Klar zum Gefecht! Unsere blauen Jungs im Weltkriege Heinrich Llersemann MapitänlevLimnt aD. IsrdmdMertltch AeichnuMZn von Zlheuen Ber!aa ^ Weiehe^ TerlÄ NC-4Z.Kriegsmärchsn. B n Ludwig Fulda. 1. War einmal eine schöne Frau, Geheißen Marianne; Die stellte sich eitel der Welt zur Schau Im eigenen Zauberbanne. Ja, war so von sich selbst entzückt, Don ihren Reizen so beglückt, Daß täglich sie vorm Spiegel stand, Ihn fragend: Gpieglein an der Wand, Wer ist die Schönste im ganzen Land? Und immer sprach er, zu ihrer Wonne: Ihr seid die Schönste unter der Sonne. Ihr Lenz entrann; doch glaubte sie nicht Dem deutlichen Abschiedswinke, Und gegen die Falten im Gesicht Behalf sie sich mit Schmink . Dach eines Tags, als aufgeputzt. Gemalt, geschnürt, zurechtg stutzt Tie wieder vor dem Spiegel stand, Ihn fragend: Gpieglein an d r Wand, Wer ist die Schönste im ganzen Land?4 ArieHvn ärchen, Da klanz es: Ihr seid die Schönste hier; Aber die Eine, die ich meine. Das deutsche Schneewittchen tber b m Rhein Ist tausendmal jünger und frischer als Ihr. Da wurde Marianne blaß Vor Neid und Haß, Verlor den Schliff Und Ehrbegriff, Verlegte sich aufs Unheilstiften, War Tag und Nacht Nur drauf bedacht, Schneewittchen tückisch zu vergiften. 2. ES war ein Handelsmann, John Bull genannt mit Namen; Den trieb unstillbare Habgier an, In Haufen von Gold zu kramen. Er zählte die Münzen rund und blank Tagtäglich in seinem Kassenschrank Und fragte, vor ihm aufgestellt: Du liebes Schränklein voller Geld, Wer ist der reichste Mann der Welt? Stets hieß die Antwort zu seiner Wonne: Ihr s id der Reichste unter der Sonne. Nichts merkte vom Herbst und seinem HauL Der vollgefressene Krämer; Er Pflegte seinen dicken Bauch, Ward protziger und bequemer.i Rriege örch-? . Doch eines Tags, als nimmersatt Vor seiner Schätze Lagerstatt Er wieder einmal die Frage gestellt: Wer ist der reichste Mann der Welt? Da sprach das Schränklein voller Geld: Hier seid Ihr der Reichste wohl; doch dort Wuchs goldene Macht von gleicher Schwere; Der junge Siegfried über dem Meere Gewann den Nibelungenhort. Da wurde dem J hn Bull nicht gut Vor Neid und Wut; Doch er verbarg Alsbald sein Arg Und legte sich aufs Freundfchaftsheucheln, Nur drauf erpicht, MS feiger Wicht Jung Siegfried hinterrücks zu meucheln. 3. So, durch gemeinsamen Haß und Neid Verbunden zum Zwiegespanne, Gelobten sich Treu und Zärtlichkeit John Bull und Marianne. Die Geckin koste mit dem Strolch; Sie mischte Gift, er schliff den Dolch. Sie spann ihr Netz arglistig fein. Drang in Echneewittchens Frieden ein And barg im Mantel TodeSpein; Ar aber schlich derweil oll Tücken Dem jungen Siegfried in den Rücken.K?i Svmk?chen. Da machte der herrliche stecke kehrt Mit unerschrockener Seele, Fuhr mit gewaltigem Flsmmenschwert Dem Geldsack an die Kehle Und beutelte den Jämmerling, Daß Hären ihm und Sehn verging, Vernahm Schneewittchen Hilfeschrei, Sprang just zur rechten Zeit herbei. Hieb Mariannes Netz entzwei Und rief: Du Holde, sie tun dir nie. Solange die Welt steht, wa zu leide! Stark mögen sie sein; jedoch wir beide Mnb tausendmal jünger und stärker als sie. . Jung Siegfried nennt Schneewittchen Braut Und wird getraut Nach Swrmgefahr. DaL Neiderpaar Sucht sich vergeblich zu verschanzen: Die müssen nun In xlühnden Schuh n Nuf dieser deutschen Hochzeit tanzen S7 1. Kapitel. Hein Peters und Klaus Zohannsen, zwei echte Kieler Sprotten. ^ Frühjahrssonne des Jahres 1S14 schien hernieder und lockte wieder einmal das frische Grün mit ihrem Zauberstabe hervor. Die Menschen rieben sich die Augen, dankten Gott, daß der Winter vorüber und strömten, soweit sie nicht durch dringende Geschäfte in ihren vier Wänden festgehalten wurden, inS Freie, um sich an der neu erwachten Gotteswelt zu erfreuen. Jedermanns Brust atmete freier und man gab in den mannig faltigsten Variationen dem Gedanken Ausdruck: Gottlob, eS muß doch endlich Frühling werden!" Auch in unserer ersten NeichskriegShafenstadt Kiel, der Köni gin am Ostseestrande, hatte der Götterbote Frühling seinen Einzug gehalten. Das Villenviertel Düsternbrook, wohl die anmutigste Strand promenade der Welt, machte Frühjahrstoilette und zog jung und alt in seinen Bann. Wie wunderbar sind hier aber such die Kontraste gemischt! Hier träumerische Ruhe. Waldesgrün, Weltabgeschiedenheit und daneben der Hafen mit zahllosen großen und kleinen Kriegsschiffen,8 Klar zum Gefecht. Ruder-, Segel- und Dampfbooten, kurz, dem ganzen regen und nie rastenden Marineverkehr und zudem ein- und auslaufende Han delsdampfer und Segler, Fischerboote in allen Größen, die den Er trag ihres mühsamen Gewerbes nach dem jenseitigen Ufer, den Fischerdörfern Ellerbeck und Gaarden, bringen, wo die Kiele? Sprotten und Bücklinge nebst den Flundern und Aalen hübsch appe titlich in langen Reihen aufgehängt sind und geräuchert werden. Von hier wandert der größte Teil direkt ins Binnenland, aber ein kleiner bleibt auch im Lande und wird in der Nähe der Kieler Werftdampferfähre in den Fischerbuden der Mutter Wöpperling, Silbergrau und wie sie alle heißen, als Rökeraal", Kieler Sprott und Buckel" feilgeboten. Und mancher Kieler Junge lugt sehnsüchtig nach den hier aufgestapelten Schätzen, still bei sich denkend: Kieler Sprott und Buckel Die hätten wir am Wickel, Hätte dieser Zwickel Die Tasche jetzt voll Stiickel Gold, Silber, Kupfer, Nickel I Unter den Spaziergängern im Düsterbrooker Gehölz bemerken wir auch zwei kräftige junge Burschen im Alter von 18 bis 19 Jahren, beides echte Kieler Jungs". Sie wohnten Haus bei Haus in der Christianistraße, waren von Kindheit auf Spielgefährten, hatten alle dummen Streiche ge meinschaftlich ausgeführt und auch zusammen die Kieler Volks schule besucht. Die Eltern beider waren auf der Kaiserlichen Werft zu Kiel beschäftigt und aßen das auskömmliche Marinebrot. Auf der Schulbank behagte es unseren jungen Freunden auf die Dauer recht wenig. Sie taten zwar im großen und ganzen alles, was man von ihnen verlangte, und machten somit ihren Eltern gerade keinen Kummer, aber sie waren doch nicht so recht mit Lust9 u Kapitel, und Liebe bei der Sache und sehnsüchtig seufzten sie oft vor sich hin: Ach, die Schranken so eng, Und die Welt so weit. Und so flüchtig die Zeit! Am liebsten lasen sie Indianer- und Seeräubergeschichten. Ja, Abenteuer erleben, weit draußen unter Wilden, Seemann sein: das wäre etwas, das ließ ihre jugendlichen Herzen höher schlagen. Ein Hauptfesttag war es denn jedesmal für sie, wenn sie an einem schulfreien Tage mit einem Fischer womöglich bis in die Nähe der dänischen Küste mitfahren und so einen kleinen Vor geschmack vom Seemannsleben bekommen konnten. Nun will ich meinen lieben Lesern unsere beiden Freunde aber auch, wie sich das gehört, in aller Form vorstellen. Sie haben beide echt holsteinische Namen und heißen Hein Peters und Klaus Johannsen. Nachdem sie ihre Schulzeit glücklich beendet, kamen sie in die Lehre, der eine zu einem Tischler, der andere zu einem Schlosser. Wie sie nun an ihrem freien Nachmittag so am Strande des herrlichen Kieler Hafens dahinspazieren, sprechen sie sich gegen seitig über ihre Zukunft aus, und wir sind Zeugen folgenden Zwie - gespräches: Weißt du, Hein, sagt Klaus, mich zieht s in die weite Welt. Das eintönige Handwerksleben hier in der Heimat bietet doch gar keine Abwechslung. Ich will was erleben und nicht immer zu Hause hocken. Was meinst du dazu. Hein?" Na, was werde ich groß meinen. , Mir geht s akkurat so wie dir. Weißt du noch, wie wir Lederstrumpf" und all die anderen Jndianergeschichten lasen und Unter Wilden und Seeräubern", die herrlichen Geschichten aus unseren ostafrikanischen Kolonien? Mein Herz poA mir jetzt noch, wenn ich bloß dran denke.Klar zum Gefecht. Wenn ich so die schmucke Kriegsschiffe hier im Hafen liegen sehe und bedenke, daß ich mein Leben lang in 5er Werkstatt zu bringen soll, so zuckt es mir in allen Gliedern. Ree, so geht das auf keinen Fall weiter. Weißt du was? Wir erklären beide unsern Eltern, daß wir erst was erleben und die Welt kennenlernen wollen. Ganz leicht wird es ja bei Muttern nicht durchzusetzen sein, bei Vätern schon eher." M. W. Machen wir," erwiderte Hein, und darauf gaben sich beide die Hand, daß sie nicht eher ruhen und rasten wollten, bis sie ihr Ziel erreicht. Hein Peters wollte sein Glück im Auslande versuchen. Ihm hatte eS besonders das Wunderland Indien angetan und KlauS Johannsen schwärmte für die Kaiserliche Marine. Torpedoboote und namentlich die Unterseeboote, diese unheimlichen schwarzen Ge sellen, die blitzschnell untertauchen und ehe man sich s versieht, den Tod und Verderben bringenden Torpedo lanzieren ja, das war so etwas, wonach sein Herz sich sehnte. Es kostete natürlich für beide einen harten Strauß, namentlich Hre Muttings wollten und wollten nicht ihre Zustimmung geben. Aber das Lebensglück ihrer Kinder sollte auch wiederum nicht durch Eigensinn und Egoismus zerstört werden. Und als sie sahen, daß ihre Söhne nicht von ihren Plänen ab- gingen, gaben die Eltern, nachdem sie ihnen alles oft und gründ lich vorgehalten, was ihrer in der Fremde wartete, endlich nach. Ein Verwandter der Petersschen Familie hatte auch in Indien sein Glück gemacht. Er schrieb ganz begeisterte Briefe und wollte Hein mit offenen Armen bei sich aufnehmen, und so kam eS denn, daß unser Hein eines schönen Tages feierlich Abschied von KlauS und seinen Eltern nahm, nach Hamburg abdampft und von dort mit einem Jndienfahrer nach dem Ziele seiner Wünsch . lv11 2. Kapitel. Unseren KlauS hielt e nun a H icht mehr länger in seiner engen Werkstatt. Er meldete sich bei der Inspektion de Unter seebootswesens als Freiwilliger, hatte auch das Glück, sofort an genommen zu werden und kam nach erfolgter erster Ausbildung als Matrose an Bord S. M. Unterseeboot U S". 2. Kapitel. Krieg. Mobil. Stolz weht die Flagge schwarz-weik-rot Bon unfrei Schiffe? Mast; Dem Feinde weh, der sie bedroht. Der diese Farben habt! Sie flattert an der Heimat Strand, Im Winde hoch und hehr, Und weit vom teuren Vaterland Auf sturrnbewegtem Meerl Ihr wolln wir treu ergeben sein. Getreu bi in den Tod, Ihr wolln wir unser Leben weihn Der Flagge schwarz-weiß-rotl Hurrai l! utsch Flagzenlted. Dichter: kobert Mnd rer. -mponisl: tchar IHIrle. Die Kieler Woche hatte wie alljährlich fast alle seefahrenden Nationen der Welt auf der gastlichen Reede versammelt, die Eng länder hatten ein stolzes Krieg4fchiffKgefchwader herüber gesandt, große Verbrüderungsfeste reihten sich aneinander. Tommy Atkins und Jean Maat durchstreiften Arm in Arm die Straßen der alten Holstenstadt; die deutschen Seeoffiziere freuten sich, daß sie endlich18 Klar zum Gefecht. einmal Gelegenheit hatten, die so oft in englischen Häfen genossene Gastfreundschaft zu erwidern: kurzum, es herrschte eitel Friede und Freude und wer in diesen Tagen dat Wort ,Weltkriegs in den Mund genommen hätte, wäre alz Schwarzseher verschrien worden und Wohl gar nicht zu Worte gekommen. Und doch sollte mitten in diese friedliche Stille ein politisches Ereignis seine Schatten voraus werfen und die Brandfackel des Weltkrieges entfachen. Am 28. Juni war das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar von ruchloser serbischer Mörderhand gefallen, am 23. Juli forderte Oesterreich-Ungarn von Serbien Genugtuung für diese Schandtat und als es diese nicht in vollem Maße erhielt, erklärte unser Ver bündeter Serbien den Krieg. Damit war auch für uns der Kriegsfall gegeben, denn wir konnten natürlich unsere treuen Bundesbrüder nicht im Stiche lasten. Nun ging es Schlag auf Schlag. England hatte schon seit Jahren gegen uns gehetzt, weil es uns um unsere Fortschritte auf wirtschaftlichem Gebiete beneidete und unsere Konkurrenz fürchtete, Frankreich träumte seit 1871 immer nur von der Revanche für Elsaß-Lothringen und Rußland hatte schon seit Monaten riesige Heeresmassen an seiner Westgrenze ange häuft und wartete nur auf den Moment, wo es über uns herfallen konnte. Unser Bundesgenosse Italien stand uns nicht bei, sondern hielt sich nur neutral. Belgien hatte sich schon vorher den Engländern und Franzosen verschrieben. - Montenegro ging mit Serbien und sogar das winzige Mo naco gesellte sich unseren Feinden zu. Später fand sich auch Ja- pan ein. Die Würfel waren also gefallen.2. Kapiiel. Wie Friedrich der Große im Siebenjährigen Kriege, so standen wir einer Welt von Feinden gegenüber. Wer: Viel Feind viel Ehr ! Unser Kaiser hatte bis zuletzt den Frieden aufrechterhalten wollen. Der Krieg war unS freventlich aufgezwungen und nun durchbrauste ein Jubelruf ganz Deutschland, wie ihn die Welt geschichte noch nicht erlebt. Selbst 1870 war die allgemeine Be geisterung nicht so groß wie jetzt: dat bezeugten alle, die beide Mobilmachungen miterlebt. Alle Parteiunterschiede waren mit einem Schlage wie aus gelöscht, Sozialdemokraten, Polen, Elsässer und Dänen, alle fühlten sich nur als Deutsche und unser Kaiser sprach allen aus dem Her zen, wenn er rief: Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche!" Auf diese elementare Einmütigkeit waren unsere Feinde nicht vorbereitet, im Gegenteil, sie hofften, daß insbesondere die Arbeiter nur gezwungen dem Rufe zu den Fahnen folgen und an allen Ecken Aufstände erregen würden. Hierin haben sie sich ebenso verrechnet wie 1870, als sie glaub ten, die süddeutschen Staaten würden nicht mit uns mitgehen. Unsere deutsche Kriegsflotte sah sich nun einer ungeheuren Uebermacht gegenüber: England, Frankreich, Rußland und Japan wollten über sie herfallen und England allein prahlte, schon am ersten Tage der Mobilmachung Wilhelmshaven und andere dcutfche Häfen zu bom bardieren und unsere Flotte auf den Meeresgrund zu versenken. Daß dies nur eitel Ruhmredigkeit, ohne jeglichen reellen Hin tergrund, werden wir alsbald sehen. Leicht sind die Aufgaben unserer jungen Marine wahrlich nicht. Lasten wir auch Japan mit seiner erstklassigen Flotte außer Ansatz, die wohl in Ostasien bleiben wird, und sehen wir von Rußland ab, dessen Schiffe im russisch-japanischen Kriege vernichtet LS14 Klar zum Gefecht. und seitdem noch nicht wieder ersetzt wurden, so bleibt noch immer Frankreich mit gleich großer Flotte und England mit vierfacher Ueberlegenheit zur See! Aber unsere Marine ist durch die unausgesetzten Bemühungen unseres seeerfahrenen Kaisers und seiner Helfer, der Großadmirale von Tirpitz und von Köster, allmählich zur zweitgrößten der Welt herangewachsen. Gie brennt vor Begierde, ihrem Kaiser und dem deutschen Vol?e zu zeigen, daß in ihr der Geist der Initiative und deS todesmutigen Ausharrens lebt. Sie ist vorzüglich organisiert, und was ihr an Zahl fehlt, wird sie durch Tüchtigkeit ersetzen, denn: ,Nicht Schiffe fechten, sondern Menschen!^ Als ihr vortrefflicher Exerziermeister muß der Großadmiral von Köster bezeichnet werden, der jahrelang die aktive Hochseeflotte führte und auS dessen Schule alle jetzigen Admirale und Schiffs kommandanten hervorgegangen sind. Infolge seiner mehr als siebzig Jahre kann der greise Ad- mirol seine Flotte nicht in die Schlacht führen. Wie sehr mag er daH bedauern, wenn er sich auch mit dem stolzen Gefühl trösten kann, daß jetzt zeerntet wird, was er in langer Friedensarbeit gesät, und freuen wird er sich auch, daß er das alles noch mit erlebt. Unser Kaiser, der wärmste Freund der Marine, schickt seinen einzigen Bruder, den Prinzen Heinrich als General-Inspekteur zur Marine und einen seiner Söhne, den Prinzen Adalbert, als Ka- pitänleutnant an Bord. Der Kaiser hat stets große Vorliebe für seine blauen Jungen gehabt und immer große Stücke auf sie gehalten. Er tat es auch jetzt, indem er denselben am 6. August zurief: Nach dreiundvierzigjähriger Friedensarbeit rufe Ich die deutsche wehrfähige Mannschaft zu den Waffen. Unsere heiligsten Güter, daS Baterland, den eigenen Herd, gilt eS gegen ruchlosen Uebersall zu schützen. Feinde ringtum! DaS ist da Kennzeichen der Lage. Ein schwerer Kampf, große Opfer stehen uns bevor.2. Kapitel, Ich vertraue auf euch, ihr deutschen Soldaten! In jedem von euch lebt der frische, durch nichts zu bezwin gende Wille zum Siege. Jeder von euch weiß, wenn es sein muß, wie ein Held zu sterben. Gedenket unserer großen, ruhmreichen Vergangenheit! Gedenkt, daß ihr Deutsche seid! Gott helfe uns!" Ein Jubel ohnegleichen durchbrauste die deutschen Lande. Wildfremde Menschen fielen sich auf offener Straße in die Arme. Alle inneren Zwistigkeiten waren mit einem Schlage be graben, alle Gebäude waren beflaggt, alle fühlten sich als Brüder und nur ein Gedanke beherrschte jung und alt nach dem Kaiserwort: Jetzt wollen wir sie verdreschen I Die alten Trutzlieder: Deutschland, Deutschland über alles", das wunderschöne Flaggenlied", Schleswig-Holstein meerum- schlungen" erbrausten aus Millionen Kehlen es war eine Lust zu leben! Beinahe anderthalb Millionen Freiwillige strömten zu den Waffen, fo daß sie gar nicht einmal alle eingestellt werden konnten. Auch unseres treuen Verbündeten, Oesterreich-Ungarns, wurde nicht vergessen, die schwarz-gelben Fahnen flatterten neben den deutschen lustig im Winde, und das Lied: Gott erhalte Franz, den Kaiser" mischte sich unter die deutschen KriegSlieder. An der Waterkant" wurde fieberhaft gerüstet, alle Werften arbeiteten mit Tag- und Nachtschichten. Dankbar erinnerte man sich des vorausschauenden BlickeS unseres Kaisers, der uns Helgoland einverleibt hatte. Was sollten k ir shne diesen Vorposten ansang ! Wenn Helgoland noch den Engländern gehörte, hätten wir die Feinde ja immer dicht vor dem Jadebusen, und Wilhelms haven nebst der Glbmünduyg wären dann einer ständigen Blockade ausgesetzt. 1K!v Klar zum Gefecht. Wie anders standen wir doch diesmal da als 18701 Wir hatten seitdem enorme Fortschritte gemacht. Freilich haben wir eS jetzt statt mit einem Gegner mit derer vielen zu tun, aber ein rein defensives Verhalten wie 1870-71, wo unsere Kriegs schiffe nur Nachtdienst taten und müßig in den Häfen lagen, wäh rend die Franzosen unter Vize-Admiral Boust-Villaumet sich in Nord- und Ostsee zeigten, war diesmal gänzlich ausgeschlossen. Jetzt hieß es: ,Ran an den Feind 3. Kapitel. Die deutsche Initiative. Der Humor verließ Zivil und Militär nicht einen Augenblick. Franzosen, Russen, Serben, Die alle müssen sterben!" hieß es. Gedichte hochpatriotischen und humoristischen Inhalts füllten die Zeitungen, auch in der Kutschke-Manier, z. B.: Jeder Stoß ein Franzos, Jeder Schuß ein Russ , Jeder Tritt ein Britt , Jeder KlapS ein Japs!" Sogar die ganz kleinen Kinder auf der Straße sprachen von nichts anderem als vom Kriege und sangen nach der Melodie Die Männer sind alle Verbrecher": Ja. die Russen sind alle Verbrecherl Ihr Herz ist ein finstere Loch, Die Franzosen sind alle nicht besser, Aber Kloppe, aber Kloppe krieg n sie doch!*3. Kapitel. Beim Soldatenspielen wollte keiner Russe oder Franzose sein. Ein kleiner Schelm, den dieses Los dennoch traf, rief: Au Backe, da muß ich mir aber erst einen Pappdeckel unterlegen!" Die Haßgesänge an England wuchsen wie Pilze aus der Erde. Statt des französisch klingenden Grußes: ,Adieu rief man sich: ,Gott strafe Englands zu. Die Fremdwörter verschwanden von den Schil dern und aus dem Sprachgebrauch, unt man kann nur wünschen, daß diese patriotischen Regungen auch für später vorhalten und unsere schöne deutsch Sprache endgültig von der Ausländerei befreien! Von dem herrlichen Geiste der Initiative legte auch gleich am ersten Mobilmachungstage das Vorgehen unseres kleinen Kreuzers Augsburg" Kommandant Kapitän zur See Andreas Fischer beredtes Zeugnis ab. Er legte Minen vor dem russischen Kriegshafen Libau am Ausfluß des Libauschen Sees in die Ostsee griff einen russischen Kreuzer an und bombardierte Libau. Dabei blieb die Augsburg" ganz unversehrt. Das war ein schneidiges Husarenstück, durch welches die russische Ostseeküste in panischen Schrecken versetzt und der ganze russische Handel in der Ostsee lahmgelegt wurde. Derselbe Offensivgeist trat auch im Mittelmeer zutage, wo unsere Schiffe am 5. August Algier bombardierten und die dortigen Hafenbefestigungen zerstörten. Die befestigten Hafenplätze waren Einschiffungsorte für die französischen Truvpentransporte. Frankreich beabsichtigte, sofort etwa 50 WO Mann aus Nord afrika auf den europäischen Kriegsschauplatz zu werfen. Diese edle Absicht wurde nun durch das entschlossene Vorgehen unserer Schiffe bis auf weiteres vereitelt. 2 Mar zum Hefecht. 1713 Klar zum Gefecht. Auch bei dieser Flottenaktion im Mittelmeer kamen unser: Schiffe ohne Beschädigungen davon. Das schneidigste Stückchen leistete sich aber am 8. August unser deutscher Bäderdampfer Königin Luise" Kommandant Korvettenkapitän Biermann indem er angesichts der feind lichen Flotte und Küste sich in die Themsemündung vorwagte und diese mit Minen zuwarf. Die Königin Luise" war ein Handelsdampfer, der von der deutschen Marine übernommen und mit Minen und einer Be satzung ausgerüstet worden war. Die Königin Luise" vermittelte vordem den Dienst nach den Nordseebädern und gehörte der Ham burg-Amerika-Linie. Es war ein geradezu tollkühnes Unternehmen, denn Kapitän Biermann mußte sich sagen, daß er keinesfalls ungestört seine Mi nen legen könnte und mit einem feindlichen Angriff bestimmt rechnen müßte, der seinem kleinen, ungeschützten Schiffchen den sicheren Untergang bringen würde. Und so kam es denn auch. Die Königin Luise" wurde vor der Themsemündung von einer englischen Torpedobootsflottille unter Führung des kleinen Kreuzers Amphion" angegriffen und zum Sinken gebracht. Hier bei fuhr die Amphion" selbst aber auf eine der von der Königin Luise" geworfenen Minen auf und ging unter. 130 englische Seeleute fanden ihr kühles Seemannsgrab, 150 wurden gerettet. Ein Teil der Besatzung der Königin Luise" sechs Offiziere und 114 Mann wurden ebenfalls gerettet. Es bedeutete das natürlich einen großen Erfolg für unsere Marine, da die Minen ja alle englischen Schiffe gefährden. Auch ist der Verlust eines kleinen deutschen Handelsdampfers gering im Vergleich mit dem eines fast doppelt so großen englischen Kriegsschiffes.8. Kapitel. S, M, S, Augsburg" bombardiert Lid au. Die Amphion" hatte 3500 Tonnen Wasserverdrängung und 280 Mann Besatzung. Sie lief 25 Seemeilen und war mit zehn 10-Zentimeter und vier 4,7-Zenti- meter-Geschützeu armiert. Wer auch moralisch bedeutete es eiuen großen Erfolg für uns. Denn nun bekamen unsere Fein de eine große Angst für ihre Kü sten. Ein Zeichen dieses pani- schenSchrek- kens war es auch, daß Nußland am folgenden Tage seinen finnischen Kriegshafen Hangoe selbst zerstörte. Die Russen versenkten einen großen Dampfer am Hafenein gang und ebenfo alle Hafenkräne, sprengten die Eisenbahnwert stätten und die Hafenmole in die Luft, steckten dreißig Magazine in Brand, zerstörten die Eisenbahnlinien und sperrten die Ein fahrt nach Petersburg. Die Einfahrt wurde außerdem durch Torpedobootsflottillen bewacht. Stadt und Hafen Hangoe mit der gleichnamigen Festung liegen westlich von Helsingfors auf einem Kapvorsprung an der Südwestspitze von Finnland; am äußersten Ende des finnischen Meerbusens liegt Kronstadt, der stark befestigte Vorhafen von der Landeshauptstadt St. Petersburg, wohin von Hangoe aus eine Eisenbahn führt. Am 12. August wagten sich unsere Unterseeboote, an der Ost- Kste Englands und Schottlands entlang fahrend, bis zu den Shet. 2 IS^tlar zum Gefecht. landinseln hinauf, während bis zur Stunde kein einziges fremdes Kriegsschiff sich in den deutschen Gewässern der Nordsee sehen ließ. Sie hatten eben Angst vor unserer Flotte und vor unseren Minen, denn sonst hätten sie uns längst einen Besuch abgestattet. Unsere Feinde sind eben nicht von demselben kriegerischen Angriffsgeist beseelt wie unsere blauen Jungen. Wir sehen hier wieder, daß nicht die Anzahl der Schiffe maß gebend ist, sondern der Geist, der Offiziere und Mannschaften be seelt. Auch aus dem Mittelmeer kam frohe Kunde. Nachdem unser großer Kreuzer Goeben" und der kleine Kreuzer Breslau", wie schon erwähnt, die algerische Küste bom bardiert hatten, liefen sie in den neutralen italienischen Hafen Messina ein und ergänzten dort von deutschen Dampfern ihre Kohlenvorräte. Englische Kriegsschiffe legten sich in großer Zahl vor den Hafen und wollten nun unsere Kreuzer abfangen. Die hielten aber guten Ausguck, und somit gelang es ihnen, John Bull ein Schnippchen zu schlagen, aus Messina auszubrechen und, ohne daß ihnen ein Haar gekrümmt wurde, die hohe See zu erreichen, wo sie sich dann zunächst mit unserem treuen Verbündeten, der österreichischen Flotte, vereinigten, um dann später der ebenfalls verbündeten türkischen Flotte im Schwarzen Meere die wertvollsten Dienste zu leisten. Wie mögen sich die Engländer Wohl geärgert haben, als ihnen dieser fette Bissen entging und sie als die blamierten Europäer das Nachsehen hatten. Ja, ja, John Bull, so einfach ist es denn doch nicht, deutsche Kriegsschiffe zu übertölpeln! Das wirst du öfters in diesem Kriege zu spüren bekommen. Der englische kommandierende Admiral des Mittelmeer geschwaders wurde nach diesem Streich sofort in die Heimat ab-- 2V21 8. Kapitel. berufen, und was er da zu hören bekommen hat, mag auch gerade nicht vom Besten gewesen sein! Dagegen vollführten die Engländer zu gleicher Zeit in Ost- asrika ein kleines Heldenstückchen (?), indem sie unsere offene Stadt Daresfalam beschossen. Wenn wir wirklich unsere ungeschützten Kolonien im Laufe des Krieges an England oder sonst einen Feind verlieren sollten, so holen wir sie uns beim Friedensschluß, dessen Bedingungen wir diktieren werden, sicher wieder zurück, denn das Schicksal der Kolo nien wird auf den europäischen Schlachtfeldern entschieden. Einen großen praktischen Wert haben diese feindlichen Unter nehmungen also nicht. Dagegen hatte unsere todesmutige Marine am 18. August ihren ersten Verlust zu beklagen. Unsere tapferen Unterseeboote hatten wieder einmal einen Vorstoß gegen die englische Küste unternommen, wobei unser U 15" im Kampf mit englischen Streitkräften vernichtet wurde. Dreiundzwanzig brave Blaujacken deckte das kühle Grab. Ehre ihrem Andenken! Auf sie fand das Seemannsgebet Anwendung: Herr, läuft das Stundenglas einst ab, Nimm gnädig uns zu Dir hinüber. Gib uns ein echtes Seemannsgrab: Salzwasser rings und Wolken drüber.- Dieses Gefecht stellt das erste ernsthafte Eingreifen von Un terseebooten im Seekriege dar. Zwar wurden im amerikanischen Bürgerkriege kleine Unter- seeboote mit Erfolg gegen Panzerschiffe verwandt, aber das moderne Unterseeboot, das naturgemäß wesentlich von dem damaligen ver schieden ist, sollte erst jetzt seine Kriegstüchtigkeit erweisen, und das hat es, wie wir noch später sehen werden, in reichstem Maße getan.22 Klar zum Gefecht. Der Untergang von U 15" soll durch den englischen Kreuzer Birmingham" herbeigeführt worden sein. Bei solchen gewagten Erkundungsfahrten muß mit dem Ver lust des einen oder anderen Bootes gerechnet werden. Denn: wo Holz gehobelt wird, da fallen Späne. Auf unseren Werften liegen zahlreiche neue Torpedoboote und Unterseeboote im Bau, drei neue U-Boote wurden erst in diesen Tagen von der Marineverwaltung übernommen. Aber auch dieses Unternehmen legt Zeugnis ab von dem Wagemut und der Unerschrockenheit unserer jungen Flotte. Am 2V. August trat Japan mit der unverschämten Forderung an uns heran, ihm unsere schöne Kolonie Kiautschou mir nichts dir nichts abzutreten. Gleichzeitig wurde uns ein Ultimatum überreicht, und somit hatten wir den achten Feind in diesem Kriege. Viel Feind viel Ehr ! Wir werden auch mit diesen Ostasiaten ins reine kommen. Unser Gouverneur in Kiautschou, Kapitän zur See Meyer- Waldeck telegraphierte auf die freche Herausforderung: In Bestätigung der Mitteilung des japanischen Ultimatums einstehe für Pflichterfüllung bis aufs äußerste!" Das war ein kerniges deutsches Wort, und man kann vor solchem Gouverneur nur den Hut ziehen! Also die Japs wollen uns um die Früchte jahrelanger Kultur arbeit bringen und den schönen Hafen einheimsen! Dieselben Japs, die ihre Wissenschaft und militärischen Kenntnisse uns Deutschen verdanken, denn es war ein preußischer Offizier, der General Meckl, der ihnen als Lehrmeister in allen militärischen Künsten diente, und unsere Universitäten öffneten ihnen jahrelang die Hörsäle.23 3. Kapitel. Sentimentalität spielt in der Politik keine Rolle! Gewiß! Aber eine so perfide Handlungsweise war man denn doch nicht gefaßt; brachten die Berliner doch noch jüngst vor der japa nischen Botschaft Hochs aus in der stillen Hoffnung, daß Japan gegen seinen alten Freund, den Russen, mobilmachen würde. Und wavam das alles? England hat Japan viel Geld ge liehen und verlangt nun seinen Dank von Japan, un.d Japan ist schwach genug, diesem Drucke nachzugeben! Werfen wir bei dieser Gelegenheit einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung unseres Schutzgebietes im fernen Osten. Am 6. März 1898 schlössen wir und China einen Vertrag, demzufolge die Kiautschoubucht auf 99 Jahre an Deutschland ver pachtet wurde. Wir hatten somit einen Platz an der Sonne", wie sich Fürst Bülow seinerzeit ausdrückte. 615 Quadratkilometer Land und ein vorzüglicher Hafen waren somit bis auf weiteres unser. An dieses Gebiet schließt sich noch eine neutrale Zone von 50 Kilometer Breite an, wo deutscher Einfluß vorherrschend ivurde, denn China muß für jede Maßnahme in dieser neutralen Zone erst unsere Erlaubnis einholen. Wir haben nun im Laufe der Jahre sehr viele Arbeit und viele Millionen in diese Handelskolonie hineingesteckt und sie zu einer Musterkolonie ausgestaltet. Bei der Uebernahme befand sie sich in einem gänzlich ver wahrlosten Zustande. Elende Lehmhütten bargen eine schmutzige, auf niedriger Kul turstufe stehende Chinesenbevölkerung. Infolge des großen Schmutzes war das ganze Land verseucht. Unsere Marineverwaltung hat nun hierin gründlichst Wandel geschaffen. Prächtige Bauten erhoben sich in Tsingtau, das der drittgrößte Handelsplatz an Ostasiens Küste wurde. Bereits am 2. September24 Klar zum Gefecht. 1898 wurde es als Freihafen erklärt. Der Gesundheitszustand hob sich so beträchtlich, daß es ein Badeort mit jährlich 800 Badegästen wurde! Ferner wurde die Bodenspekulation verhindert und eine Ka nalisation geschaffen. Die kahlen Felswände wurden aufgeforstet. Sodann wurde eine höhere Schule eingerichtet, welche die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligendienst erteilte. 1899 wurde die Schantungbahn gebaut, welche bis nach Tsingfu, der Hafenstadt von Schantung, läuft. Dadurch erschlossen sich dem Handel neue Absatzgebiete, kurzum: Kiautschou wurde ein ausblühendes iHandelsemporium. das wir uns beim Friedensschluß unbedingt von den Japs wieder holen müssen. Schade nur um das unnötige Blutvergießen, an dem wir in- dessen ja gänzlich schuldlos sind. 4. Kapitel. Zmmer feste druff. Am 20. August unternahmen die beiden kleinen Kreuzer Straßburg" und Stralsund" einen Vorstoß nach der südlichen Nordsee. Hierbei sichtete Straßburg" unter der englischen Küste zwei feindliche Unterseeboote, von denen sie eines auf größere Entfer nung (etwa 10 000 Meter) mit einigen Schüssen zum Sinken brachte. Stralsund" kam in ein Feuergefecht mit mehreren Tor pedobootszerstörern, von denen zwei erhebliche Beschädigungen er litten.25 4. Kapitel. Bei dieser Gelegenheit konnte ebenso wie bei der Erkundungs- fahrt eines Luftschiffes bis zum Skagerak festgestellt werden, daß die deutsche Küste und ihre Gewässer frei von Feinden sind und die neutrale Schiffahrt unbehindert dort passieren kann. Dagegen hat die deutsche Flotte in den ostasiatischen Gewässern feindliche Kauf fahrteischiffe aufgebracht. Auch aus Serbien dringt gute Kunde zu uns über das tapfere Verhalten unserer Seesoldaten. Unser Skutari-Detachement, von dem man lange Zeit nichts mehr gehört, schlug unter seinem Kom mandeur, Major Schneider. Schulter an Schulter mit seinen öster reichischen Kameraden die Serben bei Visegrad. Unsere Seesoldaten waren beim Sturm auf die von den Serben besetzten Höhenstellun- gen immer voran. Hier trat also die deutsch-österreichische Waffenbrüderschaft in schönster Weise in die Erscheinung. Aus meiner aktiven Marinedienstzeit erinnere ich mich noch, daß die österreichischen Kameraden von der Marine in Pola und Trieft, und wo wir auch mit ihnen zusammentrafen, nie anders von uns Abschied nahmen als mit den Worten: Auf Wiedersehen, Herr Kamerad, Schulter an Schulter!" Diese so oft von uns gehörten Worte sind kein leerer Schall geblieben, sondern nach so vielen Jahren zu erhebender Wirklichkeit geworden. Auf der Rückkehr aus Newyork nach Bremen entkam der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Kronprinzessin Cecilie" glück lich den Engländern. Der Dampfer hatte für französische und eng lische Banken 1(1,6 Millionen Dollar in Gold und 3,4 Millionen Dollar in Silber an Bord, als er Newyork verließ, um mit 1200 Passagieren über Plymouth und Cherbourg nach Bremen zu fahren. Unsere deutschen Kriegsschiffe bedrohten als Widervergeltung englische Kauffahrteischiffe, und es unterliegt keinem Zweifel, daß auch auf anderen Meeren unsere Kreuzer in ähnlicher Weise gegen den feindlichen Handel verfahren.26 Klar zum Gefecht. Unser kleiner Kreuzer Emden" nahm ein Schiff der frei" willigen russischen Flotte. England will einen wirtschaftlichen Vernichtungskrieg gegen uns führen, was ihm natürlich nicht gelingen wird, und dabei seine Flotte möglichst intakt halten. Es ist kein sentimentales Land: John Bull ist in erster Linie Kaufmann und will Geschäfte machen: Auch der Krieg ist für ihn nur ein Geschäft! Hoffen wir, daß dieser Krieg ein sehr schlechtes Geschäft für ihn ist und daß er sich für alle Zeiten dabei die Finger so verbrennt, daß er davon genug hat. England würde es sehr gern sehen, wenn unsere Flotte an seiner Küste eine Schlacht unter erschwerenden Umständen liefern würde. Diesen Gefallen werden wir dem sehr ehrenwerten" John Bull jedenfalls nicht tun. In einem Seekriege vergehen Monate, in denen die Flotte zu ihrem eigenen größten Leidwesen zum Ausharren verdammt ist. Es ist keine geringe Anforderung, welche an die Nerven un serer Seeoffiziere gestellt wird, wenn es immer heißt: ,Abwartend während die Armee die größten Siege erkämpft! Am 27. August suchte unser kleiner Kreuzer Magdeburg" den Feind in seinen eigenen Gewässern auf; ein neuer Beweis für die Kampfeslust unserer blauen Jungen. Dabei geriet sie leider im Nebel im Finnischen Meerbusen bei der Insel Odensholm auf Grund. Der Nebel ist der ärgste Feind des Seemanns gegen ihn ist noch kein Kraut gewachsen. Hilfeleistung durch andere Schiffe war bei dem dicken Wetter unmöglich. Da es nicht gelang, das Schiff abzubringen, wurde es beim Eingreifen weit überlegener russischer Streitkräfte in die Luft gesprengt und fand so einen heroischen und ehrenvollen Unter- . gang. Unter feindlichem Feuer wurde der größte Teil der Besatzung, des Kreuzers von unserem Torpedoboot V 26" gerettet.27 4. Kapitel. Die Verluste der Magdeburg" und von V 26" waren: 17 Tote, 21 Verwundete, 85 Vermißte, darunter der Kom mandant der Magdeburg". Am 30. August erhielten wir Kunde von einer neuen Ver letzung des Völkerrechts durch England. Der als Hilfskreuzer ausgerüstete Schnelldampfer des Nord deutschen Lloyd Kaiser Wilhelm der Große" wurde von dem eng lischen Kreuzer Highflyer" zum Sinken gebracht, als er in den neutralen Gewässern der spanischen Kolonie Nio del Oro vor An ker lag. Gegen diese, jedem Völkerrecht hohnsprechende Verletzung der Neutralitätsgesetze muß entschieden Protest erhoben werden. Eng land hat durch die Mißachtung der stets von allen Nationen theo retisch und praktisch anerkannten Unverletzlichkeit neutraler Hoheits gewässer gezeigt, daß es sich nicht scheut, sich über die Hoheitsrechte neutraler Staaten hinwegzusetzen. Es denkt: bavs tbs msn, tbs sbips, davs tds monsz^ tool (Wir haben ja die Leute, Wir haben die Schiff? Und das Geld obendreini) und läßt Macht vor Recht ergehen. Dieses Vorgehen stellt einen schnöden Gewaltakt und eine Beleidigung des neutralen Staates dar. Dieser Schnelldampfer hatte nach völkerrechtlichen Grund sätzen die Befugnis, einen neutralen Hafen anzulaufen. Kriegsschiffe haben sich in neutralen Häfen unbedingt jeder Feindseligkeit zu enthalten.28 Klar zum Gefecht. Es darf daher daselbst kein Kampf stattfinden, keine Prise gemacht oder über dieselbe verfügt werden, keine Gefangenen ge landet werden, keine Stellung zum Angriff genommen, kein Kriegs schiff ausgerüstet werden. Gegen diese von allen zivilisierten Völkern anerkannten Rechtsgrundsätze hat England, das sich mit Vorliebe als Hüter des Völkerrechts gebärdet, selbstherrlich verstoßen. Unser Schnelldampfer hatte den englischen Dampfer Gali- zian" aufgebracht, aber ihn, da sich zahlreiche Frauen und Kinder an Bord befanden, wieder freigegeben. Das wurde ihm nun mit so schnödem Undank gelohnt! Er hat sodann die englischen Dampfer Kucyara" und La- , janza", nachdem die Besatzungen auf ein deutsches Schiff über nommen waren, auf offener See versenkt. DaS war sein gutes Recht. Nicht befugt dagegen war der Highflyer", ihn im spanischen Gewässer zu überfallen und in den Grund zu bohren. Im englischen Unterhause hat der Marineminister Churchill mitgeteilt, die Admiralität habe die Nachricht erhalten, der Kaiser Wilhelm der Groß " sei von einem leichten englischen Kreuzer in den Grund gebohrt worden. Das Schiff war eines der wenigen (!) armierten deutschen Hilfskreuzer, denen es geglückt war, in See zu stechen. Die Über lebenden der Mannschaft retteten sich an Land, bevor das Schiff sank, der englische Kreuzer hatte einige Leichtverwundete." Unser Hilfskreuzer hat sich also gewehrt und sein Leben teuer genug verkauft. Herr Churchill hat seinen Landsleuten wohlweislich nicht ver raten, wo sich das Ereignis abgespielt hat, nichts von einem neu tralen Hafen und nichts von Rio del Oro gesagt. Nach unseren Nachrichten hatte Highflyer* 1 Toten und 3 Verwundete. Im einzelnen spielte sich dieser englische Gewaltakt folgender maßen ab:4. Kapitel. Am 26. August lag der Hilfskreuzer Kaiser Wilhelm der Große" in dem spanischen Hafen Rio del Oro mit zwei Kohlen dampfern langsseits während ein dritter deutscher Dampfer etwa 500 Meter weiter seewärts zu Anker lag. Die gesamte Besatzung war seit Tagen mit der Kohlenüber. nahnie beschäftigt. Die Bunker waren noch nicht zur Hälfte aufgefüllt, als gegen Mittag ein Schiff in Sicht kam, das sich als der englische geschützte Kreuzer Highflyer" herausstellte. Es fand dann folgender Signalverkehr durch Scheinwerfer zwischen beiden Schiffen statt: Englisches Kriegsschiff : Lurrsnäsi-!" ( Ergeben Sie sich.") Kaiser Wilhelm der Große": Keine Antwort. I call z^ou to sm-rsnäsr! ( Ich fordere Sie auf sich zu ergeben.") Kaiser Wilhelm der Große": Deutsche Kriegsschiffe ergeben sich nicht. Ich ersuche Sie, die spanische Neutralität zu achten." ?ou eoal tbs seoonä tims in tbis poit. I call ?ou to 8urrenclör. Ik not I vill kirs c n ?ou at ones." ( Sie kohlen zuni zweiten Male in diesem Hafen. Ich fordere Sie auf, sich zu ergeben. Wenn nicht, werde ich sofort auf Sie feuern.") Kaiser Wilhelm der Große": Ich kohle hier zum ersten Male. Im übrigen ist dies eine spanische Angelegenheit. ZMkl^ör": Lurrenäer at onee! ( Ergeben Sie sich sofort.") Kaiser Wilhelm der Große": Ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen." Hierauf eröffnete Highflyer" um 1 Uhr 16 Minuten das Feuer, das vom Kaiser Wilhelm der Große" sofort erwidert wurde. Der Kampf wurde von letzterem geführt, während das Schiff etwa 2000 Meter von der Küste vor Anker lag, sich also innerhalb der spanischen Hoheitsgewässer befand. Um unnötige Menschen verluste zu vermeiden, ließ der Kommandant des Hilfskreuzers S930 Klar zum Gefecht. das nicht auf den Gefechtsstationen gebrauchte Personal auf die beiden längsseit liegenden Kohlendampfer übersteigen, ebenso die an Bord befindlichen englischen Besatzungen der früher aufgebrach, ten englischen Schiffe. Sobald die Dampfer vom Hilfskreuzer frei waren, zogen sie sich nach Süden zurück. Inzwischen hatte Highflyer" das Feuer auf beträchtliche Entfernung (etwa 9000 Meter) eröffnet. Er zog sich unter gleichmäßiger Annäherung von der Steuerbord- auf die Backbordseite des Hilfskreuzers hinüber, entfernte sich jedoch wieder, als er eine Anzahl von Treffern erhalten hatte. Nach etwa anderthalbstündigem Gefecht kam das Feuer des Kaiser Wilhelm der Große" aus Mangel an Munition ins Stocken. Gleich bei Beginn des Gefechts hatten nämlich zwei Schüsse den vorderen Laderaum getroffen, in dem die Hälfte der Munition verstaut war, so daß dieser voll Wasser lief und die Mu- nitionsförderung vorn unmöglich machte. Die Munitionsbeför derung von achtern nach vorne erforderte viel Zeit und verursachte dadurch eine Verlangsamung des Feuers. Als daher die Munition der achteren Geschütze verbraucht war, befahl der Kommandant, das Schiff, um es nicht in feindliche Hände fallen zu lassen, zu versenken. Das geschah durch zwölf Sprengpatronen, die schon vorher angebracht waren, sowie durch Oesfnen der Lenzschieber. Der deutsche Hilfskreuzer hatte im ganzen zehn Treffer erhalten, die das Schiff jedoch nicht zum Sinken gebracht hätten. Beim Ver stummen der Geschütze stellte auch Highflyer" sein Feuer ein und näherte sich langsam auf 5600 Meter. Als er jetzt aus dem einzigen deutschen Geschütz, das noch über Munition verfügte, einer Revolverkanone, beschossen wurde, begann auch der Engländer wieder das Feuer, um es abzubrechen, nachdem auch das Revolvergeschütz nach Verbrauch aller Munition hatte ver stummen müssen. Der Munitionsverbrauch des englischen Schiffes wird vom deutschen Kommandanten auf 400 bis 600 Schuß geschätzt. Die4. Kapitel. Treffergebnisse mit etwa zwei Prozent gegen ein so großes und hohes Schiff, das noch dazu still vor Anker lag, waren also herzlich schlecht. Als Kaiser Wilhelm der Große" anfing, sich infolge des ein dringenden Wassers überzulegen, begab sich die Besatzung in die Boote. Der Kommandant verließ als letzter das Schiff, als dieses Ichon mit der Seite auf dem Grunde auflag und die Masten mit den an den Toppen gehißten Kriegsflaggen unter Wasser verschwun den waren. Drei Hurras aus den Booten brachten dem sinkenden Schiffe den letzten Gruß und das Deutschland, Deutschland über alles . . erscholl ihm als Abschiedslied. In drei Rettungsbooten landete der Teil der Besatzung, der an dem Gefecht teilgenommen hatte, außer dem Kommandanten 7 Offiziere, 2 Vizesteuerleute, 72 Unteroffiziere und Mannschaften an der spanischen Küste von Nio del Oro. Unter Mitnahme von zwei, auf schnell hergestellten Tragbahren mitgeführten Verwundeten gelangten sie nach zweieinviertelstündi- gem Marsche zum spanischen Fort. Der englische Kreuzer hatte sich inzwischen dem Lande auf 3900 bis 4000 Meter genähert und zwei Boote ausgesetzt, welche den deutschen Booten folgten, jedoch erst landeten, als die deutsche Besatzung bereits den Marsch nach dem Fort angetreten hatte. Die englischen Boote kehrten dann auf Signal an Bord ihres Schiffes zurück. In dem spanischen Fort wurden die deutschen Seeleute von dem Fortkommandanten auf das beste aufgenommen. Sie befinden sich jetzt in Las Palmas auf den Kanarischen Inseln. Der Kommandant des Kaiser Wilhelm der Große" rühmt das ausgezeichnete Verhalten der Offiziere und Mannschaften, während bes Gefechts.32 Klar zum Gusecht. k. Kapitel. Lrstes Leegefecht bei Helgoland am 26. August. V. 1ö7" und Ariadne". V. 187" Heißt das Torpedoboot, In Nordseeschlacht und Nebel Gehalten bis zum Tod. Gar schmucklos ist sein Name. Ein Buchstab , eine Zahl Doch eine Welt von Treue. Von Heldenstolz und -Qual. Der Nebel riß in Fetzen, Da kam die große Not, Ein britisches Geschwader Gegen ein deutsches Boot. .V. 187" Spie Feuer, Tod und Haß. Ein einziger Torpedo Herrgott! Was nützte das? Der Kessel ward zerschossen; Sttll steht der Kapitän. Da hatten sie beschlossen, Sie wollten nntergehn. Das Boot hat es geschworen. Es sprengt sich selbst das Herz. Und donnernd schießt die Garbe Des Todes himmelwärts. Noch eine Salve speit es Ganz England ins Gesicht. V. 187" - Der Feind bekommt dich nichtl Kap tän auf seiner Brücke Und alle Mann auf Deck So geht das Boot in Stücke, Die ganze Brust ein Leck. Ariadne" flog zu Hilfe Als treuer Kamerad, So leicht wie eine Sylphe Zur Waffeubrüdertat. Was half es dem Genossen, Der Brite nahm sie an, Sie ward in Grund geschossen. Verloren Schiff und Mann. Von beiden ward gefeuert. Bis alles sank im Schlund Und in den Tod gesteuert Aus treuster Herzen Grund. Und dann ihr stolzen Jungen O, seid dafür geliebt Habt ihr ein Lied gesungen, Das beste, was es gibt.ö. Kapitel. Im Sturz des Wogenschwalles Und England hörte zu Deutschland, du über alles" Verklang s in Meeres Ruh . V. 187", Ariadue" gleicher Art: Gott segue wie im Leben Euch durch den Tod die Fahrt. Grab wer in grauen Sagen Verlorene Heldensaat : Schaut her: in unsern Tagen Lebendig solche TatI ^ Friedrich Kaytzleh Unsere kleinen Kreuzer Ariadne", Mainz" und Köln" un ternahmen im Verein mit einigen Torpedobooten einen tollkühnen Vorstoß gegen überlegene englische Streitkräfte. Es war diesiges (unsichtiges) Wetter, weshalb die Insel Hel goland leider auch nicht in den Kampf eingreifen konnte. Unser Torpedoboot V. 187" sah sich infolge des diesigen Wetters ganz unerwartet zuerst von Norden angegriffen, dann von allen Seiten. Britische Torpedobootszerstörer und Unterseeboote warfen sich in Massen auf V 187", auf dem sich außer dem Kommandanten auch der Flottillenchef befand. Es wehrte sich unverzagt gegen die Uebermacht. Bald jedoch wurde es durch zahlreiche Schüsse in seiner Bewe gungsfähigkeit immer mehr herabgesetzt. Es war unmöglich, sich dem feindlichen Feuer zu entziehen, und so drehte V 187" auf den Feind zu, um ein Pasfiergefecht zu beginnen. Unter einem Hagel von Geschossen verlor das tapfere Torpedo boot die Bewegungsfähigkeit vollständig. Als letztes Mittel wurde im Innern eine Sprengung vorge nommen. V 187" fank nun schnell, und während des Sinkens stand die Besatzung an den Geschützen und feuerte auf die Uebermacht. Dann versank das Boot in den Fluten. g Klar zum Gefecht,34 Klar zum Gefecht. Der Flottillenchef, Korvettenkapitän Wallis, und der Kom Mandant, Kapitänleutnant Lechler, fanden den Heldentod. Dem Feinde gebührt die Anerkennung, daß er, ungeachtet der eigenen Gefahr, seine Boote zur Rettung aussetzte. Jetzt nahten deutsche Streitkräfte, und er mußte die Hilfs boote treiben lassen; die Geretteten wurden dann von den Unseren aufgenommen. Untergang der Ariadne". Der Donner der Schiffsgeschütze ruft die weiter zurück stehen den Schiffe dem Donner entgegen. Sie wissen schon, was westlich von Helgoland vorgeht. Sie eilen herbei, um Hilfe zu bringen. Auch S. M. S. Ariadne" ist in solcher Absicht vorgestoßen, um, an der Vorpostenkette angekommen, zu entdecken, daß einzelne unserer leichten Streitkräfte beschossen worden sind. Unverrichteter Dinge wieder zurückzukehren, würde nicht dem unbezwinglichen Willen unserer Offiziere und Mannschaften, an den Feind heranzukommen, entsprechen. Verfolgung! heißt die Losung. Wie stark ist der Feind? Der Nebel verhüllt es, aber, wer fragt danach? Plötzlich ist Geschützfeuer aus dem Nebel zu hören, und gleich darauf stößt Ariadne" auf zwei der unseren, die mit Schiffen der Lion"-Klaff 27 VW Tonnen mit je acht 34,2 Ztm.-Gefchützen im Kampfe liegen. Mutig springt die kleine Ariadne" ihren Genossen bei, aber ein Treffer in den mittleren Kesselraum setzt die Hälfte der Kessel außer Betrieb, so daß sie nur noch 15 Seemeilen laufen kann. Das Achterschiff ist in Brand geschossen, aber es wird weiter gefeuert. Der Brand erstreckt sich auch auf das Vorderschiff und ge winnt an Ausdehnung.s. Kapitel. Die vordere Munitionskammer kann noch unter Wasser gesetzt werden, bei der achteren ist das nicht mehr möglich. Der Feind hat inzwischen nach Westen abgedreht. Die tapfere Ariadne" ist dem Untergang geweiht. Die Mannschaft versammelt sich auf dem Vordeck und bringt, getreu der Ueberlieferung unserer Marine, drei Hurras auf S. M. den Kaiser aus. Und spontan erklingt das Flaggenlied" über dem Wasser und unter dem Gesang von Deutschland, Deutschland über alles" wird das Schiff in vollster Ordnung Verlasien. Zwei unserer Schiffe, zwei große Kreuzer, kommen in die Nähe leider zu spätl Vom Feinde ist nichts mehr zu sehen, er hat sich nach Westen zurückgezogen. Kurze Zeit nur, und das Wrack der Ariadne" ver schwindet in den Fluten. Von ihrer tapferen Besatzung sind gefallen: Der Erste Offizier, Korvettenkapitän Franck, der Schiffsarzt Ritter von Boxberger, der Maschineningenieur Helbing und 70 Mann; die Zahl der Verwundeten ist groß. Auch unsere beiden kleinen Kreuzer Mainz" und Köln" sind nicht mehr; sie erlagen gleichfalls der feindlichen Uebermacht. Daß die Engländer ebenfalls schwere Beschädigungen davon- getragen, ist zweifellos, denn sonst würden sie nicht den Kampfplatz geräumt haben. Welcher Art diese Schäden des Feindes gewesen sind, verrät die englische Admiralität nicht, desgleichen nicht die Zahl der Toten und Verwundeten, die sicherlich nicht gering sein wird. Wir müssen uns also bis nach dem Friedensschluß gedulden, eher werden wir Wohl kaum genauere Angaben hierüber bekommen können. Man kann es nur ausrichtig bedauern, daß die beiden zuletzt auftauchenden großen Kreuzer nicht rechtzeitig auf dem Kampfplatze eintrafen. Z" 3ü36 Klar zum Gefecht. Es ist das wohl auf das diesige Wetter zu schieben. Wenn sie und Helgoland noch in das Gefecht mit eingegriffen hätten, wäre das Resultat entschieden ein anderes gewesen. Trotz aller taktischen Mißgeschicke stellt dieses erste Seegefecht bei Helgoland aber doch einen strategischen Erfolg dar, denn der Feind zog sich trotz seiner Uebermacht nach Westen zurück und ließ sich sobald nicht wieder in deutschen Gewässern sehen. Also: Nord- und Ostsee sind nach wie vor frei von Feinden und dabei hatte schon vor sechs Jahren der Zivillord der englischen Admiralität damit geprahlt, daß die deutsche Flotte bereits von der Nordsee verschwunden und auf den Meeresboden versenkt sein würde, bevor die Kriegserklärung Berlin erreicht hätte. Wenn es der große Mund täte, so hätte John Bull uns aller dings schon längst in Grund und Boden geschossen! Aber gerade das Umgekehrte ist der Fall! An der englischen Küste liegen deutsche Minen (Themsemün dung) und in der Nordsee keine englischen. Erst später erfuhren wir aus Zeitungsnachrichten, wieviel eng lische Schiffe an dem Helgoländer Seegefecht teilgenommen und wie ungeheuer die Uebermacht unserer Feinde war. Am 28. August fochten auf englischer Seite: Panzerkreuzer Lion" mit 30 000 Tonnen, Panzerkreuzer Eu- rhalus" mit 12 200 Tonnen, Kleiner Kreuzer Lowestost" mit 5530 Tonnen, Kleiner Kreuzer Arethusa" mit 3 600 Tonnen, Kleiner Kreuzer Fearleß" mit 3500 Tonnen. Die Torpedoboote Ferret", Lurcher", Firedrake" und Goshawk", die neuen, eben erst in Dienst gestellten großen Torpedoboote Laertes", Laurel", Li berty" und Lasoreh", ferner das Begleitschiff für Unterseeboote Maidstone" und 7 Unterseeboote. Man kann danach nur sagen, daß dieser erdrückenden Ueber macht gegenüber unsere blauen Jungen auch am 28. August sich bravb. Kapitel. gehalten und Zeugnis abgelegt haben von dem Geist der Initiative und der Todesverachtung, die von jeher unsere junge deutsche Ma rine auszeichnete. Da dies Gefecht das erste größere im Weltkriege war, so wollen wir uns noch etwas länger dabei aufhalten und auch Kenntnis nehmen von den amtlichen Berichten der Kommandanten von Ariadne" und V 187". Dieselben lauten: Am 23. August morgens erhielt der Kreuzer Ariadne" in einer rückwärtig der Vorpostenlinie befindlichen Stellung die Nach richt, daß feindliche Torpedobootszerstörer nördlich von Helgoland gesehen worden seien. Dazu kam die Bitte von einem unserer Tor pedoboote um Hilfe. Die Ariadne" ging sofort in Richtung auf den Geschützdonner vor, suchte aber in dem immer unsichtiger werdenden Wetter zunächst vergebens in verschiedenen Richtungen nach dem Feinde. Das Geschützfeuer verstummte, Ariadne" ging in eine abwartende Stellung zurück und begegnete dabei dem Kreuzer Köln", der mit hoher Fahrt nach Westen lief. Kurz darauf kamen Signale von anderen Kreuzern, daß sie sich mit feindlichen Zerstörern im Feuergefecht befänden. Während Ariadne" nun wieder vorging, vernahm sie erneut Geschützfeuer und erblickte später im Nebel einen großen englischen Schlachtkreuzer der Lionklasse. Dieser warf sich nun auf die Ariadne". Kurz darauf gesellte sich ein zweiter derselben Klaffe hinzu, und diese beiden Riesen beschossen die klein Ariadne" über eine halbe Stunde lang auf geringe Entfernungen. Ariadne" erhielt eine große Anzahl Treffer auS den schweren 34,3 Ztm.-Geschützen. Bald brannte das Achterschiff in hellen Flammen, dann wurde das Vorschiff durch löchert und halb zerstört, der Verbandplatz mit dem dort befind lichen Personale vernichtet. Wieviel Treffer im ganzen eingeschlagen sind, entzieht sich nach dem Berichte des Kommandanten jeder Be rechnung. Die Ariadne" wurde auf diese Weise bald in ihrer Be- tvegungSfähigkeit stark beeinträchtigt und die verfolgenden Gegner S738 Klar zum Gefecht. konnten sie als bequeme und nahe liegende Scheibe unausgesetzt aufs Korn nehmen. Trotz dieses fürchterlichen und überwältigenden FeuerS wurden auf Ariadne" die noch gefechtsbrauchbaren Geschütze weiter bedient. Die Verwundeten wurden von den Krankenträgern ordnungs mäßig vom Oberdeck fortgeschafft. Jeder versuchte, an seinem Platze vielfältige Reparaturen nach Möglichkeit und selbständig auszufüh ren. Dabei wurde der Erste Offizier im Zwischendeck von einem schweren Treffer weggefegt. Plötzlich drehten die feindlichen Panzerkreuzer nach Westen ab und stellten das Feuer ein. Der Kommandant der Ariadne" gab den Befehl, den Brand zu löschen. Das Feuer hatte aber schon so weit um sich gegriffen, daß an ein Löschen nicht mehr zu denken war. Der Aufenthalt auf dem Schiffe wurde durch Hitze und Rauch immer unerträglicher. Die Verwundeten wurden auf die Back gelegt, wo auch der übrige Teil der Besatzung sich versammelte. Der Kommandant brachte drei Hurras auf den Deutschen Kaiser aus, das Flaggenlied" und Deutschland, Deutschland über alles" wurde gesungen; auch die Verwundeten stimmten mit ein. Da näherte sich ein anderer kleiner deutscher Kreuzer und schickte Boote herüber. Auch einige Boote der Ariadne" konnten noch benutzt werden und in diese wurden die Verwundeten gebracht. Dann sprang der Rest der Besatzung auf Befehl des Komman danten über Bord. Die Nichtschwimmer unter ihnen hielten sich an Schwimm westen und Hängematten; alle wurden von den Booten aufgenom men. Der Kommandant der Ariadne" versuchte noch, sein Schiff in Schlepp nehmen zu lassen, aber die Ariadne" legte sich, nachdem sie beinahe ganz ausgebrannt war, auf die Seite und kenterte dann. Der Kommandant hebt mit hoher Anerkennung die Haltung der Besatzung und der Offiziere hervor.89 5. Kapitel. V 187" in seinem letzten Kampfe. Am Morgen des 28. August stand V 187" in einiger Ent fernung von Helgoland auf Vorposten. Es erhielt das Signal von einem anderen Torpedoboote: Werde von feindlichen Torpedoboots zerstörern gejagt!" V 187" versuchte dem Kameraden zu Hilfe zu kommen, fand ihn aber des plötzlich dichter werdenden Ne bels wegen nicht, sondern sah sich nach kurzer Zeit auch zwei feind lichen Torpedobootszerstörern gegenüber. Bald darauf kameu noch vier nicht genau bestimmbare feindliche Schiffe in Sicht. V 187" versuchte, sich angesichts dieser Uebermacht nach Helgoland zurück zuziehen, sah aber den Weg durch vier neu in Sicht kommende feind liche Torpedobootszerstörer verlegt. Diese eröffneten auf nahe Ent fernungen das Feuer auf V 187". Das Boot versuchte nunmehr seitlich durch Kursänderung an den Feinden vorbeizukommen, fand aber auch diefen Kurs verlegt durch einen feindlichen Kreuzer, welcher V 187" sofort, ebenfalls, auf nahe Entfernung, unter ein heftiges Feuer nahm. Von allen Seiten durch übermächtige Feinde gestellt, entschloß der Kommandant von V 187" sich, aus die verfolgenden Feinde zuzudrehen. Die feindlichen Zerstörer stutzten zunächst auf dieses unerwartete Manöver hin, dann eröffneten sie sämtlich zehn an der Zahl und außerdem der Kreuzer ein konzentrisches vernichtendes Geschützfeuer auf das deutsche Torpedoboot. Dieses erlitt schwere Beschädigungen, seine Geschütze wurden nacheinander40 Klar zum Befecht. außer Gefecht gesetzt, der Kommandant durch ein Sprengstück der- letzt. In unabsehbarer Folge mehrten sich die Treffer, das Boot war vollständig in Rauch und Qualm gehüllt, ein großer Teil des Personals tot. V 187" konnte nur noch ganz geringe Fahrt laufen. Der schwerverwundete Kommandant befahl unter diesen Um- ständen, das Boot zu Verlasien. Eine mit Zeitzünder versehene Sprengpatrone wurde in einem der unteren Räume, weitere Pa- tronen wurden vorn im Schiff angebracht. Danach wurde der Be fehl erteilt, das Boot zu verlassen. Der größte Teil der Besatzung sprang außenbords. Noch im Untergehen feuerte das Hintere Geschütz unter Lei tung des Zweiten Offiziers auf die Zerstörer. Diese feuerten nur noch spärlich, setzten dabei aber auch dieses Geschütz außer Gefecht. Der Rest der Bedienung sprang nunmehr auch über Bord und un mittelbar darauf ging V 187" mit dem Bug zuerst unter. Es war niemand mehr an Deck. V 187" ist weit über eine Stunde von vier, später von zehn Zerstörern und dann einige Zeit von einem kleinen Kreuzer be schossen worden. In der ersten halben Stunde während des Ver folgungsgefechtes auf kurze Entfernung hat das Boot nur ganz wenige unbedeutende Treffer erhalten. Erst in der zweiten Hälfte des Gefechtes sind schwere Beschädigungen eingetreten, so daß das Boot manövrierunfähig wurde. Beim Eingreifen der dann noch hinzukommenden Zerstörer ist das Boot schließlich vernichtet worden. Besonders lobend wird das Verhalten zweier Obermatrosen erwähnt. Diese wurden von einem englischen Zerstörer aufgefischt, sprangen aber, als ein deutscher Kreuzer herankam, unter lebhaftem Pistolen feuer der Engländer über Bord und entzogen sich so der Kriegs gefangenschaft.6. Kapitel. 6. Kapitel. Fette Zeitungsenten. Humor im Kriege. In den englischen, französischen und russischen Zeitungen über bot ittan sich in Lügenmeldungen über die Deutschen und ihre Kriegs führung. Recht bezeichnend hierfür ist die nachstehende humoristische Kriegs-Speisekarte: Was gibt s heute? Enten (fett, treffen täglich aus Frankreich ein), Kohl (in englischen Blättern aufgewärmt), Bohnen (blau, in Spandau gegossen, von durchschlagendem Erfolge), Rippespier (nach deutscher Unterseebootsart), mit Kapern (englischer und russischer Schiffe), Auflauf (auf deutsche Minen), Frücht (der DreibundSmächte). Einen netten Begriff von der Disziplin auf deutschen Kriegs schiffen scheinen insbesondere die Russen zu haben. So laS man am 3. September 1914 in einem ihrer Haupt- blätter Nowoje Wremja", folgendes über die Ausrüstung unserer Kriegsschiffe: Bei der Untersuchung des deutschen Kreuzers Magdeburg" stellte sich ein interessanter Umstand heraus, der auf die Behandlung in der deutschen Marine schließen läßt. In jeder OffizierSkammer fand sich eine lederne Peitsche. Handgriff 25 Zentimeter und S Riemen von 3V Zentimeter Länge. Auf den Griff ist K. M. (Kaiserliche Marine) und der Name des betreffenden Offiziers eingistempelt. Diese Peitschen zeigen das 4tKlar zum Gefecht. Merkmal sehr häufigen Gebrauchs; besonders abgenutzt ist die deZ Ersten Offiziers, der ja nach dem Charakter seiner dienstlichen Tätig keit am meisten mit den unteren Chargen der Besatzung in Berüh rung kommt." O, Russ , hier bist du wieder einmal mächtig hereingefallen I Der täppische russische Bär hat natürlich kein Verständnis für Reinigung der Uniformen und schließt bezüglich des Gebrauchs der Klopfpeitschen von sich selbst auf andere. In Rußland müssen nämlich die Truppen oft mit Peitschen hieben der Nagaika vorwärts gegen den Feind getrieben werden, während unsere Leute in ihrem Vorwärtsdrange gar nicht zu zügeln sind und außerdem sehen unsere Leute in ihren Vorgesetzten nicht ihre Peiniger, sondern ihre besten Freunde, die unausgesetzt um ihr körperliches und seelisches Wohl besorgt sind. Die Stimmung unserer Matrosen und Landtruppen ist dem gemäß auch während des ganzen Krieges eine ganz ausgezeichnete und macht sich in unzähligen launigen Feldpostbriefen und Scherz worten Luft, von denen ich natürlich nur hier und da einige meinen Schilderungen einflechten kann. So z. B.: Warum verstehen denn die Deutschen so viel mehr vom Kriegsühren als die anderen Nationen? Antwort: Weil er ihnen so ofterklärt worden ist. Warum heißt der Meeresteil zwischen England und Frank reich Kanal? Weil jenseits die Kanal jen wohnen. Wer wird siegen? Lotion? Ln^I^nä? Lürbien? Rllsslanä? Itusslanä? Serbien? AovtensAi-0? klonl önsAro? H r^.nlli eieb? PItknki eieli? DX^lsnä? Lklsslsn? t26. Kapitel. Dem möchte ich noch ein sehr hübsches Kriegsgedicht anfügen. UistStt Von Max Wuttge. Es saßen drei Männer beim perlenden Wein, Poincarö Nikolaus George! Da sagte der erste: Wer in Deutschland fällt ein. Dem meine Millionen ich borgeI" Da lachte der NiklmB und gab ihm die Hand Und sagte: Ich Hab stets den Dalles, Ich setze noch heut Deutschlands Grenzen in Brand. Du weißt ja, für Geld tu ich alles I" Drauf sagte George: Hov 60 üo? Ich sei. gewährt mir die Bitte, Wenn dem Deutschen es gilt, da hau ich mit zu In eurem Bunde der Drittel Er ist zwar mein Vetter, doch, was kümm r ich mich drum. Ihr wißt doch, es ist keine Fabel. Um des Goldes willen, da brachte schon um Der Kam dereinst Bruder Abell Wenn ich mit euch geh , da bring ich noch mehr. Zu stellen dem Vetter die Falle: Gelbe und Schwarze hol ich übers Meer: Wenn ich rufe, da kommen sie allel" Und wie er so sprach, fiel sein Blick auf die Wand, Es hing ein Bild dort: Napoleon zu Pferde. Ein Schlachtbild von Waterloo der Sinn fast ihm schwand Und das Aug mußt er senken zur Erde. Was ist?" sagten zu ihm die andern zwei. Wir sind schon im Geist in Ostelbien!" Nichts", sagte der andre und trank dabei, War eben im Traume in Belgien" Ganz still in der Ecke der Kellner lauscht. Hieß, Michel, die Hand in der Tasche. Karyoul" erklang es vom Weine berauscht. Man bringe Sektl" Manche Flasche Der Michel noch bracht und schenkte den Drein, Und die Zecher tranken I . . . Und trunken 4L44 Alar zum Gefecht. Zwei wankten nach Haus und einer schlief ein. War bald untern Tisch hingesunkenI Monsieur Poincarel" so weckt Michel ihn, s ist SchlußI vorbei ist das Prahlen! Die andern sind sortl Sie haben ja Geld, Sie üssen die Zeche bezahlen!" Auf England, das perfide Albion, den Anstifter des ganzen Weltkrieges, richtet sich unser Haupthaß, und von den vielen Haß gesängen an England will ich den mir am besten gefallenden hierher setzen, dessen Verfasser mir leider nicht bekannt geworden ist. Vfui England! ES klopft und klopft Höllentor. Fünf arme Seelen standen davor. Beelzebub schaute die Seelen an: Wer seid ihr und was habt ihr getan?" Die erste: Ich komme aus Belgierland, Zwei Deutsche starben von meiner Hand. Ich habe sie, hinter dem Busch versteckt, Mit einer Pistole niedergestreckt, Man griff mich auf am Waldessaum Und knüpfte mich an den nächsten Baum. Der Teufel schmunzelt: Geschah dir recht! Geh ein in die Hölle, getreuer Knecht!" Der zweite: Ich kämpfte um Frankreichs Ehr Und lag auf dem Felde, mich durstete sehr. Da teilte die letzten Tropfen mit mir Ein verwundeter deutscher Offizier. Ich trank , drauf führt er die Flasche zum Mund. Da dacht ich Verfluchter Preußenhund!" Und stieß meinen Dolch mit letzter Kraft Dem Mann in die Gurgel bis an den Schaft! FlugS hat sein Genosse sich aufgereckt Und mich mit dem Kolben niedergestreckt." Der Teufel schmunzelt: Geschah dir recht! Geh ein in die Hölle, getreuer Knecht!"Der Dritte: Ich kam aus dem Russenland Und hatte ein deutsches Gehöft verbrannt. Die fliehenden Eltern traf mein Hieb, Daß nur die Tochter noch übrig blieb. Und als ich müde der blutigen Tat. Mich ihr mit freundlicher Miene genaht. Da hat die Katze mit Riesengewalt Ihre Hände um meine Kehle gekrallt. Sie schnürte und schnürte mit solcher Macht, Daß ich erst im Jenseits wieder erwacht ." Der Teufel schmunzelt: Geschah dir rechtl Geh ein in die Hölle, getreuer Knecht!" Da nahten die letzten, Hand in Hand: Wir sind zwei Seelen aus Engelland. Ich war ein Krämer, ich Diplomat; Mit Ehren man uns begraben hat. Wir waren zeitlebens ein frommes Paar Und krümmten keinem Menschen ein Haar. Man wies uns am Himmelstor zurück. Das fanden wir beide ein starkes Stück! Die drei armen Seelen, die eben passiert Die haben wir beide dir zugeführt. Doch geschah es nicht aus Lust an Qual, Uns galt vor allem die MoralI Wir hetzten die Völker, erschacherten Geld Bloß für die sittliche Hebung der Welt. Drum, lieber Freund, mach auf die TürenI Wir helfen die Himmelsglut dir schüren!" Da lachte der Teufel: Aus Engellandl Euch Burschen Hab ich doch gleich erkannt, Ich sah s an euern schimpfligen Zügen, Ihr möchtet noch selbst den Teufel belügen. Wenn Millionen am Hungertuch nagen, Wenn rings auf der Erde die Mütter klagen. Wenn Europas Gefilde rauchen vor Blut, Von Mord und Laster, von Haß und Wut 46 Klar zum Gefecht. Stets legt ihr die Minen, zündet sie an Und bleibt doch der gute, der fromme Mann. Ihr würdet der Hölle um schnödes Geld Verkaufen die Seelen der ganzen Welt. Pfui Teufel I" war sonst als Fluch bekannt. Jetzt soll es heißen: Pfui Engelland I" Der Teufel ihr köunt s in der Bibel lesen -- Ist wenigstens früher mal gut gewesen. Ihr kanntet nie den göttlichen Funken, Ihr wart von Anbeginn Halunken. Drum leg ich ins Herz euch den höllischen Brand, So mögt ihr euch schleppen von Land zu Landl Doch nimmer mehr lass ich euch hier hereinI Ihr seid für die Hölle mir zu gemein I Auch uuseru braven blauen Jungen war der höllische Brand gegen England" tief ins Herz gelegt und sie setzten dem Vetter überm Kanal" tüchtig zu. Am 5. September gelang dem deutschen Unterseeboot U 21" Kommandant Oberleutnant zur See Hersing ein schönes Stück. Bei St. Abbs Head, etwa 20 Seemeilen von der Ostküste Eng lands, stieß U 21" auf den englischen Kreuzer Pathfinder", er feuerte einen Torpedo und brachte damit das englische Schiff zum Sinken, wobei der größte Teil der 263 Mann starken Besatzung mit unterging. Der Pathfinder" war ein ziemlich moderner Kreuzer, der 1904 erbaut war und 3000 Tonnen Wasserverdrängung hatte. U 21" blieb unbeschädigt. Dieser Triumph unserer Unterseeboote war ganz besonders deshalb ein großer, weil er in unmittelbarer Nähe der englischen OstkMe, zwanzig Seemeilen vom Firth of Förth, erzielt wurde, wo die Engländer sich absolut sicher dünkten. Im nächsten Kapitel wer den wir von noch größeren deutschen Triumphen hören. Einer der Ueberlebenden des Pathfinder", der Maschinist Ja- mes Heath, gab in einem Briefe, der in englischen Blättern ver-47 6. Kapitel. Iffentlicht wurde, eine anschauliche Schilderung von dem Untergang des englischen Kreuzers. Nur drei von uns von einer Messe von vierzehn," so schreibt er, wurden gerettet. Ich war an Deck, als das Ereignis eintrat. Ich sah den Blitz. Das Schiff schien gerade aus dem Wasser heraus zuspringen. Ich kauerte mich nieder, da ich fürchtete, von den Trümmern erschlagen zu werden; manche davon waren schwere Stücke und wurden hoch in die Luft geschleudert. Ich kroch zu dem Achterdeck und sah verschiedene verstümmelte Leichen. Der Mast kam herunter und ebenso der vordere Schornstein. Wir begannen nun, alles Schwere über Bord zu werfen. An die Boote!" lautete der Befehl; aber es waren nur zwei Boote da und diese waren in Stücke zersplittert. Dann kam der Befehl: Jeder für sich selbst!" Also fort mit den Schuhen, Rock und Hosen, und über Bord ging s. Als ich mich umwandte, sah ich das Hinterteil des Schiffes senkrecht aus dem Wasser herausstehen und dann allmählich überlegen." Der Maschinist fand schließlich einen Rettungsring, der ihn trug, bis er etwa eine Stunde später aufgefischt wurde. S. M. der Kaiser wußte das tapfere U. 21" zu ehren. Der Kommandant, Oberleutnant zur See Hersing, erhielt das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klaffe und der Torpedomaat A. Hagebock, der den Torpedoschuß abfeuerte, welcher den Pathfinder" in den Grund bohrte, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse geschmückt ,48 Klar zum Gefecht. 7. Kapitel. Die Heldentaten von U 9". Allüberall, wo auf dem Meer Empor ein Mast sich reckt, Da steht die deutsche Flagge sehr In Achtung und Respekt! Sie bietet auf dem Meere Schutz Dem Reiche allezeit, Jedwedem tückischen Feind zum Trutz, Der Deutschlands Ehr bedräutl Fürwahr, wo unsre Flagge weht, Da hat es keine Not, Hoch leb die hoch in Ehren steht: Die Flagge schwarz-weiß-rot I Deutsches Flaggenlied , u 9" hat am Morgen des 22. September etwa 20 See meilen nordwestlich von Hoek van Holland die drei englischen Panzerkreuzer Aboukir", Hogue" und Cressy" zum Sinken gebracht. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes Behncke Diese kurze Meldung des deutschen Admiralstabes löste einen Jubel ohne gleichen in ganz Deutschland und Oesterreich-Ungarn aus. Die Engländer erfaßte bleicher Schrecken. Alle Nationen er kannten den hohen Wert der deutschen Unterseeboote an. Unser Freund Klaus Johannsen sandte einen ganz ausführ lichen Brief in die Kieler Christianistraße. Er schrieb: Liebe Eltern I Ihr werdet Wohl schon ungeduldig auf Nachrichten von mir warten, aber wir hatten immer alle Hände voll zu tun, so daß, man gar nicht zum Briefschreiben kam. Aber heute halte ich es43 7. Kapitel. nicht mehr länger aus, heut haben wir seit langer Zeit den er sten Ruhetag und da will ich mich mal nach Herzenslust mit Euch ausplaudern. Meine erste seemännische Ausbildung bei der Unterseeboots waffe war knapp beendet, da sollten wir auch schon ran an den Feind. Das Zusammenleben auf einem Unterseeboot ist ein echt ka meradschaftliches. Jeder ist auf den andern angewiesen. Wir von U 9" haben es nun ganz besonders gut getroffen, denn wir haben in Kapitänleutnant Otto Weddigen einen Kom mandanten, für den wir alle durchs Feuer gehen; ich sage Euch, das ist ein ganzer Kerll Wenn der einen mit seinen scharfen Angen ansieht, so geht es einem durch und durch und man fliegt nur so, um seine Befehle auszuführen. Ein Widerspruch ist da ganz unmöglich. Unser Erster Offizier, Oberleutnant zur See Spieß, sorgt für uns ganz väterlich, die anderen Vorgesetzten sind auch gut zu uns: Ihr seht also, daß Euer Sohn es gut hat. und könnt ganz ohne Sorge sein. Natürlich ist unser Dienst kein leichter und mit allerhand Gefahren verbunden, aber, liebe Eltern, unser Le ben steht ja doch überall in Gottes Hand, und bis jetzt hat er mich ja doch immer behütet. Macht Euch also keine unnötigen schweren Gedanken. Ihr könnt jede Nacht ganz ruhig schlafen. Nun aber die Hauptsache. Also, nachdem wir bereits einige gelungene Erkundungs fahrten in die Nordsee und einmal sogar bis zu den Shetland- inseln, unternommen hatten, wurde unserem Kommandanten am Abend des 21. September ein versiegeltes Dienstschreiben überreicht und wir wußten nun, daß uns ein besonders ehren voller Auftrag zuteil geworden war. Solche versiegelten Dienst schreiben dürfen nicht im Hafen, sondern erst auf hoher See er öffnet werden. Den Inhalt desselben erfuhren wir ja nicht, aber t Mar zum Sesecht.Klar zum Gefecht. doch War auf unser aller Gesichtern zu lesen, daß es etwas Be sonderes setzen würde. Als wir die hohe See gewonnen hatten, rief uns der Kom mandant alle zusammen und sprach: Leute I Bisher war es uns noch nicht vergönnt, an den Feind her- anzukommen. Diesmal wird es uns hoffentlich gelingen. Be denkt, daß die Blicke Seiner Majestät des Kaisers und des ganzen deutschen Volkes unausgesetzt auf seine Marine gerichtet sind. Sie alle erwarten, daß ein jeder von uns seine Pflicht bis zum Aeußersten tun wird. Für uns gibt es nur zweierlei, entweder siegen oder ruhmvoll untergehen. Und nun gehe jeder auf seinen Posten. Es lebe Seine Majestät der Kaiser!" Drei kräftige Hurras aus deutschen Seemannskehlen waren die Antwort. Von unseren Gefühlen könnt Ihr Euch kaum eine Vor stellung machen. So etwas muß man eben selbst miterlebt haben. Wie Ihr wißt, ist vieles bei unserer Unterseebootswaffe streng geheim zu halten. Damit Ihr aber doch ein ungefähres Bild Euch machen könnt, wie es bei uns zugeht, will ich versuchen, Euch unser Unternehmen, das einen so einzigartigen Ausgang nahm, zu schildern. Am frühen Morgen des 22. Septembers befanden wir uns etwa 20 Seemeilen nordwestlich von Hoek van Holland an der holländischen Küste. Es war ziemlich unsichtiges Wetter. Plötzlich gab unser Alter" den Befehl Klar machen zum Tauchen!" Er mußte also Wohl feindliche Schiffe gesichtet haben. Wie wenn sie verzaubert wären, verschwanden die Decks bauten und wir in unseren ölgetränkten Kleidern bargen alles7. Kapitel. im Innern des Eisenleibes. Sämtliche Oeffnungen nach dem Wasser wurden dicht gemacht und unser U 9" sank langsam un ter die Meeresoberfläche. Nur der Kommandoturm ragte noch etwas heraus. Noch immer schoß das Boot mit großer Schnelligkeit vor wärts. Die Zeit mußte soviel als möglich ausgenutzt werden, um dem Ziel näher zu kommen. Je weiter wir aber vordrangen, desto gefahrvoller wurde die Fahrt, und die ernste, entschlossene Miene unseres Alten" deutete an, daß der Zeitpunkt nahe war. wo wir gänzlich untertauchen mußten. Im Mannschaftsraum ging alles wie am Schnürchen. Wir waren, solange das Boot nicht unter Wasser lief, fröhlich ge stimmt. Einer brachte eine Ziehharmonika vor und spielte, aber man sah nur seine Hände, wie sie über die Knöpfe glitten und schaute auf seine Füße, die den Takt dazu schlugen. Daran erkannten wir, welches Lied er spielte. Wir sangen mit aus voller Kehle, und doch hörten wir selbst kaum die Töne, so entsetzlich war der Lärm der Maschinen im un teren Naum. Mit der Zeit entstand stickige Luft, sodaß die Lungen nur schwer Atem bekamen. Es roch stark nach Petroleum, und man freute sich schon auf den Augenblick, wo das Boot wieder in die Höhe gehen würde, um frische Luft zu schöpfen. Es war soviel Wasserballast in die Tanks eingenommen worden, daß nur noch die beiden Seerohre über die Wasserfläche ragten. - Alle Mannschaften standen auf ihren Gefechtsstationen. Die Torpedos waren geladen und schußbereit. Die Sauerstoff apparate waren in Gang und die überall aufgestellten Aetzkalk- Patronen saugten die ausgeatmete Luft auf. 61- S!Klar zum Gefecht. Kapitänleutnant Weddigen hatte den Platz am Periskop (einem zylindrischen Sehrohr, in dem sich durch Glasprismen die ganze Umgebung genau abspiegelt) eingenommen. Sein Adlerauge hatte drei feindliche englische Kreuzer entdeckt. Er winkte dem Ersten Offizier und dem Steuermann zu, daß sie sich ebenfalls durch das Fernrohr am unteren Ende des Periskops orientieren sollten. Es ließ sich jetzt deutlich erkennen, daß wir drei englische Kriegsschiffe vor uns hatten. Unser aller Herzen schlugen schneller. Wenn wir nur herankönnten, um mit den Engländern eine angenehme Torpedobekanntschaft zu machen," sagte der Steuermann. Es sind keine 1500 Meter mehr bis zum Feind," bestätigte der Erste Offizier, und dabei spielen unsere Leute noch Zieh harmonika und singen dazu. Wenn die drüben wüßten, wie nahe ihnen der Feind auf dem Nacken sitzt." Jetzt erscholl die Stimme des Kommandanten: Klar zum Gefecht!" Die Mannschaft erfaßte sofort den großen Ernst der Lage und führte mit großer Genauigkeit und Schnelligkeit die erhaltenen Befehle aus. Der Dunst in dem unteren Naume wurde immer stärker und wir atmeten nur mühsam die stark von Petroleum ge schwängerte Luft. Die Kraft der Akkumulatoren mußte aufs äußerste geschont werden, denn sie halten nicht allzu lange vor, um sehr lange Strecken zurückzulegen. Unser Alter" trat zu seiner Mannschaft und seine scharfe Stimme übertönte das wilde Geräusch der Maschinen. Er sah bei der matten Beleuchtung nach dem Gesicht eines jeden Maaten und Matrosen, und wenn sein Auge auch nur flüchtig hin und her eilte, er hatte die fiebernden Köpfe, der in dem kleinen Raum zusammenstehenden Männer erkannt. S253 7. Kapitel. Er selbst bewahrte seine eiserne Ruhe, wofür ist er auch ein alter erfahrener Ubootsmann? Jetzt beobachtet er wieder durch das Periskop und sagt zum Ersten Offizier: Wir sind nur noch tausend Meter vom Feinde ab, der uns noch nicht entdeckt hat." Der Kommandant nimmt geraden Kurs auf die englischen Kreuzer und kommandiert: Torpedo fertig!" Die Mannschaft arbeitet mit tödlicher Sicherheit, jetzt hat der Kommandant genau gezielt und es ertönt sein Kommando Los!" Ein verderbenbringendes Geschoß verläßt das Lancierrohr und saust durch die Fluten. Im U-Boot entsteht eine rasche Gewichtsverschiebung, die sich aber wieder verändert, sowie das Wasser die leere Ausstoß öffnung von neuem gefüllt hat. Treffer mittschiffs," jubelt der Erste Offizier, und Tref fer mittschiffs" wiederholt man im Mannschaftsraum. Es war sechs Uhr morgens, als der erste englische Kreuzer Aboukir" getroffen wurde. Eine hohe Wassersäule verkündete, daß der Schuß gut saß.Klar zum Gefecht. Aus dem Engländer herrschte allgemeine Bestürzung, und bereits nach fünf Minuten versank das stolze Schiff mit Mann und Maus in den Fluten. Die beiden anderen englischen Kreuzer glaubten zuerst, daß die Aboukir" auf eine Mine aufgelaufen sei. Sie sollten jedoch bald eines besseren belehrt werden. U 9" nahm darauf Kurs auf den zweiten Kreuzer Hogue", wieder ertönten die Kommandos: Torpedo fertig!" und Los!", und abermals verkündete eine hohe Wassersäule, daß auch dieser Torpedoschuß gut gesessen hatte. Innerhalb von nur drei Minuten war auch die Hogue" auf dem Meeresboden versenkt. Nun blieb nur noch die Cressy" übrig. Der dritte Torpedo saß nicht ganz so gut wie die beiden vorherigen. Die Cressy" hielt sich daher noch etwa 1^ Stunden über Wasser, aber auch ihr Schicksal war besiegelt. Gegen 8 Uhr morgens versank auch sie in den kühlen Fluten der Nordsee. Ein einziges deutsches Unterseeboot hatte das zuwege ge bracht. Nur wenig Engländer konnten gerettet werden und so mit fanden 1600 englische Blaujacken durch nur 23 deutsche ihren Seemannstod. Aboukir", Hogue" und Cressy" waren Panzerkreuzer von je 12 200 Tonnen Wasserverdrängung, liefen 20 bis 21 See meilen Geschwindigkeit, hatten eine Bestückung von zwei 23,4-, zwölf 15- und zwölf 7,6-Zentimetergeschützen, je zwei Unter wassertorpedorohre und je 755 Mann Besatzung. Sie stellten also einen ganz beträchtlichen Gefechtswert dar. Und diese ganze Herrlichkeit wurde in einem Zeitraum von 1^ 2 Stunden durch ein einziges deutsches Uboot vernichtet! Ihr könnt Euch unseren Stolz und unseren Jubel denken!7. Kapitel. Die Engländer fabelten in ihren Berichten zuerst von zwei deutschen Ubooten, mußten aber schließlich doch zähneknirschend zugeben, daß eS eben nur eins war. Nachdem vom Gegner nichts mehr zu sehen war, mußten die Maschinen mit größter Kraftanstrengung arbeiten, um den eingedrungenen Wasserballast zu verdrängen. Langsam stieg das Boot wieder bis zum sogenannten Flut zustande empor. Die Apparate wurden abgestellt und frische Luft drang bis in die unteren Räume. Jeder atmete in großen Zügen von diesem erfrischenden Labsal ein. Neues Leben zog bei uns allen ein. Es war aber auch höchste Zeit gewesen. Wir litten schon sehr unter dem Mangel an Sauerstoff, und man konnte deutlich erkennen, wie heftig der Atem der einzelnen ging. Die Kohlensäure übersättigte die Lungen, drückte auf dak Gehirn und machte apathisch. Bei einigen machten sich bereits leichte Schwindelanfälle be merkbar. Trotzdem harrte ein jeder, wenn auch starke Willenskraft dazu gehörte, auf seinem Posten aus. Mit großen, weit geöffneten Augen starrte jeder an seinem Posten vor sich hin. Wohl zuckte es in der Brust und immer schneller keuchte der Atem. Wer kennt die Qualen, die eine solche Atemnot mit sich bringtl Wer aufhört, GotteS frischen Odem in sich aufzunehmen, der erleidet den Tod doppelt und dreifach. Einige von uns waren schon zu Boden gesunken, die ande ren hielten sich nur noch mit größter Kraftanstrengung aufrecht. SSKlar zum Gefecht, Wie erquickend ist es aber dann auch, wenn wir wieder an der Oberfläche sind und durch die Oeffnungen ein balsamischer Strom frischer Nordseeluft in die Räume eindringt. Das Leid der letzten Stunden war schnell vergessen und nur noch ein Ge danke beseelte unS alle: Wir haben das stolze England gede- mütigt und kehren als Sieger ruhmgekrönt heiml Fröhlicher haben wir die Heimfahrt noch nie angetreten. Auf derselben erklärte unser Alter" uns noch, wodurch die drei Panzerkreuzer zu ihren Namen gelangt sind. Ich erzähle Euch dieses nun hier wieder nach den Notizen, die wir uns alle machen mußten. Ihr wißt, daß Seeleute recht abergläubisch sind und es muß in England einen ganz besonderen Eindruck gemacht haben, daß die drei verlorenen Panzerkreuzer an drei glänzende englische Siege erinnern. Ganz besonders schmerzlich wird es drüben sein, daß diese drei Siege seiner Zeit über ihre jetzigen Verbündeten, die Franzosen, erfochten wurden. Hundert Jahre war Englands Stern immer höher gestie gen, immer Heller erstrahlt, als im Jahre 1798 Bonaparte mit seinem linken Flügel der Armee von England" Großbritannien in Sorge setzte. Sollte sie wirklich in England landen oder wo sonst? Heute tut sich Churchill viel darauf zugute, daß die über legene englische Flotte ein Hilfsheer nach Frankreich befördert habe, noch dazu an der schmälsten Stelle des Kanals was will das aber dagegen sagen, daß damals die französische Flotte eine Armee von Toulon bis nach Egypten beförderte, mit Segele schiffen, trotz der überlegenen englischen Seemacht? Nelson hatte zwar die Franzosen in Egypten gesucht, aber zu früh. Dann hatte er den Feind in Kreta, im ganzen Archipel und an der Küste Kleinasiens gegenüber gesucht aber keinen Feind ge funden. Ungeduldig, unmutig fuhr der Seeheld noch einmal nach Egypten. Da sah Nelson zu seinem Entzücken die französische57 7. Kapitel. Flotte Vor sich in der Bucht von Aboukir. Sofort war er zum Angriff entschlossen: Morgen bin ich Loxd von England oder liege auf des Meeres tiefunterstem Grunde," äußerte er. Als der Admiral seinen Offizieren am Vorabend der Schlacht beim Diner seinen Schlachtplan auseinandersetzte, rief ein Offizier begeistert aus: Was wird Europa dazu sagen?" Nelson erwiderte ernst: Aber wer wird übrig bleiben, um es Europa zu verkünden?" Und die Schlacht begann. Die Franzosen wehrten sich hel denmütig bis aufs äußerste. Indes, trotz tapfersten Widerstan des, wurde ihre Flotte vernichtet. Der französische Admiral kam bei der Explosion des Admiralschisfes ums Leben. Drei Tage hatte die Seeschlacht gedauert, auch Nelson war so schwer am Kopse verwundet, daß man für sein Leben fürchtete; jedoch sein brennender Wunsch, den Feind zu treffen, und wäre er bis nach den Antipoden gegangen", war erfüllt reich mit Schätzen und Ehren überhäuft, kehrte er als Lord heim. Aboukir hob Nelson auf den Gipfel seines Nuhmes, und der glückliche Ausgang entzog das gewaltige Wagnis seines Angriffs jeder Kritik. Zwar suchte Bonaparte diesen Seesieg durch einen glän zenden Landsieg bei demselben Aboukir in den Schatten zu stellen, aber ganz Europa hatte bei der ersten Kunde von Aboukir aufgehorcht und aufgeatmet. Nun war der gefürchtete Bona parte in Egypten abgeschnitten, und man schloß sich zur zweiten Koalition gegen Frankreich zusammen. Auch La Hogue, heute fast vergessen, ist ein wichtiger Wende punkt in der Ssegeschichte. Damals war Frankreich nicht nur zu Land? die erste Macht, sondern auch zur See. Als aber der treffliche französische Admiral Souville auf Befehl seines Königs Ludwig XVI. 16V2 bei La Hogue den Feind angreifen mußte, wurde die franzö sische Flotte von der englisch-holländischen vernichtet. Wenn der eben genannte Admiral auch später noch manchen Vorteil errang,58 Klar zum Gefecht. so begann doch mit La Hogue Frankreichs Seemacht unwider bringlich zu sinken, um dem aufsteigenden Sterne Englands zu weichen. Wenn früher die Briten auf dem Kontinent landeten, so ge schah es, um Frankreich zu bekriegen. So war es auch anno 1346. Schon war das englische Heer unweit Paris, als es den Rückzug antreten mußte. Aber die Feinde hatten alle Übergangsstellen über die auch jetzt viel genannte Somme besetzt, nur über eine im Sommer seichte Furt gelang es, den Fluß zu überschreiten. Bei Cressy oder Crecy standen sich die Heere gegenüber. Der König von Frankreich war gewarnt, nicht die Schlacht zu wagen; denn durch einen Gewitterregen hätten die Bogensehnen seiner genuesischen Schützen gelitten." So sagt der Bericht aus längst vergangener Zeit, der uns heute wie ein Märchen vor kommt. Indes, auf seine stärkere Streitmacht pochend, befahl er den Angriff zur Schlacht und verlor sie. Denn die Engländer sollen bei Cressy zum ersten Male Feuerwaffen gebraucht haben, die damals natürlich eine ähnliche Wirkung gehabt hätten wie einst die Posaunen von Jericho oder die 42 Zentimeter-Mörser von heute. Doch die Kanonen von Cressy sind Wohl ebensowenig ge schichtlich wie die Posaunen von Jericho. In die Schlacht ließ sich auch der blinde böhmische König führen, wie sich ein wildes Streitroß in die Schlacht stürzt." Der König Johann fand auch den Tod bei Cressy. Um ihn herum lagen seine treuen deutschen Ritter und Tau sende von Franzosen. Verlustlisten gab es damals nicht, welche die Toten in Offiziere und Mannschaften sortierten, sondern da mals zählte man die Gefallenen nach Rittern und Gemeinen; und nach der glaubwürdigsten dieser sehr schwankenden Listen deckten die Wahlstatt bei den Franzosen 1200 Ritter und 10 000 Gemeine.7. Kapitel. Der Preis des Sieges war Calais, das erst fast nach ein jähriger Belagerung in englische Hände fiel, um über 20V Jahre darin zu bleiben. Erst jetzt haben sie es wohl wieder betreten und besetzt aber auf wie lange? Manches Jahrhundert ist dahingerollt, heute hat sich eine Koalition Wider Deutschland-Oesterreich zusammengefunden. Indes, die Briten haben uns weder zu Land ein Cressy be reiten können, noch zur See ein La Hogue oder Aboukir, Frank reich hatte keinen Bonaparte und England keinen Nelson da gegen sind die Panzerkreuzer mit diesen drei ruhmreichen Na men in die Tiefe gesunken. Sollten sie des Britenreiches HerrlWeit mit hinabgcnom- men haben? Sollte damit auch die englische Seeherrschaft zu Ende sein? Hat Englands Stunde geschlagen? Nun muß ich aber meinen langen Brief schließen, liebe El tern. Seid alle herzlichst gegrüßt von Eurem treuen Sohne Klaus. Nachschrift: Soeben hat uns der Kommandant die Kabinetts order verlesen, wonach er das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse und die ganze Besatzung von U 9" das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten hat. Nun bin ich kaum neunzehn Jahre alt und schon Ritter des Eisernen Kreuzes. Es läßt sich denken, daß dieser Brief mit seinem Hümpel guter ^ Nachrichten hellen Jubel in der Christianistraße auslöste. Vater Jo- hannsen lief gleich zu seinen Nachbaren und erzählte ihnen alles brüh warm. Der Brief seines Sohnes ging von Hand zu Hand und es gab ein allgemeines Gratulieren und Händeschütteln. Der Empfang von 3" in der Heimat war ein ganz enthu siastischer. Kiel und Wilhelmshaven hatten reichen Flaggenschmuck an gelegt. KLKlar zum Gefecht. Der Kieler Stationschef sandte an den Kommandanten und die Besatzung von U 9" folgendes Telegramm: Voll Stolz und Freude zählt die Ostseestation den helden haften Kommandanten und die todesmutige Besatzung zu den Ihrigen. Der beispiellose Erfolg gräbt mit ehernen Buchstaben die Namen der Besatzung von U 9" für alle Zeiten in die Ge schichtstafeln der Marine. Bachmann, Vizeadmiral und Stationschef." Der Gattin des kühnen Kommandanten, einer Hamburgerin, wurde von der Stadt.Hamburg vom Senat ein kostbares Blumen arrangement mit einer herzlichen Glückwunschadresse übermittelt. Der Flottenbund deutscher Frauen sprach dem Führer von U 9" und der tapferen Mannschaft den herzlichsten Glückwunsch zu dem großen Erfolge aus, mit dem das todesmutige Wagnis gekrönt war. Der Bund bat den Kommandanten, die telephonisch über wiesene Spende von 1000 Mark als ein Zeichen tiefer Dankbarkeit deutscher Frauen und Mädchen für die Besatzung des U 9" an zunehmen. Als einen weiteren Ausdruck der Dankbarkeit, die jeder Deutsche für die Waffentat des U 9" empfindet, stellte der Bergwerksbesitzer Herr Emil Sauer-Berlin Grunewald dem Reichsmarineamt 6000 Mark zur Verfügung. Der Betrag soll nach dem Wunsch des Spen ders zum Teil zu einem Ehrengeschenk für die Offiziere und Char gierten von U 9", zum andern Teil zu Sparkassenbüchern für die braven Mannschaften des Bootes verwendet werden. Das ganze Ausland erkannte einstimmig an, daß die Legende von der englischen Unüberwindlichkeit zur See einen gewaltigen Stoß erlitten hätte. Nun wollten die Bewohner der Ehristianistraße aber auch etwas Näheres über den tapferen Kommandanten wissen, desgleichen über die Sprengkraft deutscher Torpedos. SO7. Kapitel. Unser junger Held von U 9" gab ihnen in seinem nächsten Briefe folgende Aufklärung: ,Kapitänleutnant Otto Weddigen stammt aus Herford in West falen, wo er am 15. September 1882 geboren wurde. Ostern 1901 trat er in die deutsche Marine ein und hat in den letzten Jahren bei der Unterseebootsflottille Dienste getan. Am 16. August 1914 feierte er in Wilhelmshaven seine Hochzeit. Nichts war bezeichnender für diesen Mann als der für seine Vermählung gewählte Zeitpunkt. Da war er nämlich gerade von einer wichtigen Unternehmung heimgekehrt, die unsere Unterseeboote an die Shetlandinseln ge führt hatte. Sein Boot U 9", das nun für alle Zeiten mit der so ruhmreich sich gestaltenden Geschichte unserer Marine verknüpft ist, und das er seit Einführung dieser Waffe in die Marine kom mandierte, mußte sich einigen Reparaturen unterwerfen, und diese kurze Zeit des Stilliegens benutzte er, um in Wilhelmshaven im Hause seines Bruders, des Kapitänleutnants Eduard Weddigen, mit der Erwählten seines Herzens, einem Fräulein Prete aus Ham burg, den Bund für sein jetzt von so vielen Gefahren bedrohtes Le ben zu schließen. Am Tage nach der Hochzeit war U 9" wieder klar zum Ge fecht" und nahm seinen Führer wieder auf. Bei den auf das junge Paar ausgebrachten Trinksprüchen kamen die Hoffnungen zu enthu siastischem Ausdruck, welche die Kameraden auf diesen Mann setzten. Sie wußten, warum sie dies Vertrauen zu dem Mute dieses Mannes haben durften. Als er vor Helgoland lag, fiel ein Maat seines Bootes über Bord. Die See war bewegt, aber ohne Besinnen sprang Weddigen in die wogende See und rettete seinen Unteroffizier. Die Rettungs medaille am Bande zeugt von dieser Tat. Seine seemännische Tüch tigkeit aber fand ihre Anerkennung in der Verleihung des Roten Adlerordens. Nun hat er auch das Eiserne Kreuz erster und zweiter Kl33 Klar zum Gefecht. Klasse und somit zieren die schönsten und begehrtesten Orden seine junge Brust. Was nun die Sprengkraft der deutschen Torpedos anbetrifft, so ist darüber folgendes zu sagen: Die Nachricht, daß ein einziges älteres deutsches Uboot die drei großen englischen Panzerkreuzer vernichtet hatte, setzte alle Welt in Erstaunen; am erstauntesten aber waren die nicht eingeweihten Fachleute. Denn hier enthüllte sich ein neues Geheimnis, das an Bedeutung dem der 42 Zentimeter-Mörser nicht nachsteht: die ge waltige Sprengkraft deutscher Torpedos. Mit einem einzigen Treffer glaubte man bisher höchstens einen kleinen Kreuzer von zwei- bis dreihundert Tonnen versenken zu können; für große Schiffe hielt man mindestens drei gut sitzende Schüsse für nötig. Vor neun Jahren haben russische, durch Granaten schon schwer beschädigte Schiffe sich nach sechs bis sieben Torpedotreffern noch stundenlang über Wasser gehalten; die englischen Panzerkreuzer aber sind nach Einzeltreffern binnen drei bis fünf Minuten gesunken! Ob die englischen Torpedos ebenso gut sind, wissen wir nicht, der Untergang unseres kleinen Kreuzers Hela" spricht nicht dafür: die ganze Besatzung konnte sich bis auf vier Mann retten, diese sind vermutlich durch den Torpedoschuß selbst umgekommen.8. Kapitel. Da die Unterseeboote im russisch-japanischen und im Balkan kriege versagt haben, gebührt der Ruhm des ersten Treffens im Seekriege dem deutschen Boot U 21", das den englischen Kreuzer Pathfinder" in den Grund bohrte. Die drei Torpedos von U 9" bedeuten einen Wert von etwa 30 000 Mark und damit haben wir England abgesehen von dem riesigen Verluste an Menschenleben, den England am meisten fühlt einen Verlust von rund 60 Millio nen Mark zugefügt. Die drei Torpedos von U 9" waren also ganz entschieden ein gut angelegtes Kapital! Scherzfrage: Wieviel ist ein deutsches Uboot wert? Sehr wenig: Drei Kreuzer! ... Churchill (nach dem Verlust der drei Kreuzer): Die Deutschen scheinen meinen Grundsatz, drei englische Schiffe auf ein deutsches, falsch verstanden zu haben. 8. Kapitel. Unser Bundesbruder Oesterreich-Ungarn. Auch in der österreichischen Marine zeigte es sich, daß der Geist ihres ruhmreichen Admirals Tegethoff noch in den Nachkommen fortlebt. Sie hatte im Mittelmeer einen schweren Stand gegen die über legenen französischen und englischen Flotten, von denen jede einzeln sie an Zahl überflügelte. Aber auch hier sehen wir, daß es eben nicht die Anzahl von Kriegsschiffen ist, welche den Sieg herbeiführt, sondern der Geist, der KS34 Klar zum Gefecht. Offiziere und Mannschaften beseelt und die Mannen zu kühner Tat anspornt. Am 18. September, nachmittags, so hieß es in einer Nachricht aus Dalmatien, Oesterreichs Küste, bombardierten österreichische Kriegsschiffe Antivari, den Kriegshafen Montenegros und vernich teten dabei eine größere Abteilung Montenegriner. Bei dieser Gelegenheit wurde eine drahtlose Depesche der fran zösischen Flotte an die Montenegriner abgefangen, worin letztere von den Franzosen aufgefordert wurden, am 19. September um 7 Uhr früh einen allgemeinen Angriff auf die Bucht von Cattaro zu un ternehmen, die gleichzeitig von den Franzosen von der Seeseite an gegriffen werden würde. Da man also österreichischerseits über die Absicht des Feindes ge nau unterrichtet war, konnten die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden. Am 19. September siebendreiviertel Uhr begaben sich drei kleine und fünfzehn große französische Kriegsschiffe nach der Bucht und kamen im Nebel bis auf sechs Kilometer an die Küste heran. Die Oesterreicher wollten sie auf die Minen fahren lassen, doch machten die Schiffe plötzlich Halt und begannen umzukehren. Aber im Augenblick, als sie sich den Landbefestigungen auf der Breitseite zeigten, fiel von der Festung Kobila ein Signalschuß, worauf sofort vier Batteriesalven von den Forts Lustica" und Mamula" los gingen. Die Kanonade dauerte ungefähr eine Viertelstunde. Die Wirkung blieb nicht aus, denn gleich die erste Salve vernichtete ein französisches Kriegsschiff, das von nicht weniger als 24 Granaten auf einmal getroffen wurde, wobei alle sechs Schornsteine samt der Kommandobrücke in die Luft flogen. Dann folgte eine Feuer säule und als sich der Rauch verflüchtigte, war die Stelle, wo vorher der Franzose gewesen, leer. Zwei andere erlitten schwere Havarien; die übrigen verschwanden schleunigst und haben sich nur noch einmal in österreichischen Ge wässern sehen lassenl8. Kapitel. Die Franzosen hatten insgesamt zwei Treffer erzielt, wodurch auf österreichischer Seite ein Mann schwer, einer leicht verwundet wurde. Und dazu bedurfte es eines Aufgebots von 18 französischen Kriegsschiffen! Die Absicht der Franzosen, die Nadiostation Luftica zu ver ruchten, mißlang also kläglich. Noch einmal versuchten die Franzosen später Cattaro zu beschießen, aber mit gleich negativem Erfolge. Drei große französische Panzerschiffe und vier Kreuzer bildeten das andere Mal die Angreifer. Die Oesterreicher erwiderten das Feuer auf das nachdrücklichste mit gut gezielten Schüssen. Zwei Kreuzer, die mehrere Male ge troffen wurden, mußten den Kampfplatz verlassen. Dem größeren der zwei Kreuzer wurden die Schornsteine glatt Weggeschosien. Der kleinere mußte wegen schwerer Maschinenbeschädigung ins Schlepp tau genommen, und nach dem Kanal von Korfu gebracht werden. Etwas anderes war es mit einem früheren Seeangriff in der Adria. Dort gelang es einer ungeheuren französischen Uebermacht, ein kleines österreichisches Kreuzerchen, die Zenta" zu vernichten, was eben wirklich keine große Heldentat war. Der Kommandant des ebenfalls am Kampfe beteiligten kleinen Schiffes Uhlan", Korvettenkapitän Panfill, berichtete hierüber folgendes: Beide Schiffe befanden sich am 16. August gegen 7 Uhr früh im Blockaderayon seewärts der Küste Montenegros, als Plötzlich vier Rauchsäulen sichtbar wurden. Die Zenta", die abgesandt wurde, um Meldung zu erstatten, signalisierte bald darauf: Sechs französische Kreuzer ziehen sich gegen die Bocche di Cattaro zurück." Beide Schiffe nahmen den Kurs auf. k Klar zum Sesecht. 6S66 Klar zum Gefecht. Um 8 Uhr 10 Minuten wurden auf Backbord des Uhlan" diele weitere Rauchsäulen und später auch die Masten einer großen Flottenabteilung sichtbar, die mit großer Geschwindigkeit gegen Punta d Ortro steuerten. Es war klar, daß dies aus etwa 20 Ein heiten bestehende Geschwader die französische Flotte war, welche die Blockade aufrollen und unseren Schiffen den Rückzug abschneiden wollte. Zenta" und Uhlan" gingen mit äußerster Maschinen kraft an. Um 8 Uhr 45 Minuten waren beide französische Geschwader in langer Kiellinie vereinigt und einzeln deutlich erkennbar. Sie führten übermäßig große Flaggen am Masttop. An der Tete waren Schlachtschiffe vom Typ Bonvet und der Dantonklasse, 14 große Einheiten. Die ersten feindlichen Schüsse gingen 60 Meter zu weit bei guter Seitenrichtung, kurz daraus ging die zweite Lage 50 Meter zu kurz. Gleichzeitig wurde das Feuer auf die Zenta" eröffnet. Angesichts der erdrückenden Uebermacht beschloß der Kapitän des Uhlan", womöglich Cattaro zu erreichen. Inzwischen waren Uhlan" und Zenta" durch Lagen der gan zen französischen Flotte überdeckt. Beide Schiffe erwiderten das Feuer. Um 9 Uhr erschien die Zenta", von dunklen Rauchwolken völlig eingehüllt; sie schoß nicht mehr, wurde jedoch von den fran zösischen Schiffen noch weiter beschossen. Das weitere Schicksal der Zenta" konnte vom Uhlan" nicht beobachtet werden, da durch die vielen Wassergarben der in nächster Nähe einschlagenden Gra naten die Aussicht oft ganz benommen war. Die Distanz des Uhlan" vom feindlichen Flaggschiff betrug jetzt 5000 Meter, und das Feuer der gesamten feindlichen Streitkräfte konzentrierte sich auf daS Schiff. Die französische Flotte verringerte durch mehrere gleich zeitige Wendungen die Distanz auf 4000 Meter, der Uhlan" gewann jedoch auf diese Weise den Weg gegen Norden, worauf die feindlichen Schiffe mit allen Kalibern ein rapides Schnellfeuer eröffneten.67 8. Kapitel. Durch Wafsergarben eines knapp vor dem Bug einschlagenden groß kalibrigen Geschosses wurde die Kommandobrücke derartig über schwemmt, daß von der weiteren Führung der Aufzeichnungen abge sehen werden mußte. Von den vier dem Feinde zugewendeten Geschützen wurde ein lebhaftes Feuer auf das feindliche Flaggschiff unterhalten. Die Schüsse gingen erst zu kurz, die spateren Lagen waren gut und Treffer sind nicht ausgeschlossen. Insgesamt wurden 348 Schüsse abgegeben. Ungefähr um 9 Uhr 20 Minuten war Uhlan" schon weit vor gekommen. Die französische Flotte stellte das Feuer ein und schwenkte südöstlich ab, während ein Kreuzer mit vier Schiffen vom Typ Kleber und ein schneller Zerstörer die Verfolgung fortsetzten und weiter feuerten, aber nur vier Kurzschüsse erzielten. Als der Uhlan" die Höhe von Cuppa erreicht hatte, ließen auch die Verfolger ab, und der Uhlan" fuhr langsam in die Bocche ein. Der Kapitän resümiert: Meiner Ueberzeugung nach gelang mir das Erreichen der Bocche nur, weil die französische Flotte durch häufige Formationsänderungen dem Uhlan" gegenüber an Weg und Ziel verlor. Das Schießen der Franzosen muß als vorzüglich be zeichnet werden, da der Uhlan" von den Lagen vollständig überdeckt war. Wassergarben überschütteten häufig Deck und Brücke, viele Geschosse schlugen hart unter der Bordwand ein und passierten ähn lich einem Torpedo unter dem Kiel. Einige schwere Geschosse krepier ten beim Aufschlagen im Wasser, viele dieser Sprengstücke trafen Bordwand und Deck, waren jedoch fast wirkungslos. Nur die An tenne (für drahtlose Telegraphie) wurde durchgeschossen. Daß bei den vielen überdeckenden Lagen kein Volltreffer erzielt, durch Sprengftücke keine Verwundungen und Havarien verursacht wurden, ist mir selbst unfaßbar." Die französische Flotte hatte während des einstündigen Gefechtes ungefähr tausend Schüsse gegen den Uhlan" abgefeuert. s Klar zum Gefecht. Auch im fernen Osten bewährte sich die treue Bundesgenossen- schaft Oesterreich-Ungarns. In den ostasiatischen Gewässern kreuzte der kleine österreichische Kreuzer Kaiserin Elisabeth". Kaum war das japanische Ultimatum an uns erfolgt, so stellte sich die Kaiserin Elisabeth" dem Gouver neur von Kiautschou zur Verfügung und nahm tapfer und ruhmvoll an der Verteidigung teil. Ich bin in der glücklichen Lage, einen aus Tsingtau datierten Brief eines Unteroffiziers der Kaiserin Elisabeth", den er an seine in Wien lebenden Eltern richtete, mitzuteilen. Dort heißt es unter anderem: Unser Schiff wurde telegraphifch anher beordert, wo es ge- meinsam mit der deutschen Flotte gegen den Feind operieren wird. Gott schenke uns den Augenblick, in dem wir mit dem Schwerte in der Hand unserem Vaterlande dienen können! Am 29. Juli traf hier die Nachricht ein, daß Oesterreich an Serbien den Krieg erklärt habe. Mit vielhundertstimmigem Hurra wurde das Telegramm be grüßt. In weiter Ferne, liebe Eltern, will ich als treuer Soldat mein Blut für unseren alten, lieben Kaiser mit Freuden hingeben. Die deutsche Flotte ist stärker, als man glaubt, der japa nischen Riesenflotte gegenüber aber, ziffernmäßig wenigstens, zu schwach. Aber das macht nichts gehauen werden sie, daß sie sich da ran werden genug sein lassen. Liebe Eltern, macht Euch keine Sorgen um mich und haltet Euch vor Augen, daß Euer Sohn tapfer und treu bis in den Tod für Euch und für unser Vaterland kämpft und an Euch und un seren lieben Kaiser bis zum letzten Atemzuge denken wird." SS69 9. Kapitel. 9. Kapitel. Deutsche Unterseebote und Torpedoboote. Die Torpedowaffe ist in diesem Weltkriege ganz besonders rührig. Bald hier bald dort tauchen die unheimlichen schwarzen Ge seilen" auf und verbreiten Furcht und Schrecken. Der Nebel und die hereinbrechende Nacht beziehungsweise der dämmernde Morgen sind ihre besten Bundesgenossen. Beim Feinde verbreitet sich immer mehr das Gefühl der Un sicherheit und das fällt auf die Dauer auch dem Ruhigsten auf die Nerven. Am 11. Oktober 2 Uhr nachmittags griffen unsere Untersee boote die russischen Kreuzer Bajan" und Pallada", die in der Ostsee auf Vorposten waren, an. Obgleich die Kreuzer sofort ein starkes Artilleriefeuer eröffneten, gelang es gleichwohl einem deutschen Uboote, U 26", einen Torpedo gegen die Pallada" zu schießen. Auf dieser entstand eine Explosion und der Kreuzer versank mit seiner ganzen Besatzung in die Tiefe. Der russische Kreuzer Pallada" gehörte zu der Klasse der Kreu zer vom Typ Bajan". Diese Schisfsklaffe besteht aus den Panzer kreuzern Admiral Makarow", Pallada" und Bajan". Sie stammen aus den Jahren 1906 und 1907 und sind 8000 Tonnen groß. Der russische Kreuzer Pallada" ist also erheblich kleiner, als die von U 9" in der Nordsee zum Sinken gebrachten englischen Kreuzer. Die Pallada" hatte zwei 20,3 Zentimeter-Kanonen, acht 13,2- Zentimeter- und zweiundzwanzig 7,5-Zentimeter-Kanonen, sowie ein Besatzung von 609 Mann.70 Klar zum Gefecht. Für die Russen ist der Verlust trotzdem sehr empfindlich, um so mehr, als die Flotte ja im ganzen nicht allzu imponierend ist. Für uns aber ist der Untergang des Kreuzers Pallada" als neuer Beweis der Leistungsfähigkeit und Kampfesfreudigkeit un serer Unterseeboote hocherfreulich. Mit ihren Palladas" hat die russische Marine überhaupt wenig Glück. Der ersten Pallada" war es nur wenige Jahre beschieden, eine Diensttätigkeit in der russischen Flotte zu entwickeln, da der Kreuzer erst bei der Jahrhundertwende baufertig wurde. In einem Ukas vom Sommer 1903 befahl der Zar dann den Bau der zweiten Pallada", die jetzt, nach nur etwa sechsjähriger Frontdienstzeit bereits auch wieder der Vergangenheit angehört. Nach der Einnahme von Port Arthur gelang es indessen den Bemühungen der japanischen Ingenieure, die versenkte erste Pal lada" zu heben, die dann der japanischen Kriegsflotte eingereiht wurde und nach angeordneten baulichen Abänderungen als Tsu- garu" in die japanische Flotte eingestellt wurde. Die Trümmer der zweiten Pallada" werden Wohl für alle Zei ten auf dem Boden des Finnischen Meerbusens ruhen bleiben. Die englischen Marinekreise wurden durch diesen neuesten Er folg unserer Uboote wieder sehr beunruhigt. Durch die russischen Berichte war festgestellt, daß auch in diesem Falle das Unterseeboot aus großer Entfernung den Angriff unter nommen habe und wenigstens zwei Tage an der russischen Küste kreuzte, ohne von den russischen Wachschiffen entdeckt zu werden. Es steht mithin fest, daß Unterseeboote von großer Wasserver drängung Operationen ganz selbständig unternehmen können. Auch die Tatsache beunruhigt sehr, daß die deutschen Uboote mit einem einzigen Torpedo ein Schiff sofort zum Sinken bringen, während die von englischen Unterseebooten getroffenen Schiffe erst71 S. Kapitel. nach einiger Zeit sanken, so daß ein Teil der Mannschaft gerettet werden konnte. Wir werden späterhin sehen, daß die deutschen Uboote noch ganz andere und schwierigere Unternehmungen ausgeführt haben. Auch unserem unsterblichen U 9" gelang wiederum ein Angriff ganz vorzüglich. Unser Freund Klaus Johannsen schrieb darüber ganz be geistert: Liebe Eltern! Schon wieder kann ich Euch Gutes von uns vermelden. Un ser Kommandant ist aber auch ein gar zu famoser Kerl. Dem macht es sobald keiner nach. Nun haben wir schon vier Englän der versenkt! Am 13. Oktober mittags sichteten wir den englischen Kreu zer Hawke" (das Wort heißt zu deutsch: Falke) in der nördlichen Nordsee. Ihn sehen, angreifen und durch einen einzigen Torpedo schuß, der natürlich auch wieder ein Volltreffer war, vernichten, war eins. Etwa 450 Mann gingen mit dem Hawke" unter und nur ein Offizier und 49 Mann wurden gerettet. Der geschützte Kreuzer Hawke" stammte aus dem Jahre 1891, hatte über 7600 Tonnen Wasserverdrängung, eine Be stückung von zwei 23,4-, zehn 15,2- und zwölf 5,7-Zentimeter- Gefchützen, also fast die gleiche wie die Aboukirklasse. Die Ma schinenstärke betrug etwa 13 000 Pferdekräfte, die Geschwindig keit etwa 20 Meilen, die Besatzung ungefähr 500 Mann. Jetzt werden die Engländer erst recht nervös werden! Was würden sie darum geben, wenn sie U 9" abfangen könnten! Aber den Gefallen, in ihre Netze zu gehen, tut ihnen unser Alter" nicht, darauf könnt Ihr Euch verlassen.72 Klar zum Gefecht. Unser Weddigen hat dafür den ?our 1s mörits bekommen. Nächstens mehr. Habe diesmal nicht soviel Zeit zum Brief- schreiben. Tausend Grüße von Eurem treuen Sohne Klaus." Auch unsere Torpedoboote blieben nicht untätig und fügten dem feindlichen Handel erheblichen Schaden zu. Am 12. Oktober kamen die Dampfer Belle Jsle" (Christiania), Crimdor" (Gefle) und Fingal" (Karlshamn), alle drei von Schweden und Rußland mit Holzfracht nach London bezw. Grimsby bestimmt, unter Führung deutscher Marinemannschaften in Swine münde an. Die Dampfer wurden von deutschen Torpedobooten bei Falster- boe angehalten. Während derselben Nacht wurde ferner der Damp fer Louise" (Kopenhagen) mit Gütern und Proviant für Nußland bestimmt, in Swinemünde eingebracht. Endlich kamen noch in Begleitung eines deutschen Torpedobootes in Swinemünde an die Dampfer Tore" (Gothenburg) und Anton" (Schweden) mit Holz von Rußland nach England bestimmt. Am 2V. Oktober hat das deutsche Unterseeboot U 17" ferner neun Seemeilen südwestlich von Skadesnaes in Norwegen den eng lischen Dampfer Glitre" angehalten und versenkt. U 17" schleppte die englische Mannschaft in Rettungsbooten auf norwegisches Gebiet, wo sie durch Lotsendampfer an Land ge bracht wurden. Auch gelang es uns, das englische Unterseeboot E 3" am 13 Oktober nachmittags in der deutschen Bucht der Nordsee zu ver nichten. E 3" war eines der allerneuesten und schnellsten englischen Uboote, 1912 vom Stapel gelaufen und erst 1914 in Dienst gestellt. Seine Besatzung betrug 27 Mann. 73 g. Kapitel. Aber immer kann uns das Kriegsglück nicht hold sein. Man muß sich auch auf Nackenschläge gefaßt machen, die auch dem Sieg reichsten niemals ganz erspart bleiben, wie das die Kriegsgeschichte aller Völker zeigt. Und ein altes Seemannswort sagt: ,Es geht nicht immer Vor dem Wind" Auf unsrer Lebensreise, Es geht auch manchmal Bei dem Wind" Und das noch knappster Weise! Am 6. Oktober nachmittags ging unser S 116" während des Vorpostendienstes in der Nordsee durch den Torpedoschuß eines englischen Unterseebootes verloren. Fast die ganze Besatzung konnte gerettet werden. So sehr der Verlust eines jeden deutschen Kriegsfahrzeuges zu bedauern ist, so liegt in diesem Falle kein Grund zu besonderer Nie dergeschlagenheit vor. S 116" ist ein älteres Boot aus dem Jahre 1902 von 4M Tonnen und 60 Mann Besatzung. Erfreulich ist, daß die Ueberlebenden von deutschen Streitkräften aufgenommen wer den konnten und nicht in die Hände der Feinde fielen. Aber mit diesem einen Opfer sollte es noch nicht genug sein. Am 17. Oktober, nachmittags, gerieten unsere Torpedoboots S 115", S 117", S 118" und S. 119" unweit der holländischen Küste in Kampf mit dem englischen Kreuzer Undaunted" und vier englischen Zerstörern. Nach amtlichen englischen Nachrichten wurden die deutschen Torpedoboote zum Sinken gebracht und von ihren Be satzungen 31 Mann in England gelandet. Diese Torpedoboote waren alle in den Jahren 1902 und 1903 auf der Schichau-Werft gebaut, also ältere Boote von je 420 Tonnen, einer Schnelligkeit von 26 Seemeilen und zu je 56 Mann Besatzung. 193 Mann starben den Heldentod fürs Vaterland. Natürlich haben sie sich gegen die Uebermacht (denn auf unserer 74 Klar zum Gefecht. Seite war kein Kreuzer, sondern eben nur die vier Boote) tapfer gewehrt. So hat der Kapitän des norwegischen Schiffes Drottnig So phia", der Zeuge dieses Seegefechtes war, gesehen, daß auch ein englischer Zerstörer durch einen Torpedo getroffen wurde, und daß eine Dampfwolke aus dem Innern aufstieg, die auf eine Kcfsel- explosion schließen läßt. Der Kommandant des Undaunted" berichtet selbst aus Har wich, wo er mit den vier Zerstörern am 18. Oktober ankam: Wir verließen Harwich am Sonnabend zu einem Patrouillen dienst. Es gelang, die deutschen Boote zum Kampfe zu zwingen, die tapfer gegen die Uebermacht fochten. Die großen Geschütze der Undaunted" eröffneten das Feuer auf fünf Meilen. Der Kreuzer, der durch die Begleitschiffe gegen Tor pedoangriffe geschützt wurde, richtete das Feuer gegen zwei feindliche Boote, während die britischen Zerstörer die anderen beschäftigten. Die deutschen Boote sanken nacheinander, bis zuletzt tapfer kämpfend. Das Gefecht dauerte 1^ Stunden." Erfreulicher lauten die Nachrichten von unseren blauen Jungen an Land. Ja, sie kämpfen nämlich auch an Land mit, und zwar ganz ausgezeichnet! Aus Matrosen. Matrosen-Artilleristen und Seesoldaten sind mehrere Marine-Divisionen, die von Seeoffizieren geführt werden, gebildet worden. Sie haben an den Kämpfen zwischen Brüssel und Antwerpen in hervorragendem Maße teilgenommen. Es hat auch nicht an der Allerhöchsten Anerkennung gefehlt, indem zahlreiche Eiserne Kreuze an sie verteilt wurden.g. Kapitel. Führer dieser Marinedivisionen ist Admiral von Schröder, der frühere Chef der Marinestation der Ostsee, der dann Gouverneur von Antwerpen wurde. Etwas ähnliches finden wir im Kriege 1870-71 auf französischer Seite. Dort wurden z. B. bei der Verteidigung von Paris auch Marine truppen verwandt, von denen wir erfuhren, daß sie eine Elitetruppe bildeten und sich sehr brav geschlagen haben. Ja, der Seemann ist eben praktisch veranlagt, findig", wie der Marineausdruck lautet. Er findet sich schnell in jede neue Lage. Und daß unsere Matrosen ebenso im Jnfantriedienst und mit dem Gewehr, im Schieß- und Geländedienst genau so wie die Jn- fantrie ausgebildet werden, dürfte ja Wohl jetzt auch allgemein be kannt sein. Im ganzen Kriege 1870 wurden nur fünf Eiserne Kreuze an die Marine verteilt, nämlich je eins an den Prinz-Admiral Adalbert, an Kapitänleutnant Knorr, an Leutnant zur See Bendemann (die nachmaligen Admirale), an den Feuerwerksmaaten von Schramm (den nachmaligen Feuerwerkshauptmann) und schließlich an den Kor vettenkapitän Weikhmann, den Kommandanten der Augusta". Die vier Erstgenannten erhielten die Auszeichnung wegen des Kampfes Meteor" gegen Bouvet". Wir sehen also, daß unsere Marine in diesem Kriege bereits das Vielfache an Eisernen Kreuzen eingeheimst hat wie ihre Kameraden von 1870-71. 7bKlar zum Wefccht. 10. Kapitel. Unsere neuen Verbündeten, die Türken. Unser Kaiser hat es von jeher verstanden, gute Beziehungen zum Islam zu unterhalten. Wir erinnern nur daran, daß er vor Jahren mit der Kaiserin Konstantinopel besuchte und dem vorigen Sultan Abdul Hamid im Wldiskiosk seine Aufwartung machte. Inzwischen hat die jung türkische Partei eine große Umwälzung zustandegebracht, der alte Sultan mußte in die Verbannung und sein Bruder kam auf den Thron. Das Land erhielt eine Verfassung und die Armeereorgani. sation unter Enver Pascha begann. Seit langem hatten preußische Offiziere der Türkei zu diesem Zwecke ihre Dienste angeboten. Unser Generalfeldmarschall Graf Moltke hatte jahrelang segens reich in der Türkei gewirkt, desgleichen Generalfeldmarschall Frei herr von der Goltz, der auch jetzt wieder als Flügeladjutant und Be rater des Sultans in Konstantinopel weilt. Generalleutnant Liman von Sanders mit einer preußischen Militärkommission, schärfte neuerdings nach den beiden unglücklichen Kriegen, dem Tripolis- und Balkankrieg, das türkische Schwert. Indessen, bei Ausbruch des Weltkrieges war die türkische Armee noch nicht ganz kriegsbereit, sie rüstete also fieberhaft und wartete die beste Gelegenheit zum Eingreifen ab. Und diese ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Uns inte ressieren ja in erster Linie die maritimen Ereignisse. Die siegreiche jungtürkische Revolution übertrug s. Zt. englischen Seeoffizieren die Aufgabe der Neugestaltung der türkischen Kriegs- 7S77 10. Kapitel. flotte, die unter Abdul Hamid traurig im Goldenen Horn gelegen, und nach und nach Rost angesetzt hatte. Konteradmiral Williams wurde berufen, um nach dem rechten zu sehen. Ihm folgte im Juni 1912 der Admiral Lympus. Die Tätigkeit der Engländer wurde bald darauf durch den Balkankrieg unterbrochen. Der Verlauf des Krieges, die Ueberlegenheit der griechischen Marine über die türkische, gab den Türken einen neuen Antrieb, sich ernstlich der Sorge für ihre Flotte hinzugeben. Die Flottenpropa ganda wurde populär im ottomanischen Reiche. Admiral Lympus kehrte an der Spitze einer größeren Marinekommission nach Konstan tinopel zurück. In dem Vertrage, den die türkische Regierung mit ihm schloß, wurden ihm Befugnisse von außerordentlicher Tragweite eingeräumt. Ausdrücklich wurde zunächst festgesetzt, daß nur Engländer und keine Angehörigen anderer Nationen bei der Reorganisation der Flotte Verwendung finden dürften. Unter dem Oberbefehl des Ad- mirals Lympus wurden englische Seeoffiziere und Ingenieure Leiter des Navigationswesens, des Artilleriewesens, des Maschinenwesens, der Torpedaabteilung, der Werften, der Docks und sogar des Unter richts in der Marineschule. Die englische Firma Armstrong & Vickers erhielt auf 3V Jahre ein Monopol zum Ausbau und Betrieb der Werften, sowie des Marinearsenals. Sie sollten im Golf von Jmid am Marmarameer ein Schwimm dock und eine Flottenbasis zum Schutz der Einfahrt in den Bosporus schaffen. Das technische und das Verwaltungspersonal kam aus Eng land; die Maschinenanlagen und das sonstige Material waren natür lich gleichfalls aus England zu beziehen. So war die ganze türkische Marine in allen ihren Abteilungen dem Kommando der Engländer unterstellt worden, die solche Betrauung für durchaus selbstverständ lich hielten. Als aber später eine deutsche Militärmission mit General Liman von Sanders an der Spitze in Konstantinopel eintraf, waren es78 Klar zum Gefecht. unter lärmendem Vorantritt Rußlands die Engländer und Fran zosen, die den Deutschen durch Ränke und Drohungen an der Er füllung der übernommenen Aufgaben zu hindern suchten. Die Umtriebe gegen General Liman von Sanders sind noch in frischer Erinnerung. Sie zeigten der deutschen Öffentlichkeit schon damals mit er schreckender Klarheit, wie weit die Gehässigkeit des Dreiverbandes gegen uns gediehen war. Admiral Lympus, der doch zur Hebung der türkischen Seestreit kräfte berufen und aus der türkischen Staatskasse bezahlt war, hat es mit seiner Offiziersehre vereinbar gefunden, Versuche zur Beschä digung türkischer Kriegsschiffe zu unternehmen. Die Entrüstung, die in der Türkei wegen der Zurückhaltung zweier für türkische Rechnung gebauter Kreuzer durch die Engländer entstanden ist, hat die englischen Seeoffiziere nicht bewogen, von ihrem einträglichen und faulen Posten zurückzutreten. Man zeigte ihnen mit möglichster Deutlichkeit, daß sie lästig ge worden aber sie blieben. Zu welchem Zwecke? Um für England Spionagedienste zu leisten, in erster Linie wohl solche, die sich auf die Dardanellen und deren Verteidigung bezogen. Dabei war die Konstantinopeler englische Botschaft mit im Spiele. Der Türkei blieb also zunächst nichts anderes übrig, als die englische Marinemission kalt zu stellen. Die türkische Regierung sah sich veranlaßt, die Apparate für Funkspruch von dem Gebäude der englischen Botschaft durch Militär mit Gewalt entfernen zu lassen, nachdem der englische Botschafter die Abnahme der Apparate verweigert hatte. Die englische Botschaft empfing nämlich von den englischen See offizieren fortlaufend Informationen über die Vorgänge in der tür kischen Marine, die durch Funkspruch weiter gegeben wurden.79 1V. Kapitel. Man erhob türkischerseits ganz offen die Beschuldigung gegen die englischen Seeoffiziere, daß sie noch vor Ausbruch des Krieges die ihnen anvertrauten Kriegsschiffe in ganz unerhörter Weise beschädigt hätten, indem sie durch gewisse Manipulationen die Aktionskraft der türkischen Kriegsschiffe zu vermindern suchten, eine Beschuldigung, die unwidersprochen blieb. Also für diese Verrätereien sollten die Türken die Engländer noch obendrein bezahlen! Trotz dieser und anderer Brüskierungen traten die englischen Offiziere, deren Situation unhaltbar wurde, nicht von ihrem Posten zurück. Sie nutzten ihre fetten Pfründen bis zum Ausbruch des Krieges aus, d. h. bis am 29. Oktober die Feindseligkeiten zwischen der Türkei und Rußland zum offenen Ausbruch kamen und die Türkei unser dritter Bundesgenosse im Weltkriege wurde. Wir hatten gesehen, daß unsere Goeben" und die Breslau" nach ihrem famosen Durchbruch durch die englischen Linien zuerst in öster reichische Gewässer und von dort zu den Türken dampften. Hier wurden sie natürlich als eine wesentliche Verstärkung der türkischen Seestreitkräfte mit offenen Armen aufgenommen. Unser Admiral Souchon, der Chef eben dieser deutschen Mittelmeerdivision, übernahm den Oberbefehl über die ganze türkische Flotte, Goeben" und Breslau" erhielten türkische Namen, unsere Offiziere und Mann schaften fetzten sich Feze auf und wurden für die übrige Dauer des Weltkrieges türkische Untertanen, ihre Schiffe von der Türkei uns abgekauft (natürlich kaufen wir sie uns beim Friedensschluß wie- der zurück!) und deutsche Seeoffiziere leiteten, von jetzt ab, alle tür kischen Operationen zur See, wie an Land die preußischen Offiziere alle Unternehmungen an Land führten. Auf diese Weise machte die Türkei ganz gute Fortschritte und von der Engländerei dürfte sie woh? für alle Zeiten geheilt sein. Der deutsche Einfluß hat jeden anderen verdrängt und die Früchte zeigen sich jetzt schon und werden sich hoffentlich nach dem Friedens- Wusse für uns in angenehmer Weise bemerkbar machen. Jedenfalls?0 Klar zum Gefecht. setzt der Türke den Engländern und Russen tüchtig zu und ist unK und den Oesterreichern ein willkommener Bundes und Kampf genosse. Die Türkei, die in ihren letzten beiden Kriegen so unglücklich war, hat jetzt die beste Gelegenheit, alle Scharten auszuwetzen und wird voraussichtlich nach diesem Kriege wieder eine Großmacht werden und mächtiger dastehen, denn je. Zu gönnen ist es den Türken jedenfalls nach all den schweren Schicksalsschlägen, die sie in letzter Zeit betroffen. Der Ausbruch der Feindseligkeit kam nun folgendermaßen zu stande: Die türkische Flotte wurde von russischen Torpedobooten an der Ausfahrt ins Schwarze Meer verhindert. Das ließen sich die Türken natürlich nicht gefallen, sie eröffneten das Feuer und brachten zwei russische Kriegsfahrzeuge zum Sinken. Darauf beschoß ein türkischer Kreuzer Theodosia mit Erfolg und nun ging es rasch vorwärts. Der Panzerkreuzer Sultan Jawus Selim" versenkte ein russi sches mit 300 Minen beladenes Schiff und beschädigte ein Kohlen transportschiff sowie ein russisches Kanonenboot schwer. Der türkische Kreuzer Midilli" zerstörte in Naruski die Pe troleum- und Getreidelager und versenkte 14 Transportdampfer. Der Torpedobootszerstörer Berc-J-Satwesi" vernichtete in Noworossii? die sunkentelegraphische Station. Der Torpedobootszerstörer Jadig- Hiar-J-Millet" versenkte ein russisches Kanonenboot und der Tor pedobootszerstörer Muavenet-J-Millije" beschädigte ein anderes rus sisches Kanonenboot. Bei allen diesen Unternehmungen kamen die Türken ganz ohne Schaden davon. Dabei muß man bedenken, daß die russische Schwarze Meerflotte der gesamten türkischen stark überlegen ist, denn sie zählte zu Anfang des Krieges etwa 30 Einheiten.81 10. Kapitel. In Odessa, das die Türken bombardiert hatten, wurden die Petroleumbehälter und fünf russische Schiffe beschädigt. Sewastopol bombardierten die Türken ebenfalls und erlangten die vollkommene Herrfchaft im Schwarzen Meere. Die Russen zogen sich ängstlich in ihre Häfen zurück und stellten sich den Türken nicht mehr zur Schlacht. Alle diese großen Erfolge verdanken die Türken natürlich zum größten Teile dem Umstände, daß sie von tüchtigen deut schen Seeoffizieren geführt wurden. Indessen wollen wir die türki schen Verdienste keinesfalls schmälern, denn die deutschen Seeoffiziere konnten natürlich diese Taten nur ausführen, wenn sie von den Türken in der richtigen Weise unterstützt wurden, und daß der Türke ein sehr tapferer Soldat, ist ja allgemein bekannt. Dem Kreuzer Hamidijs", demselben, der Theodosia bombar dierte, gelang es, in Kertsch ein russisches Transportschiff zu ver senken. Die gefangengenommenen russischen Offiziere und Matrofen wurden mit dem gekaperten russischen Kohlendampfer abends nach Kowak am oberen Bosporus gebracht. Als die Seekämpfe im Schwarzen Meere in Konstantinopel verkündet wurden, herrschte natürlich große Begeisterung. Es fanden große patriotische Kundgebungen statt und vielfach sah man auch deutsche Fahnen im Zuge. g Klar zum Gefecht,82 Klar zum Gefecht. Der Brunnen, welchen gelegentlich seines letzten Besuches der Deutsche Kaiser geschenkt, wurde bekränzt und mit Fahnen geschmückt. Eine besondere Bewandtnis hatte es ferner, daß der Kriegsausbruch gerade am Beiramfeste, dem größten Festtage des gesamten JslamS erfolgte. An diesem Festtage versammeln sich in Mekka die Pilger aus allen Teilen der Welt, 60 000 an der Zahl, und bezeugen dadurch, die Verwandtschaft aller moslemitischen Völker. Nun wurde vom Scheich-ul-Jslam, dem höchsten türkischen Priester, der ,heilige Krieg verkündet und 300 Millionen Mohamme daner stehen somit im Felde gegen England, Rußland und Franko reich. Alle diese 300 Millionen erheben ihre Gebete für den Erfolg der Waffen des Kalifen und Deutschlands-Oesterreichs und eine ge waltige Agitation setzt in der ganzen islamitischen Welt ein. Eng land wird in Aegypten und Indien, Frankreich in Afrika und Ruß land im Kaukasus bedroht. 11. Kapitel Kiautjchou. Wir hatten bereits gesehen, daß Japan an uns die freche Forderung stellte, ihm bis zum 15. September unsere schöne Kolonie Kiautschou ohne Schwertstreich zu übergeben, und uns desgleichen über die mannhafte Antwort unseres Gouverneurs daselbst, des Kapitäns zur See, Meyer-Waldeck, gefreut. Aus ganz Ostchina strömten die freiwilligen Deutschen in Tsing- tau zusammen und verstärkten, etwa 2000 an der Zahl, die etwa 4000 Mann starke Besatzung auf 6000 Köpfe. Alle Frauen, Kinder83 11. Kapitel. und Zivilpersonen mußten die Festung verlassen und flüchteten nach Peking und anderen chinesischen Städten. Unser Kreuzergeschwader hatte andere Aufgaben zu erfüllen und konnte keine Hilfe leisten. Dagegen lagen auf Tsingtaureede die deutschen Kanonenboote Iltis", Jaguar", Tiger", Luchs", die Flußkanonenboote Tsing tau", Vaterland", Otter", das Torpedoboot S 30" und der kleine österreichische Kreuzer Kaiserin Elisabeth", von dem früher schon einmal die Rede war. Die Japaner boten nun eine riesige Streitmacht auf, die noch durch die Engländer verstärkt wurde, und es war jedem Einsichtigen klar, daß unser Kiautschou ein verlorener Posten sei und sich auf die Dauer gegen die feindliche Uebermacht nicht würde halten können. Trotzdem verloren unsere braven Blaujacken nicht einen Augen blick den Mut und die gute Laune. Und wenn die Japaner aus eine Uebergabe ganz ohne Schwertstreich gehofft hatten, so sollten sie sich schwer getäuscht haben. Am 19. August überreichten sie uns ihr schönes Ultimatum und erst am 7. November fiel Tsingtau, nach heldenmütiger Gegenwehr. Kennzeichnend für den Geist, der die tapfere Schar beseelt, ist nachfolgende vom Gouverneur des Kiautschougebietes erlassene Pro klamation: Tsingtau, 23. August 1914. Am 15. August hat Japan Deutschland ein Ultimatum ge stellt, in dem die sofortige Zurückziehung oder Entwaffnung aller deutschen Schiffe des Kreuzergeschwaders sowie die bedin- gunslose Uebergabe Tsingtaus bis zum 15. September gefordert wurde. Frist zur Beantwortung der 23. August, mittags. Diese unerhörte Zumutung ist nach Form und Inhalt gleich weit beleidigend. Niemals werden wir freiwillig auch nur das kleinste Stück Erde hergeben, über dem die hehre Reichskriegsflagge weht. Von dieser Stätte, die wir mit Liebe und Erfolg seit 17 Jahren zu einem kleinen Deutschland über See auszugestalten bemühtKlar zum Gefecht. Waren, wollen wir nicht weichen! Will der Gegner Tsingtau ha ben, so mag er kommen, es sich holen. Er wird uns auf unfern Posten finden! Der Angriff auf Tsingtau steht bevor. Gut ausgebildet und Wohl vorbereitet, können wir den Gegner mit Ruhe erwarten. Ich weiß, daß die Besatzung von Tsingtau fest entschlossen ist, treu ihrem Fahneneid und eingedenk des Waffenruhms der Väter, deu Platz bis zum Aeußerften zu halten. Jeder in zähem Widerstande errungene neue Tag kann die unberechenbarsten, günstigsten Folgen zeitigen! Zu stolzer Freude gereicht es uns, daß nunmehr auch wir für Kaiser und Reich fechten dürfen, daß wir nicht dazu verur teilt sind, tatenlos beiseite zu stehen, während uusere Brüder in der Heimat in schwerem Kampfe stehen. Festungsbesatzung von Tsingtau! Ich erinnere Euch an die glorreichen Verteidigungen Kel bergs, Graudenz und der schleichen Festungen vor mehr als 100 Jahren. Nehmt Euch diese Helden zum Beispiel! Ich er warte von Euch, daß ein jeder sein Bestes hergeben wird, um mit den Kameraden in der Heimat an Tapferkeit und jeder soldati fchen Tugend zu wetteifern. Wohl sind wir zur Verteidigung bestimmt, haltet Euch aber vor Augen, daß die Verteidigung nur dann richtig geführt wird, wenn sie vom Geiste des Angriffs erfüllt ist. Am 18. August habe ich Seiner Majestät drahtlich versichert: Ich einstehe für Pflichterfüllung bis aufs Aeußerste. Am 13. August habe ich den Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät er halten, Tsingtau bis aufs Aeußerste zu verteidigen! Wir werden Seiner Majestät, unserem Allergnädigsten Kriegsherrn, durch die Tat beweisen, daß wir des in uns gesetz ten Allerhöchsten Vertrauens würdig sind. Es lebe Seine Majestät der Kaiser! Der Festungsgouverneur, gez. Meyer-Waldeck.86 11. Kapitel Die vereinigten japanischem und englischen Streitkräfte gelang en am 27. September nach unbedeutenden Scharmützeln mit vorge schobenen deutschen Streitkräften bis an den Litsunfluß. Hier wurde ihr rechter Flügel vom Innern der Bucht aus durch drei deutsche Schiffe beschossen, bis japanische Flieger eingriffen. Der Gesamtverlust des Gegners betrug 150 Tote. Die deutschen Verluste sind nicht bekannt geworden. Während der Kämpfe unterstützte ein deutsches Kanonenboot die deutschen Landtruppen in vorzüglicher Weise. Das Kanonenboot wurde von der japanischen Flotte angegriffen, blieb aber unbeschädigt. Am 28. September, während Tsingtau zu Lande ganz abgeschlossen wurde, beschossen die Japaner mit einer Linienschiffsdivision zwei deutsche Küstenbatterien, die kräftig ant worteten. Das Ergebnis blieb unbekannt. Am folgenden Tage begann die Heeresmacht der Verbündeten einen Angriff auf die vorgeschobenen deutschen Stellungen, vier eng lische Meilen vor der deutschen Hauptverteidigungslinie. Von deut scher Seite wurde unter Einsatz aller Kräfte geantwortet. Für die Stimmung in Kiautschou ist nachstehender Brief eines Offiziers, des Sohnes eines hohen Kolonialbeamten, bezeichnend. Er schreibt unter anderem Ende August: Als ziemlich sicher haben wir erfahren, daß Japan die Ueber- zabe Tsingtaus gefordert hat. Sonst hören wir draußen kaum etwas. Der Antwort unseres Kaisers auf das Ultimatum sind wir sicher: Tsingtau zu halten bis auf den letzten Mann!" Auch die Engländer und Franzosen sollen klar liegen, um den Raub nicht den Japanern allein zu überlasten. Eine Schande ist es, daß Europäer mit Asiaten zusammen in hundertfacher Uebermacht gegen uns paar Deutsche vorgehen wollen. Den Japanern kann man ihre Politik nicht verdenken(?); Schande ist es für die Engländer. 86 Klar zum Gefecht. Was uns bevorsteht, wenn es so kommt, darüber sind wir uns alle klar. Wir sind uns aber auch alle in dem Stolz, dem Bewußt sein einig, an der gefährlichsten Stelle Deutschlands Ehre zu vertei digen, das Vertrauen, das der Kaiser in uns setzt, bis aufs Aeußerste zu rechtfertigen! Kurz bevor ich zur Marine ging, habe ich mir einmal bei einer Sternschnuppe gewünscht, später den Soldaten- oder Seemannstod sterben zu dürfen. Damals wußte ich nicht, warum ich s wünschte, es war Jugend begeisterung. Wunsch ist es jetzt nicht mehr, jetzt ist es Treue und Verehrung für Kaiser und Vaterland, jetzt ist es das Bewußtsein des hohen Wertes, den eiserne Sündhaftigkeit bis zuletzt für die deutsche Ehr hat. Was kommt, wir wissen es nicht. Ich will mich mit diesen Zeilen nicht als Held hinstellen; es ist unser aller Stimmung bis zum jüngsten Rekruten. Ich möchte nur Euch allen einen herzlichen Gruß senden und Euch bitten, nicht mit Trauer, sondern voll Stolz meiner zu gedenken, falls wir uns nicht wiedersehen sollten. Soll es so sein, so denkt daran, daß ich mit Leib und Seele Soldat gewesen bin, mit meiner ganzen Begeisterung für die deutsche Waffenehre eintreten zu können." Die englischen Truppen unter General Barnardiston setzten mit großer Energie den Kampf auf Kiautschou fort. Die Deutschen zogen sich auf Tfingtau selbst zurück, dessen Forts Tag und Nacht Feuer spien. Das Feuer war besonders gegen die japanischen Stellungen gerichtet. Deutsche Aeroplane versuchten wiederholt, die japanischen Kriegsschiffe durch Bomben zu zerstören. Engländer und Japaner trafen Vorbereitungen zu einem ent scheidenden Vorstoße. Zwei japanische Kriegsschiffe und das englische Linienschiff Triumph" befchossen Tsingtau, jedoch ohne Erfolg.87 11. Kapitel. Am 14. Oktober wurde dabei das Oberdeck des Triumph" durch einen schweren Haubitztreffer durchschlagen. Das deutsche Kanonenboot Jaguar" wurde leicht beschädigt. Am 6. Oktober unternahmen die vereinigten Japaner und Eng länder einen Sturm auf die Jnfanteriewerke von Tsingtau, der blutig abgewiesen wurde und mit einem Verluste 2500 Mann auf feind licher Seite endigte. Die Wirkung der deutschen Minen, Geschütze und Maschinengewehre war vernichtend. Der rechte Flügel der Verbündeten wurde von dem österreichisch ungarischen Kreuzer Kaiserin Elisabeth" und dem deutschen Kano nenboot Jaguar" wirksam beschossen. Die deutschen Verluste waren gering. Die Japaner warteten Verstärkungen ab. Ueberall in Deutschland und Oesterreich-Ungarn löste diese hoch- erfreuliche Nachricht das Gefühl herzlicher Dankbarkeit für den Hel denmut unserer tapferen Truppen im fernen Osten aus. Die Japaner bereiteten sich auf eine längere Kriegsdauer hier vor. Sie wollten langsam und methodisch vorgehen und ihr Menschen material schonen. Das japanische Parlament bewilligte Kredite, um die Heere bis zum nächsten Jahre in Schantung zu unterhalten. Ein dritter Angriff auf Tsingtau führte auch noch nicht zum Ziele, allerdings wurden zwei deutsche Forts genommen. Dagegen gelang es unserem Torpedoboote S 90", den japani schen Kreuzer Takatschio" zu vernichten. Das Torpedoboot wurde nach dem Angriffe 6V Seemeilen südlich von Tsingtau vom Kom mandanten auf Strand gesetzt und gesprengt. Die Mannschaft wurde gerettet. Am 30. September begann der vierte Angriff auf Tsingtau, und zwar ein allgemeiner Sturm zu Lande und zu Wasser. Heldenmütig wehrten sich die Unsrigen. Tag und Nacht wurde gekämpft. Ein Fort nach dem anderen wurde zusammengeschossen, aber unsere Feste kämpfte heroisch weiter.33 Klar zum Gefecht. Nur noch zwei Forts beantworteten unaufhörlich die zu Waffe? und zu Lande unternommenen Angriffe der Verbündeten. Das Bombardement verursachte eine Feuersbrunst in der Nähe des Hafens und die Explosion eines Oeltanks. Das Fort Siaochausan stand in Flammen. Eines unserer Kanonenboote verlor den Schornstein. Man muß bei alledem vor allem bedenken, daß die Tfingtauer Forts nur leichte Befestigungen darstellten, die gegen einen etwaigen chinesischen Landangriff schützen sollten. An einen Angriff großen Stiles, wie er hier stattfand, hatte man gar nicht gedacht. Eine Festung ersten Ranges, wie z. B. Port Arthur, war Tsing- tau keineswegs. Und dennoch hielt es sich beinahe ebenso lange. Die Japs hatten schon vor längerer Zeit angekündigt, daß sie am Namenstage ihres Mikado, am 31. Oktober, ihm als Ehrenge schenk die eroberte Festung darbieten wollten. Dieser Wunsch war wohl auch der leitende Gedanke bei der Herausgabe des Telegramms vom 1. November: Die Festung von Tsingtau ist zerstört worden. Die Operationen werden mit allgemeinem Erfolg fortgesetzt." Aber das Telegramm war um diese Zeit noch verfrüht. Also mit dem so schön ausgedachten Geburtstagsgeschenke war es wieder einmal nichts. Natürlich war es jetzt nur noch ein Verzweiflungskampf gegen eine vielfache Uebermacht: 40 000 Mann, einige sprachen sogar von 60 000 Mann, gegen nur 6000 Verteidiger, von denen 2000 nur im letzten Moment zu Hilfe geeilte deutsche Zivilisten, also eigentlich keine Soldaten waren. Aber noch immer hielt sich die heldenmütige Besatzung. Japan schlug zweimal eine ehrenvolle Uebergabe vor. Der deutsche Gouverneur lehnte beide Male ab. Das letzte Mal beantwortete er das japanische Verlangen einer ehrenvollen Ueber gabe freier Abzug der gesamten Besatzung das durch einen Parlamentär überbracht wurde, mit einem drahtlosen Telegramm11. Kapitel. an das japanische Flaggschiff. Admiral Kato, der in der deutschen Marine seine Ausbildung genossen hatte, verbot darauf den drahtlosen Verlehr mit dem Feinde und verlangte eine schriftliche Antwort. Diese fiel natürlich im verneinenden Sinne aus. Das deutsche Artilleriefeuer war noch immer kräftig und ver nichtete Planmäßig alle vorgeschobenen japanischen Verschanzungen. Das gesamte Glacis hinter Tsingtau war mit Minen übersät, die elektrisch entladen wurden. Tausende von Japanern büßten ihr Leben ein. Endlich, am 7. November, war die Festung nicht mehr länger zu halten. Der linke Flügel der Japaner besetzte am 8. November um 6 Uhr 10 Minuten mit der nördlichen Batterie den Shauntanhügel und um 5 Uhr 35 Minuten mit der östlichen Batterie Tahtoengsjing. Inzwischen rückte das Zentrum vorwärts gegen die Forts Iltis" und Bismarck" und eroberte zwei schwere Geschütze in der Nähe der Hauptverteidigungslinie. Danach besetzten die Angreifer die Forts Iltis", Bismarck" und Moltke". Ueber einen Trümmerhaufen zogen die Japaner ein, nicht wie sie gehofft, in eine schrie Stadt und Festung. Unser Gouverneur war selbst verwundet. Sein letzter Befehl lautete: Kämpfen bis zum letzten Mann." Wenn die Forts stärker gewesen, ist es sehr fraglich, ob die Einnahme überhaupt gelungen wäre, denn mit Proviant und Muni tion war man noch auf lange Zeit versehen. Auch waren unsere Menschenverluste nur verhältnismäßig ge- ring. Dagegen ließen die Japaner 10 OVO Tote vor den Wällen von Kiautschou; und der Witz unserer Soldaten spottete, daß die Japs Kiautschou umgetauft hätten in Ki autsch au! Nachdem sie sich so sehr die Finger daran verbrannt! 8S90 Klar zum Gefecht. Nach einem Heldenkampfe, der auch dem Gegner staunende Be wunderung entlockte, hat unser Schutzgebiet im fernen Osten dem Feinde überantwortet werden müssen. Nicht für immer kann die deutsche Flagge in jener blühenden Musterkolonie niedergeholt sein, ein Frieden erscheint jedem Deut schen undenkbar, der uns nicht zurückgibt, was wir jenseits des Ozeans in jahrelangem Fleiß, unter Opfern an Gut und Blut geschaffen haben. Mit tiefem Schmerz, aber auch mit Stolz gedenken wir der Männer, die dort auf einem verlorenen Posten ausgeharrt haben, bis feindliche Uebermacht sie niederzwang. Wie einst den Dreihundert des Leonidas, die an den Thermo- pylen ihr Grab gefunden haben, wird auch dereinst ihnen der Grab stein mit den Worten des Simonides errichtet werden: Wanderer, kommst Du nach Sparta, verkünde dorten, du habest Hier uns liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl." Unser Groll und unsere Erbitterung gelten nicht zuerst den Japanern, obwohl Raubgier und Länderhunger bei ihnen die Stelle der Dankbarkeit vertreten haben. Unser Zorn gilt zuerst und immer wieder den Engländern, die unter Verrat an der weißen Rasse Völker aller Farben gegen uns gehetzt haben. Wie oft haben sie in fernen Erdteilen unter Betonung der Ueberlegenheit der Weißen Rasse Völker geknechtet und geknebelt. Wie oft haben sie sich an die Gemeinbürgschaft der Weißen Rasse gewandt, sobald es ihr Vorteil erheischte! Und wie sie die schwarzen Völker in Afrika auf unsere Kolonien gehetzt, wie sie indische Truppen in Flandern und Westfrankreich gegen uns verwenden, so haben sie die stolze Stätte deutschen Fleißes und deutscher Kultur dem gelben Jnselvolk überantwortet. Aber nicht in den fernen Weltmeeren, sondern in Europa wird über das Schicksal unserer Kolonien entschieden. Wie die Entscheidung ausfallen wird und ausfallen muß, darü ber gibt es heute bei keinem Deutschen den geringsten Zweifel.12. Kapitel. Von England aber gilt das Wort, das ihm Heinrich Heine einst entgegengeschleudert hat und das mit einer kleinen unwesent lichen Veränderung hier stehen möge: ,Britania, dir gehört das Meer, aber das Meer hat nicht Wasser genug, um von dir abzuwaschen die Schande, die unsere Toten dir sterbend vermachten. . . Hat aber auch ein grausames Schicksal unseren überlebenden Helden den Lorbeer des Sieges vorenthalten, so wird das dankbare Vaterland allen seinen Getreuen von Kiautschou die Palmen dank" barer Erinnerung weihen! 12. Kapitel. Unsere Emden." Treibt auch des wilden Sturms Gewalt Uns an ein Felsenriff, Gleichviel in welcherlei Gestalt Gefahr droht unserm Schiff: Wir Wanken und wir weichen nicht, Wir tun wie s Seemanns Brauch Den Tod nicht scheuend, uns re Pflicht Noch bis zum legten Hauch! Ja, mit den Wogen kämpfend noch Der sterbende Pilot, In seiner Rechten hält er doch Die Flagge schwarz-weisz-rotl Deutsches Flaggenlied. Wir hatten gesehen, daß unser junger Freund Hein PeterS nach Ostindien ausgewandert mü als tüchtiger Handwerker von einem Verwandten seiner Familie mit offenen Armen aufgenommen worden war. Beim Ausbruch des Weltkrieges kreuzte S. M. Kleiner Kreuzer Emden" in den indischen Gewässern. S1Klar zum Gefecht. Hein Peters hielt es nun nicht mehr länger an Land, er meldete sich an Bord der Emden" und deren Kommandant, Fre gattenkapitän von Müller, nahm den strammen, tüchtigen Burschen dann auch sofort als Kriegsfreiwilligen an. da die Kommandanten unserer Kriegsschiffe das Recht haben, im Kriegsfalle Reichsdeutsche als Freiwillige einzustellen. Nachdem die Petersschen Eltern lange Zeit nichts mehr von ihrem Sohne gehört hatten, traf endlich der langersehnte, sehr um fangreiche Brief in der Kieler Christianistraße ein. Hein schrieb: ,Liebe ElternI Ihr werdet Wohl schon recht lange auf ein Lebenszeichen von mir warten; aber es war mir gar nicht möglich, früher zu schrei ben, da wir auf der Emden" von aller Verbindung mit der Heimat abgeschnitten waren. Ich habe indessen Tagebuch ge führt und kann Euch nun Auskunft über unser herrliches See räuberleben geben, das wir geführt haben. So hatte ich es mir auf der Schulbank immer geträumt, und nun sind meine kühnsten Wünsche in Erfüllung gegangen. Unser Schiff hat sich einen Weltruf erworben und das dan- ken wir in erster Linie unserem Kommandanten. Wenn Ihr den einmal auf der Kommandobrücke sehen könn tet. liebe Eltern! Ich glaube, Ihr würdet es sofort verstehen, daß wir alle Mann für Mann für Fregattenkapitän von Müller durchs Feuer gehen. So geachtet und geliebt zu werden von allen seinen Unter gebenen ohne Ausnahme ist wohl selten einem Vorgesetzten be schieden gewesen. Aber er verdient es auch in reichstem Maße. Wir alle sehen in ihm unser leuchtendes Vorbild; und unseren Feinden fährt ein Ä285 12. Kapitel. heilsamer Schrecken in alle Glieder, wenn sie nur die Namen Kapitän von Müller" und Emden" hören. Also, nun laßt Euch von mir ausführlich erzählen, wie sich alles zugetragen. Kaum war ich an Bord S. M. S. Emden" eingeschifft und eingekleidet, so rief Kapitän von Müller uns alle achteraus und hielt eine kurze markige Ansprache an uns. Kameraden I Während wir hier im fernen Auslande kreuzen, ist der Weltkrieg ausgebrochen. England, Frankreich und Rußland sind unsere Hauptgegner. Ich habe ein schnelles Schiff unter meinen Füßen und eine Besatzung unter meinem Kommando, auf die ich mich unter allen Umständen verlassen kann. Uns fällt nun die Aufgabe zu, den feindlichen Handel, insbesondere den hier blühenden englischen, nach Kräften zu schädigen. Häfen werden wir nicht viel anlaufen. Proviant und Kohlen nehmen wir uns von den feindlichen Kauffahrtei schiffen, bevor wir sie versenken. Sperre ein jeder unausgesetzt seine Augen auf, und wer zuerst einen feindlichen Kaüffahrer sieht, der hat es sofort dem Wachthabenden Offizier zu melden, ganz gleichgültig, ob er selbst auf Posten steht oder ihn nur zufällig sieht. Mit jedem einzelnen Schiffe, das wir auf den Meeresgrund ver senken, leisten wir unserem teuren Vaterlande einen unschätz baren Dienst. Nun gehe ein jeder hin und tue seine Pflicht." Mit drei kräftigen Hurras auf S. M. den Kaiser schloß er. Ihr könnt Euch denken, daß wir alle mit Begeisterung an unser Tagewerk gingen und ein jeder dem andern zuvorkommen wollte, um deu ersten englischen Kauffahrer zu sichten.Klar zum Gefecht. Diese Gelegenheit sollte auch nicht lange auf sich warten lassen. Es war am 10. September. Wir dampften im Golf von Bengalen und ich hatte gerade auf der Morgenwache den Aus guck im Vortopp. * Ihr wißt, daß ich gute Augen habe, und mit einemmale entdecke ich durch meinen Kieker am fernen Horizont einen Han delsdampfer. Ich rufe also achteraus: Zwei Strich an Back bord ein Handelsdampfer!" war also der erste, der das meldete. Ihr könnt Euch denken, daß ich nicht wenig stolz darauf war. Sofort erschien auch unser ,Alter auf der Kommandobrücke und es dauerte dann auch nicht mehr lange, so bekam auch er den Vetter Engländer in Sicht. Er hielt sogleich auf ihn zu und gab Befehl für große Fahrt nach der Maschine, und die wilde Jagd begann. Heidi, wie sausten wir durch die Fluten! Zunächst fingen wir alle drahtlosen Nachrichten ab, welche die Abfahrten aus dem Hafen meldeten. Infolgedessen kannten wir die Lage sämtlicher Schiffe in der Bai von Bengalen. Der Engländer, wie sich später herausstellte, der Dampfer Indus", mochte wohl nichts Gutes ahnen. Er versuchte es zu nächst mit Kursänderungen und wollte uns vorerst entwischen. Aber da kam er bei unserem ,Alten an den falschen. Der ließ die Maschine laufen, was sie hergeben konnte, und die Entfer nung zwischen uns beiden wurde zusehends geringer. Als wir auf Signalweite herangekommen waren, signalisierten wir nach dem internationalen Signalbuch: Stoppen Sie sofort!" Aber unser Englishman dampfte ruhig weiter und dachte immer noch, uns zu entgehen. Nun feuerten wir ihm einen blinden Schuß vor den Bug. Das half. Gleich darauf hielt er an.12. Kapitel. Hätte er das nämlich nicht getan, so hätten wir scharf ge schossen. Das wußte er auch und wollte es nicht darauf ankom men lassen. Nun schickten wir einen Kutter mit einem Offizier und mit armierter Besatzung hinüber, um nachzusehen, wie stark die Be mannung, was für Vorräte an Bord, woraus die Ladung be stand und welches der Bestimmungsort sei. Nachdem wir das festgestellt, nahmen wir den Proviant des Kapitäns und der Mannschaft an Bord der Emden", desglei chen einen Teil der Kohlenvorräte. Die Mannschaft des Indus" erhielt Zeit, um ihre Papiere und sonstigen Habseligkeiten zusammenzupacken, ihr Geld blieb ihnen natürlich und dann nahmen wir sie an Bord der Emden". Hierauf brachten wir den Indus" durch Geschützfeuer zun Sinken. Tränenden Auges sahen die Engländer ihr schönes Schiff in den Fluten verschwinden. Am 11. September sichteten wir den englischen Dampfer Loo", machten es mit ihm ebenso wie mit Indus", nahmen seine Besatzung über und versenkten ihn. In der Nacht vom 11. zum 12. September nahmen wir den englischen Dampfer Kabinga" unt zwei Stunden später ebenso den Dampfer Killin", gleichfalls einen Engländer. Am Mit tag des 12. September nahmen wir den Dampfer Diplomat" und versenkten ihn. Das ging flott nicht wahr? Nun haben wir schon Uebung in diesem Geschäft. Jetzt kann uns keiner mehr etwas vormachen. Dann hielten wir den italienischen Dampfer Laruano" an, untersuchten ihn, ließen ihn aber an demselben Tage wieder frei. Auf seinem Rückwege warnte dieser mehrere andere Schiffe, welche zurückfuhren und so der Kaperung entgingen. 9S95 Klar zum Gefecht. Am 14. September nahmen wir den Dampfer Tratbock^ und versenkten ihn durch eine Mine. Die Besatzung sämtlicher erbeuteten Schiffe wurde dann an B^ rd eines Fahrzeuges gebracht, das den Befehl erhielt, nach Kalkutta zu fahren; zwei deutsche Handelsschiffe begleiteten es bis innerhalb 75 Meilen von der Mündung des Hooghly. Der Schaden, den wir im Golf von Bengalen den Englän dern zugefügt, beträgt 18 Millionen Mark. Als die Offiziere und Mannschaften der versenkten briti schen Schiffe am Nachmittage des 21. September in Kalkutta ankamen, äußerten sie sich sehr anerkennend über die ihnen von deutschen Offizieren erwiesene Höflichkeit. Unsere Erfolge im Golf von Bengalen sind um so höher einzu schätzen, als unserem Schiffe für seine Operationen ja feglicher Stützpunkt fehlt. Es ist ein bemerkenswertes Stück deutscher Seemannstüch tigkeit, daß ein solches Kriegsschiff sechs Wochen lang sich dem Gesichtskreise seiner zahlreichen Verfolger zu entziehen wußte, ohne einen einzigen sicheren Schlupfwinkel zu baben. Daß wir nicht sämtliche Dampfer versenkten, entspricht den Vorschriften des Völkerrechtes, wie uns von unseren Offizieren erklärt wurde, und so hatten wir auch dafür zu sorgen, daß die Be satzung in Sicherheit gebracht wurde. Vor der Freigabe des italie nischen Dampfers brachten wir aber seine Maschinen soweit in Unordnung, daß er nur sehr langsam den Bestimmungshafen er reichen konnte. Wie wir später erfuhren, zollten uns die Engländer aufrich tige Bewunderung. So schrieben sie in ihren Zeitungen: ,Das Schiff fand ein ideales Feld für seine Operationen, weil dort eine Anzahl von Schiffen passiert, und weil die Em den" viele Buchten benutzen und sich vor britischen Kreuzern ver 97 12. Kapitel. ergen konnte. Außerdem hat die Emden" den großen Vorteil der Schnelligkeit und kann stets, wenn sie in Gefahr ist, flüch ten. Ihre Leistungen erfüllen uns mit Bewunderung. Wir dür fen den Kapitän von Müller zu seinem Unternehmungsgeist be glückwünschen, weil er nicht nur mit Menschlichkeit, sondern auch mit Rücksicht gegen die britische Mannschaft verfährt. Dieser Seeoffizier muß als Dewet des Meeres" be bezeichnet werden. Seine Politik ist ganz eigenartig. In kei nem Seekrieg der alten und neuen Zeit verfolgte ein feindliches Schiff die Taktik des berühmten Guerillaführers zu Lande, näm lich von der Beute zu leben und die Gefangenen frei zu lassen. Gerade der Erfolg der Emden" macht es schwer, sie zur Strecke zu bringen. In diesem Falle wird es nichts nutzen, verdächtige Kohlenschiffe zu verfolgen, die Emden" kann die Kohlen um sonst bekommen, sie nimmt natürlich, soviel sie führen kann. Wir beherrschen die Meere, aber nicht jede Quadratmeile derselben. Wir benutzen die Herrschaft zur See, um die Zufuhr an Lebens- Mitteln und Rohstoffen zu sichern, sowie zur fortschreitenden mi litärischen Mobilisierung. Den Schaden, den die Emden" der englischen Schiffahrt im Indischen Ozean zufügte, schätzen wir auf 1 Million Pfund Sterling (20 Millionen Mark). Wenn Ka pitän von Müller nach Beendigung des Krieges nach London käme, könnte er eines begeisterten Empfanges sicher sein! Ein größeres Lob aus dem Munde des Feindes kann man sich Wohl kaum denken. Nachdem wir im Golf von Bengalen unsere Arbeit getan, dampften wir um die Südspitze Indiens herum und gaben un sere Visitenkarte in Madras ab. Dort schössen wir am 24. September zwei Oeltanks in Brand. Die englischen Forts erwiderten das Feuer, ohne uns indessen irgendwelchen Schaden zuzufügen. Wir löschten unsere Lichter und verschwanden wie der Fliegende Holländer" in der Dunkelheit. 7 Klar zum Gefecht.98 Mar zum Gefecht. Jetzt ging s wieder auf die Kaperfahrt nach der Devise un- seres Kronprinzen: Immer feste druff!" Ende September meldete der Ausguck wieder einen feind lichen Dampfer, dessen Nationalität aber noch nicht genau aus- zumachen war. Der Kommandant kam auf die Brücke. Name ist noch nicht zu erkennen, aber der Kerl soll die Flagge zeigen, Steuermann!" Zu Befehl, Herr Kapitän!" Und bald darauf flatterten von unserem Mäste die Signal slaggen: Wer sind Sie? Woher kommen Sie und wohin gehen Sie?" Kurz darauf ging die dänische Flagge auf dem Dampfer hoch. Die Enttäuschung malte sich aus den Gesichtern der deut- scheu Blaujacken. Ich will meinen letzten Priem genommen haben," ver- sicherte ein alter Matrose, wenn das ein Däne ist!" Und deutlich erschienen die Buchstaben des Namens am Bug des Schiffes: Kinglud". Der Kerl versucht es also mit der List!" grollte unser,Al- ter.i Aber die werden wir ihm austreiben." Ja, bei uns stand eben der Deiwel auf der Kommando- brücke, der ließ sich kein X für ein U machen. Ein neues Signal ging hoch: Drehen Sie bei!" Zu gleicher Zeit klingelte der Telegraph im Maschinenraum: Aeußerste Kraft!" Der Dampfer unter der Dänenflagge aber wich noch weiter aus. Die wilde Jagd begann. Junge, dem sollte die Puste bald ausgehen! Und wenn sie drüben Butter und Oel in die Kessel feuerten. Das Jagdfieber packte die Seeleute.93 12. Kapitel. Wie die Augen blitzten und die kurzen Rufe von Geschütz M Geschütz flogen I Wie sie hinauf lugten zur Brücke, ob das Kommando des Artillerieoffiziers noch nicht komme! Aber noch ging die Hätz über die schweren Wogen des In- dischen Ozeans, die sich gegen den Bug wälzten und aufschäu mend zurückblieben, zerwirbelt von der Schiffsschraube, daß die Blasen und der Schaum aufsprangen und sich wie ein zerfetztes Spitzengewebe auf die dunkle See legten. Wie die Emden nun unter voller Maschinenkraft dahinflog, als wisse sie, daß eS den vernichtenden Stoß auf das flüchtige Wild galt! Wie die Bordwände leise zitterten unter den Kolbenstoßen der Maschine! Da sah man doch, daß auch ein Kolbendampfer den größten Anstrengungen gewachsen ist. Die Emden" war der letzte Kreuzer mit Kolbenmaschinen, später bauten wir nur noch Turbinenmaschinen. Wie die Schrauben rasend um die Wellen wirbelten und dai Kielwasser zu Schnee schlugen! Wie der Wind in den Drähten der Antenne sang, daß sie leise schrillten! Wie der Gischt über Bug und Back sprühte, wenn das Schiff den Wellenberg hinabglitt und mit unwiderstehlicher Gewalt sich hob und die anrollende Wasfermafse schneidend teilte! Wie das rauschte und zischte! Und immer eiliger, immer hastender strich die Emden" über die Flut. Nun hob sie die Fittiche und krallte die Fänge zum letzten Stoß! Erstes Geschütz Wie ein elektrischer Schlag ging e durch di Besatzung. Fertig!" Feuer!"100 Klar zum Gefecht. Wie die kurze Stichflamme vor dem Rohre zuckte! Wis der Pulvergeruch um den Geschützschild strich! Wie die Granate heulend dahinsauste! Einige Sekunden später zeigte das Bootsdeck des Kings- lud" eine Lücke. Die Maulschelle hatte gesessen. Ob sie nun genug hat? Und die Kingslud" stoppte die Maschinen und lag, sich schwerfällig wiegend, vor dem Steuer, regungslos in den langen Wogen des Ozeans, die an den Wänden des Dampfers hochleckten, aufspritzten und grollend zurückfielen. Bootstrümmer und Korkringe schwammen auf dem Wasser, als die Emden" sich querab von dem gestellten Engländer legte, der nun trotzig seine richtige Flagge, den Union Jack, wehen ließ. Der Erste Offizier, Kapitänleutnant von Mücke, ließ drei Boote zu Wasser. Er selbst führte das erste. Taktmäßig hoben sich die langen Riemen der rudernden Matrosen und schnell glitten die Weißen Boote über die Wasser berge. Immer größer wuchs vor ihnen das englische Schiff, das sein Fallreep (Treppe) niederließ. Wie eine riesige schwarze Wand über der Wasserlinie. Bugl" kommandierte ber Erste Offizier. Die vordersten Duchten (beiden Matrosen) nahmen die Riemen ein und mach ten die Bootshaken zum Anlegen klar. Riemen ein!" Das erste Boot lag am Fallreep. Kapitänleutnant von Mücke ging mit zwei Kameraden und einigen Matrosen hoch. Oben am Fallreep stand der englische Kapitän. Es war ein kräftiger Mann, der den deutschen Offizier miT finsteren Blicken musterte.12. Kapitel. Tut mir leid, Herr Kapitän," sagte Herr von Mücke, daß wir Sie inkommodieren müssen. Aber weshalb führten Sie die dänische Flagge?" Jeder sucht zu retten, was ihm anvertraut ist. WaS wollen Sie von uns? Wir sind auf einem friedlichen Fracht dampfer, Sir." Was für Ladung haben Sie?" Weizen und Gefrierfleisch." Man wird in London sich ohne Ihre Fracht behelfen müssen. Lassen Sie Ihre Besatzung antreten!" Die Mannschaft trat aus dem Vordeck an. Etwa 50 Leute, dazu die Offiziere und Maschinisten. Haben Sie Passagiere?" Nein." Geben Sie mir die Schlüssel zur Kaste!" Mein bares Geld wollen Sie? Das ist das ist " Hüten Sie Ihre Zunge! Heraus mit dem Schlüssel!" Sie können lange suchen!" erwiderte der Englände? höhnisch. Gut! Dann versinkt alles Geld mit Ihrem Schiff!" Sie wollen mein Schiff versenken? Ich protestiere! Da? ist gegen die Haager Bestimmungen! Ich protestiere als eng- lischer Untertan!" Wird Ihnen nichts nützen. Oder meinen Sie, wir sehe? ruhig zu, wie Ihr Schiff Fleisch und Brot für Ihre Arme? bringt, die gegen uns in Frankreich kämpft? Wollen Sie mn Ihre Kasse ausliefern oder nicht?" Der Kapitän zitterte leise vor verhaltener Wut. Aber ei gab nach. Er begleitete den Ersten Offizier und lieferte den Geld bestand aus. Sie haben Glück, Sir!" sagte er grimmig. Wer ich hofft daß man mein eigenes Geld mir lasten wird." 10j102 Mar zum Gefecht. Bis auf den letzten Cent, Kapitän!" Und nun darf ich Sie und Ihre Offiziere bitten, in meinen? Boote Platz zu nehmen und mich an Bord meines Schiffes zu begleiten." Das bedeutet, daß wir Gefangene sind?" Bis wir Gelegenheit haben, Sie heimzubefördern. Sonst begleiten Sie uns bis zum nächsten Hafen, den wir anlaufen." Das kann eine recht lange Reise werden. Aber vielleicht laufen Sie einem englischen Kriegsschiff in den Weg. Das würde Ihnen zeigen " Bitte, kein Wort mehr! Ins Boot!" Kapitänleutnant von Mücke brachte den Kapitän, die Offi ziere und Maschinisten an Bord der Emden", während die Ma trosen der beiden anderen Boote das Schiff besetzten. Alle Wetter!" staunte Kapitän von Müller, als er die Barbestände der englischen Schiffskasse mit dem Zahlmeister prüfte. Vierhunderttausend Mark in Gold! Offenbar Sendung für Banken. Das heiße ich einen Fang! Und nun die Kohlen herüber. Auch das Fleisch können wir gut gebrauchen." Mit Ingrimm sahen die gefangenen Engländer, wie die Stahltrossen drüben festgemacht wurden, die beiden Schiffe dicht beieinander lagen und nun Last um Last an den Stahleisen herüberglitt an Bord der Emden". Zuerst gefrorenes Fleisch, dann die Kohlen. Die englische Mannschaft mußte natürlich tüchtig mit zugreifen. Na, sie brauchen drüben wenigstens nicht wieder Reinschiff zu machen," meinte der Erste Offizier und wifchte sich den Kohlenstaub aus den Augen. Nee, das brauchen sie nicht. Unfer ,AIter wird den Kasten schon ins Wasser stippen, daß er keinen Deckschlauch mehr nötig hat. Und wir haben wieder Kohlen, Jungens. Die Bunker sind voll bis obenhin."103 12. Kapitel. Die englischen und deutschen Matrosen kamen von Bord der Kinglud" und die Boote wurden geheißt. Dann gingen unsere Maschinen wieder an. Eine weiße Welle sprang vor unserem Bug auf und ver ebbte an den Bordwänden schäumend. Die Schrauben wühlten sich in die See. Drüben trieb die Kinglud" steuerlos, holte schwer über und stampfte in den Wogen. Da kam das erste Kommando: Feuer!" Die Granate saß gerade über der Wasserlinie. Ein dunkler Riß ging zerfetzend durch eingebeulte Platten. Das Wasser drängte sich gierig hinein. Feuer!" Das zweite Geschoß fegte gegen das Schiff, das nun nach Backbord überholte und stark Schlagseite bekam. Weißer Dampf quoll über Deck und Luken, wirbelte aus Ventilatoren und Nissen der Bordwände. Dicke Schwaden wie Watte und feine verwehende Fahnen. Zischend drängte er sich aus allen Fugen und hüllte das Deck, die Boote und Schornsteine in eine wallende, wirbelnde Wolke. Die Emden" dampfte noch eine Strecke zurück. Die King lud" lag nun mit der Neeling im Wasser. Wie die schnappenden, schweren Wogen nun hineinklatschten, über das Deck wuschen und in die Lecks griffen! Wie sie zogen und zerrten an ihrem Raube, schoben und hoben auf der Steuerbordseite! Und das zerschossene Schiff stieß den zischenden Wasser dampf der Kessel aus wie letzten Lebensodem. Wie ein riesiger harpunierter Wal lag der massige Schiffs körper auf den Wogen. Dal Er versinkt! Er hat genug!"klar zum Gefecht. Schwerfällig hob sich der Schiffsrumpf noch einmal aus den saugenden, raffenden Wellen, wälzte sich ganz nach Backbord, daß die Schornsteine ins Wasser tauchten und der Kiel gen Himmel starrte. Dann versank er in die Tiefe. Hurra!" brauste es über die Emden". Dem englischen Kapitän rannen Tränen über das Wetter harte Gesicht. Seine Matrosen ballten die Faust. Aber ein Blick auf die deutschen Geschütze und Maschinengewehre ließ sie ruhig sein. Drüben aber wirbelte und kreiste die See in einem unge- Heuren Trichter, es quirlte, schäumte, schluckte und gurgelte in der Wasserwüste, als habe ein Ungeheuer seinen Fang verschlun- gen. Dann aber kamen wieder die alten langen Wellen des Ozeans und schoben sich über das Grab der Kinglud". Die Emden" aber dampfte hinaus auf neuen Fang, Eng land sollte spüren, daß man von ihm gelernt hatte! Auf diese und ähnliche Weise versenkten wir im Indischen Ozean noch die englischen Dampfer Tumerico", Riberia" und Toyle" und nahmen ein Kohlenschiff weg. Die Bemannungen der Schiffe wurden auf dem Dampfer Gyfedale", der ebenfalls genommen, aber freigelassen wurde, nach Colombo gebracht, wo sie am 29. September eintrafen. In England schrien die Zeitungen Zeter und Mordio. Die Handelskreise wurden bei der Regierung vorstellig und verlangten, die englische Marine müsse die größten Anstrengun gen machen, um die deutschen Kriegsschiffe wegzunehmen. .Schnelligkeit, Schnelligkeit! unter dieser Spitzmarke erschie nen Artikel, die besagten, die Nachricht, daß fünf schnelle deutsche Kreuzer ihre Arbeit, britische Handelsschiffe zum Sinken zu bringen, noch fortsetzten, trotzdem sie von 24 englischen Kreuzern und außerdem von zahlreichen französischen Schiffen verfolgt werden, zeige den Wert der Schnelligkeit. Viele Jahre lang habe Deutschland schnelle Kreuzer gebaut und es besitze jetzt 9, die105 12. Kapitel. sine Geschwindigkeit von über 27 Knoten haben. Seit Erspar nisse in der englischen Marine gemacht werden mußten, hat sich die Admiralität so gut als möglich mit älteren und langsameren Schiffen behelfen müssen. Sie datieren von einer Zeit vor Er findung der Schiffsturbine. Der Krieg hat uns daher wohl mit einer starken Ueberlegenheit von Kreuzern gefunden, aber kaum einer läuft schneller als 25 Knoten, die meisten langsamer. Es gibt keinen englischen Kreuzer im Atlantischen Ozean, dem die deutschen Kreuzer nicht entfliehen könnten. Unsere Geschäfts leute müssen nun unter diesem Mangel leiden. So klagte der arme John Bull! Ueber die Emden" hieß es: Der Schaden, den sie bei ihren Kaperfahrten der englischen Marine bereits zugefügt habe, komme dem Wert eines Dread- nought (Fürchtenichts) gleich. Die Kreuzfahrten der Eniden" seien eine ständige Be drohung des englischen Schiffsdienstes nach Indien. Auch die Versicherungsprämien seien bereits enorm gestiegen. Die Tätigkeit der Emden" erweckte, obgleich sie äußerst är gerlich, bei dem englischen Volke eine gewisse Bewunderung, ins besondere, da der Kommandant, dessen Tapferkeit und Uner- schrockenheit unbezweifelbar, bei jeder Gelegenheit Menschlichkeit und Ritterlichkeit bewiesen hat. Jedoch herrschte in der ganzen englischen Marine allgemein das Gefühl, daß die Zeit nahe sei, wirksamere Maßnahmen für die Wegnahme des Schiffes zu treffen. Vorher sollte uns aber noch mancher Streich gelingen. Wir kaperten also lustig weiter drauf los und versenkten im südlichen Golf von Bengalen die britischen Dampfer Chilka", Troilus", Benmohr", Clan Grant" und den für Tasmanien bestimmten Bagger Ponrabbel". Die in den Grund gebohrten Dampfer sind besonders große und wertvolle Schiffe von je 600 , 80Ol) und 11 Oöt) Tonnen.106 Klar zum Gefecht. Der Ponrabbel" war ein ganz neues, aus diesem Jahre stain mendes Fahrzeug. Wir schädigten den indischen Handel ganz gewaltig. Allein der Import vom Baumwollwaren aus Manchester sank im September, wie wir später erfuhren, um zwei Millionen Pfund Sterling. Kalkutta litt besonders unter dem Rückgang der Ausfuhr von Rohjute, der allein im September mehr als 3 Millionen Pfund Sterling betrug. Die Ausfuhr von Reis, Weizen, Häuten sank um je eine halbe Million, die von Sämereien um 900 vcX) Pfund Sterling. Der Touristenverkehr hörte gänzlich auf. Die Erfolge der Emden" wirkten auch auf die Stimmung der Ein geborenen ein. Alsdann statteten wir der Arabischen See einen Besuch ab. Hier machten wir eine Beute, welche an Tonnengehalt den Wert der in der Bucht von Bengalen gemachten noch übertrifft. Wir versenkten diesmal 5 Schiffe, darunter ein ganz neues der British East Jndia Company und ein großes, mit Kautschuk und Zinn beladenes Schiff der Holtlinie, ferner ein wertvolles Baggerschiff. Wir beschlagnahmten sodann das mit Kohle beladene Schiff Exford", um ein verlorenes Kohlenschiff zu ersetzen. Ende Oktober gebrauchten wir eine Kriegslist und verklei deten uns als Handelsdampfer. Die Zimmerleute bekamen viel zu tun. Wir setzten uns einen vierten falschen Schornstein auf, bemalten die Schorn steine mit den Abzeichen einer Handelsdampferlinie und fuhren unter fremder Handelsflagge. Diese Kriegslist gelang uns vollkommen und trug uns hohen Lohn ein. Wir konnten uns auf diese Weise auf der Reede von Pulo Pinang, in der Straße von Malakka, dem russischen Kreuzer107 12. Kapitel. Schemtschug" und einem französischen Torpedojäger MoS quet" unerkannt nähern und beide durch Torpedoschüfse zum Sin ken bringen. Das war entschieden unsere gelungenste Tat. Der Russe hatte 356 Mann Besatzung und war 3180 Tonnen groß. Nach diesem gelungenen Streich begann ein wahres Kessel treiben gegen uns und Ihr wißt ja: Viele Hunde sind des Hasen Tod. Am 9. November lagen wir bei den Cocosinseln im In dischen Ozean und hatten eine Abteilung von etwa 5V Mann, darunter auch ich, unter Führung unseres Ersten Offiziers, an Land ausgeschifft, um den englischen Signalturm und das Kabel zu vernichten. Nun kam mit einem Male ganz unvermutet der australische Kreuzer Sidney" an und griff mit seiner überlegenen Artillerie die Emden" an. Da hättet Ihr mal unseren,Alters sehen sollen. Keinen Augenblick verlor er die Ruhe, was bei so einem un erwarteten Ueberfall doch leicht erklärlich wäre. Mit weithin schallender Stimme gab er seine Kommandos und ließ auf die Sidney" kräftig feuern. Es folgte nun ein hartnäckiges, für beide Teile verlustreiches Gefecht, in dessen Verlauf unsere brave Emden" in Brand ge schossen wurde. Wir mußten von Land aus zusehen und konnten doch nicht helfen, was wir von Herzen gern getan hättten. Um sein treues Schiff nicht in Feindeshand fallen zu lassen, entschloß sich Kapitän von Müller, die Emden" auf Strand zu setzen. Ihr könnt Euch unsere Gefühle denken, als wir den treuen Gefährten so mancher Kaperfahrten als Wrack auf dem Strande liegen sahen I Für 50 Millionen Mark hat die Emden" den Engländern doch Schaden zugefügt!103 Klar zum Gefecht. Unser braver Kommandant und seine überlebende Besatzung geriet mit Ausnahme von uns 47 in englische Gefangenschaft. Als unser Kaiser dies erfuhr, rief er aus: Es soll sofort eine neue und noch schönere Emden" erbaut werden!" Für uns 47 Mann hieß es nun, sich nicht kriegen lassen. Nächstens mehr von Euerm treuen Sohne. Hein 13. Kapitel. 6. W. S. Auesha." Gestern geschah die Tat und sie ragt Wie aus Wikingermärchen her. Dreier Reiche gepanzerte Wehr, Dreier Flotten wütend Begehr Durchstöberte wilde, erbitterte Jagdl Tag und Nacht das indische Meer. Sie alle in eines Begehrens Bann: Wann sangen wir die Verwegenen, wann? Doch mit verrieselnder Woge rann Des Schoners Flagge vor ihnen her. Der Weg war weit, und die See ging schwer Siebenundvierzig Mannl Sie haben den Kiel nicht ins Leere gelenkt, Sie schlichen sich nicht in der Stille fort. Padang, verwunschener Hasenort, Wo die deutsche Kehle, die leicht verdorrt, Vor heißer Arbeit noch einmal getränkt! Dann aber marsch, zur Attacke gesprengt,109 13. Kapitel- Husaren der See, und in lustigem Sport Zwanzig Küstenfahrer versenkt. Zwanzig Engländer, Mylord! Immer weiter durch Eisenreihn, Halbnackt und zerschunden, Glut, Not und Pein, Kein Pulver, lein Wasser, kein Brot mehr an Bord, Aber immer das jubelnde Wort: Jungens, wir geben uns nicht dareinI" Quer über die See, dann Aden, dann In die Todesstraße von Perim hinein, An Festen vorbei, die Feuer spein Siebenundvierzig Mannl Wer sagt, daß die Emden" verloren sei, Auf den Strand gerannt, verbrannt und verkohlt? Die Emden" lebt, uns re Emden II", Sie fuhr durch die Hölle, und hat dabei Aus der Hölle den Teufel herausgeholtl Heut schwören hunderttausend den Schwur: .Jeder fährt, wie die Emden" fuhr! John, sieh dir unsere Blaujacken anl Von hunderttausend waren es nur Siebenundvierzig Mann! Taliban. ) Unser Freund Hein Peters, der nun auch zu diesen ruhm gekrönten 47 Mann gehörte, schrieb in seinem nächsten Briefe noch das Nähere über die Affäre bei der Cocosinsel und seine Fahrt auf der Ayesha". Sein Bericht lautete: ,Liebe Eltern! Das letzte Mal mußte ich meinen langen Brief abbrechen^ weil wir eine Postgelegenheit hatten, und da diese so selten sind, dürfen wir keine ungenutzt vorübergehen lasten. Diese? und die anderen Gedichte don Taliban (Richard Nordhausen) sind uZ dessen Such: Das Fähnlein licht an der Stange lBerlag Ott Nippel. Hagen (Westfalen)) entnommen.Alar zum Gefecht Ihr Werdet nun gewiß noch mehr über unser Schicksal wissen wollen. S. M. S. Emden" lag am 9. November vor der Eocos- insel Keeling. An Land, auf der Insel, war Kapitänleutnam von Mücke mit den Leutnants zur See Schmidt und Gyßling und 47 Mann zum Zerstören der Funkenstation, als er in der Ferne die Rauchsäule aus einem Schiffsschornstein den Horizont schwärzen sah. ,Wird der Dampfer sein, der heute mittag die Emden" mi! Kohlen versorgen soll Mücke kehrte ihm den Rücken. Die Emden" zeigt jetzt der Insel ihr Heck. Ihr Bug schneidet durch die Wellen in hoher Fahrt zur Rauchsäule, unter der ein englischer Kreuzer aus dem Meer gewachsen ist. Zu den Booten!" will Mücke rufen, um mit von der Partie zu sein. Zu spät! Schon wirft Kapitän von Müller dem Briten die erste eiserne Herausforderung vors Bugwasser. Es ist 1v Uhr früh, und die Geschichte hat Eile, unter ein Epos vom Seemannswagen zu schreiben: ,Da war die Mär zu Ende, das war der Helden Not Mücke fühlt, daß die Mär zu Ende geht. Wohl hat die Emden" anfänglich gute Treffer, sie schießt schnell und sicher; aber in Stunden zähen Kampfes sieht e: sie allmählich unterliegen. Unter den Augen der kleinen Schar auf der Insel wird das geliebte Schiff zerfleischt. Es ist uns, als schmerzten Wunden am eigenen Körper, wenn nach dem Einschlagen einer britischen Granate für bange Minuten ein deutsches Geschütz schweigt.III 13. Kapitel. Wir glaubten, unsere Kameraden im Blute, ihre Waffen in Trümmern zu sehen, und spürten das bitterste Los des Sol daten, der nicht mittun kann, wenn die eigene Besatzung, das eigene Schiff, im Feuer ringt. Unsere Kehlen wurden trocken und die Augen brannten, als schwelende Flammen der Emden" Achterschiff fressen. Die Zähne knirschen und die Fäuste ballen sich, als heiße Granatenhände den vorderen Schornstein und den Fockmast über Bord reißen. Seltener, schwächer wehrt sich die Emden". Ihre Munition geht Wohl aus. Mücke ahnt, daß sie bald unter den Wellen versinken wird. Er blickt zurück und hält prüfend Umschau. Auf englischer Insel sieht er sich unter Engländern, und draußen den feindlichen Kreuzer, der nach Vernichtung des deut schen ohne Zweifel ein starkes Landungskorps schicken wird. Dann soll es einen tüchtigen Preis für das Leben von 50 deutschen Seeleuten zahlen!112 Klar zum Gefecht. So gut es mit 2 Maschinengewehren und 47 Flinten geht, richtet er die Insel zur Verteidigung ein. Wenn die alte Em den" sinkt, soll Keeling eine neue sein! Um 3 Uhr nachmittags verschwinden die noch kämpfenden Kreuzer am Horizont. Ehe es dämmert; sie tauchen wieder auf. Im sinkenden Licht des Tages sieht Mücke den Gegner mit hoher Fahrt dicht an die fast wehrlose Emden" rauschen. Zu einem einzigen Schatten sind die Rauchwolken beider Schiffe verschmolzen, als aus dem dunklen Schwarz plötzlich eine Weiße Dampfsäule aufzieht. Wohl ein Torpedoschuß. Traf er die Emden"? Kaum! Denn gegen die blutrote Scheibe der in den Ozean sinkenden Sonne hebt klar zum letzten Male der eine ihr geblie bene Mast sich ohne Krängung und Vertrimmung ab. Dann schweigt das Feuer. Die Schiffe schwinden in der Ferne und Nacht. Wer weiß," fragt Mücke, ob ich nicht doch noch mein Schiff erreiche?" Denn er ist von den Leuten, die dabei sein wollen, ob s auch zum Letzten und Schwersten geht. Im Hafen hat er tagelang den alten Dreimast-Segel schoner Ayesha", einen morschen Kasten von 97 Negistertons, gesehen. Macht mir das Ding seeklar!" Der Kahn wird, so gut es geht, verproviantiert und aufge takelt, und des Himmels Sternenaugen blicken verwundert, als die kleine Dampfpinasse den widerwilligen Schiffsgreis auS dem Hafen zerrt. Mücke nimmt seine Leute zusammen:113 13. Kapitel. Finden Wir unser Schiff nicht, dann machen wir uns auf eigene Faust nützlich und laufen einen verbündeten Hafen an, also seid guten Muts!" Wir sind es, und das ist das Schöne an der beginnenden Fahrt. Ihr schwimmend Heim gilt den fünfzig bald als verloren. Sie sind ohne nautische Instrumente, fast ohne Nahrung und eigentlich ohne Kleider, da sie nur dünnes Landungszeug tragen. Seit Wochen lastet auf ihnen mit Zentnergewicht die Sorge um das Geschick der Heimat, weil die Emden" nur Nachrichten von deutschen Niederlagen auffing: Unsere Flotte zertrümmert, die Russen vor Berlin und die Franzosen am Rhein! Gewiß versuchten die 50 dem Druck der Lügen zu trotzen. Aber Ihr alle wißt, wie allein schon Ungewißheit über des Reiches Ergehen an Leib und Seele uagt, und ahnen könnt Ihr das Empfinden jener Männer, wenn Ihr der ersten Kriegstage gedenkt. Wer schlief wie sonst, als Nation auf Nation die Waffen gegen uns erhob? In Nächten ohne Ruh und Schlummer kam Erinnern, daß wir oft auch früher gebangt hatten um Hab und Gut oder unsere Lieben. Aber das Leben schritt dann nach Gewohnheit durch jeden Tag und der Körper forderte sein Recht: Essen und Schlaf. Nun aber quälte unser Gemüt die zehrendste und zermür- bendste aller Sorgen, die unverscheuchbare, in den schweren Träumen sogar nagende Sorge um Geliebteres als Frau, Kind oder Existenz: Die Sorge um das Vaterland, die erst vor den Schlägen deutscher Waffen floh. Das war die Sorge, die seit Monaten bleiern auf den Seelen der fünfzig Männer lastete. a Klar zum Gefecht.114 Klar zum Gefecht. Jetzt ein Spiel der Wellen, durften sie wohl zagen, aber dir Augen hoben sich nicht mit bangen Fragen zum kalten Schwei gen der Sterne. Hart bissen sie die Zähne zusammen und rückten die Köpfe hoch über Ungewißheit und Ungemach. Am zuversichtlichsten tat es unser Führer. In Mücke finden wir auf der Brücke des Schoners den Typ unseres im besten Sinne dreist-, ja nötigenfalls frech-fröhlichen jungen Offiziers. Mag der Himmel fallen und das Meer seine Schlünde öffnen er ist sich der ihm gewordenen Aufgabe voll bewußt und entschlossen, die ihm, dem neuen Kommandanten, zufallende Pflicht und Schuldigkeit gemeinhin und noch darüber hinaus zu tun. Sechzehn Tage schon waren wir in See, nach manchen Kreuzschlägen das erste Ziel unserer Reise, eine neutrale Insel, erstrebend, wo die dürftige Ausrüstung er gänzt werden soll. Ein Zerstörer kommt entgegen und folgt uns in unbequemer Nähe. Warum be gleiten Sie mich?" winkt Mücke ihn an. Der Fremde schweigt aller dings. aber mit befriedigtem: Na, fehen Sie, Gyßling," sieht Mücke ihn den Abstand von der Ayesha" verlängern. Es ist Heller Morgen und vielleicht zerade Z Ihr, die Stunde der Flaggenparade, als er die Hoheitsgrenze des neutralen Staates durchfährt.115 13. Kapitel. Kriegsflagge und Wimpel setzen!" Die Flagge der Dampfpinasse und der aus einem alten Hemd geschnittene Wimpel gehen hoch. Die drei Offiziere fassen an die Mützen. Auf Kommando: Stillgestanden!" nimmt die Mannschaft feierlich Front zum lieben alten Adler, der auch der Sanne nicht weicht. Er heischt Respekt und findet ihn, als Mücke ganz Kom mandant zum Fallreepspfiff im Boot absetzt, längsseit des neutralen Zerstörers geht und ihm mitteilt, er beabsichtige, in den Hafen von T. einzulaufen. Der fremde Kommandant scheint erstaunt. Darum betont Mücke kühl: Ich lege meinem Schiff die Eigenschaften eines Kriegsfahrzeuges bei." Mit Hilfe eines Lotsen kommt Mücke in den T.-Hasen. Nicht etwa selbst geht er zu den Hafenbehörden, um ihnen gute Worte zu geben. Er schickt einen Offizier mit der bündigen Mitteilung, er Plane, Wasser und Proviant einzunehmen und innerhalb 24 Stunden wieder auszulaufen. Ayesha" ist ja Kriegsschiff und Mücke ihr korrekter Kom mandant. Das wird anerkannt. Antwort kommt durch einen Offizier: Die Regierung der Kolonie muß drahtlich befragt werden. Bescheid erhält Mücke am nächsten Tage: Die Ayesha" fei als Prise zu behandeln, dürfe aber das Nötigste an Bord neh men und bis zur Herstellung der Seefähigkeit im Hafen bleiben. Mücke hört es gern, denn seine Taue sind morsch und seine Segel zerrissen, aber eine Prise mag er nicht führen. Er besteht auf seinem Recht, daß die Ayesha" ein Kriegs schiff ist (wie wir später erfuhren, hatte S. M. der Kaiser durch116 klar zum Gefecht. eine besondere Kabinettsorder dies angeordnet) und greift zur Feder. Sein Protest verlangt, daß der Schoner als Kriegsschiff be handelt werde. Ob er einen Ausweis, vielleicht eine Bestellung durch den Kommandanten der Emden" habe. Ist gar nicht nötig," schreibt Mücke kühl, denn ich führe Kriegsflagge und Wimpel. Meine Offiziere sind in den Rang listen der Kaiserlichen Marine zu finden und meine militärisch organisierte Besatzung ist aktives Personal der Deutschen Flotte. Damit sind die Merkmale eines Kriegsschiffes gegeben." Neuer Brief: Wie er in den Besitz des Fahrzeuges ge kommen sei? Oho," knurrt Mücke und schreibt: Darüber bin ich nur meinem Vorgesetzten Rechenschaft schuldig!" Er erhält die verlangten Ausrüstungsgegenstände zur Her stellung der Seefähigkeit, Proviant, Wasser, Kleider u. a. mehr. Weit über das Geforderte hinaus aber gab die kamerad schaftliche Treue von Seeleuten auf deutschen Handelsschiffen im Hafen. Mit jubelnder Freude hatten sie die Ayesha" empfangen und schienen sich nicht nur berauben, sondern entkleiden zu wollen, um den Letzten der Emden" zu helfen. Auf Pakete ohne Zahl schrieben ungelenke Finger heiße Glück- und Segenswünsche. Und in den Paketen lagen Anzüge, Unterzeug, Zigarren, Wein, Früchte und Uhren! So gewaltig brach in ferner Fremde aus schlichten Män nern eines karg lohnenden Berufes die Liebe zur Heimat, daß sie den Kameraden unter der Kriegsflagge ihr Bestes und Wertvoll stes, die Uhr, als ein Opfer für das Vaterland auf den tod geweihten Kahn schicken mußten.117 13. Kapitel. Als köstlichste und begehrteste Gaben kamen die Nachrichten von deutschen Siegen. Sie lösten die harten Mienen von fünfzig deutschen Männern, die nur den Tod in Ehren zu erhoffen noch gewagt hatten. Jetzt lohnte es sich wahrlich, auf neue Fahrt zu gehen, denn ernstem Pflichtgefühl gesellte sich die große neue Freude und der alte deutsche Glaube an den Sieg. So schrieb Mücke voll Zuversicht in seinen Bericht die soldatisch schönen Worte: Sofort nach Erhalten des Geforderten will ich auslaufen und Schiff und Besatzung so verwenden, wie es mir nach ein tretenden Verhältnissen im Interesse des Allerhöchsten Dienstes am besten scheint." Das stolzbescheidene Versprechen unseres unverzagten Füh rers von 2 Offizieren und 47 Mann wurde durch die Landung in Hodeida eingelöst. Einstweilen hatte er es aber noch mit fremden Hafenbehör- den zu tun, und war entschlossen, zu schreiben: In nochmaliger Begleitung durch ein Kriegsfahrzeug müßte ich mit Bedauern einen unfreundlichen Akt sehen!" Die Bestellungen und Liebesgaben sind an Bord gekommen und zwar auf Mückes Anordnung über ein neutrales Kriegs fahrzeug. Er will stets der korrekte deutsche Seeoffizier sein. Die Ahesha" schickt sich zum Auslaufen an. Jubelnde Begeisterung auf den deutschen Kauffahrern im Hafen. Ihre Boote umdrängten uns und ihre Insassen flehten ein letztes Mal den auch darin korrekten Mücke an, sie mitzu nehmen. Von den Decks der Dampfer winkten zahlreiche Tücher und Hände vor brennenden Augen. Die Lippen aber darunter jauchzten nach vielen, vielen guten Wünschen: Deutschland, Deutschland über alles!" Und vom schwimmenden kleinen Kahn scholl über die ferne, fremde See zurück das Versprechen:Mar zum Gefecht. Dir wolln wir treu ergeben sein, Dir wolln wir unser Leben weihn, Der Flagge schwarz-weiß-rotI" Es ward nie treuer gehalten. Im Indischen Ozean versenkten wir noch 20 englische Küstenfahrzeuge und rüsteten einen größeren Dampfer als Hilfsschiff aus. Lange konnten diese Unternehmungen indes leider nicht dauern, da uns der Proviant ausging. Nun fanden wir einen Weg durch die von feindlichen Kriegs fahrzeugen scharf bewachte Straße von Bab el Mandeb keiner entdeckte uns! Unter den Augen der Besatzung eines französischen Kreuzers landeten wir dreist in Hodeida, wo wir von den Türken, unseren neuen Bundesgenossen, wie Ihr Euch wohl denken könnt, mit offenen Armen aufgenommen wurden. Wir alle von der Ayesha" erhielten das Eiserne Kreuz; und das neueste Marinesprichwort lautet: ,Emden gut alles gut! Damit endete unsere interessante Argonautenfahrt, von der man noch in den fernsten Zeiten singen und sagen wird. Und daß Euer Sohn auch einer von der Emden" und Ayesha" gewesen, wird Euch, liebe Eltern, gewißlich mit Stolz erfüllen, wie dies stets der Fall sein wird bei Eurem Euch herzlich grüßenden Hein, Ritter des Eisernen Kreuze 14. Kapitel. 14. Kapitel. Unser Kreuzergeschwader. Und wenn ein feindlich Schiff uns naht, Und s heißt: Klar zum Gefecht!" Dann drängt s auch uns zu kühner Tat, Wir kämpfen auch nicht schlecht! Und dringt ein feindliches Geschoß In eines Seemanns Herz, Nicht klagt der wackre Kampfgenosse Ihm macht es keinen Schmerz! Hoho!" ruft er, was schadet s mir, Ich sterb den Ehrentod, Für Deutschlands heiliges Panier: Die Flagge schwarz-weiß-rot!" Deutsches Flaggenlied. Unser ostasiatisches Kreuzergeschwader staub unter dem Ober befehl des Vizeadmirals Grafen Spee und bestand aus den Großen Kreuzern Scharnhorst" (Flaggschiff), Gneisenau" und den Kleinen Kreuzern Leipzig", Dresden" und Nürnberg". Anfang Oktober beschossen Scharnhorst" und Gneisenau" Papeete aus der Insel Tahiti. Sie richteten bei der Beschießung einen Vermögensschaden von 8 Millionen Mark an. Sie bohrten zwei Fahrzeuge in den Grund unb vernichteten zwei Häusergevierte von Geschäfts- und Wohnge- bäuden. Zwei Menschen fanden hierbei den Tod; sie wurden von einer Granate zerrissen, als sie mit einem Wagen aus dem Gebirge nach der Stadt kamen, um Flüchtlinge zu befördern. Eine Landung bewerkstelligten die beiden deutschen Kriegsschiffe nicht und beschlag nahmten auch keine Vorräte. Dagegen setzten die Franzosen ein La ger von 40 00l) Tonnen Kohlen in Brand, um zu verhindern, daß die IIS120 Klar zum Gefecht. Deutschen ihre Bunker damit füllten. Die Geschichte der Beschießung erzählten Flüchtlinge, die auf dem Dampfer Moana" nach San Fran cisco kamen. Die Berichte der verschiedenen Reisenden lauteten da gegen sehr verschieden, aber einig war man darüber, daß die Fran zosen aus einem Fort den ersten Schuß abgegeben haben. Andern falls, meinten die Leute, würde die Beschießung gar nicht stattge funden haben, wenn die Deutschen sich auch unter keinen Umständen die Gelegenheit hätten entgehen lassen, das französische Kanonenboot Zelee" unschädlich zu machen. Das Kanonenboot lag im Hafen mit dem von ihm gekaperten deutschen Handelsschiff Walküre". Als man die Nationalität der beiden Kreuzer erkannt hatte, eröffnete das Fort das Feuer, und die Deutschen blieben eine deutliche Ant wort nicht schuldig. Das Feuer erfolgte aus geringer Entfernung und eine Breitseite folgte der anderen, während auf der Insel kcin Geschütz vorhanden war, das sich mit den deutschen Achtzöllern hätte messen können. Als die Mannschaft der Zelee" vollständig wehrlos war, beeilte sie sich, an Land zu kommen und bald darauf versank das Fahrzeug, von vielen Geschossen getroffen. Die ganze Beschießung dauerte zwei Stunden. Das amerikanische Konsulat hatte die Sterne und Streifen geheißt? die in der Nähe liegenden Häuser wurden daher verschont. Aber die ganze Wasserfront und das Geschäftsviertel wur den vollständig in Trümmer gelegt. Dann dampften Scharnhorst" und Gneisenau" wieder flott aus dem Hafen hinaus. Das franzö- fische Fort war inzwischen sehr kleinlaut geworden. Wir sahen gelegentlich des Heldenkampfes von Kiautschou, daß Vizeadmiral Graf Spee angesichts der weit überlegenen japanischen und englischen Flotten glaubte, auf diesem Kriegsschauplatze nichts nützen zu können. Er sammelte deshalb zunächst die zerstreuten Schiffe seines Ge schwaders und dampfte nach der chilenischen Küste. Dort bot sich ihm am 1. November bei Santa Maria oder Coronet die Gelegenheit zu einer Schlacht mit einem englischen Ge schwader unter Admiral Craddock, bestehend aus den Kreuzern Mon- mouth", Good Hope", Glasgow" und Otranto".14. Kapitel. Der Kampf wurde während eines Nordsturmes ausgefochten, der nahezu orkanartigen Charakter annahm. Die Kreuzer Scharnhorst", Gneisenau" und Nürnberg" hatten sich mit Leipzig" und Dresden" vereinigt, die detachiert waren, um die Küste nördlich von Valparaiso abzupatrouillieren. Das Geschwader fuhr südwärts, offenbar über das Zusammen- treffen der Engländer auf der Höhe von Conception Bay unterrichtet. Gleichzeitig fuhren die britischen Kreuzer Monmouth" und Glasgow", begleitet von der Otranto" nordwärts, um das Flagg schiff Good Hope" zu treffen. Die Engländer waren die Nähe der Deutschen offenbar nicht gewahr geworden. Es war Sonntags abend 6 Uhr, als die Deutschen die britischen Schiffe sichteten. Letztere versuchten, den Kurs zu ändern, offenbar in der Absicht, die Küste zu erreichen, um territoriale Gewässer zu gewinnen und einen Kampf zu vermeiden, aber die Deutschen schnitten ihnen den Weg ab und erzwangen den Kampf. In dem Augenblick, wo die deutschen Geschütze gerichtet waren, sah man die Good Hope" mit Volldampf ankommen. Es gelang ihr, sich mit den anderen britischen Schiffen zu vereinigen. Beide Geschwader dampften südwärts in parallelen Linien. Die Deutschen befanden sich näher an der Küste. Allmählich näherten sich die beiden Linien einander. Scharn horst" und Gneisenau" feuerten zugleich ihre 21 Zentimeter-Ge schütze, die sie auf die Good Hope" konzentrierten. Die Deutschen eröffneten also das Feuer, nicht die Engländer. Die Schiffe kamen allmählich näher und als sie nur 5500 Meter von einander entfernt waren, feuerte die Good Hope" ihre neunzölligen Geschütze ab. Sie konnte die Sechszöller noch nicht gebrauchen, die sich auf dem Hauptdeck so nahe der Wasserlinie befanden, daß sie beinahe vom Wasser erreicht wurden. 1A122 Klar zum Gefecht. Eine schreckliche Breitseite von Scharnhorst" und Gneisenau" machte das britische Flaggschiff und seine Maschine kampfunfähig. Die Monmouth" erkannte die Seenot der Gefährtin und machte einen Vorstoß, um die Good Hope" zu decken, aber die Ent fernung zwischen beiden Geschwadern betrug jetzt nur noch 450 Z Meter und die Deutschen konnten alle Schiffe in Aktion treten lassen und alle Geschütze benutzen. Diese wurden zuerst auf Monmouth". Glasgow" und Ot- ranto" gerichtet. Die Otranto" entkam, schwer beschädigt, in hereinbrechender Dämmerung. Bald darauf folgte die Glasgow", die auch außer Gefecht ge setzt war, aber anscheinend ihre Seetüchtigkeit noch bewahrt hatte. Die deutschen Schiffe setzten den Angriff auf die Monmouth" und die Good Hope" fort, bis erstere nach wenigen Minuten sank. Jetzt trennten die Kämpfenden nur noch 4000 Meter. Die schwer beschädigte Good Hope" hielt noch aus, bis eine Ex plosion an Bord erfolgte und zog sich darauf um 7^ Uhr zurück. Sie war in Flammen gehüllt, als sie verschwand. Es ist nicht bekannt geworden, ob die Mannschaft dem Feuer Einhalt tun konnte, oder ob das Schiff infolge der Explosion unterging. Das Feuer er starb. Das Schiff wurde nicht wieder gesehen. Die deutschen Offiziere schlössen mit Recht daraus, daß die Good Hope" mit der ganzen Besatzung verloren ging. Die einzige Spur von den Briten, die gefunden wurde, bestand in einer Funkenbotschaft, worin Glasgow" erfolglos das Flaggschiff anrief. Es war unmöglich, irgend jemanden zu retten, weder von Mon mouth" noch von Good Hope". Sie sind also mit Mann und MauS untergegangen. Der Sturm war so stark, daß die Deutschen keine Boote aus- setzen konnten.14. Kapitel. Von der Glasgow" hieß es zuerst, sie sei in einen chilenischen Hafen, allerdings schwer beschädigt, entkommen. Die Engländer setzten sogar, um das glaubhaft zu machen, einen gemeinen Betrug in Szene. Sie gaben nämlich einem anderen, auch stark havarierten Kreuzer, der im Dock von Gibraltar lag, den Namen Glasgow", vergaßen aber, die Rettungsgürtel ebenfalls zu übermalen, und so kam der Betrug Tageslicht und wir wissen jetzt, daß auch das dritte Schiff, nämlich die Glasgow" gesunken ist. Einzig allein die Otranto" entkam, natürlich auch schwer be schädigt. Das war ein herrlicher Sieg und das erstemal seit mehr als hundert Jahren, daß ein englisches Geschwader in offener regulärer Seeschlacht besiegt und vernichtet worden war! Und der dies vollbrachte, hieß Vizeadmiral Graf Spee. Die Unüberwindlichkeit der englischen Flotte war damit end gültig ins Reich der Legende verwiesen, das Wort von dem das Meer beherschenden Albion ein Hohn im Munde aller Nationen. Nach diesem glänzenden Seesiege lief das deutsche Geschwader, das fast ganz unbeschädigt geblieben war und nur sehr wenig Men schenverluste zu verzeichnen hatte, Valparaiso an. Graf Spee erhielt das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse und eine ganze Anzahl von Offizieren und Mannschaften das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Dem Heide Kpee. Gewitterorkan Schleudert den Ozean schier aus der Bahn: Drei Schiffe in Rauch und Flammen gehüllt So hat der Donner noch nie gebrüllt. Mit solchem Wuchthieb und Feuerschein Schlug nie der Blitz in die Südsee ein, Nie schrien die Tiefen so wild empört: Drei Schiffe. Drei Schiffe und ein Weltruhm zerstört! 12S124 Klar zum Gefecht. Aus der Brandung, wo England die Schlacht verlor. Schleudert sich eine Welle empor, Und schmettert und rauscht ums Erdenrund Von Kap Horn bis zum Sund Und neckt die Länder und weckt im Lauf Der alten Hansa Helden aus. Schwerter klirren, Jauchzen sprengt Die Gräber im Grunde, tangbehängt: Gott hat uns endlich Erben geschenkt!" Und es tobt die Welle um Englands Strand Einige Deiche sind überrannt. Komme, was kommen muß und magl Babel zittert vor diesem Schlag, Ketten zerklirren der Sklaverei, Frei wird das Meerl Das Meer wird frei! Glutbrand der Götterdämmerung loht Schwarz-weiß-rot. Richard Nordhausen. Nun wurde der englische Admiral Stnrdee von England mit den neuesten, stärksten und schnellsten Schiffen abgesandt, um den Schlag bei Santa Maria zu rächen. Australische und japanische Kriegsschiffe in großer Anzahl beteiligten sich an der wilden Jagd über den Ozean auf unser Kreuzer geschwader, und so kam es, daß 43 Kriegsschiffe, bestückt mit Ge schützen größten Kalibers, unseren 5 Schiffen gegenüberstanden. Am 8. Dezember 7^4 Uhr morgens wurden die Deutschen in der Nähe der Falklandinseln an der Südspitze Südamerikas vom Vizeadmiral Sturdee gesichtet und angegriffen, und zwar von acht modernen großen Schiffen: Jnvincible", Canopns", Carna- rion", Cornwallis", Kent", Glasgow und Bristol". Das waren zum Teil Linienschiffe des Dreadnoughttyps, mit schweren 34 Zentimeter-Geschützen, starker Panzerung und 29 See meilen Geschwindigkeit, also eine ungeheure Uebermacht, mit der sich unfere K kleinen Schiffe auch nicht im entferntesten messen konnten.125 14. Kapitel. Unser Graf Spee hatte seinerzeit Valparaiso nach einem 24- stündigen Aufenthalte wieder verlassen und war mit unbestimmtem Kurse auf der Suche nach Canopus" und Glasgow" durch die Magelhaensstraße gedampft und nahm bei den Falklandsinseln Kohlen. Gras Spee detachierte die Leipzig", Nürnberg" und Dres den", wollte sie auf diese Weise retten und nur Scharnhorst" und Gneisenau" opfern. Aber die anderen drei machten von ihrer Frei heit, sich dem Kampfe zu entziehen, keinen Gebrauch. Deutsche Seeleute lassen ihre Kameraden in der Not nicht im Stich! Lieber wollen sie mit ihnen in Ehren untergehen. Und so kam es denn auch. Das deutsche Geschwader fuhr nicht in geschlossener Kiellinie hinter dem Flaggschiff Scharnhorst." Sobald jedoch der Feind in Sicht war, wurde die Gefechtslinie mit Ostkurs formiert, um freie Bahn zu haben. Von den überlegenen englischen Streitkräften wurde die Scharnhorst" jedoch von der Gneisenau", die etwas zurückgeblieben war, getrennt und beide Schiffe sodann durch die feindliche Ueber- macht außer Gefecht gesetzt. Kieker tot . Ein löchriges Wrack der stolze Bau, Darüber die Wogen schon sangen Nun einen Schuß noch ins Abendgrau, Und dann in die Tiefe gegangen! Rauh lief die See ums Schiff und rot. Her rieinten die Sieger her flog das Tau Doch der letzte Matrose des Gneisenau", Der gab sich nicht gefangen, Schlug nach den Rudern, schlug nach dem Boot Mit haßerfülltem Lallen: Lieber tot! Lieber tot, Ms in eure Häuden fallen!"Klar zum Gefecht. Wir werden siegen und heben jetzt Dennoch zum Schwur unsere Hände: Deutschland feuert bis zuletzt, Bis zum bitteren Ende! Rauh läuft die See ums Schiff und rot. Wir werden siegen . . und doch . . gesetzt, Daß ihr den Adler müde hetzt, Maulwürfe ihr im Gelände Wär keiner bei uns, der von Frieden schwätzt Und zu euch den Rettungsweg sände! Lieber das Reich in Stücke zerfetzt, Brände darüber, Brändel Glut umloht Häuser und Kirchenhallen Lieber totl Lieber tot, Als in eure Hände fallen! Richard Nordhausen. Die kleinen deutschen Kreuzer Leipzig", Nürnberg" und Dresden" suchten darauf unter Entwicklung der größten Schnellig keit zu entkommen, doch wurde die Leipzig" von feindlichen Schiffen abgeschnitten und gleichfalls vernichtet. Auch zwei Kohlenschiffe fielen in die Hände der Engländer, deren Verluste nur klein waren, da unsere Geschütze nicht so weit reichten und den starken Panzer nicht durchschlagen konnten. Nun nahmen die englischen Kreuzer die Verfolgung der Nürn- berg" auf und brachten auch sie zum Sinken. Einzig und allein der Dresden" gelang es zu entkommen. Die Engländer konnten sie erst viel später abfangen. Sie, die Königsberg", 2 Hilfskreuzer und die Karlsruhe" waren nunmehr nnfere einzigsten Kriegsschiffe im Auslande, wenn man von den den Türken verkauften Göben" und Breslau" absieht. Es gelang den Engländern dann, eine Anzahl von Deutschen zu retten. Von der Scharnhorst" konnte niemand gerettet werden, der Geschwaderchef versank also mit all seinen Offizieren und den Mann- 12k127 14. Kapitel. schaften in den Fluten, zwei seiner Söhne, die als Leutnant zur See bezw. Fähnrich zur See unter ihm auf dem Kreuzergeschwader dien ten, fanden zu gleicher Zeit den ehrenvollen Seemannstod; drei Grafen Spee im kühlen Seemannsgrab vereint: ein tragisches und doch stolzes Geschick! Von der Gneisenau" gelang es, 17 Offiziere und 171 Deck offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften zu retten, von der Leip zig" 4 Offiziere, 15 Deckoffiziere und Mannschaften, im ganzen also: 21 Offiziere und 193 Deckoffiziere und Mannschaften. Von den beiden Kohlenbegleitschiffen Baden" und Santa Jsabell" kannten alle gerettet werden. Das Unabwendbare war somit Ereignis geworden! Unser stolzes Kreuzergeschwader besteht nicht mehr. Man war in ganz Deutschland darauf gefaßt, daß dieses Er eignis einmal eintreten müsse, und deshalb war man, da man den Verlust von 4 deutschen Kriegsschiffen und von etwa 1800 wackeren blauen Jungen erfuhr, nicht niedergedrückt, sondern stolz auf die Heldentaten, die sie in vier Monaten vollbrachten. Gewiß, die Engländer haben unser Kreuzergeschwader besiegt, aber es ist keine Heldentat, auf die sie stolz sein können: dazu waren die Kräfte gar zu ungleich verteilt. Hinzu kam, daß unsere Schiffe eine Kreuztour um die halbe Erde in den letzten vier Monaten hinter sich hatten, ohne Gelegenheit zur ruhigen Kohlen- und Proviantversorgung, ohne sichere Häfen, in denen sie Reparaturen vornehmen konnten, ohne Docks, in denen der Schiffsboden gesäubert zu werden vermochte, an dem sich gerade in den Tropen Muscheln und Seepflanzen ansetzen und so die Ge schwindigkeit, oft um zwei Seemeilen in der Stunde, und damit den Gefechtswert erheblich herabsetzen. Die Seeschlacht dauerte mit Unterbrechungen fünf Stunden, Scharnhorst" sank nach dreistündigem Kampfe, und Gneisenau" folgte zwei Stunden später, und dann Leipzig" und Nürnberg". Den braven Offizieren und Mannschaften des Kreuzergeschwa ders, die nun auf dem Grunds des Meeres ruhen, wird das deutsche128 Klar zum Gefecht. Volk allezeit ein ehrendes Gedenken bewahren, waren sie es doch, die zum ersten Male die Engländer bei gleicher Gefechtsstärke be siegten! Sie starben für das Vaterland, für Kaiser und Reich, und das Vaterland weiß seine Helden zu ehren. Ich kann dieses stolz-schmerzliche Kapitel nicht schließen, ohne demselben noch einige kurze persönliche Erinnerungen an den Vize admiral Grafen Spee anzufügen. Maximilian Graf Spee war am 22. Juni 1861 in Kopenhagen geboren und mit der aus den russischen Ostseeprovinzen stammenden Baronin von Osten-Sacken verheiratet. Ostern 1873 trat er in die Marine ein. 1884 85 war er als Leutnant zur See an Bord der Möwe" an verschiedenen Flaggenhisfungen an der westafrikanischen Küste beteiligt und wurde dann Hafenkapitän von Kamerun. 1885 war er Jnspektionsofsizier auf der Kieler Marineschule, die ich damals auch als Seekadett besuchte. Wir Kadetten hatten ihn alle wegen seiner Ruhe und seines freundlichen Wesens sehr gern. Jedenfalls freuten wir uns, wenn er Dienst tat, und nicht unser gestrenger Kadettenoffizier. Dann hatten wir es nämlich be deutend besser. Graf Spee war eine imposante Erscheinung von weit über Durchschnittsgröße. 1891 92 war ich anderthalb Jahre mit ihm zusammen an Bord S. M. S. Moltke", wo er Erster wachhabender Offizier war. In der Offiziersmesse war er allgemein beliebt und als be- sonders schlauer Mensch bekannt. Wir Leutnants nannten ihn deswegen stets den .Diplomaten^ und der Leutnantswitz ließ ihn bald zum,Diploobermaaten avan cieren. Prinz Heinrich schätzte ihn besonders.l Apss i! cvIdi.O^^V0ISK^ o W^VcV7^-X^P ^ g Klar zum Gefecht.13 IS. Kapitel. 15. Kapitel. Unsere Karlsruhe." Ein Naturwunder: Es ist doch merkwürdig! Die Deut schen haben eine Menge englischer Dampfer als gule Prise genommen und die Engländer haben davon die Nase voll. Als ein würdiges Gegenstück zu unserer Emden" jagt S. M Kleiner Kreuzer Karlsruhe" den Engländern Schrecken ein und setzt das Geschäft der Emden" fort, ohne daß es bisher den vielen Feinden, die auf der Jagd nach ihr sind, gelungen wäre, sie abzu fangen; und das nun schon im siebenten Monate! Der Kommandant der Karlsruhe", Fregattenkapitän Erich Köhler, ist ein ähnlicher Mann wie Fregattenkapitän von Müller. Klaus Johannsen hatte einen Freund auf der Karlsruhe" und der schrieb ihm eines Tages einen ausführlichen Brief, den Wir uns auch einmal durchlesen wollen: Feldpostbrief an Bord S. M. Kreuzer Karlsruhe". Am 6. August (inzwischen hatten wir von der erfolgten Kriegserklärung zwischen England und Deutschland Nachricht erhalten) wurde vom Ausguck gemeldet, daß am Horizont eine Rauchwolke auftauche, die sich zusehends nähere. s Klar zum Gefecht. Nach einiger Zeit konnten wir die Masten erkennen, und bald hatten wir den Dampfer als den feindlichen Panzerkreuzer Berwik" erkannt. Das Ueberladen der Gewehre und der Mu nition zum Hilfskreuzer wurde beschleunigt und dann kam von unserer Kommandobrücke das Kommando Alle Leinen los!" Berwick" kam an Geschwindigkeit nicht gegen uns auf, jedoch konnten wir das Gefecht nicht aufnehmen, weil die Ber wick" zu stark armiert war. Die aufregende Verfolgung dauerte den ganzen Tag. Endlich wurde auf dem Ausguck gemeldet, daß die Ber wick" außer Sicht fei. Tag und Nacht wechseln in den Tropen überraschend; eS war 6 Uhr 40 Minuten. Ein sternenloser Himmel, der Mond guckte nur zu einem kleinen Teil aus den Wolken hervor, und die Karlsruhe" lag im Mondenscheine. Plötzlich wurde an der Backbordseite in ungefähr zehn See meilen Entfernung ein Rauchschwaden gemeldet und bei ge nauerer Beobachtung erkannten wir, daß es sich um einen eng lischen abgeblendeten Kreuzer handelte. Laut ertönte von der Kommandobrücke der Befehl: Klar zum Gefecht!" Schon sind unsere Blaujacken auf Gefechtsstellung und jeder auf seinem Posten. Da kommt auch schon der erste eiserne Gruß von dem Eng- länder. Die Distanz ist zu kurz bemessen, denn die englischen Grana- ten schlagen etwa 200 Meter vor uns ins Wasser ein und ver ursachen somit nur hohe Wassersäulen. So begann der Kampf, und Breitseite auf Breitseite wurde gefeuert. iW 33 IS. Kapitel. Zu unserer größten Freude sahen wir, daß der englische Kreuzer ,achteraus sackte , d. h. er blieb zurück. Er war schwer beschädigt und nicht in der Lage, seinen Helfershelfern ein Scheinwerfer- oder sonstiges Notsignal zu geben, woraus wir folgerten, daß seine elektrischen Maschinen zerstört waren. Wie sich später herausstellte, war es der Kleine englische Kreuzer Bristol", mit dem wir das Gefecht gehabt hatten. Wir erfuhren nachher, daß Bristol" von zwei englischen Kreuzern schwer havariert in den Hafen von Kingston ein geschleppt wurde. Am 9. August, morgens, liefen wir in Porto Nico ein, um unsere Kohlen- und Proviantvorräte zu ergänzen. Hier an der Pier war ein lebhaftes Treiben, sobald in der Stadt bekannt wurde, daß ein deutsches Kriegsschiff Karlsruhe" im Hafen Anker geworfen hatte. Eine Reuterdepesche hatte nämlich nach Amerika gemeldet, daß die Karlsruhe" in dem Gefecht mit Bristol" schwer be schädigt worden sei. Die Einwohner der Hafenstadt, welche sich von den Einge borenen um den Kreuzer rudern ließen, um die von den engli schen Granaten gerissenen Löcher im Schiffsrumpf der Karls ruhe" zu besichtigen, waren sehr erstaunt, solche nicht zu finden. Wir hatten Mühe, den Leuten klar zu machen, daß die Eng länder, welche mit ihren Geschützen nichts erreichen konnten, durch ihre Schwindeltelegramme den Eindruck ihrer Unwider stehlichkeit zur See erwecken wollten. Wie die weiteren englischen Telegramme nunmehr aufgefaßt werden, bedarf Wohl keines Kommentars. Den Hafen von Porto Rico verließen wir des abends mit abgeblendeten Lichtern, da vor dem Hafen zwei englische Panzer kreuzer auf der Lauer lagen, und nur der großen Geschicklichkeittilar zum Gefecht. unseres Kapitäns und unserer Offiziere ist es zu danken, daß wir den Hafen unbehelligt verlassen konnten. Am 18. August hatten wir das Glück, den englischen Damp fer Bowes Castle", welcher Salpeter und Eisenerze geladen hatte, zu nehmen und zu versenken. Somit wurde das erste feindliche Handelsschiff im Atlantik von S. M. S. Karlsruhe" erbeutet. Bei der Wegnahme feindlicher Handelsschiffe spielt die Fun- kentelegraphie eine große Rolle. Sie leistete uns sehr wertvolle Hilfe. Wurde ein Handelsschiff gesichtet, so war es bald eingeholt und durch Flaggensignale oder Funkenspruch aufgefordert, die Maschinen zu stoppen. Nachdem das geschehen, ging ein Offizier mit der Prisen besatzung an Bord, um den Warenbestand auf dem Handels schiffe aufzunehmen, sich über Ziel und Abgangspunkt zu orien tieren usw. War es ein feindliches Handelsschiff, so wurde die Besatzung von einem deutschen Begleitschiff übernommen, Kohlen und Pro viant wurden, soweit benötigt, ebenfalls von dem Begleit dampfer übernommen und dann wurde das Schiff durch Oeff- nen der Seeventile und durch Dynamitsprengungen versenkt. Trotzdem die englischen Kriegsschiffe manchmal auf dem selben Breitengrad mit uns waren, konnten sie doch eine Kape rung nie hindern, da keines von ihnen es mit der Schnelligkeit der Karlsruhe" aufnehmen kann. Folgende Aufstellung möge zeigen, wie gewissenhaft die Be satzung von S. M. S. Karlsruhe" ihren schweren Dienst im Atlantik versieht. Es wurden bisher von feindlichen Handelsschiffen versenkt:Ib. Kapitel. Name de Schiffes Ladung in Tonnen Tag der Wegnahme Art der Ladung Lovss Mastis" . - - 18. 8. 14 Salpeter und Eisende Hlkblv Lrimok" . . . SS00 31. 8. 14 AuSstellungSvieh .LLrstlu o?" 7000 1. 9. 14 Kohlen S500 14. 9. 14 Stückgüter 7000 17. 9. 14 Kohlen Holländischer Dampfer . S000 21. 9. 14 Kriegskonterbande .Loroisk Lit?" . . . 4000 21. 9. 14 Kohlen .Rio lonassu" .... 4000 22. 9. 14 Kohlen .kttovto cls . 10000 ö. 10. 14 Vichfutter 6000 6. 10. 14 Kohlen I^^vxrovan" .... 5000 7. 10. 14 Zucker und Mais .... 5300 8. 10. 14 Hafer .?rutk" 4000 9. 10. 14 Salpeter .Vov6or- S500 11. 10. 14 Stückgut, Dynamit ,QIkMÜt0ll 4000 18. 10. 14 Kohlen .Rorsüsls" 4600 23. 10. 14 Mais ,vim v ek," Passagier dampfer . . 14300 26. 10. 14 Fleisch und Mehl in Mengen, etwa 200 Passagiere Die ersten Prisen wurden auf Dampfer Krefeld" der Hamburg-Südamerika-Linie" mit etwa 500 Personen nach Teneriffa geschickt, wo sie an Land gesetzt wurden und der eng lische Konsul die kleine Arbeit hatte, für diese 500 Mann für Unterkommen und Weiterbeförderung zu sorgen I Die anderen Prisenbesatzungen einschließlich der 200 Passa- giere kamen auf den Passagierdampfer Afuncion". Die Besatzung der englischen Handelsschiffe setzte sich zu sammen aus Holländern, Chinesen, Arabern, Negern und Engländern. ISS136 Klar zum Gefecht. 16. Kapitel. Mein Heim ist meine Burg?? IVl? kome is mx castle?? John Bull un sin Bulwark Wo bliwt sin grot Mulwarl? Die Deutsche Marine ist aber auch gar zu rücksichtslos: Reißt sie doch mitleidslos ein Blatt nach dem anderen aus John Bulls welkem Ruhmeskranz. Das die Welt umspannende, die Meere beherrschende (!) AI- bion muß in ohnmächtiger Wut es mit ansehen, wie es sogar an seinen eigenen Küsten, in seinen eigenen Gewässern von den Deu: scheu mit Erfolg angegriffen wird! Wer hätte das früher gedacht? Und dabei liegt Englands vierfach überlegene Kriegsflott? ruhig vor Anker und wagt nicht, aus ihren Schlupfwinkeln heraus zukommen! O einst so stolze Britannia, wie weit bist du gesunken! Dein Trutzlied: knie, Lriwiuiia, ruls tbe vavss: Lritoos Qever skall de slaves! (Herrsche, England, beherrsche die Seel Engländer sollen niemals Sklaven sein!) ist zum Hohn und Spott aller seefahrenden Nationen geworden. Am 3. November unternahmen unsere großen und kleinen Kreuzer einen Angriff auf die südöstliche englische Küste bei Mar- mouth. Sie beschossen die dortigen Küstenwerke und einige klein Fahrzeuge, die in der Nähe vor Anker lagen und augenscheinlich einen Angriff nicht erwarteten.137 IS. Kapitel. Stärkere englische Streitkräfte waren zum Schutze dieses wich tigen englischen Hafens nicht zur Stelle. Das unseren Kreuzern scheinbar folgende Unterseeboot D 5" lief dabei auf eine Mine und versank. Zu gleicher Zeit erließ die englische Admiralität die hochtönende Bekanntgabe, daß die ,ganze Nordsee als Kriegsgebie? erklärt sei und der neutralen Schiffahrt der Weg um Nordengland herum ver boten wurde. Der Hauptgrund dieser Verfügung war die Angst vor unseren Unterseebooten und die Einsicht des Unvermögens, die Nordsee so abzusperren, daß tatsächlich der gesamte neutrale Handel wirksam kontrolliert werden kann. Schon kurz vorher empfahl die englische Admiralität der neu- tralen Schiffahrt, zur Vermeidung der ,lästigen^ Durchsuchung aus See, bestimmte englische Häfen anzulaufen. Das tat sie lediglich, um ihre Schiffe der Unterseebootsgefahr zu entziehen, der sie beim Vornehmen der Durchsuchung in freier See ausgesetzt sind. Jetzt tat England einen Schritt weiter in der Knebelung des neutralen Handels mit jener Regelmäßigkeit, die neben anderen ,glänzenden^ Eigenschaften dieses Volkes während des Weltkrieges recht eigentlich erst zutage getreten sind. Es versucht, dem neutralen Handel durch Vorspiegelung von Gefahren den Weg durch die nördliche Nordsee zu verleiden und ihn durch den Kanal zu pferchen. Dort könnten die Schiffe dann ungefährdet, ,in Ruhe auf das schärfste kontrolliert werden Die englische Admiralität versuchte in ihrer Bekanntgabe den Glauben zu erwecken, als ob die Route nördlich der Shetlandinseln in der Nordsee fortan mit Gefahr verbunden wäre. Eine solche ist natürlich in keiner Weise vorhanden. Die Auslegung von Minen ist hier, wie beispielsweise auch im Skagerak, wegen der großen Wassertiefen unmöglich.133 Klar zum Gefecht. Tatsächlich ist die Schiffahrt zu der Zeit nirgends so sicher ge wesen wie auf der Strecke um Nordengland herum. Das Ganze also war nichts weiter als ein englischer ,Bluff , auf den nüchtern denkende Menfchen kaum hereingefallen sein dürften. Die neutrale Schiffahrt wird in ihrem eigensten Interesse gut tun, die von der Admiralität angegebene Fahrstraße unmittelbar längs der englischen Küste zu vermeiden. Hier hat England überall Minen gelegt. Die südliche Nordsee wimmelt bei dem minderwertigen Minen Material von treibenden Minen englischen und französischen Ur sprungs, die, entgegen den völkerrechtlichen Bestimmungen der Haager Konferenz, noch scharf sind. Wie gefährlich das Befahren der südlichen Nordsee und der englischen Küstengewässer ist, zeigten die zahlreichen Schiffsunfälle durch Auflaufen auf Minen. Für die Schiffahrt bedeutete die Befolgung der englischen Wei sung eine enorme Gefahr, um die sich aber England in seiner ge wohnten gewissenlosen Weise nicht kümmert. Auch hier wird Gut und Blut der Neutralen wieder einmal den eigenen selbstsüchtigen Interessen Albions geopfert. Mit dem unausführbaren Versuch, die Nordsee zu sperren, hat England aber für sich selbst wieder einmal ein der Komik nicht ent behrendes Armutszeugnis abgelegt. Der Besuch vom 3. November sollte indessen nicht etwa der einzige bleiben, den wir John Bull abstatteten, o nein, es sollten dem noch manch andere folgen. Am 16. Dezember unternahmen Teile unserer Hochseeflotte einen Vorstoß nach der englischen Ostseeküste und bombardierten die befestigten Plätze Scarborough und Hartlepool. Hartlepool liegt auf einem Hochgebirge an der Mündung der Tees in der Grafschaft Durham, Scarborough etwas südlich davon in der Grafschaft Aork.139 IL. Kapitel. Scarborough gilt als die wichtigste Hafenstadt der englischen Ostküste, sie zählt über 40 000 Einwohner und hat ziemlich starke Befestigungswerke und Schiffswerften. Die Beschießung rief in ganz England die größte Aufregung hervor. Das Bombardement begann um 8 Uhr morgens. Die Bevölke rung verließ in größter Aufregung die Häuser; 25 Personen wurden getötet. Sie eilte zur Eisenbahnstation, wo sie noch gerade den Zug nach Hull erreichen konnte. Verschiedene Gebäude wurden beschädigt. Der Maschinist eines Zuges sagte aus, er habe gesehen, wie drei Schornsteingruppen in Scarborough getroffen wurden. Der Kommandant des Forts im Westen von Hartlepool be richtete, daß die deutschen Kriegsschiffe zwischen 8 und 9 Uhr das Fort beschossen und daß eins der deutschen Schiffe gleichzeitig das Feuer gegen Whitby eröffnete. Als die Behörden von Scarborough die Nachricht erhielten, daß Vorbereitungen getroffen wurden, die Küste anzugreifen, wurden sofort alle Verteidigungswerke in Bereitschaft gestellt und die ganze verfügbare Artillerie und Infanterie befand sich auf ihrem Posten.140 Klar zum Gefecht. Auf Scarborough wurden etwa 6V Granaten gefeuert, Küstenwachtstation und das Wasserwerk zerstört. Zwei Reihen verschiedener Häuser und die historische Abtei von Whitby wurden zum Teil vernichtet. Es herrschte Nebel, als das Bombardement begann. Ein Augenzeuge der Beschießung von Scarborough erklärt, daß die deutschen Kriegsschiffe außerordentliche Kaltblütigkeit und Mut bekundeten. Nichts wies darauf hin, daß es deutsche und nicht britische Schiffe waren. Die Kriegsschiffe fuhren in die Bucht ein und näherten sich dem Pier weiter, als ein Kriegsschiff je unternommen hat. Einer der ältesten Fischer von Scarborough sagte, daß es kein Lotse wagen dürfte, ein Schiff so nahe an die Küste heranzubringen. Ein verwundeter Matrose in Hartlepool erzählte: ,Sobald die Annäherung des Feindes signalisiert war, machten wir uns für das Gefecht fertig, aber das Feuer begann schon, als wir den Hafen verlassen hatten. Die Küstenbatterien beantworteten das feindliche Feuer kräftig. Der erste Schuß traf uns gerade, als wir den Hafen verließen. Er ging in die Kommandobrücke, verursachte aber wenig Schaden. Ich glaube nicht, daß unsere Geschütze den Feind erreichten. Unser Schiff wurde dreimal getroffen. Wir flüchteten nach dem Tees, den wir um IOV2 Uhr erreichten. Von den auf der Höhe von Hartlepool befindlichen englischen Schiffen, dem Kleinen Kreuzer Patrol" und dem Torpedoboots zerstörer Down" sind 5 Matrosen getötet und 15 verwundet worden. Zahlreiche Frauen und Kinder liefen im Nachtgewande auf die Straße. Die drei deutschen Kreuzer, welche Hartlepool beschossen, wur den von einem englischen Torpedoboote angegriffen, ohne daß den Deutschen irgendwelcher Schaden von Bedeutung zugefügt wurde. Dagegen wurden zwei englische Torpedobootszerstörer vernichtet und einer schwer beschädigt.141 16. Kapitel. In Hartlepool selbst wurde bedeutender Schaden angerichtet. Drei große Brände konnten festgestellt werden. Eine Granate traf die Gasfabrik, die in Brand geriet. Mehrere Einwohner der Stadt wurden getötet: 82 an der Zahl und 25V verwundet. Im ganzen: 127 getötet und 567 verwundet! Darob natürlich großes Gezeter in der ganzen englischen Presse: Es seien offene Städte bombardiert worden! Dabei geben die englischen Meldungen selber zu, daß die eng lische Artillerie in beiden Städten das Feuer erwidert hätte. Wie reimt sich denn das zusammen, sehr ehrenwerter und .wahrheitsliebender^ John Bull? Nein, hier bist du wieder einmal der blamierte Europäer, und deine Krokodilstränen nimmt niemand für Ernst Bei dem Bombardement der englischen Ostküste sanken vier britische Kauffahrteischiffe. Die Häuser von Fishburn, Parkwalk, die eine halbe Meile von der See entfernt stehen, haben sehr schwer gelitten. Granaten fielen auch in Boghall, wo viele Fenster durch den Luftdruck zerbrachen und Häuser zerstört wurden und in Nuswarp, das eine Meile vom Meer entfernt liegt, sowie noch weiter im In land; in Meadowfield wurde eine Schule beschädigt. Ueber die Hälfte der Geschäfte wurde sofort geschlossen. Man sah ganze Straßen mit beschädigten Hausdächern. Die englische Presse schrie teils Zeter und Mordio, teils log sie ihren Lesern das Blaue vom Himmel herunter. So sei der erste Beweggrund der Deutschen der gewesen, ihrem Haß gegen England Ausdruck zu geben, der zweite, Rache für die Vernichtung des Geschwaders des Admirals Grafen Spee neh men, der dritte, es den Neutralen deutlich zu machen, daß deutsche Schiffe in der Nordsee erscheinen können, der vierte, die eitle (?) Hoffnung, eine Panik zu erwecken, damit die Truppen in England bleiben, die sonst nach dem Festlande gesandt werden würden, der fünfte und nachhaltigste, die Admiralität zu zwingen, eine größere Streitmacht als bisher in bestimmten Teilen der Nordsee zusammen-Klar zum Gefecht. zuhalten, wo sie dann fortwährend Bedrohungen durch Minen und Unterseeboote ausgesetzt wären. Weder die Admiralität noch das englische Publikum würden darauf hineinfallen. Es sei keine Panik (?) entstanden und es würde keine entstehen, vielmehr herrsche ein Geist der Beruhigung und Genugtuung, daß das Ereignis schließlich allgemein klar macht, daß sich die Nation im Kriege befinde und daß sie bereit sei. Das sind Musterbeispiele für die Kunst, die Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Fast könnte man hiernach meinen, daß England unserer Flotte dankbar ist für den neuen Vorstoß gegen seine Küste. Ueber den Versuch, die durch unsere Kreuzer hervorgerufene Panik abzuleugnen, braucht kein Wort verloren zu werden. Wertvoll aber ist das Geständnis, daß die englische Flotte sich nicht der ,Bedrohung durch Minen und Unterseeboote aussetzen will John Bull wollte sich nun auch einmal für die Besuche, die wir ihm abgestattet, revanchieren und machte daher am 25. Dezember mit leichten Streitkräften einen ganz erfolglosen Vorstoß in die deutsche Bucht. Unsere gegen sie aufklärende Flugzeuge und Luftschiffe erzielten durch Bombenwürfe auf zwei englische Zerstörer und einen Begleit dampfer Treffer. Vier englische Wasserflugzeuge wurden vernichtet. Auch mit seinen Dreadnoughts hat England ganz entschieden Pech. Anstatt daß sie, wie der Erste Lord der Admiralität prahlte schon am ersten Tage der Mobilmachung die deutsche Flotte auf de Meeresgrund beförderten, liegen sie still und ängstlich in den Höfe und werden dabei noch in die Luft gesprengt. In den ersten sieben Monaten des Weltkrieges haben wir noch kein einziges Linienschiff verloren, die Engländer dagegen drei, nämlich: Audacious", Bul- wark" und Formidable". Sie machten ihren stolzen Namen keine Ehre und waren weder kühn, noch furchtbar, noch ein Bollwerk für England. 14Z16. Kapitel, Jedes dieser Riesenschiffe hatte einen Wert von etwa 30 Millio nen Mark und eine Besatzung von über 1000 Mann, die zum größten Teil mit untergingen. Die Andacious" geriet am 25. Oktober auf eine Mine an der Nordküste Irlands, setzte sich also auf eine ihrer eigenen Minen! Die englische Admiralität hielt dies Ereignis streng geheim, um Aufregung im Lande zu vermeiden und hat bis heutigen Tages den Verlust der Audacious" noch nicht zugegeben I Dagegen schrieb die schwedische Zeitung National Tidende" aus Stockholm: ,Ein schwedischer Dampfer, der am 21. Oktober mit der Olympic" Newyork verließ, sichtete am 25. Oktober mittags an der irischen Küste ein großes englisches Kriegsschiff, das still lag und augenscheinlich in Not war. Auf Verlangen des Kriegsschiffs nahm die Olympic 250 Mann der Gesamtbesatzung an Bord Wie verlautete, war das große englische Kriegsschiff morgens stark beschädigt worden, doch war es ungewiß, ob durch eine Mine oder durch ein Torpedo von einem deutschen Tauchboot. Uebrigens wurde den Olympic"-Passagieren durch Anschlag verboten, in England etwas von dem Gesehenen zu berichten. Die Olympic" versuchte, das Kriegsschiff, das eine starke Schlagseite bekommen hatte, ins Schlepptau zu nehmen, was sich aber als unmöglich erwies. Nach dem, was die Passagiere später erfuhren, ging das Kriegs schiff darauf unter. 250 Matrosen wurden nach Beifort auf ein anderes telegra phisch herbeigerufenes Fahrzeug übergeführt. Die Vernichtung der Audacious" traf die englische Marine schwer, denn es handelte sich hier um einen Dreadnought modernster Art. Das Schiff war im Jahre 1910 bewilligt und 1912 vom Sta pel gelaufen und gehörte der King George V."-Klasse mit noch drei anderen Schiffen an. Es sind das Linienschiffe von über 27 000 14Z144 Klar zum Gefecht. Tonnen Deplacement und sehr starker Panzerung, die eine äußerst schwere Armierung tragen. Die Audacious" führte 10 34,3-, 16 10,2- und 4 4,7-Zenti- meter-Geschütze, 5 Maschinengeschütze und 3 Torpedorohre. Es war ein Turbinenschiff von 27 00t) Pferdestärken, die ihm ^2 Seemeilen Geschwindigkeit gaben. Die Besatzung betrug etwa 1100 Mann, von denen nur 250 gerettet wurden. In englischen Marinekreisen wurde unter der Hand die Les art verbreitet, daß es dem Kommandanten der Audacious" nach der Explosion glückte, das Schiff auflaufen zu lasten. Die Bergung des Kolosses, der für den gegenwärtigen Krieg jedenfalls keinen Gefechtswert mehr habe, sei aber mehr als zweifel haft. Bei diesem Schiffe ist es besonders interessant, daß es mit seinen Schwesterschiffen noch im Juni 1914 als Repräsentant der englischen Flotte an der Kieler Woche teilgenommen hatte, und dort nicht allein die deutsche Kriegsflagge salutierte, sondern auch an dem Trauersalut bei der Ermordung des österreichischen Thronfolgers teilnahm. Während seines Kieler Aufenthaltes war das Schiff der Ziel- Punkt zahlreicher Besucher; im Augenblicke, als die Depesche von der Ermordung des Thronfolgerpaares eintraf, legte es sich aber wie ein Alp auf die Flotte, und es trat sofort eine merkbare Ab kühlung zwischen den Flotten ein. Bekannt ist, daß bald darauf das britische Geschwader, das noch weitere Repräsentationsbesuche machen sollte, nach England zurück berufen wurde und durch den Kaiser Wilhelm-Kanal die Rückreise in die Heimat antrat. Der Abschiedsgruß des britischen Admirals, in dem auf die frühere und zukünftige Kameradschaft zwischen der englischen und der deutschen Flotte hingewiesen wurde, sollte bald darauf durch die englische Kriegserklärung einen eigenartigen Kommentar erfahren.16. Kapitel. Die britische Admiralität gab weder zu. noch bestritt sie die Katastrophe, trotzdem die in skandinavischen, holländischen und deut schen Zeitungen berichteten bestimmten Einzelheiten eine Ableug nung erfordern, falls eine solche möglich ist. Das amtliche englische Schweigen nutzte also gar nichts und be stätigte nur die Katastrophe, die um so beschämender für England ist, als sie durch bloße Unachtsamkeit herbeigeführt wurde. Der englische Marineminister Churchill sagte in einer großen Bankettrede in der Guildhall am 9. November: Unsere Flotte ist hundert Tage nach dem Kriegsauebruch stärker als zu Beginn, trotz des Verlustes von Schiffen von geringer Bedeutung!" Alles Vertrauen in die persönliche Aufrichtigkeit Churchills sowie in die Zuverlässigkeit der Admiralität muß schwinden, wenn es sich erweist, daß Churchills Wort nach dem Untergange der Audacious" fiel. Am 25. November verlor England ein zweites großes Linien schiff, den Bulwark" und büßte fast die ganze Besatzung ein. Der Untergang des Bulwark" ereignete sich an der Themse- Mündung bei Sheerneß, und zwar wieder durch eigene Schuld der Engländer. In der Sitzung des Unterhauses teilte Churchill mit, daß das Linienschiff Bulwark" am 25. November, morgens, infolge einer inneren Explosion in die Luft geflogen sei. Zwischen 700 und 800 Mann sind umgekommen und nur 12 Mann gerettet. DaS Schiff sank in drei Minuten und war verschwunden, als sich die dichten Rauchwolken verzogen hatten. Die Explosion war so stark, daß die Gebäude von Sheerneß bis auf die Fundamente erzitterten und wurde mehrere Meilen land einwärts vernommen. Der Bulwark" stammte aus dem Jahre 1899, hatte 1k 250 Tonnen Wasserverdrängung, !3 bis 19 Meilen Geschwindigkeit, 4 30,5-, 12 15-Zentimeter-Geschütze und 750 Mann Besatzung. Die Klasse, zu der das vernichtete Schiff gehört, besteht aus acht Ein ig Klar zum Gefecht. 14k146 Klar zum Gefecht. heiten, eine seltene Erscheinung in der englischen Flotte, die darauf hinweist, daß der Typ als ein besonders geglückter angesehen wird. An Einzelheiten erfuhren wir später noch, daß, als die Explo sion stattfand, der größte Teil der Mannsckiaft noch beim Frühstück war. Die anderen Schiffe im Hafen setzten Boote aus. Ein kleiner Teil der Besatzung der Bulwark" war über Nacht an Land gewesen und kehrte gerade an Bord zurück, als die Explosion erfolgte, entkam so dem Tode, wenn auch verwundet. Die Detonation war so stark, daß auf anderen Schiffen Men schen ein paar Meter in die Höhe geschleudert wurden und alles Por zellan und Glas zerbrach. Die Engländer führen den Untergang auf eine Explosion deS Pulvermagazins zurück. Das ganze Schiff wurde in kleine Stücke zerrissen. Admiral Lord Beresford, vefsen Flaggschiff Bulwark" war, gab eine gleiche Erklärung, obgleich ihm die Explosion völlig unbe greiflich, da die Munition gm und erprobt war und unter richtiger Temperatur gehalten wurde. Alles dachte im ersten Augenblick der Katastrophe an einen Ueberfall durch ein Zeppelin-Luftschiff. Als sich die dichten Rauchwolken verzogen, war vom Schiffe nichts mehr zu sehen. Ein Augenzeuge erzählte, daß eine ganze Reihe von Detonationen von einem Ende des Schiffes zum andern erfolgte. Mit den beiden Dreadnoughts Audacious" und Bulwark" sollte es indessen nicht sein Bewenden haben. Das englische Linienschiff Formidable" lag ganz friedlich im Hafen von Plymouth, einem der stärksten britischen Kriegshäfen, als es plötzlich von einem deutschen U-Boot angeschossen und versenkt wurde. Eine solche Kühnheit war bisher denn dach noch nicht dage wesen. mitten in einem englischen stark befestigten Kriegshafen! Das war etwa so, als wenn ein englisches Uboot nach Wilhelmshaven oder Kiel käme und dort unsere Linienschiffe torpedierte.14? Aber davor werden sich die englischen Uboote schwer hüten. Und immer noch ließ sich Prahlhans Churchill im Unterhause vernehmen. Er meinte, daß die verhältnismäßige Stärke der englischen Flotte beträchtlich größer sei als bei Beginn des Krieges! Es sei keine Übertreibung, zu sagen, daß England ein Jahr hindurch monatlich einen Uebcrdreadnought verlieren könne, ohne daß der Feind Verluste erlitte, und noch dieselbe Ueberlegenheit auf See besäße wie vor dem Kriege. Es sei aller Grund vorhanden, der Macht der Flotte zu vertrauen, selbst, wenn England allein stände, aber es habe obendrein mächtige Verbündete zur See, mit denen s in besten Beziehungen stehe! Diese ausdrückliche Betonung, daß England zu seinen Verbün deten zur See ,in besten Beziehungen stehe, klingt recht eigenartig. Der eine mächtige Verbündete zur See, Frankreich, hat bisher noch gar nichts mit seiner Flotte gegen uns unternommen, und der andere, Rußland, hat bald gar keine Schiffe mehr, kann sich also auch beim besten Willen nicht rühren. Seine Ostseeflotte liegt still in Kron stadt und wagt nicht herauszukommen, und seine Schwarze Meer flotte wird von den Türken in Schach gehalten und ist auch schon von diesen besiegt worden. Also von seinen Verbündeten hat England zur See nichts zu erhoffen, es muß sich ganz auf sich selbst verlassen. Werfen wir bei dieser Gelegenheit einmal einen kurzen Rück- Älick auf die bisherigen Verluste Englands zur See.14 Klar zum Gefecht. Englands verlustreicher Seekrieg" wurde einmal der Krieg 1914 von einem italienischen Blatte genannt. Diese Aeußerung ist durchaus berechtigt; es sind bisher 32 englische Kriegsschiffe und Kriegssahrzeuge vernichtet worden. Fünf Linienschiffe: Audacious", Bulwark", Formidable", Jrrefistible" und Ocean", fünf Panzer- kreuzer, nämlich: Aboukir", Cressy". Houge", Monmouth", Good Hope", fünf Kreuzer: Pegasus". Amphion". Hawke", Hermes", Glasgow", vier Unterseeboote, die Hilfskreuzer Ocea- nie", Austral", Bayano" und Clan Mac Naughton", fünf Tor pedoboote: Speedy", Bulfinch", Niger" und zwei bei den Dar danellen, ebenso zwei Minenleger. Hierzu kommt noch ein Panzerkreuzer der Lion"-Klasse, ent weder Lion" selbst oder Tiger" in dem im nächsten Kapitel be schriebenen zweiten Seegefecht bei Helgoland. Es ist also ein recht verlustreicher Seekrieg, den England . . . nicht führt. Es kommen dazu sicherlich noch Verluste, von denen wir bisher noch nichts gehört. So wissen wir z. B., daß mehrere englische Schiffe bei der Beschießung unserer Westarmee schweren Schaden erlitten haben. Die Menschenverluste in Höhe von etwa 6000 Mann einge rechnet, bedeutet dieser Krieg schon jetzt für England eine schwere Schädigung, ganz abgesehen von der moralischen, denn Englands Prestige ist für alle Zeiten unwiederbringlich dahin! 17. Kapitel. Das zweite Seegefecht bei Helgoland. Am 23. Januar 1915 liefen hinter S. M. Großem Kreuzer Seydlitz" mit der Flagge des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe, Konteradmiral Hipper, im Topp, die Großen Kreuzer Moltke" Derfflinger" und Blücher" aus Wilhelmshaven aus.143 17. Kapitel. Vorauf flogen der Kiellinie der vier Schiffe die Kleinen Kreuzer Kolberg" und Stralsund" mit Torpedobootsflottillen in Form eines Bogens oder aufgespannten Schirms, der stets Geschwader gegen plötzlichen Regen von Granaten zu schützen Pflegt. Oben spähen auf allen Schiffen die Augen der Kriegswachen ins Wehen aus Nordwest. Unten schlummern Dienstfreie im Schlafe des Gerechten. Nach dem Zweck der Fahrt fragt vorläufig niemand. Bekannt ist er nur dem Admiral. Der Morgen graut. Die Wache wird gewechselt. Vorn vor der Brücke der Kolberg" hält als Kriegswachleiter ein junger Kapitänleutnant Umschau. Im ersten Licht des über bewegter See klaren Tages sieht er halblinks voraus etwas wie ein schwelendes Streichholz über den Wellen und daneben rechts und links ein Dutzend schwarzer Schattenstriche. Er läßt das Glas am Lsderband von den Augen fallen, hebt die Hand zur Mütze und spricht, den Kopf drehend, zum Kommandanten rechts und Ersten Offizier links: Backbord voraus, Kreuzer mit einem Mast und Zerstörer, also . . ." ,Engländer^ will er weiter sa gen. Aber den Mund unter seinem Glase öffnend, ist der Komman dant ihm zuvorgekommen mit dem Befehl: Klar Schiff an schlagen!" Auf den Wirbel schlüpfen drunten die vom Nachtdienst be rußten Heizer wieder in die Kleider statt ins Badewasser. Die Geschützbedienungen hasten auf ihre Posten, die Sanitäter zum Verbandplatz. Die Ingenieure eilen in die Maschinen- und Heizräume, die Seeoffiziere auf ihre Gefechtsstationen und zum Kommandoturm. Durch enge, schmale Ritzen spähen im Schweigen gespanntester Erwartung große, weite Augen, während die Herzen frohlocken: .Heute gibt s wasl Der Kapitänleutnant auf Kolberg" nimmt kein Auge vom Gegner und bald speit Kolberg" Eisen über das Wasser.15 Klar zum Gefecht. Damit beginnt ein Kampf der Artillerie zweier Kleiner Kreuzer. Auf dem feindlichen Kreuzer werden gute Treffer festgestellt; auch der unsere erhält zwei, nämlich eine 15- und eine 10.2-Zentimeter- Granate. Die eine durchschlägt das Mannschaftsklosett, die andere richtet noch geringeren Schaden an. Kolberg" hat heute noch gleiche Kampf- und Maschinenkraft wie vor dem Gefecht und nur 3 Tote und 2 Leichtverwundete an Besatzung verloren. Die Treffer waren von so geringer Bedeutung, daß Kommandant und Erster Offizier erst später von ihnen erfuh ren, und keinerlei Erschütterung spürten. Anstelle der Gefallenen und Verletzten traten still und flin? Ersatzleute. Kolberg" blieb in Fahrt und wollte näher an den Feind. Aber Stralsund", die weiter rechts voraus des nach Nordwest dampfenden Geschwaders fuhr, hatte unterdessen an den Admiral auf Seydlitz" gemeldet: Steuerbord voraus 8 große feindliche Schiffe!" Das Flaggschiff antwortete mit einem Befehl, der das Ge schwader der vier Großen Kreuzer kehrtfchwenken ließ und den Schirm von vier Kleinen Kreuzern zuklappte. In entgegengesetzter Richtung wie vorher geht jetzt die Reise nach Südost. Der deutschen Küste sind am nächsten Kolberg", Stralsund", Graudenz", Rostock" und die Torpedoboote. Es folgten Seyd- litz", Moltke", Derfflinger" und am Schlüsse der Linie auf letzter, ruhmreich schöner Heldenfahrt unser Blücher". Halten wir fest, daß vor der Schlacht unser Geschwader so zur deutschen Küste fuhr. Während der Fahrt zur deutschen Küste steht auf der Brücke der Moltke" ein Kapitän, der anderer Verdienst und gute Augen zu würdigen versteht und darum beim Erzählen nicht von sich, son dern von dem Lotsen an seinem Ellbogen spricht:151 17. Kapitel. Der Lotse sagte mir plötzlich, er sähe Steuerbord achtern fünf Rauchwolken." Das werden fünf von den feindlichen Zerstörern sein, Lotse!" Nein, Herr Kapitän! Dafür werfen sie mir ein zu breites Bugwasser auf!" Kommandant und Lotse begutachten die kaum sichtbaren fünf Schatten auf dem Wellengrün noch durchs Glas, als auf 500 Meter halbrechts hinter ihnen eine große Granate ins Wasser schlägt und eine hohe Wassersäule zurückwirft. Damit hatte der Feind sich demaskiert. Entweder waren halbrechts hinter unserem Geschwader fünf bislang nicht gemeldete große Schiffe aufgetaucht oder aber fünf von den vorher gesehenen acht hatten weit ausholend, um unser Ge schwader von links nach rechts herumgegriffen. Das Feuer wird bei uns sofort erwidert. Um mehr Geschütze zur Geltung zu bringen, marschiert der Gegner, dann unser Geschwader, in einer Staffel auf. Mit einem Abstand von etwa 22 Kilometer fahren also in schräger Linie vorn vier deutsche und hinten fünf englische Schiffe gestaffelt. In der Fahrt versucht jede Einheit durch ständiges Drehen dem Feinde möglichst viele Geschütze zuzukehren. Die Briten hatten mehr als wir. Wer Größe und Bestückung des Blücher" kennt, darf etwa sagen, daß wir un jetzt laufenden Gefecht mit 3Vs Einheiten gegen k kämpften. Das Feuer der Briten konzentrierte sich zunächst auf unser letztes Schiff. Ein schwerer Treffer in die Maschine, und unser Blücher" bleibt langsam zurück. Schon ehe er endlich unter einem zweiten Treffer mit letztem Signal meldet: .Sämtliche Maschinen versagen steht er von der vorderen Brücke bis zum Heck in Flammen. In riesiger Säule lodern sie zum Himmel.152 Klar zum Gefecht. Darum haben die Männer an Bord jedoch nicht gezagt. Es ist vielmehr wahrscheinlich, daß sie, wie andere ihrer Kameraden auf andern Schiffen, eigenhändig Luken öffneten, weil sie lieber sinken und ertrinken, als Schiff und Flagge dem Gegner ausliefern wollten. Ein Brand an sich scheint nämlich weniger gefährlich, als er aussieht. Trug doch schon nach dreiviertelstündigem Gefecht auch die Schanze des Seydlitz" Brandwirkung. Dieses Schiff ist von den heimgekehrten Seydlitz", Moltke" Derfflinger", Kolberg", Stralsund", Graudenz" das einzige, dem das zweistündige Feuer des Feindes eine wirkliche Wunde schlug. Die Briten schießen nämlich auf allzu weiten Abstand, um dem Feuer unserer mittleren Artillerie fern zu bleiben. Wohl darum sehen wir an Derfflinger" und Seydlitz" je einen Treffer, der wohl an die Schiffswand schlug, aber sie so wenig beschädigte, daß das Einsetzen einer neuen Platte unnötig war. Die Granate, die auf Seydlitz" die Schanze in Brand setzte, durchbohrte einen Turmunterbau und entzündete Munition. So gab es Feuer und Tote im Turm. Sonst ist auch Seyd litz" unbeschädigt. Das Schiff war sofort nach Löschen des Brandes kampffähig, und so wenig Schaden ist dem ganzen Geschwader geschehen, daß der Admiral kein einziges Schiff ins Dock zu schicken hatte. Alle sind zum Auslaufen bereit. Das Flicken des Seydlitz"-Turmes ist eine Sache von Tagen und wird durch an Bord geschickte Arbeiter besorgt. Doch bleiben wir während des zweistündigen Feuergefechts zur Beobachtung der besseren Wirkung unserer eigenen Artillerie auf der Moltke". Unter schweren Treffern sackte zunächst von den fünf Schiffen der englischen Staffel das zweite vom ersten Flügel. Es blieb zurück, es ,fchor aus . Das dritte schloß auf und es entstand eine Lücke zum bis herigen vierten Schiff!153 17. Kapitel. So folgten unserem Geschwader jetzt zwei Gruppen von je gwei englischen Schiffen. Das ausgeschorene Schiff ward nicht wiedergesehen unb ist wohl gesunken. Aber mit der Zeit sackten oder schwenkten gar kehrt auch die beiden jetzt vorn rechts stehenden Schiffe, und das ist erklärlich, da auf den Briten an Treffern allein fünf brandftiftende beobachtet wurden. Die englische Kampflinie war jetzt in Verwirrung und ihre Kampfkraft gebrochen. Darum nur kann der Admiral des Feindes das Gefecht ab- gebrochen und sich zur hinkenden Heimfahrt entschlossen haben. Weder das deutsche Minenfeld noch deutsche Unterseeboote, von denen der britische Bericht erzählt, waren zu dieser Zeit in der Nähe, aber ... die Briten einfach fertig! Sie hatten sich blutige Köpfe geholt und konnten ihrem Gegner nicht weiter folgen. Außer Gefecht gesetzt wurden von ihren großen Kreuzern dreil Englische Blätter verkünden, daß die Reparatur Monate in Anspruch nehmen wird. Von unseren Schiffen wurde eins, der mit Flaggen am Mast ruhmvoll ins Wellengrab gesunkene Blücher", außer Gefecht gesetzt. Alle anderen an der Aktion beteiligten deutschen Schiffe blie ben gefechtsfähig. Kein Kleiner Kreuzer wie englische Berichte verkünden ist gesunken. Alle vier sind unversehrt. Unser schöner Erfolg wird vermehrt durch die unbestreitbare Tatsache, daß einer der großen englischen Kreuzer gesunken ist. Gewiß kann das Menschenauge irren und gerade die Erregung des Gefechtes macht Sinnestäuschungen. Aber den Untergang des britischen Kreuzers haben gar zu viele Augen gleichzeitig gesehen, gar zu viele Lippen von den verschiedensten Orten gemeldet, als daß ein Irrtum obwalten könnte.Klar zum Gefecht. Ter Kommandant der Moltke" erhält von seinem Zweiten Artillerieoffizier zunächst Meldung von einer großen Explosion auf dem feindlichen Schiff. Der meldende Offizier hält seinen Vorge setzten für Minuten von der Wirkung der Explosion auf dem lau fenden und schließt: Das Schiff sinkt!" Da geht die gleiche Meldung auch von zwei anderen Offizieren und verschiedenen Leuten des Schiffes ein! Sie wird an den Admiral weitergegeben und er hört Bestäti gung durch die Meldung des Torpedobootes V 5". Später meldet das den Briten folgende Luftschiff die Abfahrt von vier Kreuzern, also auch aus der Luft ist der Verlust des einen Kreuzers beobachtet worden. Kann noch ein Irrtum obwalten? Ausgeschlossen! Ueber alles Lob erhaben ist wieder die Haltung des Personals während des Gefechts gewesen. Mit solchem Offizierkorps und solcher Mannschaft sich zu schlagen, ist ein Vergnü gen", sagt ein Kommandant. Während Sprengstücke der zu kurz ge fallenen Gra naten das Deck der (ohne jede Wunde abge kommenen) Moltke" be säten, ließ der 154155 17. Kapitel. Kommandant durch das Netz von Sprachrohren und Telephonen seine Leute von jedem Erfolg des Gefechts wissen. Ein unbeschäftigter Matrose greift in Freude über eine Nachricht zur Violine. Während es aus den Türmen des Schiffes kracht und von drü ben heiße Eisengrüße zischende Wassersäulen Hochwerfen, spielt er zum Schlachtentanz auf: Es braust ein Nuf wie DonnerhallI" Der nächste singt mit. Von Lippe zu Lippe hallt durch Munitions- kammern und Geschütztürme, durch alle grauen kahlen Gänge der schimmernden Burg von Stahl unser feierlich ernster und doch kampffreudig froher Schlachtengesang. Ohne Rast aber tun die Fäuste weiter ihre rauhe treue Arbeit für Kaiser und Vaterland. . . . Und nun zum Schluß dieses Kapitels noch einen Brief von einem Maaten des Kleinen Kreuzers Kolberg" an seine Ange hörigen: ,Nachdem Ihr nun lange nichts mehr von mir gehört habt, will ich Euch den Beweis bringen, daß wir ,Kolberger auch noch leben und nicht, wie der Engländer behauptet, auf dem Meeres boden ruhen. Mit letzterem wollen wir lieber noch etwas warten, da augenblicklich das Wasser zu kalt ist und wir auch noch nicht den uns zufallenden Teil englischer Streitkräfte vernichtet haben. Letzthin haben wir wieder eine kleine Balgerei mit dem modernen englischen Kreuzer Aurora" und 12 Zerstörern ge habt. Es war dies am 24. Januar, welcher Tag stets ein Ehren tag der Marine bleiben wird, so sagte vorgestern unser Kaiser, der uns in Wilhelmshaven besucht hat. Wenn dies uns S. M. selbst sagt, dann mag der Engländer sagen, was er will. Wir, die Kolberg" fuhren an diesem Tage am linken Flü gel der Aufklärungslinie, weit vor unseren Panzerkreuzern. Morgens um 8 Uhr, es war gerade Wachwechsel gewesen, undKlar zum Gefecht. die abgelöste Kriegswache wollte sich waschen und frühstücken, wurde plötzlich Klar Schiff zum Gefecht" angeschlagen. Unsere Ausguckposten hatten einen Kreuzer und Zerstörer gesichtet. Alles stürzt, so wie jeder war, auf Gefechtsstationerl. Nun dichter heran. Richtig: Ein Engländer! Nun folgte auch unser Gruß in Gestalt einer vollen Lage deutschen Stahls. Die müssen drüben nicht wenig erstaunt ge wesen sein ob solcher Begrüßung; denn erst als wir schon drei Minuten lang Salve auf Salve ihnen entgegengeworfen, fiel drüben der erste Schuß. Unsere Salven saßen gut. das haben nicht nur wir, sondern auch ein bei uns befindliches Torpedoboot beobachtet. Zuletzt feuerte der Brite nur noch mit einem Geschütz, er hatte wohl schon genug. Leider mußten wir nun zu den Panzerkreuzern stoßen, so daß wir ihm nicht den Nest geben konnten. Es waren englische Schlachtkreuzer gemeldet, und jetzt hieß es, Gefechtsformationen einnehmen. Unser Gefecht war auf der Doggerbank. Wir nahmen nun Kurs nach Südost, um die Engländer nach unferer Küste heranzuziehen. Auf 20 Kilometer begann das Gefecht unserer großen Brü der? wir waren zum Zusehen verdammt, weil unsere kleinen 10,5-Zentimeter nicht so weit langten. Das nun folgende Schauspiel war großartig, und nur das Gefühl, nicht zum Siege beitragen zu können, während rings die großen Brummer um uns einschlugen, beeinträchtigte unsere Freude. Ein Engländer schor aus der Gefechtslini^ mit Schlagseite aus. Auch unser Blücher" blieb zurück. Treffer in die Maschine also verloren.157 18. Kapitel., Nun schien dem Feinde die Lust am Kampfe vergangen ;u sein, ein Zerstörer war gesunken, Blücher" hatte ihn ab geschossen, zwei weitere soll er auch noch erledigt haben. Der Feind drehte ab und brach das Gefecht ab, ein Torpedo boot ist aber zum Schuß gekommen und der betreffende Panzer kreuzer ist gesunken. Blücher" sank, wie Zeppelin meldete, um zehn Uhr. Folgen konnten wir dem Feinde nicht mehr, weil er noch starke Kräfte im Rücken hatte. Aber, wenn es uns auch nicht gelang, ihm noch mehr Scha den anzutun, so hat er doch mehr wie genug aufs Dach be kommen. Unser Kommandant erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse^ Es versteht sich, daß die englische Admiralität trotz all dieser Augenzeugen auch jetzt noch immer den Verlust ihres Panzerkreuzers ableugnet, ebenso wie sie bisher auch den Untergang des Audacious" nicht zugibt. 18. Kapitel. Allerlei. Wir haben schon eine ganze Menge von unseren Auslands kreuzern berichtet und doch bleibt uns noch einiges zu vermelden, auch noch ein oder das andere vom Inland. Am 20. September vollführte der englische Kleine Kreuzer Pegasus" eine große Heldentat (?), indem er nämlich, von Sansibar kommend, unser offenes Daressalam in Ostafrika beschoß und zum Teil zerstörte, und dabei versenkte er unser Kanonenboot Möwe". Die Möwe" war indessen keineswegs ein kampffähiges Kanonen boot, sondern vielmehr ein Vermessungsfahrzeug ohne jeglichen158 Klar zum Gefecht. Kampfwert. Bei Beginn des Krieges wurde sie als für die Krieg, führung wertlos abgerüstet. Dem Pegasus" sollten feine Unternehmungen indessen schlecht bekommen. Als er nämlich in der Bucht von Sansibar lag und Maschinen reinigte, wurde er von unserem Kleinen Kreuzer Königsberg" an- gegriffen und vollständig unbrauchbar gemacht, 25 Mann der eng lischen Besatzung getötet und 30 Mann verwundet. Pegasus" hatte eine Armierung von 8 Stück 10-Zentimeter- Schnelladekanonen und unsere Königsberg" eine solche von 10 Stück 10.5-Zent,meter-Schnelladekanonen. Am 14. September hatte S. M. Hilfskreuzer Cap Trafalgar" in der Nähe der brafilianifchen Küste einen sehr heftigen zweistün digen Kampf mit dem englischen Hilfskreuzer Carmania", der neun Tote hatte. Cap Trafalgar" ging dabei nnter. Die Besatzung konnte durch den deutschen Dampfer Eleonore Woermann" samt und sonders gerettet werden. In der Nacht vom 14. zum 15. September versuchte ein deut scher Dampfer auf dem Kamerunflufse das englische Kanonenboot Dwarf" durch Bomben zu versenken. Der Versuch mißglückte indessen und der Dampfer wurde er beutet. Am 10. September versuchte ein anderer deutscher Dampfer den Dwarf" zu rammen, Dwarf" wurde aber nur wenig beschädigt und der deutsche Dampfer vernichtet. Das 1906 vom Stapel gelaufene Spezialschiff Möwe" war 650 Tonnen groß, nur niit 5 Maschinenwaffen armiert, hatte eine Besatzung von 102 Mann. Die von ihm betriebnen Vermessungen der dortigen Gewässer sind sicherlich von hohem Wert, denn genaues Kartenmaterial stellt letzten Endes auch für die Kriegführung zur See einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar. Für den eigentlichen Krieg kam es indes nicht als schwimmen des Kampfmittel in Betracht.18. Kavitel. Der Pleins" war ein geschützter Kreuzer von 2170 Tonnen Wasserverdrängung, lief 1897 vom Stapel und konnte 20 Knoten laufen. Besavungsstärke war 234 Köpfe. Unser Kleiner Kreuzer Königsberg" wurde im Frübsabr 1914 nach Oslakrika kommandiert, um den Kleinen Kreuzer Geyer" ab zulösen, und befinde! sich seit dem Sommer 1914 an der ostafrika- nischen Küste. Dadurcki, daß sie den Pegasus" vernichtete, kam man englischer- seits auf ihre Spur. Die Königsberg" war in Deutsch-Ostafrika auf einer Strecke von 6 Seemeilen in den Fluß Nufiji eingelaufen und hatte dort ihre Leute ausgeschickt und ein Lager aufschlagen lassen. Warum das geschah, läßt sich nicht beurteilen. Vielleicht wurde sie durch Kohlenmangel dazu gezwungen, vielleicht auch durch einen Maschinendefekt oder, was weniger wahrscheinlich ist, durch Muni tionsmangel. Hier wurde nun die Königsberg" durch den englischen Kreuzer Chathain" ausgestöbert, der zum mittelländischen Geschwader gehört. Da dieser Kreuzer wegen zu großen Tiefganges nicht in den Fluß einzudringen vermochte, versenkte er ein Kohlenschiff in der Flußmündung, so daß unser Kreuzer dort nunmehr in der Falle sitzt. Der Chatliam" beschoß sowohl die Verschanzung der ausge- schifften Bemannung der Königsberg" wie diese selbst, indessen ohne erheblichen Schaden zuzufügen. Da der deutfche Kreuzer nun gefangen war und keinen Schaden mehr anrichten konnte, zogen sich die anderen schnellen englischen Schiffe, die ihn aufgebracht hatten, wieder zurück. Die Königsberg" stammt aus dem Jahre 1903, hat 3400 Tonen Deplacement, eine Geschwindigkeit von 24 Seemeilen und eine Armierung von 10 10.5 - Zentimeter - Geschützen, 2 Maschinen geschützen und 2 Torpedorohren. Ihre Besatzung beträgt 822 Köpfe. Der Kreuzer Chathanl" stammt aus dem Jahre 1911, hat 5500 Tonnen Deplacement, 8 15,2- und 4 4,7-Zentimeter-Geschütze 1ÜLKlar zum Gefecht. und eine Geschwindigkeit von 25,5 Seemeilen. Die Besatzung be trägt 380 Mann. Zum Schlüsse dieses einzigen, nicht gerade sehr erfreulichen Kapitels habe ich noch zu erwähnen, daß wir auch in der Heimat einen harten Verlust zu verzeichnen haben. Am 4. November lief nämlich bei Nebel dem ärgsten Feinde des Seemanns ^ unser moderner Großer Kreuzer Jork" in der Jahde auf eine unserer Minensperren und sank. Die ganze Besatzung konnte zum Glück gerettet werden. 19. Kapitel. Auf Vorposten in der Nordfee. Wer heute von der deutschen Küste nordwärts fährt, sieht aus dem Wasser ein Bild ähnlich dem, daß zu Lande unsere Heere in Rußland und Frankreich bieten. Am Ufer trägt ein Flaggschiff das Oberkommando. An Bord wohnt in engen, schmucklosen Kammern denn alle tzolzteile sind der Feuersgefahr wegen zu Beginn des Krieges von Bord gegeben ein an Zahl überraschend kleiner Stab, der zur Beratung Platz am runden Tisch der Kajüte findet und aufstehend, sich rasch über die Seekarten auf Nebentischen beugen kann. Hier erhellt frohes Lächeln der Anerkennung das Gesicht des Admirals, der mit heiterer Zuversicht die zentnerschwere Verant wortung für die Sicherheit deutschen Küstenlandes und das kriege rische Handeln einer Seemacht trägt, als der mit Funksprüchen ein tretende Adjutant vorlas: Vor Liverpool englischer Dampfer von deutschem Uboot versenkt." lss2000 Seemeilen wurde als Markstein in der Geschichte des Untersee boots bezeichnet. Der französische Temps" schrieb: Das Vordringen des Un terseebootes U 21" in das Meer Irlands ist eine Tatsache von gro ßer Wichtigkeit, weil es die erste Verwirklichung der von Admiral Tirpitz ausgesprochenen Drohung, mittelst Unterseebooten die bri tische Handelsflotte zu zerstören, ist. Man wirft die Frage auf, welchen Weg das Uboot genommen haben mag? Ist es über den Kanal gekommen, so verdankt es seiner Fähig keit, unsichtbar zu sein, die kühne Fahrt, denn es mußte im Kanal an der dort konzentrierten französischen und englischen Flotte vorbei. Klar zum Wesechl. l51 19. Kapitel. Unsere braven Uboote," schmunzelten die Lippen um den Tdsch. Und in der fernen Irischen See schmunzelte vergnügter, ja, lachte wohl hell Kapitänleutnant Hersing (er ist inzwischen befördert worden), Kommandant von U 21", der Vernichter des Path- finder". Die Engländer zerbrachen sich den Kopf, woher U 21" Wohl gekommen sei. Sie meinten, wahrscheinlich um Schottland her um nach dem St. Georgs-Kanal. Diese Fahrtleistung von mehr als162 Klar zum Gefecht. Vom technischen Standpunkte aus ist das Unternehmen be wunderungswürdig. Die deutsche Admiralität scheint den Wert der Unterseeboote von großem Wirkungskreis rechtzeitig erkannt zu haben und hat Dank der Requisition der in deutschen Schiffswerften angefertigten Unterseeboote für fremde Staaten, sich eine erhebliche Anzahl dieser gefährlichen Fahrzeuge für den englischen Handel gesichert." Und die holländische Berlingske Tidende" schrieb aus London: Wie kühn die Tauchboote aufgetreten sinb, geht daraus her vor, daß ein Schiff nur 18 Seemeilen vom Liverpooler Hafen ver senkt wurde. Gerade als das Tauchboot das Schiff angriff, kam ein Pasta- gierdampfer nach Liverpool und steuerte auf das Tauchboot zu. Als der Kapitän die Explosion des Torpedos, mit dem der Kohlendampfer versenkt wurde, hörte, nahm er Kurs auf Helgoland und steuerte im Zickzack, so daß er mit seinem Schiff entkam. Die Angelegenheit hat große Unruhe erweckt, weil der Vorfall sich so dicht bei Liverpool und der Atlantikroute ereignete." .... Vorbei an Großkampfschiffen fchaukeln wir zunächst. Im Zickzackkurs werden Minensperren durchquert. Dann lie- gen Kreuzer auf grauer See. Von den Kolbenstößen der Maschinen unter Dampf zittern die Fahrzeuge wie in verhaltener Ungeduld. Ihre Kommandanten nennen sich die Glücklichsten auf Erden, da es bisher nur ihnen gelang, den Gegner aus seinem Versteck zu locken. Die Mannschaft erzählt mit strahlenden Augen von dem däm mernden Morgen, an dem sie die hohe schwarze Küste Englands aus der Nordsee wachsen sah. Sie schwärmt vom Aufflammen über den explodierenden Gaskesseln von Hartlepool, dem schaurig schönen Bild, das deutsche Hände mit deutschem Eisen als ein Mene tekel britischer Seeherrschaft an den Horizont malten. Die ewig gleichgestellte Uhr steht auch im Krieg und auf Vor posten nicht.163 IS. Kavitel. Abseits schwimmt eine Zielscheibe. Geschütze heben oder senken das Maul an langem Hals, und hinter den Panzerböcken ihrer Türme rasseln die langen Knüppel in den Rohren. Ernster, eifriger, aber noch freudiger, williger als sonst wird geschwitzt und geschanzt, obwohl die Tage des Wartens in eisigem Wehen aus Nordwesten gar lang und eintönig sind. Nur selten, und in Trupps geführt, geht das Personal an Land, damit jederzeit auch der letzte Mann an den Feind gerufen werden kann. Der Gürtel der Kreuzer schirmt nicht als äußerster Küste und Reich. Weiter draußen tragen noch wunderliche flache Kähne Männer in Blau, die in der Flotte Schützengraben" des Krieges grimme Härte spüren. Ablösung kann sie nur selten ersetzen. Sie schlafen für kurze Stunden zwischen feuchten Wänden, und stehen wachsam tagaus tagein in klingendem Frost oder in gemein, sam die Backen beißendem Wehen. Die Gesichter sind blau, die Finger steif, klamm und kalt, aber warm schlägt auf treuer Wacht das deutsche Seemannsherz, das in Fährden und Nöten noch nie so kernig echt wie jetzt sich zeigte. Durch die Ketten dieser Kleinsten brechen, wie zu Lande Pa trouillen, auf See Torpedoboote oder Flottillen vor. Ihre rußige Bewohner sind unwirsch, weil es anders kam, als sie hofften. Jauchzend fuhren sie nach der Mobilmachung aus und durften annehmen, daß Britannien die gewaltige Flotte für den Kampf, also für einen Angriff auf unsere Küsten geschaffen habe. Doch die Begegnung blieb aus. In sechs Monaten waren die Engländer nur zweimal in der Nordsee zu sehen. Kein Wunder, daß die von der schwarzen Waffe mürrisch die Schultern heben: Wegen sowas hat man sich jahrelang schinden müssen!" li-Klar zum Gefecht. Ein schwarzes Boot flitzt von vorn am Kreuzer vorbei, um im Hafen Proviant zu holen. Als letztes deutsches Fahrzeug am Feind kehrte es neulich vom Kreuzergefecht des 24. Januar heim, weil es schon vor der Begeg nung der Kolberg" mit einem kleinen feindlichen Kreuzer eine leichte Maschinenstörung hatte. Es folgte zum Helfen bereit im Kielwasser des brennenden Blücher", bis der Gegner ihm die Ehre erwies, das kleine Ding aus schwersten Geschützen zu beschießen. Aber wer gut aufpaßt," meinte der Kommandant von V K", ist sicher, nicht getroffen zu werden, und ich dachte bei der Sache an die Geschichte vom ,Swinegel un sine Fru , denn fielen die Dinger rechts, so fuhr ich links, und spritzte es links, so drehte ich nach rechts. Nur kam ich dabei vom Blücher" ab." Dieses Boot sah einen feindlichen Zerstörer sinken und nur vier der fünf übel zugerichteten englischen Kreuzer heimhinken. Verschiedene an Bord voneinander fernstehende Leute meldeten nach Abfeuern zweier Torpedos, daß der eine Schuß getroffen und ein großes englisches Schiff in aufqualmender Dampfwolke zum Sinken gebracht habe. Noch weiter als die Schwarzen, fahren unter Wasser die Wei ßen hinaus, um ihre todbringenden schlanken Silberfische mit blut rotem Kopf gegen England fchirmende oder England versorgende Schiffe abzuschießen. Auf vielen Weißen Booten an unserer Küste zittern Männer in Ungeduld, es den Kameraden auf U 21" gleichzutun und Bri- tannia den Gnadenstoß zu geben. Von den äußersten Vorposten schweifen die Gedanken zu den Kühnen, die über See der jungen Flotte Lorbeer pflückten. Also wurde von der Karlsruhe", vom Sieg des Grafen Spee gesprochen und der Name Mücke genannt. Wir daheim hören von den Taten der waghalsigen Tapfern, wie wir eine Geschichte von Wilhelm Naabe lesen, nämlich mit jenem Aachen, bei dem Rührung eine Träne an die Wimpern drängt. 1S419. Kapitel. Anders die Männer auf unseren schwimmenden Burgen von Stahl. Sie werfen, wenn der Name fällt, nun wieder anders in unge trübt soldatischer Freude hell auflachend den Kopf zurück. Gewiß hätte der Unverzagte mit seinen Getreuen ein Wellen grab finden können, aber das dünkt seinen Kameraden unwesentlich neben der Tatsache, daß er ohne Waffen und Hilfsmittel noch feind lich Gut zu den Fischen schickte. Sein dienstlicher Bericht über das heldische Sterben der Em den" schloß: ,So war es uns leider nicht vergönnt, beim letzten Waffen- gang unseres geliebten Schiffes mitzutun, aber wir werden ver suchen, das wett zu machen Laut spricht aus den schlichten Worten der Emden" unsterb licher Geist. ,Wir sagt der Führer, und läßt zur Flottenleitung auch die Mannschaft, mit der er sich eins weiß, reden, denn die Taten der Emden" konnten nur deutsche Seeleute vollbringen, die wie deutsche Soldaten in Siegesfreude und Kampfesnot aus Gedeih und Verderb sich eins mit ihren Führern und wie in keinem andern Lande ihre guten, lieben und treuen Kameraden wissen. Und nur im gleich treuen Zusammenarbeiten und Zusammen halten, im Geiste der Emden" und deutscher Soldaten, konnte Mück ,wettmachend Alle Männer seiner nun vorläufig geborgenen kleinen Helden schar wußten, daß sie dem Vaterlande auch Helden bleiben würden, wenn sie auf neutraler Erde die Waffen niederlegten. Aber die Flagge herunterholen wollte der auf einer Nußschale gerettete Geist der Emden" auch in Ehren nicht! Er band das Tuch an eine neue Stange, wenn auch noch so klein! In Lumpen und mit leerem Magen, aber fröhlich und guten Muts, setzte er zu neuen Abenteuern Segel, denn wie nach Lebens mitteln, mußte Mücke auch nach Kleidern für die Seinen erst suchen. 16S166 Klar zum Gefecht. Hafenbehörden fragen mißtrauisch, was sein morscher Kasten unter geflickter Leinewand vorstelle. Er hebt den Kopf: Ein Kriegsschiff Seiner Majestät des Deutschen Kaisers," sagt er, und verbirgt hinter würdig feierlicher Miene den Zwang zu ausgelassenem Lachen. Irgendwie fand er dann nicht nur Kleider, sondern sogar einen Dampfer. Seine Bekannten in Kiel und Wilhelmshaven wären nicht er staunt gewesen, wenn er sich weiter verbessert hätte und in Hodeida mit einem britischen Dreadnought als Beutestück und Flaggschiff angekommen wäre. Der Deutsche aber zweifelt fast, wen er mehr lieben soll, den reifen, in kühnstem Wagen besonnenen ernsten Führer, der den Na men Emden" an die ewigen Sterne und in unsere Herzen schrieb, oder den tolldreisten Erben seines Ruhmes, der sorglos und mit dem Leben Fangball spielend, es darauf ankommen ließ, wieviel Schaden und Spektakel er, ohne Waffen und Hilfsmittel, auf den Märkten des feindlichen Handels anrichten konnte. L0. Kapitel. Unsere Kolonien. Schon in Friedenszeiten waren wir darüber klar, daß bei einem Kriege mit England unsere Kolonien zunächst verloren sein würden, das endgültige Schicksal derselben aber auf den europäischen Schlachtfeldern entschieden werden würde. Nachdem wir den Heldenkampf von Kiantschou schon in einem früheren Kapitel geschildert, wollen wir uns jetzt mit unseren übrigen Kolonien beschäftigen.167 2 Z. Kapitel. Wenn auch die gewaltigen Vorgänge auf den europäischen Kriegsschauplätzen naturgemäß im Vordergrunde des Interesses stehen, so ist die Anteilnahme an den Ereignissen in den weit ent legenen Gebieten unserer Kolonien nicht erlahmt. Wie die zahlreichen, dem Reichskolonialamt täglich zugehenden Nachfragen beweisen, besteht im Gegenteil allseitig ein lebhaftes Bedürfnis, über die Geschicke der Schutzgebiete möglichst eingehend unterrichtet zu werden. Wenn in folgendem versucht wird, diesen Wünschen zu ent sprechen, so muß dabei leider von vornherein auf eine auch nur einigermaßen erschöpfende Darstellung verzichtet werden. Denn alsbald nach Kriegsausbruch wurde jeglicher Schiffs verkehr mit den Schutzgebieten ausgeschlossen, gleichzeitig wurden von den Engländern sämtliche deutschen Ueberseekabel zerschnitten, und damit auch die telegraphische Verbindung mit sämtlichen Schutz gebieten unmöglich gemacht. Als einziges Verständigungsmittel blieb zunächst noch der Funkentelegraph übrig. Die ersten kriegerischen Maßnahmen der Engländer zielten indessen darauf ab, uns auch dieses Mittels zu berauben. So fielen am 12. August die Funkenstation Jap und bald da rauf auch diejenige von Naura, am 29. August Tafaigata (Samoa) und am 12. September Bitapaka auf Neupommern. In der Nacht vom 24. zum 25. August mußte auch die Groß- funkenstation Kamina in Togo unsererseits zerstört werden, um ihre Besitzergreifung durch die feindlichen Truppen zu verhindern. Hiermit entschwand auch die Möglichkeit weiterer direkter Ver ständigung mit den afrikanischen Schutzgebieten, die bis dahin durch Vermittelung von Kamina aufrechterhalten werden konnte. Allerdings hatte sich dabei von Anfang an eine Störung be merkbar gemacht, die es verhinderte, von Ostafrika Nachrichten zu empfangen, so daß gleich nach Kriegsausbruch die Berichterstattung des dortigen Gouverneurs aussetzte. So muß das in folgendem zusammengestellte Material, dasKlar zum Gefecht. zum großen Teil auf Umwegen verspätet hierher gelangte und meist Privatbriefen oder der feindlichen Presse entstammt, notwendiger weise lückenhaft bleiben und teilweise auch als unzuverlässig angese hen werden. I. Deuisch-Gstafrika. Aus den obigen Gründen haben wir direkte amtliche Nach richten aus diesem Schutzgebiet seit Kriegsbeginn nicht erhalten können. Auch die inzwischen auf Umwegen zu uns gelangten Mittei lungen privater Natur sind so spärlich, daß sich vorläufig ein auch nur annähernd klares Bild über den Verlauf der kriegerischen Vor gänge in Ostafrika nicht gewinnen läßt. Die nachstehenden Angaben stützen sich, soweit nicht anders vermerkt, lediglich auf Nachrichten aus der Presse unserer Gegner. Nach bis Anfang September reichenden Privatnachrichten ist damals im Innern Ostafrikas alles ruhig gewesen. Der Andrang der Kriegsfreiwilligen sowohl von Europäern wie Eingeborenen war so stark, daß längst nicht alle haben ein gestellt werden können. Immerhin ein erfreulicher Auftakt bei der Vorbereitung der Kolonie auf schwere Zeiten! Die kriegerischen Ereignisse in Ostafrika spielten sich in fünf weit voneinander liegenden Gegenden ab, und zwar an der Küste bei Daressalam, im Südwesten an der deutsch-englischen Grenze zwischen Njassa- und Tanganjikasee, im Norden und Nordosten jenseits der deutsch-englischen Grenze, im englischen Gebiet auf dem Ostufer des Victoriasees und in der Gegend nordöstlich des Kilimandscharo, und schließlich im Nordwesten am Kiwusee. Während wir es an den vier zuerst genannten Stellen mit englischen Kolonialtruppen zu tun hatten, waren am letztgenannten Punkte die Belgier unsere Gegner. Ueber die einzelnen Kämpfe ist folgendes zu sagen: Die Eng- länder eröffneten die Feindseligkeiten von der See her gegen Dar essalam. 1KL163 20. Kapitel. Ihr kleiner Kreuzer Pegasus" nach privaten Nachrichte soll auch der englische kleine Kreuzer Pandora" dabei beteiligt ge wesen sein versuchte durch Geschützfeuer den Funkenturm von Daressalam umzulegen, was ihm jedoch nicht gelang. Der Turm wurde später seitens des deutschen Gouvernements entfernt, wahr scheinlich um die offene Stadt Daressalam vor weiterer Beschießung zu schützen. Desgleichen wurde nach übereinstimmenden deutschen Privat nachrichten das im Hafen von Daressalam liegende, aber, da ohne Gefechtswert, bereits abgerüstete frühere Kanonenboot, jetzige Ver messungsschiff Möwe" sowie das Schwimmdock von den Deutschen versenkt. Einige Tage später wurde der englische Kreuzer Pegasus" von dem deutschen kleinen Kreuzer Königsberg" vor Sansibar ange- griffen und vollkommen gefechtsunbrauchbar gemacht. Nach privaten Nachrichten soll ein anderer englischer kleiner Kreuzer bei Daressalam auf ein Riff aufgelaufen sein und dort festliegen. Mitte August scheinen dann die Engländer Daressalam besetzt zu haben. Aus Privatnachrichten geht hervor, daß es gelungen ist, die in Daressalam garnisonierenden Abteilungen der Schutz- und und Polizeitruppe, nebst allen Vorräten an Munition, Ausrüstung, sowie die Archive und alles Eisenbahnmaterial nach dem Innern in Sicherheit zu bringen. Das gleiche trifft für die Hafenstadt Tanga, den Ausgangspunkt der Usambarabahn, zu. In Ergänzung dessen wurde noch in der Augsburger Abend zeitung" vom 29. Oktober mitgeteilt, daß sich in Deutsch-Ostafrika ,alles vollkommen in Ordnung befände, die Leute wie in Friedens- zeiten auf den Plantagen und Kontoren arbeiten, und nur ein Teil der Bevölkerung, soweit abkömmlich, zu Militärdiensten eingezogen wurde Mangel an Nahrungsmitteln soll nicht herrschen.170 Klar zum Gefecht. Diese Mitteilungen kommen von einem Anfang September in Nairobi als Kriegsgefangenen eingelieferten deutschen Offizier. Von einem Vordringen ins Innere scheinen die Engländer ab gesehen zu haben. Ebenso scheint die Pariser Meldung, daß ein französisches De- tachement von Madagaskar aus in Stärke von 7 Bataillonen Kolo nialtruppen und einem Artillerie-Regiment den englischen Angriff unterstützen sollte, sich nicht bestätigt zu haben. Es ist auch an sich höchst unwahrscheinlich, daß die Franzosen in einem solchen Umfange Madagaskar von Truppen entblößt haben sollten. Im Südwesten der Kolonie, auf dem Njassasee, überraschte am 14. August der englische Regierungsdampfer Gwendolin", der mit 2 Geschützen ausgerüstet ist, den kleinen Dampfer Hermann von Wißmann" im Sphinxhafen an der Westküste des Sees und machte ihn durch Wegnahme von Maschinenteilen unbrauchbar. Der Kapitän, der Maschinist und die farbige Besatzung wurden gefangengesetzt. Dieser, in der feindlichen Presse zu einem Seesieg" gestempelte Erfolg war ebenso billig wie harmlos, da das kleine deutsche Fahr zeug, das nur wenige Passagiere und Ladung in ganz beschränktem Umfange aufnehmen kann, lediglich einen alten, nur zu Salutschüssen brauchbaren kleinen Völler an Bord hatte. Am 5. September soll dann eine deutsche Abteilung den Ort Abercorn, auf dem Tangajikaplateau in Nord-Rhodesien gelegen, angegriffen haben, aber zurückgeschlagen worden sein und sich unter beständigen Kämpfen über die Grenze zurückgezogen haben. Verluste scheinen beide Teile nicht gehabt zu haben. Dagegen fanden Anfang September heftigere Kämpfe am Westufer des Njassasees statt. Der englische Bericht besagt, daß am 8. September die deutsche Abteilung den englischen Kräften ausgewichen sei und dann am 9. Karonga, am Westufer des Sees gelegen, erfolglos angegriffen habe. Beim Herannahen der zu Hilfe eilenden englischen Abteilung seien171 20. Kapitel. die Deutschen über den Songwefluß (Grenzfluß) zurückgegangen, wobei sie die dortige Brücke zerstört hätten. In den, dem Rückzüge voraufgehenden Kämpfen hätten die Deutschen an Europäern 7 Tote und 3 Verwundete gehabt. Letztere, darunter die Leutnants v. Veltheim und Kieckhoefer, seien in Gefan genschaft geraten. Die Engländer gaben ihre Verluste an Europäern auf 4 Tote und 7 Verwundete an. Es muß dazu erwähnt werden, daß soweit bis jetzt bekannt die Engländer an keiner Stelle unseren zurückgehenden Truppen über die Grenze in deutsches Gebiet gefolgt sind. Wäre es der Fall gewesen, und wären dabei seitens der Eng länder Erfolge erzielt worden, so ,würde es die englische Presse sicher lich nicht verschwiegen haben. Ueber die Kämpfe an der Nordostgrenze berichtet die Dmly Mail" auf Grund amtlicher englischer Nachrichten folgendes: ,Jm Laufe des September unternahmen die Deutschen längs der Grenze zwischen Deutsch- und Britisch-Ostafrika Vorstöße zu dem Zwecke, in britisches Gebiet einzudringen und die Ugandabahn zu unterbrechen. Mit Ausnahme der Besatzung einer unbedeutenden Grenz station gemeint ist Wohl Taveta an der Straße Moschi-Voi durch eine schwächere deutsche Abteilung, deren Eindringen entgegen zutreten man zurzeit nicht für angebracht hielt, seien alle Versuche deutscher Truppen, in Britisch-Ostafrika einzudringen, zurückgewiesen worden. Die britischen Garnisonen Ostafrikas und Ugandas seien seit Kriegsausbruch durch starke Truppennachschübe aus Indien, so wie durch berittene und unberittene Freiwilligenkorps aus der Ko lonie selbst verstärkt worden. Es bestehe somit kein Grund, sich über die dortige militärische Lage zu beunruhigen. Ueber die einzelnen Gefechte wird folgendes gesagt: Am 6. September sei es westlich des Tsavoflufses zu einem Hef ligen Zusammenstoß zwischen englischen Streitkräften, bestehend aus indischen Truppen und King s African Rifles (farbige Schutztruppe)172 Klar zum Gefecht. einerseits und einer starken deutschen Abteilung andererseits ge kommen. Letztere sei heftig angegriffen und zurückgeworfen worden. In der folgenden Nacht seien die Deutschen in Berührung mit der eng. lischen Flankenabteilung gekommen und hätten weitere Verluste sc- litten. In diesem Kampfe seien ein englischer und ein deutscher Offi- zier gefallen. Es sei natürlich, daß die englischen Truppen Verluste durch hef tiges Feuer unserer Maschinengewehre erlitten hätten, welche die Punjabs (indische Truppen) durch einen schneidigen Bajonettangriff zu nehmen versuchten. Der Versuch sei erfolglos gewesen. Ueber weitere Verluste, auch die der Deutschen, wird nichts gesagt. Ueber die leider nicht gelungenen Versuche der deutschen Truppen, die Brücke der Ugandabahn bei Voi zu zerstören, liegen ver schiedene kurze Privatnachrichten vor. Danach drang schon Ende Nugust eine deutsche Patrouille nach Voi vor, ohne ihren Zweck erreichen zu können. Diese Patrouille von 20 Askaris wurde von 2 Weißen geführt, sie verirrte sich, und die beiden deutschen Führer wurden als Kriegs gefangene nach Nairobi gebracht. Eine zweite Patrouille, geführt vom Leutnant d. R. von Busse, wagte sich Anfang September vor und wurde zersprengt; von Busse geriet bei Bura in Gefangenschaft. In den weiteren Scharmützeln bei Voi und am Tsavo sollen geringfügige deutsche Streitkräfte gegen numerisch weit überlegene englische Truppen gekämpft haben. Am 10. September drang wiederum nach der Daily Mail" am Ostufer des Victoriasees in der Gegend von Karungu (eng lische Grenzstation nordlich der deutschen Station Schirati) eine deutsche Abteilung in annähernder Stärke von 400 Mann einschließ lich 50 Europäern in britisches Gebiet ein und besetzte am 11. Kifii. Am 12. griff dann eine englische Kolonne die Deutschen an, die am 13. Kisii räumten und sich auf Karungu zurückzogen. Die20. Kapitel. englischen Truppen stießen vor und nahmen Kisii wieder. Dort hätten sie 10 tote Europäer gefunden und 6 verwundete gefangen genommen. Die englischen Verluste betragen: 1 Offizier tot und 2 verwundet. Diese gehörten dem 4. Bataillon der King s African Rifles an. (Das betreffende Bataillon steht in Uganda.) Einige Tage später kam es bei Karungu zum Austausch von Schüssen zwischen den zur Flottille der Ugandabahn gehörenden Dampfern Winifred" und Kavirondo" und dem deutschen Dampfer Muansa", nachdem vorher Winifred" allein sich zunächst vor der Muansa" zurückgezogen hatte. Beide englische Dampfer besetzten dann wiederum Karungu, das von den Deutschen geräumt worden war. Zur richtigen Einschätzung dieser Vorgänge muß man beachten, daß sowohl Winifred" als auch Kavirondo" Schiffe von 600 bezw. 900 Registertonnen und somit weit über doppelt so groß als Muansa" sind. Am 19. September griff in dem Gebiet des Tsavosluffes eine deutsche Abteilung den Posten in Campi ya Narabu an, soll jedoch nach zweistündigem Gewehrfeuer zurückgeschlagen worden sein und sich in einzelnen Gruppen auf deutsches Gebiet zurückgezogen haben, IL Tote (nach anderer Lesart 8) auf dem Gefechtsfeld zurücklassend. Ein englischer Offizier, der Führer des Postens, fiel. Sein Nachfolger im Kommando lobt die vorzügliche Haltung der King s African Rifles und hebt hervor, daß der von den eng lischen Streitkräften errungene Erfolg den Mut der in der Nachbar schaft lebenden Massai bedeutend gehoben habe. (!) Am 23. September hätten die Deutschen, 100 Mann stark, den englischen Außenposten Majoreni in der Nähe von Kisii ange griffen, wären aber geworfen und hätten sich über den, ebenfalls noch auf britischem Gebiet gelegenen Mwenafluß zurückgezogen. Ein englischer Offizier und ein anderer Europäer seien verwundet worden. Anderen Nachrichten zufolge soll am 25. September ein Gefecht in dem Gebiet zwischen der Magadi-Eifenbahn (Zweigbahn der 1.7L 74 Klar zum Gefecht. Ugandabahn nach dem an der Grenze liegenden Magadisee) und an der Grenze stattgefunden haben. Danach hätte eine deutsche Abteilung in Stärke von etwa 35 Europäern und 15V Eingeborenen ge meint sind Wohl Askaris, also farbige Soldaten mit 2 Maschinen gewehren, eine Abteilung der Britisch-Ostafrikanischen berittenen Schützen (europäisches Freiwilligenkorps) in der Stärke von nur 30 Mann angegriffen. Nach etwa einstündigem heftigem Kampfe in dichtem Buschgelände wären die Deutschen geworfen worden und eiligst auf Longido zurückgegangen. Wir sollen dabei 33 Mann darunter 11 Tote verloren haben. Von den berittenen Schützen seien 8 gefallen und 4 verwundet worden. (Diese Nachrichten erscheinen recht unwahrscheinlich.) Das letzte Gefecht, über das Nachrichten hier eingetroffen sind, fand am 26. September bei Mzima am Tsavofluffe statt. Eine starke deutsche Abteilung, einschließlich 50 Europäern und 6 Maschinen gewehren, griff die aus King s African Rifles bestehenden englischen Streitkräfte an. Auch hierbei sollen die Deutschen geschlagen worden sein und sich unter Zurücklassung von 17 gefallenen Eingeborenen (gemeint sind Wohl wiederum Askaris) zurückgezogen haben. Es ist anzunehmen, daß auch der Feind schwere Verluste unter den seinen Streitkräften angegliederten Europäern hatte, und die englischen Verluste, nicht nur, wie gemeldet wurde, 2 verwundete Eingeborene betragen haben. Es ist bemerkenswert, daß die Engländer auch hier trotz ihrer angeblichen Erfolge gegenüber den eingedrungenen Deutschen nichts von einer Verfolgung des geschlagenen Gegners und vom Nachdrän gen in deutsches Gebiet zu melden wissen! Die Gefechtskraft ihrer Truppen scheint demnach in den einzelnen Kämpfen doch stark ge litten zu haben. Bezeichnend sind auch das Verschweigen bezw. die ungenauen Angaben der Verluste bei ihren farbigen Truppen. Einen schönen Erfolg errang allem Anschein nach eine Abtei lung der deutschen Schutztruppe über die bei Kissenji am Nordende des Kiwu eingedrungenen belgisch-kongolesischen Truppen.20. Kapitel. Nach einem vom belgischen Gouverneur von Katanga in Havre eingetroffenen Telegramm sollen die belgischen kongolesischen Trup- Pen eine vollständige Niederlage erlitten haben. Der Matin" hat zwar durch Fortlassung einiger Worte den Inhalt des Telegramms später in das Gegenteil zu verdrehen ge sucht. Jedoch liegt kein Grund vor, an der Nichtigkeit der ersten Meldung zu zweifeln, um so weniger, als sie auch noch von anderer Seite bestätigt worden ist. Erfreulicherweise sind auch amtliche Nachrichten vom Gouver neur Schnee bei uns eingetroffen. Handelt es sich dabei auch nur um Telegramme in denkbar knapper Fassung, so vermögen wir daraus doch wertvolle Anhalts punkte für die Beurteilung der Lage im Schutzgebiet und der krie gerischen Ereignisse wenigstens während der ersten 2^ Monate des Krieges zu entnehmen. Die auf Umwegen hierher gelangten Berichte des Gouverneurs beginnen mit dem 24. August und enden mit dem 16. Oktober. Ich gebe die betreffenden Telegramme soweit erforderlich mit Er läuterungen versehen nachstehend wieder: Nr. 1 vom 24. August: ,Bisher kein Landangriff auf Ost afrika erfolgt. Starke Truppenansammlungen an den Grenzen. Englische Kreuzer beschossen Funkenturm Daressalam, beschlag nahmten dort und in Tanga Handelsschiffe, bombardierten Ba- gamojo ohne erheblichen Schaden. Offene Küstenplätze nicht ver teidigt, Besetzung nicht erfolgt. Wir haben nach geringem Wider stand Taveta besetzt. Diesseits tot Förster Bröker. Belgischer Dampfer auf Tanganjikafee zerstört. Funkenturm Daressalam von uns zerstört Im Anschluß hieran sei gleich bemerkt, daß über eine Be setzung deutsch-ostafrikanischer Küstenstädte durch die Engländer auch bis heute nichts bekannt geworden ist. Nr. 2 vom 29. August: ,Oberleutnant von Oppen hat etwa 36 berittene Engländer in der Nähe von Moschi zurückgeworfen. 17öKlar zum Gefecht. L Engländer und 2 Schwarze tot. Diesseits keine Verluste ge meldet.^ Ueber dieses Scharmützel offenbar das erste auf dem Boden unserer Kolonie stattgehabte Landgefecht war bisher hier nichts bekannt geworden. Nr. 3 (ohne Datum): Am 29. August stieß Europäer patrouille bei Taveta auf englische Patrouille von einem Eng länder und 6 Askari. Englischer Führer gefallen. Am 30. August wurden Posten bei Jassini mit Maschinengewehren be schossen. Am 2. September auf Straße nach Voi durch Patrouille drei englische Motorräder genommen. Ein Führer, anscheinend Italiener, gefangen. Diesseits keine Verluste Nr. 4 (ohne Datum): ,Bezirksamt Moschi drahtet: Detache- ment Hauptmann Schulz stieß am 7. September nach mehrtägi gem Avantgardengefecht kurz vor der Station Tsavo der Uganda bahn auf sehr überlegenen Gegner. Nach 2^ stündigem heftigen Gefecht zog sich Detachement Schulz zurück, da Versuch Umge hung Gegners auf 1^ Kilometer erkannt. Diesseits verwundet: Freiwilliger von Holwede, vier Askari. Auf Gegenseite viele Verluste von Europäern und indischen Truppen, Englische Wa- suheli-Askari sollen sich weigern, gegen uns zu fechten Nr. 5 (ohne Datum): ,Bezirksamt Moschi drahtet: Am 9. September kam es bei gewaltsamer Erkundung durch Oberleut nant Transfeld, 2 Europäern und 15 Askari gegen Makatabag, 4 Uhr nachmittags, zu kurzem Feuergefecht mit überlegenem Gegner. Unteroffizier des Beurlaubtenstandes Kiefner verwun det, ein Askari tot. Beim Gegner ein Toter beobachtet Nachrichten über diesen Vorfall im Kilimandscharogebiet waren früher nicht bekannt geworden. Nr. 6 (ohne Datum): ,Vom Bezirksamt Neu-Langenburg ist Nachricht am 10. September eingegangen, daß Sturm der 5. Kompagnie auf Karonga am Njassasee am 9. September von Engländern abgeschlagen. Auf unserer Seite mehrere Euro- 17K177 20. Kapitel. päer und eine Anzahl Askari tot und verwundet. Hauptmann von Langen verwundet. Im iibrigen liegen über Namen der Toten und Verwundeten noch keine sicheren Nachrichten vor. Arzt Dr. Gotheim soll gefangen sein. Kompagnie über Grenze aus deutsches Gebiet zurückgezogen. Hauptmann Braunschweig aus Muansa-Victoriasee: Der Hilfskreuzer Muansa" hat den englischen Dampfer Sybill", als er im Begriff war, 16t) indische Soldaten und 2 Geschütze nördlich Schirati an der Karungubucht zu landen, angegriffen. Das Schiff Sybill" ist durch mehrere Granatenvolltreffer schwer beschädigt. Die Besatzung hatte anscheinend viele Ver luste durch Maschinengewehrfeuer. Sybill" stellte ihr Feuer ein und dampfte nach Norden. Auf unserer Seite ein Askari ver wundet. (Dampfer Muansa" 34 Tonnen, Dampfer Sybill" RX) Tonnen.) In dem von uns nicht besetzten nördlichen Teil des Bezirks Bukoba sind Engländer eingedrungen Wie ein Vergleich mit der ersten Mitteilung ergibt, waren in der englischen Meldung die Beschießung und schwere Beschädigung des Dampfers Sybill" durch unsere kleine Muansa" und ebenso die damit vereitelte Absicht der Landung von Truppen auf unserem Gebiet gänzlich unterschlagen worden! Statt dessen hatten die eng- lischen Berichte sich des längeren und breiteren mit den anscheinend ganz belanglosen Bewegungen der Dampfer Winifred" und Ka- virando" beschäftigt, die mit der Muansa" ,Schüfst ausgetauscht hätten. Nr. 7 (ohne Datum): ,Bezirksamt Moschi drahtet: Am 19. September, 6 Uhr vormittags, griff Abteilung Leutnant Lan gen in Elmapitzi am Dioldureifh an, Verluste des Feindes sollen sich auf 30 bis 40 belaufen. Diesseits tot k, verwundet 4 As kari Möglicherweise handelt es sich hierbei um dasselbe Scharmützel, das nach englischen Berichten beim Posten Campi ha Narabu" statt- 12 Klar zum Gesech!.178 Klar zum Gefecht. gefunden hat. Genaueres darüber läßt sich vorläufig nicht feststellen, weil ein Platz letzteren Namens uns nicht bekannt ist. Nr. 8 vom 28. September: ,Verstärkte 10. Kompagnie wurde nördlich Longido im Lager von Engländern, Buren und Askaris überfallen. Gegner wurde zurückgeworfen, 14 Tote ge zählt. Viele Reittiere erobert. Diesseits tot: Leutnant Walde. Reservisten Breitkreuz. Hartmann, Kassel. Rothbletz; schwer ver- wundet: Hauptmann Tafel, Reservisten Brennicke, K. Gortzin- ger, Maschache, Feldwebel des Beurlaubtenstandes Beckel; leicht verwundet: Reservisten Horn. Bäsch, Fritz König Nr. 9 (ohne Datum): ,Ergänzung zum Gefechtsbericht der 1V. Kompagnie vom 25. September bei Longido. Der Ueberfall auf verstärkte Abteilung Hauptmann Tafel wurde von 75 Rei tern, in der Hauptsache Engländern und Buren, ausgeführt. Nach etwa 1^ stündigem Gefecht floh Feind zersprengt und eilig. Nach Beendigung des Gefechts wurden bei flüchtigem Zäh len 19 tote Engländer und Buren festgestellt. Erbeutet 21 ge- sattelte Reittiere, 10 Gewehre, viele Patronen. Gegner konzentrierte Feuer stark aus die Europäer. Europäer und Askari der Detachements haben sich vorzüg lich benommen. Stimmung der Truppe ist ausgezeichnet Auch das hier gemeldete, für die Engländer mit einer voL- kommenen Niederlage endende Gefecht das erste am Longido war von der englischen Regierung offenbar verheimlicht. Wenigstens haben die führenden Londoner Blätter diese Nie- Verlage mit keinem Worte erwähnt. Erst das zweite Gefecht am Berge gleichen Namens, das Anfang November stattgefunden hat. wurde seinerzeit in der englischen Presse eingehender erörtert. Der Berg Longido ist in der Landschaft gleichen Namens nordwestlich vom Kilimandscharo an der Grenze auf deutschem Gebiet gelegen. Nr. 10 vom 29. September: ,Hauptmann Baumstark hat Lager von Madorini (auf dem Marsch nach Mombassa) ange griffen, welches von Engländern fluchtartig verlassen wurde. Vorgefunden 2 Vorderladergeschütze mit Muuition. Nach Ein-12 173 M. Kapital geborenen-Nachrichteu ist Shimoni (Ort gegenüber der Wasin- insel, östlich der Umbamündung) ebenfalls verlassen. Gegner hat sich aus Gazi (südlich von Mombassa an der Küste von Britisch-Ostasrika) zurückgezogen. Durch Schwarz pulverexplosion Feldwebel Hersing tödlich, Oberleutnant d. R. (Erster Reserent) Methner schwer verwundet Es ist von besonderem Interesse, daß schon zu damaliger Zeit Ende September deutscherseits Vorstöße in der Richtung auf Mombassa unternommen wurden; die englische Presse hat sich mit den dortigen Vorgängen erst zwei Monate später beschäftigt in welchem Sinne, werden wir bei Besprechung des Telegramms Nr. 13 noch sehen. Nr. 11 vom 30. September: ,Nach nichtamtlichen Nachrich ten ist belgische Station Goma am Kiwu von deutschen Truppen genommen. Auf Kiwusee kreuzt armiertes deutsches Motor boot. Insel Kwidschwi soll von Belgiern geräumt sein Amtliche Bestätigung der belgischen Niederlage auf letztgenann ter Insel bringt das Telegramm Nr. 1-4. In den Mitteilungen der feindlichen Presse über die dortigen Vorgänge war Station Goma bisher nicht erwähnt worden.180 Klar zum Gefecht. Nr. 12 vom Oktober: )Nach Meldung des Kommandos ist über das Gefecht von Loldureish am 26. September festgestellt: Hauptmann Schulz mit und 13. Kompagnie Patrouillenkorps ging gegen feindliches Lager in Stärke von 2 bis 3 Inder - kompagnien, Somali und Europäern, ferner drei Maschinen gewehren und 1 bis 2 kleinen Geschützen am Zusammenfluß von Tsavo und Loldureishfluß vor. um sie mit 6 Maschinen gewehren zu beschießen. Nach kurzer Beschießung wurde wieder in das Lager zurückmarschiert. 10 Engländer. 20 englische Far bige sollen gefallen sein. Diesseits schwer verwundet: Hauptmann Schulz, Feldwebel Röhrig. Feldwebel d. L. Reinhardt, Reservist Fromm; leicht ver wundet: Vizefeldwebel d. Beurlaubtenstandes Wideweg, 2 As- kari; 1 Askari vermißt. Auf dem Gefechtsfelde des Leutnants Klein am 20. Sep tember wurden mehrere große Massengräber gesunden In den englischen Meldungen war als Ort des hier erwähnten Gefechtes vom 26. September Msima am Tsavo angegeben worden. Bei Besprechung der englischen Darstellung fiel es bereits auf, daß die Engländer die Verfolgung der angeblich unter Verlust von 17 As- karis geschlagenen deutschen Abteilung nicht aufgenommen hatten. Ferner vermuteten wir schon damals, daß die Verluste des Feindes sich Wohl nicht nur auf ,zwei verwundete Eingeborene beschränkt hätten. Durch das Telegramm des Gouverneurs wird die Angele- genheit nun aufgeklärt. Offenbar war die Gefechtskraft der eng lischen Truppen durch unsere Beschießung derart geschwächt worden, daß der Feind sich nicht entschließen konnte, den anscheinend ganz geordneten Rückzug der Deutschen zu stören. Nr. 13. (ohne Datum): ,Kigali berichtet: Am 4.. Oktober griffen vier belgische Kompagnien am Kiwusee nördlich von Kisfenji die deutschen Truppen unter Hauptmann Wintzens an. Gegner erlitt schwere Verluste und wurde zurückgeworfen. Ver wundet: Hauptmann Wintzens, Leutnant d. R. Lank, Sanitäts^181 so. Kapitel. -eldwebel Dormeyer, Vizefeldwebel des Beurlaubtenftandcs Purfche, Vermessungsmaat Walter. In dem früheren Gefecht bei Garzi erlitt Gegner anscheinend schwere Verluste, besonders an Europäern. Von unseren Truppen wurden erbeutet 3 Fahnen, von far - bigen Truppen, Gewehre, Instrumente einer indischen Musik kapelle und 120 Ziegen Nr. 14. vom 16. Oktober: ^Belgischer Posten in Nya-Kalengo auf Insel Kwidschwi wurde am 24. September von unseren Truppen unter Hauptmann Wintzens angegriffen und ergab sich nach 1^ stündigem Gefecht. Verlust des Gegners: 6 Askari gefallen, 7 verwundet. Unsrerseits ein Askari verwundet. Kriegs gefangen 1 Offizier und 44 Askari. Erbeutet etwa 50 Mauser gewehre und viel Munition sowie das zweite belgische Stahl boot Aus den Telegrammen 13 und 14 geht zunächst unzweideutig hervor, daß die seinerzeit vom belgischen Gouverneuer von Katanga erstattete Meldung einer vollständigen Niederlage der Belgier zu treffend war, fo sehr auch bald darauf die englische und französische Presse bemüht waren, jene Nachricht zu unseren Ungunsten zu ver drehen. Ueber das Gefecht bei Gazi in Britisch-Ostafrika liegt eine frü here Meldung des Gouverneurs nicht vor. Im Telegramm Nr. 10 war lediglich gesagt worden, daß der Feind sich Ende September dort hin zurückgezogen habe. Dagegen brachte der Daily Chronicle" vom 25. November einige Mitteilungen aus zwei Privatbriefen eines englischen Gefechtsteilnehmers vom 9. und 12. Oktober. Selbstver ständlich kann diese Schilderung nicht als maßgebend angesehen wer den; doch enthält sie neben vielem Belanglosen gewisse Angaben, die nicht ohne Interesse sind, wenn man sie zu den amtlichen Nach- richten aus Deutsch-Ostafrika in Beziehung bringt. Der Korre spondent war mit einer Maschinengewehrabteilung der indischen Truppen nach Nairobi gekommen, wo er erfuhr, daß die britischen Streitkräfte sich wenige Tage vorher vor der Uebermacht der Deut-182 Klar zum Gefecht. schen von der Grenze hätten zurückziehen müssen. Die indische?? Truppen seien dann geradeswegs nach Gazi gebracht worden, wo sie die Engländer antrafen. Am folgenden Tage hätten die Deutschen heftig angegriffen. Das Feuer begann bei Morgendämmerung, und am Nachmittag stürmten die Deutschen die Schützengräben unter scharfem Gewehrseuer. Sie seien dann aber von den vereinigten britisch-indischen Truppen zurückgeworfen und bei der Verfolgung wirr in die Flucht geschlagen worden. (!) Die indischen Truppen waren auf dem Seewege von Mombassa aus nach Gazi gebracht worden und sahen dann anscheinend zu ihrer Verwunderung ,daß die Deutschen von der Mombassa-Seitc heranrückten Die Engländer seien vor die Alternative gestellt worden, entweder selbst die Deutschen zurückzuschlagen oder aber von ihnen in die See getrieben und völlig aufgerieben zu werden. Hieraus darf man entnehmen, daß Hauptmann Baumstark die Engländer umgangen und in eine sehr bedenkliche Lage gebracht hatte, aus der sie ohne die indischen Hilfstruppen sich nicht hätten befreien können. Auch die Times" vom 27. November widmet dem Gefecht von Gazi eine kurze Besprechung. Danach hätten die Deutschen am 8. Oktober in Stärke von schätzungsweise Askaris unter 30 Euro päern und mit 6 Maschinengewehren die englische Stellung an melire- ren Punkten angegriffen. Das Feuer sei auf beiden Seiten sehr heftig gewesen, und die Deutschen seien schließlich gezwungen worden, sich zur Grenze zurückzuziehen. Die Verluste auf deutscher Seite hätten außer Farbigen betragen: 4 Weiße tot und 4 verwinde: und gefangen. Von den englischen Offizieren seien 4 verwundet worden. 3 davon schwer. Von einer regellosen Flucht der Deutschen ist in dieser Darstellung nicht die Rede. Von der wirklichen Stärke und Verteilung der Kräfte auf beiden Seiten und den eigentlichen Gründen des deutschen Rückznas wird man erst ein richtiges Bild gewinnen können, wenn amtlia?? deutsche Nachrichten vorliegen.20. Kapitel. Mit dem 16. Oktober endet die Berichterstattung des Gouver neurs. Ueber die weiteren Ereignisse ist man nach wie vor auf das Material angewiesen, was unsere Gegner darüber zu veröffentlichen für gut befinden. Ein einwandfreies und klares Bild der Ereignisse haben auch diese Veröffentlichungen noch nicht ergeben, das eine geht jedoch aus ihnen hervor, daß nämlich trotz der gegnerischen Bemühungen, die Ereignisse in einem für sie selbst günstigen Lichte darzustellen, von Erfolgen ihrerseits gegenüber unseren Truppen keine Rede sein rann, daß vielmehr unsere Gegner sich trotz des Aufgebots an in dischen und sogar regulären europäischen Truppen, beim Versuche, in unser Gebiet einzudringen, blutige Köpfe geholt haben. Kriegsschauplätze waren wiederum ausschließlich die Grenz- gebiete, und zwar in erster Linie die an der Grenze zwischen Deutsch und Britisch-Ostafrika liegenden Landesteile. Ueber die dortigen Er eignisse liegen folgende Mitteilungen vor: Nach Londoner Telegrammen vom 24. November landeten aus die Meldung, daß eine .wichtige deutsche Eisenbahnstation^ nur schwach besetzt sei, die Engländer am 2. November 2 Meilen von die ser Station entfernt eine Truppenabteilung in Stärke von 1^ Ba taillonen, bestehend aus indischen und europäischen Truppen. ?FZ184 Klar zum Gefecht. Diese Kräfte rückten sofort vor. Die ,kleine Streitmacht wurde außerhalb der Stadt in ein heftiges Gefecht verwickelt und mußte, da die deutschen Truppen sich als überlegen erwiesen, zurückgehen und Ver- stärkungcn erwarten. Am 4. November früh wurde dann der An griff erneuert. Nachdem sie auf eine Entfernung von 800 Fords (730 Meter) an den Feind herangekommen waren, gerieten die eng lischen Truppen in heftiges Feuer. Trotz schwerer Verluste gelang es den auf dem linken Flügel vorgehenden Mannschaften des 101. Grenadier-Regiments in die Stadt einzudringen und den Feind mit dem Bajonett anzugreifen, während auf dem rechten Flügel die Mannschaften des Nord Lancashire-Regiments und die Kashmir- Rifles (Inder) die Stadt erreichten. Dort sahen sie sich jedoch einem derartig heftigen FeUer ausgesetzt, daß sie gezwungen waren, 500 Uards zurückzugehen. Die Stellung der Deutschen war so stark und die Verluste der englischen Truppen waren so schwer, daß es für zwecklos erachtet wurde, den Angriff zu erneuern. Die Abteilung wurde daher wieder ein geschifft und kehrte zum Ausgangspunkte zurück. Der Gesamtverlust betrug 795 Mann, darunter 141 europäische Offiziere und Mann schaften! Danach haben also die Engländer bei diesem Versuch, in deut sches Gebiet einzudringen, eine schwere Niederlage erlitten. Das spricht sich auch in den Erklärungen aus, die Lord Crewe im engli schen Unterhause am 18. November abgegeben hat, desgleichen in dem betreffenden Artikel der Times" vom 24. November. Es sei noch auf folgendes hingewiesen: Die Kopfzahl von 795 Mann stellt die Hälfte von 1^2 Bataillo nen dar. Selbst wenn man die nach dem ersten Gefecht vom 2. No vember herangezogenen Verstärkungen, über deren Zahl keine Air gaben gemacht werden, berücksichtigt, bleiben die Verluste schwer. Sie erhöhen sich über die angegebene Zahl hinaus wahrscheinlich noch um die Zahl derjenigen Leute, die mehr oder weniger verwundet, sich dem Rückzug ihrer Truppe anzuschließen vermochten.132 2V. Kapitsl. Ueber eine Verfolgung durch die deutschen Streitkräfte und über ihre Stärke und Zusammensetzung sagen die englischen Be richte nichts. Anzunehmen ist, daß ihrerseits außer Abteilungen der aus Eingeborenen bestehenden Schutz- und Polizeitruppe auch aus wehrpflichtigen Europäern gebildete Streitkräfte zur Stelle waren. Zieht man die Gesamtstärke der verfügbaren Streitkräfte und ihre Verteilung über das ganze Schutzgebiet in Betracht, so können an der mutmaßlichen Stelle des Kampfes höchstens 800 Gewehre in Tätigkeit gewesen sein. Auch wir werden selbstverständlich Verluste zu beklagen haben, über die wir aber vorläufig nichts erfahren konnten. Ueber den Ort des Ausgangs des englischen Unternehmens, den Ort der Landung auf deutschem Gebiet und den Namen der deutschen Eisenbahnstation schweigt sich der englische Bericht aus. Anscheinend handelt es sich um die an der Küste liegende Stadt Tanga, den Ausgangspunkt der Usambarabahn. Am gleichen Tage, an dem das vorgeschilderte Gefecht stattfand, kam es nach der Times" vom 27. November zu einem kleinen Schar mützel bei Msima am Tfavoflusss, über dessen Verlauf und Ausgang jedoch nichts mitgeteilt wird. Größere Bedeutung wird dem Zusammenstoß am Berge Lon- gido beigelegt, wo am 3. oder 4. November ein zweiter, anscheinet ebenfalls heftiger Kampf zwischen einer deutschen und einer indischen Truppenabteilung stattfand. Der englische Bericht vom 26. November sagt hierüber: Nach verschiedenen Gefechten geringeren Umfangs in Ostafrika, die keine Aenderung von Bedeutung brachten, und in denen es den Deutschen nicht gelang, auf englischem Gebiet Fuß zu fassen, besetzten wir den .bedeutenden Platz Longido auf deutschem Gebiet. Der Angriff fand am 3. November statt und dauerte den ganzen Tag. Die indischen Truppen nahmen drei Stellungen, mußten diese aber am Abend wegen Wassermangels wieder aufgeben und zogen sich auf ihre Operationsbasis zurück. Einige Tage später räumten die Deut schen Longido. das dann später von indischen Truppen besetzt wurde.Klar zum Gefecht. Der Bericht gibt die Verluste auf englischer Seite mit 21, auf deutscher mit 38 Europäern und 84 farbigen Mannschaften an. Einen weiteren Bericht über dieses Gefecht brachte die Times" sm 27. November. Danach begann der Kampf am 4. November bei Tagesanbruch und dauerte bis abends 7Vs Uhr. Die demschen Stel lungen seien sehr hartnäckig gehalten, aber von den englisch-indischen Truppen mit größter Bravour genommen worden. Auch der deutsche Gegenangriff sei zurückgeschlagen worden. Die Engländer hätten an Europäern 10 Tote, 9 Verwundete und 1 Vermißten zu verzeichnen gehabt; über ihre Verluste an Farbigen wird hier nichts berichtet. Man darf von vornherein annehmen, daß sich das Gefecht Wohl kaum so abgespielt hat, wie es in den englischen Berichten dargestellt wird. Anscheinend ist es den indischen Truppen nicht gelungen, die Stellung der deutschen Abteilung zu nehmen. Sie besetzten sie erst, nachdem letztere den Platz aus irgend einem Grunde einige Tage später geräumt hatten. Wahrscheinlich dann, als die Engländer stärkere Kräfte heran gezogen hatten. Wassermangel kann nicht der Grund zum Ausgeben der angeblich genommenen Stellung sein, in der sich der Gegner noch einige Tage hielt, und die er dann freiwillig räumte. Die Deutschen in Ostafrika werden, wenn ihnen später einmal dieser englische Ge fechtsbericht bekannt wird, wahrscheinlich höchst erstaunt sein, daß eS in jenem Teile der Massaisteppe einen ^bedeutenden^ Platz Longido gibt. Außer einigen alten verlassenen Massaikralen und zeit weilig dem Zeltlager unserer Truppe dürfte der Platz kaum irgend eine menschliche Behausung aufzuweisen haben. In dieser Hinsicht erinnert die Darstellung der Engländer leb haft an die Beschießung und widerstandslose Besetzung von Alt- Zangenburg am Nordende des Njassasees, die sie seinerzeit der Welt als großen Erfolg verkündeten. Einige Wochen fpäter foll es nach Mitteilung der Times" vom 27. November westlich von Nguruman, am Nordende des großen Natronsees (Majad), einen kleinen Zusammenstoß mit einer S6137 W 20. Kapitel. deutschen Patrouille gegeben haben, deren führender Offizier ge fallen, während auf englischer Seite ein Korporal verwundet sei. Nach Meldungen des englischen Pressebureaus soll am 20. No vember eine starke deutsche Abteilung westlich des Victoriasees in Uganda eingefallen, aber unter Verlust von 60 Mann zurückgeschlagen worden sein, während die Engländer ihre eigenen Verluste auf nur 6 Verwundete angeben. Gleichzeitig wird berichtet, daß auf den Victoriasee ein eng lischer Dampfer durch die Deutschen zum Sinken gebracht worden sei. Nach französischen Quellen wurde ein Einfallsversuch belgischer Truppen unter Oberst Henrv von dem deutschen Grenzposten bei Kissenji, nördlich des Kiwusees, blutig zurückgewiesen. Doch sei es den Belgiern gelungen, auf Umwegen das deutsche Gebiet zu er reichen. Am 29. Oktober sei eine starke belgische Kolonne auf deutsche Streitkräfte gestoßen, die sich aber vor der Uebermacht zurückgezogen hätten. Was sonst noch aus Ostafrika bekanntgeworden ist, betrifft die bereits früher geschilderten Ereignisse, ohne wesentlich Neues zu bringen oder eine Ergänzung unserer früheren Schilderung nötig zu machen. Ein einzigartiges Schicksal erreichte Ende Oktober unseren kleinen Kreuzer Königsberg", der den Engländern bis dahin an der Ostküste Afrikas viel zu schaffen gemacht hatte, und dessen etwa iges Erscheinen vor Mombafsa daselbst längere Zeit ein Gegenstand lebhafter Beunruhigung gewesen war. Um die Königsberg" unschädlich zu machen, ordnete die Zld- miralität die Zusammenziehung von drei schnellen Kreuzern in den ostafrikanischen Gewässern an. Dies waren die Schiffe Goliath (13 160 Tonnen), Chatham" (5 390 Tonnen) und Weymouth" (5490 Tonnen). Nach dem Bericht der englischen Admiralität entdeckte Chat ham" am 30. Oktober die Königsberg" vor der Mündung des Ru- fijiflusses gegenüber der Insel Mafia. Daraufhin sei die Königs-138 Klar zum Gefecht. berg" in den Rufiji eingelaufen, und da Ehatham" wegen ihres größeren Tiefganges ihr dorthin nicht zu folgen vermochte, sei eng- lischerseits ein Kohlenschiff in der Mündung des Flusses versenkt worden, um der Königsberg" wenigstens den Rückweg abzu schneiden. Hierauf habe mit der an Land gesetzten Besatzung des deutschen Schiffes, die sich daselbst verschanzt hatte, ein Gefecht stattgefunden, bei dem die Engländer einige Verluste an Offizieren und Mannschaften erlitten. Die Stellung der gelandeten Besatzung und der Kreuzer Königsberg" selbst wurden von der Chatham" aus beschossen, jedoch habe ein Erfolg infolge der dichten Bewachsung des Geländes nicht festgestellt werden können. Der Vollständigkeit halber sei noch einer angeblichen Grenz verletzung und Uebergriffen deutscher Organe in Portugiesisch-Nsassa- land kurz Erwähnung getan. Ueber den fraglichen Zwischensall haben das in Louren?o Marquez erscheinende Journal de Eommercio" und nach dieser Quelle Lissaboner Zeitungen zu Anfang November folgendes angegeben: Ein deutscher Arzt, Dr. Weck, der in Deutsch-Ostafrika du Schlafkrankheit erforschte, habe die Desertion eines Teiles seiner Mannschaft auf portugiesische Anstiftung zurückgeführt und den portugiesischen Grenzposten angegriffen. Hierbei sei ein Sergeant umgekommen; der Tod von vier eingeborenen Soldaten sei indessen vorläufig nicht bestätigt. Das deutsche Gouvernement habe sofort Aufklärung gegeben und sich entschuldigt. Der Vorfall werde indes noch genau untersucht. Die Nichtigkeit dieser Meldung kann unter den obwaltenden Verhältnissen unsererseits nicht nachgeprüft werden. Eine amtliche Bestätigung seitens der portugiesischen Negierung steht noch aus. Da Gerüchte ähnlicher Art bereits vor längerer Zeit durch die portugiesische Presse gingen, ist anzunehmen, daß der Vorfall schon weiter zurückdatiert, ja vielleicht schon in die Zeit vor Beginn des Krieges fiel. Betrachtet man die Nachrichten des Gouverneurs über die Kämpfe während der ersten 2^ 2 Monate und die späteren Meldun-188 20. Kapitel. gen aus London über die schwere englische Niederlage, die wir vor läufig nach Tanga verlegt haben, so kann man sich von der jetzigen Lage auf dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz bereits ein annähernd zuverlässiges Bild machen. Und dieses Bild ist überaus erfreulich! Denn es zeigt, daß unsere Schutztruppe unter ihrer tapferen Führung bis jetzt bereits Außerordentliches geleistet hat. Sie hat ee verstanden, unter heldenmütiger Anspannung aller Kräfte, oft mals gegen große Uebermacht kämpfend, den Feind aus dem Schutz gebiet fernzuhalten und ihn, wann und wo er die Grenze überschritt, zum schleunigen Rückzüge zu zwingen. Dabei hat die Schutztruppe keineswegs wie Lord Crewe im englischen Oberhause angegeben irgendwelche Verstärkungen durch Reservisten aus anderen Teilen der Welt erhalten, die einzigen Verstärkungen lieferten vielmehr die weiße Zivilbevölkerung des Schutzgebietes selbst, die dortige farbige Polizeitruppe und auch die ehemaligen ausgedienten Askaris, die sich in großer Zahl sofort nach Kriegsausbruch freiwillig zum Dienste gemeldet hatten. Die Engländer dagegen waren in der vorteilhaften Lage, sich indische Streitkräfte heranzuholen, wodurch ihnen von vornherein ein großes numerisches Uebergewicht sicher war. Um so höher sind die bisherigen Leistungen unserer ostafrikanischen Truppe zu ver anschlagen, auf die wir mit Stolz und froher Zuversicht für die weitere Zukunft des Schutzgebietes blicken. Später gingen noch einige ältere Telegramme des Gouverneurs von Ostafrika ein, z. B.: ,23. August. Pegasus" bombardierte unverteidigtes Ba- gamajo, da seine Bedingungen von dem Befehlshaber der nahe befindlichen Schutztruppen abgelehnt wurden. Er feuerte einige M Zoll starke Granaten, beschädigte das Bezirksamt leicht. Die Einwohner wurden rechtzeitig auf die Mission zurückgezogen, der Gegner hat keinen Punkt der Küste besetzt und keine Men schen verletzt.Klar zum Gefecht. Am 15. August wurde unter Oberleitung des Hauptmanns von Prince Taveta von der Schützenkompagnie unter Haupt mann Hering nach geringem Widerstand genommen. Am 22. August wurde auf dem Tanganjikasee ein belgischer Dampfer an der Lukugamündung von Hedwig von Wißmann" unter Oberleutnant zur See von Horn schwer beschädigt. Dies seits keine Verluste bei einem Gefecht mit belgischen Land geschützen. Am 29. August stieß Patrouille Leutnant von Oppen mit berittener englischer Abteilung bei Engarelen zusammen. Beim Gegner 6 Europäer, 2 Farbige tot; wir keine Verluste. In der Nacht vom 8. zum 9. September wird Stabsarzt Dr. Schumacher bei Verwundetentransport überfallen und nach Meldung überlebender Eingeborener trotz Zeigen der Genfer Flagge und Erkennengeben als Arzt niedergeschossen. Es st deshalb Protest an Gouverneur Nairobi gesandt. 9. September: Gefecht der 5. Kompagnie bei Karonga, unser Angriff abgeschlagen. 6 Europäer tot. 8 gefangen, davon 2 schwer verwundet, weitere 5 verwundet? Farbige: 27 tot, 39 verwundet, 29 vermißt, 2 Geschütze und 2 Maschinengewehre verloren. Beim Gegner 5 Europäer tot, mehrere verwundet, erhebliche Verluste an Farbigen. 12. September: Gefecht des Detachements Bock von Wül fingen bei Kisii (nördlich Schirati) gegen sehr überlegenen Geg ner in starker Stellung, sieben Stunden lang. Unsere Verluste: 8 Europäer tot, 11 verwundet. 27 Askari tot, 25 verwundet. Beim Gegner: 14 Europäer, 25 Farbige tot. 14. September wurde die Grenze des Bukobabezirkes durch die Engländer überschritten; letztere besetzten später das Gebist bis zum Kagera. 15. September mehrtägige unentschiedene Gefechte bei Aber- corn; keine Verluste an Europäern.191 2V. Kapitel, 20. September erfolgreiches Gefecht der Abteilung des Leut nants Langer bei Elmabitet; Verlust: 4 Askari tot, 5 verwun det. Verluste des Gegners: 30 bis 4V Mann. 22. September siegreiches Gesecht des Detachements von Böinken, Kompagnie Methner und arabisches Hilfskorps bei Majorini. 2 Europäer und 7 Farbige verwundet; Gegner: 2 Europäer tot, 1 verwundet, 8 Askari tot, 7 verwundet. 24. September im Gefecht bei Loldureish der 4. und 18. Kompagnie 3 Europäer verwundet; beim Gegner stärkere Ver luste. Lager Majorini genommen, 2 Geschütze und viele Ge wehre erbeutet, durch Pulverexplosion ein Europäer getötet, 1 verwundet. 27. September: Angriff auf das Lager der 19. Kompagnie nördlich Longido durch englische berittene Abteilung. Unsere Verluste: 6 Europäer tot, 6 verwundet, 7 Askari tot, ö verwun det; beim Gegner 19 tote Europäer. 3(1. September und folgende Tage: Vorgehen gegen den Kongo nördlich und südlich des Kiwusees durch Hauptmann Wintzens und Motorboot unter Oberleutnant zur See Wunder lich. belgische Station Goma genommen, ferner Insel Kwidschwi und belgisches Stahlboot. Einige Europäer gefangen, wir keine Verluste. 30. September bis 7. Oktober englische Kreuzer, wahrschein lich Blackprince" und Dartmouth" suchen die Küste ab und nehmen auf Insel Koma einen Europäer gefangen. Europäer wie Askari haben sich in den Gefechten ausgezeich net gehalten. Gegenwärtige Lage: Engländer haben nördlichen Teil Bu- kobabezirks bis Kagera besetzt, Teile unserer Truppen haben Taveta besetzt und stehen an anderen Punkten in Britisch-Ost- asrika nördlich unserer Grenze. Schutztruppe durch eingezogene und freiwillige Europäer sowie durch Polizeitruppen erheblich verstärkt, ferner arabifches Hilfskorps aufgestellt. Schnee Klar zum Gefecht. II. Kanreru . Durch die Unterbindung des Schiffsverkehrs nach Kamerun, die Unterbrechung der deutschen Kabellinien und die Zerstörung des Funkenturmes in Kamina in Togo, der, wie bekannt, mit der Groß station in Nauen in direkter Verbindung stand und Telegramme nach Kamerun weitergeben konnte, ist seit dem 25. August jede Ver bindung mit Kamerun unmöglich geworden. Die spärlichen Nach richten, die seitdem von dort hierher gelangt sind, haben große Um wege machen müssen, so daß sie bei ihrem Eintreffen in Deutschland veraltet waren. Nachdem nun die Engländer und Franzosen auch die ganze Kamerunküste blockiert haben, werden in Zukunft Wohl lle Nachrichten ausbleiben. Trotzdem können wir uns ein ziemlich vollständiges Bild von der derzeitigen Lage des Schutzgebietes machen, wenn wir die in englischen und französischen Zeitungen veröffentlichten Berichte auf Hrund genauer Ortskenntnis der in Frage kommenden Gebiete prüfen und auf das wahrscheinliche Maß der Nichtigkeit einschätzen. Nach der Beschaffenheit der Grenzen und der Verteilung der feindlichen Truppen war zu vermuten, daß die Verbündeten bei ihren Angriffen von allen vier Seiten in das Schutzgebiet einzu dringen versuchen würden, so daß sich hier also mehrere Kriegsschau plätze entwickeln würden. Im folgenden seien daher die verschiedenen Operationen, nach den Himmelsrichtungen eingeteilt, besprochen. Der Norden des Schutzgebietes stößt an die englische Kolonie Nigeria. Einem in der Times" vom 27. Oktober veröffentlichten amtlichen Bericht ist nun zu entnehmen, daß die Engländer von Dola aus mit einem in Nordnigerien liegenden Bataillon der West African Frontier Force unter Oberstleutnant Maclear in der Rich tung auf Garua nach der deutschen Grenze, die nur wenige Kilometer entfernt ist, vorrückten. Unter Kämpfen, bei denen aus feiten der Engländer zwei Leut nants fielen und zwei Hauptleute verwundet wurden, besetzten die 19S133 2s . Kapitel. Engländer Tepe auf deutschem Gebiet. Am 26. August rückten sie wieder auf Garua vor und unternahmen in der Nacht zum 29. August einen Sturmangriff auf diesen Platz, wobei sie angeblich ein Fort von Garua einnahmen. Unter ,Fort ist Wohl eines der Europäerwohnhäuser zu verstehen, die außerhalb der durch eine Mauer befestigten Station gelegen sind. Durch heftige Gegenangriffe der Deutschen erlitten die Engländer schwere Verluste und mußten sich, von den Deutschen verfolgt, über die Grenze zurückziehen. In diesen Kämpfen am 29. und 30. August fielen der Befehlshaber des englischen Bataillons Maclear, zwei Hauptleute und ein Leutnant. Schwer verwundet wurde ein Leutnant, der seinen Wunden bald erlag, sowie zwei weitere Leutnants. Zwei Aerzte wurden angeblich von den Deutschen gefangengenommen. Der Gouverneur von Ka merun bestätigte diese Ereignisse wie folgt: ,Engländer angriffen nachts 29. 30. August unsere Stellung bei Garua. Angriff abge schlagen. Engländer gingen in Eile auf Aola zurück. Eigene Ver luste: Oberleutnants von Rothkirch und Panthen und Milbrat, Ser geant Jost und Kühn gefallen, Verluste an farbigen Soldaten un bedeutend. Verluste beim Feinde: Fünf Offiziere gefallen, zwei Sanitätsunteroffiziere gefangen, sehr starke Verluste an Farbigen, die außerdem in großer Zahl desertierten. Um den Erfolg der deutschen Waffen richtig einzuwerten, muß man bedenken, daß die gemeinen Soldaten in Westaftika sowohl bei den Engländern als auch bei den Deutschen aus Eingeborenen des Landes bestehen und daß nur die Offiziere und ein Teil der Unter offiziere Europäer sind. Werden die Offiziere abgeschossen, so ist die Widerstandskraft der Truppen meist gebrochen. Die Soldaten ergeben sich, fliehen oder desertieren. Von dem englischen Bataillon sind 7 Offiziere, darunter der Führer, gefallen, 4 wurden verwundet, mit anderen Worten: Das ganze Offizierskorps wurde außer Gefecht gesetzt und die Truppe gesprengt. Inzwischen rückte, nach dem erwähnten Bericht der Times", eine britische Abteilung von Jkom aus nach den Eroßsluß entlang 1Z Mar zum Gcfecht,194 RIar zum Gefecht. in Kamerun ein und besetzte am 25. August das nahe der Grenze gelegene Dorf Nssanakang im Ossidingebezirk. Eine dritte Kolonne fuhr von Calabar aus den Akwa-Jase-River entlang und besetzte auf deutschem Gebiete das Dorf Archibong, von wo ein Weg nach der Station Rio del Rey führt. Die Deutschen verloren hier bei Zu sammenstößen einen Europäer und drei farbige Soldaten. Es war der Regierungslandmesser und Leutnant d. N. Lyhme, der hier den Heldentod fürs Vaterland gefunden. Teile der Kameruner Schutztruppe einschließlich der Polizei- stammkompagnie aus Duala rückten von Bamenda, Dschang und Tinto gegen Nssanakang vor und griffen am 6. September nachts gegen 2 Uhr an. Dieser Angriff wurde von den Engländern zurückgeschlagen, aber ein zweiter, der morgens gegen 5 Uhr einsetzte, war erfolgreich. Bei tapferer Gegenwehr verloren die Engländer hier: 1 Hauptmann, 1 Leutnant und 1 Sergeant (to^), 1 Leutnant und 16 farbige Soldaten (verwundet); 3 Leutnants, 1 Sergeant und 49 farbige Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft, außerdem 1 Arzt, der später wieder freigelassen wurde. Der Verlust der Engländer betrug zusammen 5 Offiziere und 2 Sergeanten. Jnanbetracht dessen, daß der amtliche englische Be richt die in Nssanakang befindlichen Truppen als zurückgelassene .Garnison^ bezeichnet, können wir annehmen, daß es sich um 2 bis 3 Kompagnien gehandelt hat, die von den Unsrigen vollständig aus gerieben wurden. Ein Telegramm des Gouverneurs von Kamerun bestätigt diesen Erfolg und bemerkt, daß sich der Feind nach dieser Niederlage aus dem Ossidingebezirk zurückgezogen, und daß die Nie derlage der Engländer einen großen Eindruck auf die Eingeborenen zu beiden Seiten der Nordwestgrenze gemacht hat. Im Kampfe fielen auf unserer Seite der frühere Hauptmann in der Schutztruppe Rausch, Bezirksamtmann von Dschang und Leut nant d. N. Glock, Vorstand des Hauptzollamts in Duala, sowie der Pflanzer Schräder, der als früherer Gefreiter des 18. Bayerischen Infanterie-Regiments eingezogen war.!8 195 20. Kapitel. Auch unser farbige Truppe erlitt schwere Verluste. An der Ost- und Südgrenze des Schutzgebiets zeigten die Fran- gosen gleich nach Kriegsausbruch große Angriffslust. Nach einem Bericht im Courier Eolonial" vom 19. Oktober versuchte Oberst Largeau, jetzt zum General ernannt, von Fort Lamy aus die am Logone fast gegenüberliegende Station Kusseri zu nehmen. Kusseri war früher der Sitz des Residenten der deutschen Tsadseeländer. Da die Nesidentur im vergangenen Jahre (1913) nach Mora verlegt worden ist. so wurde hier nur eine Militärstation unterhalten. Nach dem französischen Berichte wurde die Operation durch heftige Wolken brüche gestört und mißlang aus Mangel an großen Geschützen. Die französischen Truppen mußten sich unter schweren Verlusten zurück ziehen. Nach der gleichen Quelle wurde am 21. August das von den Franzosen besetzte Behagle am Logone (gewöhnlich Lai genannt) von den Deutschen angegriffen; nach erbitterten Kämpfen, bei denen auf deutscher Seite 1 Leutnant und 13 Mann gefallen sein sollen, mußten die Franzosen den Posten aufgeben und zurückweichen. Fünf Tage später griffen die inzwischen verstärkten französischen Truppen wieder an und eroberten den Platz. Eine Bestätigung dieser beiden Unternehmungen durch den Gouverneur von Kamerun liegt nicht vor. Auf deutscher Seite können nur unbedeutende Streit kräfte beteiligt gewesen sein. Wie immer in verlustreichen Gefechten, geben auch hier die Franzosen ihre eigenen Verluste, die schon nach ihren Angaben ,schwer waren, nicht genauer an. Der Sultan von Logone, Karnak, der auf feiten der Deutschen kämpfte, soll von fran zösischen Truppen überrascht und getötet, seine Anhänger sollen zer streut sein. Nach einer Nachricht des Gouverneurs von Kamernn haben Ende August die Engländer mit 3 Kompagnien den Ort Mora besetzt. Die deutsche Mora-Kompagnie steht in Verteidigungs stellung auf dem Moraberg dicht bei der Stadt. Anscheinend versuchen Engländer und Franzosen sich im Tsad- seegebiet zu vereinigen, um unsere dortigen, an Zahl unterlegenen Truppen, angreifen zu können. Soweit alle Nachrichten reichen, ist ihnen das jedoch ru.ht gelungen. Wie wir gesehen haben, ist eins196 Klar zum Gefecht. der drei in Nordnigeria stehenden Bataillone bei Garua vollständig! aufgerieben worden, und die Franzosen geben zu, Infolge von. Wolkenbrüchen bei Kusseri zurückgeschlagen worden zu sein. Da Oberst jetzt General Largeau an der Spitze der französischen Truppen stand, so ist der Schluß erlaubt, daß auch die Franzosen hier in erheblicher Uebermacht gewesen sind. Unsere Schutztruppe weiß also die mangelnde Kopfzahl durch erhöhte Tapferkeit zu ersetzen, und wir können hoffen, daß sie im Tsadseegebiet mit ihren Gegnern fertig werden wird. Am Ubangi überfielen die Franzosen gleicb nach Kriegsausbruch (am 5. August) den deutschen Posten in Singa, 300 Senegalschützen unter dem Kommando des Hauptmanns d?- Boem fuhren von Bangui ab, landeten in der Nacht zum 7. August in Singa und überraschten den deutschen Stationsleiter. Die weni gen deutschen Soldaten gaben einige Schüsse ab und verwundeten 3 französische Soldaten. Da wir keine eigene Telegraphenverbindung nach Singa haben, wußte der Postenleiter offenbar noch nicht, daß Krieg ausgebrochen war, während die Franzosen längst telegraphisch unterichtet waren. Der Erfolg der Franzosen war hier also recht billig und wurde mit einem Aufgebote bewerkstelligt, das für die Achtung zeugt, welche die Franzosen vor unseren Schutztruppen ha ben. 300 Senegalschützen gegen einige 20 Soldaten auf unserer Seite! In den französischen Zeitungen wird die Beute von Singa wie nachstehend aufgeführt: Man fand beim Posten 4000 Mark, 10 Tonnen Reis, Mausergewehre und landwirtschaftliche Maschinen. Alles wurde nach Bangui geschickt." Nach einem Berichte des Gouver neurs von Kamerun haben die Franzosen von Singa aus den Vor marsch auf Mbaiki angetreten und dieses am 15. August besetzt. In gleicher Weise wie Singa wurde auch der deutsche Zollposten in Bonga am 6. August von französischen, den Kongo aufwärts kom menden Truppen, überfallen. Ein Teil der Besatzung konnte sich Sanga aufwärts nach Jkelemba zurückziehen. An der Südgrenze wurde im Munibezirk der Posten Mondaberg, an der Grenze südlich Ukoko gelegen, von den Franzosen, die aus dem nahe gelegenen Libreville vorbrachen, besetzt. Auch an der Grenze des OjembezirkH197 U. Kapitel. Zogen die Franzosen Verstärkungen der dortigen Garnison zusam men. Hier hatte der Leutnant Tamm ein glückliches Gefecht gegen eine französische Erkundungsabteilung. Nach einem Berichte vom 14. September waren unsere Truppen hier nach weiteren glücklichen Gefechten im Vormarsche auf die französische Station Midzik. Nach dem gleichen Berichte wurde im Südosten die französische Station Ouesso von den Unsrigen genommen, da aber unsere Truppenver sammlung noch nicht vollendet war, vorerst wieder aufgegeben. Die erneute Besetzung ist vorbereitet. Von der einschneidendsten Bedeutung für die weitere Entwick lung der Lage Kameruns sind die von See aus erfolgten Angriffe auf das Schutzgebiet. Anscheinend haben hier die Engländer und Franzosen erst den Ausgang ihrer Operationen in Togo abgewartet, ehe sie sich zu einem aktiven Vorgehen entschlossen. Am 24. August gingen die Franzosen von Libreville aus, unterstützt von dem Ka nonenboot La Surprise" gegen die deutsche Station Ukoko an der Bai von Corisco vor. Die dortige Polizeitruppe von etwa 30 Mann zog sich nach heftiger Gegenwehr ins Innere des Landes zurück. Nach aus Paris stammenden Meldungen zerstörte die Surprise" hier zwei deutsche Handelsdampfer: Nhios" und Jtalo". La Sur prise" und der französische Kreuzer Bruix" haben später Kampa und Kribi beschossen. Beide Orte sind offene unmittelbar an der See gelegene Handelsplätze. Kribi ist Sitz eines Bezirksamtes. Die dort vorhandenen 50 Polizeisoldaten hatten sich wahrscheinlich schon vorher mit den im Innern des Schutzgebietes stehenden Truppen vereinigt. Am 14. September berichtete der Gouverneur von Kamerun, daß englische Kriegsschiffe am 4. September vor Victoria Anker warfen und ein Landungskorps ausschifften. Dieses zog sich aber am 5. auf die Nachricht von dem Herannahen unserer Truppen auf die Schiffe zurück, worauf Victoria ohne wesentlichen Schaden bom bardiert wurde. Die Engländer scheinen dann zunächst die Landungs versuche aufgegeben zu haben; denn englische Berichte lagen hierüber nicht vor. Nach französischen Meldungen fand zwischen den ver-198 Klar zum Gefecht. einigten englisch-französischen Truppen und den Deutschen am 1, tober in der Nähe von Victoria ein lebhaftes Gefecht statt, das miö der Niederlage der Deutschen endigte. Die Franzosen machten hierbei angeblich 300 europäische und zahlreiche schwarze Gefangene, hatten dagegen nur 2 Tote und 4 Verwundete; die Deutschen sollen sich jedoch, wie dieser französische Bericht betont, ,geordnet zurückgezogen Habens verfolgt von den verbündeten Streitkräften. Entspricht die ser Bericht den Tatsachen, so müßten die Engländer und Franzosen- in diesem einen Gefecht fast sämtliche waffenfähigen, am westlichen Hang des Kamerunberges wohnenden Europäer gefangengenommen haben, so daß von einem ,geordneten Rückzugs dann Wohl nicht mehr die Rede hätte sein können. Und 300 Deutsche lasten sich bekanntlich nicht fangen, ohne dem Feinde Schaden zugefügt zu haben. Jeden falls hat es sich, nach den angegebenen Verlusten der Verbündeten zu schließen, um ein kleineres Gefecht gehandelt, bei dem sich unsere Truppen zurückzogen, weil das Gefecht im Bereiche der Einwirkung- der im Hafen liegenden Schiffsgeschütze stattfand. Es ist auch in den neuesten englischen Berichten nicht erwähnt, daß unsere Feinde von Victoria aus nach dem Gouvernementssitze Buea, der nur etwa 20 Kilometer von dort entfernt im Gebirge liegt, vorgedrungen seien. Der Gouverneur von Kamerun teilte am 14. September fer ner mit, daß seit Anfang September der Hafen von Duala blockier? sei, und zwar durch die englischen Kriegsschiffe Cumberland und Dwarf" sowie die Jacht Joy" (Gouverneursjacht von Nigerien). Die flachgehenden Schiffe Dwarf" und Joy" bemühten sich, in alle Krieks einzudringen und die Blockade immer enger zu schließen. Am 11. September versuchte Dwarf" in den Jnnenkamerunhafen, dessen Einfahrt durch versenkte Schiffe verlegt war, einzulaufen, zog sich aber vor dem Feuer unserer Batterien (es sind in Duala vier Feld artilleriegeschütze älteren Systems vorhanden) anscheinend mit Scha den zurück. Die Engländer warteten hier die Ankunft von Verstär kungen des Landungskorps ab. Nach französischen Meldungen traf dann am 26. September der französische Dampfer Admiral Fou- richon", von Dakar kommend, mit 30 Offizieren, 47 Unteroffizieren 199 20. Kapitel. 153 Korporalen und 87V Senegalschützen im Kamerunfluß ein. Hier lagen vier große sowie mehrere kleine englische und französische Transportschiffe vor Anker, sowie die beiden englischen Kreuzer Challenge" und Cumberland", ferner das englische Kanonenboot Dwarf" und der französische Kreuzer Bruix". Trotz der Sperrung der Hafeneinfahrt durch von uns versenkte Schiffe gelang es dem Kreuzer Challenge" bis auf etwa 5 Kilometer an die Stadt Duaia heranzukommen und sie jedoch ohne Ersolg zu beschießen. Auch die Dwarf" beteiligte sich später an der Beschießung. Die deutschen Geschütze antworteten, ihre Geschosse (es handelt sich um die obigen alten Feldgeschütze) konnten indessen die englischen Schiffe nicht er reichen. Diese Vorgänge werden durch eine Darstellung der Times" vom 27. Oktober im wesentlichen bestätigt. Duala ergab sich am 27. September, vormittags 11 Uhr. bedingungslos. Eine englisch-französische Truppenmacht unter Brigadegeneral Dobell wurde gelandet. Es wurde festgestellt, daß das Bombar dement fast keinen Schaden angerichtet hatte und daß die Telefunker - station in der Nähe von Duala von den Deutschen vor ihrem Abzugs zerstört worden war. Die waffenfähigen Deutschen hatten sich, nach der gleichen eng lischen Darstellung, mit der in Duala stationierten Schutztruppen- stammkompagnie vor der Uebergabe der Stadt in drei Richtungen ins Innere des Schutzgebietes zurückgezogen. Als das ,Innere des Schutzgebietes^ ist hier wohl das außerhalb des Wirkungsbereiches der Schiffsgeschütze liegende Land entlang der Nordbahn und der Mittellandbahn zu verstehen; denn noch in den folgenden Tagen fanden in unmittelbarer Nähe der Stadt Duala eine Reihe von Ge fechten statt. Die in dem Hafen von Duala liegenden Handelsschiffe wurden von den Engländern beschlagnahmt. Ueber die Beschlagnahme ist der in erster Linie beteiligten Woermannlinie folgendes bekannt ge worden:200 Klar zum Gefecht. Bei der Uebergabe von Duala am 27. September wurden die nachfolgenden Schiffe übergeben: Erna Woermann", Aline Woermann", Renata Amsinck", Hans Woermann" und Paul Woermann". Die übrigen Schiffe: Max Brock", Henriette Woermann", Jeanette Woermann", die Barredampfer Haußd" und Fullah", wie der Dampfer Arn- fried" der Hamburg-Bremer Afrika-Linie A.-G. lagen außerhalb der übergebenen Zone und wurden gekapert. Der Dampfer Anna Woermann" und der Dampfer Lome" der Hamburg-Amerika- Linie, der Barredampfer Kukd" der Woermann-Linie A. G. wur den auf der Neede, die Barredampfer Ado", Oye", Epe", Ondo" der Woermann-Linie, Ereko" der Hamburg-Amerika-Linie, Eggo" der Hamburg-Bremer Afrika-Linie A.-G. bei der Fahrwassersperrung versenkt. Die Kapitäne der Woermann-Linie A.-G. Suhren und Stemmer sind gefangen in Accra, Kapitän Bundis der Hamburg- Bremer Afrika-Linie krank im Hospital Duala. Mannschaften und Duala-Europäer, Frauen und Kinder, sind in Cotonou und Lagos. Nach der Times" sind die Engländer und Franzosen in lang samem Vordringen nach dem Innern des Schutzgebietes begriffen. Die Franzosen haben dann am 6. Oktober die Eisenbahnbrücke bei Japoma genommen mit einem Verlust von 2 Eingeborenen tot. 4 Engländern und 8 Eingeborenen verwundet. Japoma liegt an der Mittellandbahn, ungefähr 16 Kilometer von Duala entfernt. Am 21. Oktober haben ferner 2 französisch englische Abteilungen Edea am Sanaga erreicht. Die Berichte reden von .harten Kämpfen^, die hier stattgefunden haben, doch sind vor läufig noch keine genaueren Angaben über die wahrscheinlich be- trächilichen Verluste der Verbündeten gemacht worden. Von Duala aus wurde am 8. Oktober Jabassi angegriffen. Die unter dem Obersten Garges stehenden Kräfte des britischen Westafri kanischen Regiments wurden von den Deutschen zurückgeschlagen. Die Engländer verloren hierbei: 1 Hauptmann und 1 Sergeanten (tot), I Leutnant (schwer verwundet) und 1 Sergeant (vermißt).201 20. Kapitel., Eiu zweiter Angriff der Engländer am 14. Oktober führte zur Be setzung von Iabassi. Da hierbei nach den englischen Berichten nur ein englischer Beamter am Hitzschlag starb und sonst keine weiteren Verluste angegeben sind, ist der Schluß erlaubt, daß die Deutschen inzwischen abgezogen waren und die Besetzung ohne Schwierigkeit ^rf olgte. Am 19. Oktober griffen die Engländer die Deutschen an der Nordbahn in der Nähe von Susa (etwa 20 Kilometer von Duala entfernt) an. Hierbei wurden auf gegnerischer Seite 1 Leutnant mrd 5 farbige Soldaten getötet, 13 farbige Soldaten wurden ver wundet und 9 werden vermißt. Hiernach zu urteilen hatte das Ge fecht einen für die Engländer unglücklichen Ausgang. Wie haben wir nun auf Grund dieser Berichte die Lage in Kamerun zu beurteilen? Wir müssen annehmen, daß die von unseren Feinden ange gebenen Verluste, soweit sie überhaupt mitgeteilt sind, den Tatsachen entsprechen. Nach ihren eigenen Angaben sind aber bis jetzt bereits über 3O ihrer Offiziere gefallen bezw. außer Gefecht gesetzt worden. Wir haben aber schon erwähnt, von welcher Bedeutung der Verlust von Offizieren für farbige Truppen ist. Ihre Kampfkraft ist vernichtet, fobald die Offiziere nicht mehr in der Lage sind, ihre Soldaten im Gefecht zu leiten. Abgesehen von den an Bord der Kreuzer befindlichen, aus Europäern zusammen gesetzten Landungskorps kommen nur aus Farbigen bestehende Truppen in Frage. Die Landungskorps sind lediglich an der Küste verwendbar und den Strapazen des Buschkrieges nicht gewachsen. Die Verluste der Verbündeten sind also außerordentlich schwer. Mangels jeder Verteidigungsgeschütze die vier veralteten Geschütze in Duala, die man dort als Salutkanonen benutzte, kann man nicht als solche bezeichnen mußten unsere Schutztruppenkräfte erklär licherweise bei den Angriffen feindlicher Kriegsschiffe die Küste räu men. Aus den Plätzen Victoria, Duala, Kribi und Kampo, die vom Feuer der feindlichen Schiffsgefchütze bestrichen werden können, muß. ten sich also die Unsrigen zurückziehen. Jeder Zoll Landes aber,202 Klar zum Gefecht. der außerhalb des Bereiches der Kanonen liegt, wird wie aus- obigem hervorgeht heldenmütig verteidigt. Die Taktik dieser Ver teidigung ist durch die natürlichen Verhältnisse gegeben. Das Ge biet. durch das unsere Feinde von Duala aus vordringen wollen, ist mit dichtem tropischen Vorwald bestanden. Ein offenes Gefecht kann hier nicht stattfinden, sondern nur diejenige Art von Kampf, die man in Weftafrika als ,Buschkriegs bezeichnet. Hierbei kommt es in erster Linie auf genaue Ortskenntnis an; der Verteidiger lauert den vor dringenden Kolonnen an geeigneten Stellen auf, beschießt den Feind und ist meist, ehe dieser zur Besinnung kommt, im Walde wieder verschwunden. Hieraus ist es zu erklären, daß die Verbündeten für den Weg von Duala nach Edea, der nur etwa 90 Kilometer lang ist und sich längs der Bahnlinie hinzieht, über drei Wochen Zeit ge braucht haben! Je weiter sich diese Kämpfe von der Küste ent fernen. desto günstiger werden die Verhältnisse für den Verteidiger und desto ungünstiger für den Angreifer. Um seine Etappen, die in dem Waldgebiete jederzeit überfallen werden können, zu sichern, muß der Angreifer seine Kräfte zersplittern. Je weiter er ins Innere vordringt, desto größer werden bei dem Mangel an fahrbaren Wegen die Verpflegungsschwierigkeiten, desto größer wird der Troß von Trägern. Da diese sich fast nur auf engen Waldpfaden vorwärts bewegen können, erfordert die Sicherung der Marschkolonnen weitere Kräfte, während der Verteidiger, abgesehen von seiner Ortskenntnis, die ihm eine bessere Ausnützung der Nahrungsmittel des Landes selbst ermöglicht, auf immer neue rückwärtige Quellen zurückgreifen kann. Diese stetige Beunruhigung der Marschkolonnen, bei der man immer gewärtig sein muß, überfallen zu werden, macht die Truppe nervös und kostet, wie aus den oben erwähnten Gefechten hervorgeht, viel Offiziere und Mannschaften. Es ist sehr wohl denkbar, daß der Plan unserer tapferen Verteidiger dahin geht, die Feinde unter stetiger Beunruhigung weiter ins Innere Kameruns vordringen lassen, um sie dann an einem selbst gewählten Kampfplatze wo möglich aufzureiben.so. Kapite! . Es verdient hervorgehoben zu werden, daß nach dem letzten Berichte des Gouverneurs die eingeborene Bevölkerung ruhig ist. Äus einer Bekanntmachung des Gouverneurs vom Anfang An- giifl, nach der sich eingeborene Stämme als Krieger angeboten, geht hervor, daß große Teile der farbigen Bevölkerung sogar für uns kämpfen wollen, und daß sie wirklich für unk gekämpft haben, be weist das oben erwähnte Beispiel des Sultans von Logone Karnak. Wir können hoffen, daß die tapfere Schar deutscher Kultur- Pioniere in Kamerun, den mit großer Macht von allen Seiten an stürmenden Feinden in gleicher Weise wie bisher die Stirn bieten und die deutsche Flagge an der Westküste Afrikas aufrecht halten wird! Interessant ist auch ein Bericht Kameruner Missionar , die in englische Gefangenschaft gerieten. Ich entnehme dem Bericht von Angehörigen der Kameruner Baptistenmission folgendes: In den von Engländern und Franzosen besetzten Küstengebieten Kameruns ist durch die gegebenen kriegerischen Ereignisse die deutsche Missionsarbeit aufs schwerste geschädigt worden. Die Boten der Katholischen Mission sind ebenso wie die Missionarsfamilien der Basler und Baptistenmission rücksichtslos in Gefangenschaft geführt und ihre Stationen zum Teil übel zugerichtet worden. Von der Baptisten-Mission (Sitz Neu-Nuppin), die in Kamerun am 1. Ja nuar 1914 auf 6 Haupt- und 49 Nebenstationen, 17 Missionare, darunter 16 verheiratete, sowie 6 Missionsschwestern unterhielt und 3124 Christen sowie 3623 Schüler gesammelt hatte, liegen Berichte vor, die aufs neue bestätigen, mit welch unerhörter Rücksichtslosigkeit die Engländer nicht nur alles, was deutsch ist, zu zerstören suchen, sondern auch das Ansehen der weißen Rasse durch die Afrikaner mit Füßen treten lassen. 1. Die Ucbergabe Dualas an die Engländer und Franzosen. Als wir Anfang August im fernen Kamerun die Kunde von den ersten Kriegserklärungen erhielten, da ahnten wir nicht, was dies für uns noch bedeuten würde. Grund zur Beunruhigung für die 20L204 Klar zum Gefecht Kolonie liegt nicht vor," war der inhaltliche Bescheid der Antwort auf eine Anfrage betreffs der Verhältnisse in der Heimat. Da kam gleich darauf die Kriegserklärung Englands an Deutschland. Sofort erkannte man deren Folgen für unser Schutzgebiet. Allerlei erfor derliche Maßnahmen für die kommende Zeit wurden getroffen. Da bei hörten wir von dem Einfall der Engländer in Togo und der Besitzergreifung dieser Kolonie. Bald hörten wir, daß feindliche Kriegsschiffe auf dem Wege nach Kamerun seien. Ansang September ließ sich das erste in der Mündung des Kamerunflusses sehen, es war das kleine englische Kanonenboot Dwarf". Etwa am 10. Sep tember machte es einen Versuch, Duala zu beschießen, wobei es aber in den Bereich unserer leider zu wenigen und für die Folgezeit auch unzureichenden Geschütze kam, aber Dwarf" erhielt zwei Treffer und zog sich schnell wieder zurück, ohne uns Schaden zugefügt zu haben. In den folgenden Tagen war der Feind mit der Beseitigung einer durch drei versenkte Schiffe gebildeten Sperre sowie mit der Auffindung eines Fahrweges für größere Schiffe beschäftigt. Von der Veranda unseres Missionshauses konnten wir die Bewegungen des Feindes gut beobachten. Etwa am 24. September erschien ein größeres Kriegsschiff mit 3 Schloten im Kamerunbecken. Es war der Kreuzer Challenge", der am Freitag, 25. September, Duala zu beschießen begann. Unheimlich heulten die Granaten durch die Luft, verschiedene an unserer Missionsstation vorüber. Furcht und Bangen erfüllte die Eingeborenen. In großen Scharen verließen sie, ihre wenigen Habseligkeiten mit sich nehmend, ihre Wohnftätten, um weiter von der Küste entfernt Schutz zu suchen. Viele kamen auch täglich zu uns auf die Station, wo sie sich, wie sie sagten, sicherer fühlten und ruhig sein könnten. Bonanjo, der der Beschießung am meisten ausgesetzte Stadtteil, war auf Anordnung der Regierung geräumt worden. In Bonebela war für Unterkommen gesorgt. Der nur kurzen Beschießung am Freitag folgte am Sonn abend morgen eine weitere, ohne aber viel Schaden anzurichten. Ein von der Wasserseite unerwarteter feindlicher Angriff erfolgte205 20. Kapitel. nicht. Am Abend gingen unsere Schwestern auch nach Bonebela in Massenquartieren. Sonntag, den 27. September kurz vor 6 Uhr ertönte erneut Kanonendonner. Dichter Nebel ließ nichts vom Feinde erkennen. Der kurzen Kanonade folgte eine unheimliche Stille, ein Gefühl be klemmender Ungewißheit. Bald nach 7 Uhr kamen die Schwestern aus ihren Nachtquartieren zurück ohne viel geruht zu haben , unbe queme Lager und quälende Moskitos hatten sie daran gehindert. Gegen 9 Uhr steigt beim Funkenturm dichter Rauch auf. Donnernd stürzt der Turm zusammen. Auf Anordnung der deutschen Behörde ist er gesprengt worden. Vom Wasserturme von der Papomastraße nahen zwei weiße Flaggen. Sie sagen aus: Duala wird übergeben. Vor der Uebermacht des verbündeten Feindes, Engländer und Fran zosen, denen von verräterischen Eingeborenen ein Weg gezeigt worden war. auf dem sie Duala auch von der Landseite angreifen konnten, mußte unsere nur geringe Truppenmacht sich zurückziehen. Am Spätnachmittag war am Flaggenmast in Bonanjo und über dem Bahngebäude in Bonaberi die englische Flagge geheißt, neben ihr ar Montag morgen auch noch die französische. In großen Abteilun gen rückten jetzt feindliche Truppen von der Land- und Wasserseite in Duala ein. Die Stadt wurde dauernd überflutet. Ein wüstes Durcheinander, Zerstören und Plündern, begann von Soldaten und Eingeborenen. Die einmal früher verbreitete Nachricht, daß die Eng länder den Privatbesitz respektieren, erwies sich hier als unwahr. Nichts wurde geschont. Wohl sind sie, als alles drunter und drüber ging, dein Plündern der Eingeborenen mit Waffengewalt entgegen getreten, wobei mancher erschossen worden ist; an anderen Orten da gegen, wie z. B. in Jabassi, haben sie die Leute zum Plündern und Ziauben geradezu veranlaßt. Geschäftsräume, Privatwohnungen, ja sogar Kapellen und Schulen sind geplündert und beschädigt worden. Gleich am Montag begannen die Feinde mit der Gefangen nahme aller Weißen, ob sie Waffen getragen hatten oder nicht. Män ner, Frauen und Kinder, alles wurde in rücksichtslosester Weise ge-Rlar zum Gefecht. fangengenommen. Selbst Angehörige neutraler Staaten befanden sich unter den Gefangenen. Hatten die Missionare bis jetzt auf Scho nung gehofft und erwartet, daß man ihr Personal auf den Stationen belassen würde man erwartete das von dem christlichen England so sahen sie sich darin völlig getäuscht. Die Gefangennahme der ein zelnen war mit Belügen verbunden. Die Engländer suchten mit farbigen Streifwachen die Weißen auf. Ihr habt nur mitzukommen zur Feststellung eurer Namen hieß es, dann könnt ihr wieder zurückkehren." Bei solch einem Versprechen nahm natürlich niemand etwas mit sich. Das Versprechen aber wurde nicht gehalten. Auch erhielten die so in Gefangenschaft Geratenen nicht einmal die Er laubnis, in ihre Wohnungen zurückzukehren, um sich mit dem Nötig sten zu versehen. Aus den Wohnungen heraus, von der Arbeit weg. auf der Straße aufgegriffen, so wurden sie zu Gefangenen gemacht, die dann an den Sammelstellen und in den Lagern unter Bewachung schwarzer Soldaten gestellt wurden. Um aller Deutschen im einge nommenen Gebiet habhaft zu werden, hat man kein noch so gemeines schändliches Mittel gescheut. So sind von Engländern auf das Er greifen von fünf Postenführern am Sanaga Kopfgelder ausgesetzt worden. Diese wurden darauf von Eingeborenen einzeln überfallen und mißhandelt dem Feinde ausgeliefert, Welcher den Überbringern das Geld auszahlte. Unsere Feinde tun in Kamerun eine gründliche Vernichtungs- zrbeit, und das nicht nur dort, wo sie bei unseren tapferen, aber leider zu geringen Truppen Widerstand finden, sondern überall, wo sie Deutsche antreffen. 2. Behandlung neutraler MissionSschwestern in Duala. Am 29. September früh wurden die Mitglieder der Baptisten- Mission als Gefangene weggeführt, doch waren die Missionsschwester Hanschildt und wir der Hossnung, daß sie bald zurückkommen würden, da man uns gesagt hatte, daß Missionare frei bleiben würden. Man hatte uns auch nicht einmal Zeit gegeben, uns von ihnen zu verab- L0620. Kapitel. schieden. Schwester Hauschildt begleitete sie nach Bonanjo, während Schreiber dieses allein auf der Station zurückblieb, wo er Zeuge vieler Schandtaten sein mußte. Da die Weißen alle fortgeführt wurden, glaubten nämlich die Eingeborenen tun und lassen zu können, was sie wollten. Sie raubten und plünderten daher in unseren Nachbar häusern, was sie nur konnten. Nichts war ihnen zu gering. Es wurde so schlimm, daß die Engländer mit Gewalt Ruhe schaffen mußten. Fünf Personen wurden auf unserem Missionsgrundstück standrechtlich erschossen, während andere verletzt wurden. Eine Stunde nachher aber war die Plünderung wieder in vollem Gange. Auch zu unserem Hause kamen sie schon und fragten einen unserer Jun gen, ob die Weißen alle fort seien, was dieser verneinte. Bald kam dann auch Schwester Hauschildt zurück mit der Nachricht, daß alle Mit glieder der Mission in Gefangenschaft bleiben müßten; auf dem Wege wurde ihr der Hut durch einen Schrotschuß durchbohrt. Die folgenden Tage waren für uns sehr aufregender Art. Wir sehen es als eine besondere Gnade Gottes an, daß wn noch da sind, denn oft schwebten wir in größter Lebensge- fahr. Die schwarzen glaubten behandeln zu können wie ihres- gleichen. Fünf von ihnen wurden uns als ^ Wache gegeben, und wir durften keinen Schntt tun, auf dem sie uns nicht begleiteten. Außerdem wurde Tag und Nacht geschossen und die Plünderung nahm kein Ende. Auch208 Klar zum Gefecht. unsere Wache stahl, was sie nur konnte, so daß wir schließlich auch sie noch bewachen mußten. Während der ersten drei Wochen waren wir unter französischer, und in den nächsten vier Wochen unter englischer Bewachung. Mittlerweile wurde es ruhig in der Sladt. Das Plün dern ließ ein wenig nach. Die Eingeborenen bestahlen jetzt einander um die geraubten Sachen. Manche unserer Mitglieder haben sich in dieser Zeit bewährt, einige wurden vom Strudel mit fortgerissen. Die Eingeborenen können keinen Unterschied machen zwischen Ver brechern und Kriegsgefangenen, somit mußten wir manche Reden mit anhören, die uns wehtaten. In unserer Mädchenschule wurden nur von unseren Nachbarn bestohlen, doch gelang es, einige der Sachen mit Hilfe eines Soldaten zurückzuerhalten. Unsere beiden Missions häuser in Vonalembe blieben bis zu unserer Abreise unbeschädigt, doch waren die verschiedenen Gebäude am Strande alle erbrochen und ausgeplündert worden. Zweimal ließen die Engländer die Aufforderung an uns erge ben, die Station zu verlassen, doch wurden wir auf Bitte von Sckwe- ster Haufchildt nicht gewaltsam entfernt. Daß die Einigkeit der Engländer und Franzosen viel zu wünschen übrig ließ, merkten wir daran, daß wir nach einiger Zeit wieder französische Wachen bekamen. Doch sollte unser Weilen in Duala überhaupt bald ein Ende nehmen. Am 29. November erhielten wir die Mitteilung, daß wir am 1. Dezember nach England transportiert werden sollten. Wir suchten daher noch einige Sachen für unsere uns vorangegangenen Geschwister einzupacken, um sie dann mitnehmen zu können. Als wir dann am 1. Dezember van einem englischen Offizier abgeholt und zur Negierungsstation gebracht wurden, baten wir noch einmal, uns doch dort zu lassen, aber alles Bitten war vergebens. 3. Die Einnahme von Buca durch die Engländer. Als bald nach Ausbruch des Krieges die Nachricht vom Heran nahen englischer Kriegsschisfe nach Duala kam, war es mit der Schultätigkeit vorbei, da die Eingeborenen aus Angst vor dem Krieg mit ihrem geringen Hab und Gut in den Busch flüchteten.203 20. Kavitei. Deshalb nahmen wir den Vorschlag unseres Missionsleiters, Missionar Martens, an, nach Soppo zu gehen, zumal wir recht elend waren. Am 11. August kamen wir in Soppo an und waren bald wegen der Besehung Dualas durch die Engländer von jeder Nachricht nicht nur von Deutschland, sondern auch von allen Missionaren, ab geschnitten. Gerüchtweise horten wir, daß die Frauen, die in Duala waren, von den Engländern nach Lagos gebracht worden seien, ,um sie vor den Eingeborenen zu schützend Wir sagten aber unseren schwarzen Christen, daß die Frauen von der Mission wahrscheinlich zurückgelassen werden würden, da die Missionen doch keinen Krieg führen; trotzdem aber waren sie bereit, bei jedem Gerücht von dem Herannahen des Feindes in den Busch zu flüchten, konnten sie sich doch einen Krieg nicht anders vorstellen, als daß dabei ungestraft geraubt, geplündert und ermordet würde. Inzwischen hatten die Engländer eingesehen, daß sie außer Duala nur noch einige Küstenstädte mit Hilfe ihrer Kriegsschiffe bombardieren und besetzen konnten, daß sie aber, um der Kolonie Herr zu werden, einer starken Truppenmacht bedurften. Deshalb holten sie aus ihren Nachbarkolonien etwa 10 OVO schwarze Soldaten und rückten mit 2000 bis 8009 Mann und vielen Maschinengewehren auch nach Buea vor, da sie annahmen, daß Buea. der Sitz der Gouverneurs, stark befestigt sei. Weil die Deutschen aber nur eine Handvoll Soldaten für Buea hatten, so war eins Verteidigung gar nicht beabsichtigt; die wenigen Soldaten sollten nur den Anmarsch des Feindes erschweren und sich dann zurückziehen, um andere Truppenteile zu verstärken. Dieser Plan gelang auch in soweit, als unsere wenigen Leute es sollen 150 bis 200 gewesen sein den Feind durch ein zweistündiges Gefecht aufhielten. Am 15. November rückte der Feind in Buea ein. Unsere Sonntag morgenversammlung war gerade beendet, da kamen die Schüler ge laufen: Die Engländer kommen!" In der Annahme, daß ihnen bereits ein Unterhändler mit weißer Fahne entgegengegangen sei, traten wir an den Grenzzaun unseres Missionsgrundstückes, das 14 Klar zum Gefecht210 Klar zum Gefecht, gerade am Eingang von Buea liegt, um den Einmarsch mit an zusehen. Da lag ein Vortrupp von etwa 100 schwarzen Soldaten. 10 Schritt von uns entfernt, mit aufgepflanztem Bajonett und zum Platzen gefüllten Patronentaschen. Missionar Bender wechselte einige Worte mit dem Offizier, dann kehrten wir ins Missionshaus zurück. Bald darauf kam ein Offizier mit einigen Soldaten, um das ganze Grundstück genau abzusuchen. Er fragte auch die Ein geborenen. ob wir nicht deutsche Soldaten im Hause versteckt hätten. Nach ihm kam der ganze Vortrupp und warf sich auf dem Missionsgrundstück gegenüber einer Schlucht, schußbereit nieder, weil er einen Hinterhalt fürchtete. Unser Missionshaus wurde um zingelt, damit wir keine Nachricht geben konnten. Während dieser Zeit zog die Haupttruppe in Buea ein. Der Kommandant war sprachlos, als er bald darauf hörte, es würde kein Widerstand ge leistet. Bald hörten wir, daß alle nichtenglischen Weißen weggebracht werden sollten. Da die Missionare unter allen Umständen gern im Lande geblieben wären, machte Herr Lutz, der Leiter der Basler Mission, eine Eingabe an den englischen General in Duala, in der er sagte, er könne doch nicht glauben, daß das christliche England den Missionen eine schlimmere Behandlung zuteil werden lasse, als sie von den Heiden zu gewärtigen hätten. Missionar Bender machte außerdem seine Anspüche als amerikanischer Bürger geltend. Aber von Duala kam die Antwort, kein Deutscher dürfe in Buea bleiben, nicht einmal Missionar Bender; doch wurde ihm Hoffnung gemacht, er könne in Duala bleiben und von dort aus die Stationen besuchen, so daß er doch wenigstens nach dem Nötigsten hätte sehen können. Ihm wurde auch erlaubt, mitzunehmen, was er wollte, während von den Deutschen die Herren nur zwei Traglasten, die Frauen nur drei mitnehmen durften. Da mußte natürlich das meiste zurückbleiben. Und doch waren wir in Soppo und Buea gut daran, denn manche anderen hatten nur einen Koffer, manche nur das, was sie auf dem Leibe trugen. Als die Deutschen von dem Proviant, den sie nicht mitnebmen konn ten, an die Eingeborenen verkauften, erließen die Engländer ein20. Kapitel. Rundschreiben: Wenn noch ein Europäer Lebensmittel, die für We ße geeignet seien, an Eingeborene verkaufe, so würde allen Euro päern der Proviant weggenommen und nur noch Tagesrationen ver teilt werden. Am 26. November verließen wir, auch Missionar Bender und Frau, in aller Frühe die Missionsstation und eilten auf schmalem Buschweg auf die Bahnstation Soppo. Mitglieder der Gemeinde halfen Benders beim Transport ihrer Sachen, und unterwegs reichte uns noch mancher die Hand zum Abschied. Als wir am Bahn hof anlangten, kam ein trauriger Zug an: Die Vertriebenen au5 Buea, unter Bewachung von schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett! Frauen und Kinder durften mit der Bahn nach Victoria fahren, die Männer mußten unter Bewachung marschieren. Die Fahrt den Kamerunberg hinunter durch die Kakao-, Gummi- und Plantanenpflanzungen, mit ab und zu Aussicht auf die Spitze des Berges, ist sonst wunderschön; aber diesmal machte sie das Herz nur schwer. In Victoria wurden wir in der Basler Mission ein quartiert und durften am Nachmittag noch einige schöne, stille Stun den in ihrem Garten an der Bucht zubringen. Am nächsten Tage wurden wir per Schiff nach Duala gebracht, wo Benders uns ver ließen. Ihre Hoffnungen gingen nicht in Erfüllung. Sie wurden wie Gefangene behandelt, bekamen nicht einmal die Erlaubnis, in snser Missionshaus zu gehen, und zwei bis drei Tage später hörten wir durch einen Engländer, daß auch sie auf ein Schiff gebracht seien, um weggeführt zu werden. Wir anderen wurden alle auf die Npam" gebracht, wo wir mehrere bekannte Gesichter sahen: Missio nar Orthner und viele Basler Missionare mit ihren Frauen und Kindern, unter den letzteren auch ein Säugling von zwei Tagen, der auf dem Schiff geboren war. Am 29. Dezember kamen wir in Liverpool an. Die Männer wurden alle, auch die Missionare und ein Arzt, in ein Kriegsgefangenenlager abgeführt, die Frauen und Kinder nach Deutschland gebracht. Zu unserer großen Freude wur den die Missionare aber nach kurzer Zeit jedoch entlassen. 21Z212 Klar zum Gefecht. Wenn wir alle unsere Erfahrungen zusammenfassen, so muffen wir sagen: Die Engländer wollen die Kolonie auf jede Art und Weise wirtschaftlich ruinieren. Sie sind mit erdrückender Uebermachi darüber hergefallen, haben sie von jeder Verbindung mit der Außen welt abgeschnitten; fangen mit Gewalt, List und Lügen alle Weißen, Soldaten, Negierungsbeamte, Kaufleute, Pflanzer, Missionare, selbst die Angehörigen neutraler Staaten; schaffen sie, auch die Frauen und Kinder, aus dem Lande fort und schicken sie, von fast allem entblößt, in die Kriegsgefangenschaft. Ja. das reiche England schämt sich nicht, allen alles Geld bis auf im günstigsten Falle IVO Mark 5 Per son abzunehmen. Manchen wurde gar nichts gelassen, und viele, die von der Straße weggefangen wurden, hatten nicht einmal das Nö tigste. Jede Arbeit ruht, die Entwicklung für die Zukunft ist unter graben. Der Respekt vor den Weißen ist dahin. Die Neger haben sie bekriegen und ihnen befehlen dürfen, man hat uns als Gefangene gesehen. Unsere Gemeinden sind ohne Missionare in den Händen von schwarzen Gehilfen und werden es schwer haben, durchzukommen, denn nicht einmal die Missionsarbeit hat das christliche England geschont! 4. Ueberfall und Plünderung der Station Nyamtang. Nachdem englische Kriegsschiffe am 26. September Duala bom bardiert und tags daraus Truppen gelandet hatten, war voraus- zusehn, daß nunmehr auch andere Teile Kameruns vom Kriege in Mitleidenschaft gezogen werden würden. Einer der ersten Orte, auf welchen die Engländer, begünstigt durch den hohen Wasserstand im Wuri, ihr Augenmerk richteten, war Jabassi. Am 7. Oktober erreichte uns die Nachricht, daß mehrere größere, mit Kanonen ausgerüstete Flußdampfer vor Jabassi lägen, ein heftiges Granatfeuer auf das Bezirksamt und die Europäerwohnungen eröffnet hätten, und daß etwa 1500 schwarze Soldaten sowie viele Europäer gelandet worden seien. Es entspann sich dann ein heftiges Gefecht, bei dem es jedoch der nur etwa AOO Mann starken deutschen Schutztruppe unter Füh rung von Hauptmann Haedicke gelang, die Engländer zurückzu-2Z. Kapitel. schlagen. Annähernd 150 Farbige und 15 Engländer sollen dabei auf feindlicher Seite gefallen fein, während von der deutschen Truppe nur 5 farbige Soldaten 3 davon beim Kentern eines Bootes den Tod fanden. Am Tage darauf wurde die Kanonade auf Ja- baffi aufs neue eröffnet, diesmal mit solcher Heftigkeit, daß die deutsche Truppe, welche keine Kanonen, sondern nur Maschinen gewehre besaß, vor den feindlichen Granaten nicht standhalten konnte und sich von Jabassi zurückziehen mußte. Hierdurch wurde den Engländern auch der Weg nach Nhamtang frei. Anfänglich hofften wir, daß sie sich mit der Einnahme Ja- bassis begnügen würden. Gestärkt wurden wir in diesem Glauben durch eine Notiz der Kamerun-Post", nach welcher aus Togo ge meldet wurde, daß Engländer Privateigentum respektierten. Als wir jedoch durch Eingeborene erfuhren, daß sie in Jabaffi nicht nur die Negierungsgebäude, sondern auch sämtliche Geschäfte deutscher Firmen und deren Wohnungen, sogar die Bas ler Missionsstation, ausgeraubt, und den dortigen Missionar abgeführt hätten, da wurde es uns immer klarer, daß auch Nyamtang nicht verschont bleiben würde. Es vergingen jedoch noch vier Wochen, bis sie es wagten, den Weg dahin zurück zulegen. L18214 Mar zum Gefecht. Es War am 6. November, als während des Mittagessens eine? unserer Zöglinge uns meldete, daß englische Soldaten sich auf dem Hofe herumschlichen. Wir begaben uns sofort alle auf die vordere Veranda. Kaum hatten die Soldaten uns bemerkt, als etliche auch schon ihre Gewehre auf uns anlegten. Andere zerrten und stießen uns in Gegenwart von Eingeborenen, unter denen wir jahrelang ge arbeitet hatten, die Treppe hinunter und zwangen uns, ohne Be deckung in den glühenden Strahlen der Mittagssonne zu stehen und zuzusehen, wie verschiedene Soldaten durch die Zimmer gingen und alles Greifbare an Geld, Uhren und anderen Wertsachen in ihre Rucksäcke wandern ließen. Als bald darauf ein Oberst mit anderen Offizieren erschien und wir unsere Beschwerden darüber äußerten, daß Engländer eine Missionsstation in solcher Weise überfallen, sowie uns über die schmachvolle Behandlung vonseiten englischer Soldaten beschwerten, erhielten wir zur Antwort: Krieg ist Krieg!" Auf unfern Hinweis, daß wir amerikanische Bürger seien, er widerte der Oberst, daß er strenge Weisung habe, alle Weißen, ohne Ausnahme, gefangen zu nehmen und somit auch wir bis zum näch sten Morgen zur Abreise bereit sein müßten. Sofort wurden alle Eingänge des Hauses mit Posten bestellt, Schützengräben wurden rings um den Hügel aufgeworfen, Kanonen, Maschinengewehre und Zelte aufgestellt, so daß der eben noch so friedlich daliegende Missions hof, auf welchem auch die etwa 700 schwarzen Soldaten sich nieder gelassen hatten, einem Kriegslager glich. Meine Bitte, doch wenigstens Missionar Orthner, der auch Ame rikaner ist, zu erlauben, zum Schutze des Eigentums dazubleiben, wurde einfach abgewiesen. Auf meine Frage, was denn aus dem Missionseigentum und dem persönlichen Besitz werden würde, erhielt ich zur Antwort, daß das Missionseigentum Wohl demselben Schick sal verfallen sei, welches das Kircheneigentum in Frankreich beim Einzüge der Deutschen getroffen habe, und daß wir von unserem per sönlichen Eigentum nur soviel mitnehmen dürften, als wir auf dem215 20. Kapitel. Missionsgrundstück Träger aufbringen könnten. Da nun aber am Morgen dieses Tages die meisten unserer Schüler nachhause ge gangen waren, bedeutete das für uns, daß wir den größten Teil un seres Eigentums zurücklassen mußten. Schweren Herzens machten wir uns daran, das Notwendigste in etliche Koffer und Kisten un terzubringen; aber wir kamen nicht sehr weit, denn als der Tag sich neigte, sagte man uns, daß kein Licht gebrannt werden dürfte. Wir trugen dann alles, was nicht eingepackt werden konnte, in zwei kleine Zimmer, die sicher verschlossen werden konnten. Unser Vieh sowie unser Proviantbestand, zusammen im Wert von etwa 1100 Mark, wurde requiriert. Als ich eine Quittung darüber forderte, sagte man mir, daß ich sie am nächsten Morgen bekommen würde; ich habe sie jedoch trotz aller meiner Bemühungen bis heute nicht er halten. In Duala gab mir ein Offizier, als ich ihn auf unsere Ver luste aufmerksam machte, zur Antwort, ich solle froh sein, überhaupt etwas gerettet zu haben. Daß unser Abschied von der Stätte unserer langjährigen Wirk samkeit unter solchen Umständen ein recht schmerzlicher war, läßt sich denken. Besonders schwer wurde es meiner Frau, die infolge des Erlebten sich am Morgen so elend fühlte, daß sie sich kaum aufrecht halten konnte. Recht froh waren wir deshalb als es uns in dem letzten Augenblick noch möglich wurde, eine Hängematte aufzutreiben, so daß sie die 30 Kilometer bis Jabassi nicht zu Fuß zurückzulegen brauchte. Leider mußten wir dafür aber von dem wenigen, daß wir verpackt hatten, noch 6 Kisten zurücklassen. Kurz vor der Abreise bat ich einen englischen Offizier, doch dafür zu sorgen, daß nicht far bige Soldaten die letzten seien, die das Grundstück verließen. Ich befürchtete nämlich mit Recht, daß diese vor dem Abmarsch noch plün dern würden. Er versicherte mir dann, daß Engländer als letzt den Platz verlassen würden und ich nichts zu befürchten hätte. Als ich mich nachher noch einmal umschaute, sah ich auch, daß einige englische Offiziere um das Haus herumgingen. Es war ein gewaltiger, wohl 1^4 Kilometer langer Zug, in dem wir uns befanden. Vor und hin ter uns, soweit wir auf dem schmalen Wege blicken konnten, Soldaten216 Klar zum Gefecht. mit aufgepflanzten Seitengewehren, dazwischen auf den Schultern von Trägern Feldgeschütze und Maschinengewehre. Und das alles, um einige Missionare und eine Frau, die friedlich auf ihrer Station waren, fortzuholen! Nachdem wir aber V2 Kilometer gegangen waren, erhielt der neben uns hergehende Offizier einen vom Obersten unterschriebenen Zettel, auf welchem er nach den Schlüsseln für die Zimmer, in denen wir unsere zurückgelassenen Sachen untergebracht hatten, fragte. Nichts Uebles ahnend, setzten wir die Reise fort. In Ndogobaa an- gekommen, wurde keine Rast gemacht. Hier trafen wir unsere Mäd chen und andere Eingeborene, die uns nachgelaufen waren, an und erfuhren von ihnen, daß die Engländer, welche nach unserem Ab marsch auf dem Grundstück zurückgeblieben waren, Türen, sowie Kisten und Kästen erbrochen und alles Brauchbare eingepackt oder an Eingeborene verkauft hatten. Wir wollten es zuerst nicht glauben, es wurde uns aber von verschiedenen Seiten bestätigt. Es war dies eine äußerst schmerzliche Nachricht für uns, nicht so sehr in Anbe tracht unseres Verlustes, sondern vielmehr im Gedanken daran, daß englische Offiziere, darunter ein Oberst, sich derart erniedrigten, daß fts zu gemeinen Räubern wurden! Als wir in Jabafsi ankamen, dunkelte es bereits. Wir wurden in Gegenwart unserer Träger aufgefordert, uns, obwohl auf den Bänken genügend Raum vorhanden war, auf den mit Wasser be dreckten Boden des Bootes zu setzen, wogegen wir jedoch protestierten. Wir übernachteten in einem Hause der Firma C. Woermann, in welchem sich auch nicht ein einziges Möbelstück mehr befand. Alles war geraubt worden! Hier machten wir auch die schmerzliche Erfahrung, daß uns neun unserer Lasten fehlten. Einer der Engländer tröstete uns mit der Bemerkung, daß dieselben Wohl aus Versehen in den Regierungs schuppen gebracht worden seien. Als wir jedoch am nächsten Tage auf der Weiterfahrt nach Duala einige Sachen im Besitz englischer Soldaten sahen, wußten wir, daß wir aufs neue beraubt worden waren.35 7 M. Kapitel. Bemerkt sei noch, daß die Engländer schon bald nach ihrer An kunft in Nyamtang verschiedentlich andeuteten, während der Reise dahin verschiedene Leichen von Eingeborenen gesehen zu haben; sie hoben hervor, daß man es nicht verstehe, wie deutsche Soldaten harm lose Eingeborene niederschießen könnten. Auf der Neise nach Jabassi kam der uns begleitende Offizier wieder auf die .Grausamkeiten der deutschen Truppen zu sprechen. Wir machten ihn darauf aufmerksam, daß es noch keineswegs er wiesen sei, wer die Eingeborenen erschossen habe, falls es aber von deutscher Seite geschehen sein sollte, so könne es sich nur um Schwarze gehandelt haben, die entweder sich weigerten, Lasten zu tragen, oder die beim Truppentransport versucht hätten, zu fliehen. Unter glei chen Verhältnissen würden die Engländer ebenso gehandelt haben; das sei doch gewiß keine Grausamkeit. Der Gegenstand wurde dann auf der Reise nicht weiter berührt. Erst nachdem wir in Duala ange kommen waren, wurden wir vor das Oberkommando geladen und aufgefordert, etwas über die .Grausamkeiten der Deutschen nieder zuschreiben. Wir weigerten uns unt wurden entlassen. Bald darauf erfolgte eine zweite Aufforderung. Wieder kam dieselbe Zumutung. Nachdem wir uns bereit erklärt hatten, zu schreiben, was wir gesehen haben, konnten wir wieder gehen. Der Inhalt unserer Niederschrift, die wir dann einreichten, handelt von der schamlosen Behandlung, welche uns und anderen Missionaren zuteil geworden war. Hierauf wurden wir wieder vorgeladen und scharf verwarnt, denn unsere Aufzeichnungen seien eine Anklage der englischen und französischen Soldaten und eine Verdächtigung des gesamten Kommandos. Man hatte aber den traurigen Mut, noch einen Schritt weiter zu gehen und uns in Aussicht zu stellen, am nächsten Tage aus der Gefangenschaft entlassen zu werden, wenn wir ihren Wunsch erfüllten und einen Be richt über .Grausamkeiten, verübt von den deutschen Truppen ihnen zusenden würden! Selbstverständlich taten wir das nicht. Unter der Beschuldigung, der Missionsvorsteher hätte als amerikanischer Bür ger die Neutralität verletzt und die deutsche Regierung unterstützt, wurden dann er und seine Frau als Kriegsgefangene nach England218 Klar zum Gefecht. gebracht. Selbst noch dort begründete man dieses Festhalten durch Neutralitätsverletzung. Zum Glück wurde er dann aber als ordi nierter Missionar endlich freigegeben und nach Deutschland entlassen. 5. Der Tod von Frau Missionar Martens in Accra. Das traurigste Ereignis für uns während der Zeit unserer Kriegsgefangenschaft war das Abscheiden der Frau Missionar Mar tens. Wir mußten schmerzlich erfahren, daß die Engländer sogar kranke Frauen als Kriegsgefangene behandeln. Wohl und frisch war Frau Märiens am 29. September mit uns in Gefangenschaft. Bald nachdem wir auf der Goldküste untergebracht worden waren, machten sich aber die Folgen der mancherlei Entbehrungen und Be schwerden der vergangenen Tage bemerkbar. Sie fing an zu krän keln. In unserer Lage als Kriegsgefangene vermochten wir nur wenig für sie zu tun. Nach der Gefangennahme war uns von eng lischen Soldaten fast unser ganzes Geld abgenommen worden un5 wir erhielten, trotz wiederholten Bittens, nichts davon zurück. Wir durften auch das Haus nicht verlassen. Unsere Männer, die sich etwa eine halbe Stunde von uns entfernt in einem Gefangenenlager be fanden, erhielten erst nach vielem Bitten die Erlaubnis, uns zu besuchen. Frau Märiens wurde immer elender, aber der Arzt, der hin und wieder flüchtig zu ihr hinschaute, hatte nur häßliche Bemer kungen, wenn er sie liegend antraf. Als wir später eine Wohnung in den Basier Missionswohn stätten in Christiansborg bezogen, kümmerte sich die Regierung nicht mehr um uns. Trotz aller Versuche unsererseits, Frau Mar tens zu helfen, trat leider keine Besserung ihres Zustandes ein. Appetitlosigkeit, häufiges quälendes Erbrechen und daraus folgende Schwäche nahmen zu. Frau Märtens wandte sich an den Basler Missionsarzt Dr. Huppenbauer. Dieser kam bereitwilligst von sei ner Missionsstation Aburi, um nach ihr zu sehen und sie in Behand lung zu nehmen. Eine kleine, leider nur vorübergehende Besserung trat ein. Da wurde auch Dr. Huppenbau^r in Gefangenschaft ge setzt, obwohl er als Arzt den Engländern in ihren Kolonien diente!20. Kapite!. Zugleich wurden wir Missionsgeschwister wieder von unserer Woh nung, wo wir uns größter Bewegungsfreiheit erfreuten, fortge nommen und alle in das gemeinsame Kriegsgefangenenlager in Accra geschafft. Frau Martens fand Aufnahme im Kolonialhospital. Ihre Behandlung dort war, wie wir später erfahren haben, eine traurige. Weder der Negierungsarzt, noch die Hospitalschwester nah men sich ihrer gebührend an. Warum auch? Sie war ja nur eine deutsche Kriegsgefangene! Freundliche Behandlung und liebevolle Aufmerksamkeit ließen ihr ihre beiden schwarzen Krankenwärte rinnen zuteil werden, deren Liebe und Mitgefühl sie durch ihr freund liches Wesen schnell gewonnen hatte. Die Ruhe und Sauberkeit des luftigen Krankenzimmers tat ihr Wohl und unter der fürsorgenden Pflege der schwarzen Wärterinnen fing sie an, sich ein wenig zu erholen. Doch da wollte man sie auch schon nicht länger im Hospital behalten, nach fünf Tagen mußte sie heraus und wurde nach dem Gefangenenlager gebracht. Die Unruhe im Lager, wo etwa 159 Gefangene beieinander waren, sowie die für eine Kranke ganz un zulängliche Kost, wirkten nachteilig auf sie ein. Schon nach einigen Tagen verschlimmerte sich ihr Zustand wieder. Nur einmal sah der Arzt des Gefangenenlagers auf Missionar Märiens wiederholte Bitten nach ihr, aber nur ganz flüchtig, ohne irgendwelche Anord nungen zu treffen. Nach acht Tagen war Frau Märiens wieder so elend, daß sie ins Hospital zurückgeschafft werden mußte. Nie werden wir den Augenblick vergessen, als sie uns Lebewohl sagte. Sie war so eigenartig ruhig und gefaßt. Man legte sie in eins Hängematte und so entschwand sie, von Schwarzen getragen, unse ren Augen. Obwohl das Hospital nur wenige Minuten von uns entfernt war. wurde jedoch jede Verbindung zwischen uns und ihr abgeschnitten. Selbst ihr Mann durfte sie nicht besuchen. Seine wiederholten Bitten um Erlaubnis blieben unerfüllt. Von dem Arzt des Gefangenenlagers, bei dem er sich nach dem Ergehen seiner kranken Frau erkundigte, erhielt er stets nur kurze Antworten, die erkennen ließen, wie unwillkommen deutsche Gefangene im Hospital 21S220 Klar zum Gefecht. seien. Zwei Tage vor ihrem Heimgang sagte er noch: Ihre Frau ist bester und wird heute entlassen, wir können sie nicht immer im Hospital behalten." Wir trafen dann Vorkehrungen für ihre Rück kehr, doch warteten wir vergeblich. Frühmorgens am nächsten Tage kam der Hospitalarzt, um Missionar Martens mitzuteilen, daß er für ihn die Erlaubnis er wirkt habe, seine Frau zu besuchen, die sehr elend und niedergeschlagen sei; er solle nur gleich kommen. Begleitet von einem bewaffneten Soldaten trat Missionar Martens in das Krankenzimmer ein, wc er seine Frau bereits so schwach vorfand, daß sie nicht mehr sprechen konnte. Nach ihrem Ergehen gefragt, antwortete sie ihm flüsternd . Sehr gut, sehr gut." Er blieb den Tag über bei ihr und konnte seine Frau, gemein- ihr nahe sei, antwor- tete sie mit Anstren gung ihrer letzten Kraft: Dochl" Erst gegen Wend kamen zwei Aerzte zu einer kurzen Untersuchung. Sie teilten Missionar Martens mit, daß seine Frau ernstlich krank sei und daß es sich scheinbar um eine Gehirn Hautentzündung handele, die Wohl infolge chemischer Einwirkung von Sonnenstrahlen eingetreten sei. Eine augenblickliche Gefahr läge nicht vor, er könne in das Lager zurückkehren. Gegen 11 Uhr rief2V. Kapitel. man ihn aber wieder und er blieb dann die Nacht über bei ihr. Wie am Tage, so ließ sich auch jetzt niemand von dem Weißen Personal sehen. Am 4. Dezember, vormittags 10^ Uhr, entschlief die müde Pilgerin als Kriegsgefangene in Feindesland, fern von der Heimat und allen ihren Lieben. Von der schwarzen Pflegerin hörte Missio nar Märiens nachträglich noch, daß sie in den letzten Tagen sehnlichst nach ihm verlangt und täglich gebeten habe, man möge doch ihrem Manne gestatten, zu kommen. Ihr Wunsch blieb unerfüllt. Sie war daher so in Sorge um ihn, daß sie ihn schon auf einem Gefan genentransport wähnte, und voll Sehnsucht nach ihren Kindern in der Heimat, die sie vor ihrem Tode wiederholt im Geiste sah und mit ihnen laut redete, aber niemand war da, ihre Sehnsucht zu stillen. Dieser Leidenszug hatte sich in ihrem Antlitz ausgeprägt. Am folgenden Tage, dem Geburtstage eines ihrer Töchterchen, fand in früher Morgenstunde die Beerdigung auf dem BaSler Missionsfriedhof in Christiansborg statt. Die Basler Missions- geschwister, die an dem herben Verlust Missionar Märiens innigen Anteil nahmen, sorgten in anerkennenswerter, dankenswerter Weise für all die nötigen Vorkehrungen zur Bestattung; sie schenkten auch einen schönen Sarg, da die englische Regierung nur einen gewöhn lichen, für Eingeborene bestimmten, geben wollte. An dem Be gräbnis beteiligten sich die meisten der Kriegsgefangenen; die Er laubnis dazu war ihnen erteilt worden. In Christiansborg angekommen, schlössen sich dem Trauerzuge Zu beiden Seiten etwa 150 Missionarspfleglinge an und begleiteten ?en Sarg singend nach dem Friedhofe. Hier erwartete Herr Zürcher, Präses der Missionen, die 30l) bis 400 Personen zählende Trauer- Versammlung. Seinen Trostesworten legte er Psalm 39 zugrunde. Die Krankheit der Entschlafenen erwähnend, sagte er: Man weiß nicht, was Frau Martens fehlte, als nur das eine: Sie ist den Ereig nissen erlegen." Von der Versammlung wurden einige Lieder in Deutscher, von dem Chor der Missionspfleglinge einige in der Ga- sprache gesungen. Die Feier machte auf alle Beteiligten einen tief ten Eindruck. 2AKlar zum Gefecht. 6. Die Behandlung der Missionare in englischer Gefangenschaft. Sonntag, der 27. September, brachte uns die traurige Tat fache der Uebergabe Dualas. Die darauffolgende Nacht verlief für uns noch ruhig, aber am nächsten Morgen ließen uns die schwarzen und weißen Engländer und Franzosen keine Ruhe mehr. Unsere Missionare wurden von ihnen aus dem Hause kommandiert und mußten vor ihnen im Hofe antreten. Montag ließ man uns noch frei, am Dienstag morgen, den 29. September, wurden wir dann auch gefangengenommen. Man sagte uns zwar: Sie brauchen Ihre Namen nur im Hospital einzutragen und können gleich wieder gehen," aber man behielt uns dort und sing auf diese Weise alle Deutschen. Mittwoch wurden wir dann auf den kleinen englischen Dampfer Bathurst" gebracht. Der selbe ließ, was Reinlichkeit anbetrifft, viel zu wünschen übrig. Die Herren mußten Tag und Nacht auf Deck zubringen, den Damen wur den Kabinen angewiesen, doch in solch einem Zustande, daß es Heber- Windung kostete, darin zu schlafen. Um Mitternacht wurden wir ge weckt und nach Geld untersucht. Als wir auf Deck kamen, hatte man Missionar Martens schon 200 Mark weggenommen. Nur 25 Pfen nig hatte man ihm gelassen! Auch nach Waffen wurde gesucht. Am nächsten Tage fuhren wir dann bis zu dem Platz, wo der englische Kreuzer Cumberland", ein alter französischer Panzerkreuzer und auch noch verschiedene Ka nonenboote lagen. Dort blieben wir die zweite Nacht. Betreffs des Essens machte sich niemand Sorgen. Die ersten zwei Tage bekamen wir gar nichts! Am dritten Tage wurde etwas Proviant verteilt, doch so. daß man nicht satt wurde. Ein Herr bekam ein Glas gemahlenen Pfeffer, ich erhielt ein Stück Seife und viele andere ungenießbare Ware. Am vierten Tage erhielt jeder zwei Stück Schiffszwieback zusammen etwa ^ Pfund und einen Salzhering, und damit mußte man einen Tag aus kommen. Später gab es Salzfleisch mit Reis. Die Brühe davon war oft ganz grün und oben schwammen die Maden. Teller, TastenA . Kupitel. und Bestecks waren nicht vorhanden. Einige aßen aus der hohlen Hand, andere wir auch klopften den Rand leerer Konserven büchsen glatt, und aus alten Brettern wurden Löffel geschnitzt. Wir hatten eine Emailleschüssel geschenkt bekommen und diese diente uns etwa 22 Personen als Eß-, Wasch- und AbWaschschüssel. So vergingen die ersten Tage. Bald waren unter diesen Verhältnissen 18 Personen erkrankt. Nach mehrtägiger Fahrt kamen wir nach Lagos, dort, so hieß eS, sollten wir bleiben. Die Engländer hatten Furcht vor den Deut schen, denn die Häuser waren ganz mit Sandsäcken verbarrikadiert; Kanonen, von schwarzen und Weißen Soldaten bedient, waren zum Schutz aufgestellt. Wir blieben hier zwei Tage. Die Basler und katholischen Missionare gingen an Land; weil wir aber keine Be ziehungen dort hatten und auch kein Geld, blieben wir an Bord. Missionar Werner wurde hier ebenfalls krank. Am dritten Tage fuhr dann der Niger", ein noch kleinerer englischer Dampfer, an uns heran. Ehepaare und einzelne Damen mußten nun auf ihn überfiedeln. Wir hatten Decken bekommen mit der dreimaligen Aufschrift ,Gefangener^ und dem englischen Abzeichen für Zucht häusler. Auf dem Niger" brachten wir Tag und Nacht gerade über der Schiffsschraube zu. Auch hier wohnte alles auf Deck, mit Affen, Hühnern und sonstigen Tieren zusammen. In Lagos wurde Missio nar Werner von uns getrennt. Wir wurden nach der Goldküste gebracht. Unter einem Heidenlärm ruderten uns die Eingeborenen durch die starke Brandung an den Strand von Accra. Auf großen schmutzi gen Lastautos wurden die Damen und Kinder, unter Bewerfen mit Steinen, Bespeien usw. seitens der Eingeborenen, fortgebracht. SS war sehr heiß und wir waren ganz mit gelbem Sand bedeckt. Hätte an diesem Tage Frau Missionar Zürcher von der Basler Mission nicht für unS gesorgt, die Engländer hätten uns wieder einmal hungern lassen. Vor unserem Hause waren vier schwarze Soldaten mit Gewehr und Bajonett aufgestellt, die jeden unserer Schritte beobachteten.Klar zum Gefecht. Man merkte ihnen so recht ihre Freude an, die Weißen kommandieren zu können. Das Esten kochte ein Schwarzer. Viel Schmutz war darin, der Appetit verging schon beim Ansehen. Unter diesen Verhältnissen verbrachten wir drei Wochen. Dann sagten uns die Engländer, wir Missionsleute sollten in die Werkstatt der Basler Mission ziehen. Wir fügten unS. Doch als wir dort waren, kümmerte sich die Regierung nicht mehr um unsere Versorgung, wir mußten selbst Essen kaufen, und da wir kein Geld mehr hatten, liehen wir uns von der Basler Missionshandlung, was wir brauchten. Nach weiteren drei Wochen fuhr an einem Sonnabend ein Lastauto mit einigen schwarzen Schutzleuten vor mit der Nachricht: In 2V Minuten kommen wir zurück, bis dahin muß alles fertig gepackt sein!" So wurden wir von einer Ecke in die andere geschoben. Als wir noch nicht ganz fertig waren, sagte man uns: Wenn ihr nicht sofort kommt, dann tragt ihr eure Sachen selbst." So ging es in aller Eile. Frau Riechert nahm noch ein Brot unter den Arm, und so fuhren wir fort, nicht ahnend, wohin. Man schaffte uns es war ^8 Uhr abends in eine leere Schule, wo sich auch die am selben Tage ge fangenen Deutschen aus Accra befanden. Montag, den 7. Dezember, mußten wir wieder packen. Nach, mittags wurden wir auf Lastautos zum Strand gebracht und von dort aus mit Booten auf die Apam", einen englischen Dampfer, wo wir zu unserer Freude die Missionare Genz und Wolff mit ihren Frauen, und Missionar Orthner antrafen, ebenso die Schwestern Hauschildt und Siegenthaler. So waren wir elf Missionsgeschwister allein von unserer Ka merunmission auf der Apam". Man hatte alle Weißen, ob Deutsche oder neutrale Holländer, Schweizer oder Amerikaner, aus der Kolo nie geschafft und behandelte auch letztere als Kriegsgefangene. Montag, den 23. Dezember kamen wir nach Liverpool. Diens tag verließen wir das Schiff. Die Ehepaare wurden wieder getrennt. Das waren erschütternde Szenen, als die, von den vielen Strapazen und Entbehrungen müde gewordenen Mütter und Kinder nun allein2V. Kavite!. standen und die ganze Verantwortung allein auf sich gelegt fühlten. Zu je 40 wurden die fast 230 Herren unter Bewachung abgeführt, um dann in England nicht mehr von ihren Frauen und Kindern gesehen zu werden. Die Frauen kamen in eine Herberge. Zu un- serer Freude kamen später einige Herren des amerikanischen Kon sulats, welche unsere Ueberführung nach London übernahmen. Als wir uns aus der Fahrt von der Apam" zur Herberge befanden, sahen wir, wie Liverpooler Jungen eine tote Ratte im Schmutz wälzten und einer unserer Damen ins Gesicht warfen. Auch uns bewarf man mit Schmutz und Steinen. In London nahm sich unser, weil nicht alle gleich nach Rotterdam abreisen konnten, der Deutsche Wohltätigkeitsverein an, ließ uns im dortigen Deutschen Hotel" unterbringen und sorgte für uns. Hier fühlten wir uns nach langer Zeit zum ersten Male wieder als Menschen. Nach zwei Tagen fuhren wir dann zum Rotterdamer Dampfer. Vorher aber mußten wir uns noch einer Leibesuntersuchung durch eine Polizistin unterziehen. Am nächsten Tage kamen wir nach Rotterdam und von dort zur holländisch-deutschen Grenze. Ach, war das eine Freude für uns, als wir unsere Füße auf deutschen Boden sehen dursten! Die deutsche Grenzwache gab uns einen Freifahrtschein zweiter Klasse bis nach Neu-Ruppin. Ueberall auf den Bahnhöfen wurden wir von Sanitätsdamen bewirtet. Es war so erhebend, die Einig keit des deutschen Volkes sehen und fühlen zu dürfen. Jetzt weilen wir im Mifsionshause zu Neu-Ruppin und fühlen uns Wohl und geborgen, voll Dank gegen Gott, der uns in all der schweren Zeit bewahrt hat! III. Togo. Von allen deutsch-afrikanischen Schutzgebieten bot Togo im Kriegsfall für die Verteidigung die ungünstigsten Bedingungen. Das nach allen Seiten offene, eng zwischen feindliche Nachbarkolonien ein gekeilte Land war einem beiderseitigen Ueberfall durch englische und französische Streitkräfte von Anfang an nahezu wehrlos Preisge is Klar zum Gefecht. L25226 kUuc zum Gefecht. geben, zumal nennenswerte Schwierigkeiten für das Vordringen des Gegners nicht vorhanden sind und letzteres noch dazu durch ein vor zügliches Straßen- und Wegenetz erleichtert wurde. Unter diesen Um ständen konnte bei dem Fehlen einer Schutztruppe mit erfolgreicher Gegenwehr für längere Zeit ernstlich nicht gerechnet werden. Um so höher ist es zu veranschlagen, daß der stellvertretende Gouverneur Geh. Regierungsrat Major a. D. von Doering, unter Aufgebot fast aller verfügbaren wehrfähigen Deutschen, mit diesen und der Polizei truppe bis zum Aeußersten Widerstand geleistet hat. Vor allem galt es hier, die im Innern des Landes bei Kamina (Bezirk Sokode) er richtete Großfunkenstation, mittels deren die alltägliche Verständi gung nicht nur mit Togo, sondern auch den andern Schutzgebieten in Afrika aufrecht erhalten wurde, solange als irgend möglich zu er halten. Denigemäß verlegte v. Doering, nachdem alsbald nach Be ginn des Kriegszustandes die mit dem Gouverneur der Goldküsten kolonie eingeleiteten Verhandlungen wegen Neutralitätserklärung des Togogebietes britischerseits abgelehnt worden waren, am 8. Au gust alle nur erreichbaren Streitkräfte der Polizeitruppe im gan zen 400 Mann meist Reservisten und Rekruten nach Kamina und leitete von dort aus die erforderlichen kriegerischen Operationen. Soweit als möglich wurden Proviant sowie Kriegsmaterial und rollendes Eisenbahnmaterial mitgenommen. Bei dem Rückzüge nach Kamina ließ v. Doering den kleinen Funkenturm bei Togblekofe und die Eisenbahnbrücke über den Siosluß sowie noch andere Brücken der Eisenbahnen nach Atakpame und Palime zerstören. Gleichzeitig besetzten die Engländer Lome, erklärten für die Stadt das Kriegsrecht und alles, bis 120 Kilometer landeinwärts sich erstreckende Gebiet, für englischen Besitz. Dabei wurde die feier- liä) Zusage gegeben, die Ordnung zu wahren und das Eigentum zu schützen. Wenige Tage später überschritten die Franzosen, die be reits am 8. August Anecho besetzt hatten, den deutsch-französischen Grenzfluß Mono in der Nähe von Tokpli und besetzten die Landschaft Sagada.15 227 20. Kapitel. Gleichzeitig rückten die Engländer von Lome aus längs der Palimebahn vor. besetzten zwischen dem 12. und 15. August Noepe, Affahun und Tsewie, erschienen auch im Distrikt Ho und kündigten den Nachschub zahlreicher Streitkräfte an. Am 14. August vertrieb eine, unter dem Befehl des Leutnants d. R. Dr. Sengmüller stehende Patrouille französische Truppen bei Chachuö, wobei der Feind drei Tote und mehrere Verwundete verlor. Ferner hatte eine, vom Veterinäroffizier Sommerfeld geführte Abteilung ein für uns ver lustloses Gefecht gegen die Franzosen bei Bafilo. Diese Vorstöße einzelner Abteilungen der deutschen Streitkräfte verfolgten den Zweck, die Einnahme von Kamina soweit als irgend möglich hinaus zuschieben. Dem gleichen Zwecke dienten die Gefechte bei Agbeluwos am 15. August und am Ehrafluß am 22. August. Ueber die Gefechte am Ehra- und am Monufluß enthält eine Zuschrift aus Dahomey an den Temps" vom 6. Oktober einige Angaben. Danach ist der Angriff der Deutschen am Ehra überaus heftig gewesen. Je ein englischer und ein französischer Offizier wurden getötet, ein englischer Offizier schwer verwundet, 25 farbige Soldaten der Verbündeten fielen oder wurden verwundet. Am Monu griffen die Franzosen an und verloren: 1 Europäer und 2 Farbige tot, 4 Farbige verwundet. Nach dem letzten telegraphischen Bericht des Majors v. Doering vom 24. August, hielt Hauptmann Mans am Ehra die deutsche Stel lung gegen große Uebermacht und zahlreiche Geschütze viele Stunden mit großer Tapferkeit. Auf die Dauer war das indessen unmöglich, und so vollzog sich das unvermeidliche Geschick der tapferen Verteidi gung von Togo von nun an in schnellem Gange. Schon am 27. August wurde in London amtlich bekanntgegeben, daß die Deutschen Togos sich bedingungslos den vereinigten feindlichen Truppen er geben hätten. Die Engländer würden stets das Privateigentum re spektieren, der Handel des Landes und die Privatinteressen der Kaufleute würden möglichst wenig beeinträchtigt werden. Die am 25. und 26. August zwischen dem Kommandeur der deutschen und der feindlichen Streitkräfte geführten Uebergabeverhandlungen hatten im wesentlichen nachstehenden Inhalt: Geheimrat von Doering er-Klar zum Gefecht. suchte u. a. um Annahme folgender Bedingungen: Uebergabe de? Europäer mit allen militärischen Ehren unter Beibehaltung der blanken Waffe; nicht inbegriffen in die Uebergabe sollte die Kolonne des Hauptmanns v. Hirschfeld fein, welche sich nicht in erreichbarer Nähe befand; Zubilligung von 24 Stunden Frist zur Abwicklung der Geschäfte, gerechnet von dem Augenblick der Bekanntgabe der Genehmigung der Uebergabebedingungen an den deutschen Unter händler; innerhalb der genannten Frist sollte kein Gefecht mehr statt finden, und Truppenbewegungen nur insoweit, als es sich um Zu sammenziehung deutscher Truppen zum Zwecke der Uebergabe han delte; Belassung je eines Europäers für jede Firma zur Wahrung von deren Privatinteressen; Absenkung der gesamten übergebenen Europäer nach einem Ort, der nicht in den Nachbarkolonien und möglichst überhaupt nicht in Westafrika liegt. Seitens des britischen Kommandeurs, Oberstleutnants Bryant, ist nur die auf Zurück lassung je eines Vertreters der kaufmännischen Firmen bezügliche Bedingung angenommen worden, v. Doering war gezwungen, der Uebermacht zu weichen und sich mit seinen Trupppen dem Feinde zu übergeben, ohne seine sonstigen Bedingungen aufrechterhalten zu können. Bei den mündlichen Verhandlungen, die Rittmeister von Roebern als deutscher Unterhändler führte, hatte letzterer indessen aus den Worten des britischen Kommandeurs den Eindruck ge wonnen, daß den gefangenen Europäern eine würdige Behandlung zuteil werden würde. Am folgenden Tage, 26. August, erließ der Kommandeur der feindlichen Truppen einen Befehl, wonach Togo unter Kriegsgesetz gestellt werde. Des weiteren enthielt der Befehl u. a. folgende Punkte: Die Kriegsgefangenen verbleiben zunächst in Atakpame und dürfen ohne schriftliche Erlaubnis ihre Quartiere nicht verlassen. Alle Gefangenen werden bewacht. Sie haben sich darauf vorzubereiten, daß vom 28. August ab ihre Uebersührung nach Lome stattfinden wird. Die Gefangenen dürfen ihr persönliches Gepäck mit sich nehmen und zum Zwecke des Packens ihre Behausun gen unter Eskorte aufsuchen. Den Angehörigen der Katho lischen Mission wird gestattet, in Atakpame zu bleiben und ihre229 20. Kapitel, Tätigkeit fortzusetzen. Je einem, noch zu bestimmenden Angestellten jeder kaufmännischen Firma in Togo wird erlaubt, nach Abgabe ehrenwörtlicher Verpflichtung, in Atakpame zu bleiben und unter Aufsicht des Chef-Transportoffiziers im Interesse seiner Firma weiterhin tätig zu sein. Bezüglich der gefangenen Pflanzungsange stellten wird einem besonderen Kommissar die Entscheidung darüber überlassen, ob sie auf Ehrenwort zur Fortführung der Pflanzungs arbeiten zurückbleiben dürfen. Bis auf weiteres werden alle Läden geschlossen, und nichts darf verkauft werden. Wegen dringender Requisitionen ist ein besonderes Ansuchen an den Chef-Transport offizier im Hauptquartier zu richten. Der älteste Sanitätsoffizier hat seinerseits Anordnungen betreffend das Sanitätswesen und die Hospitäler zu erlassen, denen Folge zu leisten ist. Aus Telegrammen des Majors von Doering war ersichtlich, daß sowohl Engländer wie Franzosen von Norden gegen Kamina vor rückten. Die Erklärung für diese nicht ohne weiteres verständlichen Maßnahmen lieferte erst die eben erwähnte Zuschrift an den Temps". Hierin heißt es u. a., daß die Verbündeten beabsichtigt hätten, nach Sansanne Mangu im Norden der Kolonie zu mar schieren, wo man den Befehlshaber der deutschen Truppen mit 17V Weißen und 1080 (!) schwarzen Soldaten vermutete. Eine kleine französische Kolonne habe indessen im genannten Orte festgestellt, daß dem nicht so war. Der britische Kommandant Bryant der nach der gleichen Quelle eine gemischte Abteilung von 440 englischen und 160 eingeborenen Soldaten befehligte und der französische Befehlshaber Maroix beschlossen alsdann, auf Kamina zu mar schieren. Togo ist heute etwa ungefähr wie folgt verteilt: Englisch ist die Küste bis Portoseguro, am Togoufer entlang bis zur Mündung des Haho, der Lome-Landbezirk, der Misahöhe- bezirk, vom Atakpamebezirk, was westlich der Bahn liegt. Französisch sind der Anechobezirk, der Atakpamebezirk östlich der Bahn, Atak pame selbst und der Sokodebezirk. In den Bezirken, die von den Engländern besetzt sind, ist verschiedentlich gestohlen worden, zum230 Klar zum Gefecht. Teil wohl von farbigen Angestellten selbst; sonst ist aber alles in ziemlicher Ordnung. In das Gebiet, das von den Franzosen besetzt ist, geht niemand. Unverzüglich nach Bekanntwerden der vorstehenden Nachrichten hat unsere Kolonialverwaltung die erforderlichen Schritte getan, um eine angemessene Behandlung der in Gefangenschaft geratenen Deut, schen herbeizuführen. IV. De tsch-Südn,estafrika. Ueber die Ereignisse in Südwestafrika liegen bis jetzt nur ge ringfügige Nachrichten vor. Das anfänglich geplante Vorgehen der Engländer gegen die Kolonie scheint durch die Vorgänge in der Kap kolonie. die Erhebung der Buren, ins Stocken geraten zu sein. Noch am 18. August konnte der Gouverneur über Kamina mel den, daß bis zu diesem Tage kein Angriff auf das Schutzgebiet er folgt sei. Bald darauf hörte jeder direkte funkentelegraphische Ver kehr mit Südwestafrika auf, und man war bezüglich der Nachrichten von dort nur auf fremde Quellen angewiesen. Danach kam es bis jetzt auf verschiedenen, räumlich weit von einander entfernten Orten zu Zusammenstößen mit englisch-südafrikanischen Streitkräften, und zwar an der Küste bei Lüderitzbucht und Walfischbai, im Süden am Oranjefluß endlich im Caprivizipfel im Nordosten. Ueber die Ereignisse an der Küste liegen folgende Nachrichten vor: Am 8. September besetzte eine kleine deutsche Abteilung die englische Niederlassung an der Walfischbai. Am l9, September erschienen englische Schiffe vor Lüderitz bucht. schifften Truppen aus und besetzten den Ort, ohne Widerstand zu finden. Die Besatzung hatte sich am Tage vorher, nach der Zer störung der Bahn und des Funkenturmes, ins Innere zurückgezogen. Am 28. September soll es dann nach englischen Berichten in der Nähe von Lüderitzbucht zu einem Gefecht gekommen sein, bei dem auf deutscher Seite fünf Mann gefallen und zwei verwundet sein sollen, während die Engländer 3 Tote und 4 Verwundete hatten. Zu weiteren Unternehmungen kam es an der Küste nicht.2?! 20. Kapitel. Im Süden scheint der englische Einbruchsversuch nicht von Er folg gewesen zu sein. Nachdem zuerst über Kapstadt gemeldet wor den war, daß bei Steinkopf am Oranjefluß am 15. September eine deutsche Patrouille von südafrikanischen berittenen Schützen über rascht und nach kurzem Scharmützel zur Uebergabe gezwungen wor den sei, hörte man aus London, daß ein aus Engländern, Buren, Afrikandern und Eingeborenen bestehendes Expeditionskorps den Oranje überschritten habe. Es hieß weiter, daß die ,aufständischen Herero die Unionflagge gehißt hätten. Die Richtigkeit der letzteren Angabe, die darauf schließen ließ, daß die Eingeborenen an der Süd grenze unseres Gebiets wobei es sich übrigens nicht um Herero, sondern nur um Hottentotten handeln könnte unsicher wären, muß füglich angezweifelt werden; denn falls die Nachricht zuträfe, hätten unsere Truppen in dem nachfolgenden Gefecht auch gegen auf ständische Eingeborene zu kämpfen gehabt. Das kann aber kaum der Fall gelesen sein, da der amtliche englische Bericht ein so wichtiges Moment sicherlich nicht verschwiegen haben würde. Die über den Oranje vorgedrungene Kolonne scheint nicht weit gekommen zu sein. Eine amtliche Depesche aus Pretoria von Anfang Oktober meldet nämlich, daß in einem im Distrikt Sandfontein-Warmbad statt gefundenen Gefecht die vereinigten Engländer und Südafrikaner IL Tote, 41 Verwundete, 7 Vermißte und 35 Gefangene verloren hätten.232 Klar zum Gefecht. Die Tatsache der englischen Niederlage wird jetzt durch Mit- teilungen aus Johannisburg vom 8. Oktober nicht nur bestätigt, sondern es erhellt daraus auch, daß die Verluste des Feindes die ersten Angaben noch ganz erheblich übertreffen. Danach sind fast zwei volle Schwadronen des ersten Regiments berittener Kapschützen und eine Abteilung der transvaalischen reitenden Artillerie insge samt 200 Mann in die Hände der Deutschen gefallen. Auch ihr Führer, Oberst Grant, geriet verwundet in Gefangenschaft. Ein Versuch des Feindes, durch zwei andere, zur Hilfe gesandte Schwa- dronen die Situation zu retten, mißlang, nachdem letztere durch Maschinengewehrfeuer Verluste erlitten hatten. Scheinbar um die eigenen Mißerfolge zu bemänteln, verbreitete sich dann die Cap-Times" vom 7. Oktober über die Schwierigkeiten, die der Südafrikaner in Deutsch-Südwestafrika warteten. Es heißt darin, daß die Deutschen über mindestens 10 000 vorzüglich ausge bildete Soldaten verfügten, von denen der größere Teil aus berittener Infanterie bestehe. Auch ein Kamelkorps von 500 Reitern sowie viele Maschinengewehre und K6 Batterien-Feldgeschütze seien vor handen. Es gäbe viele Polizeiposten in festen Blockhäusern, die tele phonisch- oftmals unterirdisch, mit einander verbunden und mit mehreren Maschinengewehren ausgerüstet seien. Das Gelände sei schwierig und besitze mehrere gute Verteidigungsstellungen. Auch die Wasserfrage sei meist schwierig zu lösen, jedoch sei die Zeit von Oktober bis April hierin günstiger. Ueber die Ereignisse im Nordosten und Norden läßt sich vorerst nur wenig berichten. Nach Lissaboner Meldungen soll es bei der por tugiesischen Station Naulila zu einem Zusammenstoß zwischen einer kleinen deutschen Abteilung, die nach der einen Lesart 12 Europäer, 20 Eingeborene, nach der andern 2 Offiziere, 8 Mann stark gewesen sein soll, und der Besatzung der Station gekommen sein. Soweit wir also die Ereignisse in Südwestafrika jetzt über blicken können, ist es den vereinigten Engländern und Südwest afrikanern bisher nur gelungen, von der Seeseite her LüderitzbuchiSZ. Kavitel. zu besetzen und damit höchst wahrscheinlich auch einen Teil der Diamantenfelder in die Hand zu bekommen. Ob und wie lange die Engländer imstande sein werden, Lüderitzbucht besetzt zu halten, dürfte im wesentlichen von der weiteren Entwicklung der Dinge in Britisch--Südafrika abhängen. Ein weiteres Vordringen des Fein des von Lüderitzbucht aus ins Innere des Schutzgebietes, namentlich mit stärkeren Kräften, würde Wohl auf große Schwierigkeiten stoßen und kaum Erfolg versprechen. Bis jetzt scheinen auch die Engländer noch keinen Versuch in dieser Richtung unternommen zu haben. Das am 28. September in der Nähe von Lüderitzbucht erfolgte Gefecht ist Wohl nur ein Rückzugsgefecht schwächerer Kräfte gewesen. Das von der britisch-südwestafrikanischen Regierung geplante Vorgehen gegen Südwestafrika schien durch die Aufstandsbewegung der Buren vorläufig ins Stocken geraten zu sein. So liegen denn auch, abgesehen von dem Gefecht bei Garub, Nachrichten über weitere Zusammenstöße von Truppen der Union mit unserer Schutztrupps nicht vor. Allerdings berichtet eine Londoner Reutermeldung über ein früheres Gefecht bei Sandfontein an der Südgrenze des Schutz gebietes; jedoch geht aus der Darstellung nicht hervor, ob jenes Gefecht überhaupt gegen deutsche Truppen oder nicht etwa gegen eine aufständische Burenabteilung geliefert wurde. Die betreffende Mel dung besagt, daß Oberst von Dewenter, der die Streitkräfte der Union an der Grenze von Deutsch-Südwestafrika kommandiert, am 9. November bei Sandfontein dem ,Feinds eine Niederlage bereitet hätte. Der,Feind hätte Verluste von etwa ILO Toten und Verwun deten und 125 Gefangenen gehabt. Die Streitkräfte der Union hätten dagegen nur 12 Tote und 11 Verwundete verloren. Fast alle Ver luste der britischen Streitkräfte wären durch Dumdumkugeln ver ursacht worden. Nach einem weiteren Telegramm sollte der ,Feind nach Sandfontein vertrieben sein, und seine Verluste werden auf 120 Tote und auf 11 Verwundete angegeben. Auffallend an diesen Meldungen ist einmal, daß der,Feind nicht näher bezeichnet wird und andrerseits der krasse Gegensatz zwischen den Verlustziffern für SZZKlar zum Gefecht. die eigenen und die feindlichen Streitkräfte. Zu denken gibt auch die Behauptung, daß der Feind Dumdumgeschosse verwendet haben soll. Der angebliche Erfolg des Obersten van Dementer bedarf daher noch genauerer Beleuchtung durch eine unzweifelhaft glaubwürdige Be richterstattung. Von einigem Interesse ist die nach Kapstadt gelangte Mel- dung aus der von englisch-südafrikanischen Truppen besetzten Lüderitzbucht, daß Ende November über den dortigen englischen Stellungen mehrfach ein deutscher Flieger erschienen sei. Dieser habe auch Bomben geworfen, ohne aber sein Ziel, die Eisenbahn, vernichtet zu haben. Das Flugzeug sei erfolglos beschossen worden. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß sich seit Mai 1914 zwei Flugzeuge in Südwestafrika zu Versuchszwecken befinden. Diese werden unse ren Truppen jetzt gute Dienste leisten. Von Angehörigen neutraler Staaten liegen neuerdings zwei diesbezügliche Berichte vor. Nach dem ersten dieser Berichte erfolgte die Mobilmachung der Union gegen Deutsch-Südwestafrika am 8. September 1914. Etwa am 14. September fand in Kapstadt eine Parlamentssitzung statt, in welcher der Krieg der Union gegen Deutsch-Südwestafrika mit großer Majorität beschlossen wurde, und bereits am 19. September erschienen die Engländer mit 2 Kreuzern, 4 Torpedobooten und 12 Transportschiffen vor Lüderitzbucht. Es landeten 80W Mann unter dem Befehl des früher als englischer Konsul in Lüderitzbucht tätig gewesenen Oberstleutnants Müller. An Geschützen wurden nur zweirädrige leichte Gebirgsgeschütze bemerkt. Etwa zur gleichen Zeit sollen auch in Porth Nolloth 8VVt) Mann und in Swakopmund angeblich ebensoviel gelandet worden sein. Die Deutschen hatten die Lüderitzbucht-Eisenbahn bis zum letzten Augenblick in Betrieb ge halten und fast die gesamten Lüderitzbuchter Vorräte nach dem Innern gebracht. Kurz vor dem Eintreffen der Engländer hatte sich der Bezirksamtmann mit den noch anwesenden Regierungs- beamten nach dem Innern zurückgezogen, und daraufhin wurden, nach dem das gesamte rollende Eisenbahnmaterial in Sicherheit gebracht wor- W4AI. Kapitel. den War, die Bahngleise durch Sprengungen zerstört. Die Eng länder haben aber zahlreiches Eisenbahnmaterial in Lüderitzbucht gelandet und sollen sofort an die Wiederherstellung der Bahn gegan gen sein. Durchschnittlich sollen täglich 500 Meter instand gesetzt worden sein. Die gesamte, in Lüderitzbucht und Kolmannskuppe zurückge bliebene Zivilbevölkerung ist als kriegsgefangen behandelt und nach Gefangenenlagern in der Kolonie geschafft worden. Der erste Trans port ging von Lüderitzbucht ab am 23. September 1914, nachmittags 2 Uhr. Die Männer sollen in das Gefangenenlager Robertsheight bei Pretoria, die Frauen und Kinder in das Gefangenenlager Port Napier bei Pietermaritzburg gebracht worden sein. Die meisten Geschäfte in Lüderitzbucht, u. a. die Lüderitzbucht- Gesellschaft und die Afrika-Bank sollen in englische Verwaltung ge genommen worden sein. Der britische Konsul Müller ist später mit der Zivilverwaltung Lüderitzbuchts betraut worden, während der Befehl über die Truppen auf einen andern Offizier übergegangen ist. Nachdem die Besetzung von Lüderitzbucht vollzogen war, sollen ein Kreuzer und die vier Torpedoboote von Lüderitzbucht zurück gezogen, und nur ein Kreuzer dauernd vor Lüderitzbucht stationiert worden sein. Trotzdem Konsul Müller bemüht war, die Ordnung aufrecht zuerhalten, ist es ihm nicht gelungen, die englischen Soldaten von Plünderung und Zerstörung von Privateigentum zurückzuhalten. Insbesondere ist die Einrichtung der leerstehenden Wohnungen völlig zerstört worden. Auch die frühere Privatwohnung des Konsuls Müller, in der sich noch seine Sachen befanden, ist nicht verschont geblieben, seine Bücherei ist vollständig zerstört worden! Wesentlich eingehender ist der zweit Bericht. Er lautet: Als am 1. August die Mitteilung über das Ultimatum Deutsch lands an Rußland eintraf, herrschte in Lüderitzbucht sehr große Begeisterung und noch größere Spannung; am Sonntag, den 2. August, vormittags, traf dann die Mitteilung über die Kriegserklä- ?3S236 Klar zum Gefecht. rung ein, am 4. oder 5. August auch die Nachricht über den Kriek mit Frankreich, jedoch erst später die Mitteilung bezüglich Englands. Von der Funkenstation waren allerdings Gespräche zwischen eng lischen Dampfern aufgenommen worden, wonach Deutschland und England sich im Kriege befinden ,sollten^, aber Tatsächliches hierüber erfuhr man zunächst nicht. Inzwischen wurde in Lüderitzbucht sofort sämtlicher Proviant des Militärs ins Land geschafft. Die Dampfer Frieda Woermann" aus Kapstadt und Muansa" aus Hamburg trafen beide am 2. Au gust ein. Nur Post und Passagiere wurden gelandet, worauf beide Dampfer mittags den Hafen wieder verließen. Im Hafen lagen am 2. August außerdem der Eber" sowie die Steiermark", welche in Sturmvogelbucht gelandet hatte; beide Schisse fuhren nachmittags ab. Am 7. August wurde in Südwest mobilgemacht. Es haben sich viele Freiwillige gemeldet. Die Behörden bereiteten sich darauf vor, einem Angriff seitens der südafrikanischen Union entgegentreten zu können. Etwa 2000 entlassene Kapjungen lagen auf dem italienischen Segler Mincio", welcher im Hafen war; die Jungen sollten nach Kapstadt befördert werden. Der Segler ist auch von zwei norwe gischen Walfängern nach Kapstadt geschleppt worden. Da Militär und Polizeitruppe durch Verlegung der Streit kräfte ins Innere des Landes erheblich vermindert worden waren, wurde für den Wachtdienst in der Stadt eine freiwillige Bürgerwehr gebildet. Aus Deutschland erhielt die Stadt über Windhuk regel mäßig Funkspruchmitteilungen, wodurch sie auch über die Vorgänge in Togo unterrichtet wurde, solange die dortige Funkenstation in Betrieb war. Bis zum 14. September abends war in Lüderitzbucht alles ruhig. Als aber die Mitteilungen von Swakopmund eintrafen, er wartete man sofort einen Angriff; jedoch wurde erst am 18. Septem ber gegen 4 Uhr nachmittags bekannt, daß die Engländer in Sicht wären. Gegen S Uhr wurde das erste Schiff an der Einfahrt sichtbar. Im ganzen sind 17 Schiffe gesichtet worden, einschließlich der Kriegs-237 20. Kapitel. schiffe, Schlepper und Leichter. Von den Schiffen gingen drei Trans portschiffe in den äußeren Hafen (außerhalb der Haifischinsel). Die Kriegsschiffe etwa 3 blieben weiter draußen liegen. Die Weiße Fahne wurde gezogen. Die Engländer landeten an diesem Tage in Lüderitzbucht keine Truppen mehr. Seitens der Bürgerwehr wurde nunmehr jeder Deutsche zum Wachtdienst herangezogen. Um einen eventuellen Zusammenstoß mit englischen Patrouillen zu vermeiden, wurde in der Nacht vom 18. zum 19. September den Mitgliedern die Waffe (Revolver) abgenommen, da die Vürgerwehr nur Polizei dienst tat. Am 19. September landeten die englischen Truppen von den drei Transportschiffen; der Nest der gesichteten Schiffe hatte nach Norden zu seine Reise fortgesetzt. Die Zahl der gelandeten Truppen war nicht zu ermitteln. Es sollen etwa 2000 Mann gewesen sein. Es handelte sich um Highländer in kurzen Röcken und Buren und Soldaten in Uniformen, wie solche auch in England getragen werden. Außerdem wurden etwa 800 Pferde und 1400 Esel und Maulesel gelandet. Die Deutschen hatten den demontierten Funkenturm bereits am 14. September, abends 7 Uhr, gesprengt; die Bahn wurde erst am 18. abends gesprengt. Die Engländer richteten sich nunmehr in Lüderitzbucht häuslich ein. Militärgouverneur wurde der bisherige englische Konsul Müller. Dieser war zur Zeit des Kriegsausbruchs in der Kapkolonie gewesen und kam mit der englischen Truppe nach Lüderitzbucht. Außer Konsul Müller sollen die Engländer auch andere frühere Bür ger aus Lüderitzbucht aus Kapstadt mitgebracht haben. Konsul Müller gab am 20. September durch eine Proklamation bekannt, daß die Stadt besetzt sei, forderte die Bürger auf, sich den englischen Wünschen zu fügen, sicherte ihnen Schutz und Schadenersatz zu usw. Dagegen würde man gegen Unruhen streng vorgehen. Am 21. mußten sich sämtliche Männer, ihre Waffen zur Ein- lieferung mitbringend, melden. Haussuchungen wurden vorgenom men. Am 22. September, vormittags, kam sehr überraschend238 Klar zum Gefecht der Auftrag, die Männer sollten sich reisefertig machen, um mittags an Bord eines Passagierdampfers nach Kapstadt gesandt zu werden, ohne daß der Grund für diese Maßnahmen oder die Ab sichten der Engländer näher bekanntgegeben wurden. Es war in dessen in Lüderitzbucht bereits amtlich verbreitet, daß man in der Union sämtliche Deutsche und Oesterreicher nach Robertsheight als Kriegsgefangene geführt hatte. Die verheirateten Frauen mußten ihren Männern folgen, die alleinstehenden konnten freiwillig folgen. Zur Zeit der Besetzung waren in Lüderitzbucht wohl noch 50V Weiße anwesend. Hiervon wurden nur etwa 200 Personen an diesem Tage abgeführt. Die Großkaufleute hatten durchgesetzt, daß die Chefs sowie je ein Angestellter bleiben durften. Alle Einwohner sollten jetzt einen Paß haben, und zwar sollte dieser bis spätestens am 25. September, 4 Uhr nachmittags zuge teilt sein. Am 26. September, nachmittags 4 Uhr, wurden sie eingeschifft und mit dem Viehtransportdampfer (!) Clou Macmillan" nach Kapstadt gebracht. Es befanden sich an Bord keine Kabinen, Bett zeug sollte mitgenommen werden. Die Verhältnisse an Bord dieses schmutzigen Viehdampfers, wo die Gefangenen in den Ställen unter Deck eingepfercht wurden, waren unglaublich elend. Nur Engländer können es wagen, einer wehrlosen und friedlichen Zivilbevölkerung derartiges zu bieten! Die Schiffsoffiziere sowie das begleitende Militär waren jedoch anständig und taten ihr möglichstes. Der Mut und die Ruhe der Deutschen waren bewundernswert. Als der Schlepper, der sie zum Viehdampfer bringen sollte, vom Kai abfuhr, sangen diese,Kriegsgefangenen^ trotz allem nochmals Deutschland, Deutschland über alles" und Heil dir im Siegerkranz", was den Engländern sehr imponierte. In Lüderitzbucht waren Wohl nur noch 30 bis 40 Männer und etwa 100 bis 120 Frauen und Kinder zurückgelassen worden. Die Zurückgebliebenen waren außer den Großkaufleuten nur noch einige Angestellte am Wasser- und Elektrizitätswerk, sowie die noch in Lüderitz befindlichen zwei Bahnbeamten. Der Rest der20. Kapitel. Bahnbeamten war oben im Lande, da die Betriebsleitung rechtzeitig verlegt worden war. Die Engländer hatten viele Geschütze mitgebracht und begannen sofort, die Stadt zu befestigen. Die Einwohner durften sich nur beschränkt in der inneren Stadt bewegen. Man konnte aber doch bemerken, daß auf den Anhöhen kleine Forts gebaut und Geschütze hinaufgebracht wurden, so z. B. auf die Anhöhe, wo die katholische Mission liegt. Das Fort lag mit Richtung gegen den Burenkamp. Ebenso wurden Geschütze auf den Diamantberg hinter der deutschen Kaserne gebracht. Ferner be festigte man die Stadt gegen die Seeseite; so z. B. wurden auf den Nautilusberg 4 Geschütze gebracht. Die Haifischinsel war abgesperrt; wahrscheinlich wurden dort auch Geschütze aufgestellt. Auf allen Anhöhen wurde gearbeitet, wahrfcheinlich Schutzwälle und Forts errichtet. Ebenfalls fetzten die Engländer die kleinen Plätze in Vertei digungszustand, auch das Gelände der ,Sturmvogelbucht . Die Engländer haben in den unbewachten Häusern der Stadt sehr schlimm gehaust. Eine empörende Handlung der Engländer war die, das Kran kenhaus einfach zu annektieren. Die Kranken und Schwestern wur den hinausgeworfen, ohne ihre Sachen mitzubekommen! Dort rich teten die Engländer ihr eigenes Lazarett ein. Die Deutschen bekamen dafür das Jugendheim, wo sie dann ihr Lazarett einrichteten. Die Schwestern waren gezwungen, um Betten usw. bei der Zivilbevölke rung zu bitten. Sie wollten sich die Pflege der dort eventuell ein treffenden Deutschen nicht nehmen lassen. Von den beiden Aerzten der Stadt wurde Dr. Nichter als ,Kriegsgefangener abgeführt. Die Engländer hatten an kleinen Transportfahrzeugen mit gebracht: zwei Schlepper, die Walfänger Bluck" und Southern Croß" und einige Leichter, außerdem ein Schiff, das mehr wie ein Bergedampfer aussah und Wohl als Minenleger benutzt wurde. Auch die Schiffe der Woermannlinie haben die Engländer vom Strande gezogen und in Gebrauch genommen. 23L240 Klar zum Gefecht. Die Engländer hatten Kolmannskuppe und Charlottental besetzt und die Männer etwa 40 nach Lüderitzbucht geführt. Trotzdem geschah das Merkwürdige, daß die Deutschen am 23. Sep tember, vormittags, noch den Nest der Frauen etwa 30 aus Kolmannskuppe abholten, um sie an Land zu führen. Abends konnte man am Horizonte die großen Feuersbrünste sehen. Von den Deutschen sollen die Magazine in Brand gesteckt und die Wasser behälter unbrauchbar gemacht worden sein. Kanonade von der Seeseite, sowie Gewehrseuer von Land konnte man öfters hören: Schießübungen der Engländer. Einige hundert Buren kämpften in den Gefechten auf deut scher Seite. In Kapstadt lagen vier deutsche Dampfer, deren Be satzungen als Kriegsgefangene abgeführt waren; auch von norwe gischer Seite waren deutsche Seeleute weggeholt und in Gefangen schaft gebracht worden. Unerhört war das Vorgehen der Zollbehörde, den Kriegs gefangenen für die Mitnahme ihrer Sachen Zoll abzuverlangen. Das Zeug der Kriegsgefangenen wollte die Zollbehörde nicht passieren lassen, obgleich die Gefangenen bereits weitergesandt waren! In Kapstadt waren noch immer einige Truppentransporte wahrzunehmen. Ueber Port Nolloth wollten die Engländer etwa 20 000 Mann gegen Deutsch-Südwestafrika und die gleiche Zahl von der Landseite gegen den Oranjefluß gesandt haben! Die Stimmung in Kapstadt war natürlich sehr gehässig gegen alles, was deutsch war, wofür noch die Behörden besonders sorgten. Doch wurden die Lügenberichte der Zeitungen kühl empfangen und fanden wenig Glauben. Für den Kolonialkrieg waren die Kap städter gar nicht begeistert; denn die Zeiten waren schon an für sich schlecht und viele Leute arbeitslos geworden. Aus den Berichten geht zunächst hervor, daß Südwestafrika nicht die Offensive ergriffen, sondern etwaige Angriffe seitens der Engländer bezw. der Südafrikanischen Union abgewartet hat.241 20. Kapitel. Der Premierminister Votha hat am 10. September im Par lament die Erklärung abgegeben, auf Anregung der britischen Re gierung habe die Regierung der Union beschlossen, das Schutzgebiet Südwest mit Waffengewalt anzugreifen. Ferner muß ausdrücklich auf die Feststellung hingewiesen wer- den, daß die Engländer auch aus Lüderitzbucht, ebenso wie in Kame run und Togo, ohne weiteres alle Nichtkämpfer und Frauen, sowie Kinder als Kriegsgefangene außer Landes und in Konzentrations lager brachten ein Verfahren, das jedem Völkerrecht und jeder bei zivilisierten Völkern hergebrachten Kriegführung Hohn spricht. Es ist übrigens recht bezeichnend für die Disziplin der englisch- südafrikanischen Truppen, daß es deren Befehlshaber nicht einmal gelungen ist, sie an der Plünderung und Zerstörung der Häuser in Lüderitzbucht zu hindern. Eine eigene Ironie des Schicksals liegt darin, daß sogar die Wohnung des Befehlshabers den Plünderern zum Opfer fiel! Am 16. Dezember kam es zwischen einer englischen, von Lü- deritzbucht aus ostwärts vordringenden Truppe unter dem Befehl von Sir Duncan Mc. Kenzie und deutschen Streitkräften bei Garub zu einem Gefecht, das mit einer Niederlage und dem Rückzüge der Eng länder endigte. Am 28. Dezember erlitt nach Meldungen aus Lissabon das portugiesische Expeditionskorps unter dem Oberbefehl des Obersten Rocadas gegen deutsche Kolonialtruppen eine schwere Niederlage, Das Expeditionskorps des Obersten hatte die deutsche Grenze über schritten, als es von einem starken deutschen Truppenteil angegriffen und zur Flucht gezwungen wurde. Die portugiesischen Truppen versuchten dann, sich in das auf portugiesischem Gebiet gelegene Naulila, einen befestigten Platz, zurückzuziehen. Die Verfolgung seitens der Deutschen war jedoch so heftig, daß es den "Portugiesen nicht gelang, die Festung Naulila zu halten, so daß sie den Ort eben falls sofort ausgeben mußten. Naulila befindet sich in deutschem Besitz. Der portugiesische Kolonialminister gab diese Tatsache in der Kammer zu Lissabon den Abgeordneten selbst zur Kenntnis. Ig Klar zum Gesechl,242 Gefecht. V. Kesttz nge w der Süds . 1. Neuguinea. Altes Schutzgebiet. Das früher vom Weltverkehr völlig ab geschlossene Schutzgebiet sollte in letzter Zeit durch mehrere Funken stationen an das Welttelegraphennetz angeschlossen werden. Bei Ausbruch des Krieges war die in Neupommern im Bau begriffene Station in Bitapaka noch nicht völlig betriebsfertig; sie konnte jedoch Telegramme aufnehmen, und da man der gespannten Lage wegen mit allen Kräften an der Fertigstellung arbeitete, vom 8. August an auch Telegramme geben. Am 5. August wurde in Bitapaka die amt- liche Nachricht von dem Ausbruch des Krieges in Europa aufge nommen. Der stellvertretende Gouverneur befand sich zu dieser Zeit auf einer längeren Dienstreise im Kaiser Wilhelmsland. Dem in Rabaul die Gouvernementsgeschäfte führenden Ersten Referenten lag es daher ob, alle durch die Lage gebotenen Maßnahmen sofort zu ergreifen. Da anzunehmen war, daß im Falle eines Angriffes der Engländer, von diesen zunächst versucht werden würde, sich des Gouvernementssitzes in Rabaul sowie der größeren Niederlassungen dortselbst und in Herbertshöhe zu bemächtigen, und da beide Orte unmittelbar am Meere liegen und daher ohne weiteres mit Schiffs- geschützen beschossen werden können, wurde beschlossen, den Gouverne mentssitz in das Innere von Neupommern zu verlegen. Nach ent sprechender Bekanntmachung siedelte dann der Erste Referent mit dem notwendigen Personal nach dem höher gelegenen und von der See aus nicht beschießbaren Toma über. Nur die zur Aufrecht erhaltung der Ordnung und des Hospitalbetriebes notwendigen Be amten blieben in Rabaul zurück. Die Eingeborenen verhielten sich ruhig und wurden in Neupommern und den benachbarten Inseln durch den Bezirksamtmann über den Krieg aufgeklärt. Das Gouver nement fand die volle Unterstützung der katholischen Mission in Her bertshöhe. Gleichzeitig mit diesen Maßnahmen schritt man zur Or ganisation des bewaffneten Widerstandes.20. Kapitel. Nabaul und Herbertshöhe sollte das Bombardement erspart bleiben und die Funkenstation in Bitapaka sowie der neue Gouverne mentssitz in Toma solange als möglich verteidigt werden. Es wurde daher aus der vorhandenen farbigen Polizeitruppe mit den beiden vorhandenen aktiven Offizieren die bewaffnete Macht gebildet, und diese durch Heranziehung von Deutschen verstärkt. Die zur Truppe einberufenen Deutschen wurden dann als Chargen in die auf etwa 300 Mann verstärkte Polizeitruppe eingereiht. Bemerkenswert ist, daß auch die Italiener und ein dort ansässiger und angesehener Ja paner mit etwa 100 seiner Landsleute dem Gouvernement ihre Dienste gegen einen etwaigen Angriff der Engländer anboten. Letz teres Angebot wurde aber mit Rücksicht auf die heimischen Nachrich ten nicht angenommen. Die Zahl der im ganzen eingezogenen Deut schen belief sich auf etwa 50. Schwächere Posten standen in Toma, Neu-Varzin, Wunaditir, am Weberhafen, Tobera, Raloana und Kabakane. Am 12. Augnft erschien ein aus vier Kreuzern und drei Tor pedobooten der australischen Flotte bestehendes Geschwader vor Herbertshöhe und Nabaul, verlangte mit dem Gouverneur zu ver handeln und forderte die Beamten auf, die Lage der Funkenstation bekanntzugeben. Dieses Ansinnen wurde abgelehnt. Daraufhin drohte der Flottenkommandant, wenn er bis zu einer gewissen Zeit eine befriedigende Antwort nicht erhalte, die Niederlassungen der Herbertshöhe und Nabaul zu beschießen. Die Beamten blieben jedoch bei ihrer Weigerung, und das Geschwader dampfte, nachdem sowohl in Herbertshöhe als auch in Rabaul die Postämter von gelandeten Truppen zerstört worden waren, wider Erwarten, ohne die Drohung auszuführen, vor Ablauf der gestellten Frist wieder ab. Am 10. September erschien die australische Flotte wieder vor Herbertshöhe. Die Landungstruppen wurden am 11. ausgeschifft und konnten Herbertshöhe besetzen, ohne Widerstand zu finden. Um 7^ 4 Uhr wurde die britische Flagge gehißt. Der Hafen von Rabaul wurde durch Torpedoboote nach etwa von den Deutschen ausgelegten Minen abgesucht. Auch nach Rabaul konnte später ohne Widerstand 1 24S244 Klar zu Gefecht. eine Besatzungstruppe gelegt werden. Die in Herbertshöhe gelandeten Truppen stießen indessen beim Vordringen in der Richtung der Funkenstation Bitapaka dicht hinter der Herbertshöhe auf heftigen Widerstand. Sie rückten bei Tagesanbruch vor, und es entwickelte sich auf einem Naume von der Ausdehnung von ungefähr 7 Kilo meter ein erbitterter Buschkrieg. Die Wege waren teilweise mit Minen besetzt und die Station durch Schanzgräben gesichert. Nach heftigem Widerstande es wird besonders betont, daß auch die ein geborenen Soldaten der Deutschen tapser kämpften soll sich der befehlshabende deutsche Offizier dieser Verteidigungslinie einige hundert Meter von der Telesunkenstation entfernt ergeben haben. Bei diesem Kampfe verloren die Engländer: 2 Offiziere, 1 Arzt, 4 Matrosen der Marinereserve tot; verwundet 1 Offizier und 3 Ma trosen. Verluste der Deutschen: 20 bis 30 Mann tot, 2 Offiziere einschließlich des Befehlshabers, 15 Unteroffiziere und 26 einge borene Soldaten gefangen. Es geht aus dem Bericht nicht hervor, wieviel Europäer sich unter den deutschen Verlusten befanden. Die Telesunkenstation selbst wurde weiter verteidigt und erst als die Engländer Geschütze in Stellung brachten, um die Station zu be schießen, vermutlich am 12. September, übergeben und von den Engländern zerstört. Hierauf gingen die Landungstruppen gegen Toma vor, wohin die Deutschen den Sitz der Verwaltung verlegt hatten. Die Ueberlegenheit der Angreifer war so groß, daß sich die Verteidiger ergeben mußten. Jnselgebiet. In Jap (Westkarolinen) und Nauru (Marschall inseln) wurde die Nachricht vom Kriegsausbruch alsbald durch die dortigen Funkenstationen bekannt. Ponape und Jaluit erhielten sie durch einen von der Kaiserlichen Station in Nauru entsandten Dampfer. Von den Engländern wurden nur die beiden Inseln Jap und Nauru behelligt. In Jap durchschnitten die beiden Kreuzer Hamshire" und Minotaur" nach den hier vorliegenden Nachrichten am 12. August das dort einmündende Kabel und zerstörten die Funkenstation, desgleichen in Nauru. Damit war die Verbindung des Jnselgebietes mit der Außenwelt gänzlich unterbrochen. Am20. Kapitel. 3. Oktober erschien ein japanisches Geschwader vor Ialuit, dem Sitz der deutschen Verwaltung der Marschallinseln, landete Truppen und nahm den Stationsleiter gefangen. Dieser wurde mit seiner Frau nach Japan gebracht und dort am 22. Oktober ausgewiesen. Die Japaner besetzten die deutschen Inseln im Stillen Ozean mit ihren Beamten, nämlich die Marianen wie auch die Palauinseln. 80 Beamte und nahezu 2VV0 Ansiedler sollen dorthin übergeführt wor den sein. 2. Samoer. Der Pflanzer und Leutnant d. R. Theodor Offenberg, dem es gelang, nach Kriegsausbruch das Schutzgebiet Samoa zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren, teilt folgendes mit: Am 2. August fing die eben fertiggestellte drahtlose Station in Tafaigata die erste Nachricht von der Mobilmachung gegen Nußland auf. Auf die gleiche Weise wurde die Nachricht von der französischen englischen Kriegserklärung am 4. bezw. 5. August bekannt. Der Gouverneur Dr. Schultz, weilte Tag und Nacht in der Station Ta faigata; doch gingen keine direkten Nachrichten aus Berlin ein. Der Gouverneur ordnete nun an, daß sich sämtliche dienstpflichtigen Europäer zur Verfügung hielten und mit den vorhandenen Geweh ren bewaffnet wurden. Die Station Tafaigata wurde militärisch besetzt und der Rest der Mannschaften sollte im Falle von Unruhen unter den Eingeborenen und Chinesen Verwendung finden. Am 5. August nachmittags fand dann ein Kriegsrat statt, zu dem der Gouverneur die Beamten und dienstpflichtigen Europäer hinzuzog. Es wurde beschlossen, die Kolonie im Falle eines feindlichen Angriffs ohne Widerstand zu übergeben, da ein solcher unter den gegebenen Verhältnissen aussichtslos erscheinen mußte. Die wenigen Europäer sowie die geringe Anzahl der farbigen Polizisten würden im Falle eines Angriffs nicht in der Lage gewesen sein, längeren Widerstand zu leisten, ein Widerstand hätte also nur unnützes Blutvergießen und wahrscheinlich die Zerstörung der Stadt Apia durch feindliche Kriegs schiffe zur Folge gehabt. Alle wichtigen Dinge, die für den Feind 24S246 Klar zum Gefecht. Von Vorteil sein konnten, wurden beseitigt. Am 29. August besetzten britische Streitkräfte Apia ohne Widerstand und richteten dort eine vorläufige Verwaltung ein. Nach dem Bericht eines nach Australien zurückgekehrten Truppentransportschiffes, lief ein englisches Kriegs schiff, das die Weiße Flagge führte, gleichzeitig mit ihm in Apia ein. Der Gouverneur war nicht anwesend, sein Stellvertreter verweigerte trotz der numerischen Ueberlegenheit des Angreifers die Uebergabe. Der Gouverneur befand sich während dieser Zeit im Gebäude der drahtlosen Telegraphenstation Tafaigata. Die britischen Truppen besetzten Apia, von den Eingeborenen angeblich freundlich begrüßt. Nach einem weiteren Berichte war den Soldaten der Expeditions abteilung über das Ziel ihrer Fahrt nichts bekannt. Lediglich die Anwesenheit verschiedener ehemaliger Samoabewohner ließ darauf schließen, daß es nach Samoa ging. Am 3V. August erfolgte die feierliche Proklamation der Besitzergreifung Samoas durch die Eng länder in Gegenwart des Seeoffizierkorps, der Land- und Seemacht, der Eingeborenenhäuptlinge und der Residenten. Zum Gouverneur wurde Colone! Logan ernannt. Gouverneur Dr. Schultz, sein Se kretär, ein Beamter der Telegraphenstatian und ein deutscher Kauf mann wurden nach Auckland gebracht. Sie wurden in guten Quar tieren im Quarantine Island untergebracht. Während ihrer Reise wurden ihnen keinerlei Beschränkungen auferlegt. Gouverneur Dr. Schultz erwartete, auf Ehrenwort freigelassen zu werden, doch wurde ihm eröffnet, daß er seinen Wohnsitz auf der genannten Insel zu nehmen hätte. Fassen wir die Gesamtlage unserer Kolonien ins Auge, so be finden sich die drei größten: Kamerun. Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika bis auf wenige Küstenstriche in unserem Besitze und werden es voraussichtlich auch bleiben. Wie erst später bekannt wurde, hat bei Tanga in Ostafrika eine Schlacht stattgefunden, die mit einer vernichtenden Niederlage der Engländer endete und in der sie, obgleich in fast dreifacher Ueber macht, allein 2t)0V Tote auf dem Schlachtfelde ließen.247 21. Ramtel. Das endgültige Geschick unserer Kolonien wird, wie schon früher gesagt. auf den europäischen Schlachtfeldern entschieden. Wir werden sie uns nicht nur alle wiederholen, sondern noch ein erkleckliches Stück mehr. Der belgische Kongostaat fällt uns ja jetzt schon zu, so daß ganz Mittelafrika deutsch wird. Also um unsere koloniale Zukunft können wir ganz ohne Sorge sein! 21. Kapitel. Der Aushungerungskrieg. John Bull hat bei Beginn des Weltkrieges die löbliche Absicht gehabt, uns auszuhungern. Das ist ihm gänzlich vorbeigeglückt. Ein Land mit einer so blühenden und leistungsfähigen Landwirtschaft wie das Deutsche Reich aushungern zu wollen, ist ein ganz absurder Gedanke. Die deutsche Landwirtschaft bringt genug hervor, um das ganze Volk ausreichend zu ernähren. Nur die begehrtesten Nahrungs stoffe, Weizen und Fleisch, haben wir nicht in Hülle und Fülle. An den anderen ist kein Mangel. Die Unterbindung der Zufuhr von Lebensmitteln kann infolgedessen nie mehr als bloße Unzuträglich keiten mit sich führen. Schlimmeres kann aber auch nicht die Verhinderung des Be zuges von Rohstoffen aus dem Auslande zur Folge haben. Für die Kriegführung ist Material übergenug vorhanden. Im übrigen kann man sich auch ohne die früher importierten Rohstoffe schlecht und recht behelfen. Die Volkswirtschaft hat also bei uns nicht im geringsten einen Zusammenbruch zu befürchten: Wir können und müssen durchhalten. Unsretwegen kann der Weltkrieg also noch recht lange dauern. Ganz anders liegen die Dinge freilich in England.Klar zum Gefecht. Englands Landwirtschaft ist von Jahr zu Jahr immer mshr vernachlässigt worden und kann auch nicht einmal zu einem geringen Teil die Bevölkerung des Jnselvolkes ernähren. Großbritannien ist mehr denn jedes andere Land auf den Im port angewiesen. Gelingt es, Britannien auch nur sechs Wochen von der Einfuhr abzuschneiden, so ist das ganze Land der größten Hungersnot preis gegeben und auf die Knie gezwungen. Wir haben also den Spieß umgedreht, und England fällt in die Grube, die es uns graben wollte, selbst hinein. Zunächst gelang es uns, einen ,Geheimen Erlaßt der englischen Admiralität abzufangen, der nachstehenden Wortlaut hatte: .Wegen des Auftretens deutscher Unterseeboote im englischen und irischen Kanal sollen sofort alle englischen Handels schiffe neutrale Flaggen hissen und alle Abzeichen, wie Reedereizeichen, Namen usw. verdecken. Hausflaggen sind nicht zu führen. Dieser Befehl ist geheim zu halten Also: England, das stolze, die Meere beherrschende (!) Bri- tannien wagte seine Flagge nicht mehr zu zeigen! Dieser Geheim, befehl war ein Eingeständnis der Schwäche. Die große englische Flotte reichte zum Schutz der Handelsflotte selbst in den Heimat gewässern nicht aus, die stolze Flotte, welche sich rühmte, daß sie die deutsche Flotte vernichtet haben würde, noch bevor die Kriegs- erklärung in Deutschland allgemein bekannt sein würde! Ja, Hochmut kommt vor dem Fall! Wie anders war dagegen das Verhalten der deutschen Admi ralität gegenüber den neutralen Staaten! Sie kündigte mit verblüffender Offenheit an, daß ,mit allen zu Gebote stehenden Kriegsmitteln^ gegen die englischen Truppen transporte nach Frankreich vorgegangen würde, und warnte die friedliche Schiffahrt dringend vor der Annäherung an die französische Nord- und Westküste, da ihr bei Verwechselung mit Schiffen, die Kriegszwecken dienen, ernste Gefahr drohe. 34L243 21. Kapitel. Am 4. Februar kündete die deutsche Admiralität an, daß am 18. Februar ganz Großbritannien und Irland und der Kanal zum Kriegsgebiet erklärt würde. Vierzehn Tage Frist wurde absichtlich den Neutralen gelassen, damit sie rechtzeitig ihre Handelsschiffe anhalten und vor dem Befahren des Kriegsschauplatzes warnen konnten. Wir zeigten uns auch in diesem Falle wieder einmal sehr zuvorkommend und ritterlich. Wir erinnern uns, daß bereits Anfang November 1914 die englische Regierung die ganze Nordsee als Kriegsgebiet erklärt hatte. Wir haben also nur Wiedervergeltung geübt unter der im Kriege maßgebenden Parole: Aug um Auge, Zahn um Zahn In England suchte die Regierung der Bevölkerung einzureden, daß der angedrohte deutsche Unterseebootskrieg nur ein Bluff sei. Allein das verfing nicht mehr. Die Versicherungsprämien nahmen eine schwindelnde Höhe an, 28 englische Dampferlinien stellten so gleich ihre Fahrten ein, 9000 englische Handelsmatrosen erklärten, unter keinen Umständen mehr in See gehen zu wollen. Am 6. Februar erklärte die britische Admiralität sämtliche bri- tischen Handelshäfen für befestigte Plätze. Das war natürlich eine große Torheit, denn von nun an ist die Beschießung eines jeden eng lischen Hafens nach dem Völkerrecht gestattet, auch kann jedes Han delsschiff, das nach englischen Häfen bestimmt ist, angehalten und vernichtet werden, da es Kriegskonterbande an Bord führt. Die neutrale Schiffahrt erleidet also dadurch einen großen Schaden und das schlaue England hat sich ins eigene Fleisch ge- schnitten. Die neutralen Staaten fanden sich mit dem angekündigten deutschen Unterseebootskriege schlecht und recht ab und die Vereinigten Staaten von Amerika wechselten mit uns einige Noten. In der deutschen Antwortnote hieß es u. a.: ,Bei dieser Sachlage sieht sich die deutsche Regierung, nach sechs Monaten der Geduld und des AbWartens, genötigt, die mörderische Art der Seekriegführung Englands mit scharfen Gegenmaßnahmen zu erwidern. Wenn England in seinem Kampf gegen Deutschland250 Klar zum Gefecht. den Hunger als Bundesgenossen anruft, in der Wsicht, ein Kulturvolk von 70 Millionen vor die Wahl zwischen elendem Ver kommen oder Unterwerfung unter seinen politischen und kommer ziellen Willen zu stellen, so ist heute die deutsche Regierung ent schlossen, den Handschuh aufzunehmen und an den gleichen Bundes genossen zu appellieren; sie vertraut darauf, daß die Neutralen, die bisher sich den für sie nachteiligen Folgen des englischen Hunger krieges stillschweigend oder protestierend unterworfen haben. Deutsch, land gegenüber kein geringeres Maß von Duldsamkeit zeigen werden, und zwar auch dann, wenn die deutschen Maßnahmen, die gleicher- weise wie bisher die englischen neue Formen des Seekrieges dar stellen Die Englische Regierung hoffte nun, die Neutralen gegen uns verhetzen zu können, insbesondere setzte sie ihre Hoffnungen auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Aber alle ihre Ränke und Listen verschlugen nicht. Sie scheute sich sogar nicht vor Bestechungsversuchen und bot dem Kapitän eines holländischen Dampfers 100 000 Pfund Sterling an, falls er sein Schiff versenken und dann in Rotterdam melden wollte, es sei durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht worden! Die britische Admiralität ließ ferner in verschiedenen Häfen öffentlich bekanntmachen, daß den Kapitänen und Mannschaften der Fischereidampfer Belohnungen für die Vernichtung feindlicher Unter seeboote versprochen wurden. Eine Belohnung von 1000 Pfund Sterling wurde dem Kapitän eines Fischerbootes ausgesetzt, der ein feindliches Unterseeboot in den Grund bohrte oder erbeutete, die gleiche Belohnung für einen Schiffer, der Informationen gibt, die zur Versenkung oder Erbeutung eines feindlichen Kriegsschiffes führen. Beträge von 500 Pfund Sterling wurden ausgesetzt für Nachrichten über Bewegungen feindlicher Schiffe. Das Organ Tyreu and Shipping" setzte eine Belohnung von 500 Pfund Ster ling für den ersten britischen Kauffahrer aus, der ein deutsches Tauchboot versenkt; diese Summe ist inzwischen durch Beiträge251 21. Kapitel. mehrerer Reeder auf 1160 Pfund Sterling erhöht worden. Ein Reeder setzte eine Belohnung von 500 Pfund Sterling für das zweite Handelsschiff aus, das ein feindliches Unterseeboot vernichten würde. Und so kam der 18. Februar heran. Die deutschen Uboote leg ten einen Gürtel von Minen rings um England und Irland und nahmen ihre Posten auf der Wacht ein: Der deutsche Unterseeboots, und Minenkrieg begann. Das bedeutete einen Wendepunkt in Englands Geschichte! Es war ein historischer Gedenktag! Seitdem die unüberwindliche Armada 1588 Englands Küsten bedrohte, hat keine Seemacht einen so herausfordernden Schritt gegen die Beherrscherin des Meeres gewagt wie die Deutschen. Bis zum 18. Februar ist eine starke Unruhe in der englischen Bevölkerung entstanden, die Lebensmittelpreise sind bedeutend gestiegen und der Außenhandel ist stark mitgenommen worden. Seit Ausbruch des Krieges ist die Stellung der City als weltversorgender Geldmarkt merklich geschwächt, und Newyork wächst sich schnell zum neuen Geld markt aus. England hat seinen Markt für auswärtige Anleihen schließen müssen. Es hat sich seit einem Menschenalter nicht den Krieg vorbereitet wie Deutschland und Frankreich; es bat seine bis herige Ueberlegenheit zur See nicht benutzt, um einen Vorrat für Blockadezeiten aufzuspeichern, es hat vielmehr fest auf die Ueber legenheit seiner Flotte vertraut. Keines Landes Stellung in der Welt beruht so auf der Unverletzlichkeit seines Territoriums wie die Eng lands, keine ist so abhängig vom Außenhandel oder von der Ausrecht erhaltung des Kredites im In- und Auslande. Selbst eine kurze Ab sperrung durch die Deutschen genügt, eine Lücke in die Vormachts stellung zu schlagen, welche das britische Volk bisher auf Erden genoß. Vom 18. Februar 1915 ab saß die mächtige und gefürchtete eng lische Kriegsflotte in einer Mausefalle. Von deutschen Ubooten und Minen eingeschlossen, mußte sie ohnmächtig zusehen, wie ihre Han delsmarine und Truppentransporte torpediert wurden.252 Klar zum Gefecht. Fast kein Tag verging, ohne daß mehrere englische Handeln schiffe versenkt wurden. Unser Weddigen, der inzwischen mit seiner braven Mannschaft auf U 29" übergestiegen war, vernichtete allein kurz hintereinander 6 Dampfer. Vier englische Truppentransportdampfer mit je 2MV Truppen, die von England nach Frankreich unterwegs waren, wurden mit Mann und Maus auf den Meeresgrund befördert. Das waren also allein schon 8000 Mann! Bis Mitte März stieg die Zahl der durch Minen und Uboote vernichteten englischen Handelsschiffe auf 171! Dabei zeigten sich unsere Ubootskommandanten durchaus ritter lich. Sie ließen überall der Besatzung Zeit, um sich in die Boote zu retten und sagten: Es tut uns leid, daß wir Sie belästigen müssen, aber wir haben Befehl erhalten, alle englischen Fahrzeuge in den Grund zu bohren." Dagegen entblödete sich der englische Admiral Charles Beves- ford nicht, auszusprechen, die deutschen Unterseebootskommandanten seien Piraten und müßten als solche, wenn sie in englische Gefangen schaft gerieten, gehängt werden!253 21. Kapitel. Zwei unserer Uboote, U 8" und U 2V" haben wir bisher seit dem 18. Februar verloren. Die Besatzungen konnten glücklicher weise gerettet werden. Dagegen soll sich der Verlustwert der Ladungen der durch deutsche Unterseeboote zerstörten englischen Handslsschiffe bis An fang März schon auf 80 Millionen Mark belaufen. Bis Mitte März wurden etwa 30 englische Kauffahrer im Unterseebootskriege vernichtet. Auch gelang es uns, zwei englische Hilfskreuzer zu zerstören. Von dem Clan Mac Naughton" kam niemand mit dem Leben davon, sondern alle 20 Offiziere und 260 Mann gingen mit unter. Bayano" hieß der andere. Er wurde torpediert und nur 8 Offiziere und 18 Mann konnten gerettet werden. Bayano" war ein Dampfer, von 5948, Registertonnen, er wurde erst 1913 erbaut und lief 14 Kuoten. Mit diesen beiden Schiffen steigt die Zahl der von uns seit Kriegsbeginn vernichteten englischen Kriegsschiffe auf 25; d. h. von diesen wissen wir es genau, daß sie nicht mehr existieren. Wahr scheinlich ist aber die Zahl der tatsächlich untergegangenen weit grö ßer. Aber auch diese Zahlen sind für siebeneinhalb Kriegsmonate schon recht erfreulich! 25 Kriegsschiffe und 171 Handelsschiffe! Von unseren beiden Hilfskreuzern haben wir in letzter Zeit auch Gutes und Erfreuliches gehört. Der Prinz Eitel Friedrich" brachte in Newportnews (in der Nähe von Norfolk) 350 Personen a Land, die von versenkten Schiffen stammen, nämlich von drei englischen, drei französischen, einem russischen und einem amerika nischen. Letzteres wurde versenkt, da eine Weizenladung nach Eng- !a Q als Konterbande (Bannware) angesehen wurde. Die Offiziere und Mannschaften des Prinz. Eitel Friedrich" wurden in Amerika wegen ihrer gefahrvollen Fahrt von 30 000 Meilen als Helden des Tages gefeiert. Der Kapitän des von unserem Hilfskreuzer versenkten Damp fers Willerby", welcher sich unter den gelandeten Besatzungen be-254 Klar zum Gefecht. fand, erzählte, daß er, bevor sich sein Schiff ergab, den Versuch machte, zu rammen. Er passierte aber das Hinterschiff des Prinz Eitel Friedrich" in einer Entfernung von 15 Fuß. Unser anderer Hilfskreuzer Kronprinz Wilhelm" nahm fünf Dampfer und landete 193 Mann von den Besatzungen der ver nichteten Schiffe in Buenos Aires. Den empfindlichsten Schaden aber von allen unseren Kriegs schiffen fügte doch unsere kleine Dresden" den Engländern zu, nämlich: 130 Millionen Mark Schaden! Das wird von den Engländern selbst zugegeben. Sie hat da mit ihr Leben wahrlich teuer genug verkauft. Wir erinnern uns, daß der Kleine Kreuzer Dresden" das einzige Schiff des Graf Speefchen Kreuzergeschwaders war, das in der Schlacht bei den Falklandsinseln der englischen Uebermacht ent rinnen konnte. Lange Zeit hörte man nichts mehr von dem Schiff chen. Jetzt wissen wir, daß ein ganzes englisches Geschwader auf die Dresden" Jagd machte. Inzwischen fügte sie den obigen enor men Schaden der englischen Schiffahrt zu. Die englischen Kreuzer Kent", Glasgow" und der Hilfs kreuzer Orama" fielen im Stillen Ozean bei der Insel Juan Fernandez ausneutralemGebiet! über Dresden" her, der noch dazu die Kohlen ausgegangen waren; außerdem hatte sie Maichinenhavarien. Nach kurzem Kampf geriet sie durch Explosion einer Munitionskammer in Brand und sank. Die Besatzung wurde von den englischen Kreuzern gerettet. Bereits die ersten Schüsse aus den schweren Kanonen der Glasgow" machten die Dresden" durch die Beschädigung des Ru ders hilflos, so daß das englische Geschwader sie von drei Seiten ein schließen konnte. Vergeblich hatte die Dresden" alle Geschütze bis zu dem Mo ment arbeiten lassen, wo der Brand weiteren Widerstand unmöglich machte. Der Kommandant hatte mit der heldenhaften Mannschaft255 22. Kapiiel. alle Maßregeln getroffen, damit das Schiff auch für den Feind ver loren ging. Jetzt haben wir außer Goeben", Breslau" und den beiden vorhin erwähnten Hilfskreuzern nur noch unsere Karlsruhe", welche die Engländer immer noch nicht abfangen konnten, und die Königs- berg" im Auslande. Sie werden aber John Bull noch viel zu schaffen machen. 22. Kapitel. Die Dardanellen. Seit einem halben Jahrtausend ist Rußlands Begehr, fein Kreuz auf der Hagia Sophia in Konstantinopel aufpflanzen zu können und sich dadurch einen freien Zugang zum Mittelmeer zu sichern. England, sein jetziger Verbündeter, hat aber denselben Wunsch, und es ist eine interessante Ironie der Weltgeschichte, daß sich nun die beiden scharfen Konkurrenten zu einem Wettlauf nach Konstan tinopel mit Frankreich zusammentun um nichts anderes zu er reichen, als sich bei den Dardanellen blutige Köpfe zu holen. Zuerst wurde Griechenland umschmeichelt, aber dessen König Konstantin blieb allen verlockenden Anerbietungen zum Trotz bei seiner Neutralität, denn er erkannte alsbald, daß er nur für den Dreiverband die Kastanien aus dem Feuer holen sollte, und daß die Versprechungen Wohl nur auf dem Papier stehen bleiben würden, denn man kann das Fell des Bären doch erst verteilen, wenn man ihn erlegt hat. Die Dardanellen bieten von Natur eine sehr starke Vertei digungsstellung dar, zudem sind sie von den Türken mit modernerKlar zum Gefecht. Kruppschen Geschützen gespickt und deutsche Offiziere führen dort das Kommando über deutsche und türkische vorzügliche Artilleristen. Die Erfolge, welche also dort über die angreifenden Flotten errungen wurden, waren ebenso sehr deutsche wie türkische. Bereits gegen Ende Februar eröffneten die vereinigten englischen und fran- zösischen Mittelmeerflotten mit über 20 Panzerschiffen die Beschie ßung der Dardanellen. Lassen wir zunächst einmal die einzelnen Berichte an unserem Auge vorüberziehen, um ein richtiges BW von den kriegerischen Ereignissen zu gewinnen. Am 19. Februar beschossen englische und französische Schiffe die Außenforts der Dardanellen. Sie gaben ungefähr 4W Schuh ab, konnten aber keinen Erfolg erzielen. Ein einziger (!) türkischer Soldat wurde verletzt. Die Engländer erlitten ernsteren Schaden. In Smyrna eingetroffene Reisende begegneten einem schwer beschä digten großen englischen Kriegsschiff, das mit vielen Verwundeten nach dem Piräus ging. Am 26. Februar wurden die Forts Kum Kaleh (aus anatolischcr Seite) und Sed-el-Bahr (auf europäischer Seite) acht Swnden lang beschossen, und zwar aus Geschützen größten Kalibers. Dennoch waren die Beschädigungen nicht schwer. Die Türken verloren nur 12 Mann. Dagegen erhielten die englischen Panzer Queen Elizabeth", Jrresistible" und Agamem non", desgleichen das französische Linienschiff Suffrage" Treffer. Auf einem Kriegsschiff entstand Feuer. An der Beschießung betei ligten sich 12 feindliche Schiffe. Am 1. März setzte die feindliche Flotte in größeren Zwischen- räumen ihr Feuer auf die Batterie Sed-el-Bahr fort. Feindliche Versuche, an einzelnen Stellen Erkundnngsabteilungen zu landen, scheiterten. Schließlich wurden fünf feindliche Panzerschiffe, die zegen andere türkische Batterien erfolglos feuerten, von sieben Gra- naten getroffen und schon nach einer halben Stunde zum Rückzug ge zwungen. Die Engländer schrieben, daß die Operationen ,durch Sturm verzögert worden seien! ZöL257 22. v^vitsl. Der türkische Kammerpräsident hielt in Konstantiuopel eine stimmende Rede, der ich folgendes entnehme: ,Unsere Armee wird demnächst einen entscheidenden Schlag führen und das schöne, fruchtbare Egypten von der Tyrannei des Feindes befreien. So, auf allen Fronten besiegt, hat der Feind in einem An fall von Verzweiflung begonnen, die Dardanellen anzugreifen. Es steht außer Zweifel, daß der Feind, welcher mit der fortge setzten Beschießung, die seine mächtigen Panzerschiffe seit einigen Tagen unternehmen, nich^ das geringste als Erfolg zu betrach tende Ergebnis erzielt hat, hier den härtesten Schlag von der osmanischen Tapferkeit erhalten wird. Es ist unwahrscheinlich, daß der Feind durch die Meerenge hindurchkommen kann; aber selbst, wenn er hindurchkommt, kann er sicher sein, daß er mit diesem Erfolge unsere Entschlossenheit nur vermehrt. Er soll wissen, daß der größte Teil unserer Armee hier zusammengezogen ist und daß Maßnahmen gegen jede Möglichkeit getroffen sind. Möge die Welt erfahren, daß wir entschlossen sind, unser Leben zu führen, nicht, indem wir auf der Erde kriechen, sondern indem wir wie die Löwen kämpfen; wir wollen, nicht unsere Stirn in den Staub beugen wie Feiglinge und Elende, fondern unsere reine Stirn hochaufgerichtet tragen wie ein edle und unab- hängige Nation Am 2. März beschoß die feindliche Flotte drei Stunden lany folglos die Dardanellen. Neun englische Kriegsschiffe beteiligten sich am Kampfe, darunter Queen Elizabeth", Majeftie", Swift- sure", Cornwallis" und Triumph". Gleichzeitig beschoß eine feind liche Flotte, aus vier französischen Kreuzern und einigen Torpedo booten bestehend, ohne jedes Ergebnis die türkischen Stellungen am Golf von Saros (auf der Halbinsel Gallipolis). Türkische Flieger bombardierten erfolgreich feindliche Schiffe. Im Track, in der Umgebung von Ahoz, wurde nach einem Ge fecht zwischen zwei Schwadronen englischer Kavallerie, die Maschinen- Lilir zum lS !scht,253 Klar zum Gefech:. gewehre mit sich führten, und den türkischen Aufklärungskolonnen der Feind zur Flucht gezwungen. Er ließ 5V Tote und eine Menge Waffen und Munition auf dem Kampfplatze zurück. Bemerkenswert ist, daß auf englischer Seite der schon früher gebührend gekennzeichnete englische Admiral Lympus, der fast alle Geheimnisse der Dardanellenverteidigung kennengelernt hatte, das Kommando führt. Indessen, das wird deswegen wenig nützen, da die Deutschen später wesentliche Veränderungen vorgenommen haben und die Minen jetzt auf ganz anderen Stellen liegen. In der Nacht vom 2. zum 3. März machten mehrere englische Minensucher in einer märchenhaft schönen Mondscheinnacht den Ver such, in die Meerenge einzudringen, um sich dem Minenfelde zu nähern. Sie waren sofort bemerkt worden, man ließ sie aber so weit vorrücken, daß sie von den Batterien auf beiden Seiten unter Feuer genommen werden konnten. Sobald die Fahrzeuge sich entdeckt sahen, traten sie schleunigst den Rückzug an, den ein am Eingang der Dar danellen liegendes englisches Kriegsschiff zu decken suchte. Noch vor Mitternacht war wieder völlige Ruhe eingetreten. Am 3. März beteiligten sich vier feindliche Panzerschiffe und mehr als 10 Torpedoboote an der Beschießung, ohne irgendwelchen Schaden an den Batterien anzurichten, die das Feuer sofort erwi derten. Die Schiffe entfernten sich darauf wie gewöhnlich. Vier französische Panzerschiffe gaben eine Anzahl Schüsse gegen Bulair (vom Golf von Heros aus) ab. trafen aber nur die englischen Grabstätten, die sich seit dem Krimkrieg von 1854 dort befinden. Am 4. März wurde ein Landungsversuch an den Dardanellen vereitelt. Zu später Stunde versuchte die feindliche Flotte unter ver stärktem Feuer an einzelnen Teilen der Küste, außerhalb des Feuers der türkischen Artillerie, bei Sed-el-Bahr und Kumkaleh in Scha- luppen Soldaten zu landen. Anfangs ließ man den Feind gewähren. Dann aber wurde das Feuer erwidert.253 22, Kapitel. 80 feindliche Soldaten die sich bei Sed-el-Bahr ausgeschifft hatten, flüchteten wieder in ihre Schaluppen und zogen sich unter Zurücklassung von 20 Toten und Verwundeten zurück. 40V feind liche Soldaten wurden Vertrieben, wobei sie etwa 80 Tote verloren. Die Türken hatten 6 Tote und 25 Verwundete in beiden Gefechten. Nach diesem Mißerfolg teilte sich die feindliche Flotte in mehrere Teile und bombardierte die offenen und unverteidigten Häfen Dikili. Sarmsak und Aivalik am Aegäifchen Meer. Zwei Flieger, die den Golf von Saros überflogen, stürzten ins Meer. Die vereinigten Flotten sind inzwischen bedeutend verstärkt worden und verfügen nach englischen Quellen über: 38 englische Schlachtschiffe mit 212 Geschützen von 30,5-Zentimeter und 21 fran zösische Schlachtschiffe mit 106 Geschützen gleichen Kalibers. Dazu sollen noch 8 38-Zentimeter-Geschütze des ganz neuen englischen Ueber-Dreadnoughts Queen Elizabeth" kommen. Die Zahl der aus verschiedenen Inseln vor den Dardanellen untergebrachten Lan dungstruppen soll nun auf 40 000 Mann angewachsen sein. Dazu sollen noch 6000 Mann französischer Marine-Infanterie kommen. Ob diese Angaben der Wirklichkeit entsprechen, vermag ich nicht fest zustellen. Treffen sie indessen zu, so sind bei diesem ungeheuren Kraft- aufwand die ständigen Mißerfolge um so beschämender für die An greifer! Am k. März beschoß die Angriffsflotte mit 7 ihrer großen Einheiten die Umgebung von Gheikly die Forts Kumkaleh und Sed-el-Vahr erfolglos. Erkundigungsabteilungen die sie landen wollte, wurden durch heftiges Feuer türkischer Batterien zurück- gewiesen. Am 6. März unternahmen 4 englische Panzerschiffe und 6 Tor pedoboote am Morgen einen Angriff auf die Forts von Smyrna, mußten sich aber nach erfolglosem Versuch zurückziehen. Ein dreimal getroffenes Panzerschiff ging in Flammen auf, ein zweites wurde 17 260 KZar zum Gefecht. beschädigt. Die Engländer transportierte viele Verwundete au? die Lazarettschiffe. Während die Engländer regelmäßig kurz nach Mittag die Be chießung der Dardanellen eröffnen und bis zur Teestunde fortsetzen, erschienen am 6. März vier ihrer Schiffe ganz programmwidrw bereits um z410 Uhr in der Einfahrt der Meerenge, richteten zunächst ihr Feuer auf Dardanos, um bald darauf das Ende der europäischen Seite unter Feuer zu nehmen. Als dieses von den dort aufgestellten Batterien erwidert wurde, stellten die Schiffe zeitweilig das Feuer ?in. Dann begann ein ganz planloses Schießen, das bald gegen Dardanos, bald gegen das Fort Hamidiep, gerichtet war. Es wurde kein erheblicher Schaden angerichtet. Die interessanteste Episode war das Artillerieduell zwischen Minum", einem im Golf von Saros liegenden englischen Schiff, und türkischen Batterien. Es erfolgte über die Hügelkette der Halbinsel Gallipolis mit Erfolg. Eine schwere Verletzung der Queen Eliza- beth" wurde festgestellt. Das englische Bombardement blieb er folglos. Bisher hat noch kein Fahrzeug der Verbündeten das Minenfeld erreicht, keine einzige Mine ist weggeräumt. Die inneren Dar danellenforts haben noch gar nicht in den Kampf eingegriffen. In Saloniki wurden drei große englische Kreuzer gesehen, die stark beschädigt waren und 800 Verwundete an Bord brachten. In der Nacht vom 10. zum 11. März versuchte der Feind unter dem Schutz von Kreuzern und Torpedobootszerstörern die äußerste Minensperre wegzuräumen, nachdem größere Schiffe die türkischen Scheinwerferaufstellungen wirkungslos beschossen hatten. Die Dardanellenbatterien eröffneten das Feuer und versenkten drei englische Minenfuchfahrzeuge und zwei Torpedoboote, worauf sich der Angreifer unverrichteter Sache wieder zurückzog. In der Nacht zum 10. März wurde durch türkische Seestreit, kräfte ein feindliches Transportschiff in der Nähe von Mytilem- versenkt.26! 22. Kapitel. Bis jetzt betragen die Verluste der englischen Flotte vor den Dardanellen: 140 Tote, 310 Verwundete, 2 Linienschiffe, 2 Torpedo boote, S Minenschiffe. 4 große Schlachtschiffe sind außer Gefech: gesetzt. Bei Landungsversuchen sind 700 Mann an Toten, Verwun deten und Gefangenen zu verzeichnen. Am 13. März früh eröffnete die feindliche Flotte ein heftiges Feuer gegen die Dardanellenforts, die mit Erfolg erwiderten. Um 8 Uhr nachmittags wurde das französische Panzerschiff Bouvet* in den Grund gebohrt. Bouvet" war ein Linienschiff von 12 000 Tonnen mit 603 Mann Besatzung, die fast alle umkamen. Die siebenstündige Artillerieschlacht vom 18. März bildet den Höhe- Punkt der Dardanellenangriffe mit 16 Panzerschiffen, 3 Kreuzern und Torpedobootszerstörern. Die Mannschaften der türkischen Forts verrichteten Wunder von Heldenmut, indem sie unentwegt in einem Hagsl von Geschossen aushielten. Die beiden englischen Linienschiffe Jrrefistible" und Ocean" wurde gleichfalls in den Grund gebohrt. Das erstere hatte 760 Mann und Ocean" 780 Mann Besatzung. Mit diesen Erfolgen konnten die Türken Wohl zufrieden sein. Wie nachträglich bekannt wurde, ist der englische Kreuze? Amethyst" am 13. März sehr schwer beschädigt worden, er hatte 23 Tote und 37 Verwundete. Der englische Oberbefehlshaber der Mittelmeerflotte wurde wegen seiner Mißerfolge abberufen. Ein anderer Admiral wird wohl aber auch nicht mehr ausrichten. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß die Forcierung der Dar- daseLen überhaupt gelingt. Wenn ein Teil der Schiffe wirklich einmal in die inneren Dar danellen gelangen follte, so kann er von beiden Seiten sehr wirkungs voll beschossen werden, wobei den Verteidigern noch der Umstand zu statten kommt, daß man von oben nach unten besser schießen und treffen kann wie umgekehrt.Klar zum Gefecht. Schließlich müßte den so eingedrungenen Schiffen doch auch einmal die Munition ausgehen, während die Munitionszufubr an Land natürlich eine ganz unbehinderte ist. Sehr gut bewährt haben sich an Land auch die fahrbaren Batterien, welche eine gewisse Unabhängigkeit von dem Standort der Forts gewährleisten. Engländer wie Franzosen schicken aus der Heimat große Linien schiffe als Ersatz für die versenkten und zusammengeschossenen. Die Franzosen senden die Ueberdreadnoughts France" und Courbet", sowie die vier Dreadnoughts Danton", Mirabeau", Diderot", ..Condorcet" und fünf Torpedojäger. Zwei englische Linienschiffe sind bereits eingetroffen. Athener Zeitungen bringen eingehende Meldungen aus Te- aedos über die furchtbaren Verluste der englisch-französischen Flotte gelegentlich des letzten Bombardements vom 18. März. Die Zahl der Getöteten wird auf 2000 angegeben, fünf Schiffe sind versenkt, vier schwer beschädigt. Der Kommandant des Inflexible" soll durch einen Granatsplitter getötet worden sein. Jrresistible" ging fünf Seemeilen von der Stadt Darnados unter, Ocean" 13 Meilen davon entfernt. Im unteren Raum der Inflexible" drang durch die großen Schußlöcher Wasser ein, so daß die Mannschaft ertrank. Albion" hatte leichtere Schäden und 60 Tote. Suffren", der viele Risse hat, fährt mit auffallender Langsamkeit und Schwäche der Maschinen. Auch das französische Panzerschiff Gaulois" soll verloren sein. Für Frankreich ist der Verlust zweier Panzer beträchtlich, da es nicht mehr über viele Schiffseinheiten verfügt, die sich von den Vorküsten des Mittelmeeres entfernen können. Von feiten der Engländer wird behauptet, daß ihre Schiffe auf Minen gelaufen seien. Das ist nicht der Fall. Die Türken haben einwandfrei festgestellt, daß sie dem vor züglichen, von Deutschen geleiteten Artilleriefeuer zum Opfer ge fallen sind. Das ist für uns natürlich um fo erfreulicher. LK222. Kavitel. In je stärkerem Maße sie das tun, um so angenehmer ist diese Schwächung der Heimatsflotte natürlich für uns. Je mehr sich Engländer und Franzosen an den Dardanellen die Köpfe einrennen, desto bester für uns. Was unsere Leute im Verein mit den tapferen Türken dort unten vernichten, brauchen wir nicht erst bei uns zusammenzuschießen. Der Weltkrieg ist nunmehr auf seinem Höhepunkte angelangt. Ich muß mich vorerst von meinen lieben Lesern verabschieden, und hoffe in einem zweiten Bande die Ereignisse bis zum Friedens schlüsse schildern zu können. Bis dahin: Gehabt euch wohl und bleibt mir fürder gewogen! M3Klar zum Gefecht. Vie wichtigsten Ereignisse auf dem Warinekriegsschauplatze bis Ende Mär; 1915. 1914. S. August. Deutscher Kreuzer Augsburg" beschieß! Libau. ?. Deutsche Kriegsschiffe zerstöre Hafenbefestigungsn in Al gier. ö, Die deutschen Kreuzer Soeben" und Breslau" brechen aus Messina aus und gewinnen trotz Bewachung des Hafen; durch englische Kriegsschiffe die hohe See. S. Der deutsche Dampfer Königin Luise" wird beim Millen- legen in der Themsemündung von dem englischen Kreuzer Amphion" zum Sinken gebracht. Dieser läuft aus eins Mine und geht gleichfalls unter. IS. Ls wird gemeldet, daß U 15" von einer Zahrt an di englische Küste nicht zurückgekehrt ist. 19. Lin Ultimatum, in dem Zapan von Deutschland Abtretung von Kiautschou verlangt, wird veröffentlicht. Z7, Der Kreuzer Magdeburg" ist im Zinnischen Meerbusen auf Grund geraten und von der eigenen Besatzung die Luft gesprengt worden. SS. Nordwestlich Helgoland werden in hartnäckigen Linzel kämpfen zwischen deutschen und überlegenen englischen Streitkräften der Kleine Kreuzer Ariadne" und da Torpedoboot V IS7" zum Sinken gebracht, desgleichen die Kleinen Kreuzer Mainz" und Köln". 5. Septemb. Der englische Kreuzer Pathfinder" wird bei St. Abb Head im Aorden der englischen Küste von dem deutschen Unterseeboot U LI" zum Sinken gebracht. 10. Der deutsche Kreuzer Emden", Kommandant Fregatten kapitän von Müller, erscheint im Golf von Bengalen und nimmt 6 Schiffe, versenkt 5 davon und sendet das sechst mit der Bemannung nach Kalkutta. 1Z. Der Kleine Kreuzer Hela" wird durch ein feindliches Untsr- seebot zum Sinken gebracht. LS. Der Kreuzer Königsberg" vernichtet in der Bucht von Sansibar den englischen Kreuzer Pegasus", der vorher in Daressalam das alte Kanonenboot Möwe" versenkt h itte, 26-1265 Die wichtigsten Ereignis ZS. Ssptemb. Vernichtung englischer Panzerkreuzer. Das Unterseeboot U 9", Kommandant Kapitänleutnant Otto Weddigen, schieht in der Nordsee, nordwestlich von Hoek van Holland, die englischen Panzerkreuzer Äbc u- kir", Eress^" und Hogue" in den Grund. Z4. Die indische Negierung meldet, daß die Linden" Madras kurze Zeit bombardiert und zwei Petroleumbehälter in Brand geschossen hat. 6. Oktober. Beim ersten Sturm auf die Znfanteriewerke von Tsingtai werden die vereinigten Japaner und Engländer mit einen Verlust von Z500 Mann zurückgeschlagen. 11. Der russische Kreuzer Pallada" wird in der Ostsee vor dem Zinnischen Meerbusen von einem deutschen Unterseeboot in den Grund gebohrt. 15. Der englische Kreuzer Hawke" wird in der nördlichen Nordsee von U y" zum Linken gebracht. 17. Die deutschen Torpedoboote S 115", 5 117", S IIS" und S II?" werden unweit der holländischen Küste im Kampf mit englischen Kriegsschiffen zum Sinken gebracht. IS. Das englische Unterseeboot L Z" wird in der deutschen Bucht der Nordsee vernichtet. Z4. " Nach einer Neutsrmeldung aus Las Palmas ist der deutsche Dampfer Erefeld" in Teneriffa mit der Besatzung von IZ englischen Dampfern eingetroffen, die der Kreuzer ..Karlsruhe" im Atlantischen Ozean versenkt hat. IS. Der deutsche Kreuzer Emden" zerstört auf der Neede v n Pulo Penang (Hinterindien) den russischen Kreuzer Zent- schug" und den französischen Torpedojäger Mosquet". Zq. Beginn der Feindseligkeiten zwischen der Türkei und Rußland. Russische Torpedoboote versuchen, die türkische Flotte an der Ausfahrt ins Schwarze Meer zu hindern. Diese eröffnet das Zeuer und bringt zwei russische Schiffe zum Sinken. Ein türkischer Kreuzer beschieß Theodosia. z z. Der allgemeine Angriff auf Tsingtau zu Wasser und zu Lande wird von den Engländern und Japanern begonnen. ?1. Der englische Kreuzer Hermes" wird im Kanal von einem deutschen Unterseeboot versenkt. 1. Novemb. Glänzender Sieg unseres Kreuzergeschwa ders. Unweit der Znsel Santa Maria auf der Höhe von Eoronel an der chilenischen Küste gewinnt unser unter266 Klar zum Gefecht. dem Befehl de Vizeadmirals Grafen Spee vereinigtes Kreuzergeschwader eine Schlacht gegen das englische Ge schwader des Admirals Lraddock. Die englischen Panzer Kreuzer Monmouth", Good Hope" und der Kreuzer Glasgow" sinken. Z. Novemb. Deutsche Kriegsschiffe unternehmen einen Angriff auf dic englische Küste in der Gegend von Jarmouth. Das eng lische Küstenwachschiff Halcion" wird leicht beschädigt, das Unterseeboot D 5" läuft auf eine von uns aus geworfene Mine und geht unter. Die britische Admiralität macht bekannt, daß vom 5. No vember ab die ganze Nordsee als Kriegsgebiet angesehen wird. 4. Der Große Kreuzer Jork" läuft in der öade auf cino Hafenminensperre und sinkt. 7. Zall von Tfingtau. Die Stadt wird nach langem heldenmütigem Widerstande den Feinde übergeben. y. Untergang der Linden". Bei den Locos-Snseln im in dischen Ozean wird die Emden" von dem australischen Kreuzer Sidne^" angegriffen, nach hartnäckigem, verlust reichem Gefecht durch die überlegene Artillerie des Kin des in Brand geschossen und von der eigenen Besorgung auf Strand gesetzt. 11. Der Kreuzer Königsberg" ist im Nufidjifluh von dem eng lischen Kreuzer Lhatam" durch Versenken eines Kohlen- fchiffes blockiert worden. IS. Der Heilige Krieg. Line Proklamation des tür kischen Sultans verkündet den Heiligen Krieg fü - ai!r Muselmanen (Z00 Millionen!). 17. Teile unserer Ostseeflotte sperren durch Versenkung von Schiffen die Linfahrten des Libauer Hafens und beschießen die militärisch wichtigen Anlogen, ön der Höhe von Sebastopol treffen türkische Schiffe mit russiscyen zusammen, die nach Beschädigung eines ihrer Schlachtschiffe die Flucht ergreifen. LZ. Das deutsche Unterseeboot U IS" wird durch ein englisches Patrouillenfahrzeug an der Nordküste Schottlands zun? Sinken Lebracht. 24. Ueber Schweden wird gemeldet, daß Lnde Oktober das eng lische Dreadnought-Linienschiff Audacious" an der iri schen Küste untergegangen ist.267 Die wichtigsten Ereignisse. S5. Novemb. Das englische Linienschiff Bulwark" fliegt in Sheerneß in folge einer inneren Explosion in die Lust. Sb, Em deutsches Unterseeboo-t bohrt im Kanal nordwestlich von Le Havre den englischen Dampfer Malachite" in den Grund. . Dczs. üb, Ruhmvoller Untergang unseres Kreuz er - gesch waders. Unser Kreuzergeschwader wurde in der Höhe der Zalklandinseln von einem überlegenen englischen Geschwader angegriffen. Scharnhorst", Gneisenau", Leipzig" und Nürnberg" wurden nach heldenmütigem Kampse zum Linken gebracht. ! ?. Der Große türkische Kreuzer Sultan Zowu Selim" schießt Batum in Brand. Ib. Beschießung englischer KUstenstädt . Teile unserer Hochseeflotte beschießen bei einem Vorstoß nach der englischen Ostküste die befestigten Plätze von Scarborough und Hartlepool. Abgesehen vo dem Schaden, den die Städte erleiden, werden zwei englische Torpedoboots Zerstörer vernichtet und einer schwer beschädigt. Unsere Schiffe leiden nur geringen Schaden. ?1. Erfolg unserer Verbündeten zur See. Das österreichisch-ungarische Unterseeboot 12" greift in der Straße von Otranto eine aus Ib großen Schiffen be stehende französische Zlotte an, torpediert das Flaggschiff vom T^p Eourbei" zweimal und trifft es beide Male. Das französische Unterseeboot Eurie" wurde an der Küste zum Sinken gebracht. 25. Leichte englische Streitkräfte machen einen erfolglosen Vor stoß in die deutsche Bucht. Unsere gegen sie aufklärenden Flugzeuge und Luftschiffe erzielen durch Bombenwurf auf zwei englische Zerstörer und einen Begleitdampfer Treffer. Vier englische Wasserflugzeuge werden vernichtet. Kreuzer Arethusa" beschädigt. S7. Türkischer Erfolg im Schwarzen Meer. Em russischer Pan zerkreuzer beschädigt, zwei Nlinenlager vernichtet. Bier englische Dampfer vom Hilfskreuzer Kronprinz Wil helm" vernichtet. Z9. Englischer Landungsversuch bei Akaba gescheitert.268 Klar zum Wefecui. 1915. 1. üanuar. Vernichtung des englischen Linienschiffes Zornndable" im Kanal durch ei deutsches Unterseeboot. 4. ,, Kaperfahrt der überlebenden Emden" - Mannschaft an Bord 5. M. S. Auesha". 5. Neues russisch-türkisches Seegefecht bei Sinope (Schwarzes Aleer). Z4. Deutsches Unterseeboot vor Dover. Z 5. Schwere Niederlage der Engländer bei Eanga (Ostafrika) am 4. November wird bekanntgegeben. Vernichtung des französischen Unterseebootes Saphir" durch die Türken. ZS. Glückwunsch des Kaisers an den Staatssekretär des Neichs- lcolonialamtes Solf aus Anlaß des Sieges in Deutsch- Ostafrika (Eanga). ZS. Der Schiffsverlust während des Krieges auf ^ Millard Mark geschätzt. 24. Zweites Seegefecht bei Helgoland. Untergang des Blücher". eines englischen Kriegsschiffes (Eiger"?) und zweier ert licher Torpebobootszerstörer. Z6. Untergang des englischen Hilfskreuzers Viknor". Deutscher Kleiner Kreuzer Gazelle" durch feindliches Unter-- seeboot bei Rügen beschädigt. JH. Zeitweilige Sperrung des Suezkanals. Z . Untergang des französischen Torpedobootes 219". L. Zebruar. Die deutsche AdmiralitÄ veröffentlicht ein- Bekanntmachung, daß gegen die englischen Truppentransporte mit allen Mitteln vorgegangen werde. Englische Furcht vor den Ubooten. Z. Englischer Dampfer Votaro" von Kronprinz Wilhelm" versenkt. Geheimerlah der englischen Admiralität. Mißbrauch de! neutralen Zlagge für englische Handeisschiffe. 4. Die Mannschaft S. M. S. A^esha" in Hodeida (Arabien) gelandet. Die englischen Gewässer nebst Kanal als Kriegsgebiet er klärt. Ankündigung des Ubootkrieges. 5. 2S englische Schiffahrtslinien stellen den Verkehr ein. b. Alle englischen Häfen für befestigt erklärt.Die wichtigsten Ereignisse. S. Zebruar. Englischer Dampfer Lusitania" hißt aus Zurcht vor unseren Unterseebooten die amerikanische Zlagge. y. Ein englischer Kreuzer im Äiezkanal durch türkische Geschütze beschädigt. 10. Untergang des englischen Dampfers Oriole" (29. I.) be kanntgegeben. 1. Englischer Dampfer Laertes" hiß!, von deutschem Ub otc angegriffen, die holländisch? Flagge. 12. Schwere Niederlage der Engländer am Oranjefluß (Süd- westafrika). 17. ^ Englischer Dampfer Durwich" von einem Uboot versenkt, zwei andere Dampfer vermißt. Französischer Dampfer Ville de Lille" on einem Uboot vernichtet. jy. Beschießung der Dardanellen durch englische und französische Schiffe. Schwere Verluste der Engländer. x z. Französischer Dampfer Dinorah" von deutschem Untersee boot torpediert. Englischer Eransportdampfer mit 2 X 0 Mann von deutschem Unterseeboot vernichtet. Englischer Dampfer Eambank" in der irischen See tor pediert. ZI. Englischer Minensucher bei Nisuport gesunken. LS. Vier englische Dampfer vom Kronprinz Wilhelm" versenkt. Englischer Kohlendampfer in der frischen See vernichtet. z?. Die Orkney- und Shetlandinseln werden von Deutschland als innerhalb des Kriegsgebiets liegend erklärt. Englischer Eruppentransportdampfer 192 b Beachjz Hs d torpediert. A4, Die Lüdsrihbuchtbahn von Deutschen zerstört. Ein englischer Hilfskreuzer vernichtet. Englische Dampfer Branksome", ..Oakkeg" und Dswv- shire" torpediert. z. v, Englische Schlappe bei Garus (Südivestafrrka). Englische Dampfer Nio Parana" und Harpaiion" tor pediert. Verschärfung des englischen Aushunger gsptcmes. Die irische See von der englischen Admiralität Asspsrr!, Englische Dampfer Deplford" d Western Eoast" tor pediert. L8LKlar zum Gefcch:. JH. Februar. Französisches Uboot Dague" durch Minen im Hafen vo Antivari gesunken. Mehrere englische Häfen für die Schiffahrt gesperrt. 27. Englische Blockade über Deutsch-Ostafrika verhängt. Erste Beschießung der Dardanellen durch die englisch-fran zösische Flotte. Ein englisches Handelsschiff böi Dieppe vernichtet, ZS. Das amerikanische Schiff Daria" von französischen Kreu zern gekapert. 1. März. England lehnt amerikanischen Vorschlag über Lebensmittel- zufuhr nach Deutschland ab. Z. Veröffentlichung des zweiten deutsch-amerikanischen Noten wechsels. Neue Beschießung der Dardanellen. Einige alte Forts zerstört, feindliche Kriegsschiffe beschädigt. Z. Englische Truppen weigern sich, nach Frankreich überzu setzen. Neue erfolglose Beschießung der Dardanellen. Dienstverweigerung auf englischem Hilfskreuzer Earmania". Englischer Dampfer torpediert. 4. Zwei Segelschiffe vom Prinz Eitel Friedrich" versenkt. Ein französischer Munitionsdampfer vor Ostende gesunken. Amerikanischer Protest gegen Unterbindung neutrale Handels. Z. Englisches Linienschiff Exmouth" beschädigt. Beschießung Antivaris durch österreichische Kriegsschiffs. Untergang des Unterseebootes U S". Deutsche Flieger gegen englische Handelsschiffe. 5. Mißglückter Angriff des englischen Dampfers Thordis^ gegen ein deutsches Unterseeboot. 7. Legung neuer englischer Minenfelder. S. Neue vergebliche Beschießung der Dardanellenforts. Zwei englische Kriegsschiffe vor Smlzrna beschädigt. Miß erfolg vor den Dardanellen. y. Türkische Häfen am Schwarzen Meer von russischen Kriegs- schiffen beschossen. ZV. Vier englische Dampfer von Unterseebooten versenkt. Untergang des Unterseebootes U SO". ZI. Ankündigung deutscher Vergeltungsmaßregeln gegen die an gedrohte Mißhandlung der Ubootmannschaften in Eng land. 27VDie wichtigsten Ereignisse. AZ. Mär;. Griechischer Protest gegen die englische Landung auf Lemnos. Zwei englische Torpedoboote und ? Minenschiffe vor den Dardakeüeo vernichtet. ZZ. Englischer Hilfskreuzer Ba^ano" von einem deutschen Unterseeboote torpediert. Amerikanischer Segler William Zr^e" mit Konterbande durch Prinz Ertel Friedrich" versenkt. Einfahrt de; Prinz Eitel Friedrich" zu Reparaturen in Newport New! (Virginia). Deutsche Unterseeboote am Eingang des Hafens von Dover. Französischer Dampfer Touadeloupe" von Kronprinz Wilhelm" ver enkt. s 4. Fünf englische und französische Dampfer von U Sy" tor pediert. Zb. Untergang der Dresden" bei Suan Zernandez. 17. Englischer Protest gegen die amerikanische Lebensmittel zufuhr nach Deutschland. Drei weitere englische Dampfer torpediert. ZS. Englischer Dampfer Leeuwarden" von U 28" versenkt. Französisches Panzerschiff Bouvet" und ein englisches Tor pedoboot vor den Dardanellen zum Sinken gebracht. Zwei englische Linienschiffe Zrresistible" und Ocean" vor den Dardanellen in den Grund gebohrt, ein englische Panzerschiff vom ^p Eornwallis" schwer havariert. Zö. Holländischer Dampfer Äedea" von U 28" versenkt. Vernichtung des englischen Dampfers Delmira". L7. Englisch-französischer Eorpedobootsangriff auf die Darda nellen abgewiesen. l TS. Scheinangriff der russischen Flotte im Bosporus. Der französische Dampfer Vosges" torpediert. Zy. Die englischen Dampfer Falaba" und Aguila" versenkt. ?l. Untergang des englischen Linienschiffes Lord Relson". Einstellung des Landangriffes bei den Dardanellen. R. I.. 37ZInhaltsverzeichnis. Krtegsmärchen. Gedicht von Z,uÄ:?ig Fulda ^ 1. Kapitel: Hein Peter und Klaus Johannsen, zwei echte Ki?ler Sprotten 7 2. . Krieg. Mobil - . . . 11 S. . Die deutsche Initiative 16 4. , Immer feste druff 24 5. Erst ? Seegefecht bei Helgoland am 2L. August, v. 187" und .Ariadne" 32 S. Fette Zeitungsenten. Humor im Kriege 41 7. Die Heldentaten von U. 9" 4L 8. Unser Bundesbruder Oesterreich-Ungarn 65 9. , Deutsche Unterseeboote und Torpedoboote 69 Unsere neuen Verbündeten, die Türken 76 II. Kiautschou - . . . 82 !2, Unsere Emden" 9l 13. ^ S. M. S. Ayesha" 108 ^4. Unser Kreuzergeschwader 119 1ö. . Unsere Karlsruhe" 131 16. Mein Heim ist meine Burg?? ISe !7. . Da? zweite Seegefecht bei Helgoland 148 18^ . Allerlei 1S7 19. . Auf Borposten in der Nordsee IVO SV. Unsere Kolonien 16g I. Deutsch-Ostafrika 1SL !I. Kamerun IS? 1. Die Uebergabe DualaS an die Engländer und Franzosen WS I. Behandlung neutraler Missionsschwestern in Duala , Ä.X! 3. Die Einnahme von Buea durch die Engländer . . . 2W 4. Ueberfall und Plünderung der Station Nyamtang. . 21S 5. Ter Tod von Frau Missionar Martens in Accra . . 218 III. Togo 22S IV. Deutsch-Südwestafrika 2LS V. Besitzungen in der Südsee: 1. Neuguinea 242 2. Samoa Z4L z-, Der Aushungerungskrieg 247 ?2 Die Dardanellen 2Sö Li- wichtigsten Ereignisse auf dem MarinekriegSschau^latz bis Ertda W z 131 264 ,,, V 757^1 -I- ^!!fitz^DM!H!Z D-t K^ß-D !-W !kK WWA ^WZ P I ! kM! ?..- - !, ! !!l iM, Z- ^ !- ??! - i! " ! l K R jh - M!^l -jcj K^! i-üls ! ^ ^Ä!,V? Ä! n n ^ ^! ? s ^ O^^WÄ^7!iA!PtM^ i z ^ I l ^ ^ I ! ^ ^ I V. H-iZUV!K^ I - . - ü iNK?O5B^W?W lj-i. j!--jÄ^ n!^i : ji^! Di ! ^ZF ^ ?i !tk li!k!Derlay ^ Wetehert, Bsr! UH.4Z. Stsatsdidliottiek Sellin pi-eu^isctiek-
