Deutschland am Scheideweg : Grundzüge der Politik so 1 . von NoMM. Volkswirtschaft" oder Volks"wirtschaft, Handelswerte oder Menschenwerte, Kapitalistische oder völkische Politik. Nachahmung der englischen oder deutsche Politik! Leipzig!9!6. Kelchenbach sche Vevlagvbuckk ncklung.venkchlanä am Scheideweg. Grundzüge der Politik Volkswirtschaft" oder Volkswirtschaft. Handelswerte oder Menschenwerte, Kapitalistische oder völkische Politik, Nachahmung der englischen oder deutsche Politik! von A. von Nordheim. Leipzig 1916. Reichenba ch sche Verlagsbuchhandlung.Inhaltsübersicht. I. Teil. Die allgemeinen Grundlagen der äußeren Politik. 1. Kapitel. Die allgemeinen Richtlinien. Völkische, wirtschaftliche und kulturelle Politik Seite 1 2. Der Wirtschaftsimperialismus 6 3. Der völkische Imperialismus 14 4. Das Nationalitätenprinzip, der Pannationalismus und das Rassenprinzip 20 5. Die militärischen Rücksichten und das Moment der volkswirtschaftlichen Abrundung 26 6. Das politische Gleichgewicht, die Bündnisse und der politische Ipsismus ,32 II. Teil. Die Anwendung politischer Prinzipien in der Praxis und die Beziehungen zwischen äußerer und innerer Politik. 7. Kapitel. Der Gegensatz von Theorie und Anwendung. Die europäischen Probleme 44 8. Die außereuropäischen Probleme einschließlich des britischen 56 9. Grundsätzliches zu den Friedensverhandlungen . . 62 lg. Die Gesundung der wirtschaftlichen Zustände, im be sonderen der Finanzen 72 11. Die weiteren Aufgaben der inneren Politik ... 95 Schlußbetrachtung 1121 1. Teil. Die allgemeinen Grundlagen der äußeren Politik. 1. Kapitel. Die allgemeinen Richtlinien. Völkische, wirtschaftliche und kulturelle Politik. Was man in der Literatur als Politik bezeichnet, ist entweder Staatslehre bezw. Staatsrechtslehre oder Völkerrechtslehre oder es behandelt einzelne besondere Zweige des Gegenstandes, wie z. B. die Handelspolitik und die Kolonialpolitik, oder es erstreckt sich auf die schwebenden Fragen eines Landes in Beziehung zu einzelnen andern Ländern. Es ist aber endlich an der Zeit, die vorhandene Lücke durch eine grundlegende Arbeit auszufüllen. Eine solche soll in der vorliegenden Erörterung nicht gegeben, sondern nur vorbereitet werden, indem ihr Ziel in der Hauptsache darauf hinausläuft, die politischen Fragen der Jetztzeit durch ein Zurückgehen auf die Wurzeln aller Politik und auf die Zusammenhänge mit den übrigen Faktoren des Völkerlebens ihrer Klärung und Lösung näher zu bringen. Bis zu welchem Grade man solche Ausführungen der Öffentlichkeit übergibt oder nur einem engeren Kreise zur Verfügung stellt, ist eine Frage für sich. Während eine wissenschaftliche Erörterung der allgemeinen Grundlagen mit wenigen aus zunehmenden Kapiteln unbedenklich erscheinen dürfte, muß ein Teil der angewandten äußeren Politik der öffentlichen Diskussion entzogen werden und entzogen bleiben. Damit ergibt sich um so dringender die Aufgabe, für die Erhaltung der Tradition auf diesem Gebiete Sorge zu tragen, wie es in dem von mir geforderten Staatsrat gewährleistet werden kann. Derartige Erwägungen sind nun auch für die im folgenden entwickelten Grundsätze maßgebend gewesen, indem einzelne Probleme ausgeschlossen und eine Reihe anderer nur als Forderungen angedeutet worden sind, ohne ihre Begründung oder die zu erwartenden Wirkungen und Vorteile in die Darstellung aufzunehmen. Bisweilen schien sogar ein gewisses Verstecken der Ziele und eine generelle, mehr philosophische Ausdrucksweise der einzige Ausweg, um wenigstens in gewissem Umfange ein Gesamtbild für die jetzt so brennenden Fragen gewinnen zu können und um die für die kommenden Friedensverhandlungen notwendige Diskussion in der hier geforderten Richtung beeinflussen zu können. Immerhin muß der Leser daran festhalten, daß die Anwendung der hier ent wickelten Prinzipien auf die Probleme des kommenden Friedens nicht die Hauptsache darstellen soll, wie denn überhaupt dieses Buch bereits vor dem Kriege fast fertig vorlag.Nichts wäre verkehrter als die politischen Bedürfnisse und Ziele einer Nation generell auf andere Nationen zu übertragen. Es ist das gleiche Prinzip hier mit Nachdruck zu betonen, das ich an anderer Stelle auf das Recht angewendet habe: Wie wir dort für jedes einzelne Rechtsgeschäft individuelle Besonderheiten annehmen müssen, auch da wo eine übersichtliche Betrachtung und wo die gleichen Begriffe eine völlige Identität vortäuschen, so muß auch jede Volkswirtschaft, und in analoger Weise jede nationale Politik sich von der der andern Nationen unterscheiden. Unsere Volkswirtschaft kann nur als deutsche Volkswirtschaft betrachtet werden, und unsere Politik kann nur eine schlechthin deutsche Politik sein. Man hat diese scheinbar so selbstverständliche Forderung leider vielfach nicht genügend in den Vordergrund gerückt und gerade die in unferm Zeitalter des Spezialistentums so beliebte vergleichende Betrachtungsweise hat dieses Moment grundsätzlich übersehen. Es ist z. B. die Volkswirtschaftspolitik Australiens oder Neuseelands etwas ganz wesentlich anderes als die Aufpfropfung ihrer Grund lagen auf europäische Verhältnisse, und nicht anders ist es mit der Übertragung englischer oder amerikanischer auf deutsche Verhältnisse. Aber auch hier hat die Macht der Nachahmung manches veranlaßt, was besser unterblieben wäre. So ist England von Natur und Geschichte, durch die gesamte Orientierung seines volkswirtschaftlichen Kapitals und seiner Kultur auf den Handel angewiesen, seine gesamte Politik ist Handelspolitik, d. i. nichts anderes als Freihandels- politik durch und durch, bei der große Einfuhr- und große Ausfuhrziffern das selbstverständliche Ziel sein müssen. Welchen Unsinn aber muß die gedankenlose Übertragung dieser Tendenzen auf die Handelspolitik einer Volkswirtschaft be deuten. die im Innern kräftig genug ist (Nordamerika und teilweise auch Deutschland), um solcher Übertreibung des Außenhandels entbehren zu können. Große Ein- und Ausfuhrziffern müssen hier über gewisse Grenzen hinaus Schwäche und nicht etwa Aufschwung bedeuten. Man wird zugeben, daß Frankreichs Kapitalpolitik großzügig gewesen ist und ihm Macht und Einfluß in einem Umfang verschafft hat, der der inneren Bedeutung der Nation gar nicht entspricht. Aber zu welchen verhängnisvollen Folgen muß es führen, wenn nun ein Staat wie Deutschland ähnliche Wege betreten wollte, wie sie durch die auswärtige Finanzpolitik Frank reichs oder Englands gekennzeichnet sind. Nun waren wir hier jedoch auf dem Weg der Imitation bereits recht weit gelangt, ich erinnere an unsere ausländische Großbankpolitik, ich erinnere an unsere Handelskompanieprivilegien in den Kolonien (Deutsch-Südwestafrika voran!), ich erinnere an unsere ostasiatische und unsere Südseepolitik. Auf der andern Seite schickte sich das englische Mutterland an, unsere Agrarpolitik nachzuahmen, ein Experiment, das für England schon wegen der Enge des Raumes aussichtslos bleiben muß. Sogar das englische Imperium im Sinne Chamberlains, eine Reaktion auf die Hochschutzzollpolitik Nordamerikas, auf die in gleicher Richtung wirkende Politik Rußlands und der von Deutschland geführten europäischen Gruppe muß als einseitige Imitation aufgefaßt werden, die nie und nimmer dem Mutterland auf die Dauer Nutzen bringen könnte. Was ich also fordere, ist eine spezifisch deutsche Politik. Damit ist auch gesagt, daß wir bereits bei den prinzipiellen Erörterungen der folgenden- 3 - Kapitel Hinweise auf deutsche Verhältnisse bringen, daß wir eine scharfe syste matische Trennung von allgemeiner und speziell deutscher Politik einer eingehenden Behandlung vorbehalten und die Erörterungen der angewandten Politik hier auf das wichtigste beschränken können. Die natürliche Tendenz aller organischen (und vielleicht auch der anorganischen) Natur ist Wachstum und Vermehrung. Stillstand bedeutet schon Rückschritt, Tod. Es ist in der Menschenwelt nicht anders. Jede Familie und jede Volks gemeinschaft, jede Religion und sonstige Kulturgemeinschaft hat unter natürlichen gesunden Bedingungen das Bestreben sich auszudehnen. Alles Wirtscha ten, das des Einzelnen und das der Volkswirtschaft, hat das Bestreben über den notwendigen Bedarf hinaus Ertrag zu gewinnen, man könnte sagen, Zinsen zu bringen, wenn man dabei an die gewonnenen Objekte denkt und die besondere Form der kapitalistischen Wirtschaft aus dem Spiele läßt. Diese Tatsachen erscheinen nur als besonderer Fall eines allgemeinen Gesetzes, das in der organischen Welt, vielleicht auch darüber hinaus, allgemeine Geltung zu haben scheint, daß nämlich Ursache und Wirkung sich nicht vollständig decken, und daß unter normalen Umständen die Wirkung über das Ziel hinausgreift wie eine Pendelbewegung über die Ruhelage. Dieser natürlichen Tendenz gemäß ist das Ziel jeder gesunden Politik eines gesunden, unverbrauchten und großen Volkes Wachstum, während hin gegen Quietismus und Genügsamkeit auf die Dauer ein Zeichen der Schwäche, der Ohnmacht gegenüber den Nachbarn oder auch des innern Zerfalls sein müssen, zumal dann, wenn auch das innere Wachstum der Volkswirtschaft ausbleibt. Es gibt somit keine einfachere Formel für die Aufgabe aller Politik als diese: Vermehrung des Wachstums und der Macht der Nation. Wenn auch im letzten Grunde die biologische Machtentfaltung überall als das Endziel bezw. als das bewußt und noch mehr instinktiv wirksame Motiv aufzufassen ist, so gehen doch die Meinungen und Wege darüber, was unter Macht und Wachstum zu ver stehen sei, nach den Bedürfnissen des einzelnen Landes, nach den Kulturanschauungen usw. auseinander. So gehört dahin das Wachstum an Bevölkerung, an Land, an innerer Kultur, die Ausdehnung von Kultur und Sprache über die Grenzen hinaus, das Wachstum an Kapital, d. h. an aufgespeicherten Arbeitsleistungen, das Wachstum an Geldkapital, an militärischer Macht. Es ist zweifellos, daß alle diese Momente von Wichtigkeit sind, und da erhebt sich die Frage, welche die wichtigsten und welche die weniger wichtigen sind. Wie je nach den An schauungen und Bedürfnissen einer Nation dieser Wertmaßstab ausfällt, danach bestimmt sich ihre Politik, danach bestimmt sich auch, ob die Nation eine gute oder eine schlechte Politik betreibt. Ich möchte sagen, es gilt die aufgezählten Bestimmungsfaktoren der Politik in einer Spannungsreihe zu ordnen, die aber für die verschiedenen Länder verschieden ausfallen kann. So ist z. B. die Ex pansionspolitik Rußlands in Ostasien und Persien eine Politik schlechtester Sorte, während eine solche Politik für Japan und für uns unbedingte Notwendigkeit ist. Alle äußere Politik kann nun als nächstes Ziel entweder kulturelle Macht- entsaltung oder biologische Machtentfaltung ins Auge gefaßt haben, genau so wie unsere innere Politik kulturelle oder biologische, d. h. völkische Politik sein kann. 1* 4 Kulturpolitik ist es, wenn wir den Bewohnern von Kolonialländern höhere Kultur bringen wollen, wenn wir dafür Sorge tragen, daß deutsche Wissenschaft, daß deutsche Sprache außerhalb unseres Volkstums an Einfluß gewinne, daß deutsche Verwaltung und Gesetze, deutsches Schulwesen, deutsches Heerwesen im Ausland zum Vorbild genommen werden. Eine derartige Politik kann glänzlich immateriell orientiert sein, sie hat in dieser reinen Form in unserer Zeit keinerlei nennenswerte Be deutung. Sie kann aber auch in der Hauptsache als eine Verbrämung handels politischer Interessen gedacht sein, wie sie gerade in unserer Zeit von allen großen Kulturnationen betrieben wird, von den Franzosen in Syrien, von den Amerikanern und Engländern in China, von den Deutschen in China und Südamerika usw. Die kulturelle Politik kann endlich auch einseitig auf die Hebung des Einkommens und der Lebenshaltung der Nation gerichtet sein, also auf die Vermehrung des Reichtums der Nation. Es ist der Standpunkt, auf den Adam Smith die gesamte Volkswirtschaft seines Vaterlandes und damit auch dessen Politik eingestellt hat; es ist der rein wirtschaftliche Standpunkt, der bei dem großen Einfluß des englischen Vorbildes auch die Politik und Volkswirtschaft der übrigen Kulturnationen während der letzten Generationen völlig beherrscht hat. Alle deutsche äußere Politik muß aber biologische Ziele verfolgen, wenn sie gesund sein soll. Alle kapitalistische, alle Handelspolitik, alle Bestrebungen, die auf Erwerbungen von Land oder Reichtum gerichtet sind, haben für uns Deutsche nur dann einen Sinn, wenn sie letzten Endes darauf gerichtet sind, die Volksmacht im biologischen Sinne zu stärken. Die Vermehrung der völkischen Macht braucht nicht direkt abzuzielen auf die Volksvermehrung. Dies wäre schon darum einseitige Politik, weil die Macht nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ bedingt ist, weil sie durch die Hebung der Bevölkerung an physischen, geistigen und sittlichen Werten erheblich gesteigert werden kann. Die Gewinnung größerer Volksmacht kann sich also in gleicher Weise auf die drei Fundamente erstrecken, auf die auch die gesamte Volkswirtschaft sich aufbaut: auf den Grund und Boden oder das Land, auf die Bevölkerung, auf das Natural- und Geldkapital. Dabei schließt das Land die Bodenschätze, die Wasserkräfte u. dgl. ein, aber auch die vorhandene Bevölkerung und das vorhandene Kapital an Kanälen, Straßen, Eisenbahnen, an Waldbestand und landwirtschaftlichen Meliorationen, an dem der Bevölkerung gehörenden Privatbesitz. Nun bedeutet das Land außerdem auch eine potentielle Macht zur Investierung von Kapital und noch mehr von Bevölkerung. Je mehr Land gewonnen wird, umso mehr Boden schätze und Naturkräfte lassen sich ausnützen, umso mehr von dem nationalen Volksbestand läßt sich darauf anpflanzen, sofern nur eine Verdichtung der Be völkerung noch zulässig ist. Natürlich ist die Größe des Landes nicht allein ausschlaggebend, auch die Güte des Bodens, sein Reichtum an Bodenschätzen, die Lage am Meer, die klimatischen Verhältnisse sind in Betracht zu ziehen, Verhältnisse die so sehr von Fall zu Fall variieren, daß eine systematische Be handlung ausgeschlossen erscheint. Nur auf das eine sei hier mit allem Nachdruck- 5 - hingewiesen, daß es in erster Linie auf die Erwerbung solchen Landes ankommen muß, das für die erwerbende Bevölkerung in gesundheitlicher und klimatischer Beziehung einwandfrei besiedelbar ist. Aus dem allem ergibt sich, daß für solche Staaten, denen es an Land fehlt, die Erwerbung von besiedelbarem Land das Hauptziel der Politik sein muß, sofern dieselbe auf Machtzuwachs und nicht etwa bloß auf Erhaltung der Existenz und die Förderung handelspolitischer Interessen, auf die Förderung des Reichtums der Nation eingestellt ist. Das Land ist das ewig dauernde im Wandel der Geschichte; genügend Land ist ein Wechsel, ausgestellt auf die ewige Fortdauer der Nation, sofern nur auch sonst die Politik völkisch gerichtet ist. Nur kurz sei hier hingewiesen auf den Machtzuwachs aus Bevölkerungs wachstum. Soweit die Politik auf Volksvermehrung innerhalb der eigenen Nation ausgeht, ist sie von uns an anderer Stelle unter dem Thema Rassen hygiene ausgiebig erörtert worden. Soweit sie die Unterjochung fremder Volks bestandteile zum Gegenstande hat, sind die Verhältnisse zu verschieden, um die Aufstellung allgemein gültiger Regeln zuzulassen. Der Machtzuwachs ist jedenfalls am bedeutendsten, wenn er Teile des eigenen Volkstums oder eines nahe verwandten erfaßt, und kann dann unter Umständen die nationale Macht erheblich potenzieren. So würde die Macht des deutschen Reiches nicht nur um die der Deutschösterreicher vermehrt, wenn man sich auf die ausschließliche Angliederung dieser Teile der Nachbarmonarchie beschränken wollte, sondern die Macht des neuen Staatswesens, das natürlich hypothetisch ist, würde weit mehr betragen, als die Summe der Macht der einzelnen Teile. Sind es nahe verwandte, wenn auch sprachlich verschiedene Volksteile, die angegliedert werden, so wird die Ausdehnung der Kultur und Sprache zugleich eine Ausdehnung der völkischen Macht bedeuten, eine Tatsache, die bei der Erwerbung slavischer und belgischer, ja sogar der uns, zumal den süddeutschen, ziemlich nahverwandten französischen Volksteile von Bedeutung werden könnte. Viel weniger Bedeutung für eine biologische Politik hat die Erwerbung von Naturalkapital und Geldkapital. Wohl sind auch sie imstande, die Volks kraft zu heben, die Möglichkeit der Volksvermehrung zu erhöhen, allein auf der andern Seite enthält das Streben nach Reichtum stets und in größtem Umfang kulturelle Gefahren in sich, die bis zur biologischen Schwächung, die zur Verweichlichung, zu Luxus und Entartung gehen können. Auch ist daran festzuhalten, daß eine genügend starke Bevölkerung im Laufe der Zeit immer imstande sein wird, das Naturalkapital auf die seiner Kulturstufe entsprechende Höhe zu bringen. Das Geldkapital aber bedeutet im politischen Sinne sofern es überhaupt Machtzuwachs darstellt eine Anweisung auf die Vermehrung aller übrigen Faktoren, also eine Anweisung auf Naturalkapital, auf völkische Vermehrung und auf Landerwerb, das letztere zumal auf dem Umweg der Rüstungen in kriegerischen Unternehmungen. Es kann also der Faktor Kapital bei einem völkisch aufsteigenden Volke wie dem unfrigen durch die beiden anderen Faktoren, durch Land und Volk fast vollkommen kompensiert werden. s Endlich hat die kulturelle Machtentfaltung im Ausland durch Sprache, Wissenschaft, Heeresorganisation, Missionen, Schulen usw., sofern sie nicht etwa den Erwerb von Kolonien vorbereitet, in der Hauptsache nur die Bedeutung, den kommerziellen Einfluß einer Nation, also damit den Erwerb von Natural- und Geldkapital zu begünstigen. Auch die zerstreute Ansiedelung im Ausland (von Kaufleuten usw.), sowie die Erwerbung von Interessensphären und selbst der Erwerb von Handelskolonien und Plantagenkolonien hat für die völkische Machtentwicklung nur aus dem Umweg des Geld- und Naturalkapitals Bedeutung, sofern nicht etwa der Wert für die Politik ein negativer ist. Selbst der Erwerb von Flottenstützpunkten und ähnlichem ist im allgemeinen in der gleichen Richtung zu deuten, nur in unmittelbarer Nähe des Mutterlandes oder zum Schutz von Siedlungskolonien haben solche militärische Posten einen Wert für die völkische- Politik, sei es zur Eroberung, sei es zum Schutz gegen Rivalen. Nach dem allem würde sich für die deutsche äußere Politik etwa folgende Rangordnung ergeben: an erster Stelle steht die Forderung nach Erwerb von Land für die planmäßig zu betreibende Volksvermehrung der Stammnation, an zweiter Stelle steht die Machterweiterung durch Einbeziehung neuer und benachbarter Volkselemente und eine auf Verschmelzung gerichtete Kulturpolitik, während die Kapitalpolitik und Wirtschaftspolitik für uns nur an dritter Stelle in Betracht kommen kann, ja einer völkischen Politik, die es auf die Schaffung von Dauerwerten abgesehen hat, heute in vielen Punkten entgegensteht. Wachstum der Bevölkerung bedeutet allein Machterweiterung auf die Dauer, und damit ist für uns zugleich die natürliche Forderung der Raumgewinnung gegeben. Mit ihr wird aber nicht nur ein Sicherheitsventil für den inneren wirtschaftlichen Druck geöffnet, sondern auch die Vorbedingung geschaffen für die Gesundung unseres Volkslebens und unserer Kultur: denn Volksvermehrung in ihren natürlichen Grenzen ist allein Gesundheit, Gesundheit in körperlichem Sinne, Gesundheit in geschlechtlichem und sittlichem Sinne, gesunde Kultur in einem erweiterten Sinne. Die moderne volkswirtschaftliche Wissenschaft würde uns bei der Begründung dieser Auffassung nicht unterstützen können, wo die gesamte Nationalökonomie und Wirtschaftspolitik in den Spuren eines Adam Smith wandelt und in den Zeitideen eines materiellen Zeitalters befangen ist. Die Geschichte aber lehrt hinreichend, daß unser Standpunkt für völkisch aufsteigende Völker der allein richtige ist, daß der Reichtum der Nation" für sie in erster Linie gefunden werden muß in der quantitativen und qualitativen Stärke der Bevölkerung. So stehen sich also heute in der Hauptsache zwei politische Richtungen gegenüber (wenn man von der rein immateriell orientierten Kulturpolitik absieht). Es sind der völkische und der wirtschaftliche Imperialismus, wobei unter Im perialismus die Politik des Machtzuwachses, die Politik der Expansion zu verstehen ist. 2. Kapitel: Der Wirtschaftsimperialismus. Die auf Expansion des Wirtschaftslebens gerichtete Politik beherrscht unser Zeitalter schlechthin, sie ist auch die letzte Ursache des heutigen Weltkrieges.7 Auf die Periode der Kreis- und Territorialwirtschaften war allmählich mit zunehmendem Überseeverkehr und zunehmender Verwendung der Dampfkraft für die Verkehrsmittel die Periode des Freihandels gefolgt, wenn auch eine restlose Durchführung desselben vielfach nicht erreicht worden ist. Die Welt war ein einziger Agrarstaat, in dem zuerst England und viel später die Industriestaaten Europas in ihrer Gesamtheit das Industriezentrum bildeten. Die überschüssige Bevölkerung, die nach dem Westen abgegeben worden war, konnte mehr und mehr im Inland Brot und Beschäftigung finden. Aber sehr bald schassen sich die übrigen Staaten eine eigene Industrie, zuerst die nordamerikanische Union. Bald folgt, wenn auch weniger rasch, Rußland. Die Hochschutzzollsysteme dieser Staaten üben ihre Rückwirkungen aus. Aber das Weltreservoir für Industrie absatz ist immer noch eine Zeitlang groß genug. In dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, besonders in den 70er und 80er Iahren werden auch die letzten Länder der Erde in den allgemeinen Weltmarkt eingeschlossen; es ist die Periode der Erwerbung von Kolonien zweiten und dritten Ranges. Doch in derselben Zeit beginnt auch schon die Wandlung in der Wirtschaftspolitik der Großstaaten einzusetzen: Es kommt der Wirtschaftsimperialismus, für den die wirtschaftlichen Verhältnisse etwa um die Wende des Jahrhunderts reif geworden sind. Die Welt war verteilt. Kapital und Industrie waren in unharmonischer Entwicklung über die Bedürfnisse des heimischen Marktes längst hinausgewachsen, unter anderem aus Gründen der inneren und internationalen Konkurrenzfähigkeit, indem die neuesten Maschinen und die Entwicklung von Riesenbetrieben oder riesigen Betriebsvertrustungen einen immer größeren Absatz verlangten. In einem großen Teil der Kolonien war nicht genügend Absatzgelegenheit zu sinden. Die Konkurrenz auf dem freien oder nur wenig abgeschlossenen Weltmarkt wurde damit immer größer, während zugleich neue Länder als Konkurrenten hinzutraten, die sich vorher eine heimische Industrie herangezogen hatten. Damit kamen die niemals ganz entbehrlichen Handelsverträge zu immer größerer Bedeutung, auch solche mit entfernten und wenig kultivierten Ländern. So gewannen in immer größerem Umfang handelspolitische Tendenzen in der internationalen Politik an Einfluß: Die Abgrenzung von Interessensphären und Einflußsphären für die einzelnen Großstaaten, zu denen auch Amerika und schließlich Japan hinzutraten, und die teils friedlichen, teils kriegerischen Versuche, schwächere Staaten und Völkerschaften in politische und damit in wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen, bilden seit zwei Jahrzehnten eine ununterbrochene Kette von Reibungsflächen zwischen den Großmächten. Diese auf Kapital- und Industrieabsatz aufgebaute Expansionspolitik war aber nicht imstande, dem vorhandenen Überdruck auf die Dauer abzuhelfen. Die Spannung wurde durch andere Vorgänge noch verstärkt. Ein Land nach dem andern, die europäischen kleinen Staaten, die selbständigen Staaten der übrigen Erdteile, wie Mexiko, Brasilien, Argentinien, Japan, China begannen sich eine eigene Industrie zu schaffen, allerdings zunächst mit europäischen Produktions mitteln. Auch konnte England sein System der Industrieunterdrückung in den immer selbständiger werdenden Kolonien nicht aufrecht erhalten, fodaß Canada, 8 Indien, Australien und Neuseeland sich industriell vom Mutterland unabhängig zu machen begannen. Vor allem sind es naturgemäß zwei Industriezweige, in denen die Verselbständigung begann: in der Textilindustrie, die als die haupt sächlichste Groß-Industrie für Erzeugung von Konsumware zu gelten hat, und in der Maschinen- und Eisenindustrie, auf der alle übrige Industrie wie auch aller Verkehr zu Lande und zu Wasser sich aufbauen muß. In hohem Maße unterstützt wurde diese Entwicklung durch die Aussuhr von wissenschaftlich ge schulten Kräften, im besonderen von Ingenieuren aus den hoch entwickelten Ländern der weißen Rasse. So wurde der Export von Industrieprodukten immer schwieriger. In dem nebenhergehenden Konkurrenzkampf der Schiffahrts linien, in deren Ausrüstung die Industrie zum Teil einen Ausweg fand, ist der Höhepunkt noch nicht erreicht; aber auch er muß allmählich in einen politisch orientierten Wettbewerb um Privilegien sich ausgestalten, auch hier muß schließlich die nationale Schiffahrtspolitik für alle größeren Staaten das Ende sein, wie wir z. B. Amerika schon auf dem Wege der englischen Navigationsaktenpolitik angelangt finden (Küstenschiffahrts- und Panamakanalprivilegien). Infolge dieser Veränderungen wurde die treibende Kraft für das Ausland geschäft der großen Industriestaaten weniger die Industrie und der wirkliche Handel, als vielmehr die Banken und Finanzierungsgesellschaften als Vertreter des Geldkapitals. Bei seiner ins Riesenhafte gesteigerten Emissionstätigkeit und seiner Politik der fiktiven Werte fand es in der heimischen, wie auch in der im Ausland bereits entwickelten nationalen Industrie nicht mehr genügend Gelegenheit, den Zinsfuß auf seiner Höhe zu erhalten, was aber umso mehr notwendig war, um den Banken und ihren Hintermännern ihr fieberhaftes Streben nach Vorherrschaft im innern und nach außen zu gewährleisten. So wurde die auswärtige Politik der kapitalkräftigeren Staaten immer abhängiger von den großen Bankgruppen und bankmäßig orientierten Industriegruppen. Neben die Handelsverträge traten die großen Finanzverträge mit fremden Staaten, die fast immer auch zur Erzielung günstiger Handelsverträge ausgenutzt wurden. Von der damit gegebenen finanziellen und handelspolitischen Abhängigkeit der schwächeren Staaten war dann nur ein Schritt zur Erstrebung der politischen Abhängigkeit, oft genug unter militärischer Nachhülfe (England), während Verwicklungen zwischen den rivalisierenden Großmächten fast immer zunächst durch eine Abgrenzung der Interessen- und Einflußsphären vermieden werden konnten, wie sie z. B. für Persien durchgeführt, für die Türkei und China ins Auge gefaßt war. Die geschilderten politischen Tendenzen bezeichnet man als Imperialismus, ich möchte sie genauer als Wirtschaftsimperialismus kennzeichnen. Er ist für jeden Großstaat in seinen Zielen und Methoden verschieden schattiert, bald mehr bankmäßig-finanziell, bald mehr industriell, bald mehr militärisch. Von ihm zu unterscheiden ist jedoch das, was man mit Bezug auf die englische Politik vielfach als Imperialismus bezeichnet und was wohl die ursprüngliche Bedeutung des Wortes darstellt: Es sind die Bestrebungen, die auf eine militärische und volkswirtschaftliche Zusammenfassung der britischen Kolonien mit dem Mutter- 9 land gerichtet sind. Sie sollten einmal die militärische Macht Englands poten zieren, sie sollten den Aufbau des Weltreiches vollenden und es vor dem Zerfall schützen, sie sollten aber auch zugleich England und seine Hauptkolonien handels politisch gegenüber dem Ausland zu einer Einheit zusammenschmieden, das ganze Reich durch Zollschranken und Privilegien abschließen, ich möchte sagen eine Weltreichs-Wirtschaft aufbauen neben den bereits vorhandenen Weltreichs-Wirt schaften von Rußland und der Union. Wir haben hier diese Tendenzen, die neben vielen gesunden auch mannigfache Momente der Schwäche enthalten und mancherlei natürliche Faktoren übersehen, nicht weiter zu verfolgen. Die innere Schwäche dieses Systems liegt ja schon darin begründet, daß England diese Politik nicht konsequent verfolgt hat, sondern in weit höherem Maße dem Wirtschaftsimperialismus in dem hier entwickelten Sinne verfallen ist. Wir wollen beide Tendenzen, die übrigens auch manche Verknüpfungspunkte auf weisen, als (englischen) Wirtschaftsimperialismus und englische Reichswirtschafts politik gegenüberstellen. Der erstere hat heute für uns das meiste Interesse, da er die stetige Quelle kriegerischer Verwicklungen unter den Konkurrenzstaaten bedeutet, während die letztere Politik eine Periode des politischen und handels politischen Friedens bedingen müßte, wenn der Gedanke für England in dem notwendigen Umfang durchführbar wäre, der jedenfalls für die politische Gestaltung der deutschen und zentraleuropäifchen Verhältnisse in ganz anderem Maße verwendbar werden kann. Die Verbrämung des Wirtschastsimperialismus durch allerlei volkswirt schaftliche und kulturelle Argumente, namentlich auch der Hinweis auf die bevölkerungspolitische Wirkung der Beschaffung von Arbeit hat die Völker die Schattenseiten dieses politischen Systems übersehen lassen. Dahin gehören neben der unausbleiblichen Ansammlung von politischem Konfliktstoff, die nur im einem Aufeinanderplatzen der Großmächte enden konnte, die Schwächung der Land wirtschaft durch Entziehung von Arbeitskräften, die ungesund schnelle Aufschließung ferner Länder mit niedrigen Bodenpreisen und Löhnen, die damit bedingte chronische Krise innerhalb der Landwirtschaft, die ungesunde Entwicklung der heimischen Lebenshaltung, ja die Zerstörung der nationalen Kultur und Kräfte durch den Reichtum und endlich die politische Schwächung, die mit der volks wirtschaftlichen und damit politischen Stärkung fremder Staaten verbunden sein mußte. Es war eben die rein handelsmäßig orientierte äußere Politik nach dem Vorbild Englands zur Herrschaft gelangt, die wie aller Handel nicht nach dem woher und dem wohin, nach der Wesensnatur von Aktiva und Passiva, sondern lediglich nach dem Überschuß eingestellt ist; wenn der nur herauskommt, dann ist dem Handel und aller Handelspolitik einerlei, was mit der heimischen Nation, was mit den ausländischen Staatsgebilden im Laufe längerer Zeiträume für Veränderungen vorgehen. Wie aller Handel so ist auch alle Handels- und bankmäßig eingestellte Politik reines Differenzgeschäft, durch die günstige Dif ferenz gerechtfertigt, wenn auch die Geschäfte selbst für die nationale Entwicklung und Kultur unsinnig, für die Politik gefährlich sind. Es ist das raffinierte und damit zugleich kurzsichtige Temperament der Bank- und Börsenmenschen und10 - der nicht selten mit ihnen verschwägerten Staatsmänner parlamentarisch regierter Staaten, das hier seine Triumphe feiert; es ist auch zugleich der materielle minderwertige Geist der Zeit, der nicht imstande ist, eine tiefer gegründete po litische Wertskala zu schaffen und anzuwenden. Es ist so einfach und bequem und auf alle Fälle exakt", mit Zahlen und Mark und Pfennig alles und alles, auch die Volks- und Kulturwerte zu werten, so daß auch der geistig Einseitige damit umgehen und man den Massen damit imponieren kann. Der Wirtschafts imperialismus wird damit auch psychologisch als die zeitgemäße Wirtschasts- und Kulturauffassung dokumentiert. Es würde zu weit führen, die angedeuteten schweren Schädigungen, ja das nationale Verhängnis zu erörtern, wie sie unserer deutschen in ganz anderem Maße wie der englischen Entwicklung drohen. Es muß diese Aufgabe einer besonderen systematischen Behandlung der auswärtigen Politik überlassen bleiben. Nur auf zwei Momente soll hier kurz eingegangen werden: auf die völlig zurück gedrängte Auswanderer- und Menschenpolitik, sowie auf die schon erwähnte Stärkung fremder Länder an Geld- und Naturalkapital. Mit der zunehmenden Orientierung der Politik nach Handels-, Industrie- und Bankinteressen tritt die Berücksichtigung des Menschen als Wertobjekt immer mehr zurück, genau wie in der inneren Volkswirtschaft, wo ja auch der wirt- chaftliche Vorteil um jeden Preis herrschendes Prinzip ist, das durch die Reaktion der in Mitleidenschaft gezogenen Stände und durch innerpolitische Strömungen zwar in seiner Starrheit gemildert, aber keineswegs entthront worden ist. Wie hier von mir eine staatsethische, Menschenwerte in erster Linie berücksichtigende Volkswirtschaft entgegenstellt wurde, so bedarf es auch in der äußeren Politik einer entsprechenden Umkehr. Die Auswanderung ging seither planlos nach allen Ländern vor sich, ja der Gedanke von Siedelungskolonien" schien eine zeitlang gänzlich vergessen zu sein. Handelsverträge über die unwichtigsten Produkte, Verträge über Bahnbauten, Straßen- und Hafenbauten, über die Ausbeutung von Minenfeldern u. dgl. mehr sind das Ziel fast aller politischen Bemühungen, wenn man von den militärischen Tendenzen absieht, die aber wiederum so oft wirtschaftlichen Zielen dienstbar sind. Bisweilen und namentlich in Deutschland ist die industrielle Expansionspolitik bis zu einer derart ungesunden Überspannung begünstigt worden, daß die heimischen Arbeitskräfte nicht genügten und dem ausländischen Einwandererstrom die Tore geöffnet wurden, ohne nennenswerte Rücksicht auf Kulturstufe, Vorbildung, gesundheitliche und moralische Auslese. Der Landwirtschaft wurden die Arbeitskräfte entzogen und damit nicht nur die Betriebsmethoden in national-wirtschaftlicher Richtung bedenklich beeinflußt, die Einführung von differenzierten nur wenige Tage benutzbaren Maschinen über die Grenze der Rentabilität hinaus veranlaßt, sondern auch hier durch die Heran ziehung ausländischer Arbeitskräfte kulturelle Störungen und volkswirtschaftliche, ja selbst militärische Gefahren der bedenklichsten Art heraufbeschworen. Neben allen diesen Störungen einher geht dann die als Fortschritt und Selbstzweck gewertete Erhöhung der heimischen Lebenshaltung, die durch den Reichtum und seine Nachahmung bedingte Zersetzung, die Erschlaffung der natürlichen Ver-Mehrungsfähigkeit und andere rassehygienisch bedenkliche Entartungserscheinungen. Und nicht vergessen seien in diesem Zusammenhang die ungehinderte Überflutung unserer deutschen Bildungsstätten, unseres Handels, unserer Presse, Kunst und Wissenschaft mit Ausländern, im besonderen auch mit ausländischen Juden. Die gerade in der deutschen wissenschaftlichen Welt viel erörterte Frage Industrie- oder Agrarstaat" bildet nur ein Teilproblem des hier behandelten. Und vielleicht zeigt nichts deutlicher als die begrenzte Fragestellung dieses Streites, wie einseitig die Volkswirtschaft allerdings ihrem Namen entsprechend und die heute wirtschaftlich eingestellte Politik ihre Aufgabe heute erfassen, während doch die Politik die weltwirtschaftlichen Beziehungen des eigenen Landes nur unter dem allgemeineren Gesichtspunkte der nationalen Macht- und Kultur entsaltung mitberllcksichtigen sollte. Dann aber erhält der erwähnte wissenschaftliche Streit eine ganz andere Bedeutung, auch abgesehen von dem seinerzeit zwar schon mitberücksichtigten, aber in der nationalökonomischen Theorie und Praxis noch kaum beachteten Problem der nationalen Zersetzung. Es handelt sich nämlich um die Frage der Machtverschiebungen bei dem internationalen Produkten- und Kapitalaustausch. Der internationale Austausch erstreckt sich auf Geld und Edelmetalle, auf Produktionsmittel, auf Konsumtionsmittel, auf die für Produktion und Konsum notwendigen Rohprodukte. Nun liegt die Sache für die hochentwickelten Industrie- und Bankstaaten heute im allgemeinen so, daß sie Konsumtionsmittel und namentlich Agrarprodukte, Rohstoffe für die Konsumtion (Textilindustrie, Leder industrie usw.), sowie Geldwerte im weitesten Sinne in Form von Zinsen, Dividenden und dgl. einführen, dagegen Produktionsmittel, für den Konsum veredelte Roh produkte und Geldwerte in Form von Anlagekapitalien ausführen. Dieser Zustand bedeutet eine immer steigende Bereicherung anderer Staaten an Natur kapital von seiten der großen Industriestaaten, während die dafür aufgewendete Arbeit ihnen selbst entzogen wird. Dies ist aber nichts anderes als eine Schwächung der eignen Macht zugunsten der Abnehmerstaaten. In dem gleichen Sinne wirkt die Kapitalanlage im Ausland: es ist für dieses eine riesige Anweisung auf menschliche Arbeit, damit wiederum auf Naturalkapital, das wie wir sahen, als ein Bestandteil der nationalen Macht anzusehen ist. So liefern wir fremden Völkern oder gar unseren späteren Feinden nicht nur Geschütze, Gewehre, Munition und Kriegsschiffe, sondern auch alle Arten von Maschinen einschließlich elektrischer Maschinen; so bauen wir ihnen Eisenbahnen, Straßen, Kanäle, erschließen ihnen das Land für die Landwirtschaft, während wir selbst dafür ungeheuere Mengen von Nahrungs- und Futtermitteln beziehen und Geldeswerte gewinnen, was beides für die politische Zukunft und die Kultur der Nation recht fragwürdigen Wert besitzt. Gewiß müssen wir Arbeit exportieren, wenn ich mich so ausdrücken darf, um dafür den fehlenden Betrag an Konsumtionsmitteln und die für den heimischen Markt notwendigen Rohprodukte eintauschen zu können. Aber diese Arbeits ausfuhr darf erst von dem Punkte ab begünstigt werden, wo der heimische Bedarf an Arbeit vollauf befriedigt ist. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Wir schicken Arbeit hinaus, weil sie besser bezahlt wird, und überlassen die 12 heimische Arbeit in der Landwirtschaft und zum Teil in der Industrie Ausländern, während wir gleichzeitig landwirtschaftliche Betriebssysteme begünstigen, die volks wirtschaftlich und militärisch bedenklich sind. Es ist tief bedauerlich und für den Patrioten geradezu niederschmetternd zu sehen, wie mit der Arbeitskraft der Nation planlos zugunsten anderer Staaten und zugunsten des Geldkapitals der Wenigen gewirtschaftet wird, während wir uns selbst dadurch absolut und diesen andern gegenüber relativ an Naturalkapital schwächen. Was könnte im eigenen Lande alles geleistet werden, welche Unsumme von Naturalkapital, von Meliorationen, von militärischem Rüstzeug könnte geschaffen werden, während wir heute von unseren Abnehmerstaaten geradezu übervorteilt werden. Auf welche Höhe der Leistungsfähigkeit könnte die Landwirtschaft gebracht werden, wenn wir mehr den heimischen Bedarf berücksichtigten (Zucker- und Luxusproduktion!), wenn wir die Moore kultivierten, die Besorstungsziffer auf den Durchschnitt der anderen Staaten, also auf etwa 20 Prozent bei einem Gewinn von ca. 4 Millionen Hektar herabsetzten, wenn wir riesige Bewässerungsanlagen schafften, den schlechten Boden in gewaltigem Umfange für einen größeren Ertrag umgestalteten, Talsperren an legten, Kanäle erbauten, ausreichende Wohnungen beschafften und dgl. vieles mehr ohne andere Grenzen als die, die die Natur und der vorhandene Vorrat an Menschen und Naturalkapital uns setzten. Ich weiß, daß ich hier in den Stil der Utopieen verfalle; allein darin liegt eben der berechtigte Kern der Utopie vom Schlage des Sozialismus, daß sie fast stets den Staat als isoliert sich vorstellt und unter Hinwegsetzung über das Geldproblem die Arbeitskraft der Bevölkerung nur für das eigne Land gelten läßt. Gewiß geht diese Forderung zu weit, aber nicht minder falsch ist die planlose Verschwendung der nationalen Arbeitskraft (also menschlicher Werte) zugunsten des Auslandes. Wir werden gerade im Interesse einer zielbewußten Machtpolitik, aber auch zur Verhütung der schweren kulturellen Schädigungen des auf die Ge winnung von Reichtum einseitig eingestellten Wirtschaftssystems zu einer Synthesis kommen müssen, indem wir das Maß der ins Ausland abgänglichen Arbeit nach den jeweils gegebenen politischen und volkswirtschaftlichen Bedürfnissen beschränken. Je mehr es uns dann gelingt, durch Schaffung einer großen zentraleuropäischen Landwirtschaftseinheit, durch Hebung der landwirtschaftlichen Produktion nach allen Richtungen hin uns mehr Noch vom Ausland unabhängig zu machen, umso mehr müssen wir dafür sorgen, daß die Arbeit im Lande bleibt, daß wir Arbeits- merkantilisten werden. Übrigens sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß wir in Deutschland bei richtiger Politik, also nicht bei Handelspolitik und Industriepolitik und Bank politik und Agrarpolitik, sondern bei einer harmonischen Politik imstande sind, in weitestem Maße mit Rohprodukten statt mit Arbeit zu bezahlen. Wir besitzen ein Rohprodukt, mit dem wir genau so weit kommen müssen, wie andere Staaten mit ihrem Geldreichtum, ja noch weiter. Was nützt einem Staat alles Geld der Welt, er kann davon nicht leben; wir aber besitzen ein Weltgold, das in dem Maße wertvoller werden muß, als die Bevölkerung in den Agrarstaaten 13 zu- und die Erschöpfung des Bodens zunimmt: es ist das Kalium in den Ab raumsalzen. Von diesem Golde kann der Mensch leben, ja davon muß er leben, indem die Pflanzenwelt zu ihrem Wachstum und selbst zur Erzeugung der Stärke und aller von ihr abgeleiteten Produkte (Eiweiß, Fett, usw.) Kalium unbedingt braucht. Daneben baut sich zugleich ein wichtiger Teil der Industrie auf dem Kalium auf. Es gibt aber nun kein Land der Welt außer Deutschland, das Kaliumlager besitzt, sofern man von dem ja doch in die kommende Wirt schaftsgemeinschaft mit Österreich-Ungarn einzubeziehenden Galizien absieht. Es ist auch die Wahrscheinlichkeit dafür fast gleich 0, daß in irgend einer Ecke der Welt sich noch einmal der merkwürdige Vorgang der Mutterlaugenbildung aus dem Meere in so riesigen Massen und in dieser eigenartigen Form wiederholt haben könnte, wie er sich in dem Tertiärbecken Mittel- und Norddeutschlands abgespielt hat. Dieses kostbare und notwendigste Bodenprodukt der Welt müssen wir bei unseren Handelsverträgen und Handelsbeziehungen zum Ausland in die Wag schale legen und dabei sein spezifisches Gewicht nicht zu niedrig annehmen: Für das Inland so billig wie möglich, fürs Ausland so teuer wie möglich, muß die Losung sein. Welcher politische Unsinn, ich will lieber sagen, welche Gedanken losigkeit liegt aber darin, das Kalium darum so billig Ausland abzugeben, weil es uns selbst infolge verhältnismäßig billiger Bergwerksgerechtsamen und dgl. nicht teuer zu stehen kommt, und das investierte Kapital auf Verwendung drängt. Ahnlich könnten wir mit der Abgabe von Kohlen vorgehen, wenn wir auch hier kein Monopol besitzen. Aber auf keinen Fall sollten wir Ausland die Kohlen aus kapitalistischen Interessen billiger abgeben wie Inland. Aus landshandel kann eben unter der bestehenden Handelsanarchie nie politische Bedeutung in unserem Sinne gewinnen. Wir werden trotz aller Freiheit und Erhaltung größter privater Initiative um eine öffentlich-rechtliche Zentralstelle für unseren Auslandshandel auf die Dauer nicht herumkommen können. Und diese Stelle hätte dann auch die politisch so hochwichtige Regulierung der Arbeitsausfuhr zu übernehmen. Die Merkantilisten sagten: je mehr Gold im Land, desto besser, ich sage: je mehr Arbeit für das Inland erhalten und ausgenützt, desto besser. Freilich muß allen denen, die dank unserer formalen Vorbildung und dank ihrer Veranlagung gewohnt sind, verbalistisch in Gegensätzen zu denken, entgegen gehalten werden, daß eine völlige Absperrung der Arbeitsausfuhr und überhaupt eine übergroße Beschränkung der Industriestaatentwicklung hier nicht gefordert wird. Es kommt ganz auf die politische Lage der Nation an, wie die Forderung zu lauten hat, und sprunghafte Änderungen sind ja auch ausgeschlossen; für heute liegt darum die Lage so, daß eine nicht über das Maß der einheimischen Arbeitskräfte hinausgehende Industriepolitik als politische Machtentwicklung zu gelten hat. Die Landwirtschaft ist bevölkerungspolitisch extensiver wie die Industrie, und für den Moment, d. h. für Jahrzehnte, vermag die Industrie bis zu gewissem Grade die Bevölkerungsvermehrung zu begünstigen und die Abwanderung zu unterdrücken. Allein wegen der nachteiligen Wirkungen darf diese Politik nie Selbstzweck werden; sie kann nur als vorübergehende Anlegung eines Bevölkerungs reservoirs aufgefaßt werden, das dann überflüssig wird, wenn wir Siedlungsland- 14 - in genügendem Umfang gewonnen haben, und das dann seinen Zweck nicht mehr erreichen kann, wenn die industrielle Verselbständigung der Agrarstaaten eine gewisse Höhe erreicht hat. 3. Kapitel. Der völkische Imperialismus. Den theoretischen Gegensatz zum Wirtschaftsimperialismus bildet der völkische Imperialismus, wenn dann auch die Bedürfnisse der praktischen Politik bisweilen die Berücksichtigung beider Tendenzen zugleich erfordern können. Dieser völkische Imperialismus bildet die konsequente Fortsetzung der von mir vertretenen inneren völkischen Politik. Seine durchgebildete Form sinden wir bei den Ausdehnungs bestrebungen der älteren Zeit, indem die gesamte Volksorganisation, ihr Erbrecht, ihre Kriegsorganisation usw., für die völkische Ausdehnung aufgebaut ist; so z. B. bei dem germanischen Vordringen zur Zeit der alten Völkerwanderungen. Ahnliches finden wir heute bei dem Vordringen mancher Negerstämme Afrikas. Die völkische Ausdehnung der modernen Zeit ist dagegen mehr friedlich, als Auswanderung nach Gebieten mit zahlenmäßig schwacher oder kulturell und wirtschaftlich schwacher Bevölkerung vor sich gegangen (Nordamerika, Süd amerika, Australien, Kapland). Bei ihr tritt die Eroberungspolitik ganz in den Hintergrund, während es sich schon eher darum handelt, die besetzten Gebiete gegen kolonialpolitische Rivalen zu behaupten. Denn diesen Staaten ist es erst in zweiter Linie um völkische Politik und vor allem um Handelsgewinn zu tun. Die ablehnende Stellung von Adam Smith gegenüber den Kolonien und die kurzsichtige Krämerpolitik Englands gegenüber den Neuenglandstaaien vor ihrem Abfall sind da geradezu typisch. Durch die einsetzende Ära der Industriestaat- entwicklung und des Wirtschaftsimperialismus verlieren sich dann die völkischen Ziele aus der Politik immer mehr. Völkische Politik in größerem Umfang trieb in letzter Zeit eigentlich nur Japan, während Rußlands völkische Bestrebungen in Ostasien doch wohl ebenso ein Zerrbild genannt werden müssen wie seine mehr kulturellen (vom Standpunkt des Russen aus!) im Westen. Wir sahen, daß zu einer gesunden völkischen Politik auch die Vermehrung der Bevölkerung selbst und ebenso die des Naturalkapitals aller Art gehört. Darum ist die Expansionspolitik aller Länder mit extensiver Bevölkerung so unsinnig, da hier die völkischen Werte nicht gestärkt, sondern durch den Land- und Handelshunger nur weiter zersplittert werden müssen. Es ist so, als wenn ein Gelehrter immer neue Wissenschaft und Bücher bearbeiten wollte, ohne an die innere Sammlung zu denken; wie ihm die Gedanken kunterbunt durch einanderschwirren müssen, ohne die rechte Einheit, so dort die Völkerschaften und Interessen ohne Harmonie, ohne feste Fügung zu einem Volk und zu einer einheitlichen Volkswirtschaft. Ich möchte in der Ausdrucksweise Taine s mich dahin ausdrücken, daß in der Bevölkerungspolitik es auf den Moment ankommt, ob eine Landexpansion gerechtfertigt ist oder nicht. Es ist das der Grund, warum die Erobererpolitik der alten Zeit so oft zu einer inneren Schwächung und damit schließlich zu einer politischen Schwächung geführt hat. Es ist dies auch der Grund, warum es für Rußland, für England, (immer einschließlich^ 15 seiner Tochterkolonien) und für Nordamerika heute keinen völkischen Imperia lismus geben kann. Jede völkische Politik, sei sie nun friedlich oderlkriegerifch, bedeutet für diese Staaten innere völkische Schwächung; bei Rußland und den Mongolen ist solche Politik noch obendrein darum nicht zeitgemäß, weil es am Naturalkapital fehlt, während hingegen dem Mangel oder Vorhandensein von Geldkapital keine entscheidende Bedeutung in dieser Richtung beizumessen ist. So bleibt dann heute, wenn man vom Mongolentum absieht, und da Italien wie Frankreich zu den völkischen Großstaaten nicht zu zählen sind, nur Deutschland-Österreich für die Jnaugurierung eines völkischen Imperialismus übrig, eines Imperialismus, der auch zugleich und ohne besondere Absicht die völkischen Interessen der kleinen germanischen Nachbarreiche, der Schweiz, der Niederlande und der nordischen Reiche mit vertreten muß. Hoffen wir, daß diesem Imperialismus das deutsche Volk nicht selbst Knüppel zwischen die Beine wirft, indem es sich von einem falschen Idealismus blenden läßt, indem es sich nicht genügend freizumachen versteht vom Geiste des Schulmeistertums, der immer nur die Dinge, die Landkarte usw. so zu sehen imstande ist, wie sie gerade sind, statt mehr nach dem zu fragen, wie es sein soll und in unserem Interesse sein muß und sein kann. Jedenfalls ist die Zeit reif für einen deutschen Imperialismus, ich will lieber sagen für die Periode eines deutschen Imperialismus. Unsere Industrie staatentwicklung hat ein mächtiges Volksreservoir wenn auch unabsichtlich an gelegt, das es uns ermöglicht, ohne innere Schwächung große Volksmassen über die Grenze zu werfen; und unsere Landwirtschaft bildet bei ihrem hohen Grad von Intensität zugleich ein Reservoir an Volkskraft und von allerdings noch zu steigernder Ernährungsmöglichkeit. Da natürlich eine politische Periode nicht durch einen Frieden bestimmt wird, da es auch gilt, das Erworbene gegen Rivalen zu erhalten und noch zu vermehren, wenn es notwendig ist, so müssen wir auch fernerhin im engeren Vaterland auf größtmöglichste Volks reserven bedacht sein. Aus den verschiedensten Gründen ist nun aber eine weitere Steigerung der industriestaatlichen Entwicklung nicht ungefährlich, und die Ent wicklung der Industriestaaten auch zeitlich begrenzt. Es wird darum notwendig, daß wir mehr wie seither unser Bevölkerungsreservoir mit Hülfe der inneren Kolonisation zu stärken suchen, für die neben der Moor- und Ödlandkultur die Heranziehung größerer Waldflächen unter Beschränkung der Besorstungsziffer in Betracht kommt, und es ist zugleich notwendig, daß im gleichen Sinne die intensivere Ausgestaltung der österreichischen Verhältnisse ins Auge gefaßt wird. Natürlich können solche Probleme nur dann mit voller Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden, wenn zugleich unsere innere Wirtschafts- und Kultur politik bevölkerungspolitisch und rassenhygienisch aufgebaut wird.*) *) Die Bedeutung des Waldes ist seither allgemein überschätzt worden. Nach den neuesten Forschungen ist diese Auffassung nicht mehr haltbar, wenn auch aus ihnen ein Hinllbergleiten ins andere Extrem nicht abgeleitet werden kann. Da auch nach anderen Richtungen hin die forstwirtschaftliche Praxis und Gesetzgebung mancherlei anfechtbares ausweist, so werden wir in den meisten Bundesstaaten um eine Revision unserer Forstpolitik nicht herumkommen können. 16 Wenn hier einem deutsch-völkischen Imperialismus das Wort geredet wird, so darf dieser nicht verwechselt werden mit ähnlich klingenden Tendenzen. Man hat auch den Wirtschaftsimperialismus oft mit völkischen Zielen verbrämt, den Massen schmackhafter gemacht. Über die Täuschung durch solche Redens arten sollte der Politiker erhaben sein, wenn auch leider Gottes die so oft schlecht orientierte und auf einseitige Interessen eingestellte Presse mehr Einfluß gewinnt, als ihr zukommt. Ich erinnere z. B. an die Töne, die anläßlich der Diskussion über die Erwerbung von Angola angeschlagen wurden. Völkischer Imperialismus ist aber auch nicht identisch mit Landkartenpolitik. Die Masse braucht immer etwas sichtbares, sinnfälliges, an das sie sich halten kann: darauf ist der kirchliche Bilderdienst, darauf ist die Vorliebe unserer nach der Masse orientierten Bildung für die mechanischen Naturwissenschaften, darauf ist die mechanisch-materielle Auffassung unserer Volkswirtschaft, darauf ist auch jener Landkartenimperialismus zurückzuführen, der eine feinere Abwägung der nationalen Werte an Volk, Kapital, wirtschaftlichen und anderen Verhältnissen des Landes nicht kennt. Die Forderung der Gewinnung farbiger Flecken auf der Landkarte ohne Rücksicht auf die erwähnten Verhältnisse ist etwas demo kratisches, auf der blinden Bewunderung englischer Verhältnisse beruhendes. Unsere Marokkopolitik z. B. hatte etwas von dieser Landkartenpolitik an sich, wie ja auch die Angst" vor Rußland und die Hochachtung vor den amerikanischen Staatenverhältnissen etwas stark sich von der Landkarte bestimmen läßt. Übrigens widerspricht die Landkartenpolitik dem aller gesunden Politik zugrunde liegenden Gravitationsgesetz der politischen Interessen, nach dem Landes und Volksteile, die einem Staat benachbart sind oder überhaupt nahe liegen, in viel höherem Grade gewertet werden müssen als entferntere Landgebiete. Es liegt hier eine psychologische Wurzel mit zu Grunde, indem alle Interessen mit der Entfernung nicht einfach proportional abnehmen, sondern in weit stärkerem Grade. Die Hauptwurzel bildet jedoch die politische Fundamental-Tatsache, daß auch die politische Kraftäußerung der in Frage kommenden Gebiete mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, daß also z. B. ein kleiner Zuwachs des Mutter landes im angrenzenden Gebiet mit 1 Million Bewohner die Macht desselben weit mehr pontenziert als ein Gebietserwerb von 20 oder mehr Millionen in großer Entfernung, d. h. namentlich jenseits des Meeres. Dem Landkartenpolitiker muß es so unsinnig erscheinen, um strittige Nachbargebiete von geringem Umfang oder geringer Volkszahl Kriege heraufzubeschwören; wenn aber die Tatsachen lehren, daß alle Politik derartige Erwerbungen mit besonderem Nachdruck betont, so spricht dies eben deutlicher als alles andere dafür, daß der Machtzuwachs in der Praxis nicht einseitig nach der Fläche, sondern nach den verschiedensten Momenten und nach der Entfernung zugleich gewertet zu werden pflegt. Wie die Landkartenpolitik, die natürlich auch für die wirtschaftliche Ex pansion von Bedeutung werden kann, so muß der völkische Imperialismus die sogenannte Rassenpolitik ablehnen, wie sie leider auch verschiedentlich von völkischer Seite vertreten worden ist. Wir sind geradezu berechtigt, von meine deutschen Chauvinismus zu reden, dem eine reale Abwägung seiner Ziele 17 vollkommen abgeht, und der sich durch die Betonung äußerlicher Momente wie Sprache, Hautfarbe u. dgl. als ein schablonenhaftes Ideal offenbart, das von einer deutschen Rasse spricht, wo es gar keine deutsche Rasse gibt, und das auf Grund dieser Äußerlichkeiten Gegensätze gegenüber den nächst verwandten Völkern aufstellt, die in diesem Umfang gar nicht vorhanden sind. Es wird hier ein kulturelles und staatliches Herrschaftspostulat für die deutsche Rasse aufgestellt das nicht nur nicht berechtigt, sondern zugleich ungemein gefährlich ist. Diese Rassenromantik ist der Ausfluß eines unharmonischen, in Extremen schwel genden, demokratisch äußerlichen Zeitalters und hat mit gesunder Politik nichts gemein als das Wort" völkisch. Sie bedeutet aber in der Zeit ihres Auftretens eine viel größere politische Gefahr wie etwa der französische Chauvinismus, da sie Ansprüche auf eine Vorherrschaft über die gesamte weiße Rasse in sich birgt. Es wird einer späteren Geschichtsschreibung vorbehalten sein, den Einfluß nach zuweisen, den diese einseitige Überspannung eines gesunden Prinzips auf die Trübung der Völkerbeziehungen gehabt hat.*) Eine völkische Politik muß auch ganz andere Ziele haben als die heute übliche Kolonialpolitik. Auch hier, wie in der Politik überhaupt (man denke nur an die der parlamentarischen Geschäftsführung) spielt die Nachahmung und ihre Verdichtung zu Zeitideen eine Rolle. Es ist aber endlich an der Zeit, daß wir. uns von der Nachahmung einer auf englische Lebensinteressen zu geschnittenen Wirtschafts- und Kolonialpolitik, von einer solchen Weltpolitik^ oder besser gesagt Allerweltspolitik frei machen und eine deutsche Politik mit auf deutsche Verhältnisse zugeschnittenen Ideen an die Stelle setzen.**) Man teilt die Kolonien vielfach ein in Handelskolonien, Plantagenkolonien und Ackerbaukolonien. Letztere kann man auch als Siedlungskolonien allen übrigen als den Wirtschaftskolonien gegenüberstellen. Nun hat sich die völkische Politik nur mit Siedlungskolonien zu befassen, wenn auch in gewissen be rechtigten Grenzen auf die andern Formen Bedacht genommen werden muß. Siedlungskolonien, die man auch unter Anlehnung an die ursprüngliche Be deutung als Kolonien schlechthin bezeichnen kann, brauchen nicht in politisier Abhängigkeit vom Mutterlande zu sein; sie haben selbst dann noch den Wer eines völkischen Absatzgebietes und sind zugleich imstande, die Macht des Mutter landes um ein vielfaches zu potenzieren, wenn auch die politische Einheit für beide Teile das bessere ist. So ist die nordamerikanische Union heute noch eine Kolonie Englands, Süd- und Mittelamerika eine allerdings schlecht ausgenützte Kolonie der Romanen, während Indien mit seinen 300 Millionen Einwohnern und noch nicht einer Million Engländern nicht als Kolonie Englands in diesem Sinne bezeichnet werden kann. Südbrasilien ist bis zu gewissem Grade eine Diese Richtung ist übrigens durch verschiedene Ausländer begründet und erheblich gefördert worden. **) Wie bedenklich und mit welcher Selbstverständlichkeit die Nachahmung in diesem Punkte betrieben worden ist, zeigt nichts deutlicher als die Ausführungen Blllows, des bis vor kurzem führenden deutschen Staatsmannes und ausgesprochenen Leiters der auswärtigen Politik in dem Sammelwerke: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II.", die jetzt als Deutsche Politik" in 2. Auflage herausgekommen sind. S- 18 - Kolonie Deutschlands, ja man muß leider sagen, die einzige Überseekolonie Deutschlands im völkischen Sinne. Die Bedingungen dafür, ob ein Landgebiet als Siedelungskolonie gelten kann, sind in erster Linie klimatischer und hygienischer Natur. Im allgemeinen wird man sagen müssen, daß die Tropen für die Europäer nicht in Frage kommen können. Neben der Malaria und verwandten Seuchen, an die auch die kräftigsten Europäer im Gegensatz zu den Eingeborenen nicht an gepaßt sind, kommt die Temperatur in Frage, die so oft ein intensives Arbeiten zur Unmöglichkeit macht. Rassenhygienisch betrachtet sind solche Gebiete ungemein nachteilig, indem zum Teil unsere besten Kräfte in den Tropen ruiniert werden. Von einer Anpassung diesem biologischen Trost der Kolonialpolitik kann niemals die Rede sein. Eine Anpassung der Schweißdrüsen des Europäers in der Richtung, wie wir sie beim Schwarzen finden, dürfte, wenn überhaupt möglich, erst im Laufe von vielen Generationen erreichbar sein, und da ist es fraglich, ob überhaupt eine einzige Familie in derartigen tropischen Verhältnissen sich eine größere Zahl von Generationen hindurch am Leben zu erhalten vermag. Nach den Polen zu dagegen scheint der Besiedelung nur da eine Grenze gezogen zu sein, wo sie dem organischen Leben, zumal dem pflanzlichen Leben, überhaupt gesetzt ist, also nahe dem Polarkreis; ja es erscheint sicher, daß die Völker der kälteren Gegenden in völkischer Beziehung allen andern voraus sind vermöge der strengeren natürlichen Auslesebedingungen, die wiederum einen entscheidenoen Einfluß auf die kulturelle Organisation und ihre Auslesetendenzen besitzen. Das gleiche gilt von den Gebirgen. Man wird vielfach einwenden, daß es auch in den Tropen Gebiete gibt, die sich für Europäer eignen. Dem ist zu erwidern, daß dafür niemals größere Gebiete in Frage kommen, es sind immer nur einzelne Landinseln in höheren Lagen. Ein Gebiet, auf dem im höchsten Falle meinetwegen 100000 200000 Ackerbaufamilien ihr Brot finden können, kann als Siedlungskolonie nicht in Frage kommen, selbst nicht bei den günstigsten, den europäischen völlig ent sprechenden Gesundheits- und Witterungsverhältnissen. Auch das weiter südlich li ende Deutsch-Südwestafrika macht keine Ausnahme, indem dort die Verhältnisse zwar eine größere Fläche, diese aber nur in einer ungeheuer geringen Dichte als besiedelungssähig zulassen. Entscheidend ist eben neben den klimatischen, landwirtschaftlichen und hygienischen Bedingungen das Raummoment. Ohne Ausdehnungsfähigkeit kann weder ein Volk noch eine Siedlungskolonie lebenskräftig bestehen. Eine Bevölkerung ohne genügend Raum ist zum Absterben, zum inneren Verfall und zum politischen Verfall ver urteilt, wie uns auch die Geschichte immer wieder lehren kann. Ganz allgemein versteht man heute unter Kolonien Ländergebiete, die durch das Meer vom Mutterland getrennt sind. Diese Auffassung ist falsch. Es gibt auch Kolonien, die mit dem Mutterland zusammenhängen. Ich will sie als Grenzkolonien von den Überseekolonien unterscheiden. So ist Sibirien eine Grenzkolonie Rußlands, so sind Osterreich, Ostpreußen und die russischen Ostsee provinzen, ja selbst das heutige Ostelbien Grenzkolonien des Deutschtums gewesen. 19 Auch für den modernen deutsch-völkischen Imperialismus möchte ich diesen Grenz kolonien eine wichtige Aufgabe zuweisen. Grenzkolonien unterscheiden sich im allgemeinen nach den natürlichen Verhältnissen nur wenig vom Stammland, oder es ist der Fall denkbar, daß die Übergänge ganz allmählich sind. Grenz kolonien sind auch zugleich Pfropfkolonien. Sie haben nämlich zumeist eine mehr oder weniger rassenverwandte Bevölkerung, sodaß die nie ganz zu ver hindernde Mischung nicht einen Verlust, bisweilen sogar die völkische Stärkung bedeutet. Wo die Bevölkerung weniger verwandt ist, wie z. B. in litauischen Gebieten, wird sie vom herrschenden Volk zurückgedrängt, und es bemächtigt sich dieses allmählich all der Positionen, die für die Erhaltung des Staatswesens von besonderer Bedeutung sind. Ferner ergibt die Grenzkolonie, wenn sie durch eine großzügige Bevölkerungspolitik ausgenützt wird, eine beträchtliche Potenzierung der militärischen Macht, während Überseekolonien zumeist eine militärische Schwächung und Zersplitterung zur Folge haben. Schließlich stärkt ein Grenzland die Lebenskraft der Mutternation dadurch, daß es in ganz anderem Umfange wie die Überseekolonie aller überschüssigen Kraft, allem überschüssigen Leben ein neues Wirkungsbereich und der ganzen Nation große Ziele und Auf gaben auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens, der Kultur und der Heeres organisation verschafft. Die Größe Preußens liegt nicht zum geringsten Teil darin begründet, daß die herrschenden Klassen sich in einem eroberten, volksfremden Lande mit aller Kraft und Lebensenergie entfalten konnten; die Rückwirkungen auf das Mutterland, das alte Deutschland, sind bekannt. Auch die innere Kraft der österreich-ungarischen Monarchie, die wegen der parlamentarischen Konflikte so oft unterschätzt werden konnte, beruht auf der Durchdringung der flavischen Elemente mit einer deutschen Elite. Gegenüber allen diesen Vorteilen der Grenzkolonien kommen die rassen hygienisch bisweilen ungünstigen Wirkungen einer Volksvermischung wenig in Betracht. Es ist nur notwendig, ein Überfluten des Mutterlandes zu verhindern und daneben auch in den Grenzgebieten die Volksvermischung in gewissen Grenzen, d. h. die Bevölkerung bodenständiger zu halten. Eine derartige allmähliche Volksmischung, wie sie ja auch in Brandenburg, Pommern, Schlesien usw. statt gefunden hat, dürfte dann keinerlei Schwächung eines Volkstums, bisweilen sogar durch die Aufnahme lebenskräftigerer und geburtenfreudigerer Elemente eine Stärkung im Gefolge haben. So weise ich denn unser Volk auf denselben Weg, auf dem es schon einmal im Mittelalter zu Größe und Macht gelangt war, auf den Weg nach Osten. Das deutsche Weltreich, das gerade jetzt durch diesen Krieg und den unaus bleiblichen, wenn auch lockerer wie im Bundesstaat gefaßten Zusammenschluß mit Österreich-Ungarn gegründet wird und damit den deutschen Einfluß in Österreich wieder zum herrschenden macht, wird seine größte Aufgabe in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten in der Ausdehnung seiner Vorherrschaft nach dem Osten und Südosten zu erblicken haben. Es wird damit zu einem der Mächtigsten Reiche der Erde. Landwirtschaftlich wird dieses Reich in ganz anderem Maße vom Ausland unabhängig wie das heutige deutsche Reich, und militärisch 2 20 - ist ein Zentralstaat, der sich nach mehreren Fronten zu wehren hat, stärker als alle seine Nachbarn zusammen. Doch es wäre falsch, wenn man davon ausgehen wollte, daß Kolonien immer durch Eroberung gewonnen werden müßten. Sie können auch besiedelt werden auf Grund von Verträgen und auf Grund der Abgrenzung von völkischen Interessensphären unter Ausschluß oder Zurückdrängung fremder Einwanderer elemente. Und es wird neben der Innenkolonisation die wichtigste Aufgabe einer neuorientierten, d. h. völkischen Volkswirtschaftspolitik sein müssen, der friedlichen Besiedelung auf diese Weise größere Landgebiete zu erschließen. Wo diese zu liegen haben, soll hier nicht erörtert werden, es soll nur darauf hinge wiesen werden, daß sie so beschaffen sein müssen, daß die Bevölkerung wirklich auch dem Mutterland erhalten werden kann, und nicht etwa bloß wie in der Union den Sauerteig abgibt, von dem ein fremdes Volkstum groß wird. Natürlich können auf die gleiche Weise auch Grenzkolonien gewonnen, bezw. ihre Interessen sphären vergrößert werden. 4. Kapitel. Das Nationalitätenprinzip, der Pannationalismus und das Rassenprinzip. Eine systematische Politik hätte außer dem wirtschaftlichen und völkischen Imperialismus auch den kulturellen Imperialismus in seinen verschiedenen Formen zu erörtern, so den religiösen Imperialismus (Missionen), so den sprachlichen Imperialismus, wie er z. B. von England und Amerika in China durch Ausbau von Schulen in größtem Maßstab betrieben wird. Man kann auch von einem verfassungspolitischen Imperialismus reden. Er wird z. B. von den Weststaaten in dem jetzigen Kriege mit Nachdruck betont und richtet sich gegen die kon stitutionelle Monarchie im Gegensatz zur parlamentarischen und unter Nicht beachtung der russischen Verfassung. Andererseits ist der Fall vorgekommen und auch heute noch denkbar, daß eine konstitutionelle Richtung der Politik gegen parlamentarische bezw. republikanische Staaten aggressiv vorgeht, um der ewigen Unsicherheit ihrer Politik, die bei zunehmender Demokratisierung und Volks zersetzung zu einer beständigen Gefahr werden kann, ein Ende zu machen. Viel wichtiger als diese Probleme ist für unsere Zeit das Nationalitäten problem. Dasselbe kann zwar gleichfalls imperialistische Formen annehmen, steht aber in der Hauptsache dem Imperialismus als ein Programm der politischen Bescheidenheit gegenüber, ja es bildet bisweilen den stärksten Gegensatz zu einer großzügigen völkischen Politik und wird gerade von den kleineren Volks gemeinschaften, zu denen ich neben Rumänen, Iren, Tschechen, Serben usw. auch die Italiener und Franzosen rechne, am intensivsten vertreten. Auf den ersten Blick ist das Ideal des Nationalstaates ungemein bestechend und muß für ein Menschenmaterial, wie die modernen Demokraten und die aus der politischen Agitation hervorgegangenen Minister parlamentarischer Staaten, das gewohnt ist, in verbalistischen Formeln sich zu verlieren, geradezu als der Weisheit letzter 21 - Schluß angebetet werden. Es hat nur den einen Fehler, daß es mit einem Begriff operiert, der sehr unbestimmt und vielseitig ist. Gewiß ist die nationale Ab geschlossenheit für manche Völkerschaften ein politisch richtiges Ideal, ebenso gewiß aber auch für andere ein falsches und gefährliches, in andern Fällen ein ver schwommenes. Da erhebt sich z. B. die Frage, wie es mit Gebieten zu halten ist, die von einer gemischten Bevölkerung bewohnt sind, wie mit solchen, die aus altbestehender Überlieferung oder aus militärischen Rücksichten auf die Landes grenzen einem nationalfremden Staatswesen angegliedert sind. So könnte Z- B. jetzt die Orientierung der griechischen Politik nach den Forderungen des Nationalitätenprinzips für das Land zu einer Katastrophe führen, die italienischen Ansprüche auf den Hafen Trieft und Umgebung müssen Italien in einen ewigen und politisch unnötigen Gegensatz bringen nicht nur zu Österreich-Ungarn, sondern auch zum deutschen Reich, welche Staaten dagegen nie und nimmer auf den Verzicht auf ein solches Stück Adriaküste sich einlassen können. Es wird bei solchen Tendenzen bisweilen vergessen, daß auch das umgekehrte Prinzip eine gewisse Berechtigung hat, daß nämlich durch die historische und wirtschaftliche Gemeinschaft die Kultur, die Ideale, das Naturell der Nation oder der Teilnation mit gestaltet werden und demgemäß das historisch gegebene nicht selten das intensivere Band darstellt. Auch ist nicht zu übersehen, daß das Land und die Isolierung im Laufe der Jahrhunderte tatsächlich besondere Nationen geschaffen hat, deren Sprach verwandtschaft noch auf die gemeinsame Abstammung hindeutet. Eine besondere Bedeutung gewinnt in diesem Zusammenhang die Sprache, die dann auch bis zu gewissem Grade geistige und sittliche Momente mitbedingt. Die Demokratie, ihre parlamentarischen Führer und ihre Politik halten sich fast nur an die sprachlichen Unterschiede. Welche Schwierigkeiten bestehen aber hier? Fast jedes größere Volk enthält verschiedene Sprachen, so Frankreich, so Deutschland (hochdeutsch und niederdeutsch), so Italien, so Rußland usw. Oft ist es so, daß eine Sprache die herrschende wird, die nur in einem verhältnismäßig kleinen Teil der Volksgemeinschaft zu Hause ist. Selbst wesensfremde Sprachen werden ver drängt, auch entstehen doppelsprachige Gebiete. Es sind dies lauter Momente, die geeignet sind, innerpolitische wie außerpolitische Kämpfe und Unklarheiten zu bewirken. Endlich ist darauf hinzuweisen, daß die Sprache und die Rasse ganz ver schiedene Dinge sind, indem bald das eine, bald das andere ein größeres Gebiet umfaßt; dazu kann noch der besondere Fall der aufgepfropften Sprache hinzu kommen. Gerade in Europa wird heute ein Sprachenfetischismus getrieben, der durchaus nicht in der Verschiedenheit der verschiedensprechenden Völkerschaften begründet ist. So kann man den variablen Begriff der Rassengemeinschaft schon recht eng fassen und doch noch behaupten, daß die süddeutsche und die französische Bevölkerung aufs nächste mit einander verwandt sind. Auch der Unterschied zwischen den einzelnen westslavischen Völkerschaften ist viel zu sehr in der Politik überschätzt worden. Aus der Ferne und vom weltpolitischen Standpunkt aus betrachtet schwinden diese Unterschiede zu geringfügigen Nuancen zusammen. Der Chinese und der Kenner von China wird die Unterschiede zwischen den- 22 - westeuropäischen Kontinentalnationen als viel geringer empfinden als die zwischen Nord- und Südchinese und Mandschu. Der moderne Sprachenkampf, wie wir ihm in Osterreich, aber auch in Rußland, in Belgien usw. begegnen, ist ein Ausdruck des modernen Individualismus und erst in diesem Umfange möglich geworden durch die modernen Parlamente. Man wird ihm gewiß seine Berechtigung zuerkennen müssen, und Verfasser ist der letzte, der diese Tendenzen verkennen würde, allein wir müssen uns auch davor hüten, seine politische, ich meine seine außenpolitische Seite zu überschätzen. Die Herrschaft eines mächtigen Volkes über fremdsprachige Volksteile bedeutet eine allmähliche sprachliche Assimilation der führenden Schichten, die nicht wesentlich verschieden ist von dem Vordringen des Oberdeutschen und der Zurückdrängung des Plattdeutschen auf die unteren Volks elemente. Die Vernichtung einer Rasse ist damit nicht gegeben, weil diese fremd sprachigen Elemente nicht als andere Rassen und lediglich als Lokalrassen, ähnlich wie bei den Haustieren, zu betrachten und in ganz analoger Weise auch innerhalb eines großen Volkes aufzufinden sind. Damit ist dann auch gesagt, daß eine Aufnahme vlämifcher und wallonischer, auf der anderen Seite von slawischen Volkselementen kein Verbrechen an der deutschen Rasse und Nation ist, wie die Rassenromantiker und die demokratische Betrachtung es sich aus malen mögen. Es ist weiter nichts wie die Ausdehnung der herrschenden Sprache und Kultur in den oberen Kreisen der Grenzkolonien, von wo aus dann der Assimilationsprozeß im Laufe der Jahrhunderte in die Tiefe geht, nicht aber indem er die fremde Sprache verdrängt, sondern als Lokalsprache neben der herrschenden genau so bestehen läßt, wie in den deutschen Landschaften den Dialekt neben der Schul- und Schriftsprache. Eine Verdrängung dieser Dialekte" aus der Schrift und Schule ist aber keinesfalls notwendig. Je größer die Volksgemeinschaften werden, je mannigfaltiger die Dialekte und Kulturgemein schaften der einzelnen Landschaften sich von einander abheben, umso mehr müssen wir uns einem Zustand der Doppelsprachigkeit nähern, der für die Kultur und Gesittung nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Grundbedingung für eine gedeihliche Entwicklung ist nur, daß die Stammesmischung durch Erziehung zur Bodenständigkeit in gewissen Grenzen gehalten wird. Die innerparlamen tarischen Schwierigkeiten sind so groß nicht, wenn man nur die einzelnen Land schaften und Sprachengemeinschaften nicht durch die Majorifierung und die staatliche Reglementierung und Uniformierung der modernen, allzu zentralistischen Staatsmaschinerien unterdrückt, sondern, wenn man wie ich dies an anderer Stelle vorgeschlagen habe, diesen Volksteilen und Landschaften eine gewisse, namentlich auch in kulturellen Fragen zuständige Selbstverwaltung in ähnlicher Weise zuerkennt, wie sie heute innerhalb des deutschen Reiches den einzelnen Bundesstaaten zukommt. Aufs innigste mit dem Nationalitätenprinzip zusammen hängt der Pannationalismus, wie wir ihn im Panslavismus, im Pangermanismus, im Panmongolismus vor uns sehen. Wie im Nationalitätenprinzip, so sind auch hier Verschwommenheiten und Unklarheiten Tür und Tor ge öffnet. Auch wird er in ähnlicher Weise oft rein formell-verbalistisch betont, - 23 - andererseits enthält der Pannationalismus auch ein gut Stück völkischen und wirtschaftlichen Imperialismus, ja er kann dazu verwendet werden, solche Ten denzen zu verbrämen. Der Panslavismus, der uns den Weltkrieg beschert oder ihn wenigstens mitverschuldet hat, war ein Lustgebäude, ähnlich wie es die russische Politik auch auf anderen Gebieten errichtet hat: ein ideenhastes Hinweg setzen über die realen Faktoren der Kultur, der Geschichte, der Religion, der Volkswirtschaft, ein Verkennen der großen völkischen Verschiedenheiten zwischen den Westslaven und Ostslaven, ein Verkennen der Balkanverhältnisse und erst recht der Völkermischung in der Donaumonarchie. Von einzelnen propagiert, wurde er von derrussischenPolitik wohl mehr aus militärischenGründen(Dardanellen- srage) aufgegriffen. Der Weltkrieg dürfte diesem Durcheinander von politischen Ideen wohl für immer ein Ende gemacht haben, während der wirtschaftlich und völkisch stark durchsetzte Panmongolismus die Macht Rußlands in Asien dereinst einmal weit zurückdrängen dürfte. Anders liegen die Verhältnisse mit dem Pangermanismus. Auch hier hatten wir ein utopisches Monstrum, an das leider auch unsere offizielle Po litik zum Teil geglaubt hat: die Interessengemeinschaft aller Germanen einschließlich Englands und Nordamerikas. Es war derselbe Irrtum, auf den oben bei Erörterung des Nationalismus hingewiesen worden ist; man übersah, daß die Nationen nicht nur durch die Abstammung, sondern auch durch das Land ge schaffen werden. Es gibt aber einen engeren Pangermanismus und dieser hat in gewissen Grenzen seine Berechtigung. Nachdem durch den Weltkrieg nun Österreich und das Deutsche Reich zu einem größeren Deutschland für alle Zeiten zusammengeschmiedet sind und wohl auch die in der Oberschicht ausschließlich deutschen russischen Ostseeprovinzen angegliedert werden dürften, bietet das neue Weltreich jetzt erst recht die Bedingungen, die eine gegenseitige Annäherung der Großdeutschen und der kleinen germanischen Nachbarländer, der Schweiz, Hollands, und der skandinavischen Länder allmählich in die Wege leiten müssen, zumal hier die Stammes- und Sprachenverwandschaft, ja selbst die Kulturgemeinschaft recht eng zu nennen ist. Einer Landkartenpolitik soll damit keineswegs das Wort geredet werden. Die politische Selbständigkeit dieser Staaten, die bald 20 Millionen deutscher Brüder umfassen, braucht damit nicht im geringsten angetastet zu werden, die innigere Anlehnung an ein Großdeutschland ist von selbst ja gegeben. Da das Verhältnis zwischen Osterreich und dem Deutschen Reich wohl nicht über den Rahmen eines Staatenbundes hinausgehen wird, so könnte vielleicht auch in ferner Zeit einmal das gegenseitige Bedürfnis Be friedigung finden, in einem germanischen Staatenbund alle diese kleineren Staaten mit Großdeutschland zu vereinigen. Notwendig ist aber diese Entwicklung nicht; sie ist sogar für Holland mit seinen militärisch exponierten Plantagenkolonien nicht unbedenklich. Was wir in beiderseitigem Interesse erstreben müssen, ist einmal eine gemeinsame Vertretung unserer volkswirtschaftlichen Interessen, womit aber keineswegs ein gänzliches Fallen der Zollschranken gegeben sein muß und darf. Sodann kommt es an auf eine militärische Verständigung derart, wie sie jetzt schon zum Teil verwirklicht ist, daß nämlich diese kleinen Staatenihre Rüstungen für alle Fälle bereit halten, die Einfalltore und Meerengen stark befestigen und Grenzbefestigungen anlegen, um eine wirksame bewaffnete Neutralität aufrecht erhalten zu können. Unser militärisches Interesse ist durchaus nicht auf eine militärische Einheit gerichtet, wir sind ebensogut und besser daran, wenn diese kleinen Staaten als ein bewaffnet-neutraler Gürtel unsere Grenzflächen verringern helfen. So ist die Schweiz auch für uns eine große Naturfestung; durch Holland und Dänemark wird unsere Seegrenze wesentlich verringert; Norwegen-Schweden (womöglich dereinst mit Einschluß Finnlands) bildet einen natürlichen Wall im Norden, um das Slaventum vom Westen abzuhalten und die nördliche Meerespforte zu verschließen. Damit wäre das Germanentum in Mitteleuropa vom Nordmeer bis zum Mittelmeer kulturell, wirtschaftlich und militärisch zusammengefügt, ohne daß dem echt germanischen Geist der Separation Abbruch getan zu werden brauchte. In ähnlicher Weise werden sich auf dem Balkan die Interessen entgegen kommen. Das völkisch isolierte Rumänien wird nur durch Aufnahme in den großdeutschen Staatenbund sich behaupten und nach der einen oder andern Richtung rein rumänische Gebiete angliedern können. Zugleich ist auch der An schluß des Balkanzentrums, Bulgarien, das natürlich gegebene und so deutscher Energie und Kultur der Weg nach Südosten geöffnet bis in die asiatische Türkei, natürlich unter Wahrung der nationalen und politischen Selbständigkeit dieser Staaten innerhalb des großen Staatenbundes. Die südliche Meerespforte gegen Rußland bliebe dann in unfern Händen. Wir hätten also eine zentraleuropäische Wirtschafts- und Militärgemeinschaft unter deutscher Führung, deren militärische Macht schon in der Geschlossenheit der Landmassen begründet liegt und die im Gegensatz zu England auch imstande ist, sich einen tropischen Kolonialbesitz in Nordostafrika auf dem Landwege d. h. ohne große maritime Entfernungen anzugliedern.*) Schließlich müssen wir hier noch auf die Notwendigkeit hinweisen, daß gleich uns unsere germanischen Nachbarstaaten germanisch-völkische Einwanderer und Auswandererpolitik betreiben, womit dann natürlich das kulturelle Band mit Großdeutschland noch enger befestigt würde. Eine solche Politik einer gegenseitigen völkischen Annäherung zwischen den germanischen Neutralstaaten und Großdeutschland liegt im Lebensinteresse beider Teile, indem der völkische und weltpolitische Rückhalt der Deutschen verstärkt und zugleich auch die völ kische und damit die kulturelle und politische Zersetzung dieser Kleinstaaten, die bei dem einen und andern schon in beträchtlichem Umfange eingesetzt hat, mit Erfolg bekämpft werden kann. Einzugehen ist noch auf das wirkliche Rassenmoment in der Politik. Nicht soll hier die Rede sein von rassenhygienischen Bestrebungen, die in anderem Zu sammenhang behandelt worden sind. Abgesehen von diesen und abgesehen von dem politisch-sprachlichen Pseudobegriff hat das Wort Rasse im rein biologischen *) Diese vor dem Krieg geschriebenen Worte mögen in ihrer ursprünglichen Form stehen bleiben. Die Verhältnisse werden auch durch die feindliche Stellungnahme Rumäniens nicht wesentlich umgestaltet, wohl aber vereinfacht werden können. W Sinne zwei Hauptbedeutungen, indem es entweder die Unterschiede der großen anthropologisch nachweisbaren Menschenrassen betont, oder indem es sich bezieht auf die größeren und kleineren Unterrassen innerhalb dieser großen Gruppen. Zunächst soll von den letzteren die Rede sein; sie decken sich weder mit den Nationen noch mit den Sprachen, sie zeigen auch innerhalb einer Bevölkerung keine einheitliche Struktur, indem sie bald einen Mischtypus darstellen, bald in einzelne Lokaltypen gespalten sind. Wie die Haustierrassen soweit nicht Züchtungsprodukte der Neuzeit vorlügen im Laufe der Jahrtausende und Jahrhunderte für die einzelnen Länder und Landschaften besonderen Typus an genommen haben, so schafft sich auch vermöge der Isolierung jedes Land und jede abgeschlossene Landschaft allmählich einen Rassentypus, selbst bei noch historisch nachweisbarer gemeinsamer Abstammung. Die dadurch innerhalb einer Nation möglichen Rassenunterschiede sind oft nicht kleiner als die Unterschiede zwischen den nationalen Typen selbst. Bedenkt man noch, daß die Sprache und die mit ihr gegebenen Kulturinhalte nicht Rassenmerkmale sind, so erscheint jede speziell rassenmäßig orientierte Politik zwischen naheverwandten Rassen und Nationen nur in engen, den jeweiligen Umständen Rechnung tragenden Grenzen berechtigt. Im besonderen wird sie sich zu richten haben nach dem Grad der Differenzierung und z. B. Semiten und Arabern gegenüber ganz andere Bedeutung besitzen als gegenüber Franzosen oder Slaven. Eine graduelle Abschätzung dieser Unterschiede für die Maßnahmen der Politik erscheint dann überflüssig, wenn man im eigenen Lande rassenhygienische Maßnahmen und rassenhygienische Sitten und Gesinnung genügend betont und zugleich die Wirtschaftspolitik mit den Nachbarstaaten in der Richtung größerer Bodenständigkeit in Angriff nimmt. Die entfernteren Lokal rassen sind dann eben zugleich auch die mehr differenzierten, welche Tatsache auch durch die Landesgrenzen in der Hauptsache nicht umgestoßen wird. Die nahe Rassenverwandtschaft der Nachbarnationen ist nun auch ein Haupt grund dafür, daß wir eine Rassenpolitik im Sinne rassenromantischer Schwärmer ablehnen müssen, die über dem Begriff einer größeren Rassengemeinschaft wie der deutschen die inneren Unterschiede ebenso übersehen, wie die rassischen Be ziehungen zu den Nachbarvölkern. Die Einheit, die gegebene Größe, mit der unsere Politik und auch eine völkisch orientierte Politik zu rechnen hat, ist nicht die deutsche Rasse, sondern die deutsche Nation, d. i. ein historisches Produkt, das zwar auf rassischen, das aber auch auf historischen, kulturellen und sprachlichen, sowie geographischen Momenten sich aufgebaut hat. An dieser Tatsache müssen alle Ideale eines rassedeutschen Weltherrschafts-Chauvinismus ebenso zum Scheitern kommen, wie alle jene Tendenzen, die aus rassischen Gründen, zum Teil auch verbunden mit parlamentarischen Gründen, der deutschen Nation die völkische Ausdehnung an den Grenzen nach Westen und Osten untersagen wollen. Dieser parlamentarische Grund nationaler Begnügsamkeit ist Angstmeierei, Unterbindung des Lebensprinzips jedes gesunden Volkes, und zugleich ein die biologischen und historischen Tatsachen verkennender schulmeisterlicherDoktrinarismus; die Tendenzen eines deutschen Chauvinismus dagegen bedeuten ein utopisches Hinwegsetzen über alle realen und natürlichen Bedingungen, ein Schwimmen in uferlosen 2tt Ideen, die aber darum so gefährlich sind, weil unser Zeitalter, vielleicht unter Mitwirkung einer verbalistisch-wirklichkeitsfernen Schulbildung, so sehr zu solchen Überspanntheiten geneigt ist. Wieder eine andere Bedeutung hat die Rassenpolitik, die auf eine Interessen gemeinschaft der weißen Rasse abzielt und praktischen Wert heute nur besitzt im Gegensatz zur mongolischen Rasse. Die entscheidende Frage ist hier die, ob die Idee einer europäischen Staaten solidarität in den Tatsachen ihre Berechtigung findet oder ob sie lediglich als das Produkt von Theorie und Verbrämung andersartiger Interessen in der Luft schwebt. Man wird angesichts der heutigen politischen Verhältnisse das letztere annehmen müssen. Man wird auch die kulturellen Gefahren solange außer Betracht lassen können, als unsere europäisch-christliche Kultur nicht inner halb ihres eigenen Gebietes in Gefahr ist. Lediglich der ins Extrem fortgeführten Idee der Einheit der Kultur halber ein Auskommen der Asiaten unterbinden zu wollen, erscheint vom geschichtsphilofophifchen Standpunkt aus unzweckmäßig, und ein Dualismus der Kultursphären auf der Erdoberfläche für die Menschheits entwicklung ungeheuer wertvoll. Zudem scheitert das Ideal einer Weltherrschaft der Europäer an den Tatsachen der Biologie und des Völkerlebens: Die Herr schaft über die Erde kann weder durch eine Rasse noch durch eine Nation aus schließlich errungen werden. Die Harmonie der Welt kann sich lediglich aufbauen auf einer Staaten-und Nationengemeinschaft; selbst dann, wenn der hypo thetische Fall etwa Wirklichkeit geworden wäre, daß alle Bewohner der Erde von einem Volke ihre Abstammung herleiten könnten, würde die nationale und biologische Differenzierung die alten Verhältnisse bald wiederherstellen. Einem Volk aber, wie dem deutschen, das so leicht dazu neigt, für Ideale ins Feuer zu gehen, kann in dieser Frage nicht genug eingeschärft werden, wie leicht es einer interessierten Nation möglich ist, wirtschaftsimperialistische Interessen und deren Sicherstellung durch das Ideal der weißen Rasse und der christlichen Kultur zu verbrämen. XX) 5. Kapital. Die militärischen Rücksichten und das Moment der volkswirtschaftlichen Abrnndnng. Wie einen völkischen, wirtschaftlichen und kulturellen, so gibt es auch einen militärischen Imperialismus. Er hat in der Geschichte eine große Rolle XX Es ist überhaupt für einen Philosophen eine dankenswerte Arbeit, das viel gestaltige Problem der Verbrämung einer Erörterung zu unterziehen. Ist diese Neigung schon allgemein in der Natur des Menschen begründet, so wird heute bewußt oder aus Nachahmung nicht mehr wie alles verbrämt. Diese Verbiillung des Reinwirklichen in Kunst und Rede, in Romantik und Sovbistik, in Ideen und Weltanschauungen zerlegt geradezu das Leben und auch das der Völker in zwei Welten, in denen Raum und Zeit oder das Wort in Rede und Druck und Gedanken die Kategorieen sind Wir erleben gerade jetzt die Tragödie, wie die Völker des Westens, einschließlich der Führer, von dieser Scheinwelt in ihren huv^otischen Bann gezwungen sind, unter Nachhilfe allerdings der leitenden Personen. Aber auch für diese Zehnverbandsarbeit ein nichtsnützliches System ungeheuerlichen Rechtsmißbrauchs für ibre nicht ihrer Aufgabe gewachsenen Vollstrecker und ihre Hintermänner wird es ein tragisches Erwachen geben voll Beschämung und Verantwortung, nachdem in Überspannung eines zu billigenden Prinzips solchen Völkern das heiligste, ihr Volksbewußtsein, entstellt, die besten Elemente von der Ver tretung ihrer Meinung abgeschreckt und die eigenen Führer und Parlamente durch die Rückwirkung solcher Methode geblendet worden sind. Auch für diese Verbrämung wird d-r Weltkrieg eine Götterdämmerung bedeuten und die Völker werden sich auch hier Garantieen schaffen müssen, sowohl für den Fall eines Kriege , als auch für den Frieden selbst. 27 gespielt, tritt aber in unserer Zeit gegenüber den wirtschaftlichen Interessen völlig zurück. Dies ist auch das natürliche, der Militarismus darf nie Selbstzweck sein. Aber jede Expansionspolitik muß auch zugleich die militärischen Möglich keiten berücksichtigen und kann dadurch in manchen Punkten stark beeinflußt sein. Dahin gehört die Erwerbung natürlicher, besser gesagt strategischer Grenzen, die Erwerbung von Flottenstützpunkten, die Erwerbung oder Festhaltung von Meerengen und vorgelegten Inseln, gegebenenfalls sogar im schärfsten Gegensatz zum Nationalitätenprinzip. Es sind das Probleme, die natürlich ganz entsprechend für Überseekolonien ihre Gültigkeit besitzen. Für uns Deutsche wird wegen unserer eingekeilten Lage der Kriegsfall nach zwei Fronten von besonderer Wichtigkeit. Es bedeutet nämlich die zentrale Lage bei der modernen Militär- und Ver kehrstechnik eine Quelle potenzierter Kraft und politischer Macht. Auch dieses Moment muß uns auf die Erwerbung von Grenzkolonien und auf die Angliederung eines Gürtels von Staaten, die mit uns in Militärgemeinschaft stehen, hinweisen. Eine kompakte Landmacht von der Ostsee bis zum Mittelmeer und in etwas loserem Zusammenschluß vom Nordkap bis zum roten Meer bedeutet wohl die stärkste militärische Machtstellung der Welt. Es wird dann nur die Konsequenz dieses Systems sein, auch die unentbehrlichen tropischen Kolonien diesem Land komplex anzugliedern durch Erwerbung eines großen nordostafrikanischen Kolonial reiches. Damit habe ich schon die Forderung der volkswirtschaftlichen Abrundung gestreift, die seither am nachhaltigsten durch den englischen Imperialismus im engeren Sinne dieses Wortes vertreten worden ist. Die volkswirtschaftliche Ab rundung, die nebenbei auch mit dem Moment der nationalen Abrundung (Nationali- täienprinzip) verknüpft sein kann, hat mit dem Wirtschaftsimperialismus die Expanfionstcndenz gemein, unterscheidet sich aber von diesem wesentlich durch die Begrenztheit und Bestimmtheit der Ziele. Es handelt sich nicht um jene uferlosen Bestrebungen zur Verwertbarkeit von Kapital, Industrie und Handel, die Grundlage bildet vielmehr die Einbeziehung jener volkswirtschaftlich besonders notwendigen Ergänzungen in das Bereich des Staates oder wenigstens des staatlichen Schutzes, die von den Faktoren Boden, Natur und Klima in erster Linie bestimmt sind. So kommen namentlich in Betracht die landwirt schaftlichen Produkte des wärmeren und des tropischen Klimas wie die sogenannten Kolonialwaren, pflanzliche Gespinnstprodukte, Kautschuk, Fleisch und Wolle, Öl- und eiweißhaltige Früchte für menschliche und tierische Ernährung; nicht minder wichtig werden unter Umständen eine Reihe der unentbehrlichen Bodenschätze wie Kohle, Eisen-, Blei-, Kupfererze u. dgl.; auch der Besitz der Gebirge ist neben militärischen und völkischen (rassenhygienischen) Gründen hier anzuführen wegen der für die elektrische Kraft heute so wichtigen Wasserkräfte; endlich können Häfen, Küstenstriche und Flußmündungen in Betracht kommen. Eine völlige Unabhängigkeit eines Staates oder Staatenbundes in dieser Richtung würde die Überspannung eines an sich gesunden Prinzipes bedeuten und in der Politik zu den schlimmsten Konsequenzen führen müssen. Es kann sich darum nur um einige besonders wichtige Produkte handeln und auch um diese nur in gewissen 28 Grenzen und unter gleichzeitiger Berücksichtigung aller anderen die Politik be stimmenden Momente. Jedes Land dürfte ja ihm eigentümliche Produkte, oder, wo das nicht der Fall sein sollte, ihm eigentümliche Gewerbe und Fertigkeiten seiner Bevölkerung besitzen, um einen Tausch auf dem Weltmarkt vornehmen zu können. Dieser Tausch findet aber eine Grenze seiner Unschädlichkeit an zwei Punkten. Zunächst ist daran festzuhalten, daß die Preise und Bedingungen, die von einer fremden Volkswirtschaft diktiert werden können, oft mit der Höhe der Lebenshaltung der Landwirte und Arbeiter in der heimischen Volkswirtschaft in Gegensatz treten können. Je größer nun diese Einfuhr ist, umso abhängiger wird die Volkswirtschaft bei der Herstellung ihres Gleichgewichts und ihrer Wertskala von einer wesentlich anderen Volkswirtschaft und ihrer spezifischen Kultur, während ein geringer Bruchteil solcher Einfuhr einen solchen Einfluß nicht gewinnen kann. Das Ideal des justum pretium", so wie es von mir in meinem größeren Werke auseinandergesetzt worden ist, d. h. die für eine bestimmte Zeit mögliche Harmonie der meisten wirtschaftlichen Interessen, Löhne, Preise u. dgl. mit nur allmählichen Veränderungen, ist nicht verwirklichbar unter dem Zeichen des Wirtschaftsimperialismus, aber auch nicht unter dem Zeichen einer über wiegenden volkswirtschaftlichen Abhängigkeit, und dies nicht uur wegen der Differenz der Volkswirtschaften und ihrer Lebenshaltung, sondern auch wegen der Ausschließung der Möglichkeit einer planmäßigen Produktions- und Betriebs regelung, wie sie wenigstens in den Grundzügen innerhalb eines einheitlichen Staatengebildes oder Staatenbundes erreichbar ist. Sodann ist von Bedeutung und zwar von entscheidender Bedeutung die Rücksicht auf die militärische Lage, bezogen auf Land- und Seeverhältnisse zu gleich. Der volkswirtschaftliche Staatsbegriff var noch bei Adam Smith viel inhaltsreicher: er behandelte einen wirklichen Staat, den englischen, und berück sichtigte auch die militärischen Verhältnisse, so z. B. bei seiner Stellungnahme gegenüber den Kolonien und Kriegen. In dem Maße, als die Volkswirtschafts lehre sich von einer philosophischen, d. h. hier alle Verhältnisse ins Auge fassenden Betrachtung abwandte und einem begriffsarmen Spezialistentum zuwandte, wurde der volkswirtschaftliche Staatsbegriff immer inhaltsärmer. Welches Unglück lag nun darin begründet, daß die Spezialisten und ähnlich die Sozialisten von dem Staate schlechthin handelten, welche verhängnisvollen Wirkungen sind endlich in dem Umstände zu suchen, daß die Spezialisten einen volkswirtschaftlichen Staat behandelten und den jungen Staatsmännern lehrten, der über allen kriegerischen Verwicklungen erhaben war! Wohl kam die Zeit der Wiederbesinnung auf den realen Staat, allein nicht durch, sondern gegen die volkswirtschaftliche Wissenschaft, die auch heute, wo wir durch die englische Kontinentalsperre diese wissenschaftliche Verirrung sinnfällig wahrnehmen müssen, noch nicht zur Umkehr gekommen ist und natürlich auch, wie das in einem begrifflichen System eben ist, zum Um gruppieren einiger Zeit bedarf. Das Ideal des geschlossenen Handelsstaates Fichtes wird heute wieder lebendig, allein wir werden es dahin umgestalten müssen (wie auch von Fichte in seinen späteren Schriften), daß die wirtschaftliche Abgeschlossenheit 29 sich auf die notwendigsten Bedürfnisse erstreckt und eine völlige Abschließung nur in solchen Dingen angestrebt wird, deren Einführung aus dem Ausland volks wirtschaftlich oder militärisch bedenklich erscheint. Aus diesen Erwägungen ergibt sich dann einmal die Forderung, den wich tigsten Teil unseres Kolonialgebietes in einer kompakten Landmasse mit Groß deutschland und seinen in einem Staatenbund vereinigten Nachbarstaaten zu ver einigen, zugleich aber auch die zweite Forderung, dieses gesamte Landgebiet durch ein einheitliches großzügiges landwirtschaftliches Betriebssystem zu umspannen. Da aber der militärische Schwerpunkt dieses Staatengebildes im Norden, d. h. in Zentraleuropa liegt, so wird es auch darauf ankommen müssen, die Ernährungs frage für Zentraleuropa nochmals getrennt zu regeln. Man wird neben der Aufstapelung von landwirtschaftlichen und von mineralischen Vorräten Groß deutschland selbst so abrunden müssen, daß es die wichtigsten Produkte, wie Kartoffeln, Getreide, Hülsenfrüchte, Ölfrüchte und Fleisch selbst erzeugen kann. (Ausdehnung nach Osten.) Gerade auf die Hülsenfrüchte und Ölfrüchte wird die deutsche Landwirtschaft ihr Augenmerk besonders richten müssen und durch die Methoden der Sortenzüchtung in die Höhe bringen und vom Klima unabhängiger machen müssen, da sie den der heimischen Volkswirtschaft fehlenden Eiweißbedarf und Fettbedarf zum guten Teil ersetzen können. In ähnlicher Weise wird es dann auch nötig sein, die wichtigsten Mineralschätze, die wir zur Abrundung unserer Volkswirtschaft brauchen, in Besitz zu bekommen. (Französisch-Lothringen und Belgien.) In diesem Zusammenhang wäre in einer systematischen Politik die volks wirtschaftliche und politische Bewertung großer und kleiner Einfuhr- und Ausfuhr ziffern im einzelnen zu erörtern, sowohl im ganzen als auch für die einzelnen wichtigen Produktengruppen. Eine Meinung ist darum noch lange nicht richtig, weil sie von allen geteilt wird; so ist auch die Auffassung von der günstigen Bedeutung hoher Einfuhr- und Ausfuhrzahlen falsch oder nur unter Ein schränkungen richtig. Der Handel hat natürlich stets das größte Interesse an großem Umsatz, sein Verdienst ist diesem proportional, und irgend eine Rücksicht auf die heimische Erzeugung ist dem Handel fremd. Diese Auffassung ist nun aber wegen der nahen Beziehungen zwischen Volkswirtschaft und Handel auch auf die erstere übergegangen. Es ist die einseitige Bewertung der Volkswirtschaft nach den materiellen Handelsinteressen, die auch hier wieder zum Ausdruck kommt. Nun lehrt aber die Statistik, daß gerade die kleineren Staaten einen verhältnis mäßig höheren Grenzumsatz haben. Auch die Zahlenverhältnisse der einzelnen Produkte innerhalb des Handels von Industriestaaten lehren, daß große Zahlen unter Umständen der Ausdruck der volkswirtschaftlichen, ja der militärischen Schwäche sind. Sicher ist natürlich Handel in Ein- und Ausfuhr in gewissem Umfang notwendig, wenn er aber an Industrieprodukten oder an landwirtschaftlichen Produkten oder Rohprodukten über ein gewisses Maß hinausgreift, dann muß das für eine gesunde Realpolitik die Aufforderung bedeuten, diese Zahlen zu verringern. So ist unser Zuckerexport ein Zeichen der Schwäche, nicht minder 30 die gewaltige Einfuhr an Eiweiß- und Ölprodukten. Wir müssen also unter Abkehr von unserem seitherigen System die Abrundung zu einem volkswirtschaft lichen Interessengebiet mit Hochdruck betreiben. Wir sind militärisch wie wirt schaftlich umso mächtiger, je geringer die Ein- und Ausfuhrkonten der angeführten Produkte erscheinen. Durch Schaffung eines Imperiums der geschilderten Art kommen wir natürlich mit andern Volkswirtschaften in Konflikt. Dieser Konflikt kann zweierlei Art sein. Es kann sich um kleinere Staaten und Nationen handeln, zu denen auch Italien und Frankreich zu zählen sind. Oder es handelt sich um große Volkswirtschaften, die ich als Weltreichswirtschaften bezeichnen möchte, und die von einem mächtigen volkreichen Zentralvolk getragen werden. Gegenüber den letzteren kann es nur eine Politik geben: die der Anerkennung ihrer berechtigten Interessen bezw, die des Abschlusses von Kompromissen. So wird man z. B. Ruß land über Persien den Weg zum Meer offen lassen müssen, wenn man ihn im Westen verschlossen hält, und der nordamerikanischen Union wird man zu ihrer Abrundung Mexiko und Mittelamerika zugestehen können. Auch bei den kleineren Staaten ist eine gewisse volkswirtschaftliche Abrundung eine Notwendigkeit. Allein sie ist in demselben Umfang wie für ein Weltreich schon geographisch und erst recht politisch eine Unmöglichkeit. Ihre volkswirtschaftliche Konsolidierung werden sie nur in einer teilweisen Abgeschlossenheit finden können und im übrigen sich volks wirtschaftlich in ihrem ureigensten Interesse an das benachbarte Imperium an gliedern müssen. Bis zu welchem Grade das zu geschehen hat, ist von den jeweiligen Verhältnissen beider Länder abhängig. Für Frankreich im besonderen liegt die Sache so, daß dasselbe volkswirtschaftlich vollkommen von uns abhängig wird, wenn wir einen ganz schmalen Streifen seiner Ost- und Nordostgrenze in Besitz nehmen, in dem die wichtigsten Bodenprodukte des Landes zu finden sind. Da dies zugleich auch wegen der Kohlen- und Eisenlager eine militärische Ab hängigkeit bedeutet, so würde damit das Land seiner Großmachtstellung zwar beraubt werden, aber desto sicherer sich unter dem Schutze eines mächtigen Nachbar volkes entfalten können. In eine gewisse, wenn auch viel geringere Abhängigkeit würde bei einem glücklichen Frieden auch Rußland kommen müssen, wenn auch hier die Berücksichtigung der realen Lage in Bezug auf eine Beschränkung der hier mehr hypothetisch gedachten Forderungen nicht genug betont werden kann. Seine Bodenschätze liegen zum guten Teil im Westen und Südwesten. Würde nun Rußland diese Gebiete (Polen, Ostseeprovinzen, Ruthenengebiet) verlieren, dann wäre es in der Beschaffung seiner Bodenschätze zum großen Teil auf den weiten Osten angewiesen; das bedeutete aber volkswirtschaftlich wie militärisch eine bedenkliche Schwächung. Sie würde vollendet, wenn die Mongolen sich in den Besitz von Ostsibirien setzen würden. Da nun auch zugleich die intelligente Bevölkerung und die überwiegende Masse an Naturalkapital im Westen liegt, da Rußland bis zu gewissem Grade in seiner Macht von diesen an sich nicht russischen Provinzen lebt, so müßte dann auch Rußland in ein wenn auch loses Abhängigkeitsverhältnis zu Zentraleuropa kommen. Rußland würde dann ein zwar immer noch mächtiger, aber auf unfern Rückhalt angewiesener Pufferstaat 81 gegen die Asiaten, dem wir sehr wohl den Zugang zum persischen Meer und die Nachbarschaft Indiens zuerkennen könnten. Verkehrt wäre es, wenn man eine größere Wirtschaftseinheit als eine Zolleinheit aufbauen wollte. An anderer Stelle habe ich erörtert, wie selbst im Innern eines einzelnen Staates eine teilweise wirtschaftliche Abgeschlossenheit der Bezirke und Landschaften volkswirtschaftliche Vorteile bietet und diese, soweit wirtschaftliche Provinzen in ihrer teilweisen Abgeschlossenheit bestehen, erhalten werden müssen. Eine Verwischung dieser Unterschiede bedeutet nur eine weitere Zerstörung des inneren wirtschaftlichen und kulturellen Gefüges in der Richtung zum Großkapitalismus. Dieser muß um so kräftiger werden, je größer die volks wirtschaftlichen Einheiten werden. Die von mir im Gegensatz zu diesen Tendenzen geforderten Maßnahmen sind darum auch auf einen Staatenbund, ja selbst auf die jetzt werdende größere Wirtschaftsgemeinschaft zu übertragen, indem jede größere Provinz und vor allem jedes einzelne Staatswesen ein Wirtschaftsgebiet darstellt, das nach außen hin teilweise abgeschlossen ist, in den Teilen nämlich, wo ^wirt schaftlich auf sich selbst gestellt ist; ein im Laufe der Jahrzehnte zwar sich verändern der, aber doch immer mehr einer Harmonie sich nähernder Zustand. Inwieweit in einem größeren Deutschland dies durch direkte Sperrungen oder durch Zonentarife und verwandte verkehrspolitische Maßnahmen erreicht werden kann, läßt sich hier nicht behandeln und verschieden beantworten. Gegenüber den angegliederten Staaten erscheint ein Zolltarif in Verbindung mit gestaffelten Frachttarifen genau so notwendig wie heute, nur mit dem Unterschied, daß solche Maßnahmen aus der einheitlichen Betriebsorganisation des ganzen Wirtschaftsbereiches und ohne die von den modernen Handelsverträgen ausgehenden Schwankungen sich von selbst ergeben, und daß dem Ausland gegenüber (also den Gebieten außerhalb des Wirtschaftsimperiums gegenüber) eine wirtschaftliche Jnteressensolidarität für alle Zeiten durch ein Hochschutzzollsystem mit entsprechenden Handelsverträgen ge währleistet werden kann. Eine derartige Entwicklung, die sich entsprechend in den übrigen politisch oder wirtschaftlich abgegrenzten Teilen der Erde verbreiten dürfte, würde dann auch die Bestrebungen eines kapitalistischen Expansions imperialismus und die daraus entspringenden politischen Reibungen in Schranken halten, sie würde den Verwertungsprozeß des Kapitals und der Volkskrast außer halb des fraglichen Gebietes nur in dem Maße gestatten können, als er den natür lichen harmonischen Bedingungen der in Verkehr tretenden Volkswirtschaften ent spricht. Das aber müßte für die kommenden Jahrhunderte ebenso eine Periode der friedlichen Entfaltung bedeuten, wie sie im 19. Jahrhundert eine Zeitlang der Freihandelspolitik zu verdanken gewesen ist. Ob freilich bei den zu erwartenden Verschiebungen solcher Weltwirtschaftsgebiete durch neu hinzukommende oder dem inneren Verfall oder der Zerstörung preisgegebene politische und wirtschaftliche Gebilde der Krieg und Streit auf die Dauer wird ausgeschlossen werden können, ist eine andere Frage. Ist doch gerade das englische Imperium auf derart schwache Füße gestellt, politisch, wirtschaftlich, völkisch und militärisch, daß im Laufe der nächsten Generationen mit seinem Zusammenbruch sicherlich gerechnet werden kann. Niemand weiß das besser wie die englischen Machthaber selbst, 32 wie dies die Geschichte der Schaffung einer Zentralregierung für Greater-Britain jedem Kundigen offenbaren muß. 6. Kapitel. Das politische Gleichgewicht, die Bündnisse und der politische Ipsismns. Bei den seitherigen Erörterungen war immer von der natürlichen Tendenz der Ausdehnung eines Staates und seines Wachstums an Land, Volk und Kapital die Rede. Für Staaten und Völker des Niedergangs oder des ungesunden Wachstums kann es natürlich auch eine dieser entgegengesetzte Politik der Be schränkung geben, aber auch hier nur im Interesse einer Machtkonzentration. Wir Deutsche können diese Fälle auf sich beruhen lassen. Dagegen ist es not wendig, nun auch das Bestehen anderer Staaten mit gleichen oder ähnlichen Interessen des inneren und äußeren Wachstums in den Bereich der Betrachtung zu ziehen. Denn eine wissenschaftliche Politik zu deren Begründung hier Anhaltspunkte gegeben werden sollen darf nicht in den Fehler der Volks wirtschaftslehre verfallen, von dem Staate schlechthin zu reden. Auf den ersten Blick erscheinen nun die Möglichkeiten der Beziehungen so vielgestaltig und ver änderlich, daß eine systematische Betrachtung als unmöglich angesehen werden könnte, wie es ja auch eine wissenschaftliche Behandlung des Gegenstandes im eigentlichen Sinne bis heute noch nicht gibt. Bei genauerem Zusehen lassen sich aber doch einige typische Gruppen herausheben, die zugleich Orientierungslinien für die politische Praxis abgeben können. Es wäre falsch, den Gegensatz von feindlich und friedlich an die Spitze zu stellen, da das feindliche Verhältnis oft nur aus vorübergehenden Beziehungen seinen Ursprung nimmt. Umfassender ist die Unterscheidung von Staaten oder Staatengruppen mit politischen Gegensätzen, von politisch indifferenten Staaten und von Staaten mit überwiegend politisch gleichgerichteten Interessen, wobei dann wieder graduelle Unterschiede möglich und nach verschiedenen Zeiten ver schieden sein können. Für europäische Verhältnisse scheidet das indifferente Verhältnis fast völlig aus. Die gleichgerichteten Interessen es ist hier immer nur an wichtige politische, nicht etwa an einfache wirtschaftliche Interessen gedacht können durch Verträge oder durch Bündnisse in eine feste Form gebracht werden. Die entgegengesetzten Interessen können auf kriegerischem oder auf friedlichem Wege entschieden werden. Der Krieg hat heute immer nur die Bedeutung einer ultima ratio. Die Politik ist stets darauf aus, ihr Ziel zunächst auf andere Weise zu erreichen. So können Gegensätze ausgeglichen werden durch eine gegenseitige Kompensation, ich möchte sagen durch ein politisches Handelsgeschäft, bei dem man sogar von Grenz nutzen u. dgl. zu reden berechtigt sein könnte. Dabei ist zunächst an Fälle gedacht, wo ein politischer Druck nicht in Frage kommt. Dieser aber verlangt durchaus nicht den Krieg. Unter den modernen Verhältnissen können Kriege immer nur von einem Volk geführt werden, nachdem lange Perioden der Ruhe und der 88 Rüstung zum Krieg vorausgegangen sind. Abgesehen von den militärischen und maritimen Rüstungen kommt hier in Betracht eine auf den Krieg, bezw. auf die Möglichkeit eines Krieges eingestellte Wirtschaftspolitik in Industrie, Land wirtschaft und Handel, die Aufstapelung von Naturalkapital und in gewissen Grenzen auch von Geldkapital innerhalb der Volkswirtschaft und endlich eine großzügige Bevölkerungspolitik, Mit der letzteren können heute Kriege von vornherein entschieden sein, ja ohne Schwertschlag gewonnen werden, wenn die Bevölkerung eines Staatswesens die andere entscheidend überflügelt hat. Deutsch lands überragende Stellung in diesem Weltkriege beruht zum guten Teil auf seiner im allgemeinen ungewollten Konzentration der Bevölkerung. Es wird im Verein mit Österreich und seinen Grenzerwerbungen in der gleichen Richtung seine Politik orientieren müssen, nicht etwa, um immer neue Kriege zu führen, sondern um auch ohne diese seine Politik durchführen zu können. Eine solche Bevölkerungs politik ist geradezu die Form des Krieges und der Machterweiterung der Zukunft. Sie ist überhaupt erst die Vollendung einer kriegerischen Unter werfung, sie kann aber auch auf eine durchaus friedliche Basis durch Ein- und Auswanderung eingestellt sein. Es ist darum notwendig, daß eine weitsichtige Bevölkerungspolitik auch die Einwanderung und noch mehr die Auswanderung unter politische und militärische Rücksichten stellt, wie dies heute in vorbildlicher Weise von Seiten Japans geschieht und von Seiten Englands unwiederbringlich versäumt worden ist. Den Gegensatz zu diesen Formen der Machterweiterung bilden die Bünd nisse einschließlich der bündnisartigen Verträge, soweit sie über die allgemeinsten, die meisten Staaten gleichmäßig betreffenden völkerrechtlichen Abmachungen hinaus greifen. Die Arten der Bündnisse sind so mannigfaltig, wie die Arten der Gemein schaften, Vereine u. dgl. innerhalb einer Nation, ihre systematische Behandlung auf Grund der tatsächlichen Beziehungen ist also zweifellos eine Hauptaufgabe der noch auszubauenden politischen Wissenschaft, die keinesfalls durch die an der Form klebende Behandlung im Staatsrecht und Völkerrecht ersetzt werden kann. Hier müssen einige Hinweise genügen. Bündnisse sind zunächst verschieden je nach der Größe und Machtstellung der Bündnisstaaten; ihre Struktur ist wesentlich anders, je nachdem ob Staaten von annähernd gleichem Rang (nur kleinere oder nur Großstaaten) oder ob schwächere mit starken Staaten ein Vertragsverhältnis eingehen. Wieder eine andere Struktur müssen Bündnisse zwischen zwei oder mehr Staatengruppen aufweisen. Verschieden sind die Bündnisse weiterhin nach ihren Zielen, indem sie Schutz oder Angriff oder beides zugleich bezwecken. Ein besonders wichtiger Fall ist die Sicherung solcher Interessen, die erst in fernen Zeiten Bedeutung gewinnen; ich weise da namentlich hin auf die Sicherung einer Interessensphäre für wirtschaftliche und völkische Interessen. Endlich Kann ein Bündnis oder bündnis artig er Vertrag das Ziel verfolgen, eine innigere Verknüpfung beider Staaten anzustreben, ein Ziel, das der ganzen Bündnispolitik eines Staates ein anderes Gepräge geben muß, als wenn lediglich militärische Ziele maßgebend 84 sind. In dieser mehr wie seither zu betonenden Form von Bündnissen können neben den militärischen die verschiedensten kulturellen, wirtschaftlichen und völkischen Ziele mit dem Endziel einer möglichst dauernd gefestigten Harmonie der beider seitigen Staatsinteressen verfolgt werden. Damit kommen wir zu den verschiedenen Grundlagen der Bündnisbeziehungen, deren Vorhandensein und Bedeutung von der praktischen Politik genau ein zuschätzen sind. In vielen Fällen sind ausschlaggebend die militärischen Ver hältnisse, unter denen die geographischen im allgemeinen die wichtigsten sind. Häufig werden alle übrigen Momente als nebensächlich behandelt und doch sind es gerade diese nicht-militärischen, die imstande sind, einem Bündnis Sicherheit und Dauer zu geben. Noch am meisten werden von ihnen in Betracht gezogen die wirtschaftlichen Verhältnisse in Handelsverträgen u. dgl., und doch sind diese die variabelsten von allen. Sie können in einem Jahrzehnt sich gänzlich gewandelt haben, sinken durch die modernen völkerrechtlichen Vertragsbedingungen der Meist begünstigung und ähnliche Dinge für das Verhältnis zweier Staaten in ihrem Wert beträchtlich, bisweilen bis zur Bedeutungslosigkeit herab, ja sie enthalten häusig Quellen der Reibung. Sie bedürfen darum vielfach einer neuen, mehr auf das Ziel einer dauernden Harmonie gerichteten Einstellung. Eine festere Grundlage vermag, wenn auch nicht durchweg, das Moment der gleichen oder der nahe verwandten Nationalität abzugeben. In ähnlichem Sinne kommen auch gemeinsame völkische Interessen in Betracht, die sich mit nationalen ja leicht verbinden. Ganz entsprechend wirken gemeinsame kulturelle Interessen, gemeinsame Religion, Sprache und Literatur, gemeinsame oder ähnliche Grund lagen des Rechtes und schließlich die historische Grundlage der gemeinsamen Geschichte, des früheren gemeinsamen militärischen und politischen Vorgehens. Mit den historischen Grundlagen kann schon gegeben sein das Moment des gegenseitigen Vertrauens, ohne das alle Bündnisse und bündnisartigen Ver träge in der Luft schweben, in welchem Punkte aber von der Diplomatie soviel gesündigt worden ist, soviele kostbare politische Werte vernichtet worden sind. Die moderne Diplomatie, die in diesen Zeiten solchen Schiffbruch gelitten hat, war zu einem Ausspielen der fremden Staaten gegeneinander ausgeartet, dem der Gedanke eines Dauerbündnifses vielfach völlig fremd und der Gedanke der Kombination", der in sich das Moment des vorübergehenden enthält, so geläufig geworden war. In früheren Zeiten war wenigstens zum Teil volle Ehrlichkeit und volles Vertrauen zur Geltung gekommen; ja damals erscheinen, von dem Wirken einzelner verbrecherischer Naturen abgesehen, alle und auch die kriegerischen Beziehungen der Staaten von einer gewissen Würde und Ehrenhaftigkeit getragen. Der modernen Diplomatie dagegen ist dieses Ideal der Ritterlichkeit vielfach abhanden gekommen, auch hier entpuppt sich die Veränderung als eine Teil erscheinung des großen Zersetzungsprozesses der modernen Menschheit. Dieses System hat sich bei uns Deutschen nicht behaupten können. Es ist dagegen charakteristisch für die parlamentarisch regierten Staaten, wo jene Redner und Schlauberger so leicht sich emporschwingen können. Wer die Führung in der Partei gewinnt, der ist schon damit zum Minister oder Diplomaten voraus- 3b - bestimmt. Es sind das eben jene, die wie alle Demagogen vermöge eines eigen artig beweglichen und sanguinischen Temperaments es verstehen, die Massen an sich zu reißen. Umgekehrt aber sind es auch jene, die sich selbst nach dem augen blicklichen Geiste der Masse beständig richten, bewußt gleich dem Kaufmann bei seinen Kunden und nicht minder in unbewußter Hypnose, die bis zum krank haften Optimismus, bis zur überspanntesten Utopie gesteigert sein kann. Es sind das zugleich aber auch jene, die in der äußeren, wie der inneren Politik vor keinem Verhüllen, keinem Kniff, keiner Doppelzüngigkeit zurückschrecken, für die zugleich die Gemeinschaft so oft das Instrument abgeben muß für ihre ehrgeizigen Ziele. Die Verhandlungen, die dem Weltkrieg vorangegangen sind, wurden von unseren Gegnern und ihren politischen Führern eben nicht anders eingeschätzt als sie nach dem Vorgehen ihrer und gewisser Personen aus unserer Diplomatie eingeschätzt werden mußten. Die dem Krieg vorausgehenden Verhandlungen mit England z. B. und ihre ausländische Darstellung lesen sich geradezu als eine Schuldtragödie im Stile des Oedipus: Aufrichtigkeit und Ehrenhaftigkeit von deutscher Seite wurde gewertet nach der eigenen, auch von uns bisweilen bewunderten Schlaubergern. Das Böse, das Raffiniert bewegliche sind die Bundesgenossen des Augenblicks, genau so wie man das Gute und Wahre als das auf die Dauer gegründete schlechthin betrachten muß. Eine Politik die darum auf die Dauer sich gründen will und das ist allein eine gute Politik, wird trotz der Verhältnisse der gegnerischen Diplomatie sich von jenen abwenden müssen, die das Ideal der Klugheit des Odysseus als das allein seligmachende verehren; was wir in der Diplomatie brauchen, sind nicht jene Bürgerlichen im Sinne unserer Presse und unserer Reichstagsabgeordneten, die durch ihre Beweglichkeit zu bejubelnde Augenblickserfolge erzielen, sondern solche, die in ihrer harmonischen Veranlagung allein die Gewähr für eine Politik des Vertrauens und für eine weitausschauende stetige Politik zu bieten imstande sind. Schon hingewiesen wurde auf den Unterschied zwischen losen und festen Bündnissen, der vielfach mit dem Unterschied zwischen vorübergehenden und dauerhaften zusammenfällt. Diese Unterscheidungen treffen aber nur die Ober fläche der Sache. Es kommt in erster Linie auf den Umfang an, in dem ein Bündnis durch die erörterten Grundlagen gefestigt ist. Und in dieser Beziehung muß es nun Aufgabe der Politik sein, Bündnisse gerade mit den Staaten zu suchen und aufrecht zu erhalten, wo solche gemeinsame Grundlagen nationaler, kultureller und wirtschaftlicher Natur vorhanden sind, oder aber, wo ein Bündnis so auszubauen möglich ist, daß ein derartiger innigerer Zusammenhang geschaffen werden kann. Bündnisse, die auf eines dieser Momente hinauslaufen, nenne ich organisierte im Gegensatz zu den einfachen Bündnissen. Das Ziel einer guten Politik kann natürlich nur darauf hinausgehen, solche organisierten Bündnisse zu schaffen und immer weiter zu vervollkommnen. Zu solchen Bündnissen gehört die Militärgemeinschaft, d. h. der gemeinsame Ausbau der militärischen Organi sation im Gegensatz zum einfachen Rüstungsvertrag; dahin gehört die allmähliche Assimilation auf dem Gebiet des Rechtslebens; dahin gehören Verträge über die völkischen Interessen wie die Verträge über gegenseitige Einwanderung und die teilweise Ausschließung anderer, namentlich auch der nicht stammverwandten Volkselemente; dahin gehört auch der Ausbau einer auf den nationalen Ver- 3 86 Hältnissen jedes der Staaten aufgebauten und für die Dauer berechneten volks wirtschaftlichen Arbeitsteilung. Die letzte Forderung bedeutet eine völligeVerschiebung der heute vorhandenen Wirtschaftsbeziehungen. Ein Staat und seine Volks wirtschaft müssen freie Bahn dafür haben, mit einem ihm verbündeten Staate in ein engeres Verhältnis zu treten, ohne daß sie den Abmachungen mit entfernter stehenden Staaten im Wege sind. Damit fällt als politisches Ziel vor allem die Form der heutigen Meistbegünstigungsverträge; an ihre Stelle tritt die Wirt schaftsgemeinschaft, die zwar innerhalb ihres Gebietes auf Zölle, Sondertarife und ähnliche Schranken nicht zu verzichten braucht und nicht verzichten darf, die aber nach außen als eine wirtschaftliche Einheit und namentlich in ihrer Wirtschaftspolitik als Einheit auftritt. In dem Maße nun, wie ein organisiertes Bündnis dauerhafter und in seinem Interessenbereich umfassender wird, wird es in seiner Struktur verändert, indem es sich je nach den Verhältnissen in ver schiedener Weise einem Staatenbund nähert. Diese Versassungsform muß und wird im Gegensatz zur seitherigen Praxis und der von ihr beeinflußten staats- wissenschaftlichen Ausfassung wieder mehr zur Geltung gelangen, namentlich auch als Reaktion gegenüber der überspannten Zentralisierung und Uniformierung der modernen Großstaaten und Bundesstaaten, deren Maschinerie zu schwerfällig geworden ist, und bei denen die Rechte des Individuums, des organischen Lebens und seiner Entwicklung immer mehr unterdrückt worden sind. Der Staatenbund ist dann am festesten gefügt, wenn ein mächtiger Zentral staat die Führung übernommen hat; für Europa kommt als ein solcher Zentral- staat das kommende deutsch-österreichische Staatsgesüge in Betracht; es be deutet dies die Politik eines Reiches der Mitte", wie im zweiten Teil dieses Buches noch näher beleuchtet werden soll. Doch ist die Möglichkeit einer ähn lichen Politik auch für andere Staatengruppen der Erde gegeben, die sich in ihren Interessengebieten, wie sie vor allem durch die Trennung in geographisch (kontinental) abgegrenzten Landkomplexen gegeben sind, gegeneinander abgrenzen können. Es würde das die Übertragung des Prinzips der Monroedoktrin auf die verschiedenen großen Staatengruppen der Erde bedeuten. Indem nun diese großen Staatenorganisationen mit einander in Beziehungen treten würden, ent stände eine irdische Staaten- und Kulturgemeinschaft, deren Verhältnisse sich um so friedlicher und stetiger gestalten müßten, je schärfer die Sphären der einzelnen gegeneinander abgegrenzt sind, und je weiter die einzelnen Weltstaatsgesüge nach dem Vorgang des zentraleuropäischen auf dem Wege zu einer inneren Einheit gediehen wären. Damit würde dann auch das Völkerrecht (die Völkersitte) auf eine neue Grundlage gestellt. Alle die Staatenbeziehungen innerhalb eines solchen Staatengesüges und das ist nach dem Gesetz der abnehmenden Entfernung zweifellos die Mehrzahl würden in der Macht des Zentralstaates und seiner Gefolgschaft die Garantie der unbedingten Beobachtung besitzen. Sie würden aus der Völkersitte zum wahrhaften Völker- d. h. Staatenrecht. Wenn nun so die großen Staatengefüge einander als gleichwertige Mächte auf dem Gebiet des Völkerrechts entgegentreten, besteht in weit größerem Umfange wie seither die Möglichkeit einer nach den Regeln des Völkerrechts und der Menschlichkeit- 37 aufgebauten, wenn auch freilich nicht absolut gültigen Harmonie der Staaten der Erde. Die Völker würden der Segnungen des Friedens in größtem Umfang teilhaftig werden, der Arbeitsaufwand für Rüstungen dereinst herabgemindert und das Ideal des Jnduftrialismus im Gegensatz zum Militarismus (Comte und Spencer) in weiten Grenzen verwirklicht werden können. Die Entwicklung zu einem organisierten Bündnis muß von der Politik von vornherein ins Auge gefaßt werden. Denn nur solche haben dauernden Wert und bergen in sich genügende Sicherheit dafür, daß sie im Ernstfalle ihre Geltung behalten. Die einfachen Bündnisse dagegen bedeuten oft eine Schwächung. Der Staat wird in Verhältnisse hineingezogen, die ihm gänzlich fern liegen, ohne daß dadurch das Bündnis selbst gefestigt wird. Die Ziele des Bündnisses schwinden, sobald sie erreicht sind, andere treten an die Stelle. Manche Bündnisse sind nur Scheinmanöver, selbst die scheinbar haltbarsten haben sich nach Jahren als wandel bar herausgestellt. Alle derartigen einfachen Bündnisse enthalten aber noch die Gefahr in sich, daß der eigene Staat sich auf sie verläßt, in seiner Diplomatie und seiner Rüstung, in seinen militärischen Plänen usw., während späterhin es dahin kommen kann, daß er allein steht. Dazu kommt, daß einfache Bündnisse ungeheuer schwerfällig sind, daß sie die Aktionsfähigkeit des einzelnen Staates, die schnelle Entscheidung hindern, während bei den organisierten Bündnissen und dem Staatenbund von vornherein für solche Fälle ein einheitlicher Wille festgelegt ist. Die Struktur eines einfachen Bündnisses ist nicht identisch mit der einer menschlichen Gemeinschaft und vielleicht ist schon manchem Staat die unkorrigierte Annahme dieser Analogie teuer zu stehen gekommen. Die Menschen irgend einer Vereinigung, eines Vereins, eines Volkes usw. sind nicht nur äußerlich miteinander verbunden, wie dies die atomistische Auffassung, die dem Liberalismus und unserm Zeitalter zu Grunde liegt, uns weis machen will. Wohl besteht auch hier die Tendenz der Lockerung, die beruflichen und verwandte Interessen erschufen Formen, die den festen Kitt der auf Heimat, Wohnort, Sitte u. dgl. aufgebauten Gemeinschaft nicht besitzen. Allein überall ist das Band mittelbar aufgebaut auf der seelischen und der instinktiven Veranlagung der die Gruppe bildenden Menschen. Bei dem einfachen Bündnis dagegen wo also gemein same Grundlagen in der Hauptsache fehlen ist der einzelne Mensch, der das Bündnis schließt oder löst, nur der Träger einer Idee, das Werkzeug eines Gesamtwillens, der sich wiederum erst als die Resultante der verschiedensten Strömungen ergibt. Dementsprechend kommen die Momente des Dankes, der Anhänglichkeit, der rassischen Verwandtschaft, der historischen Vergangenheit kaum in Betracht; die gemeinsamen Jnttressen auf politischem oder wirtschaftlichem Gebiet unterliegen beständigem Wechsel, sie können sich in kurzer Zeit diametral entgegengesetzt gestalten, namentlich kann sich auch das Verhältnis zu dem oder den Staaten, auf die sich ein Bündnis bezieht, ungeheuer rasch verändern. Und selbst da, wo der einzelne Staatsmann oder eine Gruppe auf eine stetige Bündnispolitik dringen wollte, verbürgt dies in keinem Falle die Erfüllung ihrer Forderung, nicht für die nächste Zukunft und erst recht nicht für die Zeit nach dem Tode des betreffenden Staatsmannes. Die Politik ist in viel zu großem Maße abhängig von den Einzelwillen innerhalb der Nation und den auf- 38 sie aufgebauten Parteien und Interessenvertretungen im Parlament und innerhalb der Regierung selbst. Namentlich in Republiken und sonstigen parlamentarisch regierten Staaten (parlamentarischen Monarchien) können die Schwankungen so häufig und unberechenbar sein, daß irgend ein Verlaß auf eine Bündnispolitik mit solchen Staaten politisch verhängsnisvoll wäre. Es kommt wohl vor, daß die Politik eines Mannes auf Grund ihrer Überlegenheit und ihres Einflusses bis zu seinem Tode andauert; man weiß aber auch, wie oft dieser dann nur das Signal dafür ist, um eine inzwischen erstarkte andere Gruppe zur Herrschaft gelangen zu lassen. Theoretisch besteht ja gegenüber den menschlichen Vereinigungen kein Unterschied. Auch hier können solche Umorientierungen innerhalb des alten Rahmens nach dem Gesetz von der Inkongruenz der Zwecke vor sich gehen. Allein diese Umgestaltungen sind doch bedeutungsloser und entwickeln sich allmählich organisch; auch kann eine Umgruppierung der Interessen nur innerhalb des von vornherein gesteckten Rahmens möglich sein, während ein Umschwung in einem Parlament oder Ministerrat durch veränderte Majorität im Moment ganz ent gegensetzte Tendenzen zur Herrschaft bringen kann und in manchen Staaten das Abwechseln der Richtungen sogar sanktionierte Regel ist. In diesen durch die Tatsachen immer wieder bestätigten Verhältnissen liegt denn auch zum guten Teil das Mißtrauen begründet, das die einzelnen Staaten trotz ihrer Bündnisse und Verträge einander immer wieder entgegenbringen; darin liegt auch begründet, daß Bündnisse nicht auf die Dauer, sondern auf Zeit abgeschlossen werden. Von der hohen Warte des historischen Überblicks aus, von wo eine Generation wie ein Tag erscheint, bedeutet denn auch der Abschluß eines Bündnisses auf 12 oder 20 Jahre bis zu gewissem Grade, daß dies überhaupt keine Verständigung der Staaten und Nationen, sondern ein Geschäft ist, das im Augenblick seiner Abwicklung auch die Beziehungen der Kontrahenten aufhebt. Wer mehr darin sieht, schwächt und gefährdet seine Politik, statt sie zu kräftigen. Eine gute und stetige Politik wird darum auf die einfachen Bündnisse nur wenig Wert legen dürfen. Zwei andere Wege wird sie betreten müssen, um die Erreichung ihrer Ziele besser gewährleisten zu können. Einmal wird wie schon erörtert ihr Bestreben darauf gerichtet sein müssen, die einfachen Bünd nisse durch organisierte, man könnte auch sagen durch symbiotische Bündnisse*) zu ersetzen oder Bündnisse zu suchen, deren Ausbau in dieser Richtung möglich ist. Das klassische Beispiel eines organisierten, wenn auch immer noch erweiterungs fähigen Bündnisses ist das zwischen dem deutschen Reich und Österreich-Ungarn, das auf militärischen, völkischen, historischen, wirtschaftlichen, verkehrspolitischen und kulturellen Grundlagen aller Art sich aufbaut und darum auch auf dem besten Wege ist, in einen Staatenbund überzugehen. Die zweite Grundlage einer guten und stetigen Politik ist das Prinzip des politischen Ipsismus.**) Dasselberichtet bei theoretisch strenger Fassung, Solche Bündnisse werden hier mit den auf Arbeitsteilung aufgebauten Symbiosen oder Genossenschaften aus dem Tier- und Pflanzenreich verglichen, wie sie z. B. das Zu sammenleben von Algen und Pilzen in den Flechten veranschaulicht. ) Politischer Ipoismus oder Solipsismus bedeutet wörtlich politische Selbständigkeit im höchsten Grade. 39 also ohne Berücksichtigung der in der Praxis nicht zu umgehenden Zugestandnisse die Politik eines Staates (oder auch einer Staatengemeinschaft) so ein, daß sie von allen einfachen Bündnissen unabhängig wird, schon vorhandene bisweilen auf die Stufe einfacher freundschaftlicher Völkerrechtsbeziehungen herabdrückt oder aber, wenn die Grundlagen dafür gegeben sind, auf den Weg organisierter Bündnisse hinüberleitet. In allen militärischen und wirtschaftlichen, aber auch in politischen Verhältnissen hat sich die Politik des Jpsismus unabhängig von etwaigen Bündnisstaaten und Kombinationen zu machen; sie sucht sich vollständig auf eigene Füße zu stellen, so als ob die Möglichkeit von Bündnissen gar nicht gegeben wäre, als ob alle anderen Staaten dem eigenen völlig indifferent gegenüberstehen bezw. als ob sie für ein Bündnis gar nicht da wären und womöglich auch als Feinde in Betracht kommen könnten. Er vermeidet demgemäß auch die Einmischung in alle auswärtigen Angelegenheiten, in denen ein vitales Interesse seines Staates oder seiner Staatengruppe nicht vorliegt und auch für die Zukunft nicht vorliegen kann. Der Jpsismus sucht darum seine Nation an Land, Bevölkerung, Kapital (Naturalkapital) und Militärmacht so stark wie nur irgend möglich zu machen und bildet daher eigentlich nur eine besondere Seite der jenigen Tendenzen, die wir oben als völkischen Imperialismus gekennzeichnet haben. Er steht jedoch dabei zu dem Prinzip der Organisierung der Bündnisse nicht im Gegensatz; er nimmt die mit ihm in dauernde Symbiose aufgenommenen Staaten in seine Interessenphäre völlig mit auf und findet damit in der Organisierung der Bündnisse erst seine Vollendung. Diese größere Einheit nun aber macht die Politik des Jpsismus von allen übrigen Staaten und Staatengruppen unabhängig, als ob sie niemals für ein Bündnis in Betracht kommen könnten, womit natürlich nicht gesagt ist, daß nicht doch im gegebenen Moment unter Modifizierung der starren Form des Prinzips solche einfachen Bündnisse erstrebenswert wären. Es bedarf wohl unter Hinweis auf früher Erörtertes keiner Erläuterungen, daß solche Politik nicht identisch ist mit dem englischen Prinzip des rixkt or ni-onx, count,-^", und daß es auch den kleinen Nachbarstaaten gegenüber nicht auf eine Politik des Zwanges ankommen darf, sondern die Entwicklung des hier geforderten Zusammenschlusses nur ein festes Ziel darstellt, nach dem die Politik des Zentralstaates wie der Nachbarstaaten sich richten muß, um im Lause der Generationen in der einen oder andern Form einen Abschluß zu sinden. Der politische Jpsismus und seine Vollendung in der Staatengemeinschaft ist ein Prinzip für mächtige, an Volksreichtum überragende Staaten. Kleinere Staaten und schwache Großstaaten können damit nichts anfangen. Kleine Nachbarreiche, namentlich wenn sie nationale Berührungspunkte besitzen, werden sich einem mächtigen Nachbar angliedern müssen, wo ihnen zugleich ihre staatliche und nationale Eigenart am sichersten garantiert ist.1-) 5) Die merkwürdige Talsache der Geschichte, daß kleine Staaten und Volksgebilde ihre Kultur, ihre Sprache, Sitte usw. in ganz anderem Umfange zu erhalten imstande sein können wie große Staaten mit ihren bisweilen nur zu häufigen Anpassungsnotwendigkeiten und inneren Verschiebungen, wird auch in Zukunft nicht umgestoßen werden. Ja es wird sogar im Innern der Großstaaten auf die Periode der übermäßigen Zentralisation eine gewisse Verselbständigung der einzelnen Landschaften aus den verschiedensten Gründen er strebt werden müssen, wie ich dies an anderer Stelle noch weiter ausgeführt habe. 40 Größere Reiche dagegen können auch im Gegensatz zum Jpsimus ihre gesamte Politik auf einfache Bündnisse aufbauen. Alle politische Bündnispolitik enthält jedoch ein Moment der Schwäche. Man fühlt sich zu schwach, einen Gegner überwältigen oder ihm Widerstand leisten zu können. Noch offenkundiger proklamiert man die Schwäche vor aller Welt, wenn man nicht an Eroberung und Verteidigung, sondern lediglich an Schwächung des fremden Staates denkt; man bekundet damit, daß man nicht mehr sich imstande fühlt, durch eigenes Wachstum an Macht und Bevölkerung sein eigenes Staatswesen zu stärken und zu sichern. Da nun alle derartigen Bündnisse auf sehr schwachen Füßen stehen, eine Umgruppierung sehr leicht eintreten kann und in der Regel und namentlich einem mächtigen Volk gegenüber ein einziger Krieg nicht die Ent scheidung bringt, so kehren nicht selten die Pfeile auf den zurück, der sie abschießt. So müssen auf den von Englands Seite angezettelten Weltkrieg, nachdem er vor aller Welt die Ohnmacht dieses Staates offenbart hat, Gegenstöße folgen, bei denen die engliche Weltherrschaft zerfallen dürfte. Auf eine Bündnispolitik mit einfachen Bündnissen kann eben eine stetige Politik garnicht aufgebaut werden, sie muß zu einem Balancieren und Lavieren herabsinken. So kommt man in konsequenter Fortführung der Bündnispolitik zum Prinzip des politischen Gleichgewichts, nach dem man keinen Staat zu mächtig werden lassen darf. Die UnHaltbarkeit dieses Prinzips ergibt sich schon daraus, daß auch im Frieden durch die ungleiche Machtentfaltung und Bevölkerungs zunahme das Gleichgewicht eine beständige Störung erleidet. Das Gleichgewicht müßte immer wieder von neuem, unter Umständen mit anderer Bündniskombination hergestellt werden. Damit muß die Politik nicht nur immer wieder sich neu orientieren, sie kommt auch in Konflikt mit den einfachsten Prinzipen einer stetigen Politik, sie gerät in Konflikt mit der Bündnistreue. Sie wird schwankend, wie die Wage selbst, von der das Bild vom Gleichgewicht genommen ist. Will man gar selbst das Zünglein an der Wage spielen, so ist dies noch besonders gefährlich; die Politik wird dann Augenblickspolitik schlimmster Sorte. Es ist die Politik des parlamentarisch regierten England. Mag es sehen, wie weit es damit kommen wird, die deutsche Politik muß eine Politik der Stetigkeit, der Dauer und des Vertrauens sein und damit eine Politik der Organisierung ihrer Bündnisse unter Wahrung völliger Autonomie gegenüber indifferenten Staaten. Erfordert so der theoretisch streng durchgeführte Jpfismus (wie auch schon der politische Weitblick) einen Verzicht auf die Methode der militärischen Schwächung der Nachbarstaaten, so kann doch das Gegenteil, eine politische Stärkung derselben, aus ihm nicht abgeleitet werden. Das letztere ist nur da möglich, wo ziemlich fest organisierte Bündnisse oder ein noch engerer Zusammenschluß vorliegen. Und gerade hier ist von der deutschen Politik viel gefehlt worden, indem sie einen Unterschied auf Grund der Bündnisse nicht gemacht hat. Einen Staat nach irgend einer Richtung zu stärken, mit dem das Eingehen eines engeren Bündnisses keinen Sinn hat oder unmöglich ist, bedeutet fast ausnahmslos eine Schwächung der eigenen Macht und Politik. Dahin gehört z. B. die Entsendung von Militär- und Marinemissionen nach außereuropäischen Staaten, 41 die für ein engeres Bündnis nicht in Frage kommen. Dahin gehört auch die halbpolitische Unterstützung mit Kapital und Technik, dahin gehört die völkische Unterstützung solcher Gebiete durch Duldung einer stärkeren Auswanderung. Der leitende Gedanke bei solchen Liebesdiensten ist soweit nicht lediglich Kapital verwertungspolitik vorliegt der. mit diesen Staaten in ein Freundschaftsverhältnis und auf Grund desselben womöglich zu einer politischen Annäherung und zu einem Bündnis zu gelangen. Allein hier zeigt sich grade wieder einmal, wie verhängnisvoll die Verwechslung der individuell-ethischen Betrachtung mit der staatsethischen werden muß. Wir sahen oben, wie die ethischen Absichten der leitenden Regenten, Minister usw. für die dauernde Gestaltung eines Bündnisses nicht in Frage kommen, wie also entweder die Anstrebung organisierter Bündnisse oder der politische Ipsismus als Richtschnur gewählt werden müssen. Eine Anbahnung sogenannter freundschaftlicher Beziehungen durch Liebesdienste ist in der Welt der Staaten etwas anders wie im individuellen Verkehr; sie schafft eben noch keine politische Stärkung, sie bedeutet für den befreundeten Staat keine Verpflichtung zur Dankbarkeit und Anhänglichkeit, aber oft eine verhängnis volle Schwächung des eignen Staates durch die Stärkung des anderen. Es ist nicht anders mit den in der Geschichte so oft unternommenen Ver suchen, dem politischen Aufbau eines fremden Staatswesens eine Form zu geben, oder dabei behilflich zu sein, die eher imstande zu sein scheint, ein sicheres Bündnis anzubahnen. Namentlich kommen Monarchien in die Versuchung, sich von diesem Gesichtspunkte leiten zu lassen, von der Annahme ausgehend, daß eine Monarchie eine bessere Gewähr für den Frieden bildet. Ich glaube derartige Tendenzen haben in der Geschichte oft verhängnisvoll gewirkt, auch innerpolitisch, z. B. zur Zeit der Reaktion. Wir wollen in diesen Fehler nicht wieder verfallen und bedenken, daß jede monarchische und namentlich jede konstitutionelle monarchische Verfassung im Gegensatz zu Republik und parla mentarischer Regierung ein solches Übergewicht besitzt und zugleich eine solche Garantie bietet für eine großzügige Politik, daß wir mit diesem Geschenk an Nachbarn, die unserer Staatengruppe nicht angehören, nur zu deren Stärkung beitragen können, und zudem ein etwa in Aussicht genommenes Bündnis erst recht gefährden, indem wir ihnen den Weg zu einer zielsicheren Politik bereiten helfen. Wenn die Demokratie, da, wo sie über den kleinen Rahmen (wie in der Schweiz) hinausgeht, ein Moment der Schwäche in sich birgt, und wenn zugleich die Westeuropäer in dieser Staatsform der politischen Zersetzung die ihnen adäquate Staatsform gefunden haben, so wird ein künstlicher Eingriff zugunsten einer wahrhaften Monarchie nicht von Dauer sein und womöglich schon durch die Regierungspraxis ohne jeden Umsturz und jede Verfassungs änderung beseitigt werden können. Jedenfalls liegt es aber nicht in unserem Interesse, die Westeuropäer eines besseren zu belehren und durch unsere Mitwirkung politisch zu stärken. Es ist das Prinzip der passiven Schwächung, das damit zur Anwendung kommt. Eine systematische Politik hätte an dieser Stelle noch manches über Bünd nisse, über politisches Gleichgewicht, über den oft nicht im Interesse des Gleich- 42 gewichts, sondern nur des Friedens und meist dann nur vorübergehend aufrecht erhaltenen status quo zu behandeln. Hier soll nur noch zur Vermeidung von Mißverständnissen auf das Verhältnis des Ipsismus zu den von ihm nicht be troffenen Staaten erörtert werden. Es wäre verkehrt anzunehmen, daß der Ipsismus das Bündnisverhältnis zu andern Staaten und Staatengruppen völlig ablehnt. Er hat sogar das Bestreben Bündnisse zu suchen, nämlich solche die von vornherein die Möglichkeit einer Assimilation gewähren. Insoweit eine solche Symbiose noch nicht verwirklicht ist, wird aber in Bezug auf Rüstungen, Grenzschutz usw. das Bündnis als nicht vorhanden betrachtet werden müssen, eine Methode, die der bestehenden Praxis auch vielfach entspricht. Aber darüber hinaus bedarf die Politik des Ipsismus einer Ergänzung. Sie hat nur relative Bedeutung, da sie nur innerhalb gewisser Staatenkomplexe absolute Gültigkeit beanspruchen kann. Bis zu gewissem Grade verknüpfen einen Staat mit allen anderen allerlei kulturelle, wirtschaftliche und völkerrechtliche Beziehungen, die auch durch einen Krieg nur vorübergehend eingeschränkt werden können. Zunächst sind diese Beziehungen als einfache unpolitische Geschäfte nach dem Grundsatz 60, ut cies" aufzufassen. Die Garantie ihrer unbedingten Beobachtung erhalten sie aber nur durch die öffentliche politische Meinung, die die Nation und die Regierung als zur Beobachtung verpflichtet erachtet. Auch alle Schiedsgerichts verträge und ähnliches können hier ernstere Fälle nicht lösen. Ob ein Schieds gericht jemals imstande sein wird, über Kleinigkeiten hinaus Entscheidungen zu treffen, muß eine viel spätere Zeit entscheiden. Es müßte dazu eine wirkliche militärische Macht im Hindergrunde stehen, die für den Ausbau eines allgemeinen Defensivbündnisses aller gegen alle zum Schutze gegen die Störenfriede die Bor bedingung wäre. Die Politik der nächsten Zeit wird mit diesem Ideal nicht rechnen dürfen; selbst dann, wenn die nötigen Völkerrechtsverträge es seiner Verwirklichung näher gerückt erscheinen lassen sollten, wird die Bewährung im Ernstfalle noch recht zweifelhaft bleiben. Viel mehr Aussicht auf Verwirklichung besteht für die Annahme, daß in Nachahmung des Vorgehens einzelner mächtiger Staaten die Erdoberfläche in eine geringere Zahl organisierter Staatenbündnisse aufgeteilt werden wird, ohne daß sich diese wahrscheinlich jemals dem Ideal einer allgemeinen irdischen Staatensymbiose völlig nähern können. Das bedeutete für die Jetztzeit die politische Aufgabe, eine solche Aufteilung der Erde in Interessen sphären für die sich bildenden Staatengruppen durchzuführen bezw. zuzulassen, innerhalb deren jeder Staatenbund eine Politik betreiben kann, wie er will, wirt schaftlich, völkisch, imperialistisch, mehr bundesstaatlich oder föderalistisch usw. In dem Maße, wie der Umfang und die Grenzen dieser Weltreiche" durch geo graphische Hindernisse bedingt sind, die zugleich noch viel mehr Hindernisse militärischer Kraftentfaltung bedeuten große Entfernungen zu Lande, die Wüste oder das Weltmeer oder Gebirge wie der Himalaja zwischen Indien und Nord asien wird die Mächtegruppierung mit Naturnotwendigkeit diesen Weg nehmen müssen. Man könnte sagen, es muß so kommen Kraft des Gravitationsgesetzes der militärischen Kraftwirkung, indem diese mit dem Quadrat der Entfernung im umgekehrten Verhältnis abnehmen muß. Damit würde der Weg vorbereitet 45 für eine Erweiterung der Monroedoktrin und für die allgemeine Anerkennung dieser Erweiterung. Die Erde würde sich aufteilen in eine begrenzte Reihe natürlicher Staatengruppen, geographisch, militärisch, völkisch, klimatisch, durch die Verschiedenheit der Agrarprodukte u. dgl., verkehrspolitisch und volkwirt schaftlich scharf umrissen. Und politisch steht dem gar nicht so viel im Wege, ausgenommen das englische Weltreich-Unikum, dessen innere und unabwendbare Schwäche gerade in dem gänzlichen Mangel solcher natürlichen Grenzen und Zu sammenhänge besteht. Für jedes dieser Weltgebiete, wie sie aber auch neben dem englischen Weltreich bereits heute ihrer Abrundung entgegen zu gehen im Begriffe sind, bedarf es einer Art Monroedoktrin, die da zu lauten hätte: innerhalb der be treffenden Staatengruppe hat keine fremde Macht oder Staatengruppe Land erwerbungen zu machen, noch ist ihre politische Einmischung in die Beziehungen der einer Staatengruppe angehörenden Staaten zulässig." Es ist dies ein politisches Programm, das im einzelnen Falle natürlich nur durch eine starke Zentralmacht garantiert werden kann. Wird aber dereinst dieser Weg betreten und vermag sich eine solche politische Forderung mehr oder weniger in allen Teilen der Welt durchzusetzen, so bedeutet dies auch die Aussicht auf die Möglichkeit jenes oben angedeuteten Schutz- und Trutzbündnisses aller gegen jeden Störer, mit anderen Worten, es würde dies ein Konzert der Staatengruppen bedeuten. Werden so die Kriege auf ein Minimun reduziert, bildet zugleich innerhalb eines solchen Staaten bundes ein mächtiger Zentralstaat oder Staatenbund die Polizeiaufsicht zur Verhinderung kriegerischer Differenzen, so werden damit die Machtverschiebungen der Staaten und der Weltreiche nicht aufhören. Nur wird in weitestem Umfange, wenn auch vielleicht nicht durchweg an die Stelle des Krieges der völkische Krieg treten, indem die Bevölkerungsvermehrung, die nationale Kapitalauf speicherung und die friedliche Expansion außerhalb der Staatengrenzen schon die Entscheidung darstellen, bei der ja, wie wir sahen, es in letzter Linie immer auf die Gewinnung neuen Raumes ankommt. In diesem Weltkrieg" werden diejenigen Völker siegen, die die stärkste Lebenskraft besitzen und die zugleich unentwegt eine völkische Politik auf ihr Panier geschrieben haben. Nur wäre es ein Irrtum, anzunehmen, daß ein Volk sich über weite Teile der Erde aus dehnen könnte, ohne in den verschiedenen Gebieten seine Kultur, Volkswirtschaft und Politik und vor allem seine völkische Struktur verändern zu müssen. Es werden neue Völker mit neuen Verhältnissen und Bedürfnissen entstehen, und damit wird die Politik späterer Jahrhunderte vor neue Aufgaben gestellt sein.2. Teil. Die Anwendung politischer Prinzipien in der Praxis und die Beziehungen zwischen äußerer und innerer Politik. 7. Kapitel. Der Gegensatz von Theorie und Anwendung. Die europäischen Probleme. Es wären noch mancherlei Gesichtspunkte in einer systematischen äußeren Politik zu erörtern, natürlich abgesehen von den Problemen, die in der Staats lehre und in den verwandten Wissensgebieten ihre Erledigung sinden, und für die die moderne Wissenschaft die Bezeichnung Politik mit Beschlag belegt hat. Da kämen noch Fragen der Verfassung, des Vertrags und Bündnisverhältnisses, und nicht zuletzt die Umbildungstendenzen der völkerechtlichen Verträge in Betracht. Sie können hier, wo es auf die Herausstellung einiger weniger Prinzipien ankommt, übergangen werden. Hier gilt es dagegen, noch der Über tragung der erörterten Prinzipien in die Praxis unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Da muß nun immer wieder festgehalten werden, daß alle politischen Prinzipien, die völkischen, die wirtschaftlichen, die militärischen usw. in der Praxis von ihrer Starrheit verlieren müssen, indem es darauf ankommt aus der Mannigfaltigkeit der Grundlagen und Beziehungen den jeweils möglichen und zweckmäßigsten Fall zu kombinieren. Alle diese Prinzipien haben keine absolute, sondern nur relative Bedeutung, die in anbetracht der umgebenden Verhältnisse ein Abweichen sehr wohl nötig machen können. Es gilt eine Synthesis aus einer unendlichen Zahl von Variationen zu gewinnen. Im Grunde genommen, ist dies für jede beliebige, auf irgend eine Wissenschaft aufgebaute Praxis nicht anders wie in der Politik, so ist es im Rechtsleben, in der Volkswirtschaft, in der Technik, in der Landwirtschaft. Es ist dies ein Aussluß jenes Fundamentalprinzips, daß zweimal das völlig gleiche nicht zu sinden ist, daß jede Handlung und jede Kombination der Wirklichkeit überhaupt individuell ist, soviel uns auch durch den nivellierenden Schleier der Begriffswelt dies verdeckt wird. Ich möchte die Verhältnisse der Politik noch am ehesten mit denen der landwirtschaftlichen Be triebslehre vergleichen. Für jeden Betrieb gelten nach Boden, Bewässerung, Größe, Entfernungen, Verkehrsverhältnissen, Kapitalverhältnissen, Preisen, Löhnen, Arbeitsverhältnissen und Absatzverhältnissen immer wieder etwas andere Be dingungen, sodaß die Aufstellung eines Betriebsplanes immer nur individuell geschehen kann, während Betriebsrezepte nur geringen Wert und für größere 45 Güter überhaupt keinen besitzen. Es ist in der praktischen Politik nicht anders. Und doch muß der Landwirt wie der Politiker die einzelnen Probleme genau kennen; sie können also einer Betriebslehre, bezw. einer politischen Betriebslehre nicht entbehren. Beide Gebiete haben sogar das gemeinsam, daß man bis zu gewissem Grade ohne philosophische Erörterungen, d. h. Erörterungen allgemeinerer Art, die die einzelnen Bedingungen gegeneinander grundsätzlich abwägen, nicht herumkommt. Wie alle Wissenschaft nur ein Schema darstellt, nach dem sich die Praxis richten muß, das aber niemals die Kombination der Praxis ersetzen kann, so auch in der Politik. In ihr ist sogar die Kombinationstätigkeit in der potenziertesten Form notwendig, die es geben kann, indem bei der Gestaltung der Zukunft eines Staatswesens niemals die innerpolitischen, die kulturellen und volkswirtschaftlichen Ziele der verschiedensten Art aus dem Auge verloren werden dürfen und alle diese Forderungen mit denen der äußeren Politik in harmonischer Verknüpfung erhalten werden müssen. Damit stellt sich hier die entwickelte Politik auch als der Schlußstein des ganzen Systems dar, das in meinem größeren Werk zu entwickeln versucht worden ist. Es bedeutet das unterem anderem auch, daß auch in der Politik nur eine Elite von Menschenmaterial den gestellten Aufgaben gewachsen sein kann, daß wir dagegen mit jenen beweglichen, den Augenblick geschickt ausnützenden Charakteren auch hier nichts anfangen können, deren ganzes Sinnen und Trachten sich in einer Politik der Kurzsichtigkeit erschöpfen muß, wie wir solche Politik ja jetzt durch den Weltkrieg zur Genüge kennen gelernt haben. Diese Ausführungen wolle man berücksichtigen, wenn nun im folgenden aus der unübersehbaren Fülle von politischen Problemen einige wenige heraus gegriffen werden, die für unsere Zeit und eine deutschvölkische Politik von be sonderer Bedeutung werden, und zwar im allgemeinen ohne besondere Rücksicht auf die bevorstehenden Friedensbedingungen, denen ein späteres Kapitel vorbehalten bleiben soll. Einige Probleme können hier übergangen werden, da sie in den vorausgehenden Kapiteln zur Erläuterung der Grundsätze schon herangezogen sind. Von einer näheren Begründung muß im allgemeinen ebenso abgesehen werden wie von einer erschöpfenden Behandlung, zumal ja es stets auf die je weiligen gegebenen Umstände und Widerstände ankommt. Schon in den vorausgehenden allgemeinen Betrachtungen sind die Grund züge für die deutsche Politik in Europa entwickelt worden. Sie seien hier nochmals im folgenden zusammengefaßt: Den Schwerpunkt muß eine deutsch-österreichische Staatengemeinschaft bilden, die man am besten als Staatenbund bezeichnet. Die politische Praxis des 19. Jahrhunderts hatte sich von dieser Staatsform durchweg abgewandt und die Wissenschaft ist ihr daraufhin in der Bewertung gefolgt. Der Bundesstaat trat in den Vordergrund. Vorhandene Staatenbünde lösten sich auf, wie der deutsche Bund, oder sie wurden in Bundesstaaten übergeführt wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika 1787, die Schweiz 1848 und Australien in den neunziger Jahren. Die Verfassungsgeschichte lehrt, daß der Staatenbund eine dynamische Entwicklung viel eher wie der Bundesstaat zuläßt und sich schrittweise einer engeren Gemeinschaft bis zum Bundesstaat, in den Niederlanden sogar bis zum 46 Einheitsstaat nähern konnte. Diese große Entwicklungsmöglichkeit muß aber dem Politiker den Staatenbund als ein durchaus zweckmäßiges Staatsgefüge für die zur Aufgabe gestellte Zusammenschließung von Staaten erscheinen lassen. Auch ist mit Nachdruck zu betonen, daß die als Selbstverständlichkeiten" heute wie in jedem Zeitalter umlaufenden Zeitideale der Zentralisierung und Uniformierung, also der straffen Bundesstaatsidee zwar ungemein günstig sind, aber eine teilweise Reaktion auf diese allzuweit getriebene Entwicklung nicht ausbleiben kann und, wie ich an anderer Stelle gezeigt habe, das Moment der Selbstverwaltung in der Zukunft eine etwas größere Rolle spielen dürfte. Die Auffassung darüber, was Staatenbund und was Bundesstaat sei, bezw. wann die erste Form in die zweite übergeht, ist nun recht schwankend und erklärt sich eben daraus, daß das Leben sich nirgends an die Schablone kehrt, auch nicht an die der rechtlichen Begriffe. Umso vorsichtiger und gewissenhafter müssen also diese Probleme in der Politik als der Wissenschaft von den tatsächlichen und nicht etwa bloß den formal staatsrechtlichen Staatsdingen behandelt werden, wenn wir nicht in diesen Zeiten oder später Gefahr laufen sollen, daß uns die Scheinwelt der Rechtsbegriffe in Bezug auf die staatlichen Notwendigkeiten in die Irre führt. Es ist nun keine Frage, daß die ältere Form des Staatenbundes vor den heutigen, seitdem so umfassend umgestalteten außer- und innerpolitischen, kulturellen, volkswirtschaftlichen und militärischen Verhältnissen nicht bestehen kann. Der korporative Charakter des Staatenbundes, wie er übrigens in einigem Umfange auch im deutschen Bunde vorhanden gewesen ist, wird mehr wie seither betont werden müssen, und die staatsrechtliche Schablone vom völkerrechtlich-gesellschaftlichen Staatenbund darf heute umso weniger maßgebend sein, als sich die völkerrecht lichen Beziehungen von Grund auf zu ändern im Begriffe sind und gerade durch die Tendenz zu Staatsgemeinschaften um den vorsichtigsten.Ausdruck zu gebrauchen einer andersartigen Ausgestaltung unterziehen müssen. So stehen wir, wie ich glaube, unmittelbar vor der Notwendigkeit, eine neue Art von Staatsform zu schaffen, die ich selbst nicht zögere als Staatenbund zu bezeichnen, weil eben jeder auf die Dauer berechnete Staatenbund der Bundeszentrale gewisse Herrschaftsrechte zuerkennen muß, die aber von demjenigen, der von der Flüssigkeit derartiger Rechtsbegriffe nicht so überzeugt ist, als ein Mittelding zwischen Staaten bund und Bundesstaat betrachtet werden könnte. Will man jedoch auf die Gefahr hinweisen, die bei allen loseren Staatsgesügen besteht, daß die Garantien eines dauernden Bestehens nur gering sind, so möchte ich an dieser Stelle nur die beiden folgenden Umstände zu bedenken geben: Einmal haben wir es nicht mit einer fertigen, starren, sondern mit einer ungemein variablen und entwicklungs fähigen Form zu tun; und sodann handelt es sich hier nicht um eine theoretisch dogmatische Entscheidung, sondern um die reale Tatsache einer durch verschiedene Verhältnisse fundierten dauernden Vergesellschaftung. Und im übrigen mag der große Aristoteles das Wort haben (Politik IV, 1): Er (nämlich der tüchtige Gesetzgeber und der wahre Staatsmann) muß ermitteln können, welche Ver fassung für alle verschiedenen Staaten am besten paßt. Denn hier sind die Schriftsteller über Politik, wenn sie auch im übrigen viel Gutes sagen, in der 47 Angabe des praktisch Brauchbaren fehl gegangen. Nicht bloß auf die beste Ver fassung nämlich hat man den Blick zu richten, sondern auch auf die mögliche, ingleichen auf eine solche, die sich überall leichter einführen und allgemeiner an wenden läßt. Es ist aber vielmehr die Aufgabe, eine solche politische Ordnung einzuführen, deren Annahme sich auf dem Grunde der bestehenden Verhältnisse sofort empfiehlt, und für die sich die Teilnahme aller als leicht zu gewinnen herausstellt; denn es ist kein weniger schwieriges Stück Arbeit, eine Verfassung zu verbessern, als eine solche von vorn herab aufzustellen." Für das Zusammengehen von Deutschland und OsterreickMngarn ist die Möglichkeit eines derartig engeren Gesüges ohne weiteres gegeben, da eine ganze Reihe der verschiedensten wirtschaftlichen, nationalen, sonstigen kulturellen und historischen Beziehungen wie auch die in diesem Weltkriege besiegelte Waffen brüderschaft und politische Brüderschaft darauf eingestellt sind. Politisch ist diese engere Staatsgemeinschaft, also der Staatenbund, eine Notwendigkeit, wenn wir wie auch die Nachbarmonarchie ihre Stellung behaupten und gegen die durch Volksvermehrung unausbleiblichen Machtverschiebungen der Nachbarn verteidigen sollen. Denn erst mit dem Ausbruch des Weltkrieges sind wir in Gemeinschaft mit Österreich-Ungarn zu einer wirklichen Weltmachtstellung gekommen und diese gilt es für die Dauer zu festigen. Deutschland selbst hatte seither trotz der vielgehegten Weltmachtspolitik keinen Anspruch auf den Namen Weltmacht; das deutsche Reich ist für sich allein volkswirtschaftlich wegen der Unvollständigkeit seiner Produktion und völkisch wegen der geringen Geburtenfreudigkeit seiner Bevölkerung und wegen mancherlei anderer Stillstandserscheinungen sowie auch wegen seines Mangels an Raum und Siedlungsland nur als eine Großmacht zweiten Ranges neben dem russischen, nordamerikanischen, mongolischen und neben dem allerdings eigenartigen britischen Weltreich zu bewerten. Und das ist nun auch der schwere politische Fehler unserer Feinde, daß sie die Notwendigkeit der hier angedeuteten Entwicklung nicht rechtzeitig erkannt haben: In dem Moment, wo die Unmöglichkeit offenbar wurde uns ohne jede Einschränkung niederzuringen und Österreich-Ungarn aufzuteilen, in dem Moment, wo also vom Standpunkt unserer Feinde aus ein halber, nicht voll ausnutzbarer Sieg als das erreichbare Maximum ihres Erfolges erscheinen mußte, war die Entstehung eines neuen und wirklichen Weltreiches" besiegelt, unser Platz an der Sonne also unabänderlich gesichert und der weitere Krieg politisch nutzlos. Wollen wir also in Gemeinschaft mit unferm nächsten Verbündeten das Maximum an Schutz und politischer Macht nicht kurzsichtig unseren Händen wieder entgleiten lassen, so bleibt uns nur der Weg einer innigeren Staatengemeinschaft, also eines modernen Staatenbundes übrig. Die Festlegung der Machtbefugnisse eines solchen Staatenbundes muß den dazu Berufenenen überlassen bleiben, und auch von diesen ist auf die spätere Entwicklungsfähigkeit desselben von vornherein Rücksicht zu nehmen. Notwendig und zur Wesensnatur eines solchen Staatenbundes gehörig ist die gemeinsame militärische und wirtschaftliche Vortretung nach außen, die militärisch gemeinsame Organisation ähnlich etwa wie sie zwischen Preußen und Bayern vorliegt, sowie 48 eine gegenseitige Ergänzung des volkswirtschaftlichen Aufbaus, wie sie durch wirtschaftliche, verkehrspolitische u. dgl. Vorrechte allmählich von selbst erwachsen und sich aufbauen muß. Dabei ist jedoch ein Fallen aller Zollschranken oder gar die Erlangung allgemeiner Freizügigkeit der Personen und Güter weder notwendig noch im Interesse einer harmonisch-stetigeren Entwicklung der Volks wirtschaft wünschenswert, sofern nicht eine scharf durchgreifende Zonentarifpolitik die gleichen Dienste leisten kann. Durch die genannten Momente des gemeinsamen Überbaus wird natürlich auch ein Finanzsystem des Staatenbundes notwendig. Dasselbe müßte von vornherein auf eine einwandfreiere Grundlage wie die Im matrikularbeiträge eingestellt und vor allen Dingen für die Zolleinnahmen an der Grenze gegen das Ausland zuständig sein, während jeder weitgehende Eingriff in die Steuersysteme der einzelnen Staaten des Bundes weder zweckmäßig noch durchführbar erscheint. Wünschenswert und sehr nahe liegend, aber nicht notwendig erscheint die Schaffung gleicher Maße, Münzen und Gewichte und verwandter Einrichtungen. Dagegen würden von der Staatenverbindung unberührt bleiben das gesamte Zivil- und Strafrecht, die übrige Gesetz gebung, das Finanzsystem, die Verwaltung und Verfassung, Schule und Kultus, Bahn und Post, wenn auch hier und da und namentlich auf letzterem Gebiet eine allmähliche Assimilation von selbst gegeben sein wird. Jedenfalls bleiben dann und auch abgesehen von den militärischen und außenpolitischen Dingen Beziehungen genug, um eine gemeinsame regierende Körperschaft und eine sie ergänzende beratende Körperschaft für ständig zu erfordern. Die regierende Körperschaft würde unserem Bundesrate zu entsprechen haben und hätte demgemäß auch einen analogen Abstimmungsmodus unter Zuwägung.verschiedener Stimm zahl an die einzelnen Staaten, wobei einer Majorisierung s prioi-i durch den an Stimmen mächtigsten Staat natürlich Grenzen gezogen sein müßten. Es liegt hier zweifellos eines der schwierigsten Probleme der ganzen Frage vor; seine erträgliche Lösung erscheint mir überhaupt nur angängig, wenn die einzelnen Staaten nach den verschiedensten, auch nicht körperschaftlich gepflegten Richtungen hin eine Organisierung ihrer Beziehungen (Arbeitsteilung zwischen den einzelnen Volkswirtschaften, Regelung der Ausländerfrage usw.) ausbauen, wie ein solcher Ausbau allerdings sehr nahe liegt. Dann allein wird sich, also unter Fortfall ernsterer Interessengegensätze, eine objektive Abwägung und Abstimmung auf die Dauer garantieren lassen, dann würde ein ähnlicher Modus geschaffen werden, wie er außerrechtlich im deutschen Bundesrat besteht, nämlich im allgemeinen eine Harmonie der preußischen mit den meisten übrigen Interessen. Die geforderte regierende Körperschaft, über die theoretische Vorschläge im einzelnen zu machen ein Unding wäre, muß nun durch einen Reichsrat oder Staatsrat zur Prüfung der in sein Bereich fallenden Probleme ergänzt werden, wobei eine lediglich beratende und Vorschläge machende Tätigkeit genügen könnte. Bei der Schwierigkeit der Materie und dem geringen Umfang ihres Arbeits gebiets (im Verhältnis zu dem der üblichen Parlamente) kann hier nur von einer ernannten und darum von einer mit der regierenden Körperschaft in enger Fühlung gehaltenen Körperschaft, vielleicht auch nach Art der deutschen Bundesratsausschüsse,- 49 - die Rede sein. Die Furcht vor einer Komplizierung der Staatsmaschine darf bei einer solchen Doppelgründung ebensowenig maßgebend sein, wie im Hinblick auf die Tatsache, daß dem Überbau des reichsdeutschen Bundesstaates nun noch ein neuer Überbau hinzugesellt wird. Leider hatte sich Bismarck durch solche Be fürchtungen abhalten lassen, neben dem Reichstag und dem Bundesrat eine Art Staatsrat oder Oberhaus in den Verfassungsbau einzugliedern, wie eine solche Ergänzung noch von ihm selbst später in einem deutschen Volkswirtschaftsrat versucht worden ist, und wie ich eine solche unter der Bezeichnung eines Staats rates an anderer Stelle gefordert habe. Überbaue gehören nun einmal zum Wesen alles Organischen und Menschlichen und sind auch im Reich wie in Österreich- Ungarn bereits in verschiedenen Staffeln vorhanden. Eine andere Frage ist aber die, ob angesichts einer solchen Neuordnung nicht die innerpolitische Verfassung im Reich und in Österreich-Ungarn harmonischer ausgebaut werden kann, indem im Reich z. B. die Thüringer Zwergstaaten zu engerem Zusammenschluß gebracht werden und Waldeck, das schon längst mit Preußen in Verwaltungsgemeinschaft steht, verschwindet, und indem die einzelnen Teile der österreichisch-ungarischen Realunion und vielleicht auch einmal ein abgegliedertes Serbo-Kroatien oder Polen-Galizien als gleichberechtigt in den Staatenbund eintreten. Geschieht diese Vereinfachung jetzt nicht, also vor allem für Österreich und Ungarn, so dürfte die allmähliche Ausgestaltung des Staatenbundes und die allmähliche Assimilation der Verhältnisse seiner Teile doch diese einfachere Form des Staatenbundes sicher lich heranreifen lassen. Ob und wann die übrigen Verbündeten in den Staatenbund eintreten, ob sie auf der Stufe organisierter Bündnisse verbleiben werden, muß der praktischen Lösung überlassen bleiben. Jedenfalls ist die Aufnahme in den Staatenbund, ich möchte sagen in die Vereinigten Staaten von Europa" das natürliche und nicht nur bedingt durch politische und wirtschaftliche Grundlagen, sondern auch durch die Blutsbruderschaft dieses Krieges. Dabei wird auf dem Balkan die Zusammenlegung auseinandergerissener Volksteile notwendig sein und so auch die Abrundung Bulgariens, des Zentralstaates" auf dem Balkan vollendet werden können. Rumänien aber wird vielleicht doch auf dem Wege des Zwanges dem Staatenbund eingefügt werden müssen. Nicht viel anders liegt es mit Belgien und mit Polen. Belgien müssen wir, wenn es nicht ein Spielball der englischen Macht werden soll, unserem Staatenbund angliedern; am zweck mäßigsten und natürlichsten erscheint mir dafür ein selbständiges Staatswesen, das wir aber solange nach Art des Reichslandes fester am Zügel halten müssen, bis die Wogen sich geglättet und die Assimilation seiner Kultur und Volkswirt schaft sich bis zu einem gewissen Grade vollzogen haben wird. Eine militärische Besatzung auf eine Reihe von Iahren würde neben der militärischen Sicherung noch den Vorteil haben, daß das germanische, bezw. das vlämische Element gestärkt würde, wie wir dies jetzt schon in gewissem Umfange beobachten können. Jedenfalls wird man bei der künftigen Gestaltung Belgiens die vlämische Frage in den Vordergrund rücken müssen. Schwieriger erscheint mir die Gestaltung Polens. Seine Aufnahme in den Staatenbund muß geschehen. Sie ist sogar 430 zusammen mit der Erwerbung eines großen Teiles der russischen Ostseeprovinzen für die Aufnahme Belgiens die Vorbedingung, da nur so die Hochkonjunktur dieses Landes und seine industrielle Bevölkerung durch rein landwirtschaftliches Gebiet wirtschaftlich und völkisch genügend kompensiert werden kann. Am zweckmäßigsten und natürlichsten erscheint mir ein selbständiges Polen, sofern es gelingt, Galizien und den reinpolnischen Landstreifen Preußens hinzuzu bekommen, das dafür durch die Ostseeprovinzen und das Gebiet von Suwalki hinreichend entschädigt wäre. Gelingt aber diese Feldbereinigung nicht, dann ist eine Angliederung an Österreich bezw. an das Kronland Galizien, womöglich mit Einbeziehung des preußischen Grenzstreifens das gegebene. Jedenfalls braucht man ein selbständiges und obendrein katholisches Polen im Hinblick auf Ruß land nicht zu fürchten, sofern es nur in den zentraleuropäischen Staatenbund und seine Militärgemeinschaft einbezogen ist. Von drei Seiten eingeschlossen, gehört es zu uns und wird auch von Rußland ohne allzugroße Schwierigkeiten ab getreten werden, da es militärisch nicht gut gehalten werden kann. Die mit solchen Verschiebungen gegebenen parlamentarischen Fragen und die Befürchtungen einer gewissen politischen Angstmeierei vor nationalen Schwierig keiten in den Parlamenten sollen zum Schlüsse dieses Kapitels gestreift werden. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß in dem größeren Rahmen eines Staaten bundes die kulturelle und nationale Verselbständigung der national völlig ein heitlichen Gebiete das naturgemäße ist und sich darum im Laufe der Zeit bei weiterer Assimilation der Gliedstaaten von selbst aufdrängt, wo man von vorn herein dieser Lösung noch aus dem Wege gehen möchte. Um den hier in den Grundzügen angedeuteten Staatenbund würden sich nun eine Reihe kleinerer Nachbarstaaten als ein Gürtel von Staaten gruppieren, die zu uns in dem Verhältnis organisierter oder dahin auszugestaltender und vor allen Dingen militärisch orientierter Bündnisse stehen würden. Wirtschaftlich tritt auch diese Staatenzusammenfassung nach außen im allgemeinen gemeinsam auf, kulturell und wirtschaftlich sind die einzelnen Staaten nach innen in größtem Umfang unabhängig. Durch Aufnahme der Türkei in der einen oder andern dieser Formen wird in ihr unter Ausschließung anderer Einflüsse ein großes völkisches, kulturelles und wirtschaftliches Interessengebiet für die zentraleuropäische Staatengruppe erschlossen und zugleich die Landbrücke geschlagen zu einem nord ostafrikanischen Kolonialreich, das zur weltwirtschaftlichen Abrundung notwendig und aus militärischen Gründen zweckmäßiger ist als zersprengte Qberseekolonieen. Um den vom Deutschtum geführten Staatenbund und um den Gürtel von Staaten im organisierten Bündnis legte sich dann eine weitere Zone der lose abhängigen Staaten, die im Laufe der Zeit die Ergänzung abgeben würden zu einem Staatensystem, das das Festland von Europa, Westasien und Nord afrika umfaßte. Frankreich und die übrigen Mittelmeerstaaten werden in Politik und Volkswirtschaft an der Zentralstaatgruppe schon Kraft ihres Bestehens Rückhalt suchen müssen. Das gemeinsame Interessengebiet dieser Staaten wäre Nordwestafrika. Auch Rußland würde zu uns in ein ähnliches Verhältnis gelangen, wenn es in Asien beträchtlich zurückgedrängt werden sollte. In hohem- S1 - Maße begünstigt würde diese Entwicklung für Rußland wie für Frankreich, wenn wir auf die an der Grenze gelegenen Machtquellen die Hand legten. Es ist bei einer solchen Zentralstaatpolitik, die natürlich nicht fertig bei den kommenden Friedensverhandlungen aus der Netorte zu kommen braucht, selbst verständlich, daß wir diesen lose abhängigen Staaten gegenüber (also gegenüber Frankreich, Italien usw.) uns sehr zurückhaltend, also ipsistisch verhalten müssen. Für sie etwa Politik zu treiben, dafür liegt für den mächtigen Staat gar keine Ver anlassung vor. Auch fehlen für die Entwicklung eines organisierten Bündnisses zu nächst die Grundlagen, können sich aber in gewissen Grenzen im Laufe der Zeit und namentlich auf wirtschaftspolitischem Unterbau entwickeln. Man wird ihre äußere Politik, soweit sie nicht gegen uns gerichtet ist, ruhig sich selbst überlassen dürfen; es ist die Politik des deutschen Reiches gegenüber der französischen Republik in den letzten 40 Iahren, die hier nicht nur gegenüber Frankreich selbst, sondern auch gegenüber Italien und namentlich auch Rußland gegenüber gutgeheißen wird. Ihre wirtschaftlichen und militärischen Interessen werden in dem Maße den unseren parallel sich einstellen müssen, je mächtiger und gefestigter der Zentralstaat dasteht, je mehr aber auch die Nachahmung auf dem Gebiet der Politik die anderen Weltreiche nach Staatensystemen und Interessensphären außerhalb Europas in ähnlicher Weise wie dort zum Zusammenschluß führt. Dabei muß natürlich jeder dieser Staaten individuell behandelt werden, namentlich auch Rußland, das sich innerhalb der ihm gesteckten Grenzen und Interessensphären immer noch zu einer wirklichen Großmacht entfalten kann. Der politische Schutz, den wir diesen Staaten in unserem Interesse gewähren, könnte in der Hauptsache nur darin gesucht werden, daß wir ihnen Beistand gegenüber nichtkontinentalen Großmächten, also namentlich gegen das Mongolentum und gegen das britische Weltreich für den Fall garantieren, daß eine Einverleibung ihres Gebietes in Frage kommt, während einer kriegerischen Auseinandersetzung wir im allgemeinen ruhig zusehen sollten. Wir dürfen also z. B. eine allzugroße Zurückdrängung Rußlands zu gunsten einer äußeren Macht eine Abspaltung von Nationen im Innern können und werden wir nicht verhindern ebenso wenig zugeben, wie eine Störung der Kreise der Romanen in Mittel- und Nordwestafrika oder gar eine Besetzung französischer Küstengebiete durch England. Wir postulieren also eine Art Monroedoktrin für das europäische Staatensystem in Bezug auf das kontinentale Europa mit Westasien sowie der ganzen Nordhälfte Afrikas, kümmern uns aber im allgemeinen nicht um die Politik der genannten Staaten außerhalb dieses Gebiets. Besondere Bedeutung besitzt in diesem Zusammenhang die republikanische Frage. Ob an der Spitze eines Staates ein Monarch oder Präsident steht, ist nur das äußere Zeichen eines tiefgreifenden Unterschiedes. Die übliche Unter scheidung nach diesem Merkmal trifft nicht den Kern des Problems, indem der ganze Aufbau des Beamtenapparates ein generell verschiedener ist. Demgemäß ist die parlamentarische Monarchie, wie wir sie so oft finden, von der üblichen Form der Republik nicht so wesentlich verschieden. Wir werden uns nun mit beiden Formen abfinden müssen, auch innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft. 4* 52 Wir haben in erster Linie nur ein Interesse daran, daß unsere eigene Entwicklung diesen Weg der Demokratie nicht weiter beschreitet, daß sie im Gegenteil sich zu einer stärkeren Betonung des Einflusses der Oberschicht zurückfindet. Da auf diesem Gebiete die Nachahmung nicht zu verkennen ist, so dürfte dann im Laufe der Zeit eine Assimilation der tatsächlichen Zustände an die Verfassung des mächtigen Zentralstaates von selbst gegeben sein und dann sicherlich auch eine verfassungsmäßige Umbildung vorbereiten. Die Frage militärischer Garantien für die Unauflösbarkeit der in einer Staatengemeinschaft durch organisierte Bündnisse enger zusammengeschlossenen Staaten (also mit Ausschluß des zentralen Staates, bezw. zentralen Staaten bundes, sowie auch jener eben erwähnten lose abhängigen" Staaten) findet in der Vormachtstellung einer deutsch-österreichischen Zentralmacht ihre Lösung. Ahnlich wie in dem Verhältnis Preußens zu den großen deutschen Bundesstaaten, wird sich eine allgemeine militärische Organisation mit Osterreich und den übrigen Staaten ausbilden können, bei der den Deutschen die führende Stellung zufällt. Die vertragliche Festlegung derselben wird dann auch ein wichtiger Teil der organisierten Bündnisse darstellen, während andererseits die kulturellen und wirtschaftlichen Grundlagen dieser Bündnisse wiederum eine Festigung des militärischen Zusammenschlusses bedeuten müssen. Damit verliert die Sicherung der militärischen Vormacht durch die zentrale Lage von Geschütz- und Munitions fabriken, durch die zen ralftaatlich besonders betonte Schaffung technischer Truppen und ihrer verschiedensten Hülfsmittel naturgemäß allmählich an Bedeutung. Der Rückhalt, den die Niederlassung von Angehörigen der Zentralstaatsgruppe in den verschiedensten Gebieten der weiteren Staatengemeinschaft bildet, liegt auf dem Gebiet der gegenseitigen wirtschaftlichen und kulturellen und der dafür vorbereitenden sprachlichen Verständigung. Indem alle diese verschiedenen Be ziehungen den einzelnen Nationen in Fleisch und Blut übergehen, wird auch die politische und militärische Geschlossenheit des Staatengebildes immer sicherer gewährleistet. Diese Entwicklung ergibt sich bei einer starken und friedlich gesinnten, die inneren Verhältnisse der einzelnen Völkerschaften achtenden Zentralmacht ganz von selbst. Andererseits aber ist alles hinfällig, wenn diese Vormacht auf eine bevölkerungspolitische und rassenhygienische Politik verzichtet, ihre völkische Zunahme ausbleibt und ihre rassische Tüchtigkeit abnimmt, oder wenn sich der Bevölkerungsüberschuß in alle Länder zerstreut, statt in bestimmten Bahnen zu verlaufen. Daß dabei auch die allmähliche Assimilation der zum Teil hervor ragend lebenskräftigen slavischen Elemente einen völkischen Zuwachs bedeuten kann, muß im Gegensatz zu gewissen Rassenromantikern noch ausdrücklich betont werden. Von verschiedenen Seiten wurde auf die Notwendigkeit der Umsiedelung und Scheidung verschiedener Volkselemente bei neuen politischen Grenzen hin gewiesen, so wie wir dies nach dem Balkankrieg auf der Balkanhalbinsel und in ähnlicher Weise von Seiten Japans in Ostasien beobachten konnten. Nach den früheren Ausführungen über die Geringfügigkeit der Rassenunterschiede bei nahe verwandten Völkern erledigt sich diese Forderung ohne weiteres, insoweit nicht 53 - wirklich durchgreifende Nassenunterschiede in Frage kommen. Es liegt hier vielfach eine Verwechslung von Sprache und Rasse vor, obendrein ein Verzicht auf völkische Politik und endlich eine gewisse politische Feigheit in Anbetracht der Möglichkeit parlamentarischer Konflikte. Es besteht für solche nationale Minderheiten im allgemeinen sehr wohl die Möglichkeit eines friedlichen Neben- einanderarbeitens mit der den Staat tragenden Nation, wie wir in einem der nächsten Abschnitte noch auszuführen haben. Anders liegt die Sache bei scharf unterschiedenen Rassenunterschieden, so bei dem Unterschied zwischen Slaven und Türken oder zwischen Germanen und Slaven einerseits und den Juden andererseits, überhaupt zwischen Nationen, die schon darum rassisch entfernter verwandt sind, weil sie geographisch streng geschieden sind oder ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet nach von anderen Nationen getrennt waren (so auch die Großrussen in den Ostseeprovinzen). Dann erscheint in gewissem Umfang eine Umsiedlung allerdings geeignet, mehr Ruhe und Harmonie in die völkische Entwicklung der betreffenden Gebiete zu bringen. Nur wird es nicht notwendig sein, solche völkische Umsiedelungen zwangsweise innerhalb kurzer Zeit durchzuführen; man wird hier sich mit Umsiedlungszeiten, die Jahrzente umfassen, begnügen können, auch aus dem Grunde, weil sich die zweckmäßige Wiederbesiedelung mit einwandfreien Volks elementen auch nicht schneller durchführen lassen kann. Denn was viel wichtiger ist und die überschüssigen völkischen Kräfte in der Hauptsache festlegen wird, ist die kolonisatorische Besiedelung außerhalb der engeren Reichsgrenzen und namentlich in den zu behauptenden Kolonien, wie auch in einigen Teilen Südamerikas, wo das Fortbestehen des germanischen Volkstums ähnlich dem der Sachsen in Siebenbürgen gewährleistet erscheint. Dabei wird man nach dem Vorbild Japans etwas mehr organisieren und dazu auch eine Verzettelung des Auswandererstroms nach uns völkisch indifferenten Gebieten einschränken müssen, indem von vornherein die Bildung geschlossener Gemeinwesen ins Auge gefaßt wird. Dem jüdischen Rassenproblem gegenüber werden wir nicht mehr indolent bleiben können, sobald Polen mit seinen Millionen Israeliten, das mit Galizien in gewissem Sinne als Stammland des Judentums angesehen werden darf, unserer Staatengruppe angegliedert wird. In diesen Gebieten wird für das be weglichste und rassenfremdeste Element neben einer Beschränkung der Freizügigkeit eine teilweise Umsiedelung nach einem oder mehreren geschlossenen Reservat- Gebieten unter Schaffung einer gewissen politischen Selbstverwaltung nicht auf die Dauer zu umgehen sein, womit die Wünsche der Zionisten, der Antisemiten und Rassenhygieniker zugleich ihre Erfüllung finden würden. Die Frage, ob ein solches Gebiet Palästina ist oder nicht, ist dabei Nebensache. Die Frage der Stellung zu neu angegliederten Volkselementen ist nur ein besonderer Fall jenes allgemeinen Problems, das ich als Ulsterproblem bezeichne. Ich verstehe darunter die Frage nach der Behandlung der durch Nation, Religion und Sprache bedingten Minderheiten innerhalb eines Staatswesens. Je mehr__ 54 - der moderne Schnellverkehr die Entfernungen überbrückte, je mehr auch zugleich die konstitutionellen Formen der Mitregierung der Bevölkerung sich einbürgerten, umso brennender mußte diese Frage werden und es ist geradezu symbolisch, daß dem gewaltigen Weltkrieg die Verwicklungen in der in der Selbständigkeit bedrohten Landschaft Ulster vorausgingen, und die britische Regierung weder militärisch, noch durch friedliche Abhülfe hier Wandel schaffen konnte. In Osterreich gingen ähnliche Verhältnisse voraus; auch die serbischen Konflikte hängen ja damit zusammen. Militärische, wirtschaftliche und völkische Gründe verlangen eine Ausdehnung des deutschen Gebietes über die sprachlichen Grenzen hinaus. Allein da kommen die Angstmeier und Bequemlichkeitsapostel und verkünden ihr Evangelium: um Gotteswillen keine Einverleibung fremder Volksteile! Haben wir nicht an unfern Polen genug, seht die Verhältnisse in Österreich vor dem Kriege usw." Es ist eine Politik der Schwäche und der Demokratie, die damit zum Wort kommt, sie ist obendrein unhistorisch durch und durch und sie beseitigt auch nicht das Problem, weder für uns Reichsdeutsche, noch für die heutigen österreichischen Landesteile. Wir kommen also so oder so um eine Lösung des Problems der Stammes- und Sprachenminderheit nicht herum. Die aber kann nur gefunden werden in einer teilweisen staatsrechtlichen Verselbständigung der nationalen Minoritäten, wobei ich zur Verhütung von Mißverständnissen ausdrücklich betone, daß nur kulturellsprachliche, nationale und unter Umständen religiöse Minderheiten hier in Betracht kommen dürfen, während durch Klasseninteressen und rein politische Anschauungen bedingte Minderheitsparteien hier völlig ausscheiden. Ich habe in meinem größeren Werke ausführlich auseinandergesetzt, wie aus wirtschaftlichen, kulturellen, rechtlichen und verwaltungstechnischen Gründen eine gewisse Verselbständigung der sich natürlich abhebenden Bezirke, der Gaue und Landschaften, erforderlich wird, wie es im besonderen auch gilt, die teilweise wirtschaftliche Selbständigkeit dieser Gebiete nicht wie heute üblich als Relikte aus früheren volkswirtschaftlichen und sozialen Epochen zu behandeln, sondern als integrierende, in vielem die Bedeutung der Einzelgemeinde übertreffende Teile, geradezu als naturgemäße Einheiten des staatlichen und volkswirtschaftlichen Organismus. Ich vertrete darum auch die Auffassung, daß es notwendig ist, ihnen ein größeres Maß von Abrundung und Selbstverwaltung im Gegensatz zu den oft schablonenhaften, und für die verschiedenen Gebiete staatlichen Lebens (Gericht, Verwaltung, Parlamentsvertretung usw.) sich gegenseitig durchkreuzenden Bezirks- und Kreiseinteilungen zuzuerkennen. Es gibt keine natürlichere Grundlage neben den volkswirtschaftlichen Be ziehungen für diese Einheiten als die gemeinsame Kultur, Nationalität und Sprache. Sie müssen also in einem einheitlichen staatlichen Gebiet, innerhalb dessen in dieser Beziehung Verschiedenheiten bestehen, sich nach diesen Momenten besonders scharf abheben. Die Lösung des Ulsterproblems wird nun zum größten Teil darin gefunden werden müssen, daß das Maß der Selbstverwaltung für diese Bezirke noch erhöht wird. Damit wird im Anschluß an die auch aus anderen Gründen zu fordernde Verselbständigung der Einzelbezirke die 5b Frage der nationalen Differenziertheit überall da geregelt, wo die Minderheit in geschlossenen oder fast geschlossenen Gebieten auftritt. Da aber, wo eine wirkliche Mischung vorliegt, wird eine wirtschaftliche und verwaltungstechnische Einheit analog wie in einheitlichen Bezirken geschaffen werden müssen, die sich aber von den in einheitlichen Bezirken vorliegenden Verhältnissen durch eine in kulturellen, sprachlichen und religiösen Dingen zu bildende Doppelverwaltung unterscheidet. Es wird sozusagen dasjenige Prinzip auf andere und durchgreifende Verhältnisse übertragen, das wir in verschiedenen deutschen Bundesstaaten für das Nebeneinander der Konfessionen und in einzelnen österreichischen Kronländern für die parlamentarische Vertretung verschiedener Nationen vorfinden. Die beiden Volks elemente können sich in solchen Gebieten beliebig durchdringen und vermehren, ihren Einfluß, ihren Besitz verschieben, es wird stets ein Ausgleich der Interessen erreicht werden können. Daß Reibungen nicht damit ausgeschlossen werden, ist selbstverständlich, ist aber auch nicht notwendig; sie treten auch überall in einheitlichen Gebieten zwischen den Individuen und Ständen der Bevölkerung auf. Sie sind sogar in gewissem Umfange notwendig, und nur eine angstmeierisch angelegte, unmännlich-friedsame Gesinnung vermag zu wünschen, daß die Reibungen durch ein angeblich vollkommenes System ausgeschaltet werden. Dieses System wäre dann eben nicht vollkommen, denn damit würde jeder Wetteifer ausgeschaltet werden, während gerade in solchen gemischt-nationalen Gebieten die moderne Form des Kampfes, das Messen der nationalen Kräfte in Hinsicht auf die volkswirtschaftliche und die kulturelle Tüchtigkeit und, was noch entscheidender ist, auch in Hinsicht auf die Vermehrungstüchtigkeit der einzelnen Volkselemente ermöglicht wird. Derartige Reibungen und Verschiebungen werden bleiben und bleiben müssen; es ist nur notwendig, daß sie nicht politisch zu einer Störung der Staatsmaschine sich auswachsen, wie dies unter einem schablonenhaften Majoritäts system nicht ausbleiben kann; ich rede wohlgemerkt nur von einer Störung der Staatsmaschine, und nicht etwa von Kämpfen und Reibungen innerhalb der gesetzgebenden Körperschaften. Diese Reibungen werden immer bestehen, es müssen ihnen nur gesetzliche Bahnen geschaffen werden, in denen sie nützliche Arbeit ver richten können, wie man dem Fluß Dämme gibt und Flußregulierungen schafft, die eine verwüstende Wirkung verhindern, die Ausnützung seiner Kräfte aber erhöhen. Es ist darum auch im System der Volksvertretung nur für solche Dämme zu sorgen, die eine verwüstende Wirkung der nach mannigfachen Richtungen auseinanderstrebenden Volkskräfte unmöglich machen. Diese Sicherung ist ge währleistet durch den von uns an anderer Stelle ausführlich entwickelten anders artigen Aufbau von Verwaltung, Volks- und Berufsvertretungen, bei dem durch die Einbeziehung des Ulsterproblems eine ganze Reihe neuartiger staats rechtlicher Aufgaben sich ergeben, mit deren Andeutung wir uns jedoch hier be gnügen müssen. Wie wir für den gemischten Bezirk eine Nebenverwaltung gefordert haben für alle für das Ulsterproblem in Betracht kommenden Verhältnisse, so ist in ganz analoger Weise für den Bundesstaat, das Kronland u. dgl. eine doppelt- gegliederte Organisation auszubilden. Von anderer Seite freilich wird der Wert_ 56 neu angegliederter Bevölkerungsteile und damit indirekt von neu zu erwerbenden Landesteilen als eine große Gefahr eingeschätzt werden. Diese Leute und es sind ihrer viele sagen, daß nur der Nationalstaat stark sei, und fremde Volksteile ein nationales Unglück. Wenn man aber genauer zusieht, dann ergibt sich, daß diese Schwäche und Gefahr eben nur der Angst vor dem Parlamente entspringt, der parlamentarischen Angstmeierei. Und man hat denn staatsrechtliche Ungeheuer schaffen wollen, um dem zu entgehen. Diese Befürchtungen sind denn doch zu weit getrieben; freilich an Bequemlichkeit wird das parlamentarische Leben verlieren und ein energieloses Beugen unter den allerheiligen Willen einer gegebenen Konstitution wird nicht das bequeme All heilmittel bedeuten können. Nicht Starrheit und tote, den Interessen des Staates dauernd zuwiderlaufende Form bedeutet Staatsgesundheit und staatsrechtliche Ge rechtigkeit, sondern staatsrechtliche Regelung überhaupt ist erforderlich. Wo also nationale und andere Schwierigkeiten innerhalb der Parlamente erwachsen und ihr Charakter sie nicht als vorübergehende Erscheinung offenbaren sollte, da gilt es in männlicher Entschlossenheit wie bei einer rechtzeitigen ärztlichen Operation die parlamentarische Form so neu zu gestalten, daß sie den Lebensbedürfnissen des Staates wieder entspricht. Das Recht und mit ihm das Verfassungsrecht in Bezug auf die Natur der Parlamente ist nicht Selbstzweck, dem alles andere untergeordnet oder geopfert werden muß. Das Recht des Parlaments gibt lediglich die Form an, innerhalb der Reibungen und Gegensätze ihren Ausgleich finden können, und diese Form zu ändern, wenn das Staatsbedürfnis dies unbedingt erforderlich macht, iit nicht Vergewaltigung des Rechtes u. dgl. mehr, sondern politische und patriotische Pflicht. Selbstverständlich ist in der obersten Regierung und Verwaltung, im Heer wesen u. dgl. die Sprache der führenden Nation als das natürliche von selbst ge geben. Damit wird auch zugleich in weiten Kreisen der Bevölkerung eine Gemischt sprachigkeit und Assimilation an die herrschende nationale Kultur bedingt. Für die tonangebende Nation erwachsen dabei freilich auch neue kulturelle Aufgaben und Ziele, ohne die es kein kulturelles Wachstum gibt, wie wir dies bisweilen bei jenen Nationen beobachten müssen, die friedlich unter sich, gleichsam wie von einer geistigen chinesischen Mauer abgeschlossen, der Gefahr der kulturellen Er starrung ausgesetzt sind. Auch in kulturellen Dingen ist Wachsen, Ausdehnung und die Anpassung der Verfassung und Gesetzgebung an die Bedürfnisse des Staates Lebensbedingung; das muß allen denen entgegengehalten werden, die das fälschlich zum Nationalitätenprinzip erhobene Sprachenprinzip einer schablonen haften, angeblich ewig sich genügenden politischen Neugestaltung zugrunde legen wollen. 8. Kapitel. Die außereuropäischen Probleme einschließlich des britische . Wie schon betont ist hier keineswegs eine systematische Erörterung politischer Probleme beabsichtigt, auch nicht im Abriß. Immerhin erfordert die konsequente Fortführung und die Erläuterung der hier entwickelten Prinzipien einige Hin- 57 weise auf die außereuropäischen Fragen, zu denen ihrer ganzen Natur nach auch die nach dem Fortbestand und der Entwicklung des britischen Weltreiches zu rechnen ist. Da ist zunächst das ostasiatische Problem. Eine völkisch eingestellte und auf dem- Prinzip des Zentralstaates aufgebaute deutsche Politik hat in Ostasien nichts und rein gar nichts zu suchen. Selbst bei einer wirtschafts imperialistisch orientierten Politik, die in Ostasien sich ein Interessengebiet sichern wollte, wären wir die kurzsichtigen, da die wirtschastspolitische Verselbständigung des gesamten Mongolentums unter Japans Führung nur eine Frage der Zeit ist. Für die Verfolgung unserer berechtigten und auf die Dauer zu behauptenden wirtschaftlichen Interessen war die Besetzung von Kiautschau nicht notwendig. Den gleichen Dienst konnten uns Stadtteile u. dgl. bieten, die auf dem gewöhn lichen Wege gekauft waren und sich mit einem gewissen eigenen Polizeischutz unter den militärischen Schutz des betreffenden Staates stellten. Nicht mehr Bedeutung haben die deutschen Besitzungen in der Südsee; völkisch völlig wertlos waren sie in Bezug auf die uns gelieferten Rohprodukte leicht zu ersetzen. Militärisch waren diese Besitzungen nicht haltbar, und politisch nicht vorteilhaft, indem sie uns in die politischen Reibungsflächen anderer Großstaaten einbezogen. Wir brauchen dem verlorenen keine Träne nachzuweinen, wobei uns auch die Verluste einiger Schiffahrtsgesellschaften und Bankgruppen nicht irre machen dürfen. Das politisch einzig richtige ist, daß wir uns aus Ostasien politisch zurückziehen und auf unsere dortigen Kolonien bei den kommenden Friedens verhandlungen endgültig Verzicht leisten. Es erscheint dabei notwendig, daß wir uns streng auf den Standpunkt des politischen Ipsismus stellen und unsere Besitzungen nicht an eine besondere Macht abtreten, sondern einfach überhaupt abtreten. Was dann damit geschieht, wie dieselben aufgeteilt werden, muß uns vollkommen gleichgültig sein. Diesen Standpunkt gilt es dann auch für späterhin gegenüber allen politischen Verwicklungen im fernen Osten streng durchzuführen. Unser Desinteressement erstreckt sich auf die Philippinen und die sonstigen amerikanischen Besitzungen im stillen Ozean, auf alle französischen Besitzungen, auf alles englische Gebiet einschließlich des Festlandes von Australien und von Indien und endlich auf ganz Russisch-Ostasien. Dieses ganze Gebiet geht uns nichts an, weder sind wir in unserer Kultur, noch in unserer Volkswirtschaft darauf angewiesen; noch kommt es für Siedlungskolonien in Frage. Und eben sowenig dürfen wir hierfür jemals eine Bündnispolitik irgend welcher Art betreiben. Ob dann England oder Amerika seinen Besitzstand verliert oder erweitert, ob Rußland aus Ostasien verdrängt wird, ob China von Japan unterjocht wird, ob durch die in Ostasien unausbleiblichen und sicher sich wiederholenden Ver wicklungen der eine oder andere Sieger wird oder geschwächt wird, sollte uns dann vollkommen kalt lassen. Das Endresultat kann in Anbetracht der zielsicheren völkischen Politik Japans und in Anbetracht der eigenartigen Natur und Kultur der chinesischen Rasse (trotz der vielfachen Kulturzersetzung) für die Mongolen als Ganzes nicht zweifelhaft sein. China-Japan bildet ein Reich der Mitte" ähnlich wie auch Großdeutschland. Beiden ist eine analoge Politik von Natur 58 vorgezeichnet. Eine ipsistische Politik wird darum in Ostasien uns davor be wahren, für andere aus moralischen oder ethischen oder rassenmäßig orientierten bezw. von jenen als Verbrämung benutzten Gründen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wir sollten im Gegenteil sobald als möglich uns mit den Mongolen zu verständigen suchen. Dies aber darf vom Standpunkt des Ipsismus aus nicht in einem Bündnis geschehen, sondern nur in einer Anerkennung der politischen Interessensphären beider Staatengruppen innerhalb deren keiner der beiden Staaten oder Staatenbünde als Gegner des andern in Betracht kommen soll. Die wirtschaftspolitischen und anderen völkerrechtlichen Abmachungen würden damit nicht beeinträchtigt werden und zugleich an Haltbarkeit gewinnen. Es ist aber selbstverständlich, daß auch hier, wie so oft in diesen Ausführungen, die vorgeschlagene Politik dynamisch aufzufassen, d. h. durch die innere Kräfteent faltung allmählich gegeben ist. In ähnlicher Weise werden wir dann auch all mählich mit anderen Staaten oder Staatensystemen zu einer Vereinbarung gelangen können. Dies gilt auch von unserem Verhältnis zu Amerika. Unbeschadet solcher Festlegungen wird dieses jedoch bestimmt werden können von völkisch-siedlerischen Zielen der großdeutschen Politik, um auch unserer Rasse, ich meine der germanischen ein ähnliches Siedlungsgebiet zu sichern wie dies Canada und die Union (diese auch heute noch) für England darstellen. Neben den völkischen Grenzkolonien (Pfropfkolonien) an den östlichen Grenzen unseres Reiches erscheint die Sicherung eines Siedlungsgebietes für alle Zeiten wünschens wert; es bleibt dafür nach den bestehenden Verhältnissen und der bereits be gonnenen Kolonisation nur der sechste Erdteil, das ist Südamerika, als Interessen gebiet für uns übrig. Was die nordamerikanische Union eine Zeitlang für unsere Auswanderer gewesen ist, das kann hier wieder und besser erstehen. Damit ist der Weg der deutschen Politik in der Richtung von Auswandererverträgen vor gezeichnet und die Monroedoktrin in dieser Form auch für uns annehmbar, ja eine politische Notwendigkeit! Wir garantieren gemeinsam mit der nordamerika nischen Union den Bestand der selbständigen Staaten Amerikas gegenüber dem Ausland, ohne damit aber uns prinzipiell zu verpflichten, auch die bestehenden Staaten selbst gegen einander zu schützen, würden aber die unhaltbaren mittel amerikanischen Verhältnisse getrost dem Interessengebiet der Union überlassen können. Die republikanische Form dieser Staatswesen kann, sofern eine gewisse Stetigkeit gegeben ist, für unsere Politik durchaus kein Hindernis bilden, ja wir müssen uns vergegenwärtigen, daß die republikanischeForm für die allmähliche Ausgestaltung der Verhältnisse in wenig erschlossenen, fremdartigen Ländern durchaus zweck mäßig ist. Die Republik ist nicht das Ende, sondern in gewissen Grade der Anfang der nationalen Gestaltung, wie denn auch der republikanische Gedanke in seiner heutigen Form aus Amerika nach dem europäischen Festlande erst importiert worden ist. An einer weiteren Ausdehnung unserer Interessensphäre in Mittel- und Südasien und in Nordwestafrika nach Süden hin haben wir kein Interesse, auch durchaus nicht an einer Besitzergreifung des völkisch wertlosen Kongostaates 59 und seiner Nachbargebiete, mit denen unserer Politik bei den kommenden Friedens verhandlungen unter dem Schlagwort eines mittelafrikanischen Kolonialreiches" eine Falle gestellt werden dürfte, die unseren heute recht einflußreichen Wirtschafts imperialisten zwar angenehm wäre, aber in keiner Weise eine völkische Kompensation für die gewaltigen Blutopfer und Gutopfer dieses Weltkrieges bedeuten kann. Dagegen erscheint ein durch Stationen gesicherter Zugang zu Nord-Ostafrika, der vom Mittelmeerweg unabhängig ist, eine Notwendigkeit. Wir werden darum von den uns Herz gewachsenen Kolonien an der westafrikanischen Küste das eine und andere wenn auch womöglich verkleinerte Stück behalten müssen. Vielleicht kommen wir den Südafrikanern und ihren von ihrem Standpunkt aus nicht ungerechtfertigten Wünschen damit entgegen, daß wir Deutschsüdwest im Süden aufgeben und dafür etwas Land im Norden hinzutauschen. Haben wir dann noch etwa einen Stützpunkt an der Küste von Kamerun und einen weiteren an der atlantischen Küste Marokkos, dann könnten wir auf Togo, auf den größten Teil Kameruns und auf einen Teil von Südwestafrika zur Kom pensation von Gebietserwerb in Nordostafrika sehr wohl Verzicht leisten. Deutschland wird sich aus militärischen Gründen solche Stützpunkte sichern müssen, gegebenenfalls dereinst auf die beiden Küsten der Straße von Gibraltar die Hand legen oder diese Stützpunkte in die Hände uns nahestehender Mächte bringen müssen. Dann wäre das Mittelmeer an allen Ausgängen gegen England und jeden anderen Gegner gedeckt; können wir mit dieser Möglichkeit heute auch noch nicht rechnen, so wäre dagegen das nordostafrikanische Kolonialreich, soweit es an das Binnenmeer des indischen Ozeans heranreicht, durch den offenen Ozean um die Küste Afrikas herum mit den Zentralstaaten in Verbindung gebracht; diese Zufahrtsstraße wäre durch militärische Stützpunkte gestärkt, und es bliebe damit für den Fall einer Bedrohung des Weges über Konstantinopel ein Ausweg nach dem persischen Golf und dem roten Meer geöffnet. Es wäre also für unsere west asiatische Position, für unsere Gebiete am indischen Ozean und zugleich für die dahin sich erstreckenden Ausläufer der Türkei das gleiche System militärischer Sicherheiten gegeben, wie es England mit seiner zähen Länderpolitik für so ziemlich die ganze Erdoberfläche zu schaffen an der Arbeit war, ohne freilich dazu imstande zu sein, die allein auf die Dauer Sicherheit gewährende völkische und militärische Politik eines mächtigen Zentralstaates gleich uns aufnehmen zu können. So ergibt sich, daß die konsequente Durchführung des politischen Ipsismus und einer offenen und ehrlichen völkischen Politik die außereuropäische Politik eines Großdeutschland wesentlich vereinfacht, daß sie gleichsam auf einige wenige Hauptprobleme zusammenschrumpft, und daß sie noch am ersten die Grundlage abgeben kann für die allmähliche Anbahnung harmonischer Beziehungen zwischen den Weltstaaten und Weltstaatengruppen. Es werden zwar Zeiten kommen, wo man die hier vorgeschlagene Politik mißachten und da, wo sie durchgeführt sein sollte, verdammen wird. Ich bin aber sicher, daß die Stunde ^.kommen wird, wenn auch erst in 100 Iahren vielleicht, wo man einsehen muß, daß der vorgezeichnete Weg der richtige war, vor allem auch in Bezug auf Ostasien. 60 Und nun erhebt sich im Anschluß an diese Ausführungen noch die Frage nach unserm Verhältnis zum britischen Weltreich. Man muß die Schwankungen der englischen Kolonialpolitik je nach den herrschenden volkswirtschaftlichen Prinzipien und namentlich die Methode und staatsrechtlichen Spekulationen zur Erzielung eines bundesstaatähnlichen Zusammenschlusses der Kolonien mit dem Mutterland genau kennen, um die ganze innerpolitische Schwäche dieses Weltreiches durchschauen zu können. Dazu kommt die militärisch exponierte Stellung seiner weit auseinandergerissenen Landmassen und die Unmöglichkeit einer dauernden Aufrechterhaltung einer mehr als künstlichen volkswirtschaftlichen Einheit im Widerstreit mit den natürlichen Wirtschaftsbeziehungen der einzelnen Teile zu ihren Nachbarländern. Und zu dem allen kommt endlich die Unmöglichkeit einer völkischen Politik in dem Kitt des ganzen Weltreiches, im Mutterlande England: es fehlt an Raum auf der kleinen Insel, in dem gegenüber einer von Handel und Industrie abhängigen Bevölkerung von etwa 30 Millionen, eine Landbevölkerung von wenigen Millionen völkisch völlig einflußlos bleiben muß. Auch ist nicht zu vergessen, daß eine jahrhundertlang durchgeführte über seeische Handelspolitik und die gleichzeitige Abgabe riesiger Menschenmassen nach völkisch verlorenen Posten das Mutterland völkisch empfindlich geschwächt hat. So sitzt denn das stolze Britannien dank seiner rein auf Handel und Export aufgebauten Politik und Handelspolitik zwischen zwei Stühlen: Für einen völkischen Imperialismus großen Stils ist es nicht geschaffen, und seine wirtschaftlich orientierte Politik muß einmal zusammenbrechen; ich möchte sagen England muß am eigenen Fett ersticken, so wie ein Schwein, das schon in der letzten Mastperiode allerlei Unfällen ausgesetzt ist und zugrunde gehen müßte, wenn man die Mast noch länger fortsetzen wollte. Das Muskelfleisch und die Kraft sind in der Entartung begriffen hier wie in England. Die auch in England nach dem Kriege sicher einsetzenden völkischen Strömungen stoßen aber überall auf die Grenzen des allzuengen Raumes und werden zudem im Land der Suff ragetten und des Handelsadels nicht mehr in die Tiefe dringen können. Für England ist die Umkehr zu spät, für uns selbst aber war es höchste Zeit, von einer Nachahmung englischer Wirtschaftspolitik und englischer Wirtschaftsmaßstäbe, kurz gesagt von der englischen Krankheit uns frei zu machen. Auch wir waren bei den Anfängen der Handels- und Kapitalmast bereits angelangt. Welche Politik sollen wir nun diesem Lande gegenüber einschlagen? Aus geschlossen erscheint eine Bündnispolitik, sei es in loser oder fester Form. Wer mit England im Bunde ist, müßte seine Wirtschaftspolitik bis zu gewissem Grade mitmachen, sich zugleich der Gefahr politischer Reibungen in allen fünf Erdteilen aussetzen und bei der offenbaren inneren Schwäche dieses Reiches die Kosten tragen. Man hat wiederholt den Gedanken eines Bündnisses mit England poussiert, verbrämt natürlich mit germanischen Idealen, man hat noch während des Krieges Englands Verhalten aus derartigen freundschaftlichen Ge fühlen heraus tief bedauert. Wir müssen froh sein, daß der Krieg diesen Idealen nun ein für allemal ein Ende gemacht hat und nicht minder der Anbetung des Landriesen England, jenes länderzerrissenen Unikums unter allen Weltreichen- kl - der Geschichte. Auf der andern Seite ist die von politischer Zeitleidenschaft ge forderte Vernichtung Englands nicht unsere Aufgabe. Es war wenn auch teilweise aus andern Motiven die einzig richtige Politik, Reibungen mit England aus dem Wege zu gehen; und unsere spätere Politik muß sich immer darüber klar werden, daß wir von einer Zerschlagung dieses Weltreiches nicht viel Nutzen haben. Wir stärken andere und schwächen uns am meisten, da uns die militärische Hauptaufgabe, der Angriff auf das Mutterland, zufallen muß. Ein Staat, der so gut funktioniert hat, um andere Länder in allen Erdteilen in Schach zu halten, der auch weiterhin dazu dienen kann, unseren völkischen Imperialismus in einem kompakten Landgebiet einer verhältnismäßig ruhigen Entwicklung zu überlassen, hat seine politische Mission in unserem Interesse noch nicht erfüllt. England selbst dürfte erkannt haben, daß es uns einen Platz an der Sonne nicht mehr streitig machen darf und solange es diesen Platz uns nicht versperrt, können wir England in seinen politischen Verwicklungen ruhig sich selbst überlassen, also eine streng ipsistische Politik einhalten. Eine kriegerische Verwicklung erscheint nur dann notwendig, wenn es unseren Interessen und ihrer militärischen Sicherung durch Stützpunkte ernstlich entgegentreten und aus dem Weltkriege wirklich nichts gelernt haben sollte. Je länger wir aber, wenn sie notwendig werden sollte, eine solche Auseinandersetzung hinausschieben können, um so besser. Je mehr nämlich die Reichtumsmast noch fortschreitet, um so sicherer können wir sein, daß auch ohne unser Zutun das englische Welt reich zu Grunde geht, das auf so kleiner Volks- und Landbasis ruht. Wir können ruhig den utopischen Bemühungen zusehen, die England macht, um seine Kolonien (ich denke hier nur an Canada, Südafrika und Indien, während Australien über kurz oder lang doch verloren ist), mit dem Mutterland zusammenzuschließen. Weder die wirtschaftlichen Bindemittel, noch die sozialen und kulturellen, noch die ver fassungspolitischen werden den Zerfall aufhalten können, der schneller kommen kann als wir vermuten. Dann aber werden die britischen Inseln in ähnlicher Weise ein von der europäischen Zentralstaatgruppe abhängiger, d. h. lose abhängiger Staat wie Frankreich oder Italien; ja vielleicht ist dann England noch am ehesten zu vergleichen mit den völkisch ausgebrannten Schlacken ehemaliger Weltkolonialpolitik: mit Spanien und Portugal. Es wird dereinst in ähnliche Abhängigkeit von uns geraten müssen wie Japan vom Reiche der Mitte, nachdem dieses Land seine der englischen so ähnliche Weltmission erfüllt hat. So wird eine kluge, weitschauende Politik warten können und warten müssen, bis die Birnen reif sind (so z. B. auch in Bezug auf Ägypten) und keinesfalls die Hand dazu bieten dürfen, auf England die Pläne anzuwenden, die es uns zugedacht hat und die einst Europa dem Staate Friedrich des Großen zugedacht hatte. Je länger es dauert mit dem Zerfall, umso politisch stärker werden aber die heutigen großen englischen Kolonien, umso eher sind sie imstande, anderen Ex pansionsgelüsten Widerstand zu leisten. Namentlich liegt ein Canada neben der Union, und ein kräftiges Indien neben dem Mongolenreiche auch in unserem Interesse. So ist denn die Formel des politischen Ipsismus gerade auch auf unser Verhältnis zu England zugeschnitten, bis einmal neue Macht- und Kultur- 2 Verhältnisse ein Heraustreten aus diesem allerding jetzt schon niemals schablonen haft anzuwendenden Prinzip erforderlich machen sollten. 9. Kapitel. Grundsätzliches zu de Friedensverhandlungen. Am Ende dieser politischen Betrachtungen, die mehr andeutungsweise den Weg angeben sollen, den eine eingehende systematische Behandlung der Politik zu gehen haben wird, mögen noch einige Ausführungen zu den Problemen der kommenden Friedensverhandlungen Stellung nehmen. Eine Reihe von Fragen ist schon während der vorangegangenen Betrachtungen mit erörtert worden; im allgemeinen aber hatten die dort aufgestellten Forderungen für die zukünftige Gestaltung der deutschen und der zentraleuropäischen Verhältnisse einen anderen Sinn. Sie sollen in erster Linie Forderungen darstellen für die allgemeinen Ziele deutscher Politik für die nähere und fernere Zukunft, ohne zu untersuchen, wieviel davon in den diesen Weltkrieg beschließenden Friedensverhandlungen zu erreichen sein wird oder nicht. Ist so das Ziel, das der deutsch-zentral europäischen Politik gewiesen wird, viel weitgehender gedacht, so halten sich die Anforderungen, die am Schlüsse dieses Buches an die Friedensbedingungen gestellt werden sollen, in einem recht bescheidenen Rahmen, indem eine Festlegung von Einzelheiten im allgemeinen abgelehnt wird. Diese Stellungnahme ist schon darum die einzig richtige, weil der Krieg noch nicht zu Ende und in seinem Endergebnis noch nicht zu übersehen ist. Sodann entspricht diese Stellungnahme aber im besonderen auch der ganzen Auffassungsweise, die die entscheidende Rolle den führenden Persönlichkeiten zuweist, und überall von der Annahme ausgeht, daß jeder Einzelfall seine Be sonderheiten hat, die sich der allgemeinen Regel eines Gesetzes ebenso wenig fügen wie der Schablone von ins einzelne ausgearbeiteten politischen Forderungen. Die Zahl der zu berücksichtigenden Faktoren der inneren Politik und Wirtschafts politik, die Interessen der verschiedenen Stände und Landesgebiete, die militärischen Rücksichten, die Rücksichten auf die nationale Zugehörigkeit und die historischen Umstände und Ahnliches bilden schon ein recht mannigfaltiges Netzwerk von Abhängigkeiten, und dazu kommen dann noch die ganz analogen Forderungen der Verbündeten und in gleicher Weise die der Gegner. Beides ist dann die Quelle von vielerlei Widerständen, die bei den kommenden Friedensverhandlungen genau so wie bei jedem Handel oder jeder politischen Maßnahme der Fügung in eine fertige Formulierung Hohn sprechen müssen. Mit ganz besonderem Nachdruck möchte ich aber diese Stellungnahme allen denen entgegenhalten, die aus jenem Mode gewordenen ganzen oder halben Marxismus heraus, alle historischen und politischen Maßnahmen auf wirtschaftliche und verwandte materielle oder geographische Notwendigkeiten hinausdestillieren wollen. So einseitig einfach liegt das Problem denn doch nicht; wenn jene die schon erledigte Geschichte in ihrem Spiegel der historischen Notwendigkeiten sich zurechtdrehen und sich um der Einfachheit willen etwas vormachen, so hat das keine große Gefahr,wenn es auch ein wirkliches historisches Verständnis unmöglich macht. Eine derartig historische oder gar wissenschaftlich historische" Betrachtungsweise, die doch aus jener materiellen formel- und zahlenmäßigen Wurzel der neueren Zeit ihren Ursprung nimmt, kann uns aber bei der kommenden Gestaltung der politischen Verhältnisse geradezu übertölpeln, und darum sollten wir bei dieser großen europäischen Friedensauseinandersetzung das historische und wirtschaftliche Prosessorentum" seien es nun Sachverständige oder Diplomaten möglichst in den Hintergrund schieben. Ich habe die begründete Hoffnung, daß man bei uns diese Richtung nicht allzusehr zur Geltung kommen läßt, solange der mili tärische Berater so wie heute sein Gewicht in die Wagschale der Entscheidung werfen kann. Denn die militärische Natur eines Mannes ist für uns oft genug die Gewähr eines gewissen natürlichen Sinnes, den auch Bismarck bei nicht politischen Beratungen zu schätzen gelernt hatte. Eine rein militärische Be trachtungsweise ist in diesen Dingen gewiß bedenklich; dem Militär darf man aber im allgemeinen zutrauen, daß es auch andere Standpunkte anerkennt. Nicht so jene Richtung, von der hier die Rede ist. Sie macht doch aus ihrer Verblendung heraus immer wieder den Anspruch geltend, die Lösung schlechthin zu bedeuten. Und da nun unsere ganze moderne Betrachtungsweise einmal in dieses Fahrwasser geraten ist, da unsere innere und äußere Politik etwas stark einseitig-wirtschaftliche Farbe bekommen hat, so besteht die Gefahr, daß uns auf Grund von allerlei Zahlen u. dergl. diejenige Politik, Handels- und Wirtschafts politik, die wir mit den Waffen glücklich überwunden haben, auf dem Wege der Grundsätze und Unterlagen wieder zur anderen Tür hereinkommt, uns bei den kommenden Friedensverträgen das Konzept verdirbt und uns namentlich den weiteren Ausbau unserer späteren Politik wieder auf englische Wege einzustellen droht. Die gleiche Gefahr besteht natürlich auch, wenn man die Interessenten selbst zu Worte kommen läßt oder gar direkt mit zu den Beratungen heranzieht. Ganz naturgemäß bedeutet das bei unseren heutigen volkswirtschaftlichen Grund sätzen einen überragenden Einsluß der Großbanken und des sonstigen Großkapitals einschließlich der großen Schiffahrtsgesellschaften und einschließlich des Einflusses der führenden Freunde dieser Körperschaften. Dann würden den wirtschafts imperialistischen Tendenzen alle Türen offen stehen, soweit sie nicht schon sowieso mit unserer Politik aufs engste verwachsen sind. Und darum sollte man es hier ebenso machen, wie es Amerika anregte und durchsetzte bei den russisch japanischen Friedensverhandlungen: weg mit allen derartigen Einflüssen! laßt die Politiker und die militärischen Autoritäten unter sich. In diesem Sinne ist denn auch die Unterdrückung aller Erörterungen über Friedensbedingungen bis zu gewissem Grade willkommen zu heißen; denn eine Erörterung bedeutete ja doch eine Überschwemmung der öffentlichen Meinung und der Meinung der entscheidenden Kreise mit den Aufklärungen und Beweisen aus dem Füllhorn der liberalwirtschaftlichen Argumentationsweise, der nun einmal heute die Überzahl der Presse, der Universitälswissenschast, der Parlamente, der Handelskammern und sonstigen wirtschaftlichen Organisationen und obendrein noch eine beträchtliche- 4 direkte Einwirkung in manchen Regierungskreisen zur Verfügung stehen. Umso notwendiger aber ist es, daß noch vor der Entscheidung auch die andere Partei zu Worte kommen kann. Damit kommen wir dann zu dem eigentlichen Thema dieses Kapitels. Was wir bei den kommenden Friedensverhandlungen anwenden müssen, ist eben ein deutscher Maßstab im Gegensatz zum englischen Maßstab, und da wir nun die Erörterung einzelner Friedensprobleme ablehnen und der politischen Praxis überlassen, so beschränkt sich unsere Aufgabe auf die Aufstellung eines solchen Maßstabes oder einer Art Spannungsreihe, nach der die einzelnen politischen Forderungen und Gegenvorschläge gegeneinander gewertet werden können. Diese Spannungsreihe möchte ich im Gegensatz zur Aufstellung einzelner Friedensbedingungen als Friedensformel bezeichnen. Ihre Aufstellung kann nach allem Vorangegangenen keine Schwierigkeiten bereiten, ja sie bildet zum Teil nur eine kurze Zusammenfassung des früher Erörterten. Nur ist dabei zu betonen, daß hier die Politik und Interessen der mit Deutschland in innigerer Staatengemeinschaft befindlichen Staaten (in einem Staatenbund oder in einem organisierten Bündnis) im allgemeinen zusammen mit den reichsdeutschen als eine Einheit betrachtet werden müssen. An erster Stelle steht die Gewinnung von Land, das die Grundbedingung für alles andere darstellt. Zunächst handelt es sich um das Land als Raum, d. h. um bewohnbares Land schlechthin, um Platz. Die Bodenschätze für sich sollten nur da bestimmend sein, wo eine volkswirtschaftliche Abrundungsmöglichkeit für die heimische Volkswirtschaft und damit zugleich auch eine militärische Kräftigung vorliegt. Viel wichtiger ist die Bodenfruchtbarkeit und die Natur des Landes in Bezug auf die Erzeugungsmöglichkeit für gewisse Naturprodukte; aber auch nicht als solche schlechthin, sondern neben der landwirtschaftlichen Abrundung der heimischen Volkswirtschaft im Hinblick auf die Besiedelungsmöglichkeit sür den heimischen Bevölkerungsüberschuß. Damit kommt aber hier wieder nur an grenzendes Land in Frage und zwar vor allem im Osten; nicht etwa Kolonien ohne Zusammenhang mit dem Mutterland. Denn nur so ist es möglich die heimische Bevölkerung vor einer weiteren Überflutung durch den Industrialismus oder gar durch ein Wachstum an Industriegebieten im Westen zu schützen; aber wie völkisch, so soll es auch wirtschaftlich gegenüber diesen Tendenzen zur Jnduftrie- staatentwicklung der Nation Gleichgewicht und Rückhalt bieten und die Eigenproduktion vom Ausland möglichst unabhängig gestalten, worin ja allein die Stärke einer Volkswirtschaft besteht. Erst durch diese Abrundung wird es möglich sein, das von mir an anderer Stelle entwickelte Prinzip des teilweise abgeschlossenen Handelsstaates in gewissen Grenzen zu verwirklichen. Und doch wäre es verkehrt, sich hier einseitig von der landwirtschaftlichen Fruchtbarkeit bestimmen zu lassen. Ihr völkischer Wert darf aus dem Grunde nicht überschätzt werden, weil reicher Bodenertrag die Bevölkerung leicht verwöhnt, vermaterialisiert, entsittlicht, in der natürlichen Volksvermehrung zurückhält. Wie das Wasser von den Bergen kommt und nach den Niederungen hin immer mehr seine Kraft- 65 - und die Flüsse ihre Klarheit verlieren, so kommt auch der nationale Menschen zustrom aus den wenig fruchtbaren Bergen oder aus den ihm analogen Gebieten des Nordens. Darum heißt es Land in den Bergen und Land im Norden nicht verachten. Damit ist wieder vor allen Dingen gesagt, daß unser Neuland im Nordosten zu suchen ist; wir wollen aber auch nicht vergessen, daß die Alpen als mächtigstes Gebirgsland unter allen Umständen zu halten sind und mit allen Mitteln wieder stärker deutsch-völkischem Einfluß unterworfen werden müssen. So würde übrigens auch, wenn es dereinst möglich wäre, die Besetzung der Kaukasusgebiete für unser türkisches Vorland in ähnlicher Weise eine Stärkung und für Rußland eine empfindliche Schwächung bedeuten. Zudem kommen da überall ja zugleich militärische Geländeprobleme in der gleichen Richtung zur Geltung. Die Bedeutung der Bevölkerung tritt im allgemeinen hinter der des Landes zurück. Ein Bevölkerungszuwachs, eine Verdichtung der Bevölkerung in einem bestimmten Gebiet ist leicht und relativ schnell zu erreichen, sofern man im Gegensatz zur modernen allzu wirtschaftlich orientierten Staatswirtschaft mit einer gesunden, d. h. aber auch zugleich mit einer qualitativen Bevölkerungspolitik Ernst zu machen beginnt. Die Angliederung dicht bevölkerter Gebiete hat eigentlich mehr negativen Wert durch Schwächung des Gegners. So ist es im Westen. Wir müssen also auch darum den Osten und den Nordosten mehr betonen als den bevölkerten Westen, auch wenn wir hier wieder handelspolitische Widerstände im eigenen Volk zu überwinden haben, die um Belgien alles andere opfern möchten. Der bessere Seeweg nach Westen und der daraus erwartete Wirt schaftsgewinn geht diesen Leuten über alles, obwohl sie bedenken sollten, daß der seit den großen Entdeckungen vernachlässigte Orient nun einem neuen Auf schwung entgegengehen wird und damit unsere Beziehungen nach dem Osten zunehmen müssen. Gewiß werden wir kein neutrales" Belgien wieder zulassen dürfen; wenn es aber nicht anders geht als mit einer Aufteilung, dann sollten wir nicht um völkisch wertvollere Ostgebiete auf allzu großem Zuwachs im Westen und an der Küste bestehen. Die Erwerbung von Naturalkapital kann nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen, am wichtigsten ist hier noch die Ablieferung von Rüstungsmaterial. Durch die Abnahme könnte ein Gegner für die nächste Zeit niedergehalten werden und damit unsere Überlegenheit über einen einzelnen und einen kombinierten Gegner für solange etwas sicherer gestellt werden, bis wir mit der Ernte einer großzügigen völkischen Politik allmählich beginnen können. Im allgemeinen wird man den gleichen Zweck mit dem gleichen Erfolg durch die Forderung von Geldkapital (Edelmetall) erreichen können. Jedenfalls kann in der hier aufzustellenden Rangskala von Naturalkapital abgesehen werden. Eine große Bedeutung wird von vielen Seiten der Aufnahme günstiger wirtschaftlicher Bedingungen in Form von Handelsverträgen zugemessen werden. Wir haben uns heute nach dem englischen Urbild so sehr daran gewöhnt, die Politik der Handelsbeziehungen mit der Politik schlechthin zusammenzuwerfen, 5- W - daß wir hier um so nachdrücklicher fordern müssen, diese Dinge nicht zu über schätzen. Zudem waren solche Verträge oft genug die Quelle von Reibungen und Streitigkeiten, ihre völkerrechtliche Basis unsicher. Werden doch die Sicherungen der offenen Tür und die Meistbegünstigungsverträge ganz offenkundig durch neuartige wirtschaftliche Zusammenschlußformen und Begünstigungsformen um gangen. Man wird hier unter Vermeidung jeden allzugroßen Nachdrucks auf der artige Beziehungen neue Formen schaffen müssen, die eine dauerhafte Organisation des Austausches gewisser Produkte, also eine Organisierung der zwischenstaatlichen Arbeitsteilung zum Ziele haben und diese Form später auch für die feindlichen Nachbarstaaten in Anwendung bringen können. (Organisierte Bündnisse). Der einzelne Staat würde hierbei verpflichtet eine bestimmte Summe von Natural leistungen gegen eine festgesetzte Gegenleistung gleicher Art auszutauschen. Dabei kann es sich, wenn die Einrichtung von Dauer sein soll, nur um Naturprodukte handeln, wie sie von der Natur des einzelnen Landes und seinen Bodenschätzen vorgezeichnet sind. So wird man Verträge mit feindlichen oder anderen Staaten abschließen können, in denen Deutschland bezw. die von Deutschland geführte Staatengemeinschaft für Kalisalze und Kohlen, vielleicht auch für Eisen, einschließlich des phosphorhaltigen Nebenproduktes und für künstlichen Salpeter aus der elektrischen Energie der Gebirge, Ölprodukte, Mais und Reis, Kautschuk, Baumwolle und verschiedene Erze erhalten könnte. Entbehrliche Stoffe wie Südfrüchte und Fertigfabrikate, wie Textilwaren und Eisenwaren wird man in solche Verträge nicht aufnehmen dürfen, sofern sie für alle Zeiten abgeschlossen werden und die vorbereitende Stufe für organisierte Bündnisse abgeben sollen. Aus den gleichen Gründen wird man auch Stoffe, die im Inland in genügender Menge gewonnen werden können, wie Hülsenfrüchte und Zucker, nicht gegen einander austauschen. Kann doch der Zucker sehr leicht mit zunehmender Kulturtechnik der Landwirtschaft in jedem Land in genügender Menge erzeugt werden, wozu dann noch die Tatsache hinzukommt, daß kleine Inseln wie z. B. Hawai und Mauritius oder Java imstande sind, riesige Mengen von Rohzucker aus Zuckerrohr auf den Markt zu werfen, sodaß die deutsche Ausfuhr an Zucker, (die Quelle mannigfaltiger Arbeitsstörungen im Innern!) spielend ersetzt werden kann. Die freie Fläche kann dann landwirtschaftlich ungemein nutzbringend ausgenützt werden, unter anderem auch mit Hülsenfrüchten, die durch Sorten züchtung genau so gut verbessert und gegenüber der Witterung unabhängiger gemacht werden könnten, wie man die Zuckerrübe im Laufe von etwa 100 Iahren aus der Runkelrübe gezüchtet hat. Auch die Beschaffung der Wolle, des Flachses und des Leders wird man der heimischen Produktion in Verbindung mit der der Staatengemeinschaft in der Hauptsache überlassen können, wobei wir im Reiche selbst zu einer intensiveren Wiesenwirtschaft, einer verminderten Waldfläche und einer andersgearteten Waldausnützung übergehen müßten. Für andere Produkte wird man inländischen Ersatz zu schaffen in die Lage kommen können. Das Ideal des teilweise abgeschlossenen Wirtschaftsstaates muß eben für uns und unsere Staatengruppe die Richtschnur werden. Dann werden wir auch auf einen beträchtlichen Teil jener Rohstoffe verzichten können, die wir heute 67 nur einführen, um sie mit Arbeit veredelt wieder auszuführen. Natürlich setzt diese Umgestaltung wieder die Absatzmöglichkeit von Menschenmaterial im inneren und nach außen in der Art voraus, wie dies hier gefordert worden ist. Natürlich wird man trotz des Abschlusses solcher Verträge für alle Zeiten der Veränderung der Bedürfnisse des Landes durch Änderung der Technik und Wissenschaft Rechnung tragen können. Nur sollte dies mehr durch Kompensation geschehen, während man die Kündigungsklaufeln nach Art der heutigen Handels verträge, sofern es sich um derartigen Rohproduktsaustausch handelt, in solchen Fällen zurückdrängen sollte. Legen wir so der Abfchließung dauernder Handels verträge zwecks volkswirtschaftlicher Abrundung eine große Bedeutung bei, so wird man dagegen vor jeder allzustarken Betonung der Handelsverträge nach dem üblichen Modus" nicht genug warnen können, namentlich sofern sie den Export von Industrieprodukten und die Anleihepolitik betreffen. Es gilt nun in unserer Rangordnung für solches Kolonialland einen Platz zu finden, das mit dem Mutterland keinerlei Zusammenhang hat und dann fast ausschließlich als Handels- oder Plantagenkolonie Geltung besitzt. Wir wollen derartige Kolonien als Kolonialfernland bezeichnen, um sie von jenen an die Zentralstaatgruppe angeschlossenen Grenzkolonien zu unterscheiden, die wie das geforderte Nordostafrikanische Gebiet völkisch zwar auch wenig Bedeutung besitzen können, aber zur Abrundung der Volkswirtschaft unerläßlich sind. Solches Kolonialfernland bedeutet abgesehen von militärischen Stützpunkten nur eine Bereicherung enger Kreise und eine Stärkung des Großkapitals; wird schon damit die Volkswirtschaft in ihrer Stetigkeit und Lebenshaltung wie durch allen ein seitigen Reichtum gefährdet, so bedeutet angesichts der völkischen Wertlosigkeit aller für uns heute in Betracht kommenden Gebiete eine solche Erwerbung eine erheb liche politische und militärische Schwächung, nicht zum mindesten durch die dadurch entstehenden wirtschaftspolitischen Gegensätze gegenüber anderen Staaten, denen eine klare und weitschauende Politik völlig reserviert, d. h. in unserer Ausdrucks weise völlig ipsistisch gegenüberstehen sollte. Es kann nicht genug davor gewarnt werden, nicht in die Fußstapfen der englischen Kolonialpolitik zu treten trotz des Erfolges derselben und trotz des Reichtums und der daraus fließenden Macht, die unser Zeitalter so besticht, die aber doch die Quelle des innern und äußern Verfalls des britischen Weltreichunikums in sich bergen. Wollen wir also Kolonialland, so kann es sich für eine zielsichere Politik niemals um Kolonial fernland handeln; sollte man uns aber solches anbieten, so kann die Erzielung von Kompensationen an der Grenze der mit uns verbündeten Grenzgebiete nicht allzuschwierig sein. Ja, sofern in die Friedensverhandlungen auch eine Aus einandersetzung über die indischen und amerikanischen Kolonien Hollands mit einbegriffen sein sollte, könnte man vielleicht daran denken, an den Grenzen unserer afrikanischen Interessensphäre Kompensationen für Holland zu sichern. Eine allmähliche Verlegung des holländischen Unternehmungsgeistes nach Afrika, in das Gebiet zwischen Nordost-Afrika und dem Süden würde dann zugleich eine Feldbereinigung für das holländische, uns stammverwandte Volkselement bedeuten, das holländische Element Südafrikas verstärken und damit Südafrika b- 68 uns näher bringen, das auch unter englischem Imperium ein doch immerhin recht unabhängiges Gebilde werden muß. Der größere Vorteil würde darin bestehen, daß wir aus Ostasien glücklich und endgültig heraus sind. Es wird an Ver tretern nicht fehlen, die gerade im Erwerb solchen Kolonialbesitzes den Schwerpunkt der kommenden Friedensbedingungen suchen werden. Um darum recht deutlich zu sein, möchte ich in der aufzustellenden Wertskala oder Spannungsreihe den Erwerb solchen Kolonialfernlandes mit negativem Vorzeichen versehen. Das soll heißen, daß wir uns auf solche Erwerbungen, die uns wegen der Billigkeit für unsere Gegner gewiß in genügendem Umfange angeboten werden dürften wie z. B. der Kongostaat und verschiedene portugiesische Kolonien, auch schon um uns da draußen zu beschäftigen und abzulenken keinesfalls einlassen sollten. Den gleichen negativen, d. h. ablehnenden Standpunkt müssen wir ein nehmen gegen jene Art von Wirtschaftsverträgen, die in Form von Anleihen auf die Steigerung unseres Exports an Arbeitsprodukten und an Geldkapital hinauslaufen. Es wurde an anderer Stelle ausgeführt, wie dies eine politische und militärische Schwächung durch Stärkung des anderen Landes darstellt. Zugleich bedeutet diese Art Handelspolitik die Quelle ungesunder Kapital- und Arbeitsverhältnisse der heimischen Volkswirtschaft und obendrein eine einseitige Verteilung des Reichtums mit allen ihren bedenklichen Folgeerscheinungen. Machen wir mit dieser Bankpolitik und Exportpolitik endlich Schluß! Beschränken wir diese Art von Handelsverträgen mit den außerhalb unserer Staatengemeinschaft stehenden Staaten auf das unbedingt notwendige Maß! Für sich und nicht für die anderen soll der Staat handeltreibend sein," meinte schon der alte und doch auch heute so zeitgemäße Aristoteles (Politik VII, 5). Kapital und Arbeitskraft gehört eben der eigenen Volkswirtschaft und der an sie angeschlossenen, die mit ihr eine Staatengemeinschaft oder einen auf Bündnissen beruhenden einheit lichen Wirtschaftsorganismus bilden. Können wir so unsere Kraft für die Stärkung der heimischen Volkswirtschaft und die immer festere Zusammen schweißung mit den uns verbündeten Volkswirtschaften und Staaten verwenden, so entgehen wir mit dieser Beschränkung des Arbeits- und Bankexports auf das geringste Maß einer ganzen Reihe politischer Reibungen und dem in nicht allzulanger Zeit empfindlich fühlbar werdenden allmählichen Zusammenbruch dieses ganzen kapitalistischen Auslandsgeschäftes. Die zweite Periode der kapitalistischen Entwicklung, der Abstieg, muß umso eher kommen, je mehr die einzelnen Volks wirtschaften ihre Fertigfabrikate im heimischen Staate erzeugen. Man wird nicht fehl gehen in der Annahme, daß diese Entwicklung durch den Krieg in erheb licher Weise bei allen Staaten der Erde begünstigt worden ist. Lehnen wir so Kolonialfernland und Export- und Bankverträge ab, so nehmen wir eine relative Stellung ein gegenüber der Einforderung von Kriegs entschädigungen in Form von Geldkapital. Wir müssen hier unsere Stellung je nach den Umständen bald bejahend, bald ablehnend festlegen, in der Hauptsache aber ablehnen, sodaß in der aufgestellten Spannungsreihe die Kriegsentschädigungen vor die beiden zuletzt erörterten Punkte zu stehen kämen und mit Werten bezeichnet werden müßten, die von der Null nicht weit sind.- 69 - Waren die seither erörterten Punkte bereits in den vorausgehenden Kapiteln als allgemeine Ziele der Politik behandelt, und hier nur in Rücksicht auf das besondere Ziel der Friedensbedingungen noch einmal zusammengefaßt, so be deutet die Übertragung von Geldsummen von einem Staat auf den anderen ein wesentlich neues Moment. Gerade dieses veranlaßt uns aber zur Aufstellung einer Wertskala, da anzunehmen ist, daß diese Form der Friedensbedingungen von vielen Seiten ganz besonders in den Vordergrund gestellt werden wird. Dem aufmerksamen Verfolger der in diesem Buche entwickelten Grundsätze kann unsere Stellungnahme nicht zweifelhaft sein. Eine Kriegsentschädigung in Geld ist aber etwas so nahe liegendes und populär bestechendes, daß eine am Äußeren und am Materiellen haftende Zeit gerade darauf den Hauptnachdruck legen wird. Der Krieg hat Riesensummen gekostet und Riesenwerte vernichtet, also fordern wir diese Summen wieder ein, fordern wir wenigstens soviel wieder ein, daß unsere Kriegsschulden bezahlt sind oder erträglicher gemacht sind. So etwa wird man ziemlich allgemein die Folgerung ziehen. Auf die Schwierigkeiten, die darin bestehen, solche riesigen Summen zu übertragen, und dann auf die Schwierigkeiten, diese Summen der heimischen Volkswirischast wieder zuzuführen und die dabei auftretenden gewaltigen Störungen will ich garnicht eingehen, von den aus andern Gründen schon zu erwartenden Valutaschwierigkeiten gar nicht zu reden; ich verweise hier auf die Ausführungen Meines größeren Werkes über die Notwendigkeit einer harmonischen, sich weniger sprunghaft entwickelnden Volkswirtschaft. Von diesen Schwierigkeiten ganz abgesehen bedeutet jeder starke und un verdiente, d. h. wirtschaftlich nichtverdiente Geldzustrom genau wie jeder einseitige Reichtum die Gefahr innerer Zerstörung, also eine Schwächung des nationalen Organismus. Was vom Handel und von merkantiler Politik so oft betont wurde, gilt auch hier. Dabei ist zu berücksichtigen, daß wir d. h. die deutsche Volkswirtschaft in diesem Kriege immer noch erträgliche Verluste gehabt haben. Das Geld blieb im Lande; was hinausging oder an Material zerstört wurde, ist gering. Es würde also ein Zurückfluten eines großen Teils der Kriegskosten direkt auf eine wirtschaftliche Bereicherung größten Stiles mit allen ihren Wirkungen hinauslaufen. Der empfindlichste Verlust aber, der jahrelang andauernde Ausfall an Einkommen und geschaffenen Werten, wie er durch die Zahl der Toten und Erwerbsunfähigen bedingt ist, kann niemals durch Geld und allein durch die Maßnahmen einer gesunden völkischen Politik kompensiert werden. Es sei denn, daß wir uns mit Ausländern überschwemmen ließen. Auch würde ja ein be trächtlicher Teil dieser Kriegsentschädigung von einer Höherwertung des Bodens und seiner Schätze, sonstiger Immobilien und sogar der Lebenshaltung und Waren aufgefressen werden, die Jahre einer überhitzten Hochkonjunktur nach Art der Tründerjahre nach 1870 würden wiederkehren. Wir sollten demgemäß, sofern wir überhaupt eine nennenswerte Kriegsentschädigung erhalten, können, uns be scheiden lernen, natürlich nicht ohne uns auf andere Weise ausreichende Ent schädigungen zu sichern.- 70 - Es ist auch zu bedenken, daß Geldwerte keinen ewig dauernden Reichtum bedeuten, auch nicht die dafür einzutauschenden Naturalkapitalien. Andererseits kann ein aufsteigendes, sparsames, d. h. einfach und völkisch gesund lebendes und volkswirtschaftlich gut organisiertes Volk im Laufe weniger Jahrzehnte solche Werte an Naturalkapital sich selbst schaffen. Einem Volk wie dem deutschen ist also mit solchen Geldströmen nicht nur nicht gedient, sondern es ist ihm obendrein möglich die entsprechenden Werte selbst zu schaffen, indem immer natürlich eine völkische Politik Voraussetzung ist. Eine gewisse Bedeutung erlangt eine Kriegsentschädigung dagegen durch die Schwächung des Gegners. Es wird ihm zu seinen eignen Kriegskosten eine solche Last auf die Schultern gelegt, daß die volkswirtschaftliche Gesundung und damit auch die Beschaffung von Rüstungsmaterial aller Art ganz erheblich unter bunden wird. Jedoch darf auch hier nicht vergessen werden, daß diese Schwächung nur vorübergehender Natur ist. Nur die damit etwa verbundene völkische Nieder haltung kann von längerer Dauer sein; sofern die Veranlagung der Nation sür einen völkischen Abstieg bereits aus anderen Ursachen vorliegt, kann eine solche gewaltige Erschütterung sogar den Zusammenbruch und diesen auch in wirt schaftlicher Beziehung einleiten. Bis zu gewissem Grade haben die französischen Kriegsverluste zuzüglich der fünf Milliarden Kriegsentschädigung eine derartige Wirkung gehabt; die neuen Kriegslasten und Kriegsverluste werden dem französischen Volke auch ohne Kriegsentschädigung den Rest geben. Man wird auch nicht fehl gehen in der Annahme, daß ein derart kapitalistisch durchsetztes Volk wie das englische durch die Kriegslasten für sämtliche Verbündete auch ohne Kriegsentschädigung einen gewaltigen völkischen Schlag erhalten muß. Derartige Erwägungen führen zu dem Schlüsse, daß man von einer Kriegs entschädigung nur da Gebrauch machen sollte, wo ein wertvollerer Gewinn in Form von Siedelungsland nicht oder nicht in genügendem Umfang erreicht werden kann. Was also gegenüber Handelsvorteilen, Geld- und Naturalkapital nicht ersetzt werden, durch ein aussteigendes Volk niemals auf friedlichem Wege er arbeitet werden kann, das ist das Land, Land für völkische und siedlerische Ausnützung, und im besonderen wieder Land an seinen Grenzen. Mit dieser Erkenntnis ist uns der Weg vorgezeichnet, den wir trotz aller Bankinteressen, trotz aller wirtschaftsimperialistischen Zeitideale englischen Ursprungs gehen müssen, wenn wir unsere politische Mission erfüllen wollen. Für unsere Feinde ist das Land nicht in dem Maße von Bedeutung wie für uns. Rußland leidet daran Überfluß und England braucht einem Kolonialgebiet im Nordosten Afrikas wie Britisch-Ostasrika nicht den Wert beizumessen wie wir. Und diese Länder sind finanziell so sehr in Mitleidenschaft gezogen, ganz anders wie Deutschland- Österreich, daß sie in gewissem Umfang einer Kompensierung unserer Verluste durch Landgebiete nicht abgeneigt sein dürften. Seien wir hier ruhig in den Augen der Gegner und ihrer Minister die deutschen Idealisten bei diesem Handel, der schließlich nach den Prinzipien des Grenznutzens ablaufen wird, indem sich das nicht für alle schickt, was sich für uns schickt. Eines freilich muß uns dabeiklar sein. Wenn wir mit einer inneren völkischen Politik dann und nach all den Lehren dieses Kriges nicht Ernst machen, dann haben wir allerdings einen schlechten Handel gemacht. Der Staatsmann, der von diesen Grundsätzen geleitet uns Land dieser Art verschafft, zwingt also sein Volk auch im Innern zu einer völkischen Politik größten Stils, zur Bevölkerungs schlacht" gegen unsere Feinde ringsum, wie einst Themistokles seine Griechen zum Entscheidungskampfe zwang, als er die Flotte bei Salamis umzingeln ließ. Und leider ist doch ähnlich wie damals ein Zwingen zu dieser Erkenntnis für weite Kreise so notwendig! Die Staatsschulden und sonstigen Kriegsschulden, einschließlich der Auf wände für die Invaliden und Hinterbliebenen, werden das deutsche Volk und seine Verbündeten dann in der Hauptsache selbst aufbringen müssen, und hier ist nun der Punkt, wo alle Fäden der von mir in meinem größeren Werke erhobenen volkswirtschaftlichen, kulturellen und völkischen Forderungen gleichsam wie in einem Brennpunkt zusammenlaufen. Hier kommt auf einmal die Um wälzung zugunsten einer harmonischeren Entwicklung. An diesem Punkte wird uns die beste Gelegenheit geboten, uns von jener falschen, materiellen, eng lischen Wirtschafts- und Kulturpolitik zu befreien, die bereits an der Arbeit war, die Gesundheit unserer Nation zu untergraben. Wie eine gefährliche Er krankung des menschlichen Organismus oft nur durch einen radikalen Eingriff, durch eine Operation, beseitigt werden kann, so bedarf es auch eines scharfen Schnittes, um den sozialen Organismus von seiner Kulturkrankheit zu befreien oder wenigstens um die Heilung damit einzuleiten. Diese Operation ist durch den Krieg selbst und durch seine wirtschaftlichen Folgen gegeben. Auf den ver schiedensten Gebieten hat man die uns drohenden Kulturgefahren durch den Krieg klar erkannt, auch die Einseitigkeit unserer seitherigen Wirtschaftspolitik. In den weitesten Kreisen ist der rechte Wille zur gesunden Gestaltung der Ver hältnisse vorhanden. Die Wunden, die der Krieg in sittlicher Hinsicht geschlagen hat, die noch schlimmeren wirtschaftlichen Wunden werden erst nach dem Kriege in ihrer ganzen Größe offenbar werden, und dazu kommen die mannigfaltigsten und bedeutungsvollsten Verschiebungen, wie sie die veränderten innerpolitischen und außenpolitischen Verhältnisse bedingen werden. Das gesamte Gleichgewicht des sozialen Bewußtseins, das Gleichgewicht des Wirtschaftslebens ist aufs heftigste erschüttert. Das allein ist der Zeitpunkt, wo man bei der Reparatur der staatlichen Maschine auch diejenigen Verbesserungen zugleich vornehmen muß, die auf eine Vervollkommnung gegenüber dem ursprünglichen Zustand hinauslaufen. Sind doch auch die Widerstände, die gegen solche Verbesserungen von anderen Seiten zu erwarten sind, geringer anzusetzen, als wenn wieder die Periode des Friedens Verschiebungen, wie einen geringen Aufschlag auf Tabak oder Bier und ähnliche geringfügige Maßnahmen zu Haupt- und Staats aktionen anschwellen läßt. In der Tat muß sich dann ja auch die gering fügigste Verschiebung viel empfindlicher fühlbar machen als in den ersten Jahren nach dem Kriege, welcher Zeitspanne der soziale Organismus allerdings bis zur Herstellung seines kulturellen und wirtschaftlichen Gleichgewichts sicherlich bedarf. 72 Und so möge denn an dieser Stelle, wo gerade von den wirtschaftlichen Ver hältnissen die Rede ist, eine Zusammenstellung der wichtigsten Maßnahmen er folgen, die für eine solche Neuorientierung zunächst in Betracht kommen und damit die Kompensation für eine finanzielle Kriegsentschädigung größeren Umfangs zu geben imstande sind. 10. Kapitel. Die Gesundung der wirtschaftlichen Zustände, im besondere der Finanzen. Bei der Neugestaltung der reichsdeutschen Finanzen ist an erster Stelle der Übergang zur größeren Sparsamkeit zu nennen. Ich denke hier nicht an jene Art von Sparsamkeit in kleinen Dingen, wie wir sie im letzten Jahrzehnt von Staatswegen erlebt haben und bisweilen an der falschen Stelle erlebt haben, als da sind Niederhaltung der Beamtengehälter im Gegensatz zur Teuerung und mit der Kinderbeschränkung als Wirkung, oder die Einführung weiblicher Arbeits kräfte mit ihrer Verschärfung der Konkurrenz, mit den frühen Pensionierungen und anderen mit der weiblichen Natur zusammenhängenden Wirkungen. Ich denke an jene Art Sparsamkeit, die sich aus einer anderen prinzipiellen Stellungnahme zu den unbedingt notwendigen" Staatsausgaben ergibt. Da steht vielleicht an erster Stelle unsere Eisenbahnpolitik. Wir bauen in jedem Jahre für hunderte von Millionen Mark an neuen Linien, an Überführungen, an Riesenbahnhöfen, Bahnhofserweiterungen u. dgl. Wenn man die Vorlagen der Regierung und die Wünsche der Abgeordneten in den Parlamenten hört, dann ergibt sich in diesen Dingen allerdings eine Art von Notwendigkeit, die die Notwendigkeit von Naturgesetzen manchmal noch übertrifft. Von einer anderen Seite aber betrachtet ergibt sich, daß von den militärischen und in sich gerechtfertigten Gründen abgesehen ein gut Teil dieser Notwendigkeit ihre Berechtigung aus Interessenpolitik und dann aus jener Bequemlichkeitstheorie des Verkehrs her leitet, die sich in der Erleichterung und Schnelligkeit des Personen- und Güter umsatzes gar nicht genug tun kann. So will heute unter Berufung auf dieses Verkehrsideal jedes kleine Städtchen, jede Dörfergruppe, die zusammen 2 3000 Seelen aufweisen können, eine Bahn haben. Das ist zeitgemäß, bequem und bringt einer ganzen Reihe von Interessenten Vorteile, erhöht die Grundpreise usw. Wie es mit der nur durch Kompensation erreichten Rentabilität dieser kleinen Bahnen bestellt ist, ist bekannt. Da nun gerade der Krieg uns gelehrt hat, auch in die Rentabilitätsberechnungen der Bahnbauten, Bahnhöfe, Überführungen u. dgl. den Risikofaktor mit aufzunehmen und da andererseits, wie an anderer Stelle näher ausgeführt, die Störung des wirtschaftlichen und kulturellen, ja des sittlichen Gleichgewichts der Nation durch diese fieberhaft gesteigerte Verkehrswirtschaft ganz erheblich beeinflußt wird, da zugleich mit dieser Klein bahn- und Kleinstbahnpolitik die letzten Reste von völkisch und kulturell mehr abgeschlossenen, oder wie man sagt zurückgebliebenen" Gebieten in den allge meinen Strudel mit hineingerissen werden, so erscheint es endlich einmal an der- 73 Zeit, daß diesem ganzen Verkehrsrummel Einhalt geboten wird. Wenn wir nun auch keineswegs in das andere Extrem verfallen und den völligen Stillstand der Verkehrserleichterung verlangen sollen, so darf doch die Forderung als be rechtigt anerkannt werden, daß wir überhaupt zu einem viel langsameren Tempo der Verkehrserleichterung übergehen und daß wir vor allen Dingen in den kommenden Iahren, sagen wir in den nächsten 15 20 Iahren, in den Iahren unserer volkswirtschaftlichen Gesundung von den Übeln des Krieges und den Übeln der vorangehenden Zeiten, die Verkehrsbauten auf das äußerste be schränken. Die Berechnung der dadurch möglichen Ersparnisse ist ein schwieriges Problem, ebenso schwierig wie die Verteilung der erzielten Ersparnisse auf die verschiedenen Schultern. Es erscheint aber notwendig, daß bei dieser Gelegenheit die ganze Eisenbahnfrage des deutschen Reichs zu einer Lösung geführt wird, und zwar kann die Lösung trotz der Schwierigkeit der Verhältnisse nur in der Schaffung einer innigen, mit weitgehenden Vollmachten ausgerüsteten Eisenbahn gemeinschaft für das gesamte Reich bestehen, die auch die Verteilung der Über schüsse und der Aufwendungen nach Maßgabe der Bruttoüberschüsse zu verwalten und ihre Verteilung in der Hauptsache wohl nach Maßgabe der Länge des Eisen bahnnetzes auf die einzelnen Bundesstaaten vorzunehmen hätte. Geht man dann von der Annahme aus, daß in Deutschland alle Hauptlinien und alle wichtigen Nebenlinien bereits ausgebaut sind, so kann man die weitere Ausgestaltung des Eisenbahnnetzes sehr wohl den einzelnen Bundesstaaten überlassen, die auch hier die Bedürfnisse einzelner Provinzen und Bezirke am besten zu berück sichtigen imstande sind. Sofern man von der Schaffung eines völlig geschlossenen Reichseisenbahnsystems, das sich allerdings aus einer innigeren Eisenbahn gemeinschaft durch allmähliche Assimilation entwickeln könnte, wegen einer ganzen Reihe von Bedenken und Hindernissen absieht, liegen die größten Schwierigkeiten für eine Lösung darin, daß ein Teil der Bundesstaaten weder an den Ausgaben, noch an den Einnahmen direkt beteiligt ist, wiewohl doch überall Reichsinteressen, (auch neben den militärischen) in Frage stehen und die gesamte deutsche Volkswirtschaft zu den Einnahmen beiträgt und von den Eisenbahnen den Nutzen hat. Es sollte doch eigentlich nicht anders sein, wie bei einem ver schiedene Bundesstaaten und Länder umfassenden Straßensystem, wo die Her stellung und Instandhaltung der Straßen dem einzelnen Land zufällt, obwohl der daraus gezogene Nutzen für das einzelne Land nicht ganz gleicher Art ist- Die Kosten werden hier von den Gemeinden, Bezirken und Staaten je nach der Leistungsfähigkeit und je nach Bedeutung des Verkehrs getragen, und diese Verteilung (was stets der relativ gerechteste Weg ist) von Fall zu Fall in den Gemeindevertretungen und Parlamenten entschieden. Genau so müssen wir jetzt, wo die beste Gelegenheit zu einer Vereinheitlichung und zu einer Beseitigung der manchmal recht häßlichen Konkurrenzmanöver der Eisenbahnen gegeben ist, fürs erste darauf dringen, daß die Eisenbahnschulden wie auch die Einnahmen von den einzelnen Bundesstaaten nach einem einheitlichen Prinzip übernommen und die weiteren Ausgaben für Neubauten und Betrieb in entsprechender Weise- 74 - verteilt werden. Über das Verteilungsprinzip kann man streiten; gerade darum, und damit es ein solches von dauernder Geltung sein kann, wird man es mög lichst einfach wählen müssen; ein derartiger Maßstab wäre wohl die Verteilung der Einnahmen nach Kilometern und die Verteilung der Ausgaben nach Durchschnitts kilometern, worunter ich die durchschnittlichen Herstellungskosten und die für einen bestimmten Zeitraum erforderlichen Instandhaltungskosten für einen Kilo meter verstehe. Die einfache Berechnungsweise nach der Kilometerzahl würde an den verhältnismäßig hohen Beträgen der kleineren im Gebirge liegenden. Staaten scheitern müssen. Wird aber so in der einen oder anderen Form die Einnahme- und Lastenverteilung für die Eisenbahnen auf eine naturgemäße Grundlage gestellt, dann fällt unter Absehen von den allen menschlichen Regelungen anhaftenden Inkongruenzen der Widersinn fort, der zwischen der Einnahmeverteilung und den Einnahmequellen der Eisenbahnerträge besteht; dann fällt auch der Zwiespalt weg zwischen der nationalen Volkswirtschaft und der bundesstaatlich einseitig-fiskalischen Eisenbahnpolitik. Mit anderen Worten, dann ist die Erzielung einer Kongruenz zwischen Reichssinanzen und Eisenbahn- sinanzen bei uns ebenso möglich wie in außerdeutschen Staaten. Aber auch nur auf einem solchen Wege ist es möglich, die hier geforderte Sparsamkeit im Eisenbahnwesen für die nächsten Jahrzehnte in der Richtung einer Verringerung der Reichsschulden auszunützen. Auch soll nicht vergessen werden, daß die Er sparnis der den Gemeinden und Bezirken oder den kleinen Bundesstaaten auf erlegten recht erheblichen Zuschüsse zu den Baukosten neuer Linien auf indirekte Weise einer Herabdrückung der allgemeinen Schuldenlast zugute kommen muß. Viel einfacher wie bei Bahnbauten liegen die Verhältnisse bei sonstigen Bauten, seien sie nun vom Reich, vom Bundesstaat oder von der Gemeinde errichtet. Hier ist in den letzten Iahrzehnten vielfach Verschwendung schlimmster Sorte getrieben worden. Die schon erörterte unbedingte Notwendigkeit" solcher Bauten ist nicht selten auf Sonderwünsche der Beamten, auf eine gewisse nervöse Unruhe, als ob es mit den alten Verhältnissen nicht mehr ginge, und zum guten Teil auf jene sinnlose Nachahmung zurückzuführen, die die Notwendigkeit von Prachtbauten, von modernen, d. h. zeitgemäßen" Bauten aller Art aus der Tatsache ableitet, daß andere Städte usw. oder gar andere Länder solche Fort schritte" besitzen. Im besonderen muß hier hingewiesen werden auf den Luxus der Städte, die für großartige Prachtbauten, Straßenpflasterungen, Kanal- und Tunnel bauten u. dergl. mehr das Geld sozusagen zum Fenster hinaus geworfen haben, sodaß man berechtigt ist, von einem Luxus der Straße" zu reden, wie er übrigens auch in den Kleinstädten schon anfing. Es ist nicht zuviel verlangt, wenn man auch hier für die nächste Zeit die größte Sparsamkeit fordert und damit für den Staat selbst direkt große Summen erspart, für die Gemeinden aber die Leistungs fähigkeit erhöht und die Bevölkerung auch dadurch zu einer stärkeren finanziellen Hilfe bei der Beseitigung der Staatsschulden heranziehen kann. Nun wird man einwenden können, daß durch solche Bauten wie auch durch die Eisenbahnbauten das volkswirtschaftliche Leben gefördert wird, die hier ge forderte Sparsamkeit also keine Sparsamkeit ist. Mit nichten; gewiß wäre es 75 - verkehrt, einen größeren Teil der volkswirtschaftlichen Maschine zum Stillstand zu verurteilen, allein es liegen hier doch Verhältnisse vor, die gerade in ent gegengesetzter Hinsicht wirken. Es ist zunächst darauf hinzuweisen, daß in dem Maße als diese Ersparnis zeitweise zur Abtragung der Staatsschulden verwendet wird, nur eine Übertragung von Schuldtiteln geschieht und die zurückgezahlten Beträge genau so der Volkswirtschaft zufließen, als wenn sie der Staat ver ausgabt, nur vielfach auf anderen Berufsgebieten. Sodann haben wir in Deutsch land bald eine Million Ausländer in Arbeit, ohne die vielen naturalisierten; wir nehmen unserer normalen Volkswirtschaft gerade durch die nervös übereilte Fertigstellung von allerlei Bauten einen Teil der ihr naturgemäß zukommenden Beschäftigung, um sie einem fliegenden Heer von ausländischen oder mangelhaft bodenständigen Arbeitskräften zu übertragen und wir entziehen gleichzeitig der Landwirtschaft die Arbeitskräfte in einem geradezu gefährlichen Maße. Zu dem allen kommt nun aber noch durch den Krieg der gewaltige Aderlaß an gefallenen oder invalid gewordenen Arbeitskräften und zugleich der nach dem Krieg zu er wartende Anspruch an Arbeitskräften der verschiedensten Art bei unseren Verbündeten. Man wird also mit einer Beschränkung solcher Bauten und mit einer Zurück stellung der notwendigen auf eine Reihe von Iahren eine harmonischere Gestaltung der Volkswirtschaft in erheblichem Grade fördern können und zudem die chronisch gewordene Pumpwirtschaft unserer Städte und Staaten damit ein dämmen. Das gleiche Ziel wird aber auch erreicht durch die Verringerung der Kriegsschulden wie sonstiger Schulden, einschließlich der Eisenbahnschulden, indem der Zinsbetrag der Gesamtvolkswirtschaft und mit ihm die Möglichkeit wirt schaftlicher Verschiebungen durch die Verwendung der Zinsen verringert wird. Aus ganz ähnlichen Gründen erscheint nun auch die Erziehung der einzelnen zu größter Sparsamkeit geboten, wie ich dies an anderer Stelle durch eine Reihe von Maßnahmen gegen den Luxus gefordert habe (z. B Einschreiten gegen die Auswüchse der Mode, Unterdrückung wenig haltbarer Waren und Rohstoffe). Der Nutzen für die Herabdrückung der Schuldenlast ist dann auf indirektem Wege durch Hebung der wirtschaftlichen und steuerlichen Leistungsfähigkeit zu suchen. Weiter ist in diesem Zusammenhang die Bildung einzelner Monopole zu nennen, für die wir nicht die staatliche, sondern die öfsentlich-rechtliche Form vor schlagen. Da dieses Kapital in meinem größeren Werk ausführlich behandelt ist, so kann ich mich hier kurz fassen unter besonderem Hinweis auf die Erhaltung der privatwirtschaftlichen Initiative und auf die Unabhängigkeit gegenüber den Parlamenten und gegenüber dem Bürokratismus der Staatsmaschine. An erster Stelle sind zu fordern: der allgemeine Ausbau eines öffentlich-rechtlichen Ver sicherungssystems in der Hauptsache für Lebensversicherung und Feuerversicherung. Den natürlichen Anknüpfungspunkt bilden einmal die seit langem bestehenden öffentlich-rechtlichen Feuersozietäten und sodann die Organisation der öffentlich rechtlichen Lebensversicherungsanstalten, die unter Führung Kapp s noch vor dem Kriege über ganz Preußen und eine Reihe anderer Bundesstaaten sich aus gedehnt hatte. In enger Fühlung damit gilt es einem öffentlich-rechtlichen Bank- und Kassensystem auf breitester Grundlage die Wege zu ebnen. Auch hier kommen- 76 - neben dem Reichsbanksystem wieder die öffentlich-rechtlichen Lebensversicherungs anstalten mit ihrem Aufbau nach Provinzen u. dgl. als Anknüpfungspunkt in Betracht, da sie wegen ihrer großzügig entworfenen Entschuldungsaktion und ihrer vielerorts bereits vorhandenen Arbeitsgemeinschaft mit den öffentlichen Sparkassen bereits auf dem besten Wege sind, einem von der Börse und den privaten Groß banken unabhängigen großen und vielverzweigten Banksystem den Weg zu bereiten und die Mittel bereitzustellen. Als direkte Einnahmequelle für den Staat dürfen diese Betriebssysteme nur in mäßigem Umfang in Betracht kommen; daneben müssen sie durch einheitliche Regelung des gesamten Finanzwesens, durch die Entschuldungsaktion und die beträchtliche Ersparnis an Spejen für den einzelnen eine wesentliche Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft bedeuten, die dann auf indirektem Weg auch den Staatssinanzen zugute kommen muß. Bedürfen die hier geforderten Organisationen keiner völligen Neugründung mit all ihren Widerständen und finanziellen Schwierigkeiten, können dieselben auch neben den Privatunternehmungen zunächst einhergehen, um diese nach und nach durch Übernahme des Aktienkapitals aufzusaugen, so stehen der so vielfach erhobenen Forderung nach allen möglichen anderen Monopolen große Bedenken gegenüber. Ausschlaggebend ist zunächst schon einmal der ungeheure finanzielle Aufwand, der zur Durchführung eines Monopols notwendig ist und dem heute tonangebenden Ziel einer Herabdrückung der Schuldenlast gerade entgegenwirken muß. In Betracht kämen aus verschiedenen volkswirtschaftlichen und finanz technischen Gründen ja nur Monopole, die sich auf Genußmittel oder auf solche Objekte beziehen, die wie z. B. Kohle und Elektrizität die Volkswirtschaft in ihrer Gesamtheit in Mitleidenschaft ziehen. Nun haften aber auch abgesehen von der finanziellen Seite dem Staatssozialismus große Gefahren an. Die privat wirtschaftliche Initiative muß der Volkswirtschaft in möglichstem Umfang erhalten bleiben. Aller staatliche und kommunale Betrieb ist schwerfälliger, den Gefahren der Bürokratie und der Parlamente in gleicher Weise unterworfen. Aus diesen Gründen hat der Staatssozialismus nur da Berechtigung, wo militärische Gründe (Staatswerkstätten für Munition u. dgl.) oder verkehrspolitische Gründe (Post und Bahn) oder entscheidende kulturelle Ziele (Schule, Kirche usw.) in Frage kommen; und selbst im letzteren Fall würde namentlich den religiösen Organisationen eine selbständigere öffentliche Organisationsform dienlicher sein. Der Hauptzweck aller Monopole, dem Staate Geld zu beschaffen, verführt Regierung wie Parlament leicht dazu, dieselben als melkende Kuh in einem nicht gerechtfertigten Umfang ähnlich wie seither die Anleihen heranzuziehen, die Volkswirtschaft zu belasten, statt leistungsfähiger zu machen. Die Beachtung dieses Momentes müßte dazu führen, die Monopole auf Genußmittel allein zu beschränken. Nun brauchen wir aber für Kaffee, Tee und Tabak, da sie aus dem Ausland kommen und mit Zöllen erfaßt werden können, diese kostspielige Form nicht, und für Alkohol hat sich die bestehende Art der Besteuerung längst eingebürgert und bewährt. Mit anderen Worten, wir können uns die kostspielige und auch sonst bedenkliche Form des Monopols hier überall ersparen. Die öffentlich-rechtliche Form, die die angedeuteten Gefahren in weitem Umfang umgeht, hat aber, da sie den- 77 Beamtencharakter ihrer Arbeitskräfte nicht umgehen kann, auch ihre Grenzen der Anwendung und darf nicht dahin ausgedehnt werden, daß sie den größten Teil des volkswirtschaftlichen Lebens sich unterwirft, überall, wo eine Gefahr von Seiten der privaten Volkswirtschaft nicht vorliegt, haben wir das größte Interesse daran, den Beamtenapparat auszuschließen. Die Anwendung der öffentlich rechtlichen Form beschränke ich demgemäß, soweit wirtschaftliche Unternehmungen vorliegen, auf das Gebiet des Geld- und Bankverkehrs, sowie des Versicherungs wesens, dessen Zentralisierung in dieser Form nicht genug betont werden kann, um aus der heutigen Beeinträchtigung aller Selbstverantwortlichkeit durch das moderne Versicherungswesen herauszukommen. Es sind aber nun eine ganze Reihe von Zwischenformen möglich zwischen den rein-öffentlich-rechtlichen und den privaten Organisationsformen. Ich habe dieselben unter der Bezeichnung halb-öffentlich-rechtliche Formen zusammengefaßt. Solche Formen, wie sie z. B. in den preußischen Landgesellschaften (Eigene Scholle u. dgl.) und in der Zentralstelle für Volkswohlfahrt vorliegen, schlage ich nun von der einfachen Beratung oder Aufsicht bis zur Kapitalbeteiligung da vor, wo die Berücksichtigung des öffentlichen Interesses in der privaten Volks wirtschaft einen Einfluß erheischt. Im besonderen geht mein Vorschlag dahin, in solchen Fällen dem betreffenden Zweig der Volkswirtschaft eine syndikat ähnliche Form aufzuerlegen was fast überall und gerade bei den durch den Krieg bedingten Zusammenschlüssen nichts neues bedeutet. Während die Kartelle, Trusts und Finanzierungsgesellschaften zu bekämpfen sind, gilt es in diesen Formen den öffentlichen Einfluß bald in größerem, bald in geringerem Maße zu betonen unter Wahrung der privatwirtschaftlichen Initiative und Verant wortlichkeit. Und so fordere ich denn diese Formen vor allen Dingen für Kohle und für Elektrizität, wie auch für einzelne Gebiete des Großhandels, jedoch nicht, um die Preise zu erhöhen, sondern um die Volkswirtschaft zu entlasten und damit für die Aufbringung der Staatsschulden leistungsfähiger zu machen, um also z. B. auch zu verhindern, daß das Inland zugunsten des Auslandes höhere Sätze bezahlen muß. Auch ist es möglich, in einer derartig modifizierten Form den Grundgedanken des Antrags Kanitz näher zu treten, um die Form eines Getreidemonopols u. dgl. zu umgehen. Anders dagegen liegt die Sache da, wo ein natürliches Monopol der heimischen Volkswirtschaft in Betracht kommt, also vor allem beim Kali. Hier wird man das vorhandene Syndikat in öffentlicher Richtung weiter ausbauen müssen, um der heimischen Volkswirtschaft und chemischen Industrie stets billiges Kali zu verschaffen, dem Ausland aber soweit nicht Verträge vorliegen einen erheblichen Preisaufschlag aufzuerlegen. Die Erhöhung kann hier nicht hoch genug genommen werden, und dürfte selbst 100 Aufschlag nicht zu viel sein, da das Kalium unersetzlich ist. Es folgen nun eine Reihe von direkten Einnahmequellen des Staates mit Einschluß der Steuern. Von einer Erhöhung der Zölle auf wichtige Produkte ist ab zuraten, sofern es sich nicht um Erziehungszölle im engeren Sinne handelt. Wohl 78 aber kann der Zoll gegenüber dem Ausland derart differenziert werden, daß gegen über den in wirtschaftlicher Organisation mit uns stehenden Verbündeten ein Nachlaß, den übrigen gegenüber eine Erhöhung eintritt. Anders liegt die Sach lage beim Tarifwesen der Verkehrseinrichtungen, also bei den Bahn- und Post tarifen. Hier können dem Reich durch die Erhöhung der Postsätze direkt und indirekt durch die Erhöhung der Eisenbahntarife (am einfachsten übrigens direkt durch Steuerzuschlag) erhebliche Einnahmen verschafft werden. Die zu schwindel hafter Höhe gesteigerten Postumsätze, und der nicht minder unheimliche aber kulturell weit bedenklichere Personenverkehr würden dann zugleich nach und nach etwas beschränkt werden, eine Erscheinung, die durchaus zu begrüßen und nur von dem allerdings so einseitig betonten fiskalischen Standpunkt zu bedauern wäre; bei den Gütertarifen der Eisenbahnen dagegen würde die Belastung der Volkswirtschaft zunächst zu sehr ins Gewicht fallen; man sollte darum hier nur auf eine auch sonst volkswirtschaftlich notwendige Revision der Fernsätze den Nachdruck legen, ohne jedoch den fiskalischen Standpunkt allzusehr in den Vordergrund zu schieben. In diesen Zusammenhang gehört auch eine Revision der Sätze für Ge bühren und Strafen. Die letzteren sind nach unseren heutigen Wirtschafts verhältnissen nicht mehr gerecht, wenn sie bei reich und arm auf gleiche Höhe lauten. Ein Satz, der einen Unbemittelten ruiniert, wird für den Wohlhabenden eine Kleinigkeit, und kleine Strafen werden für diesen so wenig empfindlich, daß er es oft genug darauf ankommen läßt und die ausführenden Organe durch die Häufigkeit der Übertretungen ermüdet und abstumpft (Automobile). Die wahre Gerechtigkeit ist doch die, daß jeder eine wirkliche Buße auferlegt be kommt; danach sind die Sätze entsprechend dem Einkommen und Vermögen zu staffeln. Damit würde auch dem schlechten Vorbild der Wohlhabenden, das so oft auf dem Wege der Nachahmung durch die anderen Schichten die Ordnung untergräbt, bis in gewissem Grade gesteuert werden können. Sodann dürfen hier die Stiftungen nicht vergessen werden, die sich all mählich zu einer kulturellen und wirtschaftlichen Gefahr, zu einem der schlimmsten Kapitalisten und Verschwender volkswirtschaftlicher Arbeit auszuwachsen beginnen. Hier wird man mit einem Teil der auf mindestens fünf Milliarden zu schätzenden Stiftungen nach und nach aufräumen, wie auch die Errichtung von Stiftungen in Zukunft erschweren müssen. Ein Betrag von mindestens zwei Milliarden könnte so vielleicht zur Verminderung der Staatsschuld herangezogen werden.*) Ehe wir nun zu den verschiedenen Formen von Steuern übergehen, muß noch auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, die Leistungsfähigkeit der *) Für die Stiftungen, diese unerbittlichen Kapitalisten, die allmählich eine ähnliche Rolle zu spielen drohen, wie sie im ausgehenden Mittelalter in einigen Ländern die Klöster und Verwandtes gespielt haben, lassen sich keine zuverlässigen Zahlenangaben beibringen. Die hier zu Grunde gelegte Schätzung beruht auf einer Umrechnung der vorliegenden bayrischen Zahlen auf das Reich. Jedenfalls ist bei den jetzt unvermeidbaren Umwälzungen in unserer Volkswirtschaft und in unseren Finanzen eine zahlenmäßige Erfassung nicht minder notwendig wie eine umfassende Statistik der Verschuldung des Besitzes. 79 - Volkswirtschaft nach allen nur denkbaren Richtungen hin zu heben. Da ist denn außer den in gleicher Richtung wirkenden, hier schon erörterten Maß nahmen zu nennen: die Elektrisierung des Landes, die Entschuldung und Besitz befestigung, namentlich für die Landwirtschaft, die Einführung von Erschwerungen für die Verschuldung, die Entwicklung des Besitzrechts in der Richtung von Verfügungsbeschränkungen, das Aufgeben von Staatslotterien und der Kampf gegen die Spekulation, gegen die Auswüchse der Börse, die Hebung der Land wirtschaft und der verschiedensten Gewerbe durch Meliorationen aller Art, durch die Maßnahmen der inneren Kolonisation im weitesten Sinne dieses Wortes und überhaupt durch alle auf eine völkische Politik gerichteten Bestrebungen. In diesen Zusammenhang gehört auch die Vermehrung der volkswirtschaft lichen Werte und der Siedelungsmöglichkeit durch die Umwandlung von Wald in landwirtschaftlich zu benutzende Fläche, wobei außerdem auch vom Staate ein Verkaufsgewinn erzielt werden kann, der selbst bei den bescheidensten Sätzen erheblich in die Wagschale fallen muß. Setzen wir nur einmal eine FHche von einer Million Hektar hierfür an, und einen Verkaufsgewinn von 2V Pfennig pro Quadratmeter einschließlich des Holzerlöses, so bedeutetet dies schon zwei Milliarden, die allerdings erst im Laufe der Jahre realisiert werden können. Durch diese und andere Maßnahmen wird dann zugleich die Bevölkerung zu einer stärkeren, mehr naturgemäßen Vermehrung angereizt, was angesichts der Arbeitsgelegenheit, der Möglichkeit des Industrieabsatzes in den uns ver bündeten Staaten und angesichts der Möglichkeit, uns im Arbeiterbedarf vom Ausland unabhängig zu machen, eine gewaltige Steigerung des volkswirtschaft lichen Einkommens bedeutet. Zum Schluß dieser Aufzählung sind die Steuern zu behandeln. Auch in der Steuerlehre werden wir durch den Krieg in wesentlichen Punkten umlernen müssen. Dahin gehört schon eine andere Stellungnahme zum Zweck der Steuer. Der sozialpolitische und erziehliche Charakter der Steuer muß mehr in den Vordergrund, ja an die erste Stelle treten, genau so wie bei den Zöllen. Wie man einen Teil der Zölle als Erziehungszölle, so muß man auch die Steuern mehr in der Richtung von Erziehungssteuern ausbilden. Der Grundsatz vom subsidiären Charakter der Steuer, d. h. sie nur da in Anwendung zu bringen, wo der Staatshaushalt ihrer bedarf, ist in seiner Nacktheit direkt schädlich, indem auf diese Weise das Gleichgewicht der Volkswirtschaft in verhängnisvoller Weise und chronisch gestört wird, zumal in einer Zeit, die aus parlamentarischen Rück sichten in ihrer Steuerpolitik so ungemein schwankend geworden ist und es darum den schwachen Schultern (d. h. hauptsächlich den Konsumenten und kleinen Wirtschaftseinheiten) unmöglich macht, im Laufe der Jahre in einer ruhigen volkswirtschaftlichen Entwicklung die auf sie abgewälzten Beträge der indirekten wie der direkten Steuern durch eine allmählige Anpassung von Lebenshaltung, Löhnen, Preisen usw. in möglichst gerechter und unmerklicher Weise zu ver teilen, also einen gewissen, wenn auch nie absoluten Gleichgewichtszustand der Volkswirtschaft herbeizuführen. Bedeutet doch bei unserer heutigen Steuerflut jede neue Steuer und ihre Überwälzung an sich die Quelle von neuen Unsicher- 80 - heilen des tastenden Wirtschaftsorganismus, indem bei einer Neubelastung eine Erhöhung des Betriebskapitals auch eine Erhöhung des Gewinns bei gleichem Gewinnsatz nach sich ziehen muß, die dann zu der abzuwälzenden Mehrbelastung hinzukommt, und indem zugleich jede neue Abwälzung andere Spannungen des Wirtschaftskörpers und die Sucht nach Verdienst dahin auslöst, daß die Er höhung über das notwendige Maß hinausgeht, daß z. B. im einzelnen um fünf Pfennig erhöht wird, wo die Erhöhung nur 2^ s Pfennig betragen müßte. Mehr Ruhe, mehr Stetigkeit zum Zwecke größerer Harmonie muß auch im Steuerwesen die Losung sein. Da wir nun hier nicht auf Einzelheiten eingehen können, so wollen wir die neuen Forderungen in etwas schärferem Maße heraus heben, als dies für die Praxis dienlich ist, indem wir den subsidiären Charakter der Steuer (hier für die Darstellung) einmal gänzlich außer acht lassen. Dann würde das Ziel der Steuerverteilung darauf hinauslaufen, Beträge zu erheben, die auf eine lange Reihe von Iahren völlig genügen, um den Staatsbedarf zu decken. Die Staatsausgaben, für die damit die aus volkswirtschaftlichen Interessen aller Art zu fordernde größere Gleichmäßigkeit gewährleistet wird, und die andererseits auf manchen Gebieten je nach der Arbeitslosigkeit automatisch er weitert oder zusammengezogen werden können, müssen demnach von der Steuer erhebung (damit übrigens auch von der Volksvertretung) unabhängiger gemacht werden. Dies geschieht durch die Heranziehung eines Fonds, einerlei ob er nun positiver oder negativer Natur ist, d. h. ob eine Zurücklegung oder eine Abtragung von Schulden der verschiedenen Einnahmehöhe sich anpaßt. Wie die Dinge heute liegen, kommt von einzelnen Einnahmeressorts für bestimmte Zwecke abgesehen in der Hauptsache das letztere, also die nach den Einnahmen auto matisch sich regulierende Schuldentilgung in Betracht. Der sinanzausgleichende Charakter der Steuer wird damit keineswegs völlig ausgeschaltet, indem die auf Jahre hinaus gleich bemessene Steuerhöhe so angesetzt sein muß, daß die Staats aufgaben und eine bestimmte Schuldentilgungsquote sicher gedeckt erscheinen, und indem ja auch die Möglichkeit bleibt, innerhalb gewisser Zeiträume Änderungen der Steuersätze und der Steuerarten herbeizuführen. Natürlich müßten diese Grundsätze auch von den Gemeindesteuern in größerem Umfange gelten, was dann auch auf eine Gesundung der städtischen Finanzen und eine Beschränkung ihres Schuldenmachens und ihres Luxus hinauslaufen würde. Die Aufnahme neuer Anleihen darf für Staat und Gemeinden nur zulässig sein, wo eine Ver teilung einmaliger Lasten auf Jahre hinaus bewerkstelligt werden soll und zwar derart, daß die lebende Generation ihre Schulden selbst begleicht, natürlich mit Ausnahme der Kriegsschulden. Damit wird dem Schuldenmachen ein Riegel vorgeschoben, der Gang der Volkswirtschaft und der Beschäftigungsgrad voll ziehen sich viel weniger sprunghaft und alle die üblen Folgen übermäßiger Zinswirtschaft, das Hinaussteuern auf die von mir an anderer Stelle erörterte zweite Hauptperiode des kapitalistischen Wirtschaftssystems, nämlich auf die Periode der Unmöglichkeit der Zinsaufbringung aus Produktionssteigerung wird unterbunden. Steuern und Anleihen dürfen nicht heterogene Dinge sein, sondern sie müssen nach vernunftgemäßen Grundsätzen sich einem einheitlichen, auf die- 81 Dauer berechneten Steuersystem einfügen, mit anderen Worten, die Anleihe muß zu einer Art Steuer werden, die auf die lebende Generation gleichmäßig verteilt ist. Dabei sollte man auch nicht die jährliche Amortisation auf eine bestimmte Höhe festsetzen, sondern die Quote, die den Zinssatz einschließlich einer bestimmten Amortisation angibt, also bei fünf Prozent Zinsfuß z. B. sechs Prozent derart, daß zuerst mehr Zinsen und später mehr Amortisation in der jährlichen gleichen Summe abgetragen wird. Darüber hinaus kann dann noch jährlich ein den Einnahmen entsprechend verschiedener Betrag amortisiert, d. h. dem Wirtschafts leben durch Zurückzahlung der Schuld wieder zugeführt werden. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß jede Steuer, ja in gewissem Umfange jede (aus dem Inland aufgebrachte) Anleihe ein Stück Sozialismus darstellt, wie es der auf der Arbeitsgliederung beruhende Staat zur Verteilung der volks wirtschaftlichen Gesamterträge auf die Glieder bedarf. Die Einnahmen dieser Art dürfen also immer nur das Gegenstück sein gegen die Leistungen der direkt vom Staate besoldeten Glieder wie auch der übrigen Volksglieder. Ein Leben, d. h. eine Pumpwirtschaft auf Kosten der Arbeit späterer Generationen, erscheint darum ebenso unsinnig und verhängnisvoll, wie ein Schwanken der Steuersätze von Jahr zu Jahr und bei ganz verschiedenen Steuerquellen. Es wäre dies dasselbe, als wenn der lebendige Organismus von der Nahrung und den Fettreserven späterer Jahre leben wollte oder wenn er seinen Bedarf jedesmal nach dem einrichten wollte, was er am gleichen Tage an Nahrung verarbeitet hätte, wenn es also Fettreserven u. dgl. für den Organismus nicht gäbe. Die Aufspeicherung von Reserven wird nun heute nur in geringem Umfange eine positive zu sein brauchen, sie muß mehr negativ sein durch eine erhöhte Abtragung der riesigen Schulden lasten, wie sie durch den Krieg gegeben sind, wie sie aber auch schon vorher zum Schaden der Volkswirtschaft und Kultur von Staaten, Bezirken und Ge meinden in bedenklichem Umfange gemacht worden sind. In das hier geforderte Steuersystem gehören zunächst die bevölkerungspolitisch, wie finanzpolitisch wichtigen Erziehungs- und Erdrosselungssteuern. Wir ver stehen darunter Steuern, deren Zweck darin besteht, irgend ein volkswirtschaftliches Bedürfnis in seiner Befriedigung derart zu erschweren, daß diese nur gegen ganz be sondere Opfer ermöglicht wird. Sie bilden nur eine besondere Form der Erziehungs steuern, zu denen z. B. die Zündholzsteuer und die Hundesteuer zu zählen wären. Bei den Erdrosselungssteuern gilt es derartige Bedürfnisbefriedigungen nach und nach stärker einzuschränken, ohne daß die an das Bedürfnis gewohnten Kreise in ihren individuellen Neigungen einfach unterdrückt werden. Diese Steuerform bildet gleichsam die Synthesis zwischen allgemeinem Verbot und allgemeiner freier Bedürfnisbefriedigung. Gerade mit einer verstärkten Abtragung von Staats schulden lassen sich nun diese Steuern sehr gut verbinden, da sie in ihrer Ertrags fähigkeit allmählich abnehmen müssen. Das beabsichtigte Steuerziel der Be dürfniseinschränkung und in manchen Fällen der Bedürfnisunterdrückung kann nur durch hohe Sätze bewirkt werden. Auch ergibt sich aus ihrem Zweck und ihrer Wirkung die Forderung, die allmählich abnehmenden Erträge durch weitere Erhöhung noch einige Zeit zu steigern. Die Steuerform ist aber nur dannzulässig und durchführbar, wenn zwingende Gründe für eine Beschränkung vor liegen. Da nun auch unser modernes Steuersystem zur Vermeidung einseitigen Druckes sich schon immer bemüht hat, nach Steuerobjekten zu suchen, die ethisch zu rechtfertigen waren, so kommt es, daß die von uns geforderten Steuerobjekte zum Teil mit den üblichen zusammenfallen. Es besteht aber ein prinzipieller Unterschied, je nachdem ob der finanzielle oder der erziehliche Standpunkt dominiert und nur im letzteren Falle handelt es sich um Erdrosselungssteuern. Als solche kämen in Betracht eine kräftige Besteuerung der Aufforstung zu Parkanlagen, Luxusjagden u. dgl. eine ungemein kräftige Ammensteuer, sowie die in meinem größeren Werke ausführlich begründete Besteuerung der Junggesellen, der kinder losen und kinderarmen Ehepaare in Form eines stärkeren Einkommenabzuges, der zur Verhinderung fiskalischer Anstellungspolitik der Gemeinden, der Einzel staaten usw. von den zur Gehaltszahlung Verpflichteten an das Reich abzuliefern wäre. Auf diese Weise würde schon ein beträchtlicher Teil der wertvolleren Volkselemente von der Steuer in erzieherischem Sinne getroffen werden, und es fragt sich dann, inwieweit diese Steuerform nach ihrer Einfügung ins soziale Bewußtsein auch auf sonstige Einkommensarten übertragen werden kann. Man wird hier von Fall zu Fall zu entscheiden haben, jedenfalls aber in einer Reihe von Fällen eher zum gewünschten Ziele kommen als mit besonderen Prämien an kinderreiche Familien. Zu Erdrosselungssteuern gehören ferner eine ganze Reihe von Vergnügungs- und Luxussteuern. Die jährliche Anzahl der Ver gnügungen wird man auf diese Weise herabzudrücken imstande sein, zumal die noch zu behandelnde Steuer auf das Braukapital die treibende Kraft für einen großen Teil aller dieser Veranstaltungen zu treffen imstande ist. Hierher wäre auch zu rechnen eine mit hohen Sätzen arbeitende Reklamesteuer, die die von einer gewissenlosen Geschäftswelt ins Werk gesetzte Vergiftung und Täuschung des Volkes, jene modernen Formen der Massenhypnose, ebenso beseitigen könnte wie die auf der übermäßig geübten Reklame beruhende allzurasche und mit der wirt schaftlichen Bewährung oft nicht in Einklang stehende Ausdehnung mancher Produkte und Industrien, durch die das volkswirtschaftliche Gleichgewicht allzu rasch verändert wird. Endlich sind mit Erdrosselungssteuern zu belegen eine Reihe von Genuß mitteln wie Alkohol in seinen verschiedenen Formen (Bier, Wein, Branntwein, Obstweine), Kaffee, Tee, Tabak und Tabakprodukte. Wegen der gewaltigen Schäden darf mit den Maßnahmen gegen gifthaltige Genußmittel nicht gewartet werden, bis sie sich in der Lebenshaltung eingebürgert haben. Darum sind auch einzelne Gewürze u. dgl. oder künstliche Ersatzprodukte mit solchen Steuern zu erfassen, während man die Verwendung einiger neu aufkommender Kulturgifte, wie die des Opiums und des Abfynths von vornherein unterdrücken sollte. Ich weise auch hin auf eine kräftigere Besteuerung des Essigs, jenes in unsere Kochkunst eingedrungenen Giftes, dessen Bedeutung nach der schädlichen Seite leider noch nicht genügend gewürdigt wird. Übrigens darf in dieser Aufzählung auch das Salz nicht vergessen werden, das zwar als Nahrungs mittel in Betracht kommt, das aber mindestens in der fünffachen Menge vomKultur-Menschen nach den vorliegenden Verbrauchszahlen genossen wird. Die vorhandene Salzsteuer ist darum durchaus gerechtfertigt, eine Erhöhung aber so gut wie ausgeschlossen. Die aufgezählten Genußmittel (mit Ausnahme des Salzes) enthalten schwere Gifte. Ihre Verwendung kommt zum mindesten in der Form eines täglichen Gebrauchs nur den Kulturvölkern zu. Wir haben zweifellos aber ein gutes Teil der erblichen Entartungsvorgänge der Kulturvölker und des jetzigen Zeitalters auf ihr Konto zu setzen und dabei scheint in erster Linie die regulierende Funktion der sogenannten inneren Sekretorgane herabgesetzt zu werden, jener Organe, die in ihrer Gesamtheit durch chemische Reizvorgänge eine Art drittes Nervensystem bilden, durch dessen Entartung die seelische und körperliche Harmonie und Gesundheit des Organismus verloren geht. Es ist aber bei der unheimlichen Entartung der Kulturvölker höchste Zeit, daß alle Zuflüsse, durch die sie gespeist wird, verstopft werden. So glaube ich denn, daß aus rassen hygienischen Gründen die aufgezählten Genußmittel eine allmählich immer steigende Besteuerung erfahren müssen und daß dabei Sätze, die die heutigen um 100 200 Prozent Ubersteigen, durchaus nicht zu verwerfen sind. Auch der Essig dürfte eine an die Erträge der Salzsteuer herankommende Einnahmequelle abgeben. Mit Ausnahme des Alkohols und allenfalls des Essigs kann natürlich überall die indirekte Steuerform des Zolls Verwendung finden, da die genannten Genuß mittel aus dem Ausland eingeführt werden müssen, während die geringen Mengen inländischen Tabaks leicht steuerlich mit zu fassen sind. Auf jeden Fall ist die Form des Zolles und der Besteuerung dem Staatsmonopol vorzuziehen. Neben den erörterten Steuerquellen wird eine allgemeine Einkommen- und Vermögenssteuer den Schwerpunkt des ganzen Steuersystems zu bilden haben. Bei ihr besteht im weitesten Maße die Möglichkeit einer allseitig gerechten Be steuerung und darum erscheint es durchaus gerechtfertigt, zuerst die Volkswirtschaft mit allen Mitteln leistungsfähiger zu machen wie dies im Vorhergehenden aus geführt wurde um dann aus dem Sammelbehälter, in den alle Überschüsse fließen, erhöhte Beträge zu entnehmen. So wird darum nach dem Kriege vor allen Dingen die Einkommensteuer eine Steigerung erfahren müssen, während ich es für gänzlich verwerflich und für ein Zeichen der mangelhaften Grundsätze unserer aktuellen Volkswirtschaftspolitik und Volkswirtschaftslehre halte, wenn man während des Krieges in einer Zeit unheimlicher Gleichgewichtsstörungen und mangelnder Ausgleichsmöglichkeit für das Einkommen auch noch mit Steuer erhöhungen u. dgl. und ihren Abwälzungen das Gleichgewicht beständig stört, statt hier durch Anleihen ausgleichend zu wirken. Auch in der Einkommensteuer wird dann nach dem Krieg mehr Ruhe eintreten müssen, und dazu gehört auch, daß den beständigen fieberhaften Störungen und dem empfindlichen Steuerdruck der Städte ein Riegel vorgeschoben wird. Der Staat hat hier die Pflicht, auf ein harmonisches Steuersystem zu dringen und der leichtsinnigen Pump- und Luxuswirtschaft der Gemeinden ein Ende zu machen. Sodann wird es notwendig sein, die größeren Einkommen besser zu erfassen wie heute und ganz entsprechend, wie das von mir für Progressionssätze bei Geldstrafen gefordert wurde. In Wahrheit haben wir nämlich in einzelnen deutschen Steuersystemen gar keine e*- 84 - Progression, sondern eine Degression und von bestimmter Höhe ab einen gleich mäßigen Steuersatz, sodaß also die volkswirtschaftlich bedenklichsten Einkommen die bei juristischen Personen wie Aktiengesellschaften z. B. noch in erhöhtem Maße bedenklich erscheinen verhältnismäßig am wenigsten betroffen werden. Es ist darum zu fordern, daß nach oben hin eine tatsächliche Progression eintritt, und daß die Sätze nach oben hin eine durchaus kräftige Heranziehung des Einkommens bedeuten, nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern ebensowohl aus dem Grunde, um die Störungen und Verschiebungen des volkswirtschaftlichen Gleich gewichts auf ein erträgliches Maß zurückzuführen. Selbstverständlich müßten die hohen Sätze der Einkommensteuer mit denen einer Vermögenssteuer in Einklang gebracht werden und je nach der Wahl des Systems der Schwerpunkt der Weg steuerung auf das Einkommen oder das Vermögen, d. h. den Vermögenszuwachs gelegt werden. Jedenfalls kommen wir jetzt um eine ungemein kräftige Ein ziehung der unverdient hohen Einkommen und des unverdienten Vermögens zuwachses, um diesen Brennpunkt der sozialen Frage, nicht mehr herum, wie ich dies am Schlüsse dieses Kapitels noch näher ausgeführt habe. Der bestehende Zustand, die Scheu vor einer stärkeren Heranziehung der großen Einkommen, muß geradezu als ein Rückstand aus jenen Zeiten der deutschen Kleinstaaterei aufgefaßt werden, in denen man die großen Einkommen und Vermögen nur bis zu einer bestimmten Höhe für steuerpflichtig erklärte aus Angst davor, daß diese reichen Herren sich in einem anderen Staate niederlassen könnten. Um von derartigen Rücksichten unabhängig zu werden und die im Interesse des Gleichgewichts so notwendige stärkere Besteuerung der großen Ein kommen durchführen zu können, ist es notwendig, die Steuersysteme der einzelnen Bundesstaaten in gewissem Umfange in Übereinstimmung zu bringen, ohne daß damit jedoch eine völlige Vereinheitlichung gefordert und die finanzielle Selbst bestimmung des Bundesstaates beeinträchtigt wird. Vor allem ist es dann un erläßlich, daß die Vermögens- mit der Einkommensteuer in Harmonie gebracht wird und daß die Progressionssätze für die großen Einkommen überall möglichst die gleichen sind. Dies ist auch aus dem Grunde schon notwendig, um die vom Reich zu erhebende oder doch zum mindesten einheitlich festzusetzende Steuer auf den unverdienten Gewinn und Vermögenszuwachs mit dem Steuersystem des Einzelstaates in Einklang zu bringen. Eine derartige Übereinstimmung wird jetzt um so leichter möglich sein, als die finanziellen Zustände nach dem Kriege sowieso zu einer anderweitigen Regelung des finanzpolitischen Verhältnisses der Bundesstaaten zum Reiche führen müssen. Eine Reichseinkommensteuer würde die Lage nicht, wie viele annehmen, ver einfachen, sondern im Gegenteil erheblich verwirren und die einzelne Privat wirtschaft nicht nur von den Etatsschwankungen des Bundesstaats und der Ge meinden (schon ein recht unleidlicher Zustand), sondern obendrein noch vom Reiche und vom Reichstag und den vielen Schwankungen des Reichsfinanzbedarfs ab hängig machen. Das wirtschaftliche Gleichgewicht würde also noch mehr gestört, die Unsicherheit vermehrt. Die Grundlage für die Einkommensteuer und die ihr nahestehenden Steuerformen muß also die Finanzpolitik des einzelnen Bundes-- 85 staates bleiben. Ohne diese Grundlage wird aus dem Bundesstaat nach und nach äe kacto ein Einheitsstaat, dem bei geringen Befugnissen der Einzelstaaten die mannigfachen Vorzüge, auch die sinanzwirtschaftlichen der Selbständigkeit der Einzelstaaten in der Hauptsache verloren gehen, ohne dafür mehr einzuernten als die größere Schablone und Schwerfälligkeit des Großstaates und die Verringerung des staatlichen und politischen Widerstandes, d. h. die Schwächung des staatlichen Lebens. Dazu kommt noch, daß die Einzelparlamente für eine gesunde Finanz politik mehr geeignet sind als der Reichstag, von anderen Gründen abgesehen schon darum, weil das Parlament des kleineren Staates immer verständiger die Lage beurteilen kann, weil es den Bedürfnissen und Verhältnissen des einzelnen Landes näher steht. Verzichtet man auf direkte Reichssteuern und liegt andererseits dennoch der Schwerpunkt der Besteuerung in den Einkommensteuern und den ihnen nahestehenden und sie ergänzenden Steuerquellen (wie den Vermögens steuern), so kann der Ausweg nur gefunden werden in einer anderweitigen Fest legung der Matrikularbeiträge und der Überweisungen, in einer Festlegung, die zugleich die Bundesstaaten und ihre Privatwirtschaften von den Schwankungen der Reichsfinanzen möglichst unabhängig macht. Dies geschieht auf dem Wege, auf dem alle Steuern gleichmäßiger gestaltet werden, durch einen Steuerfonds, der jetzt in Anbetracht der gewaltigen Schuldenlast negativ angenommen werden muß; dies läuft hinaus auf eine gleitende Schuldentilgung, soweit diese einen bestimmten Minimalbetrag übersteigt. Für die Beiträge der Bundesstaaten an das Reich liegt die Sache theoretisch sehr einfach und ähnlich wie bei einer Neu gestaltung des Eisenbahnwesens. Da das Reich selbst keine Untertanen hat und man die Rechte der Einzelstaaten nicht beschneiden kann und darf, so bleibt nur übrig, die Steuern von den Einzelbundesstaaten zu erheben und derart zu gestalten, daß diese Verteilung der Reichsausgaben in einer möglichst gerechten Form geschieht, sowie daß die Steuersätze wie auch die Form der Erhebung von den Bundesstaaten auf längere Zeit hin sich nicht verändern. Die größten Schwierigkeiten bereitet die gerechte Verteilung auf die einzelnen Bundesstaaten. Es ist vielleicht nicht zu viel gesagt, wenn man in diesem Problem das Problem der Reichssinanzen schlechthin erblickt, indem man in der Haupt sache nur darum das Reich so wenig auf die Finanzgrundlagen der Einzelstaaten stützte, weil mit zunehmender Arbeitsteilung zwischen der Leistungsfähigkeit der einzelnen Bundesstaaten immer beträchtlichere Unterschiede sich einstellten. Die selben mußten ein Festhalten an der Erhebung der Matrikularbeiträge nach der Käpfzahl als Ungerechtigkeit erscheinen lassen, zumal bei allen kleineren Bundes staaten, wo die Wahrscheinlichkeit der gleichmäßig gemischten Zusammensetzung aus Industriegebieten, reichen und ärmeren Landgebieten und aus Stadtgebieten nicht vorhanden sein konnte. Hätte man dagegen einen gerechteren Maßstab, der zugleich von dauernder Gültigkeit und von einfachem Berechnungsmodus sein müßte, so könnte ein für alle Mal die Finanzierung der Reichsfinanzen sichergestellt werden, indem die Zölle und eine Reihe von Erdrosselungssteuern dem Reiche, die übrigen Steuern und namentlich die Einkommensteuern und eine sie ergänzende Vermögenssteuer den Einzelstaaten zusielen. Dabei wäre dann, wie 86 - schon betont, für die Besteuerung des unverdienten Einkommens und Vermögens zuwachses, wie auch für die dem Einzelstaat etwa zufallenden Erdrosselungs steuern eine Vereinheitlichung der Sätze herbeizuführen. Den gestellten Bedingungen käme die Erhebung eines gleichmäßig alle Staaten treffenden Prozentsatzes der Einkommensteuer am nächsten, sofern man die Steuersysteme aller Bundesstaaten nach einem völlig einheitlichen System geregelt hätte. Das drückte jedoch die Einzelstaaten zu Verwaltungsorganen des Reiches herab und enthielte damit alle Nachteile direkter Reichssteuern, die Un möglichkeit einer Fortentwicklung des Steuersystems durch die Versuche der einzelnen Staaten und die Unmöglichkeit einer Anpassung an die wirtschaftlichen Zustände des einzelnen Landes. Viel eher kommen wir zum Ziel, wenn wir die Verteilung nach dem Verhältnis des Gesamteinkommens in den einzelnen Bundesstaaten zugrunde legten. Es bliebe dann zunächst eine Un gerechtigkeit in der Doppelbesteuerung juristischer Personen; deren Beibehaltung erscheint aber durchaus zweckmäßig als eine Sonderbelastung und Erschwerung derartiger wirtschaftlicher Gründungen. Die Feststellung der gesamten Einkommens summe bedeutet bei der Ausbildung der heutigen Statistik und der heutigen Steuereinschätzungssysteme keine nennenswerte Schwierigkeit. Es ist nur not wendig, über gewisse Sonderfragen genau einheitliche Grundsätze aufzustellen. Wenn dann immer noch geringe Ungleichheiten bestehen, wenn z. B. wegen der Schwierigkeiten der Feststellung die kleinsten und ländlichen Einkommen etwas zu wenig erfaßt werden, so bedeutet dies keine wesentliche Schwierigkeit, indem die damit gegebene geringe Mehrbelastung der tragfähigeren Schultern -- wenn sie überhaupt sich ergeben sollte nicht als volkswirtschaftlich nachteilig auf gefaßt werden kann. Die Feststellung des Gesamteinkommens kann leicht mit den übrigen Steuererhebungen verbunden werden. Wegen der geringen Ver schiebungen und wegen der Notwendigkeit, die Verteilungsquote für die einzelnen Bundesstaaten konstant zu erhalten, würde eine Erhebung dieser Art alle zehn Jahre völlig ausreichen und dann damit zugleich eine ungemein wertvolle statistische Einsicht in die Steuerkraft und Leistungsfähigkeit des Volkes gegeben sein. Zu grunde gelegt würde entweder das gesamte Einkommen des Bundesstaates, einerlei ob er die kleinen Einkommen steuerfrei läßt oder nicht, um hier die ver schiedenen Erhebungsmöglichkeiten, wie sie bestehen und sich etwa noch ausbilden können, nicht in Mitleidenschaft zu ziehen; oder man würde für alle Staaten die allerniedrigften Einkommenstufen gleichmäßig außer Betracht lassen, wodurch man die kleineren Staaten mit armer Bevölkerung etwas günstiger zu stellen imstande wäre. Das Verfahren ist noch einfach genug, um vom Parlament und der Be völkerung verstanden zu werden, um auch gegenüber schwierigeren Rechenmethoden genug Widerstandskraft nach seiner Einführung zu besitzen.*) Ungerechtigkeiten *) Will man bei einer derartigen Verteilung die schon durch die große Zahl im allgemeinen ausgeglichene ungünstigere Stellung der kleinsten ländlichen oder mit Gebirgs- bevölkerung besetzten Staaten gegenüber den Staaten mit starkem Industrieeinkommen auf alle Fälle verhindern, so bleibt neben dem erwähnten einheitlich geregelten Abzug der 87 - haften ihm zwar auch an, wie das jede menschliche Schablone nun einmal so mit sich bringen muß. Andererseits sind diese Ungerechtigkeiten klein genug, um von der Masse des Volkes nicht empfunden zu werden, und zudem würden sie gerade die kräftigeren Schultern treffen. Seinen Zweck, die groben Un gerechtigkeiten des heutigen Verteilungssystems zu beseitigen, erfüllt es somit zweifellos, und es würde dann nach seiner Einbürgerung allmählich in das Rechtsbewußtsein der Nation hineinwachsen. Ich zweifle auch nicht, daß die Verschiebungen im Laufe der Jahrzehnte nur gering sein werden. Wird nun zugleich die Beitragshöhe nur wenig und der Verteilungsmodus erst recht nicht verändert, so entspringen daraus wesentliche Vorteile für die Volkswirtschaft und für die Einzelstaaten, deren Finanzpolitik elastischer und unabhängiger erhalten werden kann. Wie es bei jeder Steuer sein sollte, darf der abzuliefernde Betrag nicht zu niedrig bemessen sein, sodaß er dem wechselnden Finanzbedarf des Reiches sicher gerecht wird; was dann über den Reichsbedarf hinausgehen sollte, müßte einem Fonds, d. h. hier in der Hauptsache negativ, für eine in gewissen Grenzen elastische Schuldentilgung verfügbar gemacht werden. In dieser oder einer ganz ähnlichen Form wird man die Lösung zu suchen haben. Auch könnte das Problem der Verteilung der Eisenbahnschulden und Eisenbahneinnahmen in entsprechender Weise seine Lösung sinden, sofern man kleinsten Einkommen zunächst einmal der Ausweg, bei den kleinsten Staaten gemäß dem festgestellten Gesamteinkommen eine grundsätzlich festgelegte Ermäßigung eintreten zu lassen. Ein anderer immer noch einfach erscheinender Ausweg wäre vielleicht der, daß man das einzelstaatliche Durchschnittseinkommen mit berücksichtigt, das man erhält, wenn man das Gesamteinkommen durch die Zahl der Zensiten oder die Kopfzahl teilt. Im letzteren Fall würden die kleinen ländlichen Bundesstaaten mit größerer Kinderzahl etwas weniger be lastet, was durchaus gerechtfertigt erscheint. Auf diese Weise wäre es möglich, das für die Rechnung nicht angängige umgekehrte Verhältnis, das zwischen Gesamteinkommen und Kopf zahl besteht, durch ein einigermaßen entsprechendes direkt proportionales Verhältnis zu ersetzen. Der einfachste Weg ist dabei der, daß auf einen Normalsatz 1, für den man wegen der größten Ausgleichwahrscheinlichkeit am einfachsten das preußische Durchschnittseinkommen annehmen könnte, die Durchschnittszahlen der übrigen Bundesstaaten umgerechnet werden. Die so erhaltenen Ausgleichszahlen, die von 1 nur wenig nach oben (bei den Hansastädten) oder nach unten (bei kleinen Gebirgsstaaten) abweichen können, wären dann mit dem Gesamteinkommen zu multiplizieren und daraus nach Art der sogenannten Gesellschafts rechnung Anteilverhältnisse in o zu berechnen, die für die Verteilung der Beiträge für 10 oder mehr Jahre immer die gleichen bleiben würden. Es seien die Gesamteinkommen: s; ; c usw., die entsprechenden Ausgleichszahlen 1; 1,1; 0.9 usw., dann wären die Anteilverhältnisse ; 1,1. b; v,9.c usw. Da das zugrunde gelegte Verhältnis das Produkt aus Gesamt einkommen (E) und Durchschnittseinkommen Gesamteinkommen (E): Kopfzahl (k) dar stellt, so läßt sich der Ausdruck durch Erweitern mit k auch in die Form bringen E^ k?. k; d. h. aber, die Verteilung würde hier geschehen nach der mit dem Quadrat des Durchschnitts einkommens multiplizierten Kopfzahl, während demgegenüber die Multiplikation mit dem einfachen Durchschnittseinkommen nur das Gesamteinkommen ergibt. Diese Verteilungs welse, die ebenso wie die nach dem einfachen Gesamteinkommen auch für die Überweisungen in Betracht kommen könnte, würde wegen der ausgleichenden Wirkung der großen Zahl und der geringfügigen Verschiedenheiten des Durchschnittseinkommens vielleicht zweckmäßig sein, und auch hier dürften die Verschiebungen bei einer neuen Festsetzung nach 10 oder mehr Iahren nur gering sein.- 88 - nicht bei einer Berechnung unter Berücksichtigung der Kilometerzahl mit etwa wünschenswerten kleineren Abweichungen sich begnügen will. Die Ungerechtigkeit der Verteilung ist hier weniger fühlbar, sofern die Amortisation nicht stärker wird und die Verteilung der übrigen Einnahmen zugunsten der schwächeren Schultern vor sich geht. Das Umgekehrte, wie es gerade bei der Erhebung der Matrikular- beiträge auftreten mußte, war die Ungerechtigkeit, die nicht aufrecht erhalten werden konnte. Zum Schlüsse dieser steuerlichen Erörterungen möge noch auf die Möglichkeit hingewiesen sein, einen Teil der Steuern in Naturalleistungen zu erheben. Eine derartige Rückwärtsentwicklung vom rein geldwirtschaftlichen Extrem erscheint aus mannigfachen Gründen zweckmäßig. Sie bedeutet vor allen Dingen gegenüber der Landwirtschaft ein größeres Maß von Gerechtigkeit, indem Unabhängigkeit von den Preisen und eine Parallelität mit dem von der Witterung abhängigen Ertrag erzielt wird. Namentlich sollte, sofern die Produkte im engeren Wirtschafts kreis bleiben, von dieser Art von Steuererhebung und ihrer Verwendung für Naturalleistung an Beamte usw. wieder mehr Gebrauch gemacht werden. Aber auch Leistungen von Handwerkern und schließlich Arbeitsleistungen aus ungelernter Arbeit können in gewissem Umfang in dieser Art als Steuer erhoben werden und einen regelnden Einsluß auf den Gang der Volkswirtschaft, auf die Arbeitslosigkeit und auf die Staatsfinanzen erlangen. Wir müssen auch hier eine Synthesis allmählich finden zwischen der überwiegend bindenden Naturalwirtschaft und der allzusehr den extremsten Individualismus und den materiellen Sinn begünstigenden reinen Geldwirtschaft. Dies kann einer Volkswirtschaft nicht schwer fallen, die so sehr von Organisation durchdrungen ist, zumal der Übergang zur Verrechnungs wirtschaft anstelle des Barverkehrs nichts weiter bedeutet als eine moderne, genauer die Werte erfassende Tauschwirtschaft. Damit sind wir nun am Ende dieser finanzpolitischen Betrachtungen an gelangt. Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und wollen mehr anregen als ein System vorlegen. Es sind darum auch keineswegs diese Vor schläge dahin aufzufassen, daß sie alle nebeneinander Anwendung finden sollen. Es wird auch hier Aufgabe der Praxis und der Entwicklung sein, das Brauch barste allmählich zu einem möglichst harmonischen Finanz- und Steuersystem zu verdichten. Ich hoffe aber den Nachweis geliefert zu haben, auch ohne Angabe von Einzelzahlen, daß es auf solche Weise sehr wohl möglich ist, der riesigen Verschuldung Herr zu werden und zugleich eine ganze Reihe von andersartigen Wirkungen mit zu erzielen, die zum Teil sogar garnicht rein wirtschaftliche, sondern allgemein völkische sind, unter denen ich an dieser Stelle auch auf die hinweisen möchte, daß mit einer derartigen Anziehung der finanziellen Leistungen der Einzelwirtschaften auch diese selbst in der kräftigsten Weise zur Sparsam keit und Genügsamkeit angehalten werden. Nach der Periode des Reichtums, die hinter uns liegt, erblicke ich darin ein weiteres bedeutungsvolles Mittel der Gesundung der nationalen Kultur und Volkswirtschaft. Man wird auch nicht fehl gehen in der Annahme, daß das gute Vorbild der Staaten und Gemeinden hier ebenso segensreich wirken wird, wie auf dem Wege der Nachahmung unser-- 89 Volk vor dem Kriege und unter dem Beispiel der Staaten und Städte auf den Weg der verhängnisvollsten Pump-, Zins- und Luxuswirtschaft gelangt war. Wie überall, so laufen also auch hier die verschiedensten Fäden und Interessen der Volkswirtschaft in einem Punkte zusammen. Und das bedeutet also auch hier in der Finanzpolitik die Notwendigkeit weitschauender Ziele und weitschauender Persönlichkeiten. Mit einer kurzsichtigen Novellenpolitik und Experimentierpolitik mit ewigen Parlamentskompromissen kommen wir auch hier nicht mehr aus. Haben uns nun die Ausführungen des vorliegenden Kapitels gezeigt, wie wir mit Hilfe einer gesunden und zielsicheren Finanzpolitik der materiellen Wunden Herr werden können, die der Krieg geschlagen hat, so wird damit die Natur der von uns vorzuschlagenden Friedensbedingungen prinzipiell auf eine andere Grund lage gestellt, als sie aus dem einseitig handelspolitischen Standpunkt unseres Zeitalters entspringt. Die im vorigen Kapitel erörterte Friedensformel, die nach ihrer Bedeutung für eine völkisch-deutsche Politik zum Ausdruck kommt in der Reihe: Land für Siedelung, Landesreichtum an Bevölkerung und Bodenschätzen, Kolonialgrenzland, Verträge über spezifische Landesprodukte, Kriegsentschädigung, Kolonialfernland, Handels- und Absatzverträge für Geldkapital und Arbeits produkte, gliedert sich aufs innigste ein in das in diesem Buche nach so vielen Richtungen hin verfolgte Problem einer völkischen Politik und Kultur. Wir können einer finanziellen Kriegsentschädigung, bezw. einer größeren Entschädigung ebenso entraten wie einer zweifellos als Angebot zu erwartenden Kompensation in Form völkisch wertloser Kolonialflecken auf der Landkarte. Wir brauchen auch nicht dabei auf günstige Handelsverträge in dem Umfang uns einzulassen, wie dies von manchen Seiten betont worden ist, ja wir könnten es nur begrüßen, wenn unsere Feinde mit dem für die Kriegszeit in Scene gesetzten und für die Friedenszeit angedrohten Handelsboykott in nennenswertem Umfang nach dem Kriege Ernst machen könnten, um den allzu üppig bei uns ins Kraut geschossenen handelspolitischen Überbau auf ein harmonisches Maß zurückführen zu können. Allerdings dürften uns unsere Feinde auf diesem Weg nur wenig behilflich sein können; ja der Plan, sich gegenüber einem zentral gelegenen Staat wirtschaftlich abzuschließen, ist so unsinnig, daß einem nur die Möglichkeit bleibt, entweder in jenen parlamentarisch regierten Staaten als Staatslenker politische Stümper schlimmster Sorte anzunehmen oder aber, daß es sich um einen raffinierten Kniff handelt, um uns für den kommenden Frieden mit handelspolitischen Kompen sationen einzuwickeln. Wie nun aber in Deutschland die Dinge heute liegen, indem der handelspolitische Standpunkt führenden, sich teilweise bis auf die Staatsleitung erstreckenden Einfluß besitzt, heißt es alle Augen aufmachen und alles aufbieten, damit wir nicht in die Falle geraten, damit wir nicht auf dem Wege englischer Handelspolitik- und Kolonialpolitik-Jdeale" den Moment für die Inaugurierung einer völkischen Politik unwiderruflich verpassen. Dann wären und auch bei geringfügigen bevölkerungspolitischen Vorteilen alle unsere Opfer nutzlos gewesen, dann hätte Westeuropas Politik gesiegt und wir wären unrett bar in den kulturellen und völkischen Niedergang seiner kapitalistischen Kultur lerstrickt. 90 - Das ist die große Sorge, die weite Kreise unseres Volkes erfüllt, wenn sie über das Verbot der Erörterung von Friedenszielen allmählich ungeduldig werden. Wir stehen am Wendepunkt zweier Zeitalter: Volkspolitik und Volkswirtschaft, nicht Volkswirtschaft" und Handelspolitik, deutsche Politik nicht englische Politik muß für uns die Losung sein, jetzt für die kommenden Friedensverhandlungen und für das ganze kommende Weltalter. Möge nun der Krieg in einem vollen Siege enden, sodaß wir unseren Feinden die Bedingungen diktieren können, möge der für uns nach menschlichem Ermessen ungünstigste Fall eines unentschiedenen Abschlusses eintreten, soviel erscheint gewiß, daß wir die Faustpfänder für eine Politik in dem hier geforderten Sinne in der Hand halten. Wieviel davon dann zu erreichen ist, das ist die Sache derjenigen, die aus der Fülle der Verhältnisse und Wiederstände das relativ richtigste zu treffen haben. Das aber erscheint auch gewiß, daß die politischen Ziele die militärischen Maßnahmen und Ziele in gewissem Umfang mitbestimmen müssen, wie dies kein anderer wie Bismarck klar erkannt und zum Ausdruck gebracht hat. Die hier vorgetragene soziale, auf die Arbeitsgliederung zurückgeführte Grund legung des Steuersystems bildet nun die Ergänzung zu meiner volkswirtschaftlichen Grundforderung, die von der Privatwirtschaft erzielten und doch zum großen Teil allein durch die Gemeinschaft der Arbeit (d. h. durch das System der Arbeits gliederung) ermöglichten Mehrwerte auf die einzelnen und auf die übrigen derart zu verteilen, wie es der Gerechtigkeit und wie es vor allen Dingen der Aufgabe entspricht, die Störungen der volkswirtschaftlichen Harmonie durch Überflutung mit privaten Mehrwerten nicht in allzu großem Umfang zur Geltung kommen zu lassen. Die Erzielung einer solchen Harmonie ist nämlich der Punkt, wo allein die Lösung der sozialen Frage gesucht werden kann, die nach dem Kriege die Gemüter und die Politik nicht minder beschäftigen wird, wie die Finanzsorgen und die auf eine entscheidende Stellungnahme drängt. Aus kulturellen und volkswirtschaftlichen Gründen schwerwiegendster Natur kann und darf die Lösung weder im Kommunismus der Sozialisten, noch im erweiterten Staatsbetrieb der Staatssozialisten gesucht werden. Der privatwirtschaftliche Weg mit seiner Ent wicklungsmöglichkeit, seiner privaten Verantwortlichkeit und seiner sozialen Aus lese kann als Grundlage für den größten Teil der Volkswirtschaft nicht entbehrt werden. Hier aber gilt es, der Entfaltung der Volkswirtschaft das sprunghafte zu nehmen, die fieberhaft gesteigerten chronischen Verschiebungen, wie sie für unser kapitalistisches Wirtschaftssystem Wesensbestandteile sind, auf ein erträgliches, einem stetigen Fortschritt dienliches Maß zurückzuführen und damit die schweren Schäden auf ein Minimum herabzudrücken, die in Bezug auf Löhne und anderes 91 - Auskommen, Mieten, Bodenpreise und sonstige Preise, in Bezug aus Lebens haltung, Arbeitsgelegenheit u. dgl. die soziale Frage unserer Tage geschaffen haben. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden, und muß ich auf mein größeres Werk verweisen, dessen Ausführungen durch die Vorgänge des Krieges ihre volle Bestätigung erfahren haben. Hier sollen nur die Grundzüge angedeutet werden: Das treibende Motiv der kapitalistischen Wirtschaftsweise ist nicht das sittliche des Auskommens, sondern das einseitig materielle und individualistische der Mehreinnahme gegenüber dem seitherigen Zustand und gegenüber den übrigen Betrieben gleicher Art; es ist die Verschiebung, die Erschütterung nach Wert und Preis, nach Betriebssystem und Arbeitsmethode durch technische Verbesserungen, durch Boden- und andere Spekulation, durch Handel um seiner selbst willen, durch Kartelle, Banken und Riesenunternehmungen u. dgl. mehr. Die Erzeugung von Mehrwerten, zu denen auch die Aufbringung der Zinsen gehört, ist das Ziel dieses Systems. Wer sich an diesen sozialistisch klingenden, aber aus der alten bürgerlichen Nationalökonomie stammenden Ausdruck stößt, kann auch die Aus drücke der modernen Zeit wie Extragewinne, unverdienter Vermögens- oder Wertzuwachs dafür einsetzen, in denen sogar das moralische Moment, das in dem Begriffe mit liegt, deutlicher sich hervorhebt. Diese Mehrwerte haben zunächst etwas bestechendes wie jede vermehrte Geldansammlung an einem Punkte, wie wir denn auch von einem Merkantilismus unserer Tage wieder reden können, dem die Zufuhr von Gewinn jedes Mittel gerechtfertigt erscheinen läßt. Hierher gehört z. B. der Merkantilismus der Städte und Staaten durch Ausstellungen, Fremdenverkehr, Ausländer an Hochschulen u. dgl. Die belebende Wirkung dieses Systems wird heute überall in Leben, Politik und Wissenschaft als Dogma des Fortschritts" angebetet, und dabei merkt man nicht, daß die Wirtschaftsform, die wir so feiern, uns von der wahren Kultur so vielfach entfernt und daß ihre Erfolge" immer mehr als Versuche des kranken Volkswirtschaftskörpers zu bewerten sind, gegenüber der zunehmenden privaten und öffentlichen Verschuldung und gegenüber der beträchtlichen Steigerung des Luxus und der allgemeinen Lebenshaltung zu noch größeren Verschiebungen und Störungen ihre Zuflucht zu nehmen. Nach vier Richtungen hin bedeutet diese Entwicklung eine krankhafte Gestaltung des volkswirtschaftlichen Lebens: 1. Die Auslese der Tüchtigen" geschieht immer mehr im Sinne der Händler- und Jndustriemoral, der Schlaubergermoral und der Raffiniertheit, des extremen, als Entartungserscheinung zu bewertenden Individualismus. Es bedeutet dies eine Veränderung, die bis in die tiefsten Volksschichten durch sickert und den langsamen, aber zielsicheren Weg der Auslese im Sinne des Vir probus" unterdrückt, die die Zersetzung der reichen Schichten in die sich so oft mit ihnen verbindenden geistig führenden Schichten und ins Volk trägt, die das Schicksal der Handels- und Reichtumsvölker an unserem Volke zu erfüllen im Begriffe ist, wie wir dies so oft in der Geschichte und heute in typischer Weise am englischen Volke verfolgen können. 92 - 2. Die aus den Verschiebungen fließenden Mehrwerte oder Extragewinne, die zum guten Teil in Form von Zinsen und Dividenden oder ihrer kapitalisierten Form dem Kapital zugute kommen, werden verwendet zu neuen Gründungen, neuen Verschiebungen, neuen Erschütterungen des volkswirtschaftlichen Gleich gewichts in immer größerem Umfang, in schnellerem Tempo und in immer stärkerer Betonung des Auslandsmarktes. Derselbe wird nicht nur rein geschäftlich herangezogen, sondern immer mehr unter der Flagge Handels politik" die Politik selbst vor den Wagen des kapitalistischen Fortschritts gespannt, sodaß bei der zunehmenden Konkurrenz auf dem Gebiete der Interessensphären, Bankverträge usw. Konflikte und kriegerische Verwick lungen nicht ausbleiben können. Der Krieg wird so bis zu gewissem Grade ein kapitalistischer Krieg, bei dem dann wieder besondere Formen der Er zeugung von Extragewinnen hervortreten. 3. Die erzeugten Mehrwerte begünstigen zugleich eine erhöhte Lebenshaltung, einen Luxus schlimmster Sorte, der auf dem Wege der Nachahmung, des sozialen Zwangs, der Heirat u. dgl. auf die durch ganz andere Auslese bedingten geistig führenden Schichten und in gleicher Weise allmählich auf die tieferen Volkskreise übergreift, der dann in wirtschaftlicher und sittlicher Beziehung die Volkszersetzung vorbereitet, und zugleich mit der Aufgabe der alten Sitte und Einfachheit jene physische Entartung und jenen Verfall der gesunden Instinkte einleitet, an denen bis jetzt noch jedes vom Wege der Natur abgekommene Kulturvolk zu Grunde gegangen ist. 4. Durch das ungeheure Zins- und Dividendenbedürfnis, durch die riesigen Höherwertungen bei erhöhtem Gewinn, durch die gewaltigen Neuemissionen und andere Gründungen, durch die ungeheure Steigerung der privaten und öffentlichen Verschuldung bei gleichzeitiger Erhöhung der Lebenshaltung, wie sie durch den sozialen Zwang des Luxus bedingt ist, wird allmählich die Rentabilität der Volkswirtschaft erschüttert. Nach einer Periode der verstärkten Erschütterungen und der kapitalistischen Auslandsmethoden nähern wir uns nach Erschöpfung der wichtigsten Mehrwertquellen und nach Ver selbständigung der Industrie- und Handelsentwicklung fremder Staaten allmählich jener zweiten Hauptperiode des kapitalistischen Zeitalters, in dem die Erzeugung von Mehrwerten gegenüber Zinslast und Lebenshaltung nicht mehr ausreicht: die soziale Not, die schon vorher die von der Ver schiebung betroffenen Berufe ergriffen hat, zieht in den mittleren und unteren Schichten immer weitere Kreise, während gleichzeitig ein guter Teil der volkswirtschaftlichen Kräfte für den gesteigerten Luxus mit Beschlag belegt ist. Aus der sozialen Not und Bedrückung folgt genau wie im kapitalistischen Altertum die politische Unzufriedenheit, die gesteigert von dem sozialen Bewußtsein der Unverdientheit solcher Einkommenshäufung in politischen Strömungen sich verdichtet. Aus der sozialen, d. h. nämlich aus der durch den sozialen Zwang bedingten Not, entsteht endlich oben und unten die Kinderbeschränkung mit all ihren moralischen, kulturellen, physischen und und volkswirtschaftlichen Folgen, mit dem Erlahmen an militärischer und- 93 volkswirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Im besonderen wird sie noch ver hängnisvoll in den nicht mit Reichtümern gesegneten, geistig führenden Beamtenschichten, die sich auf diese Weise im Laufe von wenigen Generationen selbst erwürgen und durch Heirat, durch Emporkommen jener allzuschnell reich gewordenen Familien eine Umbildung der Oberschicht zulassen, bei der Weitblick und angeborenes, im Laufe von Generationen auserprobtes Talent auf Kosten jenes kurzsichtigen Schlaubergertums und jenes einseitigen Individualismus zurücktreten und die im Lause der Zeit eine bedenkliche Unsicherheit in der Führung des Volksorganismus herbeiführen muß, wenn wir nicht rechtzeitig zur Umkehr gelangen. Geht so die Kultur und die Volkswirtschaft, die völkische und militärische Kraft, die Moral, die Auslese der Tüchtigen und die politische Gestaltung einem Zustand der Zersetzung entgegen, so muß es unsere Aufgabe sein, hier das Übel an der Wurzel anzufassen und auf den seitherigen Weg der Mittelchen und Pflästerchen, der Novellenpolitik" zu verzichten. Es gilt die Mehrwerte, die ja an sich in jeder Volkswirtschaft unentbehrlich sind, nach Umfang und zeit licher Folge auf ein geringeres Maß herabzustimmen, auf ein Maß, das eine harmonisch-stetige Entwicklung der Volkswirtschaft, eine gediegene Auslese der tüchtigen und damit der führenden Schichten, das eine allmähliche Anpassung aller Löhne und Preise, der Lebenshaltung, der Sitte usw. gewährleistet; es gilt also einen annähernden, wenn auch natürlich nicht absoluten Gleichgewichts zustand nicht etwa künstlich herbeizuführen, sondern sich organisch entwickeln zu lassen. Von den zu einer Gesundung notwendigen Maßnahmen mögen hier die wichtigsten genannt sein. Dahin gehört neben dem oben schon erörterten lang sameren Tempo der Verkehrspolitik und einer Revision der Tarife eine groß zügige Entschuldungsaktion mit Umgestaltung unseres Hypothekensystems, eine Sanierung des Kreditsystems überhaupt, eine gesündere Gestaltung unseres Börsenwesens unter Zurückdrängung der Spekulation, des Aktienwesens und der Emissionen, sowie die noch später zu erörternde kräftige Besteuerung der unverdient hohen Einkommen und Vermögen. Dahin gehört der Ausbau eines öffentlich-rechtlichen Banksystems und Versicherungssystems, eine Unterdrückung der Kartelle, Trusts und Finanzierungsgesellschaften, dagegen eine Begünstigung von Syndikaten mit öffentlichem Einfluß zum Zwecke einer harmonischeren Wirtschaftsgestaltung. Ich nenne weiter eine Zurückdrängung und teilweise Auf hebung der Stiftungen, jener kulturell und wirtschaftlich zum Teil besonders schäd lichen Form des Kapitalismus, sodann eine Reihe von Maßnahmen, wie z. B. die Elektrisierung des Landes und eine ausgedehntere Innenkolonisation, die zur Dezentralisation der Städte dienen, zur Bekämpfung ihrer wirtschaftlichen Schäden und ihrer zersetzenden Wirkung auf die geistige und sittliche Welt der gesamten Nation bis in die kleinsten Dörfer. Weiter gehört dahin eine Beschränkung mancher Gewerbe und ihres Absatzes auf ein bestimmtes Gebiet, sei es durch teil weise Aufhebung der zügellosen Freiheit des Gewerbes, sei es durch stärkere Betonung einzelner Zonen durch Verkehrstarife, sowie eine gesündere Handels- 94 Politik gegenüber dem Ausland unter Zurückdrängung des rein händlerischen und bankmäßigen Weltmarktstandpunktes und unter Betonung der handelspolitischen Organisierung unserer Bündnisse. Es gilt also hier ein System teilweise abge schlossener Wirtschaftsgebiete und einer teilweise abgeschlossenen Volkswirtschaft zur Durchführung zu bringen, und den Handels- und Industrieabsatz auf ein von Natur vorgezeichnetes Maß zu beschränken. In der gleichen Richtung ist zu fordern eine zielsichere Mittelstandspolitik, die getragen ist von der volkswirtschaftlichen Erkenntnis, daß die Großbetriebe, wo nicht besonders gewichtige Gründe dafür sprechen, mit ihrer unendlichen, alle sittlichen Werte zerstörenden Teilung der Arbeit und ihren lediglich materiellen Vorteilen" keinen Fortschritt bedeuten, dem alles zu opfern ist. Den gleichen Zwecken dient eine planmäßige Arbeits politik in der Verteilung der Arbeitskräfte und der öffentlichen Aufträge, und nicht minder die Maßnahmen, die auf eine größere Bodenständigkeit der Be völkerung abzielen. Auch die Erziehung zur Sparsamkeit an Geld und Naturalien, der Kampf gegen den Luxus ist hier zu nennen. Weiter gehört hierher eine größere Stetigkeit in der Gesetzgebung im Gegensatz zu dem Wust sich heute überstürzender und sich oft genug in ihren Grundsätzen widersprechender Gesetze, die nicht bloß die Unsicherheit der Volkswirtschaft vermehren, sondern auch den Glauben verbreitet haben, daß alles und jedes durch Gesetze und staatliche Maß nahmen hervorgezaubert werden, daß auch bei der nötigen Wucht der Initiative jede Verfolgung einseitiger Interessen Aussicht auf Erfolg erwarten kann. Schließlich ist hier als Grundforderung zu nennen eine Umbildung unseres heutigen Besitzrechtes im Sinne des deutschen Rechtes. Und zu dem allem kommt dann als erste Vorbedingung, als conditio sine qua non", daß die Probleme der Volkswirtschaft in Regierung und Wissenschaft mehr von ethischen, d. h. von staatsethischen Gesichtspunkten aus und nicht so einseitig vom rein materiell-wirtschaftlichen aus gesehen werden; dazu gehört aber vor allen Dingen, daß die Männer, die auf unseren Hochschulen den Nachwuchs der Staatsdiener in den Staatswissenschaften, in der Politik, der Volkswirtschafts lehre, der Bevölkerungspolitik, der Rechtswissenschaft usw. zu erziehen haben, Männer des praktischen Lebens sind, die nicht so einseitig aus dem Blickpunkt einer Theorie das wirkliche Geschehen beurteilen, die nicht bloß ihr ganzes Leben von der Schulzeit an aus den Büchern ihre Weisheit geschöpft und den Instinkt für die Wirklichkeiten und Widerstände des Lebens verloren haben. Es sind solche Männer uns nötig, die bei allem Interesse für die Wissenschaft in einem praktischen Beruf die Bedürfnisse und Tatsachen des Lebens erfaßt haben und dadurch allein imstande sind, die Wissenschaft richtig und großzügig genug zu betreiben, auch wenn sie nicht in jeder Doktorarbeit und dem nichtssagenden Literaturwust unserer Tage Bescheid wissen, wie er gerade von jenen Stuben gelehrten in die Welt gesetzt wird. Es ist also an dieser Stelle im Interesse einer größeren Harmonie der Volkswirtschaft alles das heranzuziehen, was sich in ein scharf umrissenes, groß zügiges, auf die Dauer berechnetes System der Volkswirtschaft, Bevölkerungs politik und sonstigen Politik eingliedert. In diesen Zusammenhang gehört nun- 95 - auch als wesentlicher Bestandteil ein zielbewußtes Steuersystem, womit wir auf den abgebrochenen Faden dieses Kapitels wieder zurückkommen. Ist doch, wie ich immer betone, der Weg der Besteuerung auch der Weg des sozialen Aus gleichs, ja wenn man so will, ein vernünftiges und notwendiges Maß von Sozialismus gegenüber den Auswüchsen einer kapitalistischen Arbeitsteilung mit ihren unverdienten und gefährlichen Reichtumsanhäufungen. Und darum fordere ich hier nicht nur aus Gründen der Gesundung unserer Staatsfinanzen, sondern aus der grundsätzlichen Forderung einer Gesundung unserer chronisch erkrankten Volkswirtschaft heraus eine kräftige Besteuerung der Mehrwerte und Extra gewinne. Bei einer neuen Orientierung des Steuersystems in dieser Richtung kommt also an erster Stelle die steuerliche Erfassung des Vermögenszuwachses einschließlich einer Dividendensteuer u. dgl. Gewinnsteuern (also der Mehrwerte), bei der wir im Gegensatz zur modernen Zaghaftigkeit vor hohen Sätzen und einer Progression nach oben nicht zurückschrecken dürfen, wenn auch andererseits der landwirtschaft liche Besitz aus völkischen und aus Betriebsrücksichten eine Sonderstellung ein nehmen muß und das Ziel nicht in einer Fortsteuerung jeglicher Mehrwerte gesucht werden darf, sondern Steuersätze gesucht werden müssen, die dem einzelnen einen Teil seines Zuwachses belassen müssen, um die Vorzüge und die sozialen Auslese bedingungen des Privaterwerbes, der Tüchtigkeit, der Sparsamkeit usw. nicht zu unterbinden. Den natürlichen Anknüpfungspunkt bildet dafür die vorhandene Vermögenszuwachssteuer. Eine besondere Kriegsgewinnsteuer würde sich in den Rahmen einer solchen Steuer mit erhöhten Sätzen einfügen lassen. Hierher ge hört auch eine kräftigere Besteuerung der Börsen, der Emissionen, der juristischen Personen wie der Aktiengesellschaften, der Gesellschaften mit beschränkter Haftung, der Finanzierungsgesellschaften. Überhaupt wird man ja schon alle juristischen Personen aus dem Grunde schärfer heranziehen müssen, weil sie für Verbrauchs abgaben nicht in Betracht kommen; man wird aber ihre Gründung viel mehr noch erschweren müssen, um die Auslesebedingungen der Volkswirtschaft nicht zu sehr in einer für die nationale Tüchtigkeit und Volkswirtschaft ungünstigen Richtung sich noch weiter entwickeln zu lassen. 11. Kapitel. Die weiteren Aufgaben der inneren Politik. Unsere Erörterungen haben gezeigt, wie die äußere Politik in tausend Fäden mit der inneren zusammenhängt, wie sie nur ein organisches Glied darstellen kann aus dem Gesamtorganismus einer großzügigen deutschen Politik. So gilt es denn nicht nur für die äußere Politik, sondern nicht minder für die innere, das zu erhalten und zu mehren, was wir unter furchtbaren Opfern in diesem Kriege errungen haben; es gilt auch unerschütterlich festzuhalten und auszunützen, was wir an Erkenntnissen über Kultur und Volkswirtschaft in diesem Kriege gewonnen haben. Das bedeutet aber eine allgemeine Umkehr von den Irrwegen der kapitalistischen Entwicklung und der Kulturzersetzung.In diesem allem erblicke ich ein einziges gewaltiges Problem, das Problem des beginnenden Weltalters, das ich die Kulturfrage nenne, und diese lautet: Wie ist es zu verhindern, daß das deutsche Volk an seiner Kultur und Wirtschafts weise genau so zugrunde geht, wie es bis jetzt noch jedem Kulturvolk der Ge schichte ergangen ist und wie wir es heute an der westeuropäisch-amerikanischen Kultur verfolgen können? Von den wahrhaften Vorzügen unseres Volkes hier zu reden, ist überflüssig; sie gefährden auch nicht den Bestand unseres Volkstums. Was wir betonen, was wir durchschauen müssen durch den Nebel von Phrase und Romantik, das sind die Übel, die die Kultur uns gebracht hat. Da zeigt sich denn auch bei uns ringsum die Volksentartung an Körper und Seele, der Verfall der Sitte und der geistigen Güter. Auch am Mark unseres Volkes frißt der Wurm der Volksauflösung, die Volksparalyse. Das können auch die belebenden Wirkungen des Krieges nur wenig und nur vorübergehend ver decken, und gerade die Kriegszeit hat uns über vieles im innern, was da faul ist, die Augen geöffnet, über mancherlei Krankhaftes, über mancherlei Verwerf liches und Unfähiges. Aber die Erfolge dieser großen Zeit, die an der Front und die hinter ihr, haben uns auch offenbart, besser wie alle Zahlen und Unter suchungen, daß es noch nicht zu spät ist, daß in unserem Volke noch Kräfte gegeben sind, die an der richtigen Stelle angesetzt und richtig geführt uns den endlichen Sieg in jenem großen Kampfe verheißen, der erst die Entscheidung über die Zukunft des Volkes bedeutet. Es ist dies ein Ringen von Jahrzehnten, von Generationen. Denn alle Verwirklichung völkischer Ideale durch den kommenden Friedensschluß kann nichts helfen, wenn sie nicht zugleich der Anfang ist für einen Umschwung in der inneren Politik. Wie ist diese Umkehr möglich? Von den grundlegenden Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet, von der Anbahnung einer mehr stetigen, harmonischen Entwicklung, ist bereits im vorigen Kapitel die Rede gewesen. Allein es wäre grundfalsch, wenn wir uns mit wirtschaftlichen Heilmitteln begnügen wollten; es wäre wiederum jene eng lische Politik, die den Reichtum der Nationen" im rein-materiellen erblickt, jene Weltanschauung, die in Übertragung des englischen Vorbildes eines Adam Smith in unserer volkswirtschaftlichen Wissenschaft und Praxis nicht minder alleinherrschendes Dogma ist, wie in den Idealen des Sozialismus. Was nützt uns alle Technik und wirtschaftliche Vervollkommnung, was nützt uns alle wirt schaftspolitische Gesetzgebung, was nützt uns alle materielle Hebung der Lage unserer Volksglieder, wenn es uns an der geistigen und sittlichen Kultur gebricht? Die Umbildung des Wirtschaftssystems kann allein nicht helfen. Die Umkehr der Geister muß nebenher gehen. Unsere Bildung und Erziehung muß auf eine gesündere Grundlage gestellt werden. Die Schule von heute ist jenem Individualismus und Nationalismus verfallen, die das Instinktleben nicht kennen, nicht beachten, denen das reine Vernünfteln und die Herrschaft des Wortes, das Reden-über-alles die Ideale sind, mit denen sie die Welt zu erfassen behaupten, zu denen sie uns zu ver bilden an der Arbeit sind. Die Worte und die Schlagworte, die Erziehung zu ihnen im Reden und Schreiben erzeugen in unserm Volk jene Schatten- und 97 Nebelwelt, in der ihm die realen Dinge des Lebens verdunkelt, der Instinkt für die Wirklichkeit, der gesunde Sinn für den Unterschied von Erreichbarem und Utopie, so vielfach verkümmert ist. Gewiß hat die deutsche Schule manches Gute geleistet, gewiß ist aber auch für jeden, der die Phrasenwelt unserer Tage zu durchdringen vermag, daß wir vieles nicht durch die Schule, sondern trotz der Schule erreicht haben und dank unserer natürlichen Veranlagung. Nie und nimmer hätte das Traumgebilde des Sozialismus in unserem Volke, im Gegen satz zu unsern Nachbarn, solche Wurzeln schlagen können, wenn es in der Schule weniger verbalistisch verbildet worden wäre, wenn es mehr den Gebrauch seiner Sinne, die klare Erfassung der Wirklichkeiten, wenn es weniger in der Schule und mehr im Leben gelernt hätte. Gilt dies von allen Schulen, auch von den Volksschulen, deren Vorzüge nicht zum wenigsten in dem geringeren Maß von Stoff und Schulzeit zu suchen sind, so gilt es von den höheren Schulen ein schließlich der Hochschulen in erhöhtem Maße; es gilt auch von unserem Über maß an Prüfungen. Einst wurde derjenige zum Ritter geschlagen, zum Edelmann und Schirmherrn der Nation erkoren, der bei ritterlichen Tugenden das Schwert zu führen verstand. Heute, im Zeitalter des Individualismus, wird jener zum Führer der Nation bestimmt, der ohne Rücksicht auf Charakter seine Zunge und seine Feder wohl zu führen versteht. Und so wird uns durch dieses Ideal des Zungenrittertums in Schule und Prüfungen allmählich eine neue Form der Auslese für die führenden Schichten aufgezwungen. Fürwahr, das Herz im Leibe dreht sich einem um, wenn man manchmal sehen muß, wie der naive, prächtige, feste Charakter mit seiner natürlichen Begabung vor dem beweglichen zurücktreten muß, wie die Sicherheit der Instinkte, die Gesundheit der Sinne und der Empfindung, wie die Bedächtigkeit und Schwerfälligkeit im Wortesetzen als Dummheit, und jene Zungenritter als die Blüte der Nation gefeiert werden. Diese Auslese durch die Schule muß mehr beachtet werden wie die Bildung durch die Schule. Diese Auslese kann uns so wenig zum Segen gereichen, wie dem klassisch-morschen Griechentum sein Bildungsdusel, sein Ideal als Lehrer aller Völker, auf dessen Erreichung wir Deutsche uns nicht wenig einbilden. Wie jene antike Welt an ihrer Instinktlosigkeit und mit am Griechentum zugrunde gegangen ist, so blüht auch uns dieses Endziel, wenn wir unsere Erziehung und unsere Bildung nicht mit neuen Idealen erfüllen. Endlich hat man erkannt, was Verfasser und andere vor dem Kriege immer wieder betont hatten, daß wir gar keine nationale Erziehung haben vor lauter Wissenskram und lauter Ausländerei. Schon sind aber die Leute da, die mit neuem Wortgeklingel unter der Flagge deutscher Unterricht" uns beglücken wollen, die im Sinne jenes verkehrten Individualistenideals noch mehr Blüten der Nation", noch mehr Zungenrittertum erziehen wollen, als ob wir nicht schon am Ersticken wären in dieser Sündflut von Literaten und Gelehrten und Rednern, in dieser wirklichkeitsfernen und tatenfernen Wüste von Büchern und Zeitungen, von Asthetentum und Wissenschaft. Was wir da brauchen, ist für die Volks schule und vor allem für die höheren Schulen ein geringeres Maß von Wissensstoff 7 98 und Lehrstunden, um Körper und Nervensystem, um Willenskraft, Charakter und Gemütsleben nicht die natürliche Entfaltung zu rauben.*) Wir brauchen eine Verlegung eines Teils des Lehrstoffes in eine Schulzeit neben der praktischen Ausbildung; wir brauchen eine stärkere Betonung der Charaktererziehung und Wissensausbildung durch die Arbeit; jedoch nicht jene schulmäßige Kleinarbeit, die man Arbeitsschule nennt, sondern eine wahrhafte Arbeit, wie sie im land wirtschaftlichen und gärtnerischen, aber auch in jeder anderen Handwerksarbeit zu finden ist. Wer so arbeiten gelernt hat, der hat den Körper gestählt, den Willen gestärkt, der hat Ausdauer und Aufmerksamkeit gelernt, wie sie zu jeder Arbeit nun einmal gehört. Und dazu kommt die Erziehung zur Organisation, zur Ein- und Unterordnung. Ob nun diese Arbeit in der Schule selbst oder in der freien Zeit geleistet wird, das ist nicht so wesentlich; die Praxis wird hier schon die richtige Mitte herausfinden. Jedenfalls ist Arbeiten und Arbeitenlernen neben der rein geistigen Ausbildung viel wichtiger und notwendiger als alle Sport- und Spielpflege und alle Soldatenspielerei unter Leitung von Erwachsenen, womit das deutsche Volk nur wieder einmal ins andere Extrem, in die Nach äffung des Englischen verfallen ist. Wir Jungen von einst haben das alles allein gemacht, organisieren gelernt und uns fügen gelernt ohne alle die Jugend- Hilfe und Bevormundung von heute. Aber den einen gewaltigen Vorsprung hatten wir: Wir waren auf dem Lande geboren und unsere Erziehung in und außer der Schule war noch nicht beeinflußt von den Idealen, die in den Städten geboren sind. Welche Mittel der Erziehung liegen für Kind und Jung frau und Jüngling im eignen Besitz und im Vaterhaus, und wenn sie noch so bescheiden sind! Nur wer solches hat, und wer eine Heimat hat im Gegensatz zum Nomadentum in der Steinwüste der Städte, der allein kann einer wahren Liebe, eines wahren Verständnisses für Vaterland und Gemeinschaft teilhaftig sein. Welches Wissen bedeutet die lebendige Erkenntnis von den großen Ab hängigkeiten und Widerständen der Natur, von Frost und Hitze, von Regen, Sonne und Wind, von dem Werden und den Gesetzen des Wachstums ringsum. Welche Erziehung zu Weitblick und Geduld ist es, wenn Jugend wie Erwachsene den Erfolg ländlicher Arbeit erst im Herbste, bisweilen erst nach Jahren erwarten können. So erblicke ich denn in der Erziehung zur Bodenständigkeit, in der Dezentralisation der Städte, in der inneren Kolonisation, in einer bodenständigeren Beamtenversetzungspolitik u. dgl. nicht nur die Erhalter von Volkskraft, Sitte und Familenbanden, sondern zugleich ein entscheidendes Glied aller Jugend erziehung. Das ist aber nicht etwas neues, sondern der uralte Weg allen Em lebens der Jugend in die umgebende Natur- und Menschenwelt bei naturgemäßen Bedingungen für den Körper und den Geist, für Arbeiten und Denkungsart. Das eigne Heim in ländlicher Umgebung ist eine unentbehrliche Lebensschule neben der Schule. Die Verbildung durch die höhere Schule, das Asthetentum, die Romantik und die Hamlet Energielosigkeit unserer Gebildeten haben neben der falschen Auslese auch in der Politik und in der Parteigeschichte eine Rolle gespielt. Diese Rolle zu verstehen wird erst ein Zeitalter imstande sein, das von den .selbstverständlichen" Erziehungsidealen und dem Kulturdünkel unserer Zeit sich gänzlich frei gemacht hat.Auch unsere Hochschulbildung gilt es auf natürliche Grundlage zu stellen. Wie für die Schule so heißt es auch hier, das Wissen neben der Arbeit, neben der Berufsausbildung darzubieten. Weniger Wortkram, weniger Erziehung zum weltflüchtigen Gelehrten und seinen Idealen muß hier die Losung sein. Und auch hier gilt es, den Nachwuchs für die Führerschichten weniger dem Einsluß der Großstädte zu unterwerfen, die mit ihrer Asphaltkultur und Zersetzung heute am Werke sind, für die ganze Nation das verderbliche Vorbild zu geben. Heraus mit den Hochschulen aus den Großstädten und nicht noch neue in die Groß städte hinein! Die zweite große Erziehungsanstalt ist die Kirche. Sie hat heute viel von ihrer alten Bedeutung eingebüßt. Auch hier hat sich Verbalismus und Individualismus breit gemacht, jene vernunftgemäße Ausbildung der Theologen, während andrerseits der Niedergang der Instinkte zugleich immer von einem Niedergang der religiösen Veranlagung begleitet, ja geradezu angezeigt wird. Wie soll da geholfen werden? Zunächst ist zu fordern eine naturgemäße Er ziehung der Theologen und eine weniger starke Betonung des Formelhaften für das, wofür alles irdische nur ein Gleichnis ist. Im übrigen bleibt nur als Ausweg dieser: alle die Mittel zur wirtschaftlichen, geistigen und sittlichen Hebung unseres Volkes anzuwenden, die uns nur irgend zur Verfügung stehen. Dann erwächst daraus zugleich eine Wiedergeburt der religiösen Ideale und Anlagen der Volksseele. Nur ist dann notwendig, daß die Bindung der Kirche an den Staat eine geringere wird, daß die freie Entfaltung der religiösen Kräfte nicht durch Verordnungen und Eingriffe des Staates erstickt wird: eine gewisse Trennung von Kirche und Staat ist die Vorbedingung einer religiösen Wiedergeburt, ohne die alle Kultur nur Scheinkultur bleiben muß. Was von der Religion gesagt ist, gilt auch von der Kunst. Sie zu heben und zu pflegen, um sie zu schaffen, ist ein Unding. Was wir von Kunst haben aus unserer Zeit, ist keine Kunst. Kunst ist Aufgehen in der Volksgemeinschaft wie die Religion; Kunst ist naives, gesundes Schaffen der einen und ebensolches Verstehen von den andern. Heute dagegen: Hysterische Sensation und Über treibung statt Wahrheit, Vernünfteln statt Gemüt, Naturalismus statt Natur, Symbolismus statt jenes Mythus und jener Poesie aller Kunst, die in tausend Formen den Urgrund alles Lebens wiederzuspiegeln vermag. Kunst und Literatur werden erst wieder erstehen, wenn wir wieder eine Kultur haben: Kunst in Festen, nicht in Theatern und Konzerten gegen Eintrittsgeld, Kunst in Kirchen, nicht in Salons und Museen, Literatur von Dauer und nicht fürs Geschäft, Kunstempfinden und nicht Reden über die Kunst". Die mächtigste Erziehungsanstalt und Bildungsanstalt ist heute die Presse. Sie hat oft genug geradezu vergiftenden Einfluß gewonnen. Sie ist das Tummel feld für so viele jener Individualisten, jener Worthelden, die nicht müde werden, ihren Mangel an Instinkten und Gemeinschaftssinn, die Schärfe ihrer Schlag worte und die besonderen Rechte ihrer Persönlichkeiten" als Ideale der Nation uns einzuimpfen. Und mit welchem Erfolg! Wie dringt diese Gedankenwelt 7* 100 auf dem Wege der unermüdlich wiederkehrenden Massenhypnose in alle Kreise und mit ihnen jene laxe Auffassung von Kultur und Sitte. Wie wird durch Artikelreklame und ungebildetes Schreibertum die Auffassung in falsche Bahnen gelenkt, das Interesse geweckt für die Zersetzung und ihre Männer. Es ist endlich an der Zeit, daß wir hier eingreifen. Während Schule und Kirche von staats- wegen bis zur Ohnmacht gegängelt, in der natürlichen Entfaltung gehemmt werden, wird hier schrankenlos Tag um Tag an der Verbildung und Auflösung des Volkes gearbeitet. Wir müssen stürmisch verlangen, daß hier genau wie in Kirche und Schule Männer von Charakter und wahrhafter Bildung ihren so hohen Beruf verwalten und dies unabhängig von irgend welchen Interessenten, aber auch unabhängig vom Staat, indem sie nach Erfüllung der geforderten Be dingungen ähnlich wie die Richter der staatlichen Einsprüche ledig sind. Wir sollten hier noch mehr wie in den Wissenschaften fordern, daß Männer zu diesem Berufe nur zugelassen werden, wenn sie im Leben in einem praktischen Beruf oder Amt gestanden und sich bewährt haben. Auf der anderen Seite gilt es aber auch, diesen Männern ihr Arbeitsfeld von allen Kapitalinteressen und Absatz interessen frei zu erhalten. Dazu gehört wohl auch eine Beschränkung und Privilegierung der Tagespresse, während die Freiheit der Meinungsäußerung für jeden durch Zuschriften und freie Rede, durch Zeitschriften und Bücher voll kommen gewahrt bleibt. Was wir nicht hervorzaubern können, so wenig wie die Kunst, das ist eine Neubildung unserer nationalen und sittlichen Ideale, unserer Welt- und Lebensanschauung. Sie können nur hervorgehen aus einer Genesung unseres gesamten Lebens und Wirtschaftens und nach deutschen Begriffen nur liegen auf dem Weg der Organisation und der Arbeitsamkeit, des Schaffens und der Tat in der Welt, in der Gemeinschaft. Das ist genau das Gegenteil von jenem Zeitdogma des Individualismus, der das vornehmste Anzeichen der Zer setzung noch immer gewesen ist. Geben wir unserer Nation wieder gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen, eine gesunde Wirtschaft, eine natürliche Ver mehrung, dann wird dieses Ideal von selbst wieder neuerstehen als das seit Jahr tausenden bewährte, wenn auch den Zeiten und Völkern im einzelnen angepaßte Ideal von Charakter und Männlichkeit und gesunden Instinkten. Die Hüterin dafür ist die Religion und mit ihr die Philosophie, die ich nicht als Wissenschaft, sondern als Kunst, als Lebenskunst ansehe. Wie aber sieht es da heute aus: Das Ideal des Ich-über-alles" geht in der gebildeten Welt um, wird als das Dogma schlechthin der Erziehung und dem Leben zugrunde gelegt. Weltflucht, Tatenflucht, das Wissen um des Wissens willen, statt um des Wirkens willen, das Aufgehen im Genuß von Kunst und Literatur, das ist heute der Standpunkt von Bildung, von dem so viele herabsehen, zu dem zu bekehren unser Erziehungs system an der Arbeit ist. Und wo bleibt die Philosophie, jene Hüterin des Volkstums? Sie ist zu Wissenskiam und Historismus herabgesunken, sie er füllt darum nicht mehr ihre ureigenste Aufgabe, die verschiedenen Beziehungen des Lebens zu einem Ganzen zu verknüpfen, so wenig wie die andere, unsere jungen Männer zur Kunst der harmonischen Verknüpfung in Wissen und Wirken- 101 - zu erziehen. Hier wird man, so wenig man die Ideale schaffen kann, doch so viel tun müssen, daß wieder Männer des Lebens" die Professorenstellen aus füllen, Männer die im Beruf gestanden haben, keine Stuben- und Büchergelehrten von Anfang an. Das gleiche ist aber für alle Wissenschaften zu fordern, namentlich auch für die Staatswissenschaften, die heute so vielfach neben dem Leben her laufen und doch den Anspruch erheben, aus Bibliotheken, Büchern und Zahlen es erfassen und meistern zu wollen. Bedeuten schon Schule und Prüfungen eine bedenkliche Auslese, gibt die kapitalistische Wirtschaft und die unendliche Teilung der Arbeit eine Bevorzugung, die von den Idealen der Tüchtigkeit recht weit abliegt, so gilt diese Entwicklung nicht minder für unser Rechtssystem und unsere Gerichtsbarkeit. Entsprungen aus der durch und durch faulen Kultur der römischen Kaiserzeit, hat das römische Recht den Keim der Zersetzung mannigfach erst in unser Volk und Rechtsempfinden hineingetragen; die moderne kapitalistische Entwicklung hat dieses Zerstörungs werk dann weitergeführt. So ist es zunächst auf dem Gebiet des Zivilrechts. Der Gerissene, der Skrupellose und der Reiche sinden sich darin am besten zurecht, der Naive, der Mensch von Anstand und Charakter wird unterdrückt. Dazu ein System von Verschleppung und von Rechtsbeistand, das dem gesunden Menschen verstand Hohn spricht. Ist hier die Begünstigung und wirtschaftliche Bevorzugung des Minderwertigen an der Tagesordnung, so ist es im Strafrecht nicht besser. Die Strafen sind lax geworden, wie die allgemeine Auffassung von gut und schlecht, von recht und unrecht abgestumpft ist. Das Ziel aller natürlichen Justiz, die Auslese der Tüchtigen durch Unterdrückung der Untüchtigen ist uns fremd geworden. Das gilt zunächst von der biologischen Auslese durch Ausmerzung der Feinde der Gesellschaft, durch Unterdrückung und Beschränkung ihrer Vermehrung in Todesstrafe und Einsperrung, und selbst der neue Strafprozeßentwurf zeigt nur schüchterne, wertlose Ansätze. Das gilt aber auch von der sozialen Auslese, d. h. der Auslese nach Stand und Beruf, indem die gelinden Geld- und Freiheits strafen, die bedeutungslosen Ehrenstrafen den Minderwertigen nicht wirtschaftlich und sozial unterdrücken; der Weg zu Reichtum, der Weg zu gehobener Stellung ist dem Elenden nicht mehr verschlossen, wenn er zu vermeiden versteht, nicht gar zu plump sich bloszustellen. Dazu die Verbitterung der guten Elemente, wenn sie hier ebenso ins Hintertreffen geraten wie bei der heute nicht weniger auf den Kopf gestellten Auslese der sozialen Hilfe durch Zwangsversicherung, durch Armen hilfe, durch Stiftungen u. dgl. Fürwahr es muß heute dem tüchtigen, arbeits freudigen und sparsamen Mann aus dem Volke, dem gesunden und kinderreichen Mann die Verzweiflung an seinen Grundsätzen kommen, wenn er sehen mutz, wie man immer erst arm oder krank oder Simulant werden muß, um von Staat und Gesellschaft begünstigt zu werden, wie man kinderarm sein mutz, um der Segnungen der Kultur teilhaftig zu werden, wie man raffiniert, lügenhaft, selbst süchtig sein muß, um im Leben vorwärts zu kommen. Unser Recht ist ein gut Teil mit Schuld an dieser Volksnot. Und darum bedarf es hier des Retters, der den gordischen Knoten von Logik und Unsinn102 zerreißt. Es kann nur der Staatsmann sein, der mit eisernem Griff die Rechts-- schablone wieder in ihre natürlichen Schranken zurückdrängt, der dem Grundsatz wieder zu seinem Rechte verhilft, daß jeder Einzelfall seine Besonderheit hat und darum von der begrifflichen Form nicht restlos erfaßt werden kann, daß es aber der richterlichen Nechtsfchöpfung in jedem Einzelfall Kraft der Autorität des Richters bedarf, wenn natürlich auch ein Gesetzbuch nicht entbehrt werden kann. Es bedarf sodann einer Revision unseres gesamten Rechtssystems vom Standpunkt der Auslese des Tüchtigen und der sozialen oder gar biologischen Unterdrückung des Minder wertigen, von einem Standpunkt aus, der zum Teil zu viel schärferen Strafen führen muß, der aber sowohl das Moment der Buße wie der Abschreckung in sich schließt. Es bedarf endlich bei allem Recht eines größeren Maßes der Selbst verwaltung (Selbstgesetzgebung) der einzelnen Landschaften, um innerhalb gewisser Grenzen das Recht nach den eigenen Bedürfnissen, Sitten, Grundsätzen und Er fahrungen zu gestalten, um dem Recht wieder in höherem Grade die Entwicklungs möglichkeit zurückzugeben im Gegensatz zu der Starrheit und Schwerfälligkeit des Rechtes im modernen Großstaat, im Gegensatz zu dem lebensfremden Fetisch von Uniformierung und Bequemlichkeit. Durch die geforderten Maßnahmen wird es möglich sein, daß das Recht wieder in größerem Umfang den sittlichen Anschauungen des Volkes (dem Naturrecht) entspricht, daß Sitte und Kultur das Recht und dieses jene befruchten kann. Dann wird es auch möglich sein, den verruchten Geist der Lüge in unserem Volke schärfer zu packen und zu bannen, dem gegenüber heute so oft der Wahrhaftige als der Nörgler und Stänker gelten muß, wenn er gegen die Verrottung im Einzelfall ankämpft. Es wäre verkehrt, wenn wir mit einer Gesundung des Wirtschaftslebens, der Kultur und Erziehung uns begnügen wollten, es wäre auch verkehrt, wenn wir mit der Gesundung der Form des sozialen Lebens, d. i. des Rechtes, uns zufrieden geben wollten. Beides zusammen tuts auch nicht. Was nützt uns alle wirtschaftliche Gesundung, was nützt uns alle Hebung der sozialen Lage, was nützt uns alle Erziehung und alle Wiedergeburt des geistigen Lebens, was nützt uns alle rechtliche Erneuerung, wenn die Träger dieses ganzen Systems auf dem Wege der Entartung angelangt sind? Wenn gegenüber unverbrauchten Völkern der Körper nicht mehr die gleiche Widerstandsfähigkeit besitzt, wenn die Geburtenhäufigkeit geringer wird, wenn was ich immer wieder als das Entscheidende betonen muß die Instinkte des Menschen im Absterben sind? Alle unsere Maßnahmen und alle unsere Hoffnungen sind auf Sand gebaut, die wirtschaftlichen, die erzieherischen, die gesetzgeberischen, wenn wir nicht hier den Weg der Wiedergeburt betreten, den uns ein gründliches Studium der Vererbungs vorgänge zu zeigen imstande ist.*) Es gilt die Gesetze des Niedergangs, der Aus lese, der Keimzerstörung zu erforschen, wie ich dies in meinem größeren Werke nach *) Meine Stellung gegenüber dem Aberglauben von der Unfehlbarkeit der Gesetz gebung, mit der man heute nicht mehr wie alles meistern will, ist durch die Erfolglosigkeit so vieler Kriegsgesetze und Kriegsverordnungen aufs schlagendste erwiesen worden. Wo eben die gesunden Instinkte fehlen, die des Gehorsams und der Autorität, die der Ehrlich keit, der Gemeinschaft u. dgl., da vermögen die Gesetze ebensowenig wirklichen Wandel zu schaffen wie die Erziehung der Jugend und die Belehrung der Erwachsenen. 103 allen Richtungen hin getan habe; es gilt dann auf Grund solcher Erkenntnis den Kampf aufzunehmen gegen alle nur möglichen Entartungsquellen. Es gilt die Methoden der Rassenhygiene, der quantitativen und noch viel mehr der qualitativen Bevölkerungspolitik rechtzeitig zur Anwendung zu bringen, dann wird es bei einem Volk, das trotz aller Fäulnis im Kerne noch gesund ist, auch gelingen, nicht nur die Entartung zu hemmen, sondern auch der Höher entwicklung die Wege zu bereiten. Es ist dies nicht so schwer, wie es dem Unkundigen scheint, wenn nur die Trägheit der staatlichen Erkenntnis und Gesetz gebung überwunden werden kann. Da heißt es, die biologische Auslese mehr natürlich zu gestalten, so durch Eheverbot und Asyle, durch Arbeitshaus, durch Sterilisation der Zeugungsfähigkeit bei Verbrechern und Geisteskranken (durch Röntgenstrahlen möglich). Da heißt es den wirtschaftlichen Kampf aufzunehmen gegen die Kinderbeschränkung, gegen die Ehelosigkeit, die späte und die einseitige Geldheirat, z. B. durch Schaffung von Raum und Arbeitsfeld für den Nachwuchs, durch vernünftige Gehaltspolitik, durch eine Revision unserer Steuerpolitik. Da kommen die stärkere Betonung der Landwirtschaft in Betracht, die Schaffung des eignen Heims, die Dezentralisation der Großstädte, die Erziehung zur Boden ständigkeit, die Jnnenkolonisation, die Schaffung von besiedelbarem Neuland an unseren Grenzen. Da gilt es den Kampf aufzunehmen gegen die Volksgifte und Volksseuchen, unter denen Alkohol und Syphilis voranstehen. Und endlich gehört hierher eine Umgestaltung unserer Einwandererpolitik, wie sie bei unserer zentralen Lage, unserer Überschwemmung mit fremden, mit körperlich und sittlich minder wertigen oder mit rassenfremden Elementen uns so bitter nottut. Die geforderte Umkehr unserer inneren Politik setzt nun zwei Grund - forderungen voraus, ohne deren Erfüllung die nationale Wiedergeburt un möglich bleibt: Die Erhaltung und Förderung einer wahrhaft zur Führung berechtigten Oberschicht ist das eine, das andere die Verstärkung ihres Einflusses gegenüber dem heutigen System der Volksvertretung. Derartig großzügige Reformen, wie die hier geforderten, bedürfen eines weiten Blicks, eines von sittlichen Idealen durchdrungenen Willens, einer Adels kaste in einem weiteren und höheren Sinne. Sie umfaßt auch die bürgerlichen Kreise des akademischen Beamtentums, der Offiziere, Professoren u. dgl., während der Fürst dagegen nicht zur Oberschicht gehört, sondern einen selbständigen Teil der Gesellschafts- und Staatsordnung darstellt. Er ist die regulierende Kraft des Staatsmaschine. Nur trifft in England und anderen parlamentarischen Staaten diese Stellung nicht zu, und es gilt scharf zu wachen darüber, daß nicht auch bei uns auf dem Wege der Nachahmung und des Usus der Gang der Ent wicklung der gleiche wird. Wie sieht es heute in dieser Oberschicht aus? Gewiß wäre es falsch, das gute zu verkennen. Hier aber gilt es, Tendenzen hervorzuheben, die Aussicht haben die Führung zu gewinnen. Da zeigt sich nun, daß durch das Eindringen des Reichtums und seiner Söhne und Töchter, sowie durch die Vorherrschaft eines krankhaften Individualismus als Bildungs- und Ausleseideal eine Um wälzung im Gange ist, die zugleich mit dem Eindringen rassenfremder Elemente- 104 - in wechselweiser Förderung verbunden ist. Luxus und äußerer Schein und byzantinische Kultur, Laxheit der Sitten und Grundsätze machen sich breit. Reich tum wird zur Tüchtigkeit, gewichtige Posten bisweilen nur dem Reichen zu gänglich, Titel und Orden können durch Wohltätigkeit nicht selten erkauft werden. Die Eheauslese nach Stand und natürlichen Vorzügen wird durch die reiche Heirat ersetzt; die Nichts-als-Reichen, selbst rassenfremde und internationale Elemente dringen vor. Verständnislos steht man oben bisweilen diesem Prozeß der Auflösung gegenüber, oder gar man ist mit an der Arbeit, die Unterschiede und das Empfinden dafür durch Ernennungen u. dgl. zu verwischen. Wer aber nur einen Funken Verständnis von Vererbung hat, der muß wissen, wohin es führt, wenn der Nachwuchs solch heterogener Elemente sich mit bewährten Familien vermischt. Jenes natürliche Ideal von Tüchtigkeit, Männlichkeit und Wahr haftigkeit, von weitem Blick, Tiefe des Taktgefühls und der Begabung, von gesunder Harmonie der Instinkte, wird zurückgedrängt durch sein Gegenstück in jenen Überbeweglichen, denen die Schlauheit des listenreichen Odysseus das Vor bild ihrer Sophistik ist, denen die Vorliebe für das Wort und eine gewisse Kurzsichtigkeit die tiefere Einsicht versagt, bei denen es sich zuerst um den eignen Erfolg und auf diesem Umweg nur um die Gemeinschaft handelt, bei denen an die Stelle jener religiösen Sorge um die Zukunft des Ganzen der Wahlspruch getreten ist: Nach uns die Sündflut! Mit solchen Kulturträgern läßt sich bei allem Schein und aller Pose eine Kultur weder aufbauen noch erhalten. Zu dieser Überzeugung gibt das Leben jedem, der sehen gelernt hat, die Belege in Fülle; auch der Krieg hat da manches bestätigt, indem der Beamtenapparat da, wo es aufs Disponieren ankam außerhalb der festgefahrenen Gleise, doch viel fach versagt hat, nachdem sich jahrzehntelang der Grad der Abhängigkeit von der Zentrale und der Grad der Fähigkeit wechselweise gefördert hatten. Und diese Umbildung der Oberschicht, das Vordringen des so oft verbundenen und verschwägerten Geld- und Zungenrittertums, droht schnell sich auszubreiten. Denn es handelt sich hier genau wie bei der Geschäftsheirat nur um eine soziale Auslese, um ein Eindringen, Überwiegen und Verschwinden innerhalb einer Kaste, also nicht um Aussterben und überleben. Schon zwei Generationen dürften darum das Bild wesentlich umgestalten, zumal bereits mannigfach die neuen Kreise die Führung beanspruchen, während die besseren Elemente oft genug in Bescheidenheit zurückstehen müssen, bisweilen durch Kinderbeschränkung, durch Ehelosigkeit und späte Heirat sich selbst erdrosseln oder in Geldheirat das geringere Übel erblicken. Zwei Weltanschauungen ringen hier um die Herrschaft: die der harmo nischen gesunden Fortentwicklung und die des Fortschritts über alles", der zur Zersetzung führt.*) Es ringt das Natürliche mit dem Raffinierten, das Talent *) In einem großen Teil der Presse, die unter der Abhängigkeit von Geschäfts interessen und Großkapital, von Parteikommando, Korrespondenzen u. dgl. sich eine eigen artige Freiheit einbildet, ist der Kampf gegen Junkertum usw. und die freie Bahn für die Tüchtigen der Handelsauslese das Leitmotiv. Die Tnrannenherrschast, die es zu brechen gilt, ist aber wo ganz anders zu suchen: der politische Kampf gegen die Reichtumsherrschaft, 105 mit der Schlaubergerei. Es ist der Gegensatz der Gemeinschaftsgefühle gegen die Selbstsucht und jenen Individualismus, der schon für das Altertum das Leitkennzeichen der Entartung abgibt, dessen Persönlichkeitswerte" aber auch schon in unserer Kultur zum Dogma geworden sind. Es ist der Gegensatz von der tiefinnerlichen Wahrhaftigkeit und der Unwahrhaftigkeit, von der selbst geglaubten Phrase angefangen bis zur Maske, Sophistik und Lüge. Es ist auch der Gegensatz des westeuropäisch-amerikanischen gegenüber dem deutschen Gesellschafts- und Verfassungssystem, der Gegensatz von monarchischem Beamten staat (konstitutioneller Monarchie) und parlamentarischem Regierungssystem schein demokratischer und plutokratischer Färbung.*) Es ist der Haß und die Furcht der Advokaten- und Demagogenregierung gegen die Überlegenheit unseres Systems, zumal gegen die Stellung des Adels. Der Kampf beider Systeme und Welt anschauungen um die Weltherrschaft ist die weltgeschichtliche Mission dieses Krieges. Möge sie bei uns nach dem Kriege auch für die innere Politik in vollem Umfang verstanden werden. Ein Volk nämlich, das keinen Adel mehr hat in dem Sinne von edel, ist dem Untergang geweiht. Ein Volk bedarf der Führung durch die Ober schicht in den großen Dingen, wie in den kleinen Dingen, im politischen, im kulturellen, im wirtschaftlichen Leben. Es bedarf ihrer als Organ für die schwierigsten Aufgaben und nicht minder als Vorbild. Ein Volk wird beherrscht von der Nachahmung in Sprache und Sitte, im Wirtschaften und in der Lebens haltung, in Luxus und Mode, in den Anschauungen wie in den Nichtigkeiten des Lebens. Getrieben von jener hypnotischen Macht folgt es dem guten Vor bild ebenso wie dem schlechten, das in Männern und Frauen sich darbietet. Und so sind denn heute jener neue Menschentypus, der Reichtum und die Städte als die Vorbilder in den Vordergrund getreten; so dringen ihre Ideale und ihre Lebensführung immer tiefer ins Volk, um die Auflösung zu vollenden. Nebenher geht zugleich eine Umgruppierung der politischen Gesinnung. Das Volk ist nicht blind gegen Fehler und Unfähigkeit und verallgemeinert hier nur zu leicht, in dem es in der Oberschicht eine geschlossene Einheit erblickt. Mit dem Schwinden der Vorzüge durch die neue Auslese muß die Überzeugung an Boden gewinnen, daß der einfache Mann nicht weniger zur Führung berechtigt ist. Kommt dazu noch das Schwinden der Autoritätsinstinkte, so gewinnt der demokratische Geist in jenem bösen Sinne, der gesundem Volkstum fremd ist, die Oberhand. Die gleiche Zersetzung auf allen Gebieten zeigt jene klassische Zeit des Altertums, die unserer Erziehung und Bildung als leuchtendes Vorbild gepriesen gegen den hoch und nieder umklammernden Ring der Plutokratie, und der wirtschaftliche Kampf gegen den Kapitalismus muß die Losung sein, mit der wir in das beginnende Welt alter eintreten müssen, wenn unser Volk sich wieder auf den Weg nach aufwärts zurück finden soll. Die Ziele von rechts und die Ziele der äußersten Linken werden sich hier be gegnen, um die verblendenden Ketten zu sprengen, die das Gold, seine Vertreter und sein Wirtschaftssystem um uns geschmiedet haben. *) Unsere Staatsmänner sollten diesen Punkt jetzt mit aller Schärfe unterstreichen und sich nicht an die Tyrannen jener Scheindemokratie ! wenden, sondern vielmehr an die Völker selbst. 106 wird. Vielleicht nur in einem dürfte unserer Zeit der Ruhm des Forfchritts" gebühren: in der Stellung der Frau. Im Frauenstimmrecht kam der Athener über die Komödie nicht hinaus. Wo wir heute auf dem besten Wege sind, den Frauen alle Berufe zu eröffnen, die Natur, die Ideale und die Auslese auf den Kopf zu stellen, da ist das Frauenstimmrecht nicht fern; und wieder will Eng land von größeren Staaten den Anfang machen. Das Dogma des Fortschritts, des Individuums über alles" verfällt aber auch hier jenem wüsten Aberglauben, der das neue für das bessere, den Weg der Zeit für den Weg der Vervollkommung hält. Nach dem Wahnsinn der Mode und den politischen Frauen zu schließen, dürfen wir bei ungestörter Weiterentwicklung des Fortschritts Dinge erleben, für die die Phantasie des Aristophanes nicht ausgereicht hätte. Doch ich bin weit vom Pessimismus entfernt. Ihn vertritt unsere national ökonomische Wissenschaft, die mit Schmoller an der Spitze das Altern und Ab sterben eines Volkes für so unvermeidlich hält wie das Altern und Vergehen eines Baumes. Das Bild ist falsch. Die Zersetzung löst neue Kräfte aus, so lange der Kern noch gut ist, und diese Reaktion" gilt es so zu organisieren, politisch und wissenschaftlich, daß der Erfolg ein dauernder wird. Der einzelne kann da nichts tun. Da ein Stab sich zerbrechen läßt, ein Bündel aber nicht, so heißt es hier: Zusammenfassung auf der ganzen Linie. Dieser Ruf gilt allen, die die Not der Zeit erkannt haben. Er gilt den verschiedensten Berufen, und wenn auch dem Adel die führende Rolle zufällt, so dürfen die andern nicht zurückstehen. So wird denn neben der Geschlossenheit einer großen und umfassenden konservativen Partei die Zusammenschtießung der Oberschicht zur Notwendigkeit. Wo sich jeder Stand eine Interessenvertretung schafft, darf die führende Schicht nicht zurückstehen. Es gilt den Weg der Selbsthilfe nicht minder zu betreten, wie den der Staatshilfe zu fordern. Es gilt dem Luxus die Stirne zu bieten, es gilt jene von sich zu weisen, die nicht der Gesinnung teilhaftig sind, deren die Nation an führender Stelle bedarf. Es gilt die materielle Sicherstellung der Lebensführung und der Ausbildung. Es gilt die Ausbildung und die Auslese auf andere Grundlage zu stellen. Das ist nicht Ausfluß der Herrenmoral; es ist um der Gemeinschaft willen. Es ist aber zugleich an jenen berechtigten Egoismus gebunden, der in Tüchtigkeit und Wohlergehen der Kaste das Wohl der Gesamtheit erzielt. Es wäre verkehrt, wenn man in diesen Forderungen nur Forderungen neben anderen erblicken wollte. Es handelt sich um mehr, um die Verwirklichung einer ganzen Staats- und Gesellschaftsauffassung einschließlich ihrer staatsrechtlichen Ordnung. Alle Reformen sind nutzlos, wenn es an der Fähig keit des Durchführenden, wenn es an Vorbildern für die Nachahmung gebricht. Unsere Kultur, unsere Gesellschaft, unsere Staatsform geht entweder den Weg der Demokratie und Plutokratie, das ist der Weg des Verfalls, der geistig und sittlich beginnt, körperlich und politisch zu Ende geführt wird. Oder es ist der Weg der Aristokratie, d. i. wörtlich der Herrschaft der Besten; das ist jener Schar, die in allen akademischen und verwandten Berufen auf dem Weg strenger 107 - Auslese durch Familie und Tüchtigkeit sich erhält und emporsteigt, die aber keineswegs den Aufstieg von unten unterdrücken darf, die wie alles lebendige der Erneuerung nicht entraten kann. Die zweite Grundforderung einer nationalen Wiedergeburt betrifft die richtige Verfassung. Sind die geforderten Reformen die Arbeit und eine tüchtige Ober schicht die Arbeiter, so ist sie das Werkzeug, mit dem die Arbeit angefaßt werden muß. Die Geschichte hat gezeigt, daß eine Form vorhanden sein muß, die die Mitwirkung aller politischen Kräfte des Volkes in bestimmten Kanälen vor zeichnet. Allein die Geschichte hat uns auch offenbart, daß die Form, die wir auf dem Umweg über England und Amerika aus Frankreich vor 100 Iahren überkommen haben, nicht die rechte ist, für uns Deutsche im besonderen nicht. Alle Demokratie neigt zur Äußerlichkeit, zur Flachheit und Kurzsichtigkeit, sie ist selbstsüchtig und wankelmütig, sie ist ungeeignet zur Lösung großer, wie der hier vorgezeichneten Aufgaben, die für Jahrzehnte und für Generationen nach einheitlichem Plan anzufassen sind. Da können unsere Parlamente nicht mit. Der moderne Parlamentarismus bildet für die Kultur genau so eine Gefahr wie die Demokratie des klassischen Altertums. Nicht die Einsicht und das Wollen der Besten, der Weitsichtigen wird entscheidend, sondern der Wille der Masse, der die Wahl der Abgeordneten bestimmt. Die Regierung wird in ihren Maß nahmen und Vorschlägen auch bei bester Absicht und Einsicht von diesem Geiste bestimmt: sie muß vorlegen, was Aussicht auf Annahme hat. Sie gibt oft genug dem Drucke des Augenblicks nach, läßt sich zum Handeln herab und verliert so bisweilen die fernen Ziele aus den Augen; auch in verfassungspolitischen Dingen gibt sie unter Umständen dem Drucke nach, sodaß Stück um Stück die Demokratie an Boden gewinnt. So wirkt mehr wie das Schwanken der Regierung dieses System in der Richtung jener Zickzack- und Novellenpolitik, wie sie je nach der Zusammensetzung von Reichstag und Regierung die Börsengesetzgebung in so typischer Weise offenbart. Während nun die Parlamente nicht müde werden, der Regierung Unfähigkeit, Kurzsichtigkeit und solche Dinge mehr vorzuwerfen, bewegen sich diese oft genug in Reden an die Wähler zum Fenster hinaus und lassen es an wirklicher Mitarbeit fehlen. Von der Ausarbeitung wirklicher Vor schläge und Unterlagen ist noch weniger die Rede, obwohl der Volksvertretung das Recht dazu zusteht. Zu dem Demagogen- und Zungenrittertum gesellt sich dann noch ein Interessentum, das kaum noch die patriotische Verbrämung für notwendig erachtet, voran jenes Interessentum des arbeitenden Volkes, die Sozial demokratie, die mit der materiellen Hebung der Lage und mit dem politischen Übergewicht der unverständigen Masse ihre klägliche Weltanschauung erschöpft. Wie kommen wir aus diesem Jammer heraus? Die Lösung kann nur die sein, die Formen der Verfassung und den Inhalt des Parlamentslebens so zu gestalten, daß der ursprüngliche Zweck aller Verfassung erreicht wird, alle politischen Kräfte des Volkskörpers und die besten an erster Stelle zur Geltung gelangen zu lassen. Das bedeutet ein Stück allmählicher organischer Umbildung und zugleich ein Stück Erziehung der Volksvertretung, ohne daß eine akute Umwälzung not wendig wird. Zur Erreichung dieses Zieles stelle ich die folgenden drei Forderungen- 108 - auf: erstens eine stärkere Betonung oder Schaffung eines Oberhauses, zweitens die Erfassung der Interessen aller Berufskreise durch eingeschlossenes System von Berufskammern und drittens ein größeres Maß von Selbst verwaltung für die in Volkswirtschaft und Staatsbetrieb natur gemäß sich abhebenden Bezirke. Es sind das Forderungen, deren Ver wirklichung zunächst in Preußen und im Reich zu erstreben ist; es ist jedoch anzunehmen, daß auf dem Wege der Nachahmung auch die anderen Staaten zu einer ähnlichen Lösung gelangen. Auch für die sich bildende großdeutsche Staatengruppe ist eine entsprechende Entwicklung zu erwarten, so verschieden sie im einzelnen dem historisch Gegebenen und den besonderen Bedürfnissen Rechnung tragen wird. Das preußische Herrenhaus ist unter Nachbildung ausländischer Vorbilder ein Anhängsel des Hauses der Abgeordneten geworden. Schon die Schöpfer der Verfassung haben es allzusehr in seinen Rechten beengt; hinzu kommt, daß im allgemeinen nicht die Zeit zur Verfügung steht, die zu einer ergiebigen Beratung erforderlich ist. Wenn aber ein Oberhaus für die Zusammensetzung aus fähigeren Köpfen die größere Gewähr bietet, dann muß bei ihm und nicht im Abgeordneten haus der Schwerpunkt der Beratung zu suchen sein. Das muß rechtlich möglich und dazu muß die Zeit vorhanden sein. Auch der Reichstag bedarf der Ergänzung durch eine ähnliche Körperschaft. Während aber bei der preußischen Verfassung eine Änderung zu erwarten ist, wird sie im Reich heute kaum durchführbar fein. Jede Körperschaft, auch die bescheidenste, würde vom Reichstag aus Eigendünkel und Eifersucht genau so abgelehnt werden, wie er seinerzeit Bismarck den deutschen Volkswirtschaftsrat verweigert hat. Hier werden darum die führenden Schichten auf dem Wege der Selbsthilfe den Anfang machen müssen durch die Schaffung einer beratenden Körperschaft. Ich will sie als Staatsrat bezeichnen. Aus Mitteln privater Sammlung wird er aus kleineren Anfängen hervorgehen müssen, am einfachsten in Form einer Stiftung. Die Mitglieder wären aus den verschiedensten Kreisen des Lebens und der Wissenschaft zu berufen, auch an Wahlen ist zu denken wie bei jedem Verein. Wie jeder Staatsbürger und jede Vereinigung, so hätte auch diese Körperschaft das Recht, Vorschläge zu unterbreiten und Vorarbeiten zu leisten. Wohl ist ähnliches auch schon seither von Privatseite ausgeführt worden, allein dann fehlte fast stets die Möglichkeit allseitiger Beleuchtung und genügender Vor arbeit. Die wissenschaftliche Zeitschrift oder Kommission ist oft so einseitig von der Richtung bestimmt wie die Presse von der Partei. Die von der Regierung veranstalteten Besprechungen von Sachverständigen zeigen immer wieder den Mangel positiver Arbeitsfähigkeit, und die Arbeit der Interessengruppen und ihrer Organe kann immer nur, so wertvoll sie im einzelnen auch sein mag, bedingten Wert beanspruchen, da die Berücksichtigung der übrigen Gruppen nicht vorhanden und die wirtschaftliche Frage die Hauptsache ist. Es gilt eben nicht nur, die zuständigen Fachleute zu hören, sondern die Zusammenhänge zwischen den verschiedensten Seiten des Lebens zur Geltung zu bringen. Was uns nottut, ist eine organisierte Zusammenfassung aller Einzelbestrebungen, der wirtschaftlichen und nicht minder 109 der kulturellen, in einem zentralen Organ mit Ausschüssen und gemeinsamen Verhandlungen. Je mehr dann das Arbeitsgebiet sich erweitert, umso mehr würde die Vorarbeit an Bedeutung gewinnen und zur Organisation einer staats- wissenschastlichen Akademie sich ausbauen müssen, deren belebende Wirkung auf den Hochschulbetrieb, auf sein Spezialistentum und sein Verlieren in historische Ziele nicht ausbleiben könnte. So muß sich ein solcher Staatsrat allmählich eine ähnliche Stellung erringen, rechtlich oder nur tatsächlich, wie etwa der deutsche Landwirtschaftsrat, der gefordert und ungefordert seine Vorlagen unterbreiten kann. Er muß sich schließlich auch in rechtlicher Form als ein notwendiges Glied in das Getriebe der Staatsmaschine einfügen. Durch eine solche Ergänzung wird der heutige Reichstag nur gewinnen können und entsprechend der preußische Landtag durch eine stärkere Betonung des Herrenhauses. Die Abgeordneten würden zu ernsterer Mitarbeit erzogen, ihre Auswahl auf höhere Stufe gebracht. Andernfalls müßte die Volksvertretung durch die Autorität einer solchen Körperschaft geradezu erdrückt, ihr Einfluß cle kacto in den Hintergrund gedrängt werden. Der springende Punkt ist das Moment der Dauer. Die seitherigen Bildungen, wie preußischer Staatsrat, Volkswirtschaftsrat, Besprechungen u. dgl., litten alle an dem gleichen Übel, daß sie nur vorübergehend oder nur einmal in Tätigkeit traten. Der Bundesrat aber kann als Ersatz nicht in Frage kommen, wie das Zurückdrängen der Bundesrats ausschüsse erweist, da er in erster Linie Regierung und die oberste Regierung darstellt. Hat sich aber ein Staatsrat in der einen oder anderen Form die recht liche Form errungen, dann müßte dies eine weitere Arbeitsteilung in der Staats- arbeit bedeuten: die Regierung würde entlastet zugunsten der Verwaltung, während dem neuen Organ ein gut Teil der staatlichen Initiative durch Gesetze u. dgl. zufallen müßte. Das wäre nichts wesentlich neues, sondern nur die Vervoll kommnung des bestehenden Zustandes, bei dem die Regierung so oft geschoben wird, weniger freilich von der Volksvertretung als vielmehr von allerlei Gruppen und Vereinen, bei denen oft genug das Positive hinter dem Schlagwort und der Bearbeitung der Massen zurücksteht. Natürlich würden einem rechtskräftigen Staatsrat auch Männer mit Regierungserfahrung angehören und ihm dadurch eine Stellung gegeben, die dem Senat des alten Roms zu vergleichen ist: er würde den Sammelpunkt abgeben für alle staatliche Überlieferung. Der heutige Zustand, bei dem die Mitarbeit eines ausgedienten Beamten erst vom Zufall der Parlamentswahl abhängig wird, ist als Verschwendung mit dem Gut der staatlichen Erfahrung zu bezeichnen. Jedenfalls verlangt die Not der Zeit eine solche Schöpfung, ein zentrales Nervensystem, das nicht so an Gedankenflucht, Redseligkeit und Unfähigkeit krankt wie die Vertretungen des Volkes von heute. Neben einem Staatsrat oder stärker betonten Oberhaus fordere ich an zweiter Stelle einen Ausbau der Berufskammern. Es gilt einen fünffachen Aufbau von Landwirtschafts-, Handwerks-, Handels-, Beamten- und Arbeiter kammern durchzuführen mit Sonderausschüssen für die einzelnen Berufsgruppen. Damit wird der Interessenvertretung ein geregeltes, den gemeinnützigen Kräften und Fähigkeiten ein weiteres Arbeitsfeld eröffnet, die Volksvertretung von der 110 Interessenwirtschaft entlastet. Den Berufsvertretungen vom Schlage der Gewerk schaften wird ein Teil ihrer Macht zwar entzogen, wenn nicht ihr Einfluß ge- krochen, das berufliche Vereinsleben aber keineswegs unterdrückt, sondern erheblich belebt,"wie dies bei den landwirtschaftlichen Vereinen und ihrer engen Fühlung mit den Kammern zu beobachten ist. Endlich müssen wir die dritte Forderung erfüllen, die kleineren Bezirke in ihrer Selbstverwaltung zu stärken und ihnen zugleich eine aus direkten Wahlen hervorgehende Vertretung zu gewähren. Damit würde auf der Grund lage persönlicher Beziehung und Bekanntschaft die Persönlichkeit des Abgeordneten bei der Wahl in den Vordergrund rücken und die Wirkung des Parteiwesens zurückgedrängt. Werden wir dann einmal dazu kommen, und die Verhältnisse schreien geradezu danach, die Wahlen für die Volksvertretung durch diese Bezirks körperschaften vornehmen zu lassen, so würde damit nicht nur die Überzahl von Wahlen verringert, es würde zugleich die Macht der Parteien auf ihr berechtigtes Maß beschränkt, es würde auch in der Volksvertretung wieder mehr der tüchtige Mann und die Anschauung statt des Parteikommandos zur Geltung gelangen. Alle Demokratie ist natürlich und berechtigt im kleinen Rahmen. Geht sie darüber hinaus, so kann sie ihr Wesen nicht beibehalten, sie wird Schein demokratie, in der Demagogen oder Geld die Herrschaft führen. Die hier vor geschlagene Lösung gibt dem Volk und dem einzelnen sein Recht, die Möglichkeit der Entfaltung, ohne ihm einen Einfluß einzuräumen, der in Wahrheit nicht ausgeübt werden kann. Das Volk braucht Autoritäten und will Autoritäten, an denen es hängen kann, von denen es geleitet sein will; gehen ihm die natür lichen verloren, dann schafft es sich aus den Wortführern neue. Das Natur gesetz der Organisation erfordert die Wenigherrschaft, auch bei der Gestaltung des Volkswillens. Sorgen wir also dafür, daß die Wenigen die besten sind und die tüchtigsten; das ist so sicher die Vorbedingung für den Weg nach auf wärts, wie Scheindemokratie und Plutokratie den Weg der Auflösung bezeichnen. Zugleich würde eine derartige Verselbständigung des Einzelbezirks auch für den Beamtenkörper ein großes Maß von Selbständigkeit bedeuten, die zur Berufs freudigkeit nicht minder notwendig ist wie zur Vervollkommung des staatlichen Organismus, während bei der heutigen Starrheit die Gesetzgebung und Ver waltung nicht mit der Entwicklung gleichen Schritt zu halten vermag und Miß ständen oft erst begegnet wird, wenn Heilung zu spät ist. Wie das heutige System des zentralen Großstaates die Beamtenschaft lähmt und damit wieder die Auslese herabdrückt, hat nichts besser gezeigt wie das mancherlei Versagen der Bürokratie im Kriege. Die größere Selbstverwaltung kleinerer Staatsteile ist für Beamte und übrige Volksglieder die notwendige Synthesis zwischen dem Allesregeln und der Qberfreiheit des Anarchismus, der als Reaktion gegen die Unterdrückung, falls nicht Abhilfe geschieht, dereinst eine ähnliche Massen erscheinung uns bescheren dürfte, wie sie unsere Tage im Sozialismus erlebten Es wäre nun nichts verkehrter, als wenn wir die hier entwickelten ver fassungspolitischen Forderungen im Handumdrehen erfüllen, die erhofften Wirkungen sofort erwarten wollten. Alles hat seine Zeit. Allmähliche organische Umbildung Z11 . Anknüpfung an das Vorhandene kann allein die Losung sein. Dann werden die Störungen, wie sie jede Neuerung zunächst nicht umgehen kann, nach Umfang gering und bald überwunden sein können. So muß ein Staatsrat erst werden, ein Berufskammersystem erst nach und nach sich ausbauen und die Menschen erziehen. Anknüpfungspunkte aber sind genug vorhanden, so an den großen rechtlich anerkannten Berufsvertretungen, an den Berufskammern, an der Ver waltung und Vertretung der Kreise und Provinzen. Die Zeitverhältnisse drängen geradezu zu einer harmonischen Organisation, in der Mitarbeit der fähigen Köpfe nicht minder wie in Berufsvertretung und Selbstverwaltung. Voraussichtlich wird Preußen den Anfang machen, da eine Verfassungswandlung hier zu er warten ist. Im Reich wird die Entwicklung eine langsamere, die Bahn aber die gleiche sein. Von einem Endergebnis zu reden, wäre falsch. Es gibt keine absolute Vollkommenheit menschlicher Einrichtungen, erst recht nicht in der Ver fassung, in der wir stets nur die Form zu erblicken haben, in welcher die Mannig faltigkeiten und Widerstände menschlicher Willen ihre Resultante finden und nicht etwa ihr Verschwinden zugunsten eines einheitlichen Gesamtwillens erzielt werden kann. Das wäre Erstarrung, nicht Fortschritt. Eine Verfassung muß je nach den Menschen, den Umständen, den Bedürfnissen sich weiterentwickeln können. Wer da eine Form absoluter Regelung sucht, wird stets auf dem Holzweg sein. Nicht in der Form, in den Menschen und in den Männern der Führung ist die Lösung zu suchen. Der Schwerpunkt kann je nachdem mehr in der Volksvertretung und im Oberhaus liegen, und mehr in der Regierung. Jede Verfassung, die sich einseitig bindet, die parlamentarische wie in England und ihr bürokratisches Gegenstück in Rußland, ist hier im Nachteil. Die Form muß elastisch genug sein, um ohne Erschütterung diesen Schwerpunkt verlegen zu können; sie muß schließlich auch in gewissen Grenzen einer Umgestaltung, einer Anpassung fähig sein. Sie wird alle lebendigen Volkskräfte zur Mitarbeit heranziehen müssen, jeden in seinem Kreise und nach seinen Fähigkeiten gewertet. Sie wird aber auf jeden Fall, wenn der nationale Organismus vom Wege der Auflösung zurückgeführt und auf dem Wege nach aufwärts erhalten werden soll, den wahr haft Fähigen und Berufenen ein größeres Maß von Einfluß zuerteilen müssen. Die Erhaltung und Förderung einer solchen zur Führung berechtigten Oberschicht ist der Grund- und Eckstein des ganzen großen Gebäudes einer wirklichen, auf Dauer eingestellten Kultur. Auf diesem Grund ruhen alle hier erhobenen Forderungen, auch die zur Verfassung.- 112 - Schluß. Das Programm, das hier von den Aufgaben der Politik entworfen worden ist, kann nur seiner Verwirklichung näher geführt werden, wenn wir gleichzeitig auf den verschiedensten Wegen uns rühren. Wer sich auf ein Heilmittel festlegt, um den Erfolg abzuwarten und Erhebungen darüber anzustellen, der gleicht dem Feldherrn, der auf einen Schachzug seinen ganzen Plan aufbauen wollte, statt auf allen Wegen bereit zu sein. Es gibt auch in der Politik eine Strategie, der das Endziel alles bedeutet. Der Feind der Auflösung mutz angefaßt werden, wo immer wir ihn finden: in Erziehung und Religion, in Kunst und Lebens führung, in Wirtschaft und Recht, in Verfassung und Auslese. In einem großen Werk habe ich den Versuch gemacht, mit den Mitteln der Wissenschaft, die uns heute verfügbar sind, dieses gewaltige Problem des Kampfes gegen den Kultur verfall seiner Lösung entgegenzusühren.*) Sie zu geben ist dem einzelnen nicht möglich. Mein Ziel war dieses: unser Volk und seine Männer zu zwingen, durch den Schleier heutiger Zeitideen, durch den Nebel aller uns eingeimpften Kulturphrasen und Selbstverständlichkeiten hindurch die Kulturfrage als ein Ganzes zu durchdenken und anzupacken. Das Ganze ist mehr als die Summe aller Teile; eine Politik als Ganzes und eine Politik auf die Dauer, das ist es was wir brauchen; das verlangt auch eine Harmonie in den Grundsätzen der inneren und der äußeren Politik, das verlangt auch eine Abkehr von den politischen Falsch idealen unserer Zeit. Dann erst wird der Sieg um die Zukunft unseres Volkes errungen sein, wenn der einfache Satz unsere Männer, unsere Politik und unsere Volkswirtschaft wieder durchdrungen hat, daß ein Volk nicht besteht aus Gütern und Waren, aus Aktien und Dividenden, aus Handel und Industrie, aus Paragraphen und Zahlen, sondern aus Menschen, wenn unsere Politik zu völkischer Politik und unsere Volkswirtschaft" zu Volks"Wirtschaft geworden ist. Wie weit wir von diesem Ziele schon ab auf den Holzweg gekommen sind, will ich hier nicht ausführen. Ich will nur auf eine Gefahr noch hinweisen, die uns genau so droht, wie der ganze große Kulturverfall des klassischen Alter tums, ich meine die Gefahr der Politik des Perikles. Seine Zeit ist das Spiegelbild der unseren. Kulturdünkel und Sophistik, Übergelehrtentum und Asthetentum, Volksauflösung und Sittenverfall, Lüge und Rednerphrase, Luxus und Demokratie, Welthandel und Kapitalismus, Sozialismus und die Herrschaft des Individuums über alles, das ist alles schon dagewesen. Der Weltkrieg von damals ist der, den man den peloponnesischen nennt. Verfassungsformen und Wirtschaftsformen, Militarismus und Allerweltskolonialpolitik, Wenig herrschaft und Demokratie, Könige und Redner ringen um die Weltherrschaft in der griechischen Welt. Und noch mehr der Übereinstimmung ist zu finden, *) Das Werk, dessen Grundforderungen hier in den letzten Kapiteln entwickelt sind und zu dem der übrige Inhalt des Büchleins den abschließenden Teil bildet, lag schon zu Beginn des Krieges fast völlig vor, konnte aber aus den bekannten Gründen noch nicht in Druck gegeben werden. Es wird binnen kurzem, d. h. sogleich nach Friedensschluß erscheinen, 113 wenn man in die Quellen jener Zeit sich vertieft. Das Rad der Geschichte kann auch heute sich nicht anders drehen wie damals. Das Ende kann nur sein die Herrschaft der Wenigen und der Organisation, der Spartaner und Mazedonen, der Barbaren. Zum Auslösen der Kräfte in jenem Weltkrieg war vom Schicksal jener Perikles bestimmt, den wir als Kulturheros zu feiern gelernt haben. Sehen wir genau ihn uns an, um aus der Geschichte zu lernen. Er war es, der zur Festigung seiner schwankenden Herrschaft der Demokratie die Vollendung gab. Der Erfolg war der Wahnsinn der Belohnung für die Sieger der Arginusen- schlacht, wo das Schicksal wie in der Tragödie der Bersassungsschöpsung und dem eignen Sohn das Todesurteil sprach. Ein Leben ist kurz, Zeitideen sind kurz von Leben und Scheinerfolge kurz von Dauer, die Geschichte braucht länger zum Erkennen ihrer Folgen. Und so möchte ich denn unser Zeitalter und unsere Männer warnen vor jener selbstbewußten und vielgepriesenen Politik des Perikles und seiner Nation. Ni Perikles kann das Heil uns bringen, sondern Männer wie jener Themist , der mit raschem Entschluß sein Volk zum Siege zwang und zur Einsick oie Gefahr, der die Eintracht schuf, die so nottat. Solche Männer brauch ir heute, die uns zur Eintracht zwingen in jenem Kampf um die Entscheidung, in jenem Kampf um die völkische Zukunft. Noch tobt der Feind ringsum. Noch müssen wir trotz Siegeszuversicht auch darauf gefaßt sein, daß ein Krieg nicht die Entscheidung bringt. Aber wenn wir im iniiern die Umkehr gefunden haben, dann wird auch unsere äußere Politik daraus mit neuen Kräften hervorgehen. Die Männer aber, die entschlossen sind, mit völkischer Politik nach außen und im innern jetzt Ernst zu machen, die den peloponnesischen Krieg unsrer Zeit jetzt auch nach innen zu führen berufen sind, werden die tatkräftige Unter stützung einer großen Partei der Spartaner nicht entbehren können. Es ist darum notwendig, daß sich die Spartaner aller Richtungen ver einigen. Ende. Druck: Hosvuqvruikerei A. Sihwarzcndcrgcr, Bernvurg.Von demselben Verfasser erscheint demnächst, d. h. nach Friedensschluß: Verfallskultur oder Dauerkultur. Untersuchungen und Entwürfe zur deutschen Politik und Volkswirtschaft. Etwa 700 Seiten Lexikonformat. Inhaltsübersicht: I. Teil. Kulturpolitik. 1. Buch. Die Nachahmung und ihre Vorbilder. 2. Buch. Die Erneuerung der Oberschicht. 3. Buch. Die Geisteskultur. Die Volks erziehung durch Kirche, Schule und Presse. Die Gesundung von Wissenschaft, Kunst und Rechtsleben. 4. Buch. Die Verfassungsfragen. II Teil. Wirtschafts- und Bevölkerungspolitik nebst Nassenhqgiene. 5. Buch. Grundfragen der Volkswirtschaft. Die natürlichen Wirtschaftskreise. Die Grenzen der Arbeitsteilung. Die Erziehung zur Bodenständigkeit usw. 6. Buch. Der Sozialismus als volkswirtschaftliches Hauptproblem und seine Lösung. 7. Buch. Die Tatsachen der Entartung. Die Ursachen der direkten Keimstörung. Die Ursachen der indirekten Keimstörung durch Entartung der sozialen Auslese. 8. Buch. Die Abhülfe durch biologische Politik. Quanti- ^ tative und qualitative Bevölkerungspolitik und Rassenhygiene. In unserem Verlage erschienen: Der deutsche Landarbeiter nach dem Weltkriege. Ursachen der Landflucht und Vorschläge zu ihrer Beseitigung von einem Land arbeiter (Ernst Brünnel). Preis 80 Pfg. Kriegsmaßnahmen und Landwirtschaft von Generalsekretär C. Fritzsche. Preis 80 Pfg. Erhaltung u. Hebung der Wehrfähigkeit des deutschen Volkes von Hofrat Professor vr. Hueppe, Preis 60 Pfg. Volksernährung in Teueruugs- und Kriegszeiten von Hofrat Professor vr. Hueppe. Preis 60 Pfg. Ländliche Siedeluugspolitik in Sachsen von Regierungsbau- meister vr. Kru schwitz. Preis 60 Pfg. Das Kaninchen. Seine Zucht, Pflege und Verwendbarkeit im Haushalte des Menschen. Ein Beitrag zur Förderung der Volkswohlfahrt durch Kaninchenzucht von Felix Rohr. Mit vielen Abbildungen. Preis der Stadt Leipzig 1913. 2. Auflage. Preis M 1.20. Ländliche Wohlfahrts-, Heimat- und Jugendpflege. Ein Wort für das Elternhaus, die Schule, Kirche, Gemeinde und den Staat von Oswald Schleinitz, Kantor a. D. 3. Auflage. Preis 50 Pfg. (in Partien billiger). Die Verwertung der Küchen- und Wirtschaftsabfälle von Paul Schütze. Mit 36 Abbildungen. Preis M. 2. . Küchenabfälle und andere Ersatzstoffe als Viehfutter von Paul Schütze. Preis 30 Pfg. Kann die zunehmende Aufsaugung der landwirtschaftlichen Klein betriebe durch die Jnnenkolonisation kompensiert werden? Eine zeitgemäße Untersuchung nebst Vorschlägen von A. U h l, Oberlehrer (Gera). Preis 80 Pfg. Reicheubach sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig.veukchlanS am 5cIMemg Gmndzüge der Politik von A. von Nordheim.
