, das Interesse nützlich einzuspannen. 2.11s eines Tages die Leseübungen wieder mäßig ausge fallen waren, erging das Gebot: „Niemand erzählt dem Heiner mehr vom Krieg. Er geht schon so lange zur Schule, er inag sich seine Weisheit selber aus der Zeitung herauslesen." — Der Heiner liegt auf dem Fußboden; der Zeigefinger seiner kleinen Hand fährt unter den Reihen der Zeitung langsam dahin; Heiner liest das „Dicke". Das ist böse Arbeit; er schnaubt, er pustet; die sehnigen, langen Beine fahren aufgeregt in der Luft umher. „Sieg—rei che—ver—tei—di—gung von Tanga", kommt es langsam über die Lippen. Dann dasselbe noch ein- von Kgnes von Lewinski.mal, rascher wiederholt, und plötzlich steht er vor mir, die großen Augen blitzen: „Lsvrra, siegreiche Verteidigung von Tanga!" ruft er mit seiner Bärenstimme. „wo ist das, bitte, Vater, wo liegt das?" •—- Vater holt den Handatlas. Mir fahren von Hamburg nach Ostafrika, wir finden Tanga. Es wäre für den Atlas besser gewesen, wir hätten diese Reise nie gemacht. Die Afrikaseite sieht heute fürchterlich aus. Aber das Eis ist gebrochen, seiner wagt sich auch an die „lütte" Schrift der Zeitung heran, um seinen Aolonialhunger zu befriedigen. — Für Rinder, die dem einer gleichen, ist dieses Büchlein geschrieben! Geradezu wunderbar ist's, wie unsere kleine Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika unter ihrem glän zenden Führer von Lettow-Vorbeck bis in das vierte Ariegsjahr jeden Fußbreit des Landes verteidigt hat. Das war nur möglich, weil unfern tapfern Landsleuten eine große Schar gewandter und zuverlässiger eingeborener Rrieger (Askaris) zur Seite standen. Bei Weißen und Schwarzen herrschte die gleiche Begeisterung und Opferbereit schaft für das gemeinsame deutsche Vaterland. Und das war kein Strohfeuer, nein, es hielt stand. Selbst die kleinen Schwarzen spielten den ganzen Tag „Soldat". Stramm kamen sie dahermarschierü Einer kommandierte prachtvoll in furchtbarem5 Deutsch: „Stillgestanden! Augen rechts! Nicht' euch!" — Diese einmütige Verteidigung des „Lan des der Deutschen" ist ein erfreulicher Erfolg treuer Kolonisations- und Missionsarbeit. Erst nach dem Kriege werden wir Einzelheiten davon erfahren, und ihr werdet als echte deutsche Kinder nichts lieber hören und lesen, als die Geschichte des einzig artigen Verteidigungskampfes in Deutsch-Mst- a f r i k a. In den beiden ersten Kriegsjahren ging es den Engländern da drüben schlecht, und die Kämpfe beschränkten sich auf das Grenzgebiet, so daß die Missionsarbeit ungestört weitergehen konnte. Da holten die Engländer sich Anfang die Buren aus Südafrika zu kjilfe, weil sie allein nicht mit den Deutschen fertig werden konnten. Diese drangen von Nordosten her ins Land und besetzten schon im März den K i l i m a - n d j a r o , den unsere Schutztruppe verlassen hatte, um sich rechtzeitig eine bessere Verteidigungs stellung im Süden des Landes zu sichern. Dadurch er sparten sie dem schönen Gebirgsland und unfern Missionsfeldern dort die Greuel und Verwüstungen des Krieges. Die Missionsfamilien blieben ruhig auf ihren Stationen und hielten unter den erschreckten Eingebornen die Drdnung aufrecht. Bald herrschte wieder völlige Ruhe auf den Bergen, alles gingseine» gewohnten Hang, Nur durften die Missio nare sich nicht über eine englische Meile von ihrem Mohnort entfernen und mußten manche Arbeit den eingebornen Lehrern überlassen. Aber die schwar zen Christen bewährten sich, Fast alle Lehrer taten ihren Dienst ohne jede Bezahlung oder gegen halben Gehalt, und als heidnische Volksgenossen beim Ein fall der Feinde die Stationen M a s a m a und Schira berauben wollten, schützten die christ lichen Bewohner das Miss io ikS e ig entu m. Ganz zu versichtlich klangen damals die Briefe aus Afrika. Missionar Fuchs schrieb aus Schigatini : „Mir müssen danken für Bewahrung vor Not. Mb wohl viele Einschränkungen nötig sind, so genügt doch das vorhandene. Unsere Gemeinden sind treu und hilfsbereit. Die Felder trugen reichlich, auch die nächste Ernte wird gut. So herrscht nicht Ver zagtheit, sondern Vertrauen. Mir bitten die Mis sionsgemeinde daheim, mit uns auszuharren und die alte Treue zu bewahren. Mir werden leben und des Uerrn Merk verkündigen!" — Ebenso Frau Missionar Thiele aus M a s a in a : „ Sorgt Euch nicht um uns! Mir leben in Ruhe und Frieden und haben genug. Fast dünkt mir's zuviel, wenn ich an Luch und andere denke. Einen großen Teil der Lebensmittel bauen wir uns selbst, haben Hühner und Rühe, also auch Eier und Milch. Jetztschlachteten wir gar noch ein Schwein. Zurzeit er halten wir die Rostschule auf eigene ksand, neun Mädchen, die natürlich helfen müssen." Daß trotz der strengen Absperrung immer noch einzelne Briefe den weg nach Deutschland fanden, war merkwürdig und viel Ursache zum Danken. Seltener gelang das Umgekehrte. Wie schwer die Trennung von allen Lieben und die Sorge nur die deutsche tseimat aus den Missions- fanrilien lastete, das könnt ihr euch denken und auch aus manchen Zeilen herauslesen. Da schreibt Frau Missionar Raum aus M a r a n g u an ihre Rinder und die Freunde daheim: „Wie sehnen wir uns nach einer Nachricht von Euch! Nun schon sechs Monate ohne jede Zeile vonEuch; am Anfang hätte man nicht geglaubt, daß man das aushallen könnte, aber die Zeit ist vergangen niit Bossen und Harren von einem Tag zum andern, daß es Friede würde. Arbeit gibt es auch reichlich für mich im Baus, da man noch mehr als je für alles selbst sorgen muß. — Wie es Euch allen geht, diese Sorge quält uns natürlich oft. Unsere Gedanken wandern heim; wann werden wir Antwort aus alle Fragen erhalten? Db wir es noch erleben? Doch wollen wir weiter auf Gott vertrauen, der uns bisher so gnädig behütet hat. Wir hatten die letzten vier Wochen große Hitze und Trockenheit, auch mächtigen Wind. Er heulte6 schauerlich um unser Haus. Nun bekamen wir die letzte Woche dreimal schönen Regen. Ls war jetzt immer so, daß uns Gott dann Regen schickte, wenn es schlimm werden wollte, wie dankbar sind wir dafür, besonders jetzt. — Mit feinem, weißem Mehl versorgten wir uns ini August gut, ebenso mit Zucker, Reis, Petroleum, viel bringen jetzt die Leute als Geschenk, manchmal Fleisch, manchmal Lier. Neulich, als wir den Häuptling besuchten und die Kinder auch dabei wareü, freute er sich so, daß er uns eine Ziege schenkte. Im Garten wuchs trotz der Glut Gemüse, besonders viele Bohnen, die ich mit andern, die nichts hatten, teilte. Das macht am meisten Freude, wenn man jetzt etwas zum Her geben hat. — Ach, möge Gott bald, bald unser aller Flehen nach 'Frieden erhören, damit wir von die sem Druck befreit werden." — Und der Vater fügte einige Zeit darauf hinzu: „Ihr lieben Kinder, oft wird uns das Herz weh, wenn wir an Luch denken. Aber wir wissen, Ihr seid in treuer Hut Eurer lieben Pflegeltern, die jetzt, wo wir nichts von Luch hören, Luch nichts mehr sagen, nicht mehr für Euch sorgen können, wie Eure richtigen Eltern sind. Ihr seid in der Hut des lieben, himmlischen Vaters, der Eure Litern und Geschwister bisher beschirmte. Behüt Luch Gott, Ihr lieben, lieben Kinder! Mit schwerem Herzennehme ich Abschied von diesem Briefe, der Luch doch nicht alles sagen kann und darf, was wir fühlen." — Mögt ihr noch einen Brief hören? Ich habe noch einen aus jener Zeit von Frau Missionar Stamberg aus M w i k a an ihr Töchterchen Lva in Leipzig. Sie schreibt: „Mein ge liebtes Rind! Vater, Mutter und Irmele senden Dir tausend treue Grüße und denken immerfort an Dich, lvenn mein Brief ankommt, dann ist wohl schöner, herrlicher Frühling bei Luch, und die Schneeglöckchen, Kimmeisschlüssel, Anemonen und Veilchen blühen, und dann ist das herrliche Mster- fest auch da. Irmgard wird ein großes Mädchen. Ich muß imnicrfort Rleider für sie länger machen. Sie spielt sehr gern mit Deinem Puppen wagen und Deinem Mischka fein Spiel-Bär), der die Rindermntter für ihre Puppen ist. Da sitzt sie denn oft bei mir in dem schönen, schattigen Halb rundteil, weißt Du noch, bei der Granatbuschhecke und den Veilchenbeeten, und spielt ganz prachtvoll allein. Gestern sagte sie mir: ,Mama, wie lieb und entzücklich meine Rinder sind. Guck nur mal die löcherigen Gesichter!^ — Ich erzählte ihr neulich die Leidensgeschichte von unserm lieben Heilande. Sie war ganz empört über den Judas und daß die Rriegsknechte den Herrn Jesus geschlagen haben und sagte so recht voll Überzeugung: .Und derHerr Jesus war doch so ein guter Mann!' Die Schwarzen leiden jetzt viel an bösen Augenentzün düngen und Influenza. Kti letzterer lag des Lehrers $ i I i p o ganze Familie, fo daß Irmgard ihre kleinen Spielgefährten jetzt lange nicht hat. was machen denn deine Spielgefährten? Betest Du auch jeden Abend für Vater, Mutter und Irm gard, wie wir's für Dich und Deine lieben Tanten tun? Bleibe fromm und gut, meiir Rind." — Alle Briefe waren viele Monate unterwegs, aber wie trösteten die guten Berichte. Ai^ch im Hochland von u j a m bara lief es gnädig ab, als die Feinde inr Juni dort einbrachen. Die Missionare der Bielefelder Mission konnten damals melden: „wir leben hier wie zur Friedenszeit!" wenn auch von ferne der Kanonen donner grollte und sie von der übrigen Welt abgc schnitten waren. Trauriger erging es der Biele felder, Berliner und Herrnhuter Mission im Westen und Wordwesten der Kolonie, als die schwe ren Kämpfe der Schutztrupxe mit den Belgiern und Engländern dort begannen. Es war gerade so, als wenn in eine Schar Tauben der Habicht hinein fährt. Alle flüchteten, wurden aber doch gefangen genommen und die Missionsstationen zerstört. Der Negerkönig M s i n g a von Ruanda, der dem Lhristentum nahestand und sich oft von den Missiorictren beraten ließ, schrieb, als die Belgier in sein Land rückten, an den belgischen Kommandanten folgenden denkwürdigen Brief: „Vor Eurem Ein» rücken habe ich bei dem deutschen Residenten in Ruanda anfragen lassen: ,was soll ich tun?' Er hat mir geantwortet: ,)n Europa bleiben die Leute, die nicht Krieg führen, ruvig in ihren Wohn- stätten, ihnen geschieht nichts? Ferner hat er mir sagen lassen: ,Wenn die Belgier zu Dir kommen, erfülle nur ihre Befehle, so lange sie da sind? So denke ich auch zu handeln, und Du wirst mir des wegen nichts Übles tun, weil Du weißt, daß ich lange Jahre gut mit den Deutschen ausgekommen bin. Du kannst nicht verlangen, daß ich böse gegen sie handle, denn ich bin ein Mann von Ehre. Die Deutschen haben mir übrigens gesagt: ,Wir wer den wiederkommen, da wir in Europa unsere Feinde besiegt haben und da wir weiter siegen werden? — Ich weiß nicht, ob das wahr ist. Ich weiß nur, daß die Deutschen mir seit langem immer die Wahr heit gesagt haben." Ein bedeutsames Zeugnis aus dem Munde eines schwarzen Mannes vor seinen Feinden mitten im Weltkriege! — König Zit finga hat wohl nichts Gutes von den Belgiern erfahren, denn er fiel später im Kampf gegen sie. Lin Biele selber Missionar aber rühmte ihm nach: „Ich hatte den klaren Eindruck, daß er in den schweren wegen,JO die er geführt wurde, Gottes Wege sah und daß er Gottes Stimme Hörte in seinem Nerzen." -— 3 m Sommer J 9 J 6 sind über \50 Frauen und Rinder gefangen sortgesührt. Hunderte von Kilo metern mußten sie unter Afrikas heißer Sonne wandern und litten schwer bei all der Mühsal, bis sie ihre Gefangenenlager erreichten. Nur selten durften die Männer und Väter bei ihnen bleiben, meist kamen sie in besondere Lager, wir haben verschiedene Berichte aus diesen Gefangenen lagern erhalten. Da schreibt ein Missionar an seine Rinder in Deutschland: „Mutter wohnt in einem Steinhause und hat da ein kleines Stübchen mit Fritz (dem jüngsten Rinde) für sich. Viel Raum ist nicht drin, es können gerade zwei Betten stehen, ein Tisch und ein Stuhl. Aber es ist gemütlich bei ihr, und Mutter freut sich, daß sie dies Plätzchen für sich hat. wenn ich auf ein paar Stunden herüber komme, sitzen wir jedes auf einem Bett und er zählen uns, was der Tag gebracht hat, und Fritz fühlt von all der Not kaum etwas." — So gut haben es nicht viele. Es wird in einer Burenzeitung er zählt, daß im Lager zu p r ä t o r i a in Süd afrika 54 Frauen und 80 Rinder in einem großen Saal schlafen mußten. Die Burenfrauen besuchten sie dort und fanden Betten, nichts als Betten neben- und übereinander. Die Frauenu waren beim Scheuern und putzen, und auf die teil nehmende Frage, ob sie alles Nötige hätten, ant- warteten sie: „Ja, wir sind zufrieden, nur —- das Schlafen mit 80 Kindern in einem Raum ist nicht zum Aushalten, wenn ein Kleines aufwacht und weint, sind alle 80 munter, und die Mütter können keine ausreichende Nachtruhe finden." ~ warum gab man ihnen nicht Zelte? — Zm Eß- und wohn- raum bot sich ein allerliebstes Schauspiel. Da stand ein Schuhhändler und um ihn herum die Mütter mit ihren Kindern beim Schuhanpassen. Ein kleines Blondköpfchen zeigte, was ihr Schwesterchen für hübsche Schuhe bekam; sie hätte auch gern welche gehabt, aber Mammi sagte, ihre gingen noch. — Zn der Küche klagte die Köchin, daß sie zu wenig Gemüse bekämen. Und wirklich für die 80 Kinder und ihre Mütter war eine Portion berechnet, die 20 Münder leicht bewältigen könnten. Darum for derten die Lurenfrauen ihre Landsleute auf: „wer Gemüse entbehren kann, schicke es! Davon kann nie zu viel werden. Und dann Eier und Milch! — Gewiß, Eier sind knapp, das trifft sich schlecht, aber die 80 Kinderchen müssen einst blühend von uns ziehen, wir wollen keine blassen Gesichtchen sehen. Die Kinder unserer Feinde müssen uns heilig sei n!" — Dies Wort aus Feindes mund, auf afrikanischem Boden gesprochen, kann\2 Meißen und Schwarzen dort 3111,1 Bewußtsein bringen, was es um christliche Liebe ist. — Einige Missionsleute sitzen, nachdem sie durch ganz Afrika und Libers Meer geschleppt sind, in einem südfranzösischen (Drt. Mißt ihr, wo sie sitzen? Sie haben die große Ehre, im — Schweinestall zu wohnen. Jeder hat seine Bucht für sich und sucht es sich darin so wohnlich wie inöglich zu machen mit dem wenigen, was man hat. Ls ist aber ein ganz neuer Schweinestall, der gerade vor dem Kriege fertig gebaut war. Schweine waren noch nicht drin. Die Franzosen haben ihn schnell als Gefangenenlager für die Deutschen eingerichtet. Er ist also ganz sauber. Auf der Erde liegt ein Stroh sack zum Schlafen. Rings um das Lager ist ein Zaun von Stacheldraht gezogen. Sie dürfen nicht hinaus. Draußen sehen sie grüne Bäume und hören die Vögel singen, aber sie sitzen im Käfig. Gefangensein ist doch schwer, sehr schwer. Mic wird den gefangenen Vögeln zumute sein, wenn sie wieder hinaus dürfen in die Freiheit! Die Lage der schwer bedrängten Kolonie wurde noch verschlimmert, als sich auch die Portu giesen zu unfern Feinden gesellten, die an der Südgrenze D e u t s ch - 6) st a f r i k a s eine Ko lonie haben. Sie zogen von dort gegen unsere Schutztruppe zu Felde, um das kleine Bäuflein zuvernichten. Aber fo schnell sollte es ihnen nicht ge lingen. Die Deutschen wissen sich zu wehren. Je weiter sich der Krieg ausdehnte, desto seltener ge schah es, daß Briefe durchschlüpften. Da bereitete es dann doppelte Freude, als Anfang ^7 ein Brief von Schwester BertaSchulz aus M o s ch i eintraf. „Linen Brief von Ihnen habe ich in der Hand. Können Sie sich meine Freude ausmalen, als Herr Missionar G l d e w a g e ihn niir heute abend brachte? Lr ließ mich erst raten, er hätte mir etwas ganz Schönes mitgebracht! Ich riet hin und her, aber auf einen Brief kam ich nicht. Ls ist ja länger als Jahresfrist, seit ich die letzte Bachricht von daheim erhalten habe! Aber da sich nun ein Weg gefunden hat, hoffe ich, werden öfter Briefe kommen und abgehen. Und vielleicht ist bald Friede, und dann —- geht's heim! Dann qibt's ein Wiedersehn; wie groß wirch die Freude sein!" - Und nun erzählt sie von den schwarzen Kindern, die sie bei sich aufzieht. „Wir sind in unserer Arbeit wie immer. L l i s a ist jetzt eben 6 Jahre, hat mit Petro zusammen Schule, natürlich deutsch. „Prinzeß Helene" inacht ihre ersten Mal- versuche auf der Tafel. Sonst spielen sie munter herum, beteiligen sich am Schweinehüten, holen Gras für die Kaninchen usw. Ls ist uns immer wieder ein Wunder Gottes, daß wir mit allem bis-1.4 her so durchgekommen sind; wir nehmen aus seiner Ejanb immer wieder unser täglich Brot." - von einem schön verlebten Weihnachtsfest weiß Frau Missionar 5 t a m b e r g in M w i k a ihrem Töch- terchen zu erzählen. Tage mit viel Arbeit gingen voraus. Da gab es reinzumachen, Lichter zu gießen, zu backen und zu nähen. I r m g a r b half bei den kleinen Bäckereien von Pfeffernüssen und Honig kuchen. Der Vater schmückte mit dem Lehrer Filipo die Kapelle und den Weihnachtsbaum. Am 4 . Advent hielt Vater seine erste Konfirmation in Kl w i k a ab. An: heiligen Abend fand Thrist- vesper in der übervoller: Kapelle statt. Nachher Feier daheim. Der Lichterbaum sah sehr hübsch aus. Zum Aufbauen hatten sie nicht viel. Irmelc wurde in ihr pimmelbett ein Püppchen gelegt, das verschiedene Sachen zum An- und Ausziehen hatte, sauber gekleidet saßen ihre alten Puppen daneben. Dann lag da noch ein Märchenbuch, eine Büchse Biskuit und Bonbon. Ihre Freude und Seligkeit war groß. Sie verspürt zum Glück nichts von ernster Zeit, ist gesund und vergnügt. Der Häuptling er freute die Missionarsfamilie durch einen Schafbock, der kam wie gerufen beim augenblicklichen Fleisch- Mangel. Starnbergs schenkten ihm einen großen Honigkuchen, und jeder schied beglückt und darrkbar vom andern. Beim Singen der alten,15 schönen Weihnachtslieder unterm brennenden Baum haben sie von Kerzen all ihrer Lieben in H I c y a (Europa) gedacht. Still mit ihrem Gott haben sie das alte Jahr beschlossen, das neue begonnen. Was wird es bringen? - Es war zunächst nichts Gutes, denn schon im Frühjahr t 916 veränderte sich leider das friedlicheBild am Kilimandjar o. Ohne triftigen Grund wurde zuerst Missionar Fuchs aus Schiga - t i n i gefangen genommen und bis nach Ahmed n a g a r in Indien gebracht. Das war ein Schreck, besonders für seine beiden mutterlosen Kinder in Bayern, die er noch einige Zeit vorher so väterlich ermahnt hatte: „Alfred, mein Bübchen, Du bist unsere besondere Hoffnung. Du sollst einmal ersetzen helfen, was jetzt unser Vaterland verliert. Und Du, Magdalenchcn, gelt, Dir ist das Weltgetriebe recht wnrscht, bist ja noch klein und bist ein Mädel und mußt jetzt der guten Mama (der Pflegemutter) und der M a r - garet tüchtig in der Küche Helsen." — Dann kamen andere Missionare an die Reihe, sie wurden aber meist in den afrikanischen Gefangenenlagern untergebracht. Ihre Frauen und Kinder blieben vereinsamt aus den Stationen. „Ahnt Ihr, was ich durchkämpfe? Allein mit vier kleinen Kindern im liebeleeren Afrika sich durchschlage,:, ist unendlich schwer. Da kannu> nur Liner helfen, doch Ihm sei Dank! Lr ist größer als alle Not. Euer letzter Gruß erreichte uns Juni — wieviel sagen diese wenigen Worte. - Zo ist also auch das hoffnungsvolle Arbeits seid unserer Leipziger Mission mit hinein- gezogen in die Erschütterungen, die der Krieg dem Missionswerk gebracht hat. Doch die oft erfahrene Durchhilfe soll uns den Glauben stärken, daß der Berr, dessen Name „wunderbar" ist, noch alles herrlich hinausführen wird — zu seiner Zeit. — Und nun, meine lieben Kinder, mit welchen Gedanken legt ihr dies Büchlein aus der Band? — Der kleine Kolonial-Heiner, von dem ich euch oben erzählte, lernt jetzt Latein und tut es fleißig. „Vater, ich will das lernen, weil du dich darüber freust. Aber nützen tut es nichts, kein Askari versteht Latein, und ich gehe ja doch später nach Deutsch-Vst!" — Und ein anderer kleiner Junge, ein psarrerssohn von zehn Jahren, hat über nichts solche Freude, als über die biblischen Geschichten vom lieben lheiland. Dazu meint er leuchtenden Auges: „Das will ich einmal den Heiden sagen!" - werdet tüchtige, deutsche Männer, mein Ko lonial-Beiner und mein lieber Heidenfreund, und dann dann geht mit Gott und helft mitbauen am Deutschtum und Lhristentum in unfern afrika nischen Kolonien! Druck von $raii&eiiftein & Wagner, Leipzig./1 1 ]. s 2- n f
