Marine-Freund Schriftleitung: Geschwaderpfarrer ft. F. Müller. Sonnlag nach Neujahr. 6. Januar 1918. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Iahrg. Inhalt: Die Losung für 1918. Am Neubau. Im Jahr des Herrn. Das wichtigste Datum der gesamten Geschichte. An das neue Jahr. Von neuen Dingen im Kriege, die alt sind. Tägliches Bibellesen. T Die Muskeln gestrafft, Sie Nerven gespannt, üas Kuge geradeaus! Wir sehen das Ziel vor uns: Ein Deutschland hoch in Ehren, frei und groß! Hott wird auch weiter mit UNS sein. Jiu8 Generalfeldmarschall von hindenburgs Dank an das deutsche Volk. Oktober 1Y 7. Die Losung für 1Y1S. hindurch! von Ernst Ulbert 3 V . Hindurch, hindurch mit Freuden, Das soll die Losung sein ! Hindurch durch alle Leiden, Durch Kreuz und Not und Pein! Hindurch, hindurch mit Freuden, Mit Gottes Helm und Sieg. Durch Leiden und durch Streiten I In seinem heil gen Krieg! Hindurch die öden Strecken Von unsrer Wanderschaft, Durch Klüfte und durch Schrecken Mit seiner Gotteskraft! Hindurch mit Adlersflügeln, Mit Danken und Gebet, Hin, wo auf ewgen Hügeln Der Tempel Gottes steht! Hindurch, hindurch mit Freuden Selbst durch die Todesnacht, Hindurch die letzten Leiden. Bis daß es heißt Vollbracht!" lm Neubau. 1. Kor. 3, 10: Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue. -s^as neue Jahr stellt jeden wie an einen Neubau, -v Erst recht dann, wenn sich die Hoffnungen auf Frieden in diesem neuen Jahr erfüllen sollten und ihr, liebe Kameraden, von Norden und Süden zu rückkehren könntet in die Heimat, werdet ihr mit berufen sein, ein Neues zu bauen in Haus und Volk, u Staat, in Kirche. Da gilt es nun: Ein jeglicher aber sehe zu,  wieer baue. Manches Alleswissers und Klugredners ganze Weisheit geht darauf hinaus: einreißen, erst alles einreißen. Einreißen ist freilich meist leicht und schnell getan. Einreißen kann geboten sein, es kann aber auch eine grenzenlose Torheit sein, gegen die Herz und Gemüt, Vernunft und Verstand sich sträuben. Ihr, Kameraden, seid doch herum gekommen in den deutschen Küstenländern: habt ihr nicht die sesten, starken, wehrhaften Bauten gesehen, die ein ritterliches Geschlecht der Vorzeit ausgerichtet hat, und die seit Jahrhunderten jedem Sturm und Wetter trotzen? Wer ist so töricht, solche Bauten einreißen zu wollen? Werden sie nicht heute wieder zum Muster genommen? Oder kommt mit nach andern Gegenden! Da stehen wir vor einem Bauernhaus in der Wetterau. Was für ein Bau! Man kann den Blick nicht von ihm wenden, so urkrüftig, so schön, so in die Heimat passend. Und da steht auch eine Jahreszahl. Anno Domini, im Jahre des Herrn, 1623. Vier Jahre hatte der 30jährige Krieg gedauert. Da baute ein deutscher Bauer das Haus. Und heute noch wohnt darin ein kernfestes Banerngeschlecht. Wer wollte ein solches Hans einreißen? Oder dort in der alten Reichsstadt, dieses Haus am Markt. Wie ich es in meiner Jugendzeit kannte, war es durch schlechten Putz und Bewurf verunstaltet. Neulich aber kam man darüber und entfernte, was nicht drauf und dran gehörte. Und zum Vorschein kani eins jener herrlichen Gebäude, wie sie Bürgersinn und Bürger kraft einst errichtet hat. Und nun steht es da in alter Herrlichkeit. Auch hier glänzt in frischen FarbenSeite 2 Marine Freund Jl r. 1 das Anno Domini, im Jahre des Herrn, 1527, glaube ich , war es. Wallte jemand ein solches Haus einreißen, die ganze Stadt, das ganze Land würde sich dagegen empören. Es wäre wie ein Verbrechen. Nun komm aber weiter mit in eine Großstadt, meinetwegen gleich in die Reichshauptstadt. Wird dort nicht ein großes, mächtiges Haus eingerissen! Zehn von jenen, wie wir sie vorher gesehen haben, fänden darin Platz. Es sieht auch noch ganz kräftig aus, alt kann es auch nicht sein, vielleicht so nahe an 50 Jahre. Und doch wird es eingerissen und kein Mensch regt sich darüber auf. Dir selbst kommt es selbstverständlich vor. Lieber Freund und Kamerad, wir wollen die Folgerung daraus ziehen. Was dort recht ist, ist hier billig. Wir haben starke, ansehnliche geistige Bauwerke in Deutschland. Eins davon wurde aufgerichtet durch das Christentum, durch den christ lichen Glauben. Für uns ist dieser Bau in herr licher Weise durch Luther unb seine Mitarbeiter hergestellt. Und wenn da jemand einreißen will, sagen wir: die Finger davon! Nicht bloß eine Narrheit und Torheit wäre hier ein Einreißen, sondern ein Verbrechen an unserm Volk. Reißt . nur das ein, was mit soviel Lärm in den letzten Jahrzehnten als Ersatz für Christentum und Kirche angeboten worden ist, reißt sie ein, diese Scheinpaläste, diese prunkenden Bauten, die man heute anstaunt und morgen mag sie niemand mehr! Aber die Kirche, den Glaubensban, laßt stehen, der ist mit uns verwachsen, geht ins Herz. Wenn etwas daran durch äußeren Aufputz verunstaltet ist, dann immer hin weg damit, der alte Bau wird sich in neuer Herrlichkeit zeigen. Und wenn du selbst als ein Stein an diesem Ban mangelhaft bist und schad haft, laß dich selbst erneuern, schaffe in dir ein Neues im Glauben und in der Liebe. Baue im neuen Jahre, wie die Alten, für Jahrhunderte! Vor allen Dingen nur so wirst du deiner Stelle am Neubau gerecht werden baue auf dem rechten Grunde. Ein jeglicher sehe zu, wie er darauf baue, sagt der Apostel. Und gleich fügt er hinzu das sollten wir nicht vergessen: Einen andern Grund kann niemand legen außer d e m , d e r g e l e g t st, w e l ch e r st I e s n s C h r st. Amen. K. F. Müller. Im ^ahr öes Herrn. Worte und Gedanken W. H. Riehls kulturgeschichtlicher Novelle?) Im Jahr des Herrn 850 lag das Elend viel gestaltig auf den deutschen Landen. An den Nord küstenwaren die Normannen plündernd und mordend hereingebrochen; in Thüringen und Hessen die Sorben. Dazu breitete sich eine schwere Hungersnot über alle Gaue. So ward das Maß des Jammers voll. In Strichen, die Frieden gehabt, schätzte man s hie und da, daß jeder dritte Mann Hungers gestorben: wie es aber gar in den vom Feinde verwüsteteli Gauen ausgesehen, das weiß niemand zu sagen. Die Geschichte hat jenes Bild des Jammers in 0 Stuttg. u. Berlin 1912. Cotta. Vergessenheit gehüllt. Denn der Krieg war geführt worden als Vertilgungskrieg “ So beginnt eine der Novellen des Meisters deutscher Kulturgeschichtsschreibuug, W. H. Riehls. Er war, lvie er im Vorwort zu den kulturgeschichtlichen Novellen erzählt, beim Lesen alter Nachrichten deutscher Vergangenheit, der Fulder Annalen, auf eine merkwürdige Erzählung gestoßen. Und es erging ihm selbst dabei seltsam. Was da in dürrem Mönchslatein geschrieben stand wurde ihm deutsch, wurde lebendig vor seinem inneren Auge, und so erlebte er innerlich, was seine Feder nachher niederschrieb. Heute aber ist eine Zeit, in der wir vielleicht besser verstehen als sonst, was Riehl, der kerndeutsche Mann, an Worten und Gedaliken niedergeschrieben hat. Schon jenes Bild des Elends in deutschen Landen. Noch ganz anders als damals würde es heute aussehen, wenn der Feind in den Jahren des Herrn 1914 1917 in deutsches Land hätte ein brechen können! So sind die Jahre, die nach seinem Plan wahre Jahre des Unheils für Deutsch land werden sollten, dennoch Jahre des Heils für unser liebes Land und Volk geworden. Doch kehren wir nun zum Jahre 850 zurück und dem, was Riehl uns erzählt. Es ist Silvester abend. In den Waldbergen der Rhön haben sich Wanderer verlaufen: ein Mann und ein Weib, die abwechselnd ein Kind tragen. Sie suchen nach einer Hütte, einer menschlichen Niederlassung, sie suchen nach Nahrung und Unterkunft für das wimmernde Kind, für sich selbst. Aber nirgends eine Spur in dem schneebedeckten Land. Und immer grimmiger senkt die Kälte sich herab. Wo her kommen sie, wer sind sie, die einsamen Wanderer? Der Mann, einst ein begüterter Freier imFulder- land, ist um sein Hab und Gut gekommen. Eins aber, nachdem er sein Eigentum verloren hat, will er nicht hingeben, seine Freiheit. Sich zum Knecht machen lassen aus dem Boden seiner Väter nie mals. Der ganze Trotz -des freien Germanen wacht in ihm auf. Mögen tausend andere in Knechtssiuu sich beugen-, ich nicht, niemals! Das war eine trotzige Zeit. War es doch - auch in selbiger Zeit", schreibt Riehl, wo König Ludwig, genannt der Deutsche, bei Flammersheim ein paar Rippen brach und dennoch weiter reiste, als sei er unversehrt, und keinen Seufzer ausstieß, obwohl man das Krachen in den zerbrochenen Rippen hörte, wenn sie aneinanderstießen, und mit seinem Bruder Karl eine Unterredung hielt, um das Reich Lothars brüderlich zu teilen, und dann erst, als er sein Teil ausgemacht, nach Aachen ging, um nun bei mehrender Muße die Rippen wieder zu sammenwachsen zu lassen." Ist dieser alte Trotz bei uns noch lebendig? Ja, draußen an den Fronten zur See und an Land. Wie mancher hat auch da mit zerbrochenen Rippen und zerschuudenen Knochen trotzig weitergekämpft. Aber drinnen fehlte es leider nicht an solchen, die sich stellten, als ob wir um Frieden betteln müßten. Doch zurück zur Erzählung. So machte sich denn eines Nachts der Mann aus dem Fulderland auf. Drei Besitztümer nahm er mit: sein treuesRr. 1 Marine-Freund Seite 3 Weib, sein liebes Kind, sein gutes Schwert. Ohne Speise, ohne Geld wunderten sie durch ausgehungerte Gegenden, durch froststarrendes Land. Freilich ,,die Flüchtlinge waren auch Hartgebackene Leute, wetterfest, mit Stahl in den Gliedern und einem wider den Hunger gepichten Magen." Sind wir das heute noch? Ja, gottlob, Tausende haben es bewiesen in Ost und West, Süd und Nord, daß sie es noch ertragen können: Frost und Hitze, Hunger und Blöße. Aber eines Tages konnte man auch einen gutgenährten Mann vor einer vollen Schüssel sitzen sehen, der schrie: Lieber als das, esse ich schon gar nichts. Es war, als ob einer übriggeblieben wäre von jenen Kindern Israel, denen das Manna in die Schüsseln regnete, und die doch schrien: Unsere Seele ekelt über dieser lvsen Speise. Und so war jener Silvesterabend gekommen. Wohl war es den Wandernden manchmal, wenn die Schauer des Frostes ihnen bis auf die Knochen drangen, als müßten sie zusammenbrechen. Aber mutig gingen sie weiter. Wohl erschrak einmal die Frau, als sie, selbst blaß wie eine Märtyrerin, in des Mannes Angesicht blickte und den furcht baren Ausdruck, den Widerschein inneren Seelen kampfes, sah, der sich über seine Züge lagerte. Aber sie hielt sich aufrecht. Und endlich bot sich ein Obdach. Unter einem Basaltfelsen fand sich eine gegen Wind geschützte Stelle. Bald loderte Reisigfeuer auf und erwärmte die erstarrten Glieder. Doch der Hunger nagte. Seit Tagen hatten sie nichts zu essen gehabt. Wild stürmen da die Ge danken in der Seele des Mannes. Sie tragen ihn hin und her, aus der Not des Tages in die Ver gangenheit und wieder zurück zur Gegenwart. Sein Großvater hatte noch als Knabe den Dienst der alten Götter gesehen. Und der Enkel hatte viel von ihm gehört. Das war es, was ihn nun faßte. Seit der Christengott da war, waren die Jahre der Trübsal gekommen. Wo war er denn nun, dieser Gvtt? Er schien nicht Lust noch Macht zu haben, den großen Jammer hinwegzunehmen. Sollte es nicht besser sein, zurückzulehren zu den Göttern der Vorzeit und ihnen ein Sühnopfer zu bringen, sowie sie einst im Norden den guten König Domaldi in Zeiten großer Hungersnot schlachteten, und der Hunger wich? Wie glühende Wolfsangen gehen seine Blicke nach dem Kinde, wilde Hiebe mit dem Schwert fuhrt er in die-Luft, nab wilde Reben von Opsertod kommen von seinen Lippen. Dem Weibe vill. fast die Rede versagen. Aber in gläubigem Gottvertrauen findet Kraft und Mut. Und dieses Gottvertrauen wird zur Rettung für alle. Wie das aber Riehl in Worte faßt, das ist etwas, das zu Neujahr 1918 Widerhall finden sollte in deutschen Frauen- und Männerherzen. So schreibt er: Mit großen Schritten ging der Mann am verglimmenden Feuer auf und nieder, und noch wilder als vorher rollten seine Augen. Wir mögen jetzt nahe der Stunde sein," rief er, wo das alte Jahr dem neuen die Hand reicht. Die Pfaffen, wenn sie die Jahre zählen, lagen: im Jahre des Herrn; aber bei diesem gottverlassenen Jahr . voll Schmach und Elendes sollte man billig sagen: im Jahre des Teufels:" Und dennoch," sprach milde das Weib, hat das eine Jahr, in welchem der Herr als Mensch den Mensch c n geboren wurde, einen solchen Überschuß des Heils über alle folgenden Jahre gebracht, daß auch das s ch l m m st e. Iahr nach d e r G e b u r t des Herr n immer noch e n I a h r destzerrn sein wird." Der Mann nahm das Kind vom Schoße der Mutter. Die Stunde ist kostbar! Künftiges schauet in der letzten Jahrcsstundc, wer sich mit dem Schwert nmgürtet, das Dach seines Hauses setzt, den Blick gen Osten gewendet. Nur eines will ich heute erkunden, ob wir den morgenden Tag überleben! Ist dieser Fels mit seiner Kuppe nicht jetzt unser einziges Haus? Laß mich hinaussteigen mit dem Kinde nach altväterlichem Brauch! Und indes ich oben die Zukunft beschwöre, gedenke du hier des sühnenden Opscrtodes, in welchem das nordische Volk seinen besten Mann, den König Domaldi, hinschlachtete, damit der Hunger von dem Lande genommen werde!" Da rief das Weib verzweifluugsvoll: So höre du vorher die Geschichte einer anderen Opferung! Höre, wie es erging, da Jehova dem Abraham befahl, daß auch er sein bestes Gut, seinen Sohn Isaak, am Altar schlachte." Aber der Mann hörte nicht. Er stürmte mit dem Kinde zur Felsenklippe hinauf und verschwand hinter den Büschen. Das Weib wollte ihm Nacheilen, die Mutter dem Kinde. Doch als sie aufstand vom Feuer, da ward erst offen bar, wie ihr der Hunger das Mark aus den Knochen gesogen, sie brach ohnmächtig zusammen. Plötzlich weckte das Schreien ihres Kindes die Mutter wieder zum Leben, und als sie auf horchte, klang ganz nahe seitwärts aus den Zweigen hervor Getöse wie eines Kampfes. Dann ward es totenstill. Da raffte die Mutter sich auf; ihre Kraft war wicdergekehrt, und sie sprang hinüber ins Dickicht, von wo des Kindes Stimme getönt hatte. Und vor ihr stand ihr Mann, vergeistert im Gesicht, das Schwert gesenkt, und im Hellen Mondlicht sah man, wie Blut von dem Schwerte troff, und Arm und Gesicht des Mannes .waren mit Blut bespritzt. Mein Kindl" schrie die Mutter. Wo ist mein Kind?" Da reichte ihr der Mann das Kind, das er im linken Arme gehalten, mit dem schützenden Felle bedeckt. Das Kind war unversehrt; es war wieder in Schlaf versunken und lächelte im Schlafe. Wir sind beide heil und ohne Wunden!" sprach der Mann gebrochenen Tones. Das Weib forschte, was geschehen sei. Der Mann aber sagte zitternd: Vollende, was du vorhin begonnen: die Mär von der Opferung jenes Kindes, die Gott dem eigenen Vater besohlen!" Und ver- wunderungsvoll, kaum des Wortes mächtig, erzählte das Weib die Opferung Isaaks und schloß mit den Worten der Schrift: Da sprach der Engel des Herrn zu Abraham: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm nichts. Denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest und hast deines einigen Sohnes nicht verschonet um meinetwillen. Da Hub Abraham seine Augen auf und sähe einen Widder hinter ihm in der Hecken mit seinen Hörnern hangen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn an seines Sohnes Statt zum Brandopfer." Als sie geendet, sprach der Mann: So hat sich heute erneut nicht die Mär von der Opferung König Domaldis, sondern von der Opferung Isaaks. Siehe, auch ich wollte unser Kind opfern I Doch nicht gleich Abraham, weil es mir Gott geboten, sondern als ein Sühnopfer densizürncnden alten Göttern, und auch, daß wir selbst uns sättigten und unser Leben retteten mit dem Fleisch des eigenen Kindes! Wie ich aber ins Gebüsch trete, taumelnd und wie mit Jrsinn geschlagen durch deu eigenen Vorsatz,^er schaue ich zwei Wölfe, die an dem Körper eines Rehes zerren Da wird wieder hell vor meinem Auge; mit dem Schwerte springe ich hinzu, das Kind ins Fell verhüllt fest an mich schließend, und schlage die Bestien nieder! Hier liegt das Reh, das uns Gott gesandt, der Widder statt des geopferten Sohnes!" Da rief das Weib gleich einer Seherin: Und doch ist auch das Opfer Isaaks nur die Verheißung gewesen eines größeren Opfers. Denn als die Zeit erfüllet war, hat Gott selber seinen einigen Sohn dahingegeben zum Sühnopfer für die Schuld aller Menschen. Und seit diesem letzten Opfer sagen wir von jedem Jahre: Im Jahr des Herrn!" Ja," sprach der Mann zerknirscht vor sich hin, die letzte Stunde dieses Jahres hat es klar gemacht: es war auch dieses Jahr ein Jahr des Herrn!" Am Feuer sättigten sich die beiden an dem Fleische des Rehes. Dann fielen sie in friedlichen Schlaf. Die Morgensonne des neuen Jahres weckte die Schläfer. Sie stiegen hinauf zur Kuppe des Felsens, von wo gestern abend der Manu vergeblich die Zukunft erschauen wollte. Da tat sich ein wunderbares Bild vor ihren Augen auf: das weite reiche Maintal glühte im Sonnenschimmer, Hütte an Hütte stieg aus den Gründen, und der Rauch von hundert Feuerstätten hob sich zum leichten Gewölk verschwebcnd in die reine Winterluft. Die Gatten küßten sich bei diesem Anblick und küßten ihr Kind und fielen nieder und beteten. Der Mann aber wagte noch nicht wieder, seiner Frau ins Auge zu schauen. Doch diese hob ihn liebreich und sprach: Laß uns des alten Jahres S. itc 4 Marine-Freund Nr. 1 jetzt vergessen, obgleich es kein Jahr des Teuft ls gewesen; denn siehe, noch ist das neue Jahr nur wenige Stunden alt, und doch hat es schon so reiche Verheißung gebracht, daß wir frohgemut zum Wanderstabe greifen. Denn die neue Pilgerfahrt beginnt, wo gestern die alte schloß: Im Jahr des HerrnI" In Gottes Namen, so gescheh cs! Man hat uns lang genug genarrt! Und so geh es: Entweder oder, hart auf hart! Und so beginnt auch unsere Kriegsfahrt im neuen Jahr da, wo int vergangenen die alte schloß: Jin Jahr des Herrn. Das wichtigste Datum öer gesamten Hesthichte. Die Gebltrt Jesu Christi ist das wichtigste Datum der gesamten Geschichte der Menschheit. Keine Schlacht, kein Regierungsantritt, keine Natur- erscheiunng, keine Entdeckung besitzt eine Bedentling, welche mit dem kurzen Erdenleben des Galiläers verglichen werden könnte. Die Erscheinung Jesu Christi bedeutet, vom weltlichen Standpunkte aus, die Erscheinung einer neuen Meuschenart. Nicht in die Wüste zog sich Christus zurück, sondern aus der Wüste heraus trat er in das Leben ein, ein Sieger, der eine frohe Botschaft zu verkündigen hatte nicht den Tod, sondern Er lösung. Buddha bedeutet den greisenhaften Aus gang einer ausgelebten, Irrwege geratenen Kultur; Christus dagegen bedeutet den Morgen eines neuen Tages. Unter dem Zeichen seines Kreuzes richtete sich aus den Trümmern der alten Welt eine neue Kultur langsam aus, an der mir noch lange zu arbeiten haben, soll sie einmal in einer fernen Zukunft den Namen christlich verdienen. Aus Chambcrlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts. fln öas neue ^ahr. Von Cäsar Flaischlen. Flamm , neues Jahr, flamm auf, flamm ans! Und sei gegrüßt! Flamm aus der Tiefe deiner Ewigkeit, Aus der du trittst, uns zum Geleit, Flamm auf mit neuem Wort und Werde Uber der zerstörten Erde! von neuen Dingen im Kriege, Sie alt stnö. Gorts. z. Jg. 3, S. 4.) 1. Ungarische Ochsen als Geschützbespaliiiung. Was hört man nicht alles und sieht es im Bilde von Dingen, die die Unstrn auf fernen Kriegsschauplätzen erlebt haben, und wundert sich darüber, und doch ist manches davon schon vor ein paar hundert Jahren geschehen. So waren neulich Bilder zu sehen, ivie ungarische Ochsen auf dem rumänischen Kriegsschauplatz schwere Geschütze ziehen Das ist doch was ganz Neues, wird mancher dabei gedacht haben. Aber lies, ivas Johann Dietzß schreibt, der unter dem großen Kurfürsten ein brandenburgisches Regiment in den Feldzug gegen die Türken nach Ungarn be- gleitete: Wir gingen also zurück auf die Festung Komorn. Und weil unsere Pferde alle tot waren, kauften unsere Generale Schönick, Barfus und Marwitz lauter ungarische Ochsen, welche die Artillerie zogen, unter welchen auch viel eroberte türkische Stück und Mörscl waren, unter andern ein kurbrandenburgisches, so vor alten Zeiten verlorengegangen. Sind noch in Berlin zu sehen." 2 . Beim Fischen. Jüngst konnte man Bilder sehen, wie unsere Feldgrauen Teiche und Gewässer in Rumänien absischten und in der Donau die mächtigen Welse fingen. Derselbe Johann Dietz weiß ähnliches von damals zu erzählen: Ich hatte in der Einöde wahrgenommen, daß viel fischreiche Teiche so aus- getrocknet, daß mau die häufigen Fische in die Höhe springen gesehen. Wir gingen ohngefähr anderthalb Meile voni Lager und fanden solche. Da zog ich meine Kleider aus und das Hembde, bande den Hals und Ärmel zu, welches die andern auch thaten; und also strichen wir mit dem weiten Teil des Hembdes den Teich durch und bekamen so viel Fische, daß wir in drei Säcken genug zu tragen hatten." Vielleicht können Kameraden in ähnlicher Lage die alte Erfahrung des kurbrandeuburgischen Feldschers Dietz beim Fischen verwerten. Jedenfalls aber sei ihnen zur Warnung auch folgendes mitgeteilt, was Dietz noch hinzusügt: Als ich ailS dcni Teich kam, war ich ganz schwarz von Blutigeln. Ich wußte nicht, was ick tun sollte. Wenn ich sie abriß, ließen sie die Köpfe stecken. Denn ich wußte damals die Kunst nicht: wenn mau ihnen ein wenig Salz, Asche oder heiße Erde auf- streuet, sie gleich gehen lassen. Doch vermeinete: wann sie in ein ander Wasser kämen, sie ivegfallen würden. Welches zwar geschehen. Allein ich hätte schier daS Leben darüber verloren, indeni ich ohn Fähre in die darnnfließende Donau gesprungen, ivclche mich durch ihren schnellen Lauf und Wirbeln vom Ufer dergestalt risse, daß durch alle Macht und Schwimmen ich kaum selbiges wieder erlangen konnte. Ich kam endlich raus und danke Gott, der mich abermals erhalten." ) Herausgegeben von I r. E. Consentius. München, Komm, wie Erlösung kommt nach Zeiten Langer Leiden, Komm wie nach Winter-Nacht und -Trübe Frühling kommt und Sonnenflug. Komm, wie in die verarmte Welt Ein Gott einst seine Liebe trug, Und wie nach Tod und Höllennot Ostern ausloht, Morgenrot, Als heiliger Sieg . . . Komm, wie Friede kommt nach Krieg! Doch soll s nicht sein, Soll all das Elend, all das Trauern Endlos immer weiter dauern, Eitel Machtgier nur und Lüge Zu Genüge . . - Dann läute die Glocken von Turm zu Turm, Durch olle Lande läute Sturm: Soll s also sein, Laugeiviesche-Brandt. Tägliches Sibellefen. Sonntag: Jef 60, 1 6, 18 22. Montag: Joh 1, 1-18. Dienstag: Joh. 1, 19 34. Mittwoch: Joh. 1, 35 51. Donnerstag: Joh. 2, 1 12. Freitag: Joh. 2, 13 25. Sonnabend: Joh. 3, 1 21. Psalm 111. I. Mos. 41, 1-36. 1. Mos. 41, 37 57. 1. Mos. 42, 1 20. 1. Mos. 42, 21-38. 1. Mos. 43, 1-15. 1. Mos. 43, 16-34. Da, Wochenblatt . .rine-glre - kann man tederieit bestellen. Bi ,u 7 Sück bestellt man am besten bei der Post; von 700 Stück an koste da Blatt 1 Pfg. unaev an die eschäitistelle be Nordd. Männer- und ?lüngl na bundc , vamburg ö. Brennerftr. 17, erbeten. Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckerei, Schönberg i. Mecklb.Inhalt: Dem Kaiser Heil. Was des Kaisers ist. Kaisers Recht. Friedrich von Ewensheim. Wie des Kaisers Lands knechte bei Pavia den Franzosenkönig fingen. Bon der Zukunft des österreichischen Kaisertums. Denkt an euren Kaiser I Tägliches Bibellesen. Dem Kaiser Wilhelm haben wir geschworen. Dem Kaiser Wilhelm reichen wir die Hand. Nendeutsches Soldatenlied. Ar. 2. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer &. I. Müller. 2. Sonntag nach Epiphanias. 26. Zanuar 1818. Verlag des Nordd. Männer- und Iünglingsbundes, E. B. lAug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17 4. r-tzrr Dem Kaiser heil. Das deutsche Volk hat einen starken Arm, Das deutsche Volk hat ein Herze treu und warm. Das deutsche Volk hat ein hochedel fürstliches Haupt, Wehe dem Feind, der das nicht glaubt! Einen Kaiser von Gottes Gnaden! Immer war ihm das Erbärmliche klein. Immer verschmäht er, was schnöd und gemein; Immer war er Wilhelms des Großen Enkelsohn, Hielt makellos Deutschlands Kaiserkron , Unser Kaiser von Gottes Gnaden. Seines Volkes Freude war seine Freud , Seines Volkes Weh sein Herzeleid, Seines Volkes Glück war sein täglich Gebet, Ans Frieden sann er früh und spät. Unser Kaiser von Gottes Gnaden. Reich im Kampf mit öem Tose besiegelt. Da kam der Nuß, der Franzos daher. Und der Brite, von Gold und Neide schwer. Da kamen sie alle sieben zuhauf: Im Zorne griff an des Schwertes Knauf Deutschlands Kaiser von Gottes Gnaden. Nun blitzte das deutsche Schwert aus der Scheid , Run blitzten deutsche Augen in Kampfesfreud , Nun blitzte die schimmernde Eisenhand Auf die Feinde: Mit Gott fürs Vaterland Und den Kaiser von Gottes Gnaden!" Und wenn der Herr uns den Sieg beschert Und wenn wir mit Eichenlaub zurttckgekehrt, Wenn seliger Friede Deutschland umblaut, Dann Volk und Kaiser zum Himmel schaut Und dankt dem Vater der Gnaden. ex. von Martin Rast. Oer Sänger hat seine Treue gegen Kaiser und Was öes Kaisers ist. Matth. 22, 2t: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist. ewiß ist der Spruch, so wie er hier voransteht, nur halb, und notwendig gehört dazu das an dere: und Gott, was Gottes ist. Es ist auch nicht meine Absicht, hier etwas zu trennen, was der Hei- Imtb selbst zusammengefügt hat. Wenn es gilt, die Pflichten zu erfüllen, die er uns hier vorhält, dann muß beides miteinander verbrinden werden und ver bunden bleiben. Wohl aber bin ich der Meinung, daß man leicht das einzelne, ivas hier steht und was auch für sich ernstlich beachtet sein lvill, übersehen kann, und daß diese Gefahr gerade da vorliegt, wo es heißt: was des Kaisers ist. Wer unter einem Kaiser steht, wer zu seinen Mannen gehört, an dem und in dem muß etwas sein, was des.Kaisers ist." Und das, liebe Kameraden, bitte ich euch, jetzt zir bedenken. Der Tag naht heran, an dem znm vierten Male Kaisers Geburtstag im Kriege begangen wird. Des Kaisers Wunsch geht da, das wissen wir alle, nicht nach lauter Feier, sondern nach einer Feier in der Stille, irr der Tiefe der Herzen. Gehen wir doch da einmal in die Tiefe und Stille des eigenen Herzens und fragen uns: was ist denn in uns, was des Kaisers ist? Bon drüben, über dem Wasser her, wollen sie uns mit trügerischen Redensarten einreden: nichts! Aber sie kennen nicht die Tiefe des deutschen Wesens und was da hineingehört seit Jahrhunderten. Sie sind6eitc 6 Marine-Freund Nr. 2 nicht von Kind auf in Deutschlands Gauen gewan dert und haben das Bild der Städte und Dörfer, Burgen und Schlösser im innersten Gemüt ansge- uonrmien und es gespart, wie dieses Land, dieser ur alte dcntscheBoden verwachsen ist mit dem Kaisertum. Wie die Gestalt des Kaisers seit mehr als einem Jahrtausend lebt im Herzen des Volkes. Sie haben den Jubel nicht im Innern gespürt, als nach langer Schande Nacht" uns ein neues Reich erstand und wir wieder einen Kaiser hatten. Nur den Erfolg haben sie gespürt, und um den wollen sie uns brin gen. Aber wir wissen es wahrlich zur Genüge unserer Geschichte, was es heißt, ein Schattenkaisrr- tnm, was es bedeutet, die kaiserlose, die schreckliche Zeit! Und darum: was in ns deutsch ist, das ge hört dem Kaiser. Was des Kaisers ist dort drüben tun sie, als ob ein Christ nichts wissen könne noch dürfe von Kaiser und Kaisertum. Nun, der Christ, der vor allen der Christ ist, Christus selbst weiß es anders. Kaiserliche Kriegsleute sind auch ihm begegnet wie seinen Aposteln, lind mit unverkennbarem Wohl gefallen haben der Herr vie seine Apostel diese Männer gesehen, die ihrem Kaiser treu und gewissen haft gaben, was dieses Kaisers war. W r sind n n s e r e s Kaisers Mannen, wir haben ihm ge- schwvren. Ihm sind wir ergeben mit Herz und Hand, lind wenn wir das, was Herz and Hand uns stark und fest macht, unserem Glauben verdanken und der Gemeinschaft, der wir dadurch stehen mit Christus und durch Christus mit Gott auch das, was wir als Christen find und tun und leisten können, es gehört dem Kaiser. Was des Kaisers ist. - Es ist ein hoher, edler Sang, jenes Lied von den deutschen Fürsten, die zu Worms im Kaisersaal rühmten, was ihrer war. Der Herr Württembergs Land hatte mir eins rühmen, aber das war das Beste: die Liebe des Mannes, dem er überall in seinem Lande sein Leben anvertranen konnte Und das ist auch Pente noch das Höchste und Beste, was in ns des Kaisers ist: dir selbstlose Liebe des freien, treuen Mannes, der nichts für sich haben will noch erwartet, sondern froh und stolz ist, geben zu können. Ohne solche Liebe wären wir bei allem Singen und Sagen von dem, was wir für Kaiser und Reich übrig haben, nur ein tonendes Erz oder eine klingende Schelle. Solche Liebe ent steht freilich nicht ohne weiteres von ungefähr, sonst hätten wir nicht in allen Zeiten deutscher Geschichte Untreue und Verrat beklagen gehabt. Aber sie erwächst mit Sicherheit dem Boden der Liebe, die der für uns gehabt hat, der durch ein Meer der Kämpfe und Leiden für ns hindurchgegangen ist, sie erwächst da, wo es gilt: die Liebe Christi dringet uns also. Deutsches Reich und deutsches Kaisertum stehen in dieser Zeit tvie in einem ivild wogenden Meer. Aber geben wir dem Kaiser, was des Kaisers ist, und die alte Preußenzuversicht wird sich auch im Reich aufs neue bewähren: Liebe des Vaterlandes, Liebe des freien Mannes gründen den Herrscher thron wie Fels im Meer. Amen. K. F. Müller. Kaisers Recht. Von Walter von der Vogeliveidc, l](iS 12HO, übertragen von Karl Pannier?) Als Christus hier auf Erde , war, Versucht ihu stets der Juden Schär; So taten eines Tages sie voll Tücke. Sie fragten, ob ihr freies Leben Dem Reiche irgend Zins sollt gebend Doch schnell durchbrach er der Versucher Stricke. Er ließ sich Münze weisen: Wes Bildnis ist hier eingegrnben?" Des Kaisers," sprach der Späher böse Rotte. Da riet er den Unweisen, Daß sie den Kaiser ließen haben Sein Kvnigsrccht und gäbeik Gott, ivas Gotte. Friedrich von Cwensheim. deutschen Chronik?) Der römische König, seines Herkommens ein Herzog von Schwaben nnb Kaiser Friedrichs von Schwaben Sohn, unternahm einst eine Wallfahrt zu St. Emmeram in Regensburg. Er vollbrachte sie auch in großer Andacht, aber mit großer Gefahr. Er hatte sechs Begleiter bei sich, denen vertrante er Leib und Leben an. Nun hatte der gute König aber um des Streites willen, den sein Vater, der Kaiser, mit den Päpsten zu Rom hatte, auch in deutschen Landen viele Feinde, und diese stifteten eine Verschwörung an, U)u auf der Fahrt zu er morden. Wie nun der König in Regensburg an langte und zu St. Emmeram im Kloster mit seinem Gesinde übernachtete, kam ein Edelmann vom Geschlecht derer von Hohenfels mit seinen Bluthunden ins Kloster. Das geschah um Mitter nacht, als alles schlief und niemand sich eines Argen versah. Nun hatte aber der König einen alten tveisen Ritter bei sich, hieß Herr Friedrich von Eivensheim, der hatte etwas davon gemerkt. Er sah wohl, daß sie verraten und verkauft waren und nicht entkommen konnten, wollte aber doch seinen Herrn, König Konrad, mit dem Leben davonbringen. Als er merkte, daß die Mörder nahten, weckte er seinen Herrn in aller Stille und ließ ihn in eine Truhe steigen, die zufällig in der Kammer stand, er selbst aber legte sich geschwind in des Königs Bett. Gleich war der von Hohen fels mit seinen Waffenknechten das sie stießen mit großem Ungestüm die Tür auf. Damals wurden alle, die in der Kammer lagen, jämmerlich er mordet und nmgebracht, der getreue Ritter, Herr Friedrich, mit ihnen. Der König aber, der in der Truhe lag, und dem ohne Zweifel dabei nicht ge heuer war, kam davon. Die Mörder wähnten, sie hätten den König erschlagen.und inachten sich eilends nach vollbrachter Tat davon; der aber stieg ain Morgen der Truhe und ging vor den Rat zu Regensburg, denen gab er sich zu erkennen und klagte, wie es ihm und den Seinen ergangen. Die von Regensburg hatten an diesen mörderischen Sachen wenig Gefallen, waren aber froh, daß der König so wnnderbarerweise mit dem Leben davon gekommen war. Sie gaben ihm das Geleite, bis ) Leipzig, Ph. Rcclnin. -) Ans der Chronik derer von Zimmern. Langewiesche und Brandt, München und Leipzig.Sir. 2 Marine-Freuno Seite 7 er wieder in Sicherheit kam. Ein getreuer Diener ist dieser Herr Friedrich von Ewensheiin gewesen, dessen als eines leuchtenden Beispiels in ewigen Tagen nicht vergessen werden soll. Wie öes Kaisers Landsknechte bei pavia den ZranZosenkönig fingen. Das war ein Fang damals am 24. Februar 4 525. Fast 350 Jahre später glückte ein ähnlicher, als dir deutschen Heere unter König Wilhelm, dem nachmaligen ersten Kaiser des neuen Deutschen Reiches, den Franzosenkaiser Napoleon fingen. Damals war es ein Franzosenkönig, Franz I. war er geheißen. Nach Italien stand sein Begier. Merke wohl: wann hätten die Franzosen nicht nach einem fremden Lande Begier gehabt! So war König Franz mit Heeresmacht in Oberitalien eingebrochen. Bei Pavia aber ereilte ihn sein Geschick. Das Heer des Kaisers schlug ihn aufs Haupt, daß er für eine Zeitlang genug hatte. Die deutschen Landsknechte unter Georg von Frnudsberg hatten die Hauptarbeit getan. Ein treuer Freund und Begleiter Frnnds- bergs, der Erzieher seiner Söhne, der ns auch als Dichter einer Reihe von Liedern bekannt ist, die von tiefer Herzensfrömmigkeit zeugen, Adam Rech ners), hat die Schlacht geschildert, und aus dieser Schilderung soll im Nachfolgenden einiges wieder- gegeben werden ). Gleich beim Anfang der Schlacht fehlte es nicht an einem uns Deutschen auch von sonst her bis auf den heutigen Tag wohl bekannten bitteren Trauer spiel. Im Solde der Franzosen standen auch deutsche Landsknechte. Und da heißt es nun bei Rechner: Die deutschen Landsknecht der Franzosen Seite, der Schwarz Haufen genannt, haben sich herzu- getan und mit großem Neid den kaiserischen Fuß knechten zugesetzt. Sie wollten Ehr einlegen und ihrem König, der ihnen viele Jahr viele Kronen zur Besoldung gegeben, redlich beistehen. Dagegen waren die kaiserischen Landsknecht unter dem von Frnudsberg auch begierig wider sie darum, daß sie dem Kaiser und dem deutschen Namen zuwider für den Franzosen, der ein steter Feind des Kaisers war, wider die Deutschen, ihre Brüder und Blntsfreund, kriegten. Georg von Frnudsberg ist nach seinem Brauch mit dem ganzen Hansen der Landsknecht die Knie gefallen, hat Gott um Hilf und Beistand angernfen und gebeten. Desgleichen hat im andern Haufen Marx Sittich von Embs auch getan, und als sie aufgestanden, sind sie still und gemach die Ordnung des französischen Fußvolkes gerückt. Da nun beide Haufen aneinanderkamen, trat aus dem Schwarzen Hansen hervor ein Hauptmann, Hans Laugenmautel von Augsburg, und mit anfgewor- fenem Arm und lauter Stimme forderte er in einen Kampf den von Frnudsberg und den von Embs, .aber mit mancher Stimm ist er verworfen, gescholten und mit vielen Waffen niedergeschlagen worden, und ein Knecht hat seine abgehauene Hand mit der Armschiene und die Finger mit goldenen Ringen als ein Sieges- ) Vgl. Märiue-Frcnud, 2. Jg., S. 70. a ) Historie der Herren Georg und Kaspar v. Frnudsberg heransg. von tdr. K. Schvttcnhaner. Voigtländer, Leipzig. zeichen aufgeworfen. Da haben die Kaiserischen an gefangen zu schreien und nach den schwarzen Knechten und Schweizern gestochen und geschlagen. . Bei diesem Angriff haben Georg von Frnnds- berg Marx Sittich von Embs mit wunderbarer Geschicklichkeit die Feind umschlossen. Denn der von Frnudsberg fiel Aug gegen Aüg in die Feind, Marx Sittich von Embs aber hat sich mit seinem Haufen auf die eine Seite ein Heerflügel auf die andere Seite geschwungen, haben also an dreien Orten der Feiilde Haufen bis in die Mitte angegriffen und sie alle erschlagen, daß schier keiner aus den schwarzen Fnßknechten daoongekommcn ist. .Wie nun Herr Georg von Frnudsberg und Marx Sittich von Embs dir französischen Landsknechte geschlagen hatten, war alles getan und das Feld behalten worden. Das übrige französische Volk, Landsknecht, Schweizer und Gascogn er, haben sich in eine gewaltige Flucht be geben. Als Franciscus, der König, seines Volkes xmb aller Hilf entblößt und soviel neben ihm erschlagen und viel kaiserliche Reiter, weil er königlich bekleidet war, ihm uachhängten,. hat er immer mit seinem Schwerte sich gewehrt nnd, ob er wohl Wunden empfangen, doch Widerstand getan und hat wollen bei seinem Volk tot bleiben. Als er über ein Brück lein wollt, ist ihm sein Pferd geschossen worden und gefallen. Nielas, Graf zu Salm, ist mit seinen Rei tern hart an den König herangekommen, hat dem König seinen Hengst erstochen und ihn in die rechte Hand verwundet. Dagegen hat der König Graf Nielafen durch einen Schenkel gestochen sich fest gewehrt. Als aber der Hengst unter dem König ge falle , kam der von Motto (La Motte), des Carolus von Bourbon Hofmeister, der kannte ihn von An gesicht, wie wohl er ganz blutig war und ermahnte ihn, er solle sich dem Herzog von Bourbon ) der nicht weit wäre, gefangen geben. Der König war ob die ses Namens unwirsch und sprach: Ich kenne keinen Herzog von Bourbon denn mich selbst und will mich niemand gefangen geben denn dem römischen Kaiser, eher will ich sterben. Da ist ein Spanier hinzuge- lieft, hat ihn beim Helmlin erwischt und vom Pferd wollen reißen. Den hat der König von sich gestoßen, daß dem Spanier ein Teil von des Königs Ärmel Feder vom Haupthelm in der Hand blieben. Der König befahl, man solle den Vicekönig heißen kommen. Karl de la Noi, der Vicekönig, kam bald, hat die Reisigen, die um den König standen, weichen heißen den König mit der rechten Hand vom Pferd gezogen und aufgerichtet,, dem hat sich der König an Stelle des römischen Kaisers gefangen ge geben und hat den rechten Harnischhandschuh zum Zeichen der Gefangennahme gegeben. Daraus hat das kaiserliche Kriegsheer nach des König Gefangen nahme im ganzen Lager geschrieen: Victoria, der Sieg ist erlangt. Da ist den übrigen Franzosen die Kraft entgangen sie flohen allen Seiten. Der gefangene König von Frankreich ist danach in das Schloß Picigetan (Pizzighettone) in Verwahrung geführt gehalten worden. . So denn der König von Frankreich sich mit seinem Königreich nicht ’) Herzog Karl v. Bourbon war zu dem Kaiser übcrge- gangeu. Daher die Wut des Fräuzosenkönigs.Marine Freund 4!r. S Seite 8 hat wollen begnügen und andere Reich mit soviel Blutvergießen, mit Verderbung von Land und Leut begehrt, so hat Gott diese Straf, andern zum Exempel über seinen Hals geschickt." Das Kriegsvolk aber, das nachher bei Parma und Piaeenzn lagerte, hätte ani liebsten ganz Frankreich erobert, damit," wie es in der alten Chronik heißt, der Kaiser alles alleine hätte, ein beständiger Fried erhalten und aller Krieg abgestellt werden könnt." Also war nian damals der Meinung, daß von einem, mächtigen Frankreich Friede für Kaiser und Reich nimmer zu erwarten sei. Uns aber will es Vor kommen, als vb es auch heute nicht anders ge- wvrden sei. Von öer Zukunft öes österreichi schen Kaisertums. Auch das Kaisertum an der Donau war unfern Feinden ein Dorn im Auge. Das Kaiser- und Königreich Österreich - Ungarn sollte zerschlagen werden. Als sie glaubten, dessen sicher zu sein, gesellten sich Italien und Rumänien wie gierige Hyänen hinzu, um ihren Anteil am Beutemahl zu heischen. Es ist ihnen übel bekommen. Der Doppeladler weht wieder über Gefilden, über denen er früher schon manchmal siegreich sich entfaltet hatte. Fest und neu gekräftigt steht Österreich- Ungarn da, und wir hoffen, daß das starke Kaisertum des alten Reiches vereint mit dem unseres neuen Deutschen Reiches der Welt den Frieden wieder geben wird, den die fälschlich sich Demokratieen, d. h. Volksherrschaften, nennenden Tyranneien in den Ländern unserer Gegner so frevelhaft gebrochen haben. In solchen Tagen, da diese Hoffnung wächst, wird mau sich gerne eines Gedichts erinnern, das, vor dem Kriege in Österreich aufgekommen, während des Krieges wiederholt genannt worden ist. Es ist, wie neuerdings erklärt wird mit Un recht, dem Dichter Hamerliug zugeschrieben worden, aber von wem es auch nun herrührt, für manches und wie wir hoffen gerade auch für die Zukunft des Kaisertums in Österreich scheint dem Dichter ein Seherauge verliehen gewesen zu sein. Das Gedicht lautet wie folgt: Meine Hellen Seherangen tauch ich ein in ewigem Lichte, Und uur meine Seele treten zukunststrunkene Gesichte: Durch das tnchverhnllte Dunkel tatenschwangerer, ferner Zeiten Seh ich eine hohe Göttin nah und immer näher schreiten. Du, o zwanzigstes nach Christi, waffenklirrcnd und bewundert, Wird die Nachwelt dich einst nennen das germanische Jahr hundert. Deutsches Volk, die weite Erde wird vor dir im Staub er zittern, Tenn Gericht wirst du bald halten mit den Feinden in Ge wittern! Englands unberührten Boden wird dein starker Fuß zer stampfen, Überall wird hoch zum Himmel, hoch das Blut der Feinde dampfen. Und den tönernen Giganten Rußland stürzest du zerborsten; In der Ostsee reichem Lande wird der deutsche Adler horsten. Österreich, du totgeglaubtes, eh die zwanzig Jahr vergehen, Wirst du stolz und jugendkräftig vor den vielen Völkern stehen. Und sie werden, vor dir zitternd, beugen sich vor deinem Ruhm, zweites deutsches Kaisertum, wird sich stolz ein Habsbnrg Ukraine^ glänzen, die Zimbeln, Geigen deni großen Sieges reigen. Freue dich der Heldenzeisen, das Geschick ist dir verbündet. Fürchte nichts von deinen Feinde ; Wahrheit Hab ich dir verkündet. So das Dichterwort. Uns aber soll es ein Wort sein: Fürchte nichts von deinen Feinden! Wir wollen weiter, treu vereint mit den Bundes genossen unter Österreich-Ungarns Fahnen, fest- steheu unter unserer Kaiserflagge, unsere Pflicht und Schuldigkeit tun und die Zukunft getrost in die Hände des Gottes legen, der die Herzen der Völker lenkt wie Wasserbäche. Denkt an euren Kaiser. £ Kaisers an die Marinerekruten in Kiel 1894. Der Eid ist heilig, und heilig ist die Stätte, da ihr ihn schwört. Das zeigt der Altar und das Kruzifix; es bedeutet, daß wir deutsche Christen sind, daß wir allezeit erst Gott die Ehre geben bei jedem Geschäft, das wir treiben, zumal bei dem höchsten, bei der Ausbildung zum Schutz des Vaterlandes. . . . Worin liegt das Geheinmis, daß wir oft in geringerer Anzahl dem Gegner überlegen sind? In der Disziplin. Was ist Disziplin? Das einheitliche Zusammenwirken, der einheitliche Ge horsam. Daß unsere alten Vorfahren schon darauf hielten, beweist das eine Beispiel: Wie sie einst gegen die Römer in den Krieg zogen, stiegen sie über die Berge und sahen sich plötzlich den ge waltigen Heeresmassen gegenüber. Da wußten sie, was für ein schwerer Augenblick ihnen bevorstand. Sie gaben Gott die Ehre, indem sie zuerst beteten und dann, nnt Ketten znsamniengeschlossen, Mann au Mann sich auf den Feind warfen und ihn be siegten. Nun, die wirklichen Ketten brauchen wir nicht mehr, wir haben eine kräftige Religion und den Eid. Bleibt dem treu und denkt daran, mögt ihr im Julande oder im Auslande sein! Haltet eure Fahne hoch, die hier schwarz-weiß-rot vor euch steht, und denkt an euren Eid, denkt au euren Kaiser! *) Der südwestliche Teil Rußlands, der sich letzthin wieder selbständig erklärt hat. Tägliches Dibellefen. Sonntage Psalm 45. 1 8. ! Psalm 128. Montag: Joh. 5, 17-29. I 1. Mos. 49, 1-18. Dienstag: Joh. 5, 30 47. 1. Mos. 49, 33 50, 26. Mittwoch: Joh. 6, 1-15. 2. Mos. 1. Donnerstag: Joh. 6, 16 23. 2. Mos. 2. Freitag: Joh 6, 24 40. j 2. Mos. 3. Sonnabend: Joh. 6, 41 50. ! 2. Mos. 4. Herrscherin des Ostens nennen, Mit des neuen Polens Krone kränzen; Unter ihm, in junger Freiheit, wird die O geliebtes Volk, ich höre stimnien schon Und die Pauken und Drommeten zu In, SBotfienblt. 3a a rinc-Jrtttnb“ tonn man jederzeit bestellen. BIS zu 7 Sllck bestellt man am besten bei der Post; von 700 Stück an kostet daS Blatt 1 Ps . .nd ^rt ; w nio r S Psa. da, Stück. B.kt-llnnaen an die -sck ö,t stell- Nordd. Männer, und VlllnqlwaSbunde,. ambura b, Brennerstr. 17, erbeten. Bestellungen die -------- .. Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckerci, Schönbcrg . Mecklb.Ar. 3. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer ft. F. Müller. Sexagesinm. 3. Februar 1918. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17 4. Zshrg. Inhalt: Gebetslied auf See. Der Blick auf die Beter. Alles durch das Gebet. Ein Gespräch über die Gebetserhörungen. Vom Beten. Erziehung zum Beten Übung des Gebetes. Gebet. Rückkehr zu einer alten Erkenntnis. Ein Blick der Mutter. Die Briefe aus der Heimat. Im Marineheim. Tägliches Bibellesen. Schämt euch nicht des Gebetes, das euch einst eure Mutter gelehrt hat. Kaiser Wilhelm II. bei einer Rekrutenvereidigung. November 1902. Hebetslieö auf See. Dein ist das Meer, allmiicht ger Herr, Das Meer, auf dem wir sind; Du stillst sein Brausen, Ewiger, Gebietest Sturm und Wind, Neckst aus die Hand im Wogenschwall, Führst oder brichst die Schiffe all. Den Toten, der im Grund versinkt. Dein Ruf zu neuem Leben bringt: Von Meer zu Meer Thront deine Macht und Ehr ! von Konraö Müller ). O Jesu, lichter Leuchtturm du. Du weist uns Bahn und Lauf, Zu dir, in deiner Heilgen Ruh Schaun wir voll Glauben auf; Du wandelst über Wirbel fort. Wie Himmelsbrunnen rauscht dein Wort Wo du zum Steuermann erkürt. Wo deiner Liebe Stern uns fiihrt. Da ist nicht Not, Auch nicht in Kampf und Tod. O heil ger Geist, kristallnes Meer Fließt einst um Gottes Thron, Die Sieger singen froh umher Vom Lamm und Menschensohn, Des Zornes Engel tun Gericht: Hell wird es dann im ew gen Licht! Halt unsre Seelen stark und rein, Wie jenes Meeres Spiegelschein, Sei Deutschlands Hort, Leit uns zum Siegesport! ) Aus Deutscher Seeheldensang im Weltensturm," gesammelt von vr. Konr. Müller. Stistungsverl. Potsdam. Der Dlick auf öie beter. Apostelgesch. 9, 11: . . . denn siehe, er betet. ur mit Angst und Bangen konnte Ananias, der Jünger Jesu zu Damaskus, den Namen Saul von Tarsus nennen hören. Aber wie der Herr ihm den gefürchteten Träger dieses Namens zeigt als einsamen Beter, der in stiller Kammer ringt um Licht und Klarheit, wie er hört: siehe, er betet, da kann sein Herz zuversichtlich werden und getrost. Mit Angst und Bangen nur konnte man vor dieser gegenwärtigen Kriegszeit in unserem Volke an die Massen derer denken, die ohne Gott und ohne Gebet ihren Weg dahingingen. Aber im Kriege hat es sich gezeigt, daß auch für große Massen Volks der Weg ohne Gebet nicht zum Ziele führt, und in der Menge haben viele den Weg zu Gott und zum Gebet zurückgefunden. Von manchem, der schon lange nicht mehr daran gedacht hatte, hieß es wieder: Siehe, er betet. Und der Blick auf so manchen Beter gab uns neuen Mut. Und erst recht gab es uns Mut, wenn wir den BlickSeite 10 Marine-Freund Nr. 3 lenkten auf die ob allem Volk hervorragenden Führer, auf unseren Kaiser, auf Hindenburg und manch andern, wenn wir uns fragten: Wie können sie . die schwere ihnen auferlegte Last so unverzagt und siegesgewiß ertragen? und die Antwort erhielten: Siehe, sie beten! Doch ein anderes noch bewegt uns tief, wenn wir einen Blick werfen auf die Beter, auf die Beter unmittelbar in unseren Reihen, auf die, von denen es heißt, obwohl sie mitten im Kriegsgetöse und Kriegsbetriebe stehen: Siehe, sie beten! Unser Heiland hat wohl gesagt: Wenn du betest, so gehe in dein Kämmerlein, aber da draußen im Schützen graben und im Unterstand wie hier auf dem Schiff, da muß sich der Beter dieses Kämmerlein schon suchen und bauen mitten unter den andern, an der Back, bei Hängematten, auf Kriegswache am Geschütz, vor den Feuern oder wo es auch sei, und da sieht nicht nur der Herr, sondern auch die Menschen neben ihm, was er tut. Und wenn es da nun heißt: siehe, er betet! liebe Kameraden, was tun da die andern, was tut ihr? Ich will hier nicht dem nachgehen, was hier und da geschieht; ich will von dem reden, was geschehen, was überall erwartet werden muß. Viele von den Kameraden sind auch jetzt wieder im Krieg im Morgenland gewesen und haben dort gesehen, wie der Anhänger des Islam zur Stunde des Gebets seinen Teppich ausbreitet und betet, wo er auch sei. Er läßt sich durch nichts abhalten. Und wer wird ihn auch stören oder ihm Hindernisse bereiten? Mit hoher Achtung und Anerkennung hört man die Unfern davon erzählen. Nun, liebe Kameraden, was bei uns dem Manne eines andern Glaubens zur Ehre gereicht und zur Anerkennung, müssen wir das nicht viel mehr zur Ehre anrechnen dem eigenen Glaubensgenossen? Müssen wir uns nicht freuen, wenn einer vor dem Essen, vor dem Schlafengehen, wenn er morgens und abends und wann ihn sein Herz, treibt, betet, wo und in welcher Umgebung er auch sei? Müssen wir nicht bloß alles unterlassen, was ihn irgendwie stören und hindern könnte? Aber das wäre noch das Geringste. Müssen wir nicht auch alles tun, ihm zu helfen, ihn zu fördern? In dem jüngst erschienenen, sehr lesenswerten Buche eines Amerika fahrers wird erzählt, wie ein junger deutscherBauern- knecht, als er einen im Schiff knieend betend findet, auf den Fußspitzen um ihn herumgeht und sorgfältig? darauf achtet, daß der Beter nicht gestört werde. Aber das ist nicht genug, daß einer um den andern, der betet, aus den Fußspitzen herumgehe, daß sein Gebet nicht verhindert werde"; besser noch ist es und mehr wert, sich ihm zu nähern, sich ihm zuzu gesellen zu einer Gemeinschaft des Gebets, daß sein Gebet verstärkt werde, daß es eine Gebetsmacht werde und als eine Gebetskraft ausgehe, daß es nicht nur von eineni so heiße: er betet, sondern von vielen: Siehe, sie beten! Daheim im Binuenlande begegnet man gelegent lich der Frage: Was tun unsere Streiter an der Küste, auf dem Meere, auf den Schiffen, wenn sie nicht dein Feinde im Gefecht gegenüberstehen? Wenn es dann heißt: sie vervollkommnen ihre Kampf fähigkeit, sie verstärken ihre Kriegstüchtigkeit, sie arbeiten an der Vollendung ihrer Rüstung, so sind sie daheim beruhigt und ermutigt. Aber noch viel mehr würde es Mut und Zuversicht und Ausdauer stärken, wenn es dazu auch hieße: siehe, sie beten. Amen. K. F. Müller. ömch öas Hebet Ein Lutherwort. Es geschehe, was da wolle, so richten wir alles durch das Gebet aus, welches allein die allmächtige Kaiserin ist; durchs Gebet leiten wir, was geordnet ist, bringen zurecht, ivas ge- irret ist, tragen, was nicht gebessert werden kann, überwinden A. Ich begreife nun einmal nicht, wie Gebetser hörungen möglich sind. B. Ich auch nicht; aber wollen Sie denn nur glauben, was Sie begreifen können? A. Dann würde ich schlecht wegkommen, denn es gibt gar vieles in der Natur, das ich nicht be greifen kann, und das dennoch wirklich da ist. Es kommt hier nur darauf an, ob das, was man für Gebetserhörung hält, wirklich Folge des Gebets oder ein bloßer Zufall ist. B. Dies läßt sich am besten aus Beispielen er läutern : letzthin erzählte mir ein sehr frommer Jüngling, er habe einmal an einer langwierigen Krankheit darniedergelegen, nun sei auch sein Vater tödlich krank geworden, so daß die Ärzte erklärt hätten, es sei keine Rettung mehr für ihn. Dies habe ihn so erschüttert, daß er aus seinem Bette gekrochen und zu seinem Vater ge schlichen sei; mit trauriger Miene habe er seinen Vater angesehen und ihn gefragt, wie er sich be fände; ohne die Augen zu öffnen, habe der kranke Vater nur das Wort schlecht! heraus gehaucht. Nun sei er auf die Hausflur gegangen, sei auf die Knie gefallen und habe brünstig um des Vaters Leben gebeten; hierauf habe er sich wieder zum Vater verfügt und ihn merklich besser gefunden, auch sei er von dem an schnell gesund geworden. A. Das nennen Sie eine Gebetserhörung? B. Allerdings! Der Sohn betete, und der Vater wurde gesund. A. Gut! aber es kommt hier darauf an, ob das Gesundwerden Folge des Gebets war? ich erkläre mir die Sache so: der Vater lag in der Krise, in dem entscheidenden Zeitpunkte, als der Sohn zu ihm kam, und als der Knabe gebetet hatte, war die Krankheit gebrochen, der Kranke befand sich besser; folglich war Zu fall, daß das Gebet just mit der Genesung zu sammentraf. B. Was nennen Sie Zufall? A. Ein zweckloses Zusammentreffen zweier Wirkun gen, die keine Beziehung zueinander haben. B. Ich werde Ihnen ein andermal beweisen, daß es durchaus kein zweckloses Zusammentreffen verschiedener Wirkungen, die keine Beziehung aufeinander haben, also keinen Zufall geben kann. Doch das würde uns jetzt zu weit führen. ’) Sämtl. Werke. Stuttq. 1842. Bd. 12.Nr. 3 Marine-Freund Seite 11 Ich will mit obigem Beispiel noch ein anderes verbinden, das in der Gegend, wo es sich zu getragen hat, allgemein bekannt ist: Eine Frau war viele Jahre bettlägerig und schwer krank. Einstmals fand ihr Mann einen Trieb in sich, in die Wochenpredigt zu gehen; er ging und hörte eine Predigt über den Glauben des kana- näischen Weibes; er wurde dadurch so gerührt, daß er mit völliger Zuversicht in seinem Gemüt zum Erlöser flehte und ihn dringend bat, seine Frau gesund zu machen, und als er aus der Kirche nach Haus kam, fand er sie gesund und in der Küche. A. Ist die Geschichte wahr? B. Ganz wahr mit allen Umständen; der ganze Ort, wo sie geschehen ist, kann sie bezeugen, sie ist dort allgemein bekannt. A. Bei dem allem kann sie doch Zufall sein; es traf sich just so, daß der Mann gerade in dem Zeitpunkt in die Kirche ging und betete, als die Krankheit au ihrem Ziel war, die Frau wäre auch ohne das Gebet gesund geworden. 8. Ja! Das kann man immer sagen, der Fall ist möglich, aber damit Sie doch hell und klar sehen, wie unendlich schwer diese Möglichkeit wirklich werden kann, so will ich Ihnen diesen sogenannten Zufall durch einen empirischen Versuch ganz deutlich vor Augen stellen. Wir wollen zuerst die Gebetserhörung des frommen Jünglings zu erläutern suchen: gesetzt, es hätte ihm einer 500 Kugeln von gleicher Größe, gleicher Schwere und gleich im Anfühlen in einem Sack an sein Bett gebracht und ihm gesagt: unter diesen 500 Kugeln ist eine weiße, 499 sind schwarz. Nun ist es der Wille Gottes, daß dein Vater gesund werden soll, wenn du auf den ersten Griff in den Sack die weiße Kugel triffst. Der Knabe betet, greift in den Sack und langt die weiße Kugel hervor. Wenn der Vater drei Wochen krank war, so betrug das 504 Stunden, in diesen Stunden war nur eine, in welcher der Sohn beten mußte, wenn das Gebet mit dem Zeitpunkte der plötzlichen Besserung zu- sammentreffen sollte. Nun bedenken Sie selbst, wie höchst selten ein solcher Fall ist. Aber noch seltener und in Jahrtausenden kaum einmal denkbar ist dieser Fall im zweiten Beispiel, die Frau war wenigstens zehn Jahr krank ge wesen, diese machen 3650 Tage aus: nun tue man wieder so viel Kugeln in einen Sack, unter denen nur eine weiße ist; wenn nun wieder der Mann betet, und er, bekommt im ersten Griff die weiße Kugel, halten Sie dann diese beiden Griffe, jenes Jünglings und dieses Mannes, noch immer für Zufall, oder sind es nicht vielmehr Gebetserhörungen? A. Ich muß gestehen, daß ich die Sache noch nicht aus diesem Gesichtspunkt betrachtet habe. B. Wenn nun eine solche Gebetserhörung in vielen Jahren nur einmal geschähe, so würde sie sich dem Zufall nähern, aber jeder wahre Christ hat überzeugende Erfahrungen davon. A. Ich denke über Ihre vorhin angegebenen Gleich nisse mit den Kugeln nach, und je mehr ich nach- ...denke, desto überzeugender kommen sie mir vor. $0tlt ernenntet Geibel. Du sagst, du magst nicht beten, denn es sei Doch alles vorbestiimnt. Wie? Ist dein Gott Denn schon gestorben, seine heil ge Vorsicht Ein bloßes Uhrwerk, das an Fäden schnurrt, Der tote Nachlaß eines großen Künstlers? Ist er nicht heut noch da und webt und schafft Am nimmer fert gen Werk? Gibt dieser Duft Von jungen Rosen, der durchs Fenster quillt, Nicht holde Bürgschaft seiner Gegenwart, Und daß er lebt und liebt? Und wenn er lebt, Wie hält er Macht nicht, auch dein Herzensflehn In seines Rates Schluß mit aufzunehmen, So wie der Dunstkreis deinen Hauch empfängt, Und dann Erhörung über dich zu regnen? Erziehung zum Setrn Übung es Gebetes. Das Gebet ist eine Kraft und Fähigkeit in uns; aber unausgebildet, unentwickelt versagt sie sich. Und so kann es allerdings der Fall sein, daß es uns an der Unterweisung, an der christlichen Er ziehung zum Beten von frühe her gefehlt hat, oder wir sind mit ihm aus der Übung gekommen, sind frühe in Umgebungen eingetreten, wo weder das gemeinsame, noch die Spur des einsamen Gebetes war. Es läßt sich wohl nicht leugnen, daß es in früher Zeit viel geistloses Lippenwerk gab, das man Beten nannte. Als man nun den Fortschritt machte, das zu mißbilligen, machte man den andern nicht, der dazu gehört hätte man bestrebte sich nicht, das geistvolle Beten recht in Übung zu setzen, man vernachlässigte die Übung des Gebetes. Morgengebet, Tischgebet und Abendsegen kamen ab. Und so sind viele dem Gebet entfremdet worden; sie sind mehr in Erkenntnis, wie man nicht beten sollte, als im Beten ausgewachsen. Ohnehin dehnt der Mensch sich lieber in die Weite und Breite aus, als daß er in den Tiefen und Höhen verharrte. Kommt dann der Augenblick, wo ihn die Außenwelt zurück- und in sich herein- stößt, so ist er da nicht heimisch. Wer des Um gangs mit dem Herrn sich entwöhnte, entwöhnte sich des innerlichen Lebens überhaupt. Der Gott des Gebetes, die Sprache des Gebetes, die Stufen der Annäherung zum Herrn sind nicht bereit. Wir dürfen allerdings diesen Mißstand des Christen lebens auf eine Gemeinschuld zurückführen. Eine Vorzeit hat dies ihren Kindern zugerichtet. Die Erzieher beteten nicht mit den Kindern, nicht für sie, ja sie zeigten auch reine Spur ihres heimlichen Gebetes, und so blieben sie eine heilige Mitgabe, eine unentbehrliche Waffe für den Lebenskampf ihren Zöglingen schuldig. Dennoch muß sich dabei auch der einzelne, dem sie fehlt, mit anklagen. Muß es nicht am Glaubensleben überhaupt, muß es nicht an Geduld und Treue in Erfüllung der Gebote Gottes vorher gefehlt haben, wo es an Macht und Trieb zum Gebet fehlt? Und ist der geringste Funke des betenden Glaubens noch da, lasset ihn nicht auslöschen. Folget den Regungen des Geistes, der den Funken wieder zum Feuer auf dem Altäre unseres Heiligtums anzu fachen vermag. Anfangs schwach, wächst uns das Gebet wieder. Nur diesen Raum freier Ausatmung der Seele versperret euch nicht selbst; nur dieseSeite 12 Marine-Freund Rr. 3 Waffe entwinde euch die Welt nicht; und wir hoffen wieder, vertrauen von einer Erfahrung zur andern durch die Mühen und Versuchungen dieses Lebens, die noch vor uns sind, betend hindurchzudringen bis zu den letzten, dann schon beseligenden Ge beten, da wir rufen werden: in deine Hände befehl ich meinen Geist; komm, Herr, und nimm uns zu dir! Von Max von Schenkendorf. 1815. f 11. Dezember 1817. O Herr, wir sinken nieder Vor deiner Herrlichkeit, Noch einmal sende wieder Die letzte Gnadenzeit; O, hör auf unser Flehen,  Und übe du Geduld, Wenn wir dir eingestehen Die Armut und die Schuld. Wir haben all verschwendet Dein Erbteil und dein Gut, Zum Eiteln uns gewendet Vom ehrbar frommen Mut. Was du so schön bereitet, Was du so wohl bedacht, Hat alles uns verleitet Zum Trotz auf eigne Macht. Herr Gott, nun gnädig wieder! Hier ist all unser Blut! Wir sind nun wieder Brüder, Uns eins in Licbesmut! O du, der Deutschlands Schaden Im rechten Grunde kennt, Herr Gott, Herr Gott in Gnaden, Den alles Helfer nennt! Herr Gott, der allen Sündern In Gnaden gern vergibt Und an gefallnen Kindern Im Strafen Wohltat übt Wir alle sinken nieder Und beten dankend an, Sind eines Reiches Glieder Und kämpfen Mann für Mann! Rückkehr zu einer alten Erkenntnis. Der deutsche Dichter Friedrich Lienhard schrieb im Kriegsjahre 1915 in der Weser-Zeitung, als vielfach eine dem Generalfeldmarschall von Hindenbnrg zugeschriebene Äußerung besprochen wurde, daß die Gebetskraft des deutschen Volkes nachgelassen habe, folgendes: Ist es denn im Zeitalter Marconis schwer an Fern- wirkuug zu glauben? Sollte nicht mich das geheimnisvolle Strahlcnwcrt der Gedanken den Erdball umfliegen und empfängliche Herzen und Hirne beeinflussen in guter oder ungünstiger Art. . . Es ist gar keine so fernlicgende, gar keine so unmoderne Vorstellung, daß guten Gedanken Scgens- krast innewohnen könnte. Wir erfüllen den Äther mit einer weithin schwingenden Macht. Man sollte daher auch seine Gedanken, diese Marcoui-Fcrufunken, in Zucht nehmen. Ein mütiger Wille zum Guten in einem wahrhaftigen, tapferen und treuen Volke ist ein paar Armeekorps wert und etliche Kruppsche Riesenkanonen dazu. Ja, das ist erst der Unterbau für alle äußeren Machtmittel. Was wissen wir denn von der geistigen Struktur des Weltalls und dieses Planeten? Nichts als was wir erahnen und erleben können. In die Reihe dieser realen Mächte der Seele gehört auch die Strahlenkraft des Gebets. Wir haben diese Schleudcrmaschine zu handhaben verlernt, wir ungesanlmclten Modernen. Aber es müßte doch wieder etwas wie eine unsichtbare Gemeinde der Stillen und Ernsten, etwas wie ein ungcsormtcr Geheimbund, eine Brüderschaft, eine seine Lebensbeziehung derer erwachsen, die selbstlos und parteilos an das Wohl des Ganzen denken, die sich in all abendlichem Überblick wie etwa ein Hausvater förmlich ü b e n , der ganzen deutschen Familie gute Gedanken hinaus- zuseuden. Das wäre wohl ein Quell geheimer Äräsle. Und zugleich wäre es für die edlen Naturen, die sich in solcher Hingebung üben, eine wundervolle Selbsterzichuug: über das kleine Ich hiuauszuwachsen in das Allgemeine. " Ich messe deinen Gebeten einen großen Anteil an den Erfolgen, die sich an meinen Namen knüpfen, bei." Generalfeldmarschall v. Mackensen an seine Mutter. 27. 6. 1915. Ein Slick -er Mutter. Aus dem Feldbrief eines Kriegsfreiwilligen. Man hat zu nichts Lust, man tut seinen Dienst und schläft. Wie sollte man auch zu anderem Lust haben? Diese Zeiten sind sehr gefährlich. Man zieht sich ganz auf sich selbst zurück, meidet voll Ingrimm die Kameraden, man verschmäht sogar den geistigen Verkehr mit den Freunden, ja mau meidet den Verkehr mit Gott im Gebet. In diesen verzweifelten Stunden meines Lebens im Felde kommt mir ein Brieflein, ein Paketchcu von Muttern in die Hand, ein kleiner Zettel drin, auf deni stets die Worte stehen: Wiedersehen! Vergiß das Beten nicht!" Dieser eine Blick der Mutter wie tausend Dank schulde ich ihm." Die Sriefe aus -er Heimat. Aus dem Feldbrief eines Westfalen. Ich hatte auch eine Zeitlang gedacht, es wäre gegangen ohne unfern Heiland. Aber wie ich die Briefe aus der Heimat erhielt von allen meinen Lieben, welche mir stetü mitteilteu, daß sie zu Gott uuserm Herrn beteten, daß er mich beschützen möge, kann da einer verstockt bleiben? Auch ich habe das Beten wieder gelernt, nicht nur für mich, sondern auch für meine Angehörigen. Wie oft habe ich es schon gespürt, wie gnädig Gottes schützende Hand über incinem Haupte geschwebt hat." Im Marineheim. Die christlichen Marineheime sind Stätten der Erholung und Erquickung für jeden Kameraden in der Kaiserlichen Marine. Jeder kann sich im Marineheim nach seiner Neigung und seinem Willen beschäftigen: kann Briefe schreiben, kann lesen, kann sich mit Freunden und Kameraden unterhalten, kann sich in der Stille ausruhen. Aber wie jedes christliche Haus bieten die Marineheime ihren Besuchern auch Gelegenheit zum Gebet, zu gemeinsamen Gebetsstunden, zu Gebetsvereiuigungen. Jeder Besucher er kundige sich deshalb danach, wann Andachten, Gebetsstunden, Bibelstunden und ähnliche Besprechungen stattfinden. So seid nun wacker allezeit und betet." Luk. 21, 36. Marineheime in der Heimat befinden sich in: Cuxhaven: Villa Seedeich Nr. 10. Emsen: Seemaunsheim, vor der Schleuse am Außenhafen. Bremerhaven: Bürgermeister Smidstraße 66. Flensburg. Große Straße 67. Kiel-Wik: Adalbertstraße (gegenüber den Kasernen). Kiel: Gartenstraße 12. Sonderbnrg: Brückenstraße 1 ( Alsenheim"). Warnemünde: Am Strom 58. Wilhelmshaven: Wallstraße 33. Helgoland: Bei der Kirche. Deutsche Marineheime in besetzten Gebieten sind: Liba , Große Straße, gegenüber der lutherischen Kirche. In Belgien befinden sich deutsche Marineheime in: Brügge, Vlamingstraat - Brccdenc Blankenberghe Den Haan Heyst Knocke Ostende, Kapellenstraße 40 Wcnduyne Westcapclle und Zccbrügge. Tägliches Sibellefen. Sonntag: Psalm 14. l Psalm 93. Diontag: Joh. 8, 1 11. Dienstag: Joh. 8, 12 27. Mittwoch: Joh. 8, 28-43. Donnerstag: Joh. 8, 44 59. Freitag: Joh 9, 1 12. Sonnabend: Joh 9, 13 23. 2. Mos. 12, 1 14. 2. Mos. 12, 28-41. 2. Mos. 13, 17-14, 4. 2. Mos. 14, 5-29. 2. Mos. 15, 1 2i. Psalm 146. Xnl Wochenblatt SBnrlnt-^ccunO“ kann man lederzett bestellen. Bl zu 7 Slick bestell! man am denen bet der Post; von Stuck an lostet da Blatt I Pfg. nd Vorto: weniger 3 lg. bei Stück. Bestellungen an die Seschälttüelle de Nordd. Männer, und tzlüngllnabbundei, Hamburg 6, Brennerftr. 17, erbet . Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckcrei, Schönberg i. Mecklb.Nr. 4. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer ft. F. Müller. Znuokavil. 17. Februar 1918. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Zahrg. Inhalt : Gelobt sei Jesus Christus. Christi Herrlichkeit und der Weltkrieg. Gibt es Bildnisse Jesu Christi? Die Meerfahrt des Andreas. Hier ist mehr als Faust! Tägliches Bibellesen. Wohlan, -er Here Jesus Christus heißt -er Mann unö -er rechte Mann, -er in uns streitet, in uns siegt, in uns triumphiert. Er soll un- muß -och sein, un- wir mit ihm un- in ihm. Da wir- nichts an-ers aus, laß Zürnen -ie Pforten -er Hölle. Martin Luther 1534. Gelobt fei Jesus Christus. Wacht auf, ihr Christen, nah und fern! Empor das flngestcht! Cs ist die Sonnenwend des Herrn Wacht auf unö werdet licht! Nach banger Nächte Weh und Not, Nach fahlem Sämmerfchcin Wie leuchtest öu mir, Morgenrot, Tief in das Herz hinein. H Im Reichsboten. Iluterhnltuugsblatt Nr. 5. 1918. von Mb. RenhH. O Glanz, der aus dem Osten lacht, G mein Herr sefus Christ, Nun flieht dahin der Schatten Macht, Weil du mir nahe bist! . . . Nun wifch ich ab der Tränen Spur Und schweig und wünsche nichts Und fast mit beiden Händen nur die Strahlen deines Lichts. . . Christiherrlichksit unö öerweltkrieg. Iah. 2 , 11: . . . und [3c iiä] offenbarte feine Herr lichkeit. lsv davon sollte heute nichts mehr zu merken sein, meinten einige Kameraden. Nänilich von Christi Herrlichkeit. Nicht Herrlichkeit Christi habe der Krieg offenbart, sondern eher das Gegenteil: Ohnmacht, Unfähigkeit, Unvermögen zu helfen Merkwürdig, merkwürdig, daß dies jetzt zutage getreten sein sollte. Unsere Angen können da doch etwas weiter zurücksehen als einige vergangene Kriegsjahre. Jahrhunderte hindurch, nach seinem Scheiden von der Erde, jiitb Jesu Jünger verfolgt, gepeinigt, gemartert, durch ein Meer von Blut hin durchgeführt worden. Und sie sahen doch, wir in den Tagen Jesu von Nazareth, Christi Herrlichkeit. Ja, nach allem strahlte diese Herrlichkeit wie nie zuvor. Und weiter merkwürdig: in den Jahrhunderten, die folgten, brach das ganze stolze Kulturgebäude der alten Welt in einem Grans furchtbarer Kriege innerlich wie äußerlich zusammen. Nur Trümmer blieben der alten Herrlichkeit. Christi Herrlichkeit aber ward nicht zerbrochen, sondern erstrahlte, wie das Bild in Justinians Prachtkirche zu Konstanti nopel, in goldenem Glanz. Die Kriege hörten auch dann nicht ans. Ganze Böller und neue Reiche gingen mit ihrer Herrlichkeit in diesen Kriegen unter. Christi Reich aber blieb be- ! stehen, und er ging seinen Weg und offenbarte seine Herrlichkeit. So kam er auch zu unserem Volk, und unser Volk zu ihm. lind es sah seine Herrlichkeit. Gewaltsame Welt- und Zeitbewegnngen verhinderten das nicht. Das Schwerste hat unser Volk erduldet in 30 jährigen Kriegesgreueln im eigenen Land. Und dennoch war in ihm Freud und Singen. Es sah die Sonne. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ." Und dieser Herr Jesus Christ offen barte aufs neue seine Herrlichkeit, hörte niemals auf, sie zu offenbaren. Und hat auch heute nicht ausgehört. Und wenn - du etwa, lieber Kamerad, anderer Meinung bist, soSeite 14 Marine Freund Nr. 4 laß dir etwas sagen. Gewiß eine Herrlichkeit hört auf in solchen Tagen und Zeiten. Das ist d e n e Herrlichkeit, die du dir etwa gebildet hast o h n e Christus, zu der du diesen Herrn nicht brauchst, noch jemals gebraucht hast. Das ist deine eigene herrliche Meinung, Weltanschauung, oder wie du es sonst nennst, in die du dir von niemand, auch von Christus nicht, hast dreinreden lassen, die du dir selbst ausge baut hast im Vertrauen aus deine eigene Gerechtig keit. Das ist deine Herrlichkeit, die Herrlichkeit des Menschen, von der die Schrift sagt, daß sie ist wie des Grases Blume. Und die allerdings, die geht da hin, die sieht man in solchen Tagen in Schutt und Trümmer sinken. Man tranre nicht darum. Es ist gut so. Man bekommt dann Blick für s e n e Herr lichkeit, für Christi Herrlichkeit. Denn sein e Herrlichkeit ist da und bleibt da. Triumphierend schreitet sie hinweg über wüste Strecken, durch schlimme Zeiten. Das aber ist seine Herrlichkeit, daß er sich mir als den Heiland und Retter offenbart, den ich brauche; daß er mich mitten in allem Erden elend, in Zeit- und Weltgrans zu einem seligen Menschen- und Gotteskind macht, das in seiner Liebe ruht, in seinem Geiste tätig ist, in seinem Frieden Glück und Seligkeit findet. Das ist Christi Herrlich keit, die auch heute, die auch auf den Schlachtfeldern ihre herrlichen Strahlen aussendet, mit der er zu uns kommt in die äußersten Kampflinien. Nein, auch uis fehlt nicht die Sonne, die mir lachet." Nach Meeresbransen und Windessausen leuchtet der Sonnen erwünschtes Gesicht." Ihre Strahlen gilt es zu fassen und wirken zu lassen. Wieder und immer wieder beten wir: Herr Christ, komm zu uns die See! Amen. K. F. Müller. Gibt es SiLömsse ^ esu Christi? Wie kann man nur so fragen, wird mancher denken. Natürlich haben wir Bilder von Jesus Christus. In ungezählten Mengen sind sie ver breitet; man braucht nur in die Kirchen hineinzu sehen, in die Häuser. Wer kennt sie nicht? Sind sie nicht überall irr den Bilderläden zu kaufen? Bringt nicht jeder Tag neue? Aber die Frage ist nicht so gemeint. Es handelt sich darum: Gibt es wirkliche Bilder Jesu Christi, von denen man sagen kann: so hat Christus während seines Erdenlebens ausgesehen, das ist ein getreues Abbild seiner irdischen Erscheinung? Da können wir nur antworten: Nein, ein solches Bild gibt es nicht. Es gibt nicht einmal Beschreibungen aus der Zeit Christi oder seiner Apostel urrd ersten Zeugen, nach denen man ein solches Bild gestalten könnte. Bleiben wir zunächst bei diesem letzteren. Die Schrift Neuen Testamentes gibt uns keine Be schreibung der äußeren Erscheinung Jesu Christi. Kein Evangelist, kein Apostel, kein Apostelschüler weiß davon zu sagen. Sie haben offenbar gar nicht daran gedacht, eine solche Beschreibung zu geben. Sie hatten ja ihn selbst, sie brachten ihn selbst was sollte da ein Bild, wozu brauchten sie ein Bild? Und auch die damaligen aus dem Heidentum kom menden Christen, soweit sie etwa geschichtliche Bildung hatten, werden von daher kein Ver langen nach einem Bilde der äußeren Erscheinung Christi mitgebracht haben. Fingen doch auch die römischen Geschichtsschreiber erst seit Sueton (120 n. Chr.) an, die äußere Erscheinung hervorragender Personen zu überliefern. Aber nun hat man doch heute solche Beschreibungen. Vor einiger Zeit hat der Marine-Freund eine Erzählung des alten Joh. Heinr. Jung-Stilling gebracht), darin waren zwei solcher Beschreibungen enthalten. Freilich, wie die Leser sich vielleicht entsinnen werden, sagte Jung- Stilling selbst darüber, daß es zweifelhafte Zeugnisse seien. Und in der Tat ist ihnen gegenüber der Zweifel berechtigt. Alsbald nach der Veröffentlichung Jung- Stillings wies der gelehrte Joh. Benedikt Carpzov in Helnistedt nach, daß der sogenannte Brief des Lentnlns über die äußere Gestalt Christi eine erdich tete Schöpfung aus einer viel späteren Zeit als der Christi sei. Schon der erste, der ihn überhaupt be kannt gemacht hattet hatte gleich dabei bemerkt, daß es sich um eine erdichtete Beschreibung handele. Und aller Wahrscheinlichkeit nach ist diese Beschreibung in Konstantinopel hergestellt worden Grund jener anderen, die Jung-Stilling auch erwähnt, und die der Kirchengeschichtsschreiber Nikephorns, Kallistus Sohn, zuerst mitgeteilt hat. Dieser aber geht wiederum auf die Mitteilung eines Mönches Epiphanius, der um 800 in Konstantinopel lebte, zurück. Und so gibt es noch einige Beschreibungen, die in kürzerer Fassung sogar noch 100 und 200 Jahre weiter zurückgehen. Aber sie sind alle offenbar nicht Beschreibungen Christi, sondern Beschreibungen der Bilder, wie man sie damals und später von Christus herzustellen pflegte.  Dann muß es also damals doch schon Bildnisse Christi gegeben haben, die für treue Abbilder seiner äußeren Erscheinung galten. Wie stimmt das nun mit unserer Aussage vorher, daß es solche Bilder nicht gibt? Die Christenheit der ältesten Zeit kannte in der Tat fein getreues Bildnis Christi. Wohl be gegnen uns an zwei Stellen Erwähnungen von Bil dern Jesu, aber nicht innerhalb der christlichen Ge meinde. Das eine Mal bei der nach ihrem Gründer Karpokrates sogenannten Sekte der Karpokratianer. Diese wollten Bilder Christi besitzen teils aus Metall, teils gemalt, und erwiesen ihnen Verehrung wie den Bildern berühmter heidnischer Philosophen nach Art der griechischen Philosophenschulen. Sie behaupteten auch, offenbar um die geschichtliche Treue zu gewähr leisten, Pilatus habe das Bild Herstellen lassen. Das andere Mal begegnet uns ein Bild bei dem heid nischen Kaiser Alexander Severus (222 235). Die ser soll in seinen, Hausheiligtum neben anderen auch ein Bild Christi ausgenommen haben. Die christliche Gemeinde hatte weder mit dem einen noch mit dem andern dieser Bilder twas zu tun. Ihr war diese Bildnerei zuerst anstößig. Auch jenes Bild, von dem Eusebius im 7. Buch seiner Kirchengeschichte eine merkwürdige Geschichte erzählt, steht damit nicht im Widerspruch. Er sah selbst, berichtet er, in Cäsaren Philippi das eherne Standbild eines Weibes, das auf die Knie gesunken die Hände flehend ausstreckte. Ge genüber stand das Standbild eines Mannes, der auf recht stehend ihr die Hand entgegenstreckte. Dieses 0 3. Jahrg. Nr. 44. 1917.Marine-Freund Seite 15 Nr. 4 Standbild stellte, sagte man in der Stadt, Jesum dar, und es gab eine Überlieferung, das von Jesus geheilte blutflüssige Weib habe dieses Bild aus Dankbarkeit gestiftet. Kaiser Julian ließ später das angebliche Christusstandbild entfernen, und der.heidnische Pöbel ließ bei dieser Gelegenheit seinen Haß au dem Bilde aus. Gleichwohl scheint dieses Bild ursprünglich ein heidnisches Standbild gewesen und erst später in ein Christusbild umgedeutet worden zu sein. Jedenfalls hat keiner der Alten, wie der beste Kenner und Er forscher dieser Bilder, E. o. Döbschützch, bemerkt, dar an gedacht, in diesem Standbild ein getreues Porträt Christi zu sehen. Eusebius sieht auch in der Sache selbst etwas Anstößiges. Er bemerkt gerade diesem Anlaß, die Verehrung von Bildern beruhe auf unbedachter Übernahme heidnischer Sitte. Wie man sich überhaupt gegen das Eindringen von Christusbildern damals noch wehrte, dafür sind zwei Vorgänge kennzeichnend. Die Kaiserin Konstantia, Witwe des Licinius und Schwester Konstantins, hatte sich von Bischof Eusebius von Cäsarea ein getreues Bildnis Christi ausgebeten. Er verwies ihr dies Verlangen mit dem Hinweis auf die Gefahr, daß ein Schein von Götzendienst damit hervorgerufen werde. Der Bischof von Salamis auf Cypern, Epiphanios, kam in Palästina in die Kirche des Dorfes Anabliatha, und als er dort einen Vorhang mit dem Bilde Christi oder eines Heiligen erblickte, zerriß er ihn. Trotz solcher Vorkommnisse indessen gewann die Herstellung von Bildern Christi immer größeren Raum. Das Verlangen darnach ließ sich nicht mehr zurückdrängen. Und auch in Anschauungen und Lehren trat diesen Bildern gegenüber eine Änderung ein. Wie kam es aber nun, daß diese Bilder, nach dem noch Augustin von unzähligen verschiede- n e n Darstellungen des Menschenbildes Christi ge redet hat, schließlich in ihren Grundzügen immer mehr übereinstimmten, daß sich im Laufe der Zeit e n bestimmtes Bild mit gewissen gleichbleibenden Zügen herausbildete? Ganz klar ist der Weg nicht, den die Entwicklung geführt hat. Auch die Wissen schaft tvird wohl das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen haben. Ein kurzer Bericht wird zum Schluß vielleicht willkommen sein. Als nach den Tagen der ältesten Christenheit man sich der Frage zuwandte: wie soll man sich die äußere Erscheinung Christi vorstellen? und als man weder in der Schrift noch in sonstigen Zeugnissen eine Be schreibung fand und man weiter nach einem Anhalt dafür suchte, fand man einen solchen in den Weis sagungen des Jesaias vom leidenden Messias, Kap. 52 und 53. Er hatte keine Gestalt und Schöne heißt es dort. Und so haben die ältesten der Väter, ein Justin, Clemens, Tertulliau Christus der Gestalt nach als häßlich geschildert. Die Kunst, als sie an die Darstellung Christi ging, machte von solcher Anschau ung keinen Gebrauch. Bald fing auch eine andere Anschauung an, sich in Wort und Bild Bahn zu brechen. Schon Origenes verlieh der Meinung Aus druck, Christus sei jedem so erschienen, wie es dessen Fassungskraft entsprach, und so sei er auch manchmal in besonderer Schönheit erschienen. Etwas anderes kam hinzu. Schon lange, ehe man an eine bildnis- *) Lhrtstusbilder. Untersuchungen zur chr. Legende. Leipzig 1899. ^ ähnliche Darstellung Christi dachte, stellte man ihn sinnbildlich dar. So unter dem Bilde des Fisches, des Lammes, des guten Hirten. Dieses letztere zeigte Christus als jugendliche, kräftige, bartlose Er scheinung, schön, wie man sich in den Formen der alten überlieferten Kunst den Jüngling und jungen Mann als schön vorstellt. Und so wird nun auch Christus weiterhin dargestellt, als seit der Zeit Kon stantins die Kunst die äußere Erscheinung Christi wiederzugeben versuchte: eine ideale Menschheits- erscheinnng" in jugendlicher Schöne mit rundem, bart losem Gesicht und natürlichem, frischem Ausdruck. Ein sehr gutes derartiges Bild kann man im Berliner Museum christlicher Altertümer sehen, eine Elfen beinschnitzerei auf der Außenseite einer Kapsel. Diese Art der Darstellung Christi behauptet sich durch das 3. und 4. Jahrhundert hindurch. Dann aber tritt mit dem 5. wieder eine Änderung ein, so zwar, daß anfangs die alte Art noch nebenhergeht. Doch die neue gewinnt immermehr Raum und behauptet schließlich allein das Feld. Kennzeichnend für diese neue Art der Darstellung ist Bart und lang herab wallendes Haupthaar, schmale hohe Stirn, große Augen, tiefer Ernst über die ganze Erscheinung ge breitet, ein Ernst, der sich in den ersten Zeiten steigert zum Ausdruck des Zornes, in späteren Jahrhunderten aber mildert durch das Gepräge huldreicher Freund lichkeit. Was hat nun zu dieser Änderung veranlaßt? Wer kann es sagen? Mit Aufwand vieler Gelehr samkeit ist man der Frage nachgegangen. Daß man nicht etwa weder bei der älteren noch bei der neueren Art die Darstellung von heidnischen Göttern Roms und Griechenlands nachgeahmt hat, soviel ist sicher, ünd das wird wohl auch so sein, daß man auf diese jüngere Art der Darstellung Christi im Bilde des halb gekommen ist, weil sie besser der Vorstellung von der Schönheit und Macht des zum Himmel erhobenen Christus entsprach, wie auch der Schönheit und Herr lichkeit des Jesus, der auf Erden im Gewände der Niedrigkeit seine Herrlichkeit offenbarte. Und so ist dieses letztere Bild das herrschende geblieben. So sind nach seiner Ähnlichkeit die gestaltet, die man in alter Zeit als nicht von Händen gemacht" bezeichnet und ihrem Ursprung nach in das hohe christliche Altertum versetzt hat. Es sei erinnert an das Bild des ?lbgar von Edessa, an das Schweißtuch der heiligen Vero nika. Nach diesem Bilde sind in den folgenden Jahr hunderten bis auf unsere Tage die Bilder des Ge kreuzigten gestaltet. Die Gruudzüge sind geblieben, und es würde kauni bei uns ein Christusbild als solches anerkannt werden, auf dem sie sich uicht fänden. Nach diesem Bilde sind auch die Beschrei bungen gemacht worden, die wir von der Gestalt Christi haben. Gehört auch manches daran dem Gebiete der christlichen Sage an, so haben sie doch ihren Wert, sie stellen uns ein Bild vor die Seele, das seit mehr als einem Jahrtausend Christen lieb und teuer ist. Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden!" Doch eins sollen wir dabei nie vergessen. Wir haben Bilder Christi, aber ein getreues Bildnis von ihm haben wir nicht und sollen es nicht haben. Sollen es uns auch nicht machen wollen. Sollen uns nicht begnügen ettva mit einem Charakterbild Jesu und was dergleichen niehr ist. Denn nicht darauf kommtSeite 16 Marine-Freund Nr. 4 es m , ein Bild von ihm zu haben, sondern h n selb st. Er selbst soll in uns wohnen und Gestalt gewinnen und wirken und wir durch ihn. Das ist dir Hauptsache, und daran wollen vir uns halten. M. Die LNeerfahrt öes Mörsas. Aus einem alten angelsächsischen, vielleicht von Khnewuls (8. Jahrhundert) stammenden Gedicht?) Matthäus, der Apostel, war einem Riescnvvlke in die Hände gefallen, Mordwölfen", den Mermedoniern, zu den Menschenfressern gehörig. Da gebot der Herr seinem kampf mutigen Helden" Andreas und dessen Siegesbrüdern", jenem zur Hilfe zu eilen. Und sie schickten sich hurtig au und eilten zum Strande. Dort wurden sie eines Mecrbootes gewahr mit drei Fischerleutcn: es waren der Herr und seine zwei Engel, vns jene aber nicht wussten. Der Herr tvird auch hier, ivie in andern alten Gesängen, in der Gestalt, tvie sie die alten christlichen Germanen besonders liebten, vor Augen gestellt, nämlich als der machtvolle Sieges- und Meerkönig. Andreas richtet sofort Anrede und Bitte an den uner kannten Heiland im Boote. Wir sind des Herrn Degen und Kämpen, und sollen hin zu den Mermedoniern. Nur wenig Goldringe und Kleinodien freilich habe ich zu bieten. Darum bitte ich demütig in Gottes Namen: führe uns dorthin deinem Schiffe über die Erbheimat des Walfisches". Nach einigem Hin- und Herreden wird der Wunsch gewährt, und sie gehen unter Segel. Da erhob sich ein Sturm. Hornfische spielten rings umher in der brausenden See; die Möwen schrieen, der Himmel verfinsterte sich, die Woge schwollen, die Taue prasselten." Die andern stolzen Kämpen" entsetzten sich alle. Andreas aber tröstete sie mit männlichen Worten, und der ani Steuer saß, der Siegesherr, der Schöpfer aller Helden, der Wächter der Wogen", tröstete sie ebenfalls und hielt den Auf ruhr der Dinge in seiner mächtigen Hand. Da brach Andreas im Hinblick auf ihn in die Worte aus, die in einer für alle Zeiten ganz herrlichen Weise uns den Herren Christ am Ruder" schildern: Ans dem Ozean fuhr ich so einst wie heute, Im Sceboot segelnd wohl sechzehnmal, Wo die Finger mir vom Flntwasser starrten. Ans Agirs Strom; doch mehr ist eines: Kein einzig Mal einen Mann sah ich, Einen Degen so stark, stattlich wie dich Am Steuer walten. Die Stromflnt toset, Die Wogen branden: das tvindschnelle Boot Fliegt schaumbedeckt, dem Vogel gleich, Sanft gleitet s hin. Ja sicher weiß ich: Auf Wasserwege gewahrt ich nie Solch seltsame Kraft eines Segelbootes. Nicht anders sährt s, als ob am Lande Es stille stünde, wo der Sturm nicht kann, Nicht der Wind es regen, noch die Wasserfluten Sein Steuer brechen. Die Brandung durcheiltes Mit vollen Segeln! Nach allerlei gottseligen Gesprächen versinken Andreas und seine Kämpen in Schlaf und werden durch die Lüste nach dem Lande der Mermedonier hingctragen. Hier entsteht durch ihre Ankunft große Bewegung. Die Pforten des Gefängnisses springen ans, Matthäus und mit ihm viele Männer und Frauen werden vom Tode errettet. Die Mermedonier halten ein Volksthing. Andreas wird wiederum gefangen, ge martert, verhöhnt, tut aber ein Wunder, indem er durch eine große Wasserflut alle in Schrecken versetzt. Nun predigt er Christum mit dem Erfolg, daß die Mermedonier die heilige Taufe begehren und enipsnngen. ) Nach Hammerich, Die älteste Epik der Angelsachsen. Gütersloh 1874. Hier ist mehr als Jaust! Zwei Bücher im Feld. Ein Gedicht dem Meldereiter", der Kriegszeitnng der 8. Landw.-Div. Das eine: Seit zu denken reifend ich begann llitb der Knabe wuchs heran zum Mann, Hat mich immer Goethes Faust" begleitet, Hat den Blick geschärft, geklärt, geweitet Welt, Natur, Kunst, Leben mir gedeutet. Himmelsseligkeit und Erdennot, Liebe, Arbeit, Kampf, Sieg, Ruhm und Tod, Weltglück, Frauenleid und Manncsschuld, Teufelstrug, Naturkraft, Gotteshnld, Menschengeistäs Forschen, Zweifeln, Bangen lind der Seele ganzen Widerspruch Wie.in einem Zanberspiegel aufgefangen Fand ich s in dem wunderbaren Buch, Das ein Mikrokosmus ist fürwahr. Jetzt beim Haß der große Feindesschar Wird ns unser Wesen selbst erst klar, Wir erkennen, wie der Faust so ganz Deutsch ist: schwer und tief und doch voll Glanz! Drum ins Feld ging dieses Büchlein mit, . In der Satteltasche, wenn ich ritt; Rastend Hab ich da und dort geblättert, Während es Vv drüben hat gewettert. Machtvoll dem zweiten Teil des Faust Jener Schlußchor durch die Seele braust: Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis " Das andere: Doch nun zu dir, zerlesenes altes Büchlein. Unweise wähnen von der Schulbank her. Du seist ein Sammelsurium süßer Sprüchlein Ein Heldenbuch bist du wie keines mehr! Kein Wiegenliedchen für ein Kirchenschläfchen, Kein Weideplätzchen für die frommen Schäfchen Herrgott, wie hat man dich verkannt, mißbraucht! Feuernmloht, kraftsprühcnd, geistdnrchhancht Bist du und nur heroisch zu verstehen; Durch dich, o Bibel, Gottes Wetter gehen, Vom Werde" bis Johannis Offenbarung Drommetcnstöße, Schwerthieb, Kampferfahrung. In Psalm, Prophetenwort, Apostelrede Mannhaft du kündest: Allem Faulen Fehde!" Du schneidest messerscharf durch Bein und Mark: Entscheide, ob dir Gott, ob Mammon lieb!" Ja, jetzt versteh ich, was einst Ibsen schrieb: Ich lese nur die Bibel die ist stark." Und dann auf einmal ist mir beim Lesen, Als werde doch die kranke Welt genesen. Ich sehe über düstrer Wolkenwand Den fiebensarbigen Bogen weitgespannt, Fernab vcrgrollen Haß, Neid, Trug und Wahn, Das Gottesreich bricht endlich dennoch an. Ich seh, tvie des alten Buches Mitten Kommt jener eine, sonnengleich geschritten, Den, während er zum Kreuze ging die Bahn, Der Menschheit ganzer Jammer fasste an; Ein blntger Kranz die Heldenstirn umflicht, Die königliche Stimme aber spricht: Ich gebe euch,den Frieden!" O hier ist mehr als Faust und Wcltgednht! Was immer schwatzte seichter Menschen Spott, Hier rauscht der Lebensquell, hier redet Gott. So geh dies Buch denn mit für alle Zeiten, Und nur im Tode soll s der Hand entgleiten. ep. Tägliches Sibellesen. Sonntag: Psalm 9, I. Montag: Joh. 11, 32-45. Dienstag: Joh. 11, 46 57. Mittwoch: Joh. 12, 1 11. Donnerstag: Joh. 12, 12-19. Freitag: Joh. 12, 20 36. Sonnabend: Joh. 12, 37-50. Psalm 1. 2. Mos. 24. 2. Mos. 32, 15 35. 2. Mos. 33. 2. Mos. 34, 1 18. 2. Mos. 40. Psalm 9, 2 15. La Wochenblatt -^larine-Preuied" kann man jederzeit bestellen. Bis zu 7 Stick bestellt man am besten bei der Bost; von 700 istuck an kostet da Blatt 1 Bfg. nd Darm: nuwaer r Bk-, da Ist . Bestellungen an die ekchtittistelle de Nordd. Männer, und k?üngltna bunde , Hamburg d, Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lehmann & Bernhard, Hosbuchdruckerci, Schönberg i. Mecklb.8t. 5. Schriftleitung: Null. Verlag des Nordd. Männer- 4 Geschwaderpfarrer und Jünglingsbundes, E V ft. F. Müllev. 3. März 1818. (Aug. Schröder) Mamburg 5. Brennerstr. 17 3nt)tg. Inhalr: Wer Gott vertraut. Der Weg zum Gottvertrauen. Aus der Geschichte der Ehristusbilder. Was einer aus Flandern mitbrachte. Die deutsche Flotte und ihre Gegner. Die deutsche Wacht am Meeresstrand. Tägliches Bibellesen. Wer Gott mit Ernst vertrauen kann, der bleibt ein unverdorben Mann. Es zürne Teufel oder Welt, den Sieg er doch zuletzt behält. Martin Luther. Wer Gott vertraut. Wer Gott vertraut. Hat wohl gebaut Im Himmel und auf Erden; Wer sich verläßt Auf Iesum Christ, Dem muß der Himmel werden. Darum auf dich All Hoffnung ich Ganz fest und steif tu setzen. Herr Jesu Christ, Mein Trost du bist In Todes Not und Schmerzen. stltcs Und wenn s gleich war Dem Teufel sehr Und aller Welt zuwider. Dennoch so bist Du, Jesu Christ, Der sie all schlägt darnieder. And wenn ich dich Nur Hab um mich Mit deinem Geist und Gnaden, So kann fürwahr Mir ganz und gar Wedr Tod noch Teufel schaden. Lied aus dem 16. Jahrhundert. Dein tröst ich mich Ganz sicherlich; Denn du kannst mir s wohl geben. Was mir ist not. Du getreuer Gott. In diesem und jenem Leben. Gib wahre Neu, Mein Herz erneu, Errette Leib und Seele. Ach. höre, Herr, Dies mein Begehr And laß mein Bitt nicht fehlen. Amen. Der Weg zum Gottvertrauen. 2 . Korinther 3, 1: Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. eichen Weg er geführt worden ist -zum Gvtt- vertranen, das ist dem Apostel Paulus völlig klar. Nicht e r ist diesen Weg gegangen durch tief sinnige Forschungen über Menschen und Bölkerge- schicke, durch Erkenntnis der Lehren der Geschichte, durch eigene Lebenserfahrungen, durch die Teilnahme an wilden Lebenskämpfen, sondern ein a n d e r e r bat ihn geführt: Christus. Nur die Bekannt schaft und Gemeinschaft mit Christus hat ihm zu seinem Gottvertrauen geholfen. Ein solch Vertrauen haben wir durch Christum zu Gott! Der Apostel sagt es für- uns mit. Cr ist überzeugt, daß das eine Wahrheit ist, die sich an uns allen beweisen wird, eine Erfahrung, die wir alle j werden wachen müssen. Wir alle. Auch wir, ihr Kameraden von der deutschen Marine. Voransge- seht, daß wir auch ein solch" Vertrauen haben ! wollen. Dcw heißt ein Gottvertrauen, das wirklich den Namen verdient. Viel ist bei uns die Rede von Mut und Gottvertranen, mit dem wir in diesem Kampfe stehen müssen. Immer wieder weisen der Kaiser und unsere Führer zu Lande wie zur See darauf hin. Und wer, der den Ernst dieser Zeit und was für unser Volk und Vaterland dem Spiel steht, begriffen hätte, müßte dem. nicht zu stimmen. Aber dabei wird doch zu lvenig bedacht, was solches Gottvertranen bedeutet. Daß es ein un bedingtes Sichverlaffen aus Gottes Gnade und Barm herzigkeit ist, eine felsenfeste Gewißheit, daß seine Hilfe da eintreten wird, wo sie helfen kann und muß und wir sie nicht unmöglich machen. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oderSeite 18 Marine-Freund Nr. 5 Angst oder Hunger oder Fghrlichkeit oder Schwert? ... . Ich bin gewiß, daß iveder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, iveder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, iveder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes." Das ist die Sprache des vollkommenenGottvertrauens. Sie würde bei uns Deutschen in unseren Tagen vielleicht lauten: Ich bin geiviß, daß weder Engländer noch Franzosen, weder Russen noch Welsche noch Amerikaner, weder Untreue noch Verrat noch Torheit noch Verblendung und was sie uns drohen oder antnn können, uns zu trennen vermag von der Giiade, Liebe und Barmherzigkeit unseres Gottes. Wie kommen wir aber zu einer so unerhörten Sprache des Vertrauens? Lassen wir es uns sagen, Kameraden: Krieg und Kriegsersahrungen reichen dazu nicht aus. Ein vorübergehendes Sichhinwendeu zu Gott kommt da wohl öfter vor, aber ebensooft auch Abwenden von ihm, Zweifel an ihm, Mangel au jeglichem Vertrauen. Wer Gott vorher durch Jesum Christum kennengelernt hat, für den muß auch der Krieg dazu dienen, daß sein Gottvertrauen be währt und gestärkt werde, aber der Weg zu diesem Gottvertrauen ist und bleibt der eine: Christus. Gerade das haben wir iiu Kriege unedel erfahren: ei solch Vertrauen, wir es diese furchtbare Kriegs zeit erfordert, haben vir und können wir nur haben durch Christum zu Gott. Es ist dieselbe Erfahrung, die wir auch in un serem Leben zur See, auf der Seefahrt machen müssen. Sie, die Seefahrt, erziehe gottesfürchtigr, starke Männer, diese Ansicht hört man wohl gelegent lich äußern. Aber die Erfahrung und der Augen schein auf allen großen Seefahrtplätzen der Welt zeigen uns, daß doch sehr viele gerade auf diesem Wege von Gott und Gottesfurcht und Gottvertrauen abkommen. Allerdings, wer Gott durch Jesum kennengelerut hat, wer durch Jesum zu ihm gekom men ist, für den wird auch die Fahrt auf Meeres gründen dazu dienen, zu wachsen im Glauben und Gottvertrauen. Aber der Weg zu diesem Vertrauen ist und bleibt Jesus. Nur durch ihn geht der Weg zum rechten vollen Gottvertrauen. Geradeaus, liebe Kameraden, die vir so ganz und gar auf dieses Gott vertrauen angewiesen sind, muß es daher immer wieder gesagt werden: Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht! Amen. K. F. Müller. lus -er Hesthichte -er Christus- bil-er. Auch die Christusbilder haben ihre Geschichte. Manches aus dieser Geschichte ist bei uns zu Lande außer im Kreise der Gelehrten kaum bekannt. Wer hat jemals von jenen Bildern Christi gehört, die durch die christliche Sage als nicht von Menschen händen gemacht" gekennzeichnet wurden und die unter diesem Namen seit der Zeit Kaiser Justinians hoch berühmt, gefeiert und verehrt worden sind? Von ihnen soll im nachfolgenden einiges erzählt werden, das ns auch in unseren Zeiten wieder allerlei An laß zum Nachdenken bietet?) l. Die Belagerung von Edessa und das Christusbild. Im Mai des Jahres 544 n. Chr. begann der Perserkvuig Khosrev I. unter unerhörten Anstren gungen eine Belagerung der Stadt Edessa in Meso potamien, die damals zum oströmischen (byzantini schen) Reiche gehörte. Zwar hatte man 532 erst einen ewigen" Frieden geschlossen, um die Kriege für immer aus der Welt zu schaffen, aber das hinderte nicht, daß die Feindseligkeiten schon 54N wieder an- fingen. Es war nicht die erste und nicht die einzige Belagerung, die die Stadt Edessa in dem mehr hundertjährigen Kampf zwischen Ostrom und dem Perserreich auszustehen hatte, aber es war wohl die grimmigste und furchtbarste, es war eine solche, daß sie in der Tat, wie ein deutscher Gelehrter urteilt, den berühmtesten Belagerungen des Altertums an die Seite gestellt werden kann. Der Schauplatz der damaligen Kämpfe, Mesopotamien, ist ja auch heute wieder Kriegsschauplatz geworden, und mancher von unseren Kameraden in Heer und Flotte wird ihn durch die Teilnahme au den Kämpfen dort aus eigener Anschauung kennen. Um so mehr wird man einem Bericht Aufmerksamkeit schenken, den der Ge schichtsschreiber Prvkopius von Cäsarea über jene Belagerung der Stadt Edessa hiuterlassen hat. Er bemerkt im allgemeinen, daß es den Persern bei die ser Belagerung nicht nur darum zu tun gewesen sei, Menschen zu besiegen, sondern den Schutz zu brechen, unter dem die Stadt durch ein seit alten Zeiten in ihr vorhandenes Christusbild stand. Darum machten sie gewaltige Anstrengungen und wandten alle Mittel an, die sie ersinnen und herbeischaffen konnten. Zwar jenes, von dem Prokopius auch erzählt, daß sie einen Elefanten gegen die. Mauer aureuneu ließen, die Belagerten aber zur Abwehr ein Schwein an der Mauer aufhingen, dessen Grunzen den Dickhäuter erschreckt kehrtmachen und davonlanfeu ließ, mag mit einem herzhaften Lachen der Belagerten geendet haben. Aber bei dem andern, was ins Werk gesetzt wurde, wird ihnen das Lachen vergangen sein. Im Mittelpunkt ihrer Belagernngsarbeiten errichteten die Angreifer einen riesigen Erdaufwurf, der durch Wände von im Viereck aufgestapelten Bäumen ge halten wurde. Gefestigt durch durchgehende Balken lagen und durchsetzt mit Feldsteinen, beherrschte er die Stadt vollständig und sollte nun unter dem Schutz vorgehängter Felle langsam bis an die Mauer vor geschoben werden. Die Belagerten wieder versuchten ihrerseits die Stadtmauer an dieser Stelle gewaltig zu erhöhen. Aber bald war auch diese Erhöhung wieder durch das Werk der rastlos weiterarbeitenden Perser übertroffen. Alle Versuche, durch Ausfälle dcu Bau des riesigen Werkes zu stören, brachten nur geringe vorübergehende Erfolge. Da beschlossen die Römer, es unter der Erde zu versuchen und einen Minengang bis unter jene Schanze zu treiben. Es gelang ihnen auch, den Stollen fast bis mitten unter ) Das Folgende ist im Wesentlichen dem ganz hervor ragenden Werke eines deutschen Gelehrten entnommen: E. v. Dobschüy, Christnsbilder. Untersuchungen zur christl. Legende Leipzig 1899.Nr. 5 Marine-Freund Seite 19 die Schanze vorzutreiben, da bemerkten die Perser durch das unterirdische Geräusch die Absicht der Be lagerten und begannen von ihrer Seite aus eine Gegenmine anzulegen. Die Römer sahen sich des halb genötigt, den Gang zu verlassen. Sie schütteten das Ende wieder zu, aber da, wo der Gang das feindliche Werk erreichte, erweiterten sie ihn zu einer Kammer, häuften dort Klötze leicht brennbaren trockenen Holzes ans, tränkten sie reichlich mit Zedern öl, Pech und Schwefel und zündeten sie an. Ein Teil des Holzbaues des Belagerungswerkes wurde rasch vom Feuer verzehrt. Aber ehe dieses einen größeren Teil des Werkes ergreifen konnte, war der Holzvorrat der Römer zu Ende. In der Nacht in dessen entwickelte sich auf dem Erdaufwurf gewaltiger Ranch. Khosrev, der in aller Frühe auf dem Be- lagernngsdamm erscheint, merkt die Herkunft des Rauches und bietet das ganze Heer auf, um durch Erdaufschüttungen die Rauchgefahr zu ersticken. Aber wenn man an einer Stelle glaubt es erreicht zu haben, bricht der Rauch an einer andern wieder her vor. Man wendet Wasser an, aber dieses steigert nur die Wirkung von Pech und Schwefel. Unaufhalt sam schreitet das Feuer weiter. Am Abend kann man den Ranch bei Karrhä sehen. Nun machen die Belagerten einen Ausfall und werfen die Perser von dem Damm. Endlich bricht auch das Helle Feuer hervor: das Werk der Belagerer war vernichtet. Vergeblich versuchten diese nun noch einige Male die Stadt zu stürmen. Dann gab Khosrev nach. Gegen Zahlung von 500 Pfund gab er das schrift liche Versprechen, die Römer nicht wieder zu be lästigen. Ein alter Kirchengeschichtsschreiber, Enagrios, berichtet nun zu dieser Belagerung von Edessa noch folgendes: Im Augenblick der höchsten Not, als die Belagerten schon fast die Hoffnung aufgaben, das riesige Belagernngswerk zu zerstören, dachte man an das gottgemachte Bild, das Menschenhände nicht ge fertigt hatten, vielmehr Christus dem Abgar, da dieser ihn zu sehen begehrte, gesandt hatte." Man holte es herbei, und durch seine Gegenwart wurden alle Maßnahmen der Verteidiger so gesegnet die Einzelheiten sollen hier nicht weiter erzählt werden , daß das Feuer unter dem Belagernngswerk sich un aufhaltsam ausbreitete und schließlich dieses zum Einsturz brachte. Ruhmlos zogen die Perser ab. Und wieder einmal hatte man Anlaß, die schützen de Macht des Christusbildes 511 preisen. Wir sind als Christen heutzutage überzeugt, daß es nicht ein Bild von Christus ist, das sich als schützen de Macht zwischen uns und anstürmende Feinde stellt. Aber das erleben wir auch noch heute: Wo Christus in uns und bei uns ist, wo er selbst in Men schen wirkt durch seinen Geist und seine Kraft und sie zum Streite rüstet, da werden auch die wütendsten Angriffe der stärksten Feinde zuschanden und auch ihre größte Machtanhäufnng bricht schließlich in sich zusammen. 2. Christusbilder bei Kriegsheeren und auf Knmpfschiffem Weithin berühmt war ums Jahr 550 n. Chr. ein Christnsbild zu Kamnlia oder Kamnliana, einem Flecken in Kappadozien. Es galt als nicht von Menschenhänden gemacht." Unter Kaiser Justin II. wurde dieses Bild 574 nach Konstantinopel gebracht und erlebte weiterhin hochgefeiert eine wechselvolle Geschichte. Offenbar sah man in ihm eine sichere Gewähr für Christi hilfreiche Gegenwart. Und so mag es denn wohl auch gekommen sein, wie man ver mutet, daß dieses Bild in den Kämpfen an der Ost grenze des Reiches, in den zahlreichen Perserkriegen, von denen vorher schon die Rede gewesen ist, eine be deutsame Rolle gespielt hat. In ihm, in seiner Ge genwart, sah man die Gewähr des Sieges über die Feinde, es gehörte zur ständigen Ausrüstung des Hauptquartiers und wanderte mehr als einmal mit hinaus in das Feld. Es war ein in der Geschichte des oströmischen Reiches unvergessen gebliebener Tag, als der Feldherr Philippikos vor der Schlacht am Arzamonflusse durch öffentliches Vorzeigen dieses Bildes den Mut des ganzen Heeres zu entflammen und seine Kraft aufs höchste zu steigern wußte. Aber glänzendere Tage waren es, als Kaiser Heraklios 622 gegen die Perser.ins Feld rückte. Begeistert singt der gleichzeitige Dichter Georgios Pisides davon: Er nahm dir göttliche, verehrung-würdige Gestalt. Das Abbild dort der ungeschriebenen Schrift, Das Hände nicht geschrieben, . . . Auf solch von Gott geschriebenes Urbild trauend, Begannest göttlich du der Kämpfe Werk. Es niußte traun der Logos ), unser Freund, Uns beistehn alle Zeit im Kampf ums Recht. Wir sehen, welches Vertrauen man auf das Bild setzte, lind das Vertrauen erschien schließlich durch den Erfolg gerechtfertigt. Im Jahre 628 brach Heraklios die Macht der Perser, nachdem er ihnen eine gänzliche Niederlage beigebracht hatte. Von diesem Gegner hatte das Reich hinfort nichts mehr zu be fürchten. Als Held und Befreier kehrte Heraklios aus dem Kriege zurück. Wie ihn und seine Herrscher zeit hinfort ein eigentümlicher Glanz umgab, so legte sich der Schimmer der Verklärung auch auf das wun derbare Christusbild. . . . Wohin es gekommen, weiß man nicht. Es wird niemals wieder erwähnt. Wie Heraklios als Kaiser das Christusbild mit in den Feldzug nahm, so hatte er ähnliches früher auch schon oströmischen Kriegsschiffen eingeführt. Er war, bevor er Kaiser wurde, ein junger Truppen führer in Afrika gewesen und hatte von da durch eine Flottenunternehmung den Phokas, der sich, ohne Anrecht darauf zu haben, in Konstantinopel des Thrones bemächtigt hatte, gestürzt und selber nun als Kaiser den Thron bestiegen. Bei dieser Flottenunter- nehmnng bereits führte nach einigen Verachten Heraklios ein nicht von Menschenhänden gemachtes Christnsbild mit sich; nach andern hat er die Schiffe mit kleinen Kapellen und Bildern ausgerüstet. So haben also in damaliger Zeit Christnsbilder Kriegs fahrten mitgemacht zu Lande wie zu Wasser, und ihre Gegenwart bei allen Kriegshandlnngen wurde hoch- geschätzt. Durch sie glaubte man des göttlichen Schutzes und Beistandes sicher zu sein. Aber alle Christusbilder und ihre Gegenwart helfen nichts, wenn der fehlt, den diese Bilder dar- ) Christus, nach Joh. k, I: im Anfang war der Logos (Luther: das Wor6.Teile 20 Marine-Freund Jlt. 5 stellen Wen, wenn Christus selbst nicht bn ist mit seinem Leben, seiner Wahrheit, seiner Kraft, Das hat Ostrom Byzanz in vergangenen Zeiten er fahren, das hat auch das Reich erfahren, das bis in unsere Tage hinein sich für den Erben Ostroms aus- gegeben hat, Rußland. In Rußland war es Sitte bis zu diesem Kriege, daß die Truppen Heiligenbilder Mitnahmen als Schutz bis in die vordersten Linien. In Rußland segnete der Kaiser mit Christusbildern die in den Kampf ziehenden Truppen. Auf russischen Schiffen fehlte nie. die Kapelle mit Christus- und an deren Bildern. Aber was haben die Bilder geholfen? Wie schon im alten Byzanz der Feldherr Phokas, als er 587 eine Meuterei durch ein emporgehobenes Christüsbild beschwichtigen wollte, mit Steinwürfen verjagt wurde, so haben den russischen Kaiser dieselben Soldaten, denen er so oft das Christusbild gezeigt hat, vom Thron gestoßen, verjagt. Daß wir Deutschen es doch lernen möchten in diesen Tagen und Zeiten: Wir brauchen Christus selbst. Er in uns selbst wirk sam, lebendig durch seinen Geist und seines Geistes Kraft, das ist die Schutzmacht, auf die man sich un bedingt verlassen kann in Kriegs- ’ und Friedens zeiten, zu Lande und zu Wasser. In unseren Tageszeitungen, so den Kieler N. Nü), wird aus folgendes hingewiesen. Aus den genannten Zahlen ergibt sich, daß die deutsche Flotte alles in allem wenigstens 8mal so viel Menschen auf seiten unserer Feinde in Schach hält als sie selbst zählt. Bestünde die deutsche Flotte nicht, so würden weit über eine Million Menschen mehr gegen uns zur Ver fügung im Felde stehen. Der größte Teil dieses Aufgebots ist wohl durch die deutschen Unterseeboote bedingt, aber es muß doch auch berücksichtigt werden, daß die Unterseeboote ihre Tätigkeit nur unter dem Schutz der Hochseeflotte entwickeln können und ihre Tätigkeit daher durch die Hochseeflotte bedingt ist. So wirken beide zusammen, um das Achtfache an Menschen- zahl bei unseren Feinden zu binden und in Schach zu halten. Daß unsere Flotte vor dem Skagerrak sich gegenüber einer dreifach so starken Flottenmacht siegreich behauptet und den Feind nach dreifach schwererem Verlust, als sie selbst erlitten hatte, sich kampfesmüdc in seine Häfen zurückzuziehen gezwungen hat, dürfte doch auch noch nicht vergessen sein. Wir sehen: es kommt auch noch auf etwas anderes an als Überzahl und Übermacht an Menschen. Wir vertrauen auf Gott. Wir denken als Christen an jenes Schriftwort: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt (Jerem. 17, 5), und: Es ist gut. den Herrn vertrauen und sich nicht verlassen aus Menschen (Ps. 118, 8). Wohlan, so heiße es denn bei uns: Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch not." (Ebr. 10, 35 und 36.) ü Nr. 27 vom 1. Febr. 1918. Was einer aus Flandern mitbrachte. So schrieb ein Kriegsfreiwilliger aus Cheinnitz in die Heimat: Sie haben sich über mein fröhliches Gottvertrauen gefreut. Da will ich Ihnen offen und ehrlich schreiben: Dieses Gott vertrauen ist auch alles, was ich aus Flanderns Kampfgefilden mitgebrachl habe, mitgebracht, obwohl ich gar keins mit yinaus- genommen habe. Ja, ich war vordem auch einer von denen, die am Sonntagmorgen lieber spazieren gingen oder lange schliefen, aber nicht in die Kirche gingen. Und war es einmal, dann war es nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil es die Mutter wollte. Doch draußen im Schützengraben, nahe ani Feinde, da falteten sich in einer schwere Juninacht die rauhen Hände von allein, ein Wiederfinden. eine Abbitte fürs ganze Leben, ein Stoßgebet zum Herrn! Und herrlich hat die eine Nacht geholfen. Ich sah mein Leben, meine Vergangen heit und gelobte, ein anderer zu werden Mein in dieser Nacht gewonnenes Gottvertrauen habe ich mir erhalten, und es hat mir schon über manches Hindernis hinweggeholfen I Und so soll es bleiben!" Die deutsche Flotte und ihre Gegner. Einer gegen acht oder Gottvertrauen gegen Vertrauen auf Menschenkräfte. Ein englisches Blatt Daily Mail hat kürzlich folgende Auf stellung gemacht. Die gesamte Kopfstärke der Flotteu der Mittelmächte übersteigt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht 150000 eingeschiffte Mannschaften Von diesen sind etliche 2000 Monn auf 40 oder 50 Unterseebooten beständig in See. Gegen diese 150000 Seeleute sind aufgeboten: 450000 Mann in der eng lischen Marine, 313000 Mann in der anierikanischen Marine und mindestens 150000 Mann in der französischen und italie nischen Flotte. Zu diesen 863 000 Mann muß man noch mehrere 100 000 rechnen, welche in England und den Vereinigten Staaten damit beschäftigt sind, die versenkten Schiffe durch Neubau zu ersetzen. Das ist, so bemerkt der englische Verfasser dazu, der Stand der Dinge zu dem Zeitpunkt, wo das Geheim nis des Sieges in der richtigen Verwendung der Menschenkräfte zu liegen scheint." Also immer wieder die Auffassung: Die Überzahl an Menschen und Menschcnkräften muß es machen, muß gewinnen. Was sagen wir dazu? Die deutsche Wacht am Nleeresstrand. Kennt ihr die Jungen froh und stolz Im blauen Tuch am Meeresstrand? Stark wie der Eichen hartes Holz In ihrer Schiffe Plankenwand? Die blauen Jungen sind bekannt Als deutsche Wacht am Meeresstrand I Kennt ihr die Männer ivetterhart Auf wilder See in schwankem Boot! Von echter deutscher Sinnesart, Gefahr nicht achtend und den Tod? Die wacker Männer sind bekannt Als deutsche Wacht am Meersstrand! Kennt ihr die Männer fromm und scplicht, Die gläubig sind voll Gotlvertraun? Die treu dem Spruch: durch Nacht zum Licht! Aus des Allmächtigen Hilfe bann? Die schlichten Männer sind bekannt Als deutsche Wacht am Meeresstrand I Heil dir, Marine, jung und stark, All Deutschlands Hoffen liegt dir, Des deutschen Volkes bestes Mark, Du. Deutschlands größter Stolz und Zier! Auf dich ist unser Blick geivandt, Du deutsche Wacht am Meeresstrand! Aus Heroldsruse in eiserner Zeit." Kriegsflugblatt Nr. 9. Berl. Ev. Bd. Tägliches Sibellefen. Sonntag: Psalm 25, 12 22. Montag: Joh. 17. l 8. Dienstag: Joh. 17, 9 19. Mittwoch: Joh. 17, 20 26. Donnerstag: Joh. 8, 2 11. Freitag: Joh. 18, 12 23. Sonnabend: Matth. 26, 59 68. Psalm 28, Hebr. 5, 11 6, 8. Hebr. 6. 9 20. Hebr. 7, 1 14. Hebr. 7, 15 28. Hebr. 8. Hebr. 9, 1 15. Inl Wolhenblatt .Marine-Dreuu - tj.-n man iebcraett d -stellen. 816 7 Slick bestellt man am belle-, bei der Post; von ?00 Stück an kostet dar Blatt 1 Pfg. and Porto - weniger 2 Pf,, d-r Stück. -e -ftellnngen an die elSaste,belle - Porfifv Männe- nd 0lü"alInarb nde , Hamburg d, Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lehmann & Bernhard, Hosbuchdruckerel, Schonbcrg 1. Mecklb.Ar. 6. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer K. F. Müller. Mika. 17. Mrz 1818. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Jahrs- Inhalt : Ein Kriegsgeber aus dem Jahre 1830. Kreuz und Gottvertrauen. Ein Lied aus Alt-Kiel, der Christusbilder. Vor dem Tor der Zukunft. Tägliches Bibellesen. Aus der Geschichte Up ö!ne macht gar nichtes wage ln öiner Swachheit nicht verzage Gott is alleine öe averwmöt vor em bestell keen menfchenkint. puf einer alten Kanone in Bremen. 1548. Ein KriebZgLbet aus öem Jahre Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden Die, so in ihren Nöten und Beschwerden Bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen Und z dir rufen! Zuschanden mache alle, die dich Haffen, Die sich allein ihre Macht verlassen! Ach, kehre dich in Gnaden zu uns Armen! Laß dich s erbarmen! von Johann Heermann (1585 1647). O, schaff uns Beistand wider unsre Feinde! Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde. Sie müssen Wehr und Waffen niederlegen. Kein Glied mehr regen. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen! Vergeblich ist s, auf Menschenhilse bauen. Mit dir wir wollen Taten tun und kämpfen, Die Feinde dämpfen. Du bist der Held, der sie kann untertreten And das bedrängte kleine Häuflein retten. Wir trau n auf dich. Wir schrei n in Jesu Namen: Hilf, Helfer! Amen. Kreuz imö Gottveetrauen. Ebräer 12, 3: Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, datz ihr nicht in eurem Mut matt werdet und ablasiet. ss ist leider so, daß viele bei uns in ihrem Mut matt werden und ablassen von dem festen Ver trauen auf den gewissen Sieg unserer guten Sache; weniger solche, die in erster Linie vor dem Feinde stehen und durch das Feuer der Schlachten hindurch gehen, als solche, die daheim wie im Frieden leben und, wenn auch unter mancherlei Not und Kreuz, doch gesichert vor der Wut der Feiilde ihrer Arbeit liachgehen können. Und leider ist auch das so, daß sie sich zu solcher Verzagtheit bringen lassen durch das Widersprechen unserer Feinde, durch das Heer von Lügen, das diese, die wahrhaftig an ihren Sün den genug zu tragen hätten, wider uns los lassen. W Ach, Kameraden, wir Deutschen sind doch, auch als Christen, so oft unverbesserliche Träumer, die der Wirklichkeit aus dem Wege gehen und die des halb immer wieder zur Wirklichkeit hingeführt werden müssen. Wir tun ja wahrhaftig auch als Christen, als ob man in dieser Zeit mannigfachen Kreuzes und vielfältiger Not müßte wankend werden im Gott vertrauen, Nachlassen im Mut. Wie steht es aber in Wirklichkeit? Woran müssen wir denken, wohin müssen wir sehen, um Mut zu gewinnen, um im Gottvertrauen gestärkt zu werden und zu wachsen? Auf das Kreuz, auf den Kreuzträger! Wir hatten Zeiten vor dem Kriege in den langen Friedensjahren, da ging es unserem Volke so gut wie nie. Da war nichts zu spüren von Kreuz noch Not. Wir saßen alle an reichbesetzten Tischen und hatten manchmal mehr zu verzehren, als uns gut war. Stammt nun von daher unser Gottvertrauen,Marine-F nd Nr. 6 Seite 22 ist damals unserem Volke das Gottvertrauen ins Herz gewachsen, zu einem Gemeingut der großen Menge geworden? Davon weiß ich nichts; ich weiß aber, daß gerade in jenen Tagen Massen von Gott und vom Glauben abgefallen sind. Und was uns nachgeht als Mangel an Gottvertrauen, das stammt von daher. Nun halte dagegen das andere: Unser Volk hat früher auch böse Tage gehabt; es war oft ein Kreuzträger. Dreißig Jahre lang hatte es ein mal das Kreuz eines seine herrlichen Gaue ver wüstenden Krieges getragen. Aber in diesen Zeiten unterm Kreuz hat es Gottvertrauen gelernt. In diesen Jahren sang einer, der zeit seines Lebens keine andere als Kriegszeit kennengelernt hatte, das herr lichste Lied vom Gottvertrauen. Da wuchsen die Männer empor, stark an Mut und Gottvertrauen. Kreuzträger sind es gewesen damals und zu andern Zeiten. Nun denn, Kameraden, liegt es in dieser gegenwärtigen Zeit wie ein Kreuz auf uns, dann ist es Zeit zu wachsen an Mut und Gottvertrauen und damit an dem, was uns das Übergewicht gibt gegen Menschenmassen, die auf ihre Kraft trauen. Auf das Kreuz müssen wir sehen, an den Kreuz träger denken. Da ragt aber noch immer bergehoch einer hinaus über alle. Das ist der, der sein Kreuz trug, bis man ihn daran schlug, um ihn sterben zu lassen. Das ist der gekreuzigte Jesus, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß man ihn unter Zustimmung der ganzen Welt als inen Verbrecher gegen Gott und Mensch heit zuni Kreuzestod verdammte. Er hat auf Gott vertraut, der erlöse ihn nun, schrien sie ihm höhnend zu. Aber der blutige Hohn ward heilige köstliche Wahrheit. Das Gottvertrauen ward belohnt. Das Kreuz Christi ward zur Erlösung. Das Kreuz hat gesiegt. Und der Gott und Vater, der seinen Sohn sterben ließ zu unserem Heil, der ihn nach vollendetem Leiden des Todes erhöht hat, dem können wir ver trauen. Und wenn er uns in unseren Tagen ein Kreuz auflegt, können wir ihm vertrauen um des Kreuzes Christi willen. Nehmen wir es nur auf uns im Sinne dessen, der gesagt hat: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folget mir nach, der ist meiner nicht wert. So kommen tvir weiter, so kommen wir voran, auch wenn die Feinde toben, auch wenn sie widersprechen an allen Enden. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat! Voran denn mit Mut und Gott vertrauen unterm Kreuz, unter seinem Kreuz. In diesem Zeichen werden wir siegen. Amen. K. F. Müller. Ein Lieö aus M-Kiel. Georg Neumarks Erzählung 1681. So liegt es nun vor mir, das alte, langgesuchte Büchlein. Vergebens hatte ich auf der Bücherei der hohen Schule zu Kiel, wo ich es am ersten zu finden gehofft, darnach gefragt, vergebens auch auf anderen alten Büchereien. Da kam es dieser Tage von Göttingen her zu mir gewandert. Ich schlage es auf und lese den Titel: Thränendes Hans-Kreutz oder gestallten Sachen nach Klag- Lob- und Dank-Opfer ; ich lese, was der alte Georg Neumark, fiirstl. Sächßi- scher gesamter geheimer Secretarius" in seinem I Dichterorden der Sprossende" genannt, darüber be richtet, wie er vor vielen Jahren dazu gekommen ist, das Lied Wer nur den lieben Gott läßt walten" zu dichten. Und so lasse ich ihn nun selbst erzählen. ) Allhier kan ich zuni Lobe Gottes und allen frommen Christlichen jungen Fürsten und Studenten, welche in die Fremde reisen und etwas rechtschaffenes in der Welt sehen und lernen wollen, aber nicht alle zeit einen vollen Beutel mit Geld in der Hand haben, zu Trost ein sonderliches Exempel zwar harter Heim suchung, doch bald wieder darauf erfolgter Hüls und Gnade GoUes, zu erzählen nicht unterlassen. Wel cher gestalt als ich zu Gotha in dem Fürst!. Sächß. löblichen gymnasio daselbst durch Gottes Segen die fuudamenta meines studirens geleget, daß ich vor tüchtig gehalten wurde, die Universität nützlich zu besuchen, habe ich mich in Gottes Nahmen auf Gut achten meiner Eltern und Verwandten Anno 1640 im Listen Jahre meines Alters in der großen trüb- seeligen Kriegszeit mit etlichen Kaufleuten, so auf die Michaelis-Messe nach Leipzig reiseten, aus mei nem Vaterland erhoben. Da ich nach vollendeter Messen neben viel .anderen Leuten, welche bey und mit der starken Kaufmannsfuhr reiseten, auf der Garleber Heiden, in der welterschollenen grosen Plünderung alle das Meinige an wenigen Reise- Geldern, Kleidern und Büchern, welches in einen Kästlein znsammengepacket war, beraubet worden und nichts mehr als mein Gebet und Stambnch, auch ein weniges an Gelde, so ich zu Leipzig zu mir gestekket, um davon auf dem Wege zu zehren, mit Gott davon gebracht und also in das erste Reise-Unglükk gerahten. Was sollte ich nun thun? Wiedrum zurükk und um kehren war wegen groser Unsicherheit gar nicht raht- sam. Entschlösse mich derohalben unter dem Schirm Gottes mit ein paar guten Freunden sortzuwandern in Hoffnung, der liebe Gott würde mir ja unter- wegens anhelffen. Da ich denn zum ersten nach Magdeburg gelangte, woselbst ich den berühmten Theologtim Hn. Doctor Reinhard Baaken, Pfarr- herrn und zur Zeit Thumpredigern daselbst zusprach, mein Unglükk klagte und um Beförderung- bat. Er groß Mitleiden wegen meines zugestoßenen Unglükks mit mir hatte, mich unterznbringen sich sehr be mühte und emsig Nachfrage hielte und mich in zwischen oft zu Tische fordern ließ, welches in die dritte Woche warte; aber alles angewandten Fleißes ungeacht, wollte sich vor mich nichts finden. Gab mir derotvegen ein ansehnliches Viaticum und Recommendation-Schreiben?) nach Lüneburg. Wo mit ich in Gottes Nahmen mit einem Bohten, welcher eben damals dahin abgefärtigt wurde, fortgereiset; da ich denn alsobald als ich hinkommen, bey Bürge meister Hr v. Wulcovius gutthätig ausgenommen. Weil aber des lieben Gottes Hülf-Stündlein noch nicht kommen, must ich zufrieden seyn und war alle Nachfrage umsonst. Weil aber Herr D. Wulcovius mir gute Hoffnung niachte nach Winsen, so ein Flek- ken an der Elbe unweit Hamburg, war ich wieder ziemlich Muhts; aber als ich daselbst ankommen, war vor 2 Tagen einer an die verhoffte Stelle be fördert worden, worüber ich wieder hertzlich er- ) Die Rechtschreibung ist beibehalteu wie in dem alten Bericht. ?) Reisegeld und Empsehlungsschreibcu.Nr. Aanne-Frrund Seite 23 fchrakk. Setzte mich derowegen, nachdem ich eine Kveorumsudation nach Hamburg an den vornehmen bekandten Illaoldgurn Herrn D. Johann Müllern erhalten, in Jesus Namen auf ein klein Kaufmanns schiff, auf welchem ich einen ehrlichen Bürger von Hamburg antraf und Versprechung bekam, er wollte mich in Hamburg bey einen vornehmen Mann brin gen, da ich gute Sache haben solle, weil ich auf In strumenten spielen könnte. . . . Als aber in dieser so grosen Stadt mir es auch nicht glükken wolte, meines lieben Gottes Hülfe sich noch immer ver borgen hielte und alle Hoffnung zur Beförderung vor meinen Augen erloschen war, nahm ich wehmütig und voll Betrübnis; von Herrn D. Müllern und allen erlangten Bekannten Abschied und machte mich mit etlichen Hamburgischen Bierfuhren nach Kiel in Holstein, welche Landschaft vor alters Cimbria hieß, auf den Weg, und kam glüklich daselbst an, legte mich in eine Herberge voll kindliches Vertrauens mein himmlischer Vater würde sich ja endlich über mich erbarmen, mir unterhelfen und mich väterlich versorgen. Der Oberpfarrer daselbst Äl. bl. Bekker, der ein Thüringer, nahm mich mitleidig und sehr freundlich an, zog auch den Stadt-Physikum des Ohrts Herrn O. Paulum Mothen zu Raht, welche beyde vornehme Männer sich meiner rechtschaffen annahmen und mich treulich versicherten, ich solte un- befördert nicht von dannen ziehen, sie wüsten eine herrliche Gelegenheit vor mich, nur müßt ich mich eine Zeitlang gedulden. Sie wollen mir inzwischen wechselweise die Kost geben. Welche angebothene Gntthat mich wieder etwas ermunterte. Es lief aber die erste, andere und fast dritte Woche hinweg, daß es sich wieder anließ, als wolle der liebe Gott noch nicht helffen, deswegen ich aufs neue in großen Kummer geriehte. Sonderlich weil diese Tischgänge- rey, zwar nicht von dem Herrn, sondern von andern zu Zeiten schälsichtig ausgenommen wnrd, welches mich sehr schmertzete, zumahl wenn ich meinen klag baren Zustand überlegte, daß ungestümme Schnee- und harte Winter-Wetter, bey welchen mir als einen abgeschälten und ausgeplünderten Menschen weiter zureisen unmöglich war, vor Augen sähe; meinen ziemlichen ausgelehrteu Beutel, in welchem ich eher die Naht als Müutze fühlete, betrachtete; und mein . elendes Wesen, in dem ich glicht mehres als was ich am Leibe trug, in Besitz hatte, bey mir erwöge; und daß ich einen Weg von meinen Vaterlande, welches in vollem Kriegs-Flammen stunde und nichts von daraus zu erlangen, zu Sinne zog, so wurde ich so melancholisch, daß oftmals ich des Nachts meiner Kammer den lieben Gott mit heisen Thränen knieend lim Hülfe anflehete, welches mein Weinen und Klagen der liebe und barmhertzige Gott, des Güte alle Morgen neu und mich über mein Vermögen nicht versuchte, endlich gantz unvermeint angesehen, und mir schleunig seine große Gnade und Hülfe erscheinen ließ, in dem es sich begab, daß des Amtmanns daselbst Herrn Stephan Hennings, welcher abwesend und ins - .int Neueuoiuuster verreiset, Pedagogus 1 ) neben tutDot n liederlichen Purscheu zu Zeche gegangen, des Nachts herumgeschwärmet und dergestaltige böse Händel verübet, daß sie Furcht, mau würde sie bey den Köpfen nehmen und der Gebühr nach be- *) Erzieher. Hauslehrer. straffen, bey frühe heimlich der Stadt und darvon gelaufen, welcher Handel vorbesagte meine beyde Patrone mir den Morgen darauf kunt tahten und darbey sagen liessen, ich solte getrost sagen, es wäre nun die Stelle, worauf sie biß hero gedacht, eröffnet; ich möchte mich nur biß zu des Herrn Amtmanns Heimkunft gedulden. Als dieser nun den dritten Tag nach Hause kommen, wurde ich Vormittags zu dem Herrn Ober-Pfarrer, bey dem auch D. Moth gegen wärtig war, gefordert, da sie mir diese herrliche Con dition und derer sämtlichen Umstände und gantze Beschaffenheit an- und vortrugen. Auch also bald den Nachmittag drauf in Gegenwart dieser beiden Beförderer würklich angenommen wurde. Welches schnelle und gleichsam vom Himmel gefallene Glükk mich hertzlich erfreuete und noch des ersten Tages meinem lieben Gott zu Ehren das hin und wieder wohlbekannte Lied: Wer nur den lieben Gott läst walten und hoffet auf ihn allezeit den wird er wun derlich erhalten in aller Noht und Traurigkeit " auf zusetzen und hatt gnug Ursache der Göttlichen Barm- hertzigkeit hertzinniglich Dank zu sagen. Und gebe einen Christlichen Hertzen zu bedenken, ob es nicht eine harte Heimsuchung Gottes sey, wenn ein junger Mensch von dem Vaterland weit entfernet und gantz ausgeplündert, solchen Unglücks-Fällen keine Hülfe weiß, auch keinen Wechsel an bahrem Gelds wie derum zu gewarteu, und in so manchen schönen Städten, ungeacht so viel vornehme Patrone sich befunden, doch unbefördert immer weiter in die Welt reisen muß? Und ob es auch nicht vor eine sonderbahre Gnade des himmlischen Vaters zu achten sey, wenn nian in der äußersten Noht gantz unver hofft eine solche vortreffliche Beförderung erlanget, wie Gott an mir gethan, in dem ich zu solchen Leuten kommen, die mich recht Väterlich und Mütterlich geliebt, mit Kleidern und andern Nohtdurften wieder versehen, und weil ich in dem Hause Morgen und Abends ordentliche Sing-, Bet- und Lese-Stunden angestellet, welches meinen Herrn Amtmanne und dessen Eheweibe hertzlich lieb und vorhero niemals geschehen und mit einen schönen Clavicimbel, so lange Zeit ungebraucht gestanden, darein spielte, auch der liebe Gott meine Kinder - Information merklich segnete, mir überflüßig gutes taten, ja endlich nach drehen Jahren mit einem stattlichen Zehrpfennige und andern feinen notdürftigen Vor- rathe mich abfertigten, mit ihren eignen Pferde und Kalesch neben den Schreiber biß nach Lübeck führen und daselbst mich auf ein Schiff, so gleich segelfertig und auf gutem Wind wartete, gantz frey biß nach Dantzig verdingen und unterbringen liefen. Vor diese große Wohlthat dem Allerhöchsten nochmals Dank gesaget sey, und muß ich den lieben Leuten solche wohlgemeinte Aufnehm- und Versorgung in der Grube noch nachrühmen. Wie mich mein ge treuer Gott noch in mehr groß Unglück und Lebens- Gefahr fallen laßen, aber allezeit mir wieder ge- holffeu und mich wunderlich erhalten, ist kurtz vor hero erzählet worden." Bald darauf, nachdem er dieses geschrieben, ist der alte Georg Neumark, der treue Diener seines Gottes und seiner irdischen Herren, noch 1681 aus dem Leben geschieden. Aber sein Lied lebt und wird weiter leben. Und du, lieber Kamerad, wenn du das nächstemal in Kiel über den Markt gehst und siehstSeite 24 SJtarine-greuüb Nr, 6 nix St. Nikolai hinauf und siehst in der Nähe die alten noch aus der Zeit des 30 jährigen Krieges stammenden Häuser, dann denke daran, daß in einem solchen vor beinahe 280 Jahren der 20 jährige Jüngling das Lied gedichtet hat: Wer nur den lieben Gott läßt walten! Und frage dich, ob du nicht vielmehr Ursache hast als jener, der überhaupt keine andere Zeit als Kriegszeit in seinem Leben kennen gelernt hatte, in die Zukunft zu blicken mit der felsen festen Gewißheit: welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht, Al. -lus -er Hesthichte -er Chriftus- -!!-er. Forts, zu Marinefr. Nr, 5. 3. Christus am Meere, Mehrfach sind die als nicht von Menschenhänden gemacht^ bezeichneten Christusbilder mit dem Meere in Be rührung gekommen. Die Sage weiß freilich mehr davon zu melden, als die Geschichte zugeben kann. So erzählte man in alter Zeit, daß beim Ausbruch des Bildersturmes unter Leon dem Jsaurier der Patriarch Germanos zu Konstanti- uopcl ein Christusbild dadurch gerettet habe, daß er es den Fluten des Meeres anvertraute. Es schwamm dann nach Rom und ward dort vom Papst Gregor geborgen. Man hat gemeint, daß es sich um das Bild von Kamuliana gehandelt habe, von dem früher einmal hier erzählt worden ist. Gleich wohl wurde aber noch im Jahre 1200 dem Bischof Antonius von Nowgorod in der Hagia Sophia in Konstantinopcl ein Bild gezeigt als das, welches Germanus zur See nach Rom hatte bringen lassen. Auch das berühmte Bild von Edessa hat allerlei Fahrten wie zu Lande, so auch zu Wasser gemacht. Und manches davon gehört der Geschichte an. Unter Romanos Lekapauos, der sich vom Admiral zum Mitkaiser des Konstantin Por- phyrogennetos ausgeschwungen hatte, kämpfte lange Jahre siegreich für Ostrom der hochbegabte Feldherr Johannes Kurkuas, von Geburt ein Armenier. Siegreich zuerst gegen die Russen, hatte er dann die Grenzen des Reiches wieder über Syrien hinaus ausgedehnt und brach 942 in Meso potamien ein, das damals in der Gewalt der Araber tvar. Ganz Mesopotamien kam in seine Hand, aber zum Unglück für das oströmische Reich wurde der siegreiche Feldherr ge stürzt, und seine Nachfolger vermochten sich nicht auf der Höhe gleichen Ruhmes noch gleicher Erfolge zu halten. Ver gebens ward Edessa belagert. Schließlich wurde der Miß erfolg der Waffen durch einen Erfolg nach anderer Seite hin verschleiert. Die Oströmer (Byzantiner) bekamen das berühmte Christusbild von Edessa ausoeliefert und räumten dafür Mesopotamien. Das Volk in Konstantinopel vergaß alles andere und geriet in begeisterte Erregung, als das ge feierte Bild in der Hauptstadt ankam. An allerlei wun derbaren Begebenheiten hatte es letzterem schon auf der Reise nicht gefehlt. - Beim Übergang über den Euphrat hatten die Edessener versucht, das Bild mit Gewalt zurück zuhalten, aber das Schiff trieb, sobald das Bild durch Geist liche an Bord gebracht war, ohne Steuer und Ruder dem andern Ufer zu. Andere Wundererzählungen übergehen wir und halten uns an das Geschichtliche. Am 15. August wurde die berühmte Kirche von Blachernai erreicht, wo der ganze Hof das Heiligtum empfing. Aus der kaiserlichen Jacht wurde es nach dem Pharostempel hinübergebracht. Am nächsten Tage aber wurde es noch einmal dem Meere an vertraut. Die kaiserliche Jacht umfuhr mit ihm die ganze Stadt, soweit es möglich war. Schließlich landete inan im Westen. In feierlichem Zuge ging es mit dem Bilde außer halb der Mauer bis zum goldenen Tor, und von hier im Triumph durch die ganze Stadt bis zur Hagia Sophia. Hier wurde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, und darauf das Bild zum Palast gebracht, wo es zuerst aus den Thron des für Gerichtsaudienzcn bestimmten Goldthron saales niedergestcllt wurde, um diesen mit heiliger Kraft zu erfüllen, schließlich aber nach der Marienkapelle des Pharos tempels übergeführt wurde, um dort ausbewahrt zu werden. Der Tag aber wurde hinfort als Festtag zu Ehren des Bildes und seiner Überführung gefeiert. Stücke aus der Liturgie für den Festgottesdienst sind noch vorhanden. Die Erwar tung und Hoffnung freilich, in dem Bilde eine untrügliche Hilfe für Stadt und Reich zu besitzen, hat sich nicht erfüllt. Was half das Bild und seine Anbetung, wo man ihn, den Lebendigen, nicht mehr hatte! 1204 kamen die Lateiner und nahmen Stadt und Reich. Das Bild verschwand nach dem Abendland, Noch einmal trat eine Seefahrt an. Wohin es gekommen ist? Vielleicht über Venedig nach Paris in die Sainte Chapelle Ludwigs IX., um über ein halb Jahr tausend später in den Wirren der französischen Revolution für immer zu verschwinden. Bis in die letzten Tage Ostroms wird von den Pilgern aus dem 14, und 15, Jahrhundert noch ein anderes wun derbar entstandenes Christüsbild erwähnt. Eine der Hej- landskirchen der Hauptstadt hatte eine hoch emporragende und weithin über das Meer sichtbare hohe Mauer, Auf dieser Mauer befand sich ein Christusbild, von dem ein Pilger, der um 1450 die Stadt besuchte, erzählt: er (Christus) malte sich selbst auf der Mauer. Es muß ein höchst wirkungs- und eindrucksvolles Bild gewesen sein, als ob der Heiland aus dem Heiligtum heraustrete und seine hilfreiche Nähe und Gegenivart unter den Menschen Gestalt gewinnen lasse. Nach den Pilgerberichten galt der Ort als eine Heilstätte: Kranke, die man dorthin brachte, erlangten Heilung. Es läßt sich aber denken, daß das Bild, das mit seinen leuchtenden Farben hinausschien übers Meer, auch von denen zu Trost und Hilfe angesehen und angebeiet tvurde, die draußen auf ihren Schiffen fuhren. Es mag ihnen doch manchmal wie eine sichtbare Erfüllung der Bitte gewesen sein: Komm, liebster Heiland, übers Meer! Aber auch hier hat s das Bild nicht getan. Auch dieses Bild ist verschwunden samt der Mauer. Was schadet s? Er selbst lebt, er selbst kann kommen. Und dieses Kommen erflehen wir noch heute mit der Anrede, die in Griechenland-Byzanz für ihn heimisch war: Christ KyrieH, komm zu uns auf die See! Und hier ist noch etwas wie Verwirklichung des Ge dankens, der jahrhundertelang die Gemüter beherrschte, des Gedankens an Christusbilder nicht von Menschenhänden gemacht": nämlich, wenn in uns selbst, in Menschenherzen durch Geistes Wirken sein Bildnis hergestellt wird, wenn wir selbst werden verkläret in dasselbige Bild." 2. Kor. 3, 18. Aber davon zu reden will ich mich jetzt nicht unterfangen, alles Reden wird da zu Flehen und Gebet. J ) Kyrie griechisch Herr. vor -em Tor -er Zukunft. Wir brauchen die Gewißheit, daß wir an Gottes Hand in das dunkle Land der Zukunft hinein- schreiten. Es bleibt auch dann uoch alles dunkel und kann kommen, wie es will. Aber in die Dunkelheit hinein scheint das ewige Licht der gött lichen Treue und läßt uns gewisse Tritte tun mit tapferem Herzem. ‘ Schöll. Tägliches Sibellefen. Sonntag: Psalm 43. Montag: Matth, 27, 22 31, Dienstag: Luk, 23, 24-31, Mittwoch: Matth 27, 32 43. Donnersiag: Luk, 2.3, 32-43. Freitag: Joh, 9, 20 27, Sonnabend: Matth, 27, 45 49. Psalm 43. Hebr. I I, 20 -40. Hcbr, 12, 1 13. Hebr, 12, 14 29. Hebr 13, 1 14. Hebr, 13, 15 25. Psalm 40, Sftl Wochenblatt .Mariae-Ar und" kl n man jederzeit bestellen. Bi zu 7 Slick bestellt man am besten bei der Post; von J00 Stück an kostet da Blatt 1 Psg, ab Porto: vuniaer Bka. da Stück B-Ü a naen - n dt ideichststrüclle deTBordd, Männer ?liina ino, bundc , Hambur b, Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lehmann * Bernhard, Hosbuchdruckerei, Echönberg t, Mecklb,Inhalt: Osterlied. Der letzte Feind. Im Licht der Ostermorgensonne. Ein Sonnenstrahl am Osterabend. Reval. Tägliches Bibellesen. Ostersonne mußt erlösen Ans vom Halben und vom Bösen. Gustav Schüler. Auf, auf, mein Herz! Mit Freuden Nimm wahr, was heut geschicht! Wie kommt nach großem Leiden Nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt Da, wo man uns hinträgt. Wenn von uns unser Geist Gen Himmel ist gereist. Er war ins Grab gesenket. Der Feind trieb groß Geschrei. Eh er s vermeint und denket. Ist Christus wieder frei And ruft Viktoria, Schwingt fröhlich hier und da Sein Fähnleitt als ein Held, Der Feld und Mut behält! Die Höll und ihre Rotten, Die krümmen mir kein Haar; Der Sünden kann ich spotten; Bleib allzeit ohn Gefahr. Der Tod mit seiner Macht Wird nichts bei mir geacht t; Er bleibt ein totes Bild, And war er noch so wild. Die Welt ist mir ein Lachen Mit ihrem großen Zorn! Sie zürnt und kann nichts machen. All Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht Mein Herz und Angesicht; Das Anglück ist mein Glück, Die Nacht mein Sonnenblick. von Paul Gerhardt. Ich hang und bleib auch hangen An Christo als ein Glied; Wo mein Haupt durch ist gangen. Da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, Durch Welt, durch Sund, durch Not; Er reißet durch die Höll, Ich bin stets sein Gesell. Er bringt mich an die Pforten, Die in den Himmel führt. Daran mit güldnen Worten Der Reim gelesen wird: Wer dort wird mitverhöhnt, Wird hier auch mitgekrönt; Wer dort mitsterben geht. Wird hier auch miterhöht. Der letzte Jdnd. 1. Korinther 15, 20: Der legte Feind, der aus- gehoben wird, ist der Tod. er Tod ist tot. Der letzte Feind ist erledigt. Daß ist eine Botschaft, wie sie zu Ostern an uns er geht. Sollen wir uns nicht dessen freuen? Bor wenigen Wochen durften wir uns der Bot schaft erfreuen, daß der e r st e Feind, der in diesem Krieg uns Deutschen erstand, erledigt, aufgehoben ist. Zerschmettert sein Riesenreich, zerschlagen seine Riesenkraft. Er wollte unser Tod sein. Wer der Tod ist tot. Wie einen ersten, so gibt es auch einen letzten Feind. Einen letzten Feind, der nach allen andern V und hinter allen andern kommt. Ob der letzte Feind, der uns in diesem Welt- und Völkerkampf entsteht, sich schon gemeldet hat, das wißen wir nicht. Wir denken auch nicht an den, der aus der Völkerwelt sich noch erheben könnte. Wir haben als Menschen Gottes einen letzten Feind auch in diesem Kriege, der sich geltend macht, auch wenn alles, was Feind heißt, besiegt ist, auch wenn das letzte feindliche Heer zu Boden geworfen sein wird. Der letzte Feind ist der Tod. Der letzte und der schlimmste. Wenn unsere Gegner nicht damit Ver derben zu bereiten imstande wären, wenn sie nicht allen den Tausenden und Hunderttansenden blühen den Menschenleibern den Tod bereiten könnten, was wäre der Krieg? Ein Spiel. Der Tod in seinerSeite 26 Marine-Freund Nr. 7 vielfachen Gestalt, der gibt ihm das Grausige, Furcht bare. Nein, der Feind ist nicht das Leben für uns und bringt uns Leben, der Feind ist der Tod. Und der Tod ist der Feind. Der Feind, wie wir keinen böseren haben. Der Tod, wie er über die Welt gekommen ist, die im argen liegt, der Tod, wie er die Menschen erfaßt als Sold, mit dem sich die Sünde bezahlt macht, der Tod, wie ihn mehr als irgend jemand der geschmeckt hat, der unsere Sünden trug, das ist der Feind. Kein Freund. Wir danken es allen den vielen Tausenden unserer deutschen Brü der, die, den Tod nicht achtend, sich hingegeben haben fürs deutsche Vaterland, für Kaiser und Reich. Aber sie kämpften um das Leben. Sie kämpften gegen den Tod. Der letzte Mann, der sich vom gesunkenen Schiff auf ein paar Trümmer gerettet hat, er kämpft um sein Leben, gegen den Tod. Der Tod ist der Feind, der letzte Feind. Und dieser Feind ist tot, sagt die Osterbotschaft. Kann man s denn glauben? Steht die Wirklichkeit nicht dem im Wege? Lebt nicht der Tod von Ipern bis hinauf gen Basel, int Osten und Westen, auf allen Kampfplätzen, in Ost- und Nordsee? Dennoch, er ist tot, er ist aufgehoben. Wie man in alter Zeit einen lebenbedrohenden Feind aufhob, in sicheren Ge- wahrsam brachte, etwa in einen festen Turm, ein tiefes Verließ, so hat der Auferstandene den Tod, der der Sünde Sold ist, hinweggetragen, gefangenge führt, daß er unschädlich gemacht ist für immer. Was übrigbleibt ist kein Tod mehr, das kann uns werden wie ein Durchgang zum Leben, wie ein Freund. Aber wie ist s möglich? Das sind doch nur Be hauptungen, von denen das Leben nichts weiß, sagt einer. Nein, lieber Freund, das ist Lebenserfahrung, das gerade ist Lebensweisheit. Es mag ja sein, daß dein Leben bisher davon nichts weiß und nichts bezeugen kann. Denn nicht jeder kennt sie. Nur der, der mit dem Auferstandenen zu neuem Leben gekommen ist, nur der, der täglich mit ihm herans- kommt aus dem Tod alles Lebens und aufersteht als ein neuer Mensch, nur wer also das Leben hat, das nicht erstirbt noch ersterben kann, der geht hindurch durch den toten Tod und bleibt im Leben. Freilich ist das auch keine Weisheit jener Lebenskünstler, die das Leben genießen, um dann, wenn der Tod kommt, als die Betrogenen dazustehen. Es ist die Wahrheit des Evangeliums. Es ist die für Torheit und Ärger nis geachtete Weisheit des Kreuzes, des Gekreuzigten und Auferstandenen, des großen Siegesfürsten, der den letzten Feind in den Sand gestreckt hat. Fasse es, wer es kann. Unser Sieg hängt daran. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod! Der Tod ist tot; und zu diesem Anfang kommt der Schluß, nicht als Wunsch, als Wille, als Vorstellung, sondern als Ostertat und Ostertatsache: Das Leben lebt. Amen. K. F. Müller. Im Licht -er Ostermorgensonne. Ein Bild aus dem Feldkrieg. ) Gar manches denkwürdige Bild hat die Oster sonne schon beschienen von jenem ersten herrlichen Ostermorgen an, da sie herabsah auf das leere Grab des Herrn. *) Nach dem Stuttg. Evang. Sonntagsbl. 8t. Okt. 1915. Aus schwäbische Helden in den Vogesen. Manches tief zu Herzen gehende Bild hat die Ostersonne auch beschienen, seit sie zum erstenmal in dieser harten Kampfeszeit ihr Licht aufgehen ließ über den Kriegsschauplätzen und Kampfgefilden, den Schlachtfeldern weit und fern. Immer aber wird mir jenes Bild im Sinn bleiben, das ein schwäbischer Mann gesehen und gezeichnet hat im Licht der Oster morgensonne. Hoch oben in den Vogesen war es, früh, da die Sonne aufging. Lassen wir ihn selbst berichten: Es war am Osterfest des Jahres 191 , das uns den wütendsten Sturmangriff der Franzosen und die schwersten Verluste brachte. Noch lag tiefes Dunkel über den Vogesenbergen, als ich einen Rundgang durch den Schützengraben machte. Uber mir dehnte sich das Gewölbe des Himmels, an dem friedlich Steni bei Stern wandelte. In der Vogesenebene tief unter mir verrieten einige lichte Streifen die Lage von Dörfern und Städten. Die vielgestaltige Lichterreihe im Südosten war Mülhausen und im Nordosten eine zweite noch weiter entfernte Lichter reihe bezeichnete Freiburg. Meine Männer fand ich alle auf ihrem Posten. Von allen hatte nur Unteroffizier Gräßle etwas Be sonderes zu melden. Drüben im Franzosenlager, so berichtete er, sei es nicht geheuer. Wiederholt habe er scharfe Kommandos und Spatengeklirr vernom men. Er fürchte, die Tellermützen hätten gerade den heutigen Ostertag dazu ausgesucht, um einen Sturm auf unsere Gräben zu wagen. Wir wollen ihnen aber ihre eisernen Ostereier schon heimgeben." Ich zuckte die Achseln. Zn einem Sturmangriff traute ich dem Gegner doch nicht den nötigen Mut zu. Jetzt sang über uns im Tannenforst ein Amsel paar, das all unser Schießen nicht zu vertreiben ver mocht hatte, die Grasmücken ini Buchenhain wurden auch rege. Drüben über den Bergketten des Schwarz waldes zeigten sich rosenrote Streifen. Dann durch zogen mächtige Flammen den Himmel. Die Däm merung wich. Im Morgenrot erstrahlte der Schwarz wald und weiter südlich schimmerten die Berner Alpen mit ihren weißen Kappen und Mänteln. Und dann feierte die Ostersonne ihren Aufgang und er goß ihre Lichtfülle über die herrliche Ebene des Elsaß, mit ihren von Obstbaumwäldern nmkränzten Dör fern und Städten, über die Vogefenberge mit ihren Burgen und Ruinen, über den Frühlingswald vor uns, dessen Weißdorn- und Schlehdvrngesträuch der erste Hauch eines zarten Grüns umwob. Ich war einige Schritte weitergegängen, da ver nahm ich hinter mir leises Singen. Es war die Baß stimme des Unteroffiziers Gräßle. Das Gewehr im Arm, die Hände gefaltet, sang er in tieffter Andacht: Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, Mein Heiland, Christus, aufersteht. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja! O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Tür. Halleluja! Lebt Jesus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt, Wenn mir gleich alle Welt stürb ab: G nug, daß ich Christum bei mir Hab. Halleluja! IMarine-Freund Seite 27 9ir. 7 Mir klang dieses alte Osterlied neu und wunder bar; ich hatte es noch nie in meinem Leben vernom men. Ich hörte jetzt den Kirschenandres halblaut vor sich hinbeten. Lieber himmlischer Vater, ich danke dir, daß dn deinen lieben Sohn in Nacht und Tod gesandt hast, um uns armen sündigen Menschen dadurch Licht, Leben Seligkeit erringen. Ich danke dir für deine Ostersonne, laß sie mir leuchten, wenn es nun hinein in Kampf Tod geht. Ja laß mich gleich dir auferstehen aus Not und Grab! Herr, in deine Hände befehle ich mich, unfern Hauptmann und die ganze Kompagnie. Schütze und beschirme du uns, und wenn unser irdisches Auge bricht, so ent- zünde deine Ostersonne in uns." Nach diesen Wor ten betete der glaubensstarke Mann das Vaterunser und den Segen. Ich hätte dem frommen Beter zu gerne die Hand geschüttelt. . . . Allein ein Blick nach dem jetzt tiefbraunen Morgenhimmel riß mich plötzlich hinein in meinen Kriegsdienst. Dort schwang sich ein Vogel in den Lüften, ein Menschenvogel war s, kaum eine Kinderhand groß Kaum hatte ich das Zeichen zum Alarm gegeben, kaum waren meine Leute auf dem Posten, da folgte es schon Schlag auf Schlag, Krach auf Krach in der ganzen Umgebung mit furchtbar drohendem Echo. Mit blitzartiger Geschwindigkeit sausten, pfiffen und zischten die Salven der französischen Artillerie zu uns vom Spitzköpfle herüber. Näher und näher kamen sie unserem Schützengraben. Himmelhoch flogen die Baumkronen, kopfdicke Steine, auch Felsblöcke und Hölzer in die Höhe. Eine undurchdringliche Rauch säule, bald schwarzer Qualm,  bald gelbe Schwefel säulen, umhüllten uns. Als ob die Hölle alle ihre Schrecken losgelassen hätte, so wütete es um. uns her, das ganze Gelände durchpflügend. Überall patschten die Granatsplitter und Schrapnellkugeln in den Erd wall unserer Deckung. Die meisten meiner Leute waren totenblaß geworden. Ich betete still für mich, es war das erstemal seit vielen Jahren." Ein Sonnenstrahl am Gsterabenö. Zeichnungen dem Seekrieg. Tief beugt sich der Kopf des blonden Ober matrosen auf das Blatt, auf das er soeben zu schreiben begonnen.hat. Es fehlt die Übung. So lange hatte er nichts mit Feder und Tinte tu gehabt. Es gab soviel anderes zu tun. Wer möchte da an Schrei ben denken! Aber heute hatte es ihm keine Ruhe gelassen. Und nun er angefangeu hat, strömt es aus der Fülle des Herzens in die Feder, und er hört nicht auf, bis auch das letzte Wort niedergeschrieben ist. Osterabend. So fern von der Heimat und den heimischen Gewässern. Es ist wie ein Wunder, daß wir hier sind, daß wir überhaupt och da sind. Wo wir sind? Irgendwo auf dem Weltmeer; daheim weiß es niemand. Nur wir hier wissen s. Die daheim werden denken, wir seien verschollen. Aber wir sind noch da. Unsere lieben Freunde wissen s auch und werden s gespürt haben. Wolf" heißt unser Schiff, und wie der Wolf waren wir hinter ihnen her haben ihre Schiffe zerstreut, zerrissen, versenkt. Sie hätten s lieber mit uns selbst gemacht und uns hinabgeschickt zu den andern, die auf dem Meeresgrund ruhen. Aber wir fahren noch oben. Sie prahlten, als ob die Flagge mit dem Eisernen Kreuz in der Mitte verschwunden wäre und sich nicht mehr sehen lassen dürfte. Wer wir sind wiedergekommen. Es ist tute ein Osterwunder. Und heute gerade ist Ostern. Ich habe einen frohen Ostertag erlebt. Als ich von Kiel fortging, gab mir jemand im Ma rineheim wer es war, weiß ich nicht beim Weggehen ein Neues Testament in die Hand und sagte: Sie werden es brauchen!" Bis jetzt hatte ich es nicht viel gebraucht. Aber als ich heute morgen auf Wache die Oftersonne aufgehen sah, da kam mir in den Sinn, daß im Osterevangelium etwas steht der Sonne, die aufging; und als nachher Freizeit war, habe ich mir einen Platz ausgesucht und mein Testament hervorgeholt. Da fand ich die Stelle im Evangelium und las: Und sie kamen zum Grabe tu ersten Tage der Woche sehr frühe, da die Sonne aufging." Mir aber ging sie da noch einmal auf, wie ich weiter las, war es mir, als ob ich die Stimme hörte: Er ist nicht hier im Grabe, er ist auferstanden, er lebt. Und den ganzen Tag ist mir s so nachgegangen: Er lebt! Das hat mir auch keine Ruhe gelassen, als der Abend kam. Ich habe wieder zu meinem Neuen Testament gegriffen. Ich mochte nichts wissen von der Kurzweil, wie sie die andern trieben. Es war da nichts bei von Ostern. Mir war es noch immer im Ohr wie lauter Osterworte und Osterlieder. Ich konnte davon nicht loskommen. Da kam ein Ka merad, er ist aus demselben Ort und aus unserer Nachbarschaft. Ich habe ihn nicht viel geachtet, weil ich sonst viel zu anderen Kameraden lief, und er da nicht mitging, aber er hat mir schon manchmal Liebes und Gutes getan. Der sagte zu mir und faßte meine Hand: Jens," sagte er, er lebt, er ist auferslanden, hast du gehört, was für eine frohe Nachricht das ist?" Da erzählte ich ihm das von heute morgen, daß ich die Ostersonne gesehen. Da sagte er zu mir: Weißt du, daß die Ostersonne auch am Abend noch einmal scheint? Komm, die müssen wir auch sehen!" Wir setzten uns zusammen an einen Platz, wo man weit über das Wasser wegsehen konnte. Er schlug das Neue Testament auf und las die Ge schichte von den beiden Jüngern, die nach Emmaus gingen. Man konnte richtig mitgehen, so fein konnte der Kamerad das lesen. Mir kam zuerst die Er innerung an die Jugendzeit. Der Vater konnte es auch so, wenn er um Osterabend aus der alten Bibel vorlas. Wie aber der Kamerad las, daß die beiden sagten: Bleib bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt," da war es, als ob meine Augen anders sähen als sonst. Sahen sie in sich hinein, sahen sie weit über sich hinaus, ich weiß es nicht. Ich weiß nur: ich sah die beiden, wie sie mit dem, Herrn hineingingen und sich zum Mahl setzten. Und wie der letzte Abendsonnenstrahl her einschien, da erkannten sie ihren Herrn, den Auf erstandenen, da sahen sie die wahre Sonne. Mein Kamerad hielt inne. Ich hörte nur noch: Da wurden ihre Augen geöffnet und erkannten ihn." Mir aber wurden die Augen auch geöffnet. Ich sah den Kameraden neben mir, ich sah das Buch in seiner Hand. Wie ich aber hinaussah aufs Wasser, sandte die Sonne gerade die letzten Strahlen darüber hin, und es war mir, als sähe ich den Heiland in dem Ätrahlenmeer über das Wasser schreiten, und alsSlite 28 Marine-Freund iix. 7 hörte ich ihn sprechen: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. . . ." Der Kopf des Schreibers hebt sich ein wenig, sreudeglänzend sieht sein Auge wie in eine weite Ferne. Aber ohne zu säumen schreibt er noch unter das andere: Die Ostersonne hat mich wieder hin geführt zu dem, der sagt: Wer an mich glaubt, der wird leben; und nun bin ich ganz getrost: der mich bisher so sicher geleitet hat auf der Fahrt bei dieser wilden Kriegsjagd, der wird mich auch wieder heim bringen." Dann nimmt er das Blatt und verschließt es in ein Kästchen. vr In einem kleinen Ort der holsteinischen Ostsee küste sitzt am selben Osterabend ein bejahrtes Ehe paar drinnen in der Stube des kleinen sauberen Hauses. Vor ihnen auf dem Tisch liegt noch die Bibel aufgeschlagen. Sie waren es so gewohnt ge wesen die Frau hatte es so mitgebracht aus ihres Vaters Haus , am Osterabend das Evangelium zu lesen von dem Auferstandenen. Sonst waren wohl auch Kinder mit dabeigewesen. Aber das ist nun lange her. Sie sind wieder allein, allein mit ihren Worten und Gedanken. Und eine bange Lorge lastet auf ihnen. Von zwei Söhnen, die fürs Vater land kämpfen, haben sie Nachricht. Aber von dem dritten, von Jens, wissen sie nicht, wo er weilt. Er ist immer seine eigenen Wege gegangen. Die waren manchmal dunkel gewesen. Und wie es jetzt sein mag? Herr," beten die beiden Alten, laß ihm die Ostersonne leuchten, daß er wieder heimfindet." * . * ✓ Und nun ist Ostern. Ostern 1918. Mer dem kleinen Hause ist die Ostersoune aufgegangen. Aber auch drinnen ist Sonne. Sonne in den Herzen. Vor 4 Wochen schon kam die Nachricht aus Kiel, daß der Wolf" heimgekehrt ist. Und zu Ostern gedenkt Jens heimzukommen. Er hat es den Eltern ge schrieben. Er will Ostern mit ihnen feiern. Und nun wird es nicht mehr lange dauern, dann wird man seine Stimme hören: Vater, Mutter!" Und dann werden sie bald alle drei hingehen in das alte Gottes haus, von dessen. Turm die Glocke ruft, die der Krieg noch verschont hat, und werden das Lied singen von dem großen Siegesfürsten: Er lebt, o Freudenwort, er lebt. Von Franz Eduard Weber, Oberlehrer an LXkvkll der Ritter- und Donischnle zu Reval 1833-55. Du kennst die Stadt dort an der Ostsee Strande, Umgürtet fest mit alter Mauern Wehr, Mit stolzen Türmen übers weite Meer Hinschauend, Schutz und edle Zier dem Lande. Wie mancher Seefahrer, der nach langer, gefahrvoller Reise den sichern Port ersehnte, hat schon von der Höhe des finnischen Meerbusens mit Dank und Jubel unfern schlanken Olaus begrüßt, der, nun schon jahrhundertelang dem Sturm und Wetter Trotz bietend, vom Blitz des Himmels siebenmal getroffen, immer wieder in neuer Herrlichkeit über das weite Meer hinschaut. Lenkt dann der Seefahrer seinen Kiel den: südlichen User zu und ist an den grünenden Eilanden Nargcn und Wulf vorübergcglitten, die sich als riesige Wächter, schützend gegen Sturmcsmacht und Wogen drang, vor die Reede der alten Hansestadt hingclagert: dann taucht sie immer deutlicher hervor dem blauen Meer mit ihren Türmen und Wällen, ihren Kuppeln und spitzen Giebeln, zeugend von dem Wechsel der Zeiten und Ge schlechter, die an ihr vorüberzogen und in ihr blühte und welkten. Lints der waldumtränztc Usersanm von Wiems, tiefer in der Bucht die stattliche Ruine des Brigittenklosters, von den schimmernden Fluten des dem Innern des Landes hervortretenden Stromes, des Koschischen Baches, umspült, im Hintergründe die Perle unserer Landschaft, Katharinen tal, von den terrassenförmigen Abhängen des alten Meer- nsers überragt, das hier von zwei Leuchttürmcn, der weißen und der roten Mnjake ) weithin sichtbar, gekrönt ist, dies ist der Rahmen für das im Mittelgrund hervortretende Haupt gemälde. Über den Masten und Wimpeln des Hafens erhebt sich stolz und großartig das alte Reval mit seinen fröhlich grünen den Wällen und dem schönen Überrest des Mittelalters, der grauen Stadtmauer mit ihrem Kranze mächtiger Türme, die jetzt Fremdlingen gleich die Werke der Neuzeit hernieder schauen; dahinter das malerische Gewirr der spitzen gotischen Giebel, die dem modernen Drängen nach geraden Linien langgestreckter Dächer noch glücklich widerstanden haben. Er innert das graue Mauerwerk und das spitze Giebeldach an der alten Bürger Wehrkraft und Schasfenssreudigkeit, so offenbart sich in den frei und kühn empvrstrebenden Kirchen der Väter frommer Sinn, der alles Irdische demütig unter den Schirm des Höchsten stellte. Ganz zur Rechten überragt der Dom die dunkle Hänser- masse der Stadt. In unvordenklicher Zeit, als unter ge waltigen Kämpfen der Elemente die Erdoberfläche ihre jetzige Gestaltung annahm, eine Felseninsel mitten in der nnifangreichen Bucht, die sich damals bis an die Abhänge des Laksberges erstreckte, steht der Dom jetzt als unregel mäßig verschobener Bergkegel da, der int Osten und Norden den Stürmen eine schroffe Felsenstirn bietet, während er sich gegen Süden und Westen nach der Stadt und den Vor städten hin sanft abdacht. Die unmittelbar am jähen Ab hang hin erbauten Häuser, die an Stellen, wo das verwitterte Kalkgestein ausgebröckelt ist, denselben oft sogar überragen, herrschen weithin über Land und Meer. Schon ihr kühner Standort verleiht ihnen etwas Großartiges. Nach Westen zu schließt der Dom mit dem Gemäuer des alten Schlosses ab, in welches das neue zum Teil hineingcbant ist. Wenn irgendwo, so offenbart sich hier die eiserne Festigkeit der alten Bauwerke: der sogenannte Lange Hermann, der die südliche Endspitze des Gemäuers deckt, steckt seinen schlanken Leib noch ebenso kerzengerade in die Lüste tute vor Jahrhunderten und ist, mit dem Richtscheit gemessen, nicht um einen Zoll aus seinen Winkeln gewichen. Wieviel Stürme werden ihn noch uinranschen, wieviel Blitze an seinem Eisengemäncr her- nbschicßen, bevor auch er der Allgewalt der Zeit erliegt! Was weiter nach Süden und Westen liegt, verbirgt sich dem Auge des von der Leeseite her Kommenden. Nur die beiden Türme der Karlskirche grüßen weiter Entfernung herüber, während das Rnndgemälde selbst zur Rechten von der Landzunge Ziegelskoppel eingerahmt ist, der ernsten, mit dunkeln Schwarzellern bestandenen Stätte, die schon über ein Jahrhundert den Toten Revals die letzte Ruhe bietet. Ein Gemälde Revals, der Stadt im Baltenland, die in der Hauptsache deutscher Bürgersinn, deutsche Bürgerkraft er baut und großgentacht hat! Wir können es nicht ohne ein Nachwort lassen. Als wir iin vorigen Jahre 1917 den Marine-Freund" fürs Osterfest ansgehcn ließen, gaben wir ihm ein geschichtliches Bild mit: Peter der Große als Spion in Riga, und erhoben die Frage: Wird nun das Ostern kom- mcn, an dern Riga, die deutsche Stadt, aus dem Grabe russi scher Herrschaft wiederauserstehe? Nun ist Riga in.deutschen Händen und nicht bloß Riga, nein, auch Dorpat, auch Reval! Gerettet aus den Händen russischer Mordbrenner und Mörder banden! Diesmal aber sprechen wir angesichts des Bildes von Reval die Hoffnung aus, daß nicht bloß Riga, sondern auch Reval, ja das ganze schöne Ballenland ein Ostern, eine Auferstehung zu neuem Leben erfahren möge, zu neuem Lebe:: unter dem Schutz des deutschen .Kaiseradlers. Z Aus d em russischen mosak Le nchl mrin. Tägliches Sibellesen. Sonntag: Joh. 20. 1 10. Montag: Joh 20, 11-18. Dienstag: Joh. 20 19-23. Mittwoch : Joh. 20, 24-31. DovnerSiag: Joh. 21, 1 14. Freitag: Joh. 21, 15 25. Sonnabend: Luk. 24, 36- 47. Luk. 24. 1-12. Luk. 24, 13 35. 1. Kor. 15, 1 19. 1. Kor. 15, 20-34, 1. Kor. 15, 35 49. 1. Kor. 15. 50-58. Psalm 34 2 11. £ t Wochenblatt .Mnrin -Dr " kan man Irderzrit bestellen. S9i zu 7 6fld bestellt man am besten bei der Post: von 700 Stück an kostet da Blatt I Piz, E Berta: m iNaer 7 Bkg. de Stück B.strNunae- n die eschsttt ftelle de ward Männer. - nd NllngvnaSbnnde , Hamburg b, Brennerstr. 17, erbeten^ Lexik von Lehmann * Bernhard, Hesbuchdruckerei, Echdnberg I. Mecktb.Ar. 8. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer K. $. Müller. Mserikordias Domini 14. April 1818. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerftr. 17. 4. Zchrg. Inhalt : Ehemals jetzt. Und mach uns bald von jedem Mietling frei. Ich bin ein guter Hirt. Der Schiffbruch bei Fehmarn. In Schlangengefahr bei Oldesloe. Bon den Fahrten des Seeadler und seiner Besatzung Tägliches Bibellescn. Der Herr ist mein Hirte, mir wir- nichts mangeln. Dies sin- ihre (der Kirche Christi) Waffen un- Süchsen, damit sie bisher alle ihre Feinde geschlagen und überwunöen hat; sie wir- auch durch die weise den Sieg bis aus den jüngsten Tag erhalten. Martin Luther. Du Hirt der Menschenkinder, Dn Heiland aller Sünder. Nichts wollt ich von dir wissen. Niemals dein Antlitz küssen. Dein Antlitz, tod-entstellt. Ein Hohn der schnöden Welt. Dein Zoch wollt ich nicht tragen. Wollt deine Last beklagen, Ich wollt dich nicht bekennen, Mich nicht dein eigen nennen, Wollt eig ner Meister sein. Nicht deinem Dienst mich weih n. )Mis Trost und Kraft". Anstalt Kork (Baden). von tz. Vortisch-van vloten ). Da hast dn mich gesunden In einsam wunden Stunden, Hast mit dem Hirtenstecken Ans wirren Dornenhecken Mich liebevoll befreit. Den Deinen zugereiht. Seitdem du mich gefunden, Lieb ich dein Herz voll Wunden. Nun drückt mich Angst und Wehe, Bist du nicht in der Nähe! Drum halt mich fest und leit Mich bis in Ewigkeit. Unö mach uns balö von jeöem Meiling frei. Ev. Joh 10: Der Mietling aber fliehet, dem, er ist ei Mietling und achtet der Schafe nicht. er Mietling ist ein Mietling. Auch wenn er in den Reihen der eigenen Herde, des eigenen Volkes sein Wesen treibt. Hier im Evan gelium ist die Rede von solchem Mietling, der der eigenen Herde nicht achtet, sondern sie dem ein brechenden Wolf ansliefert. Leider liegt auch für uns als Deutsche heute Ursache genug vor, gerade im Hinblick auf Vorkommnisse bei uns selbst, uns das scheinbar Selbstverständliche anfs nachdrück- lichste vorznhalten: der Mietling aber ist ein Mietling. Wir haben früher manchmal mit Spott auf Englands bewaffnete Macht gesehen als auf Söldner und Mietlinge, aber in überraschend schneller Weise ist es dem Jnselvolk der Briten gelungen, einer bewaffneten Macht von Söldnern ein auf allgemeiner Dienstpflicht be ruhendes Volksheer zu schaffen. Mietlinge und Söldner einer weit schlimmeren Art sind dafür hier und da in unserem eigenen Volke aufgetaucht. Mietlinge, die erkauft und besoldet mit englischem oder amerikanischem Golde, die Hand dazu bieten, unser Volk den Wölfen, den Dieben und Mördern als welche unsere Feinde sich in diesen Kriegs jahren mehr als einmal bewiesen haben auszu- liefern. Und waren es nicht solche, die mit jenem Gold erkauft sind: ich nenne auch den einen Mißt-Seite 30 Marine Freund Nr. 8 fing, der in dieser furchtbaren Gefahr, die unser Volk zu bestehen hat und die es nur mit dem mannhaftesten, entschlossensten Mut und dem festesten Willen, sich den Sieg zu erkämpfen, be stehen kann, wankelmütig wird und den Kampf flieht und nicht nur das selbst tut, sondern auch andere durch heuchlerische Reden wankelmütig zu machen sucht und sie zur Flucht bewegen will von dem, was ihre Pflicht und Schuldigkeit ist. Ich nenne den einen Mietling, der in solchen Tagen, wie sie unser Deutsches Reich durchzumachen hat, darauf sieht, was er für einen Gewinn erhält an Geld und Gut und davon sein Verhalten abhängig macht der, wenn ihm der Gewinn nicht hoch genug erscheint, droht, die Arme sinken zu lassen. Der Mietling fliehet, denn er ist ein Mietling. Vor solchen Mietlingen gilt es auf der Hut sein. Der Deutschen Stolz war es und ist es, keinen Mietling ihren Reihen zu haben. Wir haben nicht daran gedacht, ganze Völker zu kaufen und zu mieten, um sie für selbstsüchtige Zwecke auf die Schlachtbank zu führen. Wir kämpfen für unseres Vaterlandes Ehre und Freiheit zusammen mit Bundesgenossen, die der gleiche Zweck mit uns zusammengeführt hack Da können Nur keine Mietlinge brauchen. Erst recht nicht Mietlinge jener schlimmsten.Art. In diesen vergangenen Wochen ist immer wieder die Mahnung durch unser Volk gegangen: Achtet auf die Mietlinge, sehet zu, wo Söldlinge sich einschleichen, daß sie erkannt und unschädlich gemacht werden. Wir können sie nicht dulden um der großen Herde willen, die unserer Treue und Obhut anvertraut ist, um unseres geliebten Volkes und Vaterlandes willen. Aber auch um eines andern willen, llni dessent- willen, der sich selbst den guten Hirten nennt und auch allezeit als deu guten Hirten bewiesen hat, der auch unserem Land seit Jahrhunderten seine Schafe geführt und geleitet hat, daß kein Raub zeug die Herde zerstreuen konnte. Ilm Jesu Christi willen. Um seinetwillen, der nie ein Mietling ge wesen ist, kann auch ich, kannst auch du, lieber Kamerad, der du ihm angehörst, als Christ unb Deutscher kein Mietling sein. Hinaus mit aller Mietlingsgesinnung und Mietlingstat! Tun wir das Unsere dazu und bitten wir deu um Hilfe, der das tun muß und tut, was wir nicht tun können. Heiß und eindringlich steigt heute am Hirtensonntag zu ihm unsere Bitte empor: Und mach uns bald von jedem Mietling frei! Amen. K, F. Müller. Ich bin ein guter Hirt. Bon Paul Flemming. Um 1630. Ja, freilich, elv gcr Herr, du bist der gute Hirte; Ich bin böses Schaf, das der Wüste irrte, Von dir weit, fern dir. Ich ging der Weide ilach. Die mich zur Hölle stieß und dir das Leben brach. Mein Leben war dein Tod, dein Hunger mein Vergnügen, Mein Ucberfluß dein Durst! Ich war sonst blieben liegen. Der Mietling floß hinweg; der wilde Wolf brach ein Und ließ mich schwaches Lamm kaum, kaum noch übrig sein. Du, Jesus, suchtest mich, du fandest mich, mich Armen, Und trugst mich wieder heim. Es ist bloß dein Erbarmen, Daß ich Rin, der ich bin. Herr, weide ferner mich, Herr, speise mich mit dir; ich dürft,, ich hnngre dich. Tu bist das Himmelsbrot, wer dich ißt, der wird leben; O Brunn Israel du, du kannst Wasser geben, Das aus dem Himmel quillt und wieder rinnt hinein; Wer dich ißt, lver dich trinkt, wird stets gesättigt sein. Der Schifföruch bei chmarn . und andere Erlebnisse Georg Neumarks 1645 1648. Es ivar im Jahre 1681, als Georg Neumark, der einst als 20jähriger Jüngling das Lied ge dichtet hatte: Wer nur den lieben Gott läßt walten, zu Weimar ein Büchlein drucken ließ unter dem, nach der Sitte der damaligen Zeit recht langen Titel: Thränendes Hans-Kreuz oder gestallten Sachen nach Klag-, Lob- und Dank-Opfer, welches zuvorderst dem lieben barmherzigen Gott zu Ehren und dann denen durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Johann-Ernsten, Johann-Georgen, Johann-Wil- helknen, allerseits Hertzogen zu Sachsen ... zu Bezeugung untertänigster hertzlicher Dankbarkeit vor sonderbahre erwiesene Gnad und Huld schuldigster- maßen abgeleget dero allerseits Durchläuchtigkeiten betrübter alter getreuer Diener Georg Ntzumark, Fürstl. Sächß. gesamter geheimer Seeretarius der Sprossende. Das Büchlein ist indessen nicht so lang ausgefallen, als es dieser Titel vermuten lassen könnte. Es enthält nur ein Gedicht von 43 Versen und daran angehängt eine Reihe von An merkungen, durch die verschiedene in dem Gedicht vorkommende Ausdrücke näher erklärt werden. Dem Gedicht geht noch eine kurze Vorrede voraus. Der Dichter spricht darin von seinem schweren Haus- Kreuz, ivodurch er zur Versehung seines Amtes ganz untüchtig", aber von den Fürsten bei Be soldung, Amts-Titel, sowie daran hängenden Frey- heiten.und Würden" belassen wurde. Solches sei nun bis in das 30ste Jahr geschehen. Er will deshalb mit Weib und zum Teil noch unerzogenen Kindern im folgenden ein Klag-, Lob- und Dank opfer bringen, das er den Seinen von Strophe zu Strophe in die Feder diktiret" habe. In dem Gedicht selbst erzählt Neumark, welch Kreutz und schwere Sorgenlast" Gott ihm aufcrlegt, wie er ihn aber auch zeitlebens erquickt habe. Wir erfahren daraus, daß er sein Augenlicht fast ganz verloren hat: Indem die sehr benebelt Augen Zu ineinem Amte nicht mehr taugen. ES kommt mir alles dunkel vor, Als müßt ich sehn durch einen Flohr. So können ihm seine geliebten Bücher kein Trost mehr sein. Aber schmerzlicher ist es ihm, daß er besorgt sein muß um das Schicksal der Seinigen. Er wendet sich mit dieser Sorge an Gott: Du hast nicht mit gehäuften Scheffeln Mir zugemessen der Welt, Du speisest mich mit kleinen Löffeln lind giebst mir nur so vieles Geld, Daß ich zwar spärlich, doch mit Ehren Mich und die Meinen kann ernähren. Dieser Aufblick zu Gott gibt ihm denn auch wieder Trost ein. Er erinnert sich daran, wie er in früheren Jahren gerade unterm Kreuz die Hilfe Gottes so reichlich und herrlich erfahren. Er läßt darum Gott sprechen: Hab ich dich nicht in fremden Landen Viel Jahr und väterlich geführt, Daß dir kein Unglück zngeftande , So dich aufs äußerste berührt:Marine-Freund Seite 31 Nr. 8 Wer half dir, da die Q grimme Glühten Und die v) erzürnte Meeres Fluhten Und der -)Sarmater frevel Macht Dich bald uni Leib und Leben bracht. Denk nur zurück, r )iu was für Jammer Du dort in Ciinbrieu gesteckt, Da du mich oft in deiner Kammer Mit Thräncn hast zur Gnad erweckt, Da du kein Mittel kuntcst finden, Da keine Rettung zu ergründen. Wer aber war dein Trost und Hort Und half dir wieder herrlich fort? Hierzu macht der Dichter nachher unter 0, D, ,E und F Anmerkungen. Die umfangreichste unter F wird manchem Leser des Marine-Freund bereits bekannt sein, da sie vor einiger Zeit in diesen Blättern mitgeteilt worden ist. Neumark berichtet darin, wie er einst als 20jähriger Jüngling dazu gekommen ist, in Kiel in Holstein das Lied zu dichten: Wer" nur den lieben Gott läßt ivalten. Aber auch die anderen Anmerkungen sind lesens wert. Zeigen sie doch, lvie der Jüngling , und Mann durch Feuer- und Wassersnot, durch Fähr- lichkeit und Schwert hiudnrchgegangen ist und sich doch allezeit der Führung des guten Hirten hat erfreuen dürfen. Wir geben deshalb die An merkungen genau in der Gestalt, wie sie in dem alten Büchlein enthalten sind, wieder. (( . Grimme Glühten), hier wird abgesehen die Anno 1647 den 1. August in der Bucht auf dem Adelichen Hanse Waudlak in Preusen ent standene große Feuers-Brunst dadurch das ganze Haust von gründe eingeäschert wurde da ich meinen anvertrauten Jungen Herrn von Schlieben mit äuserster Lebens-Gefahr von dem Feuer durch Gottes Gnade errettet darüber ich alles das Meinige an Büchern Kleidern und andern feinen gesammleten Vorrecht im Brande verlohren in- weniger Zeit aber Gottes Segen wiederum reichlich spürete.. (D. Meeres Fluhten). hier wird gezielet aus die grose Lebens-Gefahr so ich neben andern Anno 161 r den 1. Ang. bey der Insel Fein ern") da wir der Oost-See mit dem Schis eine Sand-Bank geriehten gefährlich ansgestanden indem ich aus dem Boot wormit wir uns zu retten gedachten unglücklich in die See gestürtzet durch Gottes und eines Schiffknechts Hülfe aber wiederum wunderlich herausgezvgen wurde. Welches umständlich hier zu erzählen mehr Verdruß alo Lust erwekken würde. (F. Sarmater frevel Macht), als ich einsmals im 1648. Jahre zu Warschau in Pohlen bey einem bekandten Tentschen neben andern guten Freunden die Abendmahlzeit gespeiset . und bey später Abendzeit wiederum nach unserer Herberge gehen wollten wurden wir von einer Rotte von ungefähr zehen Personen besoffener leichtfertiger Polaken (welche vor Alters auch Sarmater ge heisen) angefallen denen wir als nur selbst 4te sattsamen Widerstandt zu thun nicht genugsam gewachsen waren; Gott aber und eines und des andern unerschrokkener Muht hals uns in solcher Gefährlichkeit daß wir sie mit unfern tentschen Stvßdegeu welche sie heftig fürchten solang ab *) Aeuniark war damals auf dem Weg von Kiel über Lübeck nach Danzig. hielten bis ein Vornehmer Wey wo da mit etlichen Fakkeln und vielen Dienern herbey nahete den wir um Schutz anschrien da Sie sämtlich die Flucht gaben und wir also unversehrt sicher nach Hause gelangeten. Georg Neumark ist noch in demselben Jahre, in dem er das Büchlein ausgehen ließ, 1681, ge storben. Bei dem hohen Lob, welches er am Schlüsse des Gedichts seinen Landesherren singt für alle Treue und Barmherzigkeit, die sie ihm er wiesen, ist anzunehmen, daß sie sich auch der Witwe und der unnlüudigen Kinder des Dichters treulich werden angenommen haben. 3n SchSangengefahe bei Olössioe. Eiuc Erzählung aus der Zeit vor 200 Jahxen. Ums Jahr 1690 herum mag s gewesen sein, da reiste der in Diensten des Regiments-Feldschers des Regiments Prinz Christian zu Itzehoe befindliche Johann Dietz, derselbe, der vorher schon manche Abenteuer als Feldscher des Großen Kurfürsten im Türkenkriege erlebt hatte und später noch mehr als Schiffsarzt holländischen Walfischfahrern erlehen sollte, nach Lübeck, um sich dort ein neues Gewand zu kaufen. Sein altes lvar nicht mehr viel nutz". In Lübeck glaubte er wohl am besten und billigsten sich ansrüsten zu können. Uw das Reisegeld für die Fahrpost zu sparen, lief er zu Fuß. Auf dem Hinweg ging alles gut, auch der Aufenthalt in Lübeck gestaltete sich ganz nach Wunsch. Heimwegs aber ging es ihm mehrmals sehr übel. Er kam in allerlei Lebensgefahr, zuletzt noch durch den Biß einer Giftschlange. Dieses letztere Erlebnis erzählt er in seinem Lebenslauf folgendermaßen ). Ohngefähr eine Meil von Oldesloe will ich mich unter einen Haselstrauch niedersetzen und lege ohngefähr die Hand zuerst hin und komme mit der rechten Hand auf eine Fieberschlange, dern des Orts gar viel sind. Das Thiercheu beißt mich gleich durch den Finger, daß ich überlaut schrei, indem solches mir so wehe that, als wenn mir ein Degen in n Leib ginge. Doch resolvierete mich gleich in Augenblick, eingedenk zu sein, gelesen zu haben dem Crollio-) und andern, wie eben die gleiche Schlange ihr angehauchtes Gift müsse wieder ans- zieheu, gleichwie bei den tollen Hunden, Wölfen, Mücken, Bienen und dergleichen. Schmeiße mit dem Degen und der Scheide die giftige Natter tot und wickelte sie in mein Schnupftuch. Welches mein Glück war! Sonst hätte sterben müssen, wie es dasiger Orten Biehe und Menschen widerfährt, lind siehet man hieraus abermals die sonderbare Providenz des allsehendes Gottes, der da versuchen läßt, aber nicht über unser Vermögen, sondern schafft, daß die Versuchung so ein Ende gewinnet, daß wir s können ertragen. Seinem heiligen Namen sei Lob, Preis, Dank und Ehre allein! Von Stund an, als mich die Schlange gebissen, ! Di . E. Consentius hat nach der alten Handichrift den Lebenslauf als Buch hcrausgegebeu. Im Verlag von Lange- wieschc-Brandt, Ebenhanscn-München. Oswald Crollius hatte 1834 ein Buch Hasiliia hymica" hcrausgegebeu, darin äußerte er: wo das Gift in der Natur am stärksten vorkomme, da liege meistenteils auch das Heilmittel verborgen.Seite 32 Marine-Freund Nr. 8 schwoll mir der Arm bis mt die Achsel, und ging mir nicht wie dem heiligen Apostel Paulo, deine zu Verwundrung der Leute nichts widerfuhr. Ich sähe, daß der Arm zusehends schwoll und der Schmerz zunahm. Suchte allerhand Kräuter wider Gift und band sie auf die Hand und Arm. Aber es half nichts. Und mußte mich gedulden, bis ich in mein Quartier kam. Der Wirt, Herr Rebent, fragte gleich, was mir widerfahren, .weil ich wie eine Leiche ausgesehen. Ich klagte ihm nieine Not; kurz, gab ihm die Schlange abzuziehen und mir das Fett und die Leber ausgebraten zu bringen. So er auch that. Jndeß hatte ich ein gut Teil von TheriakH meiner Feldliste eingenommen, als er mir den Tiegel mit der ausgebratenen Leber und Fett ins Bette brachte. Ich schmierte dannt meinen Arm und Hand recht durch, deckele mich zu und war eingeschlafen. Nach drei oder vier Stunden wache ich auf und war zu großer Verwunderung aller, so fleißig nach mir gesehen, Geschwulst und Schmerz weg. Das war eine geschwinde. Kur, welche die Leute dort anmerkten." Giftige Schlangen gibt es noch heutigen Tages im Holsteinischen und wohl auch in der Nähe von Oldesloe. Ob aber die Leute dort auch heute noch das Mittel des Johann Dietz kennen und anwenden, davon mußte uns jemand erzählen, der in der Gegend dort zu Hause ist und in der Sache Bescheid weiß. von öen Zährten öes Seeaöler unö feiner SessHlmg. Zur selben Zeit fast als der Hilfskreuzer Wolf von seiner langen Kriegsfahrt in fernen Gewässern zurückkehrte und alle treuen deutschen Herzen zu Lob und Dank gegen Gott gestinimt wurden, für die gnädige Führung,und Bewahrung, die er dem Schiffe und seiner tapferen Besatzung hatte zuteil werden lassen, kam aus deni fernen Chile die Nach richt, daß dort die Besatzung des Seeadler auf den: von ihr genommenen Schiff eingetroffen sei. Lange ist es her, daß der Seeadler die Heimat verließ, und lange wird es wohl auch noch dauern, bis nähere Nachrichten in die Heimat kommen von all dem, was die wackere mutige Besatzung auch dieses Schiffes getan und geleistet hat. Einiges ist in zwischen davon bekannt geworden durch einen Bericht von feindlicher Seite in dem französischen Blatte l Jllustration. Wir geben es im folgenden wieder, was der Franzose schreibt. Am 23. Dezember 1916 rief das britische Patrouillenschiff Highland Scott" einen Segler an, der sich als nordischer Segler Irma" ausgab und bald darauf unbehelligt verschwinden konnte. Einige Tage später warf die Besatzung dieses Seglers im Atlantischen Ozean die Holzverkleidungen in die See, seine Geschütze wurden sichtbar, und drahtlose Telegramme gaben bekannt, daß der deutsche Seeadler" durchgebrochen sei. Um dieses Schiff haben sich viele Legenden gebildet, und seine Arbeit machte sich bald fühlbar, denn britische, französische und italienische Fahrzeuge fielen ihm ) Theriak, ein in damaliger Zeit viel angewandtes Heil mittel, sonderlich gnt wider giftiger Tiere Bisse". zum Opfer. Schließlich, da sich auf dem Seeadler Ausbesscrungsarbeiten notwendig machten, wählte der Führer, Graf v. Luckner, die kleine französische Insel Mopelia, .265 Meilen westlich von Tahiti, die er völlig verlassen glaubte. Hier, zwischen den Korallenriffen, warf der Seeadler Anker. Am 1. August ließ dalni der Kapitän die deutsche Flagge auf der Insel hissen. Am nächsten Tage aber wurde der Seeadler durch eine gewaltige Woge cmpor- gehoben und auf ein Riff geschleudert, wo er zer splittert liegen blieb. Nun stellte sich auch heraus, daß die Insel nicht völlig verlassen war. Es lebten hier drei Eingeborene, die für das Geschäftshaus Grand Miller & Co. arbeiteten. Diese Firma sollte durch ein Schiff ihre Vertreter abholen lassen, und die Deutschen erfuhren dies, indem sie drahtlose Telegramme abfingen. Am 24. August schiffte sich der Kapitän mit 5 Mann in einer Motorschaluppe ein, er gelangte, erst zur Cookinsel und wurde dann auf den Fidschiinseln gefangen. Am 5. September traf der kleine Dampfer Lutvee" in Mopelia ein, um die drei Eingeborenen und die von ihnen gesammelte Kopraernte für die früher genannte Firma abznholeu. Kaum war das Schiff aber in die Bucht gelaugt, als es von einem bewaffneten Boot überrascht wurde. Die Deutschen überließen die Gefangenen ihrem Schicksal, zerstörten, was sie konnten und eilten auf den, Schiff der Firma davon. Gleich nach ihrer Abfahrt wurde die französische Flagge auf der Insel gehißt, und die Besatzung der von den Deutschen entführten Lutöce" mußte sich für ein Robinsonleben einrichten. Nach verschiedenen mißglückten Versuchen gelang es endlich deni eng lischen Kapitän Smith und dreien seiner ebenfalls hier gefangenen und ansgesetzten Leute in einem kleinen Boot, das sie später den Befreier von Mopelia" nannten, Tutuila zu erreichen, von wo sie den Amerikanern auf Samoa auf drahtlosem Wege von dem Abenteuer auf der Insel und der Not der Ausgesetzten Mitteilung machten. Am 6. Oktober wurde endlich die Robinsonade auf Mopelia beendet. Die voin Seeadler während seiner Kreuzfahrt Gefangenen konnten die einsame Insel wieder verlassen. Das Schicksal der Lutece und der auf ihr verschwundenen Mannschaften des Seeadler gehört aber heute noch zu den Geheimnissen des Großen Ozeans." Ganz stimmt der letzte Satz nicht mehr, nach dem jene Nachricht von Chile gekommen ist. Die Fahrten und Abenteuer der Seeadlermannschaft im einzelnen werden allerdings wohl noch länger Geheimnis bleiben, bis Kommandant und Besatzung zurückgekehrt sind. Gott, der so manchem Deutschen in dieser Zeit durch Länder und Meere und feind liches Heer hindurchgeholfen hat, geleite auch sie freundlich weiter, daß sie bald selbst in der Heimat erzählen können, was sie draußen erlebt haben. Tägliches Sibellesen. Sonntag: Psalm 23. Psalm 33. Montag: Dan. 4, 16-34. 1. Jvh. 3, 19-24. Dienstag: Dan. 5, 1 16. Mittwoch: Dan. 5, 17 30. Donnerstag: Dan. 6, 1 15. Freitag: Dan. 6, 16 29. Sonnabend: Dan. 7, 1 15. 1. Joh. 4. 1-9. 1. Joh. 4. 10-21. ! 1. Joh. 5. 1-12. j 1. Jvh. 5. 13-21. Psalm 86. Lai Wochenblatt ^Marive-Krennd" kann man jederzeit bestellen. Bis zu 7 Sück bestellt man am besten bei der Post: von soo Stlick an kostet dai Blatt 1 Psg. ub Porto: win ger L Psg. dar Stück. Bestellungen au die Geichäktrstclle ieiNordd. Männer- und Jünglingibundei, Hamburg b, Brennerftr. 17, erbeten, Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckcrei, Schönberg i. Mccklb.Ir. 8. Schriftleltung: Geschwaderpfarrer K. I. Müller. Cantake. 28. April 1818. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Jahr . Inhalt : Gottes Sache siegt. Mit Psalmenjauchzen. Laet sang en spel, tambour en fluyt. Die Walpurgisfeier. Täg liches Bibellesen. Wunder wirkten Lieder, und Lieder wirkten Wunder. Glebe in Heroldsrufen in eiserner Zeit." Gottes Sache fiegt. (Weise: Wach Wacht auf, ihr hellen Siegesglocken, Und jubelt s laut hinaus mit heißem Dank; Singt erzgewaltig mit Frohlocken, Daß unser tapfres Heer den Feind bezwang! Schon wieder krönte Gott den schweren Krieg Mit einem großen, heiß erflehten Sieg. auf, du Geist der ersten Zeugen.) von Mlh. Mühlpforth. Die Waffen sind s, die Frieden schaffen. Die Siege sind das Tor der neuen Zeit, Dann schweigt der laute Lärm der Waffen, Es weicht der Waffenrock dem Arbeitskleid. Drum jauchzen wir in Siegesfreudigkeit, Dem Herrn, der Sieg gibt heut und allezeit. Za, Herr, wir wollen dankbar bleiben, Weh dem, der deine Treue je vergißt! Wir wollen uns getrost verschreiben Auf Tod und Leben unserm Herren Christ. Fliegt, Herzen, auf zu Gott, mit Zubel fliegt, Er wird euch segnen: Gottes Sache siegt. Aus Reue Kriegschoräle. Göttingen. Vandenhoeck u. Ruprecht. 1915. Nit psalmenjauchZen. Jakobus 5, 13: Ist jemand gutes Muts, der singe Psalmen. fasset uns mit Psalmen ihm jauchzen. Anders ** sollte es bei uns nicht sein. Wir haben viele Lieder und herrliche Lieder: Frühlingslieder, Heimat- und Vaterlandslieder, Soldatenlieder, Kriegslieder, aber nach solchen Siegen, nach solchen Taten geht es uns wie dem schwäbischen Sänger nach dem großen Freiheitskampf vor 100 Jahren, als er im Hinblick auf das geliebte deutsche Vaterland sang: Nach solchen Opfern, herrlich großen, was gelten diese Lieder dir?" Nur Psalmen reichen aus, um die Auf forderung Cantate, singet! zu befolgen. Zwar wiffen wir nicht, was noch geschehen wird von heute ab, da dieses niedergeschrieben wird, von diesen Tagen V der großen Frühjahrssiege an bis zu dem Sonntage, der uns zuruft: Cantate, singet! Aber wir ver trauen auf Gott und den, den er uns als rechten deutschen Helden geschenkt hat, als rechten Deutschen an Fleisch und Blut, Geist und Sinn, unfern Hin- denburg; wir vertrauen auf unsere tapferen Kämpfer zu Wasser wie zu Lande, vom Kaiser, dem edlen Sie gesherzog der deutschen Stämme, bis zum letzten Mann, der seiner Fahne folgt, und sind darum deffen gewiß, daß wir gutes Mutes der Zukunft entgegen schauen und entgegengehen können. Und ist jemand gutes Mutes, sagt die Schrift, der singe Psalmen. Gutes Mutes es war ein Zeitlang, als ob es unmöglich sei, immer gutes Mutes zu bleiben. Es war eine Stimmung der Verzagtheit über manche gekommen; und es war eine Stimme des Klein-,Seite 34 Marine-Frermb Nr. 9 mutes, die es offen für töricht erklärte, an den Sieg zu glauben. Kameraden, laßt euch daran erinnern, es hat sich von neuem bewährt: wer ein Christ ist von rechter Art, wie es der Deutsche sein sollte, der hat immer Ursache, gutes Mutes zu sein. Der ist darin nicht abhängig von Stimmungen und Schwingungen der Seele und des Gemüts. Der hat es in sich, daß er auch in Tagen, wo andere verzagen und alle Kraft zu verlieren scheinen, und wo auch er die Not spürt, dennoch sagen kann, wie einst jener Apostel: Darum bin ich gutes Mutes in Schwachheiten, in Schmachen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten." Und warum kann er es, was hat er in sich? Eine Kraft die größte Kraft, die die Welt, die Naturwelt wie die Welt des Geistes, kennenigelernt hat, die Kraft Christi. Christus als eine dem Menschen, der sich chm ergeben hat, innewohnende Kraft, als eine Kraft, die das Merkwürdige und Eigentümliche an sich hat, gerade in Menschen, die als Menschen sich schwach und niedergedrückt fühlen, die größte Kraftentfaltung und die höchste Kraftwirkung durch sie auszuüben. Wir tragen auch nicht das allergeringste Bedenken und nicht den geringsten Zweifel, die Krastentfaltung, deren unser von Feinden und ihrer großen Macht umstelltes Volk sich fähig gezeigt hat, vor allem andern dem Umstande zuzuschreiben, daß unser Herr Christus in ihm eine Stätte gefunden hat, wo er wohnen und wirken kann. Ohne ihn wären wir niemals dahin gekommen, wo wir sichen. Aber eben deshalb bitten und ermahnen wir auch immer wieder: Sorget dafür, daß Christus diesen Platz in unserm Volk und in euch selbst behalte; sorget dafür, daß diese Kraft unserem Volke erhalten bleibe. Niemals wird es dann!an denen bei uns fehlen, die gutes Mutes sind und ihre Psalmen singen. Und in diesen Psalmen bezeugen und rühmen, was sie erfahren haben. Und auch da kommen wir wieder auf das eine hinaus. Kein Lied ist mehr gesungen worden, hat sich unseren Streitern häufiger auf die Lippen gedrängt als: Ein feste Burg ist unser Gott. Der aber, der einst dieses Lied zuerst gesungen hat als Zeugnis seines guten Mutes in schweren Zeiten, hat es gesungen aus dem heraus, was ein Psalm (46) ihm in Herz und Sinn gab. So ist es denn auch heute noch ein Psalm, der herrlichste Psalm, den wir singen, mit dem wir ihm, dem Gotte, der Wunder tut, jubeln und jauchzen. Und da wollen wir doch, liebe Kameraden, niemals vergessen, daß das Kernwort in diesem Psalm lautet wohl dem, der es recht und fest ins Herz schließt : Es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ. . . Das Feld muß er behalten." Amen. K. F. Müller. Laet sang en fpel, tambour en flupt. Ern Cantate aus Fandern. Die Hundertjahrfeier der Universität Gent. Von E. Edert im Felde?) Es ist nicht zufällig, daß die Jubelfeier der Uni versität Gent zu einer gewaltigen Kundgebung der *) Mit besonderer Erlaubnis aus dem Schleswig-Holst. SonntagSboten Nr. 8 1918. vlämischen Sache wurde. Mau muß diesen Tag mit erlebt haben, um in die Seele dieses Volkes blicken zu können; man muß gehört und gesehen haben, wie sie den deutschen Offizieren zujubelten, und wie sie dann den vlamschen Läwen sangen: Zij zullen hem niet temmen ..." Aber wir wollen der Reihe nach erzählen. Vor der mächtigen Säulenhalle in Volderstraat wartet eine bewegte, festlich gekleidete Menge auf Einlaß; zwischen den Zivilisten bewegen sich Stu denten in schwarzen Baretts mit gelbem, violettem, rotem, grünem Stirnband, den Handstock in der Hand (er gehört mit zur Tracht), Studentinnen in derselben Mütze, behelmte Offiziere, Soldaten, Schüler der unentbehrliche Photograph. Durch einen -Vorhof gelangt man in die Aula, eine schöne, vornehm wii^ kende Rotunde, durch eine Wölbung überdacht, die helles Oberlicht in den Saal wirft. Rings im Kreise ragen weiße Säulen, zwischen denen Logen ange bracht sind. Sie füllen sich schnell mit Gästen. Die Studenten sitzen ringsherum im Parkett. Die leeren Stuhlreihen in der Mitte verraten, daß viele Ehren gäste erwartet werden; auch der Rednertisch, über dem Pallas Athene ihre Hände breitet, ist noch leer. Da setzt die Musik ein: Laet sang en spel, tambour en fluyt," und in feierlichem Zuge tritt der Lehr körper zusammen mit den hohen Gästen in den Saal. Voran der Rektor, Prof. Hoffmann, in wallendem Talar, zu seiner Rechten der Generalgouverneur, Frh. v. Falkenhausen, danu immer je ein Professor und ein Offizier, dazu Vertreter des Hochschul- und des Nationalen Vlämischen Verbandes ein feier licher Anblick Der Rektor spricht. Er spricht so klar und dentlich, daß auch wir Deutschen jedes Wort verstehen. Dank, hartilijk Dank" bringt er den Gästen, dem Gouverneur, für alle Unterstützung und Hckfe und gibt dann eine Darstellung über die Gründung und Entwicklung der Genter Universität, zeichnet die Wi derwärtigkeiten und Kämpfe, die sie namentlich gegen die französische Regierung zu bestehen hatte bis zu der Gegenwart hin, wo die Hochschule unter der mäch tigen Hand der deutschen Verwaltung ihren vlämischen Charakter wiedererlangt hat. Niemals wird sie ihn wieder verlieren; das vlämische Volk wird es nicht dulden. Da klingt ihm freudige Zustimmung von allen Seiten entgegen. Wie er dann aber der deutschen Regierung für die Einführung der vlä mischen Sprache seinen herzlichen Dank ausspricht, da braust so mächtiger Beifall, Rufen und Hände klatschen durch den Saal, daß der Generalgouverneur sich erheben und nach allen Seiten danken muß. Und dann redet er selber, kurz, sachlich, kernig. Er zeichnet die großen Aufgaben der Universität, nennt die not wendigen Erweiterungen ihrer Einrichtungen und Freiheiten, gewährt ihr die Rechte einer juristischen Person und stiftet 4 Millionen Franken zum Ju biläumstage. Da geht es wie ein freudiges Beben durch den Saal, aber wie er sich dann mit erhobener Stimme an die Studenten meine lieben jungen Freunde" wendet und sie ermahnt, sich zu rüsten für den harten Kampf, den sie um ihr Volkstum zu . führen haben werden, wie er ihnen dazu vollen Er folg wünscht, so daß es in Zukunft mt Recht heißen möge: In Flandern vlamsch!" da braust ein Bei fallssturm ohnegleichen durch den Kuppelsaal. DerNr. S Marine Freimd Seite 35 Rektor dankt bewegt und gedenkt noch einmal der Verdienste v. Bissings und Falkenhausens, alles hat sich erhoben und jubelt dem Gouverneur zu. Man hat als Deutscher das stolze, freudige Gefühl: das gilt auch dir! Ein Sieger, der solche Empfindungen auszulösen vermag, ist auf dem besten Wege, aus diesem, durch welsche Kriegshetzer irregeleiteten Bruderstamm einen Freund und Bundesgenossen zu gewinnen. In Flandern vlamsch! Das ist das Thema, das immer wiederkehrt . . . das Bekenntnis der glühenden Liebe zu unserer vlämischen Sprache, unserem Lande, unserem Volk: Flandern kann schlafen, aber sterben nicht." Das ist der Gedanke, der jedesmal in den Reihen der Zuhörer zündet und Beifallsstürme entfesselt, der in allen Liedern wieder kehrt. Wilhelmus van Nassauen Ben ik van dietschem Bloed singen sie markig, kernig, wuchtig. Das Lied wirkt wie Trompetenton. Aber wie sie dann das Na tionallied, den Vlamschen Löwen, anstimmen, da zittert noch tiefere Bewegung durch alle Stimmen und Herzen, und auch die unfrigen schwingen mit, von der Begeisterung fortgerissen. Denn dieses Volk scheint uns so eng verwandt, sein Kampf um seine Freiheit, Sprache und Art uns durch ähnliche Bei spiele unserer Geschichte so vertraut, daß wir sie ohne weiteres verstehen. So mögen die Schleswig- Holsteiner 1848 um ihr Deutschtum gegen die Dänen gestritten haben. Mit derselben Begeisterung, wie jene das Schleswig-Holstein, meerumschlungen" den dänischen Bedrückern entgegenschmetterten, so singen diese das Trutzlied vom vlämischen Löwen. In der öffentlichen Aufführung abends im The ater bricht die Begeisterung mit elementarer Wucht durch und wird zu einer gewaltigen Kundgebung. Die Schaubnrg, die über 4000 Menschen faßt, ist lange vor Beginn der Vorführung gedrängt voll. Auf der geräumigen Bichne sind mehr als 600 Mu siker, Studenten, Frauen und Kinder unter dem Di rigenten Lieven Duvosel vereinigt, das Programm enthält die Kampfgesänge des vlämischen Volkes.... Die Musik setzt ein. Das Lied von der Schelde, die für den Vlamen dasselbe bebeutet wie für uns der Rhein, bringt stürmische Kundgebungen; aber es ist nur der Auftakt zu dem tief empfundenen Lied Renös de Clerq: es gibt nur ein Flandern. Sie hängen an den Lippen des Sängers dort auf der Bühne; der Mann neben mir spricht leise die Worte mit, er weiß das Gedicht auswendig; sie können es kaum erwarten, daß der Schlußsatz kommt: Dar is maar (nur) een Vlaandren, en t is dietsch!" Da springen sie auf üüd rufen und klatschen und wollen das köstliche Wort immer wieder hören. So reiht sich Stück an Stück. Auf de Vlaamsche Tale", das so anschmeichelnd klingt wie Klaus Groths Moder- sprak, folgt das herrliche Mijn Blanderen heb ik hartelijk lief, mijn Blanderen beven al", das durch Chor und Orchester, nicht zum wenigsten durch Hun derte von weichen, hellen Kinderstimmen zu hin reißender Wirkung gebracht wird. Während dem Dirigenten Lieven Duvosel unter stürmischen Hul digungen Blumen und Kränze überreicht werden, schwillt das Händeklatschen plötzlich zu einem Orkan an: man hat Renö de Clerq, den ersten vlämischen Dichter, in einer Loge entdeckt und führt ihn im Triumph auf die Bühne. Eine mächtige Gestalt, mit einem feinen von einem großen schwarzen Bart um rahmten Antlitz, steht vor dem Podium, und bald wird es mäuschenstill im Theater. Er ist ein Redner von Gottes Gnaden, und seine Vlamen lieben ihn. Er ist s. Z. von der belgischen Regierung wegen seines tapferen Eintretens für die vlämische Bewegung mit Frau und Kindern um sein Brot gebracht worden, und damals hat er ein Gedicht an die Herren von Havre, als sie vergaßen, daß auch Flandern in Bel gien liegt," gerichtet, das zum Trutzlied der Vlamen geworden ist. Das rezitiert er am Schluffe seiner Rede; es ist eine offene Absage an die belgische Re gierung. Wir sind Germanen, keine Lateiner! ruft er ihnen zu und schließt: Weiß der König, unser König, - Daß man sein Volk zu Sklaven drilltl Flandern soll unser eigenes Heim werden, Oder der Löwe springt aus dem Schild. Hab ich kein Recht, So Hab ich kein Land; Hab ich kein Brot, Trifft mich keine Schand. Flandern, Flandern, mit Herz und Hand Steh ich recht für dich, Fecht ich für dich. Stürniischer, immer wiederholter Beifall jauchzt ihm entgegen. Man fühlt deutlich, daß für diese Kreise die belgische Regierung in le Havre nicht mehr be steht. Sie wollen ein fteies Flandern, und unter dem Schutze des mächtigen deutschen Armes nutzen sie die Stunde, ihr Land zu säubern von den ver haßten Welschen und den noch verhaßteren Fvans- hiljons (Spottname der französierten Vlamen). Nicht als ob sie nun mit lochenden Fahnen ins Lager der Deutschen übergchen wollten. Sie wollen nicht Deutsche werden. Onverduitscht, onverfranscht, Voor Blanderen Die Leeuwe baust, heißt es ausdrücklich in einem anderen Liede. Sie wollen Vlamen sein und bleiben. Aber sie wissen sehr gut, daß sie dieses Ziel nur in Anlehnung an Deutschland erreichen können. Nicht von England, nie von Frankreich, auch nicht von Holland nuv von Deutschland kann ihre Befreiung kommen, nu unter seinem Schutz die gesicherte Weiterentwicklung erfolgen. Und so erscheint es ihnen und uns ganz selbstverständlich, daß deutsche Ofsiziere und Mann schaften in den Reihen und Rängen unter ihnen sitzen, als gehörten sie dazu, und so empfinden wir uirmittelbar mit ihnen die tiefe Begeisterung, dia Liebe zu Volk, Land und Sprache es find ja die selben Klänge, wie wir sie aus unseren deutschen Heimat- und Vaterlandsliedern kennen, nur daß sis bei den Vlamen trotziger, leidenschaftlicher, stürmi scher klingen, weil jene noch ringen um die letzten und höchsten Güter, die wir seit Jahrzehnten als gesicher ten Besitz betrachten. Grenzstämme sind Kampf stämme. Erst wer seine Sprache und sein Volks tum in erbittertem Streit verteidigen muß, kennt chren ganzen Wert, und so erklärt sich der hinreißen de Schwung, die leidenschaftliche Bewegung, die hiev in dieser vlämischen Kundgebung zutage tritt. Und das steigert sich von Lied zu Lied, bis es in der Ber-Seite 36 Marine-Freund Nr. S herrlichung des Freiheitshelden Artevelde .seinen Höhepunkt erreicht. Die erste Strophe wird vom kleinen Chor gesungen, die zweite schwillt unter Be teiligung des vollen Orchesters und aller Sänger zu gewaltiger Wirkung an, aber bei der dritten Strophe dreht sich der Dirigent mit einem Male auf seinem Pult um, das Publikum erhebt sich, und nun klingt es aus 5000 Kehlen: ,, t was de Held, t was de Held, en de roem (Ruhm) van ons Land ." Das ist ein Augenblick von solcher Größe, daß man ihn nicht wieder vergißt. In den tosenden Beifall mischen sich Rufe: deLeeuw, deLeeuw! (der Löwe). Stehend hört dann die Versammlung den Sänger des Na tionalliedes an, um dann, wie am Morgen in der Aula, mit ungeheurer Kraft in den Kehrreim einzu stimmen, der uns Deutsche lebhaft an das schwung volle Sie sollen ihn nicht haben den freien deutschen Rhein" erinnert. Zij zullen hem nide tammen (zähmen) Zoolang en Vlaming leeft, Zoolang de Leeuw kan klanwen, Zoolang hij tanden (Zähne) heeft. Wie ein Orkan braust das Lied durch das Theater. Freude und Stolz leuchten aus den Gesichtern. Die Menschen drücken sich die Hände, fassen sich unter, und weiter singend, weiter rufend wälzt sich die Men schenmasse wellenförmig durch die Vorhalle auf die Straße; immer neue Gruppen tauchen auf, ein neues Kampflied singend, und über den Waffenplatz hin durch die Brabanterstraße bewegt sich in der stock finsteren Nacht der Zug zij zullen hem niet, temmen .... Wir haben ihm bewegt nachgesehen, bis die Stim men in der Dunkelheit verklangen. Zwei Gedanken aber haben sich vor allen andern eingeprägt. Ein Volk, das an seiner Sprache und Art, an seinem Volkstum und an seiner Freiheit mit so tiefer, echter, leidenschaftlicher Hingebung hängt, kann niemals unterjocht und unterdrückt werden; gegen jeden Fremden, der ihm jene höchsten Güter rauben wollte, wird es sich immer wieder hartnäckig zur Wehr setzen. Zum andern aber ist das vlämische Volk in seinen besten Teilen uns Deutschen innerlich so wesensver wandt, daß es politisch eng mit uns verbunden auch völkisch sich bald ausgleichen und angliedern würde, ohne das geringste von seiner Eigenart opfern zu brauchen. Kommt noch hinzu, daß es sprachlich dem Hochdeutschen genau so nah und so fern steht wie etwa die Bewohner der Elbmarschen, daß religiös zwischen ihm und den Nachbarn vom Niederrhein kein Unterschied besteht. Die Vlamen wären dann der am weitesten westlich vorgeschobene Germanen stamm und er würde, von der mächtigen Hand Deutschlands überschattet, keine schlechte Grenzmark bilden und seine dietsche" Sprache und Art so hart näckig gegen die Welschen verteidigen, wie etwa die Siebenbürger Sachsen im Südosten oder die Schles wig-Holsteiner im Norden. Seine Belange, völki sche wie auch wirtschaftliche, weisen nach Osten, nach Deutschland, unsere nach Westen an die vlämische Küste. Miteinander verbunden, eröffnen sich weite Aussichten für uns jenen aber Zukunftsmöglich keiten, die selbst die glänzendsten Zeiten ihrer Ver gangenheit in den Schatten stellen würden. Freilich, es bedarf einer festen und geschickten Hand, dies Band zu knüpfen. Möchte es ihr gelingen! Es wird von dauerndem unermeßlichen Segen fein für beide Teile. Die Valpurgisfeier. Ein Bild aus der alten deutschen Universitätsstadt Dorpat. Wie Flandern im Westen, so ist das Baltenland im Osten berufen, eine Grenzwacht zu bilden. Und wie dort die Uni versität zu Gent in diesem Krieg von neuem zur Geltung ge kommen ist, so feiert hier in Dorpat eine Hochschule, eine alte deutsche Hochschule ihre Auferstehung. Ein Bild von dem alten Dorpat, auch ein Bild für Cantate, gibt uns eine Baltin in Erinnerungen aus ihrer Kindcrzeit. Sie erzählt darin folgendes. ) Bei Tisch erzählten die Kinder, daß Axel und Erich heute abend zur Walpurgisfeier gehen wollten und fragten, was dar denn sei. Nun erfuhren sie, daß es eine alte Sitte der Dorpater Studenten wäre, den ersten Mai mit Gesang und Freudcnfeuer zu begrüßen, und da in diesem Jahr das Wetter wunderbar mild und warm war, so versprachen die Eltern, diesmal die Kleinen auch mit auf den Dom zu nehmen, damit sie die Walpurgisfeicr kennenlernten. Am Abend konnten die Kinder es gar nicht erwarten, bis es dunkel geworden war. Endlich war der Tee getrunken und man brach auf. Viele hundert Menschen, alte und junge, große und kleine, waren auf dem DonG versammelt und scharten sich rings um den großen, freien Spielplatz unterhalb der Domruine. Der Platz selbst war noch leer, nur große Haufen Brennholz und alte leere Flaschenkörbe waren daselbst aufgestapelt. Aber horch, jetzt erschallt Gesang in der Ferne und kommt näher und näher. Erwartungsvoll recken sich alle Hälse, um durch das Dämmer licht der nordischen Frühlingsnacht nach den Farben der wehen den Fahne zu spähen, die den hcranziehenden Sängern voran getragen wird. Hurra, die Kurländer!" jubelten die Kinder. Richtig, es waren die Kurländer, die als die ersten auf dem Platz erschienen, ihre Banner aufpflanzten und ein Feuer anzündeten; ihnen folgten in kurzen Pausen die anderen Korporationen. Mit hellem Gesang kamen sie herangezogen und wurden mit frohem Zuruf begrüßt, und wo sie sich lagerten, da flackerten die Feuer rot empor. Als alle beisammen waren,- wurde gemeinsam das Mailied angestimmt. Wunderschön klang es aus all den hundert jungen Kehlen, so froh und hell zum nächtlichen Sternhimmel empor: Ter Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus: da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus!" Lebhaft ging es jetzt auf dem großen Platz her. Lied folgte auf Lied, Wechselgefänge und Chorlieder. Munter wurde dazwischen geplaudert und gelacht, und um die mächtigen Feuer sah man ein buntbewegtes Leben und Treiben sich entfalten. Da leuchtete mit einem Male die schöne alte Domruine in bengalischem Lichte auf, ein märchenhafter Anblick, bald rot, bald grün, bald weiß. Die Kinder liatschten vor Vergnügen in die Hände und wollten gar nicht Nachhausegehen denken. Noch ein Lied, nur noch eins wollen wir so gerne hören!" so bitten sie jedesmal, wenn sie gefragt werden, ob sie nicht schläfrig sind. Endlich aber wird es schon zu spät zu längerem Verweilen, und die kleine Gesellschaft wandert nach Hanse. " Ein Bild aus früheren Tagen, möge es künftig sich er neuen. In diesen Frühlingstagen aber ist eS ein Lied, das von Gent bis Dorpat, vom Meer im Norden bis zu den Alpen im Süden gen Himmel dringt: Herr Gott, dich loben wir! ) Im baltischen Heimatbuch. Reval. Bd. 1. 3 ) Auch hier in Dorpat heißt wie in Reval der ganze Platz, auf dem der Dom steht, der Dom. Tägliches Sibelleftn. Sonntag: Psalm 119, 83 18. Montag: Dan. 12. Dienstag: Joh. 14, 1 14. Mittwoch: Joh. 14, 15 24. Donnerstag: Joh. 14, 25-31. Freitag: Joh. 15, 1 16. Sonnabend: Joh. 15, 17 27. Psalm 87. 1. Petr. 3, 8-15 a. 1. Petr. 3, 15 b-22. 1. Petr. 4, 1-11. 1. Petr. 4, 12-19. 1. Petr. 5. 2 Joh. Wochenblatt .M ria -Kre nd" kan man jederzeit bestellen. Bi zu 7 Ellck bestellt man am besten bei der Post; von ?00 Stllck an kostet da Blatt 1 Psg. and Bort wt aer I Pia. da erst . Bekellunqen an die esckästtitelle de N rdd. Männer, xlilnglinaibunde , oomburg 5, Brennerstr. 17, erbeten, an voru, o , Lehmann & Bernhard. Hofbuchdruckerei, Sch-nb - i. Meckl .jttrSce yr. 10. Schnftleitung: Geschwader pfnrrer ft. $. Müller. Mafien, lg. Mai 1818. Verlag des Nordd. Männer und Jüngiinasbundes, E. V. lAug. Schröder) Hamburg 5 , Brenners . 17. 4. Zahrg. Jnhalr: Deutsche Psiiigste . Im Maienschmuck am Pfingstfest. Der Geburtstag der christlichen Kirche. Warum die Rede des Apostels Peirüs am Pfingstfeste so großen Erfolg hatte. Vom Schwort des Geistes. Pfingstgebet. Tägliches Bibellesen. Im Namen öes Heiligen Heisies öenn, öer in uns wirken unö brausen unö siegen soll, psianZe ich vor öas Haus unseres Vaterlandes grüne pfingsidäume und weiß und weis sage: sie werden nicht sterben, Gott wird siegen ^ der Menü wird kommen und ein Lob gesang wird die Hallen süllen mit neuen Aungen. ^acobskötter, Tagebuchblätter eines Laheimgebliebenen. Dslttschs PfingsteK. Du Hauch aus Gottes Seele, Du Pfingstgerft, fromm und stark, Durchglute, heilige, stähle Das deutsche Herz und Mark. I Eise stampft einher die Zeit, Ein grimmer Feldsoldat. Dem Tod gesellt, in Blut gefeit. Wir aber singen in Not und Streit: Komm, heiliger Geist der Tat! Es starrt ein Waffengitter Ams heilige deutsche Land, Helden, Kinder und Mütter Halten still und stand. Blutpurpurn blühr s am Heimatwall, Von Tränentau begleißt, And drüber süßer Lieder Schall Wir aber singen in Sturm und Fall: Komm, heiliger Opfergeist. von Joachim flhlemann.*) Ausspei n die Höllenschächte Der Lüge Lavafiut. Am Wahrheit, Licht und Rechte Schwelt Gift und Haß und Wut. Ties hangt, blutschwanger, unheilschwer, Die Wolke des Gerichts Pfingstsonne, wirf deinen blanken Speer, Führ sieghaft herauf dein Strahlenheer. Komm, heiliger Geist des Lichts! Wir schichten die treuen Gebete, Wir türmen der Eintracht Bau, And Liebe spannt die Drähte Zu schirmendem Verhau. Nun, Gottes Funke, flamm hinein! Mit Gott und Wetterschlag Soll deutscher Zan geladen sein, Soll deutsch der Sieg in Gnaden sein Komm, deutscher Pfingsten tag! ) In Heimatgrnß zum Pfingstfeste" von Gen.-Sup. v. Jacobi. Stiftungsverlag Potsdam. Im Mmerrsthmuck am Pfingstfest. Psalm 118, 27: Schmücket das Fest mit Maien. Sjj 11 vielen Orten unseres lieben deutschen Vater - * * landes stehen zu Pfingsten Kirchen und Altäre, Häuflr und Wohnräume im Schmuck der Maien. Daß die Unfern daheim auch in dieser harten Kriegs zeit auf diesen Schmuck nicht zu verzichten brauchen, daß sie, wie in Friedenszeiten, so jetzt auch am vierten Kriegspfingsten sich freuen können am Maiengrün und Maienduft, das ist unsere Freude. Und daß nur, wo ivir auch auf dem großen Kampfplatz zu Master oder zu Lande stehen, dazu beitragen dürfen, den Unseren daheim diese Möglichkeit eines Pfingst festes im Maienschmuck zu schassen, das erhebt uns über das Gefühl der Wehmut, auch diesmal iloch nicht mit ihnen zusammen feiern zu können. Das und noch ein anderes. Soll denn unser Pfingstfest da, wo wir uns gerade befinden, ohne Maienschmuck bleiben? Hier und da an den Land fronten wird es vielleicht Kameraden gelingen, ihre Unterkunft, ihren Gottesdienst, ihren Altar mit Birkengrün zu schmücken; an Bord ist es nicht Sitte, diesen Festschmuck zu beschaffen. Und wenn es schonSeite 38 Marine-Freund Nr. 10 wäre, würde es für viele Fahrzeuge wie ihre wackere Besatzung aus anderen Gründen nicht möglich sein, dafür zu sorgen. Aber trotzdem, den rechten Pfingst- schmuck braucht niemand weder an Bord noch an Land zu entbehren, und nirgends ist es unmöglich, der Forderung nachzukommen: Schmücket das Fest mit Maien! Man muß nur ivissen, wie es geschehen kann. Man muß nur bedenken: nicht auf äußeren Schmuck kommt es dabei an, sondern auf den inneren Schmuck der Herzen. Schmückt euer Herz aufs beste, heißt es auch hier. Oder wie die Schrift sagt: Der verborgene Mensch des Herzens unverrückt mit sanf tem und stillem Geist, das ist köstlich vor Gott. Für sein Werden und Entstehen können wir freilich etwas lernen von dem auswendigen Schmuck, den die ge genwärtige Zeit des Jahres, die Frühlingszeit, die Pfingstzeit, an sich trägt. Er wird hervorgebracht durch das Wehen der Frühlingswinde, des Frühlings odems. Ebenso wird auch der innere Schmuck her vorgerufen, durch ein Wehen, aber nicht das Wehen in der Natur, das Wehen der linden Lüfte, die er wacht sind, sondern das Wehen im Reich der Gnade, das Wehen des heiligen göttlichen Geistes von oben. Geisteswehen, Goisteswirken, das ist unbedingt not wendig, das muß kommen, das nmß da sein. Aber wenn es da ist, dann ist es auch nicht vergeblich, so wenig wie die linden Frühlingslüfte vergeblich sind. Es läßt als Früchte Pflanzen und Blüten auf sprießen, die herrlich sind vor anderen. Wollt ihr einige genannt haben? Die Frucht des Geistes," sagt der Apostel, ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keusch heit." Ist nicht jedes einzelne davon und erst recht das ganze ein hervorragender Schmuck für ein Men schenherz, auch für das Herz eines deutschen Kriegs mannes? Oder soll es nicht nur das Herz sein, son dern der ganze Mann, der da steht zu seines Gottes Preise? Sv höret das andere, was derselbe Apostel sagt: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder" und niemand kann Jesum einen Herrn heißen ohne den Heiligen Geist." Wo aber Gottes kinder und Jesuskinder auftreten, sind sie nicht auch ein rechter Schnmck gleich Maien am. Festtag! Oder soll es mehr eine Tat sein, durch die der Schmuck kenntlich wird, eine Tat, die der Wahrheit dient, die Klarheit schafft und Freiheit erringt, so denket an das Wort: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Frei heit," so befolget die Mahnung: Nehmet das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes!" so wird es an der Tat nicht fehlen und nicht an ihrem Erfolg: Kampf und durch Kamps zum Sieg und durch den Sieg zur Freiheit. Sind das aber iviederum nicht die schönsten Pfingstmaien, die wir uns in dieser Zeit nur wünschen können! Liebe Kameraden, könnten wir es tun, wir möchten sie zusammenbinden wie einen Strauß und sie euch senden als einen Gruß der im Pfingstschmuck prangenden Heiniat. Aber mehr, als daß andere sie euch bieten, euch zeigen, kommt es darauf an, daß ihr selbst sie nehmt. Daß ihr sie nehmt nicht um andererwillen, sondern um euretwillen, getrieben von des Herzens Ver langen. So nehmt sie herab vom Himmel der Gnade. Nehmt sie durch Jesu Gnade aus Gottes Hand. Nehmet hin den Heiligen Geist." So werdet ihr niemals und nirgends in Verlegenheit sein nur den rechten Maienschmuck am Pfingstfest. Ihr wer det etwas von dem schon jetzt und schon hier erleben, was uns fiir dort und für die Zukunft verheißen ist, daß wir: Bei den grünen Himmelsmaien ewig uns erfreuen. Auren. K. F. Müller. Der Geburtstag -er christlichen Kirche. 9(115 Ludw. Schneller, Apostelfahrten.0 Pfingsten war gekommen. Draußen auf den Fel dern wogten die reifen Ähren. Die Gärten der Vor stadt prangten im Glanze der Junisonne. In der Stadt wogte die festliche Menge durch alle Straßeit. Von allen Seiten, vom Palast des Herodes, vom oberen Markt, zwischen den geschlossenen Kaufbtiden des unteren Marktes, dirrch die engen Gassen und über die Brücke am Tystus-Platz flutete in den Mor genstunden alles deni Tempel zu, wo heute Ernte dankfest gefeiert wurde. Unter den herrlichen Säu lengängen und Hallen der Tempelvorhöfe sah man die Landleute in ihren weißen wallenden Gewändern bunt gemischt mit den Vertretern der verschiedensten Länder des gewaltigen römischen Kaiserreiches. Auch die Jünger Jesu, wohl hundertnndzwanzig Seelen (Ap.-Geschichte 1, 15), sah man wie früher so oft au einem Platze der Tempelvorhöfe beisamnienstehen, um das Fest mitzufeiern. Nur ihr Meister fehlte diesmal, um den sich sonst das ganze Volk geschart hatte, sobald er im Tempel erschienen war. Unter der Priesterschaft war von frühe oh ein geschäftiges Treiben. Galt es doch heute eines der drei höchsten Nationalfeste vor dem ganzen Volke würdig zu begehen. Kaiphas selbst, der Hohepriester, erschien heute, wie an jedem dieser drei Feste, in seinem prächtigen hohepriesterlichen Ornat. Wie vor sieben Wochen, am Tage nach der Kreuzigung Jesu, war er heute in seinem festlichen Schmuck zu sehen, in Purpur und Gold und Juwelen, mit dein kostbaren Schilde auf der Brust, auf welchem in zwölf köstlichen Edelsteinen die Namen der zwölf Stämme Israels prangten, die er betend auf dem Herzen tragen sollte. Der ganze Glanz des israelitischen Kultus wurde angesichts des herrlichen in Marmor und Gold schim mernden Tempels entfaltet. Mit dem feierlichen Klang der Posaunen hatte der Gottesdienst begon nen, die alten Psalmen waren über die andächtige, in den Vorhöfen versammelte Menge dahingeklungen, mit der Darbringung der zwei Erstlingsbrote von der diesjährige Ernte hatte der Festgottesdienst seinen Höhepunkt und bald darauf auch seinen Ab schluß erreicht. Es war um die dritte Stunde, also nach unserer Zeit um neun Uhr vormittags. Eine festliche Menge bewegte sich noch durch die Tempelvorhöfe. Auch die 120 Jünger Jesu waren noch da. Bei der steigenden Glut der Junisonne waren sie wohl in eine der offenen Hallen der Tempelvorhöfe getreten und hatten sich daselbst niedergelassen. Denn nur diese können gemeint sein, wenn Ap.-Gesch. 2, 2 von einem Hause die Rede ist, in welchem sie saßen. In keinem an deren Hanse", am wenigsten in einem Privathause 0 Der Verfasser, ein echter deutscher Mann, ist zugleich von Kind auf im heiligen Land daheim gewesen. Wie kein anderer konnte er darum die Vorgänge im Alten und Neuen Testament nacherleben. Niemand, der die Schrift liebhat, sollte an dem, was er uns erzählen kann, vorübcrgehen. Die Apostclfahrten sind erschienen bei H. G. Wnllmann, Leipzig.Nr. 10 Seite 39 Martne Freund in den engen Festemgsgassen Jerusalems, hätte sich eine nach Tausenden zählende Menge um sie sam meln können. Eine frohe gehobene Stimmung ging dnrch die Reihen der Jünger. Ihnen, die vor einigen Tagen die Himmelfahrt Jesu erlebt hatten, war es, als ob das Fest mit seinen alten Psalmen eine neue, seligere Bedeutung für sie gewonnen hätte. Dnrch die Lieder des Alten Testaments brausten für sie in jubelnden Akkorden die Klänge des Neuen Testaments hindurch, von Gottes ewiger Liebe, von Ostern, von Himmel fahrt, von Wiederbringung des ganzen verlorenen Menschengeschlechts redend. Eine frohe Erwartung ließ ihre Herzen höher schlagen. Hatte ihnen doch der Herr für diese Tage eine neue selige Offenbarung verheißen, seine Wiederkunft im Heiligen Geist, ihre Ausrüstung mit der Kraft der Höhe. Und wie sollten sie sich darauf nicht freuen? Sollte doch diese Mitteilung die Krönung seines ganzen Werkes, die herrlichste Frucht seines gottmenschlichen Lebens sein! Sollte doch er selbst damit einziehen in ihre Brust, um nie wieder von ihnen zu scheiden! Sollte doch jeder Empfänger dieses Heiligen Geistes hiuaufge- hoben werden zum Genossen einer höheren Welt, die ihr Meister durch sein Sterben und Auferstehen er schlossen hatte. Sollte doch damit erst jenes Wort Jesu am Ostermorgen wahr werden, daß feine Jün ger allesamt seine Brüder seien. Denn wie Christus Gottes Sohn war, weil der Geist Gottes in ihm war ohne Maß", so sollte Geist von Gottes Geist sie durchwehen und sie hinaufheben in die göttliche Ver wandtschaft der Kinder Gottes. So waren sie in jener Tempelhalle im Zustande höchster Empfänglich keit für das Göttliche. Sie hatten sozusagen alle Türen und Fenster ihres Herzens aufgeschlossen für den Himmel. Daher waren sie auch in der rechten Verfassung, um den Himmel mit beseligender Macht in ihre Herzen einziehen zu lassen. Da, um neun Uhr, rauscht es plötzlich in den Lüf ten. Die Zypressen auf den Tempelvorhöfen schlugen aneinander, die Palmen wogen, ein gewaltiger Wind braust wie ein Gewittersturm über Jerusalem hin weg. Der Wind weht durch die einmütige Versamm lung, der Jünger dahin, hinüber übers Kidrontal nach dem nahen Ölberg. Die Jünger ahnen, daß dieser Wind, wie die Wolke bei der Himmelfahrt, ein Symbo?) höherer Dinge ist. Es ist ihnen, als käme^ der Herr selbst in den Lüften unsichtbar durch sie hinrauschend, Äs führe er auf Sturmesfittichen daher, um im Geiste wieder seinen Einzug in ihrer Mitte zu halten. Die Jünger haben sich voll seliger Freude erhoben. Sie sind seiner persönlichen Nähe gewiß, wiewohl sie ihn nicht sehen. Eine unbeschreib liche Wonne ergreift sie, als ob der Himmel selbst sich ihnen geöffnet hätte. Neue Kräfte fühlten sie durch ihr ganzes Wesen strömen, als wäre der rechte goldene Frühling ihres inneren Lebens angebrochen. Und nun geht es ihnen, wie es der Dichter vom irdischen Frühling singt: Es brechen in schallendem Reigen Die Frühliiigsstimmen los, Sie können s nicht länger verschweigen, Die Wonne ist gar zu groß! ft Sinnbild. Mit strahlenden Augen rufen sie es einander zu, daß es der Herr selber sei, der im Geist wieder zu ihnen komme. Ein hundertstimmiger Freudenruf hallt über die festlichen Vorhöfe. Die Menge eilt von allen Seiten herbei. Erstaunt sehen sie die Grup pen der Jünger. Brausender Wind, feurige Flam men, das sind die Zeichen, welche die Herbeieilenden wahrnehmen. Was aber diese Zeichen bedeuten soll ten, war ihnen ein Rätsel. Indessen, was ihnen Sturm und Flamme nicht sagen konnte, das sagten ihnen jetzt die Jünger selbst. Diese waren voll Heiligen Geistes". Schon eine bloß irdische Be geisterung, was kann sie nicht aus einem Menschen machen! Es ist, als ob plötzlich ein ganz anderer, neuer Mensch vor uns stünde. Hier aber war mehr als bloß irdische Begeisterung. Es war nicht nur wie bei dieser eine plötzliche Steigerung ihrer eige nen Seelenkräfte, sondern Gottes Geist durchwehte und durchglühte ihr ganzes Wesen und hob sie weit hinaus über die Schranken chrer Natur. Jetzt ver standen sie, was ihr einstiger Lehrer am Jordan vor zwei Jahren gemeint hatte, wenn er sagte: Der- selbige wird euch mit dem Heiligssn Geist und mit Feuer taufen!" Jetzt verstanden sie gewisi-e Worte ihres Herrn erst, deren Sinn sie früher nur hatten ahnen können, wenn er von der Kraft aus der Höhe" sprach, oder wenn er ihnen sagte: Wir, der Vater und ich, werden kommen und Wohnung bei euch machen." (Joh. 14, 23.) Von dieser Gottes- krast erfüllt, fingen sie an zu reden mit anderen Sprachen, je nachdem der Geist sie ihnen auszu- sprechen gab." In allen Sprachen des Reiches fin gen die begeisterten Jünger Jesu an zu reden. Es war, als ob sie von einem Sturmwind fortgerissen, von einem Feuer durchglüht wären, das ihr geistiges Leben hinaushob in eine höhere Sphäre, während sie doch ihrer selbst vollkommen mächtig waren. Unter den aus den Tempelvorhöfen Herbeige strömten befanden sich viele Ausländer, die zum Fest gekommen waren. Lukas nennt uns fünfzehn Län der, die vertreten waren. Aber es war niemand unter ihnen,, von dem braunen Araber an, der von den Ufern des Indischen Ozeans gekommen war, bis zu dem Kaufmann von den Küsten des Schwarzen Meeres oder Italiens und Spaniens, der nicht plötz lich der Mitte der Jünger seine eigenen heimat lichen Laute vernommen hätte. Was aber die Zuhörer und Zuschauer noch viel mehr fiappierte als die Verschiedenheit der Sprachen, das war der Inhalt dessen, was die Apostel sag ten. Denn so mannigfaltig die Sprachen waren, sie dienten doch alle einem einzigen großen Gedanken, einem einzigen erhabenen Zweck. Sie predigten" (Ap.-Gesch. 2, 4) und priesen die großen Taten Gottes" (Ap.-Gesch. 2, 11). Welche Taten Gottes? Natürlich diejenigen, durch welche er sich in Christo geoffenbart hatte. Die Gottestaten des Karfteitags, die Gottestat des Ostertags, die Gottestat der Him melfahrt, das war es, was sie dem versammelten Volke predigten und priesen. Zum erstenmal tönte die selige Osterbotschaft jubelnd hinein in die Stadt der Hinrichtung Jesu. Da standen sie, wie die Pro pheten der alten Zeit, mit dem Ausdruck der Hoheit und Würde und zugleich mit einer flammenden, hin reißenden Beredsamkeit. Es war der Frühlings gesang einer neuen Schöpfung des Geistes, aus denMarine-Freund Nr. 10 Tiefen seliger Empfindung hervorströmendes Lob Gottes, das von ihren Lippen erklang. Auch die an wesende Menge luden sie ein, Kreter und Araber, Römer und Perser, sich der Vatergüte Gottes in seinem Sohne zu freuen. Sie riefen es laut, daß Gott den jüngst Gekreuzigten auferweckt habe; und daß dieser nun ein neues Gottesvvlk sammeln werde aus allen Nationen. . Staunend hörte sie die Menge. Siehe," so sagten sie immer wieder zueinander, sind das nicht lauter Galiläer?" Und die Ausländer, die ihre Sprache vernahmen, riefen: Wie ist es nur möglich, daß diese einfachen Leute alle unsere Landessprache reden?" Man hatte heute morgen die Jünger Jesu, als sie in dem Tempel erschienen, wohl vielfach be dauert, weil sie mit ihrem gekreuzigten galiläischen Meister so arg zuschanden geworden waren. Aber sie schienen ja gar kein Bedauern zu wollen. Sie forderten vielmehr alle Welt zur Freude auf, weil, wie sie behaupteten, ihr Meister lebe. Selbst einige Männer aus der höchsten Aristokratie, Joseph und Nikodemus, sah mau mit derselben zuversichtlichen freudigen Überzeugung unter ihnen stehen. Was will das noch werden?" so sagten sie zueinander. O," riefen die von der hohenpriesterlichen Par tei, welche die Jünger von früher wohl kannten, was wird es weiter sein? Betrunken sind sie und haben sich im süßen Wein übernommen." Aus den Reihen der Jünger trat jetzt ein Mann mit ehrfurchtgebietender Gestalt hervor. Tie Jünger verstummten. Die Menge rings umher wurde still. Sie merkten, daß sie jetzt die Lösung des Rätsels ver nehmen sollten. Der Vörtretende war der vom Herrn selbst bestimmte Vorkämpfer der christlichen Kirche, zu dem er eiust gesagt hatte: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde gründen." Für Petrus war eine große-Stunde seines Lebens gekommen. Warum dis Rede des Ipsftels Petrus am pfingftfefte so größeu Crss! hatte. Emil Fromme! schreibt darüber in seinen Fest flammen": Welch durchschlagenden Erfolg hatte doch Petri Predigt! Die Rede ging ihnen durchs Herz, und sie fragten: was sollen wir tun?" Größe res kann man nicht über die Wirkung einer Predigt sagen. Sie geht nicht durch den Kopf, noch ü der den Kopf, wie so manche, sondern wie ein Pfeil mit ten durchs Herz. Da ist kein Lob über eine schöne Predigt" oder gar über Petri schönes Organ" und wie die Auslassungen der Kirchgänger heutiger Tage lauten sondern sie fragen: Was sollen wir tun?" Das ist mehr als Rührung. Und doch wer diese Predigt näher ansieht, findet nichts von hoher Konst darin, nichts von geistreichen Gedanken, von Thema noch Teilen, -ihr Hauptbestandteil sind Bibelsprüche. Kaum würde in der Prüfung ein. Kandidat mit sol cher Predigt Gnade finden. Und doch ihre Wir kung und Kraft lag wo anders. Sie lag in dem mitzeugenden Geist. Zur Stunde soll euch gegeben werden, was ihr reden sollt. I h r seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der aus euch redet." Die Dreitausend, hörten nicht Petrum sondern den Heiligen Geist, der durch und aus ihm redete. . . . Ich weiß, daß die Zeiten anders sind; nicht jeder Fischer ist ein Petrus, und die auf Hoch schulen waren, sind darum noch nicht in der Schule des Heiligen Geistes. Aber ein Etwas wird uns bleiben aus Petri Predigt: redet und zeugt der Geist nicht r t so wird die Rede ein Feuerwerk sein, aber lein Blitz, der einschlägt. Des Predigers Worte sind Stangen und Telegraphendraht zum Zuhörer gespannt; aber Draht und Stange tun s nicht, und wären sie aus Golddraht und Ebenholz wohl aber der Funke des Geistes, der ins Herz telegraphiert, daß Geist Wahrheit sei." Ein rechter christlicher, deutscher Kriegsmai,n mutz auch das Schwert des Geistes kennen. Ist dieses doch eine Haupt waffe, mit der die Streiter Jesu Christi ihre Kämpfe ge schlagen, ihre Siege errungen haben. Ein deutscher Gottcs- gclehrter, Professor Mahling von der Universität Berlin, schreibt darüber einem Grus; au die im Feld: Das Schwert des Geistes, welches Jesus geführt hat, bestand in den Worten: Es stehet geschrieben!" Das Wort Gottes, genauer: der Befehl Gottes, das Gebot Gottes ist das Schwert, mit welchem wir uns wehren. Unser Gewissen sagt ns, was dem Gebote Gottes entspricht. Der Herr Jesus hat es uns vorgelebt. Sein Handeln und sein Reden, sein Tun und seil! Leiden geben gleichmäßig Zeugnis davon, lvas er für das Rechte und Gott Wohlgefällige erkannt hat. An ihm prüfen mir alles. Und will uns etwas für sich ein nehmen und unser Herz gewinnen, so fragen wir, ob es auch Geist von Jesu Geist ist, Kraft von Jesu Kraft; und wenn es das nicht ist, dann nehmen wir das Schwert seines Wortes und führen den Vernichtungskrieg gegen das Schlechte und Genieine. Wir machen das Schwert zu einem Messer, um unheilige, uns an das Niederträchtige fesselnde Bande ^u. zerschneiden. Das meint Spitta, wenn er in dein Lied: Es kennt der Herr die Seinen" singt: Er kennet seine Scharen am Glauben, der nicht schaut, und ihm, dem Unsichtbaren, als süh er ihn, vertraut, der aus dem Wort gezeuget und von dem Wort sich nährt und vor dem Wort sich beuget und mit dem Wort sich wehrt!" Dieses Schwert des Geistes wolle mir in dieser Krie gs- zei.t recht führen lernen. Dazu soll uns. auch das liebe Pfingstfest helfen! Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als ein zweischneidig Schwert. . . . Mit diesen! Schwert des Geistes wollen wir kämpfen, mit diesem Schwert wollen und werden wir siegen!" Heilger Geist, du Licht aus Gott, Mach die Nacht in uns zu Spott Und erfüll das Herz uns ganz Mit der Wahrheit Sonnenglänz. Schenk anS Trost in aller Not, Kraft, wenn uns Versuchung droht, Glauben, der die Furcht nicht kennt, Liebe, die wie Feuer brennt, Treue, bis zum Tod bewährt, Hoffnung, die gen Himmel fährt, Hell umglänzt von deinem Licht, Wenn im Tod das Herz uns bricht. Tägliches Sidellesen. Sonntag: Joel 3, 1 5. Montag: Jef. 44, 1 6. Dienstag: Apg 2, 14 36. Mittwoch: Apg. 2, 37 47. Donnerstag: Apg. 3. Freitag: Apg 4, 1 22. Sonnabend: Apg. 4, 23 37. ! Hes. 36, 21-36. Psalm 27. Röm. l, 1 17. Röm. 1, 18-25. Röm. 2, 1-16. Röm. 2, 17 - 29. Röm. 3, 1-20. En* Wochenblatt ^M rt e-Ar ! " kann man jederzeit bestellen. Bi* zu 7 Sllck bestellt man am besten bei der Post; non ?00 Slllck an kostet da Blatt 1 Psg. irvd Aorta: weniger 2 Psg. dn* Stück. Bestellungen an die EieichaftSitelle derNordb. Männer. .nd 0kLngUna*bnnde*, etomburg b. Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lehinann & Bernhard, Hosbuchdruckerei, Schönberg I. Mecklb.~ - 1  Schriftleitung: Ge f chwaderp f arrer sä. I. Mittksr. TrimMls. 26. Alm MS. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundss, E. B. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennsrftr. 17. 4. Zchtg. Inhalt: Des großen Gottes Wellengang. Gort, ich erkenne dich! Gott. Gebt daS Schiff nicht auf! Der Hnschwedel. Fahret auf die Höhe! Bekenne dich zu uns! Tägliches Bibellesen. Gott aber ist ösr allein, von öem man alles Gutes empfähet unö alles Unglücks los rvieö. Daher auch, achte ich, wir Deutschen Gott eben mit öem Namen von alters her nennen nach öem Wsrtlein gut, als öer ein ewiger chueUborn ist, der mit eitel Güte übergeußet, unö von öem alles, was gut ist unö heißet, ausßsußet. Luther. Des großbtl Gottes uteltehgang. Wie Großes läßt uns Gott erleben In dieser schicksalsschweren Zeit! Mr Seelen, laßt uns ihn erheben, Oer unferm Noll den Sieg verleiht. Er schreitet durch die Weltgeschichte Mit starkem erzgewaitgcn Schritt, Und alles Schlechte wird Zunichte, Und wer ihn liebt, geht mit ihm mit. Weife: Wie groß ist des Ällm. Güte. Wie mühten viele vergebens, Oie Wege Gottes zu verstehn, Und ihn, den Spender alles Lebens, 3n seinem stillen Gang zu sehn. Zeht aber hören auch die Tauben Oes großen Gottes Weltengang, Unö sangen wieder an zu glauben Unö bringen ihm Lob, Preis und Sank. von will). Mühlpsorth?) chcrr, deine Liebe, dein Erbarmen f Umfange uns m t starkem firm Wie liegt sich s doch in deinen firmen ! So kinderselig weich und warm! hilf allen, die nach dir verlangen, I Ms dieser Zeiten Grimm und Graus, Geh, wie der Heiland einst gegangen, : Und bringe uns ins Vaterhaus. ) Neue Kriegschoräle zu alten Weisen. Göttg. Bandcnh. u. Ruprecht 1915. Ostt, ich bekermL öichl Römer 11, 93: O welch eine Tiefe des Reichtums, beide der Weisheit und Erkenntnis GotteS! ^Jubelnd hat es einst der jugendliche Held, der bc- J geisterte Sänger der Freiheitskriege, in Kriegs wetter und Schlachtengraus gesungen: Gott, ich er kenne dich! Was war ihm geschehen? Hatte er früher nie etwas von Gott gehört, wußte er nichts von ihm, war er ein Gottesleugner, ein Gottesfeind gewesen? Nein, davon war er weit entfernt; ich achte, er hat in seiner Weise damals im Sturm der Freiheitskriege dasselbe erfahren, was einst ein Paulus, erfüllt von dem Eindruck der Taten und Führungen Gottes, er lebt hatte, als er in seinem Kampf gegen eine Welt mit dem Blick auf den Mittelpunkt dieser Welt, das weltbeherrschende Rom, in das triumphierende Bekennt nis ausbrach: O welch eine Tiefe des Reichtums, beide der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Es geht auch heute wieder vielen unserer Männer und Jünglinge, die fürs Vaterland die Waffen tragen, Gott gegenüber so, wie es uns so oft Menschen gegen über geht. Da hat man neben einem Kameraden gestanden Wochen-, monate-, vielleicht gar einige Jahre lang. Jeder hat ihn gesehen, gekannt, mit Namen genannt. Und doch hat ihn niemand erkannt. Da kam der Krieg. Da sah man, wie der Bekannte und doch Un bekannte sein Leben in die Schanze schlug, für die andern eintrat, sorgte, kämpfte und schließlich alles hingab. Und da ward er erkannt. Ein Mann lebte im deutschen Volke. Er erstieg die höchsten Stufen seiner Laufbahn. Viele kannten ihn, sein Name wurde genannt. Wo er wohnte und wirkte, war seine Gestalt bekannt. Aber der Krieg mußte kommen, er mußte Taten tun, gewaltige, rettende Talen für unser Volk und Reich, da erst ward er erkannt. Und nun kennen wir ihn alle. Schauen wir höher hinauf! Es gibt keinen Namen, den wir öfter hörten als Gott. Es gibt kein Wesen, von dem mehr die Rede ist. Wo ist einer von unS, der nicht von früh auf damit vertraut wäre? NebenSeite 42 Mari.is-Frcunü Nr. 11 uns, über uns, in den Tiefen der Erde, am äußersten Meer, überall Gott und immer wieder Gott. Und dennoch wer hat ihn erkannt, wer erkennt ihn? Ge wiß, es sind solche da, die davon zu sagen wissen. In diesen Kriegszeiten haben einige von draußen her aus den vordersten Linien vor dem.Feind sich ver nehmen lassen: Wir haben Gott gefunden, wir haben Gott erkannt! War er ihnen etwa sichtbar erschienen im Donner der Geschütze, im Feuer der Schlacht, ward ihnen eine sichtbare Offenbarung? Nein, aber jetzt ward ihnen klar, jetzt erkannten sie, was der für uns getan hat und der für uns ist, der seinen Sohn für uns dahingegeben, der durch Jesum Christum uns zum Frieden gebracht hat, der mit seines Geistes Kraft und Gaben uns beschenkt. Was dieser Gott zu bedeuten hat in einer Welt, die durch ihre Schuld und Sünde im Argen liegt. Sie erkannten Gott, den treuen, lebendigen, wahrhaftigen, ewigen, drei einigen Gott. Ihre Augen wurden sehend und ihre Ohren hörend: Gott, ich erkenne dich! Und was nun einigen widerfahren ist, sollte das nicht allen geschehen? Liebe Kameraden, wir sind auch in Kriegszeiten immer wieder durch Weihnachten, Ostern, Pfingsten und ihre Feier hindurchgegangen, wir haben immer wieder,, wo Menschen kämpfen, die großen Taten Gottes ge hört, so laßt uns, wenn sie noch nicht kam, der Stunde harren, da sich auch uns öffnet die Tiefe des Reichtums, beides der Weisheit und Erkenntnis Gottes, und laßt uns nichts dazutun, als daß wir immer wieder uns vertiefen in das, was e r getan hat, was er tut und noch tun will, und daß wir immer wieder auf uns wirken lassen die ewigen Zeugnisse seiner Gnade und Barmherzigkeit. Es wird nicht vergeblich sein. Als tiefer Menschen kenner hat der Deutsche nicht immer sich bewiesen. Der Krieg hat uns da schon etwas geholfen. Wir haben die Menschen kennengelernt. Die Feinde und die Freunde. Aber viel mehr wird der Krieg uns helfen, jeden Nachteil, in dem wir etwa unseren Feinden gegenüber stehen, auszugleichen, wenn er uns führt zur Erkenntnis Gottes. Tiefe Gotteserkenntnis zu gewinnen und zu pflegen bleibe deutschen Geistes und Gemütes schönster Ruhm. Es ist ein großer Gewinn, wer gottselig ist. Es ist ein großer Gewinn, wer in einer Zeit, in der die Welt in Flammen steht, sagen kann: Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Es ist ein rechter Kriegsgewinn, wenn auch wir es hin aussingen können in das Toben des Krieges und der Schlachten: Gott, ich erkenne dich! Amen. K. F. Müller. Vvn Joh. Christian Günther, 1695 -1725. Die Größe deiner Majestät Erkenn ich aus den kleinsten Dingen, Dein Arm, der über alles geht, Kann Wasser aus den Felsen zwingen. Du sprichst ein Wort, so wird es Licht; Bedroh das Meer, es regt sich nicht; Befiehl, so wird die Flut zu Flammen; Du winkst, so steht der Sonnenlauf, So tun sich Tief und Abgrund auf Und werfen Erd und Stern zusammen. GM öas Schiff nicht auf! Eine Erinnerung zum 1. Juni. Es ist ein berühmtes Wort: Gebt das Schiff nicht auf! Die Seekriegsgeschichte erzählt von seinem Ur sprung. Uns Deutschen, die wir im größten Land- lvie Seekrieg aller Zeiten stehen, insbesondere aber den Kameraden, die selbst ain Seekrieg teilnehmen, lvird ein Bericht darüber willkommen sein. 1 . Eine kurze Erklärung muß derErzählung vorausgehen. Zum 2. Male seit ihrem Freiheitskrieg, den sie nicht zum wenigsten mit Hilfe deutscher Kraft, deutschen Geistes und der kriegerischen Tüchtigkeit von Männern deutschen Blutes siegreich beendet hatten, standen die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit England im Kriege (1812 1814). Rühmlicher als zu Land, wo sie allerlei recht einpfindtiche Schlappen zu beklagen hatten, bewährten sich ihre Streitkräfte zur See. Trotzdem die englische Seemacht mit überlegenen Mitteln die amerikanische Küste blockiert hielt und einzelne Küstenstrecken in einer von den Amerikanern als schimpflich und schändlich gebrandmarkten Weise ver wüstete es genügt zu sagen, schreibt ein Schrift steller aus den Bereinigten Staaten, daß es Erstaunen und Scham erregt, daß Menschen, bte_ sich Engländer nannten, solche Greuel zu begehen imstande waren waren wiederholt englische Kriegsschiffe von solchen der Vereinigten Staaten in einer für die Engländer recht demütigenden Weise besiegt und weggenommen worden, und, wie hundert und einige Jahre später, glaubte man auch damals nicht mehr an die Unbe siegbarkeit britischer Seemacht. Indessen machten die Engländer große Anstrengungen mit Erbauung neuer segel- und kampftüchtiger Schiffe, sorgfältigerer Aus wahl der Besatzungen und besserer Ausbildung der Geschützbedienungen im Schießen. Auch wurde den Kommandanten angedeutet, nur dann den Kampf mit amerikanischen Schiffen auszunehmen, wenn nicht nur eine nominelle (nur dem Namen nach bestehende), sondern eine wirkliche Gleichheit der Gegner augenscheinlich sei. In diese Zeit nun fällt ein Ereignis, das im folgenden mit den Worten eines amerikanischen Ge schichtswerkes, der Vollständigen Geschichte der Ver einigten Staaten" von I. A. Spencer (Philadelphia 1882) erzählt werden soll. Kapitän Broke, ein ausgezeichneter Offizier, kommandierte auf der Shannon", einer englischen Fregatte von 38 Kanonen, die jedoch 52 an Bord hatte. Ausnahmsweise hatte er eine sehr strenge Disziplin unter seinen Leuten eingeführt und sie in der Bedienung der Geschütze, sowie im Zielen sehr- gut abgerichtet. Mit ihr traf die Cheasapeake" zu sammen. Diese war aber gerade am wenigsten ge eignet, es mit einem Gegner, kvie es die Shannon war, auf zunehmen. Ihr Kommandant, Kapitän Lawrence, hatte erst vor kurzem sehr ungern das Kommando übernommen, denn die Cheasapeake galt für ein Unglücksschiff. Ihre Equipage (Besatzung) war un zufrieden, weil ihr das bei einer früheren Ge legenheit verdiente Prisengeld vorenthalten worden war. Die Geschützbedienung war sehr mittelmäßig, wenig geübt, und bestand wenigstens zur Hälfte aus Söldlingen; mehrere ihrer Offiziere waren krank, andere ganz ungeübt, kurz mit Ausnahme der ZahlNr. 11 Marine-Freund Seite 43 der Geschütze war die Cheasapeake in jeder Beziehung eine ungleiche Partie für die Shannon. Kapitän Broke, der vor der Mündung des Hafens von Boston kreuzte, hatte erfahren, daß die Cheasapeake scgelfertig war und schickte dem Kapitän Lawrence eine höfliche Einladung zu einem Einzelkampfe", um das Glück ihrer Flaggen zu probieren. Ehe noch dieses Kartell" einlief, hatte Lawrence beschlossen, den übermütigen Engländer, der sich mit wehender Flagge vor dem Hasen breit machte, zu züchtigen. Er lichtete also am 1. Juni die Anker und fuhr mit Flagge und Wimpel unter der Aufschrift: Freier Verkehr und freie Matrosen^) dem Feinde entgegen. Bröke glaubte seine Herausforderung angenommen und gewann daher, als er den Feind unter Segel sah, so die hohe See. llm fünf Uhr nachmittags war die Cheasapeake nur noch etwa 200 Iards von der Shannon entfernt, als diese alle ihre Geschütze mit Kettenkugeln und Kartätschen schwer geladen und gut dirigiert in sie abfeuerte. Die Wirkung war furchtbar. Die Cheasapeake hielt ihr Feuer ein, bis sie dem Gegner eine volle Breitseite geben konnte, die gleichfalls eine große Zerstörung anrichtete. Nachdem noch einige Breitseiten gewechselt waren, worin die Cheasapeake offenbar sich als Meisterin zeigte, verwickelte sich ihr Takelwerk mit dem Sternanker des feindlichen Schiffes und sie war jetzt längere Zeit einem furchtbaren Feuer des Feindes ansgesetzt, der mit 32-Pfünder- Granaten ihr Verdeck fegte und die Equipage aus allen Stellungen trieb. Die beiden Schiffe hingen fest zusammen; die Marinesoldaten unterhielten ein scharfes und wirksames Musketenfeuer gegeneinander. Lawrence war, ehe noch das unglückliche Ereignis eintrat, schwer verwundet worden. Er war entschlossen zu entern und befahl das Signal für die Enterer zu geben, allein noch ehe sie in Bereitschaft waren, stel er von einer Kugel durchbohrt nieder. Auf dem Verdeck war jetzt kein höherer Offizier als ein Seekadett; die Verwirrung war so groß, daß der Be fehl zu entern unvollzogen blieb währenddes hatten die Briten sich in den Besitz des Schiffs gesetzt, indem sie an Bord sprangen, Vorder- und Hinter-Kastell besetzten und die Matrosen von allen Posten vertrieben. Der Kampf war einer der blutigsten. Er dauerte nur 15 Minuten, und in dieser kürzen Zeit wurden aus der Cheasapeake 48 getötet und 98 verlvundet, auf der Shannon aber 24 getötet und 49 ver wundet. Die letzten Worte, die Lawrence sprach, waren: Gebt das Schiff nicht auf! Diese Worte sind seitdem geheiligt und haben gar vielmal Wunder gewirkt, wenn sie in Stunden der Gefahr und Not unseren braven Seemännern zugerufen wurden. Die Gebeine Lawrences wurden später nach New Jork gebracht und ruhen jetzt im Kirchhof der Trinity-Kirche." So die Erzählung des Geschichtsschreibers der Vereinigten Staaten. Merkwürdig war, wie er hin zufügt, der Erfolg des Seegefechts. In England frohlockte man, weil die Unbesiegbarkeit jetzt wieder außer Zweifel gestellt sei;- in den Vereinigten Staaten ärgerte man sich über den Sturz von der erträumten Höhe einer unbedingten Überlegenheit auf dem Meere, als ob alles verloren sei. Aber einen Gewinn nahm ‘) Die Engländer beanspruchten, das Recht, von Schiffen der Bereinigten Staaten herunter Leute zu holen und für ihren Dienst zu pressen. man hier gleichsam als Ersatz für das verlorene Ge fecht mit in die Zukunft; es war das Wort, an das man sich oft später in bedrängter Lage hielt, um auszuharren und durchzuhalten: Gebt das Schiff nicht auf! 2 . Wie damals die Vereinigten Staaten, so kämpft heute Deutschland mit seinen Verbündeten gegen England. Es kämpft wie damals die Ver. Staaten für Freiheit des Verkehrs, Freiheit der Matrosen, denn auch heute preßt England alles, was es erreichen kann, englisch oder nichtenglisch, in seinen Dienst, und sollte England siegen, so gäbe es für keinen Mann, der zur See fährt, für keinen Matrosen etwas anderes, als England zu dienen, für seinen Handel, seinen Reichtum die Haut zu Markte zu tragen. Da ist es an uns Deutschen, das Vermächtnis Lawrences auf zunehmen. Vielleicht hat er selbst etwas derartiges gewollt oder geahnt. Ob es auf geschichtlichen Tat sachen, ob auf sagenhaften Überlieferungen oder der gleichen beruht ich weiß es nicht, kann es auch jetzt nicht nachprüfen , jedenfalls stand kürzlich in eineni Blatte in einer Erzählung über jenes See gefecht folgendes zu lesend. In Halifax, wohin die Cheasapeake von der siegreichen Shannon geschleppt wurde, erlag Kapitän Lawrence seinen Verletzungen. Er stammte aus einer schottischen Familie. Und wie es noch heute bei schottischen Hochländern vorkommt, habe er kurz vor seinem Tode die Gabe des zweiten Gesichts bekommen und in Gegenwart eines Arztes, namens Twiggs, dessen 12jährigen Sohnes James, sowie mehrerer anderer Personen, bei vollem Bewußtsein gesagt: England erobert die See und gewinnt immer größere Kreise ganz Eutopa huldigt der britischen Seemacht. Aber ich sehe ich sehe . . . Nach hundert Jahren wimmelt es in den englischen Ge wässern von sonderbaren länglichen Fahrzeugen, die unter dem Wasser dahinschießen. Über ihnen schwebt ein Adler mit mächtig ansgebreiteten Schwingen. Die unsichtbaren Schiffe stehen unter seinem Schutz. Er wird dem Britenvolk die Seeherrschaft abnehmen, die sie mißbraucht haben. Aber erst, wenn die Wasser rot sind von Blut, und die Themse die unzähligen Flüchtlinge nicht mehr fassen kann, die sich ihren Fluten anvertrauen, dann erst wird Englands Kraft gebrochen sein. Ich sehe eine neue Ära anbrechen, in der auch Amerika eine Rolle spielen wird. Ich sehe das Sternenbanner neben dem Adler flattern. Gott segne es!" . . . -Dr. Twiggs habe diese Weissagung ausgeschrieben und sein Sohn James habe sie als wertvolles Ver- .mächtnis mit nach St. Paul in Minnesota genommen. Als er dort als fast Hundertjähriger das müßte also um 1900 herum gewesen sein gestorben sei, habe er seiner Familie noch eingeprägt, die Schrift gut aufzuheben und die politischen Vorgänge auf merksam zu beobachten, weil vom Jahre 1913 an das Ende der britischen Seemacht kommen werde. Wie es nun auch mit dieser Weissagung steht, in einem hat sie sich für den gegenwärtigen Krieg gründlich geirrt. Das Sternenbanner weht nicht neben dem Adler. Die Vereinigten Staaten haben 0 Bote für Pommern. 29. Okt. 1916. Von B. Korb- Kimmerle.Seite 44 Marine-Freund Nr. 11 die einstige Unterstützung durch Deutschland und die alte Freundschaft damit gelohnt, daß sie um des Ge schäfts, um des bei ihnen alles beherrschenden Dollars willen sich in die Gefolgschaft Englands begeben und zu einem Knecht Englands gemacht haben. So müssen wir die Aufgabe, an der sie selbst einst gearbeitet haben, gegen sie durchführen. Und so gilt es, gegen sie das Vermächtnis Kapitän Lawrences aufzunehmen: Gebt das Schiff nicht auf! Das hat heute für uns Deutsche einen großen, weit umfassenden Sinn. Daß hie und da einmal ein einzelnes Schiff aufgegeben werden muß, wie ja auch Lawrence die Cheasapcake aufgab, das wird immer einmal Vorkommen. Aber wir denken an unsere ganze Seemacht, als an die, die allein noch in der Welt berufen ist,, freien Handel und Verkehr zu schaffen und von englischer Seetyrannei zu befreien. Und dieses Schiff geben wir nicht auf. Wir denken an Kaiser und Reich. Das ist unser Schiff, auf dem wir fahren. Und das geben wir niemals auf. Wir denken an den, unter dessen Führung wir allein aus diesem Schiff zum Ziele ge langen auch durch die wilden Wogen diescs Krieges hindurch. Gebt das Schiff nicht auf! heißt: Gebt Gott nicht auf! Niemals! Für alles, was deutsch heißt und deutsch fühlt und denkt, muß es heißen: Mit Gott weiter im Kampf und durch Kampf zum Sieg! Der HuschweöeZ. Es war in einem der großen Eisenwerke im Saargebiet. Dorthin hatte das Leben auch einen Schwaben aus dem Obcr- amt Reutlingen verschlagen. Johann Georg Huschwedel hieß er mit Namen, hatte eine kurze stämmige Gestalt, ein gutmütiges Gesicht und, wie Uhland von seinen Landsleuten sagt. ..das halbe Herz stets auf der Zunge, die andere Hälfte tief verwahrt." Eines Abends hatte eben die Feierabendglockc geläutet. Die rußigen Gesellen eilten, sich von den Spuren der Tages arbeit zu reinigen. Heute hatte es die Genossenschaft wichtig, in die Herberge zu kommen. Denn dort war ein Vortrag eines reisenden Apostels der Aufklärung" angeküudigt, der den Leuten zu sagen verstand, wie alles in der Welt am Schnürchen gehe, ganz von selbst. Mehrere hatten den Mann schon gehört und wußten Wunderdinge zu sagen von seiner Rednergabe. Der ist mir lieber als alle Pfarrer zusammen," sagte einer, der neben unserm Schwaben stand und eifrig im Wasser plätscherte. Überhaupt was die Schwarzen sagen, glaubt ja doch kein Mensch mehr." Der eine und andere nickte Beisall zu dieser Rede, der Schwabe machte ruhig seinen Anzug fertig. Derweilen wurde das Gespräch fortgcführt. Und ich sage," fuhr der Sprecher von vorhin fort, wenn ein Herrgott wäre, .so ließe er sich nicht gefallen, daß man so über ihn urteilt. Mich z. B. ließe er doch nicht immer behaupten, er sei nicht. Er könnte mir dann schon einen Engel schicken, der mir den Kopf darauf stößt." Wie ein Engel sah nun allerdings unser Schwabe nicht aus, dem bei diesen Worten eine glühende Röte ins Gesicht stieg. Das tat aber nichts, man hat s den Engeln schon je und je nicht angesehen, was hinter ihrem schlichten Äußeren stecke. Dees kann scho bsorga. da braucht s koau Engel darzua, du Bürschle, du clendigs!" rief er mit Donnerstimme. Und dann fiel seine schwere Hand klatschend nieder; rechts und links nur den Kopf des Maulhelden hagelte tüchtige Streiche. So, en schöna Gruß von onserm Herrgott, ond wenn du uv net genug hättest, so sollest no zu mir komwa l Wege sona Strick schicke mir koan Engel vom Himmel runter. Do tut s der Huschwcdel." Sprach und wandte dem lvie angedonncrt Dastehenden den Rücken. fahret auf öre hohe! Es ist das Wort eines Schweizers, Adolf Völliger, das er vor einiger Zeit dem kämpfenden deutschen Volk zugernfen hat. Es zeigt uns, wie man da, vo man sich nicht mit Leib und Seele der Macht und dem Gelde Englands verschrieben hat, über unscrn Kampf gegen das Britentnm denkt. Möchte es auch in unsere Reihen die Beachtung finden, die es in hohem Maße verdient. Ich wünsche euch den Sieg und den großen Kampfprcis, damit England klein werde. Ich wünsche die Niederlage Englands auch um der Gerechtigkeit willen. Versteht es. deutsche Männer: ES ist angebrochen der Tag der (Rache, icht eurer Rache, sondern der Rache Gottes. Spät kommt sie. doch sie kommt. Gottes Mühlen mahlen langsani, mahlen aber trefflich klein. Ob er auch zuweilen säumet, holt er endlich alles ein. Euch aber braucht er als sein Werkzeug. Dich^ Deutschland, hat er zum scharfen neuen Dreschwagen gemacht: und wenn du dich ihm versagst, wild er dich selber wegwerfend Ungesühnt sind bis zur Stunde Ströme von Tränen und Blut: Ungesühnt alle die Leiden, die England, von fühlloser Hand getrieben, im Sklavenhandel den armen schwarzen Menschenbrüdern zugefügt hat. Ungesühnt all die namenlosen Leiden Indiens, deffe Spinnerei und Weberei, die den Bewohnern ein relativ (ver hältnismäßig) glückliches Dasein ermöglichte, von den mit Watts und Arkwrights Erfindungen ausgerüsteten Briten unbarmherzig niederkvnkurriert wurde, und zwar in dem Maße, daß indische Industriestädte so gut wie völlig verschwanden und in Dschungeln für wilde Tiere verwandelt wurden. Ungesühnt all der Jammer, den das christliche" England dicrch die Opiumeinfuhr über das heidnische China brachte. Ungesühnt all die unsäglichen, von englischen Geschichts- schreibern zugestandenen Leiden, die das arme Irland durch Jahrhunderte vom englischen Nachbarn und Bedrücker erduldete. Ungesühnt vor allein die Hungerpolitik, durch die England binnen 50 Jahren die Einwohnerzahl der grünen Insel von 8 o auf 4 ,. Millionen heruntcrbrachte. Ungesühnt der Tod all der Bureufrauen und Bureukinder, die England in den Konzentrationslagern zugrunde gehen ließ. Ungesühnt die moralische Vergiftung der Weltatmosphäre, der Verlcumdungsseldzug gegen Deutschland. Ungesühnt der Sünden größte, der von England ange- zettclte und zum Ausbruch gebrachte Weltkrieg. Mögen Suchomlinvw und Konsorten frevelhaft gehandelt haben, der eigentliche Macher saß an der Themse. Ein Wort aus London England ivird nicht von der Partie sein" hätte genügt. Ruß. lauds Kriegslust zu dämpfen. Und nun ist das Maß übergelaufen, und der große Rächer hat sich ausgemacht und fordert Sühne. Er braucht aber zu jedem Werke seine Werkzeuge und Mitarbeiter. Zur Stunde hat er Deutschland zu seinem Werkzeuge gewählt. Wir sollen uns Gott nicht versagen, sonder die uns zu- gcwieseuc Arbeit willig und mit ganzer Kraft vollbringen. Drum darf das deutsche Volk nicht in böser Zwietracht seine Kräfte lähmen; es da.f auch nicht von Zweifeln und Gemüts- deprcssioneu sich Niederdrücken lassen; es darf nicht in dei böses Niederung des Kleinmuts ermatten. Ihm gilt zur Stunde der Herrn Wort (Lukas 5, 4): Fahre auf die Höhe!" dich zu LMsl Ein baltisches Gebet. Bewahr, o Herr, uns vor dem größten Leid; Nimm uns nicht wieder was wir schon besessen, Das hohe Gut, ivir könuen s nicht vergessen. Wir müssen klagen drum in Ewigkeit. Zwar hat der Kleinmut und die feige Art, DaS Sorgen und das Murren und das Klagen Verdienet Strafe, Herr, drum, magst du schlagen, Erhalt uns nur das Höchste wohlbewahrt: Ein Vaterland, für das es lohnt, zu leben, Ein Vaterland, für das das Sterben schön! Wir wollen Herz und Hand ihm willig geben, In treuem Dienste mannhaft zu ihm stehn. O Herr der Welten, höre unser Flehen. Bekenne dich zu uns, laß geschehen. Tagllches SibsUesen. Sonntag: Ps. 119, 49 64. Montag: Apg. 5, 1 16. Dienstag: Apg. 5, 17 42. Mittwoch: Apg. 6. Donnerstag: Apg. 7, 1 19. Freitag: Apg 7, 20 41. Sonnabend: Apg. 7, 42 59. I 4. Mos. 6, 22 27. Röm. 0, 21 31. Röm. 4, 1 8. Röm. 4, 9 25. Röm. 5, 1 11. Röm. 5, 12-21. I Psalm 49. SDrtl Wvcrenntarr kann mcm jederzeit btktCLzn. Bis zu 7 Sück bestellt man rau ocfäen der Post; von 100 rück an kostet dür Blatt 2 Pfg und Porto; weniger jährlich 2Mk. da) Stück. Bestellung * die " ordd. Mär? ---"- urrd JLnaUn.iubundeS, HsmLnrg 5. Brennerstr 17, erberen. Druck von Lehmann 6c Bernhard. Hofbuchdruckerei, Schönberg i. Mecklb.Ar. 12. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer Ä. A. Müller. 2. Sonntag nach Trinikalis. 9. 3uni 191$. Vertag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. kAug. Schröder) Hamburg 5, B-rennerstr. 17. 1 Jahrs- Inhalt: Siegeshoffnung. Im Licht vom unerschöpften Lichte. Die rechte Lichtempfänglichkeit. Lichtsignale. Durch den Horizont sehen. Aus dem Briefe des Bootsmanns S. M. S. Breslau" an seinen früheren Kommandanten. Licht auf unsere Tage aus der Geschichte vor hundert Jahren. An den Gräbern der Unfern in Finnland Tägliches Bibellesen. Wer Hott sucht, öer wirö ihn fin-eri; wer öas Licht sucht, öem wirö es leuchten. Ernst Moritz Mndt. SregLshoffnung. And kommen schwere Loge And wiil s nicht oorwortsgehn. Mir werden ohne lkinge Sirghoffend aufrecht stehn. von Reinholb Braun. Vollstrecker des Schwrrtgrrichtes. Mir wanken auf keinem sfeid. Ls trögt den Lieg des Lichtes Los deutsche Volk durch die Welt. Licht vsm unerschöpften Lichte. Psalm 36, 10: In deinem Licht sehen wir das Licht. as ist die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann, hat vorzeiten einer gesungen. Von dieser Plage weiß man heute noch zu sagen. Schon in Friedenszeiten sahen manche Augen, die zu sehen glaubten, auch da, wo Licht war, alles dunkel. Schwarzseher nannte man sie darum. Im Kriege hat sich ihre Zahl noch ver mehrt. Über all dem Furchtbaren, was der Krieg mit sich bringt, sehen sie kein Licht mehr. Mag der Tag noch immer strahlend aufgehen, mag die Sonne wie sonst leuchtend ihre Bahn ziehen, mögen die Sterne funkeln, zu denen wir aufschauen, alles ist ihnen finster. Auch wenn sie im Licht leben, sie sehen es nicht Doch wir keilneri auch das Gegenteil. Da ist ein Blinder, ein Kriegsblinder. Niemals wieder schaut er das Tageslicht. Nimmer, auch wenn er zurückkehrt, schaut er das Bild der sonnigen Heimat. Und dennoch ist er nicht verzagt, nicht traurig. Auch wenn er nicht mehr, sowie die andern, im Lichte lebt, aber er sieht das Licht, für ihn ist s Licht. Wie ist das möglich? In ihm hat sich das wiederholt, was der Psalmensänger rühmt im Auf blick zu Gott: In deinem Licht sehen wir das Licht. Es ist eine uralte Erkenntnis. Wir sehen das geschaffene Licht; wir lieben es. Aber es reicht nicht aus. Wir kommen an einen Platz, wo es nicht hinreicht. Es kommt eine Zeit, wo es er löscht. Es kommt die Zeit, wo Finsternis und Dunkel so überhandnimmt, daß wir es nicht mehr sehen. Da müssen wir zurück zu dem Urquell des Lichts, zu dem unerschöpften und ünerschöpfbaren, unerschaffenen Licht, zu Gott selbst. Gott ist ein Licht. Licht ist sein innerstes Wesen, Licht ist das Kleid, das er anhat. Wir müssen unsere Augen in dieses Licht hineintauchen und wiederum dieses Licht hineinholen in die Augen, damit sie voll Lichtes sind, das ist die Bedingung, wenn das Dunkel weichen soll, wenn wir immer und überall das Licht sehen wollen. Aber wer kann diese Be dingung erfüllen? Wer kann zu dem Lichte kommen, in dem Gott wohnt, wer kann in dieses Licht schauen und müßte nicht die Augen verhüllen, schließen? Wer kann in diesem Lichte sehen? Es wäre traurig, wenn der Psalm uns nur eine unerfüllbare Bedingung gezeigt hätte. Aber sein Wort ist die Verheißung,, daß diese Bedingung auch erfüllt wird. Und uns ist sie erfüllt. Wir sind freilich nicht gekommen zu dem Licht, da nie mand zukonimen kann (1. Tim. 6, 16), aber das Licht ist zu uns gekonimen. Es ist gekommen in©eite 4 Marine-Freund Nr. 12 Jesu Christo. In ihm sehen wir das Licht, das alle Menschen erleuchtet, das Licht der Welt, das Licht des Lebens. Er selbst ist das Licht, sein Licht Gottes Licht. Der Gott, der Licht ist, ist in ihm uns erschienen. Und wenn wir dieses Licht sehen und haben, dann sehen wir das Licht überall und imnier. Auch in den trübsten Zeiten. Auch in den dunkelsten Räumen. Auch in dem Dunkel dieser Kriegszeit. Ein merkwürdiges Ergebnis hat er doch gezeitigt, der Krieg, gerade auf diesem Gebiet. , Die Menschen waren so stolz in unseren Zeiten das geschaffene Licht. Sie rühmten es, sie liebten es, welchen Namen es auch tragen mochte, wie nie zuvor. Da kam der Krieg mit seinen Schrecken, und siehe, das Licht wurde knapp und knapper, ja für viele erlosch es ganz. In dem, was sie früher als Licht erkannt hatten, sahen sie kein Licht mehr. Und nun wurde es klar in er schütternder und zugleich erhebender Weise, wie recht jener hatte, der einst sagte: Suche Jesum und sein Licht, alles andere hilft dir nicht! Erschütternd denn wenn du, liebes deutsches Volk, dich von diesem Lichte abwendest, dann finkt deine Zukunft in Nacht und Dutikel. Erhebend, denn wenn du, deutscher Mann und Jüngling, deutscher Kämpfer, dich diesem Lichte zuwendest, um dich von ihm erleuchten zu lassen, um in ihm zu leben und zu wandeln, daun hilfst du dazu, dir und damit deinem Volke eine lichtvolle Zukunft zu bereiten. Dann stellst du dich in das Licht vom unerschöpften Lichte. Dann leuchtet uns das ewige Licht. Und das ist genug für Zeit und Ewigkeit. Mehr Licht brauchen wir nicht. Amen. K. F. Müller. Die rechte Lichtempfänglichkeit. Ein Wort Ludwig Richters. ..Das Christenleben ist doch eine Schleifanstalt, in welcher der Stein längere oder kürzere Zeit geschliffen werden muß, uni die rechte Lichtempfänglichkeit zu gewinne ; und das Ge- schliffenwerden tut oft recht weh. Das, was mau so für gewöhn lich böse Zeit nennt, ist doch immer diejenige, die den inneren Menschen am meisten fördert. Es kommt ja alles darauf an, wie man s braucht." Das erste Kriegserlebnis eines See- fliegers, von ihm selbst erzählt. Im Morgengrauen des 13. September gingen verschiedene Schiffe in See und kurze Zeit darauf stieg auch ich ohne Fluggast auf. Der hereinbrechende Tag war kalt. Regenböen peitschten hernieder und machten das Fliegen durchaus nicht zur Annehmlichkeit. Ich mußte mich in geringen Höhen halten, um mich nicht zu verfliegen. Bereits eine Stunde war ich unterwegs, als sich plötzlich die Nebel mehr und mehr verdichteten. Immer besorgter wurde mein Blick nach dem Höhenmesser. Aber ringsum mich blieben die Nebelmassen un durchdringlich. Also noch tiefer herab! Während ich mich vorsichtig mit gedrosseltem Motor vor wärtstastete, packte plötzlich eine Fallbö meinen Apparat, drehte ihn um sich selbst, und im nächsten Augenblick zerbrach die Schraube in tausend Stücke. Wellen brausten und berührten die Tragflächen; kopfüber schlug die Maschine auf den Rücken und begann sogleich zu sinken, mich, da ich angeschnallt war, mit sich ziehend. Schon halb betäubt, gelang es mir, den Halte gurt zu lösen, und mit einigen kräftigen Schwimm bewegungen trug mich meine Korkweste wieder nach oben. Im dichten Nebel schwamm ich jetzt wie lange, das weiß ich nicht in den eisig kalten Fluten. Vergebens rief ich nach Beistand. Das Brausen der Wogen übertönte die Laute meiner Stimme. Allmählich merkte ich, daß meine Kräfte nachließen, daß die Kälte meine Glieder steif werden ließ, daß mir die Sinne schwanden. Da rauscht s dicht bei mir mächtig durch die Flut. Im schwächer werdenden Nebel taucht ein Fahrzeug auf. So gleich bin ich wieder Herr meiner selbst. Ich rufe! Ich gebe Lichtsignale mit meiner elektrischen Taschen lampe, die merkwürdigerweise noch ihren Dienst tat. Jetzt wurde ich bemerkt. Ein Boot wurde zu Wasser gelassen. Eine Fangleine flog mir zu! Ich war gerettet. Eines der Fahrzeuge hatte das plötzliche Schweigen des Motors gehört und war, einen Unfall vermutend, langsam gekreuzt. Das war mein erstes Kriegserlebnis, der k ll. September wird mir unvergeßlich bleiben." -Ä- -K- * Daß wir es doch auch als Christen, im Kampf des Lebens vertrieben, in Nebel und Fluten irrend, verständen, Lichtsignale zu geben nach oben zu dem, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Durch öen Horizont sehen. Eine Geschichte aus Kaiser-Wilhelms-Laud, Neuguinea. Der rheinische Missionar Hoffmaun erzählte einst folgendes Erlebnis von der Stätte seines Wirkens unter den Papuas in Kaiser-Wilhelms-Laud?) Manches Jahr begnügten wir uns, in Er mangelung eines Wortes für Hoffnung, dafür warten" zu gebrauchen, hatten aber das quälende Gefühl, daß es nicht genüge. Im Jahre 1900 mußten wir, als wir zum zweitenmal nach Neu guinea reisten, drei kleine Kinder in Deutschland zurücklassen. Als wir nun anderthalb Jahre in Neuguinea waren, schenkte uns Gott der Herr wieder ein Söhnchen, welches der Sonnenschein unseres Hauses wurde. Aber kaum war das Knäb- leiu ein Jahr alt und so weit, daß es eben Papa und Mama lallen konnte, da kam das böse Fieber. An einem Abend wurde der Kleine krank, und in der Dämmerung des folgenden Morgens schon kamen die Engel und trugen seine junge Seele von dieser armen Erde hinweg, den lichten Himmels räumen zu. Wie ich da am nächsten Vormittag an dem letzten Bettlein für meinen kleinen Liebling zimmerte und Träne auf Träne die gehobelten Bretter netzte, stand mir ein Eingeborener gegen- ) Ec berichtete von der Schwierigkeit, für Begriffe und Ausdrücke der christlichen Lehre die Worte in der Sprache der Papua zu finden.Nr. 12 Marine-Freund Leite 47 über, welcher aufmerksam mich und meine Arbeit beobachtete. Ich merkte bald, daß in der Brust des Mannes etwas arbeitete, aber ich ließ ihn ruhig gewähren. Endlich fing er teilnahmsvoll an: ,,O Hoffmann, dein Sohn ist tot, er war auch unser Kind; werdet ihr jetzt von uns Weggehen?" Nein." Aber ihr werdet auch sterben; was machen dann eure anderen Kinder?" Die.sind in Gottes Hand." O Hoffmann," sagte da der braune Mann, und eine Träne glänzte in seinem Auge, was seid ihr Jesusleute für Menschen! Ihr habt andere Herzen wie wir. Aber nicht wahr, ihr könnt auch durch den Horizont sehen?" Ja," sagte ich, mein Freund, das können wir. Christenlente sehen durch den Horizont und in den Himmel hinein." Es ging mir durch den Sinn: das gibt ein schönes Wort für Hoffnung. Das war das Wort, nach dem .wir lange gesucht hatten. Der Ein geborene hat uns mit seiner Darlegung prächtig das Wort Hoffnung" erklärt. Durch den Horizont sehen" ist eine Fähigkeit, die wir erst durch den Glauben an Christum erlangen. Jetzt wandeln wir unter einem geöffneten Himmel. Dort über dem Sternenmeer thront unser Vater auf seinem Thron, der nur Gedanken des Friedens und der Liebe mit uns hat. Hat er je etwas in unserem Leben versehen?" Es wäre eine feine Sache, wird mancher denkeil, der diese Geschichte liest, wenn wir auch das sehen könnten, was noch nicht an unserem Horizont anf- getaucht ist, was noch dahinterliegt. Was dem leiblichen Auge versagt ist, ist dem geistigen Auge möglich. Wohl uns, denen der Gesichtskreis so oft durch das Dunkel der Welt und der Zeit einge engt ist, wenn wir mit Geistesaugen sehen, daß auch jenseits der Grenzen unseres leiblichen Sehens und Erkennens nicht Dunkel ist, sondern Licht, wenn so auch unser Hoffen zu einem Sehen durch den Horizont" wird. Ms öem Ariefe öes Bootsmanns S. N. S. Heeslau" an feinen früheren Kommandanten?) Die letzten Augenblicke des Schiffes und seiner Be satzung möchte ich schildern, da doch wir Überlebenden die einzigen Augenzeugen noch waren. Nachdem das Schiff zwei englische Monitore niedergekämpft hatte, geriet es in ein Minenfeld, vo es kurz hintereinander l bis 8 Minentreffer bekam. Jeder tat auf seinem Platze eisern seine Pflicht mit größter Ruhe, obwohl wir auch gleichzeitig der Luft stark angegriffen wurden. Bald zeigte sich, daß das Schiff nicht mehr zu retten war, so daß die Erlaubnis zum Ver lassen des Schiffes gegeben wurde. Jetzt, zeigte es sich, daß der alte Breslau-Geist, den Herr Kapitän uns so recht pflegen gelehrt haben, in der Besatzung sich fortgeerbt hatte. Bei der ungefähr sechsten Mine verließ ich am Steuerbord dritten Geschütz das Schiff, das bis zum Bureau schon vom Wasser bespült wurde. Schließlich war die ganze Besatzung, soweit si Der Bootsmann ist A. de Crignis, der frühere Koni- mandant Korvettenkapitän v. Knorr. sie noch am Leben war, im Wasser, und jetzt kani der größte Augenblick, daß deutsche Seeleute noch angesichts des Todes sich roürt ; ihres großen Vaterlandes zeigten; das Schiff stellte sich auf und nieder mit dem Bug nach oben, stand einige Sekunden wie still, und mit einem brausenden Hoch auf das stolze Schiff und das deutsche Vaterland verschwand es unbesiegt in den Wellen. Jetzt wurden Heimatslieder ge sungen und alles fiel ein. Das Wasser hatte etwas über 6 Grad, und allmählich setzte bei den meisten der Todeskampf ein. Herr Kapitän, sie starben alle still und ergeben, fast keinen Klageton hörte man, nur da und dort ein Nachvorn- sinken des Kopfes, und wieder ein braver Kamerad hatte dem Vaterland all das gegeben, was er geben konnte. Ungefähr zwei Stunden trieb ich an einen Stummel der Funkenstänge geklammert, dann bin ich von einem englischen Zerstörer auf- gcfischt worden." Jst s nicht auch Lichtbild, das da au unserem Blick vorüberzieht? Licht auf unsere Tage aus -er Geschichte vor hundert fahren. 1. Die Franzosen, wie die Deutschen sie kennengelernt hatten. Der Freiherr vom Stein schreibt in seinem Tagebuch, März 1815: Die (französische) Nation wünschte nur von neuem über die benachbarten Völker herzufallen und sie zu berauben und zu unterdrücken. . . . Das französische Volk ist meuterisch, aufrührerisch. Dieser Zug ist eine Fojge seines Leichtsinns, seiner Beweglichkeit, seines Dünkels, seiner Hab sucht: Laster, die durch Religiosität und Sittlichkeit nicht mehr gebändigt sind." General v. tzüser erzählt vom Einzug der Deutschen in Paris, 7. Juli 1815: Mir ist während meines ganzen Auf enthalts (in Paris) keine Spur von Treue, von tieferem Er- griffenseiu (bei den Franzosen) vorgekommen, um so mehr Bombast und theatralische Phrasen." Der Rheinische Merkur" schreibt am 11. Juli 1815: Diese glatten, schmiegsamen Leute jenseits der Vogesen (die Franzosen), die, nachdem sie uns zum Streit herausgefordert, ehe wir es uns versahen, als Freunde uns umhalsen, dafür aber ebenso schnell, wenn das Glück sich wieder auf ihre Seite wendet, uns heimtückisch auf. den Rücken schießen." 2. Wie man die Franzosen behandeln muß. Blücher erklärte am 18. Januar 1814, wie Reiche er zählt: Mit Flauheit und sich den Franzosen liebes Kind zu machen, richtet man nichts aus." General v. Hüser erzählt: Blücher war (nach der Über gabe von Paris, 2. Juli 1815) alles Ernstes entschlossen ge wesen, Napoleon in St. Cloud aushängen zu lassen, da er Europa nicht für gesichert hielt, solange der Ruhestörer och lebte. Auch Paris hätte er gern rundum in Brand stecken und vom Erdboden vertilgen lassen. Wie oft wollt ihr das Nest denn noch belagern?" fragte er. Nun mußte er auf alle diese Pläne verzichten und das verdroß ihn." In Blüchers Tagesbefehl beim Einzug des ersten preußischen Armeekorps in Paris am 7. Juli 1815 hieß es: Sämtliche Franzosen sind mit Ernst und Kälte zu behandeln." Von einer Vergeltung, vie sie ein pommerscher Land- wehrmann 1814 in Frankreich übte, erzählt der Berliner Buchhändler Gustav Parthey folgendes: Es kam einmal der Fall vor, daß ein französischer Wirt sich bei dem tzauptmann beklagte, ein bei ihm in Quartier liegender pömmerscher Landwehrmann habe ihn geprügelt, weil ihm die Beköstigung nicht gut genug gewesen. Der Angeklagte- ward vorge fordert und gefragt, was er zu seiner Verteidigung sagen könne. Herr Hauptmann," sprach er äußerst betroffen und fast weinend, ich habe mich vergangen, aber ich bin eigent lich unschuldig. Als die verfluchten Franzosen in unserem Dorf im Quartier lagen, verlangten sie von meinem Vater Champagner, den wir nicht dem Namen nach kannten. Ich mußte ruhig zusehen, wie die Hunde meinen alten ehr würdigen Vater prügelten, weil er ihnen keinen Champagner schaffen konnte. Da nahm ich mir in meinem Herzen vor, wenn die Reihe an mich käme, die Sache wettzumachen. So verlangte ich denn heute von meinem Wirt ein Glas Weiß bier, und als er das nicht schaffen konnte, habe ich ihn recht-Seite 48 Marine-Freund Nr. 12 schaffen gewamst. Es war eigentlich nicht böse gemeint, sondern nur Revanche." (Anm.: Wenn alles das, was vor dem Franzosen in deutschen Landen Schandbares begangen haben, ihnen sollte heimgezahlt werden, würde auch heute noch mancher französischer Wirt verwamst werden.) 3. Wie die Deutschen sich im ersten Pariser Frieden, 3V. Mai 1814, um die Früchte des Sieges betrogen sahen. Görres schreibt im Rheinischen Merkur" 19. April 1815: Er (der erste Pariser Friede) hat unseren Feinden den Frieden, uns den Zwist gegeben; sie haben die Früchte un seres Sieges genossen, wir alle Lasten der Besiegten ge tragen; in ihm hat alles gestanden, was nicht hineingehörte, und nichts von dem, was alle Welt in ihm gesucht, ist in denselben, ausgenommen." Erzherzog Johann v. Österreich schreibt am 14. Juni 1814: Ich sehe Frankreich im Besitz seiner alten Provinzen, einer Vergrößerung von beinahe 1 Million Menschen, keine Kontributionen (Kriegsentschädigungen), kurz nichts, ich sehe in dieser ganzen Sache bloß England, Frankreich und die Schweiz begünstigt." Gneisenau klagt am 28. August 1814: Wer sollte sich noch um Deutschlands Wohl kümmern, auf dessen abermalige Unterjochung die in Frankreich, mit lvenigen Ausnahmen, immer noch herrschende Aristokratie der Verbrechen noch nicht verzichtet hat?" Und wie zum Beweis der Richtigkeit dieser Äußerung hören vir, was der listige Franzose Talleyrand am 14. Oktober desselben Jahres schreibt: Diese Einheit (des deutschen Vaterlandes) aber, von der Frankreich nichts zu fürchten hätte, wenn es das linke Rheinufer und Belgien besäße, würde jetzt die bedenklichsten Folgen für uns haben." Er hat denn auch geholfen auf dem Wiener Kongreß, die deutschen Einheitsbestrebungen gründlich zu vereiteln. Blücher ani 10. Juli 1815: Wir müssen nicht wieder aus Frankreich gehen und den Vorwurf auf uns laden, von diesem verdorbenen Volk überlistet zu sein." ä. Wer am meisten dazu beitrug, Preußen und Deutschland um den Erfolg der Freiheitskriege zu bringen, die deutschen Einigkeitsbestrebungen zu stören und die Rückgabe der einst durch die Franzosen geraubten deutschen Länder zu ver hindern, wer aber für sich selbst am meisten Gewinn aus den deutschen Kämpfen und Siegen zog England! Der württembergische Gesandte Wintzigerode schrieb an seinen König am 3. November 1815: Die Nachwelt wird kanni jemals die Weisheit der Motive (Beweggründe) ver stehen können, welche die großen europäischen Mächte vcr- niilaßt haben, die Ketten gewissermaßen mit eigenen Händen zu schmieden, welche der unersättliche englische Ehrgeiz für sie in Bereitschaft hält." Blücher schreibt am 20. November 1815 au König Friedrich Wilhelm III., es sei Zeit, daß die Diplomaten wieder in ihre Schranken zurücktreten, da ihr Machwerk sie in der Meinung der ganzen Welt zurückgesetzt hat, und Preußen und Deutschland trotz seiner Anstrengungen immer wieder als das betrogene vor der ganzen Welt dasteht und Englands Einfluß auf Deutschland sich ganz fest be gründet." Auch im Licht der Geschichte gilt es heute sehend zu werden. J\tt öen Gräbern -er Unfern in Zinnlanö. 4. Was für einen Frieden die deutschen Freiheitskämpfer wollten und erstrebten. Blücher (nach der Erzählung von Reiche), 18. Januar 1814: Die Zeit der Repressalien*) ist gekommen, sie (die Franzosen) müssen haarklein herausgeben, was sie den Deutschen auf meist verräterische Weise geraubt haben. Elsaß und Lothringen gehören zu Deutschland, und der Rhein ist ein deutscher Strom, der mit seinen Gauen zu uns gehört, nichts davon darf hinfnro in den Händen unseres Erb feindes bleiben." Gneisenau an den Freiherrn vom Stein, 27. Januar 1814: Besser ist, den Frieden zu gebieten, als darum zu unterhandeln. . . . Die Vorsehung hat uns hierher geführt. Wir mögen Rache nehmen für so viele über die Völker ge brachten Leiden, für soviel erduldeten Übermut. . . .! Tun wir es nicht, so sind wir Elende, die es verdienen, alle zwei Jahre einmal aus ihrer trägen Ruhe geschreckt und mit der Sklavengeißel bedroht zu werden." . Gneisenau an Hardenberg, 22. Juni 1815: Die Welt fordert, daß sie in Sicherheit gesetzt werde gegen den un ruhigen Geist eines schlechten, aber fähigen und tapferen Volkes und fordert dies mit Recht. Wehe denen und Schande ihnen, venn diese einzige Gelegenheit nicht ergriffen wird, um Belgien,") Preußen, Deutschland zu sichern ewige Zeiten." Blücher, an den französischen Kriegsministcr Davont: Wir verfolgen unseren Sieg, und Gott hat uris Mittel und Willen dazu verliehen." Gneisenau an König Friedrich Wilhelm III., 8. Juli 1814: Daß man nun Frankreich aus das tätigste benützen müsse, unfern Finanzen aufzuhelsen und diesen: eitlen Volk die Lust am Kriege zu verleiden, erfordert die Nationalehre. Ein entgegengesetztes schwaches Verfahren würde dem Feld herr die Vorwürfe der Armee, der Nation und selbst des verständigen Teils von Europa zuziehen. . . . Alle Leiden, die uns dieses eitle Volk aufgebürdet hat, müssen ihm ver golten werden, und ein anderes Verfahren würde von ihm als Wirkung der Schwäche, der Furcht und der Einfalt aus gelegt werden." *) Vergeltungsmaßregeln. 2 ) Jeder Deutsche sollte wissen, daß Belgien s. Z. gegründet worden ist, um für Deutschland ein Damm zu sein gegen französische Angrifssgelüste. Die finnische Zeitung Umi Paiva" widmet den Gräbern öcr im Straßenkampf in Helsingfors Gefallenen folgende Worte: Heute empfängt das finnische Vaterland in seinem Schoß die deutschen Männer, welche im Kampf für die Be freiung unserer Hauptstadt ihr Leben dahingegeben haben. Das ferne, unbekannte Land in seinem grauen Vorfrühling, das sie wahrscheinlich zum erstenmal sahen, sollte das Land werden, wo sie zun: letztenmal das Licht erblickten und dessen Erde, noch gefroren, jetzt über ihre kaltgemordenen Herzen fällt. Mit tiefer Dankbarkeit und wohlbewußt seiner Ver pflichtung nimmt das finnische Volk das teure Opfer ent gegen, welches diese Söhne des tapferen, glorreichen und sittlich großen Volkes und das gesamte deutsche Volk uns dargebracht haben. Der Grabhügel, der heute unter den Bäumen unseres ältesten Friedhofes im Herzen der Haupt stadt zugeschüttet wird, gehört zu unseren teuersten Gräbern. Er wird bis auf künftige Zeiten das Unterpfand des brüder lichen Bündnisses zwischen dem deutschen und finnischen Volke gegen die Tyrannei und Barbarei bilden. An diesem Grabe schwören wir den Eid, der von künftigen Geschlechtern erneuert werden wird: Nie soll der Fuß des Unterdrückers die Erde betreten, wo neben den gefallenen finnischen Helden als Unterpfand der Freiheit die Asche der für die Menschheit und Kultur gefallenen deutschen Krieger ruht. Der Segen des finnischen Volkes über diese Ruhestätte." Und wir fügen hinzu für diese und für alle, die ge fallen sind: Das ewige Licht leuchte ihnen!" Tägliches SibellesM Sonntag: Ps. 107, 1 22. Montag: Apg. 11, 1-18. Dienstag: Apg. II, 19-30. Mittwoch: Apg. 12, 1-17. Donuerstaa: ÄPg. 12, 18 25. Freitag: Apg 13, 1-12. Sonnabend: Apg. 13, 13 41. Ps. 107, 23 - 43. Röm. 8, 12 17. Röm. 8, 18 27. Röm. 8, 28-39. Röm. 9, 1 13. Rom. 9, 14 -29. Psalm 20. La Wochenblatt ^Marine-tbrcnnd" kann man jederzeit bestellen. Bis zu 7 Sück bestellt mon am besten bei der Post; von 100 stück an kostet das Blatt L Pfg. und Porto; weniger jährlich Mk. dar Stück. B-st-Lungru an di elchAtrstrlle de ordd. Männer- m Mnalingrdnnde . Hamburg k, Brenneütr. 17, erb--- . Druck von Ammann & Bernhard, Hojbnchdruckerei, Schönberg i. Mecklb.Inhalt: Nun gilt s. Im Kampf um das Leben. Leben ein göttliches Geschäft. Frohleben im Kreuzcrkrieg. Der christliche Seefahrer. Schiffahrt aus dem Toten Meere. Unsere Marine-Infanteristen. Lebenssprüche. Tägliches Bibellesen. Die Welt ist so, wie sie für einen tätigen Menschen sein muß, voll von Hindernissen. Kämpfen und nochmals kämpfen das ist unser Leben. W. Bithorn. £Um ßilt s. Nun wollen sie dir Leben, Gewitternd zieht s heran: Deutschland, und müßtest du geben Letzt Gut und letzten Mann! Es soll kein Herz erbeben, Was auch groß List begann: Deutschland, und müßtest du geben Letzt Gut und letzten Mann! von Gustav Schüler?) Wir wollen uns erheben. So hoch ein Volk nur kann: Deutschland, und müßtest du geben Letzt Gut und letzten Mann! ) Unerschütterlich bereit. Deutsche Kriegslieder 1914 15. Leipzig, Ar. Strauch. Jm Kampf um öas Leben. 1. Tim. 6, 12: Kämpfe den guten Kampf, ergreife das ewige Leben. arin befinden wir uns: im Kampf um das Leben. Das sollen wir immer im Auge behalten. Öfter hört man in den letzten Zeiteil auch bei uns beit gegenwärtigen Krieg als ein sinnloses Morden bezeichnen. Das mag er auch sein für die Horden des Raubverbandes unserer Feinde. Denn was hat es für einen Sinn, nachdem sie ihre Absicht, sich an der geplantell Plünderung Deutschlands zu bereichern, fehlgeschlagen sahen, immer weiter für diesen Zweck diese Massen eigenen Volkes und fremder Völker in den Kampf zu treiben? Für uns Deutsche ist dieser uns aufgezwuugene Kampf kein Morden. Denn lvir schlagen den Feind nieder, der uns nach dem Leben steht. Es ist auch kein sinnloses Morden. Denn wir kämpfen für unsere Freiheit, für unser Volk und Vaterland, für Weib und Kind. Das ist ein hoher, edler Sinn: wir stehen ini Kampf um das Lebeil, um unser Leben als Deutsche. Und deshalb um neues Leben. Nicht um das, was auch bei uns verderbt war und faul, daß es wiederkehre. Sondern um ein von innen her, von Grund aus erneutes, höheres, besieres Leben. Um bleibendes Leben, Leben für kommende Jahrhunderte. Darin aber kommt dem deutschen Gemüt und Ge blüt in diesem Kampf der Christenmensch entgegen. Der Christ steht in einem beständigen Kampf um das Leben. Nicht als ob er es nur von sich aus erringen müßte. Es -wird ihm gegeben durch den, der selbst das Leben ist, durch Jesus Christus. Er braucht es nur zu nehmen, zu ergreifen. Für ihn heißt es: Ergreife das Leben! Äußerlich angesehen ist das etwas ähnliches wie das, was die Leute in der Welt tun. Sie jagen auch dem Leben nach, sie greifen darnach. Aber sie greifen daneben, sie greifen ins Leere. Sie meinen etwas zu fassen und haben nichts. Statt Leben fasten sie das Umgekehrte Nebel. Darum ist es innerlich und inhaltlich angesehen doch etwas ganz anderes: Wir ergreifen als Christenmenschen und Gotteskinder in Christo das wirkliche Leben, und wir haben, wenn wir zusehen, mehr, als sich der Weltmensch vorstellen kann, wir haben ewiges Leben. Freilich die Welt will es uns streitig machen; wir sollen es aufgeben, verlieren. Darum kämpfenSeite 50 Marine-Freund Nr. 13 wir darum, wir stehen allezeit im Kampf um das Leben. Das ist der gute Kampf, der uns auferlegt ist. Und so ergibt sich uns ein Gewinn auch für jeden andern uns auferlegten Kampf. Wir gewinnen die Fähigkeit, jeden andern Kampf zu einem guten zu gestalten. Irdische Käinpfe haben irdische Ziele. Auch in diesem Kampf geht es um irdische Ziele. Aber niemals haben wir gelernt wie in diesem Kampfe: es gibt nur ein Leben, das ist Leben von Gott, Leben in Christo. Alles ändere schwindet dahin. Das aber bleibt. Das hält im Tode. Das reicht hinein in die Ewigkeit. Und das müssen wir nun gewinnen. Im zeitlichen Kampf ewiges Leben. Dann werden wir Sieger im Kampf um das Leben. Kämpfeso, du Mitkämpfer in dem gewaltigen deutschen Freiheitskampfe, daß du das eine gewinnst: Jesum Christum und durch ihn ewiges Leben. So sicherst du aufs allergewisfeste deine und deines Volkes Zukunft. Mag dann der Schlachtruf der Gegner gellen in allen möglichen Zungen und Sprachen: Tod den Deutschen! Wir haben nur eine Sprache, einen Rnf: Leben für uns und unser Volk, bleibendes, ewiges Leben! Ja, nicht mehr und nicht weniger: ewiges Leben! Amen. K. F. Müller. Lebsn ^ ein gtt!rches Geschäft. Mit seinem Gott Und sich im Klaren sein, und stets bereit Dem letztem Rnf dann mit freud ger Kraft Sein Tagwerk tun, .als sollt man ewig leben. Für sich, für andere, für die Welt, für Gott. Denn Leben ist ein göttliches Geschäft." sp. Zrohleben im KreuMkneg. Ein und ein viertel Jahr unterwegs im Kreuzer und Handelskrieg, ohne Verbindung mit der Heimat, lediglich auf sich selbst angewiesen, auf Meeren, auf denen sich die ganze Macht der Gegner unge hindert entfalten kann, man sollte denken, in einer solchen Lage vergeht einem der Frohsinn; Sorgen von früh bis spät lassen überhaupt nicht mehr zum Genuß des Lebens kommen. Aber man lese das Buch von Fregattenkapitän Nerger S. M. S. Wolf"^), um alsbald eines andern belehrt zu werden. Was für eine Menge von Frohsinn kommt auf diesem Schiff während der ganzen abenteuerlichen Fahrt unter der Be satzung zutage. Selbst in der gefährlichsten Lage, an den schlimmsten Tagen der gute Mut geht nicht aus; auch für einen Scherz und die Freude daran findet sich immer noch ein Platz. Man könnte fast eine Schrift allein darüber schreiben. Dazu würde es uns nun hier im Marine-Freund an Raum fehlen, aber für einige Bilder aus dem Frohleben im Kreuzerkrieg wird der Raum schon reichen. Wie war es doch mit dem Pferdefleischessen? Wer unsere Kriegsschiffsleute kennt, weiß, daß sie keine Kostverächter und einem guten Braten durch aus nicht abgeneigt sind. An Pferdefleisch freilich *) Erschienen Berlin 1918. Ang. Scherl. sind doch die meisten nicht gewöhnt. Da waren nun dem Wolf" drei Pferde zur Beute gefallen, und der Kommandant beschließt, sie als Frischfleisch zu verwerten. Lassen wir ihn erzählen, wie er es anstellte. Die Stimmung war sehr geteilt. Auf der einen Seite, die wie ich Pferdefleisch kannte, herrschte große Freude, auf der anderen Entrüstung. Schließlich mußte aber jedes Frischfleisch ausgenützt werden. Die Offiziersmesse lag unter meiner Kammer. Ich konnte genau beobachten, wie sich ein Traben und Galoppieren unter mir erhob, sobald ein Fleisch gang aufgetragen wurde. Ich schmunzelte dachte mir mein Teil. Das sollte natürlich eine Anspielung auf das Pferdefleisch sein. Aber einen kleinen Schabernack konnte ich mir doch nicht verkneifen. Ich hatte bestimmt, es dürfte nicht ge sagt werden, wann das Pferdefleisch auf die Tafel kam. Eines Tages mm gab es falschen Hasen, und als der Aufwärter mit der Schüssel in die Tür trat, erhob sich das Galoppieren und Traben und steigerte sich zu wilder Karriere. Mehrere der Herren erklärten, Pferdefleisch äßen sie nicht, und rührten den falschen Hasen auch nicht an. Mir war es schon recht, ich aß kräftig. Zwei Tage später hatte der Koch einen wunder vollen Sauerbraten hergerichtet. Sauerbraten," dachten meine Offiziere, ist doch sicher kein Pferde fleisch." Der war es aber gewesen. Sie hauten mächtig ein und ließen auch nicht das kleinste Stückchen übrig. Da rückte ich mit der Farbe heraus. Zuerst wollten sie es nicht glauben, ich mußte lauge reden, bis sie davon überzeugt waren. Geschadet hat es ihnen ebensowenig wir mir." Auch die Freude an allerlei Getier an Bord, die der deutsche Kriegsschiffsmaun von Friedens zeiten und dem Aufenthalt in den Tropen her so gut kennt, hat sich die Wolfbesatzung auf ihrer gefahrvollen Fahrt nicht nehmen lassen. Das Wolfbuch weiß davon drolliges zu erzählen. Man sieht da vor sich Fips, den kleinen japanischen Affen, wie er auf seinem Lieblingsplatz, dem Klavier in der Offiziersmesse, sitzt und sich seines Lebens freut. Einmal," erzählt der Kommandant, als ich eben vorbeiging, standen die Dackel um ihn herum, sahen ihn wehmütig an und wollten auch hinauf. Lottchcn, der eine, sprang auf den Stuhl, Fips faßte sie beim Schwänze beiden war geholfen. Im nächsten Augenblick waren auch die andern von Fips hinaufbefördert. Der kleine Affe liebte die Wärme, und als es immer kälter wurde, saß er eines Tages im Kaniuchenstall. Er hatte sich mit der Rechten und der Linken je ein Kaninchen ge griffen, drückte die Tiere an sein Herz und wärmte sich damit. Dabei grinste er vor Vergnügen über seinen guten Einfall." Besonders beliebt war auch ein kleines Wildschwein Neuguinea, wo es von Eingeborenen gegen ein paar alte Taschenmesser eingehandelt worden war. Seinen Herrn kannte es genau und lief stets hinter ihm her. Jumbo war ein Künstler im Boxen und focht siegreiche . Kämpfe mit den Hunden aus, die es durch kräftige Stöße mit dem langen Rüssel in die Flucht trieb. Zur Belohnung erhielt es nach einem besonders schönen Kampfe von seinen begeisterten Anhängern I einen Topf Kakao, den es gierig austrank. EineRr. 13 Mariue-Freund Seite 51 Stunde später lag es da, streckte alle viere von sich und wollte sterben. Der schleunigst herbeigeholte Arzt rief es durch eine reichliche Dosis Rizinusöl wieder ins Leben zurück, kurze Zeit darauf ging das Tier, dem irgendein Unvorsichtiger wieder Kakao gegeben hatte, ein." Selbst die Gefangenen auf S. M. S. Wolf" konnten der frohen Laune, wie sie an Bord herrschte, und der Freude an gelegentlichen Scherzen sich nicht entziehen. War da ein Kapitän Meadows. Als er seinerzeit von der Turritella", die früher auf den guten deutschen Namen Gutenfels hörte und von den Engländern zu einem Oldampfer ausgebaut wurde, übergenommeu worden war, hatte er ge meint, der Unfug würde kaum lange dauern und in 14- Tagen wäre er wieder frei. Nun saß er aber schon ein Jahr an Bord. Von ihm erzählt der Kommandant: Er war genau ein Jahr an Bord, als er morgens auf den Flugmeister, dem auch ein Teil der Gefangenen unterstand, zutrat. Dabei ergab sich folgendes Gespräch. Meadows, tiefernst und feierlich: Good morning, flyingmaster! (GutenMorgen,HerrFlugmeister.)" GutenMorgen, Herr Kapitän!" Flugmeister, wissen Sie, daß ich heute genau ein Jahr au Bord bin? Ein ganzes Jahr Seefahrtszeit au Bord eines deutschen Kriegs schiffes!" Das freut mich aber, Herr Kapitän! Zur Feier soll es auch heute für Sie etwas ganz Besonderes geben." Well, flyingmaster! Ich habe eine Bitte. Sprechen Sie mit dem Kommandanten. Sehen Sie, ich möchte, daß Sie ihm meinen Wunsch vortragen. Aber richtig, daß es auch wirkt!" Gut, Kapitän Meadows. Was aber soll ich ihm sagen?" Sagen. Sie ihm, ich sei ein Jahr auf dem Wolf", ich hätte alles mit Ihnen mitgemacht, ich möchte jetzt das iron cross, das Eiserne Kreuz haben. Am liebsten wäre mir das Erster Klasse. Wenn das aber zu schwer halten sollte, würde ich mich auch mit dem Zweiter Klasse begnügen!" Er sagte das mit so ernstem Gesicht, daß es schwer war, den Scherz zu erkennen." Als wir auf der Heimreise waren," so erzählt der Kommandant weiter, lief er einem meiner Offiziere mit einem abgeschnittenen Hosenbein, das er oben und unten zusamniengebundeu hatte, in den Weg. Da hatte er, wie er sagte, seine Habseligkeiteu verpackt, damit er nicht, wenn er in der nächsten Zeit um sein Leben schwimmen müßte, als ar-mer Mann gerettet würde." Freilich, als dann seine Hoffnung, daß der Wolf" zuletzt in der englischen Blockadelinie gefaßt würde, sich als eitel erwies, als er gefragt wurde: Nun, Kapitän Meadows, haben die Engländer den Wolf" er wischt? Ihre englische Sperre besteht doch nur auf dem Papier!" da scheint er doch seine gute Laune verloren zu haben. Er war völlig verstört. Er wiederholte immer wieder: Alles, was sie uns erzählt haben, ist Lüge, Lüge! Die große Flotte und die ungeheuren Siege, alles Schwindel, gemeiner Bluff!" Es war das beste, ihn, der die größte Enttäuschuug seines Lebens durchgemacht hatte, mit sich allein zu lassen." lind so wird noch mancher Engländer die größte Enttäuschung seines Lebens durchmachen müssen. Der christliche Seefahrer. Alter angelsächsischer Gesang aus dem 8. Jahrhundert. . Nimmer versteht s, DKr am Land lebt nach der Lust des Herzens, Wie elend ich, auf eiskalter See, Den Winter verbracht auf Wanderzügen, Meinen Freunden fern, der Freuden bar, Von Eiszapfen schwer, durchschaucrt vom Hagel. Da hört ich nichts als heulende Wogen, Die eif ge See, den Gesang der Schwäne. Die einz ge Wonne des Wasserhuhns Stimme, Statt scherzender Zwiesprach der Schrei des Seehunds, Statt frohen Mettcunks der Möwen Krächzen. Sturm schlägt die Klippen, die Schwalbe antwortet; Da schreit der Adler eis gcn Gefieders. Keine Stimme freut den freudlosen Sinn. Wohl glaubt es keiner, wer glücklich still Auf Burgen wohnt, ohn Bangen lebt. Weinfroh und stattlich, im steten Behagen, Wie ich wegmüde die Wogen brach! Die Nächte dunkeln, vom Norden schneit s, Hart gefesselt die Erde, der Hagel schlägt sie Mit eisigen Körnern. Ich kann nicht anders: Mein Herz, es heischet, die hohen Ströme Wsidcrzuschauen und den Schwall der Wogen. Alle Stunden streb ich hinaus. Die Flut zu durchfurchen, und fern von hinneu Fremdsprachiger Völker Gefilde zu scheu. Von allen Mannen ist so mutvoll keiner, So kampfgeübt, so kühner Jugend, So tüchtig und tapfer, so treu dem Drosten ), Um nicht zu sorgen vor der Seefahrt, Was der Wille sei des waltenden Gottes. Dennoch verschmäht er den Schall der Harfe, Das wonnige Weib, der Welt Getreide, Der Gilde ) Lust, der Goldringe Spendung. Mehr liebet er des Meers Gewoge. Solche Sehnsucht ist in des Seemanns Herzen. Die Bäume blühen, im Burghof grünt s, Die Wiesen wonnig, die Welt voll Freude: Ihn aber mahnt s, den mut gen Wandrer, Hinauszusteuern zur Straße des Meeres, Ob ihn warne der Wächter des Sommers, Der klagende Kuckuck, Künder des Unglücks Und banger Sorge. Verborgen bleibt Dem Gemächlichen, was mancher aussteht, Der weithin wallt auf Wegen des Elends! Aus dem Schrein des Herzens schweift die Seele Und wandert weithin übers wallende Meer, In des Wales Erdreich weiter schweifend Zu fernen Küsten, und flattert wieder -Schnsüchtig heim und seufzet immer: Unaufhaltsam treibt s sie auf Todesbahnen, In Wasserwüsten. Ja werter ist mir Die Lust um Herrn, als Leben, das stirbt, Das wandelbare. Ich wähne nicht, Daß ewig bleiben der Erde Freuden. Bon dreien Dingen droht eins gewißlich Im Todestale trennt s die Wege: Das Kriegerschwert, Krankheit und Alter; Sicher entseelt den Sterblichen eines. Dem Ritter ist s ein Ruhm, der bleibet Nach seinem Ende bei Ueberlcbenden, Daß er wacker wirkte, weil er lebte, Im Kriege kühn, ein Kreuzesträger, Mit tapfrer Tat, dem Teufel entgegen. Ihn preisen künftig die Kinder der Menschen. Auch lebt seines Namens Lob im Himmel, Bei Engeln ohn Ende sein ewiges Heil, In der Sel gen Chor, im Siegesjubel. ’) Der Gefolgsherr. 2 ) Gilde hier Genossenschaft der Männer an Land.Seite 52 Marine-Freund Nr. 13 Schiffahrt auf öem Toten Meere. Ein ganz ungewohntes Leben hat sich während des Krieges und durch den Krieg aus dem Toten Meere entfaltet. Wer kennt nicht aus der Biblischen Geschichte die Erzählung von dem furchtbaren Straf gericht, das einst in grauer Vorzeit über die Städte Sodom und Gomorra hereinbrach! Seitdem fluteten die Wellen des Toten Meeres über den Platz, an dem einst soviel Leben, freilich ein Leben voll Sünden und Greueln, geherrscht hatte. Freilich wenn man vom Ölberg bei Jerusalem hinabsah über das Gebirge weg in die Ferne, da meinte man dort einen wunderschönen blauen Gebirgssee in träumerischer Ruhe schimmern zu sehen, der Gedanke kam einem: da ist gut sein! Aber kam man nun selbst hinab an das Gestade dieses Meeres, dann merkte man alsbald, daß es mit Recht den Namen trägt totes Meer". Denn wie tot erscheint alles, wohin man blickt. Kaum ein lebendes Wesen zeigt sich. Die Fische, die der Jordan mit sich führt bis in die Gewässer des Sees sterben als bald und kommen tot an die Oberfläche. Menschen, die ein erquickendes Bad nehmen wollen, werden von dem salzigen Wafler so gehoben, daß sie nicht untertauchen können und von selbst schwimmen. Keine grünenden Fluren an den Ufern. Kein Haus, kein Dorf an den in Jrisfarben strahlenden Gewässern, kein Schiff, kein weißes Segel belebt die todeseinsamen Fluten. Und nun auf einmal ist es anders geworden. Nachrichten von dem Kriegsschauplatz im Morgen land vermelden:- Jetzt, nachdem man seit Jahr hunderten keine Segel mehr über diese tiefstgelegene Meeresfläche der Welt (41b Meter unter dem Meeresspiegel!) hat hinfahren sehen, hat der Krieg, dieser große Erwecker, auch die Schiffahrt auf dem Meere Lots", wie es die Araber nennen, wieder erweckt. Um den im Süden des Landes damals in der Linie von Bersaba zum Toten Meere stehen den Truppen Geschosse, Lebensmittel und anderen Heeresbedarf zuzuführen, wurden über 200 größere und kleinere Schiffe verwendet, die nun in regel mäßigen und eiligen Fahrten die blaue Wasserfläche durchschnitten. Ganz erstaunt blickten die Beduinen stämme von den hohen Bergen der Wüste Juda herunter, als sich so das Tote Meer in ein belebtes Meer verwandelt hatte, über welches Flotten von Fahrzeugen mit weißen Segeln dahineilten. Kraft wagen vermittelten an beiden Enden der Schiffahrt die Hin- und Weiterbeförderung der Waren, und es zeigte sich, daß dadurch ein rascherer und be quemerer Weg gefunden war als der Eisenbahnweg. Ob zu den Ergebnissen des Krieges auch die dauernde Schiffahrt auf dem Toten Meere gehören wird, wer kann es bei den Wechselfällen des Krieges heute schon sagen! Ein Erfolg wäre es, wenn aus Unsere Marme^nfanteristen. Viele Kameraden aus der Marine, mehr als man früher gedacht hatte, tun in diesem Kriege Dienst als Infanteristen". Die nachfolgenden Zeilen mögen ihnen allen ein Zeichen sein, daß, wo die Helden des Krieges genannt werden, auch ihrer gedacht wird. Die höchste Gunst beim Publikum hat doch der U-Bootfahrer, Bei dem gemeinen Infanterist, da ist die Gunst schon rarer. Auch rühmt man sehr die Fliegerschar, die hoch die Luft durch kreisen, Doch den gemeinen Infanterist will keiner, keiner preisen. Da steht er, das Gesicht beschmiert, zwölf Tage nicht gewaschen. Den Magen leer, die Wangen hohl, kein Vorrat in den Taschen. Man sieht ihn an der Rübe kaun, die er vom Feld gestohlen, Er beißt hinein mit Todesmut, denn sonst war nichts zu holen. Dazu trägt er noch sein Gepäck, am Riemen Handgranaten, Das Schanzzeug und zwei Taschen dick mit Munition geladen, Kurz alles, was der Mann gebraucht, das trägt er auf dem Rücken. Und hat er einmal schlapp gemacht, so heißt s: er will sich drücken t Wenn Tod und Hölle um ihn spcin, es kann ihn nichts erschrecken. Nur feste druff!" so ruft die Pflicht, und nirgends bleibt er stecken. Er fährt in einem U-Boot nicht, auch Flügel hat er keine, Er ist ja nur ein Infanterist, ihn tragen seine Beine. Das ist der deutsche Infanterist, und wollt ihr s mal probieren Hängt fünfundvierzig Pfund euch um und tut dann stramm marschieren. Bei Sonnenglut und Regenguß, im Angriff durch die Sümpfe, Und auch zur kalten Winterzeit in Stiefeln ohne Strümpfe. Nun wißt ihr, wem der Ruhm gebührt: und kann er auch nicht fliegen, Und fährt er auch im U-Boot nicht, kann laufen er und siegen. Hut ab vor diesem Held im Dreck! Ihr braucht euch nicht zu schämen, Mit Stolz könnt ihr, reicht er sie euch, die schmutzige Rechte . nehmen. (Nach den Tageszeitungen). Lebsnssprüchs Leben Aebel Von Rudolf Weckherlin 1584 165!. Mensch, bist du klug, Und willst recht wissen, was dein Leben, So merk das Wörtlein Leben eben, Da hast du gnug: Lies es zurück, so wirst du sehen, Was es, und wie es tut vergehen. Nur den Lebendigen gehört die Welt. Jeremias Gotthelf. Das Leben ist Krieg, Das alte Lied Mach dir s zum Sieg. Cäsar Flaischlen. Beginne schon jetzt dein ewiges Leben; sorge nicht um das, was kommen wird, iveine nicht um das, was vergeht; aber sorge, dich selbst nicht zu verlieren, und weine, wenn du dahin- treibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen. Schleiermachcr. Tägliches Sibellefen. Zeit ein lebendes Meer würde! Sonntag: Ps. 119, 65-80. Ps. 95. Montag: Apg. 16, 25 40. Röm. 12. 1 8. (Nach dem Boten aus Zion.) Dienstag: Apg. 17, 1 15. Röm. 12, 9-20. Mittwoch: Apg. 17, 16 34. Röni. 13. Donnerstag: Apg. 18, 1 17. Röm. 14, 1 12. Freitag: Apg. 18, 18 28. RöM. 14, 13 - 15, 3. Sonnabend: Apg. 19, 1 22. Psalnr 65. JCisä Wochenblatt kann man jederzeit bestellen. Bis z 7 Sück bestellt man am besten bei der Bost; von 100 Stück an kostet das Blajt 2 Big. nd Porto; weniger jährlich 2 Mk. da? Stück. B-st-lluna.-n n die eschL-ttsttlle e Nordd. Männer- und IünolinarbundcS, Hamburg b, Brrnnerftr. 17, erbeten. Truck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckerci, Schönberg i. Mecklb.Ar. 14. Schriftleitung: Gefchwaderpfarrer 1 k. F. Müller. 6. Sonntag nach Trinitatis.! 7. Zuli 1818. Verlag des Nordd. Männer und Iünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Drennerftr. 17. 4. Mrg. Inhalt: Gebet. Lebenswasser. Was man vor 20V Jahren in der Gegend von Plön erleben konnte. Jürnjakob gewöhnt einem Nachbar (Engländer) das Trinken ab. Verdurstet. Alle. Tägliches Bibellesen. Wasser ist hier der größte Schatz, der durch kein Gold aufzuwiegen ist. In einem Brief aus Palästina zur Kriegszeit 1917. Gebet. Herr Jesu, der du durch den Tod Mir Heil erwarbst aller Not. Erhör auch nun mein Flehen: Gar mächtig lockt des Satans List Und bös mein eig nes Herze ist Und schwach zu widerstehen. Stärke, stärke Meine Kräfte! Lebenssäfte In mich faste. Daß der Sünde Reiz ich haste! Ich weiß, du schenkest Kraft genug. Daß ich mit neuem Adlerflug Zur Sonne mich kann schwingen! Laß mich zu jenen Bergen hin. Da Hilfe herkommt, eilig flieh Und mich entzieh den Schlingen! Lenke, tränke Mich und leite Mich zur Weide, Wo die hellen Lebenswaffer stärkend quellen! von £). vortisch - van vloten. ) Und hüllt beim Flug den Sonnenschein Mir düsteres Gewölks ein. So laß mich nie verzagen! Du willst und mußt ja gar und ganz Zu deiner Gnade Sounenglanz Mich endlich sicher tragen! Sende, spende Glanbensstille, Kraft die Fülle Mir und höre Meinen Dank zu deiner Ehre! *) Aus Trost und Krast. (Pslcgeanst. Kork in Baden.) Lebenswasser. Joh. 4, 14: Wer aber daö Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sonders das Wasser, das ich ihm gebe, das wird in ihm ein Brunne des Wassers werden, das in das ewige Leben qnillct. 6 etränke, wie sie die Leute zum Genuß künstlich anfertigten, sind knapp und für die meisten un erschwinglich geworden. Aber was brauchen wir Wein, Bier, Branntwein? Wir brauchen Wasser zum Leben, Lebenswasser! Wir schauen auf zum Himmel unter der Hitze und Trockenheit des Soinmers und flehen um Regen, um Wasser für Pflanzen, Tiere und Menschen, um Lebenswasser. Wehe dem Leben, wenn es ausgeht. Da wird die Weite des Weltmeeres zu einer Wasserwüste. Wasser, Wasser, Wasser schreit der dem Verdursten nahe Schiffbrüchige, und kein Tropfen zu trinken! Wie sorgsam mußten W wir früher auf langen Segelschiffsreisen mit dem Frischwasser umgehen! Oder fragt heute noch die wackere Schar junger deutscher Seeleute, die auf der Tinto" von Chile herüber auf 12000 Meilen langer Fahrt sich durchgeschlagen hat, wie kostbar war ihnen ein Trunk frischen Wassers, wie wertvoll die kleine Gabe, einmal in der Woche sich Gesicht und Hände mit Frischwasser zu waschen! Fragt die Emdenleute, die unter Kapitänleutnant v. Mücke durch die arabische Wüste zogen, was sie ausgestanden haben, als ihnen das Wasser fehlte! Wir kennen diese Leiden auch aus der Zeit der Chinawirren, als die Unfern in der Qual des Durstes aus den unreinen Fluten nord chinesischer Flüsse Wasser schöpften; wir kennen sie aus den Erlebnissen der Unfern in den Durststrecken von Deutsch-Südwest. Wer weiß, wie viele unserer Kämpfer auf den sommerlich-heißen Kampfplätzen in diesem Augenblick sich sehnen nach einem Trunk ftischen Wassers: wie viele ermattet, verwundet, erschöpft bisSeite 54 Marine-Freund Rr.. 14 zum Tode schreien nach Wasser, nach Wasser, um sich zu erholen zum Leben! Freilich, wer dieses Wasser trinkt, wie es Gott quellen läßt aus den Brunnen der Tiefe, wie er es sendet aus den Wolken in der Höhe, den wird wieder dürsten. Und es wäre ein Segen, wenn wir mit einem Trunk allen Durst für immer stillen könnten, wenn ein Trunk in uns würde zu einem nie wieder versiegenden Quell des Lebens, zu einem Brunnen, dessen Wasser uns zum ewigen Leben führt. Es wäre ein Segen! Aber eitle Hoffnung, sagst du, das ist unmöglich. Nein, lieber Freund, ich sage dir, das ist nicht nur möglich, sondern es ist längst geschehen, und es geschieht noch immer durch den, der zu uns spricht: Wer das Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm gebe, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet. Hier haben wir das Lebenswasser, und dieses Lebenswasser hat eine Geschichte. Die Schrift weiß davon zu erzählen. Das leibliche Leben bedarf als eines Grundstoffes zum Leben Wasser. Aber wer nur leiblich lebt, erhebt sich nicht über das unver nünftige Geschöpf; der Mensch hat ein höheres Leben, und dieses höhere Leben bedarf lebendigen Wassers. In Gott selbst fand die dürstende Menschenseele von Anfang an den Quell solchen Wassers. Aber bald haben sie ihn, die lebendige Quelle, verlassen und sich löcherichte Brunnen gemacht, die doch kein Wasser geben. So konnten sie auch ihren Durst nach Leben nicht mehr löschen. Was die Menschen, die ohne Gott dahingehen, tun, um ihren Lebensdurst zu löschen, das ist dasselbe, als wenn wir Seewasser nehmen wollten, unfern täglichen Durst zu stillen. Immer neue Qualen waren deshalb auch die Folge. Bis dann der eine kam und die Menschen hinführte zu der lebendigen Quelle, ja sich selbst erwies als Spender des Trunkes, der in den Menschen den Brunnen des ewigen Lebens eröffnete. Bis Jesus Christus, unser Heiland, sich erwies als den Spender des Lebenswassers. Und dieses Lebenswasser hat eine Geschichte in unserem lieben Volke. Durch Jesum Christum hat sich in unserem Volk der Brunnen des Wassers aufgetan, der in das ewige Leben quillet. Ohne diesen Brunnen wäre unser Volk und Volkstum längst zur Wüste und Dürre geworden. Ohne den Trunk aus diesem Brunnen wären wir verdurstet, auf dem Wege um gekommen. Ohne diesen Trunk würden die Kampf plätze zu Lande wie zur See für uns zu ganz un erträglichen Todeswüsten werden. Da ist es klar, was heute not ist. Lebenswasser für unser Volk, Lebens wasser für unsere treuen, tapferen Kämpfer überall! Bewahrt sie vor der Versuchung, an schlechtem Wasser, an Schmutzwasser den Durst zu stillen. Zeigt ihnen Lebenswasser, führt sie dazu! Eil zum Lebensquell hinzu, da kannst du es reichlich haben! Noch fließt dieser Quell. Leib und Seele dürsten danach, lind wenn eins in der Vergangenheit geholfen hat, gibt es auch für die Zukunft nur eine Offenbarung: das Lamm wird sie leiten zu lebendigen Wasserbrunnen, und dieses Lamm, unser hochgelobter Herr und Heiland, spricht: Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Amen. K. F. Müller. Was man vor 200 fahren in -er Hegen- von p!ön erleben konnte. Aus dem selbstgeschriebenen Lebenslauf des Johann Dich, gewesenen Feldschers beim Großen Kurfürsten, Schiffsarztes auf holländtzchen Walfischfängern, Regiments-Feldschers bei den Dänischen in Holstein, zuletzt Hofbarbiers zu Halle. ) Um 1700. Wer heute von Kiel aus zu schöner Sommerzeit die Holsteinische Schweiz und die Gegend von Plön und Eutin besucht, der denkt nicht daran, daß er etwa in einer menschenleeren Wildnis verdursten könne oder sich gegen Wölfe und andere wilde Tiere oder gegen bewaffnete Räuberbanden schützen müsse. Vor 200 Jahren war s noch ganz anders. Einer, der mancherlei Abenteuer in Kriegs- und Friedenszeiten erlebt hat, soll uns davon erzählen. Ich hatte im Ausgehen des rechten Weges ge- sehlet und war zu weit auf die rechte Hand in n Plönischen Wald gekommen. Und weil ich keinen Menschen auf diesem öden Weg antraf, den ich fragen konnte, ging ich immer so fort den ganzen Tag. Ver- meinete ein Dorf anzutreffen. Aber nein. Es wurde sinster. Ich war müde und erschröklich durstig, konnte aber kein Wasser erlangen. (NB. Da habe ich auch erfahren, was Durst vor eine erschrökliche Pein ist.) Ich aß das Laub von n Bäumen; aber es wollte nicht helfen. Bald siel ich dahin vor Mattigkeit, bald mußte ich wieder aufstehen. Schrie immer: Ach Gott, ach wie hastu mich lvieder in so groß Elend kommen lassen; ich muß vor Durst sterben!" Meine Zunge war an meinen Gaumen geklebet. Und ich konnte nicht mehr gehen. Nacht lvar es. Und die wilden Tiere, sonderlich Wölfe, die es in dieser Wildnis viel gab, hörete ich laufen und bellen. Summa: ich war in großer Not. Betete zu Gott und bereuete meine Torheit, sonderlich die oft geschehene Trunk-Ver schwendung. Ich zog meinen Rock aus, legte das Bündel unter den Kopf und deckte mich mit dem Rock zu, weil es nachts kalt wurde. Aber umbsonst: ich konnte vor Angst nicht liegen, gedachte alle Augenblick: itzt füllt dich ein Wolf oder Bär an. Doch schien es, als wann Gott mich stärkste, weil ich wieder geben konnte. Und fand einen hohen Zaun. Des war ich froh. Gedachte, es müsse nun ein Dorf nicht weit sein. Allein es war ein Wildzaun, der durch den Wald ginge, und eine Grenzscheidung. Denn weil ich über den Zaun, und es wieder Morgen und däminrig wurde, sähe, war drüben eine entsetzliche Tiefe, daß, wenn ich wäre übergestiegen, wie ich wollte, ich Hals und Bein gebrochen hätte. Ich ging lange, aber der Zaun wollte kein Ende nehmen, bis es etwas Tag wurde. Und sähe durch den Zaun weit hinein einen Bornschwengel und zugleich einen Schlag durch den Zaun gehen. Ich ward für Freuden ganz stark und eilete, meinen unsäglichen Durst mit Wasser zu stillen. Aber, da ich dahinkam, war kein Eimer dran, viel weniger Wasser im Trog! Das gar wenige schöpfte ich mit der Hand und leckete es fast aus den Händen. Doch ward ich des größten Durstes los. Weil ich nun sehr müde und diese ganze Nacht nicht geschlafen hatte, stund nicht weit davon eine *} Zum ersten Male zum Druck geg. durch vr. E. Consen- tius. München. Lanqewiei che-Brandt.Nr. 14 Marine-Freund Seite 55 offene Scheune; ich gedachte in derselbigen sicher zu sein und ein wenig zu schlafen, bis es vollends Tag würde. Da hatten sich eine Rotte wilde Schweine, die Körner aufzulesen, in diese Scheune gefunden, welche mir mit solcher Furie entgegenschnarchten und -schossen, daß ich vor Schrecken bald übern Haufen gefallen. Ich erholete mich aber und suchte nach einer Leiter mit der Hand, umb damit auf den BanserA) zu kommen und sicher zu schlafen. Da fand ich eine und steig hinauf. Kaum hatte ich oben zwei oder drei Schritte getan, mochte ich einen Kerl aufs Bein ge treten haben. Der fuhr auf und sagte: Wer ist da, wer ist da?" Ich war aber stockstille und verbansete mich in n Winkel unters Dach. Konnte aber nicht schlafen und sorgete, was das vor ein Kerl gewesen. Der herankommende Tag schiene etwas durch die Dachscheiben, da Hube ich meinen Kopf in die Höhe, wurde gewahr, daß vier Kerl mit Flinten und Gewehr dalagen. Ich kroch zitternd und bebend noch weiter unters Dach und verbarg mich unters Stroh. Endlich war ich eingeschlafen vor großer Müdigkeit. Als ich erwachte, machte ich einen ziemlich langen Hals, umb zu sehen, ob die Kerl noch da. Aber sie waren fort. Da machte ich mich auch runter und ginge in das dabei gelegene Dorf in die Schänke. Ließ mir eine Suppe und Eier kochen, einen Krug Bier oder zwei geben. Da fragten mich die Leut: wo ich so frühe gewesen und herkäme? Ich sagte ihn n den ganzen Verloff, auch wie es mir in der Scheune mit den Kerln gegangen. Da sagten sie: Herr, er hat von Glück zu sagen, denn es sind Mörder und Spitzbuben, die hier herum schweifen, viele Leute beraubet und etliche gar totgeschoffen." Damit machten sie Lärm im Dorf. Einige kamen zu mir und wollten durchaus wissen, wer ich wär? möchte wohl auch einer von der Bande sein und das Pack jemand abgenommen haben! Ich verant wortete mich mit allem Glimpf und Bescheidenheit und durfte nicht viel trotzen, sonst würde ich übel ange kommen sein. Als sie aber meine Unschuld erkannten, ließen sie mich gehen und trugen ein Mitleiden nüt mir, sonderlich hie Weiber. Versprachen auch: mich wieder auf den rechten Weg, von welchem ich wohl vier Meile irre gegangen, zu bringen. Sie machten mir ein Lager hinterm Tisch. Meinen Pack unterm Kopf. Da schlief und ruhete ich eine feine Weil. Ließ mir mehr zu trinken geben. Nahm meinen Weg weiser und zog aus. Als er mich nun auf den rechten Weg vermeinet gebracht zu haben, schied er nach einem Rekompens (Belohnung) von mir. Und ich immer sachte fort, weil ich noch müde wär." Mrnjakob gewohnt einem Nachbar lCngiänöerj öas Trinken ab . Lieber Freund, ich will dir erzählen, wie ich einen Menschen vom Trinken bekehrt habe, und das war ein Engländer. Mit seinem Namen hieß er Smith und war lange Zeit mein Nach- *) Banse ein Teil der Scheune, Ivo das Getreide aufge schichtet wird. 2 ) Mit Erlaubnis des Verlags dein trefflichen Buch Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer" von Joh. Gillhoff. (Verl der Tägl. Rundschau. Preis geh. 4,50 Mk., geb. 6,50 Mk.) Viele der Kameraden werden das Buch mit Freuden lesen. Es kann aufs beste empfohlen werden. bar. Wir haben von der Sorte noch mehr in der Gegend. Es ist ein hochnäsiges Volk und tut so, als wären sie man bloß Gnaden zu uns gekommen. Aber siehe, im Hemd gehen sie alle nackt, und wenn sie abends im Town (Stadt) aus dem Saloon (Wirtschaft) kommen, dann haben sie die Gewohnheit, daß sie gern im Rönnstein liegen. Vorm Jahr ging ich da mal lang, da lagen da sechs Stück rum, lauter englisches Volk. Ihren Schweiß können sie nicht riechen, darum haben sie ihre Wirschaft auch man mäßig im Zug. Mein Engländer verstand drei Künste: die Nase hochtragen, faul sein und trinken. Darum war es auch runtergekommen in der Wirtschaft. Mit dem Trinken fing er morgens an und blieb den Tag über so bei. Tagsüber trank er als ein schweig, samer Mann. Abends fing er an zu reden. Dabei war sein drittes Wort: Ich bin christlich geboren, christlick getauft und christlich konfirmiert. Er hatte richtig Schlagordnung darin. Aber ich hatte es schon so oft gehört, daß ich dachte: Na, täuw man, dachte ich, kumm du mi mal ins in de Möt, dann will ick di mal gründlich verkonfirmieren. Bloß die Frau tat mir leid, und um ihretwillen Hab ich ihn auch bekehrt. Das ging so zu. Ich mußte mal nach dem Town, und als ich so durch die Straße fuhr, da sah ich durchs Fenster meinen lieben Smith im Saloon sitzen, und das just, als wenn er da zu Hause ge hörte. Wer hier oft im Saloon einkehrt, der wird von den meisten richtig verachtet. Als ich ihn sitzen sah, da standen die Pferde. Ich runter vom Wagen und hinein. Smith rallögt mich gnädig an und sagt: Komm, Nachbar, setz dich her. Ich will dich trieten (freihaiten). Brauchst mich nicht zu trieten. Kann mich allein trieten. Nach einer Stunde komm ich wieder vor. Dann bist du fertig und kommst mit. Deine Frau wartet auf dich. Verstanden? Er wurde unsicher. Er sah mich an. Er sah seine Whiskybrüder an. Er sah uns noch ein paarnial an. Sein inwendiger Mensch tritt auf der Fenz, das meint: er hinkte auf beiden Seiten. Aber seine Saufbrüder drangen in ihn hinein: Du brauchst ihm nicht zu gehorchen, .wo er doch kein Vormund über dich ist. So wurde er bockig und fing davon zu reden an, daß er ein freier Mann und christlich ge boren sei. Also in einer Stunde I sagte ich und ging. Nach einer Stunde war ich wieder da. Seine Schnapsgescllcn waren nicht mehr da. Er hatte wohl kein Geld mehr, sie zu trieten. So nahm ich ihn beim Arm und schleppte ihn zum Wagen. Als er verstaut war, fuhr ich los und sagte: Du hast noch eine Buddel voll in der Tasche. Darum sage ich dir: Du trinkst von nun an keinen Tropfen mehr, solange du bei mir auf meinem Wagen bist. Verstanden? Als wir ein paar Meilen aus den: Town raus waren, ging es in den Busch hinein. Im Busch wurde es dunkel. Ich tat, als ob ich schlief. Aber ick macktc eine kleine Ritze in meinem einen Auge. Er kuckte erst aus mich, dann in den Busch, dann wieder auf mich. Ich schlief bis auf die eine Ritze. Er langte in die Rocktasche. Ganz heimlich tat er das. Er holte seine Buddel raus. Er nahin sie vor den Mund. In dem Augenblick hatte er einen Schlag gegen die Hand, die war nicht von schlechten Eltern. Die Buddel flog in den Busch. Ich sagte nichts weiter. Er sagte nichts. Die Pferde juckelten so eben weiter. Dann hatte er sich besonnen. Dann hielt er eine Rede. Erst brummelte er leise vor sich hin. Dann wurde er lauter. Er redete sich mit Wörtern in Zorn. Er sprach: Du bist mein Vormund nicht. Du hast mir nichts zu sagen. Ich lasse mir nichts von dir gesalleu. Dies ist ein freies Land. Es ist nicht brüderlich und christlich von dir, mir die Buddel der Hand zu schlagen, wo ich den Whisky doch ehrlich bezahlt habe. Ich aber bin ckristlich geboren. Als er soweit war, siehe, da kam er nicht weiter. Ich sagte Prr! und die Pferde standen. Ich sagte: Ja, sagte ich, und christlich getauft bist du auch, und nun will ich dich mal christlich verkonfirmieren. Damit zog ich ihn über den Sack, ordentlich handlich und bequem legte ich ihn zurecht, und dann Hab ich ihn verkonfirmiert. Mit dem Peitschenstiel Hab ich ihn da mitten im Busch verkonfirmiert. Den Peitschenstiel hatte ich mir ein Jahr zurück aus einem Eichenbusch geschnitten. Da war Verlaß auf, und so konnten wir die Sache in aller Ge mütlichkeit besorgen. Als sie besorgt war, setzte ich ihn wieder zurecht auf seinen Sack, und wir fuhren weiter. So, sagte ich, mit dem Stück Arbeit sind wir fertig. Allright. Du sagst, dies ist ein freies Land. Darum bin ich auch so frei gewesen, und ich will das vor Gott und dem Präsidenten verantworten, wenn sie danach fragen. Ich will dich jetzt unter meine Aufsicht nehmen, und wenn ich höre, daß du wieder trinkst, dann kriegst du wieder was. Darauf kannst du dich verlassen. Wir machen das kurzSeite 56 Marine-Freund Ne. 14 unter uns ab. Ich tue das nicht um deinetwillen. Das brauchst du dir nicht einzubildcn. Das ist man bloß von wegen deiner Frau und daß die Wirtschaft nicht ganz auf den Hund kommt. Aber wenn du deinen Verstand noch nicht ganz unter Whisky gesetzt hast, dann mußt du dir selbst sagen, daß die Buddel dich bald unter die Erde bringt. Und daun gehen wir Sonn tags über den Kirchhof und besehen uns die Gräber, und wenn wir an deins kommen, dann sagt der eine: Ja. das ist der Smith. Der hat sieben Jahre zum Whisky gesagt: Ick stöt di üm, und er hat ihn umgestoßen. Aber im achten Jahr hat der Whisky ihn umgestoßen. Der ist es. Und der andere spricht: Ja, als Kind hat er die Milchbuddel gebraucht; das dauerte kurze Zeit. Dann nahm er die Whiskybuddel zur Hand. Und diese Buddelei dauerte so lange, bis er selbst eingebuddelt wurde. Laßt uns man lieber nach einem andern Grabe gehen! Das sind dann Sonntags so die Grabreden über den Text von deiner Buddelei. Da hat er son bißchen geschluckt und sich mit der Hand über die Augen gewischt; ich weiß nicht, ob von wegen dem Peitschenstiel oder von wegen den Grabreden. So sagte ich noch ein paar Wörter zu ihm: Wenn du dich schickstund das Trinken sein läßt, dann kannst du dir dann und wann ein paar Wagen leitern voll Heu holen, daß dein Vieh nicht zu hungern braucht, und einen Sack Korn kannst du oben rauf schmeißen, daß das Heu fest liegt. Es kann auch sein, daß meine Frau mal einen Schinken mit einpackt oder ein paar Würste. Das ist für den Magen besser, als ihn volltüppen mit Whisky. Nu man jüh. Ich ließ die Pferde laufen. Er hat dann noch ein paar Jahre bei uns gewohnt. Ich Hab ihn scharf im Auge behalten, und er wußte das. Aber das muß ich sagen: Bis er die Farm verkaufte und fortzog, hat er sich ganz gut gehalten, und die Wirtschaft sah zuletzt auch schon ein bißchen anders aus. Siehe, so Hab ich ihn bekehrt. Denn die Menschen sind verschieden getrachtet. Die einen werden bekehrt durch Gottes Wort und Gebet, die andern druch Krankheit und Not, die dritten durch ein gutes Beispiel. Aber dann sind da noch andere, die werden am besten bekehrt mit dem Peitschenstiel, und zu der Sorte gehörte er auch. gelegenen Orte, wo er begraben wurde, dicht bei mehreren anderen, die gleich ihm den Tod durch Ver dursten gefunden hatten." Auch unsere Kämpfer, die später den Aufstand in Südwest niederschlugen, haben die Qualen des Dürstens und Berdurstens damals kennengelernt. Ein Offizier schreibt in seinen Erlebnissen in Südwest 1905: Nun kamen die schrecklichsten Stunden meines Lebens. Es kam niemand, Stunde auf Stunde verging. Immer glühender wurde die Hitze. Wie beneidete ich die anderen, als sie teilweise hoffnungslos dalagen. Der Gaumen gänzlich trocken, der Hals verschleimt, so daß das Atmen Schwierigkeiten machte, ohne jede Kraft in den Gliedern. Da kanl das Stadium äußerster Verzweiflung. Schließlich eine allgemeine Schlaffheit. Aus dieser raffte ich mich noch einmal aus, um auf die nächste Düne zu gehen und Hilfe zu erspähen. Ich schleppte mich, ohne Waffe, oftmals zusammen brechend, mit der letzten Energie weiter. Nichts zu sehen. An der Rettung verzweifelnd schrieb ich in mein Notizbuch den Befehl: Die Kolonne habe unbe dingt zurückzugehen. Dann brach ich zusammen. Wie lange ich dalag, weiß ich nicht. Aber durch die flimmernde Glut kam wie ein Gespenst ein Mann. Das brachte mir Kraft, mit dem Taschentuch zu winken. Ich betete, wie ich seit meiner Kindheit nicht mehr gebetet hatte. Der Freiwillige M. kam und brachte mir eine Flasche Kakao. Nie bin ich dankbarer gewesen als in der Stunde!" verdurstet? Me. Von C. F. Meyer. 1885 1898. Die deutsche Ansiedlersfrau Margarete von Ecken brecher erzählt folgendes Vorkommnis aus dem Leben in Deutsch-Südwest: Unser Freund Ertmann befand sich einst mit seinen Bambusen (Dienern) auf der Jagd, als sie in ziemlicher Entfernung ein Geschöpf bemerkten, das in rasender Eile um einen Dornbusch herumlief. Zuerst konnten sie nicht erkennen, ob es ein Mensch oder ein Tier sei, bis sie beim Näherkommen einen Mann unterschieden, der mit schänmendem Munde ein Wut geheul ausstieß und unausgesetzt mit dem Kopfe in den Dornbusch tauchte. Es war ein Engländer, der, vor Durstesqual von Sinnen, den Busch für einen Quell hielt, bald jauchzend darin untertauchte, bald wütend um sich schlug und brüllte, nicht achtend der Dornen und des warmen, roten Blutes, das in Strömen aus Gesicht, Hals und Brust quoll. Ertmann wollte ihm helfen und ihm Wasser geben, er aber hielt ihn für einen Feind, der gekommen sei, ihn vom Quell fortzujagen, und wie ein gereiztes Tier setzte er sich mit Riesenkräften zur Wehr. In einem Augenblick der Ermattung gelang es, ihm, der wie leblos im Busch lag, einige Tropfen Wassers einzu flößen. Aber es war zu spät. Ein letztes Mal noch wandte er sich in verzweifeltem Kampfe gegen den vermeintlichen Feind, dann setzte das Schicksal seinem Leiden ein Ende. Sie brachten ihn nach dem nächst- ) In Was Afrika mir gab und nahm." Berlin 1908. E. S. Mittler & Sohn. Es sprach der Geist: Sieh auf I Es war im Traume. Ich hob den Blick. Im lichten Wolkenraume L-ah ich den Herrn das Brot den Zwölfen brechen Und ahnungsvolle Licbesworte sprechen. Weit über ihre Häupter lud die Erde Er ein mit allumarmcnder Gebärde. Es sprach der Geist: Sieh aus I Ein Linnen schweben Sah ich und vielen schon das Mahl gegeben, Da breiteten sich unter tausend Händen Die Tische, doch verdämmerten die Enden Im grauen Nebel, drin auf bleichen Stufen Kummergcstalten saßen ungerufen. Es sprach der Geist: Sieh auf! Die Luft umblaute Ein unermeßlich Mahl, so weit ich schaute, Da sprangen reich die Brunnen auf des Lebens, Da streckte keine Schale sich vergebens, Da lag das ganze Volk auf vollen Garben. Kein Platz war leer und keiner durfte darben. Tägliches Sibetlesen. Sonntag: Psalm 7b. Montag: Jer. 0, 1 16 a. Dienstag: Jer. 9, 1 24. Mittwoch: Jer. 10. Donnerstag: Jer. 17. Freitag: Jer. 20, 1 13. Sonnabend: Jer. 23, 1 20. Psalm 85. Ap. 21, 1 14. Ap. 21, 15-40. Ap. 22. Ap. 23. 1-21. Ap 23, 22-35. Psalm 10. Do Wochenblatt ,Mari -Nr r b" kann man jederzeit bestellen. Bis zu 7 Stick dcstelll man am besten bet der Post; von 100 Stück an kostet dar Blatt 2 Pf . und Porto; weniger jährlich 2 Mk. das Stück. Bestellungen an dt Geschäftsstelle ded Nordd. Männer- und MnalingSbundeS. Hamburg 5, Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lehmann & Bernhard, Hosbuchdruckeret, Schönberg i. Mecklb.Nr. 15. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer K. . Müller. 8. SonNkag Nach Trimlalis. 21. Mi 1818. Verlag des Nordd. Männer und Iünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Mrs. Inhalt: Lebcnsbrot. Jesus, das Brot dcS Lebens, Zum Nachdenken, Was man heute im V-Zug erleben kann, Ein Kommißbrot als Auszeichnung. Gesunde Nahrung, Gottes Segen. Unsere Marineheime, Das Lebensbrot im heiligen Abendmahl. Tägliches Bibellesen. O, mrm deutsches Volk, wir oft, wie oft Haft öu gefragt in Not unö !enö, in Jammer unö Schmach, Zertreten, verhöhnt unö verspottet: Wo sollen wir Srot nehmen in öiesen Wüsten !" Mein teures deutsches Volk, ist nicht immer Zur rechten Feit einer öagewesen, der dich er rettet hat unö öie Zu eften gab! Sorget euch nicht, der yeilanö wirö zur rechten Zeit seine Frage schon selbst lösen! Wilhelm Raabc. von Viktor v. Strauß. Dein Wort und Segen bei uns bleib , O Herr, in unfern Tagen. Wo du nicht speisest Seel und Leib, Wir müßten ganz verzagen; Doch wer dir folgt und deinem Wort, lind führt es ihn in Wüsten fort, Denr rächt nicht Durst noch Hunger Not, Du reichst ihm Brot And sättigst ihn vorm Abendrot. Du reiche Kraft, du milde Hand, Du, Herr, dem alles eigen; Durch dich ergrünt das öde Land, Quillt Frucht dürren Zweigen. Die dir vertrann, die darf nicht graun, Auch wo sie Leer und Mangel schann; War, was sie haben, noch so klein: Dein Segen drein, So reichr s und muß noch übrig sein. Doch selig, die des Hungers Not Nach dir im Herzen leiden; Du Himmelsspeis , du Lebensbrot. Du sättigst sie mit Freuden. Ob auch die Not viel Tausend schlug. Du Einer bist für alle g nug; Wer zu dir kommt, find t nach Begehr: O selig der, Ihn dürst t und hungert nimmermehr. So wollen wir nun Leib und Seel Zn deine Hand nur legen. Du kennst die Not, du weißt den Fehl Und hilfst mit reichem Segen; Lind hat uns noch in letzter Not Mit Heil erquickt dein Himmelsbrot: Führ uns vom armen Erdental Zum Himmelssaal, Zu deinem frohen Hochzeitsmahl. Johannes 6, öl: Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel komme . Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit, u diesen Zeiten kann es jedem nur dringend empfohlen werden, das sechste Kapitel imJohannes- edangelium aufmerksam durchzulesen! Da steht bald im Anfang die Frage Jesu, die er im Hinblick auf die große Volksmenge erhob: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen? Wir wissen, welche gewichtige Rolle diese Frage heutzutage bei uns spielt. Da ist es doch bei jedem deutschen Christcnmenschen von der größten Wichtigkeit, zu wissen, wie der Heiland diese Frage gelöst hat, zu wissen, was nach seinem Urteil dazu gehört, sie zu lösen. Denn wohl gehört dazu, daß man weiß: wenn man sich der Führung Jesu unterstellt, darf man überall, auch in den schwierigsten Lagen, auf den Segen des täglichen Brotes vertrauen. Jesus hat dem Wunder der Speisung der Tausende ausführliche Belehrungen an das Volk hinzugefügt. Der Kern dieser Belehrungen lautet immer wieder: Ich bin dasSeite 58 Marine-Freund Nr. 15 Brot des Lebens. Das heißt doch: wo er, Jesus, der Mittelpunkt des Lebens geworden ist, da kann man auch durch ihn auf das Brot, als den notwendigen Lebensunterhalt, mit Sicherheit rechnen. Und war es denn seither anders? Als andere Menschen sind die Christen in die Welt eingetreten, als Menschen, wie man sie bisher nicht kannte. Sie wurden keines wegs von der Welt begünstigt. Aber hat es ihnen an Brot gefehlt, haben sie jemals Mangel gehabt? Niemals. Wirkliche Christen sind auch noch heute andere Menschen als die Weltkinder. Aber fehlt es da, wo lebendiges Christentum sich regt, an dem täg lichen Brot? Ganz int Gegenteil. Unser Volk nahm Jesum als Heiland an, vor vielen Jahrhunderten. Immer wieder schöpfte es Kraft aus der Tiefe seines Evangeliums. Oeffneten sich nicht auch überall gerade da Quellen des Wohlstandes, wo das Evangelium lebendig war? Wahrhaftig, es hat sich bewiesen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern." Wäre heutzutage nicht so großer Abfall von Christo, wäre mehr glaubensvolles Scharen um den Heiland, wir würden mehr Brot zur Verfügung haben, wir würden an Millionen das Speisewunder erleben, das der Herr dort an den Tausenden tat. Aber es gehört allerdings zur Lösung jener Frage noch mehr. Mit dem Brot, wie wir es immer wieder nehmen, ist es allein nicht getan, ist uns das Leben nicht für immer verbürgt. Wer es ißt, den wird wieder hungern. Wo ist Brot, lebendiges Brot, dessen Genuß uns ewiges Leben verbürgt? Es ist auch da. Jesus bietet sich selbst als dieses Brot an. Ich bin - das Brot des Lebens." Zweimal hat er das mit Nachdruck wiederholt, um mit der Versicherung zu schließen: Ich bin das lebendige Brot, wer von diesem Brote essen wird, der wird leben in Ewigkeit." Was heißt das? Wo der lebendige Glaube den Herrn Jesum Christum festhält als Helfer und Heiland, da erweist er sich als das Brot, dessen Genuß ewiges Leben bringt. Mit andern Worten: Kein Mensch kann verderben, mit dessen innerstem Wesen Jesus als das wahre Leben sich verbunden hat. Kein Volk kann zugrunde gehen, in dessen innerstem Leben Jesus die lebenspendende und -erhaltende Nahrung und Speise geworden ist. Das merke dir, deutscher Mann! Du kämpfst für dein und deines Volkes Leben. Die Feinde wollen es zugrunde richten, indem sie ihm das Brot abschneiden für immer. Es wird ihnen nicht gelingen. Du aber sorge dafür, daß wir Deutschen das Brot behalten, das s e uns überhaupt nicht abschneiden können, um das d u dich nur selbst bringen kannst. Hilf, tu e d u nur k a n n st, daß Jesus C h r st u s , der Gottes- und M e n s ch e n - s o h n , unseres Volkes Heiland bleibe, dann s o r g st du f ü r B r o t, f ü r L e b e n s - b r o t. Du aber, treuster Herr und Heiland, den wir brauchen wie nur zu irgendeiner Zeit, gib uns dies Brot allewege. Amen. K. F. Müller. Zum Nachöenken. Lasse sich niemand mit Worten oder Schein irre machen. Alle Predigten und Lehren, die uns nicht bringen und vor bilden Jesum Christum, die sind nicht das tägliche Brot und Nahrung unserer Seele; sie mögen auch nicht helfen in einiger Notdurft und Anfechtung." Martin Luther. Was mau heute im O-Zug srLebrn ©ine wahre Begebenheit.h Von G. von Mühlfeld. Daß das Reisen jetzt kein Vergnügen ist, weiß jeder, den im Winter 1917 18 die bittere Notwendig keit zwang, sich einem mit Menschen überfüllten Post- oder Schnellzuge anzuvertrauen, um dann an der Umsteigestelle den Anschluß zu versäumen und sein Ziel mit Verspätung zu erreichen. - Die Zeiten, in denen Eichendorff singen konnte: Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die lveite Welt," siild vorüber, als eine Gunst möchte es uns heute eher erscheinen, zu Hause bleiben zu dürfen. Aber immerhin, mit viel Geduld, einigen Lebens mitteln oder doch zum mindesten ausreichenden Brot karten und genügend warmen Kleidungsstücken aus gerüstet, läßt sich auch heute ein Ausflug in die weite Welt" mit der Eisenbahn wagen. Jedenfalls kann man allerhand Erfreuliches und Unerfreu liches dabei erleben. In Ivelche Klasse das folgende Erlebnis zu rechnen ist, möge der freundliche Leser selbst entscheiden. Es war in Süddeutschland, in einem von Reisen den überfüllten V-Zuge. Schon lange, ehe er die Ausgangsstation verlassen hatte, waren alle verfügbaren Sitzplätze besetzt, Koffer, Handtaschen, Rucksäcke, Tor nister, Helm- und Hutschachteln lagen hoch überein ander geschichtet in den Gepäcknetzen, und immer noch strömten, drängten und schoben die Menschen zu den offenstehenden Türen herein. Ob die Fahrkarte braun, grün oder gelb war, das spielte schon längst keine Rolle mehr, jeder drängte dorthin, wo er hoffte, noch einen Platz zu finden, und wcnn s auch nur ein Stehplatz sein konnte. Endlich ein Pfiff, ein lautes Fertig", die Türen wurden zugeschlagen, und der Zug setzte sich in Bewegung. Damit trat unter den Reisenden eine Art von Ruhe ein, jeder suchte sich, so gut oder so schlecht es eben ging, mit seinem vor läufigen Schicksal abzufinden. Daß die Gänge auch der ersten und zweiten Klasse mit Feldgrauen angefülit waren, Urlaubern, Genesenden, solchen, die. eben aus Feindesland kamen, und solchen, die hinaus mußten, schien selbstverständlich zu sein, dafür lebt man im Kriege, und unsere Feldgrauen man hätte ja kein deutsches Herz haben müssen, wäre man ihnen nicht znvorkommend begegnet, selbst in der Eisenbahn, wo sie sich nicht immer von ihrer besten Seite zeigen. Erzählten doch die abgetragenen Uniformen, die bleichen, übermüdeten Gesichter, die zuweilen merkwürdig er loschenen Augen eine Geschichte, die Herz greifen mußte. Bunt wie der Krieg, wechselnd wie das Schicksal, standen sie hier beieinander, neben dem müden- Landsturmmann, der hinaus in den Schützen graben mußte, der junge, kaum der Schulbank ent wachsene Rekrut; der Verwundete, der mit seinein hinfälligen Körper von einem Lazarett ins andere reiste, neben dem jungen, noch in frohem Kampfes mut sprühenden Kameraden. Ja, in solch einem Zuge welche Schicksale, welches Leid, welches stille Helden tum, oft neben der stumpfesten Gleichgültigkeit, alles für kurze Stunden dicht zusammengedrängt. In einem Abteck dritter Klasse sitzt eine Frau in *) Mit besonderer Erlaubnis aus dem Nachbar" Nr. 6, 1918.Är. 15 Marine-Freund Seite 59 mittleren Jahren mit stillem, vornehmem Gesicht; nicht in Schwesterntracht, und doch hätte man sie an ein Krankenbett wünschen mögen. Es ist etwas Starkes und zugleich etwas Mütterliches an ihr. Sie schaut unverwandt durch das- schmale Fenster des Abteils hinaus auf den Gang,, sie hat dort etwas gesehen, das ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Da steht einer in abgeschlissenem Mantel, der nicht dort stehen durfte. Immer wieder muß sie Hinsehen, ja es kann keine Täuschung sein, der rechte Ärmel hängt leer herunter, unter dem linken Arm hat er eine Krücke, denn nur ein Bein sieht unter dem Mantel hervor. Um den. Hals haben sie ihm an einer Schnur die Brotration für den Reisetag gehängt. Gott im Himmel, den lassen sie draußen im Gang stehen, wo alles vorbeidrängt und -schiebt, während wir hier sitzen!" Im Augenblick ist sie draußen. Mann," redet sie ihn erschrocken an, Sie. dürfen nicht da draußen stehen, kommen Sie herein, hier setzen sie sich auf meinen Platz!" llnd behutsam führt sie den Erschöpften herein. Er sieht bleich und finster aus, tiefe Bitter keit liegt auf seinem Gesicht. Die Mitreisenden rücken zusammen, halb entsetzt, halb mitleidig sieht man ihn an. Sind Sie hungrig?" fragt die mütterliche Frau. Sie werden lange nichts gegessen haben?" Da blitzt etwas wie Zorn in seinen Äugen auf. Ein Krüppel braucht auch nichts," stößt er bitter heraus, meine Brotration hab n sie mir umgehängt, weiter braucht s nix für einen, der sich hat müssen fürs Vaterland z sammenschießen lassen." Die drohende Stimmung, die in seinen Worten lag, wirkte an steckend. Man nahm Partei für den Verstümmelten. Wie in einem aufgeregten Bienenschwarm schrie und schimpfte alles durcheinander m bie einen fanden, daß das ganze Militär nichts tauge und daß man nicht genug für die Verwundeten sorge, die anderen meinten, der Krieg würde längst aufgehört haben, wenn die Kapitalisten sich nicht bereichern wollten. Dieser schimpfte auf die Ärzte, jener auf die Lazarette, ein dritter auf die Gemeinden, die Städter ereiferten sich über die vom Land, die alles selber fressen wollten," : die anwesenden Landleute drehten den Spieß um und meinten, sie hätten das ganze Jahr die Plage und, was sie in saurer Arbeit erworben, das müßten sie alles den Städtern, den faulen Lumpen, hintragen. So ging es weiter, immer lauter und zorniger wurde die Unterhaltung. Es war eine schwüle Luft, und die wenigen Stimmen, die versuchten, aufklärend und beruhigend auf die erhitzten Gemüter einzureden, wurden überschrien. Da plötzlich erschien der Kellner vom Speisewagen mit der Serviette unterm Arm: Hat hier jemand geschellt?" Ja, ich tat es," sagte die Frau mit den freundlichen Augen, die neben ihrem Schützling Platz genommen hatte. Bringen Sie, was Sie haben, vor allem eine warme Suppe für den Mann hier auf meine Kosten." Im Abteil war s still geworden; über die vergrämten Züge des Invaliden ging ein Leuchten. Seine Nachbarin sah. ihn freundlich an und strich leise und liebevoll mit der Hand über den leeren Ärmel. Wir wollen nicht schimpfen, sondern helfen, jeder, wo er kann!" Sie sagte es, wie etwas ganz Selbst verständliches, so laut, daß alle es hören konnten, Dann öffnete sie ihr Täschchen, nahm zwei rotbackige Äpfel heraus und sing an, sie zu zerschneiden und ihrem Nachbar zu geben. Das Beispiel wirkte noch mehr als ihre Worte. Binnen fünf Minuten waren fast sämtliche Taschen, Rucksäcke und Körbe geöffnet worden, und vor dem erstaunten Soldaten breiteten sich so viel Herrlichkeiten aus, daß seine Beschützerin einen Korb ausleeren mußte, um sie nur unterzu bringen. Da gab es Honig- und Käsebrote, Zigarren, Wurststücke, Äpfel, sogar Kuchen steckte man ihm in die Manteltasche. Ein kleines Mädchen brachte ihre Puppe und fetzte sie ihm leise und zaghaft auf den Schoß, eine alje Frau nestelte aus ihrem Geldbeutel ihre, mühsam zusammengesparten Brotmarken heraus. Über alledem kehrte der Kellner mit heißer Suppe, einem köstlich duftenden Stück Fleisch und Kartoffeln zurück, die die geschickten, im Krankendienst geübten Hände der guten Frau fürsorglich für ihren Schützling zubereiteten. Der plötzlich so zum Mittelpunkt all gemeiner Liebe gewordene Invalide wüßte nicht, wie ihm geschah. Tränen traten ihm in die Augen, und der harte Ausdruck verschwand aus seinem Ge sicht. Er saß da wie ein Kind, das sich pflegen und verwöhnen läßt.  Nicht schimpfen, aber helfen!".- Wer das ver steht, hat mehr Vaterlandsdienst getan, als mancher, der sich draußen das Eiserne Kreuz verdient. Aber auch mehr Liebesdienst! Das Helfen muß von innen herauskommen, aus einem Herzen, das selbst schon Hilfe erfahren hat im allertiefsten Elend, im Sünden- elenb, und einen Heiland gefunden hat, dem zulieb es nicht anders kann, als sich der Unglücklichen, der Verbitterten zu erbarmen. Wenn es mehr Menschen gäbe, die mit Heilandsaugen ihre Mitmenschen an- sehen, dann würde auch weniger Not und Bitterkeit in unserer Zeit sein. Gelegenheit findet sich überall, und wenn s auf einer Fahrt im v-Zug ist. Ein Kommißbrot als ^usZeichnung. An der Ostseeküste in Ost- und Westprenßen und weiter dahinter ins Land hinein wohnen viele des Namens Labudda. Wir in der Marine kennen sie recht wohl. Manch tüchtiger deutscher Kriegsschiffsmann ist schon in Friedenszeiten aus ihnen hcrvorgegangen. lind jetzt im Krieg war es nicht ein Labudda, der auf S. M. S. Westfalen in der Skagerrakschlacht beide Beine verlor? Der, von dem im Nachfolgenden berichtet werden soll, gehört allerdings- nicht der Marine an, aber einem Regiment, das den Namen einer alten See- und Hansestadt trägt und von daher auch in alten Beziehungen zur Sec und Flotte steht. So tvurde in deutschen Zeitungen erzählt: Gefreiter Johann Labudda vom Granatwerferzug 2 des Infanterie-Regiments Bremen" stammt aus Gnesdau im Kreise Putzig. Sein treuherziges, kerngesundes Gesicht, das so oft und so herzlich lachen kann, niit den blauen Augen, kennt jeder im Regiment, jeder kennt ihn und nennt ihn mit seinem Vornamen Johann, jeder weiß aber auch, was dieser Johann im Kriege schon geleistet hat. Am 17. Februar, bcini Sturm der Engländer auf Miran- mont, stand Johann auch wieder einmal an seinem Granat werfer und jagte ein rasendes Flachbahirfeucr in die anstürmenden Engländer. Er bediente seine Maschine allein. Die andern machten es ihm zu langsam. Aber die Engländer kamen in solcher Menge, daß man dagegen gar nicht anschießen konnle. Trotz ungeheurer Verluste drangen sie in den Graben und be gannen ihn aufzurollen. Sie kamen vorwärts bis an den Werferfland Johanns. Da mußte auch er weichen. Er führte einen wütenden Beilpickenhieb gegen-seinen Werfer, umZhn un brauchbar zu machen; dann sprang.er hinter die nächste Schulter- wehr. Dort stand ein zweiter Granatwerfer. Sofort war Johann an ihm und legte im Nu ein beängstigend steiles Schnell feuer vor die Engländer jenseits der Schnlterwehr. SeineSeite 60 Marine-Freund Nr. 15 Kameraden berichteten, die Wurfgranaten wären so steil ge schossen, daß man Angst hatte, sie würden in die eigene Linie niedersausen. Aber Johann, verstand seine Waffe zu gebrauchen. Doch sein Mnnitionsvorrat war bald verbraucht. Da ging Johann zum eigentlichen Nahkampf über. Einige tapfere Leute schlossen sich ihm an. Nun hatte die Handgranate da-s Wort. Ruhig, vorschriftsmäßig: abreißcn, langsam den Arm heben, werfen I So wurde Schritt für Schritt gewonnen; Engländer um Engländer wurde erledigt. Johann arbeitete im Pulver dampf wie eine Maschine. Aber es mußte ehrlich gemeint sein. Aus einem Stollenloch streckte ein Engländer die Hände hoch. Js gut!" sagte Johann und lief weiter. Da pfiff ihn: aus dem Stollenloch heraus eine Rcvolverkugel am Ohr vorbei. Das ging Johann gegen den Strich. Ich dreh um, schmeiß ganz langsam Handgranate in Stollen," erzählte er später. Die Handgranate platzte hinter dem Engländer und riß ihn aus dem Stolleneingang in den Graben, wo er tot liegen blieb. Auf diese Weise rollte Johann mit zwei Kameraden den ganzen Graben, soweit er in Betracht kam. wieder auf. Es war eine Tat von einschneidender Wirkung für den Verlauf des Kampf tages. Das Eiserne Kreuz 1., zu dem Johann schon mehrfach eiugercicht worden war, belohnte ihn für seine Pflichttreue. Das war aber noch nicht das Ende. In der Siegfried stellung gingen Patrouillen aller Kompanien des 11 75 allmählich in das Vorfeld. Alle Patrouillenführer bewarben sich.um Johann, er solle doch mitgehen. Warum nicht? Gutmütig lachend ging Johann einige Male mit. Aber auch er wurde müde. Nach drei durchwachten Nächten am Tage hatte er seinen Dienst als Werfcrführer zu tun erklärte er seinem Zugführer: Ginge ja gerne mit, möchte aber auch mal was für haben, kuck nachher immer in Mond." Aber Johann," wurde ihm entgegnet, mehr als das Eiserne Kreuz 1. können Sie doch gar nicht bekommen." Seine Antwort war überraschend: Nein, aber mal Kommißbrot oder so." Diese Geschichte wurde dem Divisionspfarrer und von ihm dem Divisionskommaudenr berichtet. Eines Tages, als das Regiment zurückgezogen war, wurde Johann zu einer bestimmten Zeit an ein Straßenkreuz bestellt. Nichtsahnend wartete er da. Eine Staubwolke kam näher. Ein Automobil mit dem Abzeichen der Division hielt. Johann erkannte den Divisionskommandeur. Dieser erhob sich, griff in die Tiefe des Wagens und überreichte Johann ein Kommißbrot. Wer Johann kennt, weiß, daß er in diesem Augenblick mit der ganzen Ausdruckskraft seines harmlosen gesunden Gesichtes und seiner blauen Augen gelacht hat. Und so kam ein Konimißbrot als Auszeichuüng vor das Eiserne Kreuz I. Gesunde Nahrung. Nicht alles, was im Deutschen Reich an Büchern und Schriften gedruckt und verbreitet wird, ist gesunde Nahrung. Manches ist Gist, vieles ^ist Schund und sehr vieles hat als Nahrung für Geist und Gemüt, Leib und Seele gar keinen Wert. Um so mehr freuen wir uns, die Leser des Marinefreund" aus Er scheinungen Hinweisen zu können, die gesunde Nahrung, gutes Brot bieten. Die erste ist das Buch von Ulrich Lürcher, Vogesenhelden, erschienen in Stuttgart bei Holland und Josenhans, Preis gcb. 2,50 Mk. Das ist ein gutes Buch. Es hat mich tief innerlich gepackt. Seite für Seite. ... Es schildert Männer aus dem Volk, wie sie leiden und leben. . . . Die Heldensvhne unseres Volkes, wie sie draußen kämpfen, bluten, Heldentum bewähren," so schrieb ein anderer darüber. Und der dieses schreibt, dem war es, als ob in Ulrich Lörchcr die besten unserer alten, trefflichen Volksschriftsteller, wie sie unser Volk kannten und licbhatteu, wiedergekehrt seien. Gewiß werden sich unsere Leser noch der wunderschönen Schilderung eines Ostermorgens entsinnen, die wir in unsere diesjährige Osternummcr mit be sonderer Erlaubnis aus einem schwäbischen Sonntagsbla.t hcr- übernahmen. Es war ein Stück aus dem Buche. Und nun vergiß nicht: Ulrich Lörcher heißt der Verfasser, Vogesen helden sein Buch. Und wenn du dir etwas Gutes erwerben oder andern zur Anschaffung empfehlen willst, denke au dieses Buch. Die andere Erscheinung auf dem Büchermarkt ist Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer, von Gilhoff, erschienen im Verlag der Täglichen Rundschau, Berlin. Preis geh. 4,50, geb. 6,50 Mk. Auch aus diesem Buche ist letzthin eine Probe im Marinefreund" erschienen: Wie Jürnjakob einem Nachbar das Trinken abge wöhnte." Das Buch ist prächtig. Eine Erquickung, darin zu lcsen. In den Hauptgestalten begegnet uns die gute zähe, treue, gottesfürchtige, niederdeutsche Art, wie sie durch die Ar beit des Wortes Gottes und die Wirkung des Evangeliums von Christo auf niederdeutschem Boden geworden ist. Trotzdem ist das Buch nicht nur etwas für Niederdeutsche. Mehrfach be reits habe ich es erlebt, daß gerade auch Oberdeutsche von dem Buch begeistert waren. Wer kann, der kaufe sich, er wird seine Freude daran haben. G9Üö9 Von Grillparzer. Ist es dein Recht, wenn Frucht der Acker trägt? Ist es dein Recht aus Leben und Atem? Ich sehe überall nur Gnade, Wohltat nur in allem, Und diese Würmer sprechen mir von Recht? Schlecht ist der Ackersmann, Ser seine Frucht Bon Pflug und Karst und seiner Müh erwartet Und Licht und Sonne, was von oben kommt, Nicht als die Krone achtet seines Tuns. Es wirkt der Mensch, und Gott im Himmel segnet. Unsere Marineheime ÄÄffiÄ Nahrung und Erquickung dienen. Darum bieten sie neben leib licher Erquickung, soweit in dieser Kriegszeit geboten werden kann, auch Gelegenheit, sich um Gottes Wort zu Andacht und Gebet zu sammeln für alle, die darnach verlangen. Marineheime befinden sich in: Ahlhorn, beim Flugplay. Cuxhaven: Villa Scedcich Nr. 10. Emden: Seemannsheim, vor der Schleuse am Außenhafen. Flensburg. Große Straße 67. Kiel-Wik: Adalbertstraße (gegenüber den Kasernen). Kiel: Gartcustraße 12. Scheuen b. Cclle, im Schulgebäude Sondcrburg: Brückcnstraße 2 ( Alsenheim"). Warnemünde: Am Strom 58. Wilhelmshaven: Wallstraßc 33. Helgoland: Bei der Kirche. Deutsche, Marinchcime in besetzten Gebieten sind: Libau, Große Straße, gegenüber der lutherischen Kirche. In Belgien befinde sich deutsche Marinchcime in: Brügge, Vlaniingstraat Brecdenc Blankenberghe Den Haan Hehst Knocke Ostende, Kapellenstraße 40 Weuduyne Westcapelle und Zeebrügge. Das LeöLnsörot im heiligen Menö- Alte Worte für Kämpfer. Dies Brot kann wahre Nahrung geben, Dies Blut erquicket unfern Geist. Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn nnser Glanbe dies geneußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke In uuserm Kampf- und Glaubenswerke. Joh. Jakob Rambach. Laß uns dies Bundesmahl zur Lebenskraft gedeihen, Daß wir im Leidcuskampf bewährte Streiter seien. Aus einem alten Kirchenlied. Sonntag: Psalm 4L. Montag: Jer. 30, 1 5, 7 24. Dienstag: Jer. 31, 1 14. Mittwoch: Jer. 81, 15-30. Donnerstag: Jer. 31, 31 40, Freitag: Jer. 33, 1-18. Sonrrabend: Jer. 36. Psalm 4. Apg. 27, 1 26. Apg. 27, 27-38. Apg. 27, 39 28, 6. Apg. 28, 7 16. Apg. 28, 17 31. ! Psalm 108. Wochenblalt M-rinr-AreelNd kann man jederzeit bestellen. Bis ,u 7 Süd bestellt man am besten bet der Post: bon IM) Stück an kostet dai Blatt 2 Dia und Porto ; weniger inhrltch 2 Mk. das Stuck. B-st llunq-n an die eschäfti stelle de Nordd. Männer- und ssünalingibünde , Haruburo ö, Lrennerftr 17 erbeten Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckerei, Schönberg I. Mcckib.Inhalt: Ein Bittlied um den Frieden. Der Bund ewigen Friedens. Umfriede mich mit deiner Nähe. Auf den Palau- inseln 1861 62. Concordia domi, foris pax. Ein Brief. Tägliches Bibellesen. Das Herze fröhlich, öer Mut recht ehrlich, Die Taten richtig, W Mf Gott vertrauen- un- auf ihn bauen-, MJ Das stnö öie Waffen, öie Zrieöen schaffen. Spruch an einem Hausgerät. Sn Sittlieö um öen Zrieöen. Ewiger Gott, wir bitten dich. Gib Frieden in unfern Tagen, Daß wir lieben einmütiglich And stets nach deinem Willen fragen. Denn, Herr, es ist kein andrer Gott, Der vor uns streitet in der Rot, Denn du, unser Gott, alleine. Gütiger Gott, wir bitten dich. Gib Frieden in unserm Leben, Verleih uns dein Hilf gnädiglich, Den Feinden zu widerstreben. Denn niemand ist in dieser Welt, Der Frieden gibt und Sieg erhält, Denn du, unser Gott, alleine. o □ I □ I □ Nach Kaspar Querhamer. 1534 1536. Gnädiger Gott, wir bitten dich. Laß uns in dem Frieden sterben. Erzeig dich uns ganz väterlich. Daß wir endlich nicht verderben. Durch Jesum Christum, unfern Herrn, Zm Heilgen Geist wir das begehrn Von dir, unserm Gott, alleine. Starker Herr Gott, wir bitten dich. Gib Frieden unserm Herzen, Gib Fried hie und dort ewiglich Wider die höllischen Schmerzen: Gib uns herzliche Einigkeit And die ewige Seligkeit, Welche in dir steht alleine. Der Duuö ewigen Zrieöens. Jes. 54, 10: Der Bund meines Friedens soll nicht hin- fallcn, spricht der Herr. o ist es. Und merket doch auf, ihr Menschen mit eurer Weisheit, auch ihr Gescheiten und Klugen in unseren Reihen, die ihr meint über die Wahrheit eines schlichten Gotteswortes hoch erhaben zu sein. So ist es und so wird es sein: es gibt einen Bund ewigen Friedens. Und jeder andere wird hinfallen. Vor Jahrhunderten schon kam es vor, daß Völker und Reiche einen ewigen Frieden schlossen. Aber schon nach einigen Jahren bekämpften sie sich wieder bis anfs Blut. Wir Deutschen hatten auch Friedensbünde geschlossen; wir haben sie aufs schwächlichste hilifallen sehen. Denke an Italien, an Rumänien, denke an die Vereinigten Staaten von Amerika! Wir hatten mit England einen Bund geschlossen, daß ein Krieg zwischen europäischen Mächten niemals nach Afrika übergreifen und dort den Frieden stören sollte. Hohnlachend haben sich die Engländer darüber hinweggesetzt. Und das wird auch in Zukunft nicht anders sein. Nach jedem Krieg wird auch wieder Friede geschloffen. Aber nicht für die Ewigkeit. Und jeder Friedens bund zwischen Menschen wird einmal hinfallen. Wir Deutschen können daran nichts ändern, auch wenn wir wollten. Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Wir haben böse Nachbarn, denen es noch niemals gefallen hat und niemals gefallen wird. Wir hatten ein wahrhaftes Friedensreich seit über 40 Jahren in unserem neuen Deutschen Reiche, und s e haben sich in dieser Zeit in blutigen Kriegen betätigt, haben Völker und Reiche unterjocht, haben es schließlich fertig gebracht, mit dem furchtbarsten c:rs 62 Marine-Freund iltr. 16 aller Kriege uns zu überziehen. Da sehen wir, waS auf Frieden mit denen zu geben ist. Darnach müssen wir unS nun richten. Wir müssen unfern Sinn stellen auf das was erreichbar ist. Was aber ist erreichbar? Ein Bund ewigen Friedens? Ja, einer. Es gibt einen Bund ewigen Friedens. Der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr. Damals als in alten Zeiten der Prophet diesen Entschluß Gotte verkündigte, sollte allerdings dieser ewige Friedensbund erst kommen. Jetzt aber ist er da. Er sieht zurück ein fast 2000jährige Bestehen. Er ist der Friedensbund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat, da er da große Friedenswerk durch Jesum Christum, seinen Sohn, begann und durchführt?. Die Menschen hatten einst durch ihre Sünde ruchlos den Frieden mit Gott gebrochen und lebten mit ihm im Kriege. Da hat er Friede geschlossen, und dieser Friede besteht noch heute und wird immer bestehen. Er ist nicht umgefallen und wird nicht deshalb Um fallen, weil wir Menschen so vielfach auch heute noch durch die Sünde uns feindlich stellen gegen Gott und Krieg gegen ihn führen. Sein Friede besteht, und wir können ihn täglich und stündlich ergreifen in dem, der unser Friede geworden ist. Christus ist unser Friede! Das sei mit Macht hineingerufen in unser Volk, daß sei euch an Herz gelegt, ihr treuen teuren Streiter, die ihr kämpft für dieses unseres Volkes Frieden und Wohlfahrt. Christus ist unser Friede, und wenn wir den im Herzen tragen, gehen wir sicher und getrost hindurch durch Welt und Zeit. Zu Beginn des 5. Kriegsjahres tritt der Marine- Freund auf neue seine Wanderung an. Um des Papiermangels willen kann er es leider, wie schon im letzten Jahre, nur alle 14 Tage tun. Mit dem 2. Kriegsjahr kam er zum erstenmal. Der dies schreibt, rechnete damals mit einer sehr langen Dauer deS Krieges, darum war es ihm ein HerzenS- anliegen mitzuhelfen, daß auf diesem Wege das Wort von dem Frieden zu euch komme, den keine feindliche Welt, keine noch so böse Zeit, kein noch so langer Krieg unS rauben kann. Und dar um beginnt er auch zu Anfang dieses Kriegsjahre wieder mit dem Wunsch, dem Gebet für euch, ihr lieben Kanipf- und Kriegsgefährten: Der Friede Gottes, der höher ist denn alle Vernust, heilige und bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. Amen. K. F. Müller. Umfriede mich mit deiner Nahe. Von M. Z. im deutsch. Arbeiter-Freund. Umfriede mich mit deiner Nähe. Du starker Heiland Jesus Christi Was tut S, wenn ich den Weg nicht sehe, Weiß ich nur, daß du bei mir bist. Nicht Traumctfrieden willst du geben, Du bist ein tatenfroher Held Dein Wort ist Licht, dein Wort ist Leben Und stellt uns mitten in die Welt. Herr, gib mir nur in dir- zu bleiben, In deiner Nähe froh und still Dann mag der Strom des Lebens treiben Mein schwanket Schiff, hin er will. Mf den paraumseln ö2. Blätter aus der Geschichte der Friedenstätigkeit des Be schützers kleiner Nationen" im Stillen Ozean. 1. Karl Semper, der deutsche Gelehrte. Am letzten Tage des Jahres 1861 war ein junger deutscher Gelehrter, Karl Semper, Zoologe von Beruf, auf einem englischen, von dem Kapitän Woodin geführten Schoner von Manila nach den Palauinseln in See gegangen. Schon die Fahrt nach diesem Ziele, wo Semper reiche, für sein Fach wichtige Studien zu machen hoffte, ver zögerte sich durch Leckspringen des alten Schiffes außergewöhnlich lang. Erst am 2b. März konnte der Reisende der größten Insel der ganzen Gruppe, Babeldaub, in Aibukit an Land gehen. Drei Monate etwa gedachte er hier zu arbeiten und dann mit Woodin wieder nach Manila zurück zugehen. Aber auch dieser Aufenthalt verlängerte sich weit über die Zeit, die er sich vorgenommen hatte. Der alte Wovdin wurde mit der Aus besserung seines Schiffes, die er selbst vornehmen mußte, nicht fertig. Monat um Monat ging- dahin und immer- noch stand er da und hämmerte und klopfte an dem alten Schiffsboden herum, ohne ein Ende der Arbeit zu finden. Semper aber, der unterdessen mit seinen Arbeiten fertig geworden war, mußte bleiben, er mochte wollen oder nicht. Er hatte bei den Eingeborenen freundlichste Auf nahme gefunden. Sie hatten ihm ein Haus gebaut nach seinen Angaben, hatten ihm Hilfe gestellt bei seinen Forschungen und Untersuchungen, hatten ihn verpflegt und beschützt, und er war ihnen Freund, Bruder, Sohn, Häuptling und Fürst geworden, der im Rat der Vornehmen seine Stimme abgab, der mit ihnen Freud Leid teilte. Sein Leben und seine Erlebnisse unter dem merkwürdigen Völk chen der Inselbewohner hat er später in einem Buche Die Palau-Jnseln im Stillen Ozean" ge schildert. Das Buch dürfte zu den schönsten gehören, die das deutsche Schrifttum im letzten Jahrhundert auf diesem Gebiet hervorgebracht hat?) Nur ist es leider viel zu wenig bekannt. Vieles einzelne wäre daraus mitzuteilen, was gerade auch bei dem deut schen Seemann besondere Teilnahme rechnen kann. Heute wollen wir uns auf eins beschränken, das uns ein Bild von dem gibt, was die Bewohner der Palauinseln durch Engländer, die Vorgaben, Frieden herzustellen, zu leiden gehabt haben. 2. Eine Südseehyäne. Wer im letzten Menschenalter als Seemann die Südsee befahren und etwas von den Zuständen dort kennengelernt hat, der weiß, daß die Art der Südseehyänen noch nicht ganz ausgestorben ist. Es waren das freilich nicht die bekannten wilden Tiere, die so genannt werden; es waren Menschen weißer Abkunft, die aber an Tücke, Grausamkeit und Wildheit jenen Tieren nichts nachgaben. Als Seefahrer und gleichzeitig Handelsleute trieben sie ihr Wesen, übervorteilten, beuteten aus, vergewal tigten die Einwohner der kleineren Inselgruppen, übten hier und da eine wahre Schreckensherrschaft unter ihnen aus und lebten meist selbst in scham- 0 Leipzig, F. A. BrockhauS, 1873.Rr. 1(3 - Marine-Freund Seit; 63 loser Weise. Eine solche Südseehyäne war in der .Mitte des vorigen Jahrhunderts der Engländer Andrew Cheyne. Nicht nach außen hin, nicht wenn er nach Manila, Hongkong oder zurück nach England kam. Bewahre, da war er als höchst achtbarer Seefahrer bekannt, da spielte er den Ehrenmann. Da erschienen Aufsätze und Schilderungen von ihm in den Blättern der Hafenstädte, die zwar ein ganz anderes Bild gaben von den Erlebnissen, als er in Wirk lichkeit sie gehabt hatte, die ihn aber als den alten ehr lichen Seemann zeigten, der mit offenemBlick begabt auch offen und ehrlich seine Erfahrungen auszu sprechen wußte. Da schrieb er Bücher, die für jeden Reisenden auf dem, wie Semper sagt, fälschlich so genannten Stillen Ocean als außerordentlich wert voll, die selbst den Gelehrten als bedeutsam und wichtig erscheinen mußten. Da sah man in ihm den handelnden Kaufmann, der in seinen Unter nehmungen Glück und Erfolg hatte. Sein Name stand in Ehre und Ansehen. Aber wer ihn auf dem eigensten Feld seiner Tätigkeit, wie Karl Semper, kennenlernte und ihn durchschaute, für den war er hinfort nicht mehr, der von tiefem Gefühl für Sitte, Recht und Menschlichkeit durchdrungene Mann, sondern ein Mensch, in dessen Wesen sich kaltblütige Grausamkeit mit feiger Hinterlist und niedrigster Gewinnsucht mischte. Der äußere Ehren mann war innerlich ein gemeiner Halunke. Diesem Menschen nun, es würde zu lange dauern zu erzählen, wie es dazu gekommen war, waren die Bewohner der Palauinseln, insbesondere die des einflußreichen Staates Corror, eine Reihe von Jahren vollkommen preisgegeben. Er hatte die Insel Malacca in seine Hand gebracht, dort ein großes Hans gebaut, Pflanzungen und Weiden an gelegt, aber die Bezahlung dafür zu leisten stand haft vergessen, Überhaupt hielt er es für unter seiner Würde, Versprechungen für Leistungen der Eingeborenen. zu erfüllen. Persönlich führte er ein schändliches Leben. Acht und mehr Mapch^ hielt er als seine Frauen zeitweise seinem Schiff, ebenso viele in einem Gesellschaftshaus am Lande. Selbst sie, die an heidnisches Leben gewöhnt waren, klagten über sein schamloses Treiben und suchten sich ihm zu entziehen. Aber da sie von ihm mit Geld nach Landessitte rechtmäßig erworben waren, mußten, sie ihm mit Gewalt wieder zugeführt werden. Im Rat der Fürsten des Staates saß er mit als großer Häuptling und Fürst nach einhei mischer Sitte, aber Klagen gegen ihn verlachte er in einer aller Sitte ins Gesicht schlagenden Weise. Für sich allpin beanspruchte er das Recht, auf den Palaus Handel zu treiben. Selbst seinen Lands mann, den Kapitän Woodin, der ebenfalls Handels geschäfte den Inseln begonnen hatte, wußte er offen und geheim durch trügerische Verträge, wie durch Aufhetzung der Eingeborenen, geschäftlich zu schädigen und schließlich zu verderben, so daß der alte Mann leiblich und seelisch zugrunde ging. Mit dem König (besser gesagt Häuptling) von Corror, dem Ebbadul, hatte er einen Vertrag ge schlossen Semper fand eine Abschrift davon in dem Hanse des Häuptlings der die ganzen Palau inseln und ihre Bewohner vollkommen in seine Hände brachte. Der Ebbadul hatte sich das war seine Schuld, für die er noch schwer zu büßen hatte darauf eingelassen in der Hoffnung, die freilich schon seit der Entdeckung der Inseln durch den Engländer Wilson immer wieder bei den je weiligen Ebbaduls genährt worden war, mit Hilfe der Engländer und Cheynes die Oberherrschaft über alle Inseln zu erlangen. Da aber diese Oberherr schaft durchaus nicht von allen den Inseln be stehenden Staaten anerkannt wurde und darum auch kein alleiniges Handelsrecht des Cheyne, das ihm durch den Ebbadul hätte übertragen werden können, so suchte Cheyne auf andere Weise die Widerstrebenden zur Anerkennung dieses Rechtes zu zwingen. Er sicherte sich zu diesem Zweck die Mit wirkung eines Schiffes der englischen Marine. Im Oktober 1861 ankerte Ihrer britischen Majestät Schiff Sphinx, von Hongkong kommend, im Hafen von Corror. Es hatte Befehl erhalten, auf der Suche nach verschollenen Matrosen auch die Palau inseln anzulaufen. Hier wußte der listige Cheyne den Kommandanten des Schiffes R. Browne zu bestimmen, ihm auf einen bewaffneten Zuge gegen den -seinem Alleinhandelsrecht und der Oberherrschaft von Corror widerstrebenden Staat Aibukit Beistand zu leisten. Mit drei auch mit Geschützen gut be waffneten Booten begaben sich die Engländer den Kriegspsad gegen die völlig schuldlosen und einem solchen Angriff gegenüber schutzlosen Einge borenen. Zwei Tage dauerten die Kämpfe. Ein Dorf wurde gänzlich zerstört und verbrannt , in drei anderen arge Zerstörungen angerichtet, bis am 4. Tage der König von Aibukit unter Zahlung eines namhaften Stück einheimischen Geldes den Frieden erbat und erhielt. Zu einer Anerkennung des alleinigen Handelsrechts Cheynes oder einer Oberherrschaft des Ebbadul haben sich die Besiegten nicht verstanden. An dem Schaden, den sie erlitten, hatten sie noch lange zu tragen. Im März des nächsten Jahres kam, wie oben erzählt, Semper nach Aibukit und konnte den Schaden noch mit ei genen Angen sehen. Aufs tiefste empört über diese Friedensarbeit der Beschützer kleiner Nationen schrieb er einen Bericht über die Vorgänge und sandte ihn insgeheim durch einen Matrosen des Cheyne nach Manila, wo er durch den Schwager Sempers, den Kaufmann und späteren deutschen Konsul Moritz Hermann, in der Zeitung Diaris de Manila" ver öffentlicht wurde. Er schrieb darin nach Schilderung der Kämpfe: Bei unserer Ankunft hier fanden wir fast alles noch wie am Tage nach dem Gefecht. Überall Spuren des Feuers, die Häuser zerstört, die wenigen Boote, teilweise zerbrochen, lagen auf der Erde, durch die Schüsse zersplitterte Bäume überall das Bild der Verwüstung. Es hatte dies Unglück gänzlich den Mut der Bewohner gebrochen, und erst jetzt (Juli), fast zehn Monate später, be ginnen sie wieder ihr Haupt zu erheben. Wunder bar bleibt mir nur, daß auf keiner Seite eine Ver wundung stattgefunden zu haben scheint.. .. Manchem Europäer, an die Greuel europäischer Kriege ge wöhnt, mag ein zweitägiges Gefecht, in welchem kein Leben verloren wurde, nicht hinreichend Grund zu solcher Anklage scheinen, wie ich sie hier erhebe. Diesen gegenüber halte ich es für unnötig mehr zu sagen; aber für jeden humanen, edeldenkendenSeite 64 Marine-Freund Nr. 16 Mensche wird das Lesen jener Tatsachen hinreichen, ihn über die begangene Roheit als Europäer erröten zu lassen." Semper schließt: Solche Geschichten scheuen die Öffentlichkeit; aber wo sie zufällig in den Besitz redlicher Menschen gelangen, da ist es ihre Pflicht zu sprechen, so laut zu sprechen, als ihre Stimme es ihnen erlaubt. Möge die meiuige nicht ungehört verhallen. Aibukit, den 28. Juli 1862." Sempers Aufsatz über die Schandtat Cheynes und der Engländer hat damals in Manila wohl einiges Aufsehen erregt. Aber sonst ist seine Stimme in der Tat ungehört verhallt. Möge sie in unseren Tagen wieder einmal laut werden. Für die Bewohner der Palaus aber war der Angriff auf Aibukit nicht die letzte Probe dessen, wie Engländer mitten im Frieden gegen kleine Nationen verfahren. (Fortsetzung folgt.) Concordia domi, foris pax. Ein Erlebnis. Es war zu Anfang des vorigjährigen heißen Sommers, Ende Juni 1917. Ich wollte von der inneren Stadt her kommend am Holstentor in Lübeck vorbei nach dem Bahnhof zu gehen. Wer Lübeck kennt, weiß, daß man heutzutage nicht mehr durch das alte Tor durchgehen muß; ein breiter bequemerer Weg als der alte führt daran vorbei. Wer aber will und Lust hat. kann auch noch heute durch das Tor selbst gehen, das als schönes, einzigartiges Denkmal altlübischer Bauweise mitten im neuzeitlichen Verkehrsleben stehengeblieben ist. Ich hatte nun heute nicht die Absicht unter dem Tor durchzugehen, wie ich es früher schon oft getan, ich war schon halb daran vorbei- gegangen, da zog es mich wieder wie mit Gewalt zurück. Ich konnte nicht anders, ich mußte durch das Tor. und ich konnte auch nicht anders, ich mußte, im Begriff es zu durchschreiten, erst daran hinaufsehen. Da sah ich oben auf dem Stein die alte Inschrift aufleuchten: Oonoorckia domi, foris pax. Ich kannte die alte Inschrift wohl, ich hatte sie schon früher gelesen, ich wußte was sie bedeutet: Eintracht drinnen, Friede draußen I Aber diesmal wollte sie mir. nachdem ich sie gelesen und nach dem ich das Tor und Lübeck verlassen hatte, lange nicht deni Sinn. Es war mir, als ob mir ihre Bedeutung jetzt erst recht aufgegangen wäre, als ob ich jetzt erst erkannt hätte, weshalb die alten Hansen einst in Goldbuchstaben das Wort da für Jahrhunderte hingeschrieben haben. Und nun wußte ich auch, warum ich es gerade jetzt lesen mußte, in diesen Tagen. Lebten wir doch damals im Sommer 1917 gerade in Tagen, in denen die Sehnsucht im deutschen Volke, draußen zum Frieden zu konimen, sich stark ausgeprägt hatte, in denen man aber daheim, um diesem Frieden zu dienen, Wege cinschlug, die diesem Frieden nicht dienen konnten. Man brachte Dinge auf, die nur geeignet waren, Zwietracht im Volke zu wecken und zu stören. Dient man aber dem Frieden draußen, indem man daheim Zwietracht schürt und pflegt? Merke auf, deutscher Michel, was die Vorfahren schon vor Jahrhunderten erkannt haben und was die alten Hanseleurc, die auch für das Wesen der alten Feinde Deutschlands ein offenes Auge hatten, besser durchschaut haben als viele anderen: Wenn man draußen Frieden haben will, muß man drinnen Eintracht pflegen, dann darf man nichts wissen von Wirtschaftsneid und Standeshaß und Massenkampf. Wenn unser Volk daheim einig war und geschlossen in sich, bekam es draußen Frieden. Darum haben die Feinde nicht zum wenigsten geglaubt, uns im Kriege überwältigen zu können, weil sie rechneten auf Uneinigkeit bei uns daheim. Darum glaubte der russische Unterhändler Trotzki, den Frieden mit uns Hinhalten zu können, weil er rechnete eine Revolution bei uns. Darum wollen die Feinde heute noch sich nicht zum Frieden bequemen, weil sie denken, wir selbst würden ihnen den Weg zu unferer Besiegung öffnen durch innere Zwietracht. Darum senden sie im geheimen ihre Spione und Agenten, uni das deutsche Volk innerlich auseinanderzubringen, um die Stände wider einander zu Hetzen, um Arbeiter zur Arbeitsniederlegung zu verleiten, um Bürger und Bauern zu verleiten, daß sie ihre Schuldigkeit nicht mehr tun, um tapfere Kämpfer zu Eidbruch und Vatcrlandsverrat zu erkaufen und zu verführen. Darum suchen sie allerlei Gerede anszubringcn wie das, wir kämpften nur für die Reichen. Als ob es nicht den Armen am schlimmsten ginge, wenn unsere Feinde siegten I Als ob große Geldleute, wie die Rothschilds und dergleichen, nicht überall ihren Vorteil zu finden wüßten I Darum aufgepaßt I Wenn unsere Gegner in uns die Dummen zu finden hoffen, sollen sie selbst sich noch einmal als die Dummen Vorkommen. Concordia domi, foris pax. Wer will, daß wir draußen Frieden bekommen, sorge für Eintracht daheim. Wer anders handelt, ist ein Feind und muß darnach behandelt werden. Ein Srief. Pfingsten. Die dritten im Felde 27. Mai 1917. Gerade heute bekomme ich die beiden Blätter Nr. 19 und 20. Ein Heimatgruß weht mir entgegen ... Da lese ich nun. daß wir hier draußen uns einmal äußern sollen, wie wir über den Frieden denken. Wohlan: Den Frieden sehnen wir alle herbei, ein jeder sehnt sich nach Haus, nach seinen Lieben. Aber einen sogenannten halbseidenen faulen Frieden, einen Frieden um jeden Preis, nachdem wir soweit gekommen sind, nimmermehr. Sollen ivir die ganzen drei Jahre umsonst gekämpft haben, umsonst diese unendlichen heroischen Opfer gebracht haben, soll all das viele Blut unserer lieben Kameraden umsonst geflossen sein? Sollen wir um nichts die schönste Zeit unseres Lebens dem Baterlande geopfert haben? Nein, das glauben wir nicht. Wohl war es schon immer unsere geheime Angst, daß ein fauler Friede geschlossen würde, aber jetzt, nachdem wir soweit ge kommen sind, wollen wir auch Früchte sehen. Als wir im August 1914 auszogen, hat sich wohl ein jeder von uns ge sagt: Es wird ein schwerer, sehr schwerer Kampf werden. Gott wird uns aber beislehen, wir kehren als Sieger oder nie zurück. Das liegt im deutschen Blut: Siegen oder sterben. Die Hoffnung hat uns aufrechterhalten, daß wir dermaleinst als Sieger einziehen könnten, denn dann ist alles Leid, alles Schwere vergessen. Wenn wir den Freudentag noch erleben, werden wir stolz sagen können: Wir sind unserer Väter würdig: wir haben verteidigt, was sie uns erstritten haben. Darum, wir wollen und wir müssen siegen. Wir wollen nicht vergessen, was unsere Gegner uns zugcdacht, mit welchen Mitteln sie uns bekämpft haben. Ein England, dem wir zu danken haben, daß so viele alte Leute, Kranke und Kinder eines frühzeitigen Todes mangels Pflege haben sterben müssen, verdient keine Schonung. Ein Frankreich, dem der fanatische Haß nie, auch durch das größte Entgegenkommen nicht, vergehen wird, das unsere lieben Kameraden, die in seine Gefangenschaft fielen, zu Tode gequält hat, verdient ebenfalls keine Schonung, jedes Mitte! muß uns recht sein, den endgültigen Sieg zu erzwingen. Ehe wir unsere Feinde nicht Boden gerungen haben, gibt s ja gar keinen Frieden; ehe die nicht dem letzten Loche pfeifen, werden sie nie aufhören. Aber dann, wenn sie kommen und sie werden bald kommen, dann wollen wir auch Garantien und Entschädigungen, das sind wir unser Kindern schuldig. . . Darum Zähne aufeinandergebissen und durchgchalten! ver hungern wird niemand; dann werden uns später unsere jetzigen Gegner nicht nur fürchten, sondern uns auch ihre Hoch achtung nicht versagen können. Stolz und glücklich dürfen wir sein, ein deutsches Vaterland zu besitzen, und darum wollen wir auch, so Go:t will, als deutsche Sieger zurückkehren. P. G., Off.-Stellvertreter. TägEiches Hibellefen. Sonntag: Psalm 137, l 8. Montag: Jona 3. Dienstag: Jona 4. Mittwoch: Matth. 2. Donnerstag: Matth. 3. Freitag: Matth. 4. Sonnabend: Matth, n, 1 32. Psalm 102, 1-17. 2. Kor. 1, 1-11. ! 2. Kar. 1, 12 22. 2. Kor. 2. ! 2. Kor. 3, 1-11. 2. Kor. 3. 12 18. I Psalm 102, 18-29, EnJ Wochenblatt kann man jederzeit bestellen. BIS zu 7 Slick bestellt man am beiten bei der Post: von 100 Stück an kostet daS Blatt 2 Pfg. und Porto; weniger jährlich 2 Ml. das Stück. Bestellungen au die eschSstrstelle de Nordd. Männer- nd JünalingSbunde , Hamburg 5, Brennerftr. 17. erbeten. Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckerei. Schönberg i. Mecklb.Inhalt : Die Sonne der Gerechtigkeit. Sonne im Herzen. Ans den Palauinseln 1861 66. Die Gäste der Tonne. Das Lied vom Sonnenstrahl. Aus einem Feldpostbrief. Hab Sonne. Tägliches Bibellesen. Das ist ein köstlich Ding, nach Sonne gehn And dann, eh man s geglaubt, in Sonne stehn. Gustav Schüler. m. 17. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer K. I. Müller. 17. Sonntag nach Trmikalis. 18. August 1918. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. V. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 1. Zahrg. Die Sonne öe Gerechtigkeit. Du scheinst mir, goldnes Licht, zur Wonne In frühes, stiller Morgenzeit, Doch kenn ich eine schönre Sonne Voll größrer Pracht und Herrlichkeit. Sie geht nicht auf und geht nicht unter. Sie leuchtet flammend durch die Nacht Und ist ein ew ges Liebeswnnder, Ein ew ges Zeugnis heil ger Macht. von Julius Sturm. Der Sünde Nacht ist reich an Schmerzen, An Freuden reich die Gnadenzeit, Geh auf in meinem dunklen Herzen, Du Sonne der Gerechtigkeit! Verklär mein Denken und mein Handeln Mit deinem Strahl, du Gotteslicht, Und laß vereint mit dir mich wandeln Vor meines Vaters Angesicht. Sonne im herzen. 2. Korinther 4, 6: Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen Hellen Schein in unsere Herzen gegeben. ist wahrhaft erfreulich, in diesen schweren, Vr dunkeln Zeiten zu erfahren, wie dieUeberzeugung, daß ein Mensch Sonne ini Herzen tragen muß, sich Bahn bricht. Oft fiel mir im letzten Winter, wenn ich durch unsere Marinestadt an der Jade kam, in einem Schaufenster das als Schmuck für die Wohnung gedruckte Lied eines Dichters der Neuzeit ins Auge: Hab Sonne im Herzen! Andern wird es ebenso gegangen sein. Tausende, viele Tausende mögen es an andern Orten gelesen haben. Auch unsere Kämpfer im Felde und zur See haben sich daran erquickt. Das Zeugnis dafür liegt vor. Und es ist eine Herzensfreude zu hören, wie es dann auch als Losung von Mund zu Mund weiter gegeben wird: laß Sonne ins Herz, bring Sonne in die Herzen! laß den Sonnenstrahl hinein, sei selbst ein Sonnenstrahl! Aber wiederum ist es auch bedrückend, wenn man sieht, wie immer noch viel zu wenig geschieht, um die Forderung zu erfüllen, und wenn man, sei es aus eigener Erfahrung, sei es aus Beob achtung anderer, merkt, wie wenig die Menschen von heute dazu imstande sind. Es ist ja schnell und leicht gesagt: laßt Sonne in die Herzen! Aber tue es einmal! Tue es wirklich! Tue es, wenn draußen die Sonne am Himmel sich standhaft ver birgt! Tue es, wenn eines Menschen Herz voll lauter bitterem Leid und Kummer ist! Tue es, wenn wie 1916 unaufhörlich sich der Regen ergießt, wenn wie in diesem Spätfrühjahr Tage und Nächte Eiseskälte bringen statt Sonnenwärme. Tue es, wenn die Schrecken des Krieges das Gemüt um fangen, wenn das Dunkel dieses Weltkriegs mit seinen Wirrnissen und scheinbar alles Sonnige bannenden Vorkommnissen das Herz erfaßt, wenn dazu Unverstand, Glaubenslosigkeit, sittliches Un vermögen, wenn die furchtbarenTaten und Wirkungen der Sünde sich schlimmer als je bemerkbar machen! Dann bring Sonne! Wo ist denn da die Sonne, die man bringen kann? Wo ist die Sonne, nach der die Leute sich sehnen, nach der die Welt ruft und schreit? Liebe Kriegsgefährten, auch hier erlebt man es von neuem, wie das Evangelium und was durchSeite 66 Marine-Freund Nr. 17 das Evangelium in die Welt kommt, doch immer wieder als das Allerzeitgemäßeste und Allernot wendigste sich beweist. Wie die Sonne am Himmel keineswegs durch das elektrische Licht unserer Zeit ersetzt werden kann, so kann auch die Sonne nicht ersetzt werden, die derselbe Gott, der jenes große Licht aus der Finsternis hervorleuchten ließ, durch das Evangelium hat hell in die Welt und in die Herzen hineinscheinen lassen. Jesus Christus ist diese Sonne. Die Sonne uns gegeben und geschaffen. Wir müssen dieses Geschenk Gottes im Glauben an- und aufnehmen, daß er, Christus, wohne durch den Glauben in unfern Herzen (Eph. 3, 17). Darauf kommt es an, daß wir das tun. Dann haben wir die Sonne im Herzen, und so, nur so kommt das: Hab Sonne im Herzen! zu seinem Wert und zur Wirklichkeit, zu Kraft und Wirkung. In allen Ehren, was Menschen heutzutage wissen und fertigbringen können, aber wenn Sonne in die Herzen kommen und sie erhellen und erwärmen und aus ihnen wieder hinausscheinen soll, dann gilt nur eins, gilt nur dasselbe, was Paulus Ger hardt, dieser Sonnenmensch, in Deutschlands trübster Zeit gesungen hat: Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ." Da mag dann alles andere, was Menschen je als Sonne geleuchtet hat, erbleichen, da mag das große Licht am Himmel erlöschen, wir sagen mit ihm: Fahr hin! ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint." Amen. K. F. Müller. Mf öerr palamnseln 1ö1 öb. Blätter aus der Geschichte der Friedenstätigkeit des Beschützers kleiner Nationen" im Stillen Ozean. 3. Alfred Tetens, der deutsche Seemann. In derselben Zeit, als Karl Semper, der deut sche Gelehrte, auf den Palauinseln weilte, kam dort hin auch ein deutscher Seemann, Alfred Tetens, aus Wilster im Holsteinischen gebürtig. Tetens, der eine überaus tüchtige Schule als Seemann vom Schiffsjungen an durchgemacht und das in damaliger Zeit höchst wertvolle englische Kapitänsdiplom er langt hatte, war 1861 als erster Offizier auf einem englischen Handelsschiff nach Manila gekommen und dort mit dem Engländer Cheyne bekannt geworden. Eingenommen durch dessen gefälliges äußeres Wesen, gewonnen durch die Aussicht, nicht bloß als Frachtführer tätig zu sein, sondern auch ziemlich unbekannte Inseln und Völker der Süd see kennenzulernen und seine Kenntnisse im Dienste höherer Bestrebungen zu verwenden, nicht zum wenigsten auch gewonnen durch die Aussicht auf allerlei bevorstehende Abenteuer, trat Tetens in die Dienste Cheynes als Führer von dessen Schoner Acis" und Teilhaber an seinen Geschäften, dem zudem auch ein bedeutender Gewinn zugesichert wurde. So kam Tetens im Sommer 1861 nach Corror und traf hier unvermutet bei den Eingeborenen an Land einen deutschen Landsmann, eben den Or. Semper. Semper unterrichtete Tetens von den Absichten Cheynes, seinem Verhalten, seinem ganzen verwerflichen Charakter. Wie Sempers Er zählung von seiner Begegnung mit Tetens hervor geht, verhielt sich letzterer ziemlich ablehnend gegen diese Eröffnungen. Er sei Seemann, äußerte er, und habe mit Politik nichts zu tun und kümmere sich nicht um das, was Cheyne sonst treibe. Aber wie wiederum aus einer Schilderung, die Tetens von dieser Begegnung gibt, hervorgeht, hat er sich in seinem Innern doch alles, was er von Semper hörte, recht wohl gemerkt und sich darnach gerichtet. Daß alles, was Semper erzählt hatte, wahr sei, sollte sich ihm durch eigene Erfahrung auch bald bestätigen. Zunächst blieb Cheyne in seinem Haus auf Malacca, der ihm überlassenen Insel, und schickte Tetens mit der Acis" auf Handelsgeschäfte nach Pap. Als Tetens dreiviertel Jahre später von dort zurück kam, war Cheynes Verhältnis zu den Eingeborenen von Corror gänzlich unhaltbar geworden. Bereits seit 4 Wochen wurde er in seinem Hause belagert. Die Empörung über ihn, die Semper heimlich von der Frau des Ebbadnl seinerzeit erfahren hatte, war zur offenen Flamme ausgeschlagen. Cheyne fürchtete für sein Leben, er war entschlossen, nach Mynila zurückzukehren und das Geschäft auf den Palaus aufzugeben. Da schlug ihm Tetens vor, er wolle allein zurückbleiben und gegen halbe Gewinnbeteiligung denHandel weiterführen. Cheyne ging darauf ein, und so blieb Tetens monatelang unter den wilden Eingeborenen, als Era Alleman, der Häuptling aus Deutschland. Wie vor kurzem im Norden der deutsche Gelehrte, so lernte hier der deutsche Seemann die Sprache des Landes, lebte sich ein in die Sitten und Gewohnheiten der Ein geborenen, sah ihre Festlichkeiten und Tänze, zog mit ihnen auf den Fischfang, kämpfte mit ihnen gegen den Nul, den stachelbewehrten großen Rochen, und verstand es ebenso wie Semper sich Achtung und Freundschaft zu erwerben. Zur Hebung der Kultur der Eingeborenen wie zum eigenen Gewinn legte er Psianzungen an, deren Gedeihen die er freulichsten Aussichten zeitigte. Da erlitten Tetens konnte es sich nicht erklären, warum seine Beziehungen zu seinen wilden Freunden eine arge Trübung. Die Corrorleute hatten gehört, Cheyne sei auf einer andern Insel ermordet, sein Schiff verbrannt worden. Nun flammte aufs neue ihr Haß gegen ihn auf. Sie suchten sein Eigentum zu vernichten und die Erinnerung an ihn auszulöschen und glaubten, auch auf Tetens keine Rücksicht nehmen zu brauchen. Die Schwester des Ebbadul, die ihm den Haushalt geführt, ein alter seit langem auf den Inseln wohnender Malaie, der ihm als Diener Hilfe geleistet hatte, verließen ihn plötzlich. Er selbst kam in größte Lebensgefahr. Eines offenen Angriffs auf seinen letzten Zufluchtsort er wehrte er sich mit Hilfe einer alten Signalkanone. Da in der höchsten Not erschien Cheyne mit seinem Schiff, nahm Tetens wieder auf und ging mit ihm nach Manila zurück. Hier trennte sich Tetens von Cheyne; er hatte ihn nun erkannt, in seinen Leben - erinnerungen. nennt er ihn einen Mann, der zur Erreichung seiner unlauteren Absichten kein Mittel verschmäht, Weiße und Farbige, jeden, der sich seinen herrschsüchtigen Gelüsten widersetzte, uner-Nr. 17 Marine-Freund Seite 67 bittlich zugrunde gerichtet hatte." Tetens selbst sollte aber damit uicht das letztemal auf den Palau- inseln gewesen sein. Einige Jahre waren ver gangen, da kehrte er, diesmal als Kapitän der hamburgischen Brigg Vesta" im Dienste der hoch- angesehenen Firma Godestroy & Sohn, nach den Palauinseln zurück. Und wieder hielt er sich hier und in den Gewässern der benachbarten Inseln längere Zeit auf. Was er alles in dieser Zeit er lebt hat, seine mannigfachen Abenteuer, Gefahren, Erfahrungen hat auch er in einem Buche nieder gelegt, das es verdient jedem deutschen Seemann bekannt zu sein. Es heißt: Vom Schiffsjungen zum Wasserschout und ist im Jahre 1889 in Ham burg erschienen. I Wir erzählen daraus und aus Sempers Buch noch folgendes. 4. Der Tod des Ebbadul. Der hamburgische Kapitän Tetens fand An fang 1866 auf den Palauinseln die freundlichste Aufnahme. Vom Ebbadul und allen Eingeborenen wurde er als alter Freund bewillkommt. Nur als die Rede auf Cheyne kam, zeigte sich der Ebbadul sehr bedrückt und zurückhaltend. Schließlich erfuhr Tetens weshalb. Cheyne war trotz der Erfahrungen, die er gemacht, doch wieder nach Malacca zurück gekommen und hatte sein früheres Leben dort fort gesetzt. Jmmermehr fühlten die Eingeborenen die unwürdige Lage, in der sie sich durch ihn befanden. In Handel und Verkehr verraten und verkauft, be trogen um ihr Eigentum, ja schließlich um ihre ganze Heimat, die sonnigen Inseln, durch den Ver trag zugunsten Cheynes und Englands, unsicher in ihrem Besitz, selbst in dem ihrer Frauen, selbst die Häuptlingsfrauen waren vor den Gelüsten Cheynes nicht mehr sicher, gegeneinander zum Krieg verhetzt was sie um so mehr erbitterte, als sie merkten, daß Cheyne auch den Gegnern Waffen lieferte beschlossen sie wahrscheinlich im Fürsten rat sich seiner zu entledigen. In seinem eigenen - festen Hause wagten sie ihn nicht anzugreifen. So wurde er eines Abends durch die Nachricht, ein Kanu mit Schweinen und Tarro für ihn sei-ge. landet, und man wolle ihm die Gegenstände über liefern, aus dem Hause gelockt. Kaum war er draußen, als^ ihn die Männer überfielen und mit einem Messer niederschlngen. Da er noch lebte, wurde er mit einem Fliesenstein vollends tot geschlagen und die Leiche ins Meer versenkt. Tetens machte nach dem Aufenthalt in Corror, bei dem er dies erfuhr, eine längere Handelskreuzer fahrt nach verschiedenen Inselgruppen. Sobald er von dieser nach Hongkong gegangen war, erstattete er dort sowohl dem Gouverneur wie auch dem Befehlshaber der englischen Flottenstation ausführ lichen Bericht von dem Tode des Kapitän Cheyne. Was aber daraufhin von seiten der Engländer ge schah, hat er selbst nicht mehr auf den Palauinseln erlebt. Er kehrte zwar bald nach Corror zurück und suchte den Ebbadul, der für sein Leben fürchtete, damit zu beruhigen, daß er ihm versicherte, er habe nichts von den Engländern zu befürchten, wenn er Nachweisen könne, daß er am Tode des Cheyne keinen Anteil habe. Aber das war es eben: diese Schuld lastete auf ihm. Tetens kam noch zweimal nach Corror zurück. DaS erstemal half er den Corrorlewten im Kampf gegen die von Artingal, trug aber dabei eine schwere Wunde davon. Auf einer Fahrt nach Hongkong und in Hongkong selbst glücklich geheilt, kehrte er ein zweitesmal nach den Inseln zurück. Diesmal brachte er 50 Chinesen mit als Arbeiter für neu anzulegende Baumwollan- pstanzungen. Es ging damit auch ziemlich alles nach Wunsch. Aber bald darauf wurde Teteus bei Gelegenheit einer Bootsfahrt auf der Insel Pap durch Selbftentladung eines Gewehrs der Ober- schenke! zerschmettert. Unter vielen Mühen und Beschwerden gelangte er auf der Vesta nach Hong kong. Unterwegs nahm er die 50 Chinesen wieder mit. Sie hatten sich mit den Eingeborenen durch aus nicht vertragen können. Schweren Herzens nahm er von den Palauinseln, ihren Bewohnern und seinen eigenen Niederlassungen und Pflanzungen Abschied. Den Ebbadul sollte bald darauf sein Schicksal erreichen. Karl Semper erfuhr davon, lange nachdem er in die Heimat zurückgekehrt war, und erzählt es auf der letzten Seite seines schönen Buches Die Palauinseln". Die englische Regierung sandte von Hongkong das Kriegsschiff Perseus" unter Commander Stevens, um den Tod des Cheyne zu rächen. Stevens verlangte in Corror Auslieferung des Mörders. Als aber dieser, an Bord gebracht, erklärte, er habe auf Befehl des Ebbadul gehandelt, wurde weiter von Stevens auch der Tod des Ebbadul verlangt. Der Ebbadul, für den es kein Entrinnen gab, hat angesichts des Todes eine durchaus würdige, königliche Haltung bewahrt. Er erklärte, daß er die Verantwortung für das Geschehene trage und bereit sei, zu sterben. Das Verlangen des Häuptlingsrats, ihn durch englische Mannschaften erschießen zu lassen, lehnte der Eng länder ab. Ebbadul fiel durch die Hand eines Eingeborenen, vielleicht seines eigenen Sohnes, und sühnte so die Schuld, die er durch seinen Ehrgeiz und das dadurch veranlaßte Eiulassen mit den Engländern auf sich geladen hatte. Schön war sein Sterben," sagt Semper, er fiel für sein Volk. Schöner wahrlich als das des Cheyne: dieser starb nur um sein Geld." Dieser das Urbild des Eng länders und ganz Englands, wie es auch heute wieder sich der Welt zeigt. Jener wie ein Bild zu der Erfahrung, die mancher schon am eigenen Leibe gespürt hat: Wehe dem Kleinen, der sich in Englands Hände gibt! Die Palauinseln sind damals durch Sempers Veröffent lichungen in Manila davor bewahrt worden, englisch zu werden. Später wurden sie mit den Karolinen spanischer Besitz, um nach dem Krieg der Vereinigten Staaten mit Spanien in den Besitz Deutschlands überzugehen Jetzt weht über den Inseln die Flagge Japans mit der ausgehenden Sonne. Aber die Sonne ist damit über den Palauinseln nicht aufgegangen. Wir hoffen, daß noch einmal aufgehen und Deutschland eine Herrschaft des Friedens und der Gerechtigkeit über den Nach kommen der Freunde Karl Sempers und Alfred Tetens ent falten wird. l ) Bci G. W. Niemeher Nachfolger.Seite 68 Marine-Freund Nr. 17 Die Gäste öer Sonne. Eine Sage der Eingeborenen von Peleliu (Palauinseln), mitgeteilt von I)r. Karl Semper. ‘) Vier Rupacks * * * 8 ) von Argeutel fuhren eines Morgens, als die Sonne vom Hahn Morusrongnus (d. h. dem Verkündiger des Morgens) zu ihrer Reise über die Erde aus dem Schlafe gerufen wurde, ihr nach in einem Amlai ). Es waren mutige Männer, die schon viele Reisen gemacht hatten, und wollten sie auch einmal bei der Sonne zu Nacht einkehren. Am Abend kamen sie denn auch am Guleijangit (d. h. dem Fuß des Himmels) an, als gerade die Sonne ins Meer eintauchte, um sich zur Nachtruhe in ihr Haus zu begeben. Hier stand der Baum Dingis und im Schatten seiner Aste, die weit über das Meer hinüberhingen, sahen die Rupacks einen großen Haifisch im Meere aus Beute lauern. Da stieg einer von ihnen aus den Baum und pflückte die süßen Früchte ab, die an ihm hingen, und sie warfen sie ins Meer dem Haifisch zum Fraß Als dieser nun im besten Fressen war, stürzten sich die Rupacks in das Meer der Sonne nach, und sie fanden sie richtig in ihrem Hause bei ihrem Abendessen. Sie blieben bei ihr über Nacht. Als sie nun am nächsten Tage mit ihr auszogen, auf die täg liche Wanderung den Himmel entlang, da sahen sie tief unter sich ihre Verwandten und Freunde, die wehklagend in ihrem Heimatsdorfe auf- und abliefen und die verlorenen Rupacks suchten. Diese aber fingen auch an zu weinen. Da sragte die Sonne: Warum weint ihr denn?" Und die Rupacks fürchteten sich, ihr die Wahrheit zu sagen und sprachen: Es ist so viel Rauch in deinem Hause, o Sonne, der treibt uns das Wasser in die Augen." Aber sie war klüger als ihre Gäste, sie erriet den wahren Grund und versprach ihnen Hilfe. Sie nahm nun einen großen Bambu, dahinein steckte sie die vier Leute und schloß die Öffnung mit einen: Pfropfen aus den Blättern des Baumes Cassuc, dann warf sie das Rohr in das Meer. Das aber wurde von den Wogen nach Argeutel getrieben. Es war zur Zeit hohe Flut und viele Menschen waren am Strande, sie wollten gerade mit ihren Amlais ausziehen, um ihre verlorenen Freunde zu suchen. Das Bambusrohr aber war ihnen ein ganz fremder Baum, sie hatten nie etwas ähnliches gesehen; sie fischten es auf aus dem Meere und waren sehr erstaunt, als sie darin rufen hörten. Sie zogen den Blätter pfropfen heraus; wie freuten sie sich, als plötzlich ihre ver lorenen Rupacks hervorsprangen l Den Bambu warfen sie fort, die törichten Menschen, aber den Cassuc behielten sie, weil er so schöne bunte Blätter hatte; sie pflanzten ihn vor ihrem Bai*) in gute Erde ein heutiges Tages ist er da noch zu sehen. Die kleineren Bäume in Orocoll, in Ardelollec und auch in Corror stammen alle von ihm ab. Der Bambu aber trieb mit der Ebbe nach Naracobersa, dicht bei Corror, da wurde er zuerst gepflanzt; deshalb sind dort alle Inseln voll von diesem nützlichen Baum. Weil aber doch die Rupacks von Ar geutel ihn von ibrer gefährlichen Reise mit herunter aus die Erde gebracht hatten, so blieb ihrem Dorse lange Zeit das Vorrecht, dort in Naracobersa sich ihren Bedarf an Bambus rohr alljährlich zu holen, ohne dafür zu bezahlen, die andern Staaten aber mußten, was sie brauchten, mit teurem Gelde bezahlen. Und das ist die Geschichte von den Rupacks, die weinten, als sie fern von ihrem Lande bei der Sonne zu Be suche waren." Wie anschaulich prägt sich in dieser Sage die Sehnsucht auch im Herzen der Wilden" aus, der Sonne nachzugehen, wie anschaulich der Segen der Sonne für Heimat boden, Heimatland. und ihren erwärmenden Strahlen sah, dann ist mir das kleine Lied vom Sonnenstrahl in den Sinn gekommen: Jesus der Herr will uns brauchen, ein Sonnenstrahl zu sein, der alle Tage hell leuchtet und nur für ihn allein. Für Jesus will ich ein Sonnenstrahl sein!" einem Feldpostbrief. Noch nicht ganz ein Jahr verheiratet, mußte ich am 5. August 1914 meine liebe Frau verlassen, um dem Rufe des Königs Folge zu leisten. Schwer war der Abschied, aber mit der bestimmten Zuversicht auf ein frohes Wiedersehen drückten wir uns beide zum letzten Male die Hände. Was mir der Herr in Belgien, Ostpreußen, Süd-, Mittel- und Nordpolen in allen Gefechten gewesen ist, kann ich nicht aussprechen. Er ist mir während der Kriegsmonate so unendlich groß geworden, daß ich trotz der vielen Strapazen und Entbehrungen immer wieder nur loben und danken kann: ja angesichts der täglichen Todesgefahr wird einem das Irdische immer kleiner und Gott immer größer. Wie lange der Krieg auch noch dauern mag, wir als Kinder Gottes wolle täglich des Herrn Angesicht suchen, sei es nun draußen im Schützengraben oder zu Hause im einsamen Stübchen; wie herrlich, daß wir ihn, unseren treuen Hirten, überall finden können, um unsere Herzen vor ihm auszuschütten I Er hilft uns ja io gern. Schon manchmal bin ich, wenn wir im Quartier waren, bei Dunkelheit ein Stück weit ins freie Feld hinausgelaufen, um mit meinem Gott allein zu sein; und da kam ich immer wieder wie neugeboren zurück. Ja, das Wort vom Kreuz ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben. Folgende Worte haben mir auch immer wieder neuen Mut gegeben: Hab Sonne im Herzen, ob s stürmt oder schneit, Ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Leid. Vertraue auf Gott, verlier nie den Mut, Hab Sonne im Herzen und alles wird gut." Hab Sanne. Von Cäsar Flaischlen. Hab Sonne im Herzen, ob s stürmt oder schneit, Ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit; Hab Sonne im Herzen, dann komme was mag. Das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag! Hab ein Lied auf den Lippen mit fröhlichem Klang, Und macht auch des Alltags Gedränge dich bang, Hab ein Lied auf den Lippen, dann komme was mag: Das hilft dir verwinden den einsamsten Tag I Hab ein Wort auch für andre in Sorg und in Pein Und sag, was dich selber so frohgemut läßt sein: Hab ein Lied auf den Lippen, verlier nie den Mut, Hab Sonne im Herzen, und alles wird gut! Das Lieb vom Sonnenstrahl. So schrieb in diesen Tagen eine Schwester aus ihrer Tätigkeit unter Kranken und Verwundeten in: Morgenland: Wenn ich an kalten, trüben Tagen bei meinen Leuten ein sehnsüchtiges Ausschauen und Sichausstrecken nach der Sonne ) In dem Buch Die Palauinseln im Stillen Ozean." Leipzig, Brockhaus, 1873. *) Häuptlinge. 8 ) Ein Boot der Eingeborenen. *) Gesellschaftshaus. Tägliches Sibellefen. Sonntag: Jes. 29, 13 24. Montag: Matth. 8, 14-22. Dienstag: Matth. 8, 23-34. Mittwoch: Matth. 9, 1-17. Donnerstag: Matth. 9, 18 26. Freitag: Matth. 9, 27 38. Sonnabend: Matth. ]0, 1 15. Psalm 62. 2. Kor. 7. 2. Kor. 8. 2. Kor. 9. 2. Kor. 10, 1 8. 2. Kor. 10, 9 16. Psalm 63. Er Wochenblatt Zstarine-Kreuud" kann man jederzeit bestellen. Bl zu 7 Sück bestellt man am besten bei der Bost: von 100 stuck an kostet da Blatt 2 Pfg. und Porto: weniger jährlich 2 Mk. da Stück. Bejtellunaen an die efchäftt stelle de Nordd. Männer- und Jünal!ng bunde , Homburg 5, Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckerei, Schönbcrg i. Mecklb.Ar. 18. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer ft. 5 . Müller. 14. Sonnlag nach Trlnikalls. 1. September 1318. Verlag des Nordd. Männer und Jüngltngsbundes, E. V. (Äug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Zahr . Inhalt : Wir glauben. Nach Meeresbrausen und Windessausen. Deutsches Volk! Was sie taten, als sie die Sonne wieder sahen. Zur Sonne aufgetaucht. Ein Wort über die Offenbarung St. Johannis. Die rechte Sonne. Deutsche Zukunst. Tägliches Bibellesen. Hinter allen Toden, Feinden und tiefen Tälern wartet unser das Leben und die Sonne. e. 3. wira. Wir glauben. Wir fürchten nicht die Winde, Ans schrecken die Wolken nicht Wir glauben an die Sonne And an ihr goldnes Licht. And führen unsre Wege Durch sternenlose Nacht Wir glauben an die Liebe, Die im Verborgnen wacht. Ob uns mit hartem Wüten Der Sturm das Haupt umweht Wir glauben an die Treue, Die ns zur Seite geht. And liegt gleich schweren Lasten Auf uns die Not der Zeit Wir glauben an die Hilfe, Die Kraft und Trost verleiht. Wir fürchten nicht die Winde, Ans schrecken die Wolken nicht Wir glauben an die Sonne And an ihr goldnes Licht. ep. Georg Türk. Nach Meeresbrausen unö Wmöes- fausen leuchtet -er Sonnen erwünschtes Gesicht. Jesaja 30, 26: und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein denn jetzt, zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird. P ost nubila Phoebus, hinter den Wolken kommt Phoebus, der Sonnengott, mit dem Sonnenwagen, sagten die Alten. Wir haben das Sprichwort: Nach dem Regen scheint die Sonne. Ganz wundervoll hat es Paul Gerhardt ausgedrückt und keinem damit mehr aus der Seele gesprochen als gerade dem Seemann: Nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonnen erwünschtesGesicht(Mar.-GesangbuchS.164.3). Und heute wollen wir daran denken, daß es gut so ist. Wie wäre es, wenn die Sonne immerfort scheinen, endlos ihre Strahlen herniedersenden wollte? Es wäre Tod, Verwüstung. Die Erde würde zu dürrem, ausgebranntem Land. Dem Menschen würde ein Halt gesetzt in seinem Laus: und die Sonne ver sendet glühenden Brand und von der unendlichen Mühe ermattet sinken die Knie". Das ist das Herr liche, daß sie immer wieder kommt nach Regen, Sturm und Unwetter. Das ist das Wunderschöne, daß wir draußen nach all dem Wassergraus bei schlimmem Wetter auf dem Meere die Sonne wieder sehen und sie ihre neu belebenden Strahlen wieder sendet. Da ist es dann in der Tat, als ob sie siebenmal heller schiene als vorher, als ob in ihrem Glanz alles, was Schaden gelitten hat unter dem Volk, das auf den großen Wassern fährt und das auch Gott gehört und das auch von Gottes Hand festgehalten wird, auch wenn es mit Flügeln der Morgenröte liefe bis zum äußersten Meer, wiederhergestellt, alles, was verwundet war, wieder heil würde. Da strömt es heraus aus dem Innern der großen und kleinen Schiffe, sobald die Freizeit gekommen ist, und legt sich an Deck und läßt sich die Sonne auf den Leib scheinen. Es muß wohl so sein. Es muß Sturm und Unwetter kommen; wir müssen hindurchfahren durch Meeresbrausen und VSeite 70 Marine-Freund Nr. 18 Windessausen, damit wir merken, was wir an der Sonne haben, damit es ihr entgegengehe. Das gilt auch im übertragenen Sinn nach beiden Seiten hin. Der Mann, der damals das Lied sang, fuhr nicht zur See. Er befuhr ein anderes wild auf geregtes Meer. Die Wogen eines dreißigjährigen Krieges brandeten um ihn. An welche Stürme er gedacht hat, ist klar. So ist es auch klar, woran wir denken müssen. Wir denken an das Unwetter des Krieges, in dem wir stehen, wir denken an die wilden Wogen des Meeres, durch das unser Volk in diesen Zeiten hindurch muß. Werden sie immer so bleibon? Sie werden sich legen, und dann kommt die Sonne, und wenn sie wieder in Frieden unser Land bescheint, werden wir sehen, was wir an ihr haben. Siebenfach Heller wird sie scheinen, und in ihrem Schein wird aller Schade gut, alle Wunden werden heil. Das freilich wird bewirkt nicht nur durch die goldne Sonne, die am Himmel leuchtend ihre Bahn zieht, sondern vielmehr durch die Sonne am Himmel unseres Glaubens, die da heißt Jesus Christus. Es war ein wilder Sturm mit Brausen und Sausen, der schon lange vor dem Kriege uns diese Sonne für immer verdunkeln wollte. Und im wilden Kriegssturm schien manchem der Blick auf diese Sonne für immer genommen. Daß wir uns nur nicht beirren lassen! Die Sonne kommt wieder, heller als je. Es war auch vordem so. Siebenfach und vielfach heller noch, als es Menschen gewohnt waren und erwarteten, strahlte die Sonne Jesus Christus, da sie zum erstenmal nach der Verheißung kam und ihre Bahn zog. Und so wird sie auch nach diesem wilden Sturm strahlender aufgehen als je, und durch ihr Scheinen wird jeder Schade unseres Volkes, das so gut wie alle andern zu Gottes Volk berufen ist, verbunden, und alle seine Wunden werden geheilt werden können. Vergessen wir es also nicht: Jesus Christus heißt die Sonne! Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne. Und so wissen wir als Christen wie als Deutsche, ob es auch jetzt noch geht durch Meeresbrausen und Windessausen, wohin die Fahrt uns führt: Der Sonne entgegen! Amen. K. F. Müller. Deutsches Volk! Deutsches Volk, erschlaffe nicht, Werde fest und hart wie Stahl I Bis des Friedens Sonne bricht Durch mit goldnem Siegesstrahl Durch die blutge Kriegeswolke, Tue jeder in dem Volke Hart und eisern seine Pflickit. W. Fabricins ini Meldereiter im Sundgau". Was fie taten, als fle öre Sonne mfoAor frthfrn Dem Andenken Peter Roseggers, wiever fuyen. f 28. Juni 1918. Ein Stück aus seiner Erzählung Das ewige Licht". (Mit besonderer Erlaub nis des Verlags L. Staackmann, Leipzig.) Vorbemerkung. Die Erzählung ist zusammenge setzt aus Tagebuchblättern des Pfarrers zu St. Maria in Torwall, ein sehr abgelegener Ort in den steirischen Alpen. Darin wird nun aus den letzten Augusttagen des Jahres 1880 berichtet, daß sieben Männer aus der Stadt sie haben sich selbst als Höhlenforscher ausgegeben, wollten aber wohl einem verborgenen Schatz nachspürcn in die sogenannte Laudamnshöhle begeben hatten, aber durch das steigende Gebirgs- wasser, das gerade in die Öffnung der Höhle hinein fließt, darin eingeschlossen und von der Außenwelt abgesperrt worden sind. Die Männer von Torwall machen sich alsbald an die Rettungsarbeit. Das Wasser soll abgedämmt, die angeschwemmten Erdmassen und das Bruchholz, das sich in der Mündung verklemmt hat, sollen weggeschasft werden. Und so heißt es nun: Am 31. August. Die Sprengschüsse knallen Tag und Nacht. Die Männer von Torwall arbeiten im Wasser, in den Tiefungen wie die Helden. Während der Arbeit spürt keiner was von den Fluten, die ihnen oft bis an die Brust gehen, erst wenn sie rasten, klappern und beben sie vor Frost und Fieber. Aufgeben dürfen wir sie nicht, sagt der Schmied. Das Wasser absperren, ein anderes Mittel gibt es nicht. Weiter oben kann ein schmaler Bergwall durch brochen werden, dagegen aber wehrt sich der Hies im Grund, über dessen Wiesen das abgeleitete Wasser niederfahren lvürde bis an sein Haus hinab. Ich mache ihm Vorstellungen, wenn sich um Menschen leben handelt, kann von Wiesen und Hof keine Rede sein. Er aber hält den Kopf mit beiden Händen und schreit: Wie komme ich dazu, wegen der Dummheit fremder Leute mein Hab und Gut zu verlieren? Was haben sie denn zu suchen gehabt im Loch, die Toren?" Andre stimmen ihm bei und gehen nicht dran, den Wall zu durchschlagen. Am 1. September. Sie warten auf uns, die armen, armen Menschen in der Bergestiefe. Wenn sie nur Licht hätten! Ich kann es nicht denken. Alles ist nichts gegen die ewige Finsternis. Gestern sind der Schmied und ich noch einmal beim Hies im Grund gewesen und haben ihm gesagt, er solle sein Haus räumen, könne Wasser kommen, der Wall müsse durchstochen werden. Er schreit, das gestatte er nimmer, das sei sein Eigen tum. Es wird dir alles vergütet!" sagt der Schmied. Von wem?" fragt er, von den Stadtleuten?" Er lacht brüllend auf und läuft davon, lind heute bald nach Mitternacht ist er hinaufgekommen in die Hoch schlucht, die von Männern, Fackelschein und Wasser rauschen wild belebt ist. Er könne diese Nacht nicht mehr länger ertragen. Der Mensch ist schreiend ge worden in ihm. Laut verlangt er, sie sollten den Wall brechen, lieber alles verlieren, als sein Lebtag den schrecklichen Vorwurf haben: Deinetwegen sind sie zugrunde gegangen! So arbeiten jetzt seit frühestem Morgen achtzig Männer an der Durchstechung des Bergwalls, in zwei Tagen, meinen sie, könne es geschehen sein. Am 3. September. Man zählt die Zeit bis zuni Gelingen nur noch nach Stunden. Alle Berghänge ringsum sind besetzt von Menschen, die alles andere vergessend aus den Augenblick warten. Jetzt noch schießt das Wasser brausend in die dunkle Laudamushöhle hinein. Mein Gott, wenn sie noch De Oeuin laudamus 1 ) singen könnten! Der erste, der hineindringt, sagen die Leute, wird gute Nerven haben müssen. Vielleicht findet er Wahnsinnige, die sick gegenseitig zerfleischt haben. Abgemagert zum Skelett werden sie sein, stumpfsinnige, stammelnde 0 Herr Gott, dich loben wir.Ar. 18 Marine-Freund :itc 71 Greise mit ergrauten Haaren. Und wenn einer noch unter ihnen ist, der ein Fünklein Seele bewahrt hat, mit welchen Gefühlen wird er sein Auge aufschlagen zum ewigen Lichte! Welchen Schrei unendlichen Dankes wird er zu Gott rufen und den Rettern um den Hals fallen! Verklärt zu einem Heiligen wird er geworden sein in der neuntägigen Grabesnacht! Weinend wird er die Leute um Verzeihung bitten für den Leicht sinn, der ein solches Meer von Aufregung und Mit leid verursacht hat. Alle kleinlichen Schrullen werden wie Schlacken von ihm gefallen sein, ein reiner Mensch, ein großer Mensch wird hervorgegangen sein aus der llnterwelt, und als solcher noch wird er niedersinken aufs Knie und die Fäuste an die Brust gepreßt stöhnen: Ich bin s nicht wert, was für mich geschehen ist! Und mit welchem Jubel werden wir sie auf den Händen tragen, die lieben Auferstandenen! Wird uns eine solche Freude beschert sein? Am 4. September. Sie sind gerettet! Sieleben! Alle sieben, sie sind gerettet! Großer Gott, wir loben dich! Schon gestern abend war das Werk vollbracht. Das Wasser schoß in breiten Strömen über die Lehnen hinab gegen den Hof des Hies im Grunde, der bald krachend zusammen bricht und verschüttet ist. Der Eingang in das Lau damusloch ist frei, zehn oder zwölf Männer waten mit Lichtern, Seilen, Krampen und Beilen durch Schlamm und Wust hinein, und an der Mündung stehen andere mit Fackeln und allerlei Lebensmitteln in Bereitschaft die ganze Nacht. An den rotbeleuch teten Hängen ringsum hört man laut beten. Ich selbst habe die Litanei von den Heiligen Gottes vor gebetet. Und gegen Morgen, just als der Tag ein wenig zu grauen beginnt, sind sie erschienen. Im Fackelschein blutrote Gestalten, so sind sie, von den Rettern geführt, hervorgekommen und heran geschwankt zwischen den triefenden Wänden. Der Freudenlärm, der sich jetzt erhoben hat, ist wohl un beschreiblich, dieLeute umarmten einander und schluchzten laut. Nur die Geretteten schritten schweigsam dahin und schauten verwundert um sich, was denn die vielen Menschen da zu bedeuten hätten? So haben wir es uns nicht gedacht. Die Umarmungen und Küsse der Angehörigen lassen sie kalt über sich ergehen, einer macht sogar abwehrende Bewegungen, gleichsam: war soll denn das? Und ein anderer sagt: Ihr seht es ja, wir haben nichts gefunden!" Böller Lehm krusten sind ihre Kleider, sonst unterschieden sie sich kaum von anderen. Von Jammergestalten keine Rede. Als man sie auf die bereiteten Tragbahren legen wollte, rief einer: Sind wir denn Kinder, daß wir uns sollen tragen lassen?" Wir danken euch, liebe Leute!" sprach einer der Geretteten zu den Um stehenden, wir danken euch schön für eure Mühe. Mit der Zeit hätten wir uns wohl auch allein heraus gearbeitet." An die Notwendigkeit, ihnen laue Milch einzuflößen, hatte man gedacht, sie zogen aber Wein und Branntwein vor. Ein paar junge Burschen, die man herausgeholt, stülpten ihre Hüte schief auf den Kopf und lachten einander zu: Das war ein Aben teuer, was? Aber ein Luderloch ist s!" Was man sich nur da denken soll. Ich ging nahe den Geretteten einher über die Steine, und als das Meer des Morgenrotes leuchtete, und als dort hinter den fernen Gebirgen das glühende Rad der Sonne langsam und groß heraufstieg, da dachte ich, jetzt und I jetzt wird einer aufs Knie niedersinken und ein Dank gebet zum Himmel tun s ist keinem eingefallen. An dem weißen Rauch haben sie sich ergötzt, der vom angezündeten Holzhaufen in dichten Wolken aufstieg, dann haben sie sich verneigt für die Ehr und Aus zeichnung" ! lleber mich ist ein großes Schamgefühl gekommen, ob meiner Enttäuschung oder ob des Stumpf sinns und der Danklosigkeit dieser Menschen Der Mensch kennt den Menschen noch immer nicht, und wir haben erst erfahren müssen, daß auch aus der Laudamushöhle kein anderer. herauskommt, als hineingekrochen ist." Zur Sonne aufgetaucht. Aus dem Leben unserer U-Bootkämpser. Mehr als alle anderen wissen unsere Ubootsleute die Sonne zu schätzen. Wie freuen sie sich, wenn nach langen Regen- und Sturmtagen die Sonne scheint und ihr Leuchten ihnen feindliche Segler und Dampfer zeigt! Wie freuen sie sich erst, wenn sie aus der Tiefe, wohin die Sonne nur einen spärlichen Widerschein sendet, wo nicht Mond noch Sterne leuchten, nuftauchen zur Sonne und sich oben sonnen können. Wie deutlich prägt sich diese Freude aus in einer Schilderung, wie sie Kapitänleutnant Forstmann in seinem Buch 11 39 auf Jagd im Mittelmeer" (Ullstein, Berlin 1918) gibt: Die schweren Regenwolken von gestern sind wie wegge blasen, der Wind hat über Nacht ein Einsehen gehabt und ist auf milden Südost gedreht. In langer Dünung zieht das Meer einher. Weit in der Ferne hebt sich, noch kraftlos und ohne Glanz, rötlich silbernes Licht der See, es ist nicht inehr lange bis zum Ansgang der Sonne. Wie ausgewechselt ist unsere Stimmung. Auch der begeistertste Seefahrer fühlt sich nun eimnal nur dann so ganz von Herzen wohl und zufrieden, wenn Wind und Wetter ihr freundliches Gesicht zeigen und erst recht auf einem Uboot. Wie glücklich ist die Mannschaft, als ihr nach dem Ausblasen endlich erlaubt wird, sich an Oberdeck Luft und Bewegung zu verschaffen! Dansien nehmen die Lungen begierig die reine Seeluft auf, während drinnen die Ventilationsmaschinen angestellt werden, um für gründliche Durchlüftung der vermiesten Wohnräunie zu sorgen. Bald hat der frische Atem des Meeres manch bleiches Gesicht gerötet. Es ist ein herrlicher Morgen. Die Sonne kommt auf, zieht den letzten Dunst und Nebel hinweg, und alle Farben werden wach. Von der Brücke aus genießt das Auge mit Staunen und Entzücken die Größe und Schön heit des Meeres. Diese herrliche Bläue ringsum in unendlich seinen Schattierungen bis zu jener Linie, wo Himmel und Wasser ineinanderfließen! In blendender Schönheit entfernt sich leuchtend und wärmend die Sonne mehr und mehr von den glänzenden Wogen. Ihr Spiegel scheint in diesem Augen blick Frau Sonne zur Morgentoilette zu dienen. Delphine springen plötzlich in Scharen um unser Schiff und entfernen sich dann wieder eilends, als wenn sie uns nur einen Guten Morgen" hätten wünschen wollen, während hie und da flie gende Fische wie Silberslöckchen über das Wasser schwirren. Da werden unsere Gedanken frei und froh, man meint es auf allen Gesichtern lesen zu können, fühlt frischen Mut und neue Energie in sich." Und wie schön heißt es am Schluß des Buches: Noch einige Tage blauen Meeres, dann stehen wir bei Sonnenauf gang vor unserem Stützpunkt und steuern mit wehenden flaggen die Küste an. Das Boot scheint geradeswegs in die lodernde Glut der Sonne hineinzusteuern, die wie ein Flammenrad zum Himmel hinausrollt." Daß wir es doch alle gleich unseren Ubootsleuten ver ständen, immer wieder aus allem Wogendrang zur Sonne aufzutauchen! Ein wort über öie Offenbarung St. Johannis. Gerade in unfern Tagen beschäftigen sich wieder viele mit der Offenbarung St. Johannis. Und sie ist es fürwahr wert. Sie birgt einen köstlichen Inhalt, einen wahren Schätz,Seite 72 Marine-Freund Ne. 18 aus dem nian sich Trost und Kraft gerade in solchen Zeiten, wie wir erleben, holen kann. Aber dennoch gelingt es vielen nicht, diesen Trost und diese Kraft zu bergen, es ist ihnen mehr wie ein Untergang der Sonne, was sie schließlich sehen, statt eines Ausgangs. Da hat mich neulich ein Wort gefreut, das aus einem Buch von Gottfried Fankhauser, betitelt Knüppel und Knorren," stammt, und da ich glaube, daß es manchem, der mit der Offenbarung Johannis nicht so recht ins Klare kommt, helfen kann, lasse ich es hier folgen. Gerne lese ich in der Offenbarung, wenn sie dran kommt. Nicht, daß ich Vers uni Vers unters Mikroskop nehme. Wenn man mich fragen würde: Wer sind denn die beiden Zeugen? so müßte ich sagen: Wer leben wird, wird sehen! Wo wird die große Babel sein? Ich kann es nicht sagen! Und was besagt die Zahl des Tieres 666? Viele sagen, es bedeute Nero, Cäsar; aber ich vermute, es sind noch Sachen hintendran. Ja, was hast du denn von der Offenbarung, wenn du doch nichts weißt und deuten kannst? Fast viel! Schau, ich hab s mit dem Seherbuch, wie mit dem Ausblick von Heller Höhe aus die Schneeberge. Jni Vordergrund gähnen schauer liche Abgründe, Schründe und Schluchten, aber dahinter ragen die herrlichen, sonnenbeglänzten Firnen über alles empor. Davon kenne ich wohl die hervorstehendsten Gipfel, die größten Gletscher und Täler mit Namen; aber wenn mich der Begleiter fragen würde um dieses oder jenes Spitzchen, Hörnchen, Kämmchen, .Gletscherchen, so müßte ich bekennen: Ich weiß nicht! Zwar könnte ich auf der Karte Nachschau halten, aber die Erfahrung lehrt, daß man sich ohne zuver lässigen Kenner auch mit der Karte in der Hand irren kann, etwa so, daß man einen Berg der vorderen Kette auf die hintere versetzt und ein tief Tal ganz fröhlich überhüpft. Es verschiebt sich manchmal alles so sehr von unferm immerhin noch niedrigen Standpunkt aus. Wir schweben noch nicht in der Vogelschau. Und wenn ich auf der freien Höhe bin, mag ich die Nase nicht in die Karte stecken. Frei aus den Blick! Und da schau ich den blendenden Kranz an und weide meine Augen an den kühnen, himmelanstrebenden Gipfeln, den reinen Schneegefilden, dem blauen See zu meinen Füßen! Ich blick und blick stundenlang und werd doch nicht satt. Und kein einziger Name, den ich weiß, aber auch keiner, den ich nicht weiß, stört mich und kommt mir in den Weg. Ach, Name ist doch nur Name und nicht Sache. Die Sache, die Wirklich keit ist vom Schöpfer, der Name nur von den Menschen. Und so Hab ich s beim Lesen der Offenbarung. Wenn ich auch nicht dahinterkomme, was für Details der ewige König für unsere und die kommenden Zeiten vorhat, das prägt sich unwiderstehlich dem Geiste ein: Gott wird noch Großes tun. Es wird zwar durch manche abschreckend tiefe Schlucht und an manchem furchtbaren Abgrund Vorbeigehen; aber Er wird Sein Reich doch auf majestätische Höhen heben und aus herrliche Weise zum Siege führen. Ich kann ja nicht sagen in welchem Jahr. Täler und Höhenzüge ver schieben sich so oft, und mancher sagte mit Gewißheit: So und so nahe ist der Berg der Wiederkunft!" Und er hat eben doch eine tiefe Schlucht oder zehn übersehen. Ich aber werde ob des allgemeinen Eindrucks dieser Höhen, dieser blendenden Felder, mit Staunen und Anbetung erfüllt vor dem, der da ist und der da war und der da kommt. Man erzählt von einem eifrigen Lehrer, der sich in der Morgenfrühe auf dem Rigi-Kulm so in die Namen der Gipfel und Ketten vertiefte mit seinen Schülern, daß sie allesamt den wunderherrlichen Sonnenaufgang inzwischen hinter ihrem Rücken sich abspielen ließen und verpaßten, während sie doch um dessen willen hauptsächlich den frühen Aufstieg unter nommen hatten. s geht manchem so, daß er ob dem Forschen, ob dem Rechnen, ob dem Grübeln über dem Gebirge der Offen barung die anbrechende Morgenröte übersieht. Ja, man kann sich in die Prophezeiung vergraben und dabei dem hellen Morgenstern, ja der ausgehenden Sonne den Rücken kehren. Ich aber will mich freue ob den granitnen Bergstöcken der Verheißungen und will sie uuverrückt anschauen, ob nicht da und dort ein Gipfel sich röte und dann zurückgeschaut und die Strahlen des ausgehenden Tagesgestirns mit Herz und Auge aufgefangen! Wenn wir einmal aus der ruhigen, sonnigen Höhe hin unter müssen und lief in dunklen Schluchten und engen Tälern wandeln, dann werden wir noch manches ernsten Ein- zelnamens deutlich genug inne. Es ist dann wohl Gefahr, daß man ob dem schauerlichen Spezialblick die großartige und wundervolle Generalansichl vergesse. Dann zu diesem Panorama gegriffen und den Blick aufgefrischt! So wird uns dann das Seherbuch zum treuen Führer, Ermunterer und Tröster. Halt noch ein wenig aus, bald sind wir oben! Da erblicken wir alles in der Vogelschau. Da geht uns die Sonne aus." Die rechte Sonne. Marti Luther. Vernunft ist auch ein Licht und ein schönes Licht; aber den Weg und den Fuß, der soll aus den Sünden und aus dem Tod gehen zur Gerechtigkeit und zum Leben, kann es nicht weisen noch treffen, sondern bleibt in Finsternis. Gleich wie unsere Unschlitt- und Wachslichter nicht erleuchten den Himmel, auch die Erde nicht, sondern die engen Mnkel in Häusern, die Sonne aber erleuchtet den Himmel, Erde und alles: also ist Gottes Wort auch die rechte Sonne, die uns den ewigen Tag gibt, zu leben und fröhlich zu sein. Wohl dem, der Lust dazu hat und solch Licht gerne sieht; denn es scheinet gern. Aber Maulwürfe und Fledermäuse haben s nicht gern, das ist die Welt. Deutsche Zukunft. Meiner Heimat Berge dunkeln, Flutend in der Wälder Grün, Und gleich Heldenaugen funkeln Sterne, die darüber ziehn. Doch die Helden sind geschieden; Die Vergangenheit ist totI Seele, von des Grabes Frieden Wende dich zum Morgenrot, Gleich dem Aar, der einst entflohen, Staufers Nachbar, und im Flug Zollerns Ruhm bis an die Wogen Des entlegnen Ostmeers trug. Adler Friederichs des Großen! Gleich der Sonne decke du Die Verlaßnen, Heimatlosen Mit der goldnen Schwinge zu! Und mit mächl gem Flügelschlage Triff die Eulen, Rab und Weih! Stets empor zum neuen Tage, Sonnenauge, kühn und frei! Tägliches Dibellesen. Sonntag: Psalm 15. Montag: Matth. 12, 38-50. Dienstag: Matth. 13, 1 23. Mittwoch: Matth. 13, 24-43. Donnerstag: Matth. 13, 44 58. Freitag: Matth. 14, 1 12. Sonnabend: Matth. 14, 13-21. 2. Mos. 15, 1-19 Gal. I, 1-10. Gal. 1, 11 24. Gal. 2, 1 10. Gal. 2, 11-21. Gal. 3, 1-14. Gal. 3, 15 29. -a Wochenblatt Akariue-Kreuod" kann man jederzeit bestellen. Bis zu 7 Sück bestellt man am besten de! der Post; von rao Stück an kostet da Blatt 2 Psg. and Porto; weniger jährlich 2 Mk. das Stück. Bestellungen au dir Lejchäftsjdelle de Nordd. Männer- und Iünalingsbunde , Hamburg 5, Brenuerstr. 17, erbeten. Druck von Lehmann fc Bernhard, Hojbuchdruckerei, Schönberg I. Mecklb.Inhalt : Der Stern des Trostes. Laß nur deinen Stern dich leitenI Unterm Sternenbanner. Der Mittelpunkt des Ganzen. Gedanken über die Bewohnung der Sterne. Faß das Steuer! Tägliches Bibellesen. Slickr ich empor zu öen Sternen, so Senke ich, Saß Ser, welcher sie leitet, auch meine Hahn vorgLZeichnet hat. Kürst Schwarzenberg am Tage vor der Schlacht bei Leipzig. Ar. 20. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer ft. I. Müller. 18. Sonntag nach Trinitatis. 28. September 1818. Verlag des Nordd. Männer und Iünglingsbundes, E. V. (Dug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Iahrg. Der Stern öes Trostes Ein Stern ist erwacht, Ein glänzender Stern dn dunkelster Nacht, Ein Wunder des Herrn. Ein Stern, der ewig stehet, Der ewig strahlt und blinkt, Ser niemals untergchet, stluch wenn das Weltall sinkt. Das Sternlein gibt Licht, Ist Wunsch mir und Ziel, Wonach ich mich richt ,- s gibt Ziele so viel! Mein Herz unruhig wanket, Bis es dem Stern sich beugt, Gleichwie der Kompaß schwanket, Bis er dem Pol sich neigt. 9 stus Trost nS Kraft", pstegeanstalt Nork in So- . von G. Vortisch van vloten. ) Sa Sternlein bleibt mein So gestern wie heut , ’s ist Kriede sein Schein, Sein Kunkeln ist reud . Er ist mein Za und slmen, Mein Trost zu jeder Krist: Du kennest seinen Namen, Es heißet Zesus Christ! Laß nur öemm Stern öich Seiten! Matth. 2, 9: Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin. Inders dürfen wir es auch als Deutsche nicht * halten als so: Laß nur deinen Stern dich leiten! Jetzt heißt es für jeden: nicht nach rechts oder links sehen, nicht hören auf Stimmen von hüben und drüben, nicht folgen den Geistern, die rufen zu beiden Seiteli, den Lügengeistern auf seiten der Feinde, den Kleingeistern, Schwach geistern, Jrrgeistern im eigenen Lager, sondern geradeaus den Weg gehen, dem eigenen Stern folgen. Jetzt muß es heißen: Wir haben, wir sehen unfern Stern, dem folgen wir. Keinem andern. Denn das ist die Gefahr: in dunkler Nacht, in stürmischer Zeit, wo nicht Sonne noch Mond leuchten, sich nicht von seinem Stern leiten zu lassen. Auch unser Volk hat entscheidungsvollen Weg zu gehen, und wie dieser Weg schon oft durch Nacht und Dunkel, durch schwere stürmische Zeiten geführt hat, so auch heute wieder. Wollte unser Volk den Stern aufgeben, dem es gefolgt ist, wollte es sich von Unsternen und Jrrsternen verlocken und ver leiten lassen, das würde bedeuten den Weg verlieren, der zum Ziel führt. Wenn die Weisen aus dem Morgenland einst nicht ihrem Stern gefolgt wären, sie hätten niemals die Sehnsucht ihrer Herzen, das Heil der Welt gefunden. So wird auch unser Volk niemals seine höchste Sehnsucht gestillt sehen, nie mals ein Volks- und Weltheil schauen, wenn es nicht dem Stern nachgeht, der ihm den Weg zeigt, wenn es nicht von seinem Stern sich leiten läßt. Wie aber heißt der Stern, wo sehen wir ihn am Himmel? Denn sollen wir ihm folgen, uns von ihm leiten lasten, dann muß er vor uns her gehen, so wie vom Stern der Weisen heißt: er ging vor ihnen hin. Sehen wir nun, wenn wir zum Himmel aufblicken, einen solchen Stern vor uns, der vor uns hin geht? Das war uns wohl so, wenn wir auf weiter Seefahrt aus fernen Landen kamen, da tauchte vor uns ein Stern auf, den wir als einen Stern der Heimat kannten, und es war uns, als ob er vor uns her ginge und unL führte, bis wir einkehrten im Vaterhaus und er von oben herab am Abend uns so freundlich winkte,©eite 78 Marine-Freund Nr. 20 als ob er sagen wollte: Habe ich dich nicht sicher geführt? Und haben nicht unsere Kämpfer draußen in fremden Landen so oft mit Freuden den Stern gesehen, der ihnen den Weg zur Heimat wies, und voll Vertrauen sahen sie zu ihm auf und folgten seinem Leiten? Gewiß, auch das ist schließlich, wie alles Vergängliche, ein Gleichnis, ein Bild. Aber ein Bild, das durchaus und völlig der Wirklichkeit entspricht. Der Stern am Himmel erlischt, das ist die vergängliche Natur. Aber das ist Gottes Gnade: in dem Augenblick, wo sein Glanz verschwindet, geht ein neuer, strahlender Stern auf am Himmel des Geistes. So wie jenen Weisen, als der Stern über dem Stalle von Bethlehem stehengeblieben war, ein neuer aufging. Und das ist nun der Stern, der uns leuchtet in dunkelster Nacht. Jesns ist der Stern, der uns aufgegangen ist und der uns den Weg zeigt. Liebe deutsche Brüder, wir können doch nicht die ganze Geschichte unseres deutschen Volkes leugnen und verleugnen! Da, wo unser Volk den Weg zu verlieren drohte, der es zum Heil führte, da ist ihm Jesus Christus als Stern aufgegangen und hat ihm den Weg gezeigt. Wir können doch nicht wie Blinde und Toren verneinen, wodurch wir allein mit Sicherheit zur Bejahung des Lebens kommen! Der Stern, der Jesns Christus heißt, hat dem Deutschen, Mann wie Frau, noch immer den Weg gezeigt, wo es durch Nacht und Dunkel ging. Darum tappen heute noch so viele im Dunkel und laufen in der Irre, weil sie den Stern verloren oder weil sie ihn noch nicht gefunden haben. Und doch ist es Zeit, ihn zu finden, gerade heute. Je dunkler die Zeit, um so heller leuchtet der Stern. Wir zweifeln nicht, daß er sich noch einmal auch dem blödesten Auge als die Sonne enthüllen wird, die im Mittelpunkt des Weltalls steht, als das Gestirn, um das sich alles dreht, Welt und Welt geschichte. Und wir, wir Deutschen, wir deutschen Männer, wir deutsches Volk sollten uns in eine andere Bahn weisen lassen? Nein, wir wollen keinem Jrrstern, keinem Unstern folgen. Die Losung muß bleiben für Krieg und Frieden: Laß nur deinen Stern dich leiten! Amen. K. F. Müller. Unterm Sternenbanner. 1. Lesefrüchte aus der Geschichte der Vergangenheit der Vereinigten Staaten. Es ist sehr nützlich, in den Büchern der Geschichte der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu lesen. Die Lesefrüchte, die man erntet, können jedem in unserm Volk, der sehen will, die Augen auftun. Da stieß ich neulich auf etwas, das gerade vor 100 Jahren drüben im Lande des Dollars und des Sternenbanners vor sich gegangen ist und das nun im folgenden genau nach einem Geschichtswerk aus den Vereinigten Staaten und zum Teil mit dessen Worten erzählt werden soll?) Es war in den ersten Amtsjahren des Präsi- 0 I. A. Spencer, Vollständ. Gesch. der Ver. Staaten von Amerika. Philadelphia 1882. deuten man sollte besser sagen des Herrschers Monroe, desselben, der in dem Lande der soge nannten Volksherrschaft (Demokratie) d. h. wo das Volk nichts zu sagen hat die berüchtigte Lehre aufgebracht hat, daß kein Staat von Europa sich einfallen lassen soll, auf dem Festland von Amerika etwas zu suchen, wohingegen es den Vereinigten Staatenselbstverständlich freigestelltsein muß, nachBe- lieben in europäische Angelegenheiten einzugreifen. Nun hatten im Sommer 1813 von einem gewissen Mac. Gregor gebildete Randen einen Angriff auf Ost-Florida, damals eine spanische Provinz, ge macht mit der ausgesprochenen Absicht, diese Pro vinz vom spanischen Joche zu befreien und den Vereinigten Staaten zu anexieren." (D. h- also ohne jeden Kriegsgrund sie für die Vereinigten Staaten durch einen Raubzug zu erobern.) Es gelang ihnen in der Tat, den spanischen Gouverneur zu verdrängen. Er überließ ihnen die Provinz, und das spanische Regiment hörte also wieder ein mal dort auf. Die Folge war, daß das ganze Lalid eben durch jene Banden in die größte Un ruhe und Unordnung gestürzt wurde. Und nun war für die Vereinigten Staaten der schönste An laß gegeben, sich einzumischen. Was sagt der Ge schichtsschreiber? Die Föderalregierung (d. i. die Bundesregierung in Washington) war auf die saubere Grenznachbarschast aufmerksam geworden und beschloß sich ihrer zu entledigen, um das Land an Spanien zurückzugeben, sowie dasselbe im stande sein würde, seine Gewalt dort aufrecht zu erhalten. Demgemäß fielen denn am 1. Januar 1818 Major Bankhead von der Armee und Commo- dore Henly von der Marine geniäß erhaltener In struktion über die Patrioten" her (eben jene Banden), vertrieben sie auS dem Lande und nahmen selbst Besitz davon. Bei der Mitteilung dieser Ereignisse an den Kongreß legte der Präsident Monroe besonderen Nachdruck auf die Versicherung, daß es bei Aus treibung des Näubergesindels nicht auf eine Er oberung abgesehen sei, und Spanien in seinem Rechte auf die Kolonie nicht beeinträchtigt werden dürfe. Auch der Staatssekretär reichte eine Schrift zur Rechtfertigung der ergriffenen Maßregeln aus dem völkerrechtlichen Gesichtspunkte wie aus der Notwehr der Vereinigten Staten ein. (Halte hier einmal ein, Leser, und denke daran, wie entrüstet sich die Vereinigten Staaten gestellt haben, als der Einmarsch der Deutschen in Belgien 1914, der allerdings durch völkerrechtliche Gesichtspunkte hin länglich begründet war, denn Belgien steckte längst mit Frankreich unter einer Decke gegen das Deutsche Reich, als dieser Einmarsch von dem Mann, der damals in Deutschland die auswärtigen Angelegen heiten leitete, mit Notwehr begründet wurde!) Doch gehen wir weiter. Es war also nicht auf Eroberung abgesehen. Bewahre! Aber was ge schah? Der Jndianerstamm der Seminolen wohnte damals teilweise auf spanischem Gebiet in Florida, teilweise aber schon auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten in Alabama und Georgien. Die Georgier beschwerten sich nun wegen Mord- und Gewalt taten, deren sich die Indianer schuldig gemachtNr. 20 Marinc Freund Seite 79 hätten. Letztere hingegen erklärten, daß sie bei allen diesen Vorkommnissen nicht die Angreifer gewesen wären." Sie werden dabei nicht weit von der Wahrheit abgewichen sein. Der Geschichts schreiber der Vereinigten Staaten gibt selbst zu, daß mehrfache Gewalttätigkeiten gegen jenen Jn- dianerstamm (der Creeks") verübt worden wären. Wie sich indessen das nun auch verhielt, auch dies mal nahm die Regierung in Washington daraus Veranlassung, in spanisches Gebiet einzufallen". Eie befahl dem General Gaines, in Florida ein zufallen, jedoch kein spanisches Fort dabei anzu greifen, selbst dann nicht, wenn Indianer darin Schutz gefunden hätten. Die Rüstungen, die frei lich für diesen Einfall in Florida getroffen wurden, sahen nach ganz anderem aus und wurden auch von General Jackson, der an die Spitze des Unter nehmens gestellt wurde, ganz anders aufgefaßt. Er begnügte sich nicht damit, die Dörfer der Indianer zu zerstören, ihnen Vieh und Korn weg zunehmen. Unser Gewährsmann berichtet: Der amerikanische General war nicht der Mann, welcher sich durch Bedenklichkeiten irgendeiner Art in seinem Vorhaben aufhalten ließ (soll bedeuten durch Rücksichten auf Völkerrecht und dergl.). Da er keinen Zweifel hatte, daß die Spanier die Indianer mit Waffen und Lebensmitteln unterstützten und tatsächlich Mitschuldige derselben seien, so drang er ohne weiteres bis zu einem kleinen Posten, St. Markus genannt, vor. Das Fort wurde nach kurzem Widerstand von den Spaniern übergeben und von den Amerikanern in Besitz genommen." Einen gebürtigen Schotten, der sich dort aufhielt, als Spion anfzuknüpfen, trug der Amerikaner nicht das geringste Bedenken. Nach also verrichtetem Werke wandte er sich gegen Pensacola," die be deutendste spanische Niederlassung. Vergebens pro testierte der spanische Gouverneur. Da Jackson, ohne sich im geringsten darum zu kümmern, weiter vorrückte, zog sich der Spanier zurück. Pensacola fiel ohne jeden Widerstanden die Hände Jacksons, und bald darauf nahm er auch am 27. Mai nach kurzer Beschießung das Fort am Barankas. Den spanischen Zivil- und Militärbehörden wurde ge stattet, sich nach Havanna zurückzuziehen. Oberst King wurde zum Zivil- und Militärgouverneur ernannt; die spanischen Zollgesetze wurden außer Kraft gesetzt und die ganze Verwaltung organisiert und besetzt." Jackson gedachte auch noch weiter zu gehen. Im August sollte das Fort St. Augustine besetzt werden. Aber seiten der Bundes regierung beliebte man ein anderes Verfahren. Wie erzählt unser Geschichtsschreiber? Ehe jedoch der Befehl ausgeführt werden konnte, hatte das Kriegsministerium Kenntnis desselben erhalten und sich beeilt, ihn zu widerrufen. Die rücksichtslose Art, wie Jackson in Florida verfahren war, hatte im ganzen Land Aufsehen erregt, und man ver urteilte sie als eine Eigenmächtigkeit, welchö"uus die schwersten Verlegenheiten bereiten konnte. Man wartete mit großer Ungeduld den Zusammen tritt des Kongresses und die Maßregeln, welche er zur Abwendung der gefürchteten Folgen ergreifen würde." Und was tat der Kongreß? Am 16. November trat er zusammen. Der Präsident teilte beiden Häusern, dem Senat und dem Kongreß, alle Akten stücke bezüglich des Seminolenkrieges mit. Der Militärausschuß bekam die Sache zum Bericht. Vom 18. Januar an debattierte man 3 Wochen lang über die Sache. Selbstverständlich traten einige Redner gegen Jackson auf. Der beredte Henry Clay erklärte sich erstaunt über die Gewalt tätigkeit und Schrankenlosigkeit des Benehmens von Jackson. Er erklärte: Sie mögen dem General einen öffentlichen Dank votieren und ihn trium phierend aus der Untersuchung des Hauses hervor gehen lassen: allein, wenn dies geschieht, so ist es ein Triumph der Insubordination, ein Triumph der brutalen Militärgewalt über Vorschrift und Gesetz, über die Macht und Gewalt dieses Hauses, über die Verfassung des Landes." Aber was half das? Als die Anträge, gegen Jackson einen Tadel auszusprechen, zur Abstimmung kamen, wurden sie mit 30 bis 40 Stimmen Mehrheit verworfen, ein Beweis, wie unser Amerikaner selbst sagt, daß der Kongreß Maßregeln billigte, mochten sie vor dem Völkerrecht noch so wenig gerechtfertigt werden können. Und der Präsident, dieser Hüter des Rechts"? Nun, er und sein Kabinett erklärten sich am Ende mit dem Benehmen Jacksons einver standen." Und so konnte es schließlich nur auf eine Weise enden. Spanien hatte nicht die Macht, gegen den unerhörten Rechtsbruch sich zu wenden. Nie mand in der Welt stand ihm bei. So mußte es sich dazu bequemen, in einem Vertrag vom 22. Fe bruar 1819 Florida für 5 Millionen Dollars an die Vereinigten Staaten, .die es ja durchaus nicht auf eine Eroberung Floridas abgesehen hatten, ab zutreten. Da aber die Vereinigten Staaten noch Ansprüche an Spanien erhoben, wegen Benach teiligungen von Vereinigten Staaten-Bürgern in der vorhergehenden Kriegszeit, so wurden die 5 Millionen als bezahlt angesehen und Spanien bekam keinen Heller. Was half es, daß der spanische Gesandte und zwar, wie der amerikanische Geschichts schreiber sagt, mit Recht sich beschwerte über die zweideutige Politik der Vereinigten Staaten, welche zwar dem Scheine nach die Neutralität proklamierte, sie aber der Tat nach verletze, wo es ihrem Interesse Zusage (genau wie bei uns 1914 1917) die Vereinigten Staaten hatten Florida und haben es behalten bis auf den heutigen Tag. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal das Verhalten der Vereinigten Staaten bei dieser Gelegenheit. Erst schickt man Banden in ein Land, damit diese Unruhen erregen. Dann nimmt man diese Unruhen zum Anlaß, um das Land mit Heeresmacht zu besetzen. Dann nimmt man in einem Vertrag dem Gegner, weil der zu schwach ist, sich sein Recht zu erkämpfen, das Land ab. Und schließlich findet man auch noch einen Weg, ihn um die Summe zu betrügen, die er äls Ersatz für den Verlust haben soll. Das ist das Land der Vereinigten Staaten, so war es damals, so ist es heute, das Land unter dem Sternenbanner! Jeder Stern soll einen Staat bedeuten, in Wirklichkeit bedeutet -er eine Welt voll Raub, Blut, Mord und Gewalttat. Wer s nicht glaubt, der lese amerika nische Geschichte.Seite 80 Marine-Freund Nr. 20 2. Etwas vom Sternenbanner selbst, aus der Geschichte der letzten Zeit. Die Flagge der Vereinigten Staaten sieht merkwürdig ans. Der größte Teil des Tuches rot mit weißen Streifen hindurch. Oben links in einer Ecke ist ein blaues Feld, an gefüllt mit weißen Sternen, daher das Sternenbanner. Washington, der alte Freiheitskämpfer, sagte zur Erklärung: Wir nehmen den Stern vom Himmel, das Rot vom Mutter land (England), aber es trennend durch weiße Streifen und so andeutend, daß wir uns von ihm geschieden haben; und die weißen Streifen sollen zur Nachwelt weitergehen als Zeichen der Freiheit." Freilich der edle Washington müßte sich im Grabe umdrehen, wenn er sähe, was aus der Freiheit in den Vereinigten Staaten geworden ist und welche. Schur kereien die gerühmte und berühmte Flagge decken muß. Neuerdings ist nun von den Vereinigten Staaten ein Büchlein herübergekommen, betitelt Our Mag and our songs". Unsere Flagge und unsere Lieder, herausgegeben von A. Ogden zu Neuyor k im Sommer 1917. Was ein deutscher Gelehrter Ür. Konrad Müllers neuerdings aus diesem Büch lein bekanntgemacht hat, ist so.merkwürdig, daß jeder Deutsche einmal Kenntnis davon nehmen sollte. Vielleicht gehen ihm dann die Augen auf über das Land der Freiheit." Nach our klag" gibt es 5 feststehende Flaggentage": Lsncolns Geburtstag am 12. Februar, desgleichen Washingtons am 22. Februar, den Gedüchtnistag ani 30. Mai, den Flaggen tag am 11. Juni und den Unabhängigkeitstag am 4. Juli. Für die Ehrung und Begrüßung des Sternenbanners an diesen Tagen gibt es besondere Vorschriften, Vorschriften selbst für Bürger und Schulkinder. Was muß z. B. jeder Bürger tun, wenn die Flagge vorbeikommt? Civilian*, when the flag is passing on parade or in review, should, if walking, halt, if sitting, arise, and stand. at atten tion, with hat in right liand held over the heart.“ Bürger, wenn die Flagge bei Parade oder Heerschau vorbei kommt, sollen, wenn sie gehen, haltmachen, wenn sie sitzen, ausstehen und stramm stehen und den Hut dabei in der rechten Hand über dem Herzen halten." Und die Schulkinder? the preseribedoval salnte by schoolehildren is: I pledge allegiance to my flag and to the Republic for which it Stands; one nation, indivisible with liberty and justice for all.“ Ich schwöre Treue meiner Flagge und der Republik, für welche sie steht; ein Volk, unteilbar, mit Freiheit und Ge rechtigkeit für alle." Also vorschriftsmäßige Haltung und vorgeschricbenen Gruß der Flagge erweisen! Was sagst du dazu, biederer, deutscher Bürger, wenn man in unserem Reich derartiges von dir verlckngte? In dem Land der Freiheit hat sich jeder danach zu richten, ohne mit der Wimper zu zucken. Sonst geht es ihm schlecht. Will man wissen wie? Dann lese man, was letzthin die in Chikago erscheinende polnische Zeitung ,Aziennik Zliazkowy" meldete: In John- stown in Pennshlvanien wurden 20 Personen nnt Teer be gossen und durch die Straßen getrieben, weil keine Ab gaben für die amerikanische Flagge leisten wollten. In Collinsville bei St. Louis wurde der 22jährige deutsche Berg arbeiter Robert Prager gezwungen, die amerikanische Flagge zu küssen und bei Hellem Tage aufgehängt. In Lima wurden 5 Industrielle wegen ihrer deutsch-freundlichen Gesinnung von der Menge auf einen öffentlichen Platz geschleppt -und mußten unter Drohung mit sofortiger Hinrichtung die ameri kanische Flagge küssen." Es muß doch lieblich sein, unter dem Sternenbanner zu wohnen! O du Land der blutigen Gewalt, der Unterdrückung jeder Freiheit und jedes Rechts, du Land der Unberührt heit von Gerechtigkeit und Wahrheit, du Land der Gefühl losigkeit und Erbarmungslosigkeit, du Land des Dollars und des Mammons, nimm deine bluttriefenden Hände und ziehe damit blutige Streifen über die blaue tzimmelsfarbe in deiner Flagge, aber die Sterne laß heraus! LI. Der Mittelpunkt öes Ganzen? Wenden wir Rnser Auge auf das Ganze hin, so drängt sich uns natürlich die Frage auf: Wo ist nun der Welten Mittelpunkt? Wo glühet die Sonne, welche von allen 0 Im Reichsboten. Untcrhnltungsblatt 12. August 1918. 2 ) Aus Daubs Sternenhimmel. Schöpfungen umkreist wird? Der große Wcltweise, welcher nur zwei erhabene Dinge pries: Das Sittcngesetz in uns und den Sternenhimmel über uns," wictz zu dem flammen den Sirius hinauf, als dem Mittelpunkt der Welten; allein ihn täuschte wohl die Nähe dieses prächtigen Sterns, welcher, lüge er weiter hinaus in den unermeßlichen Raum, im Winter unser Auge minder durch seine Strahlengenüsse ent zückte. Andere dachten sich als Mittelpunkt das merkwürdige Nebellicht im Schwerte des Orion, andere den Kranz der Ariadne, noch andere den Knienden vor der Leier (Her kules). Forschen wir nicht weiter nach einem sichtbaren Mittelpunkte; wir finden denselben mit unseren jetzigen Mitteln doch nicht. Der Glaube aber spricht: Der Herr selbst ist die heilige Mitte, die unvergängliche Sonne, um welche sich alle Welten bewegen." Zu dieser Sonne erhebe sich auf der Stufenleiter der Natur unser Geist und mische seinen Jubel in den Chor der Himmlischen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll." Gedanken über die Gewöhnung -er Sterne? Und warum, Erde, du allein Solltest des Herrn Tempel sein? Viele Tausend wandeln in heiliger Runde Nach dem Allmachtswort aus seinem Munde. Siehst du wo eine Hütte stehen Da ein und aus werden Menschen gehen. Für wenige klein, für viele groß, So baut man hinauf zum geräumigen Schloß. Die Sterne sind Schlösser, eine Hütt ist die Erde. Aus jedem erscholl auch das schaffende Werde, Und führte Geschöpfe, groß und klein, In all die himmlischen Wohnungen ein. Lang war der Weg zum Menschen herauf, Weit länger der Weg ist zur Gottheit hinauf. Mit dem Ende hienieden, damit hat sie begonnen, Zu schaffen mehr gottwärts aus fernen Sonnen. Wir schauen ini Monde ein Angesicht; Du, sinnende Seele, täuschest dich nicht: Deinesgleichen wandeln im milden Schein, Kennen den Schöpfer und stimmen ein: Ehre sei Gott in der Höhe! Droben auch ruft s: Halleluja! *) Aus Klaus Harms Gnomon, wohl von Kl. Harms selbst. aß das Steuer l Von Eichendorfs. Wenn die Wogen unten toben, Menschenwitz zuschanden wird, Weist mit fenr gen Zügen droben Heimwärts dich der Menschenhirt. Sollst nach keinem andern fragen, Nicht zurückschaun nach dem Land, Faß das Steuer, laß das Zagen: Anfgcrollt hat Gottes Hand Diese Wogen zum Befahren, Und die Sterne, dich zu wahren! Sonntag: Psalm 38. Montag: Mark. 3, 20-85. Dienstag: Mark. 4, 1 20. Mittwoch: Mark. 4, 21 34. Donnerstag: Mark. 4, 3b 41. Freitag: Mark. 5, 1 20. Sonnabend: Mark. 5, 21 43. Offb. 12, 7 12. Jak. 1, 1-12. Jak 1, 13-21. Jak. 1, 22-27. Jak. 2, 1 1L. Jak. 2, 14-26. Psalm 104, 1 18. Wochenblatt kann man jederzeit bestellen. Bi zu 7 Sück bestellt man am besten bet der Post; von 100 Stück an kostet da Blatt 2 Pfg. Porto: wentaer jährlich 2 Mk. das Stück, estellunoe an die e, chäit sdelle de Bordd. Männer- -ind ptüualin b mde , Hamburz d, Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lohnrann & Bernhard, Hofbuchdruckerei, Echönberg i. Wecklb.V 21 . Schriftleitung: Geschwaderpfarrer Ä. I. Müller. 20. Sonntag nach Mafia. 13. Ofloin 191$. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. B. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. 4. Zahrg Inhalt: Schwert der Scheide. Ernten ohne Aufhören. Der Säcmann. Auch eine Saat, von der wir jetzt ernten. Die traurigen Mäusejahre in Dithmarschen. Ein Gebet vom August 1870 für unsere Tage. Tägliches Bibellesen. Glaub an die Ernte; ob, was du gesät, verschlungen scheint es keimt und schlummert sacht, bis ihm ein Tag die vollen Ähren wiegt. Marie Sauer, ep. Schwert aus öer Scheiöe. In der hnlir des housts, da hängt rin Schwrrt, Schwrrt in drr Schribr. In stimm ißlitjrn nrrgrht die Lrü . Wir hütrn s drtrn Lag und Kocht, Sah es nicht Klirrend von selbst erwacht. Senn uns ist geschrieben ein heilig Gebot: Ihr sollt es nur brauchen in letzter Mot, Schwert in der Scheide. von Jsolöe Kurz. Wir sind geduldig, wie Starke sind, Schwert in drr Scheide. Wir achtrn s nicht, was der Meid uns spinnt. Sie haben uns manchen Tort getan, Wir litten s und hielten den Atem an. Sie Sonne glüht auf drr Ernte Gold, Lriedr, wie bist du so hold, so hold! Schwert in der Scheide. Sach der Meid missgönnt uns den Moh am Licht, Schwert in drr Scheide. Leinde um-irhn wir Wolken uns dicht, Lehn gegen einen in Waffenschein. Wer bleibt uns treu? Anstr Gott allein. Sie Erde ?uckt der Himmel flammt; Schwert, nun tu drin heiliges flmt, Schwert aus drr Scheide! Ernten ohne Mfhoren. Galater 6, 9: Lasset uns aber Gutes tun und nicht müde werden; den zu seiner Zeit werden wir ernten ohne Aushören. rnten ohne Aufhören wir sollten wohl Sinn für die Größe und Herrlichkeit einer solchen Aus sicht haben. Um so mehr, je schwerer wir daran tragen, daß unsere Ernte, die Ernte von unserem deutschen Acker, nur zeitweise geschieht, und wir doch von dem, was die Ernte in einem kleinen Zeitraum des Jahres einträgt, das ganze Jahr hindurch zehren müssen; je deutlicher lvir also sehen, daß diese Ernte aufhört, während unser Hunger und unser Bedürfnis nach den Erntegaben und Ernteerträgnissen niemals aufhört. Wie schön wäre es da: ernten ohne Auf hören ! Und wiederum sollte uns ganz anders noch als sonst der Sinn dafür aufgehen, da wir ja in diesen Kriegsjahren zwar säen und immer wieder säen ohne Aufhören, aber noch immer eine Ernte sich nicht einstellen will. Denn eine Saat, eine blutige Saat bedeutet ja für uns der Krieg. Jeder von uns arbeitet wie auf einem großen Saatfeld. Und wir hoffen auf eine große kommende Ernte. Wir wollen unser Volk nicht betrügen lassen um eine Ernte dieser furchtbaren Kriegssaat; wir wollen uns diese Ernte weder durch Feinde, verderben lassen, die mit allem erdenklichem Kriegszeug darüber hinfahren wollen,Seite 82 Marine-Freund Nr. 21 noch durch Mäuse und anderes Ungeziefer, das im Dunkeln und Verborgenen wühlt und nagt. Vor läufig allerlings wird noch gesät, unaufhörlich gesät. Wie herrlich, wenn nun einst die Ernte, die Friedens ernte koinmen wird; wie herrlich, wenn ihr alle, wackere Kampfgenossen, die ihr all die Jahre ohne Aufhören im Kampf gestanden habt, wenn ihr auch die Frucht dieses Kampfes einheimsen dürft, wenn ihr ernten könnt ohne Aushören! Aber eben deshalb müssen wir auf der Hut sein, daß wir nicht selbst diese Ernte vereiteln. Wie kann man sie denn aber vereiteln? Genau so wie man bei uns und in unserem Lande jede Jahresernte ver eiteln kann, nämlich wenn man aushört zu säen. Wir danken jetzt wieder am Erntefesttage unserm Gott für die Ernte. Wieder hat er gegeben, was wir brauchen. Seine Gnade schützt uns gegen den Vernichtungswillen der Feinde. Aber was muß nun von uns aus weiter geschehen? Auch das nächste Jahr brauchen wir wieder eine Ernte. Und dafür müssen wir uns bereiten. Unmittelbar an die ge schehene Ernte schließt sich die neue Saat. Wir müssen wieder säen. Wir würden unbedingt die kommende Ernte vereiteln, wenn wir nicht aufs neue säen wollten und unseren deutschen Acker wiederum bestellen. Und so ist es nun auch mit der kommenden Ernte ohne Aufhören nach diesem Krieg. Wir würden sie unbedingt vereiteln, wenn wir nicht weiter säen wollten d. h. wenn wir nicht fest und treu, zäh und uner schütterlich in dem uns aufgezwungenen Kampf ver harren wollten. Wir müssen kämpfen und uns immer wieder rüsten und stark machen mit äußeren Mitteln und inneren Kräften. Das ist das Gute, was wir zu tun haben. Besseres können wir jetzt nicht tun. Die Feinde wollen unser Land verwüsten, unser Volk vernichten. Der blutigste Tyrann hat sich an ihre Spitze gesellt, Raub- und Mordgesellen folgen ihm gleich gierigen Raben. Wir wollen unser Land und Volk, wir wollen die Unfern davor bewahren, ihre Beute zu werden. Darum müssen wir kämpfen und dürfen darin nicht ermüden. Es ist keine Zeit müde zu sein. Wenn Gutes zu tun ist, muß man es tun.. Wer nicht tut, dem ist s Sünde. Eine Sünde ist s für einen Deutschen, jetzt nicht seinen Mann zu stehen und zu kämpfen bis aufs äußerste, bis der Sieg die Ernte bringt. Schlechter könnte niemand handeln, als sich dieser Pflicht entziehen. Wir aber wollen Gutes tun, wir wollen die Gesinnung betätigen gegen unser Volk, die Jesus Christus in uns gepflanzt hat, der Christus, der Leib und Blut hingab für die Seinen. Darum stehen wir fest im Kampf. Es gilt, eine große Ernte zu schaffen unserem Volk und Land, darum stehen wir noch in der Saat und bleiben dabei: Lasset uns Gutes tun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Zu seiner Zeit zu Gottes Zeit. Er weiß sie darum wird sie auch kommen. Ihm sei Dank und Ehre. Amen. K. F. Müller. ©dSKIßnn* Von Jakob Loewenbcrg. Tiefgraue Wolken am Himmel ziehn. Der Bauer steht sinnend in seinem Feld: Ich bin alt ich bin zu müd, Und doch, der Acker wird bestellt^. Kehrt beim mein Junge nach glücklichem Krieg, Dann steht die Saat in voller Pracht, Dann gehn zusammen wir. durch das Korn. Vater, das hast du gut gemacht. Mein Junge, mein Erbe, mein einziges Kind. Wie rauh der Herbstwind heute weht! Und fester schnürt er den . Sack sich um Und greift hinein und sät und sät. Da kommt die Magd todbleich daher. Was treibt die Dirne denn jetzt von Haus? De junge Herr, en Breiw en Breiw" Er weiß es, gefallen und alles ist aus. Das Mädchen schluchzt, der Alte ist stumm. Verloren sein Blick in die Ferne geht. Und tiefer greift er hinein in den Sack Und kehrt sich um und sät und sät. fiuch eine Saat, von öer wir jetzt erNteN. i ne Geschichte aus Deutsch Ostafrika.y Unser alter Ostafrikaner, Major Langheld, erzählt in seinem prächtigen Buche 20 Jahre in deutschen Kolonien" folgendes Erlebnis. Zu Anfang der neunziger Jahre stand er mit zwei weißen Unteroffizieren und einem Häuflein Askaris so werden dort die schwarzen, meist aus dem Sudan stammenden eingeborenen Soldaten genannt auf einsamem weit vorgeschobenen Posten im Nordwesten von Deutsch-Ostafrcka. Er hatte die schwere Aufgabe erhalten, mit einer Handvoil Leuten die Farbigen im Süden und Westen des Viktoriasees der Oberhoheit des Deutschen Reiches zu unterwerfen. Mit großem Geschick hat er die wahrlich nicht leichte Aufgabe ge löst. Ohne blutige Kämpfe ist dabei freilich nicht abgegangen. So hatte der Häuptling Madonia, der jenseits des Smith-Golfes ansässig war, sich allerlei Unbotmäßigkeiten zuschulden kommen lassen. Da sich ihm und seinen Leuten gegenüber gütige Vorhaltungen als nutzlos erwiesen, mußte Langheld Ernst machen. Er verstärkte die kleine Schar seiner kriegsgeübten Askari durch weitere eingeborene Hilfstruppen, die von den deutschfreundlichen Häuptlingen bereitwilligst gestellt wurden. In nächtlicher Stille war Langheld mit seinen Leuten über den Golf gesetzt. Mit Tages anbruch erfolgte der Angriff von der Seeseite aus. Aber die Feinde waren auf der Hut. Sowie die Angreifer ihre Fahrzeuge verließen, um watend das Ufer zu gewinnen, wurden sie mit Flintenschüssen begrüßt und mit einem Pfeilhagel überschüttet. Eins dieser vergifteten Geschosse traf Langheld, der seinen Truppen voranstürmte, ins linke Schulterblatt. Er ließ sich jedoch durch die Verwundung nicht aufhalten, sondern nahm das feindliche Dorf mit stürmender Hand. Erst als der geworfene Feind sich in die Berge flüchtete, ließ sich Langheld von dem einzigen Weißen, der bei ihm war, von dem Unteroffizier Hoffmann, die Wunde verbinden. Zum Glück erwies sich, daß der wohl aus großer Entfernung abge schossene Pfeil, durch die Kleidung gehemmt, nicht tief eingedrungen war. Er hatte nur eine heftig blutende Fleischwunde verursacht, ohne edlere Organe zu verletzen. Der starke Bluterguß hatte das Gift wohl sofort weggespült, denn es zeigten sich keine Spuren von Vergiftung. Immerhin war Langhetd durch den starken Blutverlust sehr geschwächt und konnte seinen Leuten, die den Feind in unwegsame ) Nach Mecklenb. Sonntagsblatt.Nr. 21 Marine-Freund Seite 83 Berge verfolgten, nicht so schnell folgen. Fechtend zogen sich die Feinde auf eine weit in den See vor springende Halbinsel zurück. Langheld konnte gar nichts Erwünschteres begegnen. Denn nun konnte er mit einem Schlage den Widerstand der Gegner gründ lich brechen. Von einer Höhe nach der andern ward der Feind vertrieben und immer weiter nach dem See ufer zugedrängt. . Mit stürmischem Hurra ward die letzte Höhe genommen. Jetzt bemerkte der mühsam bergan klimmende Führer, daß seine Leute plötzlich ein rasendes Schnellfeuer nach dem offenen See zu eröffneten. Als er die Spitze erreicht hatte und Um schau halten konnte, sah er, daß einige dichtbesetzte Kähne der.Eingeborenen auf den See hinausruderten. Auf diese Flüchtlinge hatten Langhelds Leute gefeuert. Mit Schrecken gewahrte der Führer, daß nur Weiber und Kinder sich in den Booten befanden. Ihr gellen des Angstgeschrei schallte, den Kampflärm übertönend, bis zur Höhe hinauf. Die Angst war nur zu be gründet, denn die überfüllten, auch wohl von feind lichen Kugeln getroffenen Fahrzeuge fingen an zu sinken. Ihre Insassen sahen den Tod in den Wellen oder den noch schrecklicheren im Nachen der greulichen Krokodile, von denen es hier wimmelte, vor Augen. Sobald Langheld die Sachlage überschaute, befahl er seinen Leuten, das Feuer auf die Kähne einzu- stcllen. Sie gehorchten zwar, begriffen aber augen scheinlich nicht, tveshalb sie sich die sichere Beute entgehen lassen sollten. Noch weniger begriffen sie, warum Langheld ihnen befahl, von der beherrschenden Höhe zum Strand hinabzueilen. An: allerunbegreif lichsten aber fanden sie es, daß er sie in das Wasser gehen und Frauen und Kinder hcrausholen ließ. Jetzt weigerten sie geradezu den Gehorsam unter dem Vorgeben, daß sie nicht schwimmen könnten. Da warf Langheld schnell den Rock ab, zog die Stiefel aus und sprang ins Wasser, um trotz seiner Wunde und der durch die gierigen Krokodile drohenden Ge fahr von den Weibern und Kindern der Feinde retten, was er noch retten konnte. Als er sich in langen Stößen ausgreifend der Stelle näherte, wo die entsetzten Weiber und Kinder sich in Todesangst an die sinkenden Boote , klammerten, eröffneten die Feinde, die im Nohrdickicht verborgen waren, ein starkes Feuer, und die Kugel fielen rings um ihn ins Wasser, glücklicherweise ohne zu treffen. Augen scheinlich waren die Feinde der Meinung, daß der Weiße ihren Frauen und Kindern das ärgste antun wolle. Als sie aber gewahr wurden, daß er mit großer Anstrengung eine der sich sträubenden Frauen aus dem Wasser Land rettete, und seine Leute jetzt dem Beispiel des Führers folgten, stellten sie das Schießen ein. Noch einmal war Langheld ins Wasser gegangen und hatte ein kleines Mädchen dem Tod in den Wellen entrissen. Aber, erschöpft durch die Anstrengung und den Blutverlust, erreichte er mit genauer Not noch festen Grund und gelangte nur mit Hilfe seiner Leute Land. Hier erwarteten ihn dieselben Leute, die noch eben wie die Rasenden auf ihn geschossen hatten. Mit lautem Jubel und Händeklatschen, wie sie ihren Herr scher zu begrüßen pflegen, empfingen sie ihn, knieten vor ihm und legten ihm die Waffen, die sie gegen ihn erhoben hatten, zu Füßen. Keiner dachte mehr an Widerstand. Bedingungslos unterwarfen sie sich. Nie hat einer aus diesem Stamm wieder gegen die Deutschen die Waffen erhoben. Denn nicht nur einen Augenblickserfolg hat diese, dem heidnischen Afrikaner zunächst ganz unfaßbare Tat der Feindes liebe hervorgebracht. Als acht Tage darauf Langheld, der inzwischen von diesem Posten abberufen und heim gekehrt war, wieder nach Muanza zurückkehrte, ward er von diesem Stamm, der ihn auf Tod und Leben bekämpft hatte, mit großen Ehren eingeholt. Von allen Seiten wurden ihm reiche Ehrengeschenke dar gebracht. Als er abwehren wollte, erklärten ihm die Leute, sie sähen sich als seine Sklaven an; er könne mit ihnen anfangen, was ihm beliebe. . Solche Gemalt übt die Liebe aus, die für Feinde, die dem Tode verfallen sind, das eigne Leben wagt. Die schwarzen Völker Deutsch-Ostafrikas haben treu zum Reiche gehalten, als es draußen zum Kampfe kam mit Engländern, Belgiern und deren Bundes genossen und Helfershelfern. Treu stehen sie selbst heute, da unsere Feinde sich Deutsch-Ostafrikas be mächtigt haben, mit ihrem Herzen auf Deutschlands Seiie und ersehnen den Tag herbei, wo Deutschlands Banner wieder über ihnen weht. Mit ihrem Herzen stehn sie dort, wo der tapfere Held, General v. Lettow- Vorbeck, mit seinen Getreuen noch kämpft. Das ist die Ernte der Saat, die einst ein Langheld und ihm ähnlich Gesinnte ausgestreut haben. Dte traurigen Mauftjahee in Dich- Marschen 35oit Klaus Harms. (Das Nachfolgende schrieb Ende der vierziger Jahre Klaus Harms, der weithin bekannte berühmte Kieler Hauplvastor au St. Nikolai?) Man mag daraus ersehen, was für Erntenöte die Borfahrcn ost gehallt haben pud wie es ihnen in Friedens zeiten manchmal schlechter ergangen ist als uns in harten Kriegsjahren.) Im Winter 83*) muß es gewesen sein, da stand ich, ein kleiner Knabe, einem Stuhl vor dem Fenster und sah in einiger Entfernung ein Bauernhaus brennen. Eine von den Personen, die in der Stube waren, sagte in bedauerndem Ton: Ach nun fangen auch schon die Hümpel an zu brennen." Hümpel nennt man in Süüerdithmarschen die zur Erntezeit bei den Häusern der Bauern zusammengefahrenen, geschickt aus einander gelegten, mehrere Fuder enthaltenden Hausen Korn garben, anderswo Diemen geheißen, wie man sie in gewissen Jahren wohl ihrer 10, 20, 30 unfern von dem Hause oder von der Scheune siehet. Auf jenen Ausdruck des Bedauerns erwiderte eine andere Person: Das ist nun eben kein großes Unglück, die mögen wohl kaum wert sein, daß sie gedroschen werden." Ich verstand das nicht, die Erklärung folgte: Die Mänse haben gewiß nur wenig Korn darin übriggelassen und das Stroh ist auch nicht viel wert." Das ist eine Not, eine Plage, welche man im übrigen Schleswig und Holstein nicht kennt, nirgends kennt als in Dithmarschen und in Eiderstedt, in den Marschteilen Dith marschens, wie freilich im Kehdingerland auch, im Amte Neu haus jenseits der Elbe und in einigen Nheingegenden. Viererlei Tiere nennt der Prophet Joel, welche seiner Zeit eine Land plage gewesen, von welcher die Väter ihren Kindern und diese ihren Kindern erzählen sollten, während welcher Plage die Ackerleute traurig sahen um den Weizen und die Gerste, daß sie ihnen vom Munde weggenommen und aus der Ernte nichts geworden sei; er spricht so: Was die Raupen lassen, das fressen die Heuschrecken, und was die Heuschrecken lassen, das fressen die Käser, und was die Käser lassen, daS fristet das Geschmeiß." In Dithmarschen ist es eine Tierart, in einer Gestalt und unter einem Namen gewesen, die daS Verderben angerichtet hat: die Maus. Wie auf Helgoland es alljährlich ein Frcudenruf ist: der Schnieg kommt! so ist es in Dithmarschen einige Jahre eine schlimme Nachricht im Frühjahr, im Vorsommer ein paar Wochen vor der Ernte gewesen, mit welcher ein Hausvater ) In dem Lesebuch für die Herzogtümer Schleswig und Holstein, betitelt Gnomon". *) 1783.Seite 84 Marine-Freund Nr. 21 zu den Seinigen vom Felde kam: Kinder, die Maus ist wieder, da." Das ist mehrere Jahre geschehen nacheinander; ma Pflegte 7 Jahre die Mäuscjahre zu nennen, und namentlich habe ich in Lunden sagen hören, vielleicht nicht ganz richtig, daß in so vielen Jahren kein Schiff nach Wollersum, dem Hafen daselbst, gekommen sei, um Korn seewärts zu bringen. Da erachtet man leicht, wie zu der Zeit in den beiden Dithmarschen marschteils und besonders in den am meisten von der Plage heimgesuchten Marjchkirchspielen NorderdithmarschenS, Lunden, Henime, Neukirchen, A essclburcn, Wöhrden und Lüsum, die Sachen mögen gestanden haben: Wie denn? Sorg und Not in allen Stünden. Denn all unser irdisches Heil wächst einmal auf Acker und Grasland allein und unser Wohlstand beruhet darauf, daß wir das Gewächs auch wohl bergen. Den Laudmann in der Marsch: Hausmann, traf das Unglück allerdings zunächst. Die königlichen Schatzungen die landschaftlichen, die Kirchspiclsumlagen usiv. waren im Herbste nicht bezahlt, die Exekution schwebete ob; der Prinzipal, der keine Zinsen bekommen hatte, machte einen Besuch und suchte sich einige Stücke Vieh auS zum gezwungenen Verkauf au ihn, Schmied und Rademacher quälten, der Krämer plagte und drohte, Dienstlohn und Arbeitslohn mar auch nicht ganz bezahlt, Saatkorn fehlte und ost Brotkorn, am nötige Haushaltungs geld fehlte eä sogar, die Frau konnte nicht soviel auS Hühnern und Eiern lösen: so wurde Entbehrliches verkauft und Unent behrliches, das half nicht, Geld geliehen gegen hohe Zinsen, hals nicht, ein Krug Landes verlaust, half nicht, kam zum öffentlichen Verkauf. . . Weil die Höfe in Norderdithmarschen damals so wohlseilen Kaufs waren, kauften manche aus anderen Gegenden, kleine Besitzer ihres Orts und selbst Arbeitsleute, die einige hundert Mark ausbringen konnten, in Norderdith marschen sich einen größeren oder kleineren Hof Landes, so daß in Süderdithmarschen es eine allverstäudliche Redensart war: nach dem Norden ziehen. Einige erreichten die bessere Zeit, andere nicht, und ihr kleines Vermögen war dahin. Sind s freilich wohl nicht die Mäuse ganz allein gewesen, daß so traurig in der Landschaft aussah, so sind sie es doch vornehmlich gewesen. Wir haben zwei Bücher von einem und demselben Verfasser über die Feldmäuse, daS zweite ist betitelt: Versuche, die Feld mäuse zu vertilgen, wie sie vom Jahre 1786 1792 in Norder- dithmarschen und insonderheit im Kirchspiele Weslingbührcn angestellt sind, beschrieben von Heinrich Wolf, Anno 17d6 Hauptpastor daselbst, Anno 1794 i)r. der Theo!, und Haupt- prediger in Oldesloe. Da steht s genau beschrieben, wie die Mäuse den Kornhalm abgebisien, ihn heruntergezogcn, den Halm zerschnitten und am übriggelassenen Halmstümpfchen die Ähre in ihre Löcher gebracht haben, ein in den Oqren des Land- manncs ganz entsetzliches Knittern und Rauschen, wenn besonders zur Abendzeit die Tiere geschäftig waren I wie sie unter die Hocken und an ihnen hinausgekrochen sind zur Nachtzeit und haben die Ähren abgebissen, mitgesahren, nachgegangen sind, wo das übriggelassene Stroh und Korn hingebracht worden, in Diemen im Freien und unter Dach ihre Zerstörung da sort- setzend, wie der jungen Rapssaat, deren Anbau damals seit 40 Jahren eingeführt gewesen, und aller jungen Saat ge schadet, in den Weiden besonders gehaust und den Graswuchs durch ihr Minieren vernichtet teils und teils gehemmt haben, dieses und mehr steht geschrieben in dem genannten Buch. Da steht auch geschrieben, was man wider diese Landes plage getan hat. Dies und das ist getan, aber als das wirk samste Mittel dawider erscheint das Fangen und Totschlägen. In einem einzigen Kirchspiel, Weslingbühren, wurden innerhalb 4 2 Tagen 23 665 und in 8 Kirchspielen innerhalb 4 Wochen 204817 tote Mäuse geliefert. Hat das allein geholfen? vr. Wols sagt wie Aristoteles ): Mit Gewißheit kann man nicht sagen, wo sie bleiben. Setze ich noch die eindringlichen Worte her, mit welchen der genannte, um das Wohl Dithmarschens verdiente Verfasser sein Buch in der ersten Ausgabe schließet: O Land, Land, Land, welcher ehemals vereinigten Kriegsherren widerst,hen konnte und sich jetzt nicht einmal gegen ei kleines Ungeziefer verteidigen kann, lerne deine Ohnmacht einsehen l Erkenne deine Abhängigkeit von Gort und schreibe es seiner unverdienten Güte zu, daß diese Plage jetzund aufgehört hat. Wenn sie nur noch em Jahr ungehalten hätte, würden nicht fast die mehrsten Einwohner von ihren Höfen vertrieben sein? Unser Dank, unsere Freude inüffen dem Dank und der Freude gleichkommen, als wenn ein feindliche- Heer, das uns lange Zeit ängstigte und säst zur Hungersnot zwang, unsre Grenzen verlassen hätte. Sonst beschämten uns die Heiden selbst. Die richteten ehenials, *) Ein griechischer Weltweiscr. als ihre Feinde durch ein gleiches Übel ganz zugrunde ge richtet worden, in einem Tempel eine Bildsäule aus, die eine Maus in der Hand hielt, und legten derselben diese Worte in den Mund (von Herodot ) in Euterpe erzählt): Schaue mich an und fürchte Gottl" * * * Nachwort von heute. Vergebens haben Deutschlands rasende und wütende Feinde von heute versucht, mit vereinten Kriegsheeren unser liebes Land und Volk zu bezwingen. Jetzt wollen sie es mit Hilfe von Mäusen und anderem Ungeziefer fertig bringen, die den deutschen Boden untcrwählen und seine Nährkraft zernagen sollen. Alle, die bei uns ini geheimen und dunkeln mit niederträchtigen, flauen, giftigen, hetzerischen Reden umgehen, die den Leuten den Mut nehmen sollen, die gehören R dem Heer dieser Mäuse. Du aber, deutscher Mann, der du on mit Riesen und Untieren fertig geworden bist, laß dir nicht deine Ecnte non Ratten, Mäusen und dergleichen Unge- zieser verderben. Wir haben, Gott sei Dank, heutzutage Mittel, auch mit derartigen Plagen fertigzuwerden. ) Alter griechischer Geschichtsschreiber. Em GebeL vom August 1570 für unsere Tage. Der Dichter Emil RittcrshauS hat damals 1870 das Gebet niedergeschrieben, letzthin wurde es von seinem Sohn, Alfred Rittershaus, im Tag" veröffentlicht. Du Herr der Welt, der alle Tränen zählt, Wann soll des Todes grauses Würgen enden I Du siehst die Armen, die, von Angst gequält, In stiller Nacht die Blicke zu dir wenden, Die Frauenhände, die gefaltet sind, Um für den Sohn, den Mann im Feld zu beten I Du siehst das Blut, das aus den Adern rinnt, Und siehst d e Herzen bebend und zertreten. O sende du des Trostes Engel aus, Daß sie die Tiefgebeugten alle laben, Die jammernd schluchzen in dem Traucrhaus Um einen, der im Schlachtgefild begraben I Laß in die Wunde, die so glühend brennt, Des Balsams Tropfen lindernd niederflicßen Und gib, o Gott, ein sanft und selig End Dem, dessen Augen sich zum Sterben schließen! Zum Schutz der Heimat zogen wir hinaus, Für unsere Ehr mit unserm Blut zu zeugen, Doch gilt s noch mehr in dem Gigantenstrauß, Als einen übermüt gen Feind zu beugen! Verloren ist des Sieges schönste Zier, Geopfert ist umsonst der Jugend Leben, Wenn nach dem Kampfe dem Jahrhundert wir Nach langem Wirrsal nicht den Frieden geben! Nicht länger wird um jedes Saatenseld Ein Wald von Sperren immer starren müssen! Freiheit und Frieden müssen dann der Welt Vom rotgeweinten Aug die Tränen küssen I Das sei der Segen von dem Waffenzug I Nach langem Schwanken endlich echter Frieden, Daß ruhig mag der Hammer für den Pflug Statt für das Schwert fortan das Eisen schmieden I Das ist das Ziel! der Völkerkampf erbraust! Hinweg die Tränen und den Schmerz verbissen, Bis wir der Welschen Ehrsucht aus der Faust Für alle Zeit die scharfe Wehr gerissen! Dann aber, daun des Friedens goldnc Zeit Steig au der Nacht des Kampfs empor zum Lichte! Um diesen Preis mit aller Macht den Streit! Das gib, o Gott, du Geist der Weltgeschichte! Tägliches Sibellefen Sonntag: Psalm 3. Montag: Mark. 7, 31-8, 9. Dienstag: Mark. 8, 10 26. Mittwoch: Mark. 8, 27 38. Donnerstag: Mark. 9, 1 13. Freitag: Mark. 9, 14 32. Sonnabend: Mark. 9, 33 50. Psalm 115. 1. Tim. 1. 1. Tim. 2. 1. Tim. 3. 1. Tim. 4. 1. Tim. 5, 1 16, Psalm 94. In* Wochenblatt kann men jederzeit bestellen. Bis zu 7 Siick bestellt man am besten bei der Post; von 100 Stück an kostet da* Blatt 2 Psg. Porto; weniger jährlich 2 Mk. daS Strick. Bestellungen nn di eschäfttstellc * Nordd. Männer- und JüngltngltbundeS, Hamburg 5, Brennerstr. 17, erbeten. Druck von Lehmann & Bernhard, Hofbuchdruckerei, Schönberg t. Wecklb.m. 22. Schristleitung: Geschwaderpfarrer Ä. . Müller. 22. %mlm nach Trmikaüs. 27. Oktober 1918. Verlag des Nordd. Männsr- und Jünglingsbundes, E. 53. (7!ug. Schröder) Hamburg 5, Brsnnerstr. 17. Inhalt: Dennvch. Die Sendung mitten unter die Wölfe. Bon oeutschem Heldenkampf in Ostafrika. Von der Treue der Schwarzen in Ostafrika. Ich hoffe bestimmt, daß die deutschen Missionen ihre gesegnete Arbeit im vertrauen auf Gott und den Schutz des Reiches nach siegreichem cieöen unverkürzt wieder aufnehmen werden. Mochten unsere schwergeprüften Missionare dann aus den Erfahrungen dieser ernsten Jahre das sirgtzafti Gottvertrauen öes großen Reformators mitnehmen: Ein feste Surg ist unser Gott, das Reich muß uns doch bleiben. Kaiser Wilhelm II. Zebruar IhlS. Dmrwch. Von Wettersturm zu Wettersturm Ging es vier lange Jahr. Wohl half uns Gottes Angesicht, Daß tiefe Nacht das Morgenlicht Aufs neue stets gebar. Doch vor uns liegt ein weiter Weg, Gedämmt ulit harter Not. Und höhnend geht an unsrer Leit Als schauerliches Weggeleit ! Der grimme Würger Tod. von Zr. Gillhoff .) Ihm ist die Welt ein Ährenfeld, Schon überreif zum Schnitt. Gr mäht daher in großem Zorn, Gr mäht das Korn und mäht den Dorn, Sr nimmt schier alles mit. Und dennoch zieht erhobenen Haupts Der Christ die blut ge Bahn. Es geh durch Leben oder Tod, Durch Mitternacht, durch Morgenrot: Es geht nach Kanaan. Auf unfern Fahnen steht der Sieg, Hier gibt es kein Zurück. Und wie nach irdschem Licht der Aar, So richtet Christi Streiterschar Nach ew gen Höhn den Blick. l ) In Bald wird es Frieden werden." Kriegslieder und Friedensgedanken. Verlag von Joh. Herrmann, Zwickau. Preis 35 Pfg. Die SMöungc mitten unter öieVö!fe. Matth. 10, 16 17: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitte unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Menschen. -^ls eine Sendung mitten unter die Wölfe, so hat * Christus selbst die Sendung seiner Jünger in die Welt und an die Welt bezeichnet. Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Sie sollten es sehest. Und sie haben es gesehen. Wenn nicht damals, dann hernach, sobald sie als des Heilandes Sendboten (Apostel) in die Welt kamen. Da haben sie gesehen, daß die Welt sich auf sie losstürzte, wie Wölfe auf eine Schafherde, um sie zu zerreißen, zu zerfleischen, zu vertilgen. Und da haben sie auch ge- nierkt, wie nötig sie es hatten, als Herde des großen Hirten Schlangenklugheit mit Taubeneinfalt zu ver- binden!, um sich aus dem Wege zu behaupten; wie nötig sie es hatten, folgend der Warnung ihres herr lichen Meisters, sich vor den Menschen zu hüten, sei es, daß diese offen als Feinde auftraten, sei es, daß sie sich verbargen unter dem Deckmantel falscher Freunde. Die Sendung des Herrn geht weiter. Er sendet noch heute seine Boten, seine Sendboten aus. Wir nennen sie mit dem uns geläufigen Wort Missionare. In immer umfangreicherem Maße hat sich die evan gelische Christenheit Deutschlands in den letzten hundert Jahren des Werkes angenommen. Auch in unserem Kreise hat es, sv wenig es auch an den Tag getreten ist, Teilnahme gefunden. Wir haben auch in Marinegemeinden hie und da Missionsfeste ge feiert. Auch in unserem Blatte sind die Leser all jährlich einmal das Werk der Mission hinge wiesen worden. Und so tun wir es auch in diesem Jahre. Noch stehen wir im harten Kampf um unser irdisches Reich, aber darüber wollen wir nicht ver gessen des Kampfes, den es gilt um Christi Reich, des Kampfes, den seine Boten zu bestehen haben. Deut licher als je sehen wir jetzt wieder, daß ihre Sendung ist eine Sendung mitten unter die Wölfe. Nur daßTeil SS Macme-Freu z 3t c. 22 jetzt nicht nur die erklärten Feinde des Christentum) sich als Wölfe zeigen, sondern noch mehr die falschen Freunde. Nicht bloß das Frankreich, das sich von Gott losgesagjt hatte, arich das in seinen eigenen Augen so fromme England hat sich als erbitterten Verfolger unserer Mission bewiesen. Mit roher Ge- ivalt, mit rücksichtsloser Grausamkeit hat es ihre Wirk samkeit unterbunden, die Sendboten gefangen gesetzt, ihr Eigentum zerstört, Schandtaten gegen sie be gangen, wie sie Heiden übel anstehen. Ohne Falsch im Herzen sind unsere Missionare ausgezogen, um in allen Ländern das Evangelium zu verkündigen; nun sehen wir alle, daß sie ihr Wesen Tun nicht nur freihalten müssen von aller Falschheit, sondern daß eS noch vielmehr aller Klugheit bedarf, um bei dem Werk zu bleiben, und daß bei allen Gefahren, die sie zu bestehen haben, keine Warnung dringender befolgt werden! muß, als jene, wie sie der Heiland ansspricht: Hütet euch aber vor den Menschen! Wir nützen auch unserem Vaterland, wenn wir uns das vor Augen halten. Etwas vergessen wir Deutschen zu leicht. Wir kennen als Christen keinen Vorzug vor anderen. Gott hat uns so gut zu seinem Reich berufen wie andere und andere so gut wie uns. Aber wiederum ist auch nicht zu verkennen, daß unser deutsches Volk seine besondere Sendung gehabt hat und noch hat. Man denke an Karl den Großen,. Martin Luther, an das Aufkommen des neuen Reiches unter dem unvergeßlichen alten Kaiser Wilhelm und seinem treuen deutschen Diener Bismarck. Da sehen wir: der Deutsche hat eine Sendung. So muß er auch seinen Weg gehen. Auch dieser Weg führt unter die Wölfe. Der Krieg hat es gezeigt. Wie Wölfe haben sie sich auf uns gestürzt. Deshalb aber brauchen wir nicht die Schafe zu sein, die sich zer reißen lassen. Sondern da gilt es, fest zusammen stehend unter treuen Hirten und Führern, ohne Falsch gegen alle, die mit uns verbunden sind, klug zu sein gegen die draußen. Hütet euch aber vor den Men schen, sagt der Heiland. Sie sind keine Friedens menschen. Sie sind Wölfe und behalten ihre Wolfs? natur. Darum muß man sich dementsprechend ver halten. Diese Erkenntnis können wir gewinnen von der Teilnahme am Werke der Mission. Treiben wir nicht letzten Endes darum Mission, so doch auch darum. A li ch um unseres Volkes und Vaterlandes willen wollen wir von diesem Werk nicht loslassen. Kein Engländer, kein Franzose, kein amerikanischer Dollar knecht soll uns daran hindern. Auch darum folgen wir dem Rat: Halte aus, Zion, halte deine Treu, laß nicht lau und träg.dich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse was dahinten! Zion, in dem letzten Kampf und Strauß halte auS, halte aus! Amen. 9 . F. Müller. von öeirtfthem tzelörnkampf in Nach den Beschreibungen des Missionar L7 afNrN. Karl Roehl. 1. Deutsche Marine auf den ostafrikanischen Seen. S. M. S. Bodelschwingh. Maat Walther und anderes. Auch an dem Heldenkampf im Innern Ostafrikas hat sich unsere Marine beteiligt. Bisher ist kaum etwas davon daheim in Deutschland bekannt ge worden. Um so mehr Teilnahme wird es überall finden, was der jüngst heimgekehrte Pastor und Mis sionar Karl Roehl in seinem schönen Buche Ostafrikas Heldenkampst) darüber zu erzählen weiß. Im Westen unseres deutschostafrikanischen Landes erstreckt sich eine Reihe mächtiger Seen. Sie ge hören! nicht in ihrer ganzen Ausdehnung zum deutschen Besitz. Weite Strecken und Ufersäume stehen unter englischer und belgischer Herrschaft. Beginnen wir mit dem südlichsten, dem Njassasee, so lag hier bei Ausbruch des Krieges der alte deutsche Dampfer Hermann v. Wißmann" in Sphinxhafen fest zu Wiederherstellungsarbeiten. Plötzlich erschien am 13. August, niemand wußte etwas von Krieg, der eng lische Regierungsdampfer, belegte das Schiff mit Be schlag und nahm die gänzlich unvorbereitete und un bewaffnete, aus zwei Mann bestehende deutsche Be satzung gefangen. Damit war der Njassasee von Anfang an für eine Betätigung deutscher Streitkräft, zu Wasser ausgeschieden. Anders erging es auf dem im nordwestlichen Winkel der Kolonie gelegenen Kiwusee. Das westliche Ufer dieses Sees gehört dem belgischen Kongostaat. Das an den See anstoßende deutsche Gebiet wird von dem unter einem einheimischen Herrscher stehenden Königreich Ruanda gebildet. Dieses ganze Gebiet wurde von dem tapferen Hauptmann Wintgens bis zum April und Mai 1916, also beinahe zwei Jahre lang, gegen eilte große belgische Übermacht behaup tet. Dabei hatte Wintgens zunächst nichts zur Ver fügung als eine 80 Mann starke schwarze Pvlizei- truppe, dazu stießen von Europäern ein paar Missions handwerker, Kaufleute und ein Landwirt, der Reserve offizier war. Das war alles! Aber er verzagte nicht. Auf dem Kiwusee lag das der Bethel-Biele felder Mission gehörige Motorboot, das zur Erinnerung an den Pastor v. Bodelschwingh, den geistlichen Vater jener Mission, den Namen Bodel schwingh trug. Es sollte die Missionare zu den Leuten um den Kiwusee herumbringen zur Verkün digung des Evangeliums, sollte also ein rechtes Friedensschiff sein. Nun wurde es zu einem Kriegs schiff. Noch ehe wir es," so erzählt Missionar Roehl, dem wir auch weiterhin folgen, hatten in Dienst stellen können, wurde es für Kriegszwecke uns abge fordert. (Die Nachricht davon war damals noch nach Deutschland gekommen und in den Zeitungen! konnte man von S. M. S. Bodelschwingh lesen.) Es war, als der Krieg begann, gerade ä en erst fertig zu sammengesetzt worden und schwamm auf dem See, aber der Motor hatte noch seine Tücken und trotzte erfolgreich allen Versuchen, ihn in Betrieb zu setzen. Wintgens erbat nun für dieses Boot von dem Kom mandeur v. Lettow-Borbeck einen Offizier und einen Maschinisten: beide kamen! sehr schnell, mit ihnen ein Maschinengewehr. Unter der sachkundigen Hand des Matrosen Pellewessel lief der Motor schon nach wenigen Tagen; er bekam noch einen Panzer aus Brettern von dem härtesten Holz, das unsere Ur wälder liefern, und die Verwandlung in unserS Kaisers allerkleinsten Kreuzer hatte sich vollzogen. Sofort begann er auf dem Kiwu zu kreuzen und nach den belgischen Stahlbooten zu suchen. Bereits in den ersten Tagen des September gelang es, den großen Belgier" zu überraschen. Der Oberleutnant Wunderlich setzte sich an sein Maschinengewehr, denn einen Schützen dazu hatte er nicht, und wie die ersten Kugeln auf dem großen Belgier" einschlugen, sah Berlin, 1918. Mart. Warneck.5h. 2S Mari e-8re d Leite 87 man dort zwei Europäer schleunigst verschwinden, nur einer nahm im Verein mit den schwarzen Sol daten den Kampf auf, aber bald erschien! an dem Ge wehr eines Askari ein weißw. Lappen, der die weiße Fahne vorstellen sollte. Kaum hatte sich der Bodel- schwingh längsseit gelegt, da kamen auch jene beiden Europäer zum Vorschein. Der eine war der belgische Bootsführer, der sein Leben für zu wertvoll gehalten hatte, um es für sein Vaterland einzusetzen, der an dere war ein griechischer Kaufmann. Der dritte war ein französischer Graf, der am Kiwu hatte Elefanten schießen wollen, er hatte tapfer standgehalten!, denn er hatte mehr als 10 Schüsse im Leibe, aber alles nur Fleischschüsse. Außer einigen belgischen Askaris wur den noch eine Kiste Silbergeld und eine für Wintgens sehr wichtige belgische Post erbeutet, die genaue An gaben über die belgischen Truppen in den Grenz gebieten enthielt. Durch den Verlust dieses Stahl bootes hatten die Belgier eines ihrer wertvollstes Kriegsmittel am Kiwusee verloren. S. M. S. Bodelschwmgh aber fuhr fort, wertvolle Dienste zu leisten. So schleppte er das kleine Häuf lein Streiter in der Nacht vom 23. zum 24. Sep tember nach der Südspitze der im Kiwusee gelegenen Insel Jdschwi. Hier gelang es Wintgens, einen starken belgischen Posten zu überrumpeln und auf zuheben. Nach dem Gefecht brachte Bodelschwmgh die gefangenen Europäer und die Verwundeten nord wärts nach Rubengera. Eine ähnliche Aufgabe erfüllte er am 4. Oktober. Diesmal galt es. im Norden den nahe bei dem deutschen Posten Kisseuji einen Einbruch vorbereiten den Belgiern Schrecken einzujagen. Auch das ge lang. Mit 100 Maun schlug Wintgens 1000 Belgier zurück. Leider wurde er selbst verwundet. Auch dies mal brachte das wackere Schiffchen die Verwundeten nach Rubengera. Am schwersten verwundet war der Maat Walther, dem eine Kugel von der Schulter her durch die Brust bis in den! Leib gedrungen war. Er litt große Schmerzen. Wintgens duldete nicht, daß er, Wintgens, der einen schweren Schuß durch den rechten Arm erhalten hatte, eher verbunden wurde, als bis alle anderen verbunden waren. Dabei ging er tröstend und ermunternd bei Schwarzen und Weißen! von einem zum andern. Alster zu Walther kam, fand er ihn als Toten. Über die Beerdigung dieses tapferen Kameraden voir Deutschlands Seemacht, erzählt Roehl folgendes: Da man in Afrika schnell beerdigen muß, mußten die Vorbereitungen dazu noch in der Nacht getroffen werden. Wieder läutete ich das Glöcklein (der Mis- siousstation); obgleich es schon dunkel war, kamen unsere Leute ebenso schnell, wie sie am Nachmittag ge kommen waren. Auf der Höhe unseres Stations hügels, dicht an dem in Aussicht genommenen Platz für die Kapelle, befand sich ein einsames Grab, in ihm ruhte die Krau unseres Missionsdiakouen! Herbst, der selbst sein Leben in diesem Kriege in der Heimat ge lassen hat. Neben diesem Grabe tvollten wir auch unseren Walther zur letzten Ruhe bringen. Es ist eine harte Arbeit, hier ein Grab auszuheben, denn der Boden ist harter Fels, nur von einer Handbreit hohen Schicht Erde bedeckt. Wir hatten eine größere Zahl schwerer Brechstangen noch vor dem Kriege für notwendige Wegebäuten) bekommen. Jetzt konnten sie das Grab in den Felsen brechen. Meine Schüler, unter denen sich viele starke, stramme Burschen be fanden, gingen im trüben Laternenschein an die Arbeit. Dann ging ich mit meinem wackeren Helfer Elisa Tschagusa in die Tischlerei, um einen Sarg! für unseren lieben Toten herzustellen. Des Nachts uw 1 Uhr war er fertig. Wir legten die Leiche gleich hinein und verschlossen ihn. Gestrichen war er nicht, dafür wurde er mit Agavenblättern reich geschmückt, die unsere Frauen noch in der Nacht gewunden hatten. Bis zu Sonnenuntergang war das Grab etwa einen Meter tief. Das mußte genügen. Unsere schwarze Gemeinde sammelte sich, jeder in seinem schönsten Sonntagskleide. Die verwundeten Europäer, die ihrem Kameraden doch die letzte Ehre erweisen woll ten, ließen sich auf ihren Betten zum Grabe tragen. Leichtverwundete Askaris trugen unter dem Geläut des Glöckleins den Toten zu seiner Ruhestätte. Un sere Schwarzen sangen unter Posaunenbegleitungr Jesus, meine Zuversicht. Ich sprach über die von un serem gefallenen Helden bewährte Treue und Tapfer keit, im Anschluß an das Wort der Offenbarung: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Hauptmann Wintgens rief ihm noch ein warmempfundenes, kerniges Wort nach; drei Salven donnerten über das Grab. Mit einem Ge sang unserer Schwarzen schloß die erhebende Feier. Unter Glockengeläut wurde das Grab zugeschüttet. An seine Seite pflanzten wir später zwei Lebens- bäume und auf das Grab selbst eine Rose und Pas sionsblumen und schmückten es mit einem schlichten - Holzkreuz . . . Als ich nach dem Begräbnis Wal thers die Tischler und Totengräber, auch die Träger, welche tags vorher die Verwundeten! vom See herauf getragen hatten, zu mir rief, um sie zu bezahlen, ihnen auch sagte, daß es für die Nachtarbeit doppelten Lohn gebe, denn unsere Truppe verlange keinen Dienst umsonst,, weigerten sie sich einmütig, auch nur einen Heller zu nehmen, sie sagten: Dies ist ein Schlag, der uns alle getroffen hat." Aber die Opfer waren nicht umsonst gebracht. Ruanda konnte, wie gesagt, bis Mai 1916 gehalten werden. Vom See her war ein Angriff nicht zu befürchten. In der Mitte des Ostufers stand Wint gens mit seiner tapferen Schar und konnte vermittelst des Bodelschwmgh in wenigen Stunden den Posten im Norden wie den im Süden erreichen. Über den See selbst etwa auf den Einbäumen der Eingeborenen kommende Angreifer hätte das Maschinengewehr auf dem Schiff in kürzester Zeit zerstreut. Erst als im April 1916 ein Teil seiner Streitmacht nach einem anderen bedrohten Punkt Ostafrikas abgegeben worden war, und Streitkräfte der Gegner, die im Norden und Süden einbrachen, ihm den Rückzug ab zuschneiden drohten, mußte sich Wintgens zur Aufgabe Ruandas entschließen. Er tat es schweren Herzens. S. M. S. Bodelschwingh aber und die beiden genom menen Stahlboote wurden vor dem Abzüge un brauchbar gemacht und im See versenkt. Ebenso wie auf dem Kiwusee hatten auch auf dem Tanganjikasee die Deutschen lange Zeit die Ober hand. Hier waren! es deutsche Kriegsschiffsleute unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Zimmer, die, nach der Zerstörung der Königs berg" in der Rufidjimündung für den Kampf im Innern des Landes fteigeworden, hier den Eng ländern und Belgiern allerlei Schaden zufügten. So wurde ein am Südende des Sees liegendes großes englisches Motorschiff von dem kleinen Dampfer Hedwig v. Wißmann" völlig zerstört und dabei viel Kriegsmaterial erbeutet. Von Daressalam heraufSeite 8$ Marine-Freund 5fr. 2 wurden mit der Bahn, ohne daß sie auseinanderge nommen waren, der Zollkreuzer Wami und der früher vor der Sambesimündung in Chinde stationierte Barredampfer Adjutant" zum Tanganjika befördert. Der Wami landete am Nordwestufer des Sees eine kleine Abteilung, der es gelang, viele Kilometer weit die belgische Telephonleitung abzubauen und den Kupferdraht und die Isolatoren mitzunehmen. Der noch ini Kriege vom Stapel gelassene und fertig, ge baute Dampfer Graf Götzen" konnte den stark be festigten und mit guten Geschützen ausgerüsteten belgischen Posten von Uwira erfolgreich beschießen. Die kleine Hedwig v. Wißmann wagte sich sogar, er zählt Roehl, in die Bucht von Albertville, den End punkt der belgischen Kongobühn, um wenn möglich den im Bau befindlichen großen englisch-belgischen Dampfer Baron Dannis" und die Hasenaulageu zu zerstören. Leider mußte unser tapferes Schifflein seinen Wagemut mit dem Tode bezahlen. Die Bel gier schossen diesmal besser als sonst, es gelang ihnen, die Hedwig v. Wißmann" durch ein paar Treffer manövrierunfähig zu machen. Um das Schiff nicht in die Hände des Gegners fallen zu lassen, gab sein Kommandant, der O b e r l e u t n a n t z. S. O d e - brecht, den Befehl, die Sprengung vorzubereiten, ließ die gesamte Besatzung über Bord springen, zün dete dann selbst die Zündschnur an und sprang seinen " Leuten nach. So rettete er sich und den anderen allen das Leben und zerstörte doch das ^Schiff. Die Sprengung war so gründlich, daß die Belgier die Hemwig v. Wißmann nicht wieder instand setzen konnten. So kämpfte die deutsche Marine, auch in Afrika überall ihre Pflicht bis zum äußersten er füllend." Auf dem Viktoriasee hatten wir den beträchtlichen Hilfsmitteln der Engländer, zu deren Gebiet die nörd liche Hälfte des Sees gehört, wohl kaum etwas Nennenswertes entgegenzusetzen. Immerhin weiß Roehl die erfreuliche Tatsache zu berichten, daß die Engländer bei ihrem Versuche, das befestigte Muansa zu nehmen, Juni 1915, eins ihrer großen! Schiffe, die Sybil", einbüßten. Sie wurde von unserer Aluminiumpinasse Muansa so zerschossen, daß sie sich auf den Strand setzen mußte und uns zur Beute fiel; freilich konnten wir sie mit unseren Hilfsmitteln nicht wieder instand setzen. Wie es weiterhin unseren Marineleuten besonders am Tanganjika ergangen ist, darüber hören wir in Roehls Buch nichts mehr. Vermutlich haben sie vor dem Rückzug vom Seengebiet die Fahrzeuge zerstört und versenkt. Von ihnen selbst aber wird, was nicht gefangen oder gefallen ist, unter v. Lettow-Borbeck, dem einstigen Seebataillonskommandeur von Wil helmshaven, weiterkämpfen den Heldenkampf ohne gleichen. Gott sei mit ihnen dort auf dem heißen Boden Ostafrikas! von öer Treue öer Schwarzen in Oftasrika. Es ist nicht bloß der deutsche Missionar, der die Treue der ostafrikanischen Schwarzen rühmt und der schreibt?) Ich habe gesehen, wie bitter die Eingeborenen die den Deutschen in der Gefangenschaft angetane Schande empfunden haben; sie gaben ihrer Entrüstung und ihrem Schmerz darüber in nicht mißzuverstehender Weise Ausdruck. Als mein braver Bursche, der mir in Ruanda viele Jahre treu gedient hatte, von Tabora in seine Heimat an den Viktoria-Nyansa zurück- kehrte, wurde er in Muansa von den Engländern aufge- grifsen und zum Soldaten gepreßt; aber er hat sich lieber von ihnen in Ketten legen "lassen, als gegen Lohn bei ihnen Kriegsdienste zu tun. Und er ist nur einer von den vielen, die mit ihm das gleiche Los freiwillig geteilt haben, ihre Treue zur deutschen Fahne mit Gefangenschaft an der eng lischen Kette zu büßen. In Frankreich habe ich von deutsche Kriegsgefangenen, die zeitweilig in Le Havre gearbeitet hatten, gehört, daß dort ausgeschiffte Kamerunneger, die von den Franzosen an die Front geschickt werden sollten, sich ge weigert haben, für Frankreich die Waffen zu tragen, da s selber Deutsche seien." Auch ein anderer Gewährsmann schreibt ganz ähnlich. In einem Aufsatz von Konsul a. D. Singelmann über Die Schwarzen von Deutsch-Ostafrika" in Kampf und Sieg" i# folgendes zu lesen: Schon bevor die heldenmütige Schar Dcutsch-Ostafrikaner unter v. Lettow-Vorbeck über den Grenz fluß Rovuma nach Mozembique den Durchbruch erkämpfte, gingen die Engländer daran, in völkerrechtswidriger Weise Eingeborene Deutsch-Ostafrikas für den Kriegsdienst in den Heeren der Entente (deutsch des Raubbunds) zu pressen. Während es einem Teil der dortigen Eingeborenen gelang, sich an der Seite weißer Truppen durchzuschlagen und alle Umzingelungs- und Vernichtungsversuchen zu entrinnen, wurden andere schwarze Eingeborene Deutsch-Ostafrikas nach kurzer Ausbildung nach Frankreich geschleppt, um dort gegen ihre rechtmäßigen Herren zu kämpfen. Wie alle von uns gefangenen Schwarzen übereinstim- inend aussagen, werden sie, sobald sie den Versuch mache , zu uns überzulaufen, mit Maschinengewehren nicdergeknallt oder aufs neue vorgetrieben; nie fehlt auch die Einschüch- terung, daß die Gefangenen bei uns zu Tode gequält werde . Doch aller Druck, der auf die Schwarzen durch ihre neue Beschützer" ausgeübt wird, alles Gerede der Entente- (Raubbund-) Staaten, daß Deutschland die Schwarzen in seinen Kolonien zu schlecht behandelt habe und daher keine seiner Kolonien im Interesse der Eingeborenen zurückerhal ten dürfe, hat vermocht, die Eingeborenen Deutsch-Ostafrikas von uns abspenstig zu machen. Um nur einen Fall aus der neuesten Zeit anzuführen: An der Front, wo am 9. Juni unsere letzte Offensive im Raume Nohon - Bassigny - Mont didier ansetzte, wurde bei einer Erkundung einige Tage zu vor ein deutscher Offizier-Stellvertreter, der infolge seiner Verwundung nicht zu den beutfdfjett Linien zurück konnte, dadurch gerettet, daß ein Schwarzer Deutsch-Ostafrikas, der in die französische Front gesteckt war, ihn auf sich lud und mit eigener größter Lebensgefahr in unsere vorderste Linie schleppte! Welches Erstaunen bei unseren Truppen, als die ser etwas deutschsprechende Schwarze als seine Heimat Deutsch- Ostafrika nachwies! Das sind die Eingeborenen deutscher Kolonien, die nach den Aussprüchen der Raubbundsleute von uns geknechtet und mißhandelt sein sollen! Gerade weil wir unsere Eingeborene in den Kolonien anständig als Menschen behandelt haben, hängen sie nicht nur an uns auch schweren Tagen, son dern unser guter Ruf als gerechte Herren ist über die Grenzeu hinausgedrungen, und wie eine geborene Engländerin, die Gattin des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika, Dr. Schnee, kürzlich berichtete, haben selbst Eingeborenenstämme Britisch- Rhodcsias und Portugicsisch-Ostafrikas zu Beginn des Welt krieges Dr. Schnee angeboten, auf deutscher Seite am Kriege teilzunehmen und den Wunsch ausgedrückt, unter deutsche Herrschaft zu kommen. Und wenn wir dann sehen, wie die Eingeborenen Deutsch-Ostafrikas (von denen wir ganz bedeutend mehr Angebote zum freiwilligen Ein- tritt in unsere Reihen erhielten als wir Waffen und Mu nition zur Verfügung hatten) bis zum Tode treu aushielten, alle Strapazen und Entbehrungen des ungleichen Kampfes willig teilten, dann kann man begreifen, daß auch nach dem Übertritt der zusamengcschrümpflen deutschen Heeres, macht über den Grenzfluß Rovuma mutig weiter an der Seite ihrer weißen Herren allen Angriffen der Ententeleute entgegentraten ... So anhänglich kämpfen nicht unter drückte und vergewaltigte Völker; und diese große Anhänglich keit unserer schwarzen Untertanen ist auch einer der Gründe, weshalb wir das vollste Recht haben, unseren Kolonialbesitz unversehrt zurückzuverlangen." ) Nach dem Braunschw. Volksblatt. Febr. 1918. Wochenblatt Marine-kann man jederzeit bestellen. Bi zu 7 Ciicf bestellt man am besten bet der Post: von 100 Stück an kostet da Blatt 2 Pfg. Mtd Porto; waniger jährlich 2 Mk. da- Stück. Brsttlluxge an die Geschäftsstelle de Nordd. Männer- und Jünalina-busde-. Hamburg L. Brrvuerstr. 17. orberrn. Sn*! von ttetymnt & Bernhard. Hosbuchdruckerei, Echönderg i. Mecklb.Ar. 23. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer k. F. Mittler. ! 24. Sonntag nach Trinitatis. 10. Honembßc 1918. Verlag des Nords. Männer- und Jünglingsbundes, E- V. (Äug. Schröder) Hamburg 5, Brennerftr. 17. 4 , Mrs- Inhalt: Was braucht unsere Zeit? Zurück zum Glauben. Vom deutschen Heldenkampf Ostafrika. Kkule der Seefahrer. Tägliches Bibellescn. Ach habe öie Standhaftigkeit, 6!e ich an den Tag geiegt habe, nur aus meinem entschlsffenen Glauben. Nehmen Sie mir diesen Glauben, und Sie nehmen mir dar Vaterland. Virmarck im Kelözug 1870. Vas braucht unsere fötltl von .rm vra n chw. voik-blau. n*. ss. i-is. Was braucht unsere harte Zeit? Schlichte Menschen, wahr und offen, Gegen Lug und Trug gefeit, Reich im Lieben, stark im Hoffe . Menschen, die im Sturmesweh Unentwegt im Glauben stehu. Was braucht unsere schwere Zeit? Menschen, die nicht mnrren, klagen, Die Demut, leidbereit Willig ihre Lasten tragen. Herzen, die getrost und still Dttlden, warten, wie Gott will. Was braucht unsere große Zeit? Menschen, die sich selbst vergessen Am der andern Kreuz und Leid And die kleinen Dinge meffrn In des Lebens Kampf und Streit An der große Ewigkeit. sssse Zurück Zum Glauben. Lukas 8 , 50: Da aber Jesus daS hörete, autworiete er ihui und sprach: Fürchte dich nicht, glaste nur . . . s ist nur ganz wenig, war erforderlich ist, um selbst in den verzweifeltsten Lagen den Sieg behaupten, um selbst den Tod noch zu zwingen, das Leben wieder herauszugeben: Glaube nur! All das viele andere, um dessen Erwerbung sich die Menschen so große Mühe geben müffen, kann nicht helfen. Das eine, das wenige hilft: Glaube nur! Was hätte jenem angesehenen Obersten der Schule, der zu Jesu um Rettung auS Todesnot für seine Tochter kam, alles zu Gebote gestanden: die Weisheit der Griechen und Römer, die Gottes gelehrsamkeit der Juden, die Zauberkünste der Heiden! Und wen es mit Geld zu machen gewesen wäre, er hätte wohl auch eine beträchtliche Summe aufwenden können, aber das alles vermag nicht, seine Tochter den Armen des Todes zu entreißen. Die Leute, die ihm nahestehen, find schon zu der Ansicht gekommen: hier ist nicht zu helfen! Und wo die ganze Welt keine Hilfe mehr hat noch kennt, was könnte da dieser arme jüdische Lehrer, genannt Jesus von Nazareth, noch tun? Bemühe den Meister nicht," sagen sie deshalb, deine Tochter ist gestorben." Aber Jesus, der es hört und die flehentliche Bitte des Hilfesuchenden kennt, er sagt: Fürchte dich nicht, glaube nur." Es ist nur ganz wenig, was du nötig hast: Glaube nur!" Und so hören wir ihn, den Meister, auch heute zu uns sagen. In vermessenem Übermut glauben unsere Feinde uns der Vernichtung preis-gegeben. Sie haben zwar nie ein anderes Ziel gekannt als: in den Tod mit Deutschland und de deutschen Volk! Aber nun, nachdem sie uns im Westen etwas zurückgedrängt haben, ist es, als ob sie uns zu schrien : Bemühet euch nur nicht, bemühet Niemand, weder Gott noch Menschen, ihr seid ja tot, ihr seid schon gestorben! Doch Jesus ist -noch immer der Heiland aller Menschen, die ihm kommen und zu ihm flehen, und wenn wir uns an ihn wenden, hören wir seine Stimme: Fürchte dich nicht, glaube nur! Glaube nur! Ja, das hast du vergessen, du deutsches Volk, du deutscher Mann, der du dich bemühtest um das höchste Wissen, um die schönste Kunst, um Ehre und Ansehen, Macht und Reichtum für unser Vaterland und für dich selbst, das hast du zu oft vergessen, daß das alles nicht hilft vor Tod und Verderben, wenn eins dabei fehlt. Und daß nur eins helfen kann, wenn alles andere nichtSeite 90 Marine-Freund Nr. 23 ausreicht: Glaube uur! Es ist wenig, ganz wenig, was zur Rettung dient: Glaube nur! Ailch vir Deutschen waren allen anderen voran in Schulen, in Künsten und Wissenschaften, wir waren Oberste der Schulen, um so mehr haben wir Anlaß, uns an das Wort des Meisters zu halten: Glaube nur!" Es ist wenig, und es ist doch auch wieder viel. Es bedeutet viel. Wissen wir denn nicht, daß der Glaube die größten Dinge ansrichtet? Die Jünger Jesu fürchteten sich vor Schwierigkeiten, die sich vor ihnen wie Berge auftürmten. Da sagt ihnen der Herr: wenn ihr Glauben habt, könnt ihr Berge versetzen. Und sie haben später im Glauben Berge und mehr als Berge versetzt. Das war viel, das war gewaltig. Und wenn sich heute bei Überwindung unserer Feinde auch wieder Schwierigkeiten zeigen, die uns gleich hohen Bergen entgcgenstehen, dann muß es heißen: zurück zum Glauben! Hier ist die feste, starke Linie, auf die wir Deutschen immer wieder zurückgehen müssen, um von ihr aus vorzu- stoßen ins Herz des feindlichen Widerstandes. Zurück zum Glauben. Zum Glauben an Gott und den, den er uns als Retter und Heiland gegeben, zum Glauben an Jesum Christum, und dadurch zum Glauben an uns selbst als Gotteskinder, zum Glauben au unser Volk und Vaterland und seine Zukunft als in Gottes Hand stehend. Es ist wenig und es ist doch viel, was verlangt wird. Denn es verlangt von dir, daß du dich in den Staub wirfst vor deinem Gott, daß du alles Vertrauen auf eigene Gerechtigkeit von dir abwirfst und als armer Sünder, der sich selbst nicht helfen kann, dem in die Hände gibst, der mit seinem Kreuz noch immer der Welt ein Ärgernis und eine Torheit ist. Glaube nur! Aber es ist wiederum auch viel, was dadurch gewonnen wird. Immer neue Heere stellen die Feinde gegen uns auf. Aus allen Weltteilen sammeln sie ihre Scharen gegen uns. Wie sollen wir da bestehen? Fürchte dich nicht, glaube nur!" Durch den Glauben wird der einzelne zu einem ganzen Heere. Durch den Glauben gewinnen wir immer neue Glaubensheere. Und Glaubeusheere verlieren niemals einen Krieg. Es müssen nur auch Glaubensheere sein. Sie dürfen uns bei dem hohen Werk der Verteidigung unseres Vaterlandes gegen tod- und verderbendrohende Feinde nicht fehlen. Denn das darf niemand mehr verborgen sein im ganzen deutschen Land: es handelt sich für uns um Leben oder Tod. Wohlan denn, redlicher Deutscher, auf treuer, deutscher Kämpfer: kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben! Amen. K. F. Müller. vom -rutschen helöenkampf Ln Gst- aftika. 2. König Mflnga von Nuanöa. Die treuen Schwarzen. Drüben im äußersten nordwestlichen Winkel von Ostafrika herrscht König Msinga über Land und Volk von Ruanda. Er war, seit die schwarz-weiß- rote Flagge über Ruanda wehte, ein treuer Freund der Deutschen geworden. Bei uns daheim wird ihn wohl der und jener von den Bildern her im Gedächtnis haben, die gelegentlich von ihm in Zeitschriften zu sehen waren. Denn er und die anderen Angehörigen des in Ruanda herrschenden Volksstammes sind alles Riesen von über zwei Meter Länge. Aber mehr wert ist uns heute die Treue, die König Msinga dem Deutschen Reich be wahrt, und der Glaube, mit dem er an Deutschlands Zukunft auch in Afrika festgehalteu hat. Ergreifend ist in Karl Roehls Buch Ostafrikas Heldenkampf"H von dem Abschied zu lesen, den Msinga von den letzten Deutschen, die sein Land verließen, genommen hat. Es war damals, als der tapfere Hauptmann Wiutgens, nachdem er mit einer geradezu winzigen Schar beinahe zwei Jahre lang das Land gegen belgische Übermacht gehalten hatte, um drohender Umzingelung zu entgehen, den Rückzug antreten mußte. Roehl erzählt darüber folgendes: Am Morgen hatte mich Wintgens zu Msinga geschickt mit dem Aufträge, ihn in seinem Namen und dem der Regierung über die Notwendigkeit unseres Rückzuges aufzuklären und ihm einige Ver haltungsmaßregeln für seine Stellung zu den Bel giern zu geben. Auch dies war kein leichter Gang, und doch war ich besonders dankbar dafür, daß mir dieser Auftrag geworden war; denn ich hatte als Missionar zu Msinga mancherlei Beziehungen. Ich war oft an seinem Hof gewesen, das Evange lium zu verkündigen. Er hatte mich bei diesen Gelegenheiten des öfteren tief in sein Herz hinein sehen lassen, so daß ich hatte beobachten können, wie er zwar langsam, aber doch Schritt für Schritt dem Reiche Gottes nähergekommen war. Als ich zu ihm kam, wußte er natürlich längst, wie die Dinge standen, daß die Belgier schon einen großen Teil von Ruanda besetzt hatten. Es war auch nicht schwer, ihm die Notwendigkeit unseres Rückzuges begreiflich zu machen, er hat für militärische Dinge ein gutes Verständnis. Aber wenn er auch ver stand, daß wir Ruanda verlassen mußten, war er doch über diese Tatsache tief betrübt, ja, in seinem innersten Herzen erschüttert. Von den Belgiern erwartete er für sich und sein Land nichts Gutes, sie haben nicht mit Unrecht den denkbar übelsten Ruf im Innern Afrikas. Sie hatten auch schon versucht, mit ihm Beziehungen auzuknüpfen. Der General Tombeur selbst hatte ihm einen allerdings ziemlich inhaltlosen Brief geschickt, mit Blaustift geschrieben, den mir Msinga zeigte. Er hatte den Takt gehabt, den Überbringer dieses-Briefes ohne Antwort zurückzuschicken. Ebenso hatte er auf aller lei mündliche Anfragen und Botschaften der Belgier wie der Engländer bisher nicht geantwortet. Ich habe dann eingehend mit ihm darüber gesprochen, wie er sich in der Folgezeit zu ihnen zu stellen habe, und dann haben wir einen Brief aufgesetzt, den er nach dem Abzüge von Wintgens an den General Tombeur schicken wollte. Dieser Brief, den Tombeur in belgischen Zeitungen veröffentlicht hat, sei auch hier mitgeteilt. Er lautet: An den großen Herrn der Belgier. Viele Grüße; sodann teile ich Dir folgendes mit: Ich habe Deinen Brief *) Berlin, Martin Warneck.Nr. 23 Marme Fremid Seite 91 erhalten. Ich bin sehr betrübt über diesen Krieg, der mein Land verwüstet, und die Streitigkeiten der Europäer gehen mich nichts an. Ich habe jetzt im Kriege auf Befehl des großen Herrn von Ru anda Verpflegung liefern und auch einige Tussis als Wachen und Hilfskrieger stellen müssen. Aber diesen Befehl mußte ich befolgen. Ich habe jetzt zu dem großen Herrn von Ruanda geschickt und ihn gefragt, was ich machen soll. Er hat mir sagen lassen, daß es europäische Sitte sei, daß friedliche Leute bei Eindringen des Feindes zurück- bleiben, und daß diesen nichts geschähe. Er hat mir ferner sagen lassen, daß ich, wenn die Belgier zu mir kommen, ihren Befehlen folgen muß, so lange sie bei mir sind und solange sie keine feind lichen Handlungen gegen die Deutschen verlangen. Und dies wirst Du auch nicht verlangen, denn Du weißt, daß ich viele Jahre mit den Deutschen gut Freund war; und wenn ich jetzt gegen meine Freunde übel handelte, könntest auch Du kein Ver trauen zu mir haben. Ich kam: Dir keine Führer, auch keine Hilfskrieger stellen, denn ich bin ein Mann von Ehre. Die Deutschen haben mir gesagt, daß sie ganz sicher wiederkommen würden, da sie in Europa bisher gesiegt hätten und auch weiter siegen würden. Ich weiß nicht, was die Wahrheit ist, ich weiß nur eins, daß mir die Deutschen bis her immer die Wahrheit gesagt haben. Wenn Du also zu mir kominst, so werde ich Deine Befehle be folgen, und ich bitte Dich, dann mein Land zu schonen und nicht die weiblichen Rinder zu schlachten und die Frauen meines Landes zu schützen. Viele Grüße! Ich bin Msinga, der König von Ruanda." Nachdem ich so meinen Auftrag erfüllt hatte, habe ich auch die Gelegenheit wahrgenommen, mit Msinga auch noch im Namen des Königs aller Könige zu reden und ihn darauf hinzuweisen, wie Gott gerade durch Trübsal uns zu sich ziehen will. Ich konnte ihn Hinweisen auf Jesus, dessen Weg zur Herrlichkeit auch durch Leiden und Sterben ging. Sein Herz blieb schwer, aber es wurde doch stille. Er sagte zum Schluß: Ja, es ist wahr, Gott ist es, der uns alle führt." Am nächsten Morgen gab er mir zum Abschied noch ein Stück Weges das Geleit. Als wir uns bei der Trennung Gott befahlen, kamen ihm die Tränen. So bewegt ich in dem Augenblick auch war, war ich doch auch wieder stolz darauf, ein Deutscher zu sein und ein evangelischer Missionar zu sein; denn diesen beiden galten seine Tränen. . . So trennten wir uns. Ich war der letzte Deutsche, den er gesprochen hat." Einer späteren Bemerkung Roehls über Msinga und Ruanda entnehmen wir noch folgendes: Die Belgier müssen in Ruanda so übel gehaust haben, daß Msinga sich zu einem Aufstande gegen sie ent schlossen hat. Belgier haben mir später am Kongo erzählt, daß in diesem Aufstand fünf belgische Kompanien vernichtet seien. Msinga selbst soll bei einem Rückzug vor belgischen Truppen gefallen sein. Wie weit alle diese Nachrichten auf Wahr heit beruhen, entzieht sich jeder Kontrolle. Ich möchte glauben, daß Msinga lebt, halte es aber für möglich, daß er selbst die Nachricht von seinem Tode ausgestreut hat, um die Belgier von seiner Person abzulenken. Sicher ist das eine, daß das Land Ruanda furchtbar unter der belgischen Be setzung und den Folgen des Krieges gelitten hat!" Wie König Msinga von Ruanda, so haben viele Schwarze in Ostafrika ihre Treue bewiesen. Roehl führt in seinem genannten Buch unter andern folgende Beispiele an: Es sei erinnert ... an die mancherlei Leute, die sich von unfern Feinden lieber haben an die Kette legen lasten, als gegen uns die Waffen zu tragen, zuletzt und nicht zum wenigsten an die Schar tapferer Askaris, die heute noch mit Lettow auf fremden: Boden im Felde stehen. Bei der Ge legenheit kommen mir die beiden Steuereinnehmer, Christen, in den Sinn, die mir l Stunde, nach dem wir von Rubengera fort waren, in der Kälte und dem strömenden Regen, den sie sonst so scheuen, auf der Straße entgegengelaufen kamen und jeder noch.200 Rupie Steuern ablieferten! Wie hätten sie sich doch damit bei den Belgiern lieb Kind machen können! Ich denke an den Sultan Kahigi von Bnkoba, der nicht nur im Frieden, sondern auch im Kriege in seltener Weise sich als deutsch treuen Mann erwiesen hat. Als Bukoba endgültig von uns verlassen werden mußte, und er,englischer Untertan werden sollte, hat er Gift genommen, er sagte: Nachdem ich den Deutschen so gedient habe, kann ich ihren Feinden nicht auch dienen, da sterbe ich lieber!" Er besiegelte seine Treue zur deutschen Fahne mit dem freiwilligen Tode! Wenn wir als Christen auch sagen müsten, es war ein irregeleitetes Gewissen, das ihm den Giftbecher in die Hand gezwungen hat, so können wir doch von einer derartigen Selbstaufopferung eines afrika nischen Sultans für des deutschen Namens Ehre nnr mit der größten Hochachtung reden. Wer hätte auch nur im Traum solche Handlungsweise einem Schwarzen zugetraut! Diese goldige Treue läßt die Sehnsucht nach der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches nicht ersterben. Es ist bekannt, wie groß das Verlangen der Taborabevölkerung nach der Rückkehr der deutschen Herrschaft ist. Msingas letztes Wort an mich beim Auseinandergehen war: Sage dem Deutschen Kaiser, er soll mich nicht vergessen!" Als unsere Stellungen bei Kissenji unhaltbar geworden waren, rief ich in Rubengera alle Leute, die Geld bei mir in der Sparkasse hatten, sagte ihnen, daß wir einstweilen von Ruanda weg müßten, und zahlte ihnen ihr Geld aus. Fast alle gaben es mir dann wieder zurück mit dem Bemerken: Es ist bei dir besser aufgehoben als bei uns, und du kommst ja doch wieder!" Dabei hatte ich von manchem sein ganzes Barvermögen!" Muß man nicht, wenn man derartiges liest, sagen: Da ist Glaube, Glaube an Deutschlands Zukunft! Und wir daheim sollten von diesem Glauben weichen? Deutscher Mann, werde stark im Glauben, stehe fest im Glauben! 0 Angehörige des herrschenden Volksstammes.&ni 92 Msrinc-Freusst *r. 23 Skule der Seefahrer Aus beit vier Erzählungen von Franz Lüdeke: Me Deutsch lands Schüler den Weltkrieg erlebten.") Das Folgende er zählt ein Lehrer von einem seiner Schüler. Wir gebe die Erzählung in etwas verkürzter Form. Er war immer ein stiller, scheuer, fast mürrischer Junge, ein zurückhaltender, verschlossener Charakter. Bei seinen Kameraden fand er wenig Verständnis, und für seine Lehrer war er, was man so sagt, ein schwieriger Schüler. Als Heranwachsender, als Jüngling steigerte sich seine Anlage zum Weltschmerz, zum Lebensüberdruß, sogar zur Menschenver- achtuug, die er ob er s wollte oder nicht auch uns Lehrer fühlen ließ. Und diese seine Art reizte einesteils die Spottlust seiner Altersgenossen,, andererseits verwickelte sie ihn gelegentlich in Widersprüche mit den Gesetzen der Schule, die von den Zöglingen Bescheidenheit und Takt verlangen muß. Mir tat er um so mehr leid, als ich wußte, daß er ein tief veranlagte, Mensch sei. Zur Natur, zu Tierem zu Pflanzen hatte er ein beinahe zärtliches Verhältnis. Eines aber liebte er mit der ganzen Kraft seiner verschlossenen Seele: das Meer, Das war sein einziges Glück. Die Mutter hatte er frühe verloren. Der Vater besaß nicht die Zeit, sich um den Sohn viel zu kümmern, achtete seiner Art auch nicht sonderlich und meinte nur: er wird seinen Weg schon finden. Er ließ ihn in größter Selbständigkeit aufwachsen und schickte ihn fast jede Ferien an die See, die Tage hier das waren seine Glückstage! Schon als Tertianer mietete er sich bei .Fischersleuten ein, weitab von allem Menschengewühl. So lernte er fischen und schwimmen, segeln und Netze stricken, fuhr mit auf Fang hinaus oder saß einsam aus einem Fiud- lingsblock am User hörte am liebsten die Wellen um sich, die Stürnie über sich tosen. Dem Meer gegenüber fand er Worte, Worte, die nie ein lebendes Wesen von ihm gehört hat. Er machte in der Klasse keine besonderen Aufsätze, und man merkte, daß er nur widerwillig an ihnen arbeitete; aber wenn in irgendeinem Zusammenhang die Sprache aus das Meer kam, dann wurde er ein anderer dann umkleidet er seine Gedanken mit einer Fülle von Gefühl und Poesie, die man bei ihm kaum geahnt hätte. Sein häufige, Aufenthalt an der Küste hatte ihm bei seinen Mitschülern nach irgendeiner alten Wikingergeschichte den Beinamen Skule, der Seefahrer" eingetragen, und ich weiß, daß er sich nicht ungern so nennen hörte. Auch wenn wir Lehrer von ihm sprachen, war meist nur von Skule, dem Seefahrer, die Rede. Skule saß in Prima, als der Weltkrieg ausbrach. Auch er eilte freiwillig zu den Waffen, aber er verschmähte es, die Notprüfung zu machen, die damals so vielen fast, wie ein Geschenk in den Schoß siel. Natürlich war er, wir wunderten uns dessen nicht, ohne Abschied aus und davon. Da erhielt ich, nach Wochen, eine Karte von ihm! Darauf stand kurz und bündig: Verehrter Herr Doktor, vom Rande des deut schen Meeres grüßt Sie Skule, der Seefahrer, dessen Leben endlich einen Inhalt bekommen hat." Aus dem Stempel ging hervor, daß er bei der Marine stand er war also wirklich Seefahrer geworden! Mehr als ein Jahr war dann Skule für uns verschollen, und die wenigsten mögen seiner noch gedacht haben. Da, eines Nachmittags läutet es au meiner Haustür, ich laffe öffnen und wer tritt ein? Skule! Ich starre ihn an wie ein Gespenst und mache wohl ein Gesicht, als sei etwas ganz Unmögliches geschehen. Und Skule lacht, lacht über ein frisches, braunes, fast knabenhaft glückliches Gesicht! Wir unterhalten uns. Aber träume ich? Skule geht aus sich heraus, fragt nach Mitschülern und Lehrern, erzählt wie ja wie ein gesunder, natürlicher Mensch. Nichts von Scheu oder Lebensverneinung; der mürrische Zug, der sich früher seinem Antlitz so scharf eingeprügt hatte, war ver schwunden. Endlich konnte ich nicht länger an mich halten. Skule," sage ich, was ist mit Ihnen geschehen? Was hat Sie derart ändern können, daß Sie, nehmen Sie mir s nicht übel, ein so prächtiger Kerl geworden sind?" Wieder lachte der Befragte dann wurde er ernst und antwortete: Berlin W 95. Ev. Bd. 1918. Mit Bef. Erlaubnis des Verlags. Eie haben recht, Herr Doktor, wenn Sie staunen. Ich S jäme mich heute noch, wenn ich an meine Schuljahre denks. !as Hab ich Ihnen und auch mir unnötig für Ver druß gemacht! Aber ich war unglücklich und wollt es sei und war es um so tiefer, j mehr ich mich aus meiner Stim mung in Wahrheit heraussehnte, je mehr ich die beneidete, die anders waren als ich. Doch, ich konnte schließlich nicht anders und bildete mir aus meinen schmerzlichen Hochmut noch wunder tvas ein. Aber gewiß, es hätte nicht gut mit niir geendet. Manchmal, wenn ich auf meinem einsamen Fischerboot durch di Mellen fuhr, dachte ich daran, Abschied für immer zu nehmen. Da brach der Krieg aus, und ich stellte mich eigentlich nur in der Hoffnung, bald den Lok? zu finden. Nur draußen auf dem Meere sollte es sein! Aber als Landratt bei der Marine anzukommen, war schwer, fast unmöglich, und warten mochte ich nicht. Da meldet ich mich als Fischerkuecht, das Zeugnis, daß ich einer war, konnte mir der Alte, bei dem ich all Ferien haust , mü reinem Gewissen schreiben, und von Gymnasium und ähn lichem stand nicht? darin. So kam ich denn an, und mit erst lernte ich etwas von dem kennen, was das Leben heißt Da gab s kein niüßigeS Sicheinspinnen und verlorenes Trä ^ men, jetzt gab s Arbeit, harte, oft bitter böse Arbeit; aber mit ihr wuchsen meine Kräfte, wuchs ich selbst. O, Herr Doktor, wenn wir auf unserem Torpedoboot durch die grün Flut jagten, im Seegang, daß die Wogen nur so über Deck peitschten ich empfand es und mußte mir s gegen meinen Willen eingestehen: es war eine Luft zu leben! Der Wunsch zu leben, zu kämpfen, Kamerad unter Kameraden zu sein der ward immer stärker in mir. Und dann, Her, Doktor, was ich auf der Schule nie gehabt, ich bekam einen Freund! Ein älterer Maat war s, der sich meiner aunahm, Vater von fünf Kindern. Der hegte uich schützt mich wie einen eigenen Sohn oder wie einen jüngeren Bruder. Er erfuhr auch, daß ich der Fischerknecht nicht war, aber er sagte nichts, er liebte mich nur um so mehr darum. Hatte ich dann oder wann noch den alten Knabenschmerz, so redete er mir das dumm Tüch" aus Hauptfach sei, meinte er, zweierlei: erstens ein anständiger Kerl zu werden und zweitens es den Englisch- mäns ordentlich zu zeigen. Und das, Herr Doktor, das haben wir besorgt, und der Tag, an dem s geschah, ist der Wende punkt in meinem Leben. Wir waren durch die dunkle Nacht gefahren, immer aus der Such nach dem Feind, immer begierig, ihm an den Pelz zu fahren. Die See ging hoch da, im Morgengrauen, hatten wir sie vor uns, in Übermacht, aber wir pirschten uns an. O, di Lust, zu kämpfen! Jeder auf seinem Posten, aus jeden kommts an; auch auf dich, alter närrischer Skule, dachte ich bei mir, auch aus Md)! Heute gilt s! Nun, wir haben s ihnen gegeben! Einer ihrer Zerstörer sank ins Wassergrab, die andern gingen davon, unter Volldampf, weil sie wohl mehr von uns vor sich glaubten. Da schlug noch eine Granate bei uns ein, tat nicht viel, aber der Luftdruck riß ein paar von uns nieder, auch meinen Freund, den Maat, und da kommt gerade so eine Welle über Deck und nimmt ihn mit. Ich seh^s, spring nach, kann ihn noch halten, ein Boot wird niedergelassen, und wir beide find gerettet. In der Koje liegen wir dann eine Weile allein, da kommt er und fällt mir um den Hals und weint, weint wie ein Kind und ich, Herr Doktor, ich werde angesteckt und weine mit, die ersten wirklichen Tränen meines Lebens, und dann dann sieht er mich an, preßt mir die Hand, sagt: Memmen sind wir," und lacht, lacht und ich lach mit, warum, weiß ich nicht rechst aber es war das erste wirk liche Lachen meines Lebens. Und da, in der Stunde, Hab ich mir alles, was auf meiner Seele lag, hcruutergeweint und heruntergelacht und bin der vernünftige Kerl geworden, den Sie, Herr Doktor, heule vor sich sehen!" Sonntag: Psalm 123. Montag: Matth. 34, 43-51. Dienstag: Matth. 25, 1 13. Mittwoch: Matth. 35. 14- 30. DonnerStar: Matth. 25, 31 46. Freit g: Offb. 4. Eou bead: Offb. 5. Psalm 12S. 124. Phil. 4, 1-9. Phil. 4. 10-23. 1. Thess. 1. 1. Thess. 2 , 1-12. 1. Thess. 5, 13-20. 1. Thess. 8. Sa Wochenblatt ,Sl* -Kr * d" tan man ( öctjrtt bestelle . Bis zu 7 etfcf bestell, am teste bei der Pest; den 100 Stück an kostet toä Matt Big. uni) Po ; weniger jährlich 3 3311. da Baftafi *#*! a* dt Hrsch-stdhtell Ul rr dd. SSisu . Nb 3*n*Itn Ibmibe , Hembiirg 5. 9nao(t. 17. uüfttts. Scrnt fee* SaQraaa & Verr tz t , Hosbuchbrnrierei, Gchönberg i. M-cklb.Schriftleitung: Ir. 24. Seschwaderpfarrer K. S. MRllre. 28. ZSKKkag nach Tünilakis. 24. Mvember ISIS. Verlag des Nords. Männer- unö Iünglingsbunder, E. D. 4. (Lug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. IchrZ. Inhalt: Ein Lied aus Vätertagcn. Und Wenn dir Welt voll Teufel wär. Vom deutschen Heldenka ps Ostafrika. Der LLriaeE Krieg nach dem Kriege. Deutschland, vergiß den Luther nicht. Tägliches Bibellcscn. Steht fest uvö wsrört mßöe, öenn euer Sott lsi mit euch. Vas furchtet ihr öis ZrKerbrÄnöe eurer Femöe, Sie öen Himmel gleichwie öev Rauch ersiekgen wollen! Euer Leben ist eine Ritterschaft; kämpfet freuülg. Jürchtet sich öenn öee Teufel! Wir ollen uns nicht fürchten. Dr. Martin Luther. Ein Lkö aus VäterLagsn Wenn wir in höchsten Nöten fein And wissen nicht, wo und ein, And finden weder Hilf noch Rat, Ob wir gleich sorgen früh und spat: So ist das unser Trost allein. Daß wir zusammen insgemein Dich anrufen, o treuer Gott, Am Rettung aus der Angst und Rot; And heben unser Ang und Herz Zu dir in wahre Re und Schmerz And suche der Sünd Vergebung And aller Strafe Linderung, Die du verheißest gnädiglich Alle , die darum bitten dich Im Namen dein Sohns Jesu Christ, Der u ser Heil und Fiirsprach ist. Drum kommen wir, o Herre Gott, Und klagen dir all unsre Not, von Paal Sder 1311-1569. Weil wir jetzt stehn verlasse gar In großer Trübsal und Gefahr. Sieh nicht an unsre Sünde groß. Sprich uns derselben aus Gnaden los. Steh uns 4n nssrm Elend bei. Mach uns von allen Plagen frei; Auf daß von Herzen können wir Nochmals mit Freude da ken dir, Gehorsam sein nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dortl Unö mm dk Mit voll Teufel Wär 1. Korinther 16, 13: stehet iw Glsube , seid mimulich, und seid stark! er allerschlimmste Fall wird damit angenommen: und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen. Eine schlimmere Lage könnte es gar nicht geben. Aber selbst in dieser schlimmsten Lage hätten unsere Vorfahren sich nicht verloren gegeben. Ganz im Gegenteil, trotzig und unver zagt sangen sie auch in die Welt hinaus: Es soll uns doch gelingen. Und es ist ihnen gelungen. Und wir Deutschen von heute sollten verzagen, wenn sich für uns eine Zeitlang die Lage schlimm gestaltet? - Wir, die wir uns unseren Vorfahren gegenüber aller möglichen Errungenschaften, Fort schritte, Vorzüge, Besitztümer, Fähigkeiten gerühmt haben, wir sollten nun ihnen gegenüber so klein, so zurückgekommen dastehend Uns sollte eS nicht mehr gelingen? Gewiß, eS ist heute, da dies niedergeschrieben wird, für uns eine Lage, in der sich alles gegen uns verschworen zu haben scheint, in der es aussieht, alS ob die Welt jetzt wirklich voll Teufel wäre, die uns verschlingen wollen. Aber unsere Feinde, so sehr sie manchmal sich wie reine Teufel zeigen, soviel Teuflisches auch in ihnen steckt, und so wahrhaft teuflisch ihre Art uns zu bekäinpfen einem oft vorkommt, es sind doch nur Menschen. Auch ein Wilson und die anderen seiner Art, die mit rücksichtsloser Willkür und Gewalt die Völker in ihr Joch spannen, find nur Menschen. Und wenn sie auch tun, als wären sie Halbgötter und Götter, als wären sie Welt richter, der Tag kommt, an dem es für sie heißt: Bis hierher und nicht weiter! Hier sollen sich legen deine stolzen Wellen! Gott hat sich das Weltregiment noch nicht auS der Hand nehmen lassen. Es sind alles Menschen, weiter nichts, die sich vermesien, nach ihrem Plan die Welt gestalten zu wolle . Und das können wir schon jetzt sagen: es wird ihnen mißlingen. Wir aber, ihr Mit-Seite 94 Marine-Freund Nr. 24 kämpfer zu Wasser und zu Lande, wir wären keine Männer, wir wären ein entartet Geschlecht, un- wert der Väter, unwert ihrer Heldenkämpfe, wenn wir solchen Menschen, wenn wir überhaupt Menschen gegenüber verzagen wollen. Hier heißt es: Stehet im Glauben, seid männlich, und seid stark! Und wenn nun doch der Teufel, seine Hand im Spiele hätte, wenn doch des Teuflischen allzuviel mit ihnen sich verbunden hätte wer sind wir, daß wir sagen und darauf bestehen könnten: Es soll uns doch gelingen? Wer sind wir? Wir sind Deutsche. Mit Stolz haben wir uns so ge nannt. Aber wiederum, zu unserer Schande sei es gesagt, daß manche schon des Namens sich un- wert gezeigt, manche versagt haben gerade in der Stunde der Entscheidung. Nein, der Name tut es allein nicht. Wir Deutschen sind auch nur Menschen. Behaftet mit allen Fehlern und Sünden der Menschen. Jmmermehr ist das im Kriege wieder zum Vorschein gekommen. Man hatte es vielfach vergessen und wollte nichts mehr davon wissen, daß wir sündige Menschen sind. Wir hatten ja soviel Fertigkeiten und Fähigkeiten uns ange eignet! Dagegen kommt eine Sünde nicht in Betracht! Wer wird bei einem so weit fortge schrittenen Volke sich die Stimmung durch Reden von Sünde verderben lassen? Aber nun hat es sich gezeigt, daß die Sünde uns verdirbt. Unsere schönsten Pläne über den Haufen wirft. Deutsche zu gänzlich Undeutschen macht. Wir sind auch nur Menschen und als Menschen Fleisch, das ver sagt, Sünder, die sich vor Gott in den Staub werfen müssen . Und da soll es uns ge lingen? Doch gelingen? Freilich. Wer sind denn die, von denen die Väter in ihren Tagen gesungen haben: Es soll uns doch gelingen? Es sind deutsche Männer, deutsche Kämpfer und Helden. Aber es sind die, die freie Männer geworden sind durch Christi befreiende Erlösungstat, die starke Männer geworden sind durch Christi Geist, die überhaupt Männer geworden sind durch den Glauben. Erst sagt der Apostel: stehet im Glauben! und von denen, die im Glauben stehen, verlangt er weiter: seid männlich, und seid stark! Er weiß, daß die es sind und sein können. Und so sind deutsche Männer Männer durch den Glauben. Alles Wissen und aller Reichtum, alles Ansehen, Ruhm und Ehre hindern nicht, daß Männer schwach werden. Aber der Glaube macht Männer, der Glaube an Christum und durch Christum an Gott. DaS wissen wir aus den Tagen de-r Vorzeit, das wissen wir auch aus den Tagen eines vierjährigen Kampfes. Männer dieser Art haben ihren Mann gestanden überall und nehmen es auf auch mit der größten Überzahl, auch mit einer Welt voll Teufel Und heute? Wo sind sie? Sind sie alle ge fallen, liegen sie alle auf dem Grund des Meeres? ES sind noch Tausende, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor dem Baal der Zeit. Auf denn, was ein Mann ist! Unser Volk und Land soll keine Beute des Weltraubbundes werden. Stehet im Glauben, seid männlich, und seid stark! So lange noch ein Mann da ist, bleibe ich dabei: Es muß uns doch gelingen. Amen. K. F. Müller. vom öeutsthen helöenkampf in Ostafrika. 3. Genera! v. Lettorv-Vorbeck. Ein Mann, ein deutscher Mann! Alles, was man von ihm sagen und denken möchte, erschöpft sich in dem Wort. Was hat er geleistet, was für Taten getan, wie kämpft er sich immer wieder durch, wie fest steht er, wie mutig und stark und unverzagt geht er init seinen Getreuen der Zukunft entgegen! Wenn sich doch jeder deutsche Mann daheim und draußen, im Heimatheer und an den Fronten vor dem Feind immer wieder das Beispiel dieses einen vor Augen halten, sich an ihm ein Vorbild nehmen wollte! Überall sollte man sich s ein prägen, was der jüngst aus Deutsch-Ostafrika zu rückgekehrte Karl Roehl in seinem Buch Ostafrikas Heldenkampff) in dem Abschnitt: Der Endkampf" über ihn schreibt: Mit dem Übertritt Lettows auf portugiesisches Gebiet war die dritte Periode des ostasrikanischen Krieges zum Abschluß gekommen und die letzte, vierte begann, die den heute noch nicht beendigten Endkampf darstellt. Ihre Tätigkeit irrt Portugie sischen eröffneten unsere Truppen damit, daß sie den portugiesischen Truppen zwei schwere Nieder lagen bereiteten und verschiedene Depots erbeuteten, die ihnen die Fortführung des Krieges ermöglicht haben. Im Dezember 1917 wurde die portugie sische Stellung in den Mkulabergen von der Ab teilung Wahle gestürmt und von hier aus Britisch- Zentralafrika immer wieder ernstlich bedroht. Lettow besetzte Mukufi an der Küste südlich von Port Amelia. Durch diese ungeahnte Ausdehnung von der Küste bis fast zum Njassasee und die damit gegebene Besetzung eines ungeheuer großen Gebietes von Mosambik es wird nicht viel kleiner sein als das halbe Königreich Preußen sind die Engländer von neuem gezwungen, große Kräfte gegen Lettow ins Feld zu führen. Mit dem Aufhören der Regenzeit, Ende Mai (1918), hat ein neues Kesseltreiben gegen Lettow und Wahle begonnen. Mit aufrichtiger Freude haben wir aus den amtlichen englischen Berichten erfahren, daß es Lettow wirklich auch jetzt wieder geglückt ist, sich der Umzingelung zu entziehen, so daß wir zuversichtlich hoffen dürfen, daß er sich ein weiteres Jahr behaupten wird, die Engländer müssen jetzt nämlich ihre Einkreisung wieder von neuem beginnen. Es gehört freilich ein über menschliches Maß von innerer Kraft dazu, für den Führer wie für seine ganze Truppe, unter solchen Verhältnissen nicht die Waffen zu strecken. Wem afrikanische Verhältnisse fremd sind, dem ist es un möglich, sich auch nur annähernd eine Vorstellung von der Größe der Entbehrungen zu machen, unter denen unsere Truppe jetzt dort leiden muß . Solange wir feste Stellungen hatten, gab es auch Feldlazarette und sorgfältige, ärztliche Behandlung. Letztere ist jetzt vollkommen ausgeschlossen, selbst wenn Arzeneien bei der Truppe noch vorhanden sind. Es ist tatsächlich jeder, der ernstlich erkrankt, 9 Martin Warneck, Berlin.Seite 96 Marine-Freund Nr. 24 gezwungen, an der Straße liegen zu bleiben und auf die Feinde zu warten. Der Mangel an Bekleidung war schon 1916 sehr fühlbar. Es ist kaum anzunehmen, daß sich heute noch ordentliche Kleider bei der Truppe be finden. Selbst der General wird gezwungen sein, wie seine Askaris in Fellkleidern einherzugehen. Daß er das tut, hebt ihn nicht nur in den Augen seiner Untergebenen, sondern in denen der ganzen Welt. Unterkunft ist auch nur überaus kümmerlich. Zelte oder auch nur Zeltbahnen existieren längst nicht mehr, ebensowenig Bettstellen, Stühle und dergl. Auf alle derartige Bequemlichkeiten müssen die Unsrigen dort verzichten. Die Ernährung kann nicht anders sein als negermäßig. Zu alledem kommt die afrikanische Sonne und der afrikanische Regen, die die Widerstandskraft überaus schwächen. Das jetzt völlige Abgeschnittensein von der Heimat, ohne Nachrichten über die Kriegsereignifse bekommen zu können, liegt wie ein schwerer Druck auf der Seele eines jeden. Dazu die menschlich so be greifliche Versuchung, die eigene Sache für aussichts los und verloren zu halten. Trotz allem den Mut nicht zu verliererh sondern weiterzukämpfen gegen die Feinde, gegen die Ent behrungen, gegen die Stimmungen des eigenen Herzens, das ist in der Tat für eine Truppe nur möglich, wenn sie an ihrer Spitze einen Mann hat, wie unser Lettow es ist. Man hat ihn den Hindenburg Ostafrikas genannt. Ich glaube, wir brauchen, um seiner Grüße gerecht zu werden, bei Hindenburg keine Anleihe zu machen. Wir dürfen ihn getrost als eine besondere, außergewöhnliche Ausprägung deutschen Wesens und deutschen Helden geistes ansehen und dürfen darum unbeschadet seiner Größe von ihm schlechthin als von unserm Lettow reden, es gibt eben nur den Einen. Als dieser Eine wird er in der Geschichte deutschen Helden tums seinen Ehrenplatz in der vordersten Reihe erhalten." In Wahrheit ein Mann, ein deutscher Mann. Und noch haben wir nicht nur ihn. - Noch haben wir Tausende, die keinen höheren Ruhm und keine höhere Ehre kennen, als sich im Endkampf als deutsche Männer zu beweisen. Schande und Schmach aber über alle, die in solcher Entscheidungs stunde versagen oder zu schwachen Weibern und feigen Memmen werden. Der Krieg nach öem Kriege oöer Sie Sekämpfung einheimischer Lanöes- seinöe. Unter dieser Überschrift hat Klaus Harms, der berühmte Kieler Gottesmann, der zum Reformatiousjubiläum 1817 in Nach ahmung Martin Luthers 75 Sätze veröffentlichte und der im Geiste der Väter der Reformation lange in Kiel und Holstein eine gesegnete Wirksamkeit entfaltet hat, am Sonntag Septua- gesimä 1814 in Lunden, wo er damals Diakonus war, eine Predigt zum Dankfest für den erlangten Frieden gehalten. Diese Predigt ist auch gedruckt worden, so daß wir sie heute noch lesen können. Und es ist wahrlich der Mühe wert, sie zu lesen. Da aber das Büchlein selten zu haben ist, wollen wir einiges daraus hier erneut zum Abdruck bringen und zwar zu nächst den ersten Teil der Predigt. Freilich, schon die Ein leitung ist lesenswert. Wenn Harms da mit einigen kräftigen Strichen ein Bild dessen zeichnet, was damals die Bewohner Holsteins im Kriege ausgestanden haben, welch eine Predigt ist das für unser Volk und Land, das mit Ausnahme einiger Grenzgebiete in vier langen Kriegsjahren keinen Feind auf seinem Boden sah, keine feindlichen Schrecken und Verwüstungen zu erdulden hatte I Man höre nur, was Harms sagt: Wir sahn die Gegend überschwemmt von dem fremden Kriegsheer, da des Landes Verteidiger teils gefallen, teils geflohen waren, von Süden drohte ein Strom und von Osten ein mächtiger Strom, die aufflammenden Feuer der Nacht dünkten uns Un erfahrene so viele brennende Wohnungen, und dort schon die Erfüllung eines Drohworts, wie ein Schrecklicher es sollte aus- gestoßen haben; der Fliehenden Rede war verworren, die Boten hatten nicht Worte, sondern nur Eil: das legte uns Seufzer in die Brust und hob uns Worte auf die Lippen, und mit dem Allmächtigen sprach auch, wer sonst lange nicht. Gott, du kannst beten lehren I Und als die schreckliche Reise zu uns heraufzog, da klopften die Herzen auch in Männerbusen für die werte Habe, das liebe Haus, die zarten Kinder, die blühenden Töchter, für jedes Teure klopften die Herzen, da es stand in der Gewalt jenes Schrecklichen." Aber wir wollen uns bei dieser Einleitung nicht aufhalten. Harms entnimmt die Wahrheit, die er verkündigt, dem Worte aus Jerem. 6, V. 14 von den falschen Propheten, welche sagen Friede, Friede und ist doch nicht Friede", um rurter Berufung auf allbekannte Erscheinungen wie wir sie auch heute wieder zur Genüge kennengelernt haben als Inhalt seines Vor trages anzugeben: Der Krieg nach dem Kriege, oder: Die Be kämpfung einheimischer Landesfeinde. Dreierlei zieht er in Betracht: 1. Welches sind die Feinde? 2. Welches sind unsere Waffen? 3. Welches sind die Botschaften an uns, in diesen Krieg zu gehen? Wir lassen gleich das erste folgen: Welches sind die Feinde? Welches sind diejenigen denn, wider die sich sollen erheben alle rechtschaffenen Menschen und Landesfrennde? welches sind einheimische Landes feinde? ist meine oder vielmehr eure erste Frage. Freilich, denn lächerlich würde es sein, Schild und Speer zu erheben gegen unlautre Gestalten der Einbildung, gegen nicht vorhandene Feinde, und der Aufruf keines Anhörens wert. Aber sehe ich falsch, so sehen Tausende falsch; bin ich im Irrtum, so ist das ganze Volk im Irrtum! und des Volkes Urteil, wisset ihr wohl, ist die Stimme der Wahrheit. Mit Freimut habe ich angefangen, mit Freimut fahre ich fort: die einheimischen Landes feinde sind jene drei Haufen, welche bestehen aus solchen, die ihre Hände ausstrecken nach dem Gut des Landes, und aus solchen, die ihre Schultern entziehen der Last des Landes, und aus solchen, die ihre Augen vor beidem zutun. Das sind sie. Die ihre Hände ausstrecken nach dem Gut des Landes. Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert, hat auch Christus gesagt, Luk. 10, 7. Allein, wer da zu schaffen macht, wo nichts zu tun ist, auch daß ihm bezahlt werde dafür, wer Dinge verwirrt und die Geschäfte vermehrt, um seinen Dienst zu ver mehren ; wer den Lohn für seine Arbeit wider rechtlich steigert und, so er es nur erhallen kann, auch das Dreifache und Zehnfache zu nehmen sich weder scheut noch schämt; wer sich erlaubt, selbst da Lohn zu fordern, wo er gar nicht gearbeitet hat, d. h. zu ernten auf einem Acker, da er keine Furche gezogen, kein einziges Körnlein gesäet hat und nicht einmal einen Unterschied macht, ob einer Witwe, ob Waisen, ob den Armen der Acker ge höre; wer nach dem Durst seiner Habsucht oder nach dem steten Hunger seiner Verschwendung mit langen Fingern und weitem Gewissen antastet, was nicht sein ist, unter allerlei Vorwand, wenn Augen auf ihn gerichtet sind, und ohne Vorwand, wenn er meint, es unbemerkt zu tun; wer die Gerechtigkeit teurer macht, als das Recht selber ist, wer Un- fit 96 Marine-Freund M. 24 gerechtigkett seil hak für jeden Meistbietenden und Parteilichkeiten beweist nach Gunst und Gabe: wer das tut in einer Kommune ) und in ihr, den nenn ich einen einheimischen Landesfeind. Ich glaube nicht beweisen zu dürfen, daß er das ist. Die ihre Schulter entziehen der Last deS Landes. Einer trage des ander Last, diese Apostelvermahnung, Gal. 6, 8, ist auch in unserm Verstände eine richtige. Heißt nicht jeder Ort, jedes Kirchspiel eine Kommüne? Kommün aber heißt eine Verbindung der Einwohner zur Ge meinschaft in allen bürgerlichen Leistuigen ach Pflicht und Recht. Wer zu dieser Gemeinschaft gehört, der hat die Pflicht auf sich, nach seinem Vermögen und Anteil die Last, di auf dem Ganzen liegt, mitzutragen, und jeder andere hat das Recht für sich, es zu fordern, zu fordern ohne Unterschied der Person. Im Kriege wird ergriffen, wer bereit steht; im Kriege wird genommen, was zur Hand liegt; da mag sich zurückziehsn, wer eine Ausflucht hat, da mag einer bergen, waS r zu verbergen Zeit und Gelegenheit hat. Allein schon während des Krieges pflegt eS zu geschehen, nach demselben geschieht eS allemal, daß nach Ordnung und Regel die Lasten verteilt, die Leistungen bestimmt werden. Wer bist du, daß du auf deine Schultern nichts nehmen willst? der du verleugnest, was du kannst, um nicht zur Hilfe gerufen zu werden? der du verleugnest, was du hast, um nichts her geben zu dürfen? Da haben sich genug in da- Schlepptau der Barmherzigkeit gebracht durch schlechtes Haushalten, willst du noch die Last der. mehren durch schleichende Künste, durch Schmeicheln, Schenken und Lügen dich frei machen von ge rechter, schuldiger Teilnahme? Sind deine Hände vielleicht zarter? ist dein Roß, dein Rind, dein Korn dir etwa teurer, als seine- dem Nächsten ist? und dein Geld mit saurerm Schweiß erworben, als ihm seiucs? Du behältst, er muß geben, für sich, aber auch für dich, vo seinem Fleiß für deine Faulheit, von seiner Notdurft für deinen Über fluß, von seiner Kinder Brot vielleicht ftr dein Schwelgen, für dein Huren, für dein Spielen, und er weiß nicht, wie es geschieht, er darf nicht sagen, was geschieht, trägt unter der schweren Last, die du hast schwerer gemacht, trägt, seufzt und er liegt, wenn Gott nicht hilft. Du bist ein LandeSfeind. Die ihre Augen vor beidem zutun. Es fi d nämlich Männer gewählt mit dem bestimmten Auf. trag des Prophetenwortes, Jer. 29, 7: Suchet der Stadt Bestes", die eigens wachen sollen davor, daß niemand seine Hände ausstrecke nach des Landes Gut, niemand seine Schultern entziehe des Landes Last. Sie stehen auf einem wichtigen, in unser Tagen besonders wichtigen Posten; sie sind die wahre Landwehr, Kirchspielwehr, zum Dienst der Gerechtigkeit und zur Abwendung der Ungerechtig keit bei uns eingeführt, wie nicht in allen Gegenden Holsteins. Es sind Männer aus unserer Mitte; es sollten sein lauter einsichtige, redliche und von Gemeinsinn beseelte Männer, die gestellet werden auf diesen Posten, nicht wahr? wie wohl es leider! hie und da so aussieht, als wenn Männer, ^Gemeinde. Daher heilte noch z. B. der Nurdruck Kommunalsteucrn, Kominnnalbchörde usw. die eS nicht sind, d n Vorzug haben. Wem x denn fehlet an den nötigen Eigesfchaften, an de Gemeinsinne, der sich selbst und seinen Vorteil und seine Freundschaft vergißt um andrer willen, oder an der Redlichkeit, die keinen Unterschleif duldet und in Ewigkeit nicht ihr Ja und ihren Name hingibt, um einen Betrug zv decken; wenn es fehlt an Einsicht, daß er weder die Sprach noch di Schrift versteht, in der Landes- und Kirchspielsache verhandelt wird, zu geschweige , daß er, wie L manchmal nötig ist, Gedanken und Pläne von ferne versteht; wessen Vermögenrumstände so schwach sind, daß er nicht zu rede wagt, wesseu Eitelkeit aber noch so stark ist, daß er nicht ab treten und seinen Platz einem andern rinräumeu mag; wer so feig ist, daß er schon zittert vor Menschen, die nur einen Finger breit höher stehen; wer so taub isst daß er nicht die Stimm des Publikums vernimmt und himmelschreiende Sü deu; wer so blind ist, daß er handgreifliches Unrecht nicht sehen, sonnenklare Schelmerei nicht erkennen kann, wenn ihm eine ausstößt wer wäre doch so blind! der tut seine Augen mit Fleiß zu, ist Hehler der Stehler, ist ein Landesfeind, daS ist er." Ja, in der Tat, da hast du recht, alter wackerer Klaus Harm-, da- sind La d sfeind auch heut noch nach 100 Jahren. DeutWanö, vergiß öen Luther nicht! Zum Reformation-fest ISIS gedichtet von R. Lennd. Deutschland, verriß den Lnther nicht, Den Mann, der selsengleich Mit aufgericht tem Angesicht Stand frei in Aottes Reich! Der in der Zeiten Not und Weh Do Schwert de Geiste- schwang, Und der in stürzend wilder See Durch Sturm und Wellen drang. Deutschland, vergiß den Luther nicht, Den Sohn au deinem BlutI Der Welt ein Held, der furchtlos ficht Um Sott, sein höchste- Aut. Den keine Schmach und Lüge schreckt Zu ängstlich schwacher Pein; Der uns die Perle hat entdeckt, Des Glauben- stark und rein. Deutschland, vergiß den Luther nicht, Den keine Macht zerbracht Der nichts kennt, al- Gewiffcn-pfiicht, Und der nur Sott erlag! Der ganzen grimmersüllten Welt Beut kühnlich er die Gtiru, Behält im Streit doch da- Feld, Kerndeutsch in Herz Hirn! Deutschland, vergiß den Luther nicht, In deiner schweren Not! Kämpf du wie er im Weltgericht Auf Leben und aus Tod! Steh fest, bleib stark und niemand Knecht, Dein Sach ist gut und groß! Gott schützt die Wahrheit nd da- Recht, Das zeigt dir Luther Lo t ... f : Sonntag: Psalm 136. Montag: Offb. 16. Dienstag: Offb. 30, 1 10. Mittwoch: Offb. 31, 1-8. Donnerstag: Offb. 31, 9-37. Freitag: Offb. 2,, 1-13. Sonnabend: Offb. 33, 18-31. , 1. Theff. 4, 18-18. 1. Theff. 6, 1-11. 1. Theff. 5, 13-88. 8. Theff. 1. 3 . Tbess. 3 . 2. Theff. 3. Psalm IIS. 161 17 . Sa fi an P , ; rot jWKtz J SW. NaT 3*W WMU L tu rtea * ; k e t 6 BUtt * Bf?. “ ‘ WM -iU ‘ " ” “ " * fcMa 1. ( . at WaJ ,rr ja ►* -, . SRmsm SX JU*Inhalt: Advent. urck, Buhe dem Reiche Gottes entgegen. Olde Claus Rann. der Jerusalcmlritter. Der Krieg nach dem Kriege. Die ergnügungssucht. Ein Vlümlein. Gottes Ruten. Marineheime. Tägliche Bibellesen. Der Gottessohn . . . Ihn umbrauste Sie Menge Ser Leute mit Lust, un- Lobgesang erhob freuSig Sas Volk, Sem waltenSen Sanken-, Saß er selber käme, Ser DaviSssproß, zu besuchen. 7* $ örm Heliand beim Einzug Jesu ln Zrrusalrm. lövent. Dein König kommt in niedren Hüllen, Sanftmütig, auf der Ef lin Züllen. Empfang ihn froh, Jerusalem I Trag ihm entgegen Zrieöenrzweig , Bestreu mit Maien seine Steige,- So ist dem Herren angenehm. € mächt ger Herrscher ohne Heere, Gewalt ger Kämpscr ohne Sperre, O Zrieöensfürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren Sen Lveg zu deinem Ehrone sperren, Doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. El Dein Reich ist nicht on dieser Erden, 2 Doch aller Erde Reiche erden O Dem, da du gründest, untertan. EI Bewaffnet mit de Glauben Worten, 2 Zieht deine Schar nach den vier Orten O Der Welt hinau und macht dir Bahn. El O Und wo du kommest hrrgezogen, 0 Da ebnen sich de Meere wogen, □ Es schweigt der Sturm on dir bedroht, o Du kommst, auf den empörten Cristen 6 Des Leben neuen Bund zu stiften □ Un schlägst in Zessel Sünö und d! v n 2lf n Schr krndorf. □ O Herr o großer Huld und Crrur, 2 G kowmr d auch jetzt auf neue O Zu n , die wir find schwer verstört! El Uot ist r , daß du selbst hienicden 2 Kommst z erneuen deinen Zrirden, O Dagegen dir Welt empört. El O G l ß drin Licht aus Erden fiegen, 6 vir Welt der insterni erliegen, O Und lösch der Zwietracht Glimmen au ,- O Daß wir, die Völker und die Chronrn, 6 vereint al Brüder wieder wohnen □ In deine großen Vater Haus l Durch Duße öem Reiche Gottes entgegen. Matth. 3, 1 und 2: Zu der Zeit kam Johanne der Täufer . . . und sprach: Tut Buhe, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. er gewaltige Adventsprediger, Johanne? der Täufer, trat zu einer Zeit im jüdischen Lande auf, in der den Juden die Aussicht auf eine Wieder erstehung ihres einst so herrlichen Reiches fast gänz lich genommen schien. Denn wie hätte es auch nur daran denken können angesichts der überwältigenden Macht des römischen Weltreiches, durch die das kleine Juda wie in einem Netz vollkommen eingesponnen war! Jeder Versuch wurde alsbald bis auf die Wurzel erstickt. In diesem Zeitpunkt bot sich dem unterdrückten Volk ein anderes Reich, kam ihm gleich sam ein Reich in Sicht aus der Hand, in der alle Reiche ruhen, der sich auch irdische Reiche nicht ent ziehen können. Das Reich Gottes nahte dem alten Volk, das noch immer mit Stolz sich Gottes Volk nannte. Was aber hatte dieses Volk, das längst von Gott abgesallen war, noch mit dem Reiche Gottes zu tun, was für ein Anrecht darauf nach all der Schuld, die es auf sich geladen, was für eine Fähig keit, zu diesem Reich durchzudringen, nachdem es sich durch tausendfache Sünden und Vergehungen selbst untauglich gemacht? Nur eins: Buße! Allein durch Reue und Buße konnte es dem Gottesreiche entgegen gehen: Tut Buße, sprach Johannes, das Himmel reich ist nahe herbeigekommen. Mit dieser Aufforderung kommt der gewaltige Adventsprediger nun auch wieder zu uns: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Unser liebes irdisches Vaterland, unser Deutsches Reich ist zur Zeit schwer bedrückt. Wie glänzend hatte es sich entwickelt und nun fast mitten aus einem beispiel losen Siegesläufe heraus die Stimme will ver sagen, davon zu sprechen. Wir wissen ja nicht, da wir dies schreiben, was geschehen sein wird, wenn ihr, liebe Leser, dieses lest. Das ist sicher: trübe, lange Zeiten sind jetzt für unser Vaterland angebrochen. Zwei Mächte, die schon längst mit ihrem Netz ge waltiger Welt- und Geldmacht den halben ErdkreisLeite 98 Marine-Freund Kr. 25 für sich eingesponnen hatten,.drohen uns mit Ver nichtung, mit solcher Vernichtung, daß uns keine Möglichkeit fürderhin bleiben soll, uns wieder aufzu- richren. Das Reich, unser liebes deutsches Reich, will unseren Augen entschwinden, will den Händen, die es festhalten wollen, entsinken. Was bleibt uns noch? Eins bleibt uns noch: das Reich, von dem Luthers Heldenlied singt: Das Reich muß uns doch bleiben." Jetzt, da der Glanz unseres irdischen Reiches verbleicht, da es ist, als ob es im Abziehen sei, da naht das andere, unvergängliche, himmlische Reich, das Reich Gottes. Das Reich Gottes ist im Anmarsch trotz allem, was geschehen ist und geschehen wird und geschehen kann. Ja, gerade darum. Darum ist uns der Sinn dafür geschärft. Darum erkennen wir, was es bedeutet. Darum fühlen wir sein Kommen. Aber fühlen wir es wirklich? Sind wir ihm denn nicht ferner als je? Sagen nicht Kämpfer rechts und links und überall, daß sie gerade jetzt nichts sehen, nichts erkennen, nichts fühlen, nichts wissen noch wissen wollen von diesem Reich, daß es überhaupt nichts sei mit einem solchen Reich? Wo ist es denn? fragen sie. Nun, wir antworten nicht: hier oder da ist es, denn es ist ein unsichtbares Reich, ein Reich des Geistes, ganz innerlich ohne alle Äußerlichkeiten. Aber das sagen wir: man kommt ihm entgegen nur aus einen: Wege. Durch Buße, ernsthafte Buße. Durch Umkehr vom Wege der Sünde, der Gottent fremdung, des Abfalls vom Glauben. Durch Umkehr, die da ist eine Heimkehr zum Vater, zu Gott. Volk, deutsches Volk, tue Buße, kehre dich zu deinem Gott, der zu dir kommen will. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewußt. Laß ab von der Sünde, die dein Verderben gewesen ist auch in diesen langen Kriegsjahren, die dir den Sieg aus den Hän den genommen. Durch das Tor der Buße geht es dem heute noch wie einst so herrlichen Gottesveich ent gegen. Das ist der Adventsweg für dich, mein deut sches Volk. Beschreite ihn und auch dein irdisches Reich wird dir unverloren sein. Amen. 8. F. Müller. Keiner bekommt den Zucker göttlicher Gnade zu schmecken, er habe denn zuvor in die Myrrhe der Buße gebissen. Heinrich Müller. Erquickstundcu. Glöe (laus Nann, -er ^erufalems- ritter. 2tuä Klaus Harms Gnomon ) Eine merkwürdige Geschichte. Zu Lunden in Dithmarschen steht auf dem Kirch hof ein Grabstein, der die Inschrift trägt: Olde Claus Nann, Jerusalems Ridder." Die Nann ge hörten mit zu den angesehensten und berühmtesten Dithmarscher Geschlechtern, von denen die Geschichte manches aufbewahrt. Vor etwa hundert Jahren sind *) In dem Abschnitt der Cicerone auf dem Lundener Kirchhofe. sie ausgestorben. Von jenem Olde Klaus Nann aber weiß die Sage folgendes zu erzählen: Von Hamburg aus, wo die angeseheneren Dith marscher Bauern damals ebenso bekannt waren, wie sie es jetzt in Heide sind, wurde Klaus Nann mit Geld und Wechseln auf seiner Reise nach dem heiligen Land versehen, in Jerusalem aber kam sein Wechsel nicht an zur bestimmten Zeit. Unser Ritter war ver legen, wußte und wagte in dieser fremden Stadt keinen Menschen anzusprechen und ging traurig um her. Siehe, da redet ihn ein Bettler an, warum er so traurig sei. Nann erwiderte: Du kannst mir doch nicht helfen. Der Bettler: Das kannst du nicht wissen, ich aber glaube es, sage mir nur deine Not. Nann: Mein Wechsel bleibt aus. Der Bettler: Da hast du Geld (und reichte ihm einen Beutel mit Gold stücken), brauchst du mehr, so Hab ich mehr. Nann, voll Erstaunen: Du? und warum tust du das bei mir? und wie erhältst du das Geld wieder? Der Bettler: Ich bin in deinem Hause gewesen, du heißest Klaus Nann und wohnst in Kleinlehe, dicht an Lun den (wo jetzt der Hausmann Johann Peters Witt wohnt), und ich komme nach ein paar Jahren wieder zu dir in dein Haus, das Geld selber abzuholen. Er stellte sich nach ein paar Jahren auch richtig ein, eben an einem Tage und zu einer Stunde, da Nann mit vornehmen Gästen bei Tisch sitzt. Nann erkennt ihn schon an der Tür und geht auf ihn zu und führt ihn bei der Hand auf den besten Platz, legt ihm reichlich vor und erzählt den verwunderten Gästen die ganze seltsame Geschichte. Bleibens aber hat der Bettler nicht bei ihm, soviel er auch gebeten wird, er nimmt sein Geld wieder und läßt sich von dem dankbaren Mann nicht ein Mehreres aufdringen. Die Gäste fragten ihn, wie er doch bei solchem Reichtum eine solche Lebensnot führen möge? Das soll nun auch aufhören, antwortete er. Damit ging er fort, und niemand hat erfahren, wohin er gegangen ist." Der Krieg nach öem Kriege. AuS Klaus Harms Predigt. Wir brachten in der vorigen Nummer den ersten Teil dieser Predigt, in der Klaus Harms die Frage stellte: Wer sind die Feinde? und sie beantwortete: die ihre Hände, ausstrecken nach dem Gut des Landes, die. ihre Schultern entziehen der Last des Landes und die ihre Augen vor beides zutun. Nunmehr bringen wir den zweiten Teil der Predigt. Welches sind unsere Waffen? Harms sagt dar über folgendes. Was hilft s, daß die fremden Feinde weg sind, falls noch solche unter uns Hausen? Dann ist es Friede und doch nicht Friede, indem es ja hergeht, als wäre noch Krieg. Lasset denn Krneg sein, Brüder! Ihr kennt die Feinde. Ich habe gesagt, welches stie sind; ihr findet dann selber leicht, wer sie sind und wo sie sind, die Namen zu den Bezeichneten. Jedoch, wer in den Krieg gehen will, der untersucht vorher, mit welchen Kräften und Waffen, ob er auch ver mögend sei, etwas wider den Feind auszurichten. Ihr habt Waffen von dreierlei Art, nämlich das besse- re Beispiel, das freie Urteil und die gerichtliche Klage. Mit diesen Waffen geht aus wider einheimische Lan desfeinde.Nr. SS Msrine-Frcund Seite 99 Das bessere Beispiel. Das Böse steckt an, aber das Gute auch, wenngleich in geringerem Grade. Wer schlechte Menschen zu seiner Rechten und zu seiner Linken hat, wer es sieht, wie man seine Hände nach fremdem Gut.ausstreckt und beide Hände sedesmal Doll wieder einzieht; wer dahinter kommt, wie einer von seinen Schultern abwälzt die gemeinsame Last und seinen Teil anderen aufzubürden versteht; wer die Reden solcher Menschen anhört und ihre Entschuldi gungen und ihre Befürchtungen: der ist in Gefahr, ihnen gleich zu werden. Die Augen der Lust sehen auf jedem Baum eine verführende Schlange, und die böse Lust erwacht so leicht in der verderbten Men schennatur! Aber das Gute steckt auch an. Tretet, ihr besseren Menschen, den Schlechten unter die Augen mit eurem besseren Beispiel und lasset euer Licht leuchten vor ihnen. Matth. 5, 16. Zeigt ihnen eure Wahrhaftigkeit, die sich kein falsches Wort erlaubt zu eigenem Vorteil eure Redlichkeit, die jedes Ver sprechen hält, auch das zu eigenem Schaden euren Abscheu vor jedem unrechtmäßigen Schilling, deren einer doch auch zehn rechtmäßige verzehrt eure Aufopferung, die keine Arbeit für zu sauer, kein Gut für zu teuer hält, wenn der Menschheit damit gedient wird und eure Scheu vor dem Gelde, wenn ihr Pflicht- und Liebeswerke verrichten sollt. Schrecklich steht es im Lande, wenn kein Mensch etwas mehr um sonst tun will, da bleibt das Beste und Nötigste im mer ungeschehen. Umsonst," spricht man, ist der bittere Tod," aber auch die ewige Seligkeit," setzet hinzu; für Geld," sprechet ihr, ist des Landes Ver derb und Untergang," und zeigt den Mietlingen eure Uneigennützigkeit, ob sie sich schämen, wenn noch Scham in ihnen ist, und von ihren! landesfeindlichen Gesinnungen abstehen, fahren lassen die Beute, welche vielleicht schon mit der einen Hand ergriffen ist. Das freie Urteil. Und wenn noch eine Ader von Scham in ihnen ist, so werdet ihr viel ausrichten mit dieser Waffe. Woher sind die Feinde so kühn und so frech? Weil sie nicht wissen, was von ihnen ge redet wird, weil sie nichts hören als Höflichkeiten und Schmeicheleien, allenfalls ein Wort des Tadels hier und da, das wie in Übereilung gesprochen ist und unter Bitten und Vergebung wieder zurückgenommen wird. Nicht so feige! Vor der Wahrheit fliehen andere Tyrannen, als mit denen ihr könnet zu tun haben, die Stimme der Wahrheit klingt ihnen wie eine Labung in das Tal Josaphat, zur strengsten Rechenschaft. Joel 3, 7. Nicht so feige! Merket ihr etwa nicht, daß die Feinde furchtsam sind, unge- acht sie kühn und frech auftreten? merkt ihr s daran nicht, daß sie sich mit Unwissenheit umgeben und mit Geheimnissen panzern? machten s gern zu lauter Geheimnissen, was öffentliche Sache, was Landes und Kirchspielssache ist! Nehmt die Waffe des freien Urteils und erfahret, wie bange der Feind vor ihr sei. Aber führet sie recht; nicht sowohl unter vier Angen mit dem Schlechten, auf daß ihr nötigenfalls- vor seiner Verfolgung könnt fliehen auf die Tümpel des Leugnens: sondern vor so vielen Zeugen als möglich, auf daß euer Wort das andere Wort wecke und aus jedem Auge die Pfeile der Verachtung auf den Schändlichen fliegen. Führet sie recht, diese Waffe; nicht dann und wann, dieses Jahr und über ein Jahr wieder, daß allemal die Wunde heilen könne: sondern so oft ein Anlaß gegeben wird, bei kleinen wie bei großen Ungerechtigkeiten, daß immer tiefer werde die Gewisienswunde und nicht heilen könne, eh sie gewaschen wird mit den salzigen Tränen des Bekenntnisies und der Reue. Euer Mitleid irre nicht! Wem gebührt euer Mitleid, den! Drängern oder den Bedrängten? den Wenigen, die ihren Raub auskehren sollen, oder den Vielen, die durch Räube reien geplagt und geängstigt werden. Spricht David: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das tut!" so sage Nathan zu ihm kühn und getrost: Du bist der Mann!" Nach 2. Sam. 12. Die gerichtliche Klage war die dritte Waffe, auf die ich wies, als mit der gekämpft werden soll gegen einheimische Landesseinde. Stehet denn nicht offen gottlob, nun wieder offen von jedem Ort aus der Weg zu den Gerichtsstühlen, von dem niedrigsten bis zu dem höchsten, wo der gerechten Sache richtiger Vortrag sein Gehör findet? Was klagt es denn einer dem anderen, wenn je bei uns Unrecht geschieht, und wird die Klage nicht weiter vernommen als bei uns! Suchet das Recht, und wird einem der Weg zu schwer, gehet ihn in Gesellschaft. Ermüdet nicht, wenn es der List oder der Bestechung auch gelingen sollte, euch jahrelang in Arabiens Wüste herumzuführen. Wir sind in Kanaan, sobald keine Feinde mehr unter uns sind. Darum werden! so manchmal die Obrigkeiten verschrien, als wenn sie das Unrecht behüteten, weil vor ihnen die Klagen nicht laut werden. Sie aber müsien vertrauen den Männern, welchen Amt und Würde gegeben sind, und können nichts Böses fürch ten von Männern, die heiligen Schwur abgelegt haben, und bleiben ohne Schuld, während die Feinde ungestört und ungestraft das Land plündern. Des wegen werdet vor allen Gerichtsstühlen laut, wenn ihr die Taten eines Betrügers wahrnehmt! wer auch sei der Betrüger, euch wird Gerechtigkeit werden gegen ihn. Norderdithmarschen sollte wohl zwei Exempel kenüen, eines Harders aus neuer Zeit und eines Fehrings aus alter Zeit: die waren mächtige Landesfeinde und mußten doch fallen, als man mit den rechten Waffen wider sie auszog. Denn Wer seine Höh Ach und Weh gebauet hat, muß fallen." Die Vergnügungssucht. Aus einer Bußtagspredigt von Arndt, Juli 1843, zu Berlin, die man sich heutzutage wieder, wie in Berlin, so an vielen anderen Orten sollte gesagt sein lassen. Der dritte Götze, dem die Welt (außer dem Gelde und der Ehre) dient, ist die Lust und das Vergnügen. Dieser Götze steht noch höher als der des Geldes und der Ehre. Ihm zu Gefallen scheut man weder Ausgaben noch unwür dige Bemühungen. Man arbeitet nur, um reich zu werden, man wird nur reich, um eine Stellung in der Welt einzu nehmen, man nimmt nur eine Stellung in der Welt ein, um das Leben auf alle Weise zu genießen. Genußsucht, ach, sie herrscht schon bei denen, die noch nichts gearbeitet haben, die noch nichts geworden sind. Willkommen daher jeder, der neue Mittel und Gelegenheit gewährt, diesen brennenden Durst nach Genuß und Vergnügen einigermaßen abzukühlen! Seien es abgerichtete Tiere oder abgerichtete Menschen, gleich viel, wenn es nur etwas Neues, noch nie Dagewesenes zu scheu und zu hören gibt. Ihnen strömt die große Menge zu. Müßte sie unermeßliche Eintrittsgelder zahlen, sie zahlt sie und will lieber Schulden über Schulden machen oder darben und hungern, als das Vergnügen des langersehnten Abends entbehren. Müßte sie stundenlang warten, sie wartet. Müßte sie in der stickendsten Lust aushalten, sie hält aus. Müßte sieCiitt 100 r. } ihre Gesundheit auss Spiel setzen und in Lebensgefahr sich stürzen, sie setzt sie aufs Spiel und stürzt sich in die Gefahr. Sie läßt sich drängen und stoßen, sie läßt sich die Kleider vom Leibe reißen, sie läßt sich mit Füßen treten um eines flüchtigen Genusses, um eines sinnlichen Rausches willen. Dieselben Menschen, die sonst so nüchtern und so besonnen handeln, geraten in eine Aufregung, daß sie gar nicht wieder zuerkennen sind, und bald sich völlig albern und kindisch be tragen, bald alle Vernunft verloren zu haben scheinen und durch ihre Übertreibungen dem allgemeinen Gelächter und Spotte sich preisgeben. Wehe, wer es wagen wollte, diesen sogenannten Kunstgenuß zu stören! Kein Scheltwort ist zu niedrig, welches die sogenannte gebildete Welt nicht in leiden schaftlicher Wut gegen ihn in Bewegung setzte. Ja, diese Ver gnügungssucht, diese Überschätzung und Vergötterung der Kunst ist so tief in das Mark des Volkslebens eingedrungen, daß kein Lehrer, der unter viel Arger und Not seinem schweren und verdienstvollen Berufe jahraus jahrein nach geht, kein Beamter, der vom frühen Morgen bis in die späte Nacht iin Schweiße seines Angesichts die schwierigsten Auf gaben löst und bearbeitet, kein Krieger, der fürs Vaterland sich hat zum Krüppel schießen lassen, so bezahlt und besoldet, kein König sogar so gefeiert und verehrt wird, wie diese nur das Kurzweil befriedigenden und den Genuß sättigenden, oft so losen Künstler und Künstlerinnen. O, wenn Paulus heute durch unsere Straßen ginge wie einst in Athens Mauern, er würde auch zu uns sagen: Ihr Männer von Berlin, ich sehe euch, daß ihr in allen Stücken allzu abergläubisch und heidnisch seid. Ein Slümlein. Lied aus dem 16. Jahrhundert, unbekannt von wem. Ich weih mir ein Blümlein, hübsch und fei , Es tut mir wohl gefallen: Es geliebet mir in dem Herzen mein Für die andern Röslein allen. Das Röslein ist das göttlich Wort, Das uns Gott hat gegeben; Es leucht uns durch die enge Pfort Wohl in das ewige Leben. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort Wohl in das ewige Leben. Wer Reu für seine Sünden trägt, Dem find sie im Glauben vergebe . Er spricht: Tret alle her zu mir, All, die ihr seid beladen, Ich will nach eures Herzens Begier Euch heilen euren Schaden. Nehmt hin, esset, das ist mein Leib, Den ich euch jetzt tu schenken; Ich verschreib euch all mein Gut dabei, Daß ihr mein sollt gedenken. Nehmt hin, trinket, das ist mein Blut, Das Hab ich für euch vergossen; Nehmt hin, solchs tut, so oft ihr s tut, Wie ich s Hab euch gelassen. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, Wohl durch das bitter Leiden, Daß du für uns gestorben bist, Du wollst nicht von uns scheiden. Nimm uns für deine Kinder an, Daß wir dich allzeit loben; Dein Wort bekenne jedermann Durch Jesum Christum. Amen. Gottes Ruten. Von Gustav Schüler. Und ob uns seine Ruten Zergeißcl bis auss Blut, Und ob uns große Flute Amdräun mit Wetterwut, Er läßt uns nicht verderbe ,. Sein Vaterherz zerbricht: Wohl läßt er Blüten sterbe , Die Wurzel trifft er nicht. .Die Stürme, die entglömme , Hat er ins Joch gespannt. Und alle Schrecken kommen. Aus einer Vaterhand, Wir landen hoch in Lachen, Er schlug uns hart zu Grund Und will uns besser machen An Seele und an Mund. Glut, Gier und Tanzgetöne, Wie Lampen löscht er s aus. Wieviel verlorne Söhne Sind auf dem Weg nach Haus. Die tief verfallen waren, Holt er mit Gnaden ein. Die seine Straßen fahren. Sollen wohl behütet sein .... All, die des Lands vergaßen, Dazu er uns gemacht, Bringt er aus seine Straßen Aus Irrung und aus Nacht. Das ist sein groß Erbarmen, Das erst mit Ruten schlägt Und dann auf Vaterarme Sein Kind nach Hause trägt. v { Zür -ie dienstfreien Stunörn -er Kameraden bieten-ieMarineheimer Ersatz fü schlechte Kneipen nd Lokal ; rfastrene Hauseltern, die den Besuchern mit Rat und Tat dienen nd für ihre leibliche Erquickung sorgen; Lehrkurse zu planmäßiger Weiterbildung; gute Büchereien und Zeitschriften zu unentgeltliche Benutzung; Vorträge und Veranstaltungen belehrender Sri; religiöse Versammlungen; Tageszeitungen au allen deutschen Saue . Wer in der dienstfreien Zeit bei finniger Unte - haltung gute Kameradschaft pflegen und eine Stunde de Sammlung und seelischen Erhebung haben möchte, sei nachdrücklichst auf den Besuch der Vtariueheime hingewiesen, deren Adressen z. Zt. folgend find: Uhlhorn, beim Flugplatz. Cuxhaven: Villa Scedeich Nr. 10. Emden: Seemannsheim, vor der Schleuse am Außenhafen. Flensburg: Große Straß 67. Kiel-Wik: Adalbertstrahe (gegenüber den Kaserueich. kiel: Gartenstraße 12. Scheuen b. Celle, im Schulgebäude. Sonderburg: Brückenstraßc 2 ( Alsenheim"). Warnemünde: Ilm Strom 28. Wilhelmshaven: Wallstraß 3 . Helgoland: Bei der Kirche. Tägliches HLbeliefen. Sonntag: Psalm 82. Montag: Jes. 11. 1-10. Dienstag: Jes. 3 . Mittwoch: Jes. 42, 1 L. Donnerstag: Jes. 4S, 1 18. Freitag: Jes. 1. Soun deud: Jer. 81, 23 34. Luk. 1, 34-40. Röm. 1 , -1S. Luk. 7, 18-23. Matth. 12,  21. Apg. 13, 43 4*. Luk. 4, 14 22. Matth. 11. 25-80. tal Wochenblatt Mari -Ar ^" kann ftfengtit iifHItx. Bi; n 7 CM , . 2l me tun gen bei de, Post; von 1 S Stück an kotzet da vielt I Uf . nd Port : wenig ! jährlich 2 Mt. da Stück. *y. dl, aeiaifrlffet -e *-. . *R8 w and JünaUnäßbunde , Huu-bn -4 r, vroanortze. 11, Xni s Lehmen, * B m h d, H st chd ut i, Schdnberg !. Meckl .Schristleitung: Kr. 26. Teschrvaderpfarrer S. I. Müller. L Advent. 22. Zezember 1918. Verlag des NordL. Männer- und Jünglingsbundes, E. V. lAug. Schröder) Hamburg 5, Brennerstr. 17. Ichrg- Inhalt: Der Weihnachtsstern. Welt ging verloren, Christ ist gebor.n. Ein Weihnachtstag in Südwcst. Zwei Weihnachts bilder aus alter Zeir in deutscher Dichtung. Der Krieg nach dein Kriege. Weihnacht. Rosen an den Dornen. Einsam auf hoher See Tägliches Bibellese . . - HeutS Ist gebor m Christ, .... Unö hat vsn uns weggenommen ^lles Weh, alles Weh, alles Weh. Kantor Nikolaus Hermann von Ioachimsthai. Der wLihnachtsstern. O Stern, so hoch im Blauen! Was willst du dieser Zeit? Laß ab, uns anzuschauen In unsrer Traurigkeit! O Freund! Zch stand wohl immer Fremd über eurer Welt, Obgleich mein ewger Schimmer Zu ihre Rächte fällt. Es kann die alte Erde Nicht Sternenheimat sein; Doch senkt in ihre Fährde Sich ewges Licht hinein. Des sollst du fröhlich werden Zu dieser Gnadenfrist; Es gibt etwas auf Erden, Das nicht von Erden ist. Kein trübstes Dunkel trennet Vom Himmelslicht die Nacht. Wer dies Geheimnis kennet, Den hat es froh gemacht." O Stern, so hoch im Blauen! Du hast gar holden Schein! Mir fällt von deinem Schauen Viel Licht ins Herz hinein! Theodor Haering. wett gmg verloren, Christ ist ge boren. Lukas 2, 11: euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. ^jct, fo war es in der Tat. Welt ging verloren. J Die ganze Welt, in die das Christkind hineinge- boren wurde, die ganze damalige Welt in ihrer Pracht und Herrlichkeit, in ihrer Macht und ihrem Reichtum, ihrer großen Kunst und tiefen Gelehrsamkeit, mit ihrer Gewalt, einer die Volker in ihr Joch spannenden, über den Erdkreis gebietenden Herrschaft, diese ganze trotz äußeren Glanzes innerlich doch so faule und ver dorbene Welt ging verloren. Und daß es eine Rettung gab für die Menschheit, für die Völker, für die Seelen aller, die auf das kommende Heil warteten, das kam einzig und allein durch die Geburt des Christ, des Heilandes. Inmitten des furchtbaren Zusammen bruches war schon die Rettung da. Die Welt ging ver loren, Christ ist geboren. Neue Welten sind seitdem gekommen und sind auch wieder gegangen. Uns Deutschen ist es heute, als ob eine Welt uns zerschlagen wäre. Eine Welt, die war, und eine, die kommen sollte.. Eine Welt, daran wir uns freuen durften, seit unser Vaterland geeint neu erstanden war, eine Well voller Glanz und Sonne, eine Welt, die freilich auch tiefe, grauen volle Schatten zeigte, die wie andere Welten erfüllt war von Sündenschuld und Sündenelend. Eine Welt wiederum auch, die wir uns in Gedanken besser undSeite 102 Marine-Freund r. 26 schöner aufbauten für die kommende Zeit. Nun liegt sie wie zerschlagen. Sie ging verloren. Und es ist uns zu mute, als ab man sagen müßte: Der soll erst noch geboren werden, der da noch helfen kann, der uns da heraus zum Heil, zur Rettung führt. Aber daß wir nicht denken, uns widerführe Son derliches. Es wird auch anderen so gehen. Auch eure Welt, ihr Feinde deutschen Wesens, ist nicht für die Ewigkeit. Auch eure Welt nicht, ihr Angelsachsen, die ihr jetzt triumphierend glaubt, das Joch angel sächsischer Weltherrschaft Völkern, die von Völkerbund träumen, aufzwingen können. Auch deine Welt, Wilson, du Beherrscher des Mammonslandes, wird untergehen, und-es wird von ihr eines Tages heißen: sie ging verloren. Und daß wir nicht nur an dem Sicht baren haften: auch die unsichtbare Welt des bösen Geistes, diese furchtbare Welt, die ohne Grenzen über all auf Erden ihr Wesen hat, diese Welt ohne Gott und voll Haß gegen den, den er als Mensch für uns hat geboren werden lassen, diese Welt, die uns un bedingt von Gott abbringen, das Heil rauben und damit uns ins Verderben stürzen will, auch von ihr gilt es und wird es gelten: sie ging verloren. Wer aber rettet uns aus diesem Abgrund des Verderbens? Kein Mensch, keine Gewalt, kein Reich, keine Herr schaft, sie mag heißen, wie sie wolle. Wie mit Ge walt will es sich einem wiederum aufdrängen: der müßte erst geboren werden, der da noch retten kann. Und doch: er ist geboren. Er ist längst geboren. Wir feiern heute wieder seine Geburt. Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Wir verzagen nicht im tiefsten Zusammenbruch, wir verzweifeln nicht an Rettung. Er ist da, auch unseres Volkes Heiland. Jubelnd singt das deutsche Lied : Christ, der Retter, ist da. Wenn wir nur der Botschaft das Herz öffnen wollten I Dreieinhalb Jahre haben wir uns bemüht, in diesen Blättern zu zeigen, wie alles bei uns Deutschen immer wieder zu diesem Netter hinführt als dem, der uns helfen kann und will. Nun geschieht es zum letzten mal. Und ob wir uns auch das Haupt verhüllen möchten vor Weh um des Vaterlandes Not, mit größerer Gewißheit und größerer Freudigkeit ist es nie geschehen als heute. Wir haben viele Weihnachten gefeiert, daheim und draußen, an Land und zur See, und immer bänger wollte uns werden um all des Tuns und Treibens willen, das sich um den Weih nachtsbaum entfaltete. Heute, da uns alles genommen ist, da wir dastehen nackt und bloß, da wir im tiefsten Innern die uns anhaftende Sünde und Schande fühlen, sind wir getrost: Euch ist heute der Heiland geboren. Heute, da unserem Leben alle Freundlichkeit genommen scheint, hören wir um so deutlicher das Weihnachtswort an uns, das beginnt: Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unseres Heilandes, und das schließt: Das ist gewißlich wahr. Ja, das ist wahr, und wer es singt, der merke darauf: Christ, der Retter, ist da! Welt ging verloren, Christ ist geboren. Amen. K. F. Müller. Ein weihnachtstag in Süöwest. Erlebnis eines deutschen Ansiedlers. Es war Ende des Jahres 1897, so erzählt Frau Margarete von Ekenbrecher in ihrem Buche Was Afrika mir gab und nahm," als mein Mann, Thennis v. E., nach Franzfontein im Norden des Schutzge bietes von Deutsch-Südwest ziehen mußte. Das Erlebnis ihres Mannes, das sie nun folgen läßt, ist es wert,, weithin bekannt zu werden. Herr v. E., dem damals weder Pferd noch Ochsen gespann und Wagen zur Verfügung standen, und der keine Gelegenheit fand, sich einem Wagentransport anzuschließen, machte sich allein von Okombahu aus über Ais auf den Weg. Mit ihm ging ein Hcckten- tott, der sein drei Jahre altes Kind trug, sowie den Proviant. Herr v. E. trug Schlafdecken, Gewehr und Wassersack. Die Herero schüttelten die Köpfe über den Plan und wollten auch nichts von gefallenem Regen wissen, der nach Aussage eines alten Engländers in der Richtung des Weges gefallen sein sollte. Allein wegen einer getroffenen Verabredung wollte Herr v. E. die Reise nicht aufgeben. Nach einem öde verlebten Heiligabend brach er am ersten Feiertag um 3 Uhr früh auf und marschierte mit seinem Begleiter querfeldein, um am Nachmittag gegen 4 Uhr Dawib-Urib zu erreichen. Lassen wir nun Frau v. E. weiter erzählen. Da sie bestimmt erwarteten, dort Wasser zu finden, so hatten sie den mitgenommenen spärlichen Vorrat bereits am Vor mittag verbraucht. Je näher sie Dawib-Urib kamen, desto bedenklicher sah die Gegend aus. Umsonst spähten sie nach grünen Halmen und frischem Blattwerk, dem Kennzeichen kürzlich gefallenen Regens. Als sie dann die Pütz erreichten, war diese ausgetrocknet, und erst nach etwa einstündigem Graben gelangten sie an ein wenig feuchten Sand. Da war nichts zu machen. So gingen sie nach kurzer Rast weiter in der Hoffnung, im Gebirge, in den Vleys Wasser zu finden. Kurz vor Mitternacht langten sie dort an. Auch die waren aber gänzlich ausgetrocknet. Es blieb ihnen weiter nichts übrig, als das vor Durst gänzlich ermattete Kind, dem bereits die Lippen aufsprangen und die Zunge braun und rissig wurde, zu beruhigen, so gut es ging, und hungrig, wegemüde und über alle Be griffe durstig schliefen sie endlich ein nach zwanzig- stündigem Marsche. Den nächsten Morgen machten sie sich wieder längst vor Sonnenaufgang auf den Weg und hofften, wenigstens am Abend nach Chorichas, der nächsten Wasserstelle, zu kommen. Solange die Kühle anhielt, ging es auch; aber mit der Sonne stieg der Durst und die Glieder brannten, so daß sie sich kaum weiter zu schleppen vermochten. Der Hottentott war so schlapp, daß er das Kind nicht mehr tragen konnte, sondern es in Verzweiflung zurücklassen wollte. Da erbarmte sich mein Mann seiner und band es sich in seinen Schlaf decken auf den Rücken. Es hing aber wie Blei an ihm und hinderte ihn sehr am Weiterkommen.. Um die Mittagszeit bis 4 Uhr mußten sie lange Rast machen, weil sie in der Hitze nicht mehr fähig waren, auch nur eine Meile weiter zu marschieren. Erst spät am Abend erreichten sie den Vorläufer des Ge birges, in dem Chorichas liegt. Nach dem Wasser waren es noch Stunden zu gehen. Der Hottentott warf sich verzweifelt zu Boden und weigerte sich, auch nur einen Schritt weiterzugehen, ohne abermalige Rast. Matt und wimmernd hing das Kind auf Thennis Rücken. Da überlegte er, was tun. Die Nacht war finster; er selbst des Weges unkundig. Den Hotten-Nr. 26 Marinc-Freund eite 103. totten liegen lassen, verbot Christenpflicht. Der Durst war schier unerträglich. Er unterhandelte mit seinem Begleiter: Wenn ich eine Wage hier hätte, und ich legte den Durst in eine Schale und die Müdigkeit in die andere, ich frage dich, welches wird die schwerere sein?" Da stöhnte er: O Herr, gleich schwer sind die Schalen. Aber bedenke: Unser Körper verlangt die Ruhe, die können wir ihm gleich geben; er schreit nach Wasser da müssen wir noch viele Stunden laufen, um es zu bekommen. So laß uns ruhen!" So blieben sie über Nacht am Rande des Gebirges. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, da wachten sie auf. Und im Fieber schlugen die Glieder aneinander, die Füße bluteten, und die Sprache war nur mehr ein leises, heiseres Krächzen. Das Kind jammerte leise vor sich hin, und der Hottentott mußte mit Kolbenstößen Vorwärtsgetrieben werden. Er warf sich ins Gras, umklammerte Thennis Knie, bat ihn, er möge ihn doch totschießen und seine Qualen beenden. Und mein Mann schlich vorwärts mit dem zeitweise bewußtlosen und dann wieder tobenden Kinde. Seine Gedanken verließen ihn, rot schwamm es ihm vor den Augen, er setzte seinen Weg noch fort, an den einen Wunsch sich anklammernd: Nur noch Kraft behalten bis zum Wasser, sonst sind wir alle verloren. Schließlich, als die Sonne im Mittag stand, langten sie an der Pütz an. Mit einem Jubelruf, als würde ihnen das kostbarste, seltenste Geschenk, stürzten sie sich auf das ekle Loch mit dem trüben schlammigen Wasser. Sie nahmen sich nicht Zeit, es zu schöpfen. Lang streckten sie sich nieder und schlürften es gierig. Aber der Magen versagte den Dienst. Thennis trank dreimal und dreimal kam es wieder, und erst beim viertenmal behielt er die vorsichtig genossenen spärlichen Tropfen bei sich. Sowie sie sich sattgetrunken hatten, legten sie sich nieder, und tiefer traumloser Schlaf umfing sie. So fand sie eine Patrouille, die, von Franzfontein kommend, Befehl hatte, die Wasserstelle abzusuchen nach feind lichen Swartbois, denn es war gerade während des Swartboi-Orlogs. Sie nahmen sich meines Mannes an und auf einem ihrer Reservepferde erreichte er wohlbehalten Franzfontein. Der Hotentott kam auch bald nach ihm dort an. Das Kind hat lange Zeit schwerkrank daniedergelegen. Wir glauben es der tapferen Frau v. E., wenn sie der Erzählung von diesem Erlebnis hinzufügt: Dies Weihnachtsfest bleibt uns unvergeßlich." Zwei Wechnachtsbüöer aus alter Zeit in deutscher Dichtung. Bo Walter von der Vogelweide. 1200. 1. Die Magdeburger Weihnachtsfeier. Zu Magdeburg, am Tag, da unser Herr geboren Von einer Magd, die er zur Mutter sich erkoren, Ging König Philipp schon und tndelsohneck) Da gingen König, Kaisers Bruder, Kaisers Kind, In einem Kleid, wenngleich der Namen dreie sind: Er trug des Reiches Zepter und die Krone. Gemessenen Ganges schritt er daher, Die hochgeborne Königin schritt hinterher, Ros ohne Dorn, ein Tänblein sonder Gallen, Solch Zucht sah mau nie anderswo: Die Thüring und die Sachsen dienten ihm dort so, Das; es den Weisen mußte Wohlgefallen. 2. Des Kaisers Sohn und die Kinder von Worms. Ans Ernst v. Wildenbruchs Kaiser Heinrich. 1. Akt, 7. Auftritt. (Kaiser Heinrich IV. und sein Sohn Konrad in cineni Schloß in den Trientiner Alpen oberhalb des Gardasees.) Kaiser Heinrich: Weißt du von Gottes Stimme im Men schen nicht? Konrad, mein Sohn, der du ihn suchen willst mit dem Schwert in der Hand, glaube deinem Vater: wer Schlachten gesehen hat und Krieg, der weiß, daß Gott im Schlachtfeld nicht wohnt. Du hast seine Stimme ja gehört, weißt du nicht mehr, wie sie klang? Der Wintcrnacht ge denke, als du ein Kind warst, der Weihnacht in Worms. Als einsam um dich war, dunkel und kalk, wie die Kinder von Worms zu dir hereinkamen, dir ihr Spielzeug in die Hände drückten, wie dein junges Herz aufjauchzte in Freude und warm wurde in Liebe weißt du s nicht mehr? Konrad (bricht in Tränen aus): Meine Mutter! Meine Mutter! Kaiser Heinrich: Deine fromme Mutter ja. Was aus dem Munde jener Kinder sprach, was aus dem Herzen der Männer sprach, die hinter ihren Kindern standen, Konrad, das war Gottes Stimme, nd in der Stube zu Worms, da war sein Reich. H Philipp von Schwaben, Bruder Kaiser Heinrichs VI., Sohn Kaiser Friedrichs I., selbst deutscher König seit 1198. Sein Gang zur Weihnachtsfeier im Dom zu Magdeburg 1199 ist durch das Gedicht Walters von der Vogelweide berühmt geworden. Der Krieg nach öem Kriege. (Schluß) Wir haben in früheren. Nummern unseres Blattes die beiden ersten Teile dieser einst im Jahre 1814 nach dem damaligen Friedensschluß gehaltenen Predigt von Klans Harms gebracht. Heute soll nun der 3. und letzte Teil folgen. Mit welchen Gefühlen lesen wir heute, was damals vor 104 Jahren gesagt worden ist! Sollte aber jemand unter den Lesern sein, der meint, daß es nicht so recht in Weihnachts- gedänken Hineinpasse, so möge er an den alten Vers denken: Es kann nicht Friede werden, bis Jesu Liebe siegt, und dieser Kreis der Erden zu seinen Füßen liegt. Bis dahin aber müssen wir allezeit auch nach dem Frieden, der in der ersten Christnacht verkündigt worden ist, auch nach dem Frieden, der auf den Welt krieg folgt, auf Krieg gefaßt sein, also auf Krieg nach dem Kriege. Hören wir denn das Letzte, was Klaus Harms darüber sagt. Welches sind die Botschaften an uns, in diesen Krieg zu gehen? Welches sind endlich die Botschaften an uns, wider einheimische Landesfeinde in den Krieg zu gehen? O sie kommen zahlreich und in dichten Reihen an jeweden Landessreund, er sei jung oder- alt, reich oder arm, Mann oder Weib, denn eine Waffe kann jeder Mensch führen, der nur ein Herz in der Brust und eine Zunge im Munde hat. Es sind scharfe Stimmen, schaurige, heilige Stimmen, mit denen die Botschaft zu uns gebracht wird. Stimmen der Seufzenden. Schreiet zum Hinunel, nach Jak. 5, 4, der Arbeiter Lohn, wenn er abge brochen wird, und kommt ihr Rufen vor die Ohren des Herrn: wie sollte uns es denn nicht erreichen und ins Herz schneiden, wenn die Einfalt hintergangen, die Armut bestohlen, die Schwachheit geplündert, die Gut mütigkeit gerupft, Witwen beraubt, Waisen ausge zogen werden, öffentliche Kassen dem Privatgebrauch offenstehn? Die Seufzer sollten uns nicht ausfordern, in den Krieg zu gehen? Ob du leidest, ob nicht, es ist genug, wenn andere leiden mit Unrecht. Glaube mir, der Seufzer, den du hättest stillen können undSeite 104 Marine-Freund Nr. 26. hast es nicht getan, der wird dir noch in den Ohren heulen; die Träne, die du hättest trocknen können und hast es nicht getan, die wird dir noch einst auf dem Herzen brennen; der Raub, um den du wußtest und hast ihn nicht aufgedeckt, der wird dir noch einst auf dem Gewissen liegen wie ein Zentuer- stein, mit diesem meinem Wort dazu, wenn du es gehört und nicht darnach getan hast. Stimmen der Vorwelt. Sie zogen das Schwert, die alten Dithmarscher, und fürchteten sich nicht vor vielen tausend ausheimischen Landesfeinden, und wir sollten stumm sein wie Schafe vor ihren Scherern, sollten nicht entgegentreten, so sich einheimische Landes feinde hervortun? Dann wären wir ja nidjt- wert, in dem Lande der Väter zu wohnen, nicht wert, bas; wir begraben würden, wo ihr Staub liegt! Die Frei heit liegt bei ihnen, aber ihre Tochter, die Gerechtig keit, sei noch unter den Lebenden und werde behütet von den Nachkommen freier Männer! Stimmen der Nachwelt. Die Kinder, die noch ungeborenen Kinder, sollen die Last des Landes tragen. Schande über uns, wenn wir durch, Feigheit aus ihre Schultern wälzen, was wir durch Freimut abwenden können! Der Kinder und Kindeskinder Verachtung, wenn sie seufzen in Armut und Knechtschaft der Arme ist, immer ein Knecht eines Jahrhunderts Verachtung wird fallen auf den Leichenhügel. Neue Schulden und Sporteln sind neue Kelten; lasset doch wenigstens die Schlösser daran nicht rosten, daß auch die Nachkommen verzweifeln müsftn, sie abzuwerfen. Stimmen vom Thron her. Wo es vielleicht ab gewendet war, hat es sich nun wieder zugewendet, das Herz, unserem Könige, seit der neulichen Er fahrung, und jedermann wird sprechen: Das Unglück doch hat unser König so viele Jahre doch ferngehalten! Jedermann bekenne, er habe den Frieden teuer, sehr teuer für uns erkauft. Und er sollte es leiden, wenn Einheimische den Krieg sortspielen? er sollte nicht helfen wider die, so unglücklich machen sein schönes Land? Das zu denken wäre ein sträflicher Argwohn, das zu behaupten ein Staatsverbrechen. Aber du hättest den Beruf nicht, das Amt nicht? O Mensch, Menschenweh zu lindern, dem Unrecht zu steuern, dazu ist jeder berufen, hat jeder das Amt, ist jeder vereidet. Stimmen vom Altäre her rufen uns und machen heilig den Krieg. Hört, Christen, die ihr an Jesu Tisch gehet, die ihr aufschauet zum Heiland, wie er aus Menschenliebe sich aufopferte; die ihr gelobet dort, ihm nachzugehen, sei es auch in seinen Tod für die Sache der Gerechtigkeit; die ihr das Blut trinket des Heldentums und der Einigkeit, hört, wollt ihr ver lassen, derer sich Jesus erbarmte wie eurer? Und wenn ihr steht in den Augenblicken voll heiligen Grauens, voller Wonne und süßen Lebens mit euren Brüdern und Schwestern vor dem Gott des Altars, vernehmt ihr des gegenwärtigen Gottes Stimme nicht: Laßt niemand sie kränken? Antwortet: Nein, das geschehe nicht! Du willst, so wollen auch wir und wollen nicht ruhen, bis Friede sein wird, völliger Friede! in Gottes Namen daran, wenn auch das Land voll Teufel wär und wollte uns gar verschlingen. So habe ich geredet vor hundert oder zweihundert. Ich möchte vor tausend, ich möchte heute vor dem ganzen Land geredet haben." Weihnacht Von Max v. Schenkendors. Brich an, du schönes Morgenlicht I Das ist der alte Morgen nicht, Der täglich wiedcrkehret. Es ist ein Leuchten aus der Fern , Es ist ein Schimmer, ist ein Stern, Bon dem ich längst gehöret. Nun wird ein König.aller Welt, Bon Ewigkeit zum Herl bestellt, Ein zartes Kind geboren. Der Teufel.hat sein altes Recht Am ganzen menschlichen Geschlecht Verspielt schon und verloren. Der Himmel ist jetzt nimmer weit, Es naht die sel ge Gotteszeit Der Freiheit und der Liebe. Wohlauf, du frohe Christenheit! Daß jeder sich nach langem Streit In.Friedenswerken übe. Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt? Hier in der Krippe liegt ein Kind Mit lächelnder Gebärde. Wir grüßen dich, du SternenheldI Willkommen, Heiland aller WeltI .Willkommen auf der Erdei Rosen an öen Dornen. Eine Christnachtsage. Der Herr Christus halte selbst. Mitleid mit dem wilden Dornengezwcig, das seine Feinde ihm um das Haupt ge- lvnnden hatten. Weil der Dornenstrauch daran keine. Schuld trug, segnete ihn Jesus. Darum tragt er seitdem Rosen. Und wenn in der Weihnachtszeit das Christkind über die Erde wandelt, streift es sacht über einen kahlen Rosenstrauch, au dein es vorbeikommt, und in der Christuacht blüht solcher Dornenstrauch in strahlenden Rosen auf. Wer solche Rosen findet, dem bringen sie Segen-ins Haus; ja, sie heilen allerlei Krankheit. O, heiliges Christkind, wenn du in diesen Weihnachts- tagen über die deutsche Erde wandelst, streife.doch auch die Dornen, die um deutsches Wese geschlungen sind, streife sie und segne sie, daß heilende Rosen daraus erblühen. . . Einsam auf hoher See. August Reiff. Einsam auf hoher Sec, von der Wogen Gebrüll Umbraudet, umbraust, steuert das Schiff dahin. Die Meute läßt ab. Zehnfache Übermacht ließ Sie der Heldenmannschaft des Schisses den Sieg, Den zehnfach errungenen entreißen . . . Einsam hoher See steuert das Schiff dahin. Schwer känipft es sich durch mit zerschmettertem Mast. Finster blicken die Helden: Wär s denn nicht besser, Zu vernichten das Fahrzeug und mit ihm zu sterben?" Horch! Klang s nicht wie Kinderlachen herzinnig, traut? Und jetzt vie Frauengebct, wie deutscher Lieder Laut? O Deutschland, o Heimat!" Schmerzdurchzittert erbraust Der Aufschrei, Lebensmut blitzt. Hand ballt sich zur Faust. Ans Werk! Dds Schis von Grund aus erneuert! Dann Flagge hoch und mutig vorwärts gesteuert Hinein in der stillen Arbeit Segen, Vertrauend auf Gott, einer neuen Zeit entgegen! Tägliches HibelLeferr. Sonntag: Luk 1, 57 66. Montag: Hagg. 2, 1 10. Dienstag: Maith. I, 18 25. Mittwoch: Jes. 9, 2 7. Donnerstag: Psalm 149. Freitag: Luk 2, 21-, 32. Sonnabend: Joh. 4, 1 9. Luk. 1, 67-80. Hebr. 12, 22-29. Luk. 2, 1 - 14. Psalm 96. Rom. 8, 28-38. Hebr. 1, 1-12. Psalm 94. Cu* Wochenblatt Werkne-Arenud" kann man jederzeit bestellen. Ni ,,u 1 Stück bestellt man am besten bei der Post: non 100 Nick an kostet bai Blatt 2 Pfz. Porto; weniger jährlich 2 Mk. das Stück. N-st-llunar an di- s ekchot- stelle 2tordd. Männer- and Iünalingsbundeit. Oamlinra ... Bremrerstr. 17. erbeten. Truck von Lehman & Bernhard, Hofbuchdruckerel, Schönberg i. Mecklb.Nr. 1. Schriftleitung: Geschwaderpfarrer ft. F. Müller. Sonntag nach Neujahr. 6. Zanuar 1818. Verlag des Nordd. Männer und Jünglingsbundes, E. B. (Aug. Schröder) Hamburg 5, Brennerftr. 17. 4. Zahrg. Inhalt : Die Losung für 1918. Am Neubau. In: Jahr des Herrn. Das wichtigste Datum der gesamten Geschichte. An das neue Jahr. Von neuen Dingen im Kriege, die alt sind. Tägliches Bibellesen. - l Wir sehen rö auch weiter ilk. Oktober 1Yi7. S öas Ziel mit uns cm Die L Hindurch filbert Aelier. n Strecken derschaft. durch Schrecken straft! Das soll d Hindurch r Durch Kre N nm 1. Ko darauf Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz -s as neu V Erst t Frieden ihr, liebe rückkehren berufen sei in Staat, in Ztlrche. Da gilt es nun: Ein jeglicher aber sehe zu, w e er baue. Manches Alleswissers und Klugredtiers ganze Weisheit geht darauf hinaus: einreißen, erst alles einreißen. Einreißen ist freilich meist leicht und schnell getan. Einreißen kann geboten sein, es kann aber auch eine grenzenlose Torheit sein, gegen die Herz und Gemüt, Vernunft und Verstand sich sträuben. Ihr, Kameraden, seid doch herum gekommen in den deutschen Küstenländern: habt ihr nicht die festen, starken, wehrhaften Bauten gesehen, die ein ritterliches Geschlecht der VorzeU chunderten jedem ist so töricht, n? Werden sie nommen? Oder Da stehen wir tterau. Was für nicht von ihm o in die Heimat hreszahl. Anno 23. Vier Jahre hatte oer ülftayrige Sttteg gesäuert. Da baute ein deutscher Bauer das Haus. Und heute noch wohnt darin ein kernfestes Banerngeschlecht. Wer wollte ein solches Haus einreißen? Oder dort in der alten Reichsstadt, dieses Haus am Markt. Wie ich es in meiner Jugendzeit kannte, war es durch schlechten Putz und Bewurf verunstaltet. Neulich aber kam man darüber und entfernte, was nicht drauf und dran gehörte. Und zum Vorschein kan: eins jener herrlichen Gebäude, wie sie Bürgersinn und Bürger kraft einst errichtet hat. Und nun steht es da in alter Herrlichkeit. Auch hier glänzt in frischen Farben
