Ed. Vogel, der Afrika-Reisende Vogel, der Afrika-Helfende. Schilderung bei* Reisen und Cutdeckungen des Dr. Eduard Vogel iit Central-Afrika, in der großen Wüste, in den Ländern dcö Sudan (am Tsnd-Scc, in Mnßgo, Mandara, Sinder, Bantschi it. s. w.). VeM eine ! rcßcitsaOriß des Aeifcnde . 31.1(1) den Originalqncllen bearbeitet von Hermann Wagner. Zwlite Auklnge. 3)!N 100 Seit Text ocbrilcttcu Abbildimacn, acht ToildruckMdeni und ciiicr UeberslchtSlartc der Reiseroute Or. Ed. Vogel s. Leipzig. Verlag von Otto Spam er. 1860 .Verfasser und Verleger behalten sich das llebersetznugsrecht ausdrücklich Druck von V. G. Teubner in Leipzig. Jf\ 51 , Ul 1 Bücher-Sammlung P. Ari t Vorwort Zur mitten Aer Zweck, den das vorliegende Buch zu erreichen sucht, ist ein doppelter: zunächst ein persönlicher, dann ein s a ch l ch c r. Die Person I)r. E. V ogel s, des jungen, talentvollen und kühnen Reisen den, war cs, welche mich zunächst interessirte. Mit besonderer Vorliebe hatte ich alle Nachrichten verfolgt, welche von ihm, dem Naturforscher, dem Botaniker, zur öffentlichen Kenntnis; gelangten; mit Spannung gewartet, wie sich der düstere Schleier wol lüften möge, welcher schließlich sein Geschick verhüllte. Zwar hatte ich ihn nie persönlich gekannt, wol aber nahm ich den innigsten Antheil an dein Schmerz seiner mir so nahe befreundeten, hochverehrten Familie. Ein ungelöstes Gcheimniß schwebt über dein Schicksal des Verschwundenen. Jedes neue Gerücht, welches auftaucht, weicht mehr oder minder von dem frühe ren ab, und wenn gegenwärtig auch leider mehr und mehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt, daß die Todesnachrichten nicht ohne Grund sein mögen, so erschien doch gegen Ende des Jahres 1858, als die Bearbeitung des vorliegenden Bandes be gonnen wurde, mir das Gegenthcil nähcrlicgend. Die Möglichkeit, daß Eduard Vogel noch in einem Gefängnisse Wadai s schmachte, vielleicht Tag für Tag auf Hülfe hoffend, welche ihm sein Volk, sein Vaterland sende, trat mir in quälender Lebhaftigkeit vor die Seele und ich schrieb deshalb imVorwort zur ersten Auflage: Welche Anstrengungen machten England und die Vereinigten Staaten, als der edle Franklin bei seiner Polarerpedition verschwunden war! Die Wege, welche die englische Regierung eiuschlug, Vogel s Schicksal aufzuhellen, und die bis jetzt noch keine Resultate geliefert, scheinen mir Deutschland von seiner mora lischen Verpflichtung nicht zu entbinden: sich seines Sohnes in Afrika anzunchmcn! Ich lebe der Ucberzeugung, daß mehr als e n Deutscher bereit sein würde, sowol m D e n st e d e r W s s c n s ch a f t als auch im Interesse eines gefährdeten Bruders sein Leben zu wagen, wenn ihm die allgemeine Unterstützung dabei Thcil würde. Vielleicht dürfte ein solcher Versuch erfolgreicher sein als die Erkundigun gen, mit denen man einen Tibu oder Tuarik beauftragt. Caillie gelangte glücklich durch den gefürchteten Westen des Sudans, in dem sein Vorgänger den Tod fand. Deutschland freut sich der Triumphe, welche seine Söhne im Dienste der Wissen schaft ihm bereitete . Das deutsche Volk vermag sich so gut wie jedes andere für nationale Unternehmungen zu begeistern. Die großartige Gedächtnißfeier Schil- ler s hat den Beweis geliefert. Unser Vaterland vermag sicher auch für den ver schollenen Sohn im Sudan zu handeln, wenn ihm dessen Geschick nahe gelegt wird. Letzteres war der erste Beweggrund zu vorliegender Schrift. Ich richte die Bitte um Beistand an Alle, die den Glauben an die Macht eines einheitlichen Handelns, un die Macht des geistigen Lebens unseres Volkes noch nähren und pflegen. Mö gen Einflußreichere dem Gedanken Leben verleihen, den ich nur andeutcn kann." Zur Erreichung des angeführten Zweckes: die allgemeine Aufmcrk- sumkeit auf das Geschick des unglücklichen Reisenden zu lenken,VI Vorwort. war es uöthig, dem Leserkr^L, für den das Buch bestimmt ist, gleichzeitig eine Schilderung jener Länder zu entwerfen, für deren Erforschung der kühne Manu sein Leben einsetzte. Es ergab sich dadurch sowol Bild von den Schwierigkeiten, tvclche das Reisen in jenen Ländern bietet, als gleichzeitig auch von den Vorthci- lcu, die ihre Kenntnis; gewähren würde. Durch diese nothwendige Erweiterung des Buches ward es ermöglicht, das selbe den 3. Band des Buchs der Reisen" bilden zu lassen, da bei jedem Bande dieses Werkes, der einem bestimmten Ländergebiet gewidmet ist, womög lich einer der neuern Reisenden als Hauptperson in den Vordergrund gestellt und an seine Reisen einerseits die Erpeditivnen seiner Vorgänger, andererseits von dem betreffenden Ländertheile überhaupt in geogra phischer, naturwissenschaftlicher und ethnographischer, sowie geschichtlicher Beziehung das Wichtigste angeschlossen wird. Es mußte also als weiteres Ziel des vorliegenden Bandes die Aufgabe bezeichnet werden: an dem Faden, welchen Dr. Vogcl s Reisen bieten, ein Gemälde des Sudans zu entwerfen." Wieweit mir dies gelungen ist, stelle ich der Beurthcilnng der Kenner anheim. Di . E. Vogcl s Rcisctagcbüchcr, seine ansführlichern Mittheilnngen über seine Erlebnisse, Entdeckungen und Beobachtungen sind, wie Jedermann weiß, durch den Tod seines Begleiters Macguire verloren gegangen. Die Notizen, welche von ihm nach Europa gelangten, sind in Briefen an seine Freunde und Ver wandten theils in England, thcils in Deutschland zerstreut und meistens kurz nach ihrer Ankunft veröffentlicht worden. Ebenso wurden bereits sowol in Deutschland als im Auslande Versuche gemacht, die zerstreuten Notizen zu sammeln. Jene Versuche einer Biographie Di-. E. Vogel s waren aber von zwei Miß- ständcn nicht freigeblieben: Unrichtigkeiten in mancherlei Einzelheiten hatten sich cingeschlichen, sogar ganze Reiserouten waren übersehen und ausgelassen worden, und in keinem Falle verschafften sie dem Leser ein Bild der Reisen, durch welches er gleichzeitig über die betreffenden Länder eingehender unterrichtet worden wäre. Malte-Brun s an Jrrthümeru reiche Schrift gab uns Veranlassung, die Heraus gabe unseres Buches zu beschleunigen. Durch die Güte der Empfänger war ich in den Stand gesetzt, nicht nur einen großen Theil der Original-Korrespondenz desReisenden selbst, son dern auch die englischen amtlichen Depeschen und die vielfachen brieflich ausge sprochenen Ansichten der berufensten, angesehensten Gelehrten und Forscher, welche sich auf das Schicksal des Reisenden bezogen, ebenfalls in den Originalen zur Benutzung zu erhalten. Ich habe nach diesen Materialien die Thatsachcn nicht ohne Mühe und mit viel Zeitaufwand zusammengetragen, nach ihnen anderweitige Mittheilungen geprüft und das Ganze zu ordnen versucht. Die gegebene Schilderung" enthält Alles, was bis jetzt über Di-, E- Vogel s Reisen und Schicksale an Nachrichten vorhanden ist. Nur eine spczialisirte Aufzählung der Dattelspiclartcu in Fessan habe ich absichtlich weggelassen, da ich dieselbe für die Leser des Buchs der Reisen" weniger geeignetVorwort. vn hielt. Ich verweise Denjenigen, der sich dafür intercssiren sollte, auf den iV. Jahrgang der botanischen Zeitschrift Bvnpland ia". Sollte trotz meiner vielseitigen Bemühungen mir irgend eine Notiz über die Reisen Dr. Vogcl s ^ltgangcn sein, so werde ich mich Jedem zu großem Danke verpflichtet fühlen, der bie Güte hat, mich davon in Kenntniß zu setzen. Ueber das Schicksal des Packeis getrockneter Pflanzen, die Dr. E. Vogel in Bornn gesammelt und an Sir Robert Brown, der unlängst verstarb, sandte, habeich leider nichts weiter erfahren können. Das Buch der Reisen", von dem das vorliegende Werk den 3. Band bildet, ist für einen Leserkreis gedacht, bei welchem die spezielle Kenntniß aller llühern Reisen im Sudan nicht vorausgesetzt werden darf. Es ward deshalb nothwcndig, zur Schilderung von Vogcl s Reisen einen kurzen Abriß der Reisen seiner Vorgänger voransznschicken, um seine eignen, bie bis jetzt den Schluß der Sudan -Erpeditioncn bilden, verständlich zu machen. Äns demselben Grunde ist auch alles das berücksichtigt und geprüft worden, was Bogel s Vorgänger über diejenigen Ländergcbiete mitgcthcilt haben, durch welche sein Weg ihn führte. Das, lvas Vogel selbst über jene Gebiete Neues berichtet, dann im Texte schließlich stets als seine Wtthcilung hervorgehoben worden, Und ich glaube, daß hierdurch der Gcsammtschildcrung eher ein Vorzug als ein Borwnrf erwächst. Dieselbe Rücksicht bewog mich auch, stets einen kurzen Ucberblick die Wichtigsten Lander des Sudan zu werfen, die in der Nähe von Vogcl s Reiseroute ‘ cgeu, z. B. die westliche Wüstcnroutc, die Haussa-Staaten und Timbuktn. Als Gegenden, die unter den neuern Reisenden Vogel ausschließlich allein besucht hat, nenne ich: das Gebiet der Salzseen in Fessan, das Land der Tubori, Biandara, Bantschi mitJakoba, die Gebiete der Njem-njem, der Tangala, des Mittlern Benne, die Quellen der Gongola, Salia, Bcbcdschi. In einigen der selben, sowie auch in Wadai, wo E. Vogel verschwand, war vor ihm überhaupt Uvch kein Europäer gewesen. Was die Abbildungen betrifft, mit denen der Herr Verleger das Werk so Reichlich ansgestattet hat, so sind diejenigen, welche von Dr. Vogel selbst gezeichnet u d noch nicht anderwärts veröffentlicht waren, im Texte besonders namhaft ge macht, bei den übrigen aber haben die mit Ausführung derselben beauftragten Künstler es sich zur Aufgabe gemacht, die sorgfältigsten Studien deshalb anzustellcn. B-sir glauben nicht, daß dieselben deshalb weniger geeignet sind, dem Leser eine Boxstellung des landschaftlichen Charakters, der Vegetation, sowie des Thicr- n d Völkerlebens zu bieten. Wir halten für sehr unwahrscheinlich, daß je ein Bsisendcr durch die äußern Verhältnisse in den Stand gesetzt worden ist, eine vor- , oiwandelnde Elephantcn- oder Antilopcnherde, eine in ewigem Wechsel begrif- ^ Ut Marktscene, ein Jagd - oder anderes Abenteuer an Ort und Stelle zu skizzi- selbst wenn der Reisende dabei nicht Pferd oder Kameel sich befände, )tc es aber in den meisten Fällen zntnfft, und selbst wenn er ein Meister im Zcich- Jj5 n wäre. Die Darstellung von dergleichen Objekten bleibt nach dem vorhandenen Material dem Geschick des Künstlers daheim überlassen. Wir glauben, daß denVIII Vorwort. Künstlern, welche die Güte hatten, die Ausführung der Zeichnungen zu über nehmen, den Herren Malern Bernatz in München, Klinisch in Frankfurt a. M., Lcntemann in Leipzig re., gelungen ist, ihre Aufgabe vollständig zu lösen. Daß ca. 10 der kleinern Abbildungen, z.B. der Schakal, die Dunrpalmc, das äthiopische Schwein k . , bereits zu andern Zwecken verwendet und hier der Belehrung wegen lviedcr mit aufgenommen sind, wird unser Lesern nicht unangenehm sein können, zumal der Herr Verleger sie dadurch nicht in ihrem Interesse geschmälert, sondern ihnen für denselben Preis 3 Bogen mehr geliefert hat, als er verheißen hatte. Die beiden Abbildungen Mimosenwald am Tsad" und Leopardenjagd in Mandara" sind nach französischen Vorlagen angefertigt worden, deren Zeichner ihrerseits Gemälde des Herrn Maler Bernah benutzt haben. Jener Mimoseuwald stellt zwar ursprünglich einen Mimoseuwald in Ost-Sudan dar; da aber die Waldungen am Tsad großcntheils auch Mimosenarten bestehen, dieselbe Aschurpflanze auch hier in Menge gedeiht und derselbe Wildstand herrscht, der dort angegeben ist, so haben wir kein Bedenken getragen, das Bild dem Leser als ein Beispiel eines Mimvsenwaldcs am Tsad vorzuführen. Das Gleiche gilt von der Leopardenjagd, mit welcher wir die Erzählung von Dcnham s Reise nach Man dara schmückten. Was in Dcnham s Jagdabcntcner Abweichendes vorhanden ist, ist auch auf dem Bilde genau berücksichtigt. Jeder Leser unseres Buches weiß, daß sogar zahlreiche Bilder größerer Prachtwerke oft erst vom Künstler daheim, nicht selten nach brnchstückwciscn Skizzen ausgeführt werden können. Niemand wird uns tadeln, daß wir unser Künstlern nicht zngcmnthct haben, einen Ausflug nach dem Sudan zu unternehmen, sondern die möglichst besten der vorhandenen Mate rialien zu Vorlagen ihrer Studien zu benutzen. Die Karte, von der das Buch begleitet ist, wurde von dem rühmlichst bekann ten Geographen Herrn l)r. Henry Lange in Leipzig nach Di\ E. Vogel s Posi tionen und den anderweitigen neuesten Nachrichten über Afrika entworfen und ausgeführt. Sic dürfte eine der besten und übersichtlichsten sein, welche dem größer Publikum in diescrForm geboten ward, und wird dem Leser auch dadurch bequem, daß sie ihm durch drei bekannte Anhaltepunkte: das Mittelmeer, den Golf von Guinea und den Nil, Mittel znm schnellen Oricntircn bietet. So schmerzlich es uns auch ist, bei der Veröffentlichung der zweiten Auf lage dieses Buches nicht mehr in demselben Grade die freudige Hoffnung fcsthaltcn zu können, daß wir hierdurch, so wie durch unsere anderweitigen Bemühungen, vielleicht mitwirkten, den verschwundenen Reisenden zu retten und in sein Vater land zurückzuführen, so fühlen wir uns andererseits gedrungen, öffentlich unser herzlichsten Dank auszusprechen allen den edlen Männern, die sich mit warmer, thatkräftigcr Theilnahme des Verschollenen angenommen und die gegenwärtig noch fortfahren in ihren Bestrebungen, in unscrm dentschcit Vaterlande einen Ver ein zu beleben, der sich die völlige Aufhellung von E. Vogel s Schicksal als Aufgabe gestellt hat. Möge ein günstiger Erfolg ihre-Anstrengungen krönen! Leipzig, im Februar 1800 . Hermann Wagner.Mmttaucreeichniijs. xlcitutig, Ucbersicht dcr früheren Reisen nadi dem Lud an 1 Früheste Dunde vom Innern Afrika s (1). Herodot (2). ^Cornelius Balbus. Claudius Pto- lemäns (4). El Edresi. Elm Batnto (5). Leo Asricanus (6). Friedrich Hornemann (8). Joseph Nitchic, Francis Lyon. Walter Ondney, Hugh Clapperton. Dixon Denham (13). Clap- berton und Richard Lander (20). James Richardson. Adolph Overweg, Heinrich Barth (32). Dr. Eduard Vogel. Seine Vorbereitung und Berufung zum Reisenden (46). Keife von London nach Tripoli 49 Dr. Vogel s Abreise von London (40). Tunis (50). Ruinen von Karthago (53). Tripoli (54.). Vorbereitungen zur Wüstenreise (57). Ausflug nach Lebida und Messclata (50). Kon Tripoli nach Mursulr 03 Abreise von Tripoli (63). Taghonaberge (66). Ghuriangebirge (67). Skythensteine (68). Kasr Ghuriän (70). Beniolid (71). Sosfedschin (72). En fad. ( cmfem. Bondschein (74). Tolagga. Hammada(75). Römische Ruinen (77). Svkna. Schwarze Berge (78). Araber (82). Tynilkum (83). Sebha. stihodoa. Wadi Scherzi (84). *** Fessan und die 11atron Seen 85 Mursuk (65). Die Gewächse Fcssans (01). Statistik (45). DieJmoscharh und Jmrhad.(06). -- Reise nach den Natron-Seen (08). Dschcrma (101). Die Garamanten (102). Der Trona-See und Bahr el Dud (103). Das nordwestliche Fcssan. Ederi (106). Das westliche Fessan. Wadi Telissare (107). Die Geksterbnrg Jdinen (100). Rhat (110). Krise von Mursuk nach dem Sudan ... 111 Trag Han (112). Gcrthrnn. Die Sklavenkarawane (113). Tegcrri (115). El Wahr (117). Thiertcben in der Oase (118). Madcma. Tibesti (120). Mafaras (121). st)at (121). Jkeba (122). Aschenumma und Bilma (123). Die T(hu (124). Die Kelowi und das Land Asb en (130). Berge vonAsgar (132). Alpenland vonAsben (134). Regcnflnt(134). Agadcs (136). V on B lm a nach Knk a (141). Mnßkatenn. Saukura. Dibbela (142). Agadcm (143). Wüste von Tintumma (144). Belghaschifcrri (145). Ncisc durch Kaucm nach Kulm 147 Ankunft im Sudan (147). Die tropische Regenzeit (148). Das Land Kanem (150). Geschichte dieses Landes (152). DasKonigreich Bo rnü (157). DcrKomadngu Wanbe. Fischreichthum. Der Zitterwels (158). Die Stadt Jo. Flußübergang (150). Kuka, Hauplstadt von Soruu 161 Dr. Vogel s Anknnst in Knka (161). Das englische Haus (162). Die Termiten (163). Die iliegcnsrcssen.de Eidechse (164). Der Dendal und dcr Markt in Knka (165). Tracht der Be wohner (166). Marktgegenstände (167). Belustigungen. Zahlmittel. Speisen (160). Gewerbsthätigkeit. Färberei. Wohnungen (170). Vvlkssitten (173). Ans ddr Geschichte Bornu s. Abu Bakr. Ali. Edriß Katakarmabi. Edris; Amssami (175). Die Erhebung der Fellata unter Othman (178). Sultan Ahmed und Scheikh el Kanemi (170). Dnnama (ISO). Kampf gegen Daghirmi (163). Scheikh Omar (184). Muhamed Ssalcb von Wada i (185). Abd e Rahm an (186).X Inhaltsverzeichnis;. Seite 187 VII. Dr. LogcRs Ausflüge am Südufer des Tfad-Sces Ausflug nach Ngornu ( 188 ) . Bodenbeschaffenheit ( 189 ). D 1K Wasser des Tsad ( 189 ). Das kleinste Lebe am Tsad ( 190 ). Der Scharr ( 194 ). Wälder am Tsad ( 196 ), Thicrlcbcn am Tsad (198). Büffeljagd 200 . Plagen des Sudan (2Ü2). Die Inseln im Tsad. Die ~  flv;. _ fn?nh,mri Mfl . fYrtiiffi(*ih U (207) . IX. Reise nach Mora und Adje Bvgel s Menagerie l23b).-Baikic sRiger.Bcune,Expedition WO) an .7 ’v " " Die Berge Mendif und Kamalla. Elsen (238). Vogel ln Mora ^andara (237). ihr Land (241). Körperbau und Tracht der Marghl. Pflanienninä,- Margh, und Gebräuche (244). - Die Schua und die Landschaft Udie (24 m,?’ ~ Bitten mit) thronung. Mabani. Die Gamerghu. Die Schua (W Rahmailö E t X. Reise von Äulia nach Sinder Beweggründe zur Reise (249). -Wege im Sudan. Der Kvmadugu Wanb 250 mm, Manga (252). - Die Bcdde (254). - Begegnen mit Dr. Barth (2-4) - Sst ^irnl Dl. Tsad- und Niger-Gebiet (SW). - Mafchcna (258). - Sinder - Das Sch-Ideiander zwiM Zusammenleben mit I)r. Barth (267). Gudscheba (209). Jakoba (27n). Bautschi (272) Die Rjcm.njem und Tangala (272). Gebiet des Benne (275). Der Mich (277), Die Batta (273). Die Fcllata (280). Adamaua (282). Sultan Buba S Zug (29- ) Boael S Reise nach Gambe. Goldsand (2S3) - Bcbcdschi (234). - Salia (285). - Zweite Reise nach dem Benue 296,. - D, e S o n rh a y. S taat en u n d Ti mb u k tu (236). - Der Niger. Pflanzen, und Thierwelt an demselben (287). Die Sonrhay (291). Die Stadt Timbuktu c 93 . . Reise nach wadat. Letzte Nachrichten 301 Abreise nach Osten A 1 . Baghirmi, Land und Leute (802). Wara in Wadat (304). - Macgnirc S Schicksal (307). Lebte Nachrichten über Dr. Vogel (308). Schlußwort (313). Die hierzu gehörigen 8 Tondruckbilder sind cinzuheften wie folgt: De. Vogcl s und Dr. Barth s Begegnen im Sudan (gehörig zu Seite 254) .... Titelbild Pautherjagd in Mandara Seile 20 Ankunft der Skiavenkarawanc in Gcrthrun . .. 113 Thierleben in der Oase - 120 De. Vogel am Südufcr des Tsad.Sees - 189 Sklavenjagd am Tubori-See ^ - 218 Hirten in Bornu 247 Markt in Sokoto 260 Die Uebersichtökartc der Reiseroute Dr. E. Bogel S bestndct sich m Schlich de Werkes. 209 d ie H aussa-Staaten 259). Kalscna (260). Olhman. Aliu (262). Kano 263), Vegetation (264). Sultan Chaliln in Gai:do (266). XI. Reise ach Sautschi, Salia, Scbcdschl und dem Senu e 267Noderjlcht der fritljcru Reisen nach dem Sudan. Früheste Kunde vom Innern Afrikas. Herodot. Die fünf Nasamonier. -- Cor nelius Balbus. Claudius Ptolemüus. El Edresi.  Ebn Valuta. Leo Afri- canus. Friedrich Horucmann. Joseph Nitchic, Francis Lyon. Walter Ouducy, Huah Clappertou. Diron Dcnhain. Clappcrton und Richard Länder. James Richardson, Adolph Ovcrweg, Heinrich Barth. steifende, welche in das Innere Afrikas, besonders in den sogenannten Sudan eindrangen, gicbt es verhältnißmäßig sehr wenig! Erst den jüngsten Er- heditionen war es aufbehalten, Berichte der Geographen des Alterthums zu ver bessern oder zu bestätigen; ja über weite Flächen des abgeschlossenen Erdtheils haben wir noch jetzt weiter keine Kenntniß, als wie sie uns einige kurze Andeu tungen bieten, die, fast ein Jahrtausend alt, gewöhnlich in das Gewand der aben teuerlichen Mythe und Fabel gekleidet sind. In manchen Beziehungen waren jene alten Geographen und Reisenden viel begünstigter, als dies heutzutage der Fall ist. Vvgel s Reisen. \ Einleitung.2 Einleitung. Das Klima des Sudan init seinen tödtlichen Fiebern, die Schrecknisse der ungehenren Wüste waren zwar dieselben, und die durch die Noth verwilderten Stämme der Sahara traten zwar auch damals schon dem Fremdling feindlich ent gegen , die Hauptschranke aber, an welcher bis jetzt gewöhnlich alle weitern Unter nehmungen gescheitert sind, baute sich erst durch den Einfall der Araber auf, die jedes Volk, das sich nicht zum Jslain bekannte, als vogelfrei betrachteten und die sogenannten Heiden mit ähnlichem Auge ausahcn, wie der Amerikaner die Herden der herrenlosen verwilderten Rinder und Pferde der Prairien. Sklaven als Diener für das Haus und die Feldarbeit waren den eindriugenden Asiaten ein altes Bedürfnis;. Den Religionsverwandten seiner persönlichen Freiheit zu be rauben, verbot das Gesetz des Propheten; deshalb wendete man sein Augen merk ausschließlich auf die nichtmuhamedanischen Völkerschaften, denen man außerdem durch Waffengewalt überlegen war, und Sklavcnjagdcu winden in regel mäßiger Wiederkehr und immer größerem Umfange Sitte, je mehr sich gleichzeitig auch die Handclsspekulation dieses sehr einträglichen Zweiges bemächtigte. Jene Gegenden, in welche die alten Geographen die sogenannten Mondgc- birge versetzten, bezeichnen die Scheidelinie zwischen den muhamcdanischen und heidnischen Völkerschaften. Diese Grenze wird fast jährlich nur in feindlichen Ab sichten überschritten, und Alles, was seit Jahrhunderten über dieselbe vorge drungen ist, hall den südlichen Negerstämmcn nur Unheil und Verderben gebracht. Kein Wunder ist es daher, daß dieselben den ankommenden Europäer, von dessen wahren Absichten nicht die geringste Ahnung haben können, mit höchst mißtrauischen Augen betrachten und ihm, der ihnen als Kundschafter erscheint, ihrer eigenen Sicherheit wegen alle erdenklichen Schwierigkeiten in den Weg legen. Zugleich sind auch die muhamcdanisch en Völkerschaften jener Gebiete in hohem Grade fanatisch, da sie durch jenen fortwährenden Zusammenstoß immer wieder auf das Anszcichnendc ihres Bekenntnisses hingewiesen sind und jeden Anders gläubigen als Todfeind betrachten. Diese Schranke war in früh ernZeiten nicht vorhanden. Der Verkehr war weniger gehemmt, und dadurch ward es ermöglicht, daß durch Kauflcute Kunde von südlich ern Gebieten bis an die Nordküste des Erdtheils gelangen konnte, die zwar nur in bruchstückweise Andeutungen auf uns gekommen, aber doch aus reichend ist, um auf fernhin gehende Verbindungen hinzuweisen. Die K a r t h a - ger mögen im Besitz vielseitiger, weitreichender Kunde vom Innern des Landes gewesen sein, aber engherziges Handelsinteresse bewog sie, ihr Wissen mit ängst licher Sorgfalt zu verheimlichen, um andere Völker von den Vortheilen auszu schließen, die ihnen daraus erwuchsen. Mit der Zerstörung der Weltstadt gingen jene Kenntnisse für immer verloren. H e r o d o t berichtet bereits, daß sich die große Wüste von Theben westwärts bis zum Atlantischen Ocean erstrecke, und zählt eine ganze Reihe Oasen und Völ kerstämme innerhalb derselben auf. Bei der Aegypten nahe gelegenen Oase des Jupiter Ammon erwähnt er den Sonnenquell, welcher nach seiner Angabe am Mittag kaltes und um Mitternacht siedend heißes (!) Wasser enthalte. Er kenntllebcrsicht der frühern Steifen nach dem Sudan. 3 1 * das Volk der Garamanten im heutigen Festem, und mehrere seiner Andeutungen scheinen sich auf die Tibu (Tcda) zu beziehen. Er erzählt auch von der e r st en E r f o r s chu n g s e r p ed iti on, welche nach dem Sudan unternommen ward. Eine Anzahl Jünglinge aus dem Volke der Nasa monier, so berichtet er, wollten sich darüber unterrichten, wo das südliche Ende der Wüste sei. Fünf von ihnen, durchs Loos ausgewählt, machen sich des halb auf, mit Lebensmitteln hinreichend versehen, und ziehen in der Richtung nach Südwesten fort. Nach vielen Wochen kommen sie zum Ende des Sandmceres und begrüßen mit Freude und Erstaunen eine fruchtbare Ebene, reich mit Gebüsch und Bäumen bewachsen. r ^ Letztere sind von außer- c gewöhnlicher Größe und Dicke, mit reifen, locken den Früchten behängen. Kaum sind die Reisen den aber im Begriff, an den letzter sich zu er laben, als eine zahlreiche Schaar schwarzer Men schen hervorstürzt, klei ner gebaut als sie selbst (das Volk der Pyg mäen). Mau nimmt die Ankömmlinge gefangen und bringt sie an ausge dehnten Sümpfen und Seen vorüber, die von Krokodilen belebt sind, Nach der Hauptstadt des Landes. Diese lag an einem mächtigen Flusse, der seinen Lauf von Westen nach Dstcu zu nimmt. Es liegt sehr nahe, in dem Flusse den K omad ugu Wau b e (Bcou, Jeu) und in dem See den Tsad mit seinen zahlreichen Lachen und Hiutcr- wastern vermuthen. Die Angabe, daß ein großer Fluß von West nach Ost Af rika durchströme, veranlaßte Hcrodot zu der lauge Jahre hindurch festgehaltenen Äeinung, daß dies der Nil sei, und diese Ansicht ward später vielfach noch dadurch bestärkt, daß die Bewohner des Sudan alle Süßwasser führenden Flüsse mit ver wandten Namen bezeichnen und selbst da, wo eine Verbindung zweier Ströme nicht vorhanden ist, doch eine solche unterhalb des Bodens annehmcn. Zu letzte rer Idee werden sie wahrscheinlich veranlaßt durch die inr Boden zusammenge- stckerten Gewässer, auf welche sie beim Graben der Brunnen stoßen. Von den Verbindungen der Römer nach dem Innern ist wenig bekannt. Am weitesten ging wahrscheinlich der Zug des Feldherrn Cornelius Balbus u Jahre lg v. Ehr, unter der Regierung des Augnstus. Bon der kleinen Hervdot ö Karte von Afrika und der übrigen bekannten Welt.4 Einleitung. Syrte aus, dem jetzigen Busen von Cab es, ging der Heereszug nach Fessau, dem Lande Phazania. Man passirtc dabei die Schwarz cnBergc, denHa- rud sch, deren Farbe man von der starken Wirkung der Sonne herleitete, welche die Gesteine verbrannt hätte. Es stimmte dieser Erklärungsversuch ganz mit den gebräuchlichen Anschauungen überein, die besonders durch die Schilderungen des Agatharchides, eines gelehrten Alexandriners, in Umlauf gekommen waren. Die Sonnenhitze so erzählte derselbe ist in jenen Ländern so übermäßig) daß man zur Mittagszeit die nahestehenden Personen nicht sicht, so dick und schwül ist die Luft. Wer ohne Schuhe auf der Erde geht, bekommt Brandblasen an den Fuß sohlen, und wenn man in einem ehernen Gefäße eine Speise mit Wasser an die Sonne stellt, so kocht dieselbe ohne Feuer. Die Sonne verzehrt so schnell die flüssi gen Stoffe des Körpers, daß man unrettbar stirbt, wenn man nicht im Stande ist, zur rechten Zeit den Durst zu stillen." Auf letztem Umstand hatten die Phaza- nier ihre Vertheidigungsmaßregeln gestützt und die Brunnen an der Straße ver schüttet , um die Römer zu vernichten. Zu ihrem Glück fanden letztere aber die Stellen auf, gruben nach und gelangten wieder zu Wasser. Sie eroberten hierauf Cillaba (Zuile), Cydamns (Gadamcs) und Garma (Dscherma). Letzte res war die Hauptstadt der Garamanten, und die Ueberreste eines Denkmales da selbst sprechen noch jetzt von der Anwesenheit der Römer. Bei seinem Triumph zuge in Rom prangte Balbus mit gefangenen Garamanten und den Namen be zwungener Ortschaften. Sehr vielseitig sind die Kenntnisse, die der berühmte Cland ins Ptole in äus, ein geboruer Aeghpter, vom Innern Afrikas besaß. Er war auch, welcher die erste vollständigere Karte von der damals bekannten Welt entwarf. Er verfuhr so gründlich und gewissenhaft, als es bei dem damaligen Stande der Hülfswissenschaftcn überhaupt möglich war. Die südliche oder nördliche Lage eines Ortes suchte er durch Berücksichtigung der Höhe des Polarsterns, sowie durch Erknndigungewüber die Dauer des längsten Tages zu ermitteln. Die öst liche und westliche Abweichung der Städte, Flüsse und Gebirge von einander mußte er freilich ziemlich unvollkommen aus den Berichten der Reisenden über die erforderliche Zeit, in welcher man von der einen zur andern gelangen konnte, zu erfahren suchen. An der W cstküste der großen Wüste, dem sogenannten Sa- hcl, südlich von Mauritanien (demheutigen Marokko), führt er Gebirgs- erhebnngen an, von denen wir außer seiner Mittheilung keine anderweitige Kenntniß erhalten haben. Es erscheint nicht unmöglich, daß sich dieselben wirklich in jenem uns unbekannten Gebiete befinden. Im Sudan berichtet er, der Wahr heit sehr nahe kommend, von einer vierfachen Wasserscheide. Die Flüsse des Westens ergießen sich in den Atlantischen Occan. Von dem Götter wagen, wie er das Scheidegebirge der Mändingo nennt, kommt der Fluß Masitho- lns, wahrscheinlich der Gambia. Dann folgt im Innern das Flußgebiet des Niger, darauf dasjenige dcs Gir, und die Gewässer der Ostscite vereinigen sich im Nil. Der Niger, sagt Ptolemäus, setzt das Gebirge Mandron (l?o n. Br.) nordwestlich mit dem Gebirge Thala (10" n. Br.) im Südvsten inll eb er sicht der frühern Reisen nach dein Sudan. d Verbindung. Ohne sich weiter über die Richtung auszusprechen, nach welcher die Wasser des Niger strömen, fügt er hinzu, daß derselbe in seinem westlichen Theile, am Ostabhange deZGebirgesMandron einen See, Nigritis, den jetzi gen Dibbie, bilde, von Norden her aus dem Gebirge zwei Zuflüsse erhalte, einen dritten dem Sce Libya und einen vierten von Süden her. Der letz tere vereinige.sich mit ihn: am Abhänge des Mandrongebirges. Der G irflnß weist deutlich das Gebiet des Tsad-Sces. Derselbe verbinde das Usargala- gebirge (Meridian von Karthago) mit dem Gebirge der garamantischen Schluch ten (io n. Br. unb Meridian von Cyrcne) in einem Laufe von 300 Meilen. Ptolemäns wirst unter dem Namen Gir denKomadugu und Schari zusam men, die beide sich in den Tsad ergießen Der nordöstliche Zufluß, den er er wähnt, istmnthmaßlichder Batha, derinWadai den Fittri-See bilden sollte. Leistern nennt der Acghptcr den Schild kr ötensee, den Tsad dagegen nennt er Nuba. lieber die Gebiete in der Nähe des Aegnators mangeln dem berühmten Geographen aber auch ivcitcrc Angaben. Nachdem die A ra b er (Mauren) die Nordküste Afrikas in Besitz genommen, einen Theil der Berberstämme, die hier ansässig waren, zurückgedrängt st d mit reißender Schnelle durch Wort und Schwert ihre Religion bis tief in das Herz Afrikas verbreitet hatten, ward vorzüglich ein gelehrter Araber, Abu A b d a lla h Mn h a ined el Ed r c si, wegen seiner ausgebreiteten Kenntnis; des Sudan berühmt. Er war ein Sohn des heißen Erdtheils selbst, im Jahre 1099 unserer Zeitrechnung zu Centn unweit der Säulen des Herkules geboren und hatte die maurische Universität Cordova besucht. Auf dieser war er vertraut geworden mit Philosophie, Himmelsknnde und Mathematik, und ein längerer Aufenthalt am Hofe des Königs Roger II. von Sizilien machte ihn gleichfalls er fahren in abendländischer Bildung. Er selbst hatte zwar das Innere Afrikas wicht besucht, wohl aber war ihm gelungen, vermöge seiner umfassenden Kennt nisse mancherleiNachricht über jeneGcbiete erhalten und zusammenzustellen. In der Mitte des 15. Jahrhunderts unternahm ein gebildeter Berber, Mn - hained Ebn -Batuta, eine weite Reise durch Afrika, deren Ergebnisse er in arabischer Sprache niederlegte. Letztere sind erst in den neuesten Zeiten zur weitern Eenntniß gekommen. Von F e z aus zog er in das Dattelland an der Nordseite der Sahara und schloß sich in Segelmessa, einer nicht mehr vorhandenen Stadt, ^nier größern Karawane an, die ihren Weg nach Süden nahm. Nach fünfund- Zwanzig Tagen gelangte der Zug den Salzbrüchen von Teghaza. Ohne wgend welchen Baumwuchs oder Nahrung liefernde Gewächse, liegen diese in der -Titte der Wüste. Das Salz, erzählt Ebn Batnta, wird dort in dicken Platten gebrochen; je zwei derselben machen eine Kameelladung ans. Die Bewohner des Tostlosen Salzwerkes bauen sogar ihre Hütten aus demselben Material und ^ckcn mit Kameelhäuten; sie sind gänzlich auf Das als Speise angewiesen, vas ihnen die Karawanen als Zahlung für das Salz mitbringen, und beziehen vom Worden her gewöhnlich Datteln, vom Süden Kameele, deren Fleisch sie sehrliebcn. -Weitere dreißig Tagereisen brachten die Karawane nach Eiw elaten (Walet).6 Einleitung. Von dorther war der Karawane vier Tagereisen weit Wasser zugeführt worden, da man Eilboten nach den Brunnen vorausgesendet hatte. Leider werden solche Boten nicht selten zum Verderben der Karawanen durch die bösen Geister der Luft verblendet und in die Einöde verlockt". Eiwelaten bezeichnet Ebn Batuta als die erste Stadt im Negerlande. Kaufleute strömten hier allen Himmels gegenden zusammen und fanden für ihre Maaren gntgeschtttzte Niederlassungen. Nachdem die Handelsgeschäfte beendigt waren, setzte sich der Zug wieder in Be wegung und erreichte nach vicrundzwanzig Tagereisen die Stadt Mali (Melle), damals Hauptstadt eines blühenden Reiches. Man verfolgte die Richtung nach dem Niger zu und traf unterwegs erstaunenswürdige große und dicke Bäume (Adansonia), In der Höhlung des einen hatte ein Weber seine Werkstatt anf- geschlagcn, in andern fand sich Regenwasser, in wieder andern wilder Honig. Auch durch die Neger, deren Dörfer die Reisenden berührten, wurden ihnen mancherlei Erquickungen geboten. Die schwarzen Frauen brachten ihnen Reis, Mehl, Milch und Hühner und waren erfreut, wenn sie als Bezahlung dafür Salzstückchen erhielten. Endlich kam man nach Mali, nachdem inan vorher Karssechu (Scgo am Niger) passirt hatte. Der König dieses Ortes bewirthete die Angckommenen sehr kärglich und sandte Ebn-Batuta nichts als etwas Brod, einen getrockneten Fisch und etwas saure Milch. Nur nachdem ihm der Reisende wegen seines Geizes Vorwürfe gemacht hatte, ward die Verpflegung etwas besser. Sonst stand der erwähnte König allgemein wegen seiner uneigennützigen Gcrech- tigkcitslicbe in gutem Rufe. Man konnte in seinem Reiche mit völliger Sicherheit reisen und selbst der Nachlaß eines Gestorbenen ivard geschützt. Von Mali aus gelangte Ebn-Batuta nach Timbuk tu. Diese Stadt war damals von Mali ab hängig und ward durch einen von dort eingesetzten Vicekönig regiert. In einem Kahne setzte er auf dem Niger seinen Zug ostwärts fort und kam nach Kaka w, dann nach Tekcd da. Von letzterer Stadt berichtet er, daß aus rothem Stein erbaut sei und reiche Erzadern sich in ihrer Nähe befänden, von denen das Trink wasser einen eigenthümlichen Geschmack und eine dunkle Färbung erhielte. Derjenige Gewährsmann, dessen Mittheilungen lange Zeit hindurch die Hanptquellc für die Kenntniß des Sudan bildeten, war A l h a s a n E b n M u h a - med Alwazzas Alfasi, gewöhnlich unter dem Namen Leo Africanus be kannt. I Granada muthmaßlich ums Jahr I48K geboren, verließ er diese Stadt, als die Mauren von der Pyrenäischen Halbinsel vertrieben wurden, und zog mit seinen Eltern nach Fez, von welchem Orte er den Beinamen Alfasi erhielt. Bei der hohen Bildung, welche die Mauren jeircs Gebietes damals besaßen, ward er sorgfältig erzogen und in den Wissenschaften unterrichtet. Als kaum sech zehnjähriger Jüngling begleitete er seinen Oheim auf einer Gesandtschaftsreise, welche derselbe im Aufträge seines Herrschers nach Timb uktu machte, nach letzt genannter Stadt. Hier erfreute er sich einer sehr freundlichen Aufnahme und ward besonders wegen der zierlichen Gedichte gefeiert, die er verfertigte. Er durchzog später, theils in eigenen Geschäften, theils von Wißbcgierde getrieben, oder als fürstlicher Abgeordneter den größten Theil Nordafrikas und einen ThcilNebcrsicht der früher,: Reisen nach dem Sndan. 7 des südwestlichen Asien. Bei einer seiner Wüstcnrciscn ward die Karawane, welcher er sich angeschlossen, in der Ebene von Arana n durch den Berberfürsten von Z anh ag a angehalten und ihr der Durchgangszoll abvcrlangt. Für jede Ka- Meelladung mußte ein Stück Tuch, etwa einen Dukaten an Werth, erlegt wer den. Der Fürst war von einer bewaffneten Schaar von 500 Mann begleitet, welche auf Kamcelcn ritten. Danach nöthigte der Häuptling aber die Reisegesell schaft, ihm nach seinem einige zwanzig Meilen entfernten Lager zu folgen, und hier bcwirthete er sie gastfrei auf die anständigste Weise einige Tage lang, sodaß ihm der Schmaus weit mehr kostete, als was er an Zoll erhalten hatte. Leo Africanus hatte bei seinen Zügen fünfzehn verschiedene Königreiche im Lande der Neger besucht und gicbt ihre Lage, von Westen anfangend, in folgen der Weise an: Walata, Djcunc, Melle, Timbuktu, Gag o,Guber, Agades, Kano, Kasena, Zcgzeg, Zanfara, Wangara, Bornu, G a 0 g a und Nub a. In dieser Reihenfolge sagt er werden von den Kauflcutcn, die von Walata nach Kairo reisen, häufig durchzogen; die meisten von ihnen liegen am Niger. Früher waren alle selbständig, jetzt sind die meisten dem König von Timbuktu untcrthan, andere dem König von G ao g a." Als der weitgereiste Mann auf einer seiner Fahrten von Aegypten nach Fez zu Schiff zurückkehren wollte, ward er bei der Insel Dschcrba von christlichen Fahrzeugen zum Gefangenen gemacht und wegen seiner besonder,: Gelehrsamkeit den: Papste Leo X. geschenkt. Von diesen: ward er sehr gütig behandelt, und da er sich dazu entschloß, die christliche Religion anzunehmen, versah der heilige Vater selbst bei ihm Pathcnstclle und verlieh ihm, dem Gebrauche gemäß, seinen eige nen Namen: Johannes Leo. Er hatte die Ergebnisse seiner Reise ursprüng lich in einem ausführlicher,:, arabisch geschriebenen Werke niedergelegt, sobald er aber des Italienischen hinreichend mächtig geworden war, übertrug er in diese Sprache und erhielt davon den Beinamen der Afrikaner". Lange Zeiten vergingen, kein Europäer wagte cs, in das In nere Afrikas einzudringen. Die Schilderungen von den Schrecknissen der Wüste, vom feind lichen Klima, gefährlichen Thieren und gewaltthätigen Menschen hielten Jeden Zurück. Die größte Aufmerksamkeit war theils auf die großen Entdeckungen ge achtet, welche an der Ostküste die Länder am ober,: Nil bekannter machten, lheils auf die Fortschritte der Portugiesen an der Wcstkü sie und den: Golf von Guinea. Hier waren es hauptsächlich die Stadt Timbuktu und der Niger, welche man als Ziele festhielt. Die Richtung und der Verlauf des letzter:: war lange ein uuerklärbares Rathscl. Entweder, glaubte man, fließe er ununterbro chen nach Osten und ergieße sich dort in den Nil, wie Herodot angenommen batte, oder sein Wasser ströme in den Tsad und verdunste hier. Wieder andere hielten den Kongo für den Unterlauf des Niger. So ward auch das Wenige, was von Timbuktu durch Erzählungen der Eingebornen bekannt geworden war, sts der Phantasie vergrößert und ausgeschmückt. Man inalte sich den Ort als eine ^tadt der Paläste, in welcher die Hausgeräthe, statt aus Thon, von purem Gold Wien. Besonders ward die Reiselust durch Mungo Park s zwar unglücklich8 Einleitung. endende , aber allgemeines Aufsehen erregende Unternehmungen auf den Westen Afrikas gelenkt. Wir übergehen hier alle jene Versuche (mit einziger Ausnahme der zweiten Reise Clapperton s), die von Westen und Osten her unternommen wurden, und beschränken uns nur eine kurze Angabe derjenigen Erpedi- tionen, die von Norden aus durch Fessan einzudringen versuchten. Wir halten die selben als die Basis fest, welcher es Dr. Vo g el unternahm, weiter zu bauen. Der crste Euro p äer, welcher als wissenschaftlicher Reisender nach Mur- snk gelangte, war Friedrich H orn emann, und die Persönlichkeit dieses unter nehmenden Mannes bietet ebensowol an und für sich viel Interessantes, als sie andererseits auch zu Vergleichungen mit unferm I)r. Vogel auffordert. Horncmann war der Sohn eines Geistlichen in Hildesheiin und ward 1766 in dem Städtchen Alfeld geboren, in welchem damals sein Vater als Pre diger angestellt war. Nicht lange danach ward der Vater nach Hildesheim selbst versetzt und Friedrich Hornemann besuchte die Schulen jener Stadt. Im Jahre 1785 verließ er das Gymnasium dieses Ortes. Schon als Knabe zeichnete er sich durch unbezähmbare Reiselust ans. Alle Freizeit verwendete er darauf, die Umgebung seines Wohnorts zu durchforschen. Er kannte ringsum jede Berg hohe, jedes Waldthal und wanderte die einsamsten Pfade am liebsten allein, da Gesellschaft ihm nur störend war. Seine Mitschüler setzte er, da er vor zugsweise Reiselektüre liebte, schon als Tertianer durch begeisterte Erzählungen von fremden Ländern, abenteuerlichen Thiergestalten in denselben und sonder baren Völkern in Erstaunen. Ja eines Tages lud er seine Mutter und Schwester ein, ihm zu folgen, und führte beide im Walde nach einer Zweighütte, die er sich ganz nach dem Vorbild der nordamerikanischen Indianer gebaut hatte. Daselbst bewirthete er sie auch auf rein indianische Art. Auf der Universität Göttingcn ward er wegen seiner Vorliebe für Naturwis senschaften ein Lieblingsschüler des berühmten Professor Blumenbach. Im Jahre 1788hatte sich die Afrikanische Gesellschaft inLondon gegründet, und die Mittheilungen, welche dieselbe in den Jahren 1790 92 herausgab, üb ten den mächtigsten Reiz auf den jungen reiselustigen Mann aus. Er faßte den Entschluß, sich der Erforschung des unbekannten Erdtheils zu widmen, und ließ sich selbst dadurch nicht irre machen, daß die genannte Gesellschaft ihm weiter- keine Aussichten als die nothdürftigste Unterstützung eröffnen konnte. Im Anfänge des Jahres 1797 begab er sich nach London, im Juli nach Paris. Hier ward der unter nehmende Mann wegen des Planes, den er auszuführen gedachte, mit allgemei ner Theilnahme begrüßt, und Lalande stellte ihn dem Nationalinstitut als einen Forscher vor, von dem man sich die wichtigsten Aufschlüsse über das Innere Afri kas zu versprechen hätte. Das Interessanteste aber, was Hornemann in Paris fand, war ein türkischer Kaufmann, dessen vertrautere Bekanntschaft er machte. Dieser erklärte ihm entschieden, es sei für einen Christen, der nach dem Sudan Vordringen wolle, der einzig mögliche Weg der, daß er über Tripo li und Mnr- snk reise; und da Hornemann s Instruktionen ihnnöthigten, zunächst nach Kairo zu gehen, so gab er ihm Empfehlungsschreiben an dortige angesehene KaufleuteUcbcrsicht der frühcrn Reisen nach dein Sudan. 9 mit. Andere Empfehlungsschreiben erhielt er von Lalande und Thullis und ver ließ Anfang September Paris, um sich über Marseille nach Alexandrien einzuschiffen. Ohne sich in letzterer Stadt länger aufzuhalten, reiste er nach Kairo. Mit der großen Pilgerkarawanc, die jährlich, von Mekka zurückkehrend, nach dem Westen zieht, wollte er nach F c s sa n zu gelangen suchen und war deshalb 31t Die Oase Siwah (Ammon). einem zehnmonatlichen Aufenthalte in dieser Stadt genothigt. Diese lange Muße benutzte er zur Vervollkommnung in der arabischen Sprache und zu an derweitigen Vorbereitungen. Währenddem landeten die Franzosen unter Na poleon, und Hornemann fürchtete sehr, daß dadurch die Ausführung seines Un ternehmens unmöglich gemacht werden möchte, da er ja im Aufträge der feind lichen Engländer reiste. Zu seiner Freude nahmen sich aber Berthollet und10 Einleitung. M o ug c seiner sehr war man und empfahlen ihn Napoleon aufs wärmste. Hornc- mann hatte sich Sprache, Tracht und Sitten der Orientalen so anzueignen ge siecht, daß er beabsichtigte, als mnhamcdanischerKaufmann zu reisen. Den eigent lichen Zweck seines Unternehmens bemühte er sich durchaus geheim zu halten, und selbst seine Begleiter sollten darüber in Unwissenheit bleiben. Ans demselben Grunde hatte er auch den Konsul in Tripvli gebeten, sich nie nach ihm zu erkundi gen, um dadurch nicht die Aufmerksamkeit der Fessaner rege zu machen und ihren Verdacht zu seinem Nachtheil zu erwecken. Freilich war jene Nolle nicht so leicht durchzuführen, da er verschiedene wissenschaftliche Instrumente mit sich führte unb Beobachtungen anstelle wollte. Einen wahren Schah hatte er an seinem Diener gefunden. Dieser, ein geborner Deutscher, war vor länger Jahren zum Sklaven gemacht und gezwungen worden Mnhamcdancr zu werden, sprach ebenso geläufig Arabisch wie Türkisch und hatte bereits mehrfache Reisen nach dcmJnnern gemacht. Am 5. September brach die Pilgerkarawane von Kairo nach Westen auf und ward während der ersten vier Tage vielfach durch räuberische Bednincn- schaarcn beunruhigt, die sie umschwärmten. Am vierten Tage betrat man die Wüste, gelangte nach Mogara und B lj o rad ck und erstieg am nennten Tage ein Gcbirgsland, dessen Plateau von einem unabsehbar breiten und langen Salz lager bedeckt war. Erst am elften Tage kam man wieder zu menschlichen Woh nungen. Am meisten hatten die Reisenden durch den heftigen Nordwind auszu- stehen, der ihnen den groben Kiessand mit größerer Heftigkeit ins Gesicht warf, als es ein Schloßenwetter gethan haben würde. Stellenweise traf man auf an sehnliche Massen von versteinertem Holz. In der Oase S iwah (Ammon, s. die Abbild, auf S. 9) machte man eine längere Rast und Hornemann benutzte die Zeit dazu, um über die physische Beschaffenheit, die Bewohner, deren Sprache, Regie- rnngsweise, die Ruinen, Katakomben der Umgebung u. s. w. Untersuchungen anzustellen. Unvorsichtiger Weise hatte sein Diener den Argwohn der Siwaher erregt, da erden französischen Paß hatte sehen lassen. Als am 29. September die Karawane abreiste, ward sie von einer Schaar fanatischer Bewohner jener Oase verfolgt, die Hornemann s Tod forderten, da er ein Christ sei, und er hatte es nur seiner genauen Kenntniß des Koran, seiner Fähigkeit, geläufig Arabisch zu sprechen und zu schreiben, und der Gewandtheit seines Dieners zu verdanken, daß man sich beruhigte. Nach einem sehr anstrengenden Marsche erreichte man Au g la, wo man sich eine längere Ruhe gönnte. Von hier aus sandte man einen Boten nach der Grenze von Fes s an voraus, der untersuchen mußte, ob die Brunnen in gutem Zustande befindlich seien, und erst nachdem man davon versichert war, brach man am 27. Oktober auf. Der Weg war besonders während der ersten Tage beschwerlich, da sich weder Wasser noch ein Hälmchen Gras für die Kamccle fand. Am dritten Tage ward der Anfang der Mo r a-j e-K ette erreicht. Erst am siebenten Tage konnte man wieder im Schatten von Bäumen ruhen und am folgenden erblickte man die Höhen des Schwarzen Harudsch. (S. S. 4.) Hornemann entfernte sich von der Karawane, um dieselben zu besteigen. Er hielt damals die schwarzenIlcbersicht der frühem Nciscn nach dem Sudan. 11 Ä^lsen für Basalt, neuerdings sind sie als eisenhaltiger Sandstein erkannt worden. MitMnhe und Noth fand Hornemann seine Reisegcnossen wieder auf, die er wäh renddem aus dem Gesicht verloren hatte. Abermals geht der Zug fünf Tage lang hurch flache, traurige Thäler, in denen ein einzelner dürftiger Baum zu einem Ereig- hiß wird, und man kommt dann zu den Kalkfelsen des W e ß e n H ar u d s ch. Am sechzehnten Tage nach der Abreise von Augila langt die Karawane in Tcmissa an und erfährt daselbst, daß sie einer großen Gefahr entgangen sei. Eine bedeutende Schaar räuberischer Araber hatte sich nämlich versammelt gehabt, in der Absicht, sie zu überfallen. Da ihr Erscheinen sich aber verzögert hatte, waren die Räuber zu Rr Meinung gelangt, die Karawane sei bei der Eroberung Kairos durch die Fran zosen an derFortsehung ihrer Reise gehindert worden. Die Räuber hatten sich des halb anderweitigen Unternehmungen zugewendet. Am 17. November 1799 kam Hornemann in M u r su k an als der erste Euro päer, der Mittheilungen über diese Stadt veröffentlichte. Von hier aus sandte er R n ersten Brief an die Afrikanische Gesellschaft, welcher Nachrichten aus Fessan enthielt. Anfänglich beabsichtigte er sofort nach Trip o li znrückzugehen, um dort Ro erforderlichen Schritte zu seinem weitern Fortkommen zu versuchen, ward aber vom Fieber ergriffen und büßte seinen treuen Diener durch den Tod ein. Kaum genesen, macht er sich endlich langsam den Weg nachTripoli, allent halben mit größter Umsicht untersuchend, beobachtend und von Pilgern, mit denen m zusammentrifft, Erkundigungen über die Länder im Süden und die Stra ssen nach denselben einziehcnd. In Trip oli gelingt ihm, den Sultan so snr sich zu gewinnen, daß dieser ihn in seinen besondern Schutz nimmt und ihin ein Schreiben einhändigt, in welchem er ihn als seinen Diener Jedem dringend empfiehlt. Zum zweiten Mal macht er sich am 1. Dezember 1799 nach Mnrsuk Cl iif den Weg, wo er am 20. Januar 1800 wohlbehalten ankommt. Zwei Kameele tragen seine Vorräthe, die in allerlei kleinen Waarcn bestehen. Seine Reisebibliothek wird nur durch den Koran und einige andere heilige Bücher gebildet. In der Hauptstadt von Fessan ist er zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalt genöthigt und er macht die interessante Bekanntschaft eines Sche ichs von Bornu, mit dem er nach letzterem Lande zu reisen gedenkt. Zwei weitere Briefe, die er von hier absendcte, enthalten mancherlei Nachrichten über die Tibu, Tuarik, über Timbuktu, den Sudans und Bornu. Ein dritter Vrief ging verloren. Sein letztes Schreiben datirt vom 6. April 1800. Den 7 - April reiste er tu frischer Gesundheit und fröhlichen Muthes ab und sprach aus, er bis zum September in Bornu zu bleiben gedächte, um dann mit der großen Karawane weiter zu ziehen. Die spätere Expedition unter Oudney, Denham -c. erfuhr ditrch Erzählun gen der fessaniscken Kaufleute Sa lah und Ben de ra chm an über sein weite res Schicksal Folgendes: Er sei, sagte man, als muhamedanischer Kaufnrann nach Np ff e gereist, hätte dort aber einen Anfall von der Ruhr bekommen und wäre nach sechstägigem Krankenlager daran gestorben. Seine Papiere habe ein gelehrter Mann Jitssuf Fclata an sich genommen. Der Negerpöbel habe diescir12 Einleitung. aber als einen Zauberer betrachtet, ihn beschuldigt, daß er Umgang mit bösen Geistern pflege, und ihn deshalb in seinem Hause sammt allem Besitzthum ver brannt. Auf diese Weise sei Alles verloren gegangen. In Tripoli war es den Engländern gelungen, durch die Bemühungen des Konsuls Warrington ein sehr freundschaftliches Verhältnis mit dem Pascha daselbst anzuknüpfen. Sie hatten die Wichtigkeit der Straße über Fessan nach dem Sudan ins Auge gefaßt, iiub dem Pascha seinerseits lag daran, in der mächtigen seefahrenden Nation eine kräftige Stütze bei seinen Bestrebungen, sich von der Pforte unabhängig zu machen, zu finden. Im Jahre 1819 ging deshalb Do se p h Nitchie, Sekretär der Gesandtschaft, ein wissenschaftlich gebildeter Mann, von Tripoli aus im Aufträge der englischen Regierung nach dem Süden. Ihn begleitete der Marineleutnant G. Francis Ly on. Sie reisten von Tripoli aus in Gesellschaft des Sultans von Fessan, Mukni, der dem Pascha von Tripoli tributpflichtig war. Anstatt aber den Euro päern hülfreich zu ihrem beguemern Fortkommen zu sein, legte er denselben ver- rätherischer Weise in seiner Hauptstadt Mursuk alle möglichen Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg. Ritchie erkrankte an dem ungesunden Orte an einem Gallcnsicber, und da Mukni verboten hatte, ihm beizustehen, starb er. Sein Gefährte Ly o n, der gleichzeitig an einem Ruhranfall litt, erholte sich aber glücklicher Weise wieder und veröffentlichte bei seiner Rückkehr nach England die Ergebnisse der Reise, sowie alleD Das, was er durch Erkundigungen über die südlichen Länder erfahren. Trotz des ungünstigen Ausgangs dieses Unterneh mens war man doch durch die erhaltenen Nachrichten nicht abgeschreckt worden, sondern rüstete schon 182L einen neuen Reisezug aus, an dessen Spitze der Natur forscher Dr. Walter Oudncy stand. Ihn begleiteten der Major Diron Dcnham und Leutnant Hugh Clapperton; außerdem der Schiffszimmer mann Hillmannund ein englischer Diener Symkins, der außer drei euro päischen Sprachen auch fertig Arabisch sprach. Warrington nahm die Reisen den in herzlichster Weise auf, der Pascha unterstützte ihr Vorhaben und nach Be endigung aller Vorbereitungen brachen sie im März 182-2 nach Mursuk auf. Clapperton und Oudney reisten überBeniolid voraus, Denham, der später aufgebrochen war, traf sie kurz vor dem Anfang der eigentlichen Sahara. In Sokna erfreuten sie sich einer teilnehmenden Freundlichkeit von Seiten der Einwohner. Besonders erregte die europäische Kleidung, welche die Reisenden bcibehaltcn hatten, die Neugierde der Frauen, und letztere interesfirten sich so für die Hosentaschen der Fremden, daß sie ihre Hände versuchsweise in die selben steckten, mitunter drei bis vier gleichzeitig. Zwischen Sokna und Mur suk hatte dieKarawane sehr vomWüstenwind anszustehen, der ihnen den Sand in die Augen warf, so daß ihre Thiere wild wurden und nicht vorwärts wollten. Auch während der Nacht wüthete der Sturm fort, riß wiederholt die Zeltpflöcke um und bedeckte zollhoch die Schlafenden mit Sand. Als man sich am 8. April Mursuk näherte, ritt ihr israelitischer Diener voraus,. Die Einwohner der Stadt hielten denselben für den angekündigten englischenKonsul und erwiesen ihmÜbersicht der srühern Reisen nach dem Sudan. 13 Zur großen Belustigung der später Ankommenden die gebräuchlichen Ehrenbezei gungen , während sonst Juden allgemein verächtlich behandelt werden. Der jetzige Sultan von Fessan, Mustaph a, Mukni s Nachfolger, begegnete den Engländern zwar freundlich, machte ihnen aber allerlei Schwierigkeiten in Bezug auf ihr weiteres Vordringen. Ohne eine Begleitung von mindestens 200 Bewaffneten, erklärte er ihnen, könne man nicht durch die Wüste reisen; C S sei aber nicht möglich, vor dein nächsten Frühjahr eine solche Schaar zu sammen zu bringen; außerdem bedürfe auch noch dazu der ausdrücklichen Erlaubnis; des Paschas in Tripoli. Ein Kaufmann, Bn Khalum Mnr- s"k, der ein Feind M nstapha s war, nahm sich ihrer an, reiste mit Denham ach Tripoli, und wirkte beim Pascha jene Erlanbniß ans. Freilich gelang es cv ft letztem zu energischen Schritten zu bewegen, als Denham bereits mit einem französischen Schiffe bis Marseille gereist war, um sich in England über den Pascha Zu beschweren. Am 7. September befand sich Denham mit Bu Khalum wieder in der Wüste und war mit einem Thcil der Mannschaft versehen. Ein anderer ^-nipp stieß in Sokna zu ihnen. Am 30. Oktober zog Denham mit Bu Khalum in Mursuk auf pomphafte Brcisc ein, sodaß ihnen die halbe Bewohnerschaft cntgegcnströmtc. Bu Khalum fast auf einem weißen tunesisMn Rosse. Sein Sattel war vergoldet und die Satteldecke aus purpurnem Sammt mit Gold verbrämt. Er selbst war in meh- ^^rc Kleider aus den schwersten Seidenstoffen gehüllt und diese mit Goldsticke reien , Tressen und vergoldeten Knöpfen geschmückt. Oudnch war schon vor seiner Abreise in England leidend gewesen und Denham traf ihn an einerBrnstkrankheit darnieder liegend. Clappcrton hatte das Fieber. Während dieser Reise Denham s hatten die beiden Zurückgebliebenen einen Ausflug nach den Natronseen und "ach der Tnarikstadt Rh at unternommen und bei dieser Gelegenheit die Ruinen "on Dsch c rma (Gcrma), der Hauptstadt des alten G a ramant enrei ch s, be sucht. Der Versuch, die sogenannte Geisterburg oder das Teufels schloß dsi Rhat, eine wildzerklnftete Berggruppe, zu besteigen, war verunglückt, da k sfe Klüfte ihnen daS Weitergehen verwehrten. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Mursuk waren die beiden Freunde von jenen Krankheiten nicdergcworfcn worden, s" denen sie Denham noch leidend fand. Um so bald als möglich von dem nngc- llinden Mursuk wegzukommen, suchte man die Abreise, so viel als sich thun ließ, Zu beschleunigen. Clappcrton und Oudnch gingen schon am 19. November nach G c rth ru n voraus, zehn Tage später folgte ihnen die übrige Karawane, " sch Bn Khalum und seine 200 wöhlbewaffneten Araber begleitet. Eine " sehnliche Schaar fessanischcr Kauflentc hatte sich mit ihren Sklaven und Sklavinnen angeschlosscn. Man traf dieVorausgegangenen sehr krank, und H l l - """ , der Zimmermann, war vom Fieber so heftig ergriffen worden, daß er kaum im Stande war, sich auf dein Kameele zu halten. Einen äußerst cnt- U uthigenden Eindruck machte auf die Kranken die Menge der Gebeine und ^ chname, welche auf der ganzen folgenden Wüstenstrcckc trafen und die mci- uingckommcnc Sklaven eines Transportes vom vorigen Jahre waren, in14 Einleitung. welchem der Sultan einen Kriegszug nach Süden gemacht hatte. Man gelangte nach Wilma und machte daselbst die Bekanntschaft des Sultans der Tibn. Dcnham schildert denselben als höchst unreinlich und geistig beschränkt. Sein Hemd und Turban, ehedem weiß, waren schwarz von Schmutz, ähnlich sein Kör per, und Denham begriff es sehr wohl, daß der Sultan ihn um ein Stückchen Seife bat. Selbst die Spieldosen, Uhren und andere Gegenstände europäischer Erfindung regten die schwerfälligen Tibn wenig auf; am meisten Eindruck schien noch ein rother Burnus zu machen, den der Sultan znm Geschenk erhielt. Aus den Dörfern des Tibulandes, an denen man vorüberkam, eilten der Karawane die Einwohner entgegen, warfen sich grüßend auf die Knie und sangen tanzend vor ihnen Loblieder. Die Araber vergalten jene Gastfreundschaft, auf ihre Uebermacht sich stützend, freilich sehr schlecht. Eine Partie von ihnen machte einen Streifzug in die Umgegend und nahm den Hirten zweiundzwanzig Reitka- mccle weg, um die unterwegs gefallenen zu ersetzen. Nachdem man ain Brunnen Agad em vorbeigekommen war, begegnete man mitten in der WüsteTintuma zwei Kurieren, die anfdemWege von Bornu nach Mnrsuk begriffen waren und diesen weiten Weg in dreißig Tagen zurückzu legen gedachten. Ihr ganzes Gepäck bestand nur aus einem Sack mit gedörrtem Getreide, zwei Schläuchen Wasser, einem kleinen Kupfergefäß und einer hölzer nen Schale, höchstens noch aus einigen Streifen getrockneten Fleisches. Kochen sie auf ihren Rastplätzen ja, so benutzen sie als Fcuernngsmaterial den gedörrten Kameelmist, den sie in einem unter dem Schwanz des Thieres aufgehangenen Beutel unterwegs gesammelt haben. Am Brunnen Bir e Kasch iferi begrüßte sie Mina Tahr, d.h. der schwarze Vogel, Häuptling der dort wohnendenGunda-Tibu, welcher von den durch ziehenden Karawanen einen Zoll zu erheben pflegte. Er lud die Reisenden ein, ihm nach einem Brunnen zu folgen, der zwei Meilen südlich von der Straße ge legen sei und den Lagerplatz jener Tibuhorde bildete. Die Speisen, welche ihnen der Häuptling bot, waren zwar sehr schlecht, desto schöner aber die zwei Reitka- meele, die er Bu Khalum als Geschenk gab und von denen das eine bis zur Höhe des Höckers neun Fuß maß. Die meisten Tibn hatten ihr Gesicht mit Narben ver ziert, der Häuptling selbst zeichnete sich durch zwei halbmondförmige Narben aus, die sich über und unter den Augen befanden und als Schmuck der Tapferkeit gal ten. Denham zeigte ihm eine Uhr, bemerkte aber, daß die lebhafte Freude, welche der Tibu äußerte, nicht durch das Uhrwerk hervorgerufen wurde, sondern durch die blanke Innenseite der Gehäuses, welche ihm sein Gesicht wiederspiegelte. Denham schenkte ihm deshalb einen Spiegel, und nun kannte die Seligkeit des schwarzen Burschen keine Grenzen. Er führte zur allgemeinen Belustigung die tollsten Freudensprünge aus. Die Araber hatten bei ihrem Zuge nicht blos die Beschühnng der Reisenden im Auge; es lag ihnen vornehmlich daran, Beute zu machen und mit Raub und Sklaven bereichert in ihre Heimat zurückzukehren. Sowie sich den fruchtbarer Gegenden näherten, hatte ein Streiftrupp seitwärts Spuren einer Schafherde15 Uebcrsicht der frühcrn Reisen nach dem Sudan. entdeckt, und die ganze gierige Schaar eilte nach der Stelle, wo man das Lager der Pomaden ausgekundschaftet. Letztere waren, die Gefahr ahnend, schleunigst anf- gebrochen und hatten sich geflüchtet. Dies benutzten die Räuber aber wiederum flls einen Vorwand, ein Recht auf deren Habe zu beanspruchen. ES sei das Gesetz "er Wüste, schrieen sic, daß die Hirten den durchkommenden Reisenden beistehen Müßten. Die Schurken hätten ihnen ihre Hülfe und ihren Beistand entziehen wol len md seien deshalb der strengsten Strafe schuldig. Sie jagten ihrer Spur nach, Men sie endlich und hatten bereits die ganzen Herden in Besitz genommen, ja selbst "sn fußfällig flehenden Weibern und Mädchen sämmtliche Kleider vom Leibe ge wissen, als Bu Khalnm dazukam und, durch die Vorwürfe der Engländer beschämt, "ie Zurückerstattung befahl. Zehn fette Schafe und einen Ochsen nahm man jedoch jfls eine Entschädigung für diese eigenthümliche Rechtspflege in Anspruch. Zwei Eage vor diesem Zwischenfall hatte Bu Khalnm einen Tibu als reitenden Boten au den Scheikh von Born abgefertigt, um officiell die Ankunft zu melden. Bciin ^eiterzichcn fand man den Armen halbvcrschmachtet an einem Baume festgebun- w"u, wo er seit vierundzwanzig Stunden ohne Speise und Trank geblieben war. l^iuc Ränbcrschaar der Wandala-Tibu hatte ihn aufgefangen, völlig aus- beplündcrt und dem Hnngcrtode preisgegeben. Die anwohnenden Traita- js- b u hatten die entwendeten Briese den Räubern wieder abgesagt und schickten R Bn Khalnm zurück. Der Bote erholte sich schnell und setzte seinen Weg bald da rauf fort. Bei : Brunnen M t t m erreichte die Karawane am 3. Februar üppi- l "u Wald und genoß den langentbchrtcn Schatten der Bäume. Besonders schön kräftig waren hier die Mimosen und Akazien entwickelt (s. Abbild. S. 17), die wan bisher nur in dürftigen, kümmerlichen Exemplaren zu Gesicht bekommen hatte. ^ u der schirmartig ausgebreitetcn weiten Krone derselben hingen dichte Massen den Schlinggewächsen herab, und zierliche Antilopen, sowie kräftige Büffel zogen sich vor der ankommenden Karawane in das Dickicht zurück, das die Wassertümpcl U) der Nähe des Tsad unrgab. Man traf hier auch den Fennek (Canis Cerda), """ sonderbare, durch Helle Färbung und lange Ohren ausgezeichnete Fuchsart. reiche einen solchen auf der Abbildung links im Vordergründe unter denr ^sklepiasbusche.) Am interessantesten war für Denham, als leidenschaftlichen Ager, die Menge Wasservögel, welche, gänzlich ohne Furcht vor den Men- saß er am Ufer und schaute dem harmlosen Treiben der Thine zr , ) öcacl) fl tet Ihren Frieden durch einen Schuß zu st-r-n. ^ haMst bst . J * ^ daßseiu Pferd, des Harrens mube, Ä&eS eneflt hatte. Aur .l! Fe- Ankunft großeBesorgmß d Kauemi begrüßt, welche wurde der Reisezug ur ) ^ teu und die Angekommenen nach Kuka zu n Willkommen achtzehn Ochsen uberb ^ z; , ^ ^ ^ g u W a n b e16 Einleitung. Der Empfang, welcher den Ankömmlingen Theil ward, war ein wirklich großartiger. Bu Khalnm und seine Araber hatten sich aufs beste hcrausgeputzt, die Engländer ihre Staatsuniform angelegt. Man ritt eben aus einem dichten Walde heraus, als man mehrere Tausend bewaffnete Reiter in musterhafter Pa rade vor sich anfmarschirt sah. Offiziere sprengten, Befehle gebend, vor der Fronte auf und ab. Sobald die Fremden erschienen, erhoben Alle ein lautes Bcwill- kommnnngsgeschrei und die ganze Schlachtordnung setzte sich gegen sie in einer Weise in Bewegung, daß eine Zeit lang wirklich in Ungewißheit gcriethen, ob cS nur auf eine großartige Begrüßung oder auf ihre Vernichtung abgesehen sei. Panzerrcitcr und Bogcnschütz aus Buruu. Von den Flügeln sowol als von der Mitte lösten sich kleine Abtheilungcn loS und sprengten so dicht an die Karawane heran, daß sie fast mit den Thieren dersel ben zusammenprallten. Währenddem schritt die ganze Linie vorwärts, schwenkte, die Specre kriegerisch schwingend und laut rufend , links und rechts vor und hatte alsbald die ganze Karawane vollständig umzingelt. Man merkte es deutlich, daß die Neger den Fremden ihre kriegerische Ueberlegenhcit zeigen wollten. Das Gedränge ward so stark, daß Bn Khalnm zornig zu fluchen begann, obschou er einsah, daß sich gegen eine solche Ucbcrmacht gar nichts anfangen ließ. Sowie der in bunte Seide gekleidete Führer der Neger heranritt, um ihn zu begrüßen, zogen sich seine Leute in größter Ordnung zurück. Besonders zeichnete sich eine starke, auserleseneMV qivcuusjomM18 Einleitung. Schaar, die sogenannten Neger desScheikhs, durch ihre stattlichen Rüstungen aus. (S. Abbild. S. 16.) Sie trugen Panzerhemden, aus Eisenringen gearbeitet, die vom Halse bis zu den Knien reichten und hinten offen waren, manche hatten metal lene Helme, andereTnrbane; ebenso waren die Köpfe derPfcrde durch Eisenbleche geschützt. Die zehn Fuß langen Lanzen hatten Eisenspitzen von drei Fuß Länge. Sowie man am Thore der Stadt anlangtc, machte die ganze Schaar Halt. Nur Bn Khalum, die Engländer und zwölf Araber durften cintreten, die Ilebri- gen wurden veranlaßt, draußen zu warten. Bis zur Wohnung desScheikhs war ein Spalier von Reitern gebildet, die drei Mann hoch standen, und die übrige noch freie Straße füllten Fußsoldaten. Bn Khalum ward zuerst eingelassen, eine halbe Stunde nachher durften die vier Engländer cintreten. Man führte sie einzeln die Treppe hinauf, und vor der Thür des Audienzzimmcrs geboten ihnen Wachen mit gekreuzten Sperren stillzu stehen. Als sie endlich eingelassen wurden, fanden sieden Scheikh in eine blaue Sudantobe gekleidet, rings von Pistolen und Flinten und bewaffneten Negern umgeben. Der Scheikh war ein Mann von etwa 25 Jahren und angenehmen Gesichtszügen. Nachdem er sich bei Ondney nach dem Zweck ihrer Reise erkundigt, wies er ihnen die Hütten an, die für erbaut wor den waren, und forderte sie auf, ihn wieder zu besuchen, sobald sich von der Reise etwas erholt haben würden. Am folgenden Tag überreichten dem Scheikh ihre Geschenke: eine Doppelflinte mit allem Zubehör, ein paar schöne Pistolen, zwei Stück feines Tuch, eines roth, das andere blau, außerdem Porzellangeschirr und Gewürze. Die Geschenke wurden auf einen Teppich niedergelegt und die Engländer, daneben im Sande niedergekauert, erklärten dem Scheikh den Ge brauch der Gewehrschlösser, der Schraubenzieher und des Pulvcrmaßes an der Pulverflasche. Sehr erfreut war er, als man ihm versicherte, der König von Eng land habe von ihm gehört, und er meinte gegen seinen Kanzler: dies käme daher, daß er dieBaghirmi geschlagen habe. Die Reisenden wurden gastfrei auf die reich lichste Weise versorgt. Sie erhielten Ochsen, Weizen, Reis, Lederbüchsen voll Butter, Töpfe voll frischen Honig, Schüsseln mit gekochtem Fleisch und Gersten mehl, das mit Fett zubereitet war, sowie ganze Kameclladnngen Fische. Der Scheikh war zwardem Namen nach dem Sultan vonBornn, der in N c u- Birni am Tsad residirte, untergeordnet, in Wirklichkeit aber Diktator mit un- uiuschränkter Gewalt. Durch die Fellata, welche von Westen her vordrangen, war letzterem sein Reich bereits gänzlich entrissen worden, als der muthigc Scheikh den Feind angriff und in die Flucht schlug. Vierzig Schlachten kämpfte er als Sieger, vorzüglich unterstützt durch die treuen Speerträger aus Kanem, und vertrieb nicht nur die Fellata aus den Grenzen des Reichs, sondern erhob Bornn zu einem der mächtigsten Staaten des Sudan. Außer diesen Feinden mach ten ihm auch die südöstlich wohnenden Bagh irm viel zu schaffen. Diese hatten sich mit dem Sultan von Wada im Osten verbündet, wurden aber trotzdem geschlagen und ihre Hauptstadt Kernuk, sowie andere Orte ihres Reiches ver brannt und zerstört. Zur Zeit als die Reisenden in Kuka ankamen, rüsteten dic Baghirmi von neuem zum Kriege und überschritten in feindlicher Absicht den19 Übersicht der früher Reisen nach dem Sudan. Schars, als auf die Kunde von der Ankunft der mit Flinten bewaffneten 200 Araber sich eiligst zurückzoge . Dies steigerte den Uebermuth der Araber bis zum Unerträglichen. Sie ergingen sich, auf ihre herzlich schlechten Feuergewehre verweisend, über die mit Pfeilen und Speeren kämpfenden Schwarzen in den ver ächtlichsten Aenßernngen und erregten dadurch den Unmuth des SchcikhS und der Seinen in solchem Grade, daß dieser ihren Raubgelüsten ein Ziel anwies, an wel chem sie gebührende Züchtigung erhalten konnten. Ihr bisheriger Führer Bu Khalnm war den unmenschlichen Sklavenjagden und den damit verbundenen Mcn- schenschlächtereien von Herzen abgeneigt und wünschte schnlichst durch reellere Handelsnnternehmnngen einen zwar bescheidcnern, aber ruhiger Gewinn zu er zielen. Dadurch gerieth er mit den Häuptlingen der Araber in Feindschaft. Sic schrieen ungestüm nach einem Raubzng und er mußte sich schließlich mißmnthig chrcm Verlangen fügen, da er die Ungnade feines heimischen Herrschers fürchtete, bc aus einem solchen Unternehmen ein bedeutender Gewinn erwachsen mußte. Den Engländern traute der Schcikh als erfahrener Politiker wenig Gutes zu. konnte sich lange nicht überzeugen, daß der eigentliche Zweck ihrer Reise nur barin bestehen sollte, daß sie den Tsad-See besahen und einige Vogelbälgc, Thier- aaute und werthlose Mineralien sammelten; vielmehr fürchtete er, daß die Eng ander nur eine Kundschaft ausgesandt hätten , um das Reich vorläufig kennen zu c viic und ihm dann dasselbe Schicksal zu bereiten, was Indien, svic er erfahren, öu Theil geworden war. Er legte ihnen deshalb unter dem Schein zärtlicher Für- ^rge alle möglichen Hindernisse in den Weg, nähere Erkundigungen im Lande .ürch Reisen einznziehen, und entfernte sogar alle gut unterrichteten Personen chrer Nähe, durch welche sie etwa mittelbar weitere Aufschlüsse hätten erhalten binnen. Dagegen ließ er durch den Zimmermann Hillmann zu den zwei Kanonen- aufen, welche er früher als Geschenk erhalten hatte, Laffetten anfertige , Kartät- Ichenbüchsen machen und einige seiner Neger in der Handhabung und Bedienung Geschütze unterweisen. Clapperton wurde veranlaßt, mehrere Raketen steigen Klassen, mn den anwesenden Gesandten eines feindlichen Stammes der Schua hcil- lamcu Respekt vor ihm und seinen Verbündeten einzuflößen, und begierig lauschte Cv den Erzählungen des Majors Denham, wenn dieser ihm schilderte, wie bei der "^apaischen Art Krieg zu führen in die Mauern einer belagerten Stadt durch Wichtige Kanonenkugeln Bresche geschossen würde und dann das Fußvolk im durch die Lücke eindringe. Denham s leutseligem Wesen gelang endlich te abergläubischen Befürchtungen vor Bezauberungen zu beseitigen, die er selbst "vorsichtiger Weise dadurch erregt hatte, daß er Abbildungen von Personen aus . vvn s Werk vorgezeigt. Die Vornehmen baten ihn unaufhörlich dringend, sie doch "dht abzus chreiben. Eine Spieldose wurde schließlich das Mittel, dasMiß- *uc z beseitigen und ein sehr freundschaftliches Verhältnis; mit dem Schcikh di.grellen. Dieser lauschte entzückt den lieblichen Weisen des Instruments, und C itf V vt er sich dabei benahm, bezeugte seine höhere Bildung. Er war weit sten A^t.bon den rohen Aenßernngen des Erstaunens, die Denham von den mci- Undern bei ähnlichen Gelegenheiten gehört hätte, ja als einer der Anwesen-20 Einleitung. den beim Schweizer Kuhreigen, den die Dose spielte, durch einen lauten Ausruf den Genuß des Scheikhs störte, erhielt er von letzterem einen so kräftigen Schlag als Zurechtweisung, daß alle klebrigen zitterten. Um den unerquicklichen Zänkereien mit den Arabern zu entfliehen, unternahm Bu Khaluin einen Ausflug nach Neu-Birni und machte dem Sultan Ibrahim daselbst seine Aufwartung. Die Engländer begleiteten ihn, nahmen aber auö Mißverständnis; keine Geschenke für deir Sultan mit, während der Fessaner mit reichen Gaben erschien. Spaßhaft war der Gegensatz, welchen der Hofstaat des Scheinkönigs im Vergleich zu der kriegerisch kräftigen Umgebung des Scheikhs cl Kancmi bildete. Der Sultan suchte die Wurde seiner Person und seines Gefolges durch unmäßige Dicke des Leibes ruid Größe des Turbans herzustellen. Bald darauf kehrten die Reisenden nach Kuka zurück. Nachdem Dcnham an den Ufern des wildreichen Tsad - See einen mehrtägigen Jagdausflng gemacht hatte, ersuchte er den Scheikh um seine Zustimmung, eine Reise nach den: Süden machen zu dürfen. Die Araber waren währenddem durch des Scheikhs Jntrigucn in zwei Lager gespalten worden. Der eine Häuptling zog mit hundert Mann nach der Nordseite des Tsad, die Andern, denen S3u Khaluin wider Willen als Führer die nen mußte, beabsichtigten einen Naubzug gegen die Völkerschaften im Süden. El Kancmi gab denselben zwar 2000 bornuesisch^anzcnreiter mit, stellte dieselben aber unter den Befehl seines Vertrauten Barka Gaua. Der Scheikh verweigerte dann offieicll dem Major Denhanr die Erlaubnis;, sich diesem Zuge anschließen zu dür fen; als aber Dcnham trotzdem insgeheim aufgcbrochcn war und der vorausgcgan- gcncn .Expedition folgte, ließ er ihn durch einen zuverlässigen Mann begleiten und empfahl ihir dem besondern Schutze Barka Gana s. Die Araber waren anfänglich der Meinung gewesen, daß einen Ucbcrfall der benachbarten wehrlosen Heidenvölkcr unternehmen könnten, um dabei auf bequeme Weise reiche Beute an Sklaven zu machen. El Kancmi aber wollte ihnen für ihre Anmaßungen eine derbe Lektion geben lassen und sandte sie deshalb zu nächst nach Mora, der Hauptstadt im M andar aland e, südwestlich vom Tsad. Der Weg führte über das Gebirge, und auf weite Strecken hin kam man durch prächtigen Wald. Das Unterholz desselben bestand zwar zum großen Thcil aus Dornensträuchern und stachclsamigen Gräsern, die Bäume erreichten aber mei stens ansehnlichcGröße und Dicke, und üppige Schlingpflanzen bildeten Bogczigc- hänge über die schattigen Wege. Der Vortrab deS Heeres jagte einen Panther auf und im Gebüsch traf man die halbaufgefrcssene Leiche eines Negers. Einige Reiter machten sofort Jagd auf das Naubthier. (Hierzu siche das Tonbild.) Ein Wurst speer durchbohrte den Hinterschenkel desselben, ein dicht an ihn herangerittener Krieger verwundete es in die Schulter. Da stürzte das gereizte Thier mit wüthcn- dem Geheul auf seinen Angreifer los und würde ihn zerfleischt haben, wenn nicht glücklicher Weise die Kugel eines Arabers seinen Kopf durchbohrt hätte. Der Fürst vonMandara, ein Muhamedaner, warmitBornu sehr befreundet. Der Sultan von Bornu hatte eine seiner Töchter vor kurzem zur Frau genommen und beide Staaten waren eng verbündet. Die näher wohnenden heidnischen Völker Ankmrlt brr Sklabnt-Jlarafnaitr.21 Ucbcrsicht der früh er Reisen nach dein Sudan. sandten dem Sultan von Mandara reiche Geschenke, als sie vom Nahen des Kric- gerheeres Kunde erhielten, und derselbe erklärte, sei gänzlich unthunlich, sie zu bekriegen; es bliebe weiter nichts übrig als ein Angriff die Grenzorte der südwestlich wohnenden Fcllata. Dieser Plan konnte wenig Begeisterung Hervor rufen, denn einnal waren die Fellata kriegerisch und in den Waffen geübt, dann aber durften sie eigentlich, als Mnhamedaner, nicht zu Sklaven gemacht werden. Der Sultan von Mandara begleitete den bereits .1060 Braun starken Heereszug mit seinen eigenen Kriegern, aber nicht um thatkräftig ihnen beizu- stchcn, sondern nur um zuznsehcn, wie die Araber mit den Fcllata fertig wurden, Im Falle die erstem siegten, hätte man die Beute mit ihnen gcthcilt, bei einer etwaigen Niederlage aber war man selbst gesichert. _ , In seinem Palastc zu Mora empfing der Sultan mit himmelblau gefärbtem Barte die Ankommenden in feierlicher Vorstellung. Dcnham aber erregte allge meinen Abscheu, als man erfuhr, er sei ein Ungläubig er. Anfänglich schlug man ihm geradezu die Erlaubnis; ab, einen Ausflug nach den nächsten Bergen Machen zu dürfen, und als er endlich nach vielfachen Verspottungen gehen durfte, wurden ihm sechs Mann mit großen Keulen mitgegeben, die ihm weniger zum Schutz als zur Beaufsichtigung dienten. Er war auch noch gar nicht weit von der Hauptstadt entfernt, als Trompetenstöße ertönten und seine Wache ihn sofort zur Umkehr nöthigte. Endlich, am 25. April, rückte man $u dem vcrhängnißvollen Un ternehmen gegen die Fellata ans. Der Sultan von Mandara ritt voran auf einem schonen isabellfarbenen Hengste mit röthlichen Flecken, ihm folgten seine sechs Licb- lingsdiener, dann seine dreißig Söhne. Für jeden der letztern hatten Reitknechte sechs andere Pferde in Bereitschaft, für den Sultan selbst deren zwölf. Die Mann schaften Barka Gana s trugen rothe Burnusse über ihre Stahlpanzer. Das Ganze machte einen imposanten, prächtigen Eindruck. Zwei Städte der Fellata wurden überfallen und, da die Bewohner eiligst stohcn, eingeäschcrt. Mail kam an eine dritte, Musfia genannt, die sich m eurer beschützten Lage zwischen zwei Hügeln befand und außerdem noch mit Palissaden und einem tiefen Hohlweg geschützt war. Dahinter standen die Schutzen der Feinde und begrüßten mit vergifteten Pfeilen die Angrelfendcn. mrotz dieser testen Stellung stürmten die Araber mit großer Tapferkeit vorwärts, wurden aber ^n ihren Verbündeten im Stich gelassen und die Mehrzahl von ihnen auf der wil len Flucht erschlagen. Dcnham selbst ward von den nachsetzenden Fellata verwun- Flucht erschlagen. Dcnham ggj SJ StScm Rest der Araber und ansgeplündert und kam halbwvt nn ^ Mutigen yon dem ^ld^^u^^^^^"^"^e^a^^Scheikh^?crstarm"überd^Masoi?wm^er-22 Einleitung. der gegen die heidnischen Munga gerichtet war. Diese wollten zwar den Sulla von Bornu als Herrn anerkennen, nicht aber den Schcikh, unb da sie selbst 12,000 Bogenschützen ins Feld zu stellen vermochten, so zog el Kanemi ein bedeutendes Heek zusammen und vereinigte 5000 Sch na und Bornucsen mit 9000 Mann trenergebenc Kanembu. Dieöinalreisten auch Oudneh undClapperton mitDenham. Sic woh ^ tcn einer Musterung bei, welche der Scheikh über sein Heer hielt. Bei letzterem war auch der Sultan mit seinemHofstaat eingetroffen. Der Scheikh selbst trug zwei Weiße, buntdnrchwirkte Toben von Musselin, darüber einen Weißen Burnus und als Turban einen Kaschmirschal. UeberscincSchulterhingderSäbel, denihmnach seiner Ausdrucksweise der englische Sultan" geschenkt hatte. Jhnumgaben seine bornucsischcn Reiter und die Araber, ttnd vorihm marschirtcn dicKanetnbn-Spccm träger auf, deren Anführer scharlachfarbcnc, mit Gold besetzte Burnusse trugen- Auf ein gegebenes Zeichen rückten die Schaaren in Abthcilungen von 800 1000 Mann mit lautem Feldgeschrei vor. Sic waren nur mit einem Gürtel ausZiegeM oder Schaffell angethan und hatten einige schmale Tuchstreifen um den Kopf ge- wickelt, die unter der Nase über das Gesicht gingen. (Siche nebenstehende Abbil dung.) Ihren Hauptschntz bildete ein großer Schild, fast von der Gestalt eines gothischen Fensters. Dieser war auS Stücken des leichten, aber festen Holzes vom Fogobaume gearbeitet und mit Riemen zusammengebunden. Unter diesen Schill den schliefen sie auch im Lager und schützten sich gut mit denselben gegen die feind- lichen Pfeile. Außer dem Spccre hatten sie am linken Arme einen Dolch, der durch einen Ring so festgehalten ward, daß der Griff der Hand zugekehrt war. Sowie sich die Schaaren der Kanembu dem Schcikh näherten, beschleunigte sie ihre Schritte, schlugen mit den Lanzen gegen die Schilde und marschirtcn a ihm vorüber. Der Scheikh sprengte zum Zeichen seines Wohlgefallens in eine Ab theilung hinein, Alle drängten sich um ihn herum, küßten ihm die Steigbügel und gaben deutlich zu erkennen, wie sehr sich durch diese Auszeichnung geehrt fühlten- Glücklicher Weise endigte der Feldzug ziemlich schnell ohne größere Gewalttha- ten. Der Ruf von des Schcikhs Macht hatte d en Munga Furcht eingeflößt und sie znM Gehorsam und zur Unterwürfigkeit zurückgeführt. Malem Fanami, ihr Anführer, sah sich von den Seinigen im Stich gelassen und gezwungen, sich auf Gnade und UM gnade zu ergeben. Er kam in dürftiger Kleidung und unbedeckten Hauptes ins Lager und kniete vor dem Scheikh nieder, gewärtig, daß dieser sein Todesurthcll aussprechen würde. Statt dessen begnadigte ihn derselbe, ließ ihm acht schöne Toben über einander anziehen und sein Haupt als Zeichen großer Ehre mit T r- banen so dick umwickeln, daß es einem Scheffclmaß glich. So machte sich elKM nemi durch kluge Mäßigung das ganze Volk der Munga zu seinen besten Freunde und sicherte sich durch sie ciue treue Schntzwehr gegen die Fellata im Westen. Nach Kuka zurückgekehrt, traf derScheikh Vorrichtungen, um den schon länge beabsichtigten Feldzug gegen die Baghirmi und den Sultan von Wad ai auss zuführen. Letzterer beanspruchte insbesondere die östlich am Tsad liegenden Gss biete von Kanem. Zwei Heere sollten gleichzeitig aufbrechen, eins na" Südosten und das zweite östlich an den Tsad, also gerade nach Gegenden, na )Übersicht der frühern Reisen nach dcm Sudan. nci ^uham längst eine Reise gewünscht hatte. Der Scheikh setzte bei diesem s . Unternehmen seine Haupthvffnung die Kanonen mit ihren Kartätschen, u 200 Flinten, die freilich zum größten Theile unbrauchbar waren, gn Die lange Regenzeit wurde zunächst abgcwartet. Bei eintrctcndcm bessern cter begleiteten Oudncy und Clappertou eine Karawane, welche nach Westen in Kimcmbu - Häuptling und Fußvolk. litt. ict) fecv Fellata zog, trotzdem daß der erstcre sehr an seinem alten Brnstnbcl frttkift 1 "- Kftven dieselben eine Woche abgereist, als zur Verstärkung der Ge- Und G !.^!s U.u ger kräftiger Offizier Namens Toole von Malta aus eintraf brachte ^^^"der unb mancherlei zu Geschenken sich eignende Gegenstände mil den Osto sich an Denham an und beide richteten ihr Augenmerk Mehrere Male hatten hier die Baghirmi Einfälle in das Gebiet des24 Einleitung. Scheikhs gemacht; der letztere hatte vorsichtig gezögert, gegen sie loszuschlagen, weil Gerüchte von einem Angriff gesprochen, der durch die westlichen Fellata und durch den Sultan von Tripoli vorbereitet würde. Als er sich durch Kundschafter von dem Ungrund dieser Befürchtungen überzeugt, wendete er sein Augenmerk auf die Baghirmi. Aber eben als er gegen sie ziehen wollte, erfuhr er, sie hätten sich schleunigst über den Scharifluß zurückbegeben, da die Bewohner von Mas fa- ta Knsseri, zwei Grenzstädten im Südosten, einen unerwarteten Hand streich gegen ausgeführt. DieBaghirmi aus G ul ghi hatten nämlich ein Arbei terdorf auf feindlichem Gebiete am gegenüberliegenden Ufer dcs Schari erbaut und von diescin aus die Bodenerzeugnisse in Kähnen nach ihrem Lande geführt. Lange hatten die Bornuesen diesen Uebergriffen ruhig zugesehen, plötzlich überfielen die Bewohner der genannten zwei Städte zur Nachtzeit den Baghirmi-Ort, hieben die Männer nieder und machten Weiber und Kinder zu Sklaven. Die Getreidevor- räthc steckten sie in Brand. Die erschreckten Baghirmi verließen in Folge dessen das ganze Gebiet um Logone, das bisher gebrandschatzt, und die Bewohner des letztern schickten eiligst eine Gesandtschaft an den Scheikh von Bornu, um diesem ihre Ergebenheit zu erklären. Diesen günstigen Moment benutzte Denham, um sofort mit seinem Ge nossen eine Reise nach Logone zu unternehmen. Sie durchzogen dabei das sumpfige, reichbewachsene Gebiet des untern Schari und hatten Gelegen heit, sowol die üppigen Waldungen daselbst kennen zu lernen, als auch mit den dickhäutigen Bewohnern desselben, den zahlreichen Elephanten und Fluß pferden, sowie mit den unzähligen Stechfliegen und Mücken vielfache Bekannt schaft zu machen. In Logone selbst konnten sie sich nur sehr kurze Zeit aufhalten und mußten die angetretene Fahrt zu Boot weiter den Schari hinauf plötzlich abbrechen, da Nachrichten von dem schleunigen Vorrücken der Baghirmi eintrafen. Schon der Hinreise nach Logone war Toole von dem Sumpffieber befallen worden, und da ein Abwarten seiner Genesung unmöglich ward, so starb der be dauernswürdige junge Mann dem Rückwege an dieser Krankheit am 26. Fe bruar zuNgala (Angala). In Ngornu (Angornn), welches Denham am 2. März erreichte, nmßte auch er zehn Tage lang am Fieber darnieder liegen und erfuhr wäh renddem, daß Oudney gestorben sei. Am 28. März kam es zwischen dem Scheikh und den Baghirmi bei Ngala zu einer Schlacht, in welcher die Baghirmi mit Hülfe der Kanonen völlig geschlagen wurden und seitdem Bornn nicht mehr belästigten. So sehr nun aber der Scheikh zu Gunsten Denham s gestimmt war, da er dessen Kartätschen den Sieg größtenthcils verdankte, so war er doch entschieden gegen eine Reise östlich durch Wadai, da er sie für unausführbar hielt. Er rieth, die Engländer möchten lieber versuchen, von Aegypten her weiter zu gehen, wenn sie den Drang, fremde Länder zu sehen, nicht mäßigen könnten. Ende Mai kam neue Verstärkung England an. Ty rw h tt, der schon früher erwartet und dessen Stelle damals durch Toole ersetzt worden war, tras ein und brachte außer neuen Geldmitteln für die Expedition auch schöne Geschenke für den Scheikh mit.Uebersicht bcv frühcrn Reisen nach dem Sudan. 25 An dcr Mündung des Unglücklicher als der Kriegszug gegen die Baghirmi fielen die Unterneh mungen aus, welche Barka Gana gegen feindliche Häuptlinge am Ostende des Tsad auszuführen versuchte und bei denen Denham ihn begleitete. Der eine jener Fürsten hatte sich so gut verschanzt und mit so auserlesenen Kriegern umgeben, daß ein Angriff auf ihn gar nicht möglich war. Der zweite dagegen lockte die beutelustigen Krieger des Scheikhs in ein sumpfiges Gebiet, in welchem theils versanken, theils von den mit den Oertlichkciten genau bekannten Feinden niedcr- üestochen wurden. Barka Gana selbst erhielt eine starke Wunde in den Rücken mit einem Speer, welcher vier Toben imb das eiserne Panzerhemde durchbohrt hatte. Am 17. Juni kehrte Denham nach Kuka zurück und fand hier seinen Freund26 Einleitung. Clapperton von seinem Zuge nach Westen wieder angekommen, aber so sonnen verbrannt und abgemagert, daß er ihn nicht eher erkannte, als bis ihn derselbe mit Namen rief. Clapperton war am 14 . Dezember 1823 in Gemeinschaft mit Oudneh von Kuka aus nach Westen gezogen. Man verfolgte zunächst den Weg über Katagum nach Kano. Die Nächte waren zum Theil so empfindlich kalt, daß einmal, nach Clapperton s Bericht, Eis gefror. Durch den schnellen Wechsel der Temperatur verschlimmerte sich Oudney s Zustand mehr und mehr, und am 10. Januar starb er zu Murmur in den Armen seines Freundes. Am 20. Januar kam Clapperton in Kano an. Nachdem ihm hier Boten vom Sultan Bello die Erlaubniß gebracht, daß er denselben besuchen dürfe, verließ er am 23 . Februar den ungesunden Ort. Er ließ seinen Diener Jakob und einen gro ßen Theil des Gepäckes in Kano zurück und machte sich mit seinem Führer Muha- med Djolli, einem Fellata, auf den Weg. Der größte Theil des Landes, durch welchen die Straße nach Sokoto führt, zeigte ein sehr fruchtbares Aussehen und war stellenweis gut angebant. Die Bewohner begegneten den Reisenden freundlich und gefällig, und nur die Furcht vor räuberischen Ueberfällen der indem Reiche hausenden Rebellen und das Fieber machten den Marsch unangenehm. Bei dem OrteQuoli kam ihnen ein Trupp von 150 Reitern mit Trommeln und Trompeten entgegen, der vom Sultan Bello ansgcschickt worden war, sie zu begleiten und einzuführen. Clapperton zog als Diener des Königs von England", wie er in des Schcikhs Empfehlungsbrief an den Sultan, Bello bezeichnet worden war, in So koto ein. Er trug dabei seine goldbesetzte Lcntnantsnniform, weiße Hosen, seidene Strümpfe, türkische Pantoffeln und auf dem Haupte einen Turban. Die Straßen der Stadt waren dicht gedrängt voll Menschen, und ein Bote erschien, um ihn im Namen des Sultans willkommen zu heißen, der augenblicklich sich nicht in der Stadt befand und erst am Abend in derselben eintraf. Den 17 . März Mor gens hatte Clapperton bei ihm Audienz. Er fand in ihm einen kräftigen Mann in seinen besten Jahren von edlem Ansehn und mittlerer Größe. Ein kurzer, starkgekräuselter schwarzer Bart umgab seinen hübschen kleinen Mund. Die Nase war griechisch geformt,seine Stirne ausdrucksvoll und seine großen Augen voll Feuer. Nachdem der Sultan Clapperton über sein persönliches Befinden und seine letzten Reiseerlebnisse befragt, erkundigte er sich nach Religion und Sitten der Engländer. Er sah die letztern mit ziemlich mißtrauischen Augen an und ward in seinem Argwohn besonders durch die Einflüsterungen der anwesenden Araber be stärkt, welche ihrerseits Nachtheile dadurch zu erhalten fürchteten, wenn die Eng länder unmittelbar mit Haussa in Verbindung kämen. So erkundigte sich Bello genau nach dem Verhalten, welches die Engländerin dem Kampfe zwischen den Griechen und den Türken beobachtet hatten, ferner nach ihrem Auftreten Algier gegenüber und endlich als kitzlichstem Punkt nach ihrem Benehmen in Ostindien. Er schien durch Clapperton s Antworten so ziemlich beruhigt zu sein, gab demsel ben auch Auskunft über den Lauf des Niger und die Länder im Westen, versprachÜbersicht bcr frühcrn Reisen nach dem Sudan. 27 ferner, eine ausreichende Gesandtschaft abgehenzu lassen, um die Engländer in Empfang zu nehmen, sobald diese an der Westküste landen würden, hinderte aber durchaus Clappcrton s Weiterdringen in die westlichen und südlichen Länder. Der Reisende übergab dem Sultan im Namen des Königs von England reiche Geschenke. Besonderes Interesse hatte Bello an dem hierbei befindlichen Kompaß, da dieser ihn zu jeder Zeit darüber belehrte, wo er Osten zu finden habe, um beim Gebet sein Gesicht dorthin zu richten. Clappcrton mußte seinen Besuch häufig wiederholen und der Sultan fragte ihn wißbegierig über die verschiedenartigsten Dinge Europas, ja er wünschte schließlich sehr lebhaft, daß sich ein englischer Gesandter und ein Arzt in Sokoto uicdcrlassen möchten, run seine Unterthanen in den Künsten und den Kenntnissen der Europäer zu unterrichten. Da er aber fortwährend erklärte, daß wegen des Kriegszustandes , in welchem sich das Land zur Zeit befand, ein Vordringen nach Westen hin unmöglich sei, so war Clappcrton ihm noch sehr dankbar, daß er ihm wenigstens keine Hindernisse in den Weg legte, um nach Bornu zurückgehcn zu können. Er hatte die Erfahrung gemacht,, daß er jedesmal heftiger am Fieber zu leiden hatte, sobald er gezwungen war, längere Zeit an einem Orte zu verweilen, und daß während der Aufregungen und durch den fortwährenden Ortswechsel uns der Reise erträglicher wurde. Er erhielt vom Sultan ein eigenhändiges Schreiben an den König von England, in welchem derselbe seine freundschaftliche Gesinnung gcgcndie Engländer aussprach. Die Provinzen,durch wclchcdie Rückreise ging, befanden sich im Aufstande gegen die Fürsten und die Wanderung durch diesel ben war deshalb von Gefahren bedroht. Nacheiner mühseligen Reise trafClapper- ton am 22. Mai in Kairo ein uird fand seinen Diener Jakob bei leidlichem Wohl sein. Am 3. Juni verließen Beide diesen Ort rrnd rückten wegen der übergroßen Hitze nur langsam weiter. Nachdem Clappcrton Sockwa und Girkwa berührt, traf er am io. Juni mit dem Beginnder Regenzeit in Murmur ein. Zu seiner großen Entrüstung fand er, daß man die von ihm umhegte und geschützte Grabstätte seines Freundes Oudney nicht geachtet, sondern fast bis zur Unkenntlichkeit zerstört hatte. Ein Arabertrupp hatte die Lehmmauer niedergerissen und dann dem Grabe ein Feuer angezündet. Clappcrton war so erzürnt über diesen Anblick, daß er den Vorsteher des Ortes, dessen besonderem Schutz er das Grab empfohlen, eigenhändig dnrchprügelte und ihm einschärfte, sofort die Mauer wieder Herstellen zu lassen, was dieser denn auch in demüthiger Unterwürfigkeit zu thun versprach. Nachdem der Reisende Katagum passirt hatte, traf er bei Sansan auf oinen Eilboten, den ihm der Major Denham mit Geschenken für den Sultan Bello sendete. Unter den letztern befand sich ein prachtvoller Ehrensähel. Clappcrton begleitete den Boten bis Katagum und trug Sorge, daß derselbe von hier so fort an den Sultan sicher weiter ging; dann setzte er seine Reise nach Kuka fort, in welcher Stadt er am 2. Juli eintraf. Er fand nur Hillmann anwesend, der eben oinen verdeckten Karren für die Frauendes Scheikhs zimmerte; Denham war noch seinem Ausfluge nach dem östlichen Tsad. Die Reise nach Sokoto hatte sieben Monate erfordert; sie war die erste, welche ein Europäer in diesen Gegenden un-28 Einleitung. tcniommeu hatte. Durch sie lernte man das große Reich des Sultans Bello kennen und erhielt sichere Nachrichten von dem eigentlichen Verlauf deS Niger. Denham und Clapperton bereiteten sich zur Heimreise nach Europa vor- Tyrwhitt sollte als Konsul in Kuka Zurückbleiben. Der Scheikh sorgte für die bei den Scheidenden mit freundschaftlichster Aufmerksamkeit und übergab ihnen reiche Geschenke für den König von England. Nach herzlichem Abschied und dringend ein geladen, baldigst wieder gu kommen, wurden die Engländer entlassen. Sie ver suchten zwar nördlich tioch zum Schluß den Tsad zu umgehe , kehrten aber bald wieder um, wegen der zahllosen Schwierigkeiten, die sich ihnen entgegcnstellten. Die lange Wüstcnreise war reich an den gewöhnlichen Mühseligkeiten, Gefahren und Schreckensbildern dieser Tour. Zusammenbrechende Kameele, denen hungrige Sklaven noch im letzten Todeszucken den Dolch ins Herz stießen und die Stücken Fleisch warm vom Leibe rissen, um sie roh zu verschlingen, Kinder, die kaum allen Vieren noch weiter konnten, aber mit der Peitsche vorwärts getrieben wer den mußten, wenn sie nicht zum gewissen Tode liegen bleiben sollten, Skelette und halbverweste Leichen, über welche die Reitthiere stolperten: all dergleichen mußte erst noch einmal erlebt werden, che man die fruchtbeladcnen Dattelpalmen Fessans begrüßen konnte. Nach einem dreiwöchentlichen Aufenthalt in Mursnk setzten die Reisenden ihren Weg nach Tripoli fort und kamen in dieser Stadt am 21. Januar 1825 wohl behalten an. Der Pascha ließ sie durch seine Beamten feierlich einholen und be theiligte sich persönlich an einem Balle, welchen die in Tripoli sich aufhaltenden Engländer und Spanier gaben, um die glückliche Rückkehr Denham s und Clap- perton s zu feiern. Hillmann ward mit den: Gepäck und den Thieren zur See nach England gesandt, Denham und Clapperton dagegen reisten über die Alpen nach England, wo sie am 1. Juni glücklich eintrafen. Clapperton war ganz begeistert von den Aussichten, welche ihm Sultan Bello in Bezug auf Handelsverhindungen Englands mit dem Sudan von der Westküste her eröffnet hatte. Er nahm sich kaum Zeit zu den mündlichen Berichten über seine Reise, als er auch sofortbereit war, wieder nach jenem Lande zurückzu- kehren, in welchem des Sultans Boten versprochenermaßen seiner harren sollten. Am 22. Juni erhielt er die Ernennung zum Kapitän und Kommandeur und be reits am 27. August 1825 ging er in Portsmouth auf der königlichen Schaluppe Brazen unter Segel. Ihn begleitete sein später so berühmt gewordener Diener 9t ich ard Lander aus Cornwall, ein Mann, der sich durch seine Treuherzigkeit und stete Heiterkeit auszeichnete, der Einzige, welcher nachmals von der ganzen Erpedition zurückkehrte. Dazu kamen der Seeoffizier Pearce, der Schiffschi rurg Dr. Morrison und der Chirurg Dicks on, der sich durch einen länger Aufenthalt in Wcstindicn bereits mit dem Tropenklima vertrant gemacht hatte. Man langte am 26. Oktober im Meerbusen von Benin an. Dickson wünschte von hier aus den Weg nach S o k o t o allein zu versuchen. Er ging mit dem früherUebersicht der srühern Reisen nach dem Sndan. 29 erwähnten Diener Columbus und einem Portugiesen Dr. Srlsa nach Da- home und von dort nach Jaouri. Hier verschwinden alle weitern Nach richten über ihn. Niemand weiß, was ihm geworden ist. In W h d a und in Benin wußte kein Mensch etwas von den verheißenenBoten des Sultans Bcllo; die Orte Fun da und Racka, welche ebenfalls als Punkte des Zusammentreffens bezeichnet worden waren, kannte man nicht einmal dem Namen nach. Ein engli scher Kaufmann, H o utso n, der mit den Küstengebieten vertraut war, rieth der Erpedition, von Badagrh aus vorzndringen, und erbot sich, sie bis zu den Gren zen von Jarriba zu begleiten, ja Clapperton s Zureden versprach er, bis Katnnga (Ejeo), der Hauptstadt von Jarriba, zu bringen. Man landete deshalb in Badagry am 24 . November und trat mit der Bewil ligung des Landesfürsten am 7 . Dezember 1825 die Reise nach dem Innern an. Zunächst fuhr man in Kähnen dem G a z bis nach P n k a stromauf und ging daun zu Lande nach Akalu. Ein Negerhäuptling, welcher sich ihnen hier feindlich cnt- gegcnstellte unb die Weiterreise verbieten wollte, ward durch ein Glas Grog nach giebig gestimmt, so daß man unangefochtennachSado, Bidji und Labu gelangte. Leider litten die Reisenden sehr am Fieber, und selbst Clapperton war oft so schwach, baß er sich in einer Hängematte weiter schaffen lassen mußte. In Djanna, einer ansehnlichen Stadt von etwa 10,000 Einwohnern, nahm man mit großer Freude auf. Kurz nach der Abreise von diesem Orte starb aber schon Morrison s Diener Dawsvn, in Engwa erlag Pearee den zerstörenden Einwirkungen bes Fiebers und an demselben Tage Morrison zu Djanna, wo man ihn hatte zu- achcklassen müssen. Clapperton ließ sich nichtsdestoweniger schwerkrank weiter tragen und erholte sich um ein Merkliches, sobald man in A fnra das höhere Gebiet des Kanggebirges betrat. Auf beschwerlichen Pfaden überstieg man das letztere, in dem man dabei Duff , Ch ad u, M a t o n und E r a w a berührte, und kam am Januar glücklich nach Cheki, dem höchsten Punkt des Gebirges. Nachdem die Karawane zahlreiche Orte am jenseitigen Abhange passirt, gelangte nach Ka- l u n g a und fand bei dem Herrscher daselbst gute Aufnahme. In eigenthümliche Schwierigkeiten ward Clapperton in Wawa, einem Orte östlich von Katnnga, verwickelt. Eine außerordentlich dicke und deshalb nach den Landesvorstellungen außerordentlich schöne Wittwe intercssirte sich in so hohem Grade für die angc- evunnenen Fremdlinge, daß sie zunächst Richard Lander als Mann begehrte und, als dieser ein solches Glück verschmähte, Clapperton ihre Reichthümer vorzählte ^f d ihn zurHeirath aufforderte. Er widerstand zwar der Versuchung, hatte aber ^lel Aufenthalt und Umstände dadurch. Als er nämlich in Bussa, demselben ^Ae, in dessen Nähe Mungo Park umgekommen war, über den Niger setzen hallte, wartete er vergeblich auf sein Gepäck und erfuhr zu seinem Aerger: jene Wittwe sei ihm mit der bestimmten Erklärung nachgereist, sie werde ihn als ihren Bcann wieder zurückbringen, unb deshalb hätte der Fürst von Wawa, politische ^utriguen befürchtend, vorläufig Beschlag auf Clapperton s Gepäck legen lassen, is er sich von dessen friedfertiger Gesinnung überzeugt habe. Clapperton sah sich ^zwnngen, persönlich nach Wawa umzukehrcn und sich über die wahre Sachlage30 Einleitung. zu erklären. Eine zweite schwarze Schöne, die Tochter eines Häuptlings, die ihm ihre Neigung zugewendet hatte und ihn stark betrunken besuchte, rührte er durch seine abschlägige Antwort, sowie durch die Erklärung, daß er keinen Brannt wein trinke, zu heißen Thränen. Bei W ond j erk e, d. i. des Königs Fähre, unweit des Dorfes Co mi, setzte Clappertonüberden Niger, der hier 60y Schritt breit ist. Er verließ damit das Land Borgu und trafinNhffe ein, wohin zu gelangen er bei seiner ersten Reise ver gebens gestrebt hatte. Nachdem er dieses Reich durchzogen, kam er unter zahllosen Mühseligkeiten der verschiedensten Art, zu denen sich auch noch bei ihm eine Ent zündung der Milz gesellte, in Kan o an. Hier fand er leider die früher so ange nehmen Verhältnisse sehr zu seinein Nachtheil verändert. Er traf den Sultan B cllo mitten im Krieg gegen seine in Empörung wider ihn begriffenen Provin zen, welche nur Herrschern aus ihrem eigenen Gebiet gehorchen wollten. Ebenso war ein blutiger Kampf entstanden zwischen Haussa und Bornu , und der sonst so freundliche Bello belegte die Waffen, die Clapperton als Geschenk für den Scheikh von Bornu mit sich führte, mit Beschlag, verweigerte durchaus jede Reise nach dein Lande des lctztcrn und wollte den Reisenden sogar glauben machen: der Scheikh habe ihn brieflich aufgefordert, den Engländer zutödten, wenn er wic- derkämc. Bello war durchaus von dcni Glauben befangen, Clapperton sei ein Spion, und die Engländer beabsichtigten nichts Anderes, als Hanssa in ähnlicher Weise erst auszukundschaften und dann in Besitz zu nehmen, wie sie mit Ostin dien gethan. Clapperton war durch seine Krankheit außerordentlich reizbar ge worden und dies riß ihn zu ungewöhnlicher und unkluger Heftigkeit hin, durch welche er alle seine frühern Freunde unter den Eingebornen von sich verscheuchte und sogar von seinen eigenen Dienern verlassen ward. Auf einem Jagdausfluge, den er in das Land derZegz eg unternahm, zog er sich ein schweres Fieber zu, weil er während des Anstandes, von Müdigkeit überwältigt, auf dem nassen Boden liegend eingeschlafen war, und starb an den Folgen dieser Erkältung ain 13. April 1826 in dem Armen seines treuen Richard, dem er es überließ, die Mission als der einzige Ueberlebende zu Ende zu führen. Vom Sultan Bello freundlich unterstützt, versuchte Lander nachJakoba südlich vorzudringen, um von hier aus nach Fnnda zu gehen und dann auf dem Niger stromabwärts bis zum Meere zu fahren. So hoffte er das Geheimnis zu lösen, das noch immer über dem Unterlauf dieses Stromes, sowie über dem Benne (Tsadda) lag. Vom Fieberbefallen und zum Widerstande unfähig gemacht, ward er in Dunrora durch Reiter aus Zegzeg genöthigt, diesen nach Sana (Soso), der Hauptstadt des letztgenannten Laitdes, zu folgen, und so war sein Plan für diesmal vernichtet. Er kehrte nach vielen anderweitigen Abenteuern und Ge fahren auf demselben Wege zurück, den die Erpedition ein Jahr vorher cinge- schlagcn hatte.Uebcrsicht der früher Reisen nach dem Sudan. 31 Ziemlich zwanzig Jahre verstrichen, ohne daß ein Europäer wieder ge sagt hätte, in den Sudan vorzudringen. Erst in den Jahren 1 845 und 1846 unter nahm der Engländer James Rich ard so n eine Reise über Tripoli nach Mur - snk und Rhat, der Hauptstadt im Lande der nördlichen A sgar- Tnarik. Er hatte bei derselben weniger die wissenschaftliche Erforschung im Auge, sondern sich die Aufgabe gestellt, alle jene Verhältnisse genauer zu beobachten, welche sich auf den Sklavenhandel in diesen Gegenden beziehen. Er war von Tripoli aus trotz des Abrathens seiner Freunde und selbst des Paschas nur mit Unterstützung einiger Kaufleute von Gadames, die er in Tripoli kennen lernte, weiter gereist. Es gelang ihm in freundschaft liche Beziehungen zu den Ein wohnern in Mursuk und Rhat zu treten, und er hegte die Hoff nung, daß gelingen könnte, einen entscheidenden Schritt im Kampfe gegen den Handel mit Schwarzen, diese Krankheit des Menschengeschlechts, vorwärts zu thun, wenn man mit den hier und besonders auch im Herzen Afrikas wohnenden Fürsten von Seiten der englischen Regiernuig Verträge zu Stande brächte. Während seines Aufenthalts in Fcssan ging keine Karawane nach dem Sudan, und ersah sich genö- thigt, nach ncunmonatlichcmver geblichen Warten nach Europa znrückzukchren. Er sprach sich in seinem Vaterlande lebhaft für seinen Plan aus und fand auch Thcilnahme dafür, obschon durch aus nicht in dem Grade, wie sie die Erpedition während ihres später Verlaufs er regte. Im Sommer 1849 erhielten seine Vorschläge die Zustimmung der Regierung. Außerordentlich interessirte sich der berühmte Geograph Dr. August Peter wann für diese Gelegenheit, nähere Nachrichten über den so wenig bekannten Erdtheil zu erhalten. Da aber Richardson nicht der Mann zu sein schien, der außer dem ausgesprochenen Zwecke auch fähig wäre, den manchfachen Forderungen zu entsprechen, welche die verschiedenen Zweige der Wissenschaft an eine derartige Expedition stellen mochten, so ward durch theilnehmcnde Vermittelung des Rit- lers Bunscn, der sich damals als preußischer Gesandter am britischen Hofe wfand, die Bewilligung erhalten, daß Richardson ein junger deutscher Gelchr- wa- als Naturforscher zur Begleitung mitgegeben würde. Die Wahl fiel auf32 Einleitung. Dr. Adolph O v e rw e g, einen getonten Hamburger, der sich damals in Berlin anfhielt. Overweg war am 24. Juli 1822 in der alten Hansestadt geboren und hatte im dreizehnten Jahre das Johanneum daselbst besucht. In seinem einund zwanzigsten Jahre ging er auf die Universität Bonn, studirte dort zwei Jahre und besuchte daun seiner weitern Studien wegen Berlin. Nach Verlauf eines Jahres machte er daselbst sein Examen und erwarb sich den Doetortitel. Um seine Studien fortzttsetzeu, blieb er auch daun noch in Berlin und war eben im Begriff, ein Braunkohlenwerk bearbeiten jn lassen, das er entdeckt zuhaben glaubte und von dent er sich reichen Vortheil versprach, als ihm das erwähnte Anerbieten gemacht wurde. Er war sofort für das Unternehmen höchst begeistert und gedachte besonders als Geolog reiche Ausbeute dabei zu finde n. Er hatte sich früher durch Turnen und weite Fußreisen an körperliche Anstrengungett gewöhnt und erfreute sich des kräftigsten Wohlbefindens, so daß er den Anstrengungen einer solchen Reise recht tvohl gewachsen zu sein glaubte. Durch Vermittelttug der Berliner geographischen Gesellschaft, an tvelche man sich von London aus wegen des Naturforschers gewendet hatte, wurden vorläufig 1 V 00 Thaler zur Bestreitung der Reisekosten für letzteru angewiesen. Zur großen Freude Overweg s bewarb sich jetzt auch noch ein Dritter um Theiluahme au dem Zuge, nämlich sein Freund und Landsmann Df. Heinrich Barth, der die Kosten aus eigenen Mitteln decken wollte. Letztgenannter Gelehrter war bereits als tüchtiger Historiker, Archäolog und Sprachenkenner bekannt und hatte sich besonders auch durch eine wissenschaftliche Reise au der Nordküste Afrikas, deren Resultate er veröffentlichte, einen Namen erworben. So sehr matt in England die außerordentliche Zweckmäßigkeit einer solchen Verstärkung der Expedition anerkennen mußte, so schwierig war mau andererseits im Anweisen der Mittel zu dieser Reise. Für Overweg und Barth wurden auf die Strecke bis Fessan nur 100 Pfund Sterling (700Thlr.) und eben so viel für den Weg bis Borittt bewilligt, eine für die Schwierigkeiten einer Wüsteureise geringe Summe. Später bewilligte zwar die Geographische Gesellschaft aus ihren eigenen Mitteln eine Beihülfe von 1000 Thalern zur Unterstützung der beiden Deutschen. Se. Majestät der König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., wies andere 1000 Thaler dazu an, die Physikalische Gesellschaft in Königsberg steuerte 700 Thaler bei, und weitere 300 Thaler wurden durch Privatleute zusammengeschosseu, so daß die Summe auf 3000 Thaler anwnchs. Ehe dies Kapital aber zusammen kam, waren die Reisenden bereits genöthigt gewesen aufzubrechen. Da eine geraume Zeit hindurch Nach richten von ihrem Aufenthalte fehlten, wußte mau nicht, wohin man das Geld senden sollte, und benutzteeinen Theil davon zur Ausrüstung des später abge henden Dr. Vogel. In England hatte man den beiden Deutschen auf den Fall, daß sie von Richardson getrennt im Osten auf eigene Hand weitere Forschungen austelleu würden, fernere Zuschüsse in Aussicht gestellt. Mitte November 1849 reisten Dr. Barth und Overweg von Berlin ab, gingen zunächst nach London, nach kurzem Aufenthalte daselbst über Paris nach Marseille und schifften sich hier nach Afrika ein. Das Dampfschiff brachte sivUcbcrsicht der frühcrn Rciscn nach dem Sudan. 33 Zunächst nach T u n s. lieber Susa, S f ar und D sch c r b gelangten sie thcils Lande, thcils in einem Boote nach T r P o l i, ihrem Sammelplätze. Richard - son besorgte die weitern Vorbercitnngcu für die lange Wüstenreise, Barth und Dvcrweg unternahmen währenddem einen Ausflug durch das Ghuriangebirgc, dessen Verlauf sie von Westen nach Osten bis zum Ufer des Meeres verfolgten. Die Abreise der Reisenden nach dem Innern ward mehrere Wochen dadurch ver zögert, daß man auf einige in Malta aufgcgcbenc nothweudige Gegenstände war ten mußte. Der umfangreichste derselben war ein flaches leichtes Boot, welches zu , Befahren des Tsad - Sees dienen sollte. Als ankam, sägte man in vier Stücke, die sich auf Kamcelen transportiren ließen. Ende März 1850 zogen die otci Europäer mit ihrer Beglei tung der großen bereits vorange- gangencn Karawane nach. Man m)lug nicht den gewöhnlichen Ka- vchvanenweg ein, dem die frühere Erpedition unter Oudney und Elappcrton gefolgt war, sondern s uen westlicher gelegenen Pfad, ^erschrjtt den Höhcnzng der Ghn- ^s us und hielt sich südwestlich nach Misda. Südlich von diesem in ^ucin fruchtbaren Wadi gelegenen Drtc ging der Zug über die steinige Hochebene, welche unter dem Na- "en H a nr in a d a bekannt ist. Am Ueununddrcißigsten Tage nach der Ubreisc von Tripoli zog man in Mursuk ein. die ^ichardson erachtete es für u weitere Fortsetzung der Reife ^ Notwendigkeit, daß man sich unter den ausdrücklichen Schutz der Tnarik- däuptlinge in Rhat stelle und diese veranlasse, die Reisenden von Mnrsuk abzu- wlen. (bfn dahin lautender Contrakt ward mit dem Häuptling Hat itah abgc- Mosstn, demselben, der früher schon Oudney und Clapperton beschützt und mit tltt Richardson bereits seiner ersten Reise Freundschaft geschlossen hatte. Man zog von Mnrsuk aus westlich nach Rhat. Nicht weit von dieser Stadt ?ur es, daß Barth bei einem Versuche, die unter dem Namen der Geisterburg" Züchtigte Gcbirgsgrnppe zu besteigen, sich verirrte und fast verschmachtet wäre. . u 2s. IM verließ die Karawane Rhat und drang nach Süden vor. Abwechselnd !’! l Ö der Pfad über wild zerrissene kahle Gebirge, dann über spiegelnde Granit- tuchen durch losen Sand, bis man in das Land Asben oder Air eintrat Uv hier bereits die Einflüsse des Südens, sowol in Bezug auf die Witterung, ^ v g e l s Reisen. 334 Einleitung. als auch auf Pflanzenwelt und Volksleben, hervortreten sah. Nachdem auf bicfcnt Marsche die Reisenden lange genug durch schreckende Gerüchte von einem Ueberfall, den die Asgar-Tuarik gegen sie beabsichtigten, gcängstigt worden waren, hielt eine große Schaar dieses Raubgesindels sie endlich an, drohte eine Zeit lang damit, die Christen zu tobten und sich in ihren Nachlaß von Rechtswegen zu thcilcn, ließ sie aber endlich doch gegen Erlegung eines hohen Lösegeldes weiter ziehen. Eine ge- wisse Genugthuung gewährte den Europäern später zu erfahren, daß ihre Pci- niger für diese Plünderung von dein Sultan von Ag ad es gezüchtigt worden seien. Kaum der Gefahr durch Menschen entronnen, schüttete ein Gewitterguß solche Wassermassen als Gruß dem Sudan die Ankömmlinge herab, daß bald däs ganze Thal in eine Fluß verwandelt wurde, welcher die Karawane z ersäufen drohte. Endlich erreichte man Tintellust, die Residenz des Sultans En-Nur, ward anfänglich von dem letztern zwar kalt empfangen und karg bc- wirthct, fand in ihm aber schließlich einen rechtschaffenen Mann, der sein einmal gegebenes Wort auch hielt. Während die Reisenden 31t einem länger Aufenthalte gezwungen waren, um die Salzkarawane von Bilma zu erwarten, mit welcher sie weiter nach Süden reisen wollten, machte Or. Barth einen Abstecher nach Aga- des und wohnte hier den Einsetzungsfeierlichkeiten eines neuen Sultans bei. Erst Anfang November brach der Sultan En-Nur von Tintellust auf. Sw bald sich in Tiu-Teggana die erwartete Salzkarawane eingestellt, wandertc man am 12. Dezember weiter zur südlichenHammada und kam durch Nasamat nach Tadsch clcl, einem Dorfe, welches dem Sultan En-Nur gehörte. Hier trennten sich die drei Europäer von einander, um auf verschiedenen Wegen das weite, so wenig bekannte Gebiet zu durchziehen und sich endlich in Kuka wieder zu treffen,  vorausgesetzt, daß man das Leben behielte! Richardson ging östlich über Sinder, Barth hielt sich südwestlich, uw Katsena und Kairo zu besuchen, und Overweg ging einem Umwege westlich durch G o b cr und Mar iad i. Richardson erreichte Sind er glücklich und fand den gastfreundlichsten C si- pfang. Er war hier bereits erwartet und ein eigenes Haus für ihn eingerichtet worden, da der Scheikh von Bornu, durch Briefe von Mursuk arrs über das Unter rrehmcn unterrichtet, wegen Richardson s Aufnahme in Sinder die nöthigen A statten hatte treffen lassen. Der Reisende ward zu einem vierwöchentlichen Aufent halte genöthigt, da er gerade zu einer Zeit eintraf, als der Herrscher von Sinder mit einer Rasta beschäftigt war. Es ward ihm währenddem reichliche Verpflegung zu Theil und seinen Erkundigungen über Land und Leute nichts in den Weg gelegt- Als Richardson dem Sultan Ibrahim von Sinder seinen Besuch machte fand er in ihm einen Neger von etwa 50 Jahren, umgeben von afrikanischen Pomp. Von 300 Frauen besaß derselbe 100 Söhne und 50 Töchter. Weiber n Töchter wurden aber nicht nach orientalischer Art unter engem Verschluß halten, sondern durften sich ungehindert und frei bewegen. Ans seiner Wüstest reise hatte sich Richardson in arabische Tracht gekleidet, bei seiner officiellen Visi^ erschien er aber in Gala als Gentleman mit einziger Hinweglassung des curopa^Uct cijtdjt bcr früljcrn Reisen nach dem Sudan. 35 3" !chen Hutes, den er durch einen Feß ersetzt hatte. Er traf den Sultan in einer dunklen, aus dicken Lehmwänden gebildeten Behausung, umgeben von 50 Krie gern und einigen Statthaltern der Nachbarorte, welche alle mit nntergeschlagencn Beinen am Boden saßen. Die Eingeborncn begrüßten den Sultan, indem lich Staub aus die Kopfe warfen und dabei ausricfcn: Lang lebe der Sultan! Allah gebe ihm seinen Segen!" Richardson übergab seine Geschenke und derSul- b^n war höchst heiter gelaunt und zu Scherzen gestimmt. Der Sultan unternahm, wie gesagt, während Richardson s Anwesenheit eine Menschcnjagd, um sich aus drückenden Geldverlegenheiten zu helfen. Wohin dic- ll lbe gerichtet sein sollte, wußte Niemand früher, als bis man anszog, aber war bekannt, daß sich der Fürst durchaus nicht scheuen würde, einen Einfall selbst in das Gebiet von Bornu zu unternehmen, obschon er in einem gewissen Ahhängig- keitsvcrhältnisse zum Schcikh in Kuka stand. Er pflegte bei einer solchen Gele genheit sich zu entschuldigen, daß er nur Diejenigen überfallen habe, welche im Geheimen Heiden seien, und schließlich besänftigte er alle ferner Bedenken da- "it, daß er dem Scheikh den fünften Thcil der Beute zukommen ließ. Am Morgen des I. Februar kehrte der Sultan von seinem Raubzuge zurück. Boran kam eine Abtheilung erbeutete Gefangene. Ein Trupp nackter Knaben bildete die Spitze; dieselben waren so heiter, als sei Alles in bester Ordnung fld nichts weiter vorgefallen. Ihnen folgten Mütter mit Säuglingen an der Brust, junge, kaum erwachsene Mädchen, Greise mit krummen Knien und weißem Wollhaar, alte Weiber, zu wahren Skeletten abgezehrt und sich nur mühsam an Langen Stöcken forthelfcnd. Sorgsamer verwahrt waren die gefangenen jungen Bdänner. Man hatte sie mit Ketten am Halse zusammengebunden. Erst am Nach mittag erschien der Sultan selbst mit seiner Umgebung. Einige Reiter sprengten M ranZ und zeigten ihre Geschicklichkeit in der Behandlung der Pferde. Ikings um Herrscher tvar eine Schaar von 50 Trommlern, die einen großartigen  m verführten. Der Anzug der Krieger war ganz willkürlich, ohne irgend Welche Uebercinstimmung. Einer trug einen Messinghelm und ein lang.es cmpor- iwhendes Horn an demselben, der andere einen Turban, manche hatten Panzer MiZ wattirtein Zeuge angelegt, um gegen die vergifteten Pfeile geschützt zu sein, ^er Raubzug hatte mindestens 600 Sklaven cingebracht, welche großcnthcilS im ^.ande selbst verkauft, theils nach dem Niger hin transportirt und dort gegen Er- ^Ugnifse amerikanischer Industrie nach Amerika verhandelt werden. Der Scheikh von Bornu hatte Richardson einen Sklaven zu seinerBedienung Jesendet. Ohne daß Richardson etwas davon ahnte, hatte sich dieser Sklave heim- M ^c u Raubzuge angeschlossen und auch den eigenen freien Diener des fersenden mit dazu verleitet. Erst am Abend nach der Rückkehr erfuhr Richardson ßf. n Borgang, indem erste mit ihrer Beute antraf, die einem Weibe mit einem ^flwe rend einem jungen Manne bestand. Richardson drängte sich die Ansicht auf, bei- Sklaverei in Afrika wahrscheinlich nicht anders ein Ende gemacht werden als durch Eroberung des ganzen Gebietes seitens einer europäischen Macht. Auf einem herzlich schlechten Pferde, welches ihm der Sultan von Sinder ge-36 Einleitung. schenkt hatte, setzte Richardson am 8. Februar seine Reise in der Richtung nach Kuka zu fort. Im Dorfe D e d c g i, welches die Karawane, der er sich angcschlos- sen hatte, durchzog, flohen die Einwohner erschreckt nach allen Seiten. Sic fürchte ten einen Ueberfall, Plünderung und Gefangenschaft. Bei andern Gelegenheiten hatte sich Richardson ganz im Gegenthcil über die zu große Zudringlichkeit der Leute ;u beklagen gehabt, lieber Damergu kam er ivcitcr in das Gebiet von Ma nga und zog am 14.Februar in Gu ra i, der Hauptstadt dieses Landes, indem er diese Weise sich nördlich gewendet und der Sahara genähert hatte, ein. Die Stadt liegt von der gewöhnlichen Sndanstraßc seitab; deshalb war Richardson den Leuten daselbst eine ungewöhnliche Erscheinung und er selbst sammt seiner Kleidung erregte ihr höchstes Interesse. Als er den Fürsten des Ortes besuchte und demselben durch Geschenke huldigte, mußte er sich eine bis ins Einzelnste gehende Untersuchung gefallen lassen. Man zog ihm sogar Stiefel und Strümpfe und gerieth höchlichst in Erstaunen, als man die weiße Färbung seiner Füße entdeckte. Trotz dieser Abgelegenheit des Ortes war der Snltaü doch ziemlich gut über die politischen Verhältnisse Europas und des Orients unterrichtet, erkundigte sich nach dem Verhalten Englands zur Türkei u. s. w. Der Fürst von Gnrai war bei dicserAudienz von 2 300 Personen umgeben und wahrhaft fürstlich gekleidet. Er trug einen weiten Mantel aus pnrpnrrothcr Seide und einen schwarzen, mit Besatz geschmückten Burnus, dazu dem Haupte einen sehr schönen Turban von ägyptischer Form. Der ganze Empfang machte auf Richardson, trotz der erwähnten Neugier der Leute, einen angcnchmern Eindruck als jener in Sinder. Es fielen hier jene erniedrigenden Sccuen des Niederwerfens und Stanbanfstreuens weg und nirgends zeigten sich dem Auge Spuren von martervollen Hinrichtungen. Sehr große Verehrung zeigte der Sultan, ein Neger von etwa 50 Jahren, für die Arzneien, welche Richardson bei sich führte; am liebsten hätte er von jeder etwas gehabt, um dadurch auch gegen jede Sorte von Krankheiten geschützt zu sein. Dabei beobachtete er aber die Vorsicht und ließ die Medizinen erst von dein Dolmetscher der Reihe nach kosten. Er bezeigte sich übrigens dankbar für die er haltenen Geschenke und schickte Richardson Ochsen und Pferde als Gegengabe^ Besonders lieb war Richardson ein von ihm erhaltenes Kameel. Der Ritt dem Pferde von Sinder hatte ihn sehr angestrengt, an das Reiten auf dem Ka mccl dagegen war er gewöhnt. Er fühlte sich unwohl und erreichte in sehr hinfäst ligem Zustande Anfang März Ngnrntna, das noch sechs Tagereisen von K ka entfernt ist. Es drängte sich ihm die Ueberzeugung auf, daß das Klima des Sudan für ihn tödtlich sei; gern wäre er sofort nach Tripoli zurückgekehrt, aber von hist aus ging keine Karawancnstraße, war kein Führer nach Fcssan aufzutreibcn. Sein Zustand verschlimmerte sich und in der Nacht vom 3. zum 4. März 1851 verschied c - Die Einwohner von Ngnrntna begruben den Entschlafenen unter einem großen Baume und schützten sein Grab durch eine Umhegung vor Entweihung. Der zweite Reisende der Expedition, Dr. Barth, hatte nach der erwähnten Trennung bei Tag elel sich nach Katsena gewendet und dann Kano erreicht In dieser durch ihren Handel höchst wichtigen Stadt verweilte er ziemlich eine Übersicht der früher Nciscn nach dcm Sudan. 37 Monat lang, bis Anfang März, und brach am5. dieses Monats auf, um zur verabredeten Zeit in Knka eintreffen zu können. Unterwegs erhielt er Kunde von dein Tode seines Gefährten Nichardson und eilte so schnell als möglich nach dem Orte, wo derselbe verschieden war. Dort fand er das Grab mit einer Dor nenhecke wohl verwahrt. Am 2. April 1851 erreichte 0r. Barth Kuba und stellte sich dem Schcikh als Gesandter Englands vor. Seine Gaben wurden freundlich Ausgenommen und ihm die von Europa angekommenen Briefschaften übergeben. fand hier Richardson s hinterlas- sene Sachen. Leider hatte er mehr fache Schwierigkeiten, um in ihren vollen Besitz zu gelangen. Overweg und Barth waren dem Sultan nur ais ganz nebensächliche, nichts be deutende Untergebene Richardson s beschildert worden, und solchen lsianbte er unbesorgt Mancherlei ^ enthalten zu dürfen, bis er und llin Wesir allmälig eine andere An sicht von Barth erlangten und dieser durch fein festes Auftreten die nn- ^vkümmerte Zurückcrstattnng aller Zachen erlangte. Die Geldverhältnisse der Rei- landen waren von der drückendsten Mt. Die manchsachen Erpressun gen, denen sie ausgesetzt gewesen ?uren, hatten ihre ohnehin nicht be hütenden Mittel aufs äußerste cr- Mpst. Nichardson hatte bei seinem Tode ansehnliche Schulden hinterlassen, seine hwnerschaft hatte den Lohn noch nicht ausgezahlt erhalten, und Barth war chren- Urlbcr genöthigt, die Forderungen derselben zu befriedigen. Seine eigenen Mittel ^arcn aber gänzlich unzureichend. Da half ihm der Wesir von Bornu durch 100 hAlars, welche er ihm lieh, aus der größten Verlegenheit des Augenblicks, so fl er sich mit Richardson s Dienern wenigstens zum Theil abfindcn konnte, r. Overweg traf erst am 7. Mai in Knka ein. Er hatte sich bei der Trennung Ältlich gehalten und die unabhängigen heidnischen Länder von G ober und Ma- Z ud besucht, die zwischen dem Wüstengebiete der Tuariks und dem Fcllata- hate Hanssa liege . Unter diesen Völkerschaften, welche mit ihren Nachbarn in ^? ger Fehde leben, fand Ovcrwcg eine freundliche Aufnahme und verlebte bei "£ n zwei angenehme Monate, begleitete ihre Jagden und stärkte sich & "r dort gesunden, crfrischendenLuft. Anfänglich errcgtezwarOverweg sweiße n,MEsarbc allgemeines Entsetzen, allmälig gewöhnten sich aber selbst die Frauen Kinder an dieselbe und er ward als Arzt vielfach in Anspruch genommen. Hier38 Einleitung. war es ihm bei geruhigerem Aufenthalte auch möglich, auf die Krankheiten der Leidenden genauer einzugehen und die Arzneien denselben besser anzupassen, als dieses bei der früher Wüstenreise thnnlich gewesen war. Bei dieser hatte sich der gern heiter gelaunte junge Mann auf eine drollige Art zu helfen gesucht, um mit den oft so lästigen zahlreichen Hülfesuchenden möglichst schnell fertig zu werden. Häufig verstand er ja deren Sprache gar nicht, die Verhältnisse der Umgebung und d ie Eile der Reise machten eine nähere Untersuchung rein unmöglich, zudem waren auch die Krankheiten gewöhnlich nicht ernsterer Art. Ovcrweg hatte deshalb die Einrichtung getroffen, daß jeden Tag der Woche eine bestimmte Medizin an die Reihe kam, die er sich des Morgens zurecht legte. Während des einen Tages bekamen alle Ankommenden Rhabarber, am folgenden Senna, am dritten eine bestimmte Pillen- forte u. s. w., lauter Arzneien, mit denen er zwar nicht gerade viel helfen, aber auch schwerlich erheblichen Schaden anrichten konnte. Jn Mariadi und Gober war ihm, wie gesagt, Zeit vergönnt, ctlvas gründlicher 31 t verfahren, damit nicht Der, wel cher bereits an Dysenterie litt, noch Senna oder englisches Salz dazu bekam. Da er sich mit den Eingeborncn in ihrer Landessprache unterhalten konnte, erfuhr er von ihnen viel Interessantes über ihr Land und über die Geschichte deS Sudan, ebenso theilte er den Wißbegierigen Mancherlei über die Verhältnisse und Sitten Europas mit. Am unbegreiflichsten erschien es den Einwohnern, daß man in Europa nur eine einzige Frau hcirathc, während bei ihnen Vielweiberei Regel ist. In Sinder erfuhr Ovcrweg Richardson s Tod und eilte auf einem etwas südlicher Wege als dem, welchen der Engländer gezogen, nach Knka, wo er seinen Freund Barth am 7. Mai traf. Beide Reisende machten Kuka zum Ausgangspunkte für ihre folgenden Ausflüge. Hier fanden sie jederzeit gastfreies Unterkommen uui Unterstützung, hier erreichten die Briefe und Sendungen von Europa. Von hier aus meldete Di . Barth den Tod Richardson s, sandte dessen sorgsam geführte Tagebücher und Rotizc nach London, sprach in dem begleitenden Schreiben den Wunsch ans, daß die durch den Tod gerissene Lücke von einem kräftigen Manne, der wo möglich Astronom sei, ansgefüllt werden möchte, und regte dadurch den ersten Gedanken zur Berufung Dr.Eduard V ogcl s an. Barth setzte sich als nächstes Ziel das im Südwcstcn gelegene Reich A d a m a n a und zunächst dessen Hauptstadt I 0 l a. Overweg unternahm dagegen währenddem dieBeschiffnng und Erforschung des Tsad-Sccs. Leider war ihm nicht gutmög lich, seine Tagebücher mit der wünschenswerthen Ausführlichkeit zu führen, so daß von den Erpcditionen des Reisenden nur bruchstückweise Bemerkungen bekannt geworden sind. Barth überschritt bei seinem Vordringen nach Jola den Benne, diesen früher als Tsadda bekannt gewordenen größten östlichen Nebenfluß des Niger, und trug sich eine Zeit lang trotz des Fiebers, das ihm kaum Kräfte ließ, um auf dem Pferde sitzen zu können, mit der Hoffnung, daß es ihm gelinge" möge, von Jola aus nach Südost weiter zu gehen, so das ganze unbekannte I" ncre des Erdtheils zu durchschnciden und den Indischen Qccan zu erreiche"- Vielleicht wäre ihm dieser großartige Plan auch gelungen, wenn nicht der Herr-Ncbcrsicht dcr friiMn Reise nach dem Sudan. 39 scher von Born seine Reise nach Jola zu politischen Zwecke benutzt hätte, von denen Barth nichts ahnte. Es war nämlich zwischen Bornu und dem Herrscher von Adamaua, der dem Sultan von Sokoto unterthan ist, Streit über einen Landstrich an der Grenze beider stteichc. Der Schcikh von Knka sandte nun gemeinschaftlich snit Barth einen seinerOffizierenachJola und ließ durch diesen Briefe überreichen, u welchen die Zurückgabe jener Ländereien verlangt ward. Unglücklicher Weise hatte der Scheikh auf Barth s Persönlichkeit als Gesandter der Engländer hinge- ^viesen und dieselbe zu einer Drohung benutzt, um seinen Forderungen größer Rachdruck zu geben. Er erreichte hierdurch seinen Zweck durchaus nicht, vernich- Rtc aber völlig das freundschaftliche Verhältnis;, das Barth bei der Ankunft vorsich tig angeknüpft hatte. Man verweigerte jetzt hartnäckig jede Erlaubnis; zu einem Leitern Vordringen und verlangte die sofortige Umkehr. Ende Mai 1851 war Di. Rarth von Kuka anfgebrochen und Ende Juli traf er daselbst bereits wieder mit stinem Gefährten zusammen. Fortwährend schwebte den beiden Reisenden der ferne Indische Ocean als ^as letzte Ziel ihres Strebens im Geiste vor. Sic ergriffen deshalb eine am 25. No vember 1851 sich darbietende Gelegenheit und schlossen sich einem Zuge des Wesirs Hadschi Beschir an, dessen Zweck sie zwar höchlichst mißbilligten, den sie aber nicht hindern konnten. Es ward ihnen hierdurch möglich gemacht, ein gutes Stück nach Hilden vorzudringen und dabei ein Urthcil über die Ausführbarkeit einer größer Reise m dieser Richtung zu gewinnen. Der Wesir unternahm nämlich einen Naub- aug in die südlich von Kuka gelegenen Landschaften dcr Mu ßgo, eines heidni schen Volksstammes. Er hatte zu diesem Zwecke eine Armee von 10,000 Reitern einer gleichen Anzahl Fußvolk versammelt und drang mit derselben raubend hsld plündernd bis.zumSerbewel oder Arre, einem starken Nebenflüsse des ^chari, vor, dessen tiefes Wasser endlich Halt gebot. Mit 5000 Sklaven und 1000 erbeuteten Rindern kehrte das Heer zurück. Barth hgitcdic Gelegenheit benutzt, um dem Wesir die cindringcndstcn Vorstellungen über Re verderblichen Wirkungen solcher Sklavenjagden zu machen und im Gegensätze j a äu die Vorth eile eines geregelten Handels, sowie einer sorgsamcrnBodenkultur ^rvor,zuheben. Leider sind aber dergleichen Raubzüge viel zu sehr mit den Ge wohnheiten dcr Herrscher und des Volkes verwachsen, als daß sie sich durch Vor- I E^ngen allein so schnell beseitigen ließen. Bei diesem Zuge war den beiden Europäern aber auch klar geworden, das; cS unmöglich fei, durch die Länder dcr ^Handelten Völkerschaften weiter vorwärts zu dringen, da letztere jeden von rnn ankommcnden Fremden als Todfeind ansehen müssen. Nachdem Dr. Barth so vergebens versucht hatte, nach Südwesten und nach ^klde weiter zu dringen, unternahm er cs, in der Richtung nach Südost vorwärts ^ gehen. Es kam ihm hierbei das freundschaftliche Vcrhältniß, welches zwischen Herrscher von Bornu und dem Sultan von Vaghirmi stattfand, sehr er- . ^Ncht, und durch Empfehlungsbriefe von crsterem hoffte er eine gute Aufnahme ^.Ündcn. Schon an dcr Grenze traf er aber bedeutende Schwierigkeiten, da die ngebornen von dem eindringenden Europäer llcblcs für ihr Land fürchteten.40 Einleitung. Nachdem er doch endlich bis Masena, der Residenz des Sultans, gelangt war, ward es ihm verwehrt, weiter zu gehen, ja er hatte sogar nicht unerhebliche Schwierigkeiten zu überwinden, um wieder nach Kuka zurück zu dürfen. Währenddem hatte sein Gefährte Dr. Overweg am 24. April 1852 eine Reise nach Südwest unternommen, um wo möglich hier in das Reich der Fell a ta einzudringen. Bor letzterem warnte ihn aber der Scheikh, es sei denn, daß es ihm gelänge, sich schon vor Ueberschreitnug der Grenze des Schutzes jenes Volkes zu ver sichern. OvcrwegdurchzogdieGrenzlande Gndscheba, Baber nndderalsMen- schenfresser verschrienen Kerrikerri. In Fika brachte sein Erscheinen die Bevölkerung in solchen Aufruhr, daß er es nicht für gerathcn hielt, sein Leben durch ein forcirtes Weitergehen unnützer Weise aufs Spiel zu setzen. Er kehrte deshalb nach Kuka zurück und traf daselbst am 22. Mai wieder ein. Am 24. Juni langten hier endlich auch die sehnlichst erwarteten Sendungen von Europa an. Außer Geldern und Maaren waren Vollmachten für die Ueberlebenden bcigc- lcgt. Lord Palmerston hatte die Summe von 80 Pf. St. zu den früheru Geldern hinzugefügt und für 65 Pf. St. Metallwaareu, Nadeln, Messer, Scheeren, Rasirmesser, Uhren, Kompasse u. dgl. gesendet. Am 20. August war es erst Di. Barth möglich geworden, sich der halben Gefangenschaft, in wel cher er zu Masena gehalten wurde, zu befreien und in Kuka cinzutreffen. Er fand Overweg körperlich sehr herabgekommen, abgemagert, ohne Eßlust und durch die Anstrengungen ununterbrochener Reisen, sowie durch die zerrüttenden Wir kungendes fiebererzengenden Klimas geschwächt. Um den verderblichen Einflüssen, wclchedic amlä.Juni beginnende Regenzeit inKuka ausübt, zuentgehen, hatte er einen Ausflug an den Komad ugn gemacht und sich dadurch auch etwas erholt. Als er aber nach Kuka zurückkehrte und bei seinen Streifzügen in der Um gebung von Maduari am Ufer des Tsad sich in durchnäßten Kleidern eine aber malige Erkältung zuzog, befiel ihn das gelbe Fieber. Am 27. September Morgens 4 Uhr starb er zu Maduari. Barth begrub den Armen dessen Wunsche gemäß an seinem Lieblingsplätzchen, jener Stelle am Tsad-Ufer nämlich, wo das Boot ruhte, mit dein er als der erste Europäer den Tsad-See befahren. Selbst von den Eingebornen wurde der unglückliche junge Mann lebhaft bedauert, dwer sich durch sein liebenswürdiges Betragen allgemeines Wohlwollen erworben hatte. Dr. Barth stand nun gänzlich allein und nur auf sich angewiesen. Er meldete den Tod seines Gefährten seinen Freunden ut Gönnern in London, theilte aber in demselben Schreiben seinen Entschluß mit, auf eigene Gefahr hin den großen Zug über Sokoto nach Timbuktu versuchen zu wollen- Dieser Brief erreichte England gerade am Morgen des Tages, an welchem der neuerwählte Gefährte der Expedition, Dr. Vogel, sich nach Afrika einschiffen wollte. Wir Hielien diesen kurzen Ueberblick über die vorhergegangenen Unterneh mungen in Jnnerafrika für erforderlich, um die Bedeutung des letztgenannten jungen und muthv ollen Reisenden in entsprechenderWeiseauffasscn zu können, und verweilen nun in Nachstehendem ausschließlich bei dessen Geschick, da wir dieses Buch vorzugsweise ihm als einem uns so nahe stehenden Landsmanne gewidmet haben. HDr. Eduard Vogel. . allgcnreine Theilnahme verfolgt jedes Unternehmen, welches neue Anf- Wilsse über das Innere des benachbarten Erdtheils Afrika zu geben verspricht. Heu so lebhaft aber, wie die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf die E r g e L- f 1 v C H ucr Entdeckungsreisen gerichtet ist, eben so lebhaft interessirt sie sich auch Uu die P er so neu jener kühnen Männer, die mit wahrem Hcldenmuthe ihr Leben Spiel setzen, um den gcheimnißvollen Schleier zu lüften. Es sicht ja Derje- welcher die Berichte der Wanderer liest, jene Länder und Völker zunächst ^ ^ lrch die Augen dieser Gewährsmänner, und erscheinen ihm ja die Anga-42 Dr. Eduard Vogel. ben derselben in demselben Grade zuverlässiger, je mehr ihm ihre Persönlichkeit selbst Vertrauen einzuflößen im Stande ist. Zugleich bediinken aber auch Den, welchen selbst Wissensdurst durchglüht und der gar zu gern die Träume seiner Jugend, die ihn zu Freund Robinson Crusoe auf die fernen Inseln versetzten, in irgend einer, wenn auch bescheidenen Weise verwirklichen möchte, ihn bedünken jene Reisenden Bevorzugte des Schicksals, die freilich auch oft genug, ähnlich den Führern im Kriegsgctümmcl, daS tödtliche Geschoß feindlicher Mächte zuerst da hinrafft. Leicht kommt der Nichtuntcrrichtete dazu, Demjenigen, den der Ruf einer mächtigen Regierung als den Auserwählten bezeichnet, den mit Instrumenten und Geldmitteln reichlich ausstattet, für ein besonderes Glückskind zu halten, und dieS um so mehr, wenn derselbe von so jugendlichem Alter ist, als es Dr. Eduard Vogel zu der Zeit war, als ifyiit der ehrenvolle Auftrag zu Theil ward, sich den vorangegangenen Gefährten anznschließcn. Leicht läßt man dabei außer Acht, daß gerade hierin der Fingerzeig liegt: man habe mit einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zu thnn, die sich durch die geeigneten Anlagen und durch den beharr lichsten Fleiß die erforderlichen Fähigkeiten erworben, welche im Stande waren, die Aufmerksamkeit so hoher Behörden auf sich ;u lenken. Es gewährt uns einen wirklichen Genuß, dem Leser, welcher sich aus den angeführten Gründen für. die Persönlichkeit unseks Reisenden intcrcssirt, dessen früheres Leben in wenigen Umrissen zu zeichnen. Dasselbe bietet ein wahres Musterbild eines deutschen Jünglings, der ausschließlich der Wissenschaft lebt. Eduard Vogel ward am 7. März J8*29 zu Krefeld geboren. In dieser Stadt war zu jener Zeit sein Vater, der um das deutsche Schulwesen so hoch ver diente und allgemein gefeierte Dr. K. Vogel, Rektor der höher Stadtschule. Eduard war ein Kind von zartem Körperbau, ein Kind der Sorge, und nur einer so treuen, aufmerksamen Pflege, wie sie ihm die liebende Mutter in aufopfernder Weise zu Theil werden ließ, war nächst GottcS Hülfe zu verdanken, daß er den zahlreichen Gefahren entging, welche das früheste Alter der Kindheit bedrohen. Der Vater ward nach Leipzig versetzt, um als Direktor den Bürgerschulen daselbst vorzustehen, und Eduard ward bereits im Alter von fünf Jahren ein Schüler der durch ihre eigcnthümliche Unterrichtsweise berühmt gewordenen sElcmentarklassc jener Anstalt. Während der folgenden Jahre besuchte er die untern sechs Klassen der genannten Bürgerschule und dann ein Jahr die städtische Realschule. Es zeigte sich bei ihm auf glänzende Weise, wie heilbringend eine Unterrichtsmethode wirkt, welche den Schüler nicht zum mechanischen Werkzeug herabdrückt, die nicht aus schließlich nur sein Gedächtnis; in Anspruch nimmt und ihn mit einem beschweren den Ballast von unverstandenem Scheinwissen ansfüllt, sondern die gleichzeitig den ganzen jungen Menschen berücksichtigt und vor Allem die Selbstthätigkcit; wecken und in das geregelte Gleichmaß zu leiten sucht. Als Eduard 1841 die Tho- masschnle besuchte, um sich dieser 31 t seinen akademischen Studien vorzuberci- ten, traten seine Lieblingsneigungen bereits klar und deutlich ausgesprochen her vor. Seine schon der Realschule sich geltend machende Liebe zu den mathema tischen Wissenschaften fand hier geeignete Nahrung und er verfolgte mit angestrengt43 Dr. Eduard Vogel. tun Eifer Alles, was sich hierauf bezog. Außerdem beschäftigte er sich aber leiden schaftlich gern während seiner Mußestunden mit praktischer Himmelskunde und mit Botanik, und eS war schwer zu entscheiden, ob er mehr den freundlichen Blumen oder den lieben Sternen den Vorzug gebe. Hatte er seine Schularbeiten vollendet, Griechisch, Latein oder Französisch getrieben, so eilte er hinaus auf Entdeckungen eines neuen Gewächses, begrüßte jubelnd den Fund, bestiminte das ihm unbekannte Pflänzchen, bereitete es sorgsam für seine Sammlung und ordnete sauber die letztere Und wenn die Schatten der Nacht Feld und Wald deckten und vor dem spähenden Auge des jungen Botanikers verbargen, dann hob er seine Angen em por zu , funkelnden Himmel und beobachtete sorgsam die hellen Gestirne. Daß er dabei seine eigentlichen Arbeiten als Schüler nicht vernachlässigte, davon spre chen seine rühmlichen Zeugnisse und die Prämien, welche ihm als Zeichen besonde rer Zufriedenheit von seinen Lehrern zu Thcil wurden. Kanin 18 Jahre alt, hatte er bereits die Reife zur Universität erlangt, uls ihn ein bösartigesNervcnfieber ergriff und auf ein langwieriges Krankenlager warf. Ein halbes Jahr später, Ostern 1848, war ihm vergönnt, die Universität Leipzig zu besuchen, um sich hier ausschließlich dem Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften zu widmen. Mit größter Gewissenhaftigkeit besuchte er regelmäßig während der Vormit tagsstunden die Collegien und verfügte über die freie Nachmittagszeit nach eine , wohlgeordneten Plane. Zweimal während der Woche unternahm er botanische Ausgänge, oft bis zu ziemlich weiten Entfernungen. Bei denselben gewöhnte er flch, mit heitern, Sinne Hitze und Kälte, Hunger und Durst zu ertragen, ohne sich dadurch aus der guten Laune bringcnznlassen, und nicht selten, wem,er des Abends crmüdetzurückkchrtc und. der wolkcnloseHiinmcl sich für Beobachtungen der Sterne günstig zeigte, überwand er die Ermattung und eilte zur Warte, wo sein verehr te Freund, Professor Dr. d Arr est, seiner harrte. Er huldigte der richtigen Ansicht, daß nur ein gesunder und frischer Körper en geeignetes Werkzeug für einen thätigen, strebenden Geist sei, und daß die Pflege, dss erster,, durch geWucte Uebungen ebenso heilige Pflicht sei, als das Studium für den letzter,,. Deshalb verwendete er die übrigen freien Nachmittage dazu, sich nlif dem Turnplatz Kraft und Gewandtheit zu erwerben, und zeichnete sich hierbei besonders durch Geschicklichkeit im Springen aus. Das Schwimmen, das er schon n früherJugend erlernthatte, setzte er tüchtig fort und übte sich eine Zeit hindurch Mich eifrig auf dem Fechtboden. Dabei war er ein heiterer und gern gesehener Gesellschafter, an dem man nur tadelte, daß er sich Abends nicht selten möglichst unbemerkt hinwegstahl, sobald er bemerkte, daß der Himmel sich aufhcllte und für ^eobachtungen günstig zu werden versprach. . Durch solchen rastlosen Fleiß, der dem ermüdeten Körper nur wenige Sinn est Schlaf gönnte und während der ganzen Zeit mit geregelter Thätigkeit das vor- flosteckte Zi l verfolgte, erwarb sich Eduard Vogel das Wohlwollen seiner Lehrer fuhohem Grade. Der genannte Professor Dr. d Arrest empfahl ihn deshalb, als Uch Eduard 1851 nach Berlin begab, den Akademikern Professor Enke und Pro-44 Dr. Eduard Vogel. fcffor K. Ritte r auf so warme Weise, daß sich beide Herren des strebsamen Jüng lings in wahrhaft väterlicher Art annahmen. Während ihn der berühmte Astro nom praktisch im Beobachten undBerechnen der Gestirne übte und ihm die Schlüs sel zur Sternwarte anvertraute, ihn häufig in seinem Stndirstübchen besuchte und seine Arbeiten nachsah und priifte, lehrte ihn der große Geograph die Erschei nungen der Welt von bestimmten Gesichtspunkten aus beherrschend zusammen fassen, mit prüfendem Geiste die Menge der Einzelnheiten ordnen und ihnen eine höhere Bedeutung verleihen, indem er ihn unterwies, dieselben als Theile zu einem Ganzen zu gestalten. Kein Wunder war es, daß durch das begeisternde Wort eines solchen Lehrers der Erdkunde Vogel s Lust am Reisen täglich genährt und gemehrt ward und er seinem Wanderdrange zunächst durch zahlreiche Ausflüge zu genügen suchte. Unter den von gleichem Streben beseelten Männern, mit welchen er in Berlin in ein vertrauteres Verhältniß trat, werden uns besonders Luther (jetzt Direktor der Sternwarte zu Bilk am Rhein), Rümker aus Altona (jetzt in England) und Sieveking aus Hamburg genannt. Ebenso suchte erden belehren den Umgang gebildeter Männer höhern Alters und schloß sich vorzugsweise dein liebenswürdigen Zenne, der seitdem verstorben ist, näher an. In Berlin ver öffentlichte er auch zuerst einzelne seiner wissenschaftlichen astronomischen Arbei ten und ließ dieselben in den Schn in ach er scheu Astronomischen Jahrbüchern" erscheinen. Diese lenkten zunächst die Aufmerksamkeit der Londoner Astronomen auf ihn und wurden in Gemeinschaft mit Professor Enke s Empfehlung Veran lassung, ihn trotz seines jugendlichen Alters von 22 Jahren nach der Hauptstadt Englands zu berufen. Eduard Vogel hatte während der Herbstferien I8äl von Leipzig aus eine Reise ins Ricsengebirge unternommen und widmete sich auf derselben ganz seiner Lieblingsbeschäftigung mit den Pflanzen, zu der die schöne Voralpenflor dieses Gebirges ihm die reichlichste Gelegenheit bot. Währenddem gelangte von dem be rühmten Planctenentdecker Hind eine Einladung an ihn, an der Sternwarte dcS Herrn Bishop in Regentspark die Stelle eines Assistenten zu übernehmen, mit welcher vorläufig ein Jahresgehalt von 800 Thalern verbunden war. Jubelnd nahm er das ehrenvolle Anerbieten, das ganz seinen längstgehegten Wünschen entsprach, an und kehrte nur auf kurzeZeit nach Berlin zurück, um sich daselbst von seinen Freunden und hohen Gönnern, zu denen auch Alexander von Humboldt zählte, zu verabschieden. Mit wenigen, aber guten Empfehlungen kam er inLon- don an und suchte sich mit allen Kräften sofort in seiner neuen Stellung heimisch zu machen. Seinen regen Feuereifer, seiner umsichtigen Anstelligkeit, mit Natür lichkeit und Bescheidenheit gepaart, gelang es auch bald, sich die Zufriedenheit der angesehenen Männer zu erwerben, mit denen ihn seine Stellung in nähere Berüh rung brachte. Zu diesen gehörte außer dem genannten Astronomen Hind auclsidcr treffliche Herr B ish o p, ein Mann, der zur Förderung der astronomischen Wist scnschaft jährlich mehrere Tausend Thaler auf die uneigennützigste Weise opferte. Zugleich erlangte Vogel durch sein anspruchsloses, fast kindliches Wesen Zn-45 Dr. Eduard Vogel. “itt zu mehreren achtbaren englischen Familien, ein Vortheil, der bekanntlich hinein Fremden selten vcrstattct wird. So rühmt Vogel hauptsächlich die Güte und Freundlichkeit, mit welcher er in dem Hanse des Mr. Burton in London ausgenommen wurde. Sehr warm ward er auch von Seiten des Ritters B u n s c n unterstützt, der sich damals als preußischer Gesandter am Hofe von St. James befand und dem er durch einen Freund des väterlichen Hauses warm empfohlen worden war. Durch seine außergewöhnlichen Kenntnisse und seinen nie rastenden Fleiß, "nt welchem er auch hier fortfuhr, als Astronom weiter zu arbeiten, und durch die von ihm veröffentlichten Arbeiten in diesem Gebiete, durch welche er sich den Ruf eines besonders zuverlässigen astronomischen Rechners erwarb, zog er bald die Aufmerksamkeit der englischen Gelehrten in einem solchen Grade sich, daß.er bereits im Januar des Jahres 1852 mit seltener Stimmeucinhcit zunr Mitglied ^er Königlichen Astronomischen Gesellschaft gewählt ward, trotz seines jugendlichen Alters von kaum 22 Jahren. Vogel fühlte sich in London ganz heimisch. Hauptsächlich um seine Kenntnis; ocr englischen Sprache möglichst zu fördern, besuchte er häufig das Theater und siebte den Umgang gebildeter Engländer. Doch auch mit deutschen Gelehrten, die sich in England aufhielten, kam er bald in vertraute Verhältnisse und knüpfte ein inniges Freundschaftsband mit dem bekannten Reisenden und Botaniker Bert he ld Seemann, sowie mit dem berühmten Köuigl. Geographen l)r. August .Petermann. Durch Beide ward er in dicKöuigl. Geographische G cscll- ichnft eingcführt und hier seine Aufmerksamkeit auf die großen Entdeckungs reisen der Gegenwart hingclenkt. Hierdurch erhielt seine alte Reiselust neue Rah- rung und er kannte keinen lebhafter Wunsch als den, daß ihm das Glück zu ^heil werden möge, einer größer Entdeckungserpedition als Astronom und Botaniker bcigegebcn zu werden. Trotzdem daß er sich in einer behaglichen, zu- öseich ehrenvollen und sorgenlosen Stellung befand, war er doch jederzeit bereit, viesclbe aufzugeben und sich unverzagt allen jenen Gefahren auszusetzen, welche vcnr Reisenden in nnwjrthlichen Ländern durch ungewohntes Klima, Anstrengun gen und feindliche Menschen drohen, sobald es galt, der Wissenschaft zu dienen " d dadurch ein Werkzeug zu sein, welches zum Wohlc des Fortschrittes des ge- mnnntcu Geisteslebens wirkt. So sprach Vogel offen aus, daß er stets zu einer Ivlchcu Reise bereit sein würde sei es auch nach dem Nordpol oder Südpol, ach Afrika oder Neu-Guinea, an irgend einen Ort, wo noch etwas In teressantes zu thnn gäbe". So war er auch sehr nahe daran, den Kapitän In gl e- ^svld auf seiner Polarreise im Herbst 1852 zu begleiten, aber zum Glück für Geographie Ccntralafrika s zerschlug sich dieses Projekt. . Die größte Aufmerksamkeit der Geographischen Gesellschaft wie der gebil- "teu Welt überhaupt war zu dieser Zeit auf die von Richardson, Barth und ^vcrweg unternommene Expedition nach dem Sudan gerichtet, die Ende 1849 vvgouucu und damals bereits drei Jahre lang gewährt hatte. Der Chef der- ^ v"n, James Richardson, war zwar schon nach einem Jahre erlegen, aber seine46 Dr. Eduard Vogel. Leiden deutschen Begleiter hatten nichtsdestoweniger ihre Unternehmungen un verzagt fortgesetzt. Die Nachrichten von Dem, was die beiden rastlosen Männer bis Ende August 1852 unternommen undausgeführt hatten, erreichten London um die Weihnachtszeit desselben Jahres. Auf das so klein und bescheiden ange fangene Unternehmen war im Anfang von Seiten der englischen Regierung kein besonderes Gewicht gelegt worden, und deshalb hatte man keine großartigen Fonds dazu angewiesen. Unter Andern: waren auch die Instrumente für die verschiedenen wissenschaftlichen Beobachtungen der Expedition etwas karg znertheilt, und dieselben hatten natürlich durch die dreijährigen Kreuz - und Querzüge arg gelitten. Auch war das Flottmachen des Unternehmens so schleunig betrieben worden, daß zu den Vorbereitungen, wie sie solche Reisen erfordern, wenn der Zweck derselben in seinem gMzelk Umfange erreicht werden soll, durchaus keine Zeit dagewesen und die nöthigc Ausbildung und Uebung in einigen Beziehungen, lvie z. B. für astronomische Beobachtungen, fehlte. Die genannten Reisenden hatten sich zwar von Anfang an riesige Aufgaben gestellt, aber ihre Freunde in Europa zweifelten sehr, ob selbst den: heroischen Mnthe, welchen dieselben besaßen, gelingen würde, jenes Heer von Hindernissen zu überwältigen, das sich dem Fremden in jenen Ländern entgegenstellt. Einige Male sprach sich selbst in den Briefen der Reisenden der leise Wunsch um Verstär kung und Nachsendung von Gefährten ans. So schrieb Dr, Barth an: 13. Juli 1852: Was sind zweier Menschen Arbeiten für diese weite und beschwerliche un bekannte Welt!" Die oben angedeuteten Mängel wurden in: Laufe der Zeit immer fühlbarer, je mehr die Bedeutung des Unternehmens sich steigerte, und erschien der Geo graphischen Gesellschaft von größter Wichtigkeit, einen tüchtigen Astrononicn von Profession, ausgerüstet mit einen: Assortiment der erforderlichen Instrumente, jenen beiden Reisenden uachznscnden. Zu einer solchen Sendung erschien nun E- Vogel als der geeignetste Mann, und die von Dr. Petermann Ende Januar 1853 an ihn gestellte Anfrage: ob er sich wol dazu entschließen könne, die Stelle des ver storbenen Richard so n bei der afrikanischen Expedition zu ersetzen, ward von demselben mit einem begeisterten freudigen Ja!" erwiedert. Er brannte vor Verlangen, den beiden kühnen Landsleuten Barth und Over weg nachzueilcn, ihnen neue Hülfsnüttel zu überbringen und mit ihnen vereint das angefangene große Werk fortzusetzen. Er sagte um so freudiger den: ehrenvollen Anträge zu, da er der Einwilligung seiner Eltern, die längst schon einen solchen Entschluß vorbereitet waren, versichert sein konnte, und erklärte, er würde spätestens in acht Tagen bereit sein, dahin abzngchen, wenn er das Glück hätte, den Auftrag dazu zu erhalten. Ein ausführliches Schreiben wurde nun von Dr. Petermann unter dein Datum des 11. Januar 1853 an Ritter Bunscn gerichtet, denjenigen Mann, der allein es vermochte, den Vorschlag und Plan zu Vogel s Reise bei der englische Regierung zu befürworten und deren Genehmigung dnrchzusctzcu. In der That erkannte Ritter Bunsen mit dem ihn: eigenen Scharfblick die Wichtigkeit des vor-47 Dr. Eduard Vogel. hegten Planes und lieh demselben seine angelegentliche Betheiligung und mäch tige Fürsprache. Zuvörderst wurde Di-. Vogel mit einigen der ersten Gelehrten Englands zusammen gebracht, um deren Urtheil über seine Befähigung zu erlan ge . Dasselbe siel ohne Ausnahme aufs allergünstigste aus; besonders äußerten sich Admiral W. H. Smyth, Colonel Sabine, Sir William I. Hvokcr schriftlich darüber, und in einem dieser Schreiben heißt unter Anderm: daß es schwer sein würde, in ganz England einen Mann von seinem Alter zu finde , der so icle Fähigkeiten eines tüchtigen Reisenden besäße als Dr. E. Vogel." Ans diese Weise unterstützt, wurde eine Eingabe an Lord John Russell, den damaligen Minister des Auswärtigen, gemacht und von diesem erleuchteten Manne das Gesuch in seinem ganzen Umfange genehmigt. Unterm i. Februar 1853 schrieb Vogel von London aus an seinen Vater: Am 15. Februar verlasse ich England, um im Aufträge und Dienste der eng lischen Regierung eine große Entdeckungsreise nach dem Innern Afrikas anzutre- lc . Du wirst vielleicht, betroffen durch das Plötzliche meines Entschlusses, denken, daß ich diesen Plan Dir absichtlich verschwieg; ich wußte aber in der That och vor vierzehn Tagen nicht das Geringste davon und wurde erst am 7.Januar d-om Ritter Buusen mit der Nachricht überrascht, daß man beabsichtige, mich den beiden Reisenden Bart h und O v e r w e g nachzuschicken, um genaue astrouo- üschc Ortsbestimmungen fcstzustclleu, magnetische und meteorologische Beobach tungen zu machen und außerdem den Vegetationsverhältnisseu einige Aufmerk- Dmkeit zuzuwenden. Jetzt hilft kein Abrathen mehr, ich bin schon gebunden und werde in etwa vierzehn Tagen in Begleitung von zwei Sappeurs, die man mir zur Unterstützung mitgiebt, mit dem englischen Packetboot nach Malta abgehen. Dort hat der Gouverneur Befehl, mir ein Schiff zur Disposition zu stellen, wel kes mich nach Tripoli bringen soll. Von da aus gehe ich mit den nöthigen Die nern ich nehme noch einen Malteser und einen Araber mit nach Mursuk und von da nach dem Tsad-Sec, wo ich mit den genannten beiden Reisenden nsanuncnzutrcffcu hoffe, um nt ihnen gemeinschaftlich in südöstlicher Richtung bi- Reise sortzusetzeu. Giebt Gott seinen Segen, so suchen wir die Quellen des Nils auf, erforschen das sogenannte Moudgebirge und die neuerlichst so viel be- ldrochcncn Schuecbcrgc und kommen, so Gott will, Ende 1855 bei Zausibar odcr ^sosambik wieder zum Vorschein. Lord John Russell hat sich sehr gnädig gegen "nch bewiesen und mich ermahnt, nur dieKosten nicht zu scheuen und allesRöthige Dichlich mitzunehmen. Ich werde ihn vor meiner Abreise noch einmal scheu bei " ein großen Diner, welches Buusen auf Veranlassung meiner Sendung in nächster Woche zu geben gedenkt. Alles was in England irgendwie einen Namen "n Wissenschaft hat, intcrcssirt sich aufs höchste für mein Unternehmen. Obrist 7 nb n e hat mir die magnetischen Instrumente besorgt, Sir W ill am H o o - "s und R. Brown die zum Pflanzensammeln nöthigen Utensilien geliefert j 1- i- w. Bishop und Hind sind zwar traurig, mich fortlasseu zu müssen, indeß W mein freundschaftliches Vcrhältniß zu ihnen dadurch nicht im mindesten gclit- tn * Ich habe Sir William Hooker gebeten, die ersten drei neuen Pflanzeuarten,48 Dr. Eduard Vogel. bie td; entberfcn Inerbe, Bisliopia, Bunsenia unb Hindia zu nennen. Ich bitte Dich, beruhige bic gute Mutter über bie Gefahren ber Reise. Dieselben sinb keineswegs so groß, wie sie sich etwa vorstellt. Das Klima ist in allen Theilen, bic ich besuchen werbe, burchans nicht nngesunb, wovon Barth uub Overweg, bic sich darin schon über zwei Jahre gut befundeu haben, bas beste Zeugniß geben. Die Eingebornen sind nicht zu fürchten, denn einmal flößt selbst ihnen der Name Englanbs Respekt ein, nnb bann, wenn wir nach Gegenben kommen, wo derselbe unbekannt sein sollte, so werden sieben bis acht wohlbewaffnete Europäer sammt ihren Dienern sich auch schon allenfalls durchschlagen können. Daß selbst von oben her die Expedition nicht für sehr gefährlich gehalten wird, beweist auch der Umstand, daß man mir allein für mehr als löOOTHaler mathematische und physika lische Instrumente mitgiebt. Außer diesen nehme ich viele Kiste voll Glasperlen, kleinen Spiegeln, Messern, Scheeren, Spieluhren und Harmonikas, nebst ge webten Stoffen aller Art mit, da jenseits Mursnk das Geld seine Geltung verliert und Wäaren wie die genannten seine Stelle vertreten müsse . Beruhigt Euch also und vertrauet Gott, unter dessen Obhut ich reise." Jene kostbaren Instrumente waren besonders auf Veranlassung des Mini sters Sir I o h u R u s s e l l angeschafft worden, der sich in hohem Grade für das Un ternehmen und für den jungen Reisenden insbesondere interessirte. Er sorgte auch dafür, daß letzterem zwei erfahrene und an das tropische Klima gewöhnte Männer aus dem königlichen Jugeuieureorps, Church und Sweuuy, als Gehülfeu mit gegeben wurden. Als nächste Instruktion war Vogel aufgegeben worden, er solle, sobald er am Tsad-See angekommeu sei, so genau und vollständig als möglich die geographische Länge und Breite, sowie die absolute Höhe dieses Sees zu ermitteln suchen; gleichzeitig solle er Mittheilungen machen über seine eigenen Beobachtungen in allgemeiner Beziehung und über seine astronomischen Beobachtungen unterwegs bis zu diesem Punkte. Mit der nächsten Karawane solle er seine gesammelten getrockneten Pflanzen schicken, desgleichen alle Sämereien, deren er habhaft wer den könne; dasselbe solle er mit etwaigen zoologischen Gegenständen und mit den jenigen Sammlungen thun, welche Overweg s Rath von Natnrerzeugnissen und Manufakturen in Bornn veranstaltet worden waren. Als Hauptzweck seiner Reise ward noch festgehalten, daß er den beiden Freunden Barth und Overweg als Genosse sichzugesellen solle, um bei den gemeinschaftlich anzustellenden Reisen vor zugsweise die astronomischen und botanischen Interessen im Auge zu behalten. Die Freunde in London fühlten sich im Geiste glücklich bei dem Gedanken, welche Freude es den beiden wackern Männern im Innern Afrikas gewähren würde, wenn der junge, talentvolle und liebenswürdige Mann mit seinen beiden kräftigen und gewandten Begleitern und den reichen Hülfsmitteln ankommen würde, nachdem sie sich, ohne eines Europäers Antlitz erblickt zu haben, zwei Jahre hindurch zwischen räuberischen Tnariks und den gefährlichen Horden der Fellata durchgeschlagen. Vogel s Abreise sollte deshalb so sehr als möglich be schleunigt werden, um sie baldigst an dem bezeichueten Punkte zu treffen.Weise von London nach Hripoli. ^ r - Vogcl s Abreise von London. Malta. Tilnis. Ruinen von Karthago. Tripel,. Vorbereitungen zur Wnstcnreise. Ansflug nach Lcbida und Mcsscllata. Ihn M. Februar sollte vr. Vogel sich un Hafen von Southampto n an Bord des Postdampfschisfes Bengal" begeben, eines der gißten und schönste der englischen Marine. Gegen Abend des 19. Februar 18 oä, sc^ erzählt sei Freund A. Petermann, standen zwei Wagen vor der preußischen Gesandtschaft in Bariton - Terrace und drinnen war eine rege Geschäftigkeit und cur hastiges be . Ungefähr ein Dutzend kleine, aber sehr schwere Kisten wurden eiligst in die Dagen befördert, dann stiegen zwei Personen cni, zwei andere, mit Barometern Ersehen, hatten schon ihren Platz. Die Wagen rollten m möglichster Schnelle da- lwt, damit der Reisende zur rechten Zeit bei dem Dampfwagen und spater beim Dampfschiff eintreffe Die schweren, wohlvcrpacttcn Kiftcn enthielten eine große "ßtentheils Eisenwaaren. die in jenem Lande so sehr gesucht und geschäht sind , Ans deni Bahnhofe angekommen, bis zu welchem Peter,nami seinen Freund begleitete, zog letzterer zwei Chronometer semcr Weftentasche mit den Wor- R-ism. ^50 Reise von London nach Tripoli. ten: Petermann, diese beiden kleine Längenbestimmer kosten allein 80 Pfd- St. (ca. 060 Thlr.). Die sind gut für die Quellen des Nils." Am nächsten Morgen, ehe vr. Vogel England verließ, traf die schmerzlich erschütternde Nachricht ein, daß Or. Overweg, dieser blühende, kräftige Mann, an den Ufern des Tsad dem Fieber erlegen sei. Zugleich theilte Or. Barth seinen he- roischcn Entschluß mit, allein eine Reise von hier nach dem vielberufenen Timbuktu wagen zu wollen, ohne erst auf die Ankunft des erbetenen Genossen z" warten. So niederschlagend diese Nachrichten auf der einen Seite waren, so tief greifend veränderten sie auf der andern Vogel s Verhältniß zur Expedition. Er stand jetzt allein, auf sich selbst verwiesen, da und trat dadurch als ein wichtiges Glied in eine Kette von Forschern, die bestimmt u sein scheint, nicht eher zu rasten, als bis alle Geheimnisse des großen afrikanischen Festlandes offenbart sind- Die anfänglich durch die Umstände gebotene Eile war jetzt nicht mehr in demselben Grade erforderlich und die Rücksichten auf ein möglichst sicheres Vorgehen wurden überwiegend. Vogel reiste ain 20. Februar mit dem genannten Schiffe von Southampton ab und kam am 24. desselben Monats auf der Höhe von Trafalgar bei Gibraltar an. Am Bord des Bengal" schrieb er von dort aus an seine ängst lich um ihn besorgte Mutter nachstehende Zeilen, um sie zu beruhigen: Nur wenige flüchtige Grüße und die Nachricht, daß ich so eben nach einer überaus angenehmen Reise von nicht ganz vier Tagen in Gibraltar angekvmmen bin. Ich habe eben den ersten Blick auf jenen wunderbaren Kontinent geworfen, zu dessen Erforschung mich ein glückliches Schicksal auserseh c n. Aengstige Dich mei netwegen ja nicht, es geht mir sehr gut und wird mir auch wol fernerhin gut gehen- Von Malta aus schreibe ich ausführlich an alle Lieben, die ich in Deutschland zu rückgelassen, da ich leider keine Zeit hatte, von London aus Abschied zu nehmen- Bis dahin Allen meine herzlichsten Grüße. Dienstag hoffe ich nach Malta zu kom men, wo ich acht Tage bleiben werde." Statt der gehofften acht Ruhetage jener Insel hielt sich Vogel aber n r einen einzigen Tag daselbst auf, um seine Sachen an Bord der Dampffregattc Tiger" bringen zu lassen. Mit den Offizieren dieses Dampfers setzte er sich bald in ein angenehmes Verhältniß, da dieselben ihm mit größter Freundlichkeit entgc- genkamen. Tief im Innern Afrikas vernahm er deshalb später mit schmerzliche- Theilnahmc, daß das herrliche Schiff bei Odessa verunglückt sei und manchen det Braven dort das Verderben getroffen habe. Bei Tunis machte das Schiff einen viertägigen Halt und gewährte deM Reisenden dadurch eine günstige Gelegenheit, einen, wenn auch kurzen, doch sehr interessanten Blick die klassische Umgebung des ansehnlichen Ortes zu werfcn- ZweiRingmauern umgeben den letzter , die innere mit sieben, die äußere mit ach- Thoren versehen. Zur Seite der Stadt breitet ein Salzsee seinen glatten Spiegel aus, Hügelreihen bilden amphitheatralisch den Hintergrund. Leider verpestet ge rade jenes wenig tiefe, ansehnlich große Bassin die Umgebung des Ortes mit ab scheulichen Uebelgerüchcn, und das Innere der Stadt, die an 200,000 Einwohner haben soll, erhält ein unbehagliches Aussehen durch die vielen, Ruinen zerfa"Tunis. Ruinen von Karthago. LLLD Tunis. H Hier war nämlich, wo der ^M^^^^lsÄei^ 9 e ei ‘ Hälfte seines Heeres der Peil zum Opf , Karthago verschanzt hatte. Jen das seeräuberische Tunis sich auf der ~ Umgebung auf Spuren früherer _ Ueberall trifft der Wanderer m der wetten Umgebnng^^l ^ h^n- ^uten, die sich längs des ganzen Meer ^ ^ von Lapislazuli, Ueberbleibsel ^ en - Bruchstücke von P rfchyr, tlc S ^oden, wo setzt ein Schäfer in altem Glase und Mosaiken bedecke 3 ^ Nachts der Schakal nach Beute su^seme Herde Ziegen grafen laßt andern Andenken als ^ht. U r. Vogel fand hier einige alte Münzen, Endlichen Gruß an die Scinigcn sane tc. Sckilanac windet sich die alte Gleich den bleichen Wirbeln eurer ungeheuren Schlange wmoer f )52 Steife von London nach Tripoli. Wasserleitung 18 deutsche Meilen weit, vom Berge Zowau bis hierher und mündet in einer Reihe Cistcrnen. Sie ist das einzige Ueberbleibsel, welches an die Großartigkeit des alten Karthago erinnert, Und doch ist dieses weite Rui nenfeld nur die Stätte, auf ivelchcr das r ö m s ch c Karthago stand. Die Lage des altern tp rischen Karthago mit seiner stolzen, von mächtigen Mauern und Thür- men umgebenen Burg Byrsa, seinem schönen Tempel deS Apollo, der mit Gold platten gedeckt war, seinem Tempel des Acsknlap, zu dem 60 Stufen empor- führten und in dem der Senat fremden Gesandten Audienz ertheiltc, seiner Ad miralitätsinsel und seinem Kriegshafen ist nur mit Mühe zu ermitteln. Sieben- hunderttausend Punier hatten daselbst ihre Wohnungeil, aber nachdem am Ende des furchtbaren Blutbades, welches die erobernden Römer über die Stadt ver hängten , letztere von den Flammen verzehrt war, sprach der Konsul Cornelius Sc ipi o einen feierlichen Fluch über die Stätte auS. Niemand dilrfte wage , sich daselbst anzubauen, und die spätere Koloniestadt, welche besonders unter Kaiser Augustus schnell ausblühte, entstand seitwärts der altern. Der Fluß Bagra- d a s, welcher sich hier ins Meer ergießt, hat, in seinem Laufe von keines Menschen Hand förder überwacht und gedämmt, sein Mündungsgebiet durch Sehlamm - und Schuttansätze vielfach verändert, ja sein Bett selbst allmälig gewechselt. Das rö mische Karthago fiel in die Hände der Vandalen, deren Könige hier residirtcn, und 706 wurde durch Hasan, Feldherr desKhalifen Abdul Mclck Be M e r w a n, zerstört und der Erde gleich gemacht. Ans den Ruinen wurde vorzugs weise das neue Tun is gebaut; das alte war als bescheidenes Oertchen schon sehr frühen Zeiten vorhanden gewesen. Von Tunis auS fetzte die Fregatte ohne irgend welche Unterbrechung ihU Fahrt nach Tripoli fort und U r. Vogel gelangte gerade an seinem 24. Geburts tage, am 7. März 1853, vor dieser Stadt ein. Vom Meere gesehen gewährt Tripoli einen sehr schönen Anblick. Die mei sten Minarets der Moscheen und die Kuppeln der Bäder stechen anmnthig gegen da-- dunkle Grün der Dattelpalmen ab, tvelche sich aus den Gärten der Stadt in male rischen Gruppen erheben. Im Gegensatz zu Tunis erfreut sich dieser Theil de Küste einer gesunden Luft und ein fast ewig klarer Himmclläßt den Ankommende diesen wichtigen Punkt des Erdtheils im vorthcilhaftcstcn Hellen Lichte erscheine - Die Stadt, einige 20,000 Einwohner zählend, liegt auf einer Landzunge, dere nächste Umgebung durch den reichen Pflanzenwuchs, den sie zeigt, die außerordent liche Fruchtbarkeit des Bodens verräth. Festungswerke schützen denHafen, welche ausreichcud groß ist, um eine zahlreiche Flotte von Handelsschiffen aufzunchincp und zu jeder Jahreszeit vollständige Sicherheit gewährt. Unmittelbar an dp Frnchtgärten der Stadt stößt aber die kerhle, nackte Wüste, und weite Flächen a  losem Flugsand mahnen ernst an die unermeßliche Sahara. So bildet der Ort mit seiner Umgebung ein cigenthümlichcs Bild. Der du kclblaue Spiegel deS Mittelmcercs fordert unwillkürlich auf zu einem Verglc mit dem gelben Sandmecr der endlosen Wüste. Die W stallen en Fluten des erstes trugen seit Alters die Schiffe der handclsknndigen Völker; das Becken des 9# Tripoli. 53 * tclnieercs war dir Wiege der Kultur und europäischen Bildung; in ihnen spiegel en sich die Tempel Griechenlands und die Kunstwerke Italiens. Die Sahara dagegen liegt noch heute, wie vor Jahrtausenden, unheimlich unb starr als ein Sch der Barbarei als eine Stätte des Todes und der Verworfenheit. Die Strome Ucbericste der Wasserleitung deS alten Karthago. - .. !. mnik.-o des Mittelmeergebietes mächtig cr- d-s geistigen Fortschritts , welche d e VUt pie herrlichsten Blüten u"d Wissenschaft und Kunst- Dille u nicht die bleichen "b-n, die schönsten Fruchte ^^^degünden und ihren uomadisiren- ‘IS b c v54 Reise von London nach Tripoli. * feit und Grausamkeit der Menschen oder der feindseligen Natur zum Opfer fielen, bezeichnen die sparsamen Pfade, welche die Wüste durchkreuzen. Auf dem Spie gel des Meeres zeigt der Gedankenflug des Geistes gleich dem Adler des Zeus dem Schiffer das Vorwärtsschreiten des Genius, der seinem ewigen göttlichen Ziele zueilt; über die trügerischen Saudflächeu im Süden dagegen begleitet nur der widrige Geier den Reisezug und mahnt mit jedem Flügelschlag den lebensfrohen Wanderer an den Tod und an das weite Grab, in welchem die Strahlen der Sonne zu verderblichen Geschossen und die Wellen des Windes zu Todengräbern werden. Die Pfeife des mächtigen Dampfers klingt am Gestade des Meeres wie ein Jubel ruf, wie ein Freudenjanchzen darüber, daß die Götter den Menschen gelehrt, die Elemente ju beherrschen und ihre Schrecken zu überwältigen in der Wüste ant wortet aber noch heute wie vor Jahrhunderten dein Schrei des Kameels nur das nächtliche Geheilt der Hyäne. Das rege Treiben am Strande, die Schaaren fleißiger Menschen, welche mit den Erzeugnissen des Gewerbfleißes uild den Früch ten des Feldes zum Marktplatz eilen, sprechen das beruhigende Zeugnis aus, daß Sicherheit und Ordnung hier herrschen und der eherne Mund der Geschosse in den Festungswerken die friedlichen Bewohner nicht schreckt, sondern schützt; in der Sahara dagegen waltet noch der alte Krieg Aller gegen Alle, und in jedem glän zenden Punkte, der am Horizont auftaucht, fürchtet der Reisende die Speerspitze oder den Flintenlauf eines Mubers zu sehen. Alle jene Gefahren schreckten jedoch den jungen kühnen Reisenden ilicht. Die Wüste erschien ihm zwar als ein lästiges Hemmniß, das erst nach monatelangen Anstrengungen überwunden iverden konnte, jenseits derselben lag aber das Ge biet seiner Wünsche und Träume. Er fühlte sich berufen zu einem Werkzeug, die Völker des Innern mit dem gesegneten Europa zu verknüpfen. Der englische Konsul in Tripoli, Oberst H erman, nahm den jungen Rei senden in der freundlichsten und herzlichsten Weise auf, lind während des viermo- natlichen Aufenthalts, zu dem Vogel hier veranlaßt wurde, steigerte sich die Für sorge dieser liebenswürdigen Fanrilie gegen ihn bis 31t einem Grade, daß selbst im elterlichen Hause die vielerlei Bedürfnisse und Vorbereitungen, welche eine so lange und austrengeirde Wüstenreise erforderte, nicht sorgsamer hätten befriedigt und berücksichtigt werden können. Das Innere der Stadt, welche Vogel eine so geraume Zeit beherbergte, ist ansprechender, als man es sonst von afrikanischen Städten anzunehmen gewöhnt ist. ltntcv allen großem Ortschaften der Berberstaaten an der Nordküste hat sich gerade Tripoli am meisten europäische Civilisatiou augeeignet. Die Straßen sind zwar eng, aber eine strenge Polizei sorgt in angenehmer Weise für Reinlich keit und völlige Sicherheit. Gute Karawanenherbergen und drei europäische Gast höfe sind soivol zur Aufnahnre der aus den: Innern kommenden Eingeborueu, als der eintreffenden Europäer eingerichtet. Die Stadt ist mit einem hohen, von sechs Basteien beschützten Walle umgeben. Das Schloß des Paschas zeichnet sich durch seine Große und Nettigkeit aus und hat ein ehrwürdiges Ansehen. Der Staatssaal in demselben ist höchst geschmackvoll gebaut geschmückt. Ein schöner ThronTripoli. 55 der Thür gegenüber und ist an jeder Seite mit Säulen schwarzem Mar- 1Uov geziert. Die übrigen Zimmer, Nebengebäude und mancherlei kleinen (5.^ freilich nicht in einer Weise vertheilt, wie es der Schönheitssinn eines " päers wünscht. bg. ^ w wichtiger öffentlichen Gebäude, unter denen sich besonders der Sklavcn- ^ hIszcichnet, sowie die Wohnungen der Vornehmen sind aus Stein aufgeführt56 Reise von London nach Tripoli. und Werden mitunter sogar zweimal im Jahre geweißt. Die Häuser der weniger Be mittelten sind Erde, kleinen Steinen und Mörtel gebaut. Alle sind nur ein Stockwerk hoch, vierseitig, mit einem Hof in der Mitte und platten Dächern, die nicht nur znm Lustwandeln, sondern auch zum Auffangen dcS Regenwassers die nen, das von hier aus durch Röhren nach Cisternen geleitet wird. Nur bei den Gebäuden der Reichern ist noch ein zweites Stockwerk vorhanden. Die Fenster führen nach den abgeschlossenen Höfen, und die Straßen bestehen deshalb fast aus schließlich aus kahlen Mauern, in denen nur die engen Thüröffnnngen sichtbar sind. Wenn man Fenster nach der Straße zu bemerkt, hat mau gewöhnlich mit dein Gebäude eines Europäers zu thun. Das Innere der Zimmer ist bei den meisten Einheimischen gewöhnlich nur mit Matten und Kissen versehen. Zur Nachtzeit sorgen Wächter, welche die Straßen durchziehen, für die Si cherheit, und bei Tage sind besondere Personen beauftragt, die Straßen von allein Unrath zu reinigen eine außerordentliche Einrichtung bei einer orientalischen Stadt! Die in den öffentlichen Gebäuden lagernden Maaren der fremden Kanf- leute genießen gegen eine verhältnißmäßig geringe Abgabe völlige Sicherheit. Ein Offizier des Paschas hat fortwährend am Thor des Gebäudes die Wache, zeichnet jeden ankommendcn oder abgehenden Artikel und haftet für denselben. Von Denkmälern der Vorzeit ist ein prachtvoller Triumphbogen, zu Ehren Marc Aurel s errichtet, selbst in seinem verstümmelten und halb verschütteten Zustande mit seinen Sculptnren und Inschriften in Marmor immer noch interessant genug. Das Geschick der Stadt und des Gebietes von Tripoli war von der frühesten Zeit her eng mit demjenigen Karthagos verknüpft. Theilhaber am Glanze des selben, litt es gleicherweise durch dessen Fall und ward längere Zeit hindurch römische Kolonie. Nachdem beim Verfall des römischen Weltreichs lange Jahre fast verschollen war, eroberten cS die eiudringendcn Araber im 7. Jahrhundert, vernichteten fanatisch jede Spur römischer Sitte und Kunst und führten mit dem Schwert in der Hand ihren Glauben ein. Nur kurze Zeit ge lang es den Malteserrittcrn, unter der j Regierung Karl s V. hier festen Fuß zu fassen; im Jahre 1551 wurden sie durch Sinan Pascha und Dragut Rais wieder vertrieben und seitdem blieb der Ort stets unter der Herrschaft einheimischer Für sten. Ddn Seeräubereien der Tripolitaner setzte zuerst 1663 der talentvolle eng lische Admiral Blake durch einen Vertrag eine Grenze, und als die Piraten sich wortbrüchig nicht nach jenem Uebereinkommen richteteten, unternahm Sir John Narborough mit einem Geschwader einen wohlgelungenen Angriff auf die Stadt, zerstörte einige Festungswerke des Hafens und erzwang die Einhaltung der geschlossenen Verträge. Allmälig hat sich das Verhältniß des Paschas von Tripoli zu der englischen Nation und durch zu den Europäern überhaupt z" einem sehr freundschaftlichen gestaltet. Dem Namen nach ist zwar der Pascha von der hohen Pforte abhängig und sendet derselben auch einen regelmäßigen Tribut, im Grunde genommen ist er aber durchaus selbständig und führt wie seine Ahnherrn ein streng despotisches Regiment. Die Bewohnerschaft ist aus Berbern, Arabern und Türken gemischt. Unter diesen haben sich viele Juden angesiedclt und beschaffTripoli. 57 sich vorzugsweise mit dem Handel, eine Anzahl davon auch mit Gewerben, ^iuch Schwarze aus dem Innern sind zahlreich theils als Sklaven, theils als Meigelasscncne oder Durchreisende im Orte. Die leicht erregbare Leidenschaftlichkeit, welche überhaupt die Völker heißer Kiiinate kennzeichnet, ist auch den Tripolitanern eigen, und Zänkereien endigen nicht selten mit Messerstichen. Noch schlimmer ist cs, daß bei Feindschaften häufig ^svgiftnngsfälle Vorkommen ein Mittel, zu dem leider selbst die Regierung bei Mißliebigen, aber mächtigen Personen ihre Zuflucht nimmt. Da man das Gift in lcu meisten Fällen dem Kaffee beiznmischen pflegt, so ist es bei Todesfällen, die uian jenem Verfahren zuschreiben zu müssen glaubt, zum Sprichwort geworden, ^ß man sagt: Er hat seinen Kaffee getrunken!" Or. Barth traf nicht selten, . a 6 Araber im Ghuriangebirge, ivclches er bereiste, mißtrauisch den Kaffee ans- schlugen, den er ihnen anbot. Die Bewohner des genannten Gebirgszugs, der hch int Süden der Regentschaft Tripoli erhebt, wurden 1713 durch den Pascha säuret unterworfen. Derselbe energische Fürst eroberte auch das Gebiet von vessan, während er gleichzeitig bereitwillig gewerbthätige Fremde aufnahm und -illes that, um den Wohlstand der Stadt zu fördern. Unter seiner Regierung ent luden vorzüglich zahlreiche Manufakturen wollener Zeuge, Gerbereien von Marokkanischem Leder u. s. w. wn.vi4uc uuu Auuiuu, v.%ui;uicu j, ui uiqci ^uu t cm, vüi unu yyii cuici ^slgerrcise nach Mekka mit seinem Gefolge zurück, und da Dr. Vogel glückte, " u t ihm in ein freundschaftliches Verhältniß zu treten, so ward verabredet, daß Ulan die Reise nach Kuka gemeinschaftlich unternehmen wollte. Ward auch dadurch ^agel s Ankunft an diesem Ziele sehr verzögert, so entging er durch den Anschluß l u tic bedeutende Karawane dieses Herrn doch großen Gefahren, die ihn andern- vtv icuic 4L t U)U uijuiiyeii unu ciutu mi cuu;uH ui- aipuu u( iu(nw i. v. Ich bin vom englischen Konsul, Colonel Herman, mit der größten Freund- fichkeit ausgenommen worden und wohne bei ihm im Konsulat, dessen Dache meine Sternwarte aufgeschlagen habe; meine beiden Leute und meine metcoro- schischen und magnetischen Instrumente sind in einem bequemen Landhanse, etwa ^e halbe Stunde von hier, untergebracht worden. Ich werde hier noch etwa vier Wochen verweilen müssen, da viele zu meiner Ausrüstung noch nöthige Gcgen- Pudc von Malta aus verschrieben worden sind. Die Zeit meines Aufenthalts ist jedoch keineswegs verloren, sondern wird die beste Art zum Studium { eä Arabischen und zu Uebungen im gleiten, Schießen u. s. w. verwendet. Auch "ue ich Bälge von vierfüßigen Thieren und Vögeln präpariren, um auch der U, " r* V ”~ o ü v " r -7 ! US betroffen haben würden. Er verwendete die Zeit dazu, sich im Reiten zu üben, inl+ Cl Umgebung von Tripoli Probeausflüge zu unternehmen und astronomische,58 Reise von London nach Tripolis Zoologie von einigem Nutzen sein zu können. Meine Gesundheit, sowie die meiner Leute ist vortrefflich, ebenso die Zuversicht und der Muth, mit dem wir der Zukunft entgegengehen. Gott, der uns bis jetzt beschützt, tvird uns schon weiter helfen!" In dem erwähnten verwandten des Sultans von Bornu lernte Dr. Vogel einen sehr gebildeten Mann kennen, der fertig Arabisch sprach und der früher schon mit Clapperton gereist war. Vogel unterhielt sich gern mit ihn: und erfuhr von demselben viel Interessantes über dessen Vaterland. Eine Reise nach Zansibar, über welche er ihn befragte, hielt derselbe für sehr schwierig, weil man dabei durch das Land von Ungläubigen müsse, die Seine Kleidertrügen, keine Sprache sprächen und mit denen man nicht verkehren könne. Als Vogel ihi: nach Timbuktu fragte, sagte er, das sei zu weit von Knka, das habe Keiner von dort aus besucht. Er wußte bis Darfur hin sehr gut Bescheid; der See Fittri, sagte er, sei ansgc- trocknet und Marschland, vor einigen Jahren sei einiges Wasser wieder an die Oberfläche getreten, aber jetzt wieder verschwunden. Auf dem Tsad-Sce könne man so weit fahren, daß man nichts als Himmel und Wasser sehe, und von keiner Stelle aus könne man vom Lande das jenseitige Ufer erblicken, die Jirseln aber von der Südseite aus. Von diesen Inseln wären einige so groß, daß man drei Tage brauchte, um zu umgehen. Tangalia (wahrscheinlich Angala" nach Di-, Barth s Meinung) kannte er gut; cö sei drei Tagereisen zu Wasser und eine zu Lande von Knka, und viel Verkehr zwischen beiden Städten. Die Meinungen der Sachverständigen, welche Vogel in Tripoli über Barth s Plan, nach Timbuktu zu gehen, hörte, gingen sämmtlich dahin, daß ein solches Unternehmen höchst mißlich und bedenklich sei, so daß er selbst die ernstlichste Be- sorgniß für seinen Landsmann zu hegen begann. Das Klima von Kano ward als so ungesund geschildert, daß selbst die Araber den Ort im Sommer verlassen. Sokoto wie Timbuktu, sagte man, seien der Sitz des Auswurfs von ganz Ma rokko und der allerfanatischstcn Araber. Unter diesen Umständen", schrieb deshalb Vogel in dem oben erwähnten Briefe an Ritter Bunscn, kann ich nichts Besseres thnn, als mich geraden Wegs nach Knka zu begeben (da ich von dort wenigstens mit Kano Verbindungen anknüpfen kann) und dort Barth s Rückkunft abzuwarten. Sollte, tvas Gott ver hüten wolle, derselbe nicht nach Knka zurückkehren können, so habe ich, meinen Instruktionen nach, Vollmacht, so weit vorzudringen, wie es mir räthlich scheint, und die Erpedition auf dem Wege, der mir der beste dünkt, nach England zn- rückznführen (vinZansibar). Jedenfalls werde ich mich sechs bis neun Monate ai Tsad-Sec aufhalten." Am 14 . März schrieb er in einem Briefe an den Professor d Arrest unter An dern: Folgendes: Die beiden Soldaten vom Gcneralstab, die man mir mitgegeben, habe ich aufs beste im Gebrauch von Instrumenten aller Art eingeübt, so daß nicht nur das meteorologische Departement verwalten, sondern auch recht brauchbare Son nen- Azimuthe, sowie Sonnen - und Sternenhöhen nehmen können. Meine astro-Ausflug nach Lcbida. 59 nomischen Instrumente bestehen in zwei Chronometern von Molineur, die sehr vorzüglich gehen (keiner macht mehr als 6" täglich), einem Pistorischen Spic- üel, einem Katcn schen Kreis, einem siebenzölligen Dolland schcnSpiegelsertanten o f Silber, von 10 zu 10 Sekunden getheilt, einem Fernrohr von zwei Zoll Oeff- nung mit Stativ und künstlichem Horizonte u. s. lv. Der magnetische Apparat ist vollständig Azimuth-Kompaß,Inclinatorium und der Weber sche Apparat zur Bestimmung der horizontalen Kraft. Ferner besitze ich außer Thermometern und Mgrometern drei vorzügliche Reisebgrometer, und bin ich der Erste, der es versucht, solche durch die große Düste zu tragen. Barth und Overweg hatten 36 Thermo meter mitgenommen, aber nur ein einziges Barometer, welches natürlich schon Asv als unbrauchbar zurückgelassen werden mußte. Ich hatte auch ein solches bei mir Sir John Herschel rieth mir dasselbe so dringend an, daß ich nicht anders ^nnte, als solches kaufen, und prüfte auf einer Reise, die ich zu Pferde nach ^bida (Leptis major) und Jnsalata machte, wobei ich denn fand, daß bei größter Vorsicht und ganz langsamem Ritte das Instrument in einer Viertelstunde bisweilen u ’ 11 ganze Zolle fiel oder stieg. Es ist ja aber auch ganz dasselbe, als wenn man oi e Pendeluhr in der Tasche tragen und dabei von ihr verlangen wollte, daß sie Uchtige Zeit zeigen solle. Ich bin fast vollkommen wohl und habe nicht im min desten von der Hitze (4 " C. im Schatten) gelitten." Der Ort Lcbida, nach welchem Vogel die eben erwähnte Versuchsrcisc liegt gegen 16 Meilen von Tripoli nach Ostsüdost an der Küste. Der ^eg dahin führt über die sogenannten fünf Ströme, d. h. Thälcr, die sich Mesellata-Gebirge nach dem Meere hinziehen, den größten Thcil des st^hres völlig trocken sind und nur während des regenreichen Winters etwas Was- sichren, das freilich nicht immer das Meer erreicht. Weite Strecken zwischen j. M^li und Lebida tragen gänzlich den Charakter der Wüste, und nur in der Nähe ^sletztern Ortes wird der Boden wieder fruchtbar. Der Ort war zur Zeit der Phönizj^rherrschaft als eine Pflanzstadt des handeltreibenden Voltes angelegt j. blühte selbst noch lange unter den Römern als eine schöne Stadt. Gegenwär- h bedecken die Trümmer des zerstörten Ortes einen Flächcnranm von fast einer t . ^iertstundc, ja an der Küste hin dehnen sich bis auf anderthalb Stunden ans, l 1 . 1 anlockendes Feld für den Geschichtsforscher. Noch finden sich ungeheure teiler, Mauern, Thore, mitunter aus dem schönsten Granit gearbeitet, zer- vchene Bildsäulen, Marmortafeln mit punischen, griechischen und lateinischen . stchriften, ebenso Ueberbleibsel einer großen Wasserleitung. In der Nähe der (?öen Stadt Lebida sind Spuren von Tempeln und römischen Bädern vorhanden ^ r etwa eine halbe Stunde davon die Neste eines Amphitheaters von bedeutendem nfange. Dicht am Meere sind die Trümmer von alten Festungswerken sichtbar ^ ,Zwischen dem Geröll und den Bruchstücken findet man nicht selten geschnittene ^uie und Münzen. dies ,^ en schärfsten Gegensatz zu dem glanzvollen Bilde, welches bei dein Anblick großartigen und vonhoher Kultur und üPpigerPracht sprechenden Trümmer rr Seele das Geschichtsknndigen aufsteigt, bildet die gegenwärtige Bewohner-60 Reise von London nach Tripolis schaft der Gegend, die meistens in ärmlichen Lehmhütten wohnt und in ihrer geistigen Befangenheit nicht selten die schön geschnittene gefundene Gemme aus abergläubischer Furcht vernichtet. Mitten durch das Ruinenfeld fließt ein vom Gebirge kommendes Gewässer, der Ci nyphns der Alten, das Wadi K aam der jetzigen Bewohner, das in der Nähe des Meeres Lagunen und Sümpfe bildet. Die Karthager hatten über die selben ausgedehnte Brücken gebaut, deren Pfeilerreste noch bemerkt wer den. Während die Alten großartige Deichbauten, Wasserfänge und Dämme an jenem Flüßchen aufführten, dadurch sein zeitweiliges wildes Ungestüm bändigten, Versumpfungen und Zerstörungen verhüteten, es auf ausgedehnte Kunstfelder leiteten und üppige Pflanzungen bis an seine Ufer anlegten, haben die jetzigen Bewohner jene Kunstwerke zerstört oder wenigstens zerfallen lassen, ziehen sich, die Anschwellungen des Gebirgsbaches fürchtend, von seinen Ufern ängstlich zu rück; die entstehenden Versumpfungen erzeugen Fieber, diese entvölkern die Ort schaften und mit der geringer werdenden Anzahl der Einwohner nimmt auch die Ausdehnung der Fruchtwälder ab, welche die Dörfer umschatten. Als ein Ueberresk jener Frnchtdämmc und zugleich als ein sprechendes Zengniß von der Großartig keit dieser Wasserwerke befindet sich jetzt noch etwa eine halbe Stunde von Lebida stromaufwärts eine Mauer von 975 Schritt Länge und 12 14 Fuß Dicke. Nahe bei der kleinen Bucht Wirsta Legata", unweit Lebida, haben neuer dings die Türken ein kleines schwaches Fort anfgeführt, das etwa hundert Schritt ins Geviert hat. Da es aber weiß angestrichen ist, macht mit seinen Zinnen und kleinen Bastionen einen recht freundlichen Eindruck. Trotzdem daß ein Vergleich der jetzigen Bewohner der Landschaft Mcsellata mit den alten punischen und römischen Kolonisten sehr zum Nachtheil der erster ansfallen muß, sind sie doch im Vergleich mit denjenigen in den übrigen Theilen der Regentschaft Tripoli als die fleißigsten und sorgsamsten Arbeiter berühmt. I der That gewähren die zahlreichen Fruchtgärten, von hohen Hecken stachlige Opuntien eingehegt, die Dattel - und Oelpflanzungen dem Wanderer eine ange nehme Ucbcrraschung, wenn er aus den auf weite Flächen hin baumlosen übrige Provinzen des Paschaliks hier ankommt. Noch ist ein Hain alter Olivenbänme vorhanden, welcher den Namem Olivengarten der Pharaonen" (s. die Abbild. S. 6 ) führt, da das Volk seine erste Anlage jenen alten Herrschern Aegyptens ; * schreibt. Das auf Kalkfelsen gelegene SchloßMesellata, bis in dessen Nähe Vogel seinen Ausflug ausdehnte, ist ganz aus Quadern alter Ruinen erbaut. Das dabei gelegene Dorf K u st a b a t besteht aus 3 400 Steinhütten. Die genannte Feste ist wahrscheinlich ein Werk der Spanier. Sie ist in Form eines Dreiecks aufgeführt und mit mehreren Bastionen versehen. In den Dörfern dieses ganze Gebietes besteht die Einwohnerschaft zur Hälfte aus Arabern und zur Hälfte Inden, welche letzern von den erstcrn vielfache Bedrückungen dulden müssc - Am 5. April schrieb Vogel an seinen Freund I)r. Petermann: Ich bin, wie Sie^us der Neberschrift (Tripoli) sehen, immer noch hi^ und erwarte schnlichst die Ankunft eines Schiffes, welches mir verschiedene, 3"Vorbereitungen zur Wüstenrcisc. 01 Oelbäumc. Meiner Reise wichtigeDingc, wie Zelte, Zinngcschirr, Sattel und Zeug fnrdte Pferde, Thcc, Schießpulver n. s. w., bringen soll, die wir schon vor vier Ze chen in Malta bestellt, da man alle diese Artikel hier entweder gar nicht oder m zu doppelten Preisen unb in allerschlechtester Qualität finden kann! - und am U. Juni fügt er in einem andern Briefe an denselben freund hmzu:62 Reise von London nach Tripoli. In Wenig Tagen werde ich meine Reise nach Mursnk endlich antreten kön nen. Mein langer Aufenthalt hier war ganz unvermeidlich. Sie haben keinen Begriff davon, was Alles dazu gehört, um eine Expedition für eine dreijährige Ucberlandreise auszurüsten, und wie dieses Geschäft erschwert wird durch die Unzuverlässigkeit der Araber und durch die Schwierigkeit, die es macht, auch die geringste Kleinigkeit hier aufzutreiben. Fast Alles mußte von Malta verschrieben werden. Jetzt ist aber Alles so weit fertig, daß die Karawane bereits in Ain Sara bivouakirt und in drei Tagen abmarschiren wird. Sie besteht aus 30 Kameclen; tö davon habe ich gekauft, lö gemiethet. Ich reise zu Pferde, mein erster arabi scher Diener auf einem Dromedar. Unter meinem Kommando habe ich außer den beiden Sappeurs zwei schwarze Bediente, einen Koch, zwölf Kameeltreiber und zwei Burschen für all werk“. Ich habe Vvrräthe aller Art genug, um drei bis vier Jahre aushalteu zu können, und in so langer Zeit, hoffe ich doch, wird es möglich sein, bis an den Indischen Ocean zu kommen. Die Geschenke, die mir von England aus geschickt worden, sind prächtig und werden mir eine treffliche Aufnahme an: Hofe von Bornu sichern." Der Sultan von Bornu hatte nämlich der Königin von England als Zeichen seiner Hochachtung einen Elephantcnzahn und Giraffenschwanz geschickt, und der Colonel Herman hatte den Earl of Clarendon gebeten, demselben als Erwie derung einige Gegenstände zu senden, welche ihm besondere Freude machen wür den. Er hatte dazu vorgeschlageu: einen Helm, Küraß und Schwert, wie solche die englische Reiterei trägt, sowie eine goldene Repetirnhr. Zugleich wollte man dadurch ihm auch ein Zeichen des Dankes dafür geben, daß er Barth und Over weg so viel Freundlichkeit erwiesen. Der erwähnte Gesandte schien Or. Vogel der allerdümmste Teufel" zu sein, den der Sultan in seinem ganzen Königreiche hatte auftreiben können. Es lvar ein schwarzer Sklave, der dem Reisenden auch nicht über das Allergeringste Auskunft geben konnte. Der Diener desselben war ein Sklave, geraubt aus den Ländern südlich vom Tsad. Da Vogel sein Augenmerk vorzugsweise auf jene Gebiete gerichtet hatte, schrieb er: Ich werde sehen, daß ich ihn in mcineDicnstc nehmen kann; er könnte mir von großem Nutzen als Dolmetscher u. s. w. sein. Wenn seine Landsleute alle so sind wie er, so habe ich von den Wilden" nichts fürchten; er ist ungemein gutmüthig und mir sehr ergeben, eine Schnur blauer Perlen hat das Band unserer Freundschaft vorzüglich geknüpft."W dlich - L ri -m, - ,u.N ^ Kasr Ghurian und Wadi Otuminaua. Ion Mipoli nach Murj uli. , S 5ßn Tripoli. Ain Sara. Taghonaberge. Ghnriangebirgc. Sky- ei r nc Kasr Ghurian. Bcniolid. Soffedschin. Klostcrrnine. Enfad. g "Icni. Bondschcm. Tolagaa. Haminada.  Römische Ruinen. Sokna. wcu-jc Berge. Berber nd Araber. Tynilkum. Scbha. Rhodoa. Wadi Scherzi. Mursuk.64 Von Tripoli ach Mursick. folgte Herstellung so schnell als möglich folgen und mit den Vorausgegaugenc" in B enio l d wieder Zusammentreffen wollte. Auch einer von den Sappeuren, Sw e n ney, mußte Zurückbleiben. Er war durch das Klima so bedenklich erkrankt, daß nicht daran zu denken war, ihn z" einer weitern Reise zu veranlassen. Der Arzt versicherte, er würde nicht Mnrsuk lebend erreichen. Er kehrte nach England zurück, und um seine Stelle zu ersetzen, wendete sich Oberst Her in a n, der Konsul von Tripoli, an den Gouverneur von Malta, Sir William Reid, und ersuchte denselben um einen andern zuver- lässigen Mann, welcher sich in Mnrsuk den Reisenden anschlicßcn sollte. In diesem Orte war voraussichtlich ein längerer Aufenthalt nöthig. Vierzehn Tage war Vogel durch die Folgen jenes Sturzes an das Lager ge- fesselt, ohne sich dadurch den frischen Muth lähmen zu lassen. Am 28. Juni war er so weit hergestellt, daß er wieder das Pferd besteigen konnte. Der Vicckou- sul Reade begleitete ihn bis Beniolid. Er nahm Abschied von dein Orte, in wel- chem er eine so rührende Thcilnahmc, eine so herzliche Liebe gefunden hatte, ungewiß, ob er die ihm thcuer gewordenen Freunde je wieder begrüßen werde. Zugleich nahm er aber auch Abschied von den Annehmlichkeiten des städtische" Lebens, von den Schönheiten, welche die Umgebungen der Stadt Tripoli, trotz ihrer Mängel, dem Nordländer bieten, von jenen Vorzügen, welche die Län- der des Mittelmeergebictes überhaupt besitzen. Wie in dem gepriesenen Italien reifen auch in den Garten von Tripoli Orangen undCitroncn ihre geschätzten, erfrischenden Früchte- Neben den röthlichschimmcr"- den Granatgebüschen duftet die M y r t e; der Johannisbrot b a u m und dieMaulbcere brei ten ihr dichtes Lanbdach zu kühlem Schatten aus. Pfirsiche n n d Ap r k o s c n reifen in Gesellschaft mit Feigen und Pistazie" und selbst der Wein gedeiht noch vortrefflich, obschon er zu starke Hitze nicht liebt. Vier Meilen süd- westlich vonLebida,inJu s a lat a- wird viel Wein gebaut, der m den Er als . _ , und würde ein noch höher geschah tes Produkt geben, wenn die Bearbeiter größere Sorgfalt auf seine Zubereitung ver wenden wollten. Als bezeichnendes Gewächs inderUmgebung von Tripoli warUA- Vogel der Ricinus mit seinen großen, schöngeformten Bättcrn ausgefallen. L t Marsala - Wein Wetteifers besitzt ebensowol große Stärke auch ein anaenebmcs Aro " Pflauzcnwuchs bei Tripoli. 65 schreibt darüber: fände sich diese Stande in solcher Menge vor, daß Kasans chren Samen erzeugte arzneiliche Oel recht gut zu einem Ausfuhrartikel werden tonnte, wenn sich nur Jemand bemühen wollte, sie zu sammeln. Als alte Bc- tannte, als freundlichen Gruß der Heimat hatte der aufmerksame Botaniker bei Tripoli den salzliebendcn Pnng en (8amolu8 Valerandi) und das zierliche, schön blau blühende Gauchheil (Anägallis caerulea) begrüßt, dagegen fand er öse niittelenropäischen O b st bä n m e kümmerlich, mit der für sie übermäßigen Hitze fugend und unter dem erdrückenden Klima Afrikas hinsiechend. A cp fel- und ^irnbäume giebt zwar in den Obstgärten von Tripoli zahlreich, aber ihre Mnchtc haben keine Aehnlichkeit mit den schönen Erzeugnissen Deutschlands. Sic i" d hart und wässerig und kaum genießbar. Schon nach zwei bis drei Jahren "Neu frisch eingcführtc gute Birnensorten vollständig aus. Kirsch b äume giebt ’ u ganz Tripoli nur drei, und einer davon war in dem Garten, den Vogcl s "stute bewohnten. Er erntete von demselben sechs Kirschen. Die in Italien so Nus,gen edlen Kastanien fehlen um Tripoli gänzlich, dagegen gedeihen die Kartoffeln sehr gut. Ihre Knollen werden sehr groß und besitzen einen ange nehmen Geschmack. Die sogenannten Südfrüchte: Orangen und Citronen, sowie der Johannis- örodbaum, gehen nicht über den Küstensaum hinaus. Sobald der Reisende die nut stachligen Opunticnhecken umgebenen Gärten der Stadt und ihre Olivcn- Wanzungen verlassen hat, empfindet er bereits den Eindruck der Wüste. Südlich Nvn dem Dattclpalmcnwäldchen, das die Westseite des Teiches von Ain Sara n giebt, breitet sich eine Sandebene von einer Meile Durchmesser aus, deren bvsem Flugsand gebildete Hügel jegliches erfreuende Grün entbehren. Nur hier n d da versucht der Mensch selbst dem dürren Wüstenrande noch ein Erzeugnis) nhzugcwinnen: die Wassermelone, allerdings eine höchst liebliche Gabe, die ^vhl im Stande ist, zeitweise das seltene, oft unangenehm schmeckende Wasser zu ersetzen. Sie bedarf keiner künstlichen Bewässerung, der starke Thau, der hier fällt, befriedigt das genügsame Gewächs, dieses Kamecl unter den Pflanzen. Man säet bie Kerne in die Sandhügel und schützt die jungen Pflänzchen etwas durch darüber gelegtes Reisholz vor dem zu starken Sonnenstrahl, bis sie erstarkt sind, dann stucken sie ungestört weiter und reifen Früchte bis zu 150 Pfund Schwere. Auch Eigentliche Melonen gedeihen hie und da in ihrer Gesellschaft. ^ Jenseits der Sandhügel, welche eine ansehnliche Höhe erreichen und sich nach Tasten zur Wüste von el Mita mta Terüggurt fortsehen, dehnt sich eine sechs Stunden weite Ebene ans, die sich wellenförmig allmälig hebt und senkt und fruchtbaren Boden enthält. Im Frühjahr gewährt einen angenehmen Anblick, be n das freundliche Grün von Gcrstenfcldcrn, unterbrochen von cingcsprenkeltcn bunte Blumen, zeugt von dem belebenden Einfluß der winterlichen Regen. Mitte Sommer aber, als sie Dr. Vogel durchreiste, bot sie dem Auge nichts, was bei dem blendenden Glanz der glühenden Sonne eine Erholung gewährte. . Im Wadi Melgha, einer Thalschlucht, welche nach Norden zu abfällt, Uttcu dicReisendcn allmälig auf die Terrassen der Gebirge von T a g h o n a empor. - ogel ö Reisen. 2. Aufl.66 Von Tripoli nach Mursuk. Kahl und unerquicklich fanden sie aber auch diese Höhen, die Kalk- und Sand felsen mit zahlreichen großen Steinblöcken besäet, ohne Wälder, welche ihnen Kühlung bieten konnten, ohne frohe Bewohner, welche anderwärts die Gebirgs gegenden so heiter erscheinen lassen. Die Taghon aber ge, die sich durchschnittlich bis 1000 Fuß Höhe erheben, bilden ein Glied jener ausgedehnten Gebirgskette, welche bei L e b d a, etwa zwan zig Meilen östlich von Tripoli beginnt, anfänglich in der Richtung von Ost nach West zieht, sich unweit des Wadi M clga nach Süden wendet, dann aber wieder in einer Entfernung von einigen zwanzig Meilen die frühere Richtung nach We sten annimmt. Der östlichste Theil ist am wenigsten hoch und erhebt sich selten über 800 1000 Fuß. Er durchzieht das gesegnete Gebiet von Me s ellata, weit be rühmt durch seine üppigen Kornfelder und Banmpflanzungen, die unser Reisen der bei seinem Ausfluge nach Lebda kennen gelernt hatte. Die Gebirge von Taghona, ungefähr zehn Meilen Ausdehnung in die Länge besitzend, sind durch den fast gänzlichen Mangel an Baumwuchs bekannt- Nur eine seltene Ausnahme ist es, wenn sich hie und da an einem Quell innerhalb eines geschützten Wadis eine kleine Gruppe Datteln oder Oelbäume vorfindct. An der Ostseite des Berges Bu el Äs gar, den die Karawanenstraße nach Bc- niolid streift, wechselt guter Weidegrund mit rothein Sand. Jin Frühjahr grünen die Bergtriften und bieten den Herden der wandern den Araberstämme reichliche Nahrung; Hahnenfuß-Arten (Ranunculus), hier Schubbotan" genannt, lebhaft gefärbte Tulpen und andere Liliengewächse, ge mischt mit eßbaren Zwiebeln, der Lieblingsspeise der Araber, und verschiedenen sonstigen Kräutern, schmücken die Hochflächen, deren trocknere Strecken weithin mit Halfagras (Cynosurus dnrus) bedeckt sind. Als Or. Vogel die Berge passirtc, waren die meisten jener zarten Gewächse verdorrt; nur die verwelkenden Blätter der Tulpen waren noch zu bemerken und deuteten die verschwundene Schönheit an. Eine einzige kümmerlicheTulpe war lR ganze Ausbeute, die der eifrig suchende Sammler machte. Der erwähnte rothe Sand ist vorzugsweise zu der oben beschriebenen Zucht von Melonen und Wasserme lonen geeignet. Auf die Windrichtung und das Klima des nördlichen Küstenlan des von Afrika sind die Gebirge von Taghona nicht ohne Bedeutung. Ickr. Vogel beobachtete, daß die von dem Innern des Landes kommenden Winde hier einen eigenthümlichen Verlauf nehmen. Der Landwind ", sagt er, hier Gibli, d. \ Bergwind, genannt, fängt Morgens gegen Sonnenaufgang in Westen an mit getrübtem Himmel, die Sonne roth färbend. Während des Vormittags geht cl nach Süd herum und weht aus dieser Himmelsgegend von etwa I I Uhr Vormit tags bis 3 Uhr Nachmittags mit erstickender Hitze, dichte Staubwolken, die es un möglich machen, einen Gegenstand auf hundert Schritt zu erkennen, vor sich treibend, Nachmittags schlägt er nach Ost um, und schwächer und schwäch^ werdend weht er um Mitternacht ganz gelinde aus Norden." Unter dem heiß^ Athen: dieses Windes verschrnmpfcn und zerfallen die letzten Spuren des vegeta bilischen Grüns, die sich etwa noch vom feuchten Winter her erhalten haben.Denkmale aus der Vorzeit. 67 Häufiger als die Reste einer abgestorbenen Pflanzenwelt und vor allein mehr die Augen fallend als diese, finden sich in jenen Gebieten Ruinen von Bau werken, Spuren menschlicher Thätigkeit. Leider giebt die Geschichte sehr wenig Aufschlüsse über das Volk erleben jener Gebiete. Wie der Wind die Spur der vorübercilenden Karawane kurzer Frist mit losem Flugsand verweht, so folgten sich hier Völkerschaften und Nationen snit vielfach entwickelten Lebensformen, ohne daß schriftliche Urkunden d ie Schick- lale ihrer Helden, ihre Freuden und Leiden den nachfolgenden Geschlechtern auf- ^ewahrt hatten. Rathlos steht in den meisten Fällen der Wanderer vor den Krümmern zerstörter Städte und Burgen, vor den zerfallenen oder noch crhalte- w eu Grabmalen " id gottesdicnstli- Bauten, aus vencn sein Fußtritt ’ Ulv den krächzen den Geier oder den nngrigen Schakal ^nfschcucht! Jene Denk sind verschie denen Ursprungs, verschieden in Bc- ug auf die Zeit, der sie stam- "en, sowie in Be- f"g nuf die Völker, von d Skythcustciiie auf dein Ghuriaugcbirge. cren Dasein. lA tjeugniß geben, sf wa drei Meilen Wdsüdtvcstlich von VW Punkte, in welchen: die Kara- , . ^nenstraße die Taghonabergc am Bu cl Asgar überschreitet, erhebt ,ich der ^sch eb el Mssid und bezeichnet die Grenze des Gebiets von T a gh o na und der ^ndschaft Gh u r a n. Jener Basaltberg, Dschebcl Mssid, zeigt die regelmäßigste ^ c Öctfovni, btc man sich denken kann; am örtlichen Ende der Hochebene, welche rhn uugiebt, ragen zahlreiche kleinere Büsaltkuppen empor und heben sich mit ihrer .schwarzen Färbung und ihrer Zuckerhutform malerisch von den dazwischen wstndlichen blcndendweißcn Kalkfelsen ab, deren weicheres Gestein durch den Ei U 6 der Witterung vielfach zerklüftet ist. Die ganze Gegend zeigt die deutlichsten Spuren ausgedehnter ehemaliger vulkanischer Thätigkeit. Gegenwärtig bietet die Hochfläche mit ihren Halfabüscheln dem Vieh nur eine dürftige Weide, ehedem " v jenes Gebiet aber muthmaßlich der Sitz einer reichen Bevölkerung. Ausge-68 Von Tripoli nach Mursuk. dehnte Ruinen einer römischen Stadt sind über die Hochebene zerstreut und ge ben Zeugniß, daß jenes thatkräftige Volk es wohl der Mühe Werth finden mußte, hier eine feste größere Niederlassung zu gründen. Zahlreiche Bergspitzen sind inst zerfallenen Kastellen und Burgen gekrönt und erinnern durch ihre Bauart an jene Perioden, in denen die eingedrnngenen Araber ihre Blütezeit feierten. Im t3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung bauten hier arabische Raubfürsten die zer fallenen römischen Befestigungswerke und großartigen Grabdenkmale zu Burgen ans, in denen sie hausten und jene Ritterlichkeit entwickelten, deren Wesen und Begriff sich von ihnen aus nach Europa verpflanzte. Am fremdartigsten schauen den Reisenden aber gewisse Steinbantcn an, die höchst wahrscheinlich der Zeit lange vor der Römerherrschaft stammen und die einzigen Zeugnisse sind, welche über die Gottesverehrung der Berbern, dieser frühesten Bewohner des Gebietes, berichten. Schon aus weiter Entfernung fallen dem Reisenden zwei hohe, viereckige, aufrechtstchendePfeiler in die Augen, welche auf einem Unterbau auf mächtigen Steinstücken stehen, die zwei Stufen bilden- Auf ihren Scheiteln ruht wagerecht ein ähnliches viereckiges gewaltiges Steinstück. Der Raum, den die aufrechten Pfeiler zwischen sich lassen, ist so eng, daß kaum ein schlanker Mann hindurchschlüpfen kann. Die Säulen haben gegen zehn Fuß Hohe und zeigen an ihrer innern Seite viereckige cingcarbcitcte Löcher, welche bei beiden Pfeilern sich entsprechend gegenüber stehen und bei dem östlichen Pfeiler gänzlich durchgehen. Das niedrigste dieser Löcher ist etwas über drei Fuß vom Boden entfernt, das folgende ungefähr einen Fuß höher und das dritte ebenso weit über dem zweiten. Der obere querliegende Stein ist sechs Fuß lang und von derselben Stärke wie der Pfeiler. Alle drei Steinblöckc bestehen Sandstein- Auffallend ist die Aehnlichkeit, welche diese Steinpfeiler mit den weitberühmten celtischen Ruinen bei Stonehenge und Averbury haben, über deren religiösen Zweck nicht der nrindeste Zweifel mehr obwaltet. Nahe bei ihnen befindet sich eine Anzahl großer, flacher, viereckiger Steine aus weißen: Kalkstein, deren Bearbei tung und eigenthümliche Einrichtung auf eine ganz besondere Verwendung dersel ben schließen läßt. Einer derselben ähnelt einem Thronstnhle mit erhöhter Lehne, zeigt aber auf seiner Oberfläche eine vertiefte Rinne, welche ein Viereck bildet. Von dieser Rinne geht eine andere, welche den vorspringenden Theil entlang läuft. Aehnliche Steine liegen, thcils gut erhalten, theils als Bruchstücke, meh rere umher und führen durch ihre Form zu der Vermüthung, daß sie vielleicht als Opfersteine gedient haben mögen. So roh alle diese Steine in ihrer Anlage sind, so muß doch auffallen, an ihnen künstlerische Verzierungen zu treffen, welche auf Geschmack und Geschick lichkeit ihrer Urheber schließen lassen. Nicht unmöglich erscheint es dabei, daß letztere von den Römern an den Vorgefundenen Bauwerken nachträglich angebracht worden sind. Vom höchsten Interesse ist es für den Geschichtsforscher, die Achu- lichkeit dieser alten Denkmale mit jenen auf den britischen Inseln, in verschiede nen Theilen Indiens, besonders in den Nilgherrics, ebenso in Cirkassien, dc^ südlichen Rußland, an der Südküste Arabiens und, nach den Angaben EinigtSkythenstcinc. Ghurian. Dschebcl. 69 auch im Somali-Lande zu verfolgen. Diese Uebereinstimmung könnte sich viel leicht daraus erklären lassen, daß alle jene Urvölker bei den ersten rohen Versu chen , ihrem religiösen Gefühl durch Bauten einen sichtbaren Ausdruck zu geben, dieselbe naheliegende Form angewendct haben, vielleicht bestätigen sie aber auch die weite Ausbreitung des Volksstammcs der Skythen, die Manche vermutheu. Die jetzigen Bewohner jener Landschaften wissen leider wenig Aufschluß über die Geschichte ihres Landes zu geben. Unter allen möglichen Ungerechtigkeiten und Plackereien von Seiten der Türken führen sie ein wahrhaft elendes, erbärmli ches Leben. Sie zeigen dem Fremdling, glühenden Haß im Auge, die zahlreichen Stellen, an denen ihre Väter in den Kämpfen wider die gegenwärtigen Unter drücker verbluteten; die Felscnkämme und Spitzen, welche sich die mnthigcn Verteidiger der Freiheit flüchteten, bis sie Hunger und Wassermangel zur Ucber- gabe zwang; die engen Schluchten, jetzt der Lieblingsanfenthalt zahlreicher Pan ter und Hyänen, in denen nach ihrer Aussage Ströme Blutes geflossen. Selbst der Boden, so behaupten sie in ihrem Ingrimm, entweiht durch die Gegenwart der Unwürdigen, verweigert in der Jetztzeit seinen Ertrag; während ehedem die Safranpflanzen auf den wohlbcbauten Feldern stets zahlreiche Stengel trieben, ist ein solcher Fall der Neppigkeit heutzutage zur Seltenheit geworden. Die Baumlosigkeit des Gebietes von Taghona wird in dem westlich angren zenden Ghurian durch die Pflanzungen innerhalb bewässerter Wadis gemildert. Auch hier durchbrechen Basaltkcgel mehrfach die Kalk- und Sandstcinlagen. Die letzter verleihen durch ihre abwechselnde Färbung, vom tiefen Braun ins grelle Gelb übergehend, den zerrissenen Thnlschluchtcn oft ein phantastisches, wildcS Ko lorit, von dem das Grün der,Pistazien sich angenehm abhebt. Die Gebirge Ghu- ians und des noch weiter westlich gelegenen Distrikts von D s ch c b el (Pefrem) steigen bis zu 2000 Fuß, einzelne Gipfel sogar bis 280 Fuß empor. In Uebereinstimmung mit dieser hohen Lage macht sich der Winter durch Reichlichen Regen und durch seine Rauhheit auffallend bemerklich. Die Tempera tur sinkt gegen Morgen nicht selten bis auf l 2 (5., ja in manchen Fällen so- üar bis ans 3" Kälte. Es kommt ausnahmsweise vor, daß sich auf einige Stunden die ganze Landschaft mit einer dünnen Schneedecke belegt; gewiß eine fremdartige Erscheinung in dem durch seine Hitze berüchtigten Erdthcil! Die Wohnungen der Eingeborncn bieten dem Fremden wo möglich ein noch " behaglicheres Unterkommen als sein luftiges Zelt, denn sie wimmeln von Flöhen "nd strotzen von Schmutz. Die Bevölkerung verhält sich überhaupt dein Besuchen den gegenüber höchst mißtrauisch und imfreundlich, da sie ihn, der rurter türki schem Schutze steht, als einen Verbündeten ihrer Tyrannen betrachtet. Der Ber ber wagt es nicht, von dem Wandrer irgend eine Speise anzunchmen; er fürchtet, ür sei vergiftet, da sich die Türken dieses Mittels mehrfach bedienen, umMißlic- ^ ge dem Wege zu räumen. Das geknechtete Volk harrt, von Rachcgefühl , " chglüht, nur günstige Gelegenheit, um das verhaßte Joch abzuschüttcln; r entartet aber und zu sehr geschwächt, um selbständig bestehen zu können, macht es durch dergleichen häufige Versuche sein Loos nur noch schlimmer.70 Von Trip oll nach Mnrsuk. Mit den ursprünglichen Berbern sind hier Inden vielfach verschmolzen, ähnlich wie solches auch in Marokko der Fall ist, ja mehrere Berbcrstämme hatten ehedem das Judcnthum als Religion angenommen. Hauptsächlich diese Inden sind cs, welche ihre Wohnungen in die stcilabfal- lenden Felswände cinarbeiteten und dadurch Dorfschaftcn mit unterirdischen Wohnungen eigenthümlicher Art gründeten. Die beherrschenden Türken sind viel zu sehr mit ihrer Sorge für den Geld sack und die Tabakspfeife beschäftigt, als daß es sich angelegen sein ließen, die Eigenthümlichkciten der Völker, welche sie unterworfen haben, zu berücksichtigen. Noch viel weniger kommt ihnen bei, deren Charakter und Geschichte zu stndiren. Sic begnügen sich, Zwingburgen an möglichst unzugänglichen Stellen anzulcgcn, diese mit Truppen zu versehen und zu verproviantiren. Eine der bedeutendsten davon ist Kasr Ghurian, das unsere Abbildung S. 63 zeigt. Auf einem senk recht abfallenden Kalkfelsen gelegen, mit Mauern und Thürmen umgeben, erinnert es an die Burgen des Mittelalters, von denen aus tyrannische Machthaber Raub und Plünderungszüge unternahmen. 2 m Schutze dieses Kastells wird wöchentlich ein Markt abgehalten, der aber dürftig genug besucht ist. Der Berber schafft seine Erzeugnisse lieber nach dem fernen Tripoli, da er dort weniger Ungerechtig keiten und Bedrückungen ansgesetzt ist. Dem nahewohncndcn Gewaltherrn gegen über sticht er so arm als möglich zu scheinen, um nicht durch Besitzthum dessen Habgier zu reizen. Den nnerguicklichcn Schattenseiten der Völkerverhältnisse gegenüber bietet das W a d R umman a am Fuße der Burg dem Reisenden ein liebliches Bild üp piger Natur. Es ist das Paradies der Gegend, das Lieblingserholnngsplätzchen für den Befehlshaber der Landschaft. Es zeigt, welche Ueppigkeit sich in den Ge birgen Ghnrians entwickeln kann , wenn das belebende Wasser vom Flcißc deS Menschen sorgsam benutzt wird. Das Wadi windet sich als enger Thalspalt in der Richtung von Südost nach Nordwcst um den Südfnß des Burgberges; an seinem obern Ende tritt ein reicher Quell aus dem Innern des Kalkfelsens. Ein in den Stein gehauenes Bett nimmt das klare Naß auf und leitet es zu den ver schiedenen Terrassen, die rings an den steilen Thalwänden mühsam angelegt sind; dort vertheilt sich das segcnbringende Element in ein vielverzweigtes Aderneh und tränkt die sorgsam gepflegten Fruchtbäume. Besonders üppig und schön gedeihen hier die Granaten neben den blaubercisten Feigen; doch auch Trauben reisen schmackhafte süße Beeren und verleihen dem Thalc seinen Namen Traubenthal". Die Feigen, welche im Gebirge Ghurians auftretcn und es vortheilhaft vor den öden Gebieten Taghonas anszeichnen, erreichen in U e fr em ihre höchste Bc- -. r } cr l^ t die ganze Bevölkerung fast ausschließlich von Feigen und diese fuße Baumfrucht spielt hier eine ähnliche Rolle wie die Dattel in den flacher Landschaften und die Erdmandel im Innern Afrikas. Die Berberstämme Pefrems zeigen eine besondere Vorliebe für die Zucht von Fruchtbäuinen, und ihr Land erinnert dadurch an die sogenannte Kabylia in Algerien. Auch die nicht bepflanz ten -vhalcr erzeugen Gebüsche und Bäume, unter denen der Siddcr (RhamnusHöhenmcssuilgcn. Beniolid. 71 Nabeca) und der Saturn (Pistacia atlantica) die vorherrschenden sind. Die Frucht des letzter wird hier Gatuf genannt und ist sehr beliebt. Diese wilden Gebüsche geben einen deutlichen Fingerzeig, welchen Reichthum an Obst die zahl reichen Schluchten und Thäler des Dschebcl Hervorbringen könnten, wenn die Bewohner, durch glückliche politische Verhältnisse begünstigt, sich ihrer ange stammten Neigung ungestört hingeben könnten. Da die vorgerückte Jahreszeit unser : Reisenden, Or. Vogel, auf den Ta- ühonabergen wenig botanische Ausbeute darbot, so konnte er um so mehr seine Auf- werksamkeit auf Höhcnbeobachtungen richten. Er hatte die Höhe des Teiches von Ain Sara, den er zwei Meilen südlich von Tripoli berührte, 74 engl. Fuß über dem Spiegel des Mittelländischen Meeres gefunden. Von dort an hatte sich der stüeg ununterbrochen gehoben. Der Brunnen Tolras, 3 r Meile südlich von Bripoli an der Karawanenstraße nach Beniolid gelegen, ergab sich nach Barome- tcrmessungcn 173 Fuß hoch; drei Meilen weiter südlich beim Brunnen und Ma- wbnt Sei ach betrug die Erhebung 407 Fuß. In den Taghonabergen stellte Pi - Vogel die genauen Höhen von vier Punkten fest. Den Mulch er-Paß fand 704, den östlich davon gelegenen Hügel 1309, den Mnlcher-Bruunen in den Ta- ühonabergcn 1089 und den östlich von diesem gelegenen Hügel 1529 Fuß über den: Aiecrc. Von hier an senkte sich der Pfad an dem Südabhange des Bergzuges wieder Eincilig abwärts. Den Punkt Mather, sechs Meilen nördlich von Beniolid, fand Bvgel nur 1176 Fuß hoch, das 2% Meile von Beniolid befindliche Wadi Mi Btuhni dagegen wieder um 60 Fuß höher, nämlich 235 Fuß, und den Südrand "s Thales von Beniolid, das er mit seinem Begleiter glücklich erreichte, 920 Fuß hoch. Das Thal von Beniolid, in welchem Or. Vogel wieder mit der Kara gane znsammentraf, zieht sich von Osten nach Westen drei Meilen weit hin. Un- lwfähr eine Meile von seinem Ostende bildet eS ein Knie. Nach allen Seiten ist von weißlichbraunen Anhöhen umgeben, welche thcils Kalkstein, theils vulkanischen Gesteinen bestehen. Der meiste Basalt ist am Südabhange vor handen. Diese Hügclzüge erheben sich nicht über 400 Fuß, diejenigen der Nord ete bieten in ihrem zerklüfteten Kalkstein ein wild zerrissenes Ansehen. Auf dein Kalkstein liegt nach Oudnch s Angaben ein dickes Lager von säulenartigem Grün- g-su und blasiger Lava. Ersteigt man die südliche Hügelkette, so erblickt man nach ^sten eine schwarze, traurig aussehende Ebene, die sich bis zum fernen Horizonte "streckt. Der Dschebel Chulat ist der höchste Hügel der Gegend, dessen Höhe sich auf 09 Fuß belaufen mag. Seine Seiten zeigen sich außerordentlich zerrissen und zer- , mächtige Kalkblöcke umlagern dieselbei:, herabgestürzt ii: Folge der Ver eiterung. Durch Einfluß derselben wurden die weicheren, tiefer gelegenen Schichten Kalktuff zerstört, die zahlreiche Ucberrcste von Mccresmnscheln, beson- ^rs von Austern und Tellermuscheln, meist gut erhaltenem Zustande führen. le höher gelagerten fester:: Flötze verloren durch diese Auflösung ihre Unter-72 Von Tripoli nach Mursuk. stützung und stürzten in Blöcken herab. Aufgeschichtete Steinhaufen bezeichnen hier die Gräber unglücklicher Wanderer, welche nach den Erzählungen der Ein wohner von den herabfallenden Blöcken erschlagen wurden. Um so reicher gesegnet und fruchtbarer erscheint das Thal von Beniolid selbst. In den Schluchten grünen zahlreiche Gebüsche von Akazien, 27 Brunnen drin gen aus dem Gestein und lassen die Gewässer zu Tage treten, welche im weiten Umkreise des Gebietes während des Jahreslaufes sich Niederschlagen und rasch die lockern Kalkflötze durchsinken. Die ausgedehnten Berghalden und Wüsten flächen der Umgebung darben zu Güsten der einen bevorzugten Senkung. Die Wasser speisen reiche Dattclpalmcnwäldcr und Pflanzungen vonOelbaumen. Der letztgenannte Fruchtbaum findet hier, bei 31 44 n. B., die Südgrenze seines Vorkommens. Mit ihm verschwindet auch der Opuntienkaktus, die Chri stenfeige" der Araber. Dieses ursprünglich mittelamerikanische Gewächs hat in der Umgebung des Mittelländischen Meeres ein seinem Gedeihen durch Wärme und anhaltende Trockenheit so angemessenes Gebiet gefunden, daß es nicht blos unter der pflegenden Hand des Menschen gut fortkommt, sondern auch vielfach verwildert an sonnigen Felsen und Stcinhalden auftritt. Den Akaziengebüschen der Bergschluchten in Beniolid, sowie den schönblühendcn Ginsterarten und ähn lichen Kräutern gewährt der sehr stark sich nicderschlagende Nachtthau reichen Er satz für den seltenen Regen. Dr. Vogel beobachtete den Thaufall bis zu einer klei nen Hügelreihe vier Meilen vor Sokna. Beide Thalränder von Beniolid sind mit zahlreichen Dörfern bedeckt; auf den Felsenvorsprüngcn erheben sich Burgen, theils als Ruinen , thcils gut er halten und mit türkischer Besatzung versehen. Dr. Vogel stellte seine Beobachtun gen am südlichen Rande des Thales bei dem Dorfe Dahur Scbad an, von dein das türkische Kastell eine Meile nach Westen liegt. Er schätzt die Bewohner dieses fruchtbaren Thales auf 5000, welche dem arabischen Stamme der Urfilla angehö ren. Außer mit der Pflege von Fruchtbäumen beschäftigen sich dieselben vorzüg lich mit der Kameelzucht. Es sollen gegen 12,000 dieser Thiere hier vorhanden sein. Mehrere Urfilla treiben auch im Geheimen die Fabrikation von Schießpulver, das freilich nur von sehr mittelmäßiger Güte ist. Sie verkaufen das Pfund davon für 20 Silbergroschen und benutzen zur Darstellung der erforderlichen Kohle das Holz eines hier häufigen stachligen Strauches, dessen Blätter viel Aehnlichkcit mit unscrm Weißdorn zeigen. Nach kurzer Rast setzte Dr. Vogel seinen Weg nach Süden fort. Dieser senkte sich in einem Thalc sehr allmälig abwärts. Am zweiten Tage erreichte ma das 7 x 2 Meile davon entfernte Wadi S o ff e d sch in an einer Stelle, an welcher es durch den Gella Si Amselam, einen 400 Fuß hohen Berg, fast abgeschlossen ist- Das Thal Sof fcd schi n ist das fruchtbarste Gebiet der ganzen Regentschaft Tripoli. Im Norden von niedrigen Sandhügeln, im Süden von dem erwähnte hohen Kalksteinzuge abgeschlossen, zieht es sich von Sontan vom Golf von Sidra zwischen Messnrata und Jsa im Osten bis jenseits Misda im Westen hin und hat dabei durchschnittlich eine Breite von zwei Meilen. Seine Hauptrichtung ist vo Wadi Soffcdschin. Südwest nach Nordost. Während der Regenzeit ist das ganze Thal fast durchaus unter Wasser gesetzt, das allmälig im Boden versinkt und den Gewächsen auf ge raume Zeit Nahrung bietet. Sein oberer Theil ist reich an Palmenhainen und Feigenpflanzungen. An unbebauten Stellen bildet der Batumbaum (Pistacia a tlantica) und der Sidder (Rllamnus ldiabeoa) Wäldchen, eine hier so seltene Erscheinung. Oliven sind bei Misda reichlich vorhanden; im Mittlern Thcile bringt die Gerste, südlich der Weizen hundertfältige Frucht und nach der See zu werden wieder die Datteln vorherrschend. Seit alten Zeiten ist das Wadi Soffe dschin wegen seiner Ueppigkeit von den Arabern gepriesen und besungen worden. Leider ist auch hier die Kultur des Bodens unter den ewigen Fehden der Ara ber- und Berberstämme und unter dem Druck der türkischen Herrschaft sehr zurück- begangen. Weite Strecken liegen unbebaut, die deutliche Spuren ehemaliger Be arbeitung verrathen, jetzt aber von Unkraut und Dornengcstrüpp bewachsen sind. Die zahlreichen Wasserleitungen sind vertrocknet, die Brunnen verschüttet durch wu Flugsand, die Häuser und Burgen zerfallen. In Misda, durch welches die westliche Karawancnstraße von Tripoli nach Mursuk führt, und wo ein zweiter Handelsweg von Ghadames mit derselben znsammentrifft, waren 1850 nur drei Eühe vorhanden, uin das Wasser aus den Brunnen zur Bewässerung der Felder hw aufznzichen. Interessant ist im Wadi Soffcdschin eine Ruine, welche sich unzweifelhaft As Ueberrest eines christlichen Klosters zu erkennen gicbt. Dieselbe spricht un widerlegbar dafür, daß mindestens noch bis zum 12 . Jahrhundert hier eine Christengemeinde bestand, wahrscheinlich geschützt durch irgend einen mächtigen Araberhäuptling, in ähnlicher Weise, wie wir ja heutzutage noch in andern mu- haniedanischen Ländern christliche Niederlassungen und Klöster treffen. Muhamed iAbst hatte ja seinen Gläubigen ausdrücklich befohlen, die eifrigen Priester und Mönche unangefochten zu lassen. Fortwährend wurden auch in früher Jahrhun derten christliche Bischöfe für jene Gegenden in Inner-Afrika ordinirt. In gegenwärtiger Zeit wird das Wadi Soffedschin bewohnt von den Gan- wrar, den Sintan und den llelad bu Ssaef, in den verwilderten Theilen weiden ^ber Gazellen und Strauße. Dr. Vogel fand die Höhe des Wadi Soffedschin 270 Fuß über dem Mittel stere. Von hier an hob sich der Weg wieder zu dem Plateau empor, welches die Kreits erwähnten Kalkberge der Südseite bilden. Diese Bergkette ist etwa eine Mbe Meile breit. An ihr liegt der von römischen Ruinen umgebene Brunnen En fad, und nach einigen Stunden kommt man in das W ad Sems cm, das in gleicher Richtung mit Soffedschin verläuft und ungefähr neun Meilen breit ist. w e kleine Erdwclle, etwa 50 Fuß hoch, scheidet es vom Wadi Beij, das sich Unfalls von Südwcst nach Nordost zieht. Eine Meile östlich und westlich von Iw Punkte, in dem die Straße die Erhebung zwischen Wadi Semsem und Wadi überschreitet, liegen Quellen mit bitterm Wasser, gleichfalls Semsem gc- a nt. Sonst giebt es außer Enfad zwischenBcniolid und Bondschem kein Wasser w durchaus keinen bewohnten Platz. Endlich, nach einem mehrtägigen Marsche74 Von Tripoli nach Mnrsnk. durch die trostlose Wüste, erreichte Or. Vogel die Oase Bond schein, die unter 31 15 n. Br. liegt. . Das Thal von Bond sch e m wird von einer Reihe zahlreicher kleiner Hügel umschlossen, welche von der Ferne fast wie künstlich aufgeworfene Verschanzungen anssehen. Nirgends erquickt aber das Auge selbst hier ein frischgrüner Rasen teppich oder ein heiterer Laubwald. Blendend weiß werfen die Kalk- und Gyp- Hügel das grelle Sonnenlicht zurück und berühren schmerzhaft unangenehm das Auge. Der ganze Thalgrund ist init Kalk- und Gypsgeröll bedeckt, das sich in den verschiedensten Stufen der Verwitterung befindet. Mehr oder weniger gut erhaltene Schalen von Kammmuscheln (Poeten) und Terebrateln, die entweder von dem Gestein cingeschlossen sind oder durch die Verwitterung desselben bloß gelegt wurde , geben klares Zeugniß dafür, daß einst jener Boden von den Wel len des Meeres bespült ward. Zwischen dem Kalkschntt funkeln Krystalle aus Ghpsspath; nur in der günstigeren Jahreszeit, wenn einzelne Regenschauer Saud und Geröll feuchten, sprießt ein kleines Kreuzkraut (Seneeio), ein Storchschnabel (Geranium) oder eine Grasnelke (Staticc) vereinzelt zwischen den Gesteintrüm mern hervor, in welchen ihre Samenkörner während der trockenen Jahreszeit schlummerten. lieber den weißen Kalkhügeln erheben sich die hoher dunkelfarbigen Berg- züge des Sandsteins, aus dessen Verwitterung sich der lose Wüstensand bildet. Der Ort Bond schein ist klein und zählt nur etwa 120 Einwohner. Ne ben ihm erhebt sich ein Kastell, um die Hütten schmiegen sich einige kümmerliche Gärten. Alles ist halb vom Sande verschüttet. Am Brunnen des Ortes wuchert unser heimatliches Schilf (Arundo Phragmites) in ziemlicher Menge. Das Wasser sämmtlicher Quellen in dieser Oase ist keineswegs ein besonderes Labsal. Es schmeckt etwas salzig und wirkt abführend, doppelt unangenehm für den durch Anstrengungen und kümmerliche Kost ohnehin geschwächten Reisenden. In den er wähnten Gärtchen bauen die Bewohner hin und wieder etwas Baumwolle und zwar sowol von der buschartigcn als auch von der krautigen Art (Gossypium arboreum und lierbaceum). Einen ansgedchntcrn Betrieb dieser Kultur läßt freilich die kümmerliche Bodenbeschaffenheit nicht zu; man gewinnt höchstens einigt Hände voll, um danrit gelegentlich ein Kissen oder eine Matratze stopfen zu kön nen. Der Ort Bondschcm ward 1843 von Muhamed Pascha gegründet. Er ver sprach allen Denen, die sich hier ansiedelten, Steuerfreiheit und hatte dabei be sonders die Absicht, dadurch die Räuber zu verscheuchen, welche sichln dieser Gegend herumtriebcn und vorzüglich eine alte Burg, östlich vom jetzigen Orte gelegen, als Schlupfwinkel benutzten. Ebenso interessant für den Naturhistoriker als für den Reisenden wird der Ort besonders deshalb, weil es von hier an nach Süden zu keine Flöhe mehr giebt. Der 31. Grad n.Br. bildet die südlichste Grenze für den Verbreitungsbezirk dieses interessanten Thierchens. Nur an zwei Orten, in Kuka Tamkala, habe Barth und Vogel bei ihren vielfachen Kreuz- und Querzügen in CentralafriG diese Plage getroffen. Desto mehr klagt Dr. Vogel in Vondschem über die unzäh-Römische Altcrthümcr. Die Hammada. 75 j üeu Fliegen, die sich nicht damit begnügten, die Reisenden am Orte zu quälen, andern ihnen auch noch weithin das Geleit gaben. Schaaren dieser Fliegen", cr- s^hlt der Doctor, begleiteten uns von hier aus; während des Marsches saßen sie chlf oder unter den Kameelen am Abend erfüllten sie die Zelte. Die meisten narben, bevor wir Sokna erreichten. Sonderbar war cs, daß von diesem letztge nannten Platze, der auch reichlich mit Stubenfliegen gesegnet ist, keine einzige nutging, gleichsam als ob wüßten, daß ein Marsch über die Schwarzen Berge Nnd durch die darauf folgende Wüste zu viel für ihre schwachen Kräfte sei." Man hatte jetzt das Gebiet von Tripoli verlassen und war in Bondschem in llc Regentschaft von F ess an getreten. Ehedem hatten auch hier im Innern der ^"erquicklichen Wüste die Römer Niederlassungen gegründet. Ein ziemlich gut er haltener Thorbogcn, auf jeder Seite von einem viereckigen Thurme begrenzt, ist u Bondschem noch redender Zeuge davon. Auch westlich von diesem Orte, einige Danzig Meilen entfernt, finden sich mehrfache Uebcrblcibscl aus den Zeiten der Avnierherrschaft. DaS WadiTolagga bezeichnet dort die Nordgrenze der großen hammada, dieser Wüste in der Wüste; dort, wo die nähere, gerade von Nord Uach Süd führende Karawanenstraße sich in zwei Arme spaltet, um durch das ödeste llcr Wüstengebiete zu dringen, steht noch ein massiv gebauter Thorbogen bei dem ^ sallenen Orte Ghana cl gharbia". Eine Inschrift, von den Arabern beim eines Wartthurms verwendet, aber von jenem römischen Thorc stammend, W deutlich, daß hier das Standquartier einer Abtheilung römischer Krieger und daß jene Befestigungen mindestens aus den Jahren zwischen 232 und 235 Ehr., aus den Zeiten des Marcus Aurelius Severus (Antonius oder Aleran- herstammen. ^ Die vielbesprochene H ammada, d. h. die Durchglühte, ist eine felsige Hoch- fj ^ allmälig von hier aus svwol nach Nord als nach Süd. Ihre Nordgrenzc bc- sich etwas nördlich vom 30. Grad; ihr Südrand, welcher schroff und steil g^uu-zt, streift den 28. Grad n. Br. Diese mächtige Felsplatte wird aus denscl- Ep ^I^inlagen gebildet, ivclche wir bei Bondschem bereits erwähnten-und deren dein Reisenden in den Schwarzen Bergen, die gewissermaßen die südöst- Dl? 2 ^ ^etzung der Hammada bilden, wiederum unheimlich entgegeutrcten. Die ^ erflciche bildet ein verwitterter Kalkstein, stellenweise mit Kieseln und Feuer- ^.u en untermischt. Streifen losen Flugsandes kommen ebenfalls vor und vcr- durch ihre besondere Häufigkeit einer weiten Strecke südlich vom Zeichen V r- . tl ) re besondere Häufigkeit cincr h^. ^^uchaufen" den Namen el Homrah" Äesw," Pulkes liegen Schichten von Mergel, d. h. die Rothe". Unterhalb des g c n -v.vm.es uegcn escyicyicn von mcergei, noch tiefer lagern Thonflötzc mit ein- i.^-uten Gypsmassen, die Sohle des ganzen Gebirgsstockes bildet eine tu,,-Schicht schwarzen Sandsteins, der auf den ersten Anblick dem Basalt , Cv v;itr Jülich sieht und nur dem frischen Bruch seine wahre Beschaffenheit d- Jene Färbung verdankt er einem reichen Gehalt au Eisen. Besonders76 Von Tripoli nach Mursuk. deutlich zeigt sich der Bau der Hammada an ihrem steilen, zerrissenen Südrande, an welchem rauhe Pfade nach dein Brunnen" ( elHasst") hinabführen, der ebenso der einzige Brunnen derHammada ist, wie diese ihrerseits einzig unter den Wüsten dasteht. Der Hasst, welcher 696 Fuß über dein Meer, also 760 Fuß unter der höchsten Stelle derHammada liegt, ist eben auch nur Brunnen, reichlich mit gutem Wasser versehen, sonst aber auch weiter nichts. Weder Bauin noch Strauch umgrünt ihn, nichts gewährt dem lagernden Reisenden Schatten und dein durch den einförmigen Wüstemnarsch ermüdeten Aiige Erquickung. Nur einige Mauertrümmer sind in seiner Umgcbnug. Es sind die Ueberblcibsel eines Kara- wanenhanses, das in früher Zeiten hier für die Wanderer errichtet war und das noch die Eintheilung in gegen 20 Zellen erkennen läßt. Die Fehden der Urfilla haben zerstört. Die Hammada ist nicht gänzlich ohne Regen. Zur Winterszeit werden die Nächte auf dieser weiten Hochebene empfindlich kalt. Während der Verhältnis? mäßig laugen Nächte kühlt sich das Plateau, das durch nichts geschützt ist, stark ab, die Temperatur sinkt bis auf wenige Grad, während sie im Sommer zur Mittags- zeit sich bis zu unerträglicher Hitze steigert. Die Regenschauer, welche die Hann mada netzen, verleihen derselben bei der losen Beschaffenheit des Gesteins nur geringe Erfrischung. Nur wenige Gewächse vermögen es, jene starken Gegensätze der Wärme und die lange Fastenzeit der Trockenheit zu ertragen. Am ehesten siedeln sich krautartigc Pflanzen in den Einsenkungen und flachen Thälern an, die mit vorherrschender Richtung von Ost nach West sich bis zu weiten Ausdehnun gen erstrecken. Gewöhnlich sind es solche Gewächse, deren ganze Entwickelung vom Keimen bis zur Reife der Samen nur wenige Wochen in Anspruch nimmt- Ghutuf und Retem, eine Schwalbenwurzart (Vincetoxicmn), werden unter denselben namhaft gemacht. In einem jener Wadis hat sich eine eigenthümlickst niedere Stauchart, el Djederia" von den Arabern genannt, angesicdclt. Ei ^ dürftige Gruppe verkrüppelter Palmen und ein einzelner Talhabaum sind die ei * zigen höher Gewächse, welche der Reisende während sechs langer, mühselig^ Tagereisen trifft. Willkommener als sie sind ihm die Trüffeln, welche stcllcnwcist ziemlich zahlreich auftreten und eine Abwechselung in die einförmige Wüstenkost aus Mehl mit stinkendem Salzwasscr und einigen Datteln bringen. Ebenso kü r- mcrlich zeigt sich das Thicrleben derHammada. Ein kleiner grüner Vogel, unst^ rer Ammer ähnlich, bewillkommnet die Karawane an ihren Lagerplätze. Eine Bettler ähnlich zieht das Thierchen seinen Hauptnntcrhalt von den vorüberziehcN den Karawanen, indem es das Ungeziefer von den Füßen der Kameele ablicst- Zwischen den Steinen huschen Eidechsen hervor, von den Arabern Bukeschasch nannt und schonungslos verfolgt, da dieselben für außerordentlich giftig halte - Worauf die Araber ihre Meinung von der Giftigkeit dieses Thieres gründen, st uns nicht näher bekannt. Es erscheint uns sogar möglich, daß dieser amphibi ? Wüstenbewohner verwandt, vielleicht gar identisch ist mit dem von den Araber Aegypten Hardun genannten Thiere (LtoUio vulgaris, gemeine Dornechsc), ^ sich in Aegypten den Steinhaufen der Ruinen häufig findet und ebenfalls " l77 Die Hammada. den nordafrikanischen Wüsten getroffen wird. Der Hardun ist weder giftig noch gefährlich, flieht vielmehr so schnell als möglich in Steinritzen und Erdlöcher, so bald Menschen sich nähern, wird aber trotzdem von den Arabern gehaßt und von ihnen getödtet, wo seiner irgend habhaft werden können. Dieser Haß soll in der Gewohnheit des Thiercs, während des Stillsitzens gewisse rasche, nickende Kopfbewegungen zu machen, begründet sein; die muhamcdanischen Wüstcnwande- rer sind dadurch auf die alberne Meinung gekommen, der Hardun verspotte sie ahme die Kopfbewegungen verhöhnend nach, die den Gläubigen beim Gebet vorgeschricben sind. c, it mit Sidder- (Kliamnus Nabeca), Ethel- (Tamarix) rind Ghurdokbäumen ^Wachsenen Wadi Tolagga und dem Brunnen Tabonieh, dessen Wasser freilich ^ akisch ist, h^tzt sich die Krautrinne des Wadi Lebaerck und Sch ak allmälig bis ^denr ebenfalls Lebacrek genannten Hügel empor. Erst bei letzterem betritt der anderer das Schreckensgebiet der Hammada und wirft, dein allgemeinen Ge- ^auche gemäß, einen Stein die bereits aufgcthürmten Haufen. Hier an der , xCU S C der Wüste, wenige Stunden von den vorhin erwähnten Resten der römi- Befestigung zu Gharia cl gharbia, ragt noch ein ziemlich gut erhaltenes . ^abnral, das vielleicht die Stätte bezeichnet, an welcher mehrere einander bie^qr^e Befehlshaber jener Feste ruhen. In drei Stockwerken erhebt es sich, wie Abbildung Seite 79 zeigt, vielfach verziert und reich geschmückt, so daß seine architektonische Schönheit auch in einer fruchtbaren und rcichbcvöl- Clt Gegend die Aufmerksamkeit und das Interesse des Reisenden auf sich ziehen Der Nordrand der Hammada steigt weniger schroff an als der südliche. VonVon Tripoli nach Mursuk. Würde, wie viel mehr in einer verlassenen Gegend, wie diese, am nördlichen Rande einer großen, wasserlosen Wüste. Die Ostscite der Hammada wird von einem Wadi begrenzt, an dessen Nord ende Bondschem und an dessen Südspitze die Stadt Sokna liegt. In diesem Thale zog I)r. Vogel mit seinen Gefährten genau in der Richtung von Nord nach Süd weiter. Der Weg führte abwechselnd über kiesigen Boden und zwischen Sandhügeln hindurch. Gypsstücken und traubenförmiges Eisenerz, sowie gemeine Opal- und Achatstücken bedeckten den Grund, bis man nach drei Meilen jenen sonderbaren, siebzig Fuß hohen einzelnen Kalkhügel sah, welcher wegen seiner seltsamen Form von den Eingebornen die Basin - Schale" (Kuchennapf) gehen ßen wird. Basin ist das puddingähnliche Lieblingsgericht der Tuariks. Etwa zehn Meilen südsüdöstlich befindet sich am Fuße einer Hügelkette (welche von der Straße in einer Art Paß, Chormut el Mhalle, d. i. eineOeffnung für die Menge, Heerstraße, oder auch Wadi Bnnagc genannt, durchschnitten wird) ein ähn licher 120 Fuß hoher Felsen, das Zelt (Chiema) genannt. Südlich vom Wadi Bunage folgt wieder steinige Wüste, im Osten von einer Bergkette begrenzt, welche sich in ungefähr vier Meilen Entfernung parallel mit der Straße dahinzieht. Fünf Meilen vorher, ehe man Sokna erreichte, ging der Weg über eine Höhcnzug, der in der Richtung von Nordnordwest nach Süd südost streicht und zwar über die östlichste Spitze desselben. Sowie man die ersten, etwa 200 Fuß hohen Berge passirt hatte, traf man in einem kleinem Seitenthast anfeine Quelle, Tmad elTar, und fand hier die erste Spur von Wasser, seil man Bondschem verlassen. Tmad nennen die Araber jeden Ort, an denen man Wasser findet, sobald man den Sand wegräumt. Endlich passirte die Karawane noch ein kleines Thal, durchschritt einen Pal mcnwald und sah in einem Thalkessel die Stadt S okna vor sich liegen. Ringsum erheben sich die S ch w ar z e n B erg e (Soda, nach Lyon Soudah). Oestlich voM Meridian von Sokna bildet dieser Gebirgszug ein vollkommen ebenes Platea , welches bei der tiefblauen Farbe des Gesteins täuschend den Anblick des Sec- Horizontes giebt. Die Stadt ist gut gebaut und hat etwa eine halbe Stunde n Umfange. Eine gut erhaltene Mauer mit acht Thoren umgiebt und im JnnerM zeigt sich ein solcher Grad von Reinlichkeit und Wohlhäbigkcit, daß der Ä" kommende davon angenehm überrascht wird. Vierzig Brunnen, deren Wasser ach I)r. Vogel s Messung 32" C. hat, versorgen die Stadt und ihre Gärten mit hiw reichendem Wasser und es ist deshalb Ueberflnß von Obst und vorzüglich von Dat teln vorhanden. Von der außerordentlichen Menge, in welcher diese Frnchtpalim hier gepflegt wird, kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man erfahrt, daß Äbd el Gclid im Jahre 1810, als er Sokna belagerte und die Bewohner z E Uebergabe zwingen wollte, durch seine Leute binnen sieben Tagen 43,000 Stisi fällen ließ, und daß trotzdem jetzt noch 70,000 Stämme vorhanden sind. Hiesig den Garten von Sokna, unter 29" 4 n. Br., findet der Maulbeerbaum in Af ^" seine Südgrenze. Die 2500 Einwohner der Stadt erfreuen sich durch diesen reichen Ertrag ihrer Umgebung und ihre rege Handelsthätigkeit ziemlichen Woch Sokna. 79 Müdes. Sie sind ein Berberstamiii und sprechen einen besonderen Dialekt der ^Verspräche. Die Frauen in Sokna kleiden sich fast ebenso wie diejenigen in Tripoli. Ihre .v--ten seidenen oder baumwollenen Gewände sind häufig gestreift; ihre Ohren wwücken sie mit großen silbernen Ringen, mit eben solchen Zierrathen auch Arme u d Bei den Aermern stritt Glas oder Horn die stelle des Silbers. Tie cigenthüinlichen hci- rern Sitten jenes Völkchens ge fahren besonders bei öffentli- T n Veranlassungen z. B. bei NH Hochzeit ein anziehendes Am Morgen des Hoch- fistagcs erntönt die Musik Stadt oder des Stammes, aus einer Sackpfeife und zwei seinen Trommeln bestehend, ^ic befreundeten Frauen ver- mnmeln sich in dem Hanse der f mit, alle aufs schönste geputzt; ssA setze,, sich an die Mauer- Ainungen, die statt der Fenster Aenen und nach dem Hofe gc- Wenn alle Platz gcnom- "st n haben, die Braut auch an suiem Fenster, aber dicht in J Vcn Ueberwurf verhüllt, wer- die^Kleider der Braut, um d ?^"ch^hu n zu zeigen, von y,?^pltze des Hauses ausge- ^"Üt, so daß sil fast die Erde Ii,A-n.. Die jungen Haupt Römisches Grabmal in der Hammada. ,."nhrc "Nge dürfen dann ihre Anfwar- .Uug machen; erscheinen mit chver Musik, und eine oder zwei abgemessenen Schritten ^nzcrinncn schreiten in aller ^ r, g Die Frauen begrüßen die voraus. So ziehen bis in die Mitte es .tz T  cm die Besuchenden ihren suchenden mit dem Rufe: Luh. lich. ^ - Geschenk. Zum Schluß feuern alle Umgang gemacht haben, überreichen sie das Ge,a,enr. 2 ^ Angekomme ‘80 Von Tnpoli nach Mürsuk. das Geleite zur Stadt hinaus; wer es irgend möglich machen kann, erscheint be ritten und mit Schießgewehr bewaffnet. Die Reiter führen Scheingefechte auf, sprengen zu zwei oder vier gegen einander an, während der Zug sich rings um die Stadt bewegt, und schießen in der Nahe der Braut ihre Gewehre ab. Schließ lich hält der Zug an des Bräutigams Wohnung. Hier erfordert es nun die gute Sitte, daß die Braut sich überrascht stellt und mit vielem Sträuben sich weigert abzusteigen. Die Umgebung verführt dabei einen großartigen Lärm, die Männer schreien, die Weiber kreischen, und nach vielen Anstrengungen gelingt es endlich, die Braut zu bewegen, in das Haus ihres Verlobten einzutreten. Als Empfangs grüß steckt ihr der Bräutigam ein Stück Zucker in den Mund, sie thut das Gleiche, und auf diese Weise hat das Ehebüudniß seinen süßen Anfang genommen. Auch Dr. Vogel feierte in Sokna, zwar keine Berberhochzeit, aber doch ein Fest in Gemeinschaft seiner vertrautesten Begleiter, ein Fest, das ihn halb freudig im Geiste in die ferne Heimat zurückversetzte. Er trank hier am Geburtstage se nes geliebten Vaters das letzte Glas Wein, welches von dem kleinen Reisevorraw noch übrig war, auf das Wohl des Entfernten in der Ueberzeugung, daß die ScN neu daheim in gleich warmer Weise seiner gedachten! In der Nähe von Sokna liegen mehrere ziemlich bedeutende Ortschaften: cl Lcr gegen 1 3 ;1 Meilen östlich, Huhu t Meile nördlich und Wodan 5 Meilen östlich- Letzteres liegt in den Bergen. Dr. Vogel hatte gehofft, in dem wegen seiner Fruchtbarkeit so gepriesenen Thale von Sokna eine reiche Ausbeute für seine botanischen Sammlungen s finden, wegen der vorgerückten Jahreszeit traf er aber Alles dürr und von de^ Sonne verbrannt. Eine Gartcnraute (Ruta) und eine Schwalbenwurz (Viu ce " toxiciim) war das Einzige, was er an einer geschützten Stelle unter 30" n. noch frisch vorfand. Nur wenige andere Formen vermochte er aus den vertrockne ten Resten außerdem zu erkennen. Hohe Büschel versengter Gräser und Teppiche von verschrumpftem Thymian (Thymus) und Beifuß (Artemisia) zeigten ih " welche, ergiebige Ausbeute er vielleicht drei Monate früher hätte haben könnet Im Gebiete von Fessau hörte die lvilde Flor fast ganz auf, mit Ausnahme eines stachligen Gewächses aus der Familie der Schmctterlingsblümlcr, das denK"l meclen zum Futter dient und von den Arabern Agul genannt wird. Der Ag" (Alhagi Maui-oi-um) ähnelt unserer bekannten Hauhechel (Ononis), wird diese l. 2 Fuß hoch und trägt an den zähen Stengeln sitzende einfache Blatts von eirunder Gestalt, an derem Grunde mehrere scharfe Dornen entspringe" Aus den Blattwinkeln sprossen kleine Büschel blauer Schmetterlingsblüten aus den Zweigen schwitzt ein süßschmeckendes Gummi, das in kleinen Körnst verhärtet. Nur durch sein kräftiges Gebiß und die durch feste Hornhaut gcschütz ten Lippen wird das Kameel befähigt, eine solche stachlige Kost zu bewältig^ Hie und da fand sich auch ein Tamariskenstrauch, der in seiner feinen, ciwfPL bendcn Astverthcilung und seinem zierlich kleinen, fast schuppenförmigen La" ^ werk einem großen Heidekraut sehr ähnlich sieht. Auch die rosenrvthen klei"T Blumen, die Sträuße an den Zweigspitzcn bilden, erhöhen den Vergleich. E 81 Pflanzer bcv Wüste. Die Schwarzen Berge. dies derselbe Strauch, welcher Manna ausscheidet und von manchen als das Ge wächs bezeichnet wird, das der Brodlicferaut der Israeliten bei ihrer Wüstenfahrt gewesen sei - Ändere wollen auch den oben beschriebenen Agul au diesem-Ver dienst Authcil nehmen lassen. (Unsere Abbildung zeigt in rer Mitte rie Spitze eines Blütenzweiges der Tamariske in natürlicher Größe; o ,,t eine Blute von oben ae h ungefähr sechsmal vergrößert, ä dieselbe von der Seite mit einem uter b r stehenden Blatte. Fig. b stellt eine re.se aber noch verschlossene -M -V . dm ndz-Igi m Grunde d u blätter; a ist ein ausgefallenes Samenkorn, mit seiner Fcderhaarkröne, anschn iich vergrößert.) Nur Dattelpalmen zeigten sich t ermüdender Wiederholung in den Oasen, und unter ihren Stäniinen thürmtc sich der verwüstende und Alles begrabende Sand zu hohen Hügeln, gleichsam als wolle er versuchen, auch sie zu ersticken. Nach den. Aufbruch von Sokna mußte die Karawane die Schwarzen Berge cr- Uinuncn. In einen kleinen Querthale fuhrt der rauhe Weg zunächst nach G od- s h, einer Quelle mit sehr gutem Wasser, hinauf. Die Berge gewähren einen gro- wsken, wilden Anblick. Sie erheben sich ^ 0 Lo Fuß sehr steil über die Thal- whle i.iid sind grell kolorirt. Der Sand- iwin, dem die mächtigen obern Lagen Ästchen, ist durch seinen Eisengehalt schwarz gefärbt, di-e tiefer Flöhe gehen M Braune und Gelbe über. Die Häupter "Z Gebirges schillern stark ins Bläuliche und sehen aus, als seien sie mit Reißblci ^deckt. Diese dunkle Färbung zieht sich ellenweise in das untere Gelb herab, , ^ww umgekehrt mitten im Schwarz kreisrunde große flecken Gell um ^aun vorkomme . Die Gipfel sind niedrige , stumpfe Kuppen, die Thaler meist und oder oval, stets überall abgeschlossen, vr. Vogel sagt , daß die ganze Sec- Ke bei dem gänzlichen Mangel alles pflanzlichen und thlcrischcn Lebcu^ aus- lwnd an eine Mondlandschaft erinnere. Tie untern Schichten des Gebirgen ^ Kalksteine von gelblicher Farbe, fast ganz aus Rstten von Seethieren gebilde . Kalk, obgleich von ziemlicher Härte verwitt-rck doch leicht durch de Ei - V d-r Li,ft, durch Regen und Wind. Er bröckelt herab und giebt zur Cnt- Nung von Höhlen Veranlassung. Auf diese Weste verlieren d.c ober Schicksten h^u stützenden Unterbau und stürzen endlich, wenn sich nicht mehr zu halten Sei s Reisen. 2 . ylufl. 0 Tamariske ( 1 Lina, ix).82 Von Tripoli nach Mursnk. vermögen, krachend herab, zu vielen Felsblöcken und Trümmern zerberstend. Auch weiße Gypsschichten kommen einzeln zwischen dem Kalkstein vor. Der Höhenzug der Schwarzen Berge ist sechs Meilen breit. Die Kolognintc (Ooloo^ntbns; siche das Schlußbild S. 84) war das einzige Gewächs, das u 5 serm Reisenden hier vorkam. Diese gurkenähnliche Pflanze bedeckt zu Tausende den Boden in den erwähnten Thälern. Die Früchte derselben sind zwar nicht meßbar, werden aber von dcn Tibu als Medizin bei mehreren Krankheiten benutzt- Sic lassen dieselben etwa zwölf Stunden lang in einer Schale Milch liegen u & trinken dann letztere. Die Kerne wässern sie eben so lange ein, um ihnen fc c Bitterkeit zu benehmen; dann werden unfern Kürbiskernen ähnlich geröstet und verzehrt. Jenseits der Schwarzen Berge beginnt die Wüste Ben Asien (Scrir bc Asien) und reicht bis nach Q m cl A b id. Sic ist ein würdiges Seitcnstück zu der westlicher liegenden bereits erwähnten Hammada, eine vollkommene Ebene ohw Wasser, ohne Pflanzen und ohne Thierleben. Vogel passirte diese trostlose Strecke in der Mitte des Sommers. Damit die Füße der Kamcele nicht zu stark von dcl Hitze des Bodens angegriffen würden, wählte man die Nächte zur Reise. Schon bei Sokna trifft man Salzlachcn, jenseits der Schwarzen Berge aber ist der Boden überall bis nach Mnrsuk mit einer Salzkruste überzogen. Trotzdc findet sich hier auch ein Brunnen mit süßem Wasser bei Our cl Abid. In der Nähe des Städtchens Sighem, das in der Richtung nach Südc dann folgt, ist der Brunnen T ein ah int, in dessen Umgebung sich einige Arabcst vom Stamme U c lad Sliman niedergelassen haben und hier ihre Kamecle wci den. Diese Uelad Sliman, ein abenteuerlustiger und raubsüchtiger Stamm, wärest in früher Zeiten im Tripolitanischen seßhaft. Ihr unruhiger Geist hatte f c aber getrieben, weiter nach Süden vorzudringen, und so hatte sich die Haupst masse derselben bis zu den Ufern des Tsad-Sees durchgeschlagen, während kl P nere Abtheilnngen auf verschiedenen Zwischcnstationeu sich festsetzten. Die Araber haben auch in Afrika, daö mit seinem Wüstenlebcn ihrer ^ sprünglichcn Volksheimat gleicht, die alten Sitten und das alte Wesen größte theils unverändert behalten. Diese wilden Gesellen, halb Hirten, halb Räuber, meistentheils hagere Gestalten, fallen durch die ausdrucksvollen, mitunter sogest schönen Züge ihres Gesichts auf. Das schlichte, schwarzglänzende Haar säumt gelbbraune, sonnenverbrannte Antlitz, die lebhaften schwarzen Augen verratlst" die leicht erregbaren, ungezügelten Leidenschaften. Trotz der Magerkeit im M besitzen die Glieder bedeutende Muskelkraft und Ausdauer, ihre Bewegungen st"^ schnell und gewandt, und wer einen Arabertrupp in Unterhaltung begriffen findst, glaubt Zeuge eines heftigen Zankes zu sein, so lärmend und schreiend, gestik ^ rend und beweglich geht Alles zu. Von dem Araberlager bei Temahint 1 l 2 Meile nach Süden gelangten unst^s Reisenden nach Sebh a, einem kleinen Orte mit Dattelpflanzungen, in dem st^ einigen zwanzig Jahren der Häuptling der erwähnten Uelad Sliman, Abd el Ud, derselbe, dessen Zerstörungen wir bei Sokna berührten, seinen Sitz aufgescht^Die Tynilkum. Ankunft in Mnrsnk. 83 hatte. Von den 4000 Einwohnern, welche der Ort ehedem zählte, sind nur uvch etwa 400 übrig. . Um Scbha haben sich eine Anzahl Familien von dem Berbcrstaimne der Tp- Ullkum angcsiedclt und nähren sich thcils von den Früchten der Dattelpflanzun- theils von dem Ertrag ihrer Herden, denen sie die größte Sorgfalt widmen, ^stonders besitzen sie zahlreiche Schafe und Kameele, und mit den letzter übernch- " t ic für die Kaufleute in Fessan Waarcntransporte durch die Wüste. Weithin m d diese Thnilknm wegen ihrer Treue und ihres religiösen Ernstes in gutem Ruf. j~ cv ganze Stamm besteht aus etwa 350 400 Familien. Die Mehrzahl derselben ^vohnt die Strecken zwischen Mnrsnk und Rhat, im Westen der erstgenannten madt. Alle halten aber eng zusammen und handeln stets in der größten Uebcrein- Ununmgmit einander. Sie sind, ivie sie sclbstvon sich sprüchwvrtlich sagen, einig Pf Mehl, das durch die verschiedenen Löcher eines Siebes in denselben Topf imltGicbt ein Araberlager mit seinen Barden beim Scheine des glimmenden Wachtfeuers ein wildes Bild der Wüstcupocsic, so gewährt ein Wohuplatz der Ty- Uku.n in der Däinmernug des Abends eine ganz verschiedene Scene. Im klaren wNdlicht schimmern die reinlichen Hütten, einige mit platten, andere mit spitz- a kaufenden, kegelförmigen Dächern. Die Ordnung, die in ihnen herrscht, zcich- " ic vortheilhaft vor den oft unreinlichen Araberwohnungen aus. Die Frauen, ^"genehme, rüstige Gestalten, sind emsig beschäftigt, die Reisevorräthe zusammen ^ tragen und zu packen. Muntere Kinder spielen auf dein Sandplatz in heitern ^uppe,,. einiger Entfernung vom Orte aber, auf einem flachen Hügel, über j. " ^s Weiße Mondlicht seinen Zanberschimmer ausgießt, haben sich die Btäuncr scl zum Gebet versammelt. Der ernste Klang, halb Gebet, halb Gesang, ujetzt zu mächtigem, sturmähnlichcn Geräusch an, dann wieder verhallt er, "vdisch fjxh senkend, zu melancholisch geisterhaftem Tone. Die in ascetischcr ^si ^lang ausgehaltenen Silben ha, ha!" bekunden den tiefen Ernst, die leb- ^ O religiöse Begeisterung, welche alle Versammelten durchglüht. Die Tynilkum gehören zu einerneuern muhamedanischen Sekte, als deren stier Muhame d el Medani genannt wird. Dieser Eiferer gründete ein war ^i Masrata, und da selbiges mit einigem Besitzthum in Verbindung stand, ^ i den Stand gesetzt, zahlreiche Pilger gastfrei zu verpflegen und durch Ha! ^ ^legcnhcit seinen Lehren viele Freunde und Bekenner zu verschaffen. Ein ste^rdicnst seiner Lehre besteht besonders darin, daß er die Verehrung vcr- aus Heiligen abschasste und sich dadurch bestrebte, den Muhamedanismus bei ursprüngliche Reinheit zurückzuführcn. Der Heiligendicnst hatte ehedem m Jmoscharh besonders deshalb eine so leichte Aufnahme gefunden, weil die cz L fprcchcn; denn man hat die Furcht, der Gerufene möge erscheinen; daher ist wen ^ "stucr Gebrauch geworden, sofort bei dem Ableben Jemandes dessen Na- u,d u" ^^chseln. Man nennt die Verstorbenen dann stets mit dem neuen Namen 0 cruhigt f;jr - ^ - - s; r.. cyi ..;x sich damit, daß man meint: der ode wisse ja diese Bezcichnungswcise 6 *84 Von Tripoli nach Mursuk. nicht, werde also auch nicht durch das Aussprechen derselben in seiner Grabesruhe gestört. Zwischen Sebha inrd Rhodoa erstreckt sich wieder eine Wüste von feinem Sande. Der 60 Fuß tiefe Brunnen, SidrMuserud La m n genannt, besaß leider zur Zeit keinen Tropfen Wasser. Seitwärts westlich beginnt das Wads S ch er gi, dessen weitern Verlauf und nähere Beschaffenheit unser Reisender bei seiner gleise nach den Natron-Seen genauer kennen lernte. Hier, bei dem S vf c Abiah, fand vr. Vogel noch eine Gruppe von 50 Oelbänmcn, die aber daselbst keine Früchte mehr tragen. Mit dem Oelbanme findet auch die Aprikose hier ihre Süd- grenze. Auf dein Sandboden des Wadi, das den fruchtbarsten Landstrich von gab) Fcssan bildet, wuchert die bei den Schwarzen Bergen erwähnte Koloquinte R überreicher Menge und wird dadurch zum lästigen Unkraut, da keinen nennens- werthen Vorthcil bietet. Um so willkommener wird sie den Straußen; diese wa gen sich ihretwegen in die bewohnten Distrikte und verzehren die Samenkerne des Gurkengewächses. Drei tafelförmige Berge und einer, der die Gestalt einer sehr spitzen Pyra mide zeigt, schließen hier das östliche Ende des Wadi Schergi ab. Das Dorf 9t h o d o a, durch welches die Straße im weitern Verlauf führte liegt inmitten schöner Palmcnpflanzungen und zeigt Spuren früher Wohlstandes. Endlich erreichte die Karawane über das Dorf D c l c m und S ch e g g u a das nächste Reiseziel: Mursuk, die Hauptstadt von Fessan. Rach einer vierzig Tage langen gleise durch die Wüste, bei einer Hitze voü 33 38 C. im Schatten und gegen 50 in der Sonne, stieg die Karawane a " 5. August über die mäßig hohen Sanddünen, welche, von Palmen gekrönt, lU großem Kreise die flache Senkung Hofra" umgeben, in der Mursuk liegt. erfreuten sich guter Gesundheit. Von den 33Kamcelen hatte Dr. Vogel nur c 1 ’ einziges verloren. Den guten Verlauf der Reise, die unbeschädigte Erhaltung des zahlreichen Gepäcks, sowie die freundliche Aufnahme, welche man überm fand, hatten die Reisenden vorzugsweise den aufopfernden Bemühungen des Herl" Warrington zu verdanken. Die Kk loqllinte.Wadi TcllsM-e. III. Aessiin und die Watron-Seen. 7 rsuk. Die Gewächse Statistik. Handel und Gewerbe in Fcssan. Die v al.^ÄI"ch Wnrhad. Reise nach den Natron- Seen. Dschcrina. Römisches Denk- W ^^Sarainanten. Der Lron " ^ "" "^westliche Fcssan. - Ederi. - der Asgar-Jrnoscharh. Pfchsi^, ui einer e % c n ^ Feigen. In d rona-Scc und Babr et Dnd. Der Fessan-Wurin. - as westliche Fessan. Wadi Tclissare.  Land Oie Gcistcrbnrg Jdinen. Rhat. von einem Zuge Sanddünen almen bepflanzt ist. Im Schutze zahl kleiner Gärten einige Obstbäume: Granaten, den Gärtchen baut man etwas Gemüse, Weizen und den Be si?^"Eten, mit Palmenzwcigen bedeckt, sind dabei errichtet und gewähren ‘ Clu Zungen Schutz vor der Sonne. Die größer jener Hütten enthalten86 Fcssan und die Natron-Seen. mehrere Zimmer und eine kleinen Hofraum, die kleinern dagegen nur ein finste res, enges Gemach. Nach Süden zu zieht sich die Dattelpflanzung auf den Dünen entlang in unregelmäßiger Weise; bald bildet sie einen langgestreckten, schmalen, ziemlich lichten Streifen, bald ivieder stellt sie dichtere, einzeln gelegene Wäldchen dar. Jin Südostcn fehlt sie gänzlich; hier tritt die nackte Wüste bis unmittelbar an die Mauern von Mursnk heran. Die Stadt bildet ein ziemlich regelmäßiges Viereck von ungefähr einer Stunde im Umfange. Sie wird vonLehmmaucrn umschlossen, welche sich an runde und eckige Bastionen stützen. Ans diesen Mauern krystallisirt das Salz, daö der Lehm in reichlicher Menge enthält, an der Oberfläche aus, so daß sie iin Sonnen licht sonderbar glitzern. Drei Thorc fuhren in die Stadt; die an der Westseite und Nordseite befindlichen sind sehr eng, so daß kein beladenes Kamccl dieselben passi ven kann; das östliche ist das einzige, durch welches Karawanen cinziehcn können. Unmittelbar an ihm befindet sich deshalb auch das Zollhaus. Ost- und Westthor werden im Innern durch eine brc.ite Straße verbunden. Die Südseite besitzt kei nen Eingang. Von Norden her, wo unsere Reisenden ankamen, macht Mursnk nicht ge rade den besten Eindruck. Ehe die Karawane an das enge Thor gelangt, muß sie an einem großen Tümpel des faulsten Salzwassers vorüber, der ringsum die Luft durch die von ihm anfsteigcnden Dünste verpestet. Die cigenthümliche Lage der Stadt, ringsum von Dünen und Palmen umgeben, hält jeden reinigenden kräftiger Luftzug ab. Höchst selten befeuchtet ein schwacher Regen den Sandbo den und die drückend heiße Atmospähre ist fortwährend mit einem Nebel von Staubthcilcn erfüllt, welcher die Hitze noch mehr steigert. Di-. Vogel ward bei seiner Ankunft in Mursnk von dem englischen Konsnl daselbst, Herrn Gagliuffi, aufs freundlichste empfangen und ihm in dem Gebäude des Konsulats seine Wohnung angewiesen. Von hier aus hatte er die Aussicht den Bazar, der ziemlich in der Mitte der Stadt liegt und rings mit Hallen, Säulen aus Palmcnstämmen ruhend, umgeben ist. Diese schattigen Plätze ge währen Käufern und Verkäufern behaglichen Aufenthalt zur Besorgung ihrer Geschäfte. Gerade dem Konsulatgebäude gegenüber, au der Ostscitc des Bazars zeichnet sich das Wachthaus durch seine auS sechs Säulen gebildete geschmackvolle Halle aus. Unmittelbar an die Westseite des Konsulats stößt die Wohnung des Schcikhs und neben dem westlichen Thore erhebt sich das Kastell mit dicken Mauern und engen Gemächern. Neben demselben ist in neuern Zeiten eine Kaserne erbaut wost den, ein großes viereckiges Gebäude mit einem Waffcuplatze in der Mitte. Die Gemächer der Offiziere nehmen die Ostseite ein, während sich die langen Säle für die Soldaten an den übrigen Seiten hinziehen. Das Gebäude ist für 200" Mann eingerichtet, gewöhnlich bewohnen es aber nur 400 Mann, die eben so be- qnemes Quartier als gute Nahrung haben. Die tägliche Kost der gewöhnliche" Bevölkerung erscheint, mit der Nahrung dieses Militärs verglichen, wahrhasMursuk. Nciscvcrzögcruugen. 87 ostrftig, und doch würde jeder Fessaucr lieber Hungers sterben, als freiwillig in * ! Reihen des stehenden Militärs cintreten. Durch die breite Straße, welche vom Bazar aus in gerader Richtung nach onn westlichen und östlichen Thore führt, gewinnt die Stadt zwar einen heitern, Men Charakter, wird aber in demselben Grade auch heißer. Auch ihre übrigen Straßen sind gerade, obschon enger. Durch diese Bauart ähnelt Mursuk mehr den Städten des Sudan als den arabischen. Das alte Sudan, das Land der schwarzen", rechnete man früher schon vom Südende der Hauunada und den schwarzen Bergen an. Im engsten Sinne des Wortes versteht man das Reich ^ Haussa oder Fellata darunter. Wir werden dieses Wort stets nur im weitern ? e auweuden und unter Sudan die innerafrikauischen Länder überhaupt . Die Gesammtbewohnerschaft Mursuks mag gegen 2800 Seelen, einschließlich or Sklaven, betragen. Die Gewerbsthätigkeit Mursuks ist unbedeutend. Der ^ del muß sich nur mit der Vermittelung der Orte begnügen und bringt keine ^er blos unbedeutende eigene Produkte. Es führen von hier aus zwei Hauptstra- vsu nach Norden: die eine, von Vogel benutzte, über Sokua, Bondschem und ^oinolid, die andere, welche Richardsou tvählte, durch die Hammada. Ebenso 8chen auch zwei Karawancuwcge weiter nach Süden, der eine östlich über Bilma Kuka, der andere westlich über Rhat durch die Gebiete der Tuariks und o oder Asben. Mit beiden werden wir uns später näher vertraut machen. . o. Vogel schätzt den jährlichen Ertrag des Handels gegen 150,000 Thalcr, von cnen sieben Achtel auf Sklaven kommen. - In Mursuk ward vr. Vogel s Aufenthalt bis zum 15. Oktober verzögert. . vn dieser Verzögerung trug hauptsächlich H a d s ch A ch s e n, der Vetter des Sul- Bornu, die Schuld. Es mußte Vogel im hohem Grade wichtig sein, in ^Mschaft dieses angesehenen Herrn nach Kuka zu reisen. Derselbe hatte ihm vcr- ^chen, drei Wochen nach dem Beiramfest, also Anfang August von Mursuk ^ jurcisen; als Vogel zur rechten Zeit hier cintraf, erklärte er aber, er habe den Beiram, der in die Mitte September fällt, gemeint. Wenn irgend mög- ), suchen die auf strenge Ausübung der Religionsgebräuche bedachten Bor- X ? Un umgehen, während der Fastenzeit die Wüste durchreisen, da sich "hd Dursten mit den Anstrengungen der Reise nicht verträgt. Das Bei ztest bildet den Schluß der Fasten und wird mit Schmaus und heitern Vergnü- gefeiert. Achsen durfte sich um so weniger einen Verstoß gegen die fromme Wu Schulden kommen lassen, da er ja so eben von Mekka zurückkam. Jeder, tut, v "ue Pilgerfahrt nach der heiligen Stadt ausgeführt hat, erhält den Ehren den eines Hadschi. "un min öei dem uusichern Zustande des Landes für eine kleine Karawane ts allein nach Bornu zu gehen, so mußte sich Vogel gedulden bis zum ^ober. Er verwendete seine Zeit darauf, die von ihm auf der Reise von Und w ^ Mursuk gesammelten Materialien zu ordnen und seine Sammlungen törichte nach Europa abgehen zu lassen.88 Fcssan und die Natron- Seen. Auf dieser Wegstrecke hatte Dr. Vogel durch zehn von ihm angestellte astro nomische genaue Beobachtungen die Lage aller berührten Orte festgestellt. Die frühern Reisenden hatten sich zur Bestimmung der geographischen Länge der Orte vorzugsweise des Kompasses bedient. Da indeß die Magnetnadel an den meisten Stellen der Erde etwas von der genauen Richtung Süd-Nord abweicht, diese Abweichungen aber von jenen Reisenden nicht in Rechnung gebracht worden waren, so hatte man alle jene berührten Punkte zu weit östlich auf den Karten verzeichnet. Tie Chronometer erweisen sich zur Bestimmung der geographischen Länge dem Schiffer ziemlich sicher und lassen aus dem Unterschied, den sie zwischen derZeit an dein Orte, wo sich der Reisende befindet, und derZeit des Ortes der Abreise an- geben, die östliche oder westliche Abweichung vom Mittagsstriche (Meridian) des letzter Ortes berechnen. Während einer langen Wüstenreisc gcrathen aber selbst gut gearbeitete Chronometer in Unordnung durch das unausgesetzte Stoßen und die Erschütterungen, welche sie durch den schweren Tritt der Kameele erleiden. Rur durch Moudbeobachtnngen, welche I . Vogel mit aller voir der Wissenschaft geforderten Genauigkeit, trotz Hitze und Reisebeschwerden, austclltc, war mög lich, alle jene Jrrthümer sicher zu verbessern. Außerdem hatte Dr. Vogel auch zahlreiche Höhenmessungen mittelst des Barometers veranstaltet und möglichst zahl reiche Stciuproben und Pflanzen gesammelt. Die letzter sandte er nn Dr. 23. Seemann in Kcw bei London, um dieselben dem berühmten Botaniker Brown zur Untersuchung zu übergeben. Sie befinden sich gegenwärtig im britischen Museum. Gleichzeitig thcilte er Notizen über seine Erlebnisse und besondere Naturerschei nungen mit, welche ihm ausgefallen waren. So berichtet er, daß er unterwegs mehrere Mal Erdbeben verspürt, und erzählt, daß man am 7., 8. und 31 . Juli eine große Anzahl Sternschnuppen habe fallen sehen. An den sonst wegen ihres rei chen Sternschnuppenfallens berühmten Tagen des 9., 10. und II. August bemerkte man dagegen sehr tvenige, reichlichere aber wiederum am i., 2. und 3. Oktober. Ueber seinen Aufenthalt in Mursuk berichtet er an seine Mutter unterm 12. August 1853 Folgendes: Ich habe gerade noch Zeit, Dir in aller Kürze mitzutheilen, daß ich am 5. dieses Monats wohlbehalten in Mursuk eingetroffen bin. Von den Folgen des Sturzes, den ich inTripoli hatte, bin ich vollkommen wieder hergestcllt und auch sonst im besten Wohlsein, trotz der beschwerlichen Wüstenreise, die ich mitten im Sommer gemacht habe. Wir waren achtunddreißig Tage unterwegs und während dieser Zeit dreimal fünf Tage lang ohne frisches Wasser (in fünfzehn Tagen trafen wir nur drei Brunnen), und was es heißt: Wasser trinken, das fünf Tage in einem ledernen Schlauche gewesen, weiß nur der zu würdigen, der es gekostet hat! Als ich hier in Mursuk aukam, brachen wir Alle in einen Ruf der Freude und Verwunderung aus, daß wir durch das Wasser, das wir tranken, hindurch bis auf den Boden des Gefäßes sehen konnten; ein Vergnügen, das wir nicht ö e * habt, seit wir Tripoli verließen. Ich bin überall in jedem Orte, durch den ich kam, aufs beite ausgenommen worden, schon meines Freundes Warrington wegen,Mursnk, Hauptstadt i eit Fcssan.90 Fessan und die Natron-Seen. der bei allen Arabern in hohem Ansehen steht. Hier in Mursuhwohne ich ganz be quem und angenehm imKonsulate; die einzige Plage sind Schwärme,von Fliegen, die einen fast toll machen, und zahlreiche Skorpione. Gestern Abend, wo es sehr warm war, wurden allein dem Platze, dein wir wohnen, nicht weniger als vicrundzwanzig Leute von Skorpionen gestochen, und ich finde jeden Abend einen oder zwei in meiner Stube. Die Hitze ist hier mäßig, im Zimmer 32", draußen 36, in der Sonne am Mittag 45". Von Abendkühle ist hier nicht die Rede. Das Thermometer sinkt höchstens ein bis zwei Grad. Die Reise hierher habe ich theils zu Pferde, thcils auf einem Kameele ge macht. Nach Knka werde ich zu Pferde reisen, bei weitem das Angenehmste, zumal da mein Fuß jetzt wieder in Ordnung ist. Ich denke Mitte September hier abzureiscn, werde aber jedenfalls vorher noch zwei- oder dreimal schreiben und eine ausführliche Erzählung meiner recht interessanten Reise einsenden. Ich heiße hier Abd cl Wah ed, Sklave des einen Gottes", meinen eignen Namen könnte kein Araber verstehen und merken." vr. Vogel fmibtc einen jener Skorpione, den er gefangen hatte, in einem Fläschchen mit Spiritus nach London und bemerkt dabei, daß diese häßlichen Thiere (Anclroctoiius), welche in Mursnk die Stuben bevölkern, um die Fliegen zu fan gen, äußerst schnell laufen und deshalb schwierig zu fangen sind. Wir geben anbei unfern Lesern die Abbildung des algerischen Skorpions (Andr. Paris), der je nen: fcssanischen gleich oder wenigstens sehr nahe verwandt ist. Der Stich die ser Thiere ist schmerzhafter als jener des gemeinen Skorpions und wird deshalb allgemein gefürchtet. Am ehesten beugt man den üblen Folgen dadurch vor, daß mau das verletzte Glied möglichst rasch und fest unterbindet; auch bewähren sich Einreibungen mit Ammoniak hierbei als vortreffliches Gegenmittel. Eine eigentliche Regenzeit giebt es, nach Vogel s Mitthcilungen, in Mur- suk nicht, wol aber kommen leichte Regenschauer zuweilen im Winter und Früh jahr daselbst vor, selten dagegen im Herbst. Die Einwohner von Mursuk sind aber so sehr an das trockene Klima gewöhnt, ihre ganzen Einrichtungen sind demselben so angepaßt, daß ein starker Regen als ein großes Unglück betrachtet wird. Di" nur aus Lehm leichthin zusammengeklebten Häuser stürzen dann ein und viele Dattelbäume werden zerstört, indem der Regen die großen Mengen Salz auflöst, welche im Boden enthalten sind. Vor etwa zwölf Jahren wurden durch einen sieben Tage anhaltenden Regen in der Umgegend von Mursuk 12,000 Stück dieser Palmen vernichtet. Die vorherrschenden Winde bei Mursuk sind südlich und östlich; die stärksten derselben kommen aber gewöhnlich aus Westen und Nordwcsten. Zwei - oder drei mal sah Vogel Wirbelwinde durch die Stadt selbst passiren; auf der Wüstenstrecke zwischen Beniolid nach Mursuk hatte er aber diese Erscheinung oft beobachte^ Stets fand er, daß ihre Drehung von Ost nach Nord und die Richtung ihres Laufe--Skorpion. Pflanzenwuchs um Mursnk. 91 ach Süden gerichtet war. Wie neben den Pfeilern einer Brücke, hinter denen )wei verschiedene Strömungen des Wassers auseinander treffen, sich stets Wasser- Wirbel und Strudel bilden, wie dies die Meeresströmungen ihrerseits auch im Großen thun, so findet dieselbe Erscheinung auch da statt, wo verschiedene Luft- ^öninngen aufeinander stoßen. Die ausserordentlichen Wärmegrade, welche der Wüstensand und der pflanzenlose Felsbodcn jener Gebiete bei Tage annehmen, "Hitzen die untern Luftschichten, stören das Gleichgewicht der Atmosphäre und ^"Ursachen Windströmungen. Jedes von Fclseir beschattete Wadi, jede voruber- jtcnbc Wolke bringt eine stellenweise Ab- iühlnng anderer Lüfttheile hervor und !( lt einmal erzeugten Wirbel finden " einförmigen, meilenlangen Ebenen Ms, das unterbricht oder sich ihnen rrend entgcgcnstellt. (Siehe Tonbild "^hierlebcn in der Wüste".) . Im Dezember und in der ersten halste des Januar fällt in Mursnk das Thermometer bis den Gefrierpunkt, nd an Stellen, die dem Winde ausgesetzt Und, erstarrt mitunter bciNacht dasWas- ZU GZ. , Eine sehr naheliegende Folge dieser ^Uternngsverhältnisse, besonders der ^stlosen Dürre in der Umgebung von Mursnk, ist die außerordentliche Armuth " Pflanzenformen. Nur in den vorhin "wähnten kleinen Gärten, welche sich im Schutze der nördlichen Palmenwäldcr be- zieht man mit vieler Mühe im ^ utcr etwas Weizen und Gerste, im Algerischer Vkvrpivn (.Xnclioelonug Nali8). (s" in er aber etwas Gosub und Gafuli. "flere bilden die Hauptnahrung der Be- ?^h"er der Sahara, vr. Vogel sandte u letzter beiden wichtigen Nutzpflanzen Samen nach London, um mit Hülse ^rselbeu dieVerwirrung zu lösen, welche in Bezug die botanische Bestimmung Erstgenannten Pflanze noch besteht. Von einigen Reisenden wurde sie bisher " lohnen, von andern für eine Reissorte, von noch andern für eure Hirseart "klärt. Der bekannte Türkische Wcizeii (Mais, Zea Mais) wird unter dem stea- ’l c ..Gafuli mosri" hier gepflegt und seine Aehren am liebsten gebrochen, ehe sie w nzlich reif sind. Man ißt dann, indem man sie zuvor röstet, ft r , dem geringen Ertrage, den trotz frei* größten Mühe der Tarten - und sd"obau hier nur giebt, kann man sich einen Begriff machen, wenn man von - Vogel erfährt, daß die Bewohner von Mursnk um jede einzelne Aehre des92 Fcssan und die Natron-Seen. Mais und des Gosub ein zierlich geflochtenes Körbchen befestigen, um die wilden Tauben von den Samen abzuhalten . Unter deil wenigen Bäumen, die man in der Umgebung von Mursnk ange pflanzt sieht, ist der sogenannte Kurno unstreitig der schönste. Es ist nach Bo- gcl s Meinung eine Cornus-Art (nachllr. Barth eilt Zizypims), verwandt un serer Korneelkirsche und unserm Hornstrauch. Er scheint eigentlich im Sudan und in Bornn einheimisch gu sein und am 26. Grad die nördliche Grenze seiner Bcr- breitnng zu finden. Den Hauptschmnck der Gärten von Mursnk bildet die bekannte hohe Son nenrose (Helianthus annuus) , die hier in größter Pracht 8 9 Fuß einpor- schießt und deren Samen wie bei uns gegessen werden. Die wichtigste aller Nutzpflanzen für Mursnk und seine Umgebung ist d o Dattelpalme (Phoenix dactylifera), von deren Früchten die ganze Bewohncr- schaft voll Fessail und halb Tripoli lebt und welcher Vogel natürlich besondere Aufmerksamkeit schenkte. Er beschreibt 37 verschiedene Sorten dieser Palme, welche sich aber nur in den Fruchten deutlich von einander unterscheiden. Sobald der Baum nicht Früchte besitzt, ist selbst der einheimische Araber nicht im Stande zu erkennen, welcher Sorte derselbe angehört. Die Datteln mancher Spielarten haben nur 8, andere 20 Linien Länge, die erster eine Breite von 5, die letzter von 10 V 2 Linien. Die Färbung wechselt vont Fleischfarbigen, Ledergelb, WeiP lichgelb, Olivengrnn, Chromgelb, Kirschroth, Rothbrann bis zum Chocoladc* farbig und Dunkelblau. Manche sind lebhaft glänzend, anbeve matt. *) In Mursnk ist jede Thür, jeder Pfosten Dattelholz gemacht; in de Hänsern besteht die Decke der Zimmer Dattelstämmen, zwischen und über welche Zweige gelegt sind, wie bei uns das Rohr. Die ärmer Leute wohnen n Hütten, ganz von Palmenzweigen zusammengebaut. Palmenzweige lieferndem gewöhnliche Brennholz. Die armen Burschen bringen sie von ein bis zwei Meile^ weit her nach der Stadt und verkaufen hier zwei Bündel, so viel der Mann schlep) pen kann, für I Piaster (2 Ngr.). Datteln sind die Nahrung für Menschen u Thierc. Kameele, Pferde, Hunde, Alles verzehrt hier Datteln. Sogar die Kcr ^ derselben werden eingeweicht und in dieser Form dem Vieh gegeben. Es giebt aber auch eben weiter nichts, was den Thieren ausreichendes ter bieten könnte. Gras oder sonstiges grünes Futter für das Vieh ist nicht vos- Händen, ein wenig Safsfah (Melilotus, Steinklee) ausgenommen, der nst derselben Mühe wie das Korn in Gärten gezogen wird und deshalb hoch 11)1 Preise steht. Ein Bündel, etwa so viel, als man mit beiden Händen halten kamst kostet 2 Piaster (fast 4 Ngr.). Vogel mußte seine Kameele 25 Meilen weit nörd lich schicken; erst in dieser Entfernung, so weit wie von Leipzig nach Berlin, wM der nächste Ort zu treffen, an dem sie hinreichend zu fressen fanden. Um Murst^ ist nichts als Salz und Sand. Die 90 kleinen Gärten bedecken zusammen nur ctw *) Eine genaue Beschreibung aller dieser Spielarten, sowie Abbildungen derselbe finden sich in der botanischen Zeitschrift Bonplandia II. Jahrgang.93 Sic Dattelpalme. cin Sechzehntel Quadratmeile. In ganz Mnrsuk giebt es deshalb auch nur öw e Kühe, von denen eine dem Pascha gehört. Ziegen waren zur Zeit, als sich d^gel in Mnrsuk anfhielt, gar keine vorhanden, und die Schafe, welche man zum ^ speisen bedurfte, mußten aus dem Wadi Schergi, einer Entfernung von !- Meilen, herbeigcbracht werden. Wenn wir einmal Milch zum Kaffee haben", schreibt der Reisende an seinen Freund vr.B. Seemann, so denken wir, sei ein Feiertag!" Der Ertrag, welchen die Dattelpalmen bringen, ist verhältnißmäßig gering: hundert große Bäume geben in, Durchschnitt 40 Centner Datteln, die hier einen ^perth von 12 Thaler habe . In Tripoli würde die gleiche Quantität etwa Urinal mehr kosten. Die Datteln werden, sowie sie geschnitten sind, auf den, Arden zum Trocknen ausgebreitct und, wenn sie steinhart geworden sind, in den Sand vergraben. Sv halten sich gegen zwei Jahre; allein schoi, nach etwa acht- r -Ronaten kommen die Würmer dazu und nach dem fünften halben Jahre wird nau kaum mehr als die Kerne finden. Als Nahrungsmittel sind die Datteln sehr erhitzend, weshalb man sie nicht änn den Leuten mit auf die Reise giebt, indem dieselben zu viel danach trinken U IK . 9( m iwstcn und wohlschmeckendsten sind mit Gcrstcnmchl, Zumito, , einem Teig geknetet. Wenn man die innersten Blätter, das Herz, der ^ "c herausschneidet, so sammelt sich in der Höhlung ein trüber süßlicher Saft, ae?t n i"- vecht erfrischend und gelinde abführend tvirkt. In wenigei. Stunden derselbe in Gährnng über, wird sauer und ist dann stark berauschend. Der ast wird nicht abgezapft, wie irrthümlich von Andern berichtet worden ist. Aus VPtfßV* CJf. .. J L . V! V V- X £( £)( {- j 4r . Vei f e t n Früchten wird Syrup gemacht, der vorzüglich dazu dient, f auche öldicht zu machen. Ebenso wird cin Branntwein, Arogi", daraus ge- Im Frühjahr (Anfang April) blüht die Palme. Die Befruchtungswerk- sind bekanntlich bei ihr wie bei unfern Weiden, Hanf und Hopfcir in der ^Aheilt, daß die eine Palme ausschließlich Blüten mit Staubgefäßen, die crp solche mit Fruchtknoten hervorbringt. Um einen sicheren Ertrag zu die ^n, mein die letzter künstlich, indem man mit einem spitzen Stocke kien, ^"^dlütenrispen öffnet und ein Bündclchen mit Staubblüten dazwischen ist die Eine Palme mii Staubblüten reicht für hundert fruchttragende hin. bewrs^ v * e einzige Mühe, die der Baum macht. Er wird in Fcssan keineswegs nan f m . lr etwa für die ersten sechs Monate seines Lebens. Gewöhnlich pflanzt 5g c .-7 n ! u ein Loch, das mit verwestem Dünger angefüllt ist. Später ist ihm daS lick nur unnütz, sondern, wiebereitsangedeutet, hier sogar höchst schäd- ^ie dadurck anflöst und in übergroßen Mengen seinen Wurzeln zuführt, iveaei^E ^"ktelholz ist ziemlich zäh, kann aber seiner groben Fasern wegen und dem mr ^ ^igenthümlichen Verlaufs derselben nicht in dünne Dreier zersägt wer- - spuren und Fensterladen sind deshalb halben Stämmen zusammenge setzt. gute Stri k^" Bastfasern, welche die jungen Zweige cinhüllen, fertigt man sehr94 Fessan und btc Natron-Seen. Junge Dattelpalmen bilden ein nicht zu durchdringendes Dickicht, indem die Blätter ungemein hart und spitz sind und der niedrige Stamm zahllose -Zweige nach allen Richtungen hin ausstreckt. Alljährlich bringt die Palme einen neuen Kreis Blätter hervor. Der untere Kreis stirbt ab, wird aber nicht abgeworfcn, sondern bleibt verdorrt stehen. An wenig bewohnten Orten, wo diese Zweige nicht für häusliche Zwecke gesammelt werden, ist dann der ganze Stammen die selben eingehüllt, da sich mit der Zeit immer tiefer hinabbeugen. Solche Wild linge erhalten einen eigenthümlichen Anblick. Die Höhe der Dattelpalmen schwankt zwischen 40 und 70 Fuß. Sic werden bis gegen hundert Jahre alt. Bei dem erdrückenden Klima von Mursuk, der unergnicklichen Oede der Umgebung, welche keinen Naturgenuß möglich macht und gleichzeitig rein geistig^ Erholung verbietet, ist es nicht zu verwundern, daß die Bewohner des Ortes sich so viel als möglich in ihre etwas kühler Gemächer zurückziehen und sich sinnlichen Genüssen ergeben. Die schlechte Luft erzeugt häufig Fieber und die Meisten su chen sich durch reichlichen Genuß von berauschendem Palmenbranntwein dagegen schützen. Außer dem Fieber werden die Einwohner Mnrsnks auch vielfach von Augenübeln heimgesucht. Als Schutz mittel dagegen gilt bei ihnen vorzüglich der Harincl (Pegamim Ilarmala), eine unserer Gartenraute ver wandte Pflanze. Man empfiehlt besonders die halbreife Samenkapseln. Jeder Araber verschluckt im Frühjahr ein Dutzend derselben und behauptet dann in Folge dessen von jeder Augenkrankheit verschont zu bleibe . Vogel konnte nicht erfahren, ob diese Samenkapseln viel leicht blutreinigend wirken, fand aber den Gebrauch ganz allgemein, von der Nordküste bis nach Fessan. Or. Vogel hatte während seines längern Aufent- . .Mimc uutie (i eganum iiaimaia). hMes in Mursuk gute Gelegenheit, genaue statistische Notizen über die Provinz Fessan zu sammeln. Diese Regentschaft ist in fuus- zehn Kreise oder Distrikte getheilt. Das früher besprochene Bondschcm ist dcr nördlichste derselben und Gartrun oder Gatronc mit Einschluß von Tagend der größte. In diesen Bezirken liegen 98 Ortschaften, von 10,864 fessanischen u d 1026 arabischen Familien bewohnt, die eine Gesammtbevölkerung von 54,00 Seelen ausmachen. Zur Zeit rechnete man auf die Hauptstadt Mursuk 2700 freie Einwohner und 650 Sklaven, die Besatzung betrug ungefähr 240 Ma - Die Artillerie bestand aus vier sechspfündigen Kanonen. Dcr normale Sta der Garnison wird, wie bereits erwähnt, auf 400 Mann gerechnet; zu diesen ko M men noch 22 Mann irreguläre Reiterei. Letztere sind in den übrigen Ortschaft" ertheilt. Die Einnahme des Sultans beträgt aus ganz Fessan 659,500 türkische Piasts! oder 40,000 Thalcr; außerdem zahlt jede Stadt 7500 Piaster (450 Thaler) jährlichHandel in Fessa . 95 !"r das Recht, eine Kadi für sich zu haben, und 11,820 Piaster (720 Thalcr) als Abfindungssumme für alle indirekten Abgaben. In Mursuk befindet sich die einzige Zollstätte des Staates. Jeder Artikel, ver aus dem Innern mit der Bestimmung nach Tripvli kommt, ist mit zwölf Prozent Steuer belegt. Nur die Sklaven hatten bis dahin das traurige Vorrecht, geringer besteuert zu werden. Bei ihnen wurde für den Kopf drei Mabul (gegen 3 Thalcr 20 Silbergroschcn) bezahlt, was fünf Prozent ausmacht. Als Vogel Dtursuk verließ, legte der Sultan plötzlich I Thaler 5 Silbergroschen mehr Steuer Ulf jeden Sklaven zur großen Entrüstung der Tibuhändler, imb der Dvctor fürch te, daß sie aus Rache die Straße von Bornu unsicher machen würden. Vom ^ifcnbcin werden nur drei Prozent erhoben. In Tripvli zahlen alle Artikel einen neuen 3oll von zwölf Prozent, Sklaven nur zehn Prozent. Unter den Erzeugnissen des Landes steht ^a lz wegen seiner Häufigkeit mit an der Spitze, jjhwz Fessan ist gewissermaßen eine ungeheure Saline. Au den Natron-Seen gewinnt man tzsatro u. Der kleinste derselben, derTrona- . jl e, liefert jährlich 17,000 Ccntncr dieses Stof fs und ist um 3750 Thalcr verpachtet. Der Preis des Natrons ist von 10 Silbergroschen für  cn Ceutner, wie er ehemals galt, auf 3 Thaler rs Silbergroschcn gestiegen. In den südlichen Phcilcn Fessans und im Lande der Tibu wächst ^rr Senncsblätterstrauch (Oussiu laueoo- ein vielästiges Büschchen von kaum mehr als fußhohe und mit lanzettförmigen Blättern, ^lche in unfern Apotheken als allgemein übli- Abführungsmittel in Gebrauch sind. Beson- ^rs häufig findet sich dieSenna in Air. In frühernZeiten wurden jährlich gegen o ,000 Pfund dieser Blätter nach Mnrsnk gebracht, seit aber auf dieselben die hohe Durchgangssteucr von 24 Prozent gelegt ist, wirft der Handel damit kei- Vortheil mehr ab. Die Senna wird deshalb fast kaum noch gesammelt und kann in Mursuk jetzt 100 Pfund für 25 Silbergroschen kaufen. Lebhafte Nachfrage findet in Bornn nach Zink statt, das jenem Lande von rsuk aus zugeführt wird. Aus diesem Metall werden in Bornu die schweren und Beinspangeu verfertigt, mit denen sich die Frauen jenes Landes zieren. ^wird in Mursuk jährlich etwa für 3000 Mabul (4000 Thlr.) umgcsetzt. Man ver- ist cS in Blöcken von 25 30 Pfund, den Ceutner für 20 Thlr. Auch Bernstein ^ u gesuchter Artikel, von dem jährlich für etwa 2000 Thlr. nach dem Sudan geht. Den Hauptgcgenstand des Handels bilden die Sklaven, von denen der Theil aus Bornu oder Sudan gebürtig ist. Zweig vom Sennesl lÄtlerstrauch (Cassia lanccolala).96 Fcssau und bic Natron - ©een. Tie ursprüngliche Bevölkerung FessanS, die durch Neger gebildet wurde, ist längst verschwunden. Ihre Sprache mit ihr. Von Westen drangen die Berber in das Gebiet ein, von Osten her die Araber, und obschon das Land gegenwärtig un ter türkischer Hoheit sieht, so finden doch so eigenthümliche Beziehungen zahlreicher Bewohner zu den in der Gegend von Rhat wohnenden Tuariks statt, daß aus den selben für den letztgenannten Stannn erhebliche Vortheile erwachsen würden, wenn es zwischen ihm und den Türken etwa zu einem Kriege käme. Die Berberstämme der Wüste werden mit der gemeinsamen Benennung H o - g ar bezeichnet, ein Name, welcher so viel als ,,die in die Wüste Geflüchteten" be deutet. Ein Stamm derselben sind die nur Rhat ansässigen Asgar-Jmoscharh, von den Arabern Tuariks genannt. Diese Jmoscharh bilden eine Art Kriegerari stokratie und üben, obschon verhältnißmäßig nur in einigen Hundert Familien vorhanden, die übrige Bevölkerung einen bedeutenden Einfluß aus. Sie er freuen sich aller jener Vortheile, welche auch in andern Ländern die eingedrunge nen fremden Eroberer für sich in Anspruch genommen haben. Besonders zeigen die Gestalten und Physiognomien der Männer die unveränderten Merkmale der Ber bernation. Die Frauen erscheinen dagegen mehr oder minder kupferfarbig, nur in seltenern Fällen mit einem schmutzigen Weiß. Ihre glänzend schwarzen Haare sind bei den einen schlicht und lang, bei andern dagegen erinnern sie durch ihre Nei gung zum Lockigen schon an das Negerartige. Ebenso ist die Nase bei manchen breit, bei andern von schön ägyptischer Form. Der lange Speer, ein breites, ge rades Schwert und ein Dolch sind das Kennzeichen des freien Jmoscharh (Tuarik)- Die Asgar sind in ihrer Haltung gemessen und ernst, wegen ihrer bevorzugten Stellung sehr für sich eingenommen und dem Fremden gegenüber zurückhaltend- Von Gesang sind sie nicht sonderliche Freunde, obschon sie mehrere Lieder besitzen, die sich durch mündliche Ueberlieferungen weiter vererben. Zwar haben sie Schrift zeichen , die sehr an die alten pnnischen erinnern, aber kein einziges Buch ist vor handen, das mit denselben geschrieben wäre. Ans demselben Grunde ist if) vC Sprache auch sehr unentwickelt geblieben. Nur an Felsenwänden und Stein blöcken findet sich gelegentlich ein Name mit diesen Zeichen eingemeißelt. Die meisten Asgar begnügen sich mit einer Frau; freilich trennen sie fW’ oft von derselben, wenn sie alt wird, und ersetzen ihre Stelle durch eine jüngere- Sonst ist das Verhältniß der Frauen für letztere angenehmer Art; man begegnet ihnen mit Achtung und sperrt sie nicht eifersüchtig ein. Die Haupteinnahme beziehen die Asgar, von denen jede Unterabtheilung unter einem besonder:: Häuptling steht, von den durchziehenden Karawanen. Jede Person hat ihnen einen gewissen Tribut zu entrichten für die Erlaubniß, ihr Lam passiren zu dürfen. Am schlimmsten kommen hierbei die Bewohner von Tunjs weg, auf welche Stadt die Asgar eifersüchtig sind; von jedem Kopf verlangen ehn Thaler. Diese ansehnlichen Einnahmen verwenden die Tuariks großenthell nr Anschaffung reicher Festkleider, während ihr täglicher Unterhalt durch & c Jmrhad herbeigeschafft werden muß. Die Jmrhad bilden dieHauptbevölkernng des Landes der Asgar, zahlreiche o zurSic Asgar-Jmoscharh und Jmrhad. 97 Familien sind aber auch über den westlichen Thcil Fessans zerstreut. Sie sind die Leibeigenen jener herrschenden Familien und zeigen schon körperlich ihre verschie dene Abkunft. Ihre Färbung ist fast schwarz, besonders diejenige der Frauen, und auch in sonstiger Körperbeschaffenheit besitzen sie viel Negerartiges. Auch die Männer haben nicht selten völlige Negerphysiognomien, dabei aber einen schlau en Wuchs. Im Gegensatz zu den Asgar, d. h. den Wanderhirten", sind seß- vafte Bebauer des Landes und bewohnen runde Hütten, aus Buschwerk und Gras gearbeitet, die durch ihr kegelförmiges Dach an die Wohnungen des Sudan erin nern. Der Eisenspeer und das Schwert sind den Jmrhad verboten; von dem Er- Eeage ihrer Dattelpflanzungcn und Knnstfeldcr haben sie ihren gestrengen Herren, "n Jmoscharh, einen bestimmten Thcil abzugebeu und so durch ihre Arbeit jene erhalten. Wahrscheinlich sind die Jmrhad durch Vermischung untergeordneter Berberstämine mit den Resten der Negerbevölkerung entstanden. Wie sie körperlich n Vergleich mit den kräftigen Kriegergestalten der Jmoscharh zurückstehen, so ist nuch ihre Geistcscntwickelung geringer. Dem Fremden gegenüber zwar unver- Ichämt und keck genug, wird ihre geistige Beschränktheit aber von den Asgar selbst rum Gegenstände des Spottes benutzt. So erzählen sie z. B. von einem Jinrha, mit seinem beladenen, todmatten Esel an einen steilen Gebirgspaß kam. Aus nahm er dem Thier die Last ab und lud sie auf seine eigenen Schultern, E^tc sich jedoch selbst schließlich den Rücken des Thieres. Auch dem Europäer muß interessant sein, wenn erbe! einem so entfern en und ihm in den meisten Beziehungen so fremd stehenden Volke Anschauungs weisen begegnet, die unfern heimatlichen aufs Haar gleichen. Als Beispiel führen i^ir eine Thierfabel der Tuariks an, die unserer bekannten Erzählung vom Fuchs u d dein Löwen höchst ähnlich sicht. Die Asgar erzählen: Ein Löwe, ein Panther, ein Tassnrit (wahrscheinlich we Hyäne) lnd ein Schakal waren Freunde und gingen gemeinschaftlich Raub NssT Es glückte ihnen, ein Schaf zu erbeuten. Alses getödtctwar, fragte der böwe: Wer soll theilen?" Der Schakal!" antwortete man ihm, denn ?Eser ist der Kleinste!" Der Schakal machte sich bereitwillig daran und theilte das Aier in vier gleiche Theile. Sprach der Löwe: Welcher Thcil ist mein?" i^er Schakal erwicdcrte: Alle vier Theile sind gleich, wähle selbst nach deinen: gefallen!" Da erboste sich der König derThiere und schrie: Du verstehst nicht u^theilen!" Damit gab er ihm einen Schlag, der ihn tod zu Boden streckte. l Woer theilt nun?" fragte der Löwe ivieder. Ich will es wolthun!" antwortete t f! ^nssurit, legte das Fleisch des Schakals zu demjenigen des Schafes und machte Haufen davon. Was soll das heißen?" knurrte der Löwe, du machst Echs Theile und wir sind ja doch nur unser drei?" Und der Tassnrit entgegnete !?wll: Ein Thcil gehört dem Könige, unserm Herrscher, der zweite Thcil ge- wst dir, unserm Freunde, und zwei andere erhalten die rothen Augen (ein Bei- stswe des Löwen) !" Da schmunzelte der Löwe zufrieden und fragte den Tassn- . - "Wer hat dich diese Art der Theilnng gelehrt?" O", sagte der Tassnrit, " hat der Streich gethan, den du dem Schakal vorhin gegeben hast!"Bahr cl Mandra, der südwestliche Natron. See FcssanS. Reise nach den Ratron - Kern. In den ersten Wochen des September machte Di-. Vogel einen Ausflug den Natron-Seen Fessans und bestimmte deren genaue geographische Lage. von den vier vorhandenen Seen, denTrona-See und Om el Hassan, ^ suchte er zwar nicht selbst, verbürgt aber die Richtigkeit der von ihm angcgsd^ neu Lage, da die von den Arabern bczeichneten Entfernungen von Scbha, dra, Dschcrma (Gcrma) und Mnrsuk alle genau stimmten. ^ Sämmtliche Seen liegen ungefähr in der Mitte zwischen dem Bru R Hasst" am Südrande der Hammada und Mnrsuk, von letzterem Orte aus u^- Nordwesten. Eine Umschau über jene Gegenden vervollständigt uns das 2$ was wir von der nördlichen Wüste zusammenzustellen versuchten. Das Land zwischen der Hammada und Mnrsuk, etwa zwei Breitengrad, 30 Meilen, umfassend, ist vorherrschend Wüste, die Namle" genannt, und 3 ^ meistens in ihrer wildesten, schreckenreichsten Gestalt; nur zwei ansehnlich^ Fruchtthäler durchziehen die Einöde in derselben Richtung wie die früher bere . geschilderten Wadis, von Ost nach West; sind das Wadi Cherbi und Sch^^ im Süden und das Wadi Schiati im Norden. . a WadiSchergi und Wadi Cherbi bilden gemeinschaftlich das Wadi", f 11 ’ , ist die Fortsetzung des andern. Die Richtung dieses Thalcs wird sehr gutWadi CH erb und Scherzi. 99 "ue Linie bestimmt, welche man durch Bimbeja und Dscherma zieht, die am Nordrandc liegen. Die Breite schwankt zwischen drei und vier -Zeilen, der Südrand ist begrenzt von schroffen Felsen weichen Sandsteins, der hui und iviedcr von Eisen schwarz und rothbrann gefärbt ist. Es ist sonderbar, daß das lange Thal zwei ganz verkehrte Namen hat; der w estliche Theil heißt W a d ^herbi, d. i. Ostthal, als wenn er vonLenten von Rhat kommend benannt Worden wäre, der östliche W a d S ch er g i, d. i. W estth al, als hätten ihm die Bewohner von Sebha oder Rhodoa den Namen gegeben. Von Mursnk aus fuhrt der Weg theils über Sandebene, thcils durch Hügel- a d und Schluchten. Manche der letzter zeigen ein malerisch wildes Ansehn, ^ic Seiten sind stellenweise mit Steinblöcken bedeckt und treten eng an einander. Tie Sandsteinfelsen sind von dünnen Schichten ulannschicfcr durchsetzt, dazwischen zeigen sich Schichten von blauem oder von porphyrartigem Thon. Da die Natur hier höchst selten eine Manzengestalt dem Reisenden bietet, so ziehen Ic Lagen und Gestalten der Gesteinbildungcn P" so mehr die Aufmerksamkeit sich, zumal  CVc " Formen und Tinten sonderbar fremdartig anmnthen. Durch Verwittern und Ab- ^ ckeln der untern Flötzc entstehen Anshöhlnn- n den Seiten der Schluchten. Die über ragenden, drohend aussehenden Felsen fei- e n Sandstein, welche die Spitze der Hügel "den, stürzen endlich, ihrer Unterlage beraubt, .lerab vermehren durch ihre Trümmer die ^^dheit der Gegend, während der feinere sU d, hier vorherrschend gelbe Färbung anneh- , dem Sandoeean neuen Zuwachs liefert. ir! . 1 ^kazienbäume klammern hie und da C Wurzeln an das kahle Gestein und strecken ihre stachligen Zweige Um Mühenden Sonne entgegen. Benetzt ein Regenschauer, der freilich mit- Die Gummi-Akazie. (Acacia nilGtipa)’. M , ei manchen Landstrichen lange genug ansbleibt, so entfalten rasch die ^.Zgcfiedertcn Blättchen und locken mit ihren duftenden Blütenbüscheln einige gc- o^i^ue Insekten herbei, obschon letztere nur spärlich vorhanden sind. Die meiste j " über schlummern sie aber als vegetabilische Mumien", durch Trockniß zu Ruhe vcrnrtheilt. Die Dürre bringt hier dieselbe Erscheinung hervor, wie Cn Polarländern und auf den Spitzen der Hochgebirge übergroße Kälte. Wie iib "Ptern Lokalen das niedere Kraut und die kriechende Weide jahrelang unter v ^"Eßiger Schneedecke schlummert, die nur ein besonders günstiger Sommer d^"uehmcn vermag, dann aber in größtmöglicher Hast aus dem Wnrzelstock oder en Blütentheile und Blätter entwickelt und die Samen zu reifen sucht, so ^N en die Gewächse der Wüste während des Sommers im Zustande des Schein-100 Fessan und bic Natron-Scen. todes, bis sie durch die belebenden Tropfen geweckt werden. Aus den Zweigen der Akazie dringt der bekannte Stoff, der als arabisches Gummi im Handel bräuchlich ist. Nach dem Regen oder in Folge starken Thaues schwillt die Rinde der Zweige auf, da sich unter ihr der Saft häuft. Tritt nun trockner heißer Wind ein, so zieht sich die Rinde zusammen, reißt und preßt den Gummisaft aus. M den Bäumen, die der Straße nahe stehen, findet der Reisende selten Gummi, denn die vorbeiziehenden Araber nehmen ab und verzehren cs, in abgelegenem Tha^ lern ist es aber genugsam vorhanden. Stücke, welche eben frisch vom Baume g^ nominen und innen noch saftig sind, bieten auch wirklich eine angenehme E quickung. DaS meiste Gummi wird von Tuariks nach Mnrsuk gebracht und von denselben in dc Gegend zwischen Dscherma nn Rhat gesammew Rur wenige andere Bauina^ teu vermögen nN solchen uugüusR gen Stellen a"^ zudauern am sten tritt noch Eth elbast N (Tamarixoi ie’ 1 talis) uird dlN Talh aban" auf. Von krann artig nieder ^ wachsen findet stO einzeln der R ^ _. .. tem (YincetoS Der Sä akal. . cum), ein GW gewächS mit milchigem Saft, hie und da auch wol eine duftende Raute. - . liebsten begegnet der Reisende der Schia (^rtsmisin odoratissima), einer * sehr wohlriechendem Beifuß, die das Lieblingsfutter der Kameele ist. Ebenso spärlich ist das Thierleben entwickelt, das ja eng an die Pflauzcn^.^ geknüpft ist. Die Fußspuren im Sande verrathcn die Gegenwart flüchtiger lopen; Schakale bergen sich in dem Geklüft und horchen auf den Tritt des Ka" f les, stets bereit, das erschöpft dahinstnkende Thier zu verzehren. Auch der wüstliche Allerweltsbewohner, Reineke Fuchs, ist hier zu Hause und sucht i" lich zu machen, vonden zwei Hühnern des armen Arabers eines fürsich zuerbeu Im wenig besuchten Seitcuthale trifft der Wanderer die Schalen von ßeneiern, und vielleicht glückt es ihm auch, die Riesenvögel an: Saume der zu belauschen, wo sie die melonenähnlichen Früchte der Kologuinte mit kräfu Wadi Cherbi und Dscherma. 101 ^chnabelhieben sevlcgcu, um btt Kerne zu verspeisen. Im Sande marschireu Ameisen, anders geformt und anders gefärbt als ihre europäischen Schwestern. Ähre Zangcir zeigen in der Form Ähnlichkeit mit den großen Schccren der Krab ben und ihr lichtbrauner Körper ist mit silberweißen Flecken besetzt. Einen ctnzt- SM Käfer fand llr. Vogel in dem an Insekten armen Lande. Wir fügen das von hm selbst entworfene Bild desselben hier bei, ohne leider die Art genau bestimmen ö t können, welcher er angchört. Höchst wahrscheinlich ist er zur Gattung chr ionn^ gehörig, den Bockkäfern verwandt, welche sich von ausschwitzenden Pflanzensäften 0  C1 von Knospen ernähren. zes. ihrer Mitten durch das weite Wadi zieht ein breiter Streifen ausgcblühtcn Sal- Dattelgcstrüpp tritt in Menge auf unb die Hähern Stämme zeigen sich nt ganzen wilden Schönheit, die braunen, verdorrten Blätter früherer Jahrgänge ringe Mn Stannne herabhängend, während droben me scharfgeschlitzlen frischen Fiedern mattgran- Srün glänzend, wie Dolche emporstarren. So Malerisch der Anblick ist, so verräth er doch lmchzcitig, daß sich wenigJndustrieundwemg Betriebsamkeit bei den Bewohnern des Thalcs ttnbct, und daß sie selbst die verhältuißmäßig m spärlich szugünessenen Gaben der Natur nietet ^nutzen. In der Nähe der Wohnungen trisst Wanderer bewässerte Fruchtfelder, bereit pflege meistens durch Negersklaven besorgt M rd. Männer und Frauen verrichten hier, Uücfcub, bic ciuftvcucjcubc Avbeii bes Äiehens ober bes Einerntens währenb ber ^onnenglnt mit Gesang rtnd leichtfertigen Gc- ntetr und gebcti durch ihr oft unanstäutt- Venchutcu einen Beweis von den lockern . .. s durch welche die Bewohner dcS Wadi Cherbt berüchtigt,t d. . Ein Streifen von Dattelpalmen zieht sich VingS de Nordran^s dmch Lanze Thal hin, mit zahlreichen Quellen und gleich zahlreichen Drrf. , 7.U"beja, Kerkiba (4 Meilen von Dscherma) und Dscherma stnd darunter ^ chtigsteu. Beckkäfer (?rionu8?) auS -Fcssan. war die erste Stadt, die D G Vogel hier im Wadi Chcrbi bc- befattd sich im Lande der alten Garamanten. Dscherma ist das Aarau, s 1 uw uu soll xhed, vvs Römer. DaS Volk der Garamanten, dessen schon Hcrvdot erwähnt, über Jnr r n -blos im alleinigen Besitz von Fessan gewesen sein, sondern auch ^ "e äde kleinere libysche Völkerschaften gegen Norden hin bis nahe zur Küste der sild^ chaft ausgedehnt haben. Als Südgrenze ihres Gebietes werden sogar Vagradesfluß (der heutige Steppenfluß von Agades) unb Darfnr,102 Fessan und die Natron-Seen. sowie die Quellen des Nil und die Mondberge bezeichnet. Die Tibu sollen die Ueberreste der nach Süden zurückgedrängten Garamanten sein. Zur Seite der Ruinen der alten Stadt starren jähe Felsenriffe 300 400 Fuß hoch steil empor. Ueberreste von Thürmen aus Lehm, innerlich oft mit wunder lichen Einrichtungen versehen, deuten den ehemaligen Umfang des Ortes an, der 5000 Schritte beträgt. Neu -Dscherma wird nur von zehn Familien, etwa vierzig Seelen in Summa, bewohnt. Etwas östlich von Dscherma findet sich das südlichste Denkmal durch Römer gebaut, das südlichste sichere Zeichen, wie tief jenes Volk ins Innere von Afrika gedrungen. Der Zug, welchen die Römer bis in diese eirtlcgenen Gegenden un ternahmen, fällt in das Jahr 735 nach der Erbauung der Stadt Rom oder 19 v o r Christus. Damals drang Lucius Balbus Gaditanus bis hierher, aber nicht auf der Straße von Misda, die damals noch nicht bekannt war. Balbus war ein geborner Spanier, hatte aber römisches Bürgerrecht und Konsulat er halten und unternahm jenen Zug muthmaßlich als Prätor von Afrika. Höchst Wahrscheinlich hatten die Garamanten durch räuberische Ueberfalle den Karawa- nenhandel gestört und dadurch den Kriegszug hcrvorgcrufen. In jenem Jahre hielt Balbus einen Triumpheinzug in Rom als Eroberer von Chdamus (Ghada- mes) und von Garama (Dscherma). Das noch gut erhaltene Denkmal beweist, daß die Herrschaft der Römer hier keineswegs eine so ganz schnell vorübergehende war; da aber der Triumph des Balbus gerade in die unruhige Zeit nach Cäsar s Ermordung fiel, so gericth das Andenken an die Erfolge jenes Zuges unter wich tiger Dingen in Vergessenheit. Auch eine Brunneneinfassung fand Dr. Vogel in Dscherma, welche unzwei felhaft römischen Ursprungs war. Die alten Thürme und Gräber dagegen, welche er zwischen Dscherma und Kerkiba antraf und anfänglich auch für römischen Ur sprungs hielt, da die jetzigen Bewohner dieselben als Werke der Heiden bezeich nen, erkannte er später als Bauwerke der ältesten Bewohner von Fessan. Ein sol cher Jrrthum war sehr verzeihlich, da die Gräber gar zu sehr von jenen kaum fußtiefen Gruben abstechen, in die Türken und Araber jetzt ihr Toden einschar ren. Zahlreiche Schlösser und Thürme, Alles Bauwerke jener alten Fcssaner, fand Vogel an fast ganz verödeten Orten, ja geradezu mitten in der Wüste. Daß jene Bauwerke nicht römischen, sondern fcssanischcn Ursprungs sind, erkannte der Doctor bei einem Besuche von Sesan, ein Ort, welcher 2% Meilen östlich von Mürsuk liegt. Sesan ist eine der altern Städte des Landes und zwar nach Z uela die bedeutendste in Fessan. Vogel fand daselbst ganz dieselbe Art von Ziegeln und Mauerwerk, sowie sonderbarer Weise überall statt gewölbter Fenster dreieckigst Die Blütezeit von Sesan fällt um etwa 1000 n. Ehr. Die Gräber erinnern an die Art und Weise, wie die Tibu ihre Toden begraben; sie werfen die Leiche nämlich in eine tiefe Grube und füllen dieselbe mit den schwersten Steinen, die sie uv auftreiben können, um den Gestorbenen am Wiederkommen zu verhindern. Die alten Schlösser bestehen aus etwa 20 Fuß hohen Mauern, die cineu quadratischen Raum von 40 60 Fuß Seite umschließen und an den Ecken mUDie Natron - Seen. 103 Thürmen versehen sind. Um sie herum läuft ein niedriges Außenwerk. vr. Vogel fand Niemand, der ihm hätte Kunde geben können, wann und von wem sie gebaut sind; er glaubt, daß sie sich aus der Blütezeit Fessans, etwa um 800 n. Chr. her- schrciben, doch hält er für möglich, daß sie älter sind , da die Schollen mit Salz wasser getränkter Erde, denen sie errichtet sind, in diesem trockenen Klima Jahrtausenden zu trotzen vermögen. Der Hauptgrund davon, daß die Ortschaften Fessans in der gegenwärtigen Zeit so sehr an Bewohnern verlieren, liegt außer in dem Druck, den die Türken durch ihr Steuersystem auf das Land äusüben, hauptsächlich in dem Abscheu, wel chen die Eingcborncn gegen den Militärdienst empfinden. Nicht wenige schlagen sich lieber einige Zähne aus, verstümmeln sich Finger oder andere Glieder, als daß sio sich entschließen, Kommißbrod zu essen, und nicht wenige Familien ziehen sich mit ihren Herden in entlegenere Gegenden zurück, in denen sie von jenem Zwange befreit sind. Vom Wadi Cherbi aus drang Vogel nach den mehrfach erwähnten Natron- Seen vor. Die Wüste, in der dieselben liegen, ist fürchterlich, ein System von Sergen, Thälern und Abgründen von und im feinsten Flugsandc, in den die ^hicre bisandcnBauch einsinken und in dem buchstäblich keineQuadratelleebener Trnnd ist. Um das Zelt und Kochgeschirr nebst zwei Wasscrschlänchcn fortznschaf- ss , Alles zusammen etwa 350 Pfund Gewicht, brauchte Vogel nicht weniger als fünf Kameclc und legte trotzdem in 18 Stunden nur etwas über zwei Meilen zu- WaS für anständige Hügel von Flugsand die erwähnten sind, kann man aus swer trigonometrischen Messung sehen, die der Doctor von den am Südnfer dcs ^urm- Sccs gelegenen gemacht hat. Er fand dieselben drei sehr gut stim- wsnden Beobachtungen 530 Fuß über dem Spiegel des Wurm-Sees. Vogel hätte gern die Erhebung des Sees über dem Spiegel des Mittelländischen Meeres ^stimmt, war aber unmöglich, ein Barometer dahin zu transportircn. Oudncy, der früher diese Gegend bereiste, hatte den nordwestlichsten der Patron-Seen, den Mandra-See (siehe das Bild auf Seite 98) besucht und dcn- l^ben anschaulich beschrieben. Er fand ihn von einer Gruppe Dattelpalmen umge hn und seine Ufer überall mit Gras und einer großen Binsenart bedeckt. Er ist ^gcfcihr eine Viertelstunde lang und über 200 Ellen breit. Im Juli, als sich dsUdney an ihm befand, war er nicht lief und an manchen Stellen sogar trocken, f lc während des Winters und Frühjahrs bedeckt sind. Am Grunde des Sees kry- lallisirt das Salz beim Verdunstendes vollständig damit gesättigten Wassers; "! nt dann die Wassermenge wieder zu, so löst sich ein Theil des Natrons wieder 3- Das Wasser ißt das Salz!" Pflegen die Araber zu sagen. Die abgelagerte M Schicht ist von verschiedener Stärke, die größte Dicke beträgt 2 3 Zoll. Die ^^e ge Natron, welche man jährlich vom TAna-See wegholt, rechnet man zu ^äoo Kameclladnngen, jede zu etwa vier Centncrn. Man entnimmt dem er ft sobald verlangt wird. Das Verfahren dabei ist sehr einfach: man wt am Ufer los, entfernt so viel als möglich die anhängcndcn Schmntztheile104 Fessan und die Natron-Seen. und Grasstengel und macht viereckige Stücke daraus, die man init den zähen Fa sern der Palmblätter zusammenbindet. Das Meiste dieses Salzes, was nicht in Fessan selbst verbraucht wird, geht nach Tripoli. Dr. Vvgel wendete besonders dem sogenannten W u r m -See (Bahr cl Dud) seine Aufmerksamkeit zu, den seiner wilden, schwer zugänglichen Lage wegen vor ihm noch kein Europäer besucht hatte. Man hatte Vogel erzählt, dieser Sec sei unergründlich tief, und jedes lebendige Wesen, welches hinein gelange, würde von dem finstern Wasser verschlungen. Seine Begleiter waren deshalb nicht wenig entsetzt, als er frisch hineinsprang, um mit der Senkleine in der Hand die Tiefe desselben zu messen. Diese war im Durchschnitt nicht mehr als l8Fnß und an der von den Eingebornen als die tiefste bezeichncten Solle 24. Die dunkle Farbe des Wassers macht den See tiefer erscheinend, als er wirklich ist. Seinen Ruf hat derselbe außer seinem Salzreichthum besonders den kleinen sogenannten Fessan-Würmern zu verdanken, die ihn in unzähligen Schaaren bevölkern. Vogel entwarf eine Zeichnung von denselben, nach welcher neben stehende Figur gefertigt ist. Er sagt von ihnen bei dieser Ge legenheit: Diese Würmer sehen recht niedlich und schmecken rein salzig. Die Farbe ist glänzend roth, genau die des Gold fisches. Beim Schwimmen schlängeln sie den Leib wie eine Schlange und bewegen die Füßchen (etwa elf oder zwölf an jeder Seite) mit großer Geschwindigkeit vor- und rückwärts. Die Länge eines ausgewachsenen Exemplars beträgt 3 , 2 Pari ser Linien, die Breite dicht unter dem Kopfe 1 1 4 Par. Linien. Während der Tagcshitzc ziehen sich die Würmer tit die Tiefe Dcr Fcff,in-Wurin, Sees zurück, Morgens und Abends erscheinen sie an der OiMnlvnTiii Oberfläche des Wassers. Man fängt mit Kattunnetzen und Dr.v , gnchm! g: dabei zugleich unzählige Exemplare einer Fliegenlarve , von dc- SMch ist df- n aÄrilch- neu der See voll und seine Oberfläche bedeckt ist; Alles zusammen wird mit einer rothen Dattel zu einem Brei verarbeitet, der einen starken Heringsgeruch und Salzgcschmack hat und von den Bewohnern Fessans anstatt Fleisch zum Basin u. s. w. gegessen wird. Die erwähnten Flie- genmadcn sind Feinde des Wurmes und fressen ihn." Oudnch sagt von ihnen, sie seien einen Zoll lang, beständen Ringen und hätten an jeder Seite sechs Füße, sowie zwei schmale hornförmige Auswüchse am Schwanz. Wenn die geschilderten Seethierchen Würmer" genannt worden sind, s -si dies Wort hierbei nicht im Sinne dcr Wissenschaft gebraucht worden. Ihrem Körperbau nach gehören die Fessan-Würmer (Artemia Oudneyi) zu der großen Abthcilnng der Krustenthiere und sind somit Verwandte des bekannten Krebses, wenn auch nur weitläufige. Mit dem in Regenpfützen und Sumpflachen bei uns einheimischen Kiemenfnß (Brachyopus) werden sie zu der Ordnung der Blatt füßer gestellt, die durch den eigenthümlichen Ban ihrer Füße gekennzeichnet wird- Letztere zeigen drei Thcile und dienen ebcnsowol zum Fortbewegen, als auch n Athmen, deshalb sind auch, selbst wenn das Thier ruht, in ununterbrochener Wadi Schiati. 105 Schwingung. Als Hauptnahrung dienen dem kleinen Geschöpf vorzugsweise Jn- fusionsthiercheu. Der Fessan-Wurm (Dud) findet sich nicht ausschließlich in dem insonderheit nach ihm genannten Wurm-See, sondern bevölkert auch die übrigen Natron- Seen dieser Senkung. Nördlich von den Seen behält das Land denselben Charakter bis dem gegen sechs Meilen nördlicher liegenden Wadi Schiati. Hohe Sandhügel aus fei- ncm Flugsand erschweren das Fortkommen unendlich. Nicht selten bildet der Wind aus dem Sand ähnliche scharfe Vorsprünge und Kanten, wie sie uns eine schnee bedeckte Winterlandschaft nach anhaltendem Windwehen und Schneegestöber zeigt. Der Reisende ist gezwungen, stellenweise vorauszugehen und mit den Händen die hinderlichsten Partien abzuflachen, um den beladenen Kameelen, die bei jedem Fußtritt tief einsinken, das Weiterkommcn zu ermöglichen. Besonders fremdartig wird der Anblick, den diese Sandwüste zur Nachtzeit bei heller Mondbeleuchtnng gewährt. Das weiße Licht, das vom dunkeln Himmel herabstrahlt, nicht durch das kleinste Wölkchen getrübt, contrastirt scharf mit der goldgelben Färbung des Sandoceans. Ein einzelner Hügel trägt eine Gruppe Palmen mit malerisch wild herabhängenden Blättern, um starrt von Gestrüpp; gleich Ertrinkenden strecken einige Dattelbäume im Thalc daneben ihre Häupter dem Flugsande empor, der ihre Stämme verschüttet hat. Selten unterbricht ein lebendiges Wesen die laut lose Stille; das Heulen einer fernen Hyäne, dasKläffen eines Fuchses sind die ein zigen Töne, welche die Wüstenrnhe stören. Der kühle Ostwind treibt ein leichtes Sandwölkchen gleich einer Geisterschaar vor sich her und kräuselt es um die schwarz blauen Felsklippen, welche wie Dämonen der Unterwelt indcrFernehervorschancn. Das Wadi Schiati liegt um ein Ansehnliches höher als das große Wadi Cherbi; eine Reihe hoher Sanddünen, hier weiß von Farbe, begrenzt cS im Süden, nach Norden zu verläuft sich flacher. Zahlreiche Brunnen werden hier zu Spendern des Lebens. Ihre geringe Tiefe erfordert nur eine mäßige Anstrengung, um das Wasser in die Rinnsale zu leiten, welche die Felder er quicken, ja manche sind so flach, daß sich ihr Wasser von selbst in größere Becken sammelt, um von hier aus die Pflanzungen speisen. Getreidefelder gedeihen u weiter Ausdehnung, freundlich grüne Krautstreifen breiten sich neben den frucht- schweren bräunlichgelben Saaten und gewähren den Kamcclherdcn reiche Weide, bic gleichzeitig ohne Beihülfe des Menschen aus den flachen Quellbrunnen den Durst zu löschen vermögen. Aber dicht daneben erstrecken sich wieder schwarze 6üge unfruchtbarer Sandsteinklippen und erheben sich zu ansehnlich hohen, male risch zerrissenen Hügelketlen. Von ihnen stechen die weißen Sanddünen des Süd- randes grell ab, und in der Mitte des Thales ist der tiefschwarze, kahle Boden unt einer weißen Kruste ansblühender Salzkrystalle überzogen, welche bei der mühenden Mittagssonne dem Norden stammenden Fremdling das Bild einer ^chneefläche sonderbar vorspiegeln. Ein großer Dattelhain, welcher in langen rügen Streifen sich über einen weiten Raum erstreckt, leitet den Blick an den Ostreichen kleinen Dörfern mit ihren Palmblattdächern und Lederzelten vorbei1 OG Fessan und die Natron-Seen. nachdem größeren Orte Edcri, der durch feine Sage die Aufmerksamkeit vor herrschend fesselt. Das alte Ed eri bedeckte den Gipfel eines terrassenförmig ansteigenden an sehnlichen Felsens von zienrlicher Höhe (lOOFuß). Die schwarzen Wände fallen nach Süden schroff ab und lassen nur einen Zugang von der Nordscite zu. Durch diese Lage begünstigt, die eine seltene Ausnahme unter den Ortschaften Fessans ist, gelangte die Stadt zu einem politischen llebcrgewicht über ihre Nachbarn und behauptete ihre Herrschaft auch bis zu Anfang der vierziger Jahre dieses Jahr hunderts. Zn dieser Zeit ward sie durch die Tyrannei Abd el Dschelil s, des krie gerischen Häuptlings der Uelad Sliman, zerstört und der unabhängige Sinn ihrer Bewohner gebrochen. Die Trümmer, welche noch jetzt die Fclshöhe bedecken, sprechen von der dichten Bevölkerung, deren sich der Ort erfreute. Die Landschaft zwischen dein Wadi Schiati und dem Südrande derHammada gicbt an Unfruchtbarkeit und Oede den südlichern Distrikten nichts nach. Nur nach dem Nordrande hin bringt der Granit, welcher hier auftritt und durch seine felsi gen Erhebungen und Klippen den Pfad zu mäanderartigen Krümmungen zwingt, einige Abwechselung hervor, und das von dcnKamcclen so geliebte Schia (der wohlriechende Bcifnß) bedeckt einzelne Thalgründe mit erfreulicher Ueppigkeit. Im Süden wird das Wadi Cherbi von dem Plateau von Mnrsnk begrenzt, das sich in einer Mittlern Erhebung von JOOO Fuß über dem Meere gegen 30 Mei len weit nach Westen hin erstreckt. Der Karawanenweg von Mnrsnk nach Rhat, der das Plateau entlang führt, folgt dem Wadi B erd hu sch, das sich viele Mei len weit von Ost nach West hinzieht. Nach seiner Mitte zu senkt es sich bis gegen 900 Fuß, steigt aber im Westen bis zu 2000Fuß an. Sand, Kies und Kalkgeröll bilden den Boden des Thales, streckenweise begleiten es Sandstein und Kalk wände, an andern Stellen Sandhügel, und wiederum an andern verflacht es sich zur ebenen Wüste. Der ferne Südhorizont zeigt sehr gebirgiges Land. Unver kennbar sind in dem Wadi die Spuren, welche heftige Regenströme zurückgelassen haben. Dergleichen Ergüsse sind hier keineswegs zu selten. Die schweren Wolken entladen sich, von starken Wirbelwinden begleitet, in überreichem Maße. Ebenso schnell als sie entstanden, verlaufen sich aber die Wassermasscn auch wieder. An den tiefsten Thalstcllen bilden Teiche oder kleinere Sumpflachen, das übrige Wasser verdunstet oder sinkt in den lockern Grund ein. Gräbt hier der Reisende einen Brunnen, so stößt er schon bei geringer Tiefe auf die gewünschte Erquickung- Ein heiteres Leben sammelt sich um jene Wüstenteiche iin Wadi. Gräser, deren langhinkriechende Wurzeln und harte Samen unbeschadet lange im dürren Boden schlummerten, sprossen und bieten den Kameelen reichliches Futter. Die Aka zienbäume bedecken sich mit Laub, die Tamarisken beginnen ihre Blütensträuße rosig zu entfalten. Mit Freudengeschrei begrüßen die durstenden Dromedare der anlangenden Karawane den Wasserspiegel. Der Ruf der Treiber ist nicht nöthig, uin sie zur Eile anzuspornen. In langen Zügen schlürfen sie das Labsal, während die von der Hitze ermatteten Pilger sich durch ein langcntbehrtes Bad erquicken. Hat der Reisezug gestärkt und erfrischt den Teich verlassen, so naht sich denrselbcuDas Land zwischen Mursnk und Rhat. 107 das verscheuchte Wild. Antilopen kommen aus den Seitenthälern in kleinen Rn- deln herbei, Schwärme von Flughühnern und Fclstauben treiben am Ufer heitere Spiele und zahlreiches kleineres Geflügel, Steinschmätzer, lcrchcn- und drossel- ähnliche Vögel finden sich zur Tränke ein; ja selbst ein seltener Schmetterling und eine Libelle gaukeln über dem Wasserspiegel, ein fremdartiger Anblick im Wüstenland! Ungefähr in der Mitte zwischen Mursnk und Rhat, wenige Meilen von dem Westrande des Plateau s von Mursnk entfernt, bildet das Wadi einen Thalkessel, der unter dem Namen Wadi Tcli ssar e (siehe das Anfangsbild S. 85) bekannt ist. Ein Seitcnthal mündet hier in die Hanptsenkung und die zusammcntreffen- den Regenwasser sammeln sich zu einem Tümpel, der wenigstens einige Monate hindurch einen ziemlichen Wasservorrath bewahrt. Mimosen bieten im Thalgrunde angenehmen Schatten, und mancherlei aufsprossendes Grün, Kräuter und Gräser machen das Plätzchen dein Reisenden und seinen Lastthiercn zu einem angenehmen Rastort. Das Interesse des Europäers wird aber besonders durch die Skulptu ren gefesselt, welche er an den senkrechten Felswänden eingemcißclt findet. An einer glatten Felswand im Thale ist eine ganze Gruppe Rinder in den verschiedensten Stellungen abgcbildct. Alle bewegen sich nach der rechten Seite hin, an der wahrscheinlich der Tränkplatz angedentet war. Weiterhin im Gebirge sind mehrfach Opferkreisc, Quadern erbaut, vorhanden lind Büf fel, Strauße, kleinere Vögel und ähnliche tägliche Begleiter des Wüstcnbewoh- Uers in die Blöcke cingearbeitet. Nirgends findet sich jedoch eine Abbildung des Kamecls, und wird dadurch die Thatsache bestätigt, daß dieses mit dem Haus halt der jetzigen Nomaden so innig verwachsene Thier früher hier gänzlich unbe kannt war. Der Waarentransport geschah in jenen Zeiten mit Hülfe der Rinder, und es ist deshalb interessant, zu erfahren, daß noch ums Jahr 848 ein Reisezug ^vu Kairo nach Rhat mit Hülfe von Rindern ansgeführt wurde, die man jeden ^Veiten Tag tränkte. Erst durch die Araber ward das Dromedar in Nordafrika Angeführt und hat hier seine zweite Heimat gefunden. Von der Hochebene von Mursnk hinab nach dem Thale Jlaghlarhen Und von diesein wiederum nach der noch tiefer gelegnen Ebene von Rhat gelangt Reisende nur durch enge wilde Schluchten. Wahrscheinlich sammeln sich in ^sn Hähern Thälern des hier hoch aufstarrenden, vielfach zerrissenen Gebirges bei ^egengüssen bedeutende Wassermassen an, die sich dann durch dieselbe Kluft den bahnen, welcher den Karawanen als Pfad dient. Sechshundert Fuß tief zieht U letzterer hinab und besitzt dabei streckenweise nur eine Breite von sechs Fuß. ?^ie Sandsteinmassen sind wild zerborsten und starren links und rechts senkrecht, an vielen Stellen überhängend bis 100 und mehr Fuß empor. Die untere Hälfte der Wände besteht aus Mergellagern mit Ueberresten voir Seemuscheln, "us den Urzeiten ihrer Entstehung stammend. Zwischen dem thonigcn Mergel la- ? ttn wiederum Flötze von Kalkstein und Eisenerzen. In Vertiefungen der Seiten laben sich einzelne Talhabänme angesiedelt und bringen mit ihrem freundlichen v ‘i t einiges Leben in die wilde Scene der Zerstörung. Vielfach windet sich der108 Fessan und die Natron-Seen. enge Weg in scharfen Winkeln links und rechts und ist auf weite Strecken sowol an seinem Grunde, als auch an den Seiten so glatt, als sei er von Menschenhand nrit dem Meißel bearbeitet worden. Dieser enge Paß, der nahe der Grenze Fessan und dem Gebiete der Tnariks liegt, würde ein höchst wichtiger Punkt wer den, sobald ein Krieg zwischen beiden Völkerschaften entstände. Vier Stunden braucht der Reisende, ehe er durch die erste Schlitcht, Rhalla genannt, nach dem tief eingefurchten Thale von Ewasarn Tesse gelangt, das mit Kraut imb einigen Talhabäumen bewachsen ist und gegen 1500 Fuß über dein Meeresspiegel liegt. Hat der Wanderer die zweite ähnlich wilde und von zerrisse nen Felsen umgebene Schlucht passirt, die ihn nach der Ebene von Rhat führt, so sieht er im Westen der letzter , in etwa anderthalb Meilen Entfernung, das be rüchtigte Tcufelsschloß Id inen vor sich, ein halbmondförmiges Gebirge mit einem jähen, tief zerrissenenKamm von flimmernd blendcndwcißer Farbe und hoch- rothem, flacheren Fuße Mergelschichten. Hier hausen nach dem Glauben der Asgar Schaarcn von Dämonen, hier versammeln sich die Geister der Wüste, die Schrecken der Hirten. Zwischen ihnen und den Asgar besteht, den überlieferten Erzählungen zufolge, die Ucbcrcin- kunft, daß keiner der letztcrn das gehcimnißreichc Felsenlabyrinth betreten darf, wenn er nicht sei Leben verlieren will. Die Dämonen ihrerseits haben dieFclsen- mauern in Westen als Bollwerk für die Bewohner aufgeführt und lassen ihnen in der Wüste ihren Schutz angedeihen. Nur ein einziger, schwer zu findender Brun nen ist in der ganzen Umgebung von Jdinen vorhanden, und Felsklüfte, zer bröckelnde, stürzende Blöcke, mit Flugsanddünen tvcchselnd, bieten wirkliche Ge fahren genug, nur der Phantasie der abergläubischen Asgar Nahrung zur Bildung jener Sagen zu geben. Wir brauchen uns nur an die Tcufelssagen unsers heimat lichen Brockens und Ricscngebirges 31 t erinnern, in denen die Gefahren des Gebir ges Fleisch und Bein erhalten haben, und wir dürfen uns nicht wundern, wenn die Tuariks, deren Furcht jeden Hügel mit einer Sage von kamcelgroßen Schlan gen, von verscharrten Schätzen, die Marabntgcister bewachen, . dgl. belebt, den zerrissenen Riffen und Kämmen jenes Gebirges eine Geisterburg geschaffen haben. In gleichem Grade, wie jene Sagen jeden Eingcborncn von einem Besuche des Gcspensterschlosses abhaltcn, fühlt sich der vorurtheilsfrcie, vom Forschereifer getriebene Europäer angespornt, dasselbe zu besuchen und den geheimnißvollen Schleier zu lüften, der darüber ausgebrcitet ist. Nicht daß man die wirklichen Ge fahren des öden Gebirges verkennte und sie muthwilliger Weise unbesonnen her- ausforderte, die Geistersagen der Asgar knüpfen sich gar zu oft an Inschriften, Skulpturen und andere Zeichen, die eine frühere Bevölkerung zurückgelassen hat und die dem Gcschichtsfrcund eben so viele Anziehungspunkte bieten, als dein Geologen die zerklüftete Gebirgsart Aufschlüsse über die Formationen jener Ge biete verspricht. Alle Europäer, die bis Rhat vordrangen, unternahmen cs, die Geisterburg zu besuchen, alle hatten inehr oder minder unglücklichen Erfolg, den die Eingebornen natürlich der Macht der Geister herlciteten. Schon Ondney hatte versucht, das Teufelsschloß zu besteigen. Er fandSic Gcisterlmrg. 109 den Berg so steil, mit so vielen losen Steinen umlagert, daß er nur auf eine der Hohen gelangen konnte. Ein tiefer Abgrund, den er antraf, verwehrte ihm jegli ches Weiterkommen. Richardson hatte bei seiner ersten Reise nach Rhat ebenfalls eine Besteigung unternommen, auf dem Rückwege aber sich verirrt und dabei fast das Leben verloren. Barth und Overweg wagten den Besuch des Tcufelsschlosses auch, jeder für sich, der erstere geschichtliche, der letztere geologische Forschungen im Auge behaltend. Keiner der Tnariks wollte ihnen als Führer dienen; Richard son, der im Lager blieb, bewog endlich einen Neger, Overweg mit einem Wasscr- schlauchc zu folgen. Keiner der beiden Europäer kehrte zurück, obschon sie wußten, daß die Karawane nur während der heißesten Stunden des Tages hier rasten würde. Gegen 5 Uhr Nachmittags langte Overweg, von dein Neger unterstützt, im Zustande äußerster Ermattung an. Von Di-. Barth fand man nicht die ge- Die Gcisterburg Idiueu. ringsteSpnr, hing deshalb bei einbrechender Nacht eine Laterne in den Gipfel eines hohen Baumes und zündete Signalfeuer an, um dem Verirrten Zeichen zu geben. Barth hatte nur etwas Schiffszwieback und einige Datteln als Mund borrath mitnehmen können, und dies war gerade unter diesen Umständen die allcr- ungeeignetste Kost. Ein kleiner Wasserschlauch und ein Paar Pistolen bildeten das übrige Gepäck, gerade hinreichend schwer für den durch die vorhergegangencn Anstrengungen ermatteten Wanderer. Nachdem Barth die weit ausgedehnten Vor höhen überschritten, langte er an dem Teufelsschloß selbst an. Sehr ermattet klomm er einen liefen Abgrund hinab und an der jenseitigen Wand desselben empor, bis zu einem förmlichen Fclscnwalde von Klippen und Blöcken gelangte, ohne an denselben eine Spur von Inschriften oder Skulpturen zu entdecken. Erschöpft dachte Barth an den Rückweg. Nach langem Herumirren sah er einige Hütten zur110 Fcssan und die Natron-Seen. Seite eines vertrockneten Baumes, schleppte sich mühsam bis zu ihnen hin und fand sie zerfallen, allem Anschein nach seit langen Zeiten von ihren Bewohnern verlassen. Er konnte vor Ermattung nicht weiter. Ans Nothschnsse, die er ab- feuerte, erfolgte keine andere Antwort als das höhnende Echo der Geisterbnrg. An dem Baume sank er, voir heftigem Fieber befallen, nieder und verbrachte die Nacht, die schnellhereinbrach, in einem gräßlichen Zustande. Seine Erschöpfung steigerte sich am andern Tage. Er verfiel in einen Zustand halber Bewußtlosigkeit und erwartete hoffnungslos seinen Tod, da traf nach Mittag der Schrei eines Kamcels sein Ohr. Ein Asgar auf einem Dromedar nahte sich ihm und rettete ihn durch seinen Wasservorrath vom Tode. Ans dem Kamccl festgebundcn, langte Barth mit seinem Begleiter bei der Karawane an und ward hier mit Jubel be grüßt. Man hatte fünfzig Dollar demjenigen als Belohnung verheißen, der den Verirrten auffinden würde, und die Tuariks waren erstaunt, daß er noch lebte, denn Niemand, sagten sic, könne in der Wüste länger als zwölf Stunden ohne Wasser dem Tode entgehen. Während der nächsten drei Tage war Barth aber kaum im Stande cttvas zu essen und erholte sich nur allmälig wieder. Südlich von dem BergeJdinen liegt Rhat, die Hauptstadt des ASgargc- bictcs. Sie zieht sich am nordwestlichen Fuße einer felsigen Anhöhe entlang, die in die Mitte des Thalcs vortritt und an ihrer Westseite mit Sandhügeln umgeben ist. Palmcnpflanznngen nmgrünen sie, thcils als langgestreckte Streifen, thcils als kleinere geschlossene Gruppen. Die Stadt gewährt einen freundlichen Anblick. Die Mauern ringsum sind aus weißem Thon und Sand aufgeführt und die Häu ser gleichem Material gebaut, wodurch das Ganze einen heitern Anstrich bekommt. Der Begräbnißplatz ist in zwei Theile gelheilt, einer für die Erwachse nen bestimmt, der zweite für die Kinder, und befindet sich außerhalb der Stadt. Die Einrichtung der Häuser ist ähnlich wie diejenige in Mursnk; die Lagerstätten zur nächtlichen Ruhe sind aus Pälmenblättern gearbeitet und fünf Fuß über dein Boden erhaben, da man sich auf diese Weise leichter vor den häufigen Skorpionen schützt. Den sonderbarsten Anblick gewähren dem Fremden die Kinder des Ortes. Man pflegt denselben nämlich das Haar in der Weise zu scheeren, daß nur ein von der Stirn über den Scheitel laufender Kamm stehen bleibt. Die Moschee von Rhat ist schöner als irgend eine in Fessan und befindet sich ziemlich dicht amFuße des erwähnten Berges. Auf dem letztcrn soll ehedem die alte Stadt gestanden habe , durch Einsturz des Felsens aber zerstört worden sein, bei welcher Gelegenheit auch eine große Anzahl Einwohner ihr Leben verloren. Trotzdem daß der Ort verhältnißmäßig klein ist und nur etwa 250 Häuser zählt, besitzt er doch für den Handel besondere Wichtigkeit. Die letztere würde snst noch um ein bedeutendes steigern, wenn nicht die Eifersucht des weit nordwcst- lich gelegenen Tanat den Asgar feindlich entgcgenträte, sobald letztere eine un mittelbare Verbindung mit dem fernen Timbuktu versuchen. Die Bewohner von Tanat suchen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den Gütertransport zu dem bedeutenden Umwege über ihre Stadt zu zwingen.Dr. Vogel beim Sultan der Tibu in Slschenmnma. IV. Keile von Murlul: nach dein Sudan. ^aghan. Gerthrnn. Die Skavenkarawane. Tegerri. MMern. El Wahr. D Thicrlcbcn in der Oase. Maddcma. Tibesti. Mafras. ?3nt. Ikcba. Thal Kanar. Aschcnumnia und Bilma. Salz. Die Tibu -und ihr Sultan. O Die Kclowi und das Land Asben. Berge von Asgar. Wadi Egeri. t"k rakat. Berg Tiska und Marian. Alpcnlaud von Asben. Regenflut, Tin- JWjobe. Agadcs. Der Sultan von Agadcs- Von Bilma nach^Bornu. Muß- katcuu. Sauknra. ^ Dibbcla. Aaadem. Erdscholen. Wüste von Tintunnna. Belgahschiferri. Unghnrntua. frischem Muthe brach vr. Vogel am tt. Oktober 1853 von Mursuk ""f, um seinem fernen Ziele, dem Tsad - See, entgegen zu eilen. Ein Weg von als zwei Monatsreisen lag vor ihm, ausgestaltet mit allen Schrecknissen er Wüste, wie sie eine feindliche Natur und räuberische Menschen nur bieten nnen. Trotzdem war der kühne Reisende, für sein großes Unternehmen in edler ^gnsternng dnrchglnht, voll unverzagter Heiterkeit, so daß er, kaum von dem112 Neise von Murslik nach dcm Sudan. anstrengenden Ausflüge nach den Natron-Seen zurückgekehrt, am Tage vor der Abreise seinem Freunde Di. A. Petermann schrieb: Morgen früh heißt endlich: Frisch auf, Kameraden, zu Pferd, zu Pferd!“" Kaum daß der Reisende die Palmenpflanzungen Mursnks im Rücken hat, empfängt ihn auch schon die traurigste Oede. Die weite Sandebene ist hier voll ständig mit Salz inkrustirt, der Boden vielfach aufgesprungen. Letztere ähnelt einem frischgepslügten Acker, die Erdschollen sind dabei hart, so daß sie sich nicht zer brechen lassen. Hie lind da ist die diinkle Erdoberfläche voll schneeweißen Streifen und Flecken unterbrochen. In den breitem Spalten hängen einige Fuß tief schöne Salzkrpstalle, die hier allsgeblüht sind. Da wo der Sand vorherrschend wird, erhält die ganze Fläche ein unheimlich rothes Kolorit. Die Körner des Flugsan des sind ziemlich klein und zeigen durch ihre abgerundete Gestalt, daß vielfach ihren Platz verändert. Ortschaften sind nur wenige l d meist höchst ärmliche vorhanden. Unweit Mnrsuk ist Tragt) an die ansehnlichste und erfreute sich ehedem eines besonder Wohlstandes. Es wurden hier zu Deuham s Zeit Teppiche verfertigt, die an Schönheit denjenigen von Konstantinopel gleichkamen. Der durch seine Heiligkeit damals besonders berühmte Marabut, der als Hauptperson des Ortes die Herr schaft über denselben verwaltete, war im Stande, eine Heercsmacht arabischer Truppen, welche die Stadt mit Plünderung bedrohte, mit 60,000 Dollars aus seinem Privatvermogen zu befriedigen. In den Sandhügeln zwischen Mnrsuk und Mafun fand Vogel in großer Menge versteinerte Wurzeln von Tamariskensträuchern (Tamarix gallica); ebenso sammelte er Proben von Salz, das nördlich vom letztgenannten Dorfe eine Strecke von  4 Meilen Länge und Breite bedeckt. Es bildet daselbst ungeheure Schollen und ist stark mit Thon vermischt. Der Kalkstein der Wüste Mastnta war vom Flugsand förmlich polirt. Unter den folgenden Dörfern U esse und Beda ist nur das erstere wegen seiner Lage an einem lichten Palmenhain ausgezeichnet. Der Brunnen Dekir auf dem Wege nach G erthrun (Gatron nach Barth) ist nicht selten so vom Sand verschüttet, daß die anlangcnde Karawane ihn erst müh sam aufgraben muß, ehe sie einen nothdürftigen Trunk erhält. Zwischen Mnrsuk und Gerthrun ward der Reisezug I)r. Vogel s von einem heftigen Sandsturm überfallen. Diese Sandorkane sind für den Wanderer viel un angenehmer und gefährlicher als die seltenen Gewitterstürme. Dichte Sandmassc werden dem Pilger mit Heftigkeit ins Gesicht geschleudert, die Kameele wolle nicht mehr fort, die Pferde schlagen aus und, was das Schlimmste ist, gar zu leicht verliert die Karawane den Weg. Nur durch die ausgezeichnete Ortskenntniß des Führer Hadschi Achsen glückte es Di. Vogel und seinen Begleitern, halb erstickt und alle Falten ihrer Kleider voll Sand, am Abend die Ruinen des sogenannte rothen Schlosses zu erreichen. Von hier hatten sie noch 2 V 2 Meile bis G erthr - Dieser Ort, aus mehreren, eng beisammen liegenden Hüttengruppen bes stehend, liegt am Saume eines lichten Dattelhaines und bildet ein angenehmesDaitfjjcrjagb im Wandara - Olbirg^7 Vogsl s Eeisen in Centralafrikü. s. 20. W -- . Leipzig: Verlag von Otto Spanier.Die Sklavcnkarawanc. 113 Bild gegenüber der nackten, traurigen Sandwüste ringsumher. Die Sandhügel und Erdhaufen in der Nähe sind mit Tamarisken gekrönt. In Gerthrun war Dr. Vogel zu einem achttägigen Aufenthalte gcnöthigt. Man wartete auf den Schwager des Pascha s, der etwas später anfgebrochen war. Während des erwähnten Sandstnrmcs war er vom Wege abgekommen und drei ^uge lang in der Irre herumgezogen, da dcrWind die Spuren der vorangegangc- Karawane verwischt hatte. Zwei Tage nach Dr. Vogcl s Ankunft in Gerthrun buchte die von Vorn eintreffende Sklavenkarawane eine wenn auch düstere und ifanrigc Abwechselung in die ermüdende Einförmigkeit des Wüstenlebens. Das Bild, welches Vogel von derselben entwirft, ist furchtbar und ergreifend. Der Sklavenzug zählte 4 500 unglücklicher Schwarzen. Da habe ich", sagt ? v , zuerst gesehen, was Sklaverei und Sklavenhandel ist! Die Tibu zwingen %e unglücklichen Gefangenen, meist Mädchen und Kinder unter 12 Jahren, La uen von 25 Pfund auf dem Kopfe zu tragen, und in Folge dessen hatten fast alle Ae Haare gänzlich verloren und war die Kopfhaut ganz zerieben. Dadurch ersparen u e Treiber eine Menge Kamcele und es begleiteten den ganzen ungeheuren Zug ll"r etwa 35. Bis nach Tegerri sind alle Sklaven gefesselt, mit einem Eisen um uen Hals, an welches die rechte Hand mit ledernen Riemen gebunden ist. Erwachsc- lls Männer (von denen ich höchstens 15 einbringen sah) bleiben in Ketten bis nach Mursnk. Alle waren fast ganz nackt oder nur mit den allcrcrbärmlichstcn Lumpen bcbecft. In Mursuk zwingt ein Gesetz dcs Pascha s die Händler, jedem Sklaven eine Mütze und ein Hemd zu geben. all dem Elend eines siebzigtägigen Marsches uurch die Wüste kommen noch die grausamsten Mißhandlungen; die meisten der ^ gebrachten Unglücklichen zeigten deutliche Spuren davon. Sowie die Kameclc ab- SUaden sind, müssen die Sklaven anfangen, Gosnb und Gafnli in hölzernen Mör- M zu Mehl zu zerstampfen, eine Arbeit, die gewöhnlich 3 4 Stunden dauert, dieses Mehl wird dann mit Wasscr und ein wenig Salz zu einem dickenBrei gekocht, ""d das ist die ganze Nahrung, die sie erhalte . (Siche das bcigegcbene Thonbild.) ~ Da Sklaven in Bornn sehr billig sind, so geht die Gleichgültigkeit gegen das "ben eines einzelnen ins Unglaubliche. Als die Karawane abgezogen, fand ich ! "ter einem Baume ein menschliches Wesen, buchstäblich bis zum Gerippe abgezehrt, n den letzten Zügen, den Hungertod sterbend. Ein wenig Fleischbrühe brachte den ^uen Mann wieder zu sich und bald konnte er, mehr durch Zeichen als durch Worte, "zählen, daß man ihn schon drei Tage ohne Nahrung gelassen, weil er seiner Kunden Füße wegen nicht mehr gehen konnte, nachdem man vorher vergeblich ver acht, ihn durch Stockschläge zu kuriren. Am Abend vermochte ich einen Bewohner ^sthruns, den Unglücklichen in sein Hans aufzunehmen, wofür ich ihm eine k e Summe zu seinem Unterhalte gab. Einige Stunden südlich von Gerthrun fand ich drei Tage später die Leiche es Sklaven an der Straße liegen, halb von den Schakals gefressen. Ich war der J" awa e um einige Meilen voraus, in Begleitung meines Bedienten und zweier raber, und so machten wir mit unfern Peitschenstielen ein Grab, in das wir die mc Reste hincinlegten. Nachdem wir einen Stcinhügcl darüber gebaut, sprach ^ 0 c l’ * Reise . 2. Anfl. 8114 Reise von Mursuk nach dem Sudan. einer ein arabisches Gebet, und weiter zogen wir durch die Wüste auf einem Pfade, auf dem fast bei jedem Schritte menschliche Gebeine anzeigten, daß der Weg der Sklavenkarawane sei." Von den eingebrachtenSklaven war der größteTheil vonBornu oderSndan gebürtig. Unter 500, die Vogel sah, waren nur drei Fcllata, Mädchen von etwa 4 Jahren, die durch ihre tiefe Melancholie sogleich auffielen. Als er zu ihnen kam, baten sie ihn, daß er sie doch kaufen möchte, und als er dies abschlug, frag teu sic, ob er sie nicht leiden könne. Man sagte ihnen, die Religion des Reisenden verbiete ihm, Sklaven zu kaufen, worauf sie bemerkten, daß dieselbe viel besser sein müsse als der Muhamedanismns. Unter den übrigen Sklaven fand Vogel 20 Mußgo (Heiden), alles Knaben von 10 12Jahren, eben so viel Kanembn- Mädchen und vom Rest zwei Drittel Bornaui und ein Drittel Sudani. Ungefähr vier Meilen südlich von Gerthrun liegt Tegerri, das nächste Reise ziel Vogel s und der letzte Ort des Gebietes von Fessan. Als im Dezember 1822 Dcnham und seine Genossen Gcrthrun verließen, um die gefährliche Wnstenrcise anzntreten, gab ihnen der Marabut des Ortes das Geleite bis vor die Stadt. Dort zeichnete er, nicht einen Zauberkreis, sondern ein Parallelogramm in den Sand und schrieb bedeutungsvolle Worte aus dem Koran in dasselbe. Dann Lat er die Reisenden, einzeln über den von ihm geweihten Platz zureiten, und sprach schließlich das Gebet (Fatah) über die Scheidenden, les geschah so ernst und würdevoll, daß es einen tiefen religiösen Eindruck machte- Nachdem der Reisende ungefähr acht Meilen südlich von Gcrthrun gcgogcu ist, zeigt sich ihm zwischen den dichtenKronen zahlreicher Dattelpalmen dasGrenP örtchcn Tegerri, umgeben von hohen, kastellähnlichen Thonmauern. An dev Südseite der Stadt ist ein kleiner Salzwasserteich. Der Eingang ist gut geschützt, sehr schmal und niedrig und könnte eher für ein Pförtchen zu einem Ausfall angc- scheu werden, als für ein Stadtthor. Sowol in der Thormaner als auch in.de - zweiten Mauer dahinter sind Schießscharten angebracht, und über dem inner" Thore befindet sich eine Ocffnnng, durch welche man Geschosse unb Feuerbrände auf angreifende Feinde werfen kann. Der Ort besitzt freilich nicht viel, um ctw^ die Habsucht der Feinde zu locken. Alle Reisenden stimmen darin überein, daß 0) sich über die Armuth der Bewohner beklagen, von denen sie fast nichts weiter er halten konnten als Datteln; eine Zwiebel oder ein Huhn gehören schon zu dc ^ Lnrusgegcnständcn. Die Datteln sind aber von ganz besonderer Güte und "U Karawanen pflegen hier ihren Hanptvorrath davon einzunehmen, denn währe" der nächsten zehn Tagereisen nach Süden führt der Weg durch eine vollkonune Pflanzenleere Wüste. Dr. Vogel hatte für seinen Bedarf allein sechs Ka "^ ladungen, etwa 25 Centner, nöthig und hielt sich deshalb zwei Tage lang 1 Tegerri auf. t Von der Quelle an dem Thore des Kastells erzählen die Bewohner vc Tegerri Wunderdinge. Sie behaupten, daß sie an dem Stande des jedesmal das Herankommen einer Karawane bemerken könnten. Ehe eine 1 0 ucilje, steige das Wasser, nachher sinke cs, und sie zeigen dem Staunenden ist""115 Tcgcrri. Sic Dmnpalme. veränderte Höhe des Wasserspiegels, ohne daran zu denken, daß eine solche durch das Tranken so zahlreicher Kaineelc herbeigeführt werden muß. Das Wetter war glücklicher Weise etwas kühl geworden und das Thermome ter hatte selbst Mittags noch nicht 30" erreicht; am 2. und 3. November hatte Vogel Ästige Regenschauer erlebt, eine Ur diesem Landstriche sehr seltene Erscheinung. . Eine Reihe niedriger Hü- SW nmgiebt den Ort gegen Viten. Auf den Salzlachen un weit der Stadt sind wilde Gänse, Enten und Schnepfen gerade uicht selten. Di . Vogel machte ^ährend der Rast einen Aus zug in die Umgegend und fand hier die erste und einzige Dum- balme (ll^pbaona tliebaica), Welche in der ganzen Gegend vor handen ist. Von der Gruppe, nie Lyon und Denham erwäh nen, mar nur noch dieser eine halbabgcstorbene Stamm übrig, und es drängte sich Vogel die Vefürchtung auf, daß nach zwei hdcr drei Jahren auch die letzte ^pur davon verschwunden jfein ^erde. Die Dnmpalme unter scheidet sich von der Dattel schon der Ferne durch die mehrfach suiedcrholtc gablige Theilnng hres Stammes, dessen Enden N A wie bei der Dattel gefie pte, sondern schirmähnliche sacherblätter tragen. Ihre kng- gen Früchte ähneln im Ge- Nnack dem Lebkuchen und wer- Die Dnmpalme (Hyphaena uiebaicaj. , 11 als beiläufige Nahrung P uht. Die Hauptverbreitung hat diese Palme im Sudan von der Ostküste Afri- a s bis nach dem Golf von Guinea. Die Gruppe bei Tcgcrri bildet den äußer- Vorposten nach Norden. Die Bewohner von Tcgcrri sind zur Mehrzahl Tibu, schwarz von Farbe, icU ^utschjeden eigentliche Negerphysiognomicn zu besitzen. Ihre Gestalt ist mehr auk zu nennen. Die Platte Nase, der große Mund und die hervorstchcndcn116 Rci.se von Fessan nach dein Sudan. Backenknochen lassen nicht gerade angenehm erscheinen. Dazu kommt noch, daß ihre Zähne meist in Folge des Tabakkauens schwarzfleckig erscheinen. Sie sind so große Freunde dieses Genusses, daß sie selbst Schnupftabak, den sie erhalten kön nen, in den Mund stecken. Die Hanptwaffen der Männer sind zwei Dolche, einer von 8, der andere von 6 Zoll Länge; letztere Pflegen sie am Arm zu tragen. Der große", sagte ein Tibu zu Major Denham, ist meine Flinte und der kleine ist meine Pistole!" Der Weg von Tegerri nach Wilma ist einer der schauerlichsten der ganzen Erde. Nicht die trostlose Wüste aus Flugsand, Steingeröll und Felsenklippen, fast gänzlich des Pflanzcnwuchscs bar, nicht die unbarmherzige Sonne, die hier eine Hitze entwickelt, wie fast an keinem andcrnOrte derErde, die nicht alsLebcn- crzengerin, sondern als tödtende Gewalt erscheint, nicht die Sandstürme und sonstigen Schrecken der Natur sind es allein, welche die Straße als einen grausen Pfad des Todes erscheinen lassen. Der gräßlichste Eindruck wird hervorgerufen durch die furchtbaren Spuren, welche die Gefühllosigkeit der Menschen, die Un- menschlichkcit der Sklavenhändler hier zurückgelassen haben. Man hebt als eine schauerliche MerkwürdigkcitValparaiso s hervor, daß an einer Stelle des Trottoirs Gebeine der besiegten und gefallenen Spanier, der ehemaligen Unterdrücker des Volks, als Pflaster verwendet sind hier in der Wüste ist die weite, weite Kara wanenstraße mitKnochcn nndMcnschengerippen gepflastert. Man denke sich, wel chen Eindruck ein solcher Rciseweg auf den europäischen Reisenden rachen muß, der vielleicht bereits fühlt, Welche zerstörenden Wirkungen die verderblichen Witte rungsverhältnisse des fremden Landes und die Mühsale der langen Wanderschaft auf ihn ausüben! Sein Pferd stolpert, er schrickt aus seinem stummen Sinnen auf und sicht nach dem Gegenstände, über den sein treues Thier strauchelte. Es zertrat mit den Hufen knirschend ein paar Menschengerippe! Der abgebrochene Kopf des einen Unglücklichen rollt im Sande weit hin. stricht weit davon liegen neue Leichen, natürliche Mumien, Fleisch und Harrt ausgedörrt und zusammen- geschrumpft, bei dem oder jenem och die Gesichtszüge in etwas erkennbar. Gegerr hundert Gerippe umlagern den halbversandeten Brunnen; eben soviel waren wäh rend der letzten wenigen Stunden die Wegweiser. Dazrr gesellt sich die rohe Ge fühllosigkeit der begleitenden Araber. Halb zur Unterhaltung, halb aus brutalcrn Uebernrnth zerschlagen sie mit dein Flintenkolben hier einen Schädel, dort ein Ske lett und begleiten ihr gefühlloses Benehmen mit den empörendsten Bemerkungen: Das war ein Mädchen! Dieser war noch jung! Hol der Henker ihre Väter! Es waren ja nur Sklaven !" Jener dort war mein Diener", äußert der Eine, vor vier Monaten ließ ich ihn hier zurück!"-  Geschwind bring ihn aufdeu Sklavenmarkt", erwiedert ein Anderer, damit dir Niemand zuvorkommt!" Ein widerwärtig Gelächter der Schaar folgt dem unmenschlichen-Witz. ^Schon bei dem Brunnen von Om ah., dem ersten, den der Karawanenweg von Tegerri nach Wilma berührt und der von Palmen umgeben ist, liegen zahl reiche Knochen umher, in besonders schreckenerregender Menge finden sich aber bei dem dann folgenden Brunnen M e s ch e r n, dessen Umgebung die Araber des-117 Die Promenade des Ministers." Versteinerungen. halb mit boshaftem Witz die Promenade des Ministers" (dendal Glialadima) genannt haben. Ununterbrochen peitscht der Wind Leim heftigen Wehen die Neste der umgekommenen Unglücklichen in den Brunnen, und es ist zu verwundern, daß trotzdem das Wasser wegen seines guten Geschmacks von den Reisenden ge tobt wird. Zwischen Tegerri und Meschern traf Vogel viel versteinertes Holz zerstreut herumliegend. Am auffallendsten war ihm darunter ein versteinerter Palmen stamm von 25 Fuß Länge und 18 Zoll im Durchmesser, den er halb im Sande begraben fand. Südlich vom Brunnen Meschern wird die Thalsenkung, die sich von Tegerri aus bis hierher erstreckt, durch einen steilen Bergzug abgeschlossen, auf welchen der rauhe Paß Thnie el Kebira führt. Die Gebirgsformation ist ganz den früher Mehrfach geschilderten ähnlich. Zu unterst lagert ein feiner weißer Sandstein, stark mit Kalk vermischt; auf diesem breitet sich Thoneisenstein aus, mit Schichten von blauem Thon gemengt. Ucber demselben befindet sich Alaunschiefer und zu oberst sind einige Flöhe jenes schwarzgcfärbten, eisenhaltigen Sandsteins, der dem Basalt auf den ersten Blick so ähnlich sicht. Einzeln finden sich auch hie und da versteinerte Baumstämme, deren Kern kalkartig, deren Fasern und äußere Lagen aber verkiesclt sind. Di-. Vogel fand hier auch eine Versteinerung, welche ihm der Abdruck eines Baumblattes zu sein schien. Seit wir durch die Herstellung des Wasserglases wissen, ivelche ansehnliche Mengen Kieselerde das salzhaltige Wasser aufzulösen im Stande ist, erscheint das Vcrkieseln von Holzmassen kein so unlösbares Räthscl mehr als früher. Sind auch die Regengüsse in den Wüsten strecken selten, so wird anderntheils durch die Trockenheit der Luft der Fäul- nißprozeß in gleichem Grade verlangsamt, und es ist nicht gerade öthig, das Entstehen dieser Hölzer durchaus frühern Erdperiodcn zuznschrcibcn. In den nördlichen Theilcn der afrikanischen Wüste haben Ehrcnberg, Ungcr und andere Forscher mehrfach ähnliche fossile Stämme, hier thcils untcrgcgangcncn, thcils noch bestehenden Pflanzengeschlcchtern angehörig, anfgefnnden. Der Paß, durch welchen die Karawane auf die Berghohen gelangt, ist sandig und sehr schwierig zu passircn, so daß nur vorsichtig und langsam vorwärts gc- lchritten werden kann. Eine Tagereise weiter südlich gewinnen die Felsen ein schr ^vildes und wegen ihrer schwarzen Färbung zugleich unheimliches Ansehn. Sie er- lcheincn wie die gekräuselten Wellen eines aufgewühlten und versteinerten Mcc- vcs. Während der folgenden fünfzig Meilen (3 V 2 Grad) war Dr. Vogel nicht Möglich, auch nur eine einzige astronomische Beobachtung anznstellcn; die Gegend, önrch welche der Weg führte, war zu rauh, die Anstrengungen waren zu groß. . _ Acht Meilen südlich von Meschern liegt der Brunnen el Wahr oder Temmi n einem tief einstürzenden Thalc, dessen Sohle grobem Kies gebildet ist. Zu beiden Seiten treten Felsklippen,5 600 Fuß hoch, schwarz und wild aussehend, e ’ l 8 heran und gewähren dem Auge, das durch die vorhergegangene weite Sand- ebeim ermüdet ist, einige Erholung. Das eng geivundcne Thal führt in seinem Leitern Verlauf mitten tu eine zerrissene, zerklüftete Berggruppe, welche kcgcl-118 Reise von Mursuk nach dem Sudan. förmige Spitzen und säulenförmige Verberge zeigt. Besonders großartig und im- posant erscheint die ganze Scene von dem am Anfänge der Schlucht befindlichen gewöhnlichen Karawanenlagerplatze aus, wenn in stiller Nacht die schmale Mond sichel ein schwaches Dämmerlicht über die Riffe und die bleichen Skelette an ihrem Fuße ausgießt. Der Weg nach dem Brunnen hinab ist äußerst beschwerlich, und durch das scharfe Steingeröll werden die Füße der Kameelc leicht wund. Während der heißen Tageszeit bietet eine Höhle, die am Anfänge des Thales ist, einigen Schutz vor dem unmittelbaren Sonnenstrahl. In dieser Höhle sammelt sich auch das schöne frische Wasser, um dessen willen das Wadi besucht wird. Vicrthalb Meilen weit folgt wieder dürre Sandwüste; dann unterbricht ein flaches Thal die trostlose Einförmigkeit und bietet unter reichlich vorhandenen Talhabäumen demWanderer angenehmen Schatten und in den mancherlei Wüsten- kräntern seinen Thieren etwas Erquickung. Das Gestrüpp wird als Brennmate rial znsanrmengebunden und zur Weiterreise mitgenommen. Der Kalkstein der tu großen Blöcken zwischen el Wahr und el Achmar zu Tage tritt, zeigt nicht die ge ringsten Spuren von Versteinerungen. Ungefähr zwei Mei len südlicher liegt der Brunnen el Achmar oderMaddema. Seine Umgebung bietet ein von dem vorigen etwas verschie denes, wenn schon sehr ähnliches Bild. Der Brunnen selbst liegt in offener Wüstcnlandschaft; im Westen wird dieselbe aber von einem großen imposanten Bergzuge begrenzt. Wcithinkriechende Koloquinten (von den Arabern Handal genannt) ranken über die zahllosen Menschenknochen, die den Boden ringsum bedecken. Dazwischen sproßt anderes Wü stengestrüpp, Chareb und Kaie von den Nomaden bezeichnet. (AieSufstcE). An diese Pflanzenwelt schließt sich auch einiges Thierleben. Eine Herde Gazellen findet hier Nahrung und Trank. In außerordentlicher Menge beleben Käfer den Boden. Die am häufigsten in den Krautflecken der Wüste vorkommende Käferart ist der Strahlenkäfer (heiliger Ateuchus; Ateuclms sacer), der daselbst unsere einheimischen Pillenkäfer vertritt. Ans dein Mist der Kameele und Gazellen formt dieses Insekt Kugeln, legt in sel bige seine Eier und rollt sie dann nach geschützten Vertiefungen und gescharrten Löchern. Als der reisende Naturforscher Professor Ehrenberg die Wüstengebiete Nordafrika s durchzog, stand er eines Nachts mit geladener Flinte neben dem Lager seiner Gefährten auf Wache, da man räuberische Beduinen in der Nähe vcr- mnthete. Mitten in nächtlicher Stille hörte er ein sonderbares Geräusch und fürchtete, möge etwa ein Räuber sein, der auf dem Bauche kriechend sich nähere. Er rief nach Licht und beim Scheine der Laterne gewahrte man int Sande die regen Strahlenkäfer, welche emsig ihre aus Sand und Dung zusammengeklebten Ballen vor sich herschoben. Den alten Aegyptern war das interessante Thierchen deshalb zum Symbol der Kraft geworden, welche den Kreislauf des Jahres durch Bewe gung der Gestirne bewirkt. Sie meinten, daß die Bewegung der Kugeln immer von Ost nach West geschähe, und erblickten in den Zacken des Brustschildes An-Thicrlebcn in der Wüste. 119 Hutungen der Sonnenstrahlen, sowie in den dreißig Gliedern der sechs Tarsen öie Zahl der Monatstage. Man erwies dem Käfer deshalb göttliche Verehrung und stellte Abbildungen von ihm dar, sowol in riesigem Mäßstabe aus Granit, tote auch als kleine Talimans aus Edelsteinen und Metall geschnitten. Letztere trugen besonders die Krieger als Schutzmittel um den Hals oder an Fingerringen. Auch Vogel beleben zu Zeiten den Wüstcnqnell, vorzüglich die bereits ge- uannten Wüstenhühner (Pterocles), von den Naturforschern Flughühner, von den Arabern Chata genannt. Abweichend von den Sitten der meisten Hühner vögel besitzen diese Flughühner im Laufen nur geringe Ausdauer, eine desto größere dagegen im Fliegen. Zur Paarungszeit ziehen sie sich nach den bcwohntern Landschaften und fruchtbarern Gegenden zurück, in denen reichliche Samen ihren Jungen Nahrung bieten. Ein eigentliches Nest bauen sie nicht, sondern scharren Zuni Brüteplatz nur eine flache Vertiefung in den Sand. Sind die Jungen er wachsen, so kehren die Alten unt ihnen nach den ebenen Küstengebieten zurück, in ^nen sie sich am behaglich en zu fühlen scheinen. Dort ^reinigen sich mitunter massenhaften Flügen, die su der Ferne eilenden Wol- wu gleichen. DieHauptnah- Nsng liefern den Flughüh- wrn die harten Samenkör- wr der zahlreichen Legumi- k wsten, wclcheemenHaupt- öestandtheil der Wüstenflora bilden, z. B. des genannten Agnl (Alhagi Man- Ginsterartcn, Akazien, Genua u. s. w. Vielleicht gerade durch diese harte, trockne Kost dazu gezwungen, können die Vögel das Wasser nicht gut entbehren; Mehrere Male des Tages trinken sie in langen Zügen am Quell, und wenn sie stflond haben können, baden sie sich auch gern. Den Wüstenreisenden liefern sie mne erfreuliche Abwechselung bei seiner elenden, einförmigen Kost. Freilich ist ihr leisch hart und schwärzlich und würde dem Europäer keineswegs so munden wie ssu Rebhuhn, dem das Flughuhn an Größe gleichkommt. Das isabellfarbige Ge tier ist mit abwechselnd schwarzen und silbergrauen Querstreifen gezeichnet, t Eber die Brust zieht ein dunkelbraunes, schwarzcingefaßtes Querband und ein "etliches steht an der Kehle. Die zwei Mittlern Federn des Schwanzes haben wrlängerte Spitzen. ^ Unter den wenigen Säugethierarten, die in den ausgedehnten Wüstenstrecken wrdafrika s ihre Existenz zu fristen vermögen, ist die Kuhantilop e (Antilope r } l ‘ )a üs; siehe auf der Abbildung im Vordergründe links), der sogenannte wilde ^E)se, eines der ansehnlichsten. An Größe einen Hirsch übertreffcnd, ähnelt sie in n Bildung ihres Kopfes und ihrer ganzen Gestalt sehr einem Rind, obschon ihr120 Steife von Mursuk nach dem Sudan. Bau etwas schlanker ist. Ebenso vermag sie auch eine bedeutendere Schnelligkeit zu entwickeln und setzt sich, in die Enge getrieben, mit ihren leierförmig gebogenen Hörnern sehr erfolgreich zur Wehre, indem sie ihren Feind wie der Ochs empor zu schleudern sucht. In ihrer Gesellschaft findet sich auch eine andere große, stäm- mige Antilope, der Wadan oder Andad (Oryx G-azella). Beide ziehen sich an: liebsten in die gebirgigen Bezirke der Wüste zurück, in denen ihnen geschützte Thä- ler mit Krautwuchs und wenig besuchte Brunnen Unterhalt gewähren. Auf beige gebener Abbildung hat der Zeichner ein Rudel jener Antilopenart dargestellt, welche von den Arabern Abu-Harb (.Antilope leucoryx) genannt wird und welche ebenfalls in Nordafrika einheimisch ist. Die tiefen Erdrisse des Vordergrundes er innern uns an die Dürre und Trockenheit des Bodens, für welche auch die Luft spiegelung am Fuße des Höhenzuges und die Sandwirbel lebhaft sprechen. Nur der Graswuchs möchte in Wirklichkeit etwas schwächer ausfallcn. Hier im Innern der Wüste zeigt das Thermometer während des Sommers um 2 Uhr Nachmittags nicht selten in: schönsten Schatten 45" und selbst bei Son nenuntergang noch 40 . Im weitern Verlauf führt die Straße nach dem Brunnen Mafaras. Unterwegs bleibt der Berg F a dscha etwa zwei Meilen seitwärts und bezeichnet die Richtung, welche der von hier abgehende Weg nach Tibcsti führt. Unter dein Namen Mafaras sind zwei verschiedene Brunnen bekannt. Am nördlich sten derselben stellte Vogel astronomische Beobachtungen an. Sein Barometer be lehrte ihn, daß die Sahara nicht, wie bisher vielfach geglaubt worden war, eine Tiefebene von geringer Erhebung über dem Meere sei, sondern daß eine Hoch ebene von ungefähr 130 Fuß mittlerer Höhe darstelle. Von den Schwarzen Ber gen bei Sokna an setzt sie sich in ziemlicher Gleichförmigkeit fort, nur l 200 Fuß in Höhe wechselnd; nur einmal, unter dem 22. Grade nördlicher Breite, steigt ein Gebirgskamm bis zu 2400 Fuß Höhe auf. Oestlich von hier, in Tibcsti, ver- muthete er aber höhere Berge, da der von dort her wehende Wind bitter kalt war. Das nach Osten gelegene Land Tibcsti, von Tibu (Titurtschade) bewohnt, war ehedem zu mancherlei geographischen Uebertreibungen Veranlassung gewesen. Man hatte erzählt, daß sich daselbst vulkanische schwarze Berge befänden, die so hoch wären, daß man nach der Beschreibung der Araber die Mütze vom Kopfe verlöre, wenn man nach der Spitze derselben hinaufsähe. Durch eine solche Höhenbestimmung ist freilich nicht viel gewonnen. Das Nämliche", schrieb 1)r. Vogel an Petermann, könnten Sie auch von der Nelson-Säule sagen, wenn Sie sich nur nahe genug an den Fuß derselben stellen." Als zweites Märchen be richtete man von Quellen, in denen kochendes Wasser und Schwefel emporsprudele. Die Tibu lachten, als Vogel sie nach solchen Sachen fragte, doch erfuhr er, daß sich Quellen in jenem Lande vorfinden, in denen große Luftblasen in ähnlicher Weise emporsteigen, wie dies in den Kohlensäurebrunnen Westfalens der Fall ist. Sic zeigen dabei ganz das Aussehn, als ob das Wasser koche, besitzen aber nur die gewöhnliche Temperatur. Der zweite Brunnen gleichen Namens liegt fünf Meilen von dem erster nach Süden. Die Strecke zwischen beiden ist eine wahre Spiegelfläche, offen undBrunnen Mafaras. Thal von Uat. 121 vollkommen öde, nur durch die nie fehlenden Knochen traurig genug bezeichnet, und wirkt auf den Wanderer um so erdrückender und peinlicher, weil sowol er als seine Thiere nach den zurückgelegtcn Strecken erschöpft sind. Sowie Tegerri der südlichste bewohnte Ort von Fcssan ist, bildet der Brunnen Mafaras die südlichste Grenzmarke dieses Landes überhaupt. Er liegt unterhalb einer Reihe weißer Sandsteinhügel, die mit Kalksteinen wechseln. Selten zeigt er unmittelbar das Wasser selbst, sondern ist gewöhnlich so versandet, daß die Karawane nur an einer kleinen Gruppe verkrüppelter Palmbänme die Stelle erkennt, an welcher beim Nachgraben etwas Feuchtigkeit findet. Da das Wasser nur spärlich znsammen- stckert, ist eine geraume Anzahl von Stunden erforderlich, um eine einigermaßen zahlreiche Kafla zu tränken. Während dieser Wartezeit gewähren eine Anzahl schöner Talhabänme dein Reisenden angenehmen Schatten und lassen ihn den Ort im Vergleich mit dcr Oede umher als einen lieblichen Aufenthalt preisen. Auch eine Dumpalme steht daselbst und der Stumpf einer zweiten deutet an, daß ehedem noch mehrere hier wuchsen. Zwei und eine halbe Meile weiter führt der Weg über die Berggrnppc Tiggera u dumma, die Grenze von Fessan; er dnrchschneidct ein Thal, reich mit Kräutern besetzt und einigen Talhabäumen. Wieder eine Strecke von etwa zwei Meilen zwängt sich der Pfad zwischen rauhen, schroff zusammentretcndcn Felsenhöhcn hin durch , bis man in das flache Thal von P a t oder D j e n h a m (Jzha des Denham) gelangt. Auf dem blendendweißen Sande, der die ganze Fläche bedeckt und dessen grell zurückgeworfenes Licht das Auge schmerzhaft berührt, verursachen die erhitz ten Luftschichten vielfach täuschende Spiegelungen. Die Spitzen der Hügelreihen und Fclszüge, die zeitweilig über dem Horizont auftauchen und auf ihren oberu Kanten dürftiges Gestrüpp tragen, erscheinen als palmenreiche Wadis, als das ersehnte Ziel, welchem die todmüde Karawane znstrebt. Und gerade hier, wo man sich den von Tibnstämmcn bewohnten Gegenden nähert, gesellt sich zu den bisheri gen Gefahren zum Ueberfluß noch die des räuberischen Ucberfalls. Die Aufmerk samkeit der Reisenden ist geschwächt, ihre Kräfte sind erschöpft, und dies benutzend schleichen gewandte Diebe entweder unbemerkt herbei oder versuchen durch kecken, schnellen Ueberfall etwas zu erbeuten. Für solche Fälle ist nöthig, daß jede Karawane ein paar Pferde in ihrem Gefolge hat, so viele Beschwerden es auch verursacht, sie durchzubringen. Einige Reiter müssen bei dem geringsten Zeichen der Gefahr seitwärts auf Kundschaft abschweifen und Räuber, welche sie in der Nähe entdecken, entweder durch ihr Erscheinen zurückschrecken oder selbst mit be waffneter Hand einen kühnen Angriff auf sie unternehmen. Jeder Tibu-Kanf- wann, der mit seiner Karawane die Wüste nach Bornu passirt, hat ein Pferd bei sich und demselben auch stets einen kleinen Wasscrschlauch. Mit diesem ist er dann im Stande, sich und seine werthvollste Habe zu retten, sobald eine ernstere Gefahr plötzlich hereinbricht. Die Tibu-Pferde sind von kleiner Statur, dabei "der lebhaft und von großer Ausdauer. In Ermangelung andererNahrung füttert v an sie sogar mit Kameelmilch, saurer oder süßer, die ihnen ganz gut bekommt. Nachdem die längst erblickte Berggruppe überstiegen ist, welche, von West122 Reise von Mursuk nach dem Sudan. nach Ost ziehend, den Weg versperrt, gelangt die Karawane in die Oase Ssigge- dim. Die Wanderer begrüßen sie mit Jubel und lagern sich im Schatten der zahl reichen Dum- und Dattelpalmen. Gerredh (Mimosa nilotica) gewährt mit seinen frischgrünen Blättern dem Auge angenehme Erquickung; nur streckenweise ist der Boden frei und mit einer Salzkruste überzogen, sonst aber reichlich mit Sscbot überwuchert. Einige Steinwohnungen, auf einem vorspringenden Felsen riffe errichtet, geben Zeugniß davon, daß die Oase wenigstens zeitweise bewohnt wird. Leider steht gerade dieser Platz in dem Rufe, daß er räuberischem Gesindel als Zufluchtsstätte diene. Eine über zwei Meilen weite Kiesfläche scheidet die Oase Ssiggedim von dem Wadi I k c b a oder Jkbar, das sich als eine flache Einsenknng am westlichen Fuße einer Berghohe ausbrcitet. Um den Brunnen, dessen Wasser erfrischend kühl ist, erheben eine große Menge Dumpalmen ihre gabeltheiligen Gipfel und erzeugen mit ihren fächerförmigen Blättern angenehmen Schatten. Der Boden ist von Kräutern und Gras bedeckt und das ganze Plätzchen erscheint dem Ankommenden, den die trostlose Einförmigkeit der vorherigen langen Wüstenfahrt bis zumAeußer- sten ermüdet, als ein kleines Paradies. Or. Vogel sammelte hier Stcingcbilde eigenthümlicher Art, die er geneigt war, für versteinerte Knochen zu halten. Die Oase war damit buchstäblich bedeckt, an einigen Stellen fußhoch. Kleine Kara wanen dürfen es aber der Räuber wegen nicht wagen, hierzu lagern. Das Wadi Jkbar bildet den nördlichsten Anfang der großen Senkung, die durch das Wadi vonBilma (das Thal Kauar) gebildet wird und die sich ziemlich über zwei Brei tengrade, also gegen dreißig Meilen, in der Richtung von Nord nach Süd erstreckt. Eine hervorragende Bergspitze dient als Wegweiser; Tumineras kumma" d. h. Ihr werdet bald Wasser trinken!" haben sie die Araber benannt. Zwei kegelför mige Berge, etwa eine halbe Stunde von einander gelegen, bilden gleichsam die Thorpfeiler. Durch einen felsigen Engpaß geht der Pfad vom höhern Wüstcn- plateau nach dem Wadi hinab und die Karawane begrüßt bald das erste Tibu - Dorf Anai, eine halbe Meile vor dem größern Anikimma. Der Ort Anai liegt auf einer gegen hundert Fuß hohen Sandsteinmasse von dunkler Färbung und ziemlich weicher Beschaffenheit. Eine Anzahl Hütten stehen auf dem Berge, einige andere befinden sich am Fuße desselben; ihre bestenHabseligkeitcn bergen dieEingebornen aber auf dem Gipfel des Felsen. Sobald die räuberischen Tuariks und KelowiS ihre Einfälle machen, was mitunter im Laufe eines Jahres mehr als einmal ge schieht , flüchtet sich Alles hinauf auf den Felsen, der nur mittelst einerLeitcr zu er steigen ist. Letztere wird dann hinaufgezogen und mit Steinen und Geschossen die natürliche Festung erfolgreich verthcidigt. Die Hauptwaffen der Tibu bilden die Speere; meistens hat deren jeder Mann vier größere und einen kurzen. Mit ihnen wissen sie sehr geschickt umzugehen; beim Werfen derselben wird der Arm gebogen und die Hand in der Höhe der rechten Schulter gehalten. Sowie der Speer geschleudert wird, giebt man ihm einen Druck mit den Fingern und er dreht sich in der Luft um sich selbst. Junge kräftige Tibu vermögen diese Waffe bis auf 80 Mß weit zu schleudern. Prallt sie dabei auf dem Boden auf, so fliegtDas Thal Kauar. Aschenmnma. 123 sie noch weiter. Schwerter haben die Tibu mitunter drei, vier in ihrem Besitz; dieselben haben eine ganz besondere Gestalt und werden von ihnen Hunrgamunga genannt. Nicht weit von hier liegt das Städtchen Gessibi (Kisbee), in dem ehemals der Sultan der Tibu seinen Sitz hatte. Es befindet sich an der West seite desThalesund hatte früher seineBedeutnng besonders dadurch erhalten, daß die Straße nach As an eres an ihm vorbeiging. Die durchziehenden Karawa nen zahlten dem Herrscher daselbst einen Tribut. Seit der Weg verlegt ward, steht verlassen und seine Hütten sind zerfallen, Schlupfwinkel für Hyänen und Schakale. Bei Anikimma tritt ein vereinzeltes Vorgebirge vom Seitenrande des Tha- les weit in das Innere des Wadi s und stellt eine Art von Einbuchtung dar. Jen seits dieses Felsenzugs nimmt ein Palmenhain den Wanderer und er begrüßt Aschenumma, den Ort, wo die erste Hälfte der großen Wüstenstrecke been digt ist und er sich den noch übrigen Theil vorbereitet. Die Oase Kauar, von den Tibu Henderi Teje oder Tedä genannt, ist für den ganzen Verkehr zwischen Nord - und Südafrika von der größten Wichtigkeit, indem die weit getrennten Völkerschaften des Sndan mit dein Norden in Verbindung setzt. Aschenumma ist gegenwärtig der Sitz des Häuptlings der Tibu. Am Fuße eines hohen, sehr steilen Felsens, dessen Formen an die bekannte Gestalt des Kvnigstcin erinnern, sind etwa 120 kleinere Hütten über eine niedere Terrasse Zerstreut. Ohne Ordnung und Symmetrie bedecken sie zerstreut den Abhang. Eine einzige unter ihnen ist aus Steinen, die übrigen sind aus dunkelfarbigem Thon und Palmcnblättern gebaut. Daneben sind einige Gärten, von Palmen- blättern eingezännt und mit Safsfah (Steinklee, Nolilotn ), einigen Zwiebeln und etwas Gemüse bepflanzt. Einzelne Hütten zeigen auch schon die runde Form, vtc sie im Sudan gebräuchlich ist, und daneben von Palmenzweigen nmzäunte und halbbedeckte Hofräume. Die Hitze, durch die von den hellfarbigen Felsenklippen zurückprallenden Sonnenstrahlen erzeugt, steigert sich zu einer außerordentlichen Höhe, häufig erreicht einige vierzig Grad. Rings um den Ort zieht sich ein lich ter Palmenhain und am Fuße einzeln stehender Sandsteinfelsen dringen Quellen "üt frischem Wasser im Kiesboden zu Tage. Weiter nach Westen zu bringen zwei Salzseen mit ihrem blinkenden Wasserspiegel einen seltsamen Schmuck in dieLand- sthaft. Das Innere der Wohnungen ist meistens reinlich und hübsch, obschon Überaus ärmlich. Die Männer der Tibu sind kaum mehr als vier Monate im Fahre mit ihren Familien zusammen, in der übrigen Zeit durchziehen siealsKanf- stnte die Wüste und gehen dabei gewöhnlich südlich bis Bornu und nördlich bis Mursuk. Die Wohnung des Häuptlings zeichnet sich in keiner Weise vor ben übrigen Ms. Der allgemeine Titel des Häuptlings ist maina“ und der besondere Name iss gegenwärtigen ist Bakr oder Abu Bakr, gewöhnlich wird cr Mai Bakr genannt. Er ist schon in vorgerücktem Alter, zwar äußerlich unreinlich, wie alle Tibu, sonst aber ein Mann von achtungswerthein Benehmen.124 Reise von Mursuk nach dein Sudan. Die Audienz, welche Di-. Vogel bei ihm halte, lassen wir erstem selbst er zählen. Er schreibt darüber an seine Mutter Folgendes: Aschcnumma, Tibu, den 26. November 1853. Ich habe so eben einen Mann aufgetrieben, der mit Depeschen von mir nach Mursuk gehen will, und da kann ich denn nicht umhin, Dir den ersten und einzigen Brief 311 schreiben, den je ein Sterblicher von Aschcnumma (einer Oase, in der Mitte der großen Wüste Sahara gelegen) empfing. Ich habe eine sehr be schwerliche Reise von Mursuk bis hierher gehabt und fünfzehn Tage lang nichts als Sand und Himmel gescheit, auch nicht das kleinste Hälmchen Gras! Jetzt bin ich, Gott sei Dank, nur noch zwanzig Tage weit vom See Tsad und dem präch tigen grünen Bornu. Asten Aufenthalt eingerechnet, hoffe ich sicher Neujahr in Kuka feiern zu können. Ich bin so wohl, als es die Umstände erlauben, nur etwas matt, was sehr natürlich ist, wenn man bedenkt, daß ich in zwanzig aufeinander folgenden Tagen täglich dreizehn Stunden zu Pferde gesessen habe und dabei jede Nacht zwei Stun den Wache gehalten, ohne irgend eine andere Nahrung als Reis und eine Art Graupen von Weizenmehl in Wasser gekocht und hin und wieder eine Hand voll Datteln! Hier haben wir Fleisch in Ueberfluß; ich genieße nur die Brühe davon, da mein Magen etwas schwach ist und man sich hier mehr als irgendwo vorsehen muß, nichts Schwerverdauliches zu genießen. Wenn Du einen Blick auf diese Gegend werfen könntest! dies Meer von Sand mit seinen Jnselchen von Palmen und den schwarzen Felsen, die überall nackt und kahl emporstarren; und wenn Du mich sehen könntest, fast schwarz ver brannt von der Sonne, in halb arabischer, halb europäischer Kleidung, inmei- nemZelte platt auf der Erde liegend, während ich diese Zeilen schreibe, denn mein ganzes Ameublement besteht aus einem Feldstuhl und einer Matratze nebst zwei Strohmatten. Mein Tisch hat schon lange vorher in Zeltpflöcke und Brennholz verwandelt werden müssen! Da Du eine so große Freundin von Thieren bist, so würden Dir meine beiden Pferde, ein graues und ein braunes, viel Freude machen; sind so zahm, daß sie mir wie Hunde überall nachlaufen und, wenn ich esse, sicher kommen, um sich ein paar Datteln zu holen. Das graue Pferd ist sehr schön und ein Geschenk von Hassan Pascha, dem Gouverneur von Mursuk; das braune, auf dem ich in Tripoli reiten gelernt, ist auch recht hübsch und so unbändig, daß keiner mei- nerBegleiter es je besteigen will. Ich bin die cinzigePerson, die nicht abwn st- Gestern machte ich meine officielle Visite beim Sultan von Tibu, in dessen Lande ich mich augenblicklich aufhalte. Er lebt in einem kleinen Erdhäuschen, m t Palmenzweigen bedeckt, und empfing mich in einem Zimmer, das außer ihm mm neu Vornehmsten seines Volkes noch zwei Ziegen und ein Pferd beherbergte. Majestät saß auf einer niedrigen Bank von Rohr, gekleidet in eine blaue Blostse mit einem ungeheuren, furchtbar schmutzigen Turban auf dem Kopfe. IchAudienz beim Sultan der Tibn. 125 auf ihn zu und gab ihm die Hand, zum Zeichen, daß ich ihn für keine über mir flehende Person halte (zum Erstaunen aller Tibu), und erkundigte mich nach sei nem Befinden. Er fragte, wie ich die Königin von England verlassen, und ver sicherte mich, daß ich ohne alle Bedenken sein Land durchziehen könne, da er Alles für mich thun werde, was er könne. Er war sehr erfreut über meinen Plan, einen Kurier nach Mursuk zu senden (den ersten einzelnen Boten, der je die Reise ge macht hat), und versprach mir, etwaige Briefe, die ich von Kuka schicken werde, fichcr zu befördern. Ich beschenkte ihn darauf zu seiner großen Freude mit einem (vthcn Burnus und Kaftan, einem Stück Musselin, einer rothen Mütze, zwei Ra- firinessern und einigen Stücken grauen Calicots. Sowie ich zu meinen Zelten zn- nickgekehrt war, schickte er mir dagegen zwölf große Schüsseln mit gekochtem Reis und ein fettes Schaf, welche Vorräthe von meinen Leuten in weniger als einer Stunde verschlungen wurden. Was denkst Du wol, das ich dem Boten gebe, der mit diesen Zeilen über 1 jO Meilen weit durch eine Wüste ohne alle Spur von Vegetation geht und dann denselben Weg wieder znrückkommt, dabei ein Kameel und sich erhalten muß und ^inen Augenblick seines Lebens sicher ist? Alles in Allem etwa drei preußische Nhaler! Ich wurde so eben am Schreiben durch etwa ein Dutzend des schönen Geschlechts unterbrochen, die, eine augenblickliche Abwesenheit meines SBcbicutcn ^nutzend, sich in mein Zelt gedrängt hatten, wo ich alle Roth hatte, sie mir vom ^Kibe zu halten. Ich beschenkte jede, galant wie ich immer bin, mit vier Nähna- ssln, über welche sie höchlichst entzückt waren. Die Damen hier tragen im linken Nasenflügel einen großen Knopf von rother Koralle und ihre Kleidung besteht hinein Stück Kattun von etwa einer Elle Breite und drei Ellen Lange, welches sie u n den Leib wickeln. Ucbrigens ist ihre Haut glänzend schwarz und sie suchen dieselbe "strch übermäßiges Einölen verschönern. Ihr Haar ist in unzählige kleine Köpfchen geflochten, die gleichfalls von Fett triefen. Höchst unangenehm und drückend fühle ich hier den gänzlichen Mangel an ^icld. Alles wird mit Stückchen Calicot bezahlt, und das giebt natürlich ein ewiges Nusmessen und Abschneiden, was höchst lästig ist. Der Ort liegt an einem großen steilen Felsen, der fast wie der Königstcia Mssieht und der in jeder Wichtung durchwühlt ist. Dieser Felsen bildet den Zufluchtsort der Eingeborncn, wenn von den Tuariks, einem räuberischen Stamme, westlich von hier wohnend, angegriffen werden. Ein solcher Angriff er folgt alle zwei Jahre etwa und wird dabei Alles mitgenommen, was irgend trans portabel ist. Die Männer werden niedergemacht und Weiber und Kinder in die Sklaverei geführt. Dieselben Herren wollten auch unserer Karawane einen Besuch ^statten , und drei Nächte hindurch schlief ich nicht anders als mit dem Revolver rechten und einer Doppelflinte zur linken Hand. Sie fanden uns aber stets sehr auf der Hut und zu stark, und so sind wir bis jetzt ungestört und unbelästigt üebli^bcn. Doch ich muß schließen, da eben eine Anzahl der Vornehmen des Ortes ^ gemeldet werden, die gern meinen Kaffee kosten wollen. Mach Dir keine Sorge,126 Steife von Mursuk nach dem Sudan. wenn Du nun für lange Zeit nichts von mir hörst, nach Bornu geht noch keine Post und noch kein elektrischer Telepraph." An seinen Vater fügt Vogel in demselben Schreiben hinzu, er habe gefun den, daß die große Wüste ein Plateau sei von ziemlich gleichförmiger Erhebung (zwischen 15 1200 Fuß) mit einem Randgebirge von 2700 Fuß (bei Sokna die Schwarzen Berge) und einem andern Kamme unter dem 22. Grade nördlicher Breite, der sich bis 2400 Fuß erhebt, von Kalkstein und schwarz gefärbtem Sand steine (nirgends Basalt); überall, wo die Felsen fehlen, Salz in Menge. Es ist cin Jrrthum, wenn gesagt wird, daß die Dattelpalme bei Tegerri aufhöre; sie ist hier, fünf Grad südlicher, im Ueberfluß. Das Wetter ist hier recht unaussteh lich, fortwährend Nordostwind und Staub, der die Sonne verdunkelt; am Mor gen eine Temperatur von 8 Grad und am Mittag von 30 Grad." In den gegen 20 Fuß hohen Hügeln bei Bilma traf Vogel einzelne dünne Lagen von Holz in einem der Braunkohle sehr ähnlichen Zustande; dasselbe zerfiel, sobald man es berührte, in Staub. An Ritter Bunsen thcilte Ur. Vogel aus derselben Oase, von Schimotison, 7 Meilen nördlich von Bilma, unterm 26. November 1853 dieselbe Bemerkung über die Bodenbildung des Landes mit und fügt hinzu: Ich habe mir den Sultan vonTibu, in dessen Lande ich mich befinde, durch ein Geschenk im Wcrthc von 7 Pfd. Sterl. zum guten Freunde gemacht; ich glaubte diesen Aufwand machen zu müssen, um mir die Verbindung mit dem Worden offen zu erhalten. Es ist ganz in der Macht der Tibn, jede Commnnikation zu unterbrechen, und ich könnte dann nur mit den Karawanen, die nicht öfter als einmal im Jahre abgehen, schreiben. Ich bin bisher recht glücklich gewesen und habe auf dem sehr beschwerlichen Marsche von Fessan bisher auch nicht ein einziges Kameel verloren. Die Gegend ist fürchterlich, 600 (engl.) Meilen auch nicht die geringste Spur von Vegeta tion, Alles Sand und schwarze Sandsteinfelsen. Hier haben wir die ersten grünen Bäume gesehen,, seitdem wir Tegerri verlassen. Wir sind nur 17 Tagemärsche entfernt von den Ufern des Tsad-Sces und werden in zwei Tagen dahin auf brechen. Wir haben hier drei Tage Halt machen müssen, thcils der Thiere wegen, theils auch , um die nöthigcn Vorräthe von Mehl und Butter einzunehmen. Meine Begleiter und ich sind, Gott sei Dank! bisher immer so wohl gewe sen, wie man nur erwarten konnte. Ich leide etwas am Magen, denke aber, daß ein wenig Ruhe und gutes Leben in Bornu Alles wieder gutmachen werden. Hadschi Achsen, der Vetter des Sultans von Bornu, der mich begleitet, hat sich als ein braver Mann gezeigt; er thut Alles für mich, was in seinen Kräften steht, und ist mir vom größten Nutzen gewesen." Südlich von Aschenumma liegen noch mehrere Ortschaften, deren Bewohner sich alle mehr oder weniger von der Gewinnung des Salzes und von dem Handel mit diesem Mineral ernähren. Zunächst sind die beiden Dörfer Elidji und Tc- gimani, dann folgt die Stadt Dirki. Diese ist sammt den sie umgebenden Mauern demselben schwärzlichen Thonschlamm gebaut, welcher den BodenAudienz beim Sultan der Tibu. 127 der Salzbecken bildet. Er wird zwar beim Austrocknen ziemlich fest, gewährt aber im Gegensatz zu den wcißgetünchten Wohnungen Aschenumma s einen trübseligen Anblick. Dazu kommt noch, daß sowol die Mauern als auch viele Hütten zerfal le sind. Die Salzlachen, in der trocknen Jahreszeit zu stinkenden, widerlichen Schlammtümpcln austrocknend, erhöhen noch das Unangenehme der Scene. Für den zu Pferde Reisenden erhält der Ort nur deshalb eine Bedeutung, die freilich wichtig genug ist, weil hier der einzige Hufschmied der ganzen Oase wohnt, ein Mann, von dem möglicher Weise sein Leben abhängig werden kann. Jenseits der Dattelpflanzungen von Dirki liegt das Dorf Schemidderu, halb auf Felsklip pen , halb am Ftlßc derselben; von Palmcnstreifen umsäumt dann das Dorf Emi- Maddama. Das Südcndc des ganzen Wadi zeigt ein malerisches Ansehn. Felsen riffe senken sich in Terrassen von den steilen Seitenwänden nach der Thalsohle herab, an andern setzen sie als niedere Rücken quer durch die ganze Breite der Oase. Zwischen den lebhaft gefärbten Gesteinen breiten sich grüne, kräuterreiche Weiden, von Palmenhainen unterbrochen. Gemüsegärten, durch Ziehbrunnen bewässert, erzeugen mancherlei erquickende Küchenkräuter. Wildwachsend sproßt der von den Kameelen so sehr geliebte Agnl (Alhagi Manrorum), eine blaublüh ende, Mannatropfen ausschwitzende Legnminose, ebenso die als Gemüse verwen dete Molnchia (Oorcliorus olitorius). Stellenweise finden sich auch neben den wildwachsenden Akazien gepflegte Kalabassenbäume, deren Frnchtschalcn vielfache Hausgeräthe abgebcn. Herden von Rindvieh verkünden dem Fremdling, daß ihm möglich ist, sich einen lange entbehrten Genuß, einen Trunk frische Milch, sowie Tibn-Käse zu verschaffen. Lctzcrcr ist sehr wohlschmeckend, jedoch so hart, daß er in Wasser cingcwcicht werden muß, bevor er genießbar wird. Die Hauptbedeutung der Oase liegt aber, wie bereits angedcntct, in ihrem Salzreichthum. Man möchte das ganze große Thal eine gewaltige Saline nennen. Besonders scheinen die Thonlager reich an Natron zu sein. Die Negcnwasscr, hier nicht, wie im nördlichen Afrika, während der kühler Jahreszeit, sondern ge wöhnlich zur Zeit der größten Hitze fallend, ziehen sich in diesen sie anftzaltenden Schichten nach der Rinne des Wadi und werden dort zur gesättigten Sohle. An verschiedenen Stellen bilden Seen und Teiche, von Sumpfvögeln belebt, unter denen sich besonders der nnserm Kiebitz ähnliche Spornflüglcr bemerklich macht. Ehedem begnügte man sich mit dem Einsammeln der Salzkrhstallc, die beim Ver dunsten des Wassers am Rande der Lagunen sich ansetzten; bei gcsteigertcmBcdürf- iß warf man den nassen Schlamm auf kegelförmige Haufen und sammelte das Salz, welches an diesen aushlühte. Heutigen Tages hat sich dieser Industriezweig noch weiter vervollkommnet; man gießt das Salzwasser in viereckige Thonformcn und lÄßt es in denselben verdunsten, während man das durch die Natur freiwillig auskrystallisirte auch einsammelt. Letzteres ist pulverförmig und für den Euro päer das einzig genießbare, freilich auch dreimal höher im Preise als die in viereckigen Stücken vorkommende Sorte, die bitter schmeckt und dem, welcher nicht an sie gewöhnt ist, jegliche Speise verdirbt. Die Salztafeln packt man zu zuckerhutähnlichen Säulen aufeinander und umwickelt mit Palmenblättern128 Reise von Mnrsnk nach dem Sudan. oder Matten den Fasern der Dattelpalme. Vogel sandte Proben von dem Salze von Bilma nach London und bemerkt dabei: Die Säulen Salz, etwa 25 Pfd. im Geivicht, werden nach dein Sudan verkauftund kosten etwa 16 dersel ben einen spanischen Dollar. Im Sudan hat jede einzelne diesen Preis." Jährlich zieht eine große Karawane, ausschließlich mit Salz beladen, nach dem Süden und Westen. Freilich theilen sich die Kclowi, ein Volksstamm westlich von Bilma, mit den Tibn in den Ertrag. Wir werden später ein Näheres über diese Concur- rcnten berichten. Die einzelnen Häuptlinge, deren mancher 200 und mehr Ka- mccle mit Salz beladen hat, sammeln sich zu einem gewaltigen Reisezug, der ein cigenthümliches, lebcnsrciches Bild in der Wüste darstellt. Der angesehenste Häuptling stellt sich an die Spitze, um ihn sammeln sich die einzelnen Trupps, jeder mit einem Trommler oder auch mit einem Pfeifer versehen. Hochlodernde Lager feuer erhellen die Nacht vor dem Aufbruch, bis das Dämmerlicht zur Rüstung mahnt. Da erschallt Trommelwirbel durch die Stille des Morgengrauens; die Trommler bearbeiten mit rasendem Eifer aus Leibeskräften das Fell, welches über einen hohlen Kürbis gespannt ist, und suchen eine Ehre darin, einander zu übertreffcn. Ein allgemeiner Jubelruf aller Personen im Lager antwortet ihnen. Die Kamecle, die Bedeutung des Zeichens verstehend, schreien dazwischen; sie werden bepackt, und in kriegerischer Ordnung rückt ein Trupp nach dem andern ans, jeder mit seinem besonder Führer an der Spitze. Eine dieser Salzkarawa nen, welche vr. Barth antraf, zählte 10,000 Kamecle, die mit Salz beladen wa ren. Der dritte Thcil davon ging nach Kano und hatte daselbst den Werth von etwa 50 80 Millionen Kurdi (Muscheln). Gewöhnlich versehen sich die Salz- Händler ihrerseits mit denjenigen Artikeln, die ihrer Heimat fehlen. Sic kaufen hauptsächlich Baumwolle und Korn ein , die nach Kuka ziehenden besonders gern eine Art getrockneter Fische, die an den Ufern des Tsad - Sees in großen Mengen zu erhalten sind. Dieser Fisch hat zwar für eine europäische Nase einen unerträg- lichen Gestank, bildet aber die höchste Delikatesse für einen Tibn. Sind alle seine übrigen Bedürfnisse gestillt und fehlt ihm der Fisch, so hat das Leben wenig Anziehendes für den Tibn. Vorzugsweise zum Transport dieses Stinkfisches ver wendet der Tibn seine Sklaven und zwingt diese Unglücklichen, die schauerliche Wüste von Kuka nach Bilma zu Fuß zu durchschreiten, ein Bündel jener Waare auf dem Kopfe, welche dem Eigenthümer viel mehr gilt als das Leben des Skla ven. Er übertrifft hierin noch weit die Araber und Tuariks an Grausamkeit. Durch die Lage der Salzseen wird auck die politische Stellung der Bewohner des Wadi ju einer sehr verschiedenen. Die Leute von Dirki und Bilma werden wegen ihrer Stellung als Vermittlnngsglied im Salzhandel von den Tuariks ge achtet und ihr Eigenthum geschont; halten ja für diese Halbnomadcn daö Salz in Bereitschaft. Die Kclowi plündern sie nicht aus, beschützen sie im Gegenthcil, nne in Folge dessen reisen Kaufleute von Dirki und Bilma über Asben ach Hansta. Die Einwohner von Aschenumma und andern Plätzen dagegen sind jeder A^t von Bedrückung und Ungerechtigkeit prcisgegebcn, werden nicht blos ze lj wci;e in ihren Wohnorten mit Ueberfällen bedroht, sondern laufen stets GefahrDie Tibu. 129 ^schlagen zu werden, wenn sie vereinzelt mit Tuariks oder Kelowi zusam- wentreffen. Zwischen Tuariks und Tibu (oder Tubn) besteht auch in der Sprache keine Verwandtschaft, dagegen weist letztere entschiedene Aehnlichkeit mit derjenigen der Kanon, der Bewohner von Bornu, nach, obschon sie sich als Mundart stark von ihr scheidet. Andere Stämme der Tibu sind am Komadugu Waube, über Mandara Dasa, Ederi und andere Bezirke des Sudans verbreitet. Ehedem bil deten die Tibu eine sehr angesehene, mächtige Nation, deren Glanzperiode in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts fällt. Damals gebot über ihr Reich die Dy nastie der Bulala, ivelche sich vorzugsweise die Tibu stützte. Von der Mitte des 13. bis zur Mitte des I . Jahrhunderts waren die Tibu dem Bornureiche einverleibt, da sich dieses bis Fessau erstreckte. Abgesehen von den Ungerechtigkei ten und Bedrückungen, welche die Tibu durch Tuariks und Kelowi zu leiden haben, da ihnen beide Volksstämme durch ihre Feucrgewehre, besonders aber durch kriegerischen Geist weit überlegen sind, erfreuen sich eines ziemlichen Wohlbefindens und eines Grades von Wohlstand, den man im Herzen der Sahara nicht vermutheu sollte. Bei einem festlichen Aufzuge, den Or. Barth in Asche- numma mit ansah, befanden sich nicht weniger als zehn Pferde, und bei solchen festlichen Gelegenheiten wird die allgemeine Heiterkeit durch die Aufführung von Nationaltänzen erhöht. Im Schatten eines großen Talhabanmcs versammeln sich die Franc , von reichlichem Ocle glänzend, die dreieckigen Zöpfe zu beiden Seiten des Gesichts herabhängend. Außer dem gewöhnlichen Korallenschmuck im lin ken Nasenflügel ziert den Hals einzelner eine Bernsteinkette; am Gewand, daS auf der linken Schulter znsammengeknüpft ist und die rechte Brust frei läßt, hängt bei einigen ein Schlüsselbund. Andere tragen in der Hand einen Zweig, andere einen Fächer, aus weichem Gras geflochten, noch andere einen solchen aus Strau - ßenfcdern. Die Trommel bildet das Hauptmusikinstrnment. Die Tänzerinnen nähern sich einander mit mancherleiBewegunge dcsKopfes und dcrHändc, solvie des Oberkörpers, den von einer Seite zur andern werfen, schwingen und wie gen, ohne die Füße zu bewegen. Plötzlich wird der Takt der Musik schneller und fchneller und zugleich lärmender, dann gehen die Tänzerinnen zu den heftigsten Bewegungen über, werfen den Kopf wild umher, knirschen mit den Zähnen, fchütteln die Hände gegen einander, springen zugleich bald rechts, bald links, bis gciuzliche Erschöpfung sie zwingt, ihre Stelle andern zu überlassen. Bei solchen Gelegenheiten wird auch den Sklaven ihr besonderes Vergnügen Glaubt. Sie bilden einen dichtgeschlossenen Kreis; einer von ihnen tritt in die Ntitte desselben und sucht den Ring zu durchbrechen, indem er mit behendem Sprunge bald gegen den einen, bald gegen einen andern anprallt, wird aber eben w kräftig von jedem zurückgestoßen. Hat er in dieser Weise die Runde gemacht, w löst ein anderer ihn ab. cl s Reisen. 2. Aufl. 9Wie Keloivi mid das L aud Asürir. Die Salzlagunen von Bilma sind fortwährend derGegenstand der Eifersucht der benachbarten Völkersiäinme gewesen, deren Existenz mehr oder weniger ebenso -mit denselben eng verknüpft ist, als die der Tibn selbst. Am meisten findet dicö mit den bereits genannten Ke low statt. Dies ist ein Volksstamm, welcher das Land Asbcn oder Air, etwa 60 Meilen gerade westlich von Bilma, bewohnt und sich seit ungefähr hundert Jahren daselbst niedergelassen hat. Schon vor jener Zeit wurde der genannte Landstrich durch, einen halb libyschen Volksstamm be wohnt, der sich mit der früher schwarzen Bevölkerung vermischt hatte. Bei der Eroberung wurden wahrscheinlich die Männer größtentheils getödtet und die lleberlcbendcn zu einer Art Sklaven oder Leibeigenen gemacht, denen man jedoch znsicherte, daß nicht außer Landes verkauft werden dürften. An der Nordseite der Gebirge von Asben wird noch gegenseitig ein Hügel als die Stelle bezeichnet, an welcher jener Vertrag zwischen beiden Völkerschaften abgeschlossen worden sti- Sobald Karawanen dort vorbei kommen, erhalten die Sklaven die Erlaubnis), ausgelassen heiter sein zu dürfen. Sie führen dann wilde Gesänge und Kriegs" tanze auf und haben das Recht, von jedem Freien deö Rcisezugs irgend ein Gs" schenk zu erbitten. Die Frauen bekamen mancherlei Vorrechte, die sich bis in dw neuesten Zeiten erhalten haben. So zieht z. B. bei Verheirathnngen die Frau nicht in den Wohnort ihres Mannes, sondern letzterer ist durch die Sitte genöthigt, sich in der Heimat der Frau niederznlassen. Eigenthnmlich ist auch die Bestimmung, welche der Vermischung beider Volksstämme hervorgegangcn ist, daß der a m rem Bcrbcrstamm gewählte Häuptling nur mit schwarzen Frauen oder SklavinnenDie Kelowi. 131 9* Kinder zeugen soll, die ihm aber in der Herrschaft keineswegs folge . Als Thron erbe wird der Sohn der äftcflcn Schwester bestimmt. Es ist dies ein Gebrauch, der sich auch bei den Stämmen in den Gebieten zwischen dein untern Niger und den Aschanti, desgleichen in manchen Gegenden Indiens wiedersindet. Den Ber berstämmen scheint er ursprünglich fremd gewesen zu sein, denn er wird von den edlern Stämmen der Tuariks mit Verachtung als ein Zeichen betrachtet, wie wenig vertrauen jene Völkerschaften in die eheliche Treue ihrer Frauen setzen. Das Fa milienleben der Kelowi ist auch weit entfernt von jener Strenge, durch welche sich die Tuariks auszcichnen. Häufig lebt der Mann an einem andern Orte als die Mau und besucht dieselbe nur gelegentlich. Untreue von beiden Seiten ist dann ncht selten. Das aus dieser Vermischung von Berbern und der ursprünglichen Bevölkerung entstandene Volk der Kelowi hat die edle Gestalt und den Ernst der Tuariks eiugcbüßt und ihr Charakter, sowie ihre Sitten haben mehr die Heiterkeit ^-cr Haussavölker angenommen. Von den Tuariks werden sie geringschätzig behan delt. Aus Vermischung der Targi oder Jmoscharh - Frauen mit schwarzen Män- hcrn oder selbst mit Sklaven enstandcn die Busaua, Leute mit berberähnlichen Zügen, aber verwahrlosten Sitten; denn sie durchziehen als arge Räuber beson ders die südlichen Theile der Wüste. Die Kelowi vermögen an 10,000 bewaffnete Männer ins Feld zu stellen, sobald ein allgemeines Interesse sie dazu veranlaßt; gewöhnlich sind ihre einzelnen Abtheilungcn nicht in dem Grade einig, daß sie fest znsammeuhieltcn. Die Kclowi- Krieger sind mit Speer, Schwert und Dolch bewaffnet, fuhren aber außerdem einen großen Schild Ochsen- oder Antilopcnhaut, mit dem sie sowol sich selbst als ihr Neitthier gilt zu decken verstehen. Viele von ihnen haben auch, ähnlich wie die alten Afsyrer, Bogen und Pfeil. Flinten besitzen nur wenige und selbst diese wehr zum Schein als zu einem wirksamen Gebrauch. Mit ihren Nachbarstämmen, den K elg er und Jt issan, führen die Kelowi vielfach Fehde, und obschon sie denselben an Zahl überlegen sind, so haben die erster doch den Vortheil größerer Einigkeit und erhalten besonders auch durch ihre Berbersitte, vorzugsweise Pferde ru benutzen, ein Uebergewicht. Im Kampfe ist der Reiter zu Pferd stets gegen den Kanreelreitcr im Vortheil. Das Land der Kelowi, Air oder Asben, vermag nicht die dichte Bevölkerung, die es trägt, zu ernähren, obschon.es viel mehr erzeugen ^nnte, wenn seinem Anbau größere Sorgfalt geschenkt würde. Ein großer Thcil der Kelowi ist deshalb darauf angewiesen, sich dem Salzhandcl zu widmen und durch denselben Getreide, Kleiderstoffe und andere Lebensbedürfnisse dem ^udan zu beziehen. Ehe wir die Beschaffenheit des Landes Asben selbst schildern, werfen wir ^ncn Blick auf das ungefähr 90 Meilen in der Richtung von Süd nach Nord nm- stsseude Gebiet, welches sich zwischen demselben und dem Lande der Asgar-Tnarik 111 der Umgebung von Rhat befindet, und welches gegen 60 70 Meilen westlich dem Reisewege Dr. Vvgel s entfernt ist. Seine Kenntniß verdanken wir aus- bhließlich dem Zuge der Herren Richardson, Barth und Overweg, der ersten Europäer, die in jene Theile Afrika s drangen.132 Reise weit Mursnk nach dem Sudan. Das Weite Land zwischen Rhat, ungefähr unter 2ö", und Tintellust in Asben, unter 19 nördlicher Breite, ist Wüste, aber Wüste eigenthümlicher Art. Durchaus abweichend von Dem, was man früher als das Bezeichnende der Wüste betrachtete Tiefebene mit Flugsand, und wie die Umgebung der be schriebenen Natron -Seen in Fessan sich darstcllt , wird dieses Gebiet meistens durch Felsen gebildet. Auf dem Plateau, das den ganzen Raum zwischen beiden Städten füllt und gegen 2000 Fuß mittlere Höhe behält, erhebt sich im Norden daö Gebirge von Asgar, im Süden dasjenige von Asben, jedes um mehr als 2000 Fuß die Hochfläche übersteigend, also viertausend und einige Hundert Fuß über den Meeresspiegel emporgipfelnd. Zwischen beiden wechseln weite ebene Spiegel flächen Felsengrnnd und Geröll und mehrere einzelne Ketten und Berggrup pen von geringerem Umfange. DieBcrgevon Asgar sind durch wildzerrissene Sandsteinmassen gebil det, zwischen denen sich in tiefen Schluchten der Karawanenpfad hinwindet. Einer dieser Thalrisse ist das Wadi Egeri, das die beistehende Abbildung darstellt. Der Boden zeugt deutliche Spuren, daß er zur Zeit der mächtigen Regengüsse das Bett eines Wildbaches bildet. Herabgestürzte Felsblöcke bedecken ihn, und seine hellgelbe Färbung, durch Kies und Sand hervorgerufen, hebt sich malerisch ab von den in verschiedenem Braun schattirten Seitenflächen der Schlucht. Südlich von den Asgarbergen treten mächtige Granitmassen zu Tage, und gerade an den Stellen, tvo die beiden Gesteinformationen mit einander in Berührung kommen ist die Zerklüftung des Sandsteins am großartigsten und wildesten. Wegen der ansehnlichen Erhebung würde dieses Gebirgsland einen sehr gesunden Wohnplah bieten, leider aber wird dies durch die große Unfruchtbarkeit unmöglich gemacht. Nur in wenigen vereinzelten Thälern ist etwas Krautwuchs vorhanden. Ueber daS ganze Gebirge zerstreut finden sich tiefeinstürzende Kesselthäler, deren Grund von ansehnlichen Alpenseen gebildet wird. Mehrere sind so groß, daß sie sogar für Krokodile als Aufenthaltsorte ausreichen. Sie werden nur durch zusammcnlau- fende Regenwasser gebildet, haben dabei aber eine ansehnliche Tiefe und halten das ganze Jahr hindurch Wasser. Oryrantilopen und wilde Ochsen (Antilope bnbalis), sowie Schaaren von Flughühnern finden in diesen abgelegenen Gc- birgsthälern Zuflucht und Unterhalt und die am besten bewachsenen Plätze werden von schwarzen Hirten ausgesucht, die nur einen Lederschurz als Kleidung tragen und hier ihre Herden von Ziegen und kräftigen Eseln weiden. Bei Bakarat schon deutet der häufig eingebaute Negerhirse(Pennisetum ty- plioideum) den fernen Sudan an, Weizen und Gerste beginnen in gleichem Grade zurückzutrcten; am Südfuße der Asgarberge zeigen auch die wildwachsenden Kräu ter eine solche Veränderung. Die Talhabäume sind zwar noch herrschend und die vielfach erwähnten Bittergurken (Koloquinten) ranken in derselben Einförmige keit über den Boden der Wadis wie in Fessan, aber außer ihnen wird die riesige Asklepias (Asclepias gigantea) auffallend häufig; von den Tuariks wird c vmrfafia, in Sudan Aschur (d. i. der Zehent, der Feldzins) genannt. Sie vcr- c icnt als einjähriges Getvächs ihren Beinamen vollständig, denn sie schießt bis 3 11Asgar-Berge. Egern Marian. 133 Wadi Egen. ^ckt Kies und Granitschutt den Boden; vielfach finden sich auch Brocken por- bhhrartigen Gesteins mit großen Fcldspathkrystallcn. Am Südende der Granit- ^dene fangen einzelne Sandhügel an, die Nähe einer andern Gestcinformation ^nzndcnten. Ethclgcbüsche krönen ihre Gipfel, Gräser und Kräuter gedeihen M!chen ihnen uird bunte Schmetterlinge, schillernde Libellen lassen selbst diese ^ünen als ein bevorzugtes Plätzchen erscheinen gegenüber dem Granitplateau, das urch vollständige Unfruchtbarkeit und durch den Mangel jeglicher Lcbcnsspur 20 Fuß Höhe empor. Die Tamarisken (Ethelbäume) erreichen hier eine ansehn liche Größe. Südlichvon der 600Fuß über demThale sich erhebenden Tiska-Berggrnppe und bei der steilen Bergkette Marian beginnt eine weite Granitfläche, mit ihrer dunkelblauen Färbung an den Spiegel des Occans erinnernd. Statt des Sandes134 Ncise von Mnrsnk nach dein Sudan. gekennzeichnet ist. Noch wechseln dunkelblaue Granitschichten mit weißen Sand hügeln, zwischen denen häufig Luftspiegelungen den täuschenden Anblick von glitzernden Wasserflächen vorgaukeln; endlich aber verschwindet der Granit, und Sandsteine sowie Schicferfelsen treten an seine Stelle. Das Alpenland vonAsbeu steigt mehr als dritthalbtansend Fuß über die Thalsohle der Umgebung empor und gewinnt durch scharfgeschnittene schmale Kämme mit steilabstürzenden Seiten groteske Formen. Hier machen sich diePflan- zenformeu des Sudans in immer stärkerem Grade bcmerklich. Zu den stachligen Talhabäumcn tritt der Hadjilidj (Lalanitss asg^ptlaon), dessen wcithinkrie- chcudc seilähuliche Wurzeln oft von den Regengüssen bloßgclcgt sind und von den Kelowi zu vortrefflichen Lanzenschaftcu verwendet werden. In den von steilen Sandsteinfelsen umschlossenen Thäleru gedeihen mancherlei Gräser und Kräuter. In einigen Thäleru wuchert das Ncssi" (Panicum grossularium), ein unserm Hirse verwandtes Gras, in andern gedeiht Burekkeba", in wieder andern ,,Hhad", Alles vortreffliche Futterkräuter. Auch der Abis ge (Oaxxaris sodata), im Sudan unter dem Namen Schiwak bekannt, beginnt hier und liefert mit sei nen korintheuähnlichen Beeren eine nicht unangenehme Zukost. Manche Theile des Gebirges vonAsbcn werden anS mächtigenZügen weißen, festen Marmors und anS Gneisfels gebildet und besonders die letzter entwickeln in ihren Thäleru eine durchaus tropische Ucppigkeit. Die Talhabäume erlangen eine bedeutende Große; mehrere andere Äkazienarten treten dazwischen auf, zahl reiche Dumpalmen gesellen sich dazu, thcils als hohe verzweigte Stämme, theils als Gestrüpp mit malerischem Schmuck fächerförmiger Blätter, und auch einzelne Datteln sind vorhanden. Vielfach verschlungene Schmarotzergcwächse und Orchi deen schmücken die Zweige der Waldbäume. Jene üppige Pflanzenwelt hängt innig mit den Wittcrungsverhältnisscn zu sammen. Die zur heißen Jahreszeit, beim höchsten Stande der Sonne eintretenden Regengüsse haben einen vollendet tropischen Charakter. In kurzer Frist zieht das am Horizont meistens südwestlich erscheinende Gewölk herauf. Heftige Wind stöße brechen plötzlich und so mächtig herein, daß sie den Reiter fast von seinem Thiere werfen, und kurz darauf stürzen Wasserfluten in solcher Menge herab, daß der Reisende sammt seinem Gepäck völlig durchnäßt ist. Wohl dem Wanderer, der, vertrant mit diesen Eigenthümlichkeiten der Gegend, einen sichern Hügel zu erreichen suchte, denn im Thal, wo sonst am liebsten die Karawanen rasten, schwillt der trübe Strom zu einem See, steigt höher und höher, brandet schäumend an den Baumstämmen der Seitenwände und wälzt Steinblöcke vor sich her. Richardson erlebte mit seinen Reisegenosscn einen solchen Regenguß, der ihnen beinahe Gut und Leben gekostet hätte. Ich stand gerade am 31. August au meinem Zelte", erzählt er, und bewunderte die neue Landschaft, in die wir ge- rathen waren, eine Landschaft mit üppiger Vegetation und feuchter Atmosphäre, als wildes Geschrei ertönte. Die Wasserströme stürzten wieder über uns ein! Der Wadi kommt! Dessenungeachtet begnügten unsere Leute sich anfänglich mit dein Geschrei und machten keine Vorbereitungen, dem Wasserstrome Einhalt zu thnn;Ein Ungcwittcr im Sudan. 135 ^kkein nach kurzer Zeit beqnemten sie sich doch, mit Hülfe von Stuften und Stöcken einige Dämme aufzurichten. Diese Vorkehrungen hatten natürlich so gut wie gar keinen Sinn. DaS Wasser stieg immer höher, und die schäumenden Wogen stürz ten wirbelnd zwischen uns herein. Ich rief dem Uusuf zu, daß er einen hohen Ort ausfindig machen möchte, )vohin wir unsere Sachen transportircn konnten. Er Mb jedoch eine ausweichende Antwort, durch welche er verstehen ließ, daß die iteberschivenrmnng sich schon geben würde, wie sie es früher gcthan, und daß uns tvvl weiter nichts geschehen würde, als ein wenig durchnäßt zu werden. Allcnic- erigcn Stellen im Thale waren schon von dem schlammigen Wasser bedeckt, wel ches sich gewaltsam an den Stämmen der Bäume brach und endlich so hoch stieg, jaßes auch unser Zelt bedrohte. Unsuf errichtete nun, so gut gehen wollte, einen Steinen Damm rings um das Zelt; allein binnen wenigen Minuten war derselbe hinweggeschwemmt und wir standen im Wasser. Jetzt aber trat für uns die unvermeidliche Nothwcndigkeit ein abznzichen. Unsere Leute, die, wie schie m bis jetzt von der Feuchtigkeit gelähmt gewesen waren, wie man in den arktischen Gegenden von der Kälte werden kann, fingen an sich anzustrengen und führten nnscrcZeltc und unsere Bagage auf einen andern ^odcn hinüber, welcher sich bedeutend über den Thalgrund erhob und von brau enden Gewässern umgeben war. Der Rest der Karawane ahmte uns nach und k ald sahen wirAllc auf den Gipfeln der kleinenJnscln campiren, wohin gleichfalls eie Kameelc getrieben wurden, wenigstens diejenigen, die nicht schon von selbst auf solchen Inseln eine Zuflucht gesucht hatten. Hier bot sich eine gute Gelegenheit unr, den afrikanischen Charakter zu studiren. Die Kelowi machten keine Vorbcrei- iung gegen die Uebcrschwemmung, bis der letzte Augenblick da war, und cS schien sann, als wollten sie dieselben so verkehrt als möglich ins Werk setzen. Sie rollten ^we Ballen mit Waaren ins Wasser, als seien Holzblöcke, obgleich dieselben, sie ein wenig in die Höhe gehoben worden wären, hätten trocken erhalten wcr- ^enkönne . Unterdessen sangen nndtanzten die schwarzen Sklaven und spielten im ^Passer herum, als wenn irgend ein großes Glück sie betroffen hätte. Das Wasser üieg noch immer und schäumte über den Rand der Insel. Wir wurden allmälig Mnöthigt, uns bis in die Mitte derselben zurückzuziehen, und da kein Zeichen vom fallen des Wassers vorhanden, das ganze Thal vielmehr schon eine brausende rllnt üt schwimmenden Bäumen geworden war, begannen finstere Befürchtungen "ich zu erfüllen. Ich berechnete mit gespannter Aufmerksamkeit und Besorgnis, wie viel Zoll die Gewässer wol steigen müßten, bis sie ganz und gar unsere Habe ^rstören konnten, und wie viel Zoll, bis sie unser Leben in Gefahr bringen wür- Während ich dastand und mich selbst mit beunruhigenden Gedanken quälte, waren unsere Leute die leichtfertigen Kinder des Augenblicks, die, ohne einen Ge danken für den nächsten Tag, damit zufrieden waren, daß die Wellen sie noch nicht ^reicht hatten, und die unter Gelächter und Scherz der Fluten zu spotten schic- ww, welche stets höher und höher steigend die höchsten Bäume nmwarfcn, die Ge- ^usche wegspülten und in wildem Tanze die Ränder der kleinen Insel umbranstcn. wlleicht wußten sie, daß wenigstens ihr Leben gesichert sei, dachten aber nicht136 Steife von Mursuk nach bent Sudan. daran, daß, selbst wenn wir nach der Küste hinüber schwimmen könnten und unsere Habe preisgeben würden, wir doch immer im Lande eines Feindes uns befänden, ohne Mittel, die Gier des ersten Banditen, der Lust verspüren möchte uns anzu- grcifen, zu befriedigen. Aengstlich stand ich da und beobachtete die Fortschritte, welche die Ueberschwemmung lachte. Da schien dieselbe endlich inne zu halten; eine Zeit lang hielt sie sich auf demselben Punkte und wälzte sich durch das Thal, welches ganz vom Wasser erfüllt war. Darauf bemerkten wir ein langsames und ein wenig später ein immer schnelleres und schnelleres Fallen des Wassers. Die Hoffnung erfüllte aufs neue unsere Brust und wir dankten dem Allmächtigen für unsere Rettung. Die Gelvässcr standen mehr denn 2 Fuß hoch über der gewöhn lichen Oberfläche des Thales. Wäre diese Uebcrschlvcnlinnng während der Nacht gekommen, so hätten wir uns kaum retten können; jedenfalls würde der größte Theil unserer Habe und unsere Kameele verloren gewesen sein. Die Gewalt solcher herabstürzenden Wassermassenist eiltsetzlich; eine große Anzahl Häuser wurde hin- wcggespült und unzählige Bäume mit den Wurzeln herausgerissen, ebenso war der Boden des Thales nach allen möglichen Richtungen hin rnngcwühlt worden." Der von Richardson s Reisegesellschaft erlebte Regenfall und Wasserstrom erreichte aber eine außergewöhnliche Höhe, was schon aus dem Umstande erhellt, daß Hütten der Eingebornen ilnd ältere Bäume hinweggcschwcnlint wurden. Nicht alle zeigen sich in ähnlichem Grade verderblich, sondern im Gcgentheil durch ihren Einfluß auf die Pflanzenwelt segenbringend. Die Bewohner von Asben bauen auf bewässerten Feldern vorzugsweise Negerhirse (Pennisetum typhoideum) und bedienen sich, da die Brunnen ge wöhnlich eine nur geringe Tiefe haben, einer höchst einfachen Vorrichtung, um. das Wasser aus letztem auf die Felder zu heben. Sic befestigen einen Ledersack am Ende einer Stange und setzen diese wiederum mit einem Querholz in Verbindung. Die Hütten der Dorfbewohner sind entweder ganz aus Zweigen gebaut, und zwar in der Art, daß selbige im Kreise in die Erde gesteckt, nach oben halbkuglig zu- sammengcbogen und dann durchflochtcn sind, oder sie haben einen Unterbau aus Zweigen und ein Dach von den Blättern der Dumpalme. Ueberraschend üppig zeigt sich die Gegend zwischen T in t ell ust und dem fast 30 Meilen südsüdwestlich davon gelegenen Agades. Berge von ansehnlicher Höhe reihen sich daselbst entweder zu Ketten und Kämmen oder bilden geschlossene Gruppen mit hervortrctcnden auffallenden Formen. Die meisten bestehen aus Granit und Gneis, einige der bedeutendsten Gebirgsstöckc aber aus Basalt. Zwi schen den wild und malerisch sich aufthürmenden Kuppen ziehen sich dichtbewaldete Thäler wie bunt schillernde Schlangen entlang und geben ein Zeugniß von der Tragkraft des Bodens. Der Hauptbestand der Wälder wird aus Akazien und Mimosen gebildet, die mit ihren weittragenden, dornenbcsetzten Zweigen sich über den Weg neigen und mit den üppigen. Schlinggewindcn, von Baum zu Baum ge flochten, den Pfad oft so verengen, daß der Reiter auf dem Kameel gezwungen ist, sich zu bücken, will er nicht wie weiland Absalom zwischen den Acstcn hängen blei ben. Die Akazien und Mimosen haben hier nicht mehr das dürftige und lichtePflanzenwuchs und Landban in Air. 137 Laubdach, das sie in der Wüste zeigen, ihre Kronen werden dicht, steigen pyrami dal empor und erreichen mitunter einen Durchmesser von 70 Fuß. In dem dichten Gewirr der Zweige treiben Schaarcn von Turteltauben und von kleinen ägypti schen Tauben ihr munteres Spiel; zahlreiche Affen schwingen sich an den Lianen entlang und steigen zum Quell herab, um ihren Durst zu löschen. Auf weite Strecken breitet sich ein frischgrüner Rasen aus, der in Afrika eine große Sel- lenheit fast mit einem europäischen Wiesenteppich wetteifert. Die hohen Büsche der Turfafia (Asclepias gigantea) bilden das Unterholz und behängen sich mit Meißen und violetten Blütcnschirmen. Neben den genannten Bäumen findet sich der wcitschattige Taborak (Ualanitss aegyptiaca, Hadjilidj in Bornu), Dum- Palmen bilden geschlossene dichte Bestände und der Abisge (Schiwak in Bornu, ^ apparis sodata) verflechtet seine zähen Zweige mit Akaziengebnschen und jun gen Dumpalmen zu einem vollständig undurchdringlichen Dickicht. Feigenbäume nit großen fleischigen Blättern, die ihrem Artcharakter nach noch nicht untersucht worden sind, kommen hier in solcher Größe vor, daß einzelne Stämme 26 Fuß in: Umfange messen. Stellenweise ranken Melonen in dichten Massen über den Grund; freilich sind ihre Früchte abscheulich bitter und ungenießbar, sowie die anderthalb Zoll laugen schönrothen Beeren eines hier häufigen Strauches süßlich und fade schmecken. Auch die Karengia (Pennisetum distichum), diese Plage des Sudan, beginnt hier bereits. Es ist dies eine Grasart, nahe verwandt mit ^er mehrfach genannten Negcrhirsc, an deren Samen sich lange Stacheln befinden, ^a diese mit Widerhaken versehen und sehr spröde sind, so stechen sie sich leicht in Kleiderund Haut ein und schieben sich bei jeder Bewegung tiefer. Sic verursachen sthmerzhafte Geschwüre, wenn sie nicht rechtzeitig beseitigt werden, und jeder Rci- wnde führt deshalb eine kleine Zange bei sich, um die Quälgeister baldmöglichst aus- äuzichcn. In dem Dickicht erschallt der schnatternde Ruf der Perlhühner, schlanke Mohor-Antilopen (Antilope Soemmeringiana) rauschen durch das Gebüsch und nächtlicher Stille schallt das Gebrüll des Löwen durch die Thälcr. Die Wüste lennt den Löwen nicht, wol aber ist er der König der Waldwilduiß. Der Löwe fieses Gebiets hat eine nur sehr kurze Mähne und ähnelt darin demjenigen von Guzerat. Schakale und Hyänen fehlen ebenfalls nicht. Der Anbau des Landes ist verhältnißmäßig sehr schwach, vbschon sich der sOoden gut dazu eignet und Weizen, Wein, Datteln und alle Arten Gemüse in vülle Hervorbringen könnte. Ehedein war der Landban in viel höherem Maße gepflegt; seit aber durch die vielfachen Fehden die Bevölkerung sich dem Ackerbau ^Zfrcmdet hat, finden es die meisten Bewohner bequemer, entweder als Salz- laudler zu agiren oder als Räuber ihre Nachbarn zu plündern. Es kommt vor, ^6 man sogar statt des Viehes Sklaven vor den Pflug spannt und mit ihnen das ^"d bearbeitet. Es ist dies vielleicht die südlichste Stelle, bis zu welcher der jrsiug in Gebrauch gekommen ist; durch ganz Mittelafrika ist die Hacke das einzige in der Hand des Landwirths. Sobald ein Stück Land hier einmal ver ändert ist, macht viel Mühe, aufs neue der Kultur zu gewinnen. Die "mpalmcn durchflechten mit ihren weithin kriechenden zähen Wurzeln den138 Reise von Mursuk nach dem Sudan. Grund in ähnlicher Weise, wie es die Zwergpalmen in den Ländern am Mittel meer thun, und werden dadurch zur wahren Plage, da ihre Früchte einen nur dürftigen Ersatz bieten. Auf einer freien Granitfläche, die stellenweise von Sandstein überlagert wird und sich bis gegen 2500 Fuß über daS Meer erhebt, liegt die Stadt A ga- d es, ehedem gleich wichtig und angesehen wie Timbnktu im Westen, nur daß in Europa ihr Name kaum genannt ward. Durch fünf Berberstämme ward aller Wahrscheinlichkeit nach Agades in alter Zeit gegründet, als eine Kolonie, welche den Handel zwischen den Berberstaatcn und den Negerländern vermitteln half. Ums Jahr 1515 eroberte der große Sonrhay-Krieger Hadschi Mnhamcd Askia und vertrieb die Berber, wenigstens die angesehensten derselben. Ein großer Theil der niedern Klassen blieb wahrscheinlich im Orte zurück und ver mischte sich nrit den cingcdrnngenen Sonrhay, denn obschon die jetzigen Bewohner von Agades sehr den eigentlichen Sonrhay ähneln, wie diese wenig muskulös sind, breite offene Nasenlöcher, mäßig dicke Lippen, eine hohe Stirn und hell schwarze Haut wie diese haben, so ist ihre Statur doch vorherrschend schlanker und höher und ihre Haut hat nicht jenen Glanz, wie er in Sonrhay gewöhnlich ist. Dies scheint durch eine Vermischung mit Berbcrblnt entstanden zu sein. Agades besaß in seiner Blütezeit 30 50,000 Einwohner und war von einer Mauer um geben; jetzt enthält es nur noch gegen 700 Häuser, die von ungefähr 7000 Ein wohnern bevölkert sind. Der größte Theil besteht aus Ruinen. Welche Wichtigkeit dieser Ort ehedem besaß, welche Großartigkeit der hier getriebene Handel erlangte, geht aus der Angabe hervor, daß der Herrscher von Agades, der sich außerdem einer ziemlichen Selbständigkeit erfreute, an den Sultan von Timbnktu einen Jahrestribut voir 150,000 Dukaten zahlte. Der wichtigste Artikel des Handels von Agades war damals Gold, ein Mineral, das gegenwärtig nicht mehr dorthin gebracht wird. Die jetzigen Bewohner beschäftigen sich ebensowol mit Handwerken als mit dem Handel. Sie arbeiten aus buntem Leder, von dem sie einiges sogar aus Aegypten beziehen, Reisetaschen, Beutel, Sandalen, Sättel und ähnliche Geräthschaften, und zwar werden die erstgenannten Artikel fast ausschließlich von Frauen gefertigt. Dieselben flechten auch Matten aus weichen gefärbten Grashalmen. Die Arbeiten der Feinschmiedc sind verhält- nißmäßig nicht übel. Der Handel befaßt sich theils mit diesen Erzeugnissen des Ortes, theils mit dem Salz von Bilma und wird meistens nach Süden zu betrie ben. Nach Rhat und Mursuk kommen die Handelsleute von Agades gewöhnlich nur, wenn sie auf einer Pilgerreise gen Mekka begriffen sind. Alls Münze ist das Gold, für welches ehedem sogar ein eigenes Gewicht hier festgcstellt war, in Aga des verschwunden; vorzugsweise wird ein Tauschhandel gegen Negerhirsc (Penni- setum typlioideum) getrieben; indisches Korn (Koi Alinw) kommt weniger vor, sparsam auch nur die im Sudan vielfach gebräuchlichen Baumwollenstreifcn. Die Einwohner von Agades sind fanatische Muhamedaner. Mehrere Mo scheen sind vorhanden und neben der im Innern freilich unansehnlichen düstern Hauptmoschcc erhebt sich ein fast 100 Fuß hoher Thurm. Dieser ist wie die WälleAgades. J39 Ortes aus dicken Lehmmaucrn aufgeführt. Aehnlich wie die Zierde des Su- die majestätische Delebpalme, schwillt er in der Mitte an und verjüngt sich nach oben, üin ihm größere Festigkeit zu geben, sind in ihm absatzweise Holz- Planken übers Kreuz gelegt, die rundum mit ihren Köpfen ein paar Ellen weit Erstehen. Er diente nie zum Gebetsaufrufe, wie dies mit den Minarets in den türkischen Städten der Fall ist und welches hier vom Dach der Moschee aus ge schieht, sondern ward als Warte benutzt, um das Herannahen von Feinden recht zeitig melden zu können. (Siche die Abbildung S. 130 .) Aus den bewaldeten Thälern in einiger Entfernung von der Stadt versorgt uan letztere mit Brennholz und Trinkwasser; das Wasser aus den Brunnen der ?tadt selbst gilt für weniger gesund. Sehr gern vermischt man das Wasser mit Hirsemehl, auch wol mit gepulvertem Käse. Diesen Trank, Fura genannt, der jucht übel schmeckt, genießt man dann mittelst eines Schöpflöffels, der in Gesell schaften die Runde macht, wie anderwärts ein Festpokal. Die Wohnungen der ^ute in Agades zeigen einen hohen Grad von Behaglichkeit, wenn ihre Einrich tung auch freilich von europäischen Gebräuchen durchaus abweicht. Der Ein- tsetende gelangt zunächst in ein größeres Zimmer. Links und rechts in demselben und durch Balustraden von etwa zwei Fuß Höhe Seitenhallen abgetrennt, in denen Dasselbe geheimnißvolle Dämmerlicht herrscht wie in dem darauf folgenden grö- ern Gemach. Von letzter : aus führen Thüren nach Seitcnränmen, Speicher,: l"r Borräthe der verschiedensten Art, durch die Mittelthür dagegen gelangt man uuf den viereckigen Hof, den Liebliugsaufenthalt der Familie. An der einen ^sauer desselben sind eine Anzahl mnthwilligcr Ziegen angebunden, muntere Binder, in: einfachen Kostüme Adam s, treiben mit einen: der ineckcrnden Haus genossen, der sich vielleicht losgerissen hat, ihr lustiges Spiel. Eine Reihe große udene Töpfe sind in die Wand wagerecht eingemauert und diene,: einer Schaar zutraulicher Tauben als Rist - und Brütcplätze. An einer andern Seite des Hofes llt ein Schattenplatz, eine Laube aus Matten, eingerichtet, zwischen dessen vier Ehlen" die Familie die heiße Tageszeit behaglich verbringt, und an der dritten ^oand endlich steht das Sanktissimuin, das riesig große Ehebett, als wohlver wahrtes Heiligthnm. Mächtige Pfosten tragen dasselbe, die eine Wand ist aus Zetern gebildet, die Decke und die andern Wände sind mit dicken Matten ver ehrt und der innere Raum, der ein kleines Zinnncrchen darstcllt, bietet besou- "rs de : weiblichen Theil der Bewohnerschaft ein Gemach, um sich bei Tag und Nacht ungestört zurückziehen zu können. Bei denjenigen Häusern, die ein swcites Stockwerk haben, führt zu letzterem von: Hofe ein Ding zum Stei- g^u", d. i. eine Art sehr roher Treppe. Nie versäumt der Bewohner von Agades sein tägliches fünfmaliges Gebet frechen und sorgt für den religiösen Unterricht seiner Kinder dadurch, daß er ^tztere in die Schule schickt. Solche Schulen werden meist durch hernmziehende ^rnuneger errichtet und der Unterricht besteht hauptsächlich darin, daß die Schü- ^r Sprüche dem Koran, die ihnen hölzerne Tafeln geschrieben sind und Qefagt werden, in:Chorgesang nachsprechen. Agades hat fünfodcrscchs solcher140 Reise von Mursuk nach dem Sudan. Schulen, und gegen 300 Kinder besuchen dieselbe. Die Sprache der Bewohner von Agades hat viel Aehnlichkeit mit der in Timbuktu. Höchst eigenthümlich sind die Verhältnisse, welche in Bezug auf den Sultan von Agades stattfindcn. Es tvird derselbe stets durch die Häuptlinge der drei Stämme des Landes: der Kelowi, Kelgeres und Jtissan, gewählt und zwar stets aus einer bestimmten Familie in der Stadt Gober, welcher man Scherif-- Adel (Nachkommen Muhamed s) zuschreibt und die früher in Stambul gewohnt haben soll. Bei der Krönungsfeierlichkeit verkündet ein Trommler und Ausrufer das fröhliche Ereigniß den Einwohnern der Stadt. Am nächsten Morgen ziehen die versammelten Häuptlinge der drei Stämme nach der Privatwohnung des Sul tans und begleiten ihn nach dein öffentlichen Hause. Hier führen ihn die Kelgeres und Jtissan zu einem Gado, d. h. einer aus Zweigen verfertigten und mit Matten und Teppichen bedeckten Ruhebank, und nöthigen ihn zum Sitzen. Noch läßt der neue Herrscher seine Füße auf dem Boden ruhen, und erst wenn die Häuptlinge der Kelowi ihn auffordern, sich bequem zu machen, gestattet eS ihm die Sitte, die Füße auf den Gado zu legen. Nach beendigter Einsetzungsfeierlichkeit begiebt sich der neue Sultan mit seinem ganzen Gefolge nach einer außerhalb der Stadt liegenden Kapelle, um dort sein Gebet zu verrichten. Ihm voran zieht ein Trupp Musikanten, links und rechts reiten seine Mini ster, unmittelbar hinter ihm die sämmtlichen Häuptlinge, alle in ihrem besten Schmuck, weite Sudanhemden (Toben) aus Baumwolle und Seide, gekleidet und aufs beste bewaffnet mit Speer, Schwert, Dolch und ungeheurem Schild. Ihnen nach die Kelowi-Krieger hoch zu Kamcel, von ihrem Fürsten geführt. Wer von den Bewohnern der Stadt es irgend ermöglichen kann, schließt sich, mit Speer und geradem Schwert bewehrt, oder auch wol mit Pfeil und Bogen versehen, dem Zuge an, reitet entweder zu Pferde oder zuKamcel, oder geht zu Fuß. DieMehr- zahl trägt dabei dunkelfarbige oder gesprenkelte Hemden, sogenannte Perlhuhn- odcr Pfeffer-Toben, auf dem Haupte eine hohe rothe Mütze mit einer Unmasse von Troddeln und Quasten, sowie mit zahlreichen, an Schnuren hängenden Le dertäschchen aufgeputzt, welche letztere schützende Zauberformeln enthalten. Um diese rothe Mütze ist getvöhnlich ein schwarzes Tuch und über dasselbe ein langer ägyptischer Schal, weiß und roth gestreift, gewunden, so daß der ganze Kopfputz das Ansehen eines phantastisch geschmückten Helmes erhält. Die dunkeln, glänzenden Toben erscheinen von fern wie Stahlrüstnngen und das Ganze erinnert täuschend an den Aufzug eines Fürsten des Mittelalters mit seinen Rittern und Mannen. Viele der Reiter haben Steigbügel von Kupfer, an Gestalt den in Europa gebräuchlichen gleich. An den Köpfen ihrer Pferde hängen außer den erwähnten zauberreichen Ledcrtäschchen Riemen mit zahlreichen Schellen, und das Geklingel und Rasseln derselben giebt schon einer nur geringen Anzahl Berittener den An schein, als sei es ein ansehnlicher Heerhaufe. Die weiten Hosen der Reiter sind unten gewöhnlich eng und mit einer zwei Zoll breiten Borte besetzt.von ßtlntrt noch ffiultit. Von Bilm a bis zum Tsad - Sec lag noch eine traurige und höchst beschwer liche Strecke Wegs von etwa 70 deutschen Meilen, auf welcher keine einzige Ort schaft und nur sehr wenige, mitunter mehrere Tagereisen von einander entfernte ^Nlnnen lagen, deren Wasser noch dazu schlecht genug war. Unweit Wilma traf Vogel einen Quell, in dessen Becken reichliche Luftblasen emporbrodeltrn schd welcher deshalb das Ansehen eines heißen Sprudels erhielt, obschon er nur , !c gewöhnliche Temperatur besaß. Eine heiße Schwefelquelle, von welcher ihm u Mursuk erzählt worden war, daß sie hier in der Wüste cristire, war den Ein- lvvhnern der Oase nirgends bekannt, ja sie lachten über die Idee, daß in ihrem "ande heißes Wasser und Schwefel.aus der Erde kommen solle. Am südlichen Ende erhebt sich das J 00 Fuß über den: Meer gelegene Thal ^vn Kanar wieder allmälig über Alaun- und Mergelschichten bis zur gewöhnlichen Hohe des Wüstcnplateau s. Ueber Muß katenu führte der Weg nach dem4Vr O^citert davon entfernten Brunnen Saukura, einem Rastplatz, der durch die rcich- wuchernden Gebiische der Salzkaper (Schiwak, Oaxxari sodata) einige ^unehmlichkeiten bietet. Er liegt in einer flachen Thalebene, die rings von Pal- wengestrüpp umgürtet ist. Das reichlich vorhandene Wasser des Brunnens ist nur wenige Fuß von der Oberfläche entfernt ltnb die in der ganzen Senkung sich in nesex Tiefe erstreckende Feuchtigkeit bedingt das Vorhandensein der genannten Gewächse. In der Richtung nach Nordwest liegt, drei Tagereisen von hier entfernt, , cv sehr alte Tibn-Ort Faschi oder Agherim (Agram), der durch die Erobe- ^ungszüge des Königs Edriß von Bvrnu früher Berühmtheit erhalten hat. Erst 15 Meilen südlich von Saukura folgen die nächsten Brunnen, die von142 Reise von Mnrsuk nach dem Sudan. Dibbcla. Die ganze weite Strecke ist ein Sandmeer im Sinne der gewöhnlichen Vorstellung der Wüste. Der zu Zeiten fallende Regen ist zu spärlich, als daß er selbst einem genügsamen Grashalm das Leben fristen könnte, und die Kuh-Anti lopen , die ihr Dasein dem Reisenden durch ihre zahlreichen Fußtapfen n Sande verrathen, besuchen dieseEinöde nur, wenn sie durch die Nachstellungen der Jäger aus den bewachsenen Oasen verscheucht werden. Der feine Sand ist das Bett des Wanderers bei Nacht, der dunkle, stcrncndurchfnnkelte Hiimncl seine Decke rnid soll sich ganz behaglich auf diesem Lager schlafen, zumal wenn ein langer anstrengender Ritt während des glühendheißen Tages den höchsten Grad von Er schöpfung herbeigeführt hat. Aber selbst der geringste Genuß, im Wüstensande von der fernen grünen Heimat mH ihren frischen Wassern und lieben Freunden zu träumen, ward unserm Reisenden nicht ungestört zu Theil. Es hatte sich die Nach richt verbreitet, daß die Tuariks aufgebrochen seien, um die Karawane zu über fallen und die für den Sultan von Bornu bestimmten reichen Geschenke für sich in Beschlag zunehmen. So war Dr. Vogel gezwungen, stundenweise Wache zu stehen und während der übrigen Zeit nur mit geladener Büchse zur Seite und denr Re volver in derHand 31 t schlafen, um auf einen geeigneten Empfang der ungebetene Gäste gebührend vorbereitet zu sein. Die Räuber hatten indessen ermittelt, daß ihnen die Reisegesellschaft doch zu zahlrcich und zu gnt bewaffnet sei, und unterließen deshalb einen ernsthaften Angriff, so daß man mit der bloßen Unruhe davonkam. Nachdem ein hoher Sandrücken, reichlich mit Kadjidji bewachsen, überstiegen war, langte man an dem Brunnen Di b b ela an. Seine Umgebung trägt einen fast romantischen Charakter. Im Osten ragen steil und zerrissen nackte schwarze Felsmasscn empor, die übrigen Seiten der tiefen Einscnknng umgrenzen Dünen blendendwcißem Flugsand. Talhabäume umschatten den Brunnen und aus den Schluchten der Felsen ragen die Kronen einzelner Dnmpalmen. In dem rings umschlossenen Thalc steigert sich die Hitze des Tages zum Unerträglichen, und lei der gewährt das Wasser keine besondere Erquickung, da es einen ganz abscheuliche Geschmack wegen seinesGchaltes an Bittersalzen hat. Hier war es, wo der freund liche Henry Warrington, der Vogel begleitete, auf seiner Rückreise von Knka de Tod fand. Schon iit letzterer Stadt kränklich und unterwegs durch die Folgen der Dysenterie aufs äußerste geschwächt, zerrüttete wahrscheinlich die schlechte Beschaf fenheit des Wassers vonDibbela seinen Körper vollends und führte seine Auflösung herbei. Die Höhen bei Dibbcla fand Vogel 1300 Fuß über dem Spiegel deS Mittclmeeres. , Wiederum folgt bis zum Thale von Agadem ein Sandmeer von 7 8 Meilen Durchmesser. Nur einzelne schwarze Felsriffe schauen hie und da aus dem selben heraus und gewähren den lagernden Karawanen einigen dürftigen Schutz, wenn der Wüstenwind ihnen dichte Wolken von Sand entgegen treibt. Mehrfach durchschneiden auch Einsenkungen in der Richtung von Ost nach West die Ebene, und die Ränder derselben fallen mitunter steil genug ab, um die Mühseligkeiten der Reise noch zu vergrößern. In dieser Wüstenstrecke finden sich eigenthümliche Bildungen im Sande, dieErdschotcn in der Wüste. 143 wit den bekannten Blitzröhren einige Aehnlichkeit zeigen; es sind Stangen, aus krhstallisirtem Sande gebildet, die in Menge umherliegen, von den KanoriBar- gvm -tschidibc, von denHaussaleuteuKantschin-kassa, d. h. Erdschoten genannt. Manche glauben in ihnen Ueberreste von Termitengängen zu erblicken, welche die stämmigen Stengel von Negerhirsc umgeben hatten. Vielleicht dürfte man auch der Vcrmuthung Raum geben und sie als Erscheinungen ansehen, welche mit den ^genannten geologischen Orgeln Verwandtschaft besäßen. Mehrfach haben wir erwähnt, daß Baumstämme mitten in der Wüste verkieselt angetroffen werden, ^hcils Bäumen angehörig, die noch in der Nähe gedeihen, theils solchen, die aus- Mstorben sind, aber ehedem hier wuchsen. Es erscheint deshalb vielleicht nicht ganz undenkbar, daß in der Vorzeit ein kleinerer Binnensee, ähnlich den Lagunen von Eilina, hier stagnirte und ähnlich wie diese und die Natron-Seen in Fessan von Schilfgewächsen rind Gesträuch umwachsen war, deren untere hohle Stengeltheile M Hülfe des Salzgehaltes der Gewässer verkiesclten. Ob die Gewässer durch E e allinälige Hebung des Landes sich nach andern Orten hinzogen, oder ob sie durch jene von Ost nach West streichenden Wadis sich ergossen, könnte natürlich nur eine eingehende Untersuchung an Ort und Stelle ergeben. Ein Vorkommen Hfn Negerhirsc in dcni gänzlich unfruchtbaren Gebiete, sowie ein Auftreten von Vermiten, welche gegenwärtig bereits bei Kibbn, fast 50 deutsche Meilen südlich davon, ihre Nordgrenze haben, dürfte mindestens nicht viel wahrscheinlicher sein; ebenso liegen wenig Gründe vor, in dieser rcgenarmcn Zone eine so häufige und auf eine Stelle beschränkte Erscheinung durch den Blitz erklären zu wollen. ^ _ Or. Vogel sandte Proben solcher Röhren nachLondon. Er theilt darüber mit, dhß sich dergleichen bis zu I8Z0U Länge von vcrschiedcncmDurchmesscr, von 1 3 Mnien, fänden. Sie staken meist senkrecht im Sande", schreibt er dabei, an den ^wfsten Stellen der Ramle, Diese sonderbaren Gebilde sind ohne Zweifel das Pro dukt einer Ameisenart, die sich in Bornu in großer Menge findet und das Eigen tümliche hat, Holz, Baumzweige, Grashalme u. s. iv. zuerst mit einer Erdkruste Zu überziehen und dann diese Artikel unter dem Schutze der Hülle zu zerfressen. Man findet in Bornu alle Felder mit Röhren dieser Art übersäet und in den Wäl- ^rn solche von t8 25Zoll Durchmesser, ivo irgend ein verdorrter Baum gestan- en. Diese Röhren sind sehr bröcklig unb zerbrechlich, die von mir cingcsandten aber wahrscheinlich durch den Einfluß des glühenden Sandes verglast. Uebrigcns Nüssen sie schon sehr lange in demselben vergraben liegen, da es jetzt daselbst weder ^vashalme noch Ameisen giebt." ^ Von einer Hügelkette, die nach Vogel s Schätzungen vielleicht 150 200 sMß über der Thalsohle erhaben ist, senkt sich der Pfad nach dem Thale A gad c m. ^stses liegt 000 Fuß über dem Meere, ist also etwas Weniges tiefer wie Bilma. Sbhcnzüge umschließen nördlich von Agadenr eine weite Thalebene und bilden ein ^regelmäßiges Becken, dessen reicher Gehalt an Natron bestimmt genug darauf Unweist, daß es einst das Becken eines Natron - Sees war, von dem das Salz beim strdunsten des Wassers im Boden zurückblieb. Agadcm selbst wird iin Osten von ^Ner Felsenreihe umgeben und hat etwa eine halbe Meile Breite. Den West - und144 Steife von Mursuk nach dein Sudan. Nordrand bezeichnen Sanddünen. Auch hier ist die ganze Thalsohle von Salzka pergebüschen erfüllt. Sie wuchern so üppig und massenhaft, daß ihretwegen manchen Zeiten des Jahres sich eine Schaar Leute vom Stamme derBolodua oder Am-wodebe mit ihren Herden hier aufhält. Wenn mehrfache Regen den Grund befeuchtet haben, sproßt auch etwas GraS auf und gewährt den Thieren, die ungern auf längere Zeit sich mit den Blättern der Kaper begnügen, etwas bessere Weide. Zwei Brunnen, einer nördlich und einer südlich in der Senkung gelegen, bieten der Karawane vortreffliches, klares Waffer, der erstere in reich licher, der letztere freilich nur in spärlicher Menge. Ein behagliches Ausruhen ist aber an solchen regelmäßig von den Reisenden benutzten Lagerplätzen nicht thun- lich, denn im Sande siedeln sich Kolonien von Kameelläusen an, die nach langer Fastenzeit jeden neuen Ankömmling gleich den räuberischen Tuariks und Tibus als Beute begrüßen und ihren Tribut beanspruchen. Die Wüste ist einmal kein Paradiesgarten, und selbst an die geringste Annehmlichkeit, die sie bietet, hängt sie irgend eine fatale Mahnung. Auch unter Schiivakgebüschen wandelt man, wie unter Palmen, nicht immer ungestraft. Wie der Künstler seinein Publikum, der Gastgeber seinen Gästen das Beste bis zuletzt aufspart, so behält auch die Sahara dem von Norden kommenden Rei senden zum Schluffe seiner Wanderschaft ein besonderes Kabinetstnck, eine Wüste im engern Sinne vor, die Wüste von Tintumma. Unter den 30 Meilen, die er noch bis zum Tsad - See zu durchziehen hat, nimmt sie den größten und trau rigsten Theil ein. Etwa 970 Fuß über dem Meere erhaben, dehnt sich eine traurige Sandfläche, durch nichts unterbrochen, südlich vom Brunnen Agadem aus und zwei Meilen weit bildet loser Flugsand ein dürres Gegenstück zum Spiegel des Oeeans, wie dieser beim Windeswehen seine Oberfläche verändernd, nur durch Sterne und Kompaß es dem Wanderer ermöglichend, den Weg zu finden. Keine andere Strecke von Tripoli bis Kuba ist in gleichem Grade berüchtigt wie die Wüste von Tintumma, dadurch, daß der Reisende den Weg leicht verliert. Ein Verirren in diesem Gebiet ist aber sicherer Tod. Kein Wunder deshalb, daß die Ginge- bornen dieselbe mit aberglänbischerSchen betreten, in denvor dem Sturme dahin ziehenden Sandwolken Schaaren von schlimmen Dämonen zu erkennen glauben und in den hier häufigen Luftspiegelungen das Werk des Satans erblicken. Da die Hitze auf dieser Sandfläche sich während des Tages bis zum Unerträglichen steigert, nimmt man die etwas kühlere Nachtzeit gern zu Hülfe; die Größe der Gefahr, die Jedem bewußt ist, spannt alle Kräfte an, eine Art Begeisterung ergreift selbst die armen Sklaven, die, noch mit schweren Packete dem Kopfe beladen, zu Fuße den losen Sand zu durchwaten haben. Sie stimmen einen wilden Gesang ihrer Heimat an, die Führer feuern von Zeit zu Zeit Flintenschüsse ab, und wie ein wilder Gespensterzng eilt die dunkle Schaar durch die Nacht, bis allgemeine Ermattung, allgemeines Erschlaffen nach der gewaltsamen Aufregung folgt und ein unabweisbares Halt! gebietet. Keine Spur eines holzigen Gewächses ist an einem Lagerplatz in der Tintumma finden, um ein Feuer anzünden und etwas Speise bereiten zu können. GestampfteWüste von Tintumma. Profil der Wüste. Ilo Negerhirse, ein wenig Mehl, mildem stinkenden Wasser des Lederschlauches kalt angerührt, ist die einzige Er- Pnckung, die dem erschöpften Körper geboten wird. Trotz dieser gräßlichenOede, trotz der tödtenden Ein förmigkeit und der drohenden Gefahren hat aber doch der Wüstenocean etwas ähnlich Großartiges wie der Spiegel des azurnen Weltmeers. Unbegrenzt streckt sich die weite Fläche und verschwimmt amHorizontmit dem wcitenHim- uelsgewölbe, nichts als Sand und Himmel gewahrt das Äuge und der schwache, hülslose Mensch fühlt ganz die eigne Nichtigkeit und Kleinheit gegenüber den riesigen Mächten der Natur, er fühlt nur so lebhafter dasBedürfniß einer helfenden Macht, die über dem Wüstensand und über den Sternen thront, und versteht die Inbrunst, mit welcher der Wanderer auf der Matte neben seinem treuen Thier nieder- dniet und das Fatal) spricht, das Antlitz genOstcn gerichtet. Zum Brunnen Belgahschi ferri senkt sich der Bo den um 50 Fuß, so daß dieser 920 Fuß über dem Meer ftcßt. Die Hügel dabei steigen bis lioo Fuß an. Von dort üus erhebt sich das Land zu einem Kamine, der 0 Meilen nördlich vom Tsad-See gelegen, allmälig nach dem letz- lern hinabfällt. Wir stellen hier anr Ende der Wüstcnreise die Baro- wetermessungen llr. Vogcl s in nebenstehendem Profil zu- hwnnen, das die ganze Strecke vom Spiegel des Mittel- wecrs bis zu den Mandarabcrgcn unter 8" n. Br. begreift. Der genannte Brunnen ist oft vom Flugsand vcrschüt- , und nrühsanr muß die ankommcnde Karawane erst den ^rnud aufwühlen, um ein spärliches Naß zu erhalten. Glücklich preist sie sich, wenn ein günstiges Geschick etwa eine Horde wandernder Tibumit ihr gleichzeitig hierher geführt hU und letztere ihr vielleicht einen Trunk Kameelmilch zum ^Usal anbictct. Dem einzelnen Wandererder kleinen Kara gane dagegen droht durch ein solches Zusammentreffen die Uößte Gefahr. Allem Bcrmuthen nach war es hier bei dem Hunnen Belgahschi, wo der Begleiter vr. Vogel s, der Korporal Macguire, den Tod fand. Mit seines Herrn Pa- pwren und Sammlungen war er im Begriff, den Weg nach Europa anzutreten, als er wahrscheinlich hier beim Eintritt " s Wüstengebiet von Räubern überfallen und nach tapfe rer Gegenwehr meuchlings erschlagen ward. y- Die häufiger fallenden Regen und die in Folge derscl- e en aufspoosscndcn Kräuter Had und Ssebod werden dem 55 i’ac [’s Reise-.,. 2. siuft. 10146 Ncisc von Mursuk nach dein Sudan. Reisenden willkommene Boten, daß er sich dem Sudan nahe befindet. Zugleich tritt wenige Meilen südlich von Belgahschi das gefiederte Stachclgras des Innern Afrika s auf, die lästige Klette (Pennisetum distichum), dessen wir bereits im Lande Asben gedachten. Der Brunnen Nnghurntin ist bereits von schönem Baumwuchs umgeben und in seiner Nähe erquicken sich die ausgehungerten Kameele an den reichlichen Mengen des Had und Nctem (Pfriemenkrant), die hier gedeihen. Weidegründe beginnen und würden zahlreichen Herden Nahrung gewähren können, wenn der politische Zustand des Landes es erlaubte. Gerade diese Grenzgebiete von Bornn sind das Ziel der häufigen Raubzüge, welche sowol Tuariks als auch Kelowi unternehmen, und während ehedem, als kräftige Fürsten in Bornn herrschten, durch das ganze Grenzgebiet zahlreiche Tibn-Nicderlassungen vorhanden waren und die Kanembu-Hirten von Weide zu Weide zogen, führt jetzt der Strauß seine Jungen hierher zur Aesnng und die Giraffe pflückt die Blätter der sprossenden Mimosen. Nur der Räuber und Jäger oder der bewaffnete Reisende durchzieht üt Eile die verwilderten Strecken. Araber auf der Weife.10 * V. Keife von Kanem nach Kuka. Zukunft im Sudan. Die tropische Regenzeit. Das Land Kaue NI. Naturbcschaf- i^uheit Kaneins. Geschichte dieses Landes. Das Königreich Born . Der Kv- Uladugu Wanbe. Fischrcichthum. Der Aittcrwcls. DicStadtJo. Flußübcrgang, Der Nschnr. Die Dumpalmc. Reiterei des Sultans von Bornu. A3 den ersten Tagen des Jahres 1854 langte endlich Dr. Vogel nach langer uishseliger Wüstenreise an der Grenze des Sudan an. Er hatte die Sandflächen von Tripoli im Hochsommer durchzogen und deshalb in denselben die schlimmste Hitze ansstehen müssen. Hier in Bornu kam er zwar im Winter an, fand aber chles so von der Sonne verdorrt, daß das Land den Anblick einer trostlosen Ein öde gewährte. Er trat in eine Zone ein, in welcher vollständig andere Witterungs- vsrhältnisse herrschen, die von denjenigenNordafrika s ebenso sehr abweichen, wie vie Beschaffenheit des Bodens von derjenigen in der Wüste verschieden ist. . Statt des losen Flugsandes, der Kalk- und Sandsteinfelsen und der spicgcln- "enGranithochflächen betritt der Wanderer südlich vom Brunnen Mul eine Tief- ^wne von nahe an 80 90 deutschen Meilen Breite aus fruchtbarem Thon - und Humusboden, der nur stellenweise von Sandhügeln und noch seltener durch einen ^uztlnen Granitberg unterbrochen wird. Letzteres ist erst weit im Süden der Fall.148 Reise durch Keinem nach Kuka. Diese Ebene hat nur wenige, höchstens 50 60 Fuß Erhebung über :t cu Mittlern Stand des Tsad unb letzterer selbst ergab sich nach Dr. Vogcl s Baromctcrmcs- sungen als 850 Fuß Erhebung über dem Occan gelegen. Es kommen zwar schon in der großen Wüste mitunter Regengüsse vor, von deren Heftigkeit wir bereits Beispiele anführten, aber erst am Tsad beginnt die Zone der regelmäßigen Tr o p en reg en, in welcher trockne und nasse Jahreszeit Jahr aus Jahr ein fast mit dem Datum wechseln. An der Nordküste Afrika s fallen die meisten Regengüsse zur Zeit des Win ters, bei einer Temperatur, die in einzelnen Fällen auf dein Gebirge sogar bis zum Gefrierpunkt sinkt, so daß sich die Landschaft wenigstens einige Stunden lang mit einer Schneedecke belegt. Im Sudan dagegen fällt die 8t c ge zeit mit dem h ochste n Stand e der Sonn e, mit dem Sommer zusammen. Die Einthci- lnng der Jahreszeiten in Winter und Sommer ist dort in dem uns geläufigen Sinne nicht mehr anwendbar. Die Gebiete in her Nähe der Wendekreise haben die Sonne einmal im Jahre im Zenith. Am Wendekreis des Krebses findet dies Ende Juni statt, lieber den Ländern des Aeguators steht die Sonne jährlich zweimal senkrecht über dem Haupte, das eine Mal im März, daö andere Mal iin September. Am Wendekreise ist deshalb eine Zeit des höchsten und eine Zeit des niedrigsten Sonnenstandes vorhanden, am Aeguator dagegen scheiden sich zw ei Perioden des höchsten von zwei Perioden des niederen Standes. Von letztern fällt der einenördlich, der andere südl ich. Je mehr nun die zwischen dem Gleicher und dein Wendekreis gelegenen Distrikte sich dem erster oder dem letztern nähern, desto mehr treten die beiden höchsten Sonnenstände deutlicher aus einander oder verschmelzen mit einander, und in demselben Grade lassen sich entweder zw ei Perioden des Regens unterscheiden, oder dieselbe fließen zu einer einzigen zusammen. In der Gegend, über welcher das Gestirn des TageS lothrccht steht, wirken seine Strahlen am stärksten und rufen einen kräftigen Luftstrom von unten inrch oben hervor. Die Atmosphäre wird mit Feuchtigkeit übersättigt, es bilden sich mächtige Wolken, und Regengüsse stürzen herab, von Blitz und Donner begleitet, für welche wir keinen Maßstab besitzen. Die meisten Gewitter entladen sich am Abend, aber selbst am Tage ist der Himmel dunstig, die Luft erstickend heiß und schwül und dabei so mit Wasserdampf überladen, daß die von dem Nachtregen durchnäßten Leinentücher während des ganzen Tages nicht trocknen, trotzdem daß die Hitze im Schatten bis gegen 42 Grad steigt, eine Temperatur, welche die Luft bei uns selbst beim klarsten Himmel während der Hundstage nicht erreicht. Di- Vogel hatte während seiner Reise nach Mußgo Ende Mai 1854 drei Wochen lang keinen trocknen Faden auf dem Leibe. Ain Tsad steht die Sonne in der ersten Woche des Mai und dann, vom Nor den zurückkehrcnd, während der letzten Woche des Juli den Bewohnern über dem Haupte. Die Regenzeit der Sommer beginnt in den Gegenden um st- neu See vom Ende Mai (die Wirkungen des höchsten Sonnenstandes folgest einige Zeit nachher erst am deutlichsten) und schließt Mitte September. Um dicstWitterungsverhältnisse im Sudan. 149 Seit herrschen vorzüglich Süd - und Südostwinde, und selbst die Nächte bleiben nicht selten so erstickend schwül, daß sie 40 und am Morgen nur ausnahmsweise 30 zeigen. Letztere Temperatur gilt dann schon für kühl. Mitte Mai entladen sich in Bornu gewöhnlich die ersten Gewitter, begleitet von heftigen Stürmen; da aber der Boden zu dieser Zeit gänzlich ausgedörrt ist, so wird das Regcnwasser, das in Tropfen von Zoll im Durchmesser fällt, anfänglich schnell aufgesogen und verursacht zunächst keine Unannehmlichkeiten. Die heftigen Blitze dagegen dichten nicht selten unter den Herden erheblichen Schaden an. Auch Menschen werden häufig erschlagen. Bei längerer Dauer der Regenzeit verwandelt sich aber das übersättigte Land bei seiner flachen Beschaffenheit weit und breit in einen See nd unendlichen Sumpf. Der Wind, fortwährend feucht und drückend heiß, geht allmälig nach Ost und Südost über, bis im September die Regengüsse Nachlassen. Währendder übrigen Jahreszeit während deS sogenannten.Winters ist zwar die Hitze etwas weniger stark, die Trockenheit aber desto trostloser. Der Wind weht dann vorherrschend von Nordost, und der Himmel ist fast ununterbrochen klar. Am Tage steigt daS Thermometer meistens nur bis gegen 3V" C. , mitunter werden die Nächte sogar empfindlich kühl, und die Luft hat dann gegen Morgen nur 18 20" C. , ja noch weniger. Dr. Vogel traf cs, wie gesagt, so ungünstig, daß er gerade mitten in der dürrsten Jahreszeit, im Januar, am Tsad anlangte. Er fand deshalb das Land ausgedörrt, versengt, nicht viel freundlicher als die Wüste, welche er verlassen hatte. Die Karawane lagerte am nördlichen Ufer des Komadugu Wanbe, gegenüber den: Städtchen Jo (Neu). Hier stand er an der eigentlichen Grenze des Reiches von Bornn, und dem Gebrauche gemäß mußte von hier aus dem Herrscher des Landes die Meldung der Ankunft gemacht und von dem Statthalter des Ortes Io die Erlaubniß geholt werden, die Grenze überschreiten zu dürfen. Nur 3 4 Meilen östlich von dieser Stelle ergießt sich der Komadugu in dcn Tsad, die Straße ach Kuka führt also an der Westseite des Sees entlang, nachdem nördlich vom Komadugu das Land Kanem theilweise durchschnitten hat. Kanem breitet sich am Nsrdufer des Sees aus und stößt im Nordosten an Borg , im Osten au M ad a i. Kurz vor Jo begegnete Dr. Vogel einer nach Fessan ziehenden Karawane sind benutzte diese günstige Gelegenheit, um, auf dem Pferde sitzend, mit Bleistift einige Zeilen an den englischen Konsul G. B. Gagliuffi in Mursnk zu schreiben wnd ihm seine glückliche Ankunft an der Grenze von Boruu zu melden: Nahe hei Neu (Jo), zwei Tagereisen von Kuka, den 3. Januar 1854. Geehrter Herr! Wenn dieseZeilenSie erreichen, geben Sie gefälligst dcmUeberbringer einen Dollar als Belohnung. Ich befinde mich ganz wohl und ebenso meine Begleiter. Ach habe blos zwei Kameele auf dem letzten Marsche verloren. Haben Sie die Güte, ^e n Colonel Hermast zu schreiben, daß der Tsad-See nur 80 engl. Fuß hoch über fein Meeresniveau liegt; die Wüste ist viel höher, überall wenigstens 1200 Fuß. ^ v ft bei Belgahschiferri (Beere Kaschifery bei Denham) fällt auf 900 Fuß.150 Ncisc durch Kanem nach Kuka. Ich empfehle mich Ihne angelegentlichst, sowie meinen Freunden in Tri- poli, England und Deutschland. Sie werden bereits von der Revolution in Knka dem Tode des Hadschi Beschir, sowie des Scherifs von Sinder gehört haben. Ich bin versichert worden, daß der neue Scheikh von Bornu mich freundschaftlich empfangen wird." Wir werden später Näheres über die politischen Wirren berichten, welche Bornu damals zerrütteten, und werfen, während die Karawane an der Grenze des Landes anhält, einen Blick auf das genannte Land Kanem, da dies znm Ver- ständniß der Geschichte Byrnu s nothwendig ist. Kanem, das Kand nördlich vom Tsad. Der westliche Theil Kanems besteht theils dem tiefgelegcncn fetten Marsch - Thonboden, der die Umgebung des Tsad bezeichnet, theils aus niä- ßigeu Sanddünen, die sich nördlich nach der Wüste zu fortsetzeu. In der trocknen Jahreszeit dörrt der flache Humusboden bis zur Stcinhärte aus und zerspaltet sich stellenweise in tiefe Risse; beim Steigen des Tsad und beim Eintritt der Regenzeit dagegen werden weite Strecken mehr oder weniger überschwemmt und unwegsam. Dieselben verwandeln sich dann entweder in Sümpfe, günstige Tummelplätze für Flußpferde, oder in grasreiche, üppige Wiesen, auf denen Büffel, Elephantcn und Antilopenarten weiden. (Siche das Bild S. 153 .) Diese weiten Flächen würden sich vortrefflich zum Reisbau eignen, wenn der politische Zustand dcsLan- dcs überhaupt einen friedlichen Ackerbau gedeihen ließe. Das User des SccZ ist sehr veränderlich; nicht nur, daß der Stand des Wasserspiegels je nach der Jahres zeit außerordentlich abweicht und in den trocknen Monaten Meilenweite Strecken bloßlegt , über denen sonst die Fluten spielen, an vielen Stellen bilden sich auch neue Schlammbänke und durch Zunahme derselben flache Inseln, während andere Stellen sich wieder zusammensehem und ihre Bewohner durch die zudringenden Ge wässer zur schleunigen Flucht und zur Verlegung ihrer Wohnstätte gezwungen wer den. So war Dr. Barth 1851 bei Ngegimi über ausgedehnte Flächen des schön sten Wicsenlandcs gezogen, welche zwei Jahre nachher sammt der letztgenannten Stadt unter dem Wasserspiegel lagen. Der neue Ort desselben Namens, den Di . Vogel berührte, war weiter westlich auf dcnhöher gelegenen Hügeln gebaut lvorden. Auf den etwas erhabenen sandigen Strecken erhält das Gebiet mehr ein hai deähnliches Aussehn und bedeckt sich mit kurzen Gräsern und Gestrüpp, über welches sich hie und da einzelne Mimoscnbänmc schattenspendend erheben. Doch auch hier wird die Einförmigkeit oft durch Thalsenkungen unterbrochen. Tuest Kessel besitzen gewöhnlich auf ihrem Grunde hinreichende Feuchtigkeit, so daß sto jich vortrefflich zum Anbau von Weizen und Sorghum eignen. In alter Zeit wa- rcn sie meistens auch zu diesem Zwecke benutzt und an ihrem Rande lag gewöhnlich ein Dorf oder eine Stadt; jetzt liegen sie dagegen fast durchgängig brach und unbe- nntzt und von den Wohimngcn der Menschen sind nur spärliche Ueberreste beincrk- lich. Tiefer gelegene Einsenkungen enthalten Wasserbecken, kleinere oder grösst^151 Das Nordufcr des Tsad. ^een, die zur Zeit des Hochwassers mit dem Tsad Verbindung treten und zur trocknen Jahreszeit auf ein Minimum zusammcnschrnmpfcn. Je nach dem Stande des Wassers verändert sich auch die Beschaffenheit des letzter . Der Boden enthält nämlich in mehreren jener Einsenkungen etwas Natron, das durch den Regen ans- tzelöst und dein Tümpel zugeführt wird. Nimmt das Wasser nun seinen niedrigsten Stand ein, so ist der Gehalt an Salz dem Geschmacke deutlich bemerkbar, beim Hochwasser verschwindet derselbe aber so vollständig, daß das Wasser durchaus süß u d angenehm erscheint. Das Salz ist überhaupt in der Umgebung des Tsad- Secs eine so seltene Sache, daß es zum großen Theile aus Asche dargestellt wird. H s ist dies Salzsieden vorzugsweise ein Erwerbszweig der Buddnma, der Bewoh ner der Tsad-Inseln, und sie verwenden dazu die Wurzeln des Salzkaperstrauchcs (Oapparis sodata), der das flache Seeufer auf weite Strecken bedeckt. In den erwähnten Thalscnknngcn hat sich, seit sie von den menschlichen Bewohnern ver fassen worden sind, die völlige Wildniß wiederhergestellt. Mimosen und Akazien verschiedener Art, aber sämmtlich mit Dornen bewehrt, verflechten sich zu Dickich ten, über welche sich Schlinggewächse in üppiger Menge hinziehen und die Undurch dringlichkeit vermehren. Kornnbäume rind Hadjilidj (Ualnnitos aex^xtinoa) schauen über die nieder Gebüsche hervor und das Dnmpalmcngestrüpp hat mit U cithinkricchendcn zähen Wurzeln Besitz von den Flächen genommen, die ehedem Weizenfelder bildeten. Gleichzeitig sind auch die ursprünglichen Herren der Wild- uiß beim Weggänge des Menschen tvicder in ihre Rechte getreten. Skorpione fauern in unangenehmer Menge unter dem Gestrüpp und Wurzelwerk und machen Aagd die schwächere Jnscktcnwelt; Stechmücken umlagern wolkeuähnlich die ^sad-Ufer; Schildkröten schieben sich langsam nach den Kräuterflccken der feuchten Stellen; Schlangen sind keineswegs selten. Eine goldgrünschillernde Art kommt t- or, die 8 ^-20 Fuß Länge erreicht und sich an den Banmästcn anfhängt, um lwrbcipassirende Thiere zu umstricken. Sv angenehm also jene Dickichte in den Thalsenknngcn für den Reisenden U n müssen, da sie ihm Schatten und Wasser gewähren, dem Pflanzcnsammlcr Wch noch vielerlei Ausbeute an unbekannten Arten versprechen mögen, so gefähr- ttch ist andererseits auch der Aufenthalt in ihnen. Am wenigsten eignen sich zu Lagerplätzen während der Nacht, denn Löwen und Leoparden lagern in den Dor- Mudickichtcn in Gemeinschaft mit Hyänen und beleben bei einbrcchender Dnnkel- hcit die Wildniß durch improvisirtc Konzerte. Der östliche Thcil des Landes Kanein übertrifft den westlichen bei weitem an "Abwechselung. Hügel und Thalsenkungen folgen sich hier viel dichter und die erster Zeichen bei der ansehnlichen Höhe von 400 700 Fuß stellenweise auch schrof- " e und malerische Formen. Einzelne jener Thäler besitzen ansehnliche Ausdeh nung und werden zur Regenzeit von Bächen durchrieselt. Der Ackerbau ist hier u ausgcbreitetcrer Weise vorhanden und an dem Rinnsal des Gewässers entlang fuzeichucn schöne Dattelpalmenpflanznngen die Betriebsamkeit der Bewohner. ^ Noch räthsclhaftcrer Statur ist das längste und östliche jener Thäler, die nach Tsad-See zu an dessen Nordseite münden, das sogenannte Bahr cl Ghasal152 Reise durch Keinem nach Knka. oder Burrum, ein sandiges, breites Wadi, mit reichem Baumwuchs geschmückt, das sich tief nach Borgu hinein erstreckt. Man erzählt von demselben, daß sich vom Tsad-Sec nach dem Norden zu senke und deshalb ehedem vom See zur Flutzeit unter Wasser gesetzt worden sei. Erst in spätem Zeiten habe sich die Ver bindungsstelle zwischen See und Thal durch Sanddünen so weit erhöht, daß dein Wasser der Eintritt verwehrt werde. In diesem Thale gewinnt man Salz und schafft dasselbe nach Wadai, von wo auö es westlich nach Baghirmi dein östli chen Theile von Born weiter gebracht wird. Noch kein europäischer Reisender war so glücklich, bis zu dieser interessanten Stelle Vordringen zu können, auch vr. Vogel gelang nicht, so lebhaft er auch den Wunsch danach hegte sich darüber in einem Briefe an Dr. Petermann anssprach. Die Bewohner des Landes Kanem sind gegenwärtig vorzugsweise auf Vieh zucht angewiesen, da der Ackerbau ihnen trotz der günstigen Beschaffenheit des Bodens bei der herrschenden Zerrüttung nicht Sicherheit des Ertrags genug ge währt. Sie sind theils eingeborne Kanembu oder stammverwandte eingewanderte Tibu. Zwischen ihnen haben sich aber auch eine Anzahl Vudduma, Bewohner der See-Inseln, und Schna-Araber angcsicdclt, und der unruhige Araberstamm der Uelad - Sliman spielte eine Zeit lang hier eine bedeutende, obschon wenig segens reiche Rolle. In frühen Zeiten war Kanem ein Reich von größter Bedeutung. Im 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung gelang es einem Manne Namens S s a c f, der zu dem libyschen Stamme der Berdoa gehörte, sich in Kanem ein solches Ansehen zu verschaffen, daß er"die daselbst wohnenden verschiedenen Kanembu-, Tibu - und Berberstämme unter seiner Herrschaft vereinigte. Seine Frau stammte aus Mekka. Bereits im Jahre 1086 ward durch den König Hume, einen Sprößling des Ge schlechts desSsacf, die muhamcdanische Religion hiereingeführt und der letztge nannte Fürst selbst starb auf einer Wallfahrt nach der heiligen Stadt Mekka. Die Residenzstadt der Kanembufürsten war Ndjim e, jetzt ein unansehnliches zerfal lenes Dörfchen in Ostkanem. Von hier aus unterhielt man einen lebhaften Ver kehr mit der Küste über Fcssan, und König Dunama (der 1088 1150 regierte) bezog von Tripoli ansehnliche Mengen von Pferden und verwendete dieselben, um eine möglichst starke Reiterei zu gründen. Er selbst machte drei Reisen nach Ara bien und erregte durch seine Unternehmungen die Eifersucht und das Mißtrauen der Aegypter in dem Grade, daß sie ihn bei seinerDurchreise ermordeten. Glück licher als er dehnte Sselma (H94 1210) seine Macht ans. Er war der erste schwarze König; seine Vorgänger hatten hellfarbig ausgesehen wie die Araber. Besonders gelang ihm durch das Freundschaftsverhältnis;,, in welchem er zu dem Fürsten von Tunis Bcni Hafiß stand, seinen Einfluß über die Wüstengebiete ans- zudehnen zu befestigen, so daß es einem seiner nächsten Nachfolger, Dunama oder Ahmed genannt (1221 1258), bereits gelang, das Königreich Kanem bis über ganz Fcssan und Wadai anszudehnen. Seine Hauptstärke bestand in einer höchst zahlreichen gutgeübten Reiterei, wird erzählt, daß er 41,000 Mann zu Roß in seinem Heere gezählt habe, eine Zahl, die trotz ihrer außerordentlichenElephuntcu und Flußpferde um Tsad-See.154 Reise durch Keinem nach Knka. Hohe doch nicht Wertriebcn erscheint, wenn man die gegenwärtigen Zustände in Bornu vergleicht. Unter den Heldenthaten ?lhmed s wird besonders der sieben jährige Krieg hervorgehoben, welchen er gegen die Tibu führte und der mit der Unterwerfung der letztern.endigte. Südlich reichte das Gebiet dieses gewaltigen Herrschers bis weit jenseits des Tsad, östlich bildete der Nil, westlich der Kowara (Niger) die Grenze. Von demselben Herrscher wird aber auch berichtet, daß er gleichzeitig die erste Veranlassung znm Zerfall des Reiches und zum Untergänge der Dynastie gegeben habe, indem er den Talisman von Bornu", ein versiegel tes Päcktchen, geöffnet habe unb der befreite Dämon von da an unausgesetzt nm- hergezogen sei, um allenthalben Empörung, Unzufriedenheit und Ungehorsam zu erregen. Es scheint diese Sage mit der Einführung der mnhamedanischen Reli gion als Volksreligion in Verbindung zu stehen. Bis dahin war dieser Glaube mehr Hofreligion gewesen. Nach Ahmed s Tode begannen für das Reich Kanem unglückliche Zeiten, von denen es sich nie völlig wieder erholte. Zunächst wurden die Kanembn lebhaft angegriffen durch den Volksstamm der S so oder Sscu, welcher im jetzigen Bornu zwischen dein Komadugu Wanbe und dem Schari wohnte. Der Kanembnkönig Sselma, der im Anfänge des 14. Jahrhunderts lebte, ward, so erzählt die Sage, durch eine unglückliche Mutter, welche er schwer beleidigt hatte, verflucht, und in Folge dieser Verwünschung fiel nicht nur er selbst durch die Waffen der cindringenden Sso, sondern blieben auch auf dieselbe Weise seine vier Söhne, die ihm in kurzen Zeiträumen folgten. Kaum hatte man etwas Ruhe vor diesen Drängern im Südwesten erlangt, als von Osten her ein neuer Feind aufstand. In der ersten Hälfte des 13. Jahr hunderts war nämlich ein Prinz des Kancmbuhauses nach der Landschaft Fittri geflohen und hatte sich dort in dem Thale el Batha, dem später Wadäi, eine Herr schaft über den Stamm der Knka gegründet. Seine Nachkommen, die Bulala, griffen den Kanembnkönig Daud 1380 und dessen Nachfolger so hartnäckig und mit so gutem Erfolg an, daß sich Abu Bakr Linyatu, der 1394 1398 regierte, gcnöthigt sah, seine Residenz von Ndjimie weg nach Kagha zu verlegen. Es ist dies ein wildes Gebiet von gegen 10 12 Meilen in Bornu, zwischen Udje und Gudscheba gelegen, das jederzeit von solchen, die eine Niederlage erlitten hatten, benutzt worden ist, um wieder neue Kräfte zu sammeln. Voin Jahre 1400 an folgt nun eine Periode ununterbrochener Bürgerkriege und manchfachen Elends. Meh rere Könige wurden ermordet, andere irrten flüchtig umher; nie kehrte für Kanem der ehemalige Wohlstand zurück. Zwar unterwarfen sich spätere Könige von Bornu, derselben Dynastie der Ssaefi angehörig, Kanem wieder und machten cs, 120 Jahre nach dem Verlust, zur tributpflichtigen Provinz, niemals schlugen sie aber ihre Residenz daselbst wieder auf. Sic brachen zwar durch mehrjährige Kriege die Macht der Bulala, waren aber später selbst zu schwach und energielos, das Gebiet gegen die von mehreren Seiten drängenden Feinde genügend schützen zu können. VonOstenhcr dehnten die Herrscher Wadal s ihre Macht mehr und mehr aus und das unglückliche Land ward znm ewigen Zankapfel zwischen diesem jugendlichen, kräftigen Reiche und Bornu, der sinkenden, altersschwachen Macht. Von den In-Geschichte Kamms. 155 fehl im See unternahmen die Budduma in ihren leichten Booten Streifzüge und Ueberfälle und führten Vieh und Menschen als Gefangene fort, von Nordwestcn her endlich drangen die Tnariks unausgesetzt vor und plünderten bis tief ins In nere des Landes, die Ortschaften verbrennend und Vieh und Menschen mit fort schleppend. Zum Ueberfluß hatte sich vor wenigen Jahren hier noch der mehrfach von uns erwähnte Araberstamm dcrUelad-Sliman festgesetzt und unternahm seine Raubzüge gegen die Tuariks von Air. Den Erzählungen der Eingebornen zu folge sollen die Uelad-Sliman den Tuariks binnen zwei oder drei Jahren 3 , 000 , ja nach den Aussagen Anderer sogar 50,000 Kameele abgenommen haben. Der ganze Unterhalt der Tuariks von Asbcn beruht aber, wie wir bei Beschreibung jenes Landes erwähnt haben, auf ihren Kameelen, deren sie des Salztransports wegen bedürfen. Für das von Bilma entnommene und nach dem Sudan geführte Salz verschaffen sich diese Berberstämme dann das zum Leben nöthige Getreide, sowie die übrigen Mittel zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Dadurch, daß die Araber den Tuariks die Kameele in jenem großartigen Maßstabe Wegnahmen, Zwangen dieselben, entweder ansznwandern und ein Land aufzusuchen, das ihnen durch fruchtbaren Boden hinreichend Lebensunterhalt gewährte, oder mit bewaffneter Hand ihre Herden den Räubern wieder zu entreißen. Die Tuariks wählten das letztere. Obschon zwischen ihren einzelnen Stämmen für gewöhnlich wancherlei Streit, Eifersucht und Fehde herrscht, vereinigte sie diesmal doch der gemeinsame Feind und sie brachten im Jahre 1850 ein Heer von mindestens 7000 Mann zusammen, von denen eine Anzahl zu Pferd, die andern zu Kamecl beritten waren. Die Araber hatten unter der Anführung des kühnen und entschlossenen Häuptlings Muhamed etwa 900 1000 Mann unter den Waffen, mit denselben aber eine große Anzahl Hülfsvölker aus andern Stämmen vereinigt. Anfänglich bezogen sie bei der Nachricht, daß die Kclowi rüsteten, ein so gut befestigtes Lager bei Keskaua am Ufer des Tsad, daß die Kelowi selbst erklärten, sie würden nicht inr Stande gewesen sein, den Uelad-Sliman etwas anzuhaben , wenn sie in ihrer Dcrschanzung geblieben wären. Da sich die Ankunft der Tnariks aber verzögerte, verloren die unruhigen Araber den Glauben an das Gerücht, ihre Hülfsgenossen entfernten sich mit ihrem Beuteantheil nach ihren Wohnsitzen und der Rest des Stammes lagerte im Wadi Alali in Kanem. Ehe sie hier ahnten, wurden sie von einer großen Schaar Tuariks umringt und von allen Seiten angegriffen. Die Araber waren fast nur mit Flinten bewaffnet, die ihnen im Reitergefecht beim schnellen Ansprengen, Abfeuern und Zurückzichen zwar vortheilhaft, beim Hand gemenge aber nicht viel nütze waren. Die Kelowi dagegen hatten außer einer gcriu- gen Anzahl Flinten vorzugsweise Speer, Schwert und Dolch für den Einzclkampf. Beim ersten Angriff fielen zwar einige Tuariks, dann aber wurden die Araber überwältigt und mehr als die Hälfte von ihnen blieb tob auf dem Schlachtfeld :. Muhamed selbst schlug sich, schwer verwundet, mit dem Rest durch, soll aber kurz darauf durch ein Tibu - Weib, das ihn erkannte, gctödtet worden sein. Die kühn- Ücn und herzhaftesten Kämpfer der Araber waren gefallen und der aus jüngern nd weniger tapfer Leuten bestehende Rest gericth durch diesen Unglücksfall in156 Reise durch Hauern nach Kuka. ein AbhängigkeitsverhMniß zu Bornu. Der Wesir von Born wollte sich der streitlustigen Freibeuter als einer Vorhut gegen die Tuariks und gegen Wadai be dienen, gab ihnen einen Sold und veranlaßte sie zu Einfällen in die Ostprovinzen Kanems, die unter Wadai s Oberherrschaft stairden. Der Stamm war aber durch innern Unfrieden gespalten, so daß es dem Häuptling Rhat nrit den wenigen ihm treu gebliebenen Mann nicht gelingen konnte, etwas Erhebliches auszurichten. Als er auf jenem Streifzuge, bei welchem sich Dr. Barth und Overwcg ihnen an- geschlosscn, einige Weiler verbrannt und einige Viehherden weggenommen hatte, wurde er von den Eingebornen, die sich gesammelt und Verstärkung durch Reiter aus Wadai erwarteten, gezwungen, sich möglichst schnell zurückzuziehen. Inden Gegenden Kanems, die Bornu tributpflichtig und zu deren Schutz die Araber be stellt waren, hausten sie übrigens nicht viel besser als in Feindes Land, plünderten Reisende ans, nahmen Vieh weg und erlaubten sich alle Gewaltthätigkeiten, so daß die meisten Ortschaften sich selbst helfen inußten. Die einen zahlten deshalb den Tuariks eine jährliche Abgabe, obschon sie von Amtleuten aus Bornu regiert wurden, die andern verständigten sich mit den Budduma, noch andere stichten sich mit gewaffncter Hand zu schützen. Kurz nach jenen verunglückten Unternehmun gen nahm auch die Uneinigkeit der Araber in dem Grade zu, daß der ganzeStamm seiner Auflösung entgegen ging. Die Achtbarsten unter ihnen verzichteten auf das wilde Räuberleben und legten sich auf den Handel, andere strebten darnach, wieder in ihre ehemaligen Wohnsitze an der großen Syrtc zurückznkehren. So liegt das fruchtbare Land Kanem noch immer im trostlosesten Zustande der Unsicherheit und des Verfalles. Der Einwohner wagt es nicht den Acker zu bauen oder einenFruchtbanm zu pflanzen, obschon dieDatteln, wie erwähnt, hier gut gedeihen. Er kann nicht darauf rechnen, daß er das Getreide einernte, das er säet, und die Früchte pflücke, die er Pflegt. Er muß sich begnügen mit Dem, was ihm die Herde liefert, und stets auf seiner Hut sein, dieselbe vor räuberischen Ueberfäüen in den Schutz der Ringmauern zu retten. Unter günstigen politischen Verhältnissen würden sich die Kane.mbu bald zu einem erfreulichen Wohlstände hinaufarbeiten. Sie sind ein wohlgebauter, gntproportionirter Menschenschlag und ihre Frauen zeichnen sich vor den breit und plump gestalteten Weibern von Bornu sehr vorteilhaft ans. lieber ihre Kleidung und Bcwaffnungswcise haben wir bereits früher (s. S. 16 u. 23) Näheres mitgetheilt und verweisen auf die dort befindliche Abbildung. Durch die Unsicherheit des Gebietes sind auch nicht wenige Stämme zum Auswandern nach andern, ruhigern Gegenden bewogen worden. So hat sich eine Abtheilung an dem Südufer des Tsad als Viehzüchter niedergelassen, der wir später, sobald wir nnserm Reisenden auf seinen Ausflügen nach Rgornu und Maduari folgen, wieder begegnen werden.157 Aas Königreich Gorim beginnt eigentlich erst südlich von Komadugu Waube, obschon, wie gesagt, die westlichen Theile Kanems am Nordufer jenes Flusses dem Namen nach dazu ge rechnet werden. Man war eine geraume Zeit hindurch in Europa zu der Mei nung gekommen, der Komadugu bilde den Abzugskanal des Tsad - Sees, durch welchen letzterer mit dem Niger in Verbindung stehe, trotzdein daßDenhamund seine Begleiter deutlich das Gcgentheil in Bezug auf die Strömung des Flusses utgetheilt hatten. Zur Regenzeit ist der Komadugu ein sehr ansehnlicher Fluß, der bei einer Breite von gegen 50 Ellen 6 7, stellenweise sogar 10 11 Fuß Tiefe besitzt. Seinen höchsten Wasserstand hat er Ende September. Von jener Zeit an beginnt er abzunehmen und nach wenigen Monaten ist von dem mächtigen Strome nichts weiter übrig als eine Anzahl uuzusammcnhängender Wassertüm pel, die in trockenen Jahren gänzlich verschwinden. Zur Zeit des Hochwassers und Regens entwickelt sich an seinen Ufern eine rege Thätigkeit. Der fruchtbare Voden wird in kleine viereckige Beete getheilt und dicsewerden mit Weizen bestellt. Durch -Schöpfrinnen bewässert man diese Fruchtfelder und erzielt dadurch eine reiche Ernte. Die Gewässer des Stromes sind reich an verschiedenen Arten von Fischen, deren Fang zahlreiche Leute, die Bewohner mancher Ortschaften aus schließlich beschäftigt. Die Art des Fischfanges ist sehr einfach. Der Fischer, der gewöhnlich nur mit einem leichten Schierz bekleidet ist, bindet zwei große hohle Kürbisse an den Enden einer Stange fest und setzt sich reitend auf letztere. So rudert er mit Händen und Füßen, den halben Leib im Wasser und sein Netz ausbreitend, durch den Fluß. Oben am Netz hat er Nohrstücken als Schwimmer befestigt, unten zieht er dasselbe durch Ledersäckchen, die mit Saud gefüllt sind, in die Tiefe. Sobald sich ein Fisch in den Maschen deS Netzes gefangen, zieht er denselben heraus, tobtet ihn durch einige Schläge auf den Kopf, die er ihm mittelst einer kleinen Keule versetzt, wirft ihn in einen der Kürbisse und wiederholt dies so oft, bis ihn die volle Ladung nöthigt, nach dem Ufer zu steuern, um seine Beute zu bergen. Bei geringerem Wasserstande, sowie in den seichten, fischreichen Hinterwassern des Tsad treiben die Frauen das Fischfängen noch einfachere Weise. Sie ver einigen sich zu vielen und veranstalten eine Art Kesseltreiben, indem sie im Ornat Eva s in langer Reihe in das Wasser waten und durch Plätschern und Schlagen die Fische des umschlossenen Beckens so nach dem Strande in die Enge treiben, daß sie dieselben mit den Händen greifen und Ufer werfen können. Fischerdörfer aus leichten Strohhütten entstehen an den Ufern des Stromes, aufgehängte Netze und Stangen mit trocknenden Fischen dckorircn die Umgebung derselben. Be sonders schmackhaft ist unter diesen Fischen eine Art Barbe, am interessantesten aber eine Sorte elektrische Fische von 10 Zoll Länge, die auf dem Rücken aschgrau, auf dem Bauche weiß sind und deren Schwanz und hintere Flosse roth gefärbt erscheinen. Allem Vermuthen nach ist der elektrische Fisch des Komadugu dieselbe Art158 Reise durch Kancm nach Knka. Meerbusens von Guinea bewohnt und in allen Flüssen Nordafrika s einheimisch zu sein scheint. Es sind außer an nur noch zwei Fischarten bekannt, welche die Fähigkeit besitzen, einem lebendigen Gewitter ähnlich Blitzschläge zu entsenden: der Zitterrochen und derZitteraal; letzterer ist besonders durch Hnmboldt s Unter suchungen in Südamerika berühmt geworden. Der Schlag, welchen der Zitterwcls crtheilt, ist zwar nicht so kräftig als derjenige des Zitteraals, aber doch stark genug, um den Arm eines Mannes mehrere Minuten gn lähmen. Die Er zeugung elektrischer Strömungen, welche den genannten drei Fischen als Waffe verliehen ist, steht keineswegs in der Natur so vereinzelt und frenidartig da, als man für den ersten Augenblick geneigt sein dürfte zu glauben. Jede Mnskelbe- wegung, jedeNcrvcnthätigkeit innerhalb des thierischen und menschlichen Körpers ist mit Erzeugung von elektrischen Strömungen innigst verknüpft. Es ist also in diesen elektrischen Fischen eine allgemein vorhandene Thätigkeit nur in besonderem Grade und eigenthümlicher Form benutzt und ausgebildet, gerade sowie bei an dern Thicrgeschlcchtern andere Theile des Körpers, Hufe, Hörner, Zähne, Stacheln, hältnißmaßig dünnes Gewebe, das wegen seines Ansehns leicht mit einer Fett schicht verwechselt werden kann. Es ist als eine unmittelbare Fortsetzung des Nervensystems zu betrachten. In ihm liegen eine ungeheure Anzahl winziger Plättchen hinter und neben einander geschichtet, deren Substanz in nichts von den Ganglienzellen in Hirn und Rückenmark verschieden ist. Diese Plättchen hängen mit den elektrischen Nerven zusammen. Die Richtung des Schlages geht bei dein Zit- tcrwels vom Kopf zum Schwänze innerhalb des Organes. Der Fisch verzehrt Würmer und Krebsthiere, vermag aber auch Fische durch seine Schläge zu tobten und die Bartfasern an seinem Maule mögen wohl zum Anlocken der letzter dienen. Das Städtchen I o, ivelchcs die Reisenden als ersten Ort in Bornu begrüß ten, bietet nicht viel Annehmlichkeiten dar, ja dem Europäer wird der Aufent halt innerhalb der Mauern desselben geradezu unerträglich. Um jede Hütte schmorenHundertevonFischen in dcrSonncund verbreiten einen pestilenzialischen Duft, der freilich den Schwarzen im höchsten Grade appetitlich vorkommt, denn jene stinkenden getrockneten Fische bilden die Lieblingsspeise der Tibu, Kancmbn und der Bewohner von Bornn, und in welchen Mengen sie von den Tibu-Kara ganen nach Kauar transportirt werden, haben wir bereits Gelegenheit gehabt zu erwähnen. Ganze Züge Kauflcntc wandern zur geeigneten Jahreszeit nur niit Der Zittcrwcls. Schwanz u. s. w. mit unter in cigenthümli- cher Weise zu Waffen umgeändcrt worden sind. Das elektrische Organ des Zitterwels erstreckt sich zwischen der Körperhaut und den Muskeln als ver-159 Flußübcrgang. Der Aschur. Fischen bepackt von Ort zu Ort, und das Wort, womit die Bewohner Bornn s oen Fisch bezeichnen, bedeutet soviel als die Speise" überhaupt. Das Nebersetzeu über den Strom, sobald er nämlich Wasser enthält, ge schieht auch vermittelst der Schwimmkürbisse (siehe Abbildung S. 147). Drei, vier oder mehr Paar derselben bindet man zu einer Flöße zusammen, legt das Gepäck auf dieselbe und setzt sich selbst darauf. Einige Neger, auf gleichen Kürbisstangcu seitend oder im Schwimmen geübt, spannen sich mit einem Seile vor, andere schieben und transportiren Fracht und Mannschaft hinüber. Am meisten Schwie rigkeiten verursachen gewöhnlich die Kameele bei einem solchen Flußübergange, und es kostet meistens vielMühe, che mau dieThiere dahin bringt, sich in das un gewohnte Element zu wagen. Den frühern kriegerischen Königen von Born , welche ihr Reich bis Fessan ausgedehnt hatten, mußte daran liegen, sich die Straße nach der Küste offen zu halten und zu jeder Jahreszeit bereit zu sein, möglichst schnell uritHeeresmacht nach Norden aufzubrechen; sie hielten deshalb auf dem Komadugu eine Anzahl Boote zum Uebersetzen in Bereitschaft, von denen jetzt aber keine Spur Mehr vorhanden ist. Die frühere Expedition unter Oudneh setzte in solchen Boo ten über, die freilich von sehr plumper Bauart waren. Sie bestanden nur aus grob zugehaucucn Planken, die man mit Stricken zusammengebunden hatte. Damit das Wasser nicht durch die Bohrlöcher dringen sollte, waren dieselben nolhdürftig Mit etwas Stroh zugestopft. Die Boote faßten je 20 30 Mann und hatten Hin- tcrtheile, die den alten griechischen ähnelten. Während eines großen Theiles vom Jahre passiren die Karawanen, wie gesagt, trockenen Fußes das Flußbett und schlagen wol gar gelegentlich ihr Lager in demselben auf, da die Umgebung von Jo ihnen nicht viel Angenehmes bietet. Es stehen zwar eine hübscheAnzahlTama- liudenbäume in der Nähe des Städtchens und neben ihnen bilden Dumpalmen lichte Haine; daZ Verweilen unter diesen Bäumen wird aber dem schatteusuchenden Reisenden durchaus durch die Unzahl von Pelikanen und andern Wasservögeln herleidet, welche auf denselben nisten und mit ihrem Unrath und denUeberbleibselu ihres Fraßes AlleS ringsum verunreinigen und verpesten. Der Sultan von Bornu schickte l)r. Vogel bis an die Grenze des Reiches (l2 Meilen etwa) 150 Reiter zur Bewillkommnung entgegen und drei Stunden vor Kuka empfing den Ankommenden, den mau als Gesandten der Königin von Eng land betrachtete, der jüngere Bruder des Sultans mit einer Armee von 3000 Mann Kavallerie. Von Jo bis Kuka ist die Gegend vorherrschend flach und hier und da von einzelnen fruchtbaren Senkungen und mäßig hohen freuudlicheuHügclzügen unter brochen. Heideboden, mit gelbblühendem Stetem (Spartiumjuncaceum), nnserm Beseupfriemen ähnlich, bestanden, wechselt mit Dumgestrüpp und stachligen ver krüppelten Mimosen und Akazien. Zur nassen Jahreszeit verwandeln sich die erwähnten Senkungen in Wasserlachen und werden zur Kultur von Getreide und Raumwolle benutzt, in der dürren Zeit aber, in welcher l)r. Vogel diese Gegend durchzog, war fast nur der häßliche Aschur (Asclepias gigantea) ilg lästiges kinkraut vorhanden (siehe eine solche Pflanze auf Abbildung Seite 17 links int160 Reise durch Kancin nach Kuka. Vordergründe). Diese häufige Pflanze hat kaum einen andern Nutzen, als daß man ihre hohen dürren Stengel zu Dachsparren oder zu Zäunen verwendet, gele gentlich auch wol aus einem jüngernAste cineReisepfcife darstellt, indem man ihn aushöhlt. DaS Mark giebt Zunder, das Holz ist aber zum Feuerungsmaterial zu schlecht. Durch den Milchsaft, von dem alle Theile des Aschur strotzen, wird das Gewächs höchst lästig, indem derselbe dem Wanderer nicht nur die Kleider be fleckt und verdirbt, sondern auch das Haar der Pferde so angreift, daß es ausgeht. In einigen Gegenden des Sudan benutzt man diesen Milchsaft, um das dicke Hir sebier mit demselben in Gährung zu versetzen, und durch diese Eigenschaft konnte der eingedickte Saft später vielleicht noch eine größere Wichtigkeit erlangen. Statt des Affenbrodbaumes könnte man den Aschur und neben demselben das Dumpal mengestrüpp als Wappcnpflanzcn für Kuka Vorschlägen. Ausgewachsene Dum- Palmcn (Hypliaena thcbaica) finden sich bei Jo in ziemlicher Menge. Sic er reichen daselbst die ansehnliche Höhe von 40 50 Fuß und ihre nach Lebkuchen schmeckendei: und eben so ausschenden Früchte spielen besonders in der langen Fa stenzeit deö Ramadan eine wichtige Rolle. Südlich scheint diese Palincnart den 12. Grad n. Br. nicht zu überschreiten, ist aber, wie wir bereits S. 115 angeführt haben, in den Thälcrn von Air oder Asben häufig, desgleichen in Kancin und Borgn, sowie in einigen Gegenden deS nördlichen Hanssa. In der Provinz Snrri- culo inBornu ist der vorherrschende Baum. Man genießt nur die dicke mehlige Rinde der Frucht, die Samenkerne werden in Kuka zu Spielsachen verarbeitet und das Holz der Stämme zu allerlei häuslichen Zwecken benutzt. Weit mehr als die so höchst einförmige Landschaft um Kuka zieht den ankom- menden Fremdling die eigenthümliche Pracht des Hofes von Bornu an, welche ihm in dem stattlichen Reiterheere des Sultans entgegentritt. Die Reiterei des Königs ist in Schwadronen von je 100 200 Mann eingetheilt, deren jede von einem Hauptmann, Kaschella, befehligt wird. Die schwere Reiterei trägt lange Röcke, zum Schutz gegen Pfeilschüsse dick wattirt, und über denselben mehrere To ben (Hemden) von verschiedenen Farben und mit mancherlei Zierrath geschmückt. Die Kopfbedeckung besteht aus einem Helm, ähnlich jenen, wie sie die Ritter im Mittelalter trugen, dabei aber aus leichtem Metall gearbeitet und mit den prah- lendsten Federn geschmückt. Auch die Strcitrosse sind in Panzer aus dicken, ver schiedenfarbig gestreiften Decken gehüllt, so daß nur die Füße unbedeckt bleiben: Der Kopf ist durch polirtc Mctallplattcn geschützt. Die leichte Reiterei dagegen hat auf dem Haupte weiße oder anders gefärbte kleine Mützen und ist mit je zwei oder drei hellschimmernden Toben bekleidet. Die Offiziere haben außerdem noch einen Burnus, den sie gern malerisch über die Schultern werfen, so daß vorzüglich das bunte seidene Futter desselben zum Vor schein kommt. Die Leibwache des Sultans ist mit Flinten bewaffnet und trägt rothe Jacken. Die Pferde der Krieger sind durchschnittlich von guter Rasse, viele derselben sogar von wirklicher Schönheit.VI. Furlia, Lauptstadt von Wornu- Dr. Vogcl^s Ankunft in Knka. Das englische Hans. Die Termiten. Die flicgen- fangcndc Eidechse. Der Dcndal und der Markt in Knka. Tracht der Bewohner. Marktgegenstände. Gemüse. Obst. Belustigungen. Zahlmittcl. Fleisch. Speisen. Marktpreise. Gcwcrbthätigkcit. Färberei. Wohnungen. Volkssitten und Feste. Hochzeitsfcicr. Geschichte Bornn s. Abu Bakr. Ali. Edriß Katakarmabi. Edriß Amssami. Die Erhebung der Feltata unter Othman. Sultan Ahmed und Scheikh el Kanemi. Dnnama. Kampf gegen Baghirmi. Scheikh Omar. Mnhamcd Ssalcb von Wadak. Tirab und Hadschi Bcschir. Abd e Rahman. A^m 13. Januar 1854 endlich zog Vogel in Begleitung der prahlerischen Rei terschaar mit Trompetenschall den weißglänzenden Mauern Kuka s entgegen, ward vom Sultan Abd e Rahman sehr freundlich empfangen und in der westlichen Stadt in dem sogenannten englischen Hanse eiuquartiert. Vogel selbst erfreute sich der besten Gesundheit und hatte den Anfall von Gelbsucht, den er in Aschennmma be kommen, völlig überwunden, der Dolmetscher dagegen, den er von Malta aus mitgenommen hatte, war sehr krank angelangt und starb schon am Tage nach der Änkunft. Das kleine Gehöft, ivelches Vogel bezog, war dasselbe, in welchem vor ihm i^arth und Overiveg gewohnt hatten. Die Stelle, wo lag, ist auf dem beigege- benen Grundriß (S. 169 ) mit 7 bezeichnet, und man sieht daraus, daß es sowol D vgel s Reisen. 2. Ausl. i162 Kuka, Hauptstadt von Bornu. von der Hauptstraße etwas seitwärts, also ruhiger lag, andererseits aber sich auch nicht so fern von derselben befand, daß der Verkehr mit demHofc dadurch erschwert worden wäre. Es war aus Lehm aufgeführt und bestand aus mehreren viereckigen einstöckigen Gebäuden und kleinen Hofräumen. Di . Vogel wählte sich dasselbe Zimmer, indem Dr. Barth auch logirt hatte; war das abgelegenste, aber auch behaglichste und zugleich das kühlste, denn neben ihm stand ein mächtiger Kornu- baum und überschattete die Terrasse des Daches und den kleinen offenen Hofrannr vor dem Häuschen. Im Schatten dieses Baumes stand auch eine große Wasser urne, in welcher sich das Wasser vorzüglich während der Nacht etwas abkühlte. An den kleinen Hof stieß ein größeres Zimmer mit zwei Wasserkrügen, das zum gemeinsamen Speisesaal diente, und jenseits desselben befand sich wieder ein klei ner Hofraum mit einem Hühnerhause. An der Westseite dieses Hofes war die Eingangshalle, in deren einem Winkel aus Lehm eine drei Fuß hohe Bank aufge führt war, und au die Südseite schloß sich ein dritter kleiner Hof mit einem schönen Gummi-Feigenbäume an. Südlich neben Vogcl S Wohnzimmer war ein größerer Hofraum mit den Kocheinrichtungen, am entgegengesetzten Ende desselben befanden sich einige Zim mer, die ehedem Dr. Overweg bewohnt hatte und die Vogel seinen beiden Beglei tern Korporal Church und Macguire zum Aufenthalt anwics. Eins derselben ward zum Schlafen und ein anderes als Proviantzimmer benutzt. Südwestlich an diese Gruppe von kleinen Lehmzimmern und Höschen schloß sich ein Gehöft, das ehedem einem Eingebornen gehört hatte, der englischen Ge sandtschaft aber zum Gebrauch überwiesen worden war. Man hatte deshalb die trennende Mauer weggerissen und benutzte den geräumigen Hof als Stallung für die Pferde und Kühe, sowie die in der Mitte desselben gelegene geräumige runde Hütte gelegentlich zur Wohnung. Diese Hütte war, abweichend von den übrigen Gemächern, rund im Grundriß und auf ihren Lehmmaueru erhob sich ein kegelför miges Strohdach. Jni Innern waren zwei breite erhöhte Lehmbäukc, eine mit flacher Oberseite, die andere mit geräumigen Vertiefungen, wie solche die Eingc- borncn benutzen, um werthvolle Gegenstände zu verwahren. Zwei andere kleinere Hütten in demselben Hofe waren von gleicher Bauart und eine derselben diente dem Hauptdiencr Vogcl s, Wadi, einem befreiten Sklaven, als Wohnung. Die ser Mann hatte früher bereits Dr. Barth gedient und erhielt später eine kleine Pension, da er im Dienste der Expedition verwundet worden ist. Jede dieser bei den Hütten ward ebenfalls von einem Kornubaume beschattet. Dr. Ovcrweg hatte in dem größer Hofraum, in welchem man einen Brun nen gegraben, eine Schicht Kalkstein aufgcfunden und diesen benutzt, um damit das Innere der Gemächer zu Weißen, wodurch dieselben ein behagliches Anschn erhalten hatten. Leider war außerdem gar nichs vorhanden, was ein gemüthlichcö Wohnen möglich gemacht hätte. Kuka und die Nachbarorte am Tsad haben vor den andern Städten des Sudan den wenig beneidenswerthen Vorzug, daß mit einer unendlichen Menge von Flöhen gesegnet sind. Von Dielen ist in den Zimmern natür lich nicht die Rede und der Staub lebt von diesen Plagegeistern. Für das besteDie Termiten. 163 11 * Mittel dagegen hält man häufiges Beschmieren des Fußbodens und der Wände mit frischem Kuhdünger. Außerdem wimmelte es im englischen Hanse von Wanzen, die vielleicht durch die Eropäer selbst mit den Büchern und Effekten cingeschleppt wor den waren. Diese widerwärtigen Thiere sind übrigens in Bornu durchaus keine Seltenheit und die Neger halten den Geruch derselben für aromatisch. Eine der fchlimmstcn Plagen ist die Termite, die sogenannte weiße Ameise, von welcher eine Art bis dreivIrtelZoll lang wird und sich hartnäckig in den Wohnungen einnistet. Im Boden legt ein solcher aus vielen Tausenden bestehender Tcrmiten- Ichwarm seinen Ban an und vergrößert ihn in demselben Grade, wie die Zahl der Bewohner wächst. Bon hier führen nach alleil Richtungen hin unterirdische Gänge, die sich in immer kleinere Röhren verzweigen und den lichtscheuen Thiercn als Straße dienen, in bencii sie unaufhaltsam weiter bauen, ohne gewöhnlich früher bemerkt zu werden, bevor sie das Werk ihrer Zerstörung vollendet haben, vorzugsweise arbeiten bei Nacht und kleben dann mit ihrem Speichel Sand- kvrnchcn, Holzsplitter u. dgl. zusammen, daraus einen Tunnel bildend, in wel chem sie binnen einer Stunde mitunter mehrere Zoll weiter rücken. Bewunderns würdig ist dabei die Fähigkeit dieser Thiere, die Gegenstände ausfindig zu machen, welche sie zur Speise lieben, und die geeignetsten Punkte, an denen denselben öeikommen können. Bei einem Koffer iverden stets an der Stelle in den Boden Eindringen, mit welcher er gerade auf der Erde ruht. Sic nagen sich unbemerkt n das Holz und verzehren den Inhalt des Behälters, wenn er irgend für sie ge nießbar ist, ehe der Besitzer vielleicht ihre Gegenwart ahnt. Besonders hält fchwer, Zucker vor ihnen z l retten, denn sie versuchen sogar zu aufgchangcncn Gegenständen sich Zugang zu verschaffen. Dr. Vogel beklagt sich in feinen Briefen Witter über diese Plagegeister. Alles Wollen - und Linncnzcng", sagt er, zer fressen sie, wenn es nicht auf das beste verschlossen itnb verwahrt ist. Leider waren fie auch an ein Pack von mir unterwegs gesammelter Pflanzen gekommen, hatten Papier ganz vernichtet und meine Blumen bis auf 13 Arten zerstört." Auch ^r. Barth beschwert sich sehr über die unersättlichen Fresser, die ihm gelegentlich ssfs Mattenlager unter dem Haupte wegfraßcu und während des Ausruhens ein Stück aus dem Burnus nagten. Ein Araber erzählte sogar Denham, er habe ein mal einem Termitenhaufen geschlafen und dabei hätten die Termiten ihm seine Wniintlichen Kleider verzehrt. Wird ein Gang der Termiten beschädigt, so drohen dein, welcher die Stö rung veranlaßt, ebenfalls Unannehmlichkeiten. Durch den ganzen Bau sind änllich Individuen von besonderer Gestalt vertheilt, denen die Verteidigung des Ganzen obliegt und die man deshalb als Soldaten bezeichnet hat. Gleich blind ^ e die übrigen Arbeiter, haben sie an dem dicken Kopfe ein paar kräftige Zangen, "it denen sie schmerzhafte Wunden beibringen können. Sic halten gewöhnlich was sie einmal gepackt haben, so hartnäckig fest, daß man sie eher in Stücken l J%it kann, als daß es loslasscn. Beim Beginn der Regenzeit verwandeln JJty die bis dahin augenloscn Thiere in geflügelte, mit Augen versehene Insekten, ^chcn in zahllosen Schaarcn aus ihrem Baue hervor und treiben in dichten weißen164 Ä itfci, Hauptstadt von Bornu. Wolken eine kurze Zeit hindurch ihr Spiel in der Luft. Durch ihre Menge wer den sie jetzt ebenfalls sehr lästig, denn sie fallen dabei tnasscnhaft auf die Menschen und ihre Speise herab. Die Neger suchen dem leidigen Uebel dadurch noch eine gute Seite abzngewinncn, daß sie die Thiere haufenweise sammeln, tödten und zu einer Speise verarbeiten, die mit gekochten: Reis in: Geschmack etwas Aehnlich- feit haben soll. Auch an schwarzen Ameisen fehlt in Kuba nicht, und der Stich der einen Sorte ist so empfindlich wie derjenige des Skorpions, so daß der Getroffe :c unwill kürlich laut aufschreit. Die letztgeilanntcn Thiere sind ebenfalls in großer Menge vorhanden und finden vorzüglich in deil Fliegen reichliche Nahrung, welche die Wohnungen in Kuka in entsetzlichen Schwärmen bevölkern. Eine theilweise Ver minderung der snnimeirden und saugenden lästigen Gäste wird noch durch zwei kleine Eidechsenarten herbeigeführt, welche in den Wohnungen gänzlich einheimisch und wegen ihrer Nahrung wohlgclittcn sind. Mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit laufen dieselben an den Wänden hin und her und schnappen die Insekten mit vie len: Geschick weg. Mitunter vergessen sie dabei das Festhalten und plumpen herab, und Or. Vogel erzählt in einem seiner Briefe, den er in der oben geschilderten Hütte schrieb: Während ich dieses schreibe, sind mir bereits zwei Eidechsen von der Decke herab auf den Kopf gefallen." Er entwarf von einer derselben eine Zeichnung, die wir ungefähr um die Hälfte verkleinert hier mittheilen. Die Be schreibung, welche er hinzufügte, lassen wir wortgetreu folgen, da Mr. Gray, Direktor des zoologischen Departements in: Britischen Museum, den: Zeichnung und Beschreibung vorgelegt wurden , darüber sagt: das abgebildete Thierchen ge höre unstreitig zur Gattung A gan:a, stimine aber mit keiner einzigen bis jetzt abgebildeten und beschriebenen Art überein, sei deshalb jedenfalls eine neue. Die genaue Angabe der Farben gewähre leider deshalb nicht die gehofften Vortheile, da dieselbe nach dem lebenden Thiere gemacht wordci: sei, den: Zoologen aber nur getrocknete oder in Spiritus befindliche Eremplare zur Vergleichung vorlägen, be: denen die Farben sich verändert hätten.165 Flicgenfressende Eidechse. Länge ll" 6 " (es finden sich Exemplare bis 18" lang); Breite 1" 4" ; Höhe des Leibes 9" ; Ocffnung des Maules 10" ; Ohr2 V," ; Auge 3" ; größte Schuppen am Schwänze 2" . Farbe: Köpf rothgelb. Kehle rothgelb mit Weißen Längsstreifen. Leib und Deine dunkelgrau. Schwanz ins Weißliche, dann in Rothgelb übergehend, end lich dunkelgrau. Die größer Schuppen weißlich. Bauch hellgrau. Der ggnze Körper mit Schuppen bedeckt, nur der Bauch ist glatt. Die Zunge ist unbeweglich; die Eidechse fängt die Fliegen schnappend und läuft nach ihnen mit unglaublicher Geschwindigkeit an den senkrechten Wänden hin und her. Sehr harmlos, kann in- deß tüchtig beißen, da die Kinnladen mit kleinen Zähnchen besetzt sind. Der Schwanz bricht sehr leicht ab. a eine der größten Schwanzschuppen; 5 eine solche vergrößert. Die harte Hornhaut bedeckt eine andere, die von weicher Haut geformt ist, so daß die Schup pen etwa 1 5 " von einander abstehen. Das Thier findet sich in unendlicher Menge in Kuka. Das Weibchen ist ganz grau, mit einigen weißlichen Flecken am Kopfe, die in Reihen von der Nasen spitze ausgehcn. Or. Vogel suchte sich in seiner Behausung so gut einzurichten, als es gehen wollte, und begann sofort seine Sammlungen zu ordnen und seine astronomischen Beobachtungen zu rednciren. Leider erfuhr er auch in Kuka von dem Gefährten, den er hier treffen wollte, Or. Barth, nichts weiter, als was er schon unterwegs gehört hatte. Er sei, sagte man, nach Sokoto und Timbnktn aufgebrochen und kehre nicht wieder nach Kuka zurück. Ihm einen Boten nachzusenden, war ganz unmöglich, und so war denn Vogel ganz allein sich und auf die Hülfe der beiden Sappeure angewiesen. Er wartete, voll des freudigsten Eifers, die hohe Aufgabe, die er sich gesteckt hatte, baldigst fördern zu können, nur auf eine passendeGelcgen- heit und unternahm bis dahin kleinere Ausflüge thcils im Orte selbst, thcils nach dcn Ufern des Tsad. Zu letzter verwendete er je 5 bis 14 Tage. Die Stadt Kuka besteht anö zwei besonder Städten von fast gleicher Größe, die durch einen offenen Raum von fast einer Viertelstunde von einander getrennt sind. Das englische Hans lag in der älter Weststadt, die aus weniger ansehn lichen Gebäuden besteht und enge, krumme Straßen hat. Die Hauptstraße ist der sogenannte Dendal (siehe die Abbildung S. 161), an dessen östlichem Ende die alte Wohnung des Scheikhs und neben dieser eine nicht gerade schöne Moschee mit oinem einzelnstehenden Minarct befindlich ist. Vor der Wohnung des Scheikhs steht ein herrlicher Feigenbaum und beschattet die Lehmwände derselben, denn elb t des Königs Schloß ist hier aus Lehm anfgeführt, da ein anderes Baumaterial sohlt. Nördlich von der Stadt (Grundriß Fig. 8 und 16) sind zahlreiche Gruben,166 Knka, Hauptstadt von Bornu. aus denen man den Lehm zum Bau der Wohnungen entnommen hat. Innerhalb des Thores wird täglich in den spätern Nachmittagsstunden, wenn sich die Hitze etwas gemäßigt hat, ein kleiner Markt abgehalten, der freilich nicht stark besucht ist, viele Gegenstände gar nicht bietet und auf dem man die vorhandenen nur in kleinern Quantitäten und zu höher Preisen erlangen kann. Der Hauptmarkt ist Montags, gerade während der stärksten Hitze zwischen 11 3 Uhr auf einein freien Platze vor dem Westthore (Grundriß Fig. 1). Nirgends ist dabei eine Hand breit Schatten zu finden, der Platz nicht in Abtheilungen geordnet, nach welchen die verschiedenen Verkäufer sich vcrtheilten, dabei aber von einer Menschenmenge von 15 20,000 Personen belebt. Jeder kauert sich mit seiner Waare hin, wohin er gerade Lust hat. Trotzdcnt ist der Lärm nicht gerade bedeutend, denn die Bewoh ner Bornu s sind mehr ruhiger Natur. Schon im Körperbau unterscheiden sie sich von den Negern der andern Staaten im Sudan: sie sind breiter und plumper und von stärkerem Knochenbau. Dies gilt auch vom schönen Geschlecht". Die hiesigen Damen", sagt Vogel, sind alle schwarz. Ihre Haare flechten sie mit einem un endlichen Aufwande von Butter in zahllose kleine Zöpfchcn, die in der Mitte des Kopfes in einem Kamme vereinigt werden, der täuschend einem Dragonerhelin gleicht. Bisweilen tragen sie auch kleine Löckchen rund um den Kopf herum, die die Form und Größe und, Dank dem Fette, auch die. Consistenz jener Späne haben, die eine Bohr maschine aus einer Eisenplatte hervorbringt. Die Vorderzähne färben sie roth, die Eckzähne schwarz, so daß man lebhaft cur ein Schachbret erinnert wird, wenn sie den Mund aufthun. Sie schminken sich auch und zwar Arme und Gesicht mit Indigo, was ihrenr Teint einen höchst lächerlichen blauen Ton giebt und jede Zärtlichkeit, selbst einen vcrstohlerren Händedruck für einen Europäer ganz unmöglich machen würde." Die feinste Sorte dieser blauen Schminke wird auf eigenthümliche Weise dargestellt. Man zerschneidet zu diesem Zwecke eine alte blaue Tobe (Hemd) in Streifen und färbt sie zum zwciterr Male; darauf gräbt man ein Loch in die Erde, legt die Banmwollcnstreifen hinein, etwas Schafdünger dazu urrd begießt es tüch tig , worauf man die Grube schließt rurd erst nach 7 8 Tagen wieder öffnet. Die Stücken sind dann gewöhnlich so mürbe, daß sie eben nur noch Zusammenhängen. Sie werden getrocknet, zum jedesmaligen Gebrauche eine Quantität der Schminke in einer Muschelschale cingeweicht und mit einer Feder aufgetragen. Bei den meisten Negerstäminen ist dazu noch eine sehr qualvolle Art des Tätowirens gebräuchlich, deren Formen die Heimat eines Jeden sogleich kennt lich machen. Die Art der Bornuancr ist besonders häßlich. Sic machen nämlich zwanzig Schnitte oder Linien in jede Hälfte des Gesichts, in der Richtung von der Ecke des Mundes nach den Winkeln der untern Kinnlade und den Backenknochen,Bornu-Frauen. Markt in Kuka. 107 ein Schnitt geht vorn über die Stirn, sechs sind an jedem Arm, sechs andere an den Beinen, vier auf der Brust und neun an jeder Seite dicht oberhalb der Hüfte. Diese qualvolle Operation wird bereits in.der frühesten Kindheit ausgeführt und die armen Märtyrer der Mode haben dann entsetzlich zu leiden, da sie sich vor den Unmassen von Fliegen nicht retten können. Die Bornu-Frauen sind meistens breite kurze Figuren mit großen Köpfen, breiten Nasen mit weit offenen Nasenlöchern. Ihr Gesicht wird durch eine große rothe Korallenperle in: linken Nasenflügel noch mehr verunstaltet. Trotzdem sind sie gefallsüchtig, und es macht einen Europäer einen halb lächerlichen , halb widerlichen Eindruck, wenn diese unangenehmen Figuren die Straßen entlang stolziren, den Rock lang hinter sich herschlcppend, die Arme kokett hin und her werfend, dabei ein Stück möglichst buntgcdrncktcn Manchester -Calicots über die Schultern geworfen und die Zipfel davon in den Händen haltend. Das beste Stück ihres Putzes ist der Silberschmuck, den die reichern auf dem Hintcrkopfe trägen und der einer hohen Figur nicht übel steht. Auf dem Markte von Kuka versammeln sich Vertreter aller Völkerstämme des östlichen Bornu und gewähren so ein cigcnthümliches bÜntes.Bild von großem Interesse. Hier bewegen sich die schlank und zierlich gebauten Kanembn und halten Butter oder getrocknete Fische feil, Leute aus Makari brei ten ihre Toben ans, Budduma von den Inseln des : Tsad-Sccs haben Fleisch vom Flußpferde oder Peit schen der Haut dieses Thieres zum Verkauf. Andere bieten Dolchschcidcn aus Krokodilhaut an. Schna- Araber, seit Jahrhunderten in Bornu ein heimisch, kommen mit schwerbepackten Lastochsen, während die Koyam, wahrscheinlich frühere Bewohner Kanems, ihre Waaren auf Kamevlcn herbciführen. In der Mitte des Marktplatzes haben die Kleinhändler ihre mancherlei Sa chen aüsgekramt: Kleidungsstücke aller Art, Hemden den verschicdcnstcir Ländern stammend, Perlen von jeder Gestalt und Farbe, Lcdcrarbeit, Büchsen aus gefärbtem Leder von verschiedenster Größe und Form, die dauerhaftesten Aindshant gefertigt und von elegantem Ansehn. Nach dem Thore der Stadt zu halten die Verkäufer von Baumaterial. Hier kauft der Eingeborne fast Alles, was er außer den Lehmwänden zur Errichtung einer Wohnung bedarf: Matten von drei verschiedenen Sorten der Dicke, deren-stärkste an Festigkeit einer Mauer kaum nachsteht. Die mittlere Sorte ist aus Rohr geflochten, und die feinern Arten, von den Blättern der Dumpalme gearbeitet, dienen als Unterlage zum Schlafen. Stangen und Stöcke sind aufgehäuft, wie als Gerüste bei den Strohdächern Lobraucht werden; bei ihnen liegen die Rohr geflochtenen Kranzgesimse und vas geschnitzte Holz, welches den Gipfclknopf bildet. An andern Stellen des Marktes sind die Vorräthe ausgcbreitet und aufgc- Tätvwirle Frau aus Diyffcc (nach Denham).168 ßufn, Hauptstadt von Born . stellt, welche zur Befriedigung der täglichen Bedürfnisse dienen. Hier liegen lange Reihen von Ledersäcken, die das Getreide enthalten. Diese Säcke sind entweder so groß, daß ein einziger eine volle Ochsenlast bildet und in diesem Falle quer über das Thier gelegt wird, oder sie sind paarweise zusammengehängt, so daß je zwei die Befrachtung eines Lastochsen oder eines Kamcels ausmachen. Neben den Thie- ren, welche die Vorräthe hierher bringen, sind andere znm Schlachten oder zum Verkauf bestimmte ausgestellt. Kameele sind mitunter bis zu hundert Stück da,, ebenso zahlreiche Pferde. All dieser Verkauf geht durch die Hände des Mäklers, der seine Prozente je nach dem Ausruf vom Käufer oder Verkäufer erhebt. Schattendächer und Buden sind nur sehr wenige errichtet. Unter ihnen zeich net sich diejenige des Sklavenhändlers aus. Die Unglücklichen, welche, ihrer Hei mat und Familie entrissen, hier als Waare aus einer Hand in die andere wandern, sind meistens Kinder von 9 12 Jahren, die man auf Ranbzügen in den benach barten Ländern weggefangen hat. Sie werden häufig", schreibt Di-. Vogel, an die Tibu- und Araberkanfleute gegen die wenigen Bedürfnisse vcrtanschs, welche die Bornnaner außer den Dingen haben, welche ihnen ihr eigenes Land liefert. Es sind besonders Calicot, Burnusse, Salz und etwas Zucker. In dieser Art von Handel wird ein Knabe von zehn Jahren für etwa fünf Thaler angercchnet. Ein ebenso altes Mädchen gilt gegen sieben Thaler." Ganz besonders vermißte Vogel hier Obst und Gemüse. Von lctzterm", sagt er, giebt es nur Tömatums und Zwiebeln, von ersterm außer Wasser - und Brodmcloncn absolut gar nichts, was nur einigermaßen eßbar wäre, denn mit den Beeren, welche die Eingebornen hier genießen, würde man bei uns das Vieh nicht füttern können." Denham erzählt, daß zur Zeit seiner Anwesenheit (1824) drei saure Limo- nien und eben soviel Feigenbäume, die in den Gärten des Scheikhs gezogen wurden, das einzige Obst in ganz Kuka gewesen. Die Zwiebeln sind durch die Araber cin- geführt und werden auch nur von diesen gegessen, die Einheimischen verschmähen sie, obschon der Genuß dieser Speise sich bei dem erschlaffenden Klima sehr vor- theilhast erweisen soll. Das Hauptgetreide, das auf dem Markte von Kuka feil geboten wird, ist indischer Weizen (Sorglmm, nicht Mais!) und Neger-Hirse (Uaunisstnin typhoidem ). Letztere wird in Mehreren früher oder später reifen den Spielarten hier gebaut. Der indische Weizen von Bornn ist vortrefflich und liefert ein weißes, wohlschmeckendes Mehl, das in Form dünner, pfannkuchen- ähnlicher Scheiben gebacken wird und so die leichteste, wohlschmeckendste Speise für einen dort weilenden Europäer bildet. Freilich ist der Weizen nicht immer zu haben; noch seltener aber ist der Reis. Man bringt nur die wenigen, dürftigen Uebcr- bleibsel auf den Markt, welche die Elephanten verschmäht haben, denn bei den ungeordneten Verhältnissen des Landes spielt jenes Riesenthier den eigentlichen Herrn und nimmt von den Feldfrüchten das Beste für sich. Zur Zeit, als sich Dr. Vogel in Kuka aufhielt, war der Reis so selten, daß ihn nur der Sultan als besondere Gunstbezeigung an die Vornehmsten zum Geschenk vertheiltc.Marktleben in Kuka. 169 Leckereien, die dem Märktbesucher geboten werden, sind sehr spärlich vorhan den. Mitunter werden Erdmandeln verkauft, von denen man eine süße und eine bittere Sorte hat; außerdem mehrere Arten Bohnen, besonders unsere gemeine Saubohne (Viola faba), die man gekocht feil hält; noch seltener finden sich einige Früche des Kornubaumes oder die Beeren einer Art Judenkirsche (Physalis), eher noch einige Datteln aus Kauar und etwas unsauber zubereitete Buttermilch. Bei dem vorherrschend ernsten Wesen der Bornuaner ist es nicht auffallend, baß wenig Einrichtungen und Gebräuche vorhanden sind, welche die Belnstignng Grundriß von Knka, Hauptstadt von Bornn. (V 1*. Der westliche ältere Stadttheil. C. v. Die östliche neue Stadt. E. Weg nach Madnari. E. Weg nach Naornn. U. Landgüter. . Marktplatz. 2. Der Dendal (Königöstrabe). 3. Minarct der Mvsckwe. 3. Palast des Scheikhö 2 der westlichen Stadt mit einer Moschee an der Ecke. 5. Platz hinter dem Palaste dcö Scheikhö mit einem schönen 7^"tsch k-Feigenbaum. 6. 7. Da englische Hanö; Wohnung Dr. E. Bvgel ü und seiner Begleiter, h. Eine Lei . , r bc auf dem Platze zwischen beiden Städten. o. 10. Paläste von Hofbeamtcn. 1 . Früherer Palast deö Hadschi A^chir. 12 . Palast dcö Scheikhö Omar in der Oststadt. 13. Wohnung deö Abba Bussuf, Zweitältesten Bruder deö scheikhö Omar. Ick. Hanö eines Hvsbcamtcn. 15. Tiesgclegener Platz am Südlhvrc, früher alö Marktplatz bcnlitzt, während der Negenzcit eine tiefe Pfütze. IG. Lehmgrube. 17. Bcgräbnibplatz. 5(11111. 4 Seemeilen sind 1 deutsche geographische Meile. der Marktleute bezwecken. Nur ausnahmsweise findet sich einmal ein Tausend künstler , der als Schlangenbeschwörer sein Glück versucht; bessere Geschäfte macht der Mallem, welcher, auf den Aberglauben des Volkes spekulircnd, diesem Koran- Brüche und Zauberformeln verkauft. Das dumpfe Gemurmel, das über die Men schenmenge verbreitet ist, wird nur ühertönt durch das gellende Pfeifen des Bar- biers, der auf diese Weise seine Gegenwart anzeigt und seine Dienste anbietet. 4ls gute Moslemin lassen sich besonders die reichern Bornuaner das Haupt so "chl rasiren, daß auch nicht ein Härchen darauf bleibt. Als Zahlmittel war in früherer Zeit das Pfund Kupfer, ein Rottel, in Ge- brauch; jetzt ist gänzlich außer Sitte gekommen und nur der Name noch geblieben.170 Knka, Hauptstadt von Bornu. Baumwollenstreifen von 3 4 Zoll Breite und 3 Ellen Länge kamen an seine Stelle. Vier derselben gelten ein Rottel; 50 100 Rottel wiederum sind gleich einem österreichischen Thaler, den man in Knka häufig sieht und dem an Silber reichern spanischen Thaler vorzieht. Da das Abmessen der Baumwollenstreifen zu viel Zeit kosten würde, bedient man sich bei größer Einkäufen fertiger Hemden, deren Werth je nach der Güte des Stoffes höchst verschieden veranschlagt wird. Die geringste Sorte, die sich durchaus nicht zum Tragen eignet, gilt nur 6 Rottel, die feinern Sorten dagegen steigen bis zu 65 Rottel im Preise. Neuerdings ist in Knka auch durch den Einfluß der Großen des Reichs das Muschelgeld (Kungoni, Knrdi, Kauri) cingeführt worden; acht Muscheln kommen im Werthe einem Baumwollen- strcifen gleich. Das Schwankende im Verhältniß des Rottels zum österreichischen Thaler wird durch die Spekulationen der Vornehmen herbeigeführt. Bei dieser verschiedenartigen Bezahlungsweise ist der Handel und Kauf in Knka mit mancher lei Umständlichkeiten verknüpft. Der Käufer besitzt vielleicht Thaler als Zahlungs mittel, der Verkäufer will aber weder diese noch Muscheln annehmen, sondern wünscht Banmwollenstreifen; der Käufer ist also gezwungen, zunächst Muscheln zu kaufen, diese gegen Baumwollenstreifen umzutauschen und so endlich die ge- tvünschten Gegenstände zu bezahlen. Die meisten Produkte, welche der Markt bie tet, sind beispiellos wohlfeil. Di . Vogel sagt darüber Das Fleisch, von dem man hier bei dem gänzli chen Fehlen aller Vegetation leben muß, ist sehr billig. Für zwei Nähnadeln, hier etwa drei Pfennige Werth, kauft man ein gutes Huhn, für einen Spezicsthaler einen großen Ochsen. Wir leben meist von Hühnern und haben nur zweimal in der Woche Schöpsenfleisch, da ich von jedem Schafe zwei Drittel verschenken muß, indem sich das Fleisch nicht länger als anderthalb Tag hält." Letzten Sonnabend", fügte er hinzu, hatten wir einen ungeheuren Plum- pudding, zu dem wir die Rosinen von Tripoli mitgebracht. Wir sollten denselben eigentlich zu Weihnachten gegessen haben, wir waren aber gerade da in einer ent setzlichen Wüste, die wir Wassermangels wegen in Parforcemärschen durchkreuzen mußten." Brod ist in Bornu ein unbekanntes Ding; als eine Art Ersatz dafür bereitet man eine Sorte Nudeln, sowie eine Sorte dicken Kuchen Reis, Butter und Honig. Die Blätter der Knka (Adansonia) und des Hadjilidj (Balanites) wer den zu Brühen und Fleischsaucen verwendet, zu letztern auch sehr gern die stin kenden getrockneten Fische benutzt. Auch die Frucht des Hadjilidj und diejenige der Dumpalme bilden einen Bestandtheil der Brühen als Gewürze. Etwa zwei Mo nate nach der Ernte, d. h. im November, ist das Getreide am billigsten, gerade zur Ernte dagegen, wenn die Vorräthc aufgezehrt sind, am thcuersten. Im Mit- tclpreise erhält man für einen Thaler drei Ochsenladungen Hirse. Theurer als das vorhin erwähnte Schlachtvieh sind natürlich Last - und Reitthiere. Ein Last ochs wird mit 2 Thalern bezahlt, ein Kameel der geringsten Sorte mit 4 5, eines der besten mit 15 20 Thalern. Für 6 8 Thaler erhält man schon ein kräfti ges frisches Pferd, für 30 Thaler ein Paradepferd. Die Pferde von Bornu sindGewerbsthätigkeit. Färberei. 171 eine schön und hoch gebaute Rasse, welche sich besonders durch bewundernswürdige Ausdauer auszeichnet und zugleich an das einheimische Futter gewöhnt ist, das wegen des Stachelgrases den fremden Thieren-durchaus nicht munden will. Ehedem wurde der große Wochenmarkt nicht auf dem angegebenen Platze abgehalten, sondern au einer ticfgelcgencn Stelle (s. Grundriß Fig. 15) vor dem südlichen Thore, durch welches der Weg nach Ngornu führt. Man verlegte ihn aber von jenem Orte, weil derselbe seiner tiefen Lage wegen sich zur Regenzeit in einen tiefen Sumpf verwandelte. Jetzt benutzt man jene Vertiefung dazu, um allen möglichen Unrath, lobte Lastthicre und Abfälle, ja mitunter sogar die Leichname von Sklaven hinein zu werfen. Der Bcgräbuißplatz für die Bewohner beider Städte befindet sich an der Nordseite der Weststadt (s. Grund- Aß Fig. t7). Die Gräber selbst be stehen aus ziemlich flachen Gruben, in welche man die in Tücher gewickel ten Todten legt. Außer dem Markttag ist wahrend der heißen Tageszeit in Kuka sehr still, die meisten Bewoh ner halten unter ihren Schattendä chern Mittagsruhe und kommen nur n den kühleru Morgen- und Abend stunden zum Vorschein. Das gewerb liche Leben tritt überhaupt in dieser Stadt sehr zurück. So befindet sich ä- B. hier nur eine einzige Färberei, die noch dazu in ziemlich schlechter Verfassung ist. Zum Blaufärben der Zeuge verwendet man vorzugsweise eine Indigo verwandte Pflanze, die giftige T ep h r o si e (Tepln-osia to xicaria), einen Halbstrauch von 2 3 Fuß Höhe, der fußlange Blätter mit *8 20 Paar Fiederblättchen trägt, von denen jedes einzelne anderthalb Zoll lang ist. Seine Blüten sind blutroth und etwas weißlich gezeichnet und wie beim Indigo schmetterlingsförmig, d. h. denen der Bohne und Wicke ähnlich. Eine solche Färberei besteht gewöhnlich aus einer etwa drei Fuß hohen Plattform aus Lehm, welche vierzehn Löcher oder Töpfe hat. In diesen Töpfen bereitet man "ne Mischung von den Blättern der Tephrosie zu und legt die zu färbenden Ge wänder hinein. Je nach dem Grade der Färbung, den sie erhalten sollen, läßt Man sie 1 7 Tage darin liegen. Sind danach getrocknet, so werden sie mit Mzcrucn Schlägeln geglättet.172 Knka, Hauptstadt von Bornu. Zur Zeit des später Nachmittags findet auf der Hauptstraße, die genau von West nach Ost führt, ein lebhafter Volksverkehr statt. Fußgänger und Reiter in den verschiedensten Trachten bewegen sich hin und her, und vorzüglich stark ist der Menfchenstrom nach der Wohnung des Sultans hin, dem man um diese Zeit Ge schenke und Huldigungen bringt, oder bei dem man Gerechtigkeitsgesuche hat. Er wohnt vorzugsweise in der östlichen Stadt (Grundriß Fig. t2). Der Raum zwischen beiden Städten ist zu beiden Seiten des breiten Weges mit einer großen Zahl kleinerer oder größerer Gehöfte und Meiereien bedeckt, welche die bunteste Manchfaltigkeit zeigen. Die bessern derselben sind von wohlgeglätteten Lehm mauern umgeben und bestehen aus mehreren zusammenhängenden Höfen. Einer dieser Höfe enthält die Pferde imb das Rindvieh, ein zweiter die Hütte des Haus herrn, deren kegelförmiges Strohdach ein Straußenei als Symbol der Fruchtbar keit und des Segens der Familie trägt. Jede Frau hat ihre Hütte abgesondert für sich. Die nebenstehende Abbildung veranschaulicht uns die Einrichtung ein Woh nung der Bornnancr, welche drei Hütten umschließt. Alle drei sind von einer Einfassungsmauer umgeben. Nr. 1 ist die größte Hütte und bildet das Vorzimmer oder die Eintrittshalle. Eine eiförmige Thür von 3 1 2 Fuß Höhe und 16 Zoll Breite führt in diese Hütte, welche das tägliche Geschäftszim mer des Mannes ist und ein aus starken Zweigen ge flochtenes und dick mit Thon überzogenes Lager als Ruheplätzchen bei Tag und Nacht enthält. Nr. 2 und 3 sind Wohnungen der Frauen, jede mit zwei Lager plätzen ähnlich dem beschriebenen. Nr. 2 ist in beiden die Schlafstelle des Mannes; diejenigen der Frauen Griuidrlb ci cr Hütte in Kuka. sind besser und sauberer gearbeitet. In der Hütte zur Rechten stehen auf einer erhöhten Thonbank vier Töpfe von verschiedener Größe. Die Thüren dieser Fraucnzwinger sind mitunter außer ordentlich klein und haben manchmal nur 2 Fuß Höhe und 10 Zoll Weite. Fenster sind natürlich nicht gebräuchlich und alles Licht fällt nur durch die Thüröffnung, die fast dazu bestimmt zu sein scheint, die junge Ehefrau für immer ohne allen wei tern Verschluß im Hause zu halten, nachdem sie als Jungfrau so glücklich gewesen ist, sich hindurch zu zwängen. Selbst in den bessern Wohnungen ist das Hausge- räthe von größter Einfachheit. Es finden sich gewöhnlich nur im Hofe eine große Urne für das Wasser (4) und eine noch größere für das Korn (ü). Man schöpft aus dein großen Kruge das Wasser mittelst Kalebassen (Kürbisschalen), die man in der Nähe des Tsad und Komadugu wild wachsend antrifft. In einem Winkel der Hütte 1 und der Umfassungsmauer ist die Kochstelle (7). Nr. 6 ist ein Hiutcr- pförtchen, durch welches die Freundinnen der Frauen cintreten. Nur wenige Vor nehme besitzen eine Lampe, die Eisenblechs gemacht ist und mit Rindstalg ge füllt wird. Noch seltener ist Seife und deshalb läßt die Reinlichkeit der Bewohner sehr viel zu wünschen übrig, trotzdem daß sie als Muhamedaner zu täglich mehr maligen Waschungen verpflichtet sind. Die Wohnungen ärmerer Leute sind mitVolksfeste und Vergnügungen. 173 Rohrzäunen eingehegt, je nach ihrem Alter hellgelb oder dunkler bis zum Schwarz gefärbt und durch die verschiedenen Grade ihres Verfalles dem Ganzen ein male risches buntes Ansehen verleihend. Dasselbe gilt von den geringeren Hütten Schilfmatten. Auch nördlich und südlich von beiden Städten liegen eine ganze Anzahl Landgüter von ähnlicher Bauart zerstreut und beleben in etwas die Ein förmigkeit der Gegend. Abgesehen von diesen: eigenthümlichen Volksleben bietet Kuka den: durch eine lange Wüstenreise erschöpften Europäer leider sehr wenig Erquickendes. Vogel schreibt: Kuka ist ein trauriger Aufenthalt, schmutzig biszumErceß, dieLuft fortwährend mit feinem Thonstaubc erfüllt,, so daß man Nachts die Sterne kann: sehen kann, das Wasser voll Würmer und Insekten aller Art, die Hitze fast uner träglich und die Umgebung eine weite, baumlose, unabsehbare Ebene, der nur eine sehr häßliche und ungraziöse Gift pflanze (Aschur, Asclepias gigantea) einiges Grün verleiht." Mehr Interessantes als den: Freund vonNaturschönheitcn bietet die Hauptstadt vonBornu dem Beobachter der Volkssittcn und dcmGeschichtsforschcr. Die Gebräuche der muhaincdanischen Religion haben sich mit den ursprünglich heidnischen mehrfach gemischt und bieten bei festlichen Gclegcn- heitei: mancherlei unterhaltende Scenen. Das Hauptfcst bildet das Aid cl Fotr, welches die jährliche große Fastenzeit ab- schlicßt. Jedermann legt seine besten Klei der an und der Hof veranstaltet eine Pro zession nach einem Betzelt im Freien. Das gesaminte stehende Heer und der größte Theil der Bewohnerschaft schließt sich dann Vornehm Nc 8-stschmn-k am Ramadanststh. den: Zuge an. In größer Haushaltungen in Kuka erhält jeder Diener an diesem Tage eine neue Tobe. Auf eigenthümliche Weise belustigen sich die Frauen am Feste der Geburt Muhamed s. Sie versamineln sich auf einen: freien Platze und einzelne treten als Tänzerinnen und Sängerinnen in: Innern des geschlossenen Kreises auf. Je nach dem Takte der Trommeln, welche die Gesänge begleiten, senken den Leib, beu gen den Kopf bald links, bald rechts und nehmen allerlei theatralische Stellungen an, indem sie die Zipfel des um die Schultern geworfenen Tuches mit den Händen halten, zwei derselben treten sich dann auch wol als Kämpferinnen entgegen, und nachden: sie eine Zeit lang mit verschiedenen Gesten sich genähert und wieder ent fernt, kehren sie sich plötzlich den Rücken und stoßen mit dem Theilc ihres Körpers, dessen möglichst starke Ausbildung hicrals Maßstab der weiblichen Schönheit dient,174 Kuka, Hauptstadt von Bornu. so heftig zusammen, daß eine derselben, mitunter auch beide zur Erde stürzen. Die Siegerin wird mit Beifallsrufen begrüßt und von zwei Matronen vom Kampfplätze geführt, indem sie sich das Gesicht init den Händen bedeckt. Oft trägt auch bei die ser originellen Art des Zweikampfes die Geschicklichkeit über die Stärke den Sieg davon; die Schwächere weicht mitunter gewandt dem Anprall der kräftiger Geg nerin aus und letztere kommt dadurch selbst zum Falle. DerStoß ist nicht selten so heftig, daß der io i2Zoll breite Gürtel aus Korallenperlen, den viele Frauen oberhalb der Hüften tragen, zerplatzt und die absftringendcn Stücken den Kampfs platz bedecken. Wilderer Natur sind die Vergnügungen, welche die Männer bei ähnlichen Festlichkeiten veranstalten. Nicht selten lassen sie ihre Sklaven bei solchen Gelegenheiten mit einander kämpfen. Letztere sind dann blos mit einem leinenen Gürtel um die Lenden bekleidet und beginnen dcn Riugkampf damit, daß sie einan der die Hände auf die Schultern legen. Die Füße gebrauchen sie bei ihren Manö vern nicht, wol aber bücken sich und suchen den Gegner auf jede Art der Fassung zu bringen. Plötzlich fahren sie mit den Händen an dessen Körper herab, packen ihn an den Hüften, heben ihn empor und werfen ihn gewaltsam zu Boden. Selten endet ein solcher Kampf ohne Verrenkung der Glieder, mitunter sogar mit dem Tode des Unterliegenden. Der Sieger wird von den Zuschauern mit Beifalls rufen begrüßt und mit Kleidern beworfen und erhält von seinem Herrn gewöhnlich eine neue Tobe zum Geschenk. Die Hochzeiten werden in Bornu meist nach der Ernte, wenn das Getreide wohlfeil ist, gefeiert. Sie dauern gewöhnlich eine ganze Woche und sind mit vie len Schmausereien verknüpft. Am ersten Tage speist man eine Art Kuchen aus Reis, Butter und Honig (Nakia), am zweiten einen trocknen, stark mit Pfeffer gewürzten Brei (Tiggra), am dritten das gewöhnliche, aus Sorghum bereitete Gericht (Ngadj), mit Fischbrühe versetzt. Am vierten Tage werden der Braut die Zierratheu, welche sie bisher als Zeichen der Jungfrauschaft getragen, abgenom- men; am fünften wird sie auf eine Matte gesetzt und erhebt sich von dieser siebcn- mal, um ebenso vielmal nieder zu knieen. Der folgende Tag muß ein Freitag sein; an diesem Tage wird der Braut durch ihre Freundinnen mit Gesang der Kopf ge waschen und am Abend geleitet man zu dein Hause des Bräutigams. Hierbei sitzt die Braut gewöhnlich auf einem Ochsen, dessen Rücken mit blauen und weißen Decken dick behängt ist. Ihr folgen Sklaven mit Strohkörben beladen; letztere ent halten die Hausgeräthe: irdene Töpfe und hölzerne Schalen. Ein paar andere Ochsen tragen die übrige Aussteuer. Neben der Braut gehen die Brautjungfern und die Mutter der Braut. Der Bräutigam muß während dieses Tages, von einem möglichst zahlreichen Gefolge begleitet, einen feierlichen Umzug durch die Stadt halten und sich dann vor seinem Hause auf einem erhöhten Sitze niederlassen, ausstaffirt mit allem möglichen Putz, der nur aufgekauft oder zusammengeborgt werden kann. Das theilnehmcndc Publikum drängt sich zu ihm heran, trommelt, bläst mit Hörnern und schreit: ,,Mögt ihr ewig leben! Gott segne euch! Mögt ihr graue Haare erleben! " Ein Schmaus in seinem Hause bildet den Schluß der ganzen Feier.175 Aus -er Geschichte Sornu s. König Abu Bake Linhata hatte am Ende deS 14. Jahrhunderts seine Residenz aus Kanem wegnachKagha inBornu verlegt (s. S.154), da die von Wadai aus eindringenden Bulala ihn unaufhörlich drängten. Vom Jahre 400 an folgte für das Reich eine schlimme Zeit. Bürgerkriege verheerten das Land, die Unterthanen wurden durch die feindlichen Parteien gemißhandclt, meh rere Könige fielen durch Mord, andere flohen besiegt und von den Ihren verlas sen in die Einöden. Nach fast hundertjährigen Wirren endlich gelangten Könige auf den Thron, die mit kräftiger Hand dem Unheil steuerten und das Reich zu hohem Ansehn brachten. Es glückte ums Jahr 1472 dem König AliGhadjideni, seinen Nebenbuh ler zu erlegen und dessen Schaaren zu zerstreuen. Unmittelbar darauf begann er damit, das Ucbcl der Bürgerkriege bei der Wurzel anzufassen und anszurottcn. Die Großen des Reichs waren bisher in fast unabhängiger Stellung , nur so weit es den Vasallen genehm war, gehorchten sie dem Fürsten und der Uebermuth trieb bald den, bald jenen, heimlich oder offen sich aufzulehncn. Ali brach ihre Macht nd führte sie zur Dienstbarkeit zurück, der sie sich zu entwinden trachteten. Gleich zeitig gründete er dem Reiche auch äußerlich einen festen Mittelpunkt. Seit der Flucht Kanem hatte der Hof des Königs, Flüchtlingen gleich, nur in einem Äeltlagcr gehaust, das bald hier, bald dort errichtet ward, je nachdem Vorthcil oder Laune mit sich brachten. Ali gründete die feste Stadt Birni am Ufer des Ko- "adugu Waube, vom jetzigen Kuka etwa drei Tagereisen nach Nordwestcn. Hier versammelte er sein Heer und dessen Obere und überwachte deren Treue. Nachdem sich im Innern seines Reichs auf diese Weise gesichert und gckräftigt, wandte cr sich gegen außen und seine Schaaren drangen siegreich biö zu den Ufern des großen Stroms im Westen, bis zum Niger. Der Thron von Birni war reich an Gold, dem Erzeugniß der westlichen Gebirge, während jetzt dies edle Metall in Bornn kaum dem Namen nach bekannt ist. Nur die hartnäckigen Gegner des Hau- scs der Ssaefn, die Bnlala von Kanem, vermochte Ali nicht zu überwinden und überließ diese Aufgabe seinem Sohne und Nachfolger Edriß Katakarmabi ( 504 1526) als wichtiges Vermächtnis;. Kanin hatte dieser den Leichnam seines Vaters der Erde übergeben, kaum Fine Kräfte überschaut, so zog er auch bereits mit großer Zahl von Mann und Roß gen Kanem, schlug dcnHürstcn der Bnlala, Dunamä, und hatte den Triumph, der alten Hauptstadt Ndjimie wieder einzuzichen, 122 Jahre nachher, nachdem Fine Ahnen vertrieben worden waren. Freilich gelang ihm nicht, daselbst sei- c n bleibenden Sitz zu nehmen. Ebenso entschieden besiegte Muh am cd, des Fdriß Nachfolger (1526 1545), die wieder aufsässigen Bnlala. Eine der glänzendsten Heldengestalten unter den Fürsten inBornu ist Edriß R nss ami oder Alaoma (1571 1603), ein König, gleich berühmt durch seinen vicgerischcn Muth und seine Thatkraft wie durch seine Milde und Gerechtigkeit.176 Kuka, Hauptstadt von Bornu. Ehe er selbst des Vaters Thron bestieg, verwaltete eine Zeit lang seine Mutter das Reich. Die Königin Aaischa Kel egh rarmaram, wahrscheinlich eine Berberin ist für die Bewohner Bornu s zum Ideal der Frauen geworden und wird noch jetzt nach fast 300 Jahren von ihnen als die Königin der Frauen " gepriesen. Das Erste, was Edriß that, war, daß er die Verbindung mit der Küste be festigte. Von Tripoli aus brachten ihm seine Abgesandten große Züge Araber pferde, von dort aus verschaffte er sich eine namhafte Anzahl Musketen zu einer Zeit, in welcher in Europa selbst die Schießwaffen kaum Eingang gefunden hatten. Mit der verstärkten wohlgeübten Reiterei und seinen Musketieren unternahm er es, die verschiedenen Völkerschaften, welche in losem Zusammenhänge das Bornu- reich bildeten, zu einem Ganzen zu verschmelzen und entschieden von den wider spenstigen Elementen zu säubern, uin so im Innern zu kräftigen. So griff er mit Uebermacht die Sso oder Ssen au, jene Ureinwohner Vornu s, die sich früher den Herrschern so verderblich bewiesen (s. S. 154) und die bis zur Zeit noch mitten im Lande sich unabhängig erhalten hatten. Er nahm ihre stark befestigten Plätze am Komadugu mit Sturm, tödtcte einen Theil der Mannschaft und vcrurtheilte die klebrigen zur Sklaverei. Schrecken kam über die andern Stämme dieses Vol kes und die Mehrzahl floh auf die Inseln im Tsad - See, wo sie sich entweder mit den dort wohnenden Büdduma vermischten oder vielleicht die Vorfahren des unter letzterm Namen bekannten Volkes selbst sind. Aehnlich fiel die starke Festung Amssaka, die zwischen Gamcrghn und Mau- dara liegt, durch die Hülfe der Feuerröhre und der mächtige Heideustamm der Gamerghu ward unterworfen. Im Westen ward die Provinz Kairo das Grenz gebiet des Reiches, die räuberischen Tuariks der Wüste wurden streng gezüch tigt und in der offenen Wüste zwischen der Stadt Tadssa und Air ihnen eine große Niederlage beigebracht. Besondere Aufmerksamkeit richtete Edriß auf die Ver bindung seines Reiches mit dem Norden und unterwarf sich deshalb das Gebiet der Tibu, ja er residirte in Bilnra selbst eine Zeit lang, um die Verhältnisse völlig zu ordnen. Er war cs, der Sorge trug, daß auf dem Komadugu bei Jo stets eine Anzahl Boote als Fähren lagen und große Herden von Kameelcn in den Grenzbezirken bereit gehalten wurden, um in kürzester Frist nach Norden Vor dringen zu können. Siegreich stritt er ferner gegen Mandara und gegen die Nghisim, welche letzter sein Reich durch räuberische Einfälle gestört. Er ver nichtete ihre Festungen und verbreitete durch sein siegreiches Heer über die west lichen Völkerschaften solchen Schrecken, daß sich alle Nachbarn, selbst die Katagum, ihm unterwarfen. Da die vorhin erwähnten Bewohner der Tsad - Inseln, auf die Unzugänglichkeit ihrer Wohnorte vertrauend, die Umgebung des Sees unaufhör lich mit Raub und Mord bedrohten, ließ sie Edriß von den Katuka (Kotoko) durch beständige Angriffe auf Booten strafen und zwang sie dadurch, sich in die entlegen sten Moräste des Tsad zu flüchten, zu denen selbst für die flachen Boote kein Zu gang möglich ist. Gegen Kanem, diesen alten Sitz ewiger Unruhen, uuternah N der sieggekrönte Fürst mehrere Züge mit Erfolg. Obschou der Feind bei seincin Nahen gewöhnlich sich schnell zurückzog, dagegen bei der geringsten Blöße, welcheGeschichte Bornn s. Edriß Alaoma. 177 das Bornu-Heer ihm gab, es Angriff und dadurch sehr ermüdete, so zwang Edriß doch den Fürsten der Bnlala, Abd Allah, zu einem Friedensschluß. Höchst bezeichnend ist es für den Bildungsstand dieser Völker, daß hierbei, nms Jahr 1600 , wo noch mancher Ritter und Herr in Europa seinen Schwertknops anstatt der Unterschrift gebrauchte, die Friedensbedingungen schriftlich festgesetzt und in gleichlatitenden Urkunden beiden Theileu eingehändigt wurden. Trotz dieser vielen Kriege und fernen Unternehmungen förderte König Edriß, wie die Chronik von ihm meldet, des Landes Wohlfahrt und der Städte Reich thum". Er war es vermuthlich, der statt der leichten Bauwerke aus Lehm und Rohr, die man bisher ausschließlich gehabt, Moscheen aus gebrannten Ziegelstei nen aufführen ließ. Er steht im Andenken seines Volkes noch heute da als ein Held, an dem jeder Zoll ein Mann, der kriegerische Energie mit Menschenfreund lichkeit und Milde, klare Einsicht mit Umsicht und Geduld, Strenge mit Religio sität und Frömmigkeit verband. Edriß hinterließ seinen Nachfolgern ein Reich von außerordentlicher Starke, groß im Umfange, innerlich gckrästigt, mit allen Keimen zum segensreichen Fort schritt. Aber, wie dies sich auch in der Geschichte anderer Staaten vielfach wieder holt, waren die fpätern Erben nicht gleicherweise Erben feines Geistes und seines Herzens. Weniger das Wohl des Ganzen ins Auge fassend, trachteten sie nur auf Verherrlichung und Pflege des lieben Ich und bildete sich ein Hof staat aus, der die Keime zum unrettbaren Fall des Reiches legte. Was dem Geist und Charakter an Größe und Stärke abging, suchten die später Herrscher allmälig durch Majestät ihrer persönlichen Erscheinung zu ersetzen. Der Kopf ward mit einem Turban von solcher Größe umwunden, daß er einer Trommel glich, der Körper, wenn er nicht bereits durch träge Ruhe und Uebcrmaß der Speise zum Fettklumpen geworden war, ward durch zahllose wattirte Kleider zu einer Kugel umgestaltet. DeS Gesichtes untern Theil bedeckte das Berbcrtnch, so daß von der ganzen Majestät kaum mehr als die Augen sichtbar blieb. Ein hohes Gitterwerk schiedstias Volk selbst bei den öffentlichen Sitzungen von dem ausgestopstcn Herrscher, dessen Hofgesinde sich zu gleichen Vogelscheuchen aufputzte. Trompetcubläscr mit langen hölzernen Frumsrums standen zu des Sultans Seite und verkündeten der Menge, wenn der Erlauchte spreche wollte. Laut zu sprechen war aber nicht der Würde angemessen und nur ein geisterhaftes Lispeln ließ sich aus dem Käsig hören. Vierzig Vornehme bildeten die nächststchenden Leibwachen, zwölf höchste Aemter, den Marschällen oder Ministern ähnlich, hatten dieVerwaltung in den Händenund saugten des Landes bestes Mark aus, umes inUeppigkeit undWollust Zu vergeuden. Der Uebermnth erstreckte sich wie eine schlinune Krankheit bis herab zum Hüter, der, in ein Dutzend seidene Toben eingehüllt, mit ungeheurem vergoldeten Kugclstab gleich einem Tamburmajor an des Palastes Pforte stand. In gleichem Grade wie der Hof in Ueppigkeit und Weichlichkeit versank und sich durch Uebcrmaß in äußerem Pomp in des Volkes Angen erniedrigte, in gleichem Maße lockerte sich das Band, welches die Unterthanen an den Herrscher knüpfte u das die Provinzen des großen Reichs znsammenhielt. Die Fürsten zehrten Dogel s Oicifcn. 2.91 uff. 22178 Knka, Hauptstadt von Boruu. von den Erinnerungen an ihre heldenhaften Ahnherren und hielten eS im Bewußt sein ihrer eigenen Erhabenheit am Ende sogar unter ihrer Würde, selbst das Schwert zu führen, wenn der Feind dem Reiche drohte. Die Zauberformeln an den Sperren ihrer Leibgarde, nicht das geschliffene Eisen, sollte für sie kämpfen. Zwei Jahrhunderte hindurch war der stolze Ban, den Edriß aufgerichtet hatte, noch stehen geblieben, da kein Feind vorhanden war, der bedeutend genug gewesen, um ihn zu stürzen, alle Fugen waren aber längst gelockert und cS bedurfte nur des Zusammentreffens einiger Verhältnisse, wie solche am Anfang dieses Jahrhunderts eintraten, um das gleich in Trümmer zu zerschlagen. Ein unglück licher Feldzug gegen das felsige Mandara hatte am Ende dcS 8. Jahrhunderts den Kern des Bornn- Heeres vernichtet, eine Pest in kurzer Zeit darauf das Land entvölkert und mitSchrccken angefüllt, da erhoben sich dieFellata, ein bis dahin unbekannter Feind. Die Geschichte des Volks der Fulb e oder Fellata verliert sich in unerklär liches Dunkel. Am untern Senegal hatte sein Gebiet, doch lassen mancherlei Gründe vcrmuthcn, daß cS in noch früher Zeiten von Osten her hier eingewan dert fei. Schmächtig und mittelgroß von Körperbau, röthlich oder gelbbraun von Hantfärbnng, zart im Gliederban, dabei aber geistig den Ncgervölkern weit überlegen, bilden die Fellata ein cigenthümliches Element im Völkcrlcben Inner- afrika s. Dabei zeichnen sie sich durch Mäßigkeit in Speise und Trank, sowie durch Reinlichkeit in ihrer Kleidung sehr vortheilhaft ans. Eigenthümliche Kastencin- theilnngen innerhalb ihres Stammes erinnern lebhaft anAeghpter und Hindu; gewisse Familien waren Tischler, andere Weber, Schuster, Schneider, Sänger, die untersten Bettler. Ganz allmälig breiteten sich die Fellata von Westen nach Osten aus, siedelten sich innerhalb der Negerreiche an, anfänglich als demüthigc, bescheidene Fremdlinge, erlangten aber bald durch ihre geistige Ucberlcgenhcit dort Ansehn und stellenweise ein solches Ucbcrgewicht, daß den Argwohn der Herrscher erregten und Unterdrückungsvcrsuche gegen sie gemacht wurden. Jede ihrer Abtheilungen verfolgte aber noch ihr eignes Interesse, kein gemeinschaftliches Band verknüpfte sie enger, und so waren sie selbst trotz ihrer Ueberlegenheit den zerrütteten Negerstaaten bis zum Anfang des jetzigen Jahrhunderts noch nicht eigentlich ernstlicher gefährlich geworden. Um diese Zeit war Othman der Vorsteher (Imam) der Fellata im Dorfe Daghel unweit des heutigen Wurnn. Baua, der Herrscher von Gober, forderte ihn, sowie die benachbarten Häupter der Fellata vor seinen Thron und tadelte sie ernst wegen der Ansprüche, welche sie mehrfach zum Nachtheil der Unterthanc Baua s erhoben. Othman ergrimmte, daß Baua, ein Heide, sich überhebe, ihn, einen Gläubigen, einen Auserwählten, zu strafen. Religiöse Begeisterung ging mit dem äußern Vortheil Hand in Hand und Othman ward zum Propheten seiner- Stammes. Mit hinreißender Beredsamkeit versammelte er, ein Reformator der Lehre Mnhamed s, die Seinen um sich. Fortgerissen zu heiligem Wahn, verga ßen die kleinlichen Interessen, welche sie bisher getrennt, und eiferten für des Propheten Sache. Othman lehrte sie Schlachtgcsängc voll Erhabenheit un179 Erhebung der Fellata. Tiefe. Mit seiner anfangs kleinen, aber begeisterten Schaar griff er hierauf die Unterdrücker an, er ward geschlagen, aber mit dem Unglück wuchs der Muth. Gleich einem Feuer verbreitete sich der religiöse Aufschwung, den er gegeben, durch alle Negerstaaten, sämmtliche Fellata erhoben sich! Es war das Zauberwort gefunden, das sie einigte. Othman s Schaar schwoll an wie ein Strom zur Regen zeit, er siegte über seine Feinde. Man erwählte ihn zum Schcikh, sein eigener Bruder, obschon älter an Jahren, war der Erste, der ihm huldigte. Sein kriege rischer Sohn, der spätere Sultan Bello, unterstützte ihn, und so unterwarfen sich dieFellata in wenigJahren die ganzen Staaten im Westen Bornn s und bedrohten selbst dieses Reich, dessen Bewohner sie wegen ihrer altmuhamcdanischen Gebräuche usit den Heiden gleiche Stufe stellten. In Bornu selbst waren seit Langem zahlreiche Fellata ansässig. Sowie dem Reiche durch Othman s Heer in den Grenzprovinzen Schaden zngefügt ward, erhob sich des Sultans Ahmed von Bornu Zorn gegen die Fellata im eignen Lande; sie sollten büßen, was ihre Stammgenossen sündigten. Dadurch zwang man sie zurNothwehr. Sie sammelten sich bei Gnd s ch eb a und schlugen in verzweifeltem Widerstande die Hcerschaarcn zurück, welche der Sultan gegen"sie sandte. Bald über gingen sie von der bloßen Vcrtheidigung zum Angriff über, verfolgten die fliehenden Truppen und schlugen ein neues Heer Bornuaner in der Nähe von Birni. Entsetzen kam über den Sultan und seine dickleibigen Hofherren. In mög lichster Hast packte man Reichskleinvdien itub Garderobe zusammen, und eben als l er hocherlauchte Herr mit allem seinem Pomp und dein ganzen Zopfccremoniel ^er zwölf Hofämter zum Ostthore seiner Residenz eiligst hinanszog, drangen die Fellata siegreich zum Westthorc herein und ließen sich in der Hauptstadt des Reichs nieder. Dies geschah im Jahre 1809 . Sultan Ahmed und seine Marschälle waren nach Kuraua geflohen und saßen feierlich zu Rath , was gegen ein solches Zerfahren der Aufrührer zu thnn sei. Trotz ihrer riesigen Turbane und theurcn Amulete fanden sie aber kein Mittel gegen das Uebcl, und mit dem Bornurciche würde es wahrscheinlich vorbei gewesen sein, wenn nicht ein cingewandcrtcr Mann Bis Fessan sich dazwischen gelegt hätte. Dieser Mann war der Faki Mnhamcd el Amin cl Kancmi, ein ebenbürtiger Gegner Othman s und seines kricgskundigen Sohnes Bello. Mehrfache Reisen, ^ie er als Kaufmann gemacht, hatten ihm ausgebreitete Weltkenntnis; verschafft, uazu war er ein strenggläubiger Moslem und sehr gelehrt in den heiligen Büchern. Gr besaß neben seiner Rechtlichkeit kühnen Muth und unverzagten kräftigen Wil len Mit den Kanembu war er vielfach in Berührung gekommen und hatte sich mit ihnen aufs innigste befreundet, in seiner Umgebung ward er allgemein geliebt und geehrt. Erhalte die Tochter des Herrscher von Ngala, damals einer ange sehenen Stadt südlich am Tsad, kennen gelernt und sie zum Weibe erhalten. Gern hätte er mit derselben sich nach seiner Heimat in Fessan begeben, aber der Tater verwehrte ihm dies und des innigst geliebten Weibes wegen entschloß er llch, in Ngala zu bleiben und hier seine Hütte zu bauen. Da drangen die Fellata Westen hervor und bedrohten den Ort, der Sultan war rathlos, Jeder180 . Knka, Hauptstadt von Bornu. nur auf sich verwiesen, die Augen des Volkes richteten sich auf Kancmi, erstand auf als Führer zum Streit. Auch er wußte, wieOthman, die Seinen zu religiöser Begeisterung zu entflammen, ihm war die Zauberkraft des Glaubens bekannt, wunderbare Geschichten verbreiteten sich im Volk über seine geheimnißvolle Macht. Seine Gebete machten die Schwerster der Feinde schartig, die Pfeile der Fellata waren im Köcher zerbrochen gefunden worden und ihre Bogensehnen während der Nacht zerschnitten. Nur ein kleines Häufchen sammelte sich zunächst um Kancmi: 5 Reiter und 200 Spcerträgcr zu Fuß, alle aber entschlossene Leute Und in ihrer Treue erprobt. Große Heiterkeit erzeugte den Fellata, als sic, trunken vom Uebermaße der Siege, die winzige Schaar anrücken sahen, fünf Reiter gegen ein Heer! Bald aber wurden sie ernst, denn Kancmi schlug ihre zerstreuten Abthei lungen, sowie sich zeigten. Er scheute die Uebcrmacht nicht und ersetzte durch Ausdauer und Muth, was an Zahl abging. Kaum hatte er aber die bisher Un überwindlichen geschlagen, so war auch der Zauber gebrochen, der alles Volk lähmte. Die Männer griffen nach Bogen und Speeren, zu Fuß und zu Roß eilte man nach Kancmi und rief ihn zum Scheikh aus. Bald standen 200 begeisterte Reiter an seiner Seite und 2000 Mann zu Fuß begrüßten ihn kampfesmuthig mit geschwungenem Speere und dem Klange der Schilde. Bei Ngornu traf er auf daS Gesammtheer des Feindes und überwand es nach blutigem Kampfe. Vierzig Schlachten hatte er in zehn Monaten siegreich bestanden und ward von allem Volke in Bornu als der Erretter des Vaterlandes, der Held Gottes gefeiert. Der östliche Theil Bornu s war frei vom Feinde, im westlichen Gebiete saß aber der Sultan Ahmed, noch mitten unter den Fcllata. Kanemi zog sich nach seinen Triumphen zurück zu seiner Familie in Ngala, um die Früchte des Friedens zu genießen; da sandte der Sultan zu ihm und ließ ihn anffordern, daß er sich au die Spitze des Heeres von Bornu stelle und ihm auch im westlichen Thcile gegen die Feinde helfe. DerFaki folgte dem Rufe und seine begeisterten Schaaren zogen aufs neue gegen die Fellata. Birni ward nach blutigem Kampfe ihnen wieder ent rissen, aber der Sultan genoß nicht lange den Triumph, in seiner alten Residenz Hof zu halten, er starb schon im Jahre 1810. Dnnama, der Sohn Ahmed s, ward Sultan. Er verschmähte es, mit dein fremden Manne, dem Faki Kancmi, weiter zu unterhandeln, dieser hatte seine Schuldigkeit gethan und konnte gehen. Die Hauptstadt war frei, die Hanptlcute voll Math, denn der Feind war geschlagen. Dnnama sammelte ein Heer und stellte sich selbst an die Spitze, seine Lanzenträger mit den Talismantäschchen ihm zur Seite. Man traf auf die Fellata, die durch die vorhergegangenen Kämpfe gegen Kanemi geschwächt waren, und schlug sie. Die Hofpartei jubelte, der alte Siegesgott des Edriß schien zurückgckehrt, der schwankende Thron wieder befestigt! Da erhielten die Fellata neuen bedeutenden Zuzug von ihren Brüdern in Katagnm, griffen das noch siegestrunkene Heer Dnnama s an, schlugen es in Flucht, erstürmten die Hauptstadt Birni von neuem und gaben sie den Flammen preis. Der Sultan floh mit seinem Hofgesinde im Lande hin und her wie ein £S^ scheuchtes Wild, jeden Augenblick einen neuen Angriff der Feinde fürchtend-El Karmin und Dunama. 181 Einige Wochen schlug er seine Zelte bei Madje in der Nähe von Fatoghana, dann wieder bei Assegga ans. Kurz darauf zog er aber geängstigt weiter nach Munghano, bis er endlich Berberua in der Nähe des Tsad zu seinem Wohnplatz erwählte. Hier war er unweit des Faki Kanemi, der ruhig seiner Beschäftigung lebte. Jetzt endlich, da sich dem Sultan nirgends eine andere Rettung bot, da er und seine Barone kein Plätzchen fanden, wo ihr Haupt, trotz ihrer dicken Turbane, ruhig hinlegen konnten, jetzt entschloß man sich, obschon mit großem Widerwillen, den frühern Retter wieder anfzusuchen. Man trat mit Kanemi in neue Unterhandlungen. Er seinerseits zog aber nun auch der Noth des Sultans so viel Nutzen als möglich. Er war nicht willens, Leib und Leben, Hab und Gut abermals für einen Herrscher aufs Spiel zu setzen, den er seiner Schwäche wegen verachten, seines Stolzes und Undankes wegen hassen mußte. Die Hälfte aller Einkünfte derjenigen Pro vinzen verlangte er, welche er dem Feind entreißen würde. Der Sultan machte ein saueres Gesicht zu der schlimmen Forderung, es blieb ihm aber nichts übrig, als darauf einzugehen. So brach denn Kanemi abermals gegen die Fcllata auf und trieb sie mit seinen Speerträgern und Bogenschützen zu Paaren, säuberte das Land vom Feinde und schlug dann seinen Sitz in Ngornu auf, der gesegneten Stadt" am Ufer des Tsad-Sces, unweit von dem Hofhalt des Sultans. Kanembu und Tibu, die ehedem gcmißhandcltcn Völker, strömten ihm zu, er erschien Allen der wahre Herrscher des Landes. Dunama itnb seine altadligen Edelherren bissen sich in die Lippen vor Aerger, machten ihre Turbane dicker und dicker, zogen einige seidene Toben mehr an als bisher, um so das politische Gleichgewicht herzustellen, wollte aber nicht helfen. Da sannen sie unter einander auf Rath, was lvol zu thnn sei. Er ist ein Bcrräther, Kanemi strebt nach dem Throne!" sagten die Herren zu Dunama. Dieser glaubte selbst, wußte aber wenig dagegen zu thnn. Fordere ihn vor deinen Thron , verhöre und richte ihn dann!" drängte man den Sultan weiter. Er fühlte sich geschmeichelt als Fürst und sandte an Kanemi Boten mit der feierlichen Ladung. Der Scheikh, so ließ er sich nennen, ein zweiter Götz von Berlichingen gegenüber einem Rcichshccr, lächelte über den plumpen Versuch, Zu dessen Durchführung ganz andere Hände erforderlich waren als die des Sul tans und seiner entnervten Gesellen. Er warf sich aufs Pferd und ritt, ohne einen einzigen Begleiter mitznnehmen, zum König. Diese sichere Ruhe brachte den tveisen Rath außer aller Fassung. Im Rücken Kanemi s waren die Hofschranzen Zwar geschäftig und kühn genug gewesen, auf ihn zu schmähen mtb ihn aller mög lichen Verbrechen zu beschuldigen; als er aber mit klarem Auge vor ihnen stand, er, den das ganze Volk für einen Heiligen hielt, der die Heere der Feinde ge schlagen , der gewohnt war, mit seinem Blicke die Schaaren der Krieger zu lenken, und der dem Sultan, dem Irrenden, Hülflosen, das Reich erst wiedergegeben, als er so vor ihnen stand, da waren die Richter in größerer Verlegenheit als der verklagte. Niemand wagte sich ernstlich an ihn, Keiner hatte die Kühnheit, Ge waltmittel gegen ihn vorzuschlagen. Es ward Kanemi nicht schwer, sich 51t verant worten, und im Triumph zog er nach Ngornu zurück, vom Volke noch mehr Oefciert. Der geistige Sieg über die ränkesüchtige Partei des Sultans erhöhte ihn182 Kuka, Hauptstadt von Bornu. m den Augen de Landes mehr tioch als eine glänzende Waffenthat. Kanemi wußte aber, wessen er sich vom Sultan zu versehen hatte, es galt einem von ihnen beiden. Zwei Heeren konnte das Land die Länge der Zeit nicht dienen, des halb war er auf seiner Hut und beschloß, bei passender Gelegenheit entscheidend zu handeln. Dunama führte die Entscheidung selbst in kurzem herbei. Auch er und die Seinen fühlten, daß es nicht lange so bleiben könnte, daß ihr Stern in glei chem Grade verlösche, wie Kanemi s Sonne an Glanz zunahm. Er faßte deshalb den wohlerwogenen Plan, durch eine Verlegung seiner Residenz dcnt Schcikh den Vortheil abzugewinnen. Kanemi erhielt einen großen Theil seines Ucbergcwichts durch den Verkehr mit seiner Heimat Fessan und Tripoli mittelst der Karawanen. Nun beschloß Dunama seinen Sitz zu nehmen in W n d i, einer Stadt an derNord- westecke des Sees. Hier mußte jede Karawane, welche ankam oder abging, hindurch, von hier anS konnte er den Scheikh abschneiden von den Kanembn und von seiner Heimat und deren Vortheilen. Durch eine weitere Trennung der beiden, jetzt nahe beisammen liegenden Residenzen wollte er auch seinen Nnterthanen Gelegen heit gebe , sich nach ihrer Gesinnung zu sondern und diejenigen, welche dein alten Glanz des angestammten Herrschergeschlechts der Ssaefn anhingen, trennen von denen, die sich dem neuen Emporkömmling zuwcndeten. Dunama brach deshalb in feierlichem Zuge auf von Berbern ; seine Barone und sein Harem begleiteten ihn. Gen Wndi, wo ehedem schon mehrere seiner Vorfahren Hof gehalten, richtete sich die Karawane, bereits frohlockend darüber, daß man endlich einen Ausweg gefunden, um dem verhaßten Nebenbuhler den Vortheil abzugewinnen. Allein ihre Rechnung war ohne den Wirth gemacht. Der Scheikh erkannte ebenso hell wie sie selbst die Lage der Dinge und sah, wie man sich bemühte ihn zu beengen, überflüssig zu machen, um ihn schließlich wieder abzuschütteln, wie es früher zu Ahmed s Zeiten geschehen. Ihn rettete sein energischer Wille und seine kühne Entschlossenheit, sowie die unbedingte Ergebenheit seiner Krieger. Seine Reiter verlegten dem Sultan den Weg und belehrten ihn dringend: es sei nach Wndi für ihn die Straße nicht gangbar; nur Berbern , das freundliche, sonnenhelle, sei die geeignete, einzig mögliche Residenz für den Erlauchten, die Wüstenluft, welche nach Wndi hereinwehe, möge ihm schaden. Gegen die Reiter des Scheikhs halfen die Amulete des Sultans nicht, gegen ihre Sperre schienen die seidenen Toben nicht dick genug. Der Hof machte kehrt und langte nach kurzer Fahrt wieder in Berbern an. Verrath!" schrie der Sultan. Verrath und Majestätsvcrbrechen!" schrieen noch mehr seine Schranzen. Tod dem Frevler, der sich erfrecht, dem Herrscher des Landes den Weg zu verlegen! Tod seinen frechen Dienern!" Da erschienen die Reiter des Scheikhs von neuem unb unterbrachen die deklamato rischen Ergüsse. Im Namen des Scheikhs ist der bisherige Sultan Dunama ver haftet, angeklagt des Hochverraths selbst und als unwürdig seines Amtes entsetzt. So spricht Allah durch den Mund seines Lehrers!" Muhamed, Dunama sOnkel, ein Bruder des verstorbenen Sultans Ahmed, ward zum Nachfolger bestimmt. Das Volk jauchzte dem neuen Herrscher zu, wie es bei theatralischen Vorstellungen zu jauchzen Pflegt, und fand Unterhaltung daran.Gründung der Stadt Kuka. 183 Muhamed, der neue Sultan, täuschte sich aber über Eins. Er lebte der Meinung, daß er zum Herrscher gewählt sei, weil das königliche Blut der Ssaefu in seinen Adern rolle. Sein erstes Werk war daher, sich eine neue Residenz zu gründen, Birni Djedid, eine Stunde Wegs von Rgornu, und daß er die Regie rung des Landes in die Hand zu nehmen versuchte. Er war nicht geneigt, die bloße Puppe zu spielen, welche der Schcikh zum Vergnügen des Volkes anputzen ließ und auf den Thron setzte, und begehrte auch die Macht eines Fürsten zu haben. Da setzte ihn derSchcikh schon nach wenigen Tagen als untauglich ab und berief den verabschiedeten Dunama wieder auf den Thron, der nun auch durch die er haltene Lehre sich klar geworden war, wer eigentlich Herr sei im Lande, und sich begnügen lernte mit dem Glanz seiner seidnen Toben, den vergoldeten Stöcken seiner Diener und dem Schall der weithintönenden Frumfrums. So war ums Jahr 1814 der Scheikh el Kanemi eigentlich Herr in Bornn und ließ, nur die alten Gewohnheiten zu respektiren, den angeputzten König zum Scheine den Thron einnehmen. Für sich und die Seinen gründete er nun aber auch nne Residenz in der Nähe des Tsad, wo die Straße nach Fessan und Kanem führt. Dort stand ein alter Affenbrodbaum, Kuba in der Sprache des Landes geheißen. Er war das Symbol der alten Königsmacht. Dick war der Stamm, aber vom Alter hohl und von Würmern zerfressen, kahl die ausgestreckten Aeste und mit Früchten an langen Stiele behängen, als seien Amulete znm Schutz gegen fremden Zauber. Ihn hieb der Scheikh nieder, baute an der Stelle seinen Palast und nannte die Stadt, die ringsum entstand, Kuka oder Kukaua. DicFellata hatte derSchcikh zwar aus dem Laude getrieben, aber ein anderer Feind im Osten war aufgestanden und machte ihm weit mehr zu schaffen.-Der Fürst von Baghirmi, Othman Burgomanda, bisher ein tributpflichtiger Vasall Bornn s, stand gegen seinen Herrn auf, verweigerte dem Scheikh Anerkennung und Gehorsam und machte räuberische Einfälle in sein Gebiet. Nicht stark genug, um gleichzeitig die Grenzen des Reiches nach allen Seiten gegen die drohenden Feinde Zu decken, rief der Scheikh den Fürsten Abd el Kerim Ssabun von Wadäi gegen Baghirmi zu Hülfe. Dieser erschien, überfiel Mascüa, die Hauptstadt Baghirmi s, plünderte sie vollständig aus, führte eine große Anzahl des Volkes als Sklaven hinweg, war aber nicht willens, die Trauben für Andere zu pflücken, sondern urachte einen Vertrag mit Burgomanda, nach welchem Baghirmi von nun an Wada s unterthan sein und unter dessen Schutz stehen solle. Jetzt blieb Kanemi uichts Anderes übrig, als mit dem Herrscher in Fessan einen Vertrag abzuschlie- en und diesen um seinen Beistand zu bitten. Er erschien mit einem ansehnlichen Heere, vereinigte sich mit dem Scheikh, und beide verheerten Baghirmi sammt Masena, der Hauptstadt, in welcher der Scheikh sogar einige Tage sein Lager auf schlug. Der Fürst Othman Burgomanda und sein Volk hatten sich aber jenseits hochflntenden Schari in einem überaus festen Lager verschanzt, und deshalb Achteten die Verbündeten nichts weiter aus, als daß großen Raub an Gut und Menschen hinwegführten. Von den Gefangenen, die der Herrscher von Fessan mit ^"uch die Wüste schleppte, stammen die zahllosen Gebeine, über die sich Denham184 Kuka, Hauptstadt von Borim. und seine Gefährten bei ihrer Reise nach Kuka entsetzten und die jetzt noch massen haft die Brunnen umlagern. Nicht lange danach, so brach der Fürst von Baghirmi mit seinem Heere in Boruu ein. Es kam zu mehreren höchst blutigen Treffen. In einem derselben verlor der Scheikh seinen crstgeborncn und am meisten von ihnr geliebten Sohn; in einem andern fiel Sultan Dunama sammt seiner Leibgarde dicht an: Thore der Stadt Ngala. Erst als Denham dem Scheikh Kartätschenbüch- sen für die zwei vorhandenen Kanonen hatte anfertigen lassen, der Zimmermann Hillmann dieGcstelle zu denRöhren gearbeitet und dieMannschaft zur Bedienung der Geschütze eingeübt war, gelang es dem Scheikh, sich Ruhe vor den unermüd lichen Drängern zu verschaffen. Beim ersten ungestümen Angriff des Heeres von Baghirmi auf die Schlachtordnung des Scheikhs entblößte letztere plötzlich die ver steckte Batterie und die donnernden Geschütze rissen furchtbare Lücken in die dicht gedrängten Schaaren der entsetzten Feinde, während die Reiterei, die Verwirrung benutzend, mit Erfolg einhieb. Dies geschah am 24. März des Jahres 1824. We niger glücklich war der Scheikh gegen den gleich tüchtigen Sultan Bello, den Füh rer der Fellata. In Bautschi erlitt er eine solche Niederlage, daß er selbst mit genauer Noth mit dem Leben davonkam. Im Jahre 1835 starb er und bestimmte, daß von seinen vielen Söhnen Omar ihm als Herrscher folgen sollte. Würde dieser sterben, ohne erwachsene Söhne zu haben, so sollteAbd e Nahman derNach- folgcr sein, an dessen Stelle im ähnlichen Falle aber Nussnf. Dem im Jahre 1818 gefallenen Sultan Dunama war dessen Sohn Ibra him gefolgt und residirte in der bisherigen Weise in Neu-Birni wie sein Vater als Schein-Sultan. Omar, der Sohn Kancmi s, hatte das Streben, seinem Lande Ruhe und Frieden zu verschaffen. Da seine Mutter aus dem Lande der Baghirmi stammte, so kam er mit letzterem Volke bald in gutes Einverständniß. Ebenso schloß er Frie den mit den Fellata im Westen, nachdem er bei einem Kriegsunternehmen gegen sie wenig glücklich gewesen war. Mehr machte ihm der Ungehorsam der eignen Statthalter in den entfernten Provinzen zu schaffen, am meisten der unruhige und hochmüthigeJbrahim vonSinder, der nicht nur den Frieden verwarf, sondern sogar die benachbarten Statthalter aufforderte, ihm zu gehorchen und sich mit ihm zu Raubeinfällen in den Nachbarstaat zu verbinden. Scheikh Omar sandte 1846 seinen Bruder Abd e Nahman mit dem gesammten Heere von Bornu nach jenem weit entlegenen Gebiet, ohne den Verrath zu ahnen, der in seiner Nähe lauerte. Kaum war nämlich das Heer abgezogen, so machte die Partei des alten Sultan- Hauses dcrSsaefu einen letzten verzweifelten Versuch zurHerstellung ihrer frühern Macht. Die vornehmsten Höflinge forderten brieflich Muhamed Ssalcb, Sultan von Wadai, auf, sich der alten Herrscher gegen den neuen Scheikh anzunehmen, und Wadai benutzte voll Kriegslust die günstige Gelegenheit zu einem beutcverhei- ßenden Handstreich. Er erschien bereits bei Kussuri im März 1846 mit einem mäch tigen Heere, als sich Scheikh Omar mit einer Handvoll Leute, die er in der Eils zusammcngcrafft hatte, ihm entgegenwarf, um ihm den Uebergang über den Fluß streitig zu machen. Durch Verrath gelang dem Feinde der letztere. In wildem185 Untergang des Hanfes Ssacfn. Gemetzel siel das Häufchen des Scheikhs bis auf Wenige. Tirab, der treue Minister des Kanemi, blieb auf dem Schlachtfelde, Ali, der tapfere Bruder Omar s, ward gefangen, die Leiden Kanonen geriethen in Feindes Hand. Scheikh Omar floh. Ehe er aber seine Hauptstadt Kuka preisgab und sich nach den cntferntern westlichen Provinzen zurückzog, ließ er Ibrahim hinrichten. Er hatte ihit bei der ersten Kunde vom Nahen Wadai s festnehmen lassen. Mnhamcd Ssaleb rückte bis Ngornn vor, setzte Ibrahim s Sohn Ali zum Sultan ein und plünderte vierzig Tage lang ringsum das Land aus. Bei dieser Gelegenheit ward auch Kuka völlig ansgeranbt, verbrannt und zerstört. Als aber das Bornu-Heer unter Abd e Rahman in Eilmärschen herbeizog und Mnhamcd ein sah , daß er bei der Schwache der Partei, welche zum Sultan Ali stand, sich nicht würde halten können, dachte er an einen sichern Rückzug, bevor ihm der Arre und der Schari denselben zur Regenzeit unmöglich machten. Er belohnte also Verrath mit Verrath, sandte die Briefe der Hoflcute an Omar und ließ diesem sagen, daß er durchaus nur in sein Land gekommen sei, weil ihn der Sultan und die Seinen dazu anfgefordcrt hätten, dann zog er zurück und überließ den jungen Fürsten Ali seinem Schicksal. Dieser schien etwas vom Geiste seiner Ahnherren in sich zu fühlen, denn er stellte sich kühn an die Spitze seines kleinen Heeres und kämpfte mit Scheikh Omar in offener Feldschlacht. Der erste offene Kampf des alten Herrscherhauses von Bornn mit dem neuen war aber auch der letzte. Ali fiel, seine Anhänger mit ihm. Die Residenz des Hauses der Ssacfn, Neu-Birni, ward zerstört. Omar hatte den Sohn des hochverdienten Tirab, den Hadschi Bcschir, mit der Zerstörung des Ortes beauftragt. Er ward ein reicher Mann dabei und Wesir des Sultans, sein allmäch tiger Günstling. Er baute mit Scheikh Omar das zerstörte Kuka wieder auf, die westliche Stadt für das gemeine Volk, die östliche für die Großen des Hofes. Noch einige kleinereKriegszüge mußte Scheikh Omar unternehmen, nur auf ständische Städte zur Ruhe zu bringen, dann genoß das Reich eine geraume Zeit hindurch des tiefsten Friedens, bis durch den eigenen Bruder des Scheikhs, den bereits genannten Abd e Rahman, jene Unruhen erregt wurden, die kurz vor Vogel s Ankunft in Kuka ansgebrochen waren und einen Thronwechsel zur Folge gehabt hatten. Scheikh Omar war nämlich ein sehr friedliebender, wenig energi scher Mann, der sich am liebsten in stiller Zurückgezogenheit religiösen Betrach tungen widmete. In Folge dieser Schwäche ward der nördliche Theil Bornn s so wie Kancm durch die ranblustigcn Schaaren der Tnariks völlig verheert, mehrere Städte gänzlich ansgeplündert und zerstört, andere zu einem schimpflichen Tribut on diese Freibeuter gezwungen. Den größten Einfluß auf den Scheikh hatte sein Wesir Hadschi Bcschir, ein zwar gelehrter und intelligenter Mann, der sich beson ders des Di . Barth bei dessen Anwesenheit in Bornn sehr warn: annahm, der aber Euerseits habsüchtig war und sich zur Befriedigung dieser sowie anderer Leiden schaften vielerlei Gewaltthätigkeitcn und Ungerechtigkeiten zu Schulden kommen ^wß, andererseits aber auch der nöthigen Willenskraft und des erforderlichen -Ruthes entbehrte. Der schlimmste Feind des Wesirs war Abd c Rahman, ein186 Kuka, Hauptstadt von Bornu. wilder, gewaltthätigcr Mann, der in mehreren KriegSzngcn das Heer angeführt hatte und deshalb bei demselben beliebt war. Seine Lieblingsbeschäftigung in Friedenszeiten war, sich mit seinen Sklaven herumzubalgen und gemeine Späße mit ihnen zu treiben, lieber seinen Charakter erhalten wir einen Fingerzeig da durch, daß er Or. Barth, als dieser ihm seine Aufwartung machte, um Gift er suchte, das er natürlich nicht erhielt. Er wollte sich wahrscheinlich desselben bedie nen, um den ihm verhaßten Wesir aus dem Wege zu räumen, gegen den mehrfach Mordanschläge versucht worden waren. Eine Zeit lang schien die feindliche Stim mung zwischen den beiden Großen des Reichs dadurch geschlichtet, daß der Wesir, der sich eine förmliche ethnographische Sammlung von Schönheiten aus allen Völ kerschaften, auch von Cirkassierinnen, in seinem Harem angelegt hatte, die Tochter Abd e Rahman s heirathete, nicht lange darauf brach aber der gegenseitige Groll in offene Fehde ans. Abd e Rahman verließ mit seinen bewaffneten Sklaven Kuka und zog sich nach Gudscheba mit offener Kriegserklärung zurück. Der Wesir folgte ihm, begleitet von einer Anzahl Hauptlente und ihren Truppen, und forderte Abd c Rahman auf, den Ort zu verlassen. Dieser erklärte sich bereit dazu, sobald der Wesir ihm auf den Koran zuschwören wurde, ihm nichts Uebles znzufngen. Hadschi Beschir verweigerte diesen Eid und ließ durch seine Leute den Teich streng bewachen, auS welchem die feindlichen Sklaven ihr Wasser beziehen mußten. Es kam zwischen beiden Theilcn zu einem leichten Scharmützel, bei welchem aber des Wesirs Krie ger sich weigerten, gegen ihren frühem Feldherrn Abd e Rahman zu kämpfen, und vcrräthcrisch zu letzterem übergingen. Der Wesir verlor dadurch vollständig den Muth, eilte nach Kuka zurück und statt ein neues Heer gegen seinen Feind zu sam meln, packte er den größten Theil seiner Kostbarkeiten auf sieben Kamcele und versuchte nach Wadai zu entfliehen. Es war tut November 1853. Abd e Rahman hatte sich in größter Schnelligkeit nach Kuka begeben, und es fiel ihm nicht schwer, seinen Bruder zum Abdanken zu bewegen. Das Hans Hadschi Beschir s wurde hierauf der Plünderung preisgegeben, und unter andern Schätzen, die dieser nicht hatte mit fortnehmen können, fand man 3000 Burnusse und 40,000 Dollars. Die angeschwollenen Fluten dcs Schari hielten den fliehenden Wesir auf, die an der Grenze wohnenden Schna verweigerten es, ihn durchzulassen, tutd es blieb ihm nichts weiter übrig, als den Boten zu folgen, welche Abd e Rahman ihm nachge sandt hatte, mit der Zusicherung, daß ihm freies Geleit gestattet werden sollte. Kaum war er aber in Kuka angekommen, als er festgcnommen, vor ein besonderes Gericht gestellt und angeblich wegen Hochverraths zum Tode verurtheilt ward. Die 130 Kinder, welche der Wesir hinterließ (80 Söhne und 50 Töchter) bewein ten weniger ihren Vater als den Verlust des großen Vermögens, das der neue Scheikh für sein eigenes Bestes cinzog. Rach seiner Hinrichtung wies Abd e Rah man seinem Bruder Omar des Wesirs Wohnung zum Aufenthalt an und über nahm die Regierung des Landes.Dr. Wgel s Msflüge am Südufer des Hfad-Sees. Ausflug nach Ngornn. Ghcrret-Akazie. Bodenbeschaffcnhcit. Senkungen. Das Wasser des Tsad. Das kleinste Leben am Tsad. Snmpfgewächsc. Der Sckari. Wälder am Tsad. Thierlcbcn am Tsad. vr. Vogel auf der Büffeljagd. Pla gen des Sudan. Die Inseln im Tsad. Die Bnddnma. Die Ssugurti. Viehzucht ^ und Ackerbau. E^ei dem rohen, gewaltthätigen Charakter des Scheikhs Abd e Iiahman konnte derselbe durchaus nicht den Zweck von Or. Vogcl s Reise fassen. DaS Sam- Ucln von Pflanzen, Steinproben und Vogelbälgen erschien ihm nur als Deck mantel, unter welchem andere politische Pläne verborgen würden. Sein Argwohn stieg noch viel mehr, als er erfuhr, die beiden englischen Begleiter Vogel s seien wirkliche Soldaten, Krieger von Profession. Obschon er deshalb Vogel auf die glänzendste Weise mit militärischem Schan- Lepränge empfangen hatte und ihn fortwährend mit Lebensmitteln reichlich ver stechte, legte er den Reisepläncn desselben doch alle möglichen Schwierigkeiten in ven Weg und schlug ihm einen Zug nach Mora und nach Südwesten geradezu ab.188 Dr. Vogcl s Ausflüge am Südufcr des Tsad-SceZ. Vogel war deshalb gezwungen, vorläufig sich auf kleinere Ausflüge nach den Ufern des Tsad-Sees zu beschränken und sich zu gedulden, bis bessere Zeiten einträten oder des Scheikhs Argwohn sich beruhigte. Er erhielt von demselben die Erlaubniß, das Wrack des Bootes Lord Palmerston", das in Maduari lag, ausbessern und benutzen zu dürfen, und stellte sich die Aufgabe, die Mündungen des Wanbe und Schari astronomisch zu bestimmen. Unter andern machte er in der Mitte des Februar einen Ausflug nach Ngornu, der altberühmten Stadt am Südufer des Sees. Der Weg von Kuka nach Ngornu bietet wenig Interessantes. Die Gegend hier", sagt vr. Vogel, ist über alle Begriffe entsetzlich. Wer hier auf tropische Fülle hofft, wird sich entsetzlich getäuscht finden. Trotz meines eifrigen Snchcns ist es mir in fast fünf Wochen nicht möglich gewesen, mehr als 75 verschiedene Pflanzen einzusammeln." Besonders einförmig ist die Gegend in der nächsten Umgebung von Kuka zur dürren Jahreszeit. Alle zarter Pflanzen und Gräser sind daun verdorrt und selbst Anfang Februar steigt die Hitze sehr häufig über 40 " C. Die häßlichen Büsche des giftigen Aschur (Asclepias procera) bedecken das ausgedörrte flache Gebiet, über welches der Pfad führt, und weichen wei terhin nur einem ebenso unerfreulichen Walde von Akazien mit einem Unterholz ausDumpalmeugestrüpp. Kein einziger Baum oder Strauch ist hier vhneDorncn. Unter den Akazien herrschen besonders zwei Arten vor, außer der vielfach erwähn ten Talha (Mimosa ferruginea) hauptsächlich die Gherret (ülimosanilotioa). Das Holz dieser Akazienart findet zu häuslichen Zwecken in Bornn vielfache.Ver wendung ; man fertigt aus ihm gern die Sättel an und benutzt die Kohle desselben z ir Schicßpulverbereitung. Die Frucht, welche insbesondere mit dem Namen Gherret bezeichnet wird, ähnelt sehr im äußern Ansehn der Frucht des Tamarin- denbanms und bildet wegen ihres Gehaltes an Gerbsäure eine heilsame Medizin bei Ruhranfällen. Wegen desselben Stoffes wird sie auch zum Gerben der Was serschläuche, dieses unentbehrlichen Reisegeräths, verwendet. Der bei weitem schönste Baum jener Waldungen, der weiter östlich auftritt und in der Nähe der Wohnungen gern angepflanzt wird, ist die Tamarinde (Tamarindus indica), deren zartgefiedertes Laub ebenso augeuehmeu Schatten gewährt, als sie durch ihre gefälligen Formen und ihr freundliches Grün das Auge erfreut. Die Früchte, mehrsamigeHülsen, liefern in ihrem angenehm säuer lichen Marke eine wahre Erquickung und dienen vorzugsweise zur Herstellung kühlenden, fieberwidrigen Getränkes. Der Weg nach Ngornu führt an der Stelle vorbei, an welcher ehedem die Stadt Neu- Birui stand. Dieselbe war 1820 von Sultan Muhamed erbaut und 1847 durch Hadschi Beschir zerstört. Hier wird die Ebene fruchtbarer, die mulden förmigen Einsenknngen mit guter Erde werden häufiger und außer Tamarinden begleiten Gemüsegärten und Baumwollenpflanzungen den Pfad, von dem seit wärts zahlreiche Weiler liegen. Als 1851 und 1852 Or. Barth Ngornu ( der Segen"), diese alte Residenz der Herrscher von Bornn) besuchte, gelang es ihm erst bei einem zweiten Versuche, nachLeipzig: Verlag von Otto Spanier.Bohenbeschaffenheit aut Tsad. 189 utjvftuubigen Anstrengungen in Begleitung eines kundigen Führers das offene Hasser des Tsad zu erreichen. Er traf weit ausgedehnte flache Wiesengründe und einzelne größere oder kleinere Sumpflachen, mit Papyrus und 10 14 Fuß hohem Schilf bewachsen (siche Anfangsbild S. 187), von zahlreichen Viehherden belebt. -Os-Vogel dagegen traf 1853 Mitte Februar das ganze Gebiet völlig verändert. Die Stadt Ngornn war fast ganz vom Wasser verschlungen worden, die Häuser nördlichen Thciles waren nur noch wenige Zoll über dem Wasserspiegel, die bss südlichen dagegen wurden bis an die Spitzen von den Fluten bedeckt. Diese Veränderungen hatten etwa dreißig Tage vor Vogel s Ankunft stattgefunden und bus zwanzig Fuß gestiegene Wasser war während dem auch nicht um einen einzigen Fuß gefallen. Das Auffallendste dabei war, daß die Stadt ehedem auf einer voll ständigen Ebene gestanden hatte und daß jetzt der Boden eine so verschiedene abso- ^ u tc Höhe zeigte. Die Ursache jener Veränderungen läßt sich also nicht allein in dem Steigen des Wassers, sondern in einer Senkung des Bodens suchen. Die ganze weite Umgebung des Tsad-SeeS besteht aus aufgeschwcmmtem £anb. Wenige Fuß unter der Oberfläche liegt eine Kalkschicht, die Muschelschalen enthalt, gleichartig mit denen, die noch jetzt im Tsad leben. Die Hauptmasse dieses Kalks ist wahrscheinlich durch die Wasscrgewächse den Fluten entzogen und nicder- Leschlagcn worden. Auf der Kalkschicht lagert auf weite Flächen hin ein zäher Etter Thon (Firki-Boden), an andern Stellen dagegen Sand. Der erstcre wird vorzüglich nach den Mündungen des Schari hin vorherrschend, letzterer deckt die Landschaften bei Kuka. Festere Gesteine sind in der ganzen Umgebung des Tsad stwgends zu finden. Die anfgeschwemmtcn Flötze werden alljährlich durch das steigende Wasser durchdrungen und ausgelaugt. Die Modernng der vegetabilischen Ueberreste, welche sich vielfach eingebettet in den Schichten befinden, schreitet wei ter vorwärts, lösliche Bcstandthcilc werden wcggcfnhrt, andere verwandeln sich sst Gase, die ganzen Schichten verlieren dadurch im Laufe der Jahre an Masse und Festigkeit. Endlich setzen sie sich zusammen und geben dann ;u solchen Senkungen Veranlassung, wie sie die Ufer des Tsad mehrfach bieten. Dieser Erklärungsvcr- stsch ist hci der Beschaffenheit des Bodens so nahe liegend, daß man nicht zu einer Einwirkung vulkanischer Kräfte seine Hülfe zu nehmen braucht, von denen das "und weit und breit keine Spur zeigt. Der Tsad ist nicht etwa ein schönes klares Wasser, sondern ein meilenweitcr Sumpf, von Krokodilen und Wasscrvögcln belebt, der vorzugsweise durch den Schari und den Komadngn Waube gebildet wird. Die Gewässer dieser großen Ströme, besonders des Schari, breiten sich in flacher Senkung so tveit aus, bis die Ver dunstung den Zufluß aufwiegt. Wird letzterer bei heftigen Regen stärker, so crwei- Ern sich die Ufer; nimmt die Wassermenge der Zuflüsse ab, so verringert sich auch :( e Ausdehnung des Sees. Weite Schlammstrecken und Tümpel säumen dann Eine Ufer. Das Wasser des Tsad selbst ist völlig süß, so süß als nur Wasser über- haupt sein kann, dabei freilich sehr lauwarm und voll von fauligen Pflanzenresten w daß es dem Trinkenden keine Erquickung gewährt. Die interessante Frage über ^teBeschaffenheit des Tsad-Wassers ist erst durch Dr. Vogel s Vermittelung genau190 vr. Vogcl s Ausflüge am Ufer des Tsad-Sccs. entschieden worden. Bis dahin hielt man es wenigstens für möglich, daß bei dem See ähnlich sein könnte wie bei zahlreichen Wassertümpeln, die seinen Rand vorzüglich im Norden und Nordwesten umsäumen, daß nämlich daS Wasser Salz enthalte, dieser Gehalt aber nur bei niedrigem Stande bemerkbar werde, während erbet Hochwasser durch zu starke Verdünnung verschwinde. Professor Ehrenberg in Berlin wendete sich deshalb an Itr. Vogel mit dem Ersuchen: ihm Proben des Schlamms aus dem Tsad zu übersenden, damit er durch mikroskopische Untersuchung, der kleinsten Thier- und Pflanzenformen jene sowie andere damit in Zusammen hang stehende Fragen der Wissenschaft erledigen könne. Ehrenberg hatte bereits Briefe mit derselben Bitte an Overweg uitb Barth gerichtet; crstercr war aber eben tödt- lichen Einflüssen des Klima s erlegen, letzterer befand sich auf seiner großen Reise nach dem Westen und wurde durch die Schreiben nicht erreicht. Es war bis dahin über daskleinsteLebenJnner-Afri- ka s noch gar nichts bekannt, da jenes Gebiet durch keinen Flußlauf mit der Küste in Verbindung steht. Nur einige Erden von Tripoli, der Um gegend des alten Karthago und der Oase Fessan, sowie der Oase Ammon waren un tersucht worden und hatten der Mikrogeologie (der Wis senschaft, welche die kleinsten erdebildenden Geschöpfe zni Gegenstände der Untersu chung macht) bis zum Jahre J854 131 Formen - Arten deS kleinsten afrikanischen Wüstenlebens ergeben. Durch die Reisenden Werne, Russeg- gcr und Lepsius, sowie durch Ehrenberg s eigene Forschungen waren dem Ge biete des Nil und Abcssynien, sowie im Westen vom Senegal und Niger Wasser und Schlamm zur Untersuchung geliefert worden, in denen man 242 Formen auf- fand; aus dem großen Centrallande um den Tsad fehlte aber noch jegliche Kcnntuiß- Or. Vogel sandte nun aus der Umgebung des Tsad an Professor Ehrenberg dreierlei Proben: l) Bodenschlamm dem Tsad-Sce, 2) Staub aus der Ebc w bei Kuka und 3) Sand aus 45 Fuß Tiefe eines Brunnens bei Kuka. Der Schlamp zeigte sich als ein etwas grober graubrauner Sand mit groben braunen und schwärz- DaS kleinste Lcdcu am Tsad-Sce. 1. Sürirella Craticula major. 2. Pinnularia viridula. 3. Pinnularia inae- qualis. 4. 7. 8. ir . Lysicyclia Yogelii. 5. Sürirella clathrata. . Litho- sphaeridium irreguläre. 9. Lithostylidium foveolatum. 10. Lithostylidium Subula. li. Fragilaria Oxyrrhombus. 12. Amphidiscus amblytrachys. 13. Amphidiscus asteroccphalus. 14. Lithostylidium Aruphiäcanthus. 16. Spongolithis amphioxys. 17. Stauronei s dilalata.Das kleinste Leben am Tsaö. 191 lichen Pflanzenrcstcn, die sich oft deutlich als Grastheile oder Wurzelwerk sckon "dt bloßem Auge erkennen ließen. Durch Schlämmen ließen sich die leichten Pflan zenstoffe von den schwererer Quarzkörnern und dem feincrn Mulme leicht trennen. Letzterer bestand 79 Formen: 17 Arten Polygastern, 4l Arten von Phytolitha- rien, 6 Arten von Grnnsandkörncrn, vermutlich aus Polythalamien der urwclt- tichcn Gebirgsmassen, Pflanzentheilchen und quarzigem, farblosen oder röthlichen Nollsand. Unter den Polygastern sind Eragilaria mesogongyla und Lysi- c yclia Yogelii die Charakterfornren der Gegend. Ditirostylräirrm Amplii- Nesutlrns ist eine andere Charakterform. Kalktheile und Glimmer sind nicht gefun den worden, eben so wenig entstand bei Anwendung von Säure ein Aufbransen im Sande. Der Staub der Ebene bei Kuka zeigte sich als ein graubrauner feiner Quarz sand , feiner als gewöhnlicher Streusand, doch wenig stäu bend. Mit der Lupe ließen sich viele Weiße und schwärz liche, braune, auch gelbliche Llheilchen erkennen. Wurde ein Thcil davon unter Wasser gebracht, so schwammen die gelblichen und schwarzen oder braunen Theilchen obenauf, die übrigen gleichfarbigen hielten sich an der Oberfläche eines compakt zu Grunde lie genden feinen, durchscheinen den gelblichen Sandes, so daß "Um sie abschlämmen konnte. Ansatz von Salzsäure bewirkt *4 schwaches Brausen, wobei besonders alle weißen Theilchen lebhafter brausen und verschwinden. Beim Glühen schwärzt sich erst der Sand und wird dann wieder gleichfarbig, nur weniger gelblich. An Formen ließen sich 62 verschiedene Bcstandtheilc in ihm Unterscheiden: 25 Polygastern, 34 Phytolitharien, Brnchstückchen von Süßwas- s^nnnscheln und von kleinen Krebsschalen (Entomostraceen), verschiedenes zahl reiches Pflanzenparenchym, Qnarzsand und Kalkinulm. Glimmer dagegen fehlte, ^ie organischen Formen sind nicht das Vorherrschende der Masse, sind nur ^nhlreich eingestrcnt in einen quarzigen Sand mit etwas Kalkmulm. Am zahl reichsten, so daß öfter mehrere bei 30 fachcr Vergrößerung im Sehfelde liegen, Organische Forincu im Stande bei Muf.i. J. Cocconema leptoccros. 2. Eunotia longicornis. 3. Avcella Enchclys. 4. Arcell .Megastoma. 5. Gallionella coarctata. ß. Coccone fs undulata. 7. Eunotia Microstigma. 8. Amphora libyca. ü. Navicula umbilicala. 10. Cocconema lanceolatum. 11. Gloconeina Arcus. 12. Eunotia gibbe- rula. 13. Difflugia Oligodon. 14. Arcella Globulus. 15. Arcella Nigri- tarum. Iß. Eunotia zebrina. 17. Stauroptera trinodis.192 Dr. Vogcl s Ausflüge am Südufer des Tsad-Secs. sind Euuotias und Galliouellae. Die meisten Formen sind weit verbreitet oder schon bekannte Arten. Bemerkenswert!) dagegen oder ganz neu sind unter allen 65 Forincn nur 6 Polygastern: Arcella Nigritarum, Eunotia Microstigma, Gloeonema Arcus, Eragilaria Oxyrrliombus, Lysicyclia Yogelii, Stauro- ptera trinodis, und nur 4 Phytolitharien: Ampliidiscus amblytracliys, Litlio- stylidium fovcolatnm und Spongolithis traclieogongyla. Am entschiedensten bezeichnend ist Eysioyclia Vogelii, eine in Born häufige Form. Der Brunnensand ist gelblichweiß, etwas gröber als gewöhnlicher Streu sand, nicht stäubend. Schon mit bloßen: Auge werden einzelne eingestreute schwärz liche und weiße Theilchen in ihm bemerkt, welche sich ebenso wie in dem Oberflä chen-Staube verhalten. Durch Glühen wirderaschgrau, dann etwas gelblicher als vorher. Von organischen Beimischungen konnten in ihm 45 verschiedene For men aufgefunden werden: I t Polhgasteru, 29 Phytolitharien, 2 organische Kalk- theilchen des Süßwassers, Pflanzenparenchym und Quarzsand als abgeriebener, daher weißlicher Rollsand aus wasserhellem Quarz. Die Polygastern sind nur dieselben der Oberfläche. Unter den Phytolitharien sind einige auffallende, viel leicht charakteristische Formen: Ampliidiscus usterocephalus, Lithost.ylidium cristatum. Aus diesen Untersuchungen ergiebt sich nun als Gewißheit, daß der Tsad weder salziges noch brakisches Wasser enthalten kann, da keine der 69 in ihm aufgefundenen Formen einen solchen Gehalt des Wassers anzeigte, sondern sämmtliche Süßwasserarten sind. Die Summe der Formen in den genannten drei Proben, sowie in einer vierten, dem Gvugola-Flusse entnommenen, beträgt J 33 Arten, nämlich: 46 Polygastern, 72 Phytolitharien, Paludineu- Fragmente, Entomostraeeen- Fragmente, 6 Arten Polythalamien-Grünsand, 3 Arten weiche Pflanzentheile, 4 unorganische Formen. Es folgt ferner aus diesen Sand - und Schlammproben, daß in der Uingc- bung des Tsad-Sees und in den Ouellgebieten der ihn speisenden Flüsse im Sü den und Westen wahrscheinlich keine Kreidegebirge vorhanden sind, weil keine Kalk- Polythalamien der Kreide erkannt worden sind; allein es muß wol polythalamischc tertiäre Kalkgebirge in jenen Gebieten geben, aus welchen sich die polythalauu- sehen Grünsandkörner ableiten lassen, welche im Schlamme des Tsad-Sees liege . Die sandigen Bodenverhältnisse am Tsad sind bis zu 45 Fuß Tiefe gleichar tig, nur ist der untere Sand nicht wie der obere schwärzlich und grau, sonder durch Verschwinden der verrotteten Pflanzen - und Thicrstoffe (Humus) weißlich, wobei die unauflöslichen organischen Kiesel - und Kalktheilchen entfärbt zurückge blieben sind. Die Gleichartigkeit in der Mischung der unlöslichen organische Theile der untern weißen wie der obern grauen Sandschichtcn deutet an, daß sich eine früher tiefere Einsenkung des Landes allmälig in stets gleicher Weise ausge füllt hat, deren Erkenutniß vorläufig auf 45 Fuß reicht. Jene Mischung als 3 - siltration in alten Sand zu denke , ist durch die Gleichartigkeit des RollsaudeT dic verhältnißmäßig ansehnlichen Größenverhältnisse der beigemischten Stofll und das bekannte Filtrationsvermögen des Sandes behindert, von dem sch^Krekedile r.iP SxJajfcrrögcI am Tsad-Sce.194 Dr. Vogels Ausflüge am Südufer des Tsad-Secs. eine nur wenige Fuß dicke Schicht nur reines Wasser durchläßt. Auch kann nicht an tiefgehende Nisse im Sande gedacht werden. Auffallend ist ferner das Fehlen von Glimmerblättchen, und das Lithostyü- dium lacerum ist unter diesen Verhältnissen schwerlich als Bimsstein-Spur zu be trachten , welcher Zweifel in andern Fällen unerledigt bleibt. Die von I r. Vogel ciugesandten Proben waren vorherrschend den sandigen Regionen des Tsad-Ufers entnommen und deshalb zwar für die wichtigsten Bodenverhältnisse erläuternd, aber für die Kenntniß des organischen Lebens in geringerem Grade günstig. An solchen Stellen des Ufers, an denen sich zwischen den Wassergewächsen ein feiner schwärzlicher Humus zu bilden pflegt, der sich seifcnartig weich anfühlt und ein gutes Kulturland verbreitet, würden sich vielleicht viel zahlreichere Formen des kleinsten Lebens gezeigt haben, das in seinen Wirkungen riesenhaft groß erscheint. ES ist bekannt, daß an der Westküste Afrika s ein ununterbrochener Staub nebel herrscht, der auch das Meer auf weite Strecken hin röthlich-zimmetfarben färbt und ihm den Namen Dunkelmeer" verschafft hat. Es ist eine interessante Frage, woher dieser Meteorstaub (siehe die nebenstehende Abbildung S. 195) seinen Ur sprung habe, und lag die Vermuthung nahe, daß derselbe durch regelmäßig wehende Passatwiudc aus dem Innern des Erdtheils selbst herbeigeführt werden möchte. Die Untersuchungen des Professor Ehrenberg haben nun ergeben, daß gerade diejenigen Formen kleinster Organismen, welche in der Umgebung Kuka s und des Tsad die vorherrschenden sind, in dem Passatstaub bisher noch gar nicht bemerkt Wurden. Ferner sicht dcrOberflächen-Staub des centralen Mittel-Afrika in Bornn nicht roth, sondern grau aus. und ist also in keinerlei Weise geeignet, weder zimmetfarbigen Passatstaub, noch den nach den europäischen Alpen geführ ten Blutregen zu erklären, während mehrere Charakterformen des Passatstaubes sich lebend in Guyana in Südamerika massenhaft finden. Die täglichen und periodischen Winde des centralen Mittlern Afrika bedürfen zwar noch weiterer bestimmter Erläuterungen, allein schon aus den durch I)r. Vo gel darüber gemachtenMittheiluugen geht hervor, daß einWind, der an Gesetzmä ßigkeit dem Passat oder Monsun gleichkäme und welcher deshalb zur Entstehung des Staubnebels an der Westküste Veranlassung geben könnte, nicht vorhanden ist- Der höchste Wasserstand des Tsad fällt nicht genau mit der Regenzeit zusam men, sondern tritt etwas später ein als diese. Während die stärksten Gewitter güsse bis Ende August stattfinden, erreicht der See erst im November seine be deutendste Höhe, und werden dann im Mündungsgebiet des Schari ausgedehnte Landstriche überschwemmt, zu einer Zeit, wo andere benachbarte Gegenden bereits anfangen an Dürre zu leiden. Der Schari, dessen verflachtes Ende der Tsad eigentlich ist, bietet bei bedeu tender Breite und ansehnlicher Tiefe den Anblick eines majestätischen Stromes dar. Ein Hauptnebenfluß von ihm ist im Westen der Arre, der Fluß von Logone, den Di-. Vogel später bei seinem Zuge nach Mußgo näher kennen lernte. Beide haben das ganze Jahr hindurch reichliches Wasser, und ihre noch unbekannten Quellen liegen weit südöstlich vom Tsad, vielleicht in denselben höhern GebietenFlnßnamcn. Gewächse am Tstzd-Ufer. 195 13* des Aegnators, in denen man die Quellen des Weißen Nil vermuthet. Wie alle Flüsse Inner-Afrika s schwellen beide zur Regenzeit bedeutend an, überschwem men weite Strecken ihrer Umgebung und werden dann meist unpassirbar. Es ist bei uncivilisirten Völkern eine gewöhnliche Erscheinung, daß der Fluß des Landes, besonders wenn nur ein Hauptstrom vorhanden ist, eben nur der ,,Flnß" genannt wird. So bedeutet Schari" nichts weiter als der Fluß", näm lich der von Kotoko, dessen Sprache das Wort angehört, sowie dies bei dem west lichen großenBa derMandiugo, demJssa derSonrhay, dem Eghirren der Jmoscharh, dem May o der Fulbe, dem Gr lb der Haussa, dem K o w a ra der Noruba, dein Benue der Vatta, dem Komadugu der Kanon, dem östlichen Ba derBaghirmi, dem Fit tri der Kuka, dem Batha der Araber von Wadar der Fall Ii. Tsad ist eigentlich das selbe Wort mit Schari, nur in verschiedener Aussprache; die ursprüngliche Form ist wahrscheinlich S s a r e oder S s a g h e. Die sumpfigen Seeufer sind von ausgedehnten Schilf dickichten bedeckt, in denen sich das altberühmte Papyrus Mit der feinen Blattkrone auf schlankem Halme bemerklich Macht. Zwei Schilfarten sind "ußcr ihm vorzüglich hervvr- lretend. Die eine, von den EingebornenM e l e genannt, vm r W stküst Asrika-s. VOtl b () TA Tinrft ltltb Linke Halste: a. Eunotia amphioxys. c. Gallionella planlulata.’d. Spongio- s , , OP f , _ lithis acicularis. 91 echte Hälfte: a. Eunotia longirostris. w tnt Stengel etn werßes artes Mark, das von den Eingeborncn gegessen wird, dem Gaumen des Europäers fsbcr fade erscheint. Die zweite Schilfart, das Bo r e, hat einen schwarzen Büschel, ähnlich unserer gewöhnlichen Binse, und ihr Halm ist dreikantig wie beim Papyrus, ^iese Dickichte sind von Schlingpflanzen vielfach durchwachsen, unter denen vorzüg lich eine Art mit gelben Blüten, Borbudje genannt, häufig ist. Die Wasser- Pfützen und die Buchten des eigentlichen Scespiegcls tragen eine mehr oder weniger dichte Decke von Pistien (Illsti-r Stratiotss) und Lotusblumen Do- lu )- Die erstgenannte Pflanze gehört zwar mit den bekannten Teichlinsen (Uemna) öw ein und derselben Familie, übertrisft ihre Verwandten aber durch ansehnliche idiröße. Sie bildet büschlige Köpfe von einem halben Fuß Höhe, die den Salatköpfen196 Dr. Vogcl s Ausflüge am Südufer des Tsad-Sees. sehr ähneln, im Wasser selbst.Ausläufer treiben und auf diese Weise zusammen hängende zahlreiche Gesellschaften darstellen. Diese Pistienrasen bilden kleinere oder größere frischgrüne schwimmendeJnseln. Je nachdem der Wind anhaltend nach einer bestimmten Richtung hin weht, folgen die Pistien seinem Drängen und ziehen lang sam über die Flut, verändern also fast fortwährend ihren Standort mit Ausnahme derjenigen, welche abgeschlossene Hinterwasser überziehen. Die Bewohner des Sudan haben die Pistie wegen ihrer wandernden Lebensweise die heimatlose Fauna" (ein Mädchenname) genannt. (Siehe Schlnßbild des Kapitels S. 208.) Die Lotusblumen dagegen wurzeln im scichtcij Wasser und treiben von den dickfleischigen Wurzelstöcken, welche im Schlammgrunde eingebettet liegen, lange Blatt - und Blütenstiele bis zum Spiegel des Sees. Hier bilden dicschöngcform- tcn, glänzend grünen Blätter, auf der Oberfläche anflicgend, eine dichte Decke, aus welcher die faustgroßen weißen Blumen in reicher Menge hervorbrechen und ein wahres Blumenbeet darstellcn. Der Schari mündet in mehreren Armen in den Tsad. Die großen Inseln seines Dclta s, sowie die flachen Ebenen des ganzen Mündungsgebietes, welche entweder aus zähem Thon oder fettem Humusboden bestehen, haben in Folge ihres Wasserreichthums auch einen üppigen Pflanzcnwnchs. Schöne Tamarinden säu men in dichten Reihen gewöhnlich die Flußlänfe. Hadjilidj (Uulanitvs aogyp- tiaea), dessen Blätter als Gemüse und zur Darstellung von Brühen dienen, ist hier häufig. Dieser mit Dornen bewehrte Baum ist dein Hülsen (Hex) verwandt und trägt kleine Weiße Blüten, die in Häufchen beisammenstehen. Seine Blätter haben einen säuerlichen Geschmack; die Früchte sind vor der Reife scharf, äußerst bitter uird wirken purgircnd. In reifem Zustande schmecken angenehm und wer den dann gegessen. Aus den Samen kann auch ein Oel dargestellt werden. Der Kornu-Baum, den Dr. Vogel bereits angcpflanzt bei Mursuk kennen lernte, hat hier in den Ländern südlich vom Tsad seine eigentliche Heimat. Von einer an dern Baumart, welche Achnlichkeit mit dcm Johaunisbrodbaum hat, sammelt man die eßbaren Schoten. Die Blüten des schönen Baumes sind dunkelroth und bilden einen prächtigen Kontrast zu den herrlich duftenden gelben Blumen vonJasmin- sträuchern, die sich an ihm cmporschlingen. Die Früchte des Homain ähneln den Aprikosen, diejenigen des Abudedje den Kirschen. Der Affenbrodbanm (^clansonia digitata), hier Kuka genannt, der bei der Stadt Kuka jetzt gänzlich fehlt, ist hier noch in mächtigen Exemplaren vorhanden. Ueberhanpt ist das Gebiet an den Schari-Mündungen vollständig verschieden von der dürren, trostlosen Umgebung der Hauptstadt. Mancher Baum und Strauch mag hiernach gedeihen, der noch nicht zur Kcnntniß der Pflanzcnforschcr gekommen ist. Kautschuk-Feigenbäume und mächtige andere Arten derselben Familie bilden breite Schattcndächer über dem feuchten Grunde, der sich in der günstigen Jahreszeit mit einem wahren Teppich von Blumen bedeckt. In den Karage-Waldungen und den aus Talha-Mimo sen bestehenden Dickichten, welche die etwas höher , trockener Stellen einnehmen, bildet Dumpalmen - Gestrüpp das Unterholz. Hier ist freilich höchst schwierig, der stark bewehrten Dornenzweige wegen, hindurch zu kommen, und selbst auf de Maden hat der Wanderer alle Vorsicht nöthig, wenn er nicht mit zerrissenen Kleidern oder mit Verwundungen gestraft sein will. Vielerlei Schlinggewächse, d c einen unfern Winden ähnlich und schön blühend, die andern noch vonNiemand198 Dr. Sßogcl’g Ausflüge am Südufer des Tsad-Sees. beschrieben und genannt, machen die Wildniß noch dichterund behängen Bäume und Sträucher in der Nähe der Wasserlänfe, und der allgemeine Plagegeist des Su dan, das Klettengras (Bsnnisetum distichum), macht sich lästig genug bemerk- lich. An einzelnen Stellen gesellen sich zu der Dumpalme, welche allgemein wild wächst, und zu der angepflanzten Dattel die nördlichsten Vorposten der schlanken Dclcbpalme (Borassus aethiopica), welche Dr. Vogel bei seinem Zuge nach Mußgo noch näher kennen lernen sollte. Zu diesen drei Vertretern der majestäti schen Baumfamilie kommt auch noch einzeln eine vierte sehr hohe, noch nicht be schriebene Art mit Fächerblättern. Höchst sonderbar erscheinen endlich mächtige Wolfsmilchbäume (Euplioi- bia), die eine Höhe von 30 40 Fuß erreichen. Als Beispiel dieser cigcnthüm- lichen Banmform geben wir vorstehend (S. 197) die Abbildung eines solchen Ge wächses von der Ostküste, das, wenn nicht gänzlich identisch, doch mindestens jenen Euphorbien am Tsad höchst nahe verwandt ist. Letztere sind bis jetzt weder bota nisch untersucht, noch abgebildct worden. Die Schilfdickichte sind der Licblingsaufenthalt zahlreicher größerer Säugc- thiere, besonders aus der Familie der Dickhäuter. Der Elephant liebt mehr das Nordufer des Sees, die früher beschricbcucn Gegenden des Landes Kancm. Er nimmt dort bei Tage gern ein Bad und tummelt sich im tiefen Schlammwasser, sich gelegentlich mit dem cingcsogcncn Wasser bespritzend, zieht sich aber während der Nacht auf die höher gelegenen Hügel zurück, deren von der Tageshitze dnrch- wärinter feinkörniger, weicher Sandboden ihm die liebste Schlafstelle ist. Zugleich ist er auf jenen Höhen vor den zahllosen Mückcnschwärmen sicher, gegen deren . Stiche er trotz seiner dicken Haut sehr empfindlich ist. Kaum von den Eingeborneu beunruhigt, spielt erden eigentlichen Herrn der Landschaft und lebt in Gesell schaften bis zu hundertStück beisammen, die bei ihren täglichen Wanderungen eine förmliche Ordnung beobachten, indem die stärksten Männchen die Spitze und den Schluß des Zuges bilden und die Weibchen mit den Jungen in die Mitte nehmen. Häufiger als der Elephant ist das Flußpferd an der Südseite des Tsad, hält sich aber auch vorzugsweise im seichtcrn Wasser auf. Gern sonnt es sich an unge störten Stellen am Ufer, oder schnaubt in ganzen Gesellschaften im Wasser auftau chend in den schilfbestandenenBuchten umher. Dr. Vogel erzählt, daß er bei seinen Ausflügen nicht selten 20 30 Stück mit einem Male gesehen habe. Ebenfalls häufig sind hier Wildschweine (Phacoclioerus africanus s. Aeliani), nahe Verwandte des berüchtigten äthiopischen Warzenschweines. Das Warzenschwein des Sudan ist weniger bösartig als das dcS Kaplandes. Es hat bei einer Höhe von 2 Fuß eine Länge von 4 Fuß, und sein Gesicht ist zwar nicht ganz so abschreckend furchtbar und mißgestaltet wie das seines südlichen Verwandten, aber immer noch wunderlich genug. Unter jedem Auge trägt es eine kleine Warze und auf der Backe einen kleinen hornigen Hautlappen. Ein starker, gekrümmten und vorwärts gerichteten weichen Borstenhaaren bestehender Backenbart begrenzt das Gesicht. Die Mähne auf dein Halse und längs des Rückens hat eine ansehnliche Länge, daSDie Thierwelt am Südufer des Tsad. 199 Afrikanisches Warzenschwein. leidendangetroffenwird, ja kommt vor, daßsichKinder und Wildschweiue in ein und demselben Tümpel baden. Obgleich die Völkerschaften an der Südseite des ^sad sämmtlich Mnhamedancr sind, wird doch von einigen östlichen Stämmen das Schwein nicht nur gejagt, sondern auch verzehrt. ^ Nicht mit dem Warzenschwein zu verwechseln ist das in den Ländern am Bsad ebenfalls häufige sogenannte Erdschwein oder Erdferkel (Orycteropus a ethiopicus), das mit dem eigentlichen Schwein keine weitere Aehnlichkeit hat uls den Geschmack des Fleisches. An Größe kommt es dem Warzenschwein ziem lich gleich, weicht aber im Van und in der Lebensweise durchaus von demselben ub. Sein plumper dicker Leib verengt sich am Halse stark, der lange schmächtige E?pf endigt in einer dünnen Schnauze. Hinten verläuft derLeib allmälig in einen ^cken kegelförmigen Schwanz von mäßiger Länge. Die Ohren sind sehr schmal und Borstenkleid des Rumpfes dagegen ist sehr dünn und dürftig. Der nackte Schwanz endigt mit einer Quaste. Die Haut ist erdfarbig, die Haare am Unterleib, an den Seiten, Ohren und am Backenbart sind weißlich und ins Fahle ziehend, die Bor sten der Mähne an der Wurzel dunkel-, übrigens lichtbräunlich. Außer den Schilfdickichtcn bewohnt das Warzenschwein auch gern die Waldungen, in denen das Unterholz durch dornige, schwerdurchdringliche Akaziengcbnsche und Dumpal- wengestrüpp gebildet wird. In denselben schiebt es sich, auf den Knicen rutschend, beim Fressen weiter und wühlt mit dem Rüssel und den mächtigen Hauern im wcichenBodcn nach Wurzelstöckcn und Knollen. In denGegenden amSchari zeigt sich mitunter so wenig scheu, daß zwischen den zahmen Rindviehherdcn200 Di-, Vogel s Ausflüge am Südufer des Tsad-Secs. lang, stehen aufrecht und sind sehr spärlich behaart. An den kurzen Füßen befinden sich vorn je 4, hinten 5 starke, hnfärtige Nägel, welche das Thier geschickt machen, sich tiefe Höhlen in die Erde zu graben. DaS Erdschwein hält sich vorzüglich in solchen Gegenden auf, in denen zahlreiche Termiten - und Ameisenbaue vorhanden sind. Während des Tages Pflegt es sich in seinem Versteck zu verbergen und kommt nur des Nachts hervor, um die Ameisenhaufen aufzuscharren und die herausstür zenden Insekten mit seiner langen klebrigen Zunge wegzulecken. Dr. Barth hatte erst am Schluß seiner vielfachen Reisen Gelegenheit, in der Umgebung des Tsad wilde Büffel zu Gesicht zu bekommen, IM Vogel dagegen war diesem starken Wild gleich am Anfänge begegnet. Wilde Büffel", sagt er, bevöl kern die sumpfigen Ufer des Sees und sind des Fleisches und der Haut wegen eine gute Beute. Doch ist ihre Jagd gefährlich. Bei einer meiner Jagdpartien drehte sich einer, den ich mit einem Schüsse verwundet hatte, plötzlich um, warf sich auf meine Leute, die schon des Sieges gewiß zu sein glaubten, tödtcte (wir hetzten ihn zu Pferde) zwei Pferde und verwundete einen Mann sehr schwer. Ein anderer, den wir unterwegs, etwa 12 Meilen von hier, auftriebcn, lief nach der Karawa nen - Straße zu, und als er dort durch die lange Reihe von Kameelcn seinen Rück zug abgcschnitten sah,stürzte er auf eines derselben, raunte es um und verwundete so gefährlich an der Brust, daß es den Tag darauf erstochen werden mußte." Von Antilopen kommen mehrere Arten am Tsad vor, bilden aber hier nie so große Herden wie am Kap. Eine Art davon sieht derjenigen sehr ähnlich, welche nach Aussage der Jäger die Ufer des Ngami-Sees bevölkert und dort als Leche", Wasserbock (wahrscheinlich Antilope ellipsiprymna, si S. 203), bekannt ist. Sie erreicht bei einer Höhe von 4 Fuß die ansehnliche Länge von 7 Fuß. Außer ihr ist eine Art sehr zahlreich, welche Kelara genannt wird. Dem Reh ähnlich, sehr hübsch gefärbt, von einem weißen Streifen unter dem Bauche gezeichnet, hat sie viel Aehnlichkcit mit der arabischen Antilope, wird aber, vielleicht in Folge des reichlich vorhandenen Futters, sehr fett. Auch die Orhr - Antilope und die Socm- mering zu Ehren genannte Art (Antilope Soemmermgiana) tritt in ansehnlichen Rudeln auf. Die Giraffe bevorzugt dagegen mehr die spärlich bewohnten Gebiete, welche die Grenze zwischen der Wüste und dem fruchtbaren Lande bilden, und kommt deshalb im Innern Bornu s nur einzeln vor. Löwen und Leoparden sind nicht gerade häufig. In der Umgebung des Tsad bekam Vogel keinen der erstcrn zu Gesicht, wol aber hörte er sie brüllen, von letz- tern dagegen sah er ein schönes Exemplar, konnte jedoch nicht zum Schuß kommen, da es seiner in einer Entfernung von 30 40 Schritt ansichtig ward und sich eiligst in ein undurchdringliches Akaziendickicht zurückzog. Krokodile sind sowol an den Ufern des Sees als auch im Schari häufig, und die Anwohner des letztem suchen sich durch Zaubermittel gegen diese Thiere zu schützen. Auch mit Giftschlangen und Skorpionen ist das Land reichlich geseg net, sowie mit Kröten von etwa 4 5 Zoll Durchmesser. Schmetterlinge und Käfer bekamVogel nur äußerst wenige zu Gesicht, von erstem bemerkte er 10 1- Arten, worunter nur eine größere, von letztern sogar nur zwei Arten. Desto202 Di-, Vogel s Ausflüge am Südnfcr des Tsad-Sces. zahlreicher dagegen finden sich die bereits erwähnten Termiten. Außer der licht scheuen Weißen Art (Tei-mes fatalis) wird auch eine schwarze Sorte (Termes morclax) sehr zudringlich. Haben sie in einer Wohnung einen Vorrath an Korn oder andern Lebensmitteln entdeckt, so setzt sich der Schwarm in geregelter zoll breiter Kolonne in Marsch und dringt unerschrocken vorwärts, alle Hindernisse verachtend, und es hält schwer, sich ihrer erwehren. In den Hütten der Ein- geborncn zerstören sie bei einer solchen Gelegenheit freilich auch jede Art von Un geziefer, selbst mit Einschluß der Mäuse und werden deshalb in vielen Gegenden des Sudan mit Recht die Auskehrer der Häuser" genannt. In der Umgebung des Schari finden sich Termitenhaufen von 30 40 Fuß Höhe und 200 Fuß Um- fang. Die schwarze Art speichert in denselben ansehnliche Mengen von Korn auf, und die Bewohner von Bornu graben diesen Vorräthen gern nach und nehmen sie für sich in Beschlag. Freilich müssen sich vor den sehr schmerzhaften Stichen der gereizten Thicre in Acht nehmen. Neben dieser großen schwarzen Ameise findet sich in reicher Anzahl eine kleine rothe, welche in Bornu Kitta-kitta" und in Baghirmi Kissasse" genannt wird. Sie wird oft höchst lästig, da sie leicht in alle Arten von Kleidungsstücken eindringt, ohne beachtet zu werden. Zwischen ihr und der weißen Termite(Ardhe) werden nicht selten erbitterte Schlachten geliefert. Gewöhnlich werden die letztem von den Kriegern der rothen Ameise besiegt und die kleinen Thiere schleppen ihre viel schwereren Feinde als guten Proviant für die kommende Zeit der Noth mit Leichtigkeit und Behendigkeit in ihre Löcher. Sohald die weißen Termiten ihre unterirdischen Gänge verlassen haben, sind sie machtlos und werden deshalb von den Arabern bezeichnend Kinder der Erde" oder Erd- würmer" genannt. In keinem Theile des Sudan finden sich so ungeheure Schaarcn zerstörender Würmer als in den Gebieten Baghirmi s am rcchteir Ufer des Schari. Namentlich schwärmt hier in Millionen der Hallu-uendi", ein großer schwarzer Wurm, so lang, aber viel dicker als die größte Raupe, und schmälert den Ländleuten den größten Theil ihres Ernteertrags. Auch ein kleiner, etwa Vr Zoll langer gelber Käfer, Kundjungdjudn" genannt, vertritt hier die Stelle der Heuschrccken- schwärme. Die Einwohner rächen sich an ihm auf dieselbe Weise, wie es ander wärts mit den letztgenannten Plagegeistern geschieht, sie verspeisen ihn selbst. Bei dem Stamme der Ssokoro wird auch eine größere Sorte Käfer, Dcrnana" genannt, gegessen. Der bekannte Floh fehlt zwar sonst im Sudan, hat sich aber in der Umgebung von Kuka in Unmassen angesiedelt, und an andern Insekten seiner Verwandtschaft ist ebenfalls Ueberfluß vorhanden. So findet sich z. B. in Baghirmi ein Insekt, das vielleicht mit dem amerikanischen Sandfloh (Pulex penetrans) nahe verwandt ist und sich in der kleinen Zehe des Menschen einnistet. Es beginnt beim Gelenk das vordere Glied so zu zerfressen, daß es, wie mit einem Faden abgebnnden, ab fällt, und unter zehn Leuten findet sich dort wenigstens einer mit nur vier Zehen. Die allerschlimmste Plage sind aber die zahllosen Mücken und Stechfliege , welche das Ufergcländ des Tsad wie Wolken umlagern. Die Mosguitos", sagt203 Plagen im Sudan. ^ogel, peinigen in den unübersehbaren Sumpfflächen Menschen und Pferde fast Zu Tode. Ich kann am Sec nicht schlafen, ohne die Strohhütte, die mir zur Wohnung dient, bis zum Ersticken mit Rauch erfüllt zu haben, und muß zu dein s^udc die ganze Nacht hindurch Feuer in derselben unterhalten." Daß dies keine bloße Redensart ist, erhellt auch aus einer Mittheilung Denham s, welchem ein Häuptling im Mündungsgebiet des Schari erzählte, daß er zwei seiner Kinder ourch die Stechfliegen verloren habe und es gar nicht selten sei, Hühnchen, die unlängst das Ei verlassen, von diesen Quälgeistern getödtet zu finden. An den Ufern des Schari findet sich eine Stechfliege, welche mit der südafri- mnischeu berüchtigten Tsetse die größte Aehnlichkeit besitzt, wenn es nicht diese selbst ist. Daß der Tsad und seine Zuflüsse reich an Fischen verschiedener Art sind, ha uen wir bereits erwähnt; eben so zahlreich sind die Gevögel, welche die Oberfläche erGewässer belebe . Zahllose Enten verschiedener Art tummeln sich in den schilf- "ustandenen Lachen und sind so wenig scheu, daß vr. Vogel einst 4 Stück mit ^Nem Schuß erlegen konnte. Sieben den mit dem buntesten Gefieder geschmückten ^chaaren der wilden Enten und Ganse stolziren 4 5 Fuß hohe Kraniche und204 Dr. Vogcl s Ausflüge am Südüfcr des Tsad-Sees. Pelikane, die einen grau oder weiß, andere bnnt. Gelbfüßige Regenvögel, an dere, welche den Schnepfen ähneln, Parahühner mit blauem Gefieder siegel- lackrothen Füßen und Schnabel, Schlangcnvögel mit mctallglänzenden Federn und dünnem Schwanenhälse, sowie zahllose andere waten, schwimmen, plätschern und flattern in den Sumpflandschaften in dem flachen Ufergebiete des Tsad. Perl hühner hocken in langen Reihen auf den niederen Aesten der großen Waldbäume, neben ihnen sonnen sich große Baumeidechsen und der laute Ruf des Honigknckuks (Cuculus indicator) mahnt an den Reichthum d er Waldungen an süßer Speise. DicscrVogcl, der allenthalben, wo er auftritt, wegen seiner sonderbaren Gewohn heiten zu vielfachen Sagen Veranlassung gegeben hat, wird hier wegen seines gel lenden Rufes Schneter" genannt. Der Tsad-Sec hat zwar in der Richtung von Ost nach West eine Ausdehnung von vielleicht mehr als zwanzig Meilen, der größere Thcil desselben ist aber soge nanntes schwarzes Wasser", d.h. Sumpfstrecke mit Kanälen und einem Labyrinth kleiner Inseln in den verschiedenartigsten Uebergängcn von Schlamm- und Sand bänken zum festen, anbaufähigen Grunde, der sich zum bleibenden Aufenthalt für Menschen eignet. Nur die nähere Umgebung der Mündung des Schari ist offenes, freies Wasser, das sogenannte weiße Wasser". In letzterem sind ebcnfallsJnseln, deren größte etwas über eine Meile im Durchmesser halten. Die Tiefe dcS weißen Wassers ist unbedeutend und hat selten mehr als fünfzehn Fuß, so daß der Grund fast durchgängig mit Stangen erreicht werden kann. In regenarmen Jahren trocknen die Sand - und Schlammbänke zwischen manchen Inseln und machen möglich, zu Fuße von einer zur andern zu gelangen; in regenreichen Zeiten dagegen ftcigcu die Wasser so hoch, daß sich die Inselbewohner auf die höher Sanddünen zurück ziehen , ja mitunter ihren Wohnplatz geradezu verlassen müssen. Bei IW. Vogcl s Anwesenheit in Bornn kam eine Schaar Inselbewohner znm Scheikh in Kuka und bat um die Erlaubniß, sich am Ufer niedcrlassen zu dürfen, da ihre Insel von de Fluten verschlungen worden sei. Mehrfach treten auch bei der losen Vodenbcschaf- fcnhcit des Jnselbodens Senkungen ein, welche erst nach länger Zeiträumen durch neue Anschwemmungen ausgeglichen werden. Die erwähnten Bewohner der Tsad-Inseln sind Budd uma oder Uedina, ein Volksstamm, dessen Abstammung nicht ganz klar ist. Sie scheinen dasselbe Volk zu sein, das früher in Boruu unter dem Namen Sso wohnte, eine Zeit lang de Königen in Kauen: viel zu schaffen machte, später aber so bedrängt wurde, daß sich die unzugänglichsten Inseln zurückzog. Von hieraus unternahmen dieBud- dnma fortwährend Raubzüge gegen die muhamedanischcn Völker am Ufer, und eine Zeit lang hatte sich derHaß gegen ihreDränger so gesteigert, daß es keinem junge" Manne erlaubt ward, mit den andern an: Mahle Thcil zu nehmen, bevor er nicht einen Mnhamedaner getödtct. Ihr Festhalten an den alten heidnischen Gebräuche" zeige,: die Buddama noch durch die Sitte, das Gesicht durch je zwei Einschnitte un ter den Schläfen zu zeichnen. Sie haben viel Verwandtschaft mit den Bewohnet" von Logone, dem Gebiet zwischen dem Schari und Arre, ebenso n:it de : Mußg^Die Bewohner der Inseln im Tsad. 205 und Marghi. Ihr Körper ist mäßig groß, dabei aber hübsch gebaut, ihre Gesichts- Züge sind regelmäßig und trotz der ebenholzschwarzen Farbe angenehm. Bei eini gen geht die Färbung ins Dunkelbraune über. Als Kleidung tragen viele, sowol Männer als Frauen, baumwollene Röcke von schwarzer Farbe, Sandalen und eine Menge von Zierrathen, namentlich Halsbänder von Weißen und rothen Per len und hübsche elfenbeinerne Armbänder. Die Weiber haben einen eigcnthüm- lichen Kopfputz, der viel Aehnlichkeit mit Schmetterlingsflügeln hat und an jeder Seite fnnfzehnZoll wagerecht absteht. Die wcißschaftigcn Sperre sind der Stolz der Männer; mit ihnen vcrtheidigen sich gegen ihre Feinde oder greifen das Fluß pferd und daS Krokodil an. Einen großen Theil ihres Unterhalts beziehen diese Inselbewohner von ihren zahlreichen Rinderherden. Pferde und Ziegen besitzen Üe ebenfalls und bauen außer Ghossub auch Baumwolle als Material zu den Klei dern. Fischfang wird von ihnen viel getrieben. Sie fertigen Boote an, die mit unter bis 40 Fuß und darüber lang, dabei ö 6 Fuß breit, aber nur 2 Fuß hoch sind; häufig bedienen sie sich auch nur kleiner, aus einigen Planken zusammenge- dnndencr Flöße als Fahrzeuge und schieben dieselben mit Stangen weiter. Wäh lend die Büddnma mit den meisten Uferbewohnern fortwährend auf Kriegsfuß leben und dieselben als Sklaven kapern, wo irgend möglich ist, sind mit Manchen Ortschaften in bestem Vernehmen und nicht wenige Familien haben sich Festlande niedergelassen. Zahlreiche Budduma verschaffen sich Unterhalt als Salzbrenner und fahren zu diesem Zweck nach der Nordküste des Sees, an welcher der Salzkaperstrauch (Capparis sodata) ausgedehnte Gebüschdickichte bildet. Sie Zangen die Asche aus, welche durch das Verbrennen dieses Strauches erhalten haben, und lassen in Lehmformen verdunsten. Am Südufer des Sees fehlt dieser Strauch und die hier wohnenden Kotoko erzeugen aus verbranntem K h- diinger einen dürftigen Ersatz für das fehlende Kochsalz. Die Bewohner des Gebietes südlich vom Tsad sind verschiedenen Stämmen Ptgehörig. Außer den plumpgebauten, starkknochigen eigentlichen Bornuanern sind hier auch Kanembu und Schna angesiedclt, beide vorzugsweise Viehzucht Reibend. Die Kanembu gehören dem Stamme der Ssugurti an und sind seit langen Zeiten bereits hier ansässig. Sic haben meistens die Kleidung und Sitten der ^vrnuaner angenommen, und wenige von ihnen zeigen noch die ursprüngliche Nationaltracht. Die Hanptzierde der letzteren ist ein origineller Kopfpntz, wäh rend der Leib selbst nur mit einem eng anschließenden Lederschurz bekleidet ist. ^ie Hauptlente des Stammes trugen als Zierde des Kopfes eine steife Mütze, die fitf) nach oben erweiterte. Um diesen obcrn, weitern Theil ist eine Binde aus zu- Ämmengcnähten Baumwollenstreifen gewunden. Von der Mitte der Falten dieser ^spfbindc, gerade vor der Stirn, steht ein kleines Stück rothen Tuches, gesteift r"rch ein Lederstückchen, und rund um den Wirbel reiht sich, von der Kopfbinde ^tragen, ein Kranz kleiner, bis zu einer Höhe von acht Zoll cmporstchender Röhr- Afn, die dem Ganzen das Ansehn einer fürstlichen Krone geben. Um den Nacken ^ rd eine enge Schnur aus weißen Perlen geschlungen und von dieser hängen, 206 vi-. Vogel s Ausflüge am Cüdufcr des Tsad-Sees. mehrere Ledcrtäschchcn mit Zauberformeln herab. Am Arm sind drei Ringe Elfenbein, einer am Oberarm, der zweite am Ellenbogen und der dritte am  Handgelenk. Maduari, der Ort, in welchem Dr. Overweg begraben liegt und an dein sich das europäische Boot noch befand, ist von Leuten dieses Stammes bewohnt, welche durch ihren Reichthum an Rindvieh ausgezeichnet sind. Sie mögen über 10,000 Stück besitzen und wandern mit den Herden je nach der Jahreszeit nach Nomadenarllweiter. DieHirtcn schlagen ihrekegclförmigenStrohhütten in einem geräumigen Kreise ans, in dessen Inneres sie die Herden treiben, um sie gegen Raubthicrc und Räuber zu schützen. Die Milch und Butter wird in Lcdcrschläu- chen und in Gefäßen, feinem Gras geflochten, an der Spitze von Stangen aufgehangen, welche man senkrecht in den Boden steckt. Da diese Gefäße nie aus gewaschen werden, erhält die Milch schon nach kurzem Aufbewahren einen höchst unangenehmen Geschmack. Auch die Butter sagt einem europäischen Gaumen nicht sonderlich zu, denn da das Salz höchst selten ist, verwendet man den Urin der Kühe als Würze und genießt die Butter gekocht in halbflüssigem Zustande. Die obengenannten Schna sind eingewanderte Araber, über welche wir spä ter Weiteres anführen. Für den Ackerbau ist das Land im hohen Grade geeignet, wenn sich nur mehr Hände fanden, denselben zu pflegen. Selbst der weniger günstige Sandboden bringt die genießbare Binsennuß (Cyperus osciilcntus) hervor, ein Cpperngras, das an seiner Wurzel mchlrciche Knollen erzeugt. Mehrere Arten wildwachsender Gräser, dem abesshnischen Ri - pengrase (Poa abessynica) verwandt, liefern Samen, deren weißes Mehl eine eben so wohlschmeckende als leicht verdauliche Speise gicbt. Das Hauptgctreide ifi Sorghum; vielfach baut man auch Bohnen, unserer Buffbohne (Vieia baba) ähn lich. Weizen und Zwiebeln sind erst in später Zeiten eingeführt. Die Sesam- selber (Sesamum orientale) verleihen den Landschaften einen eigenthümlichen Anblick. Die feuchten humusreichen Senkungen sind in hohem Grade für Banm- wollcnban geeignet. Die meisten Bewohner ziehen sich an diesem Gewächs, was sie für ihren eigenen Bedarf brauchen, bei der großen Stadt Diköa aber, der Hauptstadt im südlichenBornu und der gewerbthätigstcn Stadt des ganzen König reichs, ist Baumwollenbau so ausschließlich vorhanden, daß das Getreide de andern Gegenden herzugeschafft, werden muß. Zum Transport bedient man sich eben so oft der Ochsen als der Kamccle. Der Acker wird in den meisten Gegenden des Sudan mit der Hacke bearbei tet, indem man Locher ohne besondere Regel einhant; in Baghirmi, östlich vom Schari, zieht der Landmann aber regelmäßige Furchen. Eine Rohrart am Schars ist als ausgezeichnetes Flechtmaterial zu Matten in Ruf, eine zweite Sorte wird zu Schreibfcdcrn verwendet, und dem Marke des Papyrus versteht man eine Art Zeug darzustellen.Krankheiten im Sudan. 207 Ende Februar ward Dr. Vogel in Kuka vom gelben Fieber befallen. Ertheilt trüber seinen Eltern Nachstehendes mit: Ihr dachtet in Leipzig sicher nicht, als Ihr an meinem Geburtstage auf ein Wohl trankt (was Ihr hoffentlich gethan habt), daß Ihr sehr gegründete Ursache hättet, mir Gesundheit" zu wünschen. Kaum hatte ich nämlich am -0. Februar meinen Brief an die liebe Mutter vollendet, als. ich, noch mit dem schreiben von Depeschen beschäftigt, urplötzlich vom gelben Fieber (einer Krank heit, die sporadisch hier gar nicht selten ist und an der der arme Overweg starb) an- Aefallen wurde. Ucber eine Woche lag ich in forwährendem Delirium, und dabei hatte keiner meiner Begleiter medizinische Kenntnisse genug, um mir irgend eine hassende Arznei geben können. Als ich wieder zum Bewußtsein kam und an den halben Flecken an meinen Armen sah, was mein llebcl war, knrirte ich mich, so gut ch konnte, selber, und mit Hülfe von Calomel lmb Quinin war ich denn bis znin "l- März so weit gekommen, daß ich wieder aufrecht sitzen und etwas Suppe essen konnte, lange Zeit war nämlich Reiswasser das Einzige gewesen, was mein Magen vertrug. Ende März war ich so ziemlich wieder hergestellt, so daß ich den Sultan einen Kriegszug nach Mnßgo begleiten konnte, von dem ich erst Mitte ^"ni zurückgekommen bin. Meine Constitution hat aber einen starken Stoß crhal- tc , und eine tüchtige Mahlzeit von Fleisch hat z. B. unfehlbar heftiges Erbre- Mn und Fieber mit furchtbarer Hitze zur Folge, llcbrigens habe ich gefunden, daß (lltes Wasser bei allen Fieberanfällen die beste Kur.ist; ich wickle mich dabei ganz nasse Tücher ein und lasse anfenchten, so wie sie warm werden, und bin bei h tsem Verfahren gewöhnlich in zwei Stunden fieberfrei." An seine Schwester schrieb Dr. Vogel über sein Befinden: Wegen meiner Augen brauchst Du Dich nicht zu ängstigen, die sind besser je, trotzdem daß ich weder Sonnenschirm noch gefärbte Gläser u. s. w. getragen hnbc. Mit einem einfachen Turban schütze ich den Kopf und sie vor den Strahlen - er So.nne. Ich wollte, Du könntest mich in diesem Kostüme sehen, nach Tuarik- ? v * das ganze Gesicht zugebunden, so daß ich gerade nur noch zwischen den Falten heraussehen kann! Mein Haar trage ich ganz kurz abgeschnitten, da in Folge er Krankheit sehr ausging; an dem ist kein besonderer Farbenwechsel sichtbar, abcr sagst Du dazu, daß während meiner schweren Krankheit meine Augenbrauen Zeiß geworden waren? Meine einseitigen Kopfschmerzen haben mich wunderbarer s^rise fast ganz verlassen, dagegen plagt mich bisweilen ein anderes Uebel, dcr ^"genbrauenkrainpf, was sehr lästig ist." Trotzdem setzt Dr. Vogel, um seine Angehörigen zu beruhigen, hinzu: Im Allgemeinen ertrage ich aber das sehr ??^hrliche Klima recht gut, was ich Dir und allen Lieben zum Tröste ver- nchern kann." ^ Dem Reisenden droht im Sudan ein ganzes Heer von Krankheiten, bcson- während der Regenzeit. Erkältungen, denen er dann sehr leicht ausgcsctzt ziehen ihm leicht schmerzhafte Rheumatismen oder Dysenterie ;u, die mitun- c ! tödtlichen Ansgang nimmt. Die gerbstoffreichen Samen der Mimosa nilotica, n t Reis vermengt, gelten bei letzterer Krankheit als das beste Gegenmittel. Der208 Dr. Vogel s Ausflüge am Südufer des Tsad-Sces. Genuß von Wasser aus den stehenden Regenpfühen, zu welchem Fremde und Ein heimische in Ermanglung frischer Quellen gezwungen sind, scheint eine Haupt- ursache jenes höchst lästigen Nebels zu sein, das unter dem Namen Gninea- wurm" berüchtigt ist und das entweder eine lange anhaltende Lähmung, oder im besten Falle zu Ende der Regenzeit Geschwüre au den Beinen zur Folge hat. Dr. Vogel zeigte seinem FrcundeDr. Barth, als er später mit demselben zusammen traf, die tiefen Narben, welche diese Krankheit ihm zurückgelassen hatte, und meinte in seiner scherzhaften Weise dabei: dies würde bei einer etwaigen Verhcirathuug leicht einen Scheidungsgrnnd abgeben können. Dr. Barth hatte von demselben Ucbel auch viel zu leiden gehabt. Es ist keineswegs der Fall, wie man bisher vielfach zu glauben geneigt war, daß sich der Fremdling je mehr und mehr an das Klima gewöhne, je länger er sich in dem betreffenden Lande befinde. Jm Gcgcnthcil unterliegt gewöhnlich der Kör per den feindlichen Einflüssen um so mehr, je länger diese auf ihn wirken. Die Erkcnntniß dieser Thatsache hat bereits die europäischen Regierungen veranlaßt, das Militär in den Kolonien innerhalb der Tropen öfter wechseln zu lassen, als dies früher Gebrauch war, und man hat in erfreulicher Weise eine bedeutende Ab nahme der Sterblichkeit erreicht. Daß im Sudan deshalb bleibende Kolonien von Europäern gedeihen könn ten, scheint in hohem Grade zweifelhaft, da ja schon in Algerien die Sterblichkeit unter den Europäern sogroß ist, daß sich die entstehenden Lücken nur durch Zu führung neuer Einwanderer von Europa aus füllen lassen. Der Hauptzweck der Reisen nach dem Sudan kann nur in der Anbahnung eines geregelten und für beide Thcile Vorthcil bringenden Verkehrs zu suchen sein, bei welchem der Niger und vorzugsweise dessen östlicher Arm, der Lenne, die Hauptstraße bilden würde. DK hcimallese Sauna (I’islia slralioles).- 4 isd . Das Innere einer Mußgowohiumg. VIII. Keife ins Land der Wußgo und Hubori. ? bd c Rahmair s Kricgszng. Das Land der Mußgo. Der Scrbcwel. Wasscrrcnh- Min des Landes. Pflanzenwuchs. Die Sklavcnjagd am Tubori-Sec. Die Dcled- palmc. Die Thierwelt des Mußgolaudes. Das Volk der Mußgo. Sitten, Woh- w ngen, Beschäftigungen desselben. Die Erdmanhel. Nteligion der Mußgo. Po- "ischc Lage der Mußgo. Grausamkeit der Bornuaucr. Der Tubori-Sec und die Wasserscheide zwischen Ärre und Benne. ^^r. Vogel war kaum von seiner schweren Krankheit genesen, kaum im Stande, ^wieder auf dem Pferde zu halten, als sich ihm eine günstige Gelegenheit bot, ülch Süden vorzndringen. . Der neue Sultan Abd cRahman wollte sich bei seinen Kriegern beliebt machen, r. Uv ü) ein nröalicknt weites Voraeben nach Südeir Ruhm erwerben. Gr unellke " N S Rcist . 2. 14210 Reise ins Land der Mußgo und Tubori. Die Armee bestand aus 22,000 Reitern mit einem Troß von 10,000 Man , 5000 Kameelen und eben soviel Ochsen. Dr. Vogel benutzte dies, nur einerseits Kcnntniß über jene Gegenden zu erlangen, durch welche der Kriegszng gehen sollte, andererseits aber auch womöglich das Vertrauen des Sultans zu erhalten. Das Heerlager bildete eine förmliche Stadt, besonders stellten die Zelte des Sultans und der Großen deS Landes förmliche Dörfer dar, da jede Frau ein be sonderes Zelt mit sich führte und eine große Anzahl Weiber den Zug begleiteten. Der Sultan hatte 12 seiner Frauen und etwa 30 Sklavinnen mit und jeder Vor nehme wenigstens 6 8 . Das Land der Mnßgo bot dem jungen Forscher außerordentlich viel Anziehen des. Noch bis vor wenigen Jahren hatte man von den Gegenden südlich vom Tsad- See ganz der Wirklichkeit entgegengesetzte Ansichten. Man pflegte sich ganz Afrika seiner Erhebung nach in zwei große Hälften geschieden vorznstellen. Die Wül^ hielt man für ein Tiefland, nur wenige Fuß über dem Spiegel des Oceans erha ben, ja sogar für thcilweise Depression, die tiefer als die Oberfläche des Meeres scn Unmittelbar südlich vom Tsad vermnthete man dagegen ein mächtiges Alpenland, das sogenannte Mondgebirge, mit Felsenhörnern und schncegckrönten Gipfeln, welches der Beginn eines Hochlandes sei, das sich bis znm Kap der guten Hofll nung nlit wenig Unterbrechungen fortsetze. Die Unrichtigkeit beider Annahmen war durch.Barth und Overweg bereit-- erkannt worden, Or. Vogel aber war es Vorbehalten, mit dem Barometer in der Hand die genaue Höhe derLändcrgcbiete zu ermitteln. Beide bisherige Annahmen wurden dadurch gewissermaßen umgekehrt und tauschten ihre Lage ans. Vogel- Mittheilungen über die ansehnliche Erhebung der Wüste haben wir im Einzelnen aufgeführt; folgen wir ihm auch nach jenen Gegenden, in denen man die nnübek- steiglichcn Mondgebirge anzunehmen gewohnt war. Das Eindringen in die Länder südlich von Bornn . .ar wegen der feindliche" Stellung der hier wohnenden Völker in friedlicher Weise jeder Zeit unmöglich 0* wesen. Als Denham in dieser Richtung reifte, konnte er nur, indem er siw einem Kriegszuge anschloß, dessen wir S. 20 bereits ausführlicher gedacht habe"- Or. Barth undOverweg sahen sich in gleicher Weise gezwungen, einen Raubzug begleiten, den der Wesir von Bornn in das Land der Mnßgo unternahm, ltn wenn Vogel jene so höchst interessanten Gegenden überhaupt besuchen und dieAnsi gäbe erfüllen wollte, welche ihm gesteckt worden war, so blieb ihm keine and"" Wahl, als ein Gleiches zu Ihn . . Das Land südsüdöstlich vom Tsad ist eine weite fast horizontale Ebene, s", ,, afrikanisches Holland ", das sich selbst bis zu einer Entfernung von einigen mf" zig Meilen nur um löOFuß über den Tsad erhebt, also zwischen 800 950 O 1 "’ Höhe über dem Meere hat. ... Nur an sehr wenigen Stellen wird die weite Fläche von Erhebungen brochen. Die Granitfelsen von Wasa und dieBergkette tvcstlich an den Tn^os Sümpfen sind die nennenswerthesten derselben, Die erster liegen 5 ^ vom Tsad südlich, unter 11" 23 n. Br., und sind eine Gruppe Granitfelsen Bodenbeschaffcnhcit in Mußgo. 211 14* außerordentlich regelmäßiger Glockenform, deren Höhe 400 600 Fnß über der Ebene, also 1300 löooFuß über Meer betragt. Siebedecken einen Flächenraum l vn etwa einer Meile ins Geviert und steigen so senkrecht dem vollkommen ebenen Boden auf, daß alle herabgestürzten Stücke höchstens 20 Fuß von der Basis liegen geblieben sind. Hier findet man die ersten Steine wieder, nachdem man den Brunnen Agadem (60 Meilen nördlich von Kuka, unter 16" 52 16" n. Br.) ver lassen hat. Bei letztgenanntem Orte bestanden die Felsen aus sehr weichem Sand ltein. Die Entfernung zwischen beiden Punkten beträgt gegen 88 deutsche Meilen. Diese weite Ebene bildete muthmaßlich ehedem das Becken des Tsad-See; man findet beim Brunnengraben noch 30 Meilen südlich von Knka etwa 20 Fuß tief unter der Oberfläche jene aus halb zersetzten Süßwasser-Muscheln bestehende Kalkschicht, auf die man in Knka selbst schon in sechs Fuß Tiefe stößt. Die Kette der Fellataberge (l.l n. Br.) besteht ebenfalls auS Granit und zieht sich mit einer Höhe von gegen 400 Fuß über die Umgebung in westsüd westlicher Richtung nach Mandara hin. Auf dein Gipfel des östlichen Hügels fand Bogcl zahlreiche Steinstücke, die viel Ähnlichkeit mit Kalkspath zu haben schienen mb von denen er, wie auch von allen übrigen Punkten, Proben an Sir Roderick Mnrchison cinschickte. vr. Vogel hat die Mußgo-Ebene bis zu 9" 45 n. Br., also ungefähr 45 deutsche Meilen südlich vonr Tsad verfolgt, zehn Meilen weiter als seine Vorgänger, ohne ihr Ende ermitteln zu können. Ihre Breite ist im Norden nicht geringer und hat selbst am südlichsten Punkte noch 30 Meilen Ausdehnung. Dies gicbt eilt Flachland ungefähr von der Größe des vierten Theilcs von Deutschland. In der Richtung von Südsüdost nach Nordnordwest durchströmcn zwei an sehnliche Flüsse das Land; der östliche ist der Schari, der sich unter 9" n. Br. zwei Arme thcilt, die sich nach einem Laufe von 30 Meilen wieder vereinigen; der wcstlicheist der Scrbcwel oder Arre, ebenfalls ein ansehnlicher Fluß. Beide verbinden sich unter 12" n. Br. und ergießen nachmals unter dem Namen Schäri ihr Wasser in den Tsad. Der Naubzng, dem sich Di . Vogel anschließen mußte, ging auf dem linken hfser des Serbcwcl entlang. Man schlug denselben Weg ein, auf welchem auch -Or. Barth und Overweg gezogen waren, und wandte sich von Kuka aus südöstlich über Diköa nach Dc^h a (Delay) und Wasa, bis man an die Grenze des ußgo-Landes gelangte. ^ Der Boden der weiten Ebene besteht fast durchgängig aus einem zähen, fetten Dhon von schwarzerFarbc. In der trocknen Jahreszeit erhärtet dcrselbeznrFcstig- beit des Steines, und der Reisende vermag nicht mit dem Speer ein Loch hinein stoßen, um den Zeltpflock oder einen Pfahl für sein Pferd zu befestigen; er be darf der schweren, mit doppelter Eisenkante versehenen Haue dazu. Nur an we nigen Stellen am Flußufer findet sich Sand. Zur Regenzeit dagegen verwandelt sich Alles in einen zähen Sumpf, in welchem das Fortkommen äußerst beschwerlich An vielen Ställen bleiben selbst während der trocknen Jahreszeit Ansammlun- R von Rcgenwasscr zurück, die eine Tiefe von l 3 Fuß und darüber behalten.212 Steife ins Land der Mnßgo und Tubori. Die einen bilden geschlossene Teiche, die andern weithin gestreckte, sich ver flachende Sümpfe und Wiesenwasser, noch andere endlich Kanäle und Gräben. Letz tere sind häufig mit Dämmen bis zu 10 Fuß Höhe auf beiden Seiten versehen und haben dabei eine so schnurgerade oder sanftgebogene Richtung und eine so außer ordentliche Länge, daß sie fast aussehen, als seien sie durch Menschenhände angelegt worden. Wirklich erzählt man auch im Lande von einem derselben, daß er absicht lich für Boote gegraben sei, obschon es wahrscheinlicher ist, daß sie alle nur den natürlichen Wasseransammlungen ihre Entstehung verdanken. Eine große An zahl dieser Wasserlachen begleitet in einiger Entfernung die Flußläufe und wird vom Hochwasser der Ströme jährlich gespeist. Die Flußufer wechseln in ihrer Höhe; an einigen Stellen steigen sie bis zu 25 Fuß hohen Dämmen au, anderwärts ver flachen sie sich dagegen ganz allmälig. Bei seinem höchsten Staude überflutet der Serbewel selbst noch jene Dämme und soll bis 30 Fuß seinen niedrigsten Wasser stand, den er Mitte Mai hat, übersteigen. Durch den Reichthum an Wasser wird das Land der Mnßgo zu einem der fruchtbarsten der Erde und könnte, wenn seine politischen Verhältnisse bessere wä ren , auch eius der reichsten und glücklichsten sein. Es wechseln ausgedehnte Wal dungen mit üppigen Wiesen und ergiebigem Ackerland und die Landschaften zeigen im Gegensatz zu der traurigen Einöde um Knka eine wahrhaft tropische Ueppigkeit. In den südlichen Grenzgebieten Bornn s, in denen mehrere Stämme der Schua-Araber sich niedergelassen, bestehen die Waldungen zwar anfänglich noch aus dürftigen Akazien, statt ihrer treten aber weiterhin herrliche Bi to - B äume (Balanites aegyptiaca, Hadjilidj in Bornu) und Kindinos, eine Mimosen-Art, auf, zwischen denen dichtes Unterholz wuchert. Die Sumpflachen sind mit saftigen Gräsern und dichten Massen der schwimmeudenFanna (PistiaStratiotes) über zogen. , Das eigentliche Mnßgo-Land hat nur eine Länge von 25 Meilen von Nord nach Süd und eine Breite von etwa 10 Meilen. Sein nördlicher Theil ist vor zugsweise mit dichtem Walde bedeckt, und zwar gedeihen auf dem an Feuchtigkeit reichen Grunde mehrere Feigenarten vortrefflich und bieten mit ihrem großen frischglänzenden Blätterwerk einen herrlichen Schatten. Besonders schön erscheint jene Art, welche On. Vogel als Kautschuk-Feige bezeichnet, deren Saft aber n Lande Niemand verwendet. Nicht selten sind Exemplare dieses Baumes von 80 Fuß Höhe und mit einer dichten Krone von nicht geringerem Durchmesser. Außer der Kautschuk-Feige kommen noch zahlreiche andere Feigenarten in jenen Wal dungen vor, die oft ungeheure Stämme von 8 Fuß und Kronen von 90 100 Fuß Durchmesser bilden. Häufig wachsen sie auf oder an andern Bäumen, sie nach und nach ganz aussaugend. Alle haben lange, hernnterhängende Luftwurzeln, die oft bis auf den Boden herabgehen und so neue Stämme bilden. Die Früchte jener Feigen werden von Vögeln und Affen gern verzehrt. Nicht selten ereignet es st") dann, daß durch diese Thiere die Samenkerne auf andere Bäume verschleppt w cl den und auf den Zweigen der letzter keimen und wurzeln. Die Baum-Orchideen mit ihren breiten, scheidenförmigenBlättern, sowie dieUeberreste der nbgefallenenPflanzen und Thierleben in Mnßgo. 213 Palmcnwcdel eignen sich vortrefflich zur Aufnahme für solche vegetabilische Gäste. Von dem luftigen Sitze aus senkt nun die junge Feige ihre fadenförmigen Weißen Luftwurzeln herab bis zum Grunde und nährt sich währenddem theils von den Säften des tragenden Stammes, theils von der überreichen Feuchtigkeit der Sumpfwälder. Da die Luftwurzeln aller Feigen die Neigung haben, bei Berüh rung leicht mit einander zu verschmelzen, und sich eben so leicht wieder an andern Stellen trennen und mit andern verbinden, so zeigen die Feigenwaldungcn phan tastische Formen der sonderbarsten Art, fast gespenstische Erscheinungen des Pflan zenreichs, die wol im Stande wären, den Naturforscher zu begeistern, wenn anders ein ruhiges, sinniges Forschen in jenen Ländern möglich wäre. Die Kuka (Adansonia digitata) kommt hier nirgends mehr vor, sie scheint nicht weiter als bis 12" 30 östl. Länge voir Greenwich zu gehen. Ebenfalls ein schöner Schatten baum ist dieSykomorc (Ficus sycomore), deren Früchte zwar nicht mit jenen der echten Feige zu vergleichen, aber doch genießbar sind. Lieblicher als macht sich die stellenweise häufige Tamarinde bemerklich. Ihr zartgcfiedertcs Laub bildet einen herrlichen Gegensatz zu den schweren massigen Formen der Kuka und der Fei gen, während dtc saftreichen, markigen Schoten das Nützliche und Erquickende zum Schönen fügen. Als einen prachtvollen Baum schildert Dr. Vogel die Kigclia pinnata, von Welcher er zwei Proben nach Europa sendete. Dieser herrliche Baum", sagt er, bildet dort Stämme von 6 Fuß Höhe und hat einen Kronendurchmesscr voir 8o go Fuß. Seine Blätter sind glänzend dunkelgrün; die Früchte, welche an bis ju 7 Zoll langen elastischen Stielen hängen, sind hellgrau, bis zu 18 Zoll lang und 7 Zoll breit, bitterlich von Geschmack und dienen als Abführmittel. Der Baum ist von 11 30 an südlich gemein." Sehr zahlreiche Elephantenherden bevölkern jene feuchten Waldungen und spielen die eigentlichen Herren der Wildnis;. Der Boden ist von ihren Fnßstapfcn größtentheils buchstäblich so zerknetct, daß er einem Schachbrcte ähnelt, und da die Eindrücke in der trocknen Jahreszeit zur Festigkeit des Steines erhärten, so wird das Reisen sehr beschwerlich. Pferde und Kamccle stürzen leicht bei den ununter brochenen Löchern und Holpern, und der Reisende findet am Abend kein gerades Plätzchen, auf dem er seine Matte zum Schlafen ausbreiten könnte. Viel nachthei- Hger werden die Elephanten dem Eingcborncn, der auf jenen fruchtbaren Flächen zwischen den Waldungen seinen Reis baut. Das ganze Mußgo-Land ist seiner Vo- dmbeschaffenheit und seinem Klima nach ein ungeheures Reisfeld, gegenwärtig Pflanzen aber nur die Schua an seiner Nordgrenze jene nutzbare Getreideart, im Pebrigcn pflegt man vorzugsweise Hirse (IIolcus cermuis) in mehrerlei Spiel ten zu bauen. In den Fruchtfeldern errichtet man hohe Gerüste, um auf den selben Wache zu halten. An langen Fäden sind hohle Gefäße anfgehängt, die wan rasselnd und klappernd hin und her bewegt. Zn den Gästen, welche sich bei den Getreidefeldern gern in großen Schaaren einstcllcn, gehören auch die zahlreich b^rhandenen niedlichen Webervögel, an Größe und Gestalt unfern Finken sehr ähnlich. Diese hübschen Thierchcn machen sich besonders durch die Geschicklichkeit214 Reise ins Land der Mnßgo und Tubori. bcmerklich, mit welcher sie aus Grashalmen und Fasern ihre Nester zusammenflech ten und an den schwankenden Enden der Banmzeige aufhängen. Die Nester der hier vorzugsweise vorhandenen Art ähneln an Gestalt ganz den Retorten eines Chemikers und schützen den Erbauer und seineJnngen nicht allein gegen die Kühle der Nacht unb die heftigen Regengüsse, sondern auch gegen die Nachstellungen der Baumschlangcn. Gegen die Vögel hilft das erwähnte Kürbis-Manöver auch recht gut, wie gegen unsere Sperlinge die Klapper am Kirschbaum, allein der Elcphant läßt sich dadurch nicht ineommodiren. Eine Herde von vielleicht fünfzig und mehr Stück spaziert gemächlich zuin Reisfeld, der Neger auf seinem Wartthurm mag schreien und signalisircn, wie er will, sie läßt sich nicht stören. Der langnasige, sehr verständige Herr des Waldes sucht sich die besten Halme aus, stampft eine bei wei- - tcm größere Menge in den nassen Grund und überläßt es dem Schua, wie viel er von dem Ucbriggcbliebcncn zusammenlesen will. So ist denn aller Reis in Bornu nur von sehr schlechter Beschaffenheit, denn selbst der Sultan muß mit dem vorlieb^ nehmen, was ihm der Elcphant übrig läßt. Zwischen den Reis Pflegt man ge wöhnlich eine Bohnensorte (Gafuli) zu bauen, die denn auch die vorzüglichste Speise der Einwohner ausmacht. Einen bessern Schutz gegen die Elcphanten, als jene Klappcrgerüste und schreiende Wächter abgcbcn, gewähren die dichten Hecken aus stachliger Wolfs milch. Bei uns sind alle zu dieser Pflanzengattung gehörigen Arten krautartig mit weichen Blätter und einjährigen zarten Stengeln versehen, viele der afrikanischen Euphorbien dagegen ähneln den bekannten Formen des stachelreichen Säulenkaktus (Cereus) so sehr, daß sie von demselben nicht leicht zu unterscheiden sind, wenn sich nicht durch ihre Blüten zu erkennen geben. Ihre Stämme werden so hoch und dick, erhalten dabei eine solche Zähigkeit und holzige Beschaffenheit , daß gut im Stande sind, die Zudringlichkeit des lcckern Elephantcn mit ihren scharfen und langen Stacheln zurückzuweisen. Di . Pogel erzählt, daß jener Dornenwall, mit dem die Mnßgo ihre Felder umhegen, Büsche enthielte, welche 20 30 Fuß im Umfange und 25 Fuß in der Höhe messen. Da er aber weder Blüten noch Früchte an denselben fand, so sah er sich veranlaßt, dieselben ach ihrer äußern Form als eine Euphorbien - und eine Cerens - Art zu bezeichnen. Ebenso interessant als das Gedeihen des Reises ist die Kultur einer zuckerhal tigen Grasart, des indischen Zuckergrases (Sorghum saccharatum). Bis zu 14 Fuß hoch schießen die schönen Halme desselben empor und werden an günstigen Stellen noch höher. Das schneeweiße süße Mark imJnnern derStengel läßt sich 1 8 Zoll langen Stücken herausschälen und bietet eine sehr angenehme Leckerei. Auch das eigentliche Zuckerrohr würde auf der weiten Mnßgo-Ebene vortrefflich Q c deihcn, wenn friedliche Zustände einen solchen Betrieb zulicßen. Daß dasselbe im Innern Afrika s ein reichliches und schönes Produkt giebt, zeigt das Beispiel einer Pflanzung, die in der Nähe von Sokoto durch einen unternehmenden Neger ange legt worden ist, der ehedem 25 Jahre lang in Brasilien als Sklave verlebte. Dev weiße, durch Europäer eingeführte Zucker wird allgemein im Lande als wundem bares Erzengniß christlicher Industrie angcstaunt, und die frommen MuhamedancrPflanzenlcbcn in Mußgo. 215 sehr in Verlegenheit, wenn sie über die Art und Weise näher belehrt wer den, in her das Rasfiniren geschieht. Es bleibt ihnen nur die Wahl, entweder sich über ihre Gewissensskrupel hinwegzusetzen, oder sich den süßen Genuß zu versagen. An der Nordgrenze des Mußgo-Landes werden auch ansehnliche Mengen Baumwolle gebaut und theils für den Bedarf der Erbauer verwendet, theilS "ach der industriereichen Stadt Diköa geschafft. Palmen sind im nördli chen Theile des Mußgo-Landes sucht viele vorhanden, wie denn überhaupt ganz Afrika im Ver gleich mit andern Ländern der Meißen Zone nicht zahlreiche Ar- len dieser schönen Familie anf- PUveisen hat. Die cigenthüm- liche Delebpalme werden wir bei der Besprechung des südli chen Mußgo-Gebietes näher erwähnen, im Norden des Lau bes tritt stellenweise Gestrüpp "vn Dumpalmen und noch eine ändere Palme auf, welche mit ber am Mittelmeer einheimi schen Zwergpalme, noch mehr Nit jener Ächnlichkeit hat, die " an dem großen Palmcnkenncr Martins zu Ehren Clia- " aereps Martiana genannt l)at: Sie hat fächerförmige gsoße Blätter und erreicht die sür Palmen der genannten Gat- l"ng ansehnliche Höhe von 30 Fuß. Eigenthümlich ist es, daß ihre Formverwandtc 0 ü. Nae- l nna im Gegensatz zu dieser malme des heißen, niedrigen Dornige Wolfsmilch. Flachlandes Jnncrafrika s ge- ade die höhern Theile des westlichen Himalaha bewohnt und dort bei einer abso luten Höhe von 8000 Fuß alljährlich ihr Haupt mit Schnee bcpudcrt erhält. Die ausgedehnten Kornfelder, auf denen verschiedene Sorten der indischen Hirse reiften, waren von brcitästigen Kornn-Bäumcn beschattet, die unser Weisender bereits bei Mursuk in Fessan gefunden, die aber hier ihre eigentliche Hcimat haben. In der Nähe der größer Snmpfwasser macht auch nicht selten216 Ncisc ins Land dcr Mußgv und Tnbori. das plumpe Flußpferd einen botanischen Ausgang in die Pflanzungen der Mußgo, und zur Tlbwechselung erscheint auch mitunter ein Rudel Antilopen oder ein Volk schwerfälliger Perlhühner. Die schlanke Giraffe, welche nicht blos, wie mau ge wöhnlich glaubte, den Rand her Wüste bewohnt, sondern die sich auch in diesem Flachlande findet, wählt sich am liebsten die zarten Blätter dcr Akazien und Mi- mosen. Von den letzter ist dcr Talhabaum hier häufig und durchduftet zur Blüte zeit den ganzen Wald mit Wohlgeruch. Die Giraffe ist ihres Fleisches wegen sehr beliebt; das Fleisch deS Elcphanten ähnelt zwar im Geschmack dem Schweinebraten, ist aber auch eben so schwer verdaulich wie letzterer. Die ungeheure Heerschaar, der sich I)r. Vogel augcschlosscn, diegrößtc, welche seit dcr Zeit des Scheikhs cl Kanemi Kuka verlassen hatte, zog anfänglich langsam, aber wie ein verheerender Strom vorwärts, ohne der Bewohner ansichtig zu wer den. Die Mußgo waren vor dcr Uebermacht eiligst nach Süden geflohen und man traf nur die leeren Hutten, sowie die auf den Feldern stehenden Saaten von Gafuli und Tabak. Jede Wohnung, welcher die Kancmbn ansichtig wurden, steckten sie in Brand und verwüsteten die Pflanzungen auf die empörendste Weise. Erst an dem Nordrande des Tubori-Sees stieß man auf eine größere An zahl Eingeborne, welche sich mit ihren Viehherden hierher geflüchtet hatten und hinter dem ausgedehnten Morast sicher glaubten. Von Raublust getrieben, versuch ten die Boruuaner aber doch au einer verhältnißmäßig schmalen Stelle über den Sumpf zu setzen. Da aber selbst hier das Wasser fast eine halbe Stunde breit und sechs Fuß tief war, so kamen zahlreiche Menschen und Pferde dabei um. Wan machte eine Beute von 2000 Stück Vieh und brachte 1500 Gefangene, Weiber und Kinder unter 12 Jahren, ein. Von hier aus folgte man dem Laufe des Serbcwel oder Arre, des soge nannten Flusses von Logone, des westlichen Hauptarmes vom Schari. Nach einem Marsche von zwei Tagen fand man eine Stelle, an welcher es möglich war den Fluß zu passircn. Die halbe Armee setzte über; da das Wasser aber auf eine weite Strecke so tief war, daß es durchschwommen werden mußte, so ertranken auch hierbei viele Pferde. Am jenseitigen Ufer fand man eine noch größere Menge Eingeborne, die sich hinter dem Flusse für sicher gehalten hatten, und in wenigen Stunden trieb man über 2500 Sklaven und über 4000 Ochsen ins Lager. Obschon dcr Gesammtcharakter des Mußgo-Landes im Süden derselbe ist wie in den nördlichen Theilcn: höchst fruchtbares flaches Tiefland, von stehenden oder kaum fließenden Gewässern durchzogen und abwechselnd von Waldungen, grasrcicheu Wiesenflächcn oder Kulturstücken bedeckt, so zeigt er im Einzelnen doch mehrere abweichende interessante Ziige. Das Unterholz dcr dichten Waldwilduisse wird noch vorherrschend von dor nigen Akazien, der Hochwald aus großen Feigenbäumen gebildet, unter de" Bäumen mittler Größe macht sich dagegen der Kokia-Baum bemerklich, der auch in den Haussa-Gcbieten zu finden ist. Zwischen großen hübschen Blättern fallen seine zahlreichen apfelähnlichen Früchte angenehm auf, die leider unge nießbar sind. Der bezeichnendste Baum des Gebietes ist aber die schon genannte218 Reise ins Land der Mußgo und Tubori. Delebpalme (Bornssus aLvtliiopum Klart.), nahe verwandt der berühmten asiatischen Palmyra (Borassus flabelliformis). Vom Mußgo - Lande aus scheint sich dieser schöne Baum in einem ununterbrochenen Zuge durch die südlichen Pro vinzen Baghirmi s und Wadai s bis nach Kordofan zu verbreiten. Nur einzelne Verirrte dringen nördlich bis zum Ufer des Batha und nach Masena, der Haupt stadt Baghirmi s, vor. Dr. Vogel theilt über diesen herrlichen Baum, den unsere.Leser dem Bilde S. 217 über die nicdern Hütten cmporragcn sehen und der an der Anschwel lung des Stammes sofort zu erkennen ist, Folgendes mit: Ein prachtvoller Baum, der am See von Tubori ungeheure Wälder bildet, ist die Delebpalme (wie sie in Nubien genannt wird). DaS Laub ist fächer förmig , sehr ähnlich dem der Dumpalme, nur größer und von lebhafterem Grün. Der Stamm ist glatt und spaltet sich nie, die Früchte wiegen etwa 4 5 Pfund, sind 8 y Zoll lang und 6 7 Zoll dick, oval, dunkelgelb, bestehend einem äußerst dichten faserigen Gewebe, in welchem drei Kerne eingehüllt sind. In die sem Gewebe ist ein etwas bitterlich, aber sonst höchst angenehm schmeckender dicker Saft, der in Geschmack und Geruch stark an Ananas erinnert." Dr. Bcrthold Seemann führt in der Bonplandia" (IV, 202) nach Dr. Barth Ausführlicheres über den interessanten Baum an. Die Delebpalme ist über das ganze Binnen-Afrika in der ganzen Breite von Ost nach West verbrei tet und bildet besonders am Saume stehender Wassermassen mit wenig Abfluß, wie sie in den Aequatorialländeru Central-Afrika s unendlich ausgebrcitct sind, ganze Waldungen, wenigstens der Länge nach. Wo aber kein Wassersal ist, habe ich sie stets nur vereinzelt gesehen. Sie ist der charakeristische Baum nicht allein im Mnßgo-Lande, d. h. in dem flachen, etwa 900 Fuß hoch gelegenen frucht baren Landstrich zwischen dem Schari und den östlichen Zuflüssen des sogenannten Niger (Benne), sondern auch in allen südlichen Tributärprovinzen von Baghirmi. Auch in Wadai, besonders am Batha entlang, sowie in Dar-Fur und Kordofan ist sie sehr häufig. Am Mittlern Niger ist sie selten, in Haussa ganz vereinzelt, am ober Niger aber, oberhalb Timbuktn, wieder häufiger und ist hier für die Kokospalme gehalten worden. Sie heißt Gigina Haussa, Kameluto auf Kanora (Sprache der Bornn-Leute), Dngbi in der Sprache der Fulbe. Die Palme wird im Durchschnitt 60 80 Fuß hoch mit schnurgeradem, ungetheiltem Stamme bis zu 2 Fuß Dicke und mehr und hat regelmäßig eine Schwellung etwas über der Mitte. Die fächerartigen Blätter sind von gewaltiger Größe. Die Samen wer den, nachdem die Frucht verzehrt oder vielmehr ausgesogen ist, zerschlagen und der Kern in die Erde gelegt, worauf in etwa 14 Tagen ein Sämling von Va 3 Fuß aufschicßt, dessen lvcißc Wurzel einen beliebten Nahrungsartikel bildet, anfHaussa Mnrretschi", anfFulfude Batschub" genannt. Ich habe nur gc- sehen, daß die Eingebornen diese Pflänzchen roh essen. Ich muß aber fast ver- muthcu, daß ein berühmtes Mehl Namens Fidogma", das auS einer Wurzel be reitet wird, daher seinen Ursprung hat. Diese Palme ist von der ungeheuersten Wichtigkeit im Volksleben eines großen Theiles von Central-Afrika, gewiß nichtBotanisches Abenteuer. Katzcnarten. Hase. Igel. 219 Weniger als die Dattelpalme bei beit Arabern." Dr. Vogel sandte Samenkernc Rr Delebpalmein einer Kiste, welche Mineralien enthielt, an Or. W. I. Hooker Ut London und bemerkt dabei, daß die Fruchte dieses Baumes das einzige leidliche ^bst seien, welches er bis dahin in Central - Afrika angetroffen habe. Leider war der Reisende durch die unruhigen politischen Verhältnisse, unter Rnen er das Land besuchte, verhindert, seine Sammlungen in dem Grade zu bc- ^ichern, als die üppige Natur es wünschenswerth erscheinen ließ. Ohne Bedeckung durfte er meist nicht wagen, sich weit vom Lager zu entfernen, da die Mußgo hinter jedem Busche lauerten, und mit Begleitung war er nicht viel sicherer. So Zug er z. B. einmal mit 30 Reitern aus, als sein Diener plötzlich fünf Mußgo hinter den Bäumen erblickte. Der Schwarze rief den Leuten zu, auf dieselben ^urzureiten. Geht nur voran", erwiederte man, ihr habt Flinten." Und in ^ n Augenblick, als Vogel und sein Begleiter wirklich vorangingen, ergriff das eiligst die Flucht und die Zwei waren allein den Feind gegenüber. Glnck- licher Weise reichte ein Flintenschuß hin, dieselben zu zerstreuen. So wie an einzelnen Stellen des Mußgo-Landes der Agnl (Alhagi Mau- r ornm) , dieses echte Wüstcngewächs (siche Seite 80), wieder vorkommt, so stellt wch auch der Strauß hier ein. In den dichten dornenrcichcn Waldungen findet der wöive ein sicheres Versteck. Außer ihm bewohnt auch ein anderes katzenartiges Reineres Raubthier, von den Eingebornen Summoli genannt, diese Wildnisse, Rn welchem I)r. Overweg bei seiner ilieise ein Exemplar in Gemeinschaft mit hfuenr jungen Löwen gebracht wurde. Der Suinmoli ist am vordarn Thcile des Körpers von hellbrauner Farbe, am hintern dagegen von schwarzer und zeichnet Rh durch sehr spitze, aufrecht stehende Ohren nuS, die mit einem schwarzen Strei fen geziert sind. Trotz seiner verhältnißmäßig geringen Größe ist er doch äußerst wild und soll nicht nur Gazellen, sondern selbstKälber anfalle . Die Eingebornen Wählen von dieser Unbändigkcit und Raublust eine Menge eigenthümlicher Ge laichten. I)r. Overweg fütterte beide Thiere mit gekochter Milch, welche sehr wbtcn. Trotzdem daß der Summoli ebenfalls noch jung und klein war, benahm ^ sich doch sehr ungesellig und war vollständig Herr des jungen Löwen. Beide warben während des Transportes, da sie die ununterbrochen schwingende Bewe gung auf dem Rücken des Kamecles nicht vertragen konnten. Interessant ist cs, zu erfahren, daß auch Freund Lampe, unser gewöhnlicher xUse, sich in jenem weit entfernten und mit so verschiedenem Klima versehenen Wände wiederfindet. Es wird dem Leser bekannt sein, daß viele Naturforscher huch den auf deu Alpen und in den Polargegcnden vorkommenden Hasen mit wci- Rnr Pelz und schwarzen Ohrenspitzen nur als eine Spielart des gemeinen Hasen - brachten. Sollte jene inncrafrikanischc Art, die freilich noch nicht wissenschaftlich untersucht ist, sich wirklich als genau dieselbe Spezies Herausstellen, so wäre dies c nes der interessantesten Beispiele von Fähigkeit, mit welcher ein Thier unter den rsuschiedensten Naturverhältnissen auszudauern vermag. Ein ähnliches Beispiel Uictet der gemeine Igel, deu vr. Vogel zu seiner Verwunderung auch unter lt? " Br. antraf. ,220 Neisc ins Land der Mußgo und Tnbori. Ameisenhaufen sind verhältnißmäßig selten, dagegen ist der Skorpion auch hier eine der gewöhnlichsten Plagen, und in den Wassergräben finden sich neben den erwähnten Flußpferden auch zahlreiche Krokodile. Turteltauben und andere hübsche Vögel sind in den Waldungen häufig, Papageien dagegen fehlen und scheinen überhaupt den achten Grad n. Br. nicht zu überschreiten. Das Volk der Mußgo (Mußgu oder Musseku), welche das von der Natur so reich ausgestattete, aber durch die Völkerverhältnisse so hart bedrängte Land bewohnt, gehört zu dem großen Stamme der M assa, zu welchem gleichfalls die Bewohner von Logon oder Logone, die Kotoko oder Makari, sowie die Mandara (Wandala) mit den Gamerghu zu rechnen sind. Ihnen schließt sich ebenfalls der große Stamm der Batta und vielleicht auch jener der Mbana an. Die ihnen am nächsten stehendenLogoneser sind aber, als eifrige Muhamedaner zu ihnen in eine feindliche Stellung gekommen. Verglichen mit den meisten andern Volksstämmen Jnner-Asrika s, machen die Mußgo in ihrer Körperbildung einen sehr unangenehmen Eindruck. Die Männer sind zwar gewöhnlich hochgewachsene Leute, aber ihre Gesichtszüge haben etwas sehr Abschreckendes und der Europäer würde Widerwillen vor ihnen empfinden, wenn nicht auf der andern Seite die grausame, ungerechte Behandlung, welche von ihren Nachbarn erfahren, das Mitleid jedes Fühlenden erregte. Der Vorderkopf der Mußgo ist, anstatt rückwärts geneigt zu sein, bei den meisten sehr hoch und die Gesichtslinie gerade, aber die buschigen Augenbrauen, weit offenen Nasenlöcher, aufgeworfenen Lippen, hohen Backenknochen und ihr grobes buschiges Haar verleihen ihnen ein sehr wildes Ansehn. Sehr häßlich er scheinen auch die Beine dadurch, daß die Knieknochcn nach innen gebogen sind. JhreGlicder sind knochig und nicht angenehm abgerundet, die schwarze Färbe ihrer Haut erscheint schmutzig und entbehrt jenen Glanz, durch den andere Negerstämme sich vorteilhaft auszeichnen. Die meisten Männer tragen einen kurzen Bart und manche schmücken ihre Ohren mit kupfernen Ringen. Die Kleidung der Mußgo ist die allcreinfachste von der Welt. Die Männer gehen mit wenig Ausnahme gänzlich nackt, nur einzelne Häuptlinge, von denen uns nebenstehende Abbildung einen der am reichsten ausgestatteten zeigt, tragen zur Kriegszcit eine Art Rüstung und einen aus wenigen Riemen bestehenden Schurz, der ihre Blöße sehr unvollständig bedeckt. Der erwähnte Panzer ist aus Büfscl- fell gearbeitet, und die Haare desselben sind nach innen gekehrt. Zuweilen tragen die Männer auch an einem Ledergürtel ein kleines Fell nach Bergmannsart. Außer einer Keule und einem gegen acht Fuß langen Speer mit grobgearbeiteter eiserner Spitze bilden zwei spitzige Handeisen die gefährlichste Vertheidigungs* waffe. Mit letzter sollen die Mußgo nicht blos im Handgemenge sich erfolgreich verthcidigen können, sondern auch selbige auf beträchtliche Entfernungen hin z" schleudern und damit, nach den Erzählungen der Kanorilcute, Menschen und Pstr- den LieBcine wegzuschneiden vermögen. Wenigstens sind sie im Stande, durch den Wurf derselben gefährlich zu verletzen. Manche Mußgo begnügen sich freilich auch nur mit einem Knüppel oder einem zngespitztcn Stocke. Ihren Feinden gegenüber221 Bewaffnung der Mußgo. Imd sie besonders dadurch sehr im Nachtheil, daß sie weder Pfeil noch Bogen ken nen. Ihr an natürlichen Verstecken und kaum durchdringlichen Schlupfwinkeln so weiches Land würde ihnen in Gemeinschaft mit den Sümpfen und zahllosen Wasser gräben ein vortreffliches Bollwerk gegen die sonst feigen Kanorileute bieten, wenn f c sich jenes Vertheidignngsmittels bedienen wollten. Ebenso würde es ihnen ein Eilt Mußgo- Lichtes sein, ihr Gebiet gegen die Reiterei, in welcher die Hauptstärke ihrer Feinde Weht, unzugänglich zu machen, wenn sie Fallgruben anlegten, wie solches die Ecnrembu im Norden gegen die Einfälle der Tuariks mit bestem Erfolge thun. 3u r Schutz dient den Mußgo auch ein auö Rohr geflochtener Schild, der etwa 40 oult lang, oben 16, unten 22 Zoll breit und nach außen gewölbt ist. Man bedient Nch zu demselben desselben Rohres, mit welchem die Hütten gedeckt werden, flicht dasselbe aber sv dicht zusammen, daß ein solcher Schild im Stande ist, die zinnernen222 Ncise ins Land der Mnßgo und Tnbori. Flintenkugeln, mit denen die Kanori gewöhnlich schießen, zurückzuhalten, be sonders bei der sehr schlechten Beschaffenheit des Schießpulvers in jenem Lande. Die meisten Männer tragen um den Hals ein Seil, aus den Blattfasern der Dumpalme geflochten, und an einem Riemen herabhängeud ein Signalhorn. Als Dcnham sich in Mora, der Hauptstadt von Mandara, befand (vergl. S. 2l), schickten die Mnßgo eine Gesandtschaft an den Sultan des letztgenannten Landes und ließen ihm ein Geschenk von 50 Pferden und 200 Sklaven überbriugcn. Den- ham war ganz entsetzt über das Aussehen und die Sitten dieser Leute. Statt aller Kleidung hatten dieselben ein Ziegen - oder Leopardcufell über die linke Schulter hängen, so daß der Kopf des Thieres über die Brust hing und die Enden über die Schenkel fielen; das dicke wollige oder vielmehr borstige Haar, welches bis über die Augen herabhing, ward durch eine Pelzkappe bedeckt. An den Armen und in den Ohren trugen Ringe von Knochen, nur den Nacken mehrere Schnüre, an welchen die Zähne erschlagener Feinde aufgereiht waren. Zähne und Knochenstücke hingen auch dem Haar herab, der Leib war mit rothen Flecken bemalt und die Zähne roth gefärbt. Mit lautem Geheul und über ihre Häupter Staub streuend, betraten den Palast des Sultans, und da ein Pferd deS Heeres gefallen war, baten sie um Erlanbni ß, dieses verzehren zu dürfen. Es ward ihnen bewilligt und mit Freudengehenl schleppten sie das Aas nach einer Felsenhöhe, zündeten ein Feuer an und hielten dort während der Nacht ein wildes kannibalisches Gclag, über welches sich Dcnham um so mehr entsetzte, da seine muhamedanischc Umge bung sich sehr geneigt zeigte, ihn als Christen und Schwcincflcischvcrzehrer mit den Mnßgo als zu ein und demselben Volksstamme gehörig zu bezeichnen. Das Kostüm der Tnbori-Ladies", sagt vr. Vogel, welches demjenigen der Mnßgo-Frauen ähnlich ist, erinnert lebhaft an das unserer Stamm-Mutter Eva- Es besteht nämlich aus einem dünnen Riemen, der um den Leib geschnallt wird und zur Befestigung eines dichtbelaubten Zweiges dient, der spaßhafter Weise nicht die Front", sondern das Hintcrtheil den Blicken des Beobachters entzieht- Eines Tages ward ein Weib gefangen eingebracht, die in der Hitze des Gefechte ihren Frack" verloren hatte. Sowie sie in das Lager und unter Leute kam, setzte sie sich augenblicklich auf die Erde und war nicht zu bewegen, anfznstehen und ihren stem“ den profanen Blicken der Kanembn preiszugeben, trotzdeut daß man stv an den Beinen hin und her zerrte. Ich trat endlich dazwischen und überreichte ihr einen Palmcnzweig, den sie mit lebhafter Freude empfing, sogleich befestigte und sodann im Bewußtsein des Fächers, der ihre Blöße deckte, ohne Widerstand auf- stand uni) mit ihrem Herrn fortging." Am unangenehmsten erscheint dem Europäer bei den Mnßgo - Frauen cP Sitte, ihre Ober - oder Unterlippe oder beide zu durchbohren und ein Stück HvU oder einen Knochen hineinzustecken. Die Oeffunng wird durch Anwendung innnrr umfangreicherer Holzstücken allmälig bis auf 12 15 Linien im Durchmesser ver größert und das Gesicht dadurch auf das enlsetzlichste entstellt. Die Zähne sin natürlich dabei fortwährend bloß. Deshalb sind Mnßgo-Frauen außer in ihfsf Heimat auch nirgends geschätzt und werden als Sklavinnen höchstens zum Wasst^Sitten und Wohnungen her Mußgo. 223 tragen, Holzholen und zur Feldarbeit benutzt. Man kann ein Mußgo-Weib für 3Thaler erstehen, die Kinder kosteten bei Vogel S Anwesenheit je nach dein Alter 20 Silbergroschen bis 2 Thalcr das Stück. Es ist nicht selten, daß die Mußgo, besonders bei eintretendem Mangel an Lebensmitteln, ihre eignen Kinder verkau fen , vorzüglich die Knaben. Bei dem fast gänzlichen Mängel an Kleidung darf es nicht auffallen, daß in ge schlechtlicher Beziehung unter den Mußgo von Sittlichkeit im europäischen Sinne des Wortes nicht die Rede sein kann. Selbst der dem Namen nach zum Muhame- danismus bekehrte und deshalb auf dem Scheitel kahlgeschorenc Mußgo-Häupt ling Adischen war durch sein ungenirtes Verhalten gegen seine 200 Sklavinnen den rechtgläubigen Bewohnern Bornu s zum Gespött geworden, und sie erzählen von ihm, daß er auch ankoinmendcn Fremden Gastfreundschaft den Nießbrauch der selbe gestatte. Zu den Vornehmen in Bornu bildete er dadurch freilich den aller- stärksten Gegensatz, da diese ihren Harem durch Verschnittene bewachen lassen und Jedem auch nur das Ansehen ihrer Frauen verwehren. Jeder Mußgo hat gewöhnlich 3 4Franc , deren Unterhalt ihm bei dem Reichthum desLandMricht schwer fällt. Die Wohnungen dieses friedlichen Volkes sind reinlicher und behaglicher, als uian bei seiner sonstigen nieder Bildungsstufe vcrmuthen möchte. Steine sind mit Ausnahme der Wasa-Felsen im Norde , der Fellata-Höhen im Nordwestcn und des Felseilkammes westlich am Tnbori- Sumpf im ganzen Lande nicht zu finden, dagegen reichlich ein fetter, bildsamer Thon. Aus diesem formt man die Wände der Hütten gewöhnlich in Kreisform, glättet sie säuberlich außen und innen und bedeckt sie mit einem kegelförmigen Dache, dicht und glatt aus Stroh geflochten. Um das Gehöft herum ist entweder aus den starken Halmen des Ncger- kornes ein Zaun errichtet oder bei den Wohlhabender eine geglättete Thonmaner aufgeführt. Im Innern des Hofraumes erhebt sich ein glockenförmiger, aus festem Thon gearbeiteter Kyrnbehälter von 12 15 Fuß Höhe, über dessen an dem ober Ende befindlichen Oeffnungen ein kleines Strohdach befestigt ist, um den Regen abznhaltcn. Häufig stehen 4 5 Häuser zusammen, umgeben von einer Art Gehöfte aus Matten und Dornen, innerhalb dessen die Gras-, Holz-, Stroh- Wib Kornvorräthe sehr ordentlich aufgehäuft sind. Die Abbildung am Anfänge dieses Abschnittes (S. 209) zeigt uns den Hvf- raum der Wohnung eines wohlhabenden Mußgo. Die Thoumancr, lvclche in Tstannshöhe den geebneten Platz kreisförmig umgiebt, ist an vier gleich weit voll einander entfernten Stellen von eigenthümlichen glockig-kegelförmigen Bauten Unterbrochen, deren schmale Thüröffnungen nach dein Hofranm führen unb etwas über dem Boden erhaben sind, um das Eindringen deS RegenwafscrS zu verhüten. In diesen Häuschen wird ebenfalls das Getreide aufbewahrt, gleichzeitig dienen sie aber während der kühler und nassen Jahreszeit als warme Schlafstätten s nd Zufluchtsorte. Einen interessanten Schmuck zeigen dieselben an ihrer Außen seite. Hier sind sie mit zapfenförmigen länglichen Vorsprüngen verziert, welche ab- iuechseln und Längsreihen bilden. All eiilcr Stelle der Hofmaüer ist eine Art Küche eingerichtet, mit niedriger Thonmaner abgeschlossen und mitThonstcincn zum Auf-224 Ncisc ins Land der Mußgo und Tubori. setzen der Töpfe. Mit einer Hälfte der äußern Mauer parallel läuft eine zweite innere niedrige Mauer, welche in der Mitte einen Einschnitt als Thür hat. In dem Raume zwischen beiden Mauern stehen einige Kühe an Pfählen festgebunden in der Richtung der Mauern. Das Rind der Mußgo ist von derselben Rasse, die im ganzen Sudan gewöhnlich ist und die durch den Fetthöcker auf dein Widerrist an den indischen Zebu erinnert. Dabei hat es gewöhnlich nur eine mittelmäßige Größe und giebt außerordentlich wenig Milch. Es ist zu vermutheu, daß die Mußgo das Rind durch Vermittlung der Fellata - Stämme überkommen haben, da sich in ihrer Sprache kein bcsoudererName für dasselbe findet und derjenige, mit welchem sie bezeichnen, allem Anschein nach aus der Sprache der Fellata stammt. Auch die Pferde dieses Volkes sind wenig ansehnlich, dabei aber von größer Ausdauer. Da man dieselben ohne Sattel und Steigbügel reitet, so ist ein wahr haft barbarischer Gebrauch bei den Mußgo aufgekommen. Man unterhält näm lich, um einen fester Sitz zu haben, auf dem Rücken der Thicre eine offene Wunde und ritzt sich selbst im Nothfall sogar die Schenkel, um sich durch das eigene Blut fcstzuhalten. Für die größer Viehherden werden wegen der langen Regenzeit Stallungen eingerichtet, deren Wände aus einem halb offenen Verhau gebildet sind. Hierdurch sind die Mußgo zugleich gezwungen, eine halbe Stallfütterung einzurichten,, und sammeln deshalb im Frühjahr das junge nahrhafte Gras zu Heu. Sie flechten es zu langen lockern Zöpfen und hängen an den Bäumen zum Trock nen auf, wie uns dies die nebenstehende Abbildung zeigt. Zahlreiche Hühner beleben den Haushalt der Mußgo, und bei den benachbar ten Tubori, die vor den Mußgo den Ruf einer größer Tapferkeit genießen, sind Hundebraten nicht selten. Die cwähnte, nicht viel über fußhohe innere Mauer dient gleichzeitig als Sitz. Den behaglichsten Platz des Ganzen bildet aber während der heißen Zeit ein Schattendach aus dichten Matten, das auf vier Pfosten ruht. Die Bewohner mancher Mußgo-Dörfer nähren sich ausschließlich von Fi sch * fang. Die Flüsse sowol als auch die stehenden Wiesenwasser wimmeln von Fischen verschiedener Art, und es hält nicht schwer, ihrer habhaft zu werden. Die Mußgo verfertigen Körbe zum Fange derselben und bedienen sich auch eines Speeres mit drei Zinken dazu, von denen der mittelste länger als die beiden seit lichen ist. Dieses Instrument, das große Achulichkeit mit dem Dreizack Posei don s hat, wird auch gelegentlich als Kriegswaffe gebraucht, wie solches auch schon mit dem Dreizack bei den Römern der Fall war. Eben so zweckmäßig wie einfach ist eine andere Art des Fischfanges. Man verbindet nämlich zahlreiche flache Vertiefungen und Gruben durch schmale Zugänge mit dem Flusse in der Weise, daß sich dieselben. beiin Hochwasser leicht füllen und beim Zurücktreten des Wassers bequem schließen lassen. So schneidet mau den Fischen den. Rückzug ab und wird ihrer leicht habhaft. Bei ihrem fortwährenden Verkehr am Wasser st v die Mußgo meistens gewandte Schwimmer, und vr. Barth erzählt einen eigen- thümlichcn Kampf, bei welchem vier in einem tiefen Wasser befindliche Mußgo von einer außerordentlichen Uebcrmacht Kancmbn- Krieger angegriffen wurden und226 Steife ins Land der Mußgo und Tubori. sich schwimmend und tauchend lauge Zeit erfolgreich vertheidigteu. Nachdem meh rere Kanemhu von denselben getödtet worden waren, unterlagen zwar auch drcl von den Mußgo, der vierte aber entkam glücklich seinen Verfolgern. Zum Uebersetzen über den an mehreren Stellen des südlichen Gebietes reißen den und dabei tiefen Schari-Strom haben die Mußgo sich auch Kähne erbaut, obschon sie deren nur eine kleine Anzahl besitzen. Die Hauptbeschäftigung dieses Völkchens istViehzucht und Ackerbau. Außer der Negerhirse (Hoicns cernüus) und dem sogenannten indischenKorn (Sorghum), von welchen Getreidearten die Mußgo mehrere Spielarten ziehen, haben sie in der Umgebung ihrer Hütten gewöhnlich auch eine Tabakpflanzung, mitunter auch ein Feld mit Baumwolle. In Bornu ist das Tabakrauchen sehr wenig in Gebrauch, da die Bewohner als gute Mnhamedaner religiöse Bedenken dagegen haben und so- wol Rauchen als Kauen mit dem Branntweintrinken auf dieselbe Stufe stellen. Die Mußgo und Tubori dagegen rauchen leidenschaftlich und besonders sieht man die Frauen fast nie ohne eine kurze Pfeife, die einen gut gearbeiteten thöuernen Kopf und ein Rohr aus dein Halm des Getreides hat, also bedeutend vollkommener ist als der Knochen, dessen sich dieBewohnerVornn s bedienen. Der Reisende fand gewöhnlich in jeder Hütte 50 60 Pfund Tabak vorräthig. Muthmaßlich haben die Bewohner in Bornu und Mußgo den Tabak durch die Araber erhalten, da in bei den Volkssprachen kein besonderes Wort zur Bezeichnung desselben vorhanden ist, sondern man das Kraut mit dem Vulgär - Arabischen Taba" bezeichnet. Die Mußgo scheinen auch starke Trinker zu sein. Dr. Vogel fand in einer Hütte oft zehn ungeheure Thongefäße voll Gossnb-Bier (Busa), jedes wenige stens fünf Gallonen (1 Gallon 4 Quart) enthaltend. In Bezug auf die Speise scheinen sie dagegen nicht sehr wählerisch zu sein. Die Gafuli (Bohnen) und Fisch^ bilden die Hauptnahrung, von ihrem Vieh essen sie nur das gefallene. Mäuse und Frösche sind ein Leckerbissen. Die Gefangenen fingen unterwegs jede Amphibw, deren sie ansichtig wurden, und brieten sie an einem kleinen hölzernen Spieß, w e Dr. Vogel sagt, mit Haut und Haaren". In manchen Mußgo-Dörfern ist auch dieBienenzncht im Schwünge, zahll reiche Stöcke, die man in alten Baumstämmen eingnartiert hat, liefern reichlich^ Mengen von Honig. Der Heereszug, mit welchem Barth und Overweg imMußlll^ Lande waren, ward beim Lagern in einem jener Dörfer von den gereizten Biene" wüthend angefallen, welche die Sache ihrer Herren zu vertheidigen schienen. setzten sich Menschen und Thieren hinter die Ohren und konnten nur mit Hülls tüchtiger Ranchfeuer etwas verscheucht werden. Unter den Produkten, die Df Vogel im Mnßgo-Lande fand, erwähnt er noch besonders eine Sorte Seide. 8 vct lich konnte er während des Kriegszuges zunächst nur Cocons im Vorbeireiten den Dornenbüschen abreißen, die schon durch den Regen und durch Insekten hal zerstört waren. Salz gehört in Mußgo fast zu den unbekannten Dingen. Die großen Sa karawanen, welche den Sudan mit diesem Mineral versehen, dringen nicht fr diese Gegenden vor, die den Händlern einmal viel Schwierigkeiten wegenSalzgewinnung. Die Erdmandcl. 227 Transports und auf der andern Seite keine sonderlich lohnende Bezahlung dafür bieten. Die Müßgo am obern Schari bereiten einen Ersatz dieses Gewürzes einem Grase, das im Flusse wächst, und die entfernter vom Strome wohnenden stellen dergleichen aus Asche dar, welche durch Verbrennen des Hirse - und Sorghum - Strohes erhalten. Die Asche wird von ihnen ansgelangt und dann das Wasser abgedampft. Freilich schmeckt das so erhaltene Salz (Pottasche, koh- lensanres Natron) nicht so angenehm wie eigentliches Kochsalz und ist nicht selten bitterlich, aber immerhin doch besser als jenes Salz, welches die Bewohner von Kotoko der Asche von Ninderkoth darstellen. Im südlichen Theile des Mußgo-Landes werden auch die sogenannten Erd - uian d eln (Aracliis hypogaea L.) vielfach gebaut. Dieses Gewächs ist in sci- nem Aussehn unfern Erbsen, Puffbohnen und Wicken ähnlich und theilt sich gewöhnlich dicht über der Wurzel bereits in mehrere Zweige von b 4 Fuß Länge. Dieselben liegen theilwcise auf dem Boden und schlagen an den Knoten von neuem Wurzel. An jedem Blattstiele stehen zwei Paar verkehrt-eirunde Fiederblättchen und a n Grunde ein Paar cilanzcttförmige, zuge spitzte Nebenblätter. Wickelranken sind nicht vorhanden. Aus den Blattwinkeln entspringen 2 6 gelbe Schmettcrlingsblnmcn, von denen die obern meistens taub blühen, die untern da gegen sich zu Hülsen entwickeln. Höchst inter essant ist es, daß die jungen Hülsen unmittel bar nach dem Verblühen sich abwärts krümmeil und in den Grund einbohren, um dort zu rei sen. Die l o 3 Zoll lange und 7 2 3 a Zoll dickcHülse ist an beiden Enden abgestumpft und springt bei der Reife nicht auf. Sie enthält Afrikanisch- 5iw’ (Ar.chis h ypoff aca). 2 4 Samen und ist zwischen denselben etwas zusammengezogen. Die Samen selbst sind eirund und von der Größe einer Hascl- nuß, außen braunroth, innen weiß; sie schmecken süß und etwas bohnenartig und outhalten außer Mehl reichliche Mengen von O el, so daß sie ebensowol roh als gekocht oder geröstet zur Speise geeignet sind. Die Erdmandel wird fast durch Ee Tropenländer knltivirt, auch in Südeuropa mit Erfolg angebaut. Die im Innern Afrika s gebaute unterscheidet sich von den amerikanischen Sorten nur da durch, daß ihr die flaumige Behaarung fehlt, welche letzterer eigen ist. Die Hütten sind oft von den Ranken eines Gurkengewächscs überzogen, wel ches sehr viel Achnlichkeit mit der Melone zeigt. Das daraus bereitete Gemüse Hut einen sehr angenehmen Geschmack, t aber schwer verdaulich. Als ganz unge wöhnliche Erscheinung bei einem scheinbar so rohen Volke muß cö auffallen, daß un südlichen Theile des Landes das Düngen der Felder gebräuchlich ist.228 Reise ins Land der Mußgo und Tubori. Ueber die Religion der Mußgo ist fast gar nichts bekannt. Man erzählt, daß sie eine Art Fetisch, aus einer Holzstange bestehend, besitzen sollen, auch finden sich Priester bei ihnen. Man schwört bei der heimatlichen Erde, indem der Schwö rende dabei eine Hand voll durch die Finger gleiten läßt. Für die Bestattung der Tode zeigt man viel Sorgfalt. Während die Araber die Leiche in flachen, kaum mehr als einen Fuß tiefen Gruben verscharren, so daß dieselben gewöhnlich in kurzer Frist die Beute der Hyänen und anderer Nanbthiere werden, graben die Mußgo ansehnliche Vertiefungen, füllen dieselben über dem Toden und schütten einen halbkugligen Hügel darüber auf, dessen Oberfläche mit Thon geglättet und fest gemacht wird. Auf manchen dieser Gräber steht ein geflochtenes Gefäß, wel ches vielleicht den Kopf deS Verstorbenen enthält, auf andern liegen kreuzweis Baumstämme. Mnthmaßlich bezieht sich die abweichende Ausschmückung auf das verschiedene Geschlecht der Dahingeschicdenen. (Siehe Schlnßbild S. 234.) Unter sich zerfallen die Mußgo in zahlreiche kleinere Stämme, die in ihrem Sprachdialckt von einander so abweichen, daß die Bewohner von zwei nicht gar zu weit von einander entfernten Landschaften einander nicht verstehen. Die mitunter nur durch einen Wald oder ein Wiesenwasser getrennten Gemeinden stehen einan der meistens eben so feindlich gegenüber wie viele Jndianerstämme Amerika s und dadurch wird der Untergang deS ganzen Volksstammes herbeigeführt. Ringsum sind die Mußgo von Feinden umgeben. Von Norden her drängen die Kanori, die zwar wenig tapfer, aber durch den Besitz von Feuergewehrcn und eine zahlreiche Reiterei in entschiedenem Uebergewicht sind. Im Nordosten drohen die zwar stammverwandten, aber durch Religionsverschiedcnheit zu erbitterten Widersachern gewordenen Logoncser. Von Westen und Südwesten her dringen die kühnen, unternehmenden Fellata vor und im Osten werden sie unausgesetzt durch die wilden Bagrimma angegriffen. Alle diese Feinde lassen sich von Fanatismus und Raubsucht gleichzeitig leiten. Die Mußgo sind als Heiden vogclfrei; sie ;u tödten erscheint als Verdienst, man scheut sich selbst nicht, sie massenhaft abznschlach- ten oder grausam auf langsame Weise zu Tode zu guälcn. Es fehlt den Mußgo durchaus nicht an Muth und persönlicher Tapferkeit, wol aber an Einigkeit und einem geweckten, verständigen Führer. Jede kleine Partei kämpft lediglich nur für sich, ohne dem Nachbar beiznstchcn, ja man freut sich unpolitisch über den Untergang des letzter , ohne an das eigne Schicksal zu denken. Kleinen Strcif- zügen widersteht man auf diese Weise wol noch mit leidlichem Erfolg, gegen ein größeres Heer bleibt aber keine andere Rettung als die schleunigste Flucht, bei welcher alle Vorräthe von Lebensmitteln, sowie die Wohnungen preisgegebcn werden. Man flüchtet entweder in das Dornendickicht des Waldes oder über den Fluß. Aus dem erstem entwickeln die Mußgo dann einen Plänklerkrieg im Rücken des feindlichen Heeres und fügen ihm nicht unerheblichen Schaden zu, ohne frei lich dadurch etwas Entscheidendes herheiznführen. Mitunter ließen die Mußgo auch vergiftete Speisen in ihren Wohnungen zurück und tödtcten auf diese Weise ihre Peiniger, die sich freilich von da ab zur Regel machten, keine Nahrung an- znrührcn, bei welcher eine Vergiftung möglich wäre.Politische Loge der Mnßgo. 229 Tausende von waffenfähigen Männern der Mnßgo werden jährlich durch die feindlichen Angriffe, die von allen Seiten erfolgen, niedcrgchctzt und gemordet, Weiber und Kinder in die Sklaverei geschleppt, und selbst von den Uebrigbleibcn- den gehen noch viele dadurch zu Grunde, daß die Feinde alle Vorräthe an Lebens mitteln fowol in den Wohnungen als auf dem Felde vernichte . Nur die Fische bieten dann noch einige Aushülfe. Die Mehrzahl der Mnßgo-Stämme zieht aber selbst ein solches Leben voll ununterbrochener Todesgefahr, aber in wilder Unabhängigkeit, einem Unterthänig- kcitsverhältniß unter die Nachbarvölker vor. Einer ihrer angesehensten einheimi schen Fürsten, Adischcn, hat sich Bornu unterworfen, sein Volk ist jedoch deshalb nicht besser daran als die freien Stämme. Sobald das heranrückende Heer Bornu ankommt, flieht Alt und Jung in die Wälder. Es ist zwar verboten, Vieh und Hausgcräth anzntasten, und nur die Kornfrucht für allgemeines Besttzthnm erklärt, bei einem derartigen Heere ist aber von Disciplin und Mannszucht keine Rede, und selbst im eigne Lande hausen diese Raubschaaren arg genug, wenn nicht die Bewohner selbst sich thatkräftig zur Wehre sehen. Was soll auch ein Fürst von Born von den Mnßgo, die sich ihm unterworfen haben, für Steuern verlangen? Er braucht Geld, dasLand bietet ihm aber nichts Nennenswerthes, das sich bequem in klingende Münze verwandeln ließe, das Angenehmste bleiben ihm immer die Sklaven. So trifft er denn mit dem tributpflichtigen Häuptling unter der Hand ein Uebercinkommen, eine Trnppenabtheilung macht in das befreundete Land einen Einfall, raubt und führt Sklaven hinweg wie aus Feindes Gebiet, und der Häupt ling schweigt dazu, denn er hat selbst dieOrtschaften bezeichnet, welche dem allgemei nen Besten zum Opfer fallen sollen. Er sucht natürlich solche Gemeinden dazuaus, welche ihm mißliebig sind, dadurch wird wiederum das Mißtrauen zwischen Fürst und Volk mehr und mehr gesteigert und der allgemeine Ruin herbeigeführt. Vielleicht ist dieZeit nicht gar zu fern, wo der ganze Stamm völlig ausgerottct ist. Die einzige Rücksicht, welche den Herrscher von Born noch bewogen hat, vorzüglich die nach dein großen Sumpf und in der Bergkette wohnenden Tubori zu schonen, ist die, daß ihm wünschenswerth erscheint, gegen die ruhelos weiter dringenden Fellatastämme ein Bollwerk zu besitzen, das den letzter freilich nicht nnübersteigbar sein wird. Welche Grenelsccnen bei den Raubzügen stattfindcn und in welcher Weise die Beute der Sieger durch die Sterblichkeit der Gefangenen, die, gänzlich ohne Kleidung und Schutz, den Unbilden des Wetters massenweise unterliegen, sich ver ringert, davon giebt uns ttr. Vogel nachstehende Schilderung: Gefahren", sagt er, waren bei dem Kriegszuge nicht viel, da die Mnßgo kein gemeinschaftliches Oberhaupt haben und sich demnach nirgends in entsprechen der Anzahl der ungeheuren Uebermacht des Scheikhs entgegenstclltcn; sie lauerten aber in allen Büschen den Nachzüglern, Marodeurs u. s. w. auf, von denen sie auch etwa 4 500 erschlugen. Von den Gefangenen wurden die Männer unverzüglich hingerichtet und leider vft mit vieler unnöthigen Grausamkeit. So mußte ich z. B. einmal mit ansehen, ^ie man 36 mit Messern die Beine am Knie und die Arme am Ellenbogen abschnitt230 Keife ins Land der Mnßgo und Tubori. inld sie dann verbluten ließ. Dreien hackte man die rechte Hand ab, damit sie ihren Landsleuten das Schicksal ihrer Leidensgenossen mittheilen könnten; von diesen starben zwei nach zwölfstündigerQnal, der dritte lebte aber noch am andern Tage. Die Weiber und Kinder wurden als Sklaven fortgeführt, und wer auf dem Marsche nicht mehr weiter konnte, ward ohne Erbarmen niedergemacht. In der niedrigen Breite, in der wir hernmzogen, hatte die Regenzeit mit Anfang Mai bereits begonnen, und so kam denn jeden Abend ein Gewitter, wie ich eS in meinem Leben nicht gesehen, eingeleitet durch einen Wirbelwind, der alle Zelte niederblies und auf den unmittelbar eine wahre Sündflnt von Regen folgte. So ging es etwa drei Wochen lang, während welcherZeit ich keinen trocknen Faden auf dem Leibe hatte. Das Lager glich gewöhnlich am Morgen einem unendlichen Morast, in dem man zu Fuße durchaus nicht fortkommen konnte. Ich litt in Folge dieses Wetters und der schlechten Nahrung (fast nur tu Wasser gekochtes Getreide) sehr an Diarrhöe, unter den unglücklichen Oktaven aber brachen Ruhr und Blattern in so fürchterlichem Maße aus, daß ich es für ge- rathen hielt, sowie wir aus Feindes Land hinaus waren, der Armee voraus nach Knka zu eilen. Zehn Tage nach mir traf der Scheikh ein, von 4000 Gefangenen nicht ganz 500 mit sich bringend, über 3500 waren der Seuche und den Strapazen zum Opfer gefallen. Fast alle Kinder waren unter zwölf Jahren und konnte man einen sieben-oder achtjährigen Knaben im Lager für 20 Silbergroschen kaufen." Die Bornuaner benahmen sich gegen die armen Sklaven auf die herzloseste Weise. I)r. Vogel gab einem Weibe, das unterwegs niedergekommen war, ein Hemd, um das arme Kind in dasselbe einzuwickeln; kaum hatte er aber den Rücken gewendet, als der Besitzer der Sklavin das Kleidungsstück wegriß und es für sein Eigenthum erklärte. Zum Sammeln von Pflanzen und Insekten war die Zeit bisher sehr un günstig", schreibt Vogel weiter. Ich fand schon Alles verbrannt, als ich hier ankam, und der Regen fängt erst Ende dieses Monats an. Keinen einzigen Käfer habe ich bis jetzt hier gesehen und nur einen Schmetterling. Ich habe einige gute Pflanzen an Robert Brown geschickt (etwa 100 Spezies); Ende dieses Jahres hoffe ich eine größere Sammlung absenden zu können, der auch meine Freunde in Deutschland mitgetheilt erhalten sollen. Meine Krankheit im Februar und März verhinderte mich, Samen einzusammeln, ich denke dies ebenfalls in den letz ten Monaten dieses Jahres nachzuholen. Morgen gehe ich von hier nach den wenig bekannten Landschaften von Man- dara, Adamaua, dem gänzlich unbekannten Jakoba und dem Flusse Tsadda (Be nne), bei welcherGelegenheit ich mit derRigererpedition zusaminen zu treffen hoffe. Ende dieses Jahres gedenke ich mein Hauptquartier nach Wada i zu verlegen, von wo ich südöstlich zu gehen gedenke. Sollten sich mir dabei nnübersteigliche Hin dernisse in den Weg stellen, so würde ich wahrscheinlich, mit Gottes Hülfe, Ende nächsten Jahres durch Dar-Fur, Kordofan, Nubien nach Aegypten gehen. Ich wäre dann der erste Europäer, der den afrikanischen Kontinent in dieser Richtung durchstreift hätte"Der Tnbori-Sumpf. 231 Eine der interessantesten geographischen Entdeckungen, tvelche Dr. Vogel im Herzen von Afrika machte, ist der mehrfach genannte Tnbori-See. Man kann sich das Erstaunen des Reisenden leicht denken, als sich unvermuthet vor ihm eine Wasserfläche ausbrcitet, deren Ende er nicht abzusehen vermag und deren längste Ausdehnung er in einem Briefe zu 200, in andern Schreiben zu mindestens 60 eng lischen Meilen angiebt. Im Norden von einem weit ausgedehnten Morast umge ben, tiefte sich das Wasser nach Süden zu bis auf 18 und 20 Fuß; dabei war es eine deutsche Meile und darüber in der Breite. Längs dieses Sees zieht sich von Nord nach Süd an seiner Westseite hin eine Kette schon bewaldeter Granitgebirge, die sich nicht sowol als fortlaufender Höhenzug, sondern vielmehr als eine Reihe von Kuppen darstelleu. Im Sec selbst sind zahlreiche Inseln und diese sowie die Berge werden von den Tnbori bewohnt. Durch Vergleichung mit Dr. Barth s Angaben über jenen Theil desLandes wird es sehr wahrscheinlich, daß letzterer mit Overweg gemeinschaftlich an derselben Stelle war, ohne einen See zu bemerken. Es hat dies seinen Grund darin, daß sich die beiden letztgenannten Reisenden in einer andern. Jahreszeit, im Januar, in Mußgo befanden, Vogel dagegen im Mai. Barth und Overwcg fanden auf ihrem Wege unweit Demmo einen großen Regenwasser - Pfuhl (Ngaldjam), von dem ihnen erzählt wurde, daß er in der trocknen Jahreszeit nur eine feuchte Viehweide unv Sumpfwiese bilde, in der Regenzeit aber zu einem förmlichen See anwachse, der 15 deutsche Meilen lang und 2 3 Meilen breit sei. Di-. Barth überschritt diese Sumpffläche am 5. Januar 1852 zweimal, in einer graben und in einer schrägen Richtung, und fand in crsterer dreiviertel, in letz terer mehr als anderthalb Meilen breit. Zwei seichte Wasserpfützen und ein drittes, ziemlich tiefes und schwierig zu passirendes Wasser mußten durchwatet werden. Das gewaltige Anschwellen dieser Lachen zur Größe eines Sees hat seinen Grund einmal in der sehr großen Regenmenge, die in dem äquatorialen Afrika fällt, und dann auch in der völlig horizontalen Ausbreitung desLandes, welche ein schnelles Abflicßen der gefallenen Regenwasser verhindert. Drei Wochen lang stürzten nach Di-. Vogel s Erzählung jeden Abend wolkcubruchartige Gcwittcr- güsse nieder und verwandelten das ganze Lager in einen Sumpf, der 2 3 Zoll hoch mit Wasser bedeckt war. Um dieselbe Zeit stiegen alle Flüsse Inner-Afrika s in stauncncrrcgcnder Weise. Schon Mitte Februar war das Wasser des Tsad in jenem Jahre bei Ngornu binnen drei Tagen gegen 20 Fuß hoch gestiegen und zwar ausschließlich in Folge von Regengüssen in südlicher Breiten, welche seine Zuflüsse speisen. Südlich von Mußgo hebt sich vermuthlich das Land terrassenförmig bis zu jenen Hochflächen, die Livingstone unter dem 10. Grad s. Br. antraf, und von denen er meint, daß sie sich, den Erzählungen dcr Eingebornen zufolge, in weite Entfernungen, vielleicht über den ganzen inner Theil des äquatorialen Afrika erstrecken. Jene Hochflächen liegen etwa in 4000 Fuß Erhebung über demMcer und sind so groß, daß man, wie Livingstone sagt,,, einen Monat lang auf ihnen reisen kann, ohne etwas Höheres ols einen Ameisenhügel oder einen Baum zu sehen". Die Regenzeit fällt dort stets mit dem höchsten Stande der Sonne zusammen.232 Reise in Land der Mnßgo und Tubori. Schon wenn die Sonne vom August bis Oktober über jenem Gürtel senkrecht steht, findet ein Regcufall statt. Sic geht aber während dieser Zeit dem Laufe der Ströme entgegen und findet die Länder durch den Einfluß der südlichen austrock- ncnden Winde ausgedörrt. Der fallende Regen wird dann vom durstenden Lande aufgesaugt und die überflüssigen Mengen, die in den Flüssen sich sammeln, fließen in gleichem Maße nach Norden hinab, wie die Regenwolken nach Süden weiter schreiten. Anders verhält sich bei der Wiederkehr der Sonne vom Februar an bis Mai. Daun ist der Boden noch mit Feuchtigkeit gesättigt, die fallenden Ne- genmengen bedecken die weit ausgedehnten Hochebenen und suchen sich bei dem schwachen Gefalle, das dieselben besitzen, sehr langsam einen Weg nach Norden. Gleiche Richtung mit ihnen verfolgen aber Sonne und Wolken und jeder Tag ver mehrt die nach Norden strömenden Wassermasscn. In jenem Gebiete scheinen gemeinschaftlich die Quellen des Schari, Venne, deö Nil und außerdem mehrerer nach Süden strömenden Flüsse zu liegen. Der Arre (Serbewel), dieser ansehnliche Zweig dcS Schari, kommt aus Süd ost, in 9" 60 n. Br. etwa 2 ‘ 2 Meilen östlich von der Nordspitze des Sees von Tn- bori vorbei und wälzt zur Regenzeit nicht weniger als 140,000 Knbikfnß Wasser in jeder Sekunde in den Tsad-See, steht also dem Nil an Größe wenig nach. Nördlich vom zehnten Breitengrade fallen drei kleine Flüsse in denselben, die sämmtlich von den Mandara- und Fellata-Bergen kommen. Dieselben waren vor der Regen zeit, als Di-. Vogel sie Passirte, fast ausgetrocknet. Als er zu Anfang der nassen Jahreszeit den Arre in etwa 10 n. Br. sah, füllte derselbe sein ganzes, etwa 2000 Fuß breites Flußbett aus und war durchschnittlich 16 Fuß tief. Nur an wenigen Stellen zogen sich Sandbänke quer durch und verminderten die Tiefe bis auf sechs oder acht Fuß. Der Strom floß mit einer Geschwindigkeit von ungefähr einer deutschen Meile in der Stunde. Nach den Spuren aber urthcilen, die Vogel an den steilen Ufern sah, muß er in der besten Jahreszeit eine Tiefe von durchschnitt lich mindestens 30 Fuß haben. Als Dr. Barth denselben Fluß am 2. Januar 1852, also in der trocknen Jahreszeit sah, war derselbe nur 1200 Fuß breit; am 5 Januar traf er ihn an einer andern Stelle in zwei Arme gespalten, von denen der westliche 600 Fuß breit und mir l F"ß tief, der östliche zwar nur 300 Fuß breit, aber da bei so tief war, daß er nicht passirt werden konnte. Auch der Benne, der seine Zuflüsse aus denselben Gegenden erhält, steigt um diese Zeit nicht weniger als 60 Fuß hoch und überschwemmt das Land weit und breit; seine Fluten bespülen dann die Umgebung von Jola, der Hauptstadt von Adamaua, welche fünf Meilen weit vom gewöhnlichen Ufer des Stromes entfernt liegt. Als Br. Vaikie de Fluß in demselben Jahre beschifstc, in welchem Br. Vo gel sich am Tubori - See befand, waren die Uebcrschwcmmungen an einer Stelle des Thales so ausgedehnt, daß der Kapitän mit dcmDampfboot mehr als fünf Meilen weit über daS überschwemmte Land hingefahren war, ohne es zu wissen und ohne den Flußlauf innehalten oder auffinden können. Der Nil, welcher seine Gewässer wahrscheinlich aus den benachbarten südöst- lichcn Gebieten bekommt, beginnt an der südlichen Grenze Aegyptens, zu Assuan,Hochwasser bcv Flüsse. Wasserscheiden. 283 gegen Ende Juni zu steigen, und seine Fluten erreichen Kairo gewöhnlich in den ersten Wochen deS Juli. In den ersten sechs oder acht Tagen ist ein Steigen kaum bemerklich, nimmt aber dann rasch zu. Ungefähr in der Mitte August erreicht der Nil zwei Drittel der Höhe zwischen seinem niedrigsten höchsten Stande und seine bedeutendste Höhe tritt zwischen dem 2 . und30. September ein. Diesen höchsten Stand behält er ungefähr 14 Tage lang ziemlich gleichmäßig, bis er sodauit 5 fallen beginnt, zuerst in einem viel schneller Grade als das Steigen, dann aber sehr langsam. Etwa um den l . November ist der Wasserspiegel gewöhnlich -Ulf die Hälfte gefallen, und dann sinkt derselbe sehr allmälig bis zum folgenden Mai. Es zeigt also der Nil kein bedeutendes Zuwachsen zur Zeit, wenn die Sonne an ihren: weitesten Punkte nach Norden, dem Wendekreis des Krebses, " gekommen ist, sondern zur Zeit ihrer Rückkehr nach dem Aequator. Wenn auch der Tubori-See höchst wahrscheinlich nicht während des ganzen Jahres als Sec vorhanden ist, sondern in der regenlosen Zeit einen ausgedehnten Sumpf mit nur einzelnen Wasseransammlungen darstellen mag, so gewinnt der selbe doch ein hohes Interesse durch seine Lage zwischen den beiden Stromgebieten öcs Benne Schar!, also zwischen den Zuflüssen des Atlantischen Occans und öenen desTsad-Sces. Ein großer Thcil derWasscr dieses Sumpfes zieht sich lang em nach dem Bette eines Flusses, dcsKebbi, hin. Dieser vereinigt sich mnth- wßlich weiter südlich mit deiil aus ähnlichen Snmpfseen entstammenden Ledde, ud beide gehen dann in den Benne. Zur Zeit des Hochwassers fluten aber auch Ne Gewässer des Tubori-Sumpfes mit denen des Arre znsamincn nild erscheint bann keinen besonder Schwierigkeiten unterworfen, daß ein Boot, welches den Benne heraufgegangen wäre lind gerade um diese Zeit hier einträfe, über bcu Tubori - See nach dem Arre und diesen entlang nach dem Tsad gelangen könnte. Somit wäre also jene Wasserverbindung doch möglich, welche man ehedem als vor handen angenommen und die zu der Annahme verleitet hatte, daß der Tsad be deutend höher läge und der Schari in Verbindung mit dem Venue als ein Strom öe Abfluß desselben bilde, bcn man deshalb Tsadda nannte. Würden diese Ländergebiete sich im Besitz eines intelligenten Volkes befinden, dürfte gar nicht schwer halten, durch einen Kanal von nnbedcutendcr Länge e Wasscrvcrbindung für das ganze Jahr hcrzustcllen, und es würde dann eine ähnliche Vereinigung von Stromgebieten herbeigefnhrt werden, wie eine solche ä- B. in Bayern zwischen den Zuflüssen des Rhein (also der Nordsee) und denen "er Donall (also des Schwarzen Meeres) erreicht worden ist. Bei den ausgedehnten Flächen, die in fast horizontaler Richtung mit einem lleb exfluß von Wasser gesegnet sind und eine so geringe Neigung besitzen, daß llhwcr hält, z l bestimmen, nach welcher Seite hin die zahlreichen Flüsse ihren Lauf Mncu, bedarf nur sehr geringer Veränderungen? um eine entgegengesetzte Strömung der Nebenwasserzu veranlassen. Würden sich dic mitgeführtcn Schlamm- Missen mehr im Osten ablagern, so würde bald ein Abfließen der Gewässer nach festen die Folge sein, und umgekehrt. So erscheint nicht als unmöglich, daß ^deutende Mengen von Wasser in frühern Zeiten ihren jährlichen Laus nach dem234 Reise ins Land der Mnßgo und Tnbori. Tsad genommen und dadurch jene bedeutende Ausdehnung desselben bewerkstelligt haben, von der man so unverkennbare Spuren antrifft. Daß hier nicht von Zeit räumen weniger Jahre die Rede sein kann, versteht sich von selbst, wie bei den meisten geologischen Erscheinungen. Vielleicht lebte auch hier damals jenes dem Flußpferd ähnliche Thier, von dem man Ueberreste in ähnlichen Lagen in Süd afrika gefunden und das vonProfessorOivcnDicpnodon genannt worden ist. Sehr nahe liegt dann, auch für die vom jetzigen Tsad nördlich gelegenen Länder in Bezug ihr Klima eine veränderte, feuchtere Beschaffenheit zu vermuthen. So wie sich aber die herbeigcführten Thonmassen der weiten Fläche des Mnßgo-Landes ablagerten, in gleicherWeise auch jedenfalls die südlicher gelegenen Ebenen nach dieser Richtung veränderten, erhielten auch die Zuflüsse einen ver schiedenen Lauf. Mancher jener Sümpfe mag ehedem nach dem Tsad-See hin seinen Ueberfluß abgegeben haben, der jetzt nach dem Gebiet des Benne seine Wasser entsendet. Würden nach letzterer Richtung hin sich Anhäufungen bilden, nach erstcrcr dagegen durch Zusammensehen Senkungen entstehen, so konnte der alte Stand auch mehr oder weniger herbeigeführt werden, wie einzelne Stellen in der Umgebung des Tsad uns bereits Beispiele im Kleinen darboten. Die Binnen- Seen Südafrika s haben ehedem auch eine viel bedeutendere Ausdehnung gehabt, ihr Wasser aber dadurch verloren, daß sie in später entstan denen Klüften Abzugskanälc erhielten. Die Verminderung der Regenmenge, über welche die Völkerschaften jener südlichen Gebiete klagen, kann leicht damit im Zu sammenhänge stehen, obschon auch Schwankungen in der Windrichtung, die in ausgedehntem Ursachen begründet sind, das Ihre dazu beitragen mögen.IX. Meise nach Wandara und Udje. Gottesgericht der Diarghi. ^ogel s Menagerie. Baikie s Niger Benue-Expedition. Mora und Mandara. Die Berge Mendif und Kamallc. Eisen. Dcnham in Mora. Vogel in Mora. Sestabhcingc Mandara s. Die Marghi und ihr Land. Körperbau und Tracht der -aarghi. Pflanzenwuchs. Sitten und Gebräuche. Die Schna und die Land schaft Udje. Abd c Rahman s Entthronung. Mabani. Die Gamtrghu. ^ Die Schna. ..Min der Zeit zwischen der Rückkehr von dem Feldzuge nach Mnßgo ui d der Abreise nach Mora ordnete T r. Vogel die Notizen, welche er unterwegs gemacht hatte, sowie die Sammlungen von Naturgegenständen, und vergnügte sich in der ^ivischenzeit mit einer kleinen Menagerie, die er in dem Hofe des englischen Danses angelegt. Er schreibt darüber in einem Briefe vom 17 . Juli 1824 : Bis vor kurzem hatte ich einen zahmen Strauß auf dem Hofe herumlaufen, ^r sich mit den Hühnern sehr gut vertrug. Dagegen verfolgte er jeden Menschen, .er irgend etwas Glänzendes an sich trug, und wenn ein Araber mit seiner goldbc- Hten Jacke zu mir kam, lief er ihm oft bis in meine Stube (oder vielmehr Hütte) um seine Knöpfe abznfrcssen. Das Thier verschlang faustgroße Erdklöse und esN Nal ein Stück Calieot, drei Ellen lang und eine halbe Elle breit. Leider brach es tln Bein, zur Freude meiner Diener, die ihm geschwind den Hals abschnitten236 Reise nach Mandara und lldjc. und eine Mahlzeit von ihm machte . Ich kostete auch davon, muß aber gestehen, daß ich einen gut gekochten Stiefel vorziehe. Jetzt besteht meine Menagerie einer Zibethkatze, einem Schakal, einem Affen und einem Mußgo-Widder mit fußlangem seidenweichen Haar. Papageien sind hier selten; ich hatte einen kleinen grünen, der aber durchaus nichts fressen wollte, weshalb ich ihn wieder fliegen ließ. Ich habe noch immer mein braunes Pferd, mit dem ich den unglücklichen Fall in Tripoli hatte; ist zahmer als je und erkennt mich an meinem Fußtritt. Außer ihm besitze ich noch drei andere Vornupferde, alle aber tvild und ungelehrig. Am 16. Juli 7854 verließ Vogel Kuka, ohne irgend einen seiner Begleiter mitzunchmcn, überhaupt nur von vier Leuten begleitet, und zog in der Richtung nach Süden dem Lande Mandara zu. Seine Kamcelc hatte er verkauft und führte sein Gepäck auf Ochsen mit sich. Die letzten Nachrichten, welche er aus Europa erhalten hatte, meldeten ihm, daß eine Dampfschifserpedition während des Sommers den Niger und Benne hinanfgehen würde und bereit sei, ihn anfzunehmen, sobald ihm glücke, mit derselben zusammenzutreffen. Jene Erpcditioir war vorzugsweise buvd) die Bemühungen des Geographi schen Vereins in London und insbesondere durch die unermüdlichen Bestrebungen des Herrn vr. A. Petermann ins Leben gerufen worden. Man hatte die Mit- theilung Di-. Barth s über den großen Strom Benne (ehemals Tsadda genannt) mit Begeisterung begrüßt und beschloß den Versuch zu wagen, auf dieser Hanpll aderJnnerafrika sso weit als möglich vorzudringen. Ein Dampfboot wurde eigens zu diesem Zwecke gebaut, aufs sorgsamste ausgerüstet und mit Eingeborncn be mannt, die von zwölf Europäern geleitet waren. Es ging am t7. Mai 7854 von Liverpool ab, berührte zunächst Irland und hielt dann an Fernando Po im Meer busen von Biafra, unweit der Mündung des Niger. Anfang Juli dampfte die Plcjade, so hieß das Schiff, das Nigerdelta hinauf und gelangte beiin Hoch- Wasser des Benne bis in die Nähe von Jola, der Hauptstadt Adamaua s. Man hegte die Hoffnung, Barth möge vielleicht durch die Eingeborncn von diesem Un ternehmen Kenntniß erhalten und so in den Stand gesetzt werden, mit derPlejade nach Europa zurückznkehren. Die brieflichen Mittheilnugen, welche man ihm n dieser Angelegenheit gemacht, waren in Kuka liegen geblieben, da hier das rücht von seinem Tode ganz allgemein geglaubt ward. Ein Bote, den man ih n früher mit Briefschaften nachgeschickt hatte, war erschlagen worden und die Kunde dieses Unglücks hatte sich irrthümlich auf Barth selbst übertragen. Dem dama- ligcn Herrscher in Bornu, Abd e Rahmau, lag seinerseits daran, das Gerücht zu be stärken, denn er mußte vr. Barth, der ein Freund Hadschi Beschir s, des hing^ richteten Wesirs, war, mit mißtrauischen Augen betrachten. So erfuhr vr. BaAv erst im Dezember desselben Jahres zufällig in Kano von Eingeborncn, daß Expedition auf dein Benne gewesen und bereits zurückgckehrt sei. . Es war dein Leiter des Dampfschiffes, Kapitän B a k e, zur Pflicht genmch worden, das Unternehmen innerhalb eines Jahres zu Ende zu bringen, und selbe sah sich deshalb, nachdem er auf dem Benne 60 Meilen weiter aufwärts vo gedrungen, als die früher Expeditionen zu Wasser, genöthigt, wieder umzukehren-Baikic s Benuefahrt. Mandara. 237 ! % hatte sich dem Punkte, an welchem Barth über jenen Fluß 1851 gesetzt, bis auf ^2 Meilen genähert. Am 7. November langte das Schiff wieder wohlbehalten in Fernando Po an und hatte damit die Möglichkeit erwiesen, von einem englischen Hafen aus binnen etwa sechs Wochen bis in das Herz Afrika s gelangen zu können. Im Gegensatz zu den früher derartigen Unternehmungen war von der ge lammten Mannschaft, 66 an der Zahl, nicht ein einziger gestorben und selbst Krank- hcitcn hatten sich nur in sehr geringem Maße bemerklich gemacht, obgleich man doppelt so viel Zeit, 1 18 Tage, auf den Flüssen verweilt hatte, als einige der frü- hern Nigererpeditioncn, bei denen fast die ganze Mannschaft zum Opfer fiel. Di-. Vogel hatte sich durch das Gerücht von Barth s Tode hindern lassen, sei nem Gefährten neue Boten nachzusenden, da er die Unzuverlässigkeit der Araber Noch nicht genugsam kannte und der Ansicht lebte, daß es Abd e Rahman gegen wärtig gut mit ihm und den Engländern meine. Er hatte sogar einen seiner Die ner in Gemeinschaft mit einem Sklaven des Herrschers nach Sinder geschickt und die Waaren und Gelder abholen lassen, welche Barth dort aufbewahrt, um sie bei seiner Rückkehr zu benutzen. Vogel thcilte die Ansicht seiner Freunde in Europa, welche dahin ging , daß iitr. Barth 1851 über Mandara und dessen Hauptstadt Mora nach dem Benne gereist sei, und schlug deshalb denselben Weg ein, um zu jenem Flusse zu gelangen. di r. Barth war nie ach Mora und Mandara gekommen, sondern hatte die Ge birge des Landes nur durch das Fernrohr betrachten können, rvol aber hatte Major Denham jenes Land und seine Hauptstadt besucht. Denham kann nicht Worte genug finden, die Großartigkeit und Schönheit der Landschaften zu schildern, welche die Gebirge des Gebietes von Mandara (Wandala) bieten, und sagt, daß sie darin.weder von den Apcnninen, noch von der Sierra Morena oder den Alpen iibertrosfen würden. Er schildert unter Anderin einen Bergpaß neben dem Berg H o rz a, dessen schroffe Wände höher als 2000 Fuß cmporstarrten und die eben erst Non einander gerissen zu sein schienen, so genau paßten die gegcnüberstchendcn Borsprünge und Vertiefungen ineinander. Gleichzeitig findet sich in jenen Tha- lern der herrlichste Pflanzenwuchs. .Tamarinden, mehrere Feigcnarten und an dere noch unbeschriebene Bäume bilden dichte Waldungen, durch deren rcichbe- bsubte und blütenbedeckte Kronen sich blühende Schlingpflanzen emporranken und b e Luft mit würzigen Düften füllen. An den Abhängen der Mandara-Berge sand Di. Vogel mehrfach die prachtvolle, von den Einwohnern Kangel" genannte Blume, deren Blüte8Zoll im Durchmesser hat. Gebirgsströme brausen schäumend b ber Granitblöcke, welche von den Bergen herniedergestürzt und mit dem üppigsten birün bedeckt sind. Durch Denham s Schilderung ward die Aufmerksamkeit in Europa lange Zeit besonders einen jener Berge, den Men dis, gelenkt, dessen Bvppclgipf^l Di. Barth deutlich bei seiner Reise durch das Land der Marghi be dachten konnte. Es scheint dieser Berg ein Basaltkegel zu sein, der einzeln gelegen ^vn einer ebenen Fläche vielleicht bis 4090 Fuß aufsteigt, so daß seine Höhe über Btcer gegen 5000 Fuß betragen mag. Sein Umfang beträgt am Fuße gegen 2 3 j ^teilen. Daö Gestein des Berges ist zwar von Natur aus schwarz , erscheint aber238 Reise nach Mandara und Udje. von fern weiß. Diese auffallende, an Schneebcdcckung erinnernde Färbung rührt von unzähligen Vogelschaaren, wahrscheinlich Falken und Geiern, her, welche aus den Klippen nisten und den Basalt mit dicken Guanolagen bedeckt haben. Nicht weit vom Berg Mcndif erhebt sich ein anderer höchst eigenthümlich gestalteter Gipfel, der Kamalle, dessen ebenfalls weißgraue Spitze einer Säule gleich von einem steilenKegel emporgipfelt. Aehnliche abenteuerliche Bildungenzeigt die Kette der Mandara-Berge noch mehrere. Im Allgemeinen scheinen die Gebirge sich 1 500 Fuß über die Ebene, also 2500Fuß über das Meer zu erheben, nur die Hauptkette Magar mag 3000 Fuß haben. Die Mandara-Gebirge enthalten reiche Eisenerze, aus denen einziemlich gutes Metall hergestellt wird. Dasselbe bildet einen Handels" artikel nach den benachbarten Landschaften. Die Bewohner von Mora sind sehr ge schickt imVerfertigenvon glänzenden Ringen und Perlen, die vonden anwohnenden Stämmen, z. B. den Marghi und Batta, lebhaft als Schmuck begehrt und um Heils, Arme, Füße und Hüften getragen werden. Manche jener Eisenringe verstehen sie so zu bearbeiten, daß dieselben das Ansehen erhalten, als seien aus Perlen zusam mengesetzt. Mora wird wegen dieser Eisenwaaren von den heidnischen Völkern viel fach besucht. Die allgemein gebräuchlichen Feldhacken bilden ebenfalls einen Haupt gegenstand der Anfertigung und des Handels in Mandara. Die Arbeiter bedienen sich als Herdes gewöhnlich einer Grube mit Sand, in der sie das Feuer unterhalten. Ein Paar Männer, jeder mit zwei Blasebälchen aus Ziegenfellen versehen, an denen lange eiserne Röhren sind, fachen die Glut an. Ein Paar Eisenstücken, je zwei Pfund schwer, mit einem durchgesteckten Holz, dienen als Hämmer und ein größeresStück desselben Metalles bildet den Ambos. Der Reichthum an Eisen macht sich in Man dara auch beim Hausbau geltend. Die Thüröffnungen, welche von den Gebäuden nach dem Hofraum führen, sind durch Thüren verschließbar. Letztere bestehen aus Holzstücken, durch Eisen zusammengehalten, und gehen in Thürangeln und Haspen- Das Land Mandara und seine Hauptstadt Mora sind durch die natürliche Festigkeit ihrer Lage vor den sie umgebenden Gebieten sehr bevorzugt. Durch die selbe begünstigt, haben sie sich stets eine ziemliche Unabhängigkeit zu bewahren ge wußt, obschon ihr Sultan dem Fürsten von Bornu dem Namen nach tributpflichtig ist. Schon von dem Bornufürsten Edriß (1571 1603) wird erzählt, daß er einen Kriegszug gegen Mandara unternommen, anfänglich aber nichts Erhebliches habe ausrichten können. Der damalige Fürst von Mandara war der Hauptstadt Karaua durch seinen Onkel vertrieben worden und suchte bei Edriß Schutz und Hülfe. Da die Einwohner sich auf den Gipfel des hohen Berges geflüchtet hatten, der im Westen der genannten Stadt liegt, so gelang Edriß erst im zweiten Jahre, durch Hunger zur Unterwürfigkeit unter den rechtmäßigen Fürsten zu zwinge"- Unglücklicher dagegen lief ein Kriegszug der Bornuaner gegen Mandara unter Dunama s Regierung (1755 1793) ab, bei welchem der größte und beste Theil des Heeres fiel und wodurch jene Schwäche des Bornureiches hcrbeigcfmstst wurde, welche den eindringenden F ata ihre Siege außerordentlich erleichterte- Daß zur Zeit der Expedition Denham s Bornu mit Mandara durch Familienban ^ befreundet war, haben wir bereits S. 21 angedeutet, ebendaselbst auch die kue-Mandara und bic Hauptstadt Mora. 239 sterische Pracht hingewiesen, welche der Sultan von Mora entfaltete. Bei Dclo w, einer frühern Residenz des Sultans von Mandara, hatte der letztere die Ankom menden begrüßt. Noch in ihrem Verfall zählte jene Stadt gegen tO,000 Einwohner. Die Leibwache des Sultans ward durch 30 Söhne desselben gebildet, alle in sei dene Toben gekleidet und auf starken, großen Pferden reitend. Die Schabracken bestanden Leoparden - und Tigcrkatzenfellcn, die bis auf die Fesseln der Pferde herabhingen. Die übrigen 500 Bewaffneten der Bewillkommnungsschaar trugen buntfarbige Sudanhcmden, dunkelblau mit rothcn und gelben Streifen, rothe grobwollene Burnusse und weiße oder bunte Turbane. Die vorausreitenden Mu siker hatten lange hölzerne Trompeten mit kupfernen Mundstücken. Bei der feier lichen Audienz im Palaste des Sultans zu Mora trat man durch einen geräumigen Eingang in einen weiten Hof, in welchem der Sultan unter einem dunkelblauen Baldachin auf einem mit schönen Teppichen und seidenen Kissen überdeckten erhöh ten Sitze saß. Fast 200 Leute umgaben ihn, alle in Toben von Seide und bunten Baumwollenstoffcn gekleidet und das Gesicht dem Sultan zugewandt. Denham s Erlebnisse in Mandara waren abenteuerlich und gefährlich genug. Als es bekannt wurde, daß er kein Muhamedaner sei, wandte sich Alles mit dem größten Abscheu von ihm ab und man stellte ihn auf die gleiche Stufe mit den wilden Heidcnvölkcrn der benachbarten Gebiete. Als der Angriff der Araber gegen dic Fellata in Musfia, an der Südgrenzc von Mandara, zurückgeschlagen war und Dcnham völlig nackt, ausgeplündert und aus mehrfachen Wunden blutend sich in das Dickicht des Wal des flüchtete, lernte er hinreichend die Schattenseiten der Waldungen von Mandara kennen. Das Dornengestrüpp zerriß seine Haut bei jcbcm Schritte und Furcht vor versteckten Panthern und Leoparden ängstigte ihn fast so sehr, als die Angst vor den nachsetzenden Feinden. Er erreichte zu seiner unaussprechlichen Freude eine Waldschlucht, in deren Tiefe ein klarer Bergbach schäumte; kaum hatte er aber den Zweig eines überhängenden Baumes erfaßt, um sich hiuabzulassen, so ringelte sich eine giftige Liffa-Schlange an dem Aste empor, um ihn zu beißen. Im ersten Schrecken ließ er den Zweig los und stürzte in die Tiefe. Glücklicher Weise erfrischte ihn das kalte Wasser und er erreichte jenseits desselben seine fliehenden Genossen. So feig und verrätherisch sich die Bewohner Mandara s während des Kampfes der Araber gegen die Fcllata benommen hatten, so abscheulich behandelten sie jetzt die Flüchtigen und halbtoden Verwnndtctcn, und es erschien selbst dem Schcikh von Bornu als ein Wunder, daß Denham lebend wieder bei ihm in Knka anlangtc. I)r. Vogel erging es bei seinem Besuche in Mora nicht viel besser. Der hab süchtige Gewaltherrscher von Bornu, Abd e Rahman, hatte nicht nur einen großen Thcil von Dr. Barth s Waaren, welche von Sinder abgeholt worden waren, unter "Mncherlci nichtigen Vorwänden an sich genommen oder verschwinden lassen, son dern Dr. Vogel auch eine ansehnliche Summe Geldes abgeborgt. Er war höchlichst ^staunt, als unser Reisender allen Ernstes sein Geld wieder verlangte, und sann auf Rache, als dieser deshalb stark mit ihm znsammcnkam. Zu feig, offen etwas gegen ihn zu unternehmen, gab er sich den Schein, als habe er während des Zuges "ach Tubori Vertrauen zu Vogel gewonnen, und erlaubte ihm nach Mandara ab-2-10 Rcisc nach Mandara und Ndje. zureisen. Insgeheim schickte er aber Vogel einen Reiter nach und ließ durch densel ben dem Sultan von Mora einen Brief überbringen, in welchem er demselben mit- theiltc: Vogel habe 100 Dollars baar bei sich, und wenn der Sultan von Mandara diese Vogel abnähme und den Reisenden selbst dem Wege räumen wollte, so wurde es dem Schcikh von Bornu recht angenehm sein. Kaum war daher Vogel in Mora angekommen, als er festgenommen und über einen Monat gefangen gehalten wurde. Der Sultan nahm ihm alle seine Lastthicrc ab und besetzte seine Wohnung durch eine Wache, dabei ließ er ihm freundlicher Weise wissen, daß er ihm den Kopf abzuschnciden gedächte, und forderte ihn jeden Tag unter Androhung augen blicklichen Todes zur Ablieferung der 100 Dollars ans. Vogel s ganze Baarschaft in klingender Münze bestand jedoch nur in 4 Dollars. Durch seinen kühnen Muth und durch die Freundschaft des Wesirs von Mandara, den er von der Ophthalmie geheilt, gelang es dem Reisenden endlich, nicht nur sich selbst, sondern auch sein ganzes Gepäck zu retten und sich zu einem befreundete Schcikh in der Landschaft Udjc, südwestlich von Knka, zu flüchten. 1)r. Vogel hatte die geographische Lage von Mora 10" 58 38" n. Br. und 1 2 22 o" ö. L. v. Gr. bestimmt. Das Land Mandara ist von seinem früher be- deutendern Umfange allmälig mehr und mehr znsammcngeschmolzcn und umfaßt gegenwärtig nicht viel mehr als die Umgebung der Hauptstadt. Vorzüglich sind es die Fellata, welche unermüdlich von Süden und Südwesten her Vordringen und ein Stück des Landes nach dem andern sich unterwerfen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sie in nicht ferner Zeit den letzten Rest des alten Reiches auch überwältigen werden. Seine Bewohner, mit den erwähnten Budduma, Mußgo und Marghi stammverwandt, ein ursprüngliches Negervolk, sind körperlich angenehmer gebildet als die Kanori (Bornuaner). Sic haben einen hohen, jedoch flachen Vorderkopf, große, feurige Augen, grobes, krauses Haar und ihre Nasen nähern sich nicht sel ten den Adlernasen. Die Mandara bekennen sich zwar zum Mnhamedanismns, wissen aber von dieser Religion mitunter weiter nichts als einige auSwendigge- lernte, ihnen unverständliche Anssprüche des Koran, sowie einige äußere Ge bräuche. Dicht in ihrer Nähe wohnen Völkerschaften mit rein heidnischen Sitten. So haust in der höher Bergkette dcS Mandara - Gebirges das Volk der S su g u r und wird von einem mächtigen Fürsten beherrscht, der alle benachbarten kleinern Häuptlinge sich unterworfen hat und zugleich eine cigenthümliche AKPriesterfürst zu sein scheint. Seine Stadt Ssngnr ist durch ihre natürliche Lage sehr befestigt. Die steilen Fclsenzüge umgeben sie so vollständig, daß nur vier enge Zugänge frei bleiben, welche sich leicht verthcidigen lassen. Der Fürst soll eine große Menge von Idolen besitzen, kleine runde Steine, auf welchen die Leute Hühner von rother, schwarzer und weißer Farbe und Schafe mit einem schwarzen Streifen auf dein Rücken opfern. Der Steindienst scheint in Mandara der ursprünglich allgemein verbreitete Gottesdienst gewesen zu sein; noch jetzt bekleiden heilige Steine viel fach die jähen Spitzen mancher steilen Felshöhen. Von Mora nach Ssngnr führt nur ein sehr schwieriger Paß und das Land umher wird von einem kräftigen, Heid- nischen Volke bewohnt, das noch ohne alle Kleidung durchs Leben wandelt.Die Marghi und ihr Land. Die westlichen Abhänge der Mandara-Berge nach der Landschaft Ndje hin, in welche Or. Vogel entwich, sind höchst malerisch und angenehm. Waldige, von Granitblöcken und Sandstcinzügen unterbrochene Hügelgelände flachen sich all- malig zu einer Ebene aus, die sich nach dem Becken des Tsad-Sce zu senkt und nach Süden hin hebt. Die ansehnlichste Erhebung derselben scheint bis zu 2000 Fuß anzusteigen. Südlich, jenseits derselben fällt das Land nach dem Gebiete des Benne, dem am Westfuße des Mandara-Gebirges das Flüßchen von Jssage zneilt. Die nach dem Tsad fließenden Gewässer sammeln sich in einem Flusse (Komädugu), der aber nicht während des ganzen Jahres Wasser enthält, sondern nur in der Re genzeit den Sec erreicht. Während.der trocknen Monate zerfällt er in eine Reihe fischreicher Teiche und Lachen; sein Bett bildet dann auf weite Strecken herrliches Weideland und wird von Einheimischen und Reisenden auch deshalb gern ausge sucht, weil man bei geringer Tiefe (l 2 Fuß) in ihm bereits gesundes und er frischendes Trinkwasser findet, während die Ueberreste der Regentümpel um diese Zeit von Würmern und Insektenlarven wimmeln, durch faulige Pflanzen - und Thierstoffc in hohem Grade verunreinigt sind und durch ihr unreines WasserUrsache Mancherlei Krankheiten, besonders des sogenannten Elendes " werden. Westlich vom Mandara - Gebirge, in der Nähe der Wasserscheide zwischen f em Tsad und Benne, wohnt das heidnische Volk der Margh i, südlich von ihnen die bereits zun: Reiche Adamaua gehörigen Batta. Beide Völker haben in ihrem WesenVielcs, was an die südafrikanischenNcgcrstäminc, besonders an dicKaffern erinnert. Die Marghi sind ziemlich zahlreich und sollen 30,000 Krieger stellen können. Es Wo meist kräftige, schöne Gestalten. Die Züge ihres Gesichts sind höchst regel mäßig, die Stirn auffallend hoch und durchaus nicht ncgerartig, obschon die Lip pen etwas aufgeworfen, wenn auch nicht übertrieben. Das Haar ist kraus, fast wollig, die Farbe der Haut dagegen zeigt die größte Verschiedenheit. Einige sind glänzend schwarz, andere dagegen haben eine leichte Kupfer - oderRhabarbcrfarbe, hue daß die dazwischen liegenden Schattirungen vertreten wären. Ihre muskel- starken Körperformen treten um so angenehmer hervor, als die Kleidung auf ein sthr geringes Maß beschränkt ist. Dabei ist letztere aber doch ziemlich gekünstelt. Putzer dem um die Hüften gegürteten ledernen Schurz tragen viele Marghi um mu Hals eine doppelte Reihe rother Glasperlen, etwas niedriger ein ähnliches Geschmeide aus drei gleichfalls rothen Pcrlschnuren, welche im Anschn Korallen gleiche . Noch niedriger, auf die Brust herabreichend, folgt ein Schmuck von gfvci Reihen Eisen - oder Stahlpcrlen. An: linken Oberarm trägt man vier breite ^isenringe, am Ellenbogen zwei andere schmale Ringe aus demselben Stoffe, die so gearbeitet sind, als wären sie aus Perlen zusammengesetzt, und am Hand gelenk befindet sich außer zwei schmalen und einem breiter Eisenring noch ein ^ g Elfenbein. Der rechte Arm hat nur vier Eisenringe am ober Thcilc V ogcl s Reisen. 2. Auf!. ^0242 Ncisc nach Maudara und Ubjc. rmd zwei am Handgelenk. Manche haben auch unterhalb des Knies eine niedliche, aus Baumwolle geflochtene Schnur, Arbeit ihrer Frauen, während sie den Eiseu schmuck, wie bereits erwähnt, Mora beziehen. Nicht wenige tragen außerdem noch um die Hüften ein eisernes Kettchen, wol auch ein kleines, durch das Ohr gebohrtes Rohr. Letzteres ist der einzige barbarische Schmuck, den die Marghi haben, sonst aber sind sie weder durch Zierrathen in Nase und Lippen, ebenso wenig durch Hauteinschnitte verunstaltet. Die Frauen tragen am Kinn eine drei eckige, unten zugespitztc Mctallplate von ungefähr I Zoll Länge, mitunter so schmal, daß nur als ein Stift erscheint. Das Land der Marghi ist von der Natur reich gesegnet: dichte üppige Waldungen wechseln mit herrlichen, durch bunteTradescantien geschmückten Wei defluren und mit fruchtbaren Auen, vortrefflich zum Ackerbau geeignet. Einen Bestandtheil der Waldungen bilden zwar auch hier die dornigen Akazien, besonders die von den Eingcborncn Karage" genannte Art (Acacia Giraffae ?), dazwischen treten aber Affcnbrodbäumc, starke Kornu- Bäume, Sykomorcn, Kautschuk - und andere große Feigenbäume auf, sowie eine Menge Pflanzenformcn, welche bis jetzt noch von keinem Botaniker näher untersucht worden sind. Außer der bereits beschriebenen K g el a (s. S. 213) ist der B u t t e r b a um (Bassia Parkii, Fam- Sapoteac) häufig. Letztgenannter Baum wird nicht gerade sehr groß und ähnelt in seinem Wüchse und Airsehn einer amerikanischen Eiche, die Früchte dagegen erinnern in derFarbc an die Oliven. Sic habe unter einer dünnen grünen Schale ein weißes Mark und in diesem den Kern. Die gesammelten Kerne, an Farbe rnrd Größe der Kastanie gleichend, werden zunächst an der Sonne getrocknet, dannzn Mehl zerstampft und in einem hohlen Kürbis mit lauern Wasser so lange geschüt telt, bis ein knetbarer Teig entsteht. Hierauf gießt man noch größere Mengen warmes Wasser zu und schöpft das Oel ab, welches sich auf der Oberfläche sam melt. Durch Kochen und Abschäumen läßt sich diese Pflauzcnbuttcr reinigen und hat dann vor der thierischcn den bedeutenden Vorzug, daß sich cirr ganzes Jahn ohne Salz gut erhält, während sie dieselbe an Wohlgeschmack weit übertrifft. Sw hat eine schöne weiße Färbung und ersetzt den Marghi die Kuhbutter völlig, dw bei ihnen eine Seltenheit ist, da sie sehr wenig Vieh halten. Gleichzeitig wird dre Butter der Bassia (Schi-Butter) auch wegen ihrer medizinischen Eigenschaften gerühmt. Die dünne fleischige Bekleidung der Kerne gewährt eine angenehme Leckerei, noch angenehmer aber ist die Frucht des Gouda-Busches (Aimona palu stris) als Obst. Dieselbe ähnelt an Größe der Pfirsiche, hat aber die schöngclhe Färbung der Aprikose. Der Gouda-Busch, welcher mehrere Monate hindurch w’* Früchten behängen ist, fehlt in den flachen Thonebeuen Bornu s, dagegen ins Lande der Marghi ist er häufig und ein wahres Labsal für den Reisenden. De) Gouda etwas ähnlich an Größe, Farbe und Geschmack ist die sogenannte Gaude - Diese Frucht hat aber eine sehr dicke Schale und fünf Kerne, welche fast das ganze Innere ausfüllen und nur mit einer dünnen fleischigen Substanz umhüllt sind- Die Birgim", eine andere Waldfrucht, ähnelt einer kleinen, dunkelblauen Pflaume und die Tsada " der säuern Kirsche.Die Marghi. 243 16* Während der Regenzeit sprießt aus dem feuchten Waldbodcn häufig ein sehr geschätztes Zwiebelgewächs auf, von den Eingebornen Katakirri" genannt. Dasselbe erreicht oft die Größe einer großen englischen Kartoffel, sein Fleisch dagegen ist demjenigen des schwarzen Rettigs nicht unähnlich, nur weicher und Zugleich saftiger. Da neben seiner außerordentlichen Nahrhaftigkeit auch einen Kochst erquickenden milchartigen Saft besitzt, so kann sich ein Wanderer selbst während eines langen Tagemarsches leicht durch diese Wurzel allein erhalten, zn- Ual da es nur wenig Erfahrung erfordert, sie ausfindig zu machen. Sie verräth ! ch über dem Boden durch einen einzelnen, etwa loZoll langen grünen Halm. Das Ausgraben ist freilich mitunter etwas beschwerlich , denn nicht selten liegt sie s dem sehr schweren und zähen Erdreich J l 2 Fuß tief. Die Eingebornen sind iedoch gewöhnlich höchst geschickt darin und verstehen in einem Augenblick diesen Unterirdischen Schatz zu heben. Außer diesen nützlichen Gewächsen tritt im nördlichen Thcilc des Marghi- ^andcs freilich auch stellenweise eine giftige Wolfsmilch (Eupliorbia) massenhaft uf, und aus den Granitblöcken der Ausläufer der Mandara-Börge sprießt der I-Bidjage", dessen Saft jene Völker ihr berüchtigtes Pfeilgift darstellcn. Es llt ein Baum von 10 12 Fuß Höhe, buschartigem Wüchse und mit mittelgroßen ufivcnfarbigen Blättern. Das vorzüglichste Getreide, welches die Marghi bauen, ist die Negcrhirse. Dobald die beginnende Regenzeit den Boden hinreichend befeuchtet hat, haut man Ait einer 5 Fuß langen Hacke Löcher in denselben und wirft die Samenkörner hinein. Ein Säen in nnserm Sinne des Wortes findet also nicht statt. Manche ^gen die Samen zwar schon vor dem Beginn des Regens, müssen aber darauf ge bißt sein, die Aussaat zu verlieren, sobald die Gewitter ungewöhnlich lange aus- uleibcn. Man benutzt die Hirse nicht nur zur Speise, sondern auch zur Darstellung ^Nes dicken, berauschenden Bieres. Als Zusatz zu letzten dient auch der Honig, . u man in den Waldungen häufig trifft. Die Biene , von welchen man dem lelbcn erhält, legen ihre Baue in der Erde an. Die Hütten bauen sich die Marghi entweder aus Thon oder einem k^hrgcflecht, dem sie einen Ueberzug von Thon geben. Das kegelförmige Dach fließt sich gewöhnlich nicht ganz dicht der kreisförmigen Umfangsmancr an, son- läßt einen Zwischenraum, durch welchen kühlender Luftzug stattfinden kann. Dcr innere Raum ist meist nur eng und wird noch verkleinert durch eine große d-honnrne, die als Getreidebehälter dient, und durch den ebenfalls großen Wasser ung. Die Thür der Hütte ist nur 3 Fuß hoch und I ^Fnß breit und es wird schon ^tzrch diese Einrichtung eine ansehnlichere Korpulenz der Bewohner verboten. Oft ^Ad die Thürcn noch einen Fuß über dem Erdboden erhaben, um dem Eindrin gen der Regenfluten zu wehren. Die Flur in den Hütten ist aus demselben Grunde Mvht und gut gepflastert. Mitunter ist auch die erwähnte fußhohe Schwelle der zum Einklappen eingerichtet, so daß das Einkriechen um ein Bedeutendes ^urch erleichtert wird. Jede Familie hat ihren eignen abgesonderten Hofraum, der eine Gruppe von244 Reise nach Mcmdara und Ndjc. 5 6 Hütten umfaßt und durch einen 4 Fuß hohen Zaun aus Matten und Dor- nengestrüpp umgeben ist. Durch diese Trennung von einander wird einem etwa ausbrechenden Feuer das Weiterumsichgreifcn leicht verwehrt. Die Lagerstätten innerhalb der Hütten sind entweder auf ebener Erde oder einem Gestell über dem Boden erhaben. Von sonstigem Hausgeräth ist meist nicht viel vorhanden. Außer dem wenigen Kochgeschirr und den Lcdertäschchen der Frau sind einige Speere und Handeisen des Mannes, ein geflochtener Korb und bei denen, welche in der Nähe des Flusses wohnen, ein Netz gewöhnlich Alles, was sich vorfindet. Als Schutzwaffe hat man nicht nur den gewöhnlichen kleinen Schild, sondern auch noch einen großen, der aus dichtem. Flechtwcrk von Rohr besteht und hinreichend ist, zwei oder drei Personen gleichzeitig decken. Vor den Hütten ist häufig ein Schattcndach errichtet und in der Mitte des Hofraums erhebt sich, besonders in dem Gehöfte des Häuptlings derOrtschaft, ein Götteridol, das an den Fetischdicnst der Westafrikancr erinnert. Dasselbe besteht einer 9 Fuß hohen Stange, vom Holz der Kigelia gearbeitet. Oben trägt die selbe ein Kreuzholz und darauf einen irdenen Topf mittlerer Größe. In den Waldungen wird auch ein besonderer Platz der Gottesverehrung als heiliger Hain gewidmet. Die Marghi wählen dazu den üppigsten und am weitesten sich aus- breitenden Baum und weihen diesen ihrem Gotte Tumbi". Sie umgeben den dichtbewachsenen Platz mit einem Graben. Interessant ist eine Art Gottesgericht, welches von den Marghi in zweifelhaften Fällen angewcndet wird. Die streitenden Parteien begeben sich auf einen bestimmten Grauitfclscn und lassen dort ihre ab- gerichteten Kampfhähne mit einander sich raufen (s. S. 235). Man glaubt dabei, daß der entscheidende Gott nicht nur dem Hahne des Unschuldigen den Sieg ver leihe , sondern daß er auch unmittelbar den Schuldigen dadurch strafe, daß derselbe bei der Heimkehr gewöhnlich seine Hütte in Brand finde. Bei dem Tode eines jungen Mannes pflegt man zwar auch zu klagen und zu weinen, das Ableben eines alten dagegen feiert man mit besondern Freudentänzen und Gesängen. Die Be schneidung ist bei den Marghi nicht gebräuchlich, wol aber findet die Schutzpockc - impfung allgemein bei ihnen statt. Die politische Lage dieses harmlosen und kräftigen Naturvolkes ist nur uw Weniges besser als diejenige der Mußgo. Zwischen dem Königreich Bornu und den: Fcllata-Reiche Adamaua gelegen, sind sie der Zankapfel beider Nachbarn gc 5 worden. Ansehnliche Abtheilungen von ihnen sind bereits von beiden Reichen ver schlungen und die noch übrigen freien Marghi werden so lange durch Naubzülst uni) Einfälle der Muhamedancr heimgesucht werden, bis sie es vorziehen, sich dcw stärkern Gegner zu unterwerfen und seine Religion anzunehmen. Die Grenzgss biete, von dichten Waldungen bedeckt, sind gegenwärtig höchst gefährlich zu pastsf ren. Nur starke, gutbewaffnete Karawanen dürfen es wagen, zu betreten, u selbst bei ihnen droht dem Znrückbleibcnden unrettbar Sklaverei oder Tod durch die gereizten Bewohner, welche in ihren Verstecken der Lauer liegen.Die Schna und die Lnildschast Mdje. Nördlich vom Lande der Marghi, ebenfalls westlich von den Mandara-Bergen, ^reitet sich das Gebiet von Udje ans, nach tvclchcin ve. Vogel von Mora floh. Er hatte seinen Jrrthum in Bezug auf den Weg, welchen t)r. Barth nach dem ^enue eingcschlagcn, in Mora erkannt und war so eben im Begriff, seinen Fehler wieder gut zu inachen, als er in tldje die Nachricht von einer neuen, für ihn sehr ^vrtheilhaften politischen Umwälzung in Kuka erhielt, welche ihn zu einer schleu nigen Rückkehr nach der Hauptstadt von Bornu veranlaßte. . . Wie bereits früher (S. 186) erzählt, hatte der Usurpator Abd e Rahman Minen Bruder Omar, den regierenden Sultan, veranlaßt abzudanken und ihm den Palast des getödteten Wesir Hadschi Beschir in Kuka zur Wohnung angewiesen. Hier lebte Omar seinen religiösen Uebungen ergeben auch ungestört als Privat mann, bis der mißtrauische und gewaltthätige Abd e Rahman ihn im Sommer 854, während Vogel in Mora gefangen gehalten wurde, nach Diköa verbannen Zollte. Durch diese Gewaltthat aus seiner lethargischen Duldsamkeit aufgeschreckt, ^sammelte Omar alle Unzufriedenen um sich und trat mit einem Heere dein s^suder gegenüber. Es fand ein kurzes Treffen auf dem freien Platze zwischen den Miden Städten Kuka statt, das mit der Gefangennahme Abd e Rahman s endigte, ssi har ließ ihn tobten und war nun wieder unangefochtener Beherrscher seines ^iches, er, der von jeher eifriger und gerechter Beschützer der Europäer ge wesen war. Der Ort, welchen vr. Vogel bei seiner Flucht von Mora erreichte und den * Mit dem Namen der Landschaft Udje bezeichnet, ist wahrscheinlich die Stadt Wandernde Schna.246 Ncisc nach Mandara und llbjc. Mabani. Dieselbe ist eine ansehnliche Ortschaft von9 10,000 Einwohnern und erfreut sich eines ziemlichen Wohlstandes. Sie bedeckt nicht nur den ganzen Gipfel eines breiten sandigen Hügels, sondern zieht sich auch noch über einen zwn- ten Hügel und über die Senkung zwischen beiden hinweg. Wie fast alle die zahl reichen Städte in Udje hat Mabani einen gut besuchten Markt. Der Marktplatz, am östlichen Abhange des Hügels gelegen, hat 150 200 Stände, und außer nick einem einträglichen Ackerbau beschäftigen sich viele Bewohner mit Gewerbeu- Die in Udje gefärbten Hemden sind ihrer Güte wegen im Sudan berühmt. Die Landschaft Udje ist die gesegnetste und fruchtbarste im ganzen König reich Bornu. Weißer Thonbodcn wechselt mit ausgedehnten Vertiefungen, dir reiche HumuSlagen enthalten, zur Regenzeit sich in Moräste verwandeln und zm Anbau von Sorghum und Baumwolle vorzüglich eignen. In der dürren Jahres) zeit wuchert auf ihnen die Riefen-Seidenpflauzc (Asclepias gigantea) in gleiche Ucppigkcit wie um Kuka. Die Waldungen bestehen aus Affeubrodbänmcn, Ta marinden, Mimosen, Kautschukfeigen, Sykomoren und Kornu-Bäumen und ent halten thcils dorniges Unterholz, theils hohe, dicht verwachsene Gräser zwisch^ den Stämmen. Zahllose Schwärme wilder Tauben beleben die Waldungen uv ebenso unzählige-Wasservögel, besonders Reiher die Wasserbecken und Ufer de- erwähnten Flusses. Der fruchtbare Boden ist von unendlichen Mengen der ameiscn bevölkert; das größere Wild ist dasselbe, welches wir bereits au den Ufer" des Tsad-Sees erwähnten, doch sind die Elephanten und Antilopen nicht so häufig- Wildschwcine kommen auch hier bis in die Nähe der Wohnungen, und selbst vo der Giraffe finden sich hie und da Fußspuren im weichen Boden. Die ursprünglichen Bewohner des reichen Gebietes waren die G am crg h ein Volksstamm, der mit den Bewohnern Mandara s nahe verwandt ist. Sic wur den schon durch den unternehmenden König Edriß Alaoma (l571 1603) unter worfen, und die wenigen Reste, welche noch vorhanden sind , haben ihre Selbstän digkeit gänzlich verloren, Die Mehrzahl der gegenwärtigen Bewohner Udje s Sch na. Unter diesem Namen begreift man alle jene Araberstämme, welche st langen Zeiten (nachweislich mindestens seit dritthalb Jahrhunderten) im Suda^ wohnen und von Nubien und Kordofan aus cingewaudert sind. Ohne besonder politische Umwälzungen herbeizuführen, sind sie als friedliche Rinderhirtcn vo Ort zu Ort weiter gedrungen und haben sich an sülchen Stellen seßhaft niederg ^ lassen, welche ihren Herden hinreichende Weide boten. So zeigen sie in ihrer Üensweise vielVerwandtes von den von Westen her vordringenden, ebenfalls der züchtenden Fellata. In Bornu mögen gegen 200 250,000 Sch na angesie sein, die etwa 20,000 Mann leichte Reiterei ins Feld stellen können. Die n sten von ihnen haben feste Dörfer, aus Rohrhütteu mit abgerundeten S^ dächern bestehend. Hier wohnen sie während der Regenzeit und bebauen das S Das hauptsächlichste Getreide ist das Sorghum; fällt aber, was nich.t selten^^. Fall ist, außer der eigentlichen langen Regenzeit des Hochsommers auch im-^ ein kräftiger Regenguß, so werden die weiten Humnsbcckeu geeignet, sosv Die Schua. 247 eine Saat eines befandern Winterkorns (lloleus oornnus) aufzunehmen und so im Laufe eines Jahres zwei Ernten zu reifen. Die Mitte der Schna - Hütten wird durch einen Pfahl gestützt. Das Dach ist selten so sorgsam geflochten und gedichtet wie bei den Hütten der Eingebornen, sondern besteht oft nur aus einem Haufen übereinander geworfener Reiser und Oeröhricht, durch Taue ziemlich lose befestigt. Als rechtgläubige Moslemin lassen die Schua ihre Kinder durch Schulmei ster im Koran unterrichten. In einer solchen Schule werden die Zöglinge aber tiel schlimmer gequält als in der ärgsten Lehranstalt Europa s. Kanin mit einem Lumpen bedeckt, hocken die armen Kleinen, in der kalten Jahreszeit vor Frost schauernd, schon Morgens 4 Uhr um ein elendes kleines Feuer der Schnlhütte und bemühen sich einige Verse dem Koran zu lesen und einznlernen, deren Sinn sie so wenig verstehen als ihr Lehrer. Dabei müssen sie dem Schulmonarchen alle Möglichen Dienste leisten und werden von ihm schlimmer behandelt als Sklaven. Zur Zeit der Trockniß, sobald die Ernte vorüber ist, beginnen die Schua mit ihren Herden zu wandern und transportircn dabei alle ihre Habe auf Ochsen. Die Rindviehrasse, welche sie pflegen, errinnert durch den ansehnlichen Fetthöcker auffallend an den indischen Zebu. (Siehe das Tonbild.) Ein solches wanderndes Schua-Dorf gewährt einen sonderbaren Anblick. Jede Familicnmutter sitzt oben auf ihrer besten Habe, die in gilt gesäumten Leder schläuchen sorgsam auf beit breiten Rücken der Rinder gepackt und mit Fellen bc- deckt ist. Sklavinnen folgen mit dein weniger werthvollen Gcräth: Stangen, Töpfen und sonstigem Hausgeschirr. Die Frau des Häuptlings zeichnet sich durch eine zcltähnliche Bedachung über ihrem Haupte, durch reicheres Geschirr ihres ssteitthieres, wo möglich aber auch durch, abgerundetere, wohlgenährte Formen ihrer eignen Person vor den übrigen schlanken Gestalten aus. Das Gesicht ver schleiern die Schua-Damen nie, dagegen verwenden viel Sorgfalt auf reich liches Buttern ihrer langherabfallendcn schwarzen Ringellocken. Die Männer hegleiten entweder auf magern, sehnigen Pferden die Frauen, oder sie treiben in weiterer Entfernung hinter jenen langsam die Schaf- und Ziegenherden nach. Ihre Hauptwaffe ist der lange Speer, außer demselben trägt aber Jeder gewöhn lich noch vier kleinere Wurflanzen. Die Hauptabgaben, lvelche die Schua und Gamerghu an den Sultan zu ent richten haben, bestehen in Butter : nd Bich. Viele unter den Schua sind zwar wohlhabend, sie haben aber politisch nie eine besondere Bedeutung gehabt. Die wichtigste Ausnahme hiervon bildeten Tirab, der Wesir el Kanemi s, und sein Sohn, hsr vielcrwähnte Wesir Hadschi Beschir. An Gestalt, Physiognomie, Färbung und hielfach auch noch in ihren Sitten gleichen die Schua genau ihren Stammbrüdern Oberägypten und Arabien. Einige Stämme unter ihnen erinnern in ihrem 8a zon Wesen auffallend an israelitische Abkunft.X. Keile von Jhtfut nach Sinder. Beweggründe zur Reise. Das Gebiet des Tsad-Sccs. Wege im Sudan. Der madngu Waube. Klima. Wildnis; und Kulturland. Alt-Birni. Die Mgnga- Die Bcddc. Begegnung mit Dr. Barth. Bundi. Scheideländer zwisaM Tsad- und Niger-Gebiet. Maschcna. Sinder. Das Fellata- Reich und d^ Hanssa-Staaten. Katseua. Othman. Aliu. Kano. Die Doroa. " Vegetation. Sultan Chalilu in Gando. MM ^^Wie bereits erwähnt, hatte Dr. Vogel von Kuka aus nach Sinder eincu seiner Diener gesendet, der an lehteremOrte dieSachen inEmpfang nahm, welch Dr. Barth daselbst niedergelegt hatte, um sie bei seiner Rückkehr von zu benutzen. Noch war keine Kunde zu Vogel s Kenntniß gekommen, die ihn ü seines Landsmannes wahres Schicksal unterrichtet hätte, noch lebte er der U tlVeranlassung zur Reise nach Sinder. 249 mmg, daß derselbe tob und er selbst der alleinige Vertreter der Erpedition sei. Durch die bisherigen Reisen und die erwähnte ungerechte Behandlung Vogel s Nvn Seiten des Gewaltherrschers Abd e Rahman waren die Hülfsmittel sehr er schöpft worden, welche er bei scinerAnknnft mitgebracht hatte. Da die überBilma kvininendenKarawanen keine neuen Sendungen für die Erpedition mit sich führten, beschloß deshalb unser Reisender, nach Sinder zu ziehen und dort, wo die Kara wanen anlangcn, ivclche die westliche Straße über Rhat und Ghadames cinge- schlagen, sich nach etwaigen neuen Geldern umzuschcn. Er nmchte sich in der letzten Hälfte des Novembers auf den Weg nach jenem westlichen Thor des Su dan". Natürlich benutzte er die Gelegenheit, die Lage der wichtigsten Orte unter wegs festznstcllcn, und behielt dabei fortwährend die übrigen wissenschaftlichen Gesichtspunkte im Auge, welche er sich bei seinen Reisen überhaupt als Auf gabe gesteckt. Trotzdem daß Vogel fortwährend mit. hartnäckigem Unwohlsein, Appetit losigkeit u. dgl. zu kämpfen hatte, lange Zeiträume hindurch fast nichts weiter genießen konnte als Reiswasser, ja beim bloßen Anblick von Fleisch mitunter schon Uebelkeiten, selbst Erbrechen bekam, trotzdem war er aufs eifrigste bemüht, die wissenschaftlichcirZweckc des Unternehmens mit dem letzten Aufgebot von Kraft weiterzuführen. Er verzichtete mitHeitcrkeitnnd fröhlichemMuthcgern und leicht alle Bequemlichkeiten und Genüsse des Lebens, wenn er dadurch nur einen Schritt in der Erreichung seines Zieles vorwärts rückte. Da er selbst ohne Bedenken sich allen Beschwerlichkeiten und Entbehrungen unterwarf, so stellte er dieselben Forderungen zur Zeit der Noth auch an seine Umgebung. Freilich vergaß er dabei, daß seine Begleiter und Diener nicht in demselben Grade von einer höher leiten den Idee getragen und gehoben wurden und denselben also die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse viel wichtiger erschien. Durch dergleichen verschiedene Ansichten kam es leider zwischen Dr. Vogel und seinen beiden europäischen Be gleitern, dem Korporal Church und dem Gemeinen Macguirc zu einer Mißstim mung, die von England aus durch dieselben Leute genährt wurde, die auch gegen Dr. Barth so mancherlei ungerechte Angriffe gerichtet und den Gebrüdern Schlag- intweit wiederholt auf ebenso unangenehme als unwürdigeWcisccntgegcngetrctcn waren. Durch dergleichen Jntriguen war zwischen Vogel und den beiden Eng ländern zu einem bedauerlichen Bruche gekommen und er ließ beide deshalb in Kuka zurück, sich allein in Begleitung eines Schwarzen auf den Weg machend, der ehedem schon Barth gedient und sich treu bewährt hatte. Der Weg nach Sinder führt ziemlich nach Westen und beträgt gegen 60 Meilen. Das Gebiet, welches Vogel hierbei durchwanderte, zerfällt in Bezug auf seine Naturverhältnisse in zwei ziemlich scharf gesonderte Hälften, deren erste, an 30 Meilen begreifend, mit der schon von uns angedcutcten Beschaffenheit Bornu s übereinstimmt. Bis zur genannten Entfernung erstreckt sich das weite Becken, welches allem Vermuthen nach ehedem durch den Tsad-See gefüllt wurde und sei nem Zurücktreten die Entstehung verdankt. Der Komadngu Wanbc bildet die Nvrdgrcnzc dieses Landstriches. Ansehnliche Strecken des Bodens sind wellig hüg-250 Reise von Kuka nach Sinder. lig, durch Sanddünen gebildet. Die letzter scheinen das allmälig kleiner werdende Becken umschlossen zu haben. Sie steigen bis zu 100 und mehr Fuß an und enthal ten zwischen sich weite Strecken von schwarzem, fettem Thon - und Humusboden, reich an modernden Pflanzenstoffen. Zur Regenzeit dringen die übertretenden Gewässer des Komadugu in diese Senkungen ein und verwandeln sie in Moräste, durch welche der Weg sich nur schwierig und mühsam hindurchwindet. Die Wald pfade sind dann tief ausgetreten und kothig, vielfach gewunden, und selbst die Hauptstraßen meist so eng, daß an vielen Stellen ein beladenes Kamcel kaum hin- durchkann. In der Nähe größerer Orte erscheinen zwar die Wege breiter und be tretener, sie lösen sich aber bald in eine Unzahl kleiner Feldwege auf, die nach den Weide - und Tränkplätzen, sowie nach den Feldern führen und zum Uebcrfluß von einer eben so großen Anzahl Fußpfade durchkreuzt werden, die zu den Nachbaror ten und Weilern führen. Ans diesem Gewirr von Spuren und Stegen die richtige Straße herauszufindcn, ist eine Aufgabe, welche weder durch Kompaß, noch durch Kenntniß der Gestirne, sondern nur durch einen wegkundigen Führer gelöst wer den kann. Der Komadugu Waube, den der Reisende mehrmals zu passiren hatte, thcilt sich, wie eine große Anzahl der innerasrikanischen Ströme, in seinem Ober - und Mittellauf in eine reiche Menge Arme, die ein verwickeltes Flußnctz bilden und ebensowol Flußsäcke, tode Hinterwasser als ausgedehnte Sümpfe speisen, zwi schen denen das Fortkommen in hohem Grade erschwert wird. Anfang September ist das Bett des Komadugu auf weite Strecken hin völlig ausgetrvckuct und macht sich dann nur durch die Ueppigkcit des Graswuchses kenntlich; die Fische sind in den Tümpeln zusammengedrängt, die an den liefern Stellen Zurückbleiben, und werden dann selbst von Knaben bequem in Menge gefangen. Kurz darauf beginnt er aber zu schwellen und steigt so schnell, daß er in seinem untern Lauf eine Breite von 200 Schritt und eine Tiefe von 15 Fuß bei einer Geschwindigkeit von Mei len in der Stunde hat und im November seine Ufer überschwemmt. Vogel hatte also gerade die ungünstigste Zeit zu seiner Reise, und die vielfachen Durchnässungen, die bei dem Durchwaten der Sümpfe und dem Passiren des Stromes unvermeid lich sind, habe dann jene Geschwüre an den Beinen zur Folge, die wir als eine Plage des Sudan-Reisenden bereits erwähnten, und an denen auch Or. Vogel in hohem Grade zu leiden hatte. DasUebersetzen geschieht nur mit Hülfe der Fähren aus hohlen Kürbissen, die man mittelst Stangen verbunden hat. Bis zum März sinkt das Wasser soweit, daß es fast still zu stehen scheint und nur 3 Fuß Tiefe bei 50 Schritt Breite hat. Trotz dieses Ueberreichthums an Wasser ist doch im ganzen Landstriche auf fallender Mangel an gutem Trinkwasser. Selbst für das Vieh benutzen die Einge- bornen die stehenden Gewässer nicht zum Trinken, da der Genuß derselben Krank heiten zur Folge hat. Man hat deshalb an den Ortschaften Brunnen gegraben, mitunter bis 250 Fuß Tiefe, aus denen man mühsam das Wasser heraufwindet und dem Reisenden theuer verkauft. Während des Novembers fällt die Temperatur in der Nacht hier bedeutendNaturverhaltnisse am Komadugu. 251 tief und das Thermometer zeigt am Morgen häufig kaum mehr als 4" C.; zu Mit tag steigt die Wärme freilich wieder bis auf 28 . Es stellt sich auf diese Weise das Kliina in klarster Form als Festlandklima dar, dem die ausgleichende und nach jeder Seite hin mäßigende Einwirkung größerer Wasserflächen fehlt. Die sandigen Flächen zur Seite des untern Komadugu sind mit ausgedehnten niedern Mimoscnwaldungen bedeckt. Sie gewähren das trefflichste Weidegebict sürKameelherdenund wurden von jeher zu diesemZwecke benutzt. Ueppige Frucht barkeit entwickeln dagegen die moorigen Senkungen zwischen den Sanddünen. Sie würden den vortrefflichsten Boden für Indigo -, Baumwollen - und Zuckerrohrbau abgeben, wenn günstigere politische Verhältnisse die Einwohner hierzu veranlaß- ten. Gegenwärtig begnügt man sich damit, auf den Sanddünen Bohnen und Erd mandeln zu ziehen und in den Humusscnkungen Getreide zu Lauen. Wie in Udje Pflanzt man zur Regenzeit das Negerkorn (Peiinisetum typlioideum), säet wie beim Reisbau auf einem kleinen Endchen des Ackers zunächst die Körner dicht zu sammen und steckt die jungen Pflanzen dann büschelweise in Löcher, die man mit telst der Hacke macht. Nach Verlauf von zwei Monaten ist die Ernte reif, und während das Negerkorn in Stoppeln steht, säet man das Winterkorn (Holcus cernuus) zu einer zweiten Ernte, da der Boden noch Feuchtigkeit genug besitzt, um auch dieses zu ernähren. Die kultivirten Flächen nehmen aber nur einen sehr kleinen Raum in der Umgebung der Ortschaften und Landgüter ein, der größte Thcil des übrigen Bo dens ist mit Wald bedeckt. Dornige Akazien bilden als Bäume und Unterholz einen Hauptbestandthcil, besonders eine kleine Art Namens Gano. Den Komadugu ent lang treten die Dnmpalmen so massenhaft auf, daß ihre Früchte einen wichtigen Marktartikel abgeben. Herrliche Tamarinden beschatten die Wohnrrngcn nnb Waldplätze, Kornu-Bäumc, Sykomoren gesellen sich zu einer reichen Zahl noch un beschriebener Arten. Unter letztcru macht sich der Karage durch schönen Wuchs und schattiges Lanbdach angenehm bemerklich; der Ngilissi dagegen fällt durch seine Häufigkeit auf. Letzterer ist ein kleiner Baum mit kleinen, zarten Blättern, die ohne Stiel Aestcn und Zweigen entspringen. Auch der Kalgo der schon beschriebene Gonda- Busch (Annona palustris) treten als Unterholz auf. Eine solche üppige Wildniß nährt eine reiche Thierwelt. Die sandigeru freien Gebiete mit lichten Mimosenbüschen werden durch zahlreiche Straußcnher- den bevölkert. Der durchfeuchtete Grund wimmelt von Erdameisen und enthält gleichzeitig die Höhlen ihrer Vertilger, der Erdferkel, ebenso diejenigen des Fen nek. Gazellen mehrfacher Arten ziehen einzeln oder in Rudeln durchs Gebüsch. Die Mohor- Antilope (Antilope Soemmeringii) ist die häufigste. Die Orhr- undÄddar- Antilope kommen spärlicher vor. In den dicht verschlungenen, von windenden und kletternden Gewächsen umwucherten Baumkronen sind Affenherden (Cercopithccus ruber) nicht selten, ja sie kommen in Schaarcn bis 100 und mehr Stück vor. Die ausgedehnten Sumpfflächen mit Komadugu, welche entweder mit Riedgräsern oder mit 10 Fuß hohen Schilfen üppig bestanden sind, bieten Land schaften ähnlich den indischen Dschungeln. Die Elephanten und Wildschweine252 Reift von Kilka nach Sinder. haben hier ihr Lieblingsplätzchen. Unendlich ist der Neichthnm des Landes an Ge flügel. Wasservögel, besonders Reiher, sammeln sich in unzähligen Schaarcn an den fischreichen Becken. Nur kurze Strecken kann der Wanderer zurücklegen, ohne Völker von kreischenden Perlhühnern anfzuscheuchcn, die schwerfällig und lärmend durch das Gebüsch flattern. Auch Rebhuhnarten sind häufig. Große Schaarcn Thurmfalkcn bezeichnen schon in der Ferne die Reviere, in denen sich ein Schwarm Heuschrecken niedergelassen hat. Sowie die Insekten durch den Tritt des Wande rers aufgeschencht werden, stürzen die hungrigen Raubvögel herbei und bekämpfen sich mit Schnabel und Kralle nur die fliegende Speise. An Mücken und Stechflie gen ist bei der sumpfigen Beschaffenheit des Landes selbstredend kein Mangel. Die dichten Dornengcstrüppe in der Nähe des Flußufers sind gleichzeitig Verstecke für den Löwen und zweibeiniges räuberisches Gesindel. Der crstere läßt sich leicht durch hellloderndcs Feuer vom nächtlichen Lagerplatz abhalten , gegen das letztere dagegen muß der Reisende viel mehr auf seiner Hut sein. Das wilde Gebiet am untern Komadugu ist von jeher die Zufluchtsstätte aller Stämme ge wesen, denen bei den zahlreichen Kämpfen und Bürgerkriegen in Bornu Vernich tung drohte. Hier findet sich deshalb eine wahre Musterkarte von Völkerbruch stücken. Tibu sind den ganzen Komadugu entlang seßhaft und führen eine zigeu nerhafte Existenz, indem sie an Unzuverlässigkeit, Reinlichkeit und Ehrlichkeit mit ihren berüchtigten Vorbildern wetteifern. Tuariks spielen hier gern Wegelagerer und üben sich im Raubritterthum und Sklavenjagen. Die nächtlichen Uebcrfälle auf Landgüter, kleine Ortschaften oder lagernde Nomadentrupps beschöiügcu sie vor ihrem Gewissen vorzüglich durch die Anschauungsweise, nach welcher ihnen diese ganze Gegend eigentlich gehört und man sie ungerechter Weise aus ihr ver trieben hat. Sogar Fcllata-Horden ziehen mit ihren Rinderherden zwischen den an dern Stämmen hin und her und machen sich dem Wanderer sofort kenntlich durch ihre auf europäische Art, d. h. ohne Zusatz von Kuhwasscr zubereitete Butter. Die Anstalten, welche der Herrscher von Bornu zur Sicherheit des Landes treffen läßt, sind höchst unzulänglich. Es haben zwar Kricgshauptlcntc (Kaschclla) in den Hauptorten ihren Sitz, und ihre mit Bogen und Pfeil bewaffneten Reiter durchstreifen das Land. Wachtthürme, von denen man mittelst Feuerzeichen das Nahen der Räuberhorden sofort signalisireu könnte, würden aber ganz andere Dienste leisten. Die Einwohner suchen sich bei dem schlimmen Stande der Dinge zu helfen, wie es eben gehen will. Sic unterhalten die Wildniß in der Umgebung der Orte als Schutznüttcl, machen die Wege so unkenntlich als möglich und lege verdeckte Fallgruben mit zugespitzten Pfählen an, durch welche den berittenen Tuariks einen nächtlichen Ueberfall allerdings sehr erschweren, aber auch einem regen friedlichen Verkehr eben so viele Hindernisse entgegen stellen. Der verwilderte Zustand des Landes am Komadugu fällt um so unangeneh mer auf, als gerade hier vor nicht zu langer Zeit, noch im Anfänge dieses Jahm Hunderts, ein ganz anderer Zustand der Dinge vorhanden war. Hier lag die mächtige Residenzstadt der Könige von Bornu, Alt-Birni oder Ghasr 3 5 gomo, die bereits am Ende des 15. Jahrhunderts gegründet ward, und von derenDie Manga. 253 Trümmern Scheikh el Kanemi vorzugsweise den Salpeter zur Bereitung des Schießpulvers bezog, dessen er bei seinen zahlreichen Kriegszügen bedurfte. Nicht weit davon war der Lieblingsaufenthalt der Könige, Ghambaru, von den Ar men des Stromes bespült, von üppigen Weiden umgrünt und von Fruchtbäumen beschattet. Ein weiter, kahler, runder Platz bezeichnet jetzt noch die Stätte, an wel cher Birni stand, die unterminirten Mauerreste geben noch Zeugnis von den An strengungen der angreifcndenFettata, ehe es ihnen(l8I9) gelang, in den befestigten Ort einzudringen. Die Trümmer der fürstlichen Gebäude werden aber dem Euro päer hauptsächlich dadurch in hohem Grade interessant, daß sie gut gebrannten Backsteinen bestehen, eine Bauart, welche man im gegenwärtigen Bornu ver geblich sucht und welche in dem jetzt ausschließlichen Gebrauche, aus Lehuizicgcln SU bauen, einen traurigen Rückschritt der ganzen Kultur kennzeichnet, der sich auch in allen übrigen Verhältnissen kundgicbt. Unweit der Ruinen des alten Birni liegt Ngurutua, d. h. der Ort der zahlreichen Flußpferde, bei welchem sich Richardson s Grab befindet (s. S. 36). Die sumpfigen Gebiete des Mittlern Komadugu werden von den Manga (s. S. 22) bewohnt, einem Negervolke, welches wahrscheinlich auch erst einer Mi schung von Stämmen seinen Ursprung verdankt. Die Männer sind gewöhnlich nur mit einem Ledcrschurz bekleidet und im Kriege als Fußkämpfer mit Bogen, Pfeil und Streitaxt bewaffnet. Die Frauen sind schlank und angenehm gebaut und be decken ihr Gesicht schamhaft mit einem schwarzen Schleier. Die Ortschaften erhal ten durch die leichte Bauart ein sehr freundliches Ansehn. Man führt gewöhnlich die Hütten und die Umhegungen der Gehöfte aus Nohrmatten auf. Freilich wer den sie leicht ein Raub des Feuers, lassen sich aber auch ohne große Anstrengung wieder erneuern. Die Dörfer umgiebt man entweder mit Mauern oder einem dichten Dornenverhan und richtet es gern so ein, daß in der Mitte ein großer Raum für das Vieh als Lagerplatz zur Nachtzeit frei bleibt. Hier befinden sich meist auch der Ziehbrunnen und die mit Lehm ummauerten Tränkstätten. Solcher Marktplatz bietet ein heiteres Bild regen und behaglichen Stilllebens, besonders in kühler Morgenstunde, wenn das Rindvieh, von der Nachtruhe erfrischt, kämpfend seine Kräfte versucht und die Bewohner am lebhaftesten ihre einfachen Geschäfte besorgen. Hier fertigt der Eine Seile aus den Blattfascrn des Dumpalmengestrüpps (letzteres wird vom Rindvieh gern abgewcidet), dort spannt ein Weber auf dem freien Räume vor seiner Hütte Fäden zu einem der bekannten langen und schmalen Baumwollenstreifen auf, daneben ist ein Grobschmied mit dem Anfertigen von einfachen Feldhacken beschäftigt. Aus den von Rohr geflochtenen zierlichen Hüh nerhäuschen kommt das Federvieh zum Vorschein und eilt gackernd dein Getöse nach, das die kornstampfenden Frauen verursachen. Leider hat dieses eigenthüm- liche, weit hörbare Pochen oft genug dem Raubgesindel die Lage der Ortschaften verrathen. Die Kornbehälter befinden sich von den Hütten etwas entfernt, um gegen das Feuer geschützt zu sein. Südlich von den Manga, in einem sehr schwer zugänglichen Snmpfgebiet zwischen den Armen des Komadugu wohnt der Stamm der Bcddc. Die Lage254 Reise von Kuka nach Sindcr. des Landes hat diesen heidnischen Negern noch ihre Unabhängigkeit bewahrt. Sie ähneln in Gestalt und Sitten auffallend den Müßgo und haben auch unter Anderm denselben barbarischen Gebrauch, ihre ungesattclten Pferde zu reiten wie jene. Einen wichtigen Theil der Nahrung dieses Volkes bilden die Fische, welche der Komadugu liefert. Man gewinnt deren so viele, daß große Mengen davon, wie in der Umgebung des Tsad, entweder in ihrer natürlichen Gestalt ge trocknet oder zu Kugeln zusaimnengcballt, einen Gegenstand des Handels aus machen. Die zweite Hälfte des Wegs zwischen Kuka unb Sinder ward durch ein Er eignis bezeichnet, welches zu den freudigsten gehörte, die Di-. Vogel in Inner- Afrika erlebte. Kurz vor dem Städtchen Bundi begegnete er nämlich ganz unver hofft mitten im Walde dem bis kurz zuvor todgeglaubten Dr. Barth, der von seiner- weiten gefahrvollen Reise nach Timbuktu glücklich zurückkehrte. (Siehe das Titel bild.) Barth war das Zusammentreffen eben so überraschend als erfreulich rind er erzählt darüber im letzten Bande seines Reisewerks Nachstehendes: Von dem treuen Gatroner begleitet, war ich meinem Packtroß etwa % Mei len weit vorausgeritten, als ich eine Person höchst fremdartigen Aussehens auf mich zukommen sah; war ein junger Mann, dessen überaus Helle, mir schnee weiß erscheinende Gesichtsfarbe auf den ersten Blick zeigte, daß seine Kleidung, eine Filfitobe, wie ich sie selbst trug, und der um seine rothe Mühe in vielen Fal ten gewundene Weiße Turban nicht seine eigenthümliche Tracht sei. Da erkannte ich in einem seiner schwarzen berittenen Begleiter meinen Diener Madi, den ich bei meinem Ausbruche von Knkaua als Aufseher im Hause zurückgelassen hatte, und sobald er mich sah, benachrichtigte er seinen weißen Begleiter, wer ich sei) und nun eilte Herr Dr. Vogel (denn er war cs) vorwärts und wir. hießen uns einan der in höchster Ueberraschnng vom Pferde herab herzlich willkommen. Ich selbst hatte in der That nicht die entfernteste Ahnung, daß ich ihm begegnen könnte, und er seinerseits hatte erst kurz vorher die Kunde erhalten, daß ich noch am Leben und glücklich dem Westen zurückgekehrt sei. Ich hatte ihm von Kano einen Brief geschrieben, und der war ihm unterwegs zngekommen, aber wegen der ara bischen Adresse, die ich der sichern Besorgung halber auf den Umschlag gesetzt, hatte er gemeint, wäre ein Brief von einem Araber, und hatte denselben, ohne ihn zu öffnen, zu sich gesteckt, bis er Jemanden träfe, der ihn vorlesen könnte. Es war ein unendlich erfreuliches, überraschendes Ereigniß. Inmitten dieser un gastlichen Waldung stiegen wir nun vom Pferde und setzten uns nieder. Mittler weile kamen auch meine Kameele nach und meine Leute waren höchst erstaunt dar über, einen weißen Landsmann neben mir zu finden. Ich holte einen kleinen Vorrathssack hervor, wir ließen uns Kaffee kochen und waren ganz wie zu Hause. Seit länger als zwei Jahren hatte ich kein deutsches oder überhaupt europäischst Wort gehört, und es war ein unendlicher Genuß für mich, mich wieder einmal in der heimischen Sprache unterhalten zu können." Das Gespräch wandte sich freilich bald den keineswegs erfreulichen Ange legenheiten der Erpedition zu, und Barth hörte zu seincm großen Entsetzen, daßVogel s und Barth s Zusammentreffen. 255 in Kuka keine Mittel vorhanden und daß diejenigen, welche Vogel selbst mitge bracht, verbraucht seien. Ebenso erzählte ihm Vogel, wie ihn der Usurpator Abd e Rahman sehr schlecht behaudclt und das von Barth in Sinder zurückgelassene Eigenthum Besitz genommen habe. Unangenehmer noch als durch die Nachricht von dem Mangel an Geldmitteln wurde Barth durch Vogel s Angabe berührt, daß er nicht eine einzige Flasche Wein besitze. Barth war nämlich damals länger als drei Jahre ohne einen Tropfen irgend eines Reizmittels außer Kaffee gewesen und fühlte, da er von häufigem Fieber und Dysenterie stark gelitten hatte, ein unwiderstehliches Verlangen nach dem stärkenden und belebenden Rebensäfte, dessen wohlthucnde Wirkung er durch frühere Erfahrungen kennen gelernt. Während sich die Unterhaltung der beiden Freunde um Vergangenes und Zukünftiges, um die Ergebnisse ihrer Reisen und die Pläne für die Zukunft drehte, kamen die übrigen Mitglieder von Vogel s Karawane an. Sie waren Barth s Leuten begegnet, denen dieser geheißen hatte, ihn im nächsten Orte (Ka- lemri) zu erwarten, unt waren außer sich, als sie die beiden Europäer hier inmitten des Waldes ruhig dasitzen sahen, während die ganze Umgegend von Feinden bedroht war. Es hatten sich Vogel nämlich unterwegs eine große Anzahl arabischer Han delsleute angcschlosscn; diese sind gewöhnlich große Feiglinge und Vogel hatte sie in Borsari angetroffen, wo sich vor einer kleinen Schaar Straßenräuber so ge fürchtet, daß sie erst gewagt hatten weiter zu ziehen, als Vogel mit seinen Beglei tern zu ihnen gestoßen. Nach einer etwa zweistündigen Unterhaltung mußten die beiden Freunde sich trennen. Barth eilte seinem Troß nach und Vogel zog weiter seinem Wege gen Sinder mit dem Versprechen, von dort aus noch vor Ende Dezember nach Knka zurückkehren und mit Barth zusammentrcffcn zu wollen. Ungefähr von Bundi an beginnt daZLand einen etwas veränderten Charak ter zu zeigen. Es gewinnt ein gewelltes Aussehen und aus den ebenen Flächen treten ebensowol zerklüftete Sandsteinfelszüge als zerstreute Granitblöcke hervor. Erstere erhalten besonders nach Norden, nach dem Saume der Wüste hin, das Uebergcwicht. Am Fuße der Granitstöcke findet sich gewöhnlich beim Brnnnen- gräben schönes Wasser; die ausgedehnten Sandflächcn, welche auch Vorkommen, tciden freilich Mangel an dem befruchtenden Element. Es bildet die ganze Land schaft die Wasserscheide zwischen dem Gebiet dcs Tsad und demjenigen des Kowarra (Niger). Die erwähnten trocknen Flächen sind mit einzelnen Büschen hohen Roh res und mit zerstreut stehenden Dumpalmen bestanden. Letztgenannte Palme ist immer noch die herrschende, nur selten tritt einmal eine Delebpalme als letzter Borpostcn der südlicher Flora auf, dagegen finden sich an mehreren Ortschaften ausgedehnte Pflanzungen der Dattel. An den trocknen Stellen sind die Mimosen vorherrschend und werden von Wüstenpflanzen begleitet: der gelbblühende Rctcm (Spartium junceum), der Agul (Alhagi Maurorum), der wuchernde Aschur (Asclepias procera) wechseln mit ausgedehnten Koloquintenflächcn. Das dornig geflederte Stachelgras (Pennisetum clistielmrn) ist in so reicher Menge vor-256 Ncisc von Kuka nach Sindcr. Händen, daß ein etwas starker Wind den Reisenden mit förmlichen Wolken der abscheulichen Stachelgrannen bedeckt, die sich ebenso in die Kleider wie in die un bedeckten Körpertheile einbohren. Unter den Waldbäumen wird der Äffenbrodbaum (Aclansonia digitata) vorherrschend und bildet majestätische Gruppen. Zur trocknen Jahreszeit gewährt er mit seinen wenigen, aber kolossalen Aestcn, die wie ein Riesenarmlcuchter em porstreben, einen abenteuerlichen Anblick, zumal wenn er dann noch mit den zahl reichen langgcsticlten Früchten bedeckt ist, die Von fern aufgchangeneu Geldbeuteln ähneln. Die jungen Blätter sind im Sudan das beliebteste Gemüse und dienen vorzüglich zur Herstellung schleimiger Brühen zu den wenigem Mehl - und Fisch speisen , welche die afrikanische Kochkunst kennt. Zu gleichem Zwecke verwendet mandenan denWohnungen oft angcpflanztenHadjilidj (Balanites aegyptiacus) und die Moluchia (Corcliorus olitoria), doch soll besonders die den Blättern der letzter erhaltene Sauce einen für europäische Gaumen abscheulichen Geschmack haben. Durch ihre Größe und reiche Belaubung machen sich in den Waldungen Feigenarten bcmerklich, vorzüglich die unter dem Namen Baurc im Sudan be kannte , desgleichen die Kautschukfcige und Sykomore. Findet sich etwas Wasser, ein Quell oder Flußlauf, so bilden gewöhnlich schöne Tamarinden die Einfassung. Die Tamarinde ist ebensowol durch ihren Gesammtwuchs als durch ihr hübsches, zartgeficdertes Laub und ihre goldgelben Schoten einer der schönsten Bäume des Sudan und wird durch ihr säuerlich kühlendes Fruchtmark, das fieberwidrig wirkt, zum allgemeinen Liebling. Letzteres kocht man mit den Früchten des Hadjilidj und einem ganz jungen Huhn zusammen und verwendet die so erhaltene Tinktur als Heiltrank bei Verwundungen durch vergiftete Pfeile. Sehr häufig ist auch der Karage-Baum, dessen wir wiederholt erwähnten. Auffallend erscheint zwischenein das Vorkommen von Tercbinthen. An mehreren Stellen ist der Boden salzhaltig, und die Seen, welche sich au solchen Orten ansammcln, in der Regenzeit an Umfang bedeutend zunehmcn und im Winter eintrocknen, setzen dicke Natronkrusten ab. Die Eingebornen sammeln letztere und verwerthen als Gegenstände des Handels. In solchen Gebieten tre ten natürlich auch die schon erwähnten Salzpflanzen auf und erinnern gänzlich an die Hinterwasser des Tsad. Der Papyrus ist an den Ufern der Lagunen mit den Schilfgewächsen häufig, deren Wurzelmark als Nahrungsmittel benutzt wird : die Salzkaper (Capparis sodata) überzieht weite Flächen. In den südlicher Theilen des Gebietes ist der Bau von Negerhirse und Winterkorn vorherrschend, die Samen des Klettengrases werden ebenso zur Nah rung für Menschen verwendet, als von den Bornu - Pferden gern gefressen (fremd eingeführte Pferde verhungern lieber, als daß sich zum Genuß derselben be- guemtcn), im nördlichen Thcile dagegen, vorzugsweise im Gebiet Müuio, wird ausgedehnter Weizenbau getrieben. Der Weizen hat für den europäischen Rciscn- dcn noch besonders deshalb große Wichtigkeit, weil sich die freie Dienerschaft, die ihn begleitet, nie dazu versteht, das anstrengende Stampfen der Negerhirse zu be sorgen, da letzteres ausschließlich als Sklavenarbeit angesehen wird.258 Reise von Knka nach Sinder.- Als auszeichnende Baumform macht sich in der Umgebung der Wohnungen die Gouda (Ourioa bemerklich. Sie wurde aller Wahrscheinlichkeit nach von Aegypten aus eingeführt und ihre Früchte bieten in dem an Obst so ar men Erdtheile einen der angenehmsten Genüsse. Sie werden auf den Märkten der größer Plätze sogar stückweise feilgeboten. Der Banmwollenbau tritt in dieser Landschaft mehr zurück, dagegen werden Tabak, Bohnen, etwas Pfeffer und auch zwei Knollengewächse gepflegt. Die zahllosen Taubenschwärme der Wälder machen Feldhüter nothwendig, die, wie im Lande der Mußgo, erhöhten Gerüsten ihren Sitz haben und durch lange Schnüre, bestrichen mit einem eigenthümlichen Pfla - zcnsaft oder behängen mit klappernden Kürbisschalen, Lärm machen. Zum Schutz gegen die Kühe sind die Felder auch hier mit stachligen Euphorbien umzäumt. Das Wild ist sonst weniger häufig, Hansthiere werden dagegen zahlreich ge- halten. Unter denselben fällt eine Ochsenrasse sehr auf, die sich durch gewaltige Größe und Kraft auszeichnet, mächtige, nach innen gebogene Hörner hat und fast durchgängig weiß gefärbt ist. Obschon die Tuariks der Wüste den Bewohner dieses Negerlandes im Ganzen feindlich gegenüber stehe , so haben doch auch ihre großen Kamcclherden auf der Weide. t4r. Vogel nahm seinen Weg über Maschen , einen Ort von t2,000 Ei wohnern, bestieg die Granithöhe, welche die Stadt beherrscht, und fand sie l3ö Fuß über Meer hoch. Die Umgebung dieses Ortes ist ein schönes, offenes Land, durchzogen von niedrigen Granitkämmen und mit schönen Tamarinden geschmückte Die Brunnen an der Südseite der Stadt sind von einzelnen Dattelpalmen beschat tet und im Osten erstreckt sich jenseits grasreicher Wiesen dichte Waldwildniß. Nach wenig Tagen langte Vogel in Sinder an und theilte die freudige Kunde, daß der todgeglaubte Dr. Barth noch lebe, sofort dem britischen Agente in Ghadames mit. Das kleine, mit Bleistift in Eile geschriebene Briefchen war am 8. Dezember von einem Kurier in Empfang genommen und nach Ghadauw befördert. Der Konsul in letztgenanntem Orte, welcher sich der Expedition höchst Ö c wissenhaft mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln annahm, machte sich na ) Empfang dieser Zeilen sofort persönlich auf den Weg und überbrachte dieselbe" dem Colonel Herman in Tripoli, der sich seinerseits beeilte, durch schleunigist Weiterbeförderung derselben alle europäischen Freunde der Reisenden durch tC überaschende Nachricht zu erfreuen. Die Stadt Sinder zählt etwa gegen t0,000 Einwohner und vermag 1 Reiter und 4 5000 Bogenschützen zu Fuß ins Feld zu stellen. Ihre Lage ist stst angenehm. Im Westen erhebt sich nämlich ein mächtiger Gebirgsstock und niedere Granitstücken umgeben auch die andern Seiten der .Mulde, in welcher der Or liegt. In Folge dessen findet sich schon wenig Fuß unter der Oberfläche gutes ~ ja J ser und in den Gärten entwickelt sich eine ungewöhnliche Fruchtbarkeit. Außer o ^ bereits genannten Gemüse - und Getreideartcn pflegt man die gelbfärbende H cst" ^ (Lawsonia), Tabak und einzeln sogar die Citronc. Palmengruppen sind st die Stadt und über die umgebende Landschaft zerstreut, und letztere erhält beiSinder. 259 ders noch durch die zahlreichen Weiler, welche in der Umgebung der Stadt zerstreut liegen, ein sehr belebtes Ansehn. Diese Landgüter gehören meistens den Häupt lingen der Tuariks und bilden bei der Ankunft der Karawanen die Hauptlager- Plätze. Außer etwas Jndigofärberei hat die Stadt fast gar keine nennenswerthe Industrie; das meiste Leben wird durch den Handel herbeigeführt. Nach Ankunft einer größern Karawane herrscht hier reges Treiben unb am Abend erschallt allent halben Gesang und Musik, mit denen Fremde und Einheimische sich vergnügen und ihre Tänze begleiten. Einen schroffen Gegensatz zu diesen heitern Scenen bildet das Gerichtsverfah ren, das durch den Herrscher in Sinder eingeführt ist. Hängen und Köpfen dünkt demselben eine viel zu milde Strafe; statt dessen läßt er die zum Tode Verurtheilten entweder bei den Füßen aufhängen oder ihnen die Brust öffnen und das Herz hcr- rausnchmen. Richardson, der sich, wie erwähnt (S. 34), längere Zeit in Sinder aufhaltcu mußte, besuchte eines Tages auch den Richtplatz und fand ihn ganz mit Atenschenknochen und Hyäncnkoth bedeckt, denn die Zahl der jährlichen Hinrich- lnngen soll 300 betragen. Die Höhlen jener Raubthiere sind ganz in der Nähe. Der Sultan soll selbst kleinere Verbrechen, z. B. Verleumdungen, mit dem Tode hestrafen. Etwas entfernt vom Richtplatze traf Richardson einen Baum von 40 ÖO Fuß Höhe, der als Baum des Todes" bezeichnet wurde. Sein Begleiter ver sicherte dem Reisenden, daß, wenn Einer sich unter dieZwcigc des Baumes begebe, sofort Befehl vom Sultan ergehe, daß man ihn tödtc oder bei den Füßen an dem Baume aufhänge. Sichst du nicht", sagte er, daß der Platz unter den Zweigen hes Baumes ganz rein gefegt ist? Das thut der Henker alle Tage; kein Anderer Wf es thun. Thut Einer das, so muß er sterben." Der Baum selbst erschien Richard- svn als ein wahres Bild des Todes; ertrug ein dunkles, undurchdringliches Laub Und im obersten Gipfel hatte er gleichsam einen großen Kopf, indem dort der Gipfel breiter als weiter unten die Krone war. Dieser Kopf war mit einen halben Hun dert schmutziger Raben bedeckt, den Handlangern deS Scharfrichters, welche die pichen der Verurtheilten verzehren. Dieselbe Rabcnart sorgt auch für die Rein lichkeit der Straßen der Stadt, indem aller Unrath von ihr verspeist wird. Wäh lend der Nacht verrichten die Hyänen diesen Dienst. Der sogenannte Sultan von Sinder ist eigentlich nur Statthalter der Pro vinz gleichen Namens und dem Sultan von Bornu unterthan; bei der großen Ent- lkrnung von Kuka und bei der Schwäche des gegenwärtigen Herrschers in letzterer Ztadt hat er sich aber einen großen Grad von Unabhängigkeit zu erringen gewußt. Hierzu hat auch der Umstand viel mit beigetragen, daß die westlichen Provinzen %c Selbständigkeit gegen die andringenden Fellata zu behaupten wußten. Die Mehrfachen Kriegszüge, welche vonBornu aus unternommen werden mußten, um Minder und die Manga, die sich empört hatten, wieder zu unterwerfen, haben wir Kreits früher (S. 184) erwähnt. Auch das Gebiet von Munio, das sich wie ein ^"sehnliches Dreieck nach dem Saume der Wüste und den Besitzungen der ränberi- schen Tuariks vorschiebt und welches Vogel bei seiner Rückreise nach Kuka berührte, M eine ziemlich selbständige Stellung.260 Reise von Kuka nach Sinder. Das Fell ata - Deich nick die Hanssa- Staaten. In Sinder war I)r. Vogel bis an die Wcstgrenzc des Königreichs Born gekommen. Hier stieß es an die Provinzen des großen Fellata-R eich es. Bei seinem spätern Zuge über Jakoba, Salia und Bcbedschi bewegte er sich Vorzugs weise in den Provinzen dieses ausgedehnten Staates. Wie wir schon früher erzähl tcn (S. 78), entsprang das Fellata-Reich großentheils den Ruinen des Haussa- Staates, der sich ziemlich über dieselben Gebiete erstreckte. Das Haussa Volk ist allem Vermuthen nach einer Vermischung der Berber mit den ein heimischen Negerstämmcn entstanden. Die poetische Auffassungsweise des Volkes selbst bezeichnet den Berberstamm der Deg gara, dessen Reste noch jetzt nördlich von Munio seßhaft sind, als die Mutter der Haussa und nennt 7 rechte und 7 un ehelicheKinder derselben. Die erster Abtheilungen, bei denen die Hanssa-Sprache die herrschende ist (dieselbe gehört der syrisch-afrikanischen Sprachgruppe an, die Sprache der Kanori im Vornurciche dagegen der turanischen), sind: Scgscg, Katscna, Gober, Rano, Kano, Doura und Biram. In den unechtenHaussa-Län dern ist die Haussa-Sprache zwar auch sehr verbreitet, aber nicht die herrschende; es sind die Provinzen: Kebbi, Sanfära, Nyffi (Nupc), Gnari, Muri, Uoruba (statt dessen wird auch wol Bautschi genannt) und Kororofa. Die angesehenste Stadt des alten Haussa-Landes war Kat sena, einige 20 Meilen südwestlich von Sinder gelegen, ehedem der Sitz mächtiger Herrscher und eines ausgebreiteten Handels. Sie war aus der Verschmelzung mehrerer Dörfer entstanden und ihre Stadtmauer umfaßt 3 37 2 deutsche Meilen, so daß sie min destens 100,000 Einwohner gezählt haben mag. In gewisser Beziehung standen zwar die Fürsten von Katscna eine Zeit lang in einer Art Abhängigkeitsverhältniß 7 Born , es bestand dasselbe aber in nicht viel mehr, als daß bei ihrer Thronbc steigung dem Sultan von Bornu ein Geschenk von hundert Sklaven übersandte - Vor allen andern Haussa-Staaten zeichnete sich Katsena auS durch reine Aussprache und feine, gefällige Manieren im Umgang und behauptete in jeder-Beziehung wäh rend des 17. und 18. Jahrhunderts eine der ersten Stellen im ganzen Sudan. Now gegenwärtig thun sich die Bewohner der Stadt etwas auf ihre feine Bildung und auf eine möglichst noble äußere Erscheinung zu Gute, und ein solcher Haussa - oder Fellata - Stutzer mit sorgsam gepflegtem Knebelbart gewährt eine eigenthümlickF Erscheinung. Ueber ein Paar weiten Beinkleidern von der beliebten gesprenkelten Farbe des Perlhuhns und an der Vorderseite des untern Thcils mit grüner Seidenstickerei geziert, trägt er malerisch die grün und weiß gestreifte Tobr- An dicken Schnüren von rother Seide mit ungeheuren Quasten über die rcckch Schulter geschlungen hängt das Schwert. Darüber flattert der feuerrotheBurflU^ und die rothe Mütze ist von einem roth und weißen Turban auf das zierlich!^ und sorgsamsten umwnden. Reitet der Herr dabei ein stattliches, wohlgenährt- Roß, dessen Hals Kopf auf sehr phantastische Weise mit einem Ncbcrfluß Quasten, Schellen und kleinen Ledertäschchen, in denen schutzbringende PalisiM"Katsena und die Fellata. 261 stecken, behängen ist, während unter dem Sattel eine aus kleinen Flecken aller möglichen Farben zusammcngestickte Schabracke hervorschaut, so ist nach seiner Meinung das Urbild eines noblen Stutzers vollendet und die Stufenleiter zu den Würden des HofeS steht ihm offen. Als 807 Othman die Fellata zu politischer und religiöser Erhebung ent stammte (s. S. 178), leistete Katsena den unter Mallem Rhomaro siegreich vor dringenden Fellata den verzweifeltsten Widerstand. Sieben Jahre lang wahrten die Kämpfe und nur erst in Folge der eingetretenen Hungersnoth ward die Haupt stadt bezwungen. Der Mangel an Lebensmitteln war dabei so groß, daß selbst ein Geier, dessen stinkendes Fleisch zu andern Zeiten Niemand anrührt, mit 500 Mu scheln (Kurdi) und eine Eidechse mit 50 Muscheln bezahlt wurde. Aber selbst nach dem Fall der Residenzstadt gaben die Herrscher von Katsena den Kampf gegen die Sieger nicht auf. Sie zogen sich in die Waldwildniß nördlich davon zurück und gründeten hier die Stadt D a n k a m a, von welcher aus die Kämpfe erneuerten. Fünf Haussa-Könige fielen hier nach einander gegen die Fellata, denen es erst nach den kräftigsten Anstrengungen gelang, Dankama zu zerstören. Die Reste der feindlich gestimmten Haussa zogen sich nach Mariadi zurück (s. S. 37) und noch jetzt führt der Sultan der Mariadi den Titel Fürst von Katsena" und macht in Gemeinschaft mit den befreundeten Bewohnern von Gober und den Stämmen von Air unausgesetzt Anstrengungen, die verlorenen Gebiete wieder zu erhalten. Durch diese blutigen Feindseligkeiten zwischen den zwar verdrängten, aber nicht vernichteten Haussa-Stämmen und den herrschenden Fellata ist das weite Gebiet zwischen Sinder und dem rechten Ufer des Niger in einen traurigen Zustand der Zerrüttung gekommen. Der begeisterte Fellata-Fürst Othman theilte sein großes Reich in eine öst liche und westliche Hälfte; die letztere übergab er einem seiner Brüder, die crstere seinem eignen Sohne, dem aus Clappcrton s Reisen (S.-10) bekannten Sultan Bcllo. Schon letzterer hatte trotz seines kriegerischen Mnthes und seiner bedeuten den geistigen Fähigkeiten, nur mittelmäßige Erfolge erringen können und war fortwährend in Kriege verwickelt, die nicht jedesmal zu seinem Vorthcil ausschlu gen. Als er gestorben, erhielt, nach einer kurzen Zwischenregierung seines Bru ders sein Sohn Aliu die Herrschaft, der schon in seiner äußern Erscheinung mehr- feine Abstammung von einer Sklavin bekundete und aller jener Energie entbehrte, welche bei dem zerrütteten Zustande des Landes doppelt nöthig war. Zu seinem Unglück waren die Herrscher von Gober, sowie die Häuptlinge einiger unterwor fener Kebbi-Stämme ebenso kriegslustig als unternehmend, und entbrannte kurz nach seinem Regierungsantritt ein Kampf, der von keiner Seite kräftig genug geführt wird, als daß er eine baldige, zum Wohle des Landes so höchst nöthige Entscheidung herbeiführen könnte. Jedes Jahr rüsten sich beide Parteien und unternehmen in die beiderseitigen Gebiete Ranbzügc, vermeiden es dabei aber vorsichtig, einander in offener Feldschlacht zu treffen. Die Ortschaften werden auf diese Weise gegenseitig verwüstet, zerstört, dieEinwohner außer Stand gesetzt, ueu Feldbau zu pflegen, die Viehherden werden weggetrieben, oftmals die Leute262 Ncisc von Kuka nach Sindcr. selbst in die Sklaverei geführt, und noch ist kein Ende des Kampfes abzuschcn. Die Haussa-Städte sind womöglich durch eine feste Lage, dazu noch durch künstliche ausgedehnte Verschanzungen und Gräben gesichert. Ebenso sucht man sich gegen die dleberfälle beiderseitig durch Dornendickichte zu schützen und die Wege so unzu gänglich als möglich zu machen, ohne zu berücksichtigen, daß man dadurch auch dem Handel und Verkehr die größten Hindernisse bereitet. So führt z. B. von Kano, dem Hauptsitz des Handels im Sudan, nach der Provinz Nyffe am Niger nur ein schmaler Pfad, welcher ausschließlich von Pferden oder Eseln passirt werden kann, und Katsena hat selbst in seinem gegenwärtigen Verfall, wo nur 7 8000 Einwohner einen kleinen Winkel innerhalb der weiten Ringmauern be wohnen, seine Wichtigkeit als Handelsstadt dadurch etwas gerettet, daß es von hieraus möglich ist, mit dem Kamccl nach dem genannten industriellen, obschon politisch ebenfalls zerrütteten Lande zu gelangen. Die ganze Provinz Katsena, jetzt unter der Aufsicht eines Statthalters der Fellata stehend, inag gegen 300,000 Kopfe zählen, von denen etwa die Hälfte steuerpflichtig ist. Sie kann 2000 Reiter und 8000 Bogenschützen zu Fuß ins Feld stellen. Erst nach dem Fall Katsena s fing Kano an sich zu heben. Seine Bevölkerung besteht zum großen Theil Leuten von Bornu, während in Katsena alle Kauf leute, die nicht Araber sind, dem Stamme der östlichen Mandingo (Wangara) angehören. Die Völkermischung, welche inKano durch die ursprünglichen Einwohner, die eingedrungenen Fellata und die wegen des Handels hier wohnenden Araber statt gefunden hat, giebt sich schon auf den ersten Blick durch den höchst verschiedenen Bansthl der Wohnungen ;u erkennen. Thonwohnnngen und Hütten mit konischen Strohdächern sind durcheinander gemengt, letztere aber keineswegs so angenehm und freundlich eingerichtet, als es sonst in den meisten größern Orten des Sudan der Fall ist. Kano (s. S. 265), eine Stadt von 30,000 Einwohnern, besitzt trotz seiner höchst ungesunden Lage, die noch durch einen großen Wasserpfuhl mitten in der Stadt vermehrt wird, eine außerordentliche Wichtigkeit wegen seiner eignen Erzeugnisse und seines Handels. Es ist das London Inner - Äfrika s. Seine Gc- werbthätigkeit erstreckt sich vorzugsweise auf Herstellung von Baumwollenzeugen, allerlei Lederwerk, Sandalen, und seine Färbereien sind weit berühmt, da man es versteht, den Stoffen nicht nur ein schönes Ansehen, sondern auch durch Glätten einen beliebten Glanz zu verleihen. DcrHandel Kano s verbindet die entlegensten Länder Äfrika s mit einander. Vom fernen Westen kommen jährlich Eselzüge mit den geschätzten Gurunüssen (von Sterculia aeuminata), von Norden werden das Salz der Oasen, Seide von Tripoli, rothe Tuche, Spiegel, Nähnadeln, Messer und Schwertklingen europäischer Fabriken, vom Osten aus Dar - Für Kupfer ein geführt und entweder am Orte vertauscht oder weiter befördert. Der nördliche Theil des Fellata-Reiches ist in Folge der traurigen Zerrüt tungen zur halben Wildniß geworden, trotzdem daß der Boden und das Klima die üppigste Kultur zulassen. Katsena bildet die Wasserscheide zwischen dem Konm- dngn Waube, also dem Tsadbecken, und den Zuflüssen des Niger (Gulbin Sokoto,Die Hausse-Staaten. 263 d. i. der Fluß vonSokoto). Der Boden, 12 1500 Fuß über dem Meere gelegen, ist meistens sanft hüglig gewellt, nur hier und da von niedern, 2 300 Fuß hohen Sandsteinzügen, häufiger dagegen von Granitrückcn unterbrochen, welche lehtern bei ihrem Verwittern fruchtbare Erde geben. Die Regenmenge ist sehr bedeutend. In dem breiten gesegneten Flußthale bei Gando soll jährlich 80 100 Zoll stiegen fallen und von den Bewohnern werden im Jahre 92 Tage als Regentage betrach tet. In der nassenJahreszeit verwandeln sich die Senkungen des Bodens und die ausgedehnten Thälcr in Teiche und Flüsse, an deren Ufern Wasserlilien blühen; in der trocknen Zeit zeigen jene Vertiefungen wegen ihres Feuchtigkeitsgehaltes einen außerordentlichen Grad von Fruchtbarkeit. Die ausgedehnternWaldun- gcn tragen zwar auch in diesen Landschaften denselben einförmi gen und unbehaglichen Charakter, der allen größern Wäldern des Sudan eigen zu sein scheint, sie zeigen aber, außer einem Reich thum an Schlinggewächsen, andere Baumarten als die, welche in Bornn die vorherrschenden sind. Einer der am reichlichsten vorhan denen ist die Doroa (Parkia africana), deren Laub zwar aka- zicnartig spärlich ist, deren pur purne Blüten aber, die beim Beginn der Regenzeit an langen Schossen Hervorbrechen, ihr ein Prachtvolles Ansehen verleihen. Ans den gestoßenen Früchten der Doroa bereitet man kleine choko- ladeähnliche Kuchen, die einen Hanptgegenstand des inländischen Handels bilden. Das Hervorsprießen des jungen Laubes tritt in jenen Waldun gen nicht erst dann ein, wenn bereits die heftiger Regen fallen, sondern es beginnt bereits Ende März. Zn dieser Zeit nämlich kündigt die Luft durch einen außer ordentlichen Feuchtigkeitsgehalt schon die nahe bevorstehenden Veränderungen an und wirkt lebencrweckend die Gewächse, fieberbringend die Menschen ein. Außer der Parkia ist der Affcnbrodbanm nicht selten; die Sykomorc, Tama rinde und der Hadjilidj (Balanites) kommen ebenfalls vor. Von andern großer Gewächsen sind nur wenige bekannt geworden, soz.B.derBid er odcr Tsadda, ein Busch mit kirschcnähnlicher Frucht; der Runh u, ein häufiger Bainn mit zahlrei chen kleinen gelben Blüten; der M er ka-Baum, dessen Früchte, mit Hirse vermischt, Blütenzweig des Doroa-Baumeö (Parkia africana).264 Steife von Knka nach Sinder. den Pferden gegeben werden, um sie gegen die Wurmkrankheit zu schützen; der Arred, eine Akazienart; die Elku, ivelche der Gummi-Akazie(Niiuosanilotioa) sehr ähnlich ist; der Sserkeki-Bnsch, welcher am liebsten auf den zahlreich vorhande nen Termitenhügeln wächst; der Kadassi, ferner der Magara, ein Busch mit dün nen, ruthenförmig aufwärtsstrebenden grünen Zweigen ohne Blätter, der einen Milchsaft enthält. Letzterer ist ein beliebtes Heilmittel bei Geschwüren, welche durch dieDornen entstanden. Interessant ist es, daß alle drei Palmen des Sudan: die Dnm -, Dattel-und Delebpalme, hieran gleichen Lokalen anftreten; die Dum palme ist aber nicht so massenhaft vorherrschend wie am Komadngn, die Dattel kommt nur mäßig in Hainen angepflanzt vor und die Deleb ist ebenfalls nicht in übergroßer Menge da. An einzelnen salzhaltigen Stellen finden sich sogar meh rere Ereinplare der westafrikanischen Oelpalme (Elais guineensis), sonst eine Bewohnerin des Meeresstrandes. Neben den engen Thoren der Haussa - Städte ragt gern ein schlanker Nimi- oder Bentang-Baum (Bomfax s. Ccibagui- lieensis) von ehpressenähnlichem Wuchs als Wegweiser empor. Gewöhnlich stam men dieselben noch aus der Heidenzeit her, in welcher ihnen abergläubische Ver ehrung gezollt ward. Bonden gepflegten Gewächsen nimmt landschaftlich die Gouda (Melonen baum, CaricaPapaya) die erste Stelle ein. Indischer Hirse (Sorghum) und Neger hirse (Pcnnisetum) werden zwar auch hier noch vielfach gebaut, dagegen pflegt man auch eine Anzahl Nährpflanzen, welche in Bornn fehlen. Reis wird in den durch Ueberschwemmung alljährlich befruchteten Flnßthätern neben der Baumwolle in ziemlicher Menge gebaut; Bananen liefern außer den schönen und reichlich er zeugten Zwiebeln eine angenehme Abwechselung der Kost. Bohnen sind vielfach vorhanden und ihr Kraut ist als das nahrhafteste Futter für die Kameele beliebt. Bataten (Convolvulus Batata) und J)am (Diosoorea) geben mehlreiche Wurzeln. Limonien kommen in den Gärten vor; in den Hecken ist die Rieinusstaude ss. S. 64) häufig, Tabak gedeiht gut und bei Sokoto hat sogar ein Neger, der als Sklave längere Zeit in den amerikanischen Plantagen gearbeitet, nicht nur mit Erfolg eine Pflanzung von Zuckerrohr angelegt, sondern stellt aus dein letztern auch ein leidli ches Produkt dar. Welche Wildsorten die dornenreicherr Waldungen der Haussa-Staaten enthal ten mögen, ist uns bis jetzt noch nicht bekannt geworden, da sich die Passion der europäischen Nimrode noch nicht bis zu ihnen verstiegen hat. Elephanten sind stel lenweise vorhanden und an Hyänen ist Ueberfluß. Graue Affen ziehen in ganzen Rudeln auf den Baumkronen entlang und scheuchen die zahllosen Turteltauben auf, die daselbst nisten und welche zur Zeit der Getreidereife die Bewohnerschaft der ganzen Ortschaften auf dieBeine bringen, um durch Geschrei und Lärmen die Kör nerfrüchte zu schützen. Unter den übrigynVögeln fällt der große, herrlich himmel blau gefärbte Sserdi (vielleicht ein Sperber, Nisus gymnogenys ?) vor allen in die Augen. Von großen Schlangen hat noch nicht viel verlautet, desto zahlreicher ist dagegen nach dein Niger zu auf den mit violetten Liliaceen geschmückten Wiese" eine kleine Sorte, welche giftig ist.Kaiw.266 Reise von Knka nach Sinder. Die im Lande gepflegten Rinder sind durchgängig von weißer Farbe) die Ziegen dagegen kaffeebraun. Außer den Hühnern scheinen auch Gänse gezogen zu werden, wenigstens gedenkt vr. Barth dankbar eines Gänsebratens, mit dem eine Dame des Landes seine Tafel bereicherte, als er auf seinem Ritt nach Timbuktu begriffen war. Die zahlreichen Mücken, welche in den feuchten Thälcrn der westlichen Hanssa-Länder zu wahren Plagegeistern werden, haben die Bewohner zu einer sinnreichen Einrichtung ihrer Schlafstellen gebracht. Neben den eigentlichen, mit kegelförmigen Strohdächern versehenen Wohnungen erheben sich besondere Schlaf- Hütten auf hohen Pfählen. Man gelangt mittelst einer Leiter durch eine Oeffnung im Boden hinauf, schließt letztere durch eine dichte Matte und bleibt so ziemlich von den Ruhestörern verschont. Die Gcwcrbthätigkeit der nördlichen Gebiete ist bei der gänzlichen Zerrüt tung aller Verhältnisse äußerst gering. Jn Katsena ist die Kunst, gutes Leder zu gerben, das einzig Nennenswerthe, was aus dem allgemeinen Ruin noch gerettet worden ist. Etwas lebhafter geht es noch in So koto, der alten Residenz Sultan Bcllo s, zu. Wie in Kano herrscht auch hier noch eine leidliche Gewcrbthätigkeit; am meisten sind die Schuhmacher Sokoto s in Ruf , deren vielerlei zierliche und daucrhafteLederarbcitcn auf dem Markte der Stadt (siche das beigefügte Tonbild) zum Verkauf ausliegcn. Neben hübschen Zäumen und sonstigen: Pferdegeschirr und Sandalen finden sich hier Beutel und Lederkisscn verschiedener Formen und Größen bis zu den großen Säcken, welche in der Regenzeit das Gepäck der Rei senden aufnehmen. Das Eisen, welches in Sokoto verarbeitet wird, gehört zu dem besten in: Sudan, außerdem bilden Sklaven einen häufigen Artikel. Die fortwährende Zufuhr von Haussklavcn in den innerafrikanischen Län dern und die dadurch hervorgerufenen neuen Raubzüge werden zum großen Theil mit dadurch bedingt, daß man selten die Verheirathung der Sklaven zu befördern scheint. Der gegenwärtige Herrscher von Sokoto, Aliu, hat seine Residenz nach de : nordöstlich gelegenen Wurnu verlegt, um den feindlichen Angriffen der Bewohner vonGober besser die Spitze bieten zu können. Sein Vetter Chalilu, Sultan in Gando, dessen Reich sich bis zu den Ufern des Niger erstreckt, hat noch geringere Fähigkeiten zum Beherrschen eines so angegriffenen Gebietes. Viel eher möchte er sich vielleicht zu einem Mönche eignen, denn er verschließt sich in mürrischer, aske tischer Weise selbst seinem Volke und überläßt seinem Hofgesinde die Geschäfte und das Wohl des Landes.Vogel s Reisen n Centralafrika. S. 2C6. Leipzig: Verlag von Otto Spamer.k.M Iagv auf den Ajuh (Manulus Vogelii). Keife nach Gautscht, Salta, Kebedfchi und dem Kenne. Zusammcnlcbcn mit vr. Barth. Gndschcba. Jakaba. Bautschi. Höhenrauch. - Die Njcm-njem und Tangala. Ucbergang über den Benne. Gebiet des Benne. Der Ajnh. Die Batta. Die Fcllata. Adamana. Sultan Buba s Zug. Bogel s Reise nach Gambe. Goldsand. Bcbcdschi. Salia. Zweite 9fcifc nach dein Benne. Die Sonrhay-Staaten und Timbnktu. Der Niger. Pflanzen- und Thierwclt an demselben. Die Sonrhay. Die Stadt Timbnktn. ^E^m29. Dezember kehrte Dr. Vogel von seiner Reise nach Sinder wieder zurück und traf seinen Freund vr. Barth in Knka zwar wohlgemuth, aber in Unangenehme Unterhandlungen mit dem Schcikh verwickelt. Um das Ansehen der Expedition zu wahren und den etwa später hier ankommenden Europäern eine rnck- sichtsvollc Behandlung zu sichern, drang nämlich Barth allen Ernstes auf Ersatz derjenigen Sachen, welche während der politischen Wirren in Sinder abhanden gekommen waren. Außer 400 Thalern in baarcm Gclde hatte eine Kiste mit guten englischenStahlwaarenu.dgl. dazu gehört, so daß sich derVerlust ca.lvovThlr. belief. Seinen energischen Vorstellungen gelang es auch, über die Jntrigucn der Höflinge zu siegen, welche bei dem Raube betheiligt gewesen waren, und eine der ersten Handlungen beider Freunde war eö, einen Diener Bogel s, Messand, gefan gen setzen zu lassen, da derselbe durch sein Mitwissen den Diebstahl befördert hatte.268 Reise nach Bautschi, Salia, Bebcdschl und dem Benne. Die 20 Tage, welcheArth undVogel inKnka zusammen verbrachten, gehör ten zu den angenehmsten ihres afrikanischen Reiselebens. Sie theilten sich gegen seitig ihre Erfahrungen und Ansichten über die bereits von ihnen besuchten Länder ,1 mit und machten gemeinschaftlich Pläne für die Zukunft. Vogel bestimmte sich da hin, daß er zunächst versuchen wolle, in, südwestlicher Richtung vorzudringen. Nach dem er Jakoba in der Provinz Bantschi besucht haben würde, wolle er womöglich" über den Benne nach Adamaua Vordringen, auf der Rückreise den südlichen Thell des Mandaralandes umgehen und auf der Straße von Ssaran nach Logone und Kuka znrückkchren. Später wolle er dann versuchen, südöstlich nach dem Nil vorzu gehen. Das Hanptbedenken, was Barth gegen alle diese Plane hatte, war der geschwächte Gesundheitszustand seines Freundes. Vogel s Magen war so schlecht beschaffen, daß er sehr wenig genießen konnte, ja der bloße Anblick von Fleisch rief ihm schon Uebelkciten hervor. Der Sappeur Macguire befand sich in demselben Zustande. Barth hatte versucht die Mißstimmung auszugleichen, welche zwischen Vogel und feinen beiden europäischen Begleitern cingetreten war. Er stellte den letzterst vor, wie es, wenn die großen Zwecke der englischen Regierung durch die Erpedi- tion gefördert werden sollten, unbedingt nothwcndig sei, daß alle kleinlichen, per sönlichen Eitelkeiten Und Empfindeleien hintenan gesetzt werden und man sich höher Rücksichten unterordnen müsse. Macguire ließ sich cuid) durch diese wohlgemeinte Vorstellungen zu einer Aenderung seines Verhaltens bewegen, Korporal Chnrch dagegen blieb hartnäckig, und Barth hielt es deshalb für das Beste, ihn bei seiner Abreise mit nach Europa zurückzunehmen. Vogel erhielt von Barth jene Empfehlungsschreiben des Sultans von Sokoto, welche den Reisenden unter den Schutz aller Statthalter seiner Provinzen stellte und die ihm einen guten Empfang in Jakoba und Jola sichern mußten. So traten beide Freunde mit den freudigsten Hoffnungen das Jahr 1855 ast- Da Vogel bei seinen Reisen außer seinen astronomischen Beobachtungen sciu Hauptaugenmerk auf die Naturgegenstände der zu durchwandernden Länder richtete und vorzugsweise Pflanzen sammelte, so blieb ihm zur sorgfältigen und fortgesetz- ten Aufzeichnung des Weges mit Hülfe des Kompasses keine Zeit übrig. Barth gab deshalb Macguire, der nunmehr Vogel bei seinen neuen Reisen begleite sollte, Anweisung dazu, letzteres zu thun, und man sah getrosten Muthes dc neuen Unternehmen entgegen. Während ihres Zusammenlebens machten beide Freunde kleine Ausflüge nach dem Ufer des Tsad und Barth war höchlichst erstaunt über die Veränderungen, welche während seiner zweijährigen Abwesenheit hier eingetreten waren. Er sä , die Stadt Ngornu halb versunken nnb den Spiegel des Sees bis zu dem Dorst Kukia ausgedehnt. Auch ihres Landsmanns I)r. Overweg Grab besuchten beide fl Maduari, und zu den trüben Erinnerungen an den strebsamen Forscher, der hier ruht, gesellte sich noch die Klage der Frau, welcher die Hütte gehörte, die Overweg bewohnt hatte. Ihr Mann, ein Freund Barth s und des unglücklichen Wes ^ Hadschi Beschir, war durch Abd e Rahman während der Gewaltherrschaft269 V.ogcl Z Abreise nach Gudscheba. Achtern hingerichtet worden und Barth s Anblick rief bei derWittwe das Andenken ün frühere glückliche Tage schmerzlich hervor. So mischten sich ernste Stimmungen und wehmüthige Erinnerungen in die Freude des gegenseitigen Genusses und in die frischen Hoffnungen auf eine heitere Zukunft. Nachdem es gelungen war, vomScheikh von Bornn auch Empfehlungsschrei ben zu erhalten, verließ Vogel ain 20. Januar 1855 Nachmittags Kuka und Barth gab ihm das Geleite. Wie dies beim Antritt einer größer Reise häufig der Fall ist, war der Anfang keineswegs glücklich. Mehrere Sachen waren zurückgelassen lvorden und man verfehlte die vorausgeschickten Leute. Erst nach langem Umher irren traf man sie zu später Stunde im Dorfe Diggigi. Hier brachten Vogel und Barth noch einen gcmüthlichcn Abend zu und tranken mit Begeisterung auf den glücklichen Erfolg des Unternehmens. Gegen das viele und schwere Gepäck, welches Vogel diesmal mitgenommen hatte er führte seine sämmtlichen metcorologischcnJnstrnmcnte bei sich , hatte Barth großes Bedenken und fürchtete sehr, daß dasselbe in dem schwierigen Gebiet jenseits Jakoba werde fortzubringen sein. Das Barometer, welches Vogel mit großer Sorgfalt bis Kuka gebracht hatte, gericth in demselben Augenblick in Un ordnung, als wieder von der Wand genommen wurde. VouDiggigi aus begleitete Barth seinen Freund noch während des folgenden Tagcmarsches und verließ ihn daun mit den besten Wünschen für den Erfolg seines llntcruehinens. Nachdem später in Kuka die Karawane neue Mittel für die Erpc- dition mitgebracht (unter Auderm lOOODollars in baarcmGelde) und Barth selbst die 400 Thlr. vom Schcikh zurückerstattct bekommen, hatte er die Freude, seinem Gefährten durch einen nach Adamaua reisenden Kaufmann ein Päckchen mit eini gen Turkedi und etwa 15 Pfund Zucker nachsenden zu können. Vogel nahm seinen Weg nach Südwestcn, zunächst auf Gudscheba zu. Er kam hierbei wieder durch einen Thcil der Landschaft Udjc, welche wir bereits frü her charakterisirt haben, eine Ebene von mehr als 25 Meilen Ausdehnung, abwech selnd aus Saud und Lehmboden bestehend und ganz den Charakter einer Savanne tragend. Das hohe Gras, welches weite Flächeii überdeckt, verdorrt in der trocknen Jahreszeit und wird nicht selten daun durch Abbrennen beseitigt. Die Erde springt in tiefe Risse auf (siche das Tonbild: Thicrlcbcn in der Oase, S. 128) und die spärlich vertheilten Mimosen und Akazien stehen dürr und laublos. Zahlreiche Strauße und Gazellen bevölkern dann die Gegend. In der nassen Jahreszeit stel len sich statt ihrer Elcphanten und Löwen ein, die durch das austretende Wasser von ihren tieferlicgenden Wohuplätzen vertrieben werden. Je weiter nach Süden, desto hügliger und zugleich fruchtbarer wird das Land. Das Gras wird so hoch, daß der Reiter zu Pferd nicht darüber hinwegsehen kann. Die Lage von Gudscheba ermittelte vr. Vogel auf 11 .29 40" n. Br. und 31" ag o" östl. v. Gr.; die Abweichung der Magnetnadel betrug 15" 4 . In der Umgebung von Gudscheba baut man fünfzehn verschiedene Arten eßbarer Pflanzen und 47 Gewächse werden von den Einwohnern, welche thcils Schua, theils Ka- Uori sind, als nutzbar bezeichnet. Von denselben tragen 32 Arten eßbare Früchte,270 Reise nach Bantschi, Salia, Bebedschi und dem Benne. 3 eßbare Wurzeln und Blätter. Weiter westlich bestehen die erwähnten Hügel aus rothem Sandstein und sind flachgipflig, von Klüften und Thälern durchschnitten- Von gleicher Beschaffenheit sind auch die östlich gelegenen Marghihügel, welche sich 4 500 Fuß erheben. Die Ebene an ihrem Fuße, aus rothem Thonboden be stehend, zeigt viele Spuren von Eisenbergwerken und die aus ihr hervorbrechenden einzelnen Felsblöcke enthalten cingcsprengtc Eisenerze. Overweg, der diese Mar ghihügel bei seiner Wanderung im Frühjahr 1852 besuchte, fand hier die größten Sandsteinbrüchc Mittclafrika s. Einige Fuß unter der fruchtbaren Dammerde lagert der Quarz in einer Mächtigkeit von 2 3 Fuß. Mit Hülfe von Feuersetzen machen die Einwohner das Gestein mürbe, behauen es dann mittelst Aextcn und formen zu Mühlsteinen. Eiserne Keile und kopfgroße Kieselsteine müssen als Werkzeuge dabei diene . Zwischen der östlichen und westlichen Sandsteinbildnng ist in Babcr eine Basalt masse emporgedrnngen und hat dabei ein Kalksteinflötz, das Ammoniten und Bclcmniten enthält, sowie Gyps- lager durchbrochen. Obschon Overweg damals mit den Einwohnern durch sein liebenswürdiges Wesen und vor züglich mit Hülfe seiner Spieldose (s. S. 40) in sehr freundschaftliche Beziehungen kam, so wurden ihm doch in dem Grenzorte Fika (siche nebenan das Bild einer Frau aus diesem Orte) solche Schwierigkeiten in den Weg gelegt, daß er auf ein weiteres Vordringen ver zichten mußte. Vogel hingegen, der mit Empfehlungs schreiben vom Sultan von Sokvto, dem Oberherrn aller jener Länder, versehen war, gelangtenngehindert in die Fellata-Staaten und kam über Gabbei, die Grenzstadt vonBornu(li"4 l0"n.Br., ii"20 0"östl.L. v.Gr.), nach G o m b e (10 49 o" n. Br. , 10" 16 0" östl. L.), einer Stadt so groß wie Knka. Er berührte hier zu erst den Gongola-Fluß (den Fluß von Gongola), dessen .Quellen er später be suchte, und hatte auf diesem Wege, den vor ihm noch kein Europäer bereist, Gelegenheit, das etwas verwickelte Flnßsystem des Benne und Komadugn zu erforschen. Das Ergebniß seiner Untersuchungen war, daß auch hier durchaus keine Verbindung zwischen beiden Flüssen stattfindet. So erreichte er wohlbe halten Jakob a, die Hauptstadt von Bantschi, und bestimmte astronomisch ihre Lage auf 10 17 30" n. Br. und 9" 28 0" östl. L. v. Gr. Diese Stadt hat ihren Namen nicht von dem 1844 verstorbenen Sultan Jakob, sondern von einem in der Nähe wohnenden Heidenstamme, der Jako heißt; sie wird auch von den Fellata und Afnu nie Jakoba, sondern stets Garuh n Bantschi genannt. Jakoba liegt 2500 Fuß über dem Meere auf einem großen Granitplateau; der Boden ist hier fünf Meilen im Umkreise nicht angebant, sondern nur mit ungeheuren Stein- blvckcn und Felsen von der wunderbarste Gestalt, meist mit blendendweißenKricgsabenteuer bei Jakob . 271 Quarzkuppen gekrönt, bedeckt. Der Boden senkt sich allenthalben nach der Stadt zu, die deshalb während der Regenzeit von einem großen Sumpfe umgeben ist. Der Ort selber ist voll großer Gruben, in denen sich das Wasser ansammelt und die zugleich als Deposit für tode Sklaven und Aas aller Art dienen. Die Aus dünstung dieser Pfühle würde unerträglich sein, wenn nicht Mutter Natur sie mit einer so dichten Schicht der Muschelblume (Pistia Stratiotes) bedeckte, daß die Pflanzen, wenn sie größer und stärker werden, nicht mehr neben einander Platz haben und förmlich über einander wachsen. Der jetzige Sultan residirtc nicht in der Hauptstadt, sondern lag 16 deutsche Meilen nordnordwcstlich davon im Feldlager- ander alten Straße von Kano, da er bereits seit sieben Jahren im Kriege mit dem heidnischen Stamm der Sonoma war, welcher sich fortwährend durch alle ent laufenen Sklaven der Fellata rekrutirt. Auf einer Recognoscirung ", so erzählt Di-. Vogel, ,, die wir nach der auf einem Felsen gelegenen Stadt der Feinde machten, fielen wir in einen Hinterhalt und wurden mit einem Hagel vergifteter Pfeile begrüßt. Meine Fellata-Beglei ter ergriffen eiligst die Flucht und ließen mich zurück, um ihren Rückzug zu decken, was mir auch mittelst einer Büchscnkugel, die einen der Verfolger tod niederstreckte und die andern in wilde Flucht jagte, glücklich gelang. Am Abend schickte mir der Sultan dafür einen fetten Hammel zu. Du mußt nämlich wissen (schreibt Vogel an seinen Vater), daß ich jetzt die Flinte recht gut handhaben kann und in Ermange lung von Schrot Perlhühner, Enten u. s. w. gar wohl mit der Kugel zu schießen verstehe. Im Hecres- -lagcr des Sultans, an einem überaus ungünstigen Platze, fiel ich beinahealseinOpfer des mörderischen Klima s; eine heftige Unterleibsentzündung und nach derselben vierzig Tage lang Dysenterie brachten mich an den Rand des Grabes. Sonderbarer Weise war ich wiederum gerade an meinem Geburtstage mehr tod als lebendig. Als ich Ende Marz den Sultan verließ, um zu versuchen, ob ich meine Gesundheit vielleicht an den Ufern des Venne verbessern könnte, mußte ich mich auf das Pferd binden lassen. In Moba angekommen, fand ich meinen Begleiter, den ich dort zurück- gelassen, um die nöthigen Vorbereitungen zu einer weitern Reise zu treffen, eben falls so krank, daß ein unverzüglicher Ortswechsel nöthig ward. So brachen wir denn nach Adamaua auf und am 30. April überschritt ich den Benne gerade an der Stelle, von wo die Steamer - Expedition umgekehrt war. Meine und meines Ge fährten Gesundheit verbesserte sich unverzüglich, sowie wir das im ganzen Su dan verrufene Jakoba hinter uns hatten. Von allen Seiten von Granitfelsen von den sonderbarsten Formen und dicht von heidnischen Stämmen bewohnt, umgeben, bietet die Gegend um die Hauptstadt Bautschi s einen Anblick dar, der den Reisen den wirklich daran erinnert, daß er sich im Innern des räthselhaftcstcn und wun derbarsten aller Erdthcile befindet.272 Reise nach Bantschi, Salia, Bcbebschi und bcm Benne. Höhenrauch ist in den bergigen Distrikten Bautschi s sehr häufig, ganz wie in Thüringen, mit dem nämlichen jodartigcn Gerüche. Oft verhüllt er 4 bis 5 Tage die ganze Gegend, bis ein heftiges Gewitter ihn niederschlägt. Von Me tallen habe ich Ueberfluß an Eisen, Blei und Zink gefunden, aber weder Kupfer noch Silber. Blei ist Monopol des Sultans, der die Minen sämmtlich verschlossen hält und nur von Zeit zu Zeit einen kleinen Vorrath hcransnchmcn läßt. Es ist deshalb ziemlich hoch im Preise. Der einzige Gebrauch, den man hier zu Lande davon macht, ist, zu pnlverisircn und die Augenlider damit ;u färben, sehr zur Beförderung der Ophthalmie." . Der von l)r. Vogel erwähnte Höhenrauch, dessen Entstehung inan inDcntsch- land gewöhnlich den in der nördlichen Ebene üblichen Moorbrändcn zuzuschreibcn pflegt, müßte, wenn dieser Erklärungsversuch der allein richtige ist, vielleicht den Grasbrändcn seine Veranlassung finden, welche auch im Sudan allgemeiner Gebrauch sind. Bantschi ist eine Provinz des großen Fcllata- Reiches und verpflichtet, dem Sultan von Sokoto Tribut zu zahlen und zum Hecresanfgcbot Mannschaften zu stellen. Als Clappcrton zum zweiten Male den Sudan besuchte, hatte der Schcikh von Bornn, el Kanemi, einen Kricgszng gegen dies Land unternommen und war anfänglich glücklich dabei, erlitt aber schließlich hier eine entschiedene Niederlage, welcher sich nur ein geringer Thcil seiner Macht rettete. Südlich von Jakoba, in der Richtung nach dem Benne hin, ist das Land von Kannibalenstämmen bewohnt, mit denen die muhamedanischen Bewohner von Bantschi sehr wenig Verkehr habe . Es sind die Njem-njem und Tangala. Der Name Njem-njem ist ein Collectivname, ähnlich in der Bedeutung unfern Menschenfressern", da Njem" in der Sprache der Mrteng (drei Tagereisen südöstlich von Jakoba), welche die allgemeine aller Heiden zwischen Jakoba und dem Benne ist, Fleisch bedeutet. Der wildeste und bedeutendste Stamm dersel ben sind die Tangala, die eine Bergkette am Ufer des Benne (oberhalb des von der Plejade" besuchten Ortes) bewohnen, die sich durch einen überaus prächtigen Pik auszeichnet, der sich gegen 300 Fuß über die Ebene erhebt. DicseLente haben sich bis jetzt unabhängig erhalten und werden nur hin und wieder durch Ranbzngc des fünf Tagereisen von ihrem Wohnplatze rcsidirenden Sultans von Gomba beunruhigt. Sie kommen selten in die Ebene hinab, um eiserne Werkzeuge znin Ackerbau für Korn einzuhandeln. Beide Stämme, die Njem-njem und Tangala", fährt vr. Vogel in dem oben angeführten Schreiben vom 5. Dezember 1855 fort, habe ich besucht und bin recht wohlaufgenommen worden. Die Tangala, der Schrecken der umliegenden Gegend, sind wirklich wilde Bursche, die Mcnschcnfleisch allem andern vorziehen. Entweder war ich ihnen zu mager, oder meine Flinte flößte ihnen einen heilsamen Schrecke ein, kurz, sie hielten sich in ehrfurchtsvoller Entfernung, und nur einige der kühn sten kamen nahe genug, um die Perlen u. s. w., die ich ihnen entgegenhielt, in Empfang zu nehmen. Daß sie die Kranken ihres Stammes essen", fährt Vogel fort, ist unwahr; ich habe zufällig zwei Leute in ihren Dörfern sterben sehen undDie Njcm-njem und Tangala. 273 gefunden, daß sie mit äußerster Sorgfalt gepflegt wurden; nach ihren Tode bra chen dieVcrwaudten in das gewöhnliche Jammergeschrei aus, was die gauzcNacht hindurch erschallte. Dagegen essen sie alle im Kriege erlegten Feinde; die Brust gehört dem Sultan, der Kopf, als der schlechteste Theil, wird den Weibern über geben. Die zartern Theile werden au der Sonne getrocknet und dem gewöhnlichen Mehlbrei als Pulver beigemischt. Wenn Mangel an Proviant haben, verkau fen ihre Kinder au die Fcllata und nehmen für einen Knaben von 10 Jahren gewöhnlich drei Ochsen, deren jeder einen Werth von l 7, Dollar hat. Ich sah sie einen Ochsen schlachten; das Fett wurde unverzüglich geschmolzen und in un glaublichen Massen getrunken. Die Religion aller südlich von Jakoba lebenden Stämmen ist ein und dieselbe. Dieselbe nähert sich dein Fetischmus der Congo - Neger. Sie haben eine Art Gott heit, den ,,Dodo", die ein Collcctivum der Seelen aller Verstorbenen gu sein scheint. Diesem Dodo bauen eine an allen Seiten verschlossene Hütte, gewöhn lich unter einer Gruppe von Nimi (Linü) - oder Baumwollenbäumen (Cciba gui- neensis). Die Lücken zwischen diesen werden bis auf eine kleine Ocffnung sorg fältig mit stachligen Euphorbien verschlossen. In der Hütte steht ein Pfahl, der oben in drei Zweige auslänft; diesem steht ein Töpfchen und neben ihm zwei andere kleine Thongefäße. Wenn der Gafuli (Durrah) reif geworden, bcgiebt sich der Dodo, der sonst immer in diesem Hanse wohnt, in den Wald, um sieben Tage und sieben Nächte zu tanzen. Dann allein wagen sich die Männer (eine Frau darf sich nie dem Heiligthnm nähern) in die Hütte, opfern Hühner und füllen von den beiden untern Gefäßen eins mit dem Blute und den Köpfen derselben, das zweite mit dem gewöhnlichen Mehlbrei, der für diese Gelegenheit von einem Manne gekocht sein muß, das oberste mit Busa-Bier (Bischna, Cyperus escul.). Da ich ohne Zelt reiste, fand ich es sehr bequem, in diesen Dodohänsern zu logiren, wo ich vor allen Diebereien sicher war; kein Mensch wagte sich in die Nähe dersel ben. In der Mitte dieser Hänschen ist ein Kreis von aufgeworfener Erde, mit kleinen, weißen Federn geschmückt. Vor jedem Hanse im Dorfe steht ein dreifach ge spaltener Pfahl, mit einem Töpfchen darauf, in daö vonZeit zuZeitBufa gegossen wird, und man bat mich stets flehentlich, dieses Gefäß nicht gn beschädigen. Vor dem Hause des Sultans erhebt sich eine hohe Stange, an der die Unterkiefern alles erlegten Wildes und geschlachteten Viehes aufgehängt werden; sollte Jemand dies zu thnn unterlassen, so würde er tu Jagd und Viehzucht nur Unglück haben. Die Todten werden sieben Tage lang in sitzender Stellung bis an den Kopf cingescharrt, während welcher Zeit man eine förmliche Katakombe von etwa 20 Fuß Länge und 4 6 Fuß Breite und Höhe für sie gräbt, mit drei Eingängen, die man später mit Steinen verstopft. Am siebenten Tage wird der Leiche der Kopf abgeschnitten und der Körper auf zahlreiche Matten so weich und gut wie möglich gebettet (denn wenn er nicht gut liegt, so kommt er wieder), auf dem Grabe eine Art Denkmal von Strohbündeln errichtet und der Kopf in der Nähe bcigesetzt, der der Män ner in Stroh eingebunden, der der Weiber in einem Topfe. Die Hütte in der ein Mann gestorben, wird sogleich von allcit Angehörigen verlassen und zerfällt bald. Vogcl S Rcism. 2. Aufl. 18274 Ncisc nach Bautschi, Salia, BcLcdscht und dem Benne. Die zum Muhamedanismus bekehrten Heidenstämme amüsiren sich stets noch zur Erntezeit mit einer Darstellung des Dodo. Ein Mann, von dessen Kopf und Gürtel Gafuliblättcr herabhängen, erscheint von Trommelschlägern begleitet und beginnt zu tanzen, während seine Begleiter kleine Gaben für ihn einsammeln. Störche werden in großen Ehren gehalten, und als ich einmal einen derselben schoß, zogen unverzüglich sämmtliche Bewohner des Dorfes mit Sack und Pack davon und ich blieb alleiniger Inhaber von etwa ein Dutzend Hütten." Ueber die genannten Njem-njem Wemyem) hatten sich früher die wunder barsten und schauerlichsten Gcriichte verbreitet, von denen mehrere durch obige Mittheilungcn l r. Vogel s durchaus widerlegt worden sind. Sie sind auch der jenige Menschenstamm, den man als geschwänzt" bezcichnete und welcher nach der Meinung Vieler deshalb möglichen Falls den systematischen Uebergang vom Menschen zum Affen darstellcn möge. Schon 1677 hatte der holländische Reisende Jan Struys von einem solchen geschwänzten Afrikaner erzählt, dessen Schweif mehr als einen Fuß lang gewesen sein soll; andere Angaben schrieben jener Verlängerung der Rückenwirbelsänlc eine Länge von einem Zoll zu, wieder andere lassen sie bis zwei Fuß anwachsen. Manche halten eine Verwechselung des von uns bei den Mnßgo und Tubori erwähnten Fracks mit einem Schweife für möglich, während wieder Andere jenes ausschließliche Kleidungsstück als eine Decke des sonderbaren Anhängsels betrachten möchten. Du Couret theilte am 20. August 1849 der Akademie der Wissenschaften in Paris mit, daß er in Mekka einen Neger aus Mittclasrika gesehen, der einen Schweif von 2 3 Zoll Länge besessen habe, und Herr Francis de Castelnau erzählte in einer Broschüre über denselben Gegen stand Einzelheiten, welche großen Schein von Wahrheit trugen. Genannter Reisender hatte sich nämlich zur Aufgabe gemacht, sich von den in Bahia befind lichen Sklaven über unbekannte Theilc Inner-Afrika s erzählen zu lassen, und einer derselben theilte ihm mit: er habe mit den Haussa unter dem Befehl des Sul tans von Kano eine Expedition gegen die Njem-njem mitgemacht. Eines Tages hätte man einen Trupp dieses Volkes bemerkt, der im Sonnenschein schlief. Man näherte sich ihnen und tödtete sie sämmtlich. Sie hatten alle, Männer und Frauen, einen ahnsehnlichcn Schweif. Sonst glichen sie den übrigen Negern und waren ohne jedeBckleidung. Nach einigen Tagen stieß die Expedition auf mehrere andere Gruppen, die ebenfalls erschlagen wurden. Eine dieser Gruppen war gerade mit einer Mahlzeit beschäftigt, die aus Menschenfleisch bestand. Drei Menschenköpst hingen von langen, in die Erde gerammten Pfählen röstend über der Flamme. Der Neger erzählte ferner, daß er den Schweif bei Männern und Frauen vorgcs fundcn und daß der Sultan von Kano deshalb den gefangenen und um Gnade bit tenden Häuptling der Njem-njem habe tödtcn lassen, weil Niemand Sklaven mit Schwänzcn kaufen würde. Noch ausführlicher, aber mit vielen offenbaren Jrrthümern gemischt sind dw Nachrichten, welche vr. Hübsch über die geschwänzten Menschen des Sudan mit- theilt. Wir glauben dem vollständigen Schweigen Di . Vogel s über jene doch außerordentliche Eigenthümlichkeit, die er bei seinem länger Aufenthalt unterDas Land am ©ernte. 275 18 * jenem Volke weder übersehen hätte, noch unerwähnt gelassen haben würde, bc- Utntmt schließen zu dürfen, daß jene Erzählungen auf einem Jrrthmn beruhen. Mein Versuch", erzählt Or. Vogel in seinem Reiseberichte weiter, nach Ädamaua vorzudringen, mißlang leider, da die an der Straße lebenden Kirdi Kaschama^)) in vollem Aufstande gegen den Sultan von Jola begriffen waren Und ihn mit großem Verluste zurückgeschlagen hatten. Nach einem Monate ver lieblichen Wartens, fast jede Nacht durch Angriffe alarmirt, und nachdem eine mich ^gleitendeSokoto-Karawane, welche die Straße forciren wollte, eine halbe Tage weise von meinem Lager (in dem mich ein verwundetes Pferd znrnckgehalten) bis u lf zwei Mann gemordet worden war, sah ich mich leider gcnöthigt, nach G o m b e iurückzugehcn (4 Tagereisen östlich von Jakoba), wo icb, da ich fast alle Packpferde verloren hatte, mein Gepäck unter Obhut meines Begleiters znrücklassen mußte." Von Gombc aus theilte vr. Vogel seinen Freunden in London (insbesondere u r. Barth) in einem mit Bleistift geschriebenen kurzen Billet den Erfolg seines Unternehmens mit. Die ursprünglichen Bewohner des weiten Gebietes am Benne Und dessen Zuflüssen gehören hauptsächlich dem großen Stamme der Batta an. ie sind ein schöner, sehr dunkelfarbiger Menschenschlag mit wenig aufgeworfenen hippen und regelmäßigen Gesichtszügen; ihre Sprache zeigt viel Vcrwandtschaft- nches mit derjenigen der Marghi und Mußgo. So weit das Gebiet des Benne bis jetzt bekannt ist, sondert sich in Bezug Uuf seine Bodenbildung in das weite flache Thal, das Ueberschwcmmungsgebiet großen Stromes, und in die nördlich und südlich dasselbe begrenzenden bergigen hegenden. Das crstere trägt alle Vortheile und Nachtheile eines wasserreichen ^ropenlanhes. In Folge der bedeutenden Ueberschwemmungen entbehrt das Ufer Benne fast alles Baumwuchses und ist theils mit Schilfdickichtcn, theils mit when saftigen Gräsern und Kräutern bedeckt. Zur Regenzeit steigt der Benne 50 "üd mehr Fuß über seinen gewöhnlichen Spiegel und behält gegen 4N Tage lang, 20. August bis Ende September, seinen hohen Stand. Sobald sich die Fluten Wieder in das gewöhnlicheBett zurückgezogen haben, bleiben auf weite Flächen hin isischgrüne, üppig sprossende Savannen zurück, welche gegenwärtig von den vieh- ^chtenden Fellata als treffliche Weiden für Rinderherden benutzt werden, die eben so gut auch üppige Reisfelder abgeben würden, wenn man den Ban ? ,c feg Getreides hier entführte. Gegenwärtig baut man keinen Reis daselbst, 7*111 die Mehrzahl der am Mittlern Benne wohnenden Fellata ist von Bornn .^gewandert und in diesem Reiche ist der Anbau jener Frucht gänzlich vcrnach- %gt. An der Stelle, wo der Faro sich mit dem Benne vereinigt, hat letzterer Ehrend des niedern Standes etwa 1200Schritt Breite bei einer Tiefe von !0 12 J u , der Faro bei 900 Schritt Breite 2 3 Fuß Tiefe. Der letztere ist reißend !sd bekundet noch bei seiner Mündung seine Natur als Bergstrom; er entspringt ^"ilich sieben Tagereisen südlich am Berg Labnl und windet sich in seiner ganzen *) Batschama nach Barth, an der Straße zwischen Jola und Hamarrua. Mit dem von Hamarrua scheint vr. Vogel sich recht gut gestellt zu haben.276 Reise nach Bantschi, Salia, Bcbcdschi nd dem Benne. Länge durch Bergland. Nach den Nachrichten, welche Di-. Vogel über den Benne einzog, schien ihm, als ob ein Hauptarm dieses Stromes aus dem früher be schriebenen Tubori-Sumpfe (S.23I) seinen Ursprung nähme. Hierfür sprach auch der Ilmstand, daß der Benue selbst in der trocknen Jahreszeit in seinem ober Laufe doch immer 6 Fuß tiefes Wasser hat, was dann ohne alle Strömung vollkommen still steht, während doch das Flußbett weiter unten nirgends durch Sandbänke vollkommen abgcspcrrt ist. Höchst malerisch und zugleich gesund und fruchtbar sind die Landschaften zwi schen den Südabhängcu des Mandara-Gebirges und dem Benue. Granit ist die vorherrschende Gesteinart. Er tritt vielfach in massenhaften Stöcken auf, die schwer zugänglich sind und als natürliche Festungen noch bis in die Gegenwart unab- hängigen heidnischen Negerstämmen, Abthcilungcn der Batta, zur Wohnung dienen. Aus der Verwitterung des Gesteines bildet sich fruchtbare Erde, so daß mit Felscnparticn, mit Wildnissen, einem Chaos übereinandergestürzter Blöcke bestehend, üppige Wiesen, Waldgruppcn und reichlich tragende Kulturflcckchen in lieblichster Manchfaltigkeit wechseln. Die Regenmenge, welche jährlich hier fällt, ist außerordentlich und in Folge derselben auch die Pflanzenwelt üppig entwickelt. Das Ackerland, auf dem die indische Hirse oder das Negerkorn gebaut wird, ist von mächtigen Affcnbrod- bäumcn oder Butterbäumeu überschattet, und der Nachthcil, welcher dem Land mann dadurch entsteht, daß ihm der Raum durch die Baumstämme beeinträchtigt wird, gleicht sich einmal durch den Frucht - und Blattertrag der Bäume wieder aus, wird aber vorzugsweise durch den Schatten selbst reichlich wieder ausgewogen, welcher dem Feldarbeiter in jenem Klima unentbehrliches Bedürfnis; ist. An den Wohnungen sind zum Thcil dieselben Gewächse als Frucht- und Schattenbäunw gepflanzt, die wir in den Haussa-Staaten erwähnten: die Gonda (Melonenbau !, Carica) erhebt ihre schöne Krone, Kornubäume und Kautschukfeig.cn wechseln mit einzelnen Tcrcbinthen. Der gemüseliefcrndc Hadjilidj (Balanites), der Karrago treten in Menge auf und der Ricinus ist im Gesträuch massenhaft vorhanden. DC Baubau-Bnsch, in den Waldungen häufig, trägt eine eßbare Frucht. Die Dattel palme fehlt, dagegen ist die Deleb - neben der Dumpalme desto zahlreicher vorhan den. Zu diesen bekannten Formen treten aber eine große Menge neuer Gcstalte - An einzelnen Stellen wird die Oelpalme (Eiais guineensis) häufig, beide Arten fruchtreicher Bananen gedeihen unter der Pflege des Menschen neben dem Panda- uus, die Kigclia mit ihren ungeheuren, an seilähnlichen Stielen herabhängenden Früchten wird von der schlanken Rimi (Eriodendron), dem heiligen Baum d^ Neger, überragt. Größer ist die Zahl derjenigen Gewächse, die, noch nicht von einem Europäer beschrieben und benannt, hier grünen und noch ihres Entdecke^ harren. Eine solche fremdartige Gestalt ist es, die uns auf dem Bilde Seite i- S 1 auffällt und sich durch die armlcuchtcrartig getrennten Stämme mit kugligoh Kronen an den Spitzen auszeichnet. Bananenähnliche hohe Stauden treten am und erinnern an jene Formen, welche Hcugliu im südlichen Abcssynicn angcpfla , fand (illusa Ensliet).Der Ajuh. 277 Die Hauptfrucht des Landes ist die Erdmaudel (Aracliis, s. S. 227). Man baut vorzugsweise die süßschmeckende Abart, und Brei, der aus derselben bereitet wird, bildet die tägliche Speise der Bewohner. Die bittere Sorte ist vorthcilhaf- ter zur Oelgewinnung. Auch die ölreichen Samen des Sesam, den man mehrfach antrifft, dienen zur Darstellung von Brei und Pudding. Als Erdfrucht kultivirt man noch eine hier ursprünglich einheimische, Godjia genannte Pflanze. Kürbis gewächse: Riesenkürbis und Lageuarien, die malerisch die Hütten und Frucht- bäumeumranken, geben in ihren zähen Schalen Geschirr und Tischgerät!), Schüs seln rmd Löffel. Die Thierwelt des Landes ist noch wenig bekannt. Große Mengen von Termiten bewohnen die Ufer des Benne und scheinen einer besonder Art anzu gehören, denn ihre Bauten haben keine der gewöhnlichen Formen, welche durch ihre vielfachen Spitzen uitb Zinnen an gothische Bauwerke erinnern. Sic ähneln vielmehr Schanzwerken, zur Vertheidigung des Landes von Menschenhand aufge worfen, und ziehen sich als abgestumpfte Pyramiden in mehreren Reihen längs des Ufers hin, offenbar unter der Erde durch Gänge in Verbindung stehend. Die nie austrocknenden großen Wasscrlöchcr und Teiche, die svwol in der Thalebene als auch in den hügligen Gegenden vielfach Vorkommen, sind von Krokodilen bevölkert, die auch dem Hauptstrome und den größer Nebenflüssen nicht fehlen. Flußpferde sind häufig und kommen zur Nachtzeit aus Land, um das üppigcGras abzuweiden. Die interessanteste Gestalt, welche aus dem Thierreich jenes Gebietes bis jetzt bekannt geworden, ist der Ajuh, ein Geschöpf, das nach den Erzählungen der Eingeborenen halb Mensch, halb Thier sein sollte und dessen nähere Kcnntniß wir Bogel s Eifer verdanken. Es glückte ihm, in Besitz des Ajuh zu kommen, und er liefert nachfolgende Beschreibung von ihm. D er Ajuh. Schwanz horizontal, schaufelförmig, zwei Flossen dicht hinter dem Kopfe mit drei dreifach gegliederten Knochen, die in einem kurzen Nagel endigen. Kopf spitz, Oberlippe gespalten, Maul außerordentlich klein (bei einem Exemplar von öFuß Länge war dcrKopf 18Zoll laug, löZoll hoch, Mundöffnung 3 Zoll), Nasenlöcher nach vorn gerichtet, dicht über der Oberlippe, halbmond förmige Spalten ; Augen nach oben gerichtet, dicht hinter den Nasenlöchern stehend (beim erwähnten Exemplare nur 3^ z Zoll von der Schuauzcuspitze), auffallend klein (3 Linien im Durchmesser), schwarz. Keine Spritzlöcher. Harter Schlund, angewachsene Zunge, im Ober- und Unterkiefer auf jeder Seite 5 Backenzähne (mit 6 Spitzen und 3 Wurzeln jeder), nur wenige Linien über das Fleisch vor- ragcnd; Vorderzähue fehlen, statt derselben besetzen starke kurze Borsten die Kiefern. Farbe dunkelgrau, auf dem Bauche weißlich grau, Rücken mit einzelnen groben rotheu Haaren besetzt. Der Ajuh wird bis 10 Fuß laug und lebt auf überschwemmten Marschen am Benue; sowie das Wasser fällt, verläßt er den Fluß und geht dem Meere zu. Wenn der Ajuh mit dem großen Wasser wieder erscheint, bringt er gewöhnlich 1 2 Junge mit, die dann 3 4 Fuß lang sind. Die Knochen sind hart wie Elfenbein Und werden Ringe daraus verfertigt. Fett und Knochen sind im ganzen Sudan278 Ncise nach Bautschi, Salta, Bcbedschi und dem Benne. als Arzneimittel berühmt. Die Nahrung des Ajuh besteht nur aus Gras; im Kothe, der dem der Pferde in Farbe und Gestalt gleicht, habe ich nie eine Spur von Fischen gefunden, die er seines kleinen Maules wegen auch schwerlich fangen könnte. Der Ajuh ist außerordentlich fett und Fett und Fleisch sehr wohlschmeckend, dem Schweinefleisch ähnlich. Die Haut wird zur Verfertigung von Reitpeitschen benutzt. Der Ajuh ist keineswegs häufig und ist stets ein großes Fest, wenn einer gefangen wird." Der Ajuh gehört zu den walsischahnlichen Säugethieren und ist eine neue Art derGattung Manati, nahe verwandt dem Manatus senegalensis. Zu Ehren seines Entdeckers hat man ihn Manatus Vogelii genannt. Der Ajuh ist auch int Niger (Jssa) Lei Timbuktu vorhanden und war vcrmuthlich der heilige Fetisch- fisch der Sonrhay. Dcr Elephant ist in den sumpfigen Thcilen der Benne-Länder häufig, und in den östlichen Distrikten kommt das Nashorn nicht selten vor. Wilde Btiffcl und Antilopenarten bevölkern die Waldungen und werden von Leoparden, Hyänen und einem andern ,,Hamma- furdc" genannten Ranbthiere verfolgt. Der Löwe ist selten. Unter denVögeln sind in den südlichen Provinzen Papageien in großer Menge vorhanden. Die eingeborenen Völker sind vorzugsweise acker bautreibende, doch beschäftigen sich jene Stämme, die in ihren Bergen Eisenerze finden auch mit Gewinnung und Bearbeitung des Eisens. Sie schmieden aus dem selben Ackcrgeräthe, besonders Hacken, und Waffen, na- Grimdr v chier Batta-Wchmmg. 1 , r , ,,, stoZ mentüch Speerspitzen. Die Wohnungen der Batta sind dem mit über" reichem Regen gesegneten Klima ganz angepaßt. Sic be-. stehen aus fcstgearbeitetcn, geglätteten Thonmauern und einem kegelförmigen, dichtgcflochteneir Strohdach. Um das Eindringen der Regenfluten zu verhüten, läßt man eine Schwelle von einigen Zoll Höhe, die Thüröffnnng selbst ist 3 Fuß hoch, bei einer Weite von 15 Zoll. Verstehende Figur stellt d en Grundriß einer solchen Batta-Hütte vor. Bei 1 gelangt man durch die Thür in das Innere, weU chcs etwa 12 Fuß im Durchmesser hält. Man befindet sich zunächst in einem freien Raume, der durch eine 6 Fuß hohe Thonmauer, die aber oben nicht mit dem Dache in Verbindung steht, von dem übrigen Theile der Hütte abgeschlossen ist- Jn dieser Vorhalle empfängt man Bekannte , Fremde läßt man natürlich gar nicht ein. Hier steht auch der große Wasserkrug (Fig. 5 und S. 279 Fig. 4). Der Wast serkrug behält stets seinen festen Platz und wird mit Hülfe von kleinern Gefäßen geleert und vollgeschöpft. An der Wand der Hütte, gerade in der Verlängerung der ScheidcmanM, befindlich, ist der einfache Kochherd angebracht (Fig. 7 und S. 279 Fig. l).  cV Kochtopf wird auf demselben durch drei halbknglige Thonstücken gehalten und dm Rauch sucht durch die Thür einen Ausweg zu gewinnen. Die Lage des Hcrdcö 1 . Thür. 2 . B urnen. 5. Wasserkstug. Thom Postamente. 7. Herd. 8. Schemel.befördert den Luftzug zum bessern Brennen. Neben dem Herde sind gewöhnlich ein Paar postamentartige Thonstützen, welche als Tisch oder Küchenbank dienen und auf welche die Hausfrau Töpfe und Kalebassen setzt (S. 278 Fig. 6. 6; folgende Abbildung Fig. 2 zeigt einen solchen Träger umgelegt). Vor dem Herd hat auch gewöhnlich ein Sitzbänkchen von Holz (S. 278 Fig. 8 und S. 279 Fig. 5) seinen Platz, das durch regelmäßige Vertiefungen verziert ist. Der größte Thcil des abgeschlossenen innersten Raumes, das Heiligthum der Familie, wird durch das Bett ansgefüllt (S. 278 Fig. 2). Es ruht dasselbe auf 3 Fuß hohen Thonstützen und wird durch eine Lage geflochtener junger Baumzweige gebildet. Am Kopfende des Lagers steht die große Kornurne, gegen 6 Fuß Höhe und 2Fuß Durchmesser in ihrem stärksten Theile messend (Fig. 3) und an den Fü ßen eine zweite, halb so große, aber breitere (S. 278 Fig. 4 bcistehende Fig. 3). Beide Urnen enthalten nicht nur den nothwcndigsten Kornbedarf für die Fami lie, sondern dienen der Frau gleichzeitig als Schrank und Kiste, um ein übriges Kleidungsstück, ein Leder- täschchen, eine Schnur Glas perlen n. dgl. auszubewah ren. Die Kleidung der Be wohner ist ziemlich einfach und bedarf deshalb in der Einrichtung derHütte keiner besonder Vorrichtungen: ein Hemd, ein Beinkleid und eine Mütze genügen dem Manne und er trägt diese!- . Stoifotoyf. 2- Thonp-llam-nt. g. ÄMnc K r urn-. l. WasscUrug. . ben gewöhnlich so lange, bis sie in Stücken zerfallen. Sandalen gehören schon zu den Luxusartikeln. Der Reichthum der Frau dehnt sich gewöhnlich bis auf ein Paar Tücher oder Kleider und ein Paar kleine Lederbnchschcn aus. Außerdem sind in der Hütte noch man cherlei Geschirre aus Kürbisschalen: Trinkschalen, Schöpflöffel u. dgl. Die Batta waren ehedem in zahlreiche kleine Stämme zerspalten, von denen gegenwärtig noch einige ihre Unabhängigkeit bewahrt haben und durch ihre schwer zugänglichen Wohuplätze in den Felsen und ihre selbstgeschmiedctcn Sperre ge schützt, ununterbrochene Fehde gegen die Nachbarn führen. Das größte Reich, was sie ehedem gebildet hatten, war Fumbina; es ward im Anfang dieses Jahr hunderts bei der religiösen und politischen Erhebung der Fellata durch einen be geisterten Anführer derselben, Adama, erobert und nebst einigen Nachbarlän dern zur Provinz Adamaua umgeschasfen, die dem großen Sultan der Fellata in Sokoto unterthan war. Das Land Adamaua besitzt in der Richtung von Nordost nach Südwest eine Länge von 50 und eine Breite von 16 20 Meilen. So schiebt es sich keilartig zwischen eine Anzahl heidnischer Ländchen hinein, mit denen in ununterbrochenem Kampfe begriffen ist, denn den Fellata ist es heiliges Gesetz: mit dem Schwert in der Hand die Ungläubigen zu bekehren. Zahlreiche Glieder2S0 Reise nach Bantschi, Salia, Bcbcdschi und dem Benne. dieses Stammes hatten schon seit langen Zeiten in jenen fruchtbaren Gebieten gewohnt und sich mit Viehzucht beschäftigt. Ein Fellata-Dorf erscheint schon äußerlich sofort anders als ein Batta-Ort. Die Hütten sind gewöhnlich größer und von unten bis oben hinaus von Stroh gebaut, das an einem Gestell von Zwei gen befestigt ist. Zwischen Dach und Wänden ist kein Unterschied zu bemerken und dabei haben diese Hütten mitunter eine sehr bedeutende Länge, denn sie dienen gleichzeitig zur Aufnahme der Herde während der ungünstigen Jahreszeit. Bei der bedeutenden Regenmenge des Gebietes und der damit verbundenen Nachtkiihle kann das Vieh nicht im Freien gelassen werden, ohne daß man es der Gefahr aus setzt, Krankheiten zu bekommen. Die Pferde des Landes sind klein und schwächlich und auch das Rindvieh (hier nicht weiß, wie in den Haussa-Ländern) scheint sich noch nicht völlig an das Klima gewöhnt zu haben, da Seuchen unter ihm nicht selten ausbrechen. Trotzdem daß die Fcllata hier die herrschende Klasse bilden mtb mancher der Vornehmen gegen 1000 Sklaven besitzt, die, in besondern Dörfern.wohnend, für ihre Herren das Feld bebauen, haben sie doch eine reizende Einfachheit und Liebenswürdigkeit der Sitten und ihren Einfluß auf die unterworfenen Stämme bewahrt. Ihre Hanptspcise besteht aus dem erwähnten Erdnußbrci und Milch; berauschende Getränke sind gänzlich außer Gebrauch, und mit dieser patriarchalischen Mäßigkeit verbinden die Fellata. einen hohen Grad von Reinlich keit. Sie lieben weiße Baumwollenhemdcn als Klei dung, und selbst ihre Sklaven, mit weißem, von der schwarzglänzendcn Haut vortheilhaft abstechenden Schurz und gelber Glasperlenkette geschmückt, machen einen angenehmen Eindruck. Jede Haushaltung berei tet sich Seife zum eignen Bedarf und der Verbrauch derselben ist ziemlich stark. Die Herrschaft des Statthalters von Adaniaua, der in Iota residirt, oder wenigstens der Einfluß desselben, erstreckt sich fast bis zum Meerbusen von Benne im Golf von Guinea. Einer seiner untergebenen Häuptlinge, der Herr von Tschemba, hat sich durch seine kühnen Hcereszügc, besonders durch den letzten und größten in den Jahren 1850 und 1851 nach demJbo- odcr Jgbo-Lande und Mbafu, höchst berühmt gemacht. Stromabwärts von Adamaua schlingt sich der Benue durch die Gebirgsland schaft der Batschama und Sina und strömt dann nach Hamarrua; weiter westlich dehnt sich an seinen Ufern das Reich Kororofa aus, ehedem durch die Betriebsam keit seiner Bewohner und durch seine ausgedehnte Macht berühmt. Dann vereinigt der Benue seine Fluten mit dem mächtigen Kowarra (Niger) und zieht als Dscholiba dem Atlantischen Ocean zu. In diesem prächtigen Strome ist der Schiffahrt ein282 Reise nach Bautschi, anlici, Bebedschi und dem Benne. Weg geboten, welcher bis tief in das Herz des so lange verschlossenen Erdthci- les führt. Wie wir bereits erzählt, war, unmittelbar nachdem Or. Barth durch seine Berichte die Aufmerksamkeit Europa s diesen Strom gelenkt hatte, der Kapitän Baikie mit einem Dampfer nach dem Sudan abgegangen und im Flusse bis Tschubbum (Zhibu) stromaufwärts gefahren. Hier hatte er am 3. Oktober Halt gemacht, da der Fluß ein deutliches Fallen seines hohen Wasserstandes ge- zeigt. In Adamaua ist der Berg Alantika der südlichste Punkt, den das Auge eines Europäers erblickt hat. Dieser Granitstock erhebt sich der etwa 1000 Fuß über dem Meer gelegenen Ebene ungefähr 8000 Fuß und hat deshalb gegen 9000 Fuß absolute Höhe. Alle Versuche, weiter nach Süden vorzudringen, den Erdtheil in der Richtung von Nordwest nach Südost zu durchschneiden, mißglückten bis jetzt. Der Herrscher von Jola verweigerte Dr. Barth entschieden die Erlaubniß dazu, da es hierzu einer besondern Genehmigung seines Oberherrn, des Sultans von Sokoto, bedürfe, und Or. Vogel, welcher einen solchen Empfehlungsbrief besaß, ward durch die zwischenwohnenden feindlichen Heidenvölker verhindert, bis Jola vorzudringen. Um so mehr Interesse gewinnen deshalb die wenigen Erzählungen der Eingeborenen, die sich auf die äquatorialen Gebiete des Innern beziehen. Südöstlich von Adamaua, am obern Laufe des Benue,. war der Fellata-Feldherr Bnba in das Land der Dama eingefallen und hatte nach einem hartnäckigen dreimonatlichen Kampfe die Hauptstadt jenes Gebietes, Ti bat i, bezwungen. Letztere war nicht, wie es sonst bei den Städten der Heidenvölker der Fall ist, mit einem schlichten Dornenverhau, sondern mit einem gutgearbeitetcn Wall versehen und läßt deshalb auf eine gewisse Bildungsstufe der auch als geschickte.Eisen- arbeiter bekannten Eingeborenen schließen. Nachdem sich Bnba in dem eroberten Lande festgesetzt und sogar von dein Statthalter von Adamaua, sowie von dem Sultan von Sokoto unabhängig er klärt hatte, unternahm er einen Kriegszug weit nach Süden. Er hatte, so erzählen die Eingeborenen, alle seine Krieger von fern und nah am Fuße des Vogelfelsens gesammelt und brach mit zahlreicher Reiterei und großen Schaaren Bogenschützen nach Süden auf. Alle Völker, durch deren Gebiet der Kriegszug ging, wurden bezwungen, die Fluren verheert und die Leute in Knechtschaft geführt. Schließ lich erreichte man eine unermeßliche kahle Ebene. Da man sich einige Tage mit Wasser versehen hatte, betrat man dieselbe, sah aber bald, daß der Vorrath nicht genügen würde. Da erreichte das Heer auf der kahlen Hochebene einen ungeheuren Baum, der, einem Walde gleich, seine Acste überall auf die Erde senkte (wahrscheinlich eine Feige) und eine solche Ausdehnung hatte, daß das ganze Heer in seinem Schatten sich lagern konnte. Hier singen sie zwei Männer, welche den südlicher Ländern angehörten. Es waren kurze, stämmige Männer mit langen Bärten, deren Sprache man nicht verstand und mit denen man sich nur nothdürftig durch die Dolmetscher und Zeichen unterhalten konnte. Man erfuhr von ihnen, daß sie Unterthanen einer großen mächtigen Königin seien. Dir Hauptstadt, welche letztere bewohne, sei so groß, daß kein Mensch in 2 TagruDer Goldsand des Gongola. 283 Amgehen könne. Durch diese Angabe ward das Heer so erschreckt, daß es vom weitern Vordringen abstand und umkehrte. Von Gombe aus ging Dir. Vogel in der schlimmsten Periode der Regenzeit, ohne Zelt und mit Geld und Gepäck Alles in Allem höchstens 15 Dollars im Ver mögen besitzend, wieder westlich nach den Städten S a l ia und B eb ed sch i, um so Lander s, Clapperton s und Barth s Entdeckungen mit denen der Bcnuc-Erpe- dition zu verbinden. Er besuchte bei dieser Gelegenheit die Quellen des Gongola, eines Nebenflusses desBenue, von denen die Eingeborenen behaupten, daß sie Goldsand führen. Dasselbe erzählt man auch vom Bcnue selbst. Von dem Sande schickte Vogel eine Probe an den Professor Ehrenberg in Berlin, und dieser theilt Nachstehendes als Ergebniß seiner Untersuchungen mit: Dieser Sand ist etwas gröber als gewöhnlicher Streusand, von gelblicher Farbe, und enthält viele feine schwarze Thcilchcn (Magnctciscn) und sehr viele Blättchen von Goldglimmcr cingestrcut. Er zeigt kein Brausen mit Säure und wird beim Glühen erst schwarzgrau, dann ins Rostrothe ziehend. In 10 Analysen der feinsten abgcschlemmtcnTheilchcn waren 62 namhafte Formen: löPolygastern, 4i Phytolitharien, Pflanzcnparenchym, Magnctcisensand, quarziger Rollsand und Glimmer. In dieser Gebirgsablageruug fehlt die LysicycliaVogelii der Ebenen, aber die Gallioncllen waren gleichartig; Navieula umbilicata crj djcint als neue Art. Zwei große Cocconemata habe ich als C. lanceolatum und aspcrum ver zeichnet. Die größte Zahl der Formen ist mit den schon aus Afrika bekannten übereinstimmend. Hr. Dr. Vogel sagt in seinem an mich gerichteten Briefe in Rücksicht auf den Glimmersand des Gongola-Flusses Folgendes: Die Gebirge Bautschi s sind lediglich grobkörniger Granit mit großen Quarzblöcken und Uebcrfluß au Blei und Zink. Eisen findet sich mit dem gewöhnlichen versteinerungsloscn Saudsteiir östlich von Jakoba in Menge, dagegen fehlen Zinn, Kupfer und Silber. Die Ein geborenen halten dafür, daß die Flüsse Gold führen, der dein Sand bcigemischten Glimmerblättchen wegen, von denen Sie durch meinen Vater eine Probe erhalten werden. Das Salz vom Beuue (bei Dschcbschcb und Bu Manda) ist lediglich ein Produkt aus der Asche des 20 25 Fuß hohen Grases, welches die Steppen dort bedeckt und, sowie es trocken, in Brand gesteckt wird. Wenn niedergebrannt ist, so schabt man die obersten Schichten der Erde ab, laugt aus und kocht das Produkt ein, wobei man ein graues, wenig scharfes Salz erhält, was ziemlich thcuer verkauft wird, da man damit alle Länder südlich vom Benüe und auch zum großen Theil Bautschi versorgen muß. Ein Pfund kostet 250 Wodda, etwa 3 Sgr. Einen Zoll unter der Bodenoberfläche findet man keine Spur von Salz." " In Beziehung auf diese interessanten Nachrichten über den eigentlichen Gold gehalt das Sandes habe ich einige Prüfungen auf kleine Mengen und auf die Cha raktere des Goldsandes angestellt. Wenn man den Glimmersand mit Wasser über gießt und horizontal schüttelt, so sammeln sich die goldfarbenen Schüppchen alle an der Oberfläche des Sandes und lassen sich durch Schlemmen leicht absondern, während der Quarzsand zurück bleibt. Da also die Schüppchen nicht schwerer,284 Seife nach Bautschi, Salia, Bebedschi und dem Benne. sondern leichter sind, als der Quarzsand, so ergiebt sich daraus, daß sie kein Gold sind. Wenn man ferner diesen Goldblättchen-Sand glüht, so werden die goldfarbigen Schüppchen weiß, wie es das wahre Gold nicht wird , und verhalten sich wie Glimmer. Hiernach könnte es scheinen, als ob entschieden kein Gold dem Sande sei. Dessenungeachtet ist die Mischung dieses Sandes den ergiebigen Goldsanden der verschiedenen Erdgegenden darin ähnlich, daß sie vielen schwarzen Magneteisensand, der vom Magnet angezogen wird, mit vielen grünlichen, gelben und weißen quarzigen Krystallen, enthält, welche ganz in dem Zusammenvvrkom- men und der Gestaltung jener Abbildung gleichen, die in der Mikrogeologie als charakteristisch für Goldsand gegeben worden ist. ES mag mithin an einzelnen Oertlichkeiten jener Gegend wol Gold zu gewinnen sein, auch wenn der Glimmer als solcher unbeachtet bleibt." Dr. Vogel hat zwar seine astronomischen und meteorologischen Beob achtungen, welche er auf seinen Reisen iir den Provinzen Bautschi, Hamarrua und Segseg machte, ebenso seine meteorologischen Beobachtungen vom Jahre 1854 in Kuka nach London gesandt, wo sie vielleicht dem ihm persönlich so befreundeten Col. Sabine übergebest worden sind, über die Beschaffenheit des Landes zwischen Salia, Bebedschi Jakoba, sowie über seine persönlichen Erlebnisse bei dieser Reise hat er nichts Näheres mitgetheilt. Vor ihm ist jener Landstrich nur von Clapper- ton dessen zweiter Reise und von Richard Lander besucht worden, als derselbe auf seiner Rückreise von Sokoto aus begriffen war. Die Stadt Bebedschi ist gut gebaut und bildet ein längliches Viereck, in welchem die Wohnung des Statthalters den bedeutendsten Platz einnimmt. Dieselbe ist in maurischem Styl erbaut. Die übrigen Wohnungen sind Hütten, welche gruppenweise von Mauern umschlossen sind. In den Gehöften hat man gewöhnlich einige Dattelpalmen angepflanzt und dieselben mit Klappern gegen Beraubung durch Vögel und Fledermäuse geschützt. Als Clapperton den Ort besuchte, fand er auf dem Marktplatze einen zahmen Strauß, den man hier zum Besten der ganzen Gemeinde hielt, da man ihn als Gegenzauber gegen die nachtheiligen Wirkungen des bösen Blickes betrachtete. Die Zahl der Einwohner betrug damals gegen 25,000 und die meisten derselbeir beschäftigten sich mit Handel. Von einem Granitfelsen in der Nähe Bebedschi s eröffnete sich dem Reisen den eine weite, liebliche Aussicht bis nach Kano. Soweit das Auge reichte, zeig ten sich herrliche Ackerfelder; von den Waldbäumen waren nur der Butterbaum, eine Mimosenart und die Tamarinde stehen geblieben. Schöne weiße Herden wei deten auf den üppigen Fluren , auf freien Plätzen zwischen den Triften standen Pferde angebunden. Gegen hundert Mädchen und Weiber draschen mit langen Stöcken Korn auf den Felsplatten am Fuße des Berges und der Wind diente als Worfelmaschine. Lander reiste eine Zeit lang in Begleitung des Statthalters von Jakoba und war Willens, demselben bis zu seiner Residenz zu folgen, wurde aber gewaltsam daran verhindert. Bon Bebedschi aus zog Lander auf der Straße nach Jakoba südöstlich weiterAlmena. Kuttup. Salia. 285 und kam dabei einige Tage lang durch hohes Gebirge. Schroffe Felsen erhoben sich hier zu ungeheurer Höhe. Er befand sich im Qucllgebiet des Gambarnflusses und überschritt mehrere größere und kleinere Gewässer, welche alle in der Richtung nach Nordost strömten. An einem derselben lag die Stadt Almena, am Fuße eines riesigen Granitfelsens, der sich so jäh aufthürmte, als ob er die Stadt Herab stürzen wollte. Man erzählte dem Reisenden als Sage: eine Königin dcr Fanti sei vor etwa 500 Jahren mit ihrem Gemahl in Streit gerathen wegen eines golde nen Stuhles (vielleicht der Thron) und in Folge dessen mit einem Thcilc der llnterthancn hierher geflohen. Die Wege, welche Lander an dem Westabhange des Gebirgs hinab verfolgte, waren ebenfalls sehr beschwerlich. Die felsigen Ab hänge und Schluchten wimmelten von wilden Thieren. Das Geheul der Hyänen, Tigerkatzen, Schakalsund Affen ließ ihn die ganze Nacht hindurch nicht schlafe . Als er bei seiner Weiterreise Fullindu erreichte, traf er zum ersten Male Neger, welche gänzlich nackt gingen und sich über seine Kleider und seine weiße Farbe ebenso zur größten Heiterkeit veranlaßt fühlten, als über sein Aussehen. Uebri- gcns fand er in ihnen sehr harmlose Leute, die mit dem Vieh, Ziegen, Schafen und Hühnern zusammen lebten, höchst unreinlich waren und ihre eignen Kinder für Kleinigkeiten als Sklaven verkauften. Alle trugen in jeder Lippe ein großes Stück blaues Glas von halbrunder Form, in den Ohren ein Stück rothes Holz von der Größe eines Daumens und hatten sich den ganzen Leib sammt Kopf und Haaren mit Oel und rothem Thon eingerieben. Die Gcsichtszüge dieses Ncger- stammes vergleicht Lander mit denjenigen der Europäer. Nachdem er bis zu den Ufern dcsKadania schönes, rcichcsLand durchwandert hatte, erreichte er die Stadt Knttnp, von deren Reichthum, Volksmenge und regem Marktvcrkehr er bereits viel hatte erzählen hören. Mit Erstaunen sah er, daß dieselbe aus fast 500 kleinen, nahe beisammen liegenden Dorfschaften bestand. Das Ganze, so erzählt er, nimmt eine große schöne Ebene ein, mit den herrlich sten Bäumen bewachsen, Pisangs und Palmen (wahrscheinlich Delcb). Man han delt mit Sklaven, Ochsen, Schafen, Gurunüssen, Salz n. s. w. Er kam mit den Einwohnern des Orts in höchst freundlichen Verkehr und ward von ihnen gut verpflegt. Da die Regenzeit angebrochen war, fand Lander südlich von Kuttup die Wege bodenlos, und das Weiterkommcn ward so beschwerlich, daß er im Zustande äußerster Erschöpfung Dunrora erreichte. Hier holten ihn einige Reiter des Sul tans von Segseg ein und zwangen ihn zur Umkehr nach Salia (Saria, S. 30), der Hauptstadt jenes Landes. Unterwegs speiste man den von der Brechrnhr fast Aufgeriebenen mit gekochtem Korn, gebratenen Schlangen und Hunden. Auf nothdürftig znsammengebundcnen Flößen setzte man über den angeschwollencn Kadaniafluß und passirte einen zweiten Fluß bei Makani, drei Tagereisen später einen dritten. Die Stadt Eggebi, in der man unterwegs Rast machte, zeichnete sich durch ihre Nettigkeit und Reinlichkeit in so hohem Grade ans, daß an eng lische Städte erinnerte. Endlich kam man nach Salia und Lander ward von dem Sultan daselbst höchst freundlich ausgenommen. Der Sohn dcS Herrschers führte286 Reise nach Bantschi, Salia, Bebedschi und dem Benne. den Europäer in seinen Harem und zeigte ihn seinen fünfzig, Baumwolle spin nenden Weibern. Diese aber stoben im höchsten Schreck über die Erscheinung des Christen schreiend und kreischend auseinander. Die Stadt Salia (Zaria), Hauptstadt der Provinz Segscg, war ehedem durch die Fcllata zerstört, dann aber durch dieselben wieder neu aufgebaut wor den. Sic mochte zur Zeit Clapperton s und Lander s gegen 50,000 Einwohner zählen, der Mehrzahl nach Fcllata. In der Mitte der Stadt stand damals eine große, aus Lehm erbaute Moschee mit einem 40 Fuß hohen Minaret, nahe dabei die Wohnung des Statthalters. Innerhalb der Stadt gewähren zahlreiche Bäume Schatten und Brennholz. In der llmgebung des Ortes wechseln Getreide felder mH Weideplätzen und Sümpfen. Man baut Aarn, Reis, Negcrhirsc, Mais, Melonen und Pisang und neben den Dattelpalmen kommen auch Oclpal- men vor. Or. Vogel war Anfang September von seiner Reise nach Salia und Bebedschi zurückgekehrt und zog noch einmal dem Benne zu, diesmal aber auf einem andern Wege, in rein südlicher Richtung. Es glückte ihm nach unglaublichen Beschwerden die Hauptstadt Kaua (Kuaua bei Barth) jenseits des Flusses zu erreichen. Bei diesem Zuge war auch, daß er in Besitz des oben beschriebenen Ajuh gelangte. Anfang November kehrte er nach Bantschi zurück. Er hatte bei diesen Kreuz - und Querzügen den Benne zweimal überschritten, einmal da, wo die Plejade" um gekehrt war, und das zweite Mal 25 Meilen stromabwärts davon. Ebenso hatte er denKomadugu Waube und dcn Gougola bis zu ihren Quellen verfolgt und letz- tern Fluß an vier verschiedenen Stellen passirt. Den Komadugu und den kleinen Fluß zwischen Bantschi und Salia überschritt er, einen jeden zweimal an verschie denen Punkten und hatte auf diese Weise Gelegenheit genug, die Eigenthümlich- keit der Bodenbildung in diesen Gegenden, sowie die klimatischen Verhältnisse, das organischeLeben derselben kennen zu lernen und seine ethnographischen Studien zu erweitern. Am I. Dezember 1855 kam er indem alten Standquartier Knka wohlbehalten wieder an. Dir Sam Isay-Staaten mit Timtmlrtu. Ehe wir unfern Blick nach dem Osten des Sudan wenden, nach welchem Dr. Vogcl s letzte Reise gerichtet war, überschauen wir noch flüchtig jenes Gebiet, das sich westlich an die auf der glücklich vollbrachten Route besuchten Länder an schließt. Es sind dies die Länder am Mittlern Laufe des Niger (Kowarra, Dscho- liba, Jssa), auf welche durch Mungo Park s Forschungen, Schicksale und Tod, sowie durch die Reisen Clapperton s, Lander s und Baikie s die Aufmerksamkeit Enropa s eine lange Reihe von Jahren hindurch gerichtet war und über welche die uenestcn Expeditionen ebenfalls erst Aufschluß gebrächt haben.Die Sonrhay - Staaten. Timbuktu. 287 Der Niger und Timbuktu waren lange Zeit hindurch die Losung der afrika nischen Geographie. Durch mißverstandene und übertriebene Nachrichten irre ge leitet, knüpften sich an diese beiden Namen die ausschweifendsten Träume. Jenes Gebiet ward in dem märchenhaften Schimmer zu einem Dorado, in welchem mächtige Fürsten prachtvollen Hofstaat entwickelten und selbst die Wohnungen der Bürger von goldnen Gerätschaften strotzten. In gleicher Weise, wie der Goldhandel, der ehemals seinen Hauptwcg über Timbuktu ahm, überschwengliche Vorstellungen von dein Rcichthum der Städte hervorgerufen hatte, war der Segen der Natur, die Schönheit der Landschaft cm: vberu Niger in zu glänzenden Farben ansgemalt worden, besonders deshalb, Weil die unendliche Wüste dicht daneben die stärkste hebende Folie dazu bot. Die neuesten Nachrichten über jene Gebiete, wie von Caillic und vorzugsweise durch Di-, Barth veröffentlicht worden sind, entkleiden zwar jene Zaubergärten ihres erträumten Flitters, gebe aber durch das naturwahre Bild der Wirklich keit des Interessanten in anderer Weise gar Vielerlei. Der Niger selbst bietet in seinem obern Laufe so mancherlei Abweichendes, das anfänglich sogar zu falschen Schlüssen über die Richtung seines Laufes Ver anlassung gegeben hatte. Die Stadt Timbuktu liegt ungefähr 900 Fuß über dem Meere, Ssai gegen 350 Fuß. Der Niger beschreibt hier einen großen Bogen von vielleicht gegen 300 Meilen und hat auf dieser weiten Strecke ein sehr geringes Gefälle. In großer Ausdehnung bildet er die Grenze zwischen der Wüste und fruchtbaren: Lande. Im Norden hat das Gebiet dieselbe Beschaffenheit, wie wir sie bei der Wanderung durch die große Wüste näher kennen lernten; südlich vom großen Flusse treten außer dem Sandstein in den fruchtbaren Auen Gcbirgsmassen aus Gneis, Gra nit, hübschem Marmor, Grünstein und Trachyt auf. Aus letzterer Gcbirgsart Heftchen z. B. die malerischen Hombori- Felsen, die zerklüftete Gruppen mit burg- ähnlichen Klippen, Wasserfällen und fruchtbaren Thälern bieten und sich 00 und Mehr Fuß über die umgebende Ebene erheben. Am untern Ende der großen Ebene, die der Niger durchzieht, wird sein Lauf durch mehrere Felsenbarrcn verengt und ge hemmt, welche der Schiffahrt nach dem obern Niger auf lange unübersteigliche Hin dernisse in den Weg legen werden, wie ja auch an ihnen Mungo Park seinen Tod und der Dampfer der letzten Expedition unter Kapitän Baikie seinen Untergang fand. Während die übrigen von uns bisher besprochenen größer Flüsse des Sudan, z. B. der Nil, Schari, Benne und selbst der Unterlauf des Niger, ihren höchsten Stand in den Monaten August und September als Folge der Tropenrcgcn er reichen , hat der obere Seiger bei Timbuktu seine größte Höhe Ende Januar. Meh rere Ursachen wirken hier zusammen, um diese abweichende Erscheinung hervorzu rufen. Ein Hauptgrund ist in der nördlichen Lage des Qncllgcbietcs und in der ^ gedeuteten Richtung des Oberlaufes zu suchen. Das Land der östlichen Man- dingo hat den Hauptregenfall im September und Oktober, wie auch die Gebiete der Sierra Leone und das Kap Palmas im September und Oktober bedeutende Aegenfälle haben. Die anschwellenden Flute,: des Niger drängen sich aber nicht in288 Ncisc nach Bantschi, Salia, Bcbcdschi und dem Benne. einem tiefausgearbeiteten Flußbett zusammen, gehen nicht mit vermehrter Ge schwindigkeit vorwärts, sondern verbreiten sich in den völlig flachen Landschaften, welche sie durchziehen, zu beiden Seiten über außerordentlich große Flächen. Zahl lose Seitenarme entstehen, welche bei Timbuktu die Erzählung früherer Reisenden erklären, daß hier nämlich 36 Flüsse das Land bewässerten. Diese Nebenarme ergießen sich aber nicht in den Hauptfluß, sondern im Gegcnthcil strömt in ihnen das Nigcrwasser weit nach dem dürrenLandehinein. Zahlreiche Flußarme schlinge sich wie Silberfäden um die Sandhügel des Wüstcngebicts, welche mit ihrem dor- ncnrcichcn Buschwald aus Mimosen und Akazien und ihren zahlreichen Ziegcnhcr- dcn gleich Inseln Hervorschauen. Erst nachdem dcrZufluß von: obcrn Gebiet nach läßt und das Wasser an den untern Stromengen Zeit gefunden hat, sein Niveau zu verringern, erhalten die sackähnlichcn Hinterwasser Veranlassung, die Richtung ihres Laufes umznkchrcn. Ein Theil ihres Wassers ist zur Befeuchtung des Lan des verbraucht, ein anderer verdunstet, die rückkehrenden Gewässer sind also ge ringer als die vom Niger ausgehenden. Wenn der Niger seinen höchsten Stand erreicht und seine Wasser die zahlreichen Brunnen Timbuktu s füllen, dann tritt für diese Stadt ein ähnlicher Festtag ein, wie er in Kairo beim Durchstechen des Nildammcs stattfindct. Die Sanddünen, welche die Nigerufer weite Strecken hin begleiten, sind mit Talha - Mimosen bestanden, über die sich stellenweise Wäldchen aus Dnmpal- mcn erheben. Angepflanzt finden sich auch Haine von Dattelpalmen. Der Salz kaperstrauch überzieht große Flächen am Strande, andere Abhänge sind dagegen von Koloquinten übersponnen. Dic Gerred-Akazic (A. nilotica) und die Kaden a- bäume bilden die vorzüglichsteZierde dertlferlandschaftcn. Der mehrfach erwähnte Retcm (Besenpfriemen) wird hier fast baumartig, denn er erreicht die außerordent liche Höhe von 20 Fuß. An andern fruchtbarern Stellen finden wir die Hauptge wächsformen der übrigen Sudanländer wieder. Die Tamarinde breitet ihre zarten Laubschirme neben dem Hadjilidj, auch hier ragt der heilige Rimi cypresscnähnlich empor und der Affenbrodbaum fällt durch seine riesigen, ungeschickten Formen schon aus weiter Ferne ins Auge. Kadebänme und Madatschibäume bilden Gehölze an den Hiutcrwassern der Südseite und zu ihnen gesellen sich noch mancherlei, wissen schaftlich noch nicht näher bekannte Baum - und Strauchformen. So ist der schöne und große, mitunter 80Fuß hohe Korgam-Baum von den Eingeborenen a n Niger wegen seines guten Holzes geschätzt, das zum Baue der Boote verwendet wird. Er liefert auch eine vegetabilische Butter. Der Kirtschc - Strauch trägt eine kleine weiße Frucht, die von außerordentlich süßem Geschmack und genießbar ist! nur kann sie eben wegen der zu starken Süßigkeit nicht in größern Mengen gegessen werden. Geschätzter noch ist die Frucht des Mechet-Strauches. Die Frucht des Bogi-Baumes ist wegen ihres angenehm säuerlichen Geschmackes beliebt; f ic ähnelt im Ansehn einer Birne, ist von gelber Färbung und enthält im Inner 4 5 große Kerne. Der Kalgho - Strauch fällt hier auf durch seine langen rothe Fruchtschotcn, welche von dem aschfarbenen, düstcrn Laubwerk wunderlich ab- stcchen. Aehnlich trübselig erscheint der giftige Fernan-Busch, zu dem sich an etwas290 Reise nach Bautschi- Salia, Bcbcdschi und dein Bcnue. schattigen Lokalen giftige Wolfsmilcharten gesellen. Auch die Kautschukfcige, die Sykomore und noch eine andere, Dne genannte Feigcnart kommt hier vor. Die am Benne wachsende eßbare Wurzel ist auch hier am Niger einheimisch. Das be- riichtigte Stachelgras erreicht stellenweise hier eine solche Höhe, daß der auf dem Pferd sitzende Reiter es nicht zu überschauen vermag. An den Ufern des Niger und an seinen Hinterwassern gesellt sich noch eine andere sehr hohe und sehr scharf stachlige Grasart dazu, welche ein Durchdringen unmöglich macht. Andere feuchte Senkungen sind von dem eßbaren Nispengrase (Poa abessynica?) überwuchert. Die Krone aller Nigergräser ist aber das B y r g u - Gras, ein hohes, saftiges, an Zuckersaft reiches Gewächs, das nicht nur das vortrefflichste Futter für Pferde und Kühe abgiebt, sondern auch allgemein zur Darstellung eines süßlich schmecken den Nationalgetränks von gelinde abführender Wirkung dient. Sogar eine Art Honig von geringerer Giite läßt sich aus ihm bereiten. Unter den mancherlei Ge wächsen, welche von bcn Eingeborenen zu medizinisch,enZwecken angewendet wer den, ist eins, Bangara-bubiki genannt, deshalb in Ruf gekommen, weil die Fähigkeit besitzen soll, die lästigen Fliegen von offenen Wunden, besonders bei Kameelen, abzuhalten. Blumen sind in diesen: Theile des Sudan weniger reich lich vorhanden, nur stellenweise machen sie sich in größerer Anzahl auf Wicsentcp- pichen oder als Schlinggewächse in den Schilfdickichten bemerklich. Schönblühendc Arten aus der Familie der Teichrosen überziehen die ruhiger Stellen der großen Wasserarme und außer ihnen bildet hier ein Sscrra n fussa genanntes Gewächs von 10 Zoll Länge dichte schwimmende Inseln auf der Oberfläche der Gewässer. Die flache Ausbreitung dcS Landes und die jährlichen Ucberschwemmungcn desselben machen es ganz vorzüglich zur Rciskultnr geeignet. ES wird diese Ge- trcidcart hier auch,in bedeutender Ausdehnung gebaut und zur Zeit des Hochwas sers geerntet, indem inan in flachen Booten auf die überschwemmten Fluren fährt und die über das Wasser hervorragenden Rispen abschneidet. Nächst dem Reis sind Hirse (Sorghum) und Mais die vorzüglichsten Gegenstände des Feldbaues, doch werden auch Bohnen, Erdmandeln, Melonen und Zwiebeln vielfach gebaut. Letztere bereitet man für den Verkauf in origineller Weise ; . Man schneidet sie nämlich in kleine Scheiben, zerstampft diese mit Wasser zu einem Teige, den man mit Butter mischt und zu Kugeln ballt; letztere verkauft man dann im Ganzen oder inStücken von Ve Zoll Durchmesser. Nach der Ernte stellt sich den trock nen Acckern der Aschur hier in derselben Ueppigkeit ein wie bei Kuka. Die Thierwelt ist zwar im Ganzen jener am Benne sehr ähnlich, hat aber noch einige Eigenthümlichkeiten aufzuweisen. Außer dem Elcphanten, Büffel und mehreren Antilopenarten tritt auf dem rechten Nigerufer auch das Nashorn wie der auf, das zwischen dem Schari und Niger gänzlich zu fehlen scheint. Die Schilf dickichte der Flußsäcke bewohnt der röthlich gefärbte, fast mähnenlose Löwe, und Wildschweine liefern ihm hinlängliche Nahrung. Krokodile und Schildkröten be leben die Gewässer. Der Ajuh, den wir am Benne ausführlicher besprachest (S. 277), ist auch im ober Niger vorhanden, obschon keineswegs häufig. Er ist wahrscheinlich der heilige Fisch, der von den Sonrhay in der Vorzeit verehrt ward.Thicrlebcn am Niger. 291 19* . Außer dem gewöhnlichen Krokodil kommt noch ein ähnliches eidechsenartiges Thier vor, das Ssakankur oder Sangnai genannt wird. Es erreicht nur eineLängc von 8 8 Fuß, hat breitere Fuße als das Krokodil und hält sich sehr versteckt. Am ehesten vcrrathen dieJungcn durch lautes Bellen ihre Gegenwart, sind aber wegen der stachligen Schilfdickichte, in denen sie sich verbergen, unerreichbar. An Fischen ist der Niger reich; geschaht sind vorzüglich Verwandte des Karpfen, die hier Vor kommen und welche man mit Wurfspeeren erlegt, die zwei Klingen besitzen, also dem römischen Dreizack ähneln. Die Insekten und die Würmer sind reicher vertreten, als Einheimische und I Fremde wünschen. Bunte Schmetterlinge bieten zwar auf den fruchtbaren Auen eine angenehme Abwechselung, die Men gen der Blutegel dagegen, welche das feuchte Gras beleben und sich an den Beinen der Rcitthicre so ansangen, daß letztere in Kürze von Blut übcrströint werden, sind desto lästiger. ZudenWol- kenvon Mücken, die den zahllosenLachen entsteigen, gesellen sich gefährliche Blnt- flicgen und jene kleinen Plagegeister von Fliegen, die, durch ihren plattgedrückten Bau dazu befähigt, in die Kleider des Atenschen einschlüpfcn, xi ihn zu quä le . Auch giftige Spinnenthiere kommen vor, deren häßlicher Leib einen Durch- tesser von 2 Zoll erreicht. Außer den gewöhnlichen Termitenartcn tritt auch eine haarige Sorte auf. Ter Halocs- BZurm, der Vertilger der Ernte, den wir in den Ländern am Schari kennen lernten, ist hier westlich vo r Niger auch wieder da und zu ihm gesellt sich noch eine kleinere Wurmart von rother Farbe, We stellenweise in entsetzenerregenden Mengen vorkommt. Lange Züge, vielen Biillionen bestehend, wandern ununterbrochen von Feld zu Feld, von Pflanzung Zw Pflanzung vorwärts, Alles verheerend. Das Land innerhalb des großen Bogens, welchen der Niger beschreibt, Wurde ursprünglich vorzugsweise von dem Negerstamm der Sonrhay bewohnt. Dieses Volk ist meistens von glänzend schwarzer Färbung der Haut, hat aber nicht vvn kurzen gekräuselten Haarwuchs der echten Negerrassen. Die Haare hängen welmehr in langen gewundenen Locken bis die Wangen, ja bei vielen bis auf wc Schultern herab und verleihen dadurch selbst dem Aussehn der Männer einen weiblichen Ausdruck. Die Formen der Frauen sind keineswegs durch Symmetrie ^rtheilhaft ausgezeichnet. Brust und Beine tragen letztere bloß, den Nacken und292 Reise nach Bautschi, Salia, Bebcdschi und dem Benne. das Haar schmücken sie mit Reihen von Perlen. Bei einigen Abtheilungen des Stammes tragen die Frauen Ringe in der Nase, bei andern die Mädchen einen aus Kupfer gearbeiteten Reiter mit einer Tabakspfeife als Schmuck im Haare. Die Männer sind mit kurzen blauen Baumwollenhcmden und langen Beinkleidern von derselben Farbe bekleidet. Beide Geschlechter rauchen leidenschaftlich Tabak und versammeln sich regelmäßig Abends, wen nicht zu ungünstige Witterung ist, um sich mit Tanzen zu vergnügen. Dadurch sind sie den strenggläubigen, mönchischen Fellata jener Gebiete ein Gräuel, da diese Tabakrauchcn und Tanzen als sündhaft bezeichnen. Die edlcrn Geschlechter der Sonrhay haben gar keine Einschnitte in ihrem Gesicht, andere machen sich einen tiefen Schnitt unter dem linken Auge, der von der Nase nach dcmBackenknochen hin zieht, und das gemeine Volk verunstaltet das Gesicht durch drei Gruppen von Schnitten. Drei Schnitte inacht man an den Schläfen, drei auf der Mitte der Wange und drei auf dem atu 5 teru Th eile des Gesichts. Die Lanze bildet die Hanptwaffe der Sonrhay; Schwer ter sind selten, und Bogen und Pfeile sind nur bei einigen Stämmen gebräuchlich- Die Wohnungen sind entweder aus Rohr oder Thon gearbeitet. Die Rohrhüttcn haben höchst verschiedene Formen, wie unsere Abbildung S. 289 im -Vordergründe eine Anzahl darstcllt. Manche derselben haben bis20Fuß im Durch messer, die Wände, aus Rohrmatten bestehend und mit Thon bestrichen, sind bis zum Anfang des Daches gegen 10 Fuß hoch und das kegelförmige Dach wird durch eine Mittelsäule gestützt. Das nebenstehende Bild (S. 293) zeigt das Innere einer solchen Sonrhay - Hütte. Zu beiden Seiten des Eingangs, auf der Abbildung auf der rechten Seite im Vordergründe, ist eine halbrunde Thonbank zum Niedersetzen angebracht; wei ter nach innen befinden sich Löcher inr Boden, in welche man die Speiseschüsseln begücm und sicher stellen kann, da deren Unterseite gewöhnlich gewölbt ist. Der halbkreisförmige Raum iin Mittelgründe links, von einer niedern Thomnaucr umschlossen, dient zum Aufbewahren von verschiedenen Geräthschaften, mitunter auch zur Aufnahme eines Koruvorrathes. Die langen Thonbänke daneben dienen zum Niedersetzen, in den drei großen Krügen in der Mitte des Zimmers verwahr) man das Getreide; gleichzeitig bilden dieselben auch eine Schutzwand für das Hw- ter ihnen befindliche Kochfcuer, von dem sie den durch die offene Thür dringenden Wind abhalten. Die Thonwohnungen sind aus großen Thonklumpen zusammengesetzt, haben einen vierseitigen Grundriß und flache Dächer. Die bessern von ihnen enthalten ringsum einen Hofraum, in den man durch eine Eingangshalle gelangt, eine An- zahlZimyner, zudem auch noch Abtheilungen für Enten, Schafe, Hühner, Tauben, so daß sie einer kleinen Arche Noah ähneln. Da räuberische Einfälle von Paw- barstämmen häufig sind, so hat man in manchen Distrikten den Dörfer eine kastel - ähnliche Einrichtung gegeben, wie das Dorf im Hintergründe unserer Abbildung S. 289 zeigt. Die sämmtlichcn Gebäude liegen dann gern auf einer Anhöhe nn bilden einen Kreis, in den nur ein schmaler, leicht zu verteidigender Eingang führt. Die Zwischenräume der Hütten sind durch hohe Thonmaucrn ansges"Die Sonrhay. 293 Die thurmähnlich aussehcnden Gebäude mit spitzen Dächern sind Kornmagazine. In den Gegenden freilich, in denen die Termiten häufig , ist man gezwungen, die Getreidespeicher auf Pfählen erhöht auzulegen, um sie etwas vor diesen unersätt lichen Verwüstern zu retten. Der Vordergrund des Bildes zeigt uns auch die Sitte der Sourhay, das Wasser in Kürbisschalen zu holen, welche an den beiden Enden einer Stange befestigt sind und die man auf der Schulter trägt. In den andern Ländern des Sudan transportirt man die Wassergefäße auf dem Kopfe. Die Eisengeräthe, welche die Sonrhay bedürfen, arbeiten sie sich selbst aus dem im Lande vorhandenen Eisenerz. Sie thürmen die Erze zu diesem Zwecke in 6 Fuß hohen und Vr Fuß im Durchmesser haltenden Schmelzöfen auf, bedecken dieselben mit hinreichenden Mengen Brennmaterial und sammeln das ausfließende Metall in drei Rinnen am Grunde des Ofens. Das Reich der Sonrhay hatte seinen Centralpunkt ums Jahr 300 n. Ehr. in Kukia, einer Stadt, welche ver- muthlich an der östlich sten Kuiebiegung des Niger lag und von der sehr wahrscheinlich ist, daß sie mit Aegyp ten und mit Nordafrika durch regelmäßige Hau- delskarawaneu in Ver bindung stand. Aussal- len muß cs, daß bei den Vornehmen der Sou- rhay eine cigenthüm- liche Art, die Todten einzubalsamiren, gebräuchlich war, indem man die Eingeweide der Leichname herausnahm und die Höhlungen mit Honig füllte. Die Sprache derSourhay ist einsilbig und eine der ärmsten des Sudan. Bereits in frühen Zeiten saß eine Herrscherfamilie hier auf dem Throne, die von Norden (Libyen) her eingewandert war, und aus welcher beim Beginn der Hedschira 22 Könige regiert hatten. Schon im Jahre 1009 nahm der Sonrhay-Fürst den muhamedanischeu Glauben au, duldete aber selbst in der Hauptstadt noch die heidnische Bevölkerung. Um das Jahr 1067 begann die Stadt Gogo Hauptstadt des Sonrhay-Staates zu werden und den Dienst des Islam zu pflegen, während ringsum noch Alles heidnisch war. Zugleich ward Gogo Haupthandclsplatz, und Gold, Salz, Muscheln, Kupfer und Glas- verlen waren die vorzüglichsten Gegenstände des Handels. Etwa zehn Jahre später (L077) ward Tim buk tu von den Tuariks gegründet, die hier ihre Lager- 5Daa Iimerc cmcv Sonrhay- Hüne.294 Reise nach Bantschi, Salia, Bcbcdschi und dem Benne. Plätze aufgeschlagcn hatten. Anfänglich war diese Stadt nur ein unbedeutender Ort, an welchem für die nächste Umgebung ein Markt abgehalten ward, allmälig aber hob sie sich zu immer größerem Ansehen. Timbuktu s Lage war ganz geeignet, es zur ersten Handelsstadt des Westens und zum Sitz der Gelehrsamkeit zu machen, denn die verschiedensten Nationalitäten trafen hier zusammen. Im Süden waren die Sonrhay, ain ober Niger das seiner Zeit gewaltige Reich Melle, von Westen her kamen die Bewohner des Reichs Mosche und die Maudingo, sowie die Fellata, von Norden und Osten dagegen machten die Marokkaner, die Tuarikstämmc der Wüste und die Araber, sowie die Mischlings- stännne dieser nnb der genannten Nationen ihren Einfluß geltend. Timbuktu ward vorzüglich der Haupthandelsplatz für Gold, daS in Form von Ringen oder als Staub auf den Markt kommt, für Salz, daS man von Taödcnni bezieht, und für Guru- oder Kola-Nüsse. Das Salz bedeckt einen höchst ausge dehnten Landstrich in der Landschaft El Dschof und besteht aus fünf Schichten, deren beste ein schwarzes, von weißen Adern marmor artig durchzogenes Ansehen hat. Die größten Salz stücke, welche hier ausgegrabcn werden, haben 3 Vr Fuß in der Länge, l Fuß Breite und über 2 Zoll in der Dicke; ihr Gewicht wechselt zwischen 50 ööPfund. Die erwähnten Guru - Nüsse ersetzen den Bewohnern jener Gegenden den Kaffee und kommen aus den west- lichern Gebieten, von Sierra Leone, dem Lande der Mandingo, aus dem Lande der Aschauti, von Tente und Kaui. Es sind die Früchte mehrerer Baumsorten; die rothen Nüsse stammen von Sterculia acuminata, die größern wcißenvon Sterculiamacrocarpa. Beide Bäume gleichen sich in Blatt - und Blütenform und weichen nur im Aussehn der Frucht von einander ab. Sie haben langrunde, zugespitztc, ganzraudige, glatte Blätter, die an langen Blattstielen stehen. Die kleinen, unansehnlichen Blüten bilden Trauben in den Blattachselu. Jede Fruchtkapsel enthält ein Samenkorn. Die Guru-Nüsse werden gewöhnlich auf Eseln transportirt und 5 6000 Stück machen die Ladung eines Thieres aus. Die muhamedanische Gelehrsamkeit des Sudan hatte in Timbuktu ihren Hauptsitz aufgeschlagen. JederZeit wohnten hier gelehrte Männer, welche Schüler um sich versammelten, und ein schlagendes Beispiel von der Bildung, welche hier herrscht, erhellt daraus , daß die Geschichte jener Ländergebiete in schriftlichen Ur kunden niedergelegt ist, welche bis ins 4. Jahrhundert n. Ehr. zurückreichen. Von cinein der Hauptgeschichtsschreiber ist bekannt, daß er eine Bibliothek von lü 0 Handschriften und Büchern besaß. Dieselben Ursachen, welche das Gedeihen Timbuktu s beförderten, führten aber auch für die Stadt vielfache Zerrüttungen herbei. Sie war von je ein Zank apfel der streitenden Parteien. Anfänglich von Tuariks gegründet, stand sie unter295 Timbnktu s ©cjctiicfite. derHerrschaft derSonrhay-Könige, welche ihre Macht zeitweise über einen großen Theil des Sudan aus breiteten. Dann fiel sie in die Hände der erobernden Fürsten von Melle, dann wieder in die Gewalt der heidnischen Mosche. Sonrhay und dann Tuariks eroberten wieder, bis sich schließlich die Schützen des Sultans von Marokko hier festsetzten. Die Portugiesen waren frühzeitig von der Küste her mit Tiinbuktn inVerbindüng getreten. Von ihnen stammte sogar eineKanone, welche lange Zeit hindurch hier anfbcwahrt ward, ohne daß man verstanden hätte, ;u benutzen. Es muß überhaupt sehr auffallcn, daß die Fürsten vom Nigergebiet, die doch fortwährend mit dem Norden Afrika s in cngsterVerbindung standen, von Maudingo -Neger. dorther ihre Pferde bezogen, ihr Heer mit Panzern und Kupferhelmen versahen, ja in Begleitung ihrer Großen Wallfahrten nach Mekka anstellten, früher nie den Versuch gemacht haben, Feuergewehre in ihrem Lande einznführcn, wie dies doch in Bornu ziemlich zeitig schon geschehen war. Trotzdem, daß Heere von 140,000 Mann von den Negerfürsten zusammengebracht wurden, fiel cS einer Schaar von einigen Hundert auserlesener marokkanischer Schützen nicht schwer, das ganzeGebiet für ihren Fürsten zu unterwerfen. Diese Marokko-Schützen (Ruma) blieben nachmals in den Hanpstädten des Landes sitzen, vcrheiratheten sich mit Negerfrauen und bildeten eine Art Adel, der die ganze Schiffahrt auf dem Niger in den Händen hatte. Die Beaufsichtigung des Flußvcrkchrs, der Schiffe und des296 Reise nach Bantschi, Salia, Bcbedschi und dem Benne. Hafens ist auf dem Nieder wie auch auf dem Scharr in den Händen einer bestimm ten, sehr angesehenen Persönlichkeit, einer Art Flußkönig. Festung war Timbnktn niemals, sondern nur zeitweise von einem Erdwall umgeben. Es leistete deshalb andringenden Fcindesschaaren niemals ernstlichen Widerstand, unterwarf sich entweder sofort oder mußte sich Gcwaltthätigkcitcn gefallen lassen, welche mehrmals bis zur Einäscherung, znPlündernngs-undBlnt- scencn sich steigerten. Stets stieg es abcrän kurzer Zeit den Trümmern wieder empor, obschon es heutigentags kaum die Hälfte seiner ehemaligen Größe besitzt. Die gegenwärtige Stadt hat die Gestalt eines Dreiecks, dessen Grundseile dein Niger zugekehrt ist. Ihr Umfang beträgt gegen eine Stunde. Das Grab des Fakih Mahmud, auf dem nachstehenden Grundriß (S. 299) mit A bezeichnet, ist jetzt nördlich ein ansehnliches Stück von der Stadt entfernt, soll aber ehedem, nach den Erzählungen der Einwohner, in der Mitte der Stadt gelegen haben. Gegenwärtig zählt Timbnktn nicht mehr als 13,000 seßhafte Einwohner, zu.denen sich zur Zeit des lebhaften Handelsverkehrs noch 5 10,l 00 Fremde, besonders östliche Man- dingo gesellen. Den empfindlichsten Stoß hat die Stadt durch die 1826 erfolgte Eroberung der fanatischen Fellata erlitten, welche bei jener Gelegenheit auch den umgebendcir Erdwall niederrissen. Mehr als die Verwüstungen, die jede Eroberung zu be gleiten pflegen, schadeten sie dem Handelsverkehr dadurch, daß sich mit äußer ster Unduldsamkeit gegen alle ankommenden Fremden benahmen, die einer andern Religionspartei angehörten, und dies nicht etwa blos gegen die heidnischenKauf- lcnte, sondern auch gegen dievon Norden und Osten herkommenden Muhamedaner. Die westlichen Fellata sind in ihren religiösen Forderungen viel strenger als die östlichen in den Hanssa- Staaten und stehen selbst mit diesen ihren Stammesbrü dern in gespannten Verhältnissen, da dieselben Vielweiberei haben, während sie selbst dem Herrscher nur zwei Frauen gestatten wollen. Während sie. aber sich etwas darauf zu Gute thnn, daß sie den Islam in seiner reinsten Gestalt wieder hcrge- stcllt hätten und als Symbol ihrer reinen Lehre eigensinnig auf weiße Kleidungs stücke halten, haben sie doch mancherlei heidnische Gebräuche mit überkommen. So tragen die meisten von ihnen am Finger einen kleinen Silberring, von dem sie meinen, daß er die Erhörnng ihrer Gebete bewirke. Zu jenen religiösen Rei bungen, welche dein Handelsverkehr in Timbnktn hinderlich wurden, gesellte sich noch der Neid zwischen den Kanflcnten von Marokko, Tauat und Ghadames, und letztere sahen sich veranlaßt, den Schcikh el Muchtar zu bewegen, seine Wohnung nach Timbnktn zu verlegen, um durch ihn einigen Schutz zu erhalten. Die Span nung unter den verschiedenen Nationalitäten steigerte sich endlich so weit, daß 1844 ein erbitterter Kampf zwischen den Tnariks und Fellata ansbrach, der damit endigte, daß letztere der Stadt vertrieben und in offener Fcldschlacht ent schieden geschlagen wurden. Timbnktn erzeugt aber in seiner Umgebung nur einen kleinen Thcil seines Bedarfs an Lebensmitteln und die stromaufwärts wohnenden Fellata haben die Stadt völlig in ihrer Gewalt, sobald sie die Getreideausfuhr nach derselben verbieten. Hierdurch wurden die Tnariks bewogen, mit den FellataLimbukm.298 Ncisc nach Bautschi, Salia- Bebcdschi und dein Benne. einen Vergleich abzuschließen, in Folge dessen letztere die Oberherrschaft über die Stadt besitzen, in derselben aber keine stehenden Truppen halten sollten. Die Negierung dcrStadt sollte gemeinschaftlich durch einen Fellata und einenSonrhay besorgt und nur wichtige Kriminalsachen von dein Fellataherrscher entschieden wer den. Die in solcher Weise zu entrichtenden Abgaben übersteigen zwar die Summe von 7000 Thalern nicht, die Einwohner sind aber von Seiten der Tüariks zahl losen Plackereien ausgesetzt und der Sohn und Nachfolger des Scheikh el Muchtar, Schcikh Ahmed el Bakay, wünscht auch nicht vernachlässigt zu werden. Von auW: gewährt Timbuktu durchaus keinen angenehmen Anblick. Die aus dunkelgrauem Thon aufgcführten Wohnungen mit platten Dächern, an denen man keine Fenster wahrnimmt, erscheinen sehr melancholisch und düster. Außer diesen Gebäuden sind auch eine Anzahl runde Mattcnhüttcn vorhanden. Letztere sind zerstreut, crstcre dagegen bilden zusammenhängende Reihen und dadurch enge, gerade oder gewundene Straßen. Die Wege sind zwar nicht gepflastert, haben aber einen ziemlich festen Sand - und Kiesgrund. In der Mitte derselben läuft der Rinnstein, der um so nöthiger ist, da dieDachrinncn das Negenwasser von den flachen Dächern nach den. Straßen leiten. Obschon die Stadt ziemlich zwei Meilen vom Flusse entfernt ist, tritt doch beim Hochwasser die Flut so nahe, daß man in dem unserem Grundriß mit io bezcichncten Thale in Booten bis in die nächste Nähe fahren und den Markt mit Getreide versehen kann. Im Jahre 1640 hatte der Strom sogar eine so ungewöhnliche Höhe erreicht, daß ein ansehnlicher Theil der Stadt in einen Sumpf verwandelt worden war. Die Boote, in bcncit man den Niger befährt, sind von ziemlich plumper Bauart und haben gewöhnlich an beiden Enden eine kleine Mattenhütte. Nie sind so dicht, daß sie nicht Was ser durchließen. Sie nöthigen deshalb zum häufigen Ausschöpfen; dazu ist der Schisser an den flachen llfcrn und an den mit Schilf umstandenen Hinterwassern fast bei jeder Landung gezwungen, streckenweise durch Wasser und Schlamm zu waten, und jede längere Nigerfahrt hat deshalb fast unvermeidlich schmerzhafte Rheuma tismen und Lähmungen im Gefolge. Der eigentliche Hafen von Timbuktu ist das DorsKabara. das unter der speziellen Aufsicht des erwähnten Hafenmeisters steht. Von öffentlichen Gebäuden hat Timbuktu nichts weiter als drei Moscheen aufzuweisen, von denen sich zwei durch ihre Größe auszeichnen. Die größte der selben hat 262 Fuß Länge und 194 Fuß Breite. Alle drei sind aus Thonklumpen erbaut. Ehedem sollen noch drei andere Moscheen vorhanden gewesen sein. Auf fallend ist der Mangel an Bäumen in der nächsten Umgebung der Stadt. Es schreibt sich dieser Uebelstand daher, daß bei einer Eroberung der Stadt der Hafen meister mit der ganzen Flotte geflohen war und der Feind sämmtliche Bäume Niederschlagen ließ, um Schiffe darauszubaucn. Nur bei dem Brunnen (s.Fig. ll) im Süden der Stadt sind einige Dattelpalmen vorhanden. An öffentlichen Plätzen fehlt es ebenfalls sehr, ist nur ein etwas größerer und ein kleinerer Marktplatz vorhanden. Die Mehrzahl der Bewohner von Tim- bnktu haben nur ein einziges Weib und die sittlichen Verhältnisse sind streng- Selbst die ärmste Frau der hier wohneudcu Araber und Mauren erscheint nieTimbuktu. 299 anders als verschleiert auf der Straße, die Frauen der Vornehmen pflegen ihre Wohnungen überhaupt nur selten zu verlassen. Die Frauen tragen gewöhnlich ein schwarzes Obergewand und ein Unterkleid und verhüllen sich mit dem ersteru. Dieje nige Frau, welche des Ehebruchs überführt wird, hat sicher Steinigung zu erwarten. Die eigene Industrie in Timbuktu ist gering, Lederarbciten sind noch am ehesten zu nennen, selbst die Baumwollenstoffe werden von außen her bezogen. Reis und Negerhirse sind die Hauptprodukte, welche auf dem Markte feilgcboten werden; zu ihnen kommt noch die Kadena-Butter. Thcc ist bei den Arabern Ä o"? r Gttmdl w oii TimbiiMi. A. Grab dcö Fakih Mabmud. N E. Die verschiedenen Stadtviertel. (ü. Abcraü. E. Nubakaina. F. G. Särakaiiia. II. I. Sanegnngn. K. B bn. E. Zangere der.) 2. Der Fleischnrarkc. S. Bartl, s Wohnung bei seinem ?lnfentl,alte iir Timbuktu. Ahmed el Bakah. &. Moschee Sndi Yabia. 6. Große Moschee. 7. Der grvue durch welchcö der Weg nach Kabara führt. 9 und J1 - Brunnen. JO. Thal, schwemmt, ist. C. Sankvre. I). Bagindi. 1 . Die Bio sch ce Ssankora. 4. Wohnung des Sehcikhü Marktplap. 6. Das Thor, das beiin Hochwässer über- neuerdings sehr in Aufnahme gekommen. Einer besonder Pflege haben sich die Tauben zu erfreuen, die in Folge dessen auch in solcher Menge vorhanden sind, daß man für einen Dollar dreihundert Stück Junge erhalten kann. Die Europäer, welche bis jetzt Timbuktu besucht haben, mußten stets mehr oder weniger unter den angedeutetcn zerrütteten Verhältnissen des Ortes leiden. Mungo Park war mit den Tuariks in ein feindliches Verhältniß gekommen und hatte schließlich auf Jeden geschossen, der sich seinem Boote genähert. Bei den300 STCcifc nach Bautschi, Salia, Bcbcöschi und dem Benne. Felsen von Bussa war er endlich übcrmannt und getödtct worden. Im Juli 1825 ging der junge englische Major La ing, der sich schon vorher aus Reisen in Sene- gambien versucht, vonTripoli nachTimbuktu ab. Er erreichte es überGhada- mes und Agably nach außerordentlichen Schwierigkeiten am 8. August 1825, ward aber durch die fanatischen Fellata gezwungen, die Stadt zu verlassen und zu den Tuariks zu flüchten, die ihn theils aus Habsucht, theils aus Rache, da ihn für einen Verwandten Mungo Park s hielten, erschlugen. Glücklicher war der Franzose Irene Caillie, der als verkleideter armer Pilger am 13. April 1827 von St. Louis am Senegal abreiste und ohne Aufsehen zu erregen am 20. April 829 aus dem Niger Kabara, den Hafen von Timbuktu, erreichte. In Timbuktn selbst wurde er unerkannt gastlich ausgenommen und verweilte 14 Tage daselbst. Mit einer Karawane zog er sodann binnen 7 Wochen über Ghurland in Tafilelt nach Fez und Tanger. Man schenkte in Europa seinen Berichten wenig Glauben, dieselben haben sich aber durch Di-. Barth s Mitteilungen glänzend bestätigt. Am 7. September 1853 hatte dieser letzte unerschrockene Reisende auf einem Umwege durch die auf dem rechten Nigerufer gelegenenSonrhay-Länder die Stadt Timbuktu erreicht, war aber unterwegs genöthigt gewesen, eine Zeit lang die schwierige Rolle eines Scherifs zu spielen, dem herznströmendcn Volke Segen zu spenden und Regen zu crslehn. Als in Timbuktu sein wahrer Charakter bekannt ward, versuchten die erbitterten Fellata in Gemeinschaft mit den Tuariks alles Mögliche, um seinen Untergang herbeizuführen. Letztere hielten ihn für einen Sohn des Majors Laing, der gekommen sei, um seinen Vater zu rächen. Barth hatte sich unter den Schutz des Scheikhs el Bakay gestellt und wohnte in einem Hause desselben, das auf dem Grundriß mit Fig. 3 bezeichnet ist. Die Tuariks wurden durch den Sohn jenes Häuptlings angeführt, welcher Laing tobten ließ, und stellten sich feindlich cl Bakay gegenüber. Es drohte zu einem blutigen Zu sammenstoß zu kommen, als plötzlich der Tuarikführer starb. Seine Leute hielten dies für eine Strafe Allah s, dessen Zorn der Scheikh auf sie herabgefleht habe, und brachten cl Bakay ihre Huldigungen dar. Trotzdem ipard Di-. Barth erst nach siebenmonatlichem Aufenthalt, am 17.März 1855, möglich, im Geleite sei nes Schutzpatrons die Stadt zu verlassen. Ans seiner Rückreise war es, daß er Di-. Vogel bei Bundi begegnete. Die Nachlässigkeit der Boten war schuld gewesen, daß seine Briefe nicht früher seine Freunde von seinem Schicksal unterrichtet hatten und man ihn für todt gehalten. Wir haben bereits erzählt (S. 236), daß die durch Di-. W. B. Baikie geleitete Dampfschiffcxpedition, welche im Jahre 1855 imBeuue hinauf ging, von so höchst glücklichem Erfolg begleitet war. Man wollte nun auch versuchen, im Niger viel leicht bis nach Timbuktu hinauf zu fahren, verlor aber das erste Dampfschiff an den Felsen von Rabba und ist hierdurch, sowie durch Di-. Barth s ausführliche Be richte zu der Ueberzeugung gekommen, daß wenigstens vorläufig, wenn nicht durch umfassende Sprengungen Bahn gebrochen wird, nicht an ein Beschissen des obern Niger zu denken ist. Hoffentlich wird man dem Benue wieder seine volle Aufmerksamkeit zuwenden, die er als Hauptwasserstraße nach dem Sudan verdient.XII. Meise nach Wadai. Letzte Machrichten. Letzte Sendungen. Abreise nach Osten. Baghirini, Land und Leute. Wara in Wadai. Maeguirc s Schicksal. Leute Nachrichten über vr. Vogel. mm I. Dezember 1856 hatte vr. Vogel, von seinem weiten Ansfluge nach Südwesten zurückkchrend, Kuka, das alte Standquartier, wieder erreicht. Erbe fand sich körperlich ivohler als je. Ich bin so stark geworden", schreibt er in sei nem letzten Brief vom ö.Dezember, daß ich einen Rock, den ich noch vonTripoli besitze, jetzt nicht mehr zuknöpfen kann." In demselben Briese an seinen Va ter schreibt er: Was meine Rückreise nach Europa betrifft, so kann ich diese gewisser Umstände halber augenblicklich noch nicht antrctcn, jedoch glaube ich Anfang oder Mitte 1857 an der Westküste zum Vorschein kommen zu können. Aengstige Dich darum nicht, dasKlima dort ist nicht schlimmer als das imJnnern." Am Schlüsse des Briefes setzt er dagegen hinzu: In etwa zwei Tagen werde ich eine Rccog- noscirnng nach Wadai, wo möglich bis W ara machen." Am I. Januar brach Vogel nach Osten ans. Von hier an fehlen sichere, von ihm selbst herrührende Nachrichten. Seinen Gefährten Macgnirc hatte er mit seinen Papieren und Sammlungen in Knka zurnckgelasscn, damit er seine302 Reise nach Wadai. Letzte Nachrichten. Rückkehr warte. Theils durch Vogel eigene Briefe, theils durch die über Kuka gekommenen Mittheilungen hat man es als wahrscheinlich fest gehalten, daß der unglückliche Reisende zunächst seinen Weg durch Logo ne nach dem Lande Ba- gh irmi fortsetzte und sich in der Hauptstadt des letztem, Masena, längere Zeit verweilte. T r. Barth hatte ihn bei ihrem letzten Zusammensein in Kuka von der Nothwcndigkcit überzeugt, von diesem Orte nach Wara in Wadai Boten an dcit Sultan des letztgenannten Landes zu senden, um durch dieselben sich erst die Erlaubnis zum Betreten des Gebietes z l verschaffen. Es erscheint fast als gewiß, daß Dr. Vogel den Rath seines Freundes befolgte. Jene Boten dürften aber bei den ansehnlichen Entfernungen schwerlich vor Anfang August 1857 von Wara nach Masena zurückgekehrt sei . Einem Schreiben des Sultan von Born zufolge sei Vogel von Baghirmi nach den Provinzen von Fittri und Madugu anfgebrochcn und habe sich nach dem Wadi Ow ad ha im Norden von Wadai begeben. Dort, vcrmnthete man, habe ihn eine Eskorte des Sultan Schcrif von Wadai begrüßt und von hier nach Wara, der Hauptstadt , geleitet. Das Land Baghirmi, zwischen Bornu und Wadai gelegen, hat nur eine mäßige Größe, in der Richtung von Nord nach Sud von vielleicht 6 , von West nach Ost gegen 4 Meilen. ES ist fast durchgchends von flacher Beschaffenheit und senkt sich nur iiach dem Tsad hin etwas. Im Norden finden sich einige Hügel blos zwischen dein Gebiete des Tsad und dem des Fittri. Beide Seen stehen unter sich in keinem Zusammenhänge. Im Süden dagegen scheinen Gebirge von solcher Höhe sich zu erheben, daß auf denselben zu Zeiten Schnee oder Hagel fällt. Nach Südosten hin mögen sich auch vulkanische Berge befinden. Der Hanptflnß des Landes, der Schari, von dem ein Seitenarm sich der Hauptstadt Masena bis auf 2 Meilen nähert, hat für die Bewohner als Schutz in Kriegen die vorzüglichste Bedeutung erhalten. Der Handelsverkehr auf demselben ist dagegen nur äußerst gering und Zufuhr von einigem Getreide beschränkt. Der größte Theil de Landes wird Kalk und Sandboden gebildet. Die Vegetation desselben, sowie das hier sich entwickelnde Thierleben, vorzugsweise dasjenige an dem untern Theile des Schari, haben wir bereits bei Schilderung des südlichen Tsad-Ufers (S. 196 u. f.) berührt und geben auf der Abbildung S. 305 einen Ueberblick der Hanpt- formcn der Thierwelt. Wie erwähnt, kommt auf dein rechten Ufer des Schari das Nashorn wieder vor, daS im Innern des Sudan fehlt. Die Hauptstadt des Landes, Masena, liegt in einer flachen Senkung und trägt in hohem Grade den Charakter des Verfalles, der den Zustand deS ganzen Landes kennzeichnet. Zwischen grünen Wiesenflecken zeigt sich ein Haufen rninen- ähnlicher Lehmhäuser; ein großer Theil derselben ist zerfallen. Die Ringmauer der Stadt, obschon gegen früher bedeutend eingezogen, ist gegenwärtig noch viel zu ausgedehnt, der ganze nördliche Stadttheil ist mit dichtem Unterholz bestanden. Andere Stellen sind von Gemüsegärten in Anspruch genommen. Die Stadtmitte ist von einer Senkung durchzogen, in welcherüppige Bäume: Tamarinden, Dnm- palmcn u.a. grünen, die sich aber zur Regenzeit in einen Teich verwandelt. Letzteres ist auch mit den zahlreichen Gruben der Fall, in denen sich die Brunnen befinden.Das Land Baghirmi. Mascna. 303 Durch diese Mengen stehender Wasser und durch die Unsitte, allen Unrath in die selben zu werfen, wird der Aufenthalt in Mascna sehr ungesund gemacht. Das einzige imponirende Gebäude ist der Palast des Sultans, dessen Umfangsmaucr auffallender Weise gebrannten Backsteinen besteht, dabei Fuß hoch und 10 Fuß dick ist. Die Thore sind festungsähnlich aus dicken Pfosten gearbeitet und stark mit Eisen beschlagen. Innerhalb der Ringmauer stehen dann die zahlreichen Gebäude des Sultans, seiner Diener und der 3 400 Frauen. Die übrigen Woh nungen sind nur aus Thon oder Matten; der erstcrc hat aber nur eine geringe Festigkeit und weicht zur Regenzeit nicht selten ein, so daß man den Rohrwohnnn- gcn noch den Vorzug gicbt. Bor etwa 300 Jahren, so erzählen die Einwohner, hatte sich in dem Thalc, wo jetzt Mascna steht, eine Horde Fellata mit ihren Herden niedergelassen, wurde aber fortwährend durch Einfälle der nördlich wohnenden Bnlala beunruhigt. Da kam der Fürst der Baghirmi mit seinem Heere herbei und nahm die Bedrängten in Schutz. Er gründete hier eine Stadt und nannte nach dem großen Tamarin denbaume (ma), der hier stand, und nach dem Fellata-Mädchen (nun), welches unter demselben saß und Milch verkaufte, Mascna. Das Volk der Baghirmi, viel leicht I Ve Millionen Köpfe zählend und fähig, ! 0,000 Fnßkricger, mit Specrcn bewaffnet, sowie 3000 Reiter zu stellen, ist gleich ausgezeichnet durch schönen und kräftigen Körperbau, wie durch Tapferkeit und Mnth. Die Frauen, symmetrisch und angenehm gebaut, glänzend schwarz von Hautfarbe, sind als die schönsten des ganzen Sudan gepriesen; vorzüglich rühmt man auch die Schwärze und den Glanz ihrer Augen. Freilich gelten sie nicht als Muster häuslicher Tugenden, und Ehe scheidungen sind nicht gerade selten. Ebenso kommen genug blutige Fehde vor, welche durch Eifersucht veranlaßt wurden. Ein schwarzes weites Hemd bildet die gewöhnliche Kleidung beider Geschlechter. Die industrielle Thätigkcit der Baghirmi ist nicht crwähncnswerth; Baumwollenstreifen gelten als Münzen. Die Muscheln werden hier ausschließlich als Handelsartikel betrachtet. Die südlich wohnenden Heidenvölker kaufen dieselben und fertigen Schmuck für das Hintcrtheil ihrer Frauen, sowie Mützen für die Gestorbenen daraus und die Uelad Raschid-Araber verwenden sie zum Kopfputz ihrer Pferde und Kameelc. Die Viehzucht ist hauptsächlich in den Händen der zahlreich angcsicdelten Schua. Der Mnhamcdanismns ist zwar allgemein Landesrcligio , die Kenntniß seiner Lehren steht aber auf einer höchst niedrigen Stufe und das Volk ist im gröb sten Aberglauben des Heidcuthums befangen. Als Dr. Barth in Mascna in Ge fangenschaft gehalten wurde, da er das Land ohne vorher cingcholtc Erlaubnis; und Schutzbrief des Sultans betreten hatte, kam er stark in Verdacht, daß er den Regen vomLande abhalte, da er einige Male nach den anfstcigenden Gewitterwol ken geschaut hatte, um zu beobachten, von welcher Himmelsgegend her kämen. Die Regierung ist eine rein despotische. Niemand im ganzen Lande hat die Er laubnis;, sich auf einen Teppich zu sehen, nur der Sultan und einige seiner näch sten Beamten dürfen cs; jeder andere muß mit einer Rohrmattc vorlieb nehmen. Die politische Lage Baghirmi s ist sehr unangenehm. Mitten zwischen zwei304 Keife nach Waden. Letzte Nachrichten. gewaltigen Neichen ist es nach verzweifelten Kämpfen gezwungen worden, bei den Tribut zu bezahlen, soivol Bornu als Wadai. Sehr viel trugen auch die Thronstreitigkeiten mit zum Verfall des Landes bei, wie dergleichen an den mei sten Höfen, an denen Vielweiberei gebräuchlich ist, Vorkommen. Das Land wurde durch dieselben in langwierige. Bürgerkriege verwickelt und fiel dann, durch diese, sowie durch Pestkrankheiten deeimirt, den äußern Feinden zur Beute. Der Sul tan von Baghirmi kann den schweren Tribut nur erübrigen, indem er jährlich einige Monate auf Kriegszüge gegen die im Süden wohnenden Heidenvölker ver wendet und von denselben Sklaven einbringt. Bogen und Pfeil sind bei den Baghirmi selten, noch seltener das Schwert und der Dolch, Feuerwaffen fehlen gänzlich, trotzdem sind sie ihren südlichen Gegnern durch Anzahl und persönliche Tapferkeit überlegen. Die Heiden vertheidigen sich vorzugsiveise mit steinernen Streitäxten. Auch hier in Baghirmi ist es gebräuchlich, die bei solchen Raubzügen gemachten erwachsenen männlichen Gefangenen zu tödten oder zu entmannen. Dr. Barth war, wie bereits angedentet, bei seiner Ankunft in Baghirmi schlecht genug behandelt worden; man hatte ihn sogar in Fesseln gelegt und ihn so nach der Hauptstadt transportirt. Als der Sultan, der sich damals gerade einem Kriegszuge befand, znrückkehrte, glückte es Barth, mit demselben in ein freundschaftlicheres Berhältniß zu kommen und dahin zu wirken, daß, wenn nach ihm ein Europäer Baghirmi besuchen werde , man denselben freundschaftlicher empfange. So steht denn zu vermnthen, daß Dr. Vogel in Masena wohl aufge nommen ivorden ist. Noch kein Europäer hat vor Di-. Vogel Wada i und seine Hauptstadt Wara erreicht. Die Beschreibung der Stadt verdankt man dem Reisebericht deS ScheikhS Mohamed Ebn-Omar El-Tounsh. Er sagt: Wara liegt eingeschlossen in einem elliptischen Kessel, der durch gesonderte Gruppen von Gebirgen gebildet wird. Die Stadt ist, länger als breit; sie erstreckt sich in einer Länge von minde stens einer halben Stunde in der Richtung von Nord nach Süd, welche auch die umschließenden Berge nehmen, die gleichsam ihre natürliche Festnngsmauer bilden. Diese Berge heißen das Gebirge Warn; von ihnen hat die Stadt ihren Name . Der Palast des Sultans und die große Moschee, welche in der Nähe des Eingangs zu jenem, auf dem Platze El Facher liegt, sind die einzigen steinernen Gebäude; die übrigen Wohnungen bestehen nur aus runden Hütten von Lehmmauern mit einem kegelförmigen Dache. Sie stehen meistens inmitten eines Hofes, der von einer Hecke von Dornsträucheru eingeschlossen ist. Die Stadt wird von einer großen Straße durchschnitten, die von dem nörd lichen Thore nach dem südlichen führt. Im östlichen Theile befindet sich der Palast des Sultans, zu dem man durch vier verschiedene Thore gelangt. Der Kasr oder die eigentliche Wohnung des Sultans liegt einer Anhöhe und beherrscht die ganze Stadt. Dieses Gebäude hat nur ein einziges Stockwerk über dem Erdgeschoß mit drei Fenstern, das eine nach Westen gerichtet, nach dem Platze El Facher, das zweite nach Norden, das dritte nach Mittag. Vor dem Palaste breitet sich der er wähnte große Platz, der Facher ", aus; auf demselben stehen einige Bäume von306 Reise nach Wadar. Letzte Nachrichten. der Gattung Sayal (NinWa Sayal). Am westlichen Ende deZ Platzes, dem Thore des Palastes gegenüber, erblickt man einen Hügel, den Berg Toraya, dessen Gipfel eine Hütte steht, in welcher die Blasinstrumente und Cymbeln des Sultans aufbewahrt werden. Die Bevölkerung der Stadt beträgt etwa 40,000 See len, von denen 8000 sich sofort auf das erste Aufgebot des Sultans bewaffnet stellen können." Die Reiterei des Landes, welche die Hauptstärke des Heeres ausmacht, wird auf 7000 Wann geschätzt. Die Bewohner des Landes Wadar sind zweierlei: die eingebornen und cin- gewandcrten Neger und die Araberstämme. Den Namen Wadar hatte erst der Sultan Abd el Kerim (1630) seinem Reiche gegeben zu Ehren seines Großvaters Woda Wadäi. Sein Nachfolger Charut hatte Wara erbaut. Unter der Anführung dcS Abul Kassem, dcS sechsten Königs der Foraner, war ein gewaltiger Hccrhaufc des letztgenannten Volkes in Wadai eingefallen und hatte es tributpflichtig gemacht. König Djod e, mit dem Beinamen Muhamed Ssulai, d. h. der Befreier, rettete Wadai von diesem Abhängigkeitsverhältniß und eroberte außerdem eilten Theil von Kancm. Durch letztere That nahmen die fortdauernden Feindseligkeiten Wadar s mit Bornu ihren Anfang, die wir bei der Geschichtetes letztgenannten Landes mehrfach erwähnt haben. Djode s Enkel Abd cl Kerim, welcher seinen Vater Ssaleh 1805 vomThrone stieß, unterwarf sich das Reich Bäghir-ni und cröff- netc eine direkte Handelsstraße nach dem Mittelmecr. Er starb 1815 und hinterließ sechs Söhne, welche sich gegenseitig den Thron streitig machten. Hierdurch gelang Muhamed Ssaleb, dem Bruder des verstorbenen Königs, sich mitHülfedes Königs von Für der Regierung zu bemächtigen (Juli 1834). Er führte als ein kräftiger Fürst glückliche Feldzüge gegen Karka, den aus Inseln, halb versunkenen Snmpfgauen und Wicsengründen bestehenden Südost-Winkel des Tsad, ebenso gegen die räuberischen Tama, welche eine bergige Landschaft vier Tagereisen nord östlich von Wara bewohnen, und 1846, wie früher erzählt, auch gegen Bornu. In den letzten Jahren seiner Regierung erblindete Ssaleb und in Folge dessen brachen in seinen Staaten mehrfache Aufstände aus, durch welche er sich schließlich gezwnn- gen sah, 1850 die alte Residenz aller frühem Könige vonWadär, Wara, zu ver lassen und sich nach Ab eschr, einem unbedeutenden Dorfe, etwa 20 Meilen südlich von der Hauptstadt im Gebiete der Kelingen, zurückzuziehen. Im Jahre 1853 wurde er von seinem Sohne Muhamed völlig entthront, doch auch dieser soll neuerdings von einem seiner Brüder wieder gestürzt worden sein. Neuere Nachrichten wolle dagegen wissen, es habe sich der jüngste Sohn des Sultans mit Hülfe seines Onkels von mütterlicher Seite der Regierung bemächtigt. Wara soll in Folge dieser Verlegung des Regierungssitzes bedeutend an Wohlstand abgenommen habe und fortwährend mehr und mehr veröden. Es soll kaum noch 400 Häuser enthal ten. Westnordwcstlich von Wara liegt Tona und nach Osten, nahe daran, Gandigin. Vimro, der Hauptsitz der Dschcllaba, ist von Wara aus etwa acht Meilen entfernt und enthält nicht über zweihundert Häuser. K o d o g u s soll der größte Ort des Reiches Wadai sein. Die übrigen Orschaften in ganz Wadar sind klein und keine einzige soll über tausend einzelne Wohnungen enthalten.Macgnirc s Schicksal. 307 20* Die Mehrzahl der Bewohner Wadai s sind fanatische Muhamedaner. Vor der Einführung des Islam waren alle jene Länder zwischen dein Tsad und Kordofan von dem heidnischen Stamme der Tün djur bewohnt, der aus Dongola gekom men sein soll und ein Zweig des ursprünglich in Bcnese wohnhaften ägyptischen Stammes der Batabessa ist. Die Tündjur hatten die in Dar-Für herrschenden Dadjo besiegt und sich allmälig über Wadai und einen Theil von Baghirmi ver breitet. In Wadai sollen sie ihre Herrschaft 99 Mondjahre behauptet haben, bis der genannte Abd cl Kerim ihre Macht durch Einführung der muhamcdanischen Religion brach. Die Nachrichten, welche frühere Expeditionen über die Bewohner Wadai s ^ erhielten, waren abschreckend genug. Letztere wurden als räuberisch und geweckt - thätig geschildert. Von vr. Vogel s dortigem Aufenthalt weiß man nichts Sicheres. Zn Ende des Jahres 1856 aber verlauteten in Bornu Gerüchte, er sei in Wara getödtet worden und derKorporalMacguire schrieb darüber von Kuka(5. Novem ber J856) an den Konsul Herman in Tripoli: Indem ich Sie über den Stand der Sachen hier unterrichte, bedanre ich, daß mir nichts übrig bleibt, als Ihnen Trauriges mitzuthcilcn. Sie wissen bereits, daß Dr. Vogel von hier am . Ja nuar 1856 nach Wadai aufgebrochcn ist; es bleibt mir leider nichts übrig als hin- zuzufügcn, daß er gefallen ist als ein Opfer des Fanatismus der Bevölkerung. Es sind so verschiedene Erzählungen des Mordes hier im Umlauf, daß ich zu keiner Sicherheit gelangen kann, welcher zu glauben sei. Ich enthalte mich daher, auf -die Gründe einzugehen, denen die That zuzuschreiben sein dürfte, unterlasse dies um so mehr, als Schcikh Omar mir gesagt hat, er beabsichtige Ihnen seimmt- liche Einzelheiten darüber zu schreiben. Eins ist gewiß: keiner von seinen Leuten ist mit Nachrichten zurückgekommen! es heißt, daß einer derselben getödtet wor- -dcn, die andern zwei gefangen genommen und zu Sklaven gemacht worden seien." In dem festen Glauben an den Tod vr. Vogcl s faßte Macguire den Ent schluß, nach Europa zurückzukchrcn. Wahrscheinlich war er aufgebrochen, ohne den Abgang einer größer Karawane abzuwartcn, und soll sechs Tagereisen nörd lich von Kuka, bei dem Brunnen Belghaschiferry, von Räubern angefallen und nach tapferer Gegenwehr getödtet worden sein. Durch dieses Unglück gingen zugleich alle Papiere und Sammlungen vr. Vogcl S verloren, welche er während der letz ten großen Reisen gemacht hatte. Der erwähnte Brief des Sultans an Herrn de Frcmeaux, britischen Vice-Konsul von Fessan, sagt über Vogel S Tod dagegen nichts; er lautet: Tausend Grüße und der Segen und die Gnade Gottes sei mit Euch! Wir haben Euer Brief durch Junes den Marabut erhalten und Alles ge lesen, was er in Bezug auf Abd cl Wahed (vr. Vogel) enthält. Wir erfahren von den Grenzen von Kanem, daß er dort angekommcn war im Monat Giumad el ahcr und geblieben bei den Sliman. Er setzte dann fehlen Weg fort in der Richtung nach Mua, einer Stadt im Lande Wadai, und gelangte zunächst nach Baghirmi. Diese Nachricht ist vom verflossenen Jahre. Wir haben aber weitere Kunde erhal ten , daß Abd el Wahed mit seinem Diener nach der Stadt Andra (Wadi Owadha308 Ncise nach Wadai. Letzte Nachrichten. im Norden Wadäi s) gegangen ist, welche da liegt im Lande der Gläubigen, und daß der Sultan von Wadai, nachdem er die Ankunft der Fremden erfahren, ihnen Voten entgcgengesandt mit dem Aufträge, sie zu ihm einzuladen. Sie setzten in Folge dessen ihren Weg zum Sultan von Wadai fort und letzterer ließ sich von ihnen Auskunft geben über den Zweck ihrer Reise. Er fragte sie: Wo kommt ihr her?" Sie antworteten: Von Fessan und Bornu und wir wünschen jetzt zu reisen in Wadai!" Er, der Sultan, sprach weiter zu ihnen: Welche Zwecke habt ihr bei eurer Reise?" Sie antworteten: Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, neue Länder aufzusuchen, sie kennen zu lernen und zu beschreiben!" Er fragte sie: Ist dies Alles, was ihr wünschet?" Sie antworteten: Das ist Alles! Wir beabsichtigen von hier aus nach dem Gebiete von Für zti gehen und dann in unser Vaterland zurückzukehren, tvcnn Gott gefällt!" Diese Nachrichten hatten wir bereits erhalten, ehe der Marabnt uns Euern Brief brachte. Nachdem wir denselben gelesen, sandten wir nochmals einen Eil boten nach Wadäl und dieser hat dies Alles bestätigt. Dies ist Alles, was wir Euch in dieser Angelegenheit schreiben können" k . Konsul Herman in Tripoli bemerkt bei Absendung dieser beiden Schreiben nach London unterm 15 . Februar 1857: Daß Herr Macguire keinen Zweifel an der Wahrheit der Nachrichten über den Tod Dr. Vogel s hegt, kann aus dem Umstande entnommen werden, daß er Vorbereitungen zu seiner Abreise traf. Er beabsichtigte (anfänglich) durch Nyffe zu gehen und den Niger stromabwärts zu verfolgen, um nach England zurückzukehren. Unglücklicherweise giebt der spruch- wörtlich gewordene Fanatismus des Volkes von Wadai den Erzählungen einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit. Durch die nächste Karawane werde ich den Scheikh von Bornu ersuchen, mir Alles mittheilen zu lassen, was er hierüber er fahren kann. Zugleich will ich ihn bitten, zu versuchen, ob wol die Papiere und andern dem unternehmenden Reisenden gehörigen Effekten zu erlangen seien." Am 30 . Juli 1857 meldete Konsul Herman von Tripoli dem Lord Clarendon in London, daß ein Kurier, welcher am 10. Juli in Mursuk angekommen sei, die Bestätigung vom Tode Dr. Vogel s gebracht habe. Es scheint", sagt er, ,, daß es ihm gelungen war, Wara, die Hauptstadt von Wadai, zu erreichen. Bei seiner Ankunft war er nach dem Palaste des Sultans gebracht und nachher enthauptet worden, da er sich geweigert habe, den muhamedanischen Glauben anznnehmen." Am 17 . August schreibt Konsul Herman an den Obigen: Eine große Kara wane wird täglich in Mursuk von Kuka erwartet, die möglicherweise das Räthsel lösen kann. Ich werde für den Fall, daß dieselbe im Stande ist, mehr Licht über die Sache zu verbreiten, den Herrn Fremeaux in Mursuk veranlassen, einen an dern Kurier an den Scheikh von Bornu zu schicken, um ihn zu bitten,, drei oder vier zuverlässige Boten nach Wara zu senden, mit dem Versprechen einer schönen Belohnung, wenn sie mit einer gewissen oder bestimmten Nachricht von Vogel s Schicksale, seinem Tode oder seiner Gefangenschaft zurückkehren, oder in dem letz ten Falle wo möglich den geschriebcnenBeweis von seiner eignenHand zu erlangen suchen; denn wenn er in Gefangenschaft gehalten würde, so müssen Versuche zuNachrichten über Dar-Für. 309 seiner Befreiung gemacht werden. Doch ich gestehe Ew. Lordschaft aufrichtig meine Befürchtung, daß leider wenig Gelegenheit zu einem solchen Versuche vorhanden fein wird." Während dem hatte sich in Europa das Gerücht verbreitet, der Tod Vogel s wäre durch ein unkluges Verfahren von Seiten der Engländer selbst herbeigcführt worden. Kauflcutc, unter dem Schutze des englischen Konsuls in Tripoli stehend, hätten von Händlern, die nach Wadäi gezogen, keine Bezahlung für die auf Kre dit abgelasscucn Maaren erhalten können. Letztere hätten vorgegeben: der Sul tan von Wadäi habe sie ausgcplündert, ohne ihnen irgend eine Entschädigung zu gewähren. In Folge dessen habe der Konsul in Tripoli eine Quantität Elfenbein, das dem Sultan von Wadäi gehörig, wegnehmen und verkaufen lassen. Als der Sultan diese G.cwaltmaßrcgel erfahren, sei Vogel ein Opfer seines Zornes und seiner Rache geworden. Alan hielt diesen: Gerücht entgegen, daß, wenn wirklich ein solches Miß- vcrhältniß eingetretcn wäre, der wegen seines Geizes bekannte Fürst von Wadäi Dr. Vogel sicher nicht getödtet, sondern ihn nur gefangen gehalten haben würde, um ein bedeutendes Lösegeld zu erpressen. Statt dessen kam über Aegypten und Chartnm eine Nachricht, welche mehr Aufsehen erregte: war eine Gesandtschaft des Königs von Dar-Für in Kairo angekommen und durch dieselbe erfuhr der Konsul G. Green in Alerandria im Oktober 1857 Nachstehendes. Mnhamed Scianghiti, Gesandter des Königs von Dar-Fnr an den Viee- könig von Aegypten erzählte: Vor meiner Abreise von Dar-Für wurde mir von mehreren Personen, Eingcborncn vom Senegal, erzählt, daß drei europäische Reisende, mit Namen Abd el Kcrim (Dr. Barth), Abd el Wahed (JDr. Vogel) und Abd cl Samad, von Bengasi nach Fcssan gekommen wären. Von da seien sie nach Bornn gereist. Einer von ihnen, Abd cl Wahed (Dr. Vogel), reiste von Bornn nach Baghirmi und ward daselbst wohl empfangen. Nachdem er hier die wichtigsten Orte besucht, begab er sich nach Middogo und ging von da nach Borgu, d. h. Wadäi. Er traf hier den Wesir des Fürsten von Wadäi, genannt Simalck, der ihn gut anfnahm, und ging später in das Innere dieses Reiches bis zur Hauptstadt Wara. Dort residirtc Fürst Schcrif, der sogenante Sultan von Wadäi, der von der Gicht ge lähmt ist. In der Nachbarschaft von Wara ist ein heiliger Berg, dessen Besteigung allen Personen untersagt ist. Abd el Wahed, ob er davon unterrichtet tvar oder nicht, ist unbekannt, bestieg diesen heiligen Berg, und als der Fürst dies erfuhr, befahl er ihn hinzurichten, und so geschah cs. Die Nachricht davon kam nach Dar - Für vor etwa 7 Monaten. Als Mnha- nicd Hassan, König von Dar - Für, dies hörte, war er sehr entrüstet darüber und schickte einen Boten an den Fürsten von Wadäi, um seine Mißbilligung darüber auszusprechen." Dr. Barth äußerte sich ausführlicher in der Sitzung der königlichen geogra phischen Gesellschaft zu London über die zu nehmenden Schritte und meinte unter Andern::310 Reise nach Wadal. Letzte Nachrichten. ES wäre sehr.zn bedauern, wenn nicht wenigsten Or. Vogcl s interessante Tagebücher gerettet werden konnten. Diese Papiere, wenigstens die, welche Kor poral Macgnire bei sich führte, der sechs Tagereisen von Kuka bei dem Brunnen Belghaschiferry gctödtet tvvrdcn sein soll, wenn sie nicht dem Platze selbst ver nichtet worden sind, müssen in den Händen einiger Häuptlinge der Kelowi, die das Land Alr bewohnen, gefallen sein, obgleich die Raubhorden, von denen die Straße von Bornu nach Fessan fortwährend heimgesucht ist, die Oberhoheit dieser Häuptlinge nicht anerkennen. Ich erwarte kaum, daß der Fürst von Bornu im Staude sein wird, etwas in dieser Sache zu thun, weil die Tuariks, die diese Straße beunruhigen, seine erbittertsten Feinde sind; aber ich glaube, daß die Häuptlinge der Kelowi, durch deren Gebiet wir auf dem Wege nach den: Sudan gekommen sind, wahrscheinlich glücklicher in dem Versuche sein werden, etwas wieder zu erlangen, vorausgesetzt allemal, daß sie nicht auf der Stelle selbst ver nichtet oder zerstreut worden sind. Ich selbst bin auf meiner ersten gleise einmal nach einer ernstlichen Vcrthcidigung aller meiner Habe beraubt worden, und ob gleich dies aus der Grenze des Gebietes des Pascha s von Tripoli und Muhamcd Äli s von Aegypten vorfiel, die beide mir ihren Schutz zugesagt hatten, habeich doch seitdem nicht das Geringste, weder von meinen Papieren, noch von meinen Sachen wieder zu sehen bekommen." Bestimmtere Nachrichten über die Ereignisse in Wadal kamen durch den Ba ron Neimans. Dieser unternahm eine Reise in Arabien, vom Juni bis November 1857, nach Djeddah, gerade zur Zeit der Pilgerfahrt, und war dabei als Araber gekleidet. Er gab sich für einen tunesischen Pilger aus und erkundigte sich bei den Pilgern aus Wadal und den benachbarten Ländern, indem er vorgab, daß er über Suakin, Dar-Für, Wadal, Bornu und Mursuknach seiner Heimat zurückkehren wolle. Ei Pilger, der Schcikh Abdallah O.uwad, theilte ihm mit, daß Abd el Wahcd (d. i. Vogel) in der That verhaftet worden sei, weil er die Besteigung eines heiligen Berges versucht habe, daß er aber in ein Gcfängniß geworfen, nicht habe gctödtet werden dürfen. Zwei Reger aus Wadal bestätigten diese Erzählung. Bei seiner Rückkehr nach Kairo erhielt Baron Neimans von dem Gesandten von Dar-Für, Seid Muhamed el Chinguesi, eine noch bestimmtere Mittheilung. Nach dieser heißt cs: Der heilige Berg, Dschebcl it Driat, trägt auf einem Gipfel eine große Kapelle aus weißen Steinen, um welche herum drei kleinere Gebäude von derselben Form errichtet sind. Der Berg und die Kapelle, die ihn krönt, für gewöhnlich unbewohnt, werden nur bei einem Regierungswechsel von dem neuen Sultan besucht, der eine bestimmte Anzcihl von Stunden, bis zum Auf- odcr Untergänge eines gewissen Sternes, daselbst verweilen muß. Darnach muß er in feierlichem Aufzuge iit der Stadt Wara einzieheu, um dann als rechtmäßiger Fürst empfangen zu werden. Kein Mensch außer dem Fürsten hat je das Innere der Kapelle gesehen; drei Scheikhs, die vornehmsten im ganzen Lande, haben die Schlüssel dazu. Der Berg selbst und ein Theil seiner llmgcbung sind für heilig erklärt. Die Ankunft des Christen Abd el Wahed hatte bereits bei den fanatischenLetzte Nachrichten über Tripoli. 311 und zu Gewaltthätigkeitcn geneigten Einwohnern großes Mißfallen erzeugt. Die Ausgänge und Forschungen des unglücklichen Dr. Vogel steigerten ihren Argwohn im höchsten Grade und eines Morgens hatte man ihn in der Nahe des heiligen Berges ergriffen, um ihn zu lobten. Hier war aber der Berichterstatter deS Baron Ncimans nicht mehr genau, feine Angaben über die Art des Todes oder die Weise der Hinrichtung wurden unbestimmt, und es gewann fast den Schein, als ob Dr. Vogel in Wara noch am Leben fei, aber gefangen gehalten würde, tind daß der Gesandte vonDar-Fur, um die Engländer gegen das feindliche Wadal auch feindlich zu stimmen, die Nachricht vom Tode eigner Erfindung hinzugesetzt habe. Durch eine solche Gefangen schaft würde der Sultan Scherif von Wadal gleichzeitig sein dein Dr. Vogel ge gebenes Schntzversprcchcn gehalten und doch auch das fanatische Volk nicht gegen sich gereizt haben. Ebenso würde er bei seinem bekannten Geize noch ein an sehnliches Lösegeld haben erpressen können. Alle diese Erwägungen führten den Baron Ncimans zu dem Entschlüsse, den Versuch zu machen, über Chartnm und Dar-Fnr nach Wadal vorzudringen. Schon stand er im Begriff, diese kühne 9ictfc anzutreten, als er am Tage vor dem Aufbruch erkrankte und am 15. März 1858 zu Kairo starb. Ein gelehrter Alterthumsforscher, Dr. Heinrich Brugsch von Berlin, hatte bei seiner Anwesenheit in Aegypten ebenfalls mehrere von Wadal kommende Mu selmänner über Dr. Vogel befragt, und ihre Aeußerungcn hatten auch dahin ge lautet, daß derselbe gefangen gehalten würde, aber nicht hingerichtet worden sei. Durch die Hoffnung getrieben, daß Dr. Vogel möglicherweise noch am Leben sei und gerettet werden könne, sind die Anstrengungen, über ihn Gewißheit zu erhalten, fortwährend erneuert worden. Als die Königin von England sich in Berlin znm Besuch befand, ersuchte Alexander von Humboldt dieselbe, weitere Nachforschungen über das Schicksal deS deutschen gleisenden anstellen zu lassen. In Folge dessen erhielt der englische Konsul zu Tripoli Befehl, Boten nach Wadal zu senden und alle etwa einlaufenden Nachrichten sofort an A. v. Humboldt gelan gen zu lassen. Alexander von Humboldt theilte unterm 7. Nov. 1858 dem Vater des un glücklichen Reisenden, Dr. K. Vogel in Leipzig, die Depesche mit, welche er in Folge jenes Befehls vom englischen Generalkonsulat in Tripoli erhalten hatte und die vom 22. Oktober 1858 datirt war. In dieser hieß cs: Da wir bis zum27. März d. I. keine bestimmten Nachrichten über den Doctor erhalten hatten, wurde ein offizieller Kurier von Mnrsuk an den Sultan vonBornu abgesandt) sowie gleichzeitig an die Chefs der Tuartks von Alr mit Briefen, worin man sie anfs dringendste um ihren Beistand gebeten, falls der glei sende noch am Leben und etwa gefangen, feine Mühe zu scheuen und keine Kosten zu sparen , seine Befreiung zu bewirken, sofern er aber nicht mehr lebe, die That- sache seines Todes festzustellen und sich in den Besitz seiner Papiere zu setzen. Um aber nach Bornu zu gelangen und Antwort von dort zurnckzubringcn, erfordert nicht viel weniger als 12 Monate Zeit, so daß Ew. Ercellenz versichert sein dürfen,3-12 Reise nach Wadin. Letzte Nachrichten. wir haben die Nachrichten, nach denen wir uns selbst so sehr sehnen, noch nicht erhalten können. Nichts desto weniger ließ ich bereits aufs neue an den Vicekonsnl Ihrer britischen Majestät in Mursuk Verfügungen ergehen, nichts unversucht zu lassen in dieser Angelegenheit, die uns selbst so sehr am Herzen liegt. Ferner habe ich eine Berathung gepflogen mit einigen besonders einsichtsvollen Bewohnern des Fcssan, welche augenblicklich sich hier aufhalten und einstimmig der Meinung sind, daß das einzige Mittel, über Vogel s Schicksal unzweifelhafte Gewißheit zu erlangen, sein würde , entweder einen Kaufmann von Gerthrun (Godron, südlich von Mursuk gelegen) oder einen Schcrif nach Wadal abznsendcn, da beide dort großes Ansehen und Einfluß genießen." Der ehrwürdigeVeteran deutscherWissenschaft aber begleitete, obgleich selbst körperlich leidend, diese Mitthcilungcn mit folgenden freundlichen Zeilen an Vogel s Vater: Was mir heute auf Befehl von Lord Malmcsbury unmittelbar von dem Konsulat zu Tripoli gesandt ward, hat insofern großes Interesse, iveil es das un verkennbarste Zcugniß darbictct, man versäume kein denkbares Mittel, um cnb= lich die sicherste Nachricht selbst durch die Chefs der Tuariks zu schaffen. Der Vor schlag, die Gefängnisse von Wadal durchsuchen zu lassen, ist sicher; aber freilich am vielversprechendsten die Versicherung: keine Geldersparnisse! Da wird nichts scheitern. Lassen Sic uns, so rufe ich Ihnen unb der thcurcn, trostbedürftigen Mutter zu lassen Sic uns noch nicht an Gottes und durch ihn an der Menschen Hülfe ganz verzweifeln ! Der kranke König war auch noch von Tegernsee zurück kehrend ganz mit Ihrem Eduard warm beschäftigt. Ihr treuer, kaum halb ge nesener Humboldt." Im Sommer deS Jahres 1859 langten Mittheilungen von Dr. Baikie vom. Niger an. Derselbe hatte an jenem Flusse des Westens Pilger gesprochen, die bei ihrer Wanderschaft nach der heiligen Stadt das Land Wadal durchzogen und die Hauptstadt desselben berührt hatten. Sie erzählten dem Doctor davon, daß ein Weißer in letzterer Stadt gelobtet worden sei, ohne freilich den Namen desselben nennen zu können. So entmuthigend eine solche Bestätigung der schlimmsten Befürchtungen auf der einen Seite ist, so sehr läßt ein Schreiben des Dr. Barth vom 30. Juli 1859 an den Vater des Reisenden ivieder Hoffnung schöpfen, indem es mittheilt, daß man in Afrika selbst, trotz des langen Zeitraumes, welcher bereits verstrichen ist, doch nicht für unmöglich zu halten scheint, daß Ite.E. Vo gel noch am Leben sei, und deshalb immer wieder Versuche zur Aufhellung des Dunkels macht. Jener Brief sagt in Bezug darauf: So eben erhielt ich einen Brief von meinem alten unverwüstlichen afrika nischen Kollegen Jomard, der mir allerdings auch nichts Bestimmtes bringt, doch aber etwas sichere Aussicht eröffnet, binnen Jahresfrist etwas Sicheres zu erfah ren, da auf seine Verwendung der Vicekönig von Aegypten selbst eigenhändig an den König von Dar-Fur sich gewendet hat, damit dieser zum wenigsten dem König von Wadal eine bündige Erklärung über des Reisenden Schicksal abgewinne. Leider müssen jüngere Ereignisse, zumal die traurigen Begebenheiten vonDr. Cuny s Schicksal. 313 Djcddah, die LH? eines Christen in jenen Ländern gegen früher noch mehr erschwert haben und ist die Aussicht auf eine freundschaftliche Verwendung des Herrn von Dar-Für nicht sehr groß. Weiß Gott, welchen Gefühlen der Vicekönig von Aegypten in einem eigenhändigen Schreiben an seinen Glaubensgenossen Raum geben wird. Sie wissen vielleicht noch nicht, daß die Todesnachricht des Dr. Cnny, der eben nach Dar - Für eingedrungen ist, sich bestätigt hat. Er starb zwei Tage nach seiner Ankunft in Kobbe. Also ist auch da wieder alle Hoffnung auf eine baldige Aufklärung verschwunden. Der Reisende hatte einen achtjährigen Sohn bei sich; was aus dem geworden, weiß ich nicht. Für ist ein sehr ungünstiges Land zum Beginn einer Forscherreise und der Weg dahin sehr unergiebig an Resultaten." Dr. Cuny s letzter Brief ist von El-Obcid, der Hauptstadt vonKor- d o f a n, aus geschrieben und vom 25. Mai 1858 datirt. Während Cnny nach den Erzählungen Einiger zu Tandclti am dritten Tage nach seiner Ankunft gestor ben sein soll, spricht man in Chartnm davon, er sei enthauptet oder vom fana tischen Pöbel erschlagen worden. lieber Dar - Für, dieses unmittelbar im Osten an Wadal grenzende Land, besitzt man vcrhältnißmäßig auch nur spärliche Mittheilungen. Nur wenige Europäer gelangten dahin. Es war zwar schon am Ende des vorigen Jahrhunderts der englische Reisende W. G. Brown inDar- Fnr eingedrungen und hielt sich sogar drei Jahre daselbst auf, allein während dcr Zeit seines Berweilcns ward er gefangen gehalten, und lag dazu fast fortwährend an Krankheit darnieder. So halten auch wir noch an der Hoffnung fest, daß ein günstiges Geschick den Reisenden aus der Unzahl drohender Gefahren gerettet haben möge! Aber selbst in dem ungünstigen Falle, wenn er gefallen sein sollte im Dienste seines hohen Berufs, selbst dann preisen wir ihn, denn kann es für den Menschen wol einen schönern Tod geben, als den, welcher ihm nach einem Leben voll redlichen unver drossenen Wirkens zum Wohle Aller zu Theil wird? Würde nicht sein Tod ein Opfertod sein, aus dem vielleicht in spätern Jahren dem Innern des großen Afrika eine neue Zukunft erblüht? Wird Eduard Vogel nicht den Söhnen Euro pas fortwährend als eine mahnende Gestalt nach Wada r s Fluren winken und ihnen dort ein weites Feld bezeichnen, auf welchem noch Millionen Brüder für Humanität und Gesittung zu gewinnen sind? Deshalb, möge unser Freund nun noch gegenwärtig seinen Wanderstab in unbekannte Lande weiter setzen, oder möge er still schlummernd ruhen von seiner Pilgerfahrt, in jedem Falle gebührt ihm der Kranz des Siegers und der Ruhm des Helden! Mit diesen Worten schlossen wir die erste Ausgabe unseres Buches und hoff ten nichts inniger, als daß es uns glücken möge, durch unser Werk etwas dazu beizutragen, daß sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Schicksal Dr. E. Vo- gcl s lenken möge und insbesondere das Interesse derjenigen Persönlichkeiten,314 Schlußwort. in bereit Händen die Mittel liegen, durch Rath und That sich der Angelegenheit anzunehmen. Wir hofften, daß in diesem Falle, wo es galt, einem unglücklichen, verdienstvollen Landsmann und Freunde beizuspringen, alle kleinlichen Neben rücksichten zurücktreten würden. Zu unserer Freude nahmen edle, vielvermögende Männer die Angelegenheit in die Hand und verfolgen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln dasZiel: Vogel s Schicksal völlig sicher anfzuklären, entweder ihn selbst oder, wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilen sollte, soviel als möglich von seinen wissenschaftlichen Schätzen zu retten, falls diese nicht zugleich vernichtet worden." Leider sind die währenddem eingelaufenen Nachrichten nicht von der Art, daß sie jene Hoffnung: Vogel sei noch am Leben, an der wir gar zu gern fest- halten möchten, irgendwie nähren könnten. Gegen Anfang des Jahres I860erhielt der Vater des Reisenden, Dr. K. Vogel, zwei Schreiben von Tripoli, eines der selben vom Konsul Herman daselbst, das zweite von einem intelligenten, in Tripoli ansässigen Kaufmann. Sie enthielten folgende Mittheilung: Abdul Wahed (Dr. E.Vogel) sei 1856nachWadal vorgedrungen, habe sich sogleich bei seinerAn- kunft dein Sultan vorgestellt, sei aber sofort, ohne Erwiederung der feierlichen Begrüßung, ermordet worden. Seine Papiere habe man vernichtet. Diese Nach richt stamme von Leuten an der Grenze Wadai s. Zwischen Bornu und Wadäi sei keine Verbindung, da beide Reiche im Kriege befindlich. Jener Sultan von Wadäi sei seitdem gestorben, fein jüngster Sohn habe sich der Regierung bemächtigt, drei seiner älteren Brüder blenden lassen, die andern seien geflüchtet nach Dar-Fur und Bornu, um Hülfe zumKampfe gegen ihren Bruder zu suchen. DerBericht des Sultans von Kuka meldet aber von deren Anwesenheit an seinemHofe nichts. Die offiziellen Boten, welche von Fefsan nach Wadäi geschickt worden, um über Vogel Erkundigungen einzuziehen, seien aber noch nicht zurückgekehrt, doch erwartet Konsul Herman auch von ihnen nicht viel Tröstliches. Der bekannte Maler Wilhelm Heine besuchte im Sommer 1859 Tripoli und bemühte sich alle möglichen Notizen über Dr. Vogel s Schicksal zu sammeln. Vorzüglich wendete er sich deshalb an Herrn R. W ar in g to n. Man theilte dort, meldet er, die Ueberzeugung, daß der vortreffliche junge Mann als Opfer für die Wissenschaft geblutet habe, denn es sei bereits eine zu lange Zeit verstrichen, seit bestimmte Nachrichten von ihm eingelaufen, als daß man sich noch ernsteren Hoff nungen hingeben,dürfte. In neuester Zeit hat man abermals Aussichten eröffnet, um wenigstens bestimmte Mittheilungen über Dr. Vogel s Verbleiben zit erhal ten. In Folge gewisser Mißhelligkeiten ", erzählt Heine, mit dem Sultan von Wadat, der zu verschiedenen Zeiten Güter, welche Kaufleuten der Provinz Tripoli gehörten, geraubt hatte, ward vor etwa fünf Jahren in Benghasi eine demselben zugehörige Karawane mit Beschlag belegt. Im Monat Dezember des vergangenen Jahres (1858) langte in Mursuk eine Gesandtschaft des Sultans mit Briefen und Geschenken an den Pascha von Tripoli an, um sowol eine Schadloshaltung für die Wegnahmeder Karawane zu erhalten, als auch einen Vertrag für den künftigen Verkehr zwischen beiden Ländern zu negoeiiren. Da es Obrist Herman gelungenExpeditionen nach Wadai. 315 war, auch den Pascha für Di-. Vogel s Schicksal zu intcreffireu, so wurde der Kaimakan von Mursuk, sowie der britische Vice-Konsul Herr de Fremeaur in- struirt, von dieser Gesandtschaft auf verschiedene Weise Auskunft über Dr. Vogel zu verlangen. Leider führten diese mit großer Geduld, Takt und Geschicklichkeit geleiteten Verhandlungen nicht zu dem gewünschen Resultat, denn von Beginn bis zu Ende leugneten die Gesandten jede Kenntniß ab, daß Dr. Vogel oder irgend ein Christ jemals in Wadai gesehen worden sei. Man schlug nun einen andern Weg ein, um zum Ziele zu gelangen. Die Gesandten wurden mit Geschen ken entlassen, in einem Brief aber an den Sultan erklärte sich der Pascha bereit auf seine Vorschläge einzugehen. Ehe jedoch an weitere Unterhandlungen zu denken sei, müsse man genaue Auskunft über Dr. Vogel s Schicksale erlangen, und das hohe Interesse, welches nicht nur die Regierung von Tripoli, sondern die ganze civilisirte Welt für den Vermißten fühle, ward auf die nachdrücklichste Weise geschildert." Gleichzeitig sandte Herr de Fremeaur zwei zuverlässige Araber nach Wadai mit den nöthigen Instruktionen. Diese Personen verließen Eiide Juni 1859 Mursuk und über ihre Erfolge kann man also jetzt in Europa noch nicht unterrichtet sein. Es möchte fast unerklärlich erscheinen, daß sich trotz aller Bemühungen von Seiten der Engländer noch keine sichere Nachricht über Dr. Vogel s Schicksal während einer so langen Zeit hat erreichen lassen, wenn nicht die Gesammtver- hältuisse der Länder im Sudan selbst den Schlüssel zu dieseni Räthscl böten. JeneLänder sind keiiMwegsvon den Küstengebieten hermetisch abgeschlossen, wie dies zwischeii vielen barbarischen Negerstämmen im Innern des südlichen Afrika und der Küste der Fall ist; findet im Gegentheil ein ziemlich lebhafter Verkehr mit denselben durch regelmäßige Karawanen statt, die freilich je nach den Umständen ihre Richtung ändern, meistens aber in denselben Gebieten enden. Handelsbedürfnisse und religiöser Eifer, der die fanatischen Muhamedancr de Innern zur Wallfahrt nach Medina und Mekka autreibt, vereinigen sich gemein schaftlich, jene Züge vollzählig zu machen. Gleichzeitig verbreiten diese Wanderer durch das ganze Innere durch mündliche Mittheilung die Nachrichten über die politischen und merkantilischen Verhältnisse mit einer Schnelligkeit, die uns, an die Macht der Tagespreise gewöhnten Europäern, fast unmöglich dünkt. Von Wadai aus ist der Verkehr sowvl nach Osten hin als auch nach Norden zu vorwiegend. Nicht weniger Pilger aber durcheilen es auch in der Richtung nach West. Kaufleute und Pilger aus Wadai gehen über Dar-Für nach Chartum und östlicher; spekulative Bewohner des oberu Nil ziehen jährlich mit Waaren durch Dar-Für nach Wadai. Nach Norden hin ist in neueren Zeiten von Wadal aiis durch Borgu eineKarawaneustraße nach Bcnghasi, an der Küste des Mittelmeeres .eröffnet worden. Dieselbe wird vorzugsweise von den reichern Kaufleutcn des Stammes dcr Dsche llab a benutzt. In Folge des Verkehrs mit Benghasi bringt jede Karawane von dorther einige Kamcelladuugeu von Panzerhemden mit, welche um den Preis von ein oder zwei Sklavinnen das Stück verkauft werden. Gleicher weise tauschen jene Karawanen europäische feine Tuche, Burnusse, Glasperlen,316 Schlußwort. Callicot, Papier, Nähnadeln und ähnliche Gegenstände gegen Elfenbein ein und führen diese Maaren auch über Aegypten und Dar-Für nach Wadcu. Und trotz alle dem Schweigen über Ur. Vogel s Geschick, unklare Gerüchte, wiedersprechende Mittheilungen. Eö sollen sich, wie man sagt, geflüchtete Prinzen Wadai sowol in Bornu als in Dar - Für aufhalten, Männer, die jedenfalls am Hofe des Sultans zugegen waren, als Dr. Vogel daselbst ankam trotzdem sind die Briefe des Sultans von Kuka so nichtssagend als nur möglich, wenn sie überhaupt acht sind. Alles weist auf ticferliegcnde Gründe hin, die auch klar genug in die Augen springen. Die meisten Staaten des Sudan sehen mit feindlichen Blicken nach Norden, am meisten aber auf die Europäer. Die Beweggründe zu diesem Haß und Miß trauen sind dreierlei Art: Gründe der Politik, der Religion und des Handels. Politisch hat der Norden Afrika s den Ländern des Sudans stets feindlich gegenüber gestanden. Die schwarz en Völkerstämme wohnteti ehedem bis an den Südfuß des Atlas und der Ghurian-Berge. An der Küste des Mittclmeeres und auf den Gebirgen hatten die rothe n Männer, die B erb er o d er I mos cya rh ihren Sitz. Dieselben waren wahrscheinlich semitischen Ursprungs und von Osten her eingewandcrt. Durch nachfolgende Einwanderungen verwandter Stämme und deren Vermischung entstanden wieder mancherlei Völkerschaften, die aber in Körperbau, Sitten und Sprache viel Uebcrcinstimmcndcs besaßen. Sie wurden als Libyer, Mauren, Numidier u. s. w. bezeichnet. Die früher Eroberer Nord- afrika s, die Römer, Vandalen und Byzantiner, verfuhren sehr schonend gegen die Berber; diese behielten deshalb die einmal eingenommenen Plätze an der Küste und die einen von ihnen traten zum Judenthum über, die andern wurden Christen. Gewaltiger tvar die Veränderung, welche durch die fanatischen Araber hervor- gerufen wurde. Die Berber wurden durch sie nach Süden gedrängt, ein Haupt stoß in dieser Beziehung erfolgte in der ersten Hälfte des I I. Jahrhunderts, als auf Antrieb des ägyptischen Ministers Ahmed bcn Ali el Djcrdjcrain zahlreiche Araberfamilien von Aegypten aus nach dem Bcrberstaate übcrsiedelten. Die meisten Berber wurden Muhamedaner und von jener Zeit her soll ihr Name Tuarik stammen, welcher Leute bezeichnet, die ihren Glauben anfgegeben haben. Die Berber haben von Marokko Timbuktu in Besitz genommen, in der ganzen westlichen Sahara haben sich die Stämme der Jmoscharh ausgebreitet und die früher hier seßhaften Negervölker theils verdrängt, thcils sich mit ihnen ver mischt. In den Grenzgebieten der südlichen Wüste sind die Tuariks unablässig bestrebt nach deir fruchtbaren Gefilden weiter vorzugehen, weiden daselbst am liebsten ihre Kameelherdcn, plündern die Ortschaften der Schwarzen aus und suchen Sklaven zu fangen. DaS Vorgehen der Franzosen in Algier, die letzten Ereignisse in Marokko, sowie das Weitexdringen der Franzosen in Sencgainbien und ihre neuesten Ver suche an der Ostküste festen Fuß zu fassen, erregen die muhamcdanischen Völker des Innern. Die Türken sind nicht weniger gehaßt und gefürchtet wie die Franken.Inner-Afrika s politische und merkantilischc Verhältnisse. 317 Fortwährend finden noch Reibungen zwischen den Berber- und Araberstämnicn in Fessan und Tripoli und ihren Unterdrückern statt. El Kancmi, der Scheikh von Bornu, hatte zwar der Hülfe Fessans seine Ucbcrlegeuheit Aber Baghirmi zu ver danken, schließlich aber hatte er Mühe, den Helfer in der Roth wieder los zu werden. Achuliche weitergreifende Störungen des Landfriedens richtete der mehr fach erwähnte Araberstamm der Uelad Sliman in Bornu und Air an, nachdem er sich von den Syrien aus durch die ganze Wüste hiudurchgeschlagen hatte. Als Barth in Kuka weilte, gerieth der Hof Omar s in größte Aufregung bei dem Gedan ken, die Türken möchten sich in Kauar (Bilma) festsetzen. Man fürchtete mit Recht, wenn die eroberungslustigen Herren erst den halben Weg durch die Wüste gemacht hätten, würden sie sich nicht mit der traurigen Salzoase begnügen, sondern auch den zweiten Schritt nach den fruchtbaren Ländern am Komadugu und Schart thuu. Im Osten geht Aegypten ununterbrochen nilaufwärts, theils Sklavenjagden ver anstaltend, theils sein Gebiet ausdehnend, und Dar-Für mag aus den mächtigen Nachbar nicht ohne Besorgniß blicke . Das Verhalten Englands gegen außer europäische Völker, besonders gegen Ostindien, ward in Inner-Afrika von Anfang an mit der größten Spannung verfolgt und man war von jeher erfüllt von Miß trauen gegen ein andersgläubiges Handelsvolk, das ein Land mit dem Schwert in der Hand unterwarf, nachdem es in demselben erst festen Fuß gefaßt. Verfolgt man von diesem Gesichtpunktc aus das Verhalten der Sudaner gegen die europäi schen Reisenden, besonders gegen jene, die als Gesandte Englands auftraten, vollends gar mit dem klar ausgesprochenen Zwecke: den Sklavenhandel, dieHaupt- einnahmc von Staat und Privaten, abschaffcn zu wollen, so kann man keinen Augenblick im Zweifel sein, daß man zwar einen förmlichen Bruch mit dem Norden aufs sorgsamste vermeidet, da man dessen Waffen und sonstige Erzeugnisse nöthig hat, daß man es aber nicht ungern sicht, wenn die Gesandten verschwinden und den Fremden das Herz Afrika s verschlossen bleibt. Die politische Schwäche läßt selbst da noch Gefahren fürchten, wo vielleicht gar keine vorhanden sind. Die meisten Handeltreibenden Afrika s sind die Araber, unternehmende Kaufleute sind auch die Tuariks und unter den Negerstämmen werden besonders die Tibbu wegen ihrer weiten Züge nach Süden und Norden wichtig. Die beste Waarc Aller sind die Sklaven. Die Afrikaner sind viel zu schlau, als daß sie als Kauflente überhaupt in den Engländern nicht die Concurrcntcn wittern sollten, sie sind sämmtlich aufs äußerste gegen sie erbittert, daß sie ihnen Hindernisse beim Handel mit Menschen in den Weg legen. Die gleiche Erbitterung gegen die Europäer thcilen natürlich alle jene Tuarikstämme der westlichen Sahara und die Tibnvölker der östlichen Wüste, sowie die Mischlingsnationen aus Rothen und Schwarzen zwischen beiden, durch deren Länder die Sklavenkarawanen den Weg nahmen und ihnen durch ansehnlichen Durchgangszoll eine bequeme reiche Ein nahme verschafften. Die Länder des Sudans sind höchst fruchtbar. Der Boden würde auf weite Strecken hin Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Kaffee und andere Tropen pflanzen erzeugen können, der Boden mag noch mancherlei mineralische Schätze318 Schlußwort. bergen und nur an sehr wenigen Stellen wird durch die im Süden so verderbliche Tsetse hier der Viehzucht ein Hemmniß in den Weg gelegt. Das Land könnte sich in blühendem Zustande, befinden, wenn die staatlichen Verhältnisse andere wären. Krieg Aller gegen Alle ist die Losung der zahlreichen Staaten. Nicht durch Kräf tigung des eignen Landes, durch Hebung des Ackerbaues und der Gewerbe, durch Regelung derStraßen, Beschützung des Handels unb Verstärkung der Wehrmacht suchen aber die schwachen Fürsten ihre Gebiete zu schützen, sondern durch Ver wüstung des Nachbarlandes, durch Unwegsammachcn des eigenen. Man kann des ewigen Krieges wegen dem Auslande als Handelswaarc eben nichts weiter bieten als Sklaven, und um die Erzeugnisse der Ferne gegen Sklaven eintauschen, um den Tribut an die drohenden Nachbarn bezahlen zu können, bedarf man wieder des Krieges. Durch einen bloßen Machtspruch einer europäischen Nation kann der Sklavenhandel zwar seine Richtung verändern, aufhören aber deshalb wol schwerlich. Soll letzteres geschehen, so werden ganz andere Mittel wirken müs sen. Wiirde unter den vielen Völkerschaften des Gebiets eine kräftige Macht auftretcn, die es verstiindc, jene Wirren im Lande zu enden, Bergbau, Ackerbau und Gewerbe zu heben und durch ein Kriegsheer., das sich die Fortschritte der europäischen Kriegskunst stützte, den Frieden sicherte, dann wurden dem Handel sich auch bald andere Objekte bieten. Einer europäischen Macht würde ein solches Unternehmen aber jedenfalls durch das verderbliche Klima unmöglich gemacht werden. Wir haben bereits früher darauf aufmerksam gemacht, wie in dem abgeschlos senen Gebiete des Sudan das Volk dem Muhamedanismns in fanatischer Weise ergeben ist. Das Leben eines Nichtmnhamedaners hat dort höchstens einen Gcld- werth, und letzterer steht oft niedrig genug. Der nicht muhamedanische Europäer steht in den Augen der Menge auf gleicher Stufe wie der benachbarte heidnische Neger, den man als unbrauchbar abschlachtet, um seine Kinder und sein Weib zu verkaufen. Politik, Handelsinteressen und religiöser Fanatismus vereinigen die säinmt- lichen Sndanvölkcr in ihrem Haß und Mißtrauen gegen die Europäer; seien unter einander auch noch so uneinig, dem Weißen gegenüber werden sie sich unterstützen. Mag der Sultan von Bornu auch noch so genau von dem Schicksal E. Vogel s unterrichtet sein, er wird schwerlich das Geheimniß des gefährlichen Nachbars dem fernen Fremden verrathen, da er hierdurch seine eignen Interessen mittelbar verletzt. Schwerlich wird durch einheimische Boten, die öffentlich als Gesandte der Engländer oder der befreundeten Türken auftretcn, die wahre Sach lage fcstgcstellt werden können, selbst wenn jene Boten wirklich auch den guten Willen und die Geschicklichkeit besäßen, einen dergleichen Auftrag durchzuführen. Soll uns deshalb je ein sicherer Aufschluß über Vogel s Schicksal werden, so möchte dies schwerlich anders als durch einen Europäer geschehen können, der, wenn auch nicht unmittelbar nach Wara, den mnthmaßlichen Ort, an dem der Reisende verschwand, so doch in die Nachbarschaft von Wadar vorzudringen suchte und hier in geeigneter Weise Nachforschungen anstcllte.Vorschläge zur Sicherstellung von Vogel s Schicksal. 319 Mehrere Vorschläge sind von den bedeutendsten wissenschaftlichen Autori täten in diesem Sinne bereits gemacht worden. Als Zielpunkt des Unternehmens wird von der einen Seite Chartum in Vorschlag gebracht, jene wichtige Handels stadt in Scnnaar amZusammenflnsse des weißen und blauen Nil, Mittelpunkt des Handels der oberen Nilländer und Durchgangspunkt zahlreicher Karawanenzüge von Sudan nach Mekka, seit Jahren bereits Sitz eines österreichischen Konsulats nnb bekannt durch den langen Aufenthalt eines Herrn v. Heuglin, Alfred Brchm u. A. Es wird die Ansicht ausgestellt, daß man hier oder in dem benachbarten Dongola oder in dem leicht zu erreichenden Obcid in Kordofan muhaincdanische Agenten gewinnen müsse, die mit den Karawanenzügen nach Wadai gehen und von dort zuverlässige Nachrichten zurückbringen sollen. Von anderer Seite wird freilich gegen diesen durchaus gefahrlosen Plan der Einwurs erhoben, daß Chartum zu weit von dem Schauplatze der Vogcl schen Katastrophe entfernt, und daß die eigentliche Aufgabe der Nachforschungen doch wieder in die mißlichen Hände ein- geborner Boten gelegt werden müsse. Es wird daher mindestens eine Erweiterung dieses Planes verlangt, ein Vordringen bis Tcndelti, der Residenz des Sultans von Dar-Für, wenn es nicht gar gelingen sollte, von hier aus in das benachbarte Wadai selbst einzndringen. Noch weiter gehend ist ein anderer Plan, der dadurch ein besonderes Interesse gewinnt, daß er von Autoritäten ausgeht, denen durch ihre Einsicht und Erfahrung jedenfalls eine erhebliche, wenn nicht entscheidende Stimme in dieser Angelegenheit zukommt. Nach diesem Plane soll nämlich die Expedition den Weg von Norden her einschlagen, von Tripoli oder Benghasi gucr durch die große Wüste gehen und über Bilma in der Tibu-Oase oder direkt von Fcssan nach Borgu an die Grenze von Wadai zu gelangen suchen. Sie würde sich auf diese Weise der langen Straße nähern, auf welcher Vogel gezogen sein muß, und dabei in Berührung mit den verschiedenen Stämmen dcr Tibu kommen, die in fortwährendem Verkehr mit Wadai und der nördlichen Landschaft von Baghirmi stehen und leicht zu treuen Boten verwandt werden konnten. Namentlich würde jener Tibudiencr aus Gatron, der vier Jahre lang Heinrich Barth s treuer Be gleiter war, zu diesem Zwecke zu gewinnen sein. Ein Vordringen nach Wadai selbst, das sich keineswegs von vorn herein als unausführbar bezeichnen läßt, würde natürlich von den an Ort und Stelle zu erkundenden Verhältnissen abhängig zu machen sein. Aber auch ohne jenes Land zu betreten, würde der Reisende von Norden her die wichtigsten Materialien über Vogel s letzten Reise-Abschnitt sam meln und selbst unendlich wichtige Entdeckungen machen können. Jedenfalls sind wesentliche Vorzüge dieses Planes, daß einerseits die Hauptaufgabe der Nach forschungen umsichtigen Europäern Vorbehalten, andererseits zugleich die Erkun dung eines völlig neuen, noch von keinem Europäer betretenen Ländergebiets in Aussicht gestellt ivird, ein Umstand, der allein geeignet ist, der Expedition das allgemeinste Interesse zuzuwenden. Das Gefahrvolle des Unternehmens soll damit gleichwol nicht in Abrede gestellt werden. Die Entscheidung über die Zweckmäßigkeit und Ausführbarkeit des einen oder anderen dieser Plane ist Sache der Wissenschaft und muß den dazu befähigten320 Schlußwort. und berechtigten Autoritäten Vorbehalten werden. Daß es für die Ausführung des Unternehmens an geeigneten und entschlossenen Männern nicht fehlen werde, war von vorn herein nicht zu bezweifeln. Wenn es gilt, Männer für die Lösung einer wissenschaftlichen Aufgabe zu finden, und wäre sie mit noch so schweren Opfern verknüpft, dann ist Deutschland nicht arm. Es besitzt Forscher, wie keine andere Nation, umsichtig, ruuthvoll, ausdauernd und durch wissenschaftliche Be fähigung Alle überragend. England, selbst mußte für die Erforschung des Sudan sich seine Overwcg, Vogel und Barth aus Deutschland holen. Es hat in der That kaum einer Nachfrage bedurft, um die bcgeisterteZnsage gerade derer zu erlangen, die durch ihre Kenntniß der afrikanischen Sprachen, Sitten und Verhältnisse, ihre Erfahrung, ihre bewährte Entschlossenheit und Tüchtigkeit sich vorzugsweise für die Ausführung eines so schwierigen Werkes eignen. Wir sehen deshalb mit der gespanntesten Erwartung dem Erfolg der ernsten Anstrengungen entgegen, welche vielleicht uns über das Geschick unsers verdienst vollen, unglücklichen Landsmannes schließlich mit Sicherheit aufklären, vielleicht gleichzeitig Veranlassung werden, das Herz Afrika s jener Geisterströmung zu. eröffnen, welche segenbringend von Land zu Land, von Volk zu Volk und von Erdtheil zu Erdtheil dringt und die zerrissenen Glieder des entzweiten Geschlechts zu einer großen Familie verbindet.DtSB NOV. 1958 Repo W * v Gl. Vogel, der AMn-Helfende. Schilderung bei* Reisen ititb Entbelknngen des l r. Cbunrb Vogel iit Central-Afrika, in der großen Waste, in den Ländern des Sudan (am Tsnd-Scc, in Mnßgo, Mandara, Sinder, Bantschi u. s. w.). liebst cilieiu £fßcnaaßnß des Jieifm&cit. Nach den Original quellen bearbeitet von Hermann Wagner. I CLASSIC I
