Der Arbeiter und die deutschen Kolonien. Von vi-. Paul Lensch, M. d. R. j erfolgreich der Krieg bisher für Deutschland und seine Verbündeten gewesen ist, auf einem Gebiete hat er uns lediglich Verluste beigebracht, denen wir keine Gewinne gegenüberstellen können. Dieses Gebiet betrifft die Kolonien. Fast das gesamte deutsche Kolonialreich befindet sich in den Händen unserer Feinde, unsere Ver bündeten verfügen über keine Kolonien, so daß man in der Tat sagen kann, daß die in Europa siegreichen Mittelmächte ohne jeden Kolonial besitz dastehen. Die Frage ist nun, ob es mit den Lebensinteressen des deutschen Volkes, und im besonderen, ob es mit den Interessen der deutschen Arbeiterklasse vereinbar wäre, wenn dieser Zustand etwa nach dem Kriege andauern würde. Man mache sich klar, was das besagen würde. Schon vor dem Kriege besaßen die Ententemächte eine Art Kolonialmonopol. England hatte ein Fünftel, Rußland un gefähr ein Sechstel, Frankreich ein Zwölftel der festen Erdoberfläche inne. Zusammen besaßen diese drei Mächte allein rund neun Zwan zigstel, fast die Hälfte unseres Planeten. Das Deutsche Reich besaß ein Vierzigste!, seine Kolonien eingerechnet. Gingen nun nach dem Kriege^ 5?. - z - - ^ die rund 2 s Millionen Quadratkilometer deutschen Kolonialbesitzes in den Besitz Englands oder der Entente über, so wäre die Stellung Mittel europas natürlich noch verschlechtert und die unserer Feinde wesentlich gestärkt. Durch den Verlust unserer Kolonien in der Südsee, besonders durch den Verlust von Deutsch-Neuguinea, würde das Ländergebiet der Südsee, das bisher schon fast ganz englisch war, dies noch mehr werden. Vor allem aber würde der Übergang unserer Kolonien in Afrika in englische Hände auch diesen ungeheuren Erdteil in eine fast rein englische Kolonie verwandeln. Was dann noch an nichtenglischen Kolonien übrig bliebe, die französischen, belgischen, italienischen, portugiesischen und spanischen, wäre eigentlich nur noch ein Schönheitsfleck auf der Karte; denn es ist klar, daß, wenn nach diesein ungeheuren Kriege die deutschen Kolonien aushören würden zu existieren, die Abhängigkeit der nichtenglischen Kolonialwelt von England noch größer würde, als zum Beispiel die der portugiesischen Kolonien schon vor dem Kriege war. Dann erst träte die andere Tatsache in volle Wirksamkeit, daß nämlich die nördliche Hälfte des Kontinents Amerika zwar kein direkt englischer, aber doch ein in der Hauptfache angelsächsischer Weltteil ist. Und wir erleben es in diesem Kriege immer wieder, und können es an der Hal tung der Vereinigten Staaten studieren, wie eng die angelsächsische Kulturgemeinschaft die ihr Zugehörigen verbindet, wenn auch zugegeben werden soll, daß die englandfreundliche Neutralität" der amerikani schen Union noch andere Ursachen hat wie die der gemeinsamen Ab stammung mit England, Die südliche Hälfte des amerikanischen Erd teils ist zwar der Bevölkerung nach nicht angelsächsisch, allein dafür ist England im Verein mit der Union schon lange an der Arbeit, diese Gebiete uin so kräftiger in wirtschaftliche Abhängigkeit von sich zu bringen. Die unerhörte Bereicherung, die der Weltkrieg für die Union bedeutet, wird es den Vereinigten Staaten in Zukunft noch erleichtern, ihre wirtschaftliche Macht in Südamerika zu befestigen, wozu ihnen noch die Auslegung der Monroe-Doktrin ein bequemes Hilfsmittel liefern mag. Das ist aber um so belangreicher, als wir für längere Zeit nach dem Kriege mit einem weiteren freundschaftlichen Verhältnis zwischen der Union und England in den Fragen der Welt- und Kolonialpolitik werden rechnen dürfen. Damit aber wäre Amerika der dritte dein ^ " ^-^7 6 2- 3 - Angelsachsentum botmäßige Weltteil, Und Asien? Das ungeheure indische Reich mit seinen bis zum Persischen Meerbusen im Westen und bis weit nach China hinein im Osten sich erstreckenden Ausläufern ist hier die Grundlage englischer Macht, Es umfaßt die fruchtbarsten und ergiebigsten Teile vielleicht der gesamten Welt. Das andere große Weltreich, das hier in Frage käme, Rußland, ist durch den Weltkrieg in eine derartige finanzielle Abhängigkeit von England geraten, daß es auf absehbare Zeit England nicht gefährlich werden kann, es sei denn, es gewinnt den wirtschaftlichen Anschluß an Deutschland, China scheint, soweit man von hier urteilen kann, für längere Dauer mehr Objekt als Subjekt der Weltpolitik werden zu sollen. Schon rüstet sich Japan kräftig zum vermeintlichen Leichenschmaus, und in dieser, ebenfalls durch den Krieg wesentlich erstarkten Macht, die zur Zeit noch Englands Verbündeter ist, entwickelt sich, wie es scheint, ein weltpolitisches Krast- zentrum, das einstmal noch England unangenehme Stunden bereiten könnte. Aber damit hat es wohl noch gute Weile. Zunächst hätte Eng land, wenn es ihm gelänge, Deutschland dauernd aller Kolonien zu be rauben ihm so die Grundlage für eine Weltmachtstellung abzu schneiden, mit seinen von ihm abhängigen Verbündeten ein koloniales Monopol von schlechthin zermalmender Wirkung in der Faust, Hand in Hand mit d e in Angelsachsentum der Union be herrschte es dann fast vollkommen unseren Pla neten, und die Zeit wäre gekommen, wo der Traum des Anglo^ Amerikaners Carnegie in Erfüllung ginge, daß sich der ge samte bewohnte Erdkreis zu den Füßen des ge bietenden Angelsachsentums lagerte, um aus seiner gelassenen Hand die Entscheidung iiber Krieg und Frieden, über Völkerschicksal und Menschenglück schweigend zu empfangen: pax I i t a n n e Q. Man könnte hier einwenden, bisher sei doch die wirtschaftliche Be deutung der deutschen Kolonien für Deutschlands Volkswirtschaft äußerst bescheiden gewesen, Deutschland habe seine benötigten Rohmaterialien aus Amerika und den englischen Kolonien ohne Schwierigkeiten er halten, und es sei nicht abzusehen, warum hierin nach dem Kriege ein- 4 - Wandel eintreten solle. Wenn man auch Kupfer und Baumwolle, Kautschuk und Ölkuchen, Faserstoffe und Häute brauche, so sei es doch keineswegs nötig, die Länder selbst zu besitzen, wo diese Bedarfsartikel hergestellt würden. Der freie Handel würde schon ganz von selber dafür sorgen, daß man für Geld alle diese Dinge kaufen könne. Die Kolonial länder seien froh, wenn sie Abnehmer für ihre Kolonialprodukte hätten. Darauf ist zu erwidern, daß wir ja in diesem Kriege gründlich genug erlebt haben, was es mit diesem freien Handel" auf sich hat. Indem England gegen Deutschland den Krieg an zettelte, beraubte es sich selbst des besten Kunden, den es in der Welt hatte, und wenn es England wirklich gelänge, was es plant, nämlich Deutschlands Wirtschaftskraft zu vernichten, so wäre das zugleich auch ein furchtbarer Schlag für das englische Wirtschaftsleben. Trotzdem hat England nicht gezögert, den Krieg vorzubereiten, und gibt sich jetzt noch alle Mühe, ihn bis zur Vernichtung Deutschlands fortzuführen! denn für die Engländer, die man mit Unrecht als Krämervolk" verspottet, verschwindet dieser immerhin vorübergehende Nachteil wirtschaftlicher Art vollkommen vor dem ungeheuren politischen Borteil, den ihnen der Sieg über Deutschland brächte und der in der schier grenzen losen Erweiterung und Kräftigung der englischen Weltherrschaft bestände. Aber auch davon abgesehen, so wird der freie Welthandel" nach dem Kriege wahrscheinlich erheblich anders aussehen, wie vorher. Wir werden damit rechnen müssen, daß nur wenige große Weltreiche als tonangebende vorhanden sein werden, die die Weltkugel restlos oder doch nahezu restlos unter sich verteilt haben. Die kleineren Staaten mögen ihre formale politische Selbständigkeit noch bewahren, in Wahrheit werden sie nichts anderes sein als Trabanten um eine der großen Sonnen des kommenden impe rialistischen Zeitalters. Innerhalb dieser Imperien aber wird das Be streben bestehen, die fremde Konkurrenz auszuschalten, und die offene Tür", die ja schon vor dem Kriege in fast allen nichtdeutschen Kolonien unbekannt war, ganz zu schließen. Die Verfügung über die kolonialen Rohmaterialien der Industrie und Landwirtschaft, die schon in diesem Kriege sich für Deutschland als so verhängnisvoll erwiesen- s - hat, wird in Zukunft als ein politisches Macht mittel ersten Ranges von den Kolonialmächten gehandhabt werden. Der Staat, der dann über keinen Kolo nialbesitz verfügt, ist seinen Gegnern gegenüber von vornherein im Nach teil und kaum imstande, eine selbständige Stellung im Rahmen der Völkerfamilie einzunehmen. Schon eine kleine Preiserhöhung der kolonialen Rohprodukte würde die Konkurrenzfähigkeit seiner Industrie schwer gefährden können. Die auf Englands Kommando gefaßten Be schlüsse der Pariser Wirtschaftskonferenz sind bekannt genug und zeigen uns, in welcher Richtung sich die Absichten unserer Gegner bewegen. Aber selbst wenn man sie nicht allzu tragisch nimmt, so sind sie doch ein deutlicher Beweis dafür, daß man den freien Welt handel" nach dem Kriege ganz anders organisieren will, als vorher: Das seiner Kolonien beraubte Deutschland soll auch in den späteren Zeiten des Friedens vom freien Wettbewerb ausgeschlossen bleiben und die offene Tür" will man ihm vor der Nase zuschlagen. Eine derartige Situation aber wäre die Vernichtung der wirtschaftlichen Entwicklungsfreiheit Deutsch lands, und schon vor der bloßen Möglichkeit gilt es, sich mit aller Kraft zu schützen. Verträge genügen nicht; denn Verträge werden nur so lange gehalten, wie man Macht hat, ihre Befolgung zu erzwingen. Deutschlands Zukunft als Weltmacht kann aber nicht von der Gnade und dem guten Willen Englands abhängig bleiben. Hier hilft nur die Schaffung eines eigenen, lebensfähigen Kolo nialreiches. Es erhebt sich nun die Frage, ob ein derartiges Kolonialreich nicht etwa bloß den Interessen einer Anzahl Profitjäger und Beutekapita listen entspräche, und wie im besonderen den Interessen unserer Arbeiter bevölkerung mit einer derartigen Entwicklung gedient wäre. D e deutsche Sozialdemokratie hatte bis zum Kriege bekannt lich der Erwerbung neuer Kolonien abweisend gegenübergestanden, aber bei der Verwaltung der einmal in deutschen Besitz übergegangenen Ge biete stets positive Arbeit geleistet. Der Grund für ihre ablehnende Haltung bestand in der Hauptsache darin, daß sie aus der deutschen Kolonialbetätigung einen deutsch-englischen Krieg erwachsen sah, der ihr- 6 - nun allerdings als ein derartiges furchtbares Unglück erschien, daß sie ihn unter allen Umständen vermeiden wollte. Der Krieg ist aus gebrochen, und wir stehen jetzt vor einer vollkommen verän derten Situation. Jetzt kann es sich nicht mehr darum handeln, durch eine ablehnende Haltung in der Kolonialfrage den Krieg mit England zu vermeiden, sondern nur darum, die Gefahren, die wir jetzt im Kriege kennen gelernt haben und die sich durch unsere Ernährungs schwierigkeiten ganz besonders kraß und anschaulich jedem aufdrängen, sich nicht zum zweiten Male gegen uns auftürmen zu lassen. W r müssen Sicherheit haben vor England, jenem Despo ten des Weltmarktes", wie Karl Marx das Jnselreich einst nannte, und dürfen um unserer eigenen Existenz willen nicht zugeben, daß sich England und seine von ihm abhängigen Verbündeten und Freunde ein Monopol auf Kolonialbesitz verschaffen. In diesem Punkte sind die Inter essen aller Klassen und Berufe des deutschen Volkes vollkommen ein heitlich, und gerade die Arbeiterklasse muß van ihrem Standpunkt mit besonderem Nachdruck Verhütung derartiger Mißstände fordern, wie sie jetzt die Aushungerungspolitik Englands über uns gebracht hat. Gerade die Erlebnisse dieses Krieges, in dem wir von dem Bezug kolonialer Rohprodukte abgeschlossen sind, ermöglichen es, besonders an schaulich auf den Zusammenhang von Kolonialwirt schaft und Arbeiterinteressen hinzuweisen. Diese Erleb nisse beweisen deutlich, daß unsere Volkswirtschaft einen derartig hohen Entwicklungsgrad erreicht hat, daß wir ohne den regelmäßigen und gesicherten Bezug der Kolonialprodukte nicht mehr auskommen ^ können. Vor reichlich 10V Jahren, als zur Zeit der Kontinentalsperre Europa den Zusammenhang mit den Tropen und Kolonialgebieten ver loren hatte, war dieser Zustand nicht entfernt so schlimm wie heute. Damals war Europa noch ein ausgesprochen agrarisches Land, das sich selbst ernähren und bekleiden konnte. Inzwischen aber ist eine Tat sache eingetreten, die alle Verhältnisse von früher über den Haufen ge worfen hat: Europa hat im 19. Jahrhundert seine Bevölkerung von 18V auf fast Zvv Millionen Menschen vermehrt. Dieser Zuwachs von fast einer drittel Milliarde hat alle Voraussetzungen unserer Ernährung, unserer Han-- 7 - delspolitik, unserer Wirtschaftsmöglichkeiten revolutioniert und sie auf vollkommen neue Füße gestellt. Die Bedürfnisse für diese ungeheuer vermehrte Menschenmasse kann Europa nicht mehr aus eigenem Boden befriedigen. Hier müssen die Produkte aller Zonen und aller Erdteile helfen. So ist denn heute Kolonialwirtschaft nicht mehr eine Frage der Wahl, sie ist ein Zwang, eine absolute Notwendigkeit. Prüfen wir das im einzelnen, unter besonderer Berücksichtigung der Interessen unserer Arbeiterklasse. Wenn auch nicht direkt für die Herstellung, so doch für die Aus stattung unserer Wohnräume, selbst unter den bescheidenen An sprüchen proletarischer Wohnbehaglichkeit, sind die kolonialen Erzeug nisse bereits unentbehrlich geworden. Der Bedarf von Polsterungs material, Wolle und Baumwolle zur Herstellung von Matratzen, Kissen, Decken, Vorhängen, Scheuer- und Wischtüchern usw. ist der heimischen Landwirtschaft nicht zu entnehmen. Sie stellt die in Frage kommenden Rohprodukte entweder gar nicht oder in unzulänglicher Masse her. Im Jahre 1913 betrug die Einfuhr Deutschlands allein an Faserstoffen mit Ausschluß von Baumwolle und Flachs 16V Millionen Mark. Der deutsche Hanf war vor dem Kriege dauernd zurückgegangen. Eine Linde rung der Wohnungsnot wäre ohne Inanspruchnahme der Kolonial wirtschaft höchst schwierig, und vollends der Bedarf an Kleidern, Wäsche und Schuhen wäre ohne sie unmöglich zu decken. Die Einfuhr von roher Baumwolle betrug 1913 rund 477 vvv Tonnen im Werte von 6V7 Millionen Mark. Den Löwenanteil lieferten die Ber einigten Staaten mit 369 VW Tonnen. Die deutsche Textilindustrie be schäftigte schon 19V7 in 136 364 Betrieben über eine Million Menschen, die Bekleidungsindustrie in 683 543 Betrieben 1^ Millionen Arbeits kräfte. Wie sehr die Textilindustrie und ihre Arbeiter durch das Aus bleiben des Rohmaterials in diesem Kriege leiden, braucht nicht ausein andergesetzt zu werden. Es ist bekannt genug. Wenn auch Amerika der bei weitem größte Baummollproduzent der Erde ist, so besitzt doch England in seinen afrikanischen Kolonien, vor allem aber in Indien und Ägypten ein eigenes Produktionsgebiet mit einer Leistungsfähigkeit von 7 Millionen Ballen, während der Gesamtverbrauch von Groß britannien, Indien und Kanada nur 5 ^ Millionen beträgt. Auch- 8 - Rußland hat in Turkestan ein eigenes Produktionsgebiet von Baum wolle, das einen erheblichen Teil der russischen Ansprüche befriedigt. Die Textilindustrie Deutschlands dagegen und Österreich-Ungarns ist jeder Zufälligkeit preisgegeben. Ihr kann in jedem Augenblick die Luft ab geschnitten werden. Daß es notwendig ist, die deutsche Textilindustrie mit ihrem Rohstoffbezug von England unabhängig zu machen, hat der Führer des deutschen Textilarbeiterverbandes und sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Krätzig in der bekannten Sammelschrift: Arbeiterinteressen und Kriegsergebnis" ausdrücklich ausgesprochen. Wären wir so auf der einen Seite ohne die gewaltige Ausdehnung des Baumwollanbaues in den dazu geeigneten Gebieten überhaupt außerstande, unsere Bevölkerung zu bekleiden, so hat auf der anderen Seite eben diese Ausdehnung der Baumwolle weite Flächen des deut schen Bodens vom Anbau der Gespinstpflanzen befreit und sie der Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung gestellt. Um so größer freilich und dringender wird der Bedarf nach kolonialer Zufuhr, um die Ansprüche an Kleidung und Wäsche für die kinderreichen Familien unserer Arbeiterklasse zu befriedigen. Und das gleiche gilt für das Schuhwerk. Die heimische Landwirtschaft konnte im Jahre 1893 noch zwei Drittel der Ansprüche der deutschen Lederindustrie befriedigen, 1913 lieferte sie nur noch ein Drittel der benötigten Häute. Im gleichen Jahre führten wir für 382 Millionen Mark Häute mehr ein als aus. Die Lederindustrie beschäftigte in fast öv OVO Betrieben über 20l) vvl) Menschen. Auch in Gerbstoffen sind wir vom Auslande, beson ders von der Kolonialwirtschaft, abhängig. Am stärksten vielleicht tritt die unlösbare Verbindung mit der Kolonialwirtschaft auf dem Gebiete der Nahrungsmittel uns ent gegen. Hier hat eine internationale Lebensmittelkonkurrenz sich aus gebreitet, die jeden Gedanken einer wirtschaftlichen Selbstversorgung illusorisch gemacht hat. Es ist freilich nicht zu leugnen, daß die deutsche Landwirtschaft ganz außerordentliche Leistungen aufzuweisen hat, und wir erleben in diesem Kriege, daß wir zur Not mit den notwendigsten Lebensmitteln selbst jahrelang durchhalten können. Aber gerade die Schwierigkeiten, die wir jetzt durchmachen, zeigen aufs deutlichste, wie der große Aufschwung unserer Landwirtschaft nur auf Grundlage jener- 9 - Arbeitsteilung in der internationalen Lebensmittelkonkurrenz möglich war. Die Erzeugung von Fleisch und Fett, von Butter, Käse und Eiern, alles Artikel, deren Mangel wir jetzt am empfindlichsten spüren, hatte nur unter starker Zuhilfenahme der Kolonialwirtschaft geleistet werden können. Die fett- und eiweißreichen Futtermittel, durch deren Ver- fütterung eine schnelle Mästung und Frühreife der Tiere sowie ein hoher Milchertrag erzielt wurde, konnten in ihren gewaltigen Mengen nur aus den Tropen und Subtropen bezogen werden. Wir bezogen im Jahre 1913 an Ölfrüchten und Ölkuchen für 656 Millionen M, davon 270 Millionen allein aus Britisch-Jndien, Ägypten und Britisch-Asrika. Auf Grund dieser großen Einfuhren hatte sich in Deutschland eine be deutende Ölindustrie entwickelt, die im Jahre 1907 in 5433 Betrieben fast 190 OVO Personen beschäftigte. Vor Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 betrug die Zahl der beschäftigten Arbeiter bereits rund 150 OVO. Die starke Entwicklung der Herstellung von Margarine, Ölen und Seifen im Deutschen Reich hatte die Lieferung der kolonialen Ölprodukte zur Voraussetzung. Im Jahre 1913 führten wir für 13 Millionen M. Erd nuß- und Sesamöl, für 23,15 Millionen Palmkernöl, für 22,2 Millionen Kokosnußöl und für 56,7 Millionen pflanzlichen Talg aus. Um diese deutsche Ölindustrie auch für die Zeit nach dem Kriege zu ruinieren, hat die englische Regierung jetzt beschlossen, einen Ausfuhrzoll auf Palm- kerne in Höhe von 40 M. zu erheben, der nur dann zurückerstattet wird, wenn der Nachweis geliefert ist, daß die Palmkerne in England ver arbeitet werden. Die Ölindustrie hat für unsere Ernährung insofern eine große Bedeutung, als die Preßrückstände ihrer Produktion ein wert volles Kraftfutter für unser Vieh ergeben. Und bei der Verwendung dieser kolonialen Futtermittel zur Herstellung hochwertiger Nahrungs mittel für Menschen werden größere Mengen besonders nährstoffreichen Stallmistes gewonnen, dessen sachgemäße Verwendung uns viel besser als die künstliche Düngung reiche Getreideernten sichert. Im übrigen hat sich ähnlich wie bei den Gespinstpflanzen auch bei den Ölpflanzen eine interkontinentale Verschiebung im Anbau vollzogen. Die deutsche Land wirtschaft hat den Anbau der Ölpflanzen fast ganz der Kolonialwirtschaft überlassen und die so frei gewordene Fläche den? mehr lohnenden Getreidebau gewonnen. AlsonichtbloßunsereFleisch-und- 10 - F e t t p r o d u k t o n , auch der außerordentliche Auf schwung unserer Getreideproduktion hat die Entwicklung der Kolonialwirtschaft zur Vor aussetzung, Und wenn es gelungen ist, die Hektarerträge vom landwirtschaftlich benutzten Boden im Deutschen Reich so zu steigern, daß dieses Land hierin nahezu an der Spitze aller Länder marschiert, und wenn der Aufschwung seiner Landwirtschaft im allgemeinen vielleicht einzig dasteht in der ganzen Welt, so würde dieses ganze stolze Gebäude hoffnungslos zusammenstürzen, wenn uns der Bezug der Kolonialartikel dauernd erschwert würde, Deutschland würde wieder ein Waren einführendes und Menschen ausführendes Land werden, d, h. die Auswanderung würde wieder gewaltig steigen, weil Deutschland nicht mehr imstande wäre, seinen Söhnen den Lebensunter halt im eigenen Lande zu gewähren. Und gleichzeitig würde die Lebens haltung der Zurückgebliebenen natürlich sinken. Das aber zu verhüten, liegt im dringenden Interesse gerade unserer arbeitenden Schichten. Sie würden von einer derartigen Erschütterung unserer Volkswirtschaft zuerst und am schwersten betroffen. Die Entwicklung der Produktivkräfte unserer kolonialen Gebiete ist also gerade für den Sozial- politiker in der Heimat eine dringende Notwendig keit. Die ungeheuer gestiegene Bevölkerungszahl der Industriestaaten und besonders Deutschlands ist ohne sie nicht zu erhalten. Und deshalb ist es nicht bloß ein Wunsch und eine Laune, Kolonialpolitik zu treiben, sondern es ist eine dringende, gerade vom Standpunkt der proletarischen Interessen zu fordernde Notwendigkeit, die Entwicklung der Wirtschafts kraft in den Tropen und den Subtropen mit allen Mitteln zu fördern. Einen moralischen Anspruch auf kolonialen Besitz können nur jene Völker der Menschheit gegenüber vertreten, die fähig und willens sind, die Pro duktivkräfte ihrer Gebiete rationell, d. h. mit den modernen Mitteln der Technik und Wissenschaft zu entfalten. So haben die großen Sozialisten auch gedacht, vor allem Lassalle, aber auch Marx und Engels. Ist es etwa ein Unglück, daß das herrliche Kalifornien den faulen Mexikanern entrissen wurde, die nichts damit zu machen mußten?" schrieb Friedrich Engels im Jahre 1849.- 11 Damit aber leiten wir zu einem besonderen Gedankengange über. Wenn Arbeiter und Sozialdemokraten für Kolo nialpolitik eintreten, so werden sie natürlich nicht jede Art von K o l o n a l p o l t k unterstützen. Jeder un systematische Raubbau an Menschen- und Bodenkraft, jedes blinde Drauf losstürmen auf die reiche Natur der Kolonien zugunsten einzelner Liefe ranten", Händler" oder sonstiger Jndustrieritter wird bei ihnen stets aus den entschlossensten Widerspruch stoßen. Es besteht nun kein Zweifel, daß auch die deutsche Kolonialpolitik in dieser Hinsicht ihre nicht gerade erfreulichen Kinderkrankheiten und Wachstumserscheinungen gehabt hat. Aber wer gerecht sein will, muß zugeben, daß sie schon vor dem Kriege im großen und ganzen ein überwundener Standpunkt gewesen waren. Für die deutsche Sozialdemokratie war diese allmähliche Wandlung in der Art der vom Deutschen Reich betriebenen Kolonialpolitik zwar nicht von ausschlaggebender, so doch von großer Bedeutung. Die deutsche Arbeiterklasse kann nicht für ihren eigenen sozialen Aufstieg kämpfen und gleichzeitig ruhig mit ansehen oder gar ihre Zustimmung dazu geben, wie hilflose Naturvölker durch den Einzug der zügellosen privat kapitalistischen Produktionsweise dem Verderben oder der Ausrottung preisgegeben werden. Solange das der Fall zu seiu schien, stand die deutsche Sozialdemokratie und sie nicht allein der Kolonialpolitik absolut ablehnend gegenüber. Aber der Umschwung in der Verwaltungs praxis, die Erkenntnis, daß der größte Reichtum eines Landes, auch eines Koloniallandes, leistungsfähige Menschen sind, und die sich hieraus er gebende veränderte Auffassung der maßgebenden Stellen über die Art der Negerbehandlung verfehlte nach und nach nicht, ihre Wirkung auf die praktische Haltung der Sozialdemokratie auszuüben. Das deutlichste Anzeichen dafür war vielleicht die Tatsache, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion im Frühjahr 1914, also noch vor dem Kriege, wohl zum erfteu Male den Entschluß faßte, unter gewissen Bedingungen den Forderungen für Kolonialbahnen zuzustimmen. Nun gibt es vielleicht kein Gebiet wirtschaftlicher Tätigkeit, auf dem die Anwendung staatssozialistischer Grundsätze auf einer gewissen Entwicklungsstufe so dringend geboten, ja so absolut unent rinnbar ist, wie gerade die Kolonialpolitik. Die Übertragung der kapi-- 12 - taliftifchen Produktionsweise bringt, darüber haben sich alle Sachver ständigen einheitlich ausgesprochen, für die farbige Bevölkerung der Kolonien große Gefahren mit sich, die weniger in der Rücksichtslosigkeit der Unternehmer, als vielmehr in der Sache selbst liegen. Die relative Dichtigkeit der Bevölkerung, die der Kapitalismus braucht, fehlt in den Kolonien meist und muß erst künstlich geschaffen werden. Die Arbeiter werden durch den Ruf kapitalistischer Werber aus ihren entlegenen Dörfern und Hütten zusammengelockt, von ihren Sippen, ihren Weibern und Kindern getrennt und in rasch entstehenden Ansiedlungen zusammen gepfercht. Hier werden sie Opfer der Prostitution, und den verlassenen Frauen im Heimatsdorf geht es häufig nicht anders. Gesundheit und Zeugungsfähigkeit des Stammes wird so untergraben. Dazu kommt der Zwang zu einer für die Gewohnheiten der Naturkinder langen und regelmäßigen Arbeitszeit, an die sie sich ebenso schwer oder noch schwerer gewöhnen, wie sich einst die europäische Menschheit an ihre jetzige von früh bis spät mit Arbeit ausgefüllte Lebensweise. Wie sehr außerdem noch der jetzige Krieg unter jenen Stämmen Afrikas aufgeräumt hat, die die Ententemächte als billiges und williges Kanonenfutter zu Hunderttausenden gegen die Zentralmächte verwenden, ist noch gar nicht abzusehen. Die Verwüstungen an Menschenkraft werden auch hier furchtbar sein. Diese Verhältnisse schreien nach einer staatlich betriebenen und großzügig aufgefaßten Sozial politik im besten Sinne des Wortes, weil ohne sie die Kolonialwirtschaft nicht zu einer Hebung, sondern zu einer Vergeudung und Verwüstung der Produktivkräfte jener Länder führen würde. Dieser verwaltungstechnischen Notwendigkeit kommen auch die wirtschaft lichen Produktionsbedingungen der Kolonialgebiete entgegen. Längst hat man erkannt, daß die spezifisch kapitalistische Form der Kolonialwirt schaft, der Plantagenbetrieb, keineswegs ausschließlich, ja nicht einmal vorherrschend in Frage kommt, daß vielmehr daneben der bäuerliche Kleinbetrieb der Farbigen zu einer großen Rolle berufen ist. Die deutsche Kolonialverwaltung war schon seit Iahren vor dem Kriege in diesem Sinne tätig und hat eine ihrer wichtigsten Aufgaben in der Stärkung der bäuerlichen Produktionsweise und Besitzform erblickt.- 13 - Besonders in den Baumwollkulturen, so gering sie bei ihrer Jugend auch noch waren, hatte sich diese Produktionsform schon sehr bewährt und überraschend gute Erfolge gezeitigt. Eine selbstverständliche Boraus setzung für ihre Leistungsfähigkeit ist freilich, daß die Kolonialverwaltung den kleinbäuerlichen Farbigen stets mit Rat und Unterstützung zur Seite steht und ihnen durch eine ausgedehnte Landwirtschaftspflege die Er rungenschaften der modernen Agrarwissenschaft zugänglich macht. Aber gerade dieser enge Zusammenhang zwischen Kleinbauer und Verwaltung ist wohltätig und verhindert, daß sich ein fremdes Schmarotzerelement festsetzt, das die Leistungsfähigkeit der Eingeborenen untergräbt. Die Wohlfahrt der Eingeborenen wird so zum Lebens gesetz der Kolonialverwaltung, nicht als ein ihr von außen aufgedrungenes, weltfremdes Gesetz, sondern als der selbstver ständliche Inhalt ihrer ganzen Tätigkeit und Existenz. Damit soll natürlich nicht verkannt sein, daß für gewisse Zweige der Produktion der Großbetrieb auch in den Kolonien niemals seine Be deutung verlieren wird, und daß für Bergwerke, Verkehrseinrichtungen, wie Straßen- und Bahnbau, nur er allein in Frage kommt, bedarf keiner langen Auseinandersetzung. Je weniger hier auf eine Rentabilität zu rechnen sein wird, desto mehr Raum bleibt dem Staatsbetriebe und der Staatsaufsicht. Kurzum, auch hier wird die regelnde Hand der Kolonial- vcrwaltung das freie Spiel der Kräfte" zügeln und in die Bahnen des Allgemeinwohls lenken müssen. Hier aber zeigt sich für die deutsche Arbeiterklasse ein sehr einfacher Zusammenhang. JhrEinfluß auf diefozialpolitifchePraxisderKolonialverwaltung wird genau ihrem Einfluß auf die sozialpolitische Praxis der Staatsverwaltung im Deutschen Reichs tage entsprechen. Die Konsequenzen ihrer Haltung vom 4. August 1914 haben ihr den Weg zu größerer politischer Macht im Reiche geebnet und viele der inzwischen entstandenen Gesetze der Kriegs- zcit haben diesen gesteigerten Einfluß bereits deutlich erkennen lassen. An der deutschen Arbeiterklasse selbst wird es liegen, diesen ihren Einfluß nach dem Kriege kräftig auch in der deutschen Kolonialpolitik zur Geltung zu bringen. Das liegt nicht nur im Interesse der schütz- und erziehungs- bedürftigen Eingeborenen, sondern auch im Interesse der wirtschaftlichenHebung der kolonialen Produktivkräfte, Das materielle Wohl des weißen Proletariats und das ideelle Wohl der farbigen Kolonialvölker liegen in der gleichen Richtung geschichtlicher und wirtschaftlicher Ent wicklung, Und der Sozialdemokratie im besonderen wird die Ver folgung dieser Richtlinie um so leichter sein, als es in den Kolonien und besonders in den Tropen für die privatkapitalistische Produktions weise nur eine geringe Ausdehnungsmöglichkeit gibt, Hier bleibt der staatlich organisierten Regelung ein weites Feld der Tätigkeit, Das Kennzeichen unseres imperialistischen Zeitalters besteht darin, daß in ihm die entlegensten Winkel der Erde aufgesucht, die seit Jahr tausenden im Beharrungszustand schier versteinerten Reiche aus ihrer Ruhe gerissen und in den Mahlstrom der modernen Entwicklung gestoßen werden. Vor 4t Iahren war Afrika auf der Karte nicht viel mehr als ein ungeheurer, weißer, nur an den Rändern hie und da bunt gemalter Fleck. Jetzt ist dieser Kontinent bis fast auf das letzte Quadratkilometer verteilt. In Asien war derselbe Prozeß zu verzeichnen. Selbst in das heilige Lhasa drang erobernd der weiße Mensch. Und diesem ungeheuren welthistorischen Prozeß, der sich vor unseren Augen abspielt, der eigentlich erst den Erdkreis der Menschheit erschließt und seine gewaltigen Pro duktivkräfte ihr dienstbar macht, dieser giga n tischen Kultur revolution sollte die Kulturpartei, als die sich die Sozialdemokratie gern bezeichnet, nur mit abgewandtem Rücken und mit mürrischem Protest gegenüberstehen? Das wäre eine glatte innerliche Unmöglichkeit, und tatsächlich hat sie es auch nie getan. Und sie wird das in Zukunft noch weniger tun können, als die imperialistische Erschließung der Kolonial länder immer mehr, und erst recht nach diesem furchtbar verwüstenden Kriege, die Züge kapitalistischen Raubbaues verlieren und die des syste matischen Aufbaues annehmen wird. Die wichtigen und unentbehrlichen Rohmaterialien für unsere Industrie, wie Kautschuk, Gold und Kupfer, die wir, neben den erwähnten Massenartikeln für Herstellung unserer Bekleidung und Ernährung, aus dem Auslande beziehen, sind ohne vorangehende kulturelle Durchdringung der Kolonialgebiete immer weniger zu haben. Der auf der Oberfläche schwimmende Rahm ist ab geschöpft. Was jetzt herausgeholt werden muß und die europäische15 - Jnduftriebevölkerung kann schlechterdings ohne diese Rohmaterialien nicht mehr auskommen, sie muß sie haben, koste es, was es wolle , das verlangt lange, systematische, zähe Vorarbeiten. Mit anderen Aborten: Vorbedingung jeder weiteren Ausbeutung der kolonialen Produktivkräfte ist die Erschlie ßung und Sanierung der Tropen. Die heiße Zone wird in Zukunft ihre Schätze nur in dem gleichen Tempo hergeben, wie der weiße Mensch diese ungeheure Kulturarbeit erfüllt. Hierher gehört der Bau von Verkehrswegen, Eisenbahnen und Automobilstraßen, durch die das menschenverwüstende Trägerwesen nach und nach eingeengt und schließlich beseitigt wird, die Trockenlegung von Sümpfen, Regulierung von Strömen, Bekämpfung von Seuchen, Studium der schrecklichen Krankheiten, denen die Naturvölker hilflos erliegen und massenhaft zum Opfer fallen, Erforschung der ebenso verheerend wirkenden Pflanzen- und Tierkrankheiten, die in wenigen Wochen die Ergebnisse jahrelangen Fleißes vernichten. Diese Arbeit kann und wird weder das Unternehmen einzelner Kapitalisten noch idealer Menschenfreunde sein. Sie kann nur die Aufgabe eines systematischen, großzügigen Staatssozialismus sein, dessen Kräfte um so lebendiger wirken werden, je mehr er sich in der Heimat auf die Unterstützung jener Klasse und Partei verlassen kann, deren Ziel auch im Mutterlande die Herbei führung einer sozialisierten Gesellschaftsordnung ist: der sozialdemo kratischen Arbeiterschaft. Die Unterstützung der Kolonialwirtschaft durch das deutsche sozia listische Proletariat verlangt also keineswegs ein Aufgeben seiner bis herigen politischen und kulturellen Weltanschauung. Sie kann beides sehr wohl vereinigen. Je intensiver sie sich ihr widmet, desto besser wird sie imstande sein, von den Kolonien jenen Geist fernzuhalten, den sie auch in ihrer deutschen Heimat stets bekämpft hat: den Geist der Bru talität und der Unterdrückung, und an seiner Statt der sozialen Organi sation und Fürsorge ein neues Arbeitsfeld erobern zu helfen. Daß Deutschland etwa auf Kolonialwirtschaft überhaupt verzichten soll, das kann auch die deutsche Arbeiterklasse nicht wollen. Nicht etwa bloß deshalb, weil wir nicht geschlagen sein und die Unkosten des Krieges mit dem Verlust der deutschen Kolonien bezahlen wollen. Daß auch diedeutsche Sozialdemokratie das nicht will, besagt schon der Satz des Ab geordneten Scheidemann: was deutsch ist, soll deutsch bleiben! Aber darüber hinaus wollen wir auch in Zukunft ein starkes, lebensfähiges deutsches Kolonialreich haben, weil wir es gerade im Interesse unser deutschen Arbeiterklasse, aus materiellen wie aus ideellen Gründen, dringend brauchen. Herausgegeben und kostenlos zu bezlehen vom Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee, Berlin V7, PariserPlatz 7. Gedruckt in der Königlichen Hosbuchdruckerei von E, S Mittler k Sohn, Berlin SVSA Kochstr, 63 71,Der Arbeiter und die gefahr ein Sechstel, Frankreich ein Zwölftel der festen Erdoberfläche inne. Zusammen besaßen diese drei Mächte allein rund neun Zwan zigstel, fast die Hälfte unseres Planeten, Das Deutsche Reich besaß ein Vierzigste!, seine Kolonien eingerechnet. Gingen nun nach dem Kriege
