Geschichte des Weltkrieges 1914-16 nebst Länderkunde der daran beteiligten Staaten. Für die schule bearbeitet von Grete Beyerle, Lehrerin. Mit 10 Kartenskizzen. Paderborn 1916. Druck und Verlag von Ferdinand Schöningh.Geschichte des Weltkrieges 1914-16 nebst Länderkunde der daran beteiligten Staaten. Für die Schule bearbeitet von Grete Beyerle. Mit 10 Kartenskizzen. Paderborn 1916. Druck und Verlag von Ferdinand Schöningh. Vorwort. Das Buch, zum grössten Teil aus der Praxis entstanden, wurde aus Veranlassung des Herrn Verlegers geschrieben. Möge es den Lehrern und Lehrerinnen eine kleine Beihilfe bei der Vorbereitung des zu behandelnden Stoffes bieten! Um das Interesse der Kinder besonders zu entfachen, möchte ich auf eigene Erfahrung hin empfehlen, zwischendurch den Unter richt durch Zeigen von Kriegsbildern und Vorlesen von Gedichten und interessanten Feldpostbriefen lebhafter zu gestalten. Für die öfter wieder kehrenden Wiederholungen habe ich im Anhang kurze Zusammenfassungen gegeben. Lohausen Düsseldorf, im April 1916. Grete Beyerle.,Inhaltsverzeichnis. Die Entstehung des Weltkrieges 1914 16. Seite Zur Vorbereitung 1 Aufgewacht! 2 Das Volk in Waffen l 3 Die Deutschen zeigen sich als ein großes Volk. g 31. Juli 1914 4 Die Schicksalsstunde 4 Mobilmachung Z Die Erneuerung des Eisernen Kreuzes 7 Unser Aufmarsch und Einzug in Luxemburg g Das Königreich Belgien. I. Das Land 1. Lage, Küste, Klima 10 2. Das Hochland 10 3. Das Hügel- und Flachland 11 II. Das Volk und seine Bedeutung auf dem wirtschaftlichen Gebiete ... 13 1. Geschichte 13 2. Das Volkstum 14 3. Ackerbau und Viehzucht 14 4. Bergbau und Industrie 14 5. Handel und Verkehr 15 6. Verfassung, Wehrkraft und Kolonien Ig III. Die Notwendigkeit unseres Einmarsches in Belgien 15 IV. Die Eroberung Belgiens 18 Die Republik Frankreich. I. Das Land 19 1. Lage, Küste, Klinia 19 2. Die Hochgebirge 20 3. Das Mittelgebirge 21 4. Das RHSne-Sa6ne-TaI 22 5. Das Tiefland 23 6. Die Insel Korsika 26 II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete 26 1. Geschichte 26 2. Das Volkstum 27 3. Ackerbau und Viehzucht 28 4. Bergbau und Industrie 28 5. Handel und Verkehr 29 6. Verfassung und Wehrkraft 29 7. Seine Kolonien 30 III. Frankreich, unser Erbfeind seit 1870 71 30 VI Seite IV. Unsere Kämpfe in Frankreich 31 1. Die Kämpfe in Elsaß-Lothringen 31 2. Die Kämpfe zwischen Metz und den Vogesen 32 3. Die Kämpfe in Nord- und Ostfrankreich 33 4. Weitere Durchbruchsversuche 5. Die neue große französisch-englische Offensive im Westen 42 Das Königreich Großbritannien und Irland. I. Das Land 43 1. Lage, Küste, Klima 43 2. Der Aufbau des Bodens 44 3. Das ostenglische Becken 44 4. Das westenglische Bergland 46 5. Schottland 47 6. Irland 49 II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete 49 1. Geschichte 49 2. Das Volkstum 56 3. Ackerbau und Viehzucht 51 4. Bergbau und Industrie 52 5. Handel und Verkehr 52 6- Verfassung und Wehrkraft 52 7. Die britischen Kolonien und Schutzstaaten 53 III. England, Deutschlands Todfeind 5o IV. Der Seekrieg ^4 V. Der Luftkrieg 58 Das Kaiserreich Rußland. I. Das Land 60 1. Größe, Lage, Küste, Klima 6l 2. Der Aufbau des Bodens 61 3. Grenzgebirge: Ural und Kaukasus 61 4. Das russische Tiefland 63 5. Die Flußgebiete Rußlands "4 II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete 67 1. Geschichte 67 2. Das Volkstum 68 3. Ackerbau und Viehzucht ^ 4. Bergbau und Industrie 6. Handel und Verkehr 69 6. Verfassung und Wehrkraft ^0 III. Rußland zwingt zum Krieg IV. Die Kämpfe im Osten 74 V. Hindenburg, der Russenbezwinger 78 Das Kaiserreich Österreich-Ungarn. I. Das Land 80 1. Lage, Küste, Klima 80 2. Der Aufbau des Bodens 84 3. Die Bevölkerung 81 Die österreichische Reichshälfte 81 1. Die Alpenländer 82 2. Die Sudetenländer 84 3. Die Karpathenländer 85 4. Die Karstländer 86 L. Die ungarische Reichshälfte 88 1. Das Königreich Ungarn 89 2. Das Königreich Kroatien-Slawonien 89 VII Seite II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete 89 1. Geschichte 89 2. Das Volkstum 90 3. Ackerbau und Viehzucht 91 4. Bergbau und Industrie 91 3. Handel und Verkehr 92 6. Verfassung und Wehrkraft 92 III. Osterreich, unser treuer Bundesgenosse 92 IV. Die Kämpfe in Serbien 93 V. Die Kämpfe in Ealizien 93 Die Apenninen-Halbinsel (Das Königreich Italien). I. Das Land 199 1. Lage, Küste, Klima 199 2. Aufbau des Bodens 191 3. Die lombardische oder Po-Tiefebene 191 4. Die Halbinsel Italien 193 3. Die Inseln . - 106 II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete l97 1. Geschichte 197 2. Das Volkstum 198 3. Ackerbau und Viehzucht 199 4. Bergbau und Industrie 119 5. Handel und Berkehr 119 k. Verfassung, Wehrkraft, Kolonien 119 III. Wie uns Italien treulos verließ Die Europäische Türkei. I. Das Land 113 II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete 113 1. Geschichte 113 2. Wirtschaftliche Verhältnisse; Verfassung 115 III. Wie der Islam sich erhob 11k IV. Der Kampf um die Dardanellen 117 Das Königreich Serbien. I. Das Land 119 1. Lage, Grenzen, Eröge 119 2. Bodengestalt und Bewässerung 119 3. Siedlungen 120 II. Das Volk 120 1. Geschichte 129 2. Die wirtschaftlichen Verhältnisse 121 III. Die Eroberung Serbiens 121 Das Königreich Montenegro. I. Das Land 123 1. Lage, Grösze, Greuzen 123 2. Bodengestalt 124 3. Siedlungen 124 II. Das Volk 124 1. Charakter 124 2. Wirtschaftliche Verhältnisse 124 III. Der Feldzug gegen Montenegro 123 Das Königreich Bulgarien. I. Das Land 126 1. Lage und Gröhe 126 2. Bodengestalt und Bewässerung 126 3. Siedlungen 12K VIII S-it- II. Das Volk 127 1. Geschichte, Charakter 127 2. Wirtschaftliche Verhältnisse 127 III. Bulgarien unser neuer Freund und Bundesgenosse 127 Unsere Kolonien. Togo 128 Kamerun 129 Deutsch-Südwestafrika 139 Deutsch-Ostafrika 131 Die Besitzungen in der Südsee 132 Das Pachtgebiet Kiautschou 132 Der Kampf um unsere Kolonien 133 Tsingtau 133 Eeschichts-Tabelle. Die wichtigeren Schlachtereignisse des ersten Kriegsjahres 13 Die wichtigsten Ereignisse seit August 1916 136 Wiederholungen und Einprägungen 138Die Entstehung des Weltkrieges 1914 1915. Zur Vorbereitung. Stumm saßen mir in früheren Wintertagen nach des Tages Arbeit und Lasten traulich versammelt um den Herd und lauschten den Erzäh lungen unserer Väter und Mütter, die uns ihre Erlebnisse aus dem Kriege 1870 71 mitteilten. Wo hätten wir da geglaubt, das; ein neues Gewitter uuheilverkündend am europäischen Himmel heraufzog. Wir wähnten uns so sicher und fühlten uns so wohl im geliebten deutschen Vaterlande. Doch näher und näher rückten die schwarzen Wolten und machten über Deutsch land Halt. Der Weltkrieg war da. Treu und fest hielten die Bundes genossen Deutschland und Osterreich zusammen. Sie suchten und fanden gegenseitig Schutz und Deckung. Sie wollten keinen Krieg. Kaiser Wilhelms ehrgeiziges Bestreben ging darauf hinaus, das deutsche Volt durch Friedensarbeit glücklich und stark zu inachen. In den 26 Jahren seiner Regierungszeit hat er sein Versprechen: Ich bin entschlossen, Frieden zu halten mit jedermann, soviel an mir liegt," treu ge halten. Zu diesem Zwecke besuchte er alsbald uach seiner Thronbesteigung viele Fürsten und sicherte durch persönliche Freundschaft den Friedensbund. Unter seiner Regierung blühten Deutschlands Landwirtschaft, Industrie, Handel, Kunst und Wissenschaft. Deutschland sollte in der Welt voran stehen, an der Spitze der Kultur. Mit regein Fleiß und eisenfestem Willen baute das Land seine Landwirtschaft aus und steigerte ihre Erträge um das Dop pelte; es schuf eine Industrie, die fast den ganzen gewaltigen Volkszuwachs im Vaterlande beschäftigte. Es knüpfte Handelsbeziehungen an mit fast allen Völkern der Erde und erwarb sich dadurch eiuen groszeu Namen. Auch Osterreich, unser treuer Freund, wollte keinen Krieg. Es galt, das Staatswesen innerlich auszubauen, das Volk stark zu machen und vor allem die verschiedenen Nationalitäten zu einem einheitlichen Staatswesen zusammenzuschmieden". Doch plötzlich hieß es: Richtet eure Blicke nach außeu, der Feind steht vor der Tür und sucht, weu er vernichten kann." Da hieß es, neue Kräfte sammeln, denn nun würde das Reich den starken Mann brauchen. Die ernste Stunde, die hereinbrach, rüttelte auch die Schläfer auf und rief ihnen zu: Macht auch ihr euch bereit, der Kaiser kann sie alle gebrauchen." Beyerle. Geschichte des Weltkrieges. 1Aufgewacht! In des Friedens heil ger Stille sahen wir am deutschen Herd. Nicht der Kampf war Wunsch und Wille, und in Kränzen lag das Schwert. Da erscholl ein freches Höhnen aus des Ostens grauer Nacht, und es klang wie Waffendröhnen: Aufgewacht! Unsrer Ehre Hort und Hüter sandte seine Voten aus: Seht, ich wahrte eure Güter in dein erzbewegten Haus. Friedlich wollte ich vollbringen meines Amtes hehre Macht helft mir jetzt den Feiud bezwingen! Aufgewacht! Und der Kaiser reckt vom Throne seine Hand zu unsrer Hand: Treu trug ich die deutsche Krone, die der Ahn dein Streit entwand. Steht jetzt einig, alle, alle, neben mir in Tod und Schlacht! Gilt s doch, dah das Reich nicht falle! Aufgewacht! Lang war uuser Sinn zersplittert, einer war dem andern feind, nun s von Ost und West gewittert, sind wir alle ganz geeint. Ja, wir kommen, Herr und Kaiser, führe uns durch Not und Nacht! Sei uns Herzog, Held und Weiser! Aufgewacht! Nahen sie von allen Seiten, tückisch, ruchlos, Heer an Heer ei, wir wollen eisern streiten, denn wir tragen blanke Wehr. Blankes Schwert und gut Gewissen jagt die Räuber in die Nacht, und ihr Garn ist rasch zerrissen. Aufgewacht!I* Aufgewacht zum Kampf der Ehren um des Reichs geweihten Bau! Uns zur Seite gehu die hehren Väter durch die blut ge Au. Friedrich, Wilhelm, Bismarck schreite voran mit Siegesmacht, sie segnen unser Streite . Aufgewacht! Heinrich Spiero. Das Volk in Waffen. Die Deutschen zeigen sich als ein großes Volk. Zu den letzten Tagen des Juli 1914, als die Kriegsfackel schon anfing, zu glimmen, befand sich der Kaiser noch auf seiner Nordlandreise. Durch Funkenspruch wurde ihm über die letzten Ereignisse in Osterreich berichtet. Ferner sagte man ihm: Auch deinem Lande droht Gefahr, man will dein Reich vernichten." Sofort unterbrach der Kaiser seine Reise, denn unn galt es, das Letzte zu versuchen und tun, um das Land gegen die herein brechenden neidischen Feinde zu schirmen. Mit großer Begeisterung wurde er von den Berlinern empfangen. Das Volk folgte den kaiserlichen Auto mobilen bis auf den Schloßplatz. Hier warteten sie nun und harrten, bis der Kaiser zu ihnen sprechen würde. Ein Kaiserhoch nach dem andern und das wiederholte Singen der Nationalhymne drangen hinauf bis an des Kaisers Ohr. Endlich trat er hinaus auf den Balkon, begleitet von der Kaiserin und den anwesenden Prinzen. Plötzliche Stille herrschte überall. Alles hörte die feste Stimme des Landesherrn, der so schwere und ernste Worte an sein Volk richtete, die sich wohl in aller Herzen eingegraben haben: Eine schwere Stunde ist heute über Deutschland herein gebrochen. Neider überall zwingen uns zu gerechter Verteidi gung. Man drückt uns das Schwert in die Hand. Ich hoffe, daß, wenn es nicht in letzter Stunde meinen Bemühungen ge lingt, die Gegner zum Einsehen zu bringen und den Frieden zu erhalten, wir das Schwert mit Gottes Hilfe so führen werden, daß wir es mit Ehren wieder in die Scheide stecken können. Enorme Opfer an Gut und Blut würde ein Krieg vom deutschen Volke erfordern, den Gegnern aber würden wir zeigen, was es heißt, Deutschland anzugreifen. Und nun empfehle ich Euch Gott. Jetzt geht in die Kirche, kniet nieder vor Gott und bittet ihn nm Hilfe für unser braves Heer!" Das Volk blieb noch bis zum späten Abend auf dein Schloßplatz versammelt. Der Kaiser sprach noch einmal zu ihn, und dankte ihm für seine Liebe und Treue, die es ihm erwies. Dann zog man in großen Scharen vor das Reichskanzlerpalais, wo der Reichskanzler, Herr von Bethmann Hollweg, eine Ansprache hielt. Diese Ereignisse in Berlin wurden noch am 31. Juli im ganzen Reiche bekanntgemacht, wo sie von allen mit großer Begei sterung unter jubelnden Kundgebungen für Kaiser Heer entgegen genommen wurden.31. Juli 1914. Es grollte von Ost, es grollte von West, am Himmel zuckt es von Flammen, wir standen, die Faust um die Schwerter gepreßt, bissen die Zähne zusammen. Wir standen und schwiegen nun ist es vorbei! Vorbei das Zaudern und Zagen! Hin über die Lande schwingt sich ein Schrei: ihr wollt es, so sollt ihr es tragen! O Stunde im letzten Juliglanz, vernimm s aus unendlichen Reihen: Wir lassen den Boden des Vaterlands, den heiligen, nicht entweihen! Wir standen besonnen, Gewehr bei Fuß, und bissen die Zähne zusammen, nun ist es vorbei! Dir, Volk, meinen Gruß! Es reißt uns hinein in die Flammen! Die Stirnen empor! Die Fahnen voran! Zum Walle auf an die Grenzen! Und reiten wir heim, so sollt ihr dann mit deutschem Eichlaub uns kränzen! Rudolf Gcci. Der Kaiser versuchte alles, um ja deu Frieden zu erhalten. Er trat zwischen Österreich-Ungarn und Rußland als Friedensvermittler auf. Eine Depesche nach der andern flog hinüber herüber. Roch wartete er auf die letzte entscheidende Antwort. Wann wird die Schicksalsstunde schlagen? Die Schicksalsstunde. Der Kaiser in seinem Schloß zu Berlin. Den: Frieden gilt sein Sinnen und Mühn. ^ Depeschen fliegen hin und her, ^ Der Kaiser sitzt gedankenschwer. Sein Auge blickt ernst. Die Lippe schweigt. Die Wage steht ein. Ob sie sich neigt? ^ Den Frieden schützt ich von Jahr zu Jahr. Run erwart ich von dir die Antwort, Zar! Wenn du des Friedens Apostel bist, So gib uns den Frieden. Ich stellte die Frist." ^ Der Zeiger zur zwölften Stunde steigt. Die Wage steht ein. Ob sie sich neigt? ^ o Mein Wollen ist rein. Mein Tun ist wahr; Ist s auch das deine? Gib Antwort, Zar! Den Frieden erhielt ich der zitternden Welt. Nun sprich! Die Wage ist eingestellt!" Vom Zaren die Antwort! Der Kaiser schweigt, Die Wage ^ sie hat sich tief geneigt ... Artur Streich. Der Kaiser hatte erfahren, das; Rußland trotz seiner Friedensversiche rungen schon mobil gemacht hatte. Um nuu eiuem Kriegsfalle alles bereit zu haben, befahl er am 31. Juli die Erklärung des Zustandes drohen der Kriegsgefahr". Dies winde auf großen gedruckten Zetteln in Städten und Dörfern bekanntgemacht. Die gesamte Regierung und Verwaltung lagen in militärischer Hand. Was bedeutet die Verküudigung des Kriegs zustandes? Ist Kriegszustand schon Krieg? Nein. Sobald ein Land sich im Kriegszustand befindet, werden alle öffentlichen Gebände, Bahnen, Brücken usw. vom Militär bewacht, um sie vor den Angriffen der noch im Lande befindlichen Ausländer zu schützen. Spione, also solche Feinde, die das Land noch auskundschaften wollen zum Nutzen ihres Vaterlandes, werden verhaftet und schwer bestraft. Die ausführende Gewalt ist die Militär behörde. Ihr müssen alle übrigen Verwaltungen gehorchen. Mobilmachung. Trotz der vielen Bemühungen gelang es dem Kaiser nicht, die russische Mobilmachung zu verhindern. Die Russen waren schon auf den: Marsche nach der Ostgrenze Deutschlands. Schon seit dem 28. Juli sammelten sich russische Heere auf der Grenze gegen Österreich. Da befahl der Kaiser am i. August die Mobilmachung des gesamten deutschen Landheeres und der Marine. Bei der französischen Regierung wurde angefragt, ob sie in einem russisch -deutschen Krieg die Neutralität bewahreu wolle. Sie gab eine zweideutige und unbefriedigende Antwort. Am 1. August bereits drangen frauzösische Truppen in Elsaß-Lothringen ein. Ihre Flieger flogen über die Grenze und warfen in Baden, Bayern und am Rhein Bomben ab. Damit war auch der Krieg gegen Frankreich eröffnet (2. August). Am I. August hatte der deutsche Botschafter in Petersburg dem russischen Mi nister des Auswärtigen die Kriegserklärung überreicht. Der zweite August (Sonntag war der erste Mobilmachuugstag. Das eine Wort Mobil machung" riß alle mit sich fort. Große Begeisterung loderte in allen Herzen, selbst in denen, die nun vielleicht für immer Abschied nahmen von Weib und Kind, von Eltern, Geschwistern Braut. Heiße Tränen kostete es, selbst harte Männer wischten sich verstohlen eine Träne ab. Doch jeder war von dem einen Gedanken beseelt: Es muß seiu! Du kämpfst ja zum Schutze deiuer Familie, deines Gutes, um das Seiu oder Nichtsein deines Vaterlandes." In ihnen all lebte ein starker, eisenfester Wille. Er läßt sie zu Tausenden ails allen Gauen Deutschlands herbeiströmen. Der Kaiser rief, alle, alle kamen. Auf, auf, zum Kampf, zur Kampf sind wir-- 6 geboren, zum Kamps fürs Vaterland," so schallte es einein jeden tausend stimmig entgegen. Wie so verließen auch in diesen ereignisreichen Tagen Tausende ihren Platz. Nichts konnte sie zurückhalten. Es galt ja das Vaterland, das teure, zu retteu. Alle waren sich bewußt, was der Aufruf des Kaisers bedeutete. Kriegsfreude und -Zuversicht erfüllte das ganze Volk. So kam es, das; sich nicht nur die Wehrpflichtigen dem Wohl des Paterlandes opferten, sondern auch eine ungeheure Auzahl Kriegsfreiwil liger herbeieilte, deren Zahl sich schließlich 2 Millionen belief. Welch traurige Miene zeigte manch kampfesfreudiger Jüugling, wenn die Eltern dagegen waren, oder wenn er auf dem Bezirkskommando Bescheid erhielt: Noch einige Zeit gedulden." Alle fühlten aber auch, das; Gottes Ruf an sie ergangen war. Sie versöhnten sich mit Gott. In seinen Schutz empfahlen sie ihre Familien, ihre Sorgen und sich selbst. So zogen sie auch ueu gestärkt als wahre Eottesstreiter in das Feld, nm dnrch seine Kraft zu siegen oder vielleicht gar zu sterben. Ohne Unterbrechung wickelte sich die Beförderung der groszen Heeres massen ab. Auf deu Eisenbahnen begann ein reges Leben und Treiben. Zug für Zug, beladeu mit Menschen und Kriegsgerät, rollte an den Bahn höfen vorbei, wo man den tapferen Streitern noch Erfrischungen anbot. Auf den Landstraßen sah man die nicht enden wollende Marschkolonne der Landwehrleute. Alles ging rnhig und sicher von statten. Übereilung kannte man nicht. Man staunte über das planmäßige, sichere Borgehen bei all diesen Dingen. Der Kaiser sprach später der Eisenbahn für ihre vorzüg lichen und schnellen Dienste seinen öffentlichen Dank aus. In den Garni sonen wurdeu die Soldaten auf das genaueste ausgestattet, mit neuen Uniformen, mit starken, schweren Schuhen, mit blitzenden Waffen, kurz mit allem, was sie nur nötig hatten. Es fehlte nicht das geringste bei der Ausrüstung. Geschütze und Muuition, alles lag bereit. Die Pferde wurden ausgemustert und fortgeführt. Die Militärbehörde verfügte über sämtliche Autos. So stand alles im Dienste des Vaterlandes. Doch nicht nur in den Kriegern glühte heiße Liebe zum Vaterlande, sondern die Zurück bleibenden erfaßte dieses ueue Leben. Ein jeder wollte Opfer bringen. Die nicht mit ins Feld ziehen konnten, stellten sich den Ärzten zur Verfügung und halfen mit bei der Aufnahme und Pflege der Verwundeten. Sie stellten sich in den Dienst der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Gern und willig trugen sie die Opfer, die der Krieg mit sich bringt. Die Kaiserin rief die Frauen zun? Dienste für Alldeutschland aus. Frauen und Mädchen widmeten sich dem Dienste der freiwilligen Krankenpflege. Die Städte schufen eine Kriegsunterstützung für die Kriegerfamilien. Man veranstaltete Sammlungen zur Hebung des Elends unserer Brüder, der Flüchtlinge aus Belgien und Ostpreußen. Man half, wo es nur eben ging. Jeder Partei unterschied hörte auf. Das deutsche Volk zeigte sich als ein Volk, ein einig Volk Brüdern. Der plötzliche Sturm hatte es aufgerüttelt und ihm seine Untugenden vor Augen geführt. Er wies es auf vergangene Tage. Wo war das reine Deutschtum geblieben in jener Zeit? ^ as deutsche Volk war gefangen worden durch ausländische Moden und Sitten. Par teien hatten sich gegenseitig bekämpft. Glaube und Gottesfurcht warenm den Hintergrund getreten. Nun aber besann sich das deutsche Volk eines besseren. Die alte Wurzel war von dein Verführer Ausland" doch noch nicht ganz ausgerissen worden. Das Volk sah ein, so konnte es nicht weiter gehen. Neben der Begeisterung, dem Opfermut und der Selbstbesinnung ging.nun auch eine religiöse Wiedergeburt. Die Kirchen taten sich auf und vereinigten in ihrem Innern Scharen frommer Beter, die den allmächtigen Herrscher um seinen Segen für unser deutsches und das österreichische Heer und um einen baldigen Sieg und Frieden anflehten. Sie folgten dem Worte des Kaisers: Und nun empfehle ich euch (S tt. Jetzt geht die Kirche, kniet nieder vor Gott und bittet ihm um Hilfe für unser braves Heer." Zu diesem Zwecke ordnete der Kaiser am 5. August einen allgemeinen Bettag an. In diesen ereignisreichen Tagen wurde auch die Erneuerung des Eisernen Kreuzes vollzogen. Friedrich Wilhelm III- hatte dies Ehrenzeichen am lU. März 1613 für die Helden der Befreiungskämpfe gestiftet. Zum erstennial wurde es durch Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1841 erneuert. Am 19. Juli 1870 erneuerte Wilhelm I- den Orden zum zweitenmal. Es wurde in Zwei Klassen verliehen. Die Besitzer der ersten Klasse führen den Titel Ritter", die der zweiten Klasse den Titel Inhaber". Wilhelm II. erneuerte den Orden für den jetzigen Feldzug zum drittenmal. In der Stiftsurkunde vom 5. August 1911 heißt es hierüber: Das Eiserne Kreuz soll ohne Unterschied des Ranges und Standes an Angehörige des Heeres, der Marine und des Sandsturmes, an Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege und an sonstige Personen, die eine Dienst verpflichtung mit dem Heere oder der Marine eingehen oder als Heeres und Marinebeamte Verwendung finden, als eine Belohnung des auf dem Kriegsschauplätze erworbenen Verdienstes verliehen werden. Auch solche Personen, die daheim sich Verdienste um das Wohl der deutschen Streit macht und der seiner Verbündeten erwerben, sollen das Kreuz erhalten. Demgemäß verordnen Wir, was folgt: 1. Die für diesen Krieg wieder ins ^eben gerufene Auszeichnung des Eisernen Kreuzes soll, wie früher, aus zwei Klassen und einen Eroßkreuz bestehen. Die Ordenszeichen sowie das Band bleiben unverändert, nur ist auf der Vorderseite unter dem mit der Krone die Jahreszahl 1911 anzubringen. 2. Die zweite Klasse wird an einem schwarzen Bande mit weißer Einfassung im Knopfloch getragen, sofern es für Verdienst auf deni Kriegs schauplatz verliehen wird. Für daheim erworbenes Verdienst wird es am weißen Bande mit schwarzer Einfassung verliehen. Die erste Klasse wird auf der linken Brust, das Eroßkreuz um den Hals getragen. Z. Die erste Klasse kann nur nach Erwerbung der zweiten verliehen werden und wird neben dieser getragen. 4. Die Verleihung des Eroßkreuzes ist nicht durch vorherige Erwerbung der ersten und zweiten Klasse bedingt. Sie kann nur erfolgen für eine L -- gewonnene entscheidende Schlacht, durch die der Feind zum Verlassen seiner Stellung gezwungen wurde, oder für die selbständige, von Erfolg gekrönte Führung einer Armee oder Flotte oder für die Eroberung einer großen Festung oder für die Erhaltung einer wichtigen Festung durch deren ausdauernde Verteidigung. Alle mit dem Besitze des Militärehrenzeichens erster und zweiter blasse verbundenen Vorzüge gehen, vorbehaltlich der verfassungsmäßigen Regelung einer Ehrenzulage, auf das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse über." Viel hatte das deutsche Volt in den ersten Mobilmachuugstagen erlebt. Einer dieser Tage aber übertrifft alle übrigen. An diesem Tage fand die denkwürdigste Neichstagssitzuug statt, wie Deutschland noch nie eine gesehen hatte. Wann war sie? Ihr wißt es sicher alle! Also am 4. August. Wer erinnert sich noch, was an diesem Tage geschah? Der Kaiser ver sammelte im Weißen Saale des Königlichen Schlosses die Vertreter des Volkes noch einmal allein um sich. Seine Thronrede wird wohl kaum einer der Teilnehmer vergessen können. Er erinnerte sie an seine lange Friedenszeit, an sein stetes Bemühen, dem Volke den Frieden zu erhalten. Uns treibt nicht Eroberungslust, beseelt der unbeug same Wille, den Platz zu bewahren, auf deu Gott uns gestellt hat, für und alle kommenden Geschlechter. . ." In aufgedrungener Notwehr, mit reinen: Gewissen und reiner Hand ergreifen wir das Schwert." Nach der Thronrede sagte er noch einmal zu den Mitgliedern des Reichstages: Erinnert euch der Worte, die ich bereits am 1. August zun, Volke gesprochen habe. Ich gelobe hier aufs neue: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche. Zum Zeichen dessen, daß Sie fest entschlossen sind, zusammenzuhalten und mit mir durch dick und dünn, durch Not und Tod zu gehen, fordere ich die Vorstände der Parteien auf, vorzutreten und mir dies in die Hand zu geloben." Ein einstimmiges Bravo" bezeugte, daß Kaiser Volk eins waren. In der darauffolgenden Reichstagssitzung bezw. Kriegssitzung sprach der Reichskanzler von der Notwendigkeit des Krieges. Er legte das Weißbuch vor, in dem alle De peschen Aktenstücke über den Krieg vorhanden sind. In der Schluß sitzung wurden einstimmig die Kriegsvorlagen, nämlich 5 Milliarden zur Bestreitung der Kriegsausgaben bewilligt. Der Präsident schloß die denk würdige Sitzung mit einen: kräftigen Hoch auf Kaiser, Volk und Vaterland. Zusammenfassung: Die Mobilmachung. Die denkwürdige Neichstagssitzuug. Die Erneuerung des Eisernen Kreuzes. u Unser Ausmarsch und Einzug Luxemburg. Die Mobilmachung hatte sich mit ungeheurer Schnelligkeit und tadel loser Ordnung vollzogen. An einen Entscheidnngskampf war aber noch nicht zu denken. Unsere Truppen befanden sich bis Mitte August in vollem Aufmarsch. Um den Franzosen den Weg nach dem deutschen Gebiet am Niederrhein zu versperren, mutzten wir durch Belgien marschieren. Wir erboten uns, alles zu bezahlen, was unsere Soldaten benötigten, und vor allem jegliche Schäden, die durch den Durchmarsch entstanden wären. Die Belgier hielten zu den Franzosen und wiesen unser Angebot ab. So wurde auch Belgien unser Feind. Da tat Eile not. Um den Borsprung gegen über den Franzosen erreichen zu tonnen, mutzten wir das neutrale Grotz- herzogtum Luxemburg besetzen, nm den möglichenfalls eintretenden Ein marsch der Franzosen zurückzuhalten. Zudem stehen die Eisenbahnen Luxemburgs unter deutscher Verwaltung. Sie waren nun für den Auf marsch unserer Truppen von allergrötzter Wichtigkeit. Unsere Negierung mutzte sie also schützen und durch unser Militär besetzen lassen, zumal die Franzosen schon im Bormarsch begriffen waren. Dringende und schnelle Besetzung des Ländchens war nötig. Wir konnten uns jedoch nicht mehr mit der luxemburgischen Regierung verständigen. Da die Luxemburger sich bisher neutral verhalten hatten, erhoben sie gegen die Besetzung Ein spruch. Am 2. August schon früh morgens waren Truppenteile des 8. Armee korps in Luxemburg eingezogen. Die deutsche Negierung sandte ein Tele gramm mit dein Wortlaut: Unsere militärischen Matznahmen in Luxem burg bedeuten keine feindselige Handlung gegen Luxemburg, sondern ledig lich Mahnahmen zur Sicherung der in unserem Betrieb befindlichen dortigen Eisenbahnen gegen Überfall der Franzosen. Luxemburg erhält für-even tuellen Schaden volle Entschädigung. Bitte, dortige Regierung benach richtigen. Bethmann Hollweg." Als später nochmals der frühere deutsche Gesandte in Luxemburg, Herr von Jagow, dein Staatsminister Erischen auf telegraphischem Wege den notwendigen Einmarsch klarlegte und im Auftrage der deutschen Re gierung vollen Schadenersatz für etwa entstandene Schäden zusagte, war die luxemburgische Regierung einverstanden. Nun lietz sie die deutschen Gruppen ungehindert hindurchziehen. llberschrift: Die Besetzung Luxemburgs. Wir betrachten nun die einzelnen Kriegsschauplätze! 1l) Das Königreich Belgien. 29^2 Taus, hkui, 7,3 Mill. E., 233 auf 1 hkin. Etwas größer als die Rheinprovinz, aber ebenso volkreich und dicht bevölkert wie diese. Behandlung. 1- Das Land. II. Das Volk, a) allgemein. 1. Geschichte. 1. Lage, Küste und Klima. 2. Volkstum. d) Aufbau des Bodens und die 3. Ackerbau und Viehzucht. Einzellandschaften. -t. Bergbau und Industrie. 2. Das belgische Hochland. 5. Handel und Verkehr. 3. Das belgische Hügel- und Flach- K. Verfassung, Wehrkraft, Kolonien. land. Hl. Einmarsch in Belgien. IV. Eroberung Belgiens. 1. Das Land. 1. Lage, Küste, Klima. (1. Lage.) Belgien hat eine sehr günstige Lage, denn es wird von Frankreich, Deutschland und den Niederlanden umrahmt und stößt Eng land gegenüber an das Meer. Auf diese Weise bildet es ein wichtiges Durch gangsland. Schon in früheren Jahren war es als solches sehr bedeutend. Der Handelsweg von Ost- Südeuropa nach England ging durch Bel gien, so das; seine Städte zum Stapelplatz für ganz Nordwest-Europa wurden. Brügge war früher durch einen Meeresarm mit dem Atlantischen Ozean verbunden. Der Reichtum der Stadt wuchs von Jahr zu Jahr, besonders dann, als man durch die Kreuzzüge mit dem Morgenlande in nähere Beziehung trat und seine Erzeugnisse auf dem Seewege bezog. Im 13. Jahrhundert erwarb sich Antwerpen die erste Stelle als Handels stadt. Für den Binnenhandel ist die Lage zwischen Frankreich und Deutsch land von Wichtigkeit. Mit beiden Ländern steht es in regem Verkehr. Wie Deutschland das Herz Europas bildet, so ist Belgien das Herz West- und Mitteleuropas. Als zentrales Land wurde es schon oft einer der Haupt kriegsschauplätze Europas. (2. Küste.) Die Küste bildet eine geradlinige Dünenküste, die der Schiff- fcchrt durch ihre Sandbänke sehr gefährlich werden kann. Die Sandbänke sind von den Schiffern deshalb sehr gefürchtet. Die alten Häfen sind ver sandet. Bedeutend ist heute nur noch das weltberühmte Bad Ostende, das als llberfahrtsplatz nach England starken Personenverkehr hat. (3. Klima.) Das Klima ist mildes Seeklima. Die mittlere Jahres temperatur beträgt ungefähr 10 . Im höheren Südosten ist es weniger warm, aber niederschlagreicher. 2. Das belgische Hochland. Die Beschaffenheit des Bodens gliedert Belgien in zwei Teile, in das belgische Bergland und das belgische Hügel- und Flachland.1. Das belgische Bergland erstreckt sich in der ^-üdostecke des^Landes und gehört den eisenreichen Ardennen, einen, Teile des Rheinischen chiefer- gebirges, an. Die Hochfläche ist mit Mooren (Sümpfe) und Heide bedeckt. Im übrigen finden wir dort herrliche Buchenwälder und Eichenwälder, die oft noch an den Urwald erinnern. Die Flnßtäler sind tief eingeschnitten und sind wegen ihrer Schönheit schon oft das Ziel der munteren Wander vögel" geworden. Der Hauptfluß des Gebietes, die Maas, hat an manche teilen ein tiefes Tal, durch das sie sich bis Namur in vielen Windungen durchschlängelt. Da die Gebirgsflüsse ein starkes Gefälle haben, hat man hier Fabriken angelegt, die die Wasserkraft zur Treibung ihrer Maschinen gebrauchen. -2. Bodenschätze und Siedelungen. Der Nordrand der Ardennen birgt ein reiches Steinkohlen- und Eisenerzlager in seinem Innern. Das Erträgnis wird zwar von dem des Ruhrkohlengebietes übertrafen, doch räumt es dem kleinen Ländchen im Verhältnis zu seiner Größe den ersten, im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl den zweiten Platz in Europa ein. Durch den Reichtum an Zink, Eisen Blei nimmt es ebenfalls eine vortreffliche Stellung ein. Die Städte stehen durch ihre Industrie wohl mit an erster Stelle. Nmnur, an der Sambremündnng "nt Eisenindustrie und die Universitätsstadt Festung Lüttich mit Waffenfabriken sind die wichtigsten. Ostlich von Lüttich liegt in einem wiesenreichen Viehzuchtgebiet der Fabrikort (hauptsächlich Tuchfabriken) Verviers. Zun, belgischen Bergland gehören folgende Provinzen: (Belgisch) Luxemburg, Namur, Lüttich und die östliche Hälfte vom Hennegau. ^ ^ 3. Das belgische Hügel- und Flachland. (1 Oberfläche, Anbau, Industrie.) Das belgische Hügel- und Flach land ist das Flußgebiet der Scheide. Diese ist nahezu auf der ganzen bel gischen Strecke schiffbar. Die Scheide teilt sich in einen nördlichen Arm, die Osterschelde, welche durch einen Eisenbahndamm für die Schiffahrt gesperrt ist, die Westerfelde, die den Seeschiffen eine ausgezeichnete Fahrstraße nach Antwerpen bietet. Flußaufwärts liegt an dem Hauptstrom die Hauptstadt Flanderns, Gent. An den Nebenflüssen liegen Brüssel, "öwen und Mecheln. Ostlich der Scheide finden wir ein gewelltes Hügel land, westlich dagegen dehnt sich ein ebenes Flachland aus. die belgischen Niederlande. An der Küste breitet sich hinter den, Dünensanm ein Streifen Marschland aus. , ... Anbau. Das ganze belgische Hügel- Flachland ist e,u wohl- augebautes Gebiet. Die Belgier haben keine Mühe gescheut und mit großen, Fleiß neben den schon fruchtbaren Gebieten weite sandige Strecken (z. B. Waasland zwischen Antwerpen und Gent, heute der Lustgarten Flan derns" genannt) zu ertragreichem Ackerbaulaud gemacht. Ein sehr frucht barer Landstrich ist der Löß (ein kalkhaltiger, roter Lehmboden), der den, Kohlengebirge, gleichlaufend mit der Maas-Sambre-Linie, vorgelagert ist und von Möns bis Maastricht reicht. Zu deu unfruchtbarsten Strecken rechnen wir auch die Heidelaudschaft an der niederländischen Grenze (die Eampine, östlich von Antwerpen .Industrie. Neben dieser reichen Bodenkultur entwickelt sich ein reges Fadritleben. Das belgische Hügel- und Flachland ist eines der ältesten Industriegebiete Europas. Die flandrischen und Brabanter Tuche und ^einengewebe waren schon im Mittelalter in aller Welt wohlbekannt. In Flandern wurde die Weberei vor ungefähr KM) Jahren eingeführt. Durch die bedeutende Schafzucht und den reichen Flachsbau wurdeu diese Ge werbe gefördert, so das; sie durch frühzeitige Handelsbedingungen bald zu höchster Blüte gelangten. Heute noch ist das belgische Hoch-und Flachland der Hauptmittelpunkt für Webeindustrie, während im belgischen Bergland das Metall- und Elaswarengewerbe den Borzug hat. (2. Städte.) Die Städte des belgischen Hügel- und Flachlandes sind reich an geschichtlichen Denkmälern, die sich in alten ehrwürdigen und herr lichen Bauteu darbieten. Schöne gotische Rathäuser, wie die zu Löwen und Brüssel, Kathedralen in Löwen und Antwerpen und andere zahlreiche wunderbar künstlerisch gebaute Häuser und Patrizierwohnungeu erinnern an die ehemalige Blütezeit. Sie erinnern an die Zeiten, als die Städte Flanderns und Brabants mit denen Italiens an Bedeutung, Reichtum und Glanz wetteiferten." In Südbrabant liegt die Hauptstadt des Laudes, Brüssel, und zwar an der Grenze des Hügel- Flachlaudes, auf der Sprachscheide Belgiens. Man unterscheidet zwei Stadtteile, eine Ober- und eine Unterstadt. In der Oberstadt spricht man Französisch, sie ist der Wohnort der Vornehmen; in der Unterstadt, der Stadt der Industrie, überwiegt das Deutschtum. Die Stadt weist uoch viele schöne mittelalterliche Bauten, wie das Rathaus die Zunfthäuser, auf. Doch finden wir in dem belgischen Reiche auch prächtige moderne Bauten. Brüssel ist der Sitz der Kunst, Wissenschaft und Industrie. Das Hauptgewerbe ist heute noch die Spitzeuklöppelei, mit der sich Tausende von Familien beschäftigen (Brüsseler Spitzen). An zweiter Stelle steht die Tuch- und Baumwollindustrie und die Teppich- wirterei. Den Verkehr vermitteln auher Bahnen zwei Kanäle, von denen der eine zur Scheide, der andere in das Kohlengebiet (Charleroi führt. Südlich Brüssel liegeu die bekannten Schlachtorte Belle-Alliance und Waterloo (18. Juni 1815), Ligm) (16. Juni 1813). An einem Nebenfluß der Scheide liegen Löwen und Mecheln. Löwen, eine Universitätsstadt, gehörte früher zu den europäischen Großstädten. Berühmt war die Universität im Mittelalter für das tudium der Medizin. Mecheln ist Erzbischofssitz. Antwerpen (seit 10. Oktober 1914 in uuserem Besitz) ist eine starke Festung an der Scheide. Sie ist neben Hamburg der erste Hafen des Fest landes geworden. Die Stadt treibt großartigen Handel, wenn auch als Durchgangshandel, mit Getreide, Wolle und Baumwolle. Sie ist der be kannte Auswaudererhafeu. Antwerpen ist reich an hervorragenden, mittel alterlichen Bauten (Kathedrale). Eines der wunderbarsten Bauwerke Europas ist diese Kathedrale. Der eiue ausgebaute Turm ist ein Spitzen gewebe in Stein. In ihn? ist ein bedeutendes Glockenspiel angebracht. Die Kirche zeigt in ihrem Innern sieben Schiffe, gewähren diese einen mannigfaltigen Durchblick wie sonst wohl kaum ein Gebände. Antwerpen 13 war der Hauptsitz der brabantischen Malerschule, deren größter Aieister Peter Paul Rubens mar. Die berühmtesten seiner Bilder sind die Auf richtung des Kreuzes" und die bekannte Kreuzabnahme". Diese sind in der Kathedrale aufbewahrt; andere befinden sich im Antwerpener Museum. Der älteste Schüler Rubens , Anton van Dyck, ein geborener Antwerpen er, lebte hier längere Zeit. ^ Im Mittelalter erlebte Antwerpen seine Hauptblutezeit. Karl V. ^nachte es zur herrlichsten Stadt der ganzen christlichen Welt. Von hier aus verbreiteten sich die Erzeugnisse des belgischen Fleißes bis Arabien. Persien "nd Indien Die berühmtesten Handelshäuser Portugals lind Italiens hatten hier ihre Niederlagen. Der Verkehr mit den Nachbarstaaten war ein änderst reger. Ein bekanntes Sprichwort hieß. Die Welt ist ein .^ing und Antwerpen der Diamant darin." Der Hauptort der belgischen Baumwollmdustne ist Gent an der scheide das gleichzeitig durch einen Kanal mit der Westerfelde verbunden ist Gent ist sozusagen eine Wasserstadt, denn durch zahlreiche Äußarme und Kanüle ist die Stadt in 20 Inseln gegliedert, die durch Mehrere große und kleine Brücken verbunden sind. Brügge war früher neben Venedig der Mittelpunkt des Welthandels, ^cmge ^ahre schon hat sie an Bedeutung für den Verkehr verloren, da der Hafen immer mehr versandete. Nun ist sie allmählich wieder im Aufblühen begriffen da sie durch Erbauung eines 8 m tiefen Kanals wieder Seestadt geworden ist. An die alte Zeit erinnern die herrliche,, alten Tore, präch tige Bauten der Gotik und Nenaissance. An der versandeten Dünenküste liegt das sehr besuchte und vornehme eebad Ostende. Von hier dauert die Überfahrt nach England vier stunden. N. Das Volk und seine Bedeutung auf dem wirtschaftlichen Gebiete. 1. Geschichte. Im Altertum wurde das heutige Belgien von keltischen und germa nischen Stämmen bewohnt. Es bildete eine römische Provinz. Später wurden die Römer von den Franken, die das große Frankenreich, das jetzige Frankreich, gegründet haben, zurückgedrängt. Bei der Teilung zu Verdun. ^43. fiel Belgien (einschließlich der heutigen Niederlande) an Mittelfranken Italien)- durch den Vertrag zu Mersen, 870, an Ostfranken (Deutsch land) Karl V. teilte sein Weltreich unter seinen Sohn Philipp II. und seinen Bruder Ferdinand I- Belgien kam in spanischen Besitz. Die Re gierung Philipps über die südlichen Niederlande (Belgien) war sehr be drückend. Im spanischen Erbfolgekriege teilte man Belgien der österreichi schen Linie der Habsburger zu. die sich sehr um das Land verdient machten. Von 1794-1815, also zur Zeit der französischen Revolution und der Re gierungszeit Napoleons, stand das belgische Land unter französischer Herr- chaft. Der Wiener Kongreß vereinigte es mit den Niederlanden zu einem Königreich. Allmählich entstanden zwischen den beiden Reichen scharfe 14 Gegensätze, sei es in bezug aus Religion, je! es hinsichtlich der wirtschafte lichen Interessen. 1830 löste sich dann Belgien von den Niederlanden los machte sich zum selbständigen Königreich nnter dem Koburger Fürsten Leopold. Die Mächte sicherten dem neuen Staate ewige Neutralität ^u. Der heutige König von Belgien ist Albert (seit I9l)8). 2. Das Volkstum. Zwei Nationalitäten herrschen in Belgien vor. Den Süden be wohnen die Wallonen. Sie sind romanisierte Kelten mit französischer Sprache und Sitte. Im nördlichen Belgien einschließlich dem Küstengebiet wohnen die Vlaemen (sprich: Flamen), ein niederdeutscher Volksstamm. Die Wallonen sind der herrschende Volksstamm. Ihr Einfluß war und ist so bedeutend, daß man 1830 das Französische als Amtssprache festsetzte. Die Flamländer kämpften unermüdlich für ihr Volkstum und erhielten endlich 1898 Gleichberechtigung ihrer Sprache. Das Volk ist in bezug auf Konfession einheitlich katholisch. Prote stanten wohnen ungefähr 20WV im Lande. Die Volksbildung ist rück ständig. Schulzwang besteht nicht. 1908 gab es 8^2?^ Analphabeten (das sind solche Leute, die des Lesens und Schreibens unkundig sind). Belgien ist das dichtest bevölkerte Land Europas. Auf 1 ykm kommen 235 Menschen. Am dichtesten bevölkert ist Mittelbelgien (Brabant). Schwach bewohnt ist das rauhe Ardennengebiet. Z. Ackerbau und Viehzucht. Obwohl Belgien an und für sich ein kleines Land ist, so hat es aber infolge seines fruchtbaren Bodens den ertragreichsten Ackerbau Europas. Auf 1 gkm baute man im Jahre 1903 33 t Getreide an, in Deutschland waren es 47 t. Der alte Kulturboden wird mit regem Fleiß bearbeitet. Der Roggenbau überwiegt jetzt vielfach den Weizenbau. Trotzdem reicht der Ertrag nicht für die dichte Bevölkerung aus. Außer Getreide werden Zuckerrüben, Flachs, Tabak, Hopfen, Zichorien, viel Obst, Gemüse, Trauben und Blumen angepflanzt. Wald ist wenig vorhanden, vorwiegend nur im Ardennengebiet. Die Rindviehzucht ist sehr ergiebig. Käse und Butter werden im Auslande sehr geschätzt. Die Pferdezucht ist weniger bedeutend. Das belgische Pferd wird im Auslande viel zum Ziehen von Lastwagen ver wandt. Der ausgezeichnete Seefischfang liefert Heringe und Stockfische. 4. Bergbau und Industrie. Wie schon erwähnt, ist das belgische Bergland reich an Eisen, Zink und Blei. In der Gewinnung von Roheisen, Zink und Blei nimmt Belgien den ersten, in der Gewinnung von Steinkohlen den zweiten Platz in Enropa ein. Man kann mit Sicherheit feststellen, daß Belgien hinsicht lich seiner Größe das erste Bergbau- und Industrieland der Erde ist. Im Südosten ist infolge des Bergbaugebietes die Eisenindustrie-, im Hügel- und Flachland die Webeindustrie vorherrschend. Das Brabanter Leinen und die flandrischen Tuche sind weit und breit bekannt. Die Woll- 13 - industrie wird heute schon von der Baumwoll- und Leinenindustrie über troffen. Hauptsitz für Baumwollindustrie ist Gent, der Leinen- Spitzen industrie Brüssel, Gent Mecheln. Bedeutend sind die Glaswaren erzeugung in Eharleroi und die Diainantschleiferei. 5. Handel und Verkehr. Der Handel hat für das kleine Land eine weittragende Bedeutung; der Handelsumsatz beträgt pro Kopf 1000 Mark. Seinen ausgezeichneten Handel verdankt Belgien hauptsächlich seiuer Lage als Durchgangsland. Der Durchgangsverkehr ist an der Gesamteinfuhr sowohl wie an der Gesamt ausfuhr ziemlich hoch beteiligt. Belgiens Handelsflotte ist für seinen Ver kehr fast unbedeutend. Antwerpen wickelt den gesainten Seehandel fast ganz allein ab. Belgien hat ein sehr dichtes Eisenbahnnetz, auf 1000 hkin kommen 275 km Bahnen. Dazu kommen ungefähr 1000 km Kanäle. Unter den Verkehrsländern Belgiens steht Deutschland an erster Stelle; dann folgen Frankreich England. Die starke Getreideeinfuhr bezahlt Belgien wohl an erster Stelle mit Metallen und Maschinen. Die Diainantschleiferei bringt sehr viel Geld ins Land. Deutschland ist für Belgien das erste Handelsland, Belgien für Deutschland erst das siebte. Belgien liefert uns Wolle, Wollgarne, Pferde, Zink und Blei. Wir bezahlen mit Eisen, Waren der Eisenindustrie und Eisenerzen. ^ ^ . . Verfassung, Wehrkraft und Kolomen. Das Königreich Belgien hat eine Verfassung mit zwei Kammern. ..Bei der Wahlvorschrift für die zweite Kammer sind einige Merkwürdig keiten hervorzuheben: 1. Es herrscht Wahlzwang, 2. ein Wähler kann mit unter bis zu drei Stimmen abgeben iPluralsystem). Es hat eine Stimme Mehr: 1. der Verheiratete, 2. der Besitzer eines Grundstückes im Werte von 2000 , 3. der Eigentümer einer Sparkasseneinlage von einer ge wissen Höhe, 4. der Besitzer des Zeugnisses einer höheren Schule." Harms.) Das Heer ist kein stehendes, wie bei uns - es besteht aus Freiwilligen und Ausgelosten, die sich wieder freikaufen können. Eine Kriegsflotte gibt es nicht Um die Festungen trug die belgische Regierung die meiste Sorge. Als belgische Kolonie ist der Kongostaat (in welchem Erdteil breitet er sich aus^) zu nennen, der wohl ebenso groß ist wie die deutschen Be sitzungen in Afrika. Unter Leopold 11. stand er mit Belgien in Personal union, nach dessen Tode wurde er Belgieus Kolonie. III. Die Notwendigkeit unseres Einmarsches in Belgien. Wie schon erwähnt, mußten unsere Truppen den Franzosen so schnell wie möglich entgegentreten, um deren weiteren Vormarsch zu vereiteln. Es war aber kein günstigerer Weg vorhanden als der durch Belgien. Im Osten sind die Franzosen teils durch die Vogesen, teils durch die lange Festungsmauer. zu der die Festungen Verdnn, Toul, Epinal und vor allem Velfort gehören, geschützt. Die Festungen sind mit Auhenforts umgeben10 und stehen durch Sperrforts miteinander in Verbindung. Ein Vordringen auf dieseni Wege mußten wir vermeiden, um an Zeit und blutigen Opfern zu sparen. Darum schien es unumgänglich nötig, den Weg durch Belgien zu nehmen, wenn wir auch dadurch die Neutralität dieses Landes ver letzten. Doch wie sollten wir uns in der Eile helfen? Wir boten Belgien für die etwa entstehenden Schäden Schadenersatz an. Der Reichskanzler sagte deshalb: Das Unrecht ich spreche offen , das Unrecht, das wir damit tun, werden wir wiedergutzumachen suchen, sobald unser militärisches Ziel erreicht ist. Wer so bedroht ist, wie wir, und um das Höchste kämpft, der darf nur daran denken, wie er sich durchhaut!" Da die Belgier aber schon mit unsereu Feinden verbunden waren, lehnten sie unser Angebot, jedoch zu ihrem Schaden, ab. Ein Teil des VIII. Armeekorps besetzte am 2. August ^u,re iburg. Die ersteu deutschen Truppen zogen bereits am 4. August in Belgien ein. Um weiter und schneller vordringen zu können, mutzte zunächst die Festung Lüttich genommen werden. Eine kleine Truppenabteilung versuchte einen Handstreich auf Lüttich. Bald wäre es ihr gelungen, den Kommandanten gefangen zu nehmen. Dieser mußte die Flucht ergreifen. Am 7. August erstürmten unsere ersten braven Helden unter Führung des Generals von Emmich die Festung Lüttich. Es schien fast unglaublich, daß man nach einer solch kurzen Frist von zwei Tagen die starke Festung eingenommen hatte. Der Sieger, General von Emmich, wurde vom Kaiser mit dem Orden ?our le inerits" ausgezeichnet. Wie war nur diese schnelle Einnahme möglich gewesen? Ja, blicken wir nur einmal auf die 43jährige Friedenszeit IV. Die Eroberung BelgiensZurück! Haben wir da wohl geschlafen? Nein, es war emsig geschafft worden, fleißig gearbeitet in den Kruppschen Werken. Die Ingenieure haben auf neue Erfindungen gesonnen und über etwaige Verbesserungen nachgegrübelt So hatte man allmählich für einen eventuellen Krieg ein Geschütz gebaut dem kein feindliches beizukommen vermag. Es sind die 42 ow-Geschosse, von den Soldaten die Brummer" oder die dicke Berta" genannt 3H^ habt alle schon viel davon gehört, vielleicht auch schon eins abgebildet gesehen. (Bild vorzeigen!) Also, diese Brummer haben bei der schnellen Einnahme der Festung mitgeholfen. ^)n der )!acht vorher hatte Zeppelin VI bereits das Zerstörungswerk begonnen. Die deutschen Truppen hatten unter der belgischen Bevölkerung schwer zu leiden. Das Kämpfen der Belgier artete in einen Franktireurkrieg aus. Waffentragende Bürger wurden standrechtlich erschossen, die Orte, in denen Greueltaten verübt wurden wurden in Trümmer geschossen. Alles Wüten der Belgier war umsonst Immer weiter drangen die Deutschen siegreich vor. Wir machten der belgischen Regierung noch einmal das Anerbieten, alle Schäden gut zumachen wenn sie die deutschen Truppen ungehindert hindurchlasse. Dock der französische Einfluß war zu gros;, sie hatten die Belgier durch hohe Versprechungen betört. Die Regierung schlng unser Angebot aber mals ab So mußte sie dann erleben, daß fast ganz Belgien in unsere Besitz kam - Es bildeten sich nun zwei Heeresabteilungen. Die eine uahin den Weg gegen Namur, die andere zog gegen Brüssel. Am 20. August zogen die Truppen in Brüssel ein. Sechs Tage später, am 26. Angust fiel auch die starke Festung Ramur an der Maas in unsere Hände. Unaufhaltsam ging es weiter. Die Belgier wurden nach Norden und Westen auf Antwerpen zu zurückgedrängt, ^.eile der II. und III. Armee verfolgten den Feind zwischen Namur. --ambre und Maas in der Richtung Maubeuge Von Antwerpen aus versuchte das belgische Heer einen Aus lall. der aber gänzlich mißglückte. Der Feind hatte schwere Verluste erlitten. Als unsere Soldaten sich Löwen näherten, begann der Frankkireurkneg von ueuem Mancher junge Soldat inuszte hier durch Meuchelmord sein Lebe lassen Die belgischen Behörden hatten zwar dieses Mal die Bevölkerung gewarnt auf die deutschen Truppen schießen. Doch der eingeschärfte Deutschenhaß war zu tief eingewurzelt. Die Deutschen verhängten ein schweres Gericht über die Stadt. Sobald die Truppen eingezogen waren, hieß es- Von 8 Uhr ab müssen die Häuser geschlossen sein, die Bewohner müssen dann zu Hanse bleiben. Wer die Waffen nicht abgibt, wird mit dem ^ode bestraft." Es half alles nichts. Am Abend wurde aus mehreren Häuser auf die Soldaten geschossen. Nun wurde die Stadt von seiten der Deutschen beschossen. der Stadt Löwen lag in Trümmern. Die öffent lichen Gebäude sind zum größten Teil erhalten geblieben, besonders das herrliche Rathaus. Nun galt es noch, die als uneinnehmbar genannte Festung Antwerpen zu erobern. Die Leitung über die Armee, die die Beschießung Antwerpens vornahm, übertrug man dem General von Beseler. Die Belgier wurden in die Festung hineingedrängt, der Gürtel um sie wurde innner enger. Am 28. September fielen die ersten Schüsse auf die äußeren Forts. Auch hier leisteten wiederum die 42 om-Geschosse", unter- B qerle Selchichte des Welttrieges. 2 18 stützt durch österreichische Motorbatterien, eine großartige Arbeit. Ein Fort nach dem andern fiel. Schon entschloß sich der König, die Festung zu über geben. Doch die Engländer versprachen Hilfe, sie schickten 13000 Mann, die aber nichts ändern konnten. Am 9. Oktober waren zwei Forts der inneren Linie genommen, am Nachmittag zogen die ersten Truppen in die Stadt ein. Am 10. Oktober fiel die Festung in unsere Hände. Der größte Teil der Besatzung war auf niederländisches Gebiet übergetreten; die übrigen flüchteten nach Westen. 20000 Mann der Besatzung nahmen wir in Holland gefangen. Eine grosze Menge Munition, Kriegsgeräte, Vorräte und 300 Geschütze waren die reiche Bente. Fast ganz Belgien war im Besitze der Deutschen. In den eroberten Gebieten wurde die deutsche Verwaltung eingeführt. Den Oberbefehl führte der Generalgouverneur Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz. Heute liegt die Verwal tung in den Händen des Herrn von Bissing. Unsere Truppen ver folgten den fliehenden Feind und besetzten Gent, Brügge und Ostende (Merfahrtsort nach England). Die verbündeten Mächte stellten sich uns hier von neuem entgegen, nm uns zur Aufgabe unserer Stellung zu zwingen. Englische Schiffe wurden mehrfach durch Volltreffer beschädigt und ver nichtet. Die Feinde durchstachen Kanaldämme und setzten dadurch ein weites Gebiet unter Wasser, um uns das Vordringen zu erschweren. Die Kampflinie erstreckte sich nun von Lille, Dizmmde am Bierkanal entlang über Nieuport bis zur Küste. Von dieser Zeit an wurde der Bewegungs krieg zun? Stellungskrieg. Die Republik Frankreich. 533 Taus, qkm, fast 40 Mill. Einw., 74 auf 1 c^lcm, fast so groh wie Deutschland, 2 5 seiner Einw. Behandlung. 1. Das Land, a) allgemein. 1. Lage, Küste, Klima. d) Aufbau des Bodeus die Einzellandschaften. 2. Die französischen Hochgebirge. 3. Das französische Mittelgebirge. 4. Das Rhone-Saüne-Tal. 3. Das französische Tiefland. 6. Die Insel Korsika. III. Frankreich, unser Erbfeind. II. Das Volk. 1. Geschichte. 2. Volkstum. 3. Ackerbau Viehzucht. 4. Bergbau und Industrie. 3. Handel und Verkehr. 6. Verfassung und Wehrkraft. 7. Kolonien. IV. Unsere Kämpfe in Frankreich. 19 2* I. Das Land. 1. Lage, Küste, Klima. U- Lage. Frankreich liegt im westlichen Teile des europäischen Fest landes. Es grenzt im Nordosten an den Kanal, im Osten an Belgien, Luxemburg, Deutschland Elsasz-Lothringen), Schweiz, Italien, im Süden an das Mittelländische Meer und Spanien, im Westen an den Atlantischen Ozean. Es stöszt an drei Meere (nenne dieselben!) steht dadurch in Verbindung mit England, Amerika und Afrika. Im Osten entbehrt Frank reich den natürlichen Schutz; deshalb hat es auf der Grenze gegen Belgien und Deutschland Festungen geballt, nämlich Maubeuge, Berdun, Toul, Epinal und Belfort. Es ist auf das Meer sowohl wie auf das Binnenland hingewiesen. Darum versuchte es wiederholt, allerdings ohne danernden Erfolg, die erste See- und Landmacht zu werden. Die Lage Frankreichs kann insofern als günstig bezeichnet werden, weil das Land an zwei Meeren üegt, dann sind die beiden Küsten dnrch zwei bequeme Naturbahnen miteinander verbunden, dnrch den Kanal du Midi und durch die Seine- Nhonestraße. Durch seine Mittelmeerküste trat Frankreich schon früh in den Bereich der alten Kulturwelt. Im Jahre LW v. Chr. gründeten die Griechen das heutige Marseille, in früheren Jahren hiesz es Massalia. Als dann die Römer das damalige Gallien besetzten und ihre Kultur dem übrigeil Europa mit teilten, nahmen sie ihren Weg über Frankreich, weil es durch seine Lage längs der Küste der Riviera Küste) leicht zu erreichen war. Im Lause der Jahre wurde Frankreich das Durchgangsland nach dem zinnreiche England und nach Deutschlands Gefilden. Im Mittelalter verlor die fran zösische Mittelmeerküste an Bedeutung, da die Alpenpässe inzwischen gang barer geworden wareil. Nun ging der morgenländisch-italienische Handel durch Deutschland nach England und Skandinavien. Als dann die afrika nischen Küstengebiete Algier lind Tunis französisch wurden und Marokko an Frankreich fiel, so das; sich das gewaltige westafrikanische Kolonialgebiet Frankreichs bis an den Golf von Guinea und den unteren Kongo aus dehnte, gewann diese Küste wieder an Bedeutung. Die atlantische Küste trat erst nach der Entdeckung Amerikas in den Vordergrund. Als nämlich Spanien in Amerika in sich zusammenbrach und nicht mehr mit wetteifern konnte, trat neben England und Holland auch Frankreich als Kolonialmacht in Nordamerika auf. Allmählich wurde es von England in den Hintergrund gedrängt, da dieses dnrch Festlandsbeziehungen nicht gebunden war. Nach dem Kriege 1755 17l 3 mutzte Frankreich seine Besitzungen in Amerika von Kailada bis Florida an England abtreten. Was die Kanalküste anbetrifft, so hat sie nur den Vorteil, daß die !tberfahrt nach England, dem Haupthandelsland für Deutschland und Frankreich, schnell und leicht vor sich geht, denn die Strohe von Calais ist nur 32 km breit. Die Überfahrt von Calais nach Dover beträgt 1 Stunde. (2. Küste.) Wenn wir von der Küste eine Beschreibung im einzelnen geben sollen, können wir dreierlei aufstellen. 20 1. Frankreichs Mittelmeerküste ist im Osten günstig, da, wo die Alpenvorberge an das Meer herantreten. Hier finden sich vorteilhafte Hafenplätze (Marseille und der Kriegshafen Tonlon). Der westlichen Land schaft, der Bretagne", ist eine Eranitküste vorgelagert. Im übrigen besteht die Kanalküste aus einer Kreideküste. Im Bereich der Eranitküste liegen die Häfen Brest, Eherbourg und St. Nazaire, der Vorhafen von Nantes. Eherbourg wurde von Napoleon I. und Napoleon III. mit einem Kosten aufwand von 200 Mill. Mark angelegt. An der Seinemündung liegt Frankreichs wichtigster atlantischer Hafen, Le Havre. Die Dünen- und Strandseeküsteu des Golfs du Lyon und des Meerbuseus von Biscaya sind ungünstig. Eine Strömung führt ihnen andauernd Sandmassen zu. An der Nordseeküste, die trotz Düneuküste nicht so sehr der Versandung ausgesetzt ist, liegen Calais und Dünkirchen. 2. Die Landgrenzen werden im Osten und Süden von den Pyre näen, einem Teile des Alpenkammes, dem Schweizer Jura und den Vogesen gebildet. Die eigentlichen natürlichen Grenzen fehlen im Osten gegen Bel gien und Deutschland, deshalb wurdeu dort, wie schou erwähnt, starke Festungen erbaut (Belfort). 3. (Klima.) Frankreichs Klima ist bedeutend günstiger als das Deutsch lands. Es kommt fast dem Mittelmeerklima gleich: kurze, milde Winter, heiße Sommer. Rauhes Klima hat nur die Alpeulandschaft Savoyen. Nach der Bebauung des Bodens kann man eine dreifache Zone aufstellen: eine nördliche: Getreide und Gespinstpflanzen, eine mittlere: Wein, Obst, Mais, und eine südliche: Wein, Oliven und Südfrüchte. Wald bedeckt nur des Bodens. 2. Die französischen Hochgebirge. Frankreich wird angefüllt von einem Tiefland im Westen und einem Gebirgsland im Osten. Das Tiefland gehört den Flußgebieten der Seine, Loire und Garonne an. Es wird von zwei Bergländern (nenne sie!) unter brochen. Das französische Mittelgebirge wird von einen, Tiefland (welches?) durchzogen. Die Hochgebirge sind im südlicheu Teil die Pyrenäen und die Westalpen. Die Pyrenäen sind ein schwer zugängliches Gebirge. Sie reichen vom Mittelmeer bis zun: Meerbusen von Biskaya. Sie fallen nach Norden steil ab und sind sehr niederschlagreich. Infolgedessen ist das Gebiet wald- wiesenreich. Der Süden fällt sanfter ab, er ist sehr dürftig bewachsen. Der mittlere Teil ist der höchste, breiteste unzugänglichste. Nach Frank reich hinein erhebt sich im Westen der Pic du Midi. Die Pyrenäen bilden eine Länder-, Völker- Klimascheide. Im Südosten breiten sich die Westalpen aus als Grenze gegen Italien. Ihr höchster Gipfel ist die Mont-Blanc-Gruppe, die bis zum Großen St. Bernhard reicht. Der Mont-Blanc (4800 in) ist zugleich der höchste Berg Europas. Er ist von 23 Gletschern umrahmt. Von dem Hauptkamme aus verzweigen sich viele Seitenäste, die deni Lauf der Nhone, der Jsöre und Durance folgen. In diesem Teile liegen die Dauphine-Alpen zwischen Durance und Jsere, Am Fuße liegt der größte Ort zugleich der Straßen- 21 kreuzungspunkt mehrerer Alpenstraszen, die Festung Grenoble. Nördlicher liegen die rauhen und wilden Savoyer Alpen zwischen Jsere und Rhäue westlich vom Mont-Blanc. Das herrliche Ehamonir-Tal trennt sie von dieser Gruppe Das Land ist sehr arm. Deshalb ziehen die Savoyer viel fach in andere Länder, um sich dort ihren Unterhalt zu verdienen. Später kehren sie jedoch in ihre geliebten Berge zurück. Die südlichste Laudschaft ist die Provence in der ein sehr mildes Klima, gleich dem Süditaliens, herrscht An Stelle der rauhen Winter tritt eine frvstige Regenzeit von einigen Wochen mit etwas Reif und Eis am Morgen. Schnee sieht man selten. Die Landschaft ist ewig grün, überall sieht man Ölbäume, Apfel- stnen und immergrünes Gebüsch. Die Blumen, z. B, Tulpen, Hyazinthen und dgl blühen schon gegen Weihnachten. Wegen des milden Klimas wird diese Landschaft viel von Brusttranken aufgesucht. Nachteilig für die Pro vence wirkt der Mistral, ein kalter Fallwind, der oft so stark auftritt, das, er ganze Eisenbahnwagen umzustürzen vermag. Die Westalpen, auch französisch-italienische Alpen genannt, erstrecken sich vom Mittelmeer bis Zun, Genfer See Die Ubergänge von Frankreich nach Italien benutzen die Thäler der Rhüne -Saone-Rebenflüsse zum Aufstieg und die Zuflüsse des Po zum Abstieg. Das Gebirge ist spärlich bevölkert. Die Bewohner leben von den Erträgnissen der Ziegen- und Schafzucht. ^ An der Ostgrenze zieht sich auch der schwer zugaugliche schweizer Iura daher Er ist ein reiches Faltengebirge. Seine langen und schmalen Höhenzüge breiten sich von. Südwestufer des Geufer Sees bis zum Rheine oberhalb Basels aus. ^ ^ . Die Ostgrenze wird serner von den Vogejeu oder dem Wasgeinvald gebildet Sie werden durch die Burguudische Pforte von dem Schweizer Iura aetrennt Den Westabhang bildet nahezu die lothringische Hochebene. Sie wird von Mosel Maas durchflössen. Sie war, wie schon so oft, auch in diesem Kriege wieder der Schauplatz vieler schlachten. Haupt stadt: Rancy. Das französische Mittelgebirge erstreckt sich im Südosten Frankreichs und nähert sich im Norden den Vo osen Es zerfällt in mehrere Bergländer, die nach dem Saäne-Tal steil abfallen Der Hanptteil gehört dem Hochland der Auvergne au. Diese Landschaft ist reich an erloschenen Vulkane,, heißen Quellen. Man unterscheidet bei den Vulkanen drei Gruppen. Die nördlichste bilden die Düme-Berae mit ihrer höchsten Erhebung, den, Puy de Dmne. Südlich davon liegen die Dore-Berge. Die höchste Erhebung m der Vultanruiue ist der etwa 1890 in hohe Mont Dore, zugleich der höchste Berg ,m Innern Frankreichs. Noch südlicher breitet sich die dritte Gruppe aus mit den, M 0 m hohen Lantal. Das Hochland der Auvergne ist mit Heide und dürf tigen Weiden bedeckt. Die Haupterwerbsquelle der armen Bevölkernng bildet die Viehzucht. Der Südostraud der Auvergne ist sehr zerrissen schluchtenreich. Man nennt ihn die Eevennen". Sie reichen von, Eanal du Eentre bis zum Eanal du Midi. Sie fallen nach den, Nhonetal steil ab. Die Eevennen sind ein langgestrecktes, unzugängliches Gebirge. In ihrem- 22 Innern, besonders am Nordrande, bergen sie reiche Eisen- und Steinkohlen lager, die das schnelle Aufblühen der Eisen- und Waffenstadt St. Etienne hervorriefen. Südlich liegt das Kohlenlager von Le Creuzot. Die Stadt ist durch die größten Kanonen- und Geschoßfabriken Frankreichs zum frauzösischeu Essen" geworden. Das Gebiet der Cevennen ist im grossen und ganzen fruchtbar. Wertvolle Wieseu breiten sich in den guten Gegenden aus. Die Haupterwerbsquelle bildet die Viehzucht. Der schmale Kalkrücken der Cote d Or (d. i. Eoldhügel) liegt zwischen dem Kanal du Centre und dem Burgunderkaual. An seinem Ostabhange gedeiht der weltberühmte kostbare Burgunderwein. Nach ihm hat der Landstrich seinen Namen Eoldhügel" erhalten. Im allgemeinen ist das Gebiet aber rauh und unfruchtbar. Die Hauptversaudtstelle für den Bur gunderwein ist Dijon. An die Eüte d Or schließt sich das rauhe Plateau von Laugres. Es reicht von der Quelle der Maas bis zum Kanal von Burgund im Süd westen. Dieser Kanal verbindet durch die Nonne die Saöue mit der Seine. Die Hochfläche ist das Quellgebiet der Maas, Marne, Aube und Seine. Von dem Nordende des Plateaus zieht am linken Maasufer eutlaug der Argonnenwald. Obwohl er sehr niedrig ist, ist er für den Verkehr doch eine Schranke, da er sehr schwer zu überschreiten ist. Der Argonnenwald reicht bis zu deu Ausläufern der kohlenreichen Ardennen. Das Plateall leitet über zu dem Wasgeuwald, in dessen westlichem Teile sich Französisch- Lothringen ausbreitet. (Siehe die französischen Erenzgebirge im Osten, die lothringische Hochebene!) Die starken Festungen Toul, Verdun und Sedan verschließen die Öffnung zwischen Wasgenwald und Huusrück. 4. Das W) ne-Saüne-Tal ist eiue weite Grabenseninng, die lins an die oberrheinische Tiefebene ^er innert. Die Rhünesenke wird von der Rhone durchflössen, die eine sehr starke Strömuug zeigt. Infolgedessen kann sie für die Schiffahrt kaum benutzt werdeu. Sie entspringt auf dem St. Gotthard, läuft dann in west licher Richtung durch den Genfer See bis Lyon. Hier empfängt sie auf der rechten Seite die Saüne und fließt dann südlich bis ins Mittelmeer. Weitere Nebenflüsse sind Issre Durance. Das Rhänedelta umschließt ein sandiges, ödes Weideland, das sich immer weiter bis ins Meer erstreckt. Die Rhünesenke hat ein warmes Klima, im Süden sogar Mittelmeerklima. (Warum?) Sie ist eines der fruchtbarsten Gebiete Frankreichs. An ihren Ufern erblickt man rebenbekränzte Hügel, so daß die Senke auch in bezug hierauf au die oberrheinische Tiefebene erinnert. Im Südeil (Provence) gedeihen der Ol-, Maulbeer- (Seidenraupenzucht!) und Mandelbäume. Der Schutz der Alpen erlaubt auch das Anpflanzen der Orangen, Palmen, Lorbeer- Myrtenbäume. Durch die Seidenraupenzucht hat sich im nördlicheil Rhünetal die Seidenindustrie bedeutend entwickelt. Der Hauptsitz der Seideuindustrie ist das stark befestigte Lyon, die erste Seidenstadt der Welt. Durch seine günstige Lage an mehreren Straßen entwickelt sich einj reger Verkehr.- 23 Die frühere päpstliche Residenz in der Zeit von 130! -137 war Avignon. Die Steilküste der Rhone im Osten ist buchtenreich. Hier entstanden dann auch mehrere gute Häfen. Die erste Seehandelsstadt des Mittelmeeres wurde Marseille, am Endpunkt der Handelsstraße, die dnrch das Rhüne- tal führt. Sie treibt Handel mit Getreide, Ol, Seifen. Parfümerien und Men. Beschützt wird sie durch den Kriegshafen Toulon im Osten. Den nordöstlichen ^eil der Küstenstrecke bildet die französische Rimera mit einem wunderbar wintermilden Klima. Die besuchtesten Winterkurorte sind ttizza. Cannes und Monte Carlo, die Hauptstadt des Fürstentums Monaco. Dieses hat eine herrliche Lage auf einem vorspringenden Felsen, der stufenförmig ins Meer hineinreicht. ...... ^ . Da-. Sac.ne-^al ist das Flußgebiet der rnhig dahmslietzenden ^-aone. die bei Lyon als rechter Nebenfluß siehe oben! in die reißende Rhone Mündet ^u beiden Seiten breitet sich das fruchtbare Burgund ans. Be deutend ist der Weinbau im Westen der Ebene. Als weltbekannter Wein wurde der Cote d Or schon genannt. Ein linker Rebenfluß der Saone ist der Toubs Wo entspringt er?) Von diesem geht der Rhein-Rhone-Kanal durch die burgundische Pforte. Sie stellt die Verbindung her zwischen der Hochebene und der Oberrheinischen Tiefebene. Eine größere Stadt an der Saone ist Ehalons. An der Straße nach Rordfrankreich^liegt die Sestung Dijon (Versandplatz für Wein). An der Straße nach ^-üdfrank- reich liegt da-- stark befestigte Besan?on und an der nach der Burgun dischen Pforte bildet die Festung Belfort einen Stützpunkt gegen Deutsch land. 5. Das französische Tiefland. Es zieht sich vvn den Pyrenäen bis an den Pas de Calais. Es wird von mehreren Hügeln und Bodenanschwellungen durchzogen und gliedert ich in drei Tieflandsbecken. ^ ^ r-. Zwischen die Pyrenäen das ,udsranzo,i,che Hochland jchiebt sich eine "andschatt die von der reißenden Garonne, die um ihrer Flut willen ehr gefürchtet ist. durchflössen wird. Die Garonne entspringt auf den Pyrenäen und wird bei Toulouse schiffbar. ^ie ,endet den Kanal du Midi Zum Mittelmeer fließt in nordwestlicher Richtung weiter. (Mündung? Vom französischen Mittelgebirge empfängt sie den Tarn. Lot und Dordogne. Das Earonnekal ist sehr fruchtbar außer dem sandigen Küstenstrenen südlich der Loiremündung Der Weizen- Weinbau ist äußerst ergiebig. Die Hauptversandstelle für den Wein ist Bordeaux, das schon zur Römerzeit eine bedenkende Handelsstadt mar. Unterhalb der tadt erweitert sich me Earonne meerbusenartig und heißt Gironde. An diesen ^.eil stößt die Halbinsel Me d oc. die zugleich eines der bedeutendsten Weinländer Frank reichs ist Hinter Bordeaux erstrecken sich die französischen Heiden, Les Land es genannt An der Küste zieht sich gleichsam eine Dünenwüste, gebildet vvn Strandseen und Sümpfen, entlang. Die Wüste ist mit Strandkiefern be wachsen. Im Innern wird dieses Gebiet zu einem Getreide- und Weide land. Zu Beginn des Südkanals und der Schiffbarkeit der Garonne liegt Toulouse, inmitten einer fruchtbaren Landschaft. Sie ist als Handels- 24 und Industriestadt sehr bedeutend. An, Fuße der Pyrenäen liegt der de rühmte und vielbesuchte Wallfahrtsort Lourdes. Alljährlich wandern Tausende von Pilgern und Kranken der Grotte, in der einst die Jung frau Maria einem Mädchen erschienen sein soll. Das Wasser der Grotte, das heilbringend sein soll, wird in alle Welt versandt. b) Das Loirebecken füllt den größten Teil des französischen Tief landes aus. Die Loire entspringt im französischen Mittelgebirge. Dieses Becken bildet das Durchgangsgebiet für den Verkehr zwischen dem Norden Süden Frankreichs. Nebenflüsse der Loire sind links der Allier und rechts der Maine. Sie mündet in den Atlantischen Ozean. Südlich von den. Loirebogen breitet sich eine seenreiche Heide aus. Das Gebiet am Unterlauf des Flusses ist sehr fruchtbar und wird deshalb der Garten Frankreichs" genannt. In ihm liegt Tours. An der Mündung der Loire liegt Nantes. Durch die Versandung der Flußmündung mnßte für die Einfahrt der größeren Seeschiffe ein besonderer Hafen angelegt werden. Es ist St. Nazaire. Nantes treibt Handel mit Kolonialwaren. Südlich der Loiremündung liegt angeschwemmtes, fruchtbares Marschland, die Bendee", das an die deutsche Nordseeküste erinnert. Zum Schutze gegen den Seewind haben die Bewohner Gräben und Dämme angelegt letztere mit Büschen bepflanzt. Der bedeutendste Hafen ist der Kriegshafen Rochefort und der Handelshafen La Nochelle. Dieser hat wegen der schlechten Verbindung zum Meere einen Borhafen, La Pallice. Ostlich der Vendve erheben sich die Höhen der Gatine gegen die Vorberge des französischen Mittelgebirges. Zwischen beiden liegt eine Senke, die das Haupteingangstor bildet von dem nördlichen nach den: südwestlichen Frank reich. Hier liegt Poitiers und um dieses herum zahlreiche Schlachtfelder. Durch die Einsenknng führt eine Bahn von Paris nach Bordeaux. Im Nordosten des französischen Tieflandes breitet sich das Seine becken ans, das natürlich von der Seine durchflössen wird. lWo entspringt sie? Nenne ihre Nebenflüsse! Sie durchfließt die Ebene der Champagne. Diese Ebene ist ein unwirtliches Gebiet. Der mittlere Teil wird sogar die lansigeEhampagne"genannt; denn hier dehnen sich nnr dürre Heideflächen aus. Fruchtbar ist die Champagne nur im Westen, wo die Abhänge mit edlen Reben bekränzt sind. Sie liefern den berühmten Champagnerwein. In der Champagne stellt man viel Kalk- und Feuersteine her. o) Das Seineb ecken hat ein mildes Klima, einen fruchtbaren Boden und ein bedeutendes Kohlenlager nahe der französisch-belgischen Grenze. Das Seinebecken ist die dichtestbewohnte Landschaft Frankreichs geworden. Es erstreckt sich vom Wasgenwald bis an die Bretagne und den Kanal von der belgischen Grenze bis zum südfranzösischen Hochland. Die Seine ist ein ruhigfließender Fluß und daher für die Schiffahrt bedeutend. Sie durchläuft vor ihrer Mündung ein anmutiges Tal der schönen Normandie. Im Mittelpunkt des so dicht bevölkerten, fruchtbaren Seinebeckens, gerade am Sammelpunkt mehrerer Verkehrsstraßen, liegt die glänzende Landes hauptstadt Paris. Sie bildet den Mittelpunkt des geistigen und politischen Lebens. Sie ist die erste Industriestadt des Landes, die besonders ihre Modewaren in aller Welt zur Geltung bringt. Der innerste Ring, die 25 eigentliche ViUe (villo Stadt) wird von den inneren Boulevards Boll werke) umschlossen, einein herrlichen Straszenzuge, den Ludwig XIV. an Stelle der alten Festungswerke erbauen lies;. Der zweite Ning, die soge nannten Faubourgs ^ Vorstädte) umschlieszend, reicht bis zu den äuszeren Boulevards wo bis 18K0 eine alte Zollmauer stand, und der dritte, erst 1859 einverleibte Ring dehnt sich bis an die Festungsmauer aus." Paris ist die erste Handelsstadt des Laudes mit einer bedeutenden Börse. Sie ist von einer Unmenge Forts umgeben, die sie zu der gröszten Lagerfestung der Erde machen - Ein vielgenannter und bekannter Vorort von Paris ist Versailles In dein Schlosse zu Versailles, das der pruntliebende König Ludwig XIV mit einem Kostenaufwande von 800 Mill. Mark errichten lies, fand die Kaiserproklamation Wilhelms I. am 18. Januar 1871 statt. Zn der Champagne liegt die alte Krönungsstadt der französischen Könige. Reims Bekannt ist sie ferner durch ihre Woll-, Baumwoll- und Ehain- pagner -Fabriken. Au der Maas liegt die Festung Sedan (2. September 1870). Die Normandie. Den westlichen und nordwestlichen Teil des Pariserbeckens nimmt die Normandie ein Hier sind die Niederschläge sehr reich, deshalb ist diese Landschaft für die Nindviehzucht infolge groszer Weiden vortrefflich ge eignet- besonders ist es der Teil, der noch der Bretagne angehört. ..Hier lebt der normannische Bauer, der noch sehr an seine germanische Herkunft erinnert Er ist ein äußerst tüchtiger Seemann, Landwirt, Viehzüchter und Obstgärtner Durch seinen regen, unermüdlichen Fleis; hat er die Normandie zu einer der schönsten Landschaften Frankreichs gemacht. Sein Haus ist sein Schloß Umgeben vom hohen Erdwall, der Schutz bietet gegen Wind da er mit Buchen, Ahornbäumen und Erleu bestanden ist. erhebt sich stolz der Besitz des Bauern. - Das Vieh bleibt wegen des milden Seeklimas fast das ganze Jahr auf der Weide^" .Harms.) Die Normandie wird von der unteren Seine durchflössen. An der Mundung der -eine liegt der Handelshafen der Hauptplatz für Baun,wollgarii. Le vavre. Er ist der 5auptauswaudererhafen. Zur Zeit der flut konneu -chisfe bis zu 5 in Tiefgang bis nach Nonen gelangen. Der stärkste Kriegshasen Frankreichs ist Eherbourg. Siehe näheres oben bei Küste". Ein ,ehr gewerblicher und dichtbevölkerter Landstrich ist französisch-Mandern. Es reicht von der Hafenstadt Dünkirchen entlang der belgischen Grenze bis Zu den kohlenreichen Ardennen." Der Hanptsitz der Webeindustrie und Mittelpunkt der bedeutenden Spinnereien Flanderns ist die Festung Lille. Boulogne (sur iner) und Ealaisan der Steilküste des Kanals vermitteln den Verkehr nach England. Die Bretagne breitet sich an der Westtüste aus und besteht hauptsächlich aus Erauit. Die Hauptgebirgskämme sind die Montagnes d Arree. Diese stnd sehr niedrig und werden von vielen Schluchten durchbrochen. Den Süden bildet die schon erwähnte Marschgegeud der Vendee. Die Bretagne ist ein unfrucht- Harms, Länderkunde von Europa. 2K bares Gebiet, das fast nur mit Heide und Einster bedeckt ist. Die frucht barsten Landstriche gehören dem Loiretal und dem nördlichen Küsten- saum an. Das letztere wird der Gold-Gürtel" der Bretagne genannt. K. Die Insel Korsika. Zu Frankreich gehört auch die im Mittelmeer gelegene Insel Korsika ^Bestimme ihre Form!) Im Wesentlichen ist die Insel fruchtbar. Das Innere ist jedoch rauh und stark bewaldet. An der Westküste liegt der Geburtsort Napoleons I., Ajacco (ajatscho). Es ist ein befestigter Hafen platz. - Die Korsen sprechen durchweg italienisch. Die alten Sitten: Familien kriege und Blutrache herrschen noch vielfach vor und kennzeichnen den Charakter des Korsen, der sonst aber sehr ernst und schweigsam ist. ll. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete. 1. Geschichte. Die ältesten Bewohner Frankreichs waren die keltischen Gallier, die auch in die Poebene (OMilv LisalMi-i) eindrangen. Das heutige Frank reich war zu jeuer Zeit (^nllm transalpina. Über (ialliu, oisalxiiiir rückten nnn die Römer unter Cäsar vor. Er unterwarf die Einwohner des Landes und begann eine Romanisiernng des ganzen Gebietes. Die Gallier lernten römische Sitte und Sprache. Später drangen kleinere schwächere germanische Stämme ein, so die Burgunder. Sie eroberten ein Gebiet am Rhein bei Worms und siedelten sich zuletzt im Rhüne- und Saonetal an. Die Westgoten gründeten im Süden Frankreichs die Skadt Toulouse. Endlich rückten die Franken und Normannen in (i-rllia kransalxing, ein. Unter ihrem König Chlodwig besiegten sie 48l n. Chr. den letzten Rest der Römer. Die Franken behaupteten ihren Besitz und sind so heute noch die Gebieter des Landes. Im Jahre 843 löste sich das westfränkische Reich aus dem großen Reiche Karls des Großen. Es geriet in Verfall, und es erstanden mehrere kleinere, fast selbständige Herrschaften. Allmählich er starkte das Königtum wieder, die Kapetinger unterdrückten die Basallen und beseitigten die Fremdherrschaft der Engländer. Sie schufen ein einheit liches Reich. 300 Jahre stand Frankreich, wenigstens der westliche Teil, unter der Herrschaft der Engländer. Um das Jahr 1300 wurde die Bretagne Frankreich einverleibt. Die nationale Einigung war erreicht, 400 Jahre früher als Deutschland. Kaum war aber dieses gescheheu, und kaum war Frankreich innerlich gekräftigt, als es auch schon seinen Machtbereich ausdehnte. Es erweiterte seine Grenzen auf Kosteu Spaniens und Deutsch- lauds. Gros; war sein Einflusz auf die Nachbarstaaten besonders zur Zeit seines Königs Ludwig XIV. Es beeinflußte das auswärtige Staatsleben, indem es neue Anschauungen verbreitete und neue Einrichtungen und Moden einführte. Sein Krieg mit Deutschland 1870 71 schmälerte jedoch diesen Einflusz. Seine Vormachtstellung auf dem Lande war gebrochen. 27 2. Das Volkstum. ^-ie Bevölkerung Frankreichs ist in bezng auf die .Nationalität fast ebenso einheitlich wie in Deutschland. Der gröszte Teil der Bevölkerung gehör: den französischen Stämmen an. I" der Bretagne leben etwa 1 Mi , selten, d. h. Briten, in den West-Pyrenäen die Basken. (200000) Deutsche wohnen in Lothringen und Paris. An der Küste leben die Flamländer, auf der Insel Korsika Nizza Italiener. Inden hat Fraukreich un gefähr 100000 .Deutschland nahezn 800000 . Die Nachkommen der Franken, die heutigen Franzosen, sind geistig sehr begabt besitzen zu allem reiche Anlagen Tie lieben edle und schöne formen, ^ n ihrem Herzen wohnt der Drang nach Ehre und Nuhm (xlmrv). Sie zeigen ein lebhaftes Nationalgefühl. Die Franzosen verkehren in allen schichten des Volkes nt der ihnen angeborenen Grazie. Ein Deutscher oder Engländer erscheint dagegen uubeholfeu. Die Franzosen sind sehr^redegewandt. ^m politischen Leben zeigen sie sich aufs höchste begeistert, sie sind stets bereit, für Ehre und Nuhm jedes Opfer zu bringen. sie j.nd chnell?ür eine sache begeistert zeigen sich im ersten Angriff tapser oft furchtbar, dann aber länt die Begeisterung uach. Die nötige Zähigkeit und besonnene Nuhe fehlt ihnen Wenn sie nicht sofort den Erfolg sehen, werden sie wankel mütig Die Franzosen sind in ihrem Handeln sehr oberflächlich, auch in sittlichen Beziehungen. Die Neligion ist heute wenig geschätzt, sie wird sogar verspottet - In seinen Erfindungen ist der Franzose nie weit genng vorgegangen er hat die tiefste Ursache nicht gesucht. -eme hervorgebrachten Kunstwerke sind deshalb nicht von der gröszten Bedeutuug. Die Sucht nach etwas Neuem belebt seiu Inneres, dies zeigt sich besonders in der Politik Sein Einflnsz, vor allem in bezug auf ueue Formen und Moden, "achie sich in den Nachbarstaaten, wie schon erwähnt, sehr geltend. Diesen Charakter können wir vor allein bei der vornehmen Welt der Erotzstadte feststellen Der franzöfifche Landmann ist still, ernst, fleitzig, sparsam Was die Konfession anbetrifft, hat Frankreich WA Katholike.^ also nur Andersgläubige als Untertanen. Davon entfallen auf die Prote- itantcn l !? und 100000 Juden. Die Protestanten bewohnen haupt sächlich den Süden. In der nenesten Zeit .nachte sich der Zwlespatt zwi,chen Kirche und Staat immer mehr bemerkbar, so das; er schlietzlich zur Trennung In der Volksbildung ist Frankreich noch nicht sehr weit vorgeschritten. Analphabeten zählt es N von. Tausend (Deutschland nur 0.2) schnl- ?wang besteht vom . bis 13. Jahre. Bereinigte Multaten nach Muster der deutschen Universitäten gibt es nur wenig, man beginnt jetzt erst, sie immer mehr zu Universitäten zusammenzuschlieszen. Frankreich ist nicht so dicht bevölkert wie Deutschland. Auf l ikw kommen 74 Einwohner (Deutschland 120 auf 1 ikm). Am dichtesten be völkert sind die Uingebuug von Paris und die Nandgebirge (Nordrand mit dem Mittelpunkt Lille), ferner die Kanalküste das Nhünetal. Dünn ! Fast wörtliche Anführungen nach Harms. 28 bevölkert sind die Champagne, das Gebiet im Loirebogen (Sologne), das südfranzösische Hochland die Landes". In den letzten Jahren hat die Bevölkerung wenig zugenommen. Man verzeichnet einen allgemeinen Geburtenrückgang. Die Sterbe- überwiegen die Geburtsfälle. Die Aus wanderung ist unbedeutender als in den Nachbarstaaten. 8. Ackerbau und Viehzucht. Obwohl Frankreich mehr Acker-, Garten- und Weidenland aufweist, ist sein Ertrag doch nicht größer als der Deutschlands. Man baut hauptsächlich Weizen an, weil das Volk das Roggenbrot verwirft. Frankreich zeigt auch mehr Ödland, deshalb sind Wiesen, Weiden und Wald auf einen kleinen Raum angewiesen. Fruchtbare Gebiete sind: l. in Flandern, an der Somme, an der Seine, 2. Teile des Pariser Beckens, 3. das untere Loiretal (der Garten Frankreichs), 4. das Marschland der Vendäe, 5. das Garonnetal, . das Saünetal (Burgund) und einzelne Becken im Rhönetal. Unfrucht bare Landstriche sind die beiden hohen Grenzgebirge, ferner 1. die Platte des südfranzösischen Hochlandes, 2. die Hochflächen des Jura, 3. die mitt lere Champagne, 4. die Landes, 3. einzelne Gebiete wie Sologne, Doubes, Rhünedelta. Neben Weizen werden in Frankreich, hauptsächlich in der Garonne-Ebene: Mais und im Nordwesten Zuckerrüben angebaut. An den Abhängen der Berge und Hügel wächst die Rebe, die Frankreichs Haupt erzeugnis, den Wein, liefert. Weingebiete sind die Flusztäler, hauptsächlich das Garonnetal (Bordeaux und Mödoc), die Champagne Burgund. Der Obstbau überwiegt im Norden, wo man aus dein Öbst auch Wein her stellt. In der fruchtbaren Provence gedeiht der Ölbaum Provence-Ol . Im Cevennenhochland ersetzt die Kastanie nahezu das Brot. Im Süden pflanzt man wegen der grohen Seidenraupenzucht fast ganze Maulbeer baumwälder. Bedeutend ist die Blumenzucht an der Riviera (Marseille- Cannes). Man verwendet die Blumen zur Herstellung von Parfümerien. Nur 1l X des Bodeus sind mit Wald bedeckt. Auch in der Viehzucht wird Frankreich von Deutschland übertroffen. Reiche Pferde- und Rinderzucht findet man nur im Norden und Nord westen. Die Rinderzucht ist in der Rormandie am bedeutendsten. Sie wird in manchen Gegenden, z. B. im Cevennenhochland und in der Cham pagne, von der Schafzucht übertroffen. Frankreich liefert guten Käse aus (Roquefortkäse). Die Fischerei liefert Sardinen Austern an der West küste, Thunfische (Mittelmeer . Bergbau und Industrie. In bezug auf seinen Kohlengewinn nimmt Frankreich in Europa die vierte Stelle ein. Französische Kohlenlager sind im Norden (Valenciennes und nördlich Lille, in den Cevennen und bei St. Etienne). Die Roheisen erzeugung ist gering. Eisenerze finden sich in Lothringen, am Cevennen- flusz u. a. Stellen. Die Salzgewinnung räumt Frankreich ebenfalls die vierte Stelle ein. Reich ist Frankreich an wertvollen Steinen und Erden (Granit: Pyrenäen und Alpen; Sand- und Kalksteine: Pariser Becken; 29 Gipsen und Mühlsteinen: Ardeunen; Schiefer am Nordwestrand der Zentralplatte: Porzellanerde. ^ In Frankreich ist die Industrie nicht ,o sehr entwickelt wie in Deutsch land, aber älter als diese (unter Eolbert). Die geringe Kohlenmenge die Bevölkerungsabnahme hindern an. weiteren Ansbm. der Industrie. Die Seidenindustrie steht als erste in der Welt (Lyon. St. Et.enne Gre- noblo. Gut entwickelt sind Baumwolle- Wolle- und Lemenmduswe Alle, Valenciennes, Paris (Modesachen. Parfüinerien). Das Handschuh gewerbe hat seinen Hauptsitz in Grenoble. 5. Handel und Verkehr. Trotz der vielen Kanäle hat Frankreich wenig Wasserstraßen, die den Handel und Verkehr fördern. Entwickelt ist das Kanalwesen ini nordfranzö- ischen Kohlengebiet. Mit seinem Eisenbahnnetz steht Frankreich an^dr.tter -teile. iwei Küstenbahnen verniitteln den Verkehr nach dem Süden. Die eine führt läng- der Riviera? die Mont-Eems-Bahn über die Alpen. Den Iura durchqueren füuf Bahnen, den Wasgenwald umrahmen zwei. Die eine benntzt die Belforter Pforte, die andere den Zaberner Patz- Sie verbindet den Westen und Südosten Europas ist daher sehr wichtig. Frankreichs Telegraphen- und Fernsprechwesen ist gnt ausgebildet. Frankreichs Handelsflotte ist nach Gesam t-^onnenzahl halb so grotz wie die Deutschlands und steht an vierter Stelle n, Europa. Die Haupt- Häfen sind- Marseille. Le Havre. Eherbonrg. Bonlogne. Dunkirchen. Bor deaux Ronen Ealais ist für deu Personenverkehr von Bedeutung. Frank reick, stöbt init England. Deiitschland und Belgien, vorwiegend aber mit England in Verkehr. Die Ausfuhr nach England und Belgien ist bedeutend. DeÄ chlmw ist ür Frankreich das zweite Handelsland Die Handels aufstellung Fraukreichs gleicht der Deutschlauds. Beide führe,, gleiche Menge,i Rohstoffe für die Webeindustne ein. Die -eidenindustrie liefert dem Lande einen Uberschuß, zuweilen auch e.u weu.g die Wemausfuhr Deutschland liefert Frankreich Metalle. Druckereierzeugnisse Stem- und Vrminkohlen Wir erhalten dafür anszer eide noch Galanteriewaren. Pariser Artikel. Modewaren und Kleidnng. Frankreich liefert uns erst an fünfter Stelle, wir ihm schon an zweiter stelle. v. Verfassung und Wehrkraft. Seit 1870 ist Frankreich schon zun. drittenmal Republik. Au ihrer spitze steht der Präsident, der auf 7 Jahre gewählt wird. (Wie heiszt der letzige?) Unterstützt wird er von der gesetzgebenden Gewalt, nämlich der Deputiertenkammer und dein Senat. Das Land zerfällt in 8K Departe ments. Frankreich besitzt die drittstärkste Armee und die viertstärkste Flotte, ^riegshäfen sind Brest, Eherbourg, Toulon, Lorient und St. Malo. Eine grosze Bedeutuug hat das französische Festungswesen, das seit dem Kriege 187Y noch weiter besser ausgebaut ist. ZU 7. Seine Kolonien. Der Kolonialbesitz Frankreichs ist größer als der Deutschlands. Er nnifaßt ein Gebiet von s ,8 Mill. sjkiv mit 46 Mill. Einwohner. Seine Besitzungen sind: in Afrika: Algerien, Französisch Westafrika, Französisch-Kongo, Obok, die Inseln Madagaskar und Neunion, die Schutzstaaten Tunis und Komoren. in Asien: Französisch Hintemidien (Eochinchina), Kambodja (Schutzstaat), Tongking, Anam (Schutzstaat ; in Vorderindien: Pondicherry und Mahü. in Anierika: Französisch Guayana mit Cajenne, Kleine Antillen: Mar tinique, Guadeloupe, St. Barthelemy n. a..; in Nordamerika: die Fischerinseln St. Pierre und Miquelon bei Neufundland. in Ozeanien: Neu-Kaledonien und Tahiti. III. Frankreich, unser Erbfeind seit 1870 71. Schon wiederholt haben die Franzosen versucht, Deutschland in einen Krieg zu verwickeln. Das heutige Frankreich gehörte früher zu dem großen Frankenreich und ist deshalb deutschen Ursprungs. In den? Vertrage zu Verdun wurde bestimmt, daß es von nun an selbständig herrschen solle. Seit dieser Zeit sind nahezu 1100 Jahre verflossen. Die regierenden Fürsten hegten wiederholt den Wunsch, Deutschland Frankreich einzuverleiben. Frankreichs größtes Bestreben war auf die Gewinnung des Rheingebietes gerichtet. Im 30jährigen Kriege stellte sich Frankreich auf die Seite unserer Feinde. Im Westfälischen Frieden wurden ihm der österreichische Besitz im Elsaß sowie die Bistümer und Städte Metz, Toul und Verdun zugeteilt. Eine schreckliche Zeit erlebten die Deutschen, als der eroberungssüchtige Franzosenkönig Ludwig XIV. plündernd sengend mit seineu Heeren in die Pfalz einfielen das Heidelberger Schloß zerstörten. Dann setzten sie sich in den Besitz Strasburgs und machten sich zu Herrschern Elsaß- Lothringens. Im Siebenjährigen Kriege besiegte sie Friedrich der Große in der Schlacht bei Roßbach. In den Kriegen, die auf die französische Re volution folgten, gewann Frankreich die linksrheinischen Besitzungen Preu ßens und Österreichs. Da nahten für Preußen die Unglücksjahre 180li 07, in denen Napoleon I. sich nicht nur zum Herrscher Frankreichs, sondern der ganzen Welt aufschwang und alle Staaten an sich zog. Preußen ging seinem Untergänge immer mehr entgegen. In dem uuseligen Frieden zu Tilsit mußte es einen großen Teil seines Landes an Frankreich abtreten. Napo leon hatte aber nicht damit gerechnet, daß die alte Tatkraft der Preußen doch noch nicht ganz eingeschlummert war. Die Jahre 1813 14 brachten unseren! schwer geknechteten Prenßen Erlösung. Es konnte wieder auf atmen, denn nun war Napoleons Macht lahmgelegt. Frankreich behielt Elsaß-Lothringen, so daß sich sein Besitz bis zum Oberrhein ausdehnte. In dem nun folgenden Kriege 1870 71 besiegten wir die Franzosen fast überall, denn nun ging das deutsche Volk als ein einig Volk gegen die hartnäckigen31 Feinde vor. Hier und jetzt bewies sich einmal wieder das alte prichwvrt: Einigkeit macht stark." Seine Besitzungen wurden vergrößert, im Frankfurter Frieden am 10. Mai 187t nelElsa;-Lothrmgenan uns zurück. Frankreick konnte den Verlnst dieses Gebietes incht leicht verschmerzen. Es trachtete danach, uns das Neichslaud wieder abzunehmen. Me es. was es wolle. Dazu kam der Neid. Dentschlands Handel Industrie entwickelten sich zusehends. Bald hatte es den Platz einer Großmacht e.n- genommen. Inzwischen bildete sich m Fran re.ch eme Partei, die das Volk Kriege gegen uns aufhetzte. Das Volk selbst d. h. die Burger und Bauern, wollten keinen Krieg mit uns. Angefacht durch die Kriegshetzer, die zum Teil auch Vertreter der französl,chen Reg.eruug sind und m der Presse eine durchdringende Stinmie haben gewann der Deutschenhaß i nm r niehr an Ansdehnung. Inzwischen erhöhte ^ra ikre.ch seme Wehr traft. Uni ein stehendes Heer zu bilden, führte es eme drenahnge Dienst- Zeit eiii. Auf die Ausrüstung und Ausbildung der puppen ^tete es em ganzes Auaennierk Die Ostgrenze wurde stark beseitigt. Der Festungs gürtel reicht von Belfort bis an den Kanal. Die wichtigsten Festi.nge .i sind die bereits genannten, nämlich Epmal ^onl. Verdnn und Belfo^. Zu,n Schutze gegen Belgien dienen die Festungen Longwy. Gwet Maubeuge und Lille, die aber leicht einnehmbar md. Frankreich war sich aber bewußt, das; es allein nichts gegen Deutschland ausrichten konnte, deshalb war es sort bereit, als England sich nach einem Verbündeten nmsah. IV. Unsere Kämpfe in Frankreich. 1. Die Kämpfe in Elsas, Lothringen. Die Franzosen wollten so schnell wie möglich nach Elsaß-Lothringen, um die deutschen Truppenverschiebungen aufzuhalten Dann sollte es .n Eilmärschen weitergehen nach Berlin. Diesen Plan hatten s.e gemeinsam mit den Russen geschmiedet. Es gelang den Franzosen auch m dasNeichs- land einzudringen, da unsere Soldaten erst am Mob.lmachnngstage los- Niarsckierten Die Franzosen drmigen aus der Festung belfort. hrem bedenk Stückpunkt in Osten, gegen Mühlhau en vor^ S-e ruckten Zunächst bis Altkirch. Dann setzten ,ie ihren Weg fort besetzten am August Mühlhansen. Hier traten ihnen die Deutschen entgegen und griffen s e in ihren Stellungen an. Es fanden kleinere Kampfe statt, aus den^di?.mser^ siegreich hervorgingen. Am 10 Augnst erlitten die Fran zosen eine vollständige Niederlage. Sie zogen sich fluchtartig zurück. ..iubl- Hausen war wieder in deutschem Besitz. Am 19. August drangen zum Zweitenmal in die Stadt ein. Sie wurden durch die Armee des General obersten von Heeringen gezwungen, die ^ tadt zu veilajien. ^l)r Plan, uns im Aufmarsch zu hiudern. war zunichte gemacht. Unsere Truppen hatten zwar eiuige Niederlagen, nämlich bei Schirmeck im Vogesenpaß; doch dieser Schaden wurde auf andere Weise wieder wettgemacht. Das Neichsland war vom Feinde geräumt. In derselben Zeit waren im Norden französische Gruppen von Toul her in Lothringen eingefallen. Hier winden 32 - sie am 10. August unter groszeu Verlusten bei Lagarde am Rhein-Marne- Kanal geschlagen. In unserer Hand blieben die erste französische Fahne, zwei Batterien, einige Maschinengewehre und 700 Gefangene. Am 1! . August wurde eine französische Jnfanteriebrigade von badischen und bayerischen Truppen über die Vogesen zurückgeschlagen. Die französischen Gebirgs- trnppen mußten bis Epinal zurückweichen. 2. Die Kämpfe zwischen Metz und den Vogesen. Die groszen Anstrengungen der Franzosen, sich in den Besitz Elsatz- Lothringens zu setzen, erlebten ein schnelles ungeahntes Ende. Der Ein fall von Belfort aus ins Oberelsasz fand seine Niederlage in der Schlacht von Mü hlhause n. Die Offensive gegen Lothringen zerschellte durch den glänzenden Sieg des bayerischen Kronprinzen. Zwischen Metz und den Vogesen hatten sich 8 französische Armeekorps gesammelt. Die deutschen Truppen standen westlich von Saarbnrg unter dem Oberbefehl des bay rischen Kronprinzen Rupprecht. Sie schlugen einen groszen, gegen die linke Flanke unternommenen Vorstosz ab. Dann erhielten die deutschen Armeen den Befehl zum Rückmarsch. Wenn auch ungern, folgten die Soldaten doch gehorsam ihren Heerführern bis zur Hauptstellung zurück. Wir lockten den Feind auf ein uns bekanntes Gebiet, um ihn später mit aller Macht anzugreifen. Die Franzosen glaubten an einen Erfolg ihrerseits. Sie besetzten Städte und Dörfer und führten hier mit Gewalt französische Zeit und französischen Unterricht ein. Sie plünderten die frei gewordenen Wohnungen und verfuhren nach Willkür mit Frauen, Kindern und Greisen und schleppten sie als Geiseln fort. Am 20. August wurden 8 französische Armeekorps bei Saarburg geschlagen und in die Flucht getrieben. Die Deutschen machten 10000 Gefangene und erbeuteten 50 Geschütze. Der Kampf war schrecklich. Unerschrockenen Mut bewiesen die Bayern. Sie gebrauchten ihre Bajonette und schlugen auch mit den Kolben um sich. Die Schlachtfelder waren überaus mit Leichen bedeckt. Die Bedeutung dieses Kampfes war ungeheuer. In einein Gebirgs- und Waldkampfe standen sich fast eine Million Menschen gegenüber. Die Kampffront betrug über 00 km. Die französischen Gebirgstruppen, die das Gebiet genau kannten, lieszen unsere Truppen harte Kämpfe bestehen. Der Kronprinz von Bayern sprach seinen Dank aus für die grosze Tapferkeit, die sie dem Feinde gegenüber gezeigt hatten. Er lobte sie und ermutigte sie zu neuem tatkräftigen Handeln. Und weiter und weiter ging es. Der Feind wurde in der Rich tung Lunvville bis zum Sperrfortgürtel verfolgt, wobei er noch 130 Geschütze verlor. Die deutschen Truppen wiesen noch mehrere Angriffe von Nancy her ab und standen Ende August bei Berdun und Toul. Der erste Kriegs monat ging zu Ende. Welche Erfolge konnten wir verzeichnen? Das deutsche Gebiet war vom Feinde gesäubert. Die deutschen Truppen standen in einem groszen Bogen von Cambrai bis zu den Südvogesen auf französischem Boden. Belgien war zum gröszten Teil in unserem Besitz. 3. Die Kämpfe in Nord- und Ostfrankreich. Zu Beginn des Krieges hatten sich die deutschen Trnppen in sieben Urmeen geordnet. Sie standen unter dem Oberbefehl des Generalobersten von Klnck, von Büloro, von Hansen (diese drei Armeen rückten von Lütticb aus vor), Herzog Albrecht von Württemberg, unser Kronprinz (beide Ar meen zogen durch Luxemburg), der Kronprinz Rupprecht von Bayern und Generaloberst von Heeringen (diese beiden Armeen standen zwischen Metz Mühlhausen)." Nachdem der Durchbruch durch Belgien gelungen, Beyerle, schichte des Weltlricges. ? 34 und die Schlacht zwischen Metz und den Vogesen siegreich geschlagen war, konnten unsere Heere siegreich in Nord- und Ostfrankreich vordringen. Was wir bis dahin geleistet, war erst der Anfang des großen Völkerkrieges, in dem sich Deutschlands Macht zeigte. Diese Errungenschaften aber waren für uns von großer Bedeutung. In Lüttich bot sich uns ein wichtiger Stütz punkt für unsere Kampfesführung im Nordwesten. Der zweite Erfolg war der, daß unsere Truppen jetzt ungehindert in die Aufmarschstellung einrücken und den Feind immer weiter in sein Land zurückdrängen konnten. Nun konnten größere, entscheidende Kämpfe beginnen. Am 16. August begab sich der Kaiser in das große Hauptquartier nach Koblenz, später wurde es nach Luxemburg verlegt. Der Kaiser wollte bei seiner tapferen Armee sein, nachdem seine sechs Söhne und viele Fürsten schon ins Feld gerückt waren und nun Mann an Mann, ob neben reich, ob neben arm, für die Ehre und das Wohl des Vaterlandes alles einsetzten. In unseren Feindesstaaten ließen die Fürsten ihre Truppen allein kämpfen. Inzwischen hatten sich unsere Deutschen auf der ganzen Linie stark befestigte Stellungen geschaffen. Die Franzosen mußten immer mehr vor den Angriffen der Deutschen weichen und sich nach Norden zurückziehen. Die Armee unseres Kronprinzen drängte den Feind auf Longwy zu und eroberte die Festung nach tapferer Gegenwehr am 26. August. Bei der ktbergabe fielen etwa 3200 unverwuudete, 400 verwundete Franzosen und 40 Geschütze in unsere Hände. Nun folgte Sieg auf Sieg. Am 31. August fielen Montmedy und Givet. Am 1. September schlug die Armee des Kronprinzen in Gegenwart des Kaisers 10 französische Armeekorps zwischen Neims und Verdun zurück. Am 2. September waren die Sperrbefesti gungen Hirson, Les Ayvelles, Coude, La Före und Laon ohne Kampf ge nommen. Währenddessen erzwang der Herzog Albrecht von Württemberg den Einmarsch ins mittlere Frankreich durch einen Durchschlag in den Ar- dennen, wo er die Franzosen am 23. August bei Semois geschlagen hatte. Die Armeen v. Hausens und von Bülows zogen durch das Sambretal auf Maubeuge zu. Der Kronprinz setzte seinen Übergang über die Maas fort und hatte noch schwere Kämpfe zu bestehen, in denen sich besonders die Württemberger auszeichneten. Generaloberst von Kluck streifte mit seiner Armee bis Paris. Von hier aus zogen starke französische Heeresmassen nach Norden gegen die deutsche Frout bei Meaur-Montmirail. Nördlich der belgischen Maas wurden sie von den Armeen von Kluck und vonBülow überrascht und vollständig geschlagen. Am 4. September wurde das be deutende Neims kampflos besetzt. Eine große Zahl schwerer Geschütze war unsere Beute. Am 7. September ging endlich nach längerer Verteidigung auch Maubeuge in unseren Besitz über. 40000 Gefaugeue, 400 Geschütze und zahlreiches Kriegsmaterial kamen in unsere Hände. Bei der Beschießung bewährten sich wieder die österreichischen Motorbatterien. Bei Paris ver einigten sich englische und französische Truppen. Am 12. und 13. wagten sie einen Vorstoß gegen die I- Armee. Er wurde jedoch abgewiesen. Nun gingen sie weiter vor und griffen die Linie Meaur-Montmirail an. Auch dieser Vorstoß wurde abgewiesen. Wir erbeuteten 30 Geschütze und machten 4000 Gefangene. In Paris hatten sich in all dieser Zeit Unruhen gezeigt,35 da wiederholt deutsche Flieger über Paris gesichtet wurden deutsche Reiter vor den Auszenforts Halt gemacht hatten. Der Präsident Poincar verlegte die Regierung nach Bordeaux. Wir waren nur inehr 30 km von Paris entfernt. Da erfuhren wir, das; Joffre zwischen Paris^.nd Verdnn ein gewaltiges 5 eer gesammelt habe, um unseren rechten Flügel einzu schließen und anzugreifen. In der Marneschlacht wiesen wir die feindlichen Angriffe alle ab und verlegten uusere Linie an die A.sne Hier legten unsere Pioniere kräftig 5and an. Sie eilten uns vorauf, bauten Brucken, dam.t wir ungehindert vordringen tonnten, und legten kmistvolle Erdbesestigungen an. Was sie dazn brauchten, fanden sie im Lande reichlich vor. Der onene ^a npf wurde zum Ttelli.iigskan.pf. Al e Angriffe der Franzosen waren erfolglos. Wir verlängerten unsere Front und nahmen Midlich die Stel lung Noyon-Reims -Umgegend von Verdun ein. Die Franken versuchten wiederholt, den rechten Flügel zu nmfassen, aber vergebens. Auf unserem Z ge nach Norden eroberten wir die fe,tungsartigen Hohen v " Cra nelle Nid im Vorgehe,, gegen das brennende Re.ms den OrtB.cheny. Nach de.u Sall von Antwerpen rückten wir an der belgischen Küste entlang weiter vor. Die Frauzoseu standen bei Lille und versuchten die ^tadt gegen die von Dona, und aus dem -cheldetal nach Lille vorrückenden Deut ,chenzn verteidigen. Trotzdem fiel Lille am 13. Oktober. W .r machten dabei 4^.00 Gefangene. Durch die deutsche Antwerpenarmee erhielten wir Zuwachs und Verlan- entla.ig über Nienport bis zur Küste. Wie Ichon bei der Eroberung Belgiens erwähnt wurde, entwickelte sich in Westflandern e.n hartnackiger Kamps Zwischen der Antwerpenarmee und dein lmken Mgel der N anzosychen Hauptarmee. Die Antwerpenarmee vereinigte .ch mit dem rechteu Flügel unseres Westheeres. Durch die Linie Noii ^-Re.ms-Verdnn war auch die Verbindung mit den dort kämpfenden puppen hergestellt. D.e bayrischen Trnppen hatten ein sehr schwieriges Werk vollbringen ie nusjw die Liuie fischen Verdu.i u.id Toul durchbrechen m.d d.e Maas- Übergänge freiiiiachen. Am 23. September besetzten sie das Sperrsort Ca. p des Romains bei St. Mihiel. D.e Franzosen versuchten es ihnen i" hartnäckigen: Kampfe wieder abzunehmen, doch vergebens ^n den folgenden Monateii kämpfte .uan auf beiden Zeiten verzweifelt um die ^ d und Aper , Die Kanaldämme wurden durchstochen die Schleiden geöffnet und dadurch dem Meere freier Zutritt gewährt. Es blieb nnr em schmaler trockener Streifen der zu deu weit?reii Angriffen benutzt wurde. D.e P.ou ere bauten Kähne, Flös;e .n.d Brücken, daniit wir zum Kamps vorgehen konnten. Unsere Angriffe bei Ypern schritten langsam, aber sicher vorwärts. Am W. November erstürmten wir Di-muiden. Wir machten mehr als - 00 Ee- fangeiie und erbenteteii 9 Maschinengewehre. Die Kampfe bei Ypern dauerten fort Heftige Gefechte bestanden wir noch gegen die Engländer, die groke Verluste hatten. Am 11. November wurden 15000 Franzosen von 6000 deutschen Marinetruppen in die Flucht geschlagen. Die Wechsel kampfe dauerten in Flandern fort. Die Hilfstruppen, die die Franzosen und Engländer angeworben hatten, brachten ihnen auch wenig Erfolge 36 ein, im Gegenteil ihre Verluste wurden immer größer. In der zweiten Hälfte des Krieges kam es am Merkanal zwischen Steenstrate und der Gegend südlich von Ppern zu erbitterten Kämpfen. In dieser Gegend grenzten eine Ortschaft, ein Gehöft, Waldstück, Gärten und Hecken an einander, was natürlich das Vorwärtsschreiten sehr erschwerte. Am 22. April besetzten wir die Linie Steenstrate-Langemark. Steenstrate wurde im Sturm s 7^so c ? genommen. Dann faßten wir festen Fuß westlich des Kanals. Nach und nach konnten wir unsere Stellungen verbessern. In den ersten Tagen des Mai kam es bei Hpern zu schweren Kämpfen, in denen die Franzosen und Engländer Niederlagen erlitten. In den letzten drei Monaten des Jahres 1914 tobte auch ein erbitterter Kampf zwischen Lille und Arras. Fast fortgesetzt führten wir Angriffe gegen Arras aus. Es kam schließlich so weit, daß die Bewohner die Stadt zum Teil räumen mußten, doch konnten wir die Stadt noch nicht dauernd besetzen. Bei Lille und nordwestlich davon wurde eine französische Kavallerie- Division unter schweren Verlusten geschlagen. Die Hauptschlachtfront war von Arras bis St. Menehould. Auf der Strecke Noyon-Berry-au-Bac hatten wir mehrere glänzende Erfolge. Erbitterte Kämpfe waren bei37 Couain und Perthes geführt worden. Für Ende Dezember hatte eine neue Offensive vorgesehen. Die Angriffe bei Soumnund Perthes waren Mar heftig dennoch erfolglos. Dein heftigen wndüchen Artülerie euer auf dieser Front folgten in der Gegend der genannten Orte ^antene- 38 angriffe, die aber abgewiesen wurden. Jin April bereiteten wir neue An griffe auf die feindlichen Stellungen bei Ppern vor, die zum größten Teil erfolgreich verliefen. Während der Maikämpfe bedienten wir uns be täubender Gase als Verteidigungsmittel. Sie waren bei den Feinden schon eher im Gebrauch, trotzdem entrüstete man sich über die deutsche Kriegsführung. Am 9. Mai unternahmen die Feinde zwischen Lille und Arras einen vierten Durchbruch. Sie machten einen Vorstoß gegen die Armee des bayrischen Kronprinzen auf der Linie Arras-La Bassse. Sie eroberten zwar einzelne Schützengräben oder ein Dorf, doch verloren allein die Eng länder während der vierwöchigen Offensive nach einen: eigenen Bericht 20000 Mann und 748 Offiziere. Uuerschrockeu standen wir der feindlichen Abermacht gegenüber. Im Juui wandten sie nochmals alle Kräfte auf, nm uns zu besiegeu. Ein uuuuterbrocheues Feuer entspann sich. Die gefährlichste Stelle war zwischen den Dörfern Neuville, Earency und Souchez. Doch die tapfereu Bayern und Badener überwanden alle Anstrengungen des Feindes, der sich schon der zweiten Linie nahte. Es war ein heißer, blutiger Tag. Auf diesen folgten Einzelkämpfe um die Lorettohöhe. Vom 13. bis 18. Juni griffen die Franzosen die deutschen Linien nördlich von Arras an. Trotz Einsetzens einer uugeheureu Munitionsmenge wurdeu sie blutig zurückgewiesen. Bis zum 25. Juni hatten wir die verlorenen Teile zurückerobert. Währeud im Norden am Merkanal unerbittlich gekämpft wurde, hatten die anderen Truppen unter den Oberbefehl des deutscheu Kronprinzen ebenso schwierige Kämpfe in den Argonnen auszufechten. Hier bot das Waldgestrüpp, dort das Wasser unseren Kriegern große Schwierigkeiten. Das Waldgebirge der Argonnen erstreckt sich in einem Gebiete von 40 Länge und 12 km Breite und lagert sich vor der Festung Verdun. Hier hatten die Franzosen im September Stellung genommen. Sie stellten unseren Truppeu grosze Hindernisse entgegen. Drahtverhaue versperrten den Weg, Blockhäuser, Steinbrüche Kreidegruben waren stark be festigt. Die Franzosen hielten sich hinter Dorngestrüpp dichten: Unter holz versteckt, auf den Bäumen bauten sie Kanzeln, unter dem Schutz der dichten Baumkronen stellten sie die Maschinengewehre auf. Da unsere Truppen den unsichtbaren Feind doch erkannt hatten, gingen Infanteristen Pioniere an die gemeinsame Arbeit. Sie bauten Schützengräben mit sicheren Unterständen leisteten Großartiges in der Legung von Fern sprechverbindungen, Wasserversorgung, im Ausbau der Befestigungsanlage, im Minenkrieg in der Erde, in der Handhabung der Minenwerfer Haudgranaten und dgl. mehr. Der Kampf wurde ein wahrer Festungs kampf. Unsere Truppen näherten sich dein Feinde in ihren angelegten Stollen Sappeu (Annäherungsgräben). Die Minen Handgranaten spielten eine grosze Nolle. Die Schützengräben wurden zum Teil in die Luft gesprengt, zum Teil erstürmt. Wir rückten dem Feinde, wenn auch laugsam, immer näher. Ende September 1914 begann die Eroberung des Argounerwaldes. Unser Kronprinz hatte die Ausfälle Verdun abge wiesen und in einer neuen Offensive Varennes im Osten im Sturm ge nommen. Dann drangen wir uuter unsäglichen Mühen weiter durch den ZV _ Argonnerwald Südlich von Verdun überschritten wir siegreich den Ost rand der vorgelagerten Höhe von Cote Lorraine nahinen wie schon erwähnt Seite 35 das starke Sperrfvrt Camp des Romains" den Rachbarort St. Mihiel am 25. September. Mitte Dezember gingen die Manzosen nach langer Pause zum neuen Angriff über ^ wurden ab gewiesen und erlitten grosse Verluste, Vom 11. 14. ^anuar griffen ie dei Soissons an. Wir errangen nach harten, Gegenangriff e.nen glanzende., Erfolg Die Heinde hatten bei Hilfstruppen Unterstützung gejucht. Doch die Turkos, Zuaven. Inder u. a. konnten ihnen wen.g helfen. Der 5eind wurde aus einer Länge von 15 lcm ungefähr 2-4 k.n zurückgeworfen. 00 Gefangene. 35 Geschütze und vieles Knegsgerat nelen .n unser-e Sande, ^ Februar und März wurden d.e,e heftigen Kampfe fortgesetzt. Unsere Stell,...gen schoben sich weiter vor D,e Franzosen verloren,n de Argonnenkän.pfen etwa 40000 Aiann. W.r eroberten mele Maschinen gewehre. Revolverkanonen Minenwerfer Den Haupt,totz führten w.r Ende u.ni Anfang Juli im Westteil des Gebirges aus. Württembergs und Isländische Truppen erstürniteii die Gräben mid ^tützpu.ikte nord westlich von ^e Four de Paris. Hier kamen w.r bis zu 400 m an d.e feind liche Stellung heran. An ihrem Nat.onalfes, dem 14. ^ul . unter.,ah,nen die Franzosen einen abern.aligen Angn f W.r kamen chnen,edoch zuoor und nähme.. die feindliche Linie nordötl.ch von V.enne le Ch te u und d.e Hohenstellung südwestlich von Boureu.lles. W.r brachten d.e vielgenannte Hohe 285 (La Fille n.orte) an. 13- Jul. in u,i,eren Beitz. ^n den folgenden Tage., versuchte der Feind uuter Ein,atz großer Äiuiiltions.nengen und starker, teils neue, Streitkräfte die Rettungen zurückzuerobern. Es wn. Zu heftigen Ziah- Handgranatenkämpfen. ^n der Zeit vom 20. ^un, bis 20. Juli machten wir 125 Offiziere b 10 Mann zu Gefangenen und erbeuteten 52 Maschinengewehre und zahlreiches sonstiges Material. Hin und wieder rafften sich unsere Gegner zu neuer Kra tle.stung auf. da sie glaubte... unsere Truppen seien znm ^e.l nach dem östlichen Knegs- schanplatz beordert, un. dort eine Entscheidung herbeizuführen o ver suchten s e bei Rei.ns durchzi.breche.i. Au einer ^ront von 10 Bre.te griffen die Franzosen nnt einer Uberinacht von 0 Armeekorps das deutsche -m- da sch- Land e rdrig d und -m division verstärkt war. an. Sie machten einen Durchbruchsversuch in der E?a npagne m f de^ L nie Zouain-Perthes-Le Me-ml-Beaus6jour. Schreck lich wa? das Kindliche Artilleriefeuer. 24 Stunden fielen oft mehr als 100000 Schuk Wie eine feste undurchdringliche Mauer standen ihnen die Zwei rheinischen Regimenter gegenüber. Sie hielten dem Ansturm nicht nur stand sondern gewannen auch noch Voytösze. Unsere Verluste waren zwar groß. die der Franzose.i betrage,, das Dreifache. Der Verfasser eines kleinen Werkes, das von der Wiuterschlacht in der Champagne handelt, Prin^ Oskar, der als Oberstleutnant den, Oberkommando der 3. Armee zugeteilt war. nennt sie die größte und langandauerndste Defensivschlacht welche die Weltgeschichte bis dahin kannte. Am 10. März fand die Schlacht ihren Abschlug mit den, Ergebnis, dasz unsere Front in der Champagne 40 fester denn je ist. Deutscher Wille, deutsche Manneszucht, deutsches Pflicht gefühl und deutscher Heldenmut hatten die Herzen der Streiter beseelt, deren Taten wir nie vergessen wollen. 4. Weitere Durchbruchsversuche. Nachdem die Feinde vergebens versuchten, die eiserne Mauer der Deutschen auf der Linie von der Küste bis zu den Argonnen zu durchbrechen, drangen sie an einer anderen Stelle durch. Anfang April kam es zu heftigen Einzelkämpfen zwischen Maas und Mosel. Hart fochten unsere Armeen im Priesterwald. Die Franzosen gingen gegen unsere befestigten Stellungen der Cütes Lorraines vor, wo wir sie bereits im Winter abgewiesen hatten. Eine Armee zog sich aus dem Süden und Westen zusammen. Der Haupt angriff begann an, 3. April auf der Südostfront nördlich von Toul und iin Priesterwald am Nordflügel zwischen Les Eparges und Combres sowie südlich der Orne. Von Erfolgen der Franzosen konnte keine Rede sein, überall, wo sie sich in kleinen Truppen heranwagten, wurden sie zurück geschlagen. Am heftigsten war der Kampf zwischen Apremont Flirey. Hier rückten die Franzosen dicht an unsere Stellungen heran. Verstärkt durch Reserven ließen sie es zur regelrechten Schlacht kommen. Diese Truppen aber wurden in die Flucht geschlagen, der Schützenangriff erlag dein deutschen Eewehrfeuer. Bei Flirey griffen wir in einem Nachtkampfe zum Bajonett und behaupteten die deutschen Gräben. Am 6. April wurden die Franzosen abermals zurückgeworfeu. Alle französischen Angriffe nord östlich und östlich Verdun waren zusammengebrochen. Die Franzosen er rangen einen kleinen Erfolg auf den Eombreshöhen. Am Abend war die Höhe schon wieder in deutschem Besitz. Im Priesterwalde konnten wir einen vorspringenden Teil der französischen Hauptstellung einnehmen. Die Stellung wurde weitergeschoben, dieser Erfolg ist der Artillerie zuzuschreiben. Einen vorläufigen Abschluß fanden diese Kämpfe Ende April. Wir hatten auf der Maashöhe wieder mehrere tausend Mann gefangen und eine An zahl Geschütze erbeutet. Anfang Juni konnten die Franzosen für kurze Zeit auf dem westlichen Höhenrücken auf der Linie Fey en Haye Norroy Fusz fassen. Am 4. Juli wurden sie unter Mitnahme von lOW Gefangenen, einigen Geschützen, Maschinengewehren und Minenwerfern sowie Eroberung eines Pionierparks aus ihren Stellungen herausgetrieben. Von dieser Zeit an behaupteten wir den Priesterwald. Schwere Kämpfe hatten unsere Soldaten noch im Winter in den Vogesen zu bestehen. Die Franzosen versuchten sich bis Münster vorzu schieben. Hier standen die französischen Scharfschützen der Alpentruppe. Sie traten unseren tapfereu und gewandten süddeutschen, zum Teil jungen, Truppen entgegen. Vielumstrittene Orte waren Sennheim, der Hart- mannsweiler- und der Reichsackerkopf und Metzeral. In den Tagen vom 19. bis 23. Februar eroberten wir die Höhen nördlich von Münster, Stosz- weiler und die Höhe des vielumkämpften Reichsackerkopfes. Von Gipfel zu Gipfel tobt der Artilleriekampf. Schlag auf Schlag hauen unsere schweren Granaten in eine Stellung unter dem Gipfel des Hoheneck, Schlag auf 41 ^ schlag antworten d e französischen .Batterien. Unten n Tale tönt ver einzeltes Jnfan- teriefeuer, und von ^eit zu Zeit greift bas Tacken des Maschinengeweh res ein. Zu un tren Füszen, ein Ländlich zerschos sener Trümmer haufen, liegt das ieblichx ^is auf den heu len Tag spielen ie Kämpfe un: Münster und Met- ^eral eine große 2 Ile. Auch im ^undgau, wo im September Kämp fe stattgefunden Batten, wird es nicht eher möglich sein, das deutsche Gebiet vomFeinde ? llig zu säubern, Klange die Ein Wirkungssphäre ^elforts, die bis "ach Dammerkirch reicht, nicht ge brochenwird. Die Eesamtausdeh- nung des von den Franzosen besetz ten deutschen Ge bietes betrug am 1- August 1V5V Quadratkilo meter." Im all gemeinen können mir sagen, das; trotz gegnerischer kleinerer Einzel erfolge die Kriegs- 42 läge in, Westen seit Mitte September 1914 fast unverändert ge blieben ist. Die Kampffront erstreckt sich von Nieuport an der Nordsee über Ppern, Armentisres, Arras, Soissons, Reims, Verdun, Toul, Epiual, Belfort bis an die Grenze der Schweiz. 5. Die neue grosze französisch-englische Offensive im Westen. (Vgl. die Karte S. 41.) Im September 1915 unternahmen die Feinde einen fünften im großen Stile ausgeführten Versuch, unsere befestigte Stellung in, Westen zu durch brechen. Der Angriff roar aufs sorgfältigste vorbereitet. Sie richteten ihn nicht gegen einen einzelnen Abschnitt der Front wie früher, sondern be gannen mit einer lebhaften Kanonade auf der ganzen Front. Die Eng länder hatten bedeutende Verstärkungen nach Frankreich geschickt. 81 Di visionen, 12 Infanterieregimenter und die belgische Armee standen zum Angriff bereit. Dreiviertel der französischen Streitkräfte nahmen an den, Angriffe teil. 2900 schwere und 3990 Feldgeschütze wurden herbeigeschafft. Am 24. September begannen die Artilleriefeuer, denn die Franzosen hielten jetzt den Zeitpunkt für ein neues Unternehmen gekommen. Sie glaubten, unsere Westfront sei durch die Kämpfe im Osten geschwächt. Die Durch drücke wurden unternommen östlich von Vpern, bei Arras und in der Champagne. Es waren also dieselben Orte, wo schon oft um eine Ent scheidung viel Blut geflossen war. Bei Bpern wurde der Angriff blutig abgeschlagen und ist seitdem auch nicht wiederholt worden. An den beiden anderen Stelleu gelang es den Feinden, uns aus der ersten Verteidigungs linie. deren Verteidigungswerke durch ein fünfzig-, teilweise siebzigstündiges Artilleriefeuer zusammengeschossen waren, in die zweite Linie zu drängen. Es war südwestlich von Lille, bei Loos, wo der Feind eingebautes Eeschütz- material eroberte, der Champagne. Die heftigen Angriffe wieder holten sich öfter, aber ohne durchschlagenden Erfolg. In der ersten Oktober woche ergriffen die Franzosen nochmals, aber zwecklos in der Ehampagne die Offensive. Durch tapferen Widerstand brachten unsere Soldaten diese Offensive zun, Stehen. Sie sind bei Loos zum kraftvollen Gegenangriff übergegangen haben den Feinden einen Teil des verlorenen Geländes wieder abgenommen. Auch in den Argonnen erzielten wir kleine Vorteile. Die Verluste der Frauzosen betrugen mindestens 139999, die der Engländer 9900 Mann, die der Deutschen noch nicht ein Fünftel davon. Trotz der schweren Kämpfe stehen die Feldgraue,, fest und unerschüttert auf ihrem Platze. Sie, die schon ein ganzes Jahr standhaft und unverdrossen in den ihnen zugewiesenen Stellungen ausgeharrt haben, werden den gegen wärtigen Kampf besonders freudig durchfechten in der Hoffnung, datz der Erfolg den Zeitpunkt des siegreichen Vorwärtsschreitens näher bringt." 43 Das Königreich Großbritannien und Irland. 315000 gkm Einw.. 144 auf 1 gwn. Um 1^ Rheinprovinz kleiner aber 5.5 Mill. Einw. mehr als Preußen. Behandlung. ^ Das La,id. ? a) Allgeniein. 1- ^schichte^ 1- Lage, Küste, Klima. ^ ^ 2- Aufbau des Bodens. 3- verbau Viehzucht. i) Die Eiuzellandschasten. 4. Bergbau imd Industrie. Das ostenglische Becken. Handel und Verkehr. Das westenglische Bergland. Berfas,ung und Wehrkraft. ^ Schottland. " " " ^ Die Kolonien. ^"aud. .. ^ ... ^1- England, Deutschlands Todfeind. V. Unsere Fliegerangriffe ausEng land und die Feindesstaaten. I. Das Land. I. Lage, Küste. Klima. 1 "age Großbritannien ist der einzige Inselstaat Europas. Es bildet den Mi ttelpunkt der größten Laudmasse, und London ist darin wieder nahezu der Mittelpunkt. Das Land gliedert sich m die zwei groszen Inseln Großbritannien Irland, in drei Inselgruppen und zahlreiche kleine Inseln. Seine Lage ist jetzt insofern günstig, als eine Ost- w.e auch die Äidseite den entwickelten Staaten Deutschland und Frankreich m Europa gegenüberliegen. Seine Westseite richtet sich nach dem reichen Amerika Der Inselstaat umfaßt die vereinigten Königreiche Engla.id, Schottland und Aland. Ringsum ist es umflntet ooni Atlantischen Ozean, der heute für den Verkehr eine große Rolle spielt D.e Küsten zeigen reiche Ein buchtungen. die sich oft paarweise gegennberkegen. ^.diesen Bruchspalten bat es seine Hafen und Städte angelegt und erbaut. Die meisten tadte liegen nur M 120 k n vom Meere entfernt. Küste) Der Ozean hat die englische Küste sehr stark zerrl en. Er hat eine Bruchspalte uach der anderen geschaffen. Das Meer trat in die engen Gebirgstäler ein schuf hier ähnlich wie m Norwegen eme Reihe von Fjorden Die Mündungen der Flüs,e sind seenartig erweitert gewähren auf diese Weise geräumige und gute sichere Hafenplätze. Die Einbuchtungen liegeu sich zumeist paarweise gegenüber Die tieften Ein schnitte erzeugt das Meer im Bristolkanal und Themsetrichter. Der Bristol- kanal trennt die Halbinsel Cornwall in Süden von der viereckigen Halb insel Wales im Rorden. Ihm gegenüber liegt im Osten der Themsebusen. Der Eardigan- und Liverpool-Bai liegen an der Ostkuske Wash und tzumber- bnsen gegenüber Auf der Grenze von England und Schoktland schneidet 44 die Solway-Bucht in das Land ein; weiter nördlich Firth of Clyde, Firth of Förth, Firth of Lorn und Morray Firth. Sie schnüren die Insel so zu sammen, so das; die Orte nur IVO K von, Meere entfernt sind. (3. Klima.) Das Klima der britischen Inseln ist vorwiegend ozeanisches. Es bringt viel Regen mit sich und ist gekennzeichnet durch milde Winter und kühle Sommer. Im Süden Englands gedeihen auch im Winter Lor beer, Myrte und Fuchsien im Freien. Im Sommer ist es so kühl, das; der Wein dort nicht reifen kann. Charakteristisch für das Klima Englands sind die gewaltigen Nebel. Diese werden dnrch die vielen Nauchmassen noch verstärkt. Der Nebel in London ist oft so stark, daß man sich kaum neben einander erkennen kann. Die Niederschläge nehmen von Osten nach Westen zu. Frühling und Herbst sind naß. Im schottischen Bergland sind die Winter streng und die Sommer naßkalt. Im allgemeinen aber ist das Klima günstig, da die ozonreiche Seeluft viele Kraukheitskeime tötet. 2. Der Aufbau des Bodens. England besteht in seinen Hauptteilen aus Hügelland; Schottland ist vorwiegend Gebirgslaud und Irland Tiefland. Die Gebirge bilden kein zusammenhängendes Ganze, sondern sind teils dnrch tiefe Einschnitte in Berggruppen zerschnitten, teils durch das Tiefland voneinander getrennt. Damit der Verkehr dadurch nicht gestört wurde, hat man die Küsten durch Kanäle und Eisenbahnen miteinander verbuuden. Nach dem Aufbau des Bodens unterscheiden wir zwei Landschaften: das ostenglische Becken und das westenglische Bergland. Im Westen Norden ist England Gebirgs- land; im Osten und Südosten Tiefland. Den Südosten des englischen Tief landes bildet Z. das ostenglische Becken. Es ist ein weitausgebreitetes Hügelland und bildet das Gebiet des londoner Beckens. Ein Teil dieser Landschaft ist die Insel Wight, die zum größten Teile ein Kreidegebirge ist. Sie ist eine der schönsten Inseln Euro pas. Hohe Felsmassen schützen sie vor den ranhen Seewinden. Das Klima ist ein sehr gesundes Seeklima, so daß hier Fuchsien und Myrten überwintern können. Das ostenglische Becken ist eine änßerst fruchtbare Landschaft, die sich durch ertragreichen Boden auszeichnet. Wogende Felder, fruchtbare Gärteu, üppige Wiesen Parkanlagen mit ihren chlössern und freund lichen Dörfern machen die Landschaft geradezu zum Garten Englands. Die Insel Wight ist heute ein viel besuchter Bade- und Winterkurort ge worden. Auf der Nordseite der Insel liegt das kleine Städtchen Cowes. Alljährlich finden zwischen Eowes (sprich kaus und der Portsmouther Insel große Nuder-Segelwettkämpfe statt. Ostlich von Cowes liegt der ^ieblingsaufenthalt der Königin Viktoria Schloß Osborne". Das ostenglische Becken ist also ein sehr ergiebiges Land, das Land des Ackerballes und der Viehzucht. Große grüne saftige Weideflächen, verstreute Baumgrnppen, zahlreiche freundliche Pachthöfe, stattliche Adelssitze geben der Landschaft ein anmutiges Gepräge. Mit Necht wird sie die englische Parklandschaft genannt. Auf den Höhen breiten sich vereinzelte öde Landstriche, bedeckt 45 "nt Heide und Ginster, aus. ..Ostengland ist der fruchtbarste Teil Groß britanniens, das ..Kornland" schlechthin." Hier haben die englischen Groß grundbesitzer. die Lords, ihre versteckten Herren,che Die Ge,ch.chte we.,z von diesem Teile Großbritanniens ..Alt England besonders viel zu be richten. Von ihm ging die weitere politische Gestaltung des Landes aus. Früher war das Gebiet ein großes Getreidefeld heute sieht man nur mehr Weiden und Jagdgründe, Ein Fünftel des englischen Bodens dient heute der Jagd und dem Sport. . v c, ^ Das feuchte Klima bringt wasserreiche .^luse m.t sich. Da das Land wst eben t. haben die Flüsse einen langsamen Laus An ihren Mundungen Leitern sie sich durch die Flut zu tiefen MeerbMen d.e sur die großen Seeschiffe ogar noch zugänglich sind. Für den Verkehr sind sie deshalb von größter Wichtigkeit. Der verkehrre.chste Strom .st d.e ^Hemse d.e etwa der Ems an Größe gleichkommt. Zum Washbusen geht d.e ,ud.che Ouse spr. ..hs). zum Humber die Trent und nördliche Ouse. Ostengland wird durch den Severn lßewern. vvn den. gebirgigen Wales geschieden Durch die vorteilhafte Mündung der Flüsse s.nd zahlreiche Hafenstädte ent.tanden. Die acht arößten sind: London, Liverpool. Cardiff, Newcastle, Dover. Süll. Glasgow Southaniptoii. An, Bristolkanal liegt der Kohlenhafen für das Kohlengebiet in Süd-Wales, CardM- , ... An einen. Küstenfluß liegt das London des Westens, Bristol. Liver pool ist der -.weite Hafen Englands. Er ist bedeutend für die Einfuhr von Baumwolle und Ausfuhr von Baumwollwaren. Am Echdeflnß liegt Glas gow, der Haupthafen für das schottische Kohlen- und Eisengebiet. Nördlich von der ^nsel Wight Portsmouth. der Hauptkriegshalen Englands. Touthampton der Hauptanlaufhafen der deutschen Ozeandampfer. Zugleich ist er der Vorhafen Londons für den Verkehr über den Atlan tischen Oiean ^u der J isel Eornwall geHort Plymouth (pl.inehs) Kr.egs- hafen. die sen Eingang durch eine., gewaltigen, fast 2 k.n langen Hafenda.nn. gesichert t. Von Harwick) aus gehen wichtige Lünen nach Hamburg. Hoet von Holland mid Antwerpen. Ein wichtiger Kohlenhafe.. .st Newcastle. An der Kreideküste liegt Dover, der Uberfahrtshasen nach Frankreich (Calais) Andere Siedelungen im Londoner Becken nördlich vvm^hemsetal sind folgende: Cambridge mit seiner weltberühmten, durch tistungen reich ausgestalteten Universität, die allerdings n.cht staatlich ist. Im ^hem etale selbst lieat die große Universitätsstadt Oxford. An dieser Stelle durchbricht die Themse den nördliche,. Kreidehügel. Der Son.n.eraufenthalt der könig lichen Familie ist schon seit n.ehreren Jahrhunderten W.ndsor Au emer Anhöhe liegt das .nächtige Windsor Castle. Südlich von. ^hemsetrichter liegt der Ausgangspunkt des Christentums, der Sitz des Erzbijchoss. Canter- burn mit einer schönen gotischen Kathedrale. Im Themsetale liegt dann noch die Hauptstadt London. London ist der größte Mittelpunkt des ge samten Welthandels. Sie liegt ungefähr 100 K.n von der Ausmündung des Themsetrichters in die Nordsee. Insofern ist ihre Lage als Haupthafen für den Handel mit Deutschland und den. übrigen europäischen Norden von großer Wichtigkeit. London liegt in einer der fruchtbarsten Gegenden. Die -tadt ist hügelig gebaut, erstreckt sich über drei Grafschaften und bildet 4 ; heute eine eigene. Ihr Umfang beträgt nahezn 1800 czkin mit 7 Mill. Einwohner. Die Häuser sind in London fast alle nur ein- oder zweistöckig und ist infolgedessen das Wohnen in dieser Großstadt gesunder als in Berlin und Paris, wo sich in manchen Stadtteilen eine Mietskaserne an die andere reiht. Die Häuser nebst Grundstücken sind meistens Eigentum der Stadt oder der reichen Lords und fallen später an diese zurück. Die Stadt ist in 28 Bezirke eingeteilt. Die westlichen heißen Westend, die östlichen Eastend iihstend), der Mittelpunkt ist die Altstadt (City). Hier liegen die Londoner Bank und die Paulskirche. Westminster ist der Wohnort der Vornehmen. Die Westminsterabtei birgt die Kirche und die Begräbnisstätte der bedeu tendsten Männer Englands. Herrliche Anlagen, wie z. B. der Hyde-Park, verschönern diesen Stadtteil. Mächtig erheben sich der Parlamentspalast und das British Museum mit der Bibliothek. In Ostend wohnen hauptsächlich die Arbeiter, die in den Docks, in Fabriken Zuckerfabriken beschäftigt sind. Am Südufer liegt das eigent liche Fabrikviertel mit seinem Hauptsitz der Industrie: Southwark. Unter halb der City liegt an der Themse der frühere befestigte Palast, der Tower. Später ward er in ein Staatsgefängnis umgewandelt. Heute enthält er Rüstkammern die Kronjuwelen. Auf deu uuzähligeu Straßen bewegen sich riesige Menschenmengen. Den Verkehr vermitteln Eisenbahnen, die zum Teil unterirdisch angelegt sind. Heute hat man auch elektrische Unter grundbahnen. Uber die Themse führen feste Brücken, von denen die Londoner Brücke die größte ist. Außerdem ist das Südufer durch 3 Tunnels mit dem nördlichen verbunden. Zu den Vorstädten gehört Ereenwich, eine bedeutende Sternwarte. Uber Greenwich führt der Nullmeridian. Woolwich ist berühmt durch seine Rüstkammern, Kanonengießereien und Panzerschiffwerften. 4. Das westenglische Bergland zerfällt in drei Teile, das Bergland von Cornwall, das Hochland von Wales und Nord-England. Die Halbinsel Cornwall ist eine niedrige, waldarme Hochfläche, ^ange Strecken sieht man nur Sumpf- und Einsterflächen. Reich ist das Land aber an Bodenschätzen wie Kupfer, Zink Blei. Früher ward die Halb- iusel wegen ihres Zinnreichtums sehr aufgesucht. An der Südküste liegt der Handelshafen Sonthampton, westlich der Kriegshafen Plymonth. Südlich von dieser Stadt erhebt sich einer Klippe der Leuchtturm Eddy- stone (eddiston). Im Südwesten reicht das Kap Landsend ins Meer hinein. Noch weiter in: Meere liegen die zinnreichen cilly-Jnseln. Der Bristolkanal trennt das Bergland von Cornwall von dem kahlen zerklüfteten Hochland von Wales. Es ist ebenfalls wie Cornwall un wirtlich und mit Heide- und Ginsterflächen bedeckt. Die höchste Erhebung ist der Snowdon (Schneeberg), der fast der Brockenhöhe an Größe gleich kommt. Um den Snowdon breiten sich mehrere Bergseen aus, die die Uber reste eiustiger Gletscher sind. Der Südeu von Wales ist reich an Kohlen- Eisenlagern. Vornehmlich werden hier die Anthrazitkohlen gewonnen. 47 Große Industriestädte verdanken ihnen ihre Entstehung Mit zu den größten Kohlenausfuhrhüfeu gehört Eardiff. Auf dem Ost-AbHange des Hochlandes entspringt der Severn, der in den Bristolkanal mündet, ^n der Nähe ,einer Mündung liegt die Handelsstadt Bristol. ^ Die Bewohner des Hochlandes sind ihrer reichen prache und den aUen Sitten treu geblieben. Sie begeistern sich ,ehr sur Mii,ik und Dicht kunst. Der Geschäftseifer der Briten ist ihnen weniger eigen. Der Thron folger von England führt den Titel t ^ales Nord-Enqland wird in nordsüdlicher Richtung von der pennimschen Bergkette durchzogeu. Die Flüsse, die hier ent,prmgen. ft.egen alle zuni Hmnber. der sich aus den. Trent und der Ouse zusammensetzt. Die Hoch- Nächen sind mit Grasland. Mooren und Pelden bedeckt. Leeds und Liver pool sind durch einen Kanal miteinander verbunden. Das nordwestliche Gebiet des Tieflaiides und der Rand des nordenglischen Berglandes bergen die größten Eisen- Kohlenlager der ganzen Ji.sel. Zahlreiche Industrie städte haben dnrch sie ihre Grundlage gefunden Der Kohlenhafen des "ordenglifchen Steinkohlengebietes mit bedentende.n -chifchau ist New- castle; der Hanptsitz der Eisenindustrie. Birmingham Die,e tadt liefert hauptsächlich kleine Dinge, die aus Eisen hergestellt werden wie Federn. Nadeln Nägel usw. Deshalb sind d.e Birnunghamer Artikel ,o billig und gut. Eheffield liefert Stahlwaren Solingen Englands). Leeds oerarbeitet Wolle. Im westlichen Kohlenrevier liegt der Hauptsitz der ^ auni- wollverarbeitnng. Manchester. Nebenbei .st die Stadt durch Eisen- U dustrie bekannt Maschinen, Loko.not.ven) Die tadt macht infolge der stets rauchenden Schornsteine und der dadurch rauchge.chwarzten Hauser einen nnfrenndlichen Eindruck. Als Handelsstadt der Baumwollhafen Liverpool bedeutend. Seine Lage ist äußerst guust.g, da er .n der Nahe der Fabrikbezirke angelegt ist. Liverpool fuhrt vorw.egeud Bau.nwolle und Tabak ein und Baumwollwaren ans. . An die penninische Bergkette reiht sich im Nordwesten Englands das chönste Gebirge, das Eumbrische Gebirge, an. Durch seine vielen ^.psel. chattigen Wälder, die malerischen Seen, d.e schonen saftigen Weiden und die on Schafherden belebten Flächen wird es^die engliscye Schweiz genannt. Zu England gehören auch folgende ^nseln: 1 Man män) initten in der Irischen See, und das kupferreiche Anglesep (äng gelßi), das durch eine Eisenbahnhängebrücke nnt Wales 2 Die Kanal- oder normannischen ^nseln, der ^-üdküste Eng lands gegenüber. Sie sind trefflich angebaut und dicht bewohnt. 5. Schottland. Schottland wird durch zwei Senkungen in Süd-, Mittel- und Nord schottland aealiedert. Durch eine weitere Zweiteilung zerfallt es in die schottischen Hochlande und die schottischen Niederlande. Hierbei bildet das Tüdschottische Bergland mit der Cheviotkette das Erenzgewrge der Nieder lande gegen England. 48 Die schottischen Niederlande. Sie reichen vom englisch-schottischen Grenzgebirge (Cheviotgebirge) bis an das schottische Hochland. Der ganze Landstrich ist infolge des milden Klimas sehr fruchtbar. Reiche Kohlen- Eisenschätze lagern auch hier in deu Tiefen der Berge. In diesem Gebiete liegen die größten Ansied- lnngen: Glasgow ist heute die zweitgrößte Stadt Englands. Es hat be deutende Schiffswerften und große Baumwollwebereien und Eisenfabriken. Es liegt am Elydeflnß und ist auch für grosze Seeschiffe zugängig. Im Osten liegt die Hauptstadt des Landes, Edinburg, mit einer Universität und vielen Bibliotheken und Sammlungen. Die Stadt hat eine herrliche Lage auf zwei Hügeln. Der Hauptstapelplatz für Flachs- und Juteverarbeitung ist Dundee am Tal). Er hat den größten Leinwandhandel Englands. Am Tay liegt auch Perth, die frühere Residenz der schottischen Könige. Die nordwestlichste Großstadt Schottlands: Aberdeen, Universitäts- Fabrik stadt, der Haupthafen für die Fischerei im nördlichen Meere. Die schottischen Hochlande breiten sich als ein rauhes, unzugängliches Gebiet, das viele Schluchten und Seen aufweist, in Mittel- und Nordschottland aus. Sie bestehen zwei Hauptteilen, aus dem Grampiau-Gebirge und dem nordschottischen Bergland. Die Seen sind untereinander und auch mit dem Meer durch den Kaledonischen Kanal verbunden. Im Hochland liegt am nördlichen Ende des Kanals der Hafen Jnverneß. Die höchste Erhebung im Grampion- Gebirge, zugleich der höchste Berg Großbritanniens, ist der Ben Newis (1MV in). Die schottischen Hochlande erinnern in ihrer landschaftlichen Schönheit, mit ihren zerrissenen Felseninseln an Norwegen. Weite, mit Heiden und Mooren bedeckte Hochflächen wechseln ab mit flachen Berg rücken, verstreuten Felsblöcken und zahlreichen Seen. Am schönsten ist die Landschaft an Südabhange mit klaren ruhigen Seen, in deren Hintergrund sich die hohen Berge erheben. Genannt seien wegen ihrer landschaftlichen Schönheit der Loch (lock Lomond und ^och Katrine. Im Tale des Dee liegt der Herbstaufenthaltsort der königlichen Familie, Schloß Balmoral". Die Hochlande sind an und für sich wenig fruchtbar. Der Boden ist kaum bebaut. In Kaledonien wird das Brot Hafer gebacken. Die Weide flächen werden von den Schafen abgemäht. Die schottischen Schäferhunde halten dort treue Wacht. Die schottischen Inseln. Die schottische Küste ist wegen der zahlreichen Klippen für die Schiff fahrt sehr gefährlich. Wie in Norwegen, so lagern auch hier kleinere Fels inseln vor. Im Westen dehnen sich die stürmischen und regenreichen He- briden aus. Sie sind nur zum Teil bewohnt. Unter ihnen ist das kleine Staffa am bekanntesten. Es ist aus Basalt aufgebaut und zeigt uns in der Fingalshöhle ein wunderbares Naturdenkmal. Nördlich Schottland liegeu die Orkney (orkne) Inseln; nördlich davon liegen die Shetlands- Jnseln. Beide bilden die Verbindungen mit Norwegen. 49 k. Irland. Irland wird von Großbritannien durch drei ^ieeresteile getrennt. Das Innere der ^nsel ist ein moor- und seenreiches Tiefland. Die Gebirge lagern sich ringsum am Rande. Man kann aber nirgendwo eine geschlossene Gebirgskette feststellen. Das Meer hat im Westen eme hafenreiche F,ord- Me geschaffen. Der Hanptflnsz Irlands ist der -hannon (schan.i n). Er bildet viele Seen und gleicht dadurch der Havel. Die Insel ist sehr arm. Wälder und Mineralschatze gibt es n-cht. ^n- wlge der reichen Niederschläge sind zwar die Ra.en stets frisch grün, ebenfalls das üppige Efeu, weshalb die Jusel auch das grüne Erm oder die ..Tu.aragdinsel" heiszt. doch ist der Boden fnr Ackerbau wenig geeignet. Die Haupterzeugnisse si.id Flachs. Gerste Kartoffeln. Die Bewohner treiben vorwiegend Viehzncht. Jnd .i .tr.e findet man nnr an der Ost- Wste. Telfast belfsst "iit bedei.tenden Leinen- und Baumwollfabriten. ^eibt lebhastenÄiffbau. Die Haupt- .md Universitätsstadt Dublin ist bekannt durch ihren Maschinenbau. Au der üdseite liegt Eork, der Ansnchr- bafen für die Erzeugnisse der Landwirtsck)af . , ^ ^ ^ Der irische Bauer ist sehr arm. Er bewohnt die Landguter der englischen Krokarundbesitzer. Er ist voll Hätz gegen die,e erfüllt und stets ^Gewa^ ^rds bereit. Wiederholte Hungersnöte ver- anlassen die Bewohner, auszuwandern. Die Auswanderung w nmt stetig zu. Mch im Ausland arbeiten die Jrländer noch für ihre Unabhängig keit von den Engländern. Die englische Regierung hat sich nun bereit er klärt. das Land allmählich in den Besitz der Pachter ubergehen zu a,,en. Die Jrländer sind keltischer Abstämmling doch sind sie nnr .in Westen ihrer Sprache treu geblieben. Irland ist fast ganz katholisch - Der ^re iit ebenso w e der Franzose von glühendem Patriotismus und Mut erfüllt. d ch sind dieselben von nur kurzer Dauer Er ,st sehrtr..gerisch ^eine anfängliche Zntranlichkeit kann sich plötzlich m tnckische Rachsucht ver wandeln. U. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete. 1. Geschichte. Die britishen Inseln waren früher den Kelten bewohnt. Heute wohnen sie nur noch in Wales. Nord-Schottland und in Irland. Die Insel wurde von vielen anderen Völkern anfgesncht. Die Phönizier holten sich das Mn Julius Cäsar führte die Römer Heruber und drang mit ihnen bis zum Eden vor. Hier legten sie zum Schutz gegen die koten und ger manischen Pikten den Piktenwall an und machten das Gebiet zur Nord- wark ihres Reiches. Von Deutschland her drangen die Angelsachsen ein und vertrieben die Briten in die Gebirge des Westens nach der Bre tagne Name ) 10KK kamen die Normannen nnter ihrem Fuhrer. Wilhelm dem Eroberer und machten sich zu Herrscheru des Landes. Sie besiegten die Angeln und Sachsen in der Schlacht bei Hastings. Die Normannen Ehrten die frauzösische Sprache ein. Im 12. Jahrhundert brachte England Beyerle, Geschichte des Weltiricges. ^ 50 Irland unter seine Herrschaft. Die französische Herrschaft war für England sehr bedeutsam. Es strebte danach, ganz Frankreich zu gewinnen. Zu jener Zeit wurde eine Verfassung heransgegeben, die die Rechtsgrundlage bildet für das heutige Oberhaus. (Verfassung Magna Charta.) Wenige Jahre später wurde auch die Grundlage für das heutige Unterhaus" ge geben, in dein der Bürgerstand bei der Gesetzgebung mitwirken durfte. Parlament.) Englands Macht entwickelte sich unter der Königin Elisabeth. Durch die Kämpfe mit Spanien wurde der Grundstein zu seiner See herrschaft gelegt. Elisabeth ist die Schöpferin der englischen See- und Kolonialmacht. Diese Politik wurde fortgesetzt unter Eromwell, Wilhelm von Oranien nud Viktoria. England behauptet seine Stellung den übrigen Ländern gegenüber, zumal da es einen sicheren Rückhalt hat durch seine Bodenschätze, die das Aufblühen von Bergbau, Industrie und Handel bewirkten. 2. Das Volkstum. Im Norden und Osten Englands herrscht der germanische Typus vor. Im Westen überwiegt das keltische. Die englische Sprache entstand aus dem angelsächsischen und dem normannisch-französischen. Fast im ganzen Jnselreich wird englisch gesprochen, nur im Westen Schottlands, Irland und Wales vorwiegend keltisch. Das Englische gewinnt aber immer mehr an Ausdehnung. Die Verschmelzung der Germanen mit den Kelten und Normauuen der Bretagne ergab den englischen Volksstamm. In ihm vereinigt sich das praktische Geschick des Franzosen mit dem Ernst nud der Gründlichkeit des Germanen. Die Engländer sind lang und hager von Ansehen, ausgezeichnet durch eine sehr helle, fast gelbliche Gesichtsfarbe. In ihrer Art sind sie ernst, gemessen, ja fast steif. Die einmal entfachte Begeisterung verfliegt bei den Franzosen schnell, bei den Engländern ist sie von langer Dauer. Er sucht seinen höchsten Ruhin und Befriedigung in industriellen Unternehmungen. In seiuer Sprache ist er einfach, natürlich, klar und derb. Äußerlich die verkörperte Prosa, ist sein Inneres doch von tiefer Poesie erfüllt. Die Eng länder haben ein tiefes Gefühl. Sie sind große Freunde von körperlichen Übungen und Spielen. Sport beherrscht das englische öffentliche Leben. Wettrudern, Segeln, Pferderennen, Fnchsjagden, Fußballspiel, Tennis spiel werden überaus eifrig betrieben. Der Familiensinn ist bei ihnen scharf ausgeprägt. ,Mv bouse is mv oastls", nein Haus ist meine Burg ist ihr Grundsatz. Nach Erledigung der Geschäfte fühlt der Engländer sich am wohlsten in seiner Familie, in seinem Hause, das sich außerhalb der Stadt befindet. Am liebsten ist ihm ein Einzelhaus. In der Stadt sieht man, wie bereits erwähnt wurde, fast nur einstöckige Häuser, die sehr eiufach gebaut sind. Mietskasernen verachtet der Engländer. Die Engländer sind große Naturfreunde. Dies geben sie in den vielen Parkanlagen der Städte und Landsitze kund. Bekannt ist der Wohltätigkeitssinn. Die Frömmigkeit der Engländer ist ein besonderes Merkmal ihres Charakters. Am Sonntag herrscht vollständige Ruhe. Laute Vergnügungen sind am Sonntage nicht gestattet. 51 Willenskraft, Unternehmungsgeist. Besonnenheit, nationaler -tolz Zeichnen den englischen Charakter aus. schatten seines Charakters sind Mißtrauen. Verschlossenheit und der ungewöhnliche Drang nach Gewinn. Die Schotten sind gut degabt und sehr erubeg.erig nüchtern und arbeit sam. Im nördlichen Hochland tragen d.e Leute noch die alte Tracht sind ihren Titten treu geblieben. Der Ire ist gutmütig und tapser. aber ^ ^Kon^ I" fngwud ist keiue wirkliche einheitliche Religion. Drei Kirchenformen herrschen vor ^n England herrscht die cmqlikaniicbe oder bischöfliche, in Schottland die presbyterlamsche. in Ir land die katholische ^Kirche. Daneben besteht noch die ..Freie ,chott che ^ ^Die"aNqemei ie"BU^ ist ini Vergleich mit anderen Reichen rück- stäudia D ? Unt r chied in der Schulbildi.ng inacht sich besonders zwischen d Arm^ benierkbar. Die beste Volksbilduug gibt Schott land. Hibe^h der Schi .lzw e" Die Zah der Analphabeten beträat IN nom Zausend Für die Bildung des Voltes ist m England wenig ge Mß r ^en G^emeindeschuleu gibt es viele Privatschuleii die zum ^eil vortrefflich sind, aber nur dem höheren Unterricht dienen. Um- di- ! Nich- Z-IuU -n m Ilch gM w-n,g ^ Di- deiühmtesten den großen Staaten dicht bevölkert. Unter den kleinen Staaten wird es von Belgien an Volksd^chte übertroffeu Durch die hohe Industrie wohnen - - der Bewohner ,n Städten. D,e Auswan derung war zu Zeiten (1900) sehr bedeutend. 3. Ackerbau und Viehzucht. Im Vergleich zu Deutschland zeigt England eine sehr oerschiedeue war n nal hoch ntwickelt. da die Eigentumer der Gebiete reiche Gro,;- grundb s tzer waren und die Mittel hatten d.e erfundenen Maschinen aus dem Gebiete der Landwirtschaft auch dort zu verwerten Heute ist der Boden w!niaer für Ackerbau benutzt, die reichen Lords lassen sie als wette oen wenige da liegen. Baiiern gibt es kaum. Das ^aud^uttd fast nur Pächtern bebaut. Getreide gedecht hauptsächlich n,.,- Beckeu Das Klima und die kühlen Sommer lassen e- soM I e^ werden Hafer. Gerste. Weizen. Nach England aeltt da^ n,eiste Getreide, da der Ertrag des eigenen Bodens für die Dichte d r Volksmeuge nicht ausreicht. Der Flachsbau ist mir in Irland bedeutend Obst im Südosten Englands. Wald ist kaum vorhanden, durch den starken Schiffbau sind die Wälder sehr gelichtet. Die Viehzucht ist in England ausgezeichnet. Berühmt sind die englischen Vollblutpferde, das Mastvieh und die Schweinerassen. Besonders ausgedehnt .st die Schaf- Zucht. Trotz alledem reicht das Vieh nicht für den Bedarf des Landes aus. 32 Die Seefischerei ist hervorragend. Sie bildet mit die Grundlage zu dein heute sv großartigen Handelsverkehr. Die Küstenmeere sind reich an He ringen. Ein Hauptplatz für Heringsfang ist Harmouth. 4. Bergbau und Industrie. England ist infolge seiner Kohlenförderung das erste Industrieland der Erde. Unermeßliche Mengen von Kohlen- und Eisenerzen führten zum schnellen Aufblühen der englischen Industrie. Günstig ist es auch, daß die Kohlenlager fast in der Nähe oder an der Küste selbst liegen, so daß die Ausfuhr der Kohlen leicht bewerkstelligt wird. Zum schnellen Aufschwung der Industrie trugen ferner die völlige Eewerbefreiheit, die Begabung des Volkes für die maschinellen Erfindungen (Webe-, Spinn- und Dampf maschinen), die günstige Handelslage und der große Kolonialbesitz bei. Die Großindustrie schuf Ungeheures in der Herstellung von Webewaren. Die Hauptplätze für die Verarbeitung von Wolle .aus Kapland und Australien , Baumwolle (aus Amerika und Indien), Seide (aus Hongkong) Jute (aus Vorderindien) sind in den westlichen Industriegebieten, in den schot tischen Niederlanden (Glasgow) in Lancashire (Manchester, Blackburne, Bolton, Oldham). Hauptsitze des Wollgewerbes sind Leeds, Bradford und andere Städte in der Grafschaft Pork. Die reiche Ernte von Hopfen und Gerste führte zur Erbauung von Bierbrauereien. 5. Handel und Berkehr. Für den Verkehr sorgen zunächst die vielen Wasserstraßen, die infolge der reichen Niederschläge stets viel Wasser haben. Die Mündungen der Flüsse sind für die Schiffahrt von großer Bedeutung. Auf dein Lande selbst zieht sich ein Kanal neben dem anderen daher, doch hat die Bedeu tung dieser Wasserstraßen für den Handel abgenommen. Die Eisenbahn linien sind in Großbritannien bei weitem nicht so lang wie in Deutschland, doch hat England den größten Anteil am Weltkabelnetz. Die englische Handels flotte übertrifft alle übrigen; dabei ist aber in Betracht zu ziehen, daß Deutsch land für seinen Außenhandel vorwiegend die Eisenbahnen benutzt. Als die Haupthandelsländer kommen für England zunächst die Kolonien in Betracht. Deutschland steht als Handelsland an zweiter Stelle für Einfuhr und Aus fuhr. England führt Getreide, Fleisch, Holz, Zucker und Butter ein und bezahlt mit Eisenwaren, Eisen, Maschinen, Kohlen, Schiffen, BaumroM- und Webewaren. Die Kolonien einbegriffen ist Deutschland für England das dritte Handelsland, England steht für uns an erster Stelle. England liefert uns vor allem Halbfabrikate und erhält dafür Fertigfabrikate, vor nehmlich aus der Weberei und der Bekleidungsindustrie. An zweiter Stelle tauscht es Kohlen gegen Zucker ein. K. Verfassung und Wehrkraft. An der Spitze Großbritanniens und Irlands steht ein König, doch ist auch die weibliche Linie erbberechtigt. Der Thronfolger führt den Titel ?rilivc; zk ^Vs-les". Die gesetzgebende Gewalt liegt in den Händen des 53 Königs und des Parlamentes (Ober- Unterhaus). Die Mitglieder des Oberhauses haben ihren Sitz auf Grund besonderer Privilegien inne. Die Mitglieder des Unterhauses werden gewählt. Die Verfassung ist also eiue beschränkt monarchische. An der Spitze steht der König von England, Kaiser von Indien. Infolge seiner Lage als Inselstaat ist in England die allgemeine Wehr pflicht nicht eingeführt. Es hat nur ein angeworbenes Heer, in dem sich jeder 12 Jahre verpflichten mutz. Frühere Freiwilligeniorps wurden auf gehoben. Die Kriegsflotte ist um so besser ausgebildet. Sie übertrifft alle anderen. 7. Die britischen Kolonien und Schutzstaaten. England hat einen sehr ausgedehnten Kolonialbesitz ist dadurch das größte Weltreich der Erde geworden. 1 5 der Eesamtoberfläche ist eng lisch, nur 1 4 seiner Bewohner sind englische Untertanen. Die großen Ko lonien sind für England bedeutend, teils als Ackerbau- und Auswanderer- tolonien, teils, besonders die kleinen, als Wacht- und Beobachtnngsposten am Meer. Seine Besitzungen sind: in Europa: Gibraltar und die Maltagruppe. in Afrika: ein Teil der oms-lküste und ^-okotra, Britisch-Ost-Afrika mit Sansibar; Nhodesia, das vom Oranje bis zum Tanganyikasee reicht, Natal, Kapkolonie, Walfisch-Bai, Lagos, Goldküste, Sierra- Leüne, Gambia, Ascension, St. Helena, Tristan da Eunha (künja), Mauritius mit einigen kleineren Inseln, in Asien: Eypern, Aden, Insel Perim in der Straße Bab-el-Mandeb, Britisch-Jndien mit Ceylon, Britisch-Hinterindien (Barina, Sin gapur u. a.), Nord-Borneo, Hongkong, in Australien: das ganze Festland, Tasmanien und Nen-Seeland (mit Inseln im Umkreise), die Fidschi-, die Tonga- und der größte Teil der Solomon-Inseln, sowie mehrere kleine Inselgruppen in Poly nesien. Der Südosten Neu-Guineas, in Amerika: Kanadischer Bund, Neufundland, die Bermuda-Inseln, Britisch-Westindien, -Honduras (ondnras), -Guayana, die Falkland- Inseln. III. England, Deutschlands Todfeind. An der Spitze des Dreiverbandes, von dem ihr schon alle gehört habt, steht England. Wir sind mit England stammverwandt, denn die Engländer sind auch echte Germanen. Infolge der Lage Englands als Inselstaat hatte es von jeher das Bestreben, die Vorherrschaft auf der See zu erlaugeu, was ihm auch im Laufe der Jahre gelungen ist. Es schwang sich zur ersten Handels-, Kolonial- und Seemacht der Welt empor. Einen Nebenbuhler zur See duldete es nicht. Darum verlor Spauien im Ili. Jahrhundert seine Flotte. Den Zwischenhandel Hollands schädigte es. Fortan durften über seeische Waren nur auf englischen Schiffen hereingebracht werden. In dem darauffolgenden Kriege mit Holland ging es als Sieger hervor. Zur Zeit Friedrichs des Großen führte es einen siebenjährigen Krieg mit Frank- 54 reich, denn es wollte nicht, daß auf dein Festlande ein Staat so mächtig würde wie es. England erwarb eine Kolonie nach der anderen, so das; sich sein Reichtum und seine Macht immer mehr vergrößerte. Es hat den größten Kolonialbesitz Europas, der wohl neunzigmal so groß ist wie England selbst. Es führt die Herrschaft über wichtige Meeresstraßen, über die Straße von Gibraltar den Suezkanal. Gibraltar Malta sind wichtige Stütz punkte für seine Flotte. Durch sehr viele Kabel hat es die Verbindung zwischen sich und den Kolonien hergestellt. Wenn es will, kann es vom Nachrichtenverkehr mit den: Auslande abschneiden. So hat es durch seine Lügeuberichte im Auslande bei Freuud und Feind geschadet. Mit seinem Eelde suchte es in den anderen Ländern einen verderblichen Ein fluß gegeu uns auszuüben. Seine Macht auf dem Meere wird unterstützt durch seine starke Kriegsflotte, die alle übrigen übertrifft. Sie bildet den Schutz des Inselstaates. Deshalb war man nie darauf bedacht, ein Land heer zu bildeu, und sah von einer allgemeinen Wehrpflicht ab. Das Land heer besteht aus Söldnertrnppen. In diesem Kriege führt es auch Kolonial truppen gegeu uns. Englands Bestreben war es all die Jahre, keinen anderen Staat dem Meere aufkommen zu lassen. Es suchte sie jedesmal zu unterdrücken. Inzwischen entwickelte sich Deutschlands Handel immer mehr, die deutschen Kolonien blühten auf, die Flotte wurde von Jahr zu Jahr vergrößert. Das entfachte bei England Neid lind Mißgunst, denn nun war sein Reich tum beschränkt. Deutschland trieb ehrlich und gewissenhaft seinen Handel mit den Nachbarstaaten. Es wollte keineswegs England schädigen. Es wollte nur seiuen Platz neben den anderen Staaten behaupten, denn dies steht jedem frei. Einen Gegner erhielt Deutschland in Eduard VII., der durch seiue Einkreisungspolitik Deutschlands Handel und Industrie ver nichten wollte. So kam es, daß England, Frankreich und Rußland den Dreibund schlössen. Er beabsichtigte auch, deu Dreibund der anderen Staaten, also Deutschland-Osterreich-Ungarn-Jtalien, aufzulösen. Mehrere kleinere Staaten, die sich zwar jetzt neutral verhalten, brachte er auf Englands Seite. Seine Gedanken spannen sich fort in seinem ^ ohne, dem jetzigen König Georg V., und besonders in dessen Minister Grey. Schon oft hatte mau versucht, Deutschland in einen Krieg zu verwickeln, aber vergebens. Eng land fand nun einen Vorwand, mit in den Völkerkrieg einzutreten, indem es sich zum Beschützer Belgiens aufspielte, und so erklärte es am -l. August an Deutschland den Krieg. IV. Der Seekrieg. Stolz weht die Flagge, Schwarz-Weiß-Rot" von uusres Schiffes Mast, Dem Feinde weh, der sie bedroht, der diese Farben haßt. Sie flattert an der Heimat Strand im Winde hoch hehr und weit vom teuren Vaterland auf sturmbewegtem Meer. 55 Ihr woll n wir treu ergeben sein, getreu bis in den Tod, ihr woll n wir unser Leben weihn, der Flagge, Schwarz-Weih-Rot." Dieses Lied war der letzte Grusz, den die heldenmütige Besatzung des -Kanonenbootes Iltis", das im Juli 1896 bei Kap Schantung strandete, dein Vaterland, dem teuren, herüberschickte. Auch heute klingt es uns wieder entgegen aus tausend Kehlen unserer blaueu Jungens, die ebenso wie unsere Feldgrauen nach dem Aufruf des Kaisers auf ihren Platz geeilt waren. Was haben sie schon alles fertiggebracht! Wie sie in früheren Iahren demjenigen tatkräftig entgegentraten, der sich ihnen feindselig nahte, o boten sie in diesem allgewaltigen Völkerringen dem Feinde trotzig die Stirn. Hütet euch, ihr Feinde, uns nahen, ihr werdet es bitter bereuen." Schon zu Beginn des Krieges zeigten sie, in wessen Schule sie das Kämpfen erlernt hatten. Die kleinen Kreuzer Augsburg" Magde burg" bombardierten mit großartigem Erfolge den russischen Kriegshafen Äbau. Im Mittelmeer gingen am 4. August die Kreuzer Soeben" und Breslau" in wilder Jagd auf die algerische Küste zu zerstörten einige ^inschiffnngsorte für französische Truppentransporte. Feinde umringten ! e, aber sie entwichen in den Hafen von Messina, um ihre Kohlenvorräte W erneuern. Dann gelangten sie glücklich in den Hafen von Konstantinopel, ^ie wurden von der Türkei angekauft. Inzwischen waren die Seesoldaten auch im Atlantischen Ozean tätig. Der deutsche Bäderdampfer Königin "uise" war in einen Minenleger umgewandelt worden. Alsbald lief an der Themsemündung der englische Kreuzer Amphion" auf eine gelegte Äine und sank. Eine feindliche Torpedobootsflottille brachte leider den ^äderdainpfer zum Sinken. Ein sieg folgte auf den andern, nicht nur ^u Lande, sondern auch zur See, weun uns dabei auch einige Kreuzer ver- Ivren gingen. Wir hatten aber den Vorteil erreicht, das; die Feinde vor uns wichen. Die Engländer wagten sich kaum mit ihrer Flotte in die Nord- ee. Die unsrige aber ging unentwegt weiter Werk. Am 28. August !a es bei Helgoland zu einem Zusammenstoß. Schmerzlich war uns der Verlust der drei Kreuzer Ariadue", Mainz" und Köln", sowie des Tor pedoboots V 187 mit ihrer tapferen Besatzung, die der gewaltigen Über macht mit dem unerschrockenen Mute eines Deutschen gegenübertraten und bis zum Ende kämpften. Mit dem Liede den Lippen: Deutschland, Deutschland über alles" versanken sie mit ihren Schiffen in der Tiefe. Am -V. September holte sich das Unterseeboot II 9 mit seinem Kommandanten, Kapitänleutnant Weddigen, einen unsterblichen Ruhm. Nordwestlich von Hvek van Holland bohrte es die englischen Panzerkreuzer Aboukir", Hogue" und Eressy" in den Grund. Der Kaiser lohnte diese Tat durch Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse an Weddigen und des Kreuzes II. Klasse an die gesamte Mannschaft. Die Kämpfe und Erfolge in den Seen wechselten. Bald hörte man von der ruhmvollen Tat eines Kreuzers oder Torpedos. Dann wieder betrauerten wir schmerzlich den Verlnst eines dieser Schiffe. Am 17. Oktober vernichtete das Torpedoboot 8 W den japanischen Kreuzer 56 Takatchio" durch einen Torpedoschutz vor Tsingtan. Ende Oktober zer störte der Kreuzer Emden" den russischen Kreuzer Schemtschug" und das französische Torpedoboot Mousquet". Ein neues Ruhinesblatt flocht sich in den Siegeskranz der Marine. Am ersten November erkämpften wir unter dem Admiral Grafen von Spee bei Santa Maria an der chilenischen Küste einen entscheidenden Sieg über ein englisches Geschwader. Sie ver loren dabei (in der ersten regelrechten Seeschlacht) die Panzerkreuzer Eood Hope" und Monmouth". Die anderen drei, darunter zwei stark beschädigt, retteten sich. Das Artilleriefeuer der feindlichen Schiffe fand ein schnelles Ende. Anfang November beschossen wir Englands Küste und zwar ))ar- inouth. Nach ruhmvollen Fahrten, auf denen sie gesucht hatte, wen sie vernichten konnte, wurde die Emden" bei den Kokosinseln im Judischen Ozean von der Sydney" vollständig in Brand geschossen. Tapfer hatte sich die Besatzung gewehrt, was ihnen selbst die Feinde zuerkannten. Manche Tat, die in Englands Börsenhandel Schrecken hervorrief, hatte die kühne Emden" geliefert. Grotze Freude rief daher auch dort der für uns so schwere Verlust hervor. Mehrere Offiziere und 93 Mann fanden ihren Heldentod. Die Überlebenden, darunter Kapitän von Müller, mutzten sich ergeben. Ein Teil der gelandeten Mannschaft rettete sich unter Führung des Leutnauts von Mücke auf dem Segelschiff Ayesha" und landete im Mai nach vielen überstandenen Abenteuern in Konstantinopel, wo sie von den Türken jnbelnd empfangen wurden. Das deutsche Geschwader, das an den chilenischen Inseln so tapfer gekämpft hatte, bestand aus den Kreu zern Scharnhorst", Eneisenau", Leipzig", Nürnberg",, und Dresden", die vor dein Kriegsausbruche den Hafen von Tsingtan verlassen hatten. An: 8. Dezember wurde dieses Geschwader von der feindlichen Übermacht, die mit den modernsten Schlachtkreuzern (Dreadnonghts ausgerüstet war, vernichtet. Die Dresden" konnte allein noch entweichen. Der Vizeadmiral Graf von Spee fand mit zwei Söhnen und einer großen Anzahl Matrosen auf dem Meeresgrunde sein Heldengrab. Am 16. Dezember umkreisten wir wieder die englische Ostküste und beschossen mehrere befestigte Plätze. Der kleine Kreuzer Königsberg" hatte nach Ausbruch des Krieges Ost afrika aufgesucht und dort den englischen Kreuzer Pegasus" vernichtet. Er wurde dann verfolgt und in einer Flußmündung blockiert. Er verschanzte sich nach Ausschiffung einiger Geschütze ciuf dem Lande. Der kleine Kreuzer Karlsruhe" durchquerte den Atlantischen Ozean und machte reiche Beute, ohne vom Feinde angegriffen zu werden. Am 24. Januar kam es zu einer zweiten Seeschlacht, nämlich in der Nordsee. Bei einem Vorstoß der vier Panzerkreuzer Seydlitz", Derfflinger", Moltke" und Blücher" in Be gleitung von vier kleinen Kreuzern und 22 Torpedobooten stießen wir auf englische Übermacht (5 Schlachtkreuzer, 26 Torpedobootszerstörer). Die englische Admiralität brach nach dreistündigem Kampfe das Gefecht ab. Der Panzerkreuzer Blücher" ging uns verloren. So arbeiteten wir Eng lands Plan, uns auszuhungern, tatkräftig entgegen, indem wir jedes Schiff, auch das der Verbündeten Englands, umzingelten, wenn es sich nur der englischen Küste näherte. Englands Verhalten erforderte strenge Gegen- maszregeln von seiten Deutschlands. Deshalb erklärten wir am 4. Februar 57 die Gewässer rings um Großbritaunien und Irland einschließlich des ge samten englischen Kanals als Kriegsgebiet. In den: veröffentlichten Be richte hieß es: Vom 18. Februar 1913 an wird jedes in diesem Kriegs gebiet angetroffene feindliche Kauffahrteischiff zerstört werden, ohne daß es immer möglich sein wird, die dabei der Besatzung und den Passagieren drohenden Gefahren abzuwenden. Auch neutrale Schiffe laufeu im Kriegs- gebiet Gefahr, da es angesichts des von der britischen Regierung am 31 Ja nuar angeordneten Mißbrauches neutraler Flaggen und der Zufälligkeiten des Seekrieges nicht immer vermieden werden kann, daß die auf feindliche Schiffe berechueten Angriffe auch neutrale schiffe treffen. Die Schiffahrt nördlich um die Shetlandinseln, in dein östlichen Gebiete der Nordsee und in einem Streifen von mindestens dreißig Seemeilen Breite entlang der niederländischen Küste ist nicht gefährdet." Dadurch sollte also jede Zufuhr durch die Kauffahrteischiffahrt uach Eugland aufgehalten werden. Vierzehn Tage nach dieser Verwarnung an England und die ueutralen Staaten er griffen die Unterseeboote erneut mit demselben Mut und der Ausdauer ihre Arbeit. Wir konnten bald wieder von mehreren Errungenschaften sprechen. Infolge der stets wachsenden Gefahr stellten mehrere englische Dampfergesellschaften ihre Fahrten ein. Die Besatzung forderte erhöhte Löhne. Die Güterzufuhr nahm ab. Feige hielten sich die englischen Schiffe in ihren Häfen auf. Nur ab und zu wagten es kleinere Kriegsschiffe, sich vor der belgischen Küste zu zeigen. Die Erfolge der II-Boote vermehrten sich tagtäglich. Sie wagten sich in den Atlantischen Ozean und in die irische See. Im März reihte sich abermals ein neues Ruhinesblatt in den Lorbeer kranz unserer Marine. Das II-Boot 29 zerstörte fünf englische bezw. fran zösische Dampfer. Der Konimandant war Weddigen, der früher II 9 be fehligt hatte. (Welche feindlichen schiffe waren durch ihn in den Grund gebohrt worden?) Am 16. März wurde die Dresden", die infolge einer Maschinenhavarie (Seeschaden) Neuversorgung mit Kohlen in einein neutralen Gewässer lag, völkerrechtswidrig von den Engländern bei der Insel Juan Fernandez (Chile) nach kurzem Kampf in Brand geschossen. Ani 7. April wurde uns mitgeteilt, daß 1 29 von seiner letzten Fahrt nicht iiiehr zurückgekehrt sei. Jedenfalls ist es einem Schurkeilstreich zum Opfer gefallen. Mit seinem Verlust betrauern wir vor allem den Verlust seines Kapitänleutnants von Weddigen. Er und seine heldenmütige Seeschar werden in der Erinnerung unseres Volkes fortleben. Die Hilfskreuzer Prinz Eitel Friedrich" und Kronprinz Wilhelm" wurden in Newport (Virginia, Nordamerika) interniert, nachdem sie lange im Handelstrieg erfolgreich tätig gewesen waren. Im April war es auch unserem Bundes genossen Österreich-Ungarn vergönnt, eine ruhmvolle Tat eines seiner Ii-Boote bekanntzugeben. Nachdem schon im Dezember II 12 das franzö sische Linienschiff (einen modernen Dreadnought) Eourbet" kampfunfähig gemacht hatte, versenkte jetzt II 5 den französischen Panzerkreuzer Leon Gambetta". 700 Seeleute verloren ihr Leben. Im Laufe des folgenden Monats erfolgten mehrere kleinere Kämpfe mit wechselndem Erfolg. Da durcheilte am 7. Mai eine neue wichtige Botschaft gauz Deutschland. Ihr wißt wohl alle noch, daß an diesem Tage eines unserer Boote an der Süd- 58 küste Irlands den größten und schönsten englischen Schnelldampfer Lusi- tania" versenkte. Dieser führte Konterbande an Bord. Das Wort Konter bande" habt ihr jetzt schon häufiger gehört. Was bedeutet es? N. N. Ja, ganz recht, Konterbande ^ Schmuggelware, Schleichhaudel. Die Lusitania wollte also 54W Kisten Munition nach England schmuggeln. Denkt mal, welche Menge! Englands Verlust war also sehr gros;. Etwa 15W Menschen kamen ums Lebeu, darunter befanden sich auch Amerikaner. Deutschland sandte nun sofort eine Note (Schriftstück) an die Vereinigten Staaten und versprach, den nordamerikanischen Wünschen soviel wie möglich zu ent sprechen. Die deutsche Regierung wies aber gleichzeitig nochmals darauf hin, das; Amerika selbst an diesem uuangenehmen Zwischenfall schuld sei, weil es unseren Feinden Munition liefere. Am 25. Mai begann eine ruhmreiche Woche. Unsere II-Boote, die wie Pfeile dahinschossen, machten nun zum größten Erstaunen unserer Feinde, die nie an eine solche Mög lichkeit geglaubt hatten, das Mittelmeer unsicher. Es schien gerade, als hätten sie sich für die ganze Woche schon ein ausgeführtes Programm auf gestellt. Sie zerstörten das englische Linienschiff Triumph", daun folgte am 27. Mai die Majestic", wenige Tage später ein Linienschiff aus der Agamemnonklasse. Durch die Ii-Boote verzögerte sich der Angriff auf die Dardanellen, so das; wir der tapferen Verteidigungsarbeit der Türken einen groszen Vorteil erwirkten. Am 12. Mai war das englische Linienschiff Goliath" von einem türkischen Ii-Boot vernichtet worden. Inzwischen hatten uusere Bundesgenossen, Österreich-Ungarn, manche Erfolge gegen über den Italienern, deren Seeherrschaft stärker ist, erzielt. In einem Seegefecht zwischen Windau und Gotland verloren wir anfangs Juli den Minenstreudampfer Albatros;", Österreich-Ungarn dagegen hatte in diesem Monat verschiedene erfolgreiche Taten ausgeführt. So stehen wir am Ende des ersten Seekriegsjahres, in dem uusere tapfereu blauen Jungens manche Heldentat vollbracht hatten. Unser aller Dank wird ihnen immer gezollt werden, denn sie haben ja den Feind von den Küsten ferngehalten. Beklagen wir auch den Tod manches eehelden, so leben sie und ihre Taten doch in der Erinnerung des Volkes fort. Setzen wir auch fernerhin unser Hoffen nicht nur auf die mutigen Feldgrauen, sondern auch auf die tapferen Seesoldaten. Sie werden dem Feinde weiter hin ihre Stirn bieten und zeigen, was es heiszt, Deutschland anzugreifen. So wird auch einst ihr Wille, uns zun, glorreichen Siege zu verhelfen, durch ruhmvollen Erfolg gekrönt sein. V. Unsere Fliegerangriffe auf England und die Feindesstaaten. Hand in Hand mit der Seeflotte geht unsere Luftflotte. Auch sie hat den Feinden in diesem Kriege wiederholt gezeigt, das; die Deutscheu in den Friedensjahren nicht auf den Lorbeeren Wilhelms I. eingeschlafen waren, sondern das; sie allezeit tätig waren, das; neuer Erfindungsgeist den einen oder anderen beseelte und durch ihn Trohes schuf. Unsere Luftschiffe haben den Feinden schon ungeheuren schrecken eingeflöht. Ihre Haupt- 59 arbeit leisten sie ja im Aufklärungsdienst. Die erste Tat war die des Zep- ?elin VI., der mit zur Eroberung Lüttichs beigetragen hatte. Unsere Luft- Aiffer und Flieger entwickelteu auf alleu Kriegsschauplätzen eine rege Tätigkeit. Am 25. Dezember stiegen deutsche Luftschiffe Flugapparate ?uf, um feindliche Flieger bei Helgoland abzuwehren. Sie zerstörten mit ihre Bomben zwei englische Zerstörer und einen Begleitdampfer. In der ^acht vom 1! . auf 20. Januar unternahmen unsere Marinelnftschiffe einen ^vrstoß gegen befestigte Plätze an der englischen Ostseeküste. Au mehreren Zellen warfen sie Bomben ab, die großen Schaden anrichteten. Sie Ehrten unbeschädigt zurück. Zum erstenmal erschienen sie über Englands Boden und traten zum erstenmal quer durch die Nordsee als Waffe auf. ^in großer Schrecken erfaßte da die Engländer, denn schon lange hatte man nit einem Luftaugriff gerechnet, so aber hatten sie es sich nicht vorgestellt. Noch waren allen die Erfolge der deutschen Luftschiffe bei Lüttich, Ant werpen und Paris im Gedächtnis. Die Zeppelingefahr verfolgte gespenster haft die Engländer. Leider gingen im Februar zwei Marineluftschiffe ^ -! 1^ 4 an der jütländischeu Westküste verloren. Am 14. April wagten unsere Luftschiffer einen Angriff gegen die Tynemündung und am 15. 16. eiuen solchen an der südenglischeu Ostküste bei Lowestoff. Am 30. April ^folgte ein Luftangriff auf Ipswich. So statteten unsere Flieger und Älftschiffer in kleinen Zwischenräumen England einen Besuch ab. Auf einer abermaligen Fahrt ins Feindesland ein deutsches Luftschiff ? n Z. Mai in einen Kampf mit englischen Unterseeboten verwickelt, die üch in der Nordsee aufhielten. Das Luftschiff bombardierte und brachte ein V-Bovt zum Sinken. Am 22. Mai konnte unsere Luftwaffe eiuen er beuten Sieg über ein Unterseeboot melden. Es war bei einem Gefechte der Ostsee, wobei die Russen das ^ Boot Akula" einbüßten. Im Monat Juni trat der Wert der Luftfahrzeuge noch mehr zutage. Wiederum hielten e sich an Englands Küste aus, bewarfen Harwick), die Docks von Kingston "nd Grimsbi) mit Bomben und unternahmen einen nenen Streifzng nach der Ostküste Euglauds. Ein österreichisches Flugzeug schoß gleich zu Anfang des italienisch-österreichischen Krieges das italienische Luftschiff Eitta di Herrara" bei der Insel Lussin herunter. Am 4. Juli versuchten die Eng länder einen größeren Flugzeugaugriff gegen unsere Stützpunkte in der deutschen Nordseebucht auszuführen. Unsere Luftschiffer stellten die eng lischen Streitkräfte und zwangen sie zur Nückkehr. Mehreremal suchte Zeppelin Englands Hauptstadt London auf begrüßte sie mit zahlreichen bomben, die bei den Bewohnern eine noch größere Furcht aufkommen iießeu. Außer den genanuteu Angriffen hörtet ihr auch solchen auf Brüssel, Osteude, Paris, Dünkirchen, Calais, Nancy, Arras, Lille Warschau. Somit können wir auch vvll Stolz auf die ruhmvollen Taten unserer Luftschiffer schaueu und vor allem das Andenken des Mannes bewahren, der lins durch seine Erfindung seine laugjährigeu unermüdlichen Ar beiten eine bedeutende Waffe gegen die Feinde in die Hand gegeben hat. Ähr wißt alle, wer der Schöpfer dieser Waffe ist! Ihr habt das Zeppelin- Luftschiff schon oft gesehen, aber immer wieder schaut ihr mit neuem Staunen 60 empor, wenn das Surren sein Nahen ankündigt. Wir wollen dem Grasen Zeppelin wünschen, daß er sich noch oft und lange über die Erfolge seines Wertes freuen tann in dem schönen Bewußtsein: Ich durfte und konnte dem Vaterlande helfen." Das Kaiserreich Rußland. 3,4 Mill. c^kin, 134 Mill. Einw., 25 auf 1 cjkm. Größer als halb Europa, aber nur halb so dicht bevölkert wie Europa und Vi soviel Einw. Behandlung. I. Das Land. II. Das Volk, ch Allgemein. 1. Geschichte. 1. Größe, Lage, Küste, Klima. 2. Volkstum. 2. Aufbau des Bodens. 3. Ackerbau Viehzucht. d) Einzellandschaften. 4. Bergban und Industrie. 3. Die Grenzgebirge Ural und 5. Handel und Verkehr. Kaukasus. 6. Verfassung und Wehrkraft. 4. Das russische Tiefland. 3. Die Flußgebiete Rußlands. III. Nußland zwingt uns zum IV. Die Kämpfe im Osten. Krieg. V. Hindenburg, der Rnssen- bezwinger. I. Das Land. 1. Größe, Lage, Küste, Klima. (1. Größe.) Nußland erstreckt sich fast über die ganze östliche Hälfte Europas. Es ist zehnmal größer als Deutschland. Nußlaud ist als eine zusammenhängende Fläche der größte Staat. (2. Lage.) Rußland nimmt also den ganzen Osten Europas eiu. Zeine Grenzen im Nordosten und Süden sind zugleich diejenigen Europas. (Nenne seine Grenzen nach der Karte!) Seine Küste gehört vier Meeren an. (Welchen?) Trotzdem ist die Lage Rußlands ungünstig, denn sein Ver kehr mit den fremden Staaten ist sehr beschränkt. Das nördliche Eismeer und die Ostsee sind nur einige Monate für den Verkehr offen. Die Aus gänge der Ostsee und des Schwarzen Meeres gehören fremden Staaten zu, und das Kaspische Meer ist vom Weltverkehr abgeschlossen. (3. Küste.) Die Küstengliederung ist trotz der Größe des Landes un bedeutend. Der Finnische Meerbusen ist von vielen Granitklippen durch zogen und daher sehr gefahrvoll. Zwischen der Festung Kronstadt und Petersburg mußte ein Seekanal angelegt werden. An der finnischen Küste liegt Helsingfors mit ausgezeichnetem Hafen. Wichtig ist die gegenüber liegende Hansastadt Reval. Der Rigaische Meerbusen ist durch seine Sand bänke schwer zugänglich. Abgeschlossen wird er von den Inseln Osel und Dago. Der zweitwichtigste Ostseehafen ist Riga in sandiger Gegend, ober- il halb der Dünamündung. Das nördliche Eismeer wird im Osten von der Doppelinsel Näwaja Semlja, einer Fortsetzung des Uralgebirges, begrenzt. sondert im Weißen Meere die Insel Küla ab. ^ Die Schwarze Meer- -^üste ist eine flache Küste und für Seeschiffe kaum erreichbar. Mehrere ^trandseen, wohl frühere Flußtäler, sind der Küste vorgelagert. In das schwarze Meer dringt das Asowsche Meer ein. Es ist fast ganz mit Schlamm angefüllt und nahezu ein halbes Zahr zugefroren. Es trennt die Halbinsel -^rim von der gesamten Landmasse Rußlands. -l. Klima.) Das russische Klima zeitigt einen bedeutenden Unterschied Zwischen Sommer- und Wintertemperatur. Rußland hat ausgeprägtes "andklima. Der Norden gehört der kalten Zone an; hier herrscht 8 Monate lang Winter, zuweileu noch länger. Das Klima Mittelrußlauds gleicht demjenigen Norddeutschlands, nnr sind die Winter kälter. Manchmal ist die Kälte so stark, daß das Quecksilber dabei erstarrt. Südrußland hat heiße Sommer und kalte Winter mit heftigen Schneestürmen. Die Nieder schläge nehmen, je mehr sie sich vom Meere entfernen, nach Osten und Südosten ab. Im Süden ist der Niederschlag so gering, daß er bei der Hitze schnell verdunstet. Der Regen reicht für die Baumwurzelu nicht aus und dat dadurch das südliche Land zu einer Grassteppe gemacht. Jetzt beginnt "an allerdings damit, dieses Gebiet dem Ackerbau zurückzugewinnen. Der Hauptregen fällt in Rußland im Monat August September, in Mittel rußland im Zuli. Im Winter wird der Regen zu heftigem Schneegestöber. Diese Schneestürme werden oft so stark, daß die Wanderer zuweilen planlos umherirren, da sie sich auf dein Wege nicht mehr zurechtfinden können und schließlich auf den unendlich langen, weißen Gefilden eines elenden Todes sterben. 2. Der Aufbau des Bodens. Rußland wird vvn einem großen Flachlande, der russischen Tiefebene angefüllt. Nur an den Grenzen erheben sich zwei Gebirge zwar an der Südostseite der Halbinsel Krim das stark bewaldete Haila-Gebirge. Es ist etwas länger als das deutsche Erzgebirge. Nach Norden fällt es all mählich ab und bildet eine bäum- und wasserarme Steppe. Der Süd abhang ist steil, aber mild und hat Mittelmeerklima. Infolgedessen ist dieses Gebiet sehr fruchtbar. Hier gedeihen neben vorzüglichen Obstsorten Wein, Oliven, Feigen und Orangen. Die Fürsten haben sich auf diesem Prachtvollen Fleckchen Erde ihres Landes ihre Landsitze erbaut. An der südwestlichen Ecke liegt der Handels- und Kriegshafen Sewastopol, der sich im Krimkriege tapfer verteidigt hat. 3. Grenzgebirge: Ural und Kaukasus. An der Ostgrenze Rußlands erhebt sich zugleich als Grenze Europas das Uralgebirge. Es bildet die Scheide zwischen Europa und Asien. Im Osten fällt es steil, im Westen allmählich ab. Man kann im Ural eine Drei- teiluug vornehmen. Der nördliche Teil ist ein Wüstengebiet, der mittlere Teil ist sehr erz- und der südliche waldreich. Die Uralwüste gleicht ihremCharakter der Tundra, sie wird allerdings entgegen dieser von Gletschern durchzogen. Im südlichen Teile kommt der Waldwuchs nur in sumpfreichen Gebieten auf. Der wichtigste Teil ist der erzreiche mittlere Ural. Er ist der schmälste und niedrigste Teil. Er wird von wichtigen Verkehrsstraßen zwischen Europa und Asien einer Eisenbahn (Perm-Jekatarinburg) überstiegen. Der Mittelural ist das Gebiet des Bergbaues der Metallverarbeitung, die hier in hohen, Maße ausgenutzt werden. Die Eisenlager sind von ge waltiger Ausdehnung. Sie bilden teilweise ganze Magneteisensteinberge. Deutsche Bergleute legten hier Kupfer- Silbergruben an. Die Haupt stätten des Bergbaues sind Jekatarinburg, das die Kaiserin Katharina ge gründet hat. Später fand man in dieser Gegend auch Gold und Platin, das heute in großen Mengen ausgeführt wird, besonders uach Deutschland. In den Bergwerken werden wertvolle Steine (Smaragden, Topase, Edel steine) gegraben dann zu Schmuckgegenstäuden verarbeitet. Stein kohlenreich ist die Gegend bei Perm au der Westseite. Der südliche Ural, der Waldural, ist der schöuste und fast höchste Teil. Er gliedert sich in drei stark bewaldete Ketten, die wieder durch grüne Längstäler voneinander getrennt sind. Den schönsten Teil durchfließt der Uralfluß. Uber deu süd lichen Ural führt die Sibirische Bahu. Am Südende des Gebirges liegt am Uralfluß Orenburg, der Sammelpunkt der Karawauen aus Mittelasien. Zu den südlichen Grenzgebirgen gehört auch der Kaukasus. Er bildet eiue gewaltige Mauer gegen Asien und ist den europäischen Alpen an Länge gleich. Das Gebirge ist weit verzweigt trägt viele Gipfel. Deshalb nennt man ihn in, Morgenlande das Gebirge der tausend Gipfel". Die höchste Erhebung ist der frühere Vulkan, der Gletscherberg Elbris". Im Kaukasus fehlen die Längskäler, die die Alpen landschaftlich so schön inachen und die Hauptgebiete des Ackerbaues und der Viehzucht sind. Die Bäche sind im Kaukasus sehr reißend. Das Gebirge ist unfrucht bar und nur mit dürren Schafweiden bedeckt. Von der Festuug Wladikawkas führt eine Kunststraße in das Innere des Gebirges. Sie beginnt mit der wilden Darielschlucht. In den letzten Jahrzehnten hat man bedeutende Erzlager (Silber, Blei, Knpfer, Mangan und Eisenerze) gefunden. Bedeu tend ist vor allem für ganz Europa die Petroleumgewiunung im Osten des Kaukasus bei Baku. Das Petroleum wird teils in Quelleu, teils durch Brunnen gewouuen. Das Erdöl wird auch zum Heizen der Dampfer auf dem Kaspischen Meere verwandt. Die aus dem Boden strömenden Gase gebraucht man in den Fabriken zu Leucht- und Heizzwecken. Kaukasieu. Der Kaukasus bildet die Mitte des Gouvernements Kaukasien. Seine Grenze gegen Europa bildet im Norden die Manytsch- niederung. Das Land südlich vom Kaukasus ist im Westen sehr frnchtbar. Der Hauptfluß ist die Kur, die ins Kaspische Meer mündet. Die Hauptstadt ist Tiflis ( Warmstadt wegen der warmen Schwefelbäder am Kur). Sie ist heute eiue moderne europäische Stadt und treibt großartigen Handel, besonders im Verkehr mit Persien. Die Küstenstadt und daher Kriegs und Handelshafen Batilm ist mit Baku durch eine Bahn verbunden. Es 63 führt Petroleum aus. Zum Kaukasusgebiet gehört auch Russisch-Armenien mit der Bergstadt Eriwan. Bevölkerung. Kankasien beherbergt als Grenzgebiet zwischen Eu ropa und Asien ein buntes Völkergemisch. Die 22W0 Deutschen, meist Württemberger, haben freundliche, saubere Dörfer angelegt, die sich von allen übrigen abhebeu. Der Kaukasus ist das Gebirge der lvv Sprachen. Er bildete in früheren Jahrhunderten ein heißumstrittenes Land; zwischen Turkeu und Persern entspannen sich um seinen Besitz mehrere blutige Kämpfe. Schliesslich beteiligte sich auch Rußland daran und erwarb das Gebiet. i. Das russische Tiefland. Das einförmige russische Flachland wird unterbrochen von vielen tiefen Flußbetten und breiten, aber niedrigen Bodenschwellen. Es wird von drei Höhenzügen durchschnitten. Der ostwestliche geht vom Ural aus und dehnt sich in südwestlicher Richtung aus bis fast an die Wolga. Es ist der nordrussische Landrücken. Er trennt das nördliche Waldland von dem Acker baugebiet Mittelrußlands. Südwestlich erhebt sich zwischeu Petersburg ud Moskau die regeu- und seenreiche Waldaihöhe. Sie trennt das Fluß gebiet des Dnjepr von dein der Wolga des Don. Sie bildet den nord westlichen Teil des Mittelrussischen Landrückens eudet der Südrussischen Platte. Die Höhe ist das Quellgebiet Wolga, Düna und Dnjepr. Sie ist stark bewaldet. Südwestlich von ihr erhebt sich der Westrussische Land rücken, der vom Njemen ab in die Ostpreußische Seenplatte übergeht. Die Landrücken sind nicht sehr hoch. Nach dem Westufer der südrussischen Flüsse falleu sie steil ab und bieten dadurch ein gebirgsähnliches Aussehen. Sie trennen Meere und Flüsse und teilen die breite Ebene in mehrere Tief- landsbecken. Die bedeuteudsten sind: -i das Nordrussische Tiefland. Es breitet sich nördlich vom Nord russischen Landrücken aus und bildet das Flußgebiet der ^förmigen Pet- schora und der ^förmigen Dwina. Beide sind fischreich. Der Hauptfisch fang liefert Dorsche, Heringe und Lachse. Die Gegend ist schlecht be wohnt. Im nördlichen Teil nördlich vom Polarkreis breiten sich die Tundren aus. Sie werden von dem Nomadenvolke der Samojeden aufgesucht, die ihre Renntiere hierhin führen. Die Tiere nähren sich von den Moosen und Flechten, welche in den Sommermonaten die Tundren bedecken. Sonst ist hier den größten Teil des Jahres (8 Monate) der Boden zugefroren. Im südlichen Teil der Ebene erstrecken sich weite Nadelwälder, in denen Pelztiere wohnen. Das Jägervolk erlegt hier Eichhörnchen, Marder, Elen tiere, Hermeline, Zobeltiere und Silberfüchse und liefert sie nach Peters burg, Moskau, Nischni-Nowgorod oder Archangelsk. Die einzige größere Stadt und ein Hafen im Norden Rußlands ist Archangelsk an der Dwina. Während der kurzen eisfreien Zeit des Flusses treibt die Stadt lebhaften Handel mit den Nordseeländern Sibirien. Sie führt hauptsächlich Holz und Pelzwerk aus. An dieses Tiefland schließen sich die Ostsee-Tiefebene und die Flußgebiete an. 64 5. Die Flußgebiete Rußlands. An das nordrussische Tiefland schließt sich im Westen Finnland an. Es ist eine niedrige Granitfläche, die von zahlreichen Seen eingeschlossen wird. Finnland ist bekannt als das Land der tausend Seen". Wasserfälle wechseln ab init einein Gewirr von Wald, Moor, Heide und Fels. Sie werden in: Süden der Ebene durch Tannen- und Birkenwälder ersetzt. Nur der Küstensaum an der Ostsee ist für den Ackerbau zu verwenden. Dieser Landstrich ist dünn bevölkert. Auf den Wiesen weiden die Rinder. Ein bedeutender Ausfuhrgegeustand ist Butter. Renntiere Hausen in großen Mengen im nördlichen Teile. Der Haupterwerbszweig ist die Waldwirt schaft. Die Ausfuhr Holz und Holzstoff bringt dem Lande einen schönen Gewinn ein. Die reißenden Ströme bieten eine bedeutende Wasserkraft für den elektrischen Betrieb. An dem fruchtbaren Teile der Ostseeküste haben sich die Protestanten angesiedelt. Hier liegt die Hauptstadt des Landes, die Universitätsstadt Helsingfors, am Finnischen Meerbusen. Räch Osten senkt sich die finnische Seenplatte und endet schließlich in dem Lädoga-See und dem Onsga-See. Sie sind die größten Süßwasser- seen Europas. Au den: Jlmensee, der noch Wasser nach dem Ladoga-See entsendet, liegt Nowgorod. Es war früher eine der reichsten Hansastädte und der Wohnsitz Ruriks (s. Geschichte . Durch die Gründung von Peters burg hat die Stadt au Bedeutung verloren. Die breite, aber kurze Newa empfäugt einen gewaltigen Wasserreichtum von dem Lädoga- und dem Onsga-See und wird so zu einem der wasserreichsten Ströme Europas. Sie ist durch drei Kanäle mit der Wolga verbunden. Finnland gehörte früher zu Schweden. In seiner geistigen und wirt schaftlichen Kultur steht es höher als Rußland. Es ist mit diesem nur durch Personalunion verbunden. Es hat seinen eigenen Landtag, seine Rechte sind heute jedoch sehr beschränkt. Die Bevölkerung, die geistig sittlich ungemein hoch steht, erträgt mit großer Verbitterung die russische Herr schaft und hofft auf eiue Auflösung der Verbindung. Das Volk spricht die finnische Sprache, nur im amtlichen und Gelehrtenkreise wird die schwe dische angewandt. Die Ostseeprovinz Jngermä-nland wurde für Rußland von großer Wichtigkeit. Durch sie gelangte es zur Ostsee und erbaute hier die neue Hauptstadt des Landes. An der Mündung des Rarew gründete Peter der Große seinem Reiche eine neue Hauptstadt. Die sumpfige Gegeud ließ er urbar inachen und legte den Grundstein zur Erbauuug der Stadt Peters burg. Unter den nachfolgenden Zaren wurde die Stadt mit dem großen Flußnetz des Landes in Verbindung gebracht. Kanäle verbinden die Stadt mit der Wolga, Düna, Dnejpr, Onega und Dwina. Den weiteren Verkehr vermitteln Eisenbahnen. Dadurch und durch den Eifer der Zaren ist Peters burg die erste Handelsstadt des Landes geworden. Sie ist mit vielen Kirchen und Palästen reich geschmückt. Am Nordufer erhebt sich die Peter-Pauls- Kirche, die Begräbnisstätte der Zaren. Am Südufer liegt der Kaiserliche Palast (Winterpalais). Die Hauptstadt wird auf der Seeseite durch die Seefestung Kronstadt geschützt. Das Newabecken stellt eine Verbindung her zwischen der nordrussischen und der Ostsee-Tiefebene. 65 Diese wird durch die Waldaihöhe und den westrussischen Landrücken vorn übrigen Rußland getrennt. Die russischen Ostseeprovinzen werden von der baltischen Seenplatte durchzogen. Das Gebiet ist wald-, aber auch lehr sumpfreich. Das Ackerland ist fruchtbar, es erzeugt vor allem Getreide und Flachs in großen Mengen. Bedeutend ist der Handel mit Holz, Getreide und Flachs. Der Haupthafen für die Ausfuhr dieser Erzeugnisse istNiga, der dritte russische Seehafen (Kampfplatz im Weltkrieg 1914 16), an der Düna, die auf der Waldaihöhe entspringt und in den Rigaischen Meerbusen mündet. Die deutsche Universität im Livland hat ihren Sitz in Dorpat. Die Haupt stadt von Esthland ist die Festung und Hafenstadt Reval, in Kurland Mitau. Wichtiger und bedeutender ist hier aber der befestigte Kriegs- und Handels hafen Libau. Diese Städte wurden durch die Kämpfe (1914 16) in Kur land oft genannt. Litauen schiebt sich zwischen Kurland und Preußen bis nahe an die ^ee vor. Es reicht bis zum Dnejpr, im Süden bis an die Rokiknosümpfe. Bewässert wird Litauen vom Rjeinen. Die bedeutendste Haupt- und Handelsstadt ist Wilna. Andere Städte sind Minsk, Dünaburg, Kowno, und Bjelostok. Fast an der preußischen Grenze liegt Tauroggen. Auf deutsches Gebiet treten Memel und Weichsel über. Die russische Weichsel durchfließt in einem großen Bogen das alte Polenreich. Es wird von Preußen und Osterreich (Ostgrenze der Bug) begrenzt. Es ist reich an Eisen, Steinkohlen und Zink. Der Norden ist sumpfig. Der Waldbestand ist größer als in Posen. Die Schiffahrt auf der Weichsel ist bedeutend für die Beförderung von Holz und Getreide. Andere Flüsse sind Warthe im Westen und Bug im Osten. Die Hauptbeschäftigung der Polen bildet die Landwirtschaft. Bedeutend ist auch die Webe- und Baumwollindustrie, die ihren Hauptsitz in Lodz finden. Die ausgedehnten Kohlenlager in diesem Gebiet liefern ihm zur Herstellung seiner Waren die nötigen Kohlen für die Maschinen. Der Hauptsitz der Eisenindustrie ist Warschau, die Haupt stadt des früheren Polenreiches an der Weichsel. Es war die drittgrößte Äadt Rußlands. Es ist stark befestigt. Die Stadt ist außerordentlich reich an schönen Kirchen, prachtvollen Palästen und wundervollen Gärten. Diese kennzeichnen die Prunksucht des polnischen Adels. Marschall bildet den Mittelpunkt des Handels. Von hier aus gehen die Landeserzeugnisse, Schiffbauholz, Getreide und Wolle die Weichsel hinab nach Danzig. Be festigt wird die Stadt durch die Vorstädte Alexanderfeste und Praga. Von den Städten, die schon zu Anfang des Krieges in unseren Besitz kamen, seien noch genannt Ezenstochau, Kalisch und Lublin. Das Dnjeprbecken. Der Dnjepr entspringt südlich von der Waldai höhe. Das Tiefland des Dnjepr wird von den Vorhöhen der Karpathen, dem westrussischen Landrücken, der mittelrussischen Schwelle und dem Schwarzen Meere eingeschlossen. Der mittlere Teil ist eine prachtvolle Acker landschaft. Es ist das Gebiet des Schwarzerdegürtels. Dieser reicht von der Linie Kiew Kasan bis zu den Flußknien des Dnjepr und des Don. Wegen der hohen Fruchtbarkeit nennt man diese Gegend Kornkammer Europas". Das Hauptgetreide ist Roggen. Außerdem baut man Zucker rüben, Futterkräuter, Hanf und Tabak an. Die Geflügelzucht wird hier Beyerle. Geschichte des Weltkrieges. 5 66 eifrig betrieben. Bedeutend ist die Mehl-, Zucker-, Tabak-, Leder- und Spiritusindustrie. Das Schwarzerdegebiet ist neben Polen der dichtest bevölkerte Teil Rußlands. Ein rechter Nebenfluß des Dnjepr ist der Pripet. Er durchfließt das größte Suinpfland Europas, die Rokitnosümpfe. Sie sind für die Landesverteidigung sehr wichtig. Hier standen sich im Weltkrieg 1914 16 nördlich von Brest-Litowsk am Bug die Zentralmächte und die Russen gegenüber. Der Pripet ist sowohl mit dem Bug (Königskanal), als auch mit dem Njemen verbunden. Ein rechter Nebenfluß des Dnjepr ist auch die durch die Geschichte so bekannte Beresina, die durch einen Kanal mit der Düna verbunden ist. Der Djnepr ist durch drei Kanüle mit der Ostsee verbunden. Die Hauptindustriestadt in der fruchtbaren Ukraine (Schwarzerde gebiet) ist Kiew, die starkbefestigte Handels- frühere Hauptstadt des ältesten russischen Reiches. Sie war der Ausgangspunkt des Christentums. Eharkoff liegt am Südrande des mittelrussischen Landrückens mit bedeutender Industrie und Messe. Durch die hügelige Ukraine fließt der Dnjepr den pontischen Steppen zu, die sich um das Nordufer des Schwarzen Meeres ausbreiten. Die Steppe ist fruchtbar, aber erst wenig angebaut. Das Land dient vor allem zur Schafweide. Die charakteristische Anbaupflanze ist die Wassermelone, eine durststillende Frucht. Die pontische Steppe birgt auch ein wertvolles Kohlenlager. Infolgedessen entstand die Fabrikstadt Jeka- terinoslaw, so genannt, weil Katharina II. das eroberte Gebiet als ihre Sommerresidenz anlegen ließ. Im Osten ist die pontische Steppe mit dein Becken des Don verbunden. Zwischen der Dnjepr- und Dnjestrmündung liegt der bedeutendste Eetreideausfuhrhafen Rußlands an: Schwarzen Meere, Odessa. In der Dnjeprmulde, die im Südwesten von einer großen Lößplatte begrenzt wird, haben die Flüsse Bug, Dnjestr und Pruth ihr Bett tief in den Löß eingegraben. Der Teil zwischen Pruth und Dnjestr ist Bessarabien mit zahlreichen deutschen Kolonien. Der Teil zwischen den Rokitnosümpfen und der österreichischen Grenze heißt Wolynien. Das Becken des Don, der in das Asowsche Meer mündet, steht im Norden in Verbindung mit dem Wolgabecken. Die Wolga ist der größte und wasserreichste Strom Europas. Ihre Quelle hat sie auf der Waldaihöhe. Sie durchfließt in östlicher Richtung ein getreide- und flachsreiches Gebiet. Bei Nischni- Nowgorod durchströmt sie Waldland, dann tritt sie in das Schwarzerde- gebiet ein und fließt schließlich durch die Kaspische Salzsteppe. Das jen seitige Ufer ist niedriges Wiesenland mit starkem Graswuchs für die lebhaft betriebene Viehzucht. In der fruchtbaren Gegend liegt die alte Hauptstadt Rußlands, Moskau. Sie liegt im Mittelpunkt des Industriegebietes an der Moskwa. Die Stadt besitzt 466 Kirchen, die durch ihre Kuppeln und bunt-asiatische Pracht auffallen. Die Stadt war auf einer hügeligen Ebene erbaut, die heute der Kreml mit seinen Kirchen und Palästen einnimmt. Hier finden seit alter Zeit die Zarenkrönungen statt. Moskau ist die erste Fabrikstadt geworden (Webe-, Spinnerei- und Pelzwaren, Eisen (Stein kohlen- Eisenlager bei Tula). Nebenflüsse der Wolga sind Oka und Käma. An der Mündung der Oka in die Wolga liegt Nischni-Nowgorod, die 67 Stadt der großen Messen. Kasan vermittelt den Verkehr zwischen Sibirien und dem europäischen Rußland. Bei Kasan nimmt die Wolga eine südliche Richtung an und fliegt in das Kaspische Meer. Unterhalb der Stadt mündet die Kama in die Wolga. Samara ist der Ausgangspunkt der sibirischen Uberlandbahn und auch wichtig als Ausfuhrplatz für Getreide, Salz und Tabak. Die Wolga ist wohl der fischreichste Strom der Erde, die Haupt fischerei ist bei Astrachan. Dieser Handelshafen ist eine morgenländische Stadt, umgeben von Obstgärten und Weinpflanzungen. Bekannt sind die kostbaren Astrachaner Trauben. Astrachan ist der Mittelpunkt großartiger Fischereien (Kaviar) und der Handelsplatz für den Verkehr mit Persien. II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete. 1. Geschichte. Im 9. Jahrhundert wohnten im heutigen Ruszland Slaven nur im Gebiete des Dnjepr und weiter nordwärts bis zum Ladogasee. Die Haupt siedelungen waren Kiew und Nowgorod. Im Norden und Nordosten wohnten Finnländer, der Süden und Südosten waren von Nomaden völkern bewohnt. Die Slaven und Finnen hatten wiederholt gegen die schwedischen Normannen, die Rus oder Nodsen zu kämpfen. Trotzdem wählten sie zur Zeit innerer Gefahr einen Helden der Rufen, den Rurik, zum Fürsten. Dieser wurde der Gründer des Russenreiches mit der Haupt stadt Eroß-Nowgorod an: Jlmensee. Durch die Beziehungen mit Kon stantinopel kam das Christentum schon früh in griechisch-katholischer Form in das Land. Das Ruriksche Reich wurde öfters geteilt und unterlag später der Mongolenherrschaft. Diese gründeten ein Riesenreich mit der Haupt stadt Peking im Osten und Kiew im Westen. Westliche Gebiete fielen an Polen. Da erhob sich der Großfürst Iwan und schüttelte das mongolische Joch ab. Er vergrößerte das Gebiet, brachte Nowgorod und den finnischen Norden in seinen Besitz und wurde so der Gründer des heutigen russischen Reiches. Unter seinen Nachfolgern wurde das Reich um Moskau herum konzentrisch bis Meer ausgedehnt. Peter der Große erzwang im Westen den Zu gang zur See durch die Eroberung der Ostseeprovinzen. Unter Katharina II. fielen auch Teile Polens an Rußland und zwar das Gebiet zwischen Djnepr und Bug. Das eigentliche Polen, das Großherzogtum Warschau fiel erst durch den Wiener Kongreß an Rußland. Vorher hatte dieses schon Finn land erobert. Im Süden fanden bei der weiteren Ausdehnung Kämpfe gegen die Türken statt, da man diesen die Schwarze Meer-Küste bis zum Kaukasus entriß. Heute noch trachtet Rußland danach, auch den Bosporus zu erobern, weshalb es auch gegen die Türken wiederum den Krieg eröffnet hat. Es kämpft im Bunde mit Frankreich und England, bisher aber noch ohne weiteren Erfolg. (Im Osten stritten sie gegen die Mongolenstämme, bis sie endlich die Grenze bis zum Uralfluß ausdehnten. Dann griffen sie die Mongolen in ihrer Heimat, in Asien, an und nahmen noch mehrere Gebiete in Besitz. Davon gaben sie später einige an England als Interessen gebiet ab.) 68 2. Das Volkstum. (1. Nationalität.) Rußland ist das Land vieler Völker, Sprachen und Religionen. Trotzdem ist der Staat wieder einheitlich zu nennen, weil ^4 der Bewohner zum Stamme der Slaven und Russen gehören. Im Weichsel gebiet, im Westen, wohnen die Polen, Letten und Litauer, in den Ostsee provinzen und in den Ackerbauländern der Wolga die Deutschen, ebenfalls in den Gebieten südlich von den Rokitnosümpsen, in der Umgebung von Odessa und in Bessarabien. Im Norden leben die nomadisierenden Samo- jeden und im Süden ein türkisch-tatarisches Volksgemisch. Juden sind im ganzen Lande verstreut. Ihr Hauptwohnort ist Polen und Litauen. Unter den Russen unterscheidet man Groß-, Klein- und Weißrussen. Letztere sind polonisierte Großrussen. Die Großrussen gehören zum Wald-, die Klein russen zum Steppengebiet. Die ersteren sind der herrschende Teil. Ihrer Sprache bedient sich der Staat, die Gesellschaft und Literatur. Der Groß russe ist lebhaft und anstellig, ein geborener Kaufmann und Handwerker, mit viel Sinn für Technik, aber ohne Neigung für den Ackerbau. Der schwer fällige Kleinrusse dagegen ist nur Ackerbauer und Viehzüchter, wozu die Steppe ihn von vornherein erzog. Den Handel überläßt er selbst in seinem eigenen Gebiete dem Großrussen oder dem Juden. Der Kleinrusse zeigt jedoch Neigung zu Kunst und Wissenschaft, und die russischen Dichter und Gelehrten entstammen zumeist dem Kleinrusseutum. Die Häuser der Klein russen sind solid gebaut und das Hauswesen ist reinlicher als bei den Groß russen und Polen. Die Großrussen und Polen sind bei ihnen wenig beliebt." (Harms.) (2. Charakter.) Die Russen sind gutmütig, sorglos, fromm, vertrauens selig, untertänig und zärtlich. Strebsamkeit, Ausdauer und Zuverlässigkeit fehlt ihnen. Ein außerordentliches Vertrauen haben sie zum Zaren, dem Väterchen". Groß ist auch ihre Frömmigkeit, doch hat sie ihre Sinnlichkeit nicht beeinflußt. Ihre Eier nach materiellem Gewinn ist so sehr ausgeprägt, daß sie oft in Diebstahl und Unredlichkeit ausartet. Sie zeichnen sich aus durch eine große geschäftliche Treue. So werden die großen Abschlüsse auf der Nischni-Nowgoroder Messe zu einem großen Teil auf Kredit gemacht, oft bloß aufs Wort und zwar auf langes Ziel." Groß ist ihre Liebe znm Ge sang, der aber meist wehmütig klingt. (Die Lebensweise.) Der Russe wohnt im Waldgebirge in einem Block hause, dessen Fugen mit Moos verstopft siud. Ju deu Steppen bewohnt er Lehmhütten. In seinem Zimmer steht ein großer Backofen, auf welchem der Russe am liebsten schläft. Der Mann trägt ein rotes Baumwoll hemd und eiueu Schafspelz. Der Russe ist an seinem Körper sehr un sauber. Seine Lieblingsspeise ist Kohlsuppe, in die am Sonntag etwas Fleisch kommt. (Konfession, Bildung.) Rußland ist konfessionell einheitlich. Der größte Teil ist griechisch-orthodox (rechtgläubig). Die oberste Kirchenbehörde ist der Heilige Synod. Das Weichselgebiet gehört dein römisch-katholischen Glauben und Finnland dem Protestantismus an. Die östlich-tatarischen Völker sind Anhänger des Islams, die Samojeden sind Heiden. Die Volksbildung ist 69 sehr mangelhaft. Schulzwang besteht nicht. An Analphabeten kommen 61 auf 100. Unterrichtet wird meistens nur in den Kirchspielschulen von den unwissenden Popen (die niederen Priester). Universitäten zählt Ruß land 9 mit 16000 Studenten. Am höchsten ausgebildet ist die schöne Lite ratur, namentlich der Roman. Die Wissenschaft hat zwar schon Tüchtiges geleistet, doch roird sie noch von der westeuropäischen zu viel unterstützt. (Volksdichte.) Die Einwohnerzahl steigt in Rußland am meisten. Die Geburtenziffer, aber auch die Sterblichkeitsziffer ist wohl die höchste in Europa. Trotzdem ist Rußland nicht so dicht bevölkert wie Deutschland. Auf 1 kommen 24 (Deutschland 120). Am dichtesten bevölkert sind Polen und das Gouvernement Moskau, am dünnsten das Gouvernement Archangelsk. Die Auswanderung ist in den letzten Jahren sehr gestiegen. 3. Ackerbau und Viehzucht. Obwohl Rußland das Hauptackerbauland Europas ist, erzeugt es nur Vz des europäischen Getreides. Trotzdem führt es große Mengen Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Leinsamen aus. Es ist ein Nachteil, daß der Boden nicht mehr ausgenutzt wird. Rußland hat auch den Boden mit Flachs, Hanf und Zuckerrüben bebaut, hauptsächlich im Westen. Andere Ausfuhr gegenstände sind Mais, Tabak, Melonen, Sonnenblumen (Olgewinnnng). Wein wächst in der Krim, in Bessarabien und Kaukasus. Durch den großen Waldbestand ist die Holzausfuhr bedeutend. Rußland hat auch den größten Viehbestand unter allen Ländern Europas. Groß ist sein Reichtum an Haustieren einschließlich Kamelen und Renntieren. Bedeutend ist der Bestand an Pferden, das russische Bauernpferd ist aber klein und schwach. Die Rindviehzucht ist am besten in der Steppe. Bedeutend sind Geflügel- und Bienenzucht und dann vor allem der Fischfang. 4. Bergbau und Industrie. Der Bergbau ist am bedeutendsten im asiatischen Teile und zwar im mittleren Ural. Die nächsten Gebiete sind das südrussische Kohlenlager am Donez, ebenso die Eisenlager, ferner der Kaukasus und das polnische Berg land. Das wichtigste Erzeugnis ist Eisen. Rußland liefert das meiste Gold (Ost-Sibirien), Platin birgt der Ural und damit deckt es fast den ganzen Weltbedarf. Petroleum gewinnt es im Kaukasus, Salz am Schwarzen, Asowschen und Kaspischen Meere. ^ ist Stein-, ^ Salinensalz. Finnland liefert Granit, der Ural sonstiges Gestein. Die Industrie hat sich in den letzten Jahren sehr entwickelt. Die Haupt industriezweige sind Woll-, Baumwoll-, Leinen- und Eisenindustrie, eben falls Lederindustrie (Juchtenleder, Saffian). 5. Handel und Verkehr. Die Hauptverkehrsstraßen sind die langsam fließenden und darum weit schiffbaren Wasserstraßen der Flüsse. Sie sind vielfach durch die Kanäle miteinander verbunden. Der Hauptknotenpuukt für die Eisenbahnen ist Moskau. Die Landwege sind sehr mangelhaft, auf ihnen bietet der Schlitten 70 das Hauptverkehrsmittel. Für den Binnenhandel sind die alljährlich statt findenden Messen von Bedeutung. (Der Handel.) Die russische Handelsflotte steht an siebter Stelle, denn nur 10 X des russischen Handels wird auf Schiffen besorgt. Die Haupt häfen sind Odessa, Petersburg, Riga. Die Hauptverkehrsländer sind Deutsch land und England. Die Hauptausfuhr besteht in Petroleum, Getreide, Mehl, Holz, Flachs, Eier. Einfuhrgegenstände sind Baumwolle, Maschinen, Tee, Metallwaren. Rußland steht für unseren Handel an erster Stelle, für unsere Ausfuhr nach dort an sechster Stelle. K. Verfassung und Wehrkraft. Rußland ist seit der revolutionären Bewegung eine eingeschränkte (1905) erbliche Monarchie. Die Selbstherrschaft ist beschränkt durch die Volksvertre tung, die Duma. Der Thron ist zunächst in männlicher Linie erblich nach dem Recht der Erstgeburt. Der Zar führt den Titel Selbstherrscher aller Reußen". Die erste Kammer ist der Reichsrat, er bereitet die Gesetze vor. Die Ausführung derselben übernimmt der dirigierende Senat. Das Reich ist in 60 Gouvernements eingeteilt. Diese und die Kreise haben Landtage, in denen Adel und Beamte eine hohe Stelle einnehmen. Sie regeln die rein wirtschaftlichen Angelegenheiten, zum Teil untersteht ihnen auch der Volksschulunterricht. Seit 1874 ist die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Die Friedens stärke beträgt 1200000, die Kriegsstärke 2150000 Mann. Mit seiner Kriegs flotte nimmt es die siebte Stelle ein. III. Ruhland zwingt uns zum Krieg. Ich sei, gemährt mir die Bitte, in eurem Bunde der dritte," so mochte wohl Rußland gedacht haben, als es mit England und Frankreich den Drei bund schloß und sich dadurch auf die Seite unserer Feinde schlug. Geschwächt durch andere Kämpfe, wagte es aber noch nicht, einen Krieg mit uns zu beginnen. Der Vorfall in Serajewo schien ihm willkommen. Als angeb licher Beschützer Serbiens konnte es eher zu Werke gehen. Obwohl Ruß land viel größer ist als Deutschland, wollte es sein Land doch immer weiter ausdehnen. Es strebte hinaus auf das offene Meer. Seine Politik wollte die Zusammenfassung aller Slavenvölker unter russischer Herrschaft. Dieses nennt man den Panslavismus". Statt für das Wohl des Volkes im Innern des Reiches zu sorgen, richteten die Staatsmänner ihr Augenmerk auf die Außenwelt. Wiederholt hatte es durch Krieg versucht, den Balkan an sich zu reißen und Besitzer Konstantinopels zu werden. Nie aber hatte es vollen Erfolg. Osterreich hinderte dieses Vordringen Rußlands. Es war mit Deutschland verbunden. Als Buudesbruder nun mußte Deutschland in einen eventuellen russisch-österreichischen Krieg helfend eintreten. So entstand in Rußland schon 1870 die Parole: Der Weg nach Konstantinopel geht über Berlin." Deutschland wird sich dagegen sehr tatkräftig wehren, das wußte Rußland. Deshalb hetzten die Staatsmänner das Volk auf zum Hasse gegen Deutschland und Osterreich. Mit Frankreich schloß es, wie schon 71 erwähnt, ein Bündnis. Rußland inachte in Frankreich eine Staatsanleihe, denn es brauchte Geld zur Vergrößerung seines Heeres zum Ausbauen des Eisenbahnnetzes. Dann schloß es noch ein Bündnis mit England, um vereint mit diesen Mächten gegeu Osterreich vorzugehen und sich allmählich seine Herrschaft über den Balkan und die Dardanellen zu erringen. Der Zar bat zu Beginn der Zwistigkeiten unseren Kaiser scheinbar nin seine Vermittlung in einem Kriege Österreichs gegen Serbien. Im geheimen aber hatte Rußland auch gegen mobil gemacht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uotgedruugeu in den Krieg gegen Rußland einzutreten. IV. Die Kämpfe im Osten. Da es zu Anfang des Krieges galt, recht viel Armeen den Franzosen entgegenzustellen, um ihreu Vormarsch zu hemme , war im Osten nur eine Armee znm Angriff bereit. Deshalb mußte das österreichisch-uugarische Heer die erste Arbeit allein übernehmen. Ein großes Volk stellte sich unseren Verbündeten und uns entgegen, dessen Augeumerk sich vornehmlich auf die beiden Hauptstädte Wieu und Berlin und die Balkanhalbinsel richkete. Da hieß es also eine lange Front von Norden nach Süden in, Westen Rußlands zu besetzen. Unsere ostpreußischen Provinzen schienen dadurch sehr gefährdet denn unmittelbar an der Grenze zogen sich russische Armeen Zusammen, um möglichst schnell vorzudriugen. Gleichlaufend mit der preußischen Grenze zieht sich vom Warschauer Festungsdreieck (Warschau, Nowogeorgiewsk. Zegrze) aus auf einer großen Strecke die Rarew-Rjemen- linie An der Vereinigung des Bug des Narew liegt Serozk, am Narew folgen die befestigten Stützpunkte Pultusk. Roschan, Ostrolenka und Lomza; den Bobr und sein Bruch deckt Ossowiec, daun zieht sich die Befestigungs linie am Riemen Memel) entlang von der Festung Grodno über das behelfs mäßig befestigte Merecz Olita nach Kowno. So hatten also die Russeu eine lange Befestigungslinie im Rücken. Der Krieg gegen die Russen spielte sich auf vier Kriegsschauplätzen ab, nämlich in Ostpreußen, Russisch-Poleu, Galizien, in der Bukowina. . Wir wollen zunächst hören, wie die Russen in Ostprenßen emsielen. Sie rückten sofort mit Beginn des Krieges vor und überschritten am 1. August die Warthe bei Eichenried und die Grenze bei Schwiddern südöstlich Bialla in der Richtung nach Johannisburg. In kleineren Gefechten wurden sie bei Soldau 5 Tage später bei Bialla zurückgeschlagen. Bei Bialla östlich Johannisburg erbeuteteu wir 12 Geschütze. Uusere Truppeu hatten Kalisch und Ezentstochau, einen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt, besetzt. Die Russen drangen in Eydtkuhuen ein brachen über die Memel vor. wo sie jedoch jedesmal abgewiesen wurden. Sie hatteu zwei Armeeu gebildet die Rjemen- die Rarewarmee. ie rückten auf Königsberg zu. Die Rjemenarmee ging von Osten aus vor. Am 17. Angnst besiegte das I^Armeekorps zum erstenmal in einem größeren Gefechte den Feind bei Stallupöuen machten M00 Gefangene und nahmen ihm mehrere Maschinen gewehre ab. Einige Tage später (21. August erlitt der Feiud eine neue Niederlage bei Gumbinnen mit einem Verlust 8000 Mann 8 Ge-72 schützen. Dann mutzten sich unsere Armeen zurückziehen, da russische Heeres massen von Ost und Süd heranrückten. Die Njemen- auch Wilnaarmee genannt, besetzte die Linie Eydtkuhnen Königsberg. Hier traten die Russen raubend und verheerend auf. Keiner war vor ihnen sicher. Eigentümer iin Werte von Hunderten von Millionen zerstörten sie ohne weiteres. Die Bewohner wurden grausam behandelt. Wehrfähige Männer erschossen sie oder verstümmelten dieselben. Aber 1t)Wl) Frauen, Kinder und Greise schleppten sie als Geiseln ins Innere Rußlands. Unsägliches haben unsere Brüder in Ostpreußen gelitten. Alles wurde fast in Brand gesteckt. Über ZVVWV flohen, die bei uns voll Mitleid und gastfreundlich aufgenommen wurden. Da wurde das Ostheer verstärkt und uuter den Oberbefehl des Generalobersten von Hindenburg gestellt, der der Retter seines Vaterlandes genannt werden mützte. Die beiden russischen Armeen waren durch ein Sumpfgebiet getrennt. Hindenburg griff nun zunächst die Südarmee, also die Narewarmee an. Er nmschlotz sie von drei Seiten und trieb sie in das Sumpfgebiet der Masurischen Seen. Die im Jnnengürtel an Zahl viel schwächeren deutschen Truppeu kämpften in einer dreitägigen Schlacht gegen die Übermacht des Feindes. Der rechte Flügel ging indessen über Neidenburg vor fatzte die Russen im Süden an. Der linke Flügel umging sie in einem grohen Bogen und half mit, den Feind in einem Tal kessel zusammenzudrängen und völlig zu schlagen. Aber 90WO Gefangene, mehr als in Sedan, fielen in unsere Hände, über IWOW sollen in den Sümpfen ertrunken sein, der Rest rettete sich über die Grenze. Das war der grotze Tag von Taunenberg (26. 29. August) zwischeu Eilgenburg und Ortelsburg. Ein Teil der russischen Hauptarmee, die Grodno-Armee, die bei Lyck (11. September) Stellung genommen hatte, wurde ebenfalls geschlagen und verfolgt. Nun ging Hindenburg bis zun? Pregel in Ost- 73 Preußen vor, wo er auf die zweite russische Armee, die Wilnaarmee, die etwa 300000 Mann stark war, stieß. Der russische General Rennenkampf befeh ligte sie und stand mit ihr 40 Km vor Königsberg. Hindenbnrg griff sie nördlich der masurischen Seen an und errang auch hier einen entscheidenden Sieg am 11. und 12. September. Der Feind wurde in Auflösung über die Grenze zurückgeworfen. Hindenburg folgte auf russisches Gebiet. Die Zahl der erbeuteten Geschütze in diesen Kämpfen war 130. Ostpreußen war nun von den Russen gesäubert. Die Bewohner kehrten zum größten Teil nach Ostpreußen zurück. Der Kaiser ernannte Hindenburg aus voller Dankbarkeit zum Generalobersten und verlieh ihm den Orden ?our lo wsrits". Hindenburg hatte das Gouvernement Suwalki besetzt und uuter deutsche Verwaltung gestellt. Spätere feindliche Vorstöße nach Ostpreußen im Oktober bei Augustowo und im Anfang November scheiterten, die Russen besetzten aber wieder Suwalki. Zu Beginn des neuen Jahres fanden fort während an der Grenze Ostpreußens Kämpfe zwischen der 8. deutschen und der 1V. russischen Armee statt. Die 8. deutsche Armee uahm ihre Stel lung hinter der Angerapp und den masurischen Seen. Ostlich davon setzten die Russen ihr Raub- und Mordhandwerk fort. Alles verheerten sie. In den ersten Tagen des Februar erhielt General von Below, der die dortigen Truppen befehligte, Verstärkuugen und begann nuu das deutsche Gebiet von den Russen zu befreien. Hinter den deutschen Flügeln hatte sich die Versammlung der Angriffstruppen vollzogen. Die 10. Armee, bestehend aus 6 Armeekorps gleich etwa 200000 Mann, standen ihnen gegenüber. Die Russen hatten in der Johannisburger Heide Verhaue angelegt, Johannis- burg Bialla besetzt. Hier wurde eine russische Division nahezu ver nichtet. Nuu ging Hindenburg zum Angriff über. Unsere Truppeu gingen bei starkem Frost und heftigem Schneegestöber, das oft den Verkehr auf Straßen und Eisenbahnen hemmte, auf den Feind zu. Am 7. Februar begann die zweite Schlacht in den Masuren, zur Unterscheidung von der ersten die neuntägige Winterschlacht in Masureu genannt. Johannis- burg wurde erstürmt. Der linke Flügel hielt den Feind bei Pillkallen zurück und warf ihn bei Lyck über die Grenze, der dritte Flügel griff von Lotzen her an. Die Russen setzten sich in den befestigten Stellungen westlich von Lyck hartnäckig zur Wehr. Aber alles half nichts. Alsbald hatten wir unter Führung unseres Feldherru den Feinden die Stellungen entrissen und blieben in den folgenden Kämpfen bei Lyck siegreich. Der Kaiser wohnte dem Einzüge der Truppen in die Stadt bei. Die Truppen jnbelten ihm zu und begrüßten ihn mit einein donnernden Hurra und dem Liede: Heil dir im Siegerkranz." Die Deutschen drängten trotz der großen Märsche und sonstigen Hindernisse unaufhaltsam vor, so daß sie bei Eydtkuhnen, Kibarty und Wirballen 110 Feldküchen, zahlreiches Eisenbahnmaterial, drei Militärzüge, Massen von Liebesgaben und Verpflegungsgegenstände erbeuteten. Bald war die russische Armee eingeschlossen. In einer zwei tägigen, äußerst blutigen Schlacht brachen die Feinde vollständig zusammen. Am 21. Februar war der Sieg, der den bei Tannenberg noch übertraf, vollständig errungen. 130000 Gefangene, darunter 7 Generäle, 300 Ge schütze, 200 Maschinengewehre blieben in unserer Haud. Unsere Feld-Herren, Generaloberst von Hindenburg, Generaloberst von Eichhorn und General der Infanterie von Below, hatten ihr Werk in glänzender Weise durchgeführt. Der Oberbefehlshaber der Russen, Baron von Sievers, wurde wegen vollständiger Vernichtung der 10. Armee abgesetzt und ver übte Selbstmord. Ende Februar hatten die Russen eine neue 10. Armee gebildet, und zwar aus Rekruten und Teilen des II., XIII. und XV. Armee korps, und gingen zum Angriff vor. Wir erstürmten in hartnäckigem Kampfe Prasznysz, machten dabei 10000 Gefangene und erbeuteten 20 Geschütze, ein großes Lager von Maschinengewehren und sehr viel Kriegsgerät. Ihre Angriffe auf Augustowo wurden abgewiesen. Hindenburgs Armee ver folgte den Feind bis zur Festungslinie Grodno-Ossowiec-Lomza-Ostrolenka- Pultusk-Nowo-Georgiewsk und Warschau in Polen. Mitte März ver suchten die Russen noch einmal einen Vorstoß gegen Ostpreußen. Sie be setzten Memel Tilsit. Alsbald aber wurden die Räuberhorden heraus gewiesen. In wenigen Tagen waren sie zurückgeschlagen. 3000 verschleppte deutsche Einwohner wurden befreit. Am 18. März rückten die Russen gegen das von uns besetzte Tauroggen vor. Wir zogen uns bis Laugszargen auf der Tilsiter Straße in der Gegend von Ablenken zurück. Dann eilte uns ein Ersatzbataillon aus Stettin zur Hilfe und trieb den Feind nach Norden zurück. Am 29. März erstürmten wir nach Überwindung großer Gelände- schwierigkeiten Tauroggen. Im April fanden noch einmal bei Prasznysz und Augustowo Kämpfe statt. Das war das letzte Mal, daß die Russen deutschen Boden betreten hatten. Die Orte, die die Feinde zerstört hatten, wurden im Frühjahr wieder aufgebaut. Generalfeldmarschall von Hinden burg legte dem Feinde eine Strafkontribution für seine Greueltaten in Ostpreußen auf. Die Kämpfe in Russisch-Polen. Nach der Niederlage bei den masurischen Seen in Ostpreußen beschlossen die Russen, durch die Provinzen Posen Schlesien vorzudringen. Hindenburg suchte diesen Plan zu vernichten, indem er mit seinen Truppen gegen Polen marschierte. Es kam wiederholt zu schweren Kämpfen. Aus Mittelrußland rückte ein ungeheures Heer vor bis zur mittleren Weichsel. Hier standen die Deutschen mit den Österreichern. Sie machten Ende September unter General v. Mackensen einen Vorstoß bis Warschau und versuchten die Russen am Aberschreiten der Weichsel zu hindern. Wir mußten uns aber gegen die feindliche Über macht schützen und zogen deshalb bis an die Grenze Schlesiens (Ezent- stochau zurück. Wir zerstörteu hinter uns Eisenbahnen und Wegeverbin dungen, um die Russen zum langsamen Vordringen zu zwingen. In Ober schlesien blieb eine Abteilung unter General von Woyrsch (Bild zeigen!) zun? Schutze zurück. Die Hauptkräfte nahinen unter Mackensen südlich von Thorn bei Kujawien Stellung. Sie richteten sich gegen den rechten Flügel des russischen Heeres. Mitte November rückte das russische Heer, etwa 45 Armeekorps, d. h. 1800000 Mann, auf einer Front, die von der Ostsee bis zu den Karpathen reichte, vor. Die Russen hatten alle Truppen zusammen gezogen, die noch im Innern des Landes waren, so daß die vorerwähnte Gesamtstärke der Armee zustande kam. Die geplante russische Massen offensive mußte gebrochen werden. Schlesien und Polen waren hart be- 75 drängt. Ein feindliches Armeekorps, das in: November auf die Festung -t-horn vorrückte, wurde von Mackensen bei Lipno, Wloclawek und Kutno geschlagen. Sie ließ 28000 Mann an Gefangenen, zahlreiche Geschütze Und 7g Maschinengewehre als Beute in unseren Händen. Die Deutschen verfolgten sie ununterbrochen, bis der Feind nach Lodz zurückwich. Hier wurde er auf drei Seiten eingeschlossen. Da rückten plötzlich von Süden und Osten neue feindliche Heeresmassen heran, die unsere Truppen bei Lodz umzingelten. In einer dreitägigen blutigen Schlacht schlugeu wir uns durch. Es waren hauptsächlich junge deutsche Truppen, die sich an dem Kampfe beteiligt hatten. Auf unserem Rückzüge hatten wir verhältnismäßig wenig Verluste. Wir retteten unsere eigenen Verwundeten, machten noch 1200g Gefangene und eroberten 12 Geschütze. In den Kämpfen nm Lodz November) und Lowicz fielen also insgesamt 40000 Gefangene und wehrere Geschütze in unsere Hände. Eine Entscheidung war noch nicht erkämpft, da die Rnssen stets eine Unmasse von neuen Truppen herbei führten. Der Kaiser ernannte Hindenburg am 28. November zum General- feldmarschall. Anfang Dezember trafen für unsere Truppen Verstärkungen ein. Sie benutzten dies, um sofort die Offensive zu ergreifen. Der rechte Flügel drang in die Lücken, die die ^russische Armee gelassen hatte, nahm Last und umfaßte die gegnerische Stellung südwestlich von Lodz. Am Dezember endlich nach dreitägiger Schlacht räumten die Russen diese Stadt, die wegeu der guten Eisenbahnverbindungen sehr wichtig ist. Damit war, wie das Große Hauptquartier berichtet, ein durchgreifender Erfolg errungen. Die Russen zogen sich 20 25 kor östlich von Lodz zurück, indem ie Lowicz immer noch belagerten. Nach dein Siege bei Lowicz drangen wir bis in die Nähe Warschaus vor, wo der Kampf auch hier in einen lang wierigen Stellungskampf ausartete. Am 17. Dezember meldete die Heeres leitung: Die von den Russen angekündigte Offensive gegen Schlesien und Posen ist völlig zusammengebrochen. Die feindlichen Armeen sind in ganz Polen nach hartnäckigen, erbitterten Frontalkämpfen zum Rückzüge ge zwungen worden. Der Feind wird überall verfolgt." In, Monat April wußten wir infolge der ungünstigen Witterung von größeren Unterneh- wungen auf dem russischen und russisch-polnischen Kriegsschauplatze absehen. Unsere Truppen aber hielten aus in Stnrm Regen, ihrem Kaiser dessen großem Feldherrn treu ergebeu. Russische Angriffe bei Maria,npol und Kalwarja wurden abgeschlagen. Ende Juni zogen sich die Russen auf dem linken Weichselufer zurück. General von Woyrsch warf den Feind aus seinen Stellungen von Sienno Jlga. Rechts der Weichsel hatte Hinden- burgs Armee die Offensive ergriffen (14. Juli). Er wollte die Russen östlich von Warschan einschließen. Die Deutschen kamen mit den Österreichern Zusammen, so daß sich die Front von Kurland bis Galizien ausdehnte. Den Oberbefehl über die Nordarmee unweit der Pilica übernahm Hindenburg, über die Südarmee Prinz Leopold von Bayern, Woyrsch und Mackensen. Am 17. Jnli wurde das Drahthindernis der russischen Hauptstellung durch brochen." Der Feind zog sich zurück. Am 14. Juli besetzte der linke Flügel der Hindenbnrgarmee unter v. Below Prasznysz; am 19. die Befestigungen von Ostrolenka. Wir verfolgten den Feind und erreichten die Linie Radom- 76 Iroangorod. Am 2V. Juli nahmen wir Radom. Durch einen sofortigen Angriff gewannen wir die Linie Wadisslawow, dann erzwangen wir den Übergang über die Radomlamündung an mehreren Stellen. Der Kampf wurde auf das östliche Ufer übertragen. Die Angriffsbewegung der Deutschen setzte an verschiedenen Stellen der so langen Front ein. Den Russen wurde es kaum möglich, mit Reserven an besonders bedrohte Punkte heranzurücken. Zwei Angriffsstellen waren auf dieser Front. Südlich der oft- und west preußischen Grenze setzte Hindenburg seine Armeen gegen die stark befestigte Narewlinie in Bewegung. Die Armee Scholz ging zwischen Lomza und Ostrolenka über den Narew vor. Die Russen mußten dem Ansturm uuserer Truppen weichen und nach und nach ihre Stellungen aufgeben. Bald hatten wir den Narew in breiter Front erreicht und konnten ihn ganz überschreiten. Am 2V. Juli erstürmten wir ein Fort von Nozan. Am 24. Juli eroberte die Armee Gollwitz nach hartnäckiger Verteidigung durch die Russen die Festun gen Rozan und Pultusk und drängte den Feind auf Warschau zu. Seit dem 14. Juli war die Siegesbeute auf 41000 Gefangene, 14 Geschütze und S0 Maschinengewehre gestiegen, ohne all das Kriegsgerät, das sich noch in den Festungen befand. Nun überschritten wir den Narew, drängten den Feind immer weiter nach Warschau und näherten uns dem Bug. Die An griffe der Russen, um uns zurückzuwerfen, wurden mit neuen Verlusten für sie abgeschlagen. Wir näherten uns der Nord- und Westfront von Nowo- Georgiewsk und Warschau. Zu gleicher Zeit stieß die Armee Mackensen von Süden her, zwischen Weichsel und Bug heftig vor. Die Russen leisteten zähen Widerstand, da sie die für sie wichtigen Eisenbahnverbindungen schützen mußten. Sie konnten jedoch unserem Ansturm nicht stand halten. Die Armee Mackensen wurde von der Woyrschs unterstützt, die westlich der Weichsel siegreich gegen die Festung Iroangorod (Schulter punkt im Festungsbereich) am 4. August vordrangen. Am 30. Juli besetzten Truppen des Erzherzogs Joseph Ferdinand Lublin, an: 31. Juli durch- schritteu uusere Truppen Cholm. Am 4. August teilte die oberste Heeres leitung mit, daß die Armee des Prinzen Leopold von Bayern die Festung Warschau besetzt habe. Dieser Erfolg rief wiederum in der ganzen Welt Erstaunen hervor. Wenn die Russen behaupten, sie hätten die Festung freiwillig geräumt, so sind sie doch nur unserer Überlegenheit gewichen. Am 4. August waren die äußere und innere Fortslinie durchdrungen. Am 3. August rückten wir in die Stadt ein. Am selben Tage besetzten die Oster- reicher Jwangorod. Nuu folgte die Eroberung der russischen Festungen rasch aufeinander. Am 10. Angust fiel Lomza. Von großer Bedeutung war es, daß der nördliche Schutz der russischen Aufstellung, Kowno (18. Aug.) erobert wurde. Unsere Truppen nahmen am 17. die Südwestfrout, drei Forts, am nächsten Tage erstürmten sie unter Führung des Generals Litz mann die Festung, in der wir zahlreiches Kriegsmaterial und über 400 Ge schütze vorfanden. Zwei Tage später fiel das letzte russische Bollwerk in Polen, die Festung Nowo-Georgiewsk mit einer Siegesbeute von 85000 Gefangenen, 700 Geschützen in unseren Besitz. Somit war ganz Polen unser. General von Beseler, der Eroberer Antwerpens, wurde zum General- gouverneur des im Osten eroberten Gebietes ernannt. Durch den Fall 77 von Nowo-Georgiewsk war das letzte Hindernis beseitigt. Alle Bahnen Flüsse standen uns znm Nachtransport zur Verfügung. Die Russen verließen die Festung Ossoroiece. Eine ganze Armee war für anderweitige Verwendung frei geworden. Am 26. August fiel der Mittelpunkt des 78 Festungsdreiecks Warschau Brest-Litowsk Jwangorod, die Festung Brest- Litowsk, und am 3. September Erodno. Eine gewaltige Beute hatten wir seit Juli zu verzeichnen. Die Zahl der Gefangenen betrug nahezu 5W VW Mann, der eroberten Geschütze 2257 und 992 Maschinengewehre. Der Vorstoß nach Kurlands Hindenburg wollte dem räuberischen Treiben der Russen ein Ende machen. Er folgte ihnen Ende April, indem er ins Kurland einmarschierte. Die Wegeverhältnisse waren sehr schwierig. Die Flußübergäuge waren zum größten Teil zerstört. Die Marschleistungen unserer tapferen Feldgrauen aber waren großartig. Am 27. April hielten sie ihren Einzug in Kurland. Im Laufe der nächsten Tage fochten sie einige kleinere Kämpfe aus. Am 30. April rückte der rechte Flügel nach Szawle (Schauleu) vor und zerstörte die Eisenbahnen südwestlich und nordwestlich dieser Stadt. Dann zog die Kavallerie nach einein kleinen Gefecht in der Richtung Mitau. Die Infanterie zweigte nach der Dubissa-Linie ab. Ein Teil unserer Truppen stand am 3. Mai vor Mitau. Neue russische Streit kräfte rückten heran und geboten unserer Offensive Einhalt an der Dubissa. Die Kavallerie griff immer weiter vor. Der Feind flüchtete nach Mitau in völliger Auflösung. Umfangreiche Eisenbahnsprengungen wurden vor genommen. Unsere Hauptkolonnen gingen in Eilmärschen auf die obere Dubissa zu. Eine Nebenkolonne zog langsam von Memel her nordwärts und griff den Kriegshafen Liban von der Landseite an. Die Marine hatte bereits am 27. April ihr Feuer auf ihu gerichtet. Sie zerstörte die Strand batterien, der Feind selbst sprengte die Ostforts. Am 8. Mai zogen wir in Libau ein, machten 15W Gefangene und erbeuteten 12 Geschütze, eine Anzahl Maschinengewehre, große Kriegsvorräte an Getreide, Leder, Zinn und Munition. Schanz- und Werkzeuge waren für eine ganze Armee vor handen. Feindliche Truppen gingen von Mitau nach Schauleu vor, wo sich vom 10.-^14. Mai kleinere Gefechte entspannen. Die Streitkräfte, die von Kowno einen Vorstoß wagten, wurden in blutigen Kämpfen abgewiesen. Die Deutscheu ergriffen wieder die Offensive. Verteidigung und Angriffe wechselten ab. Endlich mußte sich der Feind über die Dubissa zurückziehen. Wir schoben unsere Stellungen vor. Mitte Juli besetzten unsere Truppen unter dem General der Infanterie von Below Windau. Westlich von Mitau hielt der Gegner noch eine vorbereitete Stellung. Kämpfe östlich von Kur- schany, westlich und nordöstlich von Szawle, verliefen günstig. Der Feind wich an der Dubissa zurück. Er wurde verfolgt, wir setzten unseren Weg fort nach Riga Dünaburg. Mitte August erschien im Rigaischen Meer busen die deutsche Ostseeflotte. Die Kriegsbeute auf dem Kriegsschauplatze Kurland betrug von Mai bis Juli 77393 Gefangene, einschließlich 121 Offizieren, 45 Geschütze, 92 Maschinengewehre und sonstiges Kriegs gerät. Durch feste Stellungen sicherte Hindenburg den vorläufig erzielten Erfolg. Siehe Karte S 77. 79 V. Hindenburg, der Russenbezwinger. In jedem Schulzimmer, fast in jedem Hause seht ihr heute ein Bild hängen, das uns an den Mann erinnert, den man den Retter des Vater landes nennen könnte. Hindenburg, der deutsche Heerführer, ist der Mann des Volkes geworden. Es liebt und verehrt ihn. Wie mit Flammenzeichen steht sein Name in unseren Herzen eingeschrieben. Er wurde der Held des Tages, als er die Russen zum erstenmal an den masurischen Seen besiegte, er blieb es bis heute. Alle Herzen schlagen ihm entgegen, vom Kinde bis Zum Greise. Voll Vertrauen blickt das Volk zu dem Helden empor, aus ihn setzt es seine Hossnung. Unendlich gros; ist seine Dankbarkeit zu ihm, in dem es mit Recht den Retter und Beschützer des Vaterlandes erblickt. Höret nun noch einiges aus seinem Leben! Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und Hindenburg wurde am 2. Oktober 1847 in Posen geboren. Er entstammt einer alten preußi schen Soldatenfamilie. Seine Eltern pflanzten ihm in der Jugend eine große Vorliebe für den Soldatenstand ein; auch zur Gottesfurcht und Vater landsliebe wurde er erzogen. Er besuchte das Gymnasium in Groß-Glogau, kam zum Kadettenkorps nach Wahlstatt und Berlin. Dort herrschte strenge Zucht, die Hindenburg zu einem tüchtigen Menschen heranbildete. Am 7- April 1866 trat er als Sekondeleutnant in das 3. Earderegiment zu Fuß ein und machte die Feldzüge 1866 und 1870 71 mit. In der Schlacht bei Königgrätz wurde er leicht verwundet. 1870 71 kämpfte er bei Gravelotte, Ct. Privat und Sedan mit, nahm an der Belagerung von Paris und an der Erstürmung von Le Bourget teil und erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse. Er besuchte drei Jahre lang die Kriegsakademie, wurde 1877 zur Dienst leistung beim Großen Eeneralstab kommandiert und ein Jahr später zum Hauptmaun befördert und in den Generalstab der Armee versetzt. So lernte er das Kriegswesen genau kennen. Am liebsten studierte er Kriegs und Manöverpläne und hat Gegenden und Karten für den Kriegsdienst betrachtet. Dadurch hat er seine heutigen Erfolge vorbereitet. Er stieg immer höher und wurde wegen seiner großen Pflichttreue 1903 zum Komman dierenden General des 4. Armeekorps in Magdeburg ernannt. Im März 1911 trat er in den Ruhestand. Zu Beginn des Krieges folgte er dem Rufe des Kaisers und übernahm als Generaloberst die Führung der Ostarmee, mit der er manch schwere Aufgaben lösen dabei herrliche Erfolge er zielen sollte und konnte. 80 Das Kaiserreich Österreich-Ungarn. 676 Taus, nahezu 52 Mill. Einw., 76 auf 1 cikm. 5 4 mal so groß wie Deutschland, ^ . seiner Einw. Behandlung. I. Das Land. L. Die ungarische Reichshälfte. 1. Lage, Küste, Klima. 1. Das Königreich Ungarn. 2. Aufbau des Bodens. 2. Das Königreich Kroatien- 3. Die Bevölkerung. Slawonien. Die österreichische Reichshälfte. II. Das Volt. 1. Die österreichischen Alpenländer. 1. Geschichte Österreich-Ungarns. 2. Die österreichischen Sudetenländer. 2. Volkstum. 3. Die österreichischen Karpathen- 3. Ackerbau und Viehzucht, länder. 4. Bergbau und Industrie. 4. Die österreichischen Karstländer 5. Handel und Verkehr. (nebst Bosnien und Herzegowina). 6. Verfassung und Wehrkraft. III. Osterreich, unser treuer Bundes- IV. Die Kämpfe in Serbien, genösse. V. Die Kämpfe in Galizien, Karpathenschlacht. I. Das Land. 1. Lage, Küste, Klima. (Lage und Küste.) Österreich-Ungarn liegt als Binnenstaat zwischen den übrigen europäischen Staaten eingeschoben. Es bildet ein wichtiges Durch gangsland für den Verkehr Europas mit Asien und hat als solches schon oft eine bedeutende Rolle gespielt, zumal es in früheren Jahren asiatische Ein flüsse abwehrte. Im Frieden vermittelt es den Handel zwischen Morgen- und Abendland, da an seiner Südgrenze bedeutende Handelsstraßen zu sammenlaufen und die Donau aufwärts durch Deutschland weiterführen. Der Hauptverkehr wickelt sich auf dem Seewege ab, der auf beiden Seiten Italiens hinaufführt. Osterreich ist erst durch die Eisenbahnlinien als Durch- gangsland für Handel und Verkehr bedeutend geworden, weil eine der Hauptlinien, die Orient-Erpreßlinie, durch das Land führt. Im Laufe der Jahre wird wohl auch die Linie Wien-Saloniki immer mehr an Bedeu tung gewinnen. Österreich-Ungarn versorgt uns als seinen nördlichen Nachbarn mit seinen Rohprodukten; an die südlichen Staaten gibt es die Jndustrieerzeugnisse ab. Seine Hauptaufgabe besteht darin, westeuropäische Kultur in den Balkanstaaten zu verbreiten. Gib Österreichs Grenzen an! Österreich-Ungarn hat unter den europäischen Großmächten die kürzeste Meeresküste. Es steht durch die Halbinsel Jstrien und Dalmatien nur mit dem Adriatischen Meere in Verbindung. Die Mündung des größten Stromes liegt ebenfalls in fremdem Lande. Seine Küste ist jedoch hasenreich. Durch die Vereinigung mit Bosnien und der Herzegowina gestalten sich die Ver hältnisse für die übrige Küstenstrecke ebenfalls günstiger. 81 (Klima.) Österreich-Ungarn hat ein ausgeprägtes Binnenlandklima. In der ungarischen Tiefebene sind die Unterschiede zwischen Sommer- und Winterwärme bedeutend. Infolgedessen und durch seine regenlose Zeit im Sommer erinnert es an das Steppenklima Südruhlands. Die Nieder schlagsmenge nimmt von Westen nach Osten ab. Regenreich ist die Adria- tische Küste. Ungarn leidet sehr unter der Sommerdürre, so daß dieses Gebiet fast nur ausgedehntes Steppenland ist. An der Adriatischen Küste wütet die Bora. In bezng auf den Pflanzenwuchs kann man wie in Frank reich eine dreifache Zone unterscheiden. Bis zur Drau reicht die Südfrucht linie mit Getreide, Wein, Maulbeerbäumen, Kastanien, Feigen, Orangen, Neis, Ölbaum und Palinen. Die zweite reicht bis an die Tatra liefert Getreide, Mais und Wein. In der nördlichen Zone fehlen Wein und Mais, angebaut werden dort in bedeutenden Mengen Hanf Flachs. 2. Der Aufbau des Bodens. Österreich-Ungarn ist geographisch sehr einheitlich. Es wird von einein scharf begrenzten Tieflandsbecken (Ungarn), einer diesem angegliederten hügeligen Mulde den Randgebirgen beider angefüllt. Es ist über wiegend Bergland, Flachland ist nur ^ g des Bodens. 3. Die Bevölkerung. In bezug auf die Abstammung der Bevölkerung dereu Sprache und Sitten kann man von einer großen Mannigfaltigkeit sprechen. Auf dem Boden des Donaustaates wohnt ein wahres Völkergemisch: Deutsche, Slaven, Ma gyaren, Romanen, Rumänen, Italiener und Zigeuner strömen von allen Seiten in das Innere des Landes. Die Deutscheu, die sich hauptsächlich in den Alpenländern, in den Randgebirgen Böhmens in Siebenbürgen ansiedelten, haben die Kultur des Landes gegründet entwickelt. Ihre Gegner sind heute die Tschechen Magyaren, in denen ein empfindliches Nationalbewußtsein erwacht ist. Die Deutschen bilden den geschichtlichen Kern des Landes und waren seit jeher die Vermittler der westeuropäischen Kultur. Die deutsche Heeressprache überwiegt im Lande. .4. Die österreichische Reichshiilfte. Losgelöst von, Deutschen Bunde 18 , schuf Osterreich sich durch die feste Angliedernng Ungarns einen neuen starken österreichischen Staat. Um Unruhen zu vermeiden, gab man Ungarn eine der österreichischen gleich berechtigte staatliche Stellung stellte es auf die dualistische Grundlage. Seit 1867 besteht der Donaustaat aus zwei Gebieten, aus Osterreich (alle im Reichsrat vertretenen Königreiche Länder) und deu Ländern der ungarischen Krone (Ungarn, Siebenbürgen, Slawonien, Kroatien . Bosnien und Herzegowina gehören beiden Reichshälften. Die österreichische Reichs hälfte gliedert sich in vier Staatengruppeu: in die Alpenländer (Erzherzogin , Österreich), in die Sudetenländer (Böhmen, Mähren, Schlesien), in die Kar pathenländer (Ealizien und die Bukowina), in die Karstländer (Küstenland mit Jstrien und Dalmatien). Wir betrachten nun die Einzellandschaften. Beyerle. Geschichte des Weltkrieges. 6 82 1. Die österreichischen Alpenländer. Sie unifassen den größten Teil der Ostalpen. Als besondere Teile inerten wir uns folgendes. Die Ostalpen gliedern sich in die nördlichen Kalkalpen, den Jnnengürtel und die südlichen Kaltalpen. Die nördlichen Kalkalpen werden gebildet von den vom Inn umflossenen Nordtiroler Alpen, den Salzburger Alpen bis zur Salzach und den österreichischen Alpen, die bei Wien enden. Die Nordtiroler Alpen fallen nach der süddeutschen Hochebene und dem fruchtbaren Jnntal steil ab. Zwischen Inn und Salzach liegen die Salzburger Alpen mit den zu Bayern gehörenden Berchtes gadener Alpen. Zu ihnen gehören der Königssee (Watzmann 2714 in) und der Zeller See mit Zell. Die österreichischen Alpen reichen von Salzach bis Enns (Wien). Der westliche Teil heißt wegen seines Reichtums an Stein salz das Salzkammergut. Die höchsten Gebirgskämme sind das Tannen gebirge, der Dachstein und das Tote Gebirae. Im Jnnengürtel breiten sich die glet cherreichen Otztaler Alpen aus, die bis zum Brennerpasse (1350 m) reichen. Die Brennerstraße von Inns bruck bis Verona ist stets die bequemste und darum von jeher am meisten belebte und eine der anziehendsten von allen gewesen. Wer sie vollzogen sich die meisten Romfahrten der alten Deutschen Kaiser. Ostlich vom Brenner paß liegen die Tauern-Kette und die steirischen Alpen bis an den Semmering- Paß, über den eine Eisenbahn von Wien über die Hauptstädte Graz und Laibach nach dem bedeutendsten Handelshafen Trieft führt. Die Hohen Tauern ( Tore, Gebirgspässe) haben ihren höchsten Gipfel in dem mäch tigen, von Gletschern umrahmten Großglockner (38W in). Südlich von Nieder-Tauern verlaufen die Steirischen Alpen mit einem Ausläufer, dem Leitha-Gebirge, das bis zur Donau bei Preßburg reicht. Der andere, der Bakony-Wald, erstreckt sich bis an das Donauknie bei Waitzen. In den südlichen Kalkalpen dehnen sich westlich der Etsch die Ortler Alpen mit dem Ortler, dem höchsten Gipfel der Ostalpen und des Staates, aus. Ostlich der Etsch, die dem Adriatischen Meere zufließt, erheben sich die wunderbar gestalteten, rötlichen Dolomit-Alpen. Sie sind zum größten Teile Korallenriffe und übertreffen durch ihre Farbenwirkung und ihre gigantischen Formen alle übrigen Alpen. Im Südosten berühren die Ju- lischen Alpen, im Triglav, d. i. Dreispitz, 2W0m hoch, den öden und zer klüfteten Karst. Die Karstländer breiten sich zwischen den Golfen von Trieft und Fiume aus und erfüllen die Halbinsel Jstrien. Die Alpenländer sind im Innern ineist mit Wald bedeckt. Die Bewohner leben von Forstwirtschaft und Viehzucht. Der Viehhüter oder Sennbub lebt fast den ganzen Sommer auf den grünen Matten. Die Erzeugnisse der Alpenviehzucht bestehen hauptsächlich in Butter und Käse. Neben der Waldwirtschaft wird auch Jagd betrieben. Sie liefert Gemsen, Steinböcke. In den wärmeren Tälern Südtirols werden Mais und Obst angebaut. Auf den Maulbeerbäumen züchtet man die Seidenraupe (Seidenindustrie). Die Ostalpen sind reich an Erzlagern, die für Osterreich von großer Be deutung sind. Eisenerz findet sich in Niederösterreich, Nord-Steiermark, Salzburg und Tirol. Kärnten liefert Blei, Kram Quecksilber. Infolgedessen 83 blüht hier die Eisen- und Metallwarenindustrie. Stein- und Braunkohleu- lager finden sich in Steiermark, Kärnten, Krain und Ober-Osterreich. Das Salzkammergut. Tirol und Salzburg sind reich an Salz. In dein nördlichen Borlande der Alpen, zu beideu Seiten der Donau, werden Getreide, Wem und Obst angebaut. . ... Die gefürstete Grasschaft Tirol und Vorarlberg wird von drei wich tigen Gebirgspässen durchschnitten dadurch zu einein Hauptdurchgangs- land der Alpen. Diese drei Straßen sind der Reschen-Scheidepah an der Westgrenze, der Brennerp asz, der bekannteste aller Alpenübergänge, und der Arlbergpah mit dem für den westöstlichen Verkehr wichtigen Arlberg- tunnel. Ins Addatal führt die Stilfser Jochstrahe. Die Städte verdanken ihr Aufblühen wohl ihrer ^age an einer Ver-, kehrsstrasze An der Kreuzung der Brenner und Arlbergstrasze liegt die Haupt- und Universitätsstadt Tirols, Innsbruck, mit dem Grabe Andreas Hofers und anderen Denkmälern der Tiroler Treue. Im Eisacktale, einem frucht baren Talkessel, liegt der Kurort Bozen, im Mittelalter der Hauptstapel- Platz für den Handel Venedigs mit dem Norden. Der Winteraufenthalt für Brustkranke ist das schöne Meran, an der oberen Etsch. Der Haupt- ort Welfch-Tirols ist Trient (Konzil 154S). ^ ^ . Das Herzogtum Salzburg wird von der zum ^nn fließenden Salzach durchströmt Eine wunderschöne Lage am Fuße der Alpen hat die Haupt stadt Salzburg. Durch ihren Reichtum an Kirchen anderen Bauten im italienischen Stil wird sie das deutsche Rom" genannt. Im Hoch gebirge wird das Wildbad Eastein wegen seiner heilkräftigen heißen Quellen viel aufgesucht. ^ ^ Das Herzogtum Kärnten bildet em Viereck zu beiden selten der Drau Der Osten ist sehr fruchtbar und von vielen Seen durchzogen. Es besitzt Eisen und das beste Blei Europas. Die reichste Bleifnndstätte ist bei Bleiberg. Die Hauptstadt Klagenfurt liegt in schöner Umgebung an der Kreuzuug der Semmeringlinie Wien-Briest. Das Herzogtum Steiermark zieht sich in einem Bogen von der Enns bis zur Save Die Ebene ist sehr fruchtbar und zeigt auf weiten Strecken Acker- Wein- und Obstbau. Wegen seiner schönen frischen Wiesen wird es der Smaragd im Länderschatz der österreichischen Krone"^genannt. An der Linie Graz-Linz der bekannte Erzberg mit bedeutenden Spateisen- steinlaaern Kohlenlager. Weinbau ist hauptsächlich im Süden. Graz ist die Haupt- Universitätsstadt und liegt an der Wien-Triester Bahn. Das Herzogtum Krain liegt zu beiden Seiten der Save. Die Nordost hälfte ist Alpenland, das übrige gehört zum Karstgebirge. Hauptstadt und Bahnknotenpunkt Laibach, in einer weiten zum Teil moorigen Ebene. In der Karstmulde liegt Adelsberg mit seiner weltberühmten Tropfstein grotte Der Zirknitzer See, der 1890 ganz ausgetrocknet war, hängt hin sichtlich seines Wasserstandes von seinen unterirdischen Ab- und Zuflüssen ab. Westlich von Laibach liegt das reiche Quecksilberbergwerk Jdria. Das Erzherzogtum Ober-Osterreich wird von der Donau durch flössen reicht von der Inn- bis zur Euusmündung. Es ist das Gebiet des Salzkammergutes. An der Enns liegt die Fabrikstadt Steyr, die das v* 84 steiermärkische Eisen in bedeutendein Umfange verarbeitet. An der Donau liegt die Hauptstadt, das fabrik- und handelstätige Linz. Hier schneidet sich die nord-südliche Verkehrslinie mit der Donaulinie. Das Erzherzogtum Niederösterreich umsaht das Donautal von der Ennsmündung bis zur Leitha und March. Wien ist die glänzende Haupt stadt des ganzen Landes, an der Vereinigung der Donau- und Marchstraßen und der Abergänge über die Ostalpen. Es ist die erste Industrie-, Handels und Verkehrsstadt an dieser Straße, zugleich der Mittelpunkt des deutschen Kulturlebens. Der Hauptsitz der Industrie (Eisen- und Vaumwollindnstrie) ist die Wiener Neustadt. Wieu hat eine landschaftlich sehr schöne Lage. Im Osten wird es von der blauen Donau begreuzt, im Westen von deu Buchenhainen des Wiener Waldes. Von dessen Spitze aus gewinnt man einen herrlichen Ausblick über die ganze Stadt, in der der Stephansdom alle Häuser überragt. Um die Stadt läuft der Prater, der größte Lust garten der Welt. Er besteht aus schönen Anlagen, Alleen, Wald und Wiesen. Das Hauptvolksleben wickelt sich Sonntags im Wurstelprater ab. Auch baulich ist Wien eine schöne Stadt, die Bauten sind geschmackvoll ausgeführt. Wien ist die Stadt des Kunstsinnes, besonderes Interesse zeigt man für Musik. Die Wissenschaften werden neben den Künsten nicht vernachlässigt. Wien ist die besuchteste Universität Europas. 2. Die österreichischen Sudetenländer nehmen den Raum ein zwischen dem Böhmer Wald, Erzgebirge, Sudeten und den Westlichen Alpen. Durch eine Bodenfchwelle wird das Gebiet in das von der Elbe und Moldau bewässerte Stufenland Böhmen und das durch die March nach Süden entwässerte Mähren gegliedert. Das kleine Schlesien gehört mit seinem westlichen Teile den Sudeten und mit dem östlichen den Karpathen an. Böhmen wird rings von Randgebirgen eingeschlossen. Nenne sie und zeige sie auf der Karte! Der Hauptflusz ist die Elbe, der die beideu linken Nebenflüsse Eger Moldau eine bedeutende Wassernlenge zu führen. Wo entspringt die Elbe? Bestimme ihren Lauf und ihre Mündung! An den Spalten des Nordrandes entstanden Vulkane und warme Quellen. Böhmen ist durch die hohe Sommerwärme ein fruchtbares Gebiet. An gebaut werden Getreide, Zuckerrüben, Flachs und Hopfen. Nordböhmen ist das Land der Warmquellen (Teplitz, Karlsbad) und der Sauerbrunnen (Marienbad und Franzensbad). Am Südfuße des Erzgebirges lagern Erze vornehmlich Eisenerze und Braunkohlen. Mittelböhmen birgt zwischen Prag und Pilsen Steinkohlen und Eisenerze. Südböhmen gehört dem Eranitgebirge an, das im Südwesten allmählich zu dem flachen Böhmisch- Mährischen Hügelland ansteigt. In dem fruchtbaren Talkessel der Moldau im Mittelpunkt des Landes liegt die Hauptstadt, die Stadt der Kirchen und Paläste, Prag. Sie ist reich an geschichtlichen Erinnerungen. Zur Zeit Karls IV. war sie die erste Stadt Deutschlands, die durch ihre von Karl gegründete Universität einen großen Einfluß ausübte. Eine wichtige Industriestadt ist Pilsen mit seinen 85 berühmten Großbierbrauereieu. Auch treibt es Kohlen- und Eisenindustrie. Am wenig fruchtbaren Rande der Sudeteu liegt an der Lausitzer Neiße die Industriestadt Reichenberg (Wollwebereien). Im Osten: Königgrätz (Schlacht 18t 6) an der Elbe. Der größte Teil der dichtwohnenden Bevölkerung siud Tschechen, die übrigen Deutsche. Zwischen Böhmen und den Karpathen liegt die nach Süden offene Marchmulde. Die nördliche Hälfte bildet die Markgrafschaft Mähren Marchland , in Gestalt eines Vierecks. Das fruchtbare mährische Stufen land senkt sich allmählich nach S. zur Donau. Der Hanptflusz, die March, entspringt auf dem Glatzer Gebirge und bildet mehrere fruchtbare Becken. An der Hauptabdachung des Stufenlandes liegt Olmütz, das früher zum Schutze der mährischen Pforte stark befestigt war. Die Landeshauptstadt ist Brünn, bedeutend durch Tuchindustrie. Austerlitz (Dreikaiserschlacht l80F). Das Herzogtum Schlesien besteht aus zwei Teilen; der westliche wird von den Sudeten erfüllt, der östliche liegt an: Nordabhange der Kar pathen. Das Karpathenland wird von der Weichsel bewässert. Durch den großen Wasserreichtum hat sich hier die Industrie schnell entwickelt. Man nutzt die große Wasserkraft zu bedeutender Gewerbetätigkeit, vornehmlich Leinen- und Tuchfabrikation, aus. Troppau, Hauptstadt, ist Mittelpunkt der Tuchfabrikation. 3. Die österreichischen Karpathenländer. Die Karpathen sind länger als die Alpen und erstrecken sich in einein großen Bogen von Preßburg an der Donau bis zum Eisernen Tor bei Orsowa an der rumänischen Grenze. Sie bestehen aus zwei Bergläudern, die durch ein schmales Mittelglied miteinander verbunden sind. Die Teile sind: Das siebenbürgische Hochland. Es wird von einem Kranze hoher Gebirge eingeschlossen. Es ist sehr reich an Gold und Silber. Die Hauptflüsse sind Maros und Aluta, die durch deu Roten Turm-Pasz der Donau zufließt. Das niedrigere, aber steile, mit wundervollen Buchenwäldern ge schmückte karpathische Waldgebirge. Es reicht bis zu den Theiß- Pruthquellen. Die Waldkarpathen sind durch ihre Faltuugeu sehr hemmend für den Verkehr. Zwei Eisenbahnen führen über das Gebirge, die Przemysl- Tokay- und Lemberg -Munkacz-Debrecin-Bahn. Am Jnnenrand finden sich Edelmetalle, hauptsächlich Silbererze. e) Das nördliche ungarische Hochland. Es besteht aus zahlreichen Gebirgsgruppeu Ketten. Die höchste Erhebung ist die in der Mitte gelegeneHoheTatra; uuter ihren zahlreichen turmförmigeu Gipfeln steigt die Gerlsdorfer Spitze (2700 m) am höchsten empor. Dieses Gebirge ist wild und oft düster. Hier Hausen Gemsen, Murmeltiere und zuweilen auch Bären. Das Tal der Waag scheidet die Tara von dem südlich gelegenen ungarischen Erzgebirge, auf dessen Gold- und Silberlagern die Bergwerks städte Kremnitz und Schemnitz erblühten. Ein südlicher Ausläufer des 86 nördlichen ungarischen Berglandes ist die Hegyalja (hedjalja), eine Hügel kette, auf deren verwitterndem vulkanischen Boden der Tokayer reift." Am Nordrande der Karpathen entspringt die Weichsel. Sie bildet eine Zeit lang die Grenze zwischen Galizien und Schlesien und verläßt unterhalb der westgalizischen Stadt Krakau den österreichischen Boden. Der Haupt- flusz Ostgaliziens ist der Dnjestr, der in das Schwarze Meer mündet. Die Karpathenländer füllen hauptsächlich das Königreich Ungarn aus. Zu den österreichischen Karpathenländern gehören Galizien und Bukowina. Ost-Galizien fiel 1772 durch die erste, Westgalizien 1795 durch die dritte Teilung Polens an die österreichisch-ungarische Monarchie. Im Jahre 1775 traten die Türken an den Donaustaat auch Bukowina ab. Das Königreich Galizien. West-Galizien gehört zum größten Teil den Waldkarpathen an, zum Teil ist es, besonders im Westen, Tiefland. Ost-Galizien, das Flußgebiet des Dnjestr, gehört zur Podolischeu Platte, einer schiefen Ebene, die sich an die Karpathen anreiht. Sie ist ein waldarmes, steppenartiges Gebiet, aber mit fruchtbarer Lößbedeckung. Galizien hat das kälteste Klima der ganzen Donaumonarchie. Es ist gekennzeichnet durch eisig kalte Winter und sehr heiße Sommer mit geringen Niederschlägen. Der Getreidebau bringt reiche Ernten. Die bedeutendste Stadt in Westgalizien ist Krakau, an der Weichsel, eine starke Festung. Südöstlich davon liegt Wieliczka (wjelitschka), ein be rühmtes, weite Hallen und Säle umfassendes Salzbergwerk. In Ostgalizien Leinberg, die in dem Weltkriege so heiß umstrittene Festung. Krakau und Lemberg liegen an einer wichtigen Bahnlinie, die parallel zu den Karpathen aus Schlesien nach Südrußland führt. Beide sind polnische Universitätsstädte. An der Eisenbahnlinie liegt auch die Festung Przemysl, die euch ebenfalls sehr bekannt ist. Das Herzogtum Bukowina. Zwischen Galizien der Moldau liegt im Osten der Karpathen die Bukowina, d. h. Buchenwald, weil die Ebene mit solchen Wäldern be standen ist. Die Tannenwälder nehmen einen größeren Raum ein und bilden teilweise wirkliche Urwälder. Fast die Hälfte des Landes ist mit Wald bedeckt. Die Haupt- und deutsche Universitätsstadt ist Czernowitz, an der Bahnlinie, die von Lemberg durch die Moldau nach den Donauhäfen führt. Es treibt dort lebhaften Handel. 4. Die österreichischen Karstländer bilden die Fortsetzung der südlichen Kalkalpen. Die südlichen Bergketten fallen steil zum Meere ab und lösen sich teilweise als Halbinseln und Inseln auf. Der Karst ist eine dürre, waldlose Kalksteinhochfläche. Da der Küsten streifen Mittelmeerklima hat, gedeihen hier Wein, Südfrüchte, Mais und Weizen. Zu den Karstländern gehören das schon genannte Kronland Krain, das Küstenland, Dalmatien, Bosnien und die Herzegowina. 87 ki) Das Küstenland. Zu demselben gehören drei Kronländer mit eigenem Landtage unter einem geineinsamen Statthalter. Es sind das Jsonzogebiet (Fürstentum Eörz und Eradisk), die reichsunmittelbare Stadt Triest und die Mark grafschaft (Halbinsel) Jstrien. f... ^ s Der nördliche Teil des Jsonzogelnetes geHort zu deu Kaltalpen. Benn Eintritt des wilden Jsonzo in die Ebene liegt in einem nach Süden offenen Talkessel die Hauptstadt (Sörz (fast ganz in Trümmer geschossen). Durch das italienische Klima ist der Pflanzenwnchs bedeutend. Die Halbinsel Jstrien gehört ganz zur Karstlandschaft und besteht aus drei Stufen, aus dein wüsten Karstgebirge, das steil abfällt, aus einer Kalk- und Sandsteinhochebene und einem sonnigen Küstengürtel. Am wert vollsten ist die Westküste. An ihrer Südspitze liegt die herrliche Hafenbucht Pola der erste Kriegshafen des Donaustaates. Die Ostküste fällt schroff ins Meer ab und ist durch die Bora gefährdet. Der bedeutendste Handels hafen am Adriatischen Meere ist Triest, zugleich die erste Seehandelsstadt der Monarchie. Es treibt rege Dampfschiffahrt nach dem Ionischen und Agäischen Meere durch den Suezkanal nach Indien. b) Das Königreich Dalmatien ist ein unfruchtbarer, aber von einem seetüchtigen Volke bewohnter Küsten streifen am Adriatischen Meere. Wichtig war dieser Streifen für die An- gliederung von Bosnien und Herzegowina. Die Landeshauptstadt istZara mit geräumigem Hasen. Eine selbständige Handelsrepublik ist Ragusa. Eattaro, an der gleichnamigen Bucht, ist Kriegshafen und Handelshafen für Montenegro. Diese drei Städte sind befestigt. ^ . v) Bosnien und Herzegowina bilden das Hinterland Dalmatiens. Sie fielen durch deu Wiener Kongresz 1878 an Österreich-Ungarn als Schutzgebiet, 1908 wurden sie der Monarchie einverleibt Die Regierung hat für die Hebung dieser Länder viel getan, nämlich für Eisenbahn- und Wegebau, Schulbildung. Sicherheit usw. ^ie Herzegowina ist ein armes ödes Karstland, ohne Wald, ohne Boden- schäklund mit Ackerbau nur in Poljen (trogförmige Täler mit angeschwemm tem und angewehtem Ackerboden). Sie bilden gleichsam die tiefergelegeneu ^asen (^ fruchtbare Landstriche in der Wüste). Die Hauptstadt ist Mostar. Während der Westen Bosniens verkarstet ist, ist das östliche Bosnien ein fruchtbares Land mit waldgeschmückten Bergen (Eichenwälder Schweinemast) und wiesenreichen, wohlangebauten Tälern (Mais. Pflaumen, ^abak, Bosnien ist reich an Eisen-, Blei- Silberbergwerken. Das Gebirge wird im Norden Hügelland und endet in der Sau-Ebene. Die Drina bildet die Ostgrenze, die Bosna läuft ziemlich durch die Mitte. Un weit ihres Oberlaufes liegt in einem Talkessel die Hauptstadt Seräjewo (Thronfolgermord 28. Juni 1914, der änszere Anlas; zum Kriege). 88 L. Die ungarische Reichshälfte. 1. Das Königreich Ungarn. Die ungarische Reichshälfte bildet ein abgerundetes geographisch ein heitliches Gebiet, nämlich ein Tieflandsbecken, das von den Alpen, den Karpathen und dem Bosnisch-Serbischen Gebirge umrahmt wird. Sie zerfällt politisch in das Königreich Ungarn mit dem Großfürstentum Sieben bürgen und das Königreich Kroatien-Slawonien. Den Rahmen, nämlich die Karpathen mit dem Siebenbürgischen Hoch land, haben wir bereits bei den österreichischen Karpathenländern mit behandelt. Wir betrachten nun noch die ungarische Tiefebene. Sie dehnt sich innerhalb des Karpathenbogens im Westen bis zu den Alpen aus. Ein niedriger Höhenrücken teilt das Tiefland in die kleinere, hügelige, äußerst fruchtbare Ober- und in die größere, fast vollständig flache niederungarische Tiefebene. Sämtliche Gewässer fließen der Donau zu. Sie ist der Hauptstrom Österreich-Ungarns. Bei Passau tritt sie die österreichische Monarchie ein. Zu beiden Seiten liegen waldbedeckte Höhen, die den Fluß einengen, links sind es die Bergländer von Böhmen und Mähren, rechts die Alpen. Bei Linz erweitert sich das Donautal zu einer breiteren Ebene. Unterhalb Wien empfängt die Donau reiche Wasser schätze durch die von Mähren kommende March. Ostlich von diesem Neben flusse erheben sich die Karpathen, sie umspannen das ungarische Tiefland in einem großen Bogen und treten dreimal an den Strom heran: bei Preß burg, wo er in die oberungarische Tiefebene eintritt, bei Waitzen, wo die Karpathen die Donau nach S. drängen, und bei Orsova (orschowa), wo sie am Eisernen Tore Ungarn verläßt." In der oberungarischen Tiefebene gliedert sich die Donau in drei Arme. Zwischen ihnen liegen die beiden Schütt-Jnseln, die durch Ablagerungen gebildet sind. Der Boden ist sehr fruchtbar, und deshalb heißt das Gebiet die Goldenen Gärten Ungarns". Der südliche Teilungsarm des Stromes vereinigt sich mit der Leitha, mit dem nördlichen verbindet sich die wasserreiche Waag, die gleich der Gran vom nordungarischen Berglande kommt. Bei ihrem Laufe durch die nieder ungarische Tiefebene empfängt die Donau rechts die schiffbare Drau und die auf der Grenze der Balkan-Halbinsel hinfließende Save. Links fließt ihr die fischreiche Theiß mit der Maros (märosch) zu. Für das Klima sind geringe Niederschläge, heiße Sommer und kalte Winter charakteristisch. Die niederungarische Tiefebene ist durch die frucht bare schwarze Erde mit Weizen- und Maisfeldern bestanden, die sich oft weit ausdehnen. Hier sieht man große Büffelherden. Die fruchtbare Land schaft wechselt ab mit unergiebigen Flugsandstrecken. Die wasserarme, baumlose Steppenebene, die Pußta, ist mit magerem Rasen und brauner Heide bestanden. Sie ernährt mit ihren Gräsern große Herden halbwilder Schweine, Schafe, Pferde und langgehörnter Rinder. Uber sie jagt schnell wie ein Pfeil der berittene Hirt und wandert der geigenspieleude Zigeuner. Die Hauptstadt des Laudes ist Budapest (eigentlich Ofen-Pest). Sie ist eine Doppelstadt ud liegt zu beiden Seiten der Donau. Sie ist der Mittelpunkt des gesamten ungarischen Handels, vornehmlich in Getreide. LU Sie hat sich besonders in den letzten Jahren sehr entwickelt. An der Pforte, die aus Osterreich nach Ungarn führt, liegt die Universitätsstadt Pres^burg. früher wurden hier die ungarischen Könige gekrönt. ^.-rsova, an der ^elsen- spalte des Eisernen Tores. An der Theisz liegt der berühmte Weinort Tokay. Die zweite Stadt Ungarns ist Sz(k)6gedin, die unter dem Ubertreten der wilden Theiß viel zu leiden hat. Mitten auf der Pußta liegt die dorf ähnliche ..Magyarenstadt" Debreczin (dobrezin). Siebenbürgen wird von hohen Gebirgen eingeschlossen, ^em Reich tum an Metallen, Salz und Heilquellen ist bedeutend. Siehe das sieben- bürgische Hochland! Die Bewohner sind zum größten Teil Rumänen. Die Magyaren sind teils adelige Gutsbesitzer, teils Kleinbauern. Die größte ihrer Siedelungen ist Klausenburg, im Mittelalter noch überwiegend deutsch Die größte deutsche Stadt ist das herrlich gelegene Kronstadt mit Bahnverbindung nach Rumänien. Der geistige Mittelpuntt des Deutsch tums und hauptsitz der deutschen Lehranstalten ist Hermannstadt. Seit l8l;7 haben sämtliche deutsche Ortschaften ungarische Namen erhalten. 2. Das Königreich Kroatien-Slawonien liegt im Gebiete der Drau und Save. Im südlichen Teile ist Kroatien Karstqebiet mit einer buchten-, Hafen- und flußlosen Steilküste: der nörd liche ^eil bildet zusammen mit Slawonien das ..ungarische Mesopotamien". Es besitzt wie Ungarn ein fruchtbares Ackerland. Das kroatisch-slawonische Bergland ist mit herrlichen Eichen- Buchenwäldern bestanden. Die Hauptstadt Slawoniens ist die Festung Esseg, Kroatiens: Aar am mit slawischer Universität. Sie ist der Sitz der Regierung und des Landtages, an der Bahn Pest-Fiume. Zn Ungarn gehört die Frei- Hafenstadt^ ist das Land sehr fruchtbar. An Flüssen finden sich jedoch vielfach Sümpfe Moore. Nahezu^ ist mit Wald bestanden. Angebaut wird vornehmlich Mais. Der vortreffliche Wein ist ein Hai.pt- ansfuhrgegenstand. die Eicheuwälder begünstigen die Schweinemast. U. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete. 1. Geschichte. Da die Geschichte Österreich -Ungarns infolge ihres Zusammenhanges mit der deutschen als bekannt vorausgesetzt werde,, darf, soll hier nur noch das allmähliche Anwachsen der Monarchie betrachtet werden. Nach dein Tode ihres einzigen nohnes vermachte die Gräfin Marga rete Mauttasch ihr Land den Herzögen von Osterreich. Kaiser Karl IV. bestätige das Abkommen, die bayrischen Herzöge, die eigentlichen Erben Tirols erkannten es an. In der napoleonischen Zeit gehörte das Land vorübergehend zu Bayern, doch die Tiroler entschieden sich in ihrer glor reichen Erhebung für Osterreich: durch den Wiener Kongreß wurde Tirol mit Osterreich vereinigt. Böhmen war früher von den keltischen Bojern bewohnt. Später drangen die Markomannen ein und dann die Tschechen 90 durch die Mährische Pforte. Sie wurden deu deutschen Königen lehns- pflichtig. Der deutsche Einfluß war für die Tschechen bedeutungsvoll. Sie sind heute die geistig und wirtschaftlich am höchsten stehenden Slaven der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Hauptader des beginnenden und fortschreitenden österreichischen Staates und Lebens ist die Donau. Österreichs ganze geschichtliche Entwicklung ist ein Hinauf- und Hinab wachsen längs des Stromes fast von einem Nebenflusse zum andern. Stammland ist die von Karl dem Großen gestiftete aoarische Mark, die im 10. Jahrhundert gegen die Magyaren neu gegründete Ostmark, das heutige Kronland Niederösterreich. An dieses Kernland, dessen Mari grafen allmählich selbständige Herzöge wurden, schlössen sich die Alpen länder Steiermark und Krain. 1278 kam der Grenzstaat an das Haus Habs burg." Unter diesem fielen Kärnten und Tirol an Osterreich, und das Land erhielt den Titel eines Erzherzogtums. 1Z26 erwarb es die Königreiche Böhmen (mit Mähren und Schlesien) und Ungarn. Diese waren bisher selbständige Reiche gewesen. Allmählich stieg die Monarchie als Großmacht empor. Die schwierigste Aufgabe hatte der Staat des Christentums gegen über den Türken zu lösen. Im Dreißigjährigen und Schlesischen Kriege verlor es verschiedene Gebiete. Nach der Teilung Polens erhielt es Gali- zien und von der Türkei die Bukowina. 1859 verlor der Donaustaat die Lombardei, 1866 Venetien. 1878 wurden Bosnien und die Herzegowina unter seine Verwaltung gestellt. 1806 legte Franz II. die deutsche Krone nieder, nachdem er schon 1804 die Würde eines Erbkaisers von Osterreich" angenommen hatte. Seitdem versuchten die Herrscher ihre Staaten zu einem einheitlichen Ganzen zu gestalten. 1867 mußten sie aber Ungarn (welche Staaten gehören dazu?) als selbständigen Staat anerkennen. Darum zerfällt die Monarchie in zwei Teile. Sie stehen unter einem gemeinsamen Herrscher (wie heißt der jetzige?) und haben ferner das Kriegswesen, die auswärtigen Angelegenheiten und das Finanzwesen, soweit es jene beiden Einrichtungen betrifft, gemeinsam. Bosnien mit seinen Nebenländern wird vom Neichsfinanzministerium verwaltet. 2. Das Volkstum. Uber die Völker Österreich-Ungarns wurde bereits Seite 81 (3) das Wichtigste gesagt. Trotz der völkischen Vielgestaltigkeit hat das Land eine gleichmäßige Konfession. Der größte Teil der Bevölkerung ist katholisch. Evangelische zählt der Gesamtstaat nur 30^, Juden machen reichlich 4^^ der Bevölkerung aus; in Galizien bilden sie in einzelnen Städten die Mehr heit. Eine konfessionelle Mischung ist an: stärksten im Südosten. Die Volksbildung ist sehr verschieden. An Analphabeten kommen in der österreichischen Hälfte im Durchschnitt 35^, in Ungarn 47^ und in Kroatien 60 X (jedoch auf Einwohner berechnet, nicht auf Rekruten). Schul zwang besteht vom 6. bis 14. Lebensjahre, in einigen Landesteilen sogar nur vom 7. bis zum 12. Lebensjahre. Aus der Pflege der verschiedensten Sprachen erwächst der Schulbildung ein großes Hindernis. An Universitäten zählt der Staat 11, darunter 5 deutsche: Wien, Innsbruck, Prag, Graz 91 und Ezernowitz, und 3 nichtdeutsche: Prag, Krakau, Leinberg, Budapest, Klausenburg und Agrain. Dazu kommen !) technische Hochschulen. Am dichtesten bevölkert ist das Industriegebiet von Eger bis über Wieliczka hinaus und das Gebiet um Wien, hauptsächlich das industrie reiche Wiener Becken. Schwach bevölkert sind die Alpenländer. Die Zahl der Auswanderer ist viermal so groß wie in Deutschland. 3. Ackerbau und Viehzucht. Österreich-Ungarn ist eines der fruchtbarsten Länder Europas. Die Erzeugnisse wären uoch gröszer, doch ist die Bodenbearbeitung vor allem wl Osten rückständig. Das gröszte Ackerland ist Mähren, das Wiesenland Dber-Osterreich, das Weideland Dalmatien und das Waldgebiet Sieben bürgen. Die ertragreichsten Ackerbaugebiete sind Böhmen, Mähren, die Erzherzogtümer und fast ganz Ungarn. Trotz der gröszeren Bodenfruchtbar keit liefert Österreich-Ungarn doch nicht ganz soviel Körnerfrüchte wie Deutschland. Weizen erzeugt Ungarn allein mehr als ganz Deutschland. Angebaut werden Zuckerrüben, Hopfen (Böhmen, Mähren, Ealizien, Steiermark , Tabak (Ungarn), Wein (in beiden Reichshälften, in Ungarn noch mehr als in Osterreich) und Obst. Oliven, Südfrüchte und Kastanien gedeihen in Dalmatien, im Küstenland und Südtirol, Melonen in Ungarn. Der Waldbestand ist bedeutend räumt dem Staate die dritte Stelle als Holzausfuhrland ein. Mit seinem Pferdebestand folgt Österreich-Ungarn hinter Deutsch land. Ungarn hat mehr als Osterreich, seine Pferdezucht ist sehr berühmt. Die Rindviehzucht ist weniger bedeutend. Die Alpen sind durch ihre Tennenwirtschaft bekannt, Galizien und Ungarn liefern viel Mastvieh. Die Schweinezucht ist am bedeutendsten in Ungarn und Slawonien. Hervorragend ist die Geflügelzucht in Böhmen und in Ungarn. Als Ge biete für die Seidenraupenzucht kommen Südtirol und Görz in Betracht. 4. Bergbau und Industrie. Österreich-Ungarn ist sehr reich an Bodenschätzen, doch ist die Aus beute geringer als die der übrigen europäischen Industrieländer. Die Kohlenförderung beträgt noch nicht 1 4 derjenigen Deutschlands. Eisenerze fehlen nur im Küstenland und Dalmatien. Gold findet sich hauptsächlich im ungarischen Erzgebirge, vor allein aber im Sieben bürgischen Erzgebirge. Böhmen ist reich an Zinn, Ungarn an Kupfer, Kärnten an Blei, Krain ist das reichste Quecksilberland Europas. Bedeutend ist die Petrolenmgewinnung in Galizien. Salinensalz liefern die Alpen (Salzkammergnt), Steinsalz die Karpathen in Ealizien. Das Gebiet der Mineralquelle ist Böhmen. Die Industrie blüht vor allein im Westen des Staates. Die Haupt gebiete sind die Erzgebirgs- und Sudetenländer Böhmen, Mähren, Schle sien. Die Hauptindustriezweige sind Baumwoll-, Woll-, Leinen- und Seidenindustrie, ferner die Glas- und Porzellanwarenbereitung und die Bierbereitung.5. Handel und Verkehr. Österreichs Außenhandel ist verhältnismäßig gering. Es steht in Europa erst an siebter Stelle. Die geringe Bedeutung des Handels wird besonders durch die schlechten Vertehrsstraszen verursacht. Einen außerordentlichen Verkehr vermittelt die Elbe. Die Länge der Wasserstraßen beträgt 1200V km- Mit seinem Eisenbahnnetz steht Österreich-Ungarn in Europa an vierter Stelle. Der Seeverkehr ist gering. Die Ein- und Ausfuhr des Landes ist fast gleich. Die Hauptverkehrsländer sind Deutschland, England und Ita lien. Österreich-Ungarn steht auch für unseren Handel an hervorragender Stelle. Wir erhalten von der Donaumonarchie vor allem Vieh, Holz und Eier und bezahlen mit Metallen, Metallvoaren, Wolle und Erzeugnissen aus Wolle. k. Verfassung und Wehrkraft. Osterreich und Ungarn bilden seit 18K7 eine Realunion, denn sie haben nicht nur einen gemeinsamen Herrscher, sondern auch ein gemeinsames Ministerium des Äußern und ein Kriegswesen mit der einheitlich deutschen Heeressprache. Gemeinsam ist auch ein Teil des Finanzwesens und die Verwaltung von Bosnien und Herzegovina. Der oberste Herrscher ist der Kaiser mit dem Titel Kaiserliche Königliche Apostolische Majestät". Die Krone vererbt sich im Geschlecht der Habsburger und zwar auch der weiblichen Linie. Die Volksvertretung für die genieinsamen Angelegenheiten bilden die österreichische und ungarische Delegation. Jede besteht aus Mitgliedern des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses. Sie werden im Jahre zweimal vom Kaiser entweder nach Wien oder Pest einberufen. Die Volks vertretung der österreichischen Staatshälfte heißt Reichsrat und besteht aus Herrenhans und Abgeordnetenhaus. Jedes der 17 Krouläuder hat seiuen eigeneu Landtag. Die Volksvertretung Ungarns ist der ungarische Reichs tag, der aus einem Oberhaus, der Magnatentafel", und einem Unterhaus, der Repräsentantentafel", besteht. Kroatien-Slawonien hat seinen eigenen Landtag. Das Heer steht mit einer Friedensstärke von fast 100000 Mann (halb soviel wie Deutschland) in Europa au vierter, die Kriegsflotte an achter Stelle. Von den modernen Linienschiffen hat es nur 8 (Deutschland 28 ." III. Österreich, unser treuer Bundesgenosse. So stand denn eine Welt von Feinden gegen Deutschland. War es nun ganz auf sich allein angewiesen? Nein, im Osten wartete Osterreich, der treue Bundesfreund. Sie beide gehörten zusammen. Sie hatten mit Italien vor Jahren einen Bund geschlossen und sich gegenseitig versprochen, im Falle eines Krieges einander zu helfeu. Deutschland hat sein Versprechen treu gehalten. Als Osterreich von Serbien mit einem Kriege bedroht wurde und Rußland, als Beschützer Serbieus, dem Donaustaat den Krieg erklärte, da waren die Deutschen sofort bereit, ihren Brüdern zu helfen. Eng land hatte auch bei unserem Bundesgenossen angeklopft und um Hilfe ö3 gebeten. Doch dieser blieb fest, sein geschlossener Bund war und blieb ihm heilig. Deutschland und Osterreich stammverwandt, sind wie ein einzig Vaterland," so singt heute mit Recht die Schuljugend. Die beiden Länder sind verbrüdert, denn früher war ja Deutschland, wie wir schou hörten, Mit Osterreich unter einer Krone vereinigt. Erst als der stolze Korse, der große Franzosenkaiser Napoleon, viele deutsche Fürsten an sich zog und mit ihnen den Rheinbund schloß, legte Franz II. Deutschlands Krone nieder und nannte sich nunmehr Franz 1., Kaiser von Osterreich. 18lZK führten beide Staaten zwar miteinander Krieg, doch wurde Osterreich nicht geschä digt. Das Freundschaftsband wurde nach der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches 1871 wieder zusammengeschmiedet. Seit dieser Zeit haben wir treu zusammengehalten. Wir sind beide auseinander angewiesen. Österreich versorgt uns mit Nahrungsmitteln, au denen es reich ist, und erhält dafür von uns Jndustrieerzeugnisse. Dem Bündnisse der beiden Staaten Ichlos; sich später Italien an, so daß der Dreibund entstand. IV. Die Kämpfe in Serbien. Da die Österreicher zu Beginn des Krieges ihren Hauptangriff gegen die Russeu richten mußten, schickten sie nur schwache Streitkräfte gegeu Serbien, den Urheber des Krieges. Sie beschossen am 5. August die Festuug Belgrad. Dann drangen sie weiter vor, eroberten am 14. Angnst Schabatz und am lii. die befestigten Stellungen bei Loznica und Ljesnica. Am V. September wagten die Serben einen Vorstoß an der (-ave bei Mitro- witza. Sie wurden jedoch zurückgeworfen. Am 2. Dezember besetzten die Österreicher Belgrad, gaben es am 13. wieder auf und räumten Serbien. Die Serben drangen in Bosnien und Herzegowina ei . Erst im Septem ber 1! 15 richteten wir neue Augriffe gegen Serbien. Von diesen Kämpfen wollen wir später mehr hören. Betrachten wir zunächst V. Die Kämpfe in Galizien. Während wir die feindlichen Truppen aus Ostpreußen Polen heraustrieben, hatten die Österreicher in Galizien gegen 1^5 Million Russen zu kämpfen. Galizien war ebenso wie Ostpreußen als Nachbarland sehr gefährdet. Die Nüssen hatten es umschlossen und fielen in das Land ein. Das österreichische Heer war in drei Armeen gegliedert. Die Russen im Ansang abgewiesen. Ihr Vorstoß im Südosten der Bukowina kam zum Stehen. Die Österreicher drangen bis Krasnik vor und schlugen die Russen nach einer dreitägigen Schlacht am 24. August. Diese flüchteten zurück bis Lublin, von den Österreichern andauernd verfolgt. Schwere Kämpfe hatten unsere Verbündeten in Ostgalizien zu bestehen. Die Russen zogen in immer stärkeren Massen über Brody und Tarnopol heran. Sie drangen weiter nach Lemberg, der Hauptstadt Galiziens, vor. Da entschlossen sich die Österreicher, Lemberg zu räumen. Vorher kam es noch zu einem sechs tägigen Kampfe, bei dem die österreichische Hauptarmee unter General Auffenberg einen großen Sieg errang. Sie inachte 50000 Gefangene 94 erbeutete 200 Geschütze. Der rechte Flügel der Österreicher mußte bei Lemberg der feindlichen Übermacht ihre Stellung einräumen und die Stadt am 3. September aufgeben. Er versuchte noch zweimal, die Stadt wieder zu gewinnen, doch blieb sie in den Händen der Russeu. Nach helden mütigein Kampfe zogen sich die Bundesgenossen zurück, um bessere und günstigere Stellungen einzunehmen, denn bei der Übermacht der Feinde war doch nichts zu erreichen. Fast ganz Galizien war nun in der Hand der Russen. Sie belagerten die Festung Przemysl, die von der österreichischen Besatzung unter dem General von Kusmanek tapfer verteidigt wurde. Inzwischen nahm eine andere Armee unter den: Generalstabschef von Hohen dorf eine neue Stellung ein mit den Stützpunkten Przemysl Krakau. Ms Hindenburg durch die Vernichtung der russischen Armee einen Teil seiner Truppen frei hatte, eilte er den Österreichern zu Hilfe, indem er mit der für den Südosten gebildeten 9. Armee bis auf Warschau vorrückte. Die Österreicher ergriffen Anfang Oktober die Offensive und befreiten die Festung Przemysl. Die Russen wurden über den San zurückgeschlagen und verloren 40000 Mann an Toten und Verwundeten. Ein Versuch der Österreicher, Lemberg zurückzuerobern, mißlang. Mitte September aber waren die Deutschen in den russischen Grenzbezirk eingerückt. Am 28. nahmen die verbündeten Truppen die Offensive in der Richtung Krakau--^ Kreuzberg auf. Die Russen, die die Weichsel bereits überschritten hatten, wurden von den Deutschen wieder zurückgeworfen. Dann drangen die Feinde über die Karpathenpässe nach Ungarn vor. Auch hier mußten sie zurückweichen. Die Österreicher säuberten Ungarn vom Feinde. Starke russische Streitkräfte stießen abermals vor und belagerten Przemysl zum zweitenmal. Der Belagerte aber drängte den Feind auf der West- und Südfront weit zurück. Er machte dabei 700 Gefangene und eroberte 18 Geschütze. Am selben Tage schlugen die Österreicher den Feind, und zwar seinen südlichen Flügel bei Limanowa. Die Russen schoben neue Truppen in die Karpathen vor und besetzten die Karpathenpässe und die Bukowina. Nun entspann sich während der Wintermonate ein langer heiszer Kamps um die Pässe, der mit wechselndem Erfolg durchgeführt wurde. Die Karpathenschlacht. Das schwierige Gelände der Karpathen die schlechte Witteruug stellten den Kämpfenden große Schwierigkeiten entgegen. Unermüdlich gingen die Verbündeten gegen die Übermacht des Feindes vor. Im De zember eroberten wir Nen-Sandec und machten in Westgalizien 22000 Gefangene. In erbitterten Kämpfen wurde der Feind aus Galizien ge drängt. Es war eine große Karpathenschlacht, der an Ausdehnung, Streiter zahl, Dauer und Höhe der Verluste keine andere Schlacht der Weltgeschichte an die Seite gestellt werden kann. Die Schlachtfront war etwa 300 km lang, die Zahl der Streiter betrug mindestens 2 Millionen." Im Januar begaun die Karpathenschlacht aufs neue. Es war sehr schwierig, die Paß höhen zu erreichen. Ein eiserner Wille aber wohnte in den Herzen der Verbündeten und führte sie durch alle Hindernisse hindurch. Ende Januar, Anfang Februar rückte die Kaiserlich deutsche Südarmee" herau und unter- 06 stützte die österreichischen Truppen. Ihren Oberbefehl übernahm der General der Infanterie von Linsingen. Ende Januar mußten die Russen unter schweren Verlusten die Karpathenpässe räumen. Heih umstrittene Orte waren die Pässe von Uzsok, Lnpkow und Dukla. Schwere Opfer muhten hier unsere Feldgrauen und ihre Verbündeten bringen. Die Kälte nahm von Tag zu Tag zu. Das Thermometer sank auf 25 unter Null. Dazu kam, daß die Kälte oft mit Tauwetter abwechselte. Die Truppen zogen mit ihren Wagen und Schlitten bald durch tiefen Schnee, bald über Glatteis, bald durch Sümpfe und Schlamm. Oft kam es vor, das; sie aus Mangel an passenden Quartieren auf freier Erde übernachten muhten. Unsere gemeinsamen Truppen leisteten durch dieses Ertragen von Ent behrungen und Opfern etwas Ungeheures und einzig Dastehendes. In folge der grohen Anstrengungen tonnten wir nur langsam vorrücken. Dies benutzte der Gegner, um immer neue Verstürtungen heranzuziehen. Hart näckig verteidigten sie die Pässe und drohten das Gebirge zu überschreiten. Wir leisteten aber auch zähen Widerstand und erreichten endlich doch die Höhen der Karpathen. Da fiel am 22. März die seit dem 11. November so tapfer verteidigte Festung Przemysl, die sich aus Mangel an Lebens mitteln ergeben muhte. Dadurch wurde die russische Belagerungsarmee frei und eilte den übrigen zu Hilfe. Wiederholt versuchten sie, unsere Mauer zu durchbrechen, wurden aber unter grohen Verlusten zurückgeschlagen. Die Verbündeten drangen weiter vor, so dah sie Anfang April die Kar pathen im Osten schon weit überschritten hatten und der Feind gegen den Dnjestr zurückgedrängt war. Anherst heftig waren die Durchbruchsversuche zwischen dem Luptower und Uzsokerpah. Dann versuchte der Gegner einen Durchbruch in der Duklasenke zu beiden Seiten des Laborczaflusses. Die blutigste Schlacht der Karpathentämpfe war vom 4. K. April. Wir hatten zwar auch grohe Verluste, doch geriuger als die der Russen, zudem war vorläufig ihre Macht lahmgelegt. Im Westen Galiziens waren die Kämpfe erbitterter denn je. Mitte April rückten neue deutsche österreichische Streitkräfte heran, um Anfang Mai die Offensive aufzunehmen. Sie ver einigten sich unter dem Oberbefehl des Generalobersten Mackensen. Diese Armee sollte die stark befestigte russische Stellung zwischen dem Karpathenkamm und dem mittleren Dunajec durchbrechen. Ein heftiges Artilleriefeuer, das bis zum Morgen des 2. Mai dauerte. Es tam zu der Riesenschlacht in Galizien bei Tarnow-Gorlice. Im geheimen hatte man mit Hilfe der Eisenbahnen grohe Truppenmassen in Westgalizien gesammelt. Am 2. Mai begann der Hauptangriff. Eiu glänzender Erfolg! General von Emmich warf mit seinen Truppeu die Feinde aus ihren Stel lungen nach Norden. Die Russen verliehen fluchtartig die Stellung, viele Waffen warfen sie unterwegs fort, zerschnitten selbst die Drahtverhaue, um die Übergabe zu erleichtern. Ju erbittertem Kampfe war die Front nahe der uugarischeu Grenze bis zur Mündung des Dunajec in die Weichsel erreicht. Die Russen zogen sich über den San zurück. Die Armee des Erz herzogs Joseph Ferdinand besetzte Tarnow und säuberte die Dunajeclinie bis zur Weichselmünduug. Dukla kam ebenfalls in unseren Besitz. Im Norden und Osten muhten die Russen aus Galizien zurückweichen. Sie 97 waren auf einer Front von 200 km im Rückzug begriffen, überall verfolgt. Die Beute wuch-^ mit dem Erfolg. Mackensen folgte den Russen und warf sie ganz über den San zurück. Alle ihre Gegenangriffe waren vergebens. Die 3 und 8 russische Armee wurde fast vollständig vernichtet und zog sich auf Iaroslau Przemysl und Ehycow zurück. Unaufhaltsam ging es weiter. Die Gegner hatten keine Zeit, eine Neugruppierung vorzunehmen. Sie leisteten zähen Widerstand und zogen 7 neue Armeekorps heran. Mitte Mai besetzten wir in Gegenwart des Kaisers die Brückentöpfe des San. Am 15 Mai wurde Iaroslau erobert. Dadurch uäherten wir der Festung Przemnsl, die nach einer Belagerung von 9 Tagen wieder in öster reichischen Besitz kam. Die Bayern hatten einige Tage vorher die Forts erstürmt An, 3 Juni zogen die Verbündeten in die Stadt ein. So gewann die Armee Mackensen eine ausgezeichnete Rückendeckung zum Vormarsch auf emberq In Mittelgalizien drang inzwischen die Armee Linsingen siegreich vor Sie schaffte sich durch die Eroberung von Striy freie Bahn Zum Dniestr so das; wir den Gegner von zwei Seiten angreifen konnten. Die Russen befanden sich auf der ganzen galizischen Front auf dem Rück züge der teils in völliger Ordnung vor sich ging, teils in regellose Flucht ausartete Wir hatteu eine wichtige Eisenbahnlinie nach Lemberg frei. Die Russe,i hatteu um Leinberg starke Befestigungen angelegt, besonders stark war sie bei Grodek. Mackensen näherte sich dieser Stellung und erstürmte sie am 19 Juni Am 20. Juni wurde Rawa-Ruska besetzt, und endlich zog am die Armee Böhm-Ermolli in Lemberg ein. Die Einnahme von Lembera ries wieder bei Freund und Feind und bei den Neutralen großes Erstaunen hervor. Die Feinde erstaunten ob der großen Offensivkraft unserer Truppen Die neutralen Balkanstaaten wurden dadurch wieder in ihrer Neutralität bestärkt, die sie zeitweise zu brechen schienen. Kaiser Wilhelm hatte den Kämpfen in Galizien beigewohnt Er verlieh dein siegreichen Feldherrn Mackensen den ^äel General^eldmar,chal^ eben falls dem österreichischen Erzherzog Fr,edr,ch. ^m Südosten weben Lm- ingen und Pflanzer-Baltin die Russen über den Pruth und Dnestr zurück. Äe besetzten die Linie östlich der Gnila-Lipa, er,türmten die dortigen feindlichen Stellungen verfolgten den Feind bis gegen die Zlota- Liva Nack der Einnahme Lembergs drang die Ar,nee Macken,en gegen die An?e Lublin-Cholm vor. Am 30. Juli 1915 besetzten wir Lublin und durchschritte,, am 31. Chol,.,. (Siehe Kämpfe Osten ) Gallzien ist nun Zum größten Teil von, Feinde ge,ä,.ber Emen gewalt,gei, Erfolg habe., die Verbündeten seit Mai erreicht. Uber ^00000 Gefangene zahl reiches Kriegsgerät waren in unseren Händen. Die Kämpfe von August bis Ende Oktober. Durch die schnell aufeinanderfolgenden Eroberungen wurden die Russen immer weiter uach Osten getrieben. Die Buglinie mit ihrem Mittelpunkte, der großen Festung Brest-Litowsk, lag bereits 70 80 Kilometer hinter den deutschen Heeren. Im äußersten Norden rückte die Armee von Below bis an die Düua heran. Hier und in der Gegend von Wilna leisteten die V-yerle, G-Ichichte des WcNIri-g-s. 7 98 Russen zähen Widerstand. Teilweise sind sie zur Offensive gegen die Armeen der Generäle von Below und von Eichhorn übergegangen. Große Siege haben sie nicht errungen, doch gelang es ihnen, den deutschen Vormarsch tagelang aufzuhalten. Der linke Flügel der Russen muhte sich in harter Verfolgung durch die Sümpfe des Pripet durcharbeiten. Der Nordflügel kämpfte nördlich der Rokitno- oder Pripetsümpfe bis zum Rigaischen Meer busen, verfolgt von den Armeen Hindenbnrg. Prinz Leopold Mackensen. Es galt noch, die Russen aus dem letzten Zipfel Galiziens hinauszuwerfen das russische Festungsdreieck Wolhyniens, Luck Dubno Rowno, zu erobern. Die Nordecke des Zipfels war schon gesäubert die 99 Festung Luck erobert, ebenso Dnbno. Im Norden hatte die Armee von Eichhorn die Eisenbahnlinie Wilna Grodno erreicht. (Wann kam Erodno in unseren Besitz?) Mitte September stockten die Verfolgungsoperationen. In Nutzland war eine große Veränderung vor sich gegaugen. Der Grotzfürst Nikolai Nikolaiewitsch. der bisherige Oberbefehlshaber, wurde seines Amtes enthoben und nach dem Kaukasus geschickt. Jetzt übernahm der Zar selbst das Ober kommando und stellte sich au die Spitze der Truppen. Nnn hofften unsere Feinde werde sich in Rnszland alles wenden. Es wurde auch tatsächlich anders die Nüssen verteidigten sich nicht nur, sondern gingen selbst zu Angriffen über Iu den Sumpf- und Urwaldgebieten konnten die Armeen des Prinzen Leopold Mackensen nnr langsam vorwärts schreiten. Hart näckig widersetzten sich die Nüssen der Heeresgruppe Hindenburg an der Düna und östlich der Njemenlinie. Ebenso krampslMt hielten ,,e ihre Stel lungen vor dem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Wilna. Die Armeen von Eickborns von Belows drangen trotz der Ubermacht der Feinde sieareick vor Am 17. September begann von Below den Angriff auf Dünaburg, am 18. nahm Eichhorn Wilna ein. Die Armeen Scholtz und Gallwitz, sowie die des Prinzen Leopold brach en die Eisenbahnknoten punkte ^ida und Baranowitsch in unseren Be,ltz. Dann strebten uusere Heere sowohl Nordwesten als auch Westen und Südwesten her auf die letzte bedeutendere Stadt in dieser Gegend, auf Minsk, zu. Die Ar,nee Mackensens arbeitete sich durch die Sümpfe des Pripetflnsses uuter Motzen Schwierigkeiten bis Pinsk vor und besetzte es am 15. September und drang dann noch weiter nach Osten vor. Auch im Südosteu gingen uusere verbündeten Truppen trotz heftiger gegnerischer Angriffe erfolgreich vor. Hier hatten besonders die Oster- reicher Fortschritte gemacht. Sie hatten bereits zwei Festm.gen des be rühmten Festungsdreiecks, nämlich Luck Dubno, bejetzt. Nun uäherteu sie sich der stärksten. Nowuo. südlich der Hungen, am Sereth, setzteu sich ihuen die Nüssen hartnäckig entgegen. Mehrfach gingen diese zu heftigeu Offensiven über, die ihnen aber hohe Verluste iofteteu. S.e erre ck teu nur das? die verbündeten Truppen einige hundert Meter zuruck- ginaen Unter Linsingen winden ihnen die gewonnenen Teile wieder ab- ge^ nmen Im Oktober wurdeu neue feiudliche Angriffe znm Teil ab gewiesen. die meistens für sie sehr verlustreich ausliefen Hiudenbi.rg schlug die Nusseu bei Smorgon, Lmsingen bei Kornnnbach. Ein russischer Durch- dr-iichsversuch bei Taruopol scheiterte. Heftige Kämpfe waren auch bei Dünabnra Baranowitschi. an, Styr mid sereth. südlich von Niga wurden meb7ere ^.ssische Stellmigeu erstüriiit. Am 20. Oktober besetzte Hindenburg das Dünaufer Burkowitz bis Bersemüude machte 1725 Gefangeue. Am Stur mutzte eine deutsche Division etwas zurückgehen und verlor 6 Ge schütze Aiii 23. Oktober wurde Jlluxt nordwestlich von Dünabnrg er stürmt Am 4. drangen österreichisch-ungarische Truppen an der gali- zischen Front bei Komanow auf 4^ Kilometer Breite in die russischen Stellungen ein. 100 In der Zeit vom Juli bis Anfang Oktober eroberten wir im Osten ein Gelände von 300000 c^kin. Die Russen verloren dabei noch an Toten Verwundeten und Gefangenen nahezu 3^ Millionen Soldaten. Unsere verbündeten Armeen haben in? Monat Oktober 35000 Russen gefangen. Die Apenninen-Halbinsel. (Das Königreich Italien.) 287 Taus, c^kin, fast 33 Mill. Eiuw., auf 1 hkin 121. Etwas kleiner als Preußen, dieselbe Volksdichte wie Deutschland. Behandlung. I. Das Land. II- Das Volk, a,) Allgemein. 1. Geschichte. 1. Lage. Küste, Klima. 2. Volkstum. 2. Aufbau des Bodens. 3. Ackerbau und Viehzucht. d) Die Einzellandschaften. 4. Bergbau und Industrie. 3. Die lombardische oder Po- 3. Handel und Verkehr. Tiefebene. 0. Verfassung, Wehrkraft, Kolonien. 4. Die Halbinsel Italien. 3. Die Inseln. III. Wie Italien uns treulos verließ. l. Das Land. 1. Lage, Küste, Klima. (1. Lage und Küste.) Italien hat als mittlere der drei südlichen Halb inseln eine sehr gute Lage. Seine Küstenstrecke ist infolge der geringen Breite länger als die der Nachbarstaaten, die sich mehr als ein Viereck aus breiten. Weil die Apenninenhalbinsel so weit ins Meer (in welches?) hinein ragt, steht sie mit den übrigen Mittelmeerländern und dem Morgenlande in Verbinduug. Im Norden greift sie tiefer in den Runipf des Erdteils ein als die beideu anderen südlichen Halbinseln. Eisenbahnen vermitteln den Verkehr mit Frankreich, Deutschland und Osterreich. Neune die Meeres teile, die Italien begrenzen! Die Städte sind nicht sehr bedeutend, weil sie zu weit vom Meere entfernt liegen. Die beiden Ausfahrten aus dem Mittel ländischen Meer, die Straße von Gibraltar und der Suezkanal, sind gleich nahe und gewähren Italien einen bequemeu Zugang zu den Weltmeeren. Die Ostküste bildet nahezu eine gerade Linie und ist infolgedessen hafenarm. Der einzige Hafen im Norden vom Po ist nur die Hafenstadt Venedig. Im südlichen Teil ist nur Brindisi von Seeschiffen erreichbar. Von hier aus gehen der Personenverkehr und die Postsendungen, haupt sächlich von der Linie London-Brindisi, nach dem Morgenlande. Der Golf von Tarent teilt Süditalien in die Halbinsel Kalabrien und Apulien. Die Westküste ist reich gegliedert weist daher mehrere reiche Häfen auf. wie Genua, Neapel, Salerno. Der Küste sind die Inseln Sizilien, Sar dinien, Elba die französische Insel Korsika vorgelagert. Der Golf 101 von Neapel schneidet tief in das Land ein. An: Golf von Genna liegt die Teehandelsstadt Genna. (2. Klima.) Das Klima zeitigt bedeutsame Gegensätze zwischen dem Norden dem Süden. Im Norden herrscht das europäische Binnen klima. Der Süden ist durch ein vortreffliches Mittelmeerklima ausgezeichnet. Es sind zwar in beiden Landstrichen heiße Sommer, doch hat die Poebene kalte Winter. Der Winter des Südens ist der Frühling Deutschlands. Die Niederschläge sind im Norden sehr reich, im Süden herrscht Trockenheit und daher monatelange Dürre. Im Süden gedeihen Ölbäume, Zitronen, Apfelsinen, Dattelpalmen. In der lombardischen Ebene findet man laub werfende Palmen, Ulmen und Maulbeerbäume. Wein reift in beiden Gebieten. Im Norden wird auf den frischen grüuen Wiesen viel Rind vieh gezüchtet, im Süden überwiegt die Ziegen- und Schafzucht. Mittel italien gehört mehr dem Südklima an. In Mittel- und Süditalien sieht man einen ewigblanen Himmel über lachenden Fluren. 2. Aufbau des Bodens. Italien ist ein vnlkanreiches Land. Ja, man nennt es mit Recht das Land der Erdbeben". Die beiden größten Vulkane, die heute zuweilen noch tätig sind, sind Ätna Vesuv. Von^hnen werden wir noch später sprechen! Außer ihnen sind noch drei tätig. Sie gehören zu den Liparischen Inseln. Der Hauptvulkan unter ihnen ist der Stromboli, der von Zeit zu Zeit noch Asche Schlacken ausspeit. Er dient nachts den Schiffern als Wahrzeichen, wenn seine Flammen emporlodern. Die anderen sind Vul- kano und der Vulkan auf Lipari. Vulkanisch ist auch das Gebiet zwischen Sizilien und Afrika. Die Erdbeben sind wie die Fieber der Sumpftüsten der Schrecken Italiens, indem wohl alle Teile einmal im Laufe eines Jahrhunderts von Erdbeben Heiingesucht werden. Besonders gefährlich ist die Umgebung des Vesuvs und Messina, in der bisher in jedem Jahr hundert nicht weniger als fünf starke Erdbeben vorkommen. Dies übt natürlich auch einen großen Einfluß auf den Charakter und die Tatkraft des Süditalieners aus, der sich als trüge und wenig erwerbslustig zeigt, da ja ein solches Erdbeben doch alle seine Errungenschaften zerstört. Italien ist reich an Warm- und Mineralquellen. Italien gliedert sich in seinem Bodenaufbau drei Teile: 1. die Poebene zwischen Alpen, Apenninen und Adriatischem Meer, 2. die stiefelförmige Apenninenhalbinsel, das alte Italien, 3. die Gebirgsinseln Korsika (wem gehört sie?), Sardinien, das eisen reiche Elba, Sizilien und mehrere kleinere Inseln und Inselgruppen. 3. Die winbardische oder Po-Tiefebene. Die Po-Ebene ist ein gewaltiges Schwemmland, das sich zwischen den Alpen und den Apenninen ausdehnt. Dieses Gebiet war früher eine Meeres ducht der Adria. Im Laufe der Jahre wurde sie durch die Gletschermassen und die Ablagerungen der einmündenden Flüsse ausgefüllt. Außerdem wurde sie von den benachbarten Gebirgen mit Erdreich angefüllt. Die 102 Ebene ist ein wasserreiches Gebiet. Ihre Abdachung vollzieht sich nach dem Osten. Sie wird von dem Po und seinen Nebenflüssen bewässert. Der Po entspringt in den Westalpen, nimmt dann seinen Lauf durch das ganze Tiefland und mündet in das Adriatische Meer. Vor der Mündung teilt er sich in mehrere Arme. (Welcher Hauptstrom Deutschlands tut das auch?) Von den schneebedeckten Alpen fliehen ihm die wasserreichen Nebenflüsse zu. Vom St. Gotthard empfängt er den Ticino oder Tessin. Dieser durch fließt den Lago Maggiore (madschöre) oder Langensee. Andere Neben flüsse sind die Adda, die den dreizipfligen Comersee durchflieht, und der Mincio imintscho), der aus dem Eardasee kommt. Die Nebenflüsse führen dein Po eine Menge Geröll zu. Dadurch liegt das Bett des Po immer höher. Infolgedessen liegt der Spiegel heute höher als die Ebene. Die Po-Ebene ist von Fluten sehr heimgesucht, deshalb müssen die Bewohner zum Schutze gegen das Übertreten der Flüsse Dämme und Deiche anlegen. Neben dem Po ist die Etsch der bedeutendste Fluh des Tieflandes. Sie entspringt in den Tiroler Alpen und empfängt als linken Nebenfluh die Eisack, die auf dem Brenner entspringt. Bei Verona wird die Etsch von Dämmen eingeschlossen. Sie bildet mit dem Po zusammen ein Delta, das sich durch Ablagerungen von Sinkstoffen immer weiter ins Meer hinein erstreckt. Die Po-Ebene wird nicht nur natürlich, sondern auch künstlich bewässert. Infolge der Wasserfälle der Flüsse hat man Kanüle angelegt, um die Felder zu bewässern. Auher den Wasserstrahen baute man auch Kanäle. (Wirtschaftliches.) Durch das günstige Klima ist die Po-Ebene sehr fruchtbar. Der Acker trägt im Jahre zweimal, eine Getreide- (Weizen) eine Maisernte. Im Podelta reift der Reis, denn er findet hier die nötige Hitze und Feuchtigkeit. Hier reift der Weiu wächst der Maulbeerbaum, auf dein die Seidenraupe gezüchtet wird. In den Gebieten der Staubecken erzeugen warme Sonnenstrahlen einen üppigen Graswnchs, der eine vorzügliche Rindviehzucht ermöglicht. Die Milch wirtschaft liefert den weltbekannten Parmesankäse. Aus Mangel an Wald pflanzt man Maulbeerbäume, Kastanien, Ulmen und Pappeln an. Eigen tümlich ist es, dah der Italiener der Po-Ebene auf und derselben Fläche verschiedenes anbaut. Baumreihen durchqueren oft Mais- und Weizen felder. Ein Feld liefert oft Wein, verschiedene Getreidearten, Gemüse, Seidenraupenfutter und Brennholz." Die Po-Ebene ist eine herrliche Landschaft. Das Land gehört den Großgrundbesitzern. Bebaut wird es jedoch armen Pächtern. Die Haupterwerbsquelle bildeu neben Getreidebau und Nindviehzucht die Seidenraupen- und Geflügelzucht. (Industrie.) Die Po-Ebene ist durch die Ausbeutung der Wasserkraft der Flüsse ein industriereiches Gebiet geworden. Der bedeuteudste In dustriezweig ist die Seidenspinnerei, die den Hauptausfuhrartikel bildet. Italien liefert Deutschland und den andern europäischen Staaten Seideu- garne. Auch die Textilindustrie, die in Leinen-, Woll- und Baumwoll spinnerei zutage tritt, wird betrieben. Das Eisen, das von Elba und Tos kana kommt, wird in Turin, Brescia (Messer- und Waffenfabriken), Eomo und Bergamo verarbeitet. Die Kohlen, die die Fabriken nötig haben, 10^ werden in Genua eingeführt. In der Pv-Ebene vereinigen sich die Alpen- ?erkehrsstraßen, die zur Ligurischen Küste, zur Adria und nach Süditalieu. Bühren. Die Po-Ebene ist am dichtesten bevölkert. (Siedlungen. An der Vereinigung der Straßen, die über den Mont Tenis, den Gt mevre-Paß und den Großen St. Bernhard-Paß führen, liegt am vberen Po Turin, in sehr schöner Lage. Von den Höhen der Pässe gewinnt man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt. In der Mitte Mischen Alpen und Po liegt ebenfalls am Knotenpunkt mehrerer Straßen die über die mittleren Alpen führen, Mailand, der Mittelpunkt der Seiden industrie Haupthandelsstadt Norditaliens. Stolz erhebt sich der aus weißem Marmor erbaute Dom mit vielen Türmen Türmchen. Am Ausgang des Brennerpasses liegt Verona, das Rom" Oberitaliens. An einem wichtigen Apeuninübergange die Festung Bologna, eine der ältesten Universitäten. Anf 100 Laguneninseln des Adriatischen Meeres erhebt sich Venedig, der einzige Hafen der Ostküste. Von über 100 Kanälen durch zogen und durch Brücken verbunden, vermittelt es auf diesem Wege seinen Verkehr. Vor der Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Ostindien war diese Stadt die erste See- und Handelsstadt. Auf dem Markusplatz erhebt sich die prachtvolle Markuskirche. Auf dem Platze sieht man täglich Zahllose Tauben. Das Wahrzeichen der Stadt ist der geflügelte Löwe. An den schluchteureicheu Abhängen des Apennin liegt an der Westküste an der gleichnamigen Bucht Genua, der erste Handelsplatz Italiens. Die Stadt ist mit Marmorpalästen reich geschmückt. Auch das Denkmal des Kolumbus ist aus Marmor. Seine Blütezeit erlebte Genua zur Zeit der Kreuzzüge. Zu jener Zeit war die Stadt eine Republik; sie betrieb einen großartigen Handel, der den Konstantinopels noch übertraf. Sie beherrschte das Schwarze Meer. Früher gehörte ihr auch Korsika. Später verlor Genna an Bedeutung, erst in der Neuzeit hat es sich wieder in die Höhe gearbeitet. 4. Die Halbinsel Italien wird in ihrer ganzen Länge von dem Apennin durchzogen, der sich bis zur Nordküste Siziliens verlängert. Er beginnt westlich vvn Genua als Nord apennin bei den Alpen und verläuft in einein nach Südwesten offenen Bogen bis an die Straße vvn Messina. Der mittlere Apennin reicht bis an das Adriatische Meer. Der am schwersten zugängliche Teil in diesem Gebirgs zug sind die Abruzzen mit ihrer höchsten Erhebung, dem Gran Sasso d Italia. In diesem Teile lagern sich der Innenseite des Bogens niedrige Bergzüge vor (Subapennin). Sie schließen auf ihrem Zuge mehrere Seen ein, auch den trasimenischen; sie drängen die Flüsse südostwärts und durch brechen die Kette in südwestlicher Richtung. Größere Flüsse konnten sich hier nicht entwickeln. An manchen Stellen aber ließ der Apennin für die Flußentwicklung einen breiteren Raum. Der Süd-Apennin nähert sich der Westküste. Abgesondert erhebt sich der Monte Gargano auf der nach ihm benannten Halbinsel, dem Sporn des Stiefels". Der Apennin besteht aus Kalk und ist wasserarm. Der Fuß und der nntere Abhang des Gebirges sind mit Kastanien-, Oliven- und Buchenwäldern bedeckt, der Rücken ist 104 mit dichtein Gras bestanden. An der Ostseite zieht sich ein schmaler Küsten streifen hin, der in der apulischen Ebene baumlos, sandig und wasserarm ist. Italiens Westküste ist von der Natur besser ausgestattet. Der Nord apennin umgibt in einem Bogen das Meer. In der entstandenen Schlucht liegt die schmale, aber vortrefflich angebaute und herrliche Landschaft Ligurien, die berühmte Riviera. Wegen ihres milden Klimas wird sie von vielen Kranken im Winter aufgesucht. In der Nähe der französischen Grenze liegt San Nemo mit wunderbaren Palmenhainen. Hier suchte einst Friedrich III., der Vater unseres Kaisers, Heilung von einem schweren Halsleiden. Da der Apennin-Bogen sich im Westen weit von der Küste entfernt, haben sich dort Tiefebenen gebildet. Eine dieser Ebene ist das Arno-Tiefland, der Fruchtgarten Toskanas. Hier gedeihen schon im Februar Pfirsich und Mandelbaum, im März reist die Erdbeere und blüht das Veilchen. Im ganzen Jahre kann man Rosen und Kamelien pflücken. An der Küste geht das fruchtbare Gebiet in eine unbewohnte Sumpf niederung über. Es ist das Gebiet der Maremmen". Der Küstensaum hat feuchtes Klima. Die heißen Sommer rufen dann eine schlechte Luft hervor, die ein Fieber bewirkt, die Malaria", die mit zu Italiens Schrecken gehört. Diese Fieberluft entwickelt sich hier und weiter südwärts über den verstopften Flußmündungen. In dem Maremmengebiet und dem der Pontinischen Sümpfe leben wenig Menschen. Sie können das Klima nicht vertragen und sehen blaß und hohlwangig aus. Zur kühleren Zeit ist der Landstrich belebt, nämlich durch Rinder-, Büffel-, Schaf- nd Ziegen herden. Am mittleren Arno liegt die frühere Hauptstadt des Königreiches, Florenz. Sie erlebte ihre Glanzzeit unter dem Fürstenhaus der Mediceer, die die Stadt mit Baudenkmälern und Kunstwerken schmückten. Sie ist die Blumenstadt Italiens mit bedeutenden Strohflechtereien (Florentiner Hüte) und Seidenfabriken. Am Unterlans des Arno liegt Pisa mit seinem pracht vollen Dom und dein danebenstehenden Eampanile, der als schiefer Turm" weit und breit bekannt ist. Bedeutend für den Seeverkehr wurde Livorno. Die Stadt gehört heute mit zu den bedeutendsten Handels- und Industrie städten Italiens. Das wellenförmige Latium ist das Flußgebiet des Tibers. Diese Ebene ist der einzige natürliche Mittelpunkt der Halbinsel. Früher war die Ebene gut angebaut, und es entstanden hier zahlreiche Siedelungen. Durch die ungesunden pontinischen Sümpfe ist das Land zu einer öden Land schaft geworden. Die römische Kampagna wird von Flußrinnen tief durch furcht und von Hügeln und Bodenwellen durchzogen. Auch in diesem Gebiet macht sich die Malaria" benierkbar. Die Hälfte des Gebietes gehört der Kirche, der übrige Teil fürstlichen Familien. Die ganze Fläche ist fast nur Weideland, das im Sommer durch die große Trockenheit zu einer Steppe wird. Selten sieht man hier Menschen, eigentlich nur dann, wenn die Hirten zur kühlen Jahreszeit mit ihren Herden heranziehen. In dieser Einöde liegt an der Stelle, bis zu der der Tiber dauernd schiffbar ist, die Hauptstadt Italiens, Rom. Im Altertum war sie auf105 7 Hügeln erbaut, heute siud es deren schon 11. Der südliche Teil ist nur noch ein Ruinenviertel. Rom hat einen größeren Reichtum an Denkmälern und Kunstwerten des Altertums, des Mittelalters und der Reuzeit als irgendeine andere Stadt der Erde. Rom, die ewige Stadt, ist der Sitz des Papsttums geworden. Von hier aus verbreitete sich die römisch-katholische Kirche über einen groszen Teil der Erde. Das Gebiet des Papstes ist heute sehr beschränkt. Es umfaßt nur noch den Vatikan und den Lateranpalast. Das wunderbarste Bauwerk im Neueu Rom ist die Peterskirche, ein mächtiger Kuppelbau in griechischer Kreuzform. Der Lateranpalast enthält viele wertvolle Sammlungen für Kunst und Wissenschaft. Jahraus, jahrein wird Rom von Tausenden von Fremden besucht, sei es von Schülern der Kunst, ei es von frommen Pilgern. An die Maremmenküste und die Pontinischen Sümpfe schlicht sich Kompanien, der Garten Italiens, an. Der Golf von Eaeta schneidet dort in das Land ein. In ihm münden die Hauptflüsse Süditaliens, der Garigliano und der Volturno. An seiner Nordküste liegt die Festung Gaeta. Kompanien breitet sich hinter den Golfen von Gaeta und Neapel aus. Es ist am dichtesten bevölkert und der wichtigste Teil Süditaliens. Der vulkanische Boden erzeugt bei der heißen Sonne und bei regelmäßiger Be wässerung eine hohe Fruchtbarkeit. Die Landschaft ist gerade wie die Po- Ebene ein einziger großer Fruchtgarten. Charakteristisch für den Süden Italiens sind die Oliven, Zypressen und Pinien. Die Felder sind terrassen förmig angelegt, sie bringen Südfrüchte (Apfelsinen, Zitronen), Oliven und Wein in reicher Fülle hervor. An der Küste werden Schiffahrt und Fischfang eifrig betrieben. Inmitten all dieser Pracht und Herrlichkeit erhebt sich unter ewig blauem sonnenbedeckten Himmel der düstere Vesuv, der immer noch tätig ist. Seine Lage am tiefblauen See, seine immer aufsteigende Rauchsäule bieten einen eigenartigen landschaftlichen Reiz. Durch seinen Ausbruch wurden im Jahre 79 n. Chr. drei Städte unter seinem Aschenregen begraben, es waren Pompeji, Herkulanum und Stabiä. An seinem Fuße liegt die größte und volkreichste Stadt: Neapel. Sie steigt in einein Halbkreis nm den gleichnamigen Golf auf und ist zum Teil auf Hügeln erbaut. Von einem derselben hat man einen selten schönen Überblick nicht nur über die Stadt, sondern auch über die Berge der Halbinsel Sorrent und der Inseln Capri (Kaltfelsen), Ischia Vulkaninsel). Hier hat die Natur durch Meer, Inseln, Gebirge und Vesuv eine Landschaft geschaffen, die einem Stück Himmel gleicht, das auf die Erde gefallen ist". Sie ist die zweite bedeutendste Handelsstadt Italiens. Im Südosten liegt die ausgegrabene Stadt Pompeji. Südlich von Neapel schneidet der Golf von Salerno in das Land ein. In seinem nördlichsten Winkel liegt Salerno, im Mittelalter der Sitz der berühmtesten medizi nischen Hochschule. Am Nordostabhauge des Apennin hat sich die Republik San Marino gebildet, die unter dem Protektorat (Gönnerschaft) des Königs von Italien steht. Die Bewohner treiben Ackerbau und Viehzucht. Der Hauptort ist Marino. 100 5. Die Inseln. Die größte und wichtigste unter ihnen ist das dreieckige Sizilien, das genau so gros; ist wie die Provinz Sachsen, jedoch noch dichter bevölkert als diese. Sie bildet den Mittelpunkt des Mittelländischen Meeres. Wegen ihres Reichtums war sie ein viel umstrittenes Land zwischen Karthagern, Griechen und Römern. Auch im Mittelalter war sie ein Zankapfel der verschiedensten Völker Herrschergeschlechter. Daraus erklärt sich der heute so trostlose Kulturzustand trotz ihrer Fruchtbarkeit. Die Straße von Messina trennt die Insel von Italien. Sizilien vermittelt den Verkehr zwischen Europa und Afrika. (Aufbau des Bodens.) Sizilien wird im Innern von einem wellen förmigen Tafellande durchzogen. Es bildet die Fortsetzung des Apennin, der sich an der Nordküste ausbreitet und schöne Buchten einklammert. Die Insel ist wasserarm. Im Sommer trocknen nämlich die Flüsse aus. Die Ebenen mit den vorher üppig wogenden Weizenfeldern werden dann zu dürren Steppen. Das Gebiet ist auch waldarm. Früher war Sizilien die Kornkammer Roms, jetzt liefert es nur noch Südfrüchte und Weizen in kleinen Mengen. In dem südlichen Hügelland sind große Schwefellager. Die fruchtbarsten Landstriche sind heute nur noch die Küstenebenen. Ebenso wie die Halbinsel ist auch Sizilien ein vulkanreiches Gebiet. An der Ostküste liegt vereinzelt der Ätna, der an Aussicht alle Gipfel Europas übertrifft. Obwohl er häufig und schrecklich verheerend ausbricht, ist der Fuß des Berges dicht besiedelt. Fuß und Abhang sind äußerst fruchtbar (Orangen, Wein, Ölbaum sOlivens Kastanien, Weizen). Das Klima ist herrlich. Der Winter gleicht dem deutschen Frühling. Der Sommerregen fehlt, deshalb ist der Anban mancher Gewächse sehr beschränkt. Neben den bekannten Erzeugnissen werden infolge der tropischen Hitze auch noch Gewächse der heißen Zone angebaut, z. B. Zuckerrohr, Baumwolle, Dattelpalmen, Bananen. (Das Volk.) Die Insel ist der Wohnsitz vieler Fremdherrschaften ge wesen. Die Phönizier legten hier Handelsniederlassungen an, die Griechen gründeten mehrere blühende Kolonien, die bedeutendste war Syrakus. Die Karthager entrissen den Griechen die Insel, mußten sie aber später an die Römer abgeben. Nach dem Verfall des Nömerreiches kam die Insel nach einander in den Besitz der Vandalen, Odoakers, der Ostgoten, des oströmi schen Reiches und der Araber. Infolge dieser stetig wechselnden Fremd herrschaft setzt sich die Bevölkerimg aus einem Gemisch von Nationalitäten zusammen. Der Sizilianer ist heißblütig, rasch entflammt zum Zorn. Sein Benehmen ist stolz. Die Jusel ist in wirtschaftlicher Hinsicht sehr im Rückstand begriffen. Durch die Vernachlässigung des Volksunterrichts ist das Volk verroht. Die Sitten sind unglaublich verwildert. Das Räuberwesen hält alle im Banne. Vor der sogenannten Räubergeheimbande hat das Volk mehr Furcht als vor den Gerichten. Zu ihr rechnen sich die Reichen um ihrer Sicherheit willen, die Armen aus Drang nach Gewinn oder aus Zwang. Die Armut den Schwefelgebieten findet kaum irgendwo ihresgleichen. Die Insel 107 gehört italienischen Großgrundbesitzern. Der Pächter ist arm und wird von den Beamten der Besitzer hart bedrängt. Ausfuhrgegenstände sind Ol, Apfelsinen, Zitronen, Wein, Haselnüsse, Mandeln, Schwefel, Weizen und Rohseide. (Siedelungen.) Infolge der Fruchtbarkeit der Küstenebene sind die wichtigsten Städte auch dort entstanden und zwar hauptsächlich an der nördlichen und östlichen Küste. Im Norden zeichnet sich Palermo (Haupt stadt) durch seine wunderbare Lage aus. Die Stadt erinnert durch ihre Bauten und Denkmäler an die Zeit der Sarazenen, Normannen Staufen. Hier ist die Begräbnisstätte Heinrichs VI. Friedrichs II. An der gleich namigen Straße liegt die bedeutendste Handels- Hafenstadt Messina, die die Ausfuhr von Südfrüchten (Zitronen) vermittelt, 1908 wurde die Stadt durch ein großes Erdbeben nahezu zerstört. Im Süden ist die steil aufsteigende Malta-Gruppe der Insel Sizilien vorgelagert. Wichtig für die Durchfahrt zwischen Afrika und Sizilien wurde sie von den Engländern besetzt. Die Hauptstadt und zugleich Hafen ist das stark befestigte La Valetta. Etwas kleiner als Sizilien ist Sardinien. Die Insel ist durchweg gebirgig und waldig und mit dichtem Gestrüpp Machie (m-Me) bedeckt. Die Niederungen sind uugesuud, aber fruchtbar. Die beste Küste ist die Westküste. Die Ostküste hat nur im Norden einige kleine Einschnitte. Die Ebenen sind sumpfig und das Gebiet der Malariafieberluft. Die spär liche Bevölkerung treibt Viehzucht. Im Südwesten blüht der Bergbau durch die Gewinnung von Blei Ziuk. Die Volksbildung ist rückständig, obwohl das Volk bildungsfähig und begabt ist. In manchen Gegenden übt es noch die Blutrache aus. Korsika, das unter französischer Herrschaft steht, gehört nach Natur und Bevölkerung zu Italien. (Siehe Frankreich!) Ostlich von Korsika liegt die kleine, aber sehr eisenreiche Insel Elba. Auf ihr lebte Napoleon I. in Verbannung nach seiner ersten Abdankung vom -t. Mai 1814 bis 26. Februar 1813. II. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete. 1. Geschichte. Die ältesteu Bewohner der Halbinsel waren die Etrusker, die die Eisen lager Elbas ausbeuteten und kunstvolle Gegenstände Ton und Erz anfertigten. Die eigentlichen Jtaliker sind Jndogermanen: Latiner, Umbrer, Samniter n. a. Die Griechen siedelten sich an der Küste Süditalieus an. Im Gebiete der Latiner, die ^ Jahrtausend lang die Halbinsel beherrschten, liegt Ron:. Jm^Kampfe mit den Karthagern erhielt Rom Sizilien und die Herrschaft zur See. Die Weltherrschaft giug vom Morgenland an das Abendland über. Das Minische Weltreich befindet sich auf dem Höhepunkt. Nach 500 Jahren bricht es zusammen. Danach fiel das Römische Welt- - reich an die Ostgoten, Oströmer Langobarden. Unter der Herrschaft der letzteren fällt das Aufblühe des Papsttums. Die Päpste wurden von den Franken unterstützt. Pipin schenkte dein Papste den Kirchenstaat. Karl 108 der Große vereinigte einen Teil Italiens init seinein Frankenreich. Später, nach dem Verfall des Karolingerreiches, herrschten einheimische Fürsten in Italien. Dann rief der Papst Otto I. nach Italien und setzte ihm die römische Kaiserkrone auf. So entstand das Heilige römische Reich deutscher Nation". Das ganze Interesse der deutschen Regenten richtet sich auf Italien. Die Sorge für Deutschland trat in den Hintergrund. Nachdem die Kaiser sich wieder mehr Deutschland zuwandten, staud Italien unter wechselnder Herrschaft. Nach laugeu heißen Kämpfen zwischen den einzelnen Herrschern sehnte man sich nach nationaler Einheit und Selbständigkeit, was Italien endlich unter dein Könige von Sardinien erreichte, der sich mit Napo leon III. sowie mit dem Freischarenführer Garibaldi vereinigte. Italien hat für die Kultureutwickluug Europas vieles getau. Unsere Kulturverhältnisse, sei es dem Gebiete des staatlichen nud religiösen Lebens, sei es in Hinsicht auf Kunst und Wissenschaft, finden ihre Grund lagen in Italien. Die Römer zeigten uns ein organisch aufgebautes Staats wesen ein gesetzlich geregeltes Gemeinschaftsleben. Das Römische Recht, in der vorxis juris niedergelegt, diente bis in die Neuzeit deu europäischen Staaten als das gelteude Recht. Die Universität Bologna war im Mittel alter vor allem bedeutend für das Studium der Rechte, diejenige Salernos für das Studium der Medizin. An Stelle des römischen Gesetzes haben wir heute Deutschland das Bürgerliche Gesetzbuch. In Italien eutstaud die lateinische Sprache, deren sich die Gelehrten und die Kirche noch heute bedienen. Nach dem Untergange der römischen Weltherrschaft entstand die geistige Weltmacht, das Papsttum, das seinen Einfluß fast über die ganze Welt geltend inachte und die Hälfte der Christen nmfaßt. Auch auf dem Gebiete des Handels, der Künste Wissenschaften leistete das römische Volk Bedeuteudes. Die Seehandelsstädte Genua, Pisa. Venedig wurdeu die Lehrer Europas im Welthandel. Italien unterwies uns in der Kunst, Seekarten zu zeichnen. Die größten See- Landreisen wurden von den Italienern unternommen. Kolumbus (Genua) entdeckte Amerika, das später der Florentiner Amerigo Vespncci näher erforschte." Italien wurde die Heimat des Humanismus. Das alte Studium wurde wieder aufgefrischt. Vertreter dieser neueren Geistesrichtung in Deutsch land wurden Erasmus von Rotterdam, Reuchliu und Melanchthon. Auf dem Gebiete der Naturwissenschaften ist der große Astronom Galilei bekannt. Auch das Kunstleben erfuhr eine Wiedergeburt in der Renaissance. Die Hauptvertreter sind Michelangelo (Baumeister der Peterskirche), Lionardo, Raffael, Corregio Tizian als Bildhauer und Maler. Was die Künstler schufen was an antiken Schätzen (Italien ist bekanntlich reich daran) gesammelt wurde, ist in Museen aufbewahrt. Die Musik erfuhr in Italien ebenfalls an sich Verfeinerungen. Daher rühren die Kompositionsarten (Oper, Oratorium u. a. m.) Vortragsweisen (piano, karte usw.). 2. Das Volkstum. Die Bevölkerung ist trotz des Einflusses der Fremdherrschaften national einheitlich. Sie ist fast nur romanischer Abstammung. Italien ist ein heitlich in Abstammung, Sprache und Religion (Charakter). Die Italiener 109 ind ein reichbegabtes Volk und für die Sinnenschönheit sehr empfänglich. ^ Tie sind bald leidenschaftlich erregt, bald träumerisch veranlagt. Sie haben eine melodische Sprache, ihre Gebärden sind ausdrucksvoll. Ein Meiches Ge müt zeigen sie den Kindern gegenüber, gegen Tiere verfahren sie grausam. Sie haben einen ausgeprägten Sinn für Form und Klang, für Ton und Farbe, für Ebenmaß und Schönheit. Dem Süditaliener fehlt aber der Sinn für Reinlichkeit. Die Straßen sind schmutzig, mit Abfällen von allerlei "ebensmitteln bedeckt. Die Kinder sind sehr vernachlässigt. Im Süden ist der Italiener ein Nichtstuer geworden. Dazu veranlaßt ihn die große Sonnenhitze. Durch die Fruchtbarkeit des Gebietes ist sein Bedarf an Lebensmitteln reichlich gedeckt. Der Norditaliener zeigt mehr Ausdauer, ^inn und Neigung für ernste Arbeit und geht dadurch dein Süditaliener mit gutem Beispiel voran. Eine sehr große Rolle spielt bei den Italienern die Politik. Sie macht das Volk listig, tückisch, gehässig und rachsüchtig. An und für sich ein schöner Menschenschlag, sehen sie durch ungesunde Wohnungen, ungenügende Ernährung recht verkümmert aus. (Konfession, Bildung, Volksdichte.) Die Bevölkerung ist einheitlich römisch-katholisch. Nur ein geringer Teil ist andersgläubig. Die Geistlichen Werden in eigens dafür eingerichteten Anstalten herangebildet. Die Volks bildung ist sehr mangelhaft, besonders im Süden. Die Schulpflicht dauert nur bis zum 9. Schuljahr. Die Zahl der Aualphabeten betrügt 30,7^. Die beste Bildung erfährt das Volk in Toskana. Tie Volksdichte ist verschieden. Am dichtesten bevölkert sind die Po- Ebene und Kompanien, am wenigsten das Maremmengebiet. Die Aus wanderung ist außerordentlich stark. Die Auswanderer ziehen nach Süd amerika (Brasilien), Argentinien und in die benachbarten europäischen Staaten, wo sie als Eisenbahn-, Kanal- und Mosaikarbeiter sehr begehrt sind. Weltbekannt sind die umherziehenden italienischen Gipsfiguren- händler. 3. Ackerbau und Viehzucht. Charakteristisch für die Bodenverteilung Italiens ist der Umfang der Baumkultur, die künstliche Bewässerung einzelner Gegenden, der Anbau von zwei oder mehr Früchten auf ein demselben Felde schließlich die mehrfache Ernte in einem Jahre. Die Landwirtschaft ist gut entwickelt in der Po-Ebene, im Arnotal, Kompanien, in der Umgebung von Palermo und an den Abhängen des Ätna. Am meisten angebaut werden Weizen Mais. Der Reis gedeiht hauptsächlich nur im Po-, in geringen Mengen im Arnotal, Kampanien, in der Ebene von Eatania. Der Weizenbau deckt nicht den Eigenbedarf. In Italien werden weit mehr Hülsenfrüchte ange baut als bei uns. An die Stelle der Kartoffel tritt bei den Italienern die Kastanie. Bedeutend ist der Anbau von Hanf, der mit ein Hauptausfuhr gegenstand ist. Einen großen Nutzen haben die Bäume, wie Oliven, Kasta nien und Maulbeerbäume. Daneben liefern der Weinbau die Süd früchte eiueu reichen Ertrag. Durch den Mangel an Wiesen ist die Rindviehzucht nur in der Po- Ebene und in den Alpen vorzufinden. Jin Süden werden die Rinder durch 110 Schafe und Ziegen ersetzt. Die Hauptzugtiere sind Esel und Maultier. Bedeutend ist die Hühnerzucht. Auf den Maulbeerbäumen, die sich in reicher Menge in der Po-Ebene vorfinden, wird die Seidenraupe gezüchtet. Die Fischerei liefert Sardellen und Thunfische, sie reichen aber für den Bedarf nicht aus. Bedeutend ist auch die Korallenfischerei an der Sizilischen Küste. 4. Bergbau und Industrie. Italien weist keine mineralischen Schätze auf. Kohlen bezieht es aus deni Ausland und ersetzt dieselben in einzelnen Gegenden durch die Aus nutzung von Wasserkräften. Der Lignrische Apennin ist das Gebiet der Säge werke, Spinnereien, Mühlen, Eisenwerke und Papierfabriken. Eisen findet sich nur auf Elba, Sardinien, Bergamo und bei Brescia. In Sardinien gibt es auch Silber-, Blei- und Zinklager. Italien ist das erste Schwefelland (Sizilien) Europas. Bedeutend ist die Ausfuhr von Marmor (Earrara . Steinsalz findet sich im ganzen Apennin. Italien versorgt damit Skandi navien, Nuszlaud und Türkei. Ein eigentlicher Industriestaat ist Italien nicht. Die einzigen Gebiete, in denen sich die Industrie in den letzten Jahren mehr entwickelt hat, sind Poebene und Ligurien. Der Hauptindustriezweig ist die Seidenspinnerei und Strohflechterei. Die Seidenweberei ist nicht so bedeutend. Bekannt und beliebt sind bei den Italien-Reisenden seine Gold-, Silber- und Glas arbeiten. 5. Handel und Verkehr. Die Entdeckung Amerikas, die den Hauptplatz für Handel und Ver kehr nach Mittel- und Westeuropa verlegte, die trübe geschichtliche Vergan genheit, haben Italien im Handel sehr geschädigt. Früher war Italien die erste Handelsmacht, heute nimmt es die fünfte Stelle ein, mit seinem Handelsumsatz die achte Stelle. Durch die Eröffnung der Alpentunnels hat sich sein Außenhandel wieder gehoben. Die Haupthäfen sind Genua, Neapel, Venedig, Brindisi Palermo. Die Haupthandelsländer sind Deutschland, England; die Hauptabnehmer seiner Waren sind Deutschland und die Schweiz. Ausfuhrgegeustände sind Seide, Seidengewebe, Apfel sinen, Zitronen und andere Früchte, Banmwollgewebe, Hanf, Käse, Wein, Eier, Olivenöl, Schwefel, Marmor, Alabaster, Korallenarbeiten, Gemüse, Reis. Einfuhrgegenstände: Getreide, Kohlen, Baumwolle, Maschinen, Holz, Eisen, Chemikalien. Für unseren Handel steht Italien an zehnter Stelle. Den Verkehr vermitteln Eisenbahnen und die Küstenschiffahrt. K. Verfassung, Wehrkraft, Kolonien. Italien ist eine verfassungsmäßige Monarchie. Die mänulicheu Königs erben stammen aus dem Hause der Savoyen. Die Volksvertretung besteht aus dem Senat und der Deputiertenkammer. Die Armee räumt Italien den fünften Platz unter den Mächten ein. Italien hat sich in den letzten Jahren nach seiner Niederlage durch die Öster reicher bei der Insel Lissa eine wehrfähige Flotte gebaut. Mit seiner See macht steht es an sechster Stelle. Sein Kolonialbesitz ist fast so groß wie Deutschland. Auswärtige Besitzungen hat es in Afrika: Erythrea am Roten Meere; Schutzgebiet ist das Somaliland. III. Wie uns Italien treulos verlieg. Das Band, durch das einst Deutschland und Italien sowie Osterreich Ungarn zusammengeschmiedet waren, schien sich zu lockern. Sollte es wirklich zu einem Bruch mit Italien kommen? Ach, wie bald. Man kann es nicht ver stehen, wenn man daran denkt, das; die beiden Länder schon seit den ältesten Zeiten in innigem Verhältnis zueinander standen; haben doch einst deutsche Kaiser und Könige die römische Krone getragen. Wie oft sind sie nach Italien gezogen, um es aus schlimmen Fehden zu befreien. Viele Deutsche besuchten alljährlich Italien, sei es um ihrer Gesundheit willen, sei es, um sich in Künsten und Wissenschaften dort weiter auszubilden. Stets stand Deutschland in guten Beziehungen zu Italien. Wir unterstützten es auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Im Jahre 1883 hatte es mit Österreich- Ungarn und Deutschland den Dreibund geschlossen, so daß es von nun an als Großmacht auftreten konnte. Als der Krieg 1914 ausbrach, blieb es zun: Erstaunen aller neutral, statt seinen Buudesgeuosseu zu helfen. Es erklärte, das Ultimatum an Serbien verletze das Abkommen, das Italien mit Osterreich verband; auch habe Osterreich ihm vorher von seinem Vor haben Mitteilung zu machen. Diesen Gründen aber fehlt jede Berechti gung. Osterreich wollte Serbien nur für die Freveltat von Serajewo strafen und dessen Wühlereien begegnen. Rußland (und nicht Osterreich) hat den Weltkrieg entfesselt seine Nachbarn überfallen, so daß Italien als Bundesgenosse ihueu hätte helfen müsseu. Außerdem hat Osterreich die italienische Regierung von seinem Vorhaben in Kenntnis gesetzt und ihm auch mitgeteilt, daß es von Serbien keinen Gebietszuwachs erstrebe. Nur für den Fall, daß Osterreich auf dem Balkan Eroberuugen mache, standen Italien gewisse Entschädigungen zu. Dieser Fall ist aber bis jetzt uicht ein getreten." Italien sorgte in den neun Monaten seiner Neutralität für eine kriegsmäßige Ausrüstuug. Italien suchte sich auf Kosten Österreichs zu vergrößern. Um einen Krieg zu vermeiden, war dieses bereit, größere Ge biete an Italien abzutreten. Die italienische Regierung war damit nicht zufrieden und stellte immer größere Anforderungen. Obwohl Osterreich, wenn schweren Herzens, weitere Zugeständnisse machte und Deutsch land, das sich sehr um die Erhaltung des Friedens bemühte, sich für deren Durchführung verbürgte, wurde nichts weiter erreicht. Kriegshetzer schürten in Italien das Kriegsfeuer, so daß es am 4. Mai den seit 32 Jahren bestehenden Bündnisvertrag in Wien für aufgelöst erklärte. Einsichtige Männer, die ein schlimmes Ende voraussaheu, beschworen das Volk die Regieruug, keinen Krieg zu beginnen. Der Florentiner Bonamico erhob nochmals in letzter Stuude im Popolo Romano seine warnende Stimme und wies auf Deutschlands Kraft und die gebesserte Lage Österreichs hin. Er zog aus der Kriegslage den Schluß, daß es ein schwerer Fehler sei, wenn Italien, das zu den Gesamtoperationen kaum werde weseutlich beitragen 112 können, zu den Waffen griffe. Umsonst. Die Stimme der Kriegshetzer war weittragender, die Versprechungen der verbündeten Dreimacht" einfluß reicher. Sie entfachten zusammen den Krieg. Am 23. Mai erklärte Italien Osterreich den Krieg. Vom Bundesgenossen es zum Gegner, indem es in den Bund unserer Gegner eingetreten mar, die nuu einen Vierverband geschlossen haben. Wieder ein Feind mehr, doch unsere Kraft erlahmt vorläufig noch nicht. Gott ist mit uns und unseren Fahnen. Der neue Feind schreckt uns nicht. Wir halten mit unserm Reichskanzler, der in der Reichstagssitzung vom 28. Mai 1915 erklärte: Nicht mit Hätz führen wir diesen Krieg, aber mit Zorn, mit heiligem Zorn. Und je größer die Gefahr ist, die wir, von allen Seiten von Feinden umdrängt, zu bestehen haben, je mehr uns die Liebe zur Heimat tief Herz packt, je mehr wir sorgen müssen für Kinder Eukel, um so mehr müssen wir ausharreu, bis wir uns alle nur möglichen realen Garantien Sicherheiten dafür geschaffen haben, dasz keiner unserer Feinde, nicht vereinzelt, nicht vereint, wieder einen Waffengang wagen wird. Je wilder uns der Sturm umtobt, um so fester müssen wir unser eigenes Haus baueu." Die Kämpfe mit Italien. Italien hat seinen Bundesgenossen noch keinen nennenswerten Dienst geleistet. An den Dardanellenkämpfen nimmt es nicht teil. Rußland nützt es nur insofern, als die Österreicher Truppen vom russischen nach dem italienischen Kriegsschauplatz schickeu muszten. Heftige Kämpfe haben an der italienisch-österreichischen Küste stattgefunden, doch ohne nennens werten Erfolg. Die Verluste der Italiener sind ganz bedeutend. Umsonst bluten sie, umsonst werfen die Italiener sich weg. Der Eintritt Ita liens in den Krieg hatte nach Ablauf von zwei Monaten militärisch keine wesentliche Verschiebung der Lage zuungunsten der Mittelmächte hervor gebracht. Politisch aber hat er, zumal auf der Balkauhalbinsel, wie wir feststellen können, für die Sache der Mittelmächte nur günstig gewirkt. Der zum Vierverbande erweiterte Dreiverband fängt an, auf dem Balkan alle Anziehungskraft zu verlieren." Der Erzherzog Eugen, der frühere Kom mandierende des Tiroler Korps, wurde zum Oberbefehlshaber auf dein südwestlichen Kriegsschauplatze ernannt. Anfang Juni begann der erste größere Angriff gegen den Görzer Brückenkopf. Er endete mit großen Verlusten, aber ohne Erfolg, ebenso wie alle Angriffe, die Italien im Monat Juli vornahm. Die österreichischen Mörser zeigten ihre Überlegenheit schon am ersten Schlachttage, an dem sie 5 schwere Batterien zum Schweigen brachten. Auf der ganzen Grenze tobten Gefechte. Entweder handelte es sich um Geschützkämpfe oder um Gefechte, in denen die Italiener Abtei lungen in Stärke bis zu drei Bataillonen einsetzten. Bis jetzt waren die Italiener trotz aller tapferen Kämpfe am Jsonzo noch nicht einen Schritt über die von den Österreichern freiwillig geräumte Ebene westlich von Monfalcone hinausgekommen, obwohl sie gegen die ganze Jsonzofront mehr als eine halbe Million Atenschen verwandt haben sollen. Auf der übrigen Front fanden nur vereinzelte Kämpfe statt. Die österreichische Marine und die Flieger entwickelten eine rege Tätigkeit. Am 28. Mai 113 warfen die Flieger Bomben Venedig, später folgten Angriffe Ancona und die Ostküste. ^ Infolge seines Eintrittes in den Krieg, den Italien heute schon bitter bereut, verlor es auch das Innere von Libyen, das mit einer Einbuße von 5300 Toten, 45 Geschützen, 50 Maschinengewehren der Kriegskasse vor den Arabern, die den heiligen Krieg aufnahmen, geräumt werden muhte. Obwohl die Italiener im ersten Vierteljahre seit der Kriegserklärung kaum etwas erreicht hatten, erklärten sie nnter unbedeu tenden Vorwänden am 2V. August der Türkei den Krieg. Der erwartete Eindruck auf die Balkanstaaten blieb aus. Unsere verbündeten Truppen behaupten nach wie vor ihre Stellungen am Jsonzo und der ganzen Grenze. Die Europäische Türkei. 170 Taus, glim, 6 Mill. Einw. I. Das Land. Die Europäische Türkei gehört zu der Balkan-Halbinsel. Sie wird durch die untere Donau und Save von dein Rumpfe Europas getrennt. Nach Süden zu nimmt die Balkan-Halbinsel immer mehr ab und bildet schließlich die schmale Halbinsel Griechenland. Von den drei südeuropäischen Halbinseln ist sie am ineisten gegliedert, besonders der Süden. Die Glie derung beginnt im Osten an den Dardanellen. An ihrer Westseite schiebt sich die schmale Halbinsel Gallipoli vor. Dem nordwestlichen Teil des Agäischen Meeres streckt sich die dreifingerige Halbinsel Ehalkidike entgegen. Auf der Südspitze der östlichen Landzunge erhebt sich der gewaltige Athos". An der Westküste dieser Halbinsel schneidet der Golf von Saloniki, in dem jetzt die Ententemächte ihre Truppen landeten, in nordwestlicher Richtung ein. Die Jonischen Inseln begleiten die Westküste im südlichen Teile. Die Meer busen von Korinth und Agiua schneiden tief ins Land ein. Der erstere trennt die Halbinsel Morea oder den Peloponnes vom mittleren Griechen land. Den südlichsten Punkt der ganzen Halbinsel bildet das Kap Matapan. Bodenbildung und Bewässerung.) Die Balkanhalbinsel ist fast durch weg Gebirgsland. Die Gebirge ziehen in verschiedener Richtung und spalten dadurch die Halbinsel in mehrere voneinander liegende Landschaften. Es entsteht sozusagen ein Gitterwerk von Gebirgen, das die Ebenen und Flüsse in ihrer Ausdehnung hemmt. Die Hauptgebirgszüge sind die Dinarischen Alpen, der Schar Dagh und der Balkan. Dieser ist ein schwer zugängliches Mittelgebirge und bildet eine Grenze zwischen der niedrigen bulgarischen Hochebene und den Niederungen der Maritza. Die Gebirge, die sich an der Westküste entlang ziehen, sind wasser- und waldarm. Nördlich vom Schar Dagh liegt das Bergland von Serbien. Der Hauptflusz des Gebietes ist die Morawa, die die Donan mündet. Im Süden sind die Pinduskette und der Olymp die bedeutendsten Gebirge. (Das Klima gleicht dem mitteleuropäischen. Der Norden hat heiße Sommer, aber sehr rauhe Winter. Der westliche Küstensaum, Griechen- Beyerie, Die Geschichte des Weltkrieges. 8 114 land und die Agäischen Inseln haben Mittelmeerklima. Alle Südfrüchte gedeihen vorzüglich. Die griechischen Weine und getrockneten Trauben (Korinthen) siud überall bekannt. In günstigen Jahren bringt auch die Dattelpalme auf der Insel reife Früchte. Der sehr ergiebige Ackerbau lie fert Getreide, der Obstbau vor allem Pflaumen. In den Eichenwäldern züchtet man grosze Schweineherden. In früheren Jahren gehörte die ganze Halbinsel den Türken. Die Türkei verteilt sich zum großen Teil auf Europa und Asien. In den Kämpfen, in die sie verwickelt wurde, ging ihr ein großer Teil verloren. Sie umfaßt heute ein Gebiet im Osten der Balkanhalbinsel ungefähr so groß wie die Rheinprovinz. In Asien gehören ihr Kleinasien, Syrien, Palästina, Meso potamien, die Hälfte von Armenien und der Westen von Arabien. Sie grenzt an den Persischen Meerbusen, an das Rote, an das Mittelländische und an das Schwarze Meer. Der Herrscher des Landes, der Sultan, ver einigt in sich die weltliche und geistliche Macht. Er ist also der Kaiser über die Türken und das Oberhaupt der Mohammedaner. Er wohnt in der Hauptstadt Konstantinopel, am Bosporus, der eine der schönsten Wasser straßen der Welt ist. Er ist ein schmaler Wasserstrich zwischen dem Schwarzen und dem Marmara - Meer. Hier beginnen die heute so heißumstrittenen Dardanellen. Das Ufer des Bosporus ist wunderbar. Es bildet eine fortlaufende Stadt mit Wohnungen, Lusthäusern, Gartenhäusern, Mo scheen, Springbrunnen, Bädern und Kaffeehäusern. Der Bosporus ist sehr stark befestigt, so daß die Durchfahrt durch die Dardanellen wohl kaum zu erzwingen ist. Auch die Dardanellenstraße ist sowohl am Eingang wie auch am Ausgang durch Schlösser und Forts stark befestigt, ebenso die Halb insel Eallipoli. Die Dardanellen verbinden das Schwarze Meer mit dem Mittelländischen Meere. Konstantinopel ist dadurch eine wichtige Handels- Hafenstadt geworden. Die Türken beherrschen durch den Besitz dieser Straße nicht nur das Schwarze Meer, sondern auch den Ubergang von Europa nach Asien. Daß die Russen darum gerne Konstantinopel und die Dardanellen besitzen möchten, ist wohl verständlich. Doch die Türken halten treue Wacht. Es wird der verbündeten Macht des Vierverbandes wohl kaum gelingen, sich die Durchfahrt zu erzwingen. Konstantinopel, das türkische Stambul, hat an der Mündung des Bosporus in das Marmarameer und am Goldenen Horn eine herrliche Lage. Zudem ist es durch sie einer der besten Häfen der Erde geworden. Die Vorstädte Konstantinopels, die von den Europäern (Franken genannt) bewohnt werden, erheben sich jenseits des Goldenen Horns auf einein langsam ansteigenden Vorsprung. Es sind die Städte Galata, der Sitz der Kaufleute, und Pera, der Wohnort der europäischen Gesandten. Die Stadt an sich ist sehr schön, besonders gibt sie ein stimmungsvolles Bild durch die vielen Kuppelbauten, in denen sich die Sonne widerspiegelt. Am Knie der Maritza und an der Eisenbahn, die Konstantinopel über Sofia, Belgrad, Budapest und Wien mit Westeuropa verbindet, liegt Adrianopel. Es liefert Seide, Rosenöl und Teppiche nach den europäischen Städten. Auf der gleichnamigen Insel liegt Eallipoli, der befestigte Vorhafen der Hauptstadt. Reste der Europäischen Türkei find im Osten Numelien iThra- 115 8* Zien) zwischen Balkan und Agäischen Meer, Mazedonien bis zum Olymp, un W. Albanien. Am Nordende des Meerbusens von Saloniki, die gleich namige Stadt, die zweitgrößte Handelsstadt der Europäischen Türkei. Durch die Bahn nach Belgrad wurde sie der Handelshafen für Ungarn. kl. Das Volk und seine Bedeutung auf wirtschaftlichem Gebiete. 1. Geschichte. In den früheren Jahren hatten die Türken die ganze Balkan-Halbinsel unterjocht. Doch war ihre Herrschaft nicht von langer Dauer. Das türkische Reich ist seit einem Jahrhundert wieder in der Zerbröckeluug begriffen. Die Bevölkerung setzt sich aus Türken, Slawen, AlbaneseN und Griechen zusammen. Fast die Hälfte der Bewohner sind Mohammedaner. Alle übrigen bekennen sich zur griechisch-katholischen Kirche. Der Charakter der Türken wird von vielen sehr gelobt. Der Türke soll sehr gerecht sein im Handel. Er ist höflich gegen jeden, gütig gegen seine Diener. Würde voll gemessen erledigt er seine Geschäfte. Alles Hasten ist ihm zuwider. Seine Ruhe, Sorglosigkeit und Genügsamkeit sind bewundernswert. Mit stummer Ergebung erträgt er ein Unglück, da der Glaube an ein vorher bestimmtes Schicksal seine Seele belebt. Daher kommt auch die Ausdauer nn Kriege, seine Tapferkeit. Die Schatten seines Charakters sind Herrsch sucht, übertriebener Nationalstolz, religiöser Fanatismus, Unwissenheit und Phlegma. In seiner Kleidung sieht er gern das Grelle. Stets steht man den Türken mit dem Fes, einen: knallroten Käppi mit schwarzer Quaste. Die Vornehmen tragen um dasselbe noch ein verschlungenes weißes Gaze tuch und nennen diese Kopfbedeckung Turban". Die Bürger und Bauern haben unter den unteren Beamten, den Steuerpächtern, viel zu leiden. Der Bauer baut nur das Notwendigste an, nm der Habgier dieser Beamten zu entgehen. Der Kaufmann gibt sich ein ärmliches Aussehen, damit die Steuerbeamten ihn nicht aussaugen. Der Bauer muß Vi seiner Ernte abgeben. Wer am meisten Trinkgeld bezahlt, dessen Ernte wird am schnellsten abgeschätzt. Wer es nicht kann, sieht seine Ernte verderben. Die meisten mohammedanischen Bauern geben ihre Acker an die Moscheen ab, da sie dann abgabenfrei sind. (Nach Harms.) 2. Wirtschaftliche Verhältnisse. Verfassung. Trotz des ertragreichen Bodens und des günstigen Klimas wird die Landwirtschaft vernachlässigt. Makedonien liefert Reis, Tabak und Baum wolle, Thrakien Rosenöl- und -wasser. Die reichen Erzlager werden kaum ausgebeutet. Der Handel mit Teppichen, Seidenwebereien, Waffen, Filigranarbeiten in Gold und Silber hat bedeutend nachgelassen. Die Haupthandelsländer sind England, Frankreich, Österreich-Ungarn, Rußland Italien. Deutschland steht erst an achter Stelle. Die Türkei liefert aus: Rohseide, Kokons, Weintrauben, Mohairwolle, Mais, Opium, Feigeu, Erze und Teppiche. (Verfassung.) Der Sultan war früher unbeschränkter Herrscher. 1908 wurde eine Verfassung eingeführt. Die Macht des Sultans ist sehr groß, 11k zumal da er auch das geistliche Oberhaupt ist. Doch ist er hierin be schränkt durch den geistlichen Beamten, den Scheik ul Islam". Dieser überwacht streng die Religionsgesetze. Es steht ihm sogar das Recht zu. den Sultan in einem Ubertretungsfalle zu bestrafen. Dein Sultan zur Seite steht der erste Minister oder Großwessir, diesem unterstehen die übrigen Minister (Wessire). Die höchsten Staatsbeamten und Generäle erhalten den Titel Pascha". Das Negierungsgebäude in Konstantinopel heißt die Hohe Pforte". In der Türkei herrscht nach europäischem Muster die allgemeine Wehr pflicht. Die früheren Haupttruppen waren die Janitscharen. Sie bestanden aus ausgehobenen Christentindern, die man den türkischen Landleuten zur Erziehung im Islam übergab und sie dann von früh auf an Strapazen und Blutvergießen gewöhnte. Als aber selbst den Sultanen durch diese Janitscharen Gefahr drohte, wurden sie mit Hilfe anderer Truppen ver nichtet. III. Wie der Islam sich erhob. Zn der Zeit, da sich sieben Feinde gegen Deutschland und Österreich- Ungarn erhoben, entschlossen sich die Feinde, im Süden auch die Türken um Hilfe zu bitten. Diese aber gedachten früherer Zeiten, zumal des letzten Balkankrieges 1912 13, in dein sie viel gelitten hatten. Ihre Armee war nach diesen Jahren nichts mehr wert. Sie mußte vollkommen verbessert werden. Mit neuem Mut und frischer Tatkraft erneuerten die Türken in den folgenden Jahren ihr veraltetes Heerwesen. Schnell wuchs es zu neuer Stärke und Macht heran. Deutsche Offiziere unter Führung des Generalleutnants Liman von Sanders unterstützten die Türken in der Ausbildung neuer Armeen. So kam es, daß sie nach deutscher Art herangebildet wurden. Die Truppen sind sehr gut geschult. Unsere Offiziere nehmen in der türkischen Armee eine hervorragende Stelle ein. Unsere Feinde sahen diesem Verkehr stets mit Mißtrauen entgegen. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei wurden immer besser, besonders dann, als sich die beiden Länder durch Handel und Industrie näherten. Die Ausfuhr Deutschlands in die Türkei hat bedeutend zugenommen. Als die Gegner einsahen, daß sie bei der Türkei nichts erreichten, wollten sie auch diese schwächen. Die Feinde hatten es besonders darauf abgesehen, die Besitzungen in Asien zu erobern. Nußland strebte schon lange danach, Konstantinopel zu besitzen, um seine Macht über den Balkan auszudehnen. Die Engländer hatten Ägypten und den Suezkanal unter ihre Herrschaft gebracht. Das konnten ihnen die Türken nicht vergessen, war doch ihre Macht dadurch gebrochen. Die Türkei mußte ihre Zukunft sichern. Sie hatte nach dem Balkankriege wohl gemerkt, daß die Zentralmächte das wenigste Interesse an der Auf teilung ihres Landes hatten. Deshalb schlössen sich die Türken zu Beginn des Krieges an uns an. Die Feinde gingen jetzt gegen sie vor. Der russische Botschafter verließ Konstantinopel. Ihm folgten nach einigen Tageil der englische und französische Gesandte. Der bisherige Gouverneur von Belgien, Generalfeldmarschall von der Goltz, reiste nach der Türkei ab, um den Sultan in den Kriegsgeschäften zu unterstützen. Ein großes Volk 117 sollte durch dm Eintritt der Türken in den Krieg den gewaltigen Weltenbrand löschen helfen. Sie sind nicht einer plötzlichen Eingebung gefolgt, die etwa deutsch-österreichische Siege hervorgerufen hätte. Nein, sie hatten schwer wiegende Gründe, die sie an dem Kriege mit teilnehmen ließen. Am 9. August hatten die Engländer drei türkische Kriegsschiffe, die in England gebaut, bezw. angekauft waren, beschlagnahmt. Zu Beginn des Krieges kauften die Türken deutsche Kriegsschiffe, die in ihre Häfen geflüchtet waren, an. Es waren die Kreuzer Goeben" und Breslau". Die Feinde erhoben dagegen Einspruch. Am 29. Oktober 1914 griffen russische Schiffe ein türkisches Geschwader im Schwarzen Meere an. Dies waren die äußeren Ursachen. Jetzt war der Augenblick gekommen, wo die Türkei angriff. Nun kann sie sich gegen den Dreiverband wehren und sich eine gesicherte Stellung erringen, die den Plan des Gegners, die Türkei anfzuteilen, Zunichte macht. So hat denn der Sultan als Schntzherr aller Gläubigen, als Nachfolger Mohammeds, am 12. November 1914 den Heiligen Krieg erklärt. Es war nicht nur ein Krieg gegen die politischen Feinde, sondern auch gegen die Feinde der Religion, des Islams. Dadurch wurden alle Mohammedaner, auch die in Marokko, Ägypten und Indien zum Kampfe gezwungen. Sie dürfen also nicht in die Armeen Englands, Frankreichs oder Rußlands eintreten. 3W Millionen Jslamiter erhoben sich in drei Erdteilen und traten uns zur Seite. Sie zum großen Teile recht kriegerisch gesinnt. Den Franzosen haben sie in Marokko schon wiederholt gegenübergestanden. IV. Der Kampf um die Dardanellen. Gleich zu Beginn des Krieges hatten die Türken schon schöne Siege zu verzeichnen. Ende Oktober legten die russischen Schiffe Minen, um da durch die freie Durchfahrt der türkischen Flotte aus dem Bosporus nach dem Schwarzen Meere aufzuhalten. Am 29. Oktober 1914 brach der Krieg zwischen beiden Mächten aus. Die Türken beantworteten das feindliche russische Vordringen mit der Zerstörung eines russischen Minendampfers und eines Torpedojägers. Die Flotte zeigte in den ersten Tagen schon ein kühnes Vorgehen, das mit schönen Erfolgen endete. Der frühere deutsche Kreuzer Goeben", jetzt wultan Javus Selna", schoß Sebastopol in Brand. Anfang November^ückten die Russen über die kaukasische Grenze vor. In einer fünftägigen Schlacht wurden sie vollständig geschlagen. Der Petro leumhafen Batum war eingeschlossen. Die Russen wurden zurückgedrängt. Die Türken konnten nur langsam vordringen, da die Witterung und auch die Wege schlecht waren. Am 24. Dezember meldeten die Türken einen glorreichen ieg bei ^lty unter Enver Pascha. Die Rnssen wurden weiter verfolgt. Die Türken erhielten einen neuen Oberbefehlshaber in dein Ver teidiger von Adrianopel, chürki Pascha. Sie drangen in Persien ein und besetzten die Hauptstadt ^äbris. In Armenien wurden russische Vorstöße abgewiesen. Die Türken sind zu Wasser und zu Lande stark be waffnet und leisteten bisher zähen Widerstand. Dies zeigte sich vor allem bei der Verteidigung der Dardanellen. Anfang November rückten franzö sische und englische Kriegsschiffe heran und beschossen, ohne Erfolg jedoch, 118 die Dardanellen-Forts. Eifrig wurde an den Dardanellenbefestigungen ge arbeitet. Wiederholt versuchten die Engländer und Franzosen mit Auf bietung all ihrer Kräfte, sich den Durchgang durch diese Wasserstraße zu erzwingen. So wollten sie Rußland helfen, Konstantinopel zu besetzen und dadurch den Zugang zum Meere zu erhalten. Eine große Landungsarmee mußte aber zur Stelle sein, wenn man einen Erfolg erreichen wollte. Die Verbündeten baten bei Griechenland aber vergebens um Hilfe. Der tür kischen Flotte steht ein starkes Landheer unter Liman von Sanders zur Seite, das den Landungsversuchen der Gegner mit aller Entschiedenheit entgegenarbeitet. Das französische Unterseeboot Saphir", das sich der Meerenge am 15. Januar 1913 näherte, wurde versenkt. Die Hauptkämpfe fanden in den Tagen vom 19. Februar bis 2. März statt. Die Verbündeten rückten mit 16 Panzerschiffen, 3 Kreuzern und mehreren Torpedoboots- zerstörern an. Sie verloren mehrere Schiffe, vier große Dampfer wurden vernichtet. Die Verbündeten hatten 2999 Mann Verluste. Sie versuchten alles, um den Durchbruch zu erzwingen. Die Franzosen und Engländer stellten 69 80999 Mann Eallipoli auf. Die Russen sammelten ein Heer bei Odessa. Sie mußten es jedoch nach Ealizien zurückziehen, wo es von Linsingen geschlagen wurde. Die englischen Verluste betrugen bis zum 18. Juli allein 49999 Mann. Da beschloß der Kriegsrat, einst weilen die Fortsetzung der Operationen aufzugeben. Sie wollten zunächst noch einmal einen Balkanstaat nm Hilfe bitten. Unsere II-Boote hatten sich inzwischen den Weg ins Mittelmeer gebahnt. Hier unterstützten sie die türkischen. Sie bohrten am 25. und 27. Mai die englischen Schlacht schiffe Triumph" Majestic" in den Grund. In den Dardanellen kämpfen vom 22. 23. Juni verloren die Engländer 7999 Mann. Die Verbündeten hatten 89999 Mann gestellt und davon schon nahezu 69999 eingebüßt. Darum waren sie gezwungen, neue Truppen zu landen. Un geheure Truppeumassen zogen sich nach dem türkischen Kriegsschauplatz. Viele Transportdampfer wurden durch die II-Boote versenkt. Anfang August landeten sie neue Truppen und besetzten das Gebiet um den Salzsee von Suvla und stellten eine Verbindung her mit den Truppen, die sie bei Ari Burun landeten. Unsere Verbündeten besetzten die beherrschenden Höhenstellungen nnter General Liman von Sanders. Der Kaiser verlieh ihm den Orden ?our Iv msriw" und dem türkischen Oberbefehlshaber Admiral von Usedom Pascha, der die Dardanellenverteidigung leitete, das Eichenlaub zum Orden ls merite". Den Oberbefehl über die I. Armee führt seit April 1915 Generalfeldmarschall Freiherr von der Eoltz-Pascha. Durch die Besetzung Serbiens erreichten die Mittelmächte ihre Ver bindung mit den Bulgaren und Türken. Wir versorgten letztere mit Munition und schweren Geschützen. Mitte Dezember 1915 gingen die Türken zum Angriff über. Die Feinde mußten ihre Stellungen bei Ana- forta Ari Burun räumen. Anfang Januar 1916 zwangen unsere Bundesgenossen die Engländer bei Sedd il Bahr zur Flucht auf ihre Schiffe. Nun war die ganze Halbinsel Gallipoli vom Feinde gesäubert. Die Feinde beklagten den Verlust von 299999 Mann. 119 In Ägypten hatten türkische Truppen im Kampfe mit englischen Vor posten den Suezkanal schon Anfang Februar überschritten, waren aber aus keinen weiteren Widerstand gestoszen. So hat sich die Türkei katkräftig an die Seite der Zentralinächte gestellt. Die Türken haben sich im Laufe der Jahre zu einem Volke herangebildet, dessen Bedeukung im jetzigen Kriege Wir nicht unterschätzen dürfen, besonders, je mehr der Gedanke des heiligen Krieges Eingang in die unterdrückten Völker des Islams findet. Das Königreich Serbien. 48 Taus, hlim, 2^ Mill. Einw., 58^ 1 Behandluug. I. Das Land. II- Das Volk. 1. Vage, Grenzen, Größe. 1. Geschichte. 2. Bodengestalt und Bewässerung. 2. Die wirtschaftlichen Verhältnisse. 3. Siedlungen. III. Die Eroberung Serbiens. l. Das Land. 1. Lage, Grenzen, Grösze. (Lage.) Den einzigen Binnenstaat der Balkanhalbinsel bildet das König reich Serbien. Es ist als das Gebiet der Morawa und ihrer Nebenflüsse, das am dichtesten bevölkerte Land der Halbinsel. (Grenze.) Seine natürlichen Grenzen sind im Norden Donau und Sau (Save). Im Osten grenzt es an Rumänien und Bulgarien, im Süden an Griechenland und im Westen an Albanien, Montenegro und Bosnien. Hier bildet auch die Drina (wessen Nebenfluß ist sie?) eine Grenze. (Grösze.) Serbien ist größer als das Königreich Bayern. Nach dem zweiten Balkankriege 1913 vergrößerte es sich fast um die Hälfte, besonders nach dem Süden hin. Doch hat es bis jetzt noch keinen Zugang znm Meere erworben. 2. Bodengestalt und Bewässerung. Serbien ist durchweg Gebirgsland. Es wird von mehreren Bergzügen und kleineren Hochflächen durchquert. Durch das fruchtbare Morawa-Tal wird es in einen östlichen und westlichen, durch die Querfurche der Neben flüsse in einen nördlichen und südlichen Teil geteilt. In der Südhälfte erstreckt sich ein rauhes Gebirgsland, das fast die Höhe von 2300 m erreicht. Die Nordhälfte wird von einem fruchtbaren, vortrefflich bewässerten Hügel lande angefüllt. Es ist der ^eil, den die Natnr am reichsten und besten aus gestattet hat. Das Ostserbische Gebirge gehört dem Balkansystem an. Das breite Morawa-Tal beginnt in der Ungarischen Tiefebene und erstreckt sich bis in das Innere der Halbinsel. Es verbindet also die Balkan- Halbinsel mit dein übrigen Europa macht Serbien zu einem wichtigen Durchgangsland. In früheren Jahren nahmen die verheerenden Türkeu- züge und die uugarischeu Truppen hierdurch ihren Weg. Für die Zukunft 120 aber kann diese wichtige Verkehrslinie, die sich bei Nisch in die Orientlinie und die Bahn nach Saloniki gabelt und außerdem mit einem Seitenarm über das Amselfeld führt, nur von Segen sein." (Harms.) Der Hauptflus; Serbiens ist die Bulgarische Mörawa. (Wo entspringt sie?) Sie flieht von Süden nach Norden. Vom Westen her empfängt sie die Serbische Morawa, die ihr eine reiche Wasserfülle zuführt. Von Osten fließt ihr der Nifchawa zu. Die Morawa ist eine wichtige Verkehrslinie Serbiens. Durch ihr Tal führt eine Eisenbahn, die Mitteleuropa mit Kon stantinopel und Saloniki verbindet. Der Timok, der in die Donau mündet, bildet auf seinem Unterlauf die Grenze gegen Bulgarien. 3. Siedlungen. Die Hauptstadt des Landes ist Belgrad (d. h. Weiße Burg). Sie liegt auf eiuer Anhöhe an: Einflüsse der Sau in die Donau. Da sie gleichsam der Schlüssel des Zuganges nach der Balkanhalbinsel ist, wurde sie in den Kriegen zwischen Österreichern Türkeu oft und heiß umstritten. (Wann kam sie in dein großen Weltkriege zum erstenmal in den Besitz der Oster- reicher? Wann wurde sie später von ihnen besetzt?) Von Belgrad aus führen zwei wichtige Eisenbahnen nach Konstantinopel und Saloniki. Bis zum Jahre 1867 (also zur Zeit der Türkenherrschaft) war Kragujewatz die Hauptstadt des Landes. Die zweite Hauptstadt des Landes ist Nisch, ein Eisenbahnknotenpunkt. Hier trifft die von Konstantinopel kommende Orient bahn mit der von Saloniki zusammen. Die bedeutendste Stadt in Maze donien ist Monastir Münster, der Ausgaugspunkt der nach Saloniki füh renden Bahn. II. Das Volk. 1. Geschichte. Die Serben sind nach ihrer Abstammung Slawen, und zwar gehören sie zur Gruppe der Südslaweu. Im . Jahrhundert drangen sie in das Land ein und gründeten im 11. Jahrhuudert ein selbständiges Königreich Eroßserbien mit der Hauptstadt Novibass-r. Nach der Schlacht auf dein Amselfelde gelangte es in den Besitz der Türken, die es später ihrem Neiche einverleibten. Nur das heutige Montenegro bewahrte seine Selbständigkeit. Das jetzige Serbien erkämpfte sich von 1804 1816 eine selbständige Ver waltung; 1878 wurde die Unabhängigkeit Serbiens anerkannt und das Land bedeutend vergrößert. 1882 wurde es zum Königreich erhoben. Es hat bisher noch keine großen Fortschritte gemacht, sondern seine Kräfte im Parteiwirrwarr aufgezehrt. Am 11. Juni 1W3 fiel König Alexander mit seiner Gemahlin Draga einer Militärverschwörung zum Opfer. Der letzte König Peter ist nun im Weltkriege von seineu Gegnern besiegt worden und hat sein Land verloren. Die Serben sind ein Baueruvolk, jedoch fehlt es ihnen an Strebsam keit. Der serbische Bauer ist äußerst bedürfnislos, mißtraut alleu Fremden, namentlich deu gehaßteu Osterreicheru, und will deshalb auch nichts von ihnen lernen." Volksschulzwang besteht uicht. National und religiös ist Serbien einheitlich; 80^ sind Serben. 90^ griechisch-katholisch. 121 2. Die wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Natur hat Serbien sehr reich ausgestattet. Die Ebenen und das Hügelland sind infolge der guten Bewässerung fruchtbar. Trotzdem ist der Boden schlecht bewirtschaftet, die Ackerknltur also sehr rückständig. Die neu zeitlichen Fortschritte in der Landwirtschaft sind dem serbischen Bauer noch unbekannt. Der Ackerbau erzeugt vorwiegend Mais, der die Haupt nahrung der Bevölkerung bildet. Für die Ausfuhr baut man Weizen, Flachs und Hanf an. Unter den Obstbäumen nimmt der Pflaumenbaum die erste Stelle ein. Man sieht zuweilen weite Strecken mit Pflaumen bäumen bestanden. Seine Früchte werden znm Teil ausgeführt oder dienen zur Zubereitung von Branntwein. Ein großer Teil des Landes ist Wald. Eichenwälder begünstigen die Schweinezucht. Serbien ist im Osten und Südwesten reich an mineralischen Schützen. Der Bergbau erlebte im Mittelalter seine Blütezeit. Im Ostserbischen Gebirge sind auch Steinkohlen vorhanden. Die Bodenschätze werden leider zu wenig ausgebeutet. Die Industrie (Hausindustrie) liefert haupt sächlich Teppiche, Wollschnüre und Filigranarbeiten. Die Hauptausfuhr gegenstände sind Ackerbauerzeugnisse. Die Haupthandelsländer sind Öster reich-Ungarn, Deutschland und England. Deutschland erhält Mais, Zwetschen Gerste, Weizen und Eier; es bezahlt mit Waffen, Webewaren, Eisen, Leder, Eisenbahnwagen. III. Die Eroberung Serbiens. Die ersten Kämpfe zu Beginn des Krieges mit Serbien sind schon unter Österreich-Ungarn Abschnitt IV. behandelt worden.) Wie wir bereits hörten, drangen die Österreicher anfänglich siegreich in Serbien vor. Zu Beginn des Jahres 1915 jedoch mußten sie ihre Truppen zurückziehen, um sie deu Russen gegenüberzustellen. Sie räumten die ge wonnenen Gebiete und warteten einen Zeitpunkt ab, der geeigneter schien, Serbien anzugreifen. Nun war die Stunde der Nache und der gerechten Strafe für diese Königsmörderbande gekommen. Auf dem östlichen Kriegs schauplatze war nämlich Ende September 1915 ein Stillstand eingetreten, nachdem die große Offensive der ^jentralmächte gegen Rußland einen günstigen Abschluß gefunden hatte. ^ etzt^begann von neuem der Krieg mit den Serben, nicht nur um Sühne für Serajewo zu fordern, sondern um auch eine Verbindung mit unseren verbündeten Freuuden, den Türken, herzustellen. Wir sammelten also neue Streitkräfte und stellten sie unter den Oberbefehl des Eeneralfeldmarschalls von Mackensen. Armeeführer wurden General v. Gollwitz und v. Koevesz. Wir mußten zunächst die nörd lichen Grenzflüsse Serbiens, Donau und Save überschreiten, was überaus schwierig war. Der wohldurchdachte Plan gelangte Anfang Oktober 1915 zur Ausführung. --chon nach zweitägigen? harten Straßenkampfe wurde die serbische Hauptstadt Belgrad (9. Okt. 1915) erobert. Die Armee Gall witz überschritt in der Gegend der Mvrawamündung die Donau und besetzte am 11. Oktober die alte Festung Seinendria, die wie ein Riegel dem Morawatal vorgeschoben war. Die Verbündeten verfolgten den Feind, 122 brachten das Berggelände südlich dieser Städte in ihre Gewalt und tonnten in Serbien festen Fusz fassen. Die Serben mußten nacheinander ihre Stel lungen ausgeben. So gingen die Verbündeten tatkräftig vorwärts. Um sie her donnerten die Kanonen und versuchten mit ihren schweren Kugeln die Tore Serbiens zu zerschmettern. Da stand an der Ostgrenze ein neuer Freund und Bundesgenosse der Zentralmächte und reichte ihnen seine hilfs bereite .Hand herüber. Die Bulgaren stehen uns zur Seite, sie haben bereits izlomki Der Aufmarsch gegen Serbien.123 die serbischen Stellungen angegriffen. Mit zwei Armeen haben sie die serbische Grenze überschritten. Der Tiinok ist an seinem Unterlauf schon überwunden. Das Bulgarenheer hatte zwei Hauptziele. Es wollte zunächst die Verbindung mit der von Semendria aus vorgehenden deutschen Armee unter General von Gollwitz und dadurch die Verbindung Berlin Wien Sofia Konstantinopel erreichen und zweitens die Bahnverbindung Salo niki Nisch in seine Gewalt bringen, denn durch diese Eisenbahnverbindung hatte Serbien bisher seine ganze Unterstützung von dem Vierverband er halten. Die Nordarmee der Bulgaren eroberte Pirot, und am 3. Nov. 1915 besetzten sie die zweite Hauptstadt des Landes, Nisch. Bald war auch die Vereinigung der Hauptkräfte der Heeresgruppe Mackensens mit der bulga rischen Armee nördlich von Nisch gelungen. Der Donauweg war frei gemacht. Die große Bahn Belgrad Nisch Pirot Sofia Konstantinopel kam ganz in unsere Gewalt. Auch die bulgarische Südarmee drang siegreich vor und erreichte am 23. Oktober Uesküb und Veles. Unaufhaltsam ging es weiter. Auf dem Amselfelde (18. November 1915) erlitten die Serben eine schwere Niederlage. Das Hauptheer war vernichtet, mehr als 1000W Gefangene waren unsere Beute, dazu kamen noch 500 Geschütze. Die Franzosen und Engländer versuchten den hartbedrängten Serben zu Hilfe zu kommen, es war aber zu spät. Sie drangen zu beiden Seiten der Wardar vor, wurden aber von den Bulgaren wiederholt besiegt und über die griechische Grenze zurück geworfen. Der Feldzug gegen Serbien erreichte sein Ende mit der Vernichtung des serbischen Heeres im südlichen Mazedonien. Am 2. Dezember 1915 wurde Monastir besetzt. Am 12. Dezember war ganz Mazedonien befreit, und kein einziger feindlicher oldat befindet sich mehr auf mazedonischem Boden. So war die Freveltat von Serajewo bitter gerächt und ganz Serbien im Besitze der Verbündeten. Das Königreich Moutenegro. 9 Taus. ^ Mill. Einw. Dichte 25. (Halb so groß wie die Nheiuprovinz.) 1. Lage, Größe, Grenzen. (Lage.) Montenegro ist der kleinste Staat der Balkanhalbinsel. Es dehnt sich westlich von Serbien aus und ist halb so groß wie die Rhein provinz. Nenne seine Grenzen! Behandlung. I. Das Land. 1. ^age, Größe, Grenzen. 2. Bodengestalt. 3. Siedlungen. II- Das Volk. 1. Charakter. 2. Wirtschaftliche Verhältnisse. III. Der Feldzug gegen Montenegro. I. Das Land. 124 2. Bodengestalt. Montenegro bedeutet Schwarzer Berg". Dadurch wird angedeuter, das; es ein rauhes, unwirtliches Gebirgsland ist. Es liegt ganz im Dina- rischen Gebirge reicht uur im Süden auf einer kurzen Strecke bis an das Adriatische Meer. Das kahle Gebirge bildet gleichsam eine Festung, die schwer zugänglich ist. Der größte Teil des Landes sind öde Karstflüchen (höchste Gipfel Dormitor"). Ein anderer Berg ist der Lowtschen (von den Österreichern nach dreitägigem harten Kampf genommen, 11. Jan. 1916). Im kleineren südwestlichen Teile dehnt sich ein schön bewaldetes Schiefer gebirge aus. Im Süden Montenegros liegt die fruchtbare Ebene von Pod- goritza, nördlich vom Skutarisee. An der Küste zieht sich teilweise eine fruchtbare Niederung entlang, in der Wein, Oliven und Apfelsinen ge deihen. Z. Siedlungen. Montenegro war eine absolute erbliche Monarchie. Der König wohute in dem dorfartigen Fürstensitz Cetinje d. h. Nikolausstadt. König Niko laus oder Nikita hat diesen Ort 1883 erbauen lassen. Größer und bedeu tender ist Podgoritza. An der Küste liegt der Hafenort Antivari. II. Das Volk. 1. Charakter. Die Montenegriner gehören zum Serbenvolk. Sie sind ein rauhes, kräftiges Geschlecht, das schon früh an Entbehrungen und Abhärtungen gewöhnt wurde. Die Montenegriner sind ein tapferes Volk von Kriegern, das mit immer gleichbleibender Begeisterung durch die Jahrhunderte seiue Unabhängigkeit verteidigte, ihr Reich ist heute das einzige auf der Halbinsel aus vortürkischer Zeit, der Rest des einstigen großserbischen Staates." Ihrer farbigen Nationaltracht verleihen sie noch einen besonderen Reiz durch deu Schmuck der Waffe. Sie besteht aus einem langen krummen Messer, zwei reichausgelegteu Pistoleu und einer langen Flinte. Die Wehr pflicht dauert bei ihnen vom 16. W. Lebensjahre, so das; das Heer ver hältnismässig groß ist. Die Arbeit lag in früheren Jahren nur in den Händen der Frau. 2. Wirtschaftliche Verhältnisse. Der Ackerbau reicht für deu Bedarf des kümmerlich lebenden Voltes nicht ans. Die Acker sind gemeinsamer Besitz des Dorfes, das immer eine aus Gruppen von Verwandten zusammengesetzte Familiengemeinschaft bildet." Unterstützt wurde Montenegro von Italien und Rußland. Von einiger Bedeutung ist die Viehzucht (hauptsächlich Ziegen und Schafe . Die Armut zwingt viele Bewohner, auszuwandern, um sich im fremden Lande das Brot zu verdienen. Vielfach kommen auch räuberische Einfälle in die benachbarten Gegenden vor, so daß Österreich-Ungarn selbst in Friedens zeiten die Herzegowina durch Sperrforts und Wachthäuser schützt. 125 III. Der Feldzug gegen Montenegro. Da Österreich-Ungarn seine Hauptkräfte den Russen gegenüberstellt, so können wir den Krieg mit Montenegro nur als eine Nebenaktion von ge ringer Bedeutung aufnehmen. Montenegro erklärte bekanntlich am 7. August 1914 den Krieg. Am 8. August schickte es seine ersten Truppen in der Rich tung Trebinje vor, eine andere Abteilung suchte gegen Autorac vorzudringen. Wenn schon die Österreicher gegen eine große Front zu kämpfen hatten, blieben ihnen doch noch Truppen, um den Angriff der Montenegriner mit einer Gegenoffensive zu erwidern. Am 15. August griff das 16. österreichische Armeekorps die Westgrenze von Montenegro auf der Linie Kiwaja Gratsovo an, während das 15. Armeekorps auf der Linie Eernica Eonko vor marschierte. Gleichzeitig wurden die montenegrinischen Stellungen auf dem Berg Lowien (Lowtschen) bombardiert. Mitte September wurden die Montenegriner nach dreitägigem heldenhaften Angriff unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Dann trat eine größere Ruhepailse ein. Als aber die Operationen gegen Serbien 1915 ihr Ende erreichten, gingen die Oster- reicher von neuem gegen die Montenegriner vor, die den Südostwinkel von Bosnien besetzt hielten. Sie wurden alsbald hinausgetrieben und mußten sogar noch ein Gebiet, das sie im früheren Balkankriege erobert hatten, an Osterreich abtreten. Die Bulgaren verfolgten sie und besetzten Djakova, die Österreicher Jpek. Insgesamt 700 Geschütze fielen in die Hände der Verbündeten. Auch die österreichische Flotte ging in diesen Tagen Werk und versenkte mehrere Schiffe, die zum Teil Kriegsvorräte enthielten. Anfang Januar 1916 ergriffen die Österreicher die Offensive an der montenegrinischen üdwestfront. Am 11. Januar war der Lowtschen er obert. Durch die Einnahme desselben war ein bedeutungsvolles Werk ge leistet, denn der Berg war den Montenegrinern besonders wert infolge seiner Bedeutung als beherrschender Grenzberg. Der österreichische Hafen Cattaro war frei und sicherte einen bequemen Zugang uach Montenegro und dessen Hauptstadt Cetinje. Da sah man voraus: Bald würde auch Montenegro dem Feinde unterliegen und das gleiche Schicksal mit Serbien teilen. An: 14. Jannar schon war die montenegrinische Hauptstadt Cetinje in den, Besitz der Verbündeten. Die Montenegriner traten den Rückzug an. Nun baten der König und die Regierung dieses Landes um die Einleitung der Friedensverhandlungen. Die Österreicher willigten ein, verlangten jedoch als Vorbedingung von Friedensverhandlungen eine vollständige Waffen- niederstreckung. Diese vollzog sich ohne Zwischenfälle. Die Österreicher fanden bei der Besetzung des montenegrinischen Gebietes keinen Widerstand. Ja, in einigen Gegenden bereitete man sogar den einziehenden Truppen einen feierlichen Empfang. Die Kapitulation Montenegros war dem Vier verband äußerst unangenehm. Deshalb arbeitete er fieberhaft, um den schlechten Eindruck, den dieses Ereignis auf die anderen Staaten machte, etwas abzuschwächen. Die Kapitulation kann aber nicht mehr rückgängig gemacht werden, weil sie bedingungslos vollzogen war. 126 Das Königreich Bulgarien. 96000 km, 4^ Mill. Einw., 44 auf 1 ikm. Behandlung. I. Das Land. II. Das Volk. 1. Lage, Größe. 1. Geschichte, Charakter. 2. Bodengestalt und Bewässerung. 2. Wirtschaftliche Verhältnisse. 3. Siedlungen. III. Bulgarien, unser neuer Freund und Bundesgenosse. I. Das Land. I. Lage und Größe. Bulgarien ist das Gebiet des Balkans und niinint den nordöstlichen Teil der Halbinsel ein. Bestimme seine Grenzen! Die Donau bildet auf einer langen Strecke die Scheide Zwischen Rumänien und Bulgarien. Seine Meereslage ist gut, denn im Osten reicht es bis an das Schwarze und im Süden bis an das Agäische Meer. Bulgarien ist ungefähr so groß wie das Königreich Bayern, etwa l -, des Deutschen Reiches. 2. Bodengestalt und Bewässerung. Bulgarien ist der Balkanstaat. Der Balkan, nach dem die Halbinsel ihren Namen führt, ist ein langes Faltengebirge. Er schließt sich beim Eisernen Tor durch seine nordwestliche Fortsetzung an die Südkarpathen an. Er fällt zum Schwarzen Meere ab. Der Balkan ist ziemlich schmal und reich an Pässen, die sehr hoch liegen. In seinem Bodenaufbau gleicht er dein deutschen Riesengebirge. Der bekannteste Pasz ist der 1333 w hohe Schipta- Paß, der von Tirnorva in das Tal von Kasanlyk hinabführt. Im russisch türkischen Kriege 1877 tobten hier heiße Kämpfe, in denen die Türken unter lagen. Nach Norden dacht sich der Balkan allmählich zur Donau ab. Süd lich vom Balkan dehnt sich das so fruchtbare Schweiumlandbecken von Philippopel aus bis Rhodopegebirge im Südwesten des Landes. Die natürliche Nordgrenze Bulgariens bildet die Donau, die den Jsker aufnimmt. Im Innern des Landes fließt sein größter Fluß, die Maritza, die in das Agäische Meer mündet. Ihr bedeutendster Nebenfluß ist die Tundscha. 3. Siedlungen. Die Hauptstadt Bulgariens ist Sofia, der Mittelpunkt des ganzen Halb insel-Rumpfes. Sie liegt an der Orientlinie und an der nach Rumänien führenden Jskerbahn. An der Maritza und an der Orientlinie ist das nach dem mazedonischen König Philipp II. benannte Philippopel, die zweite Stadt des Landes gelegen. Im Balkangebiet liegt in fruchtbarer Gegeud, am Kreuzungspunkt mehrerer Straßen Plewna. Die wichtigste und bedeutendste bulgarische Donaustadt ist Rustschuk. Widdin im Westen Silistria im Osten sind Festungen. 127 III. Das Volk. 1. Geschichte, Charakter. Ihrem Ursprung nach sind die Bulgaren ein finnisch-tartarisches Volk. Infolge Aneignung der slawischen Sprache und durch die slawische Bei mischung rechnet man sie heute zu den Slawen. Im 6. Jahrhundert drangen sie in das Land ein und gründeten ein selbständiges Reich. 1908 wurde das Fürstentum Bulgarien zum Königreich erhoben. Die Bevölkerung besteht aus 75 X Bulgaren. Die übrigen sind Türken, Griechen, Rumänen und Zigeuner. Der Religion nach sind 73^ griechisch katholisch. Bulgarien ist also inbezug auf Nationalität und Konfession ein heitlich. Die Bulgaren sind ein echtes Bauernvolk. Sie sind fleißig und gut begabt. Sie sind nicht nur für den Ackerbau, sondern auch für Technik und Gewerbe sehr gut veranlagt. Der Bildung sind sie zugänglich. Sie grün deten selbst zur Zeit der Türkenherrschaft mehrere Schulen und ließen ein heimische Lehrer im Auslande ausbilden. 2. Wirtschaftliche Verhältnisse. Bulgarien ist ein fruchtbares Land. Die Landwirtschaft hat in früheren Iahren sehr daniedergelegen, macht aber heute immer mehr Fortschritte. 30^ des Bodens sind bis jetzt für den Ackerbau gewonnen, ein großer Teil liegt noch unbeuutzt. Augebaut werdeu neben Weizen und Mais noch Tabak, Wein, Obst (Pflaumen). In Ostrumelien sieht man weite Felder mit Rosenstöcken bewachsen, so daß viel Rosenöl gewonnen wird. Die Viehzucht liefert vor allem Rinder und Schafe. Der Bergbau ist unbedeutend. Die Industrie macht gute Fortschritte. Die Hausindustrie beschäftigt sich vorwiegend mit Spinnerei und Weberei (Teppiche Stickereien). Der Handel Bulgariens blickt einer guten Zukunft entgegen, da drei wichtige Handelswege das Land durchqueren. Die Hafenstadt Nord-Bulga riens ist Warna, diejenige Süd-Bulgariens Burgas. Straßen- und Bahnbau werden sehr gefördert. Ausfuhrgegenstäude sind die schon ge nannten Erzeugnisse des Bodenbaues, sowie Vieh und Nutzholz. Die Haupthandelsländer sind Belgien, Österreich-Ungarn, England, Türkei, Deutschland. Letzteres erhält Eier und Weizen und gibt Webewaren ab. III. Bulgarien, unser neuer Freund und Bundesgenosse. Rußlands Bestreben war nicht allein darauf gerichtet, den Türken Konstantinopel zu entreißen, es wollte auch seine Macht auf dem Balkan ausdehnen und duldete dort keinen selbständigen und starken Staat. Nach dem der Dreiverband (seit Mai 1915 infolge Anschließung Italiens der Vierverband) sich um die Hilfeleistung der Türken vergebens bemüht hatte, versuchte er unter den größten Anstrengungen, Bulgarien, Griechenland und Rumänien für sich zu gewinnen. Besonders wurde auf Bulgarien ein Druck ausgeübt. Dieses hatte im zweiten Balkankriege Mazedonien an Serbien 128 abtreten müssen; dieses verdankte es Rußland. Bulgarien konnte den Verlust des Landes nicht gut verschmerzen und bereitete sich mit großen: Eiser vor, um die Wunden des zweiten Balkankrieges zu heilen, und um für eine bessere Zukunft zu sorgen. In dem gegenwärtigen Kriege bewahrte es lange strenge Neutralität. Die Bemühungen des Bierverbandes wurden immer anstrengender, sie gaben Versprechungen und sparten sogar nicht an Drohungen. Doch der Zar und die Regierung ließen sich nicht ein schüchtern. Sie erkannten rechtzeitig, daß das Land niemals die Erfüllung seiner nationalen Ansprüche von den schönen Versprechungen des Bier verbandes erhalten werde". Zudem wollte sich Bulgarien auch von den Einflüssen Rußlands frei machen. Die Türkei brachte der gemeinsamen Sache das Opfer, daß sie ein Landgebiet an der unteren Maritza an Bul garien abgab. Nun ging Bulgarien zum Dreibund über. Am 4. Oktober 1M5 überreichte der russische Gesandte eine Note, die den Abbruch der bulgarischen Beziehungen zu Deutschland sowie Entlassung der Deutschen und österreichischen Offiziere forderte. Bulgarien beantwortete diese For derung mit dem Beschluß der allgemeinen Mobilisation. Die Russen riefen nun ihren Gesandten aus Sofia zurück. Ihnen schlössen sich England, Frank reich und Italien an. Am 14. Oktober gaben die Bulgaren amtlich be kannt, daß die bulgarische Regierung sich infolge Werfalls durch serbische Truppen bei Köstendil und Bjelogradschik im Kriegszustand mit Serbien befinde. Seit dieser Zeit kämpfen die Bulgaren Schulter an Schulter mutig und kraftvoll für die Verteidigung der gerechten Sache. Es wurden zwei Armeen gebildet: die 1. Armee unter General Bojadjeff gegen die Linie Negotin Pirot im Timoktal, die 2. Armee unter General Todorow in der Richtuug auf Uesküb (Skoplje) Köporülü (Veles). Die Armee Bojadjeff wurde dem Oberkommando des Generalfeldmarschalls V.Mackensen unterstellt. Unsere Kolonien. In den Jahren, da die Niederlande, England und Frankreich sich als gewaltige Kolonialmächte entwickelten, fehlte es Deutschland durch die innere Zersplitterung an Kraft und Mut, sich auch nach außen zu betätigen. Erst nach der Neubegründung des Reiches, das in sich nun ein einiges Volk vereinigte, ging man mit Macht daran, Kolonialbesitz zu erwerben. Man wollte zunächst in den ausländisch erworbenen Gebieten christliche und nationale Kultur und Gesittung verbreiten". Und ein zweites kam hinzu. Warum sollte das Geld, das wir jährlich für tropische Erzeugnisse ausgeben, alles in die Taschen der Ausländer fließen? Deshalb verlangte das deutsche Volk auch nach ausländischem Besitz, wo es galt seine Produkte unter zubringen und neue Rohstoffe in Empfang zu nehmen. Die deutsche Aus wanderung sollte in die eigenen Kolonien gelenkt werden, damit der aus wandernde Deutsche dem deutschen Vaterlande, seiner Heimat, erhalten bleibe. Die ersten Kolonialerwerbungen erfolgten 1884. Der kleinste deutsche Schutzstaat in Afrika ist 129 Togo. Es ist mehr als dreimal so groß wie die Rheinprovinz. Im Westen grenzt Togo an die englische Kolonie der Goldtüste, im Norden an die Reiche der braunen Fellata und im Osten an die französische Kolonie Dahoms, die sich an der Sklavenküste hinzieht. (Bodenbildung und Bewässerung.) Infolge der starken Brandung und mehrerer Sanddüuen, die die Küste begleiten, ist dieselbe schwer zu gänglich. Der Hauptfluß ist die Wolta. Hinter der Küste steigt das Land zu einer flachwelligen Ebene an. Diese ist sehr fruchtbar und mit Gras fluren, Busch- und Baumsavannen und Olpalmenbeständen bedeckt. Der Fleiß der Bewohner hat hier auf weiten Strecken fruchtbares Kulturland geschaffen. Angebaut werden Jams (stärkemehlreiche Knollenfrucht), Bataten (Süßkartoffeln), Mais, Erdnüsse. Vorzüglich gedeihen hier Affen brotbaum, Baumwollenbaum, Kokos- und Olpalmen. Das innere Hoch land zeigt Grassteppen in Abwechslung mit Wäldern. Nordtogo ist gut für Viehzucht (Rinder, Pferde) und Ackerflächen. Auf den Plantagen zieht man Baumwolle, Kaffee, Tabak. Das heißfeuchte Küstenklima ist für die Europäer ungesund, im Hinter lande können sie es besser vertragen. Die wirtschaftliche Bedeutung hat einen günstigen Aufschwung ge nommen. Togo liefert Palmöl, Palmkerne, Mais, Kautschuk, Baumwolle. Die Bevölkerung sind vorwiegend Neger. Sie sind friedliche, arbeit same, gewerbtätige und äußerst geschickte Leute. Ihre Religion ist der Fetischdienst. Zur Bewerkstelligung des Verkehrs dienen eine Küstenbahn und zwei Bahnen ins Innere des Landes. Ihren Ausgangspunkt haben sie bei dem Regierungssitze Lome, an der Küste. Kamerun liegt an der Biafra-Bai. Die Kolonie erstreckt sich zwischen Tsadsee, dem Logone und Kongofluß. Im Südosten grenzt sie an französischen Besitz, im Nordwesten an das britische Nigrirgebiet. Die Küste ist für die Schiffahrt ebenso unzugänglich wie die Togos. Der Kamerunfluß schneidet in die Kolonie ein. Fast dicht am Meere erhebt sich an der Nordwestküste das Kamerungebirge mit seiner höchsten Spitze, dem Mongoena Loba (Götterberg). Der Berg ist ein wieder tätiger Vulkan. Der schon verwitterte Vulkanboden ist sehr fruchtbar. Am Fuße des Gebirges gliedert sich die Küste und zeigt mehrere gute Häfen. Hinter der Küste zieht sich eine feuchte, ungesunde Schwemmlandebene her, die mit dichtem Urwald (Kokos- und Olpalmen) bestanden ist. Die Küste endigt im Osten an dem Steilabhange wasserreicher Randgebirge. Das sich an schließende Hochland ist trocken und daher nur eine Grassteppe. Zahlreiche Flüsse entspringen hier und münden in den Kamerunbusen. Das Gebiet am Tsadsee ist ein fruchtbares Ackerland. Das Klima der Küste ist ungesund, so daß sich Europäer hier höchstens drei Jahre aufhalten können. Das Hochland ist gesunder. Als Pflanzungs kolonie ist Kamerun bedeutend (Gewinnung von Kautschuk, Kakao, Anbau Leyerle, Die Geschichte des Weltkrieges. g 130 von Kaffee und Tabak). Dichter Urwald bedeckt zum Teil das Land. An der Küste wächst der Bananenbaum, im Hochland gedeihen Durra und Reis. Die Kautschukgewinnnng ist bedeuteud in Süd- und Neu-Kamerun. Der Baumwollbau findet auf den Hochflächen ein günstiges Gebiet, beson ders im Norden und am Tsadsee. Eine reiche Tierwelt, Gorilla, Leoparden, Hyänen, Wildschweine, bewohnt den Urwald. Auf den Grasfluren weiden Antilopen, Büffel und Elefanten. Wir erhalten aus Kamerun: Elfenbein, Kautschuk, Kakao, Vanille, Kaffee, Palmöl Kopra. Wir führen dahin aus: Schießgewehre, Schieß pulver, Spirituosen und Baumwollzeuge. Da die Wege sehr schlecht sind, ist der Verkehr sehr gehemmt. Das Bauen von Bahnen ist daher unbedingt notwendig. Vom Kamerunbusen aus führt die Nordbahn; die Mittellandbahn von Duala zum Njong ist bis Edea vollendet. Im Süden wohnen die Bantn-Neger Südafrikas. Im Norden treiben die unternehmungslustigen und bessergebildeten Sndanneger lebhaften Handel. Der Regierungssitz ist Buea au: Kameruuberge. Deutsch-Südwestafrika ist die älteste Kolonie Deutschlands. Die Südgrenze bildet der Oranje, im N. trennt der Kunene deutsche und portugiesische Besitzungen voneinander. Im Osten bildet Britisch-Südafrika die Grenze. Trotz der langen Küste ist nur ein Hafen angelegt. Im Jahre 1883 kaufte ein Bremer Kaufmann Lüderitz" die Bucht, wonach sie Lüderitz- bucht genannt wurde. 1884 wurde sie unter deutsche Schutzherrschaft gestellt. Da die Brandung sehr stark ist, stellen sich den Schiffen beim Anlegen Schwie rigkeiten entgegen. Dies ist deshalb auch für den Haupthafeu Swakop- mnnd" ungünstig. Die Küste ist eine sandige Ebene. Hinter derselben, also ins Innere hinein, zieht sich eine von Gebirgsrücken -Ketten über ragte Hochebene bis zum Kalahari. Die einzigen wasserführenden Flüsse sind Knnene (nicht schiffbar), Oranje und Sambesi. Den weitesten Ranm nimmt eine Grassteppe mit einer reichen Tierwelt ein. Deutsch-Südwestafrika hat unter unseren Kolonien das gesundeste Klima. Es ist trocken und auch an der Küste nicht zu heiß. Die Küste birgt einen ungeheuren Fischreichtum. Auf ihre öde Sand wüste folgt im Osten ein fruchtbares Weide- und Ackerland. Hier gedeihen Getreide, Südfrüchte, Tabak Wein. Deutsche Landwirte haben diesem Gebiet Besitz erworben. Damit der Boden regelmäßig bewässert wird, legte man künstliche Wasserwerke an. Die Pflanzenwelt liefert vor allem Datteln, der Tierwelt bringt der Strauß durch seine Federn reichen Gewinn. Die Randgebirge sind reich an Gold, Silber, Kupfer und Diamanten. Lange Jahre wurde um den Frieden gekämpft. Durch die Hereroaufstände war die Entwicklung sehr gehemmt. Heute wohnen in der Kolonie viele Deutsche, Neger, Hottentotten, Hereros und Boeren (Buren).- 131 9* Den Mittelpunkt des Landes bildet Wind Hut, der Sitz des Kaiserlichen Kommissars. Es ist durch eine Eisenbahn mit dem Hafen Swakopmund verbunden. Ausfuhrgegenstände sind: Diamanten, Kupfer; Einfuhrgegenstände: Industriewaren, Lebensmittel und Bekleidungsgegenstände. Deutsch-Ostafrika ist die größte Kolonie und fast doppelt so groß wie das Deutsche Reich. Die Grenzen sind im Norden englischer, im Süden englischer portu giesischer und im Westen belgischer Besitz (Kongostaat). Das Land gehört zwei Küsten an. Die eine am Indischen Ozean erstreckt sich vom Umba- Fluß in, Norden bis zur Mündung des Rowinna im Süden. Die zweite Küste wird von drei Seen gebildet, dein Viktoriasee, dem Tanganyika- und dem Nyassa-See. In seinem Bodenaufbau besteht Deutsch-Ostafrika aus drei Land schaften, einem Küstenlande, einen: Randgebirge einer inneren Hoch fläche. Das Küstenland ist schmal und wasserreich. Es wird von Mangrove- wäldern begleitet und ist mit Kokospalmen bestanden. Hinter diesen breiten sich Grassteppen und Buschwälder aus. An das Küstenland reiht sich das Randgebirge mit seiner höchsten Erhebung, dem vulkanischen Kilimandscharo 000 m). Der Südabhang ist für Pflanzungen und Ackerbau geeiguet. Das innere Hochland ist eine von reicher Tierwelt belebte Grasflur. In der Trockenzeit bildet sie eine Steppe (Affenbrotbaum, Schirmakazien). Der Küstensaum ist von Korallenriffen eingefaßt und daher für die Schiff fahrt gefährlich. ^ Die Flüsse sind wegen ihres schnellen Laufes und der unregelmäßigen Wasserznfuhr nur auf einer kurzen Strecke schiffbar. Die Küste ist ungesund. Die Niederschläge siud^ehr reich. Das Juuere ist weniger feucht, daher sind dort Steppen, die Stätte einer blühenden Viehzucht und das Gebiet des Jägers. Der Boden ist mit Urwald (Kokos und Palmen) bedeckt. Der Neger baut mit Erfolg Kaffee, Zuckerrüben, Vanille, Kakao Tabak an. Ausfuhrgegeustände sind Elfenbein, Kaut schuk, Sisalhanf, Baumwolle, Kaffee, Häute, Felle, Kopra und Holz. Ein fuhrgegenstände: Baumwollzeuge, Perlen, Draht. Die Bevölkerung besteht aus Bantn-Negern; an der Küste wohnen Araber Inder. Den Verkehr vermitteln die Eisenbahnen. Die Mittellandbahn, die von Daressalam über Tabora führt, reicht jetzt bis zum Tanganyika-See und zwar bis Kigoma. Die Nordbahn verläuft in der Richtung Tanga-Neu- Moschi. Vorzügliche Verkehrsstraszen sind auch die iunerafrikanischen Seen. Der Viktoria-See führt nach den, fruchtbaren Nil-Sudau. Hauptstadt und Sitz des Kaiserlichen Gouverneurs ist Daressalam Wohnung des Friedens) mit gutem Hafen. An der großen Karawanen- straße liegt Bagamoyo, gegenüber von Sansibar, eine aufblühende Stadt. Die Hauptkarawanenstraße führt nach Tabora, dem größten Handelsplatze im Innern des Landes.Die Besitzungen in der Südsee. In Neu-Guinea gehört uns der nordöstliche Teil und zwar das Kaiser Wilhelm-Land. Sumpfige Ebenen und Mangroveroälder ziehen sich an der Steilküste entlang. Die Niederungen werden von wasserreichen Strömen durchflössen. Die Deutschen bauen dort mit fremden Arbeitern Baumwolle, Tabak und Kaffee an. Der Sitz der Verwaltung ist Friedrich- Wilhelnis-Hafen. Ostlich vom Kaiser Wilhelm-Land liegt der Bismarck-Archipel. Diese Inseln sind zum größten Teil durch den Vulkanismus entstanden. Einige Vulkane sind heute noch tütig. Die Küste ist von Korallenriffen umsäumt, die für die Schiffahrt gefährlich sind. Trotzdem sind einige gute Häfen an gelegt. Die bedeutendsten Inseln sind Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg. Die Bewohner Neu-Pommerns sind freundliche, hilfsbereite Menschen. Sie unterstützen unsere deutschen Pflanzer. Hauptausfuhrgegenstand ist Kopra. Die Bewohner Neu-Mecklenburgs sind kräftig, kriegerisch, fleißig und gesangliebend. Die Karolinen-, Marianen- und Marschall-Inseln breiten sich alle in einem Meeresraum aus, der die Größe Europas hat. Sie sind reich an Kokospalmen, deshalb ist die Kopraansfuhr bedeutend. Manche Inseln sind auch reich an Phosphat. Die Eilande sind als Stützpunkte für unsere Handels- und Kriegsflotte wichtig. Die deutschen Salomon-Jnseln sind Bougaiuville und Buka. Sie sind 4 so groß wie die Provinz Brandenburg. Sie sind hauptsächlich durch Vulkanismus entstanden. Die Berge sind mit Urwald bedeckt, der gut bewässerte Boden ist fruchtbar. Breite Korallenriffe bauen sich weit ins Meer hinaus. Die Küste ist noch wenig erforscht. Die Bewohner verhalten sich den Weißen gegenüber im ganzen unnahbar. Die Samoa- oder Schiffer-Inseln liefern uns große Mengen Kopra. Die westlichen Inseln, Upolu und Sawaii, sind deutscher Besitz. Sie werden von vulkanischen Gebirgen dnrchzogen. Das Klima ist gesund. Ausfuhr Kakao, Kopra Kautschuk. Der Hauptort, zugleich der Eitz des Gouverneurs, ist Apia. Es hat keinen Hafen, sondern nur eine offene Reede. Das Pachtgebiet Kiautschou. An der Südostküste der chinesischen Halbinsel haben wir das Gebiet Kiautschou im Jahre 1899 auf 99 Jahre gepachtet. Es liegt an der gleich namigen Bucht und umfaßt zwei gebirgige Halbinseln. Als Handelskolonie wird sich Kiautschou wohl günstig entwickeln. Der Zugang zu dem Gebiet ist vorteilhaft der einzige eisfreie. Das Hinterland, die Provinz Schantnng, ist reichbevölkert. Es birgt große Steinkohlenlager. Gleich zu Beginn des Besitzes dieses Gebietes wurde die Schautungbahn ge baut. Diese führt durch mehrere bedeutende Kohlengebiete bis zum Hoangho. Der Sitz des Gouverneurs ist Tsiugtau, ein wichtiger Stütz punkt des deutsch-chinesischen und deutsch-asiatischen Warenhandels. In Kiautschou wird Getreide, Reis, Obst und Gennise angebaut. Ausgeführtwerden Farbstoffe, Glaswaren, Porzellan, Strohborten, Strohhüte, Roh seide, Erdnüsse. Die Eingeborenen sind Chinesen. Kiautschou ist ganz nach deutschem Muster angelegt. Auch für die geistige Entwicklung ist gesorgt durch die Erbauung und Einrichtung mehrerer deutscher Schulen. Kiautschou ist mit einein großen Kostenanfwande an gelegt worden. Der Kampf um unsere Kolonien. Es war nicht damit genug, daß England in Europa mit uns Krieg führte. Es trug auch den Krieg hinüber in unsere Kolonien. Daß jene in den letzten Jahren aufgeblüht waren, hatte Englands Neid und Mißgunst noch vergrößert. Wir hatten großen Nutzen durch sie, wenn wir auch in den ersten Jahren viel Geld dafür opferten. England wollte durch den Krieg unseren Verkehr mit den Kolonien abschneiden. In diesem Sinne bot es den Japanern Kiautschou an, auf das diese schon lange mit habgierigen Augen hinsahen. Englands Worte fanden in Japan schnell Gehör. Dieses Land stellte nun an die Deutschen ein schnödes Verlangen. Wir sollten sofort unsere Kriegsschiffe aus den japanischen und chinesischen Gewässern zurück ziehen und Kiautschou bedingungslos übergeben. Das gaben wir selbstredend nicht zu. Der deutsche Botschafter kehrte indessen zurück. Am 29. Sept. 1V14 beschossen die Japaner, unterstützt von den Engländern, die Außenforts der Festung Tsingtau. Sie erlitten schwere Verluste und wurden zurückgeschlagen. Nun sollte die Festung kapitulieren. Doch der Kommandant Meyer-Waldeck telegraphierte an den Kaiser: Stehe ein für Pflichterfüllung bis zum äußersten." Der Feind zog Verstärkungen heran. Sie beschossen die Festung vom 3. Oktober an ununterbrochen. Eine Besatzung von 3200 Mann stand einer feindlichen Ubermacht von 35000 Mann gegenüber. Am 7. No vember mußte sich die Festung nach heldenhafter Verteidigung ergeben. Die Verluste der Feinde sollen sehr bedeutend gewesen sein. Was wir in 17 Jahren rastloser eifriger Arbeit errungen haben, das ist leider nuu zer stört. Doch das Audeuken an die Helden von Tsingtan bleibt dauernd im Herzen des deutscheu Volkes. Tsingtau. In der Brust des Helden kein Trauern, zum Todesopfer bereit, so hieltest du die Wälle, die Mauern, so standest du, mein Tsingtau, im Streit. Wir sahen s mit blutendem Herzen und fühlten nur dir, was geschah, wir litten sie mit, deine Schmerzen, so fern dir doch so nah. Und als sie dich endlich bezwungen, Bezwungen durch tückische List, Da hast du noch sterbend gerungen Und dann erst die Fahne gehißt. 134 Du tatest das Höchste, das Beste, drum strahlst du in leuchtendem Glanz. Nimm hin denn, gefallene Feste, nimm hin der Unsterblichkeit Kranz! Ich will kein Deutscher mehr heißen, vergaß ich dein schimmerndes Bild, vergäß ich der Klage, der leisen, die deinen Ruinen entquillt. O könnten mir Schwachen dich retten, Du deutscher, du heiliger Ort, zerreißen in klirrenden Ketten und rächen den schamlosen Mord. Doch ehe der Feind nicht geschlagen und die Heimat in sicherer Hut, wär s törichtes tollkühnes Wagen, war nutzlos vergeudet das Blut. Druin trage die Krone der Leiden, O Tsingtau, verlassenes Kind, Die Krone, die viele dir neiden, Die weniger heldenhaft sind. Bis des Sieges jubelnde Boten Zieh ein ins verlassene Land, bewache die Gräber der Toten, die Gräber am einsamen Strand! 17. November 1914. Hans Ehrenhard. Da unsere Kämpfe vor allem aus dem europäischen Festlande ent schieden werden müssen und uns der Weg nach den Kolonien erschwert war, so konnten wir der Verteidigung derselben nicht die gleiche Aufmerksamkeit scheuten. So kam es, daß die Engländer unsere Besitzungen in der Südsee schon zu Beginn des Krieges an sich nahmen, nämlich die Herbertshöhe im Bismarck-Archipel und die Samoa-Jnseln Die Japaner raubten die Marianen, Karolinen und Marschall-Inseln. Im August besetzten die Engländer Togo. Die übrigen Kolonien hielten den feindlichen Angriffen stand. In Kamerun gingen Engländer und Franzosen gegen unsere schwache Besatzung vor. Sie besetzten das Küstenland mit der Haupt stadt Duala, während das Hinterland in unserem Besitz blieb. In Deutsch- Südwestafrika opferten wir die Lüderitzbucht, gezwungen durch die heftigen Angriffe der Verbündeten. Wir besetzten die Walfischbai. Anfang Juli war die Besatzung gezwungen, sich unter ehrenvollen Bedingungen zu ergeben. Am 12. Mai 1915 hatten die Buren unter Botha die Hauptstadt Windhuk besetzt und im Juli Otavi. Durch die Not gezwungen, mußte sich der Rest 133 der deutschen Truppen am 9. Juli ergeben. In Ostafrika verliefen die Kämpfe günstig. Es ist noch fast ganz in unserem Besitz. Am 4. Nvvember siegten 2000 Ostafrikaner über eine vierfache Übermacht und machten dabei noch 3000 Gefangene. In einem erneuteu Angriff, am 18. und 19. Januar 1915 bei Jassini wurde der Feind geschlagen. Der englische Kreuzer Pegasus" beschoß im September Daressalam. Er wurde später von der Königsberg" in den Grund gebohrt. Weuu auch jetzt unsere Kolonien sich selbst überlassen sind und zum Teil in Feindeshand fielen, so können wir doch sicher sein, daß wir sie nach einein endgültigen Siege für Deutschland und Österreich-Ungarn doch noch für uns zurückgewinnen. Geschichts-Tabelle. 1914. Juli 28. Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. 31. Erklärung des Znstandes drohender Kriegsgefahr" in Deutsch land. August 2. Die Mobilmachung. Deutschland erklärt an Ruhland den Krieg. 3. Kriegserklärung an Frankreich. 4. England erklärt uns den Krieg. 5. Belgien erklärt uns den Krieg. L. Serbien erklärt uns den Krieg. 7. Montenegro erklärt den Krieg. Die wichtigeren Schlachtereignisse des ersten Kriegsjahres. August 7. Die starke Maasfestung Lüttich wird im Sturm genommen. 19.-20. Schlacht zwischen Rietz und den Vogesen. Unter Kronprinz Rupprecht von Bayern wird den Franzosen eine schwere Niederlage bereitet. 10000 Gefangene. 22. 24. In der Schlacht bei Krasnik siegen Österreicher Ungarn über die Russen und werfen sie auf Lublin zurück. August 25. Eroberung Namurs. 26. Die deutsche Kronprinzen-Armee erobert die französische Festung Longwy. 27.-29. Schlacht bei Tannenberg unter Hindenburg. 90000 Ge fangene, 300 Geschütze erbeutet. Septbr. 1. Schlacht zwischen Mims und Verdun. 10 französische Armee korps geschlagen. Sieg der Österreicher bei Zamosz. 20000 Gefangene, 200 Geschütze. 7. Maubeuge kapituliert. 40000 Gefangene. " 12. Siegreiche Schlacht bei Lyck in Ostpreußen. 30000 Russen gefangen, 150 Geschütze erobert. 22. V 9" versenkt drei englische Panzerkreuzer im Kanal. Okkbr. 9. Antwerpen wird erobert. Novbr. 1. Seesieg der Deutschen bei Eoronel.Novbr. 3. Jarmouth, an der englischen Küste, wird beschossen. 3. Die Engländer werden bei Tonga in Ost-Afrika schwer ge schlagen. 7. Tsingtan fällt. 23. Die Russen bei Lodz Lomitz geschlagen. 40000 Gefan gene, IVO Geschütze erbeutet. Dezbr. 8. Seeschlacht bei den Falklandsinseln; die deutschen Schiffe Scharnhorst, Gneisenau, Leipzig, Nürnberg werden vernicktet. 12. Schlacht bei Limanova. IV15. Jannar 12. 24. Schlacht bei oissons. Verluste der Franzosen über 1000V Mann. 33 Geschütze erbeutet. 24. Seeschlacht in der Nordsee. 24. 29. Sieg der Österreicher-Ungarn in den Karpathen. Februar 1. 28. Siegreiche Karpathenkämpfe. 43000 Gefangene. 7. 13. Winterschlacht in den Masuren; die X. russische Armee wird vernichtet. 100000 Gefangene, 300 Geschütze erobert. März 9. Winterschlacht in der Champagne. 43000 Franzosen gefallen. 16. Seeschlacht vor den Dardanellen. Zwei englische und ein französisches Linienschiff werden in den Grund gebohrt. 22. Przemysl fällt, durch Huuger gezwuugeu, nach 4^monatiger heldenhafter Verteidigung. Mai 2. Siegreiche Durchbruchsschlacht Tarnow Gorlice uuter Mac kensen. 22. Englisch-französische Niederlage auf Gallipoli. 24. Siegreiche Schlacht um Przemysl. 23000 Gefangene. 30. 31. Französischer Durchbruchsversuch bei Arras zurück geschlagen. Juni 2. Przemysl zurückerobert. 8. Erster größerer Angriff der Italiener am Jsonzo abgeschlagen. 14.-17. Großer Durchbruchsversuch der Franzosen bei Arras ab geschlagen. 43000 Mann Verluste. 22. Lemberg wird zurückerobert. Niederlage der Engländer auf Gallipoli. Juli 3. Große Schlacht am Jsonzo. 4 italienische Armeekorps ge schlagen, 40000 Mann Verluste. 13.-13. Schlacht in den Argonnen. 18. 26. Zweite große Schlacht am Jsonzo. 17 italienische Divi sionen geschlagen, 100000 Mann Verluste. 23. Eroberung der russischen Festungen Pultusk und Nozan. 30. Lubliu erobert. 31. Durchmarsch durch Eholm. Die wichtigsten Ereignisse seit August 1913. August 1. Mitau wird genommen. 3. Warschau wird von den deutschen Truppen uuter dem Feld marschall Prinz Leopold von Bayern besetzt.137 August 9. 12. 17. 19. Septbr. Oktober 21. 22. 26. 1. 2. 3. 15. 17. 18. 20. 24. 9. 11. 12. 13. 23. 27. 3. 10. 23. 2. 7. 19. 191 . Januar 11. 14. 24. Novbr. Dezbr. Lomscha Ostrolenka deutschem Besitz. Deutsche Luftschiffe bombardieren die englische Küste, beson ders Harwick). Die Festung Korono wird erobert. Nowo-Eeorgiewsk fällt. 85000 Mann mit 6 Generälen ge fangen; 700 Geschütze erobert. Italien erklärt der Türkei den Krieg. Die Festung Ossowiece besetzt. Brest-Litowsk wird erstürmt. In Ealizien wird Brody besetzt. Bei Erodno dringen unsere Truppen über den Njemen und erstürmen die Stadt. Dubuo wird den Österreichern Ungarn erstürmt. Zeppeline werfen auf London Spreng- und Brandbomben ab. Pinsk wird besetzt. Der Angriff auf Dünaburg beginnt. Wilna wird von deutschen Truppen besetzt. Die französische Offensive beginnt mit starkem Artilleriefeuer in der Gegend von Souchez Arras. In der Champagne und zwischen La Bassee Arras hef tigste Durchbruchsversuche der Franzosen und Engländer, die bis Oktober dauern. Belgrad wird nach erbitterten Straszenkämpfen zurückerobert. Deutsche Truppen erobern in Serbien die Feste Semeudria. Die Bulgaren gehen zum Angriff vor. Die feindlichen Angriffe in der Champagne brechen unter schweren Verlusten zusammen. Nordwestlich von Dünaburg wird Jllurt erstürmt. Uesküb wird besetzt. Pirot wird erobert. Nisch erobert. Vierte italienische Offensive im Eörzischen. Das Amselfeld in Serbien ganz im Besitz der Verbündeten. Monastir wird besetzt. Jpek besetzt. Auf Gallipoli räumen die Engländer Franzosen ihre Stellungen bei Anaforta und Ari Burun. Die Kuppe des Hartmannsweilerkopfes nach vorübergehendem Verlust zurückerobert. Eroberung des Lowtschen. Einzug die montenegrinische Hauptstadt Cetinje. tulation Montenegros. Die Österreicher besetzen Skntari. Kapi-Wiederholungen und Einprügungen. Die Bestrebungen der beiden Bundesfürsten zur Zeit des Friedens. -5) Kaiser Wilhelm wollte mit jedermann Frieden halten. Was tat er deshalb gleich nach seinem Regierungsantritt? (Besuchte die Nachbar fürsten.) Wie sorgte er für sein Volk? Unter seiner Regierung blühte Deutschlands Landwirtschaft, Industrie, Handel, Kunst und Wissenschaft. Deutschlands Ansehen und Reichtum wuchsen. (Neid bei den Nachbarn.) Niederschrift: 1. Wodurch Deutschland bei den Nachbarstaaten Miß gunst hervorrief. d) Osterreich wollte das Staatswesen innerlich ausbaue , vor allen: die verschiedenen Nationalitäten zu einem einheitlichen Staatswesen zu sammenschmieden. Das Land sollte ein starkes, festes und einiges Volk beherbergen. Niederschrift: Worin Österreichs Friedensbestrebungen bestanden. 2. Entstehung des Weltkrieges 1914 1916. Die Deutschen zeigen sich als ein großes Volk. Zur Zeit der allgemeinen Kriegsunruhen befand sich der Kaiser auf einer Nordlandsreise. Er wurde telegraphisch zurückgerufen. Erzähle von seiner Heimkehr! Am Abend des 31. Juli 1914 richtete der Kaiser noch ernste, aber herz liche Worte an sein Volk. Man zwingt uns den Krieg auf. Wir wollen das Schwert mit Gott führen." Zum Schlüsse bittet er das ganze Volk: Jetzt geht in die Kirche, kniet nieder vor Gott bittet ihn um Hilfe für unser braves Heer." ch Die Erklärung des Kriegszustandes. Um bereit zu seiu, erklärte der Kaiser sein Land in den Zustaud drohender Kriegsgefahr. Negierung und Verwaltung lagen nun in militärischen Händen. Bahnen und Brücken wurden bewacht, um sie vor etwaigen Angriffen von Spionen zu schützen. Wann erklärte der Kaiser Rußland den Krieg? Was hatten nämlich die Russen im geheimen schon getan? Welche Frage richteten wir an Frankreich? Wie verhielt sich Frank reich? (Gab keine bestimmte Autwort, wir ersahen darans, daß auch es 139 uns angreifen wollte.) Inwiefern hatte es die deutsche Grenze verletzt?) Was war die Folge? (Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich am Z. August 1914.) d) Die Mobilmachung. Sobald der Ruf erscholl Krieg", eilten alle Männer an ihren Platz. Es kamen nicht nur die Dienstfähigen, sondern auch viele Tausend Frei willige. Die nicht mit in die Front konnten, halfen bei der Bewachung von Eisenbahnstrecken und Brücken, bei Truppenverpflegungen, im Post- und Bahndienst. Die Frauen stellten sich in den Dienst der freiwilligen Krankenpflege, sie nahmen sich der verlassenen kranken Mütter und der Kinder an. Die Jugend half bei der Ernte, die Mädchen fertigten zu Hause und in der Schule Liebesgaben an. In den Kirchen versammelten sich fromme Beter. Sie erflehten Gottes Segen für unser Heer baten ihn um einen baldigen Sieg und Frieden. Die Mobilmachung vollzog sich ohne jede Störung. Die Truppen wurden in den Städten auf das beste feldmarsch mäßig ausgestattet. Die Eisenbahn beförderte sie schnell an ihr Ziel. Niederschrift: Erinnerungen aus der Mobilmachungszeit. Zur Erinnerung an diese ereignisreichen Tage zur Belohnung für die tapferen Kämpfer im Weltkriege erneuerte Kaiser Wilhelm II. am Z. August 1914 das Eiserne Kreuz. Es wurde am 10. März 1813 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet. Zum erstenmal wurde es 1870 (von wem?) und dann am ü. August 1914 erneuert. Wie sieht das Eiserne Kreuz aus? In wieviel Klassen wird es verliehen? Niederschrift: Vom Eisernen Kreuz. Die bedeutende Neichstagssitzung am 4. August 1914. Am 4. August wurde im Weißen Saale in Berlin die Reichstags sitzung durch den Kaiser eröffnet. Der Kaiser erinnerte die Herren noch einmal au seine lange Friedenszeit sein Bestreben, auch jetzt den Frieden zu erhalten. In aufgedrungener Notwehr, mit reinem Gewissen und reiner Hand ergreifen wir das Schwert." Dann bittet er, das Volk möge brüderlich zusammenstehen und allen Hätz und Streit vergessen. Er wieder holt sein Versprechen: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche." In der darauffolgenden Kriegssitzung spricht der Reichskanzler über die Notwendigkeit des Krieges und legt sodann allen Neichstagsmitgliedern das Weihbuch vor, in dein alle Akten, Telegramme usw. über die Ent stehung des Krieges enthalten sind. In der Schlußsitzung um 3 Uhr wurdeu sämtliche Regierungsvorlagen einstimmig bewilligt. 140 Unser Einzug in Luxemburg war notwendig, weil die Franzosen schon iin Aufmarsch begriffen waren. Die Bahnen in dem Lande stehen alle unter deutscher Verwaltung. Wir muhten also den Franzosen möglichst schnell entgegentreten. Wodurch erreichten wir die Einwilligung der Regierung? Niederschrift: Warum wir in Luxemburg einmarschierten. Belgien. Sehr günstige Lage, das Herz im westlichen Mitteleuropa. Schon früher ein bedeuteudes Durchgangsland, Aufblühen der Städte (Brügge) durch den Bertehr mit Italien. Später gewann Antwerpen an Bedeu tung. Küste ungünstig. Seeverkehr vornehmlich durch die Wester-Scheide. Der Handel ist hauptsächlich Durchgangshandel. Im südöstlichen Berglande großes erzreiches Kohlenlager. Im Hügel- und Flachlande Städte mit mittel alterlichen Bauten. Lebhafte Industrie in allen Gebieten. Im Süden wohnen Romanen, im Norden Germanen. Im Verhältnis zu seiner Größe nimmt Belgien als Ackerland mit reicher Rindviehzucht, ferner durch Eisen-, Zink- und Bleigewinnung, mit seiner Industrie und seinem dichten Eisen bahnnetz in Europa den ersten Platz, mit der Kohlengewinnung und dein großen Handelsumsatz die zweite Stelle ein. Städte in Belgien. In Südbrabant die Hauptstadt Brüssel, au der Grenze des Hügel- und Flachlandes. Oberstadt, Sitz der Bornehmen mit französischer Sprache;. Unterstadt Wohnort der industriellen Deutschen. Schöne mittelalterliche Bauten: Rathaus, Sitz der Kuust, Wisseuschaft In dustrie. Hauptgewerbe: Spitzeuklöppelei (Brüsseler Spitzen), Tuch-Baum- wollwebereien. Kanalverbinduug mit der Scheide. In den flämischen Provinzen: Antwerpen, starke Festung (seit 10. Okt. 1914 in deutschem Besitz) an der fast schiffbaren Scheide. Neben Hamburg der erste Seehafen des Festlandes. Durchgangshandel: Getreide, Wolle, Baun,wolle. Auswandererhafen. A. ist reich an mittelalterlichen Bauten. Malerschule. Im Museum berühmte Gemälde von Rubens und van Dyck. Gent au der Scheide, Hauptsitz der belgischen Baumwolliudustrie. Brügge, früher Mittelpunkt des Welthandels. Durch Versandung an Bedeutung verloren. Herrliche mittelalterliche Bauten. Ein neuer Seekanal bewirkt ein Wiederaufblühen der Stadt. Ostende, vornehmes Seebad. Als Handels hafen unbedeutend, Uberfahrtsort nach England für den Personenverkehr. In den wallonischen Provinzen: Zahlreiche Industriestädte (Kohlen, Eisen, Zink, Blei). Namur (seit wann in deutschem Besitz?). Universitäts stadt und Festung Lüttich mit großen bedeutenden Kohlen- und Eisen- 141 lagern. Waffenfabriken. (Wann wurde die Festung erobert?) Ostlich davon Verviers: Tuchfabriken. Aufgabeu: Warum ist Belgien ein bedeuteudes Durchgangsland? Wodurch wird sein Seehandel beeinträchtigt? Unser notwendiger Einmarsch in Belgien. Um den Einfall der Franzosen von Belgien her nach Deutschland auf zuhalten, mußten wir in dieses Land einrücken. Wir erboten uns, etwa vor kommenden Schaden zu ersetzen. Denn in einen neutralen Staat dürfen Truppen nicht ohne weiteres einziehen. Man zeigte sich aber unseren Soldaten gegenüber feindselig, denn die Belgier waren ja im Bunde mit den Franzosen. In der Not muhten wir aber dieses Land als Durchgangsland benutzen. Dies wollten die Belgier nicht einsehen und eröffneten deshalb gegen den Krieg. Die Eroberung Belgiens. Am 4. August 1914 rückten unsere Truppen in Belgien ein. Ihrem Vordringen lag Lüttich im Wege. Unsere Feldgrauen erstürmten die als uneinnehmbar geglaubte Festung am K. August unter General von Eni- mich. Am 7. August war sie unserem Besitz. Welche Geschütze hatten bei der schnellen Eroberung geholfen? Die Deutschen hatten unter der belgischen Bevölkerung viel zu leiden. Diese war mit Waffen ausgerüstet und führte einen schrecklichen Franktireurkrieg. Wie wurde sie von unseren Truppen bestraft? Am 20. August zogen wir in Brüssel ein. Am 26. fiel die Festung Namur in unsere Hände. Am 10. Oktober eroberten die Deutschen die starke Festung Antwerpen. Nach kurzer Zeit also war der größte Teil Belgiens in unserem Besitz. In dem eroberten Gebiete wurde deutsche Verwaltung eingeführt. An der Spitze stand Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz. Nach seiner Versetzung in die Türkei trat Herr von Bissing an seine Stelle. Niederschrift: 1. Wie Lüttich erobert wurde. 2. Antwerpen ist gefallen. 3. Welche Bedeutung hat Antwerpen? Frankreich. I. Das Land. Frankreich hat eine günstige Lage an zwei Meeren. Nenne sie! Die Küste im einzelnen ist verschieden, hat aber ausgezeichnete Häsen. Die Küste wird von beiden Meeren beeinflußt. Frankreich betätigt sich nach beiden Seiten hin. Die Seegrenze ist gleich der Landgrenze. Infolgedessen versuchte Frankreich wiederholt die Vormachtstellung nicht nur auf dem Meer, sondern auch auf dein Lande zu erringen. Es hatte aber keinen Erfolg. Die Engländer lachten seiner Herrschaft zur See ein Ende, Deutschland hinderte es in seinen Festlandsbestrebungen. Klima günstiger als das Deutschlands. Wodurch wird dieses hervorgerufen? Bodenaufbau sehr einfach. Um die Hochfläche gruppieren sich vier andere Landschaften. Nenne sie nach der Karte! 142 Das Südfranzösische Hochland. Steinkohlenreich. Die Auvergne, das Land des Vulkanismus. Der etwas erhöhte Ostrand sind die Cevennen, die zun: Rhänetal kahl und steil abfallen. Die Hochfläche ist Wirtschaftlich ungünstig. Steinkohlenlager bei St. Etienne. Nenne die Waffenstadt Frankreichs! Das Saone-Rhünetal bildet einen wichtigen Verkehrsweg Europas. Das Rhonetal vielfach sandig. Infolge des Mittelineerkliinas gedeihen hier Wein, Oliven, Maulbeerbaum (Seidenraupenzucht Seidenindustrie). Wirtschaftlich sehr bedeutend. Die anschließenden französischen Alpen sind Kalkalpen mit teilweise öden, entwaldeten, wüstenartigen Flächen. Am Meere die wunderbare Riviera. Das Saünetal ist sehr gut an gebaut, weiureich (Eote d Or). Burgund. Im angrenzenden Jura (Kalk gebirge Abzweig der Kalkalpeu) Taschenuhrenindustrie. Das Garonnebecken eine aufgefüllte Meeresbucht. Die Garoune tritt häufig über. Das Tal ist fruchtbar und weinreich. Hinter der Dünen küste die große Heidelandschaft I^es I^ncl ", Regen- und wiesenreicher Abhang der Pyrenäen. Die Bretagne mit weiten Heide- und Einsterflächen. Das Klima ist regen- und nebelreich, deshalb unwirtlich. Bevölkerung uoch heute mit britischem Typus, reich au alten Sagen; viele Denksteine und Grabkammern aus keltischer Zeit." (Harms.) Das Pariser Becken bildet mit seinen Steilabfällen der Schichten besonders nach Osten eine natürliche Festuug. Im Osten breitet sich die Champagne aus. Weinbau im westlichen Teil, die Mitte heißt wegen ihrer Unfruchtbarkeit die lausige" Champagne. Das Loiretal, der Garten Frankreichs". Im Westen liegt die wieseureiche, anmutige Normandie. Im Norden Frankreichs ein wichtiges Industriegebiet (Lille usw.). Im Mittelpunkt, in einer fruchtbaren Hügellandschaft, die Hauptstadt Paris. II. Das Volk. Nationalität Konfession fast einheitlich. Volks vermehrung gering, deshalb die Wirtschaftsergebnisse gedrückt. Wert der Bodenerzeugnisse geringer als bei uns, trotz des größeren Ackerlandes. Hauptgetreide-. Weizen. Erstes Weinland der Erde. Baumöl in der Pro vence. Viehzucht: mehr Schafe als bei uns, weniger Rinder. Bergbau erzeugnisse für den eigenen Bedarf nnzureicheud. Seidenindustrie bedeu tend, aber auch Woll- und Baumwollindustrie, weniger die Eisenindustrie. Modegegeustände (Paris). Frankreich ist das dritte Land Europas in bezug auf Handel und Verkehr. Mit seiner Handelsflotte steht es an vierter Stelle. Haupteiufuhrgegeuständ: Wolle (Kohle, Baumwolle und Seide). Hauptausfuhr: Seidengewebe. Mangel an Kohle, Holz, Getreide. Bezahlt mit Pariser und Modeartikel. Für Deutschlands Handel an fünfter Stelle. Frankreich verlor seinen Kolonialbesitz an England. Seit 18öv ist ein neues Kolonialreich gegründet (doppelt so groß als das deutscke), das sich hauptsächlich Afrika ausdehnt.Städte in Frankreich. Im Norden: Paris, die reiche schöne Hauptstadt Frankreichs an der Seine, ist die drittgrößte Stadt und stärkste Festung der Welt (drei Befestiguugs- gürtel mit vielen Außenforts). Im Mittelpunkt einer fruchtbaren und industriereichen Landschaft gelegen. Erste Industriestadt Frankreichs (Mode, Kunstgewerbe, Schmuck, Seide). Wunderbare Bauten: der Louvre (Königs schloß mit wertvollen Kunstsammlungen). Die alten Festungswälle sind heute schöne Straßen, Boulevards genannt. Südwestlich der Stadt liegt Versailles, mit dem berühmten Schloß Ludwigs XIV., in dem Wilhelm I. zum Kaiser proklamiert wurde. Jetzt ist das Schloß Museum um gewandelt. Am Münduugsbusen der Seine der Auswanderer- und erste Seehafen Frankreichs an der atlantischen Küste: Le Havre, Seehafen von Paris, Festung. Frankreichs stärkster Kriegshafen: Cherbourg. Calais Uberfahrtshafen uach England. In der Webe- und Jndustriegegend bildet Lille den Hauptmittelpunkt. Starke Festung. Reims, der Hauptort in der weinreichen Champagne, alte Krönungsstadt, Webeindustrie. Sedan, im Maastal, früher eine Festung (1. und 2. Sept. 1870). Ebenso wie an der belgischen, so sind auch an der deutschen Grenze zahlreiche Festungen gebaut, z. B. Verdun an der Maas und Toul am Rhein-Marne-Kanal. Im Osteu und Südosten. Am Rhein-Nhone-Kanal die Festung Belfort Besancon am Doubs verschließen die Burgundische Pforte". Dijon, Weinstadt am Kanal von Burgund. Das französische Essen" liegt am kohlen- und eisenreichen Süd rande der Cöte d or. Es ist Creusot, mit bedeutenden Kanonengießereien. An der Mündung der Saüne in die Rhone liegt die starke Festung und erste Seidenstadt Lyon. Grenoble, starke Erenzfestung an einer wichtigen Alpen straße. Frankreichs größte Seehandelsstadt, der erste Hafen des ganzen Mittelmeeres ist das am Löwengolf liegende Marseille. Toulon ist Kriegs hafen. Im Südwesten Westen. Toulouse, am östlichen Punkte der Earonne und dem Kanal du Midi. Am Fuße der Pyrenäen der Wallfahrtsort Lourdes. An der Stelle der Garonne, bis wohin die Flut noch die größten Seeschiffe trägt, liegt Bordeaux. Große Weinausfuhr. An der Loiremündung Nantes mit den, Vorhafen St. Nazaire. An der Steilküste der Bretagne der Kriegshafen Brest. Lebhafte Hochseefischerei. Aufgaben: Nenne französische Weinbau- und Industriegebiete! Wo durch gewinnt Paris eine so hohe Bedeutung? Die Franzosen, unser Erbfeind seit 1870 71. Schon in früheren Jahren führten wir wiederholt mit Frankreich Krieg. In dem Kriege 1870 71 wurden die Franzosen fast überall besiegt. Sie mußten außerdem das schon ehemals zu Deutschland gehörende Elsaß- 144 Lothringen wieder an uns abgeben. Diesen Verlust konnten sie nicht ver schmerzen. Sie Wollten sich dafür rächen und das Reichsland zurückgewinnen. Sie verstärkten ihr Heer und befestigten die belgische und deutsche Grenze durch starke Festungen. Frankreich wußte aber, daß es allein zu schwach war, Deutschland anzugreifen. Deshalb suchte es sich Bundesgenossen, die es in Rußland und England fand. Aufgabe: Nenne die Festungen an den Grenzen! Welche Festungen sind schon in unserem Besitz? Unsere Stellungen in Frankreich. a) Die Kämpfe in Elsaß-Lothringen. b) Die Kämpfe zwischen Metz und den Vogesen. Während wir in Belgien einrückten, versuchten die Franzosen durch Elsaß- Lothringen durchzubrechen. Am 2. August 1914 hatten französische Flieger die Neutralität verletzt, da sie auf deutsches Gebiet flogen. Außerdem marschierten französische Truppen über die Grenze und besetzten einige Grenzorte. Weitere Truppen, die vordrangen, wurden schon am 8. August bei Altkirch zurückgeworfen. Dann fielen die Franzosen in Mühlhausen ein und wurden am 10. August von der Armee des Generalobersten von Hee ringen glänzend geschlagen. Am 19. August besetzten sie zum zweitenmal Mühlhausen. Nach vier Tagen zogen sie sich zurück, um der Hauptarmee in Lothringen zu helfen. Hier besiegten am 11. August bei Lagarde unsere Sicherungstruppen eine vorgeschobene französische Brigade (1000 Ge fangene und die erste französische Fahne). Befehl zum Rückmarsch. Warum? Die Bayern zogen bis hinter Saarburg zurück. Große Feldschlacht zwischen Metz und den Vogesen am 20. August. Die Bayern schlugen unter ihrem Feldherrn die Franzosen (8 Armeekorps) vollständig. 10000 Gefangene, mehr als 30 Geschütze. Elsaß-Lothringen war vom Feinde frei. Die Kämpfe in Nord- und Ostfrankreich. Nachdem der Durchbruch durch Belgien gelungen und die Schlacht zwischen Metz und den Vogesen siegreich geschlagen war, zogen sieben deutsche Heere in Frankreich ein. Unter wessen Oberbefehl standen sie? Wann hatte der Kaiser Berlin verlassen? Wo befand sich das Große Hauptquartier? Wohin wurde es dann verlegt? Welche Festungen erlagen dem Ansturm der Deutschen? Sie stürmten weiter vor bis über die Marne und erreichten die Linie MeauX-Vitry. Hier fanden heftige Kämpfe statt. Da zogen sich die Deutschen zurück. Warum? Wohin verlegten wir unsere Stellung? Die Schlachtlinie wurde bis Arras verlängert. Nach der Schlacht von Antwerpen rückten die Deutschen bis Lille vor. (Lille 10. Okt. 1914.) Dann wurde die Schlachtlinie geschlossen. Sie reichte von Ppern bis Verdun. Es waren harte Kämpfe, die unsere Krieger an der Mer bestehen mußten; denn die Feinde hatten das Gebiet unter Wasser gesetzt. Alle Versuche des Feindes, unsere Stellungen zu durchbrechen, mißglückten. Im Mai unternahmen sie eine neue Offensive. Die Engländer machten dann im Juli vergebliche Angriffe auf die starkbefestigte Stellung bei Schloß Hooge. 145 Der Durchbruchsversuch der Franzosen und Engländer auf der Linie Lille Arras La Bassee mißlang, die Angriffe im Juni und Juli 1915 an der Loretto-Höhe wurden abgewiesen. Unterdessen entwickelten sich auch in den Argonnen heftige Stellungs kämpfe. Die dichten Wälder Büsche boten hier große Schwierigkeiten. Die Franzosen hatten sich hier sehr gut verschanzt. Unsere Truppen legten nun tiefe Schützengräben mit sicheren Unterständen an. In Stollen und Sappen näherten sie sich den Feinden. Minen und Handgranaten spielten in diesem Festungskampfe eine große Rolle. Anfang November nahmen unsere Soldaten eine wichtige Höhe bei Menne le Chatean. Auf der Süd seite eroberten sie das starke Sperrfort Camp des Romains" und St. Mihiel. Im Februar 1915 schoben wir in heftigen Kämpfen unsere Stellungen vor. Die Franzosen verloren in den Argonnenkämpfen etwa 40000 Mann. An: 13. Juli nahmen wir die vielgenannte Höhe 285 (La Fille Morte). In den Kämpfen bei Soissons am 11. 44. Januar 1915 wurden die Franzosen völlig geschlagen. Im Februar wagten die Franzosen und Eng länder einen neuen Durchbruch in der Champagne. Ihnen gegenüber standen zwei rheinische Divisionen, unterstützt von einigen Bataillonen. Der Kampf dauerte drei Wochen, vom 16. Februar bis 10. März. Die deutsche Mauer stand fester denn je. Das Artilleriefeuer war furchtbar, in 24 Stunden fielen oft mehr als 100000 Schuß. Aufgabe: Die Winterschlacht in der Champagne. Weitere Durchbruchsversuche. (1915.) Nachdem die Franzosen vergeblich versucht hatten, die eiserne Mauer zu durchbrechen, wagten sie noch einen Durchbruch in der Gegend zwischen Maas und Mosel. Die heftigsten Kämpfe waren im Priesterwald und zwar zwischen Apremont und Flirey. Auch hier scheiterte wiederum der französische Durchbruchsversuch. Zu derselben Zeit fanden in Oberelsasz Kämpfe statt. Alle Mühen und Anstrengungen der Franzosen waren vergebens. Wir machten 4700 Gefangene und erbeuteten reiches Kriegsmaterial. In den Vogesen nahmen wir neue Stellungen ein. Unsere Truppen hatten im Winter heftige Kämpfe zu bestehen. Vielumstrittene Höhen waren der Reichsackerkopf und der Hartmannsweilerkopf sowie der Schratz- männle. Metzeral wurde ganz in Trümmer geschossen. Der Durchbruchs versuch der Franzosen mißglückte. Sie machten also auf der ganzen Front, von der Nordsee bis Belfort, vergebliche Anstrengungen, unsere Front zu durchbrechen. Die französisch -englische Herbstoffensive. (1915.) Anfang September erstürmten unsere Truppen unter Führuug des Kronprinzen in den Argonnen das Schanzwerk Marie Therese. Dadnrch konnten wir Verdun im Westen einschließen. Im September-Oktober kam die lang vorbereitete französisch-englische Offensive zustande. Die Feinde stellten uns ein gewaltiges Heer gegen- Scyerle Die Geschichte des Weltkrieges. Ig 146 über. Sie griffen an drei Stellen an, nachdem sie mehrere Tage die ganze Front beschossen hatten. Angriffe der Engländer bei Lille Ppern, die der Franzosen in der Champagne. Engländer hatten keinen bedeutenden Erfolg. Nur an zwei Stellen konnten sie zurückdrängen. Bei Loos, südwestlich Lille, gelang es den Engländen, bei Perthes in der Champagne den Franzosen. Beide hatten große Verluste bei unbedeutenden Erfolgen. England. I. Das Land. Seit der Entdeckung Amerikas der Mittelpunkt des Weltverkehrs und eines ungeheuren Kolonialreiches. Küste reich gegliedert, tiefe Einschnitte. Häfen liegen fast nur KV 120 kin vom Meere entfernt. Im Bodenaufbau eine Dreigliederung Ost-England ist ein Tieflands becken, West-England vorwiegend Bergland, Schottland Hochland Irland im Innern Tiefland, ringsum Eebirgsruinen. Das Ostenglische Becken ist der fruchtbarste Teil des Landes und daher der Sitz der reichen Lords. An diesen Teil knüpft sich Englands Geschichte an. Das Gebiet ist zum größten Teil Weide und Jagdgebiet. Um sie herum breiten sich herrliche Parklandschaften aus. Die Flusse haben einen kurzeu Lauf, sind aber sehr wasserreich. Die Themse ist bei Flut auch für die großen Seeschiffe bis London schiffbar. Das westenglische Bergland. Auf Eornwall, das durch seine wunderschöne Steilküste bekannt ist, breiten sich öde Hochflächen und frucht bare Täler aus. Das Bergland ist reich an Kupfer, Zinn und Blei. Wales ist ein Gebirgsland mit waldlosen Hochflächen. Nord-England, früher ein dürftiges Weideland, ist heute das erste Bergwerks- und Industrie gebiet der Welt. Das Penninegebirge wird von Kohlenlagern umsäumt und ist reich an Eisen. Schottland. Im Süden ist das Gebiet der Schottischen Niederlande eines der gesegnetsten der Erde. Mildes Klima, fruchtbarer Boden, reiche Kohlen- und Eisenlager. Die Schottischen Hochlande werden von einer fjordartigen Küste umsäumt und sind mit wilden unwirtlichen Hochflächen bedeckt; am Südabhang freundliche Seen, große Lordsitze und Jagdgründe. Irland ist im Innern Tief- und Moorland, den Rahmen bilden Ge- birgsruiuen. Immer mit frischen: Grün bedeckt (Smaragdinsel). Warum? Ackerbau unbedeutend, Viehzucht dagegen hervorragend. Webeindustrie Flachsbau. Die Jrläuder stammen von den Kelten ab. Gegen England von Haß erfüllt. Irland vorwiegend katholisch. Das Land gehört meist den eng lischen Großgrundbesitzern, die die armen Pächter schmählich behandeln. Infolgedessen große Auswanderung. Die Ausgewanderten arbeiten auch in der Ferne für die Unabhängigkeit ihres Landes. Die Engländer haben zwar jetzt eine Besserung der Besitzverhältnisse versprochen darum Gesetze gegeben, ein eigenes Parlament Heimatregierung) duldeten sie aber bei den Jrländern nicht. 147 II, Das Boll. Entstanden ist es aus den Kelten (Briten und Ger manen (Angelsachsen und Germanen). Die Konfession ist sehr ver schieden. Im ganzen groszbritannischen Reiche gibt es nur 5 X Nicht- engländer. Volksbildung ist im Vergleich mit der in anderen germanischen Ländern sehr rückständig. Die besten Schulen sind in Schottland. Die Kinder der Bornehmen besuchen meistens die sogenannte xudlio soliools". In den Elementarschulen werden weder Geschichte noch Erdkunde gelernt. Auswanderung bedeutender als in Deutschland. Ackerland wenig, ineist Weiden und Wiesen. Eigentümer sind die Großgrundbesitzer, die ihre Ländereien von den Pächtern bebauen lassen. England führt sehr viel Getreide ein. Erträgnisse der Viehzucht reichen nicht für den eigenen Fleischbedarf. Seefischerei ist bedeutend, große Fisch ausfuhr. Reiche Kohlen- und Roheisengewinnung. Mit seiner Kupfer- und Zinnerzeugung steht es an erster Stelle in Europa. England ist der erste Industriestaat der Erde. Ausfuhr an Webeerzeugnissen so gros; wie in Deutschland. Englands Handelsflotte viermal so groß als die deutsche. Seine Hauptverkehrsländer sind vor allem die Kolonien, dann Vereinigte Staaten, Frankreich, Deutschland. England führt aus: Baumwollwaren, Kohlen, Eisenwaren, Maschinen; es führt ein: Getreide, Baumwolle, Fleisch. Für Deutschland das erste Handelsland. Seit 1! 16 allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Früher Söldnerheer, Angeworbene muhten sich auf 12 Jahre verpflichten. Die größte Kriegs flotte der Welt. Sein Kolonialreich umfaszt ^ der gesainten Landober fläche: som t ist England das größte Weltreich, das die Geschichte kennt. Nenne wichtige Kolonien! Städte in Großbritannien und Irland. England Wales. Im Londoner Becken liegt die Hauptstadt London mit 7 Mill. Ein wohner, einschließlich die der Bororte. Sie liegt im Mittelpunkte der Land halbkugel an der Themse, etwa 100 m oberhalb ihrer Mündung. London wird viel von dichtem Nebel Heiingesucht, so daß selbst bei Tage brennende Laternen uötig sind. Zahlreiche Parks und freie Plätze im Innern der Stadt. Viele Einfamilienhäuser. Das Innere ist die City", links der Themse ist das Gebiet der Altstadt mit der Bank von England. In der West- minster-Abtei liegen die englischen Könige begraben, in einem Teile die Dichter Englands. Ostlich der City breitet sich der Arbeiterstadtteil Eastend" aus. Ein bekanntes Gebäude zwischen City Eastend ist der Tower, früher ein Palast der Könige, heute Staatsgefängnis, Kaserne und Staats archiv. London hat als Mittelpunkt des Welthandels einen gewaltigen Berkehr, der durch seine Bahnen über und unter der Erde sowie unter der Themse und durch Schiffe vermittelt wird. In der Nähe Londons liegt Greenwich (gri nnitsch). (Null-Meridian.) Universitätsstädte sind Oxford und Cambridge. An der schroffen Kreidesteilküste Dover, der Uberfahrtsplatz nach Frankreich. Portsmouth am Kanal ist der Haupt- 10* 148 kriegshafeu und das Seerüsthaus Englands. Nordwestlich von P. Sout- hampton, der Anlegehafen für deutsche Ozeandampfer. An der Westküste. Nahe der Severnmünduug Bristol, eine große Handels- und Fabritstadt. In Südwales Eardiff, ein Haupttohlenhafen Englands. Ain Mersey Liverpool, der größte Bauinwollhafen der Welt, der Zweitgrößte Hafen Englands. Große Einfuhr Rohbaumwolle und Ausfuhr von Baumwollwaren. An der Ostküste. Newcastle, Fabrikstadt Kohlenausfuhr. Im Innern. Westlich vom Pennine-Gebirge. Manchester, größte Baumwollwebereistadt. Bedeutende Eisenindustrie (Maschinen-, Lokomo tivenbau). Englands Hauptplatz für Woll- und Tuchwirterei. Das englische Solingen" ist Eheffield. Südlich vom Pennine-Eebirge. Im Westen liegt die Eisen stadt Birmingham, die alle Eisenwaren herstellt. L. Schottland. Hauptstadt ist Ediuburg. Universität, Bibliotheken und Samm lungen. Die zweitgrößte Stadt Englands Glasgow am Elyde. Kohlen lager und Baumwollweberei. Berühmte Schiffswerften. L. Irland. Hauptstadt Dublin, Maschinenbau, Universität. Am Nordkanal Belfast, Leinen- und Baumwollweberei, Schiffbau. Aufgaben. Warum hat England eine günstige Handelslage? Wem verdankt es seine Weltmachtstellung? Welche Meeresstraßen werden von England beherrscht? England, Deutschlands Todfeind. England sah mit haßerfülltem Blick auf das Anwachsen der deutschen Macht. Es fühlte sich dadurch in den Hintergrund gedrängt. Es duldete keinen Nebenbuhler, es mußte und wollte an der Spitze bleiben. Einen Gegner erhielt Deutschland in Eduard VII., der durch seiue Einkreisungs politik Deutschlands Handel und Industrie vernichten wollte. Seine Pläne wurden durch seinen Sohn, den jetzigen König Georg V., und den Minister Grey fortgesetzt. England gewann Verbündete in Frankreich und Ruß land. Für wen trat England angeblich in den Krieg? Der Seekrieg. Warum richtet sich heute unser Haß hauptsächlich gegen England ^ Nun, weil es sich mit dein Plane herumtrug, Deutschlaud auszuhungern- Kein Schiff sollte uns Lebensmittel bringen. Solche Bosheit mußten wir bestrafen. Darum ging unsere Kriegsflotte rasch Werk. Was wißt ihr noch von ihren Taten? Berichte über die Heldentaten des 17 9! Wie heißt sein Führer? Welches Schiff befehligte er später? Wie erging es diesem? Unsere Flotte hat in manchen Fällen ihren unerschrockenen Mut und Kühn heit gezeigt. Doch wollen wir nur die Hauptheldentaten kurz wiederholen. 149 Unter allen Schiffen wurde bei den Feinden die Emden" gefürchtet mit ihrem Kapitän v. Müller. Aberall folgte sie den feindlichen Schiffen. Als sie zu bekannt war, gebrauchte sie eine List. Sie setzte sich einen falschen vierten Schornstein auf. Doch nun machten die Feinde erst recht auf sie Jagd. Am 9. November mußte sie bei den Kokosiuseln im Indischen Ozean gegen eine feindliche Übermacht kämpfen. Viele Helden fanden in den Wellen ihren ruhmreichen Tod. Ein Teil der Besatzung entkam auf dem Segelschiffe Ayesha" unter der Führung des Leutnants v. Mücke. Nach vielen Abenteuern landete sie am 23. Mai in Konstantinopel, von den Türken jubelnd empfangen, v. Müller geriet in englische Gefangenschaft. Es fanden auch siegreiche Seeschlachten statt. So bei Santa Maria, den Falklandinseln, bei Helgoland. Bei Santa Maria wurdeu zwei eng lische Kreuzer in den Grund gebohrt. Die englischen Kriegsschiffe ver folgten nun unser Kreuzergeschwader, das sich aus den Schiffen Scharn horst, Eneisenau, Leipzig und Dresdeu zusammensetzte. Sie wurden Anfang Dezember bei den Falklandsinseln angegriffen. Nur die Dresden" entkam. Bei dem heftigen Kampfe, bei dem es sich wiederum um eiue feindliche Übermacht handelte, fand auch Admiral von Spee mit zwei Söhnen den Heldentod in den Wellen. Der Hilfskreuzer Prinz Eitel Friedrich", der sich dem Geschwader zugesellt hatte, wurde in Newport News (Virginia) interniert. Am 24. Januar 1915 fand bei Helgoland eine Seeschlacht statt. Auch hier stand uns wiederum eiue Übermacht gegenüber. Bei diesem Gefecht ging der Kreuzer Blücher" verloren. Am 7. Mai versenkte eines unserer II-Boote den großen Transportdampfer Lusi- tania", der aus Nordamerika 2000 Fahrgäste, Muuition und anderen Kriegsbedarf nach England bringen sollte. Darauf forderte Amerika von Deutschland Zusicherungen, daß man in Zukunft nicht mehr das Leben ihrer Staatsangehörigen gefährde. Unsere Regierung antwortete, daß die Lusitania" Kriegsbedarf mit sich führte und sich deshalb selbst der Gefahr ausgesetzt habe. Wir versprachen aber, den nordamerikanischen Wünschen Rechnung zu tragen. Aufgabe: Erzähle von der Heldentat der Emden"! Der Luftkrieg. Nicht nur die See-, sondern auch die Luftflotte hat sich in diesem Kriege hervorgetan. Die Flugzeuge leisten vor allem Vortreffliches im Aufklärungsdienste. Der größte Schrecken Englands sind die Zeppeline geworden, die dem Jnselstaate schon wiederholt Besuche gemacht haben. So bewarfen unsere Marineluftschiffer im Januar 1913 befestigte Plätze an der englischen Ostküste mit Bomben. Im Monat Juni hielten sich Zeppeline wiederum über Englands Küste auf und bombardierten Harwick), die Docks von Kingston und Grimsby. Mehrere Male begrüßten sie auch London mit Bomben. ^ Außer auf die genannten Orte in England richteten sich unsere Luftangriffe auch auf Lüttich, Brüssel, Antwerpen, Ostende, Paris, Dünkirchen, Ealais, Nancy, Arras, Lille und Warschau. 150 Rußland. I. Das Land. Rußland ist unter den Staaten mit zusammenhängender Fläche und einheitlicher Regierung das größte. Es ist dies schon vor vielen Jahren gewesen. Seine Lage macht es einem Vermittlungs- und Durchgangsland zwischen Europa und Asien. Es breitet die Kultur im Osten aus bietet einen mächtigen Schutzwall gegen das Mongolentum. Seine Lage zur See ist nicht günstig. Warum nicht? Welchen Meeren gehören seine Küsten an? Das nördliche Eismeer ist nur wenige Monate eisfrei. Die Ausgänge der Ostsee und des Schwarzen Meeres gehören fremden Mächten. Darum richtet sich Rußlands ganzes Bestreben auf die Gewin nung der Dardanellen (Konstantinopel). Ausgeprägtes Binnenland- Klima. Große Unterschiede zwischen Sommer- und Winterwärme. Ge ringe Niederschläge. Gebirge nur an der Grenze. Nenne sie! Im Innern ausgedehntes Flachland, das einzelnen Höhenrücken durchzogen wird. Im Norden breiten sich die Tundren aus. Die höher gelegeueu Flächen sind mit Flechten und Moosen, die niederen mit Sümpfen bedeckt. Nach Süden schließt sich die Waldzone an, oft von Wiesen und Feldern durchbrochen. Dann beginnt das Steppenland, das Land des Getreidebaues. Wo erstreckt sich der frucht bare Schwarzerdgürtel, die Kornkammer Rußlands? Das südrussische Steppenland, das Weidegebiet zahlreicher Viehherden, endet im Kaspischen Tiefland in einer wüstenartigen Salzsteppe. Im Tiefland große wasser reiche Ströme. Sie sind deshalb für den Binnenverkehr von großer Be deutung. Nenne zeige die Ströme! Sie sind fast immer bis nahe den Quellen schiffbar. Durch Kanäle stehen sie miteinander in Verbindung. Besonders wichtig ist die Verbindung des breiten und tiefen Newa-Stromes mit der Wolga. Oft sammelt sich das Wasser in Seen an. Seenreich ist der Westen. Nenne die größten bedeutendsten Seen! II. Das Volk. Ursprünglich wurde Rußland nur von ^ Slawen, von Finnen, Mongolen und einigen anderen Stämmen bewohnt. Ge gründet wurde das Reich unter dem von Schweden her gerufenen Rodsen" Rurik; deshalb wurde das Land Rußland genannt (frühere Hauptstadt: Nowgorod am Jlmensee, später Kiew). Dann wurde das Land von Mongolenhorden bewohnt und beherrscht. Neue Reichsgrüudung, Ab- schüttluug des Mongolenjoches durch Iwan (1480). Unter Peter dem Großen konzentrische Ausbreitung des Reiches bis zum Meere. Die innere Entwicklung wurde starkvernachlässigt. Bewohner: ^Russen, im übrigen Polen, Finnen, Iudeu, türkischtatarische Völker, Litauer und Deutsche. Man unterscheidet uuter den Russeu Groß-, Weiß- und Kleinrussen. Rußland ist die Kornkammer Europas. Es erzeugt etwa die Hälfte der Roggenernte und ^ der Weizenernte der Erde. Ungefähr der Gesamternte wird ausgeführt. Das Hauptgetreidegebiet ist das des Schwarz erdgürtels. Hauptausfuhrhafen Odessa. Wald bedeckt eine Fläche von vierfacher Größe Deutschlands. Forstwirtschaft gering. Großer Vieh reichtum. Pferdebestand bedeutend. Rindviehbestand geringer. 151 Kohlengewinnung V2, Roheisengewinnung ^ der deutschen. Erstes Goldland Europas, für Platin ist Rußland das Hauptland der Erde. Die Petroleumgewinnung beträgt die Hälfte der amerikanischen. Mit seiner Handelsflotte nimmt Rußland die siebte Stelle ein. Haupt ausfuhr: Getreide, Holz, Flachs. Städte in Rußland. Im Norden und Nordwesten. Archangelsk ist der nördlichste Handelshafen der Welt. Er liegt am Weißen Meere und an der etwa 4 5 Monate eisfreien Dwina. Ist mit den, Süden dnrch eine Eisenbahn verbunden. In den Sommermonaten reger Handel. Helsingfors, im Großfürstentnm Finnland, hat einen vorzüglichen Hafen, Handelsstadt am Finnischen Meerbusen. Universität. Schiffbau. Die neue Hauptstadt St. Petersburg wurde 1703 von Peter dem Gr. gegründet. - Sie ist eine moderne Haupt- Residenzstadt, an der wasser reichen Newa, in sehr günstiger Lage. Bahnknoten. Gute Eisenbahnverbin dnng. Erste Handels-, zweite Fabrikstadt Rußlands. Kronstadt, Kriegshafen und starke Festung. In Livland Riga, etwas oberhalb der Dünamünduug, bedeutende Seehandelsstadt in Rußland. Starke Ausfuhr, namentlich Holz, Flachs, Leinsamen, Hanf. In Kurland Mitau und Ostseehafen Libau (Kriegshafen). Die Hauptstadt von Litauen Wilna. In Polen Hauptstadt Warschau, drittgrößte ^-tadt Rußlands. Viele Paläste. Starke Festung an der Weichsel. Bedeutender Handelsmittel punkt: Holz, Getreide, Wolle gehen stromabwärts, besonders nach Danzig. Rege Industrie. Lodz, bedeutende Fabrikstadt, verdankt sein Aufblühen den Deutschen. Baumwollspinnerei. Das Flußgebiet des Schwarzeu Meeres. Am Dnjepr Kiew, früher die Hauptstadt des ältesten russischen Reiches (Ausgang des Christentums.) Bedeutende Universität und Festung. Ge treidehandel. Am Schwarzen Meere Odessa, der erste Getreidehafen Rußlands, am Rande der Steppe. Kriegshafen. Im Südwesten der Krün Sewastopol, Kriegshafen und starke Festung, die sich im Krimkriege 1855 tapfer verteidigte. In, fruchtbaren Schwarzerdegebiet die Getreide- und Industriestadt Charkow. Eisenbahnknotenpunkt. Eisen- kohleureiches Gebiet südlich von: Donez. Das Flußgebiet des Kaspischen Meeres. An der Moskwa die alte Hauptstadt Moskau, mit dem Kreml umfaßr Zarenpalast, Kirchen, Klöster. Sie bildet den Mittelpunkt des Landes und ist daher auch ein Hauptknotenpunkt der Eisenbahnen. Sie ist eine halb- 132 asiatische, halb europäische Stadt mit vielen farbenschimmernden Kuppel kirchen. Bedeutende Fabrikstadt im Industriegebiet (Kohlen- und Eisen lager von Tnla). An der Okamündung Nishni-Nowgorod, wegen seiner alljährlich stattfindenden Messen sehr bekannt. Im Wolgadelta Astrachan, Handel mit Persien. Bedeutender Fischfang (Kaviar . Im Ural- Kaukasusgebiet. 1. Im Ural: Zekaterinburg (Gewinnung von Kupfer, Silber, Gold, edle Schmucksteine, Platin). 2. In Kaukasien: An: Ostende des Kaukasus Baku mit bedeutender Petroleumgewinnung. Der Hafen Batum am Schwarzen Meere steht durch eine Petroleum-Rohrleitung mit Baku in Verbindung. Rußland zwingt uns zum Krieg. Rußlands größtes Bestreben war, Konstantinopel, die Hauptstadt der Türken, zu gewinnen; denn dadurch erhielt es einen wichtigen Stützpunkt am Zugang nach dem Mittelländischen Meere. Seine Ausgänge zum Meere im Norden sind nur einige Monate eisfrei. Darnm wollte es im Süden den Türken die Dardanellen entreißen. Auch strebte Rußland nach der Vormachtstellung auf dem Balkau. Da tritt ihm aber Osterreich in den Weg. Deutschland ist mit dem Donaustaat verbunden. Griff Rußland die Donaumonarchie an, so erklärte es auch uns den Krieg. Deshalb sagten die Russen schon lange: Der Weg nach Wien führt über Berlin." Es verbündete sich mit Frankreich, das ihn: die Mittel gab zum Ausbau seiner Bahnen; so wurde Rußland unser Erbfeind. Die Kämpfe im Osten. Die Kämpfe in Ostpreußen. Im Osten fanden zunächst nur kleinere Erenzgefechte statt, die den Einmarsch der Russen in Ostpreußen aufhalten sollten. Die Russen hatten zwei Armeen gebildet, die Rjemen- und die Narewarmee. Als unser Ost heer Verstärkung erhalten hatte, griff Hindenburg, dein man den Ober befehl über das Ostheer übertragen hatte, die russische Südarmee an und lockte sie in das Sumpfgebiet der masurischeu Seen. In einer dreitägigen Schlacht wurde die feindliche Ubermacht geschlagen. Das war der glänzende Sieg von Tannenberg 29. August 1914). Auch die Grodno-Armee, die bei Lyck Stellung genommen hatte, erlitt eine völlige Niederlage. Dann schlug er die Russen an den Masurischen Seen, die Schlacht war am 12. Sept. Der Kaiser verlieh Hindenburg den Orden ?onr ls meiite" und ernannte ihn zum Generalfeldmarschall am 28. November 1914. Im Februar 1913 kam es in Masuren zu einer neuen blutigen Schlacht. Unsere Truppen standen dem russischen 10. Armeekorps gegenüber, das etwa 209WO Mann stark war. Am 7. Februar 1913 begann die zweite Schlacht in den Masuren, zur Unterscheidung von der ersten die neuntägige Winterschlacht in Masuren" genannt. Hindenburg entriß den Feinden ihre Stellungen, warfsie über die Grenze und eroberte Tauroggen. Kleinere Augriffe auf Ost preußen wurden abgewiesen, die Provinz war vom Feinde gesäubert. Die Kämpfe in Russisch-Polen. Gleich zu Beginn des Krieges marschierten unsere Truppen in Russisch- Polen ein und besetzten mehrere Grenzstädte. Wir nahmen Fühlung mit den von Süden her ankommenden Österreichern. Die Hauptkräfte nahmen unter Mackensen südlich von Thorn Stellung. Die geplante russische Massen offensive muhte gebrochen werden. Wir schlugen uns bei Lodz und Lowicz durch. In diesen Kämpfen fielen insgesamt 40000 Gefangene und mehrere Geschütze in unsere Hände. Mitte Dezember 1914 war die von den Russen angekündigte Offensive gegen Schlesien und Posen völlig zusammengebrochen. Im Monat April mutzten wir infolge der uugüustigeu Witterung von grö ßeren Unternehmungen auf dem russischen und russisch-polnischen Kriegs schauplatze abseheu. Am 14. Juli 1915 hatte Hindenburgs Armee die Offensive von neuem ergriffen. Unsere Truppen rückteu Nordeu, Süden und Westen vor. Am 14. Juli besetzte die Armee v. Below Prasznycz (Prasnüsch); am 19. die Befestigungen von Ostrolenka. Die Hindenburg- armee setzte sich gegeu die stark befestigte Narewliuie in Bewegung. Die Russen mutzten dem Ansturm weichen uach und nach ihre Stellungen aufgeben. Bald konnten wir den Narew überschreiten. Eine Festuug uach der andern ging nun in deutschen Besitz über. Am 4. August wurde Warschau besetzt. Dauu folgten noch Jwangorod, Lomza, Kowno (1.8. August), Nowogeorgiewsk schließlich am 26. August der Mittelpunkt des Festungsdreiecks Warschau Brest-Litowsk Jwangorod, die Festung Brest- Litowsk, und am 3. September Grodno. Zum Generalgouverneur des im Osten besetzten Gebietes wurde General von Beseler ernannt. Welche Festung im Westen wurde unter ihm erobert?) Der Vorstoß nach Kurland. Ende April marschierte Hindenburg mit seinen Truppen in Kurland ein. Sie eroberten die Hafenstadt Libau und zogen gegen Mitan. Unsere Hauptkolonnen gingen in Eilmärschen auf die obere Dubissa zu. Der Feind mußte sich über die Dubissa zurückziehen. Mitte Juli besetzten unsere Truppen unter dem General der Infanterie von Below Windau. Der Feiud wurde verfolgt, wir setzten unseren Weg fort nach Riga und Dünaburg. Mitte August 1915 erschien im Rigaischen Meerbusen die deutsche Ostseeflotte. Durch feste Stellungen sicherte Hindenburg den vorläufig erzielten Erfolg. Aufgaben: 1. Die Schlacht bei Tannenberg. 2. Die Winterschlacht in den Masnren. 3. Unser Kaiser empfängt die Helden der Masureuschlacht in Lyck. Hindenburg, der Russenbezwinger. Paul von Beneckendorff von Hindenburg wurde am 3. Oktober 1847 in Posen geboren, ist also schon 68 Jahre alt. Er wurde Offizier kämpfte als Leutnant im Kriege gegen Osterreich mit. Er erwarb 1870 das Eiserne Kreuz und verdiente sich später den Roten Adlerorden mit Schwertern. 154 Nach den Feldzuge gehörte er lange Jahre den: Generalstabe an. lövü wurde er zum Kommandierenden General des IV. Armeekorps in Magde burg ernannt. In? März 1911 trat er in den Ruhestand. Zu Begiuu des Weltkrieges folgte er dem Rufe des Kaisers und über nahm als Generaloberst die Führung der Ostarmee. Er errang vor allein drei glänzende Siege über die Russen. Der erste war im August 1914 bei Tannenberg, der zweite im September bei den Masurischen Seen, der dritte im Februar 1915 in Masuren. Er hat Ostpreußen vom Feinde befreit. Ganz Deutschland liebt und verehrt den großen Helden. Aufgabe: Was ich von Hiudenburg weiß. Österreich-Ungarn. I. Das Land. Es ist ein Binnenstaat, eingeschoben zwischen den euro päischen Norden und Westen das Morgeuland. Die Donaumonarchie ist mal so gros; als das Deutsche Reich. Sie besteht aus einein großen Tieflandsbecken (Ungarn), einer hügeligen Mulde (Böhmen und den Randgebirgen beider. Das Hauptflußgebiet ist das der Donau. Ju sie münden alle übrigen Flüsse. lNenne sie!) Der Donaustaat bildet ein wichtiges Durchgangsland zwischen Europa und Asien. Er vermittelt den Handel zwischen Morgen- Abendland. (Warum?) Auf seinem Boden wohnt ein wahres Völkergemisch von Slawen, Tschechen, Magyaren? Deutsche siedelten sich am Ostrande an. II. Das Bolk. Den Deutschen (^4 der Bevölkerung) verdankt das Land die Begründung und Entwicklung seiner Kultur. Im Kampfe mit den Tschechen und Magyaren haben sie einen schweren Stand. Seit 1867 ist das Land politisch gegliedert; es gibt also zwei Neichshälften: die öster reichische mit 17 Kronländern die ungarische, die aus zwei König reichen besteht. Trotz der Fruchtbarkeit des Bodens und der reichen Ausbeute von Bodenschätzen sind die wirtschaftlichen Leistungeil wenig bedeutend. Wald bedeckt zu 33^ den Boden, in Ungarn Die Holzausfuhr steht in Europa an dritter Stelle. Viehbestand nicht so groß wie in Deutschland. Kohlengewinnung und Roheisenerzeugung (Böhmen Eisen auch in Steiermark), Gold (Siebenbürgisches und Ungarisches Erzgebirge), Kupfer in Ungarn, Blei in Kärnten, Quecksilber in Kram, Hauptland Europas. Galizien drittwichtigstes Petroleumland, viel Salz, zahlreiche Mineral quellen. Bedeutung der Industrie für das Erwerbsleben noch gering. Haupt- iudustriegebiete: die Sudetenländer und einige Alpenländer, die unga rischen Länder zum Teil fast industrielos. Der Handel ist trotz der bedeutsamen Lage und der reichen natürlichen Ausstattung noch unbedeutend. Ursachen: kurze Küste mit ungünstigein Hinterland, hohe Gebirgsnmrandung, Mängel der Donaustraße, der Bil dungsrückstand, der politische Zwiespalt, Vorliebe des Großhandels für den Seeweg. 135 Die österreichische Reichshälfte. 1. Die österreichischen Alpenländer sind ausgezeichnet durch landschaft liche Schönheit, Bodenschätze (Salz in Tirvl und Salzkammergut, Eisen lager in Steiermark, Blei in Kärnten, Quecksilber in Krain; auch Kohlen . Tirol, wunderbare Alpenwelt. Tapfere, treue sangeslustige Be wohner, schöne Volkstrachten. Wichtiges Durchgangsland. (Brennerpaß, Arlbergtunnel.) Alpenstraßen. Salzburg, Alpenland mit zahlreichen schönen Wasserfällen. Diese Landeshauptstadt ist eine der schönsten Städte Europas. Wildbad Gastein. Kärnten mit Bleifundstätten im Bleiberg. Steiermark, wichtig durch sein Eisen-und Kohlenlager. Krain im Karst gebiet mit den eigentümlicheu Karsterscheinungen (Adelsberger Grotte, Zirknitzer See). Quecksilberbergmerk Jdria, das zweitbedeutendste Europas. Ober-Osterreich mit dem reichen Salzkainmergut. Nieder- Osterreich: das industriereiche Wiener Becken mit dem schönen Wien. 2. Die österreichischen Sndetenländer, ein fruchtbarer, industriereicher Kessel, der von dem Böhmer Wald und den Karpathen umschlossen wird; dicht bevölkerte Landschaft. Durch eine Bodenschwelle in das nach Norden entwässerte Böhmen und das nach Süden entwässerte Mähren geteilt. Böhmen, das reichste der österreichischen Kronländer, birgt Eisen- und Kohlenlager, Edelsteine, berühmte Mineralquellen. Bedeuteuder Getreide-, Zuckerrüben- und Obstban. Industrie: Gewebe-, Eisen-, Glas- und Bierindustrie. Mähren, ebenfalls wie Böhmen ein gesegnetes Land. Schlesien mit reger Industrie. 3. Die österreichischen Karpathenländer sind rauh kalt, besonders Galizien. Es ist im Osten Steppenland mit fruchtbarer Lößerde, be deutende Salzlager (Wieliczka). Petroleumquellen. Bukowina (Buchen wald). 4. Die österreichischen Karstländer, rauh und wüst im Innern, jedoch herrliche Küste. Das Küstenland besteht aus drei Kronländern: a) die Halbinsel Jstrien, in der Mitte Kalk- und ^-andsteinebene, im Osten schroffe Karstmauer, im Westen herrliche Küste, b) Triest, e) Görz im Jsonzo- gebiet. cl) Dalmatien, im Innern unwirtlich, die Küste wie bei Jstrien. Bosnien und Herzegowina. Die Herzegowina waldlos. Bosnien sehr fruchtbare Täler. Im Bosnischen Erzgebirge: Eisen, Blei, Silber; zur Hälfte bewaldet. Die ungarische Reichshälfte. 1. Ungarn, a) Die Karpathen, fast ebenso lang wie die Alpen. In den Westkarpathen die Hohe Tatra und das Ungarische Erzgebirge. Am niedrigsten sind die Waldkarpathen. 2. Siebenbürgen, ein fruchtbarer Talkessel, au den Rändern Salzlager, im Siebenbürger Erzgebirge Gold. d) Die Ungarische Tiefebene bildet ein großes Tieflandsbecken, umrandet den Karpathen. Die wichtigsten Eingangstore: die Unga rische Pforte bei Preßburg, das Eiserne Tor, die Belgrader Straße. Frucht bares Erdreich. An der Donau Theiß Schwemmlandebenen, im übrigen höher gelegene Lößflächen, Flugsand- und Dünengebiete.o) Kroatien-Slawonien besteht aus Karstgebiet Lößboden, umrahmt von dem Schwemmland der Flüsse. Große Eichenwälder im Gebirge. Hafen: Finme. Städte in Österreich-Ungarn. Die österreichische Reichshälfte. 1 . Tirol: Innsbruck, die Hauptstadt Tirols an der Kreuzung der Brenner- und Arlbergstraße. Universität. Meran, bekannter Winter kurort für Brustkranke. Trient an der Etsch, die Hauptstadt im italienisch redenden Welschtirol. 2. Salzburg: Hauptstadt Salzburg, wunderschön gelegene Stadt. Flußaufwärts Hallein, mit großer Saline. Wildbad Gastein mit heißen Quellen. 3. Kärnten: Hauptstadt Klagenfurt. Bleiberg mit dem Ä l m langen Bleiberg, der reichsten Bleifundstätte Europas. 4. Steiermark: Hauptstadt Graz. Universität. Bahn Wien -Trieft. 5. Krain: Hauptstadt Laibach. Westlich davon Jdria, zweitreichstes Quecksilberbergwerk Europas. Obcr-Osterreich: Hauptstadt Linz an der Donau. Bedeutende Handelsstadt. 7. Erzherzogtum Nieder-Osterreich: Wien, die glänzende Hanptstadt der Donaumonarchie! die erste Verkehrs-, Handels- Industriestadt. Umgeben von dem wunderschönen Wiener Wald, durchflössen von der blauen Donau. Besuchteste Universität Europas. Wien ist eine schöne Stadt. Berühmt der Stephansdom und der Wiener Prater, der größte Lustgarten der Welt. s . Königreich Böhmen: Hanptstadt Prag, erste Industrie- und Handels stadt des Landes. Alteste deutsche Universität, heilte in eine deutsche und eine tschechische geteilt. Pilsen, umgeben von Kohlen- und Eisenlagern. Berühmte Großbierbrauereien. Bekannte Badeorte: Franzensbad, Marien bad, Karlsbad. 1l). Markgrafschaft Mähren: Hauptstadt Brünn, bedeutende Tuch industrie. 11. Herzogtum Schlesien: Hauptstadt Troppau, Fabrikstadt Wolle, Leinen). 12. Königreich Galizien: Hauptstadt Lemberg. (Wann wurde sie zurück erobert?) Im Westen Krakau, starke Weichselfestung, früher polnische Haupt-und Krönungsstadt. Przenmsl, Festung. (Wodurch ist sie bekannt?) 13. Herzogtum Bukowina: Hauptstadt Ezernowitz, deutsche Uni versität. 14. Das Küstenland mit drei Kronländern: Görz, Jstrien ?riest. Am Jsonzo liegt die Hauptstadt Görz, Winterknrort. Trieft, Festung mit tiefein Hafen, Österreichs erste Seehandelsstadt. Auf der Halbinsel Istrien der Kriegshafen Pola. 15 . Königreich Dalmatien: Hauptstadt der befestigte Kriegshafen Zara. Im Süden liegt der Kriegshafen Eattaro. 157 L. Die ungarische Reichshälfte. 1. Das Königreich Ungarn. Donaugebiet: Hauptstadt Budapest (Ofen-Pest) zu beiden Seiten der Donau. Mittelpunkt des Handels und Verkehrs. Magyarische Universität. Am Westende der Donau Preßburg (früher die Krönungsstadt der österreichischen Herrscher). Im Gebiet der Theisz: Szegedin ist oft großen Überschwemmungen ausgesetzt. Debreczin idabräzin) die Putzten- und Magyarenstadt in der Debrecziner Heide. Im Ungarischen Erzgebirge: die Bergwerksstädte Schemnitz und Kremnitz. In Siebenbürgen: Kronstadt ist die grötzte Stadt Siebenbürgens, in einem fruchtbaren Gebiet. Deutsche Umgebung. Hermannstadt, fast vorwiegend deutsch; der geistige Mittelpunkt des Deutschtums in Ungarn. 2. Königreich Kroatien-Slawonien. Slawoniens Hauptstadt ist Esseg, zur Hälfte deutsch. An der Sau liegt Kroatiens Hauptstadt Agram. Slawische Universität. 3. Die Königliche Freistadt Fiume, bedeutender Hafen. Schiff bau Torpedoboote). Bosuieu und Herzegowiua. Bosniens Hauptstadt ist Serajewo. (Wodurch ist diese Stadt besonders bekaunt geworden?) Aufgaben: 1. Wie Österreich-Ungarn politisch gegliedert ist. 2. Warum Böhmen der Diamant in der Krone Österreichs" genannt wird. 3. Von der Hauptstadt Wien. Österreich, unser treuer Bundesgenosse. Schon vor mehreren Jahren hatten Deutschland und Österreich ein Bündnis geschlossen. (Wann?) Sie hielten stets treu zusammen. Ein Land war auf das audere angewiesen. Osterreich versorgte uns mit Lebensmitteln, wir bezahlten mit Jndustrieerzeugnissen. In diesem Kriege zeigt sich nun die Treue der Bundesgenossen. Beide Länder kämpfen gemeinsam gegen den Feind. Früher gehörte auch Italien zu diesem Bunde. Nun hat es uns aber verraten, wofür es schwer bestraft wird. Aufgabe: Unser treuer Bundesgenosse. Die Kämpfe der Österreicher. a) In serbien. ^m Anfang des Krieges sandten die Österreicher nur geringe Streitkräfte nach Serbien. Am 5. August 1914 beschossen sie Belgrad und brachten dadurch die feindlichen Geschütze zum Schweigen. Dann gingen sie über die Drina vor und eroberten serbische starkbefestigte Stellungen. Eine feindliche Division, die über die Save vorrückte, wurde zurückgeworfen und völlig vernichtet. Am 2. Dezember 1914 besetzten die Österreicher Belgrad, gaben es aber am 15. wieder frei. 138 d) Die Kämpfe in Galizien. Die Hanptangriffe der Österreicher richteten sich gegen Rußland. Da ein Teil unserer Truppen in Schlesien stand, wollten die Bundesgenossen mit uns Fühlung haben und nahmen daher ihre Aufstellung in Galizien. Das österreichische Heer war in drei Armeen gegliedert. Der linke Flügel drang von Krakau aus über die Grenze vor und schlug die Russen in der dreitägigen Schlacht bei Krasnik (23. bis 23. August 1914). Die mittlere Armee besiegte die Russen nach sechs Tagen bei Komarow (30000 Gefangene, 200 Geschütze). Der rechte Flügel stand bei Leinberg und mußte diese Stadt am 3. September dem Feinde über geben. Dann zog er sich vor der feindlichen Ubermacht zurück. Die Russen besetzten Galizien und belagerten Przemysl. Anfang Oktober 1914 nahmen hier die Österreicher die Offensive wieder auf, da sie die Festung Przemysl vom Feinde befreien wollten. Heldenhafte Verteidigung unter Führung des Generals Knsmanek. Russen gaben die Belagerung auf, gingen über den San zurück. Aufaug November schlössen sie es wieder ein. Nach der Niederlage bei Limanowa besetzten sie die Karpathenpässe und die Bukowina. v) Die Karpathenschlacht. Harte Kämpfe hatten die verbündeten Truppen den Karpathen zu bestehen. Heftiger Kampf an den Pässen von Uzsok, Lnpkow und Dukla. Schwer zugängliches Gebirge, rauhe Winterstürme erschwerten das Vordringen. ^ Eisenfester Mut und Wille unserer Krieger. Die Karpathenschlacht hat wohl kaum einmal in Aus dehnung, Anzahl der Krieger nsw. ihresgleichen gefunden. Am 22. März 1913 fiel die bis dahin tapfer verteidigte Festung Przemysl. Huuger zwang sie zur Übergabe. Die russische Belagernngsarmee folgte in die Karpathen. Bis April unerbittlich weitergekämpft. Wendung durch die Schlacht in Galizien bei Tarnow-Gorlice. Geheime Truppensammluugen in West- galizien. Oberbefehl Mackensen. Beginn des Angriffes am 2. Mai. Große Verluste der Russen, wurden nach Norden zurückgeworfen. Die Verbün deten verfolgten den Feind bis an den San. Vergeblicher Widerstand der Feinde; der San wurde überschritten. Przemysl am 3. Juni nach kurzer Belagerung im Sturm zurückerobert; am 22. besetzten die Österreicher Lemberg unter Böhm-Ermolli. Vordringen der Armeen unter Mackensen gegen Lublin-Cholm. 30. Juli wurde Lubliu besetzt, am 31. Cholm durch schritten. Russische Angriffe im wolhynischen Festungsdreieck wurden Ende September von der Heeresgruppe Liusingen abgewiesen und die von ihnen uns abgewonnenen Stücke zurückerobert. Italien. 1. Das Land. Italien hat eine ausgezeichnete Lage in der Mitte des Mittelländischen Meeres. Herrliche Küste, schöne Häfen. Gleichen Ab stand von den Zugängen zun, Atlantischen zum Indischen Ozean. Früher der Mittelpunkt des europäischen Kulturlebens. (Römisches Welt reich, Papsttum, Handelsstädte, Kunstleben.) Klima sehr mild. Im Po-Tiefland rauhe Winter. Südfrüchte, außer an der Riviera und an den Alpenseen, erst in Süditalien. Regenlose Sommer kennzeichnen das Klima in Süditalien. 139 1. Der Apennin durchzieht die Halbinsel fast in ihrer ganzen Länge. Wo tritt er Meer heran? Nenne Küstenebenen! Höchste Erhebung: Eran Sasso d Jtalia. Der Apennin besteht vorwiegend aus Kalk und ist daher wasserarm. Am Fuße Käst amen-, Oliven- Buchenwälder. 2. Die Po-Tiefebene war ehemals ein Seitenarm der Adria, der durch Gletscherschuttinassen allmählich zugeschüttet wurde. Hauptfluß Po empfängt wasserreiche Nebenflüsse. Neben der natürlichen noch reiche künstliche Bewässerung. (Neisbau.) Die Po-Tiefebeue ist die Kornkammer Italiens. 3. Südlich vom Nord-Apennin die Riviera und das Aruotal, der Fruchtgarten Toskanas". 4. Südlich davon breiten sich an der Westküste die Maremmen aus. Sumpflandschaften, das Gebiet der Malaria. Im Herbst kommen die Hirten mit ihren Herden, sonst ist die Gegend unbewohnt. Eine andere unwirtliche Landschaft, die ebenfalls von der Malaria heimgesucht wird, ist die Nömische Kampagua, früher dicht bewohnt, wird heute nur noch gleich den Maremmen im Herbst von Hirten und Herden aufgesucht. 5. Kampanien, der Garten Italiens", mit dem Golf von Neapel. Vorzügliche Bewässerung, daher so fruchtbar. Südöstlich Neapel der Vesuv. Wunderschöne Vulkaninseln. N. Jschia, s. Capri, ein Kalkfelsen. Südlich vom Golf von Neapel Kalabrien, das Land der Erdbeben. si. Die Ostküste Italiens ist kanm gegliedert. Fruchtbar ist die Apu- lische Küste. Zahlreiche tädte, darunter Brindisi. 7. Die Inseln. Die größte bedeutendste ist das fruchtbare Sizilien. In deu frühereu Jahrhunderten ein von den verschiedensten Völkern viel umstrittenes Land. Durch die schlechte Regierung sind seine wirtschaftlichen Verhältnisse sehr schlecht. An der Ostküste liegt der Ätna, die Feueresse Vulkans. Er übertrifft den Vesuv noch an Grundfläche und Größe. Der Fuß des Berges ist dicht besiedelt. Etwas kleiuer als Sizilien ist das rauhe Sardinien. Erzreich. Es ist gebirgig und waldig. Im Westen breiten sich ungesuude, aber fruchtbare Niederuugeu aus. II. Das Volk. National koufessiouell eiuheitlich. Der Nord- italieuer ist erust fleißig, der Süditaliener dagegen leichtlebig und sehr trüge. Charakteristisch ist der Sinn für Form Klang, für Tou und Farbe, für Ebenmaß Schönheit". Volksbildung trotz reicher Begabung rückständig. Bedeuteude Auswanderung. Der Bodenbau ist gekeunzeichnet durch reiche Baumkultur, künstliche Bewässerung, Aubau mehreren Früchten auf demselben Felde lMaul- beerbaum, Wein, Mais, Neis). Mehrere Ernten jährlich. Vor allem werden Mais Neis augebaut; doch ist die Getreideeinfuhr größer als die Aus fuhr. Eiu großes Gebiet (etwa wie Mecklenburg) ist mit Ölbäumen be standen, das Weinrebengebiet ist noch einmal so groß. Viehzucht: Schafe, Ziegen, Esel, Maultiere. In der Po-Ebeue bedeutende Hühner- Seidenraupenzucht. Fast steinkohlenarm. Fabriken nützen die Wasserkräfte zum Treiben der Maschinen aus; weuig Metall; aber für Schwefel das Hauptlaud Europas. Marmor. Industrie im allgemeinen noch unbedeutend. Am meisten entwickelt ist die Seidenspinnerei in Nord-Italien. Strohflechterei- 160 - im Arnotal. Kunstgewerde. Die Handelsflotte steht in Europa an fünfter Stelle. Haupthandelsländer: Deutschland, England, Vereinigte Staaten. Hanptansfnhr: Seide, Früchte, Olivenöl, Schwefel, Eier, Wein. Städte in Italien. 1. Oberitalien. Am Treffpunkt der Straßen über die mittleren Alpen liegt Mailand, die Hauptstadt der Lombardei. Eine bedeutende Handels- und Industrie stadt Italiens (Seide). Kunstvoller Marmordom. An der Adria liegt die Insel- und Lagunenstadt Venedig, die auf Pfühlen erbaut ist. Zahl reiche Kanäle und Brücken. Schöne Bauten, die noch an Venedigs Glanz zeit erinnern: Am Markusplatz die Mariuskirche mit dem Eampanile (Glockenturm). Vor der Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Indien erste See- und Handelsstadt Europas. In der Po-Tiefebene am Mincio die starke Festung Mantna. In Ligurien: Genua, herr liche Lage, an der Steilküste hinansteigend, ist heute Italiens erste Handels stadt. Starke Festung. Geburtsort Eolumbus . Südöstlich an der Riviera di Levante der Kriegshafen Spezia. 2. Mittelitalien. In Toskana: das schöne Florenz, der Glanzpunkt des Arnotales; früher einmal die Hauptstadt des Königreiches Italien. Im 15. Jahrhundert machten es die Mediceer zum Mittelpunkt der Künste: daher viele berühmte Kirchen, Paläste und Kunstsammlungen. Im Maremmengebiet des Arno (Unterlauf) liegt Pisa, bekannt durch den schiefen Glockenturm. In Latium: Im Mittelpunkte Latiums liegt Rom, die ewige Stadt", zu beiden Seiten des Tibers. Ursprünglich war die Stadt sieben Hügeln erbaut, heute sind es elf; sie war lange der Mittelpunkt der Weltgeschichte. Seit 1871 ist sie die Hauptstadt des heutigen Königreiches Italien und der Sitz des Papstes und dadurch zugleich der Mittelpunkt der katholischen Christenheit. Bedeutende Bauten: Peterskirche, daran anschließend der Vatikan, der dem Papst als Wohnort dient und wertvolle Kunstsamm lungen enthält. Dem Papste gehören noch der Lateran-Palast, einige Kirchen und eine Villa am Albanersee. Der König wohnt im Quirinal. Vor den Toren Roms befinden sich die Katakomben weite unterirdische Gänge mit Begräbnisstätten aus den ersten christlichen Jahrhunderten. 3. Unteritalien. Im schönen fruchtbaren Kompanien am Golf von Neapel liegt die größte Stadt und der Zweitwichtigste Handelsplatz Italiens, Neapel, am Fuße des Vesuvs. Von dieser Stadt sagt ein Sprichwort: Neapel sehen und dann sterben." Südlich liegt die wieder freigelegte Stadt Pompeji. In Apulien: Brindisi, der Ausgangspunkt mehrerer Dampferlinien, auch der Lloyddampfer. Tarent, Kriegshafen am gleichnamigen Golfe.- 161 - 4. Die Inseln. 1. Sizilien: Hauptstadt Palermo, in einer fruchtbaren Küstenebene, erste Handelsstadt der Insel. Messina, 1908 von eine,n furchtbaren Erd beben Heiingesucht, ein vortrefflicher Hafen. Aufgab e: 1. Warum die Po-Tiefebene so dicht bevölkert ist. 2. Warum wird Kompanien das Paradies Italiens" genannt? Wie uns Italien treulos verlieh. Im Jahre 1882 hatte Italien mit Deutschland Österreich-Ungarn ein Bündnis geschlossen. Dadurch wurde es bald groß und stark und konnte als Großmacht auftreten. Es trieb lebhaften Handel mit Deutschland. Als nun 1914 der große Weltkrieg ausbrach und uns eine Welt von Feinden gegenüberstand, blieb Italien neutral, anstatt, wie es sich gehörte, zu helfen. Nun wollte es noch sein Land vergrößern und ver langte von Osterreich Gebietsabtretungen. Der Donaustaat erklärte sich bereit. Doch Italien forderte immer mehr. Deutschland versuchte nun als Vermittler aufzutreten, aber vergebens. Die Italiener wollten Krieg, weil sie dachten, nur so könnten sie große Gebiete erobern. So kam es, daß es am 4. Mai 1915 den Bündnisvertrag aufhob; am 23. Mai erklärte es an Osterreich den Krieg. Aufgabe: Der schändliche Verrat Italiens. Der Kampf mit Italien. Wieder einen Feind mehr! Deshalb aber keine Verzagtheit. Nein, die Österreicher zogen mit neuem Mut und neuer Begeisterung in diesen neuen Krieg. Bis jetzt hatten die Italiener noch keinen nennenswerten Erfolg zu verzeichnen, obwohl sie fast ihr ganzes Heer gegen die Österreicher schickten. Ihre Versuche, die Grenze zu überschreiten, mißglückten. Die großen Angriffe am Görzer Brückenkopf wurden bisher alle abgewiesen. Auch haben die Italiener ihren Bundesgenossen noch keinen nennenswerten Erfolg errungen. Die gewagten Offensiven endeten jedesmal mit großen Verlusten der Italiener. Die Europäische Türkei. 1. Das Land. Die Europäische Türkei gehört zu der Balkanhalbinsel. Diese bildet den Übergang zwischen Abend- und Morgenland. Küste reich gegliedert. Nenne einige der vorgelagerten Inseln! Das Klima des Rumpfes ist festländisch, der griechischen Halbinsel mittelmeerisch. Hauptgebirgszüge: Dinarische Alpen, Schar Dagh und Balkan; im Süden Pinduskette mit Olymp. Hauptfluß: Morawa, die in die Donan mündet. 2. Die Europäische Türkei ist halb so groß wie Preußen. Zwei Land schaften: Albanien Rumelien. Wirtschaftliche Lage schlecht; die Bauern und Bürger werden von den Beamten hart bedrängt. Seit 1908 Verfassung: verspricht eine Besserung der Dinge. Ausfuhr: Rohseide und Kokons, Weintrauben, Mohairwolle; Mais, Opium, Feigen, Erze, Teppiche. Leyerle, Die Geschichte des Weltkrieges. 11 162 Städte in der Europäischen Türkei. Im Sultanat: Hauptstadt Konstantinopel, am wunderbaren Bospo rus und dem Goldenen Horn". Vortrefflicher Ankerplatz. Kreuzung wichtiger Land- und Seestraßen. Übergang vom Abendland zum Morgen land. Schön gelegene Stadt mit Moscheen. Der Palast des Sultans sowie der des Großwessiers liegen aus der ins Marmara-Meer vorspringenden Landzunge. Es ist der Teil der Altstadt, heute das türkische Stambul". Sophienmoschee. Adrianopel, Festung und Handelsstadt. An der befestigten Wasserstraße (Hellespont) der Kriegshafen Eallipoli. Die zweitwichtigste Stadt der Türkei mit regein Handel ist Saloniki an einer wichtigen Bahn (Orient-Ezcpreß-Linie). Aufgabe: Die Lage Konstantinopels. Wie der Islam sich erhob. Zu der Zeit, da sich so viele Staaten gegen erhoben, hielt einer im Süden treu zu Deutschland und Österreich-Ungarn. Es war die Türkei. Sie wußte, daß Rußland nur nach dem Besitz Konstantinopels trachtete, um ihr Land zu vernichten. Auch wußten sie, daß England der Feind des Islams war. Die Türken traten also auf unsere Seite und erklärten unseren Feinden den Krieg. Wir wurden im Osten durch den türkischen Eingrisf entlastet, ein großer Teil der englischen Hilfstruppen wurde in Vorder asien und Ägypten aufgehalten. Wann wurde vom Sultan der Heilige Krieg" erklärt? Aufgabe: Welche Wirkung hatte der Aufruf des Sultans an sein Volk? Der Kampf um die Dardanellen. Die feindlichen Mächte wollten die Hauptstadt des türkischen Reiches, Konstantinopel, erobern und dann vor allem die Dardanellen, um eine Durchfahrt nach dem Mittelländischen Meere zu erhalten. Die Russen wollten die Türkei vom Schwarzen Meere her angreifen; es fehlte ihnen an Soldaten, um die türkische Armee vor Konstantinopel zu besiegen. Sie suchten und fanden Hilfe bei den Franzosen und Engländern, die große Heeres massen und Kriegsschiffe nach der Türkei sandten. Am 3. November 1914 begann die Beschießung. Einige alte Forts wurden zerstört, die Ufer der Dardanellen, die mit starken Batterien besetzt sind, blieben unbeschädigt. Nun wollten die Feinde zu Wasser und zu Lande angreifen und landeten deshalb im Februar 1915 Truppen auf der Halbinsel Eallipoli. Am 18. März fand der Hauptangriff statt. Es war ein furchtbares Donnern der Kanonen. Die Türken konnten einen Erfolg verzeichnen. Auf dem Lande kamen die Feinde auch uicht vorwärts, hier stellte sich ihnen General Liman von Sanders mit seinen: türkischen Heere gegenüber und hielt treue Wacht. Auch die feindliche Offensive im Mai hatte wenig Erfolg für die Engländer und Franzosen. Die allgemeine Offensive am 4. Juni endete in einer drei tägigen Schlacht auf Eallipoli und brachte den: Feinde eine neue schwere Niederlage. Der Oberbefehlshaber der I. Armee ist Eeneralfeldmarschall- 163 - von der Goltz. Miite Dezember kam es zu erneuten Augriffen. Im Januar 1913 zwangen die Türken die Feinde zur Aufgabe ihrer Stellungen und säuberten so die ganze Halbinsel Gallipoli von den Engländern Franzosen. Aufgabe: Vom Kampf um die Dardauellen. Das Königreich Serbien. Größer als das Königreich Bayern; das Gebiet der Mürawa und ihrer Nebenflüsse. Bedeutendes Durchgangsland (Belgrad Nisch Saloniki ^Konstantinopel . Den Serben fehlt die Strebsamkeit der Bulgaren, schreiten nicht mit der Neuzeit und deren Fortschritte mit. Politisch un ruhiges Volk. Bodenkultur sehr rückständig. Bedeutende Ausfuhr von Zwetschen. In der Viehzucht wegen reichlicher Eichelmast Schweinezucht vorherrschend. Städte: Hauptstadt Belgrad Weiße Burg), bedeutende Festung am Einflüsse der Sau in die Donau und an der Orientlinie. Schwere Kämpfe um diese Stadt zwischen Deutschen und Türken, Prinz Eugen). Bis 1867 türkisch. Nisch, die zweite Hauptstadt Serbiens, Eisenbahnknoten punkt. Die Eroberung Serbiens. Überschreiten der nördlichen Grenzflüsse Donau und Save. Armeen v. Gallwitz und v. Koeves; unter dem Oberbefehl von Mackensen. Ein rücken in Serbien Anfang Oktober 1913. Belgrad wird erobert (9. Oktober), zwei Tage später Semendria, alte Festuug. Heranrücken der Bulgaren, greifen die serbischen Stelluugeu an. Mit zwei Armeen überschreiten sie die serbische Grenze überwinden den Unterlauf des Timok. Am 3. No vember 1913 besetzen sie Nisch und nehmen Fühlung mit den Hauptkräften der Heeresgruppe Mackensen. Die Serben erleiden eine schwere Nieder lage auf dem Amselfelde; das Hauptheer ist vernichtet. Versuche der Engländer und Franzosen, den Serben zu helfen, scheitern. Der Feldzug endet mit der Vernichtung des serbischen Heeres in Mazedonien. Aufgabe: Die Sühue für Serajewo. Das Königreich Montenegro ist halb so groß wie die Nheiuprovinz. Montenegro -- Schwarzer Berg. Rauhes, unwirtliches Gebirgsland (Karst). Im Süden die fruchtbare Ebene von Podgoritza. Die Bewohner ein schöngebauter Menschenschlag, arm, aber tapfer. Montenegro ist der einzige Balkanstaat, der seine Un abhängigkeit durch die Jahrhuuderte verteidigte. Städte: Hauptstadt Cetinje, dorfähnlich von dem König Nikita erbaut, steht in Verbindung mit dein österreichischen Eattaro. An der Küste Anti- vari und Dulcigno. Ii 164 Der Feldzug gegen Montenegro. Montenegro erklärte am 7. August 1914 den Krieg. Drang gegen Trebinje und Autorac vor. Die Österreicher griffen am 15. August 1914 die Westfront an. Dann trat Ruhepause ein. Nachdem die Operationen gegen Serbien zu Ende geführt roaren (1915), gingen die Österreicher gegen Montenegro vor. Die Bulgaren unterstützten sie besetzten Djakova. Am 11. Januar 1916 Einnahme des Lovien (Lowtschen) (für die Monte negriner war er besonders wert infolge seiner Bedeutung als beherrschender Erenzberg). Am 14. Januar fiel Cetinje. Eingabe des Königs der Regierung an die Österreicher um Einleitung der Friedensverhandlungen. Diese verlangten als Vorbedingung eine vollständige Waffenniederstreckung. Der König flüchtete mit seiner Familie nach Frankreich. Aufgabe: Womit der Feldzug gegeu Montenegro schloß. Das Königreich Bulgarien. So gros; wie Bayern mit Württemberg. Bulgarien, das Gebiet des Balkans? derselbe nimmt den Norden ein. Im Süden, in Ostrumelieu das fruchtbare Schwemmlaudbecken von Philippopel. Die Bulgaren, ein strebsames Volk, gut veranlagt auch für (Haus-) Industrie. Bodenkultur hebt sich immer mehr. Führt Getreide aus. Städte: a) Südlich vom Balkan: Sofia, die Landeshauptstadt, mo derne aufblühende Stadt an der Orientlinie. An dieser Verkehrslinie ebenfalls Philippopel (-^ Philippsstadt), die Hauptstadt Ost-Numelieus. Kasanlyk, am Eingang zum Schipkapaß, berühmt durch Rosenzucht (Rosenölausfuhr). Am Schwarzen Meer der Hafen Burgas. b) Nördlich vom Balkan: Plewna Kämpfe zwischen Russen und Türken. Rustschuk, Hafen- Brückenstadt an der Donau. Durch eiue Eiseubahu mit dem Hafen Warna am Schwarzen Meer verbunden. Bulgarien, unser neuer Freund und Bundesgenosse. Versuch des Vierverbandes, Bulgarien für sich M gewinnen. Bulga rien wollte die Schäden des zweiten Balkankrieges wieder auswetzen und sich von dem russischen Einfluß freimachen. Rußland forderte den Abbruch der bulgarischen Beziehungen zu Deutschland die Entlassung der deutscheu und österreichischen Offiziere. Bulgarien willigte nicht ein. Es erklärte am 14. Oktober 1915 den Serben den Krieg. Seit dieser Zeit kämpfen die Bulgaren an der Seite des Dreibundes. Wieviel Armeen wurden auf gestellt? Wer führte den Oberbefehl? Aufgabe: Was ich von den Bulgaren weiß.Unsere Kolonien. Nach der Wiederaufrichtung des Deutscheu Reiches 1870 71 giug man mit Macht daran, Kolonialbesitz zu erwerben. Man wollte zunächst in den Kolonien christliche nationale Kultur Gesittung" verbreiten. ^ Dann aber verlangte das deutsche Volk auch uach ausländischein Besitz, um dort seine Erzeugnisse fleisziger Arbeit unterzubringen und neue Roh stoffe in Empfang zu uehinen. Die deutschen Auswanderer sollten ihre Schritte nunmehr in unseren ausländischen Besitz lenken. Die ersten Kolonialerwerbnngen erfolgten 1884. 1. Togo ist mehr als dreimal so gros; wie die Rheinprovinz. Es fiel 1884 an Deutsch land. Es galt hier, viele von den Engländern hervorgerufene Aufstände zu unterdrücken. Das heiszfeuchte Küsteuklima ist für deu Europäer un gesund. Togo liefert uns: Palmöl, Palmkerne, Mais, Kautschuk, Bau ^ wolle. Die Bevölkerung besteht aus Negeru. Der Sitz der Regierung ist Lome. 2. Kamerun. Diese Kolonie wurde 1884 an Deutschland von den Hainburgischen Handelshäusern, die hier ihre Niederlassungen hatten, abgetreten. Ka merun liegt an der Biafrabucht und erstreckt sich zwischen Tsadsee, dem Logoue- Kongoflusz. Es ist doppelt so grosz wie das Königreich Preuszeu. Küste für die Schiffahrt unzugänglich. Durchzogen wird die Kolonie von dem Kamerungebirge bewässert von dem Kameruuflutz. Klima ist ungesund. Wir erhalten von Kamerun: Kaffee, Kakao, Tabak, Kaut schuk und Baumwolle. Wir führeu dorthin aus: Schieszpulver, Spirituosen und Banmwollzenge. Bewohnt wird das Land von Negern. Der Regierungssitz ist Bu a, an der Kameruubucht. Z. Deutsch-Südwestafrika. Der Weltforscher Barth. Diaz entdeckte 148V die Bucht Angra- Pequeua. Im 19. Jahrhundert wirkten dort deutsche Missionare. Im Jahre 1883 kaufte der Bremer Kaufmann Lüderitz die Bucht, uach dem sie nun ihren Namen führt. 1884 wurde das Gebiet unter deutschen Schutz gestellt. Im Norden grenzt die Kolonie an portugiesischeu, im Süden und Osten an englischen Besitz. Vielfach Aufstände der Hottentotten und Hereros. Die Kolouie ist fast gerade so gros; wie Deutsch-Ostafrika. Küste flach, das Innere gebirgig. Heiße Quellen. Flüsse trocknen oft aus. Klima gesuud. Bewohner: Neger, Hottentotten, Hereros, Busch männer. Der Handel liefert Felle, Hörner, Strauszfederu. Das Land hat Selbstverwaltung. 4. Deutsch-Ostafrika. 1884 erworben. Seit 1891 hat die deutsche Verwaltung dort segens reich gewirkt. Doppelt so gros; wie Deutschland. Die höchste Erhebung:- 16K - der Kilimandscharo; der wichtigste Fluß: der Rufiji. An der Küste See llima, im Innern Tropenklima. Bewohner sind Neger und Weiße. Ausfuhrgegenstände: Elfenbein, Hörner, Kautschuk, Kokosnüsse, Bananen, Kaffee, Tee usw. Einfuhrgegenstände: Baumwolle, Eisenwaren. Sitz des Gouverneurs ist Daressalam. 3. Unsere Kolonien im Stillen Ozean. Außer den genannten Festlandsschutzgebieten gehören uns noch einige Inseln im Stillen Ozean. Es sind dies an der Nordostküste von Neuguinea: 1. das Kaiser Wilhelm-Land. An der Küste sumpfige Ebenen und Mangrovewälder. Die Niederungen werden von wasserreichen Strömen durchflössen. Sitz der Verwaltung: Friedrich Wilhelms-Hafen. 2. der Bismarck-Archipel. Diese Inseln sind zum Teil vulkanischen Ursprunges. Küste infolge der Korallenriffe für die Schiffahrt unzugäng lich. Gute Häfen: Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg. 3. die Karolinen, Marianen und Marschallinseln. Die Eilande sind als Stützpunkte für Handels- und Kriegsflotte wichtig. Kopra- ausfuhr. 4. die deutschen Samoa-Jnseln. Deutsch sind Upolu und Sawaii. Ausfuhr von Kakao, Kopra und Kautschuck. Der Sitz des Gouverneurs ist Apia. ?. Kiautschou. Kiautschou haben wir zuletzt erworben. 1899 wurde es auf 99 Jahre von China gepachtet. Es erstreckt sich an der Ostküste Chinas, an der Bucht von Kiautschou. Im Norden und Osten ist es gebirgig, im Süden ineist Flachland. Gesuudes Klima. Es gedeiht dort: Getreide, Reis, Obst und Gemüse. Ausfuhrgegenstände sind: Farbstoffe, Glaswaren, Porzellan, Strohborten, Strohhüte, Rohseide. Das Meer liefert große Mengen Fische. Die Eingeborenen sind Chinesen. Hauptstadt: Tsingtan. Der Kampf um unsere Kolonien. Da wir unsere Hauptstreitkräfte vor allem auf dem Festlande für einen Entscheidungskampf nötig brauchten, mußten wir unsere Kolonien vorläufig ihrem Schicksal überlassen. Die Engländer wollten uns nicht nnr aus hungern, indem sie uns jede Verbindung mit dem Ausland abschnitten, nein, sie wollten uns auch die Kolonien entreißen. So besetzten sie gleich zu Anfang des Krieges die Herbertshöhe im Bismarck-Archipel und die Samoa-Jnseln. Im August 1914 besetzten sie Togo. - Die Japaner raubten die Marianen-, Karolinen- und Marschall-Inseln. Gegen Kamerun gingen Engländer und Franzosen genieinsam vor, sie ergriffen Besitz von dem Küstenlande und der Hauptstadt Duala. In Südwestafrika opferten wir die Lüderitzbucht. In Ostafrika verliefen die Kämpfe bisher günstig. Es ist noch fast ganz in unserem Besitz. Gefechte fanden nur in den Grenz gebieten statt. Der heldenmütige Kampf um Kiautschou. Schon lange sah England mit neidischen Blicken dem Aufblühen un serer Kolonien zu. Jetzt schien ihm die Gelegenheit gekommen, uns diese- 167 - ausländischen Besitzungen zu entreißen. Begehrlich richtete es seine Augen auf Kiautschou. Habsucht veranlagte es, den Japanern freundschaftlich" diese Kolonie anzubieten. Anstatt Deutschland für all das zu danten, was dieses ihn: in Friedenszeiten geboten, wurde Japan Englands Freund. Es stellte an uns die unerhörte Forderung, unsere Schiffe aus den japa nischen und chinesischen Gewässern zurückzuziehen und das Pachtgebiet an Japan abzutreten. Deutschland rief seinen Gesandten in Japan zurück. Der Kornmandant von Kiautschous Hauptstadt, Tsingtau, Meyer-Waldeck, telegraphierte nach Berlin: Stehe ein für Pflichterfüllung bis zum Äußersten." Die Japaner richteten alsbald ihre Angriffe das deutsche Pachtgebiet. Wochenlang belagerten und beschossen sie es zu Wasser und zu Land. Am 7. November 1N14 nnchte sich die Festung nach wahrhaft heldenmütiger Verteidigung ergeben. So sehr wir den Verlust des Landes empfinden, so stolz sind wir aber auch auf unsere tapferen Brüder im fernen Osten. Aufgabe: Wie Tsingtau fiel.Pädagogische Kriegs- und vaterländische Hchrisien aus dem Verlage von Ferdinand -Schöningh in Paderborn. Aussätze aus dem Kriegsjahre 1914 15. Don 5- Weicken, Seminar-Direktor. I. Ausgabe für die Mittelstufe. 40 II. Ausgabe für die Oberstufe. 50 Jedes Heft enthält 38 Aufsätze. Die Aufsätze des auf dem pädagogischen Gebiete vorteilhaft bekannten Verfassers dürften von jedem Lehrer, jeder Lehrerin begrüßt werden. Der Wellkrieg 1914 15 in der Volksschule. Methodische Handreichung. Von 5r Peil Lehrerin. Dritte Auslage. Mit S Kartenskizzen. Br. 1 50, geb. ^ 1,90. Dem Unterricht entwachsen, enthält das Buch manch brauchbaren Stoff, der mit feinem Verständnisse der Kinderpsyche für die Volksschule ausgewählt und methodisch geformt ist. Das Buch wird vielen Lehrern, die bei den vermehrten Anforderungen nicht Muße hatten, die Fülle der Ereignisse selbständig zu bearbeiten, reiche Anregung bieten. Neudeutschland und die vaterländische Erziehung der Zukunft. Von vr. N. -Stölzle, Univ.-Professor in Würzburg. 50 Der Verfasser schildert seine sehr beachtenswerten Erörterungen nach folgenden Gesichtspunkten: Vaterländische Erziehung muß sein: körperliche Erziehung, Verstandes und Willensbildung, Bildung des Gefühls und Gemüts und muß durch die Rücksicht auf die Verteidigung des Vaterlandes bestimmt sein. Für die Entwicklung der Schulfragen nach dem Kriege sind die Gedankengänge des bekannten Würzburger Philosophen besonders bedeutungsvoll. (Caritas.) Vaterländische Flugschristen des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen. 1. Heft. Die allgemeine vaterländische Erziehungsaufgabe der Lehrerin in großer Zeit. Von Maria Müller, Oberlehrerin. 50 Lj. 2. Heft. Die Pflege deutscher Weiblichkeit in der Volksschule. Von Elise Stoffels, Lehrerin, Vorsitzende des Ausschusses für Volksschul angelegenheiten. 50 L,. Weitere Hefte werden folgen. Lehrerinnen und überhaupt allen, welche ein Interesse an den Erziehnngs- aufgabeu in heutiger Zeit haben, werden die einzelnen Hefte zur Anschaffung empfohlen.Geschichte des Weltkrieges 1914-16 nebst Länderkunde der daran beteiligten Staaten, Für die Schule bearbeitet von Grete Beyerle.
