Das Ringen der Weltmächte um den Stillen Ozean Verlag Theodor Weicher, Leipzig Eine Monatsschrift für alle, die an der Ertüchtigung des deutschen Volkes Anteil nehmen, ist der Deutsche Volkswart Herausgegeben von Gerhard Krügel Jährlich 12 Hefte Halbjahrspreis 3 Mark In bewußtem Gegensatz zu allem Undeutschen und Volksfremden arbeitet der Deutsche Volkswart" jeder zeit entschieden und sachlich an der Vertiefung des deutschen Gedankens, um so den Blick zu weiten für die Werte deutschen Volkstums samt dem, was zu seiner Erhaltung und Förderung not ist. Nicht, daß er den Leser hinein ziehen will in den Kampf widerstreitender Tagesmeinungen und politischer Parteiströmungen, sondern was das Volks leben bewegt, soll hier von hoher vaterländischer Warte aus beleuchtet werden. Es wird deshalb auch weiterhin Ausgabe des Deutschen Volkswarts" sein, zu zeigen, was die berufenen Männer über die großen Zeit- und Volksfragen denken, und dafür Sorge tragen, daß auch das eigene Wissen über alle Zweige deutschen Lebens mehr und mehr vertieft werde. Der 2. Jahrgang beginnt jetzt zu erscheinen.Das Ringen der Weltmächte um den Stillen Ozean Von Georg Widenbauer Leipzig Theodor Weicher 1917 Alle Rechte vorbehalten Roßbers sch Buchdruikerct, Leipzig Während im Altertum und in der vorkolumbischen Ära das räumlich beschränkte Mittelmeer das Haupttummelfeld des Wettbewerbes der Völker zur See bildete, erweiterte sich mit Beginn der ozeanischen Hochseeschiffahrt der Schauplatz der Seebestrebungen der einzelnen Mächte auf sämtliche Weltmeere. Von Nord nach Süd, von Ost nach West ziehen in den Weltmeeren in dichtem Netz die Bahnen, in denen das politische, geistige und wirtschaftliche Leben der Menschheit majestä tisch dahinrauscht. Unter den Ozeanen nahm bis auf die jüngste Zeit herauf der atlantische als Handels- und Verkehrsstraße die erste Stelle ein. Denn er greift durch seine Rand meere, Mittelmeere und Meerbusen tief in die angrenzen den Kontinente ein, vor allem in das westliche Europa und den Ostrand von Amerika, auch macht er durch ein weitverzweigtes Stromgeäder von tief in das Binnen land hineinreichenden schiffbaren Flüssen seinen Einfluß bis in das Herz der Nachbarkontinente geltend und ist somit das wichtigste Kulturmeer der Gegenwart. Nir gends verdichten sich die Schifsahrts- und Kabellinien in solchem Maße wie hier, und von den zwölf Riesen verkehrshäfen der Welt entfallen allein neun auf seine Küstengebiete. Der Atlantische Ozean hat am meisten dazu beige tragen, den Schauplatz der Weltgeschichte über die Nord halbkugel zu verbreiten. Er ist das Mittelmeer der Gegenwart. In neuester Zeit droht ihm jedoch ein_ 4 Nebenbuhler zu erwachsen, der ihn vielleicht einmal in der Weltbeherrschung ablösen wird, der Große oder Stille Ozean, der zum Träger einer höchst beachtens werten Rolle in der Menschheitsentwicklung berufen ist. Die bedeutendsten, zukunftvollsten Gebiete der Süd- halbkugel vereinigen sich im Stillen Ozean, und was dereinst von einer großen selbständigen Geschichte der Antipoden sich verwirklicht, das wird seinen Schauplatz vorzüglich im Stillen Ozean haben." (Ratzel.) Es darf uns deshalb nicht wundernehmen, daß die großen Weltmächte der Gegenwart in richtiger Er kenntnis seiner künftigen ausschlaggebenden Bedeutung es sich haben lebhaftest angelegen sein lassen, auf ihm Fuß zu fassen, bzw. ihre natürliche Stellung dort zu er weitern, und so ist auf ihm, namentlich seit der Mitte des verflossenen Jahrhunderts, ein zähes Ringen um Ausdehnung des staatlichen Machtbereichs entstanden. Schon damals ist der seiner Natur nach ziemlich fried liche pazifische Riese durch heftiges Kriegsgetöse auf geschreckt und die Welt daran gemahnt worden, daß einst auf feineni gigantischen Rücken um den Dreizack Nep tuns, das Szepter der Welt", in heißen Kämpfen gerungen werden wird. Die erste europäische Weltmacht, welche ihren Fuß auf die Gestadeländer des Stillen Ozeans setzte, war Spanien. Spanien. Am 25. September 1513 erblickte Nuüez de Balbon als erster Europäer von den Höhen der Kordilleren von Panama dieses unendliche Meer, dem er den Namen Südsee beilegte. Fortan betrachteten die Spanier das ganze Meer und seine östlichen Küsten länder, die zum ersteu Male als selbständiger Kontinent erkannt wurden, als spanisches Gebiet, zumal da der be kannte päpstlich genehmigte Teilungsvertrag von 1493,weiter ergänzt zu Tordecillas 1494 und Zaragossa 1529, ihnen fast den gesamten Bereich des Stillen Ozeans als ihre ureigenste Interessensphäre zugewiesen hatte. Die spanisch-portugiesische Demarkationslinie, die mit 370 See meilen westlich der Kap Verdischen Inseln festgesetzt wurde, verlief jedoch so ungünstig, daß der Malaiische Archipel noch in die portugiesische Eiuslußzone fiel. Nachdem sodann der Portugiese Magalhaes in spani schen Diensten die atlantische Pforte in die Südsee in der nach ihm benannten Straße an der Südspitze Ameri kas gefunden hatte, durchquerte er von 1520 bis 1522 die Südsee ihrer gauzen Breite nach und entschleierte so die große Wasserwüste, auf der schon bald, von 1527 an, ein regelmäßiger Schiffahrtsdienst zwischen Mexiko den Molükken eingerichtet wurde. Doch haben sich die Spanier, die in erster Linie den Ausbau ihres ameri kanischen Kolonialreiches betrieben, nicht sonderlich um die weit entlegenen, an Edelmetallen und wertvollen Produkten armen Südseeinseln gekümmert außer den Philippinen, Marianen, Karolinen und Palaus keine andere Inselgruppe kolonisiert. Auch die beiden anderen Hauptkolonisatoren damaliger Zeit, die Portu giesen Holländer, Spaniens eifrigste Nebenbuhler, ließen die Südsee selbst so ziemlich unberührt. Nur im australasiatischen Mittelmeer richtete Portugal eine Portugal, stattliche Herrschaft auf, die freilich bald genug an die Holländer verloreu giug, als es 1580 von Spanien unter jocht worden war. Kümmerliche Reste zeugen hente noch von der einstigen Kolonialherrlichkeit Portugals in den indonesischen Gewässern. Nur 19000 ykni nennt heut zutage Portugal im Sundaarchipel sein eigen, nämlich die Osthälfte von Timor. Dagegen hat Holland sein damals erworbenes wert-Holland. 6 Volles Gebiet, 1521000 qkin mit 39 Millionen Ein wohnern, also in der 58fachen Größe des Mutterlandes, bis auf den heutigen Tag zu behaupten gewußt. Ob es aber auf die Dauer imstande ist, dieses große überseeische Reich gegen fremde Übergriffe zu verteidigen, steht dahin. Jedenfalls spielt Holland in der Beherrschung des Stillen Ozeans keine solche Rolle mehr wie im 16. und 17. Jahr hundert, wo Portugiesen Holländer in den ost asiatischen Gewässern, insbesondere in Japan, einander den Rang abznlaufeu suchten. Eine Zeitlang hätte Holland sogar berufen geschienen, Hauptkolonialmacht der Südsee zu werden, indem es nicht nur die Portu giesen völlig aus Japau verdrängte und sich dort auf 250 Jahre das Haudelsmouopol sicherte, vor allem aber, indem es eine eifrige Forschertätigkeit in der terra g-ustralis inooZiütg, betrieb, wobei Abel Tasman auf seiner großen Entdeckungsfahrt 1642 nicht bloß Tas manien und Neuseelaud, sondern die Nordwestküste Australieus selbst entdeckte, dem er den Namen Nen- holland gab. Doch hat Holland diese Gebiete, da sie ihm zu wertlos dünkten, nicht beschlagnahmt. Erst im letzten Jahrhundert holten die Holländer einen Teil des Ver säumten nach nahmen 1828 den Westen von Neu guinea in Besitz, 403400 mit etwa Million Ein wohner, den sie 1886 genauer abgrenzten. Die einst ge koloniale Großmacht Spanien aber, die sich politischen Besitz in der Südsee aneignete, ist heut zutage völl g aus dem Stillen Ozean ausgeschaltet. Die 1565 besetzten Philippinen gingen ebenso wie Gnam auf den Marianen im Spanisch-Amerikanischen Kriege an die Vereinigten Staaten über. Die übrigen Marianen und die Karolinen kamen 1899 durch Kauf an Deutsch land. Es ergibt sich somit die auffallende Tatsache, daßdie eigentlichen Entdecker und Erforscher dieses Welt meers dort mit dem Verluste ihres Besitzes jeglichen Einfluß eingebüßt haben. Ruhmlos ist die spanische Flagge von einem Meere verschwunden, in dem sie einst fast ausschließlich geherrscht hatte. Um so besser hat es jene Macht, die Spaniens einst auf allen Meeren wehende Flagge in der Weltbeherrschung abgelöst hat, verstanden, das spanische Erbe der Vor herrschaft im Pazifik anzutreten, ja noch bedeutend zu vergrößern, nämlich England. Von dem Augenblick an, England, wo das Dasein des Stillen Ozeans bekannt geworden war, richtete sich schon der Blick der Engländer auf ihn. Der feine politische Instinkt, der dem Jnselvolk eigen, erkannte schon früh die künftige Bedeutung dieses Weltmeers, und so hat England, trotzdem es selbst nicht dessen unmittelbarer Anrainer ist, sich dort den Löwen anteil zu sichern gewußt. Der kühne Seeheld und Entdecker Sir Francis Drake war es, der zum ersten Male die Augen seiner Lands leute auf jenes weltabgeschiedene Meer lenkte und es in den Bannkreis der weltbeherrschenden Interessen Al- bions zog. Im Kriege gegen die verhaßten Spanier glaubte er diese in den chilenischen und peruanischen Gewässern, wo sie sich sicher fühlten, am empfindlichsten schädigen zu können. Mit fünf Schiffen begann er 1577 den Kaper krieg mit großem Erfolg und kehrte dann quer durch den Stillen Ozean segelnd über die Molukken und um das Kap herum nach Hause zurück. Drakes kühne Weltumseglung bezeichnet, ob wohl halb und halb noch ein privates Unternehmen, doch den erstenselbst-nndzielbewußten SchrittzuEnglands weltumfassender meerbeherrschender Poli- 8 tik. Von ganz besonderer Bedeutung wurde aber Drakes Fahrt für den Stillen Ozean und dessen weltgeschichtliche Bedeutung überhaupt, indem dieser gleichsam mit einem Schlag in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt und zum Schauplatz des Kampfes um die See herrschaft gemacht wurde ... Und wenn auch der end gültige Austrag des Seekrieges zwischen England und Spanien in den Jahren 1588 (Zerstörung der Armada) und 1597 in den europäischen Gewässeru erfolgte, so läßt sich doch behaupten, daß diesem Austrage die im Stillen Ozean vorangegangenen Ereignisse unbedingt vorgebaut hatten, ja, daß England dort den Schlüssel zur Seeherrschaft gefunden hatte." (Helmolt.) Doch dauerte es immerhin noch über 100 Jahre, bis England im Stillen Ozean selbst festen Fuß faßte. Nach dem es durch die Reisen des James Cook 1768 78 von neuem sein Interesse an der Südsee bekundet hatte, nahm es zum Ersatz für den Verlust der nordamerikanischen Kolonien 1788 den Australkontinent in Besitz, zunächst freilich nur als Verbrecherkolonie. Doch bald strömten freiwillige Einwanderer zu, in der Hauptsache Engländer, und so entstand in dem jüngsten Erdteile eine zweite antipodische Auflage Alt-England, ein Tochterland, das mit nicht geringeren: Stolz als das Vorbild daheim das .liuls Lrits,nnis an: Stillen Ozean vertritt." 1800 setzte sich sodann England auf Neuseeland fest, 1802 auf Tasmanien, später auf zahlreichen anderen ozeanischen Inseln, wobei meist die Sorge vor einem französischen, bzw. deutschen Wett bewerb die treibende Kraft zur Annexion bildete. Von den wichtigeren Inselgruppen sind zu nennen die 1874 erworbenen Fidschi-Inseln, 1884 Südost-Neuguinea, 1886 die Südsalomonen, Gilbert-Inseln und Union-Archipel, 9 1889 die Tonga-Inseln und die 1890 von Deutschland abgetretenen Salomonen Joisenl und Isabel. Ebenso muß die französisch-britische Verständigung über die Neuen Hebriden (19l)6) in erster Linie als gegen Deutsch land gerichtet betrachtet werden. Der Gesamtbesitz Groß britanniens in der Südsee beträgt einschließlich des austra lischen Festlandes 8258 OVO czkin mit rund 6^ z Mill. Einwohnern. Ganz Ozeanien ist von einem Netz von englischen Kohlenstationen und Flottenstützpunkten über zogen. Die blühenden Staaten des Anstralkontinents bieten im Verein mit dem Jnselstaate Tasmanien und Neuseeland den zahlreichen Inselgruppen Polyne siens den: englischen Handel so vorzügliche Stationen, daß sie in der gegenwärtigen Weltstellung Englands zu den wichtigsten Gliedern zählen. Zudem haben sich die Binnenstaaten Australiens nicht allein durch die 1851 erfolgte Auffindung reicher Goldlager sondern viel mehr noch durch ungeheure Ausbreitung ihrer Schaf-, Rinder und Pferdezucht, durch ihre Kohlen, am Ende des ^.Jahr hunderts selbst durch ihr Getreide als reiche Ausfuhrländer erwiesen. So bilden sie eine wahre Hochmacht des noch immer meerbeherrschenden Albion auf der westlichen Halbkugel zwingen in ihrem geographischen Zu sammenhange mit der pazifischen Inselwelt auch den größ ten, ausgedehntesten und gleichsam kosmopolitischen Ozean in den Bannkreis Englands. Dies hat sich nur noch ge steigert, seitdem sie sich zum Staatenbunde Loraraon- vvsaltii ok^ristratis," (31. März 1897) zusammengeschlossen haben, der zunächst noch kein höheres Ziel kennt, als den britischen Weltmachtsgedanken mit erhöhtem Nochdruck zu pflegen." (Helmolt.) Damit erscheint vorerst der partiknlaristische Gedanke der Gründung eines für sich bestehenden angelsächsischen Südseereiches, wie es der 10 frühere Premierminister von Neuseeland, Julius Vogel, geplant hatte, überwunden oder wenigstens verzögert. Mit Australien und Ozeanien ist aber der Besitz Eng lands am Stillen Ozean bei weitem noch nicht erschöpft. Denn hierher sind noch zu rechnen der britische Anteil an Indonesien, rund 204 900 qkm mit 700 000 Einwoh nern. Außerdem besitzt es in Hongkong (1010 und Weiheiwei (940 ykni) mit zusammen 600 000 Ein wohnern Flottenstützpunkte ersten Ranges in den Ge wässern Ostasiens. Jene vor der Mündung des Si- kiang, Kanton, der Millionenhauptstadt des volkreichen Südchina gegenüber liegende Insel ist heute das groß artigste Handelsemporium, das den Hauptteil des ost asiatischen Handels beherrscht. Es stellt gemeinsam mit dem am Nordrande der erzreichen Halbinsel Schantung gelegenen Weiheiwei, das einen englischen Wachtposten gegen etwa ge auf das Herz Chinas gerichtete Expan sionsgelüste Rußlands oder auch Japans bildet, einen Hauptstützpunkt der englischen Macht in den westlichen Randländern des Pazifik dar. Hier laufen in zahlreichen Kabeln die Fäden der britischen Weltinteressen aus der ganzen südlichen Ozeanhälfte der Erde zusammen. Außerdem hat England in allen wichtigen Hafen plätzen Chinas eigene nationale Niederlassungen, in denen seine Beamten nicht bloß die Verwaltung führen, sondern auch in beschränktem Maße richterliche Befug nisse sogar über Chinesen ausüben. Im übr gen be trachtet sich England in Ostasien dank seiner überragenden Stellung ausgesprochenermaßen mehr noch als anders wo als eigentlicher arditer gentium." (Dr. Frank in Die Großmächte in Ostasien.) Es pochte auf die Macht, welche ihm das 1898 unmittelbar nach der deutschen Pach tung Kiautschaus erworbene Vorrecht der alleinigen 11 wirtschaftlichen Ausbeutung des Jangtse-Tals verlieh. Zu dieser Einflußsphäre rechnete aber das geschäfts tüchtige Albion die an den Jangtse-Strom angrenzen den Provinzen und außerdem Hönau Tschekiang", d. h. also nicht weniger als neun von den 18 Provinzen Chinas und zwar die größten und fruchtbarsten, gewiß ein klassisches Beispiel, wie England sich Jnteressenzonen" schafft. Wahren die zuletzt genannten Gebiete die Hoheit der britischen Interessen am Westrande der Südsee, so spricht die Machtfülle, welche England auch an dessen Ostrande angesammelt hat, nicht minder beredt für seine Vor machtstellung in diesem Zukunftsmeere. Auch auf der amerikanischen Seite des Meeres ist England vertreten. Kanada, die größte englische Kolonie mit weißer Be völkerung, bildet zumal bei seiner großartigen Bedeu tung für den Weltmarkt als Hauptlieferant für Getreide, Holz und wertvolle Metalle (Eisen und Nickel) eine Haupt säule des englischen Kolonialbesitzes am St llen Ozean und spielt bei der Aufrechterhaltung der englischen Herr schaft dortselbst eine ungemein wichtige Rolle. Noch harren allerdings weite Gebiete der Erschließung. Die bisher vorhandene Pazifikbahn, die von Montreal nach Vanconver fährt, verläuft zu nahe der Union. Es ist deshalb eine mehr nördlich gelegene, Kanada zentral durchquerende Parallelbahn geplant, die die kürzeste Verbindung Englands mit dem Stillen Ozean herstellen und somit gleichsam ein englisches Gegenstück zur russi schen transsibirischen Bahn bilden soll, bestimmt, die Macht mittel Englands in der Stunde der Entscheidung aufs rascheste an die pazifischen Gestade vorzutragen. Kanada, mit seinen über 8^ Mill. ykm und 7 Mill. Einwohnern an Größe dem Australkontinent vergleichbar, stellt somitden nordöstlichen, Australien den südwestlichen Festland block dar, auf denen die pazifische Herrschaft Albions ruht. Von zwei Seiten hält es das Stille Weltmeer um klammert. - Es hat aber auch die Zugänge zu ihm in seine Ge walt, bzw. unter seine Kontrolle gebracht. Den Eingang von: Indischen Ozean her, der fast eine rein britische Binnensee geworden ist, schirmen Singapure, das ost asiatische Gibraltar, und die Anstral-Jnseln, den Ein gang von der Atlantis bewachen die Falklandsinseln, während das britische Janmika im amerikanischen Mit telmeer, ein amerikanisches Zypern, die künstliche Pforte des Panamakanals kontrolliert. Durch zahlreiche Kabel nud Schiffahrtslinien hält es im Innern des Ozeans die zum Teil sehr weit auseinanderliegenden Teile seines Herrschaftsbereichs aufs innigste verknüpft. In allen pazifischen Häfen dominiert der Union Jack als Herold britischer Interessen, als Künder britischer Allgewalt. Mit kühnem geopolitischen Griff hat England in diesem vom Mutterland so abgelegenen Weltmeere die Bausteine zu dem Lsrss tsr Lrits.in zusammengefügt, aus dem ein mal das von den englischen Allerweltschauvinisten so heiß ersehnte ^U-Lritg.in hervorgehen soll. Die zur Zeit nach England bedeutendste Macht im Stillen Ozean und zugleich jene, welche dieses Riesen meer als ihr ureigenstes, von der Natur zugewiesenes Japan. Herrschaftsgebiet betrachtet, ist Japan. Es besitzt alle Vorbedingungen für eine Großmachtstellung: Jnsel- natur und Weltlage. Es nimmt im Pazifik ungefähr die gleiche Stellung ein wie England im Atlantischen Meer. Wie England liegt es dicht vor den Küsten des Kontinents, der den einen Kulturpol der Menschheit trägt, schaut aber mit der anderen Seite nach dem Weltmeer, 1? nur mit dem Unterschied, daß hier die Kulturseite dem Meere zugekehrt ist. Dieses vielgliedrige, von SW nach NO langgestreckte (21 48 50 56 n. Br.) Jnselreich lagert wie eine Reihe von festlichen Girlanden dem Fest lande Asiens vor, schließt wichtige Teile des Ozeans zu Randmeeren und stempelt diese gleichsam zu Binnen meeren, aus denen nur schmale, von ihm beherrschte Seestraßen in den offenen Ozean hinausführen. Diese räumliche Ausdehnung der Jnselgirlaude ermöglicht nicht bloß einen maßgebenden Einfluß auf den Verkehr der drei Randmeere, sondern auch auf das Wirtschaftsleben des benachbarten erzeugnis- und volkreichen China. Ganz besonders aber verleiht ihm die außerordentliche Gunst seiner Weltlage ein entscheidendes Übergewicht im Pazifik. Mit dem Eintritt des Stillen Ozeans in die Weltgeschichte stellte es sich heraus, daß Japan einen Vorzugsplatz besitzt, in Wirklichkeit eine Zwischenlage zwischen Osten (China) und Westen (den Vereinigten Staaten), ähnlich der Rußlands, verbunden mit beinahe demselben Schutz der Isolierung, wie ihn die Vereinigten Staaten haben." (Kjellsn.) Japan hat aber auch eine ungemein günstige Lage zum Ozean selbst. Frei kehren seine vier großen Inseln ihr östliches Gestade gegen den offenen Ozean, indessen das westliche sich wenig vom asiatischen Festlande entfernt. Und in unendlichem Ringe zieht in der östlich angrenzenden See das ewig bewegte Meer seinen riesigen Kreis, als Kuro-Schiwo gewaltig und breit von Japan hinübersetzend nach Amerikas Nord westküste, als nördliche Aquatorialströmung ins heimische ostasiatische Randmeer zurück sich wendend. Flußgleich durchziehen diese Strömungen den weiten Ozean, für die Schiffahrt natürliche Straßen darstellend und durch Zufall und Praxis als solche wohl schon lange vor ihrer 14 theoretischen Feststellung erkannt. Unterstützt durch seinen Jnselcharakter, seine reiche Gliederung und aus gedehnte Küstenentwicklung wie durch seinen Überfluß an vorzüglichen Häfen, ferner durch die ethnographisch begründete Neigung seiner Bevölkerung zum Seewesen, mußte Japan die Blicke schon früh auf den Ozean lenken." (Helmolt.) Es war früher schon einmal auf dem besten Wege, sich eine pazifische Seeherrschaft zu sichern, aber selbstgewählte Abschließuug infolge Fehlschlagens seiner Angriffspläne auf das benachbarte Festland, wo es die Grundlagen seiner Macht zu erweitern suchte, warf es für Jahrhunderte wieder auf den kontinentalen Stand punkt zurück und hielt es von jedem Verkehr mit dem Auslande ab. Aus dieser Erstarrung durch Amerika 1854 gewaltsam aufgeschreckt, ist Japan wie mit einem Zauberschlage zu neuem Leben erwacht heute strebt das England des Ostens" mit größtem Nachdruck nach Ausdehnung und Machterweiterung. Zwei Ziele verfolgt dabei das Mikadoreich zur Er reichung seiner hochfliegenden imperialistischen Pläne. Zunächst erstrebt es die politische Bevormundung und möglichst alleinige Ausbeutung des Reiches der Mitte, das mit seinen Kohlen und Erzschätzeu der aufblühen den japanischen Industrie das unentbehrliche Lebens brot bietet. Damit verbreitert es die ohnehin etwas schmale wirtschaftliche Grundlage seiner Großmacht stellung und gewinnt die AUttel zu seiner großzügigen Expansionspolitik. Der frühere Minister des Auswärti gen Komura hat einmal im japanischen Parlament die Perspektive für diese Politik aufgestellt: umgeben von Riesenvölkern (von Chinas 400, Rußlands 160, der Ver einigten Staaten IVO) muß Japan so schnell wie möglich IS versuchen, eine dreiziffrige Millionenzahl zu erreichen. Bei der Gelegenheit sah er die Lösung in einer Koloni sation auf dem Festlande. Das ist das asiatische Kontinentalprogramm, das auf die geographische Nachbarschaft, den mongolischen Rassenkern und das orientalische Kulturferment zurückgeht. Im Gegensatz dazu steht sein maritimes und pazifisches Programm mit seinen Stützen in der Jnsnlarität, dem malaischen Blute und der planetarischen Sehweite, die aus den neuen Kultureinflüssen folgte. Es legt den Schwerpunkt auf die Flotte und sucht sein Shin Nihon" (Neues Ja pan) durch den Zug nach Süden", nach den Inseln des Stillen Ozeans und dem Festland Amerikas". (Kjellen.) In Verfolgung dieser beiden Hochziele seiner äußeren Po litik ist Japan bisher sehr zielbewußt zu Werk gegangen und hat großartige imperialistische Triumphe gefeiert. Das ist nicht verwunderlich von einem Staate, der sich innerlich im Laufe eines halben Jahrhunderts aus einem mittelalterlich rückständigen, von aller Welt abgeschlosse nen Staatswesen in eine moderne Großmacht verwan delt hat. Im Sommer 1894 setzte der japanische Krieger seinen Fuß zum ersten Male wieder auf koreanischen Boden, der das Eintrittstor Japans in den Kontinent bildet. Freilich mußte es sich im revidierten Frieden von Schimonoseki 1895 wieder vom Festlande zurückziehen und mit der Insel Formosa begnügen; allein nur für kurze Zeit dauerte sein Ausschluß vom festländischen Gegengestade, dessen Halbinsel Korea völlig seinem Einflüsse ausgeliefert blieb. Der russisch-japanische Krieg, den Japan im Vertrauen auf die Rückendeckung durch das ihm seit 1902 verbündete England eröffnete, brachte ihm endlich Korea und die Halbinsel Liantnng mit dem 16 wichtigen Port Arthur sowie die Südhälfte von Sachalin, so daß Japans Besitz sich auf 620 000 mit 56 Mill. Einwohnern erweiterte. Das der Burennot Englands von 1901 entsprungene Bündnis stachelte den pan mongolischen Machtkitzel Japans gewaltig auf, noch mehr aber wurde das Selbstbewußtsein der Japaner gehoben, als dieser Buud noch vor den: Frieden von Portsmouth am 21. August 1905 von England auf wei tere zehn Jahre verlängert wurde; am 4. April 1911 be kam er eine neue Fassung, unter gleichzeitiger Verlänge rung bis 1921, aber mit der Einschränkung, daß, wenn eine der verbündeten Mächte mit einer dritten einen Schiedsgerichtsvertrag schließe, sie nicht verpflichtet sei, in einem Kriege ihres Bündners mit dieser Macht jenem Hilfe zu leisten. Mit dieser Macht war Amerika gemeint, vielleicht auch Rußland. Wer vermöchte in dieser Ein schränkung des Bündnisses nicht Englands Absichten auf Verpflichtung Amerikas Rußlands im damals schon geplanten deutsch-englischen Kriege zu erkennen? Die Veröffentlichung dieses die stolzen Hoffnungen der japanischen Chauvinisten etwas herabstimmenden Vertrages erregte in Tokio solchen Unwillen, daß Fürst Katsura, der ihn abgeschlossen hatte, bald darauf ge stürzt wurde (25. August). Immerhin hatte Japan aus diesem Bund, der ihm einen Platz an der Seite einer europäischen Macht und noch dazu der Weltmacht England einräumte und seine Großmachtstellung deutlich unterstrich, den größten ma teriellen und moralischen Gewinn gezogen. Schließ lich fielen die Erwerbungen auf dem asiatischen Fest lande weniger ins Gewicht als der ungeheure Zuwachs an Prestige, den ihm der Bund mit England in der ganzen mongolischen Welt und darüb.sr hinaus einbrachte 17 und der seine Vormachtstellung in Ostaiien bedeutend festigte und Japan znm Träger einer Art asiatischer Monroedoktrin machte, welche letzten Endes auf Aus schließung aller Weißen aus dem weitgesteckten Bereich des Paumongolismus ausgeht. Dieses letzte Endziel Japans nmß man im Auge be halten, wenn man die festländische Position Japans im Stillen Weltmeere kritisch würdigen will. Seit 1895 ist das Dai Nippon banzai!" neben dem scheinheiligen all gemeinen Feldgeschrei Asien den Asiaten!" die speziell japanische Losung geworden. 1904 forderte die Zeitung lodiokai" ganz offen: Die Übereinkommen europäi scher Mächte mit asiatischen bedürfen künftig der Ge nehmigung Japans." Das sind ganz dieselben Anschau ungen, die schon 1887 Baron Jnayayi in seinem Buche Japan der Stille Ozean" verfochten hatte. Darin faxt er, die gelbe Rasse müsse sich vorsehen, daß ihr nicht das Schicksal der schwarzen widerfahre (Afrika war knrz zuvor aufgeteilt wordeu). Sie brauche sich die Anmaßung der weißeu nicht gefallen zu lassen; denn sie sei intelli genter als diese. China, Japan, Korea und Siam müßten sich zu einem festen Bund zusammenschließen, Japan solle dabei die Führerschaft übernehmen. Die Herr schaft über Asien und den Stillen Ozean sei anzustrebeu. Bezeichnend ist, daß dieser Vorkämpfer des Paumon- golismus bald darauf zum Gesandten in Siam ernannt wurde. Wen sollte es da noch wundern, daß schließlich Japan bei Ausbruch des Weltkrieges die erste Gelegenheit er griff, das deutsche Kiautschou, das seine chinesischen Zirkel so unlieb störte, sich anzueignen. Das ist so we nig erstaunlich, wie die Furcht der Franzosen vor einem japanischen Anschlag auf ihr Cochinchina, die sich in Frank- Mi d e n b a c r , DaS Ringen der Weltmächte, 2 18 reich schon zu dem Wunsche verdichtet hat, man möge diese Japan früher oder später doch einmal zufallenden Gebiete lieber gleich im Weltkriege um deu Preis ja panischer Waffenhilfe gegen Deutschland abtreten. Trotz dieser scharfen Betonung seiner kontinentalen Ziele ließ Japan aber gleichzeitig sein ozeanisches Pro gramm durchaus nicht aus dem Auge. Auch dieses inachte bedeutende Fortschritte. Sein eigentlicher pazi fischer Besitz war bis vor kurzen: nur gering und be schränkte sich auf die 1876 annektierten Bonin-Jnfeln und die 1891 besetzten Volcano-Jnseln, kleine Eilande von etwa 90 hkro Flächeninhalt mit 4500 Einwohnern. Da die Welt im Stillen Ozean schon verteilt war, so mußte Japan einstweilen zuwarten, aber es blieb nicht untätig und bereitete alles für eine späteres Zugreifen vor. Vorerst betrieb es die friedliche Durchdringung der Südsee, indem es massenhaft seine Auswanderer auf den Inseln und in den Randländern anzusiedeln be strebt war. Das führte dann bekanntlich zu diplomati schen Zusammenstößen mit der Union und mit dem Commonwealth, in dem man vom japanischen Bundes genossen Englands nichts wissen wollte, selbst mit Ka nada. Mit Mühe vermochte Englands Vermittlung die japanerfeindliche Bewegung in diesen Ländern einzu dämmen und Japan selbst vor Repressalien zurückzu halten. Die amerikanische Regierung entsandte 1908 die atlantische Flotte von 32 Schiffen als mächtiges De monstrationsgeschwader in den Stillen Ozean, um zu zeigen, daß die Amerikaner auch ohne Panamakanal schnell bei der Hand sein könnten. Das Geschwader fand in Neuseeland Australien eine so begeisterte Auf nahme, daß die Japaner stutzig wurden. Auch dieses Moment angelsächsischer Interessengemeinschaft und 19 Blutsbrüderschaft ist bei Beurteilung der Lage im Stillen Meer gebührend zu würdigen. Schließlich kam am 28. November 1908 ein Schieds gerichtsvertrag zwischen der Union Japan zustande, in dem beide sich gegenseitig ihre pazifischen Gebiete sicherten. Doch veranlaßte eine 1909 entdeckte Ver schwörung der Japauer gegen die amerikanische Regie rung auf Honululu die Uuion zur Verstärkung ihrer Be satzung und zum Ausbau ihres dortigen Kriegshafens zu einer Seefeste ersten Ranges. Größeres Glück hatte die japanische Einwanderung in Mexiko, wo in den Jahren 1905 1909 mindestens 60000 Japaner sich niederließen wo bekanntlich die japanische Regierung Absichten auf Erlangung eines Flottenstützpunk tes au der Magdalenenbai äußerte. Auch in zentral- und südamerikanischen Staaten fand das japanische Volks element leichter Eingang, selbst in Chile, ja sogar jenseits der Südsee, in Brasilien. Die Organisation der Aus wanderung betreibt eifrigst die 1911 gegründete japanische Kommission der Studien des Stillen Ozeans". Wenn die Japaner bis auf die entlegenen amerikanischen Gegenaestade ausgreifen, so ist es selbstverständlich, daß sie die ihrem Heimatgebiet unmittelbar benachbarten Inselgruppen wohl nicht aus den Augen verloren. Mit größtem Nachdruck betreiben sie die allmähliche Koreani- siernng" der Philippinen, die sie jetzt schon gleichsam als ein geographisches Pfand bei einer späteren Ver wicklung mit Amerika betrachten. Darüber hinweg schielt Japan hoffnungsfreudig auf den wertvollen holländi schen Kolonialbesitz mit seinem stammverwandten Volks tum. Diese Aussichten sind für England, das seinem gelben Bundesgenossen bei seinem Aufstieg zur Groß machtstellung Schrittmacherdienste leistete, gewiß be- 20 klemmend und erklären den immer inniger werdenden Zusammenschluß der angelsächsischen Völker, je mehr Japan zu einer ozeanischen Macht heranwächst. Größte Aufmerksamkeit verdienen die riesenhaften Anstrengungen, welche Japan im Verlaufe des Welt krieges gemacht hat, um in: pazifischen Schiffahrtsdienst die Führerrolle an sich zu reißen. Sehr beherzigenswert sind hierüber die Berichte des Allgemeen Handelsblad" von Amsterdam, das anfangs November über das Pro blem des japanischen Übergewichts im Stillen Ozean sich folgendermaßen äußerte: Seit dem Ausbruch des Weltkrieges hat der japanische Handel sich zum Beherrscher des Großen Ozeans gemacht. Mit einer Energie und Tatkraft, die Wunderbare grenzen, haben die japanischen Reedereien Schisf nach Schiff in Fahrt gebracht, neue Linien eröffnet, Beziehungen angeknüpft, wo die japanische Flagge bisher unbekannt war, und sich dadurch die wirtschaftliche Vorhand im Stillen Ozean gesichert. Bor ungesühr zwei Monaten hat die größte japanische Schiff fahrtsgesellschaft eine direkte Verbindung mit den Häfen der Westküste Südamerikas hergestellt und damit den japanischen Produkten ein Absatzgebiet erschlossen, das vordem ureigenstes Jnteressenprivileg Englands und Deutschlands und Amerikas war. Die Eröffnung dieser neuen Linie war ein Schritt vorwärts auf dem Wege zu dem Ziele, das Japan sicher erreichen wird: die Alleinherrschaft auf dem Welt meer, soweit es sich zwischen den Küsten des fernen Ostens und Süd- und Nordamerikas erstreckt. Jetzt ist der japanische Handel noch einen Schritt weiter gegangen. Die Direktion der Osaka Shosen Kaisha" hat nach dem Empfang des Berichtes des Leiters der Linie beschlossen, einen geregelten Dienst zwischen San Franzisko und den australischen Häfen einzurichten, und zwar im Zusammenhang mit dem stets zunehmenden Handel zwischen Amerika und Australien. Vorläufig soll dieser Dienst durch monatlich ein Frachtschiff besorgt werden und von dem Resultate der Versuche wird es abhängen, ob die Unternehmung eine weitere Ausdehnung erfährt. Die Osaka Shosen Kaisha-Gesellschaft hat jetzt bereits eine Schisssflotte von 109MV Tonnen auf der Fahrt zwischen japanischen und fremden Häfen, während auf japanischen Werften Schiffe in der 21 Gesamtzahl von 109000 Tonnen aus Stapel liegen, so daß die Gesell schaft nach der Togo Kisen Kaisha die bedeutendste des Landes bald über eine Handelsflotte versügen wird, die in der Weltschiffahrt eine Rolle spielen dürfte." Der Bericht zählt dann die jetzigen Schiffahrtslinien der großen japanischen Gesellschaften auf, die geregelten Verkehr im Stillen Ozean aufrecht erhalten und unterstreicht die staunenswerte Tatsache, daß die amerikanische Schiffahrt diesen Unternehmungen nicht ein einziges Schiff gegenüberstellen kann. Wie die Amerikaner diese Konkurrenz auffassen, geht aus einer Äußerung des Leiters der O?saiü z hervor, der erklärte: Es ist lediglich eine Frage der Zeit, daß die Japaner im Pazifik alles an fich reißen. Niemand kann mit ihnen konkurrieren, da ihre Betriebskosten so außergewöhnlich niedrig sind, vor allem aber, da sie die wertvolle Unterstützung ihrer Regierung haben." Die Amerikaner werden gegen diese rücksichtslose ja panische Konkurrenz, die sogar zur zeitweisen Stillegung der amerikanischen Pazifik Mail"-Linie geführt hat, nur schwer aufkommen. Je mehr aber Japan seine kom merzielle Macht auf die amerikanische Mittel- Süd staaten ausdehnen kann, desto geringer wird der politische Einfluß der führenden" Republik auf seinen eigene Zukunftsgebieten und der Wunsch, einen groß amerikani schen Staatenbund unter der Leituug des Sternen banners herzustellen, ein frommer Wunsch bleibeu." Ebenso wird das Verlangen der Union ein frommer Wuusch bleiben, daß die von Japan annektierten deut schen Südseeinseln nicht ständiger Besitz Japans werden möchten, wozu sie gemeinsam mit England bei Japan die Anregung gegeben hat. Freiwillig wird sich wohl Ja pan zur Herausgabe der einmal in Besitz genommenen Inseln, etwa gar an England oder Amerika gewiß nicht verstehen. Neuerdings hat Japan seine Siedluugspläue in der Union selbst wieder aufgenommen. Die Verhandlungen 22 zwischen Amerika und Japan über die Zulassung und Erlaubnis zum Eigentumserwerb seitens japanischer Untertanen in der Union waren vor zwei Jahren auf dem toten Punkt angelangt, indem Japan auf die beharr liche Weigerung der Union hin, erklärte, vorderhand dieses schwierige Problem nicht weiter verfolgen zu wollen. Nun hat Japan auf einmal wieder diese Frage auf gegriffen. Will es wohl zur Entscheidung drängen, bevor die Wiedereröffnung des Panamakanals und die geplanten großartigen Befestigungen der Westküste Ame rika eine größere Freiheit des Handelns gibt? Der ja panische Gesandte hat in Washington mit Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß die Persönlichkeits- und Eigen tumsbeschränkungen gegenüber den Japanern nicht nur als deu japanischen Staat beleidigend betrachtet werden, sondern auch, daß man sie als gegen das internationale Recht verstoßend, unbillig und ungerecht und als eine Benachteiligung Japans gegenüber anderen Ländern auffaßt. Japan betrachte die Aufhebung dieser Beschrän kungen als letzten Schritt zur Anerkennung seiner voll kommenen Staatswürde und müsse darum mit aller Macht der Aufhebung dieser den japanischen Staat und das japanische Volkstum schwer beleidigenden Maß nahmen bestehen." Die plötzliche Aufrollung der so leidigen Frage mag dem durch ententefreundliche Notensabrizierung so sehr in Anspruch genommenen Wilson höchst unzeitgemäß vorkommen. Steckt vielleicht England hinter der japa nischen Forderung? Man begreift, daß die antijapanische öffentliche Mei nung der Weststaaten in helle Aufregung versetzt wurde, namentlich in Oregon Kalifornien und daß dort ge- 23 harnischte Abwehrproteste gegen die neuerlichen Zu lassungsabsichten der Japaner erschienen sind. Insbeson dere haben die temperamentvollen Erklärungen des kalifornischen Senators Phelan im Weißen Hause Auf sehen erregt und Herrn Wilson sicherlich einiges Miß behagen verursacht. Uns Deutschen kann solches japani sches Alpdrücken Wilsons nur recht sein, weil es ihn mahnt, daß er besser täte für die Sicherheit des eigenen Hauses zu sorgen, statt den auf das Verderben Deutsch lands gerichteten Bestrebungen der Entente, vor allem aber Englands, allen möglichen Vorschub zu leisten. Sicher wird es England eines Tages noch bedauern, Japan gegen Deutschland ausgespielt und ihm damit die zur Befestigung seiner pazifischen Expansion so unendlich wichtigen deutschen Südsee-Jnseln in die Hände gespielt zu haben. Es hat damit die japanische Konkurrenz in diesem Zukunftsmeere nur gestärkt und den japanischen Großmachtkitzel von neuem wachgerufeu. Einsichtsvolle Engländer haben denn auch die ungeheuere Gefahr, die später einmal auch England selbst von seinem jetzigen Bundesgenossen droht, schon längst erkannt und darauf hingewiesen, daß die Augenblickserfolge der englischen Politik mit dem japanischen Bündnis viel zu teuer be zahlt sind. Insbesondere hat Lowat Fräser jüngst in der vail^ Älail" eindringlich vor der asiatischen Ge fahr gewarnt, der hauptsächlich auch auf industriellem Gebiet liege, und hat die japanijche Konkurrenz als viel schlimmer als die von deutscher Seite drohende be zeichnet. über kurz oder lang wird England es bitter bereuen, die japanische Schlange am Busen genährt zu haben. Der Champion" der Gelben Rasse wird ihm mit blutiger Müuze seinen Lohn für den Verrat an der Kultur der 24 Weißen heimzahlen. Denn dadurch ist die gelbe Flut, die sich seit Jahren unaufhaltsam über die Südsee hin wälzte, ganz bedeutend angeschwollen und bildet eine höchst bedrohliche Gefahr für das Ariertum in diesem Zukunftsmeere seinen Randgebieteil. In seinen Herrschgelüsten über den Pazifik sieht sich das Land der aufgehenden Sonne" zunächst wohl von Amerika. Amerika bedroht. Die Union ist es, welche neben Japan einen natürlichen Rechtstitel auf den Stillen Ozean geltend macht; dazu glauben die Haukees schon wegen ihrer ausgedehnten pazifischen Küste berechtigt zu seiu. Aber dieser Vorzug allem geuügt dem jungen angel sächsischen Weltriesen von der Größe eines ganzen Kon tinents noch lange nicht. Sein imperialistischer Drang wurzelt tiefer. Um ihn vollends verstehen zu können, muß man sich bemühen, in die geheimen Pfade der Unionspolitik näher einzudringen. Die Politik der Ver einigten Staaten hat viel Ähnlichkeit mit der Japans. Wie dieses, ist sie von einem kontinentalen einem ozeanischen Prinzip beherrscht. Zwei Seelen ringen gleichsam in der Brust der Union: Hegemonie in Pau- amerika und im Stillen Ozean. In diesem welterobernden Dualismus nehmen also die uralten konkurrierenden prak tischpolitischen Ideale: Der Kampf Spartas und das Ringen Athens um Vormachtstellung Gestalt an, nur in riesenhaft vergrößerten Formen. Der Ausgang wird noch viel welterschütternder sein und die gesamte Menschheit in den Strudel dieses plauetarischeu Wettstreites zieheu. Die Bemühungen der Union, sich auf beiden ameri kanischen Festländern auszudehnen, sind umso aussichts voller, weil hier schon die natürlichen geographischen Zu sammenhänge, sowohl was Kanada als auch Mexiko, 25 Zentral- und Südamerika betrifft, zu ihre:: Gunsteil in die Wagschale fallen. Es haben auch schon mehrmals allamerikanische Tage" stattgefunden, welche diese Bestrebungen der Union begünstigten. Das 100jährige Jubiläum der Unabhängigkeit (4. Juli 1876) ließ zuerst den Gedanken einer panamerikanischen Vereinigung, der schon einmal 1825 auf dem Kougreß von Panama Wnrzel geschlagen hatte, wieder aufleben und das 400jährige Jubiläum der Entdeckung (12. Oktober 1892) hat ihn weiter ent faltet. Im Zeichen von Panamerika standen die Kon gresse von Washington 1889, Mexiko 1901, Rio de Ja neiro 1906, Buenos Aires 1910. Man hofft durch ge steigerte Verkehrsverbindungen, Handelsverträge, Zoll union, Münzeinheit Kreditinstitute, durch Ausstel lungen und Schulen, vor allem aber durch die Macht der Presse der allamerikanischen Idee zum Siege zu ver- helfeu. Ganz besonders aber soll ihr das auf der Welt ausstellung von Chikago 1893 gegründete ok ^.insrios.11 Nexudlies" Vorschub leisten. Ganz wesentlich hat der Bau des Panamakanals zur innigeren Verkettung des amerikanischen Nordens mit dem Süden beigetragen. Er hat nicht nur durch Grün dung der unter dem Protektorate der Union stehenden Republik Panama 1903 diese in nähere politische Füh lung mit Südamerika gebracht, sondern auch durch Schiffahrtsverbindungen die Westhälfte von Südamerika enger mit der Union verbunden. Daß auch Kanada später einmal der Union als Vormacht Allamerikas sich anglie dert, ist bei der gegenwärtig schon so belangreichen Interessengemeinschaft beider vorauszusehen. Unter dem Gesichtswinkel des Panamerikanismus betrachtet, nimmt aber das Projekt der amerikanischen 26 Vorherrschaft über den Stillen Ozean eine wesentlich günstigere Gestalt an. Wieder ist es der Panamakanal, der auch dieses weltpolitische Programm der Union unterstützt, da er die Kräfte der Union bei dem welt geschichtlichen Kampfe, dessen Wolken immer drohender am politischen Horizonte aussteigen, geradezu verdoppelt. Schon denkt ja die Union daran, sich durch den geplanten Nicaragua-Durchstich eine zweite Pforte zu diesem wichtigen Weltmeere zu schaffeu, um seine Stellung dortselbst nach Möglichkeit zu sichern. Dazu sieht es sich veranlaßt durch die schmerzvolle Enttäuschuug, die es mit dem in der unruhigen Erd bebenzone gebauten Panamakanal erlebt hat, der wie derum einmal verschüttet und vielleicht gar auf längere Zeit für den Verkehr unbrauchbar ist. So mußte die Union Vorbereitungen treffen zum Bau einer neuen interozeanischen Wasserstraße, die quer durch Nicaragua sühren und nicht bloß etwa Ersatz für den infolge öfters zu befürchtender Verkehrsstörungen ungenügenden Pa- uamakaual liefern, sondern die zugleich jeder etwa von anderer Seite her drohenden Konkurrenz für den Panama kanal vorbeugeu soll. Darum hat die Union mit der Re gierung von Nicaragua einen Vertrag abgeschlossen, der ihr gegen eine Entschädigung von 3 Millionen Dollar das ausschließliche Recht einräumt zur Anlage eines neueu atlautisch-pazisischeu Wasserwegs, sowie zu dessen militärischer Sicheruug zum Bau von Befestigungen und zur Schaffung einer Flottenstation im Golfe von Fonseca, dem westlichen Vorspruug Nicaraguas. Damit erlangt natürlich die Union nicht bloß einen neuen wertvollen Stützpunkt seiner Herrschaft in Mittelamerika sondern zugleich eine zweite wichtige Pforte zum Südmeer. Mit raffgierigen Armen hat Uncle Sam schon über^ 27 den ganzen Ozean hinweggelangt und Kohlenstationen, Flottenstützpunkte, ja ganze Inselgruppen als Grund pfeiler seiner künftigen pazifischen Hegemonie an sich ge rissen, so die Hawai- oder Sandwichs-Inseln 1897, die Insel Guam inmitten der Marianen 1898, einen Teil der Samoagruppe 1899 und die unmittelbar vor den Toren Ostasiens liegenden Philippinen 1898, das wich tigste ihrer Sprungbretter für den Sturm auf Ostasien, auf China, das Land der Verheißung für alte handeltrei benden Völker. Die Erwerbung der Philippinen be trachtete der New-Jork Herald vom 6. Mai 1898 als Gewinnung eines ausgezeichneten Beobachtungspostens, von dem aus die Uuiou in einer künftigen Teilung Chinas intervenieren könne. Der Gesamtflächeninhalt der Phi lippinen beträgt rund 362 60V Hkrri mit etwa 8 Mill. Ein wohnern, der übrige pazifische Besitz umfaßt 17 50 qkrn mit etwa 170 OVO Einwohnern. So bescheiden also auch die pazifischen Gebiete der Union selbst sind, im Zusam menhange mit ihrer erdrückenden Machtstellung am Ostrande des Pazifik, hörte man doch hier und da schon diesen, freilich etwas überschwenglich, die amerikanische See" nennen. Um sich die Vorliebe der Amerikaner für pazifische Machtpolitik zu erklären, muß man verstehen, welch große Rolle der Stille Ozean im Leben der Union über haupt gespielt hat. Schon in der Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts fing man an, den Be sitz eines Küstenstrichs am Pazifischen Ozean als eine unerläßliche Vorbedingung der gedeihlichen Fortent wicklung der Union zu empfinden, genau so wie einst den Besitz der Mississippimündung. Erst die Verschiebuug der Westgrenze an den Pazifik schuf die Union zu jenem großmächtigen Staatswesen um, das sie heute darstellt. 28 Den vollen politischen Wert ihres Bodens haben die Vereinigten Staaten erst verwirklicht, als sie den Stillen Ozean erreicht hatten." (Ratzel.) Die pazifische Küste lenkte ihre Blicke zugleich auf das gigantische Weltmeer, dessen Unterwerfung gar bald zu einein nationalen Programmpunkt ihrer Politik wurde. Amerika, das bisher sein Antlitz lediglich gen Osten ge kehrt hatte, wandte nun seine Stirnseite auch dem Pa zifik zu. Ja, gerade der pazifische Weltgedauke hat durch die rasche Förderung des Ausbaus der pazifischen" Bahnen den amerikanischen Osten viel rascher und in niger zusammengeschweißt als irgend ein anderer Um stand. Viel mag zur Belebung dieser Südsee-Herrschgelüste auch der im nüchternen Geschäftssinn des praktischen Uankee erwogene und verlockende Gedanke der wirt schaftlichen Ausbeutung des gegenüberliegenden asia tischen Festlandes beigetragen haben- Hier winkt nicht nur der gewinnreiche chinesische Markt, der den billigen amerikanischen Massenartikeln ein riesiges Absatzgebiet eröffnet, es stellt auch die Erschließuug der mandschurisch- sibirischen Bergwerke, nicht minder aber der notwendige Ausbau des asiatischen Eisenbahnnetzes dem unheimlich anwachsenden amerikanischen Kapitalismus ein viel versprechendes Feld der Tätigkeit in Aussicht. Die Uuiou hat das größte Interesse, sich nicht durch die rührigen Japaner vom chinesischen Markte ver drängen zu lassen. Darum hat sie auch seinerzeit mit Rußland zusammengearbeitet und die japanischen Macht gelüste auf das asiatische Festland höchst ungern gesehen, darum hat Roosevelt als Vermittler des Friedens von Portsmonth 1905 die Machtansprüche Japans zu gunsten Rußlands etwas herabgestimmt. Schon damals 29 zeigte sich dem feinen Beobachter hinter der diplomatischen Bühne in Ostasien ein gemeinsames Znsammenarbeiten von Washington und London. So gerne man es sah, als dem russischen Bären in Ostasien die Krallen gestutzt wurden, so nachdenklich wurde man über die unverhofft großen Erfolge der Japaner. Schließlich blieb der Lon doner und New-Vorker Börse, die vorher den Krieg Japans finanziert hatten, nichts übrig als die Taschen zuzuknöpfen und so mußte schließlich Japan wegen fi nanzieller Erschöpfung seinen mandschurischen Sieges lauf vorzeitig einstellen. Das man sich in Washington nicht die Augen verschließt vor der von Japan drohenden doppelten, (wirtschaft lichen und politischen) Gefahr, beweisen nicht nur die amerikanischen Kanalbauten und -Pläne sondern auch die neuerdings in Aussicht genommene stärkere Befestigung der in erster Linie bedrohten Westküste. Die ausgestreckte Küstenlinie, die Amerika von San Diego bis Port land verteidigen hat, galt stets als den japanischen Angriffs gelüsten in besonders hohem Grade ausgesetzt; allein die etwas einseitig nach der atlantischen Seite schielenden maßgebenden Politiker des Ostens hatten für diese Frage bisher nicht das volle Verständnis. Jetzt scheinen ihnen die tatsächlichen Vorgänge auf dem Stillen Ozean die Augen geöffnet zu habeu. Sie habeu zugestimmt, daß die vor den: Eingange zum Haupt stützpunkt Amerikas, vor San Franziska liegenden Faral- lon-Jnseln befestigt werden. Sie sollen von amerikanischen Ingenieuren in die stärksten Forts der Welt umgebaut, gleichsam ein westamerikanisches Helgoland werden, das den Schutz der bedeutsamen Buchten von San Fran ziska Monterey Bodega überuehmen soll. Im Zu sammenhang mit noch zu errichtenden, bzw. zu ver- 30 stärkenden Küstenbefestigungen soll die gesamte ameri kanische Westküste damit vor plötzlichen japanischen Über raschungen (siehe Werfall Port Arthur!) gesichert werden. Amerika hat seinen Hauptfeind erkannt und rüstet sich für die unausbleiblich kriegerische Entscheidung um die Herrschaft auf dem Stillen Ozean. Die pazifische Politik der Vereinigten Staaten ist nicht selbständig, sondern stützt sich, wenn dies auch äußerlich nicht so auffallend in die Erscheinung tritt, mehr oder min der auf England. Nur im Bunde mit England vermag die Union den angriffslustigen japanischen Rivalen einiger maßen noch im Schach zu halten. Es war gewiß ein Meisterstück der englischen Diplomatie, die Union im Stillen Ozean in eine recht peinliche Zwickmühle gebracht zu haben. Sie schwebt dort zwischen dem japanischen Hammer und englischen Amboß. Nur in Anlehnung an England ver mag es zur Zeit seine so viele Angriffsflächen bietende Stellung im Pazifik zu behaupten. Man begreift des halb, daß in der öffentlichen Meinung Amerikas schon seit längerer Zeit eine Strömung vorhanden ist, welche mit der Losung arbeitet: Heraus aus Asien! Unser Ziel sei Pauamerika!" Denn man braucht kein besonderes politisches Genie zu sein, um zu erkennen, daß die Union in ihrer gegenwärtigen militärischen Verfassung wohl zur Verfolgung beider Hochziele zu schwach ist. Hält man sich aber die durch den englischen Buudes- geuossen Japan so gefährdete pazifische Stellung Ameri kas vor Augeu, so findet man den Schlüssel zur eigen tümlichen Neutralitätspolitik der Union gegen Deutsch land. Die ungeheure Waffenhilfe und Geldunterstützung, welche sie der Entente gewährt, entspringt nicht bloß dem skrupellosen Geschäftssinn des Uankees sondern viel- 31 leicht noch weit mehr der prekären Lage der Union im Südmeer, ist also nichts anderes als eigennützigste Do, ut äss-Politik". Amerika hilft England in Europa und sichert sich so dessen Buudeshilse für die große Ent scheidung, die über kurz oder lang im Stillen Ozean ausgesuchten werden muß. Nirgends ketten so schwer wiegende Belange die angelsächsische Tochter an die Mutter England als in der Südsee. Die Herrschaft über diese aber bildet den Hauptgrund stein zu dem angel sächsischen Weltregiment der Zukunft. So wirft also das pazifische Programm der beiden angelsächsischen Weltmächte seine Schatten auch auf den europäischen Krieg. In ihrem pazifischen Gegensatze zu Japan fand sich die Union früher zusammen mit Rußland, mit dem es Rußland, sich vor Japans überraschendem Aufstieg in die Be herrschung der Nordhälfte des Pazifik teilte. Eine Zeit lang schien es, als ob die Seebestrebungen des größten Landriesen der Welt an den Ufern des Stillen Ozeans von Erfolg gekrönt wären. Um dieselbe Zeit, da die europäischen Westmächte und die Amerikaner die Öff nung der mehrtausendjährigen ostasiatischen Reiche von der See her erzwangen, rückte die gewaltigste europäische Landmacht langsam zur Eroberung des Ostens heran. 1858 ergriff Rußland Besitz von der Amurprovinz, die es schon einmal um die Mitte des 17. Jahrhunderts be schlagnahmt, aber wieder an die Mandschnkaiser abge treten hatte. Generalstatthalter Graf Mnrawiev ließ, durch die Erfolge der Engländer und Franzosen kühn gemacht, das Andreaskreuz am Ausgange des Amur hissen und legte den Hafen Nikolajewsk an. Damit war der lang erstrebte Zugang zum Meer erreicht. China, von den europäischen Westmächten bedrängt, erkannte 32 durch Vertrag die russische Gebietshoheit nördlich des Amur an und trat 1860 sogar noch die ganze Küsten provinz bis zur koreanischen Grenze ab. Die Gründung von Wladiwostok mit dem stolzen Namen Herrin des Ostens", besiegelte äußerlich deu Triumph Rußlauds und ließ seine pazifischen Sehnsüchte gewaltig höher schnellen. Breit über den Norden des Erdteils hingelagert, drückte der russische Riese, dem Englands Eifersucht die Zugänge zum eisfreien Meere am Bosporus und am Persischen Meerbusen sperrte, mit doppelter Kraft auf Korea und die Mandschurei und schuf sich in seiner transsibirischen Bahn ein strategisches Machtmittel ersten Ranges, welches den Vizekönig des fernen Ostens, Alexejew, dann zu seiuer draufgängerischen Politik gegen das weit unterschätzte Japan veranlaßt?. Denn Japan mußte um seiner eigenen Machtentwick lung willen Rußland mit bewaffneter Hand entgegen treten. Unmöglich durfte es China moskowitischem Ein flüsse ausliefern. So gebot es denn dem zweihuudert- jährigen zähen Vordringen der Russen (bereits zu Be- ginn des 18. Jahrhunderts hatte dieses am Stillen Ozean Fuß gefaßt Ostsibirien Kamtschatka unterworfen: ja sogar 1741 auf die amerikanischen Gegengestade über gegriffen und Alaska in Besitz genommen, das es erst 1867 au die Union abtrat) gebieterisch Halt, als es die ländergierigen Absichten der Russen klar erkannte. Zur völligen Umklammerung des asiatischen Fest landes mußte der russische Imperialismus uaturuot- weudig ain Stillen Ozean immer weiter nach Süden vorrücken strebte insbesondere nach einem Zugang zur Haupteinfallspforte in China, zum Gelben Meere. Bekannt ist, wie Rußlaud 1895 im Buude mit Frank reich und dem Deutschen Reiche Japan zwang, seine 33 Forderungen im Frieden von Shimonoseki zu ermüßigen und die Halbinsel Liautuug wieder herauszugeben. Es war eiue klatschende Ohrfeige für Japau, als es bald darauf, 1898, dieses Gebiet mit Port-Arthur selbst pachtete" und zwei Jahre darauf in den Wirren des Boxeraufstandes die Besetzung der Mandschurei ein leitete. Diesem Treiben setzte dann Japan in dem Russisch-Japanischen Krieg 1904 05 ein Ziel. Einige glauben, daß damit deu Russen für immer der Weg ach dem Stillen Ozean versperrt sei. Wer aber die Zähigkeit der russischen Politik kennt und die ungeheuere Entwicklungsfähigkeit des riesenhaften Sibirien mit seinen landwirtschaftlichen und industriellen Zukunftsmöglich keiten sich vor Augen hält, wird nicht zweifeln, daß Ruß lands pazifische Pläne schließlich doch noch reifen. Denn Sibirien mit seinen 12500000 czkiri und rnnd 5 Mil lionen Einwohnern ist keineswegs durchaus das unwirt liche Land, wie man es sich landläufg vorstellt, sondern geradezu eine Schatzkammer der drei Naturreiche und birgt so für Rußland die Keime einer höchst gedeihlichen Zukuuft in seinem Schöße. Hier hat sich die slawische Rasse ein gewaltiges Ausdehnungsgebiet erschlossen. Langsam entsteht hier ein zweites Rußlaud, das au Größe das Mutterland noch nm das Doppelte übertrifft. Ein großes Schiff braucht aber ein tiefes Fahrwasser" (Dostojewski). Und so ist Rußlands Drang nach Osten, der eiuer mehrhundertjährigen Entwicklung entspricht, durch den unglücklichen Ausgang des japanischen Feld- znges nur aufgehalten, seine Expansionslust uach Europa abgeleitet worden, wird aber nach dem Europäischen Kriege sich mit erneuter Kraft fühlbar machen, wenn es dem Vierbunde gelingt, das Gesicht des russischen Kolosses nach Asien zu weudeu. Die Umtriebe Ruß- Wldenbaner, Da Ringen der Weltmächte. 3 34 lands in der Mongolei, die 1912 zur Errichtung eines Protektorates über die äußere Mongolei geführt haben, lassen erkennen, daß es sein pazifisches Programm noch lange nicht aufgegeben hat. Vielleicht kommt ihm die Zeit zu Hilfe birgt der latente Gegensatz, der zwi schen Japan und dem Angelsachsentnm besteht, für Ruß land die Möglichkeit der Erreichung seiner Wünsche in sich. Die Gerüchte von einem russisch-japanischen Ab kommen über China haben sich bestätigt. Haben sich aber die beiden bisherigen Gegner über den Umfang ihrer gegenseitigen ostasiatischen Interessensphären verständigt, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Japan seine seit herige Rolle als asiatischer Kontinentaldegen" Englands gegen Rußland endgültig aufgegeben hat. Es ist nur der Schlußstein zu jener Politik der Verständigung mit Rußland, die bald nach dem Russisch-Japanischen Krieg eingesetzt und sich in erster Linie gegen die unbequeme Nebenbuhlerschaft der Union richtete. Rußland Japan richteten sich in der Mandschurei häuslich ein, wiesen 1910 gemeinsam einen Vorschlag Amerikas auf Neutralisierung" der mandschurischen Eisenbahnen, d. h. deren Ankauf durch ein internationales Syndikat, ab und teilten ihre Einflußzonen gegenseitig ab, wonach Rußland freie Hand in der Mongolei bekam, die es denn auch bereits in einen russischen Schutzstaat umgewandelt hat. Das innige Zusammenarbeiten Japans mit Rußland in der jüngsten Gegenwart beweist auch die Tatsache ihres gemeinsamen Einspruchs gegen den Bau von Kanälen und Eisenbahnen seitens amerikanischer Gesell schaften. Die American International Corporation und die Siemens-Carey Railway und Canal Co. planten den Ausbau der nördlichen Hälfte des Großen Kanals und 3ö Eisenbahnbauten in den Provinzen Schansi und Kansu. Wird die Union vor dieser flagranten Verletzung des Prin zips der offenen Tür in China tatenlos zurückweichen? Jedenfalls liegt in dem russisch-japanischen Schieds vertrag ein Umschwung der politischen Verhältnisse Ost asiens und damit auch im Stilleu Ozean beschlossen, der für die künftige Beherrschung dieses Weltmeeres ent scheidend sein kann. Wie reimt sich dieser Protest mit dem japanisch-amerikanischen Abkommen von 1911 zur Förde rung der beiderseitigen Handelsinteressen im Großen Ozean, der Aufrechterhaltung des Lts-tus c^uc in bezng auf territorialen Besitz, sowie namentlich die gegen seitige Verpflichtung, Chinas Integrität und die Gleich heit der Haudelsiuteressen aller Nationen in China zu wahren?" Für den Augenblick mag es ja scheinen, daß Japan durch die ihm von Rußland gemachten Zugeständnisse (hauptsächlich Bahnbauten in der Südmandschurei, Sied- luugs- Unternehmungsrecht in Nordsachalin und in der Küstenprovinz) erst die vollen Früchte seines sieg reichen Feldzuges 1905 pflückt. Sicherlich bedeutet das Abkommen einen wichtigen Schritt Japans auf dem Wege zur Vormachtstellung in Ostasien, und Rußland mag dazu, mehr der Not gehorchend als dem eignen Triebe, nur ungern seine Einwilligung gegeben haben, um sich damit Japans Mnnitions- und Waffenlieferungen und Justruktionsoffiziere zu erkaufen, ohne die die letzt jährige Generaloffensive" wohl nicht mehr möglich ge wesen wäre. Rußland aber hofft, daß sich über kurz oder lang einmal Gelegenheit finden wird, auch dieses Abkom men zu seinen Gunsten zu revidiereu, jedenfalls aber ist Rußland durch das Japan gemachte Zugeständnis nicht schwerer geschädigt als unmittelbar England selbst, das 3* 36 schweren Herzens die völlige Lähmung Chinas durch seinen skrupellosen gelben Freund mit ansehen muß. Was Japan im Norden gegen Rußland errang, wird es auch im Süden gegen England durchsetzen. Jedenfalls aber ist Rußland vermöge seiner gewaltigen kontinentalen Machtgröße in Nordasien günstiger daran gegenüber Japan, als England, dessen Vorherrschaft dort fast aus schließlich auf die Flotte gestellt ist. Und den Glauben an deren Unüberwindlichkeit hat der Tag vom Skagerrak und noch mehr der so verheißungsvoll begonnene I7-Bootkrieg gründlich zerstört, und somit ist auch das eng lische Prestige Ostasien bedeutend gesunken. Wir Deutsche speziell haben ein großes Interesse, daß Rußlauds Machtziele nach dem Stillen Ozean abgelenkt werden; denn je mehr der russische Bär im fernen Osten beschäftigt ist, desto weniger wird er den Frieden Europas stören. Jnsoferne begleiten unsere aufrichtigsten Wünsche die pazifischen Machtgelüste unseres russischen Nachbars. Denn wir sehnen nichts weniger herbei als tks -Merl- oamsatian c k tks von der die panangelsächsischen Schwärmer träumen und wozu die Auslieferung des Stillen Weltmeeres an die Dreieinheit des Angelsachsen- tnms England Australien Union der Anfang wäre. Gegenüber den genannten Weltmächten, welche teil weise schon auf Grund ihres heimischen Festlandbesitzes unmittelbare Machtansprüche auf den Pazifik haben, fallen, von China abgesehen, die Besitzungen der beiden anderen darin vertretenen Weltmächte Frankreich Deutschland nicht erheblich ins Gewicht. China. Daß China mit seinen reichen natürlichen Hilfs quellen, seiner ungeheueren Ausdehnung und feiuer riefigeu Volkszahl so absolut gar keinen Anspruch auf Seegeltung gemacht hat, hat seine verschiedenen Gründe. 37 Einmal mangelt dem Festlandmongolen, vor allem den Nordchinesen, von Natur aus jede seemännische Be gabung, sodann suchten die Söhne des Himmels" das Land der Mitte" nach außen hin völlig abzuschließen. Schließlich wird China ja auch nicht vom offenen Ozean selbst bespült, sondern von Binnenmeeren, deren Be- sahruug infolge der dort häufig auftreteudeu furchtbaren Taifuue größte nautische Geschicklichkeit voraussetzt. An derseits ist aber China bei seiner gigantischen Größe und Erstrecknng über verschiedene Klimazonen in der glück lichen Lage, antarkisch sich selbst zu geuügeu und kann daher um so leichter auf Seehaudel auswärtige politische Betätigung verzichten- Betrachten wir dagegen, wie Frankreich und Deutschland trotz so beträchtlicher Entfernung des Pazifik von ihrem heimischen Mochtbereich es für notwendig erachtet haben, dort Einfluß zu gewiunen. Beide haben, wenngleich sie mit ihren übrigen pazifischen Wett bewerbern an Umfang ihres Besitzes jich nicht messen können, durch Besitznahme einiger Inselgruppen ihr Anrecht auf das Prinzip der offenen Türe" in diesen: Zukuustsmeere angemeldet, wie es eben für Welt handelsmächte ganz selbstverständlich ist. Dabei hat Frankreich sogar das Verdienst, bei der^^. raschen kolonialen Erschließung Ozeaniens im 19. Jahr hundert die treibende Kraft gewesen zu seiu. Da die Eroberuug Algeriens nicht genügte, seinen wankenden Thron zu stützen, fügte Ludwig Philipp seit der Mitte der dreißiger Jahre das Programm eines polynesifchen Kolonialreiches hinzu. Gelungen ist der Plan nur Ostpolynesien, wo ein wirklich abgerundetes Gebiet der französischen Oberhoheit unterstellt werden konnte, sonst hatte es mit Bestrebungen zu kämpfen, die in den Kabi- 38 netten von London, Washington Petersburg suchen waren. So hat es sich von West-Melanesien nur den südöstlichen Flügel anzueignen vermocht, Neu- kaledonien (1853) und Umgebung." (Helmolt.) Zum französischen Besitz gehören unter andern Tahiti (seit 1838), die Marqnesas und Paumotu (seit 1842), die Loyaute-Jnselu (seit 1864). Der Flächeninhalt aller französischen Gebiete umfaßt 24200 gkm mit 88990 Ein wohnern. ^ 1866 hatte Frankreich auch zwei Inseln der neuen Hebriden besetzt, aber auf englischen Einspruch hin ward diese Gruppe neutralisiert und einer gemischten englisch- französischen Kommission zur Aufsicht unterstellt. ^ Frankreich besitzt ferner an: Südostrande Asiens eine achtunggebietende Ländermosse von 716000 mit 19 Millionen Einwohnern, Französisch-Hinterindien, das wegen seiner Reisausfuhr wichtig ist. Es ist also auch an den ostasiatischen Randländsrn des Pazifik bedeutend interessiert und hat schon deshalb ein Anrecht darauf, bei der Ausgestaltung der pazifischen Verhältnisse ein Wört lein mitzusprechen. ^land? Deutschlaud darf sich im Hinblick auf seine gewichtigen Welthandslsinteressen nicht auf die Dauer von dem größten aller Weltmeere ausschalten lassen. Mit großen Schwierigkeiten aller Art hat es sich im Südmeer einen ziemlich abgerundeten Besitz von nahezu 244000 ykiri, mit ungefähr 450000 Einwohnern zu sichern gewußt. Zum Teil konnte es sich in herrenlosen Ge bieten festsetzen, zum Teil übernahm es die Überreste der spanischen Herrschaft. Bereits 1874 forderten einsichtsvolle Deutsche die Er werbung von Kolonien in der Südsee. Aber erst ein Jahrzehnt später, nachdem das asrika- 39 nische Kolonialreich unter Dach war, konnte das Deutsche Reich auch zu pazifischen Erwerbungen schreiten. 1884 ward die Nordostküste Neuguineas und der Bismarck archipel mit den nördlichen Salomonen beschlagnahmt, was England endlich im Vertrag vom 1 . April 1886 an erkannte. 1885 folgte die Besitzergreifung der Marschall inseln. Dagegen gelang der Erwerb der Karolinen-, Marianen- und Palan-Jnfeln erst 1899 durch Kauf von Spanien (16 Millionen Mark). In dieses Jahr fällt auch die Regelung der Besitzverhältnisse der Samoagrnppe durch den englisch-amerikanisch-deutschen Vertrag vom 2. Dezember 1899. Somit umfaßt das deutsche Herrschgebiet einen großen Teil von Melanesien und fast ganz Mikronefien und das in der Mitte Polynesiens gelegene Samoa. Bis vor wenigen Jahren lagen diese Inseln, einem schlummernden Dornröschen gleich, ganz abseits von der vielbefahrenen Heerstraße des Weltverkehrs. Doch hatte bereits vor dem Kriege der Lloyd einen regelmäßigen Schiffahrtsdienst von Hongkong und Singapur nach Sydney, nach Friedrich-Wilhelmshafen auf Neuguinea und nach Uap auf den Karolinen eingerichtet. Auf Neu pommern aber im Bismarck-Archipel hatte der Lloyd in Simfonhafen einen riesigen Anlaufshafen geschaffen, so groß, um die größte Kriegsflotte der Welt aufzunehmen. Er plante diesen Hafen als Mittelpunkt für seinen Handel in der Südsee zu benutzen. Daß auch den Karolinen, Marianen und Palau große Verkehrsbedeutung zu kommt, ist bekannt. Hier schneiden sich die Hauptver kehrsstraßen zwischen Amerika und Ostasien bzw. Austra lien, und im Osten erscheint Samoa wie ein Wegweiser zum mittelamer kanischen Weltmeerkanal. Auch in Ostasien hatte unser Vaterland einen wert- 40 vollen Stützpunkt ssiner Macht erworben, in dem 1898 von China auf 99 Jahre gepachteten Kiautschou. Dieses 920 Hkm große Gebiet mit etwa 250000 Einwohnern, zu dem noch eine 7650 große neutrale Zone land einwärts gehörte, lag äußerst günstig am nordöstlich ge richteten Außenrand der Halbinsel Schantung am Gelben Meer und bildete eine mächtige Stütze für die deutsche Handels- und Kriegsflotte in den ostasiatischen Ge wässern. Die Hafenstadt Tsingtau schwang sich rasch empor. Ganz besonders wertvoll aber war Kiautschou, weil von dort aus die reichen Kohlenlager des Hinter landes der Shantunghalbinsel, deren Abbau in deutschen Händen lag, ausgebeutet wurden. Diese wurden auf der Schantungbahn, die in Tjinanfn den Anschluß au die neue chinesische Nordsüdbahn von Tientsin und Peking nach Nanking erreicht, an die Küste verfrachtet. Eine weitere Bahn ins Innere Schantnngs war geplant, ebenso der Aufschluß der großen Eisenlager bei Kiautschou. Die höchste Bedeutung aber kam der deutsch-chinesischen Hochschule zu, die mit 350 Schülern für die Ausbreitung deutscher Kultur in China und Ostasien überhaupt un endlich segensreich wirkte und ein Beweis dafür war, daß Deutschland mit seinen kolonisatorischen Bestrebungen nicht allein engherzige materielle Ziele verfolgte, sondern damit zugleich den hohen Idealen der Kulturförderung der Menschheit dienen will. Dieses wertvolle Gebiet fiel gleich zu Kriegsbeginn dem Neid der Japaner zum Opfer. England verstand es, den gelben Bundesgenossen auf Deutschland zu Hetzen, weil es auf diese Weise die Japaner damit in die Netze der Ententepolitik verstrickte. Die Japaner gingen bereit willigst auf ihren Vorschlag ein, weil sie mit Tsingtau und Schantung eine Handhabe gegen China gewannen, 41 den zweiten Teil der Zange, deren anderes Ende die Liautung-Halbinsel mit Port Arthur Dalni vorstellt, und dereu Zukneifen und Zusammenklappen nun ganz Nordchiua unter japanischen Einfluß brachte." Vou Südeu, von Schautuug aus, das Japan nun ganz in Gewalt hat, und von Norden her, von der südlichen Mandschurei, umklammeru die Japaner die reiche Pro vinz Tschili, in der die chinesische Hauptstadt liegt. Japau ergriff einfach die günstige Gelegenheit zum Weiter- ausbau eines über den schmalen, engen Jnselraum hinaus auf dem Festlande wurzelnden Großjapan, das den alten Schlachtruf der Geuros, dieses japanischen Rats der Alten, Asien den Asiaten" in territoriale Wirklichkeit uni setzt. Japan gewann damit Zukunftswerte, die von ihm nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Man darf aber wohl auch behaupten, daß der Erwerb Kiautfchous nichts anderes ist als die erste Etappe Japans in einem Feldzug, dessen letztes Ziel die Vertreibung Englands aus Ehiua die Vernichtung der englischen Vormachtstellung in Ostasien bezweckt. Wir alle wissen, daß über das Schicksal unserer Kolo nien, auch der augenblicklich von den Japanern besetzten Gebiete, die Würfel der Entscheidung auf den Schlacht feldern Europas fallen werden, und sehen deshalb der Zukunft getrost entgegen. Einstweilen mögen die Ja paner in imperialistischen Hoffnungen schwelgen und sich nebenbei vielleicht den kleinlichen Triumph gönnen, an ihrem großen deutschen Lehrmeister für Schimonoseki Rache genommen zu habeu. Es wird schou dafür gesorgt werden, daß die japanischen Bäume nicht bis in den Himmel wachsen. Wir aber können mit Sicherheit hoffen, daß eine nahe Zeit uns den früheren, ja vielleicht einen größeren Ein- 42 fluß in Ostasien und im Stillen Ozean bringen wird, als wir je gehabt haben. Der treffliche Kenner der ostasiatischen Verhältnisse Erich Salzmann schrieb jüngst am zweiten Jahrestag des Falls von Tsingtau in der Vossischen Zeitung: Zwischen Japan und uns ist der Kampf aus. Die Brücke ist aber nicht abgebrochen. In der Zukunft wer den uns zu den Asiaten weniger denn je sentimentale Gründe hinziehen, denn ebenso wie Japan niemals den Tag von Schimonoseki vergessen hat, ebensowenig wird das deutsche Volk die Tage von Tsingtau der Vergessen heit anheimfallen lassen. Es werden also nur verstandes mäßige Gründe sein, die uns aus dem Zeitalter gefühls mäßiger Politik heraus in ein solches praktischer Be tätigung hineinbringen werden. Wir müssen als hoch entwickeltes Kulturvolk, das auf die Rohstoffe aus aller Herren Länder angewiesen ist, auch weiterhin mit dem fernen Osten Fühlung halten. Wir können es anderer seits nicht ableugnen, daß dieser Krieg dem japanischen Reich einen ungeheueren Zuwachs an politischer und realer Macht gebracht hat, daß sein Ansehen im Stillen Ozean beständig im Steigen und daß Japan heute schon am Stillen Ozean die ausschlaggebende Macht ist. In diesem Sinne müssen wir, um eben Realpolitik zu treiben, uns mit dieser Verschiebung der Machtverhältnisse ab finden. Asien den Asiaten, Europa den Europäern. Noli tanAgre oiroulc msos. Das ist zwar Japans Wahlspruch. Aber Japan wird trotzdem in dieser Zeit der Großmacht- Trustbildung nicht lange in glänzender Vereinsamung" am Stillen Ozean bleiben können. Japan wird und muß nach neuen Freunden suchen, denn die alten sind bei der Politik, die Japan selbst mit unglaublicher Rücksichts- 43 losigkeit verfolgt, nämlich dein Länderranb, seine schärf sten Konkurrenten geworden. Dieser Krieg hat unser ganzes Verhältnis zum fernen Osten umgekehrt. Vor demselben suchten wir den Osten. Nach demselben wird der Osten uns suchen müssen. Tsingtan und der Kampf um dieses sind quasi der Weudepunkt und der Abschluß einer ausgesprochenen Politik, die wir nicht werden wieder aufnehmen können. Wenn wir dieses ein sehen, so wird unsere zukünftige Stellung zu Ostasien eine angenehme und für unsere wirtschaftliche Ausbreitung höchst gewinnbringend sein. Das wird dann die Lehre von Tsingtau sein." Wir können warten, bis uns die Früchte der von dem neuen japanischen Ministerpräsidenten noch rücksichts loser in imperialistische Bahnen gelenkten auswärtigen Politik Japans in den Schoß fallen. Teraoutchi gilt als Vertreter der Genros, als starker Mann, der eine noch kräftigere Expansionspolitik einleiten soll als sein Vor gänger Oknma, und der dabei das japanische Volk bis zum letzten Mann hinter sich haben wird. Er hat das russisch-japanische Bündnis von 1916 sehr energisch unter stützt und damit dem verbündeten England deutlich genug gezeigt, daß er in erster Linie japanische Politik treiben werde. Ein in Asien selbständiges Japan, das im perialistische Politik treibt, muß, uach Salzmann, bald in Gegensatz mit all den Mächten geraten, die gleichfalls dort imperialistische Politik treiben, d. h. eben in erster Linie mit England und Amerika. Stoff zu Konflikten liegt bereits in Massen gehäuft." Das japanische Staatsschiff segelt, wohlbewaffnet und durch den Weltkrieg trefflich mit Gold ausgerüstet, unter seinem neuen Steuermann im Fahrwasser des skrupel losesten Imperialismus. Da kann es nicht ausbleiben, 44 daß die Wogen des Meeres, das es befährt, heftig be wegt und eine gefährliche Brandungswelle im Osten und Westen des Pazifik erzeugt wird. Wird wohl auch das deutsche Staatsschiff den weltgefchickeentscheidenden Wogeufchlag der hohen Politik der Weltmächte am Süd meer hineingezogen werden? Zwei Bundesgenossen hat Japan gewonnen: England und Rußland. Mit dem Bei stand des elfteren hat es das letztere niedergeschlagen und damit den Anfang gemacht auf der Stufenleiter des Imperialismus, mit Hilfe des letzteren hofft es ersteres zu demütigen und den Höhepunkt seines nationalen Auf stiegs zu erklimmen. Dazwischen liegt gleichsam als Ruhepunkt der Gegensatz zu Deutschland in Tsingtau. Vorläufig wird Japan das Kriegsende abwarten. Es wird warten, welches Volk relativ am besten abschneidet. Ist es England, so wird es sich hüten, mit ihm zu brechen, ist aber Deutschland das stärkere, woran wohl niemand mehr zweifelt, so wird es sich uns zu nähern suchen. Die vai Mppon" hat schon ganz offen mit einem deutsch japanischen Bündnis gegen England gedroht. Solange unsere Abrechnung von Tsingtau her noch nicht be reinigt ist, so lange wird Deutschland solch japanischen Sirenenstimmen sein Ohr verschließen. Japan muß erst der beleidigten deutschen Ehre Genugtuung verschaffen dann überdies ein weitgehendes realpolitisches Ent gegenkommen gewähren, woran es großzügig denkende japanische Politiker gewiß nicht fehlen lassen werden. Somit eröffnet sich uns ohne unser Zutun von selbst wieder das politische und wirtschaftliche Tummelfeld des Stillen Ozeans, in dem Deutschland vielleicht einmal be stimmt ist, das Zünglein an der Wage zu spielen. Werfen wir zum Schlüsse noch einen Blick auf unsere Betrachtungen, so sehen wir, daß der Kampf um dieFührerrolle, ja um die endliche ausschließliche Be herrschung dieses wichtigsten Weltmeeres der Zukunft seit den letzten Jahrzehnten mit aller Macht eingesetzt hat. Mit einem Schlag ist der Stille Ozean in den Mittelpunkt menschheitsgsschichtlichen Interesses gerückt. Ob er seinen Namen in künstigen Tagen mit Recht tragen wird? Die mannigfachen, widerstreitenden Ziele aller an ihm beteiligten Weltmächte sind hiefür nicht gerade ein glückverheißendes Omen. Noch vor zwei Dezennien schien die weiße Rasse ihre bisher tonangebende Stellung auf ihm nicht nur be haupten, sondern sogar noch weiter ausbauen und be festigen zu können. Da hat englische Eifersucht und eng lischer Allerweltsherrschastsdünkel in dem Bestreben, einen unliebsamen weißen Nebenbuhler niederzuhalten sich nicht gescheut, ein Bündnis mit dem Gelben Mann einzugehen. So hat England, indem es die japanische Großmannssucht weckte uährte, den geschworenen Todfeind der weißen Rasse auf den Plan gerufen. Damit ist dieses weltgeschichtliche Ringen in einen neuen Abschnitt eingetreten, nämlich in einen Kampf zwischen gelber und weißer Nasse. Vergessen wir nicht, daß jenseits des Pazifik eine Macht heranwächst, die im Verein mit China in geometrischer Progression sich mehrt, während wir Europäer auch die Amerikaner höch stens in arithmetischem Verhältnisse zunehmen. Auf deu Wogen des Stillen Ozeans wird einst die Entscheidung fallen, ob das weiße Herrentum auch Zukunft auf unserem Planeten zu befehlen haben wird. Hier wird der größte aller Weltkriege entbrennen, ein Krieg, in dem die heftigen Leidenschaften des Rassenkampfes noch eine viel unheimlichere Rolle spielen werden als die Dschihadbegeisterung im nahen Orient. Der Kampf ist 46 schon eingeleitet, und die australischen und amerikanischen japanerfeindlichen Einwanderungsverbote stellen gleich sam die Vorpostengeplänkel dazu dar. Und der end gültige Sieg müßte mit Sicherheit dem Gelben Manne zufallen, wenn die Weißen sich nicht in letzter Stunde auf sich selbst besinnen und, statt durch gegenseitiges Selbstzerfleischen ein Harakiri an sich selbst zu vollziehen, sich zusammenschließen und gemeinsam Front machen gegen den gemeinsamen Feind. Völker Europas, wahret euere heiligsten Güter!"Verla g Theodor Weicher, Leipzig. Eine wahrhast Deutsche Geschichte" ist: ein -. . Deutsche Lelchichte Fünfte, vermehrte Auflage. 1914. 41. 5V. Tausend. Gebunden M- 5. , Geschenkausgabe gebunden M. 7.50. In einer Zeit, da mit ehernem Griffel Geschichte geschrieben wird, da das deutsche Volk in einem Kampf um seine Zukunft steht, wie er kaum jemals von ihm geführt worden ist, erscheint es doppelt und dreifach notwendig, den Blick zurück in das geschichtliche Werden und Geschehen zu lenken, aus der Vergangenheit zu lernen, was die Gegenwart für unser Volk, was die Zukunft von unserem Volke heischen mag. Zu solchem Rückblick und Ausblick kann jedoch nur ein Geschichtswerk taugen, das eine wahrhaft deutsche Geschichte schreibt, das über der Fülle der Ereignisse nicht die große Linie vergißt und das in die Würdigung der ein zelnen geschichtlichen Geschehnisse nicht um ihrer selbst willen eintritt, sondern das jedes Ereignis einzig und allein unter dem Gesichtspunkte des großen, allumfassenden deutschen Gedankens zu behandeln bestrebt ist. So reich unsere ge schichtliche Literatur auch ist, so treffliche Einzelwerke wir auch besitzen, eine wirkliche deutsche Geschichte von der frühesten Zeit bis in die lebendige Gegenwart ist uns nur in Einharts Deutscher Geschichte beschert worden. Einhart erhebt keinen Anspruch darauf, sein Werk als geschichtliches Quellenwerk bewertet zu sehen, er bezeichnet es selber bescheiden nur als ein Hausbuch, obwohl es in seinem geschichtlichen Wert weit über den Rahmen eines solchen hinausgeht. Will man es jedoch als Hausbuch ansehen, nun, so ist es in dieser schicksalsgestaltenden Zeit das Hausbuch schlechthin, das in seiner Klarheit der Auffassung und Darstellung unseres geschichtlichen Werde ganges, in seiner tiefen Liebe zu Volk und Volkstum, in seiner edlen und geradezu vorbildlichen Sprache einen Ehren platz im Bücherschatz jedes deutschen Hauses haben sollte.verisgsbuchyanSIung rheockor Aeicher, Leipzig, Znieittrake 10 Lpautoff-Leettern Ichüö" Zusammenbruch bis 141. Tausend. Gebunden M. 3. , Volksausgabe geheftet M. 1. Der überaus große Erfolg, der diesem Buche beschieden war, steht wohl einzig da, und selten sind solch packende, glänzend geschriebene Schlachten bilder entworfen worden wie hier. Der Inhalt zeugt nicht nur von gründ licher Kenntnis des Kriegswesens, sondern auch von dichterischer Gestaltungs krast und der Kunst, den Leser bis zu Atem verhaltender Spannung zu fesseln. Niemand wird dieses Vnch ohne große Bewegung lesen. arabe lim: .Zaniai" 277 Seiten, gr. 8 . Geh. M. 3. , geb. M. 3.60. Der Verfasser entrollt in meisterhaft packender Form das riesenhafte Drama eines Krieges zwischen Amerika und Japan um die Bormachtstellung im Stillen Ozean. Schon wenige Wochen nach dem Erscheinen des Buches be schäftigten sich Hunderte von deutschen und ausländischen Zeitungen in langen Leitartikeln mit ihm. Die SaribZlMroichlte UA W 207 Seiten. 8 . Geh. M. 2.50, geb. M. 3. Der Verfasser hat sich durch seine Bücher- Seestern 1906" und Parabellum- Bansai" einen berühmten Namen gemacht. Die Vorzüge seiner Schil derungskunst, die Drastik der Erzählungskraft zeigt auch dieses neue Buch kurzer Geschichten. Wer recht herzlich lachen will, der lese die Garibaldi- droschke". InLeipzig währenck äervölkeilchlscht unck snckeres von cker frsn?olen2eit aus alten samilien- papieren. 1913. 202 Seiten mit Tafeln einer Karte. Pappband geb. M. 1.50.Verlag Theodor Weicher, Leipzig. Unsere Toten Ein Weck- und Mahnruf an die Lebenden von Dr. Arnold Rüge, Privatdozent d.Philos.,Heidelberg. 1917. Preis M. 0.80. Diese Schrift des bekannten Heidelberger Gelehrten bietet ein Programm, und zwar in einer Sprache so packend und zugleich so parteilos, wie man sie selten in solch ernsten uns alle bewegenden Fragen hört. Jeder, der einen geliebten Helden dem bedrängten Vaterlande opferte, wird durch die aus dem Denken und Empfinden der Gegenwart schöpfenden Ausführungen Erbauung und Tröstung und eine Antwort auf die Frage finden, warum eS so geschehen mußte. Vor allem aber eignet sich diese ergreifende Predigt vom Sinn und Recht des Deutschtums dazu, ins Feld geschickt zu werden, um denen draußen zu sagen, daß wir wohl wissen, wofür sie ihr Leben und ihr Glück einsetzen. Deutscher Geist Einige Blatter aus meinem Feldtagebuch von Ernst Lohmann Pfarrer in Falkenberg i. d. Mark 1917. Preis 1 Mark. Inhalt- Auf dem Marsch Die... Infanteriebrigade bei Skierbieszow Etwas Alltägliche " aus unserem Soldatenleben Unser Kamerad B. Der Bugübergaug, 1 . August Auf Posten Auf dem Schlachtfeld von Budka Wollen und Werden Führer Inneres Besinnen Bettler oder Könige Der kommende Tag Die Werdenden Unser VolkVerlag Theodor Weicher, Leipzig. Gin Weltbund des Deutschtums Gegenwartsaufgabe einer Weltpolitik deutscher Kultur von Dr. MI. Walther Schmied-Kowarzik Prwatdozent an der Universität Wien 1917. 38 S. gr. 8 . M. 1. Zwei Weltaufgaben sind der deutschen Kultur gestellt: einerseits den Zusammenhalt zwischen allen Volksgenossen zu wahren zu den Deutsch-Österreichern, den Deutsch-Schweizern und den Deutschen in fernen Ländern, andererseits die Kenntnis der deutschen Sprache und die Liebe zur deutschen Weltkultur hinauszutragen unter alle die Völker, die guten Willens sind. Ein großer Weltbund des Deutschtums, hervorgegangen aus der Zusammenfassung von Vereinen und Verbänden, soll die Aufgabe übernehmen, die frohe Botschaft des Deutschtums zu verkünden. Ehamberlain schreibt über das Pflichtgebot des Deutsch tums: Es umfaßt zwei Absätze: zum ersten, es darf niemals ein Deutscher von seiner Sprache lassen, weder er noch seine Kindeskinder; zum zweiten, an jedem Ort, zu jeder Zeit soll er eingedenk sein, sie anderen aufzu nötigen." Dieser zweifachen Aufgabe Erhaltung der deutschen Muttersprache und Ausbreitung deutscher Welt geltung soll der hier vorgeschlagene Weltbund des Deutschtums dienen.Das Ringen der Weltmächte um den Stillen Ozean
