Reichs-Kolonialamt. Die Kolonialdeutschen aus Deutsch-Ostafrika in belgischer Gefangenschaft. Berlin 1918. Gedruckt in der Neichsdruckerei.2 Inhaltsverzeichnis. Äiileituiiq 5 Die Anstände iui Gefauqeneulalier in Tabvra 7 Auf dein Marsche Tabora bis zum Taiuiaujikasee 9 Vvin Tanganjikasee über Bouia nach La Pallice I? Schlußwort 14 Verzeichnis der beigegebeue Berichte von Zeugen 15 Berichte der Zeugen 17 llbersichtsskizze 763 Einleitung. ^IU Sommer vorigen Jahres veröffentlichte das Reichs-Kolonialamt eine amt liche Denkschrift Die Kolonialdentfchen aus Kamerun und Togo in französischer Ge fangenschaft". Diese Schrift beleuchtete in grellen Farben die den deutschen Gesaugenen gegen über an den Tag gelegte niedrige Gesinnung der Franzosen, die der unerhörten Art der Behandlung unserer unglücklichen Landsleute aus Kamerun und Togo in die Er scheinung trat, und hat sie vor breiten Kreisen der Öffentlichkeit gebrandmarkt. Nachdem jetzt die von den heimgekehrten Ostafrikanern, die in Tabora in die Hände der Belgier fielen, erstatteten Berichte vorliegen, mich leider ausgesprochen werden, daß die Belgier hinter den Franzosen in der Art der Gefangenenbehandlung kaum zurückgestanden haben. Wohl im Gefühl ihrer Schuld ließ die belgische Re gierung vor einiger Zeit in der feindlichen und neutralen Presse offensichtlich von ihr beeinflußte Artikel erscheinen ), welche die seinerzeit aus audereu Gründen erfolgte Jnternieruug von 20 führenden Persönlichkeiten der belgischen Kolonialkreise durch die deutsche Regierung als einen Racheakt hinzustellen versuchten für die angeblich schlechte Behandlung der in Ostasrika gefangenen deutschen Zivilpersonen, Frauen und Kinder. Es wurde in diesen Artikeln n. a. behauptet, daß deren Behandlung eine so vorzügliche geweseu sei, daß nicht der geringste Grund zu Klagen hätte vorliegen können. Über die Transporte von Tabora nach der Westküste Asrikas, also quer durch ganz Zentralasrika eine Reise, welche der Europäer schon im Frieden nur unter großem Aufwand durchführen kann heißt es in dem einen Artikel wörtlich: Die Reifen der einzelnen Gefangenenzüge wurden fo bequem wie möglich eingerichtet. Die Offiziere hatten Recht auf 1. Klaffe. Auf den Flußdampfern erhielten die Frauen und Kinder stets die wenigen Kabinen. Kost war sür die Gefangenen und Passagiere, oft zu Ungunsten dieser, die gleiche. Kinder erhielten Biskuits, Milchkouserven usw." Zur Begründung dieser unwahren Behauptung beruft sich die belgische Regie rung auf Aussagen der von ihr verschleppten Opfer. Wie aber Zeugnisse von Personen zu bewerten sind, die dnrch die furchtbaren Strapazen im Tropenklima, durch Krankheit und schlechte Behandlung geschwächt, uur neue Leiden und Mißhandlungen erwarteten, wenn sie Klagen vorbrachten, während sie durch einen sür die Feinde günstig gefärbten Bericht vielleicht auf baldigen Austausch rechnen konnten, dürfte ohne weiteres klar sein. Anmerkung: 1. Die gute Behandlung der deutschen Gefangenen in Tabora. (Seeolo v, 1.8.17. Zuschrift eiues frühereu Mechanikers, Inspektors des Oberen Kongo, Dino Pessi, der im Dezember 1916 aus Ostafrika wegreiste.) 2. I^s tiAitsrasllt clss ^llsinsncls ds I .-lki-iczus Orientale. sIndependance Belge v. 9. 7. Iourual de Genöve v. 15. 7.) 3. Belgien die Behandlung der deutschen Gefangeneu Afrika. (Neue Zürcher Zeitung Nr. 1379 v. 24. 7. 17. Mitteilung des belgischen Generalkonsuls George Stadler in Zürich.) 6 Erst die eidliche:: Aussagen der der feindlichen Gewalt entrückten ausgetauschten Gefangenen bieten ein wahrheitsgetreues Bild ihrer Leiden. Sie geben eine erschütternde Kunde von den Entbehrungen, welche die Wehrlosen in Tabora aus dem Transport durch Zentralafrika erdulteteu, sie widerlegen Wort für Wort die feindlichen Berichte, fie beweisen, daß die belgischen Behörden keineswegs ihr möglichstes getan haben, die ohnehin großen Beschwerden dieser Transporte zu mil- deru, souderu daß sie im Gegenteil durch gemeine und rohe Behandlung die Leiden os: bis zur Unerträglichkeit gesteigert haben. Es war nicht nötig, daß die Kranken, Frauen und Kinder in schmutzigen, stin kenden Negerhütten voller Ungeziefer oder in den Gefängnissen sür Eingeborene über nachten mußten. Es gab fast stets an den einzelnen Stationen leere Enropäerhänser. Es war uicht nötig, daß man die Lente beim Transport oft 24 Stunden und mehr hnngern ließ, daß man ihnen nnznbereitetes Effen lieferte, das gar zu kochen uicht möglich war, weil der Transport alsbald weiter getrieben wnrde. Es war uicht nötig, daß man die Gefangenen fchntzlos den Beschimpfungen der Bevölkerung, der Roheit und deu Mißhandlungen ihrer europäischen sarbigen Wächter überließ. Es war nicht nötig, daß die Kranken in der Tropenhitze ihr Gepäck selbst schleppen mußten bis sie zusammenbrachen. Ärztliche Behandlung sehlte sast gänzlich, obwohl sie im Hinblick aus die vielen Kranken besouders notwendig gewesen wäre. Daß schließlich vereinzelt einmal nach Tagen oder Wochen ein menschlich denkender Stationsleiter die ärztliche Behandlung veranlaßte, so daß eiue geringe Besserung eintrat, ist keine Entschuldigung sür die vor her mit voller Absicht begangenen Unterlassungssünden. Wenn die Belgier sich damit zu entschuldigen versuchen, daß die vorher in Tabora internierten belgische:: Gesaugeuen schlecht behandelt worden seien, so muß demgegen über aus das uachdrücklichste ausgesprocheu werden, daß diese Klagen sast durchweg auf grobe Übertreibungen und Fälschuugen zurückgeführt werden müssen. Anch handelte es sich bei den deutschen Kriegsgefaugeueu fast uur um Kranke, die von der kämpfenden Truppe im Interesse der militärischen Operationen zurückgelassen worden waren. Unter diesen: Gesichtspunkt erscheinen die Roheiten der Belgier diesen Wehrlosen gegen über in besonders traurigem Licht.4 Die Zustände im Gefangenenlager in Tabora. Als Tabora im September l9ll von der deutschen Schutztruppe freiwillig uach siegreichem Gefecht geräumt wurde, rückteu die Belgier diese Stadt eiu. Trotzdem der stellvertretende Bezirksamtmaun Tabora mit dem Bischof zusammen ani N^orgen des 19. September zu deu Belgiern gegangen war diesen erklärt hatte, Tabora sei von den deutschen.Truppen geräumt offene Stadt, fie bäten, das; vor allem die Franen, Kinder Kranken geschont würden, kamen in der ersten Zeit viel fach wnfte Ansschreitungeu vor. Während die Kongosoldaten in die Hänser der Eingeborenen drangen und sich deren Frauen anzueignen snchten, wobei manche Eingeborenen erstochen wurden, bei den Europäern gestohlen geranbt. Sanitätssoldat Hammerstein, Beruf Zoologe Pslanzer, schildert diese Ereiguiffe wie folgt: Am Bormittag des 19. September zogen die belgischen Truppen, hereingeholt dnrch den belgischen bisherigen Zivilgefangenen Comdt. Gensdarme, in Tabora ein. Der Einzng selbst vollzog sich rnhig. Am Abeud jedoch überfluteten die belgischen Askaris den Ort, brachen in viele Eingeborenen Enropäerhänser ein, raubten, stahlen plüuderteu. Mehrfach entstanden Feuersbrünste, eine Anzahl nnschnldiger Neger Araber getötet, Frauen und Mädchen vergewaltigt, ein Negerweib fand dnrch Vergewaltigung ihren Tod, mehrere Negerkinder von belgischen Askaris, die Ehristen sein wollen, anfgefresseu. Weiber wurden weggeschleppt, alles, was sonst beweglich war, mitgenommen. Tagelang war es den Belgiern unmöglich, Ordnung herzustellen." Es hat au diesem 19. September IL Tote 80 Verwundete nnter der farbigeu Bevölkerung Taboras gegeben. Anch fei hier besonders den in den Anlagen enthaltenen Bericht des RegiernngsrateS Brandes, der damals deu Gow verueur in Tabora vertrat, hingewiesen. Erst nach dem Abmarsch der jiougotruppen wurde Polizeidienst eingerichtet, der später ähnliche Ansschreitnngen verhinderte. Die noch krank in den verschiedenen Hospitälern Taboras befindlichen Schutz- truppenangehörigen am 19. September deu Belgiern übergeben. Außer den Zivilpersonen, Fraueu und Kiudern sind überhaupt mit Ausuahme von verschwin denden Ausnahmen mir Krauke, die trausportnnfähig waren daher der Truppe nicht folgen konnten, in die Hände der Belgier gefallen. Kommandant der Gefangenenlager wurde Kapitäu Gensdarme. Was das zu bedeuten hatte, sollte sich bald geuug herausstelle!?. Er hatte sich während der Zeit seiner Gefan genschaft der größten Freiheiten erfreuen dürfen, diese Zeit aber als Dauk dafür zu Spionage gröblichster Art benutzt. Jetzt behauptete er sofort, die belgischen Gefangenen seien vorher schlecht behandelt worden, nnn sollte es den deutschen genau so ergehen. So mußten auch die tranken nnter ständiger Bewachung der Schwarzen sich an den 8 - Arbeiten beteiligen, mnßten Aborte reinigen, die schwersten Lasten, wie Zementfässer, Eisenbalken n. dgl. nach der Stadt tragen und andere schwere Arbeit verrichten. Besonders erniedrigend war es, daß die Deutschen mit Vorliebe durch die beleb testen Straßen der Stadt geführt wurdeu, vor allem solche Persönlichkeiten, die sich in höherer sozialer Stellung befunden hatten. Die Verpflegung ließ durchaus zu wüuscheu übrig. Das stets unappetitliche, oft ekelhafte Essen, wurde, wie es einem Bericht heißt, vom schmutzigsten Griechen Taboras, einem vollendeten Schwein", gekocht, in der von Schmutz starrenden Küche. Dabei gab es unter den deutschen Gefangenen genug Leute, die das Kocheu hätten übernehmen können; wäre das geschehen, so hätten es die Deutschen nach belgischer Ansicht aber zu gut gehabt. Als bei Kapitän Gens darme einmal Beschwerde über stinkendes Fleisch geführt wurde, sagte er, die Gefan genen würden, falls sie sich noch einmal beschwerten, Negerbrei bekommen. Dem Kapitän Gensdarme stand der belgische Leutnant Omval zur Seite, der sich gleichfalls darin gefiel, die deutschen Gefangenen zu peinigeu, wo es uur irgend möglich war. Dieser Offizier liebte es besonders, die Gefangenen, denen vom deutschen Arzt infolge ihrer Krankheiten Schonnng verordnet war, zu besonders schwerer körperlicher Arbeit heranzuziehen; er war jeglicher Beschwerde unzugänglich. Auch das Benehmen der belgischen Askaris war vielfach empörend. Sie belegten die Weißen Gefangenen mit Schimpfworten, bedrohten sie mit Schlägen und stießen fie mit dem Kolben. Beschwerden hierüber bei Kapitän Gensdarme fanden keinerlei Gehör. Strenge Strafen für die geringfügigsten Bergehen waren an der Tagesordnung. Als einmal ein fchwer Lungenkranker, der sich Moskitonetzgestell bauen wollte, etwas Abfallholz von: Bauplatz entnahm, mußte er drei Tage bei Wasser und Brot, einer Decke und ohne Moskitnonetz in einer finsteren, dnmpsigen Zelle zubringen, so daß sich sein Zustand erheblich verschlimmerte. Ein anderer erhielt 24 Stunden Arrest, weil er, während er badeu gegangen war, seine Waschschüssel am Bett stehen gelassen hatte. Dabei hatte ein solches Verbot gar nicht bestanden, sondern war erst im Augen blick der Verhängung der Strafe geschaffen worden. Von irgendwelcher gerechten Be handlung war nicht die Rede, wie andere Beispiele angeben. Bezeichnend sür die rohe Gesinnung der Belgier ist ein Vorfall, der sich bald nach der Gefangennahme einer Anzahl kranker Deutscher in Sikonge (südlich Tabora) abge spielt hat. Diese wurden bei glühender Hitze rücksichtslos in einem Gewaltmarsch uach Tabora gebracht, wo sie halbtot gegen Abend eintrafen. Hier mußten die Gefangenen einem freien Platz antreten, hinter, ihnen Askaris mit Schaufeln. Vor ihueu wurden Geschütze aufgefahren, diesen Verschluß- und Mündungskappen abgenommen, sie sodann geladen und mit den Mündnngen gegen die Gefangenen gerichtet. Diese Vorbereitungen mußten den Eindruck erwecken, daß die Deutschen zusammengeschossen werden sollten. Der belgische Kapitän sagte daraus, sür jeden verständlich: Lassen wir die Schweine noch 5 Minuten stehen, dann kann es losgehen". Als diese Zeit vergangen war, ließ er die Gesaugeueu abführen. Schwere Ausschreitungen ließen sich die bel gischen Askaris auch bei der Besetzung anderer Ortschaften znfchnlden kommen. So wurden bei der Besetzung der Missionsstation Sikonge durch die Belgier eiuem Missionar von Askaris die Kleider vom Leibe gerissen, in einer anderen Missions station (Jpole) das schwarze Kindermädchen vor den Augen ihrer Herrin von Askaris zu Boden geworfen und vergewaltigt. In Nfoke hatten sich belgifche Offiziere im Mifsionshans häuslich eingerichtet und ließen den Besitzer, der sich Kleidungsstücke 9 5 holen wollte, aus seiner eigenen Wohuuug herauswerfen, ihm erklärend, daß dies jetzt ihr Eigentum sei. Ähnliche Vergehen der Belgier, vor allem auch der Ofsiziere gegeu das Eigentum der Deutschen, sanden in erschreckender Zahl statt, sie sind aus deu bei gefügten Berichten ersichtlich. Daß auch bei den höchsten belgischen Behörden keinerlei Wohlwollen gegenüber dem harten Los der Gefangenen vorhanden war, beweisen die in dem Bericht des Regierungsrats Braudes festgelegten Tatsachen, daß General Tombenr, der belgische Oberkommandierende, bei einer Gelegenheit äußerte: Mit eiuem Deutschen spreche ich überhaupt nicht", und daß bei allen Entscheidungen, die von diesem General einzuholen waren, gruudsätzlich von vornherein Ablehuuug gerechnet werden konnte. Dasselbe beweist ein öffentlicher Erlaß des Generalgouverneurs in Boma, der u. a. auf dem Dampfer Albertville" angeschlagen war, und in dem ausdrücklich mit Strafe bedroht war, weun deu durch den Kongo gebrachten Deutschen Entgegenkommen Unter stützuug zuteil würde. Auf dem Marsche von Tabora bis MM Tanganjikasee. Die belgische Verwaltung hatte sich im Oktober 1916 dazu entschlossen, die in Tabora befindlichen deutschen Gesaugeueu durch deu Kougostaat nach der Westküste Afrikas von dort nach Frankreich abzubeförderu. Diese Trausporte fanden von Eude Oktober bis Dezember 1916 statt und bildeten sür die unglücklichen Beteiligten eine Kette von Leideu Entbehrungen aller Art. Ihre Durchführung bewies, wie leichtfertig und gewissenlos sie vorbereitet waren, trotzdem es sich bei ihnen um Frauen Kinder und Kranke Haiwelte. Es liegeu Berichte von verschiedenen TransPorten vor. und es ist auffalleud, wie die berichtenden Teilnehmer überall dieselben Erfah rungen gemacht haben und die gleichen Klagen vorbringen, ein Beweis, daß die Belgier es nicht für notwendig befunden hatten, auf Gruud der bei dem ersten Transport gemachten Erfahrungen irgend etwas an der Art der Ausführung der weiteren Trans porte äuderu. Eiuer Auzahl Tabora internierter Frauen war am 4. Dezember von der belgischeu Verwaltuug eröffnet worden, daß fie am 8. Dezember mit ihren Ehemännern nach dem belgischen Kongo abtransportiert werden sollten, unter der aus drücklichen Zusicherung, daß sie völliger Freiheit nicht etwa als Kriegsgefangene - mit jeder nur irgeud möglichen Bequemlichkeit uuter tatkräftiger Unterstützung der zuständigen belgischen Dienststellen reisen sollten, bis Kigoma getrennt, von dort aber in Gesellschaft ihrer Ehemänner. Ohne diese bindende Zusicherung hätte sich keine einzige der Frauen zu der laugeu, beschwerlichen und gesundheitgefährdenden Reise ent schlossen. Leider stellte es sich heraus, daß diese Versprechungen nicht nur uicht ge halten wurdeu, sondern daß im Gegenteil auch die Behandlung der Frauen vielfach jeder Beschreibung spottete. Hören wir nun aus den Berichten der Teilnehmer, wie die Transporte vor sich gegangen sind. Die Reise ging zuerst im Viehwagen, in dem die Gefangenen mit den Einge borenen zusammengepfercht wurden, bis Mlagaraffi. Trotzdem fast alle Beteiligten krank waren, mußteu sie ihr sämtliches Gepäck allein nach einem mehrere Kilometer entfernt liegenden Lager schleppen. Da es unmöglich war, alles auf einmal zu tragen, mnßlen einzelne Wegstrecken mehrmals zurückgelegt werden, so daß viele der Kranken 10 )Mammenbrachen gänzlich erschöpft am Beftinininngsort anlagten. Das erste Nachtlager bestaitd einer halbverfallenen Grashütte, die vollkommen undicht war, so daß es hlneinregnete. Als Unterlage, der die Gefangenen schlafen sollten, diente Wellblech. Alich die Unterbringnng der Franen, denen größte Beqnemlichkeit ver sprochen ivar, war hier kanin irgendwie anders. Sie wurden zu fünf mit einein l ljäh rigeu Knaben in einer kleinen Hütte eingepfercht. Türen und Fenster befanden sich ini verwabrlosten Znstande, die Matratzen starrten von Schmntz, Moskitonetze waren nicht vovhanden, Belellchtttng nicht geliefert die Franen, die nach den Ver sprechungen volle Freiheit geuießeu follteu, durften vom Augenblick des Betreteus des Zimmers dieses nicht Mehr verlassen. Das Essen, in schmutzigen, unappetitlichen Eimern gereicht, bestaud Eingeborenennahrnng lUgali-Hirsebrei) llnd var völlig ungenießbar gesundheitsschädlich. Vizefeldwebel Ravens, der als schwer malaria- iranl den einen Transport mitmachte, schilderte die Ereignisse am folgenden Morgen, an dem wieder mit allem Gepäck die Bahnstation erreicht werden mnßte, etwa fol gendermaßeui ,,llm Uhr des Morgens mußten Nur uns znr Weiterfahrt bereit machen und zogen mit uuferm Gepäck los, nachdem die Askaris noch znr Eile angetrieben hatten und ibnen eingeschärft worden war, uicht pt geftatteu, das Gepäck hiuzufetzeu und anszuruheu. Wir waren noch alle von den gestrigen Anstrengungen wie zerschlagen,, es war mir kaum möglich, das etwa 30 Psuud schwere Gepäckstück auf die Schulter zu belommeu, Infolge des reichlichen Regens war der schmale Fnßsteig am Bahndamm äußerst schlüpfrig, nnr langsam kauten wir vorwärts. Nach ungefähr einem Kilo meier war es mit meiner Kraft am Ende ich ließ meinen Packen fallen, aber sofort nntcr rohem Geschimpfe Weitergetrieben. Der weitere Weg wurde uuter fort- währeudeu Tiolperu Ausgleiten zurückgelegt, wer znrückblieb erhielt von dem bintec ihm gehenden Askari einen Kolbettstoß. Dabei stand nnser Transportführer, der !eutuaut Levi, dem Bahndamm, frente sich zeigte den Askaris, wie sie den Kolben gegeil gebrauchen sollten. Vollkommen apathisch gegen alles, stolperte, rntfchte ich weiter, fiel Verschiedeue Male hiu kam erst etwas znm Bewußtsein, als ich einen schwerem Faustschlag im Gesicht verspürte, den der mich begleitende Askari mir versetzt hatte. Wie ich schließlich den Fluß erreichle, weiß ich uicht; hätte mir uicht einer meiner Kameradeu Iren zur Seite gestaudeu mir geholfen, wäre ich Wohl kanm hingekommen." M ß h a n dlnnge n dnrch die Schwarzen wnrdeu also uicht uur geduldet, sondern sogar dllrch eiueu belgischen Offizier veranlaßt, kein Wunder, daß das Ver halten der Askaris deu Gefaugeueu gegeuiüber dauernd roh unverschämt war. Ähnliches berichtet ein ^audsturmmann Karl Stössel, schwer lllugenkrank tmd hierdurch so geschwächt, daß er nnter den schweren tasten bei der glühenden Hitze zn- saminenbrach, Auch er wnrde, zwar einem anderen Transport als Ravens, mit ^o!benstößen seitens der schwarzen Anffichtsfoldaten Weitergetrieben, ohne daß der Trausportführer hiergegen einschritt. Im Gegentei, meinten die Askaris Bor- hallen, sie hätten den Befehl so zu haudelu. Voll einem drittel! Transport ist berichtet wordeil, daß bei einer ähnlichen Ge legenheit eilt Zahlmeister ein Sergeant mit Kolbenstoßen mißhandelt worden sind, weil sie infolge Erschöpfung nicht mebr weiter konnten. Weitere ähnliche Fälle find deu Berichten ersichtlich. Voll Mlagarafsi ging es wieder Viehwagen nach dem Tanganjikasee, wo die Transporte in Schleppdampfern verladen wnrden, denen die Krallken dieFrauen die kühle Nacht ohne Decken ohne Schntz gegen Moskitos auf Deck inmitten der Eingeborenen zubringen mußteu. Am nächsten Morgen kam der Dampfer in Lnknaa am jenseitigen User an. Als dort einige Schwarze beim Ausladen des Ge päcks behilflich sein wollten, schob sie der Kapitän des einen Dampfers beiseite und sagte: Laßt die deutschen Schweine das Gepäck selbst ausladen." Irgendeine ärztliche Behandlung der vielen Kranken hat auf diefem Transport liichi stattgesunden. Vom Tanganjikasee über Boma nach La Pallice. Vom Tanganjikasee ging die Reise weiter über Kabalo^Kongoio-Kindn- Stanleyville den Kongo hinab bis Boma, zwar die Strecken von Kongolo bis Kiudu nud von Ponthivville bis Stanleyville mit der Bahn, im übrigeu aus Dampfern. Der Transport von Albertville bis Kabalo verlief ganz ähnlich wie der auf der audereu Seite des Tauganjikasees. Schlechte Verpflegung, furchtbare Strapazen infolge des vielfachen Schleppens des Gepäcks bei tropischer Hitze und völlig ungenügender Unter kunft, meist im Freien, waren auch hier die Regel. Am Tage wurde auch hier gewöhn lich mit der Bahn gefahren, wobei es vorkam, daß die Gefangenen keinerlei Lebens mittel mitbekamen, so daß sie erst abends, wenn sie ihren kümmerlichen Lagerplatz er reicht hatten, Eßbares bekamen. Wenn sie dann, vor Huuger Müdigkeit halbtot, endlich auf ihr Essen hofften, erhielten fie häufig als Nachtmahl eine Ziege unge schälten Reis lnngeworsen ohne Kochgelegenheit und ohne Wasser, so daß uoch Stnnven mit der Zubereitung dieser Nahrung vergingen und es ost nach Mitternacht war, bis die Unglücklichen schließlich ihre einzige Tagesmahlzeit erhielten. Manche Kranke brachen während dieses Transports völlig zusammen, aber rücksichtslos weiter geschleppt bis ein Weiterkommen ausgeschlossen war sie in irgendeinem Orte zurück gelassen werden mnßten. Seitens der Belgier war bezüglich der Krankenpflege fo gm wie nichts geschehen. Wenn sich bei dem einen Transport, der hauptsächlich aus Schwerkranken bestand, ein deutscher Sanitätssoldat befand, war dies lediglich der Fürsorge eines deutschen Arztes in Tabora zu verdaukeu, der sür dessen Mitsendung Ansstattnng mit Medikamenten n. dgl. gesorgt hatte. Besonders schlecht wird die Unterkunft in Kabalo geschildert, wo den Gefangenen zuerst eine mit Stroh gedeckte Grashütte angewiesen wnrde, in der sie in knietiefem Schmutz förmlich versanken. Erst auf wiederholte Vorstellungen ein anderer Ranin zum Übernachten znr Verfügung gestellt. Ein in Kabalo ansässiger belgischer Arzt erklärte den Deutschen des einen Transports, er habe die belgische Verwaltungsbehörde schon vor Wochen darauf aufmerksam gemacht, daß diese Hütten ungenügend nud als Unterkunft für Europäer ungeeignet seien, trotzdem sei aber nichts geschehen. Die Fahrt der Kongostrecke von Kabalo bis Kongolo auf einem Leichter war keine Besserung der Lage der Unglücklichen. Als Anfenthaltsranm wurde ihnen der nnterfte Teil des Schisses angewiesen; sie dursten überhaupt uicht au Deck und haben in diesem Übelriechenden, engen, heißen Ranm viele qualvolle Stnnden verbringen müssen, mit ihnen ein schwer Lungenkranker (Landstrm. Stößel), nm den sich trotz dringender Vorstellungen seiner Kameraden niemand von dein belgischen Aufsichtspersonal kümmerte, obgleich er wiederholt Lungenblutungen hatte. Auch den Dampferanlegeplätzen durften die 12 Gefangenen den Raum nicht verlassen. Bis zu 60 Stunden verbrachten sie diese Weise bei geschlossenen Luken und 60 Grad Hitze. Nachdem die Strecke Kougolo^Kiudu zweitägiger Eiseubahusahrt, dann die Flußstrecke bis Ponthierville in ebenfalls zwei bis drei Tagen auf einem Leichter zu rückgelegt waren, hatteu endlich für einen Teil des Transportes die schlimmsten Leiden ihr Ende erreicht. Über die letztgenannte Dampferfahrt sei indessen noch folgende Schilderung aus dem Bericht des Sanitätssoldaten Hammerstein wiedergegeben: Auf der dreitägigen Fahrt mit einem Schiff von Kindn nach Ponthierville drangen jeden Morgen Weiße Belgier, die auf demselben Schiff reisten, aber Wohl in Kabinen schliefen, in den Laderaum ein, der unseren Frauen als Schlafraum zuge wiesen war. In diesem Raum, in dem noch Hnnde, Hühner, Papageien und die schwarzen Konkubinen weißer Belgier sich aufhielten, ließen sich die besagten Belgier ihr Frühstück, Mittag- und Abendmahl auf für sie dann aufgestellten Tischen servieren. Das Frühstück stets dann, wenn sie sahen, daß unsere Frauen ausstehen und ihre Morgentoilette machen wollten. Da der Raum nicht abgeteilt war, blieben unsere Frauen diesem Zustand volle drei Tage ausgesetzt. Der Transportführer fchritt auf Beschwerde hiergegen nicht ein. In Ponthierville versuchte der belgische Transport- sührer, Agent militaire Paqnet, Goldstücke von unseren Frauen zu erpressen. Als er damit nicht zum Ziele kam, drohte er mit Trennung der Ehepaare und schlechter Be handlung unterwegs und führte die Trennung schließlich durch. Später erpreßte der genannte Paquet doch noch je ein Goldstück von verschiedenen Frauen." Eine besonders schlimme Leidenszeit erwartete dam: die Frauen, denen besondere Rückficht versprochen war, noch in Stanlehville, wo sie (Transport V) 12 Tage ver bringen mußten. Die Unterbringung erfolgte in einem aus Asten und Palmblättern hergestellten ehemaligen Askarihyns, dessen Türen Fenster aus unverschließbaren Offnungen bestanden und dessen Fußboden ein schmieriger und seuchter Morast mit zahlreichen Löchern bildete. Die einfachsten Möbelstücke fehlten in dieser Behausung. Die Damentoilette" war aus einem durchsichtigen Zweiggestell hergestellt und bestand 4 Löchern ohne Sitzgelegenheit. Die Verpflegung war völlig unzureichend an Menge, Zubereitung und Abwechslung. Kein Wunder, daß die Gesundheit der Frauen in dieser Zeit schwer geschädigt wurde. Die Belästigung durch die Askaris nahm einen empörenden Grcid an. Sie verhinderten die Franen an: Spazierengehen, begleiteten eine der Frauen trotz dringendster Vorstellungen bis in den Abort, den sie auch ständ:g selbst benutzten, verhinderten, daß dieFrauen die gänzlich offenenTüren und Fenster mit Decken verhängten und gefielen sich vielfach in groben Beschimpfungen. Erst in den letzten Tageu dieses Auseuthaltes wurde weuigsteus die Verpflegung auf Grund viel facher Vorstellungen etwas besser. Die Fahrt Stauleyville den Kongo weiter aus einem großen Dampfer war, was Unterbringung und Verpflegung anlangt, ein Lichtblick auf dieser trostlose:: Reise, kein Wunder, da es sich hier meistens um neutrale holländische Schiffskapitäne handelte. Daß bei::: Ausladen des Gepäcks in Leopoldville viele Kisten, die die Habseligkeiten der Dentschen cuthielten, durch die Uuachtsamkeit der Schwarzen zerbrachen und dann von diesen beraubt wurde::, gehört deu Rahmen des ganzen Bildes. Von Leopoldville ging der Transport mit der Bahn weiter nach Matadi. Hier brachten es die Belgier fertig, die Dentschen mit schwarzen Kettengefangenen zu sammen in das Eiugeborenengefängnis zu werfen, eine Handlungsweise, die nicht 18 7 genug gebrandmarkt und au den Pranger gestellt werden kann, und die sich bei jedem Trausport wiederholte. Das letzte Stück bis zur Küste des Atlantischen Ozeans, bis Boma, wurde wieder im Dampfer zurückgelegt. Hier brachte der Trausport Ravens dem Gouverneur die Beschwerden vor, die sie vorher schon wiederholt schriftlich an ihn gerichtet hatten. Es stellte sich dabei heraus, daß letztere alle nicht angekommen waren. Erwähnt sei noch ein Vorkommnis, das ebenfalls verdient, bekannt zu werdeu. Ein Kamerun in französische Kriegsgefangenschaft geratener Ossizier war im Som mer 1L15 nach Brazzaville am Kongo gebracht und dort interniert worden. Während in diesem Falle dieBehandlnng seitens derFranzosen inBr. ganz gut war, sollte sich dies sosort ändern, als dieser Offizier mit drei deutschen gefangenen Unteroffizieren durch den belgischen Kongo weiter nach Frankreich befördert wurde. Am Morgen des 27. August 1915 fuhren sie aus eiuem französischen Dampfer über den Kongo und wurden Kinshasa einem belgischen Benmleu, der sich mit etwa 20 schwarzen Soldaten an der Landungsstelle eingefunden hatte, übergeben. Von hier ging die Reise mit der Eiseubahu uach Thysville. Dort erwartete eine Menge von Weißen Bel giern den Zng, dessen Insassen alsbald mit dem Ruf: ä ba.8 lös docbös empfangen wnrden. Zum Schutz gegeu diese johlende Menge wurde der Transport von fchwarzen Soldateil mit gezogenen Säbeln umringt und fo nach einer Art Hotel gebracht, wo irr einem Nebengebäude Quartier augewiefeu wurde. Während dieses Marsches mußten sich die Gesaugenen die wüstesten Schimpfworte gefallen lassen. Später saßen sie in diesem Hotel beim Essen, als wiederum Haufe weißer betrunkener Belgier eiudraug und ein wüstes Gefchimpfe begann, in dem die Deutschen mit den Bezeich nungen Diebe, Mörder, Fraueuschäuder" bedacht wurden. Der Ansührer trat an den Offizier heran, schwang ihm eine leere Flasche über den Kopf und fchlng mit der Faust auf den Tifch, daß die Teller hochsprangen. Den Deutschen blieb nichts übrig als das Hotel zu verlassen. Ähnlich war am folgenden Tage der Empfang in Matadi, wo dieser Transport wieder den Franzosen übergeben wurde. Kaum hatten die Gefangenen den Zug verlassen, als eine heulende, schreiende Menge auf sie eindrang. Als der Bahnhofsvorsteher fah, daß ein Durchkommeu durch den Bahnhof nicht möglich sei, ordnete er an, daß die Gefangenen über ein Gütergleis zur Dampferstelle gebracht werden sollten. So war es möglich, die Landungsstelle ungefährdet zu erreichen. Kaum hatten die Deutschen den Dampser bestiegen, als die Menge mit geschwungenen Stöcken schreiend schimpsend hinterher kam, sich vor läufig aber damit begnügen mußte, vom Ufer aus unflätige Schimpfereien über die Gefangenen loslassen. Bei Dunkelheit gelang es einigen Belgiern, aus den Dampfer hinüberznklettern die Kabine des Offiziers zu erreichen, wo sie unter Toben und Fluchen versuchten, die Kabine zu erbrechen. Erst das Eingreifen des franzöfifchen Schiffskommandanten verjagte sie vom Schiff. Nach einigen Wochen Aufenthalt in Boma, wo die Behandlung nach der ent setzlichen durchlebten Zeit endlich menschenwürdig geworden war, wurden die Gefan genen über den Ozean nach La Pallice abbefördert. Über diese Seereise lauten die Berichte der einzelnen Transporte verschieden. Während von einem größeren Teil Be schwerden nicht erhoben werden, erfuhren die Gefangenen des Transports V, zu dem auch mehrere Frauen gehörten, allerhand Widerwärtigkeiteil. So war das Benehmen des Oberstewards Boskat auf dem Dampfer, der die Gefangenen von Boma nach Europa brachte, unerhörtes. Er wagte es, eine der Fraueil bei einer Gelegenheit 14 I beim Arm zu ergreifen und in ihre Kabine zu schlendern. Als sie sich dies verbat, be schimpfte er sie obendrein. Der Kapitäu, dem die Sache dann vorgetragen wurde, untersuchte sie überhaupt uicht, sondern entschied kurzerhand, daß bei der nächsten Be schwerde die Einschließung in den Kabiueu bis zum Schlüsse der Reise (also 3 Wocheu! daueru würde. Trausportführer dieses Trausports, der am 21. Jauuar Boma ver ließ, war der Eapitaiue Eommaudaut Iadot. Als diesem Vorhaltuugeu gemacht wurdeu, daß die Gesaugenen in ihren Kammern eingeschlossen gehalten würden, gab er zur Autwort, daß dies Befehl sei, damit die Gefangeueu, falls dem Schiff etwas passiere, die ersten seien, die erträuken. Als ein anderer Transport im Februar 1!)l7 bei schneidender Kälte in La Pallice ankam, den Insassen zugemutet, zwei volle Tage der kalten Bahn hofshalle znznbringen, bis sie von den Belgiern au die Frauzoseu übergeben wurden. Schlußwort. Die am Schluß dieser Darstellung folgenden Zeugeuaugaben fiud geeignet, das Bild einer uumeufchlicheu Behaudlung deutscher Frauen, Kinder nud Kranker dnrch ein enropäisches Kulturvolk noch Heller beleuchten. Es sei nochmals wiederholt, daß keineswegs die ungünstige Verhältnisse, sondern ausschließlich der böse Wille die Nachsucht der Belgier der Grund der schlechten Beliaudluug wareu. Die zunächst seitens der Belgier in französischen Gefangenenlagern widerrechtlich zurückgehaltenen Zivilgefaugeueu, Frauen Kinder sind später nach langwierigen Verhandlungen ihre Heimat zurückgekehrt. Ihre Leiden haben ein Ende erreicht, die Erinnerung an das Erlebte jedoch bleibt. Mögen ihre Schilderungen der Welt die Augeu öffnen über belgische Gränel, über belgische Schuld!9 Verzeichnis der beigegebenen Berichte von Zeugen. (seite 1. Regierungs- und Baurat Brandes 17 2. Finanzdirektor Schmeifer 21 3. Rechnnngsrat Brandenburg 26 4. Oberleutnant v. Gotfch 28 Sanitätssoldat Hammcrstein 38 6. Vizefeldwebel Ravens 45 7. Landsturmmann Pieper 53 8. Landsturinniann Stößel 54 9. Leutnant der Reserve Hegeiiiann 57 19. Sanitätsvizeseldwebel Altermath 59 11. Frau Rechnungsrat Kielich 60 12. Fran Regicrnngsrat Schmidt 64 13. Kurze Auszüge aus folgenden Berickteiu ) Landsturinniann Grase 6! k) Sergeant Hildenbrand 70 e) Landsturinniann Andersen 71 cl) Vizeseldwebel Lehmaun 72 0) Unteroffizier Barth 72 k) Vizesteuermann Edel 73 A ) Sanitätsgesreiter Blaß 73 Ii) Soldat Schauer 73 1) Vizewachtmeister Krenkel 74 k) Unteroffizier Krebs 74 I) Oberbootsmannsmaat Krickan 74 ) Unteroffizier Lohr 75 L17 Auszugsweise Abschrift aus dem Bericht des Referenten Ne- gierungs- und Vaurats Brandes über seine Tätigkeit während der letzten Dienstverpflichtung bis zum Austausch aus der Kriegsgefangenschaft. Eing. 4. III, 18 -V, I. 308 18. ^crlin, den 28, Acbruar U 18. Im August erhielt ich durch den Westbefehlshaber ein dnrch Parlamentär über- brachtes Schreiben des Oberbefehlshabers der belgischen Truppen Generalmajor louldczui , worin, ausgeführt war, daß nach Gerüchten die in Tabora untergebrachten belgischen und englischen Kriegsgefangenen mit Arbeiten befaßt würden, die von einem Europäer in den Tropen nicht verlangt werden dürften, und daß, falls dieses wahr sei, er sich leider zu Repressalien genötigt sehen würde. Außerdem wurde um Über- sendnng einer Liste der in unseren Händen befindlichen belgischen Kriegsgefangenen nud um Mitteilung gebeten, ob und welcher Grundlage wir bereit wären, in Verhand lungen über die Auslieferung der Gefangenen einzutreten. Ich habe fofort dem derzeitigen Kommandanten des Gesangenenlagers, Leutnant d. N. Dannert, sowohl wie von dem früheren Lagerkommandanten und derzeitigen Etappenkommandanten, Oberleutnant d, R. Brandt, einen Bericht darüber angefordert, ob derartige Behandlungen im Gefangenenlager vorgekommen wären. Von beiden erhielt ich die schriftlichen Berichte, daß nichts vorgekommen sei, was in dieser Beziehung zu Bedenken Anlaß gäbe. Ich habe sofort nach Eingang dieser Be richte im Einvernehmen mit dem Weftbefehlshaber ein Schreiben an General ^oindmir gesandt, worin ich ihm mitteilte, daß Grund der mir vorliegenden fchriftlichen Be richte der Lagerkommandanten die Gerüchte über unwürdige Behaudluug der Gefan genen nicht zutreffend wären; foweit der nur unterstehende westliche Bereich des Schutz gebietes in Frage käme, wäre ich bereit, derselben Grundlage über etwaige Frei lassung und Ansliesernng von Gefangenen zu verhandeln, wie sie in den uns vor kurzer Zeit durch den Parlamentär von den Engländern zugestellten diesbezüglichen Abkom men zwischen Deutschland und England, sowie Deutschland und Frankreich, enthalten seien. Eiue Liste über die bei uns befindlichen belgischen Gefangenen wurde beigefügt. Dies Schreiben ist vom Westbefehlshaber durch Parlamentär an General ^ oiubeui- gesandt worden. Da jedoch bereits Mitte September Tabora dnrch die Belgier besetzt wurde, siud weitere Verhandlungen als die in meinem anliegenden Schriftwechsel mit General ^cmrbönr enthaltenen, nach der Besetzung Taboras uicht mehr erfolgt. Ich war für den 20. September gegen 7 Uhr morgens gebeten worden zur Boma zu kommen, da dann der belgische Oberbefehlshaber, Generalmajor lomdeur, dort ein getroffen sein würde. Auf dem Wege dorthin erhielt ich bereits dnrch viele Eingeborene Kunde von den Ereignissen der vorhergehenden Nacht. Diese Eingeborenen, die zum Teil bis auf die Haut ausgeraubt und mißhandelt waren, baten mich um Schutz. Außerdem erhielt ich die Nachricht davou, daß alle die Europäer, die sich kaut Anord nung des vorigen Tages in der Boma gemeldet hatten, dort sofort in gänzlich unzuläng licher Weise, ohue Schlafgelegenheit und Nahrung, ia sogar ohne Möglichkeit von Klo settbenutzung, eingeschlossen gesaugen gehalten wären. Von dem bei mir vor der Boma anwesenden Sekretär Weber ersnhr ich, daß der beabsichtigte Polizeidienst, wie er von den Belgiern am Tage vorher geplant war, völlig versagt habe, sobald bei ein brechender Dunkelheit eine größere Anzahl von belgischen Askari in der Stadt erschienen s 18 sei, die sich sofort über jeden Polizisten mit der Masse in der Hand hinweggesetzt hätten. Ich wollte persönlich bei General vorstellig werden. Nachdem ich aber etwa eine halbe Stnnde vor dem Bomator gewartet hatte, nm vorgelassen zu werden, kam der Kapitän (?ens 1.Ärme und teilte mir mit, daß der General für mich nichts zu be sprechen habe und daß ich meine etwaigen Wünsche nsw. schriftlich einreichen möge. Wie mir von durchaus zuverlässiger Seite, durch den Techniker Pich, später mit geteilt worden ist, hat an diesem Morgen der General ^omdeur den in der Boma ein gesperrten Europäern gegenüber, die sich bei ihn: wegen der unwürdigen Behandlung beschweren wollten, seiner Gesinnung dahin Ansdrnck gegeben, daß er lant in deutscher Sprache, so daß all? es hören konnte, ausrief: Mit eiuem Deutschen spreche ich über haupt nicht." Was die Ausschreitungen der belgischen Truppen in Tabora betrifft, so habe ich aus gelegentlichen Außeruugeu belgischer Offiziere die feste Überzeugung gewonnen, daß, nachdem die Belgier nach dem vor Tabora für sie unglücklich verlaufenen Gefecht fast gänzlich olme Lebensmittel und Munition in den öden Dornbusch zurückgingen, die belgischen Offiziere ihre Askaris nnr dadnrch zusammenhalten zum Wiedervor- geheu bewegen konnten, daß sie ihnen Tabora als den Ort, wo alles haben war, mit der Ansficht auf Plüuderuug in den glänzendsten Farben vor Augen führten. Selbst belgische Offiziere äußerteu sich später dahin, sie seien froh, daß nicht mehr Ausschreitungen vorgekommen seien, da sie die Trnppeu gar uicht mehr in der Hand gehabt hätten. Auch dahin gehende Äußerungen kamen mir zu Ohren, daß es ein großes Glück für Tabora gewesen sei, daß nicht ein Gefecht sich in die Stadt hineingezogen habe somit die belgischen Askari nicht fechtend in die Stadt eingedrungen wären, denn dann wäre bei dem herrschenden Geiste in der fast verhungerten KougotruPPe überhaupt kein Einhalten mehr gewesen, voraussichtlich wäre dann überhaupt keiu der Stadt eingetroffener Europäer, sei es Deutscher oder Eugläuder oder Grieche oder selbst Belgier, am Leben geblieben. Es waren nuu, uachdem bereits in den ersten Tagen nach der Besetzung alle in irgendeiner Beziehung in der Schutztruppe tätig gewesenen Männer, einschließlich der von der Truppe krank in Tabora zurückgelassenen Offiziere und Mauufchafteu, in dem Barackenlager für Militärgefangene eingesperrt worden waren, auch die Tabora an wesenden Männer der Zivilbevölkerung, soweit sie nnter 50 Jahre alt Angehörige der den Belgiern feindlichen Nationen waren, gefangen gesetzt. Sie wurden, getrennt von den Militärgefangenen, in der Boma untergebracht, wo sie bis zum Zeitpunkt ihrer Weiterbeförderung uach den: Kongo verblieben, mit Ausnahme einiger, die wegen Krankheit oder eines Alters über 50 Jahre freigelassen wurden. Was mir über die Unterbringung sowie die Verpflegung in beiden Lagern be kannt geworden ist, hat mich zu der Überzeugung gebracht, daß, besonders mit Rücksicht auf die tropischen Verhältnisse, geradezu unmenschliche Zustände geherrscht haben. Jedoch waren diese Zustände im Zivilinterniernngslager immerhin noch bedeutend besser als im Militärgefangenenlager, üm mich persönlich von den herrschenden Zu ständen zu überzeugen, bin ich wiederholt bei dem Lagerkommandanten (ZonsclÄims, sowie später Ix^eorne?, vorstellig geworden. Es wurde mir aber abgeschlagen, die Lager betreten und mit den Gefangenen ungestört sprechen zu können. Nach meiner Überzeugung ist es lediglich dem Umstände, daß es erlaubt wurde, den Gefangenen ein mal am Tage durch ihre außerhalb wohnenden Angehörigen Verpflegung in die Lager zu schicken, zu danken, daß die Gefangenen die Zeit überstanden haben, ohne vollständig mit ihrer Gefuudheit zusammenzubrechen. Außerdem wurde in dieser Weise auch durch Gouvernementsarzt Ör. Noest^, dem die Krankenbehandlung in den Lagern übertra gen worden war, ganz besonders segensreich gewirkt, weil durch dessen Vermittlung große Mengen von Früchten und Lebensmitteln in die Gefangenenlager gelangen konnten. Um ein Bild von den Zuständen in den Lagern zu geben, möge hier die Aussage des Bahnmeisters Fritze von der O. E. G. angeführt werden, die dieser mir gegenüber 19 10 gemacht hat. Hiernach wurde Fritze, krank nach Tabora gebracht, im Hospital eingelie fert; von dort er auf Auordnnng des Kapitäns (Zon^ I:um z, obwohl er Zivilist war, in das Lager für Militärgefangene überführt, wo er, ohne irgend etwas von feinen Sachen luitznbekommen, ohne Bett, ohne Decke, lediglich mit dem was er am Leibe trng, in die Wellblcchbaracke eingesperrt wnrde. Jeder Berkehr mit der Alchenwelt wurde ihm verboten, so daß es ihm unmöglich war, feiue Tabora auweseude Familie zu verstäudigeu. Er war daher lediglich auf die Lagerverpslegnng augewiefeu. Es gab dort nur ungenießbare Sachen. Altes starrte derart vor Schmntz, daß es ekel erregend war. Das Fleisch wurde ius Lager gebracht, auf den? Erdboden kleine Stücke zerhackt und dann mit allem anhaftenden Schmntz, Sand und Steinen in dem Kessel mit Reis oder Bohnen zusammen gekocht, so daß es unmöglich war, schon wegeu des Sandes von dem in solcher Weise gebotenen Mittagessen etwas genießen. Das Einzige, wovon er während der ersten Tage wenn ich nicht irre, waren es drei dieses Lageranfenthaltes sein Dasein fristen konnte, bestand darin, daß er von dem ge lieferten Brot das einzige Eßbare, nämlich die Rinde, abnagte. Das Brot selbst war im ganzen ebenfalls fo klietschig unansgebacken, daß es uicht eßbar war. Nachdem es ihm gelungen war, nach etwa 3 Tagen seine Angehörigen verständigen, lebte er dann von dem, was ihm diese ins Lager schickten. Nach wiederholten Beschwerden gelang es ihm endlich, ius Zivillager überführt werden, Ivo er die Berpflegnngsver- hältnisfe ebenfalls sehr schlecht vorfand, wenn auch bedeutend besser als im Militär- gefangenenlager. Die dortige Küche war ebenfalls furchtbar schmutzig, das Essen wurde in ungarem abschreckendem Znstande geliefert. Auch hier war die Anliefe rung der Lebensmittel von den Altgehörigen die einzige Rettnng. Was die Art der Trennung, wonach die Belgier die Gefangenen entweder in Militär- oder Zivillagern unterbrachten, anbetrifft, möchte ich hier noch bemerken, daß alle als Zivilisten Gefangenschaft geratenen Männer, die irgendeiner Zeit bei der Schlitztruppe Dieuft getau hatten, ohne weiteres als Militärgefangene behaudelt wur den, auch weuu sie bereits längere Zeit vorher als militärdienstuntauglich aus der Truppe entlassen lind Zivilbefchäftiguug wareu. Besonders in die Augen springend waren dieser Hinsicht die Fälle, betreffend den Finanzdirektor Schmeifer den Techniker Pich, die beide lediglich einige Male fich am Scheibenschießen in Tabora be teiligt hatteu, das zur Übuug für etwa später die Truppe eiutreteude der Schntz- trnppe abgehalten wnrde, MeinF diesbezügliche Borstellung bei dem Lagerkomman danten und die daraufhin eingereihten Gefnche der beiden genannten Herren um Über- führuug das Zivillager, erfolglos. Erst bei der Abreise vom Kongo oder erst in Frankreich wurden sie dann als Zivilgefangene bebandelt jetzt mit ausge liefert, während andere, meiner Ansicht nach ebenso ungerecht Behandelte, so z. B. der geuaunte Rechnungsführer des Gonvernementskrankenhanfes Müller, Gonvernements- fekretär Kielich, Regieruugsbaumeifter Salier andere, soweit mir bekannt, noch heute in Militärgefallgenschaft in Frankreich zurückgeblieben fiud. Bei allen Verhandlungen mit den Belgiern gelang es fast immer zum Ziele kommen, solange man mit einzelnen, zum Teil sich dnrchans entgegenkommend zeigen den Offizierelt und Beamten tnn hatte. In allen Fällen jedoch, in denen eilte Ent scheidung des Generals ^omdcmr eingeholt werden sollte, konnte von vornherein auf Ablehnung gerechnet Werdelt. Um möglichst güustig für die Frauen Kinder sorgen zu können, mußte sich daher mein Angenmerk besonders daranf richten, möglichst ohne offizielle Entscheidungen durchzukommen. Sehr bemerkenswert ist der Umstand, daß, je weiter wir vom Innern Afrikas an die Küste vorrückten und je mehr wir in Gebiete mit einer großen Ansammlung von Europäern kamen, desto mehr sich die zugefügte Behandlung verschlechterte. Meiue bereits Tabora gemachte Wahruehmuug, daß sehr gut auf veruüuftiger Grnnd- lage mit einem einzelnen Belgier zu verhandeln war lind daß, sobald nnr ein Zweiter als Zeuge zugegeu war, voll dem sollst uoch so entgegenkommenden anderen Belgier fo gut wie nichts mehr zu erreichen war, hat sich immer wieder in immer 20 stärkerem Maße wiederholt, je näher wir der Küste und je mehr wir dadurch in Be rührung mit einer größeren Anzahl von Belgiern kamern Es schien einer vor dem anderen die größte Angst zu haben, als bochessreundlich" angesehen zu werden. Aller dings dürste das nur zu natürlich sein, wenn von den obersten Stellen aus verhetzend gewirkt wird, wie das aus einem öffentlichen Anschlag des Gouverneur-Generals in Boma aus dem Dampser ,,Alberville" hervorging, worin ausdrücklich versügt und mit Strafe bedroht wurde, weuu, wie leider festgestellt worden sei, im Wiederholungsfalle den durch den Kongo gebrachten Deutschen Entgegenkommen Unterstützung zuteil würde. gez. Brandes, Rcgicrimgs, und Bäumt.11 Abschrift. Königliches Amtsgericht. Gegenwärtig: A, G. R. Engelte Berlin-Schöneberg, den 1!!. Mai 1913. Miniewaldstrasie. als Richter, Geh. Boen ig . als Gerichtsschreiber. In Sachen- Behandlung der Gefangenen in Feindesland erschien in dein zur Beweisaufnahme bestimmten Termine nachbenannter Zeuge, Finanzdirektor Schmeifer aus Berlin W, Neue Winterfeldstraße 46. Nachdem der Zenge die Bedeutung des Eides hingewiesen war, er, wie folgt vernommen: Zeuge Schmeiser: Ich heiße Emil mit Bornamen, bin 42 Jahre alt, kath. Religion. Meine Aussage habe ich niedergelegt in dem Schriftstück vom 10. Mai 1913, das ich hiermit überreiche und eigenhändig unterschrieben habe. Zeuge trägt den Inhalt dieses Schriftstückes mündlich vor. Zeuge erklärt weiter: Meine Ausfage habe ich gemacht auf Grund von Notizen, die es mir gelang während meiner Gefangenschaft zu verbergen. Auszugsweise Abschrift zu I. 622 18. Aufzeichnung über die mir in belgischer Gefangen schaft zuteil gewordene Behandlung. Tabora wurde am 19. September 1916 von den Belgiern besetzt. Nach einer der ersten der feindlichen Anordnungen sollten sämtliche Deutschen, die jemals irgend eine Beziehung zur Schutztruppe hatteu, sich um 4 Uhr des Besetzungstages bei der Boma (dem Bezirksamt) melden. Da ich aus Wunsch des Gouvernements an mili tärischen Übungen teilgenommen hatte, verfügte ich mich vorfichtigerweise zur ange gebenen Zeit mit den Gouvernementssekretären Kielich und Krebs dem Gouverne mentstechniker Pich zur Boma, um zu ersehen, was die Meldung bezweckte. An das Tor war nicht heranzukommen. Farbige belgische Soldaten bedrohten jedermann, der sich nähern wollte, mit gefälltem Bajonett. Wir standen etwa V2 Stunde auf dem Bomaplatz und gedachten gerade wieder wegzugehen, als der bisherige Verwalter des Bezirksamtes Tabora aus der Boma trat und sich erbot, für uns Auskunft zu holen. v. g. und beschworen. gez. Engelke. gez. Voenig.22 Daraufhin wurden wir Tor geruseu von einen: Europäer, der hochtrabend ver sicherte, daß er Offizier fei, ohue jede Frage oder Mitteiluug in ein im Obergeschoß der Boma gelegenes Doppelzimmer geführt, wo wir etwa I ( Deutsche antrafen. Zu dieseu gesellten sich nach und nach verschiedene andere, so daß schließlich 21 Mann beisammen waren, daruuter besaudeu sich mehrere, die uur zum Waffeuablieferu erschienen waren. Man hatte einfach jeden Deutschen, der sich gezeigt hatte, festgesetzt. Niemand wnßte, was wir sollteu. Es kümmerte sich aber auch uiemand nur uus. Die beideu Zimmer, die glücklicherweise moskitosicher verdrahtet waren, wurden von mindestens einen: Dutzend Farbigen, teils mit teils ohue Gewehr, bewacht. Diese Leute benahmen sich sehr her ausfordernd und verweigerten lange Zeit jedes Austreten. Ein Europäer, der etwas zu sagen gehabt hätte, war nicht auszutreiben. Wir machteu uns deshalb mit dem Ge danken vertraut, daß man die Nacht ohne jede Fürsorge insbesondere ohne Trinkwasser sitzen lassen würde. Uud so kam es anch. An ordentlichen Schlaf war nicht zu denken. Spät abends wurde zwar eine Reisebettstelle hereingestellt, aber was hieß das sür so viele. Ju eiuem der Zimmer stand bereits eine eiserne Bettstelle mit Matratze, dazu kameu uoch einige Stühle zwei Tische. Um nicht den nacktenZement- boden benntzen zu müssen, hob ich die Verbindnngstür der beiden Zimmer und legte mich mit einem Kameraden zusammen darauf. In der Nacht konnte man große Fener beobachten andauernd fcharfe Schüsse hören, zwar in der Nähe der Boma, woselbst sich eine belgische Wache besand. Am folgenden Morgen gelang es uns, dnrch deutsche Boys, die die Nähe kamen, Zettel an nnfere Angehörigen zu senden, woranf endlich Lebensmittel der Stadt zngesandt wnrden. Mein Boy erzählte mir, daß meine Frau, die allem im Haus hatte bleiben müssen, belästigt worden sei, wobei es zur Beschädigung des Moskitoschutzes der Veranda gekommen wäre. Der belgische General lomdenr kam unter Fnhrnng des Kapitäns (^eu^elnriinz die voc unserem Zimmer befindliche Veranda. Er wies aber jede von uns versuchte Vorstellung mit dem Hinweis ab, daß er mit Deutschen überhaupt nicht spräche. Im Laufe des Vor mittags kamen uoch drei weitere Deutsche an. Nachmittags erreichten wir nach langem Verhandeln mit einigen Weißen Unteroffizieren, daß man uns wenigstens den dumpfen, für viel zu engen Zimmern auf die Verauda Herausgeheu ließ. Hier erschien ein bisher interniert gewesener belgischer Zivilbeamter, namens und hielt uns höhnend vor, dH imn Äe^Wit der Vergeltung gekommen sei, daß wir indessen alle schlechte Behandlung dem Unteroffizier Müller, der früher znm Gefan genenlager kommandiert gewesen war, zu verdanken hätteu. Des uachmittags nm 5 Uhr verbrachte man uns unter zahlreicher farbiger Bedeckung zum bisherigen Ge fangenenlager der deutschen Verwaltung. Gleichzeitig mit uns kamen deutsche Schutz- truppeuaugehörige au, die sich eiuem Lazarett vorgefunden hatten; insgesamt waren jetzt über 89 Mann beisammen, von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, alles Halbkranke und Schwache, die den Strapazen des weiteren Feldzuges nicht mehr ge wachsen waren. Im Lager selbst, das uoch der vorhergehenden Nacht von Schwarzen bewohnt wurde, war nichts vorgesehen. Die wenigsten fanden Bettstellen, von Moskito netzen gar nicht zu reden. An diesem Abend, alfo nach mehr als 24 Stunden, bekamen wir die erste Verpflegung von den Belgiern. Ich glaube es war Suppe. Uuuötig hart erschieu es deu Verheirateter?, die ihre Familien in der Stadt hatten, daß man diese nie sprechen durfte. Meiue Frau machte anfänglich verschiedene bezüg liche Versuche, wurde aber stets abgewiesen. Im Oktober gestattete man mir schriftliches Ansuchen ein einziges Mal, nach Hans zu gehen, zwar in Begleitung eines Belgiers zweier farbiger Soldateu. Meiue Frau hatte mit unserem 2 ^ jäh rigen Kinde dreimal umziehen müssen war in der ersten Nacht von einem betrun kenen Askari, der mit Hilfe des Gewehrkolbeus die neue Moskitogaze durchschlug, um einzudringen, in der Tat schwer belästigt und geängstigt worden. Weiterhin war man auf den fchriftlichen Meiuuugsaustaufch mit feiner Familie angewiesen. Der deutschen Sprache durfte mau sich dabei nicht bedienen, obwohl der Lagerkommandant deutsch verstand. Die Korrespondenz dementsprechend zumeist itt Suaheli geführt. Anfänglich wurden die notwendigen Lagerarbeiten durch Freiwillige ausgeführt. An: 26. September erschieu dann eine Arbeitsordnung, und alle Gefangenen erhielten u 23 12 von da ab von dem inzwischen znm Lager kommandierten Leutnant Ounvule Arbeit gewiesen. Dieser Offizier verstand es meisterhaft, alle Anordnungen so geben, daß sie als Herabwürdigung empfnnden werden mußteu. Wiederholt gab er den Far bigen Weisung, mit der Waffe gegen die Gefangenen vorzugehen. Die Folge davon war natürlich, daß sich die Wache stets anmaßend benahm Anordnungen zu geben versuchte, was sehr erbitterte. Angeblich sollten wir genan so behandelt werden, wie die Deutschen ihre Gefangenen behandelt hätten. Ich weiß nun zwar nicht, wie diese Be handluug im eiuzelnen war, aber das ist sicher, daß bei nicht überall nunötige Härten hervorgesncht wurden. In diesem Sinne war es doch zweifellos eine durch nichts gerechtfertigte, gesuchte Härte, weuu man einen Teil der Gefangenen am Sep tember vom Magaziu der Bahubausirma Holzmauu aus zum Gespött und Jubel der Italiener mißliebigen Schwarzen schwere tasten schleppend über den Markt trieb, obwohl nähere, weniger begangene Wege zur Verfügung standen, ganz abgesehen davon, daß man Europäer überhaupt uicht zum Lastentragen oder Wagenschieben in den Tropen heranziehen sollte. Früher sollen einmal von gefangene Engländer, ihr eigenes Gepäck einem Wagen von der Bahn geholt haben, und nnter diesem Vor- waud trieb man die Deutschen über deu belebten Markt. Ich selbst mußte zweimal lam 2Z. 25. Oktober) schwer beladeue Wageu unnötigerweise über den Markt schieben helfen, und zwar unnötigerweise insofern, als all diesen Arbeiten deutsche Askari, die in großer Menge gesangen saßen in manchen Fällen neben ver wandt wnrden, hätten herangezogen werden köuueu. Im übrigeu beftaud die Arbeit im Wafferholen, Wegfchleppeu der Mülltouueu, Auswerfeu Müllgruben, Abort reinigen, Hofkehren, Grashacken, Baumaterial holeu dergleichen. Anf Kranke dabei keinerlei Rückficht genommeu. Leutuaut Onnvnle machte fich im Gegen- teil Vergnügen darans, gerade die vom deutschen Arzt als schonungsbedürftig Be zeichneten befonders heranzn ziehen. Besoiwers lästig die fortgefetzten kleinlichen Nörgeleien des Leutnants in bezug auf die Orduuug in den Baracken empfunden. Die von den Deut schen früher internierten Belgier, Engländer und Italiener hatten Kommoden Regale sowie Tische Stühle deu als Schlafräume dienenden Wellblechbaracken gehabt. Bon diesen Einrichtnngsgegenständen fand sich fast nichts mehr vor. Dafür machten sich die deutschen Gefangenen Bordbretter ähuliche Diuge felbst zurecht. Da? ging bis zum 19. Oktober, dauu mußten alle Regale entfernt die Betten eng zusammengerückt werden, trotzdem genügend Platz vorhanden war. Am 2. November wurde augeordnet, daß die Kisten, die zur Uuterbriuguug der Habseligkeiten dienten, unter den Betten oder, wo das nicht ging, doch dicht neben denselben stehen hätten. Hiermi? verfchwaudeu die meisten Sitzgelegenheiten, da alle Stühle in den Speisesaal gestellt werden mußten. Der l l. November brachte das Verbot, Handtuchhölzer an der Wind anzubriugeu. Vom 15. November ab dnrften keine Röcke mehr an die Wand gehängt werden am 22. November kam der Ukas heraus, daß die Kifteu unbedingt unter die l gegebenenfalls zu erhöheudeu) Betten zu ftekleu feieu. Wozu all diefe klein lichen Anordnungen getroffen wurden, war uicht ersichtlich. Dabei herrschte nach An- sichr derjenigen Militärperfonen, die nnter deutscher Herrschaft im Lager Dienst getan hatten, jetzt weit mehr Orduuug als damals. Im Schlafraum selbst war nnr eine Kiste zugelassen. Weitere Sachen mußten im Magazin niedergelegt werden. Hiergegen wäre nichts einzuwenden gewesen, wenn das Lageraufsichtspersoual beim Herausholeu benötigter Sachen nicht vieles in will kürlicher Weise konfisziert hätte. Mir von dein beim Lager beschäftigten Fran zosen ein Paket Lichte am 28. Oktober mit der Begründung weggenom men: Licht gibt es uicht oder braucht man nicht". Ferner war ich Zenge, wie V^g en- armen Soldaten kleine Mehlmengen wegnahm, die znr Aufbesserung der schlech ten Verpflegung hätten dienen sollen. Ähnlich bei der Effenliefernng von anßeu Verpfleguugsgegeuftäude, z. B. Honig und Wnrft, konfisziert, ohne daß ersehen werden kounte, wo die Sachen blieben. Von Ersatzleistung gar uicht zu redeu. Mein Lichtpaket habe ich nnr nebenbei bemerkt wieder ;u verschaffen gewußt. Als die Tabora festgesetzt geweseueu euglischeu Missionare abreisen sollten, die nötigen 24 Blechkosser, Feldbetten, Waschgeschirre usw. zwangsweise aus unserem Eigentum ent- noinmen. Ich mußte deu eiuzigeu Blechkosser, deu ich im Lager hatte, abliefern, Be scheinigungen verweigert, angeblich, weil die Deutschen früher ebenso gehandelt hätten. Das war bewußte Unwahrheit, deuu es kouute deu Belgiern, die doch sonst so gut Bescheid wußten, nicht unbekannt sein, daß die von deutscher Seite für mili - t ä r f ch e Z w e ck e bei den Kriegsgefangenen requirierteu Sacheu ohue Ausuahme bezahlt oder bescheinigt worden waren. Beim Essenempfang am 1l. Oktober soll ein Gesungener (Ripper) versucht haben, seinem Boy einen Zettel unverfänglichen Inhalts zuzusteckeu. Dafür wurde das Heranbringen von Essen auf 4 Tage für das gauze Lager, einschließlich der Ossiziere, verboten. Mit Arreststrafen wurde uuuötig ftreug vorgegangen. Mir selbst ist dabei ein Fall passiert, den ich nicht unerwähnt lassen möchte. Am Vormittag des 14. Oktober war ich der Wasserkolonne, die aus 10 bis 12 Mann bestand, zugeteilt. Der Bruuueu befand sich etwa 8t)t) m außerhalb des Lagers. Als Bedeckung dienten sechs Farbige mit ausgepslanztem Seitengewehr. Diese stellten sich jeweils während des Wasser pumpens in weitem Umkreis um deu auch den Eingeborenen der Stadt stark in Anspruch genommenen Brunnen. Entfernte sich nun ein Eingeborener beim Heran nahen des Wasserwageus nicht schleunigst von? Brunnen oder kam einer zwischenzeitlich in die Nähe, dann wurde er von den belgischen Askaris rücksichtslos durch Schlagen und Stoßen vertrieben. So kam am geuauuteu Tage auf dem Wege, der direkt am Bruuueu vorbeiführte, eine jnnge Negerin, die ein Stück Stoff nnter dem Arme trug, ahnungslos in die Näbe eines Postens. Dieser schlug ohue Waruuug oder Zurechtweisung, der natürlich sofort Folge geleistet worden wäre, mit dem Gewehrkolben die Wehrlose auch dann noch, als sie mit einer heftig blutenden Stirnwuude znfammengefunken war. Daraufhin riefen alle Deutschen dem Askari zu, aufzuhöreu, die dadurch entstehende Pause benutzte das Mädchen, nur zu entfliehen. Auf der Rückfahrt zum Lager herrschte allgemein die Ansicht, daß dieser Vorfall gemeldet werden müßte, ich war derart empört, daß ich mich entschloß, die Meldung zu machen. Im Lager selbst traf ich den Leutnant nicht fofort an, und ich besprach den Vorgang zuuächst mit Kapitäu- leutnant Schreiber, dem ältesten deutschen Ossizier des Lagers, welcher direkt an der Stelle wohnte, wo ich den Lentnaut gesucht hatte. Indessen kam letzterer, der inzwischen von dem Askari benachrichtigt zu sein schien, herau, herrschte mich au; als ich trotzdem auf der Bitte, mich anzuhören, bestand, verbrachte er mich in eine Arrestzelle, woselbst ich etwa 2 Stunden bis zur Mittagszeit verblieb. Bon ^VaAenükim alsdann zu Omvale geholt, entließ mich dieser, nachdem er mir vorgehalten hatte, daß es ungehörig sei. einem Offizier zu widersprechen, und überdies sei es verboten, mit seinen Boys in Verbindung zu treteu, worauf ich erklärte, daß am Brunnen ein Weib nicht mein Boy mißhandelt worden fei. Damit fah ich die Sache als erledigt an. Beim Nach mittagsantreten teilte mich, zum Abortreiuigeu ein und von diesem Geschäft hinweg holte er mich um 3 Uhr zum Kommandanten, ohne mir gestatten, erst die Hände zu waschen. Der Kommandant empfing mich mit der Anschuldigung die Unterhaltung wurde halb Suaheli, halb in Französisch geführt, trotzdem ^euLäariue, wie fchon erwähnt, deutsch verstaud Sie häbeu mit Ihrem Boy Verbindung ge sucht". Auf meine bestimmte Verneinung und Feststellung, daß es sich nm ein Weib gehandelt hätte, warf mir der Kommandant weiter vor, ich hätte mich bei Kapitäüleut- nant Schreiber beschwert und so den Beschwerdeweg nmgangen. Hieraus erwiderte ich, daß ich mich überhaupt nicht beschwert, sondern mir eine Melduug zu machen gedacht hätte, was der belgischen Verwaltung doch nur erwüuscht seiu köuute, worauf der Kom mandant versetzte, das giuge mich gar nichts an, die Deutschen hätten nicht nnr Mißhandlungen begaugeu, sondern sogar Träger niedergeschossen. (Derartige ähnliche Anschuldigungen habe ich öfter gehört und kaum eiueu Belgier augetrosseu, der nicht Zeuge war, als in Belgien Frauen Kinder niedergeknallt oder verstümmelt wurden.) Auf meine Erwiderung, daß das doch nicht meine Sache sei daß ich vom belgischen Beschwerdewege keine Ahnnng hätte, erklärte dieser ergäbe sich aus dem Anschlag am schwarzen Brett, wo augeschriebeu stäude, daß alle Vergehen nach 25 13 dem belgischen Militärstrafrecht geahndet würden, und überdies sei es bei dein deutschen Militär ebenso, was mich zur Bemerkung veranlagte, daß ich überhaupt nicht Soldat sei. (Fknkcwi nuz wurde uuu sehr erregt meinte, er wolle mir schon zeigen, wer mein Herr sei (mimi Invmul lvnd va v^ko), nur das Hinlaufen zu Kapitän Schreiber vertreiben. Er bestrafte mich deshalb mit 8 Tagen Arrest (eellnle). Die weitere Ein sprache meinerseits, daß ich, wenn ich schon als Soldat behandelt werden sollte, wenig stens meinem Range als ehemaliger Vizefeldwebel entsprechend mir mit gelinden? Arrest zu bestrafen sei, mit dem Hinweis abgelehnt, das; die Belgier nnr Offiziere Mannschaften keuueu. Ich fügte mich uun lächelnd in mein Schicksal und bat uur uoch darum, mir wenigstens die Hände waschen zu dürfeu. Auch dies wurde abgelehnt. Ocmöä-u-mk meinte znmSchlnsse recht pikiert, wer zuletzt lacht, lacht am bestem Während dieser sonderbaren Verhandlung wurden auch zwei der sarbigeu Soldateu in einer mir unverständlichen Sprache gehört. Nach etwa 2 Stunden erhielt ich Waschwaffer kouute mich dem eklen Schmutze befreien. Bewegung im Freien während der Arresttage gab es uicht. Nach Ablauf der festgesetzten Zeit entließ man mich eine halbe Stnnde zu spät, trotzdem, ich mich dnrch heftiges Schlagen an die Tür bemerkbar gemacht hatte. Diefe Geschichte hatte mich so mitgenommen, daß ich einige Tage das Bett hüten mnßte. Nach dem Verlassen desselben verordnete der Arzt Schonung. Dessenunge achtet wurde ich sofort wieder zum Wasserholen am anderen Tage, einem Sonn tage, znm Aufräumen und Sänbern der Werkstatt herangezogen. Ich hielt es deshalb für vorteilhafter, mich schleunigst wieder gesundschreiben zu lassen. Berlin, den 10. Mai 1918. gez. Schmeiser, Finanzdirektor beim Kaiserl. Gouvernement von Dentsch-Ostafrika. 26 Abschrift I. 655. K. Amtsgericht Mergentheim. Geschehe , den 25, Mai l!N8, Anwesend die Unterzeichneten. Ans Ersuchen des Staatssekretärs des Reichs-Kolouialamts in Berlin ist Termin zur eidlichen Vernehmung des Rechnungsrats beim Kaiserl. Gouvernement von Deutsch-Ostafrika: Hermann Brandenburg zur Zeit Kurgast hier auf heute Mittag bestimmt. Der Zeuge übergibt eine schriftliche Aufzeichnung über den Gegenstand seiner Vernehmung und erklärt, nachdem er auf feine Beeidigung hingewiesen worden ist, Protokoll. Ich habe über meine Erlebnisse während meines Aufenthalts in Tabora, wäh rend des Transportes dnrch den Kongostaat bis meinem Aufenthalt in Frankreich bzw. bis meiner Entlassung eine schriftliche Aufzeichnung gemacht gebe diese ;u den Akten. Ich habe in der Anfzeichnnng das wesentliche, soweit es mir in Erinnerung ge blieben ist, wiedergegeben bin bereit, den Inhalt der Anfzeichnnng eidlich zu erhärten. V. u. g. gez. Hermann Brandenburg. Der Zeuge wird nachträglich beeidigt. Z. B, Landgerichtsrat. Vrvtokollf. Unterschrift. Unterschrift. Auszugsweise Abschrift I. 655. Tabora. Die Belgier ließen mich in Tabora gegen Ehrenwort freiem Fuß, weil ich 50 Jahre alt war. Meiue Verpflegung bestritt ich selbst. Transport durch den belgischen Kongo. Bei der Überfahrt über deu Taugaujikafee mußten wir die Nacht von 7 Uhr abends bis etwa 7 Uhr morgens an Deck nnter Farbigen verbringen. Gelegenheit zum Sitzen oder Liegeu hatteu wir uicht. Unsere Stühle, die erreichbar waren, dnrften wir nicht benutzen. Eiu großer Teil der Gefangenen hatte keine Feldbetten (darunter mich ich) mußte bis Staulehville, wo wir solche auf Beschwerde erhielten, schmutzigen offeueu Unterknnftsränmeu dem Boden schlafen.14 L7 In Kabalo standen die Unterkunftsräume direkt im Sumpf. Man trat in den Hütten selbst bis über die Knöchel in den Schlamm, Ich habe die Nacht, in einem Stuhl sitzend, im Freien verbracht, weil ich es in der Hütte wegen des üblen Geruchs der vielen Moskito nicht anshielt. In Stanleyville waren wir in einem Unterkunftshaus nach Eingeborenenart untergebracht, welches von Ungeziefer wimmelte von Schmutz starrte. In der Nacht regnete es durch und mehrere Deutsche erkrankten. Der Arzt gerufen ilnu die uafsen Lagerstätten gezeigt. Unser Antrag gefnndere Unterbringung blieb unberücksichtigt. Von Stanleyville bis Leopoldville mnßten wir während der 13tägigen Fahrt auf dem Ladedeck des Frachtdampfers Wer" mit Farbigen zusammen kampieren. Es war kein Raum zu freier Bewegung. Der Transportführer, belgischer Oberleutnant (üollev, verbot uns den Aufenthalt an anderen Stellen des Dampfers. Die Herreu meines Trausportes, ruud 29 Mauu, haben gemeinsam Beschwer den über die unwürdige Behandlung Unterbringung im belgischen Kongo ein gereicht: eine au den Diftriktskommissioner in Stanleyville, zwei an den Generalgonvernenr in Boma. Bescheid haben wir nicht erhalten. Die Entwürfe dieser Beschwerden waren mir znr Aufbewahrung übergeben nud sind mir nebst anderen Schriftstücken von dem Vertreter des belgischen Ministeriums für die Kolonien in Falmonth abgenommen. Trotzdem wir nur ältere Leute Kranke waren, mußten wir oft unser Gepäck in der glüheudeu Hitze zum Lager znrück zur Bahn tragen. Die Beaufsichtigung erfolgte stets durch Schwarze (Soldaten), die fich roh und anmaßend benahmen. Deutsche, die von Farbigen (Soldaten) angezeigt wnrden, wurden ohne weiteres in Arrest gesperrt, z. B. Dr. Heepe vom Kolonialinstitnt in Hamburg, Kaufmann Tomascheck aus Tabora. Auf dem Seedampfer Albertville. Auf der Fahrt von Boma nach Falmonth wurdeu wir oft tagelaug die Ka binen gesperrt. Die Beaufsichtigung erfolgte auch hier durch farbige Soldaten. Im Zoll in Falmonth. Vom 24. April 1917 kampierten wir bei der starken Kälte 2V2 Tage den Bänken. Es wurden alte Decken verteilt, die aber keinen Schntz gegen die Kälte boten. Viele haben sich hier schwere Erkältungen zngezogen. Unser Gepäck in nnserer Abwesenheit nntersncht. Mir ist dabei entwendet worden 1 l Sammlung wertvoller afrikanischer Brief marken, 1 Sammlung Photographien (feit 29 Jahren gesammelt), 1 Paar Man schettenknöpfe, Wäsche, Seife, Arzneien, Toilettengegenstände nsw. Ich habe in London im Lager St. Asfriqne Schadenersatzansprüche eingereicht, aber weder Antwort noch Ersatz erhalten. Überfahrt von England nach Frankreich. Von Falmonth bis La Palliee waren wir in den Kabinen eingeschlossen, trotz dem die Fahrt dnrch die II-Bootgefahrzone führte, worauf der belgische Transport- sührer besonders hinwies. 28 Abschrift N. 666 17 v. Kgl. Gericht der Inspektion IV der immob. Garde-Infanterie. IIIk Tgb. 525 17. Gegenwärtig: 1. Militärhilfsrichter: Justizrat Or. Leb in. 2. als Militärgerichtsschreiber: Unteroffizier Rother, Referendar. Es erschien Herr Oberleutnant v, Gotsch. Nachdem er mit dem Gegenstande der Vernehmung bekanntgemacht auf die Bedentnng des etwa zu leistenden Eides hingewiesen worden war, wurde er wie folgt vernommen: Ich heiße Haus von Gotsch, bin 56 Jahre alt, evangelischen Glaubens, Oberleutuaut a. D, Über den Gegenstand seiner Vernehmung befragt, sagte der Zeuge dasselbe aus wie in seinem Bericht vom 4. Oktober 1917. Dieser Bericht ihm darauf vor gelesen, worauf er erklärte: Ich halte diesen Bericht in allen Punkten ansrecht und habe ihn: nichts hinzu zusetzen. Der Inhalt des Berichts beruht znm Teil meiner Erinnernng, zum Teil auf deu Notizeu meines Tagebuchs. v. g. n. gez. Hans von Gotsch. Der Zeuge wurde vorschriftsmäßig vereidigt. geschlossen: gez. vr. Lebin. gez. Rother. Berlin, deu 4. Oktober 1917. Erlebnisse während meiner Gefangenschaft in Tabora. Am 19. September wurde Tabora aufgegeben, unsere Truppen zogen sich zurück. Ich oesand mich zu dieser Zeit als Bahnschntzkommandant der Strecke Tabora^ Jtigi der Station Jgalula etwa 6 Wegstuudeu östlich Tabora. Der Oberstabs arzt (ÄrotlmsLn der Kolouue drille uutersuchte mich ärztlich stellte fest, daß ich herz- und nervenleidend sowie marschunfähig sei sandte mich trotz meines Pro testes das am 19. bereits voll den Belgiern besetzte Tabora-Feldlazarett. Ich bekam den Befehl, mit zwei kranken Enropäern sowie mehrereil krankell Askaris, Trägern verschiedenen Askarisranen lind Kindern nach Tabora abzumarschieren. Ich blieb bis zum 21. auf der Statiou Jgalula und marschierte, nachdem der letzte Zug fort war, mit den mir ubergebeueu Kraukeu gegen 7 Uhr vormittags ab, nm etwa gegell 1 oder 29 15 2 Uhr in Tabora eintreffen zu können. Gegen 11 Uhr vormittags kamen dem Busch 4 6 bewaffnete Eingeborene (sie trugen Speere, Pfeile Bogeil sowie Buschmesser) und umringten mich. Es waren anscheinend Uganda-Eingeborene. Mittlerweile kam meineKoloune mit zwei großen weißenFahnen heran. Ans demBnsch rechts und links tauchten weitere belgische Askaris bewaffnete Eingeborene auf kamen heran. Zunächst verteilten die belgischen Askaris unter sich die Fraueu, unter suchten ihr Gepäck und plünderten es aus. Eiue halbe Stuude darauf marschierten wir weiter. Erst etwa IV2 Stuudeu später tauchte rechts der erste belgische Europäer mit etwa 20 30 Askaris auf, wir mußten halten. Die seiudliche Abtei lung schwärmte aus umschwärmte im Eilschritt, trotzdem unsere Kolouue zwei weithin sichtbare Weiße Fahnen hatte. Wenige Minuten später kam ein anderer Belgier mit einer anderen Abteilung ausgeschwärmt auf uns zu. Wir wurden darauf weiter rückwärts gebracht und langten unter großen Strapazen gegen 6 Uhr in Tabora an. Hier wurden wir zunächst vor die Boma gebracht, von dort in die Stadt hinein und wieder zurück. Wir waren somit etwa 10 11 Stunden uuterwegs gewesen hatteu, namentlich die Schwerkranken, wegen Mangel an Tragestühlen entsetzliche körperliche Anstrengungen hinter uns. Ich meldete dem belgischen wachthabenden Offizier, daß verschiedene Schwer kranke sofort in ärztliche Behandlung kommen müßten, da ich befürchtete, daß fie sonst die Nacht nicht überleben würden. Dieser Offizier fagte mir, zu diefer Tageszeit, es mochte gegen 6 oder 6V2 Uhr gewesen fein, stände kein Arzt mehr zur Verfügung, wor auf er alle in ein Gelaß einschließen ließ. Uns drei Europäern wies er einen Raum in der Boma an und stellte eine Wache vor die Tür. Am nächsten Morgen (22. September) ich mit den beiden anderen kranken Europäern nicht nach dem Feldlazarett zur ärztlichen Behandlung, sondern in das Ge fangenenlager transportiert, in dein sich bereits etwa 150 Militär- und Zivilgesangene sowie ewige Offiziere befaudeu. Es war dasselbe Lager, in welchem srüher die belgi schen, englischen italienischen Kriegsgefangenen von untergebracht worden waren. Vor der Übergabe von Tabora waren von dem deutschen Militärarzt sämtliche kranken Europäer im Hotel Kaiserhof zusammengelegt und den Belgiern als krank in: Bett liegend übergeben. Sie alle waren nach zweijährigerKriegszeit infolge größter Ent behrungen, anstrengender Märsche usw., sowie meist fieberkrank, als marfchuufähig zurückgeblieben. Sie wurden sofort von den Belgiern aus dem Bett herausgeholt mußten unter starker Askaribegleitnng mit aufgepflanztem Seitengewehr nach den: Ge fangenenlager marschieren. Unsere Verpflegung im Lager war vollständig unzulänglich und vielfach unge nießbar. Sie bestaud morgens aus schwarzem sehr schlechtem Kaffee einem kleinen Stück trocken Brot, mittags gab es eine ganz dünne, warme Brühe als Suppe, dazu meist augebrannten Reis, der total schmutzig, voller Sand und kleiner Steine war, dazu ein kleines, meist sehr hartes, auch ab und zu total Verdorbeues Stück Fleisch; abeuds gab es meistens Weiße Bohnen oder ähnliches. Das Essen wurde auf dein Erd boden serviert. Unsere Verpflegimg war einen: äußerst schmutzigen und geldgierigen Griechen in Kontrakt übergeben. Infolge unserer stäudigeu Reklamationen, daß das Essen änßerst unsauber zu bereitet, auch ungenügend sei, gelang es uns endlich, nachdem der frühere Lager kommandant Kapitän (^snsÜÄrink abgelöst und ein neuer gekommen war, daß unsere Verpflegung einem im Lager befindlichen dentfchen Koch übergeben wurde. Dieses war etwa au: 24. November. Von nuu an änderte sich das Essen ganz bedeutend. Trotzdem alle im Lager Befindlichen als Kranke und Rekouvalesceuteu deu Belgiern übergeben waren, wurden diese zum Teil mit sehr schweren Arbeiten im und außer dem Lager beschäftigt. Die Arbeiteu bestauben im Herantragen oder Fahren von Brettern, Balken, Wasser und ähnlichem. Da der Weg zum Teil sehr sandig war und die Arbeiten zum Teil in großer Hitze ausgeführt wurdeu, bedeutete dies bei Leu ten, die zum Teil schwer herzleidend waren, eine schwere Schädigung ihrer Gesundheit. 30 Die sanitären Einrichtungen spotteten namentlich zu Anfang jeglicher Beschrei tung. Zur Nachtzeit wurden die Baracken von außen abgeschlossen, es war für die zum Teil kranken Lente fast unmöglich, den Abort zu gelangein Unter den Gesungenen befand sich die Fran Krebs mit ihrem Mann, wel cher Gouvernementssekretär in Shiujauga war. Eines Abends sie aufs gröb lichste von einem belgifcheu Askari beschimpft und bedroht; er rief ihr zu: Morgen fresse ich Deine Geschlechtsteile". Die Behandlung der Gesungenen dnrch die Belgier war eine rücksichtslose, in: höchsten Grade unwürdige. Bei deu geringstell Anlässen wurden schwere Arreststrafen verhängt. Der Arreftaut bekam meiues Wisseus und Emmerns nnr Wasser und Brot, durste nur eiue Decke mitnehmen, durste er keiuen Gebrauch von seinem Moskito netz machen, was eine schwere Schädigung seiner Gesundheit bedeutete. Deu neu eintreffenden deutschen Gesungenen wurden meist ihre Ranchntensilien, Lebensmittel sowie Decken bis auf eine abgenommen, selbst Familienphotographien, Bilder voll Geschwistern lind Angehörigen wurden ihnen fortgenommen. Sie durften mit sich in die Baracke, wo sie untergebracht Warden, nnr die eine Decke, welche man ihnen gelassen, mitnehmen. Weuu mau bedenkt, daß namentlich znr Nachtzeit ständig ein sehr starker kalter Lustzug durch die Barackeu wehte, so bedeutete dies Belassen nnr eiller Decke eine große Grausamkeit. Infolge hiervon traten sehr hänsige Erkältungen Darmstörnngen ein. Das uns abgenommene Gepäck zum größten Teil in einem Magazin untergebracht daselbst verschlossen. Häufig kam es vor, daß zur Mittagszeit, als die Maunschafteu bei ihrem Essen wareil, belgische Unteroffiziere sich in dieses Magazin begaben, das Gepäck prüften herausnahmen, was sie gebranchen konnten. Nach dem diese willkürlichen Übergriffe wiederholt von beobachtet worden waren, dies dem belgischen Lagerkommandanten gemeldet, welcher die Schuldigen dann bestrafte. Jedem in dem Lager eintreffenden Deutschen wurde sämtliches Geld abgeuom- meu. Die der Kolouie aus dortigem Golde geprägten Goldstücke wurden von den Belgiern besonders behandelt. Jedem Gesungenen, der Goldstücke ablieferte, wurde versprochen (meistens vom Kommandanten (!l ils^.riue Persönlich), daß mau fünf von seinen abgegebenen Goldstücken für ihn reservieren würde er diese späterhin wie der bekäme. Später stellte es sich jedoch heraus, daß auch dieses Verspreche nicht ge halten wurde. Man gab die abgelieferten fünf Goldstücke meist nicht zurück gab ihnen häufig uicht einmal den Geldwert derselben. Wenn man bedenkt, daß nur 22 600 Goldstücke in der Kolonie geprägt wurden Ende 1916 der Wert eines Goldstückes in Tabora bis auf 100 Rupieu stieg, fo bedeutet das eiueu fchwereu Vermögeusverluft für die Betreffenden. Unser Abtransport durch den Kongostaat von Tabora zur Westküste. Am 7. Dezember 1916 teilte man uns mit, daß ein Teil von uns am folgenden Tage abtransportiert werden würde. Am 8. Dezember wurdeu voll Offiziereu folgende Herren aufgefordert, sich zur Abreise bereitzumachen Kapitänleutnant Schreiber, Hauptmann Zimmer mann, Oberleutnant v. Kleist, Leutnant Gärtner und ich selbst, außerdem 5 Frauen, 1 kleiner Junge und etwa 20 Mannschaften (einschließlich Zivilpersonen). Wir Offiziere wurden zum Autreteu von einem belgischen Offizier aufgerufen ohne Nennung unseres Titels oder der üblichen Anrede Herr", sondern nur bei unse rem Namen. Darauf marschierten wir, unser schweres Handgepäck selbst tragend, unter starker Bedeckung zum Bahnhof. Auf dem Bahnhof angelangt, wurden wir zu nnferem Abteil geführt. Hierbei Passiertees, daß ein belgischer Offizier, welcher sich dem Bahnhof befand, dem Hauptmann Zimmermann, welcher ihm im Gedränge ausweichen wollte, eineil heftigen Schlag mit der Faust vor die Brust versetzte. 31 16 Im Laufe des Nachmittags langten wir auf der Station Mlagarassi an. Eine Masse Träger fchien zum Transport unseres Gepäcks zu unserem Lager bereitge stellt, doch mußten trotzdem unsere zum Teil schwer leideuden Mannschaften ihr 60 70 Pfund schweres Gepäck den etwa 1 wn langen steilen Berg hinauf zum Lager trageu. Hierbei kam es vor, daß verschiedene von unseren Lenten zusammenbrachen und ohnmächtig wurden, so z. B, der Verwaltungsbeamte Kielich, sür welchen ärztliche Hilfe herbeigeholt werden mußte. Unser Unterkunftsraum bestand aus eiuer Lehmhütte, die mit Stroh gedeckt war und von Zecken und anderem Ungeziefer wimmelte. Regen und Wind waren wir aus gesetzt. Zum Schutze gegen den naffen Erdboden hatte man Wellblechplatten als Lager hingelegt, Gelegenheit zum Anbringen von den in den Snmpfniederungen absolnt not wendigen Moskitonetzen znm Schutze gegen Moskitos fehlte gänzlich. Abgekochtes Trinkwasser, wie dieses in den Tropen wegen Ansteckungsgefahr äbfolnt notwendig, fehlte ebenfalls, ebenso war in keiner Weise für ausreichendes Waschwaffer gesorgt. Ebenso wie hier zeigte es sich auch während der ganzen Reise, daß in keiner Weise von dem jeweiligen Transportführer für unsere Unterkunft Verpflegung nach unferer Ankunft in den neuen Lagern gesorgt wurde. Dieses schieu Absicht zu seiu. Es wäre ein Leichtes gewesen, unsere jeweilige Aukunst dem nächsten Halteplatz recht zeitig telegraphisch mitzuteilen so alles rechtzeitig für nnfere Verpflegung und Unterkunft vorbereiten zu können. Durch dieses Versäumnis wiederholte sich ständig nach unserer Ankunft dasselbe Schauspiel, daß der auf der Station befindliche belgische Beamte oder Offizier im höch sten Grade über nnfere plötzliche Ankunft erstaunt fchien und es diesem nur mit Mühe gelang, uns nnterzubriugeu nach stnndenlangem Warten hänfig erst fpät in der Nacht uns etwas Verpflegung zuzusenden. 9. Dezember nach Kigoma. Bis zur Abfahrtsstelle jenfeits des Mlagaraffiflnffes hatten wir etwa 20 Mi nuten weit unser Handgepäck zu tragen. Die Mannschaften mußten, soweit ich mich erinnere, ihre Lasten selbst dahin befördern, trotzdem Träger genügend vorhanden waren. Auf der Zwifcheustatiou Gottorp mußten wir 5 Offiziere unser Abteil räumen, weil zwei belgische Offiziere darin Platz nehmen wollten. Wir wurden nach einem ganz niederen Wellblechviehwagen gebracht, worin bereits der Seewehrmann Hammerftein mit Frau und drei kleinen Kindern (etwa 1 Monat bis 4 Jahre alt) mit Kinderwagen und Gepäck in einer Ecke untergebracht waren; auch befanden fich eine Menge Einge borener und Kongoaskaris mit ihrem Gepäck darin, somit blieb sür uns Offiziere nur Raum einer Ecke von etwa 2 2^2 cun ohne Sitzgelegenheit übrig. Hauptmann Zimmermann begab sich zu unserem Transportführer, der mit an deren belgischen Offizieren znfammen auf dem Bahnsteig stand, um gegen derartige Reiseunterbringung zu Protestieren. Bei seinem Näherkommen wurde er von diesem höhnend mit den Worten begrüßt 1e doebe!" Nachdem er seine Beschwerde in unserem Namen vorgebracht, wurde er verächtlich abgewiesen und angeschrien: indem der belgische Offizier mit seiner Reitpeitsche unseren Viehwagen deutete. Ich betone, daß man uns Offiziere, ohne die in nnseren Wagen kommenden belgischen Offiziere zu beengen, Wohl dnrch nnfer Zusammenrücken im felben Abteil, oder dadurch, daß 2 Herren von uns im benachbarten Abteil, wo die Frauen unter gebracht waren, hätte befördern köuneu, wenn man gewollt hätte. Der Grnnd, uns in den Viehwagen zu VerWeifen, mag darin zu fucheu fein, daß die belgifchen Offiziere es nnter ihrer Würde zu halten schienen., mit deutschen Offizieren in demselben Wagen zu fahren es darauf abgesehen hatten, dnrch Verweisen in den Viehwagen vor den Eingeborenen zu erniedrigen und uns mit diesen äußerlich gleichzustellen. 10. Dezembe r. Fahrt über den Tanganjika zur Westseite des Sees. Frühmorgens mußten wir nach dein bereitliegenden Dampfer gehen. 32 In dem Dampfer waren Hunderte von belgische!: Trägern untergebracht, welche wie die Heringe zusammen verstaut wareu, so daß wir uur mit allergrößter Mühe Durchgang zu dem sür uns bestimmten Platz auf der Back verschaffen konnten. Ein Sonnenfegel oder ähnlicher Sonnenschutz war uicht augebracht. Au Austreten währeud der bis zum Nachmittag währenden Fahrt war nicht zu denken. Die Zustände auf dem Schiff spotteten jeder Beschreibung. Die Träger so eng untergebracht, daß sie sich nicht bewegen konnten. Versuchten sie auszutreten, so wurden sie in der gemeinsten nud rohesten Weise den belgischen Askaris mit der Nilpferdpeitsche über den Schädel geschlagen. Viele schielten an Dysenterie und Diarrhöe zu leideu, da ihnen der Weg zum Abort entweder ganz verboten oder so erschwert war, daß sie ihn nicht rechtzeitig erreichen konnten, beschmutzten sie sich oben bis unten, z. T. auch die uebeu ihnen Hockenden. Der dadurch entstehende bestia lische Gestank durchdrang das ganze Schiff, und auch wir hatten entsetzlich darunter zu leiden. Nach fechsstündiger Fahrt in größter Sonnenhitze laugten wir dem kongo lesischen Westnfer in Lukuga an und waren froh, aus dieser Hölle heraus au Laud zu kommen, nicht ahnend, daß unsere Leideu hier erst begiuueu sollten. Wir mußten im E l s ch r t t mit nnserem Gepäck durch die am Lauduugssteg versammelten, uns verhöhnenden Eingeborenen einen Weg suchen nud zu unserem Unterkunftsraum dem Bahnhof gegenüber marschieren. Das für uns bestimmte Gebäude lag eiuer Niederung etwa 109 m vom See ufer, war etwa 20 in lang und 3 4 in tief, war aus Lehm nud Holz gebaut mit einem Strohdach versehen. Fensteröfsnuugeu gab es nicht. Die einzelnen Räume etwa 3^2 2^-4 in im Geviert groß. Hier wurden wir zu 3 Offizieren untergebracht. Au deu Wäudeu befanden sich kurze Lagerstätteu aus düuueu ruudeu Baum ästet?. Da aufs strengste verboten wurde, vor der Tür aufzuhalten, mußten wir die ganze Zeit in dem engen dunklen Loch bleiben. Unser Gepäck sowie unsere Decken, Moskitonetz nsw. bekamen wir nicht, trotzdem große Mengen Einge borener überall sichtbar waren, die uns dasselbe hätten bringen können. Da wir, wie schon erwähnt, hart am tiefliegenden Seeufer untergebracht waren, hatten wir ent setzlich unter Moskitoplage zu leiden. Der Abort, den wir benutzen dursten, lag etwa 15 m hinter unserem Gebäude in einem mit verschiedenen Wassertümpeln versehenen Gelände es waren typiscbe Malariabrntstätten. Ich sollte wohl meinen, daß es mit Leichtigkeit für die belgische Behörde möglich gewesen wäre, uns auf den benachbarten Hügeln irgendwo eine einem Europäer wür dige Unterkunft zu geben, wenn man gewollt hätte, znmal unser Transport ja nur aus 20 30 Köpfen bestand. Ich habe während der ganzen folgenden Reife überhaupt den Eiudruck gehabt, daß es die A b s ch t der Belgier war, uns so viel wie irgend möglich vor den Einge borenen zu erniedrigen, sowie größtmögliche, ernste, dauernde Schädigungen unserer Gesundheit zuzufügen, da unsere Unterbringung in meist uusertigeu, total Nässe triefeudeu Lehmwänden, auf feuchtem Erdboden, in Wind und Wetter ausgefetzteu Räumen, in Sumpfuiede- ruugeu, dicht am Flusse gelegeu, wo es von Moskitos anderem Ungeziefer wim melte, stattfand, obwohl fast stets höher gelegene Hügel dicht dabei waren, wo uusere Transportführer und andere Europäer stets Unterkunft fanden. Nachdem wir einige Stunden in nnserem uns angewiesenen kleinen dnnklen Raum, aus unser Gepäck und auf Verpfleguug gewartet wir hatten noch nichts essen oder trinken erhalten , erschien ein belgischer Offizier oder Beamter. Auf nnfere Anfrage, wann wir unsere Decken Verpflegung bekämen, schrie er uns in roher Weise an sagte, ob wir ersteres heute uoch bekämen, wüßte er uicht; Esseu bekämen wir aber jedenfalls, sie seien nicht solche Schweine, daß sie ihren Gesungenen nichts zu essen gäben! Der Abend verging, die Nacht kam. Das versprochene Essen blieb aus. 33 17 Als wir die uns bewachenden belgischen Askaris darauf aufmerksam machten, was für rohe, unzivilisierte Leute ihre Borgesetzten wären, die uns Kriegsgefangene wie Kettensträflinge behandelten und ohne Essen und Trinken ließen, waren auch diese einfachen Naturmenschen aufs höchste empört, schickten zur Wache, ließen von ihren: eigenen Essen sür uns holen boten es uns an. Da wir jedoch zu übermüdet waren, konnten wir von ihrem wohlgemeinten Anerbieten keinen Gebranch machen und legten uns auf unfere Knüppelpritschen ohne Moskitonetz, Mantel und Decken, und versuchten etwas Schlaf zu finden. Nicht einmal abgekochtes Wasser hatte man uns zu trinken gegeben, wir mnßten daher von dem meist verseuchten Wasser am User des Sees, wo die Eingeborenen badeten und ihre Notdurft verrichteten, unseren Durst stillen, Wohl der Gefahr bewnßt schwerer Krankheit auszusetzen. 11. Dezember. Per Bahn nach Kilova. Vor der Abfahrt brachte man uns einige Lebensmittel; wir in 2. Wa genklasse untergebracht. Da Europäer in Afrika nnr die 1. Wagenklasse benutzeu, wurde die 2. Klasse nnr von Farbigen benutzt. (Wagen 3. Klasse gab es nicht.) Für nns, die wir wie Eingeborene behandelt wurden, war diese Art der Unterbringung ja gut genug. Nach siebenstündiger Bahnfahrt langten wir an unserem neuen Lagerplatz Kilova an. Dieser lag nur einige Minuten von der Haltestelle entfernt. Auch hier wur den wir wiederum dicht am Flusse in der Niederung untergebracht. Das Gebäude war wie das gestrige, nur sich dadurch ihm unterscheidend, daß es ein großer Rann: war, der nach einer Seite ganz ossen war. Der Erdboden war total naß, von den Wänden tropfte das Wasser, in den Ecken war es dumpfig und übelriechend. Die Transport führer und andere Belgier wohnten auf dein benachbarten Hügel, weiter ab vom Fluß in gesunder Lage. Zuerst hatten wir im Knpee, wo es trocken war, die Nacht verbringen sollen. Da dies Wohl zu gesund sür uns gewesen wäre, wurde uns nachträglich befohlen, das soeben beschriebene, gesundheitsschädliche Lager dicht am Flusse zu beziehen. Wasser zum Waschen oder Kochen mußten wir Offiziere wie die Mannfchaften uns felbst von einer etwa 15 2V Minuten entfernten Wasserstelle holen. Man gab uns etwas Tee, welchen wir uns selbst kochen mußten, einige wenige unausreichende Konserven, welche auch für den Abend reichen follten, hatte man uns morgens vor der Abfahrt gegeben. Vielfach hatte man die Konserven sür unseren täglichen Gebrauch folgender weife zusammengestellt: Kuchen oder süße Keks, dazu Ölsardinen oder in ähnlicher Weise. Große Mengen Kisten kondensierter Milch sollen sür unsere sowie der Frauen und Kinder Ernährung bis zum Tanganjikasee von der belgischen Regierung geschafft worden fein, doch bekamen wir höchst selten davon, da dieselben Wohl unterschlagen worden waren. Unser Gepäck mußten wir uns selbst vom Bahnhof abholen, und wir bereiteten unsere Lagerstätte auf der nassen Erde. Unser Protest gegen derartige die Gesundheit aufs ärgste gefährdende Unter bringung dem belgischen Transportführer gegenüber blieb ohne Erfolg. Mit Leichtigkeit hätten wir ebenso wie die Belgier auf der benachbarten Höhe untergebracht werden können, wenn man nur gewollt hätte. 12. Dezember nach Kabalo. Hier hatten wir durch die unwürdige, verletzende Behandlung, die durch die belgischen Askaris zuteil wurde, während des Weges vom Lager zum Dampfer zu leiden. Eine erneute Beschwerde unserem TrnPPensührer gegenüber, dem Leutnant Va-sta-bsnä, blieben erfolglos. Erwähnen möchte ich hierbei noch, daß sich bei unserer Ankunft an der Westküste herausstellte, daß dieser sich fälschlicherweise als Offizier ausgegeben. 34 V^tadencl sagte uns auf unsere wiederholten Vorstellungen, er habe seine genauen Instruktionen über unsere Behandlung vom General l oindenr erhalten. Die treibende Kraft Vastadönä gegenüber, so schlecht und erniedrigend wie möglich zu behandeln, schien Offizieren der mitfahrende Kommandant .I.-ulot zu sein. Um 5^2 Uhr etwa langten wir in Kabalo an. 13. Dezembe r. Fahrt nach Kongolo. Wir wurden in einem eisernen offenen Leichter, der längsseit des Heckrad dampfers lag, untergebracht. Da keinerlei Sonnenfegel aufgespannt war und die eisernen Wände des Leichters durch die starken Sonnenstrahlen sehr heiß wurden, hatteu wir sehr unter der Hitze zu leiden. Erwähnen möchte ich noch, daß ich, als ich mich in den Schatten neben einer dem Leichter befindlichen Kabine stellen wollte, da ich infolge großer Hitze an Kopf schmerzen litt, in verletzender Weife von nnferem Transportfnhrer in die Sonne znrnck- gefchickt wurde. 14. Dezember. Ruhetag in Kongolo. Den Tag benutzten wir, um uusere gebrauchte Wäsche persönlich auszuwaschen, da man uns keinerlei schwarze Bedienung gegeben hatte. Als am Abend vorher der eine oder andere von uns Offizieren dein nebenan liegenden Dampfer aufs Klofett gehen wollte, wurden sie von den wachthabenden Askaris brüsker Weise daran verhindert, indem man ihnen sagte, sie sollten ihre Not durst über den Bordrand verrichte::. Der Transportsührer schlief nicht dem Dampfer, sondern auf dem Lande. Wir teilten ihm dieses Erlebnis schriftlich mit baten ihn, er solle auch uns in Znknnst die den Askaris gegebenen Instruktionen über seine Verhaltungsregeln gegen uns mitteilen, damit Nur danach richten können. Brot hatten wir während der letzten Tage nicht bekommen. 15. Dezember. Per Bahn nach Malela. Die Verpflegung war während der nächsten Tage vollständig nnzureicheud. Da wir gegen 8 Uhr mit leerem Magen abgefahren, gegen 9 Uhr nnr ein kleines Tinn Olsardinen ohne Salz und Brot gegessen, sonst auch uichts weiteres zu essen bekommen hatten, mußten wir Hunger leiden. Es wäre für die belgische Regierung ein Leichtes gewefen, jedesmal rechtzeitig Verpflegung, welche reichlich im Laude war, fowie geeignete Unterkunft telegraphisch im voraus bereit zu halten, wenn man gewollt hätte doch für die Boches war der artiges ja nicht nötig. Kaufen hätten Nur uns unterwegs den einzelnen Bahn- Haltestellen auch genügend können (Eier, Eingeboreneilfrüchte wie Bananen usw.), wenn man uns von unseren seinerzeit in Tabora abgelieferten Privatgeldern etwas ausgehändigt hätte. Irgendein Gehalt hatte man bis dato trotz unserer wiederholten Einforderungen auch nicht gegeben. Gegen Abend trafen wir auf der Station Malela ein und bekamen Verpflegnng in Materialien, welche wir uns selber kochten. Die Nacht verbrachten wir im Eisen bahnwagen. 16. Dezember nach Kindu. Absahrt morgens um 7 Uhr bis zum Endpunkt der Bahn. Gegen 3 Uhr langten wir in Kindu an. Wir Ossiziere wurden in einem kleinen Steiuhause in zwei Zimmern untergebracht, in welchen nur ein Bett sich befand. 17. Dezembe r. Nach Kassnckn mit Kongodampser. 18. Dezembe r. Morgens um 5^ s Uhr Abfahrt auf demselben Dampser nach Ponthierville. Ankunft gegen 5^4 Uhr. Wir wurden an Land gebracht und zum e r st e n M al eauf einer Anhöhe in einem gutgebauten Steinhanse untergebracht. Der dortige Platzkommandant behaudelte uns in anständiger Weise. 35 Wir blieben hier bis zun! 39. Dezember. Der Ortskommandant erlaubte spazieren zu gehen gegen Abgabe nnseres Versprechens, nicht weiter wie 1 2 lcm von der Stadt uns zu eutferuen. Er zeigte sich in jeder Weise entgegenkommend. Zu uuserer Ernährung wurde das fertig gekochte Esseu morgens, mittags abends von Eingeborenen gebracht. Der Mangel an etwas barem Gelde machte sich sehr fühlbar, da sich hier Ge legenheit bot, verschiedene Einkäufe macheu zu können. 30. Deze m b e r. Von Ponthierville nach Stanleyville. Frühmorgens wurden wir wiedernm in die 2. Wagenklasse zusammen mit Ein geborenen trotz unseres Protestes gebracht. Unser neuer Transportsührer sagte uns, daß der General ?nmdsur ausdrücklich befohlen habe, daß wir lediglich Anspruch auf die 2. Klasse also Negerwagen) hätten. Ein Unterschied während der Eisenbahnsahrt zwischen Offizieren unseren Mannschaften wurde nicht gemacht, trotzdem zwei 1 .-Klassewagen auf der Station vorhanden waren. Wir sandten hente einen telegraphischen Protest an den belgischen General gonvernenr des belgischen Kongostaates nach Boma, das Erniedrigende unserer Unterbringung in Eisenbahnwagen mit Eingeborenen gemeinsam hinweisend und um dringende Abstellung bittend, da wir hierdurch eiue schwere Schädigung der ganzen Weißen Rasse deu Eingeborenen gegenüber erblickten. Wie wir später an der Westküste von dem Adjutaut des Geueralgouverueurs erfuhreu, ist weder diese Depesche noch irgendeine andere je in die Hände des Gouver neurs gelangt. 31. Dezember. Stanleyville. Erst Nachmittag um ^4 Uhr händigte man uns Geld sür 3 Tage aus. Da wir erst am Nachmittag uusere Verpfleguugsgelder bekamen, hatten wir mittags wieder huugeru müffeu. Am Nachmittag nach Empfang des Geldes waren wir erst in der Lage, Essen kaufen durch uusere Boys kocheu zu lassen. Vom 39. Dezember bis 5. Jannar 1917 blieben wir in Stanleyville. Unter kunft Verpflegung waren den Verhältnissen entsprechend. Vom 5. bis 15. Jannar Dampferfahrt dem Kongo von Stanleyville nach Kinfhaffa, von da per Bahn nach Leopoldville. Während der Dampferfahrt waren wir in Kabinen zu zweieu und dreien untergebracht erhielten znfriedenstelleude doch z. T. unzulängliche Verpflegung. Es wurde mitgeteilt, daß uns für dieselbe 12 Frcs. Pro Kops und Tag berechnet würde, welcher Preis unser aller Meinung nach ein viel zu hoher war. Am 16. Jaunar sichren wir mich Thysville, wo wir 5 Ossiziere in einem kleinen Hinterhause eines minderwertigen Hotels in einem Raum 3Vs bis 4 nnterge- bracht wurden. Ich sollte meinen, es wäre möglich gewesen in dem großen Orte, in welchem sich anscheinend viele so gnt wie leer stehende Hotels befanden, uns eine bessere Unterkunft zu verschaffen. 17. I a n u a r. Nach Matadi mit der Eisenbahn. Gegen 5^ Uhr srüh wurden wir in grobem, schreienden Tone von dem Orts kommandanten geweckt Vs Stunde daranf ohne Frühstück zum Znge eskortiert. Nach Ankunft in Matadi wir in das dortige Gesängnis gebracht da selbst von schwarzen Askaris bewacht. Die Frau des deutschen Gouvernemeutssekretärs Krebs war in anderen Um ständen und infolge der großen Anstrengungen der Reise sehr leidend und aufs äußerste erschöpft. Arztliche Behandlung vorübergehende Unterbringung in einem Hospital war dringend erforderlich. Herr Krebs beantragte daher ihren Transport vom Bahn hof uach dem Hospital. Auf dem Wege dorthin wurden Herr und Fran Krebs von der belgischen weißen Bevölkerung aufs gemeinste beschimpft, da mrbrcitei war, daß wir Deutschen in Gent eine große Auzahl von belgischen Franen an die Wand gestellt erschossen hätten. IL 86 Die Erbitterung gegen uns und alles Deutsche war daher aufs höchste gesteigert. Als Frau Krebs mit ihren? Mann vor dein Hospital anlangten, wollte der dortige Lazarett verwalter zunächst aus dem eben erwähnten Grnnde sie nicht aufnehmen, da sie eine Deutsche sei. Erst uach Uberwindnng größter Schwierigkeiten konnte die Ausnahme Unterbringung der kranken, schwer leidenden Fran in diesem Lazarett durchgesetzt werden, so berichtete mir Herr Krebs selbst. Am 19. Iauna r. Von Matadi nach Boma. Nachmittags wurden wir dem am Landungssteg bereit liegeudm Ozean dampfer Anversville" gebracht daselbst zu ;weien dreien in 2.-Klasse Kabinen untergebracht, worin eine entsetzliche Hitze herrschte. 20. Ianu a r. Nach größten Schwierigkeiten gelang es Kapitänleutnaut Schreiber den Adjutanten des Generalgonvernenrs persönlich sprechen ihm einen energischem Tone gehaltenen Protestbericht über die während der Reise zuteil gewordene schimpfliche erniedrigende Behandlung durch die belgischem Trans Portführer zu übergeben. Eine Antwort wurde vor der Abfahrt dem Kapitänleutnant Schreiber zugestellt. Hierin spricht der Geueralgouverneur sein Bedauern über die bedauerlichen Vor kommnisse verspricht streugste Untersuchung der Schuldigen sowie ihre Bestrasnng. Er führt außerdem an, daß er bisher keinerlei Nachrichten, Depeschen nsw. von erhalten habe. In unseren Kabinen wurden wir eingeschlossen gehalten. Die Temperatur darin war kaum zu ertrageu. Die Frau des Privatdozenten l)i . Krenckel wurde vom Schiffs-Oberfteward in roher Weise mit der Hand ihre Kabine gestoßen mit dem Worte Schwein" beschimpft. Dieser Oberfteward benahm sich wiederholt gegenüber in hohem Grade flegelhaft maßte fich eine aussichtsühreude Tätigkeit über an, wozu er keinerlei Recht hatte. Auf eine diesbezügliche Beschwerde dem Schisfskapitäu oder l. Offizier gegenüber wurde uns gesagt, daß, wenn wir noch einmal beschweren würden, wir während der ganzen Reise in unseren Kabinen eingeschlossen werden würden. In unseren Kabinen, die wir zunächst uur zum Essen oder znm Austreten ver lassen durften, herrschte im allgemeine:: deu ersten Tagen der Reise eine Temperatur von 33 und mehr Graden. An die frische Lnft dnrsten wir, solange wir im Hafen waren, nicht. 21. Ianna r. Abfahrt nach Enropa. 12. Feb r n a r. Ankunft in: französischen Hasen La Palliee. Uber die Überfahrt ist folgendes berichten. Während wir hoher See befanden, durften wir meist Vor- und Nach mittag nnr je eiue Stunde das Hinterdeck an die frische Lust gehen, die übrige Zeit hatten wir in unseren Kabinen zuzubringen. Die Verpflegung war gut ausreichend. Die Mahlzeiten nahmen wir Offi ziere gemeinsam mit den Mannschaften im Speifefaal 2. Klasse ein; die belgischen schwarzen Wachtmannschasten aßen zur selben Zeit im selben Raum mit uus! Alle unsere Gesuche, warme Sachen für die Überfahrt zu erhalten, waren ge scheitert, trotzdem in Boma große Läden vorbanden waren. Sobald wir Hasenplätze erreichten, wurden die Bullaugen mit Eisenplatten dicht gemacht und wir durften unsere Kabinen nicht verlassen. Einige Tage nach der Abfahrt übergab man mir einen bereits getragenen Zivilpaletot, nm mich gegen die Kälte schützen mit dem Bemerken, daß andere warme Sachen nicht zu beschaffen wären. Die anderen Offiziere mußten leer ausgehen. Als wir etwa der Höhe der Straße von Gibraltar und damit in die gefährdete U-Bootzone gelangten, wir in unseren Kabinen wieder eingeschlossen mit dem Bemerken, daß, falls das Schiff torpediert wer den sollte, wir die ersten sein sollten, die ertränken.19 Erst späterhin gab mau uns Schwimmwesten verteilte in die Ret tungsboote. Kurz vor der Ankuuft LaPallice wurde uuser Gepäck wiederum aufs genanefte untersucht. Dein Hanptmanu Ziminerinanu Nnirde hierbei ein an seine Verwandten gerichteter Brief, der in seinem Koffer offen auf deu übrigen Sacheu lag, ohue seinem Inhalt irgendwie Kenntnis nehmen, in brutalster Weise weggenommen über Bord geworfen. In La Palliee angekommen, wurden die mit fahrenden Mannschaften in der großen Bahnhofshalle untergebracht, wo es sehr zngig eisig kalt war. Warme Sachen hatte mau ihnen dem Airschein nach nicht gegeben. Sie trugen meist uur ihre dünnen Leinewand-Kakisachen. Draußeu war die Temperatur nahe dem Gefrier punkt. Wir Offiziere wurdeu in einem andereil Raum untergebracht, wo ein kleiner Ofen stand. gez. v. Gotsch, ^berlkiitimnt. 38 Auszugsweise Abschrift zu N. 2342 17. (Zs. Bericht des Sanitätssoldaten Hammerstein der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Zu den Kämpfen in Deutsch-Ostafrika. Besetzung Taboras durch die Mlgier. Am Vormittag des 19. September zogen die belgischen Truppen, hereingeholt durch den belgischen bisherigen Zivilgefangenen Kommandant (Fknöck^riuk sowie die Sekretäre Weber und Schön und Regiernngsrat Brandes, die als Parlamentäre zurückgeblieben waren, in Tabora ein. Der Einzug selbst vollzog sich ruhig. Am Abend jedoch überfluteten die belgischen Askaris deu Ort, brachen in viele Eingebore nen- und Europäerhäuser ein, raubten, stahlen und plünderten. Mehrfach entstanden Feuersbrünste, eine Anzahl unschuldiger Neger und Araber wurden gelötet, Franen und Mädchen vergewaltigt, ein Negerweib sand durch Vergewaltigung ihren Tod, mehrere Negerkinder wurden von belgischen Askaris, die Christen sein wollen, aufge- sressen. Weiber wurden weggeschleppt, alles was sonst beweglich war, mitgenommen. Tagelang war es den Belgiern unmöglich, Ordnung herzustellen. Von deu Askaris, die die Kinder aufgefressen hatten, wurden, ich glaube, drei Manu herausgefunden zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde auf dem Markte durch einen Schlag auf einen eisernen auf den Hinterkopf gesetzten Bolzen vollstreckt. Besetzung anderer Orte durch die Belgier. Bei der Besetzung der Missionsstation Sikonge durch Truppen der Westbrigade wurden der Frau Missiouar Seibt von Askaris die Schuhe von den Füßen und der Rock vom Leibe gerissen. Bei der Besetzung der Missionsstation Jpole das schwarze Kindermädchen der Frau Missionar Blohm vor deren Augen von Askaris zu Bodeu geworfen und ver gewaltigt. Als nach Besetzung der Missionsstation Ussoke Herr Missionar Spellig etwas von seinem dort aus belgischen Besehl zurückgelassenen Geschirr sowie etwas Kleidung holen wollte, wozu er einen schriftlichen Ausweis der belgischen Militärbehörde erhalten hatte, fand er dort belgische Offiziere vor, die sich häuslich eingerichtet hatten, die ihn herauswerfen ließen, indem sie erklärten, dies sei jetzt ihr Eigentum. Ende Oktober, Ansang November 1916 kam auf die bis dahin nur von Pa trouillen besuchte Pflanzung Nhembe-Buluugwa der Usumbwa Companie G. m. b, H. ein Trupp belgischer Askaris ohne europäischen Führer. Zur Zeit war dort gerade ein französischer Pater der Mission Mzindalo anwesend. Die Askaris erbrachen die Gebäude bedrohten den Pater, als er sie daran hiuderu wollte, mit dem Bajonett, so daß er sich zurückziehen mußte. Die Askaris draugen nun in die Gebände ein, er brachen alle Schränke usw., raubten alle dort vorgefundenen ziemlich bedeutenden Vor räte an Wäsche, Kleidung usw. und nahmen alles, was sie brauchen konnten, mit. Was sie nicht wegschleppen konnten, wie Geschirr, Bücher, Maschinen, Möbel usw., wurde zerschlagen oder sonst zerstört. Die ganze Wohunng der Familie Hammerstein, die ihr ganzes Hab und Gut dort zurückgelassen halte, wurde ausgeraubt. Ebeuso die Ge bäude der Firma. Schließlich, nachdem auch die Gebände zertrümmert waren, soll noch Feuer an den Rest gelegt worden und nichts übrig geblieben sein. Alle Misfionsstationen, die die Belgier fanden, einschließlich der in Tabora, wur den nach Eigentum Deutscher usw. durchsucht. Alles was sich fand, mitgenmm men. Ebenso wurde mit den in den Magazinen zu Tabora untergebrachten Privat- 39 lasten der Truppeuaugehörigeu und Beamten Verfahren, sogar Privatwohnuugen Wohnungen Neutraler durchsucht. Es hieß, alle solche Lasten würden zusammen getragen und den Inhabern ausgehändigt. Tatsächlich haben manche Leute Teile ihres Eigentums wieder zu seheu bekommen. Das meiste aber blieb verschwunden und ist, wie der Fall Fenn ergab, in Privatbesitz belgischer Offiziere übergegangen. Feim hatte feine Lasten bei einem Griechen, damals noch neutral, untergestellt. Er Wal Polizeiwachtmeister in Tabora gewesen. Vom Gefangenenlager aus schrieb er au diefen Griechen und erfuhr, daß seine Lasten abgeholt worden seien. Er verlangte Nachforschungen, die ergaben, daß ein belgischer Offizier seine Lasten einfach abgeholt und mitgenommen hatte. Der Offizier dnrch den Griechen ermittelt, die An gelegenheit kam znr Untersuchung, Fenn bekam einen Teil seiner Sachen wieder. So glücklich wie dieser waren weuig andere. Dem Landstnrmmann Scheiber wurde aus der Mission Sikonge eine Kiste mit Geschäftsbüchern der Zeutral -Nfrikanischcn Seengefellfchaft, dem Schreiber dieses aus derselben Mission eine Kiste mit Kleidung, Schreibutenfilien und anderem mehr entwendet, ohne daß sich der Täter sinden ließ. Es wurde von den Belgiern verlangt, daß wir die Täter angeben sollten. Ans der Mission Tabora wurdeu Schreiber dieses fünf Lasten mit Ansrüstnngsstückeu, Kleidnug usw. auf dieselbe Art weggeholt, ohne daß der Täter ermittelt werden konnte. Gefangenenlager in Tabora. Befehlshaber des Gefangenenlagers war der Kommandant Äensclu.rins, der bei Kriegsausbruch in Deutsch-Ostafrika weilte uud, obgleich man ihm Paß nach dem Kongo bewilligte, dort uicht mehr hinüber konnte, da der Verkehr bereits unterbrochen war. Dieser Mann hat dann auf sein Ehrenwort, daß er sich nicht an Feindseligkeiten gegen die Deutschen beteiligen wolle, frei in Tabora gewohnt. Er hat, wie sich leider zu spät herausstellte, die ganze Zeit hindurch Spionage betrieben und ein ganzes Nach richtennetz für die Belgier eingerichtet gehabt. Er hat ferner alle Verfügungen ge sammelt sich auf noch nicht aufgeklärte Weise über die Bewegungen, Anzahl und Stärke der Truppen genan unterrichtet. Er wußte, wo jeder einzelne der Gefangenen gestanden hatte, was er getan hatte nfw. Obgleich er selbst äußerst entgegenkommend behandelt worden war, ließ er uns Gesangemn eine möglichst schlechte Behandlung zu kommen, hetzte die Askaris gegen uns peinigte uns, wo nur irgend möglich. Dieser (^kns^Anuk erklärte, daß wir ebenso behandelt werden würden, wie die Deutschen vorher ihre Gefangenen dort behandelt hätten. So mußten wir, von Askaris bewacht, die Klosetteimer leeren und reinwaschen, Lasten, wie Bretter, Balken, Eisen nsw., durch die ganze Stadt schleppen und sonst alle die Arbeiten verrichten, die ge eignet sind, das Ansehen Weißer zu vernichten. Harte ungerechte Bestrafungen (Löhr, Schmeiser, Kielich n. a. m.), verdorbenes, fchmntziges Essen, Wegnahme vieler persönlicher Effekten gehören zu den Hauptklageu. densä^rme erklärte dabei, daß dies alles bei ebenso gehandhabt worden sei, während mir Persönlich nnr ein Erlaß des Gouverneurs bekauut geworden, ist, nach dem unsere Gefangenen gut behandelt ud ihnen ihr an sich fchou fchweres Los nicht noch unnötig verschärft werden solle, ihnen möglichste Bequemlichkeit gewährt und keinerlei Arbeitszwang auf sie ausgeübt wer den solle. Bei Einliefernng im Lager unser Gepäck abgenommen erst, nach dem es tagelang im Freien gestanden hatte und hier vielfach erbrochen und beraubt worden war, uach genauer Durchsicht uns ausgeliefert. Zurückbehalten alle Schriftstücke, Plwtographien, Medikamente, Nahrungsmittel, sowie solche Gegenstände, die der betreffende durchfuchende Belgier gern für sich haben wollte. Mir selbst sind diese Weise Feldflasche, ein Paar neuer Stiefel und eine Anzahl anderer Sachen, besonders Nahrungsmittel und Kleidung, entwendet worden. Zeugen hiersür siud viele vorhanden und habe ich nur damals von mehreren Kameraden dies schriftlich be scheinigen lassen. Im Lager selbst wurden noch Decken, Moskitonetze, Blechkofser, eigene Feldbetten usw. weggeuommeu. Auch hierfür fiud Viele Zeugeu schrift liche Bescheinigungen von Kameraden vorhanden. 40 Als bei Belegung des Lagers auch eiuige Frauen bei ihreu Männern blieben, diese van Askaris verhöhnt, bedroht das unanständigste beschimpft. Ans eine Beschwerde wegen des ungenießbaren verdorbenen Essens (faules Fleisch und aligebrannte Bohnen) uns mit gänzlicher Entziehung der Nahrung gedroht. Als Verkehrssprache für alle Briese waren französisch, englisch kisnaheli vorgeschrieben, später, als (^ni^ünrnn; dnrch L 68c, )i-uL2 abgelöst war, wurde sranzösisch, englisch und flämisch einzig zulässig. Alle Gelder mnßten abgegeben werden. Hierbei war von Kommandant (Zsuittlarmc: zligesichert worden, daß die dentschostafrikanischen Goldstücke uns in nntni-n zurückgegeben werden würden, weingstens bis znm Betrage von süns Stück. Mehr als Geld betrachtet. Dies Gold ist von den Belgiern aber weder zurück gegeben noch vergütet worden. Als ich selbst im Dezember 1916 von Tabora abtrans portiert wurde, reklamierte ich, daß man mir, obgleich ich Gold und Silber einbezahlt hätte, jetzt (das damals wertlose) Papier dasür gegebeu hätte. Kommandant erklärte mir daraus im Beisein des Gonvernementssekretärs Westhans, der Komman dant Aenscl:u im habe alles Gold der Lagerkasse mitgenommen. Die Zivilgefangenen 24 Stunden lang bei Besetzung Taboras in der Boma in kahlen Räumen eingesperrt gehalten ohne Nahrnng, ohne Wasser, ohne Klosett. Leute, die längst dem Militärverhältnis ausgeschieden waren, wurden trotz dem als Kriegsgefangene behandelt. So Gonvernementssekretär Krebs, der zufolge schweren Rückfallfiebers, das eine Gehirnhantentpmdnng hervorrief, fchon Anfang 1915 als gänzlich untauglich aus der Truppe ausschied, und der noch schwer an Gallen stein litt. So der Gonvernementssekretär Kielich, der nur weuige Tage laug eiue Laudsturmübnng mitgemacht hatte. So der Schweizer Clemens Steiner, der als Kriegsfreiwilliger eingetreten, damals schon seit mehr als einem Jahr aus der Truppe wieder ausgeschieden war. Behandlung beim Abtransport in Deutsch-Ostafrika. Zur Mitnahme unterwegs war den Gefangenen folgendes gestattet worden: Den kriegsgefaugeueu Soldaten und Unteroffizieren je drei Lasten, Matratze und Koch geschirr, sowie etwas Eßwaren als Handgepäck. Den kriegsgesangenen Offizieren, den Zivilgefangenen und deu Franen je fünf Lasten ohne Rückficht Gewicht, Feldbett mit Zubehör und Handgepäck, den Kindern je zwei Lasten und Feldbett. So lautete die amtliche belgische Verfügung. Das Gepäck mußte erst selbst geschleppt werden, bei späteren Transporten es zur Bahn in Tabora gefahren. Vorher es nochmals untersucht. Den Franen und Kindern war zugesichert wordeu, daß sie als sreie Reisende fahren und nnr erster Klasse befördert werden würden. Dies gefchah auf der Strecke Tabora^Mlagarassi. Vou dort an wurden die Frauen zweiter Klasse, den Waggons sür Neger, und mit Negern zusammen besördert. Der Abtransport von Tabora geschah ohne besondere Rücksicht den Zustand der Fraueu. So trat meine Frau drei Wocheu uach ihrer Niederkuuft ihre Reise, zuerst uoch über Land, au. So wurde die schwer geisteskranke Fran Loehnberg, die an bösen Tobsuchtsausälleu litt, besonders keine Kinder sehen dnrfte, mit anderen Reisenden Kindern zusammen weggeschafft. Mehrere Frauen erwarteten ihre Niederknnst. Aus der Statiou Mlagarassi mußten die Frauen ihr Gepäck selbst schleppen, und uiemand kümmerte sich um sie. Der schwer krauke Gouveruemeutssekretär Kielich, der seine schwere Last nicht mehr schleppen konnte, mit dem Bajonett augefeuert, bis er auf dem Wege ohnmächtig zusammenbrach. In Kigoma erreichten die Frauen mit schwerer Mühe, daß sie wenigstens einen Boy zur Hilfe erhielten. Auf dem Dampfer über den Tanganjika waren die Kriegsgefangenen ohne Schutz vor der Souue im Bng des Schiffes zusammengepfercht worden. 41 Behandlung auf der Reise im Kongo. In Albertville wurden die Frauen in einer kleinen verunreinigten Strohhütte untergebracht. Sie erhielten weder ihr Gepäck noch Betten, durften die Hütte, die Schildwachen bewacht war, auch nicht verlassen. Als Essen gab man ihnen in einem alten, schmutzigen Petroleumtin gekochten, stark angebraunten unsauberen Reis ohne Salz; serner eiuem gleichem Gefäß etwas lauwarmen Tee. Messer, Gabel, Lössel, Teller, alles dies gab es nicht, und mau hätte mit deu Fingern nach Neger manier essen müssen, wäre das alles nicht unappetitlich gewesen, als das irgend jemand noch Lust zum Zugreifen gehabt hätte. Mußte eine der Fraueu zur Befriedigung natürlicher Bedürfnisse die Hütt? verlassen, so wurde sie von einem Askari niit aufge- Pflanzten: Seitengewehr begleitet. Auf allen Kongobahnen wurden unsere Franen mit Negern zusammen zweiter Klaffe befördert. Auf der Station zwischen Albertville Kabalo waren die Frauen einem noch gauz uasseu neuen Lehmbau untergebracht, mnßten für Wasser pun Kochen nsw., das tief uuteu am Fuß des Berges lag, selbst sorgen, ebenso selbst Brennholz znm Kochen beschaffen. In Kabalo Männer wie Franen in einem auf sumpfigen Gebiet erbau ten Ziegenstall einquartiert, in desseu Bodeu man selbst wie das Gepäck tief ein sank. Der ganze Stall war in eine Anzahl Abteile geteilt. In vielen derselben stand das Wasser in Pfützen. Anf dem Dampfer von Kabalo nach Kongolo waren alle, Männer wie Franen, den heißen Sonnenstrahlen ausgesetzt, hatten keiue Sitzgelegeuheit, außerdem durch viele mitfahrende Neger stark beeugt znsauunengedrückt. Fnnken den: Schornstein des Dampfers flogen fortwährend die Unseren uieder verursachten viele Brandlöcher in der Kleidnng. In Kongolo kam man spät abeuds au. Auf eiuem laugen schmalen Brett mnßte das Schiff verlassen werden, obgleich es stocksinster war, wurde Beleuchtung nicht gestellt. In sast ^iftüudigem Marsch einen Berg in die Höhe Franen Kinder, sowie ein Teil der Mäuuer leeres Gebäude mit vergitterten Fenstern geführt. Die Fraueu mußten ;nm Teil die Kinder, die bei der späten Stunde längst in Schlaf gefallen waren und nicht mehr sich den Füßen halten konnten, selbst tragen, obgleich sie dnrch die Anstrengung der lauqdauerudeu Fahrt recht mitgenommen ermüdet waren. In dem Raum befand sich nichts, alle warfen fich den nackten Boden, zu müde, nm irgendetwas anderes machen. Weder Betten noch sonst etwas vom Gepäck war zu erhalten. Kein Holz, kein Wasser. Als Nahruug gab es einige Dosen mit Kaidannen (rripc; ü w m xle Für die Kinder meine dringen den Vorstellungen zusammen (es waren sechs kleine Kinder) eine 0- ,? Mnzen)-Dose Milch. Mehr war uicht erhältlich. Am anderen Morgen mnßte der Weg wiederum zur Bahn znrückgelegt werden. Auf der Eifenbahnftation zwischen Kongolo Kindn, wo im Zng übernachtet wnrde, gab es fast nichts effen. Iu Kiudu versuchte Askari uachts den von unseren Fraueu bewohuteu Raum einzudringen. Der betreffende Askari Anzeige vom Transportführer zur Rede gestellt. In Kindn wurden die meifteu Mäuuer einem Lagerschuppen, der wenig Platz bot, untergebracht. Auf der dreitägigen Fahrt mit eiuem Zchiff Kiudu uach Pouthiersville draugeu jeden Morgen weiße Belgier, die auf demselben Schiff reisten, aber wohl in Kabinen schliefen, in deu Laderaum eiu, der uusereu Franen als Schlafranm zugewie sen war. In diesem Ranm, in dem auch uoch Huude, Hühuer, Papageien die schwarzen Konkubinen weißer Belgier sich aufhielten, ließen sich die besagten Belgier ihr Frühstück, Mittag- Abeudmahl auf für sie dauu aufgestellten Tischen servieren. 42 Das Frühstück stets dann, wenn sie sahen, daß unsere Frauen ausstehen und ihre Mar gentoilette machen wollten. Da der Raum uicht abteilbar war, bliebeu uusere Fraueu diesem Zustand alle drei Tage ausgesetzt. Der Transportführer schritt Beschwerde hin dagegen nicht ein. In Ponthierville versuchte der belgische Trausportsührer ^.Asnt, nülitnira Goldstücke von unseren Frauen zu erprefseu. Als er damit uicht zum Ziele kam, drohte er mit Trenuuug der Ehepaare und schlechter Behandlung unterwegs, und sührte die Treuuung schließlich durch. Gleichzeitig wurde auch die Verpflegung schlechter. Auf der Bahn Ponthierville^Stanleyville versuchte ein Belgier seine schwarze Konkubine zwischen nnsere an sich schon sehr gedrängt sitzenden Franen zu setzeu. Dies mal war dereu Widerstaud dagegeu Erfolg begleitet. Auf der zehntägigen Dampsersahrt von Stanleyville nach Leopoldville war Unterbringung und Verpflegung gnt. Der Kapitän, ein Schwede, benutzte eben das der Kougoregierung für jeden gezahlte tägliche Berpflegnngsgeld diesen: seinein Zwecke. Ein Führer eiues audereu Transportes hat seinen Schutzbefohlenen dies tägliche Geld einfach ausbezahlt fie selber sich anschaffen lassen, was sie wollten. Vou ihm stammt die Kenntnis dieser Tagegelder. In Leopoldville uns bei Einkäufen in einem Geschäft, dem Franeo- Belge, in das wir vom dortigen Polizeiwachtmeister geführt wnrden, stets bedeutend höhere als die üblichen Preise berechnet. Bei unbeaufsichtigten Einkäufen bei anderen Firmen siel dies auf, die Angestelltem diefer anderen Kanfhänfer teilten uns niit, daß der Überschuß zwischen dem Polizeikommissär und dem Geschästsleiter geteilt würde. Aus der Station an der Bahn Leopoldville-Matadi, in der übernachtet wnrde, standen nur drei Räume sür alle Frauen, Kinder Mäuner zusammen zur Ver fügung. Für warmes Essen war gar uicht gesorgt. In Matadi die Herren im umisou clv reteutivü, dem Negerzuchthaus, einquartiert. Die Eingeborenen schimpften warfen mit Steinen. In Matadi erhielten Franen und Kinder, obgleich sie seit zwei Tagen nichts warmes mehr bekommen hatten und an diesem Tage überhaupt nichts zu esseu ausge geben war, irotz des Angebotes besonderer Bezahlung nichts zu essen. Auf der Dampferfahrt von Matadi nach Boma das Gepäck derart behan delt, daß viel entzwei giug. Mehrere Frachtstücke kamen überhaupt nicht an. In Boma die Frauen zun: Klosett von Askaris begleitet. In Boma wiederum bei Einkäufen von Waren ähnlich wie in Leopold ville Verfahren. Die Firma hier hieß Eongo-Belge. Für ein Paar Unterhosen, die mit 3,59 Fres. gezeichnet verkaust wareu, wurde auf der Rcchuuug 7,30 Fres. eingesetzt. Für ein Paar Stiefel wurde uoch höherer Aufschlag gemacht. Behandlung auf See an Bord S. S. Elisabethville. Unterkunft Verpflegung an Bord des Dampfers ließ nichts zu wüufcheu übrig. Der belgische Transportführer, Kommandant meinte es sicher gnt mit uns. Eine Anzahl belgischer Unteroffiziere, darunter ein Adjutaut mit silbernem Stern (später in Frankreich mit einer 11) an der Mütze, hetzte aber die bewachenden As karis stets uus. Des Nachts wurdeu unsere Kabinen verschlossen, in den Häsen durften wir nicht an Deck. Die Unteroffiziere, besonders der vorerwähnte Adjutant, hatten die Kontrolle über uns. Der letztere benutzte dies, um zu uachtschlasender Zeit in die Kabinen unserer Fraueu, denen das Verschließen zuerst verboteu war, einzudrin gen. Auf Beschwerden hin bat der Kommandant nnsere Franen, ihre Kabinen von innen verriegeln, da er sonst für nichts auskommen könnte. Trotzdem wiederholten sich noch mehrfach die Versuche gewaltsam eiuzudriugeu. 43 Diese Unteroffiziere saugen vor der Kabine des Kommandanten Spottlieder diesen und beschimpften ihn, ohne daß er dagegen, da die Stimmung stark feindlich gegen uns war, etwas unternehmen konnte. Bei der Landung in La Palliee beschimpften die aufgehetzten Askaris nnfere Frauen und bedrohten sie. Behandlung bei Ankunft in Frankreich. Bei Ankunft in La Palliee blieben Nur alle zuerst nnter belgischer Kontrolle, und nur so weit reicht dieser Bericht. Die Mäuuer, Soldaten, Offiziere Zivilisten wurden der Bahnhofshalle von La Palliee einquartiert, die Fraueu Kiuder eiuer leer fteheudeu Mädchenschule. Für die Fraueu und Kinder waren Pritschen mit elenden Strohsäcken, in denen es von Flöhen wimmelte, bereitgestellt. Obgleich es dranßen fror und schneite, gab es keine Heizuug. Infolgedessen, erfror in dieser ersten Nacht das eine schon kranke Kind des Missionars Andersen. Das Kind wurde dam: auf deu Abort gebracht, wo es fast den ganzen Tag über liegen bleiben mußte. Ein zweites Kiud des Missionars Andersen, das schwer krank die Seereise über standen hatte, starb knrz daraus im Hospital zu La Rochelle. Dies hätte sicher gerettet werden können, wenn an Bord Stärkungsmittel die nötigen Medikamente dessen Behandlung vorhanden gewesen wären. In ungeheiztem Räume in dieser Schule mußte Frau von der Heyden ihrer Nie derkunft eutgegeufeheu. Ärztliche Hilfe ftaud nicht znr Verfügung. Die Verpflegung der Franen und Kinder in La Palliee war ganz unzureichend und ungeeignet Kaffee des Morgens wurde erst auf meine Reklamation beim belgi schen Arzt hin gereicht. Solange gab es nur zweimal Nahrung. Es gab mittags einen Teller warmes Wasser mit hereingebrocktem Brot, ein Stückchen Fleisch von der Größe eines Fünfmarkstückes mit ein bis zwei Kartoffeln dazu, oder statt dieser eiueu Eßlöffel Kartoffelsalat oder zwei Eßlöffel Weiße Bohnen. Abends dasselbe, doch statt des Fleischstückchens ein Würstchen von der Größe eines kleinen Fingers. Für die Kinder gab es etwas Milch. Um satt zu werden, mußten die Franen sich für eigenes Geld etwas dazu besorgen lassen. Auch gabeu uusere Soldaten, die aus dem französischen Gefangenenlager verpflegt wurden, an die Franen, Kinder Zivilisten von ihrem Essen stets etwas ab. Das Gepäck aller wurde wiederum geuau untersucht. Bilder, Geschriebeues, Zeitungen, Belege, Messer, Platten, Gold wurden abgenommen. Gold umge wechselt. Papiere uach Durchsicht teilweise wiedergegeben. Auch eiue körperliche Visitation sand statt, die ebenfalls aus viele Frauen ausgedehnt wurde. Vor einer Kommission wurden von neuem Verhöre veranstaltet, meist mit be sonderen Fragen nach Vorkommnissen in Afrika und Beschwerden über die Reise. Es wurde jedoch uicht alles niedergeschrieben. Bei denen, die französisch sprachen, eine Niederschrift derselben gefordert; wenigstens ist dies bei mir betreffs bestimmter Vorkommnisse verlangt worden. Daß die vorstehenden Angaben nach bestem Erinnern bestem Wisseu gemacht sind, bescheinigt Gersau, deu 7. September 1917. gez. H. L. Hammerstein, Sanitätssoldat, eingezogen znr Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Oftafrika. Zoologe, Pflanzer und Leiter der Usuinbwa Conwanie. 44 Gersan, den 24. September 1917. Meldung. Ich erkläre hiermit, daß mein Bericht, betreffend Gesangenbehandlnng, der Wahrheit entspricht, das; ich jederzeit bereit bin, die Wahrheit meines Berichtes eidlich bestätigen. M. Hans Ludwig Hammerstein. Sanitätssoldat. Die Richtigkeit obiger Unterschrift beglaubigt. gez. Eick. Hauptmann d, N. 45 Abschrift N. 2159 17. 1 0. Gegenwärtig: Leutnant und Adjutant Lund als Gerichtsoffizier i, A., ^ ^ ^ eswig, den 15. Oktober 1917. Musketier Schinkel als Militärgerichtsschreiber, gem.  11 M. St. G. O. verpflichtet. Vorgeladen erscheint der Vizefeldwebel Ravens erklärt: Zur Person: Ich heiße Heinrich Ravens, geboren 19. Oktober 1872 in Schleswig, evangelischer Religion, ledig, Vizefeldwebel der Kaiserlichen Schutztruppe von Dentsch-Ostasrika, zur Zeit Erholungsurlaub in Schleswig. Zur Sa ch e : Nachdem er die Bedentnng des Eides hiugewieseu war. Der mir ausgestellte, anliegende Bericht vom Angnst 1917, ferner die Er gänzung vom 11. Oktober 1917 und die das anliegende Telegramm vom 14. Ok tober 1917 erbetenen Angaben vom 14. Oktober 1917 find richtig. Ich halte meine darin gemachten Angaben in allen Punkten anfrecht habe denselben nichts mehr hinzuzusetzen. V. g. u. gez. Heinr. Ravens, Vizeseldwebel. Der Erschieueue wurde vorschriftsmäßig vereidigt. Geschlossen. gez. Lund, gez. Schinkel, Leutnant und Adjutant Musketier Militärgerichtsschreider. i. A. des Gerichtsoffiziers. Unsere Gefangennahme, Aufenthalt im Gefangenenlager in Tabora und unser Abtransport durch den Kongo nach Frankreich. Als am 19. September die Belgier Tabora besetzten, waren die Schwerkranken Verwundeten in den beiden Holzmann-Hospitälern (dem alten Hospital dein ehemaligen Bureau) dem Feldlazarett (der früheren Schule) uutergebracht. Die auf Auorduung des Westbefehlshabers von den Ärzten Untersuchten als marsch unfähig festgestellten waren in dem zum Lazarett umgewandelten Bahnhotel versam melt, als gegen Mittag belgische Offiziere dort erschienen, nnsere Namen ausnahmen und das Gebäude mit Posten umstellten. Die vor dem Hanse in Verbindung mit der Noten-Kreuz-Flagge uoch weheude deutsche Fahne von einem belgischen Ser geanten herunter geholt. Es befanden sich hier etwa 99 Europäer, darunter 6 Offi ziere. Die ärztliche Aufsicht hatte Di-. Keller, die Verpflegung lag Händen des deut schen Roten Kreuzes, in dessen Dienst sich zum Teil Damen der Stadt Tabora gestellt hatten. 46 Am Nachmittage erschienen belgische Ossiziere unter Führung des Kapitäns Oensclin me. Letzterer war mir sehr gut bekannt. Er war seit Beginn des Krieges Tabora interniert gewesen, mit Aufenthaltsbeschränkung, d. h. er durste sich in der Stadt bis zu gewissen Grenzen srei bewegen, mußte sich nur zweimal in der Woche im Gefangenenlager melden und sich wöchentlich sein Uuterhaltsgeld (7^2 Rupien pro Tag) holen. Er war von uns (den: Ossizier der Gefangenenlager und Wacht habenden) stets mit Höflichkeit Rücksicht behandelt worden, da er bei Beginn seiner Gefangenschast sein Ehrenwort dem Gouverneur gegenüber abgegeben hatte. Am nächsten Nachmittage wir in das von uns erbaute Gefangenenlager, in dem wir bisher unsere Gefangenen untergebracht hatten, geführt. Die beim Einzug der Belgier sich noch dort befindenden Zivilgefangenen waren natürlich inzwischen be freit worden, hatten aber alles, was sich an Betten und sonstigem mitschleppbaren Ma terial dort besaud, mitgenommen. Wir mußten uns daher vorläufig mit dem harten Lehmboden begnügen? auch zu Essen gab es an diesem Tage nichts mehr. Dafür uns am anderen Morgen eröffnet, daß wir uns nunmehr mit der Jnstandbringnng und Reinigung des Lagers zu beschäftigen, vor allem unter Aufficht der Askaris die Aborte stets nett und sauber zu reiuigen hätten. Noch schlimmer wurde es einige Tage später, als wir auch außerhalb des Lagers an den verkehrsreichsten Straßen Arbeiten verrichten mußten. Es mit Spaten und Krenzhacke große, tiese Gruben zur Aufnahme des Kehrichtes und der Fäkalien gegraben. In der größten Mittagshitze mußte gearbeitet werden, wenn ein bestimmtes vorgeschriebenes Maß nicht ge schafft war, gab es ein bis zwei Stunden Strafarbeit. Neueinrichtungen und Bau ten im Lager angeordnet und hiermit die Fachleute, besonders die Angestellten der Firma Holzmann, beauftragt. Zimmer- und Schmiedewerkstätten wurden einge richtet, wie wir sie ja auch in nnserem Lager hatten. Hierüber auch nicht im Geringsten gemurrt, daß aber danu das ganze Baumaterial: schwere Balken, Eisen bahnschienen usw. uns in Begleitung mehrerer Askaris weit vom Holzmann-Lager her durch die belebtesten Straßen getragen werden mußte, empörte uns denn doch äußerst. Wieder wurden auch zu diesen Arbeiten die angeseheneren Beamten und Bürger Taboras herangezogen (z. B. Finanzdirektor Schmeifer, Gouvernements sekretär Kielich, verschiedene Ingenieure von Holzmann usw.). Auf den Gesundheits und Körperzustand wurde keine Rücksicht genommen, und mancher kehrte aufs äußerste erschöpft ins Lager zurück oder brach schou unterwegs zusammen. (Derartiges haben wir unseren Gefangenen nie zugemutet es bestand strikter Befehl des Gouver neurs, die Gefangenen nicht außerhalb des Lagers zu beschäftige. Es ist dies auch nicht geschehen, höchstens sind ab zu einige Fachleute angestellt worden, nm von unseren schwarzen Gefangenen ausgeführte Wege- und Häuserbauten zu beaufsichtigen.) Unser Lagerarzt, Herr Regieruugsarzt Dr. Moesta, tat fein möglichstes, uufere Lage zu erleichtern und schrieb jeden krank oder arbeitsunfähig, bei dein er es nur irgend ver antworten konnte, er hatte aber mit unglaublichen Schwierigkeiten seitens des Lager kommandanten, Kapitän KknsäÄi-ms, und seines Vertreters, Leutnant Oin^all, zu kämpfen; mancher, der vom Arzt krank geschrieben worden war, wurde von Oimvkül wieder aus dem Bett oder der Baracke geholt und mnßte arbeiten. Unsere Arbeit be gann morgens 7 Uhr und dauerte bis 11^2, nachmittags von 2 5 Uhr. Die Ver pflegung war folgende: morgens dünner, schlechter Kaffee und die Tagesration von etwa 250 ^ Mohogobrot, mittags eine sogenannte Suppe, schlecht zubereitetes Fleisch in vollkommen unzureichenden Portionen, das sogar hänsig schon verdorben war. Dazu Reis oder mit Steinen und anderen Unreinlichsten gemischte Bohnen. Abends annähernd dasselbe. Was die Handwerker alles anfertigen mnßten, ist kanm auszu zählen: Schilderhäuser, Möbel für die belgischen Offiziere, Koffer usw. wurdeu angefertigt. Das Wasser für den Lagerbedarf mnßten wir natürlich selbst holen, aber die Art, in der es geschah, war entschieden zu verurteilen. Der Brunnen befand sich etwa 5W m vom Lager entfernt,- trotzdem in Tabora genügend Wagen vorhanden waren, mußte das Waffer Eimern getragen werden: jeder trng zwei Eimer, und der Weg mußte etwa zehnmal des Morgens am Nachmittage zurückgelegt wer den. Es befanden sich uuter uns einige schwer Herzkranke, und daß diese ab und zu 47 pausieren mußten, ist Wohl erklärlich, sofort wurden sie dann aber von den begleitenden Askaris in gröbster Weise beschimpft ( Ivuiun, uiu^" und kuuim usolk^" war noch sehr gelinde); es Wohl auch mal mit dein Kolben aufgemuntert; hatte jemand viel Wasser uuterwegs verschüttet, mußte er umkehren und den Eimer vollfüllen. Anfang November begann der Abtransport durch den Kongo. Die Trausporte je 30 Mann stark und solgten sich in Abständen von 8 10 Tagen. Den ersten Transport führte der Kapitän (ZeusckÄi Mk persönlich. Er schrieb nach einiger Zeit von Lnalaba aus eine Karte an seinen Nachfolger, auf der er ihm mitteilte, es fei alles in bester Weife für Unterkunft Verpflegung vorgeforgt, und die Gefangeneu feieu fehr zufrieden. Inwieweit diese Vorsorge" getroffen war wie es mit der Zufrieden heit unserer Kameraden stand, sollten wir bald selbst erfahren. Ich dem vierten Transport zugeteilt. Diefer bestand, was ich besonders betonen möchte, fast uur aus Kranken, d. h. Leuten, die längere Zeit im Hospital und der im Lager befindlichen Jnsirmerie" gelegen hatten, jedenfalls alle noch erholungs bedürftig größeren Strapazen nicht gewachsen waren. Aus diesem Grunde wurde der deutsche Sauitätsgefreite Blaß dem Transport beigegeben, der von vr. Moesta mit den nötigsten Medikamenten und, soweit vorhanden, mit Chinin versehen wurde. Die belgische Lagerverwaltung war über unseren Zustand auch von vr. M. unterrichtet, was in Anbetracht der uns auf dem Transport widerfahrenen Behandlung fehr ins Ge wicht fällt. Am 1. Dezember wurdeu wir am Bahnhof in Tabora verladen. Es war gestattet, außer uuferem Handgepäck, das n. a. enthalten sollte: 1 dünne Matratze, 1 Moskitonetz, 2 Decken, Waschgeschirr usw., drei Lasten mitzuneh men. In Tabora wurde uns dies zur Bahn gefahren. Am Bahnhof winden uns zwei Viehwagen angewiesen, in denen wir zu je 15 Mann Platz nehmen mußten. Wir hatten unsere Gefangenen früher stets in Per sonenwagen befördert.) Unfere Lasten wurden in eiueu besonderen Wagen verladen, dagegen mußten wir unser Handgepäck, das alles in allem ziemlich umfangreich war, mit uns in den Wagen nehmen. Es ging jedoch einigermaßen; als aber in jeden Wagen noch sünf Askaris zu uuferer Bewachung hineinbeordert wurden, die sich in geradezu unerhörter Weise unter Stoßen Schimpsen zwischen uns drängten, war es kaum mehr zum Aushalten. Als wir in Mlagarassi ankamen, mußten wir zunächst unser Handgepäck nach unserem Lagerplatz schaffen. Es war dies eine etwa 600 m von der Station auf einer Anhöhe gelegene alte Grashütte, die wohl früher Bahnarbeitern als Unterkunft gedient haben mochte, jetzt aber weder gegen den Wind noch den Regen irgendwelchen Schutz bot. (Wir befanden uns jetzt in der kleinen Regenzeit.) Als Lager hatte man am Boden Wellblechplatten hingelegt. Da wir, wie gesagt, alle mehr oder weniger krank oder schwach waren, kamen wir schon hier ziemlich erschöpft an; wir erhielten aber den Be fehl, sofort uufere gesamten Lasten vom Bahnhof nach der etwa 3 entfernten Brücke zu bringen auf die audere Seite des Flusses, da die Eisenbahnverbindung über den Fluß durch Zerstörung der Brücke gestört war. Alle Einwenduug unseres Sanitäters Blaß, daß die Leute doch alle krank seien, nützten nichts, uur vier Mann durften auf Befehl des belgischen Transportsührers, eines Leutnant I.evi, zurückbleiben, wir an deren begaben uns wieder zum Bahnhof zurück, um die Lasten aufzunehmen. Hier war ein anderer belgischer Ossizier und achtete ganz genau daraus, daß keiner eine zu leichte Last nahm, die größten und schwersten wurden uns ausgesucht. Um 6^ 2 Uhr zogeu wir los und langten gegen K Uhr in einem Zustand völliger Erschöpfung an der Brücke an, unterwegs fortwährend von den Askaris angetrieben, die uns nicht gestatten woll ten, die Lasten ab und zu hinzusetzen und auszuruhen. Gegen 9 Uhr langten wir wieder bei unserer Lagerhütte an, wo es uns erst nach vielen Bitten gelang, etwas Wasser zum Trinken und Waschen zu erhalten; dann warfen sich die meisten so, wie sie waren, auf das harte Lager; an Abendessen dachten, die wenigsten; man war zu erschöpft. In der Nacht begann es heftig M regnen, wo durch wir wegen der undichten Bedachung sast alle durchnäßt wurden. Die Askaris, 48 die sich bisher draußen aufgehalten hatten, kamen herein, drängten sich zwischen uns und machten uns die welligen trockenen Plätze streitig. Um 6 Uhr des Morgens mußten wir uns zur Weiterfahrt bereitmachen und zogen mit unserem Gepäck los, nachdem die Askaris noch zur Eile angetrieben hatten ihnen eingeschärft worden war, uns nicht zu gestatten, das Gepäck hinzusetzen auszuruhen. Wir waren noch alle von den gestrigen Anstrengungen wie zerschlagen, es war mir kaum möglich, das etwa 30 Pfund schwere Gepäckstück auf die Schulter zu bekommen. Infolge des reichlichen Regens war der schmale Fußpfad am Bahndamm äußerst fchlüpfrig und nur laugfam kamen wir vorwärts. Nach nngefähr einem Kilo meter war es mit meiner Kraft am Ende, und ich ließ meinen Packen fallen, wurde aber sofort unter rohem Geschimpfe Weitergetrieben. Der weitere Weg unter fortwährendem Stolpern und Ausgleiten zurückgelegt, wer zurückblieb, erhielt dem hinter ihm gehenden Askari einen Kolbenstoß. Dabei stand unser Transportführer, der Leutnant I. evi, auf dem Bahndamm, freute sich zeigte den Askaris, wie sie den Kolben gegen uns gebrauchen sollten. Vollkommen apathisch gegen alles, stolperte, rutschte ich weiter, fiel verschiedeile Male hin und kam erst etwas wieder zum Bewußt sein, als ich einen schweren Fanstschlag im Gesicht verspürte, den der mich begleitende Askari mir versetzt hatte. Wie ich schließlich den Fluß erreichte, weiß ich nicht? hätte mir nicht einer meiner Kameraden, der Vermessungsmaat Blinkmann, tren zur Seite gestanden und mir geholfen, wäre ich wohl kaum hingekommen. Schon gestern heute und auch auf der feruereu Reise haben ich und meine Kameraden das Gefühl gehabt, daß die Askaris im Grunde Mitleid mit uns hatten, aber den ihnen von ihren Europäern gegebeneil Befehl ausführeil mußten. Waren sie ohne Aufficht, fo änderte sich ihr Benehmen gegenüber meistens sehr schnell. Am anderen Ufer des Mlagarassi, den wir einer Pontonbrücke überschritten, wurden wir in gleicher Weise wie in Tabora in zwei Güterwagen verladen, nnr mit dem Unterschied, daß diese Wageil aus dem Kongo waren, die Wellblechwäude lind Dächer hatten, kein Fenster, und nur auf einer Seite eine Türöffnung. Dazu sie um etwa kleiner als die deutschen Wagen. Der Ausenthalt darin nin Mittag natürlich unerträglich. An Wasser stand nnr das zur Versüguug, was wir jeder in einer kleinen Flasche mitgenommen hatten, reichte aber nicht sür die etwa zehnstündige Fahrt, unterwegs wurde nichts gereicht. Wir waren daher hocher freut, als wir um 4 Uhr in Kigoma anlangteil und noch größer war nnfere Frende, als wir dort einem anderen Europäer übergebeil wurden und wir erfuhren, daß der Leutnant I^kvi uns nichNoeiter begleiten werde. In Kigoma blieben wir bis zum übernächsten Tage, dem 4. Dezember. Als dann wurden wir in einen Leichter verladen und sichren nachmittags gegen 4 Uhr in Schlepp des Dampfers Baron Dhanis" ab. Wir lageil in der Nacht an Deck des Leichters und bei ziemlich gutem Wetter erreichteil wir am Morgen des 5. Dezember Neu-Albertville (Lukuga). Alsbald wurden wir ausgeschifft schwarze Arbeiter begannen, unsere Lasten an Land zu schaffeil. Als dies jedoch der Kapitän des Dampfers fah, wurde er fast rasend schrie die Lente an: Laßt doch die deutschen Schweine selbst ihre Kisten ausladen". Ein Teil von uns mußte also in den Ranin klettern, und angesichts der schwarzen Kettengefangenen, die erstaunt zuschauten, muß ten wir unsere Sachen an Land schafseil. Wir wurden etwa 590 m entfernt in einer Strohhütte untergebracht, die in kleine Abteile für je Z Mann eingeteilt war. Hierhill mußten wir nun unser gesamtes Gepäck bringen; da es inzwischen 10 Uhr gewordeil war, und wir jeder den Weg viermal machen mußten, wurde es gegen 1 Uhr, bis Nur in der größten Mittagshitze unsere schweren Lasten befördert hatten. An Wasser oder Essen für uus, die wir seit dem Abeud vorher nichts genossen hatten, dachte niemand. Erst nachdem wir uns an verschiedene Europäer gewandt hatten, sandeil wir eine etwas mildere Seele, einen Sanitäter, der selbst diese Zustäude haarsträubend fand. An scheinend auf dessen Veranlassimg erhielteil wir dann gegen 5 Uhr einen Topf mit Reis (auf Schenzi-?^rt zubereitet und serviert) je ^2 Dose znm Teil verdorbene Kom serven dazu. Den uns angewiesenen Raum dursteu wir uicht verlassen. Vor der 49 Hütte standen znr Bewachung 10 Askaris, die sich darin vergnügten, uns fortwährend zu beschimpfen grundlos anzuschreien. Am anderen Morgen wieder Reis und etwas schlechten Tee, darauf Verladung in einen Personenwagen, fehr eng aber einigermaßen erträglich. Um 9 Uhr Weiter fahrt gegen 3 Uhr nach Znrücklegnng von etwa 79 kiu Halt auf einer kleinen Halte stelle. Hier erhielten wir einen Sack rohen Reis, den wir uns nun znbereiten konnten. Da aber keiuer von ein Kochgeschirr mitgenommen hatte, standen wir zunächst rat los da, bis dann nnser Transportführer bei einem Bahnbeamten zwei größere Gefäße aufbrachte und wir unn unseren Reis kochen konnten. Zntat gab es nicht. Unser (vielmehr unsere) Transportsührer von jetzt ab bis nach Boma waren zwei belgische Sergeanten, beides Flamen, über die wir nicht beklagen konnten, und die sich nach Kräften bemüht haben, sür zu sorgen; aber leider hatten sie auf den je weiligen Anfenthaltsstationen nichts zu fagen, fondern wir dem betreffenden Stationschef übergeben, dem nnfere Unterkunft und Verpflegung unterstand. Auf den Dampferfahrten hing viel vom Willen des Kapitäns ab. Am anderen Morgen nm 7 Uhr ging es weiter. Gegen 3 Uhr waren wir in Kabalo, einem kleinen Qrt am Lnalaba, wo die Umladung der nach dem Tanganjika bestimmten Güter stattfindet. Hunderte von Askariweibern empfingen am Bahn hof mit wüstem Gejohle und Geschimpfe folgten auf unserem Wege zum Quartier. Dieses wurde uns in einer im Bau befindlichen Lehmhütte angewiesen, d. h. der Lehm war nur an ein paar Stellen bereits angeworfen, auch am Dach war der First noch nicht fertig. Diefes ,,Gebände" sollte anscheinend später den durch reisenden Askaris als Quartier gelteu. Es war in 19 Abteile eingeteilt, von denen wir drei für je zehn Mann als Unterkunft augewiesen erhielten. Der Zustand der Räume spottete jeder Beschreibimg; infolge der täglichen Regenfälle war der Lehmboden voll kommen aufgeweicht, und in einige mit Waffer angefüllte Löcher versanken wir bis an die Knie. Unser Protest nützte nichts; es hieß einfach, es sei kein anderes Unterkommen vorhanden. Wir suchten uns etwas schmutziges Gras zusammen, um uns daraus eine etwas trockene Unterlage herzustellen. Die Lust in den Räumen war derart feucht, daß uufere Decken usw. fpäter wie durchnäßt waren, zahlreiche Frösche leisteten uns Gesellschaft und gaben ein uuuuterbrocheues Konzert. Verlassen durften wir unseren Stall uur in dringendsten Fällen nnter fchärffter Bewachung. Erst am Nachmittag des folgenden Tages wurde uns der Aufenthalt vor dem Haufe gestattet. Der in der Nacht einsetzende Regen hatte fast ungehinderten Zutritt, uur an den Seiten fanden fich paar trockene Plätzchen. Nach wiederholtem heftigen Protestieren wurde endlich am anderen Mittag ein etwas trockener Raum angewiesen, der bisher unseren Wachaskaris und ihren Weibern als Unterkunft gedient hatte. Wir blieben hier noch einen weiteren Tag. Am 19. Dezember nachmittags wurden wir in den Raum eines Leichters verladen erreichten nach wenigen Stun den Kongolo. Verpflegung: Reis und eine Ziege, die Zubereitung blieb uns über lassen. Unterkunst im offenen Zollfchuppen. Am 12. Dezember mit der Bahn weiter. Nachts Lager mitten im Urwald in einer offenen, nndichten Grasbanda, in der wir während des Schlafens vom Regen bis auf die Haut durchnäßt wurden. Hier erkrankte Eissel schwer an Schwarzwasserfieber, mußte aber am anderen Morgen, trotzdem er nicht transportfähig war, mitgenommen werden. Erst spät am Nachmittag, als Nur in Kindu eintrafen, konnten wir ihn im dortigen Hospital zurücklassen. So ähn lich gestaltete sich unser Transport bis Stanleyville: das nannte der Herr Kapitän (!(;ns6anna: Unterkunft und Verpflegung aufs beste vorbereitet und für alles gesorgt". Am 15. Dezember weiter in einem Leichter in zweitägiger Fahrt nach Ponthicrville, dort sofort in den Zng in 3 Stunden nach Stanleyville. Hier Quartier am Exer zierplatz in Lehmhütten, früheren Askariwobnnngen. Schon hier machten fich die Folgen der bisherigen schlechten Verpflegung Unterkunft bemerkbar, indem von 39 etwa 29 erkrankten und 19 bettlägerig waren. Am Nachmittage des 22. De zember traten wir die lange Fahrt den Kongo abwärts an. Am 31. Dezember gegen Mittag trafen wir in Leopoldville ein. 50 Am 1. Januar 1917 in zwei Tagen nach Matadi. Über die Unterkunft hier haben wir uns bitter zu beschweren: Wir wurden uämlich in dein Gefängnis für Ein geborene untergebracht und lagen hier in Räumen, die noch tags vorher von schwarzen Kettengefangenen bewohnt gewesen waren, lind die von Wanzen und sonstigem Unge ziefer wimmelten. Die hohen Gefängnismanern hielten jeden Luftzug feru, so daß selbst auf dem Hofe, den wir mit den schwarzen Strafgefangenen teilen mußteu, der Aufenthalt unerträglich war. Wir blieben bis znm übernächsten Tage hier nud wurdeu dann (am 4. Januar) mit einem kleinen Dampfer in etwa dreistündiger Fahrt nach Borna gebracht. Am 22. Jannar wurden wir und mit die iuzwischeu eingetroffenen süns Offiziere, vier Ehepaare, eine Dame mit ihrem etwa zwölfjährigen Sohn an Bord des abfahrtbereit liegenden Dampfers Auversville" gebracht. Wir erhielteu zu je vier Mann Kabinen, zweiter Klasse augewiesen nud wurdeu auch als Passagiere zweiter Klasse verpflegt. Mit Ausnahme von je einer Stnnde vor- nachmittags, die wir an Deck verbringen durften, wurden wir in die Kabinen eingeschlossen. Als Bewachung hatten wir Kongo-Askaris, die übrigens auch Kabinen bewohnten und im Salon 2. Klasse speisten". Nachts snhren wir mit abgeblendeten Lichtern. Uber Freetown, Konakry, Dakar erreichten wir ohne besondere Ereignisse am 12. Febrnar La Pallice. Hier Nur am folgenden Morgen in die Bahnhofshalle gebracht, bewacht von belgischen Geiis- darmen. Es herrschte damals, wie überall, eine bittere Kälte dort, etwa 12 1ü Grad, worunter wir, die wir uoch kaum 8 Tage vorher großer Hitze gelebt hatten, un serem dünnen Tropenzeug schwer litten. Für die Nacht wurden zwei Bund Stroh gegeben sowie je eine dünne verbrauchte Decke. In der ungeheizten Halle froren wir natürlich entsetzlich. Am anderen Tage wir von belgischen Offizieren (darnuter Kapitän (FkirsÜÄi-Mö) noch einem eingehenden Verhör über alles Mögliche, vor allem natürlich militärische Vorgänge, unterworfen, und ein Teil von dann endlich am Abend in das französische Gefangenenlager überführt den Franzosen übergeben. Schleswig, den 20. August 1917. gez. Heinr. Ravens, Vizefeldwebel. Ergänzung. Unsere Kriegs- und Zivilgefangenen und deren Behandlung. Die in der Kolonie bei Beginn des Krieges sich aufhaltenden Engländer Belgier wurden iuterniert, d. h. fie erhielten den Befehl, sich an bestimmten Orten znr Verfügung des betreffenden Bezirksamtes zu halten. Ich war feinerzeit in Tabora kann aus eigener Anschannng bezeugen, wie die dort internierten Zivilgefangenen behandelt und verpflegt wurdeu; sie wohnten in Hotels, dnrsten sich frei in der Stadt bewegen, mußten nur zu bestimmter Zeit wieder in ihrer Wohnung sein. Als Ver pflegung erhielten sie das Hotelessen wurden auch soust in jeder Beziehung als Gäste behandelt und bedient. So war es in Tabora und es ist mir bestätigt worden, daß es an den anderen betreffenden Orten fo ähnlich war. Anfangs Oktober begab ich mich auf die Farm meines Freundes Mahnke bei Kilimatinde. Diefer schloß kurz darauf mit der Etappenleitnng in Morogoro einen Kontrakt ab zwecks Verpflegung der in Kilimatinde zu internierenden Kriegsgefangenen. Im Auftrage des Generals Wahle war der Jntendantnrfekretär Pfennig zngegen nnd, da ich mit der Familie Mahnke sehr befreundet bin, war ich gleichfalls beim Abschlnß des Vertrages anwesend. Es wurde ungefähr folgendes vereinbart: 5? Die Kriegsgefangenen sollen gnte reichliche Kost erhalten, unter Berück sichtigung der besonderen dnrch den Krieg die Blockade hervorgerufenen Verhält nisse. Morgens sollen sie Kaffee, Milch und Zucker (evtl. Kakao oder Tee) erhalten, dazu in ausreichendem Maße Brot, Marmelade, Bntter oder sonstiges Fett. Mittags- Suppe, Fleisch mit Gemüse oder Kompott, Kartoffeln (evtl. Mohogo oder Süßkartof-? seln). Abends ein Essen in gleicher Weise. Ich habe mich wiederholten Malen davon mit eigenen Angen überzeugt, daß obige Verpfleguug uicht uur voll ganz geleistet worden ist, daß vielmehr die Ge fangenen mehr erhielten, wie sie beanspruchen konnten. Außerdem standen ihnen noch ihrer Bedienung Boys zur Versüguug. Gegen Ende Oktober ich dann eingezogen, erst Anfang November kam ich wieder in nähere Berührung mit unseren Kriegsgefangenen dadurch, daß ich als Wacht habender zum Gefangenenlager in Tabora versetzt wurde. Das dortige Lager war damals mit annähernd 190 Gefangenen belegt, die sich etwa wie folgt zusammensetzten: etwa 60 Militärgefangene (meistens Engländer, einige Belgier), ,, 30 zivilgefangene Italiener, ,, 20 bis 30 Missionsangehörige der englischen Missionen. Das Lager in Tabora unterstand seinerzeit der Etappe Tabora (Oberleitung war die Etappeuleituug Morogoro). Kommandant des Lagers war Oberlentnant Brandt, später Kapitänlentnant Kendrick schließlich Leutnant Dannert. Als Wachthabende suugierteu Sergeaut (später Vizefeldwebel) Künster ich. Das Lager war dem alten Schulplatz errichtet; die Schulgebäude waren in Benutzung genom men und große luftige Wellblechbaracken ueu errichtet worden. Die Verpflegung war wie folgt: Morgens Kaffee, Brot (etwa 500 A ), kaltes (fpäter auf Wuufch der Gefaugeueu anfgewärmtes) Fleisch, für die Offiziere Wnrft, Eier, evtl. ein Beefsteak, für Franen und Kinder und für die Kranken gab es Milch, Mittags Suppe, Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, foweit vorhanden. Sonst Mohogo oder Süßkartoffeln. Abends wie mittags. Das Essen ist stets sehr schmackhaft zubereitet gewesen und reichlich. Wir Wacht habenden waren verpflichtet, davon überzeugen jeden Tag zu jeder Mahlzeit eine Kostprobe nehmen. Wir haben hänsig, da es so gut mnndete, dort gegessen. Au den höheren Festtagen erhielten die Gefangenen besonderes Essen (Schweine- brateu, Hühner usw.). Die Arbeit der Gefaugeueu beftaud im wesentlichen darin, für die Reinigung Instandhaltung des Lagers sorgen, d.h. fegen, Gras hacken nsw.; außerdem Wasser holen. Hierzu wurdeu aber säst uur die Militärgefangenen herangezogen, auch von diesen wiederum die höheren Chargen ausgeschlossen. Einige Buren waren in der Gerberei beschäftigt; aber uur zur Beauffichtiguug der dort augestellten schwarzen Gefangenen. Sonst haben wir in keiner Weise, jedenfalls nicht in der Zeit meiner etwa neunmonatlichen Anwesenheit, irgendwie schwere oder schmutzige Arbeiten (wie Lasten tragen, Grnben graben, Aborte reinigen) jemals von unseren Gefangenen ver langt. Es bestand ein strenger Befehl des Gonvernenrs, die Gefangenen nicht außer halb des Lagers zu beschäftigen sie in jeder Weise menschlich dem Ansehen des Europäers dem Schwarzeu gegenüber entsprechend zu behandeln. Bon beiden Wachthabenden (Vizefeldwebel Küufter, zur Zeit in der Schweiz in Küßnacht ^Rigij interniert, wird es bezeugen) ist stets in dieser Weise gegen die Lente Versahren worden. Als Beweis hierfür führe ich au: 1. Unsere (Vizefeldwebel Küufter meine) Vernehmung vor dem belgischen Geueralauditeur in Tabora im Oktober !!NL, die stattfand Grnnd von Beschwer den, die von einigen Italienern und englischen Missionareil beim belgischen General 52 bei dessen Einzug in Tabora eingereicht war, aber die d o l l k o in in eueGrund ^ losigkeit dieser Beschwerde ergab. 2. Eine Abordnung, die am Tage der Abreise des Leutnants Dannert, als er sich der abziehenden Etappe anschließen mnßte, zu mir kam und mich bat, sie (es waren Engländer Belgier) Herrn Leutnant Dannert vorznsühren, damit sie sich bedan ken könnten für die gute gerechte Behaudluug, die er ihueu währeud ihrer Gefangenschaft hätte angedeiheu lassen. Zu wiederholten Maleil wurdeu Gefangenentransporte zwecks Austausches mit anderen Lägern notwendig. Die Gefangenen wurden dann stets in Enropäer-Per- sonenwagen befördert und für ihre Verpflegung auf den Stationen hinreichend gesorgt. Ich selbst habe vier Transporte geleitet. Schleswig, den 11. Oktober 1917. gez. Heinr. Ravens, Viztftlbwtlu I. 53 Abschrift, Gericht I. Ers.-Btl. des 6. Bad. Infant. - Negts. Kaiser Friedrich III. Nr.N4. Gegenwärtig: Leutnant Keller als Gerichtsvffizier, Gefreiter Walter als Militärgerichtsschreiber. Kon st anz, den 17. Jnli 1917. Es sind heilte dem Gerichtszimmer des I. Erf.-Batl. Jnf.-Regts. 114 fol gende von Frankreich ausgetauschte deutsche Kriegsgefangene anwesend: pp. Aul. II. LK. Ludwig Pieper, Landstnrmmann der Schntztrnppe Ostafrika, Karl Stössel. ; p- Dieselben nach entsprechender Belehrung über die Bedeutung und Heilig keit des Eides über ihre in der Anlage niedergelegten auf Vorlesen von ihnen geneh migten nnterschriebenen Aussagen vom heutigen vorschriftsmäßig beeidigt. v. g. u. u. gez. Ludwig Pieper, gez. Keller, gez. A. Walter, Leutnant und Gerichtsoffizier. Militärgerichtsfchrciber. Ludwig Pieper, Landsturmmann, Schutztruppe Deutsch-Ostafrika, geboren 1876 in Soest, ledig. Ich war beim dritteu Transport. Wir waren 30 im Anfang. Im Lager Mlagarafsi sind wir auf diesem Transport genan so behandelt worden, wie der Trans port Ravens. Zahlmeister Degen und Sergeant Fenn sind bei dein Schleppen des Gepäcks auf dem Bahndamm mit Kolbenstößen mißhandelt worden, weil sie infolge ihres Erschöpfungszustandes uicht vorwärts gehen konnten. Degen insbesondere war sehr schwach. In Kigoma sollten wir warmes Essen bekommen. Zum Empsaugeu und Essen ungefähr drei Minuteu. Wir sind dann dem Dampfer ohne Moskitonetze, ohne Decken gelegen. In Lukuga war der Trausport uuter aller Meuscheuwürde. Es wurde schmutziger, halbgeschälter Reis hingestellt, den wir nicht aßen. Wir wurdeu nicht zum Wasser ge lassen, als wir vom Schleppen der Lasten mnde dnrstig waren. Ans dem Transport zwischen Lukuga Kabalo schliefen wir mitten in einem Snmpf im hohen Grase eine Nacht. Darunter litteu besonders die Malariakraukeu die sieben Lungenkranken. Unter den Lungenkranken war Stössel. Die Verpflegung dem Transport von 54 Tabora bis Ponthierville bestand aus Ziegenfleisch und Reis, der ungekochtein Znstande gegeben wurde. Das Kochen danerte oft so lange, daß es nachher ;n spät wurde zu essen. Ans dem Leichter, dem wir auf dör Flüßreise Von Kabalo nach Kongolo transportiert Nuirdeu, die Zieste alter Ladung in Gähruug iibergegan- gen. Wir durften nicht das Deck des Dampfers gehen, nm die Notdnrst ver richten. Vom Dampfer kamen den Leichter die ^nnken derart geflogen, das- wir in die Winkel verkriechen nnchten, nm uns nicht die Kleider verbrennen. In Kongolo wir (anders als Transport Ravens) in einer alten Ziegelei unter gebracht, deren Boden feucht war. Unter Sandflöhen hatten Nur fnrchtbar leiden. Auf der Strecke Kougolo^Kiudu Eisenbahn. Von Kiudu nach Ponthierville Dampfer. Anf dein Dampfertransport erregten wir das Mitleid der schwarzen Franen dnrch die schlechte Verpflegung. Sie wollten Bananen geben daran von den Belgiern verhindert. Dabei sind die Schwarzen im Kongo bekannt als fana tisch gegenüber Europäern. Den schwarzen Kranen war dann gesagt worden, daß wir diejenigen seieu, die ihre schwarzen Männer erschossen hätten. Die Negeriniren dnrch diese Hetzerei so aufgebracht, daß sie auf dein Transport dein Dampfer Steine nachwarfen uns Schimpfworte nachriefen. Die Unterkunft in Ponthierville war die erste ordentliche, die Nur hatten. Später waren wir in Stanleyville uoch einmal in einem feuchten Ranm. Wir mußten dort unsere Notdurft im Räume felbft verrichteu. Zwischen Stanleyville Leopoldville wir auf dem, großen Dampfer. Die Verpflegung gut aber uicht zu reichlich. Wir Kabiueu untergebracht. In Leopoldville wurde uuser Gepäck beim Verladen der Schwarzen uuter Auleituug der Belgier so behandelt, daß zählreiche Kisten zerbrachen dabei manches Eigentum verschwaud. Beschwerden halfen Nichts. In Matadi im Gefängnis, in dem die Neger lagen. In Boma Verpflegung Unterkunft gut. Wir beschwertet! beim Gouvernement durch schriftliches Protokoll. Keiue Antwort. Es wurde ge sagt, daß die Berichte vom Gouverueur persönlich eingesehen würden und er wahr scheinlich unseren Beschwerden Rechnung trageu würde. Daß dies nicht erfolgt ist, vgl. Aussage Ravens. - Ich bin nicht in Tabora in belgische Hand gefallen, sondern in Sikonge, wo ich im Hospital zurückgelassen war. Als wir dann unterwegs, belgische Trnppen trafen, nahmen belgische Offi ziere nnfer Privateigentum weg. Eiu belgischer Hauptmauu sagte uus: Wenn er so köuute, wie er wollte, würde er die Hälse abschueideu lasseil, weil wir Belgieu elf seiner Angehörigen mit Maschinengewehren zusammengeschossen hätten. Von dort mußten die Lazarettkranken ll! Stück) von morgens V26 Uhr bis abends vor C Uhr marschieren. Drei Stunden vor Tabora mußten diejenigen, die Müdigkeit zurückgeblieben sind, in Reihe vieren antreten den Askaris gesagt, daß, wenn einer nicht gehorche, er Kolbenstöße bekommen solle. Als wir so im Gleichschritt marschierten, sprang schwarzer Main: in die Kolonne hinein fuchtelte mit dem Messer nur vor der Kehle herum, als wenn er mir den Hals ab schneiden wollte. In Tabora angekommen vor der deutschen Boma, mußten wir in mitten all der Schwarzeil auf die Erde niedersetzen, was bekanntlich der Europäer vor deu Schwarzen uie tut. So müde wir waren, wollten wir dies nicht tnn, mußten aber doch hinsetzen, um vor deu Schwarzen gedemütigt zu werdeu. Durch ganz Tabora wir mitMnfik hindnrchgeführt, als ob sie uns wirklich auf dem Schlacht felde gefaugen hätten. Dann wir einen Platz geführt, wo Kanonen stan den^ Die Geschütze snhren vor derart auf, daß die Müuduug gegeu uns gerichtet war. Die Gefchützhüllen abgenommen, die MnndkaPPen. Hinter uns traten Leute mit Schaufelu. Es wurde uichts gesagt. Wir mnßten still stehen, es sollte der Eindruck erzeugt werdeu, daß wir jetzt zusammengeschossen würden. gez. Ludwig Pieper. Diese Aussageu werdeu durch deu gleichfalls vereidigteu Landftnrinmann Karl Stössel voll bestätigt. Ans seinem Bericht seien noch folgende Einzelheiten angeführt: 55 - Am 2-1. November 1916 verließen wir Lungenkranke mit dein Transport West- Phal, znsannnen 39 Mann, das Gefangenlager Tabora, nm die zweimonatige Reise quer dnrch Afrika, durch den belgischen Kongo, nach Frankreich anzutreten. Wir wur den in einem verschlossenen Eisenbahn-Viehwagen zu 15 Mann süns belgischen Wachsoldaten je eiuem Wageu untergebracht. Wir snhren am ersten Tage mit der Eisenbahn bis Mlagarassi, eine Strecke von ziemlich 399 lcm, woselbst wir in einem halbzerfallenen, senchten und dumpfigen Grashaus uutergebracht wurden, nachts auf Wellblechtafelu schlafeu mutzten und sehr schlecht ernährt wurden. Nach zweitägigem Aufenthalt sollte die Fahrt nach Kigoma am Tanganjikasee weitergehen. Wir mnßten alle, vom Lager Mlagarassi bis zu der damaligen Anssahrtstelle, welche wegeu Brük- keusprengung 3 lcm jveit entfernt lag, unter fcharfem Antreiben und Beschimpfungen der belgifcheu fchwarzen Wachsoldaten, trotzdem der belgische Transportführer (ein Offizier) bestimmt wnßte, daß sich bei seinem Transport auch sieben Lungenkranke be fanden, unser Gepäck selbst trageu. Das Lastentragen in der glühenden Sonnenhitze siel mir als Lungenkranker besonders schwer, da sich infolgedessen hestige Stiche in der Brust und Atembeschwerden bemerkbar machten. Schweißtriefend und geschwächt blieb ich dauu bald als letzter zurück. Eiu belgischer schwarzer Wachsoldat trieb mich auf Gruud dessen besonders scharf an und machte auch einmal Miene, mich mit den Kolben zu ftoßeu. Ich wehrte ihu aber uoch rechtzeitig ab versuchte ihm aus Kisuaheli, Ein geborenensprache, klar zu macheu, was mir eigentlich sehle; daranf antwortete er: Er hätte den Befehl dazu, so zu handeln. Mit Aufbietung meiner letzten Kräfte und großen Schmerzeu in der Brust schleppte ich mich bis zur Absahrtstelle. Hier wurdeu wir ebenfalls wieder in einem sonnendnrchglühten Viehwagen untergebracht, um uach Kigoma am Tanganjikasee transportiert zu werdeu. Schon während der Eisenbahnfahrt machte sich infolge der Überanstrengung ein leichtes Fieber bemerkbar. In Kigoma, gegen 9 Uhr abends angekommen, wurden wir etwas besser verpslegt, an demselben Abend aber uoch auf einen eisernen Schlepper gebracht, um mit diesem nachts über den Tanganjikasee zu fahren. Unsere sämtlichen Decken wurden tief unten im Schlepper verstaut, so mußte ich deuu mit uoch mehreren Kameraden, die meist unter Malariasieber zu leiden hatteu, diesem Zustande die kühle Nacht auf dem kalten eiferueu Bodeu auf Deck zubriugeu. Meiu mehrmaliges Bitten um Decken fand kein Gehör. In dieser Nacht mein Fieber stärker- ich hatte sehr unter Schüttel frost zu leiden. Am nächsten Morgen kamen wir in Lnknga, belgisches Kongogebiet, an. Ohne die vorhergegangene Nacht geschlafen zu habeu, fuhren wir noch an demselben Tag mittags 1 Uhr mit der Kongobahn, ungefähr 199 l^m uach der nächstliegenden Ubernachtungsstation, wo wir gegen 6 Uhr abends erschöpft, von Hunger und Durst geplagt, aukamen. Hier wurde ein ehemaliges Maisfeld der der Nähe befindliche Eisenbahndamm zur nächtlichen Ruhe angewiesen. Der Ort hier war von hohen Bergen umgebeu, sehr sumpsig uachts feuchtkühl. Aus diesem Grunde zog ich es vor, da mir meine Bitte wegen des Fiebers im Eisenbahnwagen zu schlaseu uicht gewährt wurde, auch auf dem Eisenbahndamm zu schlafeu. Mein Zuftaud ver schlimmerte sich hier immer mehr, indem sich nach schwereil Hustenaufälleu dieser feuchtkühlen Nacht im Freieil und den noch immer währenden Brustschmerzen leichte Lnngenblutuugeu austraten. Trotzdem der belgische Transportführer von feiten meiner Kameraden hiervon unterrichtet wurde, ist nichts dagegen getan worden. Am nächsten Morgen fuhren wir ohne jegliche Nahrungsmittel nach Kabalo am oberen Kongo, wo selbst wir um 9 Uhr abends ankamen. Um 7 Uhr abends bekamen wir hier die erste Nahrung an jenem Tage. Wir blieben Hierselbst noch zwei Tage liegen, während dieser Zeit ich ein mehrmaliges, sehr starkes Lungenbluten bekam. Es wurde deu belgischen Transportführern, die von dem Vorfall ebenfalls wieder unterrichtet wurden, immer uoch nichts veranlaßt. Am dritten Tag mittags mußte ich diefem Zustande die Strecke nach der betreffenden Dampserstation Fuß machen, nm die Fahrt dem Kongo nach Kongolo weiter fortzusetzen. Hier brach ich bei Ankunft der be treffenden Station infolge Kräfteverfalles zusammen. Ich in diefem Zustande mit den anderen Kameraden zusammen ganz ohne Rücksicht mein Leiden tief nnten in einem Schlepper untergebracht, woselbst sich eine heißdumpfe, übelriechende Luftbefand. Auf dieser Fahrt wurde ich von zweimaligem, starken Luugeublntstnrz befallen. Trotz mehrmaligen Aufmerksaunnachens des dentsch.en Transportführers, Herrn Gon- vernementssekretär Westphal, daß sich im Schlepper nnten ein Deutscher besiude, der dem Sterben nahe sei. hielt es kein Belgier für nötig, einmal danach zu seheu. Nach Anknnft Kongolo Ivurde ich in den naheliegenden GnterfchnPPen gebracht. Hier stellte sich ein starkes Röcheln, sehr hohes Fieber (ich maß 40"), Brnstbeklemmnngen und sehr heftige Bruftschmerzeu eiu. Am nächsten Morgen Nur in einem Ziegel- schuppen untergebracht, nnr daselbst noch zwei Tage zu verbleiben. In diesem Raum blieb ich ebenfalls wieder ohne jegliche ärztliche Hilfe sowie Medikamente, ebenfalls die ganze vorgehende Zeit, von Beginn der starken Luugeublutuugeu au, ohne jegliche, meiner Krankheit entsprechenden Nahrung. Am dritteu Tage morgeus erfolgte die Abfahrt per Eisenbahn nach Kindu am Kongo. Den einhalbstündigen Rückweg zur Eisenbahnstation Kongolo mußte ich auch hier wieder trotz meines Zustandes zu Fuß machen. Zwischen den Statioueu Kongolo Kindu kam ich dann endlich, da mir der Tod sckon den: Gesicht geschrieben stand, energisches Drängen meiner sämtlichen Kameraden hin, welche alle Angenzengen dieses Vorfalles waren, in das nächste, am oberen Kongo gelegene Krankenhans. Hier wurde ich von eiuem Privatarzt einiger- maßen menschlich behandelt und deu dortigen Missionsschwestern dementspre chend verpflegt: jedoch mußte ich nach vier Wochen mit immer noch leicht fieberndem und sehr geschwächtem Körper das Krankenhaus wieder verlassen. gez. Karl Stössel.Auszugsweise Abschrift zu N. 2207 17. Bericht des Leutnants der Reserve Hegemann. B tz u a u , den 9. Juli 191 7. Ich war am 26. Juli 1915 bei Dume (Kamerun) französische Kriegsgefan genschaft geraten und von dort nach Brazzaville am Stanley Pool gebracht worden, wo ich am 24. Augnst 1915 eintraf. In Brazzaville traf ich drei deutsche Unteroffiziere, die im Hospital gelegen hatten und mit deuen zusammen ich durch den belgischen Kongo weiter nach Frankreich befördert werden sollte. Die Franzosen, die in den Deutschen, wie sie mir selbst sagten, einen vornehmen Gegner kenuen gelernt hatten, ließen im Gegensatz zu der späteren Behandlung in Frankreich und abgesehen Einzel fällen eiue ganz menschenwürdige Behandlung znteil werden. In Brazzaville konnte ich ruhig über die Straße geheu, ohne von der weißen Bevölkerung beschimpft werden. Anders bei den Belgiern. Am Morgen des 26. oder 27. Augnst 1915 sichren wir auf einem französischen Dampser über den Kongo, legten in Kinshasa an und wur den hier einem belgischen Beamten, der sich mit etwa 29 schwarzen Soldaten eingesuu- deu hatte, übergeben. Nachdem unsere armselige Habe, die Nur der Haud trugeu, zunächst eingehend von einem Zollbeamten durchgestöbert war, wurden wir dein Güterbahnhof deu Zug nach Thysville gesteckt, wo wir am Abeud bei Einbrnch der Dunkelheit anlangten. Hier erwarteten uns zahlreiche Weiße Belgier, die beim Aussteigen mit dem Rnse: ä das les dvebe?! empfingen. Bon den schwarzen Soldaten mit gezogenem Säbel umringt geführt von nnferem Weißen Reifebeglei ter, sowie einem anscheinend höheren belgischen Beamten, wurden wir nun zu eiuem von einem Portugiesen geleiteten Hotel gebracht, nm dort in einem Nebengebäude die Nacht zu verbringeu. Auf dem Wege zum Hotel wurdeu wir mm mit den wüstesten Schimpfworten durch die begleitende Weiße Baude bedacht. Erst als wir an das Hotel kamen, schien dem führenden höheren belgischen Beamten die Sache zu arg zu werden, weshalb er der Bande znries: ?N5 sws nuuüt kswt-ionK! Im Hotel wur den uns zwei Räume augewiesen, die nach dem Hof gingen und es uns gleich zeitig bedeutet, daß wir für uuser Geld etwas zu esseu bekommen können. Nachdem sich die Meuge verlaufen hatte, nnfer Transportführer sich mit dem belgischen Beamten entfernt hatte, begaben wir nns, nmringt von den schwarzen Wachtsoldaten, in ein Speisezimmer, nm dort zu esseu. Während wir nun bei Tisch saßen, drangen ein Dutzend weißer Belgier, die betruuken waren, in das Zinnner ein, verlangten zu trinken begannen nun ein wüstes Geschimpfe, wobei sie die Deutschen als Diebe, Mörder und Frauenschänder bezeichneten. In den Zwischenpausen küßten sie die an der Wand hängende belgische Flagge ließen die belgische Republik hochleben. Zwei Weiße Weiber beteiligten sich an den? Geschimpfe. Der Anführer der Bande trat nnn neben mich an ineinen Tisch; er hatte eine leere Weinflasche in der Hand, schlug mit der linken Hand vor mir den Tisch, daß mein Teller hochsprang schwang dann die Flasche über meinem Kopfe. Als dann die Bande die Person nnseres Kaisers vornahm und mit allem, was es an schmutzigen nnslätigen Ausdrücken gibt, beschimpfte, gab ich meinen Mitgefangenen ein Zeichen, daß Nur entfernen wollten. Wir standen auf begaben mit den Soldaten zu uuferem Zimmer zurück. Nach einiger Zeit kam der Wirt uns fagte, wir köuuteu jetzt weiter esfen, der höhere belgische Be amte, den er zur Hilse gerufen habe, habe die Bande hinausgeworfen. Wir giugeu uuu wieder das Speisezimmer zurück, dessen Tür nach der Straßenseite verschlossen war, beendigten unsere Mahlzeit. Am andern Morgen in aller Frühe Nur wieder zniu Bahnhof gebracht führen weiter nach Matadi, wo wir gegen 6 Nhr abends eintrafen. Bor nnserer Anknnft in Matadi bat ich den Transportführer, er 58 möge doch Sorge tragen, daß wir bei unserem Eintreffen in Matadi nicht wieder solchen Beschimpfungen ausgesetzt seien, wie am vergangeneu Abend in Thysville. Er er widerte mir darauf, wir würden in Matadi sofort den französischen Dampfer ge bracht und dort wieder den Franzosen übergeben werden. Als der Zug in Matadi einlief, war der Bahnhof von einem Haufen drohender schimpfender Belgier be fetzt. Vor allem empsing uns der Ruf^ Jus Wasser mit den Boches!" Als der Zug hielt, ersuchte unser Begleiter, uach dem Bahnsteig hin auszusteigen. Kaum hatten wir deu Zug verlassen, als schon die henlende Bande auf uns eindrang es wäre gewiß zu Mißhandlungen gekommen, wenn nicht die schwarzen Soldaten einen Ring um uns gebildet hätten. Als nun der weiße Balmhofsvorsteher sah, daß durch den Bahnhof ein Durchkommeu nicht möglich war, ordnete er an, daß wir über das Gütergeleife zur Dampferstelle zu briugeu seieu. Ter Bahusteig wurde nach dein Geleise hin abgesperrt, so daß die Weißen nicht sofort folgen konnten, wir wurdeu den Soldaten, unseren Transportführern und dem Bahnhofsvorsteher nmriugt, nud nun gings im Laufschritt über die Gütergeleife zum Dampfer. Zum Glück war uufer Weg kürzer als der, deu die Baude nehmen mußte, auch wurde diese durch eiue rangierende Lokomotive aufgehalten, fo daß wir den Landungssteg bereits erreichten, als die Bande mit gefchwnngeneu Stöcken schreiend schimpfend hinter drein kam. Sobald wir den Dampfer betreten hatten, wurde der Steg weggezogen und wir einstweilen in Sicherheit. Die Menge mußte sich darauf beschränken, noch ein mal alles, was sie an Schimpf- und Krastansdrücken in sich hatte, vom Ufer über loszulassen. Es fiel mir dabei auf, welch eiue Meuge deutscher Gafseuworte diese Baude kauute, mit denen sie uns uoch bedachte. Der Dampfer sollte spät der Pacyt abfahren. Als ich uuu am Abend, eingefchloffen meiuer Kabine, bereits einge schlafen war, war es doch einigen Belgiern gelungen, auf den Dampfer kommen an meine Kabine gelangen. Unter Toben und Drohungen versuchten sie, die Kabiuentür zu erbrecheu, ich hatte bereits meiner Verteidigung eiueu Eiseustab vom Bett abgeschraubt, als endlich der französische Schiffskommandant ankam die Bande dem Schiff verjagte. Ich Null noch bemerke:?, daß meine Mitgefangenen bereits in Brazzaville von französischen Unteroffizieren darauf hingewiesen waren, daß es uns bei den Belgiern übel ergehen könne; einige Zeit vor sei der deutsche Leutnant Nogalsky (ebenfalls in Kamerun gefangen und jetzt in der Schweiz interniert) auch durch den belgischen Kongo abtransportiert worden. Dabei sei er nnr mit knapper Not dem Schickfal entgangen, in den Kongo geworfen werden. gez. Hegemann, Leutnant der Reserve. An das Kommando der Kaiserl. Schntztrnppen in Berlin. Ich versichere hiermit die Richtigkeit meines vorstehenden Berichtes vom 9. Juli 1917 an Eidesstatt. Paderborn, den 5. Oktober 1917. gez. Hegemann, Leutnant der Reserve.59 Auszug aus der Vernehmung des Sanitätsvizefeld webels Altermath von der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Berlin, den 17. Oktober 1916. pp. Znr Zeit meiner Anwesenheit (im Gefangenlager Tabora, Ende April 1915) befanden sich etwa 69 weiße Gefangene (Kriegs- Zivilgefangeile) in Tabora. Die Mehrzahl war, wie mir gesagt wnrde, in Kilimatinde untergebracht. Wo die Ge fangenen im einzelnen herstammten, weiß ich nicht. Ich habe an Zivilgefangenen einige Missionare Buren gesehen; ob Belgier darunter waren, weiß ich nicht. Die Missionare waren französische Staatsangehörige aus katholische:: Missionen? es wäre möglich, daß sich darunter der eine oder der andere belgische Staatsangehörige befand. Das Lager lag der Nähe der Boma. Es hatte lustige, mit Holz Verschlageue mit Gras bedeckte Wellblechbaracken mit Zementsnßböden. Jeder Gefangene (Offiziere Mannschaften waren getrennt) hatte ein kitandaähnliches Bett mit Moskitouetz Matratze. Die Leute Ware:: jedenfalls erheblich besser untergebracht, als ich später in: belgische:: Kougo oder Frankreich. Für die Güte der Berpfleguug spricht Wohl am besten, daß durchreisende Deutsche sich aus der Gefangenenküche ver pflege:: ließen. Ich habe währeud meines Aufenthaltes nicht gefeheu, daß Weiße Gefaugeue mit Arbeiten außerhalb des Lagers beschäftigt wurde::. Außerhalb Taboras, hinter deu Kompaguiebarackeu, lag uoch ein größeres Lager, wo ziemlich viel sarbige Zivil gefangene untergebracht waren. Ich selbst habe dieses Lager nicht gesehen. V. g. u. gez. Altermath. Der Zeuge wurde vorschriftsmäßig beeidigt.Abschrift -V. I. 29?. Königliches Amtsgericht. Gegemvärtig: Amtsrichter I -, Scholz M Züchkr, NN8, AmtsgenchtSsekretär ^ h e iz a ls G er chtssch reib er . Es erscheint die Ehefrau des Gonvernementssekretärs Rechnungsrats Konrad Kielich, Klara, geb. Falkeuberg, aus Kösliu. Die Zeugin wurde mit dem Gegenstände der Untersuchung bekanntgemacht, auf die Bedeutung des von ihr zu leistenden Eides hingewiesen wie folgt vernommen: Zeugin Kielich. Ich heiße Klara Kielich, geb. Falkenberg, bin 34 Jahre alt, evangelischer Religion, Ehefrau des Gouveruemeutssekretärs Rechuuugsrats Äourad Kielich. Die Zeugiu erklärte: Ich lege hier eiuen von mir selbst nach reiflicher Über legung gefertigter: kurzen Bericht über die zur Erörterung stehenden Fragen der Be handlung in Tabora, aus dem Wege durch den Kongvftaat nach Frankreich sowie in Frankreich vor. Das Protokoll wurde der Zeugiu durchgelesen, ausdrücklich genehmigt und wie solgt unterschrieben: gez. Klara Kielich. Die Zengin leistete den Zengeueid durch Ableseu der Eidesformel vorschrifts mäßig ab. gez. vr. Scholz. gez. Fihen). An den errn Staatssekretär des Reichs-Koloiiialamts in Berlin ergebenst. Kvsliil, 5. März 1918. Kgl. Amtsgericht. gez. Scholz. 61 Abschrift 1. 295 18. Bericht über die Behandlung nach Einzug der Belgier in Tabora, Deutsch-Ostafrika, während der Kongoreise und der Inter nierung in Frankreich. Gleich am Einzngstage der Belgier in Tabora am 19. September 19 IL wurde Taborn. mein Mann, der bis zum letzten Moment beim Gouvernement in Tabora tätig war, im Kriegsgefangenlager interniert. Seine Beweise, daß er auf ein Zivillager Anspruch hätte, wurden nicht berücksichtigt. Am 21. mittags teilte mir ein Belgier die sofortige Räumung meiner Wohnnng mit, man setzte mich sozusagen auf die Straße, deuu eiue andere Wohuung stellte man mir nicht zur Verfügung, fo daß ich um Erlaubnis bitten mnßte, zu meinem Mann ins Kriegsgefaugenlager gehen dürfen. Was es heißt, einen Hanshalt in zwei Stunden aufzulösen, kauu wohl jeder verstehen! ich hatte nnr noch einen schwarzen Boy zur Hilfe und mußte viele Sacheu im Stich lassen. Das Essen im Lager war sehr schlecht, zu arbeite,, brauchte ich uicht. Die Belgier nahmen mir von meinen Borräten etwa 3V Pfnnd Weizenmehl, 60 Pfund Kartoffeln etwa 30 Liter Petroleum ohne Entschädigung. Nach 17 Tagen mnßte ich noch einige Franen das Lager wieder verlassen und bekam eine Wohnnng in dem den Franen inzwischen angewiesenen Stadtteil, während des folgenden Aufenthalts kann ich mich über die Belgier nicht be schweren. Da unser Silbergeld zu Eude giug, bekamen Nur Franen Unterstützung von der belgischen Regierung. Ich befand mich beim ersten abgehenden Fraueutrausport, er bestand nur aus sechs Fraueu und verließ Tabora an, 8. Dezember 19l 6. Die Abreise nach Belgier hatten uns versprochen, daß wir die Reise in Begleitung unserer Männer NNagarnssi. machen sollte,,, und alle Bequemlichkeiten und Hilfe der zuständigen belgischen Lokal beamten wurden uns zugesichert; leider hat man nichts von diesen Versprechungen ge halten. Zwar fuhr ich erster Klasse, aber mein Mann in einein Viehwagen^ eng an- einandergedrängt haben die 17 Herren acht Stunden lang bis Mlagarassi gestanden, Mlagarassi. da die wachthabenden Askari den größten Platz für sich ihr Gepäck beanspruchten, außerdem vervesteten sie die Luft mit stinkendein Fleisch, das sie mit sich führten: die Wagentür durfte uur eiue Handbreit offen sein. An, ersten Übernachtnngsort Mla garassi angekommen, mnßten die Herren ihr schweres Gepäck den steil aufführeuden, weiten Weg selber schleppen, so daß mein schwer herzleidender Mann nnter seiner Last in die Knie brach, dnrch Kolbenstöße häßliche Schimpfworte von feiten der Askari wurde er aufgetrieben immer wieder znr schnelleren Gangart er, ahnt. Fast be sinnungslos gelangte mein Mann znr Übernachtungshütte, nur schlug man die Bitte eine,, Augenblick nnr zu meinen, kranken Manne zu dürfe,,, ab. Eiu anderer jnnger Manu, eben aus den, Krankeuhause entlasse,,, wurde uuterwegs vor Schwäche ohn mächtig? man half ihn, uicht, er mnßte sogar, nachdem er sich etwas erholt hatte, sein Gepäck zerteilen und dann den Weg mehreremal machen, es war empörend. Die elfstündige Fahrt auf eiuem kleinen Schiff von Kigoma nach Lnknga war Fahrt über sehr anstrengend, da uns nicht mal ein Stnhl znr Verfügung gestellt wir den gauzen Tag nichts zu esseu bekamen, Mannschaften Offiziere befanden sich auf den, Vorderdeck, auch ohue Sitzgelegenheit, nicht mal ein Sonnenscgel wurde aufge- fpauut mußte,, sie deu ganze,, Tag in der brennenden Sonne aushalten; fast alle litten unter großen, Kopfweh. Vollständig erschöpft gelangten wir ach Lnknga, man brachte Franen Lakugn. einer offenen vollständig leeren Rohrhütte, ein Askari mit aufgepflanztem Seiten gewehr wurde dauebeu gestellt wir uuserem Schicksal überlassen. Später fanden 62 sich etwa vier Belgier vor der Hütte ein, die sich eifrig unterhielten! wir bateil sie um unsere Betten um etwas zu esseu. Nein, sagten sie, sie helfen uns nicht; die Deutscheu hätteu die belgische Fraueu viel schlechter behandelt, ja sogar 4000 Bel gierinnen vor die deutsche Frout geführt dort erschießen lassen wir erwiderten, das wären Lügen, darans Achselzucken. Wir bekamen also uusere eigeueu mitgenom menen Betten nicht. Etwas unappetitliches Essen brachte man erst gegen 10 Uhr abends, da kouuteu wir aber vor Ermattung nichts mehr genießen. Wir legten nun Deckeu auf deu Lehmbodeu, oder wer eiueu Stuhl oder Kiste gefunden hatte, uahm diese, um uur eudlich mal dem Körper etwas Ruhe zu verschaffen. Mehreremal haben wir nachts auf deu fchmaleu, harten Bäukeu im Zuge logiert; die Kleider bekam man oft tagelang nicht vom Körper. Auf einem kleineu Dampfer wurde mein Manu noch mal ohne Grnnd vor die Brnft gestoßen, er beschwerte sich beim Führer, der in Gegen wart der deutschen Offiziers versprach, deu Askari abends durch 15 Hiebe zu bestrafen; natürlich tat er dies dann doch nicht. Dies unter uns Gefangenen festgestellt. Die Bestrasuug sollte in Gegenwart eines deutschen Offiziers erfolgen, dies unterblieb. Sttinieyville. Eine bessere Behandlung erhielten wir in Kongolo Pouthierville auf der ueuutägigeu Kongofahrt, die Verpflegung war gut. Aber Stauleyville Thhsville spottete die Behandlung jeder Beschreibung. Besouders fühlten sich dort die Schwarzen als Herren, die Askari erlaubten sich gegenüber alles mögliche. Sie schienen gar keine Instruktionen erhalten zu habeu, sie liefen, sowie wir draußen ein paar Schritte machten, mit ausgepflanztem Seitengewehr hinter her wollteu auch uns wie die Männer zur Toilette begleiten; die Sache änderte sich unsere Be schwerde. Aber benutzt wurde die den Frauen zugeteilte Toilette auch deu Askari, und alle Vorstellungen führten keine Änderung herbei. Leider mußten wir in Stanley- ville 13 Tage bleibeu; eiue offeue, alte Askarikaserue diente als Wohnnng, es war nnr ein Palmwedelbau, es regnete dnrch, der Fußboden war glitschrig, und in den Löchern stand sogar das Wasser. Wäsche Kleider feucht, Koffer Schuhe mit dicker Schimmelschicht überzogen; fast alle Franen erkrankten, ich zog mir ein Blasen leiden zu, das auch jetzt noch nicht ganz gehoben ist. Der Arzt war freundlich und kau: täglich; aber eine andere Wohnung bekamen wir nicht, da wir die Bedingung ftellteu, daß unsere Männer mit gehen müßten. Essen war schlecht, dabei erzählte uns der Arzt, daß das belgische Gonvernement Pro Kopf täglich 8 9 Fres. bezahlt. Bei Ein käufen bei einem Kaufmann, den die Belgier ins Lager sandten, wurden wir furchtbar übervorteilt. Uusere Beschwerdeschristeu au deu belgischen Gouverneur wurden unterschlagen; dies weiß ich von deutschen Offiziereu, die mit uns transpor tiert wurden. Thysville. Iu Thpsville sperrte 17 Persoueu, Mäuuer Frauen, ein Belgier in hinten einem Hos gelegene kleine drei Stnben mit uugeuügeuder Auzahl Betteu stellte noch V2 Dntzend mit aufgepflanztem Seitengewehr versehene Askari da neben; für alle stand zur Beuntzuug mitteu auf dem Hof einziger Waschtisch mit einer Schüssel, zu esseu bekamen wir nichts. Da man uns die Abfahrtzeit nicht mitge teilt hatte, wurden Nur am uächfteu Morgeu sehr unsaust vom Lager gescheucht, um ^5 Uhr, und ungewaschen ungekämmt zum Zuge getrieben. Trotzdem überall geuügeud Schwarze den Bahnhöfen herumstanden, mußteu auch wir Frauen nnser Handgepäck selber schleppen. Matndi. Besonders in Matadi zeigten uns die Europäer die Wut, die sie auf die Deutschen haben, unverhohlen. Eine Dame war während der langen Bahnfahrt so krank gewor den, daß sie ins Hospital mußte; man hat sie furchtbar beschimpft und geschrieen: Laßt doch das deutsche Schweiu krepiereu. Ihr Mauu durfte sie uicht ius Kraukeuhaus be gleiten. Beim Trausport fiel eine Kiste zur Erde, so daß deren Inhalt heraussiel, da johlten die Belgier- Zerschlagt doch die gauzeu Lasten der deutschen Schweine. Die Offiziere kamen hier in das Gefängnis für Kettengefangene, während die Verheirateten ein Haus zusammen zur Wohnnng bekamen. Wir alle waren körperlich wie seelisch total heruuter. Uuterwegs fragten wir mal den Führer nach dem Grund der rohen Behandlung, da sagte er- die Belgier hätteu die deutschen Grenel in Gent miterlebt; wir wußten nicht, was man darunter verstand. K3 Hier in Matadi bestiegen vir am 19. Jauuar 1917 den großen Dampfer Albert- Dampfer ^ ville, der nach La Palliee in Frankreich brachte. Ich bekam mit meinem Mann ^bertville zusammen eine Kabine zweiter Klasse. Alle Gefangenen anfangs wie die schwersten Verbrecher eingeschlossen gehalten nnr znm Essen in den Speisesaal ge lassen. Etwa ä 5 Tage lang sahen wir kein Tageslicht. Ans unsere Beschwerde er reichten nnr, daß dann später wenigstens tagsüber die Kabine unverschlossen blieb wir Frauen sowie die beiden Beamten, darnnter mein Mann, die hier endlich als Zivilgefangene bebandelt wnrden, vor- nachmittags je 2 Stunden an Bord bleiben durften, während die anderen Gefangenen nnr jedesmal eine Stunde Lust schöpfen dnrften. Das Deck zweiter Klasse war aber uoch zu schade für nns, wir kamen ganz nach oben an5s Hinterdeck, wo Wäfche getrocknet Tiere befördert werden. Wir durften auch unr die steilen Hintertreppen benutzen. Als wir hinter Dakar in die Ge fahrzone gelangten wir darum baten, nnn nachts die Kabine unverschlossen zu lasseu, hat Belgier geäußert: Sollte das Schiff torpediert werdeu, müssen die deutschen Schweine zuerst daran glanben." Der Kapitän jedoch hatte bei Verteiluug der Klarschissrolle auch Gefangene mit Korkwesten versehen lassen uns die Boote zugeteilt, in denen wir bei Seenot nnfern Platz finden sollten. Wie ich schon erwähnte, mein Mann hier dem Dampfer als Zivilgefangener behandelt, ich las es in den Personalangaben der belgischen Papiere. Während die Militär gefangenen hier wöchentliche Unterstützung erhielten, war mein Mann als Zivil gefangener davon ausgeschlossen. Nach der Anknnst am 12. Febrnar 1917 in La Palliee dnrften die beiden Zivil- La Pallice. gefangenen mit Frauen zusammenbleiben, nach den Verhandlungen vor einem aus süns Herren bestehenden belgischen Komitee, unter denen sich der erste Kom mandant von Tabora, Kapitän OlmsckcN ine, befand, der inzwischen wegen Krankheit nach Frankreich gereist war, wnrdcn die beiden Beamten Kriegsgefangene mein Mann ist es zur Zeit uoch. Unser sämtliches Gepäck in La Pallice durchsucht, und auch wir Frauen mnßten uns einer peinlichen Dnrchsnchnng nach Gold oder Papieren unter ziehen. Meiueu Schmuck ließ man mir, aber nenn Goldstücke nahm man mir mei ner Jacke, gab mir aber weder eine Bescheinigung noch eine Entschädigung. Köslin, den 1. März 1918. gez. Frau Klara Kielich. 64 Abschrift.V. I. 313. Königliches Amtsgericht. Gegenwärtig: Rudolphi, ?l. G. Rat als Richter, Referendar v. dem Bnsch als Gerichtsschreiber. In der Ermittlungssache gegen Unbekannt erschien die nachbenannte Zeugin Frau Regierungsrat Schmidt. Die Zeugin, mit dem Gegenstande der Vernehmung bekanntgemacht, wie solgt vernommen: Zeugin Schmidt nach Leistung des Zeugeneides: Zur Person: Ich heiße Hermine Schmidt, geb. Piesberger, biu 33 Jahre alt, evangelischer Religion, Ehefrau des Regieruugsrats Geo Schmidt, zur Zeit Lichterselde. Zur Sache: Ich habe dasjenige, was nur Tabora auf dem Wege durch den Kongostaat während meiner Jnterniernng in Frankreich und England passiert ist, in der beiliegenden Anlage zum heutigen Protokoll niedergelegt und mache den Inhalt dieser Anlage zum Gegenstand meiner heutigen Aussage. Dieser mir vorge lesenen Anlage habe ich nichts hinzuzusügeu. Ich habe die Niederschrift uicht aus Tage büchern, sondern aus der Erinnerung niedergeschrieben. Vorgelesen genehmigt und wie solgt gez. Frau Hermine Schmidt geb. Piesberger eigenhändig unterschrieben. gez. Rudolph!. v. dem Busch. Abschrift zu I. 313 18. Aulage zum Protokoll vom 7. März 1918. gez. Rudolph!. gez. v. dem Busch. Am 19. September 1916 Tabora von den Belgiern besetzt. In den nächsten Tagen und Nächten kamen fortwährend belgische Soldaten, die ranben plündern wollten. Oft mnßte mein Mann ihnen die gestohlenen Sachen wieder ab nehmen; die Leute drohten dann nachts wieder zu kommen und zu erschießen. Nach etwa drei Tagen kam ein belgischer Offizier, der bis dahin als Gefangener in Tabora Ehrenwort frei war, und befahl uns innerhalb drei Stunden unser Haus zu räu- Ver lin-^ichterfelde, den .März 1918. 65 men, Trotz energischen Protestes meines Mannes, der daranf hinwies, daß ich krank sei, daß wir nicht so schnell eine andere Unterkunft sinden könnten, mußten wir innerhalb drei Stnnden räumen, da ein belgischer Oberst Oliven, der hinzukam, die Räumuug befahl. Es war in dieser Zeit natürlich unmöglich, alle Sachen einzupacken, so daß wir gezwuugeu waren, einen Teil unserer Sacheu zurückzulassen. Unser Haus wurde erst zwei Tage später den Belgiern bezogen. Es gelang nach vielen Mühen eine andere Unterkunft zu siudeu. Am 28. September wurde mein Mann der Festnng in Tabora interniert, wie alle männlicheil Zivilisten unter 55 Jahren. Uns Franen war innerhalb eines kleinen Stadtteiles, in dem wir wohnten, Bewegung gestattet, sonst waren wir frei. Glücklicherweise hatten wir dank der voraussehenden Fürsorge des Gouvernements genügend Lebensmittel, so daß wir nicht in Not gerieten und auch unseren gefangenen Männern täglich Esseu schicken konnten, da diese von dem schmutzigen und schlechten Essen, das sie im Gefangenenlager bekamen, nicht leben konnten. Im November 1916 fing dann der Abtransport der dentfchen Gefangenen durch deu Kongo an. Wir, d. h. mein Mann, ich, zwei Kinder ein Fränlein, fnhren am 25, Iannar 1917 mit etwa 18 anderen Europäern von Tabora ab. Es war wiederholten Malen versichert, daß wir stets erster Klasse sahren sollten, daß im Kongo alles aufs Beste für unsereu Abtransport vorbereitet sei, vor allen Dingen, daß wir Frauen Kinder sofort nach unserer Ankunft Frankreich nach Deutschland verbracht würdeu. Vou unseren Sachen konnten wir nnr wenig mitnehmen. In Kigoma bekamen wir bei einem Griechen Abendessen fnhren dann des Nachts mit einem kleinen Dampfer über den Tanganjikafee. Morgens kamen wir belgischem Boden, in Albertville, an und wurden in die zwecks des Abtransportes er bauten Hütten gebracht, Eingeborenenhütten, in denen loser, snßtiefer Sand lag. Unser Essen bestand dort hanptfächlich ungenießbaren Kaldannen in Büchsen und in von einem Schwarzen der Erde in Sand gerollten Reisklößen. Die Kinder bekamen Milch. Am anderen Morgen gings weiter, mit einmaliger Übernachtung auf der Bahn strecke bei einem Schlafkrankenlager. Wir mußten schmutzigen verfallenen Einge borenenhütten ohne Türeu übernachten nnsere Lasten selbst den Berg hinauftragen. Der hier als Ortsvorsteher haufeude Balmbeamte machte sich sichtlich ein Vergnügen daraus, uns schlecht behandeln. Jeden Tropfen Waffer mnßten wir von weit her holen. An: nächsten Tag fuhren wir nach Kabalo. Es ist mit Worten nicht zu beschrei ben, in welchem Schmntz wir dort Hausen mußten. Es wimmelte von Moskitos sonstigem Uugezieser. Als Abeudesseu bekamen wir ein kümmerliches lebendes Zicklein rohen Reis. Es war natürlich ausgeschlossen, daß wir etwas davon zubereiten konnten, da wir erst im Dnnkeln ankamen. Zum Glück verbrachten wir nnr eine Nacht in dem furchtbaren Ort und fnhren am andern Morgen mit einem kleinen Dampfer auf dem Kongo nach Kongolo. In Kongolo hatten sich infolge der schlechten Organisation mehrere vorher gehende Transporte angesammelt, so daß es kanm möglich war, unterzukommen. Die Offiziere sagten die wiederholten Vorstellungen meines Mannes innner, die Zivil- verwaltnng hätte Wohl Häuser, wolle sie aber nicht herausgeben, da sie sich mit der Militärbehörde nicht gnt stände. Wir sollten erst in dem sogenannten Ärztehaus wohnen, das aus eiuem Zimmer mit Veranda bestand. Als wir zu Tode erschöpft, ohue etwas geuösseu zu haben, bei glühender Sonne mittags nm 2 Uhr dort ankamen, wohnten dort bereits fünf Erwachsene vier Kinder, so daß es für unmöglich war, dort unterzukommen. Auf unsere Beschwerde wurden Nnr in einem verfallenen Schuppen einquartiert, dessen Balken so von Termiten zerfressen waren, daß man glaubte, sie fieleu jeden Augenblick herunter. In diesem Schnppen wohnten schon zwei Fraueu, zwei Kinder und Mauu. Wir mnßten zusammen einrichten: die beiden Mäuner bekamen eine alte Eingeborenenlmtte ohne Tür Fenster angewie sen. Wir mußten auf der ganzen Reife stets auf drei Steiueu kocheu, Brot backen,unsere Wäsche selbst waschen usw. In Kongolo bekamen wir anstatt Naturalien Geld, um uns einige Lebensmittel kaufen. Nach etwa 1 ^ Tagen sichren wir weiter. In schmutzigster! Eingeborenenwagen zu acht Personeu in ein enges Abteil gezwängt, fuhren Nur zwei volle Tage, mußten der Strecke teils in Balmwagen, teils in Schuppen übernachten. Unsere Betten, die wir für die Nacht aufstellten, mußten wir selbst ini Dnnkeln dem Gepäckwagen herauszerren des Morgens in aller Frühe wieder verstauen. Am andern Tag kamen wir abends in Kindn au, kameu sofort auf einen Kougodampfer fuhren in zwei Tagen nach Pouthierville. Wir hatten das Glück, zu fünf Personen eine kleine Kabine mit zwei Betten zu bekommeu. Mein Mann und ich mnßten unsere Betten des Nachts an Deck ausstelleu. In Ponthierville wurden wir in einem Schlafkrankenlager untergebracht, das angeblich noch ganz neu war. Rings von hohen Manern nmgeben, die gerade nnter dem Äquator eiue fürchterliche Hitze ausströmten. Immerhin waren es Steinhäuser, so daß, wenn es regnete, wir wenigstens im Trocknen lagen, was bis dahin nicht der Fall war. Nach 8 I l Tagen fuhren wir nach Stanleyville wieder in Eingeborenenwagen, aus denen die Schwarzen erst hinausgeworfen werden mußten, damit wir Platz hatten. Ju Stauleyville kamen wir in einer fogenanuteu Kongobaracke nnter. Ich brach dort infolge der Überanstrengung mit einer schweren Lebererkranknug zusammeu, bekam Gelbsucht und mußte etwa drei Wocheu dort liegeu. Der dortige Arzt, Italieuer, behandelte mich zuerst auf Brouchialkatarrh. Da ich, als wir abfuhren, noch sehr schwach war, wollte er mich in einem Krankenstnhl zum Dampfer tragen lassen. Es gefchah natürlich nichts dergleichen, als ich mich mühsam znm Dampfer hin schleppend den Arzt nnterwegs traf, bog er etwa ll) Schritt an mir vom Wege ab, ohne mich nur zu grüßen. Wir fuhren mit dem Dampfer in l t) l 2 Tagen nach Kinshasfa-Leopoldville. Aus dem Dampfer waren wir nur auf eiueu etwa in breiten Raum vor unseren Ka binen beschränkt auf eiueu kleiueu Raum zwischen zwei Toiletten. Unser Essen mnßten wir stets in 10 Miuuteu hinunterschlingen, da hinterher die Belgier aßen. In Leopoldville wurden wir nuter Bewachung in eine Kongobaracke gebracht, in der wir etwa zwei Tage blieben. Wir dnrften dort nichts kaufen, die Verpfle gung war schlecht wenig. Bei unserer Abfahrt Leopoldville, Thysville, Matadi bekamen wir für zwei Tage Büchseufifch Käfe als Verpfleguug, die für die Ein geborenen eingeführt find, von Europäern uicht gegesfeu werdeu. Wie wir auf der Fahrt feststellten, waren znm Uberfluß sämtliche Doseu verdorben, so daß wir zwei Tage nichts zu essen hatten. Ein Herr, der trotzdem von dem Käse aß, erkraukte au vergiftungsähnlichen Erscheinungen. Unsere Betten, Decken, Tische, Stühle wurden in Leopoldville zurückbehalteu, wir sahen die Sachen erst Vielsache Beschwerden bei unserer Abfahrt Boma wieder. Wir hatten für die folgenden Tage weder Decken, Bettzeug, Moskitouetze, Tisch oder Stuhl. Betteu bekameu wir unseren Nachtquartieren gestellt mit Deckeu, die Vvu Wauzeu wimmelten. In Thysville wur- den wir dem Kommandanten wie Verbrecher behandelt. In einer Griechenkneipe wurden wir auf einem finsteren Hof untergebracht. Mir zugemutet, mit den ) 3 Mäuueru, die mit reisten, in einein Raum zu schlafen. Erst Protest ein Raum von einer schwarzen Fran freigemacht, dereu Bett ich auch schlafen mußte. Zu esfeu bekamen wir nichts, trotzdem wir den ganzen Tag nichts genossen hatten. Der Transportführer, dem wir die verdorbenen Sachen zeigten und dafür anderes Efsen verlangten, erklärte, nichts geben zu könueu, da feinem Schein stände, daß wir Verpflegung für zwei Tage bekommen hätten. Selbst für Geld war dieses Mal nichts zu haben. Wir wurdeu auf Schritt Tritt von Soldaten bewacht. Wir fuhren am anderen Morgen nach Matadi und bekamen dort endlich vielfache Beschwerden etwas Abendessen, das wir tener bezahlen mnßten. Auf den kleinen Bahnstationen zwischen LeoPoldville^Thysville-Matadi standen die schwarzen Zöglinge der katholischen Missionsschulen, verhöhuteu uus, drohten mit der Fanst machten die Gebärden des Halsabschneidens. s!7 In Vcatadi patroullierten Tag bracht fchwar-.e Soldaten vor nnseren Fen stern, die natürlich ohne Gardinen waren, ab, so daß man sich kann: mit Ruhe au oder ausziehen konnte, Bou Matadi suhren ivir in zwei bis drei Tageu nach Boma ab, Wir wurden vormittags glühender Hitze mit iluserein Gepäck und vielen Schwarten pisamiuen dein Zwischendeck eines kleinen Dampfers zusammengepfercht, Obgleich dein großen Deck erster.Masse nnr eine belgische Familie war, Franen und .^in dern nicht gestattet, dort deu Schatten setzen, sondern Nur mußteu der Souue ausbarreu. In Boma kamen wir in ein kleines vollständig verwahrlostes Hans, in dem es von Moskitos wimmelte. Während der ganzen Reise dnrch den Kongo sind belgische Ossiziere und Unter offiziere deu Dampseru der Bahu mit uns gesahreu, zum größten Teil mit ihren schwarzen Weibern. Das Beuehmeu der Belgier der schwarzeil Frau.eu war teilweise unbeschreiblich, aber auscheiueud das im Kongo bei den Belgiern. übliche. Biele von den mitreisenden Belgiern verhöhnten gemeinsam mit ihren schwarzen Weibern suchten zu schikanieren. Auf deu gauzeu Tagesbahnfahrten gab es für Frauen Kinder keine Toilette, so daß wir gezwungen waren, während die Züge hielten - wie lange wnßte niemals jemaud - in den dichten, nahe der Bahn uueudlich schmutzigen Urwald zurückzuziehen, In manchen Orten dursteu selbst Fraueu Kinder nicht ohne eiueu schwarzni Soldateu mit ausgepflanztem Seitengewehr sich die salls vorhanden, ekelerregend unsanbereu Ortlichkeiten zurückziehen. Bei un serem Transporten wechselten sehr häufig die Transportführer. Einige derselben schie nen sich ein besonderes Bergnügen darai:s zu macheu, recht niederträchtig zu be- haudelu. Eiuzelue, die uleufchlicher dachte , waren, wenn sie allein ohne andere Belgier zu svrecheu, weuiger uuaugeuehiu^ Versprechungen inachten alle, logen direkt etwas vor, gehalten hat niemand etwas. Ganz ausfallend war es, daß eurer sich immer vor deu audereu fürchtete, die Deutschen menschlich zu behaudelu. Für die ganze Reiie durch deu Kougo wareu, obgleich die Belgier schon mouatelaug die Absicht hatten, hiudurch zu trausporiiereu, uur die allergeriugsteu Vorbereitungen für unsere Überführung getroffen. Weder für Unterbringung, noch für Verpflegung, noch für deu Transport selbst war gesorgt. Überall hieß es immer, wir wären nicht ange meldet, und es , könue nichts sür geschehen. Die Reise ging teilweise dnrch die ärgsten SchlafkraukheitSgebiete, völlig ausgetrocknete Ortschaften, wie z. B. Neu-Aut- werpeu, Wir siud alle oft deu die Schlafkrankheit übertragenden pu!- gestochen worden, ohue dagegeil fchützeu zu köuueu. Meiu Mauu hat sich Boma schriftlich beim Generalgouverueur über die auf der Reise zuteil gewordeue Behandlung beschwert, ohne eine Antwort zu bekommen.. Rieht uur ich meiue Kiuder habeu gesundheitlich, körperlich und seelisch schwer nnter der Deportation gelitten, souderu auch meiu Mauu. Obgleich er krauk war, mußte er häufig uuser Gepäck selbst aus- eiuladeu, so daß ich sürchteu uiuß, auch er hat eiue dauernde Schädigung seiner Gesundheit davongetragen. Am März suhreu wir Boma mit der Albertville" ab. In Boma war meinem Mauu aus seiue vielfache?! Beschwerden vom Polizeikommissar versichert wor- deu, daß Nur .^abiueu erster Klasse untergebracht werden würden. Wir wurden, die Fraueil ihreu Mäuueru getreiiut, uutergebracht meiu Aiaml absichtlich gauz voru nu Schiff iil eiuer Kabiue erster Fklasse luit einenl andereil Regieruugsrat zu- sauliueu, ich mit deu .^iuderu hiiiteu iul Schiff über der Schraube eiuer Iuueukabiue zweiter Klasse. Erst aus vieles Dräugeu mit vieler Äst wurde meiu Mauu der Rähe meiuer Kabiue uutergebracht eiueui Ranm ohile Feilster oder Tageslicht. Der Dampfer war mit Geschützen und Munition bis obeuhiu beladeil, die auf deu europäischen Kriegsschauplatz zurück sollteil: selbst auf deu^adelukeu Flieger bombe großeil Meugeu hoch aufgestapelt. Auf der eiueu Hälfte des Zwischeudecks ftaudeu massenhaft Geschütze, hiuteu am Steuer auch am Bug des Schiffes waren große Geschütze ausgestellt. Nil Bord außer Gesaugeueu, mit Ausuahme weniger Zivilisten, fast uur Offiziere, der Geueral lomdvur mit feiuem Stab, Uuter- 68 osfiziere und Mannschaften in großer Zahl, so daß jedes Plätzchen besetzt war. Die eng zusammengepferchten Deutschen dienten also nnr znr Decknng eines Trnppen- und Munitioustrausportes. Bei Tage durften wir uns einem Teil des Zwischendecks aufhalten, zuerst deu ganzen Tag, später aus unbekannten Gründen nnr während einiger Stunden; wir wurden bewacht und teilweise gestoßen von schwarzen Soldaten der Manjenea- und Bangalla-Stämme. Der Transportführer war ein Oberst sein Adjutant ein Hauptmann Kkil^euk. Beide haben ihr möglichstes getan, nm nn.S jede Weife zu fchikauiereu. Beschweren konnten Nnr tiber nichts, denn es bereits am zweiten Tage mitgeteilt, daß jede unberechtigte Beschwerde (nnd das waren sie in belgischen Angen natürlich stets) mit acht Tagen Haft bestraft werden würde. Die belgischen Offiziere die belgischen Franen standen stundenlang am Deck der ersten zweiteil Klaffe, lachten über uns zeigten mit Fingern auf uns, selbst der General war sich nicht gut, sich daran ;n beteiligen. Das Essen an Bord war vollkommen unzureichend, es bestand zum größten Teil aus halb rohem, zähen Fleisch halb garen Kartoffeln. Glücklicherweise gelang es für teures Geld Milch für die Kiuder beim Obersteward kaufen, sie hätten sonst bei der Verpflegung die Reise nicht überstehen können, da das einzig Genießbare für sie aus etwas Grütze, die auf vieles Dräugen des Morgens gereicht wnrde, bestand. Selbst der Arzt hat es ost für uotwendig erklärt, daß die Kinder andere Nahrungsmittel haben müßten, aber er war machtlos. Alles was znr Verbeffernng nnferer Lage mW znr Er nährung uuferer Kinder zu erreicheu war, war uur durch Bestechung des Personals möglich. Je weiter wir nach Norden kameu, je schlimmer die Behandlung. Bei jedem Schiff, das zu sehen war, bei jeder Landung mußten wir in den engen, fürchterlich heißen Kabinen sitzen. Einmal durften wir in Dakar die Kabinen W Stunden lang anßer zu den Mahlzeiten nicht verlassen. Was das bei dieser Hitze heißt, mit zwei leb hasten Kindern, kann nnr der beurteilen, der so etwas dnrchgemacht hat. In Dakar wir des Nachts auf die schlimmste Weise von betrunkenen belgischen Unter offizieren beschimpft; sie versuchten die Kabinentüren auszubrechen, was zum Glück nicht gelaug, und schrieen stundenlang: Ersänft die deutschen Schweine!"; Schlagt sie tot die Sanerkrantfrefser!"; Werft sie über Bord die Meuchelmörder!" ähnliches. Da wir Franen von den Männern getrennt und unsere Herren durch die ganze Behandlung aufs äußerste gespannt waren, saßen wir in einer wahnsinnigen Angst in der Kabine. In der Höhe von Frankreich für die belgischen Passagiere das Schiffspersonal fortwährend Rettnngsmanöver gemacht. Wir Dentschen mnßten dann stets in die Kabinen. Kurz vor der ^andnng in England Gefangenen zwei Rettungsboote angewiesen. Wir waren in: ganzen 72 Gefangene an Bord mit 15 fchwarzen Soldaten die beiden Boote verteilt. Wir wären, da wir viel zu viel waren, lange nicht alle in den Booten untergekommen, was man den höhnisch lächelnden Gesichtern der Offiziere schwarzen Soldaten entnehmen konnte. Frau Hermine Schmidt gol . Piesberger. 69 Die in vorstehenden Berichten dargestellten Tatsachen werden dnrch eine Reihe von Zengeu bestätigt, die die Richtigkeit ihrer Aussagen an Eidesstatt versichert haben (ihre gerichtliche Vernehmung war nicht möglich, da sie sich noch im neutralen Aus land befinden). Da ihre vollständige Wiedergabe zu weit führen lind mir bereits Ge sagtes wiederholen würde, feien nnr nachstehende Angaben hieraus angeführt. 1. Aus dem Bericht des Laudfturmmannes P a nlGrafe - Am 19. September 1916 mittags etwa gegen 2 Uhr erschienen zwei verlotterte belgische Askaris mit aufgepflanztem Seiteugewehr augetrunkenem Znstande bei im Hospital und gingen lärmend durch die einzelnen Räume, dabei von der Kran kenschwester drohend etwas Trinkbares" verlangend. Alle Hinweise, daß dies ein Hospital und wir alle Kranke seien, waren fruchtlos, es regnete Beschimpfungen nnflätigster Art auf herab. Der eine Schwarze, ein ausgeprägter Menschenfresser typ mit spitz gefeilten Zahnen, sah an der Wand ein silbernes Portepee hängen, das er mit raschem Griff als Siegesbente an fich reißen wollte. Als fich dein der Eigen tümer, Regiernngstierarzt Unterveterinär Nen, widersetzen wollte, nahm der Askari sein Gewehr, repetierte und drohte, Nen zu erschießen. Nnr dem ;nsälligen Dazwischen kommen des ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen, des Belgiers l^mulml, der krankheitshalber im Hospital untergebracht war, früh aber zum Empfange der einzie henden Truppen davongegangen war, ist es danken, daß der Askari von Neu abließ und das Portepee mit Wncht den Boden warf, dabei aber drohend, er werde in der Nacht wiederkommen. Einem anderen Europäer, der infolge Rückfallfiebers augen leidend war die Augeu verbuudeu hatte, riffeu die beiden die Binde ab sagten, er stelle sich nur krauk. Wie die Schwarzen an ihresgleichen, so ahmten die Belgier an die Dieb stähle nach. In verschiedenen größeren Magazinen waren seitens der Etappen einige tausend Kisten zurückgelassen worden, die nebst Inhalt den einzelneu zur Schutztruppe eingezogenen Europäern gehörten, die entweder gefallen, in Gefangenschaft geraten oder zurückgelasseu worden waren. Diese Kisten wurden von den Belgiern erbrochen zum Teil ihres Inhaltes beraubt. Ich habe hierbei den Verlust vier Kisten beklage . Hervorgetan hat sich hierbei anscheinend der Belgier ?Iamanä, der sich aus dem Eigentum des Herrn Kapitänleutnant Kendrick bereichert hat, und sich im Hanse des Kaufmann Müller schadlos halten wollte, aber von Fran Banrat Hoffmann hierbei ertappt wurde. Ähnlich mag es den anderen Enropäerhänsern, deren Be wohner abwesend waren, ergangen sein. Im Besitze des Franzosen VVilKeiümüu und des Belgiers .luniuL später Stücke gesehen, die nachweislich Deutschen gehört hatten. Infolge eines am 5. November 1916 eintretenden heftigen Fiebers, das mit Pansen mehrere Wocheu audauerte das infolge großer Schwäche einen Ohnmachts anfall auslöste, wurde auch ich halb krank geschrieben. Trotzdem ich danach vom Arzt sür sogenannte leichte Arbeiten vorgemerkt war, mnßte ich doch am 11. November an der körperlich anstrengenden Arbeit des Wasserholens teilnehmen. Das Wasser war etwa 2 Icm weit vom Lager zu holen. Am 17., 18. Sl). November ich mit einem ebenfalls kranken Kameraden dazn kommandiert, die im Hofe stehenden z. T. mebr als zentnerschweren Mülltonnen in die einige hundert Meter vom Lager entfern ten Müllgruben zu entleeren, was eine enorme Kraftleistnng erforderte. Vor oben genanntem Fieberansall mnßte ich im Verein mit nenn Kameraden unter Aussicht des Franzosen ^lxenbeiiu am 39. Oktober die schwer kränkende Aufgabe erfüllen, mit leerem Wagen durch die Stadt uach dem Holzmann-Bahnhof wieder zurück schwer mit Brettern beladen in das Lager sahren. Daß dabei von unserem Anfseher die belebtesten Straßen Plätze berührt wnrden, um in den Allgen der Ein geborenen verächtlich zu machen, ist selbstverständlich. Ein weiterer Fall der Herab- würdignng erfolgte am 2. November, an welchem Tage ich mit sieben Kameraden zu 70 zweit 8 m lauge Balken auf der Schulter mitten durch die Stadt trageu mußte; eiue Arbeit, die bisher noch uicht zugemutet vorde?? war. Auch das Thema Arrest" ist unerschöpfliches. Die Arrestlokale bestaudeu aus einzelnen kleinen Zellen mit kleinem Fensterchen, das bei strengem Arrest verdun kelt wurde. Pritschen gab es nicht, meist war es nnr erlaubt eiue Decke mitplnehmen, so daß mau den kalten Tropeuuächteu jämmerlich sror. Die Rechtsprechung seitens des Lagerkommandanten 0 ! ^l:? ? m war eine vollkonunen nüllkürliche fast immer uligerechte: lvegen der kleinsten Vergehen wnrde?? Strafen verhängt. So erhielt z. B. der Unteroffizier Löhr 2-l Stuudeu Arrest, weil er, während er baden gegangen war, seine Waschschüssel am Bett stehen ließ. Ein diesbezügliches Verbot bestand nicht, wurde vielmehr erst in? Augenblick der Verhäuguug der Strafe gefchaffeu. Er durfte uur eiue Decke ein Moskitonetz mit in das Arrestiokal nehmen war gezwungen, den: nackte?? Steinboden ;?? schlafen. Die Folge war, daß er nachts von einem Skorpion gestochen wurde. Eiu anderer Europäer erhielt Arrest, weil er unter seinen? Kopfkissen Gegen stände aufbewahrte, die er infolge Platzmangels nirgends nnterbringen konnte. Am l-l. November erhielt der Unteroffizier Walz Arrest, weil er den? deutschen Zahnarzt einen Zettel unverfänglichen Inhalts an seinen Boy mitgegeben hatte, in dein er ihm verschiedene Beforgnngen auferlegte. Dem Zahnarzt wurde für seine Be reitwilligkeit, den Zettel weiterpckeiten, die Ansübnng seiner Praris weiterhin unter sagt. An? gleichen Tage Deckoffi ,ier Mattnschek bestraft, da er sich infolge eines fcbweren Fieberanfalles weigerte, am nächsten Tage die Reise durch den Kongo uach Europa anzutreten. Er hatte von? belgischen Ar;te Dispens erhalte??. An? 20. November versnchte der Portugiese (^?vUI , der bei in? Etappen dienst tätig gewesei? war und seitens der Belgier als feindlicher Kriegsgefangener be Handel? wnrde, einen Brief ii? deutscher Sprache au seine Fran gelangen lassen. Er wurde daranshin mit I-l Tagen Arrest bestraft mnßte außerdem an? Tage die Latrine?? völlig allen? säubern. Es war dies ein beliebtes Mittel des Leutnants Onnvul, Gefangeneu seine Macht ,n zeige??. Damit nicht genngi da man bei s :?vull noch irgendwelche besondere?? Geheimnisse vermntete, dnrchsnchte man seine sämtliche Habe und als dies nichts frnchtete, zerschnitt man seine Kleidungsstücke; man förderte aber uichts zutage als ein 50 Hellerstück! Ferner erhielrHerr Finanzdirektor Schmeiser drei Tage Arrest, weil er einem bel gischen Aslari Menschlichkeit verboten hatte, ein schwarzes Weib, das bei??? Heran nahe?? der Wasserholer nicht rechtzeitig beiseite gegange?? war, mit Kolbenstößen bis anss Blut zu bearbeite??. Der Askari beschwerte sich hieraus über die Einmischnng des Herrn Schmeiser dieser erhielt vom belgische?? Konimandanten für seine unmensch liche Handlnngsweise obigen Rechtsspruch! Vn,efeldwebel Heidtmanu wurde mit zwei Tage?? Zellenhast bestrast, weil er sich eines Abends nach Uhr noch unterhalten hatte; ün diesbezügliches Verbot be stand nicht. Der Franzose erschien an? 2!Z. November abends in merklich an getrunkenen! Znstand ,nn? Appell. Er behanptete Plötzlich, es habe jemand gelacht forderte de?? angeblichen Lacher nnter Drohnngen anf, sich ;?? melden. Trotz der gegen teilige?? Versicherungen der neben ihm Stehenden holte er in später Nachtstnnde noch Leutnant lwnvnl herbei dieser sperrte wahllos fünf Kameraden, die ebenso nnschnl- dig wie wir anderen alle waren, die Nacht über ;nsainn?e ? in eine Duukelzelle, wo sie in folge Platzmangels stehend schlafen mußten. 2. Ans den? Bericht des Polizeiwachtmeisters Sergeant der Landive.hr H l - d e n b r and: 1. Die Behandlung von selten der Belgier zeichnete sich durch große Gehässig keit Niedertracht aus. Sie wurde besonders so ausgeübt, um das An sehen der Deutschen bei de?? Schwarten herabzusetzen. Die eruiedrigendsteu Arbeite?? wurde?? den Deutschen ohne Unterschied auferlegt. 71 Die aus etwa 20 Kübeln bestehende Latrine mußte täglich zweimal ausgeteert werden. Die Aufsicht darüber wurde ausschließlich durch schwarze Kougoaskari ausgeübt, die die hierbei tätigen Deutscheu uoch verhöhnten. Diese Arbeit wurde auch mir zngemntet, obwohl ich noch durch Fieber und eine zehntägige Reise äußerst geschwächt war; 3 seruer wurde der Wasserdienst für das Lager zu eiuer Eiurichtuug gemacht, um das Ansehen der Deutschen bei der eingeborenen Bevölkerung uniergraben. Das Wasser mußte eiuem etwa 500 in eutferuteu Brunneu geholt werden. Hierzu diente ein großer Handwagen, dem die Wasserbehälter standen. Dieser Wagen mußte deu Deutscheu etwa achtmal au? Tage hin her gefahren werden unter den Augeu der schwarzen Einwohnerschaft Taboras. Die zur Erweiterung oder Einrichtung des Lagers notwendigen Materia lien mußten von den Gefangenen selbst aus dem Holzmann-Magazin ge holt werden. Hierzu wurde der Weg immer über deu Markt Taboras ge wählt, um deu Schwarzen, Indern, Arabern Griechen das Schauspiel lastentragender Deutscher zu geben. -l. Das Essen war außerordentlich schlecht. Morgens gab es anßer Kaffee, der häufig ungenießbar war, nnr ein kleines Stückchen Brot von etwa 200 300 A-, mittags schmutzigen Reis oft dnrchans minderwertiges stinkiges Ochsenfleisch. Es fand sich manchmal, daß fogar die Geschlechts teile von Ochsen mit verkocht waren. Abends dasselbe.. 5. Bei den geringsten Kleinigkeiten mit Arrest gestraft. Die Zelle war ei kleiner Raum, mit hartem Zementfnßboden, in dem gelegentlich die Askari der Belgier ihre Strafe verbüßten. Für die Nacht wurde eine Decke erlanbt. Als Verpflegung gab es Wasser und Brot (etwa 500 Z). 3. Aus dem Bericht des Laudstnrmmanns D e t r ch A n d e r s e n: Befehlsgemäß fanden sich in Kituuda bei der Herreuhutermissiou allmählich verschiedenen Richtungen her 21 Kranke zusammen. Etwa 14 wurden am 21. Oktober l 91 li durch vier schwarze Belgier teils Ehargeu abgeholt. In Sikouge trafeu wir deu erfteu weißeu Belgier, eiueu Feldwebel (,Premier Lonsot tl- lner") vmr cler Huven; er forgte dort für augemessene Unterkunft und ein wenig Lebensmittel. Um so übler wurden die späteren Begegnungen mit belgischen Askaris und Soldaten: Von Ulnmva bis Tabora war s das reine Spießrutenlaufen; fchwarze Weiße Belgier stürzten von allen Seiten herbei, um zu begaffen und zu be schimpfen. Vier znm Tode verurteilte mit Ketteu gefesselte belgische Askaris marschierten an unserer Spitze! Man hatte uns befohlen, in Ulnmva frühmorgens marschbereit zu sein nachmittags ging erst der Abmarsch vor sich, und spät abends nach endlosem Herumstehen wurden wir im Gefangenlager Tabora eingeliefert. Dort gab s dann endlich ein wenig kamilleuteeartige Brühe als Getränk zu essen aber erst am nächsten Morgen. Die belgischen Unteroffiziere nahmen uns ab, was sie an scheinend selbst brauchen konnten: Tücher, Jagdmesser, Ledertasche, Feldflasche war bei willkommene Beute. Bei der Aufuahme der Personalien riß der Lager- Lous- livntenÄnt" zwei von uns am Handgelenk gepackt die Treppe vor dem Wachtlokal hin auf, daß sie stolperten die Offiziere in übelster Weise angeschnauzt. Das Lager Tabora war überfüllt. Die Primitiven Betten standen fehr eng, was um fo unangenehmer war, als fast alle Gefangenen als Kranke zurückgeblieben waren. Das Essen war schlechter als das gewohnliche Negerfntter: In jenen Tagen gab s nur ein faustgroßes Stück sehr schlechten Brotes und zweimal Reis Fleisch täglich. Der Reis war stets verbrannt unsauber, das Fleisch teils verdorben, teils wegen seiner Zähigkeit ungenießbar. Wer nicht das Glück hatte, durch die der Stadt gebliebenen Frauen hin und wieder etwas Eßbares zu erhalteil, mnßte bei dieser Nah- 72 rung krank werden. Ich selbst litt, trotzdem ich nur an zwei bis drei Tagen an de Mahlzeiten teilnahm, bei meiner Abreise an: 4. November schon an außerordentlich heftigen kolikartigen Schmerzen und Diarrhöe. Die Behandlung in: Lager vor den Augen der Schwarzen war entwürdigend. Von der Reise durch deu Kougo berichtet er u. a. folgendes: Die Beschaffung der Berpflegnng spielte sich meisteus so ab, daß Nur deu Trans- Portsührer, wenn der Hunger stark wurde, au die Herbeischaffung etwas Eß barem erinnern mußten. Er schauspielerte dann, als ob er sich redlich Mühe gäbe, zu versorgen und das Ergebnis war dann spät abends ein Sack Reis hin und wieder einige wenige Konserven dazu. Dann mußte erst uoch im Duukelu oft im Regeu Feuerholz Wasser herbeigeschafft werden; man kann sich also ein Bild machen, wie schließlich gekocht wurde, und was wir essen konuteu. In Stanleyville machte man sich das Vergnügen, uns 30 als Kranke gefangene Deutsche mit eiuem Lentuant und 30 mit Bajonetten bewaffneten Askaris abzuholen und ebensoviele Halseisen Ketten zum Empfang bereitzuhalten diese wurden aus dem Wege dnrch die Stadt mitgeschleppt. Aus den Bahnhöfen waren anscheinend die Negerweiber innner recht zeitig zusammengetrommelt worden, um uns lärmende Begrüßungen bereiten; die Gebärde des Halsabschueideus und Aussresseus spielte dabei die Hauptrolle. 4. Aus dem Bericht des Vizefeldwebels Leh m a n n : Da ich nur auf eiueu Stock gestützt gehen konnte, brauchte ich selbst mich an den Arbeiten nicht zu beteiligen. Im allgemeinen jedoch gerade diejenigen, die von: Arzt sür uur leichte Arbeiten bestimmt waren, von Leutnant Oimv-ü den schmutzigsten und schwersten Arbeiten herangezogen. So zun? Reinigen der Abort eimer und Trausport schwereu Balken dnrch die Stadt. Es handelte sich dabei z. B. um Leute, die kurz vorher Schwarzwassersieber gehabt hatteu. Am 15. November 1916 trat ich mit 2! audereu Kameraden den Transport durch den Kongo nach Europa au. Auch aus der Reise war die Verpslegnng vollkommen unzureichend. Es kam häusig vor, daß wir 36 Stunden nichts essen bekamen, oder wir bekamen in dieser Zeit eine Büchse Sardinen. Ein anderes Mal gab man uns, als wir abends im Dunkeln auf einer Station ankamen, einen lebenden Hammel und einen Sack Reis und forderte uns auf, uun zu kochen. Kochtöpfe, Brennholz Wasser hatten wir aber nicht und kouuteu auch nichts bekommen. 5. Unteroffizier Barth schreibt über den Transport von dem Ort seiner Ge fangennahme nach Taborcu Ohne Gelegenheit, irgend etwas zu triukeu oder zu esseu zu bekommen, mar schierten wir sechs Stuudeu. Alsdauu brachen viele vor Elend Mattig keit und weil herzleidend oder sieberkrank, zusammen. Als wir uns den Schutz der Genser Flagge beriefen, wurde diese zerrisseu. Dann mußten wir in Grnppen- kolonne autreteu und im Gleichschritt die weiteren vier Stunden Weg bis Tabora in glühender Tropeuhitze zurücklegeu. Den belgischen Askaris wurde von ihren Offizieren eingeschärft, uns mit der Nilpferdpeitsche deu Gleichschritt Vordermaun beizubringen jeden, der zurück blieb, mit dem Bajonett zu erstecheu. Unter den Klängen der Musik schleppten sie durch alle Straßen Taboras. Anf einem freien Platz mnßten wir Aufstellung nehmen, vor uns wurde eine Batterie ausgefahren mit dem Befehl zu laden, seitwärts heraus eine Kompagnie und acht Mann mit Schanseln und Spaten. Sie wollten uns damit ein Bild des Erschießens vor Augen sichren. Als die Offiziere sahen, daß sie mit all dem keinen Eindrnck mehr machen konnten, wurden, wir ins Gefangenlager abgeführt, wo wir vollständig erschöpft ankamen. 73 6, Bizesteuermann der Reserve Edel, der diesen Vorfall gleichfalls eingehend schildert, fagt über die Verpflegung wahrend der Reise durch den Kongo: Oft mußten wir 36 Stunden hindurch huugeru- dann wurde jedem ein Büchs- chen Ölsardinen gegeben und das Hnngern ging weiter. Dieses lag am völligen Fehlen jeder Organisationsfähigkeit. Man gab uns oft einen Sack Reis eine Ziege? wenn wir dann um Kochtöpfe und Brennholz baten, beteuerte man nns, daß man selbst nichts davon hätte, daß es aber auf der nächsten Station alles gäbe. Doch ist diese Station nie gekommen. 7. Sanitätsgefreiter Blaß sagt n. a. über seine Erlebnisse auf der Kongoreise folgendes: Nm richtig ermessen zu köuueu, was Nur durchgemacht haben, muß ich erwähueu, daß dieser Transport fast ausschließlich aus Leuteu zusammengesetzt war, die kürzlich dem Lazarett kamen. Feldwebel Lenzen wurde erst dem Hospital entlassen mit frisch operierter Darmfistel, Unterossizier Rößler mit Arteriosklerose kanm marsch fähig mit Hilfe eines Stockes, Sergeant Hoffmann Schmitt mit chronischer Dysen terie, Wiemers und Schüßler hatten mehrere Monate wegen Rücksallsieber Na- laria, tertiana im Hospital zugebracht usw. Ich selbst lag fast die ganze Zeit im Ge- sangenlager an Nalaiia-tertiÄna darnieder. Nm diese Krallken nicht ganz ohne jeg liche ärztliche Hilfe reisen zu lassen, hat Herr l)r. Moesta mich diesem Transport vor geschlagen. Herr vr. Moesta hatte mich auch zu diesem Zwecke reichlich mit Medika menten versehen. Daß diese Borsicht nicht vergebens war, hat die Reise bewiesen. D?nu durch die schlechte Uuterkuuft, das einmalige tägliche Essen die bei fast allen Beteiligten fönst schon zerrüttete Gesundheit wurde mir reichlich Gelegenheit geboten, mich für meine Kameradeil aufzuopfern, was ich mit Frenden tat. 8. Soldat S ch auer berichtet über die bereits dielfach geschilderten Klagen über die schlechte Verpfleguug Behandlung während der Reise durch das Kongo gebiet und die Unterbringung während dieser Zeit: Unterkunft. Nicht alle von uns hatten bei der Abreise von Tnbora Matrazen bekommen könneil und von denen, die welche besaßen, hat ein Teil dieselben weggewor fen, da es deu vollkommen Entkräfteten kranken Leuten nicht möglich war, schwere Bettlasten größere Strecken tragen, wie dies verlangt wurde. Wir hatten also größ tenteils nur ein Paar Decken, die wir aus den? jeweiligen Fußboden (Wellblech, Zement, Kies usw.) ausbreiteten. In Kabalo lagen wir in einer halbfertigen Grasbaude, die ein schwerer Regeu einen Morast verwandelte, wir konnten uns mir dadurch retten, daß wir unseren Blechkoffern schliefen. Die von oben dnrch das nndichte Grasdach einströmenden Regeumassen abzuhalten, hatteu wir keine Mittel. In Medilla mußten wir miter einem aus Pfählen ruhenden Grasdach unterkommen. Das Dach bot nicht den geringsten Schutz gegeil den Regeil, und Seiteuschutz fehlte vollständig. Die ganze Nacht über ging schwerer Regeil nieder an Schlafen war nicht denken. Anch ein Schwarzwasserfieberkranker mnßte in diesem Moraste liegen. Wir hatten gebeten, wenigstens diesen in dem daneben stehenden Eisenbahnwagen unterzubringen, was uns jedoch abgeschlagen wnrde. In j iindn schliefen wir in einem Getreidespeicher, in welchem wir erst eine Schlange totschlagen mußten, um die Wohnung bezugfähig lachen. In Matadi waren wir im Kettengesängnis untergebracht, Zelle air Zelle mit schwarzen Strafgefangenen, die znm Teil mit ekelhafteil und ansteckenden Krankheiteil behaftet wareu. Die Räume wimmelten von Flöhen, Wanzen Ratteil. Er bestätigt serner, daß der Transportsührer, Leutnant den Askaris be fahl, die infolge des Schleppens der schwereil.Lasteil übermüdeten Deutschen mit Kolbeil und Bajonett vorwärts treiben. 74 9. Vizewachtmeister Krenkel berichtet u, a. über die Verpflegung und die Arbeiten im Gefangenlager Tabora: Die Verpflegung war äußerst mangelhaft! hätte nicht die Möglichkeit bestanden, aus der Stadt Lebensmittel von Verwandten oder den tren gebliebenen Boys zu be ziehen, fo wäre mau, da täglich uoch schwere Arbeiten leisten waren, dem Verhungern nahe gewesen. Der schmutzigste Grieche Taboras, vollendetes Schwein, kochte" in der von Schmutz starrenden Küche. Es gab täglich höchst unappetitliche Fleisch fetzen, oft fchou stiukig, angebrannten Reis oder harte blaue Bohnen; früh eiue fchwarze Brühe und ein kleines Stück nnansgebackenes Mtamabrotes für den ganzen Tag. Fast alle Kriegsgefangenen znr Arbeit herangezogen; selbst vom Arzte krank Geschriebene zur Arbeit gezwungen. Das Wasser sür deu Verbrauch des Lagers wurde in Wagen oder Eimern von dein weit entfernten Brunnen in stun denlanger schwerer Arbeit auf heißem fchattenlofen Wege herangeschleppt. Schwere Lastwagen, oft mit Baumstücken beladeu, wurden auf möglichsten Umwegeil durch die ganze Stadt gezogen, znm offenen Gandinm von Belgiern und Italienern, Eisenstangen wurden vom Markte auf deu Schultern zum Lager getragen, Steine herangeschleift, und das alles Leuteu, die, wegeu Krankheit zurückgelassen, au körperliche Arbeit in den Tropen nicht gewöhnt waren. Zimmerarbeiten und Häuserbauteu wurdeu aus geführt. Selbst die Latriueu mnßten Deutscheu deu Herreu des Landes unter Aussicht von Schwarzen gereinigt werden. Kurzum ein Zustand, möglichst danach angetan, das deutsche Auseheu aufs äußerste zu schädigeu. 19. Über verschiedene Mißhandlungen berichtet der Unteroffizier der Landwehr Krebs: Es ist mehrfach vorgekommen, daß gefangene Deutsche geschlagen wnrden. Am 20. September 1910 wurde der schwerkranke Leutuaut zur See Kohts (S. M. S. Königsberg), der kaum gehen konnte, bei der Einliesernng in das Kriegsgefangen- lager durch eiueu aufgehetzten belgischen Askari (Charge) derart geschlagen, daß er taumelte. Eiuige Wochen später der Unteroffizier der Landwehr, Bezirksland wirt Löhr (znr Zeit in der Schweiz interniert), durch deu belgischen Leutuaut Oimvull, der in offensichtlicher Weise dnrch aufgehetzt war, ohne jeden Gruud mit der Flußpferdpeitsche gefchlageu. Der Oberbootsmannsmaat der Seewehr Krickau, zur Zeit interniert in Churwaldeu, wurde, uachdem er ohue jeden Griuw der duuklen Arrest zelle ohne Moskitonetz ohue Decke mit 4t) Grad Fieber während einer Nacht ein gesperrt war, von einem Belgier, der znm Lagerpersonal gehörte, in den Rücken ge treten. Daß AknsälU iiik der Urheber aller dieser Quälereien war, liegt klar aus der Haud. Das beweist die Tatsache, daß er auf dem ersteu durch ihn geleiteten Gefangenen transport durch den Kongo (Oktober 1916 bis Jannar 1917) die dentfchen Gefangenen mit folgenden Worten vorstellte: Das sind die Deutschen, die wir gesaugeu geuommeu habeu, sie sind jetzt unsere Sklaven". Die Folge war natürlich die, daß später die deutschen Gefangenen mit Steinen beworfen, mit Kolbenstößen traktiert wurdeu, auch sonst schamlose Dinge seitens der eingeborenen Bevölkerung erleben mußteu. Beispielsweise ist es mir passiert, daß auf meiuem Transporte durch Zeutralafrika, als ich Mlagarassi meiue schwere Bettlast dein Kopfe unter Hohn Spott der fpalierbildeudeu eiugeboreuen Bevölkeruug glüheuder Sommerhitze etwa einen Kilo meter weit bergauf fchleppeu mnßte, der mich begleitende belgische Askari mich sort- während mit dem Gewehrkolben in den Rücken stieß, als ich vor Erschöpfung nicht mehr weiter konnte und mich schließlich mit dem Bajonett mit Erschießeu bedrohte. Dabei ereignete es sich, daß plötzlich 29 Weiber belgischer Askaris mit gezückteu Messen! auf mich los stürzten fchrieu: 5s,jno, lullte Imro V U ". (Komm wir wollen dir deinen Geschlechtsteil abschneiden.) 11, Dies bestätigt der Bericht des Oberbootsmannsmaaten der Seewehr Krickau wie folgt:VI So Passierte mir folgendes: Vom Arzt war mir wegen meines Leidens leichtere Speise verordnet worden. In meiner Kochkiste befanden sich noch Konserven und andere Lebensmittel. Als ich die Kiste öffnete und zwei Flaschen Öl herausstellte, kam WaASiideim auf mich zu und verlangte eine Flasche Öl. Ich weigerte mich natürlich, ihm eine solche zu geben. Er verbot mir hierauf das Magazin. Als ich hiergegen energisch protestierte, meldete er mich den: Kommandanten mit der Begründung, ich sei frech gegen ihn gewesen. Dem Kommandanten mußten aber bei der darauf fol genden Verhandlung an der Wahrheitsliebe des Zweifel gekommen sein; denn er bestrafte mich weiter nicht. Aber als Matzregelung mutzte ich eine Nacht in einer Arrestzelle schlafen. Um sich nun rächen, entzog mir für die Nach: jegliche Bettunterlage; ich mutzte aus dem kalten Zementboden schlafen, trotzdem ich über 4t) Grad Fieber hatte. Am anderen Morgen kam er mit Leutnant Om^all in die Zelle, stietz mich mit dem Fntz in den Rücken und hietz mich mit den Worten: Geh dn Swain" die Zelle verlassen. 12. Ferner wird die Mitzhandlung des Unteroffiziers Lohr von diesem selbst, wie solgt, geschildert: Mitte November ging der zweite Transport los durch den Kongo zum Atlantik. Den meisten Gefangenen wie auch mir waren Blechkoffer abgenommen worden. Als Ersatz sollten wir Holzkisten bekommen. Da ich mir nun eine Kiste genommen hatte, wozu ich von dem Leutnant OimvaU vorher die Erlaubnis erhalten hatte, wurde ich mit vier Tageu Zelle bei Wasser und Brot verurteilt. Hierbei erhielt ich noch einen Schlag mit der Nilpferdpeitsche. Das Wasser, das ich zu trinken erhielt, war zum ei st gebrauchtes aus einer Badewanne.Reichs-Kolonialamt. Die Kolonialdeutschen aus Deutsch-Ostasrika in belgischer Gefangenschast. Verlin 1918. Gedruckt in der Reichsdruckerei.
