Illustriertes deutsches Volks-Kolonialbuch 1895 £9 Millionen Ausfuhr tkmss^ " E - Osnl Ziwinna Z ^Gönix-VeElag Kattowitz und Leipzig. Illustriertes deutsches Volks-Kolonialbuch Mit Urteilen und Aussprüchen von Männern der Wissenschaft, Fachleuten und Forschungsreisenden Mit vielen Abbild, nach phoiogr. Oufn. u.Originalzsichnungen von Prot. Richard Rnötel Farbige Umschlagzeichnung von Rofe du Bois = Reymonö von ßermann Rlingebeil Carl Siwinna Rattowilj phöni-c-Verlag und Leipzig 1907(BibJioMfigfe] VßyfoÜHünii Inhalts - Verzeichnis. Rückblick 5 Der d rutschen Kolonien Berechtigung und Notwendigkeit . 8 Einige ksauptkolonialartikel: Die Baumwolle ^6 Der Kautschuk 22 Das Rupfer 23 Die (Ölfrüchte 2 H Der Rakao 2? Lfanf-Rohhäute-Gerbstoffe 30 Deutschlands Kolonien. ;. Deutsch-Südwestafrika . . . ,. 32 2 . Kamerun 3. Togo 59 1 . Deutsch-Gstafrika 70 5. Südseeinseln 89 6. Riautschou 99 Kurzes Nachwort (05Rückblick. Auch in den verflossenen Jahrhunderten deutscher Kolonial- geschichte stoßen wir aus Erinnerungen, die beweisen, daß der Deutsche recht wohl das Zeug zum Kolonisieren in sich trägt. Unvergessen und dauernd in ihren Resultaten stehen diese geschichtlichen Erinnerungen noch heute vor unseren Augen in dem, was die Tätigkeit des Deutschherrenordens mit seinen deutschen Kolonisten in den jetzt russischen Gstseexrovinzen Livland und Kurland und in unseren ostpreußischen Provinzen geschaffen hat. Unvergessen sind heute noch die Taten und Arbeiten jener handelsgewaltigen pansa, als deren Erben unsere freien Reichs städte pamburg, Bremen, Lübeck heute in neuem, überseeischem Pandels- und Kolonialaufschwung erblühen, wenn auch die perr- lichkeit der alten pansa längst unter den mittelalterlichen inneren wirren des alten Reiches erloschen war. Unvergessen ist heute noch, daß ein weitschauender pohen- zoller, der Große Kurfürst, im Jahre j^682 schon eine Afrikanische6 Kompagnie" gründete und auf afrikanischem Boden an der Küste von Guinea festen Fuß faßte. Aber schon im Jahre \ 7 \ 7 , unter Friedrichs des Großen Vater, waren die erworbenen Rechte an die Holländisch-Westindische Kolonie" übergegangen. Wenn das damals kleine Preußen des t8. Jahrhunderts sich behaupten und den anderen Mächten gegenüber sich durch setzen wollte, so hatte es mehr als genug mit sich selber zu tun, während dann im beginnenden Jahrhundert das deutsche Volk zunächst seine nationalen Kräfte bis zum äußersten einsetzen mußte, um die Gewaltherrschaft Napoleons I wieder abzuschütteln. Den Jahren nationaler Begeisterung waren hieraus die politisch jämmerlichen Zeiten des alten Bundestages gefolgt, in denen jede Großzügigkeit deutscher Politik zur Unmöglichkeit wurde. Während an den grünen Tischen der Kanzleien unendliche Aktenstöße vollgeschrieben wurden während die Einzelstaaten in Eifersucht, Parteiweisheit und Krähwinkelei sich gegenseitig ihren Einfluß und ihre Rechte aus der Goldwage quentchen weise zuwogen, mußten die wirklichen Interessen der deutschen Nation nach außen hin zentnerweise verloren gehen. Den gesamten deutschen Seehandel vermochte im Jahre ^8^8 das kleine Dänemark durch seine Flotte unmöglich zu machen, und als die aufflackernde deutsche Begeisterung in kurzer Zeit die so bitter nötigen Anfänge einer Kriegsflotte geschaffen hatte, mußte diese im Jahre *853 unter dem Jammer des Ver steigerers ein schmachvolles Ende finden. Anders sollte es werden, als der eiserne Mann erschien, der in jener klugen Beschränkung, die erst den Meister zeigt, vom Idealen dasjenige erreichen wollte, was wirklich zu erreichen war und das dann auch der nüchternen Wirklichkeit gegenüber stand hält. Die Jahre J866 und j.870 mußten erst wie reinigende Ge witter über die politische Weltbühne rauschen und als sich die Zuschauer von ihrem Erstaunen erholten, sahen sie vor sich nicht mehr das alte zerrissene Deutschland, sondern eine Nation, die durchaus nicht Lust hatte, wie solange Jahrhunderte hindurch, auch fernerhin Europas Prügelknabe zu bleiben, gerade gut7 genug, sich stets beiseite schieben zu lassen. Lin neues Deutschland sah man vor sich, mit dem man rechnen mußte und das jetzt seinen Platz an der Sonne verlangte so gut wie die anderen Großmächte. Und wie nunmehr deutsche Kriegsschiffe in den entferntesten Meeren, zur Freude der dort lebenden Deutschen, die vaterländische flagge zeigten, durch Mannszucht an Bord und an Land und da, wo es sein mußte, durch Tapferkeit dem peimatlande Achtung verschaffen konnten, so sah das Jahr ^88^ jene grundlegende Kolonialkundgebung Kaiser Wilhelms I. erscheinen, die folgenden Wortlaut hat: Deutschlandgewähr tseinen Sch utzauf Nachsuchen überall, wo deutsche Nieder-- lassungen auf bisher von einer anderen MachtnichtbesetztemGebietebegründet sind oder werden, und den deutschen Rechten gültige, die Rechte dritter nicht verletzende Verträge nicht zur Seite st ehe n."Der deutschen Kolonien Berechtigung und Notwendigkeit. Mußte der geschichtlich-politische Entwicklungsgang des deutschen Vaterlandes in wenigen Worten gestreift werden, urn zu zeigen, warum gerade der Deutsche ungleich den Portugiesen, Spaniern, Holländern, Engländern, Franzosen jahrhundertelang nicht an das Kolonisieren in überseeischen Ländern denken konnte, so darf doch ein anderes nicht übersehen werden, nämlich, daß nichtsdestoweniger auf dem Gebiete der Entdeckung und der Erforschung fremder Länder auch Deutschland berühmte Namen, wie Barth, Nachtigal und viele andere aufzuweisen hat, die sich den Forschern anderer Völker würdig zur Seite stellen dürfen. Das sei hier festgestellt, weil die Tatsache der Mitarbeit an der Erforschung fremder Länder auch zur Teilnahme an ihrer Kolonisation berechtigen dürfte. Und dieser Berechtigung stehen beim Deutschen außer seinem von alters unbezähmbaren Wander triebe noch zwei sehr einschneidende Momente zur Seite: Erstens: Das rasche Anwachsen von Deutschlands Ein wohnerzahl, jährlich bald um eine Million Köpfe, und die damit naturgemäß verbundene dringender werdende Notwendigkeit neuer Absatz- und neuer Siedelungsgebiete. Zweitens: Die wachsende Gefahr, auf dem Weltmarkt in einer ganzen Reihe der allerwichtigsten Rohstoffe, wie Baum wolle, Kupfer, Kautschuk, vollständig abhängig von den Preisen zu werden, die uns das Ausland mit seinen nur allzu mächtigen Ringbildungen vorschreibt.9 Ans diesen recht greifbaren Gründen, denen noch weitere anzufügen fein werden, dürfte das Streben nach eigenen Kolonien für Deutschland mindestens ebenso notwendig und berechtigt er scheinen, wie für Franzosen und Engländer. Darüber haben sich jüngst in einer glänzenden Berliner Versammlung Männer der Wissenschaft, Forschungsreisende und unser neuer Kolonialminister D e r n b u r g geäußert: Bei unserer Kolonialpolitik", sagte Prof. Dr. Schäfer, handelt es sich nicht um wollen oder Nichtwollen des einzelnen." W r stehen mitten in einer gewaltigen Bewegung, die alle Nationen ergriffen hat, die wir mitmachen müssen, wollen wir nicht von ihr überflutet werden!" Lin Gebiet, dreimal so groß wie Europa, ist im Laufe eines Menschenalters, richtiger in den letzten 25 Jahren, vollständig verteilt worden. Und richten Sie Ihre Blicke nach Asien, so finden Sie, daß ziemlich um die gleiche Zeit, als irr Deutschland die ersten Schritte unternommen wurden zur Begründung des Reiches, zum Teil zufammenfallend mit den entscheidenden Ereignissen von ^866, die Russen sich jener großen Gebiete be mächtigten, die wir unter dem Namen Turkestan und Trans- kaspien zusammenfassen und die bis dahin selten den Blick der Europäer auf sich gelenkt hatten. Sie haben ihre Grenzen vorgerückt über Wüsten, Seen, Gebirge und weite Anbauflächen, und die Engländer sind ihnen in gleicher Weise, mit den Waffen in der chand, von Indien her entgegengekommen. Jetzt, nach vierzig Jahren, stoßen russisches und englisches Gebiet unmittelbar aneinander. Zwischenländer gibt es nicht mehr. Ein Gebiet ist zur Aufteilung gelangt, das halb so groß ist wie Europa. Sie wissen auch, daß das chinesische Reich von allen Seiten her gleichsam bei lebendigem Leibe verspeist wurde, bis Japan Einhalt getan hat. Trotz seiner Niederlage behauptet Rußland noch jetzt in10 Nordchina weiten Besitz, bet: es im letzten halben Jahrhundert erworben hat. Hinterindien ist fast ganz in der Hand der Europäer, während es vor 50, 10 Jahren noch seine einheimischen Herrscher hatte. In Australien sind Neu-Guinea und die benachbarten Inseln Besitz europäischer Mächte geworden. Ls ist nirgends mehr etwas zu vergeben, und das im unmittelbaren Anschluß an eine Zeit, wo in England, der größten europäischen Kolonialmacht, die Abneigung nicht nur gegen Erwerb, sondern auch gegen Besitz von Kolonien weiten Boden gewonnen hatte, ja herrschend ge worden war. An diese englische Kolonialmüdigkeit, die sich bis zu den achtziger Jahren erstreckte, schließt sich aber sehr bezeichnenderweise die Periode der letzten 25 bis 30 Jahre, in der England fast die Hälfte seines jetzigen riesigen Kolonialbesitzes sich angeeignet hat. Und in Frankreich konnte vor fünf Jahren der damalige französische Ministerpräsident Waldeck-Rousseau vor den In dustriellen von St. Etrenne unter deren lebhaftem Beifall er klären, daß Frankreich seit dem Sturze des Kaisertums seinen Kolonialbesitz von 800 000 auf zo Millionen (Quadratkilo meter vermehrt habe vom fachen Frankreich auf das (8 (9 fache!" Die Deutschen endlich haben in den Jahren {885, 81 und 85 angefangen, Kolonien zu erwerben, aber nicht ohne daß die Engländer nun gesucht hätten neben jeden deutschen oder französischen Grenzpfahl einer: englischen zu setzen und möglichst alles in Besitz zu nehmen, was noch zu haben war." In seiner großen historischen Geographie der britischen Kolonien spricht es Lucas, einer der Leiter des englischen Kolonialamtes offen aus: For better or worse, a pride or a bürden to tbe coming generation, we must refcain it! (wohl oder übel, ob ein Stolz oder eine Last für die kommenden Geschlechter, wir müssen behalten, was sonst Franzosen oder Deutsche nehmen würden!)."11 Und mit Recht macht Professor Schäfer darauf aufmerk sam, daß wir es hier nicht etwa mit einem Zuge zu tun haben, der nur die Völker des alten Europa ergriffen hat, sondern daß auch Amerika, das doch noch über unendliche Ländergebiete verfügt, und das man für den Friedens staat an sich" gehalten hatte, die Philippinen annektierte und Kuba, die Perle der Antillen, in seinen Machtbereich zog! Und die Nutzanwendung von alledem: Sollten wir allein zurückstehen, uns zurückdrängen lassen, während Völker, die in kolonialer Tätigkeit eine jahr hundertlange Erfahrung haben, Kolonien erwerben, wo und wie sie nur immer können? Sollen w r zurückstehen wie kleine Nationen, dieausderNot ei neTu gen d machen müssen? Vas kann niemand erwarten und würde kein urteilsfähiger Fremder verstehen. Was wir erwarben, erwarben wir mit gutem Grunde; wir wollen und müssen es behaupten. Die Zeiten sind vorüber, wo man ernstlich vom Anfgeben und Liqui dieren reden konnte. wer heute solche Ansichten vertritt, ist rückständig, völlig rückständig. Die Zukunft gehört denen, die die Gegenwart ver stehen. Seien Sie davon überzeugt, daß auch unsere Nation ihren Teil von der Erde haben wird!" Sehr beachtenswert erscheinen auch die Aussprüche eines anderen Vertreters der Wissenschaft: Prof. Dr. Serin,g. Nach ihm haben die Fortschritte auf dem Gebiete der modernen Verkehrstechnik für die Entstehung und das weiterbestehen nationaler Staaten ganz neue Maßstäbe eröffnet und d e n Schwerpunkt der Bevölkerungsvermehrung europäischer Rassen bereits außerhalb Eu ropas verlegt." Und in den ungeheueren Räumen ferner Weltteile vollziehen sich, durch Eisenbahnen, Dampfschiffe, Tele graphen ermöglicht, neue Staatenbildungen. Die außerordentliche Macht der neuen Weltreiche an ihrer Spitze die Vereinigten12 S aalen, liegt nicht lediglich irr der großer: Volkszahl, sorrderrr in der erstaurrlichen Fülle nrrd Mannigfaltigkeit ihrer rratür- l ch e n Reichtürner." Vas ist, nur rnit anderen Worten ausgedrückt, die jetzt von irnrner weiteren Kreisen begriffene Tatsache, daß ein Tand urnso sicherer und günstiger dasteht, je mehr es alles, was es an Boden- und sonstigen Produkten braucht, selber hervorbringt und dadurch unabhängig vom Auslande ist. Und gerade die Erreichung dieses Zieles ist es, die auch uns Deutsche antreibt, in unserer staatlichen und wirtschaftlichen Ent wicklung über die Grenzen des engeren Vaterlandes fortzu- fchreiten zu weiteren Räumen! Und", sagt Professor Serin g, die Völker, welche sich diesem Ge setze (des Fortschreitens von engeren zu weiteren Räumen) zu eirtziehen suchen, sind gerade so in Ge fahr, von den Weltreichen überflügelt und irr Abhängigkeit gebracht zu werden, wie dereinst die deutschen Städte und Land- schaften von den neu entst eher: den Natio nalstaaten!" Stets hat d e wirtschaftliche schließlich auch eiire politische Abhängigkeit nach sich g e z o g e n." Heinrich von T r e t s ch k e hatte deshalb recht, wenn er sagte: Für die Zukunft der Welt ist die Kolonisation eirr Faktor von urrgeheuerer Bedeutung geworden! Dort h r wird es abhäirgen, irr welchem Maße ein jedes Volk an der Beherrschung der Erde teilnehnten wird. Es ist sehr gut denkbar, daß ein Land, das gar keine Kolonien hat, gar rricht mehr zu den e u.r o p ä s ch e n Großmächten zählen wird, so mächtig es sonst sein mag!" Kläglich nehmen sich gegenüber solchen ebenso begeisterten wie berechtigten Vinweisen auf die Notwendigkeit der Kolonial-13 idee im modernen Völkerleben jene Unkenrufe aus, die Kolonial- politik als Kolonialschwindel" bezeichnen und als unsinnig und schädlich weit von sich weisen! wie unglaublich verständnislos klingen Bebels im Reichstage gesprochenen Morte: Man solle doch die Wilden in Ruhe lasse 7t!" Du lieber lsirnrnel, was wäre denn nach der Entdeckung Amerikas geworden, wenn mair so gehandelt hätte, wie der sozialdemokratische jdarteigeist, der stets verneint, es seinen Anhängern weißmacht und d e w l d e 77 77 Ruhe ge lassen" hätte? Noch herrte würden dann in Nordamerika die in Ruhe gelassenen" wildert Indianer ein fröhliches Skalpieren ihrer Stammesfeinde und ein vergnügliches Büffeljagen da betreiben, wo jetzt großartige Zentralen der Kultur erbartt sind, wo jetzt viele Millionen fleißiger lsände in einem geordneten Staats wesen fruchtbringender Arbeit nachgehen und in hochentwickelten Schulen und Universitäten Kulturideale gepflegt werden. Allerdings werden da, wo es sich urn Kolonisierung handelt, auch Schattenseitert schlimrrter Art nicht ausbleiben und sind auch Engländern, Franzosen u. a. nicht erspart geblieben! Dürfen aber mögliche Fehler, Nackenschläge, Verluste, wie sie jedem Anfänger urrd auch aus anderen Gebietert blühen, von vornherein entmutigen? Wie würde das gerade zu der gerrt gerühmten deutschen Zähigkeit und Ausdauer" stirrtmen? Und daß afrikartischen Völkerrt gegertüber, in deren Dasein gegenseitige Verrtichtungskriege und grausame Sklavenjagden zu den Alltäglichkeiten gehörtert, der zivilisierende Weiße gelegent lich auch recht ausgiebig zu den Waffen greifen muß, ist leider auch von vorrtherein mit in dert Bereich der Rechnurtg zu ziehen. Ist dartn aber Ruhe urtd Ordnung eingekehrt, bequemt sich der schwarze oder braune Naturmertsch, die Überlegenheit des weißen anerkennend, zu segenbringertder Arbeit dann mag es auch dem deutschert Kolonisten vergönnt sein, den Ausspruch seines neuen .Kolonialministers. D e r ri b u r g zu verwirklichen, der da lautet:14 Kolonisation, ganz gleichgültig, ob es sich um Plantagenkolonien oder um An - siedlnngskolonien handelt, heißt die Nutz barmachung des Bodens, seiner Schätze, der Flora, der Fauna und vor allem der Men schen zugunsten der Wirtschaft der koloni sierenden Nation und diese ist dafür zu der 8 egen gäbe ihrer höheren Kultur, ihrer Außer den oben genormten Männern der Wissenschaft haben sich noch sehr viele andere über die Notwendigkeit deutscher Kolonien ausgesprochen auch die berühmten Professoren S ch m o 11 e r und Wagner, die in gelehrten Werken und mit deutscher Gründlichkeit zusammengetragen haben, was Weltwirtschaft heißt und wie auch das Wohl und wehe unseres deutschen Vaterlandes mit ihr eng zusammenhängt. Die Nationalökonomie, wie der Kunstausdruck lautet, wenn es sich um Pandel, Industrie, Arbeiterverhältnisse usw. handelt, umfaßt heutzutage ein fast unabsehbares Gebiet.15 Unsere Kolonien betreffend interessiert uns zunächst nur das Allerhandgreiflichste und besonders die Tatsache, daß berufene Männer der Wissenschaft erklären: Deutschland muß Kolonien haben, um imAnkauf derwichtigsten, unentbehrlich st en Rohstoffe unabhängiger zu werden vom A u s l a n d e ! Welches nun die hauptsächlichsten dieser Rohstoffe sind, soll hier in aller Kürze gezeigt werden. Nach der bisherigen Kenntnis oder vielmehr vollständigen Unkenntnis auf diesem Gebiete würde es den Durchschnitts deutschen, besonders aber den deutschen Arbeiter, der doch eigent lich der Nächste dazu" wäre, wenig interessiert haben, wenn er so nebenbei hörte, die Baumwolle oder das Kupfer oder der Kautschuk sei wieder etwas teurer geworden. Das ginge ja, so meinte der noch nicht allzusehr an eigenes Nachdenken Gewöhnte, weniger ihn etwas an, als zunächst die Herren Arbeitgeber und die würden sich mit dem Lallen oder Steigen der Preise schon auseinandersetzen. Und darum interessierte sich auch der Durchschnittsdeutsche im allgemeinen und der Arbeiter im besonderen bisher herzlich wenig für unsere Kolonien in fernen Weltteilen, die gerade solche Rohstoffe liefern sollen. Ts gelang sogar den in ihre praktisch gar nicht zu erreichenden Ziele verrannten sozialdemokratischen Arbeiterführern, das Kolo nisieren als eine Art unnützen, gefährlichen und sehr teuren Sport, sogar als einen Kolonialschwindel" hinzustellen, der, nur wieder den besitzenden Klassen Vorteil brächte. Von einer Notwendigkeit, uns um die- scheinbar weit außer den deutschen Grenzen liegende Weltwirtschaft zu kümmern, hatten die großen Massen keinen Schimmer. Und die sozialistische Presse wollte auch diese noch wenig unterrichteten Massen darüber nicht aufklären. In ihren Kram paßte es viel besser, über jeden Lehler, der wirklich gemacht oder erlogen oder auf gebauscht wurde, mit großem Geschrei herzufallen.16 Wie demgegenüber die moderne Wissenschaft denkt, ist kurz gezeigt worden. Auch die Praxis sei nun befragt. Vielleicht gelingt es dann, nicht nur dem Gebildeten, sondern auch dem Manne aus dem Volke und auch der deutschen paus- frau klar zu machen, wie unendlich wichtig diese uns bisher aller dings wenig geläufigen Dinge für den Geldbeutel jedes einzelnen sind! Einige kIauptKoloniaiartiKel. Da ist also zuerst jener Artikel, der zwar bescheiden hinter Sammet und Seide zurücksteht, in den sich aber seitdem die Entkernungs- und die Spinnmaschine erfunden waren, also etwa seit hundert Jahren Millionen und Abermillionen von Menschen kleiden, nämlich: Die Baumwolle. Sie entquillt den Fruchtkapseln eines Strauches, der auf unserm Erdball nur in gewissen südlichen Ländern angebaut werden kann. Und zwar erntet von den 16 Millionen Ballen ä. 500 Pfund, d e die Welt jährlich verbraucht Amerika: \ \ Millionen Ballen Ägypten: 3 den Rest Ostindien und verschiedene andere Länder. Natürlich haben bei dieser Sachlage so geriebene Geschäfts leute, wie die Amerikaner es sind, die Preise der Baumwolle schon ganz gehörig in die pöhe geschraubt; aber um wieviel jene T r u st s" oder R n g e" der dortigen Spekulanten die Preise noch weiter schrauben werden, das wissen die Götter! Was solche willkürliche gewaltsame Preissteigerungen für uns bedeuten, ist sehr leicht zu begreifen. In Deutschland wird jetzt ungefähr vierzehnmal soviel Baumwolle verbraucht, als vor fünfzig Jahren, nämlich vier-17 zehn Pfund, anstatt wie damals e n Pfund auf den Kopf der Bevölkerung. Gesamtverbrauch in Deutschland jetzt mehr als \ x 2 Millionen Ballen (ä 500 Pfund) in einem Jahre, für die 470 Milli onen Mark bezahlt werden! Zu dieser Riesensumme gelangen wir durch die jetzigen hohen, von den Amerikanern diktierten Preise. Im Zahre ^399 kostete das Pfund Baumwolle noch SO Pfg. und jetzt 75 pfg. Die Schraube der amerikanischen Trusts, die dahinter stecken, arbeitet exakt, wie man sieht. Und wahrscheinlich werden die perren Amerikaner auch mit 75 Pfg. pro Pfund noch nicht zufrieden sein, sondern bald 85 Pfg. verlangen, weil sie sich s ja leisten können! Und dabei bedeutet eine Steigerung von nur einem einzigen Pfennig für die Geldsäcke des amerikanischen Trusts schon jähr lich das Sümmchen von 75 Millionen Mark! Also bei einer Preissteigerung von rund so auf über 70 Pfg. hat das Un geheuer, Trust genannt, seinen Abnehmern weitüberdrei Milliarden aus der Tasche gelockt. Und wie würde es wohl werden - was würde wohl aus unserer Baumwollenindustrie in Deutschland werden, von deren Spinnereien und Webereien etwa eine Million Fa milien leben, wenn die Amerikaner uns eines Tages über haupt gar keine Baumwolle mehr liefern würden, weil sie die ganze Ernte im eigenen Lande verbrauchen, dessen Bevölkerung bekanntlich ebenfalls bedeutend wächst? Dann könnte es uns so gehen wie in den Zähren \8( !,86i, als der amerikanische Norden gegen den Süden einen blutigen Krieg führte, weil dieser letztere die Negersklaverei nicht ab schassen wollte. Dieser Krieg hatte die Baumwollenernte und ihre Ausfuhr so gestört, daß anstatt 5% Millionen Ballen nur eine halbe Million Ballen zum Versand gelangen konnte, und die direkte Folge davon war, daß der Preis von 45 pfg. auf 4,50 Mark pro Pfund stieg. Und die weitere Folge, daß die Baumwoll- Volkskolonialbuch. 218 Industrie Englands, damals die weitaus bedeutendste, an den Rand des Verderbens kam! Viele große Spinnerei- und Webereibetriebe wurden bankrott und viele Tausende von englischen Arbeiterfamilien mußten von einem Zentral-Unterstützungskomitee in Manchester an 60 Mil lionen Mark als Unterstützung ausgezahlt erhalten. Lange Jahre hat diese Industrie gebraucht, um sich von jenem harten Schlage zu erholen. Und die nützliche Lehre, die wir Deutsche, deren Baumwoll industrie aus dem europäischen Festlands heute die erste Stelle einnimmt, aus alledem ziehen sollen und müssen, kann doch nur diese sein: U d a ß wir uns glücklich schätzen, unter unseren Kolonien solche zu besitzen, in denen wir selber Baumwolle bauen können; 2. daß wir beiz,eiten die znmBaumwollen- bau geeigneten Landstriche mit allen Hilfsmitteln der modernen Wissen- s ch a s t u n d T e ch n k unterKultur nehmen, vor allen Dingen aber durch Eisen bahnen ausschließen sollen. Daß in der Praxis nur dieses Rezept der gesährlichen ameri kanischen Trustwirtschast gegenüber helfen kann, ist so klipp und klar, daß sogar der sozialdemokratische Vorwärts" am \ 6 . Oktober xgos eingestand, den in Afrika betriebenen ver suchen, dort die Baumwollkultur einzusühren und auszudehnen, sympathisch gegenüber zu stehen" aber w r s n d durch aus Gegner der K o l o n a l p o l t k ", lautete der Vordersatz des Artikels! Lin Kipp- und Wippstandpunkt, den das gute deutsche Sprichwort kennzeichnet: Wasch mir den pelz, aber mach mich nicht naß!" Wenn wir nach dem weiter oben erwähnten Bebelschen Rezept die Wilden in Ruhe lassen" dann dürsten wir aus19 unfern Kolonien schwerlich jemals regelmäßig und viel von dem kostbaren Kolonialprodukt Baumwolle herausbekommen. Etwas praktischer haben es unsere modernen Gelehrten und Kolonialpolitiker denn doch angefangen! Weil sie wissen, daß das mächtige Deutsche Reich als Be schützer hinter seiner Kolonialpolitik steht, haben sie mit der Baum- wollkultur an verschiedenen Stellen unserer afrikanischen Kolo nien begonnen; sogar eine Baumwollschule wurde in Nuatschä (Togo) eingerichtet, in der Eingeborene im rationellen Baum wollbau und in der maschinellen Erntebereitung unterrichtet werden. Nach einem zweijährigen Lehrkursus werden diese Einge borenen unter Überlassung von Gerätschaften usw. in ihren Beimatsbezirken angesiedelt, um dort durch Musterfarmen die Kultur zu verbreiten. Es wurden zehn Ginstationen zur Zu bereitung der Baumwolle und Aufkaufsmärkte eingerichtet, um den Eingeborenen den Verkauf so bequem als möglich zu gestalten. Um die Bevölkerung vor irgendwelchen Verlusten zu schützen, wurde ein Garantiepreis für den Ankauf festgestellt. Das Ergebnis ist eine von Jahr zu Jahr steigende A.u s f u h r, die im letzten Jahre schon ^ooo Ballen betru g.*) Das sind ja noch kleine Anfänge, aber welches Große" in der Welt ist wohl nicht zu allererst aus solchen entstanden? Und daß man in unseren deutschen Kolonien doch nicht so ganz auf dem polzwege sein kann, dürfte wohl der Umstand beweisen, daß auch die anderen Kolonialmächte, wie England, Frankreich, Italien, Spanien, Holland, Belgien Pflanzungsversuche nach deutschem M u ft e r machen! Nach allgemeinem sachverständigem Urteil erzielten unsere westafrikanischen Kolonien Togo und Kamerun, eine den mittleren amerikanischen Sorten überlegene Baumwolle (Togobaumwolle *) Die Baumwolle und die deutschen Kolonien". Lins der volkstümlich geschriebenen tseftchen, die vom energischen Kolonialwirtschaftlichen Komitee" in Berlin gratis verbreitet werden. 2 *20 auf dem Weltmärkte 8 Pfg. mehr als die amerikanische) und Deutsch-Gstafrika liefert sogar Qualitäten, die den ägyptischen gleichkommen und die auf der Ausstellung in 5t. Louis schon die Goldene Medaille erhielten! Natürlich sind Baumwollernten und ihre Verwertung in größerem Maßstabe erst dann möglich, wenn sie auf Eisen bahnen nach den Pafenplätzen geschafft werden können, was bis jetzt noch auf den Röpsen der eingeborenen Trägerkolonnen geschehen muß. So waren z. B. tausend Neger vier Wochen lang beschäftigt, um das Produkt von einigen hundert Hektar Baumwollandes aus dem Inneren unserer Kolonie Togo nach der Rüste zu schaffen, und in unserer Kolonie Gstafrika, die fast doppelt so groß ist wie Deutschland, liegen die Verhältnisse, solange die Eisenbahnen fehlen, noch schlimmer. Lin Blick auf die Karte zeigt bis jetzt in der Niesenfläche von Deutsch-Gstafrika nur zwei noch sehr winzige Bahnstrecken, die eine von Dar es Salcnrt, die andere von Tanga aus von der Küste ins Innere strebend, während weiter nördlich, auf eng lischem Gebiete, schon eine Riesenbahn vom Hafenorte Mombassa bis zum Viktoriasee führt. Da gibt es eben für deutsches Kapital und für deutsche Tatkraft noch ein weites Feld, was eine Korporation deutscher, für das Kolonialwerk seit Jahren tätiger Männer: ,,Das ko lonialwirtschaftliche Komitee der deutschen K o l o n a l g e f e l l s ch a f 1" in seinem ausgezeichneten W irisch aftsatlas der deutschen Kolonien" in folgenden Worten zum Ausdruck bringt: Die Ergänzung der heimischen Volkswirtschaft durch die Kolonialwirtschaft fordert energische und zähe Ar beit von Generatio tten, das Ergebnis dieser Arbeit, namentlich hinsichtlich der Sicherung tropischer und subtropischer Rohstoffe für die Industrie und hinsichtlich der Siedelung ist von sozialpolitischer Bedeutung uni) mit ausschlaggebend für d e künftige Stellung Deutschlands auf dem Weltmärkte!"21 wie einschneidend in ihren Wirkungen unsere heimische Industrie und somit auf das Wohl und wehe von Millionen deutscher Arbeitnehmer und ihrer Arbeitgeber einzelne Artikel des Weltmarktes, ja eine unscheinbare Pflanze werden kann, ist an ,,king cotton“ oder König Baumwolle" sehr deutlich zu sehen. Blühender Baumwollstrauch. Der B a u m w o I l st r a u ch (Gossypium) . Zur Familie der Malvaceen gehörig. Die bis \Y 2 m hohen krautartigen Ge wächse haben blaßgelbe, in den Blattwinkeln stehende Blüten. Die walnußgroße kapselartige Frucht springt bei der Reife auf und die langen, weißen, elastischen Samenhaare quellen hervor.22 Dieselbe Pflanze trägt nur 2 bis 3 Jahre, so daß stets nach gepflanzt werden muß, auch wenn möglich auf frischem Boden. Das Linsammeln erfordert viel Sorgfalt und somit viel Arbeits kräfte. Nachdem die rohe Baumwolle mehrere Tage an der Sonne getrocknet ist, wird sie mittels besonderer Maschinen von den Samenkernen befreit und zubereitet (Ginstationen). Neben diesem Könige" der Kolonialerzeugnisse gibt es noch eine ganze Reihe anderer sehr wichtiger Stoffe, die man sich ebenfalls etwas näher ansehen muß, wenn man von unseren deutschen Kolonialinteressen wenigstens einen oberflächlichen Überblick gewinnen will. Zunächst sei es, weil schon täglich der Augenschein seine Nützlichkeit und Unentbehrlichkeit lehrt: Der Kautschuk. Ltwa 90 Fabriken arbeiten in Deutschland in der Kautschuk- waren-Industrie mit etwa MO Millionen Mark Kapital und 32 000 Arbeitern. welche Unmassen von Kautschuk verbraucht werden, be weisen uns die vielen Fahrräder und Automobile, die dem mo dernen Straßenbilde ein verändertes Aussehen geben. Dazu Telegraxhenkabel und eine Menge von Gebrauchsgegenständen der Krankenpflege, des Gasverbrauches usw. Auch der vielen so unentbehrliche Gummischuh mag nicht unerwähnt bleiben. Lingeführt wurden in Deutschland im Zahre ^905 über H 35 000 Doppelzentner Rohkautschuk im werte von rund ^00 Mil lionen Mark und an Arbeitslöhnen wurden in diesem Fabrika tionszweige zirka so Millionen Mark ausgezahlt. Von den MO Millionen Mark Rohkautschuk, die Deutsch land in einem Jahre verbraucht, konnten im Jahre MOS schon für 7,3 Millionen Mark aus unseren eigenen Kolonien bezogen werden und auch an dieser Summe haben wieder deutsche Ar beiter ihren Anteil, denn deutsche Schiffe mit deutscher Besatzung besorgen den Transport, über See.23 wenn wir etwa 54 000 Hektar unseres Koloniallandes mit Kautschukpflanzen besetzten, die dort sehr gut gedeihen, was etwa in sieben Jahren und mit einem Anlagekapital von 54 Millionen zu ermöglichen wäre, dann könnten wir damit unseren ganzen Bedarf aus den eigenen Kolonien decken und brauchten die vielen Millionen für Kautschuk nicht ins Ausland zu schicken. Bis jetzt erzeugt Deutsch-Ostafrika für 2,2 Millionen Mark Kautschuk pro Jahr, Togo für \ Million, Kamerun für 4 Millionen. Als Konkurrenten haben wir wieder die lieber: Amerikaner vor uns, die, wie es scheint, gerne auch einen Kautschuk-Trust bilden möchten, wie sie schon einen Baumwoll-Trust gebildet haben. Darum heißt es auch hier: tapfer gearbeitet und den Kaut schukbau in unseren eigenen Kolonien kräftig gefördert, damit wir die amerikanischen Milliardäre mit ihren gefährlichen Ab- sichten aus dem Felde fchlagen. Für den Anbau von Kautschukpflanzen kommen für unsere Kolonien verschiedene Arten in Betracht. Gute Erfolge sind er zielt worden mit Landolphia- Arten, die zu den Wolfs milchgewächsen gehören; es sind rankende Sträucher mit rispen artigen Blütenständen. Ebenso mit Ficus elastica, unserm Gummibaum, den wir allerdings in den Tropen als t m dicken Baum und Laubkronen von \5 m Durchmesser nicht wiedererkennen würden. Gute Erfolge werden in neuerer Zeit mit einer K ck x a erzielt. Das Rupfer, ein Metall, das bekanntlich in der großartig entwickelten Elektrizi- täts-, Telephon-, Telegraphen-Industrie, im Maschinenbau usw. einen hervorragenden jOlatz einnimmt, muß bis jetzt leider auch für schweres Geld aus dem Auslande bezogen werden, denn unser inländischer Kupferbergbau bei Mansfeld und im kfarz ist nicht bedeutend. So find denn noch im Jahre tk 05 für Kupfer nicht weniger als ^80 Millionen Mark über die Grenze gewandert, denn die24 Preise dieses kostbaren Metalls sind seit ^8^8 auch um mehr als das Doppelte gestiegen und auch für diesen wichtigen Artikel gibt es nur eine Möglichkeit, uns vom Auslande unabhängig zu machen, nämlich die großen Rupferlager auszunutzen, die uns unsere viel verschriene Kolonie Deutsch-Südwestafrika bietet. Dort ist Rupfer an verschiedenen Stellen festgestellt und be reits ein großes Kupferbergwerk angelegt worden, das durch die Gtawi-Lisenbahn mit dem pafen von Swakoxmund ver bunden ist. Die Aussichten für die Rupferausbeute in Südwestafrika werden nach weiterer Ausgestaltung der wirtschaftlichen Ent wicklung, vor allem nach dem Ausbau besserer Verkehrswege und pafenanlagen, billigerer Zufuhr von Brennmaterial für die maschinelle Bergwerks- und püttenanlage günstiger werden und es ermöglichen, dieses Schutzgebiet auf einen hervorragenden Platz in der Rupferproduktion auf dem Weltmärkte zu heben. Die Äelfrüchte. wer den statistischen Tabellen der Ein- und Ausfuhr ferne steht, der wird darüber staunen, welche Summen der deutsche Markt auch für Mlprodukte bezahlen muß. Es sind jetzt 200 Millionen Mark im Jahre und diese Riesen summe wird noch fortwährend wachsen. Zn über 6000 Betrieben beschäftigte schon im Jahre t 8 A 5 unsere Industrie für Leuchtstoffe, Seifen, Lette, Öle rund 58 000 Personen. Auch mit der Gewinnung von Ölfrüchten ist in unseren Kolonien ein bescheidener Anfang gemacht, so daß im Jahre tl )05 unsere Kolonie Togo für 760 000 Mark und Kamerun für fast 2 % Millionen Mark erzeugte; aber was wollen diese winzigen . Ziffern sagen im Vergleich zu dem, was der deutsche Markt in Wirklichkeit verbraucht, wenn auch noch für ca. 4 Millionen Mark hinzukommen, die uns unsere Südfeeinseln, Samoa, Karolinen usw. besonders an Produkten der Kokospalmen (Kopra) liefern?25 Sefam und Erdnüsse könnten in Deutsch-Ostasrika, wo stellenweise eine recht intelligente, arbeitsame Negerbevölkerung sich damit befassen würde, in ganz bedeutenden Mengen an- Dlpaline.26 gepflanzt werden, aber immer und immer wieder steht das fehlen der Transportwege nach der Rüste hindernd im Wege. Eisenbahnen für unsere Kolonien! Das ist die Forderung der heimischen Industrie und ganz besonders auch der Interessenten für Ölfrüchte und Glprodukte, denn diese ver tragen keinen langwierigen Transport zur Rüste auf den Röpsen der Neger. Die Vlpalme (Elaeis). Eine Palme mit meist bis 30 m hohen Stämmen und etwa 5 in langen fiederförmigen Blättern. In großen Rolben bis 20 kg schwer sitzen dichtgedrängt Krone einer Kokospalme mit reifen Früchten-27 die taubeneigroßen 600 bis 800 Früchte. Sie haben faserige Hüllen und harten Kern, nach Veilchen duftendes Fleisch. Durch Auskochen wird das Palmöl gewonnen. Aus den Kernen ge winnt man Palmkernöl und durch Pressen des llbrigbleibenden gutes viehfutter. Die Kokospalme (6000s nucifera). 20 m hoch und mehr. Line Krone von schön gefiederten 4 bis 6 rn langen Blättern sitzt auf einem schlanken Stamme. In gutem Ge deihen braucht diese nützliche Palme Seebrise und tüchtige Düngung. Vom fünften oder sechsten Jahre an trägt die Kokos palme bis etwa zum sechzigsten. Fast ein Zahr brauchen die großen Früchte zur Reife, an jedem Baume bis zu 60 jedes Jahr. Die nach der Reife zu weißem Fleisch verhärtete Milch ist die zur Vlxroduktion benutzte K 0 x r a". Die riesigen Blätter werden von den Eingeborenen auch zum Dachdecken benutzt. Kakao. Die Zeiten sind nicht mehr, wo man in der Fainilie^nur Kaffee oder Tee trank und an GeburtS- oder sonstigen Festtagen Schokolade, Heute hat sich ein anderes Getränk eingebürgert, das, nahrhafter und bekömmlicher als Kaffee und Tee, allgemein Eingang gefunden hat: der Kakao. Für 35 Millionen Mark mußte ihn sich Deutschland im Jahre t90S kommen lassen, um seinen fortwährend steigenden Bedarf zu decken. Seine Beliebtheit wird begreiflich, wenn man bedenkt, daß Kakao nicht bloß erwärmt und anregt, wie Kaffee und Tee, sondern auch bei seinen ^8 % (EhDeifjftoff und \ 0 % stärke gleichzeitig ein Nahrnngsmittel ist. Deswegen ist er vielen ein Freund geworden, die körperlich arbeiten und ihn, wenn sie klug sind, allem anderen, besonders aber dem Alkohol vorziehen. wie sehr sich der verbrauch des Kakao in Deutschland ge steigert hat, geht aus der Tatsache hervor, daß J896 nur etwas über \2 000 Tonnen ä jooo Kilo und ^906 ungefähr 3  000 Tonnen eingeführt wurden, also in zehn Jahren beinahe das Drei-fache. Und daraus darf man nebenbei auch wohl den Schluß ziehen, daß die Lebenshaltung des Volkes überhaupt eine bessere geworden ist, sonst hätte der früher so viel getrunkene mehr oder weniger dünne Kaffee wohl schwerlich in solchem Maße den Kakao als Konkurrenten bekommen können. Daß von manchen Fabriken und Hüttenwerken mit Erfolg versucht worden ist, ihren Arbeitern gute Milch oder guten Kakao für sehr billiges Geld zugänglich zu machen, dürste bekannt sein; auch die preußische Eisenbahnverwaltung ist bestrebt, ihren An gestellten, besonders dem Zugpersonal, während des schweren Dienstes zu billigem Preise als gesundes Getränk nahrhaften Kakao zur Verfügung zu stellen. Inwieweit kann nun dieser wichtige Artikel aus überseeischem deutschen Boden produziert werden? Auch hierüber geben die ausgezeichneten Veröffentlichungen des Kolonialwirtschaft- lichen Komitees" der deutschen Kolonialgesellschast zuverlässige Auskunft. Unsere Kolonien Kamerun, Samoa, Deutsch-Ost- asrika arbeiten eifrig an der Kakaokultur, Kamerun an der Spitze. Seine Kakaoaussuhr begann im Jahre ^889 mit fünf Zentnern und erreichte im Jahre 1.905 über 28 000 Zentner (genau \ 415 555 kg), also erbringt auch dieser Artikel wieder den Be weis dafür, was in unseren Kolonien ,,g e m a ch t" werden kann, wenn wir ausdauernde Arbeit und Geld hineinstecken! Auch Samoa hat Fortschritte gemacht, denn 1900 brachte es nur {552 kg Kakao auf den Markt, aber 1905 schon 21 500 kg, und wenn wir auch 1905 erst den 20. Teil des deutschen Bedarfes aus unseren eigenen Kolonien bezogen, so geht doch die Pro duktion dort ganz gewaltig in die Höhe. Hektar auf Hektar wird urbar gemacht und angexslanzt, so daß die 60 000 Hektar, die notwendig sind, um den gesamten deutschen Kakaobedars zu decken, recht wohl eines Tages erreicht werden können. Die bis jetzt schon bebauten 10 000 Hektar werden übrigens, sobald die Pflanzen herangewachsen sind, schon den sechsten Teil des deutschen Gesamtbedarfes ergeben. In ihrem eigenen Interesse werden unsere Kakaokolonistenbei ihrem Anbau natürlich auch berücksichtigen, daß nicht nur eine Sorte allein hervorgebracht werde, sondern mehrere in ihren Eigenschaften verschiedene, denn erst die richtige Mischung Uakaoernte auf Samoa (mit chinesischen Arbeiteren.) dieser verschiedenen Sorten ergiebt das im chandel und vom Verbraucher geschätzte j)rodukt. Unsere Kolonien haben den Vorzug, je nach dem Boden, sowohl die feinen wie auch die mittleren Rakaosorten zu erzeugen,30 und Kakaoland ist auch genügend vorhanden, aber auch hier, wie überall, steht wieder als großes, schwerwiegendes Frage zeichen: die Eisenbahn! Die Plantagen liegen gerade in unserem chauxtlande für Kakao, nämlich Kamerun (^95 600 ^km), noch alle an der See oder in geringer Entfernung von der Küste. Niemand würde es wagen, in dem pinterlande, und sei es auch noch so fruchtbar, Plantagen anzulegen, wenn ihm die Ver bindung nach der Küste fehlte! Der K a k a 0 b a u in (Theobroma). Mit großen unge teilten Blättern und kleinen Blütenbüscheln am Stamme. Kelch- und Staubgefäße rosenrot, die Blütenblätter gelb. Die Bäume werden 5 bis 1,5 m hoch und 27 bis SO cm dick. Die Früchte find melonenförmig, to bis cm lang, 5 bis 8 cm dick und enthalten 20 bis 70 bohnenartige Samen (Kakaobohnen). Die feuchten Boden verlangenden Bäume tragen im vierten oder fünften Jahre. Iahresernte eines Baumes % bis 3 kg. Auch Kakaobutter wird aus den Samenkörnern gewonnen. Lfanf. Rohhäute. Gerbstoffe. Auch von diesen Artikeln müssen Jahr für Jahr für viele Millionen Mark nach Deutschland eingeführt werden, um allen Seilern, Gerbern, Schuhmachern und vielen anderen ihr nötiges Arbeitsmaterial zu liefern. Allein für lfanf zahlten die deutschen Abnehmer dem Aus lande im Jahre 1^905 1,43 Millionen Mark. Die aus Indien und Südamerika bezogenen Rindshäute kosteten 85 Millionen und von Schaf- und Ziegenfellen verbrauchen wir jährlich auch noch für 59 Millionen. Bleiben noch zu erwähnen diejenigen als Gerbstoffe nötigen Pflanzen, die nur in der: wärmeren Gegenden des Auslandes wachsen und die wir aus fernen Weltteilen, besonders aus Südamerika (ÜZuebrachoholz) beziehen mußten. Diese aus ländischen Gerbstoffe kosteten uns die runde Summe von fast 23 Millionen.31 Was nun den zuerst genannten Artikel, den panf, anbetrifft, so ist auch mit diesem in unseren Kolonien ein guter Anfang gemacht worden, indem die Deutsch-O st afrikanische Gesellschaft" die ersten Versuche mit Sisalhanf machte. Aus ostasrikanischem Boden schlugen die Pflanzen gut ein, und heute besitzt die Gesellschaft aus zwei Plantagen bereits an ^ Mil- Einernten der Sisalagaven. lionen Pflanzen, so daß die Plantage Kikogwe schon ^904 einen Gewinn von \20 ooo Mark hatte, nach allen Unkosten und Ab schreibungen. Ebenso hat die erst seit ^900 bestehende Deutsche Agaven-Gesellschast" mit ihrem Sisalhans im vorigen Jahre schon 7 % Dividende gezahlt und ihre Aktien sind nicht unter 20 % Ausschlag zu haben. In zehn Jahren kann die chansindustrie, wenn fleißig weiter-32 gearbeitet wird, auch schon die nichtdeutschen Lieferanten ver drängen, denn die (Qualitäten, die Deutsch-Gstafrika liefert, sind vorzüglich. Bedenkt man, was durch die Verschiffung dieses wichtigen Artikels wieder von deutschen Schiffen und ihrem Personal verdient werden würde, was für Maschinen, Werk zeuge und andere Dinge dann aus dem Mutterlande Deutschland bezogen würden, so sind auch hier die Aussichten recht günstig zu nennen. Sisalhanf (Agave sisalana). Der Gattung nach eine Verwandte unseres Schneeglöckchens. Die mannshohen, aus dornigen Blättern gebildeten Büsche treiben kolossale Blüten schäfte, auf denen die in lockeren Rispen ungeordneten trichter förmigen Blüten stehen. Die Faser wird ähnlich der unseres Flachses gewonnen. weniger geklärt erscheint bis jetzt die Frage, ob auch g erb st o f f h a l t g e Pflanzen und chölzer in unseren Aolonien gebaut werden können. Für Südwestafrika, wie auch für Dst- afrika wird von Sachverständigen die Anpflanzung der Gerber akazie für nutzbringend erklärt. Auch für Rindvieh-, Schaf- und Ziegenzucht, also zur Ge winnung von Tierhäuten eignen sich große Striche von Deutsch-Südwestafrika, weil dort die dem Vieh so gefährliche Tsetsefliege nicht vorkommt und die Verhältnisse sonst ähnlich liegen wie in den anderen südafrikanischen Ländern, die hervor ragende Viehländer sind. Deutschlands Kolonien, s. D eutsch -Süd westafrik a. Zn einer Berliner Wahlversammlung, in der u. a. ein alter Afrikaner aus eigener Erfahrung über Deutsch-Südwest sprach, ertönte aus dem Munde von Arbeitern, die auch auf diesem Gebiete, wie so oft, von ihren fozialdemokratischen Führern falsch berichtet waren, fortwährend der Zwischenruf: Sand-33 wüste! Sandwüste!" bis der Vorsitzende ihnen zurief, wenn in Deutsch-Südwestafrika nichts sei als wüste, dann sollten sie sich doch schleunigst dorthin aus den weg machen, denn in der wüste würden immer viel Kamele gebraucht! Das war wohl etwas grob, aber von Deutsch-Südwest- afrika, das als das Schmerzenskind unter unseren Kolonien zunächst noch ganz besonders unserer Teilnahme und Lsilse bedarf, Landschaft am Fischfluß. als von einer großen Sandwüste zu reden, ist, wie wir sogleich sehen werden, in der Tat eine arge Verdrehung der Tatsachen! Auch unsere alte Mark Brandenburg hieß ehemals des heiligen römischen Reiches Streusandbüchse", aber trotzdem hat sie sich durch den Fleiß ihrer Bewohner zu einem Lande empor gearbeitet, das ausgedehnten Acker-, Obst- und Gartenbau be treibt und reiche Industrie in sich schließt kurz: die ehemalige Streusandbüchse ist zu einem Lande geworden, das sich wohl sehen lassen kann! volkskolonialbuch. z34 3 a, sagen da kluge Leute, der Vergleich paßt nicht, denn die Mark hat etwas, was in Deutsch-Südwestafrika feblt, nämlich Wasser! Das ist richtig, denn so etwas wie die prächtigen bfavelseen oder einen Spreewald mit seinen vielen Wasserarmen würde man in Deutsch-Südwestafrika allerdings vergebens suchen. Aber auch dort gibt es Wasser, denn dieses merkwürdige Land, das die Größe des Deutschen Reiches um zwei Drittel übertrifft, hat wie andere afrikanische Länder seine Regenzeit, die zeit weise die Flußbetten mit reichlichem Wasser füllt. Überall könnten Stauwerke angelegt werden, und nur wer selbst während der Regenzeit die Menge des Wassers dort gesehen hat, urteilt Watermeyer, ein Kenner Südafrikas, kann sich ein Bild von der Wassermasse machen, die hier aufgedämmt werden könnte!" Solange diese Stauwerke fehlen, muß sich allerdings das Wasser vor der afrikanischen Sonne verkriechen und unterirdisch verschwinden. Aber auch aus seinen Schlupfwinkeln läßt es sich durch Bohrungen und Brunnen wieder an die Oberfläche heben. Allerdings ist Deutsch-Südwestafrika eine Frucht mit einer rauhen Schale, die erst durchbrochen sein will, ehe man an den Kern gelangt, denn ein 50 bis 60 km breiter Sandstreifen zieht, nach Norden zu sich allmählich verlierend, an der Meeres küste entlang; und diesem bösen Sandstreifen mag es wohl auch zu danken fein, daß Engländer und andere sich des Landes nicht schon lange vor uns bemächtigt hatten. Erst t 88 S war es dem Bremer Kaufmann Lüderitz ein gefallen, an einer öden Stelle der Küste zu landen und seinen dem eingeborenen Häuptling abgekauften Landbesitz unter den Schutz des Deutschen Reiches zu stellen. Durch dieses wurde dann die deutsche Flagge noch an weiteren Punkten der Küste gehißt, der ganze J350 k m lange Küsten streifen in Besitz genommen und die Grenzen des Hinterlandes durch Verständigung mit den englischen und portugiesischen Nach barn festgesetzt. p. England hatte und hat noch heute einen Hafen etwa in der Mitte des sehr hafenarmen Küstenstreifens, die W a l f s ch b a i,35 die aber zu versanden scheint und durch unseren dicht dabei liegen- den Swakopmunder Ljafen an Bedeutung verliert. Von Swakopmund und von der südlicher gelegenen Lüderitzbucht aus können wir den schlimmen Sandstreifen, zu dessen Durchquerung früher schwerfällige und langwierige Gchsen- fahrten nötig waren, in wenigen Stunden überwinden durch unsere bis jetzt fertigen Eisenbahnlinien Swakoxmund- Windhuk und Lüderitzbucht -Rubub (Reet- manshoox). Auch nach dem nördlichen Teile des Schutzgebietes geht jetzt von Swakopmund aus die bis T s u m e b zur Er schließung des Rupferbergbaues geführte Gtavi-M inen bahn. wer mit einem der Hamburger oder Bremer Ozeandampfer in Swakopmund landet und den afrikanischen Boden be tritt, wird, wenn er nur wasserlose Sandwüste erwartet haben sollte, darüber staunen, was bier Fleiß und Energie bereits ge schaffen haben. Noch ^894 mußte sich der Ankömmling, wie Generalbevoll mächtigter Rhode erzählt*), sein Zelt im afrikanischen Sande aufschlagen, im Sande kochen und mit dem Eimer in der Hand selber zur Wasserstelle wandern; aber im Zähre ^90^ waren in Swakopmund schon sieben mehr oder weniger große Hotels, die ihre Diener und Hortiers an die Landungsstelle schickten und in den Häusern drehte man, um frisches Wasser zu haben, einfach den Hahn der Wasserleitung auf und hervor sprudelte das köstliche Naß! Auch sehr hübsche, wohlgepflegte Gärten hat Swakopmund, die man überall in Deutschland zeigen könnte. Ehe wir die Rüste verlassen, sei noch bemerkt, daß zur Ver besserung der Hafenanlagen schon vieles geschehen ist. und daß ferner schon früher auf Lape Groß, nördlich von Swakop mund, Guanolager gefunden wurden, für deren Abbau die Eng- *) Verhandlungen der Deutschen Rolonialgesellschaft, Abteilung Berlin- Lharlottenburg VI, 2.36 länbet im Anfang jährlich bas runbe Sümmchen van einer Viertel million an bie beutfche Verwaltung zahlten, eine Abgabe, bie später allerbings ermäßigt würbe. Pat man ben Dünenstreifen, ber bie Rüste säumt, burchquert, so gelangt man in eine Zone, bie Namib" genannt wirb unb spärlichen Graswuchs, aber verschiebene Pflanzen aufweist, u. a. ein Rürbisgewächs, bie Noras, bessen Früchte bie Einge borenen verzehren. Weiter im Inneren sinben sich an Bäumen Ein Patroulllenritt.37 und Büschen Akazien, Tamarisken, Ebenholz und das Gras wird üppiger. Im Norden der Kolonie, der sich der heißen Zone nähert, ist die Vegetation tropisch. An Wild war das Land früher sehr reich. Elefanten, Giraf fen, Löwen sind jetzt nach dem Norden zurückgedrängt. Schakal und pzmne sind noch häufig- in den Berggegenden gibt es Paviane und Klippdachse und in den Pochfteppen Anti lopen allerart. Auch Strauße werden noch in großer An zahl angetroffen, obgleich auch ihre Zahl durch rücksichtslose Jagden gemindert ist, außer dem verschiedene Arten von Hühnern, wie Rebhühner, Perlhühner usw. Auch Schlangen fehlen nicht, wo runter einige giftige. Eine Ameisenart, die Termiten, hat im Norden ihre zuckerhutartigen Bauten und von Zeit zu Zeit er scheinen ungeheure Schwär me von Heuschrecken. Die eingeborenen Völ kerstämme, die wirbei unserer Besitzergreifung des Landes vorfanden und deren Kopfzahl auf 200000 geschätzt wird, waren im Süden des Schutz gebietes Hottentotten und Buschmänner, im Gsten und Norden ßetero und Owambo, in den nördlichen Bergländern Bergdamara, südlich von Wind huk B a st a r d s , ein Wischvolk zwischen Buren und Hotten- totten.38 tPic vor fahren Major Leutwein in schweren Kämpfen die W t b o s unter Hendrik Witboi unterwerfen mußte, sie dann eine Zeitlang unsere Bundesgenossen gegen die Herero, wieder absielen und gegen uns die Waffen ergriffen und welchen verlustreichen Krieg unsere braven Schutztruppen gegen die Herero kämpfen mußten, dürfte genügend bekannt sein. Und die harte Lehre an Blut und Geld, die Deutschlands noch junge Kolonial bestrebungen da erhielten, lautete: Spare nicht am Unrechten $ I e d; denn die Millionen, die an einer Eisenbahnlinie, die sich als Zufuhrstraße für die schwer kämpfenden Truppen glänzend bewährt haben würde, gespart" wurden, mußten für Gchsentransxorte und sterbendes Vieh hundertfältig ausgegeben werden Hoffentlich wird nun Ruhe im Lande herrschen und so die Kulturarbeit mit frischen Kräften wieder ausgenommen werden können. Die Ausfuhr von Landesprodukten an Vieh und anderen lebenden Tieren, Straußenfedern ufw., vor dem Kriege schon auf über drei Millionen gestiegen, war während der Kriegsjahre natürlich auf ein Minimum gesunken und mancher Farmer war auf grausame Weise ermordet oder doch um sein Hab und Gut gebracht worden, aber vom Mutterlande nicht verlassen warteten die Überlebenden und auch viele neue Ansiedelungslustige nur auf den günstigen Augenblick, um wieder Werk zu gehen. Fast tausend Männer der Schutztruxpe, die doch Gelegenheit hatten, das Land gründlich kennen zu lernen, wollen sich als Farmer, Handwerker usw. in Deutsch-Südwestafrika ansiedeln, in dem Lande, in dem sie so schwer kämpfen und leiden mußten. Und dieses Land scheint solcher Liebe auch wert zu sein und wird sie eines Tages lohnen, wir kennen es jetzt, nachdem die Urteile einer ganzen Reihe Sachverständiger vorliegen, genügend, um mit einiger Sicherheit und guter Hoffnung weiter arbeiten zu können. Von einem Kenner der Verhältnisse in Deutsch-Südwest afrika, Pros. Th. Rehbock, dem wir besonders eingehende Untersuchungen und Vorschläge, die Wasserfrage betreffend,39 verdanken, ist Deutsch Südwestafrika mit Australien ver glichen worden, in dem das britische Reich seinerzeit 000 Strafgefangene und 600 000 freie Arbeiter mit staatlicher Unter stützung angesiedelt hatte und das, dank diesem Zufluß von Park bei Windhuk.40 Menschen, heute eine Handelsbilanz von über zwei Milliarden Mark aufweist und eine wichtige ZZuelle des englischen Wohl standes geworden ist." Die Gegenden, in denen die Herero saßen, sind ein hervorragendes Weideland, in denen die Viehzucht noch in ganz anderem Maßstabe betrieben werden kann als mit den primi tiven Mitteln der Schwarzen, unter denen es trotzdem Häuptlinge Kirche und Feste von Keetmanshoox. gab, die sich eines Viehstandes von \o ooo Stück, also eines Vermögens von etwa 600 ooo Mark erfreuten. Andere Landesteile haben guten Ackerboden und in manchen Gegenden, die erst jetzt genauer bekannt wurden, ist mehr Wasser vorhanden, als früher angenommen wurde, und wie schon er wähnt, wird es eine Aufgabe der Technik sein, durch Stauwerke, Dämme, Bohrungen usw. hier Verbesserungen von großem Werte zu schaffen. Will man das Zukunftsmusik" nennen, so möge man es41 tun; aber es sei daran erinnert, daß schon vor mehr als 3000 Jahren von den alten Babyloniern durch planmäßig angelegte Wasser leitungen Landstriche von staunenswerter Fruchtbarkeit ge schaffen wurden. Sollen wir von deutscher Tatkraft geringer denken? Wir haben doch unsere heutige Technik und in Deutsch-Süd west- afrika die weiteren nötigen beiden Jaktoren zur Verfügung: guten Boden und die regelmäßig wiederkehrende Regenzeit mit mehr als genügenden Wassermassen. Was Fleiß und Ausdauer vermögen, kann übrigens heute schon an verschiedenen Stellen des Landes beobachtet werden. In der Umgebung der Landeshauptstadt Windhuk, die in Deutsch-Südwestafrika nicht an der Küste, sondern, von Swa- kopmuud aus per Eisenbahn erreichbar, im Mittelpunkte des Landes liegt, herrscht ein reges Treiben. Im Kleinwindhuker Tale, in dem früher nur ein halbes Dutzend Farmen zu sehen waren, ist jetzt alles Land von einem Regierungs-Landmesser sach gemäß aufgeteilt und haben fast alle Grundstücke schon zu ziem lich hohen Preisen Käufer gefunden. Etwa zwanzig Brunnen mit mtem Wasser sind hergestellt, Windmotors und Wasser leitungen angelegt und Apfelsinen, Pfirsiche, Feigen schon reich lich geerntet worden. Kartoffeln und Gemüse sind in großen Mengen angexflanzt und Apfel, Birnen, Kirschen und andere Gbstarten in hochstämmigen Bäumchen aus Deutschland, wie es scheint, mit Erfolg, eingeführt. So ist", heißt es in einem Berichte, die Klein siedelung imKleinwindhuker Tale ein be redtes Bild dafür, was aus diesem Lande Gutes geschaffen werden kan n." Und solcher, dem Anbau günstiger Plätze, wie dieses Klein windhuker Tal", gibt es noch viele in Deutsch-Südwestafrika; z. B. wird auch die Landschaft des waterbergs von dem Reisenden S ch n z als wassergesegnet und fruchtbar ja als der schönste Fleck Erde" in Deutsch-Südwestafrika geschildert. Jedenfalls stimmen alle Kenner darin überein, daß die Ver-42 hältnisse in unserem Deutsch - Südwestafrika genau ebenso günstig liegen wie im englischen Südafrika und den früheren Burenstaaten, für deren Aneignung England bekanntlich Riesen opfer an Menschen und Geld gebracht hat. Allerdings haben wir in Deutsch-Südwestafrika kein Ktmb c rlcy mit feinen Diamanten, aber unsere Geologen haben auch noch lange nicht die ganze Rolonie durchforscht. Der berühmte B lue g r o u n d", der in Südafrika die Dia manten enthält, wurde auch in unserem Deutsch-Südwestafrika schon gefunden, und sowohl in nördlichen wie in südlichen Gegenden des ausgedehnten Landes sind wertvolle Rupferlager entdeckt, bei C t a w i, das mit Swakopmund durch eine Eisenbahn verbunden wurde, auch bereits dem Abbau in großem Maßstabe durch eine Gesellschaft erschlossen worden. Und was in einem Lande von solcher Ausdehnung mit zurzeit noch ganz ungenügen den Verkehrsmitteln weiter entdeckt werden wird, das muß der Zukunft überlassen bleiben. Erwähnt sei noch, daß auch in bezug auf Fischreich- t u m, an der Rüste unserer Rolonie, ein recht günstiger Bericht des Rommandos S. M. S. Sperber" vorliegt, so daß auch nach dieser Richtung hin dieselben guten Aussichten für deutsche Tatkraft vorhanden sind, wie in dem benachbarten portugiesischen Mossamedes, das jährlich für rund M. 850 000 Fische ausführt. Mit diesen Tatsachen und Hinweisen dürfte im großen und ganzen über unsere Rolonie Deutsch-Südwestafrika genug gesagt sein; einem schweren Irrtum würde derjenige verfallen, der diese oder irgendeine unserer anderen Rolonien für das Land hielte, in dem gleich Milch und chonig fließt", in dem man nur ein wenig Glück zu haben braucht, um sehr bald ein reicher Mann zu werden. Auch in Deutsch-Südwestafrika gehört zur erfolg reichen Ansiedelung dreierlei: Geld, Erfahrung und tüchtige Arbeit! Und da, wo zwar das Geld vorhanden ist, doch die Erfahrung fehlt, muß mit Vorsicht zu Werke gegangen werden; jedenfalls wird der Auswanderungslustige gut tun, sich, ehe er weittragende Entschlüsse faßt, an die amtliche Zen-43 tralauskunfts stelle für Auswanderer: Ber lin, Schellingstraße 4, zu wenden. Dort fanrrnelt inan feit Jahren wichtige Erfahrungen aus allen möglichen überfeeifchen Auswanderungsgebieten und erteilt jede Auskunft. Auch ist gegenwärtig ein ausführlicher ,,R a t g e b e r für Auswanderer nach Deutsch - Südwe ft afrika" im Kolonialamte zu Berlin ausgearbeitet worden.*) Wohnhaus bei Warmbad. Übrigens werden Ansiedler, denen die Kolonie Deutsch-Süd- westafrika unbekannt ist, nicht so ohne weiteres zugelassen. Vielmehr hat die Kolonialverwaltung bestimmt, daß solche An wärter, die in die Kolonie gehen, zunächst bei einem ansässigen Farmer studieren und arbeiten müssen, und erst, wenn sie nach sechsmonatiger Lehrzeit Land und Klima kennen gelernt haben, wird ihnen Land verkauft. *) Verlag von Dietrich Reiner in Berlin.44 2. Kamerun, unter unseren afrikanischen Kolonien die drittgrößte, soll, wie von Rennern behauptet wird, die besten Aussichten haben; sie ist mit ihren 493 000 qkm. nicht ganz so groß wie das Deutsche Reich. Kamerun liegt an demjenigen Teile des Golfs von Guinea an der westafrikanischen Küste, der Biafra-Bai heißt. Die Zahl der Eingeborenen in unserer Kolonie, die ganz in der heißen Zone liegt, wird auf 3 bis 3 x 2 Millionen geschätzt. Englische und deutsche Handelshäuser hatten bereits um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Niederlagen an der Küste; auf deutscher Seite die Hamburger Firmen Woermann und I a n tz e n L T h 0 r m a e h l e n. Von englischer Seite sowohl wie von deutscher waren die heimatlichen Regierungen, zuerst vergeblich, um Besitzergreifung des Landes gebeten worden. Schließlich hatte die deutsche Reichsregierung im Jahre ^884 das Kanonenboot M 0 e w e" mit Vr. Nachtigall an Bord entsandt und dieser wer zuerst kommt, malt zuerst schloß an den Hauptpunkten der Küste Verträge mit den Häuptlingen ab, was mit dem feierlichen Hissen der schwarz-weiß-roten Flagge Hand in Hand ging. während dann die M ö w e" weiter nach Süden gedampft war, ließ sich ein Teil der Eingeborenen von den im Lande an sässigen Engländern aufgehetzt, dazu verleiten, den deutschfreund lichen Häuptling B e l l zu verjagen und sein Dorf zu verbrennen. Aber am j. 8 . Dezember erschienen die deutschen Kriegsschiffe O l g a" und B s m a r ck" , landeten sofort Mannschaften und züchtigten die aufständischen Eingeborenen nach lebhaften Gefechten. Im folgenden Jahre \885 wurden dann durch Verhand lungen mit England und Frankreich, als unseren Grenznachbarn, die Grenzen unserer Kolonie genauer festgesetzt, endgültig aber erst H8G)4.45 (Einem Rüstenstreifen von etwa 520 km Länge, mit der vorgelagerten spanischen Insel Fernando-Po, schließt sich eine kompakte Landmasse an, die im Norden in den sogenannten, auf der Karte wie angesetzt erscheinenden Lrrterrkopf" ausläuft, der mit seiner Spitze noch den tief im Innern liegender: Tschad fee berührt und dessen obere Schnabellinie der bedeutende Scharifluß bildet. Das Küstenland Kameruns erstreckt sich von der Küste des Atlantischen Ozeans bis zum Rande des südafrikanischen Plateaus. Krujungert in Kamerun. Dann folgen die pochflächen eben dieses Pla teaus und schließlich: Die Gebirge und Ebenen Adamauas nebst dem Becken des Schariflusses. Im wasserreichen Küstengebiet ist die Vegetation am üppigsten* die Gebirge sind von dichten Urwäldern bedeckt, während das Pochplateau in seinem westlichen Teile noch die Urwaldflora zeigt, aber im Osten mehr Grassteppen hat. Das Übrige ist die Region der Buschsteppe, wie so viel fach im Schwarzen Weltteil, so bilden auch an einigen der Karne-46 runer Flußmündungen die Mangrove-Dickichte das Eharakteristikum der Landschaft. Bei der herrschenden Treib haushitze sind sie die Brutstätten der schlimmen, dem Europäer besonders gefährlichen M a l a r a". An manchen Stellen beginnt schon in nächster Nähe der Rüste der Urwald, bei Rribi ein Streifen von ca. 1^20 Irin Breite, den der Forschungsreisende Fr. bs u t t e r sehr anschaulich beschreibt: . Unter dem feuchten, dumpfen, Halbdunkeln Blättergewölbe", sagt Fr. Lsutter, herrscht eine fast gleichmäßige Temperatur Flußpferde. Tag und Nacht, die eines Treibhauses. Wenn der bfimmel be wölkt ist, erreicht das Dunkel bisweilen einen solchen Grad, daß man kaum Uhr und Rompaß ablesen kann. Ein Sonnenstrahl dringt fast nie auf den Weg kein Glitzern und Spielen der goldenen Lichter auf grünem Gezweig. Und stiehlt sich einmal ein schwacher Lichtblick durch die grünen, grauen, braunen, dumpfen Laubmassen, so erfaßt den Menschen, der tagelang da unten zwischen den gewaltigen jdfeilerstämmen der Eriodendron, dem Gewirr, Gestrüpp und wnrzelwerk, den mächtigen Fangarmen der Lianen, ein winziges Geschöpf, mühsam seinen Weg ver-47 folgt, die Sehnsucht, hinauf, hinaus zu gelangen, uin nur endlich einmal wieder die Sonne und den Pimmel zu sehen". Gleichförmig, eintönig ist der Wald wie der Ozean, wenn kein Windhauch ihn bewegt, kein Segel ihn belebt. Was heute das Auge sieht, ist dasselbe, was es gestern gesehen hat, was es morgen sehen wird. Aberall gerade ausstrebende Stämme, um die sich riesige beindicke Lianen schlingen, daran erinnernd, daß auch in dieser, scheinbar in ununterbrochener Ruhe dahinlebenden Pflanzenwelt hart und unerbittlich der Kampf ums Dasein ge kämpft wird. Die Opfer dieses Kampfes, die abgestorbenen halb vermoderten Baumleichen, liegen allenthalben am Boden, und surchtbar ermüdend sind die steten Klettereien darüber hin weg: bald schwingt man sich nur mit Mühe hinaus, um aus- gleitend drüben hinunterzustürzen; bald ist der Stamm bereits so verfault, daß man bis an die püften durchbricht und Staub, Moder, Insekten und Maden in Unmengen ausstört und wie von einer Wolke davon umgeben ist. Zum Teil hängen die erstickten Stämme noch in den Armen ihres Überwinders, der Lianen, wie in riesigen Klammern, die sie zwingen, hinaufzustarren in die Lüste, gebleichte Riesenskelette. Neue Gewächse sprießen aus ihnen hervor. Unten auf dem Boden schießt ein Peer von Blatt- und Schlingpflanzen aus." Und mit der märchenhaften Fruchtbarkeit und Triebkraft, die aus dieser lebendigen Schilderung hervorgeht, hat die Natur hier seit Tausenden von Jahren ungestört gearbeitet. Im Kameruner Urwalde herrscht ein Reichtum der wunder vollsten Palmarten, wie er sich nur an wenigen Stellen der Erde wiedersindet. Neben vielen anderen die Wein-, Fächer-, Kokos- und Ol- palme und von dieser letzteren bedecken große Waldungen mit ihrem für uns Europäer so wichtigen Produkt manche Berg gegenden, so daß woermanns einfacher Kausmannswunsch: Schassen Sie mir aus dem Lande Palmöl und Palmkerne!" gute Aussichten aus Erfüllung hat, wenn wagemutige Kapitalanlagen die bitter nötigen Eisenbahn-48 Verbindungen nach der Küste schaffen, was wir feit zwanzig Jahren gründlich versäumt und nun kräftig nachzuholen haben. Den größten Teil des Hinterlandes von Kamerun nimmt das besonders von Passarge erforschte Land A d a m a u a ein, dem sich nördlich die Ebene des Tschadsees und östlich die des Scharibeckens anschließen. wenig bekannt ist noch das mittlere Kamerungebiet, das Plateau von Ngaundere, und die Südostecke der Kolonie. Eingeborene von Ngamndore (Adamaua). In der Südwestecke des Schutzgebietes liegt der gewaltige Kamerunberg, der etwa 2000 qkm bedeckt und unweit der Ozeanküste bis zu einer Höhe von über 4000 in ansteigt ein großartiger Anblick für den zu Schiff ankommenden Eu ropäer. Die in den Atlantischen Ozean mündenden Hauxtflüsse des Landes, an deren Ufern viel Schilf-, Rohr- und Paxyrusxflanzen wachsen, sind unweit der Grenze des englischen Nigeria der Rio d e l R e y , weiter nach Süden hin folgend der ^30 km49 lange Mungo, der wuri (früher Kamerunfluß), der S a n a g a. Der iin Nordosten Kameruns entspringende schiff bare Benue fließt dem Niger zu. Leider reicht die Schiffbarkeit der meisten Flüsse wegen der Gebirge mit ihren Terrassenbildungen nicht allzu weit ins Land hinein. Die bedeutendste Zufahrt vom Meere aus ist die von aus gedehnten Mangrovewaldungen umgebene Kamerun bucht, gebildet durch die Mündungen von fünf Flüssen (worunter Mungo und wuri), die wieder durch viele Nebenarme mitein ander in Verbindung stehen. Durch die 8 km breite Einfahrt können die größten Schiffe in die Kamerunbucht gelangen, an der der frühere Regierungssitz des Landes: Duala liegt. Der jetzige, in gesunderer Lage befindliche Sitz des Gouverneurs ist Buea mit dem bfafenort Victoria. So verschieden das in Kamerun herrschende Klima ist, je nachdem es sich um die Meeresküste oder das innere Hochplateau oder um den Norden und Süden der Kolonie handelt, so ver schieden sind auch die Regenzeiten. Nach Norden zu gibt es deren nur eine, im Süden deren zwei. Die Gewitter werden als derart heftig geschildert, daß sie mit unseren heimischen gar nicht zu vergleichen sind. Ein Orkan (Tornado) leitet die Naturerscheinung ein und unter fürchterlichem Knattern und Krachen stürzen ganze Bäche mit elementarer Gewalt herunter und reißen alles mit sich fort. wie schon bemerkt, findet sich auch in Kamerun, wie in so vielen Gegenden Afrikas, die gefürchtete Malaria mit ihrer schweren Form, dem Schwarzwasserfieber, eine Blutzersetzungskrankheit, hervorgerufen durch ein Infekt, dessen Brutstätten wohl besonders die Mangrovesümpfe der Küstengebiete sind. Die Krankheit ist besonders dem Europäer gefährlich, der sich in diesen tropischen Ländern vor allem einer sehr vorsichtigen, soliden Lebensweise befleißigen muß. Auch die Dysenterie wird vielen gefährlich. Aber auch den Eingeborenen verschonen diese tückischen Krank heiten nicht, wenn auch die schwarze Bevölkerung mehr an Augen- Volkskolonialbuch. 4.50 krankheiten sowie an vernachlässigten Fuß- und Schenkelgeschwüren leidet. Unangenehm bemerkbar macht sich der sogenannte Sand- floh, der sich unter Fuß- und Fingernägel einbohrt und jene schmerzhaften Geschwüre verursacht. M Zuträglicher und ohne Malaria scheinen dem Europäer die höher gelegenen Landstriche zu sein, die allerdings noch wenig erforscht sind. Gefleckte Hyäne. Der kurz ausgedrückt in Uü ft engebiet, Urwaldzone und Grasland sich einteilenden Pflanzenwelt entspricht auch die m t dieser eng verwachsene, von ihr abhängige Tierwelt. Die Sümpfe der Uüstengegenden wimmeln von unzähligen Schwimmvögeln und Reiherarten; in den meist fischreichen Flußläufen stößt man, und zwar nicht bloß in ihrem unteren Laufe, auf Krokodile und Flußpferde, besonders im Sangaflusse.-V 51 Die Urwaldzone birgt außer dem Leopard, Serval und anderen Ratzenarten viele Affen, worunter Schimpanse, Gorilla, Meerkatzen; von den Vögeln seien erwähnt die Webervögel, derenNester zu dreißig, vierzig, ja auch zu chunderten an einem Baum, wahre Kunstbauten aus Reisern, Bastfasern und bieg samen Grashalmen sind."*) Nashornvögel und Papageien er füllen mit ihrem Gekreisch die Luft. Als Nachttiere sind Riesen fledermäuse, fliegende chunde usw. anzutreffen und eine Reihe von Schlangen, Ratten, Ameisen bedrohen und quälen den nicht ungestraft unter Palmen wandelnden". Zm Grasland fowohl wie im Urwald finden sich Anti lopen, Elefanten, Nashorn, Büffel. Löwe und chyäne im nörd lichen Steppenlande. Zu kurzer Betrachtung der Eingeborenenbevölkerung über gehend, fällt der betrübende Gegensatz auf zwischen der ihre Gaben in so üppiger Verschwendung darbietenden herrlichen Tropennatur und ihren sich gegenseitig aufreibenden Bewohnern. Nachtigall kleidete melancholische Gedanken darüber in folgende Worte: Die meisten Gegenden der Tropen, deren Schönheiten den Naturfreund zu staunender Bewunderung Hin reißen, deren reiche Naturschätze für Mensch und Tier ein Leben des Friedens und der Glückseligkeit bedingen sollten, sind der Tummelplatz wilder Tiere und wilderer Menschen, die inmitten reichster Fülle einen Vernichtungskrieg gegeneinander führen, wie wenn der äußerste Mangel ihnen einen unerbitt lichen Kampf um die Existenz aufzwänge" usw. Zn den Gegenden, die heute das nördliche Kamerun um fassen, waren die mohamedanischen $ u 1 b e auf die haupt sächlich im Stepxenlande sitzenden Sudanneger gestoßen, die der wattegepanzerten Reiterei und den Feuerwaffen nicht stand zuhalten vermochten. Es war das mohammedanische Königreich A d a m a u a mit verschiedenen Sultanaten mit der chauptstadt Zola entstanden, die mit ihren etwa 20 000 Einwohnern bei *) Mutter, Wanderungen in Nordkamerun.52 den Grenzfestsetzungen zwischen Deutschen und Engländern diesen letzteren zugeteilt wurde. Das mohammedanische Königreich A d a in a u a ist, wie Gärua iAdamaua). Barth sagt, auf eine mannigfaltige Reihe heidnischer Stämme aufgepfropft; es ist einer der Vasallenstaaten des großen So - koto reiches und wenn auch beffett Statthalter oder Sultane,53 je weiter von Sofolo entfernt, desto selbständiger sind, so darf man doch den moralischen Einfluß nicht unterschätzen, den der Kaiser von 5of oto besonders als religiöses Oberhaupt im Sudan hat. An der Südwestgrenze Adamanas leben unabhängige Bantu- Sud an-UUschvölker, die sich bei ausgesprochener Tendenz zu eigenen Stammesbildnngen noch mit Mühe gegen die Unter jochung durch die sklavenjagenden Fnlbe-Sultanate Adamauas wehren. Lin vornehmer k^auffa. Gegen diese gefährlichen mohammedanischen Gegner die harmloseren, von ihnen bedrohten Stämme in Schutz zu nehmen, dürste nach dem Urteile von Kennern im wohlverstandenen deutschen Interesse liegen. Die im südlichen Teile der Kolonie, an der Küste und in den Urwaldgebieten sitzenden Bantuvölker sind von Fulbe und Sudannegern unvorteilhaft verschieden. Die völkerkundliche Forschung trifft hier aus himmelweite" Unterschiede, und wer daran gewöhnt ist, sich die Bevölkerung Afrikas nur unter dem Sammelnamen Schwarze" oder Wilde" vorzustellen, der wird gut tun, gelegentlich ausführlichen Auseinandersetzungen zu54 folgen, wie sie in dem ausgezeichneten Werke ,Das überseeische Deutschland"*) enthalten sind. Für die kurzen Angaben, aus die sich unser Volkskolonialbuch beschränken muß, ist dem genannten Werke manche Notiz ent nommen worden. Überflüssig ist es wohl," heißt es da auf Seite 8, auf den himmelweiten Unterschied zwischen diesen hier geschilderten politischen und staatlichen Einrichtungen in 21 d a m a u a und bei den S u d a n v ö l k e r n und den jämmerlichen diesbezüglichen Zuständen bei den Bantu stammen nur hinzuweisen. Kann ein Lamidoreich in Adamaua mit seinem chof- und Beamten apparat, bei dessen Betrachtung wir vollkommen vergessen, daß wir uns in Afrika bei den wilden" befinden, überhaupt nicht mit einem Bantustamme verglichen werden, so ist auch schon zwischen einem .solchen und dem kleinsten Sudannegerstamm der Kontrast ein außerordentlich großer: dort der erbärmliche, von seinen Dorfuntertanen geprügelte Dorfschulze hier die tausend köpfige Menge, die lautlos den Gesetzen lauscht, die der Herrscher nach beendeter Ratsversammlung seinen Untertanen verkünden läßt; hier die ehrfurchtsvoll dem Häuptling nahende Gesandt schaft, der er in würdiger Ualtung, in seine Tobe gehüllt, Audienz erteilt dort der mit einem alten Zylinder und einer knallroten Uusarenjacke angetane King", jeden Träger einer Expedition um ein paar Blätter Tabak anbettelnd!" usw. Das sind Unterschiede, die es begreiflich erscheinen lassen, wie erst durch die Errichtung von etwa einem Dutzend deutscher Militärstationen an verschiedenen Punkten des Schutzgebietes das nach Süden strebende Vordringen der aus dem Innern kommende mohammedanische Volksstrom zu einem gewissen Stillstand kommen mußte. Und ebenso der umgekehrt von Süden nach Norden gerichtete Wanderstrom. Die Bantuvölker, zumal *) Das überseeische Deutschland. Die deutschen Kolonien in Wort und Bild. Nach dem neuesten Stand der Kenntnis bearbeitet von Hutter, Büttner und anderen mit S farbigen Karten, 2l Tafeln und 257 Tort abbildungen. Stuttgart, Union.55 die das Küstenland bewohnenden Kuala und andere ,,die so verschiedene Dialekte sprechen, daß sie einander nicht mehr ver stehen"*), einschließlich der kriegslustigen B a k w r waren bemerkenswert als Vertreter oder Inhaber des gerade für Kamerun so charakteristischen Zwischenhandels von der Küste nach dem lfauffatanz (Adamaua). Inneren und umgekehrt. Die einzelnen 5tämme hatten da förmlich eine Art Sperrsvstem eingerichtet, indem sie die aus *) 21. £7 e 11 b o r rt, Die deutschen Kolonien. Leipzig, Teubner. (Natur und Geisterwelt, 98. Bändchen.) Zu schneller (Orientierung auf kolonialem Ge biete sehr zu empfehlen.56 dem, inneren kommenden Waren von Stamm zu Stamm ver kauften, bis diese dann langsam aber sicher an einem Platze der Küste anlangten. Natürlich war mit dieser Art des Nandels das Bestreben verbunden, die von der See kommenden Reisenden vom Innern und die vom Innern kommenden Stämme von der See zurück zuhalten. Da, wo, sei es mit Liebe oder Gewalt, diese Art von Ringbildung" schon durchbrochen ist, kann sich natürlich der Verkehr nach beiden Richtungen hin freier bewegen. Daß der früher in D u a I a befindliche Sitz des deutschen Gouverneurs nach dem bochgelegenen B u e a verlegt wurde, ist bereits erwähnt worden. Das Küstengebiet hat vier Bezirks ämter, Duala, Victoria, Edea und K r b i. Aber das Land verbreitet sind \3 Militärstationen, die die deutsche Herrschaft repräsentieren, Ordnung im Lande halten und mit den Eingeborenen in Fühlung bleiben sollen; auch haben sie etwaigen Expeditionen als Stützpunkte zu dienen und das Land zu erforschen. Außer einer Polizeitruppe von 500 Mann be steht eine Schutztruxpe von xzoo Farbigen unter deutschen Offizieren und Unteroffizieren eine geringfügige Zahl, aber den zu unserm Glück sehr zersplitterten Eingeborenenstämmen gegenüber doch wirksam, wenn es sich darum handelt, eine Ex pedition zur Bestrafung der Eingeborenen, wie z. B. im Jahre \ )03 gegen die Nzimuhäuptlinge zu unternehmen, deren Leute ver schiedene Arbeiter der Gesellschaft Südkamerun" verzehrt hatten. Diese liebliche Gewohnheit der Menschenfresserei findet sich wie ein kaufmännischer Reisender in der Kölnischen Zeitung berichtet, bei sämtlichen Völkerstämmen Kameruns, die zwischen dem zweiten und sechsten Breitegrad, östlich des zwölften Länge grades leben. Die Maka verzehrten nicht bloß ihre Kriegs gefangenen, sondern auch ihre für jede Kleinigkeit zum Tode verteilten Verbrecher also ihre eigenen Landsleute. Die dem Stamme der Maka zugehörigen Eingeborenen pflegen den Kanibalismus noch derart, daß auf öffentlichen Märkten Menschenfleisch ausgeboten wird!57 Gefährlich war trrt Jahre ein Kampf mit Badsama- leuten, die der Gesellschaft Nordwest-Kamerun" den Zutritt zu reichen Kautschukdistrikten verwehrtem Die Expedition geriet in einen Pinterhalt und ihr Anführer Gras Jp ü cf I e r wurde getötet; die Station V s s d n g e , die sich sechs Tage gegen die nach Süden ziehenden Schwarzen verteidigte, mußte geräumt werden und eine gewaltige Anstrengung war nötig, um die Aufständischen endlich zu züchtigen und zu unterwerfen. So unausgeschlossen das Innere unseres Schutzgebietes wegen Mangels ausreichender Wege und Eisenbahnen noch erscheint, so erfreulich vorgeschritten ist das Küstengebiet. An der Mündung des Muri gelegen, präsentiert sich als ein schmucker Grt: D u a l a. Faktoreien liegen aus dem linken wuriuser, Zoll- und Postgebäude, eine Maschinenwerkstätte, die Peter-Paulskirche der katholischen Mission und weiterhin die Wohnstätten der Eingeborenen: Ioß-Bell-Akwadors usw. Und hoch aus der Ioßplatte eine Anzahl von Regierungsgebäuden, umgeben von Parkanlagen, sowie Kasernen. Die staatlichen Einnahmen an den verschiedenen Zollstellen inDuala, Rio del Rey, Victoria, Kribi und L a m p 0 waren von 200 525 Mark im Jahre l8gO aus \ 400 000 Mark im Jahre l900 gestiegen. Duala erfreut sich solider Puaibauten mit einer 45 m langen Landungsbrücke mit Schienen wegen nach den einzelnen Faktoreien. Der Kommandeur der Schutztruppe, der Bezirksamtmann sowie ein beträchtlicher Teil der Verwaltung haben nach wie vor ihren Sitz in Duala, das auch der Paupthandelsplatz ist und mit Victoria und Buea, dem Gouverneursitz, telegraphisch und telephonisch verbunden ist. Überall das Bild eifriger Kulturarbeit für die Grundlagen zur Ausschließung eines reichen Schutzgebietes. Ins Innere des Landes hinein sind schon hie und da eine Anzahl guter Wege und breiter Straßen geführt. Auch an einer von Duala ausgehenden Eisenbahn wird jetzt gebaut, die zunächst das an Glpalmen und Kautschuk reiche Bam umgebiet erschließen und dann bis zum Tschadsee geführt werden soll. Bisher konnten Lasten58 nur auf dem Kopfe der Neger bewegt werden, denn Pferde und Esel oder die in Deutsch-Südwestafrika gebräuchlichen Gchsen- gespanne gibt es an der Kameruner Küste nicht, wenn auch die sehr nützlichen Versuchsstationen B u e a , ) o b a n n - Al - brechtshohe und Edea Land wirtsch aft b esch ästigen. sich besonders mit Viehzucht und Djikum ^Adamaua). Lin mit deutscher Gründlichkeit angelegtes, wissenschaft lich betriebenes Musterinstitut ist der b o t a n s ch e Garten in Victoria, der für Versuche mit gegen 500 für die Tropen kultur wichtigen Pflanzen Mustergültiges leistet und dem Plan tagenbau in die Pände arbeitet. Iir diesem, betrieben voir eingeborenen Arbeitern unter Aufsicht und Anleitung von Europäern, sowie im Pandel mit59 seinen Produkten an Baumwolle, Kautschuk, Kakao, Ölfrüchten und einer Reihe anderer Artikel, wie Elfenbein usw. liegt die Zukunft des Landes, wozu sich verbesserte Verbin dungswege nach den im Innern gelegenen Pochplateaus voraus gesetzt, auch Viehzucht in größerem Maßstabe gesellen dürfte. Ein Schutzgebiet von dem Umfange unseres Karner n ist wie ein Buch, auf dem zunächst nur die erstenSeiten beschrieben sind; die Vervollständigung bleibt dem Studium, der Tatkraft, dem wagemutigen, geduldigen Arbeiten des kolonisierenden deutschen Volkes Vorbehalten, dessen Auswanderer noch in allen überseeischen . Ländern, mögen sie Nordamerika, Brasilien oder sonstwie heißen, außerordentlich Tüchtiges geleistet haben. H 905 Ausfuhr 9 31.5 (87 Mark (worunter über 4 Millionen Kautschuk, 2 % Millionen Glpalmenprodukte, über \ Million Kakao und über ( Million Elfenbein). (905 Einfuhr: (5 $67 ((3 Mark. 3. Togo. Schon seit dem Jahre (880 hatten deutsche Kaufleute cm der Togoküste, einem Teile der sogenannten Sklavenküste, Nieder lassungen und Verträge mit Päuptlingen. Letztere wurden aber durch fremde Einflüsse aufgehetzt und die Lage der Deutschen so unsicher, daß sie 1(883 den Schutz des Deutschen Reiches er baten. Daraufhin war das deutsche Kanonenboot S 0 p b e" vor Klein-Popo (jetzt Anecho) erschienen und die Verträge mit den Häuptlingen waren von neuem bestätigt worden; aber das gute Verhältnis hatte nur solange vorgehalten, als die Sophie" mit ihren Kanonen in Sicht war. Dann wurden die Deutschen wieder bedroht und es gelang ihnen gerade noch, der abgedampften Sophie" Nachricht nach Groß-Poxo zu schicken. Sie kam wieder60 zurück, landete J(oo Mann und bald hatten die flinken Blaujacken einige schuldige Päuptlinge gefangen und auf das Schiff gebracht. Sie wurden als Geiseln mit nach Deutschland genommen, um ihnen einen Begriff von dessen Macht und seinen vielen Soldaten und Schiffen zu geben. Am 2 . Juli 188 $ wurden dann die Geiseln wieder nach Klein-Popo zurückgebracht, und der mit an Bord befindliche Dr. N a ch t g a l schloß weitere Verträge mit Häuptlingen. An mehreren Punkten der Küste wurde die deutsche Flagge gehißt, aber auch die Franzosen machten plötzlich Ansprüche zu mal auf Klein-Popo geltend, bis es dann im September j, 8 S 5 zwischen den Regierungen von Deutschland und Frankreich zu einer Verständigung kam. Und auch zwischen Engländern und Deutschen war eine Art Wettlaufen im Erwerb von Pandels konzessionen mit Häuptlingen im Innern des Landes entstanden, aber J 888 und J890 kamen zwischen den Regierungen weitere Abmachungen zustande, an denen mancherlei ausgesetzt wurde, bei deren Abschluß auch die vor unserer Elbmündung liegende, bis dahin englische Insel Helgoland eine Rolle gespielt hat. Noch weiter nach dem Inneren hinein entstehende Streitig keiten mit Frankreich wurden ^897 durch Vertrag beigelegt. Die Kolonie Togo ist 86 200 qkm groß, hat also ungefähr die Größe des Königreichs Bayern. Die eingeborene Bevölkerung wird auf etwa \y 2 Millionen Köpfe geschätzt. Der Küstenstreifen, mit dem das Schutzgebiet den Atlan tischen Ozean berührt, ist nur 52 km lang, und zwar vom M 0 n u - f l u ß östlich bis zur Landeshauptstadt Lome westlich. Nach innen verbreitert sich das Land und die Grenze folgt auf der westlichen Seite eine Strecke lang dem Laufe des wichtigen Voltaflüsses, der hier die Grenze gegen unsere Nachbarn, die Engländer bildet und dessen Mündung ebenfalls auf englischem Gebiet in der Gold coast Colony liegt. Im Osten und Norden haben wir zu Nachbarn, jenseits des von seiner Mündung an eine Strecke weit die Grenze bildenden Monuflusses, die Franzosen in ihrer Kolonie D a h 0 m e. Das Schutzgebiet Togo61 ist in acht Distrikte eingeteilt und an wichtigen Punkten des Landes befinden sich Militärstationen. Unsere Togoküste hat eine sehr starke Brandung, so daß die Schiffe weit draußen vor Anker gehen und durch die Boote der Uruneger entladen werden mußten. )n Lome ist aber eine ZOO rn lange gute Landungsbrücke hergestellt worden, die einen großen Fortschritt bedeutet, weil die Boote, die den Verkehr tsaussasoldaten in deutschem Dienste. zwischen dem Schiff auf der Reede und dem Lande und um gekehrt vermitteln, nun nicht mehr durch die heftige Brandung müssen, die früher manches kostbare Frachtstück verschlungen hatte. Mx.- Lharakteristisch sind an den Mündungen der Flüsse La gunenbildungen, die da entstehen, wo die Guinea strömung Sandmassen aus dem Meere anschwemmt, die von den Flüssen nicht durchbrochen werden können. Auch der so Irin62 lange, 5 km breite CLogofee an dem mittleren Teile unseres Küstenstreifens ist ein solcher Lagunensee. Das Togoland hat reich bewaldete Gebirge, die im west lichen und mittleren Teile der Kolonie etwa 1,30 km, im östlichen dagegen erst zirka 300 km von der Küste entfernt beginnen, mit Gipfeln bis zu ^ooo m chöhe. Das Klima ist tropisch mit den heißesten Monaten Februar und Marz und dem August als dem kühlsten; die große Regens zeit März bis Juli, die kleine September bis Oktober, beide mit den heftigen afrikanischen Gewittern und Wirbelstürmen. Das Hochplateau des Innern hat nur eine Regenzeit: Juli bis Ok tober. Die Guineaküste und somit auch unsere Kolonie Togo liegen im Bereiche der von der Sahara beeinflußten Monsunwinde, auch sandführende nördliche bis östliche Barmattanwinde mit nebligem, dunstigem Wetter kommen vor. Von Krankheiten sind besonders Malaria, Schwarzwasser fieber, Dysenterie und mancherlei Hautkrankheiten zu erwähnen. Unter den Eingeborenen Pockenepidemien. Von nutzbaren Pflanzen ist in erster Linie zu nennen die reichlich vorhandene G l p a 1 m e , auf der Küstenebene bis zum Fuß des Gebirges, ebenso auf den Hochebenen des Inneren. Im Berglande keine geschlossenen Wälder; Urwald nur an einem Punkte. Lin sich im ganzen Lande findender Riesenbaum ist der Affenbrotbaum, auch Fächerpalme und die Kokospalme, die übrigens auch vielfach besonders am Küstenstreifen angepflanzt ist, finden sich häufig. Jenseits des Berglandes Grassteppen oder Savannen. Von wertvollen Hölzern gibt es Ebenholz und Mahagoni, auch viel Kautschuklianen usw. Die Tierwelt ist u. a. vertreten durch Affen verschiedener Art, auch Löwen, Leoparden, Hyänen sowie Elefanten, Fluß pferde, Antilopenarten. An 500 Arten verschiedener Vögel, worunter Papageien, Nashornvögel usw. In den Lagunen Enten, Möwen, Strandläufer, an den größeren Flüssen Reiher,63 Kraniche, Ibisse, Schnepfen nsw. Auch Schlangen, Moskitos, Wanderanreisen fehlen nicht. Bevölkert ist Togo von einer großen Anzahl von Stammen der S u d a n n e g e r. An der Küste finden sich T spen, die bisweilen an den Südeuropäer erinnern und durch Mischung zwischen Portugiesen und Schwarzen entstanden sein dürften. Ein großer Stamm der Sudanneger, die Ewhe, bewohnt den Süden der Kolonie und versteht sich sehr gut auf Ackerbau: auch die Schmiedekunst und andere pandwerke, wie z. B. Weberei und Töpferei, werden fleißig geübt, wobei es nicht an oft ge schmackvoller Kleinkunst mit hübscher Ornamentik fehlt. Mit allerhand europäischen Waren treiben die Ewhe lebhaften Pandel nach dem Inneren. Ein bedeutender Pandelsplatz ist A n e ch o.64 Die Frau bedeutet, wie bei so vielen Negerstämmen, so auch bei den Ewhe eine Arbeitssklavin, die vom Manne gekauft wird. Die Religion ist ein Fetischdienst und damit zusammenhängend eine Art an Gottesurteile erinnernden Brauches, nach dem zur Ermittelung von Schuld oder Unschuld eines Angeklagten vom Lin mit Zaubermitteln ausgerüsteter Krieger (Togo). Fetischpriester diesem ein Gift gereicht wird, dessen Genuß ihm entweder nicht schadet und somit seine Unschuld erweist oder seinen Tod herbeiführt, wodurch er dann als der Schuldige er kannt ist. Selbstverständlich verdienen sich die bestechlichen Fetisch-65 Priester auf diese Weise Geld ohne sich etwas daraus zu machen, daß sie Unschuldige umbringen. Gute Ackerbauer sind auch die weiter im Innern des Landes nach der westlichen Grenze am Volta entlang sitzenden Kratschi, die ihre Feldarbeit meist durch Sklaven verrichten lassen. Iür die große chandels- und Karawanenstadt Rete liefert Weber am Webstuhl (Togo). der Kratschistamm I Nahrungsmittel und Karawanenprodukte, ch a u s s a und sonstige Mohammedaner sind die Bewohner der Stadt, die durch ihre Unreinlichkeit auch einen Krankheitsherd darstellt. Übrigens sind die erwähnten chaussa die geborenen chandelsleute jener Gegenden und einzeln oder in größeren Karawanen überall anzutreffen. Nahe bei der Handelsstadt K e t e liegt der Ort Kralschi, volkskolonialbuch. 566 die Fetischstadt, deren Priesterherrschaft sich durch ihren Einfluß außerordentlich sühlbar macht. Nordöstlich von Kratschi haust ein kriegerisches halbmoham medanisches Volk, das auf den Karten als Tschantscho verzeichnet und durch ausgiebige Pferdezucht bekannt ist. Schließlich feien noch die im Norden wohnenden räuberischen B a s a r erwähnt, die mit ihren Söldnermannschaften Sklaven jagden veranstalten. Hauptstadt des Landes ist das mit den Hamburger oder Bremer Dampfern in etwa \7 Tagen zu erreichende Lome, mit dem Sitz des Gouverneurs. Lome ist mit A n e ch o durch eine Küstenbahn verbunden; auch eine zweite Bahn von Lome nach Pali me (Misahöhe), also 1(67 km weit ins Innere führende, ist jetzt U 907 ) beendigt und feierlich eingeweiht worden. Zur Feier des wichtigen Ereignisses war in P alime eine große landwirtschaft liche Ausstellung veranstaltet worden und am Eröffnungstage er schienen 250 vom Gouverneur eingeladene Europäer sowie Un massen von Eingeborenen, deren Zahl auf (5 000 geschätzt wurde. Das farbenprächtige Bild, das sich da entwickelte, wird sobald nicht vergessen werden. Die lebhaften, lachenden, schwatzenden Neger erschienen unter Führung ihrer Häuptlinge und diese unter riesigen knallroten Schirmen, die fortwährend über ihnen gedreht wurden und jeder Stamm mit seinen oft kostbaren Trommeln, die bei solchen Gelegenheiten nicht fehlen dürfen, denn beim Neger heißt es: kein Vergnügen ohne möglichst viel Spektakel. Lin Augenzeuge*) spricht von dem Eindruck freudigen Er staunens, den die Ausstellung auf alle Besucher ausübte, über die Fülle und Vielseitigkeit dessen was zu sehen war und was die Kolonie Togo h e r v 0 rz u b ri n g e n im stande ist!" und hebt hervor, daß diese Ausstellung als überaus gelungen zu betrachten war und ihre Beschickung durch *) Ein Ausflug nach Togo von Paul Sxrigade (Deutsche Aolonialzeitung ;Z07 No. \7 ff.67 3500 Aussteller und die Beteiligung der Eingeborenen alle Erwartungen übertroffen bat. Bedeutendes ist in Togo bereits geleistet worden an Wege bauten, so daß jetzt Karawanen von der Endstation der Eisenbahn p a 1 1 m e bequem reisen können bis Kete-Kratfchi und bis B o g u im Norden. Ebenso von Lome aus über Atakpame bis 5 o k o d e. Missionare rühmten, daß sie jetzt aus dem Fahr- Lin Reisebild (Togos rad in zwei Stunden aus vorzüglicher Straße eine Strecke zurück legten, die früher z. B. bei sumpfigem, unwegsamem Gelände mindestens einen Tag erfordert hätte. Und auch die Eingeborenen, die Wege, Schutzhütten und Logierhäuser in Ordnung halten müssen, haben die Wichtigkeit guter Straßen sehr bald begriffen. Die Landeshauptstadt Lome, die vor zwanzig Jahren nur kleine Anfänge einer Ortschaft zeigte, besitzt jetzt gut angelegte Straßen, stattliche Regierungsgebäude, Faktoreien, zwei Kirchen, 5 *Kaserne mit Exerzierplatz und einen Marktplatz, auf dem sich ein lebhafter Pandel abwickelt. Bedeutender Kleinhandel mit allen möglichen Artikeln wird hier getrieben, aber auch die Produkte aus dem Innern, beson ders Kautschuk und Vieh werden von mohammedanischen Händlern, besonders denk) a u ss a zugeführt; zu den bestimmten Lin palinweininarkt (Togo). Stunden kann man hier die Priester die Gläubigen des Islam zum Gebet rufen sehen. Missionen sind vier verschiedene vertreten, eine katholische, zwei evangelische und eine englische wesle fanische, alle mit im Lande zerstreuten Stationen und in ihrem Schulwesen von der Regierung unterstützt. Regierungsschulen sind in L o m e und in S e b e bei A n e ch o.69 Dieses letztere (das frühere Rlein-Popo) ist im Togolande die zweitgrößte Stadt. Auch eine A ck e r b a u s ch u l e ist gegründet worden, deren entlassene Schüler dann Land, Ackergerät und Saatgut erhalten Aornspeicher (ELogo).70 sollen, um auch ihre Landsleute im Innern durch Beispiel und Belehrung zu guten Ackerbauern heranzuziehen. Der Anbau der Baumwolle soll dabei besonders berücksichtigt werden, wie ja auch um diesen sür die Kolonie als äußerst wichtig erkannten Artikel bereits eine besondere ,,B a u m w o l l s ch u l e" in N u a 1 j ä errichtet wurde. Das Mitglied der Bremer Handelskammer und des Kolonial rats I. K. V e t o r, ein Mann, der Togos Verhältnisse genau kennt, hat sich in einem lesenswerten Buche*) recht günstg über die Zukunft Togos ausgesprochen. NochvorsechsIahren war zurAnsfuhrvonTogo-Baum- wolle keinerlei Anfang gemacht, aber \ )02 erscheint dieser Artikel im Aussuhrregister mit Z5 ooo Mark, H905: 37 837 Mark, 1,904: 50 594 Mark, t 905 : 89473 Mark. Die erste Stelle nimmt im Aussuhrverzeichnis Togos von l 905 , das eine Totalsumme von ziemlich 4 Millionen Mark aus weist, noch der Kautschuk ein, mit etwas mehr als \ Million, Glxalmenprodnkte: 756 97z Mark, Mais: 566 844 Mark, Elfen bein: 40 775 Mark, Kakao: 9708 Mark usw. 4. Deutsch-Gstafrika. das mit seinem Flächenraume von 995 000 qkm, also fast dem doppelten Umfange des Deutschen Reichs, die weitaus größte unserer Kolonien ist, dient nur etwa sieben Millionen Eingeborenen als Wohnstätte, während das halb so große Deutschland jetzt schon an sechzig Millionen Einwohner zählt. Man kann sich also vorstellen, welch ungeheure Ländereien in dieser Kolonie noch der Ausschließung und Bebauung harren. Allerdings muß zunächst der immer weiter vordringenden Er forschung und Erfahrung die Entscheidung Vorbehalten bleiben, *) 3. A. vietor, Die nächsten Aufgaben der Aolouialpolitik. tragen IJVS.71 für welche Art der Kultivierung die nach Klima, Vegetation usw. sehr verschiedenen Gebiete dieses Riesenlandes sich eignen, ob und in welchen Teilen des Landes direkte Besiedelung durch selbstarbeitende weiße Farmer möglich ist oder ob allzu tropische bsitze nur Eingeborenenarbeit unter Aufsicht von Weißen zuläßt also jAantagenbetrieb. wie in unseren anderen Kolonien, so ist auch in Deutsch- Dstasrika aller Unternehmungen Ausgang und Stützpunkt die Meeresküste. Aus eine Strecke von 700 km wird hier deutsches Land vom Indischen Ozean bespült, den man vom Heimatlands durch das Mittelländische Meer, den Suezkanal und das Rote Meer erreicht. Zum Glück finden sich an unserer deutsch-Ostasrikanischen Küste eine ganze Reihe brauchbarer Häsen. von Norden nach Süden gelten als solche. Tanga, jdangani, Baga- moyo, Dar es Salam, Kilwa-Kiwindje, Lindi und M k n d a n i. Das etwa in der Mitte unseres Küstenstreisens liegende, erfreulich ausblühende Dar es Salam ist als Sitz des deutschen Gouverneurs die Landeshauptstadt, die bereits einige Hundert Steinhäuser und über tausend Makutihütten zählt, vom Schisse gesehen macht die Stadt mit ihren schlanken Halmen und den sauberen, hübschen, villenartigen Gebäuden einen äußerst gefälligen Eindruck." wird unsere Kolonie östlich vom Indischen Ozean bespült, so sehen wir als Grenze nach Westen und Norden mehrere afri kanische Binnenseen, die wegen ihrer Riesengröße eigentlich den Namen Binnen meere beanspruchen dürfen. Im Vergleich mit ihnen ist z. B. unser Schwäbisches Meer" genannter Boden see mit seinen 540 qkm Oberfläche ein kleiner Ententeich! Denn der nördliche der afrikanischen Riesen, der rundgesormte, sehr inselreiche Victoria-Njansa-See ist mit seiner 68 000 qkm bedeckenden wassermasse fast so groß wie das ganze Königreich Bauern. Der nach Norden zu an englisches Gebiet grenzende See72 gehört, was um t860 entdeckt wurde, zu dein lange vergebens gesuchten Onellengebiet des alten ägyptischen Nil, von dessen Ouellflüssen einer, der Kagera, in den Victoria-Njansa fließt. Der weiter südlich unsere östliche Grenze gegen den Kongo- st a a t bildende langgestreckte Tanganikasee hat 32 ooo qkm bei etwa 650 km Länge und stellenweiser Breite bis zu 70 km. Noch weiter südlich der fischreiche Nyassasee, der sich Ein Eingeborener aus Ussambira Oictoria-Njansa). mit dem etwas bescheideneren Umfange von ca. 27 000 qkm und einer Länge von 400 km begnügt, aber auch bis 70 km Breite hat. Außer diesen großer: Seen besitzt die Kolonie auch noch eine Anzahl kleinerer und viele Flüsse und Flüßchen, die teils dem Indischen Ozean zufließen, teils den genannten großen Seen. Erwähnt sei nur als bedeutender Strom der R u f y , der dem Indischen Ozean zuströmt und von der Küste aus 200 km weit schiffbar ist.73 Vielfach bilden die Flüsse an ihrer Mündung ins Meer Deltas und Lagunen oder sumpfige Niederungen mit Brack wasser und bieten so einem der für Afrika charakteristischen Bäume, der Mangrove, den erwünschten Nährboden. Ihre während der Ebbe hervortretenden Wurzeln bergen die Reime der gefähr- Mangrovenlandschaft. lichen Malaria. Nicht weniger als ooo ha sind im Delta des N u f Y mit M angroven bedeckt, die übrigens in neuerer Zeit auch für den chandel ausgenutzt werden, weil ihre Rinde brauchbare Gerbstoffe enthält. Den Aufbau des Landes betreffend folgt von der Rüste aus auf ein im Süden breiteres, im Norden schmäleres niedriges74 Gelände, das nur Erhebungen bis etwa \20 m zeigt, das innere Hochland, mit blähen bis 1,000 m. Ein bedeutender Gebirgsstock im Nordosten des Schutzgebietes ist der 3770 qkm bedeckende Kilimandscharo mit gewaltigen Gletscher- und Schnee massen, der im Kibo 6010 m, im Mawensi 5555 m, also pöhen erreicht, wie sie in ganz Afrika nicht zum zweiten Male Vorkommen. Lager unter Mangos und Palmen. Um auch aus die Vegetation unserer Kolonie einen kurzen Blick zu werfen, so folgen den erwähnten Mangrovewäldern der Küste Buschsavannen mit verschiedenen Palmenarten, wor unter bemerkenswert die Kokospalme; außerdem kakteenartige Euphorbien, die wie Kandelaber in die Luft ragen, auch der durch seine pöhe imponierende Assenbrotbaum oder Baobab ist vertreten. Im Küstenlande gedeihen, von den Negern angebaut: Reis, Mais, Tabak, pirse usw.; in Pflanzungen der Europäer und75 Araber: Baumwolle, Zuckerrohr, kostbaren Hanf spendende Agaven, vanille, Ananas usw. Der weiter im Innern vorkommende Urwald mit hohem Baumwuchs zeigt verschiedene Palmenarten, Tamarinden, lvoll- bäume, Lianen, prachtvolle Orchideen usw. Die prächtige, von Professor Uteyer und dem Botaniker volkens beschriebene Pflanzenwelt des Kilimandscharo hat Pochlands- und Gebirgscharakter mit Nadelhölzern; bis etwa Nashorn. 5000 m pöhe steigt dort der Urwald empor. Angebaut wird in diesen Höhenlagen Kakao, Tee, Kaffee, Kautschuk und verschiedene Gewürze. In vielen Arten ist irr Deutsch-Ostafrika die Tierwelt ver treten: der seines Elfenbeins wegen von Eingeborenen und Europäern gejagte Elefant, hauptsächlich im Innern des Landes, und neben ihm das Nashorn. Flußpferde und Krokodile kommen in mehreren der Seen und Flüsse vor. viele Raubtiere gibt es in den Steppen uird an der Küste. In erster Linie ist zu nennen, wie das dem Könige der Tiere zukommt: der Löwe, der sich noch76 häufig genug unangenehm bemerkbar macht, dessen Zahl aber durch Pulver und Blei und große Lallen möglichst vermindert wird; auch Leoparden, Gepard, lhyänen, Wildkatzen und andere fehlen nicht. Von harmloseren Tieren seien genannt die Giraffe, ver schiedene Antilopenarten, Springböcke und das graziöse Zebra, Zebras ver Schutztruxpc, das in neuerer Zeit nach verschiedenen fehlgeschlagenen Ver suchen erfolgreich gezähmt und als Reittier benutzt wird. Man hat nämlich entdeckt, daß das widerspenstige Zebra lammfromm wird, sobald man es an einem Ghre packt und eine entsprechende auf das Ghr schmerzhaft wirkende Zügelvorrichtung war ja leicht herzustellen. Jetzt kann man täglich Unteroffiziere der Schuhtruppe in77 der Umgebung von Dar es Salam auf Hebras, die so lenksam sind wie Ponies, spazierenreiten sehen. Suaheli mit Frau. Selbstverständlich sind in der Tierwelt auch eine Anzahl von. Affenarten vertreten, und von den vogelarten sind zu nennen:78 Strauße, Marabus, Reiher, Adler, Nashornvögel und ein kleiner grüner Papagei; von Schlangen: Brillenschlangen, Puffottern: auch Fledermäuse, Skorpione, Wanderheuschrecken und die lästigen Moskitos fehlen nicht. Die Hauptmasse der Bevölkerung sind Bantuneger in vielen voneinander verschiedenen Stämmen. Vom Süden her sind S u I u s (Mafiti) eingedrungen. Zwischen ihnen und dem Norden sitzen Masai und dieDschagga am Kilimandscharo. An der Rüste die S. u a h e l i, ein Mischvolk zwischen Bantu und Persern (Schirasi) sowie Araber und Inder. Die Suaheli sind halb heidnische Mohammedaner mit Viel weiberei und Sklaven, die gut ge halten werden und die Feldarbeit besorgen müssen, während der Sua heli gern Pandel treibt oder bis weilen auch ein Gewerbe, beson ders das des Zimmermanns, Tisch lers, Schmiedes. Die Sprache der Suaheli ist die Verständigungssprache für einen großen Teil Deutsch-Ostafrikas und wird deshalb von den Europäern Suaheli aus Lindi. erlernt. Jm Süden des Schutzgebietes sitzen u. a. w a h e h e , deren befestigte Wohnstätten, Bornas, den Schutztruxpen seinerzeit viel zu schaffen machten, während jetzt eine Anzahl über das Schutzgebiet verteilter Militär stationen für Ruhe und Ordnung sorgen. Tin anderes, im Norden unseres Schutzgebietes wohnendes Volk, das aus der Masse der Negervölker hervorragt, ist das der Viehzucht treibenden semitischen Masai. Die Religion dieses merkwürdigen Volkes, das nur einen Gott kennt, weist in eurer79 Menge von biblischen Traditionen auf einen uralten Zusammen hang mit dem Volke Israel der Bibel hin. So findet sich bei den Masai eine Zeiteinteilung von sieben Tagen mit religiösen Be lehrungen am siebenten Tage. Die Masai sind als Krieger ge fürchtet und haben als solche eine erstaunlich durchgearbeitete Organisation. Schließlich seien noch als ein intelligentes Pandels- und Maffaikrieger vor dem Gefecht. Letzte Instruktion. Ackerbauvolk die in der Mitte des Schutzgebietes sitzenden W a n - jamwesi genannt, die Karawanenzüge nach der Küste unter nehmen. Der Pauptknotenpunkt für Pandelskarawanen ist im Innern T a b o r a. Die Erwerbung von Deutsch-Ostafrika verdanken wir zum Teil den rastlosen Bemühungen des vr. Karl Peters, der im Jahre f88H eine Expedition der von ihm gegründeten Gesellschaft für deutsche Kolonisation" nach Gstasrika führte.80 (Er schloß eine Reihe von Verträgen mit eingeborenen Häupt lingen und im Jahre 1.885 nahm das Deutsche Reich die Erwer bungen unter seinen Schutz. Mit einem Kapital von vier Millionen erfolgte nun die Gründung der D e u t s ch - G st a f r k a n s ch e n Gesell schaft" mit dem Zwecke, die betreffenden Gebiete nicht nur dem chandel und dem Anbau zu erschließen, sondern auch die staatliche Verwaltung zu übernehmen. Dabei kam es aber sehr bald zu Streitigkeiten mit der von alters her an der Küste sitzenden arabischen Bevölkerung, die dem Sultan Bargasch von Sansibar unterstand und sich durch die Fremden in ihren Interessen, besonders in ihrem schwunghaften Sklavenhandel bedroht sah. Auch der Sultan wurde widerhaarig und mußte durch das Erscheinen deutscher Kriegsschiffe auf der Reede von Sansibar auf die Macht des Deutschen Reiches auf merksam gemacht werden. Er wurde zugänglicher, öffnete den Fremden den Hafen von Dar es Salam und verpachtete den Deutschen den ganzen 81 Küftenftreifen; aber gleich mach seinem bald darauf erfolgten Tode brach ein Aufstand der Araber aus, die unter ihrem An führer Bufchiri die lästige Fremdherrschaft abschütteln wollten. Alles bisher Er reichte stand auf dem Spiele, aber dem deut schen Reichskommissar W ß m a n n gelang es nach schweren Käm pfen, die Ruhe wieder herzustellen, wozu auch unsere deutsch enKriegs- schiffe energisch mit halsen. Das ganze Küstengebiet wurde dem Sultan von San sibar für vier Milli onen Mark endgültig abgekaust und dann die übrigen Grenzen aus dem! Verhandlungs wege, besonders mit England, festgesetzt, von dem bei dieserGelegen- heit die vor unserer Llbmündung liegende, bis dahin englische Insel Helgoland an Deutschland über lassen wurde. lVenN auch später ttkassaiweib mit Kind auf dem Rücken. nochAusstände derLin- geborenen vorkamen und wohl auch in Zukunft Vor kommen werden, so steht dagegen doch eine kräftige Schutz truppe zur Verfügung, die aus 2000 Mann (Askaris), 44 Mffi- volkskolonialbuch. 682 zieren, \8 Ärzten und weißen Unteroffizeren besteht; auch ^50 Mann jdolizeitrupxen sind vorhanden. Lingeteilt ist die Kolonie in 8 Bezirksämter und Stations- bezirke. Die Lingeborenendörfer stehen zum Teil unter Akiden, d. h. farbigen Beamten der Regierung, teils auch unter ihren eigenen Iumben und Häuptlingen.*) Daß auch in diesem, unserem größten Schutzgebiete eine ganze Anzahl von Missionen tätig sind, ist selbstverständlich. Manches, ja vieles ist in den letzten zwanzig Jahren geschehen. Vor allem ist das Schutzgebiet einigermaßen erkundet, durch Wegebauten zugänglicher gemacht und auf seine Kultivierungs- Möglichkeiten hin untersucht worden, so daß bereits gutes Karten- *) Grotewold, LH r., Unser Aolonialwesen und seine wirtschaftliche Bedeutung. Ltuttgart 1,907. Zendeo, Häuptling der Massai.6 * 83 material*) vorhanden ist, auch solches, das sehr übersichtlich die Kulturen der verschiedenen Nutzgewächse sowie auch das Vor kommen von Metallen, Steinkohlen usw. zeigt.**) Auch die Anfänge zukünftiger Eisenbahnlinien zeigen sich. wahehehäuxtling mit Gefolge. die, scheint es, allerdings erst nach langer Zeit erreichen werden, was den nördlichen Nachbarn unseres Schutzgebietes, den Lng- ,*) Moifel, Amte von Deutfch-Dstafrika { : 2 000 000. Mk. 6 . **) Sprigade und tlToifel, Wirtschaftsatlas unserer Kolonie , herausgegeben vom Aolonialwirtfchaftlichen Komitee der Deutschen Kolonialgesellschaft.-SuvSMI-VUWA 84 Wm 85 - ländern, viel schneller gelungen ist, nämlich die Ausschließung des Hinterlandes und der Anschluß an das wichtige Seengebiet. Unsere, dem Victoriasee via Kilimandscharo zustrebende Bahnlinie, die vom Hafenorte Tanga ausgeht, ist erst bis M o m b o (\ 2 ) km) fertig. Line zweite Strecke, die von der Landeshaupt- und Hafen stadt Dar es Salam ausgeht und dermaleinst via T a b o r a Ansiedler in Deutsch-Gstafrika. den Tanganvkasee erreichen soll, ist bis Ulorogoro (225 km) befahrbar. Tine dritte Bahnlinie zeigt die Karte als vom Hafenorte Kilwa bis zum Steinkohlengebiete am N j a s s a s e e gedacht. Übrigens ist jetzt eine amtliche, die Eisenbahnen in unseren Kolonien behandelnde Denkschrift dem Reichstage zugegangen; vielleicht bringt sie ein etwas frischeres Tempo in die Schaffung dieser unentbehrlichen Lebensadern jedes gesunden Kolonial körpers.Daß auch in Deutsch-Dstafrika die Eisenbahnen nicht ohne Einnahmen bleiben werden, dürfte den von seinem Ge sa mthandel erreichten Ziffern hervorgehen, die rund (8% Millionen im Zähre 1903, 23 % Millionen 190$ und 27 % Mil lionen 1905 aufwiesen, während im Zahre 1904 der Schiffs verkehr fast 1000 europäische Schiffe mit etwa 1% Millionen Tonnengehalt zu verzeichnen hatte. Auf den drei großen Seen, dem Rufiji- und dem Pangani- flusse. vermitteln übrigens schon Regierungsdampfer den Ver- Araal in der Steppe zwischen Ailiinandscharo und Meruberg. kehr und ausgedehnte Telegraphenlinien nach dem Innern und an den großen Seen, sowie an der Rüste entlang sind vorhanden. Welche der wichtigsten Rolonialgewächse im Schutzgebiete am meisten Aussicht auf Erfolg haben, ist lange im Stadium teilweise recht kostspieliger Versuche geblieben und erst in neuerer Zeit scheint man darüber mehr ins Rlare zu kommen, daß B a u m - wolle, Ölpflanzen (Kokospalme) und die vorzüglichen bfanf liefernden Sisalagaven, auch Reis und Mais, in kleinerem Umfange vielleicht Tabak und Vanille gewonnen werden können. Zn dem durch die Bahn Tanga-Mombo er schlossenen Usambaragebiete scheinen die versuche mit dem87 Anbau von Kaffee von Erfolg zu sein. Line hohe Ausfuhr ziffer hatte der Kautschuk, aber sie beruhte hauptsächlich Blühender Kaffeestrauch. auf dem allmählich die Bestände vernichtenden Raubbau der Eingeborenen, während die Versuche, welche der verschiedenen Kautschukgewächse von Europäern am vor-teilhaftesten anzubauen sein werden, wohl noch nichts ab geschlossen sind, Auch das kostbare Elfenbein haben sich die Eingeborenen bisher durch eine so rücksichtslose Ausrottung des Elefanten ver schafft, daß inan daraus bedacht ist, hiergegen sowohl, wie gegen den Kautschuk-Raubbau geeignete Maßregeln zu ergreifen. * 905 Ausfuhr: 994966* M. (worunter 2f^ Millionen für Kaut schuk, über * Million für wachs, ebensoviel für chäute und Felle, Baumwolle noch bescheiden mit *9* *45M., Kaffee 43 *S 03 M.usw.) Weiber einer Rarawane. *905 Einfuhr: *8 865 836 Mark. Daß der Baumwollbau Deutsch-Gstafrikas sich zu entwickeln scheint, zeigen folgende Ziffern: Baumwollausfuhr nach Deutschland *90*: Mark 11 11 *902: 2*2 11 n 1! 11 *903: 73*3 11 rr 11 11 *904: *24 2*6 11 n 11 11 *905: * 9 * *45 11 Baumwollversuchspflanzungen sind in Saadani und j)an- ganja. Ginstationen (zur Verrichtung) an elf Grten.5. Die deutschen Besitzungen im Stillen Ozean. wenn wir eine Karte des Großen oder Stillen Ozeans be trachten, der die Weltteile Amerika und Asien trennt, so sehen wir in seinem südlichen Teile ganze Schwärme von Inseln und In selchen, deren viele Gruppen- und Linzelnamen uns schon in der Geograxhiestunde manches Unbehagen verursachten. In der Tat muß sich auch der Kolonialfreund schon ein gehender mit ihnen beschäftigen, bis das Auge gewisse Ruhe punkte entdeckt und bis sich das wichtige einigermaßen geordnet aus dem Thaos abhebt. Als Ausgangspunkt und Grundlage unseres Studiums mag nach Süden zu die vom Weltteile Australien nicht allzu weit ent fernt liegende Insel Neuguinea dienen, nach Grönland die größte des ganzen Erdballes. Der Name Neuguinea soll daher rühren, daß mittelalter liche Seefahrer hier dieselben krausköpfigen Schwärzen wieder zufinden glaubten, die sie von der von ihnen längst besuchten afrikanischen Guineaküste her kannten. Die ganze westliche bfälfte der Insel besitzen die polländer und in die östliche pälfte teilen sich die Engländer im Süden und die Deutschen im Norden. Und dieser deutsche Anteil, der den Namen Kaiser wilhelmsland führt, hat immerhin noch die respektable Größe des ganzen Königreichs Italien. Mit der etwa 800 km langen Küste von Kaiser wilhelms land bilden die nach Nordosten halbkreisförmig herumgelagerten großen Inseln Neu- Pommern mit der Gazellehalbinsel, Neu-Mecklenburg, sowie Neu-Pannover, die Admiralitätsinseln und noch eine Anzahl kleinerer den Bismarck-Archipel und etwas- östlich von diesen Gruppen liegt noch eine größere deutsche Insel Bougain- ville, die der Lage nach zu den Salomoneninseln gehört. Die den deutschen Kolonialbesitz vervollständigenden Gruppen einer großen Menge kleinerer Inseln, wie Palauinseln,Blick von Herbertshöhe auf die Vulkane Mutter und Töchter". 9091 Karolinen, Marianen und Ladronen, Mar- schallinseln und andere liegen einige tausend Kilometer nördlich und nordöstlich von unserem festen Ausgangspunkte Kaiser Wilhelmsland und von diesem sehr weit östlich unsere oftgenannten S a - moainseln (Schiffer inseln). wenig berührt von Handel und Wandel war diese ganze große Inselwelt geblieben, bi; zuerst im Mittelalter portugiesische und spanische Seefahrer auf der Suche nach dem Wege zu Indiens Schätzen diese weit entlegenen Ge genden aufsuchten. Dann folgten Holländer, Eng länder, Franzosen und im vorigen Jahrhundert hatte ein Hamburger Handels- haus Godeffroy großen Besitz an der Südsee, der im Jahre 1880 von der Deutschen See- handelsgesellschaft" übernommen und im Jahre 1884 unter Vereinbarungen mit England unter deut schen Schutz gestellt wurde. Die von der neu gebildeten Neu- Guinea-Kompagnie" ausgeübte Landeshoheit ging 18Y8 an das Deutsche Reich über. Was nun Kaiser Wilhelmsland insbesondere betrifft, so ist es im Innern noch wenig erforscht. (Bismarckarchixel).93 Durch feine die Berge bedeckenden Urwälder führen bis jetzt nur die schmalen Zickzackpfade der Eingeborenen, und die zwar reichlich vorhandenen, aber wenig schiffbaren Flüsse be deuten auch kein großes Verkehrs mittel. An ihren Münd.ungen finden sich Sagosümpfe und auch die uns von Afrika her bekannter: Mangrovewälder. Die auf die Küste beschränk ten Ansiedelungen der Europäer ziehen sich um die A ft r o l a b e - bai herum mit dem Fried rich Wilhelms Hafen mit Stephansort, weiter öst lich K o n st a n t n h a f e n. Finschhafen ist aufgegeben, weil ungesund. Die um den Bismarck- Archipel herumliegenden Inseln sind gebirgig, mit einigen noch heute tätigen Vul kanen. Angebaut werden an den Rüsten von Kaiser wilhelmsland sowie aller Inseln in erster Linie Kokospalmen, die in der tro pischen Seeluft üppig gedeihen; außerdem Tabak. Mit Baum wolle, Kaffee, Kautschuk, Kakao werden Versuche gemacht. An gelaufen werden die Inseln durch Dampfer des Norddeutschen Lloyd, der in Simpsonhafen eine wichtige Landungsbrücke baute, und andere Linien. Bemaltes Boot aus Beliac (Bismarckarchipel).94 Der Regierungssitz ist das an der Nordküste der Insel Neu- pommern auf der Gazelle Halbinsel liegende per - bertshöhe, das eine gute durch Korallenbänke geschützte Reede besitzt. Von den Eingeborenen, papuas, die auf einigen dieser Inseln noch von keiner Kultur berührt wurden, wird hier und da noch Menschenfresserei getrieben, aber manche werden als gute plantagenarbeiter geschätzt. An solchen ist so großer Mangel, pottzeitruxxe (Bismarckarchixel). plantagen Javanen und Lhinesen als Arbeiter ein- bei den Eingeborenen keine größeren Stammes- gemeinschaften, sondern alles ist in einzelne Dorfgenossen schaften zersplittert, deren Sprachen und Dialekte oft von einem Orte zum anderen verschiedene sind. Die Küstenbewohner verstehen ausgezeichnete Boote zu bauen, die stets mit Auslegern zum Verhindern des Umkipxens versehen sind; auch in kunstvollen Schnitzereien und Verzierungen95 an den Booten und anderen Gerätschaften leisten die Einge borenen recht chübsches. Auf tfaarfrifuren und farbige Tätowie rungen wird viel Zeit und Mühe verwandt und in manchen Gegenden, wie z. B. Knschhafen, find die Eingeborenen sehr Junggesellenhaus am Golf von Paxua. musikalisch und sangesfreudig, so daß Singschulen und Gesangs meister vorhanden sind. Bei Festlichkeiten geht es hoch her, indem man tanzt und viel Schweinefleisch, hier und da auch bsundebraten verzehrt. Auf wirtschaftlichem Gebiete ist der Hauptplatz Kaiser wil-96 Helmshafen, auch Sitz des kaiserlichen Richters und Zentrale der Neu-Guinea-Komxagnie. Evangelische und katholische Missionen bemühen sich, segens reich zu wirken. Die Tierwelt von Neu-Guinea ist arm an Säugetieren, dagegen ist die Vogelwelt reichlich vertreten und zeigt u. a. die wundervollen bunten Paradiesvögel, sowie Papageien, Nashorn vögel, Kasuare. von Ausfuhrartikeln find besonders zu nennen: Kopra, Tabak, Baumwolle, Nutzhölzer, Schildpatt, Perlmutter, Trepang (Seewalzen), die den Lhinefen als Leckerbissen gelten. Ausfuhr von Deutsch-Neu-Guinea (Kaiser wilhelmsland und Bismarck-Archipel) (905: ( 2(0 07 t Mark (worunter fast ( Million für Dlprodukte). Einfuhr: 2 325 658 Mark. : Ausfuhr der Marschallin sein und Marianen: (905: ( 050 ^30 Mark (worunter fast ( Million für Glxro- dukte). Einfuhr nach den Marianen: ( 882 ? 3 ( Mark.  Die vielen weiteren Inseln und Inselgruppen unseres Be sitzes übergehend, weil sie mehr oder weniger, wenn man nicht tiefer in ethnographische und andere Einzelheiten eindringt, dasselbe Bild bieten, mag hier nur noch erwähnt sein die Samoa-Inselgruxxe, die perle der Südsee". Der deutsche Pandel war hier schon seit langer Zeit ver treten und im Jahre (899 kam Samoa durch Abkommen mit England und Amerika in deutschen Besitz, nachdem viele blutige Kämpfe mit eingeborenen Päuptlingen oder Königen" und Gegenkönigen" stattgesunden hatten. Ein schweres Unglück hatte unsere Marine vor Apia, dem Pauptorte, wo (889 ein Grkan den Kreuzer Adler" sowie das Kanonenboot Eber" vernichtete und die Olga" schwer beschädigte. Die Inseln, welche Deutsch-Samoa bilden, umfassen einen Flächenraum von 2572 qkm. Die größte der Inseln ist S a v a mit (69( qkm, die zweit-volkskolonialbuch. 97 größte Upolu mit 868 qkm. Die Inseln sind gebirgig, mit einigen nicht bedeutenden Flüßchen. Klima tropisch, herrliche Urwälder mit Baumriesen bis 80 m: Banyanen. Von Nutz pflanzen, wie auf allen Südseeinseln, ist in erster Linie die Baumhaus in Aing (Bismarckarchixel).98 Kokospalme zu nennen. Auch Kakao und Kautschuk sollen nach Ansicht des Vertreters des Kolonialwirtschaftlichen Komitees, lvohltmann, eine gute Zukunft haben. Die etwa 32 ooo mahagonibraunen Eingeborenen, deren Zahl sich leider nach und nach vermindert, sind ein schöner kräftiger Menschenschlag, der die Arbeit zwar nicht ganz verschmäht, aber auch mit Vorliebe singt, tanzt und allerlei Sport und Spiel betreibt. Landende Eingeborene in der Blanchebucht (Bismarckarchixel). Ein gesittetes, liebenswürdiges und auch ritterliches Natur volk" werden die Samoaner von lvohltmann genannt. Der Sitz der deutschen Negierung ist Apia, verschiedene Missionsgesellschaften sind in Wirksamkeit. Ausfuhr 1905: 2 028 71.8 Mark (wovon fast 2 Millionen auf Kopra entfielen). Einfuhr 1905: 3 386 931 Mark.7* 99 6. Riautschou. wie in Afrika und der Südsee, so waren auch in China die Deutschen die letzten. Aus dem großen chinesischen und ost asiatischen Rüchen hatten sich Engländer, Franzosen und Russen längst ihre Stücke herausgeschnitten und ihren Handel mit den Zopsträgern durch Stützpunkte" gesichert. Zwar hatten auch Deutsche, wie der große Geograph Freiherr von Richthosen, die wertvollsten Beiträge zur wissenschaft lichen Erforschung des chinesischen Riesenreiches geliefert, aber deutsche Handeltreibende waren mehr oder weniger aus die Gefälligkeit besonders der Engländer angewiesen geblieben. Schon Bismarck war durch Richthofen auf die einer Handelsniederlassung günstige Lage der Bucht von Riant - s ch o u aufmerksam gemacht worden, aber China hatte sich ab lehnend verhalten. Als dann aber im Jahre ^896 im Hinterlands von Riaut schou, der 000 qkm großen, über 30 Millionen Einwohner zählenden Provinz Schantnng, zwei deutsche Missionare ermordet wurden, gab dieses dem Deutschen Reiche Veranlassung, die Riautschoubucht mit dem Hasenorte Tsingtau zu besetzen. Die ahnungslosen chinesischen Soldaten ließen die deutschen Marinesoldaten ruhig landen, weil sie meinten, es handle sich nur um ein Flottenmanöver, bis ihnen eröffnet wurde, daß sie die Stadt gefälligst zu räumen hätten. Im Jahre ^8Y8 wurde dann die Riautschoubucht mit Tsingtau und einem halbkreis förmigen Landabschnitt und einigen vor der Bucht liegenden Inseln von China an das Deutsche Reich für 99 Jahre ver pachtet. Hinter dem eigentlichen Pachtgebiete liegt eine 50 km breite neutrale Zone, in der China gewisse Maßnahmen (besonders militärische) nur unter Zustimmung der deutschen Regierung treffen darf. Und heute sehen die Chinesen selber ein, daß auch sie mit dieser Verpachtung nichts verloren, sondern ebenfalls ein gutes Geschäft gemacht haben!100 Aus dem schmutzigen Lhinesenneste Tsingtau ist eine groß artig aufblühende Etadt und dem vorher unbedeutenden Platze ein wichtiger Isafen mit. von Jahr zu Jahr steigender Ein- und Ausfuhr geworden. Eröffnungsfeier des Hafens in Tsingtau (6. März Eine Eisenbahn ist nach dem Innern der Provinz S ch antu n g über Riautschou, weihsien nach Tsinanfu gebaut worden, mit Zweigbahn nach demRohlengebiete Poschan, so daß die Produkte dieser reichen Aohlenwerke im pafen von Tsingtau direkt von der Eisenbahn in die Ozeandampfer verladen werden können.101 Nach Tschifu und dem Welthafen Schanghai hat Tsingtau jetzt direkte Kabelverbindung und in Tsingtau selbst nebst Um gebung ein ausgedehntes Fernsprechnetz; auch eine Wasserleitung, die aus einem etwa 4 Irin entfernten Tale gutes Trinkwasser zu- sührt, ist gebaut worden. Das Schutzgebiet Kiautsch 0 u, so benannt nach der alten Thinesenstadt gleichen Namens, deren pafen jede Be deutung verloren hat, untersteht in seiner Verwaltung dem deutschen R e ch s m a r n e a m t und somit ist auch der Gou verneur ein Marineoffizier, der seinen Sitz irr Tsingtau hat. Gegen etwaige kleine Überraschungen sind verschiedene Be- sestigungen angelegt und mit entsprechender deutscher Besatzung versehen. Sind verschiedene seiner Kolonien dem Deutschen Reiche große Sorgenkinder gewesen, die viel Geld und noch viel kostbareres Blut gekostet haben, so kann man von Kiautschou sagen, daß seine flotte Entwicklung dem Mutterlands vom ersten Augenblicke an Freude gemacht hat. Die jährlich veröffentlichten amtlichen Denkschriften*) mit ihrem reichen statistischen Karten- und Ab- bildungsmaterial sind des Zeugen. In der letzten, den Zeitraum von Oktober syos bis Oktober ^06 umfassenden, Denkschrift steht wieder manches Interessante zu lesen, z. B. daß die Gesund heits Verhältnisse Kiautschous die besten an der ganzen ostasiatischen Küste geblieben sind und daß der Besuch Tsingtaus durch Badegäste wieder ein starker war. Die private Bautätigkeit war eine gleich lebhafte wie im Vorjahre. Der Ausbau des großen Lj a f e n s ist planmäßig ge-^ fördert worden. Die Bauten im Westgebiet sind zum Teil fertig gestellt. Der bedeutende p e t r 0 l e u m h a n d e l, der sich nach Tsingtau zu ziehen beginnt, macht den alsbaldigen Bau einer Liegestelle für Petroleumschiffe notwendig usw. Das Schwimmdock hat sich gut bewährt. Es ist während des Berichtsjahres von 24 Schiffen 2s6Tage beansprucht worden. *) Im Kommissionsverlage von Dietrich Reimer in Berlin.102 Sodann wird die Gouvernementsschule mit ihren 78 Schülern erwähnt, die September syvö die Untersekunda er öffnet hat und hofft, bald die ersten Schüler mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst entlassen zu können. Auch die Ui s s 0 n e n sind erwähnt, sowie Landwirt schaft und Forstkultur. Letztere ist damit beschäftigt, Deuischer Soldat und chinesische Jugend. die von den Lhinesen gänzlich vernachlässigten, eigentlich kaum noch vorhandenen Wälder wieder aufzuforsten. Erfreulich ist auch die Notiz: daß die chinesische Bevölke rung und insbesondere die chinesische Kaufmann schaft, von deren aktiver Beteiligung die wirtschaftliche Ent wicklung jedes ostasiatischen Handelsplatzes wesentlich abhängt, in stets steigendem Maße vertrauen zu den103 wirtschaftlichen Aussichten ber Kolonie unb z u der deutschen Verwaltung unb Rechts pflege zeigt!" Aus einem Urteile der Hamburger Handels kammer, das auf Seite ? der Denkschrift" wiedergegeben ist, sei noch kurz erwähnt: Das erst f8gs eröffnete Tsingtau hat sonach das bereits seit ^865 eröffnete Lhefoo fast eingeholt und alleAnzeichen sprechen für eine baldige Überflügelung dieses bsafens Auf dem Buhnhofe in Riautfchou. durch Tsingtau. Günstig auffallend ist die allgemeine Zunahme der Ausfuhr, welche bisher zu wünschen übrig ließ: Kohle, Bohnen buchen und Strohgeflechte sind drei sehr wichtige Artikel geworden. Für Strohgeflechte nimmt Tsingtau bereits den Vorrang als wichtigster Ausfuhrhafen Lhinas für sich in Anspruch. Diese Fortschritte sind in erster £mie dem von der ülarineverwaltung eifrig geforderten Ausbau des bfafens, sodann aber auch der Schantung-Lisenbahn zu verdanken, die im vorigen Zahre dem e r st e n nach ihrer völligen Fertig stellung eine Dividende von 5 %% verteilen konnte. Die104 Koljle, deren Dualität man durch einzurichtende Wäschen zu ver bessern basst und die in großen Mengen gefundenen Trze bieten günstige Aussichten für die fernere Prosperität. Auch das ausländische Kapital beginnt den Pandelsunternehmungen, deren Sitz und Ausgangspunkt Tsingtau ist, zuzuströmen. Line englische Firma aus Tschisu hat in Tsingtau eine Niederlassung gegründet, um namentlich an dem über Tsingtau gehenden Strohbortenhandel teilzunehmen. Die amerikanische mit ungezählten Millionen arbeitende Im Isafen von Tsingtau. Standard Dil Io m p any und die englische A s a t c Petroleum Company haben, jede für sich, ein um fangreiches Gelände zur Anlage von Petroleumtanks erworben. Sie wollen Tsingtau zum Stapelplatze des Petroleumhandels nach Schantnng und den hinterliegenden nordchinesischen Pro vinzen machen! wie in Gstasien überhaupt, so rechnet man auch in Kiautschou nach mexikanischen Dollars, deren Kurs steigt und fällt: jetzt etwa 2,38 Mark. In Dollars ausgedrückt betrug die Gesamtem- und105 -ausfuhrziffer des Schutzgebietes notn dens ohne das Material für Eisenbahn und Bergbau (Schienen, Maschinen usw.): 1901 2 9 574 000 Dollars 1902 3 1? 276 732 1903 4 24 861 262 I904 5 52 426 596 1905 6 09 450 970 stets von Oktober bis Oktober gerechnet. Kurzes Nachwort mit einigen Kolonialbetrachtungen. Möchte es doch diesem Büchlein gelingen, den kolonialen Gedanken auch jenen oft durchaus nicht unintelligenten Schichten näher zu bringen, deren koloniales Interesse, wie auf Seite 13 erwähnt, bisher nur in jener tiefgründigen Weisheit bestand: ,,m an solle doch die Wilden lieber in Ruhe lassen!" Daß diese Abweisung einseitig und verkehrt erscheint, das ist an der ungeheueren Wichtigkeit der Rohstoffe, wie Baumwolle, Kautschuk usw. gezeigt worden und ebenso, wie einschneidend auch gerade bes Arbeiters und seiner Familie Wohl und Wehe mit einer gesicherten Beschaffung der Rohstoffe und so auch ganz direkt mit der kolonialen Frage zusammen hängt. Das ist nicht etwa bloß eine müßige, theoretische Redensart! Ferner: wie der einzelne Mensch, so findet auch jedes große Volk gewisse Aufgaben auf seinem Lebenswege vor, die ein offenes Auge wohl sehen muß, weil sie mit dem Entwicklungsgänge des Einzelnen oder des Volkes eng Zusammenhängen! Hat die in verflossenen Jahrhunderten von den Deutschen geleistete geistige Arbeit ihnen die Bezeichnung als Volk der Denker" eingetragen, so wird dieses jetzt auch ein Volk der nüchternen Praxis werden müssen, wie auf einem Wegweiser an seiner Lebenswende steht s geschrieben: Sei nicht blos ein Hort der Wissenschaften und Künste, nicht blos ein starker106 Schirmherr und Schützer, sondern werde auch ein weit blickender Großkausmann, der neben seinen wichtigen inländischen Aufgaben, wie z. B. die der Besiedelung der Ost mark, doch auch hinüberschauen muß nach fernen Ländern mit ihren Schätzen. Und bei der Kolonialausgabe handelt es sich nicht bloß um den Entwicklungsgang eines Volkes, also in unserem Lalle des deutschen, sondern um den aller modernen Völker überhaupt. Ihre Riesensortschritte aus den Gebieten der Verkehrs technik haben ihnen bis dahin fremde Länder mit ihren Schätzen näher gerückt, was früher unerreichbar schien heute liegt ? fast vor aller Tür! Da türmen sich herrliche Ausgaben aus auch an unserm Wege, da gibt s nur die Wahl: kräftig mittun und die bfände rühren oder hinter dem alten jdhili st e rosen sitzen bleiben und versauern! Unser wissen und Können auch über See ausnuhen, wie Engländer, Franzosen, Amerikaner, Japaner! Die den Deutschen im großen Entwicklungskonzert der Neuzeit zufallende Ausgabe verstehen und frisch an die Arbeit gehen oder beiseite stehen, über Marinismus und Utilitarismus jammern und allmählich überhaupt nicht mehr mitzählen, wie Spanier oder jdortugiesen: das ist es, um was es sich handelt! Freilich haben wir die Leute mitten unter uns, die gerade für diese Ausgaben noch blind und taub sind, und die nur von ihrem Zukunstsstaate" träumen!*) Den wollen sie erreichen, indem die moderne Wissenschaft alle Schätze der Erde und des Uleeres viel ausgiebiger herbeizaubern soll, als es bisher geschehen konnte! Aber wenn eine Deutsche Kolonialgesellschast mit ihrem wirtschaftlichen Komitee sowie auch das Deutsche Reich nicht im Zukunstsstaat, sondern jetzt, heute bsunderttausende ausgibt, um gerade dje Männer der modernen *) vgl. £?. Kltrtgebetl, Höchste Güter. Streifzüge eines lvahrheitssuchers. Kapitel: Sozialismus Anarchismus.107 Wissenschaft hinauszusenden zum Studium der besten An- pflanzungs- und Gewinnungsmethoden kurz, um praktische, faktische, greifbare Rolonialpolitik zu treiben , wo sind dann jene Helden des Zukunftsstaates, die immer die moderne Wissenschaft" im Munde führen? Dann stehen diese sonderbaren Schwärmer nörgelnd, ja fauchend abseits, reden von Rolonialrummel" und Kolonial schwindel" und suchen dem deutschen Volke das zu verekeln, was seiner Industrie und somit doch auch seinen Arbeitern eines Tages goldene Früchte tragen soll. Aber die Wissenschaft allein tut s bekanntlich auch nicht; es muß mühsame, ausdauernde Arbeit dahinterstecken und dem deutschen Kolonisten über See, der sie auf sich nehmen will, muß für diese seine Kolonialarbeit auch sicher sein: Das Wohlwollen und Verständnis des deut schen Volkes und der Schutz des Deutschen Reiches!108 Mil VW, Halen n. WeilM in Aenlslh-ÄdMstnsMn von fl. Oskar Kfaufjmann illustriert von A. Dressel. Preis in pracktbanä ged, lllk.4.50. Behandelt den Lrir men die Hemos und rtoltciitottcn, ©oucerneur von Osuticti-Oltalrika, Dr. von Wi^marm schreibt: .. . Das sehr hübsch ausgestatte Werk liest sich äußerst angenehm". Die natürliche, srische Art des Erzählens ohne Übertreibung, Renommieren usw. ist sympathisch. Es macht ganz den Eindruck, als hätte der, der alles erlebte, es selbst niedergeschrieben. Das Buch ist absolut nicht nur für die reifere Jugend. Jedermann, ja jeder Afrikaner kann und wird es mit Interesse lesen, wie ich es tat. Also nochmals Dank für den Genuß, den Sie mir bereitet haben." Souvsmsur von DöutKK-ZüllwsltakrlKci, Oberlt lieutioein, schreibt: . . Das Buch habe ich mit ganz besonderem Interesse gelesen und glaube gern, daß dasselbe bei unserer Jugend vielen Beifall gesunden. . . " Huswärfiges Hmf, Kolonialabfeilung. Dr. Sfübel, schreibt: . . . Ich habe veranlaßt, daß dasselbe in der nächsten Nummer des deutschen Rolonialblattes anerkennend besprochen und der reiferen Jugend zum Ankauf empfohlen wird." Carl Siwinna, Verlag, Leipzig und Kattowiy.109 Heiß Flagge und Wimpel EL Oskar Klaufjmann illustriert v. Willy Stöwer. Preis in Prachfband geb.mk.4.50. Gin hochinfereffantes Buch über das lieben und Treiben an Bord eines S. M. Seekadetten- und Schiffsjungen Schulfchif fes. Admiral von Kölfer schreibt: Ich habe mit vielem Interesse von dem für unsere Jugend sehr geigneten Buche Kenntnis genommen." Der - Sfaafsiekrefcir des Reidismcirinecimfs schreibt: Ich habe mit Interesse von dem Inhalt des Buches Kenntnis genommen, das eine recht anschauliche Schilderung des Lebens an Bord eines Kriegsschiffes gibt." Strahburger Pott am 6. Dezember 1903: . . In lebendiger Erzählungsweise führt der Verfasser seine Leser mitten in das Treiben unserer deutschen Kriegsflotte, indem er mit einer plötzlichen Indienststellung des Schulschiffes Moltke" für eine Auslandsreise nach Westindien beginnt. Nachdem der Kommandant den in Parade aufgestellten Schiffsmannschaften den kaiserlichen Befehl mitgeteilt hat. ertönt das Koinmando: Achtung! Präsentiert das Gewehr! bfeiß Flagge und WimpelI" Präsentiermarsch und Aufsteigen der Kriegsflaggen und Wimpel, und Atoltke" bestndet sich in scharfem Dienst. Die Schilderungen der ersten Reise, des vielgestaltigen Lebens an Bord, die Er lebnisse in den fernen Ländern sind wahrheitsgetreu , und zugleich geeignet, Lust und Liebe für die Flotte zu wecken. Das Buch wird sicher eine vielbegchrte Weihnachtsgabe werden. Carl Liwinna, Verlag, Leipzig und Kattowip.110 UNSER KRONPRINZ. Ein Gedenkbueh für Deutschlands Volk und Jugend von Max Niedurny mit zahlreichen Illustrationen. Inhalt: 1. Ein freudiges Ereignis. 2. Im Kreise d. Geschwister. 3. Urgroßvaters Liebling. 4. Ein bedeutungsv. Jahr. 5. Geistige und körperliche Ausbildung. 6. Im Tageslauf. 7. Du willst Soldat werden. 8. Zum Offizier ernannt. 9. Großjährig. 10. Eintritt ins Heer. 11. Bei den Habsburgern. 12 . In Bonn. 13. Ferienreisen. 14. Schneeglöckchen begrüßung. 15. Heldenehrung. 16. Am Kaiserhofe in Rußland. 17. Orientreise. 18. Schloß Öls. 19. Ein Herz für Alle. 20. Das kronprinzliche Jagdhaus. 21. Schulkinder und Kron prinz. 22 . Soldat, Vorgesetzter, Kamerad. 23. Kronprinz und Flügel mann. 24. Das Geburtstags ständchen. 25. Ein liebenswürdiger Hauptmann. 26. Mütterchen Krüger, des Kronprinzen Freundin. 27. Im Verein ehemaliger Kameraden. 28 . Kronprinz und Dienst mädchen. 29. Ein gutes Geschäft. 30. Der Tausch. 31. Der Kinderfreund. 32. Die Rede auf das Patenkind. 33. Sportsmann. 34. In Kopenhagen. 35. Verlobung. 36. Unsere Kronprinzessin. 37. Entschlossenes Handeln. 38. Ein ganzer Mann. 39. Zwei verlobte Paare. 40. Ein weidgerechter Jäger. 41. Die Vermählung des Kronprinzen. 42. Einzug d.Braut in Berlin. 43. Empfang im Schlosse. 44. Geschenke u. hohe Gäste. 45. Ring und Brautkranz. 46. Vermählung. In vornehmem Geschenkband Mk. 2.50. Das erste umfangreiche Werk über den deutschen Kronprinzen. Ein frischer fröhlicher Geist weht uns aus dem Buche entgegen. Es zeigt, wie unsere Hohenzollernsöhne erzogen werden. Carl Siwinna, Phönix-Verlag, Kattowitz. - 111 C. Hillbrich’s Conditorei & Cafe Bestellung^- und Yersandguscliäft Berlin W. 8, Leipzigerstrasse 24. bringt ihre anerkannt vorzüglichen Fabrikate in empfehlende Erinnerung. Während des Umbaues und bedeutender Vergrösserung des Geschäfts in der Leipzigerstrasse (vom Oktober 1907 bis Oktober 1908) befindet sich die Conditorei Mauer strasse 76 neben dem Reichspostamt, dicht an der Leipziger strasse. Im Rampf um die Heimat Eine Geschichte aus schweren Tagen von Professor Dr. Kaut Knotet. Buchumschlag und Illustrationen von Professor Richard Knotel. == Preis in elegant Leinen gebunden Mk. 3.50. = Schon ist eine Generation zu Männern und Frauen herangereift, die des deutschen Volkes Einheit im neuen Reiche fast als etwas Selbstverständliches hinnimmt und sich oft genug kaum bewußt ist, wie schwer und teuer sie erworben wurde. Die F-ranzosenzeit aber verschwindet immer mehr und mehr im Nebel der Vergangenheit, und doch sollte sie es nicht. In den großen Schreckens tagen von 1806 07 ging die große friederizianische Epoche zugrunde und unter schweren Opfern mußte die Freiheit vom Joche des französischen Eroberers wieder erkämpft werden. Das Andenken daran soll uns, soll vor allem die Jugend auffordern, sorgsam zu wachen, daß nicht ähnliche Tage wiederkehren. Lebendiger als in einem Geschichtswerk tritt hier in dem Schicksal einzelner eine entschwundene Zeit uns entgegen und weckt Gedanken, die Vergangenheit und Gegenwart mit einander verknüpfen. Carl Siwinna, Phönir-Verlag, Leipzig und Kattowilz.112 ]m khönix^Verlage Carl SltDlnna in Leipzig und Hattowitz 30. - -=-- =1 ist strner erschienen: i= - üefuuius, der feuerberg. Unter lana und Tische. Szenen von der letzten Vesnv-Katastrophe. von TI. Osttar Klaußmann. Mit prächtigen, bunten llluftrationen von Kifliard Knötel. Elegant in ganz leinen gebunden Mit. 3, . Im Panzer flutomobil. frzählung einer Weltreise für die deutsche Jugend, von lesco von PuttKamer. Mit prächtigen, bunten llluftrationen non Richard Knötel. Elegant in ganz leinen gebunden Mt. 3, . Schlagende Wetter. fpifoden aus dem leben eines jungen Bergmannes, von fl. Oskar Klaußmann. Mit prächtigen, bunten llluftrationen non Richard Knötel. Elegant in ganz leinen gebunden Mit. 3, vor und in Port flrtßur. Zwei Weihnachten in der belagerten festnng. von fl. Oskar lüaußmann. Mit prächtigen, bunten Illustrationen non Richard Knötel. Elegant in ganz leinen gebunden Mt. 3, . Auf üm Schlachtfeldern der Mandschurei. erlebniste eines jungen Deutschen während des rnsstsch-japanischen Krieges. von fl. Oskar Klaußmann. mit prächtigen, bunten Illustrationen von Richard Knötel. Elegant in ganz leinen gebunden Mit. 3, . Mit Buchse, Spaten und Ochsenstrick in venlsch * Südrn eft Hfrifca von fl. Oskar Klaußmann. Mit Kartenfitizze und Vollbildern nach OriginabPbotograpInen, farbige Illustration und Citelzeidjnung non Kunstmaler H. Dreffel. Preis elegant gebunden Mit. 4,50. velß flagge und Wimpel von fl. Oskar Klaußmann. Mit Vollbildern nach origitiaVKnfnatzmen, fotnie bunten lilnstrationen und reich, nungen von dem Marinemaler Willi Stöuier. Ein Hochinteressantes buch über das leben und treiben an Bord eines 5. M. SeeUadetten, und schisssiungemSchulfchisses. Preis elegant gebunden Mit. 4,50. Druck von August Pries in Leipzig.VW 3-   v .- g*- W !y WMWWIllustriertes deutsches Volks*Rolonialbud) (Dit Urteilen und Uussprüchen von männern der Wissenschaft, achleuten und arschungsreisenden VON Hermann Rlingebeü
