Wie erzieht man am besten den Neger zur Plantagen-Arbeit? Und welche Ziele müssen wir verfolgen, um unsere Kolonien für Deutschlands Handel und Industrie allgemein nutzbar und segensreich zu gestalten? Mit Original Plänen für ein tropisches Normal-Haus. Von Hermann Bibo aus London. Motto: „Was einst ein Häkchen werden will, das krümme sich bei Zeiten." Preisgekrönt von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Berlin 1887. Verlag von Walther & Apol nt. Wie erzieht man am besten den Neger zur Plantagen-Arbeit? welche Ziele müssen wir verfolgen, um unsere Kolonien für Deutschlands Handel und Industrie allgemein nutzbar und segensreich zu gestalten? Mit Original-Plänen für ein tropisches Normal-Haus. Von Hermann Bibo aus London. Motto: „Was einst ein Häkchen werden will. Das krümme sich bei Zeiten." Preisgekrönt von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Berlin 1887. Verlag von Walther & Apolant.Alle Rechte Vorbehalten. Insbesondere behält sich der Verfasser das Eigenthumsrecht der Kon strnktion des tropischen Normal-Hauses mit seinen sanitären Ein richtungen vor.Iie Mittel, welche anwendbar, um die Afrikanische Neger rasse zu brauchbaren Arbeitern heranzubilden, und selbige, ohne uns Sklaverei-Systeme zurückzugreifen, mit Nutzen für den Plan tagenbau und zll den damit verbundenen Industrie-Zweigen verwendbar zu machen, und gleichzeitig zu ihrem eigenen Wohle, zu gesitteten und glücklichen Menschen ju erziehen, sind eng be grenzt. Um diesen Zweck mit Sicherheit iir seinem vollen Umfang zu erreichen, ist es aber unerläßlich, Fragen p berühren, welche mit der unmittelbaren Erziehung selbst scheinbar in losem Zusammenhang stehen, die aber eineil vitalen Einfluß auf den schließlichen Erfolg des ganzen Unternehmens unbedingt bean spruchen. Wir wollen hier den Versuch wagen diese für unsere praktischen Zwecke in ihren wesentlichsten Grundzügen in einem möglichst beschränkten Rahmen gu skizziren, um schließlich die Frage mit Erfolg beleuchten zu können. Andere Nationen haben meistentheils an dort bestehende Verhältnisse angeknüpft, und durch ihre Missionen allein auf die bereits erwachsenen Bewohner einzuwirken versucht; mit welchem Erfolg ist ja hinlänglich bekannt. Aber lassen wir uns die beregten Mißerfolge zur Lehre dienen, und nicht Erfolge von physischen und moralischen Unmöglichkeiten erwarten. Wollen wir bei einem für das deutsche Vaterland so bedeutungsvollen Unternehmen mit Sicherheit vorgehen, so lasse man die Sache in Deutschen Händen, auch mit Deutscher Gründlichkeit anfangen, 1 *4 und selbiges mit Ausdauer von Stufe zu Stufe zur Vollendung führen, wodurch ein Erfolg allein mit Sicherheit 31t erwarten ist. Daß dementsprechend für unsere Zwecke vorzugsweise die Heranwachsende Jugend ins Auge zu fassen, wird Jedem ein leuchtend erscheinen, welcher mit den guten und bösen Eigen schaften dieser sonst brauchbaren Menschenrasse hinlänglich ver traut ist. Für den Anfang ist es vor allen Dingen nothwendig, daß junge Leute, die es zu ihrer Lebensaufgabe machen wollen, als Freiwillige für die Mission auf längere Zeit nach den Gebieten^ welche vorzugsweise für den Plantagenban ausersehen sind> ans- gesandt werden. Diese haben, neben der Aufgabe dort bei den Erwachsenen den Boden für die milden Lehren des Christenthums vorzubereiten, vorzugsweise den betreffenden Dialekt der Bewohner, welcher in dem Distrikt gesprochen wird, zu erforschen, den ge sammelten Wortschatz ¦— nach dem Phänischen System — und die sonstigen Eigenthümlichkeiten der Sprache festzustellen, und das Resultat an die dafür bestimmte Behörde in Deutschland zur weiteren Verwendung einzuschicken. Die Hauptaufgabe in der Heimath wird in dem Heranbilden von geeigneten brauchbaren Lehrkräften bestehen, in einer Anstalt erzogen, welche ihren Sitz dem Zweck entsprechend in oder bei Berlin erhalten dürfte. Um für diese große bedeutungsvolle Aufgabe geeignet zu sein, müssen deren Mitglieder, neben der hinreichenden Freudigkeit in ihrem Beruf,, vor allen Dingen eine robuste Gesundheit mitbringen. Diese müssen neben der Kenntniß der Deutschen Sprache in der Eng lischen unterrichtet werden; nicht etwa um diese Sprache dort auszubreiten, solches würde ein schlechter Dienst sein, welchen wir dem Vaterlande leisten, wir würden damit den bekannten Jntriguen Englischer Geschäftsleute gegen Deutsche Interessen die Wege bahnen; wir haben solches ganz besonders zu vermeiden. Deutsch muß die Sprache sein, welche deutsche Kolonien reden. Die Lehrkräfte sollen die Englische Sprache nur erlernen,5 um in der betreffenden Literatur die Erfahrungen dieses Volkes ans dem Felde der Kolonisation der letzten drei Jahrhunderte sich zu eigen zu machen. Die Lehrkräfte müssen vorzugsweise gründlich den betreffenden Negerdialekt studiren, welcher in dem Bereich ihres künftigen Wirkungskreises gesprochen wird, wofür die oben erwähnten Berichte der Missionäre als Grundlage dienen. 2Cuf Grund dieser Berichte muß ein Lehrbuch für die Lehrkräfte bearbeitet, und ein solches für die schwarzen Zöglinge in Afrika für das Erlernen der Deutschen Sprache ausgear- beitet werden. Dann müssen die Lehrkräfte eine gründliche Kenutniß itt den Geist und das Wesen der Kindergarten-Erziehung empfangen, welche alle die nützlichen „Gaben" und Hand griffe in sich vereinigen, welche erwünscht erscheinen, um die Handfertigkeiten für den praktischen Beruf der schwarzen Zöglinge erfolgreich einzuüben und auszubilden. Allzugroße wissenschaftliche Kenntnisse sind für die Lehr kräfte für ihre fünftige- Thätigkeit um so weniger erforderlich, als es sich im Wesentlichen auf ein Heranbilden für ganz konkrete praktische Zwecke handelt. Man hüte sich be sonders vor Uebertreibuugen in dieser Beziehung, und überhaupt vor zu großer Gelehrsamkeit in der Ausbildung, die hier um so weniger am Platze sein würde, als wir brauchbare Arbeiter, aber keine Philosophen unter den schwarzen Mitbürgern heran bilden wollen. Alles Zuviel ist daher vom Uebel und zersplittert die Kraft und lenkt den Blick von der Hauptsache ab. — Dafür müssen die Lehrkräfte mit gründlichen Special-Kenntnissen aus gestattet werden, z. B. über Bodenkultur mit Bezug auf ihren Bestimmungsort, über das Wesen und die Eigenschaften der hauptsächlichsten Pflanzen, welche dort zu kultivireu sein werden, in deren Kultur sie durch Anschauungs-Unterricht zu unterweisen sind. Z. B. Seide, Baumwolle, Ananas zur Gewinnung deren Blätter für die Textil-Jndnstrie in Deutschland verwendbar, und deren Früchte zum Einlegen in Zucker für den Export, ferner Kaffee, Thee, Gummi, Vanille, Indigo, Zucker, Mais, Durra6 u. s. w., u. s. w. Ferner müssen die Lehrkräfte mit der Ver schiedenheit in den Jahreszeiten mit Bezug aus ihren Bestimmungs ort, und die Zeiten der Aussaat gewisser Früchte vertraut ge macht werden, vorzugsweise mit Bezeig auf Europäische Gemüse, so uothwendig für die Erhaltung der Gesundheit aller Europäer tu hcn Tropen, welche dort aber ganz verschieden als in Deutsch land üblich, behandelt werden müssen, um auf Erfolg rechnen zu dürfen. Ferner tiber klimatische Verhältnisse in den Tropen, mit Bezug ans die Gesundheitspflege n. s. w. Alles das sind Kenntnisse, die erforderlich, ja uothwendig sind, um auf den künftigen Erfolg in ihrem Beruf hinarbeiten zu können. Solche Kenntnisse müssen praktisch und gründlich gelehrt werden, ehe die Leute für ihren Bestimmungsort eingeschifft werden, anderer seits sie dort die kostbare Zeit gu vergeuden haben, um solche Kenntnisse sich erst nach unzähligen Mühen und Mißgriffen an zueignen, welches viel Zeit erfordert, die Liebe zur Sache ab schwächt, Muth und Gesundheit untergräbt, und schließlich das ganze Unternehmen auf lange Zeit in Frage stellt. Haben wir nun unsere Lehrkräfte zu Hanse so ansgestattet, wie oben augedeutet ist, so bedürfen dieselben noch der theore tischen Kenntnisse über den Charakter — d. i. die Fehler und Vorzüge der Rasse, welche sie p erziehen berufen sind. Hier hat uns der unermüdliche Forscher David Livingstone bereits tüchtig vorgearbeitet — werthvolle Erfahrungen, ein Menschen alter hindurch au Ort und Stelle in liebevollem Verkehr mit den Eingeborenen gesammelt, und in seinen wahrheitsgetreuen Werken „InvingstonAs Travels in Afrika“ uiedergelegt, die zum Studium für unseren Zweck nicht ernstlich genug empfohlen werden können. Andererseits haben wir uns zu hüten, um nicht auch seine Fehler zu repetiren, welche durch feine puritanisch re ligiöse Anschauungsweise diktirt, ihn manche Fehlgriffe thun ließ, die ihn oft um seine besten Erfolge, bei diesen so ganz anders gearteten Naturmenschen betrogen. Wir müssen uns hüten bei Völkern, welche sich nie über das Stadium einer7 kindlichen Entwicklungs-Stufe erhoben haben, denselben Maaß- stab anlegen gu wollen, dieselben Anforderungen zu stellen, welche für ein hochentwickeltes Volk maaßgebend erscheinen. Unsere edelsten Bestrebungen werden sonst sicher fruchtlos sein, und in bitteren Enttäuschungen ihr Ende erreichen. Um ein Lehr-Jnstitut wie oben angedentet ist, für die Lehr kräfte wirksam zu gestalten, muß selbiges mit einem botanischen Garten nebst Einrichtungen für Warmhauspflanzen zum Zwecke für den Anschauungs-Unterricht verbunden sein, wo aber nur diejenigen Pflanzen §u kultiviren sind, welche für die künftige praktische Verwendung in Betracht kommen, aber wo jede Ab schweifung, jedes Zuviel oder Unwesentliche zu vermeiden ist. Eine fernere, sehr wichtige Vorbedingung für den Erfolg ani künftigen Bestimmungsort, sowohl als auch für die Lehrkräfte zu Hause, für die Vorbereitung zu ihrem Berufe, ist die richtige Wahl der für das tropische Klima geeigneten Häuser und deren Einrichtungen. Diese Häuser müssen dem Zweck entsprechend für die Anstalt zu Hause, wo sie als Wohnungen für die künftigen Lehrkräfte bereits dienen können, schon so konstruirt und eingerichtet sein, wie solche in Afrika selbst verwendet werden sollen, und für die Gesundheit der Zöglinge sowohl, als auch die der Lehrkräfte erforderlich sind. Diese Vorsicht ist schon deshalb empfehlens- werth, weil da, wo den jungen Lehrkräften später Alles mit einem Male so fremd entgegentritt, sie wenigstens für ihren neuen Wirkungskreis in ihrer unmittelbaren Umgebung dort ähnliche, ihnen bereits vertraut gewordene Verhältnisse vorfinden, wie sie solche eben zu Hause verlassen haben. Durch solche Vorsicht wird dort viel Verwirrung vermieden, und die Lehrer fühlen sich gleich vom Anfang relativ heimisch bei ihrer nun beginnenden Thätigkeit. Ein solches Normalhaus mit allen Anforderungen an Ven tilation, so wesentlich für ein tropisches Klima, und mit ge eigneten Schul- unb Schlaf-Räumen, nebst luftigen aber schattigen8 Turn-, Spiel- resp. Arbeits-Räumen ausgestattet, nebst Wasch- Koch- und Vorraths-Häusern hat der Verfasser hier in einer Zeich nung mit Grundplan unter A B C D zur Erläuterung beigefügt. Für die Lehranstalt in Deutschland selbst wird um der Unter schied zu niachen sein, daß die inneren Wände mit Holz, Lein wand und Tapeten bekleidet werden, die Räume mit Oefen und die Veranden mit Glasfenstern anstatt der Draht-Gitter zu versehen sind. Diese Gebäude, welche vorläufig, so lange Kräfte zu Stein oder Ziegelbauten noch nicht angelernt, oder dergleichen Material in der Nähe überhaupt nicht p haben ist, müssen ganz aus eisernen Röhren als Säulen, ff"-Eisen als Träger- mtb Well- Eifen als Bekleidung, zerlegbar konstruirt, und an Ort und Stelle leicht aufzustellen sein. Wellblech für die Bekleidung würde nun überall, wo die tropische Sonne die Flächen bescheiitt, die Räume bis gur Un erträglichkeit erhitzen und unbewohnbar machen, diesen stets empfilndenen Uebelstand hat der Verfasser dadurch beseitigt, daß die Wellblech-Dächer mit Rohrbündeln von 30 Centimeter Durch messer ganz dicht p belegen sind, ähnlich wie solches bei den Strohdächern in Norddeutfchland in früheren Zeiten üblich war. Diese Rohrbündel müssen mit Kupferdraht, welcher dem Rost nicht ausgesetzt ist, fest auf der äußeren Fläche der Wellblcch- lage verschnürt werden, und gegen Fäulniß ist das Rohr durch feinen Silikat-Panzer auf lauge Zeit geschützt. Die hohlen Rohrstäbe aber schützen die Flächen gegen die durchdringenden Sonnenstrahlen, und erhalten das Innere der Räume vollständig frisch und kühl! — Die Wände aber werden ohnehin durch die weit ausladenden Dächer der Veranden gegen die Sonne ge schützt; auch ermöglicht diese Bauart in den inneren Räumen eine unverkümmerte Reinlichkeit! und so steht p hoffen, daß diese „brennende" Frage endgültig gelöst ist.*) *) Für die Herstellung eines Modells des Bibo'schen Normalhauses9 Holz muß für deir Häuserbau sowohl als auch für die inneren Einrichtungen thunlichst vermieden werden, indem solches in den meisten Gegenden dort von den tropischen Ameisen zer stört wird, deren scharfer Biß nur wenige Holzarten gn wider stehen vermögen; deshalb müssen selbst die Fußböden mit Schiefer-, Ziegel- oder Cement-Platteu belegt werden. Eine besondere Wichtigkeit für ein Normalhans ist der Ventilation beigelegt. Diese Frage ist dadurch als gelöst gu betrachten, daß in Mitten des ganzen Banes, in der Decke des von allen Seiten offenen Unterbaues, welche gleichzeitig den Fußboden des ersten Stockes bildet, große Draht-Gitter-Venti- latoren angebracht sind, welche den frischen Luftzug vom Uuter- bau kommend, die sämmtlicheu Schlafräume dnrchstreichend, den Abzug der verbrauchten inneren Luft durch obere Drahtgitter- Ventilatoreu aus den Giebeln unter dem oberen Dach abführen, wodurch die stete Zufuhr von reiner Lust in allen Räumen vermittelt wird. Siehe die beifolgenden Pläue! — Aus diesen Plänen ist es ersichtlich, daß alle Wohn- und Schlafräume isolirt vom Fußboden, ein und zwei Treppen hoch, angelegt sind. Wir brauchen nicht erst nach dem verleumdeten Astika zu gehen, um diese Vorsicht zu lernen und die Nutzanwendung zu ziehen. — Ueberall in den Tropen ist solches geboten, in In dien, besonders in Burmah, wird keine Bungalow von Eng ländern gebaut und bewohnt, ohne dieser Thatsache Rechnung zu tragen. Fieber-Anfälle werdeit durch keine andere Vernach lässigung bei Europäern leichter propagirt als durch den Schlaf auf ebener Erde. — Leider ist der Pionier nicht immer in der Lage sich dem zu entziehen. Anders steht es aber bei einem wohlgeplanten Hausbau. — Auch wird diese Vorsicht nicht wenig dazu beitragen, unsere Deutschen Beamten rmd Lehrer in V20 Größe hat die D. O. A. G. die Mittel bewilligt, und ist solches bereits unter persönlicher Leitung des Verfassers in der Ausführung be griffen, welches nach der Vollendung imJnteresse derDeutsch-Ostafrikanischm- Gesellschaft zur öffentlichen Ausstellung gelangen soll.10 sowohl, als auch die za erziehenden Arbeiter, bei Frische uitb Gesundheit zu erhalten. Der non alten Seiten offene Unterbau, welcher wie be schrieben, für die Gesundheit der Bewohner von Wichtigkeit ist, kommt uns aber noch besonders bei der Erziehung unserer jungen Arbeitskräfte — als ein gegen Regen und Sonne ge schützter Raum, als Refektorium, als Turnplatz — Kindergarten — Spiel- und allgemeiner Arbeitsranm, trefflich gu statten. Ein Gebäude für Wasch- und Vorrathshans, für Bekleidungs- Gegenstände; ferner ein Kuchen-Gebäude nebst Speicher und Vor- raths-Kammern, müssen isolirt vom Wohngebäude errichtet werden, aber doch mit demselben, durch einen, zwar seitlich offenen, aber bedeckten Gang verbunden sein, wie in der Zeichnung und Grundplan ersichtlich ist. Diese Einrichtung ist schon der tropi schen Regen wegen erforderlich. Daß der Grund und Boden einer solchen Anstalt, von einer großen Anzahl Menschen bewohnt, gründlich drainirt sein muß, ist selbstverständlich. Drainröhren lassen sich allenthalben mit modernen Maschinen Herstellen, wo geeigneter Lehnr und Holz oder Kohle zum Rösten der Ziegelröhren vorhanden ist. Diese Vorsicht ist im tropischen Klima von großer Wichtigkeit; daß anderirfalls die Gesundheit der Zöglinge stets fraglich — und die der Deutschen Lehrkräfte und Beamte, auf die Dauer nahezu eine Unmöglichkeit, ist mit Sicherheit zu prognosticiren. Wenn schon in unserem gemäßigteir Klima die Frage der sanitären Pflege des Bodens, den wir bewohnen, durch die Wissenschaft und die üblen Erfahrungen, uns so nahe gelegt worden ist, und nachgewiesen, daß die meisten Krankheiten mit diesen Verhältnissen im engsten Zusammenhang stehen, und be einflußt werden, wie z. B. Fieber, Diphtheritis, Cholera u. s. w. Wenn diese Frage schon auf bewirthschaftetem Boden Europas als eine Nothwendigkeit von Jahr zu Jahr immer ernster an uns herantritt, wo doch seit Jahrhunderten schon so Manches geschehen ist, durch Bodenkultur, Abzugskanäle und Gräben,11 und endlich auch durch rationelle Drainirnugen. — Ist es da ei» Wunder, in einem Lande unter einer tropischen Sonne, wo die Vegetation so gewaltigen Umfang erreicht uub der Zer- setzuugsproceß mit der Erzeugung naturgemäß, gleichen Schritt zu halten hat? wo seit der Schöpfung »och nie das Mindeste gethau, um diese Uebelstände §u mildern? — Ist es da ein Wunder, wenn dem Europäischen Pionier bei großen Au streugungen, oft unter Entbehrungen der ihm uothweudigsteu Lebens-Bedürfnisse, diese Uebelstände plötzlich auf seine Gesund heit verheerend einwirkeu? — Welche Zustände mögen einst iir Europa, zu einer Zeit geherrscht haben, als unter ähnlichen Verhältnissen die ersten Germanen als Pioniere diesen jungfräu- lichen Boden betraten? welche verheerende Seuchen die ersten Einwanderer decimirt haben; durch Krankheiten, deren Namen und Ursachen ihnen noch ein Geheimniß sein mochte?! — Welche Mittel dagegen sind uns heute bereits dienstbar zur Hand, von denen die damalige „Wissenschaft" noch keine Ahnung gehabt haben mag. Gehen wir daher unentwegt vorwärts, auf unserer einmal, spät genug, aber nicht zu spät betretenen Bahn, muthig in dem, was wir für gut und heilsam halten, zum Wohle des Vaterlandes und zum .Heile des Deutschen Volkes. Suchen wir mit Verständniß geeignete Plätze auf, wie wir solche für unsere wohldurchdachteu Pläne bedürfen; statten wir diese aus mit Einrichtungen wie die Wissenschaft uns solche offenbart, die. Erfahrung geprüft und als praktisch befunden: Dann werden wir den Boden dienstbar und die Eingebornen brauchbar machen, und schließlich die Wege finden durch Verständniß, Kraft und Ausdauer auch die Malaria zu besiegen. S Die Wohnungen, wie solche oben beschrieben, sind noch ans anderen, sehr wichtigen — als den der Gesundheit förder lichen Gründen von hervorragender Bedeutung. Der Neger wird ganz bestimmt nie auf die Dauer aus seiner primitiven Lebensweise, mit seinen mannigfaltigen Untugenden heransge- rissen, unb mit Erfolg zum brauchbaren Arbeiter erzogen werden,12 wenn «tan ihm nicht seine üblen Gewohnheiten von Hause aus unterbindet, lind ihn vorzugsweise, von Jugend ans, von seiner backofenförmigen Lehmhütte mit all dem Gefolge von Schmutz und Ungeziefer emancipirt, und so den Grund legt zu seiner Rein lichkeit an Behausung und Körper — seine Selbstachtung wach- rnft. Dieses muß der erste Anfang — der Grundpfeiler für seine künfti ge Erziehung zum brauchbaren Menschen bilden. Er muß von seiner Kindheit an so gewohnt werden, daß ihm ohne' diese "Lebenskriterien keine Annehmlichkeit, keine Existenz mehr denkbar ist! und da er diese Existenz nirgendwo anders findet als in der Umgebung der Deutschen Gesellschaft, so ist uub bleibt er für sein Leben willig und gerne, in der Weise, wie wir später zeigen werden, an dieselbe gebunden. Regelmäßiges Leben, liebevolle Behandlung von Jugend ans, und in regel mäßiger Arbeit dem Klima angemessen gehalten, ohne Ueber- anstrengung; stete Sorge für angemessene Zerstreuungen und Belustigungen in den freien Stunden, in der Woche sowohl als auch an Sonntagen. Unterweisungen in den milden und prak tischen Grundsätzen des reinen. Christenthums, aber Fernhalten von alleil dogmatischeil Spekulationen, welche ihn nur verwirren aber nicht belehren; reine Liebe zub Wahrheit, zil Gott und chenieil Geschöpfen, werdeil das klebrige thlln. Der Neger, mich der so erzogene, darf aber nie ganz sich selbst überlassen — er muß vielmehr darail gewöhnt werden, stets in einem Ab bänaiakeits-Ber kiältniß zur Deutschen Gesell schaft, die ihn erzogen, z>i verbleiben, mich iiach seiner Ver- heirathlmg, lind zwar so wie iinsere heimischen Soldaten zil ihrem Regiment. Auch miiß er sich nie als Sklave fühlen, iwch als solcher behandelt, sondern möglichst dllrch Allszeichnungen d. i. Prämien an Schmucksacheii, die er danil mit besonderem Stolze tragen wird, und wofür der Neger xuib die Negerin be sonders empfänglich sind, zur Pflichterfüllung aufgemuntert werden. Dadurch wird der Ehrgeiz lind das Bedürfiliß mächtig angeregt. Kriterien, ohilemvelche alle Erziehung in den13 Tropen machtlos au den Menschen abglettet. Sie müssen ferner, von Jugend auf, durch Hebung im Gesang, Musik uub in ge sitteten Tänzen, Freude am Leben und ihrem Dasein behalten. Die Leute dürfen aber nie lange ganz müßig sein! Die freie Zeit, welche ihnen die Arbeit im Felde, im Hause oder in der Schule übrig läßt, mich, mit Ausnahme der nothwendigen Mittagsruhe, mit den erwähnten Vergnügungen ansgefüllt, und so dem natürlichen Hang zum Müßiggang vorgebengt werden. Hierauf stets das Augenmerk gerichtet halten, ist die ganz- besondere Aufgabe der Lehrer und Beamte. Wie dieses Resultat mit Erfolg zu erzielen ist, werden wir später beim Er ziehungs-Plan für die Arbeiter ausführlicher noch beschreiben. Die Normalhäuser mit ihren Bequemlichkeiten und sanitären Einrichtungen müssen stets mit einem wohlgepflegten Park, ge schmackvoll mit Blumen Klumps umstanden, umgeben sein, die zu pflegen den Zöglingen in ihren Freistunden obliegt, wobei ihr Sinn für Schönheit geiibt, und ihr Verlangen nach einem billigen Luxus und Wohlbehagen erweckt wird. Solche Häuser müssen an geeigneten Stellen, möglichst auf einer geringen Anhöhe, aufgeführt werden, in einer Größe wie der Origiual-Plan dieselben vorschreibt und für Bildungs-An stalten mit 2 — 300 Lagerstätten für Zöglinge, nebst Wohnungen für 20—30 Lehrer und Beamte berechnet sind. Ueber diese Größe hinaus sollten die einzelnen Anstalten nicht errichtet werden. Mehrere Gebäude in geeigneter Entfernung von einander sind für ein tropisches Klima zweckmäßiger als große Kasernen- Bauten unter einem Dach. Doch können mehrere solcher An stalten, wo cs erforderlich ist, zweckentsprechend in einem größeren Park, in kleinen Abständen von einander zu einem Dorf ver einigt, angelegt werden; doch so, daß die Häuser mehr an der Peripherie des gemeinsamen Parkes belegen sind. Schon deß- halb, daß die jungen Arbeitskräfte keine zu langen Wege zu den Lehrfeldern resp. Gärten, welche den ganzen vereinigten Park umhegen — znrückzulcgen haben.14 Diese Lehrfelder — Gärten — oder Pflanzungen sind die Seele einer jeden Erziehungs-Anstalt —• und die Auswahl geeigneter Plätze für dieselben ist mit Nichten gleichgültig. Eine umsichtige Wahl der Plätze für die Erziehungs-An stalten sowohl, als auch für die großen Pflanzungen und sonstigen Anlagen, ist aus mehr als einem Grilnde von hervorragender Bedeutung für das Gedeihen derselben. Vor allen Dingen darf für die beregten Niederlassungen kein Distrikt gewählt werden, wo in der unmittelbaren Nähe noch Elephanten Hause». Die in Afrika von Elephanten bewohnten Distrikte sind auch stets von der „Tsetze"-Fliege inficirt! Dieses scheußliche Jusect ist für die, den Menschen begleitenden Hausthiere, als Rind und Pferd, ein sicherer Untergang. Sie sind zwar dem Menschen selbst nicht schädlicher — ja kaum so schädlich als die Mos- quitos in Italien, sind aber beit oben erwähnten Hausthieren ein unfehlbarer Tod! Es ist vorgekommen, daß ein Distrikt von Elephanten verlassen wurde, und mit ihnen verschwand sofort die Tsetze. Nach Jahren kehrten die Elephanten in den Distrikt zurück, und gleichzeitig mit diesen Thieren kehrte auch ihre Fliege, die Tsetze, zurück. David Livingstone hat zu Pferde eiueu schmalen Streifen eines van Elephanten und der Tsetze bewohnten Landes durchritten, er bemerkte nur einen einzigen Stich dieses Insekts, das Pferd siechte hin, und in wenigen Tagen war sein treues Thier eine Leiche! — Derselbe Forscher spricht mit einem Chief, soviel wir uns erinnern am oberen Zambesi, und bemerkt, warum er sich keine Kühe anschafft. — „Ja", antwortet der Chief — „Weide habe ich ja genug, und der Regen langt auch meistens zu, aber die Tsetze, — und die werden wir nicht loS, so lange die Elephanten noch bei uns bleiben!" — Außerdem ist es sehr schwierig, die Elephanten selbst von kultivirten An lagen fern zu halten, wo sie mitunter große Verwüstungeu an- richtcn. Dieses sind Gründe genug, uns für unsere Nieder lassungen Plätze zu wählen, entfernt genug von der Gemeinschaft dieser großen und kleinen Gäste. Ferner sollte die Wahl der15 Plätze so getroffen werden, daß solche stets in möglichst respektabler Entfernung von den alten Negerdörfern angelegt werden; dasselbe gilt für Pflanzungen, die bereits mit nach diesem Plane erzogenen Negern arbeiten. — „Ein wenig verdorbener Sauerteig verdirbt den gesunden Leib!" Der in der Unab hängigkeit wild ausgewachsene Neger ist ein Gemisch von Kind, Clown und Spitzbube! Ein Unterschied besteht nur darin, das; bei dem einen Stamme oder Individuum die eine, und bei dem anderen die andere dieser Eigenschaften vorherrschend ist. Schmutz, Ungeziefer, mindestens in ihren Wohnungen, und Uu- zuverläßlichkeit im Charakter, haben sie meist alle gemeinschaftlich. Die zu brauchbaren Arbeitern heranzubildende Jugend soll zwar den Eltern nicht absolut entfremdet, solches sei ferne von uns, — aber die Kinder müssen aus naheliegenden Gründen von den Wohnungen der Eltern und dem täglichen Verkehr mit den selben fern gehalten werden. Den Eltern kann aber das Recht eingc- räumt werden, an bestimmten Sonntagen, unter festgesetzten Regeln und Voraussetzungen, den Kinderpark besuchen und ihre Kinder sehen und sprechen zu dürfen; ein nnkontrollirbarer Um gang mit ihnen darf aber nicht gestattet werden. Schließlich ist es wesentlich, daß bei der Wahl nuferer Plätze die Nähe des Wassers berücksichtigt wird; nur darf solches Wasser auf keinen Fall stagnirend sein. Falls wichtige Gründe für die Wahl in solcher Nähe sprächen, so müßte solches stagnirende Wasser abdrainirt werden, widrigenfalls der Ruin der Anlage schließlich unausbleiblich sein würde. Ferner, sollte bei der Wahl passender Plätze nicht allein auf gesundes Trinkwasser Rücksicht genommen werden, aber möglicherweise auch auf die Gelegenheit für künstliche Bewässerung der Felder und Pflanzungen (Irri gation). Diese Vorsicht ist in einem Lande, wo die Regen- maffen so periodisch fallen als im tropischen Afrika, von der größten Wichtigkeit, und tbougli last not least,— mit mög lichster Berücksichtigung von Wasserkraft für den Betrieb etwaiger Hülssmaschinen u. s. w.16 Haben wir uns bisher mit der Frage über die nothwendige Vorbildung unserer Lehrkräfte, — Zweckmäßigkeit in der Form von passenden Wohnhäusern für ein tropisches Klima, — Aus wahl geeigneter Plätze — und Anforderungen, die wir bei solcher Wahl zu stellen haben — beschäftigt, so wollen wir uns be mühen, nunmehr auf die Einzelheiten für die Ausbildung der jungen Arbeitskräfte selbst einzngehen. In der Voraussetzung, daß erstens, unsere Missionen in Afrika u. s. w. uns mit gutem Material als Unterlage für unsere Sprachstildien zu Hause versehen haben, und dieses Material auch dem Zweck entsprechend ftir uirsere Lehrkräfte praktisch verarbeitet worden ist, und diese auf die angedeutete Weise in allen wesentlichen Fächern gründlich ausgebildet sind; ferner, daß auch inzwischen Anstalten getroffen, unter Anweisung unserer Missionen, denen geeignete, technisch gebildete Mäiurer beigegeben worden sind: brauchbare Plätze für rnrsere prak tischen Zwecke auszuwählen, und diese auch rechtzeitig durch wilde Arbeitskräfte, wie inan sie jetzt eben ftndet vorbereitet, den Grund uild Boden drainirt, die Häuser aufgestellt lind fertig eingerichtet und mit Vorrätheil aller Art versehen sind, kilrz Alles gethan ist, was für den Enipfang der Lehrkräfte erforderlich, dailn erst ist es an der Zeit, diese nach ihrem Bestimmungsorte einznschiffen. Diese so vorgebildeten Leute werden sich dort nun leicht zurecht finden; finden sie doch dieselben Einrichtungen, nur wenig verändert, ivie sie solche zu Hanse eben verlassen haben, vor, mtb im klebrigen, wo ihnen Manches fremdartig dort entgegen tritt, siild sie ja davon gründlich unterrichtet mtb dazu vorbereitet. Nachdem die Lehrkräfte sich einige Wochen an ihrem Be- stimmnilgsort eiugeivohnt, und voll der Reise mlsgernht haben, ist es air der Zeit, ihre Anstalt mit Kindern, welche zil Ar beitern erzogeil werdeir sollen, jit fiilleil. Für die Beschaffung dieser Kinder beiderlei Geschlechts haben die Missioilcir bereits Sorge getragen, mtb etwaige Vorurtheile,— 17 welche anfänglich allein Schwierigkeiten bereiten können, bei den Eingebornen möglichst beseitigt, und die Wege gebahnt, um den Erwerb dieser Kinder zu erleichtern. Vor allen Dingen ist nun Rücksicht darauf zu nehmen, daß die anzuwerbenden Kinder gesund sind; solchen ans entfernter gelegenen Ortschaften ist stets der Vorzug zu geben, weil die selben so den üblen Einflüssen der Eltern und Geschwister weiter entrückt sind. Unter allen Umständen aber m üssen die Kinder auf Grund schriftlicher, ganz bestimmt abgefaßter Vereiitbarungen mit den Eltern und bereu Chiefs, als Eigenchum der Anstalt er worben werd en; welches dort unter der jetzigen. Anschauungs weise bei den Negern in Afrika nicht eben schwierig ist. Die Kinder treten nun in ein Abhängigkeits-Verhältuiß zur Deutschen Gesellschaft fürs Leben, wie unsere Rekruten in der Heimath beim Militär auf Zeit. Ihre Zugehörigkeit aber wird nach den in dieser Schrift ausgesprochenen humanen Grundsätzen formulirt und dnrchgcführt, auf Grund dessen für diese Kinder viel umfangreicher, und für alle ihre Bedürfnisse, wie wir später zeigen werden, fiir's ganze Leben gesorgt, wie heute kein Staat im Stande sein dürfte, für seine Soldaten 511 sorgen. Das Institut müßte nicht tut Geist und Sinn dieser Schrift verwaltet werden, wenn die Kinder sich jemals danach sehnen sollten, von demselben befreit zu sein. Später, wenn die Eltern dann sehen, wie die Kinder in der Anstalt gedeihen, wie gilt für dieselben gesorgt wird, in Kleidung sowohl als in Unter halt, wie beneidensmerth ihre Wohnung und Umgebung, wie freudig bei ihrer Arbeit und fröhlich bei ihretr Spielen, mit Gesang und Musik; stets unter liebevoller Pflege und Aussicht ihrer Lehrer, welche die Kinder mehr als Freunde und Glieder einer großen und glücklichen Familie behairdeln, dann wird die Zeit kommen, wo die Kinder außerhalb der Anstalt mit Ver langen auf ihre glücklicheren Schwestern und Brüder iitnerhalb derselben blicket! werden. Dann wird alles int Anfang gehegte Mißtrauen verschwinden, und die fernereit Rekrutirungen werdet!— 18 nun leicht von Statten gehen. äJku vergesse aber nie — be stimmt sei es hier wiederholt — beim Anwerben der Kleinen, wie bei allen Transaktionen mit Negern, ihre schlechten Gewohn heiten zum Hang nach Winkelziigen in Betracht zu ziehen; — dann wird man nachträglich Unannehmlichkeiten und Streitig keiten leicht vermeiden. Je jünger die Kinder, mit denen wir unsere Anstalt füllen, je sicherer wird auch der schließliche Erfolg sein. Ein- nnd zwei jährige Kinder, die noch keine von ben Untugenden ihrer Eltern und Geschwister gelernt haben, müssen nns für unsere praktischen Zwecke am willkommensten sein. Diese Anstalt, wo die Zöglinge bis zn ihrem vollendeten 8. Lebensjahre verbleiben, bedarf für ihre Umgebung ein ge ringeres Areal für die Lehrpflanzmig, als diejenigen Anstalten, welche dieselben vomAnfang ihresü. bis znm vollendeten 16.Lebens jahre bewohnen, zu welcher Zeit die Zöglinge ihre Hebungen als Arbeiter vollendet haben, und nun fertig entwickelt an die großen Pflanzungen abgegeben werden. Wir wollen diese beiden Klassen für die Entwickelnngs - Periode unserer Arbeiter — die oberste Klasse für Kinder vom vollendeten 8. Lebensjahre bis ein schließlich des 16., mit Prima — und die unterste Klasse, für Kinder bis zu ihrem vollendeten 8. Lebensjahre, mit Secuuda benennen. Schon von den ersten Lebensjahren in der Secunda an, werden die Kinder mit großer Sorgfalt daran gewöhnt, mit absoluter Regelmäßigkeit des Morgens aufzustehcn, jedoch progressiv je nach dem Alter: bis zum Ende des 4. Lebensjahres um 9 Uhr Morgens, „ „ 5. do. „ „ „ 6. do. „ 8 n „ „ „ 7. do. n ^ /ä h „ „ „ 8. do. „ 7 „ „— 19 Und später tu der Prima-Anstalt: bis zum Ende des 9. Lebensjahres um 6‘A Uhr Morgens, Um dieselbe Zeit dann das ganze Leben hindurch. Alle Kinder werden nun voit frühster Jugend auf daran gewöhnt, in einer Viertelstunde nach dem Aufstehen, auch Sonn tags nicht allsgenommen, mit ihren Ablutionen, wodurch der Körper abgehärtet wird, und ihrer Bekleidung u. s. w. fertig, und pünktlich mit dem Schlage der Uhr an den Tafeln des Refektoriums versammelt zu sein. Man vergesse nie, daß Dis- eipliit uub Pünktlichkeit die Seele bei jeder Massen-Er- ziehnng ist; solches ist aber noch besonders wichtig für die leicht lebige Rasse der Bewohner der Tropen. Das Frühstück, nebst dem kurzen Gebet vor demselben stehend gesprochen, dauert eine halbe Stunde, und gestattet den Kindern eine Viertelstunde vor Anfang des Unterrichts ohne Gedränge auf ihren Plätzen in der Schulveranda, und in späteren Jahren pünktlich um tt Uhr, beim Aufgang der Sonne, znm Angriff der Arbeit in der Schul-Pflanzuug versammelt zu sein. Die Kinder in der Secunda, im 3. und 4. Lebensjahre, werden nun vorzugsweise mit solchen Kindergarten-Beschäftigungen unterhalten uitb cingeübt, welche alle darauf Hinzielen, die Ge schicklichkeit der Hände von Jugend auf besonders zn ent wickeln, jedoch unter steter Abwechselung in den Beschäftigungen, daß die Kinder niemals übermüdet werden, itnd das Interesse an der Arbeit verlieren, und schließlich abstumpfen für dieselbe. Die Kinder müssen aber jetzt schon, ihren Kräften angemessen, i» unausgesetzter Thätigkeit erhalten werden; d. h. sie dürfen nie sich selbst überlassen bleiben! Eine Lehrerin leitet un unterbrochen alle ibre Beschäftigungen, ihre Kindergarten-Spiele und Arbeiten, ihre Gesänge, die sich je nachdem, bis zur höchsten kindlichen Fröhlichkeit steigern können, aber nie in Ungezogen« 10. do. 11. do 12. do.— 20 — heiten ansarten dürfen. Zur Abwechselung und zilin Ausrnhen der Muskeln werden bcn Kindern, ihrem Alter angemessen, sie interessirende sinnige Geschichtchen erzählt unb nach »ub nach iii „homöopathischen Dosen" nach der Kindergarten-Methode die Anfangsgründe im Lesen, Schreibeil und Rechneil ihneil bci- gebracht. Diese abrvechselildeil Beschäftigungen werden, wie obeil an- gedeiltet ivllrde, den ganzen Tag über fortgesetzt, nur mit den natürlichen Unterbrechungen der Mahlzeiteil, die bei kleineil Kindern längstens in Zwischeilränmen von drei Stllnden er forderlich sind. Es lnuß eine linserer Hailptanfgaben fein, und es sei hier ganz besonders darauf hingewiesen, daß den Kindern nie Zeit gelassen werden darf zum absoluten Nichtsthlln! — womit der Hang zlliil Müßiggang, unb schließlich für ein tropisches Klima besonders leicht ausarteudes Faulenzen küilstlich großgezogeil wird. Voll 2 Uhr Mittags bis 3V-Nachmittags, als die heißeste Tageszeit, ist für Alle, Lehrer und Zöglinge, die Zeit der Siesta. Von 3 1 / 2 bis ß Uhr werde» noch Beschäftigilllgeil gegeben, und ein Bad für Alle beschließt die Tages-Allfgabe. — Nach dem Bade llin V-7 Uhr wird das Abendbrod eingenommen, nach dem- setbeil noch leichte Unterhaltung gepslogeil, schließlich eine kurze, die Kinder nie ermüdende Aildacht mit dem Schluß eines Chorals. — und um 9 Uhr müssen alle Kinder bereits schlafen gehen. — Diese Regel ohne alle Ueberanstrengung wird 6 Tage in der Woche beobachtet. Aur Sonntag wird mir der Unter- schied gemacht, daß leichtere Beschäftiguilgen, aber doch Beschäf tigungeil gegeben, unb neben den üblichen fröhlichen Spieleil noch einige Choräle gefnngen, und leichte, für alle je nach dem Alter, faßliche Legenden erzählt. Ich vermeide absichtlich das große Wort „vorgetragen". Mail vergesse nicht die Worte des Dichters, welche bei kindlichen, »»entwickelten Völkern eine besondere Be- .deutuug gewinnen:21 — „Sie ward zum Kind, Daß Kinder sie verstel/n." Daß diese unausgesetzte Aufmerksamkeit für eine Lehrerin aufreibend wirken müßte, ist wohl selbstverständlich. Da wir aber auf je 10Kinder eine,d.h. auf 2—LOOZöglinge 20—30 Lehrerinnen inet. Beamte pro Anstalt rechnen, und für manche Beschäftigungen eine Lehrerin auf 20 Kinder zur Zeit schon ausreichend ist, so liegt es auf der Hand, daß es leicht sein wird, den Stnnden- plan so ju regeln, daß die Lehrer sich stets abwechseln können, und somit eine Ueberanstrengung derselben leicht zu vermeiden sein wird. Im fünften Lebensjahre schon werden im Umgang mit den Kindern gelegentlich bei Spaziergängen bereu Aufmerksamkeit ans die Garten-Arbeiten gelenkt und besonders ihr Interesse dafür, und für die Wunder in der Natur angeregt. Z. B. wie ans einem Samenkorn so Großes, so Herrliches sich entwickeln kamt, rmd wie durch eine geringe Thätigkeit der Menschenhand diese Wunder um sie her gefördert werden; daß dadurch sie, die Kinder, und alle lebenden Geschöpfe täglich mit all beu guten Sachen erfreuet werden, welche sie genießen, und daß sie alle gleichfalls bap berufen sind, bald diese schöne Aufgabe zum Wohle Aller, und besonders ihres eigenen fördern zil helfen. Ich möchte auch hier an die Worte unseres Dichters erinnern: „Die Gütige, die deine Jugeitd In hohen Pflichten spielend unterwies, Und das Geheimniß der erhabnen Tugend In leichten Räthseln dich errathen ließ." Nachdem so die Phantasie, die kindliche Einbildungskraft angeregt und der Boden vorbereitet, welcher die Saat anfnehmen soll, und die Liebe zur Sache wach gerufen, müssen die Kinder schoir nach vollendetem sechsten Lebensjahre — für den ersten Allfang ihrer praktischen Ausbildung — jedes für sich eine kleiile Stelle im Garten — ein Gartenbeet — angewiesen bekommen, wo sic unter thätiger Beihülfe und Anleitung ihrer Lehrerin— 22 — und mit solchen Garten-Utensilien, die ihren kleinen Kräften an gemessen sind, im Bestellen, Bepflanzen und besonders inr Rein halten vom Unkraut eingeübt werden. — Für solche Beschäf tigungen, werden nun schon von Zeit zu Zeit Preise ansgesetzt, für die, welche ihr Gartenbeet am reinsten von Unkraut uub mit den besten Erträgen gekrönt gehalten haben. Nach vollendeten!, siebenten Lebensjahre wird diese Thätigkeit schoir angemessen erw eitert. So wird scheinbar im leichten Spiel, der erste Grund znm ernsten Berns, — und der sinnige Keim in die jungen Herzen gepflanzt, welcher seiner Zeit segensreiche Früchte zeitigen wird, und ihre Liebe zur Sache wach gerufen; ohne welches alle Arbeit später beim Erwachsenen eine unerträgliche Last wird. — Man vergehe bei der Erziehung niemals, daß ein mit Liebe zu seinem Beruf ausgebildeter Mensch, doppelt, ja dreifach mit Freudigkeit das leistet, was ein Sklave, durch die Peitsche zur Arbeit getrieben, fertig bringen kann. Dieser zarte Keim den wir hier in die jungen Herzen zu legen uns bemühen, zum Sporn für ihren einstigen schweren Berns, wird nun mit Sorgfalt gepflegt, und von Jahr zu Jahr weiter ausgebildet. Die Arbeit wird immer den Kräfte» der kleinen Zög linge angemessen gesteigert; mit eben so großer Sorgfalt jede Ueberanstrengung vermeidend, als wir vorsichtig bemüht sind, jeden Müßiggang schon im Keime zu ersticken. Es wird auch bei uns in Europa neben schlecht angebrachter, und deshalb unnützer Gelehrsamkeit, noch besonders damit ge sündigt — Kinder im zarten Alter über ihre physischen Kräfte hinaus bei ihrer Arbeit anznstrengen, wobei ein gewisser Haß gegen alle Arbeit ihnen von Jugend auf eingeimpft wird; noch vielmehr aber danrit, daß man sie frühe schon ziellos sich um- hertreiben läßt, wodurch die Kinder an bcu Müßiggang gewöhnt, und sinnlos so der Grund zum Faulenzen gelegt, und mit Un bedacht groß gezogen wird, der niemals mehr in späteren Jahren23 - auszutilgen ist. — Eine große Anzahl Menschen werden dadurch für ihr ganzes spätere Leben unglücklich! mit ihres Wissens Ballast sich selbst und der Gesellschaft eine Last, um schließlich die Zuchthäuser mit Sträflingen zu füllen. Um brauchbare, glückliche itnb zufriedene Arbeiter zu er ziehen, ist es vor allen Dingen nothwendig nebst einer elemen taren Ausbildung im Lesen, Schreiben und Rechnen, ganz be sonders die Ausbildung für ihren einstigen Beruf schon früh anzustreben, — und zwar — durch die Uebung in der Handfertigkeit — und durch diese die Uebung der Muskel kräfte, — und durch diese die Uebung in der Ausdauer bei der Arbeit progressiv heranzubilden, —- und so dem Arbeiter durch den leichten Erfolg in seiner Arbeit die Freude an seinem Beruf für sein ganzes künftiges Leben zu sichern. Ebenso wie wir uns bemühen, von frühester Jugend auf schon bei denen den Geist und das Wissen auszubilden, die einst berufen sind, ihren Geist, ihr Wissen zu verwertheu, mit ebenso großer Sorgfalt müssen wir zu Werke gehen, um einen brauchbaren Arbeiter von frühester Jugend für seinen eben so schweren Beruf — wenngleich auf andere Weise vorzubereiten — indem wir seine phpsischen Kräfte, feine Ausdauer sorgfältig erziehen. Diese Nothweudigkeit ist bisher nicht genügend erkannt, und deshalb vernachlässigt worden; doch ist diese Frage von Jahr zu Jahr mt» durch manche Anzeichen in der Zeitbewegrnrg so irahe gelegt. — Wie hoch steht ein tüch tiger mit Geschick und' Ausdauer begabter Arbeiter der seine Pflicht mit Freudigkeit erfüllt, erhaben, über einem verwilderten — arbeitsscheues Individuum! — Bei der Neger-Rasse und in einem tropischen Klima aber gewinnt diese Frage noch eine ganz besonders eminente Bedeutung. Die Kinder der Neger sind in den ersten Lebensjahren ctu Intelligenz den deutschen Kindern gleich. — Vom 12. Jahre an aber ändert sich die Sache; es macht sich mm bei Neger-— 24 — Kindern in dieser Beziehung ein Stillstand bemerkbar, wo bei nns die Kinder erst recht anfangen, ihre Fakultäten kräftig zu entwickeln. Aehnlich verhält es sich mit der jugendlichen Reise der Neger. Ein Negerknabe oder Negermädchen ist mit dem 16. Lebensjahre physisch schon so voll entwickelt, wie solches bei Nord-Europäischen Kindern durchschnittlich erst 5 Jahre später eintritt. Die beiden Geschlechter, welche bis zum vollendeten 8. Lebens jahre in der Kinder-Anstalt der Secunda — aber getrennt, dasselbe Gebäude bewohnten, und von weiblichem Lehrpersonal erzogen wurden, — werden nun gänzlich getrennt. — Die Mädchen in die Prima-Frauen-Anstalt von Frauen geleitet, und die Knaben iu die Prima-Männer-Anstalt von Männern geleitet, versetzt. Die Behandlungsweise der Kinder in den beiden Prima-Anstalten, außer in den Feldübungen, die sich nun schon immer umsangreicher entwickeln, ist der in der Secunda im Wesentlichen gleich. Wie in der Secunda dürfen auch in der Prima die Lehrlinge sich nie ganz selbst überlassen bleiben, wo rüber die Gründe bereits ausführlich oben beschrieben sind. Wie dort, müssen nicht allein die Arbeiten, sondern auch die Spiele und Vergnügungen geleitet und stets unter liebevoller Aufsicht, aber strenger Disciplin gehalten werden; andernfalls auf praktische Erfolge aus die Dauer nicht zu rechnen ist. Liebe zu den Kindern, aber Festigkeit bei ihrer Behandlung müssen die leitenden Grundsätze fein, durch welche dieselben zur Pflicht angehalten werden. Der Lehrer soll nicht jede Kleinigkeit sehen wollen, welches zur Nörgelei führt, aber auch bei größeren Versehen Maaß zu halten wissen, er soll niemals seine Ruhe verlieren, sondern mit Ernst das Vergehen angemessen rügen, und nie nachtragen. Der Stock mag in Schulen, wo die Kin der zu Hause verzogen werden, mitunter nicht ganz gu entbehren sein, aber wo der Erzieher die ganze Gewalt voll Jugend auf über seine Zöglinge ausübt wie hier, und diese nicht ohne Stock zu bändigen sind, will es scheinen, daß der Lehrer des25 — Stockes mehr, als die Zöglinge dessen bedürfe». Deshalb kann nicht ernstlich genug davor gewarnt werden, unreifes Material an Lehrkräften ansznsenden. Der Schwerpunkt des ganzen Unternehmens muß in die Lehranstalt in Deutschland selbst verlegt werden, dann wird der Erfolg in Afrika unbe dingt gesichert sein. — Ebenso wie wir die Kinder im Anfänge ihrer Erziehung, mit großer Vorsicht progressiv, ohne alle Ueberanstrengung daran gewöhnten, nur halbstündlich von einem Jahre zum an deren immer früher des Morgens anfznstehen, ebenso vorsichtig gehen wir nun zu Werke bei den Heranwachsenden Pflichten, welche mit dem Heranwachsenden Körper der Kinder durch aus gleichen Schritt zu halten haben. Eine Ueberstürzung hier kann unsere ganze Hoffnung über den Haufen werfen, und arbeitsscheue Individuen ans unseren Lehranstalten hervorgehen lassen. Der Unterschied in der Prima von der Secunda besteht lediglich in der alljährlich progressiv anwachsenden täglichen Arbeitssrist. Diese Arbeitszeit ist in der Schulpflanzung, im Garten, oder unter Dach, zusammen täglich in folgender Stei gerung gu bemessen, und zwar — während wir anfänglich in der Secunda im 7. Lebensjahre eine Arbeitsstunde für hin- reichend gehalten, im 8. Jahre geben l'/r wir Arbeitsstunden — und in der „ 9. 2 do. do. „ «>. „ 2'/- do. do. „ ll. „ 3 do. do. „ 12. „ 4 do. do. ,, 1 3 . „ 5 do. do. „ 14. „ 6 do. do. „ 15. 7 do. do. „ 16- „ 8 do. do. Diese Arbeitsstuirden werden je nach Bedürfiriß der Mhreszeiten auf Feld und Hausarbeit vertheilt.- 26 Acht Arbeitsstunden pro Tag ist das Maximum an Arbeits zeit, inclusive der kurzen Zwischen-Mahlzeiten, aber exclusive der Frühstückszeit — der Zeit für's Abendessen — und der 1 bis 1 '/-stündigen Mittagsruhe, — welche in den Tropen nicht zil entbehren ist. Dieses sind die höchsten Anforderungen, welche an unsere Arbeiter zu stellen sind, und von denselben ohne Nach theil für ihr Wohlbefinden in den Tropen geleistet werden können. Die übrige Zeit wird nach wie vor mit geselligen Spielen, Gesang, itnb sonstigen Zerstreuungen ausgcfüllt, die aber stets, es sei hier nochmals wiederholt, von einem Lehrer, und später von einem Beamten geleitet werden müssen. Die Spiele dürfen nie in Zügellosigkeit ausarten, sie sollen stets ein fröhliches — dürfen aber nie ein ausschweifendes Gepräge tragen; sie müssen aber alle freie Zeit ausfüllen, und dürfen somit keinen Müßig gang aufkommen lassen. Das Resultat wird sonst, man mache sich darüber keine Illusionen, stets ein Negatives sein, und die Kinder würden schließlich wieder nach unb nach ganz verwildern. Wir müssen hiermit unaufhörlich ein unsichtbares Band in Händen behalten, woran wir die Leute, wenn sie erwachsen, zu leiten vermögen, ohne daß sie überhaupt merken, daß sie geleitet werden. Bei dieser allmälig progressiven Arbeitszeit werden weder Muskeln noch Ausdauer auf eine zu harte Probe gestellt; die Kinder und deren Körper werden nach und nach an die stets allmälig steigende Thätigkeit gewöhnt, sie werden nie unvernünftig hart zu ungewohnter Arbeit — „by lits and starts“ — heran gezogen — noch wird ihnen Zeit gelassen dem Hang zum Müssig- gang zu verfallen. Bis zum Ende des 13. Lebensjahres wird beit „Lehrlingen" täglich noch eine halbe Stunde Nachhülfe im Lesen, Schreiben und Rechnen, abwechselnd ertheilt, womit die eigentliche Schul bildung abgeschlossen ist. Nach dem Schluß der Schulperiode treten unterhaltende Lektüre und Vorträge in ihre Rechte ein, und für gute Bücher zur Unterhaltung hat eine gewählte Bib-— 27 — liothek zu sorgen, wobei das Märchen immerhin die Hauptrolle spielen kann. Um den Körper noch besonders auszubilden, und die Mus kulatur und die Lunge zu kräftigen, werden von frühester Jugend an die Kinder int Turnen geübt, welches beim Erwachsenen als Schauturnen, wobei er durch Preise, in Schmncksachen bestehend, ausgezeichnet wird, bei Festlichkeiten seine Fortsetzung findet. Die so erzogenen Leute werden nun durch und durch deutsch sein, sie werden mit Leib und Leben an ihrem Kaiser — an ihren Führern, und an der deutschen Gesellschaft hangen, und sich für diese eher todtschlagen lassen, als sie verrathen — sie werden aber ans ihre, ihnen entfremdeten in Schmutz, Armuth und Unwissenheit lebenden Verwandten mitleidig herabschanen. Diese Leute können wir nun auch getrost in dem Waffendienst, durch deutsche Unteroffiziere geleitet, einüben und organisiren, um in: Augenblick der Gefahr — die nicht ausbleiben wird, für die Vertheidigung unseres Gebietes stets gerüstet §n sein. Zur selbigen Zeil wird nun beit männlichen Zöglingen auch Gelegenheit geboten auf den Faktoreien unter Aussicht der Lehrer die Arbeitsplätze der Handwerker bei ihrer Arbeit zu be suchen; wobei es sich Herausstellen wird für welches Handwerk der eine oder der andere von den Burschen sich besonders in- teressirt, mithin künftig qualiftciren wird, um spät'er regelrecht darin angelernt zu werden. Nun haben die Zöglinge das 16 . Lebensjahr erreicht und ihre Lehrzeit ist abgeschlossen. Wenn wir befürworteten eine Anzahl unserer schwarzen Reichs-Angehörigen als Handwerker heranznbildcn, so wollten wir keineswegs damit gesagt haben dem deutschen Handwerk in Afrika Konkurrenz zu machen, solches würde eine verfehlte Politik sein! Es sollten in Afrika nur solche Handwerke und Faktoreien betrieben werden, welche an Ort mtb Stelle erforderlich sind, um den Reichthnm an Rohprodukten, die Erzeugnisse des tropischen Bodens, unter einer tropischen Sonne, für das deutsche Volk verwendbar, und für den Export dorthin vorznberciten und ge-eignet zu machen! — Es sei hier besonders hervorgehoben, daß der große Segen unserer tropischen Besitzungen eben darin bestehen wird, daß mir dem Mutterlande werthvolle Rohmateria lien billigst znführen, um unsere Handwerker und Arbeiter zu Hanse gewinnbringend zu beschäftigen! Dadurch Industrie und Handel mächtig z>l fördern, und der Massen-Answanderung eher zu steuern als sie künstlich anzuregen. Altswanderung ist nur das Symptom einer Armuths-Krankheit zu Hause. — Eine starke Bevölkerung ist ein Segen für das Vaterland, aber es ist die vornehmste Aufgabe der Gesellschaft für diese, stets neue Bahnen für den Abzug der Erzeugnisse ihrer Hände, an statt für den Abzug der Bevölkerung selbst, zu finden, und die der Regierung, solches Bestreben mit ihrer ganzen Kraft zu fördern und zu unterstützen. Kolonien für Auswanderungs-Zwecke sind nur anfänglich von wesentlicher Bedeutung für das Mutterland, diese Wahrheit wird bestätigt durch die Vereinigten-Staaten von Nordamerika dem Mutterlande England gegenüber. — So lange der Jankee sich als Engländer fühlte, war ja der Segen unberechenbar für England. — Nach der Emancipation vom Mutterlande hat es durch so riesenhafte prohibitive Schutzzölle seine Industrie und LandmirthsWft auf eine Höhe gebracht, welche Englands In dustrie und Handel, besonders aber der Landwirthschaft bereits den Todesstoß gegeben hat, wovon cs sich um so weniger er holen wird, als es in unbeschreiblicher Blindheit solchen Gefahren gegenüber, mit ächter Bulldog-Wuth selbst am einseitigen Frei handel festhält. — Wie lange wird es noch dauern, dann wird Kanada, Australien, und Neuseeland denr Beispiele Amerikas folgen. — und nur Indien mit seiner fremden, gegen England mit Haß erfüllten Bevölkerrmg wird dem Engländer verbleiben, solange — Rußland es noch gestattet. Der Engländer war der Allmächtige solange Amerika rind die andern Kolonien noch in den Windeln lagen, und durch englischen Fleiß ihre Bedürf nisse deckten, und solange Deutschland klein und ohnmächtig— 29 war. Hat doch England seiner Zeit weidlich dazu beigetragen uns so verächtlich klein und abhängig 31 t erhalten! Wir wollen nur an die Jntriguen ans dem Wiener Kongreß von 1815 er innern, die seit km Kriege um Schleswig-Holstein in 1864, des Kieler Hafens wegen, einen akuten Charakter angenommen, und seit der Kolonial-Bewegnng in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht haben. — Beweis genug, sollte man meinen, nach seiner- erfahrenen Schätzung — wie hohen Werth diese Kolonien haben. Deutschland kann keine Kolonien mehr erwerben, wo der weiße Arbeiter, unter den jetzigen Verhältnissen aus die Dauer gedeiht. In den Tropen, wo unsere Besitzungen für Deutsch- lands Handel, für Deutschlands Industrie von unschätzbaren! Werth sind — kann der Deutsche sich bei angemessener Lebens weise und rationellen Einrichtungen auf Jahre hinaus wohl fühlen, wie solches mit den Engländern in Indien und Burmah, bei ebenso verrufenen! Klima auch der Fall ist. Daß die Euro päer nach mehrjährigen! Aufenthalt in den Tropen einer Rekru- tirmig ihrer Kräfte in der Heimath bedürfen, ist kein Unglück! — Er ziehen wir unsere schwarzen Reichsanaehörigen brauchbar für ihren Beruf unter der tropischen Sonne, die zu ertragen sie be sonders geschaffen sind, — das wird dem Vaterlande von un berechenbarem Nutzen sein. Diese große Aufgabe vom richtigen Ende angefaßt — und die Neger unter tüchtigen, für den Zweck praktisch ausgebildcten Lehrkräften erzogen, wie solches hier nach wohldurchdachten Plänen formulirt ist, wird nns einen besseren und treueren Arbeiter liefern, als die Bevölkerung Indiens durch englische Behandlung jemals ergeben hat. Dann wird dieses Unternehmen in nicht allzuferner Zeit zum Segen beider Völker erstarken, und dem Deutschen Volke ungleich mehr, und andauernden Nutzen bringen als Kolonien, welche den Abzug an gesunden, meist in der Blüthe der Jahre stehenden Arbeitskräften vom Mutterlande Vorschub leistet. Der Deutsche wird sich überhaupt in seiner Deutschen Heimath auf die Dauer stets wohler fühlen, als in der Fremde, — in einer30 — großen von Glanz und Mnchtfülle umgebenen Heimath wie, Gott sei dafür gedankt, sie unser Kaiser Wilhelm von Neuem geschaffen hat, in einer Heimath, wo für jeden lohnende Arbeit in Fülle täglich neu geschaffen wird, und wo wir bald alles Elend, alle Drangsale vergangener Jahrhunderte des Unglücks, wenn nicht vergessen, aber verschmerzen werden. Bei richtiger Behandlung unserer Kolonien werden wir bald erfahren, daß Deutschland Raum genug hat für die dreifache Zahl seiner jetzigen Bewohner, und diese in Glück und Wohlstand wird er nähren können, wo früher die Hälfte der Bevölkerung, aber unter traurigen Verhältnissen gedarbt hat. Eine starke Bevölkerung macht das Vaterland stark, auch gegen äußere Feinde, und wenn England trotz seiner starken Bevölkerung heute die schwächste Großmacht ist, so liegt es daran, daß es in seinem VAtrauens- duscl auf den veralteten Schutz des sogenannten „Silver Streak" — auf seine abgeschlossene Lage vom Festlande — und auf seine unverfrorene Arroganz andern Mächten gegenüber sich ver ließ, die ja bisher nothdürftig ihre Schuldigkeit gethau haben. — In ihren Kolonien aber haben es die Engländer sich nie angelegen sein lassen, die Eingeborenen zu sich emporznzieheu! — Sie haben stets mit hochmüthiger Verachtung, worin ja der Mittelklasse-Engländer ein Meister ist, diese Eingeborenen bis auf den Tod verwundet, und wie tu Indien, Burmah, Neu- Zeeland, und allenthalben, wo die Urbevölkerung in der Mehrheit ist, diese sich zu unversöhitlicheit Feinden gemacht. Sie haben uns tu dieser Beziehung lehrreich die Wege gezeigt, wie wir es allenthalben — nicht machen müssen. — Wir haben tu dem Vorhergehenden uns bemüht darznlegeu, daß Auswanderung, selbst nach eigenen Kolonien, das Mutter- laitd schwächt, aber eitle große Bevölkerung uirter dem mächtigeit Schlitz einer weisen Regierung, utlterstützt durch einen blühende» Handel lind Abzug seiner überschüsssigen Erzeugnisse nach eigenen Kolotlieil, wo man selber der Herr ist, das Vaterlatld stark und seine Bewohner wohlhabend macht. — Auch kann cs weder der31 — Deutschen Regierung noch dem Deutschen Volke gleichgültig sein, ob die Milliarden in baarem Gelde für tropische oder subtro pische Erzeugnisse, welche in Deutschland alljährlich verzehrt werden, ins Ausland wandern, um nie wiederzukehren. Noch kann es gleichgültig sein, ob wir alle die Rohprodukte aus jenen Himmelsstrichen, welche unsere Handwerker, unsere Fabrikanten in der Heimath bedürfen — fremden Nationen in Holland, England, Spanien oder sonst wo, für klingendes Gold, und meist für hohe Preise abkaufen, und diese hohen Preise dem Deutschen Handwerker, der Deutschen Industrie als einen Hemm schuh für ihre Erzeugnisse anlegen; oder ob diese Produkte alle vom Deutschen Volke selbst, auf seinen eigenen tropischen Be sitzungen aus erster Hand billigst erzeugt werden — wofür kein Pfennig in Baar aus Deutschland hinaus eskomptirt werden braucht. Berücksichtigen wir neben den übrigeir Kolonial-Prodnkten, wozu Bodcir und Klima sich in unserem Ost-Afrika, trotz des „Pöbels Geschrei" vorzüglich eignet —- die Rohprodukte der Textil-Stoffe, und an ihrer Spitze den Rohseidenbau — eine Industrie, welche sich gauz besonders für unsere jugendlichen Kräfte — uub so lange Eisenbahnen und Kanäle noch nicht ge baut sind, sein Produkt seines hohen Werthes wegen sich für den Transport ans Reger-Schultern eignet. Hier ist ein Feld, wo wir der heimischen Industrie einen unberechenbaren Dienst leisten können, womit wir beit Grund zu legen vermögen, auf welchem wir den Import an Rohseide und an Seidenstoffen, in einen Export aus Deutschland zu verwandeln vermögen! und was für den Volkswohlstand vornehmlich von der höchsten Be deutung ist, mir eröffnen damit eine Quelle, welche lohnende Arbeit in hunderttausende fleißige Hände, — und die vielen Milliarden an baarem Gelde, welche wir für diese theuren Pro dukte bisher den Franzosen, den Chinesen, den Engländern nach Indien ii. s. w. gezahlt, wieder mit hundertfachen Zinsen in die Hände des deutschen Arbeiters und in die Kassen der— 32 — D. O. A. Gesellschaft zurückströmen lassen werden. Wir werden damit den schönen Traum, nein, bat Herzenswunsch des volks- wirthschaftlich hochgebildeten Königs Friedrichs des Großen ver- wirklichen, der feiltet: Zeit weniger am guten Willen, vielmehr an unserem rauhen Klima gescheitert ist! — Der, welcher mit Erfolg den ersten Maulbeer baum in unseren Kolonien pflanzt, wird sich den Dank des deutschen Volkes ans Jahrhunderte sichern! Mit einem Anlagekapital, welches kaum der Summe gleich kommt, welche alljährlich für alle diese Produkte ins Ausland wandert, kann dieses Unternehmen lebensfähig angebahnt, und erfolgreich durchgeführt werden. Erfreulicherweise ist ja das Verstäudniß für diese große Aufgabe in Deutschland lebhaft er wacht; hoffentlich folgt bald die allgemeine Ueberzeugung. Wir haben bisher die Erziehung der Kinder und deren Be- Handlungsweise in Betracht gezogen, — so bleibt uns nur noch übrig, zum Schluß die Behandlungsweise der erzogenen Leute klar darzulegeu. — Haben wir nun unsere männlichen sowohl als unsere weib lichen schwarzen Arbeiter dem Zweck entsprechend, und im Geiste unserer humanen, aber durchaus praktischen Prinzipien, bis zu ihrer Großjährigkeit, d. i. bis zum zurückgelegten 16 . Lebens jahre herangebildet, so sind dieselben nun reif an die größeren Pflanzungen abgegeben zu werden. Die Leitung in diesen Pflanzungen u. s. w. hat von Beamten zu geschehen, welche ganz dieselbe Vorbildung empfangen haben müssen, wie die Lehrer für die Lehrstationen; mindestens solche Beamte, welche unmittel bar als Leiter und Vorgesetzte mit den Arbeitern in Berührung kommen; wenn wir anders nicht Gefahr laufen wollen, unsere sorgfältig erzogenen Leute verwildern, und schließlich in Unzu friedenheit ausarten zu lassen. Es ist ferner aus nahe liegenden Gründen wünschenswerth, daß die Beamten für Stationen mit erzogenen verheiratheten Arbeitern, gleichfalls verheirathet sind. Auch können vorgebildete Lehrer, welche sich inzwischen33 verheirathet haben, zweckentsprechend als höhere Beamte die besten Dienste leisten. Es ist selbstverständlich, daß jede Anstalt, Secunda, Prima und Pflanzung, mit entsprechender Oekonomie nebst dazu erfor derlichen Gebäuden für Vieh, Getreide u. s. w. in Verbindung gebracht, welche aber isolirt von den Wohnungen angelegt werden müssen. Diese Oekonomie hat für die Verpflegung der Anstalt 31t. sorgen, und die in derselben erzeugten Produkte zu verpacken, lind nach den Hafenplätzen für die Einschiffung abznführen. Die Größe und der Umfang einer solchen Oekonomie ist nach der Natur der gewonnenen Produkte zu bemessen, und ist solche für mehrere zu einem Dorfe vereinigte Anstalten dann ausreichend. Die Wohnungen für die verheiratheten Arbeitskräfte tu den großen Pflanzungen, müssen am zweckmäßigsten ganz ähnlich denen eingerichtet werden, wie unser „Normal"-Haus solche vor gesehen, und für die Gesundheit der Bewohner in den Tropen, sowohl für die europäischen Beamten, als auch für die Afrika nischen Arbeiter nun als brauchbar sich erwiesen hat, — wie die Leute an solche von Jugend auf gewöhnt worden sind; nur mit dem Unterschiede daß, wo in den Lehrstationen große, all gemeine Schlafsäle, sind die Gebäude hier so einzurichten, daß diese in Kammern für je zwei Schlafstellen abgetheilt werden, um den Anforderungen für verheirathete Leute Rechnung zu tragen. Statt Betten im europäischen Sinne, ist für jedes In dividuum eine, aus einer tropischen Grasart von den Arbeitern selbstgefertigte Hängematte ausreichend, wie unser Modell es auch veranschaulicht, womit das Mobiliar dieser Schlafräume fast komplett ist. Waschungen und Bäder können auch hier wie in den Lehranstalten in den für jedes Geschlecht gemeinschaftlichen Baderäumen stattfinden, und die große Veranda auch hier wie dort den Bewohnern zum gemeinschaftlichen Versammluugs- und Aufenthaltsort, und der von allen Seiten offene Unterbau, als Refektorium, Turnplatz und zu häuslichen Beschäftigungen, die inr Trocknen oder tm Schatten zu verrichten sind, dienen. 334 Was den Abschluß der Erziehung unserer Arbeiter selbst betrifft, und ihre fernere Behandlnngsweise in den verschiedenen Lebenslagen, so giebt es da nur einen praktischen, und auch ab solut sicheren Plan, uns die. mit Sorgfalt erzogenen Seutc füsts Leben zufrieden zu erhalten; erstens daß wir für alle ihre Lebens- Bedürfnisse Sorge tragen, wie wir bisher für ihre Erziehung Sorge getragen haben, und ferner, sie stets, auch nach ihrer Invalidität so behandeln, als wenn sie unsere eigenen Kinder wären, unb zwar ans folgende Weise! — Erstens: Nach dem vollendete:: 15. Lebensjahre schon, wird de>: jungen Leuten aus den Prima-Anstalten beiderlei Geschlechts gestattet — dann und wann, bei Gelegenheiten, auf gesittete Weise an den besonderen Festlichkeiten nur Gesang und Tanz, an dazu, bestimmten Orten, selbstverständlich unter Aufsicht ihrer Lehrer ::>:d Führer gemeinschaftlich theilzünehmen, — worauf dann Anträge ans Verheirathungen naturgemäß bald folgen werden, welchen feine Hindernisse in den Weg zu legen sind. Es n:nß aber nun den jungen Burschen als auch den Mädchen, welche um das Recht zur Verheirathung nachsnchen, in einem Kursus von Unterrichts-Stunden besonders gelehrt werden: welche hei lige Pflichten, den geheiligten Rechten welche sie durch diese Handlung erwerben, gegenüberstehen. Mit diesem Unter richt kann auch der Konfirmations-Unterricht gleichzeitig ver bunden werden, und der Akt der Konfirmation unmittelbar vor der Trauung stattfinden; welches den: Akt der Trauung eine erhöhte Weihe noch verleihen wird. — Hiererst haben wir es in unserer Gewalt die Vielweiberei mit Erfolg dort abzuschaffen, indem wir solche, bei unseren wohlerzogenen und von den Wilden abgeschlossen lebenden Leuten, einfach garnicht einsühren! — Dieser Unterricht sollte den Burschen von dem jeweiligen Vor steher der Prima ertheilt, und von der Vorsteherin der Frauen- Prima ai: die Mädchen. — Die. Einsegnung, und der Trauungs- Akt sollte aber von einem Missionär vollzogen werden. Mit je größerem Pomp und Solemnität diese Konfirmationen und Tran-35 ungeit mit Musik, Gesang und Blumendekorationen begleitet verherrlicht, je eindrucksvoller und nachhaltiger für diese großen Kinder. — Sofort nach der Verheirathung werden die jungen Ehegatten in solche Pflanzungen versetzt, wo nur verheirathete Arbeiter beiderlei Geschlechts, aber bei der Arbeit doch thunlichst getrennt beschäftigt werden. Ferner! — Frauen, welche ihre Niederkunft in Kürze erwarten, werden in einer „Entbindungs-Anstalt" verpflegt, und selbige vor und nach dieser Periode, mit nur leichten Arbeiten beschäftigt. Auch muß den Frauen — anfänglich ihre eigenen Kinder zu stillen, und abzuwarten, uub den Gatten ihre Frauen und Kinder iti der Anstalt gelegentlich alt Sonn- und Feiertagen, auf kurze Zeit zu besuchen, gestattet fein. Wenn die Kinder genug ge- kräftigt sind und theils mit abgekochter, besser noch mit nach Scherff'scher Methode präfervirter Kuhmilch, um von dazu reservirteu Ammen gepflegt zu werden, dann dürfen die Mütter zit ihren Gatten, und zur gewohnten Arbeit zurückkehren. Diesen Zeitpunkt git bestimmen muß den Müttern, aus Menschlichkeit selbst überlassen bleiben.! — Eltern aber muß es freistehen, an Sonn- und Festtagen ihre Kinder in der Anstalt zu besuchen. — Schließlich, nachdem die Kinder 2 Jahre in der „Entbin- dungs-", oder Kiuder-Austalt gepflegt worden sind, werden sie in die Sekunda der Erziehungs-Anstalt versetzt, wo sie nun, wie früher ihre Eltern, behandelt und erzogen werden, re. An Sonn- und Festtagen wird auch hier de» Eltern Gelegenheit geboten ihre Kinder in der Anstalt zu sehen, und mit ihnen nun viel freier verkehren zu dürfen, als den frühereit, wildanfgewachsenen Elterit es gestattet werden durfte. Es wird nun Alles für diese erzogenen Eltern gethan, daß sie nicht mehr, als für die Dis- ciplin und Ordnung unumgänglich nothwendig ist, als „Hörige" sich fühle». Keiitesfalls mehr, als solches bei uitferen verheira- thcteu Uitterofsicireir welche mit ihren Frauen in einer Kaserne wohnen, der Fall sein dürfte, die doch nicht einmal für solche beschränkte Freiheit erzogen sind. — * 3 *36 Aus dem Verdienst der Arbeiter wird nun für ihre eigene Verpflegung, Behausung, Bekleidung, für ärztliche Verpflegung bei etwaigen Krankheiten, in den Krankenanstalten, für theil- weise, mit.noch leichter Beschäftigung, oder schließlich bei gänz licher Invalidität im Älter, ein Abzug gemacht. Für diesen Zweck werden Jnvaliden-Stationen errichtet, wo die alten Leute — nicht etwa wie Armenhäusler, aber gerade so liberal — und mit ebenso großer Aufmerk samkeit wie bisher bei ihrer Arbeit verpflegt und be handelt werden. Auch dürfen die Gatten im Alter nicht von einander, — als nur zeitweilig bei Krankheiten, sonst nur durch den Tod getrennt werden. — Bleibt den Leuten auch wenig nach diesen Abzügen von. ihrem Lohn übrig, so bedürfen sic auch weiter Nichts. Es wirb aber auch keine Armen noch Bettler geben in diesem Staat, und Leute so erzogen, so erhalten, und schließlich so versorgt — werden ungleich freier sein als jetzt unter der despotischen Will kür ihrer „Chiefs" und ungleich sorgenloser und glücklicher, als Millionen unserer Arbeiter in'ihrer vielgerühuiten „Freiheit"! Die Gerichtsbarkeit in den Pflanzungen re. wird dem Zweck entsprechend von dein Beamten-Kollegium, mit Hinzuziehung einer gleichen Anzahl der erzogenen Arbeiter, von ihren Mitar beitern für diesen Zweck gewählt, ansgeübt. — Durch diese Vorsicht; die selbstgewählten Kameraden bei den Gerichts-Ver handlungen. mit Sitz und Stimme theilnehmen zu lassen, wird das Vertrauen zu denselben gestärkt; uub wenn die Leute richtig erzogen wurden — wie wir solches voranssetzen, so wird das Beamten-Kollegium vermöge seines überlegenen Geistes, beim Urtheilssprnch doch immer den Allsschlag geben. Den Vorsitz bei solcheir Gerichts-Verhandlungen führt der jeweilige Vorsteher der betreffenden Aifftalt; doch steht es dem Delinquenten frei, all eine Nachbar-Anstalt 511 appelliren wenn er mit dem Nrtheil, welches seine Kameraden gefällt haben, nicht zufrieden ist. Muß sich aber dann fügen, wenir dort das Urtheil bestätigt, oder gar *37 schärfer ausfällt. -— Falls die Erziehungs-Grundsätze im Geiste dieser Schrift gewissenhaft befolgt werden, so dürften schwere Verbrechen auch zu. den größten Seltenheiten gehören. Es sei hier deßhalb noch einmal ganz besonders hervorge hoben, itnb man vergesse nie, stets den Grundsatz festzuhalten, keine wilden Arbeiter mit unseren erzogenen Leuten gemeinschaftlich zu cheschäftigen. Solche Versuche haben stets, wo sie auch versucht wurden — und werden stets, wo sie versucht werden, kläglich in Enttäuschung und Erbitterung ihr Ende erreichen. Wo im Anfang noch wilde Kräfte für Arbeiten unentbehrlich sind, da beschäftige man solche auf Faktoreien ent fernt von erzogenen Leuten, oder beim Urbarmachen des Bodens, Meliorationen, Wege-, Eisenbahnen- und Kanalbauten u. s. w., aber man hüte sich, beide gu vermischen. Es werden anders die üblen Gewohnheiten der „Wildeir" die gesittet erzogenen Kräfte vergiften, diese aber auf die Wilden keinen, oder nur sehr geringen erziehenden Einfluß ausüben, sicher aber den Erfolg unseres Planes tu Frage stellen. Wenn nun dieser Erziehnngsplan, wie wir solchen in allen wesentlichen Grundzügen darzulegen uns bemüht haben, lebhaft betrieben wird, so können in wenigen Jahren so viele erzogene Arbeiter und Arbeiterinnen herangebildet sein, daß bald kein Mangel an solchen, und schließlich die wilde Bevölkerung ganz absorbirt sein wird, womit ja dann unser Zweck vollständig er reicht ist. — An Arbeitskraft, Ausdauer und Zuverlässigkeit, werden die so erzogenen, so gehaltenen Leute den „Wildeir", wie wir sie jetzt finden, um das Dreifache überlegen, — und mehr als das, billiger fein. Bei einem zielbcwnßteir Unternehmen wie hier iir Frage steht, welches auf den Wohlstmrd des ganzen Deutschen Volkes von so segeirsreicher Trägweite ist, nüe solche hier hervorgehoben, büiften die Unkosten, wenn auch noch so hoch veranschlagt, doch kaum in Betracht kommen. Die Kosten für Drainirungen, für Beschaffung der Gebäude, rmd bereu Aufstellung dürften, wenn38 mir einstweilen von den mehr kostspieligen Anlagen von Eisen bahnen und Kanälen absehen, die wesentlichsten einmaligen Aus gaben ausmachen. Diese Unkosten kommen bei Weitem der größte Theil.den deutschen Arbeitern zu Hause, und den Fa brikanten daselbst zu Gute. Mit den fortlaufenden Ausgaben ist es meistens ebenso, wo die billige Bekleidung für die Arbeiter die Hauptrolle spielt. Die Beköstigung der Leute in Afrika hingegen, wird von ben Arbeitern dort auf dem eigenen Boden der D. O. A. Gesellschaft mit einem so geringen Arbeitsaufwande gewonnen, — von dem mir uns auf unserem trägen Boden zu Hanse kaum ein Bild zu machen vermögen, und wird, bei ge schickter Organisation, im Verhältnis; zu den Unterhaltungskosten von Arbeitern in Deutschland, nicht zu vergleichen sein; Spiri tuosen und Taback sind in den Tropen theils schädlich; und bei so gründlich erzogenen Leuten, wie es hier in der Absicht liegt — überflüssig, und werden, wenn von Jugend auf nicht cinge- führt, als unnütze Unkosten leicht zu vermeiden sein. Solche Natur kinder, wenn vernünftig erzogen, und man sonst ihrem Naturell Rechnung trägt, sind in heißen Zonen bei Limonade und Jngwer- bier eben so fröhlich, als verwöhnte Europäer beim Champagner oder beim — Schnaps! — Jedenfalls sind die oben genannten, nicht berauschenden Getränke, der Gesundheit und der Moral zu träglicher >tnd aitch — billiger. — Man hüte sich überhaupt schwere Getränke dort gu verabreichen; schlechte Gewohnheiten machen den Menschen zum Sklaven derselben! und beim Neger ist diese Gefahr besonders beachtenswerth. Die Unkosteit für die Erziehung der Kinder m den 6 Jahren der Sekunda Periode, von ihrem (Eintritt, bis einschließlich ihres 8. Lebensjahres, repräsentirt einstweilen eilt todtes Kapital. — In deit nächsten 4 Jahren aber äitdert sich — diesem Plane gemäß, die Sache. Die Kinder haben beim Eintritt in die Prima-Anstalt bereits einen größeren Wirkungskreis erhalten, und werden schon in leichten Pflanzungen als Seide, Thee, Kaffee, Cacao, Vanille, Gewiirze u. s. w. mehr gewinnbringend39 für die Gesellschafts-Kasse beschäftigt, ititb werden hier bereits in den 4 Jahren, bis zu ihrem vollendeten zwölften Lebensjahre, durch den Werth der hier gewonnenen werthvollen Produkte, die Kosten für die Erhaltung ihrer Anstalt, und somit ihre eigenen Unkosten selbst decken. Noch vortheilhafter stellt sich die Sache für die Gesellschaft in den letzteir 4 Jahren, der Lehrzeit — also nach dem 12. bis zu ihrem 16. Lebensjahre; hier sind die Kräfte und Geschick lichkeit bei den Kindern schon dergestalt entwickelt, daß im Er trage durch hier gewonnene Produkte, ein bedeutender Ueberschuß zu erwarten steht, voraussichtlich groß genug, um die Unkosten für ihre „Secunda"-Lehrzeit mit Ueberschuß zurück zu erstatten, also nach ihrem 12. Lebensjahre schon ein ansehnlicher Gewinn, zu erwarten steht, wodurch schließlich die Erziehungs-Unkosten durch die Zöglinge selbst reichlich gedeckt werden. Diesen Plan zur Ausführung zu bringen, sind keine un überwindliche Schwierigkeiten vorhanden. — Es genügt für den Anfang — nebst einem Lehrer-Seminar bei Berlin, für das Heranbilden der erforderlichen Lehrkräfte — seiner Zeit in Ost- Afrika selbst, mit einer „Secunda"-Anstalt den Anfang zu machen, der später zwei solche für die beiden Prima-Anstalten, und rrach Verlauf der entsprechenden Zeit voll weiteren 8 Jahren eine größere Pflanzungs-Anlage für unsere nun verheiratheten Leute Nachfolgen zu lassen. Von diesem Centrum kann sich nun unsere Anlage nach Bedürfniß an der Peripherie erweiterten u. f. w. bis mall cs dann vorzieht von mehreren „Centren" aus, mit einem Male- weiter zu operiren, bis schließlich alle wünschenswerthen Produkte der Tropen, von der Seide bis zur Baumwolle — Kaffee, Thee, Gewürze u. s. w. unter Kultur gebracht sind! — Schließlich wollen wir noch einige Bemerkungen über die Behandlungsweise des äußeren Menschen, bei rinseren schwarzen. Arbeitern unter der tropischen Sonne folgen lassen, um so40 mehr, als hierin von englischen Missionären viel, wenngleich in guter Absicht, gesündigt worden.ist, — Eine schwere Bekleidung, wie solche die englischen Missio näre dem Neger nach Europäischen Begriffen, aus übertriebener Prüderie aufzuzwingen sich bemiihten, ist als der Gesundheit schädlich durchaus zu vermeiden. Der Oberkörper muß bei der Arbeit beim Neger sowohl als bei der Negerin, im tropischen Afrika frei bleiben. Strümpfe und Fußbekleidung sind ihnen gleichfalls lästig, nur um deir Leib mit einem Gürtel befestigt, gebe man beiden Geschlechtern das Schottische „Kilt" aus baumwollenem Stoff, und verheiratheten Frauen, aus ästhetischen Gründen, einen etwas breiteren Gürtel in der Gestalt einer leichten Schnürbrust. — Dieses letztere Kleidungs stück sollte gleichzeitig mit der Verheirathung als Abzeichen der neuen „Würde" schon verabreicht werden. — Da wir es hier nur mit unter unserer Aufsicht stehenden, nach unserem Willen erzogenen Individuen git thun haben, so ist es uns leicht, manche unschuldige aber praktische Einrichtungen einzuführen, welche bei den „Wilden" auf große Hindernisse stoßen würden. — Mithin steht es uns frei, die Leute, — der Rein lichkeit wegen, von Jugend auf an eine kurzgeschnittene Haar tracht zu gewöhnen. — Dagegen bedürfen sie mm unter dieser ver änderten Gestalt, einer kleidsamen und praktischen Kopfbedeckung — wozu die der römischen Contadina — mit wenig lang und faltig, den Nacken leicht bedeckenden Schleier voir weißem Kattun, bei der Arbeit im Felde vollständig ausreicht. Anders verhält sich die Sache mit der Bekleidiuig an Sonn- und Festtagen; da ist aus politischen Gründen ein kleidsamer Aufputz von nicht zu unterschätzender Bedeutung! — Wir wollen vorzugsweise damit bezwecken: daß unsere erzogenen Arbeiter uns stets zufrieden verbleiben, uub stolz darauf sind, der deutschen Gesellschaft anzugehören —• die allein die Mittel besitzt, ihnen diesen Putz zu beschaffeil; — daß dieses Gefühl noch gehoben wird — ihren wilden Verwandten gegenüber; diese aber durch\ 41 solche Äußerlichkeiten angeregt, ihre so glücklich situirten Ge schwister beneiden. Beim Neger macht nichts so großen Ein druck als ein Aufputz der Person, den anzuschaffen er selbst nicht die Mittel besitzt! — und nichts wird mehr dazu beitragen, die Eltern zu bestimmen, ihre Kinder der Anstalt freudig anzn- vertrauen. Auch für diesen Festanzug ist derjenige der römischen Conta- dina für die Frauen und Mädchen vorzüglich geeignet; die weiten weißen Aermel, mit einem schmalen rochen Mieder; beides mit Stickereien versehen, wird zur schwarzbraunen Hautfarbe der Negerin sehr kleidsam sein, und als Schmuck um Hals und Arme dienen die „Preise", welche sie sich von Zeit zu Zeit in der Gestalt von Perlenschnüren, Spangen und sonstigen Schmucksachen, für hervorragende Leistungen oder besondere Pflichterfüllung ver dient hat. Wird sie doch doppelt stolz sein, diesen Schmuck zu tragen, da er nicht allein ihr Aeußeres, sondern auch zugleich ihre Fähigkeiten schmückt. Alle Säumigen werden nun das Verlangen empfinden, sich diese Auszeichnung gleichfalls zu er werben. — Für die Männer ist zu ihrem Festanzug gleichfalls ein reicher, wenn auch gerade nicht kostbarer Piltz, der mit denr Style der Frauentracht in angenehmer Harmonie steht, zu wählen. Alle diese kleinen Eiirzelnheiten, die manchem heimischen Leser- trivial erscheinen mögen, werden denr welcher mit der kindischen Eitelkeit dieser Rasse hinlänglich vertraut ist, durchaus nicht überflüssig erscheiirerr, sie siird sogar für rnrseren Erfolg von ganz hervorragender Bederitung, rind sie zu vernachlässigen, würde sich schließlich empfindlich rächen. Wir glauben hiermit alle die Punkte berührt zu haben, welche für derr schließlichen Erfolg, den wir anstreben, von Wichtigkeit sind. Mehr in die kleinen Einzelheiteir der Lehr fächer hier schoir einzugehen, würde die Uebcrsicht nur erschwert haben; mlch werden solche später leicht nach diesen Gesichtspunkten42 zu formulicen sein. Nur noch ein ernstes Wort sei uns gestattet, und zwar mit Bezug ans die Religion, und ihre hohe Bedeu- tuiig für unsere Erziehungs-Ausgabe bei dieser cigenartigeu Menschenrasse. . Es darf erstens bei dem Religions-Unterricht, und auch bei den späteren Religions-Uebimgen, niemals außer Acht gelassen werden — man mag darüber denken wie mau will — daß wir es hier mit einem kindlichen Naturvolke zu thun haben, welches bis zu dieser Stunde dem Fetisch und dem Zauberer huldigt, und fest an beide glaubt; aber in der nächsten Minute seinen Götzen zerbricht oder ihn durchprügelt, wenn seinen Ge beten nicht substanzieller Erfolg zu Theil wird. — Hüten wir uns vor allen Dingen vor dent fanatischeit Zelotis mus bei unserem Religions-Unterricht und besonders vor Schmä- hungen auf andere Christliche Konfessionen! — Solches säet Haß, erntet Zweifel, uitd endet in Jrreligiösität. — Liebet Euch unter einander sei unsere Losung. Die einzige brauchbare Form für unsere kindlichen Zöglinge, ditrch ihr ganzes Leben anwendbar, ist die einfachste Lehre des reineit praktischen Christenthums, ivie der Erlöser selbst solche seinen Jüngern und feinem Volke vor seiner Kreuzi gung predigte. Solches allein diene uns zur Richtschnur. — Alles dogmatisiren verwirrt diese kindlichen Naturen, anstatt sie zu erziehen. Unsere Lehre sei: 1. Die unverbrüchliche Liebe zur Wahrheit! Denn Gott ist die Wahrheit. — 2. Die unverbrüchliche Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen, denn Gott ist die Liebe. — 3. Die unverbrüchliche Liebe zu den Geboten! Denn sie sind das Produkt des Göttlichen Geistes. — Wer an diese glaubt und danach lebt, der lebt in Gott, unb Gott in ihm. —43 Man lehre, daß die gewissenhafte Erfüllung dieser vornehmsten Lehren und Pflichten zum Wohlergehen, zur Zufriedenheit, zum Glücke führt und ihre Vernachlässigung unfehlbar git Schimpf und Schande, ins Unglück und schließlich ins Verderben. — ; Hüten wir uns aber die Sonntagsfeier zu. einer Karikatur breitzutreten — „des Menschen Sohn ist auch Herr über den Sabbath"! — Man kann den Sonntag heiligen, auch wenn, wie hier wenige und leichte Beschäftigungen an diesem Tage zu. geben nöthig erscheint, um den Müssiggang mit Erfolg bekämpfen zu können. Der alttestamentalische Sabbath ward wohl noth- wendig zur Zeit als die Welt unter dem Fluch der Sklaverei schmachtete. Der Erlöser hat die Menschheit auch von dieser Schmach befreit, und durch Ihn ist unser Dasein ein anderes geworden. Ferner hüten wir uns vor dem Mysticismus — er tobtet den wahren Glauben an Gott, und erzieht uns Heuchler; und auch vor allen mystischen Spekulationen wofür der Neger nur allzusehr empfänglich ist, aber in seinem Sinne leicht gu Mon- strösitäten im Glauben ausartet. Schließlich aber hüten wir uns vor der Versuchung voreilig diesen Kindern ihre Kindlichkeit abzustreifen — sie werden nie große Philosophen — aber ganz gewiß gute Arbeiter werden. — Schlußwort. Wir haben hier tu möglichst knappen Zügen einen Erzie hungsplan für die N^gerrasse zu skizziren uns bemüht, auf Grund dessen ein Erfolg : aus ihnen brauchbare und zuverlässige Arbeiter heranzubilden, und auf die Dauer zu discipliniren, uns allein möglich erscheint. Alle Pläne — wie solche von anderer Seite44 vorgeschlagen wurden — beit Erwachsenen, und Halberwachsenen, mit dem Kinde zusammen nmbildeu zu wollen, ist, was jeder begreift der die Rasse genau kennt, ein Ding der Unmöglichkeit, und wird stets in bitterem Aerger, und Enttäuschung sein Ende erreichen. — Der alte faule Sauerteig wird, und muß den jungen Nachwuchs stets verderben. Einzelne, wie es ja immer vorkommt, schlagen mit der Zeit wohl ein, aber die Massen werden bleiben was ihre Vorgänger waren — unfügsame, un zuverlässige große Kinder. Wir haben ferner einen, wenn auch nur kurzen Einblick gegeben, welchen unermeßlichen Werth unsere Kolonien für den deutschen Handel, und vorzugsweise für die deutsche Industrie, und somit für den Wohlstand aller Volksklassen zu Hause, wenn richtig ausgenutzt — haben werden. Schließen wir deßhalb mit der ernsten Mahnung an den geneigten Leser: unsere große Zeit, in der zu leben wir den Vorzug genießen, nicht ungenutzt vorübergehen zu lassen. — Unterstützen wir die Herren welche mit solchen hervorragenden Fähigkeiten für ihre große Aufgabe ausgestattet, an der Spitze der Deutsch-Ostafrikanischen-Gesellschast stehen, — mit allem un serem Wissen, mit unserem ganzen Können! •— Ihr Frauen Deutschlands Alle! legt nicht gleichgültig die Hände in den Schoß, helfe jede ans ihre Weise nach alter deutscher Frauen Sitte, wo es gilt: großen Zielen zuzustreben! helft Alle Mitarbeiten an diesem großen Werke der deutschen Koloni sation, welche uns freimachen wird von dem letzten Rest der Abhängigkeit vom Auslande; welche unsere Bedürfnisse an Früchten, welche unser nordischer Boden nicht zu tragen, unsere nordische Sonne nicht zu zeitigen vermag, hinfort ans unserem eigenen Boden, unter einer tropischen Sonne, für uns selbst zu erbauen, befähigen wird. ZÜe Frage der deutschen Kolonisation ist für die Zukunft eine Lebensfrage für Alldeutschland, und die I nter essen der Dentsch-Ostasrikanischen-Gescllschaft sind identisch mit den Allge-45 meinen deutschen Inte ressen. Sie werden in aller Zukunft einen vitalen Einfluß ausüben auf den Wohlstand unseres Vaterlandes wie einstmals die Gründung der Englisch-Ostindischeu-Gesellschast, trotz ihrer mangelhaften Manipulation, den Grund legte, zu dem sprichwörtlich gewordenen Wohlstand von Großbritanien. Noch ist dieses große Ziel, welchem wir zustreben, ringsum von Feinden ans unserer eigenen Mitte besetzt, die in thörichter Rechthaberei — wie ein gewisser Geist — Alles verneinen, was unser Volk p großen Zielen zu führen vermag, welche nur zu begreifen vermögen, was in todten Folianten geschrieben steht, was sie bereits einmal mit eigenen Augen geschaut, oder in ihrem Aberwitz hinterm Ofen sitzend selbst ausgebrütet haben; aber Alles verunglimpfen, was praktisch erfahrene Männer in mühevoller Arbeit draußen im Weltverkehr erschauet, und int Schweiße ihres Angesichts ein Menschenalter hindurch znm Wohle ihres Vaterlandes selbstlos gesammelt haben. Lassen wir dereinst es nicht gesagt sein: daß unser Heldeu- Kaiser Wilhelm, unser Vaterland, das Große, von einer verächt lichen Weltstellnug, woriir es seit Jahrhunderten versunken war, gerettet, und uns selbst zur ersten Macht, zilr ersten Nation in Europa vergebens emporgehobelt habe, aber ein Volk vorfand, welches verständnißlos für alles Große, solcher Thaten un würdig! — Er, der weitsehend uns eine Flotte geschaffen, welche sein undankbares Volk in thörichter Kurzsichtigkeit, zum Nichts- thun zu verdammen strebte. Ja, wir haben eilte Flotte — welche fähig ist unsere Kolonien gegen ättßere Feinde zu schützen, und wir wollen die Früchte ernten, die eine große Flotte ihrem Volke schuldig ist, indem sie ben Ertrag unserer von Reichthum strotzenden Kolonien uns sichert. — Es wird hinfort ltnser eigener Fehler sein, meint wir ferner Bedürfnisse von anberen Nationen für deutsches Gold erkaufen, welche wir auf unserem eigenen fruchtbaren, deutschen Kolonial-Bodeu, mit geringem Fleiß und Anstrengung uns selber zu bauen vermögen. Unsere Flotte vermag unsere großenI S. Preuß. Berlin W., Kronen - Str. 22. 46 Kolonien gegen äußere Feinde zil schützen; gegen die inneren Feinde müssen wir Alle, welche ein Herz haben für das Gemein wohl, — für den dauernden Wohlstand unseres Volkes —mit vereinten Kräften selbst die Hand anlegen, und an- kämpfen. Seien wir. uns dessen bewußt! treten wir mit aller uns zrr Gebote stehenden Kraft vereint zusammen, aber hüten wir uns, unsere Kräfte zu zersplittern! Dann wird der Sieg auch hier, für alle Zeiten uns gesichert fein. TA. a. Die oberen Ventilatoren mit Drahtgitter. b. Die Rohrbündel auf den Wellblech-Dächern. c. Veranden mit Drahtgitter. (1. Veranda für Lehrer - Woh nungen. o. Der von allen vier Seiten offene Unterban., für Refek torium, Tnrn-, Spiel- nnd Arbeitsränrne. Unterbau. Grundplan. f. Die 48 eiserne Säulen nnd 4 Erdrnanern tragende Tenne. g. 4 Treppen, welche in die Haupt-Etage führen. Ii. Küchengebände und Speise kammern. i. Waschhmis nnd Vorraths- kammem. A. Lavatorie» n. s. w. Ö Q ¦ fMeter 2 ?£ O PT" 1 I M I | 'l-j- — — — —1 $ — r~ — i JU tet B Bi 20 'ZSÄ/ete.r Origi^nt-Man für ein tropisches Normal-Haus. (Siehe Seite 9.) TH ü / ’z h. Haupt-Etage. 0. Grundplan. I. Veranden für Mädchen- nnd Knabcn-Schnlen. in. 2 Veranden für die Vor steherinnen il. f. w., gemein schaftlicher Wohnplatz. n. 2 Schlafzimmer für Vorste herinnen. o. 4 Schlafziunner für Lehre rinnen. p. Die vier Haupttreppen in die untere Halle führend. q. 2 Treppen in die obere Etage führend. r. Der untere große Ventilator int Fußboden 9 Meter x l Meter. 8. Die beiden Korridore. t. Schlafstellen für Mädchen. u. Schlafstellen für Knaben. Oberste Etage. tLf* Gruudplau. v. Die beiden Korridore. w. Große Oeffnung, Luft tinb Licht verurittelird. x. 2 Treppeu-Oeffnungen. y. Schlafstellen für Mädchen. z. Schlafstellen für Knaben. <¦<> fcs-nr-,, jI. S Preuß, Berlin W., Kronen - Skr. 22. Kolonialpolit ischer Verlag von Walther & Apolant tu Berlin. Arendt, Dr. Otto, Mitglied des Hauses der Abgeordneten, Ausschuß- Mitglied der Gesellschaft für deutsche Kolonisation. Ziele deutscher Kolonialpolitik. Zweites Tausend. 38 Seiten 8" 1886. Bitw-London, Wie erzieht man den Neger zur Plantagen- nrbeit? Mit dem zweiten Preis gekrönt von der Deutsch-Ost- afrikanischen Gesellschaft. 3 Bogen 8°. Mit Plänen für ein tropisches Normal-Haus. Preis 1 Mark. „Export". Organ des Centralvereins für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen in: Auslande. Herausgegeben von I)r. für. at phil. Jannasch. Erscheint seit 1879 wöchentlich in zwei Bogen groß 4". Preis pr. Quart, im deutschen Postgebiet Mk. 3, im Weltpostverein pr. Jahr Mk. 15. Grimm, Di-., Mimsterialpräsident. Der wirthschaftlichc Werth von Deutsch-Ostafrika. Eine Zusammenstellung von Ur- theilen der berühmtesten Forscher nebst einem Abriß der Ge schichte Zanzibars. 12 Bogen 8°. 1886. Preis Mk. 1,50. Diese Schrift bietet eine sorgfältige Zusammenstellung der Urtheile aller hervorragenden Forscher und Reisenden in Ostafrika, nebst einem Abriß der Geschichte Zanzibars. Wer diese Schrift liest, wird zu dem Urtheil kommen, das; es jedenfalls an Deutsch land läge, wenn Ostafrika nicht in einigen Jahrzehnten zu einem deutschen Indien weiden sollte. „Köln. Ztg." vom 2t. 7. 86. I. Bl. Jühlke, Karl. Die Erwerbung des K i l im a - N d s ch a r o - Ge biets. 33 Seiten 8°. 1886. Preis 50 Pf. Katalog der 1886er Südamerikanischen Ausstellung in Berlin, veranstaltet vom Centralverein für Handelsgeographie. 248 Seiten groß 8°. 1886. Preis Mk. 4. Kolonien, die Deutschen, der Provinz Rio Grande do Sul (Süd-Brasilien). Hcrausgegeben von dem Central-Verein für Handelsgeographie. 1881. Preis Mk. 1. Merrnslh, A., Superintendent. Wie erzieht man den Neger zur Plantagen-Arbeit? Mit dem ersten Preis gekrönt von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. 39 Seiten 8". 1886. Preis 50 Pf. Peters, Karl. Präsident der Deutsch - Ostafrikanischen Gesellschaft. Deutsch-national. Kolonialpolitische Aufsätze. 186 Seiten groß 8". III. Auflage. Mk. 4.— brochirt, Mk. 6.— hlbfz. geb. Sellin, A. W. Das Kaiserreich Brasilien. Eine geographisch- statistische Skizze. Preis Mk. 1. Uebersicht über die vertragsmäßigen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und dem Auslande auf dem Gebiete von Handel und Industrie. Preis Mk. 1.. 1wie erzieht man am Wen den Neger znr Ptantagen-Arheit?
