Tage der Ernte KriegS-Novells von Anna Renken. ^ 6on6 121 k reiz I k kg. (15 y !l r 15 e n^) Tage der Ernte. Kriegsnovellen VON Anna Renken. Nignon Verlag Dresden.U dentliLi g5 chi vssdtksltta. Nsckclrucli vsrdolii^ Y0r N ^e? aMon oeraniworin P M-U D -sv-n keld^Ide? xtr. 9 Lopvnp , v 8. SI5 VU^-wn-ä. ^vi nn si 6^-Ujx g rucl von H. v Gcdulze Hrl n A iTage der Ernte. n ländlicher Abgeschiedenheit, abseits der eigentlichen Stadt stand das Krüppel heim. Ein großer Garten mit alten Bäumen schloß es ein, lund herum ging eine Mauer. Aber die Insassen, die hier sonst ein fried liches und freundliches Asyl gefunden hatten, waren weiter ins Innere ! er Provinz gebracht, denn in Ostpreußen hauste der Feind. Erst we nige Wochen wcir es ber, da war er auch durch das Städtchen gezogen. Doch hatte er nicht viel Schaden anrichten können, weil deutsche Truppen schnell zu 5)ilse kamen Das Heim aber hatte man. wie auch andere öffentliche Gebäude, zum Lazarett umgewandelt. Der große Saal, sonst Arbeitsraum der Pfleglinge, war jetzt mit Betten besetzt, in denen l"-4 Verwundete lagen. In einem kleinen Zimmer, das an diesen Saal stieß, lagen noch zwei Ver wundete. Der eine war ein Mann zu Ausgang der vierziger Jahre, der als Offiziersstellvertreter ins Feld gezogen war und gleich beim ersten Gefecht einen Lungenschuß erhielt. Bis vor wenigen Tagen hatte er das Zimmer allein gehabt; da war mit einem Verwundetentransport ein Ver letzter gekommen, der einen Schuß durchs Bein bekommen hatte. Der aß nach seiner Einliefe- rung hastig, was man ihm gab, und schlief dann fast vierundzwanzig Stunden den Tag der Er schöpfung. Beim Erwachen zeigte es sich, daß er ein netter, gebildeter Mann war, und der ältere nahm sich hier nach langen Jahren zum ersten Male wieder die Mühe, sich in den Charakter eines Menschen zu vertiefen Das lenkte ihn ab von den bitteren Eindrücken, die er gewann, wenn er das Fazit seines Lebens zog. Er war Zeit seines Lebens eine gewissen hafter Kaufmann gewesen und mußte nun zu dem Schlüsse kommen, daß er seine Werte falsch angelegt hatte, und so war ein Mißverhältnis zwischen Soll und Haben entstanden. Seine beweglichen irdischen Güter waren iut angelegt, auch an Ehren fehlte es ihm nicht, denn er spielte als Sachverständiger in kolonialen Fragen eine wichtige Rolle in der Hansestadt,und nie wurde sein Rat übergangen. In der Ge sellschaft war er als liebenswürdiger Junggeselle- in jedem tonangebenden Hause ein gern gesehener Gast. Und doppelt Ursache hatte er, mit seiner Karriere zufrieden zu sein, da er nur von beschei dener Herkunft war. Und dennoch spürte er ein Manko. Er dachte an die Aerzte, die ihm ein Leben im Süden vor geschlagen hatten, dann könne er alt werden. Er hatte bitter auflachen müssen, als sie ihm den Rat gaben. Das wäre dann doch kein Leben mehr, sondern bloß ein Vegetieren, was bedeu tete das für einen Mann, dessen Grundsatz lau tete: Alles oder nichts!" Gewiß hatte er beim Ausziehen daran ge dacht, daß er fallen könnte. Auch eine Ver letzung oder den Verlust eines der Gliedmaßen zog er in Betracht. Dabei hätte er aber immer noch ein Leben nach seinem Geschmack führen können. Doch so? Wenn er sich wenigstens noch hätte auszeich-- nen können, wie er s im Beruf gewöhnt war. Es war ihm nicht vergönnt gewesen, daß er aber so fest damit gerechnet, war ein Fehler in seiner Lebensrechnung. Und alles wäre dennoch zu ertragen gewesen, wenn nicht dieses Frieren in seiner Seele ge wesen wäre. Wenn er setzt starb, dann ging jein Hab und Gut an gleichgültige Verwandte, deiner aber vermißte ihn als Mensch. Die er Freundeund gute Verwandte genannt hatte, waren jetzt mit eigenen Angelegenheiken reichlich beschäftigt. Sie würden ihn bald vergessen, und an seine Stelle traten neue Menschen, genau wie im Be ruf. Was er so im gesellschaftlichen Leben an Liebe und Zuneigung empfangen, das war kleine Scheidemünze, die sich wieder ausgab, wie sie empfangen wurde. Darum war dies das größte Manko im Hauptbuch seines Lebens: kein Mensch existierte, der ihm wirklich gehörte, dessen Herz dem seinen nahestand, wenn er ins Unglück geriet. Trotz Reichtum und äußerer Ehren war er arm. So quälten ihn seine Gedanken, und es freute ihn, als er einen sympathischen Bettnachbar be kam. Er hieß Richard Rohrbach und war vor seiner Einberufung Techniker in Berlin gewesen. Weber fühlte ein warmes Interesse für den jungen Mann und sah nach seinem Bett hinüber. Er hatte ein schmales, gebräuntes Gesicht mit einer kühnen Nase und einem schmalen Mund. Aus der Stirn lagen tiefe Falten, und trotz seiner Jugend machte er einer, merkwürdig gereiften Eindruck. Die Aerzte kamen, und als sie wieder ge gangen waren, sagte Rohrbach vergnügt zu Weber: ^ Gott sei Dank, in vierzehn Tagen bin ich wieder auf den Beinen, und dann kann ich wie der ausrücken "Weber seufzte, Ja. Sie sind glücklich. Ich wollte, ich könnte mit. Statt dessen liege ich hier als halber Leich nam und bekomme entweder unleidliche Gesell schaft, oder ich bleibe allein!" Sie sollten nicht so bitter reden." meinte Rohrbach. Sie taten das Ihre und gaben Ihre Gesundheit für den großen Zweck. Und wir brauchen nach meinem Fortgehen ja nicht ausein ander zu kommen. Wir schreiben uns und kom men nachher persönlich zusammen." Gewiß können wir das. Wie aber, wenn Ihnen auch etwas Meschliches passiert?" Ein tiefernster Zug trat in das Antlitz des Jüngeren, als er antwortete: Das wird nicht sein, ich habe noch Sflich- ten und glaube nicht an mein Ende auf dem Schlachtfelde!" Weber lächelte mitleidig. Ach, diese Jugend! Da wartete gewiß irgendein Mädel auf ihn. und nun sollte keine Kugel für ihn gegossen sein. Als ob Rohrbach den Gedankengang des anderen kannte, so fuhr er fort: Ich habe meiner Mutter unendlich viel zu danken, mehr, als andere Männer den Eltern, und sie braucht mich jetzt!" So verloren Sie Ihren Vater wohl schon früh?" Rohrbach lächelte unsäalick bitter, als er ant- wortete. Meinen Vater? Dem Gesetze nach habe ich keinen. Meine Mutter hatte einmal jemand lieb, sie vergaß sich, wie man sagt, und mein Vater, er hat sich nie um sie bekümmert!" Das ist traurig, aber man soll nicht richten. Das Schicksal spielt oft wunderbar, und wir wissen nicht, wo die Schuld liegt. Außerdem sind Sie nicht der einzige, dergleichen passiert in der Großstadt so und so oft. Zudem wird kein Ver nünftiger deshalb etwas gegen Sie sagen können." So sagt man wohl, aber wer gibt meiner Mutter ihr verpfuschtes Leben wieder und ent schädigt sie für allen Gram? Außerdem ist sie mit ihrer Familie aus diesem Grnnde völlig zer fallen, denn sie ist aus einer kleinen Stadt, wo man streng über derlei denkt." Er nannte eine kleine märkische Stadt als Geburtsort seiner Mutter. Weber horchte aus. In jener Stadt hatte er ein Jahr als Einjähriger abgedient. Jetzt fiel hm auch der Name seines jungen Freundes auf. Ist Ihre Mutter vielleicht mit den Rohr bachs am alten Markt verwandt?" Das war ihr Vater, sie ist die mittelste der drei Töchter." Weber antwortete nicht und schloß die Augen. Die Erregung wuchs übermächtig in ihn. Ein Aechzen kam aus seinem Munde, so daß sein Nachbar erschrocken fragte, ob er die Schwesterrufen solle. Der andere konnte nur abwinken, dann zwang er sich mit Anstrengung zum Nach denken. Er kannte das Alter des jungen Manne und rechnete nach. Es stimmte I Mit jener Jenny Rohrbach hatte ihn zu jener Zeit eine heiße Neigung verbunden, sie waren auseinander gekommen, und er hatte nie wieder von ihr gehört. Das war nun also ihr Sohn, und auch der seinige. Etwas Heißes wallte in ihm hoch. Lieber Gott, dann wäre er ja nichi mehr einsam, da gab es ja gleich zwei Menschen, die zu ihm gehörten, und an denen er so vieles wieder gut machen konnte. Es mußte nur der rechte Weg gefunden werden. Daher kam dann wobl der Gleichklang der Rufnamen, vielleicht auch das warine Gefühl, das ihn von Anfang an zu dem jungen Manne zog. Gewiß hatte er manches zur Entschuldi gung für sich, die plötzliche Abreise nach Afrika, und dann die langen Jahre auf der einsamen Pflanzung. Ob sie ihm wohl verzieh? Und sein Sohn? Er sah zu ihm hinüber und traf dessen Blick, der besorgt auf ihm ruhte. Es ist nichts." sagte er beruhigend, das Herz will noch nicht, wie es soll! Aber erzählen Sie mir doch von Ihrer Mutter, kam sie schwer durch?" Es mag ihr anfangs nicht immer gut ge gangen sein in dem großen Berlin mit der Sorae 10 - nn ein kleines Kind. Erst nähte sie billige Blusen ür ein Geschäft, bekam aber dann bald besser be- ahlte Arbeit. Bald konnte sie eine Arbeitsstube Übernehmen, und erhielt schließlich einen Posten als Direktrice. Damit hat sie nun eine Ver trauensstellung. Jedes Jahr ist sie bis jetzt mit den Chefs nach Paris gefahren und hat die neuen Modelle ausgesucht. Jetzt aber haben ihre Augen gelitten, und sie soll sich zurückziehen." Weber hatke schweigend zugehört. Er at mete tief auf und meinte dann: Da hat Ihre Mutter ein reiches Leben Hinter sich und hat viel vor sich gebracht. Ich ver stehe Ihre Verehrung. Aber Ihren Vater hassen Sie wohl nun sehr?" Haß möchte ich das Gefühl eigentlich nicht nennen." meinte Rohrbach sinnend. Das fühlte ich früher einmal. Jetzt spüre ich nur Verach tung!" Er schwieg, und Weber dachte bitter, daß der andere Recht hätte. Er grübelte nach, wie er die ^ache einleiten und sich zu erkennen geben könnte. Da liefen eilige Schritte ums Haus, bald wurde es im Saal nebenan lebendig, und man hörte den einen Wärter rufen: Alles was Beine hat und laufen kann schnell aufstehen, anziehen und nach dem Bahn hof laufen! Die Russen kommen!" Alles kam in Bewegung, aber manchem wurde der Aufbruch sauer. Doch die Angst standhinter ihm und machte ihm Feuer unter die Füße. Schwestern und Pfleger arbeiteten fieberhaft, dah nur die ersten wegkommen konnten. Bald waren die leichter Verwundeten auf den Marsch ge bracht. Im kleinen Zimmer war noch niemand von den Pflegern gewesen. Da erhob sich Weber und sagte: Die Hunde sollen uns doch, hier nicht ab schlachten wie ein Stück Viehl Wir ziehe?! uns selbst an!" Mühselig erhob er sich und taumelte zum Schrank, wo er die Garderobe zusammenraffte. Es flimmerte ihm vor den Augen, als er zurück, ging, aber mit eiserner Willenskraft bezwang er die Schwäche, und begann, Rohrbach in die Kleiher zu helfen. Kaum aber hatte er begonnen, da kam ein Johlen die Straße hinab Kolbenschläge donner. ten unten gegen die verschlossene Tür, und die Treppe empor stürmte eins Horde Nüssen. Auf schreie gellten im Saal. Schüsse tönten, und aller lei Gerät fiel krachend um Weber ließ von seinen Versuchen ab, hoch aufgerichtet stand er da und sah nach der Tür. beide Hände lagen um eine Stublsebns. Da wur? die Tür aufaerisfen. und ein kleiner Russe glitt bebend ins Zimmer. Er kam nicht weit, schon flog ihm der Stuhl gegen den Körper. Dann sah sich Weber nach einerneuen Waffe um. Die Marmorplatte des Nacht chrankes und die Wasserflasche darauf erschienen hm geeignet, und als ein zweiter Russe herein stürmte, flog ihm die Flasche ins Gesicht. Nun hatte sich aber der erste Angreifer er hallen und drang vor. Mit Krachen fiel ihm die Platte auf den Kopf, daß er aufstöhnend zusam menbrach. Prustend und schimpfend kam nun aber der zweUe wieder auf Weber zu, und zwi schen beiden begann ein erbittertes Ringen. Rahrbach hatt? wiederholt versucht, aufzu stehen. Vergebens, das kranke Bein versagte je- ! en Dienst. Da hörte er. daß das Getümmel im großen Saale lauter wurde, und er glaubte deutsches Sprechen zu vernehmen. Aus aller Kraft rief er um Hilfe, und nun stürmten deutsche Infanteristen ins Zimmer, die eiligst den Russen packten und mit ihm abfuhren. Der eine der Wärter war beim Beginn des Uebersalls auf dem Hofe gewesen, er hatte Hilfe gefunden bei einem durchmarschierenden Infan terie-Regiment, und diese waren eiligst gekom men und nahmen die Russen fest. Es waren ihrer nicht viele, sondern nur eine Patrouille, die auf eigene Faust den Ueberfall wagte. Während die braven Deutschen nun das Haus durchsuchten und säuberten, sowie die ge fangenen Russen in sicheren Gewahrsam nahmen.- räumte das Personal in den Krankenräumen auf. Ein Wärter war erschossen, ein anderer13 schwer verwundet, eine Schwester war am Arm getroffen. Es war die höchste Zeit gewesen, daß Hilfe kam. Nu? mechanisch hatte Weber schließlich die Griffe des Russen pariert, obgleich zu Beginn des Kampfes alle Schwäche von ihm abgefallen schien. Nun lag er in tiefer Bewußtlosigkeit in ei nem Zimmer allein, der Oberstabsarzt sah. es ging zu Ende, der Blutverlust, hervorgerufen durch die Ueberanstrengung, war zu groß. Nach geraumer Zeit kam er noch einmal zur Besinn ung. Die Augen sahen klar herum, aber er schien seinen Zustand zu kennen und flüsterte, daß er seinen letzten Willen aufgeben wolle. Es wvrden Boten zum Pfarrer und nach den anderen Aerz- ten geschickt und als diese kamen, begann die Handlung. Der Sterbende hatte dem Oberstabsarzt mit abgebrochenen Sätzen allerlei aus seinem Leben mitgeteilt, sodaß dieser in großen Zügen von der Absicht Webers unterrichtet war. In Eile wurde das Dokument abqefaßt, in dem Richard Rohr bach und seine Mutter die Erben des großen Vermögens wurden, nur einige Legate an Ver wandte gingen ab. In tiefer Mattigkeit, aber vollständig ruhig und gefaßt lag Weber da, als er seinen Namen unter das Testament gesetzt hatte. Nun sah e? 14 bittend zum Oberstabsarzt hinüber, und der ver stand ihn. Zwei Krankenwärter wurden beordert und inzwischen ging er zu Rohrbach hinüber. Der junge Mann war untröstlich, daß der Mensch sterben sollte, der doch sein Leben für ihn eingesetzt harte. Noch mehr aber erschütterte ihn die Mitteilung, die ihm der Arzt nun machte. Die Wärter kamen und trugen ihn im Stuhl an das Bett des Sterbenden. Was er auch Bitteres für den unbekannten Vater empfunden hatte, nun, da er ihn sterbend sah, war alles aus- aelöscht. Erschüttert nahm er die Hand zwischen seine beiden löbenswarmen Hände. Weber öff nete die Augen und über seine Züge flog ein. Leuchten. Mein Junge I" flüsterte er und die Hand hob sich, um das Gesicht des Sohnes zu streicheln. Ein heißes Schluchzen kam aus dessen Kehle. Tiefbewegt küßte er die Hände und das Gesicht des Sterbenden und stammelte nur immer: Vater! Vaterl" Da traf ihn ein heißer Dankesblick aus dessen Augen, und der junge wünschte nur das Eine: Der Vater möchte am Leben bleiben, es solle alles vergessen sein. Doch im gleichen Augen blicke spürte er einen letzten, leisen Händedruck, dann ein Zucken, über das Gesicht legten sich Schatten. Die Augen schlössen sich zum lebten langeil Schlaf.wenn ein Ring sich schließt. im Frieden Manöver. Die V Hansestadt, die so wenig Militä- risches an sich hatte, iah jetzt plötzlich in ihren Mauern und ihrer engeren und weiteren Umgebung eine Menge zweierlei Tuch, denn in ihrer Umgebung sollte das Kaisermanö- ver stattfinden. Ueberall war Einquartierung und es war ein fröhliches Treiben mit all den jungen Söhnen des Mars. Die alte Baronin Nettelbladt war ganz aus dem Häuschen. Ihr Landhaus lag voll von Offi zieren, darunter einige, die zu ihren näheren Be rannten gehörten. Sie selbst war aus einer Sol datenfamilie und die Witwe eines Offiziers, da freute es sie immer, wenn sie sich in ihrer alten Liebe zum Soldatenftan.de betätigen konnte. 10 Der Tag brachte den Herren Dienst und manche Verpflichtungen. Aber am Abend war s herrlich. Da hatte die alte Dame eine Menge Bekannter aus Hamburg geladen, viel junges Volk darunter und nach dem Essen saßen die älteren Herrschaften in dem Pavillon auf dem Hügel, der am Ende des Parkes lag und mit sei nem Dach wie ein Luginsland über die Mauer ragte. Hinter dem Park zog sich eine Wiese hin, die in eine große Sandfläche überging, auf der sin Regiment Soldaten biwakierte. Bis an den Wald zog sich das Lager. Im Park des Landhauses hatte man eine italienische Nacht improvisiert. Der stets findige Leutnant Römstedt hatte sich der alten Baronin angeboten, für Beschäftigung der Jugend zu sor gen und hatte tätsächlich sein Möglichstes geleistet. Beim Schein der Lampions und des nun herauf ziehenden Mondes spielte eine Kapells die lustig sten Weisen und die Tanzlustigen schwenkten sich auf den Rasen. Die Luft war wundervoll weich und mild wie im Frühling. Ueber dem Walde war der Vollmond heraufgestiegen und nach und nach sahen auch die Sterne auf das frohe Getriebe da unten herab. Vor dem Hause war setzt noch ein Wagen oorgefahren, dem ein älterer Herr und eine noch Zunge Dame entstiegen, Konsul Berghaus aus Hamburg mit seiner ältesten Tochter.Ein Diener führte die beiden Gäste durch den Garten, zwischen der vergnügten Jugend hin durch, in den Park, wo die Gastgeberin im Lust- Hause zwischen den Offizieren saß. Fröhlich wurden beide begrüßt. Das ist hübsch, Herr Konsul," sagte die alte Dame, daß Sie doch nach kommen. Wir glaubten schon, Sie gar nicht mehr erwarten zu dürfen!" Fast wäre ich auch nicht gekommen," er widerte der Angeredete fröhlich." Aber ich er hielt am Nachmittag eine so gute Nachricht von meiner Frau aus Nauheim, daß ihre Besserung gute Fortschritte macht. Da habe ich zu meiner Tochter gesagt: Wilma, das müssen wir feiern. Wir werden nach Ruhwinkel hinausfahren und die Herrschaften überraschenl" Und das war so lieb wie vernünftig. Jetzt trinken wir einmal auf die fortschreitende gute Besserling Ihrer Frau Gemahlin!" sagte die Ba ronin froh gelaunt. Gnädiges Fräulein haben was versäumt!" wandte sich der eine der Offiziere an Wilma. Wir haben vor einei" halben Stunde einen Rund gang durchs Lager gemacht und es hätte Ihnen sicher gefallen!" Wie schade!" sagte Wilma bedauernd. Da sprang einer der Herren auf, ein statt licher, blonder Oberleutnant. Mit einer Ver beugung sagte er zum Konsul: Band 151 18 Dürfte Ich vielleicht um den Vorzug bitten, Fräulein Tochter noch nachträglich zu führen?" Möchtest du. Wilma?" Bitte!" jagte das junge Mädchen mit tie fem Erröten. Darf ich bitten, gnädiges Fräulein?" Er stand mit zusammengeklappten Hacken vor ihr und beide verließen den Pavillon. Drinnen sagte die Baronin: Bitte, Herr Oberst, fahren Sie doch fort, wo Sie vorhin aufhörten!" Und während der Diener die Gläser wieder mit kühler Bowle füllte, erzählte der Oberst von seinem Aufenthalt in Deutsch-Südwest. Die beiden jungen Menschen waren die Treppe vom Gartenhause hinabgestiegen, gingen an dem Gebüsch des Hügels vorbei und traten durch die Pforte in der Mauer ins Freie. Ueber die Wiese lies in der Diagonale ein ausgetretener Pfad, ein Graben ging quer hindurch, an dein Buschwerk stand. Bis dahin gingen die zwei schweigend, mit angehaltenem Atem, zitternd vor Erwartung. Endlich!" Der junge Mann sagte es hastig und zog hinter dem Buschwerk das junge Mädchen in seine Arme. Welch ein Glück Liebste, daß du noch ge kommen bist, daß wir uns noch einmal sehen vorm Ausmarsch 19 Er stieß es hastig hervor und suchte immer wieder den Mund der Liebsten und küßte sie heiß, wie ein Verdurstender die Quelle sucht. Sie schmiegte sich fest an ihn in seinen Arm. Ja, ich bin so froh, jetzt wird mir die.Zeit nicht sy lang werden!" Er hatte sie einen Augenblick freigelassen und sie nahm nun den Hut ab und strich sich das Haar aus der Stirn. Sie hatte fast noch ein Kindergesicht, kaum achtzehn Jahre mar sie alt und liebte mit der ganzen Innigkeit der ersten Liebe den Oberleutnant Helmhoff, den sie in Ge sellschaften kennen gelernt hatte. Beider Herzen flogen einander zu und bei dem spärli^ en ^eben hatten sie verabredet, nach dem Manöver die Eltern um ihre Einwilligung zu bitten -nst- weiligen Verlobung, wenn sie mit der Hochzeit denn auch noch warten sollteil. Das alles sprachen sie noch einmal durch, unterbrochen von Ausbrüchen der Leidenschaft, wo er sie wieder in seine Arme riß, ihr Gesicht, Hals und Haare mit Küssen überschüttend und immer wieder stammelnd: O du du du!" Dann wurde er ruhiger. Er legte den Arm um das Mädchen und beide sahen nach dem Walde hinüber ins Lager, wo es jetzt froh der- ging. Die Leute hatten abgegessen und saßen nun gemütlich beim Feuer, rauchten und sangen. Eben begannen sie ein neues Stück, es war ein altes. 20 schwermütiges Volkslied. Klar und deutlich trug die Abendluft die Töne und Worte herüber: Die Reise nach Iütland, die wird mir so schwer, o. du einziges Mädchen, wir sehn uns nicht mehr! Die beiden jungen Menschenkinder, die eng umschlungen dem schlichten Sang lauschten, fühl ten sich seltsam ergriffen. Mit schwerem Flügel schlage schien das Schicksal über ihren Raupten dahinzuziehen, sodaß die Schwingen sie streiften. Leise, wie unbewußt sang der junge Offizier die zweite Strophe mit: Wir sehn uns nicht wieder, und ich wünsche dir Glück, du mein einziges Mädchen, ich kehr niemals zurück! Da schwieg er plötzlich erschrocken still. Ein heißes Aufschluchzen an seiner Schulter ließ ihn zusammenfahren. In fassungslosem Schmerz schüttelte sich Wilmas Körper und keine Lieb kosung. kein zärtliches Wort von ihm brachte ihr Beruhigung. Da löste er seinen Arm von ihrem Körper, nahm ihren Kopf in seine beiden Hände, sodaß ihr Gesicht wie eine weiße Blüte darin lag, zwang sie so ihn anzusehen. Kleines. Süßes. Dummes!" schalt er leise. Wie kannst du so weinen, weil wir ins Manö-ver ziehen? Das ist doch kein Krieg! Soll ich jetzt mal sehr böse werden? So etwas tut dach keine zukünftige Soldatenfrau! Jetzt trocknest du gleich die Tränen und schämst dich mit beiden Händen! So! Und nun steckst du diesen Ring auf, den ich schon von meiner Großmutter erhielt und den trägst du. Jetzt bist du meine Braut und wenn das Manöver erst vorbei ist, dann komme ich in Galauniform nach Hamburg ge fahren und frage beim Konsul Berghaus an, ab er mir seine älteste Tochter zur Frau geben will, mir, dem Oberleutnant Helmhoff." Sie nickte mit seligem Lächeln in den feuch ten Augen. Gerührt küßte er die letzten Träney von den Wimpern und sagte innig: Halte den Ring wert, Liebste, er ist wie ein Stück von mir selbst. Sieh, so ist von jetzt ab mein Leben: wie der goldene Reis sich rundet und seine Enden sich an die Perle schließen, so werde ich immer zu dir streben müssen, zur Perle meines Lebens mag das Leben mich treiben, wohin es will!" Und er hob den Blick aufwärts. Fern am Horizont fiel ein Stern und zog einen glänzen den Weg am Firmament. Hast du mir übrigens ein Bild von dir mit gebracht?" Sie nickte und zog einen Karton aus der Tasche. Ich habe nur dies, es ist schon zwei Jahre altl" 22 Was tut das?" sagte er. Wenn du nur überhaupt es bist!" und öffnete das Papier. Es kam ein kleines Bild in Visitformat zum Vorschein, ein Mädchenkopf war darauf zu sehen, dem die Haarflechten kranzartig um den Kopf lagen. Unten sah man noch ein Stück einer ein fachen Matrosenbluse. Es war ein vollständiges Kindergesicht, das den Beschauer mit klaren Augen ansah. Gerührt ruhten des Mannes Augen auf dem unscheinbaren Bilde, das er beim Schein seiner elektrischen Taschenlaterne aufmerk sam betrachtete. Dann drehte er den Karton um. Da stand mit ein wenig steifen Buchstaben von Wilmas Hand geschrieben: Da bin ich! Nimm mich hin und laß mich immer bei dir bleiben!" Kein Wort konnte der Offizier sprechen. Ein heißes Gelübde stieg aus seinem Herzen auf, das junge Wesen da neben ihm glücklich zu wichen, mit allen Kräften, die ihm zu Gebote standen. Heiß küßte er ihre Hände und führte sie dann durchs Lager. Als sie zurückkamen, wollte man sich zur Abendtafel begeben und es war ein anregendes Zusammensein nach dieser, von dem alle zufrie dengestellt waren. Die Baronin ließ ihre jungen Gäste am Abend nicht mehr fort und so sahen sie am näch sten Morgen die Mannschaften abrücken und winkten ihnen fröhlich nach. 23 Nun trat der Alltag wieder in seine Rechte. Der Konsul nmßte auf einige Wochen verreisen und Wilma übernahm die Führung im Hause und betreute ihre jüngeren Geschwister. Es war eine selige Zeit für das junge Mäd chen. Täglich brachte ihr die Post Grüße vom Liebsten und der Zeitraum bis zu seiner Rück kehr voin Manöver verringerte sich. Nur kurze Zeit noch, dann kam das selige Wiedersehen. Da blieben plötzlich die Briefe aus. Tage vergingen in banger Erwartung, kein Lebens zeichen kam. Eine Angst kam über Wilma, die ihr den Schlaf der Nächte raubte. Und dann kam ein Morgen, der ihr wieder einen Brief brachte. Sie nahm ihn voll f!"" rn- der Erwartung entgegen und konnte nicht schnell genug damit in ibr Zimmer kommen. Alle Möglichkeiten jagten ihr durch den Kopf, welker Grund ihn am Schreiben nebindert haben könnte und dazwischen die frohe Gewißheit, daß sie den Schlüssel in Händen hielt, der aller bangen Sorge das Tor verschloß. Als sie dann aber mit beben den Händen den Umschlag gelöst und zu lesen be gonnen hatte, da mußte sie sich zu einem Sitz tasten. Denn der Brief war von einer solchen Verzweiflung durchweht, daß es auch sie ergriff. Eine Flut von Selbstanklagen strömte ibr ent gegen, daß er sie an sich gefesselt, der docb jetzt unwürdig sei. Und aus dem Wirrsal von Wor ten, die der Brief dann noch enthielt, entnahm sie 24 - nur die eine Gewißheit, daß er fort war, uner reichbar für ihre Verzweiflung wie für ihr Sehnen. Das gab traurige Tage im Hause des Kon suls. Tagelang ging Wilma oft stumpf herum, nur mechanisch den verschiedenen Pflichten nach gehend. Und dann kam s plötzlich über sie wie ein Orkan. Sie hatte vielleicht irgendeine Arbeit vor oder saß bei Tisch, die Geschwister versor gend. Da packte sie wohl die Verzweiflung, daA sie aufsprang und in ihr Zimmer rannte, den Kopf in die Kissen ihres Lagers barg und auf schrie, wie ein zu Tode getroffenes Wild. Ueber dem ganzen Hause lag eine schwüle Atmosphäre. Die jüngeren Geschwister wagten kein frohes Spiel, kein lustiges Lachen. Da kam zum Glück der Vater zurück und mit einem Schla ge wurde die Luft frei und rein. Er übersah bald die Situation und nahm seine Tochter vor. Als verständiger Mann hielt er sich nicht mit Vorwürfen auf. sondern griff mit fester Hand praktisch in das Getriebe. Und da wich das dumpfe Gefühl der Hoffnungslosig keit, der Machtlosigkeit von Wilma, fie hoffte wieder. Zunächst galt es, überhaupt den Grund und den Zweck des Verschwindens zu erforschen. Da erfuhr der Konsul denn von einem jahrelangen gespannten Verhältnis des jungen Offiziers zu einem Vorgesetzten, der bei dem Manöver den 25 Bau eines Pontons zu überwachen hatte. Bei den Vorarbeiten dazu sielen einige der Leute ins Wasser und kamen in die Gefahr des Ertrinkens. Dem Oberleutnant Helmhoff wurde die Schuld beigemessen, da er die Arbeiten geleitet hatte. In Wirklichkeit hatte die Sache anders gelegen. Die Schuld des Oberleutnants war nur minimal. Aber er hatte den Jahre lang aufgespeicherten Groll plötzlich wirken gefühlt, hatte vergessen, mit wem er redete und sich fast zu Tätlichkeiten hinreißen lassen. Die Folge war: schlichter Ab" schied. Ohne Vermögen, ohne nähere Verwandte, zu denen er hätte gehen können, zudem unter dem Druck der gegen Wilma eingegangenen Ver pflichtungen mochte er den Kopf verloren haben und hatte sich nach Amerika eingeschifft. Man konnte nachrechnen, daß er keine großen Bar mittel besessen hatte und so hätte er eins helfende Freundeshand wohl brauchen können. Der Konsul war voll Aerger über solch ein überhastetes Beginnen, drahtete aber doch an einen Geschäftsfreund, daß dieser versuche, über den Verbleib des Ausreisenden etwas zu erfah ren, nachdem er festgestellt hatte, welchen Dampfer dieser benutzt hatte. Nach geraumer Zeit, während der Wilma in Hangen und Banaen gehofft hatte, kam der Besi-b-id. daß der Angefragte nicht cmw r nden gewesen sei. Unter den Arbeitsuchenden sei er 2 nirgends zu finden. Möglich sei, daß er wun derbarerweise gleich eine Position gefunden habe, da ja auch die Ankunft des Dampfers schon drei Wochen zurückliege. Ebenso möglich sei es aber auch, daß der Betreffende sich einem Zuge Tramps" angeschlossen habe, die dem Westen zuzuwandern pflegen. Es solle jetzt noch mit einigen Aufrufen in verschiedenen Zeitungen versucht werden, und wenn die nicht hülfen, dann könne man nur warten,, daß er einmal so wieder auftauchte. Aber keine Nachricht kam, der Vermißte blieb verschwunden. Die Zeit verging, Tag reihte sich an Tag, Jahr an Jahr. Wilma hatte sich fügen lernen müssen, der Vater lernte ihr den Wert der Ar beit erkennen und als ihre Mutter bald nachher starb, mußte sie dem Hause die Leiterin, den Ge schwistern die Mutter ersetzen. Ihr Wesen streifte die jugendliche Fröhlichkeit ab und wurde ernst und verschlossen. Als dann aber die (Geschwister flügge waren und das Hanswesen kleiner wurde, da wandte sie sich der Wohltätigkeit zu und suchte die Noi auf, sie zu lindern. Alle Hoffnung auf eine Ehe hatte sie aufge geben da der Geliebte ihrer ersten Jugend noch unvergessen in ihrem Herzen lebte, selbst aber verschollen blieb. Da lernte sie auf einer Reise 27 einen rheinischen Graßindustriellen kennen, mit dem sie gleiche Lebensanschauungen teilte, der die Höhen und Tiefen des Lebens kannte und durch sein lauteres, harmonisches Wesen die Gewähr bot, daß ein Zusammenleben mit ihm ein stilles Glück bringen könnte. Ein Jahr war sie nun seine Frau und hatte gefunden, was sie erhoffte. Der große Betrieb ihres Gatten mir den vielen Angestellten bot ih? reiche Gelegenheit, sich in sozialer Fürsorge zu bei tätigen. Da kam der grnße Krieg. Ihr Mann mußte als Hauptmann bald ein rücken, eine Menge der Angestellten und Arbeiter desgleichen. Der Betrieb stand still. Die großen Räume, die nun unbenutzt waren, wurden zu Lazarettzwecken verwendet, und Wilma war immer tätig, den ihr anvertrau ten Menschen die Leiden zu erleichtern. Wieder wurde ein Zug Verwundeter er wartet, und die Herrin des Hauses stand und sah auf die sonnenbeschi?nene Straße hinaus. Da zog ein Regiment Infanterie vorbei, frische, fröh liche Männer, die erst ins Feld zogen. Die muß ten schnell noch gelcst werden, und unter Scher zen und frohen Wechselreden vollzog sich die Liebesarbeit. Schnell ging es, denn die Zeit mußte genutzt werden. Und mit frohem Mützen- schwenken und Singen zog die Schar ab. Wilma sah ihnen nach und dachte des Tages, da sie auch einmal so gestanden und den abziehenden Sol 28 daten nachgesehen hatte. Von der anderen Seite kamen jetzt die Autos mit den Verwundeten heran. Fern auf der Landstraße verhallte der Ge sang der Soldaten, die ins Feindesland zogen: Heiß ist die Liebe, Kalt ist der Schnee, der Schnee. Scheiden und meiden, L , das tut weh. Drinnen gab es jetzt viel Arbeit. Viele waren schwer erschöpft und mußten gelabt wer den, alle aber sollten verbunden und gebettet werden. Es war schon Abend, als alles geschafft war. und Wilma besprach sich mit der Ober schwester über die einzelnen Fälle. Einer ist uns gleich gestorben." berichtete diese, ein anderer hat einen schweren Kopfschuß und stirbt vielleicht auch. Die anderen aber hoffen die Aerzte durchzubringen. Nein, einer ist noch da, der ist förmlich von Kugeln durch löchert, und die Begleitmannschaft erzählt, der hätte alle Auszeichnungen haben müssen, die ein Soldat nur bekommen kann. So drängte er sich zu den gefährlichsten Stellen und hat Großes ver richtet. Er liegt schon allein im kleinen Zimmer neben Saal fünf und wird die Nacht wo^l nicht überleben. Schade um solchen Menschen!" . Ich gehe zu ihm," kaate Wilma, und begab sich hinaus. 29 Im Schein der abgedämpften Lampe sah Wilma ein bleiches Gesicht in den weißen Kissen liegen. Leise ließ sie sich auf dem Stuhl am Bett nieder und sah in das hagere, abgezehrte Geü-^t. Manchmal öffneten sich ein Paar große, grau blaue Augen, die unruhig im Zimmer suchten. Dann krampste sich die rechte Hand fester um ein Vild, das darin lag. Eine ganze Weile saß Wilma so. Da sah sie, daß das Gesicht eine eigenartige Färbung an nahm. Einmal noch blickten die Augen auf, ein Seufzer hob die Brust, ein leises Strecken ging durch den Körper, es war aus. Leise erhob sich Wilma und trat näher Bett. Sie rückte den Kopf gerade und faltete die Hände. Das Bild nahm sie, um es zu verwahren. Unwillkürlich fiel ihr Blick darauf, und ihre freie Hand tastete nach einer Stütze. Ein junger Mädchenkopf sah ihr entgegen, die Haare waren wie ein Kranz auf den K^vf gelegt, unten sah man eine einfache Matr"s" i- bluse. Und als sie den Karton wandte, las sie mit verschleierten Augen die etwas ungelenk und eckig geschriebenen Worte: Da bin ich! Nimm mich hin und laß mich immer bei dir bleiben!"Heitmanns Gänsebraten. ährend der ersten drei Monate des Krieges war der Wehrmann Heit mann ganz vernünftig. Mit seinem Berliner Humor begoß er alle Vor kommnisse des Feldzuges. Und ob auch die Feld küchen oftmals nicht an die vorderen Linien kamen und seine Abteilung nicht immer warm essen konnte, er verlor seine gute Laune nicht und heiterte die anderen auf. So hätte ein Psychiater denn also schwerlich ein dankbares Objekt in ihm gefunden, denn ro bust wie sein Körper, war auch sein Seelenleben. Als es nun aber auf den Winter ging, be kam der sonst so heitere Ede Heitmann Anwand lungen. die der Nervenarzt Zwangsvorstellunqen nennt Es geschah nämlich, daß es einmal wie der mit der Verpflegung knapp war. Er und 31 seine Kameraden hatten sich im Schützengraben zusammengekauert und wollten eben ihr Mahl halten, bestehend aus Brot und einem Rest kalten Kaffees. Da begann Heitmann, melancholisch sein Brot betrachtend: Ja, Kinder, wenn man da bedenkt, det in Berlin in de Marchthallen un ieberhaupt so de fetten Iänse hängen, da kann man det Heulen kriejen! Wenn ick so daran denke, wie meine Olle den Iänsebraten macht, oben sck een brmm un knusprig, denn die Füllung, wißt r, da sagt ihr bloß: Oha!" Und er begann vor den Ohren der andächtig horchenden Kameraden den gedachten (Gänse braten kunstgerecht zu zerlegen, daß denen aller Hunger auf Kommißbrot verging, bis der eine das rechte Wort fand und sagte: Na, ich schlage vor, solange wir keinen Gänsebraten haben, beißen wir erst mal in den trockenen Hanf!" Anfeuernd hieb er sich dabei ein Stück Brot herunter und biß kräftig hinein. Aufatmend folgten die anderen seinem Beispiel und der B^nn wich. Aber von da an plaate Heilmann der Hunger auf Gänsebraten, und ab und zu mußte er seiner Selmsucht den Kameraden gegenüber doch andere Worte leihen. Weihnachten kam, und mit diesem Fest der Liebe eine Flut von Liebesgaben der .^ei- . Mat. In Heitmanns Truppe wurde am 23. eine 82 Feier veranstaltet und die Sendungen aus der Heimat verteilt. Zuerst die persönlichen, die von aufmerksamen Müttern, Gattinnen und Bräuten für die Empfänger ausgesucht und dem persön lichen Geschmack dieser angepaßt waren. Dann kamen noch viele andere. Heitmanns Freund fand in seinem Pack einen dicken Spickaal, dessen Anblick Jubel aus löste. Mensch, Heitmann," rief der glückliche Be sitzer, du kriegst was ab! Hier, den Schwanz verehr ich dir, laß ihn dir gut schmecken!" Wird mit Dank anjenommen, Kamerad," sagte Heitmann und salutierte ehrfurchtsvoll vor dem Aal. Dann machte er sich gleich Ver zehren. Der Spender sah zu und meinte: Ist doch ne Delikatesse, was? Das hat meine Olle gut gemacht!" Heitmann nickte mit dem Gesicht eines Ken ners. Tadellos," lobte er, aber weeßte, Her mann, so n recht scheenet Stück Iänsebraten, da jeht doch nichts über " Von der Zeit an wurde es in der Kompagnie eine stehende Redensart, wenn jemand etwas lobte: Alles ganz schön, aber es ist d- ch kein Gänsebraten!" Nun war das Regiment in Russisch-Polen, und da marschierten sie eines Tages auf ein Dorf 3S los, von dem ihnen gesagt worden war, daß sie die Nacht dort kampieren sollten. Mensch sagte Heitmann zu seinem Neben mann, hier in Polen werden ja furchtbar viel Jänse gezüchtet, hier kriegt man wohl welche zu fassen!" Na," meinte der andere, da kannst du ja Glück haben und dein Gelüste stillen!" Im Dämmern zogen sie in den Ort ein und verteilten sich in den Häusern. Heitmann kam mit noch zwei anderen Soldaten in ein kleines, et was abseits gelegenes Gehöft. Bei ihrem Ein tritt sahen sie eine junge Frau, die einen Säug ling auf den Armen hielt und auf und ab lief. Als sie die Soldaten sah, blieb sie erschreckt stehen und sah sie ängstlich an. Dann legte sie das Kind in die Wiege, die im Raum stand, und ging zu einem Kasten, aus dem sie einige ärmliche Nah rungsmittel nahm. Als sie schon fertig zu fein schien, ging sie nach kurzem Besinnen noch in einen Nebenraum und legte ein paar Eier auf den Tisch. Da ging ein Leuchten über Heitmanns Züge. Halt," dachte er, wo Eier sind, find auch Hüh ner, wo Hühner sind, können auch andere Feder tiere sein, also auch Gänse." Es galt nur sie los zumachen: das mochte schwierig sein, aber ein rechter Berliner schreckt doch nicht vor einer Schwierigkeit zurück. Band 151 3 34 Blitzschnell überlegte er, wie er sich mit der Frau verständigen könne. Bald glaubte er einen Weg gefunden zu haben. In seiner Eigenschaft als Maurer hatte er zuweilen mit Paten auf einem Bau zusammengearbeitet und sich über ihr schnurriges Deutsch belustigt. Er nahm nun an, daß diese Art Verständigung überall bei den Polen und Deutschen gang und gäbe sei, auch im Lande bei den Polen selbst. Das übrige erhoffte er von seiner Intelligenz, die ihn schon die rech ten Worte und Gebärden zur rechten Zeit finden lassen würde. Cr näherte sich also der jungen Frau, die abwartend am Herde stand, mit vertraulichen Gebärden, und Hub au: Gutte Frau, Habben Sie nich so wei-iße Vogel, was macht gack, gack", is so groß!" Da bei hob er die Hand in Gänsegröße vorn Boden. Die Frau starrte ihn erschrocken an. Ihn immer im Auge behaltend, ging sie seitwärts auf die Wiege zu und griff nach ihrem Kind. Heit mann spürte, daß sie ihn nicht verstanden hatte, vielmehr von Mißtrauen gegen ihn erfüllt war. Jetzt waren auch seine beiden Kameraden heran gekommen, um zu f?hen. wie die Geschickte ab laufen würde. Er wollte sich nun in seinem Glanz meinen, wies auf das Kind, dann auf sich, und sagte be ruhigend:- 35 Nix tun, ich gutte Mann. Bloß essen!" Er zeigte mit der Hand nach dem Mund, während die Frau ihr Kind mit beiden Händen an die Brust drückte und langsam rückwärts nach dem Hintergrunde der Küche ging. Aber Heitmann ließ sich nicht verblüffen. Schien, argumentierte er, daß die Frau offenbar keine großen Gänse hatte und ihn darum nicht verstand. Na, dem konnte abgeholfen werden, ihm war auch eine junge Gans lieb. Zudem hatte er keine Ahnung, wann eigentlich die jungen Gänse zu haben find. So hockte er nun nieder, machte die Gebärde des Futterstreuens und sagte, zu der Frau hin sehend: Wen Sie nicht Habben große Vogel, Sie vielleicht Habben kleine, junge, was macht piele pie le, piele!" So hatte er mal von einer Bäuerin junge Gössel locken hören. Das war aber zu viel für die junge Frau. Mit einem schrillen Aufschrei entwich sie, riß die Hoftür auf, rannte mit flatternden Röcken über den Hof, dann um eine Hecke und ward hinfort nicht mehr gesehen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Heit mann der Frau nach. Die Kameraden fielen über ihn her mit Schelten. 36 Das hast du nun von deinem dämlichen Gänsequatsch! Die arme Frau war so schon ängstlich genug, nun mußt du sie noch mehr äng stigen! Wir sind doch als Feinde hier im Lande. Wenn du wieder zu Hause bist, kaunst du ja so viel Gänse essen, wie du bezahlen kannst, hier gib dich nun mal zufrieden!" Ick versteh jar nich, wat die Frau zu schrei n hatte!" wunderte sich Heitmann noch immer. Die glaubte doch gewiß, du wolltest ihr Kind fressen, vielleicht sogar mit Haut und Haar, ohne Pfeffer und Salz!" Nich möglich," staunte Heitmann, sprach aber nun hinfort von Gänsen nicht mehr, sondern aß, was er hatte, und schwieg dazu. Weiter ging der Marsch, dem Feinde zu. Eines Tages bekamen sie Auftrag, bei Ein bruch der Dunkelheit auf einen bestimmten Ort loszumarschieren, wo eine Abteilung Russen fest zuhalten war, bis die Verstärkung berankam, worauf der Angriff vor sich gehen sollte. In tiefer Nacht kamen die Deutschen an und nahmen Deckung hinter dem hohen Röhricht eines Teiches. Als es nun hell wurde und man vor sichtig die Umgebung musterte, da sah man auf dem Teiche eine große Herde Gänse. Da gab es eine große Uzerei über Heitmann. Dem aber ging es ähnlich, wie weiland Tantalus. Dicht am Ziel seiner Sehnsucht zu stehen und nicht heran zu können, ist schlimm. In der Hitze 37 des in Aussicht stehenden Gefechts würden die Gänse sich gewiß eilends empfehlen, und wer weiß, wo man sie dann wiederfand. Jedenfalls hieß es jetzt: warten. So lag man bis zum Abend, als die Däm merung eben hereinbrach. Da kamen von der anderen Seite arglos zwei Russen heran, ließen sich an der Böschung hinab und wollten sich hier mit Geflügel versehen. Schnell gingen einige Deutsche ab, und als die erstaunten Nüssen die Köpfe hoben, da standen die Deutschen schon dicht hinter ihnen, und sie brauchten nur mit diesen zu gehen. Nach kurzer Zeit folgten andere, die ebenfalls auf der Futtersuche waren, und so nah men die Deutschen mit Hilfe der Gänseherde einen großen Posten Russen gefangen, als es zum Gefecht kam, entschied es sich schnell ohne nennens werte Verluste zu Gunsten der Deutschen. Nun hätten dies? den Gänsen doch dankbar sein sollen und sie am Leben lassen. Aber un dankbar, wie die Kreatur nun einmal ist, gab es nach der Entscheidung ein großes Essen init Gänsebraten, allen voran war natürlich Heit mann, und wenn der Braten auch nicht so delikat wurde wie zu Hause, so mäkelte er doch nicht, sondern verzehrte mit Kennermiene und ver gnügtem Schmunzeln seinen Anteil. Endlich war sein sehnlichster Herzenswunsch in Erfüllung gegangen: der Gänsebraten.M KM Nmöe. in heißer Sommertag ging zur Rüste. Schwül und drückend hatte die Luft auf der Gegend gelegen, durch die deutsche Truppen ins Land des Feindes zogen. Nun aber war die Mitte des Tages überschritten, ein frisch aufspringender Wind hatte die Ge witterwolken zerstreut, und die Soldaten, die auf der staubigen Landstraße dahin marschierten, atmeten auf. Fern am Horizont kräuselten Rauchwolken in die Höhe, allerlei Tierstimmen ließen sich ver nehmen und verrieten die Nähe menschlicher Sie delungen. Alls den Feldern rechts und links vom Wege arbeiteten Landleute, die den Soldaten freundliche Grüße zuriefen, und als der Trupp gar in die nähere Umgebung des^ Dorfes kam, als hinter Mauern, Bäumen und Büschen die S9 Häuser des Ortes auftauchten, da ward manchem Mann heimelig zumute, und er dachte an seine ländliche Heimat. Aus den Häusern kamen jetzt Frauen und Kinder gelaufen. Erst sahen sie neugierig auf die fremden Krieger, dann schleppten sie erfrischende Getränke, Obst und Backwerk herbei und tausch ten, so gut es bei der verschiedenen Sprache gehen wollte, freundliche Reden und Scherze mit ihnen. Die Soldaten waren froh. Nach den Ge waltmärschen der letzten Tage schien hier die Ruhe zu winken. Und wenn s auch nur für den Rest des Tages und die kommende Nacht sein mochte. Die Glieder konnten doch auf einer Streu ruhen und sich für die kommenden Strapazen stärken. Mitten in das frohe Treiben scholl das dünne Gebimmel einer Glocke, und da hatten es die Dörfler plötzlich sehr eilig, wieder in ihre Häuser zu kommen. Zum zweiten Male erklang die Glocke da standen die Soldaten plötzlich allein auf der Straße und sahen sich verwundert an. Ehe aber noch irgendwelche Maßnahmen ge troffen werden konnten und ein Befebl ae^eben war, ging mit einem Male ein mörderisches Schießen los. Hinter Mauern und Zäunen her vor, aus Fenstern und Luken, von Bäumen und Dächern herab fielen die tödlichen Kugeln, und ehe sich die Truppe formieren konnte, tat man cher braven Mutter guter Sohn seinen letzten Atemzug. 40 - Mit Mühe fanden sich Deckungen für die deutschen Soldaten, und dank der eisernen Dis ziplin erholten sich alle bald von der Verwirrung und nahmen die einzelnen Punkte aufs Korn. Zwei Mann jagten aus der Landstraße wieder zurück, um Verstärkungen heranzubekommen, und bis diese kamen, hielt sich das Häuflein wacker. Es konnte eiligst Mannschaft herankommen, und dann mußten die Feiglinge aus ihren Ver stecken heraus, die Häuser, die ihnen als Versteck gedient hatten, gingen in Flammen auf, und mit der Bevölkerung wurde nach Kriegsgsbrauch ver fahren. Beim Durchsuchen der Ortschaft und des Wäldchens fanden fich aber mobile Truppen vor, und nun galt es, auch mit denen fertig zu wer den. Ein kurzes, blutiges Gefecht begann, dann suchten die Feinde, Engländer und Franzosen ihr Heil in der Flucht. Bald war der Wald von ihnen gesäubert, aber sie durften nicht zum Stehen kommen, und so ging es weiter hinter ihnen her. Unteroffizier Heinrichsen stürmte im Lauf schritt mit seiner Abteilung hinter dem Feinde her. Wie ein Wunder war es ihm erschienen, daß er noch seine heilen Knochen und gesunden Glieder hatte Doch da fuhr es ihn, seitwärts an den linken Oberschenkel. Wie ein leichter Schlag fühlte es sich erst an. ging dann auch in den rech- 1 ten über, und wie von einer Sense gemäht fiel er nieder, wo er gerade stand. Ein Gewehrschuß, ob gezielt oder abgeirrt, war ihm durch beide Oberschenkel gefahren. An ihm vorüber stürmten seine Kameraden, in mer dem Feinde nach. Ein paar Soldaten sah er noch fallen, Feinde und Landsleute, dann verhallte das Getöse des Kampfes in der Ferne. Als ob er aus wüstem Traum erwache, so sah er sich um. Rechts hinten lag das Wäldchen, durch das sie gestürmt waren. Vor sich sah er Felder, von Wegen durchzogen, und links eben falls. Dort senkte sich das Gelände und bildete eine Mulde, in der die Kämpfenden vers^wun- den waren. Dicht hinter ihm befand sich ein Busch, ziem lich breit mit ausladenden Aesten. Rings herum wuchs hohes, dichtes Gras. Hinrichsen versuchte, ob er wohl imstande sein möchte, aufzustehen. Es wollte indes nicht gehen. Er untersuchte die Eintrittsstelle des Schusses, es war nur eine verhältnismäßig kleine Oeffnung, die nicht viel schmerzte. Die Sanitäi würde wohl nachher das Terrain absuchen, und dann auch ihn finden. Es konnte darüber aber Nacht werden, und darum hieß es, sich für dic nächsten Stunden einrichten. Noch einmal versuchte er, in die Höhe kommen. Es ging absolut nicht. Nun krallte er 42 sich mit beiden Händen ins Gras, stützte die Arme auf und rutschte so ein Stückchen vorwärts. Sein Ziel war das Buschwerk. Noch einmal und noch einmal wiederholte er das Manöver. Da hatte er s geschafft und lag seitwärts der Büsche. ^ Seinen Tornister löste er jetzt, breitete den Mantel über sich und legte den Kopf auf das Nänzel. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, daß die achte Abendstunde heranrückte. Er war ruhig und gefaßt. Die Nacht würde warm sein, im Affen hatte er Proviant, in der Feldflasche ge nügend Getränk aus dem Dorfe, es konnte also ruhig noch ein paar Stunden dauern, bis er ge holt würde. Er hielt es aus. Hunger verspürte er einstweilen noch nicht, ein paar kurze Züqe aus der Feldflasche löschten seinen Durst, und als er dann noch eine Zigarette anbrennen konnte, kam so etwas wie Behagen über ihn. Dann kam allmählich die Nachwirkung der Strapazen der letzten Tage zur Geltung. Eine tiefe Müdigkeit ergriff Besitz von ihm, das letzte Tnde der Zigarette entglitt ihm, und nach me ngen Augenblicken war er eingeschlumert! tief und fest war sein Schlaf. Ein paar Stunden mochte er so gelegen haben. Der Mond und die Sterne waren her aufgezogen, der Nachtwind säuselte in den Blät tern des Gebüsches, an dem er lag, fern im Osten 48 - zeigte sich bereits ein schmaler, Heller Streifen, der das Herannahen des kommenden Tages an zeigte. Hinrichsen hatte traumlos und tief geschla fen, die erste schwere Müdigkeit war von ihm ge wichen, und langsam ergriff die Sinnestätigkeit wieder Besitz von seinem Körper. Er öffnete blinzelnd die Augen, im Halb schlummer hatte er gemeint, ein Geräusch zu hören. Als er jedoch die Dunkelheit spürte, wollte er wieder einschlafen, und legte den Kops auf die Seite. Halb schon wieder im Schlafe, vernahm er das Geräusch wieder, es klang, als ob schwere, unregelmäßige Schritte über Sand und Gras schlürften. Da wurde er gänzlich munter, hob den Kopf und lauschte. In der Ferne vernahm er nun Kanonendonner. Die Schlacht begann also, und die Artillerie war im Gange. Langsam wurde die Dämmerung jetzt lichter, und er konnte in seiner näheren Umgebung schon Gegenstände erkennen. Wieder hörte er das rätselhafte Geräusch. Nun klang ein Schnaufen dazwischen, und Hinrichsen hatte das sichere Ge fühl, daß ein Mensch in der Nähe sei. Durch Rücken des Tornisters gelang es ihm, in eine halb sitzende Stellung zu kommen, seine Hand tastete nach dem Gewehr und entsicherte es, und so, in Anschlagstellung, erwartete er, was kom men würde.Wieder war es eine Weile still, dann klang das Schlüssen ganz nahe, leises Sprechen da zwischen. Es kam von rechts. Aus der Dämmerung, die noch wie eine Wand die weitere Umgebung abschloß, löste sich eine hohe Gestalt, die sich auf einen abgebroche nen krummen Ast stützte. Das linke Bein schleppte nach, und um das Knie desselben lag wie ein dicker Wulst ein Tuch, das wohl einen Verband darstellen sollte. Hinrichfen verhielt sich ruhig. Er ließ die Gestalt näher kommen und konnte nun auch die Uniform besser erkennen. Es war ein Englän der und gehörte dem Range nach wohl zu den Unteroffizieren. Dem Alter nach mochte er nahe der Fünfzig sein. Noch schien er planlos die Gegend zu mustern, und hatte wohl auch Hinrichsen noch nicht gesehen. Vielleicht ging er am Busch vor über. Aber plötzlich stieß der Fremde einen Laut aus, der das Erkenneil anzeigte, und unmittelbar danach bog er ab und stolperte auf den Liegen den zu. Dicht vor ihm blieb er halten, beugte sich zu ihm nieder und sah ihm ins Gesicht. Hinrichsen besann sich aus seine englischen Sprachkenntnisse. Er ließ sein Gewehr im An schlag und fragte: Was wünscht Ihr, Kamerad? 45 - Mit schwerem Plumpsen ließ sich der Eng lcinder dicht an Hinrichsens Füßen nieder und sagte höflich: Trinken, Kamerad, trinken!" Der Deutsche reichte ihm seine Feldflasche hin, und gierig führte der andere sie zum Munds. Aergerlich lachend griff der Besitzer nach dem kostbaren Gegenstand und sagte: Halt, halt, wir müssen vielleicht noch lange auf die Samariter warten!" Aufatmend gab der Brite die Flasche zurück, und nun musterten sich die zwei Feinde. Der Brite hatte eine hohe, hagere Figur, das Gesicht war gelb und faltig, ein buschiger, langer Schnurrbart gab ihm ein wildes Aussehen. Eine mächtige Nase und etwas abstehende Ohren machten sein Gesicht nicht eben anziehend, und spärlich sahen dünne, schwarze Haare unter der Kopfbedeckung hervor. Am unheimlichsten aber waren die Augen. Sie waren groß und schwarz, aber das Weiße sah gelb aus und war von feinen, roten Adern durchzogen. Auch hatten sie einen fiebrigen Blick. So war Hinrichsen nicht eben erfreut über den neuen Kameraden, beschloß aber, seiner hilf, losen Lage wegen ihn möglichst bei guter Laune zu halten. Er selbst spürte Hunger, und so öffnete er den Tornister, holte von seinem Proviant her aus und gab freiwillig dem anderen ab. daß er^6 sich sättigen könnte. Mit krankhafter Gier schlang er das Gebotene in sich hinein und sah immer noch verlangend auf die Feldflasche des Deut schen. Und dieser gab ihm mitleidig noch ein paar Schluck, goß es aber in dessen Flasche. Es war jetzt völlig hell, und Hinrichsen suchte die Umgebung ab nach einem Menschen, der wie ein Samariter aussehen könnte. Aber weit und breit war niemand zu sehen, und von weit her dröhnte stärker als vorhin das Donnern schwerer Geschütze. Wenn dort hinten also die Schlacht im Gange war, konnte vor Abend nicht daran gedacht werden, daß ihnen Hilfe wurde. Der Engländer schien nun gesättigt zu sein, und beide Männer kamen in ein Gespräch. Hinrichsen ließ den anderen erzählen und suchte ihn nach Möglichkeit zu verstehen. Es ging recht gut, und so erfuhr er dessen Geschichte. Diese war bunt und kraus. Er war kein ge borener Engländer. Mit Stolz erzählte er von seiner wirklichen Heimat Irland, der grünen Insel. Die Armut in ihrem kleinen Ort war aroß, und er war der zweite Sohn seines Vaters. Viel Aussichten boten sich dem jungen Mann nicht, er konnte nur Tagelöhner werden oder Soldat. Und als er eine Zeit lang bald auf dem Lande, bald in Städten gearbeitet hatte, warb ihn ein englischer Werber fürs Heer, und weil das Jnfelreich gerade, wie schon so oft, irgendwo einen Krieg angezettelt hatte, kam Doughan nach 47 einer kurzen Ausbildung schon nach Indien, wt gerade wieder ein paar Gebirgsstämme revol tierten. Das abenteuerliche Leben sagte ihm zu. Mit Leib und Seele war er dabei. Er konnte sich gut einfügen, und ordnete sich willig auch den unangenehmen Vorgesetzten unter, so das; er als verläßlich galt. So avancierte er auch bald, und der arme Ire der durch das englische Vermal tungssystem mit seinem Volk unter einem kün digen Druck seufzen gelernt hatte, lebte bei den Soldaten auf. Cr kam nach China, als die Boxerunruhen ausbrachen: nach Afrika zu wilden Völkerstäm men, die sich der englischen Herrschaft nicht beugen wollten, und zu den Buren, die ihre Freiheit verteidigen. Später ging er mit nach Aegypten und focht auch hier für Englands Rubm. Wirr und kraus waren die Erzählungen des Iren, glühend, wie mit Flammen gemalt die Bilder, die sich abrollten. Ein unstetes Leben zog an dem Hörer vor über, wüst und toll zuweilen, wie ein Fieber traum. Und der dies Leben gelebt hatte, war ein Verwundeter,wie er selbst, der gleich ihm hilflos hier lag, und auf die Hilfe irgendwelcher Sama riter wartete. Tragisch war das weitere Schicksal des Iren gewesen. Er war endlich wieder in Afrika ge landet. Hier hatte ihn das Fieber gepackt und 48 seinen Körper geschwächt, der schon so vielen Strapazen ausgesetzt gewesen war. Zugleich zeigte ihm ein Brief aus der Heimat den Tod seines Bruders an. Das Schreiben war alt, denn es war lange hinter ihm her gereist. Als er nun um nähere Nachricht in die Heimat schrieb, erfuhr er, daß die Witwv seines toten Bruders schwer um den Besitz zu kämpfen habe, da ohne männliche Hilfe das Gütchen nicht be stehen wollte. Schnell faßte er seinen Entschluß, kam um seinen Abschied ein und zeigte zu Hause seine Ankunft an. Als er aber in London landete, war eben der Krieg mit Deutschland ausge brochen. Ein Offizier legte ihm so viel Schönes und Schmeichelhaftes über seine Laufbahn, packte ihn auch bei seiner Ehre und machte ihm klar, daß gerade ihn das Vaterland brauche, und so ließ er sich denn noch einmal bereden und zog mit über den Kanal. Wie lange konnte schließlich der Feldzug dauern? Mit den paar Deutschen wurden sie doch bald fertig! Wie lange sollten die wohl der Macht des stolzen Albion widerstehen können? Nun lag er hier und wollte sich irgendwie gesund pflegen lassen, dann aber war endgültig Schluß mit dem Soldatenleben. Dann wollte er mdlich wieder in die Heimat ziehen und dort seine Tage als Bauer beschließen- 49 Mit heiserer Stimme fing er das Lied an zu singen, das von dem Heimweh des Iren han delt, und von den englischen Soldaten bei jeder Gelegenheit gesungen wurde, ja, selbst von der Bemannung eines sinkenden Schiffes im Augen blick des Unterganges angestimmt worden war. Seine Stimme überschlug sich und sein Körper fiel schwer zurück. Wirre Reden stam melte er, bald bediente er sich der englischen Sprache, bald kam irgendein anderes Idiom dran. Dazwischen lachte er gellend auf, knirschte mit den Zähnen und schlug mit den Armen um sich. Oft mochte ihn auch die Wunde am Bein schmerzen, denn er stöhnte wie in großen Schmer zen auf. Hinrichsen sah sich hilflos um. Er selbst war zum Stilliegen verurteilt und hätte doch dem an deren gern geholfen. Vielleicht konnte er ihm die Wunde nachsehen und neu verbinden, so daß ihm dadurch Erleichterung geschaffen wurde. Aber wie zu ihm gelangen? Er griff seitwärts in den Busch und richtete sich höher auf. Jetzt saß er völlig und beugte sich weit nach vorn, so daß er das gesunde Bein des anderen fassen konnte. Nun zog er dran, der Verwundete stöhnte zwar und schlug um nch, aber er kam doch aus dem Vereich der Sonnen strahlen, die bereits sengend auf die Erde nieder- fielen. Band 151 äAber die Wunde konnte Hinrichsen nicht frei machen. Sobald er den äußeren Wulst vom Bein abschälte ein Halstuch, wie sich zeigte , sah er, daß Wunde und Verband verklebt waren und ohne Wasser nichts zu machen war. So legte er denn das Tuch wieder herum und versuchte so. die Schmerzen des anderen we- nigstens zu lindern. Er zog ihn noch näher zu sich heran, legte ihm abgerupfte Blätter und Gras auf die Stirn, die er aus dem Schatten bereich des Busches genommen hatte, und flößte ihm endlich noch von seinem kleinen Kaffeevorrat ein. Der Fiebernde wurde etwas ruhiger und schien einzuschlafen. Wohl eine Stunde lang lag er da, unruhig atmend und wirre Reden stam melnd. Die Sonne stieg höher und höher, und es schien, als ob der Tag sehr heiß werden würde. Der Ire erwachte wieder. Er richtete sich halb auf und forderte hastig zu trinken. Hinrichens goß ihm noch etwas in die Flasche, nun blieb ihm selbst kaum noch ein Schluck. Mühsam, unter Aechzen und Stöhnen kam nun der Verwundete auf die Füße. Auf die Frage des Deutschen murmelte er als Antwort nur immer- Wasser Wasser!" und sah dabei mit wirren Blicken um sich. Ohne Kruß oder ein anderes Wort hum pelte er dann fort.S1 - Hinrichsen folgte ihm mit den Blicken und sah ihn bald etwas schneller gehen, fortwährend um sich blickend. Einige hundert Schritte mochte er sich so entfernt haben, da bückte er sich, und der Deutsche sah mit seinen scharfen Augen, daß dort etwas lag, das ein Körper sein konnte. Also offenbar ein Toter, dessen Feldflasche der Ire untersuchte. Weiter entfernte er sich dann, und beruhigt legte sich Hinrichsen zurück. Der Kamerad war doch recht unheimlich und fiel ihm sehr aus die Nerven. Wenn doch nur bald jemand von den Sanitätern käme! Die Sonne stach förmlich lind fand ihn selbst hier im Blätterversteck. Seine Flasche war fast leer und sein Durst groß. Er riß sich ein paar Blätter vom Busch und fing an, diese zu zerkauen. Wenigstens ließ das Brennen auf der Zunge nach, und nun fing er an, über sein Schicksal nachzudenken. Es konnte doch Abend werden, ehe die Krankenträger kamen, und dann mußte er im merhin noch fast zwölf Stunden hier aushalten. Wie langsam die Zeit verstrich. Er dachte an die Heimat, an seine Häuslich keit. Alles, was er in den letzten Wochen erlebt hatte, kam ihm so unwirklich vor. Nie war er Soldat gewesen, und sein Leben hatte sich eigent lich in der Hauptsache im Kontor seines Chefs abgespielt. Seit ö? erwachsen mar, lebte er nur für dieses Geschäft, mit dem er seit seiner Lehr-zeit immer mehr verwuchs, und in dem er einmal Teilhaber zu werden hoffte. Da kam der Krieg, der so vieles erschütterte und umwertete. Er wurde zwar nicht gleich ein gezogen, aber als er dann nach kurzer Ausbildung nach dem Kriegsschauplatz im Westen verschickt und hier hinter der Front weiter ausgebildet wurde, begann auch für ihn ein anderes Leben. Alles, was bisher Wert für ihn gehabt, was er für wichtig gehalten hatte, versank vor den neuen Interessen. Es ging plötzlich auch ohne ihn, und wie es schien, ohne Schaden für das Ganze. Er hatte sich beim Militär ja schnell ein gelebt, war Gefreiter, und wegen Teilnahme an einer schwierigen Sache dann Unteroffizier ge worden. aber im Grunde war er nie so recht zur Besinnung gekommen, sondern hatte sich van der großen Welle der Begeisterung tragen l^ien. Und plötzlich fiel ihm etwas schwer auf die Seele. In diesen Tagen sollte ihm ein Kindchen geboren werden Hier lag er hilflos, und zu Hause sah wohl seine Frau ihrer schweren Stunde entgegen. Zwar war sie nicht allekn, sondern hatte ihre Mutter bei sich aber er mußte doch an sie denken, und daß ihr doch vielleicht etwas passieren k.önnie. Dieser Gedanke gualie ihn un ausgesetzt. Allerhand Gedanken kamen ihm, daß er sie nie wie seine Lebensgefährtin, sondern meist-ms mehr wie ein.Wesen behandelt hatte, daß von ihmabhängig nud ihm daher Dank und Gehorsam schuldig war. Dennoch war sie immer still und geduldig gewesen, hatte seine Eigenheiten ge tragen, und, wie er selber jetzt einsah, seine oft ohne Grund hervorbrechenden Launen wie et was Selbstverständliches hingenommen. Zum ersten Male in der Zeit seiner jetzt zwei Jahre bestehenden Ehe kam er zum Nachdenken. Gar zu eigenartig war er in die Ehe gekommen und mußte sich gestehen, ohne die große Geduld und Nachgiebigkeit seiner Frau wyre das Band längst zerrissen gewesen, aber es mußte wohl sein, daß sie ihn sehr liebte. Seine Gedanken schweiften zurück in die Zeit, da er sie kennen lernte. Das Geschäft hatte einen ungeahnten Aufschwung genommen, und der Chef stellte Personal ein, da das bisherige nicht mehr genügte. Eines Tages kam er auch zu ihm herein und sagte, daß er ein junges Mädchen angestellt habe, die ihn, Hinrichsen, entlasten sollte, da die Arbeit sich häufte. Das hatte ihn geärgert. Noch hatte er doch nicht geklagt und sich wegen Ueberarbeitung eines Versehens schuldig gemacht. Nun, gegen die An ordnungen des Chefs ließ sich nichts machen, aber gut sollte es die Fee nicht haben. Und tatsächlich war die Lage des ""ien Mädchens nicht zu beneiden. Er tat nichts, um ihr die Arbeit leichter, die Pflicht angenehmer zumachen. Kaum, daß er ihr die nötigen Unter weisungen gab, und das tat er möglichst hochfah rend. Aber dennoch hielt sie aus. Als der Chef ihn einmal fragte, wie er sich mit der neuen Kollegin stellen könne, gab er eine möglichst herabsetzende Schilderung von der Tä tigkeit des juugen Mädchens. Aber der Prin zipal nahm sie in Schutz. Sie sei nur etwas ver schüchtert, scheine aber Ausdauer und Fleiß zu besitzen, außerdem tue man ein gutes Werk, wenn man sie nach Möglichkeit fördere denn ihr ver storbener Vater sei sein Freund gewesen, leider konnte er seiner Witwe und den Kindern , kein Vermögen hinterlassen, und so leistete die Tochter das ihre, um der Familie zu helfen. Da hatte Hinrichsen sein Verhalten etwas ge ändert. Zwar, im Prinzip war er immer noch gegen ihre Anstellung und ihren Aufenthalt in seinem Geschäftszimmer und für ein kaufmän nisches Genie hielt er sie auch nicht. Dann aber kam die Macht der Gewohnheit dazu und schließ lich fehlte ihm etwas, wenn er die schüchternen, blauen Augen nicht ab und zu aus sich gerichtet wußte. Ja, als sie einmal einen Tag fehlte, da wurde er recht unruhig. Aber er war nervös und fand immer noch nicht, daß er rechte Hilfe von ihr hatte beim Ar beiten. Und da war ihm ein genialer Gedanke gekommen: er hatte ihr einen Heiratsantrag ge macht, und sie hatte ihn angenommen. öS Noch hatte er s nicht zu bereuen gehabt und nun, da ihnen nach zweijähriger Ehe ein Kind geboren werden sollte, kam etwas Neues in ihren Bund, das diesen erst vollkommen machte. Ob sie sich wohl sehr um ihn bangte und an ihn dachte? Jetzt in seiner hilflosen Lage nahm er sich vor, sie mehr an seinem Innenleben teilnehmen zu lassen und sie zu seiner Kameradin zu erziehen mit Liebe und Geduld. Was waren schließlich alle Bierhausfreunde gegen ein treues Weib? Gleich, wenn er in ein Lazarett überführt war, wollte er ihr einen Brief schreiben, lang und herz lich, der vorbauen sollte. Wenn er dann aus dem Felde heimkam, begann ein neues Leben mit ge meinsamen Freuden und Sorgen. Höher stieg die Sonne und verbreitete eine sengende Hitze. Hinrichsen fühlte Hunger und nahm seine Vorräte in Augenschein, die ihm noch geblieben waren. Seine Gedanken flatterten umher, wie unruhige Vögel, die ein Nest suchen. Ob er heute Nacht noch einmal hier verbringen mußte? Die Glieder schmerzten vom langen Liegen an einer Stelle. Es war sehr schwer, den Körper in eine andere Lage zu bringen und half auch nicht viel. So verdämmerte er den Nachmittag und freute sich, als endlich die Sanne sank und die Kühle des Abends kam. Immer noch währte dasSchießen in der Ferne, wenn auch aus verschie denen Richtungen und von Pausen unterbrochen. Eine Mattigkeit kam über ihn und er schloß die Augen, um zu schlummern. Da hörte er zwi schen Traum und Wachen wieder das sonderbare Schlurfen, das er schon einmal gehört. Und richtig, als er die Augen aufschlug, sah er den langen Iren wieder auf sich zukommen. Aber es ging viel langsamer, als am Morgen und er stolperte, als ob ihm die eigenen Glieder zur Last seien. Noch ließen sich die Gesichtszüge nicht er kennen, als es aber möglich war, sahen sie selt sam verfallen aus und in den Augen glühte ein unheimliches Feuer. Dabei führte der Näher kommende laute Selbstgespräche und blieb zu weilen stehen, um wild mit den, einen Arm zu fuchteln. Hinrichsen gehörte nicht zu den Menschen, die leicht Furcht haben. Aber nun in seiner Hilf losigkeit packte ihn doch ein unbehagliches Ge fühl. Wer konnte dem Menschen trauen, der offenbar in Fieberdelirien raste? Was mochte er in seinem Wahn alles anstellen? Und der Deutsche hatte zwar seine gesunden Fäuste, aber konnte doch nichts rechtes damit anfangen, weil er am Boden lag. Für alle Fälle hielt er aber sein Gewehr schußbereit. Jetzt war der Ire noch knapp zehn Schritt entfernt, da stolperte er über eine Erderhöhung und fiel der Länge nach hin. Ein wildes Flu- 57 chsn in allen möglichen Sprachen entfuhr seinem ^ Munde, ein Greifen und Tasten am Boden fing an, die Arme suchten einen Halt, um sich auf dem Voden zu stützen und ein Aufstehen möglich zu Machen. Es war vergebens. Offenbar war der Kör per zu geschwächt und nun gab er auch die Be mühungen auf. Sein Gesicht war Ainrichsen zugekehrt und nun verlangte er wieder nach Wasser. Der Deutsche bedeutete ihm, daß er keins hätte, aber der andere erging sich in wüsten Drohungen, schüttelte die Faust und versuchte, auf allen Vieren zu Hinrichsen zu kriechen. Es war grauenhaft anzusehen, wie der immer ra sender Werdende sich abmühte, vorwärts zu kom men. Sein Gesicht mar verzerrt wie das eines Wahnsinnigen und überstürzt kamen die wil desten Flüche und Verwünschungen zwischen sei nen vom Fieber aufgesprungenen Lippen hervor. Hinrichsen sah ihm entgegen. Er war ent schlossen, zu schießen, sobald der andere sich zu einer Gewalttat anschicken würde. Doch er kam nicht weit. Röchelnd stürzte er nach einigen Ver suchen wieder zurück, Schaum trat ihm aus dem Munde und in schweren Atemzügen hob und senkte sich die Brust. Immer konnte Hinrichsen die geöffneten Augen "sehen, die stier in die sinkende Sonne sahen. Das war offenbar ein Sterbender. Ein heißes Mitleid packte den Deutschen und ein ohn- 58 machtiger Zorn, daß er nicht helfen konnte. War s ^ auch ein Feind, so war s doch auch ein Mensch ^ und in ihrem beiderseitigen Schicksal war viel ^ Verwandtes, weil sie beide ihre Hoffnung auf die Zukunft gesetzt hatten, die sie in ein neues LebeN führen sollte. . Das wilde Gestammel des Iren ging in hei ^ seres Flüstern über, verstummte endlich ganz , und nur ein Stöhnen kam noch ab und zu aus , der Brust. Dann schwieg auch das und nun sah ^ Hinrichsen nur noch das unregelmäßige Hebest ^ und Senken der Brust. Dann war dies auch nicht mehr wahrzuneh men und Hinrichsen nahm an, daß der ändert tot sei. Der Anblick war grausig. Das Gesicht des Toten war verzerrt wie in schlimmen Schmer zen, die Augen standen weit offen. Es nützte nichts, das nun die Dämmerung stärker wurde und den Lebenden den Anblick entzog. Wie ein Gemälde stand das Bild vor seinem geistigen Auge und erfüllte ihn mit Schauern. Heißer als je wünschte er, daß man ihn fände und fortbringen möchte von diesem Ort des Grauens. Er suchte aus seinem Leven die pein lichsten Momente heraus und fand, daß er sich in diesen noch beneidenswert und glücklich gefühlt hatte im Vergleich zu der jetzigen Situation. Das Grübeln und Sinnen verwirrte seinen Geisi, körperliche Schwäche kam dazu und er wurde müde. Er sah noch, daß weit hinten Nebelaufstiegen. Es braute und gärte. Gestalten schie nen daraus aufzusteigen und zu winken. Wie chleierwinken schien ihm das Gewoge. Dann ielen seine Augen zu. Die Nacht verging, aber niemand kam, das chlachtfeld abzusuchen. Den Verwundeten uälten irre Träume. Oft war er mitten im Schlachtengewoge, oft aber war er allem ent- ückt und saß auf seinem Schreibbock und sprach init Kollegen. So gingen die Stunden hin und als der Morgen graute, erwachte er. Ein bitteres Auflachen kam aus seinem Munde. Nun stand es auch für ihn fest, daß er hier einsam sterben würde. Ein grausamer Tod mußte es sein, so langsam zu verlöschen mit dem heißen Lebenshunger im Herzen. Aber ein Trost blieb immerhin! am letzten Ende konnte er selbst die Sache beschleunigen und sich erschießen. Der Gedanke goß Ruhe in seine Seele. Jetzt mußte er nur einen Entschluß fassen für den Fall, daß er doch noch gefunden werden könnte und schon tot war. Er wollte ein Testament machen, seine letzten Eindrücke und Erlebnisse festhalte. sund an seine Frau schreiben, damit sie etwas Wtte, an das sie sich halten, daß sie ihrem Kinde zeigen konnte. Der Geschützdonner hatte fast aufgehört. In gewissen Zwischenräumen nur noch hörte man das Dröhnen eines Schusses.Hinrichfen zog seinen Tornister unter de Kopfe hervor, um erst etwas zu essen. Dat^ fühlte er, daß das Gras ringsum naß war unv sah nun auch, wie die Tropfen vom Tau Nacht an den Grashalmen hingen. Gierig boü er sein Gesicht herum und sog das kühle Naß aUI Noch nie meinte er, etwas so erfrischendes s Nossen zu haben. Eine ganze Weile brauchte ^ dann fühlte er sich aber erfrischt und aß auch ^ ^ was von dem Rest der Eßwaren, die ihm ve? blieben waren Nun nahm er sein Taschenbuch und seine Bleistift. Eine große Briefhülle versah er nw Namen und Adresse seiner Frau und begaB dann, die Eintragungen in das Buch zu machen Angesichts des Todes, dem er entgegenzugehe meinte, kamen die Bekenntnisse freimütig heraus- Er sprach von allem, was ihm am Herzen lag seiner Neigung, und seinen Wünschen inbezug aU! das Kind. Eine große Innigkeit erfüllte seii^ Seele und die Worte fanden sich von selbst, so^s daß er fortgesetzt schreiben konnte. Die Stunden vergingen ihm heute im Flug^ und nicht einmal der tote Ire, der in seiner Nä^ lag. flößte ihm mehr solches Grauen ein, so oft j er hinsah. Und wieder kam die Nacht heran. Hinriß sen fühlte mit einem Male in seinen Beinwunde ein scharfes Ziehen und Brennen. In Kopf u ^ Gliedern lag ihm eine eigenartige Schwere um kl , !eine Schleimhäute waren heiß und trocken. Der Körper schmerzte überall von der harten Lage j md im Kopfe hatte er ein Stechen und Bohren. Einen Moment dachte er über diese Symptome ^ l^ach. Offenbar hatte er Fieber und das konnte schlimmer werden. Sonderbare Figuren tanzten vor seinen Augen und um sie zu verscheuchen, chloß er sie zu. Dann übermannte ihn der Zchlaf. Aber ein Ausruhen war s nicht, der Meist arbeitete rastlos. Er sah den toten Engländer wieder auf sich zuwanken und vernahm sein heiseres Röcheln. Mit allen Sinnen spannte er, ob nicht doch der Feind einen Angriff auf ihn machen könnte. Jetzt kam er näher, er hörte sein irres Gestammel und- fühlte seinen heißen Atem wehen. Er wollte die Augen öffnen, konnte es aber nicht und seine Anast stieg ins Ungemessene. Er wollte das letzte versuchen und ihm zureden: ^ Ich habe kein Was ser!" stammelten seine trockenen Lippen. Seine Hände griffen zu und faßten in etwas Weiches, Da bekam er die Augen auf und sah erkannt um sich. Ueber sich sah er den spitzen Kopf eines Hundes gebeugt, der sich nun mit einem Ruck los machte, einen Satz zurückwr^na laut l--" te. Und nun vernahm er m"iis^l che ^--"^e, ;mei Männer kamen näher und der Eine sagte: Hier ist doch noch ein Lebenderl" 62 - Damit kam er auf Hinrichsen zu, der Huni sprang ihm vorauf und blieb bei dem VerwuN Veten halten. Und den packte eine wahnsinnige LebenS freude. Irgend etwas mußte er unbedingt tu - wenn ihn die große Freude nicht umbringest sollte. Da stieß er einen lauten, jauchzende^ Schrei aus, packte den Sanitätshund mit beidck Armen um den Hals und küßte ihn mitten auf dst Schnauz-Der schwarze Engländer. weihundert Unterhosen siebenhundert Paar Strümpfe sehr gut! Zwölf Hemden? Ja, was denn? Der In- tendanturrat ist ja wohl nicht ganz un- !lug? Wem zuerst soll ich die denn geben? haben doch die Kerls fast alle nur Lumpen am Keibe " Herr Hauptmann " Langsam schob sich ein hünenhafter, blonder ^Lehrinann mit einem Kindergesicht, in dem der !orsch aufgewichste Schnurrbart seltsam genug an- lnutete, in das Zimmer, da Hauptmann Wallis iben seiner Kompagnie neu gelieferte Ausrüst ungsstücke überholte, und blieb respektvoll an der tür halten. ..Donnerwetter!" fuhr dieser bei dem Anruf hütend herum: Hat man denn nicht eine Se - V4 künde Nuhe? Was, bei allen Teufeln, ist nul schon wieder los?" Sofort aber glättete sich sein Gesicht,, als sei:U Augen den Eingetretenen erfaßten. Das war ja Konrad, sein ganz besonderer Liebling, der Toll kühnste seiner Kompagnie, Inhaber des Eisen- kreuzes 1. Klasse, das er selber noch nicht einmal besaß. Der kam nicht mit Kleinigkeiten! Immer noch etwas knurrig, aber doch im ganzen freundlich fügte er hinzu: Ah, Sie sind s? Ich glaubte schon, käme wieder irgend ne dreckige Anfrage, die jeder gesunde Menschenverstand selber beantworten kann. Aber natürlich hm! Na ja! Also) was bringen Sie?" Ich möchte Herrn Hauptmann gern was er zählen," kroch es langsam und verlegen zwischen den Zähnen des Riesen hervor. Was möchten Sie?" fuhr Wallis verblüff , und nun schon wieder angeärgert auf. Er ^ zäh len? Mann Gottes, ich habe auch nich eine Sekunde Zeit! Sitze hier mitten in der Ar beit, wie ich meine Leute mit dem Bischen ge lieferten Kram kleiden soll, weiß tatsächlich nichts wie und wo. Und jeden Augenblick kann der Befehl zum Vormarsch kommen I Hol s der Deubel!" schlug er wütend auf den Tisch. Na ja erzählen? Dauert s lange, Konrad?" I ja, Herr Hauptmann. Ich muß die .Sache ja wohl ganz ausführlich berichten!" Sö Um Gottes willen! Das geht auf keinen Fall! Können Sie mir die Geschichte nicht morgen oder übermorgen vortragen? Tat sache! Ich Hab jetzt keine Zeit dafür! Um was handelt es sich denn eigentlich?" Ein Engländer treibt sich hier in ixr Ge gend herum!" platzte Konrad heraus. Und " Alle Teufel!" Wie elektrisiert fuhr der Offizier empor. Ein Engländer? Was hat der hier zu suchen? Spion natürlich! Das ändert die Sache. Also, schießen Sie los. Aber fassen Sie sich so kurz als möglich!" In das Gesicht des Wehrmannes stieg eine leichte Röte. Er druckste verlegen. Und erst das ungeduldige Raa?" des Hauptmannes ließ ihn den Faden seines Berichtes also finden: Mein Quartierwirt hat da so ne kleine, muntere, schwarze Deern von 19 Jahren. Die mochte sich vom ersten Augenblicke an immer gern was mit mir erzählen. Nach Deutschland fragte sie, nach meiner Heimat, meinem Leben, Wetter ja, was wollte sie nicht alles wissen! Das war mir in den ersten Tagen gar nicht recht " Na, na!" schaltete der Häuptmann ein und grinste. Nee, wirklich, Herr Hauptmann, ich konnte das Mädel wegen der alten Fragerei zuerst nicht leideil. Müde und hungrig, wie man so vom Dienst kommt da mag man nicht viel mehr klöhnen, bloß noch essen und schlafen. Aber die Band 131 6Kleine gab sich nicht. Zuerst hatte sie stets was Warmes für mich, wenn ich nach Hause kam. Und als sie mir nun fast auf Schritt und Tritt nach lief, da mußte ein Blinder sehen, daß sie mir gut war. Hübsch ist sie auch. Na, und da konnte ich denn ja auch nicht so sein!" Natürlich natürlich!" lachte Wallis hell auf. Aber was hat die Kleine mit dem Spion zu tun?" Sehr viel! Herr Hauptmann werden gleich hören! Also, ich kramte mir den kleinen, schwarzen Irrwisch an. Und nun kennt sein Ver trauen keine Grenzen mehr. Alles erfuhr ich. die ganze Lebensgeschichte Lolottens, ihre Hoff nungen, ihre Zukunftspläne und Wünsche. Ja, ich noch viel mehr aber das hat mit dem Spion nichts zu tun Gestern Abend nun ereilte sie mir das Folgende, das ich Herrn Hauptmann unbedingt melden muß: In der Nähe liegt mitten in einem kleinen Gehölz ein Schlößchen, von dem man wenig ge nug sieht, wenn man das Wäldchen nicht selber betritt. In diesem Schlosse haust nun schcm sine ganze Zeit der versprengte Engländer, beos-- -"tet ganz genau all unsere Truvveiwers-si el- M isn und zeichnet unser? Stellunaen. Er ist i-inz schwarz angezogen, wie ein Pfarrer. Von " eit zu Zeit fährt er fort, kommt aber immer ald wieder. Verwundet kam er zuerst in das Schlöß chen, ist aber jetzt völlig gesund!"-7- 67 Hcoyrmnement das ist ja reizetld!" wetterte der Hauptmann los. Nun kann ich mir auch denken, warum die französischen Geschütze so genau eingerichtet sind, und warüm unsere Vorstöße stets so viel Blut kosten! Den Kerl müssen wir haben. Konrad, unbedingt sofort! Aber, wie arrangieren wir das wie nur?" Wallis versank für eine Weile in tiefes Sinnen. Endlich fuhr er hastig auf: Sagen Sie, Konrad, würde Ihre Kleine uns helfen? Ich meine, könnte sie uns führen?" Natürlich!" rief dieser lebhaft, die Krabbe hat Murr. Auch tut sie alles, was ich will!" So so!" lächelte der Hauptmann, fügte aber schnell hinzu, als er die aufsteigende Ver legenheit des Wehrmannes bemerkte: Das ist ausgezeichnet! Es wird also am besten sein, wenn Sie eben mal schnell hinüber laufen und sich des Mädels versichern, während ich mich mit den; Kommando in Verbindung setze. Uebrigens sind Sie dienstfrei. Jedenfalls werde ich Sie brauchen. Wie, weiß ich noch nicht. Muß erst die Ansicht des Kommandos hören. Für jeden Fall halten Sie sich bereit und kommen Sie in einer Stunde wieder zu nur!" Damit stülpte er hastig den Helm auf den Kopf, schnallte den Säbel, um und verließ eiligst den Raum. Konrad folgte. Noch war die Stunde nicht ganz herum, als der Wehrmann erneut zu Wallis kam. Schon k- 68 ^ beim Eintreten rief ihm dieser entgegen: Gut, daß Sie kommen, wir müssen schnell machen I Also zuerst kommt die Kleine?" Jawohl, Herr Hauptmann!" Famos I Das Kommando hat mir näm lich die Festnahme des Spions übertragen. Selbstredend muß alles enorm klappen. Sie müssen helfen, auch Hamann und der Unteroffi zier vom Munitionswagen, der spricht ja sortig englisch! Hm! Na ja! Nun handelt es sich aber um Zivilkleider. Für mich und die an dern beiden könnte ich das nötige Zeug allenfalls anschaffen, da wir eine vernünftige Größe be sitzen. Aber, wo sollen Sie, Unglückswurm, mit Ihrer Eiffelturmfigur einen passenden Anzug hernehmen? Ist ja rein unmöglich, so was zu finden. Und mit müssen Sie! Was macht man denn da?" Konrad schmunzelte. Kleinigkeit. Herr Hauptmann," ineinte er vergnügt. Alles in Ordnung! Der Bruder der Kleinen ist beinahe ebenso lang als ich. Und sollte auch die Schulterbreite nicht ganz stimmen, na, denn lasse ich den Rock vorn auf!" Sie sind ein Deibelskerl, Konrad!" rief Wallis erfreut. Das weiß Gott. Rat wissen Sie überall und allerwegen. Zu Ihnen kommt man nie vergebens! Das wäre also geregelt. Nun der Feldzugsplan- Das Schlößchen liegt etwa fünf Kilometer von hier. Und wie mir Leutnant SS Steffens, der dort In der Gegend aufgeklärt hat, sagte, befindet sich etwa vier Kilometer vor dem Dorf an der Straße nach hier eine Kneipe. Dort hin sollen Sie nun Ihre Herzallerliebste voraus senden. Jemand von der Familie könnte Sie ja begleiten, darf aber von unserem Geschäft nichts ahnen. Wir fahren dann einige Stunden später nach und holen die Kleine ub, damit sie uns den Weg zeigt. Das ist weniger auffällig, als wenn wir sie mitnehmen. Sie ziehen sich am besten gleich an, sobald Sie das Mädchen expe diert haben und kommen her. Essen können Sie bei uns. Uebrigens ist hier der Passierschein für die Kleine. Daß sie ihn ja nicht etwa verliert. Wäre eine verteufelte Geschichte, wenn die Posten sie nicht durchließen." Freundlich nickte Wallis dem Wehrmann zu, der alsbald mit einem: Werde alles bestens be- sorgen, Herr Hauptmann!" davonschritt. Dieser stieg nun in das Zimmer seines geflohenen, un freiwilligen Ouartierwirtes, eines Spinnereibe sitzers und Deputierten des Departement du Nord, hinauf und unterzog dessen Kleiderschrank einer genauen Musterung. Bald genug hatte er, waL er, brauchte. Ein eleganter Änzuc, fand sich, auch ein ebensolcher Hut. Alles paßte vorzüalich. Schwarz in schwarz, mit bschwarzgerändertem Kneifer, als französischer Pisinq". echt bis auf die durchstoßenen Fingerspitzen der eleganten schwarzen Seidenhandschuhe, erschien Wallis zur 70 Abfahrt mit der requirierten Gummi kutsche fei^ nes Wirtes vor den staunenden Augen seiner Wehrleute, die sich über die Verwandlung ihres Häuptlings vor Lachen beugten. Bald langten auch die anderen Teilnehmer der Expedition an, alle in gutsitzendem Zivil. Nur Konrad bewegte sich etwas steif, da seine Riesenfigur den entliehenen Anzug zum Platzen füllte. Seine groteske Erscheinung löste bei den Kameraden wahre Lachsalven und die scheuß lichsten Witze aus. Er achtete nicht darauf, ver hehlte aber dem Hauptmann seine großen Be denken wegen der unversehrten Rückgabe des Anzuges nicht, wenn etwa der Weg über Zäune und durch Gräben gehen sollte. Der auf den Fang völlig versessene Wallis trieb zum Aufbruch, die Krümperpferde sausten davon. Das mehrfache Angehaltenwer den des Wagens durch deutsche Posten machte ihn immer nervöser. Besonders da die Feld grauen die Gesellschaft stets mit großem Miß trauen von allen Seiten musterten und erst nach längerer, sehr eingehender Prüfung des Passier scheines die Weiterfahrt gestatteten. So war es denn elf Uhr abends geworden, als die Kneipe in Sicht kam. Wallis ließ den Wagen halten und schlich mit Konrad und dem Kolönnenführer vorsichtig an das Haus, um das Mädchen ohne Aufsehen abzuholen. 71 Fast schon hatten die drei ihr Ziel erreicht, als ihnen ein dröhnendes Halt!" entgegentönte. Entsetzt sahen sie aus dem Dunkel eine riesige Ge stalt mit einem schußfertigen Revolver auftauchen, die ihrer Entrüstung über das im Dunkel schlei chende Lumpengesindel ungemein verständlich in echt bajuvarischen Kraftausdrücken Luft machte. Es war ein Telegraphenbeamter, der die Kneipe mit seiner Gegenwart beehrt hatte, und nun seinem in der Nähe befindlichen Quartier zu schritt. Der Mann erwies sich als höchst rabiat. Die deutsche Anrede des Hauptmannes imponierte ihm in keiner Weise. Und er schien die größte ohne alle Weiterung wegzuschießen. Erst eine teilweise Enthüllung der Spionage- - angelegenheit und die Legitimation des Haupt mannes überzeugten ihn von der berechtigten Anwesenheit der Zivilisten im Bereich deutscher Vorposten. Nun war er wie ausgewechselt. Mit der größten Liebenswürdigkeit bot er dem Haupt mann sein und seiner Kameraden Gewehre an, eventuell auch persönliche Hilfeleistung. Wallis lehnte das dankbar ab, hat aber dem braven Mann für seisi korrektes Verhalten später eine Belobigung verschafft. Mit dem inzwischen herbeigeholten jungen Mädchen, das sich, aus Furcht, von ihren Lands- 72 leuten erkannt zu werden, dicht verhüllt hatte und am ganzen Leibe zitterte, ging die Reise nun zu Fuß weiter, die Chaussee entlang, dem Schloß chen zu. Es war so finster, daß deren Richtung nur oben an dem etwas helleren Schein zwischen den Vaumwipseln zu erkennen war. Jeder hatte für alle Fälle seinen Browning schußbereit. Endlich schimmerte zwischen den Büschen ein chwaches Licht. Und gleichzeitig ergriff das unge Mädchen ihren blondeil Hünen heftig am Arm. Was gibt s, Lolotte?" fragte dieser ganz erstaunt. Der Graben," flüsterte die Kleine hastig, Vorsicht, er ist tief!" Mehr nach dem Gefühl als nach dem Ge sicht kroch die Gesellschaft nun in den Graben hinein. Außer dem schwachen Licht, wie einem dunklen Schatten um dieses herum war nicht das geringste zu sehen. Auch kein Laut ließ sich ver nehmen. Tiefe, feierliche Stille herrschte rings um, in die sich ab und zu der Schall eines ent fernten Schusses bohrte. Zwei Stunden bereits hatte der Hauptmann mit seinen Begleitern in dem Graben lautlos zu gebracht. Längst war das Licht in dem Schlöß chen erloschen, aber noch immer rührte sich nicht das geringste. Schließlich sah er ein, daß jetzt nichts mehr zu erreichen sein konnte. Er beschloß 73 also, den Nest der Nacht in der Estaminet zu verbringen und erst bei Tagesanbruch die Fest nahme des Spions durchzuführen. Kaum graute der Morgen, als die Deutschen auch schon wieder ihren Posten in dem fatalen Graben bezogen hatten. Nur Lolotte fehlte. Nicht im Guten und nicht im Bösen hatte Konrad die Kleine zum Mitgehen bewegen können. Auf alles Zureden hatte sie nur immer die unter Tränen hervorgestoßene Entgegnung gehabt: Nein, nein, meine Landsleute würden mich erkennen und später massakrieren." Da der Hauptmann nun schon die Lage des Hauses kannte, Lolotte ihm auch ganz genau den Engländer beschrieben hatte, ließ man sie zurück, da sie in ihrer Angst doch wohl nur hinderlich sein konnte. Der Plan der Ueberrumpelung war schnell genug entworfen. Und während der englisch sprechende Kolonnenführer die Hinterseite des Hauses besetzte, drangen Wallis und Konrad von vorn ein. In dem Zimmer der Verwalterin war diese und auch ihre kleine Tochter anwesend. Sofort überreichte der Hauptmann deni Kinde eine be reitgehalten ? Tafel Schokolade und fragte schnell: Mo ist der schwarze Onkel, der immer bei euch sitzt? Ich habe einen Brief an ihn." Aber ehe die Kleine noch imstande war zu antworten, riß ihre Mutter, die wohl Verdacht74 schöpfte, sie zu sich, und schrie den Hauptmann an: Wer sind Sie, und was wollen Sie? Wer gibt Ihnen das Recht, hier bei mir so ohne wei teres einzudringen?" Da sie nun auch noch wüst zu schimpfen und zu toben begann, weder die Kleina noch Wallis zu Worte kommen ließ, befahl dieser Konrad, sie hinauszuführen. Kaum aber fühlte sie die Fäuste des Riesen an ihrem Leibe, als sie sich auch schon sofort zu Boden warf und geschickt eine Nervenkrise mar kierte. Nun begann die Kleine zu weinein Eine Verständigung mit ihr schien ausgeschlossen. Und schon glaubte der Hauptmann in seiner Wut die Mission als gescheitert ansehen zu müssen, als ihm plötzlich ein guter Gedanke kam. Ruhig näherte er sich dem Kinde, streichelte schmeichelnd sein Haar und sagte harmlos: Nicht wahr, Maus, der Onkel hat eine Wunde am Arm?" Sofort hob die Kleine lebhaft den Kopf. Nein. Monsieur,"" rief sie berichtigend, nicht am Arm, sondern im Rücken. In dem Schuppen auf der Wiese ist er ja!" Wallis stieß einen Jubelruf aus. Cr, Kon rad und der verständigte Kolonnenführer rasten nun sofort auf den Schuppen zu. Beim Anblick der heransausenden Gestalten schwang sich der Engländer auf ein Motorrad- 75 und arbeitete in die Pedale, als ob er sie abtreten wolle, gleichzeitig das Benzin anstellend. In ra sender Flucht stürmte Konrad ihm nach und er reichte ihn just in dem Augenblicke, da der Motor einsetzte. Der Engländer stach sofort mit einem Dolch nach dein Rissen, traf auch dessen Schulter. Aber er hatte nicht mit der Bärenkraft des Wehr- mannes gerechnet. Die Linke Konrads packte den Spion im Nacken, während seine Rechte die Lenkstange des Rades umklammerte. Und so hielt er beide, Motor und Mgnn, bis die anderen ihm den Gentleman abnahmen und er den Benzin abstellen konnte. Diese Anstrengung aber bedeu- tete auch den Untergang seines Anzuges. Weit klaffte ein Riß den Rücken hinunter, und die Hose war quer über den beiden Knien geplatzt. Angesichts der drohenden Brownings wagte der liebe Vetter nun keinen Widerstand mehr, tat aber sehr erstaunt und wünschte zu wissen, warum man ihn anhielt. Das weißt du ja selber gut genug, mein Junge!" rief der Hauptmann. Schwatze also kein Blech, sondern erzähle mir einmal, wie du zu dem Motorrad kommst, das laut Prokla mation der deutschen Kommandantur abzulie fern ist!" ..Das geht euch gar nichts an!" antwortete jener in gebrochenem Französisch frech. Das ist Sache der Deutschen! Uebrigens habe ich da Rad gefunden und wollte es eben an die Kom mandantur abliefern." So, so," lachte der Hauptmann vergnügt, das trifft sich denn ja prächtig. Wir wollen näm lich auch gerade dorthin. So hast du Gesellschaft, und der Weg wird dir weniger langweilig sein. Aber, mein Bürschchen, das merke dir: Noch eine solche freche Antwort, und du kannst was er leben! Und nun vorwärts!" Bei der Untersuchung des Schuppens wurde nur eine englische Todesanzeige und ein engli sches Gebetbuch gefunden. Glücklicher war Kon rad, der das Rad näher in Augenschein nahm. Aus der Lenkstange holte er ein Papier mit den Nummern deutscher Regimenter, deren Auf marsch der Engländer gut beobachtet und weiter gemeldet hatte. Ebenso fand sich eine Skizze der beiden in der Nähe befindlichen Bahnhöfe vor. Auch das Schloß selber untersuchte Wallis genau. Aber außer einer uralten Dame in mitten einer uralten Einrichtung fand er nichts. Die Dame antwortete auf keine Anfrage, sei es nun, daß sie tatsächlich nichts hörte, oder daß sie ebenfalls die Wilde" markierte. Wallis, der mit seinem Resultat sehr zufrie den war, ließ sie in Frieden und befahl den Rück marsch, der unter wüstem Schimpfen und ^wchen der Kos ellanin und deren Mutter stattfand. Die Einlieferung des Spions erregte leb hafte Befriedigung bei der Kommandantur. DasFahndungskommando wurde sehr belobt, beson ders Konrad, der eigentliche Fänger. Na ja," meinie der Hauptmann später zu ihm, Sie haben natürlich wieder den Vogel ab geschossen. Einen Spion ergriffen, dabei ver wundet soll mich doch wundern, ob dabei nicht ne neue Dekoration herauswächst! Aber ich gönne es Ihnen, Sie sind ein Staatskerl, Konrad k Uebrigens sind hier zwanzig Mark zu einer neuen Bluse für Ihre kleine Freundin. Und was den kaputen Anzug anbetrifft" er klopfte lachend Konrads gesunde Schulter , so trösten Sie sich. Unter Verwandten spielt das keine Rolle!"S ^T^M werebrett, Kinder, tut mir den einzigen I Gefallen und sucht mir die Leitung auf, durch die den verdammten Franzosen ^ s jede Bewegung unserer Linie hinüber gefunkt wird. Das ist ja geradezu unheimlich s Ich kann ineine Leute nach rechts, nach links, vorwärts oder rückwärts schieben kaum bin ich eingerichtet, da schmettern auch schon die Gra naten in die Stellung. Und die Verluste sind enorm! Auch jede einzelne Patrouille kennt und beschießt nian drüben. Es muß irgendwo eine Leitung liegen, daran kann kein Zweifel sein! Haben Sie auch wirklich überall ganz genau nach gesehen, wie ich Sie bat, Unteroffizier?" Jawohl. Herr Oberst!" rief der Führer der Militär-Telegraphisten, in deren Funkenbude" der Oberst soeben in Heller Wut hineinplatzte.- 7S - Schmidt und ich haben die ganze Gegend ZoZ für Zoll abgesucht. Eine oberirdische Leitung existiert nicht, das will ich ruhig beschwören. Es kann sich nur um eine unterirdische handeln. Und nach einer solchen suchen wir schon seit Tagen in jeder freien Minute Leider gelang es uns bis her nicht, etwas zu finden. Die Leitung muß be sonders gut versteckt sein." Aergerlich nagte der Oberst eine Weile an seinem grauen Schnurrbart, mährend er finster vor sich hinstarrte. Endlich fuhr er auf und rief: Schaffen Sie mir die Leitung aus der Welt, Unteroffizier, die mir meine Iungens mor det, und meine Dankbarkeit wird unbegrenzt sein. Das geht einfach nicht so weiter! Wenn irgend möglich, greifen Sie auch die Bestie, die die Nach richten gibt. Kriege ich den Kerl, dann will ich " Was er wollte, das erfuhren die Telegra- phiften aber nicht. Denn im nächsten Augenblick hatte er bereits den Raum verlassen und stapfte, wütend mit den Armen gestikulierend, davon. Eine Weile herrschte tiefes Schweigen in dem engen Raum, das nur durch das Klappern der Apparate unterbrochen wurde. Dann meinte der Gefreite Sauber: Wenn der Oberst den Kerl in seine Finger bekommt, möchte ich nicht in seiner Haut stecken." Recht wird ihm geschehen, dem Hund von Franktireur!" schrie der Unteroffizier dazun- 80 schen. Denn um einen solchen kann es sich nur handeln. Das Schleichen im Dunkeln, das hat die Bande raus. Aber wart ! Sobald die Ablösung da ist, begebe ich mich wieder auf die Suche. Und das weiß ich. gelingt es mir, den verdammten Kerl zu fassen, oann rede ich erst mal ein Wort mit ihm, ehe ich ihn einliefere. Nachher kann er wahrlich sagen, der Herr hat ihn gestraft." Die letzten Worte kamen eigentlich nur noch als Geknurre heraus, und hastig wandte er sich einem Apparat zu, der soeben frischfröhlich zu klappern begann. Auch der Gefreite machte sich wieder an seinem Taster zu schaffen. Innerlich schmunzelnd, hörte der dritte Tele graphist, seines tranigen GeHabens wegen ge meinhin nur der lakonische Adolf" genannt, den Erguß der beiden Kollegen an. Er sagte gar nichts, aber als die Ablösung bald darauf an langte und er sich angezogen hatte, langte er seinen Karabiner von der Wand, steckte einen Patronenrahmen hinein und hing ihn über die Schulter. Nanu," machte der Unteroffizier erstaunt, ,,wollen wohl auf die Rattenjagd, he? Denn an deres Wild gibt s in diesem verdammten Kaff doch nicht!" Kann sein kann sein auch nicht!" grinste Adolf und verschwand. Schafskopf!" knurrte der Unteroffizier hinter ihm her, zog dann seinen Mantel an und ging ebeHalls fort.Vergnüglich pfeifend schritt der Lakonische" dahni. Er wußte ganz genau, was er wollte. Damals, als er mit den Kameraden festgestellt hatte, daß für die fatale Nachrichtenübermitte lung nur eine unterirdische Leitung in Frage kom men konnte, war in seinem Hirn plötzlich eine Idee aufgetaucht, die, seither unausgesetzt ge hätschelt und gepflegt, ihn zu selbständigen und ganz geheimen Untersuchungen führte. Welches sind die hauptsächlichsten Nach richtenbörsen?" hatte er sich gefragt, und darauf die Antwort gefunden: Allemal die Kneipen!" Nur ein einziges Lokal war in dem Dorfe noch im Betriebe. Von dort also mußten die Nachrichten zu den Franzosen gelangen. Und sobald er erst einmal zu dieser Schlußfolgerung gekommen war, hatte der Wirt keinen eifrigeren und an dauernderen Gast mehr, als den guten Adolf. Während er langsam ein Glas Wein nach dem anderen trank, lachte und schwatzte, beobach tete er unausgesetzt den Besitzer und die tüchtige, außerordentlich rührige Wirtin. Aber Verdäch tiges konnte er zunächst nicht feststellen. Hin und wieder ging der Wirt nach dem Keller, um in großen Krügen frische Getränke zu holen, aber stets kehrte er nach ganz kurzer Zeit wieder zurück, und kein Zeichen deutete darauf hin, daß er irgend etwas wahrgenommen hotte, das nicht unmittelbar zu seinem Wirtschaftsbe- triebe gehörte. Dennoch aber sagte sich Adolf Band 151 6- 82 - immer wieder, daß, wenn hier überhaupt eine Leitung vorhanden war, sie nur im Keller ihren Ausgangspunkt haben könnte. Nun nahm der Wirt, mochte er tatsächlich seinen Stammgast für ganz unbefangen halten oder ihn nur in Sicherheit wiegen wollen, diesen wiederholt mit in den Keller, erklärte ihm bereit willigst den Zweck der vielen großen Fässer und ließ ihn von den verschiedensten Weinsorten kosten. Aber so fleißig bei solchen Gelegenheiten Adolf auch seine Augen umherwandern ließ, nicht das geringste vermochte er zu entdecken, das auf eine vorhandene Leitung schließen ließ. Nur daß sämtliche Fenster sorgsam mit Oel- farbe überstrichen waren, fiel dem Deutschen auf^ so daß ruhig jemand auch mit Licht in dem Keller hantieren konnte, ohne von außen gesehen zu werden. Diese Fenster beschäftigten Adolf nun unausgesetzt. Bald entdeckte er denn auch, daß zwei derselben auf einen dicht mit Bä"nien und Büschen bewachsenen Garten hinausgingen. Und sofort war sein Kriegsplan fertig. In einer stürmischen Nacht gelang es ihm, ein winziges Loch in die Ecke eines der Fenster zu bohren, durch das er die Vorgänge in dem Keller deutlich beobachten konnte, sobald sich Licht darin befand. Der heutige Abend nun s^llt? 5ie Entscheidung bringen und wenn er bis an den hellen Morgen in dem Garten hocken und auf passen sollte. Das schwor er sich zu.^ 83 Die Gelegenheit war günstig. Einmal ver deckte der scharfe Wind zum großen Teil alle Ge räusche. Und dann gab es auch keinen Mond schein, so daß eine vorzeitige Entdeckung des Lauschers ausgeschlossen erscheinen mußte. Von der Telephonbude begab sich Adolf zu nächst nach seinen Quartier, versorgte sich dort unauffällig mit warmem Unterzeug und steckte für alle Fälle etwas Proviant ein. Als dann die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, schlich er sich in den Garten und faßte bei seinem Guckloch Posto. Immerhin war es eine starke Geduldsprobe, der sich de; Telegraphist ausgesetzt hatte, denn nahe an Mitternacht mochte es sein, als es endlich hell in dem Keller wurde. Aber kaum hatte Adolf sein Auge an das Fenster gebracht, als er heftig zusammenzuckte und nur mit Mühe einen Freu denschrei zu unterdrücken vermochte. Sekunden lang zögerte er noch, dann erhob er sich lang sam und vorsichtig, schlich leise aus dem Garten, lief ein Stück die Straße hinab und stieß dann erst einen wilden Jodler aus. Es hielt nicht mehr länger in ihm. Verblüfft fuhren die Kameraden aus dein Schlaf, als der Lakonische" plötzlich mit dem Ruf in das Zimmer stürmte: Auf. und nehmt die Karabiner! Ich habe die geheime Leitung! Macht rasch, Kerls, daß wir den Fund noch heute melden können!"Schnell genug waren die Telegraphisten denn auch gefechtsklar und bestürmten Adolf mit Fragen. Dieser aber hatte immer nur wieder die Antwort: Kommt, und seht euch den Zauber selbst an. Das Quasseln hat gar keinen Zweck!" Nichts Böses ahnend, öffnete der Wirt, der die Stimme seines Stammgastes erkannte, auf dessen Klopfen eilfertig die Tür, fuhr aber wie von einer Natter gestochen zurück, als die bewaff neten Deutschen nun hereinstürmten und ihn ohne alle Weiterungen sofort beim Kragen nah men. Einer der Tel?zraphischen blieb als Posten am Eingang zurück. Adolf nahm dem zittern den Wirt, dem die finsteren Blicke des Unteroffi ziers gelindes Entsetzen einflößten, die Keller schlüssel ab, und die ganze Gesellschaft begab sich nach unten. Bor einem der größten Fässer machte Adolf Halt und befahl dem Wirt: Qeffnen Sie setzt mal hier die geheime Tür zu diesem Faß!" Ich weiß von keiner Tür!" knurrte dieser trotzig. Nicht sooo?" antwortete der Telegraphist kurz, ergriff einen an der Wand lehnenden schweren Cammer und führte ein paar wuchtige Schläge gegen das Faß Sofort fiel ein Teil der Wand ein, und die Deutschen erblickten zu ihrem Erstaunen im In-nern des Fasses eine vollständige Fernsprech anlage, deren Leitung durch die Dauben unten in den Kellerboden führte. Mit ein paar Schnitten hatte der Unteroffi zier sie unschädlich gemacht, dann wandte er sich an die anderen? So, das wäre besorgt! Nun scbasft mal den ganzen Kram in unsere Bude. Das Zeug können wir gut gebrauchen . Zwei Mann bleiben zur Bewachung "des Hauses zurück. Die Wirtin darf nicht aus den Augen gelassen werden. Und Sie, Lakonischer", der eigentliche Entdecker, kom men mit mir Wir beide wollen diesen Schuft einliefern und die Meldung machen!" Damit fesselte er dem vor Schreck auf die Knie gesunkenen Wirt die 5)ände auf dem Rücken. Und nach einem energischen Los, vorwärts!" verschwanden die drei. Die Zurückgebliebenen nahmen die Appa rate ab und verpackten sie für den Transport säuberlich in einen Sack. Aber ihrer wartete noch eine ganz andere Ueberraschung. Einem von ihnen kam plötzlich die Idee, auch - die anderen Fässer zu untersuchen, und da fanden sie denn noch zwei Hohlräume, die nicht weniaer als 2W Gewehre, eine Anznb Säbel und sechs Kisten mit Munition beherbergten. Auch dieser Fund erregte bei dem Kom mando große Befriedigung. Und die An^leaen- lieit brachte den Beteiligten das Eiserne Kreuz.Zil die HKe. fünfhundert Schritt südöst- Bahnhof Klenak die Alle u ,ragende Felsklinpen wirst, und dort wild rauschend über Jahrhunderte altes Geröll strömt, hat sich die 3. Batterie des xten schweren Feldkanonen-Regiments eingenistet. Erst während der Nacht ist sie mit der Auf gabe in Stellung gegangen, die 14. Infanterie division bei dein für den heutigen Tag angesetzten Sturm auf die mit serbischen Schützengräben überzogene, lau ; 800 Meter entfernte Höhe zu unterstützen. Um die Serben nicht vorzeitig aufmerksam zu machen, feuert sie einstweilen nicht, sondern benutzt die vor dem Sturm noch verfügbare Zeit, um alles zureäitzulenen und die Munition auf- zufüllen. großen Bogen zwischen 87 Ein viertel vor zwölf Uhr versammelt der Hauptmann seine Leute hinter der Deckung zu einer kurzen, kernigen Ansprache, die aber, tr^tz seiner seltsam abgehackten Redeweise, heute nickt, wie sonst gewöhnlich, auf vielen Gesichtern ein unterdrücktes Lächeln auslöst. Finster und ent schlossen schauen die Artilleristen, ernste Leute, vor sich hin, als der Alte" nun darauf hinweist, wie besonders heute gar viel von dem Feuer der Artillerie abhängt, wie die Batterie nur durch ausnahmsweise viele und gute Volltreffer die Ka meraden von der Infanterie vor schweren Ver lusten bewahren kann. Die Leute erfahren, daß Punkt zwölf Uhr das Zeichen zum Beginn der Schlacht durch rote Rakete gegeben wird, und daß in diesem Augen blick die Pioniere die Vorhöhe Nummer 191. auf der sich die vordersten feindlichen Schützengräbel befinden, in die Luft sprengen sollen. Fünf Minuten vor zwölf Uhr i" s, a s jedea? sich seines Waffenrockes und seiner wollenen Unterjacke entledigt und seinen Posten eingenom men hat. Das Fieber der Erwartung beginnt hoch anzuschwellen. Und immer wieder werben allerorten die Uhren hastig zu Rate gezogen. Noch zwei Minuten fehlen an zwölf Uhr jetzt nur nach eine. Die Aufregung hat den höchsten Grad erreicht. Ueber das Gelände sausen und zischen die roten Raketen. Zugleich schmettert ein furcht- 88 barer Krach. Eine riesige Wolke, eingehüllt in einen roten Feuerschein, zuckt empor - der Berg fliegt in die LuftI Batterie Schnellfeuer!" brüllt der Haupt- mann alsbald. Und ein Getöse bricht los, wie es kein Mensch ahnte, ja auch nur für möglich hielt. Von allen Höhen ringsum blitzt und donnert es nun. In ganzen Schwaden wälzen sich bald die Rauchmassen über das Gelände. Die Luft, die die Lungen nur widerwillig aufnehmen, ver ursacht ein sonderbares Kratzen im Halse, läßt einen salzig-brenzligen Geschmack an Zunge und Gaumen bemerkbar werden. In bestimmten Zwischenräumen legt der Hauptmann das Feuer von 50 zu 50 Meter weiter vor. Und schneller, immer schneller zucken die Blitze aus den todbringenden Rohren. Die Ka noniere sind warm geworden. Blitzschnell auf einander folger. ihre Bewegungen, bleich viel beschäftigten Dämonen der Hölle hasten die dunk len Gestalten inmitten der Rauchschwaden und Flammengarben umher. Daran, von den Ge schützen zurückzutreten, denkt heute kein Mensch, obschon der Luftdruck des rasenden Feuers auf die Gesichtsnerven ein Gefühl ausübt, als prassel ten fortwährend kräftige Ohrfeigen auf die Ge sichter dt r Artilleristen nieder. Und in das Don nern und Krachen bohren sich die schrillen Kon mandos der Geschützführer:89 Geschütze vor!" Zugleich zugleich!" Lafettenschwanz links!" Schneller schneller!" Gut eine halbe Stunde bleibt das Feuer un erwidert. Anscheinend sind die Serben völlig überrascht worden. Nun aber blitzt es auch drüben auf. Und mit unheimlichem Heulen senkt sich ein Hagel von Granaten und Schrapnells auf das diesseitige Gelände. Das Sausen, Pfeifen, Zischen und Krachen in der von dem Puloer dampf förmlich geschwärzten Luft ist geradezu nervenmordend. Plötzlich beginnt sich des Hauptmanns Auf merksamkeit zwischen der Feuerleitung und der Beobachtung des Bahnhofes zu teilen. Die Mu nition wird knapp. Und der sehnlichst erwartete Zug, der frische heranbringen soll, läßt auf sich warten. Endlich ein befriedigendes Kopfnicken. Um die Kurve schiebt sich soeben der Zaudernde. In wenigen Sekunden muß er den Bahnhof erreicht haben. Hastig winkt der Hauptmann nach hin ten, und rasselnd setzen sich die Munitionswagen dem Bahnhof zu in Bewegung. Kaum aber haben sie die Hälfte des Weges zurückgelegt, da schießt vor ihnen, wie ein ge spenstiges Feuerwerk, eine mächtige Flammen- garbe himmelan der sofort eine, grauenhafte De tonation folgt, die selbst das Krachen der Ge schütze übertönt und den Erdboden kurz und heftig erzittern macht.- 90 - Unwillkürlich fahren die Köpfe der Artille risten nach dem Krach herum. In den vollbela- denen Munitionszug hat ein Granatvolltreffer geschlagen. Im Nu steht der getroffene Wa"en in hellen Flammen. Wütend greift das Feuer um sich. Gierig lecken schon die Flammenzungen zu dem zweiten Wagen hinüber. Auch dessen trockenes Holz saßt. Nur wenige Sekunden, dann steht auch er in Glut. Ein zweiter, nervener- schütternder Krach. Und auch seine Ladung ist erledigt. Der ganze so wertvolle, mit Kleinge wehr- und Geschützmunition vollgepfropfte Zug erscheint verloren Regungslos, wie hypnotisiert, mit weit auf gerissenen, entsetzten Augen und zkternden Knien starrt der Hauptmann auf den Gräuel der Ver wüstung, das unabwendbare Verderben. Fast mechanisch kommen die notwendigen Feuerkom mandos: Tausendachthundert Meter! Zwei tausend Meter!" über seine Lippen. Und lang sam beginnen sich seine Haare zu sträuben. Ein erneutes Donnerkrachen zwingt ihn zu einem entsetzten Luftsprung. Grauenhafte Flüche und heiße Gebetschreie ringen sich abwechselnd aus seiner Seele. Wenn nicht ein Wunder ge schieht, ist der Munitionszug verloren, muß die Batterie in spätestens einer Viertelstunde das Feuer einstellen. Und dann Vitt um Erlaubnis zum Rettungsversuch!" tönt es keuchend in sein Ohr. Vor ihm steht der 81 Fähnrich der Reserve, Doktor Eduard von Ab rudbanyay, und deutet auf den Bahnhof. Des Hauptmanns Augen funkeln Meinetwegen los! Aber " Der Fähnrich hört nicht mehr. In gsm iltigen Sätzen nimmt er die Diagonale des Kreisbogens, den hier das Gleise beschreibt, um die Lokomotive einzuholen. Die muh er haben. Ohne die ist er machtlos. Endlich hat er sie erreicht. Zögernd greift er an den Hebel, und die Lokomotive zieht rück wärts. Und nur noch den einzigen Gedanken wälzt sein kochendes Hirn hin und her: Wird das Wagestück gelingen? Werden seine Kräfte ausreichen?" Auf der Haut seines Körpers zieht die Hitze Blasen. Und steif und runzlig mutet sein Ge sicht an. Der dreizehnte Wagen nun der vier zehnte. Weiter aber geht es nicht mehr auf keinen Fall! Langsam, unter einein wütenden Funken regen richtet er sich auf. Während seine Knie fast umzuknicken drohen, wirbelt er die Kurbel der Kuppelung herum. Ein Ruck dann, und sie sinkt nieder. Er ebenfalls. Der mißhandelte Körper droht zu versagen. Und als gälte es die ewige Seligkeit, reißt der Fähnrich nun an der vignal- leine. Sekunden vergehen in namenloser Angst. Dann endlich tönt ein leiser Pfiff durch das- S2 Prasseln und Krachen ringsum an sein Ohr. Gleichzeitig beginnen die abgekuppelten Wagen langsam zu rollen. Mit seiner letzten Kraft packen seine Fäuste die Kuppelung, die ihn der schneller und schneller werdenden Fahrt mit reißt. Sein Körper schlägt hart auf die Bahn schwellen, schleift schmerzend über den scharfkan tigen Steinschlag der Bettung. Aber er hält fest. Schon weicht der Bahnhof zurück. Ein kühler Luftstrom schmiegt sich erlösend, belebend an Stirn und Wangen. Und die matte Seele Abrudbanyavs kann eben noch den Begriff Ge rettet!" formen. Da schmettert erneut ein so rasender Schlag von dem schon ziemlich entfernt liegenden Bahn hof her, als ob die Erde aus allen Fugen ginge. Im Nu steht die ganze Gegend in loderndem Feuer. Der Fähnrich fühlt sich unwiderstehlich gepackt, beiseite geschleudert. Rote, grüne, gol dige Kugeln tanzen vor seinen Augen. Dann wird es Nacht um ihn. Vier Tage sind seit den geschilderten Ereig nissen verflossen. Die Serben, auf der ganzen Linie derb aufs Aaupt geschlagen, haben sich weit hinein in die Berge aezoaen. so rasch und gründ lich daß die österreichiscb-unac ris s en 7r vven, die ihnen scharf auf den Fersen bleiben, kaum zu folgen vermögen^5 s? Dann durchzuckt es ihn I das ist ja der Kommandant selber ist dasl" Rasch will er sich aufrichten. Aber sofort drückt ihn die Hand des Marschalls sanft wieder auf das Lager. Ruhig, junger Freund, ruhig!" mahnt er dabei. Ich wollt Ihnen nur selber die Tapfer keitsmedaille erster Klasse für Ihre brave Tat überbringen, und Ihnen gleichzeitig Ihre Be förderung bekannt geben. Und nun wie fühlen Sie sich?" Strahlend greift Abrudbanyay nach der Me daille, streichelt sie, schaut dem Marschall glück selig in die Aligen und spricht: Gut, Exzellenz! Aus ge zeichnet!" Na, alsdann war ja halt alles in Ord nung!" lacht der Marschall auf, nickt freundlich und geht weiter. . Abrudbanyay aber packt den Stabsarzt beim Bein und schreit: Schreiben ? mich gleich g sund, Doktor! Ich muß raus!" Der Fähnrich Abrudbanyay hat neben vielen anderen mehr oder weniger Verwundeten der Kampf gestaltete sich sehr blutig zurückbleiben müssen. In dem rasch an dem zerstörten Pnkn- hos Klenat hergerickneten Feldw "rett lie^t er neben seinen Leidensaenoslen. Aber menn n"ch sein Körper arg verbrannt und zerschunden ist. S4 hat ihn doch ein gnädiges Geschick vor ernsteren Verletzungen bewahrt. Eben fährt er aus einem leichten Schlummer und sieht verwundert aus einem über sein Bett gebeugten Gesicht zwei helle, graue Augen in die seinen blicken. Sein Erstaunen aber geht in grenzenlose Verblüffung über, als gleichzeitig eine freundliche) sympathische Stimme an sein Ohr dringt: Nun. wie geht s, Herr Leutnant?" Sprachlos starrt der so seltsam angeredete Fähnrich sekundenlang in das fremde Gesicht.Jnhalts-Angabe. Seit 1. Tag- der Ernte 3 2. Wenn ein Ring sich schließt !ö 3. vcitmanns Gä iitnaieil . . ? .8t) 4. ^ n lepier Siunde 33 l . Ter chwc.rze Engläüder tÄ K 73 7 die !xölle LT71 Ver CWSdlee, ?. Seorg Mck-r. 72 vaz Lellamönl. v. M. inkrleil. 73 ?ni ewigen Lile, v p. Makler. 7^ I-Iele!o te. von srih kandoll. 7Z llerlaisäieviiiicl, v. li.v. Saltern. 7t VZe I!raut des polarkakrerz, von lZnido von fels. 77 5oei-lii, von Morlin lnlried, . 73 ? Za^ro. 0 Monats, S Lag?, IM kran- Scott. ?? VI? SekrelLr^n, v. M. inlrieö. 80 Madgez kockzeilztag, v. ?. Scott. Sl az lilebs virnnui. v. E. v. kelz. ZS Dr. klllikls z i5ni!e. v ?. Scott, SZ vergelpenlüLis ko!.v.p.Mti!ilor. Nenn aiigeuailig iit die Mackl der liiebe. von L. li. panimln. ^S5 Uoderilitet, von Marlin inlricd. kd ktir l i6U. von Crnit oop. 87 Lines ms lcken3 Stire, v. r. Scott. 5L? ?ü!z Kols von üeigrail, von Lkeo von Liankenlee. eil !d D 6! ils!^!, von üliladetli Ll)er!-üanlsn. 0V Sein Modsil, von k lti Kcindoll. 0! Der lindere, v. k-rrberl Censig 02 Uer i aliir, . kilderl kolmskou. 02 Der Mexikaner, von ü. Parten, vis Lraut de? teidgrauen Kellers von lierder! Eerisig. 50Z Zni knegzllurm, v.Tnillo o. kell. -fyü !?.eim!u^ ung.v M.IZ liokenoken. ^ 7 Die ^elckiiciolilllln. von T, üeccs. "s-0S lllesilsrnelZiigads.v. 15. kedzicir. ^-00 ver Spion, v. lZiksrt kollnskou. 100 liiebe und verdreciion, von l)r. kriedrick Crnit. 5101 ?n lran:öliöier Setangenlikakt. von Lonllanlin l?ed?ick^ ISZ öluzck elldrand.v.Il.kolinzkou. 1-102 ?n erniter 7ell, v. Suido v. ?eii, 10 veuli die unier Xoiakenimulen. von Lonltanlln lied:idi. 5105 Ueb. ?rruegz,v. M. k.kokenolen. i-100 krau kZngeiinsz liiede, von Herker! öerwig. 107 gmpagd.Lodsz?.)I.IisIin5li0l . 4 os Dez Kriege! und der lrieb irren, von Paul kudlskl, 510 Seemannsllebs, v. Suido v. ksl . Ol Hummern ml ^llnd kriminal-^ 11t ?ckltekelkn nlckt v.k. Eervl . -111 Me Sllmme 6er Keimöl, von Elvisse kecce. 112 vl-Stimme d.liorzens.v.kl.ZtM. NZ IZas Selielmni? von Monüerral, von III. k. kolisiioicn. 1-1 l-i Norilles^aubsr, v. K. kalkondera. IIS Um ille Süler illelei Tide, von Ii. von ZaI. crn. IIS er grüne lieucktsr, v.!ö. Ecnslz. 1-117 Zm S^liühengraiisn, von kliberl l?olin5liou. IIS kah oiler liiede.v. Sulilo v. ?sl,. I!? IZ!s ZSngerin. von 6mll 1?ooi . 120 l lo kleine Llngcrlelle, von M, L. llvlienoien. 121 Uaz KMei der Lieke, v. k , Slakl. 1Z2 llsr Zclileier der Lodezgll.ln, von kii-erl Kolln5i!o . IZ2 Mit 13 üaliren. von H. Csrulz. 1-1 Uis m liieiie kdmpken, von Dr. Hans aller Sclimldl I2Z lias Eoldlcliili^ v. Eluleppe IZecc . 120 Cinv veiclis, elbs lland vor Herbert Servil,. IS7 Oer Zckiah der utine.v. C. oo . 128 Cln tmer Mann. v. H. Serulz. I2S Ziol? und liielie, v !r. v. Zaltera. IZll C ns aknünnig krau, von Herbert Serrig. IZl Erkümpltes Eiücii, von S. v. ? Iz. IZ2 va! üageducii der llomlsh, vo kliden lioilnzkou. IZZ lliclit urn Seldez illen, vo ?lr. aliner-Lliurm. 1-IZ1 verlSnnt, von ? ll. pankn!n. IZS IZaz gelielmnizvolle Iiandkaii , von Crnlt V?oop. I3ö körlterz Löcklerleln, vo-- Helni kaikenberg -127 isder vereint, von li.v. Samern. IZ8 Srdiin Zulta. von Ernit VZoop. IZS Um koken prelz. v, Lruo takl, 140 Das kaisdand der karonin voll kuknagel, von g. lio!l rlng:r. I rrotzlgs Kerzen, v. li.v. Sc era. NZ lllsIckSne llorotkea, v E. ^oo?. fI Z Slande-vorurteils.v ^.li.Panliniil, 144 KomlehSule.v.LK.VZallnor-Lkuri , ills mll f llnd tvrie -t!omaiie.? vle gol6en Marie, von kslnr.MeMer. Vermellenes 8plel. von Cua. ke^nant. v Eetielmni; 6ez Cbaukkeur^. vo ?okn keo grey. 4 vte kacke 6er rveüea 5raa. vo, Sul6o von kelz. ^ Opfer 6er lilebe, v. ?b. klankenlee. t 06mon Vöelb. von 3. 8ct a6e- k Z6Icke, 7 Vaz Kalzban6 6ez Loten, v. k. kerg T Da, kittentat au! lielck ltz, von ?ra l)r. ?. Virnellel. G vberlteiflers Clle, von . ui6o v. felz. Das M66el okne Sel6 von ?. 5cott l! vor 6en 8ckranken 6ez rlegsgerickt^ von Konz kerg. 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Uaz blaue M6u5cken. v. ?r ni ver geltoklene W liu6vlg Wolter, öl Nack sckvcrea prilkunge . v . klankeitiee. öi Ein toller liiedkader. v fra *b3 Vervirrte?66en. von k. kokend^ 04 Die Maske 6.Lt enteun:rln v.p.MiÄM - b5 kirtlstendlut. vo kVli lia.ickoL. *öt Cin Kelt vom Lee, ^n fnu b? Eine VorftroqS6ie, von li v. öS Sekäkrllcke (liebe, vo Sul6 . *ö9 CIn unkeimlicder vo lll. S. kobenoken. 70 prinie^cken 5olui a w. Cbert-lzanle kcrtletzurig l!e! e lekte ^extkeltek vs Nummern ml l r!m!na1rv!nane, 6!e mlt s lln6 O kü.^e, iovokt 6ie eri^ienenen vle 6l regelm6h!g le6e V^ock ch jene kuck- un6 Pc^pierkan6lunq ?ur preue von l0 pfg. r, be^eken gegen Voreinlenclung 6es ketrage? u2gU^ 5 plg. potto ?r v^Z Mlgnen-Verlag, Vi-e86en-g. 1. ii.ru.ci von H. v. Schul . Trejd n . t.
