Reiterbriefe aus Südost :: Briefe und Gedichte aus dem Feldzuge in Südwest-Afrika in den Jahren 1904-1906 3ufammengeftellf unb Ijerausgegeben von fl. ü . Ciliencron Olbenburg unb Leipzig Druck unb Verlag von öerbarb StailingSeiner Hoheit dem Herzog Johann Mdrecht zu Mecklenburg Kegenten von Sraunschweig in aller Untertänigkeit gewidmet von Freifrau Flbba von Eiliencron ged. Freiin von IDrangel.Vorwort. (Ernste Zeiten sollen unvergessen bleiben, aber auch unvergessen soll bleiben, mit welchem treu deutschen Sinn die Söhne unserer Heimat drüben im sonndurchglühten Afrika kämpften, entbehrten und bis zum Tod getreu ihre Pflicht taten. Gcschichtswerke werden das zwar festhalten, und die Kameraden, die von drüben kommen, den hiesigen erzählen, aber damit das Bild dieser Kriegszeit in Slldwest-Afrika mit ihrem Licht und Schatten sich immer mehr kläre und vielen zugcsührt werde, um sich dann ein dauerndes Gedenken in dem Herzen unseres Volkes zu erobern, da bedarf es sowohl etlicher piuselstriche, wie Be leuchtungen von drüben her. Dann erst, wenn dieses vielseitige sich einheitlich znsammenfügt, wird es zu einem abgerundeten Ganzen erstehen. So sollen auch die nachfolgenden Briefe und Gedichte von Unteroffizieren und Reiter der Schuhtruppe aus den Jahren o*t, 05 und 06 diesem Zwecke beitragen. Schlicht und wahrheitsgetreu geben sie wieder, wie die Ereignisse und das Leben drüben von unsere braven deutschen Söhnen aufgcfaßt wurde und wie diese sich dazu stellten. Kampffreudigkeit und Unverzagtheit, Gottvcrtrauen und Sehnsucht nach der Heimat, Dank und Anhänglichkeit tönt daraus, vor allem aber eine Treue, die zielbewußt und unentwegt in guten wie in bösen Tagen dieselbe bleibt.von verschiedenen Seiten wurde ich anfgefordert, den vielen Briefen und Gedichten, die ich habe, Auszüge zu machen, und das zusaminenzustellen, damit auch weitere Kreise, die Interesse für unsere Braven im Dornenlande haben, sich daran erfreuen könnten. Ich tue es gern, denn ich hoffe, daß diese Grüße aus Süd-West dazu beitragen werde , das Band zwischen hüben und drüben immer fester zu knüpfen. Zugleich sollen sie ein ehrenvolles Zeugnis von den kernigen und treuen Gesinnungen unserer Trnppen drüben ablegen. Mir waren diese Briefe und Gedichte eine Herzensfreude, und wenn ich jetzt aus dem reichen Schatze, den ich davon besitze, die nachfolgenden Sachen zusammenstelle, so geschieht es mit dem Wunsche, daß auch andere diese Freude daran haben möchten. Die Briefe sind ganz im Vriginal miedergegeben, auch wenn die Ausdrncksweise nicht immer auf grammatische Korrektheit An spruch machen konnte. Einige Namen, die in den Briefen nicht ganz richtig geschrieben waren, finden am Schluß des Buches ihre Verbesserung. Schwerin i. M. 1907. Freifrau von Lilienrron geb. Fr ei in von wrangel.Inhaltsverzeichnis: Vorwort. Erster Abschnitt. Der Herero-Aufstand .... Seite t Zweiter Abschnitt. Der Aufstand im Süden ;905 . . 2 { Dritter Abschnitt. Das Jahr tS 6 s?Crfter ttd schnitt. Der fierero^ftufftanb 1904.^)em Verlauf des Krieges folgend, möchte ich, soweit die mir vorliegenden Briefe und Gedichte gestatte , eine zeitgemäße Reihenfolge der Ereignisse drüben vorführen. Ich beginne mit dem Auszug aus einem Briefe über eine der ersten Meldungen beim Beginn des Aufstandes, lasse einen Brief folgen, der von den Gefechten im April handelt, und will dann durch Gedichte und Briefe die Abfahrt der Komp. II. Fcldregimcnts aus der Heimat wicdcrgcben, die Reife, Ankunft in Swakopmund und die ersten Märsche nach dem Norden. Den Schluß des Ab schnitts 190^ bilden Briefe nach dem Gefecht von Ivaterberg, ein Gedicht über das Gefecht von Hamakari und Briefe und Gedicht, die Expedition in das Sandfcld betreffend, sowie die Weihnachts feier 190$.l* Briefe und öedichte aus dem fjereroaufftanb 1904. Ans dem Briefe des Feldwebels D., der beim Ausbruch des Auf standes wichtige Meldungen von Karibik nach Windhuk und zurückbrachte: Was nun meinen Ritt von Karibik nach Windhuk und wieder zurück während der ersten Tage des schrecklichen Aufstandes anbelangt, so kann ich versichern, daß ich unter der Besatzung Karibib gewiß Konkurrenten gefunden hätte, die, wie ich, mit Freuden den gefahrvollen Ritt gemacht hätten, wenn jemandem der Weg so bekannt gewesen, wie mir. Nur meiner, durch 11jährigen Aufenthalt im Zen trum Deutschsüdwestasrikas erlangten Landeskenntnis kann ich den mir s. Z. erteilten, ehrenvollen Auftrag verdanken. Fast hätte ich, nachdem ich 4 Tage ununterbrochen im Sattel war, mein Ziel doch nicht erreicht, da mir 7 km vor Karibib eine Hererobande von etwa 30 Mann begeg nete. Mein Begleiter, ein Bergdamara, und ich schossen uns mit ihnen herum, ihm wurde das Pferd erschossen und er entkain im Busch. Ich erhielt den unglücklichen Schuß in den linken Arm und jagte weiter nach Karibib, wie ich mein Gewehr nicht mehr halten konnte, machte ich es erst unbrauchbar ehe ich es sortwars;. dann brach mein Pferd zusammen und ich versuchte mir durch den Dornbusch Weg zu bahnen, da kam mir eine Patrouille zu Hülfe. So kam ich nach Karibib. Ergebenst grüßend Feldwebel D.4 Dieiterbriefe Der Brief handelt von den ersten Gefechten nach dem Aufstande. Okasisc, 13 . 11 . Zu meiner großen Freude kann ich mitteilen, daß das Paket angekommen ist zur Freude aller, was ich hiermit bestätige und erbitte mir, als Mecklenburger Untertan für die gespendeten Gaben meinen herzlichsten Dank aussprechen zu dürfen. Nach des Tages Last und Hitze ist jeder froh, in den Abendstunden eine Pfeife Tabak rauchen zu dürfen. Der Feind zeigt sich hartnäckig und nie ermüdet, ihn zu beugen ist eine schwere Aufgabe, wie sie daheim vielleicht oft unterschätzt wird, daher bitte ich etwas von meinen Er lebnissen schildern zu dürfen. Am 6. Febr. fuhr ich von Hamburg ab und landete am 1. März in Swakopmund, per Bahn ging die Fahrt bis Kubas, wo die 3. Batterie zusammengestellt wurde und wir die ersten 96 er Geschütze bekamen. Als Bespannung erhielten wir Argentinische Esel, welche teils ganz wild waren und große Mühe machten, sie als Zugtiere zu ver wenden. Nach 4 Tagen waren wir so weit, daß wir unter Führung des Batteriechefs Herrn Obl. Bauzius weiter ziehen konnten. Die Gesamt-Abt. führte Herr Major von Estorff. Unser Ziel war zunächst Okahandja, wo eine große Truppenzahl gesammelt wurde. Am 7. Apr. hatten wir Paradeaufstellung vor Herrn Oberst Leutweiu. Am 8. rückte die Abteilung nach Otjosasu, wo wir über Nacht blieben und am 9. rückten wir nach Okanjira. Gegen 7 Uhr früh kam es zum Gefecht, das dauerte bis zur einbrechen den Dunkelheit. Der Feind floh, es war ein siegreiches Gefecht für uns, aber manch braver Soldat mußte da sein Leben fürs Vaterland lassen. ; Die Nacht blieben wir da, um am anderen Tage unsere Toten zu begraben. Am 10. rückte die Abteilung nach Otjosasu zurück, um den Feind weiter zu verfolgen. Am 13. gings weiter nach Owimbo, wo sichßu Süd-West. 5 der Feind in dichtem Gebüsch aufhielt. Um 10 Uhr kam es wieder zum Gefecht, das bis zur späten Dunkelheit an hielt. Die schwarzen Kerle wehrten sich tapfer ihrer Haut. Es war für uns ein heißer Tag, allein von meiner Batterie wurden Herr Leutnant Findeis und zwei Reiter schwer verwundet, der eine starb Tags darauf, dem andern wurde das Bein abgenommen. Ferner fiel Herr Hpt. von Bagenski. In Otjosasu ruht er in Frieden mit noch vielen anderen, die den Heldentod fürs Vaterland starben. Habe außerdem noch die Gefechte bei Okumahui 23. Mai, bei Otjosongombe am 11. August, bei Otvwingo 15. August, bei Omatupa 16. August und bei Owinanua 9. Sept. mitgemacht. Nur Gott allein danke ich, daß ich noch gesunde Glieder habe und von dem tödlichen Blei verschont blieb, denn wieviel brave Soldaten sind traurig verstümmelt worden. Das ist meine kleine Schilderung für Gnädige. In Ergebenheit zeichne niertiinigst Reiter P. flbe, lieb Heimatlanb. Sebicht bes Unteroffiziers C. Vom Dampfer Aachen wehen Hüte, Mich schmückt die gelbe Roscnblüte, Es weht der weiße Shawl und grüßte Zum Abschied mir hin in die Wüste. lind Muß denn" erscholl im Chor Trompetenklang jetzt an mein Ohr, Wohl festen Sinns und treu allzeit, Gings mutig fort zum Kampf bereit. Doch in der Brust zuckt mir das Herz, Es fühlet tief den Abschiedsschmerz. Erst mit Gewalt macht ich mich frei, Wohl geh ich fort, doch bleib ich treu.6 ffteiterbriefe Auch flössen meine Tränen nicht, Denn das versagte mir die Pflicht, Nur das Bewußtsein gab mir Kraft, Der Herr hat alles wohl geschafft. Und was Gott hat vorhergeseh , Das laß ich gern mit mir geschehn, Dem: was er will ist immer gut, Treu bis zum Tod in seiner Hut. Dampfer Aachen, 6 . 5 . Die ersten Zeilen nach der Abfahrt kann ich recht Wohl und frisch senden, denn wir haben herrliches Wetter. Das Schiff gleitet so ruhig durch das Meer und die Pferde sind alle wohl und munter. Ich habe mir einen Rappen ausgesucht, ein edles Tier, aber noch etwas wild und feurig. Das werde ich ihm schon durch Ruhe und gute Behandlung abgewöhnen. Es legt schon recht klug den Kops an meine Brust und wiehert wenn ich komme, denn ich habe immer Mohrrüben bei mir oder Brot. Wir haben Vormittags von 6.30 Uhr bis 11.30 mit unseren Pferden zu tun und Nachmittags ist meist eine Stunde Gewehrreinigen und Appell oder eine Stunde Frei übungen, oder auch mit dem neuen Gewehr einige Übungen. Diese fortwährenden Bewegungen haben den Vorteil, daß die Leute keine Zeit haben, sich Schwäche-Anwandlungen hinzugeben, dadurch bleibt das Blut in Wallung und die Seekrankheit kann nicht durchbrechen. Gestern machten uns wieder die springenden Schweine fische und Delphine viel Plaisier. Fast täglich begegnen wir Schissen und übermorgen legen wir in Madeira an. Ich hoffe dort an Land gehen zu können und werde von dort Postkarten senden. Nun noch einen Gruß von: Meer aus. Ihr ergebener Uoffz. L.au Süb = äßcft. 7 Das dunkelblaue klare Meer, Sieht aus, als obs ein Spiegel war, Drauf schwimmet Deutschlands stolze Wehr, Verteidiger der deutschen Ehr. Die Hereros erwarten schon Des Mutterlandes braven Sohn, Der nun in Manneskraft und Mut Eintritt mit seines Herzens Blut. Bis daß den Brüdern dort in Frieden Gesegnet Tagewerk beschieden. Drum sagen wir, Gott sei mit uns, Er führ den Krieg, geb Sieg und leite uns. - Uosfz. L. Dampfer A ache n, 12 . 6 . Heute kann ich nicht viel Neues mitteilen, denn alles ist beim alten, aber da ich gerade eine Stunde Zeit habe, will ich doch einige Zeilen schreiben imb von Madeira etwas mitteilen, wo wir am 9. landeten. Ich sandte von dort Postkarten. Wir ankerten im Hafen der Stadt Funchal. Es ist eine ganz herrliche Gegend, ich war bis in die höchsten Bergspitzen hineingestiegen und sah mir den be rückenden Anblick aus die herrliche Schöpfung der Natur mit dem Glase von oben an. Das Land ist terrassen förmig bebaut, bis oben in die Spitze wohnen Menschen in einzelnen Bauten. Wagen gibt es wenige, alles wird mittelst Ochsen transportiert. Die Straßen bis oben in den Bergen sind mit kleinen, ungefähr einer halben Faust großen Steinen gepflastert, selbige sind durch das Schlitten fahren so glatt, daß man sich beim Heruntergehen kaum halten kann. Die dort wohnenden Leute tragen Schweins leder-Stiesel mit weichen Sohlen, die nicht rutschen. Ge treide, Wein, Bananen, Erdbeeren, Kirschen sind hauptsächlich dort, aber auch Kartoffeln, Reis und Gerste habe ich ge sehen. Die eigentliche, geschlossene Stadt liegt hart am8 StettetbttCfC Meeresstrand, ist europäischen Stils gebaut, aber von wenig Deutschen bewohnt. Ich durfte von 9 4 Uhr das Schiss verlassen, um 5 Uhr verließen wir wieder den Hasen. Die See ist wie bisher ruhig, und heute beim Schiffsgottes dienst haben wir den lieben Gott gebeten, uns auch ferner solch ein ruhiges Wetter zu lassen, damit wir unsere Pferde gesund rüber bekommen und jungcschwächt an die Arbeit gehen können. Wir wollen hoffen, daß wir sagen können: Die Boe schweigt, die blanken Schwerter klingen, Auch dn, mein Schivert, sollst jetzt dein Liedchen singen. Sonst hätte ich für heute weiter nichts. Heute saugen wir beim Gottesdienst Erhebt euch von der Erde und Wer nur den lieben Gott läßt walten. Eben ließen wir uns photographieren, Offiziere und Unteroffiziere, ich sende ein Bild davon. Nun schließe ich für heute Ihr treuergebener Uofsz. L. feldpostkmte. Vor ©luaEot) mintb, 23 . 6 . Lauter Sand in Sicht, nur ein paar Häuser darauf. Uofsz. L. Swakopmund, 20. o. Am 23. abends landeten wir hier uitd noch am Abend fuhr ein Zug an Land, am 24. morgens weitere 30 Mann und mittags noch einige. Am Nachmittage konnten wegen der Brandung nicht mehr ausgelassen werden, ebenfalls mußte am 25. wegen der Brandung geruht werden. Heute, am 26. konnten wir ausladen, sowohl Pferde, wie Kisten. Wir haben nur 2 Pferde in den letztei: Tagen unserer Reise verloren.üu 5iib = 2öeft. 9 Hier ist es jetzt Winter. Am Tage ist es ungefähr so, wie in Deutschland im August, aber nachts ziemlich kalt Ich fühle mich dabei recht wohl und munter. Nun noch eins, ich habe vom letzten Schiffsgottesdienst den Spruch behalten, den unser Kommandeur uns als einen Talisman mitgab. Er lautet: Obschon ich oben und du unten bist, so sehe ich dich doch, denn alle Gewalt im Himmel und auf Erden ist mir gegeben. Zittre nicht, Menschen können dir nichts tun. Es kann dir nichts geschehen, als was Gott hat versehen und was dir selig ist." Mit den schönsten Grüßen aus den Gefilden Afrikas In Treue Ihr ergebener Uoffz. L. Karibik, 4 . 7 . Vor allen Dingen ineinen besten Dank für die lieben Zeilen, es waren bis jetzt die einzigsten und vielleicht auch wohl noch ziemlich lange die letzten, denn übermorgen am 6 ., geht es in Eilmärschen nach Outjo, woselbst der Feind beabsichtigt durchzubrechen, wie verlautet, um sich nach dem Ovambolande zu begeben. Nun soll unsere Kompagnie den Feind dortselbst aufklären. Ach, wie freudig schlägt das Herz, endlich diesen Mördern unserer Farmer die Stirn zu bieten und ihnen deutsche blaue Bohnen aus den Pelz zu brennen. Hier in Karibik ist es gar nicht übel, allerdings alles teuer, Bier p. Flasche 1.50 usw. Karibik liegt in einem Tale, rund herum von Felsenbergen umgeben, recht idyllisch, nur Wassermangel ist der einzigste Fehler. Über die Zu kunft kann ich noch weiter nichts mitteilen. Am 29. fuhr ich mit 12 Mann von Swakopmund nach Jakalswater. Ein Mann stürzte aber vom Wagen10 f}l ü I t C I b V L . j 0 und zog sich einen Bruch des Schienbeins und ein paar leichte Kopfwunden zu. Ich verband ihn so gut ich konnte und fuhr gleich nach Ankunft in Jakalswater in einem Sonderzuge mit dem Kranken wieder nach Swakopmund zurück, wo ich nachts um 3 Uhr anlangte. Ani 30. morgens fuhr ich mit der Kompagnie wieder nach Jakalsvater, wo wir übernachteten, und am 1. nach mittags gelangten wir nun hier an. Ich werde von jetzt ab Wohl nur hauptsächlich Feldpostkarten senden können. Noch einen letzten Gruß von hier. Jetzt geht es dem Feinde entgegen! Hurra! In Treue Ihr ergebener Uosfz. L. Omaruru, 13 . 7 . Gerade noch heute abend bietet sich Gelegenheit, ein paar Zeilen zu senden. Morgen rüsten wir uns zum Auf bruch und übermorgen geht es fort. Wir sind im Gelände des Feindes und gehen vorläufig zur Etappe Okowakuatjiwi, die stark bedrängt und wenig besetzt ist. Unser Hauptangriff wird freilich noch bis zum August dauern, da noch nicht alle Truppen zur Stelle sind. Allerdings sind schon Pa trouillen von uns dem Feinde entgegen. Das Land hier ist einfach romantisch und schöne Jagd. Gemsböcke, Klipp böcke, Perlhühner, Fasanen, Tauben usw. Abends hört man die Schakale heulen. Um Mittag haben wir ungefähr 27 30 Celsius und nachts ungefähr 2 über bis 2 unter Null. Es gefüllt mir sehr gut, für meine Ungeduld müßte es noch schneller gehen, aber es wird schon losgehen. .Vor einigen Tagen war ich in der Farm Etiro, wo der Farmer Jost ermordet wurde. Es war ein herrlichesciu S ü b = 2B e ft. 11 Gehöft, aber die schwarzen Räuber hatten es ganz zer trümmert, so daß es einen traurigen Anblick bietet. Die besten Grüße dem schwarzen Lande Ihr treuergebener Uoffz. L. Omaruru, 14 . 7 . Heute erhielt ich Ihren lieben Brief. Mein Herz jubelt stets bei dem Gruß aus der Heimat, bin ich mir dann doch bewußt, daß man meiner daheim gedenkt. Gern gehe ich jetzt den Gefahren entgegen, die mich erwarten in der nächsten Zeit, in den nächsten Tagen vielleicht schon. Meinem Versprechen getreu bis in den Tod. Ihr ergebener Uosfz. L. Ol an ja da, 21 . 7 . Heute habe ich Zeit ein paar Zeilen zu schreiben. Allerdings Tisch und Stühle gibt es hier nicht. Hier ist wieder ein Negerdorf und eine Farm, ein schönes Haus. Es liegt in einem talartigen Felde und rundherum Berg kegel. Perlhühner gibt es hier mengenweise. Vorgestern schoß ich eins, mein Leutnant und ich ließen uns das Huhn gut schmecken, einfach großartig. Heute speisen wir Rind fleisch mit Erbswurst. Wir sind noch ungefähr 50 Km von den Waterbergen entfernt. Mir geht es gut nach afrikanischer Weise. Am Abend. Noch ein paar Zeilen, denn morgen reite ich mit meinem Leutnant und 20 Reitern nach Grotsontein um Obl. Volk mann, der dort bedrängt wird, zu Hülse zu eilen.12 -Ji G 1 1 C x6 X t G C Da komme ich in den nächsten Tagen mit den schwarzen Mördern zusammen und in den Kamps. Herrlich, nicht wahr? Gott mit uns. In Eile. Uoffz. L. Lin paar Feldpostkarten, die auf dem Marsche in der Richtung nach Grotfontein zu geschrieben sind, lasse ich noch folgen, ein heiteres Bild, che der Ernst beginnt. Auf Patrouille, 23 . 7 . Eben eine Gazelle geschossen, wird zerlegt recht appetitlich. Weit von des Nordens Pol, Geht inir s doch trefflich wohl. ltoffa L Au der Wasserstelle, 21 . 7 . Das erste Mittag ist gerade verzehrt Auf uns rer Patrouille, der Mund nun begehrt Ein Pfeifchen zu rauchen Beim erstell Verschnaufen. Zur heutigen Mittagsstund Griiß ich aus Herzensgrund. Uo ^ L Watcrberg, 15 . 8 . Die Schlacht am Waterberg scheint beendet zu sein. Näheres weiß ich jetzt noch nicht. Bin noch gesund. Uofsz. L.nu Süd-West. 13 öebidif bes Reiters R. über bas Gefecht bei (jamahari am 11.8. Heiß war der Tag, und heiß das Ringen Bei Hamakari im August. Schau bei der Morgenröte Schiviugcu War jeder sich des Erusts bewußt. Klang es nicht da mie Donnergrollen? Es knallt und blitzt, tobt und kracht. Das ist des Kampfes dumpfes Grolle , Du deutscher Krieger, habe Acht. Dort sinkt so mancher junger Reiter Vom Blei getroffen in den Saud. Kamraden, vorwärts! Kämpfet weiter! Sterbt für daS teure Vaterland." Der Reiter rufts und grüßt nach drüben, Umringt vom wilden Schlachtgctos Denkt er noch sterbend seiner Lieben, Weiß, das ist so des Kriegers Los. Zu kämpfen und zu fallen Getreu bis in den Tod. Den Gruß euch Lieben allen, Es träft euch unser Gott. Nun trocknet eure Tränen, Er starb den Heldentod, Das stille euer Sehnen, Er ist befreit von Not! Horcht! Aus der Ferne klingt ?lm stillen Kriegergrab, Ihr Kameraden singt cs: Wir senken Dich hinab. Ruh sanft im kühlen Grabe, Du starbst fürs Vaterland, Ruh nach aller Plage Im ewgen Vaterland."14 R k I t L r l L l k s L Biwal Bei bev SBnficrftctfc. Otjomaso, 20. 8. Ganz gehorsamst sende ich von ineinem jetzigen Aufent haltsorte ein Lebenszeichen bei gutem Wohlsein. Das Schreibmaterial hier im Felde ist sehr knapp, aber hin und wieder läßt sich doch noch eine Feldpostkarte auftreiben. Ich möchte meine Freude und meinen Dank aussprechen für die guten Nachrichten aus der Garnison. Sehr erfreut hat mich die schöne Karte vom Einzug unseres Großherzog paares, dadurch konnte ich doch ein wenig Anteil nehmen an dem hohen Fest in der Garnison. Am 11. 8. hatten wir das schon lange erwartete, heiße Gefecht bei Hamakari, an welchem sich fast alle hier be findlichen Truppen beteiligten. Voller Freude und Stolz haben wir an diesem Tage unsere Pflicht zur Geltung kommen lassen und haben auch einen glänzenden Sieg davongetragen. Die besten Grüße sendet ergebenst Sergeant W Okawitombika, 22 . 8 . Die Schlacht am Waterberg ist beendet. Leider haben wir manches Opfer zu beklagen. Was weiter kominen wird, weiß ich noch nicht. Gestern hielt der Feldprediger Gottesdienst ab, seitdem ich Deutschland und den Dampfer verlassen habe, konnte ich noch an keinem teilnehmen. Ich bin gesund und fröhlich, hoffentlich ist Gott weiter mit mir. Telegramm sandte ich nach der Schlacht. In Treue Ihr ergebener Uossz. L. fiatlfontetn, 1 . 10 . Wieder rücken wir ab um dem Feinde entgegenzutreten, übermorgen hoffen wir heran zu sein. Ich hatte selbständigaus 2iib = Wc]t. 15 eine Patrouille mit 10 Witbois von Hamakari aus zu führen. Schon wurde ich als vermißt und tot geglaubt, als ich nach 15 Tagen wohlbehalten in Owikokorero anlangte. Wir haben jetzt ungefähr 120 Km ohne Wasser vor uns, aber wir hoffen doch hinzukommen. Vor unseren Geschützen sind je 8 Ochsen gespannt. Die Fußmann schaften sind gestern abend abmarschiert, von unserer Kom pagnie sind 15, die Kavalleristen sind, beritten, alles übrige ist zu Fuß. Meinen Gruß In Treuergebenheit _ Uoffz. L. Ganas, 15 . 10 . Nach ziemlich schweren Tagen ist uns eine Station angewiesen, Ganas am Omurambo. Wir sind hier 1 Ober leutnant, 6 Unteroffiziere und 26 Mann stationiert und beginnen mit Hausbau, denn wir denken, daß wir etwa 3 Monate hier bleiben werden. Unsere nächste Station ist Epukiro etwa 130 km von hier. Ich glaube kaum, daß diese Gegend schon weiße Füße bisher betreten haben. Der Herero-Aufstand scheint beendigt, nur noch einige Banden treiben sich herum. Am 6.10. abends griffen wir 35 Mann, dabei 5 Pserde- halter, also 30 Gewehre, die Hereros bei Nacht an. Sie flohen von jähem Schreck ergriffen und ließen uns 8 Ochsen wagen und gegen 600 Ochsen zurück. Wenn ich einmal Tinte habe und Briefpapier schreibe ich mehr, jetzt habe ich nur Blei und aus meinem Notiz buch ein ausgerissenes Blatt. Sonst bin ich noch gesund. Ich gedenke der Heimat in Treue Ihr ergebener Uoffz. Z.IC 9ieitetbtiefe 03 a n n 3, 10 . 10 . Heute bin ich imstande einen Brief zu schreiben, da ich von einem Kameraden einen Briefbogen erhalten habe. Ich erfreue mich noch guter Gesundheit, aber meine eiserne Kraft, um die ich in der Garnison oft beneidet wurde, ist infolge der Strapazen sehr vermindert, nun, ich werde mich schon wieder erholen. Ich bin bei harter Arbeit doch ganz zufrieden. In letzter Zeit haben sich mehrere buschkricgerische Ereignisse abgespielt in unserer Kompagnie, welche leider oft sehr traurig waren. Bei einer Expedition, um mit Rietfontein Verbindung aufzunehmen, ging es uns schlecht. Munitionswagen und 3 Geschütze blieben etwa 90 km von Otjimanamgombe im Epukirotal stehen. Mit großen Verlusten an Eseln und Pferden kam endlich der größte Teil der Truppen an eine Wasserstelle. Etwa 30 Mann, die am weitesten zurück waren, wären verdurstet, wenn nicht der liebe Gott Hülfe gesandt hätte und es regnen ließ, uns auch schließlich noch eine Wasserstelle finden ließ. Aber nur wenige waren noch mit mir so rüstig, daß sie Wasser schöpfen konnten. Es kamen aber alle wieder zu sich, und nur einer ist einige Tage daraus gestorben. Die Munitionswagen sind mit Ochsen zurückgeholt, und wir hatten zum Glück nur den Verlust von Pferden und einigen Decken und Mänteln zu beklagen. Auch mein. Pferd, das ich einem fußkranken Unteroffizier abgetreten hatte, ging kurz vor seinem Ziel ein. Der Hauptmann hat mir so bald wie möglich ein anderes Pferd versprochen. So herzlichen Dank für das Paket. Es hat mir so wohl getan, denn damals war gerade der Proviant nicht durchgekommen und es ging riesig knapp zu. Tabak hatten2 CIU S Ü Ö = 25 e ft. ^ÄschssSssrsqs-^s .-X szsszs s^s^s^s^sSsziszSssSss sszss^ 17 Wir lange nicht gesehen, hatten schon immer abgebrühte Teeblätter geraucht, nun wurden gleich die Pfeisen gestopft. Die Durstplatten haben mir so gut getan, wie wir in der Wüste beinah am verdursten waren, sie haben mich aufrecht gehalten, ich tonnte auch meinem Hauptmann damit aus- helsen. Vielen, vielen Dank und Gruß Ihr treuergebener Uoffz. L. Sonnenverbrannt starr die Natur Vertrocknetes Gras Dornen nur, So lveit das Auge schaut, Nirgends ein grünes Kraut, Doch vo mein Fuß auch gehen tut, Fühl ich mich sicher in GotteS Hut. Hier, vv so viele deutsche Söhn Durchziehen Felder, Täler, Höhn . Die mit des Schwertes starker Wehr Hoch halten deutscher Flagge Ehr, Allüberall in Kamps, Gefahr und Not Ist Gott mit uns bis in den Tod. Es bricht so manches Jünglings Herz Durch Krankheit und durch Feindes Erz, Allzeit jedoch tut Gott uns kund, Daß er stets iveilt in unserer Rund, Trum wollen betend wir den Höchsten loben, Mein Gruß Wicdersch n hier oder droben. Uossz. L. Epukiro, 29 . 11 . Meinen herzlichsten Dank für alle die treue Fürsorge, die mir wird, das stärkt. Ich danke für die Briefe und Karten und für das Paket. Es war das zweite. Nun18 *0*e^^*!3^S^aj8 ?S3j8 8aäs^ Sr^aSs^ä5^ J?äOS^958ä^8{SäS 3S8 [Rcitettttßfe sind wir Gott sei gedankt aus der Wüste so einigermaßen heraus, denn wir sind mit dem Rest unserer Kompagnie in Epukiro angelangt, wir waren 170, sind jetzt nur noch 60 Köpfe. Unser guter Hauptmann liegt auch im Lazarett. Heute hatte ein Kamerad Geburtstag, ich konnte ihm etwas Chokolade zuin Geschenk machen in einem Blumenstrauß afrikanischer Art. Sein Pferd putzte ich ihm mit Zweigen aus, das Bild lege ich bei. Was aber bei allem das Beste ist, daß wir hier, die wir aus derselben Garnison sind, bei ganz guter Gesundheit sind. Wir wohnen unter Zelten unter einer großen Baumgruppe von hohen Laubbäumen im schönen Schatten. Wir beginnen jetzt mit dem Singen der Lieder, die sind wunderhübsch. Es kommt jetzt wieder etwas Stimmung unter die Leute, die war bei den großen Strapazen ganz niedergedrückt. Wie sehnsüchtig warte ich auf jede Post, sie war auch nie ohne Briefe für mich, und die brachten mir immer so viel Gutes und machten mich so froh. Es ist leicht möglich, daß an meinem Zelt die Worte des Verses gelesen worden sind Vertrau auf Gott, dich tapfer wehr", ich habe sie mehrere Mal auf Feldpostkarten darüber gehängt. Auch heute hängen diese Worte über mein schönes Zelt. Es sind Zeltwünde an Bäume gespannt und die Wände mit grünem Strauch ausgesiochten, ganz großartig. Es geht nun wohl bald nach Hause. Auf Wiedersehen. Ich muß schließen, gleich ist Postschluß. Hoffentlich sehen wir die Heimat bald wieder. In unveränderter Ergebenheit Ihr Uoffz. Z.aus Süd-West, 19 15 km nördlich Epatli, Novbr. Vor allen Dingen sage ich verbindlichsten Dank sür die Briese. Hätte schon längst geschrieben, aber es gibt leider wenig Gelegenheit zum Weiterbesördern. Ich bin jetzt ini Eisebriwier, wo wir am 4. und 5. Okt. die Hereros Vertrieben haben, die nun 100 km von hier ohne Wasser am Gamsvley sitzen sollen. Wir sollen auch dahin, müssen aber hier noch einige Tage liegen bleiben, weil wir keinen Proviant mehr haben und das Transportieren desselben eine große Schwierigkeit ist. Ochsen und Pserde machen in Menge hier schlapp. Ja, hier sieht man, wie schwer ein Krieg ist, wo keine Eisenbahn ist und alles viele 100 km mit Ochsenwagen besördert werden muß. Seit Ende Juni liege ich im Biwak, aber andere Kameraden liegen schon ein Jahr im Felde. Es wird von Tag zu Tag heißer und die Fliegenplage ist groß. Seit 3 Monaten sind wir nicht durch einen Ort gekommen, wo man sich irgend etwas hätte kaufen können, was würde man geben sür ein paar Liter deutsches Wasser! Unter ergebenstem Gruß Uofsz. Sccis, 30. 12. Bin wieder in der Lage einige Zeilen zu senden. Wir marschierten am 23. 12. von Epukiro ab, am 24. srüh trafen wir in Kanduve ein. Wir schmückten einen grünen Blütterbaum als Weihnachtsbaum mit dem wenigen, was wir besaßen, Schokolade, Silberpapier und Lehmknötchen, das sollten nämlich Nüsse vorstellen. Einige Flaschen Rum, die wir hatten, wurden verteilt und dann sangen wir 2 *20 füeiterbriefc Weihnachtslieder, einige hielten auch kleine Vortrüge. Wir sollen jetzt den weißen Asob durchstreifen und die Onjati- Berge säubern. Ergebenen Gruß. In treuer Dankbarkeit Uoffz. L. Einige Tage später aus Windhuk die Karte: Wir haben den Weihnachtsbaum erhalten. Am 28. \. gehts nach dem Süden.Zweitel Tldschnitt. Der Dufftanb im Süben 1905.J)ie beiden ersten Briefe bringen Nachricht von dem beginnenden Aufstand und dem Überfall der kfeliographcnstation Falken Horst. Lin Bericht über das Gefecht bei Groß Nabas schließt sich daran und eine in Soldatenvcrsen zusammengefaßte Erzählung des Aufstandes im Süden bis in die Januartage 05 hinein. Darauf folgt das Gefecht bei Kowifekolk im April und verschiedene Be richte von Patrouillcnritten in Poesie und Prosa, von Überfällen. Märschen usw. Das Gefecht bei Aubes sowie bei kfartebcstmund im Sept. und Dkt. schließt sich daran. Die verschiedensten Briefe, die den Dank der Reiter bringen und ihre Stimmung wicdergcben, reihen sich dazwischen. Den Schluß bildet das Gefecht bei Tarsis im Dez., das zwei Reiter in einem Gedicht zusammengefaßt haben.eine Tischt in Sübroeftafriba von Unteroffizier R. Ein Sturmwind durchbrauste die finstere Nacht Auf regcnbcfeuchtctcn Schwingen, Da Hab ich gelauscht, da Hab ich gedacht, Was wird uns sein Rauschen wohl bringen? Draus kam der Morgen so freundlich und hell, Es lochten gar lieblich die Lüfte, Die lockten hinaus aus den Decken mich schnell, Dort grüßten mich seltene Düfte. Dein: sich, waren erblüht in der Nacht Die Witbois am Dünenrande, Nun mußt ich auch bald lvas der Sturmwind gebracht, Den Sieg oder das Totengewande. Ilnd vo nun im Lcbcir ein Wetter mich schreckt, Muß jener Nacht ich gedenken Und sprechen: Der Gott, der solch Tosen erweckt, Kann Segen im Sturmwind auch schenken." Der Überfall auf eine fjeliograpbenftation im vkt. 04. Eure Hochwohlgeborene! 3a " 3 " 05. 1 ft Erlaube mir die Erlebnisse der 3 Heliogr. von Falken horst, welche 12 Tage von Hottentotten belagert wurden, in Kürze zu schildern. Vorausschicken muß ich noch, daß Station Falkenhorst ca. 12 km von Gibeon, der Heliogr. Berg weitere 3 bis 4 km voin Gebäude entfernt ist. Das Gebäude selbst war bei Erbauung nicht zur Verteidigung bestimmt und nimmt daher die denkbar ungünstigste Stellung für Kriegszwecke24 && &&&Ütcitetbriefe ein, das dicht bewaldete Revier liegt ea. 30 m weit, die Berge steigen direkt in die Höhe, deren Kronen 300 bis 800 m weit entfernt sind. Dies wenige Gesichtsfeld ist außer dem durch kleine Reviere und Mulden noch mehr beschränkt. Wir wurden seit den ganzen Unruhen von ea. 4 Wochen von wegen Durchbruch der Hereros, das letzte Mal auch wegen Witbois, von Jan. 04 ab mehrmals gewarnt und hatten uns bereits 4 mal unnötig verschanzt, da Hereros nicht kamen, die Witbois kurz klein beigaben. Weswegen wir auch diesmal den Gerüchten wenig Glauben schenkten Unsere Belagerung währte 12 Tage, und wir waren 3 Mann stark: Uoffz. D-, Uoffz. N., und Gefr. W. 3 10 _ ^ Schreiben von D. (war gerade nach Gibeon geritten) erhalten: daß die Hottentotten aufständig zu sein scheinen, dort sämtliche eingeborenen Weiber, Kinder und Vieh Gibeon verlassen, nur waffenfähige Männer zurückverblieben. Zivilbevölkerung mächtig aufgeregt. Hptm. v. B. vor Sonnenuntergang unbewaffnet in Begleitung von 14 Hotten totten nach Rietmont geritten (wurde bereits in Marien thal erschossen). Besatzung von Gibeon war ein Feldwebel, 2 Uoffz. und 1 Gesr. stark. 4 . 10 . 01 Unsere 3 Stationseingeborenen sind über Nacht weg gelaufen. Von Gibeon gingen folgende Kriegsdepeschen durch: An die Süd-Abt. Keetmannshoop. Witbois auf ständig, erwarte Angriff, bitte um Verstärkung. gez. £., Feldw. An das Gouv. Windhuk. Witbois scheinen aufständig, haben den Platz verlassen. Feindseligkeiten laut Mitteilung des Gibeoner Missionars stündlich zu erwarten. Bezirks amtmann seit dem 3. noch in Rietmont. Weiße Einwohner in Station versammelt, letztere verschanzt. gez. b ., Feldw. (Die weit außerhalb sitzenden Ansiedler konnten nicht ge warnt werden.)ci u 3 üb - W eft. 25 G. 10. 04. Ich blieb heute zur Deckung der Station unten, während die andern beiden nach dem Signalberg ritten. Sobald sie dort die Apparate aufgestellt hatten, wurden sie von je 10 bis 15 Hottentotten auf ca. 10 Schritt mit Schnellfeuer beschossen. W. stürzte sofort mit einem Schuß im linken Gesäßschenkel. D. erwiderte das Feuer mit an scheinend gutem Erfolg. W. suchte indessen auf allen Vieren die Pferde zu erreichen, die vom Schießen ca. 50 m den Berg herabgegangen waren. Der kleine D. hals nun dem (Riesen) W. auf sein Pferd, und so jagten sie unter fortwährendem feindlichen Feuer zur Station zurück. Ich hatte mich unterdessen durch das ununterbrochene Schießen beunruhigt, auf den Weg nach oben begeben, was ich eigentlich nach unserer Vereinbarung nicht sollte, wurde aber sogleich kurz hinterm Hause von im Gebüsch ver steckten unsichtbaren Schützen heftig beschossen. Fast in demselben Augenblick sah ich meine Kameraden oben vom Berg nach unten zu reiten. Ich rief ihnen zu, sie sollten schnell machen, da das Rivier auch besetzt sei. W. wankte nur noch auf dem Pferde ohne Hut und Nock, ganz mit Blut besudelt, ein grausiger Anblick. D. mit Gewehr schuß bereit. W. seines umgehängt. Ich hob W. vom Pferde auf die Veranda und führte ihn ins Gebäude, während wir heftig, aber ohne Erfolg, beschossen wurden. Hierauf holte ich ich einen Eimer Wasser mit noch ca. 20 Liter Wasser, ver band so gut es ging W., während D. nach außen sicherte. Die Pferde ließen wir mit Sattel und Zaumzeug laufen, da W. ja doch nicht mehr reiten konnte. Tür und Fenster verrammelten wir mit mit Hafer-, Mehl- und Neissäcken. Das Feuer wurde ca. um 8 Uhr eingestellt. Nachm., aus dem westlichen Höhenzug ein Kundschafter gesehen. Sonst vom Feinde nichts bemerkt. Wir hoffen längstens in 5 Tagen26 Dicitctb ctcfc entsetzt zu werden. Im Hause säst unerträgliche Hitze, alles dunkel. 3 junge Hunde sind unsere Wache. 7 . 10 . 04 . Die Nacht verlies ohne Storung. Nachm. 12 kamen 5 bewaffnete Hottentotten, mit denen wir mehrere Schüsse wechselten, woraus sie schleunigst die Flucht ergriffen, der eine anscheinend schwer verwundet. Um 3 holte zuerst ich, dann Uosfz.D. einen Eimer Wasser ohne von Eingeborenen belästigt zu werden. 9 . 10 . 04 . Die Nacht ruhig verlaufen, am östlichen Berge brannte seindl. Wachtfeuer. Ich konnte noch nichts essen, das Brot, das wir haben, ist auch furchtbar schlecht geraten. Gekocht wurde auf der Petroleumlampe, da kein Holz in der Nähe. 10 . 10 . 04 . Die Nacht war sehr unruhig, die Hunde schlugen fast ununterbrochen an. Das gestern gesehene Wachtfeuer wird heute wieder beobachtet. Um 3" näherte sich ein Kaffer dem Hause, wo ich ihn sofort erschoß. Um *L 5 holte ich 2, D. 1 Eimer Wasser, gleichzeitig machte ich D s Pferd den Futterbeutel ab und ließ es aus dem Kraal. Hierauf trugen wir den erschossenen Kasfern etwas abwärts in ein kleines Revier, um den Verwesungsgeruch nicht direckt an unfern Fenstern zu haben. 11 . 10 . 04 . Nacht ruhig verlaufen, gegen Morgen schlugen die Hunde heftig an. 12 . 10 . 04 . Die Nacht war ziemlich unruhig, die Hunde schlugen häufiger andauernd an. 13 . 10 . 04 . Die Nacht ohne Störung verlaufen.aus ©üb = 9Beft. 27 14. 10. 04. Die Nacht ruhig verlaufen. Um 8 - Uhr früh holte ich 4 Eimer, D. 2 Eimer Wasser. Heute kochen wir zuur erstenmal mit Licht in einem kleinen Topf, sonst hatten wir in einer Tasse über der Lampe etwas Suppe zurecht gemacht. 15. io. oi. Heute der IO. Tag, und noch keine Aussicht auf Entsatz. Die Nacht ruhig verlaufen, der Himmel zum erstenmal bewölkt. Alles trostlos. 18. io. oi. Die Nacht ruhig verlausen, nur gegen Morgen schlugen die Hunde häufiger an. Der Himmel wieder stark bewölkt, heute wird versucht mit Rum zu kochen. Um 10 “ m. näherte sich ein Kaffer von Norden her der Station, einer hatte sich bereits bis ca. 4 m herausgeschlichen, so daß D. sein Schuß ihn wohl verscheuchen, aber nicht mehr treffen konnte. 17. io. oi. Die Nacht verlies ruhig. Um IO Uhr kam endlich Ersatz von Gibeon, die uns bereits für tot hielten und daher mit Picke und Spaten ankamen. Die Patrouille war ein Offizier, Leutnant v. M. und 18 Mann stark. Um 1" ritten ich und D. und 10 Mann nach Gibeon, wo wir Totgeglaubten und bereits Totgemeldeten mit großer Freude empfangen wurden, während eine heliographisch bestellte Karre mit 6 Alaun Bedeckung später gegen Abend den schwer verwundeten W. abholten. In Gibeon ist alles verschanzt, die Kirche und das Haus Hendricks sind in die Luft gesprengt. Anwesend sind ca. 300 Menschen, worunter 200 Weiber und Kinder sind. An Verwundeten ist nur Farmer O. Sch., der 3 Schuß hatte und mit denselben 3 Tage weit barfuß und nur mit Hemd und Unterhosen28 e t e r & rief e bekleidet, sich nach Gibeon gerettet hatte. Gibeon wurde überhaupt nicht beschossen. Dieses habe ich aus dem Tagebuch des Uoffz. Ludwig N. herausgeschrieben in aller Eile, um Ihre Hochwohlgeborene diese Lage zu schildern, welche dieselben erlebt. Auch ist er bereit Ihrer Hochwohlgeborenen die Fortsetzung zu er mitteln. Ich bin mit ihm zusammen hier aus Station. Viele herzliche Grüße erlaubt sich In Eile! Uossz. S. Sefecht von 6i I1abas. Teile Ew. Hochwohlgeboren mit, daß ich den Brief erhalten habe. Es hat mir große Freude gemacht, wieder einige Zeilen aus dem treuen Mecklenburg zu erhalten, danke auch vielmals für das schöne Lied, denn es ist ja wieder ein ganz neues, die andern aus dem Liederbuch Kriegsklänge" weiß ich bereits alle auswendig, denn oben im Felde wird jeden Abend gesungen. Jetzt werde ich einiges vom Gefecht von Groß-Nabas mitteilen. Am Neujahrstage 10 Uhr vorm, rückte unsere Abteilung (Meister) von Stampriedfontain ab, es waren die 4., 5. und 7. Komp. 2. Feldregts. und 5. Batterie. Der Artilleriekommandant war Herr Major v. Nauendorf, war erst vor kurzem zur Abteilung gekommen. Abends machten wir in Witkranz Halt zum Übernachten und haben da die Tiere getränkt, aber es waren leider keine Wasserlöcher aufzutreiben, und die Pferde und Reiter mußten uiit den wenigen Regen- Pfützen sürlieb nehmen, was von dein Regen vom Shlvester- abend her war. Für uns zum Abkochen hatten wir noch am Geschütz in den Wassersäcken. Am Morgen um 4 Uhr war alles wieder fix und fertig, 10 Mann Infanterie an der Spitze, der 1. Zug von der Batterie folgte, dannctu Si tb = 2 Seft. 29 kam eine Kompagnie, dann der 2. Zug von der Batterie, zum Schluß folgte wieder eine Kompagnie und der Rest war als Seitendeckung, und so setzte sich die Abteilung in Marsch. Eine Patrouille kam zurück und meldete, daß die Wasserstelle frei wäre vom Feind, und so ging unser Marsch immer weiter nach Gochas, wo wir am 4. Januar ein- trefsen sollten. Das Auobrivier ließen wir rechts liegen. Um 6 Uhr bekamen wir Feuer; die Hottentotten waren so schlau, ließen die kleine Spitze durch und das 1. Geschütz ließen sie direkt in ein Hufeisen hineinfahren. Ein Blick nach rechts und links genügte; raus aus dem Sattel, ab geprotzt. Geschütz war geladen, entsichert und abgezogen, und dann mit einer Kartätsche. Das genügte und die Linie war frei. Zu gleicher Zeit kam die Spitze retour, Herr Leutnant Overbeck war unser Batterieführer, der konnte gut die Entfernung schätzen. Die ganze Bespannung war tot geschossen. Da kommandierte der Herr Major v. Nauendorf: Aufprotzen, Batterie vor. Der Feind zog sich zurück bis Auobrivier, da sahen wir schon ver schiedene Leichen vom Feinde liegen, die waren bös zu gerichtet, auch wir hatten schon viele Verluste. Herr Major von Nauendorf stand am 3. Geschütz und sagte: Wo sind die Schweine, ich sehe ja gar keine mit einmal langte er sich nach der Brust und fiel um, er war getroffen, wurde gleich in den Schatten gebracht und verbunden. Unser Batteriechef fand bald seinen Tod. Herr Leutnant d. R. Semper fand seinen Tod, Herr Leutnant Zwicker wurde vor Durst wahnsinnig, und so blieb nur noch Herr Leutnant Rath übrig. Aber der Herr Adjutant Oberleutnant Lauten- schläger kam der Batterie zu Hülfe, den einen Arm in der Binde. Aber der Feind verteidigte sich hartnäckig. Die Ochsenwagen waren hinter der Schützenlinie als eine Wagenburg ausgefahren, da wurden die Verwundeten hin-30 SC8ä *äeS^ä^^ SäC8^ 8^aC8ä{Sä}e^S{ 3jSäCsj^äSS6^^ 6^ääS8 R k l t k L I 2 l L f L gebracht. Es stellte sich auch heraus, daß 250 Herero mit dabei waren, denn unsere eingeborenen Soldaten hatten uns die Meldung gemacht. Abends wollte uns der Feind stürmen, denn die dachten, daß wir schlafen und nie Wache ausgestellt hätten; aber die haben wir gleich empfangen. Die Nacht verging, ab und zu siel ein Schuß, der so ein sam durch die Luft schallte. Geschlafen habe ich die ganze Nacht nicht, und das wird wohl keiner getan haben, immer aufgepaßt. Ich hatte schon einen verdammten Durst, ich glaube wenigstens, daß ich darum nicht geschlafen habe, denn es waren immer welche kommandiert als Posten, und die übrigen hatten immer ein bischen einduseln können. Ich dachte so bei mir, der Feind zieht sich zurück in der Dunkelheit, aber mein Erstaunen war groß am Morgen, wie lebhaftes Feuern wieder anfing. Aber da hieß es: Mit Artillerie-Munition sparen. Wir mit den Karabinern ge schossen. Die Witbois müssen viele englische Munition gehabt haben, denn sie schossen viel mit Dum Dum, die klatschen immer so in der Lust, es hörte sich doll an. Vom Feind haben wir wenig gesehen, denn wie ich später sah, haben sie alle in einer tiefen Schlucht gelegen. Wir lagen alle aus einer Fläche, ein paar Klippen zu sammengetragen, das war unsere Deckung. Es wurde immer heißer, es stellte sich ein unangehmer Gast bei uns ein, der Durst. Herr Leutnant Bockelberg von der 5. Kom pagnie stürmte im Wahn allein gegen den Feind und fand seinen Tod, und so noch viele mehr. Die Witbois riefen ganz deutlich: Dütschmann Water hier stief", und das wiederholten sie immer. Wir baten die Herren Offiziere: wir wollen die Wasserstellen stürmen, denn so zieht sich der Feind doch nicht zurück aus seinem Versteck. Aber Herr Major Meister meinte, das Stürmen koste so viele Leute. Abends zogen wir uns zurück, denn in unsereraus Süd-West. 31 Stellung konnten wir es nicht aushalten wegen der toten Tiere, denn der Geruch war bös. Erst wurden langsam die Geschütze zurückgebracht und die Kompagnien kamen unbemerkt nach; abends hörten wir einen Krawall bei dem Feind, wie es sich später herausstellte, hatten sich die He reros mit den Witbois erzürnt und sind am selben Abend abgezogen. Langsam kam der dritte Tag, der 4. Januar, es hieß immer: Oberst Deimling kommt zur Hilfe; so geht es im Lager umher, aber die Nachrichten waren alle erfunden, denn wir hatten noch gar keine Verbindung per Heliograph gehabt. Ich fühlte mich ganz wohl, denn der Durst quälte mich garnicht wieder, wir machten schon wieder Witze und lachten. Am Mittag wurde uns die Sache doch zu bunt, wir noch einmal den Herren Offizieren gesagt, daß wir noch Kraft genug besitzen zum Stürmen. Herr Oberleutnant Grüner von der 7. Kompagnie und Hauptmann Richard von der 4. Kompagnie, beide Kom- Pagnie-Chess, waren damit einverstanden, ein paar Helden, hauptsächlich Herr Oberleutnant Grüner von der 7. Kom pagnie, der wurde bei der ganzen Abteilung verehrt. Ich hatte schon 4 Pferde vom Artilleriestab mit Erlaubnis Herrn Oberleutnants Lautenschläger, weil unsere Bespan nung alle tot war, aber die hatte ich alle etwas in Deckung gebracht. Ich gehe schon zurück, spanne die 4 Pferde ein vor der Protze, mache alles zurecht, denn eine Stimme sagte mir schon, heute muß uoch was geschehen, wenn wir uns nicht selbst opfern wollen. Da höre ich auch schon: alles fertig machen zum Sturm. Die Pferde waren noch alle 4 gut, denn die hatten noch keine Strapazen mit durch gemacht. Mittlerweile gingen die Kompagnien im Sturm mit Hurrarufen vor, ich brachte die Protze vor, aufgeprotzt und Galopp nach! Aber diesen Augenblick vergesse ich nie wieder, mir war so wohl, ich glaube eS war die Freude32 9XB3{B eiäB 9 83SSäCBä0s8C8i^B 8 954 äXe M^ 8i^ SäO8 BäCS 9f C 1 t C t l) 1 t C f C um Wasser, daß wir den Durst stillen können. Herr Ober leutnant Grüner war mit seiner Kompagnie an der Wasser stelle, und wir gäbe:: noch einige Bohnen aus dem Geschütze zum Gruße nach. Ich habe soviel Wasser getrunken, ich hatte solche Bauchschmerzen. Die Wasserstelle war schwer erkaust, die 5. Batterie hatte die meisten Toten. Am 6. 1. 05 zogen wir uns zurück nach Stampriedsontain. Jetzt liegen die meisten Toten in Gochas begraben, die 5. Batterie hat alle Leichen wieder ausgebuddelt und nach Gochas gebracht. Ehre ihrem Andenken! Unterzeichne mich hiermit ganz ergebenst Gefreiter B. Danke auch vielmals für die Gratulation zum Militür- Ehrenzeichen, auch habe ich an: 18. 4. das Mecklenburgische Verdicnstkreuz 2. Kl. erhalten. Brief und Sedicht bes Signaliften C. Da ich verschiedentlich Gelegenheit hatte, die Afrika lieder zu hören und zu singen, so drängt es mich, Ihnen in: Namen meiner Kameraden unseren herzlichen Dank aus sprechen zu dürfen. Wie wohl es uns tut, hier in der Ferne zu wissen, daß zu Hause im Vaterland unserer so herzlich gedacht wird, kann ich Ihnen garnicht beschreiben, denn dieses ist es, was uns die Gefahren, Entbehrungen und Strapazen freudig tragen läßt. Um Ihnen zu zeigen, daß uns hier draußen unser guter Humor nicht verläßt, werde ich versuchen, unsere Erlebnisse für Sie in Reime zu kleiden. Wenn dieselben auch etwas derb ausfallen sollten, so wollen die gnädige Frau gütigst verzeihen und bedenken, gaß ivir in dieser Wildnis etwas burschikos geworden sit:d. Wir sind mit den alten Deutschen auf eine Stufe gelangt, denn wennQu ©üb^SBcft. 33 3 man nirgends Ruhe hat und immer unter freiem Himmel liegt, so verliert man etwas von dem Wenigen, was man von Erziehung aus dem Vaterlande mitgebracht hat. Also: Im Süden von Südweste Rumort es heute feste, Dieweil lieb Hendriklein Gern möcht in Windhuk sein. An alle Hottentotten Schickt Hendrik seine Boten, Sie möchten doch mit ihm Nach Windhuk eilends ziehen. Schön wttr s für ihn geworden Wenn Dütschmann blieb im Norden. Da hätten sie vergnügt gesessen In Windhuk, und sich voll gegessen. Sv ähnlich sollte es wohl kommen Der Hendrik hat sich s vorgenommen. Und eh man sich s gedacht, Hat Orlog (Krieg) er gemacht. Die Farmer tot geschlagen, Die Habe weggetragen, So dacht der Hottentott , Wär s recht auch noch vor Gott. Bon Trotha läßt sich das nicht bieten, Schickt eilig Truppen nach dem Süden. Denkt, Deimling und sein Regiment, der macht der Sache bald ein End . Dem Hendrik war es wohl bekannt, Daß dort in Knb viel Proviant. D rnm holt er sich Manasse Zn einem kleinen Spaße. Komm, Hottcntottensohn, Wir nehmen die Station!" Manasse ist sofort bereit, Und los ging nun der wilde Streit. Es kracht zum allgemeinen Schrecken34 eSEsäss^e^ä^sSs^äSsä^^ssSs^^sCsääs^^äCs^ä^äaSesJsäSs^ ^ll C 11C T !£) 1‘ I6 T C In Kub, meifi Gott, MI allen Eckein Bedenklich sah die Sach mir auS, Doch war die Bande schnell heraus. Die vierte Kompagnie, Hurra! Wie wir brauchten, ivar sie da. Um Rietmont zu verschonen Bor unseren Kanonen, Sagt sich Herr Hendrik jetzt, Naris wird stark besetzt. Als unsere Kolonne In heißer Mittagssonne Nach Naris wollte ziehn Den Pfad nach Rietmont hin, Da fing plötzlich an zu krachen, Weiß Gott, das war nicht mehr zum Lachen, Wart nur, du rote Nation, Nebst Hendrik kriegst du deinen Lohn. Es währte nun nicht lange, Da wurde ihm dann recht bange. Geschosse der Kanonen Und unsre blauen Bohnen, Die fielen ihm zu dicht, Das paßt ihm eben nicht. Er mochte es nicht sehen, Das stürm sche Vorwärtsgehen. Rief seinen Leuten dann: Nun rette sich, wer kann." Und eh man sich s noch recht versah, War auch kein Hottentott mehr da. In Rietmont angckommcn, Ihr Bündel anfgenommeu, Und dann marsch, marsch, hinaus, hinaus, Nach Gochas rückt die Bande aus. Für uns begannen bess re Zeiten, Wir brauchten Hunger nicht zu leiden, Nnm gab s und Tabak auch dazu,3 Und Hendrik läßt uns hübsch in Rnh. Doch mit des Jahres Wende Da nahm die Ruh ein Ende. In der Sylvcsternacht Hat S fürchterlich gekracht. Beim Donner der Geschütze Und bei des Himmels Blitze Hieß in uns rer Schar: Prost Neujahr! Schönes Jahr!" Keiner wird je vergessen. Wie wir in der Patsch gesessen. Lagen auf der Erde platt. Naß und hungrig, müd und matt, Um uns Kugeln, Kampf und Not Blut und Wunden und der Tod. Das war die Sylvesternacht, Wie ivir sie da zugebracht. Die nächste Wasserstelle Besetzte Hendrik schnelle. Bei Nabas saß er lange Zu unserem Empfänge, Und erst am dritten Tage. Nach großer Müh und Plage Und manchem harten Strauß, Da riß der Hendrik aus. Bon uns so mancher Brave Liegt hingestreckt im Grase, Fand hier den Heldentod, Nun ruhet er in Gott. Tie Wasserstelle war genommen, Der Dnrstqnal waren wir entronnen, Mehr brauchten wir zu Zeiten nicht. Der Witboi hat genug gekriegt, Doch gibt er uns noch keine Rnh , Wir steh n auf Posten immerzu, Sie liegen in dem Hinterhalt36 üicitcrbttcfc Und machen imf’re Reiter kalt, Wie die Hyänen int Revier, Und wir mit offenem Visier, So lauern sie auf die Proviantkolonnen, Die vor dem Verhungern schützen sollen. Man munkelt, Hendrik war Jetzt in der Klemme schwer Weil s ihm trotz Liige und Prophet Jetzt eklig an den Kragen geht. Fünftausend Mark sind schon geboten, Auf diesen Kopf des alten Roten. Sollt es mir nicht gelingen Diesen Preis noch zu erringen, So macht mir wahrlich daS nichts aus, Wenn ich nur komme bald nach Haus, Gesund und ohne Schaden Und reich an Ruhmestaten. Ein echtes deutsches Herz Soll rein sein wie das Erz. Wie glücklich werden wir begrüßen Die Lieben, die wir stolz verließen, Und sind wir erst zu Haus, zu Haus, Dann will wohl keiner wieder schnell hinaus. Indem ich die hochverehrte gnädige Frau herzlich bitte, mich durch ein paar Zeilen zu erfreuen, zeichnet mit Hoch achtung ein alter Reservist, der treu dem Rufe seines Königs gefolgt ist und gern hinauszog fürs Vaterland Zu kämpfen. . , Signalist L. Sefecht bei Koroise Kolk am 7. Jlpril 05. Haruchas, 15 . 4 . 05 . Immer noch erfreue ich mich einer guten Gesundheit, und vor den Kugeln des Feindes hat mich der Engel des Herrn auch diesmal wieder beschützt. Eine Patrouille hatte die gesamten Witbois an 4 Bleis zwischen Nossob undaus Süd-West. 37 Elefantenfluß sitzend, festgeftellt. Der Führer unseres 1. Batl. (1. und 2. Komp, und 7. Halbbatterie), Hpt. Manger, machte sich mit unserer Abteilung auf den Weg dorthin. Zu jedem Geschütz waren 16 Esel und 20 Ochsen, die abwechselnd angespannt wurden. Wir hatten eine Strecke von 70 bis 73 km zurückzulcgen, und in der Strecke waren 105 hohe Dünen zu übersteigen, von denen eine jede 40 bis 50 m hoch war, dabei nirgends Wasser. Wir treckten am 4. April vom östlichen Ufer des Auob ab bis an die 12. Düne. Hier blieben wir zur Rast liegen und tränkten das Vieh im Auob. Am 5. Abends treckten wir weiter, wir waren 280 Gewehre, 2 Geschütze und die Ochsen und Eselkarren mit Wasser beladen. Die Nacht wurde weiter getreckt mit kurzen Ruhepausen. Am 6. lagerten wir 10 Dünen hinter dem Elesantenfluß, hatten demnach schon 56 Dünen überschritten. Abends 5 Uhr zogen wir weiter und gelangten am 7. früh an das Vleh, wo Hendrik Witboi sitzen sollte. Es war eine tiefe Mulde, die nur zur Regenzeit Wasser enthält. Jetzt war nur Schlamm darin und kleine Wasserpfützen. Wir jagten in Attacke durch und aus die 200 Pontoks los, die um das Vleh lagen. Es waren nur noch wenige Bewohner darin, 10 bis 15 sielen, einige 20 wurden gefangen genommen. Außerdem nahmen wir ein gesatteltes Pferd und einen ge sattelten Reitochsen. Das Vleh tauften wir Prophetenvleh". Wir lagerten dann am 7. fünf Dünen westlich vom Vleh. Als nachmittags gegen 3 Uhr ein paar Leute ohne Erlaubnis Wasser gegangen waren, fielen plötzlich 12 bis 15 Schüsse und gleich darauf eine ganze Reihe Schüsse. Jni Nu war gesattelt. Mein Zugführer, Leutnant Wimmer, ein schneidiger Offizier, ritt sofort mit seinem Zuge zur Attacke vor. Ich verlor dabei den Woilach und stürzte mit dem Sattel über den Kops des Pferdes. Aber38 9!citertn:ictc im Nu hatte ich wieder gesattelt, saß drauf und kam zusammen mit unserem Zug zur Attacke vor. Mein Leutnant bekam einen Schuß in den Kops, wie er uns eben an den Feind brachte. Mit ihm fielen 2 Reiter tot zu Boden und 7 Pferde wurden erschossen. Es wurde gleich abgesessen und das Feuergefecht aus genommen. Wir waren bis auf 30 Schritt an den Feind heran. Ich sah wie 2 Hottentotten, die direkt aus mich eiudrangen, von meinen Schüssen fielen. Von den Reitern der gestürzten Pferde waren 5 verwundet, von denen 2 noch starben. Im Feuergefecht wurden noch 2 unserer Reiter verwundet. Der Gefreite, der einen Kopfschuß erhalten hatte, lag etwa drei Schritt vor der feindlichen Schützen linie. Da sagte der Oberveteriuär, der links von mir stand, wir müßten wohl den Verwundeten zurückholen," und ich rief ihm gleich zu ich komme mit". Da taten wir es denn sofort. Ich hatte das volle Gefühl, mich kann keine Kugel treffen, es war als ob mir eine innere Stimme das Wort zuries, das ich vor kurzem gelesen, Fürchte dich nicht, ich bin mit dir." Und der Engel des Herrn hat mich auch beschützt. Am 7., gleich nach dem Gefecht, begruben wir zuerst unsere 4 Toten. Mein Leutnant sah aus, als ob er noch eben Hurra jubelte. Um 8 Uhr traten wir den Rückmarsch an und kamen bis 30 Dunen östlich des Elesantenflusses. Major Meister hatte uns schon einen Wasserwagen entgegen geschickt. In der Nacht vom 8. zum 9. kamen wir bis hinter den Elesantensluß. Da erwartete uns ebenfalls Wasser, auch Hpt. Beck kam aus Gochas mit einer Esels karre mit Wasser, sogar seinen eigenen Blechkosfer hatte der Hpt. zur Verfügung gestellt. Von hier wurde alles Vieh nach dem Auob getrieben und getränkt. Am 10. kam es zurück und ain 11. früh ritten wir in Haruchas ein.aug Süd-West, 39 Am selben Tage schrieb ich schon die Karte über das Gefecht bei Kowise-Kvlk. Diese Expedition, die jeder alte Afrikaner und Asrikakenner für unmöglich hielt, wurde nun doch ausgeführt. Vom Feinde waren etwa 25 Tote auf dem Gefechtsfeld geblieben. Jetzt habe ich auch Pakete erhalten. Ich weiß garnicht, wie ich danken soll für alle Liebe und Güte. Getreu in Ergebenheit Uosfz. L. Gibcon, 1. 5. 05. Es geht uns auch weiter immer gut. Hier im Süden sind die Verpflegungsverhältnisse bis jetzt sehr gut. Ich habe jetzt ein braunes Pferd, Moritz heißt es, sehr klug und fromm. Der Gaul geht wie der Wind, besitzt Blut und Courage, aber sein Reiter auch. Fürchte dich nicht, Gott ist bei dir, darum vorwärts mit Gott, sein Wille geschehe. Nun will ich einmal schildern, wie ich meine Patrouille gliedere, die hier nie unter meist 15 Reitern stark ist. !Z  SS - B Ü  100-150 m Spitze 300-400 m 100 m & 100 m Reitende Gewehre Schiitzcn- j 200 300 m Gros der £ e s 100 150 m 300 400 m 100 m  100 m  oder reitende liitie t 200-300 m I O SB S & : 3 Sf  5 P 9 IT Patrouille bedeutet einen Reiter Falls die Spitze beschossen wird, fasse ich mit dem Rest der Patrouille rechts oder links heruni, wie Pfeilstriche40 SJicitctljttefs zeigen, und die Spitze zieht sich möglichst in die Schützen linie zurück, bezüglich in die nächste Deckung, die Schützen linie selbst zieht sich auch hinein. Sobald der Hottentotte sich überflügelt (umfaßt) sieht, ergreift er die Flucht. Die Skizze ist für einigermaßen freies Gelände gezeichnet, bei bergigem Gelände werden 2 3 Reiter möglichst weit vor aus geschickt um weit zu sehen und sofort Meldung zurück zubringen. Schützenabstand ist möglichst groß, etwa 20 Meter Unter Umständen werden auch kleine Patrouillen geschickt. Ich danke warm und herzlich für die erquickenden und tröstenden Lieder. In den nächsten Tagen geht es nach Keetmanshoop. Wir haben dann bald ganz Südwestafrika durchquert. So Gott will ein baldiges Wiedersehen. Ihr treuergebener Uoffz. L. Kanus, 25 . 5 . 05 . Wertes Paket erhalten, wofür ich meinen verbindlichsten Dank sage. Die Kriegsklänge", die fast alle Krieger be sitzen, haben so manchen, der an Heimweh gelitten, er muntert und zu Dank verpflichtet. Ich bin jetzt seit einem Monat auf Signalstation Kanus. Sozusagen der Mittelpunkt der sich hier abspie lenden Gefechte. Die Bande scheint jetzt wieder stärker geworden zu sein. In der Zeit von 8 Tagen sind dieser Gesellschaft in die Hände gefallen wie folgt: Am 18. 5. meldete sich Leutnant v. Engler mit 3 Mann hier ab, um Spuren zu schneiden zwischen Kameeldorn-Revier und Gais Nautsis. Ritt um 5 Uhr morgens ab. Um 10 Uhr kam ein Eilreiter, meldete, daß Lt. v. E. Spur gefunden undCIU Üb = 2Beft. 41 ihr folgte. Eine halbe Stunde später kam ein zweiter Reiter von dem aus Wasserfall kommenden Postwagen, meldete, daß an Stelle, wo Lt. v. E. Tafel angebracht und die Spur verfolgte, heftiges Schnellfeuer vernommen zu haben. Dies meldete Station sofort nach Kalkfontein, und zwei Stunden drauf war von dort eine Patrouille von 10 Mann unterwegs, kehrte abends hier zurück und hatte nur die Leichen des Leutnants und des Reiters Fink ge funden. Ersterer Schuß durchs Herz. Finke hatte einen Schuß durchs Auge, einen durch den Unterleib und durch den Unterschenkel und Fuß. Beide waren nackend. Die Leichen wurden am nächsten Tag unter starker Bedeckung nach Kalkfontein geschafft und dort bestattet. Am 21. 5. wurden bei Ameis 2 Telegraphisten voll ständig mit Klippen zerschlagen und ausgezogen. Die Pferde dieser Reiter hatte die Bande verzehrt bis auf die Hufe. Am 22. 5. wurde bei Gründorn von derselben Bande eine Seitenpatrouille (3 Mann) abgeschossen. Ebenfalls am 22. wurde eine starke Patrouille von 30 Gewehren stürmend angegriffen und erlitt schwere Verluste. Leider hat es das schwarze Gesindel nur auf schwach besetzte Stationen und kleine Patrouillen abgesehen. Größe ren Abteilungen geschickt auszuweichen hat die Gesellschaft sehr gut heraus. Ich will nun schließen, da fortwährend viel Arbeit. In der Hoffnung, daß diesen schwarzen Kerlen das Hand werk bald gelegt wird, damit wir endlich nach unserer lieben Heimat zurückkönnen, zeichnet hochachtungsvoll Ihr ergebener Uossz. G.42 9?eiterbriefe Von VIchpostcn in gficfiflufi, 24 . 6 . 05 . Von Tag zu Tag verrinnt die Zeit, Des Krieges Ende ist noch weit, Wir gehn im Kampf getrost frisch drauf Mit Gott dem Herrn, er zieht vorauf. Wir setzen tapfer uns zur Wehr, Spähn rechts und links auch scharf umher, Denn leise schleichend Tag und Nacht Der Witboi lauernd um uns wacht. Solls dauern auch noch längre Zeit Wir stehen fest und treubereit. Panier nur hoch! In Kampf und Not Steht drauf: Getreu bis in den Tod." In Klippen, Dornen oder Sand, Der deutsche Mann ist stets zur Hand, Wir fangen noch die Horde ab, Treu jederzeit, treu bis zum Grab. Wie froh ziehn wir dann einst nach Haus, Wenn Not und Krieg hier endlich aus, lind betend danken wir dann Gott, Für seinen Schutz in Kampf und Not. Doch fall ich bei dem letzten Strauß, Kehr nimmermehr zu euch nach Halls, Dann lebet wohl, ihr Lieben dort, Ich dacht der Heimat fort und fort. Nehmt diesen Gruß noch von mir hin, Wenn ich zum Vater gangen bin, Loscht eure Trauer im Gebet; Dort oben ihr mich ivicderseht. Uoffz. L.ctu üb = 9Seft. 43 Kcctmanskoop, 8 . 8 . 05 . Unendlich sehr habe ich mich gefreut, als ich ein schönes Paket von Ew. Hochwohlgeboren bekam. Vor allem meinen herzlichsten Dank, auch meine Kameraden sprechen durch meine Vermittlung ihren verbindlichsten Dank für die schönen Lieder aus, welche so richtig das Afrikaleben schildern. Von meiner Abteilung haben 2 tapfere Krieger ihr junges Leben einbüßen müssen. Es sind wieder 2 Mütter, die den Tod ihres einzigen Sohnes zu beklagen haben. Der liebe Gott möge ihnen Trost senden. Auch für mich war in dem Gefecht am 19. 5. bei Loikop-Bisseport eine feindliche Kugel bestimmt, die nur durch Gottes allmächtige Schickung weiter nichts verletzte. Dieselbe erhielt ich bei Überbringung einer Meldung an den Führer. Ich wurde von der schwarzen Bande bemerkt und gleich schossen sie, es gab einen Regen von sogenannten blauen Bohnen. Eine Kugel streifte mir die Hose, ging durchs Kochgeschirr und durchbohrte den Sattel. Mein armes, treues Pferd wurde dabei im Rücken schwer verletzt, aber es hat mich dennoch durch ein paar Galoppsprünge aus der schwierigen Lage befreit. Am 28., 30. Juni und 1., 3. Juli habe ich wieder Gefechte unter Führung des Major Gräser gegen den Bandenführer Cornelius im Fischflußrivier mitgemacht. Insgesamt sind unsererseits 7 tapfere Krieger gefallen, 14 Mann schwer verwundet. Die Toten sind feierlich militärisch begraben. So Gott will, kämpfen wir mit frohem Mut bis zum Schluß. Auch hat mich der liebe Gott bis jetzt vor jeg lichem Unglück bewahrt, so daß ich mich der besten Ge sundheit erfreuen kann. Mit ergebenstem Gruß Gefr. W. Funken-Abt.44 Dieiterbriefc Ruf PferbsroacRe. Ncia m 8, 25. 5. 05- Ich setze mich hier nieder Beim Dornbusch an dem Hang, Ein Windhauch zog hinüber, Ein Vöglcin leise sang. Mein Sinn, der schweift hinüber, Die Sehnsucht reißt mich fort, Die Blatter rauschen Lieder Vom lieben, deutschen Ort. Noch kann ich hin nicht fahren, Noch spricht man nicht von Sieg, Denn mit versprengten Scharen Führt man noch täglich Krieg. Doch kanns nicht lang mehr tvähren, Der Feind flieht vor uns weg! Ihm nach! Als deutsche Bären Durch Dorn und Klippensteg! Dann geht voller Wonne Zur lieben Heimat hin, Da lacht und strahlt die Sonne, Wie jubelt schon mein Sinn. Uoffz. L. Gruß in die Heimat. Kub, 12. 6. 05. Wir liegen im Grünen unter den Zelten, Versunken in Träumen von tvogcndcn Welten, Hinüber zur Heimat, der teueren hin, Da führet mich immer der träumende Sinn. Ich bete zum Herrn stets in brünstigem Flehen, Bescheer mir in Gnaden ein Wiedersehn, Mein heißester Wunsch, er mög sich erfüllen Und mir die Sehnsucht, die brennende stillen. Uoffz. L.cnt Süd-West. 45 Bl t p l l tz. meine Heimat. 12 .7 05. In meiner Heimat ist es schön, An den Flüssen, an den Seen, Wo die stolzen Schlösser Prangen, Tahin tut mein Herz verlangen, Wo die Wälder herrlich schön, Meine Heimat möcht ich sehn. Wo der See umspült das Hans, Sonne geht dort ein und aus, Wo die Kirchenglocken grüßen, Alle von dem Heiland wissen, Mecklenburg, so herrlich schön, Werd ich dich auch Wiedersehn? Aber soll es anders sein, Fordert Gott das Leben mein, Geh ich ein ins Land der Freuden Fülle Wo nicht Sehnsucht quält und trotzt kein Wille, Zn dem Lebensfürst am schönsten Srt, Dann auf Wiedersehn! Ich warte dort! Uoffz. L. B erseba, 1 . 8 . 05 . Gerade hatte ich am 28. 7. die paar Zeilen zugeklebt, als der Ruf satteln" durchs Lager drang unser Posten in Grönfeld ist überfallen," hieß es. Sofort wurden Kranken wagen und Eselswagen angespannt und Trab ging es fort. Zwei Stunden von Berseba trafen wir bereits 3 Leute von dem Posten, der eine hatte einen Schulterschuß, dem andern war der Arm durch einen Steinsplitter aufgerissen und nur der dritte war unverletzt. Die Eselskarre brachte die Verwundeten nach Berseba. Wir ritten weiter. Gegen Morgen am 29. 7. trafen wir in Grönfeld ein.46 SReiterbriefe Fünf Reiter waren dort als Posten stationiert gewesen, sie wurden am 28. morgens von über 100 Hottentotten überfallen, der alte Hendrik selbst dabei. Es ist dort ein Steinhaus. Wie die Hottentotten ankamen, waren zwei Leute herausgegangen, um zu sehen, was los war. Sie wurden beide verwundet, der erste durch einen Schulterschuß, der andere durch 3 Schüsse, in die Hand, in den Oberarm, und wie er zurück zum Hause lies, bekam er noch einen Schuß in den Oberschenkel. Den konnten die Leute nicht mitnehmen, sie hatten ihn not dürftig verbunden und in das Gebüsch getragen. Erst als wir kamen, wurde ihm ärztliche Hülse. Die Hottentotten hatten 5 Verwundete und einen Toten. Der Tote so berichteten Hottentotten von Ber- seba war Hendriks bester Unterkapitän. Er soll ihn mit einer Grabrede im Kanibib-Rivier beerdigt haben. Aus Wut über den Verlust ist er umgekehrt mit seinen Reitern voraus gesprengt, die Fußleute sind erst abends gefolgt, haben sich aber nicht mehr an das Haus heran gemacht. Wir hatten infolgedessen nur das Vergnügen, die Spuren und die vielen Patronenhülsen zu bewundern. Der Gesr. S. hat sich großartig dabei benommen. Er ist Mecklenburger und diente beim Dragoner-Regt. 18. Wir hatten jetzt ruhige Tage. Ich wünsche mir wieder Kampf und Gefahr, wo man so recht beweisen kann, daß man nichts fürchtet und etwas schassen kann. Wenn es auch nur ganz wenig ist, und wenn man auch nur eine ganze Kleinigkeit geschafft hat, dann hat man ein so schönes Gefühl. Ich weiß es kaum selbst zu nennen, es ist so ein glückberauschendes Gefühl. Jetzt sitze ich im Zelt, rauche eine der schönen Zigarren, die mir gnädige Frau sandten, blase die blauen Wolken in die Lust und denke an die vielgeliebte Heimat, im Geist ist sie mir immernah. Nun aber nochmals herzlichen Dank für die schönen Gaben, die ich erhielt, wenn ich nur wüßte, wie ich mich so recht dankbar zeigen könnte sür alle die Liebe und Güte. In fester Pflichttreue bis zuni Tod Ihr treuergebener Uoffz. L. Patrouillenritt, von Gefreiten S. Zur Nacht in dem Lager sich nichts bewegt, Sie schlafen den Schlaf der Gerechten, Nnr dorten am Kraal steht unentwegt Der Posten, Gewehr in der Rechten. Doch jetzt in dem Lager bewegt es sich schnell, Vier Reiter die rüsten sich leise, Die Pferde vom Kraal dort sind flugs zur Stell , Gesattelt wird eilends zur Reise. Kein Packzcug belastet das treue Tier, Nur geladenes Gewehr steht im Schuh. Dann reiten sie fort, die schtveigeuden Vier Dem Lager des Feindes stracks zn. Schon sehen sie dcnttich den flammenden Schein lind nehmen nnn fester den Zügel, Sie raunen sich der Feind muß das sein Und fester steht jeder im Bügel. Da horch! Es raschelt dort leise im Strauch, Schon spitzt auch der Ganl jetzt das Ohr, Die Reiter sie kennen der Schwarzen Brauch, Und langsam nnr reiten sie vor. Doch rasch sind sie rechts auch links umstellt Die wackeren dentschen Reiter, Das bange Gefühl dazu sich gesellt: Jetzt geht wohl nicht mehr weiter.48 Jftcitcti)riefe Der Freiherr mit einem festen Blick, Überschaut die traurige Lage, Er kennt wohl des Schwarzen heimliche Tück, Er kennt auch das Wörtlein ivage". Er schaut seine Reiter stillschweigend an, Ein Blick genügt diesen dreien, Sie wissen, nur eins sie noch retten kann, Ein tollkühner Ritt muß befreien. Jetzt, braver, deutscher Reitersmann, Die Sporen in die Flanken, Zeig, was dein Rößlein leisten kann, Hier gibt jetzt kein Wanken. Wer fällt, dem gebe Gott den Lohn, Wems glückt, der reit und melde!" Ein jeder ist doch deutscher Sohn, Wir alle stehn im Felde. In aller Hast der Freiherr sprach, Tann sprengten fort die Reiter; Des Feindes starke Kette brach, Sie stürmten mutig weiter. Und trotz des Feindes Kricgsgeschrei, Und trotz des Feinds Geschosse Die Reiter wurden wieder frei Und tummeln ihre Rosse. Ins Lager wird die Meldung bracht, Sic kehrten glücklich wieder. Nun in der stillen Tropcnnacht Rnhn sie die müden Glieder. Ein Lob begehrt der Reiter nicht, Es sind echt deutsche Söhne, Sie tuen ihre schwere Pflicht Ohn jedes Lobgetvne.ou Siib = 2Öeft. 49 4 Sdiroerer Rift, öedicht bes Unteroffiziers D. Der Betreffende wurde mit fv Reitern von lsahaus bei Gibeon nach Maltahöhe geschickt mit wichtigen Schriftfachen. Eile tat Not, der Ritt war sehr anstrengend, vier Pferde wurden schlapp, ihre Reiter mußten Zurückbleiben. Da wurden sie von ksotten- totten angefallen, ein Reiter fiel, die andern jagten durch den Kugelregen des ganz nah gerückten Feindes weiter und D. konnte, wenn auch halb zu Tode gehetzt, die Papiere abliefern und die Meldung machen. Die Verse lauten: Ich ritt in Lust und Übermut zu manchem blutgen Strauß Mit einem Hellen Jubellicd wohl in die Welt hinaus, So gingS zum Kampf, das Herz voll Lieb, voll Lebenslust und Mut. Jetzt sind wir matt, mein Roß und ich, die Wunde brennt und schmerzt. Ich denke, vie mein teures Lieb mich noch zuletzt geherzt, Und ivie am Herd mein Mütterlein sich tvcint die Augen rot, Indessen ich in dieser Stund vergeh in Augst und Not. Die Kugeln sausen um mich her, der Mantel ist zersetzt, So reite ich Patrouillenritt bis in den Tod gehetzt. Vom Feind umstellt, durch Klipp und Dorn gehts tveiter aus dem Pfad, Mein Roß und ich, wir KricgSgcselln, ivie sind vir müd und matt. Uoffz. D. Aus dem Cager August 1905. Sedicht des Reiters 3. Herrlich ist der Abend heut Nach so schtverem Tage, Deshalb muß auch ich voll Freud Jetzt vergessen alle Plage, Angestimmt wird darum schnell Unser Lied so fröhlich hell, Und im ganzen Lagerkrcise Steigt bald aus die traute Mise Wer nicht schätzt die Lagersreudcn Ist fürwahr ein armer Tropf." Und dahin sind alle Leiden, Stolz hebt sich manch müder Kops.50 Steitetbriefe Schlummer schließt zuletzt die Lider, Nur Kamraden, die auf Wacht, Spähen lauschend auf und nieder In der stillen Tropennacht. Daß der hiuterlist ge Feind, Der uns zu umlauern scheint, Sich nicht allzu nah ausstellt, Und am Morgen überfällt. Würde unsre Reihen lichten Und uns traf nach den Geschichten Die Verachtung aller Welt. Kein Alarm die Krieger schreckte, Ruhig schwand die Nacht dahin, Als man uns am Morgen weckte War uns frohgemut zu Sinn. Flackernd brennt das Feuer Helle, Gebt das Wasser, kocht schnelle, War auch trüb das Wasserloch, Trefflich munden wird es doch. Da plötzlich Schüsse regnen, Der Feind, der ivildc, schreit, Ihm würdig zu begegnen, Sind alle mir bereit. Kräftig haben abgerieben Wir die Jack ihm meist, Und dabei ihm abgetrieben Vieh so schön und feist. Bald ist nun ein Rind zerleget, Und darauf sich alles reget Zn empfangen nun als Lohn Wieder volle Kriegsportion. Lodernd Helle Flammen glühen Und daneben überall Sich die deutschen Krieger mühen Um ihr leckres Mittagsmahl.Allen Lasten, allen Mühen Muß das Rauhe schwinden, Wenn sich bei den Melodien Ändert das Empfinden. Und daß dieses konnte sein Gingen uns von Deutschland ein Für der Heimat treuen Sohn Lieder die wir lieben schon. Und die warmen, deutschen Lieder, So erhebend und so schön, Brachten zu uns selbst uns wieder, Wenn kaum noch schien zu gehn. Darum muß der deutsche Sohn Deutsche Frau dir das auch schreiben, Unser Dank sei dir zum Lohn, Und so soll bleiben, Oftmals ist es nur dein Lied Vor dein Leid und Sorge flieht, Hat man cinS recht froh gesnngen, Sind die Sorgen rasch verklungen. Deiner denkt man dann so gern Hier in größter Dankbarkeit. Wünscht dir aus der weiten Fern Nie komm Trauer dir noch Leid. _____ ©rotfontein, i. 9. Seit dem 4. 9. bin ich in Grotfontein stationiert, wie lange es dauern wird weitz ich nicht. In diesen Tagen greift Major Merker und Meister die Hottentotten wieder an. Wir machen den Angriff nicht mit und es ist uns auch ganz lieb, denn die meisten der Leute bedürfen der Ruhe um sich zu erholen. Ich bin mit einem Vizefeldwebel zusammen in Grotfontein stationiert. Wir wohnen in einem schönen Hause, das noch gut erhalten ist und haben uns ganz behaglich eingerichtet. 4*52 ch-^sxstz stz 9i e t e t b x e ft Zwei eiserne Bettgestelle mit Säcken ausgelegt, in denen schläft es sich ganz anders als immer aus der Erde. Einen Tisch haben wir uns gemacht, und drei eiserne Garten stühle, von denen das Holz heruntergebrannt war, habe ich mit Draht überzogeir und mit Blech belegt. An den Wänden habe ich Kleiderriegel gemacht, die ich zwischen dem Schutt der uiedergebrannten Farmen fand. Hier sind nämlich bis aus 2 Häuser alle niedergebranut, nur die Mauern stehen. Mit der Kirche sind 10 Gebäude zerstört. Einen Abreißkalender habe ich gemacht und für jeden Tag den Spruch geschrieben, der in meineni Buche steht. Am Fenster habe ich einen Blumentopf mit blühenden Kakteen, die habe ich aus dem Felsgervll geholt, wo viele stehen. Ein paar Blumen davon lege ich ein. Da wir hier guten Proviant haben, so lautet für morgen, den Sonntag, der Speisezettel: Morgenkaffee: Kaffee mit Zucker und Butterbrot. Mittag: Schweinebraten in Dosen, Maccaroni und Preißelbeeren, dazu ein Gläschen Rotwein. Abendbrot: Tee, Butter, Brot, Eier. Nach Mittag und Abendbrot gibt es sogar eine Zigarre, iir der Woche wird Tabak geraucht. Unsere Pferde haben 8 Pfund Hafer pr. Tag bekommen. Damit jeder weiß, daß Sonntag ist, werden wir vor dem Morgenkaffee einen Choral singen und zwar: In allen meinen Taten". Die besten Grüße sendet Ihr treuergebener Uosfz. L.ctu Süd-West. 53 Nach langer Zeit zog ich heut ein In ein behaglich Zimmerlein, Hier in dem Orte Grotfontein Und spinn mich in Gedanken ein. Auf dorn ger Pad, auf Fels und Klipp, Ruht oftmals ich nach hartem Ritt, Und heute o, wie ist das nett, Schlaf ich sogar in einem Bett. Mein Tisch war stets die Erde nur, Behaglich war keine Spur, Und heute sitze ich ganz frisch Auf einem Stuhl am großen Tisch. Der Mond scheint in die Stub hinein, Geh hin und grüße ganz allein, Was mir das Liebste der Welt, Das Liebste untenn Sternenzelt." ©rotfontctn, IG. 0. Ganz gemütlich saßen wir heute vormittag noch zu sammen, als plötzlich ein Reiter eintraf. Meldung: So fort Stationen Tourlosie und Plattsontcin nach Grotfon tein heranziehen. Morgen marschiert der Stab mit der Kompagnie ab über Maltahöhe nach Gibeon." Ich ritt sofort ab und überbrachte den beiden Stationen den Befehl. Diese und zwei andere Stationen treffen heute nacht hier ein. Wir sollen bei dem Marsche noch das Hudop- und Kutip-Rivier aufklüren. Eine Klippenpartie wird es wieder werden, unsere Pferde werden daran denken. Die gefangenen Hottentotten müßten eigentlich alle Klippen auf Haufen sammeln zur Strafe für ihre Schandtaten. Der 30. August bleibt gewiß zeitlebens im Gedächtnis unserer Kompagnie. Da sind wir bei stockfinsterer Nacht den Schwarzrand heruntergcllettert in vier Absätzen von54 ^ettetÖticfe ungefähr je 300 m, nachdem die Truppe bereits 2 Tage ohne Wasser war. Früh 8 Uhr kamen wir in Kleinfontein an. Bei dem Abstieg hatte jeder mit sich allein genug zu tun, das Pferd mußte am langen Zügel sich selbst überlassen bleiben, aber es gelang tadellos. Major von Estorff führte uns und ging voran. Hier auf Stationen der abgesperrteu Linien haben wir uns von den Strapazen erholt und können neuen Anstrengungen mutig wieder entgegengehen. Schon wieder nähert sich das Weihnachtsfest und ich bin noch immer in Afrika. So der liebe Gott will, ist bald Schluß und wir kehren zur Heimat zurück. Oh, welche Freude wird das sein! Die besten Grüße sendet Ihr treuergcbener Uoffz. L.  0 C& CI v , 30 . 9 . 05 . Schreibe noch heute abend ein paar Zeilen, um gleich nach dem Gefecht Nachricht zu geben. Gestern unternahm Hptm. Murath mit Resten der 1. und 3. Kompagnie, zu sammen 101 Gewehre, einen gewaltsamen Erkundungsritt des bei Haruchas gemeldeten Feindes, 2 Geschütze der 5. Batterie (Besatzung Gochas) hatten wir noch mit. Die ganzen Simon Kopper-Leute saßen hier, außerdem Samuel Isaak und Hendrik Witboi, die besten Kriegsleute der Hottentotten. Zwei eine halbe Stunde lagen wir im Gefecht, dann mußten wir uns wegen mangelnder Munition zurückziehen. Leider hatten wir einen Schwerverwundeten, Gefreiter Reimsch, hoffen aber doch, daß er durchkommt, außerdem noch 6 leichter Verwundete. Ich kam gut weg, eine Kugel schlug mir die Haut von der linken Daumenspitze weg. Ich war so ruhig als ob ichau Süd-West. 55 in Deutschland an meinem Schreibtisch säße und was mir beim Gefecht immerzu im Sinn lag, davon schreibe ich das nächste Mal. Ich ging ganz ruhig im Kugelregen, schoß meist stehend und freihändig. Ich dachte, wenn es Gottes Wille ist, trifft mich doch keiner. Sonst geht es mir gut, ich bekam wieder ein Paket, danke so herzlich dafür, aber noch viel mehr danke ich für die lieben Briese, die ich bekomme. Eine kleine Skizze der Farm Richter lege ich ein. Nun gute Nacht, nein, ich habe noch etwas zu erzählen. In Gibeon liegt ein Meteor, der vor 2 Jahren über Gründorn heruntergekommen ist, ein Stück Eisen, das man wegtragen möchte, wenn man es sieht, es wiegt aber 17 Ztr. Drei Stücke versteinertes Holz lagen auch dort, außerdem ein schöner Stein, wie ein Schneckenhäuschen gewachsen, so hübsch egal gedreht und so schön glatt, als wäre es Kunst und es ist doch Natur. Nun aber wirklich gute Nacht. Die ergebensten Grüße in Treue Uoffz. L. Gochas, 8. 10. 05 Um 6 Uhr morgens wurde eine Patrouille von uns bei Persip angeschossen, ein Gefreiter fiel, eine zweite Patrouille wurde ebenfalls dort angeschossen, entkam aber, weil sie durch die Leiche ansmerksam gemacht, abbog, bei Amadop wurde sie aber wieder angeschossen und verlor einen Reiter, der Unteroffizier und 2 Reiter blieben er schöpft Düne 13 liegen. Auf dem einzigen noch leistungsfähigen Pferde kam ein Reiter hier an und meldete es. Sofort ritten einige Unteroffiziere mit Wein und Wassersäcken beladen, entgegen. Abends kamen alle zurück, aber völlig erschöpft. Eine Abteilung ist nun vorgerückt, um den Feind anzugreisen, wenn er nicht schon wieder ausgerückt ist. In Eile. In Treue ergebenst Uoffz. L.56 Reiterbriefe Persip, lb. 10. Noch schnell einen Gruß, bevor ich reite. Es geht nach Daberas, um dort auszuklären, da Hendrik nach dem Kanibib-Nivier durchgebrochen sein soll. In 1 - Stunden reite ich mit 3 Reitern aus ziemlich guten Pferden ab. Gott befohlen und dann los. Jetzt muß ich satteln. Auf Wiedersehen. . . Persip, 16. 10. Gestern kehrte ich von der Patrouille zurück, von Daberas 160 km ohne Wasser zurückgelegt, heute ziehe ich aus Pserdewache. Persip, 18. 10. Ich fühlte mich heute gezwungen, mich krank zu melden, der Oberarzt konstatierte Herzmuskelschwäche, werde Wohl mit nächster Kolonne nach Windhuk auf Etappe kommen. Bei der letzten Patrouille ritten wir von Persip 4 Uhr ab, machten stündlich 40 Minuten Schritt, 20 Minuten Trab. Um 1 Uhr nachts trafen wir Ochsenwagen der 6. Kompagnie und machten Halt bis 3 Uhr, dann gings weiter, um 6.20 waren wir in Daberas. Dort war leider kein genießbares Wasser, denn die beiden Brunnen waren durch totes Bich, was darin lag, verpestet. Wir hielten bis 12 Uhr mittags, ritten dann in Weide bis 3 Uhr, hielten dann wieder bis 6 Uhr. Es war kühl geworden als wir abritten, nach 2 Stunden machten 2 Pferde schlapp und wir konnten nur noch Schritt reiten und mußten jede 10 Minuten Halt machen. Um 11 Uhr konnte ein Pferd überhaupt nicht mehr weiter und bald darauf versagte auch ein zweites. Um 5.40 langten wir endlich in Persip an. Am Auob finden tagtäglich kleine Geplänkel mit Simon Kopper-Leuten und Patrouillen statt. Der Durst ist die schlimmste Waffe gegen den Eingeborenen, und das Wasser trocknet von Tag zu Tag mehr aus, so wird die Lage derqu ©iib = 2Beft. 57 Hottentotten immer drückender. Aber auch für unsere Truppen ist dies die schwerste Zeit, die glühende Hitze macht Tagesmarsch unmöglich, auch herrschen gerade jetzt Krankheiten am meisten. Vor einiger Zeit wurde mir aus einem Patrouillenritt mein Pferd unter dem Leibe erschossen, alle meinen kleinen Schätze, Uhr, Kette, Besteck usw. mußte ich in der Sattel tasche den Hottentotten überlassen und mich rasch davon machen, um auf einem ledigen Esel weiter zu kommen. Nur das eine Andenken aus der Heimat, das mit mir schon ganz Afrika durchquert hat, das konnte ich nicht in der Satteltasche stecken lasse, daß mußte mit, und wenn es gleich das Leben gekostet hätte. Und nun kann ich nicht einmal mit der Kompagnie weiter, um es den Kerlen hcimzuzahlen. Vielen, vielen herzlichen Dank für die Briefe, sie sind so tröstend, wenn man sich elend fühlt. Meine Kameraden ziehen nun weiter zum Kampf, können Gefahren bestehen, und ich liege hier und kann nicht mehr mit, meine Kraft erlaubt es nicht, sowie ich mich anstrenge, versagen die Glieder. Ich bin ganz traurig darüber, aber die Worte der Briefe trösten mich immer wieder und geben mir neuen Mut. In diesen Tagen erwarten wir Proviant und Post. Das ist immer Freude, große Freude, wenn Briefe kommen. Ihr treuergebener Uoffz. L. Sefecht bei Hartebeeftmunb 24. Obt. 05. (Gin Brief, den Grfu. K. mir siir die Sammlung gab.) Ende Oktober marschierten wir ab in die Orangeklüfte. Wir mußten unsere Pferde auf einer Wasserstelle zurücklassen, weil hier weder Weg noch Steg ist. Wir marschierten viele58 Siciterbticfc Tage, um den Feind zu verfolgen, Proviant, Fleisch, alles ging zu Ende. So waren wir gezwungen, von den Maul eseln zu schlachten, die uns die Geschütze trugen. Am 24. Okt. früh 7 Vs Uhr begann das Gefecht. Ich wurde schwer ver wundet, einen Schuß im Rückgrat, einen in das rechte Bein, vorn am Oberschenkel wieder heraus. Wir wurden auf einer künstlichen Tragbahre fortgeschasst. Am 26. Okt. wurden wir über den Orangefluß gesetzt und dann aus Ochsenwagen nach Pella transportiert. Wir sind hier aus einer englischen Missionsstation sehr gut ausgenommen. Hier liegen wir 12 Verwundete von meiner Komp. Im Ganzen sind wir 27 Verwundete. Ich muß schließen, denn die Wunde verursacht große Schmerzen. Reiter Sch. Sefrcht bei Hartebeeftmunb 24. vkt. 05. Lüderitzbucht, 3. März. Der Leutnant v. Bojanowski hatte am 24.10. 05 mit seinem Zug, dem 3. unserer Komp, die Spitze und war mit derselben fast auf die Höhe des von Morenga mit besetzten Berges, als aus uns von 3 Seiten ein starker Kugelregen einsauste. Sich hinlegen und das Feuer erwidern, war das Werk eines Augenblicks bei allen unserer Kompagnie, und doch fielen schon dieser und jener, der Eine tot, der Andere verwundet. So auch ich, der im 1. Zug direkt hinter unserer Spitze war. Nachdem ich die ersten beiden Schuß noch im Stehen in beiden Beinen erhalten und zu sammenbrach, lag ich vollkommen frei, den feindlichen Kugeln von allen Seiten ausgesetzt und sagte ich mir drum: Deckung schasst mir die Kugel meinem Gewehr entsandt- Jch feuerte, nach vorn hin hielt ich meinen Gegner in Schach, doch von der Seite erhielt ich noch 2 Schuß durch dasci u  © ü b = 333 e ft. 59 Gesäß. Ich sah mich nun um nach einer Deckung, war aber nicht sähig mich fortzubewegen. In Unmengen schlugen die feindlichen Kugeln in nächster Nähe bei mir ein, und schütteten mir öfter die Brille voll Sand, und schon über legte ich, ob es nicht sicherer, die Brille ab und beiseite zu legen; doch dann konnte ich ja nicht sehen, und darum behielt ich sie auf. Viele Kugeln gingen mir noch durch die Kleidung. So liegend sah mich unser Hauptmann Ritter, der wenige Schritt neben inir lag, durch einen Busch Deckung gegen Sicht habend und rief mir zu, doch in Deckung zu gehen. Bald jedoch hatte er gesehen, was mich hinderte, er rief seiner Gesechtsordonnanz zu und hielt durch ein ab wechselndes wohlgezieltes Feuer die mich Beschießenden in Schach resp. beförderte sie ins Jenseits. Jetzt lag ich so ziemlich sicher und konnte mal um mich sehen. Da sah ich denn links von mir nur Tote, rechts von mir Verwundete, als ich in der Linie der Hottentotten rufen hörte: Die Lütnant tot! Ich sah nach unserem 3. Zug, doch war dort der Leutnant v. B. noch nicht tot, sondern nur verwundet und feuerte tapfer weiter. Doch muß die Verwundung ziemlich stark gewesen sein. Sein Bursche Hennkies lief drum zu ihm, faßte ihn, um ihn zurück in Sicherheit zu bringen. In den Armen seines Burschen erhielt dann der Leutnant v. B. ebenso wie dieser den tödlichen Schuß in den Kopf. Beide fielen, sich fest umsaßt haltend, tot in die Klippen. So endete deutsche Treue mit deutscher Tapferkeit. Allgemein bedauert und betrauert wurde L. v. B., ebenso wie er sonst geliebt und geachtet war bei jedem. Doch nun will ich für heute schließen, indem ich für Ihre lieben Briese nochmals herzlich danke und Ihnen alles Gute wünsche Ihrer stets gedenkend bin ich mit den besten Grüßen stets der Ihre Reiter Z.60 9i C t C11 V11 f C Lüdcritzbucht, 5 . 1 . 06 . Ew. Hochwohlgeb. bestätige ich hiermit den Empfang Ihrer Briefe mit Liedersammlungen, selbige erfreuten mich sehr und wurden letztere mir ein wahrer Schatz in kranken Stunden. Ein dauerndes und ehrendes Gedenken durch mich sichern Ihnen Ihre mir gewordenen Zeilen und Lieder. Für beides danke ich Ihnen drum heute herzlich und er bitte für Sie alles beste. In dankbarer Verehrung Ihr Reiter Z.  i!) c o lt, 2 . 11 . 00 Haben Sie für alle die lieben, netten Sachen viel taufend Dank und seien Sie versichert, daß ich jeden späteren Weihnachtstag den mir unser lieber Herrgott noch beschieden hat, mich stets Ihrer und Ihrer lieben mir ins Feld gesandten Gaben erinnern werde. Große Freude bereiteten mir die beiden Schächtelchen von den Königl. Hoheiten. Diese werde ich jedoch nie anreißen, sondern als Erinnerung an die Hohen Herrschaften meinem lieben Mütterchen, einer geborenen Rostockerin, mit nach Hause nehmen, um uns dann zusammen unseres lieben Mutter landes und seiner Herrschaften zu freuen. Ihrer stets in aufrichtiger Liebe und Hochachtung gedenkend, verbleibe ich mit ergebenstem Gruß stets Ihr Uosfz. D. NubeS, 8 . 11 . 05 . Tausend Dank sende ich E. H. für die große, unbe schreibliche Freude, welche mir durch das Liederbuch wurde mit der Inschrift von Sr. Hoheit dem Herzoge Johann Albrecht. Es ist das ein Labsal wie ein Trunk für einenCIU ©Üb = 2Beft. 61 Durstigen, so war dies Buch für mein Soldatenherz. Ich bitte nun gnädige Frau, Sr. Hoheit dem Herzog meinen alleruntertänigsten Dank auszusprechen, oder, wenn es an geht, Sr. Hoheit dem Herzog den einliegenden Bries mit meinem Dank zu übermitteln. Großartig ist in den Liedern wiedergegeben, was in einem Reiterhcrzen lebt und webt. Diese Lieder sind schon Erbauung, wenn man sie in aller Stille liest, sie sprechen förmlich, als wärs Wirklichkeit. Mit vielem Dank Ihr treuergebener Uoffz. L. ein Dorfall auf der Eanbungsbrüche in Sroabopmunb. Swakopmund, 15 . 12 . 05 . Meinen herzlichsten Dank sür den wertvollen Bries. Wie hochverehrte Frau wissen, hat unsere Baukompagnie die Landungsbrücke, die auch jetzt noch im Bau ist, herge stellt, an der die Dampfer ihren größten Teil der Ladung löschen. Es war am 18. 2. 05, ich transportierte mit Kameraden Schienen an den Borderbau der Brücke. Als wir wieder retourfuhren, riefen ungefähr 100 m von uns etliche Kameraden es ist jemand ins Wasser gefallen"- Wir liefen sofort hin zur Unglückstelle, konnten aber nie mand sehen. Herr Leutnant H. sprang ins Wasser, tauchte, kam wieder, aber ohne den Leblosen gefunden zu haben, an die Oberfläche. Ich stand an der äußersten.Seite der Brücke. Aus einmal sehe ich einen dunklen Schatten im Wasser, der aber von der Brandung schon etwa 8 m hin ausgespült war. Schnell zog ich meine Stiesel und Jacke aus, sprang nach der Stelle, aber zu kurz, tauchte, konnte ihn aber nicht fassen. Wie ich wieder an die Oberfläche kam, sah ich mich um, und bemerkte, daß ich zu kurz ge sprungen war und schwamm einige Meter hinaus. Da62 gieiterbriefe ich ihn nicht mehr sehen konnte, ließ ich mich aufrecht stehen. Auf einmal spürte ich etwas an den Füßen, tauchte und brachte einen leblosen Körper hoch. Ich sah nun, daß es ein Schwarzer war, einer von den gefangenen He reros, die mit an der Brücke arbeiten mußten. Konnte ihn aber nicht über Wasser halten, da ich selbst in der Brandung schon ein paarmal Wasser geschluckt hatte, und mich nur mit Anstregung mit einer Hand über Wasser hielt. Unterdessen kam mir Herr Leutnant H. zu Hülfe, faßte den Lebsosen am Arm, während ich ihn am Genick gepackt hatte. So schwammen wir der Brücke zu, kamen aber nur ganz langsam vorwärts, da uns die Wellen hinderten. Es wurden uns Leinen und eine Stange ge reicht, so wurden wir an die Brücke herangeholt. Der Herero wurde von den Kameraden sofort herausgezogen. Die Wiederbelebungsversuche waren nach einer Viertelstunde von Erfolg. Er wurde daraus ins Lazarett geschafft und arbeitet heute wieder mit an der Brücke. Herr Leutnant H. ist darauf einige Wochen krank geworden, ich kam mit etwas Herzklopfen davon. Herr Leutnant und ich wurden zur Rettungsmedaille eingereicht und erhielten dieselbe von Seiner Majestät dem Kaiser im September. Ich kam dem Wunsch der hochverehrten Frau, diesen Vorfall erzählen zu sollen, von Herzen gern nach. Verbleibe mit dem Wunsch auf ein gesundes Jahr Ihr stets ergebener Pionier . Sefecht bei Tarfis 17. Dezember 1905. Sedicht der Reiter S. und R. In Tarfis an dem Pfannenrand, Da schreit der Hottentott nach Wasser, Ihn quält so sehr der grans ge Brand, Er tobt und nennt uns Menschenhasser.CI U  2 Üb - SB e ft. 63 Gebt die Gewehre, stellt euch hier, Dann labt euch an dein Wasser wieder, Doch wollt ihr uns noch trotzen schier, Dann schießen wir euch doch noch nieder." Nun stürmt der schwarze Hanse an, Durch Klipp und dorniges Gelände, Gib uns das Wasser, deutscher Mann, Sonst machen wir mit euch ein Ende." Die Kugeln fliegen hin und her. Wohl eine Stunde gehts so weiter, Wir setzen tapfer uns zur Wehr, Getreu, als brave, deutsche Reiter. Getroffen von des Feindes Blei Da sinken dreie nieder, Ach, unser Hauptmann ist dabei, Er führt uns niemals wieder. Zwei Reiter, junges, frisches Blut, Sic ruhen schweigend nun im Sande, Sie stritten voller Heldenmut, Sind nun im ew gen Baterlande. Noch lebt der Hauptmann, sieht umher, Mit letzten, todesmatten Blicken, Das Sprechen fällt ihm jetzt schon schwer, Er flüstert nur mit leisem Nicken: Der Kompagnie mein letztes Wort, Grüßt mir den Oberarzt, die Reiter, Jetzt muß ich von euch allen fort, Behüt euch Gott kämpft weiter! Wir hielten fest zusammen aus Fürs Vaterland in Kamps und Not, Jetzt tvars für mich der letzte Strauß, Mit meinen Reitern bis znm Tod."64 9t citei;!) tiefe Ein Händedruck, ein letzter Blick, Dann brach ein treu Svldatcnherz, Wir legten trauernd ihn zurück, Er ging zunl Vater himmelwärts. Den Dreien gnibcn tvir das Grab Jin sonndurchgliihten Dornenland, Wir senkten betend sie hinab, Sic sind im ew gen Vaterland. _ Windhuk, 25 , 12 . 05 Vorerst herzlichen Dank für den mir zu teil gewordenen Kartengruß. So ist es nun kein leerer Traum gewesen, als ich mich dainals der Hoffnung hingab, auch einmal für das Vaterland und für die deutsche Ehre zu kämpfen. Der Traum hat sich erfüllt, ich habe das herrliche Kriegsleben kennen gelernt. Die hohe Soldatensrail weiß genau, was einen Krieger in fchlveren Zeiten erhält, denn das leuchtet fast aus jeder Zeile der Kriegsklänge" hervor. Das Buch hat mir schon so manche Freude bereitet. Gestern abend bei unserer Weihnachtsfeier hielt Herr Oberstleutnant von Mühlenfels eine ergreifende Ansprache an uns. Wie tief uns diese Worte ins Herz hineinge drungen sind, vermag sich wohl ein jeder zu denken, denn es ist ja das liebe Weihnachtsfest, das wir hier feiern, fern von den Lieben in der Heimat, unter ganz anderen Ver hältnissen, wie man es sonst gewohnt war. Aber dennoch wollen lvir ausharren und unsere Pflicht bis zum letzten Augenblick tun, denn das Land ist ja unser, wenn wirs auch nur sterbend oder durch viele Strapazien und Entbehrungen gewinnen. Ein jeder sieht schon mit Freude in die Zukunft, denn bald wird doch die Stunde schlagen, wo es heißt, der Krieg hat ein Ende, ihr werdet in die Heimat geschickt. Mit herzlichen Grüßen Ihr ergebener Gefr. H.aus Süd-West. 65 Slld-West, 12. 05. Herzlichen Dank! Möge Gott es Ihnen lohnen, wie Sie durch Ihre Spenden so manches verlassene Herz hier in Süd-West erfreuen. Wir alle hossen, daß der Krieg doch bald beendigt sein möchte. Die Macht des Feindes ist geschwächt, kleine Überfälle und Viehdiebstähle kommen noch immer vor. Nun, wir wissen ja als Deutsche, wie wir zu kämpfen haben. Den Tod fürchte ich nicht, habe sowohl im China- Feldzug als auch hier schon so manches Mal dem Tod in die Augen gesehen, aber immer wieder, wenn es losgeht, dann mutig vorwärts und ohne Zagen. Werde mir Ihre Worte zu Herzen nehmen. Vorwärts mit Gott, Mutiges Ausharren, Frisches Drauf und Durch." Nochmals herzlichen Dank, mit ergebenem Gruß Gefr. H.Dritter flbfdjnitt. Das Jat)r 1906.^ie Briefe aus dem Jahre (906 sind meist Dank- ud Stimmungs briefe, doch handeln auch einige von den schwierigen Streif zügen des Jahres, außerdem bringen sie das Gefecht bei Sperlingspütz und verschiedene Berichte über kriegerische Gperationen in den Bergen. Ein eingehender Brief schildert das Lazarettleben.öedicht des Reiters Z. im Cazarett tüderihbucht Januar 1906. Verwundet, krank lag ich danieder, Voll Schmerzen, müd und todesmatt, Es brannten die zerschoss nen Glieder, Geschwunden war die lehte Kraft, In diese schweren Stunden kam, Verehrte, mir Dein lieber Brief, Der mir jedwede Schwäche nahm, Mich wieder zu mir selber rief. Ein Tröpflein Tau in dürrer Zeit, Das glaubtest Du zu geben Uns durch Dein Lied, das uns begleit, In unserm Kriegerleben. Doch ist das nicht ein Tröpflein Tau, Vielmehr ein Trunk für volle Züge, Den Du uns, liebe gute Frau, Gereicht in Deinem Liede. Wie sollen wir das danken Dir, Du Liebe, Edle, Gute, Ist Dirs genug, daß alle wir Eintraten mit dem Blute. Für deutsche Treu und deutsche Ehr, Die Du uns oft besungen, Dein Rus zu unverzagter Wehr Ist oft an uns erklungen. Was wir gelobt mit Herz und Mund, Das halten wir auch fest, Ein braver Mann in schwerer Stund Nicht von der Treue läßt. Den Heldengeist entfacht hast Du Zum guten Teil durch Deine Lieder, Gezwungen drum, Dir deutsche Frau Zu danken, bin ich wieder.70 9feitcrbriefe Brief, vo Grf . K. zur Verfügung gestellt. Jan. 08. Das mir unter Warenprobe gütigst übersandte Paket- cheu erhielt ich vor einigen Wochen, ebenso das Feldpost paket. Mit den alten Kameraden habe ich iilich in das Paket geteilt, und alle waren über die aus der Heimat zuteil gewordenen liebevollen Gabei: und der zuteil ge wordenen Anerkennung sehr erfreut. Wenn ich nun erst heute meinen ergebensten Dank ausspreche, bitte ich dies mit unseren letzten Operationen, die uns zum Briese schreiben keine Gelegenheit ließen, zu entschuldigen. Seit dem 23. Mai (unsere Kompagnie gehörte zur Abt. Siebert) folgten wir dein Feinde unmittelbar und kamen am 25. wieder ins Feuer, unsere Abteilung hatte 7 Verwundete. Ain selben Morgen fanden wir an der Wasserstelle Tsarnab die Leiche des Leutnants Fürbringer, der aus den Kriegs zügen mit Oberst von Deimling durch sein Patrouillenritte (besonders die von Auob) bekannt ist. Wir fanden noch die Leichen von 3 deutschen und 9 eingeborenen Soldaten. Die meisten hatten mehrere Schüsse. Wir bestatteten sie unter dem Schatten eines Kamelbaumes zur letzten Ruhe und mit bitterem Groll im Herzen gings an die Verfolgung der schwarzen Schufte. Ain 27., nachdem wir bereits zu unserer Ernährung unsere braven Esel schlachten mußten, wurden von Major von Estorff frische Truppen hinter den Feind dirigiert und wir rückten nach Kalkfontein zur Verprovian tierung mit der Verheißung, einige Ruhe zu bekommen, die wir gegenwärtig genießen. Seit Ende März bis jetzt hat unsere Kompagnie 13 Tote und 6 Verwundete ver loren, aber der Sieg muß doch unser werden und bald wird er unser sein. Unser Hauptmann Grüner hält noch immer treu bei der Kompagnie aus, und das spornt uns auch immer wieder an, sonst wären wohl die alten Leuteau Süb = £töe[t. 71 der Kompagnie längst alle auf Etappe. Ich bin Gefreiter, aber tue Uuterossizierdienst, gesundheitlich geht es mir auch gut, so daß ich mich in der Kolonie so recht zufrieden fühle. Einen endgültigen Entschluß, ob ich als Farmer hier oder bei der Truppe hier bleibe, kann ich noch nicht melden, das hängt davon ab, wie weit die Regierung an siedlungslustigen Kriegern zur Hand geht. In jedem Falle werde ich dessen eingedenk sein, daß ich ein Deutscher bin, und sowohl als Farmer wie auch als Soldat die Ehre des Vaterlandes wahren, für das ich jetzt im 3. Jahre die Waffen im Felde trage. Ergebenen Gruß Gesr. F. Lüde ritzbucht, 16. 1. 06 übend in Lüdenhbucht Sedicht von Reiter fl. Melancholisch, träumerisch, Wundersanftes Beben, Stimmt mich dies verschwenderisch Üpp ge Tropenleben. Ewig diese klare Luft Möcht mein Herz nur trinken, Ewig aus der Höhen Duft Sehn die Sonne sinken. Oftmals lieg ich dort im Kraal Nach getanen Pflichten, Auf der Lauer nach Schakal, Räuber muß man richten. Dabei muß ich hier und da Eifrig noch ausspähen. Wunderschön ist Afrika In des Abends Wehen.72 Sieitctbttßfe Wenn die Sonne niedersinkt Hinter jenen Bäumen, Und das Mondlicht silbern blinkt, Möcht ich immer träumen. Denn obivohl der Krieg im Land, Den wir bald sind müde, Obschon mancher starb im Sand, Winkt doch Abendfriede. Goldgefärbt des Himmels F-lur, Wundersam tvirds stille, Traumvoll stimmt in der Natur Mich die trop sche Fülle. Kosend reibt der Donkey Schaar Sich im Kraal dort drüben, Wie sie lecken sich das Haar In dem unvernünft gen Lieben. Aus dem Pontock hole ich, Aus der kleinen Enge, Was nur oft die Zeit verstrich, Bor die Kriegesklänge". Dieses Büchlein ist mir wert, Hat sich weit verbreitet, Biele, denen es bescheert, Hat es recht geleitet. Manche, welche Sehnsucht quält Und die Hoffnung scheitert, Hats mit neuen! Akut vermählt, Wieder aufgeheitert. Manchesmal in trüber Nacht Hörte ich von allen, Als ich stand auf stiller Wacht, Kriegesklänge schallen.qu Süd - West. 73 Und ich schlag das Büchlein auf, Laß die Stimm erschallen, Horchend steht der Donkcp Haus , S muß airch den n gefallen. Schakal kommt mir aus dem Sinn, Laß den Räuber gehen, Wenn ich nur zufrieden bin In des Abends Wehen. wie ift’s gekommen? Windhuk, Sonntag i. 2. 06. Wie ist s gekommen, daß der Dornenhang In Purpurgold erschauernd, stumm dasteht? Wie ist s gekommen, daß ein neuer Klang Und neue Kraft mir Herz und Seel durchweht? Wie ist s gekommen, daß mein finsteres Herz Aus Hoffnung schwebt und im Kummer lacht? Es sorgte für mich ein edelcs Herz Und dessen Sonnenstrahlen Habens vollbracht. Uoffz. L. Die folgenden 6 Briefe sind mir von Grfn. K. gegeben worden. ©ccts, 12. 1. 06. Meinen herzlichsten Dank für das schöne Paket, welches ich vor etwa 10 Tagen erhalten habe. Ich habe mich außerordentlich gefreut, vor allen Dingen zu dem schönen Tuch und Strümpfe, aber bald hätte ich den schönen Plumppudding vergessen. Das war einmal von Geschmack, nur leider er wurde nicht alt, denn wie ein Erosbrand ging es durch die Kompagnie: Fritze hat ein Paket gekriegt." Na, ich habe ihn ehrlich in 36 Stücke geschnitten und jedem ein Stück gegeben. Es ist jetzt schon das dritte Paket, was ich von E. H. bekommen habe, nochmals herzlichen Dank. Wir müssen jetzt noch einmal Weihnachten im74 Dieiterbriefe heißen Afrika feiern. Na, wenn es sein muß, so denn mit Gott. Er hat uns bisher behütet, er wird uns auch ferner behüten. Obgleich wir alle schon 5 bis 7 Gefechte mit gemacht haben, dennoch freuen wir uns, wenn es heißt, noch einmal unter dem Befehl unseres geliebten Führers, Major von Estorfs, fürs Vaterland zu kämpfen und unserem Regiment Ehre zu machen. In der Hoffnung, daß die Zeilen Euer Hochwohlge boren in bester Gesundheit treffen Ihr ergebenster Reiter K. Windhuk, 7. 3. OG. Das Paket habe ich bekommen, wofür ich sehr dankbar bin. Wie gewünscht, habe ich den Brief auch den Kame raden gezeigt und haben sich alle sehr gefreut. Gestern haben wir von den grünen Erbsen gegessen und es hat uns alle sehr gilt geschmeckt, es waren die ersten hier in Feindesland. Ich bin hier, weil ich Typhus hatte uiid für eine Zeit nur etappendienstfähig war, aber mir wird hier die Zeit lang, man hat die Gewohnheit nicht mehr, lieber ins Feld. Wir hoffen alle wieder nach Deutschland zu kommen, denn wir sind hier alle sehr müde. Aber was heißt hier müde, nur voran, heißt im Felde die Losung. Bon Zeit zu Zeit werden wir aber frisch gemuntert, näm lich, wenn die Pakete und die Briefpost kommt. Man denkt doch an liebe Heimatland und an die frühere Gar nison, aber auch das schone Mecklenburg, wo ich meine ersten Manöver gemacht habe. Einen herzlichen Gruß aus dem Feindeslande Ihr dankbarer Reiter R.ciu üb = 2Beft. 75 ©v. Barmen, 5. 1. OG. Das Weihnachtspaket habe ich erhalten und zwar in sehr gutem Zustand. Für diese sreudige Überraschung sage ich herzlichen Dank. Allerdings wird es hier kein Weihnachten sein, wie in unserem lieben Mecklenburg, denn die Natur paßt nicht dazu, aber unser Herz wird doch voll Weihnachtssreude sein. Mit Stolz sehen wir nach unserm lieben Heimatlande und mit Recht, denn wo so viele gute Herzen sind, die uns mit so lieben Gaben erfreuen und wo aller Gedanken hier bei uns im fernen Afrika weilen, da fühlt man sich wieder hingezogen. Während der Zeit, das wir hier sind, wird uns das immer zu neuem Mut und Tatendrang anspornen. Besonders große Freude erregen allerseits die Kriegsklänge", denn wenn wir nach anstrengender Patrouille nach der einsamen Station znrück- kehren und von den schönen Liedern anstimmen, dann merkt man nicht des Tages Last und Hitze. Man sitzt dann abends zusammen und läßt ein schönes Lied in die stille, sternklare Nacht schallen, um im nächsten Augenblick wieder zu satteln und hinter den schwarzen Horden herzujagen. Droht auch rings Gefahr und Tod Furchtlos doch in Kampf und Not. Unter den besten Wünschen zum Weihnachsfeste Ihr dankbarer Sergeant B. Windhuk, 20. 3. 06 . Meinen innigsten Dank für das mir in so gütiger Weise gespendete Weihnachtspaket. Der sämtliche reiche Inhalt war im besten Zustande und alles hochwillkommen. Am meisten habe ich mich über das Büchlein Kriegsklänge" gefreut mit der eigenhändig geschriebenen Widmung. Es wird mir stets ein liebes und teures Andenkei: an meinen76 JReitctbtiefe Feldzug in Süd-West sein, wenn der gnädige Gott mich noch einmal in die Heimat zu meinen Lieben zurückkehren läßt. Eine besondere Überraschung war es sür mich, daß ich das Paket gerade an meinem Geburtstage empfing. Mögen auch die Anstrengungen und Widerwärtigkeiten, mit denen wir hier ringen müssen, mitunter groß und kaum zu bewältigen sein, so läßt das Bewußtsein, daß im Vater lande unserer mit Wort und Tat liebevoll gedacht wird uns dieses leicht erscheinen. Ein gesegnetes Fest wünscht mit herzlichem Dank Eesr. A". Harts, 26. Mai 06. Ich bitte um Verzeihung, daß ich nicht gleich für die schönen Pulswärmer gedankt habe, aber der Dienst bei einer Proviant-Kolonne läßt nicht viel Zeit übrig, wenn man seinen Pflichten Nachkommen will. Lange nach Sonnen untergang sind wir auf dem Marsche und schon vor Sonnen aufgang wird weiter getreckt. Am Tage haben wir unsere Maultiere zu weiden und zu tränken und unser Essen zu bereiten. Damit ist der Tag ausgesüllt. Das Lieder buch. wofür ich herzlich danke, ist mir ein sehr liebes Buch geworden, ich bewahre es sorgsam. Gesungen wird bei unserer Kolonne wenig, es scheint, als wenn alle ernster geworden, auch lassen die Verhältnisse hier keine rechte Fröhlichkeit aufkommen. Jetzt sind wir fast l l a Jahr hier. Wir haben allerdings keinen Schaden dadurch, daß wir länger hier sind als wir uns verpflichtet haben, eher Vorteil, denn wir bekommen gute Löhnung, wovon wir die Hälfte sparen können, was uns später in Deutschland zu statten kommen wird. Es würde mich aber doch sehr freuen, wenn ich bald heimkommen könnte, damit meine Braut, Mutter und Schwester nicht allzulange warten müssen. Hoffentlichwerde ich nach meiner Rückkehr bald in der Lage sein, meiner Braut ein freundliches Heim zu gründen, und kann sie auf die Weise für das lange Warten entschädigen. Nochmals herzlichen Dank für ihre Freundlichkeit und herzliche Grüße von Gefr. G. Windhuk. 8. B. 06. Bin im Besitz des Briefes sowie des Pakets und eiikes Geschenks von Seiner Königlichen Hoheit unseres Großherzogs uiid spreche meinen herzlichen Dank aus. Nach allen Anzeicheir zu urteilen ist der Feldzug noch lange nicht zu Ende. Die Hottentotten haben wohl ein gesehen, daß ihre Existenz von der Schnelligkeit ihrer Beine abhängt. Diese Erscheinung ist eine bittere Pille für den deutschen Soldaten, der doch für sein Leben gern mit dem Bajonett drauf geheir würde wie unsere Bäter 1870. Hier heißt es der Ungeduld Zügel anlegen und warten bis der Entscheidungskampf geführt werden kann. Meine Abteilung hat jetzt deik Provianttransport nach Cub zu besorgen, da sind wir fortwährend dem Marsche. Eine große Um sichtigkeit und Genauigkeit ersordert der Sicherheitsdienst, um uns vor Überfüllen und Diebstählen zu schützen. Die kühlere Jahreszeit wirkt wohltuend auf Mensch und Tier. Ich hatte Gelegenheit, einmal dem von Herrik Pastor Schmidt abgehaltenen Gottesdienst und einem seiner Soldaten abende beizuwohnen. Es war ein herrlicher Abend, nicht allein alle Soldaten, sondern auch Offiziere und Beamte waren zugegen. Noch heute spricht jedermann vom Herrn Pastor, daß er ein echter Kamerad und Soldatenpastor ist. Ich hatte meine besondere Freude, da ich den Herrn noch von China her kannte. Für alles Gute dankend verbleibe ich ganz ergebenst Wachtmeister W.78 Reiterbriese Kcetmanshoop, 06 Weil ich auch so weit bin, daß meine Glieder wieder gestärkt sind, so spreche ich meinen größten Dank aus für dieses Paket, ich kann nur garnicht vorstellen, wie es mich so ausgeheitert hat, als ich dies Paket erhalten habe. Aber es tut einem jeden Soldaten wohl, wo hier im Lande ist, zum Beispiel von uns alten deutschen Soldaten hat es sicher einen jeden schon angetan, daß sie sich in der Heimat so drum kümmern um die Soldaten in Südwestasrika. Aber doch muß ich schreiben, daß man kann sehn, was ein deutscher Soldat aushalten kann. Wir hoffen, daß bei uns doch das Glück bald kommt, daß wir Deutschen das Ziel mit unfern Hottentotten bald erreicht haben. Es wird auch nicht mehr so lange dauern, denn sie ergeben sich alle; die wo ihre Kapitäne nicht mehr haben, die kommen alle. Wir sind jetzt auch so weit, daß wir jetzt nach dem Morenga gehn. Hoffentlich werden wir mit dem auch noch fertig werden, dann sind es bald Alle, denn das ist ja der größte. Aber das muß ich schreiben, daß wir heute noch so gut als wie wo der Krieg ausbrach noch frisch und munter voran ziehen, denn wir können jetzt auch bald sagen, wir sind so weit. Das muß auch seiu, wie es sich auch ziemt von einem deutschen Soldat, immer tapfer und ruhig, daun bringt man auch etwas zurecht. Wir kämpfen für unser Vaterland und stehn auch so fest als wie die Mauern; das ist dem Deutschen sein Sprichwort. Und soll es dazu kommen, daß einer von uns füllt, dann hat er seinen Heldentod voll bracht, wie schon viele von unseren Kameraden. Aber das hat nichts zu sagen, man muß immer denken, der hat fürs Vaterland gestritten. Wir sind auch deutsche Soldaten und wir bleiben auch deutsch, wenn auch die Hottentotten gedacht haben, wir werden den Dütschmann schon kriegen. Ich will mein Schreiben schließen und mit vielen DankCtU ©Üb s 206 ft. 7 9 und viele Tausend Grüße. Und ich spreche meine Dank sagung noch mal aus, ich danke viel Tausendmal für diese schönen Weihnachtsgaben, die ich von ihren Hochwohlgeboren gekriegt habe. Viele Tausender Dank und viele Grüße sendet der Gefreiter II. Scciä, 06 . Ihren werten Brief nebst Liederbuch, sowie Paket habe ich erhalten, die Freude von mir und nieinen Kameraden war übergroß, auch ich war sehr überrascht, und wollte fast garnicht glauben, von einer so hohen Frau ein Liederbuch mit eigenhändig geschriebenem Brief, und obendrauf noch ein Paket zu erhalten. Wir waren gerade aus Patrouille im Hochgebirge, an einer Wasserstelle, welche kaum so viel Wasser hatte, daß wir unsere Pferde tränken konnten. Des abends saßen wir teils hungrig und durstig ganz eintönig zusammen am Feuer, aus einmal hieß es, Feldpost kommt; wir sprangen alle auf und schon wurde mein Name verlesen, ich gedachte zuerst an einen Brief von zu Hause, dann als ich ihn hatte, einen Brief mit Photographie von meinem Bruder, aber doch welches Er staunen, als ich ihn geöffnet, und unter den Kameraden vorgelesen hatte. Alle waren begeistert, Hunger und Durst vergessen, wir schlugen das Buch auf und sangen einstimmig Lieder tief bis in die Nacht hinein. Alle Kameraden beneiden mich um ein solches Buch mit der eigenhändig geschriebenen Denkschrift der hohen Frau und Verfasserin zu haben. Auch ich bin stolz darauf und habe, um als ewiges An denken zu bewahren, dasselbe meinen lieben Eltern nach Hause geschickt. Tausendmal Dank dafür, daß Sie mir ein solches Buch nebst Paket zukommen ließen. Der liebeGott möge Sie doch so edel denkende Frau recht lange am Leben erhalten und stets Ihre beste Gesundheit bewahren, das wünsche ich von Herzen. Unter herzlichsten tausend Grüßen Ihr Gesr. P. fln die deutschen Frauen, von Reiter fj. Wie soll ich Ihnen danken, Für das, was Sie getan, An manchem Unbekannten, Und armen Reitersmann? Wir zogen nach Süd-Westen, Entgegen der Gefahr, Weil unser deutschen Brüden: Die Hilfe nötig war. Wir kämpfen nun mit ihnen Vereint mit deutschem Mut, Doch mancher muß es sühnen Mit seinem Heldcnbliit. Entbehrung und Gefahren, Die heiße Sonnenglut, Die raubten manchem Reiter Den einst so frischen Mut. Die Feldpost kam ins Lager In dieser Zeit der Not, Wir alle dankten aber Alsdann dem lieben Gott. Denn aus den deutschen Gauen Im lieben Heimatland, Ward von den deutschen Frauen Uns mancher Gruß gesand d u  S ü b = 28 e f. 81 6 Jedoch ben Gnrß alleine Hat man uns nicht bestellt, Es kam auch manches kleine Paket uns ins Feld. Gar mancher matte Reiter Schöpft sich da frischen Mut, Gestärkt kämpft er dann weiter, Es geht ihni wieder gut. Dank aus der fern , von ikeiter st. Kann es kaum in Worte fassen, Was mein Herz so tief gerührt, Und ich kann es doch nicht lassen, Tank weih n, dem Dank gebührt. Känrpfend stehn in ernster Pflicht, Für das Land wir, Mann für Mann, Der ist Deutschlands Sprosse nicht, Dem man nicht vertrauen kann. Kampfbereit gen Feinde schützen Wir die Flagge schwarz-weiß-rvt, Pflichtgetren denr Reich nützen, Ging es auch in frühen Tod. Und es fließt aus deritschen Gauen Reiche Gab in fernes Land; Männer, Kinder, holde Frauen Spenden uns aus voller Hand. Alle suchen uns zu nützen, Daß gen Krankheit wir gefeit, Uns gen Hunger, Durst zu schützen Sind die Spendenden bereit.82 Neiterbriefe O, ihr edlen, deutschen Herzen, Die ihr deutscher Söhne denkt, Die ihr lindert manche Schinerzcn, Durch die Gaben, die ihr schenkt. Möge Gott es euch vergelten, Was ihr Gutes uns getan, Bis zu fernsten Sternenzelten Dringet unser Dank hinan. Als Zeichen deutscher Treue, Die auch die Frauen ehrt, Wird uns inr blut gcn Kriege Von ihnen viel beschert. Drum soll ein Grus; euch zeigen, Daß wir auch dankbar sind, lins ist die Treu auch eigen, Weil wir ja Deutsche sind. Deutschlands tapfre Frauen, Die ihr die Treu uns lehrt, Seid in den deutschen Gauen Durch diesen Gruß geehrt. Kn iS, 24. 3. 06 Ihre opferfreudige Gesinnung, die in Worten und Werken ihre Bestätigung findet, erfordert es, daß ich inir heute gestatte, E. H- meinen aufrichtigsten Dank für Ihr öfteres, liebes Gedenken an uns hierdurch ergebenst auszu- fprechen. Gewiß, es ist eine Wohltat, wenn man als Krieger, der für Deutschlands Ruhm und Ehre hier in die Wildnis hinausgezogen ist, ein Mitempfinden unserer nicht leichten Aufgabe seitens einer solchen Offiziersdame fühlt. Der liebe Gott vergelte es Ihnen vielmals. Mit einem freundlichen Gruß aus dem fernen Süden zeichnet hoch achtungsvoll und ergebenst in Dankbarkeit Uoffz. K.aus Süd-W est. 83 6. Lazarett Warmbad, 14, 3. 06. Ich erlaube mir unter herzlichem Danken Ihrer werten Persönlichkeit einige Zeilen zu schreiben. Ihre werte Per sönlichkeit hat mir eine große Freude bereitet. Ich lag schwer am Typhus darnieder, als ich den werten Bries erhielt und noch dazu die schöne Liebesgabe. Ich kann nicht mit Worten schreiben, was sür Freude es mir machte, ich will aber von ganzem Herzen und ausrichtiger Soldaten ehre danken, daß Ihnen unser Vater im Himmel die Wohl tätigkeit, die Sie an uns armen Reitern bewiesen haben, zu großer Belohnung kommen läßt, sei es hier oder droben. Es sreut mich, daß es in der lieben Heimat doch solche treue Freundin und Freund gibt, die den Kameraden, die im Felde stehen, solche Freude bereiten, deshalb suhle ich mich gezwungen, Ihnen zu danken. Es grüßt Sie mit aller Würde Eefr. F. Spcrltngspütz 8. Juni 1906: Den Bries von Euer Hochgeboren vom 28. Mürz nebst Briefpaket vom 22. Januar habe ich am 2. d. M- mit Freuden erhalten, wofür ich vielmals danke. Am 6. d. M. hatten wir wieder ein schweres Gefecht mit Morris und Christian, es dauerte 26 Stunden, bevor der fast 300 Köpfe starke Gegner zurückging. Unsererseits fielen 2 Offiziere und 10 Mann. 8 Mann wurden verwundet, darunter der mir sehr bekannte Oberleutnant Dannert (ich war ein Monat Bursche bei ihm), Führer der 10. Kom pagnie. Wird von der Kompagnie und allen Mannschaften sehr bedauert. Ich denke noch an die Worte, die er am Nachmittage, wo ich ein Pferd der Funkenstation an die 10. Kompagnie abgeben mußte, zu mir sagte: Na, Wiese, wenn es Gottes Wille, machen wir heute abend mit den Schwarzen Orlog!" Richtig, abends 5 Uhr, kurz vor84 SRe iterbriefe Sperlingspütz erhielt die 10. Kompagnie, welche als Spitze diente, Feuer. Die Nacht hindurch fielen nur vereinzelte Schüsse, aber früh 6 Uhr kamen sie von allen Seiten. Dem Gegner gegenüber stand das Detachement des Majors Frehhold, bestehend aus der 3., 10. und 12. Kompagnie, 2 Gebirgsgeschützen (v. Billerbeck), 2 Maschinengewehren und Funkenstation. Die Schwarzen versuchten verschiedent lich zu stürmen, aber ohne Erfolg. Die 10. Kompagnie hatte Befehl, zu umgehen, welches bereits gelungen war, nur die eine Höhe war noch von den Schwarzen stark besetzt. Oberleutnant Dannert versuchte die Höhe zu stürmen, wobei er selbst von sieben feindlichen Kugeln durchbohrt wurde; auch Leutnant Abendroth der 10. Kom- pagnie erhielt einen Bauchschuß. Noch 5 Mann gingen hierbei in den Heldentod. Sämtliche wurden von den Schwarzen beraubt und entkleidet. Ein schrecklicher An blick. Abends 7 Uhr zog sich der Feind zurück, und wir nahmen die Wasserstelle Sperlingspütz. Die Artillerie hatte ihre Munition verschossen. Also wieder ein schweres Gefecht, wo mich Gott beschützt hat! Wie wohl Euer Hochwohlgeboren schon gelesen, erhielt ich am 27. d. M. für tapfere Auszeichnung in Gefechten das Militär-Ehren zeichen 2. Klasse am schwarz-weißen Bande. Morenga ist ins Englische geflüchtet. An eine baldige Heimkehr ist Wohl nach diesem Gefecht noch nicht zu denken. Mit Gott kämpfen wir frohen Muts weiter. Herzl. Gruß erlaubt sich Gefr. W. Funkentelegr. Aus Kalkfoiite , kn 13. Juni 1916. Mit Erstaunen erhielt ich am 9. d. M. ein Paket, welches dort am 29. September vorigen Jahres abgesendet wurde. Ich spreche hiermit meiner hohen Wohltäterinciu Süd-West. 85 meinen herzlichsten Dank ans. Wenn es nicht direkt zu Weihnachten hier eintras, es hat mir jetzt dieselbe Freude be reitet. Ist dasselbe doch zu einer Zeit hier eingetroffen, vor welcher meiner Kompagnie eine ziemlich schwere Zeit mit machte. Nachdem wir 2 Gefechte mit einer etwa 300 bis 400 Manu starken Baude hatten, waren unsere Pferde, welche meistenteils über mit Steinen besätes Gelände mußten, ohne Eisen, sußkrank geworden. Auch wir mußten uns von den am 23. und 25. Mai d. I. gehabten Gefechten und den vorangegangeneu Strapazen erholen. Wir be setzten bis 8. d. M. die Wasserstelle Grttndorn; von hier aus kamen wir am 9. d. M. in Kalkfouteiu au, woselbst ich das Paket in Empfang nahm. Selbiges ist sehr gut erhalten. Die größte Freude hat mir das Buch Kriegs- klünge" bereitet. Die Lieder werden hier mit Freuden auf Märschen gesungen. Wie ich schon vorhin erwähnte, hatten wir in dem vorigen Monat 2 Gefechte. Leider sind mehrere Kameraden, welche meistenteils schon bei meiner Kompagnie waren, auf dem Feld der Ehre geblieben. Darunter einer der besten Offiziere, welche bisher bei unserer Kompagnie waren, Herr Leutnant v. Engler; sel biger wurde einen Monat vor seinem Tode von unserer Kompagnie zur 8. Kompagnie Feldregimeuts 2 versetzt. Hier wurde er aus einem Patrouillenritt abgeschossen. Selbiger wird in vielen Herzen der 3. Ersatzkompagnie noch lange weiterleben, und oft wird von uns, wenn wir erst drüben sein werden, von diesem tapferen Offizier ge redet werden. Möge diesem Helden die Erde bis zu seiner Auferstehung leicht sein. Die Räuberbanden werden mit Energie verfolgt. Hoffentlich wird das Blut der Gefallenen bald von uns gerächt werden. Wenn auch die Operationen meistenteils in turmhohen Bergen, an welchen sich spitze, mit Felsblöcken besäte Kuppen anschließen, stattfinden, so86 Reiterbriese wird ja auch einmal, so Gott will, die Zeit kommen, in welcher dieser Krieg sein Ende erreicht hat. Was meine Gesundheit hier anbetrifft, so kann ich selbige noch ziemlich gut nennen. Das Einzige ist, daß der Rheumatismus in folge der kalten Nächte sich bemerkbar macht. Ich habe bisher an 7 Gefechten teilgenommen, bin seit Anfang April d. I. zum Unteroffizier befördert, und danke meinem Schöpfer, in den Klippen bei den Gefechten mit kleinen Hautabschürfungen davon gekommen zu sein. Hoffentlich wird es auch mir vergönnt sein, in mein Vaterland nach Beendigung dieses Krieges gesund, so Gott will, zurück kehren zu dürfen. Leider wird es dann wohl schwierig sein, eine Stellung, in welcher meine 3 Kriegsjahre An rechnung finden, habhaft zu werden, und in welcher ich späterhin, ohne Not zu leiden, mir mein eigenes Heim gründen darf. Der einzige Trost für jeden Schutztruppler in Deutsch-Südwestafrika ist wohl: Gott hat bis hier ge holfen, er wird auch weiter helfen, er verläßt keinen Deutschen. In der Hoffnung, daß ich meine hohe Wohl täterin mit vorhcrgegangenen Zeilen nicht belästigt habe, schließe ich, und füge die herzlichsten, wohlgemeinten deut schen Grüße bei. Es zeichnet unter Hochachtung, indem ich mir noch einmal für die mir zuteil geivordene Auf merksamkeit recht herzlich bedanke. Uosfz. F. L. Stolzenfels a. Orange, 12. Juli. Heute erhielt ich Ihren lieben Brief vom 17. 10. 05, sowie das liebe Briespaket mit nützlichem Inhalt. Herz lichen Dank Ihnen, sowie den lieben Strickerinnen. Das Tuch, Puls- und Nasenwärmer kann man jetzt sehr gut gebrauchen, denn nachts an der Lampe und auf dem Marsche ist es sehr kalt. Was nun den Brief vom 17. 10. 05 an betrifft, so wird mir beim Anblick des verstempelten Kuvertsaus Süd-West, 87 und der weiten Reise, die der arme Gesell" machen mußte, bis er mich fand, ordentlich weh ums Herz. Habe ich doch in derselben Zeit so ziemlich denselben Weg gemacht, ohne bis jetzt Ende zu kommen. Aber Freude hat er mir gemacht. Glauben Sie meinen Worten: Treu bis zum letzten Augenblick habe ich bis jetzt in meinem zweijährigen Hiersein immer im Feld meinen Mann gestanden, so stehe ich ihn auch, so Gott will, bis zum Schluß. Was nun den Orlog anbetrifft, so wünschen wir auch, daß derselbe bald klar wird. Sind deshalb aber immer noch nicht orlogsmüde; ehe mir die Kartoffeln nicht verhageln, und damit hat es noch gute Weile, lasse ich den Mut nicht sinken. Gott hat bis hier geholfen, so wird er auch weiter helfen. Nun zu Nr. 2 vom 13. 2. 06. Freut mich herzlich, daß Sie meine Weihnachtsbriese erhalten. Die im Paket gefundenen Weihnachtskerzen sowie Christbaumschmuck haben in H., wo wir Heiligabend feierten, herrliche Ver wendung gefunden zum Schmücken eines Dornenbusches. Es war uns allen eine große Freude, und versprach ich beim Anblick des brennenden Busches Ihnen sowie allen Spendern ein dankbares Gedenken. Leider ist trotz aller Strapazen ec. der Orlog immer noch nicht klar. Ich habe die Operationen seit Dezember bis jetzt mitgemacht. Und sind auch wir im März mit anderen Gefühlen in die Orangeberge gerückt, dachten alle, so Gott will, im Juli zu Hause zu sein, aber Behüt dich Gott, es wär so schön gewesen". Nun ab- warten, dann Tee trinken. Anbei sende Ihnen einige Ausnahmen von mir, damit Sie sich so ungefähr denken können, wie ich aussehe. Aus dem einen Bild stehe ich am Signalspiegel und beim andern sitze ich auf dem Pferde. Na, man wird eben alt, bald 29. Junge Landwehr. Nun nochmals herzlichen Dank und Gruß der deutschen Frau von Ihrem ergebenen Reiter (Signalist) L.88 lHuit etbciefc Windhuk 06. Die mir so lieben Karten habe ich mit der innigsten Freude erhalten. Wie haben mich die lieben Zeilen begeistert und wie haben sie mich in meinen Gefühlen ermutigt. So hat man doch klare Beweise, das treue Herzen in der Heimat unserer im fernen Lande gedenken und ein jeder, der es empfindet, wie sollte der nicht dankbar sein und gern und opferwillig für sein Vaterland und seine Ehre kämpfen. Nur bedauere ich, daß ich nicht im stände bin zu schreiben, was mein Herz beim Empfang der lieben Karten empfunden hat. Ich kann weiter nichts schreiben als daß ich dankbar bin, und werde mich so stets dem Vaterlande zeigen, indem ich in Treue meine Psticht tun werde. An Stelle meiner Eltern hat Gott mir doch jetzt jemand geschickt, der in der Ferne meiner gedenkt. Ich bin der Proviant-Kolonne zugeteilt, wäre lieber zur Feld-Komp, gegangen, weil ich da eher meine Kenntnisse hätte anwenden können, welche ich mir bei meinem stolzen Mecklenburgischen Regiment erworben habe, werde mich frei willig melden, vielleicht wird meine Bitte gewährt. Nun muß ich schließen, ich muß meine Sachen zuin Ausrücken fertig machen, zuin nächsten Mal schreibe ich mehr. Mit innigsten Dank und vorzüglicher Hochachtung Reiter B. flm morgen. Windhuk, 3. 6. oo. Wer schlägt so rasch an die Fenster mir? Der Dombaum ists mit seinen Zweigen. Hatto! Der kühle Morgenwind ist hier Und tut mir freundlich dadurch zeigen, Daß auch daheim auf jeden Fall Die Morgenwinde wehen. Doch da so groß der Erdenball, Daß man sich nicht kann sehen, Drnm übergeb ich nun geschwind, Den schönsten Gruß dem Morgenwind. Uoffz. Laus Süd-West. 8Ü Kub, vk. Wollen Euer Hochwohlgeboren bitte den herzlichsten Dank für die gesandten Blätter und Grüße für unsere Braven im Lazarett" entgegennehmen. Bei der Verteilung der Grüße an die Kranken habe ich von Euer Hochwohl geboren von den Kranken mit so dankbarem Herzen sprechen hören, daß ich auch nicht anders kann, als in Ihnen die Frau, welche die Liebe zu Kaiser und Reich bei unseren braven Reitern pp. der Schutztruppe fördert und begeistert, zu erblicken. Ich wünschte Euer Hochwohlgeboren könnten mal hören, mit welcher Begeisterung, selbst von den Kranken im Bett, unsere deutschen Lieder und insbesondere die von Euer Hochwohlgeboren gespendeten Kriegsklänge" gesungen werden. Im Gesänge selbst würden Euer Hochwohlgeboren den schönsten Dank unserer tapsern Reiter empfinden. Es ist herzergreifend und wirkt wohltuend, erfrischend auf Geist und Gemüt. Oft genug ist mir Gelegenheit geboten an den gemeinsamen Gesängen teilzunehmen und hierbei kann ich die Stimmung so recht gut beobachten. Selbst diejenigen Individuen, welche gewöhnlich das Gute in den Schmutz zu ziehen versuchen, verstummen ja bald und singen schließlich mit. Auch Tränen der Wehmut kommen hierbei vor, trotzdem es Soldaten, Männer sind, welche Lieder singen. Zu schämen braucht sich aber keiner der Braven, es zeugt nur von um so größerer Liebe zum deutschen Vaterland, zur deutschen Heimat. Ich bin auch schon ein verhältnismäßig alter Knabe, welcher sich von seinen 15 Dienstjahren 4 Jahre in Ostasien und nun beinahe 2 Jahre in Afrika herumtreibt, und es ist wahrlich nicht Abenteuer lust, welche mich in fremde Lande zog. sondern einzig und allein, wie auch bei den meisten Angehörigen der Schutz truppe, die Pflicht als Soldat als der Kaiser rief, Frei willige vor! Auch bin ich nicht sentimental veranlagt, und90 Dleiterbriefe doch rufen die Lieder auch bei mir Gefühle hervor, welche ich anderen Leuten nicht zeigen möchte, zugleich aber auch wieder Frohsinn und Dankbarkeit gegen diejenigen Helden dichter, welche diese Lieder schufen. Nun so Gott will ist dieser Aufstand bald beendet und die Heimat, wonach sich sehr viele Reiter sehnen, in Sicht. Das eine Jahr Ver pflichtung der Reiter zur Truppe ist schon längst vorüber und doch wird ausgehalten, denn der Feind muß besiegt am Boden liegen wenn etwas erreicht werden soll, und es wird erreicht werden. Wenn man sieht, welchen Entbehrungen und Strapazen unsere Braven hier unterworfen sind und dennoch mutig, hoffnungsvoll, tapfer und siegesbewußt draus losgehen und aushalten, so lacht einem das Herz im Leibe. Deutschland braucht sich seiner Söhne wahrlich nicht zu schämen, kann vielmer stolz aus dieselben sein und nicht etwa, daß nur der gewöhnliche Reiter den Strapazen und Entbehrungen unterworfen ist, nein, der Offizier noch viel mehr, da derselbe an und für sich schon eine bessere Lebens weise von Hause aus gewöhnt ist und dennoch dasselbe und noch mehr durchzumachen hat wie der Reiter; sind Gefechte und Strapazen überstanden, dann hat der Reiter seine Ruhe, der Offizier aber hat zu berichten und das bischen freie Zeit geht hierbei verloren. Auch betreffs der Ver pflegung ist der Offizier nicht besser daran als wie der Reiter, denn für Geld und gute Worte gibt s im Felde nichts zu kaufen, und die Verpflegungsportionen für Offiziere und Mannschaften sind an Quantität und Qualität dieselben. Von Mannschaften habe ich wiederholt gehört, daß Offiziere aus eigenen Beständen ihr Letztes mit den Reitern geteilt haben. Es ist eine herrliche Sache von unseren Leuten so sprechen zu hören. Es gibt aber auch viel Jammer und Elend, wenn man sieht wie zerschossen, abgemagert und hohläugig manche braven Offiziere und Mannschaften hieraus S i t b=2Ö e ft. 91 im Lazarett eingeliefert werden, wo selbst die ärzliche Kunst nicht mehr zu Helsen vermag, trotzdem unser Chesarzt, Herr Stabsarzt Dr. Franz, Wohl einer der tüchtigsten Ärzte Deutschlands ist, von ihm kann man wirklich mit Recht sagen: Leimt, heilt und kittet alles. Über 800 Kranken hat er seit November 1904 hier im Feldlazarett V mit Gottes Hülfe und seiner ärztlichen Kunst die Gesundheit wiedergegeben, er wird auch vom Personal, sowie den Kranken wirklich geliebt und verehrt. Von Ungefähr 200 Verwundeten sind bisher nur 1 Offizier, 1 Oberveterinär und ein Reiter ihren Wunden erlegen, o Unteroffiziere und Mannschaften sind am Typhus gestorben, die anderen sind mm größten Teil bereits geheilt und wieder im Felde, teils aber auch, weil nicht mehr dienstfähig, nach Deutschland zurück gesandt worden. Leider werden wir unfern allver ehrten Chefarzt bald los werden, da er sich zur Front ge meldet hat und sicher auch hinkommen wird, da ja in nächster Zeit Gefechte mit Moreuga stattfinden werden und vr. Franz als konsultierender Chirurg dort nötiger gebraucht wird als im Lazarett. Nun, der liebe Gott wird unfern braven 0r. Franz in seinen Schutz nehmen und ihn behüten vor verräterischen Kugeln des hinterlistigen, grausamen Feindes. Viele von den Unteroffizieren und Mannschaften des Pflege personals haben sich gemeldet und gebeten, mit dem Herrn Stabsarzt zur Front gehen zu dürfen, jedoch ist es wahr scheinlich niemandem vergönnt hinzukommen, da ja der Soldat dort Dienst zu tun hat, wo er hingestellt, bezw. hinbefohlen wird. Doch nun genug mit dem Geschreibsel, allerverehrte, gnädigste Frau, lange Briefe sind langweilig zu lesen und es liegt mir, fern Euer Hochwohlgeboren zu belästigen. Es trieb mich die Dankbarkeit dazu, der Wohl täterin der Menschheit etwas vom Lazarett zu berichten. Verzeihung, gnädigste Frau, wenn ich Euer Hochwohlgeboren92 9tßitcc6tieft! mit diesem Briefe belästigt haben sollte, auch bitte ich ganz gehorsamst die herzlichsten ehrfurchtsvollsten Grüße von mir entgegen nehmen zu wollen. In treuer Dankbarkeit zeichne ich sehr ergebenst und hochachtungsvollst Bernhard. P. Zahlmeister-Aspirant. Erdicht bes Reiters 3. Unserem Führer fjauptmann Ritter. DaS ist ein Held, ein Ritter ohnegleichen, Das ist ein Mann, der wußte vas er wollt, Wenn alles gegen var, er mußts erreichen, Er hat sich Ruhm und Ehre dort geholt. In ihm da paarte Energie Milde Und Lnst und Ernst sich allzeit wunderbar. Ein Freund uns war er, Schrecken stets für Wilde, Wir ehrten drum den Führer immerdar. Mit Stolz wolln seiner stetig wir gedenken So lang uns Gott wird unser Leben schenken. Reiter Z. Tclcgraphcnstatioii Klifontein. 18 . 7 . 06 . Hochgeehrte Frau! Soeben erhielt ich von Ihrer gütigen Hand das Paket, wofür ich Ihnen meinen auf richtigsten Dank ausspreche. Mit aufrichtiger Gesinnung bitte ich Sie, meine damaligen und meine jetzigen Zeilen nicht als Mittel zum Zweck" zu betrachten, sondern es entspringen meine niedergeschriebenen Worte nur aus dank barem Herzen; denn stets werde ich voll Bewunderung zu der edlen Frau emporblicken, ivelche sich so mit echt deutscher Begeisterung unserer befaßt. Wenn der elende Aufstand sollte auch noch Jahre dauern, so wird jeder deutsche Soldat mit derselben Aus dauer und Opfermut kämpfen, als es in seinen Kräftenaus Süd-West. 93 steht. Obgleich es hier ja nur uoch Räuberbanden sind, welche die Sicherheit gefährden, so machen diese doch immer noch zu schaffen. Verbleibe mit hochachtungsvollem Gruß ergebener Carl K. 2. Feld-Telegr.-Abtlg. Kalkfontein, 4. Nug. 06. Vielen, vielen warmen Dank für die Zeilen und für die hochherzige Zusendung von Pulswärmern und Tabak. Die Pulswärmer kommen gerade zu rechter Zeit, denn augenblicklich ist es sehr kalt und ein starker Nordostwind. Auch tausend Tank für das schöne Liederbuch und das Lied vom Heimatstraum. Wie hoch schlägt einem das Herz, wenn die Lieder gesungen werden, manchem rollen dabei die Tränen in den Bart. Es ist auch mit Freude zu begrüßen, daß durch die Lieder die deutsche Sprache hier mehr Geltung bekommt und das Land auch dadurch immer mehr deutsch wird. Es soll doch auch für manchen eine zweite Heimat werden. Anderseits wieder, wenn man durch die schweren Strapazen mißgestimmt und erschöpft ist und man liest eins der schönen Heimatslieder, dann hebt sich die Brust und mit frischem Mut gehts weiter. Aus allen diesen Gründen sind die Lieder ein Kleinod für uns und es ist nicht zu verwundern, daß jeder Mann neben seinem Stückchen Brot und Becher Reis auch das Liederbuch bei sich trägt. Wir hoffen alle auf baldigen Frieden und ein frohes Wiedersehen in der lieben alten Heimat. Ich bin jetzt hier auf Signalstation und habe tüchtig zu arbeiten, immer94 Reiterbriefe Tag- und Nachtdienst. Zum Schluß wünsche ich der gnädigen Frau stets gute Gesundheit und mit nochmals vielem Dank bin ich der gnädigen Frau stets dankbarer Reiter E. 6ruß. Aus fernen Landen beste Grüße Send ich den Lieben mein dir, Da gar so schön es in der Wüste, So wünsch ich nur, du wärest hier. Wir sitzen itt dem schönen Rietmont, In Hendrik Witbois Residenz, Sind kreuzfidel und kerngesund, Da doch der Krieg ist bald zu End. Und gehtS auf wilden Meereswogen Der lieben Heiniat endlich zu, Tann will ich meinen Herrgott loben, Nach schwerer Arbeit endlich Ruh. Uossz. R. kin die Seliedte aus dem Kriegerleben. Liebste .... deine Zeilen, Haben wirklich nrich erfreut, Darum will ich mich beeilen Antwort gleich zu senden heut. Du natürlich denkst ivie immer Dein .... bleibt nicht treu, Doch an so was denk ich nimmer, Liebe dich lvie einst im Mai. Leider fern von der Geliebten, Vor dem Feind im fernen Land, Sind wir jetzt durchs Meer geschieden, Doch eint das liebe Band. Und so wollen treu vir halten Fest zusammen fort und fort, Nicht umsonst sollst du dann warten, Bei uns gilt des Mannes Wort. llofsz. R.ttu 6üb = 3Beft. 95 Aus Sübroeft. Auf der Klipp, auf Bergesfpipen Müssen unsre Krieger schwitzen, Müssen lausen ohne Ruh. Kommt! Wir wollen uns verteilen, In Schützenlinie eilen, Wir sind am Feind im Nu. Pflanzt auf die Bajonette, Schießt mit dem Feinde um die Wette, Es gilt für Deutschlands Ehr. Laßt euer Hurra klingen! Seht, wie sie alle springen! Schnellfeuer hinterher! Endlich war das nun ein Siegen, Laßt uns nun in Ruhe liegen Bis die Botschaft uns gesandte Auf nach Deutschland! Hoch! Hurra! Kameraden! Freud ist da! Dreimal hoch das Heimatland! Uvffz. W. Kriegers Cos. Im fernen Süden, vo die Dornen grünen, Wo glühend heiß die Sonne niederbrennt, Wo Deutschlands Heldensöhne dienen, Da liegt das Land, daS Afrika sich nennt. Ein Land von märchenhaft umwebten Sagen, Beschienen von deS Mondes blassem Schein, Da ivard so manches schivere Los getragen lind manche Wunde grub sich brennend ein. Die deutschen Söhne sind es, die da dienen, Feni von der Heimat, fern vom Elternhaus, Und mancher mußte dort schon bitter sühnen, Den Lust nach Abenteuer trieb hinaus! Seht dort den armen, wunden Krieger liegen,9G ax^^Sf-o-^-oDieiterbriefe Scin Antlitz von der Sonne braun gebrannt, Was nützt es ihni, wenn seine Brüder siegen Fern liegt er hier von Lieb und Heimatland, Noch einmal heben sich die müden Lider Und leise er die Worte spricht: Mein Heimatland, ich seh dich nimmer wieder, Vergib mir Gott! O, Mutter, weine nicht!" Jetzt ruht sein Haupt wohl hier aus heißer Erden, Sein Blut es särbt den Boden purpnrrot, Für ihn gibls nicht mehr Mühe und Beschwerden, Sein Los war heute rot und morgen tot. Reiter B. ernster wort. Wir hielten Treu in Kamps und Not, Die blnt ge Treue bis znni Tod, Davon könnt ich wohl vieles dichten, Von großen Siegen kann ich nicht berichten. Doch dürft ihr uns dämm nicht schelten, Laßt schlechtes Reden dort nicht gelten, Glaubt mir, wir stehn hier unfern Man , Es tut ein jeder was er kann. Hier gilt die Tat und nicht das Wort, Kein Witboi jagt das Reden fort. Den Blick nach oben, und das Herz, die Hand Mit Gott, für König und für Vaterland. Reiter L. (Signalist) Der deutschen Frau. Gib uns deine milde Hand! Von der Mutter Hand gerissen, Wandeln vir in Finsternissen, Kinder durch ein fremdes Land. Manchmal, wenn es dunkel ivar Schenkte eine Heimatweise Deiner Stimme wunderbar Licht und Trost der langen Reise. Wandrer ohne Ziel und Pfad Irren wir in dunklen Weiten, Wolle Gott uns gnädig leiten Bis der große Morgen naht. Serg. B.tiu ©itö=2Beft. 97 Kriegers Heimkehr. Gedicht Von einem heimgekehrten Schuhtruppler für den 2G. Sept. OG, Landung in Cuxhaven, Die Menschen am Hafen crhebeit den Blick Erwarten mit Sehnsucht die Kämpfer zurück, lind deutlich sehn sie die Maste schon Ein schöner Empfang das sei nun ihr Lohn. Einst zogen die Tapfer fürs Vaterland fort, Sie folgten mit Lust ihres Kaisers Wort, Jetzt kehren heim von Strapazen und Schlachten, Die Taten sind schwer, die dort sie vollbrachten. Seht die Gesichter der mutigen Streiter, Sie sind nach blutiger Tat wieder heiter, Man sieht es an ihren strahlenden Blicken, Daß keine Sorgen sie Niederdrücken. Elastisch der Körper, gebräunt das Gesicht, So kehren sie ivicder, ivcr freut sich da nicht. Kein Glied eingebiißt, nicht siech und nicht krank, Da können sie sagen: Herr Gott, dir sei Dank." Nun seht auf die andern vom Dornenland, Dem einen, dem sitzt der Schuß in der Hand, lind manchem fehlt ein ganzes Glied, So mancher Krüppel vorüber zieht. Der Typhus, Skorbut und tropische Fieber Das warf gar manchen aufs Krankenbett nieder, Nun sind sie noch müde und malt und bleich, Und doch ist ihr Herz jetzt an Freude so reich. Zum Schluß noch der Treuen drüben gedenkt, Die dort in tropische Erde gesenkt. Auch manches Verirrten Gebeine bleichen Verloren, man wird sie niemals erreichen. Doch alle, die einstmals hinüberzogen, Sic waren von einem Gedanken bcivogcn: Mit Gott, für Kaiser und Vaterland Mag kommen was ivill, vir sind zur Hand." Feldw. R.Berichtigung einiger Namen. Seite 4 Zeile 21 lies Bauszus statt Bauzius. 4 27 Onganjira Okanjira. 4 , 34 Otviumbo Owimba. 5 16 Okahnrui Okumahui. 5 18 Owinaua-Naua Owinanua. 22 .. 17 Trasis statt Tarsis. 29 27 Zwicke Zwicker. 38 29 Bech Beck. 40 28 u. ff. . lies Engter statt v. Englcr. 43 ,, 13 lies Lenkostp statt Loikop. 51 .. 29 Maerckcr Merker. 54 19 Moraht Murath. 62 28 Trasis Tarsis. 79 .. 14 Komas ,, Kanas. 84 5 v. Freyhold statt Freyhold. 85 .. 11 Gröndorn statt Gröndom.kMVBriefe unb Sebichte aus dem Felbzuge in Süöroe[t= Afrika in den Jahren 1904-1906 STAATSBIBLIOTHEK ZU BERLIN PREUSSISCHER KULTURBESITZ llll llll llll llll um llll llll llll cm 2 3 4 5
