12 Kriegs-Aufsätze von Gouverneur von Puttkamer l2 Kriegs-Aufsätze Von Gouverneur von Puttkamer Verlag von Georg Grilke, Berlin N N). 7 Hofbuchhändlcr Sr. Raiserl. u. Rönigl. Hoheit des Rrsnprinzen I9l5Matt. Seite Der Krieg und die Rassenfrage 9 Farbige Rassen im europäischen Kriege 17 Der Krieg und die Kolonien 24 Der Krieg und Südafrika 31 Die neue Wendung .... 37 Rückblicke und Aussichten 44 Der Krieg in Kamerun 50 Die Lage in Kamerun . 58 Nußland 65 Sir Roger Casement 71 Der Weltkrieg und die öffentliche Meinung 77 Die gegenwärtige Lage 83(iomort äe (leMers. Der erste der nachfolgenden Aufsätze ist Ende September v. Js. niedergeschrieben worden, als die Tatsache bekannt wurde, daß die Franzosen schwarze Truppen in größeren Mengen gegen die deutschen Armeen zu verwenden im Begriff wären. Nur der Kolonialkenner vermag die Verwerflichkeit einer solchen Maß regel in ihrem ganzen Umfange zu ermessen, die Schande ganz begreifen, die den Urheber der Gleichstellung schwarzer und weißer Truppen trifft, die ungeheure Gefahr erkennen, die darin liegt, daß wilde Stämme Afrikas und Asiens von Europäern gegen Europäer gehetzt werden. Von den Franzosen konnte es nicht überraschen die Pläne des Oberst Mangin waren ja bekannt; daß aber auch England zu diesem niedrigsten und ver ächtlichsten Hilfsmittel greifen mußte, zeigt deutlich, daß den in London Regierenden jedes Empfinden für Rassenehre abhanden gekommen ist, und auf wie schwachen Füßen das englische Im perium ruht, wenn es solcher Hilfsmittel bedarf in einem von ihm selbst angezettelten europäischen Kriege. Die frevelhafte Uebertragnng des Krieges auf die Kolonien mußte die gerechte Empörung jedes Kolonialfreundes erregen; einsichtige und sachkundige Engländer E. D. Morel (AfricanTimes), Sir Roger Casement, H. St. Chamberlain haben vergeblich ihre warnende Stimme erhoben. Neid, Habsucht, ver brecherischer Eigennutz haben anscheinend den letzten Funken politischen Austandes an den Ufern der Themse ausgelöscht. Das größte Kolonialvolk der Erde hat nicht gezaudert, jeder Kolonialpolitik die schwerste, kaum je heilbare Wunde zu schla gen. Nur wer lange in Kolonien gelebt hat, weiß, was da an Imponderabilien unwiderbringlich verloren gegangen ist. So sind, zunächst vom Kolonialstandpunkt ausgehend, diese kurzen Aufsätze im Lauf der kriegerischen Ereignisse allmählich entstanden, bis auf einen in der Tagespresse veröffentlicht und nun auf Wunsch einiger Freunde in dem vorliegenden Heft zu sammengestellt worden. Im Hinblick auf den furchtbaren Kampf, der den verbün deten Kaiserreichen von einer erdrückend scheinenden Uebermacht aufgezwungen wurde, möchte ich den berühmten Sinnspruch vor anstellen, den die alten französischen Geschütze trugen: Nso plurikus impar.ver Krieg äie l^alsenfrage. Wer die spärlichen Berichte, die uns bis jetzt über den in Europa tobenden Völkerkrieg durch die Presse zugehen, mit Aufmerksamkeit verfolgt, dem müssen sich unweigerlich folgende Betrachtungen aufdrängen. Es scheint, als ob die französische Regierung tatsächlich den Versuch macht, ihre schwarzen afrikanischen Truppen in dem jetzigen Feldzug gegen uns zu verwenden. Ich spreche hier selbstverständlich nicht etwa von den Chasseurs d Afrique oder Zuaveu, die bekanntlich meistens Nordfranzosen sind und mit Afrika gar nichts zu tun haben, sondern von wirklichen Neger-- truppeu. Ich lasse es dahingestellt, wieweit eine solche Maß nahme sich mit den Bestimmungen des Völkerrechts verträgt; zweierlei aber halte ich für zweifellos daß sie unfern Truppen gegenüber wirkungslos bleiben wird daß sie, sei der Ausgang wie er wolle, von den unheilvollsten Folgen für die Nation sein muß, die zu einem so verhängnisvollen und allen Gesetzen der Menschlichkeit und der Zivilisation Hohn sprechenden Vorgehen schreitet. Es ist selbstverständlich, daß es 10 das gute Recht jeder Nation ist, in einem Existenzkampf, wie wir ihn heute erleben, alle erdenklichen Mittel anzuwenden, um den Sieg zu erringen; nur müssen diese Mittel sich im Einklang befinden mit den zu Recht bestehenden internationalen Bestim mungen und Gepflogenheiten. Letztere aber werden, wie wir schaudernd sehen, von nnsern Gegnern allerorts in geradezu schamloser und zynischer Weise verletzt und umgangen. Und hierzu rechne ich, nach meinen langjährigen afrikanischen Er fahrungen, unbedingt die Verwendung von Negersoldaten gegen europäische Truppen. Ich habe schon früher wiederholt auf die bedenklichen Pläne hingewiesen, die der französische Oberst Man- gin vielfach entwickelt und zum Teil auch ausgeführt hat. Maugius Ideal war, in den westafrikanischen Kolonien Frank reichs einige Armeekorps eingeborener Truppen aufzustellen, nicht nur, um mit ihnen Kolonien zu erobern und zu sichern, sondern auch, um sie in geeignetem Fall zur Verstärkung der französischen Armee nach Europa zu werfen. Ersteres ist das Recht jeder Regierung, die sich im Besitz überseeischer Kolonien befindet, letzteres ist ein Verbrechen, das unter allen Umständen auf den Urheber zurückfallen muß. Gewisse Negerstämme haben das Zeug zu sehr tüchtigen Soldaten; abgesehen von unseru eigenen, so vorzüglich bewährten Schutztruppen in Kamerun und Ostafrika, erinnere ich nur an die schwarze ^rontisi- koliczs der Engländer in Westafrika und an die än der Franzosen. Richtig ausgebildet und richtig geführt, fechten diese Truppen wie die Löwen in Afrika. Sie sind Söldner, und es ist ihr Beruf, ja ihr größter Hochgenuß, zu morden, zu sengen und zu brennen. Wehe dem 11 Dorf, das in ihre Hände fällt nach siegreichem Gefecht! Selbst der tüchtigste europäische Führer kann da keinen Einhalt ge bieten, und übergroße Milde wäre in Afrika unter wilden Völ kern und gegen Stämme, die meist noch dem Kannibalismus frönen, nicht einmal angebracht. Dreimal wehe aber der euro päischen Ortschaft, die der Willkür einer solchen schwarzen Bande anheimfällt; was sich da abspielen würde, ist gar nicht auszumalen und eben aus diesem Grunde halte ich die Ver wendung afrikanischer Eingeborener für unvereinbar mit den Grundsätzen einer zivilisierten Kriegführung. Wie aber jedes Uebel sein Heilmittel in sich birgt, so auch hier. Wenn der Neger in Afrika einen ausgezeichneten Sol daten und Krieger abgibt, so bezweifle ich durchaus feiue dau ernde Verwendbarkeit Europa; Klima, Umgebung, Klei dung, Ernährung werden ihm so wenig zusagen, daß aus dem gefürchteten afrikanischen Soldaten sehr bald ein frierendes, lungenkrankes, hoffnungsloses Jammerbild werden würde, den eigenen Herren eine Last, als Kriegsgefangener eine Unmöglich keit. Auf die unheilvollen Folgen einer unausbleiblichen massen haften Rassenmischung will ich hier nicht eingehen. Aber eine ganz andere, viel größere Gefahr bringt die Verwendung schwarzer Truppen in Europa mit sich. Der Neger be trachtet bis heute den Weißen als seinen Herrn, als ein über natürliches Wesen, dem alle möglichen unheilvollen Kräfte inne wohnen; er wundert sich in dieser Hinsicht über nichts, er glaubt eben an den Fetisch" der Weißen. Dieser Glaube oder Aber glaube wird ihm in dem Moment genommen, in dem er, weißen Truppen gleichberechtigt an die Seite gestellt, gegen 12 weiße Truppen als Ebenbürtiger ins Feld geführt wird. Es ist klar, welchen außerordentlichen Rückschlag dies auf die Ver hältnisse in Afrika verursachen muß. Nachdem die Autorität der weißen Rasse in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit für immer untergraben, wird die schwarze Gefahr" in Afrika drohender denn je ihr Haupt erheben. Die Franzosen werden das in Marokko, in Senegambien, an der Elfenbeinküste, in Dahomey und am Kongo am ehesten spüren. Am allerfchwersten aber werden die unausbleiblichen Folgen für die Engländer in Süd afrika sein, wo die englische Herrschaft den Kaffern u. a. gegen über immer noch auf recht schwachen Füßen steht und wo diese wilden kriegerischen Stämme, die den Engländern schon recht viel zu schaffen gemacht haben, nur auf den günstigen Moment warten, um das verhaßte Joch abzuschütteln. Afrika ist groß, und doch fliegen Nachrichten nirgends rascher durchs Land, finden Stimmungen und Verschwörungen rascher Verbreitung. Die äthiopische Bewegung, von unverbesserlichen Optimisten immer noch geleugnet, ist vorhanden, das Feuer glimmt unter der Asche und wartet nur auf den Windhauch, der es entfachen soll. Wenn dieser Wüstenbrand erst über Afrika hinwegfegen wird, dann hat die Todesstunde aller europäischen Kultur im schwarzen Erdteil geschlagen. Frankreich und England werden dann die traurige Berühmtheit erlangen, der europäischen Kul tur in Afrika das Grab gegraben, das Christentum ausgerottet und den reich emporblühenden Handel vernichtet zu haben. Viel zu weit würde es hier führen, auch noch die Wirkungen auf die Welt des Islams näher zu beleuchten. Es mag genügen, an Indien, Aegypten und das übrige Nordafrika zu erinnern. Die 13 beiden gegen uns verbündeten Westmächte spielen ein gefähr liches Spiel; sie schwingen ein schneidiges Schwert, dessen Schärfe sich schließlich gegen sie selbst kehren wird. Schon Bismarck hat Südafrika das Grab der englischen Weltmacht genannt. Wenn schon die Verwendung schwarzer Truppen jeder Menschlichkeit Hohn spricht, so scheuen sich unsere Gegner nicht, zu noch ganz anderen, nicht minder verwerflichen Mitteln zu greifen, um uns zu schädigen und uns niederzuwerfen. Es ist leider festgestellt, daß die völkerrechtlich unzulässigen soge nannten Dumdumgeschosse von unseren Gegnern regelmäßig gegen uns verwendet werden. Dies Geschoß, welches in der Spitze einen Hohlraum enthält und iusolgedesseu eine starke explosive Wirkung hat, wurde ursprünglich erfunden, um das große tropische Wild und gefährliche Raubtiere sicher zur Strecke zu bringen. Es verursacht im Innern des verletzten Körpers unheilbare Zerstörungen; es ist in afrikanischen Jägerkreisen schon oft erörtert worden, ob es noch weidgerecht sei, ein solches Geschoß gegen Wild zu gebrauchen ich selbst habe die Frage nicht selten verneinen hören. Im Kriege 1870 stellte sich der französische Soldat ein Explosivgeschoß dadurch her, daß er die Spitzen der Patronen ein- oder abfeilte. Auch die Engländer sollen auf die Buren schon mit Dumdumkugeln geschossen haben. Diesmal wird nun das verbotene Geschoß fabrikmäßig herge stellt, offiziell au die Truppen verteilt und gegen uns verwendet. Es ist mir nicht bekannt, welche Maßnahmen unsere Heeres leitung hiergegen ergreift, es wäre indessen kaum zu verwun- deru, wenn man Gleiches mit Gleichem vergelten und damit den modernen Krieg noch barbarischer gestalten würde, was aber 14 dann lediglich auf das Schuldkonto der beiden Kulturnatio nen" Westeuropas zu buchen wäre. Würdig schließt sich Belgien seinen großen Verbündeten an. Was auf den belgischen Kriegsschauplätzen, in belgischen Ortschaften, ja von belgischen Kirchen aus an Verräterei, Grau samkeit und Bestialität seitens der einheimischen Zivilbevölke rung gegen unsere Truppen geleistet worden ist, spottet jeder Beschreibung und läßt fast vermuten, daß große Teile des aller dings durch systematische Lügen verhetzten Volkes die bekann ten scheußlichen Machenschaften vom Kongo auf europäische Schlachtfelder übertragen haben. Wenigstens läßt das Ver stümmeln von wehrlosen Verwundeten, das Schießen auf Aerzte in Ausübung ihres Berufes, die vollständige Nichtachtung des Roten Kreuzes, wie sie selbst bei den Balkanvölkern nicht vor kam, hierauf schließen. Ich habe auf meinen mehrfachen Rei sen am Kongo oft Gelegenheit gehabt, mit Belgiern aller Klassen zu verkehren, belgische Gastfreundschaft zu genießen, und habe überall freundliche hochgebildete Männer gefunden, die mir ineinen Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalteten und mit hohem Verständnis über die dortigen Verhältnisse sprachen. Die genußreichen Stunden an Bord belgischer Dampfer, unter den berühmten Baobabs in Kinfhafsa, in Matadi u. a., die ich dort im Kreise belgischer Freunde verleben durfte, werdeu mir unvergeßlich bleiben! Wo sind diese Freuude? Warum haben sie nicht rechtzeitig ihre gewichtigen Stimmen erhoben, um ihr Vaterland vor unsagbarer Schande und Not zu bewahren? Es ist eine weitere unerhörte Schmach für das belgische Volk, daß die Brüsseler Regierung, oder vielmehr die ehe- 15 malige Brüsseler Regierung, das ebenfalls dem Völkerrecht widersprechende Franktireurunwesen offenbar behördlich organi siert hat und daß mit Genehmigung, ja im Auftrage dieser Re gierung die Zivilbevölkerung sich zu hinterlistigen Mordtaten hinreißen läßt, die nicht nngerächt bleiben dürfen, im Gegen teil aufs härteste geahndet werden müssen. Jede Schonung wäre da ein Unrecht an den eigenen Volksgenossen, an unseren braven Soldaten, die nur allzusehr zu Milde selbst in Feindesland neigen. Daß die Engländer, die Worte Humanität und Christen tum stets heuchlerisch auf der Zunge, sich nicht scheuen, in neu tralen Gewässern Schiffe zu kapern und zu zerstören, ist be kannt und erst kürzlich wieder erwiesen. Die Heuchelei dieser Nation ist so groß, so zum Himmel schreiend, daß die Strafe gar nicht hart genug ausfallen kann. Wie aber strafen? Nun, es wird nach Beedignng dieses frevelhaften Krieges die Rechnung den Schuldigen präsentiert und die volle Begleichung schonungslos betriebe werden. Da für wird bei uns an maßgebender Stelle vollauf gesorgt werden, darauf hat das deutsche Volk nach so unerhörten Opfern ein heiliges Anrecht. Und die Aenderungen, welche die Weltkarte durch den Friedenschluß erfahren muß, dürften so einschneidend werden, daß unseren Feinden ein für allemal die Lust zu ähn lichen Ueberfällen vergeht und der europäische Friede unter Deutschlands Schutz Schirm auf lange Zeit gesichert bleibt. Immerhin aber könnten schon jetzt Maßregeln getroffen werden, die Deutschlands Feinden die verbrecherische Torheit ihres Ver haltens klar fühlbar vor Augeu führen. Man sollte gerade 16 die gefangenen Engländer mit Russen und Kosaken zusammen einsperren, damit sich diese edlen Bundesgenossen endlich ein mal etwas gründlicher kennen, wenn auch nicht schätzen lernen; und den Franzosen würde ein längeres intimes Zusammenleben mit ihren Negern in unseren Gefangenenlagern gewiß eine heilsame Lehre sein. Es sind dies Gedanken, die zu nahe liegen, um nicht ein mal offen und rückhaltlos ausgesprochen zu werden.baldige stallen im europäischen Wege. Wenn auch seit einigen Tagen, hervorgerufen durch die notwendige Belagerung und Einnahme von Festungen und Sperrforts und durch den festeren Zusammenschluß der deut schen Nordarmeen, ein momentaner Stillstand auf den Schlacht feldern in Feindesland eingetreten war, glorreich unterbrochen durch die Heldentat unseres Unterseebootes bei Hoek van Hol land, so scheint doch die besondere Eigenart dieses Krieges die Schnelligkeit der aufeinanderfolgenden Ereignisse zu sein. Kaum! habeu die von der französischen Regierung importierten afri kanischen Truppen die Feuertaufe bestanden oder vielmehr nicht bestanden, da sieht die französische Heeresverwaltung auch schon ein, daß diese bunten und schwarzen Soldaten im europäischen Klima nicht zu brauchen sind und hat schleunigst ihre Heim beförderung angeordnet. Das ist nun leichter gesagt als getan und wird viel Zeit, Geld und Begleitmannschaften kosten; denn ohne letztere, ja ohne eine sehr straffe Aufsicht, dürften die Fran zosen noch recht unliebsame Ueberraschuugeu mit ihren Kolo nialen" erleben. Uns kann es ja nur recht sein, wenn der Feind 2 18 sich auf diese Weise selbst schwächt und die eigene Schlagfer tigkeit mindert, anstatt sie zu erhöhen. Diese Katastrophe konnte jeder Kolouialkenner ebensogut wie ich vorhersagen. Um so größeres Erstaunen aber muß es erregen, wenn wir lesen, was der britische Kolonialsekretär vor einigen Tagen im Unterhause aus einem Bericht des Vizekönigs von Indien seinen offenbar allzu leichtgläubigen Landsleuten aufzutischen wagt. Wir hören da von indischen Kavallerie-, Infanterie-, Sappeur- Transport-Kontingenten; von Kamelkorps mit Kameltrei bern und ähnlichen exotischen Veranstaltungen; ja sogar der Dalai-Lama von Tibet hat 1000 Mann Tibetaner für den Dienst im britischen Heere angeboten und läßt in ganz Tibet für den Erfolg der englischen Waffen beten. Wahrlich, Eng länder, Schotten und Jrländer können stolz sein auf ihre leitenden Staatsmänner, die ihnen zumuten, Schulter an Schub- ter mit diesen mißachteten Farbigen zu fechten; und die eng lische Geistlichkeit mag an den Gebeten des Dalai-Lama und seiner Mönche ihre rechte Freude haben. Es sind ja seither in dische Truppen in Marseille gelandet, und höchst effektvoll be schreiben begeisterte Kriegskorrefpoudenten den prächtigen Ein druck, den die indischen Prinzen in ihren edelsteingeschmückten Turbanen auf stolz dahergaloppiereuden Rossen in den Straßen der alten Hasenstadt gemacht haben. Helfen wird diese bunt scheckige Gesellschaft, wenn sie wirklich auf den Kriegschauplatz gelangen sollte, den englischen Herren wenig genug; die Sonne aber, die auf diesen Kampsplatz herniederscheint, wird die unaus löschliche Schande des Volkes beleuchten, das sich mit Vorliebe die erste Kulturnation der bewohnten Erde nennt. 19 2 Ich habe schon früher auf die politische Unklugheit solcher verhängnisvollen Maßnahmen hingewiesen. Es ist ganz un zweifelhaft, daß durch die Gleichstellung, die Gleichbewertung der Rassen das für die Kolonien so nötige Prestige der euro päischen Rasse verloren gehen muß und daß damit die euro päische Kolonialwirtschaft ganz im allgemeinen einen unheil baren Schaden erleidet. Wir aber, die wir in diesem Streit eine gerechte Sache, unser Vaterland und unsere Existenz, ver teidigen, und die siegen müssen und werden, dürften unter dem heraufbeschworenen Nebelstand am wenigsten zu leiden haben. Denn die Ueberlebenden werden in ihrer fernen Tropen heimat von den großen Siegen der Deutschen, von der alles niederwerfenden Ueberlegenheit der deutschen Waffen, von der Unwiderstehlichkeit des deutschen Angriffs zu berichten wissen und so den deutschen Ruhm in alle Weltteile tragen ein ge wiß unbeabsichtigter Erfolg unserer Feinde. In Indien, in Aegypten, in Afrika und in allen Kolonien mit farbiger Bevöl kerung wird der englische und französische Einfluß zu unseren Gunsten schwinden, Aufstände und Empörungen werden ins besondere der englischen Vorherrschaft über See den Todesstoß versetzen; der Islam wird endlich erkennen, wo er seine Feinde und Unterdrücker zu suchen hat. Ich stehe mit dieser Auf fassung keineswegs vereinzelt da; einer meiner englischen Freunde aus Westafrika, der bekannte Sir Roger Eafement, einer der gründlichsten Kenner der dortigen Verhältnisse, hat bereits in ähnlichem Sinne seine warnende Stimme erhoben und wird mir auch in Vorstehendeln recht geben. Viel, unendlich viel Errungenes wird verloren gehen; Deutschland allein wird 20 in der Lage sein, zu retten, was zu retten ist auf den Trüm mern Neues aufzubauen und die Spötter werden rufen: In I a,s voulu, LsorAS vxwäiu." Man wende mir nicht ein, daß die wilden Völker Afrikas den Unterschied der europäischen Nationen nicht kennen. Im Kegenteil, sie machen sehr genaue Unterschiede; so bildeten die Eingeborenen der Elfenbein- und Sklavenküste, als sie die fran zösische Mißwirtschaft mit unseren sicheren und geordneten Zuständen in Togo verglichen, in ihrem drolligen Negerenglisch das Sprichwort: ds kslkinsn, Franzosen sind nur halbe Männer." Sehr treffend charakterisiert vr. Paul Rohrbach in der Täglichen Rundschau" vom 19. September in dem Artikel Der Kolonialkrieg" die Uebertragnng des Krieges durch die Engländer nach Afrika. Ich möchte seinen Ausführungen noch folgendes hinzufügen: Kämpfe zwischen europäischen Nationen in Afrika sind sicherlich von Uebel und schädigen das An sehen der weißen Rasse enorm. Das Selbstbewußtsein der Neger, die ihnen angeborene Neigung zum Größenwahn müssen sich ins Ungemessene steigern, wenn sie sehen, wie sich die verhaßten weißen Eindringlinge gegenseitig zerfleischen. Die Leichtgläu bigkeit der Schwarzen wird durch die billigen englischen Schein erfolge auf eine harte Probe gestellt. Der Neger ist, wenn irgendein europäischer Begriff auf ihn paßt, ein Kind des Augenblicks; nur der momentane Erfolg imponiert ihm; er ist seinem Charakter und seiner niedrigen Bildungsstufe ent sprechend ganz unfähig, an die Zukunft zu denken. Mit dem Spruch: Heut ist heut", auf negerenglisch: 21 pflegte schon vr. Zintgraff seine Wey-Leute zu äußersten An strengungen anzuspornen. Nun sind ja leider die Eingebore nen an Kämpfe der Weißen untereinander schon gewöhnt. Bis her handelte sich das aber doch immer nur um vereinzelte Plän keleien, die gelegentlich streitiger Grenzfälle vorkamen, wie z. B. seinerzeit an der neuen deutsch-französischen Grenze im Süden von Kamerun, wo sich allerdings die französischen lirailwurg LönsAg,! vor unserer Schutztruppe schleunigst zurückziehen mußten. Gut gewirkt hat aber ein solcher Fall sicher nicht, wenn er auch wohl keinen erheblichen Eindruck auf weitere Gebiete machen konnte. Etwas anders verhält es sich jedoch, wenn wir jetzt lesen müssen, daß nach Wegnahme einer Anzahl unbe festigter, offener und kaum verteidigter deutscher Kolonialplätzo eine französisch-englische Expedition nun auch den offenen Hafen von Duala besetzt hat. Ich bin vielleicht selbst schuld daran, daß dieser Hafen nie befestigt wurde, habe aber als Gouver neur der Kolonie auf die alljährlich wiederkehrende Anfrage, wie es mit dem Schutze der Kolonie im Kriegsfalle bestellt sei, stets nur die eine Antwort gehabt, daß eine Kolonie mit einer 400 Kilometer langen, überall offenen und zugänglichen Meeres küste eben nicht geschützt werden kann, auch nicht durch die Be festigung eines einzelnen Hafens. Ich bin, um mit einer Notiz der Leipizger Neuesten Nachrichten" vom 30. v. Mts. zu reden, recht neugierig, zu erfahren, wie sich die Dualaneger, denen ja leider durch eine ganz verkehrte Behandlung in Deutschland besonders seitens des Deutschen Reichstages total falsche An schauungen über ihre Stellung künstlich beigebracht worden sind, nun benehmen werden. Man darf nicht vergessen, daß im 22 Jahre 1884, als Generalkonsul Nachtigal Kamerun unter deut schen Schutz stellte, ein großer Teil der Dnala auf englischer Seite stand und erst mit Waffengewalt unterworfen werden mußte. Wenn auch die damaligen Hetzer und Wortführer kaum noch leben, wenn auch deutsche Schulen, Missionen und nicht zum mindesten die eingehende Fürsorge der deutschen Verwal tung Anerkennung im Lande gefunden und schöne Früchte ge zeitigt haben, so bezieht sich dies doch mehr auf die intelligen ten und unverdorbenen Stämme des Inneren, die, wie die Bamnm, allen heimtückischen Lockungen der rebellischen Dnala stolz widerstanden haben. Die Dnala selbst und ihre mit ihnen durchsetzten und durch sie verseuchten Küstennachbarn sind ein so entartetes, verlogenes Gesindel, daß sie jede Gelegenheit benutzen werden, um im trüben zu fischen und ihre Wut an den verhaßten Deutschen auszulassen. Sie haben ja auch gute Gründe, uns zu hassen. Denn wir zwingen sie nicht nur zum Aufgeben ihrer angeborenen Faulheit, wir bestrafen sie nicht nnr wegen ihrer angeborenen Laster, die sie sich zum Verdienst anzurech nen gewohnt sind, nein, wir sind gerade im Begriff, sie zu enteignen", das heißt, sie von ihren angestammten Wohnsitzen am Flußufer zu vertreiben und ihnen ganz neue Lebensbedin gungen aufzuzwingen. Ich komme hierauf später wohl noch ein mal zurück. Heut will ich nnr bemerken, daß es den Engländern, die das leidige Prinzip in ihren Kolonien befolgen, die Einge borenen möglichst sich selbst zu überlassen, sie zu verwöhnen, ja ihnen einen maßgebenden Einfluß auf die Verwaltung einzu räumen, leicht werden wird, ohne sonderliche Anstrengung in Dnala und Umgebung sich vorläufig häuslich niederzulassen. 33 Zu welchem Zweck, das ist den kühnen Eroberern wohl selbst kaum klar. Denn daß sie nach beendetem Krieg nicht nur über all aus unseren Kolonien wieder hinausgeworfen werden, son dern auch von ihren eigenen afrikanischen Besitzungen ein Er kleckliches werden hergeben müssen, das kann doch wohl keinem Zweifel unterliegen. Es ist alles verlorene Liebesmühe über das Schicksal der Kolonien wird eben nicht in Afrika, sondern auf den Schlachtfeldern Europas zu Wasser, zu Lande und in der Luft entschieden.Oer Krieg äie Kolonien. Noch spärlicher als von den Schlachtfeldern erreichen uns in diesen Tagen Nachrichten aus den Kolonien. Das hat be greiflicherweise seinen Grund in dem teilweise zerstörten inter nationalen Kabelnetze und in der Vernichtung der Fuuken- spruchtürme, womit die Engländer den Krieg eröffneten. Was wir aber aus unseru überseeischen Besitzungen erfahren, ist abgesehen von dem überall bewiesenen Heldenmut unserer Leute unerfreulich und muß den Kolonialfreuud und Kolonial kenner mit Sorge erfüllen. Ich habe schon früher auf die un ausbleibliche und höchst bedenkliche Schädigung hingewiesen, die das Ansehen der europäischen Rasse durch die jetzigen Vor gänge in wilden und halbwilden Ländern erleiden muß. Die Folgen dieser Schädigung sind vorläufig unübersehbar. Doch die Sturmzeichen mehren sich; überall beginnt es gären, überall erwachen unterdrückte und ausgesogene Völker aus ihrer Lethar gie und rütteln an dem verhaßten Joch; erst leise und suchend wie der Bär, der aus langem Winterschlaf erwacht und nun blinzelnd und unsicher umhertappt, da ihn das plötzliche Licht 25 noch blendet. Aber bald gewöhnt sich das noch ungeübte Auge an den hellen Tag, der so viel Neues und Ueberraschendes zeigt. Wenn so der einfältige Wilde sieht, wie sich die europäischen Völker gegenseitig bekriegen und aufreiben, so wird er sich schließ lich nicht mit dem philosophischen Kopfschütteln des Manda rinen begnügen, sondern aufmerken und zugreifen, wo etwas für ihn zu haben ist. Das Erste aber und das Schönste, worauf ihn das neue Licht hinweist, ist die Freiheit. Der Drang nach Freiheit ist dem Menschen nuu eiumal eingepflanzt, und auch in der geknechtetsten Seele regt sich der Wunsch nach freier Betätigung, wenn sich nur Gelegenheit bietet. Und wenn der Wilde auch das nicht zu begreifen vermag, was den Kultur menschen das höchste aller Güter dünkt, die wahre innere Frei heit, ohne die jede menschliche Entwicklung nur ödes Stück werk bleibt, so wohnt ihm doch das leidenschaftliche Streben nach äußerer Freiheit inne, der Wunsch, den fremden Eroberer um jeden Preis los zu werden, wenn dabei auch die mühsam aufge zwungene Kultur die Brüche geht oder zum Zerrbild wird wie in der freien Negerrepublik Liberia. Dazu gesellen sich dann die niederen Instinkte, Habsucht Herrschsucht, die Lust am Morden, Brennen und Sengen, der Hang zu der fal schen Freiheit der Wildnis, in der jedermanns Hand sich gegen jedermann hebt, und entwickelt sich allmählich wieder der Zu stand der Barbarei, der durch Jahrtausende hindurch gerade Afrika verwüstet und dezimiert hat. Den gefährlichsten Aus druck findet dies für Afrika in der äthiopischen Bewegung, die nur zu geeignet ist, weite und fruchtbare Gebiete des schwarzen Erdteils wieder in Not und Elend zu stürzeu die Eutwick- 26 lung der dortigen Menschheit um Hunderte von Jahren aufzu halten. Das alles können und werden die Folgen dieses Krieges sein, in dem die beiden westeuropäischen Kulturnationen im Gefühl ihrer eigenen Ohnmacht und Unzulänglichkeit nicht ge zaudert haben, gelbe, braune und schwarze Horden Deutsch land loszulassen in der Hoffnung, damit endlich den verhaßten Konkurrenten ein für allemal unschädlich zu machen. Daß diese Rechnung falsch ist, daß unsere Feinde sich selbst mehr schaden als nützen werden, habe ich schon an anderer Stelle betont. Bekanntlich haben die Franzosen mit ihren afrikanischen Hilfstruppen diesmal, wie 1870, ihre schlechten Erfah rungen schon gemacht. Den Engländern steht das noch bevor, und die prompte Rückwirkung auf die britischen Kolonien kann und wird nicht ausbleiben, ja sie hat sich schon jetzt bemerkbar gemacht, ehe die farbigen Truppen auch uur ins Feuer gekom men sind. Lauter und immer lauter wird das Grollen der Mohammedaner und Hindus in Indien hörbar, und die Afgha nen sind schon eifrig am Werk, Krieg und Unruhe in die bri tischen Nachbargebiete zu tragen. Ganz besonders schlimm steht es für die Engländer in Aegypten, welches unter dem Druck der englischen Willkürherrschaft schwer leidet und sehnlichst den gün stigen Augenblick herbeiwünscht, um das Fremdenjoch abzu schütteln. Die Maßnahmen, die von der englischen Regierung neuerdings dort getroffen wurden, so besonders die Verschickung der ägyptischen Offiziere in den Sudan n. a., sind ein deut liches Zeichen von Schwäche werden sich rächen. Es ist auch zu bedenken, daß die gut gerüstete Türkei nicht zögern dürfte, 27 den Hilferufen aus Kairo Gehör zu schenken und damit das ins Wanken geratene Prestige des Kalifats wiederherzustellen; wenig stens lassen die starken türkischen Truppenansammlungen in Palästina kaum einen anderen Schluß zu. Sollte sich die Nach richt von der Erhebung der islamitischen Bevölkerung des bri tischen Somali-Landes und der Gefangennahme der dortigen englischen Offiziere bestätigen, so haben wir es hier mit einem neuen, empfindlichen Schlage gegen die englische Herrschaft zu tun, der nicht unterschätzt werden darf und der noch wirksam verstärkt wird durch das Auftreten unseres Kreuzers vor Djibouti. Mehr als alles andere muß es in den Angen der gebil deten Welt die Achtung vor England herabsetzen, daß das bis her so stolze Land sich mit der gelben Rasse verbündet hat, um uns durch Uebermacht zu erdrücken. Das mag in Tsingtau glücken, ja wahrscheinlich sein, denn daß uuser schwaches dortiges Besatzungskorps dem Ansturm der verbündeten englischen und japanischen Massen lange widerstehen sollte, ist leider kaum denkbar. Die deutschen Heldenleben, die dort dem frevelhaften englischen Ehrgeiz zum Opfer falleu, werden ebenso viele furcht bare Ankläger gegen das perfide Albion" werden all dies Blut kommt über England. Ich bin überzeugt, daß es in England, welches das Wort und den Begriff AsiMsmÄn" geprägt hat, noch Männer gibt, welche die Schande und die unauslöschliche Schmach empfinden, die eine solche Politik über ihr Heimatland gebracht hat, Männer, die denken wie William Pitt Earl of Chatham, als er in seiner berühmten Rede im Oberhause am 18. November 1777 die Regierung brandmarkte, die sich nicht gescheut hatte, die bar- 28 barischen Judiauerstämme zum Kampf gegen die stammver wandten Amerikaner aufzurufen; Pitt erklärte damals, daß Englands reines Wappenschild durch die Annahme der Jndianer- unterstütznng besudelt sei. Wie würde der große englische Staats mann wohl über das heutige Verhalten seiner Nachfahren urtei len? Ueber die Handlungsweise der Herren Grey, Churchill und Konsorten? Nur hat die Sache diesmal für uns auch ihre guten Seiten: einmal ist die englische Heuchelei, Verräterei und Scham losigkeit vor aller Welt offen aufgedeckt, die englische Selbster niedrigung durch das Bündnis mit Japan offenkundig, sodann aber hat England, welches sonst doch nur gar zu gern andere für sich die Kastanien aus dem Feuer holen läßt, sich diesmal die Finger tüchtig verbrannt durch sein eigenes aktives Ein greifen in den Krieg; es kann nach Beendigung des Krieges nicht mehr als a-rditsr munäi auftreten, sondern es muß sich die Rolle des geschlagenen Feindes gefallen lassen, dem der Friede diktiert wird; hoffentlich in London. Wenn die Engländer davon träumen, den Krieg unendlich in die Länge zu ziehen und ihre famosen Jndier in Marseille Winterquartiere haben beziehen lassen, wenn sie uns hinhalten wollen, bis Kitcheners neues Millionenheer fertig ist, wenn sie mit dem eigentlichen Seekrieg drohen, so sind das alles doch eben nur Träume, eitle Drohungen und Zeichen ohnmächtiger Wut. Das glaubt doch wohl kein einsichtiger Engländer mehr, daß wir unserm Todfeind die zu diesen netten Veranstaltungen nötige Zeit lassen werden. Möchten sich die Völker, die immer noch Neigung haben, sich mit England zu verbinden oder viel mehr England Heeresfolge zu leisten, nur das Schicksal Bel- 29 giens immer recht deutlich vor Augen halten und hieraus er sehen, was euglische Ratschläge und Versprechungen wert sind! Noch jetzt will England die unglücklichen Belgier glauben machen, daß Belgien nicht nur wiederhergestellt, sondern auch für die erlittenen Verluste reich entschädigt werden würde wenn erst die eigentliche englische Hauptmacht in Erscheinung ge treten sei. Geradezu phantastisch klingen die hohlen Phrasen der Times" über die Bereitschaft des kommenden englischen Heeres Ende 1915. Ganz eigenartige Verhältnisse haben die kriegerischen Er eignisse in Südafrika gezeitigt. Offenbar ist in der holländischen Bevölkerung der südafrikanischen Union ein Angriffskrieg gegen Deutsch-Südwestafrika nichts weniger als populär. Wenn Botha in schnödem Undank gegen das ihm einst so gastfreundliche Deutschland es unternommen hat, seine Stammesgenossen gegen unsere Kolonie mobil zu machen, so hat er damit anscheinend keinen besonderen Erfolg. Wie Professor Bodenstein aus Amster dam sehr treffend ausführt, befinden sich die besten und einfluß reichsten Mäuuer der Union, die Generäle Herzog, Beyers, Kemp, de Wet, Müller u. a. in schroffem Gegensatz zu Botha und sind durchaus gegen den Krieg. Bodenstein betont die Rassen frage und erklärt, daß Deutschland durch zielbewußte Koloni^ sierung Deutsch-Südwestafrikas ein Bollwerk gegen die Schwar zen geschaffen habe, dessen Zerstörung keineswegs im Interesse der Union läge. Oberst Maritz ist noch einen Schritt weiterge gangen, indem er sich offen auf die deutsche Seite gestellt hat; er hat tatsächlich damit begonnen, für uns zu kämpfen. Daß der deutsche Gouverneur ihm die Unabhängigkeit der Union 30 garantierte, war selbstverständlich. Hat doch niemand von uns je daran gedacht, diese Unabhängigkeit anzutasten. Im Gegenteil, auch unsererseits ist stets die Solidarität der weißen Bevölkerung gegenüber den Schwarzen entschieden zum Ausdruck gebracht worden. So soll und wird es auch bleiben. Der Union aber droht ein Bürgerkrieg, den sie ihren englischen Schützern" zu danken haben wird. Es wäre wirklich kein Wunder, wenn endlich den einsichtigen Männern nichtenglischer Nationalität dort unten einmal der Gedanke käme, sich zu ver einigen und das verheerende Uebergewicht der Engländer in Südafrika endgültig zu beseitigen, ja vielleicht mit der ganzen englischen Wirtschaft Schluß zu machen. Holland und Deutschland würden das so entstehende neue Staatengebilde gern unter ihren mächtigen Schutz nehmen.Der Krieg 8üäalnka. Ganz eigenartige Verhältnisse haben die kriegerischen Er eignisse in Südafrika gezeitigt" diese Worte schrieb ich am 27. Oktober. Und wie sehr hat mir seither, in den wenigen ver flossenen Tagen, der Verlauf der Dinge recht gegeben. Oberst Maritz ist nicht allein geblieben, ist nicht der von seinen Volks genossen im Stich gelassene Abenteurer, als den ihn die englische Presse so gern hinstellen wollte; nein, gerade die einflußreich sten Männer des Burenvolkes sind auf seine Seite getreten und haben den Schild erhoben gegen englische Vergewaltigung. Sie haben es nicht vergessen, die Hertzog, Dewet, Kemp, Beyers, Müller u. a., wie schändlich damals England die Unabhängig keit des freien Volkes angegriffen und vernichtet hat. Sie haben sich an die Spitze gestellt einer machtvollen Bewegung, welche jetzt ganz Südafrika durchzittert und gipfelt in dem Ruf: Los von England, ein freies Volk, ein freies Land!" Es ist ein glän zendes Zeichen für die Tüchtigkeit des so oft verkannten Vol kes, daß diese Bewegung so unmittelbar, so spontan eingesetzt hat in dem Augenblick, in dem die groß und frei denkenden 32 Führer, die bisher grollend und schmerzvoll beiseitestehen muß ten, richtig erkannten, daß jetzt oder nie die günstige Gelegen heit sich bot, das aufgezwungene, so verhaßte englische Joch end lich und endgültig abzuschütteln. Die Buren haben nichts ver gessen, aber viel gelernt in den Jahren der englischen Herr schaft. Und die obengenannten Namen bürgen dafür, daß es sich hier um kein leichtsinniges Auftreten beutegieriger Horden, sondern um eine große, energische Betätigung des geknechteten Volkswillens handelt. Wie das alles kam und kommen mußte? Das ist mir so recht klar vor Augen getreten, als ich vor einigen Wochen hier in Berlin einem alten Freuud begegnete, der in noch jungen Jahren hinausgezogen war in unsere blühende deutsch-südwest- afrikauische Kolonie, um sich dort mit seinem Weibe ein neues größeres Heim, eine neue deutsche Heimat zu schasse . Zu eng waren ihm, dem tatkräftigen und tatfreudigen jungen Offizier, die heimischen Verhältnisse erschienen; voller Begeisterung hatte er der alten Heimat den Rückeu gekehrt, seiu reiches Können, seine zielbewußte Energie, all seine Mittel in den Dienst der deutschen kolonialen Sache gestellt, in Deutsch-Südwestafrika gebaut, geschaffen, erworben. Nun traf ich ihn hier nach Jahren wieder. Nach zweimonatiger langwieriger Seefahrt, von eng lischen Kreuzern auf mannigfachen Irrfahrten übers Meer ge hetzt, war er endlich über Peruambuco glücklich hier eingetroffen, um sich in dem kriegsdnrchtobten Europa umzuschauen. Man ches Lehrreiche über Deutsch-Südwestafrika Südafrika habe ich aus unseren vertrauten Gesprächen entnommen und vor allem die Ueberzeugung gewonnen, daß die Entwicklung von 33 Südafrika einen gesunden Fortschritt auf einer ganz neuen Grundlage erhoffen läßt. Schwer bedroht erschien das junge deutsche Gemeinwesen durch die Erhebung der Eingeborenen gegen die deutsche.Herr schaft. Daß diese Erhebung von englischer Seite, von Kapstadt her, angestiftet war und eifrig gefördert wurde, war den Klar sehenden längst bekannt. Waffen, Munition allerhand Zuzug wurden den Hereros und Hottentotten durch englische Händler in Mengen geliefert. So unterstützt, wagten sie den Kampf gegen die neuen Herren des Landes. In blutigem Ringen, unter schweren Opfern an Blut und Gut wurde der Aufstand niedergeworfen, dank dem Heldenmut und der vor züglichen Führung der deutschen Schutztruppe, dem einmütigen Zusammenwirken der Regieruug und der Ansiedler. Der ver räterische Anschlag war mißglückt, Ruhe Ordnung im Lande wiederhergestellt, eine Zeit fleißiger, friedlicher Arbeit schien gekommen, eine Zeit, die nun durch die wirtschaftliche Entwicklung des Schutzgebietes reiche Früchte zu tragen ver sprach. Da kam der Weltkrieg, und mit ihm loderten die unter der Asche immer noch glimmenden Flammen in Südafrika wieder auf. Jedermann in Deutsch-Südwestafrika war sich be wußt, daß auch das Schicksal unserer deutschen Kolonie vom Ausgang des Krieges abhängen würde. So zögerten die deut scheu Behörden nicht, kühn die Offensive zu ergreifen, den Eng ländern und ihren schwarzen Helfershelfern zu zeigen, daß auch jenseits des Weltmeeres der Deutsche sich fürderhiu uicht mehr ungestraft verhöhnen, anpöbeln unterjochen läßt. Das bisher Geschehene hat gezeigt, daß uusere tapferen Kameraden 3 34 in Deutsch-Südwestafrika nicht umsonst das Schwert ergriffen haben. - ! ! !!! Nun aber trat das ein, was Kenner des Landes vorherge sehen und erwartet hatten. Auch das benachbarte Burenvolk besann sich auf sich selbst, auf seine ruhmvolle Geschichte, griff zu den Waffen gegen die englischen Unterdrücker. Als Unterdrücker sind die Engländer von jeher von den Buren ange sehen worden, und nur widerwillig hat sich das tapfere, durch Uebermacht besiegte Volk dem fremden Zwange gefügt, mit bewunderungswürdigem Scharfblick, mit unfehlbarem Instinkt sich der Fremdherrschaft anbequemt, sich sogar mit Takt und Klugheit einen maßgebenden Einfluß auf die Regierung des Landes erobert gesichert, zum großen Teil Bothas Werk. Ruhig schienen sich die Buren in die neuen Verhältnisse gefügt zu haben; es ging ihnen ja anscheinend gut, und ihre Rechte, ihre Volkseigentümlichkeiten wurden von den Engländern sorg sam geschont. Und doch diese neue Erhebuug uuter Führung ihrer bedeutendsten Leute! Wenn ein Dewet das Kriegspanier voranträgt, weiß er wohl, warum, und ist seines Anhanges in seinem Volk sicher; das weiß jeder Südafrikaner, und das hat jetzt eben der Burengeneral Pearson hier in Berlin offen ausge sprochen. Das ist es, was der neuen Bewegung in Südafrika den Stempel aufdrückt der allgemeine Schrei: Los von Eng land Los von der verräterischen Nation, die unter dem Deckmantel der Humanität und Zivilisation um schnöden Ge winn die Freiheit der Völker vernichtet, die die überbegehrliche Hand schon längst auch nach unserer schönen Kolonie ausge streckt hatte. Man fragt sich nicht mit Unrecht, warum deuu 35 nur trotz allem scheinbaren Wohlergehen die Buren so sehr da nach trachten, die englische Herrschaft abzuschütteln. Der Grund liegt eben nicht nur in dem unauslöschlichen Gegensatz der Nationalitäten, sondern ganz besonders in der verkehrten Be handlung der so überaus wichtigen, ja maßgebenden Rassenfrage durch die Engländer. Nie konnte sich das Bnrenvolk mit seinen wirtschaftlichen Ideen in Einklang bringen mit der Stellung, die den Schwarzen durch die Engländer in Südafrika einge räumt werden sollte, nie ertragen, daß die Eingeborenen mit gleichen Rechten ausgestattet werden sollten wie die Herren des Landes. Wenn wir mit Recht immer wieder betonen, daß die Eingeborenen das wertvollste Aktivum in unserer kolonialen Bilanz darstellen, so dürfen wir nie vergessen, daß dies Wort nur so lange Geltung hat, als wir die Eingeborenen in ihren Schranken halten sie allmählich zu nützlichen Mitgliedern des Gemeinwesens erziehen. Jedes Mehr ist vom Uebel und jede falsche Politik in dieser Hinsicht wird sich stets blutig rächen. Das hat man in Südafrika erkannt, das hat auch das Burenvolk eingesehen; und als England seine exotischen HilfsVölker gegen uns mobilmachte, als Japaner, Inder, Hottentotten, Basutos, Indianer u. a. gegeu uns zum Kampf aufgerufen wurden, als das ganze Prestige der weißen Rasse in Frage kam, als Alt-England sich mit so unerhörter, nie wieder auszulöschender Schmach bedeckte, da ist mit unvergleichlicher Sicherheit das stolze Gewissen des Bureuvolkes erwacht, da hat sich der schlummernde Leu ge dehnt, gereckt, geschüttelt und dem Feinde die Tatze gezeigt. Bismarck hat prophezeit, Südafrika werde einst das Grab 3* 36 der englischen Weltherrschaft sein; es ist so weit die Stunde hat geschlagen. Sie wollten Südafrika englisch machen Süd afrika hat die einzig richtige Antwort gegeben: Buren Deutsche zusammen gegen den gemeinsamen Feind, eine ein heitliche südafrikanische Union unter Losreißnug von Englands Herrschaft. Die Form dafür wird für unser deutsches Schutzgebiet ohne Zweifel gefunden werden. Wenn nach der Ausrottung der englischen Herrschaft auch Deutsch-Südwestafrika einen integrierenden Bestandteil einer neuen südafrikanischen Union bildet, dann erst erscheint die Zukunft des südafrikanischen Landes unter Deutschlands und Hollands mächtigem Schutz ge sichert. Kleinmütige Herzen fragen Wohl ängstlich: Wie soll das alles möglich sein gegenüber der Welt- und meerbeherrschenden englischen Flotte? Nun, ich meine, daß die Antwort hierauf die deutschen Kanonen unter Führung des Grafen Spee an der chilenischen Küste bereits gegeben haben.Die neue Äenäung. Einer unserer geistreichsten politischen Schriftsteller hat kürz lich gesagt: Uns kann, soll und darf keiner helfen, wir helfen uns selbst." Er will offenbar mit diesen Worten jedes Bündnis mit der Türkei ablehnen und meint, daß ein solches ebenso ver werflich sei wie das Bündnis zwischen England und Japan. Ich meine, daß hier doch ein himmelweiter Unterschied be steht, der gar nicht scharf genug betont werden kann. England hat seinen gelben Verbündeten dazu verleitet, über unser kleines Schutzgebiet im fernen Osten verräterisch herzufallen; der Erfolg konnte nicht zweifelhaft sein; nach heldenhaftem Widerstand, der ein unvergeßliches Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Marine und unserer Kolonien bildet, ist Tsingtau den Schulter an Schulter kämpfenden, numerisch übermächtigen Alliierten zur Beute gefallen, ein neuer Schandfleck auf dem Wappenschilde Albions, dessen wehrhafte Söhne sich kaum mit besonderer Be geisterung unter den gelben Oberbefehl gestellt haben mögen. Aber so wollte es die englische Politik unter den Herren Grey und Churchill, deren Namen mit dieser Ruchlosigkeit fortan38 unabänderlich verknüpft sind, diese Politik, die seit Jahrhunder ten immer die gleiche geblieben ist, die aus ihrer Fahne den Wahlspruch trägt: Die Vernichtung des gefährlichsten Kon kurrenten um jeden Preis, mit allen, auch den unerlaubtesten Mitteln." Für gewöhnlich war es englische Gepflogenheit, an dere Völker zum Kriege zu Hetzen und den Isrtius AAuäövs zu spielen. Diesmal aber, da es um die Weltherrschaft geht, hat England die Schranke niedergerissen, hinter der sich sonst das kluge und vorsichtige Volk barg, hat in der sicheren Voraus setzung, mit Hilfe der gewaltigen Heere der Russen und Fran zosen einen leichten Sieg über die verbündeten Kaiserreiche zu erringen, endlich wieder einmal die eigenen Elitetruppen über den Kanal gesandt gegen das zu groß zu uubequem gewor dene Deutschland, uueingedeuk der gemeinsame Abstammung und der alten Waffenbrüderschaft, vergessend des Tages, an dem vor hundert Jahren der Preuße Blücher den großen" englischen Herzog mit seinem Heer vor Tod und Vernichtung rettete. Keine politische, keine militärische Notwendigkeit zwang England zum Kriege; Neid, Mißguust, Herrschsucht sind die unedlen Beweggründe für den tückischen Angriff, bei dem alle farbigen Rassen den Herren der Welt" Gefolgschaft leisten mußten. Mir, der ich in meiner langen Kolonialpraxis so viel und gern mit Engländern verkehrt, so viel Gemeinsames in Freud und Leid mit ihnen geteilt habe, kommt dieser bruder mörderische Krieg noch heut wie etwas vor, was wider die Natur ist, was eigentlich gar nicht sein kann. Es ist nun aber eingetreten, das höchst Unnatürliche, und wir, auf die es unsere hochzivilisierten Nachbarn nun einmal abgesehen haben, wollen 39 und werden ein besseres Gedächtnis wahren und nie und nimmer vergessen, weu die Schuld trifft an dem ungeheuren, frevel haften Blutvergießen, von dem Europas, Asiens und Afrikas Gefilde sich röten wer der Würgengel ist, dem heut auf den Schlachtfeldern die Jugendblüte der europäischen Nationen zum Opfer fällt. Nicht Zeitungslügen, nicht die niedrige Heuchelei, wie sie sich in den neuesten englischen Kirchengebeten breitmacht, können diese Schmach je von Englands Ehre tilgen. Und wenn die Times" sich nicht scheuen, begeistert zu berichten, wie die Haltung der indischen Ghurkas die ganze englische Armee elektrisiere", so ist das Geschmacksache und sicherlich ein Zeichen für den unglaublichen Tiefstand der einst so stolzen britischen Auffassung. Der Wilde aus dem indischen Dschungel, der in Nacht und Nebel schlangengleich auf dem Boden dahinkriecht, um dem feindlichen Vorposten geräuschlos das Messer ins Herz zu stoßen, der ist das würdige Abbild des heutigen politischen Englands, das ich immernoch nicht mit dem englischen Volk identifizieren kann. Der Rückschlag, den diese unheilvolle Politik selbst für ein siegreiches England zur Folge habeu muß, ist hier schon be tont worden; die Folgen für das besiegte werden unabsehbar und furchtbar sein. Nur der verbleudetste insulare Chauvinis mus kann sich aber heut noch in dem Gedanken wiegen, daß England in diesem größten aller Kriege endgültig siegen könne. Und wenn die wildesten Horden der ganzen Welt gegen Deutsch land losgelassen werden, sie finden ein einiges, in finanzieller und militärischer Hinsicht noch auf Jahre hinaus meisterhaft gerüstetes Deutschland, welches zum Siege entschlossen ist 40 siegen muß. An der dem deutschen Volksheer innewohnenden sittlichen Kraft muß und wird sich der Ansturm des bunt scheckigen englischen Söldnerheeres brechen wie die vom Ozean heranrollende Woge an felsiger Küste. Ob es dazu eines Ein falles in das britische Jnselreich selbst überhaupt bedürfen wird, erscheint nach den neuesten Ereignissen fraglich. Denn mit dem entschiedenen Auftreten der Türkei auf dem Kriegsschauplatz ist eine neue Wendung eingetreten, die von den Engländern wohl befürchtet und mit allen Mitteln zu verhindern gesucht wurde, die aber nun trotz alledem ihren Lauf nimmt und heut schon wie ein schwerer Albdruck auf der City lastet. Längst ist es den einsichtigen Leitern der ottomanischen Regierung klar, daß es sich in dem lodernden Weltenbrand auch am Goldenen.Horn um Sein oder Nichtsein handelt, daß Ruß lands durch Jahrhunderte erstrebtes Ziel der Besitz Konstan- tinopels und die Herrschaft über die Meerengen diesmal verwirklicht werden soll, daß damit der Tod der Türkei be siegelt wäre. In vollem Bewußtsein der Lage, nach langer und kluger Vorbereitung, hat die Türkei den Verbündeten den Krieg erklärt, gezwungen durch den recht unvorsichtigen russi schen Angriff im Schwarzen Meer und die unverblümten eng lischen Drohungen. Mit dem gewaltigsten Apell an alle Gläubigen, mit der ganzen hierin liegenden Wucht ist die tür kische Regierung in den Kampf eingetreten; die Fahne des Pro pheten ist entfaltet, seit unvordenklicher Zeit zum erstenmal der Heilige Krieg erklärt, und damit sind die über den halben Erdkreis verbreiteten 300 Millionen Mohammedaner mobil gemacht gegen die Feinde des Islams, gegen Engländer, Russen 41 und Franzosen. Auch der Islam hat sich modernisiert; nicht mehr der Kampf gegeu alle Andersgläubigen ist die Parole, sondern der Kampf gegen den klar erkannten Feind, gegen die Bedräner des Kalifen. Die hierin verkörperte Macht darf nicht gering eingeschätzt werden. Es ist nicht die Türkei allein, die einen Krieg führt wie in früheren Jahrhunderten und wie jüngst auf dem Balkau, es ist die gesamte mohammedanische Welt, die sich gegen die andauernden Vergewaltigungen empört und das Schwert ergriffen hat, das nach heiliger Überlieferung von Allah selbst dem Propheten gegeben ist. Darin liegt die Stärke der politisch so sehr geschwächten Türkei, daß nicht ein Staat einem andern den Krieg erklärt, sondern daß eine riesige, fanatische Religionsgemeinschaft, deren Neigungen und Fähig keiten von Anbeginn an kriegerisch waren, den Schild erhebt gegen die Unterdrücker. Das ist der Sinn des Heiligen Krieges, darin besteht seine Stärke und Furchtbarkeit, das werden unsere Feinde dereinst mit Schrecken erkennen. Noch ist der Befehl des Kalifen, getragen und gestützt durch die oberste geistliche Autorität, höchstes Gesetz für die Gläubigen, die allerorts unver züglich dem Ruf gefolgt sind. So ist es denn gekommen, wie es kommen mußte. Persien macht gemeinschaftliche Sache mit der Türkei? der Emir von Afghanistan hat sein kampfgewohntes Heer gegen Indien ausmarschieren lassen, wo es von dein mohammedanischen Teil der Bevölkerung mit offenen Armen erwartet wird; in Marokko, an der ganzen Küste Nordafrikas bereitet sich der Aufstand vor; Britisch-Somaliland ist in Auf ruhr; in Hellem Aufstand ist der Sudan; nach zuverlässigen Meldungen aus Konstantinopel hat sich dort die Bevölkerung 42 erhoben und dringt unter Führung ägyptischer Offiziere nach Norden vor; endlich aber gibt auch der Schech el Seuussi, das gefürchtete Oberhaupt der kriegerischen Wüstenstämme der Sahara, dessen Ruf und Einfluß vom Mittelmeer bis zum .Tschadsee reicht, die Feindseligkeiten gegen Italien in Tripolis auf und fällt in Aegypten ein; die arabischen Fürsten haben ihre Truppen versammelt, von allen Seiten strömen Frei willige der Fahne des Propheten zu. Die türkische Armee be findet sich in vollem Vormarsch auf den Suezkanal, und es scheint fast, daß die englische Garnison diesein Ansturm gegen über kaum standhalten daß das widerrechtlich annektierte Aegypten damit endgültig für die Engländer verloren sein wird. An dieser Stelle wird England wohl am empfindlichsten ge troffen werden. Man mag über die militärischen Eigenschaften, über den Gefechtswert der mohammedanischen Truppenmengen geteilter Ansicht sein. Eins nur ist sicher: sie sind im Kriege treu und heldenmütig, wie jener mohammedanische Haussa-Unterossizier der Kameruner Schutztruppe, der, im hitzigen Buschkampf an der Seite des unvergeßlichen Hauptmanns Dominik vorwärts stürmend, einen aus nächster Nähe auf diesen gerichteten Flin- Mlauf erspäht und sich mit ausgebreiteten Armen vor den Führer wirft, so den Todesschuß für den geliebten Herrn emp fangend. Und sie werden unter geschickter und geeigneter Füh rung es vermeiden lernen, in allzu blinder Kampseswut wie bei Omdnrman mit Speer und Schwert gegen Maschinen gewehre anzureiten. 43 Es sind keine zu verachtenden Bundesgenossen, die hier in unendlichen Scharen auf den Plan treten. Sie fechten für ihren Glauben, für ihre Existenz, wie wir Deutschen für unsere Existenz fechten. Ich weiß nicht, ob wir ein Bündnis mit den Türken haben. Gewiß aber eint uns eine absolute Interessen gemeinschaft gegen die gemeinschaftlichen Feinde.Rückblicke Mzlichten. Als mich vor drei Jahren wichtige Interessen in den neuen, damals von Frankreich an Deutschland abgetretenen afrikanischen Gebietsteilen häufig nach Paris führten, kam ich mit Männern der verschiedensten Berufsklassen und Lebens stellungen in Berührung, deren größte Sorge das ständig drohende Gespenst eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland war. In vielfachen Gesprächen wurde diese heikelste aller Fragen eingehend nach allen Seiten hin ventiliert, und ich fand, daß die einsichtigen und vorurteilsfreien Franzosen unserer Kreise der Ansicht waren, daß jeder Krieg zwischen den beiden Nachbarreichen ein großes Unglück für beide und höchstwahrscheinlich eine in ihren Folgen gar nicht auszumalende Katastrophe für Frankreich bedeuten würde. Auf dringenden Wunsch mehrerer Freunde verfaßte ich damals einen Aufsatz, der im Februar 1912 in der Presse erschien und lediglich den Zweck verfolgte, auf die Gefahren hinzuweisen, von denen Frank reich durch das unnatürliche Bündnis mit England bedroht sei. Ich wies darauf hin, daß die Lntsuts evräials Frankreich mehr 45 und mehr in das Fahrwasser englischer Interessen gezogen habe, zum Vorteil Englands und zum Nachteil Frankreichs, daß im Falle eines Krieges selbst ein vollkommener englischer Seesieg immer noch den Druck der deutschen Armee auf Frankreich in nichts vermindern würde, daß daher ein Krieg gegen Deutsch land keinesfalls im Interesse Frankreichs liegen könne, auch von den einsichtigen Franzosen nicht gewünscht würde, son dern lediglich das Ziel des Ehrgeizes einer Gruppe höchst be denklicher Politiker bilde, die sich im Lande keines allzu großen Ansehens erfreuten und nur durch eine gekaufte Presse Stim mung machten. Mit einigen Gesinnungsgenossen versuchte ich, auf ein Zusammenarbeiten deutscher und französischer Gruppen, zunächst einmal auf kolonialem Gebiete, hinzuwirken, und unsere Freunde in Paris zu überzeugen, daß Deutschland gar kein In teresse an einem Kriege mit Frankreich haben könne. Unsere Bemühungen schienen auch von einigem Erfolg gekrönt zu sein da brach wie ein Wetterschlag der Krieg über Europa herein und vernichtete die Früchte unserer Arbeit. Die Intelligenz der französischen Nation wurde überrumpelt von jenen Poli tikern, die mit dem unseligen Revanchegedanken spielten und spekulierten und damit das heißblütige, leicht erregbare Volk dem Abgrunde zutrieben, der es nun zu verschlingen droht. Das französische Volk hat sich damit in einen Kampf verwickeln lassen, der seine Existenz in Frage stellt, in einen Krieg, den es seit vierzig Jahren für seine eigenen Interessen nicht hat führen wollen und deu es uunmehr lediglich für die Interessen einer fremden Macht führen muß, einer Macht, die zudem Frankreichs Entwicklung in der Geschichte schon oft übelwollend 46 durchkreuzt hat. Nach Abschluß der Entente war Frankreich nicht mehr Herr seiner Geschicke, sondern ein Werkzeug Englands Hand. Der geschickten Minierarbeit Sir Edward Greys gelang es, den Franzosen den festen Glauben beizubringen, daß es dem Dreiverband ein leichtes sein würde, Deutschland und Oester reich niederzuzwingen. Oesterreich-Ungarn war hierbei den Eng ländern ganz unwichtig; handelte es sich doch nnr darum, den lästigsten Konkurrenten aus seinen überseeischen Positionen hin auszuwerfen und seinen auswärtigen Handel zu vernichten, das alte Spiel der Engländer. Um diese Stimmung in Frankreich zu erzeugen, war es natürlich notwendig, das russische Reich ernstlich mobilzumacheu und das war unschwer zu erreichen durch Aufrollung der serbischen Frage. Das Attentat von Sarajewo, bei dem russische Verhetzung und englisches Gold eine fluchwürdige Rolle spielten, bot den äußeren Anlaß; folge richtig mußten sich die Ereignisse aneinanderreihen und der ungeheure Krieg entbrennen, der über die künftige Gestaltung der Weltkarte entscheiden wird. Daß Deutschland alles getan hat, was in seinen Kräften stand, um ihn zu verhindern, das wird die Geschichte einst anerkennen. Mit fast übermenschlicher Geduld und Langmut haben der Kaiser und seine berufenen Rat geber versucht, das Unheil von Europa abzuwenden; gegen moskowitifchen Fanatismus, der die begehrliche Hand jetzt end lich ungestraft nach Bosporus und Dardanellen ausstrecken zu können vermeinte, gegen französischen Rachedurst und englische Habsucht war diesmal kein Kraut gewachsen. HabsÄnt sibi schon der bisherige Verlauf des Krieges 47 hat unseren Feinden arge Enttäuschungen bereitet; über die Zukunft zu orakeln, ist müßig. Eins aber kann gar nicht scharf genug immer wieder betont werden die Loyalität und Wahr haftigkeit der deutschen und österreichisch-ungarischen Maßnah men und Berichterstattung gegenüber der unglaublichen Ver logenheit nicht nur der feindlichen Presse, sondern auch der gegnerischen Staatsmänner, unter denen sich wieder die Eng länder ganz besonders hervortun. Oder wie soll man es be zeichnen, wenn ein Mann von der Stellung Lord Kitcheuers am 26. November im Oberhaus zu behaupten wagt, die Eng länder hätten einmal elf deutschen Armeekorps gegenübergestan den die englischen Verluste seien schwer, aber gering gegen die des Feindes den Russen sei es gelungen, in Polen die Deutschen aufzuhalten und zu schlagen? Das ist mit Bewußt sein gelogen, und der englischen Leichtgläubigkeit wird damit ein starkes Stück zugemutet. Gottlob habeu diese Lügeu kurze Beine die Kriegsgeschichte geht über sie zur Tagesordnung über. Die Erklärungen Churchills über die englische Flotte sind fast noch kindischer. Seit Jahren hat England diesen Krieg vor bereitet und da spricht der Marineminister von der Gefahr einer Ueberrumpeluug, behauptet, die englischen Unterseebote hätten bisher keine Gelegenheit gehabt, einzugreifen! Ob diese Erklärungen England selbst großen Beifall hervorrufen wer den, erscheint denn doch recht zweifelhaft. Mit Lügen haben die Engländer und Russen den Krieg begonnen, und mit Lügen setzen sie ihn fort, so lange, bis dem erstaunten Europa endlich die Schuppen von den Augen gefallen sein werden. Es ist ja von Anfang an beispielloser Verrat 48 geübt worden. Als der Zar an unseren Kaiser noch freundschaft liche und friedliche Depeschen abgehen ließ, war Rußland längst mobil und aufmarschiert, wie die sofortige Anwesenheit sibi rischer und kaukasischer Korps beweist; als im vorigen Jahre in Kiel englische und deutsche Seeleute fraternisierten, hatte das englische Reich den Ueberfall längst beschlossen; die in Brüssel aufgefundenen Dokumente zeigen klar, wie England und Frankreich die angebliche Neutralität Belgiens auszunutzen gesonnen waren. Wahrlich, wir können ohne Uebertreibung sagen, daß die der Wahrheit innewohnende sittliche, siegende Kraft unseren Feinden fehlt und daß daher ihre Niederwerfung ein Akt der sittlichen Gerechtigkeit sein wird. Das Lügensystem wird mit Eifer und Konsequenz fortgesetzt, und unentwegt werden die unglaublichsten Falschmeldungen ver- breitet über die kriegerischen Ereignisse, über Verluste, besonders auch über den Bestand an Reserven. Wenn auch in England noch genug waffenfähige Männer vorhanden sind, so ist damit noch lange nicht erwiesen, daß diese eilig eingestellten und kaum hinreichend ausgebildeten Leute auch brauchbare Feldsoldaten abgeben. Eher dürfte wohl das Gegenteil anzunehmen sein. Frankreich aber hat seinen Bestand an kriegstauglichen Männern längst erschöpft, und selbst einem Gambetta dürfte es heute schwerlich gelingen, neue Armeen auf französischem Boden aus der Erde zu stampfen. Und was Rußland jetzt noch an neuen Mannschaften ins Gefecht schickt, ist nach den vorliegenden Be richten so minderwertig und so schlecht bewaffnet, daß auch hier das Ende erreicht zu sein scheint. Demgegenüber können wir mit Genugtuung feststellen, daß Deutschland noch über min- 49 4 bestens IV2 Millionen fertiger Feldsoldaten verfügt, welche die heimische Garnison noch nicht verlassen haben und darauf brennen, eilig auch an den Feind zu kommen. Und endlich wird sich noch die gleiche Anzahl nach der kürzlich augeordneten Einstellung von sechs Jahrgängen der längst dem Landsturm zugeführten Ersatzreserven ergeben. Wenn man nun noch die wunderbare finanzielle und wirtschaftliche Rüstung Deutsch lands ins Auge faßt, wie fie mit Recht in der denkwürdigen Reichstagssitzung vom 2. Dezember gerühmt wurde, wenn man unsere unvergleichliche militärische Organisation kennt, so wird man mit vollem Recht, und nicht zum mindesten auch im Ver trauen auf unsere ausgezeichneten und bewährten Heerführer in Ost und West, sich sagen dürfen, daß wir zum Pessimismus nicht den leisesten Grund haben. Wenn unsere Feinde das nicht wissen sollten oder nicht wissen wollen, um so schlimmer für sie. Wir aber wollen mit uuserem Reichskanzler getrost und zuver sichtlich ausrufen: Deutschland läßt sich nicht vernichten!"Der Weg in Kamerun. Die Wirkung des Krieges auf unsere Kolonien ist schon häufig erörtert und dabei stets betont worden, daß das Schick sal der Kolonien nicht draußen über See, sondern auf den euro päischen Schlachtfelder entschieden werde. Kolonialkriege der europäischen Nationen untereinander sind an sich widersinnig und müssen selbst für den siegreichen Teil schädliche Folgen haben. Offene und ungeschützte Kolonialküsten, wie die von Kamerun lassen sich gegen stark überlegene feindliche Kräfte nicht verteidigen. Und so hat bei den eingetretenen Kämpfen unsere schönste und verheißungsvollste Kolonie hierbei allem Anschein nach schwer zu leiden gehabt. Die Einnahme der kleinen Togo-Kolonie, in der sich nicht einmal eine Schutztruppe befindet, war kein Heldenstück der vereinten englischen und französischen Truppen; die Wegnahme von Samoa, der Neuguinea-Küste und der Südseeinseln, von den Engländern zu großen Kriegstaten aufgebauscht, war eiue unvermeidliche Folge des schimpflichen englisch-japanischen Bünd nisses, ebenso wie der Fall des heldenmütig verteidigten Tsing- 51 tau. Dagegen dürfen wir hoffen, daß es unserer durch die ge samten waffenfähigen Deutschen wesentlich verstärkten Schutz truppe in Deutsch-Südwestafrika gelingen wird, die inneren Landesgrenzen gegen Einfälle aus Südafrika erfolgreich zu ver teidigen. Botha selbst scheint sich noch recht im unklaren über deu einzuschlagenden Weg zu sein. Ganz eigenartig aber liegen die Verhältnisse in unseren beiden großen Tropenkolonien Deutsch-Ostafrika und Kamerun, wo bekanntlich eine schwarze Schutztruppe unter europäischen Offizieren besteht. In Deutsch- Ostafrika scheinen nach unblutiger Besetzung von Daressalam durch die Engländer an der Küste und in den Plantagengebieten ruhige und geordnete Zustände zu herrschen; die Kämpfe bei Tanga und an den verschiedenen Punkten im Innern sind offen bar zu unseren Gunsten verlausen, besonders am Kiwusee gegen die Truppen des belgischen Kongostaates, wobei letztere selbst nach belgisch-französischen Berichten eine schwere Niederlage erlitten haben. Die an der Küste stehenden Teile der Schutz- und Polizeitruppe mit Ausrüstung, Munition, Archiven und Eisenbahnmaterial waren rechtzeitig im Innern des Landes in Sicherheit gebracht worden. Abgesehen von der Aufgabe der Küstenplätze dürfte demnach die Kolonie in unbestritten deut schem Besitz verblieben sein. Und so steht es im wesentlichen auch in Kamerun. Wenn auch im Süden und Südosten der Kolonie, in den vor drei Jahren von Frankreich erworbenen fruchtbaren, aber sumpfigen und unwegsamen Gebietsteilen, eine französisch-belgische lieber- macht die viel zu schwachen deutschen Besatzungen zeitweilig vertrieben hat, so sind doch die Angriffe der Möst ^kriean 4 52 kontier ?ores gegen unsere Stellungen in Nssanakang am Eroß-Flnß und in Garua am Venne unter erheblichen Ver lusten der englischen Truppen zurückgeschlagen worden. Nach englischen Berichten hielten die eingeborenen Soldaten nach? dem Tode ihrer weißen Führer dem deutschen Schnellfeuer nicht stand und gingen in wilder Flucht zurück, so daß die deutschen Waffen am Croß-Fluß und in Adamaua siegreich blieben ein glänzender Beweis für die Neberlegenheit der deutschen Aus bildung und Disziplin. Hoffentlich erhält sich der starke Ein druck, den diese deutschen Siege auf die Eingeborenen gemacht haben müssen, denn ohne Mitwirkung der Eingeborenen als Träger und ohne einheimische Verpflegung dürfte eine dauernde Kriegführung gegen auswärtige Feinde in jenen Gegenden un möglich sein. Es wird sich nun zeigen, ob die deutsche Herr schaft in dem von mir 1903 bereisten Adamaua so festen Fuß gefaßt hat, daß die Lamidos der deutschen Regierung auch unter schwierigen Verhältnissen die Treue halten, was ja an sich durchaus nicht in ihrer Wesensart liegt. Am unteren Schari und Logone scheint das Kriegsglück gewechselt haben; ob es den Franzosen, wie sie behaupten, wirklich gelungen ist, die Station Kusseri einzunehmen, steht noch dahin. Hier aber ist ganz be sonders zu berücksichtigen, daß die Erklärung des heiligen Krieges, durch die fanatische Sekte der Sennssi auch in den Tschadseeländern bekannt, ihre Wirkung auf die mohamme danischen Herrscher jener ausgedehnten Gebiete nicht verfehlen und sie zum Kampf gegen Engländer und Franzosen an stacheln wird. Bei geschickter Ausnutzung dieser Sachlage kann es dem deutschen Residenten nicht schwer fallen, die Ober- 53 Hand zu behalten, um so mehr, als Verpflegung reichlich im Lande vorhanden und in dem französischen Isrriwirs mili- tairs äu ?SÄä" bereits ein erneuter Aufstand der mohamme danischen Bevölkerung ausgebrochen ist; die Reiche Baghirmi und Wadai sind von den Franzosen noch niemals ganz unter worfen gewesen und werden jetzt den französischen Macht- habern erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Leider haben nörd lich Adamaua überlegene englische Streitkräfte die Grenze über schritten und die wichtige Stadt Mora in Mandara besetzt, während deutsche Truppen die Berge oberhalb der Stadt hal ten; letzteren gelingt es hoffentlich bald, den Feind aus dem schönen und fruchtbaren Lande wieder zu verjagen. Von Deutsch- Boruu mit Dikoa liegen keine Nachrichten vor. Die Anfgabe, in diesem Wirrwarr Ordnung zu schaffen die deutsche Autorität aufrechtzuerhalten, ist gewaltig und bedarf eines gan zen Mannes vom Schlage der ersten Eroberer, der Dominik, Bülow, Stieber, Radtke, Strümpell, Sandrock u. a. Weniger erfreulich hat sich die Lage au der Küste Kameruns gestaltet. Die traurigen Folgen der Beschießung durch das feindliche Geschwader sind nicht ausgeblieben. Die friedlichen Handelsniederlassungen in Rio del Rey, Victoria, Duala, Ja- bassi, Edea, Kribi und Campo sind durch die Kanonen des Fein des zerstört, die Faktoreien von den Eingeborenen geplündert, die weißen Ansiedler mit Frauen und Kindern in brutaler Weise und unter dem Hohn und Frohlocken der Neger durch schwarze Soldaten auf Transportschiffe geschleppt worden, um dann unter schlimmen Entbehrungen, ohne jede Rücksicht auf das ohnehin mörderische Klima, ohne alle hygienischen Vor-54 sichtsmaßrcgeln, an verschiedenen ungesunden Hafenplätzen der feindlichen Nachbarkolonien in unwürdiger Weise untergebracht und behandelt zu werden. Später sind die Familien anschei nend nach England geschickt worden. Auch mit den Missionaren scheint man keine Ausnahme gemacht zu haben ein schwerer Schlag für deren ernste und wohltätige Kulturarbeit, denn die Einbuße der Mission an Ansehen und Einfluß wird nicht ge ring sein. Es liegen über diese Vorgänge einwandfreie Berichte von deutschen Schiffsführern der Woermann-Linie vor, die in und zwischen den Zeilen vielsagende Wahrheiten enthalten. Das Versenken von Dampsern zwecks Sperrung des Fahr wassers hat leider den beabsichtigten Erfolg nicht gehabt und das Eindringen des feindlichen Geschwaders nicht verhinderte Neun deutsche Dampfer wurden hierbei dem Untergang ge weiht. Bei Uebergabe von Dnala am 27. September wurden dem Feinde übergeben die Dampfer Erna Woermann", Mine Woermauu", Renata Amfinck", Hans Woermann" und Paul Woermann" die Dampfer Max Brock", Henriette Woermann", Jeannette Woermann", Haussa", Fulla", Arnsried" lagen außerhalb der übergebenen Zone und wurden gekapert. Die Kapitäne dieser Schisse liegen teils krank im Hospital zu Duala, teils sind sie als Kriegsgefangene nach Eng land transportiert worden. Wenn diese Handelsdampfer bei der ersten Nachricht vom Ausbruch des Krieges sich nicht in Duala versammelt, sondern in freier Fahrt das offene Meer gewonnen und sich beispielsweise nach der Ostküste von Südamerika ge rettet hätten, wie es mehreren anderen unterwegs befindlichen, Schiffen gelungen ist, so wären der deutschen Reederei große55 Verluste erspart geblieben. Regierung und Schutztruppe haben sich auch in Kamerun selbstverständlich rechtzeitig ins Innere zurückgezogen, die Zerstörung der Niederlassungen an der Küste war somit unvermeidlich. Nur vereinzelte Faktoreien der Woer- mann-Firma sind von den Engländern gegen Quittung über nommen worden. Bei der naturgemäß herrschenden Verwir rung haben die Franzosen und Engländer mit Unterstützung der Duala-Leute die Stadt Duala vollständig geplündert. Victoria und Umgebung wurden bombardiert, die dortigen ausgedehnten Anlagen der Westafrikanischen Pflanzungs-Gesellschaft Victoria total vernichtet. Fünf feindliche Kriegsschiffe waren bei dieser Aktion beteiligt, die dadurch erleichtert wurde, daß die Duala ihnen die für die Landungskorps am besten zugänglichen Wege und Wasserläufe verrieten. Ganz besonders schlimm scheinen diy Franzosen bei Ukoko an der Benitobucht gehaust zu haben; dort sielen drei Angestellte der Woermann-Linie; ein vierter wurde staudrechtlich erschossen, weil er sich weigerte, über den Verbleib eines angeblich vergrabenen Maschinengewehrs Auskunft zu geben. Diese Vernichtung erheblicher Werte, das unnütze Hin opfern zahlreicher Menschenleben ist höchst beklagenswert. Am allerbedanerlichsten aber ist das ekelhafte Schauspiel, welches die Vertreter der zivilisierten" Nationen den Schwarzen ge geben haben. Wer die bis jetzt herübergekommenen unvollstän digen Schilderungen liest, dem krampst sich das Herz zusammen bei dem Gedanken an die Greuel, die da vorgekommen sind, und an die unheilbare Minderung des europäischen Ansehens. Jahre unablässiger und fleißiger Arbeit werden nötig sein, um auch nur einen Teil des Zerstörten wiederherzustellen; viel ist unwie- 56 derbringlich verloren. Eine große Frage ist es, wie sich die jetzt im Innern des Landes befindlichen Europäer auf längere Zeit mit der Schwierigkeit der Verpflegung den Unbilden des Klimas abfinden und in welchem Zustande unsere armen Lands- leute, weuu überhaupt, einmal die Heimat erreichen werden. Und wie schwer wird es nach dem Kriege sein, überall geeigneten Ersatz hinauszusenden! Interessant ist die Rolle, welche die von mir schon so oft gekennzeichneten Duala wieder einmal gespielt haben. Sie haben verraten und geplündert, wo sie nur konnten, die Feinde des Landes mit Jubel empfangen in der falschen Annahme, daß sie nun von dem verhaßten deutschen Zwang zur Ordnung und Arbeit endlich befreit sein würden. Sie werden nun hoffent lich ihrem Schicksal nicht entgehen, wenn die deutsche Flagge nach Schluß des Krieges wieder über der deutschen Küste wehen wird. Den Charakter der Duala hat ja schon Max Buchner in seinem Werke Kamerun" hinreichend beschrieben, wenn er sie das falscheste, faulste und niederträchtigste Gesindel nennt, welches die Sonne bescheint. Ich habe dieselbe Erfahrung gemacht Ausnahmen, sogar einige sehr rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel. Schon lange vor dem Kriege haben die Duala versucht, das loyale Bamum-Volk gegen die deutsche Herrschaft aufzuwiegeln; die gerechte Folge war die .Hinrichtung des Manga-Dnala alias Rudolf Bell. Ein gleiches wohlver dientes Ende fand kurz vor Ausbruch des Krieges leider auch der von der Küstenpest der Duala angesteckte ehemalige Feldwebel der Schutztruppe Paul Zampa, der in meinem Buch Gou- verneursjahre Kamerun" geschilderte Feldwebel Dominiks.57 Wo immer tüchtige und brauchbare Stämme des Juneru mit den Duala in nähere Berührung kommen, werden auch sie von der Seuche ergriffen und müssen darunter leiden. Was notwendig ist, um dem Uebel ein für allemal abzuhelfen, liegt auf der Hand. Zweimal ist es versäumt worden, mit den Duala ein Ende zu machen: 1884, als unsere Marine die Joßplatte stürmte und Admiral v. Knorr in übergroßer Milde den Auf rührern nach viel zu gelinder Strafe ihre Wohnsitze ließ, 1895, als die meuterischen Duala im Dahomey-Aufstande mit den Rebellen gemeinsame Sache machten und ganz offen die Hehler spielten. Jetzt, wenn die deutsche .Herrschaft an der Kamerun- Küste wiederhergestellt sein wird, bietet sich zum drittenmal die Gelegenheit. Unnachsichtlich muß mit dem unbrauchbaren und laudesverräterischen Gesindel aufgeräumt und anständige Stämme des Innern müssen an ihre Stelle gesetzt werden. Ich halte eine Uebersührnng des ganzen Volkes in ein anderes, weniger angenehmes Küstengebiet für sehr geeignet; auch würde sich vielleicht die spanische Regierung gern entschließen, die Duala als Arbeiter in Fernando Po aufzunehmen. Vor allem aber darf der Deutsche Reichstag keine Dnala- Petitionen mehr entgegennehmen beraten; kein Duala darf mehr in Berlin und sonst irgendwo in Deutschland frei und ungehindert umherlaufen und Unheil stiften. Die gesetzlichen Handhaben hierfür sind gegeben, denn die Duala sind keine deut schen Reichsaugehörigeu. Nur so kann dem schlimmsten Uebel, an dem Kamerun krankt, dauernd abgeholfen werden.Die tage in Kamerun. Aus Kamerun sind infolge der Zerstörung der deutscheu Funkentürme und des Kabels nur spärlich und auf Umwegen amtliche Telegramme eingetroffen, die sich auch nur auf die dortigen Ereignisse bis Ende September beziehen. Wenn man diese kurzen Meldungen, die im Deutschen Kolonialblatt" vom Dezember und Januar abgedruckt siud, durch die amtlicheu englischen und französischen Berichte und durch Privatnach richten von Missionaren, Kansleuteu und Schiffsführern er gänzt, so läßt sich bei einiger Kenntnis der örtlichen Verhält nisse immerhin ein leidlich klares Bild über den derzeitigen Stand der Dinge in dem schwergeprüften Schutzgebiet ge winnen. . Die einzelnen kriegerischen Ereignisse sind in ihrer histo rischen Reihenfolge durch das Kolonialblatt" die Presse hinlänglich bekannt. Hieraus ergibt sich folgendes Bild der gegenwärtigen Lage: Sämtliche offenen Küstenorte einschließ lich Buea, Jabassi, Japoma und Edea sind nach Beschießung und teilweiser Zerstörung und Plünderung durch das englisch- 59 französische Expeditionskorps besetzt und zum Teil in Ver waltung genommen. Besonders übel scheint der Feind in Victoria und in Duala selbst gehaust zu haben; die Dnala haben hierbei selbstverständlich die Verräter gespielt, den feind lichen Truppen die versteckten Land- und Wasserwege gezeigt und dauu gemeinschaftlich mit den englischen und französischen Soldaten alles geplündert, was nur in ihrem Bereich war. Gouvernement und Kommando der Schutztruppe haben sich nach kurzen, blutigen Küstengefechten in vollster Ordnung in das Innere zurückgezogen; von hier aus ist nun die Ver teidigung des Landes gegen den anrückenden Feind in offenbar vorzüglicher und sehr erfolgreicher Weise organisiert, so daß bisher zwar die ganze Nordbahn, von der Mittellandbahn aber nur die Strecke bis Edea in feindlicher Hand ist. Nach den letzten Nachrichten wurde bei Edea noch gekämpft, während die Station Johann-Albrechts-Höhe sogar von einer kleinen Abteilung der Schutztruppe gehalten wird; diese landschaftlich und militärisch gleich wunderbar gelegene Station ist mit dortigen Mitteln kaum zu erobern, vorausgesetzt, daß die Belagerten über genügend Proviant und Munition verfügen. Ukoko im Muni-Gebiet (Coriseo-Bucht) sowie der größte Teil von Neukamerun mit Nola, der ja seit der Abtretung durch Frankreich von uns noch kaum hinreichend besetzt war, sind nach hartnäckigem und heldenmütigem Widerstand unserer allzu schwachen Besatzungen vorläufig vom Feinde genommen worden. Sehr viel erfreulicher dagegen sieht es im Innern der alten Kolonie aus. Nachdem es mehreren englischen Kompagnien 60 gelungen war, das Dorf Nssanakang am Croß-Fluß zu besetzen, wurde die dort zurückgelassene feindliche Garnison von einer Abteilung unserer Schutztruppe, die von Bamenda, Dschang und Tinto anmarschiert war, in der Nacht des 6. September angegriffen und total geschlagen, so daß sich die Engländer unter schweren Verlusten aus dem Ossidinge-Bezirk zurück ziehen mußteu und den Versuch nicht sobald wiederholen dürf ten, da ihre Niederlage offenbar einen erheblichen Eindruck auf die beiderseitigen Eingeborenen gemacht hat. Einen besonders schweren, unersetzlichen Verlust hatte hier die Kolonie durch den Heldentod des Bezirksamtmannes von Dschang, des früheren Hauptmannes der Schutztruppe Rausch, zu beklagen. Ob es dem französischen General Largean gelungen ist, Kusseri und das deutsche Schari-Gebiet einzunehmen, ist trotz gegenteiliger französischer Berichte unwahrscheinlich; jedenfalls ist dort bis jetzt mit wechselndem Kriegsglück gefochten worden, und die niemals vollständig unterworfenen, von einer fanatisch mohammedanischen Bevölkerung bewohnten Reiche Baghirmi und Wadai dürften den Franzosen nicht viel Zeit lassen, sich eingehend mit dem deutschen Grenzgebiet zu beschäftigen. Einen totalen Mißerfolg hatten die Engländer mit ihrem Angriff auf die nur leicht befestigte Station Garua am Beuue, wo sie unter Zurücklassung von zahlreichen Toten und Verwundeten 11 weiße Offiziere und etwa 300 Mann entscheidend ge schlagen wurden und den Rückzug ins englische Gebiet an treten mußten. Die Hauptstadt des Landes Mandara, das wich tige Mora, neuerdings Sitz der deutschen Residentnr, ist von den englischen Grenztruppen besetzt; indessen hält die deutsche 61 Mora-Kompagnie der Schutztruppe den befestigten Mora-Berg und bleibt damit Herr der Lage. Es ist somit ersichtlich, daß der Feind unter dem Schutz der Schiffsgeschütze zwar die Küstenstriche besetzt hält, aber ab gesehen von den Sumpfgebieten am Sangha und Ubangi im Innern keinerlei Fortschritte hat machen können, daß in: Gegen teil alle Versuche, weiter vorzudriugeu, unter empfindlichen Verlusten für den Gegner durch unsere Truppe abgeschlagen sind. Es ist auch kaum anzunehmen, daß fernere etwaige An strengungen in dieser Richtung erfolgreicher sein werden. Es fallen dabei vor allem die Verluste an Europäern ins Gewicht, die nach eigenen Angaben der Feinde bereits über 30 Offiziere betragen; diese werden unter den jetzigen Verhältnissen schwerlich- zu ersetzen sein; eine schwarze Truppe ohne weiße Vorgesetzte und Führer ist aber unbrauchbar, auch in Afrika. Ganz auffallend fiud unsere glänzenden Erfolge gegenüber der überall großen numerischen Uebermacht des Feindes ein sicherer Beweis für die Ueberlegenheit der deutschen Ausbildung und Disziplin ., Geradezu grotesk wirkt die sogenannte Eroberung" der offenen und unbefestigten Hafenstadt Duala, zu der 5 Kriegsschiffe und 15 000 Mann Landungstruppen in Tätigkeit gesetzt wurden, denen unsererseits kein Kriegsschiff und ein bunt zusammen gewürfeltes, militärisch gar nicht organisiertes Freiwilligen korps von höchstens 100 Mann entgegenstand. Dieser Sieg" wurde dann in einer jedem Völkerrecht Hohn sprechenden Art und Weise so ausgenutzt, daß harmlose und friedfertige Ein wohner, darunter Missionare, Frauen und Kinder, mit empö rendster Brutalität durch schwarze Soldaten gefangen, unter 62 Spott und Hohn der Duala-Bevölkerung auf Transport dampfer geschleppt und an ungesunden Orten der französischen und englischen Küste in Gefängnissen für Schwarze interniert wurden. Eine derartige Verletzung des Rassenbewußtseins ist in Afrika wohl noch nicht dagewesen; sie muß und wird sich der einst blutig rächen, am allermeisten an ihren Urhebern, wenn nach Beendigung des Weltkrieges der Tag der Abrechnung kommt. Schwere Stunden haben die Kameruner Behörden durch gemacht, schwerere stehen ihnen noch bevor bis zum Eintritt geordneter Verhältnisse. Denn auch da heißt es: Durchhalten, bis die große Entscheidung auf Europas Schlachtfeldern ge fallen ist. Mannigfach sind die Schwierigkeiten, mit denen der Gouverneur und seine Leute zu kämpfen haben. Da handelt es sich zunächst um die Frage, wie lange die im Innern befind lichen Europäer ohne Erholung, ohne die notwendige Hygiene, ohne die gewohnte Verpflegung den Unbilden des schlimmen Klimas standhalten können. Das Land selbst bietet Nahrungs mittel genug aber die einheimische Kost ist doch erfahrungs gemäß auf längere Zeit dem europäischen Magen verhängnis voll. Freilich wird sich da der Segen der auch wirtschaftlich so vortrefflich eingerichteten Regiernngs- und Militärstationen erweisen, aber die Leistungsfähigkeit der Stationen, die ja europäische Gemüse, Kartoffeln und Getreide überall angebaut haben, hat ihre Grenzen, und es sind viele Menschen zu be köstigen, auf deren ständige Gegenwart nicht gerechnet werden konnte. Malaria und Dysenterie, die gefährlichsten Feinde des weißen Mannes unter der Tropensonne, werden nicht aus- 63 bleiben; Medikamente und Stärkungsmittel werden mangels frischer Zufuhr knapp werden, schließlich ganz ausbleiben. Nicht umsonst schicken die Engländer ihre Beamten Offiziere an der afrikanischen Westküste nach einer einjährigen Dienstperiode zur Auffrischung des Blutes und zur Stärkung der Nerven heim! Nicht unerhebliche Schwierigkeiten dürfte die Beschaffung der Zahlungsmittel machen; das bare Geld wird bald verbraucht sein, Soldaten, Träger und Arbeiter müssen aber gelohnt wer den; man wird sich mit Gutscheinen behelfen, aber wie lange? Von ausschlaggebender Bedeutung ist das Verhältnis der Re gierungsorgane zu den Eingeborenen. Die deutsche Herrschaft ist den Stämmen des Innern so in Fleisch und Blut über gegangen, daß zunächst wohl nichts befürchten ist. Haben doch die Bamum- und die Jauude-Völker den verräterischen Lockungen der Dnala mannhaft widerstanden, ja die Hetzer und Verführer zur Anzeige gebracht, so daß eine Bestrafung erfolgen konnte. Daß unsere tüchtigen und anhänglichen Eingeborenes uns die Treue halten werden, das ist bei geschickter Behandlung und einsichtiger Ausnutzung der Lage nicht zweifelhaft. Die Zukunft wird ja erweisen, wo besser gearbeitet worden ist, in unseren jungen Schutzgebieten oder in den viel älteren feind lichen Kolonien. Jedenfalls haben wir seit Ausbruch des Krie ges noch keinerlei Aufstände oder Unbotmäßigkeiten zu ver zeichnen gehabt. Wenn sich dies schon für die bedeutenden Stämme des mitt leren Kamerun, die im Waldland und in dem angrenzenden Grasland sitzen, bewahrheitet, so trifft es noch zuverlässiger zu für Adamaua und die Tsadsee-Läuder, in denen der mohamme- 64 danische Einfluß überwiegt, der sich nach Erklärung des Heiligen Krieges" uaturgemäß gegen England und Frankreich richten muß. Die derzeitige, wohl uoch längere Zeit andauernde Unter- binduug des Außenhandels, der Ausfuhr und Einfuhr, wird ein ganz neues Bild ergeben, ganz neue und eigenartige Ver hältnisse schaffen. Die Kolonie Kamerun, auf sich selbst ange wiesen, durch eiueu übermächtigen Feind zeitweilig von der Küste abgeschnitten, ohne Nachrichten aus der Heimat, wird nun zu zeigen haben, was an innerem Wert in ihr steckt, was für die Zukunft von ihr erwartet werden kann. Ich zweifle nicht daran, daß Kamcruu die weitgehendsten Erwartungen übertreffen wird. Einstweilen können wir unseren tapferen Landsleuten jenseits des Ozeans nur zuruseu, Geduld, Ausdauer, felsenfestes Vertrauen aus die unüberwindliche Kraft des deut schen Volkes, das in seiner schwersten Stunde seine überseeischen Kinder nicht vergißt und alle erlittenen Schäden heilen wird.kußlanä. Es ist unzweifelhaft das gute Recht eines jeden großen Staates, seinen Handel nach Kräften auszudehnen und sich zu diesem Zweck die Seewege dienstbar zu machen. Ein Blick auf die geschichtliche Entwicklung zeigt dies Bestreben der Völker seit den Zeiten der Phönizier; große und blutige Kriege sind um überseeische Verbindungen, um Kolonien, um die Seeherrschaft geführt worden; den größten erleben wir in diesen Tagen. Denn daß der jetzt entfesselte Weltkrieg lediglich für England von England veranstaltet ist, das kann heute kein Einsichtiger mehr bezweifeln. Es handelt sich um Englands Seeherrschaft, um Englands Größe und Zukunft. In meisterhafter Weise, mit skrnppelloser Verhetzung durch die Presse und mit wahrhaft macchiavellistischen Ränken hat die englische Diplomatie es ver standen, die ganze Welt davon zu überzeugen, daß Deutschland, der gefährlichste Gegner im überseeischen Wettbewerb, vernich tet werden müsse, damit in Zukunft die gesamte Menschheit glücklich und zufrieden unter Englands Schutz fortleben könne. Was es aber mit dem englischen Schutz auf sich hat, das hat s 66 Belgien erfahren, das erfahren täglich und stündlich die Neu tralen, die in rücksichtslosester Weise England vergewaltigt werden. Englands Schutz ist eben in der ganzen Welt von jeher gleichbedeutend mit Englands Oberherrschaft gewesen. Auch das mächtige russische Reich hat sich dem englischen Zwange, den heuchlerischen englischen Verheißungen nicht zu entziehen gewußt wird nun auch erst durch Schaden klug werden. nsessss sst. Diese große Wahrheit gilt auch für Rußland, welches sich schon seit lange für sein Expan sionsbedürfnis nicht mehr mit der Ostsee und dem Schwarzen Meer zufriedengeben kann. Ein ungehinderter Zugang zu den offenen Weltmeeren ist das Ziel, das den russischen Staats männern vorschwebt seit dem Traum Peters des Großen von dein Besitz Konstantinopels und der Meerengen. Mit großer Klugheit hat die englische Politik den Russen diese lockende Beute wieder und wieder vorgehalten, bis sie den Augenblick für ge kommen hielten, den gordischen Knoten der Balkanfrage mit dem Schwert zu durchschneiden, um mit Hilfe der Bundesge nossen rasch und mühelos den Siegespreis zu erringen. Unheil vollster Irrtum! Auch in Rußland hat es nicht an warnenden Stimmen gefehlt; in erster Linie hat Rußlands bedeutendster Staatsmann, Graf Witte, immer wieder vor dem verhängnis vollen Abenteuer gewarnt, leider vergeblich. Er mußte vom Platz weichen, und Rußland hatte damit seinen treuesten und zuverlässigsten Berater verloren. . In russischen Finanzkreisen ist auf die große Gefahr, die diese Situation in sich barg, ebenfalls hingewiesen worden. So brachten vor einigen Tagen die Münchener Neuesten 67 Nachrichten" eine aus den Kreisen der internationalen Hoch finanz stammende Zuschrift, die in dieser Hinsicht Lehrreiches enthält. Es wird da treffend ausgeführt, wie Rußland sein Geldbedürfnis nur dadurch in Frankreich habe befriedigen kön nen, daß es Frankreich gegen Deutschland militärisch garan tiert habe; gleichzeitig wird aber auch darauf aufmerksam ge macht, daß selbst im Fall eines russischen Sieges der Besitz Konstantinopels nur von zweifelhaftem Wert sein werde, so lange England die beiden Eingänge des Mittelmeeres in Hän den habe, daß Rußland, wenn es mit Einsetzung seiner mili tärischen Macht den Zugaug zum offenen Meer gewinnen wolle, dies viel leichter und mit viel weniger Opfern durch einen Vor stoß in der Richtung der englischen Besitzungen in Asien er reichen würde, dem England einen nachhaltigen Widerstand ent gegenzusetzen gar nicht in der Lage sei. Es ist England gelungen, Rußland von diesen so nahelie genden Erwägungen abzulenken und der verderblichen Politik ehrgeiziger und habsüchtiger Großfürsten, des Ränkeschmiedes Jswolski und anderer zum Siege zu verhelfen, zu einem Siege, der im besten Falle Rußland zu einem Vasallenstaat Englands erniedrigen würde. Zu diesem Zwecke mußten die Leiden schaften des Panflawismns aufgewühlt und durch Aufrolleu der serbischen Frage Deutschland und Oesterreich-Ungarn der Krieg aufgezwungen werden, der nun einen so gänzlich unerwarteten Verlaus nimmt. Schon mehren sich in Rußland die Stimmen, die das Unheil nahen sehen, die laut erklären, daß Rußland wirtschaftlich am Ende seiner Kräfte angelangt sei und sein Heer für eine hoff st68 nnngslofe Sache geopfert habe. Die neuesten Nachrichten über die Verstimmung zwischen dem Zaren und dem Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch scheinen dieser Sachlage ihren Ursprung zu verdanken, und in der Ferne grollt die Revolution im Lande, und zwar diesmal auf dem platten Lande, in furchtbarer und ungeahnter Ausdehnung. Und das alles verdankt Rußland ein zig und allein der Blindheit, mit der es den englischen Lockun gen gefolgt ist, in der eitlen Hoffnung, auf diesem schwierigsten aller Wege das Meer zu erreichen, zwar das Mittelmeer, in dem heute noch England Alleinherrscher ist, solange Malta, Zypern, der Suezkanal und Gibraltar englischem Besitz sind. Wieviel leichter hätte Rußland es gehabt, wenn es sich beizeiten den bequemen Zugang zum Persischen Meerbusen ge sichert hätte, von wo aus ihm der ganze Ozean offen stand. Eine leistungsfähige Bahn durch Persien und das Ziel war erreicht, ohne Aufwendung der jetzigen ungeheuren Opfer. Denn wer wollte das Zarenreich an einem solchen Vorgehen hindern? Persien doch nicht und nicht die Türkei und nicht die Mächte des Dreibundes. Jeden dort etwa drohenden militä rischen Widerstand konnte Rußland mit Leichtigkeit nieder zwingen. Nur für England wäre eine solche Politik verhängnis voll geworden, denn da wären seine indischen Interessen aufs höchste gefährdet und sein Prestige in Asien ernstlich bedroht gewesen. Um das zu verhindern, haben die englischen Politiker alles daran gesetzt, und es sogar fertig bekommen, aus dem Gedächtnis der Russen die Tatsache auszulöschen, daß England seinerzeit in hinterlistigster Weise Rußland durch Hilfe Japans 69 um den Besitz von Port Arthur gebracht hat; und gerade Port Arthur war der einzige eisfreie Hafen, über den Rußland da mals verfügen konnte! So lange wurde den Russen eingeredet, nur in England liege ihr Heil, bis sie ganz betört es geglaubt haben. Ob nicht nun doch selbst in Rußland die Erkenntnis der Wahrheit dämmert? Ob man nicht auch in Rußland anfängt, einzusehen, mit wie schmählichen Mittelchen man sich hat ein fangen lassen? Wieviel zweckmäßiger es gewesen wäre, statt mit England gegen England zu kämpfeu? Einer Festsetzung der Russen östlich des Schatt el Arab hätten die Engländer sich nicht ohne einen Krieg entgegenstemmen können; dieser Krieg aber, in dem sie unbedingt die Schwächeren waren, hätten ihren indischen Besitz unmittelbar gefährdet. In einem solchen Fall würden wohl die Herrscher von Afghanistan und Balntfchistan, die ja auch jetzt Indien be drohen, gern mit Persien und Rußland gemeinsame Sache ge macht haben. Jedenfalls wäre es zu einer Erschütterung der Ruhe in Indien gekommen, die England mehr fürchtet als alles andere. Wie anders es dann heute in der Welt aussehen würde, bedarf wohl keines besonderen Hinweises. Nun hat sich aber einmal England zunächst die Gefolg schaft der ganzen Welt erlistet und hofft immer noch auf einen schließlichen Sieg im Vertrauen auf die numerische Uebermacht seiner Verbündeten und auf seine gewaltige Flotte. Wir hoffen, wohl mit mehr Recht, das Gegenteil; selbst die englische Flotte vermag uns nicht zu schrecken. Wie es aber auch kommen mag, die Betrogenen sind auf alle Fälle Englands Verbündete, in70 erster Linie Rußland, denn sein Vorrücken durch die Dardanellen müßte eine derartige Umwälzung aller Verhältnisse im Mittel meer hervorrufen, daß England ein leichtes Spiel mit seinen dortigen Konkurrenten haben dürfte. Wenn so aber nicht einmal das verbündete Rußland auf seine Kosten kommt, wieviel schlim mer steht es dann für Italien, welches durch sein bisheriges Verhalten seine Stellung als Großmacht aufs Spiel setzt und im Begriff ist, sich die ihm gebührende und ihm von uns zugedachte leitende Rolle in: Mittelmeer auf immer zu verscherzen. Sollten sich nicht noch in letzter Stunde in Rußland Männer finden, die einsehen, daß man sein Geld auf ein falsches Pferd gesetzt hat, und daß es nützlicher ist, beizeiten Reugeld zu zah len, als ein hoffnungsloses Rennen zu reiten?8il Kogel Lasement. Aus Seite 39 meines Buches Gouverneursjahre in Kame run" habe ich einen Besuch erwähnt, den mir der damalige englische Vizekonsul Roger Casement am 26. Januar 1895 in Duala abstattete. Ich hatte gerade die Gouverneursgeschäfte in Kamerun übernommen und war mit anstrengender Arbeit über häuft. Um so willkommener war die Abwechsluug, die der liebenswürdige Besuch mir bot. Ich habe Casement geschildert, wie er mir damals entgegentrat, als einen hochgewachsenen, schlanken, dunkelhaarigen Jrländer mit graublauen Auge und vollendeten gesellschaftlichen Formen, als einen vielseitig gebil deten, belesenen und intelligenten Mann, mit dem sich gut und lange plaudern ließ". Jetzt, nach 20 Jahren, sind wir uns wieder begegnet; er war, mit Ausnahme einiger silberner Fäden im vollen Haar, ganz der Alte; ich fand die alte Herzlichkeit und Offenheit, gedämpft nnr durch die Wehmut über die Nolle, die ihm der Weltkrieg aufgedrängt hat und der er sein Leben weihen, wenn nötig opfern will. 72 Fast wäre es zu diesem Opfer gekommen, wie in dem in der Presse veröffentlichten köstlichen Brief Casements an Sir Edward Grey vom 1. Februar ds. Js. zu lesen ist. Dieser Brief ist ganz Casement mit seinem unverwüstlichen Humor, der ihn selbst in schwierigsten Lagen nicht verläßt, mit der echt irischen Freude an dem Duell zwischen ihm und seinem Gegner Findlay. Ich sehe Casement schmunzeln, wenn er seinem treueu Diener und Vertrauten, dem braven Norweger Christensen, neue Weisungen erteilt oder neue Berichte über Findlays Machenschaften erhält; ich höre sein frohes Lachen, als er endlich den Feind zur Strecke gebracht hat, die verräterischen Papiere und Beweise des geplanten Schurkenstreichs in der Hand hält. Dieser Brief liest sich in der Tat wie ein Roman, aber wie ein Schauerroman aus dem finstersten Mittelalter, als Meuchel mord durch Gift und Dolch noch an der Tagesordnung war; man fühlt sich beim Lesen in die engen duukeln Gassen einer italienischen Stadt des 16. Jahrhunderts versetzt, in der man das Verbrechen in der Luft atmet. Und doch hat sich das alles im 20. Jahrhundert zugetragen, im Jahre des Weltkrieges 1915, ist durch unwiderlegliche Dokumente beglaubigt; doch muß die Welt staunend er fahren, daß in unseren Tagen der Aufklärung und der Zivili sation in England, dem christlichsten aller Länder, hohe Staats beamte auf die Stufe des gemeinen Verbrechers sinken, um ihren Zweck zu erreichen. Daß die englische Regierung einen hohen Preis auf seinen Kopf gesetzt habe, wie man das zu tun pflegt, um flüchtiger Verbrecher habhaft zu werden, hatte mir Casement 73 schon vor Wochen lachend erzählt. Daß aber die gegen ihn er griffenen Maßregeln sich auf derartige Dinge erstrecken wür den, das hatte ich denn doch nicht erwartet. Daß ein hoher eng lischer Staatsbeamter, ein bei einem neutralen Staat beglau bigter Gesandter, die Unverletzlichkeit seiner Stellung so miß achtet, daß er zum niedrigen Verbrechen greift, das wirft ein Helles Licht auf die moralischen Begriffe eines Findlay und seiner Berufsgenossen. Bestechung, Anstiftung zum Menschen raub und Meuchelmord, das genügt, Mr. Findlay! Dieser englische Gesandte hat aber nicht nur diese Verbrechen be gangen, sondern er hat sich auch eiues schweren Vertrauens bruches gegenüber der norwegischen Regierung, einer schweren Beleidigung des norwegischen Volkes schuldig gemacht. Man darf darauf gespannt sein, wie sich das Drama weiterentwickeln, auf welche Weise Norwegen Sühne heischen wird für das auf seinem Boden begangene geplaute Verbrechen; vor allen: aber darauf, mit welcher Stirn Sir Edward Grey den fürchter lichen Makel tragen wird, der hinfort unauslöschlich mit sei nem Namen verknüpft ist. Was würde dazu der große Pitt, Earl of Catham, gesagt haben, der schon die Aufreizung der nordamerikanischen Indianer gegen Weiße im englischen Par lament mit so wundervoll zornigen Worten geißelte? Casement ist, wie er mir selbst sagte, nirgends mehr seines Lebens sicher, außer etwa in Deutschland und Oesterreich- Ungarn; überall da, wo englische Spione und Agenten unge straft ihr finsteres Handwerk treiben dürfen, ist fein Haupt ver fallen. Er ist bereit, sein Leben hinzugeben für sein geliebtes74 Vaterland, für die seit Jahrhunderten von England in unmensch-? lichster Weise geknechtete und mißhandelte Erin, wie er seine Pension, seine ihm für hervorragende Dienste verliehenen Orden und Auszeichnungen den Machthaber in London vor die Füße geworfen hat. Nichts dünkt ihm zu schwer für Irland zu ertragen. In bewegten Worten hat Cafement sein politisches Glau bensbekenntnis, seine Hoffnungen und Ziele niedergelegt in sei nen: Werk erims aZainst Irslanä anä kvx? tks war riZkt it", dessen Hauptgedanken in Theodor Schiemanns Broschüre Die Achillesverse Englands" wiedergegeben sind. Auch sonst ist ja die irische Frage im Anschluß an den Namen Casement und auch ohne denselben in der Presse mehrfach er örtert worden; sie ist heut, nach dem mannhaften Auftreten des ehemaligen englischen Generalkonsuls, dem für sein erfolg reiches Wirken im Dienst Englands vielfache Auszeichnung zuteil wurde, untrennbar von dem Namen Sir Roger Casement. Es ist hier nicht der Ort, auf diese eigenartigste aller Fragen ausführlich einzugehen. Nur kurz so viel: Die Liebe zur Freiheit, zur Selbstbestimmung auf seiner grünen Insel ist dem Jrländer, welcher Konfession er auch sei, angeboren. Hätten sich die englischen Politiker rechtzeitig entschlossen, der Nachbarinsel die ständig und stürmisch geforderte Homernle, die freie Selbstverwaltung zu gewähren, so gäbe es keine irische Frage, im Gegenteil würden die Jrländer die loyalsten und brauchbarsten Untertanen des englischen Königs sein. In nnbe- 75 greiflicher Verblendung ist jeder Versuch hierzu mißglückt, im Keime erstickt. Die Geschichte Irlands ist daher mit Blut ge schrieben, mit dem kostbarsten Blut einer edlen, unterdrückten und mißhandelten Rasse, die noch dazu von den Unterdrückern nicht einmal durch die Sprache getrennt ist. Die Schwierigkeit, die uns Deutschen die polnische, elsaß-lothringifche, dänische Frage bereitet hat und noch bereitet infolge der Sprachver schiedenheit, fällt hier fort. Und trotzdem ist es unmöglich ge wesen, ein auch nur erträgliches Verhältnis herzustellen. Jetzt ist es zu spät. Daher sehen die patriotischen Jrländer ihre Rettung, ihr einziges Heil nur noch in einer politischen Tren nung von England, die natürlich nur möglich ist nach Nieder werfung der englischen Seeherrschaft, besser gesagt Seeknech tung. Denn was England unter Freiheit der Meere ver steht, das zeigt sich in diesen Tagen nur allzu deutlich. So stellt denn Casement an die Spitze seiner Ausführungen den Satz: Die Meere freimachen heißt Irland befreien", und er träumt von einem freien Irland, welches gleichzeitig Deutsch land den uugehiuderteu Ausgang zum freien Atlantischen Ozean gewährleisten würde. Er betont, daß der Schlüssel zur freien Bewegung der europäischen Schiffahrt nicht bei Dover, sondern an der Südwestküste Irlands bei Berehaven liegt. Ob dieser Traum je Wirklichkeit werden wird, liegt noch im Schöße der der Zukunft. Mit Recht weist Theodor Schiemann in seinem Vorwort darauf hin, daß wir fern davon sind, die Möglichkeit einer Be freiung Irlands durch eine siegreiche deutsche Flotte als ab- 76 schließendes Stadium des heutigen Weltkrieges abzuweisen, daß hierfür aber eine Voraussetzung notwendig und unerläßlich ist, nämlich die schleunige und wirksame Erhebung Irlands gegen das englische Joch im jetzigen Stadium des Krieges. Er ruft Irland sehr zutreffend das alte Wort zu: Man hilft nur dem, der sich selbst zu helfen weiß."ver AMneg äie öffentliche Meinung. Eins der aller charakteristischen Merkmale dieses Krieges ist ohne Zweifel der Lügenseldzug, den die Mächte des Dreiver bandes und ihre Freunde durch eine gekaufte und gewissenlose Presse in Szene gesetzt haben, um die öffentliche Meinung der ganzen gebildeten Welt gegen Deutschland und Oesterreich- Ungarn aufzuhetzen. Systematisch mußte die Welt auf das Ungeheure vorbereitet werden, systematisch der Boden bearbeitet werden, dem endlich der vorbedachte, verabscheuungswürdige Schurkenstreich von Serajewo als reife Frucht entsprießen sollte. Ein edles Fürstenpaar mußte gemeiner Meuchlerhand zum Opfer fallen, damit der Weltenbrand entfacht werden konnte, der zur Vernichtung der Nationen führen sollte, in denen die höchste europäische Kultur verkörpert ist. Es ist ein verhängnis voller Irrtum der leitenden Staatsmänner unserer Feinde, daß sie wähnen, durch Lüge den Sieg erringen zu können. Selbst die erdrückendste Uebermacht hält nicht Stand gegen die Kraft der Wahrheit, die uns und unseren tapfern Verbündeten eine so si?gesfrohe Zuversicht einflößt, die unsere Truppen mit 78 Jauchzen und Gesang in den Kampf ziehen läßt. Denn vom Feldherrn bis zum jüngsten Kriegsfreiwilligen durchdringt die gewaltigen Heeresmassen die Gewißheit, daß sie für eine heilige, gerechte Sache kämpfen, daß ihr Sieg gleichbedeutend ist mit dem Siege des Rechts, der Wahrheit, der menschlichen Kultur, über die Mächte der Finsternis, über Neid, Habsucht, Rachsucht, Verleumdung und Lüge. Wie ist es nur möglich, daß die Lüge einen so gewaltigen Einfluß auf denkende Menschen, auf gebildete Geister, auf ganze Nationen hat gewinnen können? Auf diese Frage und alles, was mit ihr zusammenhängt, antwortet am besten und treffendsten ein Ausländer, der Engländer Houstou Stewart Chamberlain, der berühmte Wagner-Biograph, der in seinen Kriegs Aufsätzen" seinen Landsleuten einen geradezu unheim lich wahrhaftigen Spiegel vorhält und die Aufrichtige unter ihnen wenn es solche noch gibt im Innersten erschauern läßt. Chamberlain beschäftigt sich im Eingang seiner herrlichen Ausführungen eingehend mit dem Problem der Lüge und ihrer Wirksamkeit auf die Menschen. Die Quintessenz seines Gedan kenganges finden wir in den nachfolgenden kurzen Sätzen: Durch die Presse, die so viel zur Verbreitung der Wahrheit bei zutragen vermag, ist in den Händen einzelner die Lüge zu einer Weltgewalt ohnegleichen herangewachsen; wir erleben es drastisch in den Kriegsnachrichten ausländischer Zeitungen, und doch, wie harmlos sind erlogene Siegesnachrichten im Vergleich mit der Vergiftung der öffentlichen Meinung ganzer Nationen durch planmäßig angelegtes, jahrelang systematisch durchgeführ tes Lügen! Die Lüge wirkt genau so stark wie die 79 Wahrheit, denn sie wird geglaubt. Es genügt, eine gewisse An zahl weitverbreiteter und daher einflußreicher Zeitungen zu gewinnen, sie einer einheitlichen Leitung zu unterstellen, und in wenigen Jahren ist das Ziel erreicht." Chamberlain führt dann weiter aus, wie England den Krieg von Anfang an gewollt und zu diesem Zweck jahrelang in unglaublich geschickter Weise mit Hilfe einer durch und durch verlogenen Presse die englische Nation, und mit ihr die ganze Welt, irregeführt vergiftet hat. Sehr treffend schil dert er König Eduard VII. als treibende Kraft" seinen Helfershelfer, den berüchtigten Lord Northcliffe, in dessen skrupellosen Händen schließlich das Weltblatt The Times" das führende Werkzeug der internationalen Verhetzung wurde, und schließt diesen hoch interessanten Abschnitt mit den flammenden Worten: Lügner, die den Frieden Europas gefährden, müssen gehängt werden!" Rücksichtsloser und unverblümter ist den Engländern wohl noch uie die Wahrheit gesagt worden, leider zu spät, um den Einbruch des Unheils zu verhüten. Das aber können wir aus Ehamberlains Worten lernen ein wie großer, nie wieder gutzumachender Fehler unsererseits begangen worden ist durch dauernde Vernachlässigung der eignen und der ausländischen Presse, die nun einmal die öffentliche Meinung vertritt. Cham berlain sagt mit Recht: Die öffentliche Meinung kann heut kein Staatsmann entbehren; einen Krieg zu führen ist unmög lich, wenn nicht weite Schichten des Volkes von dessen Not wendigkeit überzeugt sind." Eine solche Ueberzeugung kann einem Volk bei der heutigen westeuropäischen Durchschnitts- 80 bildung durch die Presse beigebracht werden. Ich will nicht sagen, nur durch die Presse. Denn beim Ausbruch des Krie ges 1870 brauchte Deutschland nicht erst durch Zeitungen und Berichte zur höchsten Anspannung aller Kräfte, die zur Ab wehr des frivolen Angriffs, zur Niederwerfung des Feindes und zur glorreichen Einigung der deutscheu Stämme führte, aufgestachelt zu werden; die Ueberzeuguug von der Notwendig keit des Krieges war da, durchzuckte das ganze Volk wie ein Blitzschlag den Gewitterhimmel. Man darf sagen, daß damals die gesamte deutsche Presse sich zum würdigen Dolmetsch des Volksempfindens machte, mit Eifer und Aufmerksamkeit dem ehernen Gang der Ereignisse folgte Geschichte schrieb, während aus d, n Schlachtfeldern unter dem Donner der Geschütze Geschichte gemacht wurde, und das geeinte Deutschland erstand. In den 44 Friedens jahren ist in Deutschland unendlich viel geleistet worden; auf allen Gebieten der menschlichen Kultur hat Deutschland sich seinen Platz an der Sonne in offenem, ehrlichen Wettbewerb erobert, und dabei trotz Widerspruch und innerem Hader die starke Rüstung geschaffen, die es hente befähigt, im Verein mit seinem wehrhaften Bundesgenossen einer in Waffen starrenden Welt die Spitze zu bieten, einen Existn. ?ampf zu führen, wie ihn furchtbarer und tragischer die Geschichte nicht kennt. Nur scheint mir in dieser großen Entwicklungsperiode eins nicht genug gewürdigt und gepflegt worden zu sein eine groß zügige, die wirkliche öffentliche Meinung darstellende Presse, die ein Gegengewicht zu bilden hätte gegen die verlogene, anti deutsche Presse des Auslandes. Der Einfluß einer solchen ehr-- 81 - lichen und wahrhaftigen Presse darf sich nicht nur auf Deutsch land beschränken, sondern muß sich die ganze Welt erobern. Juuerpolitische, sich ständig bekämpfende Richtungen, Par teihader, Gezänk um unwesentliche Dinge haben jahrzehntelang den deutschen Sinn getrübt, den Blick abgelenkt von den großen Aufgaben, die des deutschen Reichs in der Welt harren. Mit hämischer Aufmerksamkeit wurden diese Vorgänge außerhalb der deutschen Landesgrenzen verfolgt, kritisiert und verspottet; durch eine nur allzu beredte feindliche Presse wurde die ganze Welt im Unklaren gelassen über die dem deutschen Reich inne wohnende gewaltige Kraft, künstlich der Glaube erweckt, mit dem isolierten Deutschland werde man ein leichtes Spiel haben. So kam die große Verschwörung zustande, als deren Opfer Deutschland fallen sollte in majorem Lritannias Alormm. Mit Gram Schrecken haben unsere deutschen Brüder jen seits des Weltmeeres dies am eigenen Leibe erleben müssen mit Schrecken und Grauen erfährt jetzt das Ausland die Wahr heit, die trotz aller lügnerischen Meldungen nicht lange ver borgen bleiben kann. Wie 1870 die französischen Machthaber zu ihrem Scha den gewahren mußten, daß sie selbst es waren, die aus den zerstückelten Gliedern ein mächtiges, einiges Reich entstehen ließen, so muß Heut in diesem merkwürdigsten aller Kriege die feindliche Welt erfahren, was es heißt, ein solches Reich anzugreifen und vernichten zu wollen. Und woher dieser Haß gegen Deutschland, woher überall diese völlige Verkennung des deutschen Wesens? Weil sie uns nicht kennen, weil wahres deutsches Wesen dem Auslande so 6 82 unbekannt ist, wie dem Buschneger ethische Kultur, weil sie da draußen über den Weltmeeren nichts, aber auch gar nichts von uns wissen, oder wissen wollen. Gegenüber der Lüge, die diesen Krieg gezeugt hat, wird und muß die Wahrheit siegen. Nun sei es die hehre Aufgabe der deutschen Presse, ein treuer und beredter Sachwalter der deutschen Sache zu werden. Der Anfang ist gemacht; Parteien sind verschwunden; aber Par teien werden wiederkehren nur hoffentlich nicht wieder das Unwesen der Fraktionen und Fraktiönchen, über die schon Bis marck einst so bitter klagte, sondern ein edler Wettstreit aller deni Volke innewohnenden sittlichen Kräfte, sich gegenseitig er gänzend und anfeuernd dem großen, allen gemeinsamen Zielen entgegen, der Wohlfahrt und der Größe des Vaterlandes. Die treue Hiugabe an dies Ziel ist es, die Deutschland und seine öffentliche Meinung nie mehr aus deu Augen verlieren darf. Dann erst wird Deutschland der wahre Hort der edelsten Güter des Menschengeschlechts sein, und Chamberlains schöner Satz wird Wahrheit werden: Das Weiterbestehen und die Weiterentwicklung der Freiheit auf Erden ist an den Sieg der deutschen Waffen geknüpft, und daran, das; Deutschland sich nach dem Siege treu bleibt".Die gegenwärtige tage. Sieben Kriegsmonate liegen nun hinter uns, bunt genug sieht die Welt aus. Hell und leuchtend strahlt, dem ganzen Erdrund sichtbar, der unvergleichliche Ruhm der deutschen und österreichisch-ungarischen Wassentaten zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Nach der raschen Bezwingung der unüberwind lichen" belgischen Festungen und der Eroberung des uuglück- licheu Königreiches haben die deutschen Heere den größten Teil Nordfrankreichs besetzt und halten damit die reichsten Industrie gebiete der Republik in der Hand; unerschüttert steht die von ihnen in Feindesland gezogene eiserne Schranke den Verbündete^ Armeen und ihren buntscheckigen Hilfsvölkern gegenüber, sich zum letzten entscheidenden Schlage vorbereitend; aus dem süd lichen Winkel des vielgeplagten Ober-Elsaß dürften die Fran zosen demnächst hinausbefördert werden. Die unermeßlichen, von der ganzen Welt für unüberwindlich gehaltenen Heer scharen der Russen sind auf der ganzen Linie im Rückzüge; Ostpreußen und die Bukowina sind bereits frei vom Feinde; und wenn auch die Karpathen noch Schwierigkeiten bereiten, so 6- 34 werden sich auch in Galizien die russischen Truppen nicht mehr lange halten können; nach der Befreiung Lembergs und dem Entsatz von Przemysl wird nur noch Polen als Kriegsschau platz im Osten übrig bleiben. Das vornehmste Ziel der Kriegs leitung, den Feind zu schlagen, wo man ihn findet, und die heimische Erde von ihm zu säubern, ist fast vollständig erreicht. Die kühnen Heldentaten unserer Flotte sind noch frisch in aller Gedächtnis, wenn auch die erzielten Erfolge nicht im vollen Umfange bekannt geworden sind, da die englischen Be richte, auf die wir größtenteils angewiesen sind, die volle Wahr heit verschweigen oder entstellen. Schon jetzt dringt Kunde über deu Ozean, daß die englischen Verluste bei den Falklands- inseln sehr viel größer gewesen sind, als bisher eingestanden; und mit der Seeschlacht in der Nordsee scheint es sich ähnlich zu verhalten. Ueber die neueste Phase des Seekrieges, die Er eignisse seit dem 18. Februar, ist noch so wenig veröffentlicht, daß eine Erörterung verfrüht erscheint. Doch haben unsere Unterseeboote offensichtlich tüchtig gearbeitet, in wenigen Tagen Wut und Schrecken in England erregt, und die englische Re gierung zu gauz absonderlichen sogenannten Gegenmaßnahmen veranlaßt. Jedenfalls ist nach zuverlässigen Berichten die Stim mung in London recht düster, und das Gespenst einer durch die Absperrung der britischen Insel von der Außenwelt er zeugten Auflehnung des englischen Volkes gegen die herrschende Kriegspartei zeigt sich bereits in nicht allzu weiter Ferne. Wenn die Neutralen unter diesen rigorosen Maßnahmen und anormalen Zuständen mitleiden, so ist das bedauerlich, aber unvermeidlich. 85 Die Haltung der Vereinigten Staaten von Amerika ist oft genug gekennzeichnet worden. Erfreulicherweise hat sich dort aber die Wahrheit mehr und mehr Bahn gebrochen und eine neue starke Partei ihr .Haupt erhoben zu Gunsten einer ehr lichen Neutralität; eine Liga, hinter der 30 Millonen Bürger stehen, dürfte grade im Lande der Majoritäten den Regierenden in Washington doch zu denken geben. Wenden wir nun aber unseren Blick auf die weitere über seeische Welt, so scheint alles Bestehendes ins Wanken geraten zu sein. So droht besonders in Ost-Asien eine völlige Umwälzung der bisherigen Zustände. Japan, froh seines Sieges über das der Uebermacht erlegene, heldenhaft verteidigte Tsingtau, zeigt unverhohlen sein wahres Gesicht, offen das Bestreben, unter Ausschluß des europäischen Einflusses unumschränkt im fer nen Osten zu herrschen. Typisch ist die verächtliche Behandlung, die der stolze englische General sich bei den Uebergabeverhaud- lnngen in Tsingtau von dem japanischen Oberkommandierenden gefallen lassen mußte, typisch der Stolz, mit dem Japan es ab lehnt, seine Truppen mit den farbigen HilfsVölkern der Eng länder und Franzosen zusammenwürfeln und auf europäischen Schlachtfeldern verbluten zu lassen. Japan braucht seine Sol daten zu ganz anderen Zwecken, in China und vielleicht auch in Indien". Ob den Herren in London diese Musik sehr er freulich klingen mag? China und die Vorherrschaft im Stillen Ozean ist das nächste Ziel japanischer Politik, und weiterem Ehrgeiz scheinen keine Schranken gesetzt. Flotte und Heer sind in aller Stille mobil gemacht; England wird dort bald genug 86 Schiffe brauchen, und selbst die Vereinigten Staaten haben end lich die Gefahr erkannt und zwei Geschwader in den Stillen Ozean entsandt. Die australischen Staaten sind in ihrem Lebens nerv bedroht. Mit Deutschland aber hofft Japan nie wieder die Klinge zu kreuzen". Das schwächliche Portugal, halb im Gefolge von England, muß seinen Ueberfall auf deutsches Gebiet blutig büßen; in Angola lodert Heller Aufstand, dessen die Portugiesen allein kaum Herr werden dürften. Mit diesen Dingen wird man sich nach Beendigung des Völkerkrieges weiter zu beschäftigen haben. Auch sonst gährt es überall in Afrika. In Marokko erleiden die Franzosen Schlappe auf Schlappe und müssen entweder bedeutende Verstärkungen dorthin schicken, oder aber das Land seinem Schicksal überlassen und damit die Früchte langer und schwerer Arbeit einbüßen. Algericas rächt sich! Das Eingreifen der Türkei bedroht gleichzeitig das russische Reich im Schwarzen Meer, im Kaukasus und in Persien, Eng land in seinen beiden türkischen Protektoraten, in Aegypten und am Persischen Meerbusen. Was der Verlust des Nillandes und des Suezkanals für das britische Imperium bedeuten würde, liegt klar Tage. Aber auch die so hübsch in aller Stille eingerichtete Oberhoheit im Persischen Golf, die englischen Niederlassungen in Koweit, in Mohammara, in Abbadan mit seinem Oelgebiet und an der Ostküste des Golfs (Buschehr und andere) sind ernstlich gefährdet. Der Traum der transarabischen Bahn, des Landweges nach Indien droht in nichts zu ver fliegen. Damit aber ist auch die englische Herrschaft in Indien 87 selbst schwer bedroht, wie schon das Verhalten der kriegerischen Afghanen zeigt. Als Zeichen der Zeit muß es aufgefaßt werden, wenn plötzlich in Singapore ein indisches Regiment meutert, englische Offiziere und Mannschaften ab geschlachtet werden. Genau so hat auch im Schreckensjahr 1857 der berichtigte Aufstand (tke in Indien be gonnen, der zu der kurzen Schreckensherrschaft des Nena Sahib und den Greueln von Khawpur führte, Tausenden von britischen Untertanen mit Frauen und Kindern das Leben kostete und schließlich Hekatomben von Eingeborenen forderte, ehe der Friede, und mit ihm die Ruhe des Grabes wiederhergestellt wurde. Und damals hatte Euglaud die Ellbogen frei nud war in keinen europäischen Krieg verwickelt. Es ist eine blutige Schreckenszeit hereingebrochen, und England allein ist es, welches all dies Unheil über die Welt und über sich selbst herausbeschworen hat. Wenn Helsserich Rußland den Brandstifter, England und Frankreich die Mit schuldigen nennt, so möchte ich dem gegenüber betonen, daß Eng land unzweifelhaft den Namen des Anstifters dieses Weltbran des verdient. Schon erheben sich überall die Rächer! Und mit Recht sagt der Engländer H. St. Ehamberlain Ich glaube nicht an die ungeheure Kraft Englands; der einzelne Englän der ist tapfer und tüchtig, der Staat England ist morsch bis auf die Knochen; man fasse nur fest zu".Verlag von Keorg Ztilke in kvrlin 7 Von denselben ^utor ersckien: üouvei neui sjAki k in Kamei un Von von puttkamei-, (Zauverneur 3. v. 21 Logen kross-OIitav mit ^ulilreiol^en Illnstratioosn im Lsxt nnä einer grossen karbigen Larte von ILainernn, s,nk äer äis kedivtserweitsrang n^oti äsin Ilaro^oabkorninsn dsrüelisiolitigt ist. ^ . LIeZant brosekiert .... Nark 6,50 ^^618 In eleZsntem I^einenbanä 7,50 lesko von puttksmer üsr elivinaUgs konverneur von Llainernn, ist nnstreitig eine äer inarliantssten ?ersönlivklisitsn in üer Oentsvlisn Xolonialgeseliioiitv, der an dsra ^nkblnlivn üer Kolonie ledliakten Anteil Ii^tts. In lesselnäer nnä saellieliör ^Veise ^verilen äjg gesarntev Vorgänge, Äiv iirisgsrisoiivn NaLnkkinen nn 1 nntsrnorninsuen Reisen ^vkiiiönll seiner langen ^.intstätigkeit gesokiläert. Nan virä clen ^usikniirnngsn 6es Vsrkassers init groLein Interesse Dolgen. Durcd ^jeäe IZucddanälung ^n be^ieden. ü Ml M W IlKVIIllMI vis Mtive u. liele äer ru88i8elikll Politik VSeK ?AK1 KU88KI1 Z tprok. v. IVlitrokävoff ?llr8t Xot8evuvsv) I^eu herausgegeben mit Anmerkungen versehen von ^ 2. uflsge Haas veldrüc^ Lv pfg. l)ie Veröffentlichung dieser beiden Aufsätze geschieht, well für den zu- M künftigen Brieden eine eindringende Kenntnis 6er russischen Dünsche und M öestrebungen für Deutschland von hohem Wert und aus diesen beiden ^ Auslassungen in plastischer Anschaulichkeit zu gewinnen ist. W ^ur velgischen krage W Oer ^stionglitZtenksmpf 6er Vlamen ^VsUonen. W W Von vr. p. opvl^al^ W M Assistent gm historischen Institut 6er Universität I^eip?ig. ^ W preis 8V?fg. Unter den verschiedenen tragen, die die Eroberung IZelgiens clurch die ^ ^ deutschen Heere aufgeworfen hat, nimmt die nach den Levölkerungs- ^ ^ Verhältnissen besonderen kiang ein. Deshalb wird diese kroschllre des ^ M Assistenten am historischen Institut der Universität Leipzig überall lebkaftes ^ ^ Interesse erwecken, da in Deu schland kein Luch besteht über den Kations- ^ ^ litätenkampf der Viamen und Wallonen. I Vis Mtieti äew keielie verloren ging ß Liv kuelivliel! suk äis Ks1ell8kxkkutloii von 1790 91 W Veranlassung 8r. Durchlaucht 6es bürsten von Iiat2feI6t, W W Herwegs ^ul rachenberg, nach ungeäruckten^kten aus^essen^rchiv. W W Von Joslhiln Xühll W vrels 2. Mark. M Wenn je im I.auf der Qeschichte von einer blitzartigen" Offensive die ^ ^ l?ede sein durfte, so war es zu öeginn dieses Krieges der ?al . als einer ^ ^ der stärksten WaffenplStZe der lllelt, das alte, wehrhafte Gütlich, in drei ^ ^ ragen unseren Batterien und Zturmkoionnen erlag. Das war ein unerhörtes ^ ^ Lreignis, das doppelt überwältigend wirkte, wenn man sich einen anderen ^ ^ ?eld?ug deutscher Gruppen gegen I-üttich vergegenwärtigte, den keldzug ^ ^ von I79V 9I, der ein volles )ahr dazu gebraucht yat, um den Widerstand ^ W der trotzigen Hiaasfestung zu brechen und siezum letzten ^al auf kurze ^ ^ Zeit für das bereits verfallende heilige römische keich zurückzuerobern. beziehen äurch alle Vuchhsncllungen. W Verlag von QL0 LerUn 7. WVerlaZ von 650KQ 81-II.K5. kerlin NW. 7. In cjiesen l^agen erscheint äie 5. ^uklgAL von: VMMM VMvMMM M8-M mit einem HnkanZ: Sie Verteiluax 6es Volksemkommens ia preussen V0N Dr. ^elLLerict . ?rei8 ak. I. . gevuvösii IM. !.70. ^us dem Vorwort: Nur das eine ISsst sied sagen, im kiskerigen üriegsverlauk die wirtsckaktlicke und kinan^ielle küstung Deutschlands alle Erwartungen, die us der Darstellung lies Verkassers gebogen werden konnten, in vollem Um- kang gerecktkertigt kat. IInd wenn 6er Verfasser Im Vorwort ?ur vierten ^uklage, wenige locken vor Kriegsausbruck, es als ein Weltinteresse de- ^eielinet kat, die Illusion versckwinde, Deutschland könne durck Nittel der kinanüiellen Politik niedergekämpkt werden, so dürken wir Keule ?uver- sicktlick Kokken, der Krieg in seinem weiteren Verlauk diese Illusion ein kür allemal ausrotten und der Welt vor ^ugen küdren wird, Deutschland an winsckaktlicker und kinanrieller Widerstandskralt jedem Qegner gewachsen ist. Wer uns nickt mit leisen und Ltakl ?u Zwingen vermag, der kat aucd von den silbernen Kugeln" de kritiscken Lckat-kanzilers kein Heil ^u erKokken. Oureti jecle kuelitiancllunZ be^ielien. 8. ?k^^58, tigl. Nc kbucli6r., IZerNn 8.14, vresäenerstrsZ. ie 4Z.
