Woldemar Schütze Englands Blutschuld gegen die weiße Rasse Verlag L^cerl Eurkius, Berlin A) Englands Blutschuld gegen die weiße Rasse Von Woldemar Schütze Verlag von Karl Curtius, Berlin W 35 1914Inhaltsverzeichnis. Seite Vorwort 5 I. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht ... 7 II. Englands Schuld gegen die weiße Rasse ... 12- III. Die Erhebung des Islam 24 IV. Der Rassenkampf in Südafrika 42 V. Schwarz gegen Weiß . 58 VI. Geographie und Vorgeschichte Indiens .... 67, VII. Indien unter weißer Herrschaft 78 VIII. Die mongolenähnlichen Völker 103 IX. Der Erzfeind der weißen Rasse HZ X. England, der Fluch der Menschheit 14! Vorwort. Der Begründer des Christentums hat gesagt: Du sollst deiueu flachsten liebeu, wie dich selbst!" Mit der Gleichstellung der Nächstenliebe und der Selbstliebe ist nicht nur der Grundzug der christlichen Religion festgelegt, sondern auch die Grundbedingung im Leben der Völker, zur Erhaltung der Menschheit zur Fortentwicklung menschlicher Moral Kultur genau gefaßt. Nachdem der natürlichen Forderung der Selbstliebe, d. h. der Selbsterhaltung, genügt worden ist, soll und muß schon im eigenen Interesse auch die Nächstenliebe in gleichcmAusmaße zuWorte kommen. Eine Nation, die diesem Gebote nicht nachkommt, son dern nur die Selbstsucht gelteu läßt, bedeutet eine Hemmung der Entwicklung, einen Rückschritt der Kultur und stellt sich damit selbst außerhalb des Rahmens der Menschheit, deren größter Fcind sie ist. Dringt in den Organismus des Menschenleibes ein 6 Fremdkörper ei , dessen Wirkung nnr eine Störnng der Funktionen eines oder aller Organe bedeutet, so besteht der Arzt im Interesse der Erhaltung des Menschenlebens auf unnachsichtlicher Entfernung oder Vernichtung des Fremdkörpers. Gelingt es mir, den Leser der Ueberzengung bringen, daß England ein solcher Fremdkörper ist, der, nur von Selbstsucht geleitet, eine unverzeihliche Blutschuld gegen die Menschheit sich geladen hat, so isl der Zweck dieses Buches erfüllt. Berliu, den 3l. Oktober lölh. Woldemar Sch ü t; e.Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! Das Jahr 1914 bedeutet einen Wendepunkt in der Weltgeschichte, den Beginn einer Umwälzung alles Be stehenden, wie sie die Menschheit noch nicht erlebt hat, den Anbruch einer neuen Zeit, vielleicht sogar den Anfang einer endgültigen Neuordnung aller Dinge auf dem Weltball. Nach den vorbereitenden Kriegen von 1864 bis 1871, in denen der Germanismus aus den Tiefen des Elends und der Bedeutungslosigkeit sich an die Oberfläche emporgerungen und sich den ihm zu kommenden Platz an der Sonne erkämpft hatte, schien es, als ob nun eine lange Periode friedlicher Ent wicklung eingeleitet sei, ja, als ob die Weltgeschichte prinzipiell sich für eine Abschaffung der kriegerischen Lösung voir Differenzen zwischen den Kulturnationen entschieden habe. Selbst die größeren Kämpfe zwischen Rußland und der Türkei, China und Japan, Spanien den Vereinigten Staaten, Rußland und Japan der jüngste Balkankrieg konnten an dieser Anschan- 8 ung nichts ändern, weil sie keinen einschneidenden Ein fluß auf die Weltlage ausübten. Ungeachtet aller Kriegshemmungen ging feit 1871 ein gewaltiger wirt schaftlicher Aufschwung vor sich, der sich in einer schnel len Verbreitung der modernen Zivilisation über den ganzen Weltball, in der Ansammlung großer Reich tümer und in einer ungeahnten Ausdehnung von Handel und Industrie äußerte. Volkswirtschaft und Weltwirtschaft wurden die Mittelpunkte für das ganze Streben der Menschheit unter der unbestrittenen Füh rung der weißeu Rasse, und selbst das plötzliche Her vortreten Japans in seinem Kriege gegen Rußland bildete keine Ausnahme von dieser Regel. Japan hat durch diesen Krieg keineswegs einen Machtzuwachs verzeichnen, so sehr auch sein Prestige durch ihn gestiegen ist; seine heutige Macht hat es sich durch seine Friedensentwicklung von 1869 bis 19lVl unter der Anleitung europäischer Zivilisation erworben. Volkswirtschaft und Weltwirtschaft erforderten für ihre Entwicklung friedliche Zustände; jeder Krieg be deutete nur eine Störung, deren schleunige Beseitigung alle Nationen der Welt in seltener Einmütigkeit ver langten. Wnrde einmal ein Krieg unvermeidlich, so führte gerade das Streben, eine Störung der Welt wirtschaft zu vermeiden, zu einer Lokalisierung des Krieges, damit die übrige Welt ungestört der fried lichen Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse nachgehen konnte. Einen offenen Bruch mit diesen Prinzipien führte England herbei durch den bisher absichtlich noch nicht erwähnten Burenkrieg von 1899 bis 1992. 9 - Im versteckten Gegensatz zu allen übrigen Nationen der Welt hat England von jeher, begünstigt durch seine insulare Lage und gestützt auf seine machtvolle Flotte, lriegerische Verwicklungen gefördert, weil es dadurch feiue eigene wirtschaftliche Entwicklung förderte. Jeder Krieg der anderen Nationen, an dem England selbst, wo es sich vermeiden ließ, wohlweislich sich nicht be teiligte, gewährte die Möglichkeit, durch Lieferung von Kriegsmaterial an alle kriegführenden Parteien zu ver dienen, den überseeischen Handel der Kriegführenden, deren Aufmerksamkeit auf den Krieg konzentriert war, in aller Stille an sich zu reißen letzten Endes die Kriegführenden wirtschaftlich dermaßen zu schwächen, daß es in Wirklichkeit die besten Früchte des betreffen den Krieges selbst erntete. Bei allen Friedensschlüssen seit mehr denn einem Jahrhundert hat England stets das große Wort geführt den Hauptprofit ein gestrichen; nur in den drei deutschen Kriegen von 186^1, 1866 und 1870 71 mißlang ihm diese Taktik. Damit war aber der Grundstein zu einem unüberbrückbaren Gegensatze des britischen Reiches gegen Deutschland gelegt, weil England diese letzten Endes wirtschaft lichen Niederlagen in seiner Weltpolitik dem nen geeinten Deutschen Reiche nie vergaß. Es war das erstemal, daß das spezifisch englische Mittel in der Weltpolitik, der ,,Blnff", mißlang. Immer noch versteckt, wenn auch dem unparteiischen und sachverständigen Auge offenkundig, verfolgte Eng land seine Politik, seine eigene Wirtschaft durch Kriege anderer Nationen zu stärke , in Ostasien. Einzig zu diesem Zwecke hetzte es 190h Japan zum Kriege gegen IN Rußland, indem es Japans Größenwahn nährte, ihm bereitwillig durch Anleihen unter die Arme griff, gleich zeitig aber dafür sorgte, daß Japan die den An leihen ihm zufließenden Gelder nicht zu seiner wirt schaftlichen Entwicklung benutzte, sondern nnr zur Rü stung von Heer und Flotte. Somit brauchte England den Krieg gegen Rußland in Ostasien nicht selbst zu führen, sondern hatte sich einen Landsknecht geworben, der sich zugleich durch den Krieg den Stachel des drohenden wirtschaftlichen Ruins ins eigene Fleisch trieb, während er dem stetig vordringenden wirtschaft lichen Einflnß Rußlands in Ostasien einen Damm zog. Damit war die Gefahr für ein Sinken der wirtschaft lichen Vormachtstellnng Englands in Ostasien vorläufig beseitigt. Ebeufo bedroht sah England seinen wirtschaftlichen Vorrang in Südafrika durch das Erstarken des hol- ländisch-bnrischen Elements, welches nicht nnr im Orange-Freistaat und Transvaal politisch unabhängig aufblühte, sondern selbst in der britischen Kapkolonie an Ausdehnung und Einfluß gewann. Dann kam die Entdeckung der Goldfelder in den Bnrenrepnbliken, deren Ausbeutung den Buren ungeheure Reichtümer versprach. Damit war das Todesurteil der Buren in den Augen der habsüchtigen Briten besiegelt. Leider fand England diesmal keine andere Nation, welche das Amt der Kriegführung für britische Rechnung über nommen hätte. Im Gegenteil lag sogar die Gefahr nahe, daß die beiden Burenrepubliken sich unter den Schutz des verhaßten deutschen Konkurrenten stellten, wie es tatsächlich weitblickenden Buren angeregt, II - leider aber von der deutschen Ucbergewissenhaftigkeit abgelehnt worden ist. Infolgedessen blieb England nichts weiter übrig, als selbst den Waffen greifen, um mit Gewalt den wirtschaftlichen Sieg zu erkämpfen, den es in friedlicher Konkurrenz nicht erringen konnte. Zwar kostetete das Experiment dem englischen Staats schatze über eine Viertelmilliarde Pfund Sterling, aber das Geschäft lohnte sich doch. Die Ströme vergossenen Blutes rechneten nicht mit. Und Deutschland ermöglichte diesen britischen Raubzug, iudem es der britischen Regierung garantierte, daß es ihr nicht (nach britischein Vorbilde!) in den Rücken falten werde! Durch den Burenkrieg hatEngland osfenden fundamentalen Lehrsatz jeder National- nndWeltökonomie, daßeine dauernde und gesunde wirtschaftliche Entwicklung des Friedens bedürfe, umgestoßen und deu innersten Kern seiner Weltpolitik ent schleiert. Freilich lenkte es damit den größten Gold strom der Welt in seine eigenen Kassen erwarb sich die Mittel noch weiter ausschauenden Unterneh mungen. Ob es freilich auf die Dauer mit seiner rück sichtslosen Ignorierung aller wirtschaftlichen Lehren Er folg haben wird, steht auf einem anderen Blatte. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht!"II. Englands Schuld gegen die weiße Raffe. Allen Kriegen der modernen Zeit zwischen Na tionen, die ihre politische Selbständigkeit bereits er rungen haben, liegen wirtschaftliche Ziele als Ursache zugrunde. Dynastische Fragen, die früher so häufig den Anlaß zu kriegerischen Zusammenstößen gaben, so wie religiöse Verschiedenheiten, die so oft eine gewalt same Bekehrung erstrebten, kommen heutzutage als Kriegsgrnnd kaum noch in Betracht, seitdem die Aera der absoluten Herrscher dem Selbstbestimmuugsrecht der Völker Platz gemacht hat. In schärfster Form früher als bei jeder anderen Nation können wir diese Erscheinung bei den Briten beobachten. England kennt als Richtschnur für seine äußere Politik nur wirtschaft liche Interessen, und zwar in einer auf die Spitze ge triebenen Selbstsucht nur die wirtschaftlichen Interefseu seines eigenen Volkes. Es ist daher ein fundamentaler Irrtum mancher Schriftsteller der Neuzeit, namentlich militärischer Autoren, anzunehmen, daß die Größe der IZ Kriegsmarine eines anderen Landes für England den Gradmesser für die entgegenzubringende Feindschaft bilde. Eine derartige Annahme geht der Sache nicht auf den Grund, sondern nimmt eine Folgeerscheinung als die Grundursache an. Englands wirtschaftliche Interessen konzentrieren sich in dem überseeischen Handel, der neben einer hoch entwickelten Handelsmarine zu deren Schutze auch einer starken Kriegsmarine bedarf. Englands Feind ist stets dasjenige Volk, welches eine kräf tige Entwicklung seines überseeischen Handels und seiner Handelsmarine auf weist. Darum ist es bisher auch noch nicht zu einem offenen Konflikte zwischen England und den Ver einigten Staaten gekommen, weil letztere nur eine recht unbedeutende Handelsmarine und deshalb eine im Verhältnis zu der Größe des Landes ungenügende Kriegsmarine besitzen. Frankreich tvar solange der Erb feind Englands, nicht wie es eine starke Kriegsmarine sein eigen nannte, sondern bis es mehr und mehr zur Stagnation der Rentnerpolitik überging. Den Luxus einer verhältnismäßig großen Kriegsmarine mag sich Frankreich auch heute uoch leisten, ohne daß England sich darum nur im mindesten beunruhigt, aber es darf seine wirtschaftliche Expansion nur bis zu einer gewissen Grenze treiben; überschreitet es diese, so rnst England unbarmherzig ihm ein Halt zu, wie es dies 1899 in dem Faschodakonflikt tat, in welchem Frankreich fich der britischen Vergewaltigung bengte auf seine den Briten unbequemen Pläne eines Kolonialreiches, welches von der Westküste nach der Ostküste Afrikas u - reichte, endgültig verzichtete. Seitdem ist Frankreich in der Tat nur britischer Schleppenträger, soweit die äußere Politik in Betracht kommt, während es im Innern mehr und mehr sich zum Bankier fremder Völker ausgebildet hat. Natürlich soll damit nicht gesagt sein, daß uun in Frankreich alle Industrie und jede Handels tätigkeit aufgehört hätte; aber seine wirtschaftliche Tätig keit bewegt sich in einem Rahmen, der England nicht unbequem ist. Wir haben schon gesehen, wie im fernen Osten so wohl Rußland wie auch Japan für den britischen Ilcber- seehandel mit Ostasien unbequem wnrden. Beide mußten deshalb durch einen schlau von England eingefädelten Krieg geschwächt werden. Rußlands Vordringen in der Mandschurei und an die Gestade des Stillen Ozeans wurde ein Riegel vorgeschoben, und Japan, der Sieger, hat sich durch den Krieg finanziell ruiniert. Das war Englands Endziel. Jetzt galt es die beiden Gegner miteinander zu versöhnen und beide zusammen für andere Zwecke Englands benutzen. Es ist zur Genüge bekannt, oft genug erörtert worden, wie gewaltig seit 1871 und besonders unter der Regierung Kaiser Wilhelms II. der Aufschwung Deutschlands auf dem Gebiete der Industrie, des Han dels und der Schiffahrt gewesen, wie trefflich die kaiserliche Mahnung, daß unsere Zukunft auf dem Wasser liegt, von dem deutschen Volke beherzigt worden ist. Lange vor und noch mehrere Jahre nach dem Deutsch-Französischen Kriege fand eine starke Auswanderung Deutscher nach fremden über-15 seeischen Ländern statt, durch welche die wirtschaftliche Kraft der Einwanderungsländer gekräftigt, diejenige Deutschlands dagegen geschwächt wurde. Erst gegen das Ende der siebziger Jahre dämmerte uns die Erkenntnis, daß Deutschland nicht Menschen, sondern Güter und Fabrikate exportieren müsse, und seitdem ist die Aus- ivanderung von über 200 000 auf etwa 20^-30 000 Seeleu im Jahre gesunken. Seitdem ist aber auch die wirtschaftliche Kraft Deutschlands in einer unvergleich lichen Weise gestiegen drängt nach einer weiteren Expansion, die im Binnentande nicht mehr genügende Befriedigung findet, sondern die deutsche Volks wirtschaft zur deutsche Weltwirtschaft umgestaltet hat. Seitdem ist jedoch eine Freund schaft zwischen Deutschland England ausgeschlossen, so sehr wir eine solche stets ersehnt und angestrebt haben. Denn England Hat erkannt, daß es in diesem wirt schaftlichen Konkurrenzkampfe im Frieden den kürzeren ziehen muß, weil der Deutsche, ich darf es ohne Ueber- hebung behaupten, dem Engländer geistig überlegen für den Konkurrenzkampf besser qualifiziert ist. England hat in den letzten Iahren die systematische Vergrößerung der deutschen Kriegsflotte mit argwöh nischen Augen beobachtet stets die Welt hinaus- geschrieu, daß es einen Angriff der deutschen Flotte Englands Küsten zu fürchten habe. Das ist eine glatte subjektive Unwahrheit. England hat nie einen deutschen Angriff gefürchtet, wohl aber hatte es eine stetig wachsende Besorgnis vor der Unverwundbarkeit des deutschen überseeischen Handels unter dem Schutze eiuer16 starke Kriegsflotte. Würde England bemerken, daß der deutsche Reberseehandel in Ariedenszeiten zurück geht oder auch uur nicht in demselben Maße wie der jenige der übrigen Völker wächst, so würde es wahr scheinlich gegen eine große deutsche Kriegsflotte, soseru sie der englischen nicht überlegen ist, nichts einzuwenden haben, sondern vielleicht sogar Deutschlands Freund schaft suchen. So aber, wie die Verhältnisse liegen, wo an einen wirtschaftlichen Rückgang Deutschlands nicht zu denken ist, gibt es für England kein anderes Ziel, als Deutschland gewaltsam niederzukäinxfen, weil ihm dies auf friedlichem Wege nicht gelingen kann. England rechnet darauf, aus einem solchen Kriege, und sollte er ein Jahrhundert und mehr dauern, als Suger hervorzugehen, wie ihm dies gegenüber den Spaniern, Portugiesen, Holländern und Franzosen gelungen ist. Vergessen wir nicht, daß der gewaltsame wirschast!iche Krieg Englands gegen Frankreich von 1669, wo Lud wig XIV. und sein weitblickender Minister Colbert Frankreich zur größten Kolonial- und Seemacht der Welt erhoben, bis 1899, dem Jahre der Schmach von Faschoda, gedauert hat. Jeder Friedensschluß unsererseits, der nicht die vollständige Zertrümmerung des britischen Welt reiches in sich schließt, würde England rur zu neuen größeren Anstrengungen veran lassen, Deutschland entweder vollständig zu zer trümmern, was es allerdings nicht im Hinblick auf Rußland wünschen kann, oder doch seinen großen tau- delsrivalen so vollständig von dem Weltmarkt zu ier- drängen, daß er für alle Zukunft ungefährlich ist. Dinn- 17 - würde England wieder Deutschlands Freundschaft suchen, um es als Gegengewicht gegen Rußland zu benutzen. Nur unter diesen Gesichtspunkten habeu König Eduard VII. und seine Schleppenträger den Krieg von 191Ä von langer Hand durch eine perfide Einkrei- suugspolitik vorbereitet. Ich gebrauche absichtlich und mit vollem Rechte das Wort perflde"; denn wie anders kann man die englischen Versuche nennen, unsere Bundesgenossen und Freunde Italien und Oesterreich- Ungarn uns abwendig zu machen und auf die Seite der Triple-Entente England-Frankreichl-Rußland hinüber zuziehen? Wäre dieses Bemühen Englands gelungen, dann hätte die Vernichtung Deutschlands allerdings kaum noch ein Risiko für das Inselreich bedeutet. Viel leicht hätte es sich dann auch gar nicht au dem Kriege aktiv beteiligt, sondern nur den lertius vg.uäens gespielt und sich nach der völligen Erschöpfung aller kontinen talen Mächte, welche die unausbleibliche Folge gewesen wäre, vergnügt die Hände gerieben. Und doch ist eine solche Politik Englands nur eine kurzsichtige Kirchturmpolitik" zu nennen. Eng land rechnet mit der Vernichtung von Deutschlands Seegeltung; es ist sich aber sehr wohl bewußt, daß der Kampf gegen das Deutsche Reich nicht der letzte Kampf ist, der ihm bevorsteht. Es wünscht Deutschland zum Landkampfe gegen Rußland in der Hand zu be halten, welches durch sein Vorrücken in Zentralasien den indischen Besitz bedroht; es muß wissen, daß früher oder später Japan sich von der britischen Bevormun- Englands Blutschuld gegen die weiße Rasse. 2 18 - dung befreien und als sein Gegner auftreten wird; es muß sich darauf gefaßt machen, daß ebenso, wie Nordamerika vor IV- Jahrhunderten, auch die großen Kolonien Kanada, Südafrika, Australien Neu seeland dem Mutterlande die Gefolgschaft aufkün digen werden, sobald die kolonialen Interessen sich nicht mehr mit denen des Inselreiches vereinigen lassen; es muß schließlich damit rechnen, daß infolge der fort schreitenden Zivilisation der wilden und halbwilden Völker diese sich von der britischen Herrschaft zu be freien suchen werden. Und ebensowenig, wie England die unbeschränkte Alleinherrschaft zur See, die es während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts be - faß, aufrechtzuerhalten vermochte, ebensowenig wird es seine Weltherrschaft über so viele fremde Stämme und Rassen behaupten können. Schon von rein egoistischem Gesichtspunkte aus wäre da Deutschland Englands natürlicher und selbstloser Bundesgenosse und Helfer, der zufrieden wäre, wenn England ihm nur eine un eingeengte friedliche Entwicklung gestatten würde. Doch für eine so weitsichtige Politik ist der britische Nationalcharakter zu borniert, und lieber gräbt sich Großbritannien sein eigenes Grab als Weltreich, als daß es das weitere Emporkommen des verhaßten Handelsrivalen Deutschland gestattet. Wenn bei Aus bruch des Krieges der englische Premierminister Asquith erklärte, der Krieg sei eine Frage des Portemonnaies, so hat er vollkommen recht, nur nicht in dem von ihm geineinten Sinne, daß derjenige Sieger sein würde, der das größte Portemonnaie besäße, sondern in der Hinsicht, daß für England ein jeder Krieg lediglich 19 2 von den Rücksichten aus den Geldbeutel diktiert wird. Direkt lächerlich wirkt daher der von England gewählte Vorwand für seine Beteiligung gm Kriege, nämlich der Schutz der belgischen Neutralität. Der wahre Grund ist der Schutz des britischen Portemonnaies, alles andere ist Heuchelei und Zynismus. Wie im wirtschaftlichen Leben stets derjenige Kauf mann die besten Chancen für sich haben wird, der kalt blütig und leidenschaftslos rechnet, so ist es auch in der Politik. Wir erleben da das Beispiel, daß das erste Kaufmannsvolk der Welt sich in seiner Kalknlation furchtbar verrechnet, weil es, von Habgier und Neid verblendet, die Mitberechnung einer Reihe von Fak toren vergißt, die für den schließlichen Ausgang sehr wesentlich sind. Selbst wenn England nach vieljähri gen ruinösen Kämpfen als der Sieger hervorgehen würde, hätte es doch, wie wir später sehen werden, die Grundlage für die Vernichtung seiner eigenen Welt herrschaft geschaffen. Daß es die Imponderabilien deut scher Ehrenhaftigkeit, deutscher Gründlichkeit und Zähig keit, deutscher Wissenschaft und Intelligenz in seine Rechnung nicht mit einbezogen hat, würde unter allen Umständen die Ursache sein, daß seine Schlußrechnung nicht stimmt. Indessen vor allem die deutsche Ehren haftigkeit in der Politik, die der Engländer im Privat leben als die Richtschnur für sein ganzes Handeln und Denken betrachtet, hat er in seiner äußeren Politik als Nation nie gekannt. Daher der Name des perfiden Albion", den der Engländer selbst nie gelten lassen will, obwohl er mit demselben Atemzuge den Namen recht fertigt durch sein stets angewandtes Sprichwort: 20 ar ^vi onA, in) eountr^!" Denn was bedeutet dieses Sprichwort? Ob recht, ob unrecht, alles, was ich tue, ist gut, sobald es meinem Lande nützt!" Da mitistjederVölker rech ts-und Neu tralitätsbruch, ja jede Schandtat sank tioniert, sobald sie nur der Gesamtheit der englischen Nation zugutekommt, d. h. uach der Meinung der Engländer selbst. Das Wort richtet sich jedoch selbst, wenn die durch es gerecht fertigte Handlung schließlich den Schaden der Nation herbeiführt. Von dieser Maxime ausgeheud, hat England nicht nur eine furchtbareSchuld gegeu das eigene Land, sondern eine noch viel größere Schuld gegenüber den Völkern des europäischen Kontinents auf sich geladen. An sich war der Krieg von 1914, den England Her aufbeschworen, den England, wenn es gewollt hätte, allein hätte verhindern könueu, ein Krieg der euro päischen Nationen untereinander, wenn auch durch den Kolonialbesitz der beteiligten Mächte die Kriegsfackel auch in die übrigen Weltteile getragen ist. Die Schuld für dlese Ausdehnung des Krieges trägt einzig und allein England. Die Einbeziehung der Kolonien in die kriegerischen Aktionen ist absolut nutzlos und über flüssig, da das Schicksal der Kolonien doch nur von dem Ausgange des Krieges in Europa bestimmt wird. Gauz zweifellos hätte Deutschland einem englischen Vor schlage, die Kriegführung auf Europa zu beschränken, gern und mit vollem Herzen zugestimmt. Die aktive Ausdehnung des Kriegsschauplatzes über die Grenzen 21 Europas hinaus ist das zweifelhafte Verdienst Eng lands, welches zuerst die von Verteidigern entblößte deutsche Kolonie Togo an Afrikas Westküste überfiel und dort billige Lorbeeren einheimste. Die Folge davon war, daß Deutschland sich auch in seinen übrigen Kolo nien verteidigen mußte. Da nnn die beste Parade be kanntlich der Hieb ist, so haben die deutschen Kolonial truppen, wo es anging, nicht erst einen Ueberfall seitens der Engländer abgewartet, sondern gingen ihrerseits znr Offensive über. Durch den englischen Angriff auf Togo wurde die von den Engländern so oft gerühmte Und stets geforderte bzw. als notwendig dargestellte Solidarität der weißen Rasse in Afrika durchbrochen und damit den Negern das traurige Bild des Bruderzwistes unter den weißen Völkern ge geben, wie die Briten dies schon einmal, in dem Buren kriege, getan hatten, wo sie sogar die niedrigsten In stinkte der Schwarzen gegen die Buren entfesselten. Noch schamloser ist das Vorgehen der Engländer in Ostasien gewesen, wo sie znerst die Vorkämpfer der gelben Rasse, die Japaner, auf das deutsche Schutzgebiet Kiautschou hetzten, gegen eine Bestechungsprämie von 100 Millionen ?)en (gleich 200 Millionen Mark), die von der britischen Regierung den Japanern als Geschenk im voraus be zahlt wurde. Damit haben die Engländer nicht nur gegen Deutschland und Oesterreich - Ungarn, sondern der gesamten u?eis;en Rasse gegenüber (ein schließlich ihrer eigenen Verbündeten) die ent- schliche Schuld auf sich geladen, den Völker-kämpf innerhalb einer und derselben Nasse in einen Rassenkampf den europäischen Arieg in einen Weltkrieg umgewandelt zu haben. Auf Grund ihres weltumspannenden Landbesitzes wäre die Aufgabe der britischen Nation gewesen, in dieser Hinsicht doppelt vorsichtig zu sein und den Kriegs brand auf die Grenzen Europas zu beschränken. Waren doch sonst die Engländer immer die ersten, die nach einer Lokalisierung eines Krieges schrien, wenn seine Ausdehnung ihrer Volkswirtschaft unbequem gewor den wäre. Noch stehen wir erst im Anfange des neueu Rassen kampfes, und die wenigsten Angehörigen der europäi sche Nationen dürften heute ahnen, welche Bedeutung und Ausdehnung dieser Anfang gewinnen kann und wird. Es dürfte daher am Platze sein, die weiszeu Völker Europas und Amerikas über die Folgen auf zuklären, welche das frevelhafte Beginnen Englands nach sich ziehen muß. Wenn die weiße Rasse die in zweitausendjährigem Kampfe errungene Weltherrschaft, die sie auch auf Grund ihrer eigenen Kulturhöhe be anspruchen kann, behalten und behaupten will, so darf sie sich nicht unvorbereitet von den Ereignissen und deren Folgen überraschen lassen. Diese Folgen lassen sich in die Worte zusammen fassen: Aampf aller andern Rassen qegen die weifte Rasse! Wie sich dieser von England heraufbeschworene Kamps in der Zukunft abspielen wird, kann heute natür- 23 lich kein Mensch übersehen. Wohl aber kann will ich die vielfachen Reibungsflächen beleuchten, die früher oder später zum Weltkampfe gegen die weiße Rasse führen müssen. Ob es England dann gelingen wird, die von ihm zitierten Gespenster wieder zu bannen, erscheint mehr als fraglich, mag es sich dabei um den Gegensatz des Islam gegeu das Christentum, oder um die Neger- frage oder um die Ilnabhängigkeitsziele der Inder oder nm die Gelüste der Mongolen nach der Weltherrschaft handeln.III. Die Erhebung des Islam. Wenn wir von einem Kampfe gegen die weiße Rasse sprachen, so müssen wir uns in erster Linie dar über klar sein, was wir unter dem Begriff der weißen Rasse zu verstehen haben. Zn ihr gehören fast alle Völker Europas und Amerikas. In letzterem Erdteile sind auszunehmen die Eskimos und die Indianer, von denen aber nur spär liche Reste unvermischt sich erhalten haben. Dagegen sind die Bewohner des heutigen Mittelamerikas zum weitaus größten Teile Mischlinge zwischen den indiani schen Urbewohnern und den spanischen Eroberern, und ihre Stellung in ethnologischer Hinsicht ist daher zweifel haft. Sicher keine Weiße sind die Nachkommen der in früheren Jahrhunderten importierten Negersklaven, die noch heute in den Südstaaten eine recht untergeord nete Rolle spielen. In Europa können der weißen Rasse nicht zu gezählt werden die Basken, die in geringer Zahl jn den Grenzbezirken zwischen Frankreich und Spanien 25 am Meerbusen von Biskaya sitzen. Der Abstainiinmg nach zu den Mongolen gehören die Ungarn, die sich aber der europäischen Zivilisation vollständig assimi liert haben, ferner die Finnen und Lappen und kleine unbedeutende Gruppen in den baltischen Provinzen Rußlands. Auf der Balkanhalbinsel sind die Osmanen, d. i. der Kern der Türken, den mongolenähnlichen Völ kern zuzuzählen, ebenso einige kleine Gruppen in den Grenzgebieten des Kaukasus. In Europa selbst, wie auch in Amerika, dessen weiße Bevölkerung ausnahms los von Europäern abstammt, dürften wir keine Feinde der weißen Rasse zu sucheu haben; ebensowenig in Australien. Es bleiben also nur die Erdteile Afrika und Asien. In Afrika finden sich Weiße nur als Einwanderer, bzw. als Eroberer, über den ganzen Kontinent ver streut. Afrika ist im eigentlichsten Sinne des Wortes der Erdteil der europäischen Kolonien, da Abessinien und Liberia dort die einzigen nominell unabhängigen Staatengebilde sind; im übrigen ist es als Kolonial besitz oder, was auf dasselbe hinausläuft, als Schutz gebiete unter den europäischen Nationen aufgeteilt. Etwa 200 Millionen der Ureinwohner Afrikas gehören drei verschiedenen Rassen an, die mit der weißen Rasse in keinerlei Verwandtschaft stehen: 1. den Negern, 2. den Hottentotten und Buschmännern, 3. den Malaien (die Hovas auf Madagaskar). Dagegen bewohnen den Nordrand Afrikas zahl reiche Völkerstämme, die nur in bedingtein Maße zu 26 den Farbigen gezählt werden dürfen, weil sie ethno logisch den Europäern sehr nahe stehen. Es sind dies die vielfach mit semitischen Arabern gemischten Zä unten, zu denen die Fellachen Aegyptens und die Abessinier, verschiedene Stämme des Sudan und der Wüste Sahara, sowie die Berber und Mauren in Tri polis, Tunis, Algerien und Marokko zu rechnen sind. Wie nahe verwandt die Hamiten uns Europäern sind, geht schou daraus hervor, daß ein so hochstehender Völkerkundiger wie Oskar Peschel die Hamiten nur als gesonderten Stamm mit den Semiten und Indo- enropäern zur mittelländischen Rasse vereinigt. Für unsere Zwecke wollen wir aber als Weiße" nur die indoenropäischen Völker verstehen, und auch da können wir mit Peschel annehmen, daß sich der indoeuropäische Stamm in früher Vorzeit in die asiatischen und euro päischen Arier schied. Zu der asiatischen Hälfte der Arier gehören als Hauptäste die brahmanischen Inder (denen wir später wiederbegegnen werden) und die Iranier, welche die Perser, Belndschen und Afghanen, die Kurden, die Osseten des Kaukasus und die Tadschiks (im heutige Turkestan) umfassen. Die Ueberleitung zur europäi schen Hälfte, und zwar zu den Slawen, bilden die Armenier. Sämtliche Hamiten und Semiten, mit Ausnahme der Abessinier und Juden, sind Anhänger der Lehre Mohammeds, dessen Wiege im rein semitischen Arabien stand. Der Islam, der unter den südlichen Völkern eine ungeheure werbende Kraft entwickelte, hat indessen seine Anhänger auch unter vielen mongolenähnlichen 27 Völkern und unter den arischen Iraniern gefunden, nicht jedoch unter den brahmanischen Indern. Da nun die weiße Rasse im wesentlichen aus Christen besteht, so hat sich schon zu Beginn des Mittelalters unter der Flagge der Religion ein scharfer Gegensatz zu der engeren weißen Rasse herausgebildet. Schon mehr als einmal hat der Kampf des Halb mondes gegen das Kreuz, des Koran gegen die Bibel, eine furchtbare Rolle in der Weltgeschichte gespielt. Mit unwiderstehlicher Gewalt drangen die Anhänger des Propheten von Arabien gegen Nordafrika vor, wo sie das dort blühende Christentum vollständig ver nichteten. Dann setzten sie über die Straße von Gi braltar nach Spanien über, besetzten die ganze pyrenäi- sche Halbinsel und eroberten sogar den größten Teil von Südfrankreich. Es bedurfte jahrhundertelanger hartnäckiger Kämpfe, ehe es der weißen Rasse gelang, den Halbmond aus dem südwestlichen Zipfel Europas wieder hinauszudrängen. Ein Jahrhundert dauerte der Kampf um den Be sitz des Heiligen Landes gegen die Seldschuken und Turkmenen, denen die weiße Rasse aus religiösen Mo tiven das Geburtsland und das Grab unseres Reli gionsstifters entreißen suchte. Die Blüte der euro päischen Ritterschaft fand dort ihr Grab. Der Sieg verblieb dem Halbmond, der alsbald auch von Süd osten her znr Offensive gegen Europa vorging. Weit furchtbarer als alle bisherigen Angriffe des Islam wurde der Vorstoß der Osmanen, und erst v^ r den Mauern Wiens brach sich die mohammedanische 28 Welle. Nur sehr langsam gelang die Znrückdrängnng der Türken aus dein heutigen Oesterreich-Ungarn, und bis zum Jahre 1878 waren sie unbestrittene Herren der ganzen Balkan-Halbinsel. Die Erhebung der süd slawischen Völker mit russischer Hilfe brachte ihre voll ständige Befreiung vom Joch des Islam, der 1912 sogar bis auf den äußersten südöstlichen Zipfel, d. h. bis auf die weitere Umgebung von Konstantinopel zu rückgetrieben wurde. Gleichwohl würde man sehr irren, wollte man an nehmen, daß die militärische Macht der Türkei voll ständig gebrochen sei. Im Gegenteil, nach dem Balkan kriege setzte unter dem Einflüsse des energischen, in Deutschland ausgebildeten Kriegsministers Envcr Pascha eine durchgreifende Reorganisation des türki schen Heeres ein, und sofort nach dem Ausbruche des europäischen Krieges wurde die Mobilisierung der ganzen türkischen Armee anbefohlen, deren Spitze sich unverkennbar gegen Rußland richtete, obgleich dieses durch abwechselnde Versprechungen und Drohungen alles aufbot, die Türkei auf seine Seite zu ziehen. Auch Rußlands Verbündeter, Großbritannien, ver stand es gleich zu Anfang des Krieges, sich die zuvor recht warmen Sympathien der Türken gründlich zu ver scherzen, indem es zwei in England für Rechnung der Pforte gebaute Kriegsschiffe beschlagnahmte und un geachtet aller Proteste nicht wieder herausgab. Die gesamte muselmanische Welt geriet in eine tiefgehende Erregung, deren innere Gründe allerdings nicht in solchen Äußerlichkeiten zu suchen sind. Es drohte der sogenannte Heilige Krieg des Islam auszubrechen, dader Kalif, der Nachfolger des Propheten, das Ober haupt des Islam im geistlichen Sinne, der Sultan von Konstantinopel, bedroht war. Eine direkte Gefahr für Europa oder gar eine neue Invasion ist von einer allgemeinen Erhebung der Mohammedaner nicht zu erwarten; wohl aber ist die Herrschaft der weißen Rasse in ganz Nordafrika durch einen solchen Krieg stark gefährdet, und auch in Asien dürfte sich das politische Kartenbild gewaltig ver ändern. In Aegypten, welches nominell bisher unter türkischer Oberhoheit stand, wenn es auch tatsächlich von britischem Militär beseht war und von dem briti schen Generalkonfnl, als dem politischen Ratgeber der ägyptischen Regiernng, nach den Weisungen des Aus wärtigen Amtes in der Downing Street in London be herrscht wurde, gärt es schou seit langer Zeit unter den Eingeborenen, die entweder Selbständigkeit ihres Landes oder dessen Wiedervereinigung mit der Türkei anstreben. Die Intelligenz unter der Bevölkerung weiß nur zu genau, daß die Engländer widerrechtlich noch heute das Nilland besetzt halten, da sie 1882, nach der Niederwerfung des Aufstandes Arabi Paschas, feierlich versprochen hatten, nach der Rückkehr geord neter Zustände das Land wieder zu räumen. Um beideu Seiten gerecht zu werden, darf man freilich nicht übersehen, daß Aegypten den Engländern auch sehr viel zu verdanken hat. Lord Kitchener befreite das Niltal durch seinen glänzenden Sieg bei Omdurh- man von der Gefahr des Einfalles und der Verwüstung 30 durch die fanatischen und räuberischen Horden des Mahdi, der sich bereits den ganzen Sudan erobert und den britischen General Gordon in Chartum ermordet hatte. Die ägyptischen Finanzen wurden saniert und sind heute wohl geordnet. Die Baumwollkultur im ganzen Niltale wurde auf eine bis dahin unbekannte Höhe ge hoben. Wenn auch die Bedürfnisse der englischen Baumwollindnstrie in Lancashire das Grundmotiv hier für abgaben, so zog doch auch die ägyptische Bevölke rung einen erheblichen Vorteil für den eigenen Wohl stand. Die Fellachen, die bis dahin im tiefsten Elend gelebt hatten, konnten durch den Baumwollbau mit Hilfe der englischen Vorschnßbanken wenigstens die Sorge vor der früher permanenten Hungersnot los werden, wenn auch ihre Indolenz sie verhindert, Reich tümer zu sammeln. Aber die Araber in Aegypten und die ägyptischen Händler, Handwerker, Kaufleute und sonstigen Angehörigen des Bürgerstandes haben es unter der englischen Herrschaft zu einem gewissen Wohlstande gebracht. Es fehlte jedoch die Selbständig keit oder wenigstens ein gewisser Anteil an der Leitung der Geschicke des Landes, eine gewisse Selbstverwal tung. Denn wenn auch alle Regierungsakte im Namen des Khedive erfolgten, so war dieser doch politisch vollkommen ohnmächtig nur ein Werkzeug in den Händen der Briten. Mit Rücksicht auf die nominell niemals auf gehobene Oberhoheit des türkischen Snltans war es nur korrekt, wenn die Briten bei ihrer Kriegserklärung gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn Aegypten für neutral erklärten. Zu jener Zeit befand sich zu- 31 fällig der Khedivc in Konstantinopel, wie er stets einmal im Jahr seinem Suzerän einen Besuch abstattete. Abbas Hilmi war aber in seinem innersten Herzen von jeher ein Feind der Engländer, deren Bevormundung er ihnen nie verzieh, und da er ihnen überdies mißtraute, weigerte er sich, der Aufforderung der britischen Re gierung, nach Kairo zurückzukehren, Folge leisten und blieb ungeachtet aller Drohungen in Konstanti nopel. Es war ihm eben nicht unbekannt geblieben, daß die Briten damit gerechnet hatten, ihn auf der Ueberfahrt nach Alexandrien abzufangen, nm ihn als Geisel für das Verhalten der ägyptischen Bevölkerung in Gewahrsam behalten. Nun ließen die Engländer die Maske fallen und begingen einen Völkerrechts- bruch, wie sie sich deren recht viele in dem Kriege von 1914 haben zu schulden kommen lassen, indem sie näm lich die diplomatischen Vertreter Deutschlands und Oesterreich-Ungarns gewaltsam aus dem Lande ver jagten, die Regierung des Khedivc suspendierten und dafür das Regime des britischen Militär-Oberkom mandanten einsetzten. Tatsächlich wurde durch ein sol ches Vorgehen Aegypten britische Provinz und in den europäischen Krieg mit hineingezogen. Wer die Geschichte Großbritanniens und seiner überseeischen Kolonisation verfolgt hat, den wird das britische Vorgehen in Aegypten nicht weiter verwun dern: es ist eben britische Sitte! Zuerst eine mili tärische Hilfeleistung bei Gclegcuhcit innerer Wirren, dann Okkupation unter dem Vorwande des britischen Schutzes, allmählich Stellung unter britische Verwal tung, und schließlich bei passender Gelegenheit voll- 32 ständige Annexion. Hier sprach aber auch der weitere sehr gewichtige Grund mit, daß den Engländern darum zu tuu war, formell das Recht zur Schließung der be deutendsten Welthandelsstraße, des Suezkanals, nach ihrem eigenen Belieben und unter Verhöhnung aller internationalen Verträge, in die Hand zu bekommen. Um der Aufstandsgefahr in Aegypten zu begeg nen, wurden ostindische Eingeborenen-Regimenter nach Aegypten gebracht und dafür ägyptische Eingeborenen- Truppen nach dem französischen Kriegsschauplatze ver schickt. Dabei kam es Anfang Oktober 1914 in mehreren ägyptischen Städten zu blutigen Zusammenstößen zwi schen der britischen Garnison und den einheimischen Mannschaften, die sich gegen die Verschickung auf fran zösische Schlachtfelder auflehnten, einmal, weil sie der Sache ihres britischen Bedrückers überhaupt nicht dienen wollten, sodann, weil sie keine Neigung hatten, einem sicheren Tode entweder als Kanonenfutter oder durch das ungewohnte Klima entgegenzugehen, und schließlich, weil in ihnen allen infolge der jungägypti schen Agitation der Gedanke lebendig war, daß sie dem eigenen Lande zur Befreiung vom britischen Joche unentbehrlich seien. Von rein militärischen Gesichtspunkten aus be trachtet, dürfte eine ägyptische Revolution ohne Unter stützung von außerhalb herzlich wenig Aussicht auf Er folg bieten. Die Eingeborenen-Truppen allein sind zu schwach, und auf eine allgemeine Erhebung dürfte in folge der Indolenz des ägyptischen Bauernstandes, der Fellachen, nicht zu rechnen sein. Würde jedoch die Türkei gegen die Triple-Entente den Krieg erklären 33 und mit Truppen durch Syrieu gegen Aegypten vor rücken, so wäre das Schicksal der Engländer in dem Lande der Pharaonen besiegelt. Ursprünglich erstreckte sich die Herrschaft der Os- manen über den ganzen Nordrand Afrikas, da selbst der Sultan von Marokko die geistliche Oberhoheit des Kalifen von Konstantinopel anerkannte. Erst vor weni gen Jahren ging der letzte Rest des türkischen Be sitzes, Tripolis, an die Italiener verloren. Welche ungeheuren Anstrengungen der Krieg von 1911 den Italienern kostete, ist uoch in aller Erinnerung. Nur mit den größten Opfern gelang es, die türkischen Trup pen aus den wichtigsten Küstenplätzen vertreiben, und dann scheiterte das italienische Vordringen an dem erbitterten Widerstande, den die Araber und sonstigen Eingeborenen des Hinterlandes leisteten. Hier trat mit erschreckender Deutlichkeit die Macht der geistlichen Oberhoheit des Kalifen in die Erscheinung, die in Tri polis vor allem auf die Unterstützung dnrch die ebenso fanatische wie weitverbreitete Sekte der Sennssisten rechnen konnte. Selbst heute noch erstreckt sich die Herr schaft der Italiener in Tripolis in der Tat nur auf einen wenige Kilometer breiten Sanm an der Küste, und die Nachrichten von dem allgemeinen Kriege unter der Christenheit können nur dazu beitragen, die wilden Einwohner des Hinterlandes erst recht znm Widerstände zu entflammen, auch weuu Italien nicht direkt an dem europäischen Kriege beteiligt ist. Noch heute steheu türkische Truppen in Tripolis, obgleich der Friede zwischen Italien und der Hohen Pforte längst offiziell geschlossen ist. Vielleicht hoffen die Türken, daß die Englands Blntschuld gegen die weiße Rasse. Z 34 Stunde nicht mehr fern ist, wo sie die einstige türkische Provinz zurückerobern können. Und solange das Land nicht vollständig von den türkischen Trnppcn geräumt ist, hakten die Italiener noch eine Anzahl Kleinasien vorgelagerter türkischer Insekn besetzt. Vielleicht ist das den Türken auch ganz erwünscht, weil sie damit der Besetzung durch das ländergierige England im Falle eines Krieges mit der Triple-Entente entzogen sind. Die kleine Provinz Tunis war ehedem gleichfalls türkischer Besitz, bis die Franzosen es besetzten, wo bei sie den Italicnern zuvorkamen, die sich ebenfalls auf die Okkupation dieses Landstriches dnrch eine plan mäßige italienische Einwandernng vorbereitet hotten. In Algerien sind die Franzosen bereits seit über 80 Iahren mit der Eroberung des Landes be schäftigt, ohne daß sie behaupten könnten, daß sie ihnen bis heute vollständig gelungen wäre. Wohl haben sie die ganze Küste franzöfisiert, so daß sie Algerien mit Vorliebe Neu-Frankreich nennen. Auch tief in das Hinterland sind mit dem Vorschieben der Eisenbahn Heerstraßen die französischen Ansiedler gedrungen. Und doch finden von Zeit Zeit immer noch lokale Revolten statt, die zumeist von den unzufriedenen Araber- und Beduinenstämmen angezettelt werden. Die Hoffnung auf die Befreiung von dem Joche der Christen ist eben auch dort noch nicht erloschen, und die Fran zosen sehen sich gezwungen, starke Truppenkontingente im Lande zu unterhalten, die zur Niederwerfung der stets aufs neue aufflackernden Unruhen dienen. Es ist allgemein bekannt, daß vor allen anderen die so- 35 3 genannte Fremdenlegion zu diesem Zwecke Verwen dung findet. Es läßt sich nicht übersehen, welche Ver wicklungen in diesem ungeheuren Landgebiete, das an Größe Frankreich noch weit übertrifft, entstehen können, sobald die Nachrichten von der Niederlage der Fran zosen nach dort dringen, oder wenn die Türkei den Krieg gegen die Triple-Entente erklärt, oder wenn gar der allgemeine Heilige Krieg des Islam gegen das Christentum entflammt. Zweifellos wird aber die schwie rige Lage der Franzosen dadurch erhöht werden, daß sie ganze Regimenter der algerischen Eingeborenen in der modernen Kriegstechnik ausgebildet und im Kampfe gegen Deutschland verwendet haben. Noch schlimmer wird die Lage der Weißen in Marokko sein, wo die faktische Herrschaft Frankreichs bislang auf recht schwachen Füßen steht und Millionen kunbezwuugener Manrenstämme, besonders in den un wegsamen Gebirgsmassen des Atlas, ihre Unabhängig keit behaupten, nicht nur gegen die Franzosen, son dern auch gegen ihren einheimischen Herrscher, den Sultan, der sich durch seine Unterwerfung unter den Willen der Franzosen eine starke Feindschaft bei seinen eigenen Untertanen erworben hat und sich nur durch den Schutz der französischen Bayonette auf seinem Throne behauptet. In Marokko haben die Franzosen das Beispiel ihrer britischen Lehrmeister in Aegypten nachgeahmt und die diplomatischen Vertretungen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns gewaltsam zu Schiff aus dem Lande entfernt und sogar die marokka nische Regierung gezwungen, uns den Krieg zu er klären, obwohl die Marokkaner an einem solchen Kriege 36 nicht das mindeste Interesse haben, ja sogar stets mit den Deutschen vorzüglich ausgekommen sind. Das Vor gehen der Franzosen dürfte daher bei den Eingeborenen mir recht eigenartige Gefühle ausgelöst haben. In Marokko wird es nicht einmal der Proklamation des allgemeinen Heiligen Krieges des ganzen Islam be dürfen, um die Eingeborenen zur Empörung gegen die französische Herrschaft au zurufen. Es ist eine ebenso unzweifelhafte wie eigenartige Erscheinung, daß die Deutschen im allgemeinen sich der Sympathien der Mohammedaner erfreuen. Der Deutsche Kaiser gilt bei ihnen sogar als erklärter Freund des Islam. Genährt ist diese Freundschaft durch die vielfachen wirtschaftlichen Beziehungen, welche Deutsch land mit mohammedanischen Ländern unterhält. Iu Konstantinopel sind zahlreiche deutsche Bauken ver treten, und durch die Mitwirkung der Deutschen Bank ist das große Kulturwerk der Bagdadbahn ermöglicht worden, welche die Türkei mit Mesopotamien verbindet gewaltige Länderstrecken der modernen Zivilisa tion erschließt. Vor allem hat sich in allen mohamme danischen Ländern die UeberzSugung Bahn gebrochen, daß Deutschland im sehr augenfälligen Gegensatze zu den Gliedern der Triple-Entente, England, Frankreich und Rußland, niemals an politische Eroberungen in jenen Gebieten gedacht hat und auch heute noch nicht denkt. Und doch, sollte mit oder ohne Signal von Konstantinopel aus der Heilige Krieg des Islam gegen die Christen in Nordafrika verkündet und die Ein geborenen zum Befreiungskampfe gegen die weißen Eroberer aufgerufen werden, so steht leider ab- 37 solut sicherzu befürchten, daß sich dasall - ge meine Morden gegen jeden Weißen, ohne Unterschied der Nationalität, rich ten wird. Das einmal zur Siedehitze in Wallung gebrachte Blut der Semiten und Hamiten, der einmal entfachte Fanatismus der ÄNohammedaner, deren Glaube die Tötung jedes Ungläubigen als verdienstlich empfiehlt, wird nicht eher Haltmachen, als bis die Zivilisation und Kultur der Weißen aus Nordafrika weggefegt sind. Und viele Tausende hingemordeter tVeister werden als Ankläger gegen England und Frankreich vor einen höheren Richterstuhl treten! Auch die dritte Macht in der Triple-Entente, Ruß land, hat es glänzend verstanden, sich den Islam zum Feinde zu machen. In Südrußland selbst leben etwa 18 Millionen Mohammedaner, die der russischen Be drückung müde sind. Auch die iranischen Länder Per - sien, Afghanistan B e lu d sch istan, ob wohl sie als Schiiten dei geistliche Oberhoheit des Ka lifen nicht anerkennen, sympathisieren mit den Türken im gemeinschaftlichen Gegensätze gegen Rußland und England. Auch in diesen Ländern hat sich die Erkennt nis belebt, daß die Zeit zur Erringung der Unab hängigkeit von europäischer Bevormundung gekommen ist, und daß sie weder als ein weiteres Mitglied in dem nngeheuren Völkergemisch, welches in Asien unter dem russischen Szepter vereinigt ist, noch als Puffer staaten gegen Rußland zum Schutze der englischen Herrschaft in Ostindien zu dienen brauchen- 38 Uebcr das Verhältnis der Afghanen zu den Engländern werden wir in einem späteren Kapitel, gelegentlich der Erörterung über die Lage in Ostindien, zu sprechen haben. In Persien, welches, ebenso wie Afghanistan, den Briten als ein unter britischer Oberhoheit einen Schein von Unabhängigkeit bewahrender Pufferstaat gegen etwaige Angriffsgelüste Rußlands auf die britischen Besitzungen in Ostindien dienen sollte, waren die Russen den Briten bereits zuvorgekommen. Die Briten machten daher aus der Not eine Tugend und schlössen mit den Russen einen Vertrag, wonach! der Norden Persiens als russische, der Süden als bri tische Einflußsphäre, die Mitte dagegen als neutrale Zone betrachtet werden sollte. Dieses Abkommen wurde natürlich getroffen, ohne Persien zu fragen, und in folge der inneren Zerrüttung des Landes und der durch russisches Gold genährten Parteiungen war die persische Regierung gegen ihre beiden Bedrücker ohn mächtig. Auf Grund des Abkommens betrachteten die Russen indessen den Norden Persiens und auch den größten Teil der mittleren Bezirke als ihr unumschränk tes Eigentum, in welchem sie nach echt russischer Art schalten und walten konnten. Das mußte den Haß der Nation in höchstem Grade erwecken, und alsbald uach Ausbruch des europäischen Krieges brachen in Persien auch Aeußerungen und Taten des Hasses aus. Russische Blätter meldeten, daß der russische Kon sul in Ispahan, der zweiten Landeshauptstadt, an: 6. Oktober 191h infolge Herzschlages gestorben sei. Es ist jedoch anzunehmen, daß er das Opfer eines An- 39 schlages geworden ist. Die Erregung in Persien gegen Rußtand nahm von Tag zu Tag zu, rief aber anderer seits auch einen scharfen Ton der russischen Diplomatie im Verkehr mit den persischen Regierungsvertretern hervor. Die den Russen feindliche Stimmung teilte sich auch den südrussischen Mohammedanern mit, deren Stämme besonders an der Wolga und in der Krim ansässig sind. Obwohl offiziell die persische Regierung noch nicht den Krieg erklärt hatte, fanden bereits Mitte Oktober 191h zwischen den russischen Grenztruppen und den persischen Schachsewennen Zu sammenstöße statt, die sehr blutig und für die Russen Verlustreick) verliefen. Die Petersburger Telegraphen- Agentur berichtete, daß sich im Gebiete von Kaleschin die antirussischen Kundgebungen häufen. Die der russisch-persischen Abgrenzungskommission in der Gegend von Baschkal Sarai errichteten Grenz pfähle wurden herausgerissen. An der Grenze er schienen zahlreiche Fedais, die gegen Rußland agi tierten. In den Provinzen Gilan, Asserbeidschan und Chorassan wurden die russischen Bedeckungsmann schaften von den persischen Gouverneuren aufgefor dert, abzuziehen, und eine außerordentliche Session des Medschlis, d. i. des persischen Parlaments, wurde einberufen, um über die definitive Stellungnahme gegen Rußland zu beschließen. Daß Persien früher oder später einen blutigen Unabhängigkeitskampf gegen Rußland führen wird, dürfte ganz zweifellos sein. Auch die Kurden, die ein stolzer, kriegerischer und zu Unruhen geneigter Stamm iranischer Abkunft sind und teils unter persischer, teils unter türkischer Ober- 40 Hoheit stehen, benutzten die günstige Gelegenheit des europäischen Krieges, um sich in Massen gegen die Russen zu erheben. So meldete der in Konstantinopel erscheinende Ikdam" nnterm 13. Oktober 191h, daß persisch-kurdische Stämme bereits den dritten Angriff auf die Russen unternahmen sie schlugen. Die Kurden eroberten dabei zwei Kanonen und nahmen drei russische Offiziere gefangen. Ungefähr 30 Russen fielen. Die Kurden rückten alsdann gegen die Stadt Urmia vor, in die sich die geschlagenen russischen Abteilungen geflüchtet hatten. Alle diese, im Vergleich zu den Ereignissen des europäischen Krieges belanglosen Nachrichten werden dadurch bedeutungsvoll, daß sie beweisen, ein wie gefährlicher und leicht zu entflammender Zündstoff unter den mohammedanischen Völkern gegen die Nationen weißer Rasse angehäuft ist. Gegenüber diesen nationalen Regungen im Be reiche des Islam erhebt sich die berechtigte Frage, welche Stellung Deutschland einnehmen soll. Wir sind keine politischen Segner des Islam, wir unterhalten vielmehr Freundschaft und bedeutende wirtschaftliche Beziehun gen, die uns verloren gingen, wenn wir ihn bekämpf ten. Es gibt Leute, die behaupten, daß wir um der Sache der weißen Kultur willen die Aufrechterhaltung der politischen Oberherrschaft der weißen Rasse über die mohammedanischen Nationen befürworten müßten, da der Islam einer eigenen Kultur nicht fähig sei. Das ist ein gründlicher Irrtum. Schon vor einem Jahr tausend waren die Araber die Träger einer Wissen-- 41 schaft, die der Wissenschaft der damaligen Europäer weit überlegen war. Astronomie, Mathematik und Physik, Medizin, aber auch Rechtskunde, Weltgeschichte und die schönen Künste der Poesie und der Architektur wurden von den Arabern zu hoher Blüte gebracht. Es steht dem nichts im Wege, daß die Zeit für eine neue herrliche mohammedanische Kultur anbricht, die auch auf die christliche Kultur befruchtend wirken kann. Da nun eine abermalige politische Invasion des Islam in Europa ausgeschlossen erscheint, wohl aber eine neue Blüte der mohammedanischen Länder einen unabseh baren Vorteil für unser Wirtschaftsleben bedeutet, so könnten wir Deutschen beinahe den Ausbruch des Heili gen Krieges gegen die Triple-Entente herbeiwünschen, wenn nicht damit zugleich so viele Tausende von un schuldigen Menschenleben gefährdet wären. Aber ver stehen würden wir einen solchen Rassenkampf.IV. Der Rassenkampf in Südafrika. Charakteristisch für die britische Kriegführung ist die Tapferkeit, welche die Engländer überall da ent wickelten, wo ihnen kein Widerstand entgegentrat. Wir haben schon gesehen, daß die Briten den Kolonialkrieg mit einem Angriff Togo eröffneten. Eine briti sche Expedition überfiel nämlich die Hauptstadt Lome dieser deutschen Kolonie, als sie zufällig von deutschen Soldaten vollständig und von den männlichen weißen Bewohnern fast gänzlich entblößt war, da jeder entbehr liche Mann für eine Expedition ins Innere aufgeboten war. Die meisten Feinde" bestanden also aus Frauen und Kindern. An diese Heldentat reiht sich würdig an der lieber fall und die Vernichtung des kleinen deutschen Handels dampfers Wißmann", der den Verkehr auf dem Nyassafee versah. Das kleine Schiffchen mit seinen 13 Tonnen Rauminhalt erreichte kaum die Größe eines kleinen europäischen Flußdampfers. Etwa zwei Jahr zehnte hatte der Wißmann" allen Stürmen des Nyassa 43 tapfer getrotzt und unzählige Frachten und Passagiere von Deutsch-Ostafrika nach Britisch-Zentralafrika und umgekehrt befördert. Ungezählte Male war er von den Engländern gern benutzt worden. Sogleich nach Ausbruch des Krieges wurde das nur Zwecken des Friedens dienende Schiffchen erstürmt und zerstört, da es außer einem kleinen hannlosen Signalgeschütz keine Kanonen führte. Damit haben die Engländer ungefähr das schlimmste begangen, was ein Weißer inmitten einer schwarzen Bevölkerung begehen kann, indem sie das Beispiel eines willkürlichen ge walttätigen Rechtsbruches gaben (Bruch der Kongo-Akte I). Willkür und Gewalttätigkeit waren in Afrika vor der Besetzung durch die Weißen die hervorstechendsten Charaktereigenschaften eines jeden kleinen Negerdespo- ten, der bei der Beherrschung seines Dorfes oder Länd chens nicht nach Gesetz Recht, sondern lediglich nach den Eingebungen seiner Launen fragte. Willkürlich und gewalttätig war die Methode der Behandlung eines Feindes. Wodurch Unterschiedsich nun die Krieg führung der Briten gegen die Deutschen von derjenigen der früheren Negerdespoten? In nichts! Mit einer durch nichts zu entschuldigenden Gewalttat wurde sie eröffnet. Freilich: or Die Rechtlosigkeit bekämpfen war stets der Vor wand, unter welchem die Engländer von jeher den Ein geborenen aller Erdteile ihre Herrschaft aufzwangen. Jedes neu okkupierte Gebiet nannten sie znerst Pro tektorat" (Schutzgebiet), d. h. sie versprachen dem Lande Schutz sowohl gegen Angriffe von außerhalb, wie vor- 44 allem gegen die Willkür und Gewalttätigkeit der eigenen eingeborenen Herrscher. Wie ganz anders nimmt sich dagegen die Begründung eines schlichten Buren aus, der bei den Verhandlungen im Parlament der Süd afrikanischen Union über eine aktive Unterstützung des Britischen Reiches durch Südafrika sich folgendermaßen äußerte: Die Transvaalburen sind ganz loyal z aber sie mögen den Gedanken eines Angriffes gegen Deutsch-Südwestafrika nicht, weil sie friedlich gesinnt, tief religiös und einem Kriege, außer bei starker Herausforderung, abgeneigt sind." Mag man über die Buren als Volk und als Menschen denken, wie man will, so steht doch die eine Tatsache unbedingt sest, daß der Bur seine Ansichten über das erforderliche Verhältnis der weißen Rasse den Schwarzen gegenüber folgerichtig in die Tat um setzt. Im Kampfe gegen freie, unbezwungene Neger stämme ist der Bur, wenn er deren Länder zur eigenen Besiedelung gebrauchte, brutal rücksichtslos vorgegan gen. Doch darin sind die Engländer nicht um ein Haar besser. Der Bur hat es aber fertig gebracht, zwi schen sich und dem einmal unterworfenen Neger ein patriarchalisches Verhältnis zustande zu bringen, was man von den Briten nicht behaupten kann. Unter dem verderblichen Einfluß der britischen Missionare hat die britische Regierung durch eine weichliche Behandlung der Neger unter diesen nur Arbeitsunlust und An maßung großgezogen, die zu fortgesetzten Reibungen mit den Weißen und zu häufigen Aufständen unter den Schwarzen führte, die von den Briten wiederum blutig und mit unnötiger Grausamkeit unterdrückt wnr- 45 - den. Aufstände unterworfener Neger sind unter der Burenherrschaft nie vorgekommen. Und dabei wäre es ganz verkehrt, anzunehmen, die Buren hätten durch Härte von vornherein den Negern alle Aufstandsgelüste ausgetrieben. Das ganze Geheimnis des Buren be stand darin, daß er die Anschauungen der Neger selbst in die Praxis umsetzte, die darin gipfelten, daß der Unterworfene als der inferiore Teil den Siegern dienen müsse. Folgerichtig bestand der Bur darauf, daß der Neger die Weißen als Herrenrasse anzusehen und sein eigenes Betragen danach einzurichten habe. Der Bur verstand es, den Neger an den Gedanken zu gewöhnen, daß er nur dazu bestimmt ist, auf den Fcnnnen der Weißen zu arbeiten und in Abhängigkeit von ihm zu leben, daß er den Anordnnngen des Weißen unbe dingt nachzukommen hat, daß der Weiße ein Wesen höherer Art ist, welches er immer in seinen Gedanken und in seinem Benehmen zu respektieren hat, bei dem er sich aber in der Not stets Rat und Hilfe holen kann. Und in diesem patriarchalischen Verhältnis fand sich der Schwarze sehr wohl und verlangte es gar nicht besser. Die ihm von den Buren auferlegten Arbeiten gingen keineswegs über seine Kräfte und er hatte stets gut und reichlich zu essen. Da der Bur ein vorzüg licher Landwirt ist, der nicht nur die fetten Jahre aus zunutzen, sondern auch für die mageren Jahre vor- znsorgen weiß, so die ihm untertänigen Schwarzen stets vor dem früher ärgsten Feinde, der Hungersnot, geschützt. Und der Neger war zufrieden. Die Ereig nisse haben den Buren hinsichtlich der Behandlung der Eingeborenen den Engländern gegenüber recht ge- 46 - geben und bewiesen, daß der Bur weit scharfsichtiger als der Brite erkannt hat, was im Kampfe der Rassen notwendig ist. Um so wertvoller muß für uns das Urteil der Buren über deu europäischen Krieg und über die Ver wendung von Farbigen gegen weiße Na tionen sein. Hören wir, wie ein so englandfreund liches Blatt, wie die in Kapstadt erscheinende Zeitung Ons Land", sich über diese prinzipielle Frage äußert: Die Verwendung arabischer, indischer und afrikanischer Truppen auf den europäischen Schlachtfeldern bringt Ost und West, Weiß und Schwarz in enge Berührung untereinander. Man muß sich fragen, was nun die Folge sein wird. Greise, Frauen und Kinder des Feindes werden in die Hände dieser schwarzen und gelbeu Hilfstruppen fallen. Was wird das für einen Eindruck auf diese Truppen machen, und was werden sie bei ihrer Rückkehr in das eigene Land tun? Das ist eine ernste Frage, die dieser Krieg in den Vordergrund stellt. Für das Ansehen der westlichen Kultur und der Weißen kann das uur nachteilig wirken. Hier in Südafrika sehen wir zweifellos die Loyalität der farbigen Bevölkerung mit großer Genugtuung und schätzen ihre Bereitwilligkeit, dem Lande, der Regierung und dem König zu dienen. Die Behörden würdigen diese Tatsache. Aber es gibt mehrere Arten, wie man dem Lande dienen kann, außer der durch Gewehr und Schwert. Der beste Dienst ist jetzt die Lebensmittelproduktion. Man sollte dies bei der farbigen Bevölkerung besonders be achten." In einer weit schärferen Tonart drückt sich das Regierungsblatt De Vollstem" in Pretoria aus: In den schlechtesten Zeiten des byzantinischen Kaiser reichs und in den größten Zeiten der Sarazenen und Mohren wurden Negersklaven zu Kriegern gemacht, die Tod Ver derben in das uach dem Untergang Roms verjüngte Europa 47 zu bringen drohten. Aber die Kreuzfahrer kämpften dagegen mit so viel Tapferkeit, daß seit damals bis heute keine nennens werten Expeditionen farbiger Truppen nach Westeuropa zu verzeichnen waren. Nun soll es jetzt anders werden. Franzosen und Engländer begrüßen mit Inbel die Einkunft von Indern aus Mysore, Negern aus Senegambieu, von Arabern aus Algier auf den berühmten Schlachtfeldern eines Conds, Turenne, Marlborongh, Wilhelm III., Dnmouriez, Blücher und Wellington. An der Seite und in der Mitte der glor reichen Regimenter sollen Turkos, Sikhs, Spahis und Gurkhas ihren Teil an den Siegen haben und Zeugen der Niederlagen sein, die eine düstere Zukunft für das durch und durch kranke Europa ankündigen." Wenn das Blatt die letzten Worte auf die Mächte der Triple-Entente bezieht, so kann man ihm nur recht geben. Es ist ein Zeichen innerer Verrottung, wenn die Regierung einer weißen Nation die Hilfe von An gehörigen untergeordneter Rassen zum Kampfe gegen die eigene weiße Rasse heranzieht. Engländer, Fran zosen und Russen haben sich damit auf das Niveau der gelben und schwarzen Bundesgenossen gestellt. Recht unverhohlen kennzeichnet diese schmachvolle Hand lungsweise der Briten der Burengeistliche D. van Broekhuizeu in einer Predigt, die er am 13. Sep tember 1914 in der großen Kirche in Pretoria vor Tausenden von Zuhörern über die Absichten der Süd afrikanischen Union in dem Kriege gegen Deutschland hielt, mit folgenden Worten: Wie verhält sich die Lage hier bei uns? Haben die Soldaten und die Bürger von Deutsch-Südwestafrika einen Angriff auf unsere Union gemacht? Nein! Hat Deutschland einen Augriff auf England oder seine Kolonien gemacht? Nein! Es lag nur an England, ob es Krieg gab oder nicht. 48 Und was tat es? Es trat als Angreifer auf. Englische Politiker und Professoren erhoben Einspruch dagegen. Aber jeder weiß, was für ein Lügengeist schon vor dem Kriegsaus bruch am Werke war. Man spricht von dem barbarischen Deutschland. Man soll uns doch mit solchem Pharisäertum verschonen! Wir alle erinnern uns noch des Zustandes unseres armen Landes in nnserem eigenen Krieg. Es ist noch zu knrze Zeit her, um das vergessen zu haben!" Und was ist es, was der Burengeistliche mit seinen Worten bezeichnete? Er hat nicht nur die berüchtigten, von den Engländern im Burenkriege 1899 bis 1902 eingerichteten Konzentrationslager im Auge, in denen Tausende von Burenfrauen und Kindern elend zu grunde gingen. Vor allem beziehen sich seine Worte auf das größte Verbrechen, welches die Engländer im Burenkriege be gingen und welches sie samt ihren Bundesgenossen im europäischen Kriege wiederholten. Als die Briten näm lich zu Anfang des Jahres 1900 zu der Erkenntnis ge langten, daß die Niederwerfung des kleinen, zähen und verschlagenen Burenvolkes ihnen unendlich viel mehr Mühe bereiten werde, als selbst die größten Pessi misten es sich hatten träumen lassen, rüsteten sie Tau sende von Negern mit Militärgewehren und Munition aus und hetzten die wohlbewaffneten, blutgierigen Hor den gegen ihre ehemaligen Herren, die Buren, auf. In unmenschlicher Roheit begingen die Schwarzen die scheußlichsten Verbrechen an wehrlosen Verwundeten, Weibern und Kindern. Nochgrößere Verbrecher aber waren die Engländer, die solche Scheußlichkeiten veranlaßten und gut hießen, wodurch sie ihrem Rufe der Humanität, mit 49 - dem sie sich selbst so gern brüsten, ins Gesicht schlugen. Und obwohl die Neger sich dieser Erlaubnis zur straf losen Begehung der größten Verbrechen freuten, wuß ten sie doch ganz genau, daß die Briten das größere Verbrechen begingen. Eigentümlich genug und doch unbestreitbar ist die Tatsache, daß keine Rasse in der ganzen Welt ein so sein differenziertes Rechtsempfinden besitzt, wie die Schwarzen. Man muß nur einmal einer Gerichtssitzung der Neger beigewohnt haben, um mit Erstaunen wahr zunehmen, mit welchem Aufwand von Dialektik, um die jeder weiße Rechtsanwalt sie beneiden könnte, mit welcher Schlauheit und Spitzbübigkeit sie eine gute oder schlechte Sache vor dem Gerichte führen, und welche Kenntnis des menschlichen Charakters oft der schwarze Richter entwickelt. Wenn auch die Begriffe Recht und Unrecht bei den Negern von den nnfrigen himmelweit verschieden sind, so wissen sie doch sehr wohl Willkür von Gesetzmäßigkeit zu unterscheiden. Hat der Neger etwas verbrochen, so nimmt er willig sogar eine grausame Bestrafung hin. Fühlt er sich dagegen un schuldig, so verzeiht er uicht einmal einen leichten Schlag. Mit der gleichen Schärfe des Unterscheidungsvermögens erkennt der Neger jedes Unrecht, welches sich ein Weißer gegen den anderen Weißen erlanbt. In mehr als einem Falle habe ich während meines langjähri gen Aufenthaltes in Afrika beobachtet, wie zutreffend die Neger den Charakter jedes einzelnen Weißen zu beurteilen vermochten; und ebenso genau unterscheiden sie den Charakter der verschiedenen Nationen. Ja so gar die feineren Unterschiede innerhalb einer nud der- Cttstlandö VUltschllld gegen die weisje Nasse. 4 50 selben Nation entgehen ihnen nicht. So stellten sie den Nordportugiesen, der, schlank, hochgewachsen und oft blond, die Blntinischung mit Germanen (Westgoten) nicht verleugnet, höher als den Südportugiesen, welcher, klein und untersetzt, schwarz und schmutzig, die Ab stammung von einem Mischling mit den Sarazenen oder Maureu verrät. Am Zambesi hatten meine schwar zen Arbeiter eine regelrechte Stufeuleiter für ihre Wert schätzung der Nationalitäten aufgestellt. Die Deut schen, Holländer und Engländer erkannten sie unbe dingt als Herren" (Mfumu) an, allenfalls noch die Nordfranzofen sowie mehrere Nordportugiesen. Die meistenteils aus dem Süden Portugals stammenden portugiesischen Soldaten behandelten sie vertraulich als Gleichberechtigte", zumal da sie mit den meisten von ihnen verschwägert waren. Die Syrier, Chinesen und Inder betrachteten sie als Angehörige einer niedri geren Rasse", und mit größter Verachtung behandelten sie die Goanesen (Mischlinge zwischen Portugiesen und Indern) und alle Mulatten (Mischlinge zwischen Europäern und Negern), sofern diese sich als Weiße" (Msungo) aufspielten. War der Mulatte dagegen so klug, zu den Negern zu halten und wie ein Vollblut neger zu leben, so genoß er großes Ansehen auf Grund des weißen Blutes, das in seinen Adern rann. Obwohl die Neger prinzipiell in ihrem innersten Herzen, sei es bewußt, sei es instinktiv, jeden Weißen als den natürlichen Feind ihrer Rasse hassen, so findet man doch in diesem Hasse Abstufungen. Ist der Weiße gebildet und weiß er sich durch ein maßvolles, aber festes, gerechtes, aber energisches Verhalten Respektzu verschaffen, so ist der Haß mit Achtung gepaart. Gefährlich wird aber der Haß, wenn sich ein gewisses Maß von Verachtung zugesellt. Und dies ist in Süd afrika in hervorragendem Maße den Engländern gegen über der Fall, wie einige Beispiele unschwer beweisen. Als in dem letzten Bnrenkriege die Briten sich der Hilfe der Schwarzen im Kampfe gegen die Buren bedienten, benutzten die Neger selbstverständlich diese schöne Gelegenheit zu den maßlosesten Räubereien, Plünderungen und Grausamkeiten gegen ihre früheren weißen Herren, wenn diese auch als Buren holländi scher Abstammung (Amaboona) ihre vollste Achtung genossen. Als aber nach Beendigung des Krieges die Engländer von ihren schwarzen Freunden die Rück gabe der gelieferten Waffen verlangten, verschwanden etwa 4000 Gewehre nebst Munition, die noch heute bei verschiedenen halb unabhängigen Negerstämmen des inneren Südafrikas verborgen gehalten werden. Wohl verstanden stammt diese Mitteilung aus amtlicher englischer Quelle, und schon damals habe ich warnend darauf hingewiesen, daß diese Waffen der einst im Kampfe gegen die Briten wieder auftauchen würden, zumal da der Neger mit einer bewunderungs würdigen Geduld deu richtigen Augenblick abzupassen versteht, und wenn er Jahrzehnte warten muß. Tat sächlich hat die frühere respektvolle Ruhe unter den Schwarzen in Transvaal und im Orange-Freistaat seit dem Burenkriege einer gewissen Unruhe Platz gemacht, die auch auf die britischen Kolonien Natal, Rhodesia und selbst die Kapkolonie übergegriffen hat. Am 30. No vember 1907 mußte der Gouverneur von Natal eine 52 - Proklamation erlassen, in der er auf die vielen vor gekommenen Ausschreitungen und Morde im Zulu lande hinwies. Am für jeden Fall gewappnet zu sein, mußten damals sämtliche britische Truppen fortwährend auf Kriegsstärke gehalten werden. Dadurch, daß die Engländer den Neger aufgefordert hatten, den Buren niederzumetzeln, gaben sie ihm damit nach der Logik der Schwarzen das Recht in die Hand, auch anderen Weißen, d. h. den Engländern selbst, das Leben zu nehmen. Allerdings wissen die Neger ganz genau, daß ge rade die Briten, die sonst immer die Humanität gegen die Eingeborenen im Muude führe , in Kriegszeiten eine im schärfsten Widerspruche zu ihren Friedens phrasen stehende Härte gegen die Neger entwickeln. Ueber die Vorgänge in Natal während der Unter drückung des Negerausstaudes 1906 07 berichtete die Iohannesbnrger Times", eines der ernstesten Blätter in Transvaal, es seien ZWO Eingeborene nach dem Kampfe im Mometal getötet worden. Major Nicolay, von der leichten Transvaal-Infanterie, schrieb in einem Briefe an einen Freund, während des ganzen Feld zuges sei kein Pardon gewährt worden. Die britischen Trnppen durchstreiften das Land, schössen auf jeden Eingeborenen, der ihnen begegnete, äscherten die Kraals ein und nähmen das Vieh weg. Charakteristisch ist der amtliche Wortlaut (in den Akten des Eolouial Office in London!) einer der Depeschen, welche über die Operationen, eiuer Expedi tion gegen die Zulu im Jahre 1906 unter dem Befehl des Obersten Mackenzie Meldung erstattet. Dieser 53 Bericht, der sich auf einen Angriff gegen das Lager eines Häuptlings namens Natshuveli bezieht, lautet in wortgetreuer Uebersetzung wie folgt: Bei Morgenairbruch besetzten meine aus verschie denen Richtungen anrückenden Kolonnen die umliegenden Hügel, und bald war dein Leinde jeder Ausweg abge schnitten. Ich setzte den Hauxtteil des Tales unter ein leichtes Artilleriefeuer, und darauf ordnete ich die Zagd (!) auf die Eingeborenen an. Diese Jagd gelang aufs beste (!), denn S74 Rebellen blieben tot liegen. Wir nahmen zwei oder drei Gewehre; die meisten Leinde waren nur mit tanzen und Schilden (!) bewaffnet. Unsererseits keinerlei Verlust. Alle unsere Truppen haben wohl gearbeitet (!)." Frivoler kauu mau sich uicht gut einen offiziellen Bericht denken; aber er ist aus dem Geiste heraus ge boren, der die englischen Truppen beseelt, die, wie man nie vergessen darf, aus der Hefe des britischen Volkes sich rekrutieren und von den Engländern selbst in Frie denszeiten mit der größten Geringschätzung angese-hcn werden. Man meint den Bericht eines Schlächter meisters zu lesen, der über die Abschlachtung einer Hammelherde berichtet. Wie schon in der Einleitung dieses Buches aus geführt worden ist und wie man sich immer wieder vor Augeu halten mnß, haben die Engländer den großen europäischen Krieg aus rein wirtschaftlichen Beweg gründen, d. h. aus krämerhaftem Konkurrenzneid kleinlicher Eifersucht inszeniert. Zn erwarten war da her von vornherein, daß die Engländer zu allererst versuchen würden, sich des Gegenstandes ihres Neides, soweit er erreichbar war, d. i. der deutschen Kolonien 54 zu bemächtigen. Anter den letzteren erregte naturgemäß die am meisten vorgeschrittene und am dichtesten von Weißen besiedelte Kolonie, Deutsch-Südwestafrika, ihre größte Begehrlichkeit. Es war ihnen aber wohl bekannt, daß diese Kolonie von einer guten, starken und kampf geübten weißen Schutztruppe und von kampfgewohnten deutschen Kolonisten, die zum Teil aus früheren Schutz- trupplern bestanden, verteidigt wird. Mit ihren eigenen Tommies (so lautet der Spitzname der englischen In fanteristen) konnten sie dort nichts ausrichten und außer dem brauchten sie diese auf dem europäischen Kriegs schauplatze. Somit suchten sie in gewohnter Weise nach einem anderen Dummen, der ihnen in Deutsch-Süd- Westafrika die Kastanien aus dem Feuer holen sollte, und wandten sich an die Südafrikanische Union, in welcher wunderbarerweise die Bnren wieder die Ober hand erlangt hatteu. Vergebens legte sich der den Eng ländern ergebene General Botha, der während und noch mehr nach dem Burenkriege ein kautschukartiges Rückgrad gezeigt hatte, für diese britische Eroberungs- idee ins Zeug. Die bedächtigen und allen ungewissen Abenteuern abgeneigten Büren lehnten die offizielle Beteiligung der Union ab. Der Hauptgrund für diesen Beschluß war für sie, daß im Hinblick auf die über wiegende Zahl der schwarzen Bevölkerung in der Union ihnen eine kräftige deutsche Kolonie, in welcher die Weißen unbedingt die Oberhand hatten, als Nachbarin und eventuelle Helferin bei einem Kaffernanfstande gar nicht unerwünscht war. Trotzdem ordnete der Minister präsident, General Botha, die Absendung einer frei- 55 willigen militärischen Expedition zum Einfalle in die deutsche Kolonie an. Verschiedene Burengeneräte, wie Hertzog, Dewet, Kemp, Müller und vor allem Delarey protestierten. Delarey wurde von einem von den Engländern wahrscheinlich gedungenen Polizisten er mordet. Der General Beyers, der Befehlshaber der aktiven Expeditionstruppen, legte das Kommando des Bürgerheeres nieder. Und kurz darauf empfing der englische Kolonialminister von dem Generalgouverneur der Südafrikanischen Union das folgende amtliche Tele gramm : Seit dem Rücktritt des General Beyers als Befehls habers des Bürgerheeres waren Zeichen von Unruhe bei den Abteilungen im Nordwesten der Kapkolonie unter Befehl des Oberstleutnants Maritz bemerkbar. Die Regierung be schloß deshalb, diesen vom Kommando zu entheben. Major Bouwer, der als Ersatz für ihn geschickt wnrde, wurde bei seiner Ankunft im Lager von Maritz gefangen genommen, dann aber wieder freigelassen mit dem Ultimatum: Wenn die Union- Regierung nicht Maritz vor Sonnabend, dem 11. Oktober 191h, in seinem Lager eine Unterredung zugestehe init den Generalen Hertzog, Dewet, Beyers, Kemp und Müller, dann würde er die Truppen des Generals Brits angreifen und sich zum Herrn des Unionsgebietes inachen. Major Bouwer teilte noch mit, daß Maritz außer seinen eigenen Truppen eine Abteilung deutscher Soldaten (?) zur Verfügung habe, und daß er alle Offiziere und Soldaten, die sich weigerten, den Deutschen sich anzu schließen, arretieren ließ. Bouwer hat ein Abkommen ge sehen, unterzeichnet von Viaritz und dem Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, worin die Unabhängigkeit der Süd^ afrikaunion als Republik gewährleistet wird, nebst der Ab tretung von Walfischbai im Tausche gegen andere Teile des deutschen Gebietes. Maritz behauptet, über genügende Waffen, Munition und Geldmittel zu verfügen. Die Südafrikaregie- 56 rnng hat als stärkste ihr zur Verfügung stehende Maßregel das Kriegsrecht über das ganze Südafrikagebiet verhängt." Der Aufstand des Oberst Maritz ist typisch für den beginnenden Zerfall des britischen Weltreiches. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß Südafrika seine volle Unabhängigkeit von deni britischen Mutterlande erklären wird. Und an dere britische Kolonien werden folgen. Natürlich schrien die englischen Zeitungen sofort nach Bekanntwerden der oben wiedergegebenen Depesche Verrat und sprachen von dem höchst peinlichen Eindruck", den die Hand lungsweise der Buren auf die Engländer gemacht habe. Es ist geradezu possierlich, weuu die Engländer, die jede Verrätern, jeden Völkerrechtsbruch ihrerseits mit dem Satze: NiZIit or ^vronA, oountr^!" rechtfer tigen, über Verrat zetern, sobald sich ein solcher gegen sie richtet. Und dabei handeln die Buren, die in ver räterischer Weise ihres eigenen Landes von den Briten beraubt wurden, nur folgerichtig, weuu sie sich bei pas sender Gelegenheit ihre Freiheit wieder holen. Ab gesehen von den Leiden, die sie seitens der Engländer im Burenkriege auszuhalten gehabt haben, Leiden, deren Erinnerung im Jahre 191h noch nicht erloschen sein konnte, kennen die Buren den Charakter ihrer eng lischen Herren zu wohl, um uicht zu wissen, daß im Falle eines allgemeinen Negeraufstaudes die Engländer sich hüten würden, englisches Blut für dessen Unter drückung zu opfern, sondern daß sie dieses gefährliche Geschäft hohnlächelnd den Buren selbst überlassen wür den. Kann man es unter solchen Umständen den Bureu verdenken, daß sie es vorziehen, die Bestiinmnng der 57 Geschicke ihres Landes in ihre eigenen Hände zu neh men? Aber die Engländer haben für selbständige Re gungen und Empfindungen anderer Völker noch nie mals Verständnis gehabt.lV. Schwarz gegen Weiß. In dem vorigen Abschnitt war ausschließlich von südafrikanischen Verhältnissen die Rede, die uns hier auch am meisten interessieren, weil in den südlichen Ausläufern des dunklen Erdteils eine verhältnismäßig dichte weiße Bevölkerung ansässig ist, die durch eine allgemeine Erhebung der schwarzen Rasse zuerst und in größtem Umfange bedroht erscheint, zumal da dort der Neger am meisten mit der europäischen Zivilisa tion und mit europäischer Kriegführung vertraut ist. Leider ist es nicht möglich, die Gefahr auf Südafrika zu beschränken, und es dürfte daher angebracht sein, einen kurzen Blick auch auf die übrigeu voraussicht lichen Aufstandsgebiete zu werfen. Wenn von Negern schlechthin die Rede ist, darf man nicht übersehen, daß die Negerrasse in zwei große, scharf gesonderte Abteilungen zerfällt. Die erste Abteilung, mit dem Sammelnamen Sud anneger" bezeichnet, umfaßt alle Völker süd lich der Sahara und nördlich einer gedachten Linie, 59 die man von der Nigennündnng bis nach der Süd grenze von Abessinien ziehen kann. Natürlich ist diese Linie keine feste Abgrenzung; sie gibt indessen im all gemeinen einen guten Anhalt als Scheide zwischen den Sudannegern und der zweiten großen Abteilung, den Bantuvölkern, die südlich dieser Linie bis in die Kapkolonie hinein ihren Verbreitungsbezirk haben. Unter den Sudannegern, die vielfach mit arabi schem Blute durchsetzt sind, finden wir zahlreiche krie gerische Stämme, die einst mächtige und gefürchtete Staaten gebildet haben. Man denke nur an die Aschanti, die Dahomeer und die Poruba, sämtlich an der West küste Afrikas. Aus ihnen rekrutieren die Franzosen ihre im europäischen Kriege vielgenannten Senegalesen, die nicht nur in Nordfrankreich als Kanonenfutter gedient haben, sondern auch zum Angriff auf unsere Kolonie Kamerun benutzt wurden. Um den Tschadsee herum lagen die ehemals mächtigen Sultanate Bornu, Sokoto und Kanem, die aber von den europäischen Kolonial mächten England, Frankreich und Deutschland nach zum Teil blutigen Kriegen unterworfen sind. Auch die östlichen Teile dieser Völkergruppe liefen: Millionen tapferer Krieger, die sogar recht brauchbare moderne Soldaten abgeben. Aus den Sudannegern, die um die großen innerafrikanischen Seen herum sitzen, hat das Gouvernement von Deutsch-Ostafrika die meisten seiner schwarzen Schutztruppen rekrutiert, die uuter Wißmann im Kampfe gegen die Araber vorzügliche Dienst leiste ten, bei der Unterdrücknng des großen Eingeborenen aufstandes von 1905 sogar als Unteroffiziere und Lehrer für die in der Kolonie angeworbenen Askaris fungierten. 60 Wahrhaft entsetzlich aber werden die Sndanneger durch den blinden Fanatismus, den sie als Mohammedaner entwickeln. Erst wenige Jahre sind verflossen seit der furchtbaren Herrschaft des Mahdi im Sudau, welcher der zu Beginn des europäischen Krieges von 191h zum britischen Kriegsminister ernannte Earl Kitchener ein Ende machte. (Vergl. das vorzügliche Werk Ad. v. Tiedemauns: Mit Lord Kitchener gegen den Mahdi".) Wehe aber den Briten, wenn im Sudan ein zweiter Mahdi ersteht, der mit moderner Kriegführung ver traut, seine Sudanesen mit modernen Waffen aus rüstet. Daß dann ein jeder Weiße ohne Unterschied erbarmungslos niedergemetzelt würde, ist uur zu gewiß. Auch unter der zweiten großen Völkergruppe, den Bantunegern (Bantu bedeutet schlichtweg Menschen!) trifft man viele kriegerische Stämme. Unvergessen dürfte uns Deutschen die hartnäckige Tapferkeit der Herero in Südwestafrika sein. Ueber ganz Südafrika bis in das Herz von Zentralasrika hinein sind die verschie denen Zweige der Zuluvölker verbreitet, die fast Jahrhundert der Schrecken der Buren Briten waren und früher regelrechte Militärstaaten bildeten (vergl. mein Buch: Schwarz gegen Weiß"). Wenn auch ihre politische Macht heutzutage gebrochen ist, so bleiben die Zuluvölker auch jetzt noch eine permanente Kriegs gefahr für die Weißen. Ich möchte unsere Gegner jenseits des Kanals nur an den schrecklichen Matabele- Aufftaud erinnern, der unter der Führung des Königs Lobengula die Herrschaft der Engländer im heutige Rhodefia au den Rand des Abgrundes brachte. Ver sprengte Reste der Makololo haben sich in den Län- 61 dern südwestlich des Nyassasees eine neue Herrschaft unter den Manyanja errichtet, deren Oberherr, der Negerkönig Maquira, von den Briten geradezu gefürch tet und mit Glacehandschuhen angefaßt wird. In den Iahren 1897 98 war ein anderer Negerfürst, namens Mataka, in der Provinz Mozambique am Ostufer des Nyassa der Schrecken der Portugiesen. Auch die Macua südlich des Rovuma-Flusses haben sich der Herrschaft der Portugiesen bis auf den heutigen Tag noch gänz lich entzogen. Die Angoni zwischen den Seen Nyassa und Tanganyika sind noch heute ein stolzes Krieger- Volk, welches mit Verachtung auf jede Arbeit herab blickt und nur das Kriegshandwert hochschätzt. In unserer Kolonie Kamerun haben wir ebenfalls mehrere kriegerische und nur halb bezwungene Stämme, wie die Bali u. a., die zu blutigen Aufständen neigen. Alle diese Stämme würden sofort mitgerissen werden, wenn irgendwo eine größere Rebellion ausbräche mit der Devise, die verhaßten Weißen ins Meer zu treiben. Und doch, wenn es sich daru,n handelt, ob von zwei Nassen, die beide auf die Aultivierung desselben Erdteiles angewiesen sind, die höhere oder die niedrigere zu weichen hat, so kann die Antwort nicht zweifelhaft sein. Solange die Neger Heiden sind, spielt bei ihnen das religiöse Moment nur eine untergeordnete Rolle. Wir haben aber schon gesehen, welchen Einfluß der Islam und der durch ihn hervorgerufene Fanatismus auf die schwarze Rasse ausüben kann. Südlich des Aequator ist der Islam indessen noch nicht vorgedrun gen. In Südafrika dagegen ist es das Verhängnis 62 der christlichen Kirche geworden, daß sich die Neger von ihr emanzipiert und eine eigene Aethiopi- sche Kirche" gegründet haben (1892), deren Führer es verstanden, der Bewegung eine politische Gestalt unter dem Motto Afrika den Afrikanern!" zu geben. Einen gefährlichen Verbündeten fanden sie in den schwarzen Missionaren aus den Vereinigten Staaten, in erster Linie in den schwarzen Abgesandten der Ame rican Methodist Episcopal (Negro) Church. Diese schwarzen Fanatiker, die in ihrem Heimatslande infolge der numerischen Uebermacht der weißen Rasse nichts ausrichten können, sind es, die unter dem Deckmantel, die Gleichheit aller Rassen vor Gott zu predigen, den Haß gegen die weißen Eindringlinge säen und dem panafrikanischen Negerstaat der Zukunft Anhänger züchten. Charakteristisch dafür ist die Sprache ihres Organs, der Voice of Missions", welches prophezeit, die Kaffern würden dereinst die Weißen in das Meer treiben, wie die Haitianer die Fran zosen Vertrieben haben. Wie der Neger, der zwar die moderne Zivilisation des Weißen sich gern aneignet, aber den ethischen Prin zipien moderner Kultur verständnislos gegenübersteht, sich den Kampf gegen die weiße Rasse vorstellt, das können wir aus den Worten des in den Vereinigten Staaten entstandenen, heute aber auch in Afrika mehr denn je gesungenen Niggerliedes entnehmen: Lut. Ug.Qeixa,t,ioll Lome, ba,, ba! Oc ms Uassas ooat, bs., bk! ^ls kiLS bira v iks, 63 U ? stss.1 cnt bim tbro^t, Ks,, bs.!" Uebersetzung: Aber die Emanzipation kommt, ha, ha! Dann tragen wir des Herrn Rock, ha, ha! .Wir küssen seine Frau, Wir stehlen sein Messer Und schneiden ihm die häßliche Kehle ab, ha, ha!" Immer und immer wieder kommt bei dem Neger die grobsinnliche, viehische Lüsternheit zum Vorschein. Wir küssen seine Frau!" Was das beim Nigger heißt, das kann sich jeder selbst ausmalen! Zunml im Zusammenhange mit dem Halsabschneiden! Und charakteristisch ist in dem Liede das Wort stehlen"! Für die Weißen eine wahrhaft blendende Perspektive! Welche Verantwortung die Vereinigten Sta te n damit auf sich geladen haben, daß sie solche schwarze Missionare und Fanatiker nach Afrika entsandten, be darf keiner weiteren Worte. Aber damit nicht genug, dürften die Amerikaner auch die direkten Folgen eines Rassenkampfes in Afrika an ihrem eigenen Leibe zu verspüren bekommen; denn es dürfte unzweifelhaft sein, daß ein solcher Kampf der afrikanischen Eingeborenen, der mit einer entsetzlichen Abschlachtnng aller Weißen beginnen würde (^ncl eut bim tbrog-t!), alsbald auch eine Gärung unter den Negern Nordamerikas hervorrufen und Akte grausamster Roheit gegen die Weißen entfachen würde. Letzten Endes freilich hätten die Vereinigten Staaten für solche Eventualitäten den Engländern und Franzosen zu danken, die dnrch ihre 64 würdelose Verwendung von Schwarzen im Kriege gegen Deutsche den Grundstein für einen erbitterten Kampf der schwarzen gegen die weiße Rasse gelegt haben. In dieser Hinsicht dürsten die Weißen Ame rikas sich mit uns solidarisch fühlen.VI. Geographie und Vorgeschichte Indiens. Werfen wir einen kurzen Rückblick auf unsere bis herigen Betrachtungen, so gelangen wir zusammen fassend zu der Schlußfolgerung, daß in Afrika und Vorderasien als die hauptsächlichen Gründe für eine der weißen Rasse drohende Gefahr einmal die Reli gionsfrage , d. h. der Gegensatz des Islam gegen das Christentum, und sodann die aus der Rassenver schiedenheit entspringenden Charaktergegensätze anzusehen sind. Sobald wir indessen auf dem dritten Tummelplatze zukünftiger Kämpfe gegen die weiße Rasse, in Ostindien, anlangen, eröffnen sich zahl reiche neue Gesichtspunkte, die einer gründlichen Be leuchtung bedürfen, um die Wahrscheinlichkeit solcher Kämpfe verständlich zu machen. Vor allem lassen sich die in Ostindien angehäuften Zündstoffe nur erklären, wenn man neben den oben erwähnten Gegensätzen auch die Geographie und die Geschichte des Landes kennt. Das heute von den Briten völlig beherrschte Ost indien umfaßt in allen amtlichen englischen Statistiken Englands Blutschuld gegen die weiße Rasse. 5 66 nicht nur das bekannte große, weit in den Indischen Ozean hineinragende Dreieck mit Ceylon, sondern auch das ehemals unabhängige Reich Birma, welches geo graphisch eigentlich schon zu der Hinterindien" ge nannten Halbinsel gehört. Die Briten nennen Ostindien The Indian Empire", das Indische Kaiserreich, dessen Kaiser der König von England ist. Es weist eine Bodenfläche auf, welche größer ist als Europa ohne Rußland. Seine Bevölkerung zählt nach dem Zensus von 1911 nicht weniger als 315 Millionen Seelen, also reichlich drei Viertel des ganzen britischen Welt reiches mit seinen Millionen Einwohnern. Die politische Grenze Indiens, soweit dieses nicht vom Weltmeer umspült wird, verläuft gegen die nachgenannten Länder: im Westen Persien, im Norden das Russische Reich bis Povalo Schveikovski aus dem Taghdumbasch Pamir (durch die anglo-russi- schen Verträge von 1885 und 1895 festgelegt), wo Indien nicht nur mit dem Russischen, sondern auch mit dem Chinesischen Reiche zusammenstößt. Von diesem Punkte aus, der nicht mit Sicherheit festliegt, verläuft die Grenze gegen China, in der Hauptsache auf dem Kamme der Karakorum- und der Himalaya-Gebirgskette, bis die Grenzen von Französisch-Indo-China am oberen Me kongflusse erreicht werden. Damit sind wir bereits an der Ostgrenze angelangt, die ein kurzes Stück gegen die eben erwähnte französische Kolonie, alsdann aber auf eine weite Strecke gegen Siam verläuft, bis wir auf der Halbinsel Malakka bei Victoria Point wieder an dem Ozean anlangen. Schon diese Begrenzung zeigt, wie zentral Indien eigentlich gelegen ist. 67 Diese zentrale Lage als mittlere von drei großen Halbinseln, die sich von dem asiatischen Kontinent nach dem Süden erstrecken, findet ihre Parallele in Europa in Italien, dessen Lage es ebenso wie Indien von den urältesten Zeiten an zum Ziele einer gewaltigen Völker wanderung und zahlreicher Eroberungskriege gemacht hat, nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser. Die Geschichte beider Länder ist daher wesentlich durch ihre Geographie bestimmt, und wer sich näher mit der Ge schichte unseres Erdteiles beschäftigt hat, wird unschwer viele Ähnlichkeiten herausfinden. Da aber die Ge schichte Indiens uns den Schlüssel zur mutmaßlichen Beurteilung der Zukunft liefert, so ist es notwenig, daß wir in kurzen Umrissen dieGeschichteIndiens wiedergeben, nachdem wir uns die innere geogra phische Einteilung des Landes ein wenig näher betrachtet haben. Das heutige politische Indien deckt sich nicht mit dem eigentlichen geographischen Indien. Ueberall, wo es gefährdet erschien, sind seine Grenzen von den Briten systematisch vorgeschoben. Im Westen bilden die Land schaften Beludschistan und Afghanistan solche Vorposten, und im Norden das wild zerrissene, unzugängliche Hochland zwischen Himalaya einerseits und dem Pamir und Karakorum anderseits, sämtlich mit dem ausge sprochenen Zwecke des Schutzes gegen das Vordringen Rußlands. Das geographische Indien wird im Westen durch das Kirthar- und das Suleimau-Gebirge, im Norden durch den Himalaya begrenzt, als ein mächtiger Schutzwall für die reiche ausgedehnte Alluvial ebene, die von den großen Strömen Indus, Ganges 5 68 und unterem Brahmaputra und deren Nebenflüssen bewässert wird, das eigentliche Hindnstan. Eine ebenso natürliche Verteidigungslinie hat das Land im Süden in dem fast genau von Westen nach Osten ver lausenden Vindhya-Gebirge, welches die Grenze gegen das südliche Dreieck, das Plateau von Dekkan bildet, das in prähistorischer grauer Urzeit zweifellos eine Insel gewesen ist und geologisch eine sehr alte Formation darstellt. Gegen die Malabar-Küste (im Westen) und die Koromandel-Küste (im Osten) wird das Platean von Dekkan, das im Süden in das Kap Eomorin ausläuft, den beideu Gebirgszügen der West-Ghats und der Ost-Ghats begrenzt, die sich nnr dadurch unter scheiden, daß der Westrand sich hart an die Küste anschmiegt und keinen Auslaß für Flüsse bietet, während die Ost-Ghats von sämtlichen auf dem Plateau ent springenden Flußläufen durchbrochen werden. Die physikalische Einteilung Südindiens hat daher auch seine Geschichte bestimmt. Die von Bergen abgeschlos sene Westküste ist sehr primitiv und entwickelt sich lang sam; die offene und von der See zugängliche Ostküste zeigte schon früh große Kulturfortschritte. Die Bevölkerung Indiens nach der Zählung vom 10. März 1911 weist mit 315132 537 Einwohnern gegen 29^t 361 l)56 Seelen im Jahre 1901 die sehr starke Vermehrung von etwa 7 o o anf. Und doch ist Indien nicht übervölkert; denn zwei Drittel der Bewohner leben auf etwa ein Viertel der Bodenfläche. Die städtische Bevölkerung in Orten von über 5000 Einwohnern nm- 69 faßt nur 10 o o der Gefamtbevölkerung, so daß Indien noch heute im wesentlichen als Ackerbaustaat anzu sprechen ist. Der Religion nach zerfällt die Bevölkerung ruud 217,5 Millionen Hindus oder Brahmanen (69 o ), 66,5 Millionen Mohammedaner (21 o o), 10,5 Mil lionen Buddhisten (3 o o), die zumeist in Birma leben, 3,87 Millionen Christen, die sich größtenteils aus den untersten Ständen rekrutieren, 3 Millionen Sikhs, 1,25 Millionen Iains, die in rascher Abnahme be griffen sind, etwa 100 000 Parsen (Feueranbeter) lind über 10 Millionen Heiden, Die Mohammedaner ver mehren sich weit schneller als die Brahmanen, was hauptsächlich dem Kastensystem der letzteren zuzu schreiben ist. Ueber das Wesen der Kasten herrschen in Deutschland sehr irrige Begriffe. Eine Kaste kann man definieren als einen Zusammenschluß von Familien oder Familiengruppen, die gewöhnlich einen gemeinsamen Namen tragen und eine und dieselbe Beschäftigung be treiben. Den Mitgliedern einer Kaste ist es durch ein unerbittliches soziales Gesetz verboten, außerhalb ihrer Gruppe zu heiraten. Das soziale Ansehen einer Kaste hängt von der Beschäftigung ihrer Mitglieder und von ihren Gewohnheiten bezüglich des täglichen Lebens ab. Der Zensus von 1901 zählt amtlich 2378 Kasten in Indien auf. Zwei Drittel der gauzen Bevölkerung leben aus schließlich vom Ackerbau, während ein sehr starker Pro zentsatz teilweise vom Ackerbau abhängt. Etwa 6 o 70 - sind mit industriellen und anderen Arbeiten beschäf tigt. Die Baumwollindustrie ernährt über 7,3 Mil lionen, wovon mehr als zwei Drittel von der Hand weberei leben. Etwa 3,5 Millionen Personen stehen im Dienste der Regierung, sei es beim Militär, sei es bei den Zivilbehörden. Merkwürdig ist die Tatsache, daß in Indien die inännliche Bevölkerung die weibliche überwiegt, und zwar im Verhältnis von 1000:93h; und doch existier ten 1911 fast 26,5 Millionen Witwen in Indien! Ein wohl zu beachtendes Moment ist die große Zahl der untereinander recht abweichenden Sprachen. Man zählte 1901 nicht weniger als 147 Sprachen in drei Gruppen, von denen das Hindi, Bengali, Bihari, Telugu, Mahrati, Panjabi und Tamil die bedeutend sten sind. Als eine Art Lingua Franca Indiens, als allgemeines Verständigungsmittel, dient eine Abart des Hindi, das Hindustani, welches in Nordindien auch die Schriftsprache darstellt. Die Literatur der Inder ist in der ältesten Zeit eine heilige (vergl. das sehr lesenswerte Buch von vi-. Arthur Pfungst: Aus der indischen Kulturwelt", welchem ich in den nächsten Zeilen über die indische Vorgeschichte folge). Ihre erste Periode umfaßt den Zeitraum von 1300 bis 1000 v. Chr.; sie wird als die Zeit der Hymnen (Veden) bezeichnet. Um das Jahr 1300 v. Chr. saßen die Inder noch im Strom gebiete des Indus; sie kannten noch keine Kasten, keinen privilegierten Kultus, sondern lebten, zu kleinen Stäm men vereinigt, als Hirten u?H Ackerbauer ein sehr ein-faches Leben. Die zweite Periode erstreckt sich über den Zeitraum von 1000 bis 300 v. Chr. und wird auch die Brahmanazeit genannt. Es ist dies eine Zeit der historischen Finsternis, und an ihrem Ende finden wir das indische Volk im Gangestale in neuen Wohnsitzen. Das Kastenwesen hat den ganzen Charakter des Volkes verändert und aus der uralten Mythologie hat sich eine raffiniert durchdachte Philosophie entwickelt, die in den Upanifchads ihren Gipfelpunkt findet. Wie hier schon zum Verständnis der heutigeu Unabhängigkeits bestrebungen der Inder bemerkt sei, wurde damals in der Vedanta-Lehre bereits ein Höhepunkt menschlichen Denkens erreicht, wie ihn kein anderer Kukturkreis auf zuweisen hat und wie er höchstens noch in der Kant- schen Philosophie wieder erreicht worden ist. Die Ve- dantalehre ist Monotheismus im reinsten Sinne, und die Inder haben alle Ursache, auf diese ihre uralte hohe Kultur mit Stolz zurückzublicken. Gepflegt wird die alte Lehre seitdem von der ersten aller Kasten, den Brahmanenpriestern, und alle übrigen Kasten bemessen den Grad ihrer Vornehmheit nach ihrem Verhältnis zu den Brahmanen. Im sechsten Jahrhundert v. Chr. entstand eine neue Religion, der Buddhismus. Ihr Gründer war der Prinz Gautsma, der den Namen Buddha", d. h. der Erweckte, annahm. Er starb etwa ^87 v. Chr. Der Buddhismus war in Indien selbst hauptsächlich eine soziale Reform, eiue Empörung gegen den Kasten hochmut und die Exklusivität der Brahmanenpriester, und seine Blüteperiode fällt in die Zeit von 250 v. Chr. bis 350 n. Chr., doch gelang es ihm nie, den Brah- 72 manismus zu besiegen. Schließlich verlor er an Boden, weniger durch Verfolgung, als durch eine Aenderung im Denken des Volkes, und vor dem 12. Jahrhundert n. Chr. war er in Indien selbst so gut wie ausgestorben, obwohl er heute nicht nur in Siam, China und Japan, sondern auch in Nepal, Birma und auf Ceylon blüht. Sein Rückgang in Indien wurde von einem Wieder beleben eines modifizierten Brahmanismus begleitet. Den ersten historischen Abschnitt in der indi schen Geschichte bezeichnet das Eindringen Alexanders des Großen. Nach Herodot umfaßte die zwanzigste Satrapie Persiens bereits den Nordwesten von Indien. Alexander derGroße drang im Jahre 326 v. Chr. nicht über die Nebenflüsse des Indus vor, obwohl er diesen Strom hinabsegelte. Bei seinem Tod sielen seine indischen Besitzungen an Seleukus, dessen Ge sandter Megasthenes (306 v. Chr.) einen Bericht über das Land unter der Herrschaft des Chandragupta ver faßte. Megasthenes beschreibt die demokratischen Dorf gemeinschaften des Pendschab (d. h. Fünfstromland oder das Land des Indus und seiner Nebenflüsse) und nennt das Volk brav und treu und jedem Streite ab geneigt, und er hebt die Abwesenheit der Sklaverei hervor. Der Enkel des Chandragupta, Asoka (272 bis 231 v. Chr.), dessen auf Steinsäulen eingemeißelten Verordnungen ein Helles Licht auf diese Zeit werfen, bekehrte sich zum Buddhismus, den er zur Staats religion erhob. Der Einfluß der griechischen Eroberung wurde weggefegt durch die Skythen, die zwischen 165 v. Chr. und 320 n. Chr. sich in vielen Wogen über Nord- 73 indien ergossen. Ihre Einfälle hinterließen aber einen bleibenden Einfluß den Charakter der Bevölkerung, wie auf die religiösen Anschauungen und die häus lichen Einrichtungen der Hindus. Das sechste Jahrhundert war eine Zeit der Ver wirrung. Der Kaiser Harsha (606 6W) machte sich nach vielen Jahren fortwährenden Kampfes zum Herrn von Nordindien und endete seine Regierung in Frieden. Nach seinem Tode bis etwa 950 n. Chr. herrschte wieder wildeste Anarchie. Die Eroberung Persiens durch die Araber in der Mitte des siebenten Jahrhunderts brachte die Nach folger Mohammeds auch an den Indus und in den Besitz einiger Landstriche im Nordwesten Indiens; aber drei volle Jahrhunderte vergingen, bis der Grundstein einem dauernden muselmanischen Reiche gelegt war. Im Jahre 999 begann Mahmud von Ghazni (in Af ghanistan) eine lange Reihe von Einfällen (15) nach Indien, deren einer ihn über die Dschumna hinaus führte, während ein anderer mit der Einnahme von Somnath in Kathiawar endete. Die folgenden Dy nastien afghanischer Könige herrschten 500 Jahre in Indien; aber ihr Vorschreiten fand nnr all mählich statt, und erst im Jahre 1206 wurde Delhi genommen und der größere Teil von tzindustan durch Kutb-ud-din erobert. Der erste mohammedanische Ein sall nach dem Dekkan fand 1294 statt. Wie in Zentralasien und sogar in Europa wurde eine gewaltige Umwälzung auch in Indien durch die Mongolen verursacht, die im Jahre 1219 unter- 74 Dschingis Khan zuerst an den Grenzen Indiens er schienen, den Indus jedoch damals nicht überschritten. Während der Herrschaft des letzten Monarchen aus dem Hause Taghlak brach der berühmte Tamerlan (oder Timur) an der Spitze eines mächtigen Heeres in Indien ein, eroberte und plünderte 1393 Delhi und verwüstete einen großen Teil von Hinduftan. Es folgte eine Zeit schwacher Dynastien. Zahl reiche Einfälle von außerhalb und eine allgemeine Miß wirtschaft und Anarchie im Innern ebneten den Weg für größere Eroberungszüge der Mongolenkaiser. Im Jahre 1526 rannte Babar, ein direkter Nachkomme Timurs, den letzten der afghanischen Könige von Pani- pat über den Haufen und gründete das Mogul- (Mon golen-) Kaiserreich, welches bei seinem Tode vom Flusse Oxus in Zentralasien bis an die Grenze des Ganges delta sich erstreckte. Sein Sohn Humayun (1530 bis 1556) verlor alles, was Babar erobert hatte, gewann jedoch einen Teil, einschließlich Delhi, kurz vor seinem Tode wieder zurück. Sein Besieger war Sher Shah Sur, der 15W 15^5 regierte. Akbar der Große, Humayuns Sohn, verwendete seine lange Regierungs- zeit (1556 1605) dazu, sein Reich auszubauen und fest zu begründen. Bei seinem Tode erstreckte sich seine Herrschaft über Kabul hinaus und über ganz Indien nördlich vom Nerbudda. Außerdem wurden aus der Zahl der mohammedanischen Königreiche auf dein Dekkan Ahmednagar, Berar und Bidar annektiert und Bijapur und Golkonda zur Tributzahlung gezwungen. Iahangir (1605 1627) empfing 1616 Sir Thomas Roe 75 als Gesandten des Königs James I. von England. Anter Shah Iehan (1627 1658) erreichte das mo hammedanische Mognlrcich den Zenit seines Ruhmes. Zwar dehnte sein Sohn und Nachfolger Aureng Zeb (1658 1707) seine Macht nach dem Süden noch bis Tanjore aus, aber der Verfall des Reiches begann schon unter seinen Söhnen, die sich um die Krone stritten. Um das Jahr 1724 wurde ein Teil des Dekkan unabhängig unter Nizam-ul-Mulk, dem Vorfahren des heutigen Nizam. Im Jahre 1738 brach Nadir Schah von Persien, angeblich um eine Beleidigung zu rächen, nach Indien ein, eroberte Delhi, ließ dessen Einwohner abschlachten und zog mit einer ungeheuren Beute wie der ab. Das ganze Land westlich des Indus ging dem Reiche verloren. Mit dem Rückgang der Moguls wuchs die Macht der Mahratten. Diese waren Hindus und ihr Land lag ursprünglich in den Westghats, östlich vom heuti gen Bombay. Der Gründer ihrer Macht war Sivaji (1627 1686), ein Häuptling aus der Familie Bhonsla, der durch seine Raubzüge nach dem Dekkan berühmt wurde. Er strebte nach der Begründung eines Hindu reiches. Seine Nachkommen indessen sanken zu völli ger Bedeutungslosigkeit herab, da der Peischwa (Pre mierminister) Balaji Vishvanath (1712 1726) ähnlich wie die Majordomus im Frankenreiche es verstand, sein Amt allmächtig und in der Familie erblich zu machen. Unter den Peischwas, unterstützt von Scindia, Holkar und dem Gaikwar von Baroda, die zu jener Zeit unabhängige Staaten gründeten, dehnten die Mah ratten ihren Einfluß sehr bald weit ans, indem sie 76 Gujcrat, Malwa, Berat und Orissa eroberten. Obwohl sie 1761 bei Panipat von dem Afghanenfürsten Ahmed Schah aufs Haupt geschlagen wurden, blieben sie doch noch für einige Zeit die erste Macht Indiens und wur den die gefährlichsten Gegner der Engländer. Ihre Herrschaft artete indessen in ein System organisierter Beutezüge aus, zusammen mit den Pindaris, einer Horde von Freibeutern, die in ihren Spuren folgten, wurden sie eine Landplage für ganz Indien. Erst als im Jahre 1818 sowohl die Pindaris wie die Mahratteu völlig geschlagen wurden, konnte sich Indien des inne ren Friedens freuen. Außerhalb des Bereiches der Mahratten lag das Pendschab. Dort gab der Verfall des Mogul reiches Veranlassung, nicht zu einer neuen Nation, aber zu einer religiösen Sekte, die durch militärische Disziplin geeint, eine weltliche Herrschaft errichtete. Der Gründer der Si kh-R e l ig io n war Nanak Schah, ein Hindu, der 1W9 bei Lahore geboren wurde. Er predigte den einen Gott, Reinheit des Lebens und Abschaffung der Kasten. Er hatte zehn Nachfolger, genannt Gurus oder Apostel, die mit Govind Singh 1708 ausstarben. Die Sekte, obwohl grausam verfolgt, erhielt sich und nahm allmählich eine politische Orga nisation an. Sie wurde eine beachtenswerte Macht unter Ranjit Singh, 1780 1839, der sich gegen den Emir von Afghanistan empörte und das Reich Pend schab gründete. Das von ihm organisierte starke Heer veranlaßte den Zusammenstoß mit den Briten, und nach zwei blutigen Kriegsjahren wurde das König reich der Sikhs annektiert und 18^9 zur Provinz Pend--- 77 schab umgestaltet. Damit kommen wir zur Eroberung Indiens durch die weiße Rasse, die auf dem Seewege nach Indien eindrang, während vordem alle Eroberer von Norden her zu Lande durch das Einfallstor des Pendschab nach Indien gekommen waren.VII. Indien unter weißer Herrschast. Seit dem Ausgange des Mittelalters hat der ge winnbringende Handel mit Indien und dem fernen Osten diejenige europäische Nation bereichert, welche die See herrschaft besaß. Zuerst waren es die V enetianer, die, mächtig angezogen durch die phantasievollen Schilde rungen ihres Mitbürgers Marco Polo, Handelsver bindungen mit Indien durch Vermittlung der Araber anknüpften. Fast märchenhaft lauteten die Berichte, die in Europa über die Schätze Indiens an Gold und Edelsteinen, sowie an Reichtümern aus dem Pflanzen reiche, insbesondere an den vielbegehrten Gewürzen, umgingen. Tatsächlich herrschte damals in Indien zur Zeit der Mogul-Herrschaft ein Glanz sondergleichen, und es war nicht zuviel gesagt, wenn man dort das El Dorado suchte. Die hauptsächlichen Handelsmittel punkte der Araber Calicut, Malacca, Ormuz und Aden, von wo aus sie in ihren Schiffen die Reich tümer des Orients nach Aegypten und Syrien brachten. Dort nahmen die Venetianer sie in Empfang und ver-- 79 schifften sie, zumeist über Alexandrien, nach Venedig, welches lange Zeit der einzige europäische Stapelplatz für asiatische Güter war. Im Anblick der enormen Gewinne, welche aus diesem Handel ziehen waren, dachten auch die an deren sich emporringenden Nationen Europas daran, sich einen Anteil zu sichern. Das 15. Jahrhundert bezeichnet daher im wesentlichen das Streben, einen direkten Seeweg nach Indien aufzufinden. Die einzig mögliche Verbindung zur See um das Kap der guten Hoffnung herum wurde von dem Portugiesen Vasco da Gama entdeckt, der im Mai 1W3 zuerst vor Calicut Anker warf. Von dem Gedanken ausgehend, daß es möglich sein müsse, Indien in direkter Fahrt nach dem Westen zu erreichen, kam der in spanischen Diensten stehende Genuese Christoph Colum- bus nach Amerika, welches er für Indien hielt, da er von den Größenverhältnissen des Erdballes eine ganz irrige Vorstellung hatte. Daher rührt denn auch die Bezeichnung Westindien, welches ebenso wie ganz Mittelamerika und die Nordküste von Südamerika spa nischer Besitz wurde. Die Portugiesen jedoch blieben auf der von ihnen entdeckten Route um Afrika herum und erfreuten sich fast ein Jahrhundert des Handelsmono pols mit Indien. Der erste portugiesische Vizekönig, Francesco d Al- meida (1305 1509) errichtete zahlreiche Faktoreien und Festungen. Sein Nachfolger, Alfonso de Albuquerque, eroberte 1510 Goa und dehnte die portugiesische Herr schaft vornehmlich auf der Malabar-Küste aus. Diese 80 Besitzung bedeutete für Portugal die alleinige Beherr schung des asiatischen Seehandels vom Persischen Golf bis nach Japan. Bis zur Vereinigung der Kronen von Spanien und Portugal im Jahre 1580 unter Philipp II. brachten die Portugiesen die indischen Produkte nach Lissabon, von wo die Holländer sie nach den übrigen Teilen Europas verluden. Als aber Philipp II. infolge des Unabhängigkeitskampfes der Holländer ihnen Lissabon versperrte, waren sie gezwungen, den direkten Handel mit Indien zu suchen. Im Jahre 1602 gründeten sie die Holländische Ostindische Compagnie", und die hauptsächlichen portugiesischen Niederlassungen im Osten wurden von ihnen nach nach gekapert, bis im Jahre 1661 den Portugiesen nur noch die Besitzungen ver blieben, die sie auch heute noch haben. Auch eine fran zösische und eine dänische Ostindische Compagnie" gegründet, ohne jedoch großen Einfluß zu er langen. Nur eine kurze Zeit in der Mitte des 18. Jahr hunderts erlebten die Franzosen eine Blütezeit in Indien. Am Schlüsse des 16. Jahrhunderts bekamen auch die Engländer Lust, sich einen Anteil am indischen Handel zu sichern. Auf Grund einer von der Königin Elisabeth erteilten Charter (Freibrief mit Souveräni tätsrechten) wurde am 21. Dezember 1600 die Lon doner Ost indische Compagnie gegründet, mit einem Kapital von 68373 Lstr. Die Portugiesen wider setzten sich den nenen Mitbewerbern, welch letztere nichtsdestoweniger nach mehreren hartnäckigen Kämpfen 81 1612 in Sumte festen Fuß faßten. 1639 erwarben die Engländer auf der indischen Ostküste einen Streifen Landes und bauten dort eine befestigte Faktorei, die sie Fort St. George nannten,- aus ihr wurde die Prä sidentschaft Madras. Linter König Karl I. richteten verschiedene englische Konkurrenzgesellschaften eine große Konfusion an, die jedoch 1657 durch eine Ver- schmelzuug und eine von Cromwell erteilte Charter beseitigt wurde. Als 1662 Karl II. die Katharina von Braganza heiratete, bestand ein Teil ihrer Mitgift von Portugal aus der Insel Bombay. Gegen eine Iahres- rente von 10 Lstr. übertrug 1668 der König alle seine Rechte an die Ostindische Compagnie und 1687 wurde Bombay au Stelle von Snrate Sitz der westlichen Prä sidentschaft. Obgleich die Compagnie schon 1633 vom Großmogul gewisse Handelsrechte in Bengalen erlangt und 1651 eine Faktorei in Hooghly errichtet hatte, so hielt sie doch in jenem Teile Indiens keine Territorial rechte. 1688 zwangen die mohammedanischen Herrscher sie sogar, ihre Niederlassung zu räumen, aber 1690 zurückgekehrt, legte sie inmitten von Sümpfen Ur wäldern den Grundstein zur Präsidentschaft von Fort William, welche sich später zur Stadt Ealcutta ent wickelte. 1693 wurde der Compagnie eine neue Charter erteilt, aber 1698 erhielt auch eine Konkurrenzgesell schaft, genannt die Englische" Ostindische Compagnie, eine Charter. Nach einer kurzen Periode von Kämpfen und Verlusten verschmolzen sich die beiden Rivalen unter der Firma Vereinigte Compagnie von Kauf leuten Englands zur Betreibung des Handels mit Ost indien." Englands Blutschuld gegen die weiße Rasse. HDiese dein Leser vielleicht langweilige Schilderung der Anfänge englischer Herr schaft in Indien st unbedingt notwendig, um zu zeigen, daß von allein Anfang an die britischen Eroberungen nur von Han delsinteressen diktiert waren. Gleichzei tig gibt die Gründungsgeschichte die Erklärung dafür, daß die englische Herr schaft in Indien bis 1837 nnr auf rück sichtslose Aussaug nng des Landes aus ging, um die Kaufleute daheim zu berei chern, mochten darüber auch Millionen von Eingeborenen untergehen. Als Großbritannien 1744 in einen Krieg mit Frankreich verwickelt wurde, gerieten die rivalisierenden Kompagnien von England und Frank reich in Indien in Kollision, mit dem Ausgange, daß 1746 Madras von den Franzosen erobert wurde. Wäre der französische Admiral Dupleir damals vom Mutter lande ausreichend unterstützt worden, so hätte er viel leicht ein großes französisches Reich in Indien ge gründet. Die ersten Niederlagen der Engländer wurden von Clive wieder gutgemacht, dessen tapfere Ver teidigung von Arcot 1751, nebst einer Reihe von bril lanten strategischen Bewegungen, die vollständige Nie derlage des französischen Heeres bei Coote 1760 und die Einnahme von Pondicherry 1761 znr Folge hatte. Damit war der Ruin der französischen Kompagnie be siegelt. Elives Sieg 1757 über den Nabob von Ben galen bei Plassey machte den britischen Einfluß zum vorherrschenden in Indien. Clive wurde zum ersten 83 6 Gouverneur von Bengalen ernannt (1758). Unter seiner Regierung erhielt die Kompagnie 1763 von dem Kaiser in Delhi den Diwani", d. h. die fiskalische Verwal tung über Bengalen, Bihar Orissa, sowie über . die nördlichen Circars (Madras) mit einer Einwohner zahl von 23 Millionen Seelen. Damit war der Grundstein zu Englands territorialer Macht in Indien gelegt. Der erste große administrative Organisator Eng lands in Indien war Marren Hastings (1772 bis 1783), der zugleich das Landgebiet der Kompagnie ge waltig vergrößerte. Im Jahre 1760 hatte Hyder Ali, ein mohammedanischer Abenteurer und eingefleischter Feind der Briten, die Herrschaft in Mysore an sich gerissen. 1780 schlug Hastings den denkwürdigen Ein fall Hyder Alis in den Earnatic zurück, brachte der Triple-Allianz des Nizam, der Mahratten und Hyder Alis eine Niederlage bei und rettete dadurch die briti sche Herrschaft in Indien. Es würde zu weit führen, die einzelnen Eroberun gen der Engländer aufzuzählen, durch die sie nach und nach das ganze Land nnter ihren Einslnß oder unter ihre direkte Verwaltung brachten. Erzielt wurde dieser Erfolg hauptsächlich durch die von dem Generalgouver neur Lord Wellesley eingeführte Methode, bei Thronstreitigkeiten unter den eingeborenen Fürsten familien die Ansprüche des den Briten am meisten zu geneigten Mitgliedes zu unterstützen und zur Geltung zu bringen, anderen indischen Herrschern bare Sub- sidieu zu zahlen, dafür aber dnrch dem Hofe zugeteilte- 84 Englische Residenten einen Einfluß auf die Regierung und die Verwaltung des betreffenden Landes aus zuüben und Zwietracht zwischen den verschiedenen un abhängigen Staaten zu säen. Lord Wellesley (1798 bis 1803) verdoppelte durch seine perside, echt englische Politik das Gebiet der Kompagnie und machte diese aus einer kaufmännischen Körperschaft zu einer poli tischen Macht, deren Einfluß in ganz Indien maß gebend wurde. Seine Nachfolger setzten diese Politik fort und unterwarfen ungeheure Landstrecken teils mit Gewalt, teils mit List, aber immer mit Erfolg und zum Vorteil des englischen Geldbeutels. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war daher eine fortgesetzte Kette von blutigen Eroberungskriegen, die mit Ausnahme deS ersten Afghanenkrieges (1839 1842) für die Briten glücklich verliefen. Bei Kabul erlitten die Engländer jedoch durch die Afghanen eine furchtbare Niederlage. Eine neue Politik erfand Lord Dalhoufie (1848 1856), indem er das Prinzip aufstellte, daß die britische Herrschaft der Regierung eines Eingebore nen stets vorzuziehen sei, daß daher bei grober Miß wirtschaft" oder bei einer Unterbrechung der Thron folge die Uebertragung der einheimischen Regierung auf die Briten im Interesse der eingeborenen Bevölke rung liege. Wie heuchlerisch ein solches Prinzip ist und wie leicht es die Mittel zu Vergewaltigungen an die Hand gibt, leuchtet ohne weiteres ein. In dieser Weise wurde 1849 das Pendschab, 1852 Pegn, 1853 Ihansi, in dem gleichen Jahre das Gebiet des letzten Mahrattenfürften -von Nagpur, 1856 das Königreich 85 - Audh annektiert. Lord Dalhousies System, dessen innere Verwaltung man im übrigen rühmend anerken nen muß, rief nicht nur unter den höheren Klassen der Eingeborenen eine furchtbare Erbitterung hervor bereitete so den Boden für den Aufstand von 1837 vor, sondern fand eine abfällige Kritik sogar in Eng land selbst. Sein Nachfolger Earl Canning (1857-1862), der bei seinem Regierungsantritt eine Friedenspolitik versprach, mußte natürlich die Sünden seines Vorgän gers, die aber tatsächlich die Sünden des britischen Nationalcharakters waren, ansbaden die größte Krisis durchkämpfen, welche die britische Herrschaft je mals bedroht hat. Am 10. Mai 1857 brach in Meerut eine Meuterei unter den Sepoys, den ein geborenen Truppen der Briten, aus, welche sich wie ein Flammenmeer in wenigen Tagen über die ganze bengalische Armee ausbreitete. Delhi war einige Mo nate lang im Besitze der Rebellen, in Cawnpore wur den alle Weißen abgeschlachtet, Frauen und Kinder in einen tiefen Brunnen geworfen, Lucknow wurde be lagert und im ganzen Gangestale jeder Weiße ohne Rücksicht auf Älter, Geschlecht oder Nationalität zu weilen unter den gräßlichsten Martern hingemordet. Je größer vorher die Leiden der Eingeborenen unter dem englischen Druck gewesen waren, um so grausamer brach die Wut und Leidenschaft der Inder jetzt durch. Mit vollem Recht wurde in England die Verantwortung für den Aufstand der Ostindischen Kompagnie zur Last ge legt. Die Folge davon war, daß nach der Nieder werfung des Aufstandes, wobei die Strafen oft ebenso 86 grausam waren wie die Vergehen, die Charter der Kompagnie annulliert und die Verwaltung des ganzen Landes auf die Britische Regierung übertragen wurde. Daß die Niederwerfung des Aufstan des den Briten überhaupt gelang, haben sie in der Hauptsache dem Zwiespalt der Religionen in Indien und der gegenseiti gen politischen Eifersucht der verschiede nen eingeborenen Stämme zu verdanken. Wären damals z. B. die Sikhs auf die Seite der Re bellen getreten, so wäre der Ausgang wohl ein anderer geworden. Das freie Bergvolk der Gurthas machte sich ein besonderes Vergnügen daraus, au der Seite der Briten über die verhaßten Hindus herzufallen. Sonst wäre zweifellos Indien schon damals das geworden, was seine Intelligenz heute anstrebt, nämlich ein freies unabhängiges Land unter eingeborenen Herrschern. Obwohl äußerlich die Ruhe in das Land zurück gekehrt zu sein schien, ist seit 1837 die nationale Be wegung doch nicht wieder eingeschlafen. Genährt wurde sie durch die heimlichen Anhänger der entthronten Fürsten und vor allem dnrch die Priesterschast der Brahmanen, während deren religiöse Gegner, die Mohammedaner, sich offen auf die Seite der Eng länder stellten. Zahlreiche juuge Adlige, wenn man die Mitglieder der höheren Kasten so bezeichnen darf, wurden auf europäische Universitäten geschickt und machten sich mit westlicher Zivilisation lind Kultur ver traut. Die alteu Heldengesänge, welche den Glanz 87 früherer Zeiten in Indien verherrlichten, trugen dazu bei, die Sehnsucht nach der Wiederherstellung der alten Zeiten wach zu halten. Dazn kam die Demütigung der gebildeten Inder, die mit Stolz auf ihre uralte einheimische Kultur zurückblickten im innersten Herzen sich selbst als den Europäern zumindest gleich wertig betrachteten, trotzdem aber an der Regierung und der Verwaltung des Landes keinen oder doch nur geringen Einfluß hatten. An Hand moderner tech nischer Errungenschaften, die sich die Inder bei ihren Studien in Europa mühelos zu eigen machten, grün deten sie selbst Fabriken, besonders Baumwollspinne reien und -Webereien sowie Iutesabriken, und machten sich auch im Handel zum größten Teil von den Eng ländern unabhängig. Die von Jahr Jahr wachsende Unruhe im Lande, die von zahlreichen Geheimgesellschaften der Eingeborenen geschürt wurde, blieb den Augen der britischen Regierung auf die Dauer nicht verborgen, obwohl letztere in ihrem angeborenen Nationaldünkel mit Verachtung auf die Inder herabschaute. Erst außer politische Ereignisse bewogen die britische Regierung, eine innere Reform in Erwägung zu zieheu, um sich der Sympathien der einheimischen Bevölkerung aus wärtigen Gefahren gegenüber zu versichern. Diese Reform wurde den Indern durch die kaiserliche Proklamation vom November 1908 ver sprochen, vom britischen Parlament im Jahre 1909 ge nehmigt und am 15. November 1909 in der Gazette of India" veröffentlicht. Ihre Grundzüge waren: 88 1. die Ernennung eines eingeborenen Inders als Mitglied des Vizeköniglichen Kabinetts- 2. die Vermehrung der Vizeköniglichen gesetzgeberi schen Körperschaft um 23 gewählte und 35 ernannte indische Mitglieder; 3. die Einführung eines starken indischen, aus Wahlen hervorgegangenen Elements in die Provinzial- verwaltungen. Bald wurde jedoch ersichtlich, daß diese Konzes sionen der indischen revolutionären Partei nicht ge nügten. Im Dezember 1909 fanden die Provinzwahlen statt, von denen sich indessen die Hindus in Ostbengalen fernhielten, weil ihre Führer erklärten, daß die Reform unzureicheud sei. An Stelle der von den Briten er hofften Beruhigung trat in den Iahren 191 bis 1912 eine verstärkte Anruhe und es fanden zahlreiche Er mordungen hervorragender britischer Beamter statt. Als Mörder wurden viele Brahmanenpriester und junge indische Studenten verhaftet und hingerichtet. Auch der Indische Nationalkongreß, der im De zember 1999 in Lahors zusammentrat, sprach sich gegen die Reform aus. Diese wurde als ungerecht gegen die Hindus verurteilt, da die Mohammedaner außer ver schiedenen Steuerbefreiungen besondere Wahlkreise und eine erheblich größere Vertretung erhalten hatten, als wie sie ihrer Zahl nach zu beanspruchen hatten. jDie Hinduführer beklagten sich darüber, daß die Reform so abgefaßt sei, daß gerade die Intellektuellen von den Councils", d. h. den Körperschaften der Selbstverwal tung, ausgeschlossen würden, und diese Behauptung 89 wurde sogar durch den stellvertretenden Gouverneur von Bengalen unterstützt, welcher zugeben mußte, daß die Bestimmungen der Reform ein unerwartetes Re sultat gehabt hätten, da sie manchen sähigen Mann ausgeschlossen hätten. Die allgemeine Unzufriedenheit kam auch in der Hindupresse zum Ausdruck. Die Folge davon war, daß der Vizekönig, Lord Minto, am 8. Februar 1910 ein neues verschärftesPreßgesetz erließ, welches er damit begründete, daß man einer anarchistischen.Ver schwörung gegenüberstehe, die den Krieg gegen die britische Herrschaft predige. Das Gesetz ermächtigte die Ortsverwaltungen, von den Zeitungen ein Deposit von 590 bis 5000 Rupies als Garantie für ihr gutes Be tragen zu verlangen, und wurde in allen Provinzen rigoros durchgeführt. Eine große Zahl von Zeitungen der Eingeborenen wurde mit Hilfe dieses Gesetzes gänz lich unterdrückt. Einen Vorkämpfer gegen alle Unge rechtigkeiten fanden die Inder in dem britischen Parla mentsmitglieds F. C. Mackarneß, dessen Pamphlet, betitelt Die Methoden der indischen Polizei im 20. Jahrhundert", welches sich mit der Tortur von Zeugen und Gefangenen beschäftigte, von dem Indischen Gou vernement verboten wurde. Diese Maßregel führte zu einem scharfen Zusammenstoß im britischen Parlament zwischen dem Verfasser des Pamphlets und dem Rnter- staatssekretär für Indien, Mr. E. S. Montagu, doch hatte es das Gute zur Folge, daß neun bengalische Hindus in Freiheit gesetzt wurden, die auf Grund einer ganz veralteten Verordnung von 1818 ohne Gerichts verhandlung Bengalen deportiert und in mehreren- 90 entfernten Gefängnissen eingekerkert waren. Die her vorragendsten Deportierten waren die Hinduführer Krishna Knmar Mitra aus Calcutta und Aswini Knmar Dutt aus Barisal. Eiu Glück für die Engländer war es, daß bisher die indischen? Mohammedaner sich der natio nalistischen Bewegung nicht angeschlossen haben, obwohl es an Aufreizungen dazu der Hindupresse nicht geinangelt hat. Der Gegensatz zwischen den Mohamme danern und Hindus ging sogar so weit, daß im Pend schab die letzteren in der einflußreichen Zeitung Swa- rajya" den Boykott gegen erstere aussprachen. Der Herausgeber dieser Zeitung, ein gewisser Nandgopal, wurde auf zehu Jahre deportiert. Dadurch ließen sich aber die übrigen Hinduzeituugen nicht abschrecken. Be rühmt wurde ein indischer Redakteur namens Arabindo Ghose wegen aufrührerischer Artikel. Er sollte ver haftet werden, verschwand jedoch konnte von der Polizei nie ausfindig gemacht werden. Die rebellische Sprache der Presse blieb nicht ohne Wirkung. Im Pendschab brach eine offene Empö rung unter den Sikhs aus, welche blutig untet- drückt wurde. Den Führer Ajit Singh wagte die bri tische Regierung indessen nicht hinrichten zu lassen, sondern er wurde auf sieben Jahre in eine Strafkolonie transportiert. Unter den Ivth Iats, einem Einge- borenenregiment in Calcutta, wurde eine Verschwörung zur Ermordimg des Vizekönigs entdeckt. Sogar in London wurde Inder, Savarkar, wegen Verschwö rung gegen das Leben des englischen Königs verhaftet.- 91 Es würde zu weit führen, alle Einzelheiten aufzuzählen, die den unzweifelhaften Beweis liefern, daß eine starke nationalistische Bewegung in Indien im Gange ist, die die Befreiung Indiens vom weißen Joche hin zielt. Daran kann auch das von den Briten zur Unter drückung aller Aufstandsgelüste erlassene neue Polizeigesetz für Bengalen nichts ändern. Wie ein Funke im Pulverfaß wirkte natürlich in Indien die Nachricht, daß England in einen großen europäischen Krieg verwickelt sei, und die Briten hatten alle Ursache, für ihre Herrschaft im Hindulande besorgt zu sein. Aus diesem Grunde ist es wohl verständlich, daß sich im August 1914 die Meldung verbreiten kounte, England habe seinen Verbündeten Japan unter Ge währung starker Zugeständnisse gebeten, zur Unter drückung eines etwaigen indischen Aufstandes zu Hilfe zu eilen. Aber aus anderen Gründen, die wir sofort erkennen werden, klingt die Meldung unwahrscheinlich. Schon zur Zeit des Russisch-Japanischen Krieges begannen zahlreiche Japaner sowohl in Vorder- wie in Hinterindien aufzutauchen, die unter allen möglichen Vorwänden sich dort längere Zeit aufhielten und mit den Iahren an Zahl eher zu- als abnahmen. Natürlich sahen die Briten dieses Auftreten ihrer ostasiatischen Verbündeten mit sehr mißtranischen Augen an, doch haben sie ihnen bis auf den heutigen Tag nichts be weisen können. Gleichwohl ist es im fernen Osten, selbst in den Kreisen der britischen Kaufleute, offenes Geheimnis, daß es sich hierbei um japanische Emissäre handelt, die durch Aufhetzung der indischen Geheim- 92 gesellschaften ihren britischen Verbündeten Verlegen heit zu bereiten und den Boden für die zukünftige japanische Herrschaft über ganz Ostasien vorzubereiten suchen. Der frühere Dragoman der italienischen Bot schaft in Tokio, der auch Deutschland bekannte an gesehene Professor Rivetta vom Orientalischen In stitut in Neapel, gab Ende September 191h dem rö mischen Korrespondenten des Berliner Tageblatt" interessante Aufschlüsse über die Lage in Indien. Da nach wurde Indien schon zur Zeit des Russisch-Japani schen Krieges mit Bildern des Mikado überschwemmt, die Japaner, die als asiatische Stammesgenossen (was nicht zutrifft!) und als Gegner der weißen Rasse gelten, werden von den Indern als Befreier Indiens" bezeichnet. England werde darum nicht wagen dürfen, im Falle eines indischen Ausstandes japanische Truppen in Indien landen zu lassen. Der Professor hat voll kommen recht; denn England würde in einem solchen Falle sagen müssen: Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los!" Und die Inder würden aus dem Joch der weißen Rasse nur unter das viel Härte re Joch der gelben Rasse kommen! Mit der Gefahr eines allgemeinen Auf- ftandes in Indien haben die Engländer schon seit Jahrzehnten gerechnet. Deshalb wurde 1902 der als erstklassiger Organisator bekannte Lord Kitchener zum Generalkommandeur der gesamten indischen Streit kräfte ernannt, um eine durchgreifende Reform des indischen Heeres durchzuführen. Als nun der euro päische Krieg von 1914 ausbrach, besaß England in Indien eine Streitmacht von 73 000 Europäern und 93 160 WO Indem. Seine erste Maßnahme war die Ent fernung der eingeborenen Trnppen, die teils nach Aegypten, teils nach Südfrankreich über geführt wurden, um im Falle eines Aufstandes fern vom einheimischen Kriegsschauplatz zu sein. Die in dischen Truppen in Frankreich, deren Treue man auch dort uicht recht traute, wurden aber nicht sofort gegen Deutschland ins Feuer geführt, sondern lange Zeit in einem Konzentrationslager bei Marseille gehalten, an geblich, um sie erst an das rauhe europäische Klima zu gewöhnen. Als Köder wurde ihren Führern von der britischen Regierung versprochen, daß sie von ihrer Loyalität im Kampfe gegen Englands Feinde die Neu regelung ihrer Lage in der Heimat in der Richtung einer Selbstverwaltung erwarten könnten, und daß die englische Regeirung auch tatsächlich Leneigt sei^ dem Wunsche der indischen Bevölkerung nach einer gründ lichen Reform zu Willsahren. Die Times erklärten so gar, es werde, nachdem der Streit mit Deutschland gelöst sei, Englands Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß Indien allmählich größeren Anteil an Ratschlägen für das Reich bekomme. Wie man sieht, waren die Versprechungen nur recht unbestimmter Natur, und die gebildeten Inder ließen sich dadurch auch keineswegs täuschen, doch verhinderte sie die strenge englische Po lizeiaufsicht, ihre wahre Meinung zu äußern. Da gegen sandte das in San Franziska unter dem Schutze der nordamerikanischen Gesetze gebildete Hindu komitee für außerindische Angelegen heiten den amerikanischen Blättern Anfang Sep tember 191^ die folgende Erklärung zu, die als- Y4 - ein hochwichtiges Dokument für die wahre Gesinnung der Inder angesehen werden muß: Mit tiefstem Bedauern haben wir Inder von den be schämenden Mitteln Kenntnis genommen, wodurch die bri tische Gewaltherrschaft in Indien die machtlosen eingeborenen indischen Fürsten gezwungen hat, zum britischen Kriegsfonds gewaltig beizusteuern. Mit noch größerem Bedauern haben wir vernommen, daß die britische Regierung die eingeborenen indischen Soldaten nach Europa senden will, um gegen Deutsch land zu kämpfen, das stets zu unseren treuesten und wohl wollendsten Freunden gezählt haben. Vic Behauptung Eng lands, daß die Inder enthusiastisch für seine Sache ein treten, ist durchaus erlogen! Wegen des strengen Kriegs rechts, das zurzeit in Indien herrscht, kann das Volk jenes unglücklichen Landes gegenwärtig seinen wirklichen Gefühlen nicht Ausdruck geben. Mit unbeschreiblichem Widerwillen in der Tat betrachtet es die hinterlistige Handlung Englands, Indien von seinen eingeborenen Soldaten zu entblößen aus Angst, daß sie in dieser Krisis gegen die britische Tyrannei revoltieren, gleichzeitig das gewissenlose Japan zu ersuchen, Indien in dauernder Sklaverei niederzuhalten. Die Inder werden mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, ihre armen unwissenden Landsleute, die unglücklicherweise in der britischen Armee dienen müssen, abzuhalten, gegen ein befreundetes Volk, die Deutschen, zu kämpfen. England wird es einst schwer büßen müssen, daß es die verblen deten brutalen LNassen Asiens gegen Indien und seine besten Freunde gebraucht. Diese Erklärung ist als die Mei nung aller Parteien des unglücklichen indischen Volkes, welches die Engländer haßt und warme Frenndschast für Deutschland hegt, anzusehen." Mit Recht spricht die vorstehende Erklärung von der Meinung aller indischen Parteien; denn selbst die Mohammedaner, die, wie wir gesehen haben, aus Haß gegen die Hindus bisher treu zu den Eugläudern 95 hielten, beobachteten, vielleicht infolge von Instruk tionen Konstantinopel, eine zwar abwartende, aber keineswegs den Engländern günstige Haltung. Ebenso schienen die eingeborenen indischen Fürsten, mit deren Ergebenheit die Engländer stets geprahlt haben, in ihrer Treue wankend geworden sein. Und die der britischen Herrschaft hieraus drohende Gefahr ist nicht zu unter schätzen: denn man darf nicht vergessen, daß die nicht unmittelbar nnter britischer Regierung stehenden Ein geborenenstaaten noch über 70 Millionen Einwohner (oder 22 " o des ganzen Indien) zählen. Wie stark die Engländer diesen Umstand im Auge behalten, beweist eine interessante Depesche London vom 25. Sep tember 191h, lantend: Seine Hoheit der Maharadscha von Baroda, einer der mächtigste noch regierenden Hinduherrscher in Indien, der gerade vor Ausbruch des Krieges besuchsweise uach England gekommen war, wird jetzt dort von der Re gierung zurückgehalten. Der Maharadscha hat schon öfter die anglo-indische Regierung scharf kritisiert. Großes Auf^ sehen erregt es, daß er sich bei der Kaiserkrönung Georgs V. zu Delhi, im Dezember 1911, weigerte, sich vor einem Eng länder, und wäre es der König, zu demütigen dem König den Ilutertaneneid zu leisten. Infolgedessen fürchtet ihn die britische Regierung und erlaubt ihm jetzt nicht, nach Indien zurückzukehren, aus Sorge, daß er dort einen Ausstand gegen England austifteu würde." Auch unter den kriegerischen Sikhs, die den Briten im Aufstand von 1857 so gute Dienste geleistet hatten, brach offen eine revolutionäre Bewegung aus. Die bedeutendste Zeitung des Pendschab, die Khalsa- Gazette, wurde von der britischen Regierung unterdrückt. Aus Simla wurde gemeldet, daß das Erscheinen- 96 des deutschen Kreuzers Emden" vor Madras große Bewegung unter den dortigen nationalistischen Parteien hervorgerufen habe. Gegen englische Beamte wurden Attentate verübt, als deren Veranlasser man Angehörige der indischen Unabhängigkeitspartei, der stärksten revo lutionären Vereinigung Indiens, bezeichnete. Die in Indien zurückgebliebenen Truppen zeigten teilweise ganz offen Neignng zur Meuterei, weshalb besonders unter den Offizieren viele Verhaftungen vorgenommen wur den. So wurde der mohammedanische indische Offizier Mehmed Hasiz, der Bruder der Fürstin von Bhopal, einer der bedeutendsten muselmanischen Fürstinnen Indiens, von dem britischen Gouverneur gefangen ge setzt. Infolgedessen erhoben sich die Stämme, deren Chef Mehmed Hafiz, war, und der Gouverneur wußte sich nicht anders zu helfen, als indem er die Freilassung des Gefangenen versprach. Weit gefährlicher als alle anderen hisher erwähnten Symptome war aber die Teilnahme der Afghanen an der Erhebung gegen die Briten. Der Sohn des Emirs von Afghanistan überschritt angriffsweise mit einer Armee die indische Grenze. Allerdings war es nichts Neues, daß die Briten mit den Afghanen im Kriege lagen, da selbst in Friedenszeiten an der afgha nisch-indischen Grenze stets eine Art Kriegszustand herrscht und häusige Kämpfe in dem schwierigen Ge- birgsgelände stattfinden. Diesmal war aber die Aktion um so bedeutungsvoller, als von den Gurkha-Regimen- tern, die sonst die Grenzwache gegen Afghanistan hielten, verschiedene sich auf dem europäischen Kriegsschauplatze befanden. 97 Auch an größeren Kriegszügen der Briten gegen die Afghanen hat es nicht gefehlt, ebensowenig aber an Niederlagen der Briten. Als der Feldzug von 1880 einen für die Briten wenig günstigen Verlauf zu nehmen drohte, berief der britische Oberbefehlshaber, Lord Roberts, am 22. Juli 1880 eine Versammlung der afghanischen Häuptlinge, zu der aber der Emir", Abdurrahmän Khan, nicht erschien. Gleichwohl wurde er zum Fürsten von Afghanistan ausgerufen. Die Be dingungen, die England ihm gewährte, um sich seine Freundschaft zu erkaufen, nahmen sich so aus, als sei es nicht der Sieger, sondern der Besiegte. Es verzichtete darauf, in der Hauptstadt Kabul einen ständigen Re sidenten zu unterhalten, sicherte die Räumung des ganzen Landes von britischen Truppen zu, versprach die Auslieferung der erbeuteten Waffen und Geschütze und verpflichtete sich, dem Khan alljährlich eine Subvention von 1800 000 Rupieu zu zahlen, sowie jährlich für 200 000 Rupien Kriegsmaterial zu liefern. Das einzige Zugeständnis des unterworfenen" Khan war, daß er sich verpflichtete, mit keiner fremden Regierung (das hieß natürlich Rußland!) in politische Verbindung zu treten, eine Bestimmung, die er nach Belieben einhielt. Wenn zu einer Zeit, wo die englischen Truppen in Europa engagiert waren, die Afghanen einen Einfall nach Indien unternahmen, so konnte das an sich noch keine Vernichtung der britischen Herrschaft in Indien bedeuten, da die anglo-indischen Truppen von 75 000 Mann stets imstande sind, jedes afghanische Heer zurück zuwerfen. Akut wird die Gefahr erst mit dem Moment, wo Indien selbst sich erhebt. Selbst wenn man annimmt, Englands Blutschuld gegen die weiße Nasse. 7 98 daß die Berichte über die Truppenstärke der Afghanen übertrieben sind, so steht doch fest, daß die Afghanen nicht zu unterschätzende Gegner sind, die mit Waffen ausgerüstet siud, welche die Engländer selbst ihnen geliefert haben. Außerdem besitzt der Khan eine eigene, von den Engländern ihm eingerichtete Waffenfabrik und ein reich gefülltes Arsenal in dem alten Schloß Bala Hissar in Kabul. Soviel ist zweifellos, daß die Anglo- Inder in einem Kriege mit den Afghanen noch nie; Freude erlebt haben. Die einzige Völkerschaft, auf deren Treue Groß britannien anscheinend bei einem indischen Aufstande zählen kann, sind die Gnrkhas. Diese sind Hindus und behaupten von den Raschputen abzustammen. Sie eroberten 1769 das ursprünglich von einem mongolen ähnlichen Stamme bewohnte Hochgebirgsland Nepal, welches am Südabhange des Himalaya zwischen Indien und Tibet liegt und noch heute eifersüchtig seine poli tische Unabhängigkeit bewahrt. Die indische Regierung unterhält freundschaftliche Beziehungen hütet sich vor einer Einmischung in die inneren Verhältnisse des Bundesgenossen, der über ein schlagfertiges Heer von HZ 00V Mann verfügt und den Engländern viele Tausende wertvoller Rekruteu liefert. Als ein weiteres Altivum haben die Engländer stets die Uneinigkeit der indischen Völker untereinander betrachtet. Aber es scheint, als ob die Verhältnisse in dieser Hinsicht sich seit 1837 gewaltig geändert haben. Soviel ist sicher, daß, wenn unter allgemein anerkann ten und beliebten Führern eine neue allgemeine Er-- 99 7" Hebung der Inder losbricht, die Uneinigkeit kaum noch ein Hemmnis bilden dürfte. Gegenüber den vielen Millionen entschlossener Männer können die 73 WO Mann europäischer Trnppen nur eine beklagenswerte Rolle spielen, und sie würden ebenso wie alle anderen in Indien ansässigen Weißen ihren Untergang im indi schen Flammenmeere finden. Es gibt aber noch andere Gründe, aus denen wir Deutschen eine erfolgreiche Re volution in Indien nicht wünschen können. Abgesehen davon, daß bei einer Erhebung der Eingeborenen gegen die britische Tyrannei die Rasseleidenschaften und die Volkswut auf das furchtbarste angestachelt werden, so daß auch die Führer die Kontrolle verlieren dürften, und daß daher bei einem Gemetzel unter den Weißen kein Unterschied der Nationen gemacht würde, so freund schaftlich auch die Intellektuellen den Deutschen ge sinnt sein mögen, so steht vor allem zu befürch ten, daß die tatkräftige Kultur der Wei ßen wieder der trägen, allem energischen Handeln abgeneigten und in abstrakten Gefühlsdefinitionen schwelgenden Philo sophie der Brahmanen weichen wird. Der größte Teil der indischen Völker ist verweichlicht, und ihr Sieg würde eine Hemmung jedes Kulturfortschrittes bedeuten. Außerdem haben alle Kulturnationen Europas und Amerikas ein lebhaftes wirtschaftliches Inter esse an der Aufrechterhaltung geordneter Zustände in Indien. Der Handel mit Indien ist nach allen Seiten ein ausgedehnter. Indien versorgt die halbe Welt mit Tee es liefert gewaltige Vorräte an Banmwolle, Juteund anderen Landesprodukten! es ist schließlich ein äußerst aufnahmefähiges Gebiet für Fabrikate aller Art und aller Länder. Eine Revolution würde nicht nur während ihrer Dauer den Handel empfindlich stören, sondern auch die Bestrebungen der Inder, sich wirtschaft lich vom Auslande unabhängig zu machen, wesentlich fördern. Man könnte sagen, diese Befürchtungen ent sprängen einer unberechtigten Selbstsucht der Weißen. Es werden jedoch vitale Lebensinteressen der weißen Rasse berührt, und in solchem Falle Pflegt jedes Mit gefühl mit anderen Völkern zu ersticken. Wenn mir selbst die Schlinge an der Kehle sitzt, bekümmere ich mich verzweifelt wenig darum, ob meiu Nachbar unter drückt wird. So geht es auch mit der weißen Rasse. Wir brauchen dringend für unsere Industrien die indi schen Rohprodukte, die uns bei indischer Unabhängig keit abgeschnitten würden, weil die Inder sie für sich selbst behalten würden. Wir können das indische Ab satzgebiet mit seinen 300 Millionen Bewohnern nicht entbehren. Aber mit unheimlicher Schnelligkeit wachsen jetzt schon, wie wir kurz erwähnt haben, die von ein geborenen Indern betriebenen und kapitalisierten Fa briken aller Art gleichsam aus der Erde empor. Selbst wenn der Völkerbrand in Indien mit einem vollen Er folge für die Eingeborenen endet, so wird noch auf lange Zeit hinaus die Ruhe im Lande nicht wieder einkehren, sondern die alte Uneinigkeit wieder aus brechen. Und wenn auch das überwunden ist, so läßt ein unabhängiges Indien den Zeitpunkt bedenklich näher rücken, wo nicht nur ein Import nach Indien 101 - so gut wie aufhört, weil alle Bedürfnisse im Lande selbst erzeugt werden, sondern ein kräftiger Ex port indischer Fabrikate (nicht indischer Roh produkte!) nach allen Teilen der Welt, in direkter Kon turrenz mit europäischen und amerikanischen Fabri katen, einsetzen wird. Bei den in Indien äußerst billi gen Arbeitskräften würde eine solche Konkurrenz in unser Wirtschaftsleben tief fühlbar einschneiden, zu mal da selbst der reiche indische Kaufmann, bis er sich zur Ruhe setzt, äußerst bedürfnislos einfach lebt. Die zunehmende UebervölkerungIndiens, von der zwar heute noch nicht die Rede sein kann, die aber früher oder später ganz sicher eintreten wird, wird ein starkes Anschwellen der indischen Auswande rung verursachen. Schon jetzt sind indische Kaufleute und Händler höchst unwillkommene Gäste in ganz Ost- Südafrika, so daß die Südafrikanische Union sich gezwungen sah, ab 1. Dezember 1912 die weitere Ein wanderung von Indern zu verbieten. Australien läßt überhaupt keine farbigen Einwanderer, also auch keine Inder, zu, und in Britisch-Kolumbien wurde erst un längst einer Truppe indischer Einwanderer die Erlaubnis zur Landung verweigert. Daß solche Vorkommnisse die Empörung der indischen Eingeborenen gegen die bri tische Herrschaft steigern, ist klar; denn die Inder sind nominell vollberechtigte britische Untertanen, und doch wird ihnen überall innerhalb des britischen Reiches die Gleichberechtigung mit den Weißen vorenthalten und sie sind in allen übrigen britischen Kolonien fast recht los. Den Kolonien kann man es nicht verdenken, daß sie sich vor der gefürchteten und unerwünschten indi- 102 schen Konkurrenz schützen wollen. Eine folgerichtige Wechselwirkung ist aber die, daß mit der steigenden Erbitterung der Eingeborenen auch die Härte der regie renden britischen Kreise gegen die Beherrschten sich steigert, bis schließlich die Explosion unausbleiblich ist. Für England hat sich in Indien ein furchtbares Problem entwickelt, dessen Lösung unter allen Umständen eine sehr schwierige ist. Aber England hat nun einmal den lveltbrand ent facht, und es mus; selbst zusehen, wie es ihn wieder löschen kann. Wir werden in den nächsten Abschnitten lernen, daß England an den Gestaden des Stillen Ozeans ein noch viel größeres Feuer angelegt hat, dessen Flammen es selbst zu verzehren drohen.VIII. Die mongolenähnlichen Völker. Es gibt gegenwärtig nur drei große lebensfähige Rassen auf unserer Mutter Erde, da eine große An zahl kleinerer Rassen entweder im Aussterben begriffen ist oder infolge engbegrenzter geographischer Verhält nisse eine so geringe Kopfzahl umfaßt, daß sie für die Weltgeschichte als wesentlicher Einfluß nicht in Be tracht kommt. Die alte Blumenbachsche Rasseneinteilung (kau kasische, mongolische, malaiische, indianische und Neger rasse), die sich in der breiten Masse des Volkes mit seltsamer Zähigkeit festgesetzt hat, ist von der Wissen schast längst mit Recht über Bord geworfen. Die ethno logische Umgrenzung der Mittelländischen Völker" und ihre Einteilung in tzamiten, Semiten und indo europäische Völker haben wir bereits kennen gelernt; ebenso die scharf umrisseue Negerrasse. Nunmehr haben wir uns mit den ältesten Gegnern und gefährlichsten Konkurrenten der weißen Rasse, den mongolenähnlichen 104 - Völkern, zu beschästigen, deren Ausdehnung eine weit größere ist, als gemeinhin angenommen wird. Zu ihnen gehören nach den neueren Forschungen zweifellos die sämtlichen Ureinwohner Amerikas, die Indianer und Eskimos, die in grauer Urzeit über die Behringstraße aus Asien eingewandert sind, für unsere Zwecke aber nicht in Betracht kommen, da ihre Unterwerfung unter die Weißen endgültig besiegelt ist. Ebenso können wir ausscheiden den malaiischen Stamm, der die eigent lichen Malaien auf der langgestreckten Landzunge Ma lakka, die Bewohner der Sundainseln, die Polynesier und Mikronesier auf den zahllosen Archipeln des Stillen Ozeans (nicht die Melanesier und die Papua- nen!), sowie die Hovas auf Madagaskar und die Ur einwohner der Insel Formosa umfaßt. Auch die Beh ringsvölker zu beiden Seiten der Behringstraße brauchen wir nicht weiter ins Auge zu fassen. Dagegen sind uns die mongolenähnlichen Völker im Norden der alten Welt schon mehrfach entgegengetreten, da zu ihnen außer den Tungusen, Kalmücken, Ostmongolen, Bur jäten, Samojeden usw. in Sibirien, auch die Finnen und Ungarn sowie die verschiedenen türkischen Stämme gehören. Die meisten sibirischen und zentralasiatischen Mongolen stehen unter russischer Oberherrschaft, haben sich indessen dermaßen den russischen Eroberern ange paßt (und umgekehrt!), daß sie sich zumeist als Russen fühlen, und daß anderseits die Russen durch fortwäh rende Vermischung eine halbasiatische Llation gewor den sind, die nicht mehr unbedingt der weißen Rasse zugezählt werden kann. Wenig bekannt dürfte es sein, daß auch die Bulgaren einen starken mongolischen Ein- 105 schlag aufzuweisen haben. Die Donau-Bulgaren aller dings büßten schon im 10. Jahrhundert ihre ursprüng liche Sprache und zu Anfang des 11. Jahrhunderts ihre politische Selbständigkeit ein, so daß sie heute als vollkommen slawisiert gelten können. Ihre Stammes brüder dagegen, die Wolga-Bulgaren, die ihren Staat bis zum 13. Jahrhundert und ihre Nationalität bis zur bleibenden Unterwerfung unter die Zaren von Moskau behaupteten, waren ethnologisch sehr nahe Verwandte der Finnen. Der ural-altaische Stamm der mongolenähnlichen Völker hat mehr als eineinhalb Jahrtausend die weiße Rasse zur Abwehr gezwungen. Ich erinnere nur an die ungeheuren Völkerwanderungen der Hunnen, der Ungarn, der Mongolen (unter Dschingis-Khan und Tamerlan) und der Türken. Von dieser Seite droht aber keine Gefahr mehr, wofür das Hauptverdienst die Russen für sich in Anspruch nehmen dürfen, freilich auf Kosten ihrer eigenen Rassereinheit. Dagegen haben wir uns mit zwei weiteren Stämmen der mongolenähn lichen Völker um so eingehender zu beschäftigen, und zwar zuerst mit den Südostasiaten mit einsilbigen Sprachen. Dazu gehören die Tibetaner und mehrere kleinere Völkerschaften am Himalaya, ferner die Bir manen, Laos, Siamesen und Anamiten in Hinterindien, und vor allem die Chinesen. Während die Völker Hinterindiens mehr oder weniger unter der Herrschaft oder dem Einflüsse der Engländer und Franzosen stehen, sind die Chinesen eine durch ihre ungeheure Zahl (über Ws Millionen 106 Seelen) bedeutungsvolle Nation, die neben den Aegyp ten! und Indern den dritten uralten Kulturkreis der Menschheit darstellt. China verdient unsere Aufmerksamkeit in mehr als einer Beziehung. Es ist eine Welt für sich. Es braucht die übrige Welt nicht. Das Land birgt so un geheure mineralische, pflanzliche und tierische Schätze, daß alle Bedürfnisse seiner Bewohner vollauf gedeckt werden. So verhielt es sich schon seit Jahrtausenden. Daher die sprichwörtlich gewordene chinesische Abge schlossenheit, welche das Volk über einen gewissen Um kreis hinans nie politisch erobernd auftreten ließ! Ein fälle von außerhalb hat es spielend leicht durch seine Ueberzahl abgewehrt, oder die Eroberer haben, wie die Mandschn, Sprache und Sitten der Chinesen angenom men, sich den Unterworfenen so vollständig angepaßt, daß sie in ihnen aufgingen. Die Chinesen sind daher in ihrem Nationalcharakter kein kriegerisches Volk. Wohl aber sind sie eine wirtschaftliche Macht, wie sie in ihrer innerlichen Ge schlossenheit nicht wieder auf der Erde e x st e r t. Die kühnsten Ideale der modernen Sozialdemo kratie haben die Chinesen bereits übertroffen, die wie kein anderes Volk der Erde ein wirtschaftliches Ar beiten auf kooperativer Grundlage Pflegen. Mit be wunderungswürdiger Zähigkeit setzen sie der politischen Eroberung die wirtschaftliche Eroberung entgegen, be sonders seit sie in neuerer Zeit zum nationalen Bewußt sein erwacht sind. Die Russen z. B. haben unlängst mit den Fürsten der Mongolei politische Bündnisverträge 107 abgeschlossen, müssen es aber mit Ingrimm ansehen, wie Hunderttausende von chinesischen Einwanderern die wirtschaftliche Herrschaft in der Mongolei an sich ge rissen haben, so daß selbst die reichen Mongolenfürsten den chinesischen Kaufleuteu verschuldet sind. Die Mandschurei ist seit dem Russisch-Japanischen Kriege in eine nördliche russische und eine südliche japanische Einflußhälfte geteilt worden, in der unter vollkommener Mißachtung der nominell bestehenden chinesischen Souveränität die Russen und Iapayer die politischen Herrscher sind. Aber trotz der intensiven pekuniären Anstrengungen der beiden Eroberer ist es ihnen uicht gelungen, trotz einer künstlichen Einwande rung, die von deu beiden Regierungen inszeniert wurde, ist es ihnen nicht geglückt, die wirtschaftliche Eroberung der Mandschurei durchzusetzen. Im Gegenteil, die chi nesische Rückeroberung des Stammlandes ihrer früheren Herrscherdynastie auf wirtschaftlichem Gebiete gelingt von Jahr zu Jahr mehr, und heute ist der größte Teil von Handel und Wandel in der Mandschurei wieder in chinesischen Händen. (Wer sich mit diesem inter essanten Problem näher beschäftigen will, den verweise ich auf die politischeu Studien von vr. Alfons Paqnet, die unter dem Titel Asiatische Reibungen" im Verlag Berthold Sutter 1909 erschienen sind.) Auch im Süden von China hat die chinesische Regierung es verstanden, durch schlaue Diplomatie die britischen Absichten auf Tibet zunichte inachen und diese uralte chinesische Provinz wieder völlig unter die Botmäßigkeit der chi nesischen Regierung zu bringen. Einflußreiche chinesische Kauflente sitzen in allen größeren Häfen Hinterindiens 108 und der Sundainseln, chinesische Handwerker findet man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika so wohl wie in Ost- und Südafrika. Ja sogar in London und Liverpool trifft man auf starke chinesische Kolonien. Nur Australien hat sich mit eiserner Konsequenz von allen fremdrassigen Elementen freigeholten. Zwischen den Handelsnationen Europas und dem Chinesischen Reiche haben Beziehungen schon seit Jahr hunderten bestanden. Im 13. Jahrhundert residierte der venezianische Kaufmanns-Abenteurer Marco Polo viele Jahre lang in Cambaluc, dem heutigen Peking, und diente dem mongolischen Kaiser Knblai Khan als Ratgeber. Im 17. Jahrhundert hatten Iefuitenmifsio- nare beträchtlichen Einfluß erlangt, aber ihre Macht erweckte die Eifersucht der Chinesen sie wurden vertrieben. Holländische und portugiesische Händler unterhielten jahrhundertelang Handelsbeziehungen zu dem Hafen von Canton, doch wurden sie gegen das Ende des 13. Jahrhunderts zum großen Teil von der Britisch-Ostindischen Eompagnie verdrängt. Als die Monopolrechte der Compagnie im Jahre 1833 annulliert wurden, machten die Briten aus der prekär gewordenen Position der britischen Kaufleute in Canton in gewohnter Weise eine nationale Frage, die zu dem ersten anglo- chinesischen Kriege von 18W führte, welcher als wahren Grund die berüchtigte Opiumfrage hatte. Die Engländer bombardierten Canton und zwangen die chinesische Re gierung zu dem Vertrage von Nanking, in welchem Hongkong an Großbritannien abgetreten und fünf chi nesische Häfen dem Handel und der Niederlassung der Weißeu geöffnet wurden. 109 Die Opium frage schlief jedoch nicht ein. Eng land betrieb in Indien zahlreiche große Mohnplantagen und importierte das fertige Opium in ungeheuren Quantitäten nach China. Die chinesische Regierung, die nach dem Vertrage von Nanking den britischen Import von Opium nicht verbieten konnte, verbot da gegen ihren chinesischen Untertanen, anderes als ein heimisches Opium zu rauchen. Die Folge davon war, daß England sich mit Frankreich seinem aben teuerlustigen Kaiser Napoleon III. zu einem zweiten Kriege gegen China verband, in welchem englische und französische Truppen Peking eroberten und den be rühmten kaiserlichen Sommerpalast gründlich aus plünderten und verbrannten. Von dieser Zeit an dehnte sich der Handel der weißen Nationen mit China erheb lich aus, indem die Weißen es verstanden, den Chi nesen westliche Bedürfnisse und westlichen Luxus bei zubringen. Natürlich fiel der Löwenanteil an diesem Handel Großbritannien zu. Englischer Einfluß war es namentlich, der, wie wir später sehen werden, zu dem Zusammenstoß Chinas mit Japan führte, als der bri tische Handel mit China verhältnismäßig zurückging. Ein fruchtloser Versuch wurde 1898 von dem jungen Kaiser Kuaug-sü gemacht, eine Reform in der Re gierung nach europäischem Vorbilde einzuführen. Seine reaktionär gesinnten Minister überredeten die Kaiserin-Witwe, seine Tante, die Zügel der Regierung, die sie während seiner Minderjährigkeit geführt hatte, wieder zu ergreifen die angefangenen Reformen umzustoßen. Unter ihrer Herrschaft wurde sogar Plan ausgedacht, das Land von allen Aremden zu 110 befreien und die altchinesische Einfachheit, die Jahr tausende bestanden hatte, wieder einzuführen. Es kam zu dem berühmten Boxeraufstande, und im Sommer 1900 wurden die fremden Gesandtschaften in Peking, wie die ausländischen Niederlassungen in Tientsin an gegriffen und wochenlang beschossen. Erst in ihrem kritischsten Augenblick wurde die Lage der Belagerten durch die Ankunft eines Heeres gerettet, welches von nahezu allen Vertragsmächten, einschließlich Japans, entsandt wurde. Der kaiserliche Hof mußte fliehen und blieb zwei Jahre in freiwilliger Verbannung. Die darauf folgenden Verhandlungen führten zum Ab schluß neuen Handelsverträgen mit Großbritannien (3. September 1902), den Vereinigten Staaten (3. Ok tober 1903) Japan (9. Oktober 1903). Auf Gruud der beiden letzten wurden vier weitere Häfen in der Mandschurei zu Vertragshäfen erklärt. Beim Schluß des Russisch-Japanischen Krieges 1905 schloß Japan mit China einen neuen Vertrag, auf Grund dessen die chinesische Regierung alle früher an Rußland erteilten Konzessionen nunmehr an Japan übertrug und eine Reihe von anderen Plätzen in der Mandschurei als Vertragshäfen öffnete. Jetzt hatte auch die Todesstunde für die Herrschaft der Mandschn-Dynastie in China geschlagen. Tausende von Chinesen hatten sich in den letzten Jahrzehnten mit der Zivilisation Europas vertraut gemacht und waren zu der Erkenntnis gelangt, daß China moderni siert werden müsse. Unter der Führung Z)nanschikais wurde das Herrscherhaus verjagt und die Republik erklärt. Eine so gewaltige Reform ließ sich indessennicht von heute auf morgen durchführen, und es dürfte bei der ungeheuren Ausdehnung des Reiches und bei der konservativen Gesinnung des Volkes noch Jahr zehnte dauern, ehe ein wirklich geordneter Zustand nach westlichem Muster in China Platz greift. Mittlerweile aber mehren sich die Anzeichen, daß das Volk gewillt und fähig ist, seine Geschicke selbst zu bestimmen. Ein systematisches Netz von Eisenbahnen, zum größten Teil mit chinesischem Kapital und durchweg mit chinesischen Beamten, wird gebaut und erschließt die reichen Boden schätze des Landes. Bergwerke, Fabriken Md industrielle Anlagen aller Art werden überall in China mit gutem Erfolge eröffnet und ein modernes Heer nach deutschem Mnster organisiert. Wohl erkennbar ist aber die Ten denz, die Fan-Quei, d. h. die fremden Teufel, mög lichst zu verdrängen, bzw. sie nur so weit zu benutzen, wie sie als Lehrmeister unentbehrlich sind. China den Chinesen! ist die heimliche Parole, nach welcher jeder mann in China, vom Präsidenten bis zum einfachen Arbeiter, sich richtet. Aber der chinesische National charakter läßt annehmen, daß diese Entwicklung durch aus friedlich vor sich gehen wird. Die weiße Rasse braucht in China nicht besorgt sein, daß ein nationaler Fremdenhaß zu einer allgemeinen Explosion und Niedermetzelnng aller Weißen führen wird. Besonders die deutsche Kultur wird von den intelligenten Chinesen sehr hoch geschätzt und studiert, und unser chinesi sches Pachtgebiet ist gerade in dieser Hinsicht ein Kulturfaktor allerersten Ranges geworden, der bereits eine große Anzahl kultureller Fäden von Deutschland nach China hinübergesponnen hat. Aber 112 gerade darum ist Kiantfchon ein Stein des Anstoßes in den Augen der Briten geworden, die ihren eigenen Einfluß in China schwinden sehen und, was ihnen noch unerträglicher erscheint, ohnmächtig konstatieren müssen, daß ihr Handel von Jahr zu Jahr merkbar in China zurückgeht bzw. in die Hände des verhaßten deutschen Konkurrenten übergeht. Während früher der ganze europäische Handel mit China fast ausschließlich durch britische Firmen vermittelt wurde, stehen heute bereits 601 euglischeu 238 deutsche, 100 amerikanische, 110 französische, 57 portugiesische und 84 spanische Fir men gegenüber. Es war daher bei den Briten schon längst beschlossene Sache, die deutsche Basis für die deutsch-chinesischen Beziehungen um jeden Preis zu vernichten. Wie die Briten dies in die Wege geleitet haben, werden wir in dem nächsten Abschnitt erfahren.IX. Der Erzfeind der weißen Rasse. Die moralische Erbschaft der mongolischen Eroberer des Mittelalters scheint in seinem eigenen Denken und Trachten das Inselreich der aufgehenden Sonne über nommen zu haben. Die Japaner bilden in unserer Aufzählung der mongolischen Völker zusammen mit den Koreanern den letzten Stamm; sie sind ihren Physi schen Eigenschaften nach kaum von den Chinesen zu unterscheiden, es sei denn, daß sie im allgemeinen von kleinerer Statur sind. Dagegen stellt ihre mehrsilbige Sprache einen fundamentalen Unterschied dar, der sie, wie die Koreaner, von den sämtlichen mongolenähnlichen Völkern Südostasiens mit einsilbigen Sprachen scharf scheidet, obwohl sie unzweifelhaft vom asiatischen Fest lands in ihre heutigen Sitze eingewandert sind. Noch mehr als Großbritannien ist Japan ein aus- gesprochcucs Inselreich, da sein Gebiet ^223 Inseln umfaßt. Die vier großen Hauptiuseln heißen Hondo, Shikoku, Kiu-shu und Hokkaido (oder Vezo). Die Insel gruppe der Kurilen gehört seit 1873 zum japanischen Englands Blntschnld gegen die weiße Nasse. g- 114 - Reiche, welches 1876 auch die Riu-kiu-Inseln annek tierte. Das eigentliche Japan zählt 51 Millionen Ein wohner, mit Dependenzen (einschließlich Korea) aber 67 Millionen. Das Land ist sehr gebirgig, so daß nur etwa ein Sechstel für den Ackerbau verfügbar ist, und stark vulkanisch, wird auch häufig von furchtbaren Erdbeben heimgesucht. Der Ackerboden ist, durch das Klima begünstigt, snichtbar und für jede Art von Anbau geeignet; die Berge sind reich an Mineralien, wie Kupfer, Eisen, Blei, Schwefel, Antimon, Achat Bergkristall. Gold wird auf der Insel Sado gefun den und Silber in geringen Mengen abgebaut. Dagegen finden sich große Vorräte an mittelmäßiger Kohle, und Petroleum wird auf der Insel Echigo und der zu Japan gehörenden Südhälfte von Sachalin gewonnen. Die Ausfuhr des Landes besteht hauptsächlich aus Seide, Baumwollwaren, Reis, Tee, Fischeu, Kupfer, Zündhölzern, Kohle, Kampfer, Strohmatten, Porzellan und Steingut, Lackwaren und Produkten des Meeres, die Einfuhr dagegen aus Rohbaumwolle, Reis, Ge treide und Mehl, Zucker, Bohnen und Erbsen, Wolle, Düngemitteln, sowie in erster Linie aus Stückgütern und Fabrikaten aller Art, insbesondere Drogen, Maschinen, Lokomotiven und Schienen. Die Handelsbilanz Japans ist eine absolut passive und wird auch nicht durch Frach ten und Fremdenverkehr ausgeglichen, so daß das Land von Jahr zu Jahr mehr verschuldet. Die Geschichte Japans setzt mit historischer Sicherheit erst um das Jahr 76V u. Chr. ein. Jahr hundertelang ist sie eine Chronik wilder innerer Kämpfe der den schottischen Clans ähnlichen Stämme unter einander. Die Führer der Cinzelstämme, Daimios ge- 115 8 nannt, sind mit unseren mittelalterlichen Herzögen und Grafen vergleichbar waren oft vollkommen unab hängig. Die Krieger oder Samurai stellten den niederen Adel dar, und das gewöhnliche Volk, wie die Baueru, Handwerker und Kanflente, war fast rechtlos. Das Feudalsystem auf der Grundlage des Lehnsrechtcs war früher in Japan auf die Spitze getrieben. Es hängt dies mit der in Japan herrschenden Religion, dem Shin- toismus, zusammen, der ebenso wie der Buddhismus deu Ahnenkultus und die Verehrung der Eltern pre digt. Der Daimio war gewissermaßen der Vater des Stammes und genoß unumschränkte Gewalt über Leben und Tod, wie er auch auf unbedingten Gehorsam seiner Gefolgsleute Anspruch hatte. Dieses System erzeugte einen eigenartigen Ehrbegriff unter den adligen Ja panern, welcher lebhaft an die Begriffe unter den mittel alterlichen Rittern Europas erinnert. Als größte Schande z. B. galt es, seinen Daimio in der Not verlassen; darum zogen die Samurai in der Regel den Tod einer Niederlage vor. Ueber alle Stämme herrschte nominell als Kaiser der Mikado, der aber schon in sehr frühen Zeiten mehr die Rolle eines Gottes als eines Herrfchers spielte und unnahbar in seinem Palaste bei Kiüto thronte. Die Funktionen der Regierung übte in Wirklichkeit sein Minister, der Shogun, aus, wie wir es in Indien bei den Peischwas und im alten Frankenreiche bei den Majordomus gesehen haben. Der Shogun mußte sich seinerseits mit den Daimios abfinden und erhielt sich in seiner Macht durch Bündnisse mit den Stämmen, heute mit diesem, morgen mit jenem. 116 Die Japaner sind zweifellos ein geistig hochbegab tes Volk, doch entlehnten sie ihre Gesittung bis in die neueste Zeit hinein von den Chinesen, denen sie im Mittelalter sogar eine Zeitlang tributpflichtig waren. Die ihnen von den Chinesen überlieferte Kultur haben sie indessen selbständig weitergebildet. So erfand ein japanischer Gelehrter lim 7öl1 n. Chr. eine Silbenschrift aus 47 dem Chinesischen entlehnten aber vereinfachten Zeichen, während die massenhaft in die japanische Sprache aufgenommenen Worte chinesischen Ursprungs noch heute mit ihreu alten chinesischen Wurzelzeichen wiedergegeben werden. Auch viele Gewerbszweige haben die Japaner von den Chinesen übernommen, wie die Lackfabrikation, die Erzeugung von Porzellan und Stahlwaren. Ebenso ist der Buddhismus China nach Japan eingewandert und besteht dort neben dem Shintoismus als gleichberechtigte Religion. Gleich wohl hat die Entwicklung der japanischen Moral eine andere Richtung genommen als bei den Chinesen, bei denen die Familie alles, der Staat nur wenig be deutet, während bei den Japanern gerade das um gekehrte Verhältnis herrscht. Ein tief einschneidender Unterschied ist jedem europäischen Kaufmann im fernen Osten nur zu wohl bekannt, die Ehrlichkeit des Chine sen und die Unzuverlässigkeit des Japaners. Bei letzterem gilt noch weit mehr als bei dem Engländer das Wort: vr ^vi cmZ, IN)? c:ounti v!" Die Ja paner haben dieses Wort sogar auf das Privatleben übertragen, in welchen! es den Sinn angenommen hat, daß jedes Unrecht zum Recht wird, wenn es nur dem eigenen Vorteil dient. Freilich soll diese Uebertragung- 117 auch in England nicht selten sein, und diese Gleichheit der Gesinnung mag auch zu der britischen Sympathie für Japan und zu dem Bündnis zwischen den beiden Nationen beigetragen haben. In der Verlogenheit und Unzuderlässigkeit ihrer Politik gebeu sich jedenfalls beide Völker nichts nach, und die Briten dürfen sich dermaleinst nicht beklagen, wenn sie auch ihren gelben Freunden betrogen werden. Unzweifelhaft stehen die Japaner, von ethischen Gesichtspunkten aus, auf einer tieferen Kulturstufe als die Weißen (unter denen man anscheinend, wie wir eben gesehen haben, die Engländer ausnehmen muß!), und die Ursprünge ihrer Kultur teilen sie mit den Chinesen. Woriu aber der prinzipielle Unterschied zwischen der weißen und der gelben Kultur besteht, hat niemand besser präzisiert als der berühmte Ethnologe Oskar Peschel in den folgenden Sätzen: Wir sind Zöglinge geschichtlich begrabener Nationen, die Chinesen sind Autodidakten. Pergleichen wir aber unseren Entwicklungsgang mit dem ihrigen, so werden wir uns be wußt, was ihnen fehlt und worauf unsere Größe beruht. Seit unserem geistigen Erwachen, seit wir als Mehrer der Kultur schätze aufgetreten sind, haben wir unverdrossen mit den Schweißperlen auf der Stirn nur nach einem Ding gesucht, von dessen Dasein die Chinesen keine Ahnung haben und für das sie schwerlich eine Schüssel Reis geben würden. Dieses eine unsichtbare Ding nennen wir Kausalität. An den Chinesen haben wir eine ungezählte Meuge von Erfindungen bewundert und von ihnen angeeignet, aber wir ver danken ihnen nicht eine einzige Theorie, nicht einen einzigen tieferen Blick in den Zusammenhang die nächsten Ur sachen der Erscheinungen." 118 In der modernen Weltgeschichte spielen die Ja paner eine Rolle erst seit dem Jahre 1869, dem Jahre ihrer politischen Restauration, in welchem das Sho- gnnat gestürzt wurde und der Mikado Mutsnhito die Zügel der Regierung selbst ergriff. Seitdem haben die Kämpfe der Stämme untereinander aufgehört, und der politische Ehrgeiz der Japaner, der vordem dem Daimio gehörte, gehört jetzt dem Kaiser und der Gesamtheit des Staates. Seit jener Zeit beginnt die japanische Politik sich mit dem Auslande zu beschäftigen, und zwar um so intensiver, seitdem der Blick nicht mehr durch die inneren Streitigkeiten abgelenkt wird. Früher erlaubte die insulare Forin des Landes keine Ausdehnung der Bevölkerung über ein gewisses Höchst maß hinaus; denn Japan ist seiner Bodenbeschaffen heit nach im Durchschuitt ein armes Land, und jede Uebervölkeruug mußte somit in früheren Zeiten zu inneren Kriegen führen, um Platz für die überlebenden Stärkeren zu machen, da von einer Auswanderung bei dem niedrigen Stande der Schiffahrt nicht die Rede sein konnte. Mit dem Aufhören der inneren Zwistig- keiten wuchs die Bevölkerung, dank der orientalischen Fruchtbarkeit, schnell heran, und die Einführung der westlichen Zivilisation brachte dem Lande einen großen politischen Machtzuwachs. Infolgedessen war der Zeit punkt vorauszusehen, wo die engen Grenzen der japa nischen Inseln nicht mehr die zunehmende Masse der Bevölkerung beherbergen konnte, weil das frühere Gegengewicht der Verminderung durch die Bürger kriege fehlte. Nach dem Zusammenschlüsse ?um Tinheits- 119 staate war Japan auf eine Politik der äufteren Expansion angewiesen. Mit der Nachahmung europäischer Zivilisation wuchsen auch die Bedürfnisse des japanischen Volkes, und die Bekanntschaft mit westlichem Luxus rief das Verlangen nach solchem bis in die untersten Volks kreise wach. Der andauernde Import von Luxusgegen ständen europäischen Fabrikaten aller Art, ohne einen im gleichen Schritte steigenden Export japanischer Produkte, an denen das Land verhältnismäßig arm ist, führte, wie wir gesehen haben, allmählich eine Ver armung des Landes herbei, die noch durch die steigen den Lasten einer Kriegsrüstung nach europäischem Vor bilde beschleunigt wurde. Die Regierung suchte Abhilfe in der Schöpfung einer einheitlichen japanischen In dustrie, für welche indessen die Rohmaterialien eben falls zuin größten Teile importiert werden mußten. Die Herstellung vieler europäischer Fabrikate im Lande selbst erwies sich daher durchschnittlich teurer als die Einfuhr der fertigen Fabrikate, und nur bei einer ge ringen Anzahl von Artikeln nahm die japanische In dustrie einen derartigen Aufschwung, daß nicht nur der eigene Markt versorgt, sondern auch ein lieb erschuf; ins Ausland exportiert werden konnte. Für diesen Export mußten jedoch Absatzgebiete gesucht werden, wo bei man natürlich auf die Konkurrenz der älteren, schon eingeführten und qualitativ besseren Fabrikate der weißen Rasse stieß. Drei Umstände sind es somit, die eine Erwerbung eigener großer Laudgebiete außerhalb Japans für das Inselvolk zur unabweislichen Notwendigkeit machten: IM - 1. die Uebervölkerung; 2. die Notwendigkeit, Rohprodukte für die hei mische Industrie aus eigenen Ländern zu gewinnen; 3. der Export von japanischen Fabrikaten nach eigenen Kolonien. Ans friedlichem Wege war die Erwerbung neuer Länder ausgeschlossen. Japan mnßte daher vor allem zum Kriege rüsten, und da es hierbei nur mit mächtigen Gegnern zu rechnen hatte, so mußte die Rüstung eine derartig gewaltige werden, daß die Finanzen des Landes fast an den Rand des Abgrundes gebracht wurden. Die dem japanischen Kaiserreiche zunächst gelegenen Länder auf dem ostasiatischen Kontinent standen nnter chinesischer Oberhoheit. Mit China mußte daher der erste Zusammenstoß erfolgen. Gefördert wurde ein solcher dnrch die Hetzerei Englands, welches glaubte, eine Konkurrenz Japans in China weniger fürchten zu müssen, als diejenige des russischen Reiches, welches von Norden unaufhaltsam gegen die Grenzen Chinas vordrang. England hoffte durch eine von ihm begün stigte Landerwerbung Japans auf chinesischem Gebiete den Russen Verlegenheit zu bereiten. So kam es zum Japanisch-Chinesischen Kriege von 1894 93, der sich in überraschender Weise zugunsten Japans entschied und die Stärke der japanischen Heeresorganisation offen barte. Da war es nun die I n t e r v e n tio n D e u t s ch- lands, die in den Friedensverhandlungen Japan der meisten Früchte seiner Siege beraubte und ein Veto dagegen einlegte, daß die Halbinsel Liaojang von China an Japan abgetreten wurde. Rußland stimmtc diesem 121 Veto bei, England wagte nicht offen die Seite Japans ergreifen, und Japan mußte nachgeben und sich mit der Insel Formosa begnügen, die nicht nur einen Bevölkerungszuwachs von 3,5 Millionen Einwohnern bedeutete, sondern Japan das Monopol im Kampfer handel verlieh. Dem Deutschen Reiche hat Japan dieses Veto nie verziehen, und der Uebersall Japans auf Kiau- tschou im August 191h war teilweise die Rache für die deutsche Intervention von 1893. Hat nun Deutschland damals unrecht gehandelt? Hat es sich nicht unnötig die Feindschaft eines mächtig emporstrebenden Volkes zugezogen? Die Antwort kann nur lauten: Nein! Nein! nochmals Nein! Wohl selten war die Po litik eines Monarchen weitsichtiger, als damals die Warnung des jungen Deutschen Kaisers: Völker Europas, wahret eure heiligsten Güter!" Die Ereig nisse haben ihm bereits recht gegeben und werden ihm in Zukunft noch weit mehr recht geben. Verblendet sind aber die anderen weißen Nationen, die der War nung kein Gehör schenken wollen, insbesondere Eng land, dem der Haß gegen Deutschland jede Besinnung geraubt zu haben scheint, dermaßen, daß es sich durch sein Bündnis mit der gelben Rasse selbst in sein Ver derben stürzen wird. Zn wünschen wäre nur gewesen, daß auch die Regierungen in Deutschland die Konse quenz aus der Warnung gezogen und alle Japaner Deutschland entfernt hätten, anstatt ihnen noch den Weg zu zeigen, wie sie am besten das hier Gelernte gegen Deutschland verwenden können. Gemeint sind natürlich die zahllosen japanischen Studenten, Inge- 122 - nieure und Kriegsschüler, die mit hämischem Grinsen über die deutsche Gutmütigkeit die deutsche Technik, deutsche Kriegskunst zur Zerstörung unserer Perle Kiautschou gebrauchten. Nach dem chinesischen Kriege rüstete Japan un entwegt weiter, wenn auch unter den größten finan ziellen Schwierigkeiten. Da fand es finan zielle Unterstützung bei den Engländern, die an der Ansicht festhielten, daß Japan das geeignete Werkzeug sei, dem Vordringen wachsenden Einflüsse Ruß lands in China und der Mandschurei einen Damm zu ziehen. Die Anleihen, die Japan zur Vervollständi gung seiner militärischen und maritimen Rüstungen aufnehmen mußte, fanden also in England willige Geld geber. Es ist eine historisch feststehende Tatsache, daß ohne die Rückenstärkung durch Großbritannien Japan niemals den Waffengang mit Rußland im Jahre 19YH hätte unternehmen können. Schon damals konnte sich England das zweischneidige Verdienst zuschreiben, die gelbe Rasse auf eine weiße Nation gehetzt zu haben. Die Tragweite dieser schmachvollen Handlungsweise trat damals allerdings nicht klar zutage, weil es sich bei den Russen nur um eine halbzivilisierte Macht han delte, die noch dazu vermöge ihrer Blutmischung und ihrer ausgedehnten asiatischen Besitzungen an und für sich mehr nach Asien gravitierte, als nach Europa. Die russische Niederlage in Ostasien wurde die indirekte Veranlassung zu dem großen europäischen Kriege von denn Rußland, welches sein weiteres Vordringen in östlicher Richtung durch Japan gehemmt sah, wandte nunmehr sein Augenmerk wieder der Aus-dehuung nach Westen zu, die es seit dein Berliner Kongreß 1878 vernachlässigt hatte. Mithin ist England, auch ohne die Einkreisungspolitik seines ränkevollen Königs Edward VII., schon allein durch die Aufhetzimg Japans zum Russischen Kriege die Veranlassung zum Kriege 1914 geworden. Indirekt hatte Groß britannien schon damals die Schuld dafür auf sich geladen, wenn der europäische Krieg von 1914 sich schließlich zu einem Weltkriege, an dem die gesamte weiße Rasse beteiligt ist, auswächst. Durch den Friedensschluß von 1903 erhielt Japan zwar keine Kriegsentschädigung von Rußland, was den Briten nnr angenehm sein konnte, da Japans finan zielle Schwierigkeiten nach dem Kriege zunahmen; aber es erwarb seine ersten größeren Kolonien. Das Kaiser reich Korea, das bis dahin unter chinesischer Ober hoheit stand, wurde als unabhängig erklärt und begab sich unter gelindem japanischem Drucke unter den Schutz der aufgehenden Sonne. Am 23. August 1910 ließ Japan dann endgültig die Maske fallen und annektierte Korea auch formell als Teil des japanischen Reiches. Ferner erwarb Japan 1905 die politische, wenn auch nicht die nominelle Herrfchaft über den südlichen Teil der Man dschurei. Auch die südliche Hälfte der Insel Sachalin ging aus russischem japanischen Besitz über. Berücksichtigt man, daß das Inselreich selbst schon im Jahre 1903 eine Dichtigkeit der Bevölkerung von 114,3 Einwohnern den Quadratkilometer aufwies (Deutschland 112 Seelen per c^m), so begreift man, daß die durch den russischen Krieg erworbenen Gebietebei weitem nicht ausreichten, den von Jahr zu Jahr lrxichsenden Ueberschuß der japanischen Bevölkerung aufzunehmen. Korea war bereits dicht bevölkert, und in die Mandschurei leitete die chinesische Regierung planmäßig eine riesige Einwanderung, gegen welche die Japaner, wie wir im Vongen Abschnitt sahen, ohnmäch tig waren. Sachalin kam wegen seiner nordischen Lage als Kolonisationsland überhaupt nicht in Frage. Hin sichtlich der Gewinnung von Rohprodukte für die japanische Industrie und des Absatzes japanischer Fa brikate entsprachen die neuen Gebiete keineswegs den Bedürfnissen der japanischen Finanzen, die im Gegenteil vorderhand noch erheblich belastet wurdeu. Da Eng land indessen seinen Zweck einer Schwächung des russi schen Prestiges einer Hemmung des russischen Vor dringens in Ostasien erreicht hatte, zeigte es sich nun plötzlich schwierig in der Gewährung weiterer Anleihen an den japanischen Verbündeten, der lange Zeit be denklich nahe vor dem Staatsbankerott stand. Zur politischen Macht einer Nation gehört in mo derner Zeit eine gesunde Finanzlage. Indem England eine finanzielle Erstarkung Japans hinderte, hemmte es also zugleich eine Erweiterung der japanischen Macht auf politischem Gebiete. Aeußerlich Verbündete, stehen sich in Wirklichkeit England und Japan aus wirt schaftlichen Gründen in Ostasien feindlich gegenüber. Die Japaner kennen keinen Unterschied, ob sie im Handel auf dem ostasiatischen Festlande mit einem russi schen oder deutschen oder französischen oder amerikani schen oder mit einem englischen Konkurrenten zu tun haben. Die englische Kaufmannschaft in Ostasien be - 125 klagt sich ebenso-bitter wie wir über die Unzuverlässig- keit und Treulosigkeit des japanischen Kaufmannes. England hat es nicht durchzusetzen vermocht, daß das japanische Landgesetz, wonach den Ausländern der Er werb von Landbesitz in Japan untersagt ist, zugunsten britischer Untertanen abgeändert wurde, obgleich Eng land seinerseits in seiner ganzen Gesetzgebung die japa nischen Untertanen den Untertanen einer weißen Nation gleichstellte. Es geht daraus hervor, daß Japan auf das britische Bündnis keine weitere Rücksicht nimmt, als es ihm in politischer Beziehung geboten erscheint. Die schlechte finanzielle Lage machte es Japan unmöglich, für die Zukunft hinsichtlich der ununter brochen notwendigen Modernisierung, Vervollständi gung und Erweiterung seiner militärischen und mari timen Machtmittel mit den finanziell besser gestellten weißen Nationen gleichen Schritt halten, falls es ihm nicht gelang, sich nene bedeutende Einnahmen zu erschließen. Solche können aber nur aus neuen Er oberungen großen Umfanges fließen. Wenn also Japan nicht von seiner Großmachtstellung herabsinken wollte, so mußte es losschlagen, solange seine Rüstung noch modernen Anforderungen genügte. Es kann demnach keinem Zweifel unterliegen, daß Japan unter allen Umständen die günstige Gelegenheit des europäischen Krieges benutzt hätte, auf neue kriegerische Eroberun gen auszugehen. England, das Japan in seine ver derbliche Großmachtpolitik hineingelockt hatte, wäre also unter allen Umständen die indirekte Veranlassung zu jedem neuen Kriege Japans. Fraglich ist nur, ob trotz des Rachegrundes von 1895 es ohne eine neue direkte- 126 Verhetzung Englands und ohne eine gehörige Be stechungsprämie gerade die deutsche Besitzung Osl asien gewesen wäre, gegen die sich der Kriegszug Japans gerichtet hätte. Wahrscheinlich ist es sogar, daß Eng land nicht nnr zur Befriedigung seines Krämerneides gegen Deutschland den gelben Verbündeten gegen klin genden Lohn auf Kiautschou losgelassen hat, sondern aus Besorgnis, daß Japan sich vielleicht nach einem anderen Objekt seines Expansionsbedürfnisses um gesehen hätte. Man darf nie vergessen, daß der Orien tale nie Gefühlspolitik treibt, daß er seine Gefühle, und wenn sie noch so sehr von Rache und Haß er füllt wären, dem Nutzen unterordnet! Zu den drei vorerwähnten Anlässen wirtschaftlicher Natur, die für die japanische Expansionspolitik be stimmend sind, kommt eine vierte Ursache, die im japa nischen Äationalcharakter suchen ist. Es ist dies der maßlose nationalpolitische Ehrgeiz der Japaner! Ein Ehrgeiz, der kein anderes Ideal kennt, als das Reich der aufgehenden Sonne zum Mittelpunkte des ganzen Weltalls, zum Herrscher über alle anderen Völker und Rassen zu machen. In der nüchternen Struktur des Shiutoismus ist es aber be gründet, daß der Japaner sich nicht der blinden und planlosen Verfolgung uferloser Ideale hingibt, sondern nur Schritt für Schritt die Erfüllung erreichbarer Ziele anstrebt. Das nächste dieser Ziele ist die Fübrers chaft der gelben Rasse! Japan ist sich bewußt, daß es allein nicht imstande- 127 - sein würde, seine weiteren Ziele zu erreichen, da es allein nicht die hierfür erforderlichen Menschenmassen und Geldmittel aufbringen könnte. Beides würde es durch eine Vereinigung aller Angehörigen der gelben Rasse unter seiner Führung erlangen. Vor allein China besitzt das, was Iapau fehlt, die ungeheure Menschen zahl und die unermeßlichen Naturschätze, die bei weiser Ausbeutung nnerschöpsliche Mittel liefern würden. Um ihrem nächsten Ziele zu gelangen, stehen den Ja panern zwei Wege offen: entweder gelingt es ihnen, China in friedlicher und freundlicher Weise für ihre größeren Ziele gewinnen, derart, daß die Chinesen sich gutwillig der japanischen Führung unterordnen, Hand in Hand mit Japan den großen Rassenkampf für die Mongolen durchkämpfen und schließlich in brüder licher Liebe zusammen mit Japan und anderen gelben Nationen in Ostasien eine einige mongolische Nation (natürlich immer unter Japans Hegemonie!) bilden, oder: Gehst du nicht willig, so brauch ich Gewalt!" Daher das unablässige Liebeswerbeu der Japaner gegenüber den Chinesen! In gewisser Hinsicht läßt sich zwischen dem Ver hältnis China Japan Deutschland England eine Parallele ziehen, nur mit dem Unterschiede, daß wir stets gutmütig, ehrlich und vertrauensselig geglaubt haben, was die Briten uns vorheuchelten, während China für seine Inselvettern recht wenig Sympathie und noch weniger Vertrauen übrig hat. China weiß, daß Japan seine erste asiatische Kultur nnr den Chine sen zu verdanken hat; es fürchtet gleichzeitig die Raub gier Japans, von der es bereits Proben an seinem 126 eigenen Leibe verspürt hat; es mißtraut Japan, weil es, selbst eine ostasiatische Nation, den Charakter der Japaner kennt, versteht durchschaut. Auf der einen Seite ist China in der Annahme westlicher Zivilisation noch nicht weit genug fortgeschritten, um eine über wältigende militärische Macht darzustellen; auf der anderen Seite wäre ein vollkommen einiges China auch für den heißhungrigen japanischen Magen ein unver daulicher Bissen. Daher ist es Japans Bestreben, die Uneinigkeit im Reiche der Mitte beständig zu schüren. Es ist notorisch, daß alle revolutionären Bewegungen in China dnrch japanische HetzerUnter st ützuuggefuuden haben. China weiß sehr wohl, was es davon zu halten hat, wenn Japan der chinesischen Regierung seine militärische Hilfe zur Unterdrückung von Rebellionen angeboten hat. China hat natürlich dankend abgelehnt, weil es die Absicht Japans durchschaut, dem es nur darum zu tun ist, militärisch festen Fuß in China zu fassen. Nicht zu verwundern ist es somit, wenn im Oktober 191h die chinesische Regierung die japanische dringend ersuchte, gegen jene Personen mit aller Strenge des Gesetzes einzuschreiten, die erwiesenermaßen die in Japan studierende chinesische Jugend aufhetzten und aufrührerische Proklamationen sowie Waffen für die Revolutiouäre nach China einschmuggelten. Ob Japan wohl diesem chinesischen Ersuchen nachkommen wird, zumal da jene Personen" offizielle Agenten im Dienste der japanischen Regierung sind? Alsbald nach dem japanischen Ueberfall auf Kiautschou wandte sich die chinesische Oeffentlichkeit und 129 Presse mit einer bisher kaum beobachteten Erbitte rung gegen Japan, dein Heimtücke bei der Er füllung der mit China bestehenden Verträge, sowie Expansiousgelüste auf Kosten Chinas vorgeworfen wur den. Das Organ des Präsidenten Puanschikai drohte sogar, China befinde sich entgegen allen anders lauten den Ausstreuungen auf dem Wege der Konsolidierung, und Japan solle sich nicht in dem Wahne wiegen, daß das China vom Jahre 1914 identisch sei mit dem vom Jahre 1894! Der Widerstand Chinas gegen das japanische Vor gehen in Kiautschou scheint sehr viel energischer ge wesen zu sein, als man sich in Tokio hatte träumen lassen, und anstatt des von Japan erhofften Bünd nisses gestalteten sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Tokio und Peking recht gespannt. Als voll ends die Japaner sich nicht scheuten, die deutsch-chine sische Schantung-Eisenbahn zu besetzen und dadurch die Neutralität Chinas in gröblicher Weise zu ver letzen, erließ die chinesische Regierung in einer Zir kularnote an die europäischen Mächte einen gehar nischten Protest. Und Großbritannien, das angeblich nur zum Schutze des bedrohten Völkerrechts" die Japaner auf Kiautschou gehetzt hatte, hatte auf den Protest weiter nichts als die lahme Erwiderung, daß es den Verbündeten nicht hindern könne! China, welches der japanischen Ankündigung, daß Kiautschou nach dem Kriege an China zurückgegeben werden sollte, von vornherein mißtraute, stellte daher an der Grenze von Schantung eine zehntausend Mann starke Beob- Englands Blutschuld gegen die Weiße Rasse. Y 130 achtungsarmee auf, um weitere Verletzungen der chine sischen Neutralität zu verhindern. Anscheinend hat Japan, dnrch die chinesische Er bitterung belehrt, den Gedanken aufgegeben, China auf freundschaftlichem Wege für seine panmongolischen Ideale zu gewinnen? somit blieb nur noch der zweite Weg, China mit Gewalt unter die japanische Hege monie zu zwiugeu. Sofort zeigte sich auch die japanische Perfidie, die in einem Artikel der offiziösen Japan Times" zum Ausdruck kam, als Deutschland das un verschämte japanische Ultimatum entrüstet zurückwies und die Verteidigung Kiautschous mit allen zur Ver fügung stehenden Mitteln vorbereitete. In dem Ar tikel heißt es: Nach den von Amerika und Peking eingegangenen Nachrichten betreffs des an Deutschland gerichteten Ultima tums zu urteilen, legt man dort dem zweiten Satz, daß Japan schließlich Tsingtau an China zurückgeben werde, übermäßige Bedeutung bei. Es wird hiermit klar ausge sprochen, daß das Ultimatum keinen Widerstand der deut schen Regierung voraussetzt. Es beschränkt sich durchaus auf den Fall einer friedlichen Uebergabe. Sollte Deutschland auf Japans Forderung nicht eingehen und das Ultimatum nicht bis zu dem gesetzten Termin beantworten, so wird Japan nach eigenem Ermessen die Bedrohung des Friedens des fernen Ostens beseitigen, und zwar, wie man jetzt allgemein annimmt, durch militärische Operationen gegen die deutsche Operationsbasis in diesem Teile der Welt. Ist das einmal geschehen, so kann über das Endresultat der Operationen kein Zweifel herrschen. Kiautschou wird dann zur Kriegsbeute. Das Ultimatum an Deutschland befaßt sich nicht mit diesem Fall, und die ganze Lage ändert sich natürlich bezüglich der Rück erstattung des Platzes an China. Weder von Japan noch von irgendeinem anderen Lande kann man erwarten, daß 131 es so töricht sei, vor Eröffnung der Feindseligkeiten ver sprechen, was es mit der Kriegsbeute machen werde. Darüber muß sich jedermann klar sein." Klar ist an dieser Erklärung der japanischen Regie rung nur der Mangel an Logik und die Hinterlist; weniger klar dürfte der Gedankengang sein, von dem sich die japanische Regierung bei ihrem Vorgehen leiten ließ. Zweifellos ist sie von der Voraussetzung aus gegangen, daß China den Ucbersall auf Tsingtau nicht znr Veranlassung einer chinesischen Kriegserklärung gegen Japan machen würde. Ein Krieg mit China würde den Japanern äußerst unerwünscht sein, da er ihnen die Hände für andere Unternehmungen binden und wahrscheinlich ihre Kräfte auf Jahrzehnte hinaus erschöpfen würde. Für einen durchgreifenden Krieg mit China, der mit dessen völliger Unterwerfung enden soll, reichten im August 1914 auch nicht die finan ziellen Kräfte Japans. Wohl aber befähigte sie die von England gewährte Bestechung in Höhe von 10V Millionen ?)en zu einem militärischen Spaziergange nach Tsingtau, der den Japanern ein wunderbares Ein fallstor gegen China für etwaige zukünftige Unter nehmungen in die Hände gab, ohne daß China sich jetzt dagegen wehrte. Die japanische Regierung mußte aber zugleich mit dem Ausgange des europäischen Krieges rechnen, für welchen drei Möglichkeiten vor lagen. Die europäischen Nationen konnten sämtlich vollständig erschöpft sein: dann behielt Japan einfach Kiautschou als prächtige Handhabe gegen China. Oder Deutschland siegte. Dann hat Japan vielleicht daran gedacht. Kiautschou gegen eine erhebliche Geldentschädi- y-- 132 gung an Deutschland zurückzugeben. Darin dürfte es sich allerdings gewaltig irren, da nnsere Ehre es uns gebieten würde, Kiautschou, wenn nötig mit militäri schem Nachdruck, von dem gelben Räuber zurückzufor dern. Oder England siegte. In dem Falle mußte Japan unter alleu Umständen damit rechnen, daß England, welches seinem Verbündeten nicht traute und von vorn herein ein englisches Expeditionskorps zur Unter stützung des Bundesgenossen", in Wahrheit aber zu dessen Beaufsichtigung nach Tsingtau entsandt hatte, seine Schlachtflotte in Europa freibekommen und sie nach dem fernen Osten senden würde, nm dem Ver bündeten die deutsche Beute für sich selbst abzujageil. Dann wäre Japan der betrogene Betrüger, betrogen von einem noch größeren Betrüger! In welchem Lichte die Chinesen das Vorgehen Japans und der europäischen Triple-Entente betrachten, geht aus dem Brief eines angesehenen chinesischen Ge lehrten hervor, der sich jahrelang in Enropa aufgehal ten hatte und auch in China einen ausgedehnten euro päischen Verkehr Pflegte. Er schrieb an die in Schang hai erscheinende Zeitung Ostasiatischer Lloyd" wie folgt: Nur ein paar Worte, um Ihnen meine herzlichste Sympathie mit Ihrem deutschen Volke in dieser Ihrer großen Prüfungsstunde auszudrücken. Ich bin überzeugt, daß Sie für die wahre Sache der Menschheit und Kultur fechten. Die beiden wirklichen Feinde der menschlichen Kultur im heuti gen Europa sind auf der einen Seite die rohen nnzivili- fierten Horden in Rußland, und auf der anderen Seite die überzivilisierten, kranken, in Sinnlichkeit erstickenden Men-- 133 - scheu in Frankreich die gemeinen, vulgären, eigen süchtig-niedrigen Angelsachsen in England. Die einen können als die äußeren Barbaren oder Heiden bezeichnet werden, die andern als die inneren Barbaren oder Heiden bezug auf die wahre moderne Kultur in Europa. Wenn für diese Kultur noch Hoffnung vorhanden sein soll, so müssen diese beiden Feinde unserer Zivilisation unterdrückt werden. Und die große Aufgabe, die zweierlei Heiden zu Fall zu bringen, ist Ihrem deutschen Volke anvertraut, das so der Schützer der wahren europäischen Kultur ist." Die japanische Presse war in den letzten Tagen des Juli und in den ersten Tagen des August 1914 keineswegs zugunsten eines kriegerischen Eingrei fens Japans gestimmt, sondern stellte die Neutrali tät Japans als selbstverständliche Forderung auf. Eine solche Stellungnahme entsprang ganz und gar dem orientalischen Charakter des Volkes: abwarten, um sich je nach Opportunität zu entscheiden. England hetzte indessen, uuter Hinweis aus die japanischen Bündnisverpflichtungen, und nnter dem Drucke der Regierung schwenkte die gesamte japanische Presse ge horsam um und befürwortete uuu den Krieg. Bezeich nend ist die von der Zeitung Mainitschi" wieder gegebene Begründung durch den japanischen Minister präsidenten Graf Okuma: Wenn es zum Weltkrieg kommt, kann Japan natür lich nicht uninteressiert beiseite stehen. Japan muß mili tärische Vorkehrungen treffen .... Jedenfalls muß sich das japanische Volk auf alles gefaßt machen. Mit der Zeit wird Japans Stellung immer bedeutender werden. Ist es doch jetzt schon die Vormacht im Osten!" Deutlich beweist die Niroku" vom 12. August 134 daß England der Faktor lvar, welcher Japan erst znr Führung des Krieges befähigte, indem sie schrieb: Zwischen Japan und England ist eine Erweiterung des Bündnisses vereinbart worden, wodurch dem politischen ein finanzielles Bündnis hinzugefügt worden ist." And gerade hierin offenbart sich die ganze Tragi- komik in der Handlungsweise Englands, welches glaubte, in Japan eine gehorsame Bulldogge, einen Landsknecht gefunden zu haben, der gegen englische Bezahlung die englischen Befehle ausführen würde, während doch in der Tat Japan sich von dem verblen deten England die Mittel hat geben lassen, um seiue eigenen Pläne zur Ausführung zu bringen. Solange die japanischen Pläne mit den englischen Absichten sich decken, wird zwischen beiden Völkern äußerlich die schönste Harmonie herrschen; sobald aber die beiden Wege sich trennen, wird England mit Graueu gewahr werden, welche Falle es selbst für sich ausgestellt hat. Den Schlüssel für das zukünftige Vor gehen Japans liefert sein Verhältnis Rußlan d. Daß ein Bündnis zwischen Rußland und England ungefähr das Unnatürlichste ist, was bisher in der Weltgeschichte vorgekommen ist, wissen die Japaner nur zu genau. Sie wissen ferner, daß dieses Bündnis nur durch die gemeinsame Eisersncht auf Deutschland zu stande gekommen ist und sofort wieder zerfallen wird, sobald der europäische Krieg beendet ist. Die Japaner rechnen ferner mit der englischen Furcht vor einem russischen Angriffe auf Iudien und mit dem heim- 135 licheu Gegensätze der englischen und russischen Inter essen in Persien sowohl als auch ganz besonders in Ostasien, kurz, sie sehen klar vor Augen, daß Rußland und England i,m Grunde Todfeinde sind! Damit war dcsm japanischen Raffinement der beste Weg zu einer Rückversicherung gegen etwaige Differenzen mit dem britischen Verbündeten gegeben, nämlich eine Annähe rung an den alten Gegner von 19l)4 l)3, an Rußland. Nicht etwa, daß das japanische Volk in seinem innersten Herzen sich mit Rnßland ausgesöhnt hätte! Aber Ge fühle dürfen dem Vorteil nicht im Wege stehen! Also hieß es, Rußland einzuwickeln" und es für seine eigenen Pläne auszunutzen! Mit echt asiatischer Schlau heit stellte sich Japan plötzlich, als ob es keinen lieberen Freund wüßte, als den russischen Nachbar. Japanische Generale empfingen mehrere Vertreter der russischen Presse, wobei General Fnkishima äußerte, Japan werde Rnßland die Aufrichtigkeit seiner Politik beweisen. General Knskima sprach sogar den Wunsch aus, daß russisch-japanisches Handelsbündnis zustande komme. Das waren süße Flötentöne, die zu nichts verpflichteten. Und der plumpe russische Bär ließ sich dem schlauen japanischen Kater gern umgarnen. Der Schwächling auf dem russischen Zarenthrone empfing in einer besonderen Audienz den japanischen Militär attache, General Oba, der sich alsdann den Vertretern der Presse gegenüber folgendermaßen äußerte: Es sei sein aufrichtiger Wunsch, daß die jetzige Freund schaft Zwischen beiden Ländern durch ein formelles Bündnis bestätigt werde, und das ganze japanische Volk würde ein solches Bündnis mit Begeisterung empfangen." 136 Nach der Meinung des Generaiis sielen die russischen uird japanischen Interessen ganz zusammen, nicht allein im Osten, sondern auch in allen Fragen der Weltpolitik. Jetzt sei der Augenblick gekommen, um das letzte Wort zu sprechen und das Bündnis zu schließen, welches für beide Länder ohne Zweifel sehr vorteilhaft sein würde. Für deu unparteiischen Beobachter ist das ganze Lügengewebe, welches aus diesen Worten spricht, so fort ersichtlich. Wie wäre eine Gemeinsamkeit der Interessen im fernen Osten möglich, wo es Japans größtes Interesse ist, Rußland die Amur-Provinzen zu entreißen und es aus der Mandschurei gänzlich zu verdrängen? Mit dem Znsammenfallen der Inter essen in allen Fragen der Weltpolitik" spielte der japanische General offenbar auf den anglo-russischeu Gegensatz in Asien hin und deutete zart an, daß es eines Tages auch Japans Interesse sein könnte, Eng land eine gehörige Ohrfeige zu versetzen, wobei es Japan nur angenehm sein würde, wenn Rußland dies für Japan täte. Alles dies ist aber noch nicht das Endziel der japanischen Annäherung an den früheren Gegner; worin dieses eigentlich besteht, wurde in einem Inter view verraten, welches ein Mitarbeiter der Nowoje Wremja" mit dem Chef der japanischen Okkupations armee vor Tsingtau, dem General Akijama, hatte, der sich ungefähr wie folgt äußerte: Die Verhältnisse in Asien beruhten hauptsächlich auf Rußlands und Japans gutem Willen. Alle dächten so in Japan, und deswegen kam Japan Rußland gerne zu Hilfe. 137 - Rußland und Japan müssen China absolut in ihre Gewalt bekommen, wodurch der Frieden auf dem Festlande für immer gesichert würde. Der gemeinsame Bund mit England würde aber auch den Frieden auf den Meeren garantieren. Der Krieg zwischen Japan und Rußland sei ein großer Fehlgriff gewesen. In Japan gäbe es niemand, der etwas gegen Ruß land habe. Rußland und Japan sollten jetzt es als gemein sames Ziel betrachten, China gemeinsam zu erobern und dieses für die Kultur und die Zivilisation zu gewinnen. Hierzu würden mindestens fünfzig Jahre nötig sein." Entkleiben wir die vorstehenden Worte aller Schmeicheleien, die nur dazu berechnet sind, Rußland für die japanischen Zwecke zu gewinnen, und fügen wir in Klammern die Gedanken hinzu, die der General als Vertreter japanischer Politik im innersten Herzen geborgen haben mag, so würde der Bericht über das Interview etwa folgendermaßen aussehen: Rußland und Japan müssen China absolut in ihre Gewalt bekommen, wodurch der Frieden (und die Hegemonie Japans) auf dem Festlande für immer ge sichert würde (da es später nicht schwer würde, Rußland aus China wieder hinauszuwerfen). Der ge meinsame Bund mit England würde aber auch den Frieden auf den Meeren garantieren (bis Japan mächtig genug sein wird, die Seepolizei selbst zu über nehmen). Der Krieg zwischen Japan und Rußland sei (damals) ein großer Fehlgriff gewesen (denn er habe nur England genützt, und jetzt sei Deutschland so freundlich, Rußland z!u Japans Vorteil zu schwächen). Rußland und Japan sollten es als ge meinsames Ziel betrachten, China gemeinsam (für Japan) erobern und dieses für die (japanische) 138 Kultur die (japanische) Zivilisation zu gewinnen. Hierzu würden mindestens fünfzig Jahre nötig sein (denn Japan würde eine Niederkämpfung der chine sischen Macht nur so weit gestatten, bis China sich der japanischen Führung unterwürfe)." Ein weiterer Kommentar ist überflüssig. Nur eins lochte ich noch hinzufügen, um eine allgemein ver breitete, aber ebenso irrige Annahme aus der Welt zu schaffen. Es ist viel darüber diskutiert worden, daß die europäischen Mächte am besten täten, China unter sich aufzuteilen. Das wird Japan nie zugeben! Es würde in einem solchen Falle sich eher auf Chinas Seite stellen, oder wenn es die Aufteilung nicht hindern könnte, so würde es nicht eher ruhen, als bis es den Weißen die ganze Beute wieder ab gejagt hätte und wenn es 30 Jahre darum kämpfen müßte! Denn Japan ohne China würde oh n- mächtig sein in dem Kampfe der gelben gegen die weiße Rasse. Für Deutschland ergibt sich aber eine Richtschnur für seine Politik nach Beendignng des europäischen Krieges. Es wird Rußland nachdrücklich darauf hin weisen, daß seine vornehmste Ausgabe darin bestehen mnß, als Vorkämpfer der weißen Rasse gegen Japan zu fungieren. In dieser Aufgabe wird Deutschland Rußland unterstützen. Schon zu Anfang September 1914 brachten die englischen Blätter eine sonderbare Nachricht aus Tokio. Es hieß, die Japaner bereiteten sich auf eine längere Kriegsdauer in Kiautschou vor; sie wollten langsam 139 und methodisch vorgehen und das Menschenmaterial möglichst schonen. Das Parlament werde Kredite be willigen, um die Heere bis zum nächsten Jahre in Schantuug zu unterhalten. Gleichzeitig brachten japanische Blätter Alarmnachrichten aus China, im Iangtsetale stehe eine Revolution bevor, die mit den Bestrebungen aus Wiedereinsetzung der Mandschn- Dynastie zusammenhänge. Diese letzteren Nachrichten waren natürlich von öer japanischen Regieruug lan- ziert, nm die Verstärkung der japanischen Konsulats- wache in Haukau um 1200 Mauu zu motivieren. Wohl verstanden, betrachten die Engländer das Jangtsetal schon von jeher als ihre alleinige Einflußsphäre, was deu Japanern sicherlich nicht unbekannt war. Noch viel verdächtiger ist die längere Kriegsdauer" vor Tsingtan! Berücksichtigt man, daß Tsingtau weit schlvächer befestigt war als seinerzeit Port Arthur, daß die Japaner im russischeu Kriege niemals ihr Menschenmaterial schonten, sondern in kühnem Stürmen draufgiugen, daß ferner die Kriegsstärke des regulären japanischen Heeres über 1,5 Millionen Mann beträgt, während vor Tsingtau doch höchstens an 30 000 Mann benötigt wurden, so gibt das allerhand zu denken. Dann erlitt die Beschießuug der deutsche Feste ver schiedene Verzögerungen, weil die Japaner erst Ver stärkungen abwarten wollten, dann, weil es an Muni tion mangelte, und so fort. Daß dies nur Vorwände waren, darf man ohne weiteres annehmen. Was aber bezweckten die Japaner damit? Es gibt nur eine Deutung: sie wünschten ihre Kräfte für andere Ziele auszusparen, die einen größeren Gewinn versprachen, 140 als die Eroberung von Kiautschou. Wenn nun diese anderen Ziele nicht in der Unterwerfung Chinas be standen, gegen was konnte sich der Angriff Japans noch richten? Die Antwort lautet: Das zweite grössere Ziel Japans ist die Beherrschung des Stillen Ozeans! Deutschland und Oesterreich haben im Pacific keine Kolonien, deren Eroberung einen Krieg lohnte; wohl aber eignen sie sich als Stützpunkte für weitere An griffe und als Flottenbafis für eine Macht, die an den Gestaden des Stillen Ozeans zu Hause ist. Aus letzterem Grunde haben seit 1898 die Nordamerikaner die Philippinen-Inseln, die Hawai-Grnppe, die Insel Guain (inmitten der deutschen Marianen-Inseln) und einen Teil der Samoa-Inseln besetzt. Daß die Eng länder, die im Stillen Ozean eine ansehnliche Flotte unterhalten, sämtliche Besitzungen des Deutscheu Reiches in der Südsee überfallen besetzen würden, war als selbstverständlich anzunehmen, da Englands ausgesprochenes Ziel die Vernichtung des deutschen Kolonialbesitzes ist. So war eine der ersten englischen Handlungen die Besetzung der Insel Jap in den westlichen Karolinen, die eine besondere Bedeutung als Knotenpunkt von zwei wichtigen Telegraphenkabeln hat. Von diesen führt das eine nach Menado auf der holländischen Insel Eelebes und von dort nach Schanghai, das andere nach der amerikanischen Insel Guam und von dort nach San Franzisko. England brachte durch die Besetzung von Jap den Kabelverkehr der Vereinigten Staaten mit Niederländisch-Indien unter seine Kontrolle. Da geschah das Unglaubliche: 141 die Engländer räumten Jap zugunsten Japans, welches die Iusel sofort militärisch besetzte und damit einen Keil zwischen die Verbindung der Philippinen der Vereinigten Staaten schob. Damit nicht genug, wurden auch die übrigen Karolinen, die Marianen und die Marschall-Inseln von den Japanern besetzt. Bewiesen wird dadurch, was man zu Beginn des europäischen Krieges nur gerüchtweise meldete, daß Großbritannien den Japanern, die mit der Pauschal summe von 1l)l) Millionen Pen nicht zufrieden waren, auch den Weg in die Inselwelt des Stillen Ozeans hat freigeben müssen. Sir Edward Grey, der Leiter der britischen auswärtigen Politik und Schleppenträger des verstorbenen Königs Edward, hat also auch hier die Interessen der weißen Rasse bedingungslos seiner neidischen Geschäftspolitik geopfert. Nur die Insel Nauru mit ihren reichen Superphosphatschätzen haben die britischen Krämerseelen ihren gelben Verbündeten nicht gegönnt, sondern für sich selbst behalten. Als die ersten deutscheu Südseeinseln von den Japanern besetzt wurden, verkündigte die japanische Regierung in Tokio, die Besitzergreifung erfolge nur aus militärischen Gründen und sei nur vorübergehend. Als die Besetzung vollendet war, veröffentlichte die japa nische Gesandtschaft im Haag eine zweite amtliche Mit teilung, die aber die Zukuuft der Befitzfragen völlig im dunkeln läßt. Die Besetzung der drei deutschen Inselgruppen richtet sich indessen in erster Linie gar nicht gegen Deutschland, sondern gegen die Vereinigten Staaten und gegen Australien, die britische Kolonie, 142 und damit gegen England selbst. Die Australier, die sich gern damit brüsten, daß sie loyale britische Reichsangehörige sind, hat die schnöde Handlungsweise des Mutterlandes arg verschnupft; sie sind der Er kenntnis gelangt, daß England skrupellos die Inter essen seiner Kolonien opfert, wenn die eigenen Inter essen ihm die schnödesten Waffen in die Hand drücken. Man hat in Australien bitter die Schmach empfunden, daß eine weiße Nation Gelbe gegen Weiße gehetzt und gebraucht hat. Die gelbe Gefahr ist die einzige, die Australien fürchtet, die einzige Frage, in der Austra lien nie und nimmer dem Mutterlande nachgeben wird. Hierin liegt für die Zukunft ein böser Konfliktsstoff, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Rassenfrage die Veranlassung zur Unabhängigkeitserklärung der Austra lier gegen England geben kann. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Kanada. An der kanadischen Westküste, in Britisch-Kolumbien, will man von den verhaßten Japanern ebensowenig etwas wissen, wie in Australien. Das ist durch die japan feindlichen Unruhen in Vancouver deutlich zutage ge treten. In Britisch-Kolumbien würde sich ein energi scher Widerspruch erheben, wenn England in seinem eigenen polltischen Interesse die Kolonie zur Zulassung der japanischen Einwanderung zwingen wollte. Die westlichen Kanadier hassen die Japs" aus wirtschaft lichen und nationalen Gründen. Durch die stets unter bietenden asiatischen Konkurrenten fühlen sich die weißen Arbeiter in ihrer Existenz bedroht. Die Japaner in Britisch-Kolumbien haben aber auch durch ihr ganzes 143 - Auftreten, welches zu besagen scheint, daß sie sich be reits als Herren des Landes fühlen, die Kanadier vor den Kopf gestoßen argwöhnisch gemacht. Die kana dische Presse verfolgt daher jede Aeußerung des japa nischen Imperialismus mit größter Aufmerksamkeit, und die Augen sind ihnen geöffnet durch den Satz, der sich in einem japanischen Blatte fand und durch die ganze englisch schreibende Presse an der Westküste Amerikas die Runde machte: Für die zu er bauenden Dörfer Schin-Nihans (Neu- Iapans) ist Kanada ein Land der Verhei ßung." Dieser Satz ist nicht mißzuverstehen! In seinen Kolonien wird^England die Strafe für die Blutschuld finden, die es durch sein Bündnis init den Gelben gegen die weifte Nasse auf sich geladen hat. Die einzige Großmacht in der Welt, die bisher noch in keiner Weise in den europäischen Krieg ver wickelt war, sind die Vereinigten Staaten von Nordamerika. England haben sie es zu verdanken, daß sie sich jetzt auch in ihren Lebensinteressen gefähr det fühlen. Die offizielle Bestätigung der Nachricht von der Besetzung der Insel Ialuit durch die Japaner löste in Washingtoner offiziellen und diplomatischen Kreisen lebhafte Unruhe aus. Entgegen der von der japanischen Botschaft in Washington aufgestellten Be hauptung, daß die Insel Ialuit von der deutschen Flotte als Operationsbasis benutzt werde, und daß die Be setzung daher nötig gewesen sei, um die Schiffahrt der Südsee zu schützen, wurde in der deutschen Botschaft erklärt, daß Ialuit absolut keinem militärischen 144 Werte sei, und daß keine Befestigungen irgendwelcher Art dort existierten. Die Ueberraschung in Amerika ivar daher angesichts des ursprünglichen japanischen Versprechens, die Operationen nur auf Tsingtau zu beschränken, sehr groß, und man wies darauf hin, daß ja britische und australische Kriegsschiffe die Südsee vollkommen beherrschten. Die Vereinigten Staaten wünschten in dem Kriege von 1914 neutral zu bleiben; doch die Japaner als nächste Nachbarn der amerikani- schon Kolonien im Stillen Ozean sind zu unbequem und zu gefährlich, als daß selbst die Union ruhig bleiben konnte. Ihre erste Handlung war daher, eine große Flottenverstärkung nach den Philippinen zu ent senden. Die Amerikaner glauben selbst nicht daran, daß der Friede mit Japan wird auf die Dauer erhal ten bleiben können, und sie haben rechtzeitige Vorkeh rungen getroffen. Das ganze Auftreten Japans in Ostasien der Südsee kann man zutreffend mit einem Leoparden ver gleichen, dem England die Käfigtür geöffnet hat umd der raub- und mordlustig jeden anspringt, der ih m als gute Beute in den Weg kommt. Das scheinen die Vereinigten Staaten eingesehen zu haben, und sie haben deshalb einen Schachzug getan, wie man ihn sich n- geniöser kaum vorstellen kann, indem sie mit Chima in Form eines Schiedsgerichtsabkommens eine M i- litär- und Flotten-Konvention von größter Tragweite abgeschlossen haben. Beide Staaten sollten sich verpflichtet haben, ihre militärischen Rüstungen mur im gegenseitigen Einverständnis durchzuführen. Auich über Verstärkungen in Heer und Marine sollen 145 meinsame Beratungen stattfinden und ebenso sollen sich beide Staaten über Verbesserungen auf militärischem Gebiete gegenseitig unterrichten. Daß sich eine solche Konvention nur gegen Japan richten konnte, versteht sich von selbst? ebenso sehr aber bedeutete sie eine scharfe Verurteilung der englischen und russischen Verblendung, die den gelben Erzfeind der weißen Rasse in seinem Vernichtungskampfe gegen die Weißen noch unter stützen will. wahnsinnige Verblendung hat den Eng ländern die Inszenierung des europäischen Arieges diktiert, eine Verblendung, die von schnöden, Neide und engherziger Mistgunst hervorgerufen ist. Mahnsinnige Verblendung hat ihnen auch den Gedanken eingegeben, die Japaner auf die Deutschen ?u hehen, wahnsinnig deshalb, weil sie selbst, nebst ihren französischen und russischen Freunden, die schlimmsten Folgen der Verblendung zu tragen haben werden. Venn an persidie ist Japan seinem Lehrmeister Albion noch weit überlegen und ebenso gewissenlos, wie der Japaner im Privatleben, wird auch die japanische Regierung den Bündnisvertrag mit Großbritannien über den Haufen werfen, sobald sie ?u der Meinung gelangt, das; sie es straflos und mit Gewinn tun kann. Im Japanisch-Russischen Kriege sprachen japa nische Blätter es offen aus, Japan müsse nicht nur die ganze Mandschurei, sondern auch die reichen russischen Amurprovinzen, ja, ganz Ostsibirien besitzen. Ebenso offen erklärten die japanischen Zeitungen, daß Japans Englands Blutschuld gegen die Weibe Nasse. 10 146 nächstes Ziel auf dem Wege zur Weltherrschaft -- die Beherrschung des Stillen Ozeans sei. Die deutsche Inseln im Stillen Ozean sind bereits japanischer Besitz, früher oder später werden sich leicht Vorwände finden lassen, unter denen Japan auch zur Besehung anderer Inselgruppen schreiten kann. Die Inseln in der Südsee genügen aber nicht zur Aufnahme der japa nischen Auswanderung; dafür sind größere Landstrecken auf dem Festlande erforderlich. Wenn man nun die japanische Voraussetzung einer Vereinigung der mon golischen Völker unter Japans Hegemonie nicht außer acht läßt, so wäre die nächste Etappe zum japanischen Vordringen nach Süden das von mongolischen Stäm men bewohnte Hinterindien, welches heute teils unter britischem, teils unter französischem Einflnfse steht oder im direkten Besitze dieser Mächte sich befindet. Tonking, Siam, Anam und Birma sind unendlich reiche Länder mit verhältnismäßig geringer Bevölkerung, die zur Aufnahme japanischer Auswanderer wie als neue Produktionsgebiete gleich wertvoll sind. Die Besetzung der Halbinsel Malakka mit dem schönen Hafen Singapore würde den Japanern den Weg nach dem Sunda-Archipel wie nach Vorderindien öffnen. Man glaube ja nicht, daß dies lächerliche Uto pien sind! Der japanische Graf Okuma hat selbst ge sagt, Japan werde nicht ruhen, bis der letzte Weiße aus Ostasien verjagt sei, und der Begriff ,.Ostasien" ist sehr dehnbar! Mit vollem Recht sagte der bekannte Militärschriftsteller Kapitän zur See L. Persius in einem Artikel im Berliner Tageblatt" unter dem Titel Japan vor Tfingtau": 147 10* Mit gewaltigen Plänen trägt sich das Land der auf gehenden Sonne. Nichts wird es von der Verwirklichung derselben zurückhalten als die Gewalt der Waffen. Wer wird sie künftig gegen Japan führen?" Vielleicht hat England gehofft, dadurch, daß es Japan den Weg in den Stillen Ozean öffnete, es von seinen indischen Besitzungen fernzuhalten. Aber ebenso wie England am Krämerwahnsinn leidet, leidet Japan am Größenwahnsinn, und der Appetit kommt beim Essen! In einem früheren Abschnitt haben wir das Auftauchen japanischer Emissäre in Indien erwähnt. Wollte die Regierung in Downing Street offen und ehrlich Auskunft geben, so müßte sie eingestehen, daß sie schon seit langem ängstlich bemüht ist, die Japaner von Singapore fernzuhalten. Und wie sehr die Phi lippinen und die Hawai-Inseln bereits von Japanern überschwemmt sind, dürften ihre politischen Besitzer, die Vereinigten Staaten, am allerbesten mitteilen kön nen. Japan wird ruhig abwarten, bis die russischen und französischen Heere vernichtet sind, bis Deutschland und England gegenseitig ihre Flotten in den Grund gebohrt haben. Welche europäische Nation wird dann imstande sein, Japan von weiteren Eroberungszügen abzuhalten? Wenn es auch während des europäischen Krieges formell auf der Seite der Triple-Entente stand, so wird es Hich später verzweifelt wenig um seine frühe ren Genossen kümmern, sondern mit der gleichen Ge mütsruhe gegen die asiatischen Besitzungen Englands, Frankreichs und Rußlands losziehen, wie es zuerst gefahrlos über die deutschen Schutzgebiete hergefallen ist. Ob aber dann die Vereinigten Staaten, die als 148 Abkömmlinge der weißen Rasse sich mit Europa soli darisch fühlen sollten, die perfiden kleinen Bewohner des Reiches der aufgehenden Sonne ruhig gewähren lassen würden, dürfte mehr als fraglich sein, da auch ihre vitalsten Interessen arg gefährdet sind. Einer solch ungeheuren Machterweiterung Japans werden sie nicht ruhig zuschauen; sie werden nicht abwarten, bis Japan sich stark genug fühlt, auch zum entscheidenden Schlage gegen Amerika auszuholen. Dann wird auch dieses in den Weltkrieg verwickelt sein gleichfalls durch Englands Schuld!X. England, der Fluch der Menschheit. Nach den der deutschen Regierung vorliegenden Akten kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß England planmäßig seit Iahren den Krieg gegen Deutschland vorbereitet hat. Planinäßig hat sein leider zu früh verstorbener König Edward VII. Reisen von Hof zu Hof, von Hauptstadt zu Hauptstadt unternommen, um einen gewaltigen Völkerbund gegen den deutschen Konkurrenten zustande zu bringen. Es ist ihm geglückt! Denn seine Schlauheit war unleugbar ebenso bedeutend wie sein Haß. Aber die Völker, die er in das Unglück getrieben, fluchen ihm, und es ist zu bedauern, daß er den Ausgang nicht miterlebt hat. Die ausgleichende Gerechtigkeit hätte erfordert, daß er deu Zusammen bruch seines stolzen Gebändes mit eigenen Augen hätte mit ansehen, die Verwünschungen der Menschen mit anhören müssen. Serbien, Rußland, Frankreich, das geldgewaltige Fürstentum Monaco, das kleine Raub königtum des edlen Nikita, das unglückliche Belgien,sie alle mußten herhalten, um die Pläne des Briteu- köuigs die Wirklichkeit umzusehen. Zn Englands Unglück fand sich nach des Königs Tode ein Minister, der ungeachtet aller seiner Intelligenz durch seinen bri tischen Nationaldünkel verblendet genug war, zu glau ben, es werde bei einem derartigen Aufgebot an Kräf ten eine Kleinigkeit sein, den Nebenbnhler Deutschland in den Staub zu werfen. Sir Edward Grey, der poli tische Nachfolger des königlichen Edward, hat die böse Frucht zum Reifen gebracht und wird für seinen Herrn den Lohn miternten müssen. In Oesterreich hat es nicht an britischen Anstren gungen gefehlt, es von der Seite des deutschen Freun des abzuziehen? hier wenigstens ist britische Verlogen heit gescheitert, treu stand der Freund znm Freunde. Italiens Regierung besaß so viel Einsicht, Neutralität zu wahren, wenn auch das Volk zum großen Teile mit den Feinden Deutschlands sympathisierte und Taufende von Italienern auf Frankreichs Schlachtfeldern mit fochten gegen den eigenen Bundesgenossen". Holland widerstand den britischen Lockungen zu seinem eigenen Heile; es hätte sonst das Los seines vlämischen Stam mesbruders geteilt. Das von inneren Zwistigkeiten zer rissene Portugal wand sich ohnmächtig unter dem briti schen Finanzdrucke, der die Teilnahme am Völkerkriege verlangte. Wenn 1870 71 der Franzosenkaiser die algerischen Zuaven und Tnrkos auf den Kampfplatz schleppte, so kann man ein solches Vorgehen entschuldigen mit Na poleons Bewußtsein seiner militärischen Schwäche. Soll151 man die gleiche Entschuldigung gelten lassen, wenn 1914 die Frauzosen außer ihren algerischen Truppen noch Senegalesen andere Negerstäinme aller Art gegen die Deutschen in den Kampf schickten, die Eng länder ägyptische Truppen und Inder aller Gattungen, wie Sepoys, Sikhs, Gurkhas, Raschputen, Dogras, Pathans usw. als Kanonenfutter nach Nordfrankreich schleppten? Klingt es nicht wie ein entsetzlicher Hohn auf Englands Macht, wenn der Häuptling Khama von Bechuaualand seine Leute dem britischen King" Bruder zur Verfügung stellte, Lewanika, der König der Barotse, seine Induuas (Häuptlinge) zur Beratung über eine Teilnahme am Kriege zusammenrief? König Griffith von Basutolaud bot der britischen Regierung an, von jedem Manne seines Stammes einen Schilling als Kriegshilfe erheben zu wollen England nahm an! Und um die Schmach voll zu machen, hetzte England die Gelben auf das edelste Volk der weißen Rasse, auf das Volk der Denker den Träger euro päischer Kultur! Welch ein Glück, daß wir auch ein Volk der derben Fäuste sind! Britannia, wie wird dir zumute bei der Aufzählung deines Sündenregisters? Aber dn hast ja kein Herz, kein Ehrgefühl, keltische Dirne, die dn deine Ehre für klingenden Vorteil verschacherst noch lächeln kannst, wenn man dir deine Schande vorhält! Wie lahm klingt die Entschuldigung eines Ja paners, der in einem Eingesandt" an die Peking and Tientsin Times" vom 6. September 1914 als ein zigen Grund für Japans Teilnahme am Kriege den 152 finanziellen Druck Englands anführte, dem Japan in folge seiner Abhängigkeit von der Londoner Börse sich nicht habe entziehen können. Wenn dies in Wirklich keit auch keine Entschuldigung ist, so hat doch selbst der ,,Iaps" die Schande und das Bedürfnis einer Entschuldigung gefühlt. England hat geschworen, daß es nicht ruhen würde, bis Deutschland vernichtet am Boden liege, und wenn der Krieg 2V Jahre dauern sollte. Lord Charles Beres- sord führte in einem Artikel in den Times" aus, daß England erst dann Frieden schließen werde, wenn die ganze deutsche Flotte auf dem Meeresgrunde ruhe, sollte es auch geschehen um den Preis eines Welt krieges, gegen den der Krieg von 1914 ein Kinder spiel sei. Bezeichnend ist es, daß eine solche Selbst sucht sogar einem Hetzblatte von dem Schlage der russi schen Nowoje Wremja" zuviel wurde, so daß es sich zu der Kritik veranlaßt fühlte: Wir können eine solche kurzsichtige Politik nicht loben und auch die russische Regierung wird sie bestimmt nicht billigen. Man darf sich nicht das deutsche Volk zu einem unpersön lichen Feinde machen. Die Folgen eines Weltkrieges, nur um die Verdrängung eines Industrierivalen (I), sind unabsehbar." Und die meisten russischen Blätter zollten der Entgegnung der Nowoje Wremja" stür mischen Beifall und stimmten einen für England nicht sehr freundlichen Ton an, indem sie die egoistische Manier Englands bei der Kriegführung hervorhoben. England hat es allerdings bereits fertig gebracht, Deutschland zu seinem unversöhnlichen Feinde 153 zu machen. Wir sind dazu schon im Interesse der Selbsterhaltnng gezwungen, nicht eher die Waffen aus der Hand zu legen, bis das britische Weltreich uns nicht mehr schaden kann. Englands Blutschuld gegen alle Völker der Lrde, insbesondere gegen alle Nationen der weiften Rasse, ist zu gros), als das) es Verzeihung erlangen könnte; es hat den !veltbrand entflammt, den Deutschland zu löschen bestimmt ist, und hat sich selbst damit als gerechte Vergeltung des Schicksals sein eigenes Grab gegraben. Und als Grabschrift mögen die Verse des por tugiesischen Dichters Duarte d Almeida (nach einer von Graf A. v. B. in der Frankfurter Zeitung" veröffent lichten Ueberfetzung und Neudichtung) gelten, mit denen ich von meinen Lesern Abschied nehme: Koloß, du kommst zu Fall! Heut , morgen, irgend wann ; Nicht lange mehr, so liegst du hingestürzt ms Leere; Die Lande seufzen dumpf ob deiner Wucht, Tyrann! Pirat! Um deinen Raub verfluchen dich die Meere. Allwärts, wo eine Brust noch atmet knhn und frei Und liebt Gerechtigkeit und huldigt Idealen, Allwärts entgegen dir erhebt man Rachefchrei, Brandmarkend deine Stirn mit lästerlichen Malen.154 Ha! Wenn du einst zergehst wie eitel Dunst Schanin, Du beutegieriges Volk, gesargt in Grabesbrodem, Dann fühlt das Menschentum, erwacht aus bösem Traum, Sei Herz befreit und schöpft erleichtert Lebensodem."AmvoSIe Äecke xum Weltkrieg! aus aem Verlage von Karl Lultluz in Sellin A zs veuttche SchmttschM erläuttste edronik ae enten UleiMieges auf Sruna von Uf unaen unü amtlicften SeNeftten fterauzgegeven von ft. frobenws. Vberstleutnanl a. 0. enckeint ijtkten zu I s ?lg. Während Lzermann Frobenius in Des Deutschen Reiches Schicksalsstunde" die Zustände in Europa am Vorabend des Welt krieges schildert und mit prophetischem Blick die Entwicklung der Dinge voraussagt, gibt er in der .Deutschen Schwertschrift" eine Chronik des Krieges an der Äand eines unabsehbar reichen, sorg fältig gesichteten Materials von zeitgeschichtlichen Dokumenten, ausgehend von den gleichen Gesichtspunkten, die bei der Niederschrift der Schicksalsstunde" ausschlaggebend waren. Die Deutsche Schwert schrift" ist also gewissermaßen die Fortsetzung zur Schicksalsstunde" und daher jedem ihrer Leser angelegentlichst zu empfehlen! ZkZ MW MW MsMtlllA von l). frobenlus. vbemieutnant a. v. . Auklsge prel; M. 1.20 Der Verfasser hat in diese , Bücke die Ereignisse mit pro phetischem Blicke vorausgesehen und die große europäische Aus einandersetzung als eine Angelegenheit der allernächsten Zeit hin gestellt. Die tatsächlich eingetretenen Ereignisse haben ihm schnell recht gegeben. Wenige Wochen vor Ausbruch des Krieges hat der Deutsche Kronprinz seine völlige !lcberei stinim ng mit dem Inhalt dieser Schrift durch folgendes Telegramm an den Verfasser kundgegeben. Ich habe Ihre ausgezeichnete Broschüre Des Deutschen Reiches Schicksalsstunde" mit dem größten Interesse gelesen wünsche ihr in unserem Deutschen Volke die weiteste Verbreitung." Wilhelm, Kronprinz.EnglanÄ in keMr 7rel nach Sem CnMeften üe; 51s Mftur Lonan vov e von Aslüemar Schütte ? , m. Der bekannte Schöpfer des Sherlock Äolmes schildert in der von ihm gewohnten äußerst spannenden Weise den Kampf zur See einer fremden Macht gegen England und sieht die Niederlage des Inselreiches voraus. WM MW geseii Hie Heiße M von Asiaemak 5ckiit?e P I. m. z Inhalt: Englands Schuld gegen die weiße Nasse. Die Er hebung des Islam. Der Rassenkampf in Südafrika. Schwarz gegen Weiß. Geographie und Vorgeschichte Indiens. Indien unter weißer Herrschaft. Die mongolenähnlichen Völker. Der Erzfeind der weißen Rasse. England, der Fluch der Menschheit. In Me BerbreA an Her MeWeil König eauara VII. von knglana. Line?IueI)cl)Mt von Aagnel. vberstleutnavt z. Auflage ?rel Z0 ?fg. Die durch den Titel erhobene Anklage wird im Inhalt mit vollendeter Sachlichkeit, Wahrheit und Kürze begründet. ver Märtyrer Line escklcftle au lem ,7. ZaMunOett von vskar Häring Sr 5cd. M. z. . gebä. M. Eins der dunkelsten Blätter in Englands Geschichte ist die Lebens- und Äerrschortragödie des Königs Karl I, dessen Äaupt auf Betreiben Oliver Eromwells auf dem Schafott fiel. Der Märtyrer" ist König Karl I, Das Buch liest sich wie ein spannender Roman und offenbart ein anschauliches Bild von Zu ständen in einem Lande, in den, schon vor einigen Jahrhunderte trotz oder gerade wegen der ausgeprägten parlamentarischen Re- gierungssorm weder des Volkes Stimme noch des Herrschers Ge walt, sondern der Wille einzelner ehrgeiziger Machthaber ent scheidend war, wie dies gerade in der Gegenwart wieder mit erschreckender Klarheit zutage tritt.Deutschland nü englanck von I^arl klelbtreu . Huklage. ? M. z. gebü. Z.- Inhalt: I. Wirtschaftliche Lage. II. Kolonien. III. Geistige Produktion, Literatur, Kunst und Wissenschaft. IV. Soziale und gesellschaftliche Verhältnisse. V. Freiheitsbegriffe. VI. Politische Geschichte. VII. Militärische und maritime Macht. Es gibt kein zweites Werk, welches in derart eingehender, um- fassender und durchaus origineller Weise das hochaktuelle Thema in meisterhafter, geistreicher Ausführung behandelt. Vleibtreus Buch ist berufen, eine große Wirkung auszuüben. Es ist darin außerordentlich vielNeues, bisher nochnichtGesagtes,SensationelleS enthalten." W Mäh! Ms WM ki MM von vr. S. vierck; m Inhalt: Die Welt des Islam. Die Orientfragen. Der Wett bewerb der europäischen Mächte um das Erbe der Türkei. Das Erwachen des Islam. Ausblick in die Zukunft. Der neueste Akt des weltgeschichtlichen Dramas wird in diesem ausgezeichneten soeben erschienenen Werke eingehend behandelt. Aas soll Rumänien tun? Ernst Nagen In grosser Seit von * ?re,t so ?fg. Der Verfasser, eine der führenden Persönlichkeiten Rumäniens, gibt in dieser Schrift die Erklärung alles dessen, was uns Deut- scken an der Handlung Rumäniens bisher noch unklar war. Die Schrift ist in hohem Grade zeitgemäß und wird zweifellos großes und berechtigtes Aufsehen und Interesse erregen. 8ur Lösung der polnischen frage von A. feMmann- Nraüau ?rel5 to ?kg. Es handelt sich um die Schaffung eines neuen selbständigen Polenstaates, nach einem für Deutschland und Oesterreich siegreichen Verlaufe des Wellkrieges. Der Verfasser versteht es, sehr beachtens- werte Gesichtspunkte und Ansichten vorzubringen zur Klärung und Förderung der Frage.ver Mg eine MtlMlAM U MMM WelWmg von ?rof. vr. kaeltdaus tv pfg Auf Grund weltwirtschaftlicher Studien, reicher Erfahrungen im Auslande und auf Grund persönlicher Erlebnisse in Ostpreußen und Berlin ist dieses Werkchen entstanden. Es zeigt, daß der wahre und Hauptgrund für alle unsere Feinde, besonders für den Qaupt- anstifter England, nur Ver bla^e Neid aus Deutschlands Entwicklung, Macht und Größe war. Alle anderen Gründe sind nackte Vor täuschungen. Russische Wturbiiaer ?rel dro;cli. M z V0N EllgeN geb. M. Ein ausgezeichnetes Buch über Rußland von prickelndem Reiz und hohem, dauerndem Wert zum richtigen Verständnis russischer Zustände, russischem Land und Volk. Der Verfasser urteilt auf Grund genauester Kenntnisse und gründlicher Vertrautheit. ver Zar uncl seine Zuclen dlo;cl,. M. z V0N HUlt AsÄM geb. M. Ein begeisterndes Buch und ein hochinteressantes Gegenstück zu dem Erlaß des Zaren an seine lieben Juden". Das Buch ist ein Aktenwerk zur Zeitgeschichte und hochwichtig für die Kenntnis der gesamten Iudenfrage. WegsMer aus Ser vibel von vr. Har! Uner, ev. Pfarrer ?rei5 o pfg. Eine überaus glückliche Zusammenstellung von auf den Krieg bezüglichen Abschnitten aus der Bibel, u. a.: Kriegers Abschied. Der Kronprinz. Saul der Soldatenkönig, Mahanaim und Sarajewo Die Flammenschrift der Kriegs-Feinde ringsum. Aegyptens Äeypolitik. vie Kultur Zapans z. uii,ge von vr. v. Itscdikawa ?re m. I Das Buch enthält viel Interessantes, namentlich auch über den Drang zur Ausbreitung und die politischen Ziele des japanischen Volkes. Drnil von Paß Garlcb G. m, d. S., Berlin W 57.
